1888 (269 Briefe)

969. An Paul Deussen in Berlin

Nizza (France) den 3. Januar 1888 pension de Genève

Lieber Freund,

das Jahr hat begonnen, ich schreibe eben zum ersten Male seine drei Achten: was kann ich zu seinen Ehren Besseres thun als meinem alten Freunde Deussen einen Neujahrsbrief zu schreiben? Zumal derselbe in diesem Falle zugleich auch ein Geburtstagsbrief sein wird.

Wie alt man schon ist? Wie jung man noch werden wird?…

Ich habe einen so hohen Begriff von Deiner thätigen und tapfren Existenz, daß es wenig Sinn hat, besondre Wünsche auszudrücken. Wer einen eigenen Willen in die Dinge zu legen hat, über den werden die Dinge nicht Herr; zuletzt arrangieren sich die Zufälle noch nach unsern eigentlichsten Bedürfnissen. Ich erstaune oft, wie wenig die äußerste Ungunst des Schicksals über einen Willen vermag. Oder vielmehr: ich sage mir, wie sehr der Wille selbst Schicksal sein muß, daß er immer wieder auch gegen das Schicksal Recht bekommt, ὑπὲρ μόρον —

Seltsam, daß gerade jetzt mir meine ältesten Freunde wieder in die Nähe gekommen sind (außer Dir zum Beispiel auch Carl von Gersdorff, von dem ich jüngst einen herrlichen Brief hatte) Nämlich zu gleicher Zeit, wo ich meiner radikalen Vereinsamung mir bewußt werde und wo ich, schmerzhaft und ungeduldig, eine menschliche Beziehung nach der andren von mir ablöse, ablösen muß. Im Grunde macht jetzt Alles Epoche bei mir; mein ganzes Bisher bröckelt von mir ab; und wenn ich zusammenrechne, was ich in den letzten 2 Jahren überhaupt gethan habe, so erscheint es mir jetzt immer als ein und dieselbe Arbeit, mich von meiner Vergangenheit zu isolieren, die Nabelschnur zwischen mir und ihr zu lösen. Ich habe so viel erlebt, gewollt und, vielleicht, erreicht, daß eine Art Gewalt noth thut, um wieder fern und los davon zu werden. Die Vehemenz der inneren Schwingungen war ungeheuer; daß dies ungefähr auch aus der Ferne bemerkbar ist, erschließe ich aus den regulären epithetis ornantibus, mit denen man mich seitens der deutschen Kritik behandelt („excentrisch“, „pathologisch“, „psychiatrisch“ et hoc genus omne) Diese Herren, die keinen Begriff von meinem centrum, von der großen Leidenschaft haben, in deren Diensten ich lebe, werden schwerlich einen Blick dafür haben, wo ich bisher außerhalb meines centrums gewesen bin, wo ich wirklich „excentrisch“ war. Aber was liegt daran, daß man sich über mich und an mir vergreift! Schlimmer wäre es, wenn man’s nicht thäte (— es würde mich mißtrauisch gegen mich selber machen)

Jetzt begehre ich für eine Reihe Jahre nur Eins: Stille, Vergessenheit, die Indulgenz der Sonne und des Herbstes für etwas, das reif werden will, für die nachträgliche Sanktion und Rechtfertigung meines ganzen Seins (eines sonst aus hundert Gründen ewig problematischen Seins!)

Für Alles, was Du Deinerseits vorhast, habe ich, wie Du weißt, eine tiefe Sympathie. Auch gehört es zu den wesentlichsten Förderungen meiner Vorurtheilslosigkeit (meines „übereuropäischen Auges“) daß Dein Sein und Wirken mich immer wieder an die einzige große Parallele erinnert, die es zu unsrer europäischen Philosophie giebt. Hier in Frankreich herrscht in Betreff dieser indischen Entwicklung noch immer die alte vollkommene Unwissenheit: so daß z. B. die Anhänger A. Comte’s ganz naiv Gesetze für eine historisch-nothwendige Entwicklung und Folge der philosophischen Hauptdifferenzen construiren, bei denen die Inder gar nicht in Betracht kommen, — Gesetze, denen die indische Entwicklung widerspricht. Aber das weiß Ms. de Roberty nicht (l’ancienne et la nouvelle Philosophie 1887)

Gieb mir irgendwann einmal wieder ein Lebenszeichen, alter Freund; inzwischen empfehle ich, gesetzt, daß Du Lust und Zeit hast Dich mit mir zu unterhalten, Dir etwas von meiner Immoralisten-Litteratur zu Gemüthe zu führen (besonders „die fröhliche Wissenschaft und die Morgenröthe“, wohl verstanden in den neuen Ausgaben: — auch giebt es da dies und jenes zu lachen)

Deiner lieben Frau, welche mir mit ihrer kleinen tapfren und treuen Art sehr gut im Gedächtniß geblieben ist, meinen ergebensten Gruß und Glückwunsch.

Von Herzen
Dein Nietzsche

Mein Wunsch, den Winter einmal wieder an einer gelehrten Stätte Deutschlands zu verleben mit der Nachbarschaft guter Freunde und Bücher (ein Wunsch, der in Hinsicht auf die Ernährungsbedürfnisse meines Geistes sich bisweilen zum Hunger und zur Tortur steigert) ist bisher immer an der force majeure (oder mineure —) meiner Gesundheit gescheitert. Aber „einst wird kommen der Tag“ - - -

970. An Constantin Georg Neumann in Leipzig (Postkarte)

Nice, pension de Genève 3 Jan. 1888

Geehrtester Herr Verleger,

Hier, außer einem guten Gruß und Glückwunsch zum neuen Jahre, nur die Anfrage, ob vielleicht jetzt meine Nota für die ganze Drucklegung bereit ist. — Das, was Sie in der Buchhändler-Anzeige meines Buches gesagt haben, hat meine ganze Billigung; auch verstand ich die Intention, ohne erst einer Erklärung zu bedürfen. — Die Adresse des Herrn Dannreuther in Newjork fehlt mir auch; lassen wir also diese Sendung unterwegs! — Die übersandten Recensionen sind im Grunde gar nicht zu unterschätzen: sie zeigen eine Art Erstaunen und Neugierde. Solche Prädikate wie „excentrisch“ „pathologisch“ „psychiatrisch“ laufen regelmäßig jedem großen Ereigniß in der Geschichte und der Litteratur voraus: ich bin für meinen Theil für solche Worte dankbarer als für irgendein Lob.

Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

971. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Nizza den 4. Jan. 1888.

Dein lieber Brief sammt dem Gelde glücklich angelangt; schönsten Dank! Nur ein Wort hinsichtlich des Buchs: es war der Deutlichkeit wegen geboten, die verschiedenen Entstehungsheerde jenes complexen Gebildes, das Moral heißt, künstlich zu isoliren. Jede dieser 3 Abhandlungen bringt ein einzelnes primum mobile zum Ausdruck; es fehlt ein viertes, fünftes und sogar das wesentlichste („der Heerdeninstinkt“) — dasselbe mußte einstweilen, als zu umfänglich, bei Seite gelassen werden, wie auch die schließliche Zusammenrechnung aller verschiedenen Elemente und damit eine Art Abrechnung mit der Moral. Dafür sind wir eben noch im „Vorspiele“ meiner Philosophie. (Zur Genesis des Christenthums bringt jede Abhandl. einen Beitrag; nichts liegt mir ferner, als dasselbe mit Hülfe einer einzigen psychologischen Kategorie erklären zu wollen) Doch wozu schreibe ich das? Dergleichen versteht sich eigentlich zwischen Dir und mir von selbst.

Treulich und dankbar
Dein N.

972. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Nizza (France) pension de Genève 6 Jan. 1888

Werthester Herr Fritzsch, Sie haben mich noch nicht davon benachrichtigt, ob die Bücher für Dr. Georg Brandes in Kopenhagen expedirt sind. Ein Brief des genannten Herrn, der dieser Tage einlief, gab mir darüber Zweifel ein. Hoffentlich ist Nichts verloren gegangen. Ich brauche wohl kaum daran zu erinnern, wie sehr Sie wider Ihr eignes Interesse handeln würden, wenn Sie einen so wohlgemeinten Wink nicht zu würdigen wüßten. Es kostet mich Überwindung genug, meinerseits dafür Sorge zu tragen, daß man mich liest; ich habe das bisher nie gethan, und wenn ich’s jetzt thue, so geschieht es gewiß nicht meinetwegen. — Aber ich nehme an, daß es in der Weihnachtszeit für Sie zu viel Arbeit gab. —

Mit der Bitte, mich umgehend über diesen Punkt ins Klare zu bringen

Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

973. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 6. Jan. 1888

Lieber Freund,

Sie haben mir nicht gesagt, ob ein Brief zwischen Venedig und hier verloren gegangen ist: fast schließe ich daraus, daß es geschehen ist und bedaure es tief. Denn, so wunderlich es klingt, die Briefe aus Venedig sind die einzigen jetzt, die ich ohne Mißtrauen und geheime frissons empfange. In Hinsicht auf alle anderen bin ich bis zur Absurdität reizbar und muß sie wörtlich büßen, mit schlaflosen Nächten und gastrisch-hypochondrischen Tierquälereien. Schlechtes Zeichen! Aber dies soll besser werden. Um gleich von dem letzten Briefe zu reden, den ich bekam, vom Dr. G<eorg> Brandes, so brachte er die Meldung, daß die Bücher, welche ich ihm versprochen hatte, nicht eingetroffen sind: kurz, Fritzsch, dieser unverbesserliche Esel, hat nichts gethan, ja mich nicht einmal benachrichtigt, daß er nichts von dem gethan hat, was mein Brief ihm vorschlug. Und ich hatte es in seinem Interesse vorgeschlagen, nachdem er mir seine Noth ausgedrückt hat, irgendwelche Schriftsteller und Gelehrte für mich zu interessiren! Zuletzt ist Dr. B<randes> vielleicht der Einzige, der genug Übung in der Nachrechnung complicirterer Rechen-Exempel der Psychologie hat, um über mich keine grobe Ungereimtheit zu sagen. Seine Briefe sind eminent delikat und französisch, (er sagt von sich „ich bin oft dumm, aber nie im Geringsten bornirt“. Von Taine, den er sehr liebt, gebraucht er die hübsche Wendung in Bezug auf dessen Geschichte der Revolution, die er nicht ganz billigt, „T<aine> bedauert und haranguirt ein Erdbeben“)

Es macht mir Verlegenheit, hier etwas versprochen zu haben, das ich augenblicklich nicht halten kann. Wollen wir Herrn B<randes> einstweilen unsrerseits das Einzige senden, was im Bereiche unsrer Kräfte steht, nämlich jenes Ineditum, dessen Siegelbewahrer Sie sind, liebster Freund? Bitte, lassen Sie ein hübsches Exemplar des vierten Zarathustra nach Kopenhagen abgehn, unter dieser Adresse:

Dr. Georg Brandes
Kopenhagen (Danemark)
St. Anne-Platz 24.

(— er sandte eine sehr gescheute Abhandlung über Zola als Schüler und „Verwandten“ Taines; insgleichen gab es, zu meiner Überraschung, Nachricht über Dr. Rée und sogar über Fräulein Lou, mit großer Auszeichnung für Beide, die er von Berlin her kennt)

Miss Helen Zimmern hat mir von Florenz aus zum Neujahr gratulirt: wissen Sie, die gescheute Engländerin (resp. Jüdin), welche die Engländer mit Schopenh<auer> bekannt gemacht hat. Sie gehört zu den geschätztesten und „bestbezahlten“ Mitarbeitern der Times und der großen Revuen. (Den vorletzten Sommer war sie in Sils-Maria, als meine Tischnachbarin)

Zuletzt will ich nicht verschweigen, daß diese ganze letzte Zeit für mich reich war an synthetischen Einsichten und Erleuchtungen; daß mein Muth wieder gewachsen ist, „das Unglaubliche“ zu thun und die philosophische Sensibilität, welche mich unterscheidet, bis zu ihrer letzten Folgerung zu formulieren.

Vorigen Donnerstag habe ich meinen ersten Besuch in Monte Carlo gemacht, zu einem concert classique (welchem auch der Kaiser von Brasilien beiwohnte) Lauter modernste französische Musik: oder vielmehr, deutlicher zu reden, lauter schlechter Wagner. Ich halte diese pittoreske Musik ohne Ideen, ohne Form, ohne jedwede Naivetät und Wahrheit nicht mehr aus. Nervös, brutal, unausstehlich zudringlich und großthuerisch — und so geschminkt!! Das Eine war eine Art Seesturm, das Andre eine wilde Jagd, das dritte ein Erinnyen-Ballet (zur Oresteia des Aeschylus!!!)

Dies ist décadence…

Dabei gedachte ich wie eines verlorenen Glückes der Musik meines Venediger maestro; der Oktober bei Ihnen war dies Jahr mein einziges Labsal, ich kann Ihnen nicht dankbar genug sein.

Von Herzen Ihr Freund
N.

974. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 8. Januar 1888

Verehrter Herr,

Sie sollten sich gegen den Ausdruck „Culturmissionär“ nicht wehren. Womit kann man dies heute mehr sein, als wenn man seinen Unglauben an Cultur „missionirt“? Begriffen zu haben, daß unsre europäische Cultur ein ungeheures Problem und durchaus keine Lösung ist — ist dieser Grad von Selbstbesinnung, Selbstüberwindung nicht eben heute die Cultur selbst? —

— Es befremdet mich, daß meine Bücher noch nicht in Ihren Händen sind. Ich will es an einer Erinnerung in Leipzig nicht fehlen lassen. Um die Weihnachtszeit herum pflegt diesen Herrn Verlegern der Kopf zu rauchen. Inzwischen möge es mir gestattet sein, Ihnen ein verwegenes curiosum mitzutheilen, über das kein Verleger zu verfügen hat, ein ineditum von mir, das zum Persönlichsten gehört, was ich vermag. Es ist der vierte Theil meines Zarathustra; sein eigentlicher Titel in Hinsicht auf das, was vorangeht und was folgt, sollte sein:

Die Versuchung Zarathustra’s.
Ein Zwischenspiel.

Vielleicht beantworte ich so am besten Ihre Frage in Betreff meines Mitleids-Problems. Außerdem hat es überhaupt einen guten Sinn, gerade durch diesen Geheim-Thür den Zugang zu „mir“ zu nehmen: vorausgesetzt, daß man mit Ihren Augen und Ohren durch die Thür tritt. Ihre Abhandlung über Zola erinnerte mich wieder wie Alles, was ich von Ihnen kennen lernte (zuletzt ein Aufsatz im Goethe-Jahrbuch) auf das Angenehmste an Ihre Naturbestimmung, nämlich für alle Art psychologischer Optik. Wenn Sie die schwierigeren Rechenexempel der âme moderne nachrechnen, sind Sie damit ebenso sehr in Ihrem Elemente als ein deutscher Gelehrter damit aus seinem Elemente herauszutreten pflegt. Oder denken Sie vielleicht günstiger über die jetzigen Deutschen? Mir scheint es, daß sie Jahr für Jahr in rebus psychologicis plumper und viereckiger werden (recht im Gegensatz zu den Parisern, wo Alles nuance und Mosaik wird), daß ihnen alle tieferen Ereignisse entschlüpfen. Zum Beispiel mein „Jenseits von Gut und Böse“ — welche Verlegenheit hat es ihnen gemacht! Nicht ein intelligentes Wort habe ich darüber zu hören bekommen, geschweige ein intelligentes Gefühl. Daß es sich hier um die lange Logik einer ganz bestimmten philosophischen Sensibilität handelt und nicht um ein Durcheinander von hundert beliebigen Paradoxien und Heterodoxien, ich glaube, davon ist auch meinen wohlwollendsten Lesern nichts aufgegangen. Man hat nichts dergleichen „erlebt“; man kommt mir nicht mit dem Tausendstel von Leidenschaft und Leiden entgegen. Ein „Immoralist“? Man denkt sich gar nichts dabei. —

Anbei gesagt: die Formel „document humain“ nehmen die Goncourt für sich in Anspruch, in irgend einer ihrer Vorreden. Aber auch so dürfte immer noch Ms. Taine der eigentliche Urheber sein.

Sie haben recht mit dem „Haranguiren des Erdbebens“: aber eine solche Don-Quixoterie gehört zum Ehrwürdigsten, was es auf der Erde giebt.

Mit dem Ausdruck besonderer Hochschätzung

Ihr
Nietzsche

975. An Ferdinand Avenarius in Dresden

Nizza, pension de Genève den 14. Januar 1888

Hochgeehrter Herr,

es freut mich, Herrn Carl Spitteler bei Ihnen angelangt zu sehen: und just in der Weise, in welcher ich es wünschte und erwartete. (Wissen Sie ihm nicht einen Verleger für eine Sammlung der interessantesten Aesthetica ausfindig zu machen? Er hat mich angefragt in dieser Hinsicht, — aber ich lebe, was Verleger angeht, auf dem Monde)

Inzwischen ist mir eine Unterlassungssünde eingefallen. Ich hätte Ihnen schlechterdings einen Dritten noch empfehlen sollen, Herrn Dr. Carl Fuchs (in Danzig: diesen Adresse genügt). Das ist in allen Problemen der musikal<ischen> Aesthetik und Technik der gelehrteste Kopf, den ich kenne, ein Philosophen- und Musikerkopf in Einem; überdies einer unserer geistreichsten Schriftsteller. (— ich empfehle Niemanden, der mich irgendwann einmal gelangweilt hat: das vergebe und vergesse ich nie).

Mit meinem angelegentlichsten Gruss

und einem Glückwunsch für Sie

und Ihre Zeitung

Dr. Friedrich Nietzsche

Prof.

N. B. Ich schreibe Ihnen das Unheil Schopenhauers über die Norma ab: es scheint, dass Sch<openhauer> vom Theater her durch Nichts einen grösseren Eindruck bekommen hat als durch dies Werk. Die Welt als Wille und Vorstellung, zweiter Band, S. 498 der Gesamtausgabe:

Hier sei es erwähnt, dass selten die acht tragische Wirkung der Katastrophe, also die durch sie herbeigeführte Resignation und Geisteserhebung des Helden, so rein motiviert und deutlich ausgesprochen hervortritt, wie in der Oper Norma, wo sie eintritt in dem Duett Qual cor tradisti, qual cor perdesti, in welchem die Umwendung des Willens durch die plötzlich eintretende Ruhe der Musik deutlich bezeichnet wird. Ueberhaupt ist dieses Stück, — ganz abgesehen von seiner vortrefflichen Musik, wie auch andererseits in der Diktion, welche nur die eines Operettentextes sein darf, — und allein seinen Motiven und seiner inneren Oekonomie nach betrachtet, ein höchst vollkommenes Trauerspiel, ein wahres Muster tragischer Anlage der Motive, tragischer Fortschreitung der Handlung und tragischer Entwicklung, zusammt der über die Welt erhebenden Wirkung dieser auf die Gesinnung des Helden, welche dann auch auf die Zuschauer übergeht; ja, die hier erreichte Wirkung ist um so unverfänglicher und für das wahre Wesen des Trauerspiels bezeichnender, als keine Christen, noch christliche Gesinnungen darin vorkommen.

— (Vielleicht könnte auch diese Stelle Schopenhauers etwas dazu dienen, solchen unanständigen Verkleinerern Wagners, wie sie auf S. 79 Ihrer Zeitung erwähnt werden, den Mund zu stopfen)

976. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 15. Jan. 1888.

Lieber Freund,

das letzte Wort Ihres Briefes überrascht und betrübt mich über alle Maaßen. Wie geht doch dergleichen zu? Wie unsinnig, wie zufällig erscheint Einem Alles! Mir ist in solchen Fällen immer, als ob ich aufwachte, und als ob ich im Grunde gar nicht lebte, sondern träumte. Ich weiß mich mit keiner Art Realität mehr zu arrangieren. Wenn ich es nicht zu Stande bringe, sie zu vergessen, bringt sie mich um. Ich erschrecke, wenn ich mir denke, wie Sie sich befinden mögen. Unsre Haut, unsre Einsiedlerhaut ist nicht Fell genug für solche Dinge, — um nichts vom Herzen zu sagen.

— Mir fällt der stupide Egoism aufs Gewissen mit dem ich meinen letzten Brief an Sie geschrieben habe, ohne Ihnen etwas Andres zu erzählen als meine incurata und incurabilia. Sonderbar! Nicht in der schlechtesten Zeit meiner Gesundheit ist mir das Leben so sehr als Schwierigkeit erschienen wie jetzt. Es giebt Nächte, wo ich mich auf eine vollkommen demüthigende Weise nicht mehr aushalte. Trotzalledem: es bleibt so Vieles noch zu thun (Alles sogar! —) Folglich wird man’s aushalten. Zu dieser „Weisheit“ bringe ich’s wenigstens den Vormittag.

— Musik giebt mir jetzt Sensationen, wie eigentlich noch niemals. Sie macht mich von mir los, sie ernüchtert mich von mir, wie als ob ich mich ganz von Ferne her überblickte, überfühlte; sie verstärkt mich dabei, und jedes Mal kommt hinter einem Abend Musik (— ich habe 4 Mal Carmen gehört) ein Morgen voll resoluter Einsichten und Einfälle. Das ist sehr wunderlich. Es ist als ob ich in einem natürlicheren Elemente gebadet hätte. Das Leben ohne Musik ist einfach ein Irrthum, eine Strapatze, ein Exil.

— Inzwischen hat sich in mir Ihre Pastorale- Musik mit dem Nachmittagslicht von San Michele in mir verschmolzen: ich möchte Beides um mein Leben gern noch einmal Wiederhören. Nichts Lieberes kann ich mir denken, als daß Sie ein Finale „wälzen“.

— Wälzen Sie nicht auch ein wenig volumina, ich meine Schreibpapier-Blätter? Herr Avenarius hat die letzten Nummern des „Kunstwarts“ gesandt, ersichtlich, um Herrn Spitteler als arrivé zu präsentieren.

— Fritzsch ist von mir aufs Neue über die Sendung nach Kopenhagen befragt worden. Keine Antwort. Dr. B<randes> hat gestern Abend gemeldet, daß Nichts angelangt sei. Ich nehme an, daß die Venediger Sendung unmittelbar nach Abgang seines Briefes in seine Hände gelangt sein wird. Meinen besten Dank für Ihre Bemühung, lieber Freund! — (Der Brief war vom 11. Januar.)

Er erzählt, unter Anderem, daß er jetzt der angefeindetste Mensch im ganzen Norden sei, und das seit seiner langen letzten Fehde mit Björnson, (bei der übrigens auch alle deutschen Zeitungen gegen Brandes Partei genommen haben: ein schönes Zeichen der Zeit!) Haben Sie nicht von Björnson’s Drama „der Handschuh“ gehört, von seiner Propaganda für die Virginität der Männer und von seinem Bund mit den weiblichen Fürsprecherinnen der „sittlichen Gleichheits-Forderung“? (— dies ist die Formel) In Schweden haben die tollen Frauenzimmer große Vereine geschlossen, in welchen sie versprechen, nur „jungfräuliche Männer zu heirathen“. (— also garantirt, wie Uhren, widrigenfalls usw)

B<randes> jammert über die gräßliche Uniformität des deutschen Lebens; das deutsche Schriftstellerthum vom Verlegerthum erstickt; alle guten Köpfe in den Generalstab oder die Administration gehend (— „Sie sind ohne Zweifel der anregendste aller deutschen Schriftsteller“. Ungefähr das Gleiche hat mir Ms. Taine gesagt)

Ihre Worte über „reaktive Musik“ haben mich sehr interessirt; der Gesichtspunkt könnte deutlicher sein als „klassisch“ und „romantisch“, und vielleicht der selbe. Sehen Sie, bitte, noch Hasse an, das Vorbild Mozarts. Absolute Herrschaft des Wissens um die delikatesten Bedingungen, welche eine schöne Stimme an die Melodie stellt …

In treuer Freundschaft Ihr N.

Eben langt ein Werk des Dr. Brandes bei mir an, das er angekündigt hatte: Aufsätze über Renan, Flaubert, de Goncourt, Turgenjew, Ibsen, St. Mill usw — feines Zeug, wie es scheint.

977. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Nizza> 22 Januar <1888>

Werthester Herr Verleger, ich begreife nicht, warum keine Nachricht von Ihnen da ist, nachdem ich dringend mir eine solche ausgebeten habe. Sie haben mir immer noch nicht gemeldet, ob die Bücher an Hrn. Dr. G. Brandes abgegangen sind. Inzwischen hat der genannte Herr mir seinerseits seine Werke zum Geschenk gemacht: ich möchte gerne annehmen, daß dies bereits eine Antwort auf die In-Empfangnahme der meinigen ist. Daß es auch in Ihrem Interesse liegt, wenn der freisinnigste und geschätzteste Schriftsteller des Nordens sich gründlich mit meinen Ideen bekannt macht (— und er hat mir dies versprochen), braucht nicht wiederholt zu werden. Ich glaube Ihnen gar keine angenehmere Mittheilung machen zu können. (Wer hat Ihnen denn Deutscher Seits eine Besprechung der Schriften in Aussicht gestellt? Ich hörte gerne die Namen)

Ihr Nietzsche

978. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 23. Januar 1888>

Verzeihung, meine liebe Mutter, daß ich auch heute nur ein Kärtchen schicke, um mich für Deinen gütigen Brief zu bedanken. Ich habe die Augen ganz und gar für meine Arbeit nöthig gehabt und bin infolge davon ein wenig außer Verbindung mit aller Welt. Das Wetter war bisher sehr schön; sein Einfluß auf mein Gesammtbefinden der günstigste (nachdem mir die erste Hälfte des Winters durch trübe Zustände des Wetters und der Gesundheit fast verloren gegangen ist…) Es gäbe jetzt alles Mögliche hier zu sehn und zu hören: aber Dein Geschöpf hat keine Zeit dafür. Wir sind auf der Höhe der Saison; die großen Rennen; es wimmelt von großen Personnagen; glänzendes Theater; der Carneval vor der Thür; und immer das reinste blaue sonnige Wetter, das man sich wünschen kann. Nächstens bekommst Du einen langen Brief: für heute entschuldige mich!

In Liebe Dein F.

979. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, 29. Januar 1888>

Lenbach

Deine Haus-Sorge

Köselitz: Gesundheit

kein Ort mehr, wo ich in D<eutschland> leben möchte: warten —

meine Gesundheit immer noch absolut abhängig vom hellen Himmel und der Trockenheit der Luft

ich habe jetzt seit 10 Jahren nicht einen Laut von ächter Sympathie gehört und lauter zu viel — — —

Ich bin so froh, daß ich wieder habe arbeiten können: oder anders ausgedrückt, daß mein Geist wieder den Muth hatte zu der Aufgabe, in deren Dienst ich bisher gelebt habe. Die Zeiten, wo dieser Muth fehlt, sind über die Maaßen schwer zu überwinden; und da, nach reichlichster Erfahrung geurtheilt, kein M<ensch> einen Begriff hat, worum es sich bei mir handelt und mit was für einer Last <ich> mir das Leben schwer gemacht habe, so weiß auch Niemand, womit man mich etwas <zu> erholen und ermuthigen vermöchte. Meine Versuche in dieser Hinsicht — im Grunde alle meine Reisen nach Deutschland seit 10 Jahren — sind mir ins Gegentheil umgeschlagen, als förmliche Niederlagen und Demüthigungen, deren Consequenz an meiner Gesundheit und leider auch an <meiner> Erinnerung ich immer erst spät losgeworden bin. Ich bin jetzt vorsichtiger… ich hoffe endlich dies absurde Bedürfniß, von den Mitmenschen etwas zu wollen, was sie mir absolut nicht geben könnten, — Erholung, Erquickung, Ermuthigung — losgeworden zu sein. Im Grunde ist es eine Tragödie; das Mißverhältniß ist zu groß geworden. Ich habe diesen Deutschen mitten in der Periode ihres geistigen Niedergangs Werke ersten Ranges gegeben, um deren willen die Nachwelt vielleicht diesem Zeitalter verzeihen wird, daß es dagewesen ist: habe ich auch nur ein Wort tiefen Dankes oder nur den Millionstel Theil der Ehre erfahren, auf den ich dafür Anspruch hätte?

Ihr habt alle keinen Glauben an mich — meine Mutter ebenso wenig wie meine Schwester

Ich wünsche durchaus, mich nicht wieder der Gefahr auszusetzen, in einem Augenblick, wo ich stolz darauf bin, etwas Unsterbliches gethan zu haben, beschimpft, beschmutzt, verhöhnt zu werden — Dergleichen vergißt man nie: <es> wurmt den wohlwollendsten Charakter.— —

Wer kommt denn neben mir in diesem Zeitalter in Betracht?.. Aber ich bin von aller Welt preisgegeben… <Ich> habe keine Lust, mir das zu Gemüth zu führen. Seit 10 Jahren wirkt jede Berührung mit dem deutschen Norden auf mich wie eine Niederlage: Du kannst Dir das nicht vorstellen, welchen Eindruck es auf mich gemacht hat, nach den fürchterlichsten Jahren der tiefsten Gesundheits-Erschütterung, nachdem ich das tiefste größte Werk des ganzen J<a>hr<hundert>s hervorgebracht hatte, so behandelt worden zu sein, wie ich jahrelang behandelt worden bin. Dergleichen vergißt man nicht: und so wie jetzt Alles steht, ist nichts mehr wieder gut zu machen.

980. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Nizza den 30. Januar 1888

Meine liebe Mutter, es scheint mir, daß es heute wieder heller und besser steht. Gestern habe ich Dir, wenn ich mich recht erinnere, einen traurigen Geburtstagsbrief geschrieben. Ich war halbtodt und müde vor vielen Schmerzen. Auch stand der Himmel voll dicker Schneewolken. Ich glaube, so würde ich mich oft fühlen, wenn ich den Winter im Norden lebte: denn ich bin ein schwermüthiges Thier und habe mehr als Andere den Sonnenschein jeder Art noth. Verzeihung!

Dein altes Geschöpf

981. An Elisabeth Förster in Asuncion (Entwurf)

<Nizza, vermutlich Ende Januar 1888>

Liebe Schw<ester>, Dein eben erhaltener Brief legt so unverkenntlich von einem so guten Willen in Hinsicht auf mich Zeugniß ab, daß ich mir von Neuem vornehme, auch meinerseits in diesem etwas extremen Falle an Nichts fehlen zu lassen. Zuletzt bin ich viell<eicht> auf nichts mehr durch mein ganzes Leben eingeschult; im Grunde — — —

Ich habe mich nie darum bemüht, von Kindesbeinen an, bei M<enschen>, mit denen ich umgehe, meine eignen Ansichten und Wünschbarkeiten anzupflanzen noch weniger habe ich sie bei ihnen vorausgesetzt. Es that mir im Grunde zu wohl wenigstens von Zeit zu Zeit von mir selber loszukommen, durch irgend einen Verkehr. Glücklicher Weise fehlt es mir nicht völlig an einem solchen Verkehre: ich wünsche mich nicht verdoppelt oder verhundertfacht.

Diese an sich bedenkliche Sache ist freilich im Verlauf meines Lebens auf den Gipfel gekommen, daß fast alle mir bekannten und befreundeten M<enschen> nachgerade in das mir fremdeste Parteilager abgeschwenkt sind (z. B. auch W<agner> dessen letzte 6 Jahre ich als eine ungeheuerliche Entartung empfunden habe) Wo sie verehren, verachte ich. Seitdem agacirt mich der Umgang mit „alten Bekannten“. Die unbekanntesten gleichgültigsten M<enschen> sind mir recht: das ist der Vorzug z. B. von Nizza. Auch bin ich hoffnungslos in diesem Punkte, wie als ob ich es je anders haben würde. Wer kann mir nur ein Tausendstel von Leidenschaft und Leiden entgegenbringen, um etwas von dem zu errathen, was ich will? Oder muß?

Thatsächlich empfinde ich zwischen uns nicht einmal einen Gegensatz sondern bloß die vollkommene Fremdheit (— denn Gegensätzlichkeit wäre etwas ganz Artiges und Einfaches — ich liebe Gegensätzlichkeit.)

Ich wünschte, nicht in dem Maaße durch ein — — —

Das sehr innerliche und schmerzhaft-vereinsamte Leben, das ich bisher gelebt habe, hat nachgerade eine Vereinsamung mit sich gebracht, gegen die es kein Heilmittel mehr giebt. Mein liebster Trost ist immer noch der, der Wenigen zu gedenken, die es unter ähnlichen Verhältnissen ausgehalten haben, ohne zu zerbrechen und eine hohe und gütige Seele dabei sich bewahrt haben.

982. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Entwurf)

<Nizza, Ende Januar 1888>

Herr Fr<itzsch> Sie setzen mich in Erstaunen. Was soll ich mit Ihnen anfangen? Waren Sie krank? Ich habe jetzt drei Mal eine Antwort von Ihnen verlangt.

Sie haben die Ehre, mit einem der ersten Geister des J<ahr>h<undert>s zu thun zu haben — und Sie benehmen sich gegen mich, wie Sie es sich gegen Niemanden erlauben dürfen. Seit den zwei Jahren, da ich wieder mit Ihnen im Verkehr bin, haben Sie meinen Stolz oft verletzt.

— Erwägen Sie, ob Sie wollen, daß das mein letztes Wort zu Ihnen ist.

Nun gut, das ist Ihre Sache. Ich enthalte mich jedes Worts darüber. Aber meine Sache ist, daß Hr. Dr. <Brandes> die Bücher, die ich ihm versprochen habe, bekommt.

Senden Sie mir die Rechnung für dieselben umgehend. Sie sollen nicht auf die Bezahlung zu warten haben.

Die Adresse des Herrn ist: — — —

983. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 1. Febr. 1888.

Lieber Freund,

wie nahe sind Sie mir diese ganze Zeit gewesen! wie viel habe ich mir ausgedacht, Thörichtes und Kluges, wo Sie immer als Hauptperson mitspielten! Es gab eine schöne chance: die letzte Ziehung der Lotterie Nizza’s, — und wenigstens eine halbe Stunde habe ich mir den kleinen dummen Luxus erlaubt, als sicher anzunehmen, daß ich das große Loos gewinnen würde. Mit dieser halben Million ließe sich viel Vernunft auf Erden wieder herstellen; zum Mindesten würden wir Beide mit mehr Ironie, mit mehr „Jenseits“ der Unvernunft unsres Daseins zusehn — und im Grunde gehört, um solche Dinge zu machen wie Sie und ich sie machen und um sie ganz gut und göttlich zu machen, Eins dazu, Ironie (also — denn so lautet die Logik auf Erden — eine halbe Million, die Prämisse der Ironie…)

Der Mangel an Gesundheit, an Geld, an Ansehn, an Liebe, an Schutz — und dabei nicht zum tragischen Brummbär werden: dies ist die Paradoxie unsres jetzigen Zustands, sein Problem. Bei mir ist ein Zustand von chronischer Verwundbarkeit eingetreten, an dem ich in guten Zuständen eine Art Revanche nehme, die auch nicht vom Schönsten ist, nämlich als ein Exceß von Härte. Zeugniß meine letzte Schrift. Doch nehme ich das Alles mit der Klugheit eines raffinirten Psychologen hin und ohne die geringste moralische Verurtheilung: oh wie lehrreich es ist, in einem solchen extremen Zustande zu leben, wie der meinige ist! Ich verstehe jetzt erst die Geschichte, ich habe niemals tiefere Augen gehabt als in den letzten Monaten.

Lieber Freund, Ihre psychologische Nachrechnung über den Einfluß Venedigs ist richtig. Hier, wo man unter so vielen Gästen und Patienten beständig von der Idiosynkrasie bestimmter Clima-Einwirkung reden hört, habe ich allmählich das Cardinale dieser Frage begriffen. In Hinsicht auf das optimum, auf die Verwirklichung unsrer allerpersönlichsten Wünsche (— unsrer „Werke“) muß man auf diese Stimme der Natur hören: gewisse Musik gedeiht ebensowenig unter feuchtem Himmel wie gewisse Pflanzen. Eben erzählte mir meine Tischnachbarin, daß sie bis vor 2 Wochen in Berlin krank gelegen sei, unter der größten Besorgniß der Ärzte und nicht mehr fähig, von einer Straßenecke zur andern zu gehn. Jetzt — ja was sich verändert hat, sie weiß es nicht zu sagen: aber sie läuft und ißt und ist heiter und begreift nicht mehr, daß sie krank war. Da sich dieselbe Geschichte bei ihr schon drei Mal zugetragen hat, so schwört sie auf „Lufttrockenheit“ als Recept gegen alle Übel der Seele (— denn sie hat an einer Art melancholischer Desperation gelitten). — Daß Sie jahrelang Venedig als Contrastclima (zum Clima Ihrer Jugend) wohlthätig und gleichsam ölhaft calmirend empfunden haben, ist vollkommen correkt: ich verhandelte im Engadin mit Ärzten über diesen principielle Frage: daß dasselbe Clima als Reiz- und Contrastclima — also nur für eine bestimmte Zeit verordnet — geradezu den entgegengesetzten Einfluß hat, wenn es als Dauerklima benutzt wird; daß z. B. der Engadiner unter dem beständigen Einflüsse seines Climas ernst, phlegmatisch, etwas anämisch wird, während der Gast dieses Climas von ihm eine außerordentliche Belebung und Gesammtverstärkung des animalischen Seins davonträgt. Moral: Sie sollten der Gast Venedigs sein (— gewesen sein —!) Es thut mir ordentlich weh, das zu sagen, das auch nur zu begreifen: denn so Vieles ist auf eine himmlische und würdige Weise daselbst geordnet, wie es zunächst nirgendswo für Sie zu finden ist. Ein Aufenthalt in Corsica? Man hat mir von Bastia erzählt, daß man daselbst sich in Pension kleiner Hôtels geben könne zu 3—4 frs. pro Tag. Es haben so viele Flüchtlinge aller Länder in Corsica gelebt (namentlich italiänische Gelehrte usw.) Eben ist die Eisenbahn von Bastia nach Corte eröffnet (1. Febr. 1888). Die große Bescheidenheit der corsischen Lebensweise, die Simplicität der Sitte würde unser-Einem daselbst zu Gute kommen. Und — was ist man dort weit weg von der „Modernität“! Vielleicht reinigt und stärkt sich dort die Seele und wird stolzer… (— ich mache mir nämlich klar, daß man jetzt weniger leiden würde, wenn man stolzer wäre: Sie und ich, wir sind nicht stolz genug…)

In Liebe und Treue
Ihr N.

Vergebung für einen Wink! Eine Übersiedelung nach Corsika hätte in den Augen Ihrer verehrten Angehörigen den Sinn (die Vernunft) eines unabweislichen Versuchs: denn man wird von Ihrer corsischen Oper wissen. — (Hinreisen; von dort aus das fait accompli melden) Corte wäre ein Winter- und Sommeraufenthalt. Denken Sie ein wenig voraus: 5 Jahre Corsica wäre ein grandioser Contrast zu 5 Jahren Venedig, eine Cultur..

An Fritzsch habe ich 3 Briefe geschrieben in der Sache Brandes, jedes Mal mit der dringenden Bitte um Antwort. Er schweigt.

984. An Franz Overbeck in Basel

Nizza den 3. Februar 1888.

Lieber Freund,

hier ist endlich die Rechnung des Herrn C. G. Naumann: darf ich Dich bitten, dieselbe mit Hülfe des dazu deponirten Geldes zu berichtigen? Eile thut nicht noth; ich mache mir ein Gewissen daraus, Dich mit solchen Anliegen in Deiner Arbeits-ruhe zu stören. —

Auch ich bin sehr in Thätigkeit; und die Umrisse der ohne allen Zweifel ungeheuren Aufgabe, die jetzt vor mir steht, steigen immer deutlicher aus dem Nebel heraus. Es gab düstere Stunden, es gab ganze Tage und Nächte inzwischen, wo ich nicht mehr wußte, wie leben und wo mich eine schwarze Verzweiflung ergriff, wie ich sie bisher noch nicht erlebt habe. Trotzdem weiß ich, daß ich weder rückwärts, noch rechts, noch links weg entschlüpfen kann: ich habe gar keine Wahl. Diese Logik hält mich jetzt allein aufrecht: von allen andern Seiten aus betrachtet ist mein Zustand unhaltbar und schmerzhaft bis zur Tortur. Meine letzte Schrift verräth etwas davon: in einem Zustande eines bis zum Springen gespannten Bogens thut einem jeder Affekt wohl, gesetzt, daß er gewaltsam ist. Man soll jetzt nicht von mir „schöne Sachen“ erwarten: so wenig man einem leidenden und verhungernden Thiere zumuthen soll, daß es mit Anmuth seine Beute zerreißt. Der jahrelange Mangel einer wirklich erquickenden und heilenden menschlichen Liebe, die absurde Vereinsamung, die es mit sich bringt, daß fast jeder Rest von Zusammenhang mit Menschen nur eine Ursache von Verwundungen wird: das Alles ist vom Schlimmsten und hat nur Ein Recht für sich, das Recht, nothwendig zu sein. —

Habe ich nichts Besseres zu schreiben? Es sind mir schöne Zeichen von Pietät und tiefer Erkenntlichkeit seitens mehrerer Künstler zugekommen: darunter Dr. Brahms, H. von Bülow, Dr. Fuchs und Mottl. Insgleichen hat ein geistreicher und streitbarer Däne, Dr. G. Brandes, mehrere Ergebenheits-Briefe an mich geschrieben: erstaunt, wie er sich ausdrückt, von dem ursprünglichen und neuen Geiste, der ihm aus meinen Schriften entgegenwehe und dessen Tendenz er als „aristokratischen Radikalismus“ bezeichnet. Er nennt mich den bei weitem ersten Schriftsteller Deutschlands. — Daß Gersdorff in der gründlichsten und rechtschaffensten Weise sein Verhältniß zu mir wiederhergestellt hat, habe ich Dir wohl schon geschrieben? Ich bedaure, nicht das Gleiche von Rohde melden zu können. Auf zwei Briefe, die ich mit dem herzlichsten Willen, ihm wohlzuthun und den vorgekommenen Exceß vergessen zu machen geschrieben habe, hat er nicht geantwortet; ebensowenig auf die Zusendung meines letzten Buches. Das macht ihm keine Ehre: aber er wird krank sein, er steckt in einer schlechten Haut. — Von Paraguay giebt es sehr beruhigende Nachrichten: die Entwicklung der ganzen an sich so gewagten Unternehmung kann nicht anders als glänzend genannt werden. In der neuen Colonie sind c. 100 Personen bereits in Thätigkeit; darunter mehrere sehr gute deutsche Familien (z.B. die Mecklenburger Baron Malzahn’s); meine Angehörigen gehören zu den größten Grundbesitzern in Paraguay; der Einfluß Dr. Försters ist, wie ich ganz indirekt und zufällig gehört habe, derartig gewachsen, daß eine Anwartschaft auf die nächste Präsidentschaft der Republik durchaus nicht außer der Wahrscheinlichkeit liegt. Daß er und ich eine Anstrengung sonder Gleichen zu machen haben, um uns nicht direkt als Feinde zu behandeln, kannst Du errathen… Die antisem. Blätter fallen über mich in aller Wildheit her (— was mir hundert Mal mehr gefällt als ihre bisherige Rücksicht) So viel für heute! Mit besten Wünschen für Dich und Deine liebe Frau

Dein N.

985. An Josef Viktor Widmann in Bern

Nizza, Pension de Genève, den 4. Febr. 1888.

Hochgeehrter Herr Doctor,

die Besprechung meiner Litteratur durch Herrn Spitteler hat mir großes Vergnügen gemacht. Was für ein feiner Kopf! Und wie gern man sich von ihm tadeln läßt! Er beschränkt sich aus guten Gründen fast ganz auf das Formale: er läßt die eigentliche Geschichte hinter dem Gedachten, die Leidenschaft, die Katastrophe, die Bewegung gegen ein Ziel, gegen ein Verhängniß hin einfach bei Seite: — das kann ich nicht genug loben, darin ist wirkliche delicatezza. Es fehlt nicht an Uebereilungen. Er hat ersichtlich die Schriften zum ersten Mal gelesen (und nicht einmal immer gelesen —). Umsomehr bewundere ich die Sicherheit des ästhetischen Taktes, mit der er die Form der verschiedenen Bücher und Epochen von einander abhebt. Ich bin sehr unzufrieden damit, daß „Jenseits“ unberücksichtigt geblieben ist: Damit fehlte ihm eigentlich der Boden unter den Füßen, um über die letzterschienene „Streitschrift!“ (Genealogie der Moral) mitzureden.

Die Schwierigkeit meiner Schriften liegt darin, daß es in ihnen ein Uebergewicht der seltneren und neuen Zustände der Seele über die normalen giebt. Ich lobe das nicht; aber es ist so. Für diese noch ungefaßten und oft kaum faßbaren Zustände suche ich Zeichen; es scheint mir, daß ich darin meine Erfindsamkeit habe. Nichts liegt mir ferner, als der Glaube an einen „allein selig machenden Stil“, an den, wenn ich recht verstehe, Herr Spitteler glaubt? Hat nicht die Absicht einer Schrift nicht immer erst das Gesetz ihres Stils zu schaffen? Ich verlange, daß, wenn diese Absicht sich ändert, man auch unerbittlich das ganze Prozedurensystem des Stils ändert. Dies habe ich zum Beispiel im „Jenseits“ gethan, dessen Stil meinem früheren Stil nicht mehr ähnlich sieht: die Absicht, das Schwergewicht war verlegt. Dies habe ich nochmals in der letzten „Streitschrift“ gethan, wo ein Allegro feroce und die Leidenschaft nue, crue, verte an Stelle der raffinirten Neutralität und zögernden Vorwärtsbewegung vom „Jenseits“ getreten ist. Es ist möglich, daß Herr Nietzsche mehr Artist ist, als Herr Spitteler es uns glauben machen möchte…

Mit meinem verbindlichsten Dank und Gruß

Ihr
Nietzsche.

986. An Josef Viktor Widmann in Bern (Postkarte)

<Nizza, 4. Februar 1888>

Nachträglich zu meinem eben abgesandten Brief.

Wir wollen die Neujahrsnummer an die vier Adressen lieber nicht schicken. Ich ärgere mich über die Taktlosigkeit des letzten Satzes. Andre würden es noch mehr thun…

N.

987. An Carl Spitteler in Basel (Entwürfe)

Nizza, 10. Februar 1888 oder kurz davor

das ist die Absurdität meiner Lage: ich habe seit 10 Jahren lauter Meisterwerke hervorgebracht — und man will, daß ich mich ihretwegen entschuldigen soll

ich habe meine ungeheure Sache so kühn, so deutlich, mit so starken Gebärden vorgebracht, wie ich noch nie etwas gesagt habe. Ich habe Accente des Zorns, des Hasses darin, die mir unfaßbar sind.

aber ich bin indignirt über die leichtfertige Weise, sich mit meinem letzten Werke auseinanderzusetzen. Haben Sie einen Begriff davon, was ich geleistet habe? — Aber Sie haben keinen Begriff von mir.

<P. Michaelis’ Rezension von „Jenseits von Gut und Böse“, National-Zeitung, Berlin 4. Dezember 1886, ist> die achtbarste Recapitulation meines Gedankengangs, die ich bisher gelesen habe: daß sie mit Abneigung gemacht ist, verarge ich dem Referenten durchaus nicht: — ihre relative Objektivität ist mir um so ehrenwerther (der schließliche Versuch, den er macht mich als Symptom einer gegenwärtigen, socialen Strömung zu verstehn, liegt natürlich abseits von meinen Interessen)

988. An Carl Spitteler in Basel

Nizza den 10. Februar 1888. (Pension de Genève)

sehr geehrter Herr,

haben Sie vielleicht die Neujahrs-Beilage des „Bund“ zu sehen bekommen? Ich habe mich dafür bei dem ausgezeichneten Redakteur des „Bund“ bedankt, ein wenig ironice, wie billig. —

Herr Spitteler hat eine feine und angenehme Intelligenz; leider lag, wie mir scheint, die Aufgabe selbst in diesem Falle zu sehr abseits und außerhalb seiner gewohnten Perspektiven, als daß er sie auch nur gesehn hätte. Er redet und sieht Nichts als Aesthetica: meine Probleme werden geradezu verschwiegen, — ich selbst eingerechnet. Es ist nicht ein einziger wesentlicher Punkt genannt, der mich charakterisirt. Und zuletzt fehlt es auch im Reiche des Formalen, zwischen vielem Artigen, nicht an Übereilungen und Fehlgriffen. Zum Beispiel: „einen Anti-Strauß hat nur ein Professor begehn können“ (— womit etwa das Urtheil Karl Hillebrands in „Völker, Zeiten und Menschen“ zu vergleichen wäre, insgleichen das Unheil Bruno Bauers und ungefähr aller tieferen Naturen, die mir damals ihren Dank und ihre Verehrung ausgedrückt haben) Oder: „die kurzen Sprüche gerathen ihm am wenigsten“ (— und ich Esel habe mir eingebildet, daß seit Anfang der Welt Niemand eine solche Gewalt über den prägnanten Spruch gehabt hat wie ich: Zeugniß mein Zarathustra) Zuletzt findet Herr Spitteler gar vom Stile meiner Streitschrift, er sei das Gegentheil eines guten; ich würfe Alles auf’s Papier, wie es mir gerade durch den Kopf gienge, ohne mich auch nur zu besinnen. Es handelt sich um ein Attentat auf die Tugend (oder wie man’s nennen will); ich spreche mit einer leidenschaftlichen und schmerzlichen Kühnheit von dreien der schwersten Probleme, die es giebt und in denen ich am längsten zu Hause bin; ich schone dabei, wie es in solchen Fällen der höhere Anstand will, mich selbst so wenig als irgend was und wen; ich habe mir dazu eine neue Gebärde von Sprache erfunden für diese in jedem Betracht neuen Dinge — und mein Zuhörer hört wieder nichts als Stil, noch dazu schlechten Stil und bedauert am Ende, seine Hoffnung auf Nietzsche als Schriftsteller sei damit bedeutend gesunken. Mache ich denn „Litteratur“? — Er scheint selbst meinen Zarathustra nur als eine höhere Art von Stilübung zu betrachten (—das tiefste und entscheidendste Ereigniß — der Seele, mit Erlaubniß! — zwischen zwei Jahrtausenden, dem zweiten und dem dritten —)

Ein letztes Fragezeichen: warum ist mein „Jenseits“ verschwiegen? Ich weiß sehr wohl, daß dasselbe als verbotenes Buch gilt — aber trotzalledem enthält es den Schlüssel zu mir, wenn es einen giebt. Man muß es zuerst lesen. (Ich lege zwei Besprechungen dieses Buchs bei: die des Dr. Widmann und die der Nationalzeitung. Letztere, abgeneigt und unehrerbietig, wie sie ist, stellt trotzdem den Gedankengang des Buchs mit leidlicher Deutlichkeit hin)

Ihnen, werther Herr, zu Dank verpflichtet und, wie ich hoffe, nicht zum letzten Male

Friedrich Nietzsche

989. An Reinhart von Seydlitz in Cairo

Nizza, pension de Genève den 12. Februar 1888.

Lieber Freund,

das war kein „stolzes Schweigen“, das mir inzwischen den Mund fast gegen Jedermann verbunden hat, vielmehr ein sehr demüthiges, das eines Leidenden, der sich schämt zu verrathen, wie sehr er leidet. Ein Thier verkriecht sich in seine Höhle, wenn es krank ist; so thut es auch la bête philosophe. Es kommt so selten noch eine freundschaftliche Stimme zu mir. Ich bin jetzt allein, absurd allein; und in meinem unerbittlichen und unterirdischen Kampfe gegen Alles, was bisher von den Menschen verehrt und geliebt worden ist (— meine Formel dafür ist „Umwerthung aller Werthe“) ist unvermerkt aus mir selber etwas wie eine Höhle geworden — etwas Verborgenes, das man nicht mehr findet, selbst wenn man ausgienge, es zu suchen. Aber man geht nicht darauf aus… Unter uns gesagt, zu Dreien — es ist nicht unmöglich, daß ich der erste Philosoph des Zeitalters bin, ja vielleicht noch ein wenig mehr, irgend etwas Entscheidendes und Verhängnißvolles, das zwischen zwei Jahrtausenden steht. Eine solche absonderliche Stellung büßt man beständig ab — durch eine immer wachsende, immer eisigere, immer schneidendere Absonderung. Und unsre lieben Deutschen!.. In Deutschland hat man es, obwohl ich im 45.ten Lebensjahr stehe und ungefähr fünfzehn Werke herausgegeben habe (— darunter ein non plus ultra, den Zarathustra —) auch noch nicht zu einer einzigen auch nur mäßig achtbaren Besprechung auch nur eines meiner Bücher gebracht. Man hilft sich jetzt mit den Worten: „excentrisch“, „pathologisch“, „psychiatrisch“. Es fehlt nicht an schlechten und verleumderischen Winken in Bezug auf mich; es herrscht ein zügellos feindseliger Ton in den Zeitschriften, gelehrten und ungelehrten — aber wie kommt es, daß nie Jemand dagegen protestirt? daß nie Jemand sich beleidigt fühlt, wenn ich beschimpft werde? — Und Jahre lang kein Labsal, kein Tropfen Menschlichkeit, nicht ein Hauch von Liebe —

Unter diesen Umständen muß man in Nizza leben. Es wimmelt auch dies Mal von Nichtsthuern, Grecs und anderen Philosophen, es wimmelt von „Meinesgleichen“: und Gott läßt, mit dem ihm eigenen Cynismus, gerade über uns seine Sonne schöner scheinen als über das so viel achtbarere Europa des Herrn von Bismarck (— das mit fieberhafter Tugend an seiner Bewaffnung arbeitet und ganz und gar den Aspekt eines heroisch gestimmten Igels darbietet.) Die Tage kommen hier mit einer unverschämten Schönheit daher; es gab nie einen vollkommneren Winter. Und diesen Farben Nizza’s: ich möchte sie Dir schicken. Alle Farben mit einem leuchtenden Silbergrau durchgesiebt; geistige, geistreiche Farben; nicht ein Rest mehr von der Brutalität der Grundtöne. Der Vorzug dieses kleinen Stücks Küste zwischen Alassio und Nizza ist eine Erlaubniß zum Africanismus in Farbe, Pflanze und Lufttrockenheit: das kommt im übrigen Europa nicht vor.

Oh wie gern säße ich mit Dir und Deiner lieben verehrten Frau zusammen unter irgend einem homerisch-phäakischen Himmel… aber ich darf nicht mehr südlicher (— die Augen zwingen mich bald zu nördlicheren und stupideren Landschaften) Schreibe mir, bitte, noch einmal über die Zeit, wo Du wieder in München bist und vergieb mir diesen düsteren Brief!

Dein getreuer Freund Nietzsche.

Seltsam! Ich habe drei Tage Deine Ankunft hier im Hôtel erwartet. Es war Besuch aus München angemeldet, man wollte mir nicht sagen, wer; man machte zwei Plätze neben mir bei Tisch frei — Enttäuschung! Es waren alte Spieler und Montecarlisten, welche mir zuwider sind…

990. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Nizza, um den 13. Februar 1888>

Hier nur drei Worte, um etwas Gutes zu melden. Große Ruhe und Erleichterung eingetreten; eine lange äußerst schmerzhafte Crisis, bei der meine ganze Sensibilität in Aufruhr war, scheint ad acta gelegt.

Als factum brutum ausgedrückt: die erste Niederschrift meiner „Umwerthung aller Werthe“ ist fertig. Die Gesammt-Conception dafür war bei weitem die längste Tortur, die ich erlebt habe, eine wirkliche Krankheit. Ihr andern „Erkennenden“, Ihr habt es besser, und nicht so unvernünftig! Ihr kennt die Wahrheit nicht als Etwas, das man sich Stück für Stück vom Herzen abreißt und bei dem jeder Sieg sich mit einer Niederlage rächt.

991. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 13. Februar 1888

Lieber Freund,

ich hätte Ihnen unter allen Umständen heute geschrieben und will mich am wenigsten dadurch abhalten lassen, daß eben, als schönster Morgengruß, Ihr Brief bei mir eingetreten ist. Das, was Sie mir zuerst erzählen, von einer Art Gemüths-Reconvalescenz, correspondirt angenehmer Weise mit einem eigenen inzwischen bewerkstelligten Fortschritte zur „Vernunft“: und sogar in Betreff der Art des Mittels ist unser Instinkt auf derselben Fährte gewesen. — Lieber Freund, ich sage mir jetzt in jedem gesunden Augenblick (— und dabei denke ich wenigstens so sehr an Sie als an mich): „es ist sehr Viel erreicht! Es ist trotzalledem sehr Viel erreicht! man soll bei sich den Muth zu diesem allerberechtigtsten Stolze aufrecht erhalten!“…

— In Wahrheit kommen Sie sogar, bei einer solchen Nachrechnung, was eigentlich erreicht ist, viel besser weg als ich. Ich selber bin über Versuche und Wagnisse, über Vorspiele und Versprechungen aller Art nicht hinausgekommen: aber so Etwas aus der Welt des Vollkommenen und Glücklichen, wie es Ihre ganze Oper ist, liegt ruhig in seinem eignen Lichte und winkt nicht, wie Alles bei mir, über sich hinweg —. Und was die „Idealität“ in der Musik betrifft, so habe ich noch von meinem letzten Venediger Besuche einen unauslöschlichen Geschmack von Etwas auf der Zunge zurückbehalten, für das ich gar keinen andern Namen habe als „Idealität“. Damals sagte ich mir „es steht so gut als es stehen kann mit dem Freunde Köselitz — er erfindet sich seine eignen Heilmittel und reinigt sich mit bains intérieurs von allem Unverdaulichen, das sein Leben in ihn geworfen hat (— Verzeihung für das allzu klinisch gerathene Gleichniß: eine der züchtigsten Damen Frankreichs, Madame Valmore bediente sich des Ausdrucks bains int<érieurs> in gewissen Fällen)

— Ich fand bei Plutarch, mit welchen Mitteln sich Cäsar gegen Kränklichkeit und Kopfschmerz vertheidigte: ungeheure Märsche, einfache Lebensweise, ununterbrochner Aufenthalt im Freien, Strapazen…

— Mein Einwand gegen Venedig liegt vor allem darin, daß es zu sehr einschließt: ich sollte glauben, man müsse eine Kur von Zeit zu Zeit gegen Venedigs Einfluß nöthig haben… Dann geht oder gienge es vielleicht.

— Ein Sprung in die Venediger Alpen? — Es ist erstaunlich, was die variatio sanat. Für fruchtbare und weibsartig periodische Wesen (wie es alle Künstler sind) scheint mir das brüske Einlegen von Zwischenakten, Contrasten beinahe unerläßlich. Vielleicht erwägen Sie, liebster Freund, alsbald das Problem Ihres nächsten Sommers — oder schon Frühjahrs? Die Luft in der Heimat Tizian’s vielleicht? Eine Fußreise dorthin? — Zuletzt wird Ihnen nichts übrig bleiben als sich ganz auf venetianischem Fuß einzurichten: aber dazu gehört, wie mir scheint, die Flucht vor Venedig, Land, Berg, Wald, die ganze in Venedig vergessene Welt.

Schließlich möchte ich eine Anfrage nicht unterlassen. Von welchem Orte (oder Menschen) aus glauben Sie jetzt am ersten noch, daß Etwas zu Gunsten Ihres Bekanntwerdens gethan werden könnte? Ist irgend ein Musikfest in Aussicht? (— ein Stuttgarter, erste Hälfte Juni, mit Brahms, Albert, Joachim ist das Einzige, von dem ich weiß) Haben Sie an Riedel vielleicht geschrieben? — Eben fällt mir Bologna ein: großes Fest im Mai. Ist es nicht möglich, Ihrerseits dazu etwas einzuschicken? zur Concert-Aufführung? —

— Über Spitteler werden Sie Recht haben. Die Sache ist mir verdrießlich. Fritzsch schweigt. — Mein Druck bei Naumann hat ca. 200 Thaler gekostet. — Ich habe die erste Niederschrift meines „Versuchs einer Umwerthung“ fertig: es war, Alles in Allem, eine Tortur, auch habe ich durchaus noch nicht den Muth dazu. Zehn Jahre später will ichs besser machen. —

Von Herzen

Ihr Freund Nietzsche.

(Schreiben Sie mir, bitte, etwas Genaues darüber, was und wieviel jetzt fertig geworden ist und woran Sie noch arbeiten…)

Vor der kleinen prätensiosen und absolut bis jetzt leeren Zeitschrift des Avenarius möchte ich eher warnen. Sie brauchen Athem, freien Raum.

992. An Josef Viktor Widmann in Bern (Postkarte)

<Nizza, d. 13. Febr. 1888.>

Hochgeehrter Herr Doctor,

ich schreibe Ihnen eine Kritik über „die Kritik“ ab, die mir eben von zuständigster Seite zugeht (— es steht Ihnen frei, dieselbe Herrn Spitteler zu übermitteln).

„Spitteler’s Aufsatz im „Bund“ scheint mir ein tolles Gemisch von richtiger Witterung und Oberflächlichkeit, von Achtung und Unverschämtheit, von Ernst und Trivialität zu sein. Er nimmt Sie beinahe nur von der litterarisch-artistischen Seite und schießt dabei Böcke, über die ich lachen mußte. Ueber Ihre philosophische Tendenz erhält der Leser keinen Wink; das Ganze ist noch vor einem wirklichen Eindringen in Ihre Welt geschrieben. Als Anzeige wirkt es jedoch stark, — ich habe mich gewöhnt, derartige Besprechungen endlich nur noch nach ihrem Einfluß auf den buchhändlerischen Vertrieb anzusehen.“

Hochachtungsvoll Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche.

993. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nizza, den 14 Febr. 1888 pension de Genève

Sehr geehrter Herr,

Sie haben mir noch nicht mitgetheilt, wie viel und welche Zeitschriften Ihnen Gesammtberichte über meine Litteratur versprochen haben. Was meine Bemühungen in dieser Hinsicht angeht, so ist der Gesammtbericht des „Bund“, auf welchen ich Sie hatte rechnen lassen, inzwischen erschienen, in der ersten Januar-Nummer: leider nicht, wie zu erwarten stand, aus der Feder seines vortrefflichen Redakteurs Dr. Widmann, sondern aus der eines geistreichen, aber oberflächlichen Herrn Spitteler, der sich mit der überaus schwierigen Aufgabe auf seine Weise abgefunden hat. Doch wirkt die Anzeige als Anzeige stark — und darauf kommt es allein an. Ich will mich daran gewöhnen, derartige Besprechungen nur noch nach ihrem Einfluß auf den buchhändlerischen Betrieb anzusehn

Was den berühmten Dänen Dr. Georg Brandes anbetrifft (Kopenhagen St. Anne-Platz 24 ist wieder seine Adresse) so nehme ich an, daß meine Schriften inzwischen in seine Hände gelangt sind. Ich habe durchaus kein Versprechen dafür, daß er über dieselben einen litterarischen Bericht abstattet, und ich würde mich schämen, je etwas Derartiges von ihm zu wollen. Was mich aber freut, das ist, ihn gründlich bemüht zu sehn, sich mir zu nähern und einen Zugang zu meiner so schwierigen Welt zu suchen. Dr. Brandes ist, nach seiner außerordentlichen Übung, die verwickelten Fälle des modernen Geistes zu analysiren, vielleicht noch am Ersten befähigt, sich über mich nicht zu vergreifen.

Ich habe insgleichen bei Herrn Dr. Carl Fuchs in Danzig eine bescheidene Anfrage gemacht, ob er seine intelligente und beredte Feder zu einer solchen Arbeit hergeben würde. Er ist mir sehr zugethan; aber vielleicht ist er anderweitig zu stark in Anspruch genommen. Trotzdem möchte eine diskrete Sondirung Ihrerseits hier nicht unangemessen sein.

Endlich gehört hierher ein Brief, der eben angelangt ist, und den ich beilege: er stammt von einem meiner Freunde von der Berliner Universität, dem Professor Dr. Paul Deussen. Diesen Brief bitte ich mir wieder zurück zu senden, zugleich mit einer Mittheilung über das, was Sie hinsichtlich der darin gemachten Vorschläge gethan haben.

Ist nirgendswo eine Besprechung meines „Hymnus“ erschienen? Mir sind von mehreren Orten Aufführungen in Aussicht gestellt z. B. von Mottl in Carlsruhe.

Ergebenst
Prof Dr Nietzsche

994. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza, pension de Genève den 14. Febr 1888.

Geehrtester Herr Verleger,

Ihren letzten Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen: es ist mir lieb, zu hören, daß die „Streitschrift“ überhaupt in irgend welchem Maaße verlangt worden ist. Ich hatte das Gegentheil erwartet. Mir selber ist inzwischen der Zweifel gekommen, ob der Titel glücklich (ich meine im Sinne des buchhändlerischen Vertriebs glücklich) gewählt ist. Vielleicht wäre es rathsam gewesen, den Titel „Jenseits von Gut und Böse“ zu wiederholen und darüberzusetzen. Anhang. Drei Abhandlungen.

An dem leichtfertigen, im Einzelnen geistreichen Aufsatze des Schweizer Litteraten habe ich keine Freude gehabt. Trotzdem glaube ich, daß er als Anzeige meiner Gesammtlitteratur stark wirkt. Er war mir noch unbekannt; ersichtlich hatte der Redakteur nicht gewagt, mir ihn zu senden. Von der Schweiz her ist mir inzwischen eine gewisse Entrüstung von mehreren Seiten ausgedrückt worden, in Hinsicht auf die „Nullität und Unverschämtheit dieses Spitteler.“ —

Sie werden, wie ich annehme, mit Vergnügen hören, daß eine sorgfältigere Arbeit über mich in Berlin im Werke ist. Zu diesem Zwecke ersuche ich, meine zwei Bücher „Jenseits“ und die „Genealogie“ an diese Adresse abzusenden (mit dem Zettel „im Auftrage“ usw):

Herrn Lothar Volkmar, Rechtsanwalt

Berlin W. Leipziger Str. 135

Was die Berichtigung der eingesandten Rechnung „Herstellungskosten des Drucks“ betrifft: so habe ich umgehend einen Auftrag darüber nach Basel abgehn lassen; ich darf vielleicht voraussetzen, daß die Angelegenheit inzwischen schon erledigt ist.

Hochachtungsvoll Ihr
Prof. Dr. Nietzsche

Man beklagt sich bei mir, daß die „Genealogie“ schlecht geheftet ist, daß sie auseinanderfällt, daß das Umschlagpapier nicht Stand hält (—es ist viel dünner als das des „Jenseits“)

995. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, vermutlich 17. Februar 1888>

Dies Mal muß ich an m<eine Mutter> einen recht freundlichen und lieblichen Brief schreiben, nachdem ich sie das letzte Mal so arg erschreckt habe. Aber es steht wirklich diesen Winter schlimm mit mir; und wenn Du es aus der Nähe sähest, würdest Du mir gewiß einen solchen schmerzlichen Schrei verzeihen (wie es mein letzter Brief gewesen sein muß). Ich verliere mich mitunter ganz aus der Gewalt; und bin beinahe die Beute der düstersten Entschließungen. Leide ich etwa an der Galle? Ich habe Jahr aus Jahr ein zu viel Schlimmes hinunterschlucken müssen und sehe mich rückwärts blickend, vergebens nach auch nur Einem guten Erlebniß um. Jetzt bin ich von einer ganz und gar lächerlichen und erbärmlichen Verwundbarkeit, daß beinahe Alles, was von außen kommt, mich krank macht, und das Kleinste zu einem Unthier anwächst. Das Gefühl allein zu sein, der Mangel an Liebe, die allgemeine Undankbarkeit und selbst Schnödigkeit gegen mich — aber ich will nicht fortfahren in dieser Tonart. Die Wahrheit ist, daß Dein Sohn ein tapferes Thier ist und daß er Erstaunliches in dem letzten Jahre wieder durchgesetzt hat: aber warum muß jede meiner Thaten mir hinterdrein zur Niederlage werden? Warum fehlt mir jeder Zuspruch, jede tiefe Theilnahme, jede herzliche Verehrung?

Eine unerträgliche Spannung liegt Tag und Nacht auf mir hervorgebracht durch die Aufgabe, die auf mir liegt und die absolute Ungunst aller meiner sonstigen Verhältnisse zur Lösung einer solchen Aufgabe: das ist die Hauptsache

Meine Gesundheit hat sich unter der Gunst eines außerordentlich schönen Himmels und guter Nahrung (und stärk<enden> Spaziergehen<s>) ziemlich aufrecht erhalten: nichts ist krank, nur die liebe Seele. Ich fürchte mich geradezu vor dem Frühling: dies ist immer meine schwache Zeit. Andrerseits weiß ich keine Stelle mehr, wo ich M<enschen> habe, die mir jetzt nütze wären: und meine gute M<utter> ist zu weit weg.

Es thut mir wohl, was Du mir aus dem B<rief> vom Lama abschreibst: wirklich habe ich lauter häßliche Briefe an sie geschrieben und zuletzt hat man sich lieb, wie sehr man sich auch wehe gethan hat.

996. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Nizza, vermutlich 17. Februar 1888>

[+ + +] Brief schreiben, nachdem ich sie das letzte Mal so arg erschreckt habe. Aber es steht wirklich diesen Winter schlimm mit mir; und wenn Du es aus der Nähe sähest, würdest Du mir gewiß einen solchen schmerzlichen Schrei, wie es mein letzter Brief war, verzeihen. Ich verliere [+ + +]

[+ + +] mir gestellt ist und die absolute Ungunst aller sonstigen Verhältnisse zur Lösung einer solchen Aufgabe: hier steckt jedenfalls die Hauptnoth. Das Gefühl, allein zu sein, der Mangel an Liebe, die allgemeine Undankbarkeit und selbst Schnödigkeit gegen mich [+ + +]

[+ + +] Entschließungen. Leide ich etwa an der Galle? Ich habe Jahr aus Jahr ein zu viel Schlimmes hinunter schlucken müssen und sehe mich, rückwärts blickend, vergebens nach auch nur Einem guten Erlebniß um. Das hat eine ganz und gar lächerliche und erbärmliche Verwundbarkeit schließlich hervorgebracht, Dank der beinahe Alles, was von außen an mich herankommt, mich krank macht, und das [+ + +]

[+ + +] tapferes Thier ist, daß er Erstaunliches auch wieder in dem letzten Jahre durchgesetzt hat: aber warum muß jede meiner Thaten hinterdrein zur Niederlage werden? Warum fehlt mir jeder Zuspruch, jede tiefe Theilnahme, jede herzliche Verehrung? —

Meine Gesundheit hat sich unter der Gunst eines außerordentlich schönen Winters, [+ + +]

[+ + +] <Auch will ich nicht> verschweigen, daß der Winter an geistigem Gewinn für meine Hauptsache sehr reich gewesen ist: also auch der Geist ist nicht krank, nichts ist krank, nur die liebe Seele.

Ich fürchte mich geradezu vor dem Frühling: [+ + +]

Ich möchte Dich um einen kleinen Dienst bitten. Schreib ein paar Worte an meinen Leipziger höchst taktlosen und abgeschmackten Verleger, mit dem ich beinahe am Ende bin, Herrn E. W. Fritzsch (Leipzig, Königsstrasse 6) Sage ungefähr [+ + +]

997. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 19. Febr. 1888.

Verehrter Herr,

Sie haben mich auf das Angenehmste mit Ihrem Beitrag zum Begriff „Modernität“ verpflichtet: denn gerade diesen Winter ziehe ich in weiten Kreisen um diese Werthfrage ersten Ranges herum, sehr oberhalb, sehr vogelmäßig und mit dem besten Willen, so unmodern wie möglich aufs Moderne herunterzublicken… Ich bewundere — daß ich es Ihnen gestehe! — Ihre Toleranz im Unheil ebensosehr wie Ihre Zurückhaltung im Urtheil. Wie Sie alle diesen „Kindlein“ zu sich kommen lassen! Sogar Heyse! —

Ich habe mir für meine nächste Reise nach Deutschland vorgesetzt, mich mit dem psychologischen Problem Kierkegaard zu beschäftigen, insgleichen die Bekanntschaft mit Ihrer älteren Litteratur zu erneuern. Dies wird für mich, im besten Sinn des Worts, von Nutzen sein, — und wird dazu dienen, mir meine eigne Härte und Anmaaßung im Urtheil „zu Gemüthe zu führen“. —

Gestern telegraphirte mir mein Verleger, daß die Bücher an Sie abgegangen sind. Ich will Sie und mich mit der Erzählung verschonen, warum dies so spät geschehen ist. Machen Sie, ich bitte Sie, verehrter Herr, eine gute Miene zu dem „bösen Spiel“, ich meine, zu dieser Nietzsche’schen Litteratur.

Ich selber bilde mir ein, den „neuen“ Deutschen die reichsten, erlebtesten und unabhängigsten Bücher gegeben zu haben, die sie überhaupt besitzen; ebenfalls selber für meine Person ein capitales Ereigniß in der Krisis der Werthurtheile zu sein. Aber das könnte ein Irrthum sein; und außerdem noch eine Dummheit —: ich wünsche, über mich nichts glauben zu müssen. Ein paar Bemerkungen noch: sie beziehen sich auf meine Erstlinge (— die Juvenilia und Juvenalia)

Die Schrift gegen Strauß, das böse Gelächter eines „sehr freien Geistes“ über einen solchen, der sich dafür hielt, gab einen ungeheuren Skandal ab: ich war damals schon Prof. ordin. trotz meinen 24 Jahren, somit eine Art von Autorität und etwas Bewiesenes. Das Unbefangenste über diesen Vorgang, wo beinahe jede „Notabilität“ Partei für oder gegen mich nahm und eine unsinnige Masse von Papier bedruckt worden ist, steht in Carl Hillebrand’s „Völker, Zeiten und Menschen“ Band 2. Daß ich das altersmüde Machwerk jenes außerordentlichen Kritikers verspottete, war nicht das Ereigniß, sondern daß ich den deutschen Geschmack bei einer compromittirenden Geschmacklosigkeit in flagranti ertappte: er hatte Straußens „alten und neuen Glauben“ einmüthig, trotz aller religiös-theologischen Partei-Verschiedenheit, als ein Meisterstück von Freiheit und Feinheit des Geistes (auch des Stils!) bewundert. Meine Schrift war das erste Attentat auf die deutsche Bildung (— jene „Bildung“, welche, wie man rühmte, über Frankreich den Sieg errungen habe —); das von mir formulirte Wort „Bildungsphilister“ ist aus dem wüthenden Hinundher der Polemik in der Sprache zurückgeblieben. —

Die beiden Schriften über Schopenhauer und Richard Wagner stellen, wie mir heute scheint, mehr Selbstbekenntnisse, vor allem Selbstgelöbnisse über mich dar als etwa eine wirkliche Psychologie jener mir ebenso tief verwandten als antagonistischen Meister. (— ich war der Erste, der aus Beiden eine Art Einheit destillirte: jetzt ist dieser Aberglaube sehr im Vordergrunde der deutschen Cultur: alle Wagnerianer sind Anhänger Schopenhauers. Dies war anders als ich jung war: damals waren es die letzten Hegelinge, die zu Wagner hielten, und „Wagner und Hegel“ lautete die Parole in den fünfziger Jahren noch.)

Zwischen den „unzeitgemäßen Betrachtungen“ und „Menschliches, Allzumenschliches“ liegt eine Krisis und Häutung. Auch leiblich: ich lebte Jahre lang in der nächsten Nachbarschaft des Todes. Dies war mein größtes Glück: ich vergaß mich, ich überlebte mich… Das gleiche Kunststück habe ich noch einmal gemacht. —

— So haben wir also einander Geschenke überreicht: ich denke, wie zwei Wanderer, die sich freuen, einander begegnet zu sein? —

Ich verbleibe Ihr ergebenster

Nietzsche

998. An Franz Overbeck in Dresden

Nizza, den 22. Febr. 1888.

Lieber Freund,

es betrübt mich sehr, daß Du aus solchen Gründen hast nach Deutschland verreisen müssen. So hat der an sich schon so düstere Winter Dir auch diesen Schlag und Schmerz noch gebracht! Zwar muß ich nach Allem, was ich von Dir höre, annehmen, daß es sich in diesem Falle um eine wirkliche Erlösung gehandelt hat, die eher zu spät als zu früh eingetreten ist; und so wünsche ich von Herzen, daß etwas recht Erquickliches und Gutes Dir zum Entgelt zu Theil werde, und so Deine Wunde wieder heile. Zuletzt: Du bist nicht allein. Ich erschreckte bei der Vorstellung, wie wenig ein Einsiedler mit einem solchen Ereigniß anzufangen wüßte.

Von mir will ich heute nur soviel sagen, daß es wieder besser geht, und daß die schmerzhafte Spannung und Melancholie, unter der ich noch meinen letzten Brief an Dich geschrieben habe, überwunden erscheint. Einstweilen bin ich, was Dich überraschen wird, ganz unter dem Eindrucke der Nachrichten aus San Remo: welche mir, durch einen seltsamen Zufall, in ganz andrer Weise zu Gebote stehn als den Zeitungen (so daß ich die intima intimissima dieser schauerlichen und nicht ganz mittheilbaren Geschichte kenne) Vielleicht ist auch hier die Erlösung in der Nähe.

Von Herzen theilnehmend

Dein Freund
Nietzsche

999. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)

<Nizza, den 25. Februar 1888>

Dies Mal ist es nicht für mich, sondern für einen Anderen, einen beinahe unversehens entdeckten geistreichen und originellen <Kopf,> daß ich an Sie die Anfrage richte, ob Sie Lust haben, ein gutes Buch in Verlag zu nehmen. Dasselbe soll eine Sammlung Aesthetica enthalten: um irgend einen Geschmack, davon zu geben, sende ich Ihnen einen Aufsatz, der zufällig im Bund abgedruckt worden ist und der im Kreise mir befreundeter Musiker und Musikliebhaber lebhaft diskutirt worden ist. Ich kenne vom gleichen Verfasser eine sehr merkwürdige Kritik einiger Theater-Vorurtheile: das Unabhängigste und Radikalste, was ich über das Problem des modernen Dramas gelesen habe.

Herr Prof. Spitteler ist, wie Sie es aus der kleinen Probe errathen werden, ein Mann von Geist und Witz, reich an neuen Gesichtspunkten und Wagnissen des Gedankens, er scheint wie nur Wenige, über Form- und Stilfragen mitzureden.

Der genannte Herr ist bisjetzt unter dem Namen Felix Tandem litterarisch bekannt geworden (Prometheus 1882. Extramundana 1883) — Ich bemerke ausdrücklich, daß er mir nicht persönlich bekannt ist; insgleichen daß er meiner eignen Denkweise und Philosophie fremd gegenüber steht. Ich wünsche Ihnen einen originellen Kopf empfohlen zu haben, nicht einen Anhänger oder Jünger.

1000. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nice, pension de Genève 26. Febr. 1888.

Lieber Freund,

trübes Wetter, Sonntag Nachmittag, große Einsamkeit: ich weiß nichts Angenehmeres mir zu erfinden als etwas zu und mit Ihnen reden. Eben merke ich, daß die Finger blau sind: meine Schrift wird nur dem erräthlich sein, der die Gedanken erräth…

Was Sie über den Stil Wagner in Ihrem Briefe sagen, erinnert mich an eine eigne irgendwo geschriebene Auslassung darüber: wie sein „dramatischer Stil“ nichts weiter ist als eine Species des schlechten Stils, ja sogar des Nicht-Stils in der Musik. Aber unsre Musiker sehn darin einen Fortschritt…

Eigentlich ist Alles ungesagt, ja wie ich argwöhne, fast ungedacht auf diesem Bereiche von Wahrheiten: Wagner selber, als Mensch, als Thier, als Gott und Künstler geht tausendfach über den Verstand und Unverstand unsrer Deutschen hinaus. Ob auch über den der Franzosen? — Ich hatte heute das Vergnügen, mit einer Antwort Recht zu bekommen, wo schon die Frage außerordentlich hazardirt scheinen konnte: nämlich — „wer war bisher am besten vorbereitet für Wagner? wer war am Naturgemäßesten und Innerlichsten Wagnerisch, trotz und ohne Wagner?“ — Darauf hatte ich mir seit lange gesagt: das war jener bizarre Dreiviertels-Narr Baudelaire, der Dichter der Fleurs du Mal. Ich hatte es bedauert, daß dieser grundverwandte Geist W<agner>n nicht bei Lebzeiten entdeckt habe; ich habe mir die Stellen seiner Gedichte angestrichen, in denen eine Art Wagnerscher Sensibilität ist, welche sonst in der Poesie keine Form gefunden hat (— Baudelaire ist libertin, mystisch, „satanisch“, aber vor allem Wagnerisch) Und was muß ich heute erleben! Ich blättere in einer jüngst erschienenen Sammlung von Œuvres posthumes dieses in Frankreich auf’s Tiefste geschätzten und selbst geliebten Genies: und da, mitten unter unschätzbaren Psychologicis der décadence („mon cœur mis à nu“ von der Art, wie man sie im Falle Schopenhauers und Byrons verbrannt hat) springt mir ein unedirter Brief Wagners in die Augen, bezüglich auf eine Abhandlung Baudelaire’s in der Revue européenne, avril 1861. Ich schreibe ihn ab: Mon cher Monsieur Baudelaire, j’étais plusieurs fois chez vous sans vous trouver. Vous croyez bien, combien je suis désireux de vous dire quelle immense satisfaction vous m’avez préparée par votre article qui m’honore et qui m’encourage plus que tout ce qu’on a jamais dit sur mon pauvre talent. Ne serait-il pas possible de vous dire bientôt, à haute voix, comment je m’ai senti enivré en lisant ces belles pages qui me racontaient — comme le fait le meilleur poème — les impressions que je me dois vanter d’avoir produites sur une organisation si supérieure que la vôtre? Soyez mille fois remercié de ce bienfait que vous m’avez procuré, et croyez-moi bien fier de vous pouvoir nommer ami. — A bientôt, n’est-ce pas? Tout à vous

Richard Wagner

(Wagner war damals 48 Jahre alt, Baudelaire 40: der Brief ist rührend, obschon in miserablem Französisch.)

Im selben Buche finden sich Skizzen Baudelaires, in denen er auf eine leidenschaftliche Weise Heinrich Heine gegen französische Kritik (Jules Janin) in Schutz nimmt. — Man hat, in der letzten Zeit seines Lebens noch, wo er halb irre war und langsam zu Grunde gieng, Wagnersche Musik wie Medizin an ihm angewandt; und selbst wenn man nur Wagner’s Namen nannte, „il a souri d’allégresse“. (— Einen Brief dieser Art Dankbarkeit und selbst Enthusiasmus hat, wenn mich nicht Alles trügt, Wagner nur noch einmal geschrieben: nach dem Empfang der Geburt der Tragödie.)

— Wie geht es jetzt, lieber Freund? Ich habe mir geschworen, eine Zeit lang nichts mehr ernst zu nehmen. Auch dürfen Sie ja nicht glauben, daß ich wieder „Litteratur“ gemacht hätte: diesen Niederschrift war für mich; ich will alle Winter von jetzt ab hintereinander eine solche Niederschrift für mich machen — der Gedanke an „Publicität“ ist eigentlich ausgeschlossen. — Der Fall Fritzsch ist telegraphisch in Ordnung gebracht. — Herr Spitteler hat geschrieben, nicht übel, sich für seine „Unverschämtheit“ (— so sagt er selbst) entschuldigend. — Der Winter ist hart; es fehlt mir aber augenblicklich Nichts, es wäre denn eine göttliche und stille Musik, Ihre Musik, lieber Freund!

Ihr N.

Die Zeitungen und Zeitschriften, welchen Fritzsch durch ein artiges Circular letzten Herbst ein Gesammt-Exemplar meiner Schriften angeboten hatte, zum Zweck einer Besprechung, haben ihm sammt und sonders nicht geantwortet —

Overbecks Vater ist gestorben, 84 Jahr alt. Overbeck selbst ist dazu nach Dresden gereist: wie ich fürchte, zum Nachtheil seiner eigenen Gesundheit, die diesen Winter wieder Schwierigkeiten macht. — Schneestürme überall, Eisbär-Humanität.

Aus einem Briefe B<audelaire>s: „ich wage nicht mehr von W<agner> zu reden: man hat sich zu sehr über mich lustig gemacht. Diese Musik ist eine der ganz großen Freuden meines Daseins gewesen: ich habe gut fünfzehn Jahre keine solche Erhebung (vielmehr enlèvement) gefühlt.“.

1001. An Franz Overbeck in Basel

Nice, pension de Genève den 3. März 1888.

Lieber Freund,

vergieb mir, daß ich, eben im Besitz Deines guten Briefes, sofort Dich wieder mit meinen Angelegenheiten behelligen muß. Die Rechnung Lorenzens ist durchaus bedenkeneinflößend: ich kann nur einen einzigen Posten anerkennen. Die sechs ersten Posten habe ich bei meiner letzten Abreise von Leipzig bezahlt, den siebenten und achten (Dionys. und Apollodor) weder erhalten, noch je zu erhalten verlangt. Doch darüber will ich mit Lorenz selbst verhandeln. —

Dagegen beunruhigt es mich, daß Du nichts über die Bezahlung meiner Druckrechnung bei C. G. Naumann bis jetzt mir gemeldet hast. Ich habe die Rechnung in meinem vorletzten Briefe beigelegt: — muß ich fürchten, daß der Brief mit der Rechnung verloren gegangen ist? — in diesem Winter der Lawinen und Eisenbahn-Störungen scheint Viel verloren zu gehn..

Ich wundere mich seit Wochen, daß C. G. Naumann mir nicht den Empfang des Geldes signalisirt. —

Die Druckkosten der „Genealogie“ betrugen: 588 Mark 65 Pfennige.

Was den gegen Ende des Monats fällig werdenden Gehalt angeht, so bitte ich mir denselben hierher noch aus. Doch wäre ich dankbar für jeden Tag, den er früher kommt; im Grunde ist meine Zeit für Nizza abgelaufen — der Glanz der Sonne (bei übrigens kaltem Wetter) ist für meine Augen jetzt schon zu intensiv. — Sonst geht es wieder besser; auch bin ich mit meinem Winter, der lauter radikalen Problemen und Entscheidungen geweiht war, nicht übel zufrieden. — Sende einfach Basler Papier, bitte. — Der Ofen war de rigueur, Du hast Recht. Namentlich für mein Nordzimmer. Ich begreife übrigens absolut nicht, wie ich einen nordischen Winter aushielte: so sehr ich es wünschen muß, aus den allerletzten Gründen. Aber es ist selbst hier jeder eigentliche düstere und winterliche Tag, an dem die Sonne fehlt, für mich eine wahre Tortur: ich bin krank und in einer kaum glaublichen Weise gedrückt, leiblich und geistig. Dieser absurde Grad von Dependenz hat etwas Demüthigendes; aber es hilft nichts, ich muß mit diesem Faktor rechnen. Engadin und Nizza sind nicht eigentlich mehr in Frage zu ziehn: sie sind das einzig Bewiesene. Das Frühjahr macht mir Furcht; es ist mir an jedem Orte bisher mißrathen. — Das vergangene Jahrzehend mit meiner habituellen Schwäche und Reizbarkeit an Kopf und Nerven, die aus den geringsten Zufällen und Unfällen wahre Katastrophen schuf, sollte schlechterdings aus meiner Erinnerung ausgewischt werden. Aber einstweilen muß ich schon mit Tagen und Wochen zufrieden sein, wo ich es vergesse. Dieser Grad von menschlicher décrépitude, der meiner ganzen Denkweise so unangemessen wie möglich ist, hat, wie ich mir nicht verberge, meinen Stolz etwas exasperirt: schlimm genug, aber man hält die Misère nur um diesen Preis aus. — Mir ist zu Muthe, wie einem Troglodyten, dem es Mühe macht, an das Licht zu glauben; man wird extrem mißtrauisch; man wird problematisch.

Lieber Freund, es scheint mir nicht unmöglich, daß ich Dich dieses Jahr einmal wieder in Basel begrüße: obwohl ich es heute noch nicht versprechen will. Mit den herzlichsten Wünschen für Dich und Deine liebe Frau Dein

Nietzsche.

(Die Straße pet. rue St. Etienne ist jetzt umgetauft: rue Rossini)

1002. An Carl Spitteler in Basel

Nizza den 4. März 1888

Werther Herr Spitteler,

heute, statt aller Antwort, eine gute Nachricht. Es ist mir, nach vielfachen Fehlversuchen und Entmuthigungen, zuallerletzt doch noch gelungen, einen Verleger für die Herausgabe Ihrer Aesthetica zu interessiren. So eben schrieb mir der Chef eines der angesehensten Leipziger Häuser (Firma Veit und Co), Herr Hermann Credner, in einer Weise, die nicht anders als entgegenkommend genannt werden kann: er verspricht diese Angelegenheit im Auge zu behalten. Ich hatte ihm Ihre Kritik des modernen Orchesters übersandt, zugleich mit einem längeren Briefe: er sagt, daß er diese Kritik „mit Spannung und Genuß“ gelesen habe. Insgleichen sprach ich ihm von einer früheren Abhandlung, die im Bund erschienen ist, dramaturgische Fragen behandelnd. (Diese beiden Aufsätze werden, wie ich voraussetze, jener Sammlung von Aestheticis einverleibt? Wenigstens habe ich dies zu verstehen gegeben) — Die Frage der Ausstattung, ebenso wie die des Honorars ist natürlich nicht berührt worden: darüber Vorschläge zu machen steht bei Ihnen. Zunächst aber thut es Noth, genau zu formulieren, was der Band enthalten soll; insgleichen seine ungefähre Ausdehnung und Bogenzahl.

— Und seien Sie, im Verkehre mit diesem etwas verwöhnten und anspruchsvollen Verleger (der aus einer alten Leipziger Professoren-Familie stammt und überdies der Verleger des deutschen Reichsgerichts ist) nicht zu „schweizerisch“!…

— Mit dem Wunsch, Ihnen auch fürderhin einen Dienst erweisen zu können

Ihr Dr. Nietzsche Prof

(Credner gehört, nach seinem eignen Ausdruck, zu den amateurs meiner Litteratur)

Adresse: Herrn Hermann Credner (Veit & Co) Leipzig (Johannisgasse)

1003. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, den 5. März 1888.

Meine liebe gute Mutter,

heute morgen hätte ich Dir ohne Zweifel einen kleinen Brief geschrieben, selbst wenn nicht Deine herzliche Mahnung bei mir angelangt wäre. Es lag Alles schon bereit dazu. Außerdem hat sich mein Zustand wirklich verbessert und die bösen Wochen der Melancholie sind wieder überwunden. Es betrübt mich, daß ich zwei so düstere Briefe an Dich abgesandt habe: aber es giebt Zeiten, wo man nicht mehr Herr über sich ist und Dinge thut, die man beim ersten Sonnenstrahle kaum mehr begreift. Der Winter war übrigens für alle Welt hart und traurig machend: und für eine solch delikate und krankhafte Maschinerie, wie ich es bin, besonders. Die Nachrichten von San Remo haben auch nichts Wohlthuendes: dies System von Lüge und willkürlicher Entstellung der Fakten, wie es diese Engländerin, im Bunde mit einem nichtswürdigen englischen Arzte, von einem Monat in den andern fortsetzt, hat sogar die Ausländer empört, gar nicht zu reden von dem deutschen Arzte, von der ganzen kaiserlichen Familie, von Bismarck. Ich bin durch einen Zufall sehr gut, zu gut über die intima intimissima dieser schauerlichen Geschichte unterrichtet. — Wir haben übrigens, seit dem 1. März, hier den großen Zollkrieg zwischen Italien und Frankreich: unsre Provinz ist am stärksten durch denselben betroffen. Nizza bezog Alles, was man zur Ernährung nöthig hat, aus Italien: — Fleisch, Eier, Butter, Gemüse, Wein, Oel. Der Zollkrieg, mit seinen unerhörten Taxen, macht einfach einen Schnitt zwischen den beiden Ländern: so daß die ganze Küste versuchen muß, sich anderswoher ihre Nahrungsmittel zu schaffen. Man will eine direkte Dampfschiffverbindung zwischen Nizza und Algier herstellen, dieser Tage schon: 42 Stunden Fahrt zwischen hier und Afrika. —

Trotzdem: wie gut, daß man in Europa ist, sei es nun in Naumburg, oder in Nizza — und nicht in diesem erstaunlich unanmuthigen Paraguay! Der Bericht ist sehr ehrlich, ich glaube wirklich nicht, daß er irgendwelche gute Seite verschweigt. Offenbar ist das Leben in der Hauptstadt und das Leben in dieser Wald- und Wüsten-Wildniß etwas recht Verschiedenes; in der ersteren wird man immer noch glauben, in Europa zu sein. Nichts für uns! meine gute Mutter! —

Fritzsch hat telegraphisch die Sache in Ordnung gebracht; auch einen entschuldigenden Brief geschickt. Ich danke sehr für den kleinen Hochdruck, den Dein Brief ausgeübt hat.

Inzwischen ist Overbecks Vater in Dresden gestorben; insgleichen Köselitzens Leipziger Schwester. Man hat überall zu tragen und zu überwinden. — Deine freundliche und liebe Einladung, den Frühling in Naumburg zu verbringen, stimmt leider in keinem Punkte jetzt zu dem, was meine absurde Gesundheit verlangt. Erstens: ich darf nicht weit reisen, ich halte es nicht aus. Zweitens: ich habe das größte Mißtrauen gerade gegen den deutschen Frühling und denke mit Schrecken an das Gefühl von Schwäche und Entmuthigung, das der letzte Frühling in Naumburg und Leipzig bei mir hervorgebracht hat. Es steht noch nicht fest, wohin ich gehe; aber nicht gar weit, und etwas in die Berge, wo eine kräftige Luft weht; und so daß ich den Zugang zum Engadin im Auge behalte (für Mitte Juni: eher kann man nicht hinauf)

Zuletzt, meine gute Mutter, macht es Dir etwas, mir die 96 Mark hierher, nach Nizza, zu schicken? Oder hast Du gerade jetzt kein Geld? Ich bin nämlich in einiger Verlegenheit, und wäre dankbar, jetzt Geld geschickt zu bekommen. Paßt es Dir nicht, so würde ich Hrn. Kürbitz darum angehn. (Am einfachsten ein Hundert-Mark-Schein. Der Brief recommandirt, aber das Geld nicht darauf bezeichnet. Oder auch ein Hundert-Franken-Schein (96 Mark = 115 frs.) dies vorzuziehen.

In herzlicher Liebe und Dankbarkeit
Dein altes Geschöpf

1004. An M. Pfyffer in Viznau (Entwurf)

<Nizza, Mitte März 1888>

Sehr geehrter Herr

Ich möchte gern mich mit Ihnen für den Fall verständigen, daß ich Ende dieses Monats zu einem langen Aufenthalt bei Ihnen eintreffe. Eine Schweizerin, die Sie kennen und deren freundliche Grüße ich Ihnen auszurichten habe, Frau Fäsi aus Zürich, macht es mir wahrscheinlich, daß ich in Ihrem Hause das finden könnte, was ich vor allem nöthig habe, sei es für meine Gesundheit, sei es für meine Arbeiten: Ruhe. Ein Südzimmer, eingerichtet für den Gebrauch eines Gelehrten, ein Bett mit einer guten festen Matratze, eine Chaise longue — das würde ebenfalls zu schaffen sein.

Ich setze voraus, daß wir uns über einen Tagespreis der Pension von 4 1/2 frs. tout compris arrangiren werden: wobei ich ausdrücklich bemerke, daß ich mir frühmorgens meinen Thee selbst bereite, nach alter Gewohnheit, somit in den Pensionspreis nur die zwei Haupt-Mahlzeiten, das Zimmer und die Bedienung einbegriffen sind. Man lobt mir Ihre Küche.

Es wäre mir werthvoll, für mich einen guten Zwischenaufenthalt für den Frühling ausfindig zu machen: meine Versuche in den letzten Jahren sind mir nicht zum Besten meiner Gesundheit ausgeschlagen.

1005. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nice d. 20. März 1888.

Meine liebe Mutter

Du hast mir mit Deiner Sendung und dem sie begleitenden Briefe eine große Freude gemacht: beinahe als ob Du mir ein Geschenk gemacht hättest. Ich war gerade etwas knapp daran mit Finanzen; und vielleicht habe ich schon geschrieben, daß diesen Winter mein Leben im Hôtel sich vertheuert hat. Trotzdem sind auch jetzt noch die Bedingungen, unter denen ich hier lebe, bedeutend unter den durchschnittlichen, die Jedermann hier im Hause zu zahlen hat; und andrerseits habe ich auch diesen Winter etwas, das ich sonst nicht hatte: ein Zimmer, das mir gefällt, hoch, mit einem ausgezeichneten Lichte für meine Augen, neu hergerichtet, mit großem schwerem Tisch, chaise longue, Bücherschrank und mit dunklen roth-braunen Tapeten, die ich selbst ausgewählt habe. Es scheint mir immer noch, daß ich an Nizza festzuhalten habe: sein klimatischer Einfluß ist so wohlthätig wie kein andrer auf mich. Ich kann hier gerade noch einmal so viel Gebrauch von meinen Augen machen als anderswo. Der Kopf ist unter diesem Himmel freier geworden, von Jahr zu Jahr; die unheimlichen Folgen jahrelangen Siechthums in der Nähe und Erwartung des Todes treten hier milder auf. Ich will nicht vergessen, daß auch meine Verdauung hier besser ist als sonst wo; vor allem aber, mein Geist fühlt sich hier aufgeweckter und trägt im Allgemeinen seine Bürde leichter — ich meine die Bürde eines Lebenslooses, zu dem ein Philosoph einmal verurtheilt ist. Ich gehe Vormittags eine Stunde, Nachmittags drei Stunden durchschnittlich spazieren, in scharfem Schritte — Tag für Tag den gleichen Weg: er ist schön genug dazu. Nach dem Abendessen sitze ich noch bis 9 Uhr im Salon, unter fast lauter Engländern und Engländerinnen, bei einer Lampe mit Lampenschirm an meinem Tische. Ich stehe halb sieben auf und mache mir meinen Thee selbst: dazu einige Zwiebäcke. Um 12 Uhr das Frühstück; um 6 Uhr die Hauptmahlzeit. Kein Wein, kein Bier, keine Spirituosen, kein Kaffe: größte Gleichmäßigkeit in der Lebens- und Ernährungsweise. Seit vorigem Sommer habe ich mich an Wassertrinken gewöhnt: ein gutes Zeichen, ein Fortschritt. Übrigens war ich gerade jetzt drei Tage krank: doch ist heute wieder Alles in Ordnung. Für Ende März denke ich Nizza zu verlassen: der Lichtglanz ist mir bereits zu stark, auch die Luft schon zu weich, zu frühlingsmäßig. Es ist möglich, daß ich noch Besuch bekomme: nämlich Seydlitz, der auf seiner Rückreise von Aegypten „mit Weib, Mutter, Hund und Diener“ bei mir eintreffen will. Auch der alte Freund Gersdorff schrieb wieder guter Dinge: er hatte gerade seinen Monat Dienst in Berlin hinter sich (— er ist Kammerherr der alten Kaiserin) Aber das Schönste war ein langer Brief vom Lama: acht Seiten voll lauter herzlicher und sogar gescheuter Dinge. Noch in Asuncion geschrieben; aber voll guten Muths („gewiß, ich habe ein Lebensloos, zu dem ich passe, das ist eine schöne Sache“ —) Doch drückt sie Besorgniß aus, daß es die nächste Zeit zu viel zu thun giebt: weil eine Unmasse neuer Colonisten angemeldet sind, und vielleicht noch nicht genug dazu vorbereitet ist. — Ich vergaß zu erzählen, daß ein alter Schulkamerad (mein „Unterer“), der Lieutenant Geest hier in Pflege der Diakonissen vom rothen Kreuz ist: ich gehe zuweilen hin. Sehr norddeutsche Atmosphäre: Frau von Münchow, Frl. von Diethfurth usw. Meine Tischnachbarin ist auch diesen Winter wieder die Baronin Plänckner, eine geb. Seckendorf<f>: und als solche mit allen Seckendorf<f>s am Hofe und in der Armee in allernächstem Verkehr (z. B. mit dem Grafen Seckendorf<f>, der, wie bekannt bei der neuen Kaiserin die „rechte Hand“ ist — und noch etwas mehr!) Auch ist sie mit dem Geheimrath von Bergmann nahe befreundet und selbst in seiner Kur: so daß ich über die Dinge in San Remo sehr gut unterrichtet war. Ich habe sogar Blätter, die der Kronprinz ein Paar Tage vor seiner Abreise geschrieben hat, in den Händen gehabt. - - -

So viel, meine liebe gute Mutter! Es umarmt Dich in Dankbarkeit

Dein altes Geschöpf.

Ich möchte Dir gerne eine förmliche Quittung über die Zahlung der ersten Jahres-Zinsen ausstellen: denn so ist es in der Ordnung. Nun bitte ich mir erst zu sagen, was ich schreiben soll.

Grüße, mit herzlicher Antheilnahme, Herrn und Frau Rektor Volkmann von mir. Was macht Heinze? Fast habe ich ihn erwartet. Übrigens war ein Leipziger Professor zwei Tage hier im Hause.

1006. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nice (France) pension de Genève 21. März 1888

Werthester Herr Fritzsch,

inzwischen ist mir noch Jemand bekannt geworden, der auf eine intelligente Weise das Bekanntwerden meiner Schriften fördert: das ist Herr P. Michaelis, Domhülfsprediger in Bremen. Derselbe ist für die Nationalzeitung thätig: welche in den letzten zwei Jahren bereits zwei Mal über mich (resp. über Bücher von mir) Aufsätze gebracht hat. Ersichtlich kennt er die „Morgenröthe“ und die „fröhliche Wissenschaft“ nicht: ich würde Ihnen vorschlagen, diese beiden Bücher ihm zu übersenden zugleich mit der beiliegenden Karte von meiner Seite.

Adresse: Bremen. Am Deich 55.

Der ausgezeichnete Däne, Dr Brandes, hat seit dem Empfang der Schriften schon zwei Mal wieder geschrieben, jedes Mal sich unterzeichnend „Ihr aufmerksamer und dankbarer Leser“

Mich bestens empfehlend und mit angelegentlichem Glückwunsche zu dem bevorstehenden Familien-Feste

Ihr ergebenster
Prof. D. Nietzsche.

1007. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nice, pension de Genève (rue Rossini)21. März 1888

Lieber Freund

inzwischen hat die Gesundheit viel Störung gegeben: sonst hätten Sie längst einen Dankesbrief erhalten. Ich war durch Alles, was Sie mir das letzte Mal in puncto Wagneri schrieben, geradezu erbaut. Sie sind heute der Einzige, der solche Geschmacks-finesses nicht nur haben, sondern auch begründen kann: während ich umgekehrt mich in meiner absurderen Weise zum bloßen Tasten und Tappen verurtheilt fühle. Ich kenne nichts mehr, ich höre nichts mehr, ich lese nichts mehr: und trotzalledem giebt es Nichts, was mich eigentlich mehr angienge als das Schicksal der Musik.

Nicht zu vergessen: ich habe doch etwas gehört — drei Sachen von Offenbach (la Pericholle, la grande Duchesse, la fille du tambour-major) — und war entzückt. Vier, fünf Mal in jedem Werke erreicht er einen Zustand übermüthigster Bouffonerie, aber in der Form des klassischen Geschmacks, absolut logisch — und dabei noch wunderbar Pariserisch!.. Dabei hat dieses verwöhnte Menschenkind das Glück gehabt, die geistreichsten Franzosen zu Librettisten zu haben: Halévi, der jüngst wegen dieser Geniestreiche la belle Helène etc. in die Akademie aufgenommen worden ist, Meilhac und Andere. Die Texte Offenbachs haben etwas Bezauberndes und sind wahrscheinlich das Einzige, was die Oper zu Gunsten der Poesie bisher gewirkt hat. —

Mottl, nach dem Sie fragten, hat nichts mehr von sich hören lassen. Ich notiere Ihnen noch ein Wort Seydlitzens, der jüngst aus Aegypten schrieb und wahrscheinlich mir, „zusammen mit Weib, Mutter, Hund und Diener“ auf seiner Rückreise einen Besuch abstatten wird. Er beklagt sich über den dort wehenden Chamsin „der einer ins Meteorologische übersetzten Brahmsschen Symphonie gleicht: rücksichtslos, sandig, trocken, unbegreiflich, nervenzerrüttend, etwa ein zehnfacher scirocco“. — Auch der alte Freund Gersdorff hat wieder geschrieben, mit vieler und herzlicher Erinnerung auch an Sie („— ich denke mit Vergnügen an die guten Stunden, die ich mit ihm und durch ihn erlebte und die nur durch Nerina und Rascovicz getrübt wurden) Auch sagt er „wie viel Kraft und Muth muß man haben, um heute gute Musik zu machen. Es giebt heute kaum einen Menschen, dem Wagner nicht das Concept verrückt hätte“. Gersdorff hatte eben seinen Hofdienst wieder hinter sich: er ist, wie Sie wissen werden, Kammerherr der alten Kaiserin. —

Etwas ist mir gelungen, worüber Sie lachen werden: ich habe jenem Spitteler (unangenehmen Angedenkens), unaufgefordert, aber im Bewußtsein, daß sonst Niemand etwas für ihn thut, einen Verleger für einen dicken Band Aesthetica verschafft: Firma Veit & Co (Hermann Credner in Leipzig, ein „amateur“ meiner Litteratur) Sp<itteler> hat sich gehütet, mir dafür zu danken. —

Von Kopenhagen kommen öfters Briefe, immer sehr intelligent, aber auch voll vieler Zeichen einer leidenden Existenz: B<randes> ist dermaaßen im Krieg und allein, daß er Jemanden nöthig zu haben scheint, zu dem er persönlich redet. Das Angenehmste war ein langer Brief meiner Schwester, deren Unternehmung überraschend für sie selber geräth: sie haben jetzt 80 Deutsche und 3 Schweizer auf der Colonie „Nueva Germania“, und es sind so Viele für die nächsten Monate angekündigt, daß man fürchtet, nicht genug vorbereitet zu sein. —

Eben traf eine intelligente und nicht unsympathische Besprechung meiner „Genealogie“ in der Nationalzeitung ein: abgesandt von dem Verfasser, P. Michaelis, Domhülfsprediger in Bremen. „Nietzsche ist grob, aber —“

So viel, lieber Freund: es ist wenig genug. Nun stehe ich wieder vor der widerlichen Erwägung, was ich mit mir die nächsten Monate anfangen soll, bis ich wieder hinauf kann .. Es ist eine schlechte Zeit, es sind alle Versuche und Orte eigentlich mißrathen — noch vom letzten Jahr her habe ich den greulichsten Nachgeschmack von dieser Zwischenzeit, die mich schwach macht und entnervt. Wohin?.. Denn mit Nizza ist es wieder vorbei; der Lichtglanz ist zu stark, die Luft schon zu weich. Zürich? Nimmermehr! Die italiänischen Seen? — drückend, herabstimmend! Die Schweiz? noch zu winterlich, wolkig, nebelig. Ich habe diese ganze Nacht gewacht in der Unruhe solcher Fragen. —

Mein alter Freund und maestro, es wünscht Ihnen einen guten Morgen

Ihr
Nietzsche

Verzeihung, daß der Brief endet, wie er nicht enden sollte, — ich thue so viel Verkehrtes.

1008. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Nice 22. März 1888.

Lieber Freund, die Recrudescenz des Winters macht mich anders über die nächste Zukunft denken; insbesondere scheint es mir noch lange nicht erlaubt, in die Schweiz zu reisen. Unter diesen Umständen würde ich Dich bitten, einen Theil des zu erwartenden Gehalts in italiänischem Papier mir zu übermitteln (vielleicht 300 frs.)

Deine Mittheilung, daß das Haus wieder verkauft ist, hat mich geradezu erschreckt. Bist Du denn von einem besonderen noch unentdeckten Dämon heimgesucht, einem deus ignotus Basileensis? Ich bedaure Dich und Deine liebe Frau aufs Höchste.

N.

(Die Gesundheit wieder rückwärts.)

Lorenz hat die Rechnung annullirt und sich sehr entschuldigt. —

1009. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 27. März 1888

Verehrter Herr,

ich wünschte sehr, Ihnen für einen so reichen und nachdenklichen Brief schon früher gedankt zu haben: aber es gab Schwierigkeiten mit meiner Gesundheit, so daß ich in allen guten Dingen arg verzögert bin. An meinen Augen, anbei gesagt, habe ich einen Dynamometer meines Gesammtbefindens: sie sind, nachdem es in der Hauptsache wieder vorwärts, aufwärts geht, dauerhafter geworden, als ich sie je geglaubt habe, — sie haben die Prophezeiungen der allerbesten deutschen Augenärzte zu Schanden gemacht. Wenn die Herren Gräfe et hoc genus omne Recht behalten hätten, so wäre ich schon lange blind. So bin ich — schlimm genug! — bei Nr. 3 der Brille angelangt, aber ich sehe noch. Ich spreche von dieser Misère, weil Sie die Theilnahme zeigten, mich darnach zu fragen, und weil die Augen in den letzten Wochen besonders schwach und reizbar waren. —

Sie dauern mich in Ihrem dies Mal besonders winterlichen und düsteren Norden: wie hält man da eigentlich seine Seele aufrecht! Ich bewundere beinahe Jedermann, der unter einem bedeckten Himmel den Glauben an sich nicht verliert, gar nicht zu reden vom Glauben an die „Menschheit“, an die „Ehe“, an das „Eigenthum“, an den „Staat“…

In Petersburg wäre ich Nihilist: hier glaube ich, wie eine Pflanze glaubt, an die Sonne. Die Sonne Nizza’s — das ist wirklich kein Vorurtheil. Wir haben sie gehabt, auf Unkosten vom ganzen Reste Europa’s. Gott läßt sie mit dem ihm eigenen Cynismus über uns Nichtsthuer, „Philosophen“ und Grecs schöner leuchten als über dem so viel würdigeren militärisch-heroischen „Vaterlande“ —

Zuletzt haben auch Sie, mit dem Instinkte des Nordländers, das stärkste Stimulans gewählt, das es giebt, um das Leben im Norden auszuhalten, den Krieg, den aggressiven Affekt, den Wikinger-Streifzug. Ich errathe aus Ihren Schriften den geübten Soldaten; und nicht nur die „Mittelmäßigkeit“, noch mehr vielleicht die Art der selbständigeren und eigeneren Naturen des nordischen Geistes mag Sie beständig zum Kampfe herausfordern. Wie viel „Pfarrer“, wie viel Theologie ist in all diesem Idealismus noch rückständig!… Dies wäre für mich schlimmer noch als bedeckter Himmel, sich über Dinge entrüsten zu müssen, die Einen nichts angehn! —

Ihr Erlebniß mit dem Leipziger Verleger Herrn Hermann Credner verstehe ich nur zu gut. Auch ich war vor zwei Jahren tief mit ihm engagirt, habe aber bei dem ersten Anzeichen seiner absurden Verleger-Selbstherrlichkeit einen solchen Schreck gehabt, daß ich brüsk mein Manuscript telegraphisch zurückforderte. Er ist voriges Jahr gerichtlich verurtheilt worden, weil er sich erlaubt hatte, in einer Geschichte der neueren deutschen Politik hinter dem Rücken des Autors durch eine heimtückische Nachcorrektur die ganze Tendenz des Werkes umzudrehn! — Er ist der Verleger des deutschen Reichsgerichts. —

So viel für dies Mal: es ist wenig genug. Ihre „deutsche Romantik“ hat mich darüber nachdenken machen, wie diese ganze Bewegung eigentlich nur als Musik zum Ziel gekommen ist (Schumann, Mendelsohn, Weber, Wagner, Brahms): als Litteratur blieb sie ein großes Versprechen. Die Franzosen waren glücklicher. — Ich fürchte, ich bin zu sehr Musiker, um nicht Romantiker zu sein. Ohne Musik wäre mir das Leben ein Irrthum. — Es grüßt Sie, verehrter Herr, herzlich und dankbar

Ihr
Nietzsche

1010. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 31. März 1888>

Lieber Freund,

so weit ist Alles vorbereitet, daß ich übermorgen früh nach Turin abreise. Ich glaube mich zu erinnern, daß Sie selbst mir einmal zu diesem Versuche gerathen haben. Meine Absicht ist, daselbst zwei Monate zu bleiben, um dann direkt in’s Engadin zu gehn. Man rühmt mir die trockne Luft, die stillen Straßen, die außerordentliche Ausdehnung der Stadt, so daß ich, ohne mich dem Sonnenlicht auszusetzen, große Wege machen kann. Hier gieng es nicht zum Besten. — Wie mag es in Ihrem Venedig sein? Ich bin öfters darnach gefragt worden, da die vortrefflichen Köchlin’s dorthin verreisen wollen. Der Winter ist ein hartnäckiger Gesell, überall: nur hier nicht, scheint es. Meine Tischnachbarin, die Baronin Plänckner reist nach Corte ab: es geräth mir immer, Andre zu dem zu verführen, wozu ich selbst nicht den Muth habe.

Ihnen von Herzen zugethan
N.

Adresse: Torino, ferma in posta.

1011. An Elisabeth Förster in Nueva Germania

Nizza, Sonnabend vor Ostern <31. März> 1888

Dies Mal, mein liebes Lama, bekommst Du auch den letzten Brief, den ich in Nizza schreibe, wie Du den ersten von diesem Winter bekommen hast. Es macht mir großes Vergnügen zu denken, daß er Dich in Deiner neuen und selbstgeschaffenen Heimat begrüßen wird — und er soll Dir und Deinem Bernhard meine allerherzlichsten Glückwünsche an der Schwelle dieses neuen Daseins zu Füßen legen. Nach Allem, was Du schreibst, zieht die Hoffnung zugleich mit Euch dort ein: und wenn wahrscheinlich das Leben etwas streng und arbeitsam sein wird, so dürft Ihr Euch mit dem Dichter trösten, der ungefähr gesagt hat: „nur der verdient die Freiheit und das Leben in Nueva Germania, der täglich sie erobern muß“ …

Was Du vom „Lebensloose“ sagst und „daß es eine schöne Sache sei, dazu zu passen“, scheint mir wirklich in Deinem Falle keine Selbsttäuschung. Es ist alles überraschend gut vorwärts gegangen: so daß es mir mitunter beikommt, Deine Attitüde nachzuahmen, von der Du schreibst und „mich auf den Rücken zu legen“. Auch dürft Ihr in jedem Sinn damit zufrieden sein, im lieben Europa zu fehlen: dieses starrt heute mit dem Heroismus eines Igels in Waffen und hat alle Sorten von Damokles-Schwertern über sich aufgehängt. Ich rede noch nicht einmal vom Winter, vom härtesten Winter, von dem die berühmten „ältesten Leute“ wissen: der gebildete Europäer ist im Kampfe mit allen Elementen — und, wie bekannt „die Elemente hassen den gebildeten Europäer“. Zum Mindesten glaubte Schiller so etwas Ähnliches. —

Wir hier in Nizza sind nicht schlecht dabei weggekommen: Gott läßt, wie es scheint, mit einem an ihm nicht ungewöhnlichen Cynismus, die Sonne über Deinen philosophisch-nihilistischen Nichtsnutz von Bruder schöner leuchten als über Herrn von Bismarck und die deutsche reichsfromme Tugend. Ich wollte, ich hätte selber diesen Winter etwas mehr „geleuchtet“: aber es gab düstere Wochen, wo ich wie ein verdrossener Bär in der Höhle saß. Trotzdem glaube ich, daß es in der Hauptsache vorwärts gegangen ist und daß ich einen Schritt mehr aus der vieljährigen Misère und Décadence herausgetreten bin. Auch erleichtert es mich, meine „Litteratur“ abgethan zu haben: ich bin sogar gebildet genug, sie nicht mehr zu mögen. Man schreibt keine Meisterwerke im Zustande der décadence: das gienge gegen die Naturgeschichte! —

Wie sehr ich eigentlich krank gewesen bin, das weiß im Grunde Niemand. Und es ist gut so. —

Übermorgen früh geht es nach Torino: das ist ein neuer Versuch, die Zwischenzeit bis zum Engadin (c. 10. Juni) auszuhalten, nachdem mir alle bisherigen Versuche schmählich und schmerzlich mißrathen sind. Der Frühling ist meine schwache Zeit. Turin hat eine energische Luft, sagt man mir, die trocken ist: es ist reinlich, großstädtisch, ruhig, sehr ausgedehnt, so daß es mir erlaubt, lange Wege im Schatten zu machen: während die Reizbarkeit meiner Augen gerade in den Frühlingsmonaten besonders groß ist. Auch bin ich der Schweizer etwas satt: zu viereckig und unbeholfen, wie auch der Schweizer Städte. — Nach dem Engadin ein Monat (c. 20. Sept. — 20. Okt.) Venedig: um den ersten Musiker, der jetzt lebt, zu erheitern und mich durch ihn. Dann, wahrscheinlich, wieder Nizza. — Es fehlen mir alle Wünsche. Wozu sollte Irgend-Etwas anders werden?… Nur brauche ich eine Art von Besinnung und Concentration, die nicht ihres Gleichen hat — von wegen der berühmten „Lebensaufgabe“, zu der ich bisher, wie ich fürchte, gar nicht gepaßt habe.

Mein liebes Lama, es umarmt Dich und Deinen „conquistadore da Nueva Germania“ viele Male

Dein Fritz

1012. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, Sonnabend vor Ostern <31. März 1888>

Eben, meine liebe Mutter, ist Dein so herzlicher Brief eingetroffen: ich beantworte ihn sofort, weil es der letzte Augenblick ist, noch ein paar Worte zu schreiben und weil ich Dir für die nächsten Monate meine Adresse geben muß. Ich reise Montag Morgen ab, nach Turin dies Mal: ein neuer Versuch, die für mich so bedenkliche und schädliche Zeit den Frühling auszuhalten. Turin wird von Nizza in Einem Tage erreicht: Morgens um 6 Uhr fort, Abends um 1/2 7 Ankunft. Turin ist eine große Stadt, mit prachtvollem Pflaster und weiten stillen Straßen: da kann ich Stunden lang, geschützt vor der Sonne spazierengehn, und in einem kräftigen Clima: denn die Alpen sind nicht weit davon, und die Winde kommen von dort. Auch liegt es etwas hoch. Hoffentlich mißräth der Versuch nicht. Mein Wunsch ist, die Monate April und Mai dort zuzubringen und dann direkt ins Engadin zu gehn. Es ist Alles nicht zu sehr von einander abseits. — Hier hatten wir ein sehr unruhiges Wetter, mitunter unausstehlich schwül, mächtige Gewitter, sehr frühlingsmäßig und den Nerven unzuträglich. Ich mußte meine Spaziergänge aufgeben. Auch der Wind weht jetzt am Tage ganz unangenehm gewaltsam. —

Das Hôtel ist immer noch voll; die Wintersaison zieht sich dies Mal sehr in die Länge. Daß ich „lebe wie ein Graf“, wie Du schreibst, hat mich lachen gemacht: oh, es steht nicht gerade so mit mir, daß ich hier zu beneiden wäre. —

Anbei in der Form, die Du vorschlägst, das Quittungsbüchlein.

Von Herzen Dich umarmend

Dein altes Geschöpf.

Ich schreibe eben auch an’s Lama. Dies Mal bekommt es den letzten Brief aus Nizza, wie ich ihr den ersten diesen Winter geschrieben habe. —

Adresse Al Sigre illustmo Signore Dottore Nietzsche ferma in posta Torino Italia

1013. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, den 7. April 1888.

Lieber Freund,

wie hat mir das wohlgethan! Der erste Gruß, der mich hier empfieng, war von Ihnen; und der letzte, der mich in Nizza erreichte, war auch von Ihnen. Und wie gute seltsame Dinge meldeten Sie! Daß Ihr Quartett in irgend welcher kalligraphischen Vollkommenheit vor Ihnen liegt und daß Sie seinethalben nun auch diesen Winter segnen! Im Grunde wird man eine sehr anspruchsvolle Art Mensch, wenn man bei sich sein Leben durch Werke sanktionirt: namentlich verlernt man damit, den Menschen zu gefallen. Man ist zu ernst, sie spüren das: es ist ein teufelsmäßiger Ernst hinter einem Menschen, der vor seinem Werke Respekt haben will..

Lieber Freund, ich benutze die erste Windstille einer sehr stürmischen Fahrt, um an Sie zu schreiben. Vielleicht giebt mir dies einige Ruhe und Haltung: denn ich war bisher außer Rand und Band und bin noch nie unter so ungünstigen Verhältnissen gereist. Ist es möglich, zwischen Montag und Samstag so viel absurde Dinge zu erleben! Es mißrieth Alles, von Anfang; ich lag zwei Tage krank, wo? — in Sampierdarena. Glauben Sie ja nicht, daß ich dahin habe reisen wollen. Nur mein Koffer hatte die ursprüngliche Intention nach Turin festgehalten; wir Andern, nämlich mein Handgepäck und ich, giengen in verschiednen Richtungen auseinander. Und wie theuer war die Reise! Wie bereicherte man sich an meiner Armut! Ich bin wirklich nicht gemacht mehr zum Alleinreisen: es regt mich zu sehr auf, so daß ich Alles dumm anfange. Auch hier gieng es zunächst drunter und drüber. Nachts schlaflos, erstaunt, nicht begreifend, was der Tag Alles gebracht hatte. — Wenn ich Sie einmal wieder sehe, will ich Ihnen eine Scene in Savona beschreiben, die einfach in die fliegenden Blätter gehörte. Nur machte sie mich krank. —

In Genua bin ich herumgegangen wie ein Schatten unter lauter Erinnerungen. Was ich einstmals dort liebte, fünf sechs ausgesuchte Punkte, gefiel mir jetzt noch mehr: es schien mir von unvergleichlicher bleicher noblesse und hoch über Allem, was die Riviera bietet. Ich danke meinem Schicksal, daß es mich in diesen harte und düstre Stadt in den Jahren der décadence verurtheilt hatte: geht man aus ihr heraus, so ist man auch jedes Mal aus sich heraus gegangen — der Wille weitet sich wieder, man hat nicht den Muth mehr, feige zu sein. Ich war nie dankbarer als bei dieser Eremitage bei Genua. —

Aber Turin! Lieber Freund, seien Sie beglückwünscht! Sie rathen mir nach dem Herzen! Das ist wirklich die Stadt, die ich jetzt brauchen kann! Dies ist handgreiflich für mich und war es fast vom ersten Augenblick an: wie schauderhaft auch die Umstände meiner ersten Tage waren. Vor allem miserables Regenwetter, eisig, unbeständig, auf die Nerven drückend, mit schwülen halben Stunden dazwischen. Aber was für eine würdige und ernste Stadt! Gar nicht Großstadt, gar nicht modern, wie ich gefürchtet hatte: sondern eine Residenz des 17 Jhs. welche nur Einen commandirten Geschmack in Allem hatte, den Hof und die noblesse. Es ist die aristokratische Ruhe in Allem festgehalten: es giebt keine mesquinen Vorstädte; eine Einheit des Geschmacks, die bis auf die Farbe geht (die ganze Stadt ist gelb, oder rothbraun) Und für die Füße wie für die Augen ein klassischer Ort! Was für Sicherheit, was für Pflaster, gar nicht zu reden von den Omnibus und trams, deren Einrichtung hier bis ins Wunderbare gesteigert ist! Man lebt, scheint es, billiger hier als in den andern großen Städten Italiens, die ich kenne; auch hat mich noch Niemand betrogen. Man hält mich für einen „ufficiale tedesco“ (während ich diesen Winter im offiziellen Fremden-Verzeichniß Nizza’s comme Polonais figurirte) Nein, was für ernste und feierliche Plätze! Und der Palaststil ohne Prätension; die Straßen sauber und ernst — und Alles viel würdiger als ich es erwartet hatte! Die schönsten Cafés, die ich sah. Diese Arkaden haben bei einem solchen Wechsel-Clima etwas Nothwendiges: nur sind sie großräumig, sie drücken nicht. Abends auf der Pobrücke: herrlich! Jenseits von Gut und Böse!!

Das Problem bleibt das Wetter Turins. Ich habe außerordentlich bisher unter ihm gelitten: ich erkannte mich kaum wieder. — Es grüßt Sie in dankbarer Ergebenheit Ihr Freund

Nietzsche

1014. An Georg Brandes in Kopenhagen

Torino (Italia) ferma in posta den 10. April 1888.

Aber, verehrter Herr, was ist das für eine Überraschung! — Wo haben Sie den Muth hergenommen, von einem vir obscurissimus öffentlich reden zu wollen!.. Denken Sie vielleicht, daß ich im lieben Vaterlande bekannt bin? Man behandelt mich daselbst, als ob ich etwas Absonderliches und Absurdes wäre, etwas, das man einstweilen nicht nöthig hat, ernst zu nehmen… Offenbar wittern sie, daß auch ich sie nicht ernst nehme: und wie sollte ichs auch, heute, wo „deutscher Geist“ ein contradictio in adjecto geworden ist! —

Für die Photographie bedanke ich mich auf das Verbindlichste. Leider giebt es nichts dergleichen auf meiner Seite: die letzten Bilder, die ich besaß, hat meine Schwester, die in Südamerika verheirathet ist, mit davon genommen.

Anbei folgt eine kleine vita, die erste, die ich geschrieben habe. Was die Abfassungszeiten der einzelnen Bücher betrifft, so stehen sie auf dem Titel-Rückblatt von „Jenseits von Gut und Böse“. Vielleicht haben Sie das Blatt nicht mehr.

„Die Geburt der Tragödie“ wurde zwischen Sommer 1870 und Winter 1871 abgefaßt (beendet in Lugano, wo ich zusammen mit der Familie des Feldmarschall Moltke lebte)

Die „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ zwischen 1872 und Sommer 1875 (es sollten 13 werden: die Gesundheit sagte glücklicher Weise Nein!)

— Was Sie über „Schopenhauer als Erzieher“ sagen, macht mir große Freude. Diese kleine Schrift dient mir als Erkennungszeichen: wem sie nichts Persönliches erzählt, der hat wahrscheinlich auch sonst nichts mit mir zu thun. Im Grunde steht das Schema darin, nach dem ich bisher gelebt habe: sie ist ein strenges Versprechen.

„Menschliches, Allzumenschliches“ sammt seinen zwei Fortsetzungen Sommer 1876—1879. Die „Morgenröthe“ 1880. Die „fröhliche Wissenschaft“ Januar 1882. Zarathustra 1883 — 85 (jeder Theil in ungefähr zehn Tagen. Vollkommener Zustand eines „Inspirirten“, Alles unterwegs, auf starken Märschen concipirt: absolute Gewißheit, als ob jeder Satz Einem zugerufen wäre. Gleichzeitig mit dem Gefühl größter körperlicher Elasticität und Fülle —)

„Jenseits von Gut; und Böse“, Sommer 1885 im Oberengadin u. den folg. Winter in Nizza.

Die „Genealogie“, zwischen dem 10. und 30. Juli 1887 beschlossen, durchgeführt und druckfertig an die Leipziger Druckerei geschickt.

(Natürlich giebt es auch Philologica von mir. Das geht aber uns Beide nichts mehr an.)

Ich mache eben einen Versuch mit Turin, ich will hier bis zum 5ten Juni bleiben, um dann ins Engadin zu gehn. Winterlich, hart, böse bis jetzt. Aber die Stadt superb ruhig und meinen Instinkten schmeichelnd. Das schönste Pflaster der Welt.

Es grüßt Sie Ihr dankbar ergebener

Nietzsche

Ein Jammer, daß ich weder Dänisch noch Schwedisch verstehe! —

Vita. — Ich bin am 15. Okt. 1844 geboren, auf dem Schlachtfelde von Lützen. Der erste Name, den ich hörte, war der Gustav Adolfs. Meine Vorfahren waren polnische Edelleute (Niëzky); es scheint, daß der Typus gut erhalten ist, trotz dreier deutscher „Mütter“. Im Auslande gelte ich gewöhnlich als Pole; noch diesen Winter verzeichnete mich die Fremdenliste Nizza’s comme Polonais. Man sagt mir, daß mein Kopf auf Bildern Matej<k>o’s vorkomme. Meine Großmutter gehörte zu dem Schiller-Goethe’schen Kreise Weimars; ihr Bruder wurde der Nachfolger Herders in der Stellung des Generalsuperintendenten Weimars. Ich hatte das Glück, Schüler der ehrwürdigen Schulpforta zu sein, aus der so Viele (Klopstock, Fichte, Schlegel, Ranke usw usw), die in der deutschen Litteratur in Betracht kommen, hervorgegangen sind. Wir hatten Lehrer, die jeder Universität Ehre gemacht hätten (oder haben —) Ich studirte in Bonn, später in Leipzig; der alte Ritschl, damals der erste Philolog Deutschlands, zeichnete mich fast von Anfang an aus. Ich war mit 22 Jahren Mitarbeiter des „litterarischen Centralblattes“ (Zarncke) Die Gründung eines philologischen Vereins in Leipzig, der jetzt noch besteht, geht auf mich zurück. Im Winter 1868—69 trug mir die Universität Basel eine Professur an; ich war noch nicht einmal Doktor. Die Universität Leipzig hat mir die Doktorwürde hinterdrein gegeben, auf eine sehr ehrenvolle Weise, ohne jedwede Prüfung, selbst ohne eine Dissertation. Von Ostern 1869—1879 war ich in Basel; ich hatte nöthig, mein deutsches Heimatsrecht aufzugeben, da ich als Offizier („reitender Artillerist“) zu oft einberufen und in meinen akademischen Funktionen gestört worden wäre. Ich verstehe mich, nichtsdestoweniger, auf zwei Waffen: Säbel und Kanonen — und, vielleicht, noch auf eine dritte… Es gieng Alles sehr gut in Basel, trotz meiner Jugend; es kam vor, bei Doktorpromotionen namentlich, daß der Examinand älter war als der Examinator. Eine große Gunst wurde mir dadurch zu Theil, daß zwischen Jakob Burckhardt und mir eine herzliche Annäherung zu Stande kam: etwas Ungewöhnliches bei diesem sehr einsiedlerischen und abseits lebenden Denker. Eine noch größere Gunst, daß ich vom Anfang meiner Basler Existenz an in eine unbeschreiblich nahe Intimität mit Richard und Cosima Wagner gerieth, die damals auf ihrem Landgute Tribschen bei Luzern wie auf einer Insel und wie abgelöst von allen früheren Beziehungen lebten. Wir haben einige Jahre alles Große und Kleine gemeinsam gehabt: es gab ein Vertrauen ohne Grenzen. (Sie finden in den gesammelten Schriften Wagners (Band 7) ein „Sendschreiben“ desselben an mich abgedruckt, bei Gelegenheit der „Geburt der Tragoedie“) Von jenen Beziehungen aus habe ich einen großen Kreis interessanter Menschen (und „Menschinnen“) kennen gelernt, im Grunde fast Alles, was zwischen Paris und Petersburg wächst. Gegen 1876 verschlimmerte sich meine Gesundheit. Ich brachte damals einen Winter in Sorrent zu, mit meiner alten Freundin der Baronin Meysenbug („Memoiren einer Idealistin“) und dem sympathischen Dr. Rée. Es wurde nicht besser. Ein äußerst schmerzhaftes und zähes Kopfleiden stellte sich heraus, das alle meine Kräfte erschöpfte. Es steigerte sich in langen Jahren bis zu einem Höhepunkt habitueller Schmerzhaftigkeit, so daß das Jahr damals für mich 200 Schmerzenstage hatte. Das Übel muß ganz und gar lokale Ursachen gehabt haben: es fehlt jedwede neuropathologische Grundlage. Ich habe nie ein Symptom von geistiger Störung gehabt; selbst kein Fieber, keine Ohnmacht. Mein Puls war damals so langsam wie der des ersten Napoleons (= 60) Meine Spezialität war, den extremen Schmerz cru, vert mit vollkommener Klarheit zwei bis drei Tage hintereinander auszuhalten, unter fortdauerndem Schleim-Erbrechen. Man hat das Gerücht verbreitet, als ob ich im Irrenhause gewesen sei (oder gar darin gestorben sei) Nichts ist irrthümlicher. Mein Geist wurde sogar in dieser fürchterlichen Zeit erst reif: Zeugniß die „Morgenröthe“, die ich in einem Winter von unglaublichem Elend in Genua, abseits von Ärzten, Freunden und Verwandten, geschrieben habe. Dies Buch ist eine Art „Dynamometer“ für mich: ich habe es mit einem Minimum von Kraft und Gesundheit verfaßt. Von 1882 an ging es, sehr langsam freilich, wieder aufwärts: die Krisis schien überwunden (— mein Vater ist sehr jung gestorben, exakt in dem Lebensjahr, in dem ich selbst dem Tode am nächsten war) Ich habe auch heute noch eine extreme Vorsicht nöthig; ein paar Bedingungen klimatischer und meteorologischer Art sind unerläßlich. Es ist nicht Wahl, sondern Zwang, daß ich die Sommer im Oberengadin, die Winter an der riviera zubringe … Zuletzt hat mir die Krankheit den allergrößten Nutzen gebracht: sie hat mich heraus gelöst, sie hat mir den Muth zu mir selbst zurückgegeben… Auch bin ich, meinen Instinkten nach, ein tapferes Thier, selbst ein militärisches: der lange Widerstand hat meinen Stolz ein wenig exasperirt. — Ob ich ein Philosoph bin? — Aber was liegt daran!..

1015. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Turin, 10. April 1888.

Werthester Herr Verleger, es wird Ihnen von Interesse sein, zu hören, daß der ausgezeichnete Däne, Dr. Georg Brandes an der Kopenhagener Universität einen Cyklus öffentlicher Vorlesungen „über den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche“ veranstaltet. Können Sie dieser Notiz nicht einige Verbreitung verschaffen? (— es würde mir Vergnügen machen, wenn Sie dieselbe zum Beispiel in das Leipziger Tageblatt einschmuggeln könnten) Adresse bis Juni: Torino (Italia) ferma in posta

N.

1016. An Franz Overbeck in Basel

Torino (Italia) ferma in posta 10 April 1888.

Lieber Freund,

ich argwöhne, daß Du mit Deinem kleinen Sprung nach dem Süden dem bösen Wetter nicht entsprungen bist. Es muß ungefähr überall abscheulich gewesen sein. Auch mir hat es arg zugesetzt. Die Reise von Nizza bis Turin, anscheinend eine kleine Sache, war vielleicht die unglücklichste Reise, die ich gemacht habe. Eine tiefe Schwäche überfiel mich unterwegs: so daß ich Alles falsch und dumm machte. Es wurde mir ad oculos (— und leider auch ad saccum „Geldbeutel“ demonstrirt, daß ich das Allein-Reisen nicht mehr riskiren sollte. Schließlich lag ich zwei Tage in einem affreusen Zustande krank — wo? in Sampi di Arena! Obwohl ich ein Billet nach Turin hatte! Aber siehe da, beim Umsteigen aus einem Zuge in den andern, war ich in Etwas Falsches gestiegen…

Der Coffer hat in braver Weise den Grundgedanken der Reise aufrecht erhalten; das Handgepäck hatte sich zerstreut, so daß es Mühe gab, es wieder zusammen zu telegraphiren. —

Ich mache einen sehr erwogenen Versuch mit Turin. Mein Wunsch ist, hier bis zu Anfang Juni auszuhalten, um direkt dann ins Engadin zu gehn. —

Die Stadt ist mir auf eine unbeschreibliche Weise sympathisch; Turin ist die einzige Großstadt, die ich gern habe. Irgend etwas Ruhiges und Zurückgebliebenes schmeichelt meinen Instinkten. Ich gehe diese würdigen Straßen mit Entzücken. Und wo giebt es solch ein Pflaster! Ein Paradis für die Füße, auch für meine Augen!… Der Frühling ist meine böse Jahreszeit, gerade die Augen pflegen absurd reizbar zu sein. Ich rechne hier auf eine gewisse Energie der Luft, bedingt durch die nahen Alpen: bis jetzt habe ich mich nicht verrechnet. Die Einwohner sind mir angenehm, ich bin wie zu Hause. Man nimmt mich come un uffiziale tedesco: durchaus kein übler Eindruck unter den jetzigen politischen Verhältnissen! — Auch lebe ich billiger hier als in Nizza, Venedig, Schweiz. Ein Zimmer, an der süperben piazza Carlo Alberto, 25 frs. den Monat, mit Bedienung. Ich esse in einem sehr guten Restaurant; da ich aber wenig esse (immer nur eine minestra und ein Fleisch), so halte ich diesen Luxus aus (— unter uns, ich wurde fast krank vor Degout an den gewöhnlicheren trattorie)

Auch bin ich wieder in voller Arbeit; und Augen und Kopf sind gutwillig: — was in Nizza nicht mehr der Fall war. — Köselitz meldet zu meiner großen Erbauung, daß sein Quartett fertig geworden ist. Seydlitz schrieb allerliebst aus Aegypten (wohin er „Weib, Mutter, Hund und Diener“ mitgenommen hat) Aus Dänemark langte ein Zeitungsausschnitt an, der mich unterrichtete, daß Dr. Brandes an der Kopenhagener Universität einen Cyklus öffentl. Vorlesungen „om den tyske Filosof Friedrich Nietzsche“ hält.

Mit dem herzlichsten Wunsche für Dich und Deine Gesundheit, und mich angelegentlich Deiner lieben Frau zu Gnaden empfehlend

Dein Freund
Nietzsche

1017. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin,> 11. April 1888

Heute nur die Nachricht, meine liebe Mutter, daß ich wenn auch nicht glücklich, so doch mit Haut und Haar in Turin eingetroffen bin. Die Reise war böse; ich lag unterwegs zwei Tage krank. Turin selbst gefällt mir ausnehmend; mein Lebensmuth ist wieder im Wachsen.

Herrn Köselitz hast Du sehr glücklich durch einen Brief gemacht; er hat mir mit wahrer Rührung darüber geschrieben. —

Eine Nachricht, die Dich vielleicht erbauen wird. An der Universität Kopenhagen hält der geistreichste dänische Gelehrte, Dr. Brandes einen Cyklus öffentlicher Vorlesungen über Dein altes Geschöpf. Unter dem Titel „Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche“.

Adresse: Torino (Italia) ferma in posta.

1018. An Carl Fuchs in Danzig

Turin, den 14. April 1888.

Lieber und werther Herr Doktor,

ich habe auch hier wie in Nizza Ihr Bild vor mir auf dem Tische: was Wunders, wenn mich gar nicht selten die Lust ankommt, mit Ihnen zu reden? Und daß ich’s thue? — Wozu, frage ich mich, diesen absurde Entfremdung durch den Raum (durch jenen Raum, von dem die Philosophen sagen, er sei von uns erfunden —), diese Lücke zwischen den wenigen Menschen, die sich etwas zu sagen hätten! — —

Kennen Sie Turin? Das ist eine Stadt nach meinem Herzen. Sogar die einzige. Ruhig, fast feierlich. Klassisches Land für Fuß und Auge (durch ein süperbes Pflaster und einen Farbenton von gelb und braunroth, in dem Alles eins wird). Ein Hauch gutes achtzehntes Jahrhundert. Paläste, wie sie uns zu Sinnen reden: nicht Renaissance-Burgen. Und daß man mitten in der Stadt die Schnee-Alpen sieht! Daß die Straßen schnurgerade in sie hineinzulaufen scheinen! Die Luft trocken, sublim-klar. Ich glaubte nie, daß eine Stadt durch Licht so schön werden könnte.

Fünfzig Schritt von mir der palazzo Carignano (1670): mein grandioses Vis-à-Vis. Noch einmal fünfzig Schritt das teatro Carignano, wo man gerade sehr achtungswürdig „Carmen“ präsentirt. Man kann halbe Stunden in Einem Athem durch hohe Bogengänge gehn. Hier ist Alles frei und weit gerathen, zumal die Plätze, so daß man mitten in der Stadt ein stolzes Gefühl von Freiheit hat.

Hierher habe ich mein Huckepack von Sorgen und Philosophie geschleppt. Bis zum Juni wird es gehn, ohne daß die Hitze mich quält. Die Nähe der Berge garantirt eine gewisse Energie, selbst Rauhigkeit. Dann kommt meine alte Sommer-Residenz Sils-Maria an die Reihe: das Oberengadin, meine Landschaft, so fern vom Leben, so metaphysisch.. Und dann ein Monat Venedig: ein geweihter Ort für mein Gefühl, als Sitz (Gefängniß, wenn man will) des einzigen Musikers, der mir Musik macht, wie sie heute unmöglich erscheint: tief, sonnig, liebevoll, in vollkommener Freiheit unter dem Gesetz —

Irgendwo und irgendwann las ich, daß man nur in wenig Städten Deutschlands Schopenhauer’s Gedächtniß gefeiert habe. Man hob Danzig hervor. Dabei gedachte ich Ihrer.

Wie Alles davon läuft! Wie Alles auseinander läuft! Wie still das Leben wird! Kein Mensch, der mich kennte, weit und breit. Meine Schwester in Südamerika. Briefe immer seltner. Und man ist noch nicht einmal alt!!!! Nur Philosoph! Nur abseits! Nur compromittirend abseits! —

Ein curiosum: eben trifft ein Zeitungsblatt aus Dänemark ein. Daraus lerne ich, daß an der Kopenhagener Universität ein Cyklus öffentlicher Vorlesungen „om den tüske filosof Friedrich Nietzsche“ gehalten wird. Der Vortragende ist der Privatdozent Dr. Georg Brandes. —

Erzählen Sie mir ein wenig von Ihrem Schicksale, werther Freund! Wohin treibt jetzt das Schiff? Und warum liest man nicht Ihre gesammelten Critica? Ich hörte von Niemanden lieber Werthurtheile de rebus musicis et musicantibus.

Treulich der Ihre
Nietzsche.

(Torino, ferma in posta

1019. An Resa von Schirnhofer in Zürich

Torino, den 14. April 1888.

Mein sehr liebes Fräulein Resa,

aber das ist hübsch und sogar mehr als hübsch, daß Sie mir dies schreiben. Nur muß man nach Turin kommen, um mich jetzt zu haben. Der Frühling hat mir bisher überall erbärmlich zugesetzt, am schlimmsten in Ihrem Zürich; ich habe es verschworen, diesen Fehler zu wiederholen. Turin ist eine süperbe Stadt; die Winde des Hochgebirges reinigen sie von allem Weichlichen und Feuchten. Es gab bereits Tage, die in Licht, Klarheit und Trockenheit vollkommen des Engadins würdig waren. Ich will hier bis zum 5ten Juni bleiben und dann direkt — Mailand, Como, Chiavenna — nach meiner Sommer-Residenz Sils-Maria übersiedeln. Es würde mich freuen, wenn Ihre Pläne sich irgend wie mit den meinen zusammenfädeln ließen: machen Sie einen kleinen Versuch Parze zu spielen!…

Ich wohne hier gegenüber dem grandiosen palazzo Carignano (in dem Vittore Emanuele geboren ist), „werthe Werthe um“ — hoffentlich verstehn Sie diesen Tropus? — und ergötze mich Abends bald an vorzüglichem gelato, bald an einer guten Aufführung von Carmen, — Alles fünf Schritte weit von mir. Eigentlich giebt es keine so honnette und vornehme Stadt wie dies Turin: klassisches Pflaster, sublime portici und der Ernst feierlicher Plätze. Dabei still. Die Schneealpen mitten in der Stadt sichtbar. Man glaubt, daß die Straßen direkt sich in sie verlaufen.

— Ich wohne via Carlo Alberto Nr. 6, piano quarto. —

Es grüßt Sie, verehrtes Fräulein so herzlich wie möglich

der alte Philosoph
Brummbär und Immoralist
Nietzsche.

1020. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Turin, kurz nach dem 14. April 1888>

Lieber Herr Fritzsch,

mit beiliegendem Briefe, den ich zu lesen bitte, meldet sich ein in New York lebender Bewunderer meines Zarathustra, bereit, meinen Schriften überhaupt durch einen englisch geschriebenen Essai in seinem Lande „zur gebührenden Achtung zu verhelfen“. Die beigelegte Liste seiner eignen Schriften, litterar- und kulturhistorischen Inhalts, scheinen eine gewisse Garantie zu geben: sie geben sogar zu verstehn, daß wir es mit einer Hauptpersonnage des litterarischen Völker-Verkehrs zu thun haben. Entscheiden Sie vollkommen nach Ihrem Ermessen, ob seinem Wunsche beizupflichten ist. Principiell weisen alle meine Erfahrungen darauf hin, daß meine Wirksamkeit peripherisch beginnt und erst von da aus auf das „Vaterland“ zurückströmen wird. Eben meldet man mir, daß ein im Auftrage des Florentiner Archivio storico gemachter sehr umfänglicher Gesammtbericht über neuere deutsche Geschichtslitteratur meine Gesichtspunkte aus der 2. Unzeitgemäßen B<etrachtung> sehr zu Ehren bringt: diese italiänische Publikation des genannten Archivio Stor<ico> läuft in das Lob meiner Ansichten aus. — Geben Sie mir mit drei Worten Nachricht, was geschehn soll. Im entsprechenden Fall will ich selbst noch ein Paar Worte nach New-York schreiben.

Hochachtungsvoll Ihr
ergebenster
Prof. Dr Nietzsche

Adresse bis 4. Juni: Torino (Italia) ferma in posta

von da an: Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz.

1021. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Turin, 18. April 1888>

Lieber Freund, ich habe neulich eine Sache vergessen, über die Du Auskunft haben mußt. Nämlich die Frage, was mit dem unausstehlichen „Kunstwart“ werden soll. Meine Bitte ist, daß Du Herrn Ferdinand Avenarius (Dresden, Redaktion des „Kunstwart“) eine höfliche Karte schreibst: daß Prof. Nietzsche hiermit den Wunsch ausdrücke, daß die ferneren Nummern des Kunstwart ihm nicht mehr zugesandt werden (oder irgend etwas derart) Du ersparst mir damit, daß ich einen unhöflichen Brief schreibe (— der betr. Avenarius hat mich drangsalirt mit Liebenswürdigkeiten..) Er glaubt, daß ich begeistert für dies Schund- und Schandblatt bin —!

Herrliches Wetter. Verbesserte Gesundheit. Was macht das „Haus“?

Dein N.

1022. An Heinrich Köselitz in Venedig

Torino, Freitag. <20. April 1888> Briefe wie bisher ferma in posta

Lieber Freund,

wie merkwürdig ist das Alles! Daß nun doch noch der Stern über Berlin aufgehn soll! Daß es wieder einen kleinen Flügelschlag der Hoffnung giebt! — Eigentlich gehört die Diversion Ihrer letzten Zeit, von der Sie melden, zu den unwahrscheinlichsten und unvorhergesehensten Dingen, die auf dieser Erde möglich sind. Man glaubt wieder an’s Wunder: ein großer Fortschritt in der Kunst zu leben!… Daß da etwas Heiteres und Buntes Ihnen über den Weg geflogen ist, das macht mich ganz glücklich, lieber Freund: denn genau das hätte Ihnen geschafft werden sollen — aber was sind wir Andern alle für düstere Esel und Nachteulen!… Da war einmal die Krause’sche Philosophie am Platz — und nicht die Nietzschesche! …

Was letztere angeht, so muß es wirklich so Etwas geben, so fern man einer dänischen Zeitung trauen darf, die neuerdings bei mir anlangte. Sie meldet, daß an der Universität in Kopenhagen ein Cyklus öffentlicher Vorlesungen „om den tüzke Filosof Friedrich Nietzsche“ abgehalten wird. Von wem? Sie errathen es!… Was man diesen Herrn Juden noch Alles verdanken wird! — Denken Sie einmal an meine Leipziger Freunde an der Universität: und wieviel Meilen weit sie von dem Gedanken entfernt sind, über mich zu lesen! —

Turin, lieber Freund, ist eine capitale Entdeckung. Ich sage Einiges darüber, mit dem Hintergedanken, daß unter Umständen auch Sie davon Nutzen ziehn könnten. Ich bin guter Laune, in Arbeit von früh bis Abend — ein kleines Pamphlet über Musik beschäftigt meine Finger — verdaue wie ein Halbgott, schlafe, trotz dem daß die Carossen Nachts vorüber rasseln: alles Zeichen einer eminenten Adaptation von Nietzsche an Torino. Das thut die Luft: — trocken, anregend, lustig; es gab Tage mit dem allerschönsten Engadin-Charakter der Luft. Wenn ich an meine Frühlinge anderswo denke, z. B. in Ihrer unvergleichlichen Zauber-Muschel: wie groß ist der Gegensatz: der erste Ort, in dem ich möglich bin!… Und dabei Alles entgegenkommend, die Menschen sympathisch und guten Muths. Man lebt billig: 25 fs. mit Bedienung ein Zimmer im historischen Centrum der Stadt, vis-à-vis dem grandiosen palazzo Carignano von 1780: fünf Schritt von den großen portici und dem piazzo Castello, von der Post, vom teatro Carignano! — In letzterem, seitdem ich hier angekommen bin, Carmen: natürlich!!! successo piramidale, tutto Torino carmenizzato! Der gleiche Capellmeister wie in Nizza. Außerdem Lala Roekh von Fél<icien> David, dem Lehrer Bizets. Ein junger Componist führt eine Operette auf, zu der er selbst den Text gedichtet hat, Herr Miller junior. Im Adreßbuch sind 21 Componisten verzeichnet, 12 Theater, eine accademia philarmonica, ein Lyceum für Musik und eine Unzahl von Lehrern aller Instrumente. Moral: beinahe ein Musik-Ort! — Die weiträumigen hohen portici sind ein Stolz: ihre Ausdehnung beträgt 20 020 Meter d. h. zwei gute Stunden zum Marschiren. Dreisprachige große Buchhandlungen. Dergleichen habe ich noch nirgends getroffen. Die Firma Löscher sehr aufmerksam für mich. Ihr jetziger Chef Hr. Clausen unterrichtet mich in vielen Dingen (— ich erwäge im Stillen die Möglichkeit eines Winters hierselbst) Eine treffliche Trattoria, wo man den deutschen Professor aufs Artigste behandelt: ich zahle für jede Mahlzeit incl. Trinkgeld 1 fs. 25 ct. (minestra oder risotto, ein gutes Stück Braten, Gemüse und Brod — alles schmackhaft!) Das Wasser herrlich; der Café in den ersten Cafés 20 ct. das Kännchen; das Eis, höchste Cultur, 30 ct. Dies Alles giebt Ihnen einen Begriff. —

Heute ist der Himmel bedeckt und regnerisch. Aber es scheint mir nicht, daß ich verdrießlich bin. Vom Sommer sagt man mir, daß bloß 4 Stunden des Tags wirklich heiß sind. Die Morgen und die Abende erfrischt. Man sieht mitten aus der Stadt heraus in die Schneewelt hinein: es scheint, daß man nichts zwischen sich hat, daß die Straßen direkt in die Alpen hineinlaufen. Der Herbst soll die schönste Zeit sein. Zuletzt muß ein Energie-gebendes Element hier in der Luft sein: wenn man hier heimisch ist, wird man König von Italien…

Soviel, mein lieber alter Freund! Es grüßt Sie auf das Herzlichste

Ihr N.

Ich moralisire so: Sie brauchen einen Ort, wo Sie das ganze Jahr leben können, aber unter anderen meteorologischen Einflüssen als in Venedig, vielleicht auch der Musik benachbarter, der Aufführbarkeit… Und Italien sollten wir festhalten!!!!!!

Erzählen Sie mir noch ein wenig von Ihrem Quartett. Wohin es führt.

1023. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Turin, <20. April 1888> Freitag.

Endlich bekommt auch meine alte Mutter wieder einen Brief von ihrem Sohn, der in Turin sitzt und die Ohren in die Arbeit versteckt hat. Das ist, wie Du finden wirst, ein gutes Zeichen: denn bisher war an all den Orten, wo ich meine Frühlinge zubrachte, an Arbeit nicht zu denken. Der Geist widerwillig, das Fleisch schwach; der Magen ohne Kraft.. Hier giebt es eine herrliche trockne Luft, die ich noch nicht in einer Stadt gefunden habe. Sehr anregend, sehr Appetit machend: es gab Tage, wo ich wie im Engadin zu sein glaubte. Die Nähe des Hochgebirges ist dabei der entscheidende Faktor: auf drei Seiten von Turin hat man die Schneealpen vor sich. Hübsch in der Ferne, natürlich: aber doch so, daß man mitten in der Stadt direkt in die Hochgebirgs-Welt hineinschaut: wie als ob die Straßen darin endeten. — —

Turin ist eine prachtvolle und vornehme Stadt, mit schönen Plätzen und Palästen überhäuft. Groß außerdem: 270 000 Einwohner. Sitz mehrerer Fürsten, auch des obersten Generalstabs, sehr militärisch: sodann Universität; 12 Theater, darunter ausgezeichnete. Die Buchhandlungen für drei Sprachen (italiänisch, deutsch und französisch) gleich gut assortirt. —

Eigentlich ist es die einzige Stadt, in der ich gern lebe. Ihr Stolz sind die herrlichen hochräumigen Portici, Säulen- und Hallengänge, die alle Hauptstraßen entlang laufen, so großartig, wie man im ganzen Europa keinen Begriff hat, überdies weithin die Stadt durchziehend, in einer Gesammtausdehnung von 10 020 Meter (d. h. zwei Stunden gut zu marschiren) Damit ist man gegen jedes Wetter geschützt: und eine Sauberkeit, eine Schönheit von Stein und Marmor, daß man wie in einem Salon zu sein glaubt.

Seltsam! Dabei lebe ich billiger hier als in Nizza und Engadin; billiger auch als in Leipzig. Ich wohne, an der feierlichen piazza Carlo Alberto, gegenüber dem grandiosen palazzo Carignano und zahle für mein hübsches Zimmer (mit Bedienung) 25 frs. (=20 Mark) den Monat (Centrum der Stadt, geschätzteste Lage, schöner palazzo) Für eine sehr schmackhafte Mahlzeit zahle ich, Alles, selbst Trinkgeld eingerechnet, nach Eurem Gelde eine Mark (— und es schmeckt mir zehn Mal besser als in Leipzig, wo ich Widerwillen vor der Küche habe) Der Café in den ersten Café’s (großartig und glänzend, wie man keine Vorstellung bei Euch hat) 16 Pfennige, das Eis 24 Pfennige: aber Alles viel besser als man es in Deutschland versteht. Das Wasser ist ausgezeichnet, Gebirgswasser: das Brod insgleichen. Man ißt zu allen Sachen ganz dünne Brodröhrchen, grissini genannt, die sich knuppern <lassen> und überdies dem Magen sehr zuträglich sind. Ich vergaß die Chokolade Turin’s zu rühmen, die berühmteste Europa’s. —

Die Straßen sind nicht übermäßig belebt: man hat seine Ruhe darin. Ich bin nirgendswo mit so viel Vergnügen spazieren gegangen als in diesen vornehmen unbeschreiblich würdigen Straßen, in denen viele alte Paläste sind. Große Raumverschwendung überall: nichts Gedrücktes. Ein mächtiger Fluß giebt der Stadt an der Einen Seite ihr Ende. Höchst malerische Ufer. Überall alte große reiche Baum-Alleen, wie sie einer alten Königs-Residenz würdig sind. —

Freund Köselitz hat eine sehr glückliche Bekanntschaft und Gönnerschaft gefunden; es ist möglich, daß er zu Herbst nach Berlin zum Besuch einer vornehmen Familie kommt, die Alles thun wird, um bei Hofe und sonst seine Werke in Aufnahme zu bringen.

Daß Du für mich nähest und flickst, höre ich mit Vergnügen. Ich bin wieder recht herunter. Die Kleider erbärmlich. Unwürdig dieser schönen Stadt, wo man etwas auf sich hält!

Dein altes Geschöpf F.

Schönsten Dank für Deinen lieben Brief! Adresse nach wie vor: Torino (Italia) ferma in posta

1024. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Turin, 16. April 1888>

[+ + +]

— Der Tod meines alten Vormundes betrübt mich sehr: ich denke auch noch daran, daß er mir den einzigen Prozeß meines Lebens glücklich in Gang gebracht hat, und daß ohne die von ihm geretteten Gelder Dein altes Geschöpf in den letzten Jahren nichts hätte herausgeben und drucken können. So hängt Alles zusammen, wo man’s oft am wenigsten vermuthet. Ich will sehen, daß ich der Tante ein Paar Worte der Theilnahme schreibe.

— Zuletzt eine Bitte, die ich nur sehr ungern an Dich richte. Jener Dänische Gelehrte Dr. Brandes, der über mich die Vorlesung hält, bittet mich um meine Photographie auf das Allerinständigste, indem er mir zugleich die seine schickt. Nun ist der Fall so außerordentlich, daß ich ihm wirklich Nichts jetzt verweigern möchte. Giebt es noch eine Photographie, und wäre es die letzte, so wollen wir sie ihm schicken. Ich verspreche Dir für meinen ersten Aufenthalt in Deutschland, mich für Dich photographiren zu lassen.

Ich nehme an, daß Du noch ein Bild von den guten Schultzschen hast. Opfere es, bitte. Und mache diesen Adresse:

Herrn Dr. Georg Brandes
in
(St. Anne-Platz 24) Kopenhagen
(Dänemark)

Herr Köselitz schrieb mir heute: „beim Lesen Ihres gütigen Briefs wurde ich fast schwindelig vor Entzücken über Brandes. Mit ihm scheint mir ein wirklicher Anfang Ihrer Wirksamkeit gemacht: denn bis jetzt hatten Sie keine Anhänger, Jünger, Schüler, sondern nur Diebe. Und Jedweder kann da nicht hintreten und den Menschen von Ihnen predigen; Ihr erster Prediger muß selber eines gewissen Ansehens genießen. Dies ist bei Brandes der Fall. Er darf von Ihnen reden, ohne Sie zu compromittiren oder Ihnen gar zu schaden; er ist kein Fremdling unter Ihresgleichen, wie die gewöhnlichen andren Besprecher Ihrer Gedanken. Zudem hat er die gelesensten Zeitschriften zu seiner Verfügung und ein europäisches Publikum (— er schreibt dänisch, französisch, deutsch, schwedisch, russisch, polnisch)“

Turin, zum Schluß gesagt, wäre wirklich der Ort, wo ich meine alte Mutter einmal am liebsten hätte. Das würde Dir sehr viel Vergnügen machen: es ist nur so arg weit.

Dein altes Geschöpf

1025. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, 1. Mai 1888.

Lieber Freund,

Ihr südländischer Titel gefällt mir sehr gut; er hat Farbe, er protestirt — Vielleicht setzen Sie besser „Heimkehr nach Avignon“ statt des etwas gemüthlich klingenden Imperativs „Heim nach Avignon!“ —

Und das erinnert mich an die Heimkehr nach Annaberg und, wer weiß? an ein Turnier in Berlin; dem, hoffentlich, auch etwas Ballspiel folgt, nebst Notturno, und was Alles auf einem schönen Landsitze, abseits von der großen Stadt, möglich ist! Das scheint mir Alles sehr gut ausgedacht: und heute über’s Jahr liegt, wie ich von Herzen wünsche, ein tüchtiges und schönes Stück Leben hinter Ihnen — in „kalligraphischer Vollkommenheit“…

Das Wetter ist heute betrübt: umso unparteilicher kann ich über Turin schreiben, von dem ich Ihnen gern noch einen praktischeren Begriff geben möchte als meine letzten Briefe thaten. Denn daß Turin gerade mir, einem Kranken und Absurd-Abhängigen, klimatisch gut thut, und daß es z. B. für meine Beine und Augen ein gelobtes Land ist, macht mich noch nicht blind dafür, daß Ihnen Turin ganz andre Vortheile bieten müßte, um, nach Venedig, überhaupt möglich zu sein. Sie schreiben, daß es als eine theure Stadt gilt? Dies mag im Munde eines Beamten oder Militär-Chefs auch vollkommen correkt sein: eine solche Stadt ist theuer, weil sie zur Repräsentation seiner Stellung zwingt, und weil es beinahe die erste Großwürden- und Beamten-Stadt Italiens ist (Sitz des Generalstabs usw.) Von uns aus geurtheilt, die wir nichts repräsentiren wollen und im Gegentheil die Verborgenheit in einer großen Stadt uns zu Gemüthe führen, steht es exakt umgekehrt. Ich habe noch keinen billigeren Ort kennen gelernt, am wenigsten in Italien: aber auch Leipzig ist theurer. Das macht die großstädtische Concurrenz in allen Hauptsachen (Wohnung, Kleidung, Ernährung) Ich esse hier entschieden besser, solider als ich in Leipzig esse, ebenfalls als in der panada, seligen Angedenkens, — und billiger! Es giebt eine große Menge starkbesuchter Trattorien, wo man noch bedeutend die Preise reduzirt: die Stadt ist voll von jungen Leuten (und älteren Junggesellen), dank den vielen höheren Schulen, der Universität, dem Offiziercorps, — das will Alles gut essen und nicht viel bezahlen. In den ersten luxuriösesten Cafes wird im Entgegenkommen geradezu Unglaubliches geleistet. Das Café nazionale zum Beispiel, das an Monte-Carlo erinnert, hat Abends seine glänzenden Räume voll, man hört ein Concert von 12 Nummern, ein kleines hübsches Orchester — und man zahlt auch keinen centesimo mehr als man sonst zahlt (Café 20 ct., Chocolade 30, das pezzo gelato 30 usw) Auch die Theaterpreise sind sehr mäßig: mir fällt übrigens das verkable Theaterfieber auf, das hier herrscht. Alle Theater (außer dem t<eatro> regio) in voller Aktivität; eine Pariser comédie-Gesellschaft, besten Renommée’s, anlangend, zwei neue Operetten-Gesellschaften insgleichen. Turin wirkt durch einen gewissen Strom von Leben, es drückt nicht, es ist nicht das Abbild des kleinen Erwerbs und Vorwärts-Kriechens. Die räumliche Größe und Großartigkeit hat etwas Contagiöses; man geht mit mehr Freimuth herum. Jetzt hat die Stadt ihren herrlichen Frühlingsschmuck, die Alleen, — das war immer ein fürstlicher Geschmack. Ich traue immer noch meinen Augen nicht, wenn ich Abends am Po entlang gehe und hinüber sehe, in diesen reiche, bunte, malerische Baum- und Hügelwelt! Neulich entdeckte ich, auf der andern Seite des Po, eine hohe Baum-Allee, dicht am Po 1 1/2 Stunde entlang führend: auf der andern Seite ein voller Bach; tiefste Stille; der Fluß mit kleinen grünen Inselchen geschmückt, und, zur Seite, ohne Unterbrechung, in strahlender Reinheit, das Hochgebirge. Dies ist doch sehr nahe: man kommt mit 50 Minuten Eisenbahnfahrt nach Lanzo: — da hat man bereits das Hochgebirge. Von ihm aus ist das hiesige Clima bedingt; in Sonderheit die vielen ganz hellen Tage, auch im Winter (im Ganzen nur 50 Tage weniger als in Nizza) Mir fällt auf, wie gut ich hier mit trübem Wetter und bedecktem Himmel fertig werde: — ich habe fort und fort gearbeitet, mehr als im ganzen Nizzaer Winter bereits! An schönen Tagen weht hier eine reizende, leichte, leichtfertige Luft, in der die schwerfälligsten Gedanken Flügel bekommen… (— ich habe bis heute noch nicht Carmen gehört! Beweis, wie ich mit mir beschäftigt bin. Ein Mal nur im Theater: eine neapolitanische Farce — warum? Weil der maestro E. Sassone hieß!! „Induction psycho-motrice“ nennt man das heute. Nach Hause kommend leuchtete ich mir meinen alten palazzo hinauf, mit einem Wachsstreichkerzchen, das ich ich weiß nicht wem verdanke. Nochmals: induction psycho-motrice!! —)

Treulich Ihr Freund
N.

Es muß etwas wie Coordination des Geschmacks geben: hier, wo meine Augen und Nerven sich wohlfühlen, scheinen mir auch die Speisen nach dem Schema meines Personalgeschmacks ausgedacht. Und sogar das Wasser! Überall fließt es; ich gehe immer mit einem Gläschen.

1026. An Paul Deussen in Berlin (Postkarte)

Turin, 3. Mai 1888

Lieber Freund,

dies Mal nur einen allerherzlichsten Gruß aus meiner Frühjahrs-Residenz Turin, wo ich tief in der Arbeit, aber in guter Laune sitze. Letztere hängt Etwas von den Berichten aus Kopenhagen ab. An der dortigen Universität hält der geistreiche Dr. Georg Brandes einen Cyklus von Vorlesungen „über den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche“. Dieselben haben einen glänzenden Verlauf. Der Saal jedes Mal zum Bersten voll. Mehr als 300 Zuhörer. Die großen Zeitungen geben Berichte. — Sic incipit gloria mundi… Dankbar Dein Freund

Nietzsche

Adresse bis 5. Juni Torino, ferma in posta. Von da an Sils-Maria, Oberengadin

1027. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Torino, 3. Mai 1888

Werthester Herr Verleger,

aus Kopenhagen wird mir gemeldet, daß die Vorlesungen des Dr. Brandes große Theilnahme erregen, daß der Saal jedes Mal „zum Bersten voll“ ist, mehr als 300 Zuhörer. Dr. B<randes> hofft, wie er schreibt, mir auf diese Weise „einige gute Leser im Norden zu verschaffen“.

Er hat von meinem „Hymnus an das Leben“ gehört, er möchte gerne Alles besitzen, was es von mir giebt. Wollen Sie diesem Wunsch entsprechen? — Die Adresse, nach wie vor:

Dr. Georg Brandes
Kopenhagen
St. Anne-Platz 24 (Dänemark)

Mit herzlichem Gruße

seitens Ihres ergebensten

Nietzsche

1028. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Turin, 3 Mai 1888

Meine liebe Mutter,

die Vorlesungen in Kopenhagen haben einen glänzenden Verlauf. Der Saal jedes Mal zum Bersten voll. Mehr als 300 Zuhörer. Die großen Zeitungen geben Berichte. — Ich wiederhole meine Bitte, die Photographie betreffend, weil sie inzwischen durch Dr. Brandes selbst wiederholt worden ist. Aber nur eine von den besten! Sonst lieber nichts. — Hoffentlich hast Du mir meinen letzten Brief nicht übel genommen: ich habe mich vielleicht etwas zu stark ausgedrückt? Herzlich grüßend

das alte Geschöpf

1029. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Turin, 3. Mai 1888>

Lieber Freund,

ich habe jetzt durch Dr. Brandes selbst Nachricht. Seine Vorlesungen nehmen einen glänzenden Verlauf. Der Saal jedes Mal „zum Bersten“ voll. Mehr als 300 Zuhörer. Alle großen Zeitungen geben Berichte. — Er bittet mich um den „Hymnus an das Leben“: zuletzt bringt er dessen erste Aufführung zu Stande. — Ich bin heute fertig mit meinem ersten Monat in Turin und versuche noch einen zweiten. Dann direkt ins Engadin. Sehr in Arbeit, aber bei guter Laune.

Dein Nietzsche

1030. An Georg Brandes in Kopenhagen

Turin, den 4. Mai 1888

Verehrter Herr,

was Sie mir erzählen, macht mir großes Vergnügen und mehr noch, daß ich’s gestehe — Überraschung. Seien Sie überzeugt davon, daß ich’s Ihnen „nachtrage“: Sie wissen, alle Einsiedler sind „nachträgerisch“? ..

Inzwischen wird, wie ich hoffe, meine Photographie bei Ihnen angelangt sein. Es versteht sich von selbst, daß ich Schritte that, nicht gerade um mich zu photographiren (denn ich bin gegen Zufalls-Photographen äußerst mißtrauisch), sondern um Jemandem, der eine Photographie von mir hat, dieselbe zu entfremden. Vielleicht ist mir’s gelungen; denn noch weiß ich es nicht. Im andren Falle will ich meine erste Reise nach München (diesen Herbst wahrscheinlich) benutzen, um mich wieder zu versinnbildlichen.

Der „Hymnus auf das Leben“ wird dieser Tage seine Reise nach Kopenhagen antreten. Wir Philosophen sind für nichts dankbarer, als wenn man uns mit den Künstlern verwechselt. Man versichert mich übrigens von Seiten der ersten Sachverständigen, daß der Hymnus durchaus aufführbar, singebar und in Hinsicht auf Wirkung sicher sei (— „rein im Satz“: dies Lob hat mir am meisten Freude gemacht) Der vortreffliche Hofkapellmeister Mottl von Carlsruhe (Sie wissen, der Dirigent der Bayreuther Festaufführungen) hat mir eine Aufführung in Aussicht gestellt. —

Aus Italien meldet man mir eben, daß die Gesichtspunkte meiner 2. Unzeitgemäßen Betrachtung in einem Berichte über deutsche Geschichts-litteratur sehr zu Ehren gebracht seien, den ein Wiener Gelehrter Dr. von Zdekauer im Auftrage des Florenzer Archivio storico gemacht hat. Der Bericht läuft in dieselben aus. —

Diese Wochen in Turin (wo ich noch bis zum 5. Juni bleibe) sind mir besser gerathen als irgend welche Wochen seit Jahren, — vor allem philosophischer. Ich habe fast jeden Tag ein, zwei Stunden jene Energie erreicht, um meine Gesammt-Conception von Oben nach Unten sehn zu können: wo die ungeheure Vielheit von Problemen, wie ein Relief und klar in den Linien, unter mir ausgebreitet lag. Dazu gehört ein maximum von Kraft, auf welches ich kaum mehr bei mir gehofft hatte. Es hängt Alles zusammen, es war schon seit Jahren Alles im rechten Gange, man baut seine Philosophie wie ein Biber, man ist nothwendig und weiß es nicht: aber das Alles muß man sehn, wie ich’s jetzt gesehen habe, um es zu glauben. —

Ich bin so erleichtert, so gestärkt, so guter Laune, — ich hänge den ernstesten Dingen einen kleinen Schwanz von Posse an. Woran hängt das Alles? Sind es nicht die guten Nordwinde, denen ich das verdanke, diesen Nordwinde, die nicht immer aus den Alpen kommen? — sie kommen mitunter auch aus Kopenhagen!

Es grüßt Sie dankbar ergeben

Ihr Nietzsche

1031. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Turin, den 7. Mai 1888

Geehrtester Herr Verleger,

hiermit ersuche ich Sie, je ein Exemplar meiner beiden Schriften Ihres Verlags dem Commissionär Volckmar zu übermitteln. Derselbe befördert sie dann durch den Buchhändler L. Zickel in New-York an den Herrn, dem dieselben zugedacht sind

Herrn Karl Knortz

540 East 155th Str.

New York

Der genannte Litterarhistoriker verspricht einen englischen Essai über meine gesammten Schriften. — Vielleicht interessirt es Sie, zu hören, daß Dr. Georg Brandes an der Kopenhagener Universität einen stark besuchten Cyklus von Vorlesungen „über den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche“ hält. Mehr als 300 Zuhörer. —

Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche

Adresse: Torino (Italia)

ferma in posta

1032. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Torino, den 9. Mai 1888

Geehrtester Herr Verleger,

ich habe noch einen kleinen Posten bei dem Antiquar Herrn Alfred Lorentz zu berichtigen, nämlich 7 Mark 30 Pf. (sieben Mark dreißig Pfennige) laut eingesandter Abschluß-Rechnung (vom 28. April). Sie würden mich verpflichten, wenn Sie diese Sache in meinem Namen erledigen wollten? Eine besondere Notifikation darüber ist nicht nöthig.

Hochachtungsvoll Ihr
Prof. Dr. Nietzsche

Vorgestern ist bereits eine Karte an Sie abgegangen New-York betreffend; im gleichen Sinn auch an E. W. Fritzsch

1033. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin, 10. Mai 1888>

Das hast Du sehr gut gemacht, meine liebe Mutter, viel besser als ich’s mir ausgedacht hatte. Allerschönsten Dank! Wie viel verlangt jetzt der Photograph für ein Bild? Ich hätte fast nöthig, mir noch fünf dazu machen zu lassen. — Heute nur die Mittheilung, daß ich mir einen completen Anzug bei einem guten Schneider bestellt habe (: so daß mein letzter Wunsch hinsichtlich einer Weste erledigt ist) Der Preis ist 64 M. (= 80 frs) sehr solider Stoff. Der Schneider kritisirte die Sachen, die ich anhatte, aufs schärfste; er wollte absolut nicht glauben daß sie auf Maaß gemacht seien, er sagte, so schlechte Schneider gäbe es nicht. (Es war die schwarze Hose für 29 Mark, und eine der beiden Westen vom vorigen Sommer) Ich habe gelacht; aber allen Ernstes, seit 10 Jahren habe ich kein Kleidungsstück auf dem Leib gehabt, das mir gepaßt hätte. — Es umarmt Dich

Dein altes Geschöpf

1034. An Reinhart von Seydlitz in München

Adresse: Torino <Italia>, ferma in posta. (gültig bis zum 5. Juni) Turin, den 13. Mai 1888

Lieber Freund,

es dünkt mich unwahrscheinlich, daß Du Dich endgültig zur Mumie (männlicher geredet: zum Mum) entschlossen hast. Der Frühling ist da: Du wirst wieder für die Reize des „deutschen Gemüths“ offen stehn — und vielleicht sogar für die der Freundschaft! Dein Brief kam sehr erquicklich in den Winter meines Nizzaer Mißvergnügens hinein, von dem ich Dir, zu meinem Bedauern, eine nicht unverächtliche Probe gegeben habe. Mit dem Verlassen Nizza’s haben mich dies Mal auch die schwarzen Geister verlassen — und, Wunder über Wunder, ich habe einen merkwürdig heiteren Frühling bisher gehabt. Den ersten seit zehn, fünfzehn Jahren — vielleicht noch länger! Nämlich: ich habe Turin entdeckt… Turin keine bekannte Stadt! — nicht wahr? Der gebildete Deutsche reist daran vorbei. Ich, in meiner willkürlichen Verhärtung gegen Alles, was die Bildung heischt, habe mir aus Turin meine dritte Residenz zurechtgemacht, will sagen Sils-Maria als erste und Nizza als zweite. An jedem Ort vier Monate; für Turin zwei Monate Frühjahr und zwei Monate Herbst. Seltsam! Was mich dazu überredet, ist die Luft, die trockne Luft, die an allen drei Orten gleich ist, und aus denselben meteorologischen Gründen. Schneegebirge im Norden und Westen — auf diese Rechnung kam ich hierher — und bin entzückt! Selbst an sehr warmen Tagen — wir hatten schon solche — giebt es jenen berühmten Zephyr, von dem ich bisher nur durch die Dichter wußte (ohne ihnen zu glauben! Lügenvolk!) Die Nächte frisch. Man sieht mitten aus der Stadt hinein in den Schnee. Außerdem vorzügliche Theater, ital<ienisch> oder französisch; Carmen, wie billig, zur Feier meiner Gegenwart (piramidale successo — Verzeihung für die aegyptische Anspielung!) Eine ernste, fast großgesinnte Welt stiller Straßen mit Palästen des vorigen Jahrhunderts, sehr aristokratisch. (Ich selbst wohne dem palazzo Carignano gegenüber, im alten palazzo des Justizministeriums) Höhe der Caféhaus-Cultur, der gelati, des cioccolato Torinese. Dreisprachige Buchhandlungen. Universität, gute Bibliothek, Sitz des Generalstabs. Die Stadt mit herrlichen Alleen; unvergleichliche Uferlandschaften am Po. Bei weitem die angenehmste, reinlichste, großräumigste Stadt Italiens, mit dem Luxus der portici in einer Länge von 10 020 Meter. — Die Nordwinde, scheint es, bringen mir Heiterkeit; und stelle Dir vor, es kommen Nordwinde sogar aus Dänemark zu mir. Das nämlich ist das Neueste: an der Kopenhagener Universität liest jetzt der Dr. Georg Brandes einen größeren Cyklus Vorlesungen über „den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche“. Dieselben haben, nach den Zeitungen, einen glänzenden Verlauf, der Saal jedes Mal zum Brechen voll; mehr als 300 Zuhörer.

Wie lange wird es dauern, ehe meine peripherischen Wirkungen (— denn ich habe Anhänger in Nordamerika und sogar in Italien) zurückwirken auf das geliebte Vaterland? — wo man mit einem tückischen Ernste mich seit Jahren gewähren läßt, ohne auch nur zu mucksen… Das ist sehr philosophisch — und klug!

Anbei eine Frage. Ist Dir durch meinen Verleger meine letzte Schrift, die „Streitschrift“ hübsch, wie sichs geziemt, „zu geehrten Händen“ übersandt worden?

Gestern dachte ich mir ein Bild aus von einer moralité larmoyante, mit Diderot zu reden. Winterlandschaft. Ein alter Fuhrmann, der mit dem Ausdruck des brutalsten Cynismus, härter noch als der Winter ringsherum, sein Wasser an seinem eignen Pferde abschlägt. Das Pferd, die arme geschundne Creatur, blickt sich um, dankbar, sehr dankbar —

Du hast jetzt in Madame Judith Gautier (ehemals Mendès) — Tribschener Angedenkens — eine eifrige Cameradin in der propaganda für Japon. Hast Du von ihrem großen Theater-Erfolge mit „la marchande des sourires“ gelesen?

Adieu, lieber Freund, empfiehl mich Deiner lieben Frau zu Gnaden (— es giebt sehr gute Nachrichten von meiner Schwester, die jetzt nun endgültig übergesiedelt in die Colonie nueva Germania ist) und, wenn es möglich, auch Deiner verehrten Frau Mutter.

Mit einem herzlichen Glückwunsch

Dein Freund Nietzsche.

(nach Turin Sils-Maria, Oberengadin Schweiz)

1035. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, Donnerstag d. 17. Mai 1888.

Lieber Freund,

ich höre mit Betrübniß, daß Ihre Gesundheit Schwierigkeiten macht. Alles, was Sie sonst schreiben, ist so gesund, selbst heiter. Vor Allem, daß auch Sie keinen „würdigeren“ Gebrauch von einem Honorare zu machen wissen als drucken zu lassen… Das hat Rasse; aber man gehört damit in die „verkehrte Welt“. Mit welchem Erfolge ich selbst in den letzten Jahren gegen die Schmeitznern aus dem Rachen gezogenen Honorarfonds gewüthet habe, errathen Sie wohl! Alles verpulvert! — Aber das erinnert mich an einen scherzhaften Vers aus der Basler Zeit, wo ich Abends gern meine Schwester damit unterhielt, sehr gewagte Reime zu schmieden. Der Vers ist an Schmeitzner gerichtet, als er gemeldet hatte, er mache nunmehr Ernst mit dem Verlage und habe sein Haus verkauft, die nöthigen Gelder dazu zu schaffen.

Der du dein Haus versilberst

Und in Papier verpülverst,

Oh Schmeitzner, folge mir!

Trink lieber ein Paar Schnäpse

Und lass die tausend Krebse,

Kreuch selber hinter dir!

**

Ein Vers zu Ehren des Pastor Brockhaus, der an der Trichinitis starb (Sohn des alten Prof. B<rockhaus>)

Der altgewordne Pastor

Ergab sich einem Lastor

Und aß der Wurst zu viel.

Da kam heran Trichine,

Kroch in das Bein der Schiene

Und trieb ein tödtlich Spiel.

**

Auf einen Besuch von Frau Marie Baumgartner, welche uns Byron’s Kain vorlas.

Mit Kain, Pepsin, Äpfeln

Sah man nach Basel stäpfeln

Mariam von Lörrach,

Um dort mit Thee und Kachen*

Abélen todtzuschlagen

Und auch den langen Nachmittag.

**

Als ich im Frühjahr 1883 mit meiner Schwester von Rom nach Genua zurückreiste, haben wir unterwegs nichts als solche Verse gemacht. Wir bestachen die Schaffner an jeder Station, um allein zu sein, weil wir fortwährend lachten — —

Es giebt sehr gute Nachrichten von meinen Südamerikanern: sie sind jetzt endgültig in die neue Colonie Nueva Germania übergesiedelt und daselbst empfangen worden „wie ein Fürst nicht festlicher empfangen werden könnte“. Der Zufluß von Colonisten ist bedeutend. —

Auch aus Kopenhagen sind gute Nachrichten da. Die Vorlesungen nehmen einen glänzenden Verlauf. Der Saal ist jedes Mal „zum Bersten“ voll. Mehr als 300 Zuhörer. Die Zeitungen geben Berichte.

Hier ist mir der erste Geschäftsführer der Firma Löscher sehr entgegengekommen, in allerlei Praxis und Noth des Lebens, wo ich mir selbst schlecht zu rathen weiß. Das ist ein stiller bescheidener Mann, Buddhist, etwas Anhänger Mainländer’s, begeisterter Vegetarianer (— er hat hier das Grahambrod eingeführt und den Preis fixirt: das Kilo = 30 ct.) Gestern sagte er mir, unaufgefordert, daß er Jude sei… Nicht einmal getauft! — Er hat mir bewiesen, daß Mainländer kein Jude war. —

Aus New-York kam seitens eines Bewunderers meines Zarathustra das Versprechen eines größeren englischen Essai über meine Schriften, in einer der ersten amerikanischen Revuen. —

Ich wünschte Ihnen sagen zu können, wie mich alle Ihre Musik-Urtheile erbauen: es scheint, daß ich im Instinkte jetzt nicht mehr sehr fern von Ihrem Geschmack bin, — aber unendlich in der Ausdrucksfähigkeit. Mir fehlt ein Jahr exakten Musikstudiums, um nur wieder die Sprache dafür in die Gewalt zu bekommen. —

Eine glänzende Aufführung von Carmen, Ehren-Serata des vielbewunderten Frl. Borghi. Doch war Nizza im Spiel Allem über, was ich bis jetzt an Aufführungen dieser Oper erlebt habe (De Reims als Don José, la Frandin als Carmen)

Der große Erfolg von Lalo, mit seinem „roi d’Ys“ in Paris, macht mir Freude. Ein bescheidner Künstler, dem das Leben schlimm schon mitgespielt hat. Der „große Erfolg“ ging mit dem dritten Akte los — das heißt mit den schönen Melodien: der kluge Mann hatte sie alle bis dahin aufgespart!!

Lieber Freund, vergeben Sie mir diesen vielleicht zu heiteren Brief: aber nachdem ich, Tag für Tag, „Werthe umgewerthet“ habe und sehr ernst zu sein Grund hatte, giebt es eine gewisse Fatalität und Unvermeidlichkeit zur Heiterkeit. Ungefähr wie bei einem Begräbniß… Mit herzlichem Gruß und Dank

Ihr Freund Nietzsche

1036. An Georg Brandes in Kopenhagen

Turin, den 23. Mai 1888.

Verehrter Herr,

ich möchte Turin nicht verlassen, ohne Ihnen nochmals auszudrücken, wie vielen Antheil Sie an meinem ersten wohlgerathenen Frühling haben. Die Geschichte meiner Frühlinge, seit 15 Jahren zum Mindesten, war nämlich eine Schauergeschichte, eine Fatalität von décadence und Schwäche. Die Orte machten darin keinen Unterschied; es war als ob kein Recept, keine Diät, kein Clima den wesentlich depressiven Charakter dieser Zeit verändern könnten. Aber siehe da! Turin! Und die ersten guten Nachrichten, Ihre Nachrichten, verehrter Herr, aus denen mir bewiesen ward, daß ich lebe… Ich pflege nämlich mitunter zu vergessen, daß ich lebe. Ein Zufall, eine Frage erinnerte mich dieser Tage daran, daß in mir ein Hauptbegriff des Lebens geradezu ausgelöscht ist, der Begriff „Zukunft“. Kein Wunsch, kein Wölkchen Wunsch vor mir! Eine glatte Fläche! Warum sollte ein Tag aus meinem siebzigsten Lebensjahr nicht genau meinem Tage von heute gleichen? — Ist es, daß ich zu lange in der Nähe des Todes gelebt habe, um die Augen nicht mehr für die schönen Möglichkeiten aufzumachen? — Aber gewiß ist, daß ich jetzt mich darauf beschränke, von heute bis morgen zu denken, — daß ich heute festsetze, was morgen geschehn soll — und für keinen Tag weiter! Das mag unrationell, unpraktisch, auch vielleicht unchristlich sein — jener Bergprediger verbot gerade diese Sorge „um den andern Tag“ — aber es scheint mir im höchsten Grade philosophisch. Ich bekam vor mir etwas Respekt mehr, als ich ihn sonst schon habe: ich begriff, daß ich verlernt hatte, zu wünschen, ohne es auch nur gewollt zu haben. —

Diese Wochen habe ich dazu benutzt, „Werthe umzuwerthen“. — Sie verstehen diesen Tropus? — Im Grunde ist der Goldmacher die verdienstlichste Art Mensch, die es giebt: ich meine der, welcher aus Geringem, Verachtetem etwas Werthvolles und sogar Gold macht. Dieser allein bereichert; die andern wechseln nur um. Meine Aufgabe ist ganz kurios dies Mal: ich habe mich gefragt, was bisher von der Menschheit am besten gehaßt, gefürchtet, verachtet worden ist: — und daraus gerade habe ich mein „Gold“ gemacht…

Daß man mir nur nicht Falschmünzerei vorwirft! Oder vielmehr; man wird es thun. —

— Ist meine Photographie in Ihre Hände gelangt? meine Mutter hat mir den großen Dienst erwiesen, in einem so außerordentlichen Falle nicht undankbar erscheinen zu müssen. Hoffentlich hat auch der Leipziger Verleger E. W. Fritzsch seine Schuldigkeit gethan und den Hymnus expediert.

Ich bekenne zuletzt eine Neugierde. Da es mir versagt war, an der Thürspalte zu horchen, um etwas über mich zu erfahren, würde ich gern auf eine andere Weise etwas horchen mögen. Drei Worte zur Charakteristik der Themata Ihrer einzelnen Vorlesungen — wie viel wollte ich aus drei Worten lernen!

Es grüßt Sie, verehrter Herr, herzlich und ergeben

Ihr
Nietzsche

1037. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Turin, 25. Mai 1888>

Lieber Freund,

die Pariser sind eben toll vor Begeisterung für — die Matthäus-Passion!! Der Figaro, wirklich der Figaro! hatte eine ganze Seite einer Notenbeilage gewidmet: der schwermüthigen Arie „Erbarme dich, mein Gott“… Hier hat Teatro Carignano geschlossen, natürlich mit Carmen: es hat davon 2 Monate gelebt. Dem Publikum wurden 3 andre Opern angeboten: es wies sie der Reihe nach ab. Die Zahl der Vorstellungen war für mich erstaunlich: man hat mehrmals drei Abende hintereinander das Werk vorgeführt. Am Schluß sehr respektable Geschenke an den maestro Mugnone, goldne Remontoir-Uhr und dergl.

Die Operetten-Componisten scheinen in Italien die Orchester in der Hand zu haben: ich habe 2 Fälle hier vor Augen. Der Canti z. B. der Componist von „la nuova befana“ benutzt seine Stelle als maëstro, um auch sonst sich aufzuführen; in Zwischenakten ein Lied oder eine sinfonia „eigens für diesen Abend componirt“. —

Es grüßt Sie der verunglückte Musikus

N

1038. An Georg Brandes in Kopenhagen (Postkarte)

Turin d. 27. Mai 1888.

Was Sie für Augen haben! Der Nietzsche auf der Photographie ist in der That noch nicht der Verfasser des Zarathustra, — er ist ein Paar Jahre zu jung dazu.

Für die Etymologie von gote bin ich sehr dankbar: dieselbe ist einfach göttlich! — Ich nehme an, daß Sie heute auch einen Brief von mir lesen?

Ihnen dankbar zugethan
N.

1039. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Turin, den 27. Mai 1888.

Meine liebe Mutter,

Du hast mir wirklich eine außerordentliche Freude mit der Abschrift des Lama-Briefs gemacht: ich habe ihn mindestens sechs Mal gelesen und mich jedes Mal von Neuem daran erbaut. Nachdem es so weit ist, darf man eigentlich Vertrauen haben: selbst ich fange an, der Sache zu vertrauen…

Ich war ein Paar Tage nicht wohl, sonst hättest Du schon eher ein Wort des Dankes bekommen. Meine Zeit hierselbst geht nun auch zu Ende. Ich habe noch eine Woche vor mir: am 5ten Juni will ich abreisen, am 6ten, wenn meine Gesundheit mir keinen Streich spielt, in Sils-Maria eintreffen. Man bekommt jetzt direkte Billets von Turin bis Chiavenna: das ist eine große Erleichterung für Dein altes Geschöpf.

Nun möchte ich dies Jahr gleich von Anfang an da oben vernünftig sein und nicht erst wieder alle möglichen thörichten Versuche machen. Damit will ich sagen, daß ich Dich bitte, meine liebe Mutter, mir von jenem delikaten Schinken, der das letzte Jahr so sehr den Beifall Deines Sohnes hatte, umgehend ein gutes Quantum zuzusenden (Wie nennt ihr ihn? Lachsschinken? Weißt Du, ganz zart und ohne Fett)

Ich will allernächstens ein Paar Worte an Herrn Kürbitz richten, damit er Dir in meinem Namen etwas Geld zu Gebote stellt, für diese und andre Bedürfnisse. Zum Beispiel auch zur Bezahlung der Photographie. —

Mit den Kleidern scheine ich wirklich wohlgefahren zu sein. Es ist ein eleganter Anzug, der vorzüglich sitzt. Ich habe mir vorgenommen, etwas wieder auf mich zu halten und der Nachlässigkeit im Aeußern ein Ziel zu setzen. Das scheint mir auch ein Zeichen eines gewissen Fortschrittes in der Besserung meiner Gesundheit? So lange man caput ist, macht man sich nichts draus, ob man auch so aussieht…

Die Vorträge meines Kopenhagener Verehrers sind glänzend zu Ende gekommen, mit einer großen Ovation, die er in meinem Namen angenommen. Er schreibt mir, daß „mein Name jetzt in allen intelligenten Kreisen Kopenhagens populär und in ganz Skandinavien bekannt sei“. (So weit habe ich’s im Vaterlande freilich noch nicht gebracht!)

Gestern machte mir der hiesige Philosoph, Professor Pasquale D’Ercole einen sehr artigen Besuch. Derselbe, jetzt Dekan der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität, hatte in der Buchhandlung Löscher von meinem Hiersein gehört.

Eine amerikanische Zeitschrift in New-York hat mir einen Essai über meine Schriften in Aussicht gestellt.

Eben traf ein drei Bogen langer äußerst interessanter Brief des Dr. Fuchs ein. —

Herr Köselitz wird im nächsten Monate ebenfalls Italien verlassen und zunächst zu seinen Eltern gehn.

Daß Du die Briefe des Herrn Busse abschreiben willst, ist vielleicht zu viel Ehre. Wollen wir’s nicht machen, wie bisher und einfach still sein? — Oder sind sie hübsch? — Mich quälen sonst solche Naturen, denen ich absolut nicht zu helfen weiß —

Es grüßt und umarmt Dich
Dein alter Philosoph

Adresse: Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz.

1040. An Franz Overbeck in Basel

Turin, den 27. Mai 1888.

Lieber Freund,

ich mache mir das Vergnügen, Dir einen letztens eingetroffenen Brief aus Kopenhagen mitzutheilen, mit der Bitte, denselben irgendwann einmal, vielleicht nach Sils-Maria, an mich zurückzuaddressiren.

Übrigens steht Sils-Maria vor der Thür. Ich will am 5. Juni von hier abreisen und denke, wenn die Gesundheit mir nicht den gewohnten Streich spielt, am 6ten dort einzutreffen. Was mich einigermaßen muthig für die Reise stimmt, ist die neue Eisenbahn-Verfügung: man kann direkte Billets Torino-Chiavenna haben, — damit hat die schauderhafte kleine Misère des sechsmaligen Gepäckumschreibens ein Ende. —

Meine Gesundheit hat im Ganzen Stand gehalten. Ich bin während dieser 2 Monate in Turin 4 mal krank gewesen: ein mezzo termino, mit dem ich mich zufrieden geben will.

Heute morgen traf ein herrlicher drei Bogen langer Brief von Dr. Fuchs ein, der wieder von einer erstaunlichen Energie Zeugniß ablegt. Ihn begleitet ein großer Complex von Recensionen und Concert-Berichten aus der Feder dieses geistreichsten der jetzigen Musiker. Ich will mich in aller Ruhe daran erlaben.

Gestern hat mir der hiesige filosofo, der Prof. Pasquale d’Ercole einen sehr artigen Besuch gemacht; er hatte in der Buchhandlung Löscher von meinem Hiersein gehört. Derselbe ist jetzt Decan der philosophischen Fakultät. —

Das archivio storico in Florenz gedenkt in seiner letzten Publikation (ein Gesammtbericht über deutsche Geschichtslitteratur) mit Auszeichnung meiner allgemeinen Gedanken über Historie (2. Unz<eitgemäße> Betrachtung); die Abhandlung läuft darauf aus. Ich erzähle das Dir gerade, lieber Freund, weil Du der einzige bist, der mir bisjetzt ein Interesse an jenen Gedanken ausgedrückt hat. — Dir und Deiner lieben Frau mich herzlich empfehlend

Dein Nietzsche.

Der Brief aus New York, den Du so gütig warst, mir zu übersenden, enthielt das Versprechen eines englischen Essai über meine Schriften seitens einer der größten amerikan. Reviews.

1041. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, Donnerstag <31. Mai 1888>

Wenn ich Ihnen sofort wieder antworte, so wird es Ihnen nicht zweifelhaft sein, woran es mir fehlt, — daß Sie mir fehlen, lieber Freund! Wie sehr auch der Frühling mir gerathen ist, er bringt mir gerade das Beste nicht, das, was auch die schlimmsten Frühlinge mir bisher brachten — Ihre Musik! Dieselbe ist mit meinem Begriff „Frühling“ zusammengewachsen — seit Recoaro! — ungefähr so, wie das sanfte Glockenläuten über der Lagunenstadt mit dem Begriff „Ostern“. So oft mir eine Ihrer Melodien einfällt, bleibe ich mit einer langen Dankbarkeit an diesen Erinnerungen hängen: ich habe durch Nichts so viel Wiedergeburt, Erhebung und Erleichterung erfahren wie durch Ihre Musik. Sie ist meine gute Musik par excellence, für die ich innewendig mir immer ein reinlicheres Kleid anziehe als zu aller anderen.

Ich erlaubte mir, vorgestern Theaterberichte des Dr. Fuchs an Sie abzusenden. Es ist viel Feines und Erlebtes darin.

Die Vorlesungen des Dr. Brandes sind auf eine schöne Weise zu Ende gegangen, — mit einer großen Ovation, von der aber B<randes> behauptet, daß sie nicht ihm gegolten habe. Er versichert mich, daß mein Name jetzt in allen intelligenten Kreisen Kopenhagens populär und in ganz Skandinavien bekannt sei. Es scheint, daß meine Probleme diesen Nordländer sehr interessirt haben; im Einzelnen waren sie besser vorbereitet, z. B. für meine Theorie einer „Herren-Moral“ durch die allgemeine genaue Kenntniß der isländischen Sage, die das reichste Material dafür abgiebt. Es freut mich, zu hören, daß die dänischen Philologen meine Ableitung von bonus gutheißen und acceptiren: an sich ist es ein starkes Stück, den Begriff „gut“ auf den Begriff „Krieger“ zurückzuführen. Ohne meine Voraussetzungen würde nie ein Philologe auf einen solchen Einfall gerathen können. —

Es ist wirklich schade, daß Sie nicht eine Ausschweifung in’s Cadore gemacht statt in’s Papierschwärzerische. Mein schlechtes Beispiel verdirbt ersichtlich Ihre an sich sehr viel besseren Sitten. Das Wetter war sehr geeignet zu einer solchen Gebirgs-Entdeckung: ich selbst zwar habe auch keinen Gebrauch davon gemacht und bin in ähnlicher Weise darüber mit mir unzufrieden.

Eine wesentliche Belehrung verdanke ich diesen letzten Wochen: ich fand das Gesetzbuch des Manu in einer französischen Übersetzung, die in Indien, unter genauer Controle der hochgestelltesten Priester und Gelehrten daselbst, gemacht worden ist. Dies absolut arische Erzeugniß, ein Priestercodex der Moral auf Grundlage der Veden, der Kasten-Vorstellung und uralten Herkommens — nicht pessimistisch, wie sehr auch immer priesterhaft — ergänzt meine Vorstellungen über Religion in der merkwürdigsten Weise. Ich bekenne den Eindruck, daß mir alles Andere, was wir von großen Moral-Gesetzgebungen haben, als Nachahmung und selbst Carikatur davon erscheint: voran der Aegypticismus; aber selbst Plato scheint mir in allen Hauptpunkten einfach bloß gut belehrt durch einen Brahmanen. Die Juden erscheinen dabei wie eine Tschandala-Rasse, welche von ihren Herren die Principien lernt, auf die hin eine Priesterschaft Herr wird und ein Volk organisirt… Auch die Chinesen scheinen unter dem Eindruck dieses klassischen uralten Gesetzbuchs ihren Confucius und Laotse hervorgebracht zu haben. Die mittelalterliche Organisation sieht wie ein wunderliches Tasten aus, alle die Vorstellungen wieder zu gewinnen, auf denen die uralte indisch-arische Gesellschaft ruhte — doch mit pessimistischen Werthen, die ihre Herkunft aus dem Boden der Rassen-décadence haben. — Die Juden scheinen auch hier bloß „Vermittler“ — sie erfinden nichts.

Soviel, mein lieber Freund, zum Zeichen, wie gern ich mich mit Ihnen unterhielte —. Dienstag Abreise. —

Von Herzen
Ihr Nietzsche.

1042. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Zettel)

<Turin, Mai 1888>

Es wird den Freunden der Philosophie Friedrich Nietzsche‘s von Werth sein, zu hören, daß letzten Winter der geistreiche Däne Dr. Georg Brandes einen längeren Cyklus von Vorlesungen an der Kopenhagener Universität dieser Philosophie gewidmet hat. Der Redner, dessen Meisterschaft im Darlegen schwieriger Gedankencomplexe nicht erst sich zu beweisen hatte, wußte eine Zuhörerschaft von mehr als 300 Personen für die neue und verwegene Denkungsart des deutschen Philosophen lebhaft zu interessiren: so daß seine Vorlesungen in eine glänzende Ovation zu Ehren des Redners und seines Thema’s ausliefen.

1043. An Pasquale d’Ercole in Turin

Sils-Maria, den 9. Juni 1888 (Oberengadin)

Verehrtester Herr Professor,

ich benutze den ersten Augenblick, wo ich wieder den Kopf frei und heiter habe, um Ihnen auszudrücken, daß ich trotzalledem weder der undankbarste noch der unhöflichste Mensch von der Welt bin. Es ist mir hart angekommen, Turin zu verlassen, ohne Ihnen Lebewohl gesagt zu haben; aber es gieng nicht anders. Ich war fast immer krank und die letzten Tage durch die Hitze wie betäubt. Rechnen Sie es ein wenig meinem Stolze zu, daß ich nicht ganz und gar als „Leidender“ in Ihrem Gedächtnisse zurückbleiben wollte. Rechnen Sie es auch meiner Philosophie zu, welche dem Kranken anräth, es den Thieren nachzumachen und sich in seine Höhle zu verkriechen. Ich zweifle nicht, daß ich über kurz oder lang, an einem schönen, frischen klaren Herbsttage, die Ehre haben werde, eine so werthvolle und liebenswürdige menschliche Beziehung wieder anzuknüpfen, deren ich dies Mal kaum würdig war.

Inzwischen hat mir Ihre Güte ein Mittel in die Hand gegeben, auch hier in Ihrer Gesellschaft zu sein. Ihr Philosoph von Intra interessirt mich als psychologisches Problem: ein Dichter, noch dazu ein Italiäner, der sich gerade in das Grau und Grau unsrer deutschen Scholastik verliebt! Ich erinnere mich dabei der Begeisterung, die Monsieur H. Taine über die erste Wirkung von Hegel’s Logik ausdrückte: Taine, der auch einen verborgenen Dichter in sich trägt. Er meinte ungefähr, es sei der höchste Zustand seines Lebens gewesen.

Empfangen Sie, verehrter Herr Professor, den ergebensten Gruß

Ihres dankbar verpflichteten
Nietzsche

1044. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria, den 10. Juni 1888

Meine liebe Mutter,

Dein Brief und die schöne Sendung folgten sich in sehr kurzer Zeitdifferenz: als der erste kam, lag ich noch krank zu Bett, bei der Kiste aber war ich schon auf dem Wege zur Besserung. Es gieng nämlich wieder schlecht mit der Reise. Am ersten Abend schon kam ich krank an und hatte in Chiavenna eine miserable Nacht. Dort am nächsten Tage zu bleiben widerrieth die Schwüle und unerträgliche Luft dieses Sticklochs. Aber die lange Postfahrt nach Sils that mir nicht gut; und so mußte ich denn die ersten 24 Stunden wieder, wie leider fast jedes Mal, mit heftigem Erbrechen zubringen. Es kommt dazu, daß hier oben nicht die Luft weht, die ich hier suche. Der viele Schnee, der thaut, macht die Luft zu feucht; und dabei ist die Wärme auch auf 23 Grad. Seltsam! Ich bin viel leichter mit dem Turiner Wetter fertig geworden, obwohl wir Tag für Tag 31 Grad hatten. Aber die Luft war durch und durch dünn und rein, auch wehte immer ein lieblicher Zephyr. Hier in Sils lag noch bis tief in den Mai hinein 6 Fuß fester Schnee. In den nächsten Ortschaften sind ungeheure Lawinen niedergegangen, 26 der Zahl nach. Das thaut nun Alles auf. Wohin man spaziert, findet man den Schnee als Hinderniß; die Berge sind bis auf die Thalsohle herab noch weiß. Es hat nie so vielen Schnee gegeben; auch soll die Kälte bis auf 33 Grad unter Null herabgegangen sein. Ganze große Wälder sind durch die Lawinen fortgerissen, der Schaden ist groß.

Nun fehlen, wie Du Dir denken kannst, die Fremden noch ganz und gar; und die Eine Schwalbe macht keinen Sommer. Ich esse allein. Bis jetzt ist Alles nicht recht im Stande, weder Magen, noch Schlaf, noch Lust zum Arbeiten, noch Lust am Spazierengehn. Man ist auch noch gar nicht vorgesehn und eingerichtet für die Bedürfnisse der Fremden — so daß es bei mir überall hapert und ich ein wenig melancholisch bin. —

Da kam denn der schöne Schinken sehr zur rechten Zeit, meine liebe Mutter; ich danke herzlich für all die guten Dinge, die Du geschickt hast. Die Hemden scheinen Prachts-Hemden zu sein: ich habe eben 2, die dünn und löcherig waren, bei Seite gelegt, so daß die neuen gerade in die Lücke eintreten.

Dasselbe gilt von den warmen schönen Strümpfen. Wenn ich dies Alles, wie es Dein ausdrücklicher Wunsch ist, als Geschenk annehmen soll, so mußt Du mir wenigstens erlauben, Dir eine kleine Gegengabe präsentiren zu dürfen. Du hättest gern, schriebst Du mir nach Turin, die milder aussehende Photographie von mir: bitte, laß sie machen und berichtige dann die beiden Bilder aus den 30 Mark, die ich Dir inzwischen durch H<errn> Kürbitz habe zustellen lassen. Das nächste Mal hätte ich gerne so etwas wie eine Serviette, damit ich mir selbst mein Tischchen decken kann, wenn ich essen will. —

Mit den Kleidern bin ich jetzt im Ganzen in Ordnung. Ich habe einen sehr leichten Hut auf dem Kopfe, der aus Roßhaaren geflochten ist: sehr hübsch, aber theuer. Der kleinen Adrienne habe ich einen Ring aus Nizza mitgebracht, der allerliebst aussah und den mir Frau Köchlin bei einem dortigen Goldschmied ausgesucht hat. Außerdem schöne Pariser Seife. Ich habe einen neuen Koffer, für den ich 15 frs. bezahlt habe = 4 Thaler.

In Turin erlebte ich zuletzt noch ein großes Musikfest, bei dem 34 Stadtorchester aus drei Provinzen Italiens thätig waren, dazu noch die 8 Orchester von Turin. Die Concurrenz der Orchester fand gleichzeitig in den 3 größten Theatern von Turin statt (jedes zu 3000—4000 Plätzen) von früh bis Abend. —

Ich hätte Dir gern auch so einen heiteren Brief geschrieben, wie Du ihn geschrieben hast, meine liebe Mutter. Aber Dein altes Geschöpf ist immerfort etwas traurig. In Liebe und sehr dankbar

Dein F.

1045. An Heinrich Köselitz in Venedig

Donnerstag Sils, d. 14. Juni 1888.

Lieber Freund,

Ihr Brief langte zu gleicher Zeit mit der Rückkehr meiner Gesundheit (— und meines Barbiers) bei mir an: Sie können denken, wie festlich er begrüßt wurde. Ihre Mittheilung, daß das provençalische Quartett einmal mir zugehören soll, schmeichelt mir im höchsten Grade. Ich habe darauf hin ungefähr schon meine Lebenspläne verändert. Doch darüber später einmal: heute nur den ersten und vorläufigsten Ausdruck tiefer Erkenntlichkeit. Daß man die guten Dinge mit einander gemein hat, das verbindet am innerlichsten: und ich weiß noch sehr gut, welche kleinen Schauer von Vollkommenheit mir über die Seele liefen, als ich, in Venedig, die Ehre hatte, das damals werdende Quartett zu hören. —

Die cartolina ist nicht eingetroffen; falls das herrliche Duett ankommt, werde ich es an „geneigter Belustigung“ nicht fehlen lassen. — Ein sehr liebenswürdiger Gedanke ist es von Ihnen, dem Dr. Fuchs ein Paar Worte zukommen zu lassen: ich bitte Sie darum, ich weiß gut genug, wie dies auf den sehr vereinsiedelten und viel zu wenig geschätzten Danziger wirken wird. Zuletzt habe ich in meinem letzten Brief von Ihnen erzählt. Es ist übrigens erstaunlich, was er alles durchsetzt und unternimmt: seine letzten Brief-Berichte gaben mir von der feurigen Energie seiner Natur wieder den allerhöchsten Begriff. (Die Recensionen wünscht er wieder zurück: er hat noch viel mehr und will sie, auf Wunsch, herausrücken…)

Es gieng schlecht bis jetzt, lieber Freund. Die Reise mißrieth wieder, wie gewöhnlich: ich hatte sechs Tage nöthig, um ungefähr wieder von den schlechten Nachwirkungen loszukommen. Nichts ist so labil im Gleichgewicht als meine Gesundheit… Das Wetter, das ich hier oben fand, war nicht das, welches ich suchte. Feucht, schwül, Thauluft, — 23 Grad C. Denken Sie sich: ich dachte mit Reue an das verlassene Turin, ob ich schon dasselbe in der allergrößten Hitze kennen gelernt hatte. Die letzte Zeit stieg der Thermometer Tag für Tag auf 31 C., das Minimum war 22 C. Und seltsam! ich, der empfindlichste Mensch für Hitze, litt ganz und gar nicht dabei — schlief gut, aß gut, hatte Einfälle und arbeitete… Die subtile trockne Luft, der Zephyr auf den Gassen — im Grunde war es eine Art mir unbekannten Epikureismus’. Welche Höhe die Café-haus-cultur erklommen, davon wage ich nicht zu schreiben. —

Seit gestern ist es auch hier wieder gute Luft und gesund. Sils ist wirklich wunderschön; in gewagter Latinität das, was ich Perla Perlissima nenne. Ein Reichthum an Farben, hundert Mal südlicher darin als Turin. Ringsherum liegen noch die Reste von 26, zum Theil ungeheuren Lawinen. Ganze Wälder sind von ihnen heruntergebrochen. Es giebt hier ein interessantes Lawinen-Recht: das Holz gehört dem, auf dessen Grundstück die Lawine es wirft. Ein Bewohner von Bevers hat auf diesen Weise ca. 5000 frs. Holz zum Geschenk bekommen. Der Schnee lag hier noch bis in den Mai hinein 6 Fuß hoch: dann schmolz er mit einer kaum begreiflichen Schnelle weg.

In Turin hörte ich zuletzt noch ein Musikfest: 34 Stadtorchester concurrirten. Ich wohnte der Concurrenz der fünf besten Capellen bei, im teatro Vitt<orio> Em<anuele>, das c. 5000 Personen faßt. Der Klang war bezaubernd schön: was ich nie geglaubt hätte. Diese fortissimi! Ich zeichnete bei mir als die bei weitem erste Leistung die der Capelle von Asti aus, mit ihrem maestro Foschini; der den Muth hatte, eine eigne Sinfonia drammatica als Concurrenzstück aufzuführen. Nach meiner Abreise von Turin erfuhr ich mit Vergnügen, daß Asti die große goldne Medaille bekommen hat, mit allen möglichen Ehren seitens 2 Ministerien auch für den maestro. —

Overbeck bezieht ein eignes Haus in Basel. Von meiner Schwester ist ein geradezu bezaubernder langer Bericht über die Ankunft und feierliche Einholung in Nueva Germania da. Die Sache gewinnt wirklich einen großartigen Aspekt.

In München sehn Sie, wenn es möglich, Seydlitzens. Die sind so gut gegen mich. — Von Levi höre ich, daß er krank ist und diesen Sommer nicht in Bayreuth dirigirt.

Ich hatte Fritzsch freigestellt, von meinem Kopenhagener Erfolg etwas in der Presse verlauten zu lassen. Er schrieb mir kürzlich, im Drang der Geschäfte habe er’s vergessen, und nun sei es wohl zu spät. — Unverbesserlich!

Mit herzlichem Glückwunsch für die Reise

Ihr N.

1046. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Sils-Maria, 15. Juni 1888>

Lieber Freund,

soeben las ich, im Bund abgedruckt, die feine und schöne Sache Spittelers über Sch<ubert>. Dabei beschloß ich, diesem Manne, der mir doch sehr werth ist, wieder ein Zeichen meiner Theilnahme zu geben (und, womöglich, „das Wölkchen“ zwischen uns zu verscheuchen —) Haben Sie noch ein Exemplar des Hymnus zu versenden? Ich habe leider 2 Ex. in Nizza gelassen. — Bitte, schreiben Sie darauf:

Herrn Carl Spitteler
zum Zeichen besondrer Hochschätzung
N.

Adresse: Basel, Gartenstr. 74.

Es ist möglich, daß ich im Herbst über Basel komme. Da würde ich ihn besuchen; vielleicht ist Sp<itteler> für Ihre Musik vorbereitet? Er scheint mir einstweilen unentbehrlich für uns.

— Und rectifizieren Sie die Clarinette, Freund! Ich habe sonst im Grabe keine Ruhe!…

Wir hatten heute Schnee und eisigen Wind. Gesundheit etwas besser. Brief gestern an Sie abgegangen.

Treulich Ihr Freund N.

1047. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria> Sonnabend. <16. Juni 1888>

Meine liebe Mutter,

es geht nicht zum Besten. Verzeih, wenn ich etwas kurz schreibe. Das Geld von Kürbitz mußt Du unter allen Umständen acceptiren, sonst kann ich ja nicht meine Bestellungen machen, wie ich’s nöthig habe! Du hast vielleicht nicht mehr im Gedächtniß, was ich von Turin aus schrieb. Ich will dies Mal meinen ganzen Bedarf von Schinken aus Naumburg haben. Im vorigen Sommer habe ich ihn aus Basel, aus Zürich, aus St. Gallen und anderswoher bezogen, mit allerhand Verdruß und Enttäuschung: so daß ich’s nicht wiederholen will. Ich mußte es, wie Du Dir denken kannst, immer mit meiner Gesundheit abbüßen, wenn eine Bestellung schlecht oder halb-genügend ausfiel. Was mir eigentlich allein gut bekommen ist, das war die allerletzte Naumburger Sendung vom September: die runde dicke Lachsschinken-wurst. Deshalb schrieb ich von Turin, daß ich dies Mal von vornherein vernünftig sein wolle und nicht erst alle möglichen schlechten Experimente machen. Da mein Sommer die Länge von 4 Monaten ungefähr hat, so brauche ich mindestens noch 12 Pfund = 6 Kilo Lachsschinken. Es handelt sich um meine ganze Abendmahlzeit für 4 Monate. Wenn Du einen Begriff von der Schwierigkeit meiner Ernährung gerade hier unter den enorm kostspieligen Fremdenverkehr-Verhältnissen hättest, so würdest Du auch sofort verstehn, daß diese sehr einförmige und langweilige Diät relativ bei weitem die billigste und auch gesündeste für mich ist. Ich darf absolut nichts mehr riskiren; je regelmäßiger, desto besser. In einer großen Stadt, wie Turin, steht mir natürlich jede Abwechslung zu Gebote: hier aber nicht (— es wird sofort schrecklich theuer, da ich schon für ein sehr einfaches Mittagessen 2 frs. 25 ct. = 19 Groschen (ohne Trinkgeld) gebe. — Wenn es Dir Mühe macht, meine gute Mutter, so gieb mir eine gute Adresse für ein Geschäft in Gotha oder in Braunschweig. Am Liebsten wäre es mir freilich, so, wie ich’s mir ausgedacht hatte: daß Du selbst den Schinken aussuchtest und zusendetest (— die Kosten des Transport fallen natürlich ebenfalls mir zu —)

Ich bin mit der kleinen Wurst fertig: sie war zu trocken, wegen ihrer Kleinheit. Die größere ist besser, doch lange nicht so gut, wie die dicke runde vom letzten Herbst. Ich glaube, man thut gut, recht große zu schicken. Die übersandten 3 Pfund reichen etwa im Ganzen 14 Tage: das heißt, ich habe noch für 6 Tage zu essen.

Sei nicht böse, daß ich Dir solche Mühe mache: aber ich bitte Dich, sofort wieder eine größere Sendung als das letzte Mal abzuschicken: und vom Allerbesten. Die Kosten dafür kommen bei mir gar nicht in Betracht, wenn es sehr gut und gesund ausfällt, gieb also gerne etwas mehr, vorausgesetzt, daß es prima Qualität ist. — Und geh, bitte, zu Kürbitz!!!!

Der Honig ist mir leider sehr schlecht bekommen: ganz wie im vorigen Sommer. Es trat Erbrechen ein. Das ist Wachs-Honig: aber mein Magen weiß auf keine Art mit Wachs fertig zu werden. —

Ich lege den Einen Brief vom Lama bei; der andre folgt das nächste Mal, damit der Brief nicht doppelt wird. Es wundert mich, daß Lisbeth nichts von meinen 8 Briefen sagt, die ich ihr von Nizza diesen Winter geschrieben habe.

In Liebe
Dein altes Geschöpf

Ich habe Dir noch gar nicht für Deinen herzlichen Brief gedankt. Nach Naumburg kommen, unter meinen Gesundheits-Verhältnissen, ist freilich nicht möglich: es ist nicht Liebhaberei, was mich zum Engadin und zu Nizza verurtheilt — —

Als Adresse genügt eigentlich Sils-Engadin, Schweiz: es giebt nämlich noch 2 andre Sils, nicht im Engadin.

1048. An Meta, von Salis auf Marschlins

Sils, Engadin, den 17. Juni 1888.

Verehrtes Fräulein

es schneit eben aus Leibeskräften: ich sitze in meiner Höhle und überlege mit einiger Schwermuth, ob nicht das Wetter (oder der Wettermann) den Verstand verloren hat. Als ich hier ankam, war es schwül, lästig, eine Hitze von 24 Grad; es kam mich fast eine Reue an, Turin verlassen zu haben, wo wir zwar täglich 31 C. hatten, aber aria limpida elastica und jenen berühmten Zephyr, von dem ich früher nur durch die Dichter wußte. Hier oben schmolzen 26 Lawinen; wohin man spazieren ging, fand man Haufen weichen Schnees: — ich war 6 Tage krank, ehe ich mich wieder mit Sils und dem Leben vertrug. —

Dies schreibe ich im Grunde, um Sie einzuladen, hier herauf zu kommen. Ich zweifle nicht, daß Sie besseres Wetter mitbringen — und jene Vernunft, die das Wetter verloren hat.

In der „Alpenrose“ sind vierzehn Personen — fast lauter Hamburger und Hamburgerinnen. Das flieht Alles vor dem tropischen Gluth-Sommer, der uns versprochen ist — und sitzt nun im Schnee.

Ich habe eben, mit Hülfe meteorologischer Tabellen, folgende ganz unwahrscheinlich klingende Wahrheit festgestellt.

„Der Januar in Italien“

Heitere Tage

Regentage

Grad der Bewölkung

Turin

10,3

2

4,9

Florenz

9,1

9,7

5,7

Rom

8,2

10

5,8

Neapel

7,7

10,8

5,2

Palermo

3,2

13,5

6,5

Das bedeutet, daß im Winter, je tiefer man nach Süden steigt, das Wetter schlechter ist (— weniger helle Tage, mehr Regentage und ein immer trüberer Himmel —) Und wir glauben alle instinktiv das Gegentheil!! Das schreibe ich im Grunde, um zu fragen, was Sie in Rom und mit Rom erlebt haben. Ich habe oft meine Zweifel gehabt, ob gerade dieser Winter, wo Rom außerdem noch im Pilgrim-Dunst lag, Ihnen Freude gemacht hat. Aber zuletzt waren Sie gar nicht dort: ich habe so lange nichts mehr von Ihnen gehört.

Von meiner Schwester sind die allerbesten Nachrichten da: zuletzt eine Beschreibung des festlichen Einzugs in die neue Residenz Nueva-Germania, die mich ganz bezaubert hat. Die Unternehmung gedeiht; sie hat bereits jetzt einen großartigen Aspekt.

Haben Sie davon gehört, daß ich inzwischen berühmt geworden bin? Nämlich in Dänemark, woselbst, zu meinem größten Erstaunen, der Dr. Georg Brandes für meine Philosophie Propaganda macht. Er hat einen längeren Cyklus Vorlesungen „über den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche“ an der Kopenhagener Universität gelesen — und ich habe Gründe zu glauben, daß er damit einen großen Erfolg gehabt hat. Man spricht im ganzen Norden jetzt von mir („Herren-Moral“ scheint das Schlagwort)

Mit der Bitte, mir ein freundliches Wort hier herauf zu sagen

bin ich Ihr ergebenster Diener
Nietzsche

Was macht Fräulein Resa? Ist sie bereits promota? — Und Ihre dichterische Freundin?

1049. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria d. 20. Juni 1888.

Lieber Freund,

Ihr „Liebesduett“ kam wie ein Blitz hinein in meine Trübsal. Ich war mit einem Schlage genesen, ich bekenne, selbst geweint zu haben vor Vergnügen. Welche Erinnerungen giebt mir diese himmlische Musik! Und doch schien ich sie jetzt erst, wo ich sie sechs Mal hintereinander gelesen habe, völlig zu verstehen — sie scheint mir auch im höchsten Grade „singebar“. Es ist ein hohes schwärmerisches Gefühl darin, das Stendhal entzückt haben würde: ich las gerade gestern noch in seinem reichsten Buche Rome, Naples et Florence und dachte fortwährend dabei an Sie!* — Er erzählt unter Anderm, wie er Rossini fragt „was lieben Sie mehr, die Italiana in Algeri oder den Tancred?“ Er antwortet: „il matrimonio segreto“…

Lieber Freund, das bringt mich darauf, Ihnen zu gratuliren, daß Sie bei dem Titel „der Löwe von Venedig“ verblieben sind. Es ist doch ein sehr anregender und zur Phantasie redender Titel. Es wäre schade, wenn der kleine Wink „Venedig“ fehlte… Insgleichen gefällt mir die Bezeichnung „italienische komische Oper“: sie wirkt vielfachen Verwechslungen und Mißverständnissen entgegen. Endlich: Sie haben Recht, bei Ihrem „Peter Gast“ zu bleiben: ich begriff es, als ich’s las. — Es ist derb, naiv und, mit Erlaubniß gesagt, deutsch… Sie wissen, daß ich, seit letztem Herbst, Ihre Opern-Musik sehr deutsch finde — altdeutsch, gutes sechszehntes Jahrhundert?

Nochmals meinen schönsten Dank — es war wirklich eine Kur, das plötzliche Erscheinen dieses herrlichen Duetts.

Inzwischen nämlich war ich sehr behängt und verdeckt, wie der Himmel, und zu allem Guten untüchtig. Die absurde Unordnung des Climas war mit dabei betheiligt. Nachdem wir eine Woche das heißeste Wetter gehabt haben, das überhaupt im Engadin möglich ist (24 Grad), stecken wir seit 6 Tagen wieder im Winter. Erst schneite es einen halben Tag, später 2 ganze Tage: und seitdem zieht es immer mit schweren Wolken über uns herum.

In der Bibliothek des Hôtels fand ich ein Leben Wagners von Nohl: das in einem kostbaren Stil abgefaßt ist. Ich selbst komme darin vor, als „der geistvolle Freund und Patron“ wörtlich! — Der König von Baiern, der ein bekannter Päderast war, sagt zu Wagner: „Also Sie mögen die Weiber auch nicht? sie sind so langweilig!“ — Diese „Meinung“ findet Nohl „jugendlich umfangen“…

Overbeck schrieb gestern von seinen schlechten Gesundheitsverhältnissen und daß er nächste Woche ins neue Haus zieht. Er freut sich außerordentlich, von Ihrer Reise nach Deutschland und dem Quartett zu hören.

Der Tod des Kaisers hat mich bewegt: zuletzt war er ein kleines Schimmerlicht von freiem Gedanken, die letzte Hoffnung für Deutschland. Jetzt beginnt das Regiment Stöcker: — ich ziehe die Consequenz und weiß bereits, daß nunmehr mein „Wille zur Macht“ zuerst in Deutschland confiscirt werden wird…

Es grüßt Sie auf das Wärmste und Dankbarste

Ihr Freund
Nietzsche

— Ist meine Karte, Spitteler betreffend, bei Ihnen angelangt?

1050. An Karl Knortz in Evansville (Indiana)

Sils-Maria, Oberengadin, den 21. Juni 1888. (Schweiz)

Hochgeehrter Herr!

Das Eintreffen von zwei Werken Ihrer Feder, das mich Ihnen zu Dank verpflichtet, scheint mir zu verbürgen, daß inzwischen meine Litteratur in Ihren Besitz übergegangen ist. Die Aufgabe, ein Bild von mir, sei es vom Denker, sei es vom Schriftsteller und Dichter zu geben, scheint mir außerordentlich schwer. Der erste größere Versuch der Art ist letzten Winter von dem ausgezeichneten Dänen Dr. Georg Brandes gemacht worden, der Ihnen als Litterarhistoriker bekannt sein wird. Derselbe hat unter dem Titel „Der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche“ einen längeren Cyklus von Vorlesungen an der Kopenhagener Universität über mich veranstaltet, deren Erfolg, nach allem, was mir von dort gemeldet worden ist, ein glänzender gewesen sein muß. Er hat eine Zuhörerschaft von 300 Personen für die Kühnheit meiner Problem-Stellungen lebhaft interessirt und, wie er selbst sagt, meinen Namen im ganzen Norden populär gemacht. Sonst habe ich eine mehr verborgene Hörer- und Verehrerschaft, zu der auch einige Franzosen, wie Mr. Taine gehören. Meine innerste Überzeugung ist, daß diese meine Probleme, diese ganze Position eines „Immoralisten“ für heute noch viel zu früh, noch viel zu unvorbereitet ist. Mir selbst liegt der Gedanke an Propaganda vollkommen fern; ich habe noch nicht einen Finger dafür gerührt.

Von meinem Zarathustra glaube ich ungefähr, daß es das tiefste Werk ist, das in deutscher Sprache existirt, auch das sprachlich vollkommenste. Aber das nachzufühlen, dazu bedarf es ganzer Geschlechter, die erst die inneren Erlebnisse nachholen, auf Grund deren jenes Werk entstehen konnte. Fast möchte ich rathen, mit den letzten Werken anzufangen, die die weitgreifendsten und wichtigsten sind („Jenseits von Gut und Böse“ und „Genealogie der Moral“). Mir selbst sind am sympathischsten meine mittleren Bücher, „Morgenröthe“ und „Die fröhliche Wissenschaft“ (es sind die persönlichsten).

Die „Unzeitgemäßen Betrachtungen“, Jugendschriften in gewissem Sinne, verdienen die höchste Beachtung für meine Entwicklung. In „Völker, Zeiten und Menschen“ von Karl Hillebrand stehen ein paar sehr gute Aufsätze über die ersten „Unzeitgemäßen“. Die Schrift gegen Strauß erregte einen großen Sturm; die Schrift über Schopenhauer, deren Lektüre ich besonders empfehle, zeigt, wie ein energischer und instinktiv jasagender Geist auch von einem Pessimisten die wohlthätigsten Impulse zu nehmen versteht. Mit Richard Wagner und Frau Cosima Wagner war ich einige Jahre, die zu den werthvollsten meines Lebens gehören, in tiefem Vertrauen und innerstem Einvernehmen verbunden. Wenn ich jetzt zu den Gegnern der Wagner’schen Bewegung gehöre, so liegen, wie es sich von selbst versteht, dahinter keine mesquinen Motive. In den gesammelten Werken Wagner’s Band IX (wenn ich mich recht erinnere) steht ein Brief an mich, der von unserm Verhältniß Zeugniß ablegt.

Ich bilde mir ein, daß meine Bücher durch Reichthum psychologischer Erfahrungen, durch Unerschrockenheit vor dem Gefährlichsten, durch eine erhabene Freimüthigkeit ersten Ranges sind. Ich scheue auch, hinsichtlich der Kunst der Darstellung und der artistischen Ansprüche, keine Vergleichung. Mit der deutschen Sprache verbindet mich eine lange Liebe, eine heimliche Vertrautheit, eine tiefe Ehrfurcht! Grund genug, um fast keine Bücher mehr zu lesen, die in dieser Sprache geschrieben werden.

Empfangen Sie, hochgeehrter Herr, die ergebensten Grüße Ihres

Professor Dr. Nietzsche.

1051. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Sils-Maria> Montag Nachmittag 25. Juni 1888

Meine liebe gute Mutter,

ich schreibe Dir auf der Stelle, denn Du hast mir eben eine ganz unbändige Freude gemacht. Nein, was ist das für eine schöne Sendung! Der Luxus der Cravatte sticht Alles aus, was ich in Turin gesehn habe; und da ich jetzt sehr hübsche moderne Kragen habe, wird sich das zusammen sehr festlich ausnehmen. Die Zwiebäcke entsprachen einem „tiefgefühlten“ Bedürfniß. Ich habe überall, in Nizza, in Turin, zum Thee frühmorgens Zwiebäcke; aber im Engadin wächst das nicht. Der Schinken sieht äußerst delikat und stattlich aus: ich blicke mit neuem Vertrauen in die Zukunft — und das ist Etwas!! Denn ich habe eine böse und schwere Zeit bisher durchgemacht. Noch gestern wußte ich mich nicht gegen die traurigsten Gedanken zu wehren. Weißt Du, mir scheint es, daß es nicht nur an der Gesundheit bei mir fehlt, sondern an der Voraussetzung, um gesund zu werden — die Lebenskraft ist so schwach, ich kann die Einbuße von mehr als zehn Jahren nicht wieder ausgleichen, während welchen ich immer nur vom „Capital“ gelebt habe und nichts, nichts, nichts dazu erworben habe — —

Ich halte mich mit großer Kunst und Vorsicht leidlich aufrecht, aber wie viele Zeit geht hin, wo ich so schwach bin, wie man es in meinem Alter nicht sein sollte! Und auch dieser überreizbare Zustand im Verhältniß zum Wetter ist ein schlechtes Zeichen. Ich war fast die ganze Zeit in einer unbeschreiblich schlechten Verfassung. Ein tiefliegender Kopfschmerz, der einen Brechreiz im Magen zur Folge hatte; keine Lust und Kraft zum Spazierengehn; Widerwille gegen mein [+ + +]

1052. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria Oberengadin Schweiz 26. Juni 1888.

Geehrtester Herr Verleger,

es giebt Etwas zu drucken. Wenn es Ihnen convenirt, wollen wir diese kleine Sache ungesäumt in Angriff nehmen. Es ist bloß eine Broschüre, aber sie soll so ästhetisch wie möglich aussehn. Sie betrifft Fragen der Kunst: folglich dürfen wir uns mit unserm Geschmack nicht bloßstellen.

Es ist schade, daß ich nicht persönlich hierüber mit Ihnen reden kann. Ich hörte gerne auch Ihrerseits Vorschläge. Was die meinigen betrifft, so möchte ich vor Allem den Versuch mit deutschen Lettern einmal empfehlen. Große, fette, schöne Lettern und nicht mehr als 27 Zeilen auf der Seite (das bisherige Format vorausgesetzt —) Vielleicht machen wir auch wieder eine Rand-Linie um die Seite, wie beim Zarathustra. — Ich glaube bemerkt zu haben, daß für Fragen und Schönheiten des Stils der Deutsche vollkommen stumpf ist, sobald er lateinische Schrift liest. Erst mit den deutschen Lettern entsteht seine Empfänglichkeit für das Aesthetische eines Stils. (Vielleicht, weil er gewohnt ist, seine Classiker in diesen Lettern zu lesen? — —)

In summa: mein lateinischer Druck hat mir bis jetzt viel Schaden gethan. Insbesondre beim Zarathustra.

Ich hebe noch ein paar Wünsche hervor:

schwärzerer Druck als in der letzten Schrift.

das Papier stärker und womöglich gelb (—es soll sehr delikat aussehen)

eine liberale Raumverwendung, zum Beispiel größere Zwischenräume zwischen den einzelnen Abschnitten.

Für den äußeren Umschlag empfehle ich wieder das blasse Grün und den Titel in roth wie beim 4ten Zarathustra.

Zunächst ersuche ich um ein Paar Probeversuche, hinsichtlich Lettern, Raumvertheilung, auch Papier.

Mit der Bitte, dieser Sache einige Theilnahme zu schenken

bin ich
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

NB. Ich habe bis jetzt in deutschen Lettern nichts gesehn, was mir gefallen hätte. Ich rathe nicht zu Schwabacher Lettern (— das ist eine Schwierigkeit mehr für die Herren Leser —)

Senden Sie, bitte, auch an Herrn Köselitz (München, poste restante) diese Proben. Das ist ein Mann von Geschmack.

1053. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria, 28. Juni 1888>

Werthester Herr Verleger,

Alles wohl erwogen, ist es doch Nichts mit den deutschen Lettern. Ich kann meine ganze bisherige Litteratur nicht desavouiren. Auf die Dauer zwingt man die Menschen zu seinem eignen Geschmack. Und mir wenigstens sind die lateinischen Lettern unvergleichlich sympathischer! — Mein Vorschlag ist also: die Lettern von „Jenseits“, auch das Format, aber bloß 27 Zeilen auf der Seite. Ich erwarte also keine „Proben“. Der definitive Druck kann sofort beginnen. Die Adresse des Herrn Köselitz sende ich, sobald ich sie habe. — Ein Paar Manuscript-zusätze folgen heute per Brief.

Auch über den Umschlag denke ich anders. Das Grün und Roth eignet sich nicht für eine Broschüre.

Mit der Bitte, mir bald Nachricht zu geben

Hochachtungsvoll Ihr
Prof. Dr. Nietzsche

1053a. An Reinhart von Seydlitz in München

Sils-Maria, den 28. Juni 1888.

Lieber Freund,

nichts ist dümmer als die Dummheit - nämlich meine. Der Gedanke, daß ein Brief Dich noch südöstlich zu suchen habe, ist nicht einen Augenblick mir am Horizonte aufgestiegen. Und was hätte es Gutes gegeben, wenn wir alle zusammen ein paar Tage Torinesi gewesen wären! Denn ich hatte dort eine Laune wie seit 20 Jahren nicht und funkelte, einem Drachen vergleichbar, an Geist und Bosheit. Selbst die Hitze that mir nichts an: wobei ich nicht umhin kann, einzuschalten, daß die Café-haus-Cultur Turin‘s in wahrhaft schwindelnde Höhen stieg! Ich glaubte mich Kenner in gelati, spumoni, pezzi duri, aber siehe da…

Daß Du in Nizza gewesen bist, thut mit geradezu wehe. Und in Rapallo, an der heiligen Stelle, wo das „Buch der Bücher“, Zarathustra, geboren ist! —

— Hier muß ich irgend Etwas wieder gut machen. Schon gestern kam mir der Gedanke, einmal hübsch wieder „unter Menschen“ zu wandeln: in Anbetracht, daß ich als „Unmensch“, als „Unbehauster“ einem Thiere immer ähnlicher werde. Rückzug über München in der zweiten Hälfte des September??? Aber da bist Du sicher nicht dort. —

Ich lege, für Deine liebe Frau, zu geneigter Belustigung, den Brief meiner Schwester bei, in dem sie den Einzug in die neue Residenz schildert. Derselbe ist eigentlich an meine Mutter gerichtet und von ihr für mich abgeschrieben worden. Er scheint mir ein angenehmes document humain, mit den Parisern zu reden. —

Dieser Tage ist mein ausgezeichneter Freund und maëstro di Venezia Herr Heinrich Köselitz in München eingetroffen: das Menschenkind, welches die einzige Musik macht, welche vor meinem allerverwöhntesten Ohre noch Gnade findet. Die erste moderne Oper (heiter, gemüthsreich, meisterhaft, nicht dilettantisch à la Wagner…) ist sein Werk: sie heißt „Der Löwe von Venedig“. Eben hat er ein tiefsinnig-schönes Quartett fertig gemacht — eine „Provencalische Hochzeit“ darstellend. Wenn besagtes Wunderthier sich bei Dir präsentiren sollte, so nimm ihn mit Herzlichkeit auf — [+ + +]

Ich bitte, Deiner verehrten Frau Mutter meinen ergebensten Dank für Ihren Gruß auszudrücken.

Dein
Freund Nietzsche.

1054. An Carl Fuchs in Danzig

Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz d. 30. Juni 1888

Lieber, verehrter Freund,

seltsam! seltsam! mein Wunsch war, Ihnen sofort nach meiner Zurückversetzung ins Kühle — denn wir hatten Tag für Tag 31 Grad in Turin — einen schönen Dankesbrief zu schreiben: ein frommer Wunsch, nicht wahr?? — Aber wer konnte ahnen, daß ich mich nicht bloß „in’s Kühle“ zurückversetzen würde, sondern ins Hundewetter, an dem meine Gesundheit Schiffbruch leiden würde! Winter, Sommer in unsinnigem Wechsel: sechs und zwanzig Lawinen im Schmelzen; jetzt noch dazu Regen, der Himmel fast immer verhängt — genug Gründe, um eine tiefe nervöse Erschöpfung, mit Recrudescenz meiner früheren Leiden, zu entschuldigen. — Ich erinnere mich nicht, schlechteres Wetter erlebt zu haben: und dies in meinem Sils-Maria, wohin ich flüchte, um schlechtem Wetter zu entgehn! Ist es ein Wunder, wenn selbst der Pfarrer hier sich das Fluchen angewöhnt? Er stockt jetzt mitunter in der Unterhaltung; dann würgt er immer einen Fluch hinunter. Neulich, beim Herauskommen aus der eingeschneiten Kirche, hat er seinen Hund durchgeprügelt, mit den Worten „der verfluchte Köter hat mir die ganze Predigt verteufelt!“ —

Sie errathen, wozu ich Lust hätte? Aber das schickt sich nicht, mit einem Musiker…

Ich hatte solches Vergnügen an Ihren Lehr- und Wehr-Meinungen, daß ich es nicht für mich allein behalten wollte: ich hoffe, nichts Unziemliches gethan zu haben, als ich sie an meinen maëstro nach Venedig schickte?.. Und von welcher Energie legte Ihr Brief Zeugniß ab! Wie macht man das, dort oben in Ihrem Norden, so jung zu bleiben? Ihr Brief war wirklich noch jünger als Ihr Bild —

Immer kommt mir dabei die Vorstellung wieder, daß Sie an eine viel freiere, größere Stelle hingehören, wo Ihrer Lehr-Begabung andere Kräfte untergeordnet sind und wo Sie nicht Alles allein machen müssen — Sie schlagen Funken noch aus Ihrem Danzig: das wird jeder Schmied zu bewundern haben!

Die andren Musiker werden nervös: wie es Ihnen zu Muthe ist, schließe ich aus Ihrem Stil, der biegsam und behend läuft. So schreibt man nicht, wenn man dyspeptisch ist.. Und so erlebt ist alle Ihre Kritik!

Wenn es, werther Freund, noch Etwas mitzutheilen giebt, gönnen Sie mir noch eine zweite Sendung Recensionen! Adresse: Sils, Oberengadin, Schweiz. Vielleicht kommt das Wetter inzwischen zur Vernunft! — und ich mit ihm! —

Ihnen
dankbar verpflichtet
Ihr
Nietzsche.

Dank für die allerschmeichelhafteste Etymologie! Die Polen sagen, es bedeute „Nihilist“…

1055. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)

Sonntag Abend d. 1 Juli 1888.

Geehrtester Herr Verleger, hier folgen die letzten Manuscript-Zusätze, welche ich an den bezeichneten Stellen zu plaçiren bitte. — Es bleibt bei der zweiten Entschließung: lateinische Lettern, 27 Zeilen, keine Randlinie —

Hochachtungsvoll Ihr
Dr Nietzsche

bis jetzt immer krank!!!

1056. An Franz Overbeck in Basel

Sils, Engadin, am 4. Juli 1888.

Lieber Freund,

inzwischen wirst Du, wie ich hoffe, zusammen mit Deiner vermuthlich arg übermüdeten armen Frau ein wenig zur Ruhe gekommen sein. Ich nehme an, daß das Gröbste im Probleme des déménagement überwunden ist. Mein Hauptwunsch dabei kann nur der sein, es möge der böse Gesundheitszustand, den Du zuletzt mir geschildert hast, nicht mit demenagirt sein. Gegen solche Gäste bleibt, hoffe ich, Deine neue Burg unerbittlich verriegelt. Sonst kann ich nicht umhin, auch in diesem Falle wieder die große Zähigkeit Deiner Natur zu bewundern. Darin bist Du mir weit über. —

Es fehlt mir nicht an Anlaß zu diesem Seufzer. Seit dem ich Turin verlassen habe, bin ich in einem miserablen Zustande. Ewiger Kopfschmerz, ewiges Erbrechen; eine Recrudescenz meiner alten Leiden; tiefe nervöse Erschöpfung verhüllend, bei der die ganze Maschine nichts taugt. Ich habe Mühe, mich gegen die traurigsten Gedanken zu vertheidigen. Oder vielmehr: ich denke sehr klar, aber nicht günstig über meine Gesammtlage. Es fehlt nicht nur an der Gesundheit, sondern an der Voraussetzung zum gesund-werden — Die Lebens-Kraft ist nicht mehr intakt. Die Einbuße von 10 Jahren zum Mindesten ist nicht mehr gut zu machen: während dem habe ich immer vom „Capital“ gelebt und nichts, gar nichts zuerworben. Aber das macht arm… Man holt nicht nach in physiologicis, jeder schlechte Tag zählt: das habe ich von dem Engländer Galton gelernt. Ich kann, unter begünstigenden Verhältnissen, mit äußerster Vorsicht und Klugheit ein labiles Gleichgewicht erreichen; fehlen diese begünstigenden Verhältnisse, so hilft mir alle Vorsicht und Klugheit nichts. Der erste Fall war Turin; der zweite ist, leider dies Mal, Sils. Ich bin in ein verdrießliches und unruhiges Winter-wetter hineingerathen, welches mir zusetzt, wie mir etwa ein Februar in Basel zusetzt. — Diese extreme Irritabilität unter meteorologischen Eindrücken ist kein gutes Zeichen: sie charakterisirt eine gewisse Gesammt-Erschöpfung, die in der That mein eigentliches Leiden ist. Alles, wie Kopfschmerz usw. ist nur Folgezustand und relativ symptomatisch. — Es stand in der schlimmsten Zeit in Basel und nach Basel genau nicht anders: nur daß ich damals im höchsten Grade unwissend war und den Ärzten ein Herumtasten nach lokalen Übeln gestattet habe, das ein Verhängniß mehr war. Ich bin durchaus nicht kopfleidend, nicht magenleidend: aber unter dem Druck einer nervösen Erschöpfung (die zum Theil hereditär, — von meinem Vater, der auch nur an Folgeerscheinungen des Gesammt-Mangels an Lebenskraft gestorben ist — zum Theil erworben ist) erscheinen die Consequenzen in allen Formen. Das einzige régime, welches damals am Platz gewesen wäre, wäre die amerikanische Weir-Mitchells Kur gewesen: eine extreme Zufuhr von dem werthvollsten Nahrungsmaterial (mit absoluter Veränderung von Ort, Gesellschaft, Interessen). Thatsächlich habe ich, aus Unwissenheit, das entgegengesetzte régime gewählt: und noch jetzt begreife ich nicht, daß ich nicht in Genua an totaler Schwäche gestorben bin. —

Ich bin über diesen Materie jetzt so gut unterrichtet, wie irgend ein Arzt: wäre ich’s 20 Jahre früher gewesen, so hätte ich den Zustand verhütet…

Verzeihung! lieber Freund, für diesen gar zu medizinisch gerathenen Brief. Herr Köselitz ist in München; die erste Aufführung von Wagners „Feen“ hat schon stattgefunden, einem Berichte nach, den er schickte. Für die Übersendung des Geldes sage ich Dir meinen ergebensten Dank.

Dein Freund
Nietzsche.

1057. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria,> Sonnabend Nachmittag <7. Juli 1888>

Meine liebe Mutter, es geht immer noch nicht besser. Ich habe noch niemals hier oben eine so lange schlechte Zeit durchgemacht. — Das Wetter fährt fort, mir ungünstig zu sein. Das Schnee-Wetter ist abgelöst von einem wochenlangen Regenwetter: so daß ich in meinen 5 Wochen 1 hellen Tag erlebt habe (noch dazu war es gerade der Tag eines bösen Anfalls.)

Der Schinken, der mir gut gethan hat, geht nun seinem Ende langsam entgegen: so daß Deine Güte wieder in Anspruch genommen werden muß. Ich hoffe, daß mein Dankbrief für die letzte Sendung, den ich gleich nach dem Empfang schrieb, in Deine Hände gelangt ist.

Von Herzen Dein Sohn
F.

Das neue Nachthemd ist sehr angenehm auf der Haut. Schönsten Dank!

1058. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria,> 11. Juli Mittwoch 1888.

Lieber Freund,

es hat sich Nichts verbessert, weder mit mir, noch mit dem Wetter. Eiskalte Luft heute: der Himmel dick behängt. In fünf Wochen habe ich Einen hellen, freilich sehr kalten Tag erlebt (— leider hatte ich Gründe, ihn zu Bett zu verbringen) Dagegen 24 Tage mit strömendem Regen, Tag und Nacht; und drei Schneetage. Die Temperatur, Dank dem vielen Schnee, der noch liegt, durchschnittlich tief. Der Anfang meines Aufenthaltes hier oben hatte eine widrige schwüle Luft, mit dem höchsten Thermometerstande, der überhaupt im Engadin erreicht werden kann; man gieng nicht 20 Schritte, ohne zu schwitzen. Dies schlug direkt in Schneewetter um. Die ältesten Leute (85 Jahre) haben keinen Begriff von solchen Zuständen.

Treulich Dein Freund
N.

Ein leidender Herr aus Rom reist ab. Insgleichen eine größere Hamburger Familie. Schlimm für die Hôtels.

1059. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, d. 12. Juli 1888

Werthester Herr Verleger

dem Wunsche des Dr. Carl Fuchs in Danzig (diese Adresse genügt) wollen wir mit Vergnügen nachkommen.

Es war mir erwünscht, daß Sie mir das Manuscript wieder zurücksandten. Ich hatte es in einem solchen Zustand von Schwäche abgeschrieben, daß ich selbst es unleserlich finde. Seit mehr als fünf Wochen bin ich krank; sehr unwillkommne Rückkehr meiner alten Zustände; tiefe nervöse Erschöpfung mit andauerndem Kopfschmerz und Erbrechen. Ich sage nichts von dem abominablen Wetter, in das mich dies Mal mein Unstern verschlagen hat.

Sobald meine Kräfte es erlauben, will ich mich daran machen, das ganze Manuscript noch einmal mit möglichster Deutlichkeit der Schrift abzuschreiben. Irgend eine genauere Zeitangabe kann ich unmöglich machen. Andres Wetter, andre Gesundheit. Diese Nacht hat es stark gefroren. Die nächsten Berge tief im Schnee. 25 Tage ununterbrochnes Regenwetter. 3 Tage eingeschneit. In 5 Wochen einen hellen Tag, den ich leider zu Bett zubringen mußte. Immer sehr niedrige Temperatur.

Die Proben habe ich mit Interesse angesehn. Die eine, mit den gewohnten Lettern meiner früheren Bücher und mit Einem Strich darum hat meinen ganzen Beifall.

Hochachtungsvoll der Ihrige
Prof. Dr. Nietzsche

1060. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils, Oberengadin d. 16. Juli 1888.

Sehr geehrter Herr Verleger,

es geht besser: Sie bekommen hier den Beweis dafür! —

Das Manuscript, wie es hier vorliegt, ist vollständig fertig: ich bitte sofort es in Arbeit zu nehmen. —

Auch Herr Köselitz ist vorbereitet. Adresse: Herrn Heinrich Köselitz, Annaberg sächs. Erzgebirge

Mit dem Wunsche, daß es jetzt schnell vorwärts geht Ihr

ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche.

NB. Die Seiten sind von dem Vorworte an numerirt.

1061. An Carl Spitteler in Basel

Sils, Oberengadin, am 16. Juli 1888

Sehr geehrter Herr,

als ich hier oben eintraf, fand ich, in einer Sonntags-Beilage des „Bund“ abgedruckt, Ihre Worte über Schubert. Meine Freude war groß dabei: so liebevoll und so sachlich zugleich schreibt Niemand heute de rebus musicis et musicantibus. Ich gab sofort einen Auftrag, um Ihnen irgend wodurch ein Zeichen meiner Sympathie zu geben — hoffentlich nicht ohne Erfolg. Ich sage das letzte aus Mißtrauen gegen die Post.

Es fehlte mir so lange jede Nachricht über Sie. Der mir für Nizza zugedachte Brief ist, ich weiß nicht aus was für Gründen, erst gestern, den 15. Juli, in meine Hände gelangt. Es scheint, daß er die Reise um die Welt gemacht hat. Aber die Nachrichten darin sind herrlich, vor allem die Aussicht auf ein Werk, dessen Thema mich nicht weniger interessirt als sein Verfasser. Dieser Credner kann sich gratulieren! — Vielleicht ist es am Platze, daß ich über den genannten Herrn noch etwas deutlicher bin als ich es in meinem letzten Briefe war. Alle Welt achtet ihn, aber alle Welt weiß auch „Geschichten“ von ihm, vor allem seine Autoren. Er ist, unter uns, launenhaft und willkürlich bis zur Dummheit. Vor zwei Jahren verlor er einen Prozeß gegen einen Professor in Tübingen, weil er in dessen Geschichtswerk seine eigne völlig differente politische Gesinnung durch nachträgliche Correkturen eingeschwärzt hatte. Ich selbst war mit ihm über die Herausgabe meines „Jenseits“ in Ordnung: aber, gewarnt wie ich war, habe ich beim ersten Anzeichen von Verleger-Selbstherrlichkeit mein M<anu>s<cript> telegraphisch zurückverlangt. Diesen Winter klagte mir der geistreiche Däne Dr. Brandes brieflich sein Leid: ein bei Credner erschienenes Werk sei in einem Deutsch abgefaßt, für das er, der Autor, keine Verantwortung übernehme — das Deutsch sei Credner-Deutsch. — Seien Sie ein wenig auf der Hut, lieber Herr!

Der eben genannte Dr. Brandes hat mich diesen Winter in Dänemark berühmt gemacht. Er hat einen längeren Cyklus von Vorlesungen an der Kopenhagener Universität gehalten: „über den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche“. Nach den Zeitungen muß der Erfolg außergewöhnlich gewesen sein; mehr als 300 Zuhörer regelmäßig, eine große Ovation am Schluß. Eben ist mir etwas Ähnliches für New York in Aussicht gestellt worden. Bis jetzt habe ich das Glück des allergewähltesten und zugleich zeitungsscheusten Leserkreises gehabt, den es geben kann; sagen wir dreißig gescheidte Köpfe zwischen Paris und Petersburg. Der Rest geht mich nichts an.

Ich schreibe Ihnen noch ein Paar Worte aus dem Briefe eines verehrungswürdigen Musikers ab (beiläufig desselben, der diesen Winter einige Worte zuviel über eine gewisse Kritik geschrieben hatte) „der gestern eingetroffne Kunstwart enthielt ein verteufelt gescheidtes Artikelchen von Spitteler über Schuberts Sonaten. Der Mann hat Herz, Geschmack und Richtertalent in musikalischen Dingen; er weiß, wie selten sogar Musiker, worum es sich handelt. Merkwürdiger Weise nennt er die Esdur-Sonate nicht, die nach meinem Dafürhalten die vollkommenste Leistung Sch<ubert>s auf diesem Gebiet ist; ebenso wenig die Wanderer-Phantasie, eines der kraft- und schwungvollsten Klavierwerke, die es giebt; selbst Beethoven, mit aller seiner Gewalt, hat nichts so Hinreißendes zu Stande gebracht. Wahrhaftig, Schubert ist ein Riese; aber er hatte keine Idee von seinen Dimensionen und seiner Kraft; ein Riese, der im Grase liegt, mit Kindern spielt und sich selbst für ein Kind hält — ein Phänomen, das nicht gut anderswo möglich ist als unter Deutschen, oder sagen wir „möglich war“, denn die Kinder in Deutschland spielen heute Riese Goliath, und es ist schwer geworden, sich noch als Kind vorzukommen.“ —

Der „Hymnus an das Leben!“ Werther und lieber Herr Spitteler, im Grunde bin ich ein alter Musikant. — Er soll einmal „zu meinem Gedächtniß“ gesungen <werden> — mit andern Worten, er soll von mir übrigbleiben, vorausgesetzt, daß sonst genug „übrig bleibt“… Mottl in Karlsruhe hat mir eine Aufführung in Aussicht gestellt. —

Es grüßt Sie mit dem Ausdruck herzlicher Antheilnahme Ihr

Dr. Nietzsche

1062. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Sils, Oberengadin, d. 17. Juli 1888.

Lieber Freund,

großes Vergnügen! nämlich darüber, daß Sie wieder für mich erreichbar sind. Mir fehlte Ihre Münchner Adresse — oh! und wie sehr sie mir fehlte! — Doch davon nachher!

Ich empfehle durchaus, H. v. Bülow ein Exemplar des Duetts zu senden: mein Vorschlag ist, in Anbetracht, daß wir unter einander nicht ohne Rücksichten sind (Bülow und ich —) darauf zu setzen:

Im Namen eines Freundes

mit verehrungsvollem Gruße

überreicht von Prof. Dr. Nietzsche.

(NB. Er ist auch für nächsten Winter der Hamburger Theater Capellmeister. Avis au lecteur.) Übrigens hat man mir hier, wo gerade Hamburger Gesellschaft prädominirt, nicht genug Bülow’s Theater-Direktion rühmen können. Unvergleichlich delikate Mozart-Aufführungen: insgleichen Carmen, geradezu nicht wiederzuerkennen im Vergleich zu älteren Aufführungen (— Bülow habe sich eine Ehrensache daraus gemacht, das Werk nicht in üblich-deutscher Manier zu compromittiren) — Sie können denken, in welche Menagerie ich Ihren Löwen sperren möchte? Pollini!!!

Gestern kam ein sehr erfreulicher Brief des Herrn Spitteler, geschrieben und nach Nizza geschickt vor mehr als 2 Monaten: einen Dank für meine Verleger-Vermittlung ausdrückend. Es handelt sich um ein Hauptwerk Sp<itteler>s, die Aesthetik des ganzen französischen Drama’s darstellend. Die competentesten Sachkenner scheinen außer sich vor Bewunderung desselben (— er hat, mit großer Bescheidenheit, überall erst angefragt)

Mit mir gieng und geht es schlecht. Der alte miserable Zustand von Kopfschmerz und Erbrechen fast permanent; viel zu Bett; wenig Kraft selbst zum Spazierengehn. Im Übrigen ein Hundewetter, so lange ich hier oben bin. Unerschöpflicher Regen, dazwischen Schneetage, durchweg sehr niedrige Temperatur, in 5 Wochen Einen, noch dazu eiskalten hellen Tag (— an dem ich zu Bett lag)

Die allerletzten Tage schien mir die Gesundheit ein paar Schritte vorwärts zu machen: allerdings gieng unmittelbar ihnen der härteste Anfall meines Leidens voraus, den ich hier oben gehabt habe. —

Dr. Fuchs hat so viel geschrieben, daß es eine Litteratur ist. Ein kleines Paket Recensionen geht, auf seinen besonderen Wunsch, dieser Tage an Sie ab. —

Lieber Freund! Erinnern Sie sich, daß ich in Turin ein kleines Pamphlet geschrieben habe? Wir drucken es jetzt; und Sie sind auf das Inständigste ersucht, dabei mitzuhelfen. Naumann hat bereits Ihre Adresse. Der Titel ist:

Der Fall Wagner.
Ein Musikanten-Problem.
Von
Friedrich Nietzsche.

Es ist etwas Lustiges, mit einem fond von fast zu viel Ernst. — Können Sie sich die ges<ammelten> Schriften W<agner>s zu Gebote stellen? Ich hätte gern ein Paar Stellen, um sie genau, mit Band- und Seitenzahl citiren zu können, 1) es giebt im Texte des „Rings“ eine Variante von Brünnhildens letztem Liede, die ganz buddhistisch ist: ich will nur die Seiten- und Bandzahl haben, nicht die Worte 2) wie heißt wörtlich die Stelle des Tristan:

„den furchtbar tief geheimnißvollen Grund
wer macht der Welt ihn kund?“

ist es so richtig? —

  1. in einer seiner letzten Schriften hat W<agner> einmal ausgesprochen, sogar fettgedruckt, wenn ich mich recht erinnere, daß „die Keuschheit Wunder thut“ Hier hätte ich gern den Wortlaut. —

Im Übrigen ersuche ich <Sie> mir jede Art von Ausstellung, von Wort- und Geschmackskritik zu machen. Es steht viel Verwegenes in diesem kleinen Machwerk. — Correktur-Gang wie herkömmlich. Über Ausstattung, Papier u.s.w. bin ich mit Naumann bereits in Ordnung. Das Manuscript ist den 19. Juli in seinen Händen.

Mit den herzlichsten Grüßen
Ihres Freundes
Nietzsche.

Mich Ihren verehrten Eltern angelegentlich empfehlend.

1063. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils, Oberengadin Dienstag 17. Juli <1888>

Meine liebe Mutter,

gestern Abend, als ich gerade das letzte Stück Schinken verzehrte, kam Deine schöne Sendung, recht gut erhalten, wie mir schien: nur daß von den Zwiebäcken Etwas abgebröckelt war und sich dem Paket mitgetheilt hatte. Der Zoll betrug 80 Pf. Machst Du eine genaue Aufzählung des Inhalts oder öffnet die Zollverwaltung das Paket? Ich bin darüber nicht im Klaren. Vielleicht Beides? Ich habe die Würste, die delikat sich anfühlen, aufhängen lassen, will aber den Anfang mit der dicksten machen. Ich bilde mir ein, daß die kleinen sich leichter conserviren als die dicken — was sagst Du dazu? — Den Zwieback kostete ich heute morgen zum Thee: er schmeckt vortrefflich und hat meinen ganzen Beifall. Für die Eröffnung der „Süßigkeit“ will ich einen recht guten Tag abwarten; das Portemonnaie entsprach wunderbar einem „tiefgefühlten Bedürfniß“. Und was für eine schöne, feine, starke Serviette! — Das erinnert mich an die vorzüglichen Nachthemden; ebenfalls an das Wunderthier von Cravatte, deren verborgene Reize ich in der That noch nicht entdeckt hatte (— ich nenne sie das Chamäleon) Was die Schinken betrifft, so fiel mir die Anzeige eines Züricher Geschäfts in die Hand, das als „Gothaische Wursthandlung“ sich bezeichnet. Es empfiehlt seine „Thüringer Milchschinkli“ (ohne Fett, Knochen und Schwarte): sollte das nicht eben unsere Art Schinken sein? — Seit zwei Tagen spüre ich etwas wie Verbesserung: allerdings war unmittelbar vorher der schlimmste Anfall der ganzen Zeit: so daß ich vielleicht nur den Gegensatz wohlthätiger spüre. Das Wetter bleibt winterlich, regnerisch, bedeckt; gestern furchtbarer Sturm. Aber es scheint überall schlimm zu stehn. Wie heiter und hübsch läuft doch Dein Leben in Naumburg! Wie viel passirt immer! und es scheint mir nach jedem Deiner Briefe, daß ihr miteinander sehr heiter gewesen seid und viel gelacht habt. (Nur war das Volckmannsche Kostgeld zu gering.) Der Brief des guten Lama liegt bei. Die Neuigkeit von dem Ankauf von 6000 Morgen verstehe ich absolut nicht: wie mir überhaupt die Finanzlage der Unternehmung ein Räthsel ist. Frl. von Salis ist nicht eingetroffen. Das Hôtel, in dem ich esse hat zwischen 40 und 50 Personen. Meine Lebensweise ist so. Um 5 Uhr nehme ich eine Tasse Cacao (im Bett); um 1/27 ungefähr trinke ich meinen Thee. Um 12 esse ich, allein, eine halbe Stunde vor dem dîner des Hôtels: regelmäßig ein Beefsteak und eine Omelette. Abends um 7 nehme ich nur auf meinem Zimmer ein Stückchen Schinken, 2 rohe Eidotter und 2 weiße Wecken. Für meine Mittagsmahlzeit zahle ich einen sehr ermäßigten Preis, nämlich im Verhältniß dazu, was sonst die Fremden hier oben zahlen: nämlich 2 frs. 25 ct. (= 18 groschen) Die Fremden würden 3—4 fr. zahlen müssen. Die Zubereitung ist gut; das Fleisch ausgezeichnet. — Für den Fall, daß es noch eine Zusendung geben sollte — der Sommer-Aufenthalt dauert für mich hier noch über 2 Monate — bitte ich Stahlfedern ins Auge zu fassen. Inzwischen habe ich eine so schlechte Schrift bekommen, daß eine besondere Art Stahlfedern versucht werden mußte, die von Sönnecken: dieser Brief ist damit geschrieben. Diese Art ist jetzt sehr verbreitet, sie findet sich sicherlich auch in Naumburg. Die genaue Bezeichnung ist:

Sönnecken’s Rundschriftfedern
Nr. 5

Bitte, hebe Dir diese Adresse auf. Das Hauptgeschäft ist in Leipzig.

Findest Du, daß ich wieder leserlich schreibe? Ich war auf dem Punkte, meine eignen Manuscripte nicht mehr entziffern zu können. —

Schreibe mir doch genau, unter welcher Adresse jetzt ein Brief an das Lama zu richten ist. Überhaupt, was Du auf jedem Brief schreibst.

Nochmals meinen herzlichsten Dank, meine alte gute Mutter, ich mache Dir diesen Sommer rechte Mühe!! —

Dein Fritz.

1064. An Carl Fuchs in Danzig

<Sils-Maria> Mittwoch, den 18. Juli 1888

Lieber Herr Doctor,

seien Sie nicht böse, aber ich setze mich, nothgedrungen, gegen Ihre Briefe zur Wehre. Es ist mir vollkommen verboten, dergleichen privatissima, personalissima anzuhören: das wirkt auf mich, ich wage nicht zu sagen wie — es klänge zu medizinisch. Versetzen Sie sich einen Augenblick in die Umstände dessen, der einen Zarathustra auf der Seele hat. Wenn Sie begriffen haben, welche Mühe es mir gekostet, zur ganzen Thatsache Mensch ein ungefähres Gleichgewicht zu erlangen, so werden Sie auch die extreme Vorsicht begreifen, mit der ich jetzt jeden menschlichen Verkehr behandle. Ich will, ein für alle Mal, sehr Vieles nicht mehr wissen, sehr Vieles nie mehr hören — um diesen Preis halte ich es ungefähr aus.

Ich habe den Menschen das tiefste Buch gegeben, das sie besitzen, meinen Zarathustra: ein Buch, das dermaßen auszeichnet, daß wer sagen kann „ich habe sechs Sätze davon verstanden, das heißt erlebt“ damit zu einer höheren Ordnung der Sterblichen gehört. — Aber wie man das büßen muß! abzahlen muß! es verdirbt beinahe den Charakter! Die Kluft ist zu groß geworden. Ich treibe seitdem eigentlich nur Possenreißerei, um über eine unerträgliche Spannung und Verletzbarkeit Herr zu bleiben.

Dies unter uns. Der Rest ist Schweigen.

Ihr Freund
Nietzsche.

1065. An Ferdinand Avenarius in Dresden (Entwurf)

<Sils-Maria, kurz vor dem 20. Juli 1888>

Seien Sie nicht böse! Das Eine ist, daß ich mich absolut nicht dazu überreden kann, Zeitschriften regelmäßig zu lesen. Meine ganze Aufgabe verlangt, mein Geschmack begehrt von mir Entfremdung, Gleichgültig-werden, Vergessen des Gegenwärtigen… Das Andere ist, daß ich wirklich verstimmt war — durch das Preisgeben H. Heine’s; gerade jetzt, wo ein verfluchter Wind von Deutschthümelei bläst, bin ich ohne Milde für solche Condescen<den>zen. Ich habe in Turin eigens das Buch des verfluchten Hehn darauf hin gelesen: diesem Herrn, der zuletzt mit einem sehr kleinen Apparat von Proben seinen Begriff deutsch resumirt (zB. die Deutschen als Musiker einfach vergessen hat) mag es wohl nicht in den Kopf gekommen sein, daß der Cultur-Werth eines Künstlers oder Denkers in Hinsicht auf sein Volk noch ganz und gar nicht mit seinem Werth an sich zusammenfällt — und daß z. B. die Deutschen Lessing und Heine mehr verdanken dürfen, als sie z. B. Goethe verdanken — sie haben sie nöthiger gehabt. Das sagt nichts gegen Goethe (im Gegentheil) — aber sagt Etwas gegen die Miserabilität und Undankbarkeit die jetzt gegen Lessing und Heine eifert. Ich bin an die andere Art gewöhnt, mit der Heines Andenken in Frankreich behandelt wird: wo ihm z. B. die Goncourts die Ehre erweisen, zusammen mit dem Abbé Galiani und dem Prince de Ligne die sublimste Form des esprit Parisien darzustellen (— drei Ausländer! merkwürdig!)

1066. An Franz Overbeck in Basel

Sils, den 20. Juli 1888.

Lieber Freund,

nichts hat sich verbessert, weder das Wetter, noch die Gesundheit, — beides bleibt absurd. Aber heute erzähle ich Dir Etwas, das noch absurder ist: das ist der Dr. Fuchs. Derselbe hat mir inzwischen eine ganze Litteratur geschrieben (darunter einen Brief von 12 großen engen Bogen!) Ich bin allmählich dabei zum Igel geworden, und mein altes Mißtrauen hat sich völlig wieder hergestellt. Sein Egoismus ist so schlau und andrerseits so ängstlich und unfrei, daß ihm Alles nichts hilft — sein großes Talent nicht und vieles ächt Artistische seiner Natur. Er beklagt sich, daß er in Danzig 7 Jahre alle Welt gegen sich gehabt habe; und aus hundert Zeichen geht hervor, daß er auch jetzt dort kein Vertrauen genießt. Er möchte fort; er verhandelt mit Dresden, nachdem es mit der Berliner Musikschule mißlungen ist. Und er hat es an keiner Form des Bewerbs und der Adulation fehlen lassen! Ein neues Paket Recensionen ist nur zu belehrend darüber. Vieles Feine und Gute, so lange es sich um Sachen handelt; kommen Personen in Betracht, so regiert das „Unendlich-Kleine“. Er hat, für mich, Randbemerkungen gemacht. „Dies ist stark übertrieben; aber ich verdanke ihm das und das.“ Oder: „sie haßt mich wegen dieses Worts: es war dumm von mir.“ Nachdem es mit der Bewerbung um eine Professur an der Berliner Hochschule schief gegangen war, kamen 3 Professoren derselben nach Danzig und gaben ein Concert. F<uchs> hebt sie in der impudentesten Weise in den Himmel. Zur Entschuldigung dafür schreibt er an mich, er habe sich seinen Verdruß über seinen Mißerfolg nicht anmerken lassen wollen. In Wahrheit bewarb er sich um drei der einflußreichsten Stimmen. — Er hat mir einen Essai über meine Schriften in Aussicht gestellt: dabei drückt er eine wahre Höllenangst aus, daß das Eintreten für mich Atheisten ihm in seiner Stellung als Organist von St. Peter schadet. Natürlich pseudonym!! er hat bereits meine beiden Verleger beschworen, seine Pseudonymität geheim zu halten. Derselbe F<uchs> hatte jahrelang eine Höllenangst, daß seine Beziehung zu mir ihm bei Wagner schade; ein paar Jahre vorher, wo mein Einfluß in der Wagnerschen Welt unbestreitbar war, hatte er sich nur zu eifrig um mich bemüht. Ich habe es vorausgesagt, daß, mit dem Tode Wagners, ihm der Muth zurückkommen würde, an mich zu schreiben. Es traf ein, in fast komischer Weise. — Er ist auch Organist an der Synagoge in Danzig; Du kannst Dir denken, daß er sich in der schmutzigsten Weise über den jüdischen Gottesdienst lustig macht (— aber er läßt sich’s bezahlen!!)

Schließlich hat er mir einen Brief über seine Herkunft geschrieben, mit so viel ekelhaften und unanständigen Indiskretionen über seine Mutter und seinen Vater, daß ich die Geduld verlor und mir in der gröbsten Weise solche Briefe verbeten habe. Ich habe durchaus keine Lust, mir meine Einsamkeit durch den Zufall von Briefen stören zu lassen. — So weit sind wir. Leider kenne ich diese Art Menschen zu gut, um hoffen zu dürfen, daß wir damit zu Ende sind. —

Herr Spitteler hat an mich mit viel Dankbarkeit geschrieben. Es ist mir gelungen, etwas durchzusetzen, woran er verzweifelte: nämlich einen Verleger zu finden. Es handelt sich um eine Aesthetik des französischen Dramas: und siehe da, Herr Credner in Leipzig (Firma Veit, Verlagshandlung des Reichsgerichts) hat mir in der artigsten Weise seine Bereitwilligkeit zugesagt. Diese kleine Humanität meinerseits hat noch einen Humor hinter sich: es war meine Art Rache für einen extrem taktlosen und unverschämten Artikel Spittelers über meine gesammte Litteratur, der letzten Winter im „Bund“ erschienen ist. — Ich habe eine viel zu gute Meinung vom Talente dieses Schweizers, als mich durch eine Rüpelei beirren zu lassen (— ich habe Respekt vor seinem Charakter — was leider in Bezug auf den Dr. F<uchs> nicht der Fall ist) Sp<itteler> ist durch meine Fürsprache auch Mitarbeiter des „Kunstwarts“ und, nach meinem Geschmack, dessen einzige interessante Feder. Im Übrigen habe ich das Blatt abgeschafft: auf einen jüngst eingetroffenen Brief des Hr. Avenarius, der sich schmerzlich über die Abmeldung beklagte, habe ich ihm kräftig die Wahrheit gesagt (— das Blatt bläst in das deutschthümelnde Horn und hat z. B. in der schnödesten Weise Heinrich Heine preisgegeben — Herr Avenarius, dieser Jude!!!)

Jetzt eben wird von mir ein kleines musikalisches Pamphlet gedruckt, etwas sehr Lustiges (— in Turin geschrieben) — Mit herzlichem Gruß und Glückwunsch für Dich und Deine liebe Frau

Dein Nietzsche

1067. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Sils-Maria, kurz nach dem 20. Juli 1888>

Lieber Freund

ich schreibe Dir noch ein paar Worte, doch ganz für uns, ganz unter uns. Die Schwierigkeit, in der ich lebe, ist außerordentich; doch liegt sie nicht dort, wo Du und andere Freunde sie suchen. Ich weiß kaum, sie begreiflich zu machen. Aber seit der Zeit, wo ich meinen Z<arathustra> auf dem Gewissen habe, bin ich wie ein Thier, das auf eine unbeschreibliche Weise fortwährend verwundet wird. Diese Wunde besteht darin, keine Antwort, keinen Hauch von Antwort gehört zu haben… Dies Buch steht so abseits, ich möchte sagen jenseits aller Bücher, daß es eine vollkommene Qual ist, es geschaffen zu haben — es stellt seinen Schöpfer ebenso abseits, ebenso jenseits. Ich wehre mich gegen eine Art Schlinge, die mich erwürgen will — das ist die Vereinsamung — ich verstehe es andererseits aus aller Tiefe, warum mir Niemand ein Wort sagen kann, das mich noch erreicht… Die Moral ist: man kann daran zu Grunde gehen etwas Unsterbliches gemacht zu haben: man büßt es hinterdrein in jedem Augenblick ab. Es verdirbt den Charakter, es verdirbt den Geschmack, es verdirbt die Gesundheit. Sechs Sätze jenes Buches zu verstehen und erlebt zu haben — das scheint mir Jeden bereits in eine höhere, fremdere Ordnung des Sterblichen zu heben. Aber die ganze Welt jenes Buches, die unausmeßlich schwere Welt von Tiefe, von Ferne, von Noch-niemals-bisher Gesehenem und Geschehenem auf sich haben und nach einem Versuch, sie mitzutheilen d. h. ihre Last sich geringer zu machen, der todten stupiden Einsamkeit sich gegenüber zu finden, ist ein Gefühl über alle Gefühle.

Ich wehre mich, wie Du denken kannst, mit viel Erfindsamkeit gegen diesen Excess des Gefühls. Meine letzten Bücher gehören dahin: sie sind leidenschaftlicher als Alles, was ich sonst gemacht habe. Die Leidenschaft betäubt. Sie thut mir wohl, sie macht ein wenig vergessen… Ich bin außerdem Artist genug, um einen Zustand festhalten zu können, bis er Form, bis er Gestalt wird. Ich habe, mit Willkür, mir jene Typen erfunden, die in ihrer Verwegenheit mir Vergnügen machen, z. B. den „Immoralisten“ — einen bisher unerhörten Typus. Jetzt eben wird ein kleines Pamphlet musik<alischer> Natur gedruckt, das von der heitersten Laune eingegeben scheint: auch die Heiterkeit betäubt. Sie thut mir wohl, sie macht vergessen… Ich lache wirklich sehr viel bei solchen Erzeugnissen —

Die Schwierigkeit, eine Distraktion zu finden, die stark genug <sei>, wird immer größer. Ich bin mitunter auf eine unbeschreibliche <Weise> melancholisch.

1068. An Paul Deussen in Berlin (Entwurf)

<Sils-Maria, 22. Juli 1888>

Lieber F<reund>

ich habe ein Paar Tage verlaufen lassen, um mich von einer kleinen Erstarrung zu erholen. Das Faktum, das Deine Güte mir meldet, steht so abseits in meinem Leben da; ich verstehe es nicht einmal. Es scheint mir, daß ich zu viel vom Gegentheil erlebt habe — daß ich auch bisher nur Geschenke gemacht habe, wie als ob es die natürlichste Sache in der Welt sei. Dank, Anerkennung, Verständniß — sehr schöne Dinge, aber, wenn man grundsätzlich und nicht ohne Erfolg sich von seiner Zeit entfernt, wie ich es thue, so läßt man diese schönen Dinge aus dem Wege. Ich finde bisher das Verhalten gegen mich nicht unbillig. Zu Menschen habe ich mich noch nicht darüber beklagt. Die andere Frage, die bloße Lebensfrage ist einstweilen, durch eine ganz unverdiente Dankbarkeit der Basler, mir nicht eigentlich drückend geworden: in Wahrheit denke ich nicht an sie und haben meine Basler immer erst an sie gedacht. Die absurde Unmöglichkeit, Schriften herausgeben zu können, wenn ich sie nicht selbst drucke, complicirt in der That etwas meine Lage: — und in diesem Sinne bin ich unbeschreiblich dankbar für das, was Deine alte Freundschaft mir dies Mal zu melden hatte… Hätte ich einen besseren Glauben an meine Gesundheit, so dürfte ich meine Lage auch in genannter Hinsicht nur für ein „Interim“ nehmen… Der Übelstand ist, daß ich in diesem Sommer schlimmer als die letzten Jahre wieder an eine gewisse Incurabi<li>tät erinnert wurde… — Ich habe hundert Vorsichten und Klugheiten nöthig, und außerdem noch ein paar günstige Umstände z. B. helles, trocknes Wetter. Dann erreiche ich einen gewis<sen> Grad der Gleichheit. Fehlt mir diese Gunst der Umstände (wie es leider seit Anfang Juni der Fall), so hilft mir alle Vorsicht und Klugheit nichts. — Recrudeszenz der alten Leiden und Zustände und eine große Schwierigkeit, den Muth aufrecht zu erhalten. — Lieber Freund, ich weiß nicht, wem Alles ich zu danken habe. Aber sicherlich Niemandem mehr als Dir. Behalte mich lieb und glaube an die Liebe eines alten „Unmenschen“ und „Unbehausten“, mit G<oethe> zu reden. Mich Dir und Deiner l<ieben> Fr<au> — — — mich Deiner Freundschaft empfehlend

1069. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils, den 24. Juli <1888> Montag. <23. Juli>

Meine liebe Mutter,

gleich nach dem Eintreffen der letzten Sendung ist ein Brief an Dich abgegangen: demselben war die andre Hälfte vom Brief des Lama beigelegt. Damals hatte ich den Schinken noch nicht versucht; jetzt kann, aus einer etwas zu reichlichen Erfahrung, darüber geurtheilt werden. Es thut mir sehr leid, aber er ist gar nicht so ausgefallen, wie Du gewünscht hast. Der Lachsschinken ist etwas unvergleichlich Besseres und Gesünderes. Der Mann hat, trotz aller Deiner Aufforderungen, das Salz zu schonen, ihn abscheulich versalzen. Das Fleisch sieht braunroth aus, nicht blaß, wie das Fleisch des Lachsschinkens. Ich muß sechsmal des Nachts Wasser trinken, seit ich Abends diesen Schinken esse; und dabei ist mein Magen entschieden durch das viele Salz überwürzt, so daß mir alles Essen jetzt weniger gut bekommt. Auch hat sich eine gewöhnliche Folge von zu salzigem Fleische eingestellt, eine Zahnfleisch-Entzündung, die mich beim Kauen arg belästigt. Dabei fällt mir das Wort „Milchschinkli“ ein: es ist die reine Ironie auf diese versalzene Sache! Selbst das Fleisch ist lange nicht so gut wie das des Lachsschinkens: letzteren konnte ich schön klein bekommen mit den Zähnen, hier bleibt immer ein Rest von Faser, mit dem man nicht fertig wird. Der Mann hat keinen Begriff davon, was ein Schinken zum Gebrauche von Kranken ist: ich, der ich in der Schule des alten Wiel gewesen bin, habe hierüber ziemliche Erfahrung. —

Dagegen fand ich die Zwiebäcke schmackhafter als irgend welche, die ich bisher gegessen habe. Allerschönsten Dank! Auch der Kürbiss hatte einen sehr angenehmen und interessanten Geschmack: er hat mir gut gethan — man soll Frl. Alwinchen loben.

Bleibt die curiose Geldsache zu besprechen. Gestern Abend kam Dein Brief über dieselbe an; gestern Morgen hatte ich bereits einen Brief an Prof. Deussen abgeschickt. Denn er hatte die Sache auch mir direkt gemeldet: ähnlich wie an Dich, nur mit einer Wendung mehr, die ich zu Deiner Erbauung mittheile: „ich hoffe, Du wirst es mit freundlichem Verständnisse Dir gefallen lassen, wenn Einzelne an ihrem Theile wieder gut zu machen suchen, was die Menschheit an Dir sündigt“. Ich habe mich in meiner Antwort dagegen verwahrt, daß „die Menschheit an mir sündige“, habe die Liberalität und unverdiente Dankbarkeit der Basler zu Ehren gebracht, habe ausdrücklich in Abrede gestellt, daß meine Lage drückend sei und, schließlich, ganz exakt, wie Du es Dir auch ausgedacht hast, nur in Hinsicht auf die Unmöglichkeit, Verleger zu finden und den Zwang, der auf mir liegt, meine Schriften auf eigne Kosten drucken zu lassen, das Geld acceptirt. (In den letzten 4 Jahren sind für Druckkosten mehr als 4000 frs. ausgegeben worden) Das Geld wird zum größten Theil Deussens Geld sein (— er hat mir im vorigen Herbst die allerdringendsten Offerten dieser Art gemacht.) An die „unbekannten“ Berliner Verehrer glaube ich nicht recht: der Einzige, der betheiligt sein könnte und zu dessen Charakter eine solche Handlung stimmen könnte, wäre der Dr. Rée (der mit Deussen in gutem Einvernehmen ist) Dies Alles unter uns. Die Hauptsache ist, daß Niemand Etwas davon erfährt. Es würde mir sehr nachtheilig zum Beispiel in Basel sein, wenn das geringste Wort davon verlautete — sie thun dort wirklich ein Übriges (der Termin meiner Pension ist ja mit 1886 abgelaufen!!) Ich will diesen Winter nicht nach Nizza, weil man das letzte Mal im Hôtel unter den Gästen sich in einer Weise für meine etwas ärmliche Finanzlage interessirt hat, die meinen Stolz verletzte. — Schreibe nichts über diesen Sache nach Paraguay: Lisbeth würde es durchaus nicht als eine „Ehrengabe“, sondern, ganz wie ich selbst, als ein Almosen empfinden. Ich zöge bei weitem vor, meine „Verehrer“ zu beschenken — — Ich werde noch diesen Herbst c. 200 Mark zu Druckkosten nöthig haben. Auch könnte es sein, daß meine Winter-Reise und -Aufenthalt einen kleinen Zuschuß nöthig machten, da ich etwas Neues versuchen will. Ich bedarf, aus vielen Gründen, einer abziehenden und zerstreuenden Reise: ich war bisher außerordentlich bedrückt und melancholisch. Sonst weißt Du, daß ich sparsam bin. Gieb also das Geld an Kürbitz, doch mit der Bemerkung, daß bald ein Theil disponibel sein muß.

Dein altes Geschöpf F.

1070. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, den 24. Juli 1888

Lieber Freund,

lassen wir die Windhose laufen! Das Meer ist wieder glatt. —

Heute melde ich Ihnen etwas Heiteres. Es kommt nächstens von mir ein kleines Pamphlet in die Wochen, das vollgestopft von musikalischen Glaubensbekenntnissen ist, — freilich in der riskirtesten Form!! — Dasselbe ist noch in den guten Tagen von Turin geschrieben und nicht in Sils, nicht zwischen Krankheit und Schneegewölk. Es findet sich, anbei gesagt, ein sehr ehrendes Wort für Riemann darin: obwohl sonst nicht gerade Ehren ausgetheilt werden…

Das Manuscript ist bereits in der Druckerei. Es war schon einmal dort, wurde mir wegen Unleserlichkeit zurückgeschickt. Ich hatte die Abschrift in einem solchen Zustand von Schwäche gemacht, daß die lateinischen Buchstaben ebenso gut als griechische verstanden wurden (— eine kleine Druckprobe bewies mir das) Die neue Abschrift ist viel deutlicher, Dank einer besondren Art von Federn, „Sönneckens Rundschriftfedern“, welche der hiesige Lehrer für meine zitternden Hände anempfahl.

Diese letzten Tage war der Himmel öfter hell, und Sils breitete seinen alten Pfauenschweif verführerisch südlicher Farben aus. Und siehe da! ein alter Musikant stellt sich mir vor, ein Kapellmeister vom Dresdener Hoftheater, der ihm seit 1847 zugehört. Ich wickelte den alten schneeweißen Mann auf — und ein ganzes Stück Musikgeschichte mit den wunderlichsten détails kam zum Vorschein. Würden Sie es glauben, daß Wagner, als Hofkapellmeister, alles Ernstes im „Dresdener Anzeiger“ dem Könige proponirte, den Titel „König“ abzulegen und sich „erblichen Präsidenten des Hauses Wettin“ zu nennen? Insgleichen, daß er ihn aufgefordert hat, das Geld abzuschaffen und den Tauschhandel wieder herzustellen? — Die Strafe für solche Excentricitäten war milde und sogar fein: man nahm Wagnern die klassische Oper und ließ ihn Schund dirigieren. Leider machte Bülow, damals ein ganz junger Bursch, der von der Hofintendantur ein Freibillet hatte, einen Strich durch die Rechnung. Mit einem sehr freimüthigen Gebrauch von seinem Billet pfiff er auf eigne Person eine Oper, die Wagner nicht dirigirte, bei erster Gelegenheit aus — und brachte sie zum Fall. —

Genug für heute! Ich schrieb nur, um Ihnen zu schreiben.

Ihr Freund
Nietzsche.

1071. An Carl Spitteler in Neuveville

Sils, Engadin d. 25 Juli 1888.

Sehr geehrter Herr,

was Sie mir melden, betrübt mich. Die Motivierung, die Herr Credner seinem Nein giebt, wäre einfach eine Dummheit, wenn sie wahr wäre. Aber sie ist natürlich nur ein Vorwand. Ich kam gestern mit einem Herrn, dem die intimere Geschichte des Dresdener Hoftheaters seit 40 Jahren bekannt war, zu dem Schluß, daß alle Ablehnungen, von Opern, von Büchern, von Diensten falsch motiviert werden, — daß der eigentliche Grund nie zu Worte kommt. Was mag der in Ihrem Falle sein? — Ein Capitel oder die Einleitung eines Werks vorher der Presse anzuvertrauen gehört in Frankreich zu den regelmäßigsten Klugheiten der buchhändlerischen réclame: — es wirkt „appetitmachend“. Zudem müßte der Charakter, der Werth jener Einleitung Herrn Credner darüber aufgeklärt haben, weß Geistes Kind ihr Autor ist: der sein Autor werden möchte…

Meine eignen Erfahrungen mit Verlegern sind, anbei gesagt, hundert Mal bösartiger als die Ihrigen. Es giebt Sachen darunter, die man nicht aufs Papier bringt — Aber ich bin im Kriege; und ich begreife es, wenn man gegen mich im Kriege ist. In den letzten Jahren habe ich c. 4000 frs Druckkosten ausgegeben: es ist längst die Unmöglichkeit bewiesen, daß ein Buch Nietzsches von jemandem anders gedruckt wird als von ihm selbst. Dies unter uns. —

Was meine Stellung zur deutschen Presse betrifft, nach der Sie fragen, so ist sie seltsam genug: sie gründet sich auf die Furcht, die man vor mir hat. Ich bin einer der Wenigen, die kein Bedenken tragen, sich zu compromittiren: eine sehr bedenkliche Art Mensch! Thatsächlich erfreue ich mich eines ganz beträchtlichen Ansehens — und werde, heimlich, viel gelesen. Es ist etwas, der unabhängigste Geist Europas zu sein. Ich habe in jeder größeren Stadt einen Verehrer-Kreis, selbst noch in Baltimore. Mein werthvollster Schritt dazu, um mir ein-für-alle Mal Respekt zu garantiren, war mein Attentat auf die deutsche „Bildung“ zur Zeit der höchsten nationalen Selbst-Anbetung, bei Gelegenheit eines miserablen aber allseits bewunderten Buchs des altersschwachen Strauß. Es gab gegen 200 zum Theil sehr leidenschaftliche Antworten darauf — und die Sympathie aller tieferen Naturen. Der alte Hegelianer Bruno Bauer war seitdem Nietzschianer. Im Übrigen war ich damals durchaus kein „Neuling“, wie Sie zu glauben scheinen. Ich hatte die Autorität eines jungen Genies in allen Universitäts-Kreisen Deutschlands, war seit meinem 22.ten Jahr Mitarbeiter der ersten gelehrten Zeitschriften und erhielt von Leipzig den Doktortitel ehrenhalber „ob scriptorum praestantiam“ (— lauter philologica —) Ich hatte insgleichen die ganze Wagnerische Partei hinter mir.

Jene Furcht ist — ich möchte es nicht verkennen — von der schätzenswertesten Art: nämlich jeden Augenblick bereit, in Ehrfurcht umzuschlagen. Es ist mir noch nie gelungen, einen persönlichen Feind zu haben.

Die erste Klugheit, um „in der Gesellschaft“ in Betracht zu kommen, ist, gleich beim Eintritt, ein Duell“ sagt Stendhal. Das wußte ich nicht, aber das habe ich gemacht. —

Zum Schluß erlaube ich mir eine Frage. Haben Sie bereits mit Robert Oppenheim (Berlin) in Betreff Ihres Werks verhandelt? Derselbe hat eine verwandte Litteratur in Verlag, zum Beispiel das beste deutsche Buch, das es über Frankreich giebt „Frankreich und die Franzosen von Karl Hillebrandt.“ — Oder soll ich schreiben? —

Mit dem Ausdruck der
freundlichsten Gesinnung
Ihr
ergebenster
Nietzsche

Adresse: Robert Oppenheim

Verlagshandlung
Berlin W
Matthäi-Kirchstraße 7.

1072. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 16. Juli 1888>

Lieber Freund, ein Wort noch in der Sache des Dr. F<uchs>. Derselbe hat inzwischen auf meinen Brief geantwortet, ausgezeichnet — und nicht bloß klug. Er giebt übrigens zu, den Brief verdient und sogar erwartet zu haben. In summa: ich habe mir wieder Muth gemacht und lerne Geduld. — Gleichzeitig traf ein Brief des Hr. Spitteler (von den „Basler Nachrichten“) ein, der sich bitter über Credner beklagt. Dieser Unberechenbare hat im letzten Augenblick, nachdem Alles abgemacht war, auf handgreifliche Vorwände hin das Manusc. Sp<itteler>’s zurückgeschickt. Acht Jahre lang keinen Verleger für ein Meisterstück aesthetischer und historischer Kritik finden! Ich habe einen neuen Versuch gemacht, zu helfen. — Ein alter Musikant kam inzwischen von Dresden und marschirte in Sils. Sehr erbaut, ein Musik-Krokodil, wie mich, zu finden, hat er mir fast ein halbes Jahrhundert Musikgeschichte erzählt, mit den curiosesten Einzelheiten: Kapellmeister Riccius, seit 1847 am Dresdener Hoftheater. — Das Wetter, obwohl es noch viel zu wünschen übrig läßt, hat sich aufgehellt; ich auch. Der letzte Anfall war allerdings der härteste; ich wandte mich an den Arzt. Das Hôtel Alpenrose ist völlig besetzt, sogar die vielen Privatzimmer, in der Ortschaft, über die es disponirt. Mit herzlichstem Gruß Dein

N.

1073. An Meta von Salis auf Marschlins (Postkarte)

Sils, d. 27 Juli <1888>

Verehrtestes Fräulein,

Sie würden mich sehr verpflichten, wenn Sie mir die augenblickliche Adresse von Frl. von Meysenbug mittheilen wollten. Ist es wieder Versailles, Villa Amiel? Oder hat das außergewöhnliche Wetter auch in ihre Sommergewohnheiten störend eingegriffen? —

Das Wetter, obwohl immer noch sehr unruhig und unberechenbar, läßt doch wenigstens die Sonne wieder durch. Ich habe noch keine schlechtere Zeit hier oben erlebt, selbst nicht hinsichtlich meiner Gesundheit. —

Mich bestens für Brief und Gruß bedankend

Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche.

1074. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)

<Sils-Maria, 27. Juli 1888.>

Schönsten Dank! Heute nur ein Paar Worte zu Händen des allerfreundlichsten Correctors. — Erwägen Sie, bitte, in welchen Fällen die drei Punkte… ersetzt oder weggelassen werden können (— sie kommen vielleicht zu oft vor) Wir wollen bei dem Namen Wagner den Accusativ mit n (Wagnern) festhalten, den Dativ aber ohne n. — Ich kann die drei Notizen, um die ich im letzten Briefe bat, nötigenfalls entbehren. Doch würde ich gern die Seitenzahl in Hinsicht auf Nicht-Wagnerianer citiren. —

Herrn Dr. Fuchs möchte ich ein Exemplar des 4ten Zarathustra zugestellt wissen: nichts darauf geschrieben als ineditum (stark unterstrichen!). Wir haben’s ihm doch noch nicht geschickt? — Ihr Duett an Bülow: bravissimo! vivat sequens!

Eben traf wieder ein Hamburger Musiker hier als Gast ein: Hr. von Holten (Pianist) Auch gab es einen alten Dresdner Kapellmeister, der seit 1847 am Dresdner Hoftheater thätig ist und mir die kuriosesten Dinge erzählen konnte (Riccius) Wir haben uns beide etwas aufgehellt — nämlich das Wetter und ich.

Treulich Ihr Freund
Nietzsche.

1075. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, Sonntag d. 29. Juli <1888>

Lieber Freund,

inzwischen habe ich den Auftrag gegeben, daß Ihnen eines der wenigen Exemplare meines ineditum zugestellt wird: zum Zeichen, daß Alles wieder zwischen uns in Ordnung ist und daß der farouche Augenblick einer allzuverwundbaren und allzuvereinsamten Seele überwunden ist. Der vierte Theil Zarathustra, von mir mit jener Scham vor dem „Publico“ behandelt, welche in Hinsicht auf die drei ersten Theile nicht gewahrt zu haben mir bittere Reue macht… Genauer ist es ein Zwischenakt zwischen dem Zarathustra und dem, was folgt („Namen nennen dich nicht… “) Der genauere Titel, der bezeichnender wäre:

„Die Versuchung Zarathustra’s.“
Ein Zwischenspiel.

Herr C. G. Naumann hat sicherlich Ihnen inzwischen zu Gebote gestellt, was er von mir in Verlag hat; ich gab den Wink dazu. Was Herr Fritzsch gethan hat, weiß ich nicht; ich kann im Augenblick nichts von ihm verlangen und erlangen — aus Gründen! —

Es hat sich mir ein wirklich intelligenter Musiker präsentirt, der Prof. von Holten aus Hamburg, der mit großem Interesse Ihrer gedachte und mich zu einer Diskussion über die Riemann’schen Prinzipien führte (— auch über andere Prinzipien: wir sind beide sehr antidécadence-Musiker, will sagen antimoderne Musiker) Er wünscht Ihnen übrigens dasselbe, was ich wünsche — einen freieren Wirkungskreis und nicht mehr Danzig.

Das Wetter ist äußerst ungleich und wechselt alle drei Stunden; meine Gesundheit wechselt mit ihm. Gestern kam ein Brief aus Bayreuth an mich an, aus vollem Parsifal heraus geschrieben. Ein mir unbekannter Wiener Verehrer, der mich seinen „Meister“ nennt (oh!!!) und mich zu einer Art Großmuths-Akt gegen den Parsifal auffordert: — ich sollte großmüthiger sein als Siegfried gegen den alten Wanderer. Sprach übrigens im Namen von einem ganzen Kreise meiner „Jünger“, wie er sich ausdrückte, lauter für „Jenseits von Gut und Böse“ sehr dankbaren „freien Geistern“… (— ich hätte ihnen so viele große, tiefe, auch furchtbare Worte gesagt..)

Von dem glänzenden Erfolge des Dr. Brandes in Kopenhagen habe ich Ihnen wohl erzählt. Mehr als 300 Zuhörer für seinen längeren Cyklus über mich; am Schluß eine große Ovation. Er schreibt mir, daß mein Name jetzt in allen intelligenten Kreisen Kopenhagens populär und in ganz Skandinavien bekannt sei. Von New-York aus wurde mir ein englischer Essay über meine Schriften in Aussicht gestellt.

Wenn Sie je daran kommen sollten (— es fehlt Ihnen ja an Zeit dazu, werther Freund!!) über mich etwas zu schreiben, so haben Sie die Klugheit, die leider noch Niemand gehabt hat, mich zu charakterisiren, zu „beschreiben“, — nicht aber „abzuwerthen“. Es giebt dies eine angenehme Neutralität, es scheint mir, daß man sein Pathos dabei bei Seite lassen darf und die feinere Geistigkeit um so mehr in die Hände bekommt. Ich bin noch nie charakterisirt — weder als Psychologe, noch als Schriftsteller („Dichter“ eingerechnet), noch als Erfinder einer neuen Art Pessimismus (eines dionysischen, aus der Stärke geborenen, der sich das Vergnügen macht, das Problem des Daseins an seinen Hörnern zu packen), noch als Immoralist (— die bisher höchsterreichte Form der „intellektuellen Rechtschaffenheit“, welche die Moral als Illusion behandeln darf, nachdem sie selbst Instinkt und Unvermeidlichkeit geworden ist —) Es ist durchaus nicht nöthig, nicht einmal erwünscht, Partei dabei für mich zu nehmen: im Gegentheil, eine Dosis Neugierde, wie vor einem fremden Gewächs, mit einem ironischen Widerstände, schiene mir eine unvergleichlich intelligentere Stellung zu mir. — Verzeihung! Ich schrieb eben einige Naivetäten — ein kleines Recept, sich glücklich aus etwas Unmöglichem herauszuziehn…

Mit freundlichstem Gruße
Ihr N.

Die fröhliche Wissenschaft „la gaya scienza“ müssen Sie jedenfalls lesen: es ist mein mittelstes Buch, — sehr viel feines Glück, sehr viel Halkyonismus…

1076. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm)

Sils Engadin 30. Juli 1888

bitte manuscript der schlussanmerkung zurueck — nitzsche

1077. An Heinrich Hengster in Bayreuth (Entwurf)

<Sils-Maria, Ende Juli 1888>

Werther Herr

Sie haben mir einen guten Brief geschrieben. Ich habe Verständniß dafür, wenn Jemand mir eine Neuigkeit mit Klugheit und Wohlwollen zum Ausdruck bringt. —

Der Zufall will, daß es eine Antwort auf Ihren Brief schon gab, bevor derselbe gelesen war. Man druckt eben einen Brief von mir, der im Mai dieses Jahres, in Turin, abgefaßt wurde. Sein Titel ist: Der Fall Wagner. Ein Musikantenproblem.

Vielleicht hat noch Niemand in diesem Fall mehr erlebt als ich…

Machen Sie Ihre Freunde auf diese bevorstehende Veröffentlichung (C. G. Naumann, Leipzig) aufmerksam. Sie werden bereits wissen, daß man auf keinem andern Wege etwas über mich erfährt. Die „Presse“ bleibt stumm über mich: ich will’s auch gar nicht anders…

Mit dem Wunsche, immer nur Gutes
von Ihnen zu hören
Ihr ergebenster
Nietzsche

1078. An Malwida von Meysenbug in Rom

Sils, Engadin Schweiz Ende Juli 1888

Hochverehrte Freundin,

endlich! nicht wahr? — Aber ich verstumme unwillkürlich gegen Jedermann, weil ich immer weniger Lust habe, Jemand in die Schwierigkeiten meiner Existenz blicken zu lassen. Es ist wirklich sehr leer um mich geworden. Wörtlich gesagt, es giebt Niemanden, der einen Begriff von meiner Lage hätte. Das Schlimmste an ihr ist ohne Zweifel, seit 10 Jahren nicht ein Wort mehr gehört zu haben, das mich noch erreichte — und dies zu begreifen, dies als nothwendig zu begreifen! Ich habe der Menschheit das tiefste Buch gegeben, das sie besitzt, ein Buch, gegen das gerechnet die Bücher überhaupt bloß Litteratur sind. Wie man das büßen muß! — Es stellt aus jedem menschlichen Verkehr heraus, es macht eine unerträgliche Spannung und Verletzbarkeit, man ist wie ein Thier, das beständig verwundet wird. Die Wunde ist, keine Antwort, keinen Laut Antwort zu hören und die Last, die man zu theilen, die man abzugeben wünschte (— wozu schriebe man sonst?) in einer entsetzlichen Weise allein auf seinen Schultern zu haben. Man kann daran zu Grunde gehn, „unsterblich“ zu sein! — Zufällig habe ich noch das Mißgeschick, mit einer Verarmung und Verödung des deutschen Geistes gleichzeitig zu sein, die Erbarmen macht. Man behandelt mich im lieben Vaterlande wie Einen, der ins Irrenhaus gehört: dies ist die Form des „Verständnisses“ für mich! Außerdem steht mir auch der Bayreuther Cretinismus im Wege. Der alte Verführer Wagner nimmt mir auch nach seinem Tode noch den Rest von Menschen weg, auf die ich wirken könnte. — Aber in Dänemark — es ist absurd, zu sagen! — hat man mich diesen Winter gefeiert!! Der geistreiche Dr. Georg Brandes hat es gewagt, einen längeren Cyklus von Vorlesungen an der Kopenhagener Universität über mich zu halten! Und mit glänzendem Erfolge! Mehr als 300 Zuhörer regelmäßig! Und eine große Ovation am Schluß! — Eben stellt man mir etwas Ähnliches für New York in Aussicht. Ich bin der unabhängigste Geist Europa’s und der einzige deutsche Schriftsteller — das ist Etwas! —

Das erinnert mich an eine Frage Ihres letzten verehrten Briefes. Daß ich für Bücher, wie ich sie schreibe, kein Honorar erhalte, werden Sie voraussetzen. Aber was Sie vielleicht nicht voraussetzen, ich habe auch die ganzen Herstellungs- und Vertriebs-Kosten zu bestreiten (— in den letzten Jahren c. 4000 frs.) In Anbetracht, daß ich bei Presse und Buchhandel verfehmt und ausgeschlossen bin, verkauft sich nicht ein Hundert der gedruckten Exemplare. Ich bin ohne Vermögen, meine Pension in Basel ist bescheiden (3000 frs. jährlich) Doch habe ich von letzterer immer etwas zurückgelegt: so daß ich bis jetzt keinen Pfennig Schulden habe. Mein Kunststück ist, das Leben immer mehr zu vereinfachen, die langen Reisen zu vermeiden, eingerechnet das Leben in Hôtels. Es gieng bisher; ich will es auch nicht anders haben. Nur giebt es für den Stolz diese und jene Schwierigkeit. —

Unter diesem mannichfachen Druck von Innen und Außen her hat leider meine Gesundheit sich nicht zum Besten befunden. In den letzten Jahren gieng es nicht mehr vorwärts. Die letzten Monate, wo die Ungunst des Wetters dazu kam, sahen sogar meinen schlechtesten Zeiten zum Verwechseln ähnlich. —

Um so besser ist es inzwischen meiner Schwester gegangen. Die Unternehmung scheint glänzend gelungen, der festliche, beinahe fürstliche Einzug in der Colonie vor ungefähr 4 Monaten hat einen großen Eindruck auf mich gemacht. Es sind jetzt c. 120 Deutsche, nebst einem reichlichen Zubehör einheimischer Peons; es sind gute Familien darunter, z. B. die Mecklenburger Baron Malzahns. —

Ich wurde kürzlich sehr lebhaft an Sie, verehrteste Freundin, erinnert, Dank einem Buche, in dem eine Vordergrunds-Figur des ersten Bandes der „Memoiren einer Idealistin“ in hellstes Licht trat. Insgleichen hat mir Frl. von Salis sehr dankbar über ihr Zusammensein mit Ihnen geschrieben.

Mit den herzlichsten Wünschen für Ihr Wohlbefinden und der Bitte um fortdauernde, wenn auch stille Antheilnahme

Ihr treu ergebener
Nietzsche.

— Es bedarf Größe der Seele, um meine Schriften überhaupt auszuhalten. Ich habe das Glück, Alles, was schwach und tugendhaft ist, gegen mich zu erbittern.

1079. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils, 2. August 1888

Sehr geehrter Herr Verleger,

Hiermit übersende ich Ihnen den Schluß des Manuscriptes. Wir wollen diese letzte Partie ganz genau so drucken, wie den eigentlichen Schluß: sie wird damit ungefähr einen Bogen länger. Diese Zusätze, die den Namen Nachschrift führen, sollen auf der Seite beginnen, die auf die Schlußseite des eigentlichen „Briefs“ folgt.

Adresse des Herrn Köselitz nach wie vor:

„Herrn Heinrich Köselitz

Annaberg“

Anbei ein Vorschlag für das Buchhändler-Anzeigeblatt. Mir liegt daran, daß bei Zeiten von dieser Publikation die Rede ist.

1080. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, 2. August 1888>

Meine liebe Mutter

der zweite August! Aber wir sind nach wie vor in einem beständigen Regenwetter drin. Kalt, der Schnee recht nah, der Sommer beinahe zu Ende. Es scheint mir aber, daß meine Widerstandskraft dennoch zugenommen hat. Ich habe der Reihe nach Vielerlei abmachen können, sogar ein kleines Manuscript (die erste Abschrift war, bei meiner großen Schwäche, so unleserlich geworden, daß Naumann sie zurückschickte; die zweite, aus den letzten 8 Tagen, sieht ganz anders aus. Daran sind nicht nur die guten Federn schuld)

Dies Mal sind die Schinken vollkommen nach Wunsch und Geschmack — allerschönsten Dank! Es ist viel leichtere Arbeit für mich, da das Kauen mir immer noch Schwierigkeiten macht. Von den vorletzten Schinken habe ich zwei vertilgt; die Gewohnheit thut in allem viel, so daß der zweite Schinken mir erträglicher war als der erste. Doch sind mir die neuen unvergleichlich lieber. Es war sonderbar, daß die Zwiebäcke ankamen, als ich gerade mir welche bei einem Bäcker in Silvaplana hatte backen lassen. Die Vergleichung fällt natürlich sehr zu Gunsten der Deinigen aus. Daß es noch ein Chamäleon geben soll, ist ganz zum Verwundern; ich habe es gestern alle seine Künste mir vormachen lassen.

Die Gesellschaft des Hôtels ist nicht übel; und was es von distinguirteren Personen giebt, das sucht sich mir vorstellen zu lassen. So ein sehr angenehmer Staatsanwalt Dr. Schön aus Lübeck; ein alter Präsident aus Norddeutschland; jetzt eben wieder ein Prof. von Holten aus Hamburg; ein Kapellmeister vom Dresdener Hoftheater; und selbst die hübschen Mädchen machen mir ganz ersichtlich den Hof. Man hat den ungefähren Begriff, daß ich „ein Thier“ bin. Der Koch kocht dies Jahr für mich mit besondrer finesse. Briefe trafen ein, die zum Theil verrückt vor Enthusiasmus für meine Bücher waren: darunter einer mitten aus dem Bayreuther Parsifal heraus, im Namen eines ganzen Kreises von „Jüngern“ aus Wien. Doch verhalte ich mich sehr kühl allen solchen jugendlichen Anstürmen gegenüber. Ich schreibe ganz und gar nicht für die gährende und unreife Altersklasse. —

Auch Frl. von Salis ist eingetroffen, ein wenig dürrer und blässer noch als vorher. — Sils hat diese Woche seine neuen 3 Glocken aufgehängt, ich lobte heute noch den ausgezeichneten Gießer und Fabrikanten derselben, den ersten der Schweiz. Der Klang ist sehr schön.

Eben erfahre ich das schreckliche Elephanten-Ereigniß von München.

Es donnert; es gießt in Strömen; ich bin heute morgen ganz naß geworden. Nachts fehlt es mir etwas an Schlaf. Das liegt wohl daran, daß das abscheuliche Wetter das Spazierengehn fast unmöglich macht. Mitunter laufe ich trotzdem im Regen hinaus.

Es grüßt und umarmt Dich Dein
altes Geschöpf

1081. An Adolf Ruthardt in Leipzig (Postkarte).

Sils-Maria, Oberengadin d. 7 August 1888

Werther und lieber Herr Professor,

können Sie mir umgehend eine sehr gebildete Auskunft geben? Wie heißen im Originaltexte der „schönen Helena“ die Worte des Chors, die deutsch „auf nach Kreta! auf nach Kreta“ lauten? allons pour Crète vielleicht? Ich habe sonderbarer Weise einen dringenden Grund, dies zu wissen. Sie, als alter Genfer, sind der Einzige, der vielleicht mir hilft.

Mit allerfreundlichstem Gruß
Prof Dr. Nietzsche

1082. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)

<Sils-Maria,> Donnerstag. <9. August 1888>

Lieber Freund,

es giebt noch Nachschriften zu meinem „Brief“ zu corrigieren, — ich bedaure Sie! Sehr gepfeffert und gesalzen; in der zweiten Nachschrift fasse ich das Problem in erweiterter Form an den Hörnern (— ich werde nicht leicht Gelegenheit haben, von diesen Dingen wieder zu reden; die einmal gewählte Form erlaubt mir viele „Freiheiten“ —) Unter anderem ein Todtengericht auch über Brahms. Einmal habe ich mir sogar erlaubt, auf Sie anzuspielen: in einer Form, die hoffentlich Ihren Beifall hat! —

Eben gab ich Naumann den Auftrag, die letztcorrigirten Bogen, an denen ich Manches verändert habe, Ihnen zu einer letzten Revision zu unterbreiten.

In dankbarstem Gefühle

Ihr Freund
N.

1083. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Sils d. 9. August <1888>

Lieber Freund,

in den ersten Zeilen der Vorrede hatte ich die Worte „vielen Späßen“ umgeändert in „hundert Späßen“. Nachträglich scheint mir das Wort „hundert“ hier zu stark; ich würde vorschlagen, daß Sie bei der Revision das ursprüngliche „vielen“ wiederherstellen.

Heute unglaublich schöner Tag, Farben des Südens!

Ihr Freund Nietzsche.

1084. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Donnerstag <9. August 1888>

Geehrtester Herr Verleger,

Heute morgen giengen die Correkturen an Sie ab. Ich habe darauf geschrieben „druckfertig“; aber in Anbetracht, daß es viel zu verändern giebt und daß ich ein sehr geringes Zutrauen zu meiner Schrift habe, scheint es mir räthlicher, die Bogen, wenn sie corrigirt sind, zu einer letzten Revision an Herrn Köselitz zu senden — Derselbe liest meine Schrift besser als ich selber. — Ein wesentlicher Zeitverlust kann nicht dadurch entstehn. — Ich erwarte nur noch die Nachschriften. Es ist mir nicht klar, wie lange eine Sendung von Sils bis zu Ihnen braucht. Was Sie Sonnabend abschicken, ist Montag Nachmittag um 4 in meinen Händen. Ich argwöhne, daß es umgekehrt viel langsamer geht. —

Mit ergebenstem Gruß
Ihr
N.

1085. An Hans von Bülow in Hamburg

Sils-Maria, Engadin d. 10. August 1888

Verehrter Herr,

inzwischen nahm ich mir die Freiheit, einem Freunde zur Übersendung der Anfangs-Nummer einer Oper Muth zu machen. Vielleicht, dachte ich mir, wirkt sie „appetitmachend“. Die Oper heißt „der Löwe von Venedig“: ich sähe diesen Löwen mit größtem Vergnügen in der Menagerie Pollini…

Diese Oper ist ein Vogel der seltensten Art. Man macht jetzt so Etwas nicht mehr. Alle Eigenschaften im Vordergrunde, die heute, skandalös, aber thatsächlich, der Musik abhanden kommen. Schönheit, Süden, Heiterkeit, die vollkommen gute, selbst muthwillige Laune des allerbesten Geschmacks — die Fähigkeit, aus dem Ganzen zu gestalten, fertig zu werden und nicht zu fragmentarisiren (vorsichtiger Euphemismus für „wagnerisiren“)

Mein Freund, Herr Peter Gast, ist eine der tiefsten und reichsten Naturen, die der Zufall in diesen verarmende Zeit hineingeworfen hat. Mein „Schüler“, ich bekenne es, im engsten Sinne, aus meiner Philosophie gewachsen, wie Niemand sonst. 32 Jahr, bis jetzt in vollkommener Unabhängigkeit, gebürtig aus dem sächsischen Erzgebirge (einer erstaunlich tüchtigen Familie zugehörig, die seit Jahrhunderten die Cultur der ersten Stadt des Erzgebirgs in der Hand gehabt hat) Strengste musikalische Erziehung, bevorzugter Schüler des alten Richter in Leipzig, eine Periode überwundener Wagnerei hinterdrein. Seitdem Isolation in Venedig, in wunderbarer Einfalt der Verhältnisse, ohne „Öffentlichkeit“, ohne „Cant“, „Würden“ und andre Eitelkeiten. — Seine Mutter Wienerin.

Der Text der Oper ist einfach das matrimonio segreto, von meinem Freunde übersetzt. Dasselbe galt im vorigen Jahrhundert als Muster-libretto; der erste Entwurf ist von Garrik. Einer Andeutung Stendhals folgend haben wir das Werk ins Venetianische übersetzt, das heißt, es nicht nur dort spielen lassen, vielmehr versucht, Venedig in dies Werk zu übersetzen… Mein Freund, der seit 6 Jahren daselbst in einer geheimnißvollen und glücklichen Verborgenheit daselbst lebt, hat, wie mir wenigstens scheint, einen Zauber von Venediger Farbe der morbidezza für die Musik erfunden, hinzuzurechnen viele reizend-derbe Realitäten des südlichen Lazzaronismus. Wirkungsvollster vierter Akt mit einem Gondoliere-chor am Schluß, couleur locale ersten Ranges. — Es existirt ein ausgezeichnet lesbar und schön geschriebener Clavier-Auszug, das kalligraphische Meisterstück meines Freundes, gleich der Partitur selbst. — Die Ouvertüre ist in Zürich zum ersten Male (in der Tonhalle) aufgeführt worden. Kein Mensch schreibt eine solche Ouvertüre mehr — aus ganzem Holze…

Jetzt, wo Wagner von St. Petersburg bis Montevideo die Theater beherrscht, gehört ein Bülow’scher Muth dazu, gute Musik zu riskiren…

Mit dem Ausdruck alter Verehrung

Prof. Dr. Nietzsche

1086. An Carl Fuchs in Danzig (Postkarte)

<Sils, 10. August 1888>

Seien Sie unbesorgt, werther Freund! Ich rede in dieser Schrift von einer Sache, worin ich nicht nur Autorität, sondern die einzige Autorität bin, die es heute giebt. — Sie selber werden der Erste sein, mir dies zuzugestehn, — und Sie werden es eines Tags über alle Maßen komisch finden, daß Sie sich mir, in diesem Falle, „zur Vermittlung“ angeboten haben…

Mit freundlichstem, aber ganz ironischem Gesichte

Ihr
N.

1087. An Emily Fynn in Genf

Sils den 11. August 1888.

Verehrteste Frau

das war ein Tag, der zehnte August! Das Wetter warm, rein, tiefblau; alles was ich unternahm gerieth; alle zwei Stunden gab es eine angenehme Überraschung (— darunter ein Privatconcert für mich, von einem ausgezeichneten Musiker aus Hamburg, Herrn von Holten veranstaltet: er hatte sich ein Stück meines Venediger Maëstro eingeübt und spielte es sechs Mal hintereinander — auswendig!)

Morgens lief ich um den See von Silvaplana herum, Nachmittag war ich hinten im Fexthal — dort gab es mindestens 70 Fremde, alle wie im Zustande der Genesung, denn bis vorgestern war das Wetter in der Tat wie eine schwere Krankheit. Und als ich Abends nach Hause komme, überrechnend, was der Tag Gutes gebracht hat, so war er noch nicht einmal am Ende mit seinen Geschenken — ich fand Ihren so gütigen, so liebenswürdigen Brief! Einen so unverdienten Brief!

— Aber der Winter war böse auf mich, es war eine düstere und kranke Zeit, ohne Sonnenschein weder oben, noch drinnen. Der ganze Aufenthalt in Nizza mißrathen. Die Philosophen machen es, wenn sie krank sind, wie die Thiere, sie verstummen, sie verkriechen sich in ihre Höhle. Auch meine alte Freundin Meysenbug mag schön erstaunt sein, seit letztem Herbst nichts von mir gehört zu haben. — Die Hitze in Italien trieb mich schon Anfangs Juni ins Engadin — ich Unglücksmensch! — Ein solches Wetter ist nicht zu beschreiben; mein Zustand verschlechterte sich dergestalt, daß er mich an meine traurigsten Zeiten erinnerte. Tiefe Schwäche, alle Wochen ein Paar Mal zu Bett, der fatale Kopfschmerz mit seinen fatalen Consequenzen. Da man nicht ausgehen konnte und den Tag im kalten Zimmer durchfröstelte, fand man Nachts nicht einmal Schlaf. Dazu völligen Mangel an Gesellschaft; die Augen zu schwach zum Lesen; Krankheit und Langweile in Permanenz. — Seit 3 Wochen ungefähr ist das Wetter anders: nicht gerade besser, aber wenigstens mit guten wenn auch kurzen Zwischenakten. Wintertage gab es von größter Strenge, mit ruhigen Winden; auch jetzt ist der Gesammt-Charakter der Landschaft durch die große Masse Schnee sehr winterlich. Aber gestern und vorgestern höchste, irdische und engadinische Vollkommenheit!

In Nizza las ich Abends den Journal de Genève… Wie oft habe ich bei dem traurigen Wetter-Berichte Ihrer und Ihrer leidenden Freundin gedacht! Für einen ersten Winter in Genf war es hart. Paraguay ist, unter solchen Wetter-Verhältnissen, in der That ein verlockender Aspekt.

Die letzten größeren Berichte, vom wahrhaft fürstlichen Einzug und Empfang meiner Angehörigen in der neuen Colonie, haben einen starken Eindruck auf mich gemacht. Zuletzt habe ich Europa als Cultur-Museum absolut nöthig. Die Wildniß (— und das Glück…) ist für einen der keine Philosophie auf dem Gewissen hat!. —

Zu den Curiositäten dieses Winters gehörte es, daß ich anfing berühmt zu werden! Wo? In Dänemark. Der geistreiche Gelehrte Dänemarks, Dr. Georg Brandes hat einen längeren Cyclus von Universitäts-Vorlesungen über den Philosophen Nietzsche gehalten, mit einem außerordentlichen Erfolge, wenn man den Zeitungen trauen darf. Mehr als 300 Personen regelmäßige Zuhörer; am Schluß eine große Ovation. — Man stellt mir eben etwas Ähnliches für New York in Aussicht. — Ich wünschte ich hätte mehr Vergnügen an so etwas. Im Grunde stimmt mich’s ironisch.

Für den nächsten Winter will der Eremit nach Corsika, nicht gerade nach Ajaccio, sondern in eine unentdeckte Welt. Ich habe eine so tiefe Selbstbesinnung nöthig, daß mir es nirgends still, nirgends antimodern genug ist. Sagen Sie, wenn ich bitten darf, ein herzliches Wort von mir Ihrer verehrten Freundin; dasgleiche Ihrer Fräulein Tochter. Es freut mich sehr, daß sie im Verkehr mit einem guten Maler ist. Auch von Fräulein Zimmern höre ich mit großem Interesse: ich möchte, daß sie sich meiner noch erinnert. Es soll ja nicht ein Gruß an die ausgezeichnete Mad. Bichler vergessen werden. Ihr verehrungsvoll ergebener

Nietzsche.

P.S. Eben beginnen die Glocken von Sils zu läuten, — neue Glocken! Ein schöner weicher melodischer Klang. —

1088. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Sils den 11. August <1888>

Lieber Freund,

es ist mir keine kleine Herzstärkung gewesen, zu hören, selbst zu sehen, daß Ihnen diese sehr risquirte Schrift Vergnügen gemacht hat. Es giebt Stunden, besonders Abends, wo mir der Muth zu so viel Tollheit und Härte fehlt. In summa: es erzieht mich zu einer noch größeren Einsamkeit — und bereitet mich vor, noch ganz andre Dinge zu verlautbaren als meine Bosheiten über einen solchen „Privat-Fall“. Das Stärkste steht eigentlich in den „Nachschriften“; in Einem Punkte bin ich sogar zweifelhaft, ob ich nicht zu weit gegangen (— nicht in den Sachen, sondern in dem Aussprechen von Sachen) Vielleicht lassen wir die Anmerkung (in der über W<agner>s Herkunft Etwas angedeutet wird) weg und machen dafür zwischen den Hauptabschnitten der „Nachschrift“ kleine Zwischenräume…

Auf S. 27, Zeile 1 müßte es allerdings genauer heißen „sein Instinkt dafür, die höhere Gesetzlichkeit nicht nöthig zu haben“; aber da vorausgeht „sein Bewußtsein davon“, schien es mir zu viel. Machen Sie nach Gutdünken! —

Im Schluß des Ganzen bin ich auf den Gesichtspunkt des „Vorworts“ zurückgekommen: zugleich um der Schrift den Charakter des Zufälligen zu nehmen, — um ihren Zusammenhang mit meiner ganzen Aufgabe und Absicht herauszuheben.

Auf dem Umschlag sind die Schriften angezeigt; auch habe ich den „Hymnus“ nicht vergessen. — Mir gefallen dies Mal die Seiten, — gerade voll genug und nicht so gedrückt und unübersichtlich voll, wie im „Jenseits“ (— das mir schwer lesbar scheint)

Gestern gab es ein Fest für mich. Vielleicht haben Ihnen die Ohren geklungen. Herr von Holten, der Pianist des Hamburger Conservatoriums, hatte sich das „Liebesduett“ eingeübt und führte es mir in einem Privat-concert vor. Er mußte es sechs Mal wiederholen: er hat wunderbar die Singstimme zum Vorschein gebracht — er war selbst ganz erbaut von der „liebenswürdigen und feinen Musik“, wie er sich ausdrückte (— er spielte es auswendig —) er nahm Anstoß an der Logik des ges im Baß Seite 5, unterste Zeile „dein Will gescheh“

Gleich darauf setzte ich mich hin und schrieb nach Hamburg an Hans…

quod deus bene vertat! —

— Und haben Sie Ihr Quartett schon zu hören bekommen? —

Seit drei Tagen ist das Wetter außerordentlich schön: vorher harter Winter, man gieng bei Schneegestöber und eisigem Winde hinaus. —

Was denken Sie über den Winter, der jetzt zu erwarten steht? —

Und bleibt es bei Ihrem Besuche der Familie von Krause? -

Es ist nicht unwahrscheinlich, daß ich von hier wieder nach Turin gehe. Es sei denn daß… Wenn Bülow nur bald antwortete! — Aber wer weiß, wo er steckt!

Leben Sie wohl, lieber Freund!

Immer viel im Geiste bei Ihnen

N.

Das „Leitmotiv“ meiner schlechten Scherze „Wagner als Erlöser“ bezieht sich natürlich auf die Inschrift im Kranze des Münchner Wagner-Vereins „Erlösung dem Erlöser“…

1089. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils-Maria,> Sonntag, <12. August 1888>

Geehrtester Herr Verleger,

eben traf wieder der Correkturbogen ein — die zwei „Nachschriften“ enthaltend. Inzwischen sandte ich noch ein Stück Manuscript: wir wollen das Stück unter dem Titel Epilog auf der neuen Seite (53) anfangen lassen. Zu ihm habe ich heute morgen noch ein paar sehr substantielle Schlußworte geschrieben, die der Schrift eine bedeutende Rückbeziehung auf meine letztveröffentlichte Schrift geben. Ich bitte um Entschuldigung, daß das Manuscript so bruchstückweise in Ihre Hände gelangt: wüßten Sie, unter was für unglaublichen Verhältnissen ich diesen Sommer hier oben zubringe, so würden Sie mir gewiß Genugthuung wiederfahren lassen. Die Sache, um die es sich in dieser Schrift handelt, ist verantwortlich und schwer genug: ich will absolut mit mir selbst dabei zufrieden sein — und daraus erklärt sich, daß ich immer noch einen Zusatz mache. Ich will nicht nöthig haben, auf dieses ganze Problem zurückzukommen: deshalb habe ich Tag und Nacht jetzt über dasselbe nachgedacht, um alle wesentlichen Punkte desselben zu finden. — Erst seit 3 Tagen ist das Wetter gut; vorher war es winterlich im schlimmsten Sinne. Immer krank!…

Für die Correktur des Vorworts gilt absolut der von mir und Herrn Köselitz festgestellte Text auf dem übersandten Correktur-Bogen: doch bat ich darum, daß eine letzte Revision noch von Herrn K<öselitz> vorgenommen wird.

Auf dem Umschlag wollen wir die Worte ridendo dicere severum weglassen, nachdem dieselben auf dem Blatt, wo die Worte Turiner Brief stehen, eine schicklichere Stelle gefunden haben. —

Der Umschlag, wo Alles grün ist, Worte und Papier, gefällt mir sehr. Es bleibt dabei. — Das Papier ist auch schön stark. —

Auch Ihre Vorschläge in Betreff der Zahl der Exemplare und der Bezeichnung der letzten 500 als zweite Auflage haben meinen vollen Beifall. — Preis ebenfalls.

Nach Ihren Worten schließe ich, daß der erste Bogen noch nicht gedruckt ist? In diesem Falle wird also die kleine Veränderung auf S. 7 noch gemacht worden sein? nämlich an Stelle der drei Verszeilen diese anderen:

„das kann ich dir nicht sagen,

und was du frägst,

das kannst du nie erfahren.“

Der kleine Entwurf für das Buchhändler-Börsenblatt darf natürlich in jedem Sinn und in jedem Worte verändert werden: Vielleicht gefällt Ihnen der Ausdruck „geniales Pamphlet“ nicht; oder die Sache mit den „Hörnern“; machen Sie, bitte, nach Gutdünken! Hier fehlt mir alle Erfahrung in Bezug auf das, was erlaubt und was nützlich ist. —

Mit den besten Wünschen für das gute Gelingen unsrer Unternehmung

Ihr ergebenster Dr. Nietzsche

1090. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria,> Montag, <13. August 1888>

Meine liebe Mutter,

wir haben seit 4 Tagen ein unvergleichlich schönes Wetter und athmen alle auf. Vorher noch war es tief winterlich; so daß meine Wirthin mir doppelte Decken aufs Bett legte und ich alle Wintersachen, die ich hatte, in Gebrauch nahm. Aber mit Einem Male ist eine wunderbare Sommer-Stimmung da; die allerschönsten Farben, die ich hier oben gesehen habe, und der Himmel vollkommen rein wie in Nizza. Heute morgen bin ich mit Fräulein v. Salis auf dem See herumgegondelt; gestern hat mir ein ausgezeichneter Musiker ein kleines Privatconcert gegeben, in dem er Sachen von Herrn Köselitz spielte, die er für mich eingeübt hatte. Ebenfalls langte ein sehr liebenswürdiger Brief von Missis Fynn aus Genf an (trotzdem daß ich seit vorigem Herbste vollkommen verstummt war und mehrere Briefe unbeantwortet gelassen hatte). In meinem Hôtel sind jetzt 60 Gäste. Es gab sehr viel zu thun für mich, wir sind wieder in voller Druck-Arbeit. —

Nunmehr habe ich die etwas zu salzigen und derben Schinken aufgegessen; insgleichen einen von den feinen und kleinen. Der zweite ist auch bereits angeschnitten: so daß es nun nicht mehr sehr lange dauert, daß der Vorrath erschöpft ist. Meine Absicht ist immer noch, bis zum 15. Sept. auszuhalten: obwohl bei dem Wetter von diesem Jahre nichts zu versprechen ist. Im Grunde war der ganze bisherige Aufenthalt eine Geduldsprobe allerersten Ranges: man kann sich etwas Schauderhafteres gar nicht denken. Ich wußte sehr oft nicht, wie über eine unglaubliche Melancholie und Schwäche hinwegkommen.

Sils hat sich neue Glocken angeschafft, deren Klang sehr weich und voll ist.

Von den Federn bitte ich mir doch eine ganze Schachtel aus, von wegen der Reise nach dem Süden, wo ich nichts mehr beziehn kann.

Vor ein paar Tagen habe ich auch an Herrn von Bülow nach Hamburg geschrieben, der jetzt 2 Winter daselbst die Oper dirigirt hat, um ihm das Werk des ausgezeichneten Herrn Köselitz ans Herz zu legen. Er wäre der Einzige, der so etwas Neues wagte: aber da er ein unberechenbarer Mensch ist, so rechne ich auf nichts. —

In herzlicher Liebe Dich umarmend

Dein altes Geschöpf.

1091. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1888>

Lieber Freund, sehr erbaut von Ihrem eben anlangenden Brief! — Was die Anmerkung betrifft, so habe ich mich (außer einer vorsichtigeren Nuancirung der Herkunftsfrage) dazu entschlossen, sie ganz festzuhalten. Ich komme nämlich in einer Art Epilog mit aller Wucht auf die Falschheit W<agner>s zurück: so daß jeder Wink nach dieser Seite hin werthvoll wird. (Genannten Epilog habe ich noch mehrere Mal umgearbeitet: das was Ihnen zugeht, ist noch nicht das Rechte. Aber Sie senden mir’s, corrigirt!) — Ich meine in der That die venet<ianischen> Epigramme (und nicht die römischen Elegien) Es ist historisch (wie ich aus dem Buch von Hehn gelernt habe), daß sie den größten Anstoß gaben. — Die Familie v. Krause wird, wie alle Welt, jetzt auf Reisen sein. Das Duett ist noch gar nicht angelangt. — Beer nicht, Betz! —

In Freundschaft Ihr N.

Sonnabend. — Seit 10 Tagen wunderbares Wetter, gestern abgerechnet.

1092. An Carl Fuchs in Danzig (Postkarte)

Sils, am 22. August 1888.

Werther Freund, es fehlt mir immer noch in kaum beschreiblicher Weise an Zeit, vor allem an Augen, um Ihnen für Ihre reichen Mittheilungen zu danken. Es ist gerade Hochfluth bei mir von allerlei Notwendigkeiten, die mein bischen Sehkraft nur zu vollständig absorbiren. Sie kennen glücklicher Weise diesen physiologischen Mißstand nicht. Ich habe zum Lesen und Schreiben Brille Nr. 3 nöthig — wenn meine drei Augenärzte Recht behalten hätten, so wäre ich seit Jahren blind. Thatsächlich bleibt mir von jedem Tage nur eine ganz kleine Zahl Stunden zum Schreiben und Lesen; und wenn das Wetter finster wird, gar nichts. Dies in Ökonomie zu einer Großes fordernden gelehrten Cultur zu bringen ist ein Problem…

Mit der neuen Schrift hat es vielleicht noch 1 1/2 Monate Zeit. Für die Correktur habe ich den Freund, der seit 10 Jahren jedes Blatt aus meiner Hand corrigirt, Herrn Peter Gast.

Treulich Ihr N.

1093. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils, Mittwoch, d. 22. August <1888>

Meine liebe Mutter,

wir haben gerade wieder recht verdrießliches Wetter, naß und kalt: um so mehr habe ich mich über die Ankunft Deiner Sendung gefreut, die (gestern) Dienstag Nachmittag in meine Hände kam. Abends habe ich sogleich den Schinken angeschnitten, denn ich war vollständig fertig geworden mit den kleinen. Es schien mir, daß er noch delikater schmeckt, was vielleicht mit der Größe zusammenhängt. Ende gut Alles gut — dachte ich dabei. Wir wollen sehen, wie lange es reicht. Ich rechnete eben, daß mein Aufenthalt hier oben noch 24 Tage beträgt — am 15. Sept. Abreise —. Die Zwiebäcke kamen mir um so mehr zurecht, als die, welche ich beim Bäcker in Silvaplana letzten Samstag geholt hatte, nicht gut gerathen waren. Den Thee habe ich sofort in Blechbüchsen gefüllt: es ist mir eine sehr angenehme Abwechselung. Die Serviette kommt insofern zur rechten Zeit, als ich die andre in die Wäsche geben muß. Allerschönsten Dank, meine gute liebe Mutter! Es ist doch angenehm, von Hause aus solche Kistchen zu bekommen — viel besser als von einem Schweizer Wurst-Fabrikanten…

Frl. v. Salis ist seit einigen Tagen abgereist. Überhaupt leert es sich schnell. Eine sehr angenehme Gesellschaft ist mir der Berliner Professor Kaftan und Frau, die mich noch von Basel her gut kennen und zum ersten Mal hier oben sind. (K<aftan> brachte mir Nachrichten und Grüße von Deussen, auch von Romundt: ich kann den Gedanken nicht völlig ausschließen, er möchte vielleicht selbst einer der „unbekannt bleibenden wollenden“ Freunde sein. Es ist übrigens einer der sympathischsten Theologen, die ich kenne) — Was jenes Geld betrifft, so kam mir immer mehr die Einsicht, daß es sehr zur rechten Zeit eingetroffen ist. Wenn Alles so fort geht, wie es gut begonnen hat, so werde ich in den nächsten Jahren fertig mit einer Hauptsache meines Lebens — und brauche hübsch viel Geld zum Druck. — Die Rücksicht auf diese Hauptsache, und um so wenig wie möglich mir alles Experimentiren unter jetzigen Umständen zu ersparen, wird mich doch wieder nach Nizza führen. Von hier gehe ich direkt wieder nach Turin. Auf diese Weise bleibe ich auf dem Wege. — Vor einigen Tagen machte ich folgendes Verzeichniß meiner Habseligkeiten: 4 Hemden. 4 Nachthemden. 3 wollne Hemden. 8 Paar Strümpfe. Ein guter Rock. Ein stärkerer Überrock. Der Winterüberzieher aus Naumburg (noch recht gut, aber ich trage ihn zu selten!) 2 schwarze Hosen, eine sehr dicke Hose. 2 hohe schwarze Westen, die 2 letzten Naumburger Westen (die ganz gut wären, nur um eine Hand zu kurz) Die dicken Morgenschuh. — Das scheint mir gerade genug. Ich darf, um meinen Koffer nicht zu überfüllen, nur sehr vorsichtig sein und lasse dies Mal den Schlafrock hier oben (— er ist arg zerrissen und es scheint mir für einen Gelehrten, wie ich bin, schicklicher, wenn er keine Schlafröcke trägt. Der Naumburger Winterüberzieher wird wohl an seine Stelle rücken)

Jetzt eben kommt die Sonne wieder zum Vorschein. Den 2. Sept. habe ich nicht vergessen. — Es giebt sehr Viel zu thun; und ich wünschte mehr schlafen zu können.

In Liebe
Dein altes Geschöpf

1094. An Meta von Salis auf Marschlins

Mittwoch, Sils. <22. August 1888>

Verehrtes Fräulein,

ein Wetter, wie am Morgen Ihrer Abreise — zum ersten Mal seitdem: lautes Geplätscher. Ich mache mir die kluge Erholung, die ich mir so oft im Kampf mit den „Naturgeistern“ diesen Sommer gemacht habe — und unterhalte mich ein wenig mit Ihnen. Zu alledem liegt ein gewisses Buch vor mir: es kam gestern Abend an. Noch niemals habe ich mich so würdig angeputzt gesehn — beinahe als „Classiker“. Der erste Blick hinein gab mir eine Überraschung: ich entdeckte eine lange Vorrede zu der „Genealogie“, deren Existenz ich vergessen hatte… Im Grunde hatte ich bloß den Titel der drei Abhandl. im Gedächtniß: der Rest, dh. der Inhalt war mir flöten gegangen. Dies die Folge einer extremen geistigen Thätigkeit, die diesen Winter und dies Frühjahr ausfüllte und die gleichsam eine Mauer dazwischen gelegt hatte. Jetzt lebt das Buch wieder vor mir auf — und, zugleich, der Zustand vom vorjährigen Sommer, aus dem es entstand. Extrem schwierige Probleme, für die eine Sprache, eine Terminologie nicht vorhanden war: aber ich muß damals in einem Zustande von fast ununterbrochener Inspiration gewesen sein, daß diese Schrift wie die natürlichste Sache von der Welt dahinläuft. Man merkt ihr keine Mühsal an — Der Stil ist vehement und aufregend, dabei voller finesses; und biegsam und farbenreich, wie ich eigentlich bis dahin keine Prosa geschrieben. Freilich sagt der große Kritiker Spitteler: daß er, seitdem er diese Schrift von mir gelesen habe, alle Hoffnungen auf mich als Schriftsteller aufgegeben habe…

Im Vergleich mit letztem Sommer, der mir eine solche Improvisation über horrible Themata erlaubte, erscheint dieser Sommer freilich geradezu „ins Wasser gefallen“. Dies thut mir außerordentlich leid: denn aus dem zum ersten Male wohlgerathenen Frühlings-Aufenthalte brachte ich sogar mehr Kraft mit herauf als voriges Jahr. Auch war alles zu einer großen und ganz bestimmten Aufgabe vorbereitet. Das „Pamphlet“ gegen Wagner (— auf das ich, unter uns, stolz bin) gehört in allem Wesentlichen nach Turin und war eigentlich die rechte, allerbeste Erholung, die Jemand sich mitten in schweren Dingen machen konnte.

Zu den Spezialitäten dieses Sommers gehört die absurde Insomnie. Auch heute, wie gestern, wie vorgestern seit zwei Uhr nachgedacht… um 4 Uhr Cacao…

Gestern Nachmittag war ich mit Prof. Kaftan im Fexthal. In der „Alpenrose“ sind noch c. 30 Personen. Im Grunde geht es jetzt schnell zu Ende. Der Herbst — wir haben ein unzweifelhaftes September-Wetter: wenn dies nicht gar noch ein Euphemismus ist. Ich will dennoch bis Mitte Sept. auszuhalten suchen.

Mit den herzlichsten Wünschen für Ihr Wohlergehen und mit einem vielfachen Anlaß, Ihnen zu danken

Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche.

— Sie dürfen sich darauf verlassen, daß das Buch wie ein Ei geschont und in einer vollkommen festen (gebundenen) enveloppe zu Ihnen zurückkehrt.

1095. An Heinrich Köselitz in Buchwald (Postkarte)

<Sils-Maria,> 24 Aug. 1888

Lieber Freund, ich sende eben den Epilog an Naumann ab, mit der Bestimmung, daß er zu einer letzten Revision Ihnen noch einmal vorgelegt wird. Es schien mir nützlich, ein paar Sachen deutlicher zu sagen (— es schien mir eine finesse, das Christenthum gegen W<agner> in Schutz zu nehmen —) Auch ist der allerletzte Satz jetzt stärker, — auch heiterer…

„Auf nach Creta!“ — ist ein berühmter Chor der schönen Helena. Ich sage Ihnen das aus Bosheit, nachdem Sie mich über die Schlußworte des Parsifal „unterrichtet“ haben. Diese „letzten Worte“ Wagner’s waren ja mein Leitmotiv…

Noch nichts Neues. Alle Welt reist ab. Alle Welt ist noch unterwegs. Von Mitte September an in Turin große Feste zur Hochzeit des Prinzen Amedeo: als Festoper „Tannhäuser“, deutsch, von Angelo Neumann (teatro regio, sonst nur Carneval-Theater)… Was läge mir daran, Sie in der Nähe, d. h. in Venedig zu haben!

Dankbar
Ihr Freund N.

1096. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, Sonntag <26. August 1888>

Lieber Freund,

ein paar Tage Ruhe. Es gab auch ein Paar Tage Krankheit. Doch soll es gehn — und es geht. Dies Mal bin ich an der Reihe zu erzählen. — Zuerst von Dr. Brandes. Derselbe hat für mich nur gethan, was er seit 30 Jahren für alle unabhängigen Geister Europa’s thut — er hat mich seinen Landsleuten vorgestellt. Was ich in meinem Falle hoch zu ehren habe, das ist, daß er da seinen leidenschaftlichen Widerwillen gegen alle jetzigen Deutschen überwunden hat. Eben hat er wieder, nach dem Besuch des Kaisers, in „einer wahren Teufels-Laune“, wie die Kölnische Zeitung sagt, seine Verachtung gegen alles Deutsche ausgedrückt. Nun, man giebt es ihm reichlich zurück. In den gelehrten Kreisen genießt er des allerschlechtesten Rufs: mit ihm in Beziehung zu stehn gilt als entehrend (Grund genug, für mich, so wie ich bin, der Geschichte von den Winter-Vorlesungen die allerweiteste Publizität zu geben). Er gehört zu jenen internationalen Juden, die einen wahren Teufels-Muth im Leibe haben, — er hat auch im Norden Feinde über Feinde. Er ist mehrsprachig, hat sein bestes Auditorium in Rußland, kennt die gute geistige Welt Englands und Frankreichs auf’s Persönlichste — und ist ein Psycholog (was ihm die deutschen Gelehrten nicht verzeihen…) Sein größtes Werk, mehrmals erschienen, „die Hauptströmungen der Litteratur des neunzehnten Jahrhunderts“ ist immer noch das beste deutsch geschriebene Cultur-Buch über dieses große Objekt. — Zur Musik steht er, wie er mir im Winter schrieb, zu seinem Bedauern in keinem Verhältniß. —

Vor 4 Tagen hat uns Herr von Holten verlassen. Wir sind alle betrübt. Eine solche Vereinigung von Liebenswürdigkeit und Bosheit ist ein ganz selten Ding. Ein alter Abbé, mit den Launen eines großen Schauspielers. Dabei eine ganz merkwürdige Erfindsamkeit im Wohlthun, im Freude-machen — Jedermann hat eine Geschichte davon zu erzählen. Er muß in der That in den glücklichsten Verhältnissen sein, ich meine nicht des Beutels sondern des Herzens, denn es vergieng kein Tag, wo er nicht Etwas derart „verbrochen“ hätte. — Für mich hatte er sich folgende Artigkeit ausgedacht: er hatte sich eine Composition des einzigen Musikers, den ich heute gelten lasse, meines Freundes Peter Gast eingeübt und spielte sie mir privatissime sechs Mal auswendig vor, entzückt über „das liebenswürdige und geistreiche Werk“. — In rebus musicis et musicantibus vertrugen wir uns zum besten d. h. wir waren ohne jede Toleranz und secirten den „Einäugigen“ unter den Blinden… Was Riemann betrifft, so haben wir ernst genug darüber gesprochen, doch auch im gleichen Sinn, nämlich daß eine „phrasirte“ Ausgabe schlimmer ist als jede andere — nämlich als eine bösartige Schulmeisterei. Was „unrichtig“ ist, läßt sich in der That in zahllosen Fällen bestimmen, was richtig ist, fast nie. Die Illusion der „phraseurs“ in diesem Punkte schien uns außerordentlich. Die Grundvoraussetzung, auf die sie bauen, daß es überhaupt eine richtige d. h. Eine richtige Auslegung giebt, scheint mir psychologisch und erfahrungsmäßig falsch. Der Componist, im Zustande des Schaffens wie des Reproduzirens, sieht diesen feinen Schatten in einem bloß labilen Gleichgewicht — jeder Zufall, jede Erhöhung oder Ermattung des subjektiven Kraftgefühls faßt bald größere, bald nothwendig engere Kreise als Einheiten zusammen. Kurz, der alte Philologe sagt, aus der ganzen philologischen Erfahrung heraus: es giebt keine alleinseligmachende Interpretation, weder für Dichter, noch für Musiker (Ein Dichter ist absolut keine Autorität für den Sinn seiner Verse: man hat die wunderlichsten Beweise, wie flüssig und vag für sie der „Sinn“ ist —).

— Ein andrer Gesichtspunkt, über den wir sprachen (— es könnte sein, daß ich ihn auch schon einmal gegen Sie, lieber Freund, berührte, vor ein paar Jahren). Dieses Beseelen, Beleben der kleinsten Redetheile der Musik (— ich möchte, Sie und Riemann wendeten die Worte an, die Jeder aus der Rhetorik kennt: Periode (Satz), Kolon, Komma, je nach der Größe, insgleichen Fragesatz, Conditionalsatz, Imperativ — denn die Phrasirungslehre ist schlechterdings das, was für Prosa und Poesie die Interpunktionslehre ist), — also: wir betrachteten diese Beseelung und Belebung der kleinsten Theile, wie sie in der Musik zur Praxis Wagner’s gehört und von da aus zu einem fast herrschenden Vortrags-System (selbst für Schauspieler und Sänger) geworden, mit verwandten Erscheinungen in anderen Künsten: es ist ein typisches Verfalls-Symptom, ein Beweis dafür, daß sich das Leben aus dem Ganzen zurückgezogen hat und im Kleinsten luxuriirt. Die „Phrasirung“ wäre demnach die Symptomatik eines Niedergangs der organisirenden Kraft: anders ausgedrückt: der Unfähigkeit, große Verhältnisse noch rhythmisch zu überspannen — eine Entartungsform des Rhythmischen… Dies klingt beinahe paradox. Die ersten und leidenschaftlichsten Förderer der rhythmischen Präzision und Eindeutigkeit wären nicht nur Folgeerscheinungen der rhythmischen décadence, sondern auch deren stärkste und erfolgreichste Werkzeuge! In dem Maße, in dem sich das Auge für die rhythmische Einzelform („Phrase“) einstellt, wird es myops für die weiten, langen, großen Formen: genau wie in der Architektur des Berninismus. Eine Veränderung der Optik des Musikers — die ist überall im Werke: nicht nur in der rhythmischen Überlebendigkeit des Kleinsten, unsere Genußfähigkeit begrenzt sich immer mehr auf die delikaten kleinen sublimen Dinge… folglich macht man nur auch noch solche — —

Moral: Sie sind mit Riemann ganz und gar auf dem „rechten Wege“ — dem einzigen nämlich den es noch giebt…

Wir besprachen auch einen Punkt, der Sie besonders angeht. Von Holten meinte, mit solchen Phrasirungs-Concerten, wie Sie sie veranstalten, werde absolut nichts erreicht. Es sei da die Illusion des Vortragenden vollkommen. Man höre eben gar nicht, inwiefern der Vortrag von jedem früher gehörten abweiche: selbst dem professionellen Klavierspieler sei durchaus nicht mit der wünschenswerthen Deutlichkeit (einzelne Fälle, wie billig, ausgenommen) die von ihm gewohnte und festgehaltene Interpretation dergestalt Bewußtseins-Sache, um in jedem Augenblick eine Verschiedenheit zu spüren. Solche Concerte überzeugten absolut von nichts, weil sie gar keinen Unterschied zum Bewußtsein brächten. Ein Anderes sei es, natürlich auch nur in Hinsicht auf ganz raffinirte Musiker, verschiedene Vortrags-Arten dicht hinter einander zu stellen; was er leugne, sei, daß die Evidenz des Richtigen sich damit beweisen lasse. Sie möchten nur abstimmen lassen…

Alles, was Sie mir schreiben, bestärkt mich in dem Wunsche, daß Danzig delenda est, — Bonn: das klingt viel heiterer… Ich nehme im Stillen an, daß daselbst noch als Kapellmeister der gutartige Schumannianer Brambach fungirt (— ich habe unter ihm mit in Köln in dem großen Gürzenich-Musikfeste gesungen — z. B. Schumann’s Faust —). Es lebt viel gute Welt daselbst, auch Ausländerinnen. Die klimatische Differenz ist unbeschreiblich günstig… Die gesamte Welt-Färbung verändert sich am Rhein im „lieben Gemüth“ — crede experto —. Zuletzt giebt es wirklich ein rheinisches Musik-Leben. — Sie haben einmal in Naumburg meinen Freund Krug gesehn: derselbe, jetzt ein großes Thier, das 80 Angestellte unter sich hat, Justizrath und Direktor der linksrheinischen Eisenbahn, Sitz Köln, hat ganz vor Kurzem in Köln einen Wagner-Verein großen Stils in’s Leben gerufen: er ist dessen Präsident. —

Mit vielen herzlichen Wünschen und für alles Nicht-Willkommne dieses Briefs um Verzeihung bittend

Ihr ergebenster
Nietzsche

NB. bis 14. Sept. Sils. Am 15. Abreise — —

— Sie haben hoffentlich mein „litterarisches Recept“ nicht ernst genommen?? — Ich mache in puncto „Publizität“ und „Ruhm“ nichts als Bosheiten. — Einige werden posthum geboren. —

1097. An Carl Fuchs in Danzig

<Sils-Maria, vermutlich Ende August 1888>

Zur Auseinanderhaltung der antiken Rhythmik („Zeit-Rhythmik“) von der barbarischen (“Affekt-Rhythmik“).

1. Daß es außer dem Wortaccent noch einen andern Accent gegeben habe, dafür fehlt bei den Rhythmikern (zb. Aristoxenos) jedes Zeugniß, jede Definition, selbst ein dazu gehöriges Wort. — Arsis und Thesis wird erst seit Bentley in dem fälschlichen Sinne der modernen Rhythmik verstanden — die Definitionen, die die Alten von diesen Worten geben, sind völlig unzweideutig.

2. Man warf, in Athen sowohl, wie in Rom, den Rednern, selbst den berühmtesten vor, Verse unversehens gesprochen zu haben. Es werden zahlreiche Beispiele solcher entschlüpften Verse citirt. Der Vorwurf ist, nach unsrer üblichen Art, griechische und lateinische Verse zu sprechen, einfach unbegreiflich (— erst der rhythmische Ictus macht bei uns aus einer Abfolge von Silben einen Vers: aber gerade das ganz gewöhnliche Sprechen enthielt, nach antikem Unheil, sehr leicht vollkommene Verse —)

3. Nach ausdrücklichen Zeugnissen war es nicht möglich, den Rhythmus von gesprochenen lyrischen Versen zu hören, wenn nicht mit Taktschlägen die größeren Zeit-Einheiten dem Gefühle zum Bewußtsein gebracht wurden. So lange der Tanz begleitete (— und die antike Rhythmik ist nicht aus der Musik, sondern aus dem Tanz her gewachsen), sah man die rhythmischen Einheiten mit Augen.

4. Es giebt Fälle bei Homer, wo eine kurze Silbe ungewöhnlicher Weise den Anfang eines Daktylus macht. Man nimmt philologischer Seits an, daß in solchen Fällen der rhythmische Ictus die Kraft habe, den Zeit-Mangel auszugleichen. Bei den antiken Philologen, den großen Alexandrinern, die ich eigens auf diesen Punkt hin befragt habe, findet sich nicht die leiseste Spur einer solchen Rechtfertigung der kurzen Silbe (dagegen fünf andere).

5. Es tritt sowohl auf griechischem als auf lateinischem Boden ein Zeitpunkt ein, wo die nordischen Lied-Rhythmen Herr werden über die antiken rhythmischen Instinkte. Unschätzbares Material dafür in dem Hauptwerk über christlich-griechische Hymnologie (aus einem südfranzösischen gelehrten Kloster hervorgegangen). Von dem Augenblick an, wo unsre Art rhythmischer Accent in den antiken Vers eindringt, ist jedes Mal die Sprache verloren: sofort geht der Wortaccent und die Unterscheidung von langen und kurzen Silben flöten. Es ist ein Schritt in die Bildung barbarisirender Idiome.

6. Endlich die Hauptsache. Die beiden Arten der Rhythmik sind conträr in der ursprünglichsten Absicht und Herkunft. Unsere barbarische (oder germanische) Rhythmik versteht unter Rhythmus die Aufeinanderfolge von gleich starken Affekt-Steigerungen, getrennt durch Senkungen. Das giebt unsere älteste Form der Poesie: drei Silben, jede einen Hauptbegriff ausdrückend, drei bedeutungsvolle Schläge gleichsam an das Sensorium des Affekts — das bildet unser ältestes Versmaß. (In unsrer Sprache hat im Durchschnitt die bedeutungsschwerste Silbe, die Affekt-dominirende Silbe den Accent, grundverschieden von den antiken Sprachen.) Unser Rhythmus ist ein Ausdrucksmittel des Affekts: der antike Rhythmus, der Zeit-Rhythmus, hat umgekehrt die Aufgabe, den Affekt zu beherrschen und bis zu einem gewissen Grade zu eliminiren. Der Vortrag des antiken Rhapsoden war extrem leidenschaftlich (— man findet im Jon Platon’s eine starke Schilderung der Gebärden, der Thränen u.s.w.): das Zeit-Gleichmaß wurde wie eine Art Oel auf den Wogen empfunden. Rhythmus im antiken Verstande ist, moralisch und ästhetisch, der Zügel, der der Leidenschaft angelegt wird.

In summa: unsre Art Rhythmik gehört in die Pathologie, die antike zum „Ethos“…

Herrn Dr. Carl Fuchs zu freundlicher Erwägung anheimgegeben.

F. N.

1098. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils den 30. August 1888

Meine liebe Mutter,

mein Wunsch ist, daß dieser Brief spätestens am 2. September in Deine Hände kommt, nicht gerade zur Sedanfeier, sondern weil an diesem Tage es zehn Jahre wird, daß Deine vortreffliche Alwine bei Dir ist. In unsrer Zeit, wo Alles zusammen und wieder auseinander läuft, ist ein solcher Zeitraum ein halbes Wunder; und es giebt wenig Dinge, um die Du mehr beneidet werden kannst (es müßte denn Dein Sohn sein —) Gerade bei Deiner Einsamkeit, wo Deine zwei Kinder über die ganze Erde zerstreut sind, brauchst Du, um wirklich bei Dir zu Hause zu sein, ein solches gutes und treues Wesen. Der Übelstand ist, daß Du nicht leicht einen Ersatz finden wirst, falls er einmal nöthig sein sollte. Bitte, sage Alwinen auch in meinem Namen meinen Dank und meine Anerkennung: ich denke, daß alles Gute auf dieser Erde seinen Lohn findet. —

Wir sind gerade hier mit einem herrlichen Wetter beschenkt und genießen reichlich, was wir durch lange Geduld verdient haben. Augenblicklich hat mein Hôtel die Auszeichnung, den über die Maaßen einflußreichen Herrn Bädecker aus Leipzig zu Gaste zu haben; seine Frau mit Töchterchen, sehr artig immer gegen mich, war den ganzen Sommer da. Ich bin wieder vollkommen in Thätigkeit, — hoffentlich geht es noch eine Weile, da eine gut und lange vorbereitete Arbeit, die diesen Sommer abgethan werden sollte, wörtlich „ins Wasser“ gefallen ist. Dies war die unersetzbare Einbuße von Seiten dieses entsetzlichen Sommers. —

Bis zum 15. September gedenke ich Stand zu halten. An diesem Tage Abreise, wieder nach Turin, das mir vom Frühling her bestens im Gedächtniß geblieben ist. Dort findet in der zweiten Hälfte des September eine ganz große Fürsten-Hochzeit statt, vom Prinzen Amedeo. Als Fest-Oper ist Tannhäuser gewählt (deutsch wohlverstanden, die Gesellschaft des Angelo Neumann —) Herr Köselitz ist bei seinen Freunden, Baron von Krause’s, auf deren Gütern in Hinterpommern, einer sehr liebenswürdigen Einladung folgend. Freund Seydlitz schrieb gestern, daß ihm der Kaiser von Japan einen artigen Dankesbrief für seine Verdienste um Ausbreitung des japanesischen Geschmacks durch seinen Botschafter überreicht habe. — Eine kleine Sendung wird noch nöthig sein: kein Zwieback, aber ein Schinken von gleicher Größe und Qualität, wie die letzten (die ich delikat finde) Dann bitte ich nochmals um ein Gros Sönneckens Rundschriftfeder Nr. 5, von wegen der Abreise nach dem Süden. Insgleichen suche mir doch einen unzerbrechbaren Kamm aus (etwas recht Feines!); es fehlt mir übrigens auch ein Staubkamm (eng, aber sehr scharf muß er sein —) — Mit dem Thee hatte ich meinen Spaaß. Diesen Sommer verfolgt mich der Souchong. Ich habe 4 Male Thee kommen lassen und immer anderen bestellt (weil Souchong zu schwach und im Geschmack nicht streng genug für mich ist) aber man hat mir 4 Mal Souchong geschickt! Zuletzt gar noch die Mutter! Was Deinem Sohn gut thut, ist ein feiner Congo (aber bestellt an einem Hauptgeschäft: die kleinen Händler unterscheiden selbst nicht die Sorten)

Mit dem herzlichsten Gruße
Dein altes Geschöpf

1099. Vermutlich an Carl Spitteler in Basel (Entwurf)

<Sils-Maria, verm. Anfang September 1888>

Spitteler.

Werther Herr.

Sie unterschätzen mich ganz und gar. Ich habe es bisher durchaus nicht an Humanität gegen meine Zeitgenossen (— die Zeit: sonst habe ich nichts mit ihnen gemein) fehlen lassen. — Ich könnte Ihnen 2 Fälle erzählen, die Sie verstehen würden. — Ihr Freund W<idmann> hat einmal über ein Buch von mir die unanständigsten Dummheiten, die es nur geben kann, drucken lassen: ich machte mir den Scherz, ihm zu sagen „er habe mich verstanden“ … er hats geglaubt.

Was Hr. Sp<itteler> betrifft, so hat er einmal eine wahre Wuth darüber ausgedrückt, Schriften von mir lesen zu müssen; er hat eine Schrift, die ihm mein Verleger anbot, sogar abgewiesen („Jenseits von Gut und Böse“) Bisher habe ich geglaubt, daß eine Creatur dieser Zeit sich eine unverdiente Ehre anthut, wenn sie ein Buch von mir in die Hand nimmt.

Bisher war ich ebenfalls gewohnt, daß, wer in meine Bücher kam, die Schuhe auszog… Die Herren Widmann und Spitteler haben nicht einmal die Stiefeln ausgezogen — und was für Stiefeln!…

Ich habe mich über die Deutschen in puncto Verständniß lustig gemacht: zweifeln Sie nicht daran, daß ich auch über schweizerisches Hornvieh meine Erfahrungen habe.

N.

1099a. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Sils-Maria, verm. Anfang September 1888>

Antwort auf einen durch Artigkeit sich auszeichnenden Brief der Wittwe Wagner‘s

Sie erweisen mir die Ehre, mich auf Grund meiner Schrift, die die erste Aufklärung über W<agner> gab, öffentlich anzugreifen, — Sie machen selbst den Versuch, auch über mich aufzuklären. Ich bekenne, warum ich im Nachtheil bin: ich habe zuviel Recht, zu viel Vernunft, zu viel Sonne auf meiner Seite, als daß mir ein Kampf unter solchen Umständen erlaubt wäre. Wer kennt mich? — Frau Cosima am allerletzten. Wer kennt Wagner? Niemand außer mir, hinzugenommen noch Frau C<osima> welche weiß daß ich Recht habe… sie weiß, daß der Gegner <Recht> hat — ich gebe Ihnen auf diese Position hin Alles zu. Unter solchen Umständen verliert das Weib seine Anmuth, beinahe seine Vernunft… Man hat damit nicht Unrecht, daß man schweigt: namentlich wenn man Unrecht hat…

Si tacuisses, Cosima mansisses…

Mit dem Ausdruck
einer den Umständen angemessenen
Theilnahme

Sie wissen sehr gut, wie sehr ich den Einfluß kenne den Sie auf W<agner> ausgeübt haben — Sie wissen noch besser, wie sehr ich diesen Einfluß verachte… Ich habe in dem Augenblick Ihnen und Wagner den Rücken gekehrt, als der Schwindel los ging…

Wenn die Tochter Liszt in Dingen der deutschen Cultur, oder gar der Religion mitreden will, so habe ich kein Erbarmen…

1100. An Carl Fuchs in Danzig (Entwurf)

<Sils-Maria, September 1888>

Werther Freund, Sie sollten, endlich! erwägen, daß Phrasirung nichts ist, was mich anginge: und daß ich es, aus Theilnahme gegen Sie und aus einer gewissen angewöhnten Objektivität gegen unangenehme Dinge, unterlassen habe, was jeder andere an meiner Stelle längst gethan hätte: nämlich zu sagen „Hole Sie der Teufel!“ Jetzt aber bin ich einfach in der Nothwehr. Ich wehre mich <mit> Händen und Füßen dagegen, daß mich Jemand mit Briefen überfällt. Was hat meine etwas ernsthafter ausgefüllte Existenz mit solchen absurden Fragen wie „Phrasirung“ zu thun!

Jeder, der den geringsten Begriff von der tiefen Sammlung und Concentration hat, die die Entscheidung über die höchsten Fragen von mir verlangt, scheut sich mir zu schreiben. Ich habe längst keinen Briefwechsel mehr, außer mit meiner Mutter und mit meinem Freunde Gast — mit letzterem genau aus dem Grunde, aus dem ich mit Ihnen meinen Verkehr abzubrechen wünsche. Ihr dicker Brief wird, wie so ein dicker Riese mich noch eine Zeitlang durchs Leben begleiten — unaufgebrochen: des dürfen Sie versichert sein; — — —

1101. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, den 6. Sept. 1888

Lieber Freund,

in den nächsten Tagen verlasse ich Sils; da ich noch für lange tiefe Sammlung nöthig habe, so verschwinde ich wieder einmal, meiner Mönchs-praxis gemäß, für Besuche jeder Art — eingerechnet Briefe. Vor mir liegt bereits ein Pack ungelesener Briefe: ich fürchte, es sind zwei von Ihnen darunter. — Zuletzt verberge ich Ihnen meinen Verdacht nicht: sollten dieselben nicht von der heiligen „Phrasierung“ handeln? In diesem Falle wäre alles Ernstes einmal zu erwägen, ob sie nicht falsch adressirt sind? Briefe über „Phrasierung“ an den Philosophen der Umwerthung aller Werthe!… In Nizza will man mich durchaus für Mars-Bewohner interessiren; man hat dort die stärksten Teleskope Europa’s für dies Gestirn. Frage: wer steht mir eigentlich näher, die Mars-Bewohner oder die Phrasierung? — Ich möchte gerne fortfahren, mich für Dr. Fuchs zu interessiren, doch mit Ausschluß seiner Marsbewohner…

Eine kleine Schrift, mit dem Titel

Der Fall Wagner

Ein Musikanten-Problem.

wird im Oktober Ihnen zugehen. —

Mit einem herzlichen Gruß
der Philosoph von
Sils-Maria.

NB. man sucht mich hier in Sils für die größte Forelle zu interessiren, die je gefangen worden ist, 30 Pfund schwer; wer weiß, in diesem Falle, eine gute sauce Mayonaise vorausgesetzt…

1102. An Meta von Salis auf Marschlins

Sils den 7. Sept. 1888

Verehrtes Fräulein,

Hiermit sende ich, zugleich mit meinem verbindlichsten Danke, das Buch wieder an Sie zurück. Ich habe es in einen festen Carton gesteckt: mein Wunsch ist, daß die Post keine Brutalitäten begeht.

Inzwischen war ich sehr fleißig, — bis zu dem Grade, daß ich Grund habe, den Seufzer meines letzten Briefs über den „ins Wasser gefallenen Sommer“ zu widerrufen. Es ist mir sogar etwas mehr gelungen, Etwas, das ich mir nicht zugetraut hatte… Die Folge war allerdings, daß mein Leben in den letzten Wochen in einige Unordnung gerieth. Ich stand mehrere Male nachts um 2 auf, „vom Geist getrieben“ und schrieb nieder, was mir vorher durch den Kopf gegangen war. Dann hörte ich wohl, wie mein Hauswirth, Herr Durisch, vorsichtig die Hausthür öffnete und zur Gemsen-Jagd davon schlich. Wer weiß! vielleicht war ich auch auf der Gemsenjagd…

Der dritte September war ein sehr merkwürdiger Tag. Früh schrieb ich die Vorrede zu meiner Umwerthung aller Werthe, die stolzeste Vorrede, die vielleicht bisher geschrieben worden ist. Nachher gieng ich hinaus — und siehe da! der schönste Tag, den ich im Engadin gesehn habe, — eine Leuchtkraft aller Farben, ein Blau auf See und Himmel, eine Klarheit der Luft, vollkommen unerhört… Es war nicht nur mein Urtheil… Die Berge, bis tief hinunter in Weiß — denn wir hatten ernsthafte Wintertage — erhöhten jedenfalls die Intensität des Lichtes. —

Dann gieng ich zu Tisch und fand, neben meinem Couvert, Briefe, darunter auch einen kurios dick gerathenen Brief von Ihnen…

Nachmittags lief ich um den ganzen See von Silvaplana herum: der Tag wird mir wahrscheinlich im Gedächtniß bleiben. —

Am 15. September gehe ich fort, nach Turin; was den Winter betrifft, so wäre doch, aus Gründen tiefer Sammlung, wie ich sie nöthig habe, der Versuch mit Corsica ein wenig risquirt… Doch wer weiß —

Im nächsten Jahre werde ich mich dazu entschließen, meine Umwerthung aller Werthe, das unabhängigste Buch, das es giebt, in Druck zu geben… Nicht ohne große Bedenken! Das erste Buch heißt zum Beispiel der Antichrist.

Mit dem herzlichsten Gruße und einer vollkommenen Zustimmung zu Ihrem Urtheile über Zürich, gar nicht zu reden von den Wasser-Strolchen,

bleibe ich dankbarst ergeben
Ihr
Friedrich Nietzsche

1103. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils, den 7. Sept. 1888>

Sehr geehrter Herr Verleger,

dies Mal werde ich Ihnen eine Überraschung machen. Sie denken gewiß, daß wir mit Drucken fertig sind: aber siehe da! Soeben geht das allersauberste Ms. an Sie ab, das ich je Ihnen gesandt habe. Es handelt sich um eine Schrift, welche in Hinsicht auf Ausstattung vollkommen der Zwilling zu dem „Fall Wagner“ bilden soll. Ihr Titel ist: Müssiggang eines Psychologen. Ich habe es nöthig, sie jetzt noch herauszugeben, weil wir Ende nächsten Jahres wahrscheinlich daran gehen müssen, mein Hauptwerk die Umwerthung aller Werthe zu drucken. Da dasselbe einen sehr strengen und ernsten Charakter hat, so kann ich ihm nichts Heiteres und Anmuthiges hinten nach schicken. Andrerseits muß ein Zeitraum zwischen meiner letzten Publikation und jenem ernsten Werke liegen. Auch <mö>chte ich nicht, daß es unmittelbar auf die übermüthige farce gegen Wagner folgte. —

Diese Schrift, deren Umfang nicht beträchtlich ist, kann vielleicht auch in dem Sinne wirken, die Ohren etwas für mich aufzumachen: so daß jenes Hauptwerk nicht wieder solchem absurden Stillschweigen begegnet wie mein Zarathustra. — Also in Allem gleich wie die Schrift über Wagner: auch gleiche Zahl der Exemplare.

Ich verlasse am 15. Sept. Sils und gehe wieder nach Turin. Von dort aus melde ich Ihnen meine Adresse. Es steht nichts entgegen, daß wir sofort wieder mit dem Druck beginnen: und in Anbetracht, daß ich für diesen Winter eine tiefe Sammlung nöthig habe, wäre es mir sogar sehr wünschenswerth, wenn diesen wenigen Bogen sobald wie möglich erledigt würden. — Nachsendungen von Ms. haben Sie nicht zu fürchten. Ich war die letzten Wochen in einem wesentlich besseren Zustand als den ganzen Sommer. —

Ich ersuche Sie, Freiexemplare vom „Fall Wagner“ an folgende Adressen zu senden (mit der Bemerkung von Ihrer Hand: Im Auftrag des Herrn Verfassers

C. G. Naumann

Herrn Baron Carl von Gersdorff, Ritter usw.

auf Ostrichen bei Seidenberg,

Schlesien

Herrn Baron R. von Seydlitz, München, Heßstr. 3

Herrn Dr. Brandes, Kopenhagen, St. Anne-Platz 24

(drei Exemplare)

Herrn Professor Dr. Jakob Burckhardt, Basel

Herrn Professor Dr. Overbeck, Basel

Seevogelstr.

Herrn Dr. Fuchs, Danzig

Frau Dr. Elisabeth Förster

Colonie Neu-Germanien

Nueva-Germania

Paraguay (Südamerika)

(dieser Brief ist zu recommandiren)

Herrn Professor Dr Deussen, Berlin W.

(2 Exempl.) Kurfürstendamm 142

Fräulein Meta von Salis, Doktorin der Philosophie

Marschlins bei Landquart (Schweiz)

Herrn Heinrich Köselitz 2 Exempl.

Herrn von Holten, Professor der Musik

Hamburg

Ich erwarte jeden Tag die Ankunft, sei es von Exemplaren, sei es wenigstens von Aushängebogen. Lassen Sie sich doch von E. W. Fritzsch die Musikzeitungen ausschreiben, denen wir Exemplare schicken müssen. Kein Exemplar, bitte, an den „Bund“. — Dagegen eins an die Adresse:

Herrn Ferdinand Avenarius

Redaktion des „Kunstwart“

Dresden, Stephanienstr. 1

Hochachtungsvoll
Ihr ergebenster
Prof. Dr Nietzsche.

1104. An Carl Fuchs in Danzig

Sils den 9. Sept. 1888.

Lieber Freund,

ich komme noch nicht so bald fort als ich vor zwei Tagen noch glauben durfte; einige Verlags- und Druck-Fragen wollen durchaus noch hier abgewickelt resp. abgewartet sein. Der nächste, ziemlich wahrscheinliche Termin ist der 16. September. — Heute bin ich in einer unvorhergesehenen freien Verfassung der „lieben Seele“ — und Sie sollen’s sofort zu spüren bekommen. Die letzten Wochen war ich auf die seltsamste Art inspirirt: so daß Einiges, was ich mir nicht zugetraut hatte, wie unbewußt eines Morgens fertig war. Dies gab manche Unordnung und Ausnahme in meiner Lebensweise: ich stand (oder sprang) öfter Nachts um 2 auf, um „vom Geist getrieben“ Etwas hinzuwerfen. Dann hörte ich wohl die Hausthür gehn: mein Wirth schlich auf die Gemsen-Jagd. Wer von uns Beiden war mehr auf der Gemsen-Jagd? — Unglaublich, aber wahr: ich habe heute morgen das sorgfältigste, sauberste und ausgearbeitetste Manuscript, das ich je verfaßt habe, an die Druckerei geschickt — ich mag gar nicht nachzählen, in wie wenig Tagen es zu Stande gekommen. Der Titel ist liebenswürdig genug „Müssiggang eines Psychologen“ — der Inhalt vom Allerschlimmsten und Radikalsten, obwohl unter viele finesses und Milderungen versteckt. Es ist eine vollkommene Gesammt-Einführung in meine Philosophie: — das Nächste, was dann kommt, ist die „Umwerthung aller Werthe“ (deren erstes Buch beinahe fertig ist) Sehen wir zu, bis zu welchem Grade eigentlich „Denkfreiheit“ heute möglich ist: ich habe einen dunklen Begriff, darauf hin in schönster Form verfolgt zu werden.

Moral: ich habe Zeit bekommen, zwei Briefe zu lesen — und aufrichtig! mit Entzücken. Der Humor der Sache ist, daß ich eben Riemann öffentlich gelobt habe: und damit Sie meine intimere Gesinnung verstehen, schreibe ich Ihnen ein paar Worte des Herrn Gast ab, die er, beim Correctur-lesen der betreffenden Worte, mir geschrieben hat.

„Riemann’s metrische Studien, angeregt und hervorgegangen aus Wagner’s Vortrags-Propaganda, sind vielleicht noch als Wagnern gefährlich werdende Waffe zu bezeichnen: wie Sie einmal (Morgenröthe S. 184) die historische Wissenschaft als Tochter und schließliche Besiegerin der Romantik darstellten. Ich möchte wenigstens glauben, daß wenn sie die Schärfung der Empfänglichkeit für die musikalische Periode einige Jahrzehnte fortsetzen, sie dann auch den Sinn für den großen Parallelismus der Perioden und endlich für den Bauplan einer Composition wieder erwecken werden, wie er um die Wende dieses Jahrhunderts wach war; und ein Gesetz dazu!“ — Sie werden mir gewiß erlauben, daß ich Ihre ganz ausgezeichnete oratio pro domo (und arte) meinem Freunde zu lesen gebe? Er ist im Augenblick gar nicht zu weit von Ihnen: von einer vornehmen Familie zu Gast auf deren Güter in Hinterpommern geladen (— Venediger Freundschaft; sehr schönes Mädchen usw) Vielleicht geben Ihnen die abgeschriebenen Worte selbst einen Begriff von unsrem sehr purificirten gustus. Ich bin eben mit Bülow in Beziehung getreten, zum Zweck, eine komische italiänische Oper des Herrn Gast („der Löwe von Venedig“) der Menagerie Pollini zu überantworten. Der Öffentlichkeit ist fast Nichts bisher übergeben; es liegt nicht gerade in den Wünschen meines Freundes, gerade jetzt schon, mitten in einer Geschmacks-Verwirrung, auf sich aufmerksam zu machen. Eine tiefe Stille, ein Für-sich-sein im Besseren ist hundert Mal wichtiger als „bekannt“ d. h. mißverstanden werden. — Im Übrigen genau mein Fall — und meine Praxis…

Aus meinem „Pamphlet“ werden Sie von meinem Musik-Pessimismus einen gehörigen Begriff bekommen; und auch, in diesem besondren Falle, bin ich noch durch gewisse sehr deutliche und unangenehme Erinnerungen an meine Intimitäts-Zeit mit Wagner bestimmt. Eine Aufführung der Zauberflöten-Ouvertüre in Mannheim (— wo ich die Ehre hatte, Frau Cosima bei ihrem ersten Auftreten vor der „Welt“ als cavaliere zu führen) war durch die „Überlebendigkeit“ um jeden Preis, durch wahre Excesse von Contrasten eine Art Typus von „Berninismus“ im Vortrag. —

Ich bekenne zum Schluß, daß es mir außerordentliches Vergnügen macht, einmal gegen Sie, lieber Freund, ganz entschieden Unrecht gehabt und selbst gethan zu haben. Dies verbessert unsre Beziehungen unvergleichlich: glauben Sie dies dem „müßiggängerischen Psychologen“…

Der Himmel weiß — Sie sind ein Künstler und kein Schulmeister! — ich weiß es auch…

Treulich Ihr N.

Nochmals gesagt: für die nächste Woche und vielleicht noch länger bin ich wieder menschenfreundlich…

1105. An Heinrich Köselitz in Buchwald

Sils, den 12. Sept. 1888 Mittwoch

Lieber Freund,

noch weiß ich Ihre Adresse nicht, aber in Anbetracht, daß ich Ihnen noch vor meiner Abreise schreiben möchte, will ich annehmen, daß auch ein nach Annaberg gesandter Brief in Ihre Hände kommt. Sonntag soll es fortgehen, nach Turin, versuchsweise: daß der Schluß meines Silser Aufenthaltes mir noch die schwerste Geduldsprobe auferlegen würde, habe ich mir nicht träumen <lassen>. Ein unerhörtes Hochwasser-Wetter seit einer Woche; Alles überschwemmt; Tag und Nacht strömt es, mit Schnee untermischt. In 4 Tagen allein sind 220 millimeter Niederschlag gefallen (während der Monats-Durchschnitt hier 80 mm zu sein pflegt) Meine Gesundheit ist dabei nicht zum Besten weggekommen: ich schreibe auch augenblicklich etwas mit Kopfschmerz.

Ich sende dieser Tage noch ein Paket an Sie ab, lauter Drucksachen, darunter, mit bestem Dank, das Heft Bayreuther Blätter. Das Andere sind Fuchsiana: eine Anzahl Recensionen und etwas von seinen sehr merkwürdigen Briefen (— darunter einer, der einen ausgezeichnet guten Begriff von Riemann’s ganzer Unternehmung giebt: Sie werden finden, daß F<uchs> von ihm Dasselbe erhofft, was Sie erhoffen — eine Stärkung und Wiedergewinnung des großen rhythmischen Sinns)

Eben höre ich, daß von Hans von Bülow eine Schrift erscheinen wird „Alt- und Neu-Wagnerianer“ betitelt. Das Zusammentreffen mit meinem Pamphlet ist curios. Sonst warte ich immer noch auf eine Antwort von ihm. —

Es giebt noch etwas Curioses zu melden. Ich habe vor wenig Tagen Herrn C. G. Naumann wieder ein Manuscript zugesandt, das den Titel führt „Müssiggang eines Psychologen“. Unter diesem harmlosen Titel verbirgt sich eine sehr kühn und präcis hingeworfne Zusammenfassung meiner wesentlichsten philosophischen Heterodoxien: so daß die Schrift als einweihend und appetitmachend für meine Umwerthung der Werthe (deren erstes Buch beinahe in der Ausarbeitung fertig ist) dienen kann. Es ist viel darin von Urtheilen über Gegenwärtiges, über Denker, Schriftsteller usw. Der letzte Abschnitt heißt Streifzüge eines Unzeitgemäßen; der erste Sprüche und Pfeile. Im Ganzen sehr heiter, trotz sehr strengem Urtheile (— es scheint mir, unter uns, daß ich erst in diesem Jahre deutsch — will sagen französisch — schreiben gelernt habe). Capitel, außer den genannten: das Problem des Sokrates; die „Vernunft“ in der Philosophie. Wie die „wahre“ Welt endlich zur Fabel wurde. Moral als Widernatur. Die vier großen Irrthümer. Die „Verbesserer“ der Menschheit. Es sind wirkliche psychologica und vom Unbekanntesten und Feinsten. (— Den Deutschen werden manche Wahrheiten gesagt, insbesondere wird meine geringe Meinung über die reichsdeutsche Geistigkeit begründet)

Diese Schrift, in Allem als Zwilling zum „Fall Wagner“ auftretend (wenn auch etwa doppelt so stark) muß möglichst bald heraus: weil ich eine Zwischenzeit brauche bis zur Veröffentlichung der Umwerthung (— diesen mit einem rigorosen Ernst und hundert Meilen weit abseits von allen Toleranzen und Liebenswürdigkeiten)

Meine Hoffnung ist, daß dieser Brief Sie in einer angenehmen Ungewohntheit von Existenz vorfindet. Ein paar Worte von Ihnen werden mir in Torino (ferma in posta) sehr willkommen sein.

Treulich und dankbar
Ihr Freund
Nietzsche.

— Was macht inzwischen das Quartett?

1106. An Meta von Salis auf Marschlins (Postkarte)

<Sils-Maria,> Mittwoch 12. Sept. 1888

Verehrtes Fräulein

ein letzter Gruß aus Sils, zugleich um Ihnen von unsrer Wassernoth zu erzählen. Die letzte Woche war die größte Geduldsprobe dieses Sommers (— was viel sagen will!) es goß Tag und Nacht in Strömen, zeitweilig mit Schnee untermischt. Die Seen sind übervoll, hier und da bis auf die Straße hinauf. Die Halbinsel ist eine ganze Insel; das Thal von Samaden stellt einen großen See dar. Eben versuchte ich den Waldweg an der Säge vorbei: er hatte einen Reiz mehr — man gieng längere Zeit direkt am Wasser (— der See erschien viel größer). Die Eisenbahn Colico-Chiavenna soll zum Theil durch das Wasser entfremdet sein. — Hr. Caviezel berechnete uns das Quantum Niederschlag der letzten 4 Tage auf 220 Millimet. (während das normale Quantum eines ganzen Monats 80 ist) Sonntag Abreise nach Torino. — Meine ergebensten Empfehlungen und Wünsche

Dr. N.

1107. An Georg Brandes in Kopenhagen

Sils-Maria d. 13. Sept. 1888.

Verehrter Herr,

Hiermit mache ich mir ein wahres Vergnügen — nämlich mich Ihnen wieder in’s Gedächtniß zurück zu rufen: und zwar durch Übersendung einer kleinen boshaften, aber trotzdem sehr ernst gemeinten Schrift, die noch in den guten Tagen von Turin entstanden ist. Inzwischen nämlich gab es böse Tage in Überfluß: und einen solchen Niedergang von Gesundheit, Muth und „Willen zum Leben“, Schopenhauerisch geredet, daß mir jene kleine Frühlings-Idylle kaum mehr glaublich erschien. Zum Glück besaß ich noch ein Dokument daraus den „Fall Wagner. Ein Musikanten-Problem.“ Böse Zungen wollen lesen „der Fall Wagner’s“…

So sehr und mit so guten Gründen Sie sich auch gegen Musik vertheidigen mögen (— die zudringlichste aller Musen), so sehen Sie sich doch einmal dies Stück Musiker-Psychologie an. Sie sind, verehrter Herr Cosmopoliticus, viel zu europäisch gesinnt, um nicht dabei hundert Mal mehr zu hören, als meine sogenannten Landsleute, die „musikalischen“ Deutschen…

Zuletzt bin ich, in diesem Falle, Kenner in rebus et personis — und, glücklicher Weise, bis zu dem Grade Musiker von Instinkt, daß mir über die hier vorliegende letzte Werthfrage von der Musik aus das Problem zugänglich, löslich erscheint.

Im Grunde ist diesen Schrift beinahe französisch geschrieben, — es möchte leichter sein, sie ins Französische zu übersetzen als ins Deutsche…

Würden Sie mir noch ein Paar russische oder französische Adressen geben können, in deren Fall es Vernunft hätte, die Schrift mitzutheilen?

Ein paar Monate später giebt es etwas Philosophisches zu erwarten: unter dem sehr wohlwollenden Titel Müssiggang eines Psychologen sage ich aller Welt Artigkeiten und Unartigkeiten — eingerechnet dieser geistreichen Nation, den Deutschen —

Dies Alles sind in der Hauptsache nur Erholungen von der Hauptsache: letztere heißt Umwerthung aller Werthe— Europa wird nöthig haben, noch ein Sibirien zu erfinden, um den Urheber dieser Werth-Tentative dorthin zu senden.

Hoffentlich begrüßt Sie dieser heitere Brief in einer bei Ihnen gewohnten resoluten Verfassung —

Sich gern Ihrer erinnernd
Dr. Nietzsche

Adresse bis Mitte November: Torino (Italia)

ferma in posta.

1108. An Jacob Burckhardt in Basel

Sils-Maria, Herbst <13. September> 1888.

Hochverehrter Herr Professor,

Hiermit nehme ich mir die Freiheit, Ihnen eine kleine ästhetische Schrift vorzulegen, die, wie sehr auch immer mitten im Ernst meiner Aufgaben als Erholung gemeint, doch ihren Ernst für sich hat. Sie werden sich hierüber nicht einen Augenblick durch den leichten und ironischen Ton irreführen lassen. Vielleicht habe ich ein Recht, von diesem „Fall Wagner“ einmal deutlich zu reden, — vielleicht selbst eine Pflicht. Die Bewegung ist jetzt in höchster Glorie. Drei Viertel aller Musiker ist ganz oder halb überzeugt, von St. Petersburg bis Paris, Bologna und Montevideo leben die Theater von dieser Kunst, jüngst hat noch der junge deutsche Kaiser die ganze Angelegenheit als nationale Sache ersten Ranges bezeichnet und sich an deren Spitze gestellt: Gründe genug, daß es erlaubt ist, auf den Kampfplatz zu treten. — Ich bekenne, daß die Schrift, bei dem durchaus europäisch-internationalen Charakter des Problem’s, nicht deutsch, sondern französisch hätte geschrieben werden müssen. Bis zu einem gewissen Grade ist sie französisch geschrieben: und jedenfalls möchte es leichter sein, sie ins Französische zu übersetzen als ins Deutsche…

— Es ist mir nicht verborgen geblieben, daß es vor nicht lange einen Tag gab, wo die Pietät einer ganzen Stadt sich mit tiefer Dankbarkeit ihres ersten Erziehers und Wohlthäters erinnerte. Ich habe mir, in aller Bescheidenheit, erlaubt, mein eignes Gefühl zu dem einer ganzen Stadt hinzu<zu>legen.

Mit dem Ausdruck großer Liebe und Verehrung
Ihr
Dr. Friedrich Nietzsche

(Meine Adresse ist bis Mitte November Torino poste restante: ein einziges Wort von Ihnen würde mich glücklich machen.)

1109. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria d. 13 Sept. 1888

Geehrtester Herr Verleger,

in diesem Augenblick traf Ihr werthes Schreiben ein, aus dem ich mit Vergnügen sehe, wie weit Sie schon sind. Was die Zeitungen angeht, denen es Sinn hat, ein Exemplar zu senden, so bin ich zu meinem Bedauern gerade für diesen Fall gar nicht competent. Das Thema ist von einem sehr allgemeinen Interesse: im Grunde wird über nichts so viel geredet und „geschwätzt“ als über W<agner>. Ich meine, wir sollten die Wiener Hauptzeitungen nicht vergessen (— die freie Presse z. B.). Zeitungen, deren unartiges resp. völlig schweigendes Verhalten Sie constatirt haben, lassen Sie bitte bei Seite. Vielleicht ist dies Mal auch Frankreich nicht außer Acht zu lass<en>: die Bewegung, das Für und Wider ist dort in der Frage Wagner mindestens so groß wie in Deutschland. Ich würde proponiren, der

revue des deux mondes

dem Figaro

dem Journal des débats

und dem (Schweizerischen)

Journal de Genève

je ein Exemplar zu senden. Die Adressen werden Sie in Leipzig leicht sich schaffen können (— jedes Zeitungs-Büreau hat sie)

auf diesen Exempl. muß mein Name bezeichnet sein als:

Monsieur le professeur Dr. Nietzsche

de Bâle.

Von Privatpersonen bitte ich noch in meinem Namen zu bedenken:

  1. dem Freiherrn Dr. Hans von Bülow

Hamburg

  1. Herrn Carl Spitteler, Basel

Gartenstr. 74

  1. Herrn Lothar Volkmar, Rechtsanwalt

Berlin W. Leipziger Straße 135

— Ein Blatt Manuscr. zum Vorwort des „Müssiggangs eines Psychologen“ ist vorgestern noch abgegangen. —

Nächsten Montag oder Dienstag treffe ich in Torino ein. Einstweilen wollen wir noch etwas Ferien machen und den neuen Druck lassen. Herr Köselitz ist nämlich gerade auf Reisen (in Hinterpommern): so daß die Raumdistanz zwischen Turin, Leipzig und Herrn Köselitz einen Correktur-gang unpraktikabel macht.

Vielleicht versehen Sie die Freiexempl. an Einzelne wieder mit einem solchen rothen Zettel, gleichen Inhalts, nur zuletzt

Adresse: Prof. Dr. Nietzsche

Torino (Italia)

ferma in posta

Ich bleibe dort bis Mitte November. —

Mit ergebenstem Gruße Ihr
Professor Nietzsche

1110. An Reinhart von Seydlitz in München

Sils-Maria, d. 13. September 1888.

Lieber Freund,

es scheint Manches, das bereits für München unterwegs war, dies Jahr ausgeblieben zu sein: rechne auch mich — ich sage es mit viel Bedauern — unter das Münchener Defizit. Der Sommer war, wie alle Welt weiß, ein Skandal: ich bewundere meine Geduld, ich hätte Gründe gehabt, aus so viel Häuten zu fahren, um mein Zimmer damit zu tapeziren. Zuletzt überschwemmte sich noch das Engadin in einem Anfall von Wassersucht, daß wenig gefehlt hat und wir wären Fische geworden. Lauter ungewöhnliche Dinge in Sils: ein Sommer, gluthheiß, von 1 1/2 Wochen im Ganzen und vor den Frühling arrangirt; an Stelle des Frühlings und Sommers ein zweideutiger und nicht immer zweideutiger Winter; achtzehn Unthiere von Lawinen, die Hinterlassenschaft des sogenannten eigentlichen Winters; neue Glocken; eine Forelle von 30 Pfund; Herr Bädeker und Frau, welche mein Hôtel (Alpenrose) den ganzen Sommer über aus zeichneten, „ansternten“… Zuletzt berechnete mir unser Meteorolog, daß eben in vier Tagen 220 Millimeter Niederschlag gefallen sind, während ein Monat mit gesunden Durchschnitts-Bedürfnissen nur 80 Millimeter Wasser nöthig hat. —

Übermorgen geht es westwärts —: es ist nicht nur die geographische Lage, welche es verbietet, Turin zum „Süden“ zu rechnen. — Ich komme gerade dort an, wenn die große Hochzeit Savoyen-Bonaparte zu Ende geht. Später — wer weiß! — aber ich glaube Nizza. — Mein innerer Haushalt steht ganz und gar im Dienste einer extremen Unternehmung, die, als Büchertitel, in drei Worte zu bringen ist „Umwerthung aller Werthe“. Ich sinne öfter über die Maßregeln nach, die die Toleranz Europa’s gegen mich erfinden wird: eigens ein kleines Sibirien mit künstlicher Eis- (und gelato-) Bildung construiren, um mich nach Sibirien verbannen zu können…

Dies schließt nicht aus, daß ich ein paar Heiterkeiten verbrochen habe. Die eine, welche sich alsbald die Freiheit nehmen wird, mit einigem Muthwillen über Deine Schwelle zu springen, heißt „Der Fall Wagner. Ein Musikanten-Problem.“ (— böse Zungen lesen: Der Fall Wagner’s). Auch Hans von Bülow giebt sich über ein verwandtes Thema zum Besten: und in Anbetracht, daß wir Beide etwas hinter den Coulissen gelebt haben… Ende des Jahres wird eine andre Sache von mir veröffentlicht, welche meine Philosophie in ihrer dreifachen Eigenschaft, als lux, als nux und als crux, zur Erscheinung bringt. Sie heißt, mit aller Anmuth und Tugend: „Müßiggang eines Psychologen“ — und ist entstanden, während ich hier „an den Wänden“ hinaufstieg. Unter anderem wird den Deutschen darin dergestalt die Wahrheit gesagt, daß auch für mich Ehren und Handschreiben nur noch etwa von Japanischen Majestäten zu gewärtigen sind. Ich deute in aller Bescheidenheit an, daß der „Geist“, der sogenannte „deutsche Geist“ spazieren gegangen und irgendwo in der Sommerfrische wohnt — jedenfalls nicht im „Reich“ — eher schon in Sils-Maria….

Womit ich Dir und Deiner lieben Frau mich mit herzlichem Bedauern empfehle.

Treulich Dein Nietzsche.

(Bis Mitte November muthmaßliche Adresse: Torino, ferma in posta.)

1111. An Paul Deussen in Berlin

Sils-Maria, d. 14. Sept. 1888 Adresse bis 15. November: Torino (Italia) ferma in posta.

Lieber Freund,

ich möchte Sils nicht verlassen, ohne Dir nochmals die Hand zu drücken, in Erinnerung an die größte Überraschung, die mir dieser an Überraschungen reiche Sommer gebracht hat. Auch darf ich jetzt wieder muthiger reden als damals, wo ich Dir zu antworten hatte: die Gesundheit ist seitdem wiedergekommen, mit dem „besseren“ Wetter, denn der Begriff „gut“ ist für Meteorologen und Philosophen impraktikabel. Zwar hatten wir die allerletzte Woche noch den eigentlichen Exceß des ganzen Jahrs — eine wahre Sündfluth, die die ernstesten Überschwemmungs-Nothstände im Ober- und Unterengadin hervorrief. Es fiel in 4 Tagen 220 millim. Niederschlag, während das Normal-Quantum eines ganzen Monats hier 80 m<illimeter> ist. — Du wirst noch in diesem Monate eine Zusendung erhalten: eine kleine aesthetische Streitschrift, in der ich, zum ersten Male und auf die unbedingteste Weise das psychologische Problem Wagner an’s Licht stelle. Es ist eine Kriegserklärung ohne pardon an diesen ganze Bewegung: zuletzt bin ich der Einzige, der Umfang und Tiefe genug hat, um hier nicht unsicher zu sein. — Daß eine Schrift von mir, ein Pamphlet, wenn man will, gegen Wagner, eine gewisse Aufregung mit sich bringt, giebt mir schon der letzte Bericht meines Verlegers zu verstehn. Bloß auf die vorläufige Ankündigung im Buchhändler-Börsenblatt hin sind so viel Bestellungen eingelaufen, daß die Auflage von 1000 Ex. als erschöpft betrachtet werden kann (d. h. wenn die Exemplare, die verlangt sind, später nicht den Krebsgang gehn…). Lies die Schrift einmal auch vom Standpunkt des Geschmacks und Stils: so schreibt heute kein Mensch in Deutschland. Es würde ebenso leicht sein die Schrift ins Französische zu übersetzen als schwer, fast unmöglich, sie ins Deutsche zu übersetzen…

— Es ist bereits ein andres M<anu>s<kript> bei meinem Verleger, das einen sehr strengen und feinen Ausdruck meiner ganzen philosophischen Heterodoxie giebt — unter vieler Anmuth und Bosheit versteckt. Es heißt: Müssiggang eines Psychologen. — Zuletzt sind diese beiden Schriften nur wirkliche Erholungen inmitten einer unermeßlich schweren und entscheidenden Aufgabe, welche, wenn sie verstanden wird, die Geschichte der Menschheit in zwei Hälften spaltet. Der Sinn derselben heißt in drei Worten: Umwerthung aller Werthe. Es steht Vieles hinterdrein nicht mehr frei, was bis jetzt frei stand: das Reich der Toleranz ist durch Werth-Entscheidungen ersten Rangs zu einer bloßen Feigheit und Charakter-Schwäche heruntergesetzt. Christ sein — um nur Eine Consequenz zu nennen — wird von da an unanständig. — Auch von dieser radikalsten Umwälzung, von der die Menschheit weiß, ist Vieles bei mir schon in Fluß und Gang. Nur, nochmals gesagt, habe ich jede Art Erholung und Seitensprung nöthig, um das Werk ohne jedwede Mühe, wie ein Spiel, wie eine „Freiheit des Willens“ hinzustellen. Das erste Buch davon ist zur Hälfte vollendet. — Mein alter Freund, Du erräthst, daß es Etwas in diesem und in den nächsten Jahren zu drucken giebt — und daß wirklich jene seltsame Geld-Großmuth in einem entscheidend guten Augenblick an meine Thür klopfte. Man muß zu Allem Glück haben, selbst noch zum Gutes-Thun… Ein Paar Jahre früher — wer weiß, was ich Dir geantwortet hätte! —

Mit dem herzlichsten Gruße Dein Freund

Nietzsche.

— Ich sende auch ein Exemplar an Hrn. Rechtsanwalt Volkmar. —

1112. An Elisabeth Förster in Paraguay

Sils d. 14 Sept. 1888

Mein liebes Lama,

sehr anders als es mein Wunsch war, komme ich erst am Schluß meines Engadiner Sommers (—?—) dazu, Dir zu schreiben. Es gieng dies Jahr in allen Stücken sehr außergewöhnlich zu: man konnte nichts versprechen, nichts beschließen. Dabei kam meine Gesundheit recht in die Brüche; und als es wieder besser gieng, habe ich den großen Zeitverlust für meine Aufgabe durch eine um so angespanntere Arbeit auszugleichen gesucht. Nun ist wirklich Etwas erreicht: und ich kann zu menschenfreundlicheren Arbeiten und selbst zu Briefen mir wieder Zeit nehmen. Wie lange schon lag mir es auf dem Herzen, Dir meine große Freude über das Definitivum der Übersiedelung und die festliche Art und Weise, in der sie vollzogen wurde, auszudrücken! Auch daß Deine Gesundheit der Menge neuer Pflichten und Sorgen so tapfer Stand hält, ist keine kleine Beruhigung. Wir haben es Beide, auf eine etwas verschiedene Weise, schwer — wir haben es Beide andrerseits auch wieder gut. Wir lassen uns nicht so leicht fallen — uns nicht und auch die Sachen nicht, die uns angehen. Das eigentliche malheur in der Welt ist Alles bloß Schwäche…

Von mir wäre zu erzählen, daß zu den bewiesenen Orten Nizza und Sils noch ein dritter als Zwischenakt hinzugekommen ist: Turin. Klimatisch und menschlich der mir sympathischste Ort, den ich bisher gefunden habe. Großstadt, aber ruhig, vornehm, aristokratisch, Universität, gute Bibliotheken, sehr viel Entgegenkommen für mich, ausgezeichnete Theater-Verhältnisse — und sehr billige Preise. Kost und Luft, Wasser und Spaziergänge — alles vollkommen nach meinem Geschmack. Die größeren Buchhandlungen dreisprachig (französisch, deutsch, italiänisch, so daß ich für neue wissenschaftliche Litteratur dort bei weitem besser daran bin als in Leipzig selbst.) Der Ring von Hochgebirge, der auf 3 Seiten Turin einschließt, hält dieselbe trockne und dünne Luft aufrecht, wie sie, aus gleichen Gründen, Sils und Nizza haben. Da ich mitten in der entscheidenden Arbeit meines Lebens bin, so ist mir eine vollkommne Regel für eine Anzahl Jahre die erste Bedingung. Winter Nizza, Frühling Turin, Sommer Sils, zwei Herbstmonate Turin — dies ist der Plan. Entsprechend ist auch meine Diät normal gemacht d. h. absolut persönlich, und den eigensten Bedürfnissen gemäß eingerichtet. Dazu gehört natürlich die Emancipation von jedem Essen in Gesellschaft. Der Erfolg des allmählich von mir ausprobirten Optimum von Existenz zeigt sich in einer enormen Steigerung der Arbeitskraft. Die drei Abhandlungen vom vorigen Sommer, denen Ihr die Ehre Eurer Antheilnahme geschenkt habt, sind in weniger als 25 Tagen beschlossen, ausgeführt und druckfertig fortgeschickt worden. Dasselbe habe ich diesen Sommer bei dem ersten Umschwung zum Bessern, noch einmal geleistet. In Turin ist, mit spielender Leichtigkeit, ein entscheidendes Stück Musiker-Psychologie zu Stande gekommen, das Euch diesen Herbst zugehen wird. Auch von der Umwerthung aller Werthe giebt es, beinahe wenigstens, das erste Buch. — Diese Nachrichten sind nicht schlecht, nicht wahr? mein liebes Lama? — Der Haken liegt darin, daß ich meine Schriften selbst drucken muß — und daß die Zeit für immer vorbei ist, wo es zwischen mir und der Gegenwart irgend noch ein andres Verhältniß gäbe als Krieg aufs Messer! — Mit diesem etwas indianerhaft gerathenen Schluß grüßt und umarmt Dich, mein liebes Lama, Dein Bruder Fritz. — Das Herzlichste an Deinen Bernhard. —

1113. An E. Kürbitz in Naumburg

Sils-Maria, Oberengadin d. 14. Sept. 1888

Sehr geehrter Herr,

Hiermit möchte ich Sie ersuchen, meiner Mutter Frau Pastor Nietzsche, nochmals in meinem Namen die Summe von 30 M (dreißig Mark) zu übermitteln. Eine wesentlich größere Summe wird ein Paar Monate später nach Leipzig zu zahlen sein. Darüber berichte ich Ihnen zur Zeit.

Hochachtungsvoll Ihr Professor Dr. Nietzsche

1114. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria, an einem der letzten Tage. <14. September 1888>

Meine alte Mutter hat mir aber einen ganz traurigen Brief geschrieben und jedenfalls die Gedanken die ganze Zeit über wo anders gehabt: sonst würde ihr eingefallen sein, daß der Sohn in jedem Briefe seine Abreise von Sils auf den 15. Sept. festgesetzt hat. Nun haben wir heute den 14. Sept., es ist Nachmittag und nichts außer Deinem lieben Briefe eingetroffen. Um mir einen kleinen Scherz zu machen, schrieb ich ein Paar Worte an Herrn Kürbitz: derselbe wird der guten Mutter ein ganz kleines Geldchen überreichen, von dem als von einer „Ehrengabe“ kleinsten Stils gar nicht geredet werden soll. Vielleicht stopft es etwas für den Monat September noch die Kasse der guten Mutter aus, die mich, in aller Noth des Augenblicks, durchaus noch beschenken will. (Herrn Kürbitz habe ich genau denselben Auftrag gegeben, wie das letzte Mal; er wird denken, daß Du wieder etwas für mich besorgen sollst) — Ich habe diesen Sommer recht ökonomisch gelebt: wozu mir Deine schönen Naumburger Sendungen wesentlich geholfen haben.

Ein Brief meines Freundes Overbeck, der seit Monaten geschwiegen hatte, gab Nachricht von einem langen und schweren Erschöpfungs-Zustand, aus dem er nur sehr langsam auftaucht. Er hat jetzt ein eignes Haus in Basel, aber er hat vergessen, auch nur ein Wort davon zu schreiben. Frau Rothpletz soll 3 Tage gar nicht weit von hier gewesen sein, aber im Schrecken über unsren vollkommenen Winter schnell die Flucht ergriffen haben. Das Letzte war eine höchst bedenkliche Überschwemmung, bei der aller Ort schwer zu Schaden gekommen, mit Ausnahme von Sils, das bei Zeiten (vor 20 Jahren) große Dämme aufgeworfen hatte. Trotzdem war auch hier Alles ein See; und man konnte längere Zeit nicht spazieren gehn. Der Regen, mit Schnee untermischt, floß Tag und Nacht; es ist in 4 Tagen 3 Mal so viel gefallen als sonst in einem Monat. —

Heute morgen habe ich noch einen wohlgemuthen Brief an’s Lama abgeschickt. Es nützt gar nichts, sich über Dinge, in die wir nicht klar sehn, Sorgen zu machen. Nach dem, was Du von Claire Heinze erzählst, nehme ich an, daß man in Leipzig viel Bestimmteres weiß als in Naumburg. Die Leipziger Colonial-Gesellschaft muß ja vollkommen über die Vertrags-Bedingungen unterrichtet sein, unter denen die dortige Regierung sich mit Förster eingelassen. Sie selbst hat offenbar nicht das Gleiche versprechen können. Wir sind in der That über die Hauptsachen nicht unterrichtet: ich merke das jedes Mal, wenn meine guten Köchlin’s in Nizza darüber Auskunft haben wollen. Dann fragen sie wohl der Reihe nach „ist Dr. Förster reich, um ein so ungeheures Besitzthum an sich zu bringen?“

Dann „steht wohl eine Colonial-Gesellschaft hinter ihm?“ — „Oder ein großes deutsches Bankhaus?“ — „Aber er wird sich das Geld doch nicht geborgt haben?“ — Colonien gründen ohne Einiges sogar zu viel zu haben, soll kaum möglich sein. Es steht da wie mit den großen Hôtels. Die erste Gesellschaft risquirt sich dabei; die zweite, die es billig übernimmt, gedeiht.

Wie viele große Schweizer Vermögen sind mit Colonie-Gründung in Südamerika drauf gegangen! — Das Ermuthigende liegt hier genau in dem Vertrauen der Paraguayer: man darf durchaus nicht annehmen, daß sie bloß auf persönliche Sympathie hin Förster eine so große Sache in die Hände gegeben haben, sondern auf wirkliche Garantien hin. Zuletzt sind es Südamerikaner — sehr kluge Leute. Offen gesagt, wenn die vertrauen, dürfen wir es hundert Mal. —

2ter Bogen

— In diesem Augenblick trifft Deine Sendung ein — großes Vergnügen! Ich habe sofort den Kamm probirt und ihn bereits achten gelernt. Diese kleine Arbeit der Reinigung jeden Abend vor Schlafengehn wird mit diesem gründlichen Instrument mir noch mehr zu Nutzen kommen. Insgleichen kam die sehr vermißte Brille an, an der ein Arm zerbrochen war. Die Theemaschine mag hier bleiben; für unterwegs habe ich nicht den geringsten Platz mehr. — Sehr erbaut bin ich nun doch noch die Federn bekommen zu haben: denn es ist in meinem Leben, einem rechten Schreibthier-leben, eine Sache ersten Ranges, für sich selber lesbar zu schreiben. Dies hatte im Frühling vollkommen aufgehört. Es thut mir nur leid, daß die Besorgung Dir so viel Noth gemacht hat. Eine Postkarte nach Leipzig mit der Adresse „Sönnecke Stahlfederfabrik“ hätte Dir alles erspart. —

Zuletzt: meine gute Mutter, wir wollen nicht den Muth verlieren. Eigentlich glaube ich, daß wir Beide jetzt etwas krank sind und deshalb Alles zu schwer nehmen. Ich bin wirklich krank und denke nicht daran, morgen abzureisen: ich werde einen verdorbenen Magen seit 8 Tagen nicht mehr los. Sobald ich den Brief an Dich expedirt habe, will ich mich zu Bett legen, — der Kopf taugt nichts, Appetit fehlt auch. Meine Hauptsache ist die militärische Genauigkeit im Kleinsten der Lebensweise: ich muß die Versuche und Abweichungen außer allem Verhältnisse büßen. —

Die Reise, meine Mutter, ist nichts Langes. Turin ist Mitte Wegs nach Nizza: so daß ich eigentlich keinen Umweg mache. Vormittags setze ich mich hier in die Post; Mittags bin ich in Chiavenna; Abends in Mailand. Dort bleibe ich die Nacht. Am andren Tage komme ich in 3 Stunden Schnellzug nach Turin. — Eine Reise, wie sonst, nach Venedig und von dort nach Nizza ist doppelt und dreifach so weit. — Es umarmt Dich das alte Geschöpf.

(Vom Schinken lebe ich die nächsten Tage und auf der Reise.)

Adresse: Torino (Italia)

poste restante.

1115. An Franz Overbeck in Basel

<Sils-Maria, 14. September 1888>

Lieber Freund,

mit einer wahren Erleichterung empfieng ich Deinen Brief; denn nach Allem, was ich aus Deinen letzten Berichten schließen durfte, stand es nicht zum Besten um Dich. Eine kleine Wendung zum Guten, mindestens zum Besseren, scheint doch festgestellt. Zuletzt glaube ich, daß die merkwürdige Ungunst der meteorologischen Zustände jede Art Erschöpfung in diesem Jahre bedenklich macht, — ich rede aus Erfahrung. Man ist durchaus nicht isolirt vom ganzen Naturleben: wenn der Wein nicht aus Mangel an Sonne geräth, werden wir auch sauer… Seltsam, daß hier oben uns die stärkste Geduldsprobe bis zuletzt aufgespart war: es gab gerade schauderhafte Zustände die ganze letzte Woche: — ich lag wieder Tage lang wie betäubt. Die Wasser-Masse, die allein in 4 Tagen gefallen ist, beträgt 220 millimeter: während das normale Quantum eines ganzen Monats in Sils 80 mill. ist. Trotzdem war Sils der einzige Ort im Engadin, der ohne Schaden durch diesen Katastrophe (— unerhört in der Geschichte des Engadin!) durchgekommen ist. — Mein Hôtel, die Alpenrose, in der ich immer verkehre, aber allein esse hatte diesen Sommer die Auszeichnung, Herrn Bädecker und Frau aus Leipzig ein paar Monate zu Gaste zu haben: eine wirkliche Censur, auch für Sils! — Ein sehr angenehmer, witziger und raffinirter Musiker, in übrigens glänzenden Verhältnissen, war hier ein Umgang für mich: Herr von Holten, aus Hamburg, vom Conservatorium. Er gab mir ein kleines Privatconcert, wo er lauter Köselitziana (die er sich für mich eingeübt hatte) auswendig spielte, — entzückt „über die feine und liebenswürdige Musik.“ — Bei der Berufung Harnack’s habe ich sehr Deiner gedacht: dieser junge Kaiser präsentirt sich allmählich vortheilhafter als man erwarten durfte, — er ist neuerdings scharf anti-antisemitisch aufgetreten und hat den Beiden, die ihn in der rechten Zeit von der compromittirenden Gesellschaft Stöcker und Co. taktvoll auslösten (Bennigsen und dem Baron v. Douglas) jetzt vor aller Welt seine große Erkenntlichkeit dafür ausgedrückt. — Man sagt mir selbst, daß sein Benehmen gegen seine Mutter hundert Mal rücksichtsvoller ist, als die Parteileidenschaft es in Deutschland und England wünschen möchte. — Darf ich von mir erzählen? In der Hauptsache fühle ich mehr als je die große Ruhe und Gewißheit, auf meinem Wege und sogar in der Nähe eines großen Ziels zu sein. Ich habe, zu meiner eignen Überraschung, bereits das erste Buch meiner Umwerthung aller Werthe bis zur Hälfte in seiner endgültigen Form fertig. Es hat eine Energie und Durchsichtigkeit, welche vielleicht von keinem Philosophen je erreicht worden ist. Es scheint mir, als ob ich mit Einem Male schreiben gelernt hätte. Was den Inhalt, die Leidenschaft des Problems betrifft, so schneidet dieses Werk durch Jahrtausende hindurch — das erste Buch, unter uns gesagt, heißt „der Antichrist“, und ich will schwören, daß Alles, was je zur Kritik des Christenthums gedacht und gesagt worden, eitel Kinderei dagegen ist. — Ein solches Unternehmen macht tiefe Pausen und Distraktionen selbst hygienisch nöthig. Eine solche wird in etwa 10 Tagen bei Dir aufwarten: sie heißt „der Fall Wagner. Ein Musikanten-Problem.“ Es ist eine Kriegserklärung ohne Pardon — mein Verleger meldet mir, daß schon seit ein paar Wochen (auf die erste Ankündigung im Buchhändler-Blatt) so viel Bestellungen darauf eingelaufen sind, daß die Auflage von 1000 Ex. als erschöpft gelten kann. — Auch ein zweites Manuscript, vollkommen druckbereit, ist bereits in den Händen des Herrn C. G. Naumann. Doch wollen wir es einige Zeit noch liegen lassen. Es heißt „Müssiggang eines Psychologen“ und ist mir sehr werth, weil es in der allerkürzesten (vielleicht auch geistreichsten) Form meine wesentliche philosophische Heterodoxie zum Ausdruck bringt. Im Übrigen ist es sehr „zeitgemäß“: ich sage über alle möglichen Denker und Künstler des heutigen Europa meine „Artigkeiten“ — eingerechnet, daß darin den Deutschen in puncto Geist, Geschmack und Tiefe* die unerbittlichsten Wahrheiten ins Gesicht gesagt werden. —

In wenig Tagen will ich nach Turin abreisen: der Versuch, den Herbst daselbst kennen zu lernen, nachdem mir der Frühling so ausnahmsweise gut gethan hat, ist nicht zu unterlassen. Es wäre mir eine große Wohlthat, mein Leben für eine Anzahl tief arbeitsamer und innerlich entscheidender Jahre in die regelmäßige Ordnung Sils, Turin, Nizza, Turin, Sils usw. gebracht zu haben. Für Nizza habe ich eine Neuerung nöthig: mich vollkommen so unabhängig in Diät und Gesellschaft zu machen, als ich es in Sils bin. Ich habe entdeckt, daß die unnöthige Verdüsterung und selbst ein gewisses Mißrathen fast aller meiner Nizzaer Winter an Concessionen liegt, die ich in diesen beiden Punkten gemacht. Genau so war’s in Sils: erst seit vorigem Sommer stehe ich auf meinen Füßen — und seitdem erst weiß ich, wie unschätzbar gerade mir dies Sils ist. — Ich habe für meine Lebensweise keine andere Kritik als das Maaß meiner Arbeits-Kraft. Im vorigen Sommer schrieb ich die drei Abhandlungen der „Genealogie“ in weniger als einem Monate druckfertig; in diesem habe ich jenen „psychologischen Müßiggang“ in 20 Tagen abgemacht. — Diese Leistungs-Fähigkeit drückt sich besonders auch in der Sehkraft aus: während jeder Diätfehler, jedes böse Wetter mich sofort darin depotenzirt. — Es bleibt Etwas zu erzählen, aber, alter Freund, privatissime unter uns. Man hat mir, von Berlin aus, seitens „unbekannt bleiben wollender“ Freunde und Verehrer (unter denen aber Prof. Deussen als Vermittler und wahrscheinlich Hauptbetheiligter sich zu erkennen gegeben hat) eine „Ehrengabe“ von 2000 Mark zugestellt. Ich habe dieselbe, mit ausdrücklicher Ablehnung des Gedankens, als ob ich in einer Nothlage wäre und mit einem Ausdruck der Dankbarkeit für die Basler Liberalität, nur in Hinsicht der Nöthigung, meine Schriften selbst drucken zu müssen, acceptirt. Thatsächlich kam das Geld sehr zur rechten Zeit, — ich athme in dieser absurden Druck-Necessität wieder freier. — Nach dieser Seite hin werde ich also die Basler Ersparnisse nicht in Anspruch nehmen. — Die 1000 frs., welche zunächst fällig werden, bitte ich mir erst für Nizza, das heißt ungefähr für den 16. November (ha! was für ein Tag!) aus. Du erräthst, daß ich eine kleine Ökonomie getrieben habe, sowohl in Turin, wie hier, so daß ich es ein paar Monate noch aushalte. —

Verzeihung, lieber Freund! Ich sehe eben, daß der Brief etwas zu lang für Deine Gesundheit gerathen sein möchte. Mit dem allerbesten Wunsche und der Bitte, Deiner lieben Frau angelegentlich empfohlen zu werden bin ich in alter Liebe und Anhänglichkeit

Dein Nietzsche.

Adresse, etwa vom 18. Sept. an bis 14. Nov. Torino (Italia) ferma in posta.

Die große Hochzeit daselbst, Savoyen-Bonaparte, soll erst vorüber sein. Jetzt sind alle Hôtels dort überfüllt.

1116. An Unbekannt (Entwurf)

<Sils-Maria, Mitte September 1888>

Werthester Herr

es ist eben eine Schrift von mir erschienen, die gegen W<agner> gerichtet ist. Ich bitte es mir nicht übel zu deuten, wenn ich dieselbe Ihnen nicht zuschicke. Ich sende sie an Niemanden (weder „Mensch“ noch „Zeitung“), dessen antiwagnersche Gesinnung mir bekannt ist. Gründe dafür verlangen Sie gewiß nicht…

1117. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)

<Sils-Maria, Mitte September 1888>

Prof. Dr. Friedrich Nietzsche.

Abreise von Sils am 16. Sept (nicht

am 15.)

Ich ersuche bis dahin um Mittheilung. —

1118. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria d. 15 Sept. 1888

Geehrtester Herr Verleger,

heute morgen habe ich die neue Schrift von Anfang bis Ende durchgesehen — sie ist fehlerfrei. Ein Paar feine Veränderungen, auch hinsichtlich der Zeilen-Anordnung, gehn vermuthlich auf Herrn Köselitz zurück. In der That macht die Ausstattung der Schrift den Eindruck, den ich wünsche — ich drücke Ihnen meine volle Anerkennung dafür aus, so gut mich in dieser Hauptsache berathen zu haben. — Daß ich den Epilog hinzuschrieb, scheint mir jetzt der allerglücklichste Einfall: ich habe damit diesen Einzelheit „den Fall Wagner“ in Zusammenhang mit meiner Gesamt-Tendenz gebracht. Zuletzt werden die fünf letzten Seiten der Schrift über mich mehr Aufklärung geben, als irgend welche Essay’s und Abhandlungen zu geben vermöchten, vorausgesetzt, was vielleicht vorausgesetzt werden darf, daß die Schrift in viele Hände und vor viele Augen kommt.

Inzwischen habe ich auch etwas Anderes begriffen: daß jetzt eine weitere Publikation unzulässig ist. Sie würde den Eindruck dieser Schrift stören, brechen, — sie würde die Nothwendigkeit, sich einmal nach meinen früheren Schriften umzusehn, eine sehr wünschbare Nothwendigkeit, beinahe aufheben. — Nehmen Sie also, werthester Herr Verleger, das übersandte Ms. eine Zeitlang (— sagen wir vorläufig bis Ostern des nächsten Jahrs) in Gewahrsam. Es ist mir lieb, wenn Sie es mir nicht zurückschicken, — man muß, als Denker, sich vor allem Fertigen, Abgemachten zu schützen wissen (— ich habe deshalb fast nie meine eignen Schriften bei mir —)

— Ich schrieb an Dr. Brandes nach Kopenhagen, ob er mir noch ein paar französische und russische Adressen, die in diesem Falle in Betracht kommen könnten, zu geben wisse. Sehen Sie zu, daß er als Einer der Ersten die Schrift erhält. —

Eben höre ich, daß auch Hans von Bülow eine Schrift dies Problem betreffend herausgiebt. Sehr erwünscht: wir sind die beiden Einzigen, die Muth und Kenntniß aller Intimitäten des „Falls Wagner“ besitzen… Auch er soll so schnell wie möglich die Schrift erhalten.

Mit dem besten Wunsche
und angelegentlichsten
Danke Ihr
Dr. F. Nietzsche.

— Es versteht sich von selbst, daß ich Ihrer Termin-setzung 22.Sept. in jedem Betracht Folge leiste.

1119. An Heinrich Köselitz in Buchwald

Sils-Maria, d. 16. Sept. 88

Lieber Freund,

unsre Briefe haben sich gekreuzt, — dies ist aber am wenigsten ein Grund, Ihnen nicht sofort zu antworten. Denn Ihr Brief kam sehr willkommen, zumal gar keine Briefe mich mehr erreichen: alle Welt glaubt mich abgereist. Ich wäre es gern: aber was hilft es! Die „höhere“ Naturgewalt, nachdem sie mich den ganzen sogenannten Sommer hindurch hier oben maltraitirt hat, hält mich zuletzt noch hier oben fest… Ich schrieb heute nach Turin, wo ich mich angemeldet hatte, „Non si può partire. Grandi inondazioni. La ferrovia Chiavenna-Colico molte volte interrotta“. — Der Postmeister will mir melden, wenn Alles in Ordnung ist: eine Woche sitze ich wohl noch fest. — Das Wetter ist zum Glück mild und nicht September… Ich habe beim Schreiben eben als Unterlage das erste fertige Exemplar vom „Fall Wagners“… Naumann meldet, daß die öffentliche Versendung am 22. September beginnt. — Beim sorgsamen Durchlesen der Schrift fand ich zwanzig Gründe mehr, Ihnen dankbar zu sein. Eine ganze Anzahl feiner technisch-buchdruckerischer Arrangements geht sicher auf Sie zurück. Daß in dem Bücher-Verzeichniß auf der Rückseite die „Unzeitgemäßen Betrachtungen“ fehlen, ist geradezu bewunderungswürdig. — In Einem Fall von Correktur haben Sie Recht, — aber ich auch: „seinen Geschmack an Jemanden verlieren“ (Accusativ) ist nur eine andre Nuance als „an Jemandem“. — Ich war beim Durchlesen äußerst erbaut, den „Epilog“ hinzugeschrieben zu haben: das Niveau der Schrift erhebt sich damit ungeheuer, — sie erscheint nicht mehr als Einzelnheit, als Curiosum inmitten meiner Aufgabe. — Daß ich unsern jungen deutschen Kaiser als einen „unästhetischen Begriff“ bezeichnet habe, wird man schon heraushören… Übrigens gefällt er mir immer mehr: er thut fast jede Woche einen Schritt, um zu zeigen, daß er weder mit „Kreuzzeitung“, noch mit „Antisemitismus“ verwechselt werden will. Gestern sandte ich ein dickes Packet Fuchsiana an Sie ab, — die Briefe sind zum Theil hochbelehrend und immer sehr geistreich. Er hat mich besonders noch drum gebeten, in einer letzten Karte, Ihnen seinen Brief über Riemann zu lesen zu geben. — Die Gesundheit bei mir wackelt wieder: ich bin seit 10 Tagen meines Lebens nicht mehr froh geworden, — habe auch heute wieder das Mittagsessen weislich unterlassen. — Ihre prachtvolle vornehme Wald- und Schloß-Wildniß, eingerechnet die „Wilden und Zahmen“, die in ihr wandeln, macht mir viel Vergnügen. Irgendwer erzählte mir, daß Ihre v. Krauses in Beziehungen zum Grafen Hochberg stünden: leider ist letzterer nun auch ad acta gelegt, irgendein unzweideutiger Wagnerianer soll sein Nachfolger werden. — Im Grunde bin ich dieses Mal neugierig, was man mit meiner „Kriegserklärung“ gegen Wagner anfängt. Herrn Naumann habe ich bereits gemeldet, daß wir jetzt unter keinen Umständen etwas Neues herausgeben dürfen: es würde die Wirkung brechen und beinahe annulliren (— bis Ostern darf das übersandte Manuscript in Leipzig warten) —

Meine Absicht bleibt immer noch, Turin für den Herbst zu versuchen: Mitte November etwa Nizza, doch mit einigen wesentlichen Änderungen der Lebensweise daselbst (— Freiheit in der Diät und gegen alle Gesellschaft: ein Zustand, wie er hier in Sils erreicht ist —) Sonst möchte ich diesen auch räumlich kleinen Kreislauf festhalten: Sils, Turin, Nizza, Turin, Sils.

Es grüßt Sie lieber Freund, auf das Herzlichste

Ihr
Nietzsche.

— Ich habe dem Avenarius den „Fall“ auch zugeschickt: sollten Sie wirklich noch eine Absicht haben, sich drüber zu äußern, so geben Sie, bitte, umgehend dem Avenarius eine Mittheilung davon, — damit er niemand anders beauftragt. N.B. Wollen Sie gefälligst die Recension an Dr. Fuchs, Danzig zurücksenden? — Die Briefe selber nicht an mich zurück. —

1120. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm).

<Sils-Maria, 18. September 1888>

druck einverstanden vorwaerts turin — nietzsche

1121. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils, d. 18 Sept. 1888

Geehrtester Herr Verleger,

sehr überrascht, aber noch mehr erbaut davon, daß Sie sofort an den Druck des „Müßiggangs“ gegangen sind. Meine Bedenken im letzten Brief ausgedrückt kommen gegen die Bedenken, die mein erster Brief über dies Thema enthielt, nicht in Betracht. Um jenes außerordentlich ernste Werk, die Umwerthung aller Werthe herausgeben zu können, bedarf es wirklich eines Jahrs zum Mindesten von Zwischenraum, Zwischenzeit in Hinsicht auf frühere Publikationen. Vielleicht nehmen wir, um die beiden Schriften nicht zusammen zu werfen, einen Termin von 1—2 Monaten an, in dem dann die zweite Schrift erscheint. Soviel bedingt zuletzt auch schon der Druck. —

Daß ich noch nicht in Turin bin, ist Folge der ungeheuren Überschwemmungen, die Engadin und Oberitalien erfahren haben. Die Eisenbahn Colico-Chiavenna ist noch nicht hergestellt: doch verspricht man’s für die allernächsten Tage. — Ich bitte also von jetzt ab nach Torino (Italia) ferma in posta zu adressiren. —

Die Adresse des Herrn Köselitz wird noch für 2 Wochen ungefähr diesen sein:

Buchwald b/Wurchow

(Hinterpommern)

mit der Neben-Adresse

S‘Hochwohlgeboren

Herrn von Krause

Anbei folgt das Vorwort, das gilt. — Was ich Ihnen bisher als Vorwort geschickt habe (das gestrichne Stück natürlich abgerechnet), ist von mir noch etwas fortgesetzt worden, so daß es jetzt in das Buch kommen soll — und zwar an vorletzter Stelle. (— den Schluß bilden die „Streifzüge eines Unzeitgemäßen“) Wir wollen dem Aufsatz den Titel geben:

Was den Deutschen abgeht.

Er hat jetzt, mit seiner Verlängerung, die ich Ihnen heute übersende, im Ganzen 7 kleine Abschnitte. Entsprechend muß auch in der Inhalts-Angabe dieser Titel eingetragen werden. —

Das Vorwort ist jetzt viel kürzer — und zweckentsprechender. —

Ich telegraphirte heute morgen, nur um Sie über den Druck nicht irre werden zu lassen.

Hochachtungsvoll Ihr
ergebenster
Dr Nietzsche

— Es ist mir sehr lieb, auf diesen Weise den Winter frei zu bekommen. —

1122. An Heinrich Köselitz in Buchwald

Turin, den 27. Sept 88

Lieber Freund,

heute traf Ihre am 24ten von Wurchow abgegangene Correktur des Bogen 2 hier ein, zugleich mit Naumann’s Sendung vom 25ten (der 4te Druckbogen) Im Grunde dürfte die Verbindung Berlin—Turin erheblich schneller sein, als Wurchow—Turin. Die Sache geht auch nicht mehr lange; es werden wahrscheinlich 6 Bogen sein oder ein Weniges mehr. Eine letzte Revision thut nicht noth; das Manuscript war viel besser vorbereitet als das Wagner-Pamphlet.

Was den Titel angeht, so kam Ihrem sehr humanen Einwände mein eignes Bedenken zuvor: schließlich fand ich aus den Worten der Vorrede die Formel, die vielleicht auch Ihrem Bedürfnisse genugthut. Was Sie mir von der „großen Artillerie“ schreiben, muß ich, mitten im Fertig-machen des ersten Buchs der „Umwerthung“, einfach annehmen. Es läuft wirklich auf horrible Detonationen hinaus: ich glaube nicht, daß man aus der ganzen Litteratur ein Seitenstück zu diesem ersten Buche in puncto Orchesterklang (eingerechnet Kanonendonner) findet. — Der neue Titel (der an 3 bis 4 Stellen ganz bescheidne Veränderungen nach sich zieht) soll sein:

Götzen-Dämmerung.

Oder:

wie man mit dem Hammer philosophirt.

Von

F. N.

Der Sinn der Worte, zuletzt auch an sich errathbar, ist, wie gesagt, das Thema der kurzen Vorrede. — Der erste Brief über den „Fall“ war von Gersdorff. Er schreibt auch vom Löwen-Duett (ex ungue leonem —) „Das ist Musik, wie ich sie liebe. Wo sind die Ohren, sie zu hören, wo die Musikanten, sie zu spielen?“ — Ein Curiosum, das Gersdorff mittheilt und das mich sehr erbaut: G<ersdorff> ist Zeuge eines rasenden Wuthausbruchs Wagners gegen Bizet gewesen, als Minnie Hauck in Neapel war und Carmen sang. Auf dieser Grundlage, daß W<agner> auch hier Partei genommen hat, wird meine Bosheit an einer gewissen Hauptstelle viel schärfer empfunden werden. Übrigens warnt mich Gersdorff ganz ernsthaft vor den Wagnerianerinnen. — Auch in diesem Sinne wird der neue Titel Götzen-Dämmerung gehört werden, — also noch eine Bosheit gegen Wagner…

Alter Freund, Sie sind noch gar nicht auf meiner Höhe mit Ihrer Auseinandersetzung über Dativ und Nominativ beim Gottesbegriff. Der Nominativ ist ja der Witz der Stelle, ihr zureichender Grund zum Dasein…

Meine Reise hatte Schwierigkeiten und Geduldsproben schlimmer Art: ich kam Mitternachts erst nach Mailand. Das Bedenklichste war eine lange Passage Nachts in Como durch überschwemmtes Terrain auf einem ganz schmalen Holzbrett-Brückchen — bei Fackelbeleuchtung! Ganz wie gemacht für mich Blindekuh! — Durch die schlaffe und widrige Luft der Lombardei erschöpft kam ich in Turin an: aber seltsam! wie im Ruck war Alles in Ordnung. Wunderbare Klarheit, Herbstfarben, ein exquisites Wohlgefühl auf allen Dingen. In zwei Hauptsachen, nämlich Wohnung und trattoria, ist mein zweitmaliges Erscheinen in der allerwillkommensten Weise empfunden worden. Ordnung, Reinlichkeit, Aufmerksamkeit in ersterer um 50 Procent gewachsen; die Güte in Qualität und Quantität in der tratt<oria> um 100, ohne daß hier oder dort die sehr mäßigen Preise verändert wären. Auch habe ich hier meinen ersten Schneider, der mir recht arbeitet. — Fünf Schritt von mir ist die größte piazza, mit dem alten mittelalterlichen Castell: auf ihm ist ein reizendes kleines Theater, vor dem man Nachts (von 8 1/4) im Freien sitzt, sein gelato ißt und jetzt gerade allerliebst die französische Operette Mascotte von Audran hören kann (— mir sehr gut bekannt von Nizza) Diese in keinem Punkte gemein werdende Musik, mit soviel hübschen, geistreichen kleinen Melodien, gehört ganz in die idyllische Art Sein, die ich jetzt Abends nöthig habe. (Das Gegenstück dazu: der Zigeunerbaron von Strauß: ich lief mit Ekel und bald davon — die zwei Arten der deutschen Gemeinheit, die animalische und die sentimentale, nebst ganz schauderbaren Versuchen, hier und da den gebildeten Musiker zu zeigen: Himmel! Was sind im Geschmack uns die Franzosen über!) — Das Wetter läßt zu wünschen. Aber ich vertrage hier das schlechte Wetter besser und habe noch keinen Tag zur Arbeit verloren. Es grüßt Sie, lieber Freund, mit den allerherzlichsten Wünschen für Berlin und was daran hängt, Ihr N.

— Zuletzt habe ich mich nicht einmal für Ihren guten Brief bedankt, aus dem mir die “Worte „voll der merkwürdigsten, sonderbarsten, unbegreiflichsten Eindrücke“ im Gedächtniß geblieben sind.

1123. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin,> 28. Sept. <1888>

Meine liebe Mutter, nur eine Karte, um Dich zu benachrichtigen, wie es dem alten Geschöpf in Turin geht, wo es am 21. Sept. eingetroffen ist. Obwohl das Wetter auch hier unsicher ist, so thut mir doch die ganze Existenz hier wieder über die Maaßen wohl, — ich habe noch keinen Tag Arbeit eingebüßt und bin unvergleichlich besser dran als im Engadin. Turin ist auch der einzige Ort, wo meine Nahrung vollkommen meinen sehr persönlichen Bedürfnissen entspricht. Ein wahrer Glücksfund für mich, dies Turin! — Zum zweiten Mal angelangt, erfreue ich mich einer großen Zunahme an Aufmerksamkeit und Entgegenkommen. Ein neuer eleganter Herbst-Überzieher ist auch da. — Der Schinken war für die Reise, die sehr angreifend war, unschätzbar: ich werde ander Mal Dich bitten, mich ebenso zu versorgen. Zum ersten Mal seit Jahren nicht unterwegs krank geworden. — Sehr in Arbeit. — Dein Dich umarmender

F.

1124. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 4. Okt. 1888

Geehrtester Herr Verleger,

anbei sende ich noch vier Seiten Ms., die in den letzten Abschnitt „Streifzüge eines Unzeitgemässen“ eingeschoben werden mögen. Nicht gerade gegen das Ende hin: wir wollen die letzten 10 Nummern ungefähr die letzten sein lassen. Aber vorher, es liegt wenig daran, wo die Einschiebung gemacht wird. —

Den dritten Bogen mit der Correctur sandte ich Ihnen an dem Tage, an dem von Ihnen der 4te einlief. Zu meiner Verwunderung hat Herr Köselitz (dessen Adresse seit einiger Zeit Berlin poste restante ist) ihn bis heute mir nicht zugeschickt.

Ein böser Fehler im „Fall Wagner“ Seite 20, dritte Zeile von unten Das letztere statt Der letztere. Ich glaubte, das noch corrigirt zu haben. — Mit ergebenstem Gruß Ihr Dr. Nietzsche.

Befinden bedeutend verbessert. Mein Sommer war ganz unerträglich. —

1125. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, Anfang Oktober 1888>

Bitte, umgehend drei Exemplare an diese Adresse zu senden: Madame la Baronne M. de Meysenbug

Versailles

France Villa Amiel

Ich projektire eine französische Ausgabe des „Fall Wagner“

1126. An Malwida von Meysenbug in Rom

Turin, den 4. Okt. 1888

Verehrteste Freundin,

eben gab ich meinem Verleger Auftrag, umgehend drei Exenrplare meiner eben erscheinenden Schrift Der Fall Wagner.

Ein Musikanten-Problem an Ihre Versailler Adresse abgehn zu lassen. Diese Schrift, eine Kriegserklärung in aestheticis, wie sie radikaler gar nicht gedacht werden kann, scheint eine bedeutende Bewegung zu machen. Mein Verleger schrieb, daß auf die allererste Meldung von einer bevorstehenden Schrift von mir über dies Problem und in diesem Sinne soviel Bestellungen eingelaufen sind, daß die Auflage als erschöpft gelten kann. — Sie werden sehn, daß ich bei diesem Duell meine gute Laune nicht eingebüßt habe. Aufrichtig gesagt, einen Wagner abthun gehört, inmitten der über alle Maaßen schweren Aufgabe meines Lebens, zu den wirklichen Erholungen. Ich schrieb diesen kleine Schrift im Frühling, hier in Turin: inzwischen ist das erste Buch meiner Umwerthung aller Werthe fertig geworden — das größte philosophische Ereigniß aller Zeiten, mit dem die Geschichte der Menschheit in zwei Hälften auseinander bricht…

Diese Schrift gegen Wagner sollte man auch französisch lesen. Sie ist sogar leichter in’s Französische zu übersetzen als ins Deutsche. Auch hat sie in vielen Punkten Intimitäten mit dem französischen Geschmack, das Lob Bizet(s) am Anfang würde sehr gehört werden. — Freilich, es müßte ein feiner, ein sogar raffinirter Stilist sein, um den Ton der Schrift wiederzugeben —: zuletzt bin ich selber jetzt der einzige raffinirte deutsche Stilist. —

Ich wäre sehr erkenntlich, wenn Sie in diesem Punkte den unschätzbaren Rath von Ms. Gabriel Monod einholen wollten (— ich hätte diesen ganzen Sommer Anlaß gehabt, einen andren Rath einzuholen, den des Ms. Paul Bourget, der in meiner nächsten Nähe wohnte: aber er versteht nichts in rebus musicis et musicantibus: davon abgesehn wäre er der Uebersetzer, den ich brauchte —)

Die Schrift, gut ins Französische übersetzt, würde auf der halben Erde gelesen werden: — ich bin in dieser Frage die einzige Autorität und überdies Psychologe und Musiker genug, um auch in allem Technischen mir nichts vormachen zu lassen.

— Ihren gütigen Brief, hochverehrte Freundin, habe ich mit wahrer Rührung gelesen. Sie haben einfach Recht — ich auch…

Ihnen das Allerherzlichste von Seiten eines alten Freundes wünschend —

Meine Adresse bleibt bis Mitte November, vielleicht noch länger

Torino (Italia) ferma in posta

Mit der Bitte, mich dem verehrten Kreise, in dem Sie leben, angelegentlich zu empfehlen.

N.

Exemplare der Schrift sind vom Verleger gesandt an die Revue, an das Journal des débats und den Figaro.

Eben finde ich noch bei mir ein Exemplar der Schrift. Vielleicht wissen Sie ein Paar für die Frage dieses Briefes noch in Betracht kommende Personen, denen dann ein Exemplar zugedacht sein mag. —

1127. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Turin, Sonnabend <6. Oktober 1888>

Geehrter Herr,

bitte, senden Sie mir umgehend das mit Seite 4 bezeichnete Blatt noch einmal zurück. Gestern ist Bogen 4 mit der Köselitzschen Correktur angelangt und sofort an Sie expedirt worden.

Ergebenst
Dr Nietzsche

1128. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Torino (Italia) ferma in posta am 9. Oct. 1888

Lieber Freund, dies Mal ersuche ich Dich nur um ein Citat aus meinen eignen Schriften, die ich, meiner Gewohnheit nach, nicht bei mir habe. In Menschliches Allzumenschliches Erster Band habe ich in dem Abschnitt, der vom Staat handelt, die Demokratie als die Verfalls-Form des Staates bezeichnet. Ich hätte gern die Seitenzahl dieser Stelle. — Seit dem 22. September hier, sobald die Folgen der schrecklichen Überschwemmungen mir die Abreise aus Sils erlaubten. Befinden wesentlich gegen das vom Sommer verbessert, der mir in der unheimlichsten Erinnerung geblieben ist. Hoffentlich darfst Du von Dir dasselbe melden.

Von Herzen ergeben Dein Nietzsche

1129. An Hans von Bülow in Hamburg

Turin, 9. Oktober 1888.

Verehrter Herr,

Sie haben auf meinen Brief nicht geantwortet, — Sie sollen ein für alle Mal vor mir Ruhe haben, das verspreche ich Ihnen. Ich denke, Sie haben einen Begriff davon, daß der erste Geist des Zeitalters Ihnen einen Wunsch ausgedrückt hatte.

Friedrich Nietzsche.

1130. An Heinrich Köselitz in Berlin

Turin, den 14. Okt. 1888

Lieber Freund,

ich werde mich hüten, Ihnen von meinen Recepten zur „himmlischen und irdischen Reconvalescenz“ zu sprechen, da Sie, nicht nur dem Anscheine nach, sich hundert Mal besser auf dies Problem, die „Lösung“ eingerechnet, verstehn. Unter diesen Umständen ist selbst Berlin kein Umstand: es macht mir das größte Vergnügen, Sie gerade dort zu wissen. Selbst Turin ist eigentlich kein Gesichtspunkt mehr. — In Sachen des „Löwen“ hat Bülow nicht geantwortet: was ihm schlecht bekommen ist. Denn dies Mal war ich’s, der ihm einen groben und vollkommen berechtigten Brief geschrieben hat, um ein für alle Mal mit ihm zu Ende zu sein. Ich habe ihm zu verstehn gegeben, daß „ihm der erste Geist des Zeitalters einen Wunsch ausgedrückt habe“: ich erlaube mir jetzt dergleichen. —

Heute kam Bogen 6 von Naumann an; es werden doch wohl noch 2 Bogen mehr. In der That hat man mich mit dieser Schrift in nuce: sehr Viel auf kleinem Raum. —

Eben trifft ein Brief des Professor Deussen aus Madrid ein: er will noch ganz Spanien durchreisen und doch zur rechten Zeit für die Berliner Vorlesungen wieder am Platz sein. „Die Luft von Madrid, einzig an Reinheit, Trockenheit, Dünne und Durchsichtigkeit, — Alles erscheint in einen farbigen Aether getaucht, glänzend, wie ein überfirnißtes Gemälde.“ —

Wissen Sie, wer den „Fall“ zugeschickt bekommt? Die Wittwe Bizet’s. Und zwar auf eifrigste Fürsprache des Dr. Brandes: er nennt sie „die lieblichste charmanteste Frau mit einem kleinen nervösen tic, der ihr sonderbar gut steht, aber ganz echt, ganz wahr und feurig“. Er meint, daß sie etwas deutsch versteht. „Das Kind Bizet’s ist von idealer Schönheit und Lieblichkeit“. —

Er hat ein Exemplar meiner Schrift an den größten schwedischen Schriftsteller, der ganz für mich gewonnen sei, August Strindberg gegeben, er nennt ihn ein „wahres Genie“, nur etwas verrückt. Insgleichen bittet er für ein paar Personnagen der höchsten Petersburger Gesellschaft um Exemplare, die bereits auf mich aufmerksam gemacht sind, so weit dies bei dem Verbot meiner Schriften in Rußland möglich ist: der Fürst Urussow und die Prinzessin Anna Dmitrievna Ténicheff. Das sind „höhere Feinschmecker“…

Die Franzosen haben den Hauptroman Dostoiewsky’s auf die Bühne gebracht. Insgleichen ist eine Oper „Bacchos“ mir im Gedächtniß hängen geblieben, Musik und Dichtung vom Gleichen, der Name ist mir entwischt. Nicht aufgeführt, nur in Aussicht.

Gegen Turin ist Nichts einzuwenden: es ist eine herrliche und seltsam wohlthuende Stadt. Das Problem, innerhalb der besten Quartiere einer Stadt, nahe, ganz nahe ihrem Centrum, eine Einsiedler-Ruhe, in ungeheuer schönen und weiten Straßen zu finden — dies für Großstädte anscheinend unlösbare Problem ist hier gelöst. Die Stille ist hier noch die Regel, die Belebtheit, die „Großstadt“ gleichsam Ausnahme. Dabei annähernd 300 000 Einwohner.

Das Wetter ist seit einigen Tagen von Nizzahafter Reinheit und Leuchtkraft der Farben, nur etwas zu frisch für mich, der ich durch die Engadiner Winter-Einsperrung geradezu eine Angst vor dem neuen Winter im Leibe habe. Seit Juni habe ich gefroren und wie! Ohne jedwedes Gegenmittel! — Es kommt dazu, daß meine Gesundheit über einen choc nicht hinwegkommt, der durch eine etwas zu lange Dysenterie (Kolik auf deutsch) bedingt ist. Ich glaubte zuerst an Vergiftung: doch haben die normalen Mittel Bismuth und Dower’sches Pulver ihre Schuldigkeit gethan. Immerhin resultirt eine Entkräftung daraus, die auch gegen Kälte empfindlicher macht. —

Es grüßt und umarmt Sie auf das Herzlichste Ihr getreuer Freund

Nietzsche

Soeben, am 15. Morgens, finde ich einen liebenswürdigen Gratulationsbrief vor: schönsten Dank! Um so mehr, als es der einzige ist! — Daß ein Orchester Ihnen wohlthut, erfreut mich über die Maaßen, — Ihre Reise bekommt immer mehr Sinn, — zuviel bereits…

Bogen 6 eben ab an Naumann.

1131. An Malwida von Meysenbug in Rom

Turin, den 18. Okt. 1888

Verehrte Freundin,

das sind keine Dinge, worüber ich Widerspruch zulasse. Ich bin, in Fragen der décadence, die höchste Instanz, die es auf Erden giebt: diesen jetzigen Menschen, mit ihr<er> jammervollen Instinkt-Entartung, sollten sich glücklich schätzen, Jemanden zu haben, der ihnen in dunkleren Fällen reinen Wein einschenkt. Daß dieser Hanswurst es verstanden hat, von sich den Glauben zu erwecken (— wie Sie es mit verehrungswürdiger Unschuld ausdrücken), der „letzte Ausdruck der schöpferischen Natur“, gleichsam ihr „Schlußwort“ zu sein, dazu bedarf es in der That des Genie’s, aber eines Genie’s der Lüge… Ich selber habe die Ehre, etwas Umgekehrtes zu sein — ein Genie der Wahrheit — —

Friedrich Nietzsche.

1132. An Franz Overbeck in Basel

Turin, den 18. Okt. 1888

Lieber Freund,

ich machte gestern, mit Deinem Brief in der Hand, meinen gewohnten Nachmittags-Spaziergang außerhalb Turins. Reinstes Oktoberlicht überall; der herrliche Baumweg, der mich ungefähr eine Stunde dicht am Po entlang führte, vom Herbste noch kaum berührt. Ich bin jetzt der dankbarste Mensch von der Welt — herbstlich gesinnt in jedem guten Sinne des Wortes: es ist meine große Erntezeit. Alles wird mir leicht, Alles geräth mir, obwohl schwerlich schon Jemand so große Dinge unter den Händen gehabt hat. Daß das erste Buch der Umwerthung aller Werthe fertig ist, druckfertig, das melde ich Dir mit einem Gefühle, für das ich kein Wort habe. Es werden vier Bücher; sie erscheinen einzeln. Dies Mal führe ich, als alter Artillerist, mein großes Geschütz vor: ich fürchte, ich schieße die Geschichte der Menschheit in zwei Hälften aus einander. — Mit jener Schrift, über die ich im letzten Brief eine Andeutung machte, sind wir bald am Ende: es ist, um mir möglichst wenig Zeit von meiner jetzt ganz unschätzbaren Zeit zu nehmen, mit ausgezeichneter Präcision gedruckt worden. Dein Citat aus „Menschl. Allzumenschl.“ kam vollkommen zur rechten Zeit, um eingetragen zu werden. — Diese Schrift ist bereits eine hundertfache Kriegserklärung, mit einem fernen Donner im Gebirge; im Vordergrund viel „Lustiges“, von der Art meiner bedingten Lustigkeit… Man kann sich zum Erstaunen leicht mit dieser Schrift über meinen Grad von Heterodoxie unterrichten, die in der That keinen Stein auf dem andern läßt. Gegen die Deutschen gehe ich darin in ganzer Front vor: Du wirst Dich nicht über „Zweideutigkeit“ zu beklagen haben. Diese unverantwortliche Rasse, die alle großen malheurs der Cultur auf dem Gewissen hat und in allen entscheidenden Momenten der Geschichte etwas „Andres“ im Kopfe hatte (— die Reformation zur Zeit der Renaissance; Kantische Philosophie, als eben eine wissenschaftliche Denkweise in England und Frankreich mit Mühe erreicht war; „Freiheits-Kriege“ beim Erscheinen Napoleon’s, des Einzigen, der bisher stark genug war, aus Europa eine politische und wirtschaftliche Einheit zu bilden —) hat heute „das Reich“, diesen Recrudescenz der Kleinstaaterei und des Cultur-Atomismus, im Kopfe, in einem Augenblicke, wo die große Werthfrage zum ersten Mal gestellt wird. Es gab nie einen wichtigeren Augenblick in der Geschichte: aber wer wüßte Etwas davon? Das Mißverhältniß, das hier zu Tage tritt, ist vollkommen nothwendig: im Augenblick, wo eine noch nie geahnte Höhe und Freiheit der geistigen Leidenschaft Besitz ergreift von dem höchsten Problem der Menschheit und für deren Schicksal die Entscheidung heraufbeschwört, muß sich die allgemeine Kleinheit und Stumpfheit um so schärfer dagegen abheben. Gegen mich giebt es durchaus noch keine „Feindschaft“: man hat einfach keine Ohren für irgend Etwas von mir, folglich weder ein Für, noch ein Wider*…

Lieber Freund, lege, wenn ich bitten darf, auch noch die 500 frs. von denen Du schreibst, bei der Handwerkerbank nieder. Ich muß jetzt mit aller Kraft Ökonomie machen, um den außerordentlichen Druckkosten der nächsten drei Jahre gewachsen zu sein. (Ich nehme also an, daß die am 1. Oktober fällig gewordenen 1000 frs. jetzt ganz daselbst deponirt sind.) Ende Dezember werde ich dann freilich die 500 frs. sehr dringend nöthig haben. Mein Plan ist, bis zum 20. November hier auszuhalten (— ein etwas frostiges Vorhaben, da der Winter früh kommt!) Dann will ich nach Nizza und daselbst, mit vollkommenem Bruch aller bisherigen usances, mir die Existenz herstellen, die ich jetzt brauche. Ich habe bisweilen auch an Bastia auf Corsica gedacht: doch fürchte ich mich, mitten in der tiefen Selbstbesinnung, die mir noth thut, vor dem Experiment und seinen Gefahren.

Herr Köselitz ist nach Berlin übergesiedelt; seine Briefe athmen die allerbeste Seelenverfassung, die man auf Erden wünschen kann. Auch geschieht Etwas für ihn: darüber einmal später. Adresse: Berlin SW. Lindenstraße 116 IV 1. —

Es grüßt Dich und Deine liebe Frau auf das Dankbarste

Dein Nietzsche

1133. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin> d. 19. Okt. 1888

Dies Mal hat die alte Mutter den Geburtstag des alten Geschöpfs vergessen, der, wenn ich mich nicht irre, auf den 15ten Oktober fällt. Eben traf Dein guter Brief ein, es freut mich, daß die häuslichen Sorgen ein wenig kleiner geworden sind. Hier geht es immer besser; Tag für Tag ein Wetter von vollkommen unbeschreiblicher Reinheit und Lichtfülle — ich habe noch nirgendswo einen solchen Herbst gesehn. Von den wunderbaren Trauben und andren Früchten darf ich gar nicht reden. Die Stadt großartig, aber still, mit allen ihren 300 000 Einwohnern. — Der Ofen-Fabrikant in Dresden will mir den Ofen franco Fracht und Emballage nach Turin für 24 Mark liefern, ebenfalls den Sack mit 1000 Cylindern Heizmaterial für 12 Mark franco und zollfrei bis Turin. Sehr acceptabel! —

Viel Arbeit, aber immer guter Muth!

Dein Fritz

Genau die Adresse: Torino (Italia) poste restante

Engadin hatte mich tief herunter gebracht!!!

1134. An Georg Brandes in Kopenhagen

Turin, den 20 Okt. 1888

Werther und lieber Herr,

wiederum kam ein angenehmer Wind von Norden mit Ihrem Briefe: zuletzt war es bisher der einzige Brief, der ein „gutes Gesicht“, der überhaupt ein Gesicht zu meinem Attentat auf Wagner machte. Denn man schreibt mir nicht. Ich habe selbst bei Näheren und Nächsten einen heillosen Schrecken hervorgebracht. Da ist zum Beispiel mein alter Freund Baron Seydlitz in München unglücklicher Weise gerade Präsident des Münchener Wagner-Vereins; mein noch älterer Freund der Justizrath Krug in Köln Präsident des dortigen Wagner-Vereins; mein Schwager Dr. Bernhard Förster in Südamerika, der nicht unbekannte Antisemit, einer der eifrigsten Mitarbeiter der Bayreuther Blätter; und meine verehrenswürdige Freundin Malvida von Meysenbug, die Verfasserin der „Memoiren einer Idealistin“ verwechselt nach wie vor Wagner mit Michel Angelo…

Andrerseits hat man mir zu verstehn gegeben, ich solle auf der Hut sein vor der „Wagnerianerin“: die hätte in gewissen Fällen keine Skrupel — Vielleicht wehrt man sich, von Bayreuth aus, auf reichsdeutsche und kaiserliche Manier, durch eine Interdiktion meiner Schrift — als „der öffentlichen Sittlichkeit gefährlich“: der Kaiser ist ja in diesem Falle Partei. Man könnte selbst meinen Satz „wir kennen Alle den unaesthetischen Begriff des christlichen Junkers“ als Majestäts-Beleidigung verstehn - - -

Ihre Intervention zu Ehren der Wittwe Bizet’s hat mir großes Vergnügen gemacht. Bitte, geben Sie mir ihre Adresse; insgleichen die des Fürsten Urussow. Ein Exemplar ist an Ihre Freundin die Fürstin Dmitrievna Ténicheff abgesandt. — Bei meiner nächsten Veröffentlichung, die nicht gar zu lange mehr auf sich warten lassen wird (— der Titel ist jetzt: Götzen-Dämmerung. Oder: Wie man mit dem Hammer philosophirt) möchte ich sehr gern auch an den von Ihnen mit so ehrenden Worten mir vorgestellten Schweden ein Exemplar senden. Nur weiß ich seinen Wohnort nicht. — Diese Schrift ist meine Philosophie in nuce — radikal bis zum Verbrechen…

Über die Wirkung des Tristan hätte auch ich Wunder zu berichten. Eine tüchtige Dosis Seelen-Qual scheint mir ein ausgezeichnetes Tonicum vor einer Wagnerischen Mahlzeit. Der Reichsgerichtsrath Dr. Wiener in Leipzig gab mir zu verstehn, auch eine Karlsbader Kur diene dazu…

Ach was Sie arbeitsam sind! Und ich Idiot, der ich nicht einmal dänisch verstehe! — Daß man gerade „in Rußland wieder aufleben“ kann, glaube ich Ihnen vollkommen; ich rechne irgend ein russisches Buch, vor allem Dostoiewsky (französisch übersetzt, um des Himmels Willen nicht deutsch!!) zu meinen größten Erleichterungen.

Von Herzen und mit einem Recht, dankbar zu sein

Ihr Nietzsche

1135. An Malwida von Meysenbug in Rom

Turin, den 20 Okt. 1888.

Verehrte Freundin,

vergeben Sie mir, wenn ich noch einmal das Wort nehme: es könnte das letzte Mal sein. Ich habe allmählich fast alle meine menschlichen Beziehungen abgeschafft, aus Ekel darüber, daß man mich für etwas Andres nimmt als ich bin. Jetzt sind Sie an der Reihe. Ich sende Ihnen seit Jahren meine Schriften zu, damit Sie mir endlich einmal, rechtschaffen und naiv, erklären „ich perhorrescire jedes Wort“. Und Sie hätten ein Recht dazu. Denn Sie sind „Idealistin“ — und ich behandle den Idealismus als eine Instinkt gewordne Unwahrhaftigkeit, als ein Nicht-sehn-wollen der Realität um jeden Preis: jeder Satz meiner Schriften enthält die Verachtung des Idealismus. Es giebt über der bisherigen Menschheit gar kein schlimmeres Verhängniß als diese intellektuelle Unsauberkeit; man hat den Werth aller Realitäten entwerthet, damit, daß man eine „ideale Welt“ erlog… Verstehn Sie nichts von meiner Aufgabe? Was es heißen will „Umwerthung aller Werthe“? Warum Zarathustra die Tugendhaften als die verhängnißvollste Art Mensch ansieht? weshalb er der Vernichter der Moral sein muß? — haben Sie vergessen, daß er sagt „zerbrecht, zerbrecht mir die Guten und Gerechten?“ —

— Sie haben sich — Etwas, das ich nie verzeihe — aus meinem Begriff „Übermensch“ wieder einen „höheren Schwindel“ zurechtgemacht, Etwas aus der Nachbarschaft von Sybillen und Propheten: während jeder ernsthafte Leser meiner Schriften wissen muß, daß ein Typus Mensch, der mir nicht Ekel machen soll, gerade der Gegensatz-Typus zu den Ideal-Götzen von Ehedem ist, einem Typus Cesare Borgia hundert Mal ähnlicher als einem Christus. Und wenn Sie gar, in meiner Gegenwart, den ehrwürdigen Namen Michel Angelo in Einem Athem mit einer durch und durch unsauberen und falschen Creatur wie Wagner in den Mund nehmen, so erspare ich Ihnen und mir das Wort für mein Gefühl dabei. — Sie haben sich, in Ihrem ganzen Leben, fast über Jedermann getäuscht: nicht wenig Unheil, auch in meinem Leben, geht darauf zurück, daß man Ihnen Vertrauen schenkt und daß Ihr Urtheil absolut unvertrauenswürdig ist. Zuletzt vergreifen Sie sich zwischen Wagner und Nietzsche! — Und indem ich das schreibe, schäme ich mich, meinen Namen in diese Nachbarschaft gebracht zu haben. — Also Sie haben nichts von dem Ekel begriffen, mit dem ich, mit allen anständigen Naturen, vor 10 Jahren Wagnern den Rücken kehrte, als der Schwindel, mit den ersten Bayreuther Blättern, handgreiflich wurde? Ihnen ist die tiefe Erbitterung unbekannt, mit der ich, gleich allen rechtschaffnen Musikern, diese Pest der Wagnerischen Musik, diese durch sie bedingte Corruption der Musiker, immer weiter um sich greifen sehe? Sie haben nichts davon gemerkt, daß ich, seit zehn Jahren, eine Art Gewissensrath für deutsche Musiker bin, daß ich an allen möglichen Stellen wieder die artistische Rechtschaffenheit, den vornehmen Geschmack, den tiefsten Haß gegen die ekelhafte Sexualität der Wagnerischen Musik angepflanzt habe? daß der letzte klassische Musiker, mein Freund Köselitz, aus meiner Philosophie und Erziehung stammt? — Sie haben nie ein Wort von mir verstanden, nie einen Schritt von mir verstanden: es hilft nichts; darüber müssen wir unter uns Klarheit schaffen, — auch in diesem Sinn ist der „Fall Wagner“ für mich noch ein Glücksfall — —

Friedrich Nietzsche.

1136. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin, 26. Oktober 1888>

Nur ein Kärtchen, meine gute Mutter, damit Du wieder ein Lebenszeichen von mir in die Hände bekommst. Es war gar kein Grund, Dich so zu erschrecken: das macht nichts unter uns. Hoffentlich giebt es bei Dir jetzt auch einen so herrlichen sonnigen Herbst: ich wenigstens habe ein schöneres Wetter überhaupt noch nirgends wo erlebt. Unter diesen Umständen geht Alles glücklich vorwärts; nicht die geringste Ermüdung oder Beschwerde. Der Ofen ist bestellt, doch nicht der ganz kleine, die nächste Nummer. Mein Wirth hat mir angeboten, für den Fall, daß ich Ende Winters ihn nicht behalten wollte, mir die Hälfte dessen, was er mir koste, zu zahlen. Es grüßt und umarmt Dich Dein altes Geschöpf.

1137. An Heinrich Köselitz in Berlin

Turin, d. 30. Okt. 88.

Lieber Freund,

ich sah mich eben im Spiegel an, — ich habe nie so ausgesehn. Exemplarisch gut gelaunt, wohlgenährt und zehn Jahre jünger als es erlaubt wäre. Zualledem bin ich, seitdem ich Turin zur Heimat gewählt habe, sehr verändert in den honneurs, die ich mir selber erweise, — erfreue mich zum Beispiel eines ausgezeichneten Schneiders und lege Werth darauf, überall als distinguirter Fremder empfunden zu werden. Was mir auch zum Verwundern gelungen ist. Ich bekomme in meiner Trattoria unzweifelhaft die besten Bissen, die es giebt: man macht mich immer aufmerksam, was gerade besonders gelungen ist. Unter uns, ich habe bis heute nicht gewußt, was mit Appetit essen ist; ebensowenig, was ich nöthig habe, um bei Kräften zu sein. Meine Kritik der Winter in Nizza ist jetzt sehr herbe: unzureichende und gänzlich gerade mir unzuträgliche Diät. Dasselbe, vielleicht verstärkt, gilt, es hilft nichts, lieber Freund! von Ihrem Venedig. Ich esse hier mit der allerheitersten Verfassung an Seele und Eingeweide, gut vier Mal so viel wie in Panada. — Auch sonst ist Nizza die reine Thorheit gewesen. Landschaftlich ist Turin mir in einer Weise mehr sympathisch als dies kalkige baumarme und stupide Stück Riviera, daß ich mich gar nicht genug ärgern kann, so spät davon loszukommen. Ich sage kein Wort von der verächtlichen und feilen Art Mensch daselbst, — die Fremden nicht ausgenommen. Hier kommt Tag für Tag mit gleicher unbändiger Vollkommenheit und Sonnenhelle herauf: der herrliche Baumwuchs in glühendem Gelb, Himmel und der große Fluß zart blau, die Luft von höchster Reinheit — ein Claude Lorrain, wie ich ihn nie geträumt hatte, zu sehn. Früchte, Trauben in braunster Süße — und billiger als in Venedig! In allen Stücken finde ich <es> hier lebenswerth. Der Café in den ersten Cafés, ein kleines Kännchen, von merkwürdiger Güte, sogar erster Güte, wie ich sie noch nicht fand, 20 ct. — und man zahlt in Turin nicht Trinkgelder. Mein Zimmer, erste Lage im Centrum, Sonne von früh bis Nachmittag, Blick auf den palazzo Carignano, die piazza Carlo Alberto und darüber weg auf die grünen Berge — monatlich 25 frs. mit Bedienung, auch Stiefelputzen. In der Trattoria zahle ich für jede Mahlzeit 1 fr. 15 und lege, was entschieden als Ausnahme empfunden wird, noch 10 ct. bei. Dafür habe ich ganz große Portion minestra sei es trocken, sei es in Bouillon: allergrößte Auswahl und Abwechslung, und die italienischen Mehlfabrikate alle von erster Güte (— ich lerne hier erst die großen Unterschiede) Dann ein ausgezeichnetes Stück zartes Fleisch, vor Allem Kalbsbraten, den ich nirgends so gegessen habe, mit einem Gemüse dazu, Spinat usw. Drei Brödchen, hier sehr schmackhaft, für den Liebhaber die grissini, die ganz dünnen Brodröhrchen, die Turinischer Geschmack sind. — Ein Ofen ist bestellt, aus Dresden: wissen Sie, Carbon-Natron-Heizung — ohne Rauch, folglich ohne Schornstein. Insgleichen lasse ich aus Nizza meine Bücher kommen. Es ist übrigens wundervoll mild, auch die Nächte. Mein Frostgefühl, von dem ich schrieb, hat nur interne Gründe. Es war übrigens sofort wieder in Ordnung. —

Mit Ihrem Brief haben Sie mir eine große Freude gemacht. Im Grunde habe ich’s nicht annähernd von irgend Jemand erlebt, zu hören, wie stark meine Gedanken wirken. Die Neuheit, der Muth der Neuerung ist wirklich ersten Rangs: — was die Folgen betrifft, so sehe ich jetzt mitunter meine Hand mit einigem Mißtrauen an, weil es mir scheint, daß ich das Schicksal der Menschheit „in der Hand“ habe. — Sind Sie zufrieden, daß ich den Schluß mit der Dionysos-Moral gemacht habe? Es fiel mir ein, daß diesen Reihe Begriffe um keinen Preis in diesem Vademecum meiner Philosophie fehlen dürfe. Mit den paar Sätzen über die Griechen darf ich Alles herausfordern, was über sie gesagt ist. — Zum Schluß jene Hammer-Rede aus dem Zarathustra — vielleicht, nach diesem Buche, hörbar… Ich selbst höre sie nicht ohne einen eiskalten Schauder durch den ganzen Leib.

Das Wetter ist so herrlich, daß es gar kein Kunststück ist, etwas gut zu machen. An meinem Geburtstag habe ich wieder Etwas angefangen, das zu gerathen scheint und bereits bedeutend avancirt ist. Es heißt Ecce homo. Oder Wie man wird, was man ist. Es handelt, mit einer großen Verwegenheit, von mir und meinen Schriften: ich habe nicht nur damit mich vorstellen wollen vor dem ganz unheimlich solitären Akt der Umwerthung, — ich möchte gern einmal eine Probe machen, was ich bei den deutschen Begriffen von Preßfreiheit eigentlich risquiren kann. Mein Argwohn ist, daß man das erste Buch der Umwerthung auf der Stelle confiscirt, — legal mit allerbestem Recht. Mit diesem „Ecce homo“ möchte ich die Frage zu einem derartigen Ernste, auch Neugierde steigern, daß die landläufigen und im Grunde vernünftigen Begriffe über das Erlaubte hier einmal einen Ausnahmefall zuließen. Übrigens rede ich von mir selber mit aller möglichen psychologischen „Schläue“ und Heiterkeit, — ich möchte durchaus nicht als Prophet, Unthier und Moral-Scheusal vor die Menschen hintreten. Auch in diesem Sinne könnte dies Buch gut thun: es verhütet vielleicht, daß ich mit meinem Gegensatz verwechselt werde. —

Auf Ihre Kunstwart-Humanität bin ich sehr neugierig. Wissen Sie eigentlich, daß ich Herrn Avenarius im Sommer einen extrem groben Brief geschrieben habe, wegen der Art, mit der sein Blatt Heinrich Heine fallen ließ? — Grobe Briefe — bei mir das Zeichen von Heiterkeit…

Es grüßt Sie auf das Herzlichste, mit lauter unaussprechbaren Neben-, Hinter- und Vorder-Wünschen (— „Eins ist nothwendiger, als das Andre“: also sprach Zarathustra)

N.

1138. An Malwida von Meysenbug in Rom

<Turin,> 5. n. 88.

Warten Sie nur ein wenig, verehrteste Freundin! Ich liefere Ihnen noch den Beweis, daß „Nietzsche est toujours haïssable“. Ohne allen Zweifel, ich habe Ihnen Unrecht gethan: aber da ich diesen Herbst an einem Überfluß von Rechtschaffenheit leide, so ist es mir eine wahre Wohlthat, Unrecht zu thun…

Der „Immoralist“.

1139. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 6. November 1888

Geehrter Herr Verleger,

wundern Sie sich jetzt über Nichts mehr bei mir! Zum Beispiel, daß wir, sobald die Götzen-Dämmerung in jedem Sinne erledigt ist, sofort einen neuen Druck beginnen müssen. Ich habe mich vollkommen davon überzeugt, noch eine Schrift nöthig zu haben, eine im höchsten Grade vorbereitende Schrift, um nach Jahresfrist ungefähr mit dem ersten Buche der Umwerthung hervortreten zu können. Es muß eine wirkliche Spannung geschaffen sein — im andern Falle geht es wie beim Zarathustra. Nun war ich die letzten Wochen auf das Allerglücklichste inspirirt, Dank einem unvergleichlichen Wohlbefinden, das einzig in meinem Leben dasteht, Dank insgleichen einem wunderbaren Herbst und dem delikatesten Entgegenkommen, das ich in Turin gefunden habe. So habe ich eine extrem schwere Aufgabe — nämlich mich selber, meine Bücher, meine Ansichten, bruchstücksweise, so weit es dazu erfordert war, mein Leben zu erzählen — zwischen dem 15. Okt. und 4. November gelöst. Ich glaube, das wird gehört werden, vielleicht zu sehr… Und dann wäre Alles in Ordnung. —

Nun die Frage der Herstellung. Meine Absicht ist, diesem Werke bereits die Form und Ausstattung zu geben, die jenes Hauptwerk haben soll, zu dem es in jedem Sinne eine lange Vorrede darstellt. Hören Sie nun, werthester Herr Verleger, was ich in Vorschlag bringe.

Das gleiche Format, wie das der letzten Schriften. Die Spatien zwischen den Zeilen exakt wie in dem Vorwort vom „Fall Wagner“ und der „Götzen-Dämmerung“. Die Zahl der Zeilen 29. Keine Linie um den Text; dagegen die Zeile breiter. Das Papier nicht anders als das der letzten zwei Schriften. — Würde es Ihnen gefällig sein, mir einen Probedruck einer derartigen Seite einmal zuzusenden, damit ich sie mit Augen sehe? Nehmen Sie irgend ein Manuscript-Stück der Götzen-Dämmerung, das eine ganze Seite füllt, dazu! — Die neue Schrift heißt:

Ecce homo

Wie man wird, was man ist.

Mit freundlichstem Gruß
Ihr Nietzsche

1140. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 7. November 1888>

Geehrter Herr Verleger,

eben habe ich einen Brief an Sie abgeschickt, da kommt einer aus Basel an mich an, von Herrn Carl Spitteler, der sehr erbaut und dankbar für den „Fall Wagner“ ist. Er hat eine Arbeit darüber im „Bund“ drucken lassen oder läßt sie eben drucken. Dabei schreibt er, Dr. V. Widmann, Redakteur des Bund, sei betrübt, daß ich ihm die Schrift nicht gesandt habe. Thun wir also ein Übriges, es gefällt mir sehr, wenn man gerade in der Schweiz mich nicht in Stich läßt. Auch bin ich das Gegentheil einer nachträgerischen Natur. Bitte, ein Exemplar an die Redaktion des Bund!

Ihr Nietzsche

Die Nouvelle Revue bringt einen Artikel, meldet man mir aus Paris.

1141. An Carl Spitteler in Basel

<Turin, um den 10. November 1888>

Werther und lieber Herr,

sehr erbaut, in diesem „Falle“ Ihr Ja auf meiner Seite zu haben, da es dies Mal ein paar Gründe zuviel für mich giebt, die Stimmen nicht zu zählen, sondern zu wägen.. Eben kündigt man mir auch von Paris aus eine bevorstehende Besprechung der Schrift an: in der Nouvelle Revue. Da habe ich aufrichtig etwas Angst… Das Ja aus der Nachbarschaft von Madame Adam compromittirt. —

Daß ich die Schrift nicht an Herrn Dr. Widmann gesandt habe, hatte seinen Grund in der Befürchtung, dieselbe möchte ihn in seinen Sympathien für J. Brahms verletzen. Da ich aber Ihren Worten entnehmen zu können glaube, er habe sie erwartet, so mache ich mir ein Vergnügen daraus, sie unverzüglich in seine Hände zu liefern.

Was der „Kunstwart“ darüber bringen wird, macht mich neugierig. — Nicht wahr, Sie erweisen mir den Dienst und senden sowohl „Basler Nachrichten“ als „Bund“ nach der gelobten Stadt Turin!

Ihr
aufrichtig ergebener
Nietzsche

1142. An Heinrich Köselitz in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6III.<13. November 1888.>

Lieber Freund,

Ihr letzter Brief gab mir, unter Anderem, einen Seufzer über meine Dummheit ein; ich hätte, mit nur einiger Feinheit, wissen müssen, daß, um Ihres Besuchs in Turin nicht verlustig zu gehn, das Wort „Turin“ ein Paar Briefe lang verboten war. Sie unterschätzen, was mir, unter allen übrigen „Glücksgütern“, hier abgeht — und nicht — nur hier, sondern überall, — und nicht nur seit gestern, sondern seit mehr als einem Jahre: il mio maestro Pietro Gasti. Als Sie neulich eine gewisse Linie Noten mit Aurora-mäßigen Rosenfingern in einen Brief hineinschrieben, war ich ganz einfach neidisch — ich werde mich hüten, zu sagen, auf wen oder was…

Der Herbst ist zu Ende, — er hat in einer für Turiner selbst überraschenden Gleichmäßigkeit von Anfang Oktober bis weit in den November hinein seine goldene Schönheit Tag für Tag da capo gespielt. Jetzt ist es ein wenig düster, die Luft nicht zu kalt; seltsam, wie gut der Farbenton den alten palazzi steht. Für mein Befinden wage ich zu behaupten, daß es so beinahe wohlthätiger als die bewußte Reihe von „schönen Tagen“ ist, mit denen sogar ein Goethe schlecht fertig zu werden wußte. — Nun, keine Lästerung! denn ich bin gut mit ihnen fertig geworden, — zu gut selbst… Mein „Ecce homo. Wie man wird, was man ist“ sprang innerhalb des 15. Oktobers, meines allergnädigsten Geburtstags und -Herrn, und dem 4. November mit einer antiken Selbstherrlichkeit und guten Laune hervor, daß es mir zu wohlgerathen scheint, um einen Spaaß dazu machen zu dürfen. Die letzten Partien sind übrigens bereits in einer Tonweise gesetzt, die den Meistersingern abhanden gekommen sein muß, „die Weise des Weltregierenden“… Das Schlußcapitel hat die unerquickliche Überschrift: Warum ich ein Schicksal bin. Daß dies nämlich der Fall ist, wird so stark bewiesen, daß man am Schluß vor mir als „Larve“ und „fühlende Brust“ sitzen bleibt…

Besagtes Manuscript hat bereits den Krebsgang nach der Druckerei angetreten. Für die Ausstattung habe ich dies Mal dasselbe „beliebt“, wie für die „Umwerthung“: zu der es eine feuerspeiende Vorrede ist. —

Herr Carl Spitteler hat sein Entzücken über den „Fall“ im Bund ausgesprudelt: er hat erstaunlich zutreffende Worte, — er gratulirte mir auch brieflich dazu, daß ich bis an’s Ende gegangen sei: er scheint die Gesammt-Bezeichnung unsrer modernen Musik als décadence-Musik für eine kulturhistorische Feststellung ersten Rangs zu halten. Übrigens hatte er sich zuerst an den „Kunstwart“ gewendet. — Von Paris aus wird mir ein Aufsatz in der revue nouvelle in Aussicht gestellt. Auch eine St. Petersburger Beziehung hat sich daraufhin angeknüpft: Fürstin Anna Dmitrievna Ténicheff. — Dr. Brandes schreibt, daß der größte schwedische Schriftsteller, „ein wahres Genie“, August Strindberg, ganz für mich eingenommen ist. Dieser Tage trifft die Adresse der charmanten Wittwe Bizet’s bei mir ein, der eine Freude mit der Zusendung meiner Schrift zu machen ich sehr ersucht werde. —

Unsre wunderbaren Weiblein von der Turiner Aristokratie haben für Januar einen concorso di bellezza ausgedacht: sie sind ganz übermüthig geworden, als die Bilder der erstgekrönten Schönheiten in Spaa hier anlangten. Ich sah, im Frühling schon, einen derartigen concours in Porträts, bei der letzten Ausstellung: worin sie sich offenbar aller Welt überlegen fühlen, das ist der Busento, der mit vollkommner Naivetät dem Maler anvertraut wird. Unsre neue Mitbürgerin, die schöne Laetitia Bonaparte, jüngst mit dem Duca d’Aosta vermählt und hier residirend, wird jedenfalls bei der Partie sein.

Es grüßt Sie mit der Bitte, die ersten Worte meines Briefs tragisch zu nehmen, Ihr Freund

Nietzsche.

1143. An Franz Overbeck in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6, III am 13. Nov. 1888.

Lieber Freund,

der Ausnahmefall des 16. November mag es entschuldigen, wenn ich meinem letzten Briefe heute schon einen Brief nachschicke. Vielleicht seid Ihr schon im Winter: wir sind es beinahe, — die nächsten Berge haben schon eine leichte Perrücke. Hoffentlich wird der Winter entsprechend wie der Herbst gewesen ist: wenigstens hier war er ein wahres Wunder von Schönheit und Lichtfülle, — ein Claude Lorrain in Permanenz. Ich habe über den ganzen Begriff „schönes Wetter“ umgelernt und denke mit Erbarmen an meine stupide Anhänglichkeit an Nizza. — Meine Bücher, die ich dort gelassen habe, sind bereits unterwegs nach Turin. Bei diesem Anlaß erfuhr ich, daß in der pension de Genève meine lustige Tischnachbarin von Ehedem, Frau von Brandeis, eingetroffen ist. — Auch der Carbon-Natron-Ofen ist unterwegs, zu sehr honnetten Preisen, wie ich es dem Dresdener Nieske zu Ehren sagen muß. Ein paar süperbe englische Winter-Handschuhe habe ich mir heute gekauft. — Beim besten Willen, alter Freund Overbeck, gelingt es mir nicht, Dir etwas Schlimmes von mir zu erzählen. Es geht fort und fort in einem tempo fortissimo der Arbeit und der guten Laune. Auch behandelt man mich hier comme il faut, als irgend etwas extrem Distinguirtes, es giebt eine Art, mir die Thüre aufzumachen, die ich noch nirgends wo erlebt habe. Zugegeben, daß ich nur sehr gute Orte besuche, auch mich eines klassischen Schneiders erfreue. — Wir hatten dieser Tage den düstern Pomp eines großen Begräbnisses, an dem ganz Italien betheiligt war: der Conte Robilant, der verehrteste Typus des Piemonteser Adels, übrigens leiblicher Sohn des König Carlo Alberto, wie man hier weiß. An ihm hat Italien einen Premier verloren, der nicht zu ersetzen ist. — Etwas Heiteres dicht nebenbei: Die Schönheiten der Turiner Aristokratie sind ganz übermüthig geworden, als die Bilder der erstgekrönten Schönheiten in Spaa hier anlangten. Sie haben sofort für den Januar auch einen concorso di bellezza in’s Auge gefaßt — ich glaube, sie haben alles Recht dazu! Ich sah, bei der Frühlings-Ausstellung, bereits einen solchen concours in Portraits vor mir. Auch unsre neue Turinerin, die princesse Laetitia Buonaparte, neuvermählt mit dem duc d’Aosta wird mit Vergnügen bei der Partie sein. — Ich habe inzwischen für meinen „Fall Wagner“ wahre Huldigungsschreiben bekommen. Man nennt die Schrift nicht nur ein psychologisches Meisterstück ersten Ranges, auf einem Gebiete, wo Niemand überhaupt bisher Augen gehabt hat — in der Psychologie der Musiker; man nennt die Aufklärung über den décadence-Charakter unserer Musik überhaupt ein culturhistorisches Ereigniß, Etwas, das Niemand außer mir gekonnt hätte: die Worte über Brahms seien das Äußerste von psycholog. Sagacität. — Hr. Spitteler hat in der Donnerstag-Nummer des „Bund“ sein Entzücken ausgedrückt, Herr Köselitz im „Kunstwart“; aus Paris meldet man mir einen Artikel in der Nouvelle Revue als bevorstehend. — Auch sonst gute Nachrichten. Der größte schwedische Schriftsteller, „ein wahres Genie“, wie Dr. Brandes schreibt, August Strindberg, hat sich inzwischen ganz für mich erklärt; auch die Petersburger Gesellschaft sucht Beziehungen zu mir herzustellen, sehr erschwert durch das Verbot meiner Schriften (Fürst Urussow, Fürstin Anna Dimitrievna Ténicheff) Endlich die charmante Wittwe Bizet’s!…

Der Druck der „Götzen-Dämmerung. Oder: wie man mit dem Hammer philosophirt“ ist beendet; das Manuscript des „Ecce homo. Wie man wird, was man ist“ ist bereits in der Druckerei. — Letzteres, von absoluter Wichtigkeit, giebt einiges Psychologische und selbst Biographische über mich und meine Litteratur: man wird mich mit Einem Male zu sehn bekommen. Der Ton der Schrift heiter und verhängnißvoll, wie Alles, was ich schreibe. — Ende nächsten Jahres erscheint dann das erste Buch der Umwerthung. Es liegt fertig da. —

Mit dem allerherzlichsten Glückwunsch für Dein Wohl an Leib und Seele Dein

Nietzsche

1144. An Meta von Salis auf Marschlins

Turin, den 14. Nov. 88

Verehrtes Fräulein,

da ich fortdauernd an einem kleinen Überfluß von guter Laune und andern Glücksgütern leide, so dürfen Sie mir einen völlig sinnlosen Brief wohl nachsehen. Bis jetzt ist Alles besser als gut gegangen; ich habe meine Last gewälzt, wie als ob ich von Natur ein „unsterblicher“ Lastträger wäre. Nicht nur, daß das erste Buch der Umwerthung schon am 30. September zu Ende kam, inzwischen hat sich ein sehr unglaubliches Stück Litteratur, das den Titel führt „Ecce homo. Wie man wird, was man ist“ — auch schon wieder mit Flügeln begabt und flattert, wenn mich nicht Alles täuscht, in der Richtung von Leipzig… Dieser homo bin ich nämlich selbst, eingerechnet das ecce; der Versuch, über mich ein wenig Licht und Schrecken zu verbreiten, scheint mir fast zu gut gelungen. Das letzte Capitel hat zum Beispiel die unerquickliche Überschrift: warum ich ein Schicksal bin. Daß dies nämlich der Fall ist, wird dermaßen stark bewiesen, daß man, am Schluß, bloß noch als „Larve“, bloß noch als „fühlende Brust“ vor mir sitzen bleibt. — Daß es einiger Aufklärung über mich bedarf, bewies mir jüngst noch der Fall Malvida. Ich sandte ihr, mit einer kleinen Bosheit im Hintergrunde, vier Exemplare des „Falls Wagner“, mit dem Ersuchen, für eine gute französische Übersetzung einige Schritte zu thun. „Kriegserklärung“ an mich: Malvida gebraucht diesen Ausdruck. —

Ich habe, unter uns, mich noch einmal mehr davon überzeugt, daß der berühmte „Idealismus“ in diesem Falle im Grunde eine extreme Form der Unbescheidenheit ist, — „unschuldig“, wie es sich von selbst versteht. Man hat sie immer mitreden lassen und, wie mir scheint, hat ihr Niemand gesagt, daß sie mit jedem Satze nicht nur irrt, sondern lügt… Das machen ja die „schönen Seelen“ so, die die Realität nicht sehen dürfen. Verwöhnt, durch ihr ganzes Leben hindurch, sitzt sie zuletzt, wie eine kleine komische Pythia, auf ihrem Sopha und sagt „Sie irren sich über Wagner! Das weiß ich besser! Genau dasselbe, wie Michel Angelo“ — Ich schrieb ihr darauf, daß Zarathustra die Guten und Gerechten abschaffen wolle, weil sie immer lügen. Darauf antwortete sie, sie stimme mir darin völlig bei, denn es gäbe so wenig Wirklich-Gute…

Und das hat mich zeitweilig vor Wagnern vertheidigt! — Turin ist kein Ort, den man verläßt. Ich habe Nizza ad acta gelegt, insgleichen den romantisme eines korsischen Winters (— es lohnt sich zuletzt nicht mehr, die Herrn Banditen sind wirklich abgeschafft, sogar die Könige, die Bellacoscia) — Der Herbst war hier ein Claude Lorrain in Permanenz, — ich fragte mich oft, ob so Etwas auf Erden möglich sei. Seltsam! gegen die Sommer-Misère da oben gab es also wirklich eine Ausgleichung. Da haben wir’s: der alte Gott lebt noch…

— Auch ist man hier sehr delikat gegen mich, meine Lage hat sich gegen die des Frühlings in einem unausrechenbaren Grade verbessert. — Von meiner Gesundheit wage ich gar nicht mehr zu reden: das ist ein überwundener Standpunkt. — Die noch im Engadin fertig gewordene Schrift, die radikalste vielleicht, die es giebt, führt jetzt den Titel:

Götzen-Dämmerung

Oder:

wie man mit dem Hammer philosophirt.

Der Druck ist beendet. — Erwäge ich, was ich Alles zwischen dem 3 Sept. und 4 November verbrochen habe, so fürchte ich, daß allernächst die Erde zittert. Dies Mal in Turin; vor zwei Jahren, als ich in Nizza war, wie billig, in Nizza. In der That meldete der letzte Observatoriumsbericht von gestern bereits eine leichte Oscillation…

Wir hatten den düsteren Pomp eines großen Begräbnisses. Einer der verehrenswürdigsten Piemontesen, der Conte di Robilant, wurde zu Grabe getragen; ganz Italien war in Trauer. Es hat einen Premier verloren, den man mit Ungeduld erwartete — und den Niemand ersetzt.

Mit ausgezeichneter Ergebenheit
Ihr
Nietzsche.

Herr Spitteler hat im „Bund“ einen Schrei des Entzückens über den „Fall“ ausgestoßen. —

1145. An Elisabeth Förster (Entwurf)

<Turin, Mitte November 1888>

Meine Schwester!

Ich habe Deinen Brief empfangen und nachdem ich ihn mehrere Male gelesen habe, sehe ich mich in die ernste Nothwendigkeit versetzt, von Dir Abschied zu nehmen. Jetzt, wo sich mein Schicksal entschieden hat, empfinde ich jedes Deiner Worte an mich mit verzehnfachter Schärfe: Du hast nicht den entferntesten Begriff davon, nächstverwandt mit dem Menschen und Schicksal zu sein, in dem sich die Frage von Jahrtausenden entschieden hat, — ich habe, ganz wörtlich geredet, die Zukunft der Mh. in der Hand. Ich kenne die menschliche Natur und bin unsäglich fern davon, in irgend einem einzelnen Falle zu verurtheilen, was das Verhängniß der Menschheit überhaupt ist; mehr noch: ich verstehe, wie gerade Du, aus vollkommner Unmöglichkeit, die Dinge zu sehn, in denen ich lebe, fast in den Gegensatz von mir hast flüchten müssen. Was mich dabei beruhigt, ist, zu denken, daß Du es auf Deine Weise gut gemacht hast, daß Du Jemanden hast, den Du liebst und der Dich liebt, daß von Dir eine bedeutende Aufgabe zu erfüllen bleibt, der Dein Vermögen sowohl wie Deine Kraft geweiht ist, — endlich, was ich nicht verschweigen will, daß eben diesen Aufgabe Dich etwas fern weg von mir geführt hat, so daß die nächsten chocs dessen, was sich jetzt vielleicht mit mir begiebt, Dich nicht erreichen. — Das Letzte wünsche ich um Deinetwillen: ich bitte vor Allem inständig darum, Dich von keiner freundlichen und in diesem Falle gerade gefährlichen Neugierde verführen zu lassen, die Schriften, die jetzt von mir herauskommen, zu lesen. Dergleichen könnte Dich über alle Maßen verwunden — und mich, in dieser Vorstellung, noch dazu… In diesem Sinne bedaure ich selbst die Schrift gegen Wagner an Dich abgeschickt zu haben, die, inmitten der ungeheuren Spannung, in der ich lebe, eine wahre Wohlthat für mich war — als ein honnettes Duell eines Psychologen mit einem frommen Verführer, den Niemand leicht als solchen erkennt.

Zu aller Beruhigung will ich von mir selber soviel sagen, daß mein Befinden ausgezeichnet ist, von einer Festigkeit und Geduld, wie ich in meinem ganzen früheren Leben keine Stunde gehabt habe; daß das Schwerste mir leicht wird, daß Alles geräth, was ich unter die Hände nehme. Die Aufgabe, die auf mir liegt, ist trotzdem meine Natur — so daß ich jetzt erst einen Begriff von dem habe, was mein mir vorbestimmtes Glück war. Ich spiele mit der Last, welche jeden Sterblichen zerdrücken würde… Denn das, was ich zu thun habe, ist furchtbar, in jedem Sinne des Wortes: ich fordre nicht Einzelne, ich fordre die Menschheit mit meiner entsetzlichen Anklage als Ganzes heraus; wie auch die Entscheidung fällt, für mich oder gegen mich, in jedem Fall haftet unsäglich viel Verhängniß an meinem Namen… Indem ich Dich von Herzen bitte, in diesem Brief keine Härte, sondern das Gegenstück dazu zu sehn, eine wirkliche Humanität, die sich bemüht, überflüssigem Unheil vorzubeugen, empfehle ich mich auch über die Notwendigkeit hinweg, Deiner Liebe…

Dein Bruder.

1146. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Adresse: Torino (Italia), via Carlo Alberto 6III.<17. November 1888>

Meine alte Mutter,

— dies ist der merkwürdigste Zufall, den es geben kann. Mein Verstand stand einen Augenblick still. Stelle Dir vor, daß ich eben im Begriff bin, Dich um die Abschrift einer Stelle aus den gesammelten Werken Wagners zu bitten: Band 7, in dem ein Brief Wagners an mich steht. Davon wollte ich den letzten Satz haben, den ich einer bestimmten Arbeit wegen nöthig habe. Der Brief enthält diesen Satz: jene dritte Seite, die Dir solches Vergnügen gemacht hat. Vollkommen mährchenhaft! —

Es macht mir große Freude, von der wesentlichen Existenz-Verbesserung meines Onkel Oskar zu hören; noch mehr, daß es mir erlaubt ist, ihm ein wenn auch bescheidenes Zeichen meiner Anhänglichkeit zu geben. Ich bitte ihn sehr darum, sich den Frak „anzuhängen“, — ich habe nie daran gedacht, daß ihm noch eine so würdige Zukunft beschieden sein würde. —

(Daß ich meine Kleider verkaufe wie ein alter Jude, darfst Du mir nicht zumuthen, meine gute Mutter. —)

Zu meinem Bedauern fehlt das Couvert des curiosen Briefs: ich habe nicht die entfernteste Ahnung, woher er kommt. Hättest Du den Poststempel mir lieber mitgetheilt, statt der Wanderung von Ort zu Ort, so wäre ich schon auf der Spur. Es muß ein genauer Bekannter sein, darauf weist der Scherz in der Adresse „Röcken bei Lützen“ hin. Kommt er nicht aus Wien? —

Der Ofen ist also, wie ich Deinem Briefe entnehme, von Herrn Kürbitz bezahlt? Es war alles zusammen 68 Mark. Schreibe mir doch im nächsten Brief ausdrücklich, daß die Sache abgemacht ist. Die Sendung an mich konnte erst nach Zahlung abgehn. — Bis jetzt sind die zwei großen Säcke Heizmaterial angekommen, nebst 4 Kästchen Anzünder. An der Kälte habe ich noch mäßig gelitten, ein paar regnerische Tage abgerechnet: da ist man immer empfindlicher. Jetzt ist es wieder schön mild, sogar die Nacht. Das Kälteste war ein einziger Oktobertag, wo wir zwar nicht den Gefrierpunkt, aber beinahe erreichten. Gleich darauf wieder wonnevolle Herbsttage. — Deine Muß-Geschichte im großen Stile hat mir Vergnügen gemacht, ich stimme Dir bei, daß es etwas Gutes ist, — es hält den Kopf und vielleicht auch den Leib frei. Wir sind immer noch im Überfluß der schönsten Trauben: das Pfund allererste Qualität 24 Pfennige nach Eurem Geld. Die Ernährung ist über alle Maßen gut und zuträglich. Man lebt nicht umsonst im Lande der allerberühmtesten Viehzucht und zwar in dessen königl. Residenz. Die Zartheit des Kalbfleisches ist einfach für mich etwas Neues, insgleichen das von mir hochgeschätzte delikate Lammfleisch. Und welche Zubereitung! welche solide, saubere, sogar raffinirte Küche! Ich habe bis jetzt nicht gewußt, was guter Appetit ist: aufrichtig, ich esse 4 mal so viel wie in Nizza, zahle weniger und habe noch nie eine Magenbeschwerde gehabt. Zugegeben, daß man mich, hierin und in andern Dingen, auszeichnet; ich bekomme entschieden die besten Bissen. Aber das ist überall der Fall, wo ich hier verkehre: man nimmt mich für etwas sehr Distinguirtes, Du würdest Dich selber erstaunen, wie stolz und voll Haltung Dein altes Geschöpf hier einherwandelt. Gegen Nizza hat sich Alles gerade umgedreht. — Ein leichter Paletot, mit blauer Seide gefüttert, genügt einstweilen über meinem Gesellschafts-Anzug vollkommen. Der dicke, immer noch ganz ordentliche Überzieher von Hillebrand kommt erst diesen Winter zu Ehren. Zwei Paar Schuhe mit Schnüren. Ungeheure englische Winter-Handschuh. Eine goldne Brille (nicht unterwegs). Jetzt kannst Du Dir das alte Geschöpf vorstellen.

In Liebe
F.

Suche die Stelle und schreibe, von welchem Tag der Brief ist (— er erschien in der Norddeutschen Zeitung)

— Ich vergaß die Chamäleons unter meinem Prunke: sie sind hier ganz fremd, — um so besser!

1147. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Turin, den 18. November 1888

Werther Herr Verleger,

Sie haben die Auszeichnung, die Werke des ersten Menschen aller Jahrtausende in Verlag zu haben. Daß Sie einer alten Gans wie Pohl erlauben können, über mich zu reden, gehört zu den Dingen, die nur in Deutschland möglich sind. Glauben Sie nicht, daß ich dergleichen lese: man schreibt mir eben wörtlich aus Leipzig „die Einbildung Pohls, mit seinem beschränkten Artikel Etwas gegen Ihr Weltgericht gethan zu haben ist urkomisch.“ — Ich bekomme von allen Seiten wahre Huldigungs-Schreiben, wie über ein Meisterstück psychologischer Sagacität, das nicht seines Gleichen hat, wie eine wahre Erlösung von einem gefährlichen Mißverständniß… Fragen Sie doch Herrn von Bülow, was er darüber denkt. — Und der Verleger des „Zarathustra“ nimmt gegen mich Partei? —

In aufrichtiger Verachtung
Nietzsche.

1148. An Heinrich Köselitz in Berlin

Turin, den 18. Nov. 1888

Lieber Freund,

Ihr Brief hat Folgen — ich fühle Etwas wie einen Blitz… Sofort lief ein kleines Handschreiben an Fritzsch ab, mit der Unterschrift „in aufrichtiger Verachtung Nietzsche“. Zwei Tage später will ich ihm schreiben: Verhandeln wir mit einander, Herr Fritzsch! Unter diesen Umständen ist es nicht möglich, meine Werke in Ihren Händen zu lassen. Wieviel wollen Sie für Alles zusammen?“ — Wenn es so weit kommt, daß ich alle meine Litteratur in die Hände bekomme, Alles „Naumanniana“, so wäre das jetzt ein Meisterstreich, — zwei Jahre darauf würde Herr F<ritzsch> sich sehr besinnen… Mille grazie! Vielleicht waren Sie damit sogar der Urheber meiner fortuna. — Ich rechne, daß er 3000 Thaler haben will; er hat an Schmeitzner, wenn mich nicht Alles täuscht, 2000 gezahlt. — Erwägen Sie, daß ich damit der Eigenthümer des Zarathustra werde. Schon „Ecce homo“ wird die Augen aufmachen. — Ich falle vor Vergnügen fast vom Stuhle. —

Aber das war nur die Nebensache. Eine ganz andre Frage bewegt mich tief — die Operetten-Frage, die Ihr Brief berührt. Wir haben uns nicht wiedergesehn, seit ich über diesen Frage aufgeklärt bin — oh so aufgeklärt! So lange Sie mit dem Begriff „Operette“ irgend eine Condescendenz, irgend einen Vulgarismus des Geschmacks mitverstehen, sind Sie — verzeihen Sie den starken Ausdruck! — nur ein Deutscher… Fragen Sie doch, wie Monsieur Audran die Operette definirt: „das Paradis aller delikaten und raffinirten Dinge“, die sublimen Süßigkeiten eingerechnet. Ich hörte neulich „Mascotte“ — drei Stunden und nicht ein Takt Wienerei (= Schweinerei) Lesen Sie irgend ein Feuilleton über eine neue Pariser opérette: sie sind jetzt in Frankreich darin wahre Genies von geistreicher Ausgelassenheit, von boshafter Güte, von Archaismen, Exotismen, von ganz naiven Sachen. Man verlangt 10 Stücke ersten Ranges, damit eine Operette, unter einem enormen Druck der Concurrenz, obenauf bleibt. Es giebt bereits eine wahre Wissenschaft von finesses des Geschmacks und des Effekts. Ich beschwöre Sie, Wien ist ein Schweinestall… Wenn ich Ihnen Eine veritable Pariser Soubrette, welche crée —, in einer einzigen Rolle zeigen könnte, z. B. Mad. Judic oder die Milly Meyer, so würden Ihnen die Schuppen von den Augen, ich wollte sagen von der Operette fallen. Die Operette hat keine Schuppen: die Schuppen sind bloß deutsch…

— Und hier kommt eine Art Recept. Für unsre Leiber und Seelen, lieber Freund, ist eine kleine Vergiftung mit Parisin einfach eine „Erlösung“ — wir werden wir, wir hören auf, horndeutsch zu sein… Vergeben Sie mir, aber deutsch schreiben kann ich erst von dem Augenblick an, wo ich mir Pariser als Leser denken konnte. Der „Fall Wagner“ ist Operetten-Musik…

Dieser Tage machte ich die gleiche Reflexion bei einem wahrhaft genialen Werk eines Schweden, des mir von Dr. Brandes als Hauptverehrer vorgestellten Herrn August Strindberg. Es ist die französische Cultur auf einem unvergleichlich stärkeren und gesünderen fond: der Effekt ist bezaubernd: „Les mariés“ heißt es, Paris 1885. — Sehr curios, wir stimmen über das „Weib“ absolut überein, — es war bereits Dr. Brandes aufgefallen. —

Moral: nicht Italien, alter Freund! Hier, wo ich die erste Operetten-Gesellschaft Italiens habe, sage <ich> mir bei jeder Bewegung der hübschen, oft allzuhübschen Weiberchen, daß sie eine leibhafte Carikatur aus jeder Operette machen. Sie haben ja keinen esprit in den Beinchen, — geschweige im Köpfchen… Offenbach ist in Italien ebenso dunkel (will sagen hundsgemein) als in Leipzig. —

Sehen Sie, wie weise ich jetzt werde! Wie ich selbst die Werthe meines Freundes Köselitz umwerthe! — Warum nicht Bruxelles?… Am besten freilich Paris selbst. Die Luft thut’s. — Das wußte Wagner: sich in Scene setzen hat er nur in Paris gelernt.

Ich bitte, auch diesen Brief tragisch zu nehmen. Mit aufrichtiger Achtung Ihr

N.

1149. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 19. Nov. 1888

Geehrter Herr Verleger,

Ihnen zu Dank für Ihren Brief verpflichtet, beeile ich mich, meine Entschließungen mitzutheilen.

Die Probe-Seite gefällt mir nicht. Ich finde die Seite der zwei letzten Schriften, mit dem Strich, nicht nur bei weitem eleganter, sondern auch leichter lesbar. Der Satz wird durch die breiteren Spatien für das Auge schwer überschaubar: und darin vor Allem liegt eine Gefahr für das Verstandenwerden. Bleiben wir also bei der Seite der Götzen-Dämmerung, bleiben wir auch beim Strich. —

Ein zweiter Punkt, über den <ich> zu Ihnen reden will, wie ich vor mir rede, ist die Frage der Ausstattung resp. Papier. In der Voraussicht einer vielleicht sogar excessiven Berühmtheit meines Namens für eine nicht allzulange Zeit bin ich mir selber einige Respekts-Rücksichten schuldig, bei denen materielle Erwägungen nicht in Betracht kommen dürfen. Mein Wille ist also, daß wir dasselbe Papier auch für „Ecce homo“ festhalten — daß wir aber, so wohl für Götzen-Dämmerung als für die neue Schrift die gleichen Preise festhalten wie für den „Fall Wagner“. —

Später — wer weiß? werden wir einmal auch Geld verdienen: ich wage nicht anzudeuten, in welchem Maaße die Umwerthung gelesen werden wird. Einstweilen liegt Alles daran, daß man sich ein Jahr zum Mindesten überall mit mir beschäftigt.

Die neue Schrift enthält über jede meiner früheren Schriften ein eigenes Capitel, das den Titel der einzelnen Schrift zur Überschrift hat. Damit erledigt sich, wie ich glaube, Ihr Vorschlag: dem auch das widerspricht, daß es keine mittheilenswerthen Recensionen giebt. Es ist Alles jammervolles Zeug, ohne Ausnahme. —

Herrn Dr. Fuchs bitte ich „Jenseits“ und „Genealogie der Moral“ zu senden, mitsammt die Adresse des Herrn Köselitz. — Was man über den „Fall Wagner“ schreibt, will ich nicht sehn. —

Wenn Sie im Stande sind, den Druck sofort und mit Eifer beginnen zu lassen, so werde ich Grund haben, Ihnen dankbar zu sein

Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

Torino, via Carlo Alberto 6, III

Von der Götzen-Dämmerung bitte ich mir die ersten 4 Exemplare aus. Gesetzt, daß Sie noch sich Zeit nehmen bis zur Buchbinder-Arbeit, so könnten Sie nur die Aushängebogen des Buchs schicken. —

Herr Spitteler ist mit Feuer für mich im „Bund“ eingetreten. — Die Paar Worte, die er bei dieser Gelegenheit über mich überhaupt sagt, sind bei weitem das Beste, was bisher öffentlich gesagt worden ist.

1150. An Carl Spitteler in Basel (Postkarte)

Turin, den 19. Nov. <1888>

Werthester Herr,

Ihre Worte über Nietzsche en bloc sind das Achtbarste, was ich bis jetzt gelesen habe. — Daß ich meine „Bekehrung“ an Carmen anknüpfe, ist natürlich — Sie werden keinen Augenblick daran zweifeln — eine Bosheit mehr von mir. Ich kenne den Neid, die Wuthausbrüche Wagners gegen den Erfolg von Carmen — den größten, anbei gesagt, den die Geschichte der Oper hat. —

Mit aufrichtiger Neigung
Nietzsche

1151. An Georg Brandes in Kopenhagen

Torino, via Carlo Alberto 6, III den 20. Nov. 1888.

Verehrter Herr,

Vergebung, daß ich auf der Stelle antworte. Es giebt jetzt in meinem Leben curiosa von Sinn im Zufall, die nicht ihres Gleichen haben. Vorgestern erst; jetzt wieder. — Ach, wenn Sie wüßten, was ich eben geschrieben hatte, als Ihr Brief mir seinen Besuch machte…

Ich habe jetzt mit einem Cynismus, der welthistorisch werden wird, mich selbst erzählt: das Buch heißt „Ecce homo“ und ist ein Attentat ohne die geringste Rücksicht auf den Gekreuzigten: es endet in Donnern und Wetterschlägen gegen Alles, was christlich oder christlich-infekt ist, bei denen Einem Sehn und Hören vergeht. Ich bin zuletzt der erste Psychologe des Christenthums und kann, als alter Artillerist, der ich bin, schweres Geschütz vorfahren, von dem kein Gegner des Christenthums auch nur die Existenz vermuthet hat. — Das Ganze ist das Vorspiel der Umwerthung aller Werthe, das Werk, das fertig vor mir liegt: ich schwöre Ihnen zu, daß wir in zwei Jahren die ganze Erde in Convulsionen haben werden. Ich bin ein Verhängniß. —

— Errathen Sie, wer in „Ecce homo“ am schlimmsten wegkommt? Als die zweideutigste Art Mensch, als die im Verhältniß zum Christenthum fluchwürdigste Rasse der Geschichte? Die Herrn Deutschen! — Ich habe ihnen furchtbare Dinge gesagt… Die Deutschen haben es zum Beispiel auf dem Gewissen, die letzte große Zeit der Geschichte, die Renaissance, um ihren Sinn gebracht zu haben — in einem Augenblick, wo die christlichen Werthe, die décadence-Werthe, unterlagen, wo sie in den Instinkten der höchsten Geistlichkeit selbst überwunden durch die Gegeninstinkte waren, die Lebens-Instinkte!… Die Kirche angreifen — das hieß ja das Christenthum wiederherstellen. — Cesare Borgia als Papst — das wäre der Sinn der Renaissance, ihr eigentliches Symbol…

— Auch dürfen Sie darüber nicht böse sein, daß Sie selber an einer entscheidenden Stelle des Buchs auftreten — ich schrieb sie eben — in diesem Zusammenhange, daß ich das Verhalten meiner deutschen Freunde gegen mich stigmatisire, das absolute In-Stichgelassen-sein mit Ehre wie mit Philosophie. — Sie kommen, eingehüllt in eine artige Wolke von Glorie, auf einmal zum Vorschein…

Ihren Worten über Dostoiewsky glaube ich unbedingt; ich schätze ihn andererseits als das werthvollste psychologische Material, das ich kenne, — ich bin ihm auf eine merkwürdige Weise, dankbar, wie sehr er auch immer meinen untersten Instinkten zuwidergeht. Ungefähr mein Verhältniß zu Pascal, den ich beinahe liebe, weil er mich unendlich belehrt hat: der einzige logische Christ…

— Vorgestern las ich, entzückt und wie bei mir zu Hause, les mariés von Herrn August Strindberg. Meine aufrichtige Bewunderung, der nichts Eintrag thut, als das Gefühl, mich dabei ein wenig mitzubewundern… Turin bleibt meine Residenz —

Ihr Nietzsche, jetzt Unthier…

Wohin darf ich Ihnen die „Götzen-Dämmerung Oder:

wie man mit dem Hammer philosophirt“ senden? Im Fall, daß Sie noch 14 Tage in Kopenhagen sind, ist keine Antwort nöthig. —

1152. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 20. November 1888>

Verhandeln Sie mit mir, Herr Fritzsch! Unter diesen Umständen ist es mir nicht erlaubt, meine Schriften in Ihren Händen zu lassen. Wieviel verlangen Sie für alles zusammen? (Den Hymnus ausgenommen, der Ihr Eigenthum bleiben soll). Sie haben mir nie einen Begriff davon gegeben, was und wieviel sich davon verkauft. Ich will durchaus nicht, daß Sie durch mich Einbusse haben. Zuletzt nehme ich Ihnen auch den Hymnus ab.

1153. An E. Kürbitz in Naumburg

Turin d. 22 Nov 88

Geehrtester Herr,

verlangen Sie, bitte, unverzüglich die 68 Mark von der Firma Nieske wieder zurück, in Anbetracht der Warnung seitens der preuß<ischen> Regierung vor diesem Ofen.

Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

1154. An Ad. Fleischmann in München

Torino, via Carlo Alberto 6, III 24 Nov. 1888

Sehr geehrter Herr Doktor,

zum Glück hat Ihr Brief mich doch noch in meiner Turiner Verborgenheit zu entdecken gewußt, — die Antwort darauf will ich heute noch auf die Post geben. Diese Schrift verdient im höchsten Grade die Aufmerksamkeit aller feineren und raffinirten Geister; ich bekomme überall her, aus St. Petersburg und Paris, wahre Huldigungs-Schreiben wie über einen Exceß psychologischer Sagacität in einem extrem undurchsichtigen Falle. Zuletzt giebt es Niemanden, der Wagner so sehr aus der Nähe kennt, wie ich — die Zeit in Tribschen war in meinem Leben eine merkwürdig eingreifende, wir waren fast alle Wochen beisammen. — Frau Wagner wird am besten wissen, wie ich das Verborgenste von dieser versteckten Natur errathen habe, aber sie hat hundert Gründe, den mythischen Wagner aufrecht zu halten…

Das Wesentlichste der Schrift ist zuletzt nicht die Psychologie Wagners, sondern die Feststellung des décadence-Charakters unsrer Musik überhaupt: dies ist eine entscheidende Einsicht, wie sie nur Jemand finden konnte, der in seinen tiefsten Instinkten Musiker ist und der sich auch von dem Klügsten der Klugen nichts vormachen läßt.

Meine Adresse ist für den ganzen Winter die gleiche.

Hochachtungsvoll
Dr. Nietzsche

1154a. An August Strindberg in Holte

<Turin, 24. November 1888>

Sollte man das nicht übersetzen? Es ist Dynamit.

Der Antichrist.

1155. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Turin, am 25. November 1888.

Herrn E. W. Fritzsch

ich bekenne, daß ich in so kurzer Zeit das Geld nicht zu schaffen weiß, so daß Sie zunächst an Nichts gebunden sind. Sie werden mir erlauben, daß ich die Unterhandlungen in einem späteren Termin wieder aufnehme.

Ergebenst
Dr. Nietzsche

1156. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 25. Nov. 1888

Geehrter Herr Verleger,

die „Götzen-Dämmerung“ gefällt mir sehr, ich fühle mich noch einmal in dem bestärkt, was ich zuletzt schrieb, daß wir die gleiche Ausstattung für das „Ecce homo“ festhalten. — Zwei sehr dumme Fehler, die, wie ich fürchte, auf meine Verantwortung resp. schlechte Augen zurückgehn p. 137 Z. 7 Agleoph statt Aglaop p. 52 Z. 5 Symptomologie statt Symptomatologie. —

Die Worte, mit denen die Schrift in dem Buchhändler-Börsenblatt anzuzeigen wäre, habe ich Herrn Köselitz überlassen, der Ihnen darüber Mittheilung machen wird. Es schadet Nichts, wenn dieselben etwas stark sind; es ist bei dieser Schrift nicht erlaubt, Recensions-Exemplare an Zeitungen zu senden.

Einige sehr klug gewählte Inserate müssen dies Mal versucht werden. — Ein sehr urteilsfähiger älterer Herr, Mitarbeiter der Hauptrevuen („Gegenwart“ „deutsche Revue“, „unsere Zeit“, auch „Bl<ätter> für litter. Unterhaltung“) Dr. Fleischmann, Justizamtmann früher, hat auf die artigste Weise mir von München aus seine Bereitheit erklärt, über den „Fall Wagner“ des Längeren zu berichten (— man hat ihn in München allgemein drum gebeten) Der Dichter Martin Greif in München hat mir zum Dank seine Werke überschickt. —

Was die Freiexemplare der Götz<en>-D<ämmerung> betrifft, so will ich 3 (von den 4 übersandten) auf mich nehmen: Ihnen bleibe dann die Versendung an folgende Adressen anheimgestellt:

Nach Basel, Schweiz:

  1. Herrn Oberbibliothekar Dr. Sieber

  2. Dem Vorstande der Basler Lesegesellschaft zu geehrten Händen.

  3. der Redaktion der „Basler Nachrichten“

  4. Herrn Karl Spitteler Gartenstraße 74

  5. Herrn Professor Dr. Overbeck

Nach Berlin:

  1. Herrn Prof. Dr. Deussen Berlin W. Kurfürstendamm 142

  2. Herrn Heinrich Köselitz

Nach Dresden:

  1. Herrn Ferdinand Avenarius Stephanienstr. 1.

Nach Danzig:

  1. Herrn Dr. Carl Fuchs

Nach St. Petersburg:

  1. Monsieur le Prince Urussow Sergiewskaia 79.

Wenn es Ihnen möglich wäre, mir für den „Fall Wagner“ baldigst mein conto einzuhändigen, so würde ich Ihnen verpflichtet sein.

Herr E. W. Fritzsch hat eine haarsträubende Taktlosigkeit gegen mich verübt und einer alten Gans erlaubt, mich in der armselig persönlichsten Weise in seinem eignen Blatt zu verhöhnen. Darauf habe ich Fritzsch angefragt, wieviel er für meine ganze Litteratur haben wolle, — es sei mir nicht erlaubt, dieselbe in solchen Händen zu lassen. Die Antwort liegt bei. Aufrichtig, ich verstehe sie nicht. Es scheint mir, er will 10 000 Thaler haben

Hochachtungsvoll Ihr
Prof. Dr. Nietzsche

Sobald „Ecce homo“ gewirkt hat — es wird ein Erstaunen ohne Gleichen hervorrufen — thue ich die bereits erwogenen Schritte, um Übersetzungen der „Umwerthung“ in 7 Hauptsprachen durch lauter ausgezeichnete Schriftsteller Europas vorzubereiten. Das Werk soll zugleich in allen Sprachen erscheinen. —

NB. Ich sehe einer schwedischen Übersetzung der „Götzen-Dämmerung“ entgegen

Aufrichtig, ich möchte meine Schr<ifte>n weg von Fritzsch. In zwei Jahren ha<be>n sie einen vertausendfachten Werth. An meinem „Zarathustra“ allein kann man Millionär werden: es ist das entscheidendste Werk, das es giebt.

1157. An Heinrich Köselitz in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6, III Montag <25. November 1888>

Lieber Freund,

vielleicht, daß auch bei Ihnen schon die Götzen-Dämmerung eingetroffen ist? Bei mir langten gestern die ersten Exemplare an. Zwei dumme Fehler: „Symptomologie“ statt „Symptomatologie“ und „Agleophamus“ statt „Aglaophamus“: dergleichen macht einen Philologen wüthend. — Ich habe als Preis für dies Buch 1 1/2 Mark festgesetzt: Sie verstehen? — Dieselbe Ausstattung, derselbe Preis auch „Ecce homo“, das jetzt in Arbeit kommt. — Erlösen Sie mich von einer Schwierigkeit und geben Sie Naumann Etwas über die Götzen-Dämmerung für das Buchhändler-Börsenblatt. Sie dürfen die Ausdrücke so stark als möglich nehmen. — Fritzsch will circa 10 000 Thaler von mir. — Die Frage der „Preßfreiheit“ ist, wie ich jetzt mit aller Schärfe empfinde, eine bei meinem „Ecce homo“ gar nicht aufzuwerfende Frage. Ich habe mich dergestalt jenseits gestellt, nicht über das, was heute gilt und obenauf ist, sondern über die Menschheit, daß die Anwendung eines codex eine Komödie sein würde. Übrigens ist das Buch reich an Scherzen und Bosheiten, weil ich mit aller Gewalt mich als Gegentypus zu der Art Mensch, die bisher verehrt worden ist, präsentire: — das Buch ist so „unheilig“ wie möglich…

Ich bekenne, daß mir die Götzen-Dämmerung als vollkommen erscheint; es ist nicht möglich, entscheidendere Dinge deutlicher und delikater zu sagen… Man kann 10 Tage nicht nützlicher verwenden, denn mehr Zeit hat mich das Buch nicht gekostet. —

Jakob Burckhardt hat von mir das erste Exemplar bekommen.

Wir haben nach wie vor ein bezauberndes Frühjahr-Wetter; ich sitze eben mit aller Heiterkeit und leicht bekleidet, vor offnem Fenster.

Eine letzte Erwägung. Sehen Sie, lieber Freund, „Kreise stören“ — das ist wirklich in meiner jetzigen Existenz unmöglich. Es hat etwas auf sich mit dem „Kreise“… Aber etwas Anderes: ich bin mitunter vollkommen außer mir, kein aufrichtiges und unbedingtes Wort zu irgend Jemand sagen zu können — ich habe gar Niemanden dazu außer Herrn Peter Gast… Auch finden Sie in meiner im Grunde heiteren und boshaften „Aktualität“ vielleicht mehr Inspiration zur „Operette“ als sonstwo: ich mache so viele dumme Possen mit mir selber und habe solche Privat-Hanswurst-Einfälle, daß ich mitunter eine halbe Stunde auf offner Straße grinse, ich weiß kein andres Wort.… Neulich fiel mir ein, Malvida an einer entscheidenden Stelle von „Ecce homo“ als Kundry vorzuführen, welche lacht… Ich habe 4 Tage lang die Möglichkeit verloren, einen gesetzten Ernst in mein Gesicht zu bringen —

Ich denke, mit einem solchen Zustand ist man reif zum „Welt-Erlöser“?…

Kommen Sie…

Ihr Freund N.

— Die Art Öfen, die ich mir für schweres Geld aus Deutschland bestellt habe (68 Mark) sind jetzt hochobrigkeitlich verboten, als lebensgefährlich. — Ein artiger Ofen mit Gas-Heizung tritt an seine Stelle. Preis 65 frs. — man steckt das Streichholz hinein, da gehts los; hat man genug Wärme im Zimmer, löscht man es —

Eben ist eine Wagnerisirende Oper, Nerone, furchtbar hier durchgefallen. Der Hauptsänger hat die Flucht ergriffen.

Das Neueste ist der Beschluß Turins, ein Opernhaus allerersten Ranges zu baun. —

1158. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 26. Nov. 88

Geehrtester Herr Verleger,

ich schreibe Ihnen noch einmal; die Frage, um die es sich handelt, ist ersten Ranges. Alles erwogen, ist die unqualificirbare Handlung des E. W. Fritzsch ein Glücksfall, der nicht hoch genug zu schätzen ist. Ohne diesen Handlung, welche nicht nur eine Taktlosigkeit, sondern eine Ehren-Verletzung ist (— er hat mir die armseligsten persönlichen Motive für meine Schrift gegen Wagner untergeschoben, mir dem Unpersönlichsten Menschen, den es vielleicht gegeben hat) würde ich kein Mittel haben, meine Schriften aus seinen Händen zu ziehn. Jetzt aber kann ich es nicht nur, ich muß es: in einem Augenblick, wo mein Leben in einer ungeheuren Entscheidung ist und eine Verantwortlichkeit auf mir liegt, für die es keinen Ausdruck giebt, vertrage ich es nicht, daß man Gemeinheiten an mir begeht. Der Verleger des „Zarathustra“! des ersten Buches aller Jahrtausende! in dem das Schicksal der Menschheit einbegriffen ist! das in wenig Jahren in Millionen von Exemplaren sich verbreiten wird!… Sobald „Ecce homo“ heraus ist, bin ich der erste Mensch, der jetzt lebt.

Verhandeln Sie, geeintester Herr Verleger, doch einmal persönlich mit E. W. Fritzsch, sagen Sie ihm, mein Entschluß sei unwiderruflich, er habe mich in meiner Ehre beleidigt. Ich möchte, daß Sie meine ganze Litteratur zusammen haben, — ich möchte andrerseits, daß jetzt, wo Alles sich bei mir entscheidet, auch wir unter uns über ein normaleres Verhältniß zwischen Autor und Verleger nachdächten. Ich werde niemals Honorare wollen, das gehört zu meinen Principien; aber ich möchte, daß Sie vollen Antheil an dem Erfolg, an dem Sieg meiner Litteratur hätten. — Die „Umwerthung aller Werthe“ wird ein Ereigniß ohne Gleichen, <nic>ht etwa ein litterarisches, sondern ein alles Bestehende Erschütternde<s>. Es ist möglich, daß es die Zeitrechnung verändert. —

Die in den Händen von Fr<itzsch> befindliche Litteratur müßte so schnell wie möglich in Ihre Hände übergehn, bevor F<ritzsch> einen Begriff davon bekommt, was er an ihr hat. Schon die Götzen-Dämmerung ist darin gefährlich. Ich weiß im Augenblick nicht, wie ich die von ihm verlangte Summe beschaffe, — vielleicht gelingt es Ihnen, dieselbe etwas zu verringern.

Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche

Anbei ein Nachtrag zum E. h., — es wird noch mehr kommen

Dies Papier, worauf ich schreibe, gefällt mir am besten.

1159. An Paul Deussen in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6,III am 26. Nov. 88

Lieber Freund,

ich habe nöthig, in einer Sache allerersten Rangs mit Dir zu reden. Mein Leben kommt jetzt auf seine Höhe: noch ein paar Jahre, und die Erde zittert von einem ungeheuren Blitzschlage. — Ich schwöre Dir zu, daß ich die Kraft habe, die Zeitrechnung zu verändern. — Es giebt Nichts, das heute steht, was nicht umfällt, ich bin mehr Dynamit als Mensch. — Meine Umwerthung aller Werthe, mit dem Haupttitel „der Antichrist“ ist fertig. In den nächsten zwei Jahren habe ich die Schritte zu thun, um das Werk in 7 Sprachen übersetzen zu lassen; die erste Auflage in jeder Sprache c. eine Million Exemplare. — Bis dahin erscheint noch von mir:

  1. Götzen-Dämmerung. Oder: wie man mit dem Hammer philosophirt. Das Werk ist fertig, ich habe gestern den Auftrag gegeben, daß Dir eins der ersten Exemplare zugeht. Lies es, ich bitte Dich, mit dem tiefsten Ernste, wie sehr es auch immer im Verhältniß zu dem, was kommt, ein heiteres Buch ist.

  2. Ecce homo. Wie man wird, was man ist. Dies Buch handelt nur von mir, — ich trete zuletzt darin mit einer welthistorischen Mission auf. Es ist bereits im Druck. — Darin wird zum ersten Mal Licht über meinen Zarathustra gemacht, das erste Buch aller Jahrtausende, die Bibel der Zukunft, der höchste Ausbruch des menschlichen Genius, in dem das Schicksal der Menschheit einbegriffen ist. — Und hier kommt mein Anliegen, dessenthalben ich schreibe.

Ich will meinen Zarathustra zurück aus den Händen von E. W. Fritzsch, ich will meine ganze Litteratur selbst in den Händen haben, als deren Alleinbesitzer. Sie ist nicht nur ein ungeheures Vermögen, denn mein Zarathustra wird wie die Bibel gelesen werden, — sie ist einfach in den Händen von E. W. Fritzsch nicht mehr möglich. Dieser unsinnige Mensch hat mich eben jetzt in meiner Ehre beleidigt: ich kann gar nicht anders, ich muß ihm die Bücher wegnehmen. Auch habe ich schon mit ihm verhandelt: er will für meine ganze Litteratur c. 10,000 Thaler. Zum Glück hat er nicht den geringsten Begriff davon, was er besitzt. — In summa: ich brauche 10,000 Thaler. Denke nach, alter Freund! Ich will nichts geschenkt, es handelt sich um ein Anleihen zu jeden Zinsen, die gewünscht werden. Ich habe übrigens keinen Pfennig Schulden, besitze einige Tausende noch zum Verbrauchen und bin durch meine Basler Pension außer Sorge. (— Die „Götzen-Dämmerung und der „Ecce homo“ werden mit einem gewissen Gelde gedruckt, das irgend ein Wunder mir seiner Zeit aus Berlin zukommen ließ.) Nur müßte das Geld mir bald zu Gebote stehn, bevor nämlich F<ritzsch> eine Witterung bekommt, was er hat. Dann würde ich Alles beieinander in den Händen des vertrauenswürdigen Naumann in Leipzig haben.

Dein Freund Nietzsche

(— mit bestem Gruß an die „tapfere Kameradin“ —)

Karte aus Madrid erhalten. — Meine Gesundheit ist jetzt wundervoll, ich bin dem Stärksten gewachsen, — Du würdest Deinen Ohren nicht trauen, wenn Du hörtest, daß die 3 genannten Ungeheuer von Büchern zwischen dem 24 August und 4 Nov. entstanden sind!

1160. An August Strindberg in Holte

Torino, Via Carlo Alberto, 6, III den 27. November 1888.

Hochgeehrter Herr,

ich denke, unsre Sendungen haben sich gekreuzt? — Ich las zwei Mal mit tiefer Bewegung Ihre Tragödie; es hat mich über alle Maaßen überrascht, ein Werk kennen zu lernen, in dem mein eigner Begriff von der Liebe — in ihren Mitteln der Krieg, in ihrem Grunde der Todhaß der Geschlechter — auf eine grandiose Weise zum Ausdruck gebracht ist.

— Aber dies Werk ist ja prädestinirt, jetzt in Paris im théâtre libre des Ms. Antoine aufgeführt zu werden! Fordern Sie das einfach von Zola! Im Augenblick legt er großen Werth darauf, daß man sich seiner erinnert. —

— Ich bedaure im Grunde die Vorrede, obwohl ich sie nicht missen möchte: sie enthält lauter unbezahlbare Naivetäten. Daß Z<ola> nicht „für die Abstraktion“ ist, erinnert mich an einen deutschen Übersetzer eines Romans von Dostoiewsky, der auch nicht „für die Abstraktion“ war: er hatte „des raccourcis d’analyse“ einfach weggelassen, — sie „genirten“ ihn… Und daß Z<ola> Typen nicht von „êtres de raison“ auseinander zu halten weiß! daß er den état civil complet für die Tragödie verlangt! Aber fast geschüttelt vor Lachen habe ich mich, als er zuletzt gar eine Rassen-Frage daraus macht! So lange es überhaupt Geschmack in Frankreich gab, hat man immer aus Rassen-Instinkt gerade das abgelehnt, was Zola will: gerade la race latine protestirt gegen Zola. Zuletzt ist er ein moderner Italiäner, — er huldigt dem verismo…

In aufrichtiger Hochschätzung
Ihr
Nietzsche.

1161. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 27. November 1888>

Geehrtester Herr Verleger, ich werde Sie bitten müssen, den zweiten Theil des Ms. mir noch einmal zurückzuschicken, da ich Einiges noch hineinlegen will. Es könnte sonst Confusion geben. Also die ganze zweite Hälfte des Ms. von dem Abschnitt an, der als Überschrift hat: Also sprach Zarathustra. Ich nehme an, daß dies im Druck keinen Augenblick Verzögerung macht, da ich das Ms. unmittelbar zurückschicke, und zunächst noch eine Menge Ms. in Arbeit ist — Zur Beschaffung des Geldes für F<ritzsch> habe ich gestern noch einen Schritt gethan: ich gebe Ihnen Auskunft, wenn er Erfolg hat.

Ergebenst Dr. Nietzsche

1162. An Unbekannt (Entwurf)

Torino, via Carlo Alberto 6 III den 27. Nov. 1888

Hochge<e>h<rter> <Herr>

ich komme aus hundert Abgründen, in die noch kein Blick sich gewagt, ich kenne Höhen, wohin kein Vogel sich verflog, ich habe am Eis gelebt, — ich bin verbrannt worden von hundert Schneen: es scheint mir, daß warm und kalt in meinem Munde andere Begriffe sind

1. Ruhm und Ewigkeit.

2. Letzter Wille.

3. Zwischen Raubvögeln

4. Das Feuerzeichen

5. Die Sonne sinkt.

6. Von der Armut des Reichsten.

1163. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Turin,> 29. Nov. 88

Lieber Freund,

sehr gute Nachrichten aus Berlin. Die Aufführung des „provençalischen Quartetts“ (mir gewidmet) durch Joachim selbst wahrscheinlich geworden. In Anbetracht, daß J<oachim> bloß klassische Musik in seinen Quartetten aufführt, eine Auszeichnung ersten Ranges. Auch de Ahna ist entzückt. — Der Rival K<öselitz>’s in puncto puncti ist ein junger Graf Schlieben — leider ein ganz hoffnungsloser Rival…

Eine andere Neuigkeit. Das schwedische Genie Strindberg hält mich für den größten Psychologen des — Ewig-Weiblichen. Er hat mir seine Tragödie „Père“ (mit begeisterter Vorrede Zola’s) geschickt, die in der That meine Definition der Liebe (— sie steht z. b. im Fall Wagner) auf eine grandiose Art zum Ausdruck bringt. Ich bemühe mich eben darum, das Werk im théatre libre in Paris aufführen zu lassen.

N.

1164. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Torino, via Carlo Alberto 6, III 30. Nov. 1888

Geehrter Herr,

Alles wohl erwogen, kann ich auf diesen Preis nicht eingehn. Ich habe inzwischen den Versuch gemacht, Herrn C. G. Naumann für den Ankauf des Verlags zu interessiren. Aber er will jetzt nichts davon wissen, da er zu sehr in andre Unternehmungen engagirt ist. An sich wäre es mir angenehm, wenn meine gesammte Litteratur in Einer Hand wäre: es versteht sich von selbst, daß ich darauf hin zu einem Opfer bereit wäre (— meine Bücher sind für mich selber ein curios kostspieliger Luxus bis jetzt gewesen —): nur kann ich unmöglich so viel bewilligen, als Sie verlangen. —

Ergebenst Dr. Nietzsche

1165. An Paul Deussen in Berlin (Telegramm)

<Turin, 30. November 1888>

deussen kurfuerstendamm 142 berlin

mark nicht thaler brief abwarten = nietzsche

1166. An Paul Deussen in Berlin (Postkarte)

Torino, via Carlo Alberto 6, III <30. November 1888>

Lieber Freund,

schnell ein Paar Worte zur Erleichterung. Es wird möglich sein, meine Schriften zu einem viel niedrigren Preis zu erwerben: ich bin jetzt schon bei 11,000 Mark. Vielleicht handle ich noch mehr herunter. Erwarte also erst von mir definitive Nachricht.

Dein Nietzsche

1167. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin,> 1. Dezember, bezauberndes Frühlingswetter <1888>

Geehrter Herr,

soeben kam das Ms. in meine Hände; da aber demselben die zugehörigen Nachträge nicht beiliegen, so wäre meine Arbeit daran jetzt umsonst, es würde eine große Confusion abgeben. Unter diesen Umständen bitte ich mir das ganze Ms. noch einmal zurück, von Anfang an, selbst wenn schon Etwas gedruckt sein sollte; ebenfalls alles später Geschickte. Ich will Ihnen ein M. liefern so gut wie das letzte, auf die Gefahr hin, daß ich noch eine Woche den Abschreiber mache. Zeit zu verlieren ist ja nicht dabei; aber ein Monat früher oder später ist einerlei. — An Fritzsch habe ich geschrieben, in Ihrem Sinne; sehr dankbar für diesen gewiß nützlichen Wink!

Ergebenst N.

1168. An Heinrich Köselitz in Berlin

<Turin> 2. Dez. 88.

Sonntag Nachmittag, nach 4 Uhr, unbändig schöner Herbsttag. Eben zurückgekommen von einem großen Concert, das im Grunde der stärkste Concert-Eindruck meines Lebens ist — mein Gesicht machte fortwährende Grimassen, um über sein extremes Vergnügen hinwegzukommen, eingerechnet, für 10 Minuten, die Grimasse der Thränen. Ach, daß Sie nicht dabei waren! Im Grunde war’s die Lektion von der Operette auf die Musik übertragen. Unsre 90 ersten Musiker der Stadt; ein ausgezeichneter Dirigent; das größte Theater von hier mit herrlicher Akustik; 2500 Zuhörer, Alles, ohne Ausnahme, was hier in Musik mitlebt und mitredet. Pubblico sceltissimo, aufrichtig: ich hatte nirgendswo noch das Gefühl, daß dermaaßen nuances verstanden wurden. Es waren lauter extrem raffinirte Sachen, und ich suche vergebens nach einem intelligenteren Enthusiasmus. Nicht Eine Zuthat an einen Durchschnitts-Geschmack. — Anfang Egmont-Ouvertüre — sehen Sie, dabei dachte ich nur an Herrn Peter Gast… Darauf Schubert’s Ungarischer Marsch (aus dem Moment musical), prachtvoll von Liszt auseinandergelegt und instrumentirt. Ungeheurer Erfolg, da capo. — Darauf Etwas für das ganze Streichorchester allein: nach dem 4ten Takte war ich in Thränen. Eine vollkommen himmlische und tiefe Inspiration, von wem? von einem Musiker, der 1870 in Turin starb, Rossaro — ich schwöre Ihnen zu, Musik allerersten Ranges, von einer Güte der Form und des Herzens, die meinen ganzen Begriff vom Italiäner verändert. Kein sentimentaler Augenblick — ich weiß nicht mehr, was „große“ Namen sind… Vielleicht bleibt das Beste unbekannt. — Folgte: Sakuntala-Ouvertüre, achtmaliger Beifallssturm. Alle Teufel, dieser Goldmark! Das hatte ich ihm nicht zugetraut. Diese Ouvertüre ist hundert Mal besser gebaut als irgend etwas von Wagner und psychologisch so verfänglich, so raffinirt, daß ich wieder die Luft von Paris zu athmen begann. Curios: es fehlt die musikalische „Gemeinheit“ so sehr, daß mir die Tannhäuser-Ouvertüre wie eine Zote vorkam. Instrumental durchdacht und ausgerechnet, lauter Filigran. — Jetzt wieder Etwas für Streichorchester allein „cyprisches Lied“ von Vilbac, wieder das Äußerste von delicatesse der Erfindung und der Klangwirkung, wieder ungeheurer Erfolg und da capo, obschon ein langer Satz. — Endlich: Patrie! Ouvertüre von Bizet. Was wir gebildet sind! Er war 35 Jahre, als er dies Werk, ein langes sehr dramatisches Werk, schrieb, Sie sollten hören, wie der kleine Mann heroisch wird…

Ecco! Kann man sich besser ernähren lassen? Und ich habe 1 fr. Eintritt gezahlt…

Heute Abend Francesca da Rimini im Carignano: ich legte dem letzten Brief einen Bericht darüber bei. Der Componist Cagnoni wird zugegen sein. —

Es scheint mir nachgerade, daß Turin auch im Musik-Urtheil, wie sonst, die solideste Stadt ist, die ich kenne.

Ihr Freund N.

Druckbogen werden jetzt wohl noch ausbleiben: ich habe gestern das ganze Manuscript noch einmal zurückverlangt. — Fritzsch will 10 000 Mark, nicht Thaler. — Die Auflagen sind sehr complet.

1169. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm).

<Turin, 6. Dezember 1888>

C. G. Naumann Leipzig

Ms. zurück. Alles umgearbeitet

1170. An Georg Brandes in Kopenhagen (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Werther Freund, ich halte für nöthig, Ihnen ein paar Dinge aller ersten Rangs mitzutheilen: geben Sie Ihr Ehrenwort drauf, daß die Geschichte unter uns bleibt. Wir sind eingetreten in die große Politik, sogar in die allergrößte… Ich bereite ein Ereigniß vor, welches höchst wahrscheinlich die Geschichte in zwei Hälften spaltet, bis zu dem Punkte, daß wir eine neue Zeitrechnung haben werden: von 1888 als Jahr Eins an. Alles, was heute oben auf ist, Triple-Allianz, sociale Frage geht vollständig über in eine Individuen-Gegensatz-Bildung: wir werden Kriege haben, wie es keine giebt, aber nicht zwischen Nationen, nicht zwischen Ständen: Alles ist auseinander gesprengt, — ich bin das furchtbarste Dynamit, das es giebt. — Ich will in 3 Monaten Aufträge zur Herstellung einer Manuscript-Ausgabe geben von |„Der Antichrist. Umwerthung aller Werthe“|, sie bleibt vollkommen geheim: sie dient mir als Agitations-Ausgabe. Ich habe Übersetzungen in alle europäischen Hauptsprachen nöthig: wenn das Werk erst heraus soll, so rechne ich eine Million Exemplare in jeder Sprache als erste Auflage. Ich habe an Sie für die dänische, an Herrn Strindberg für die schwedische Ausgabe gedacht. — Da es sich um einen Vernichtungsschlag gegen das Christenthum handelt, so liegt auf der Hand, daß die einzige internationale Macht, die ein Instinkt-Interesse an der Vernichtung des Christenthums hat, die Juden sind — hier giebt es eine Instinkt-Feindschaft, nicht etwas „Eingebildetes“ wie bei irgend welchen „Freigeistern“ oder Socialisten — ich mache mir den Teufel was aus Freigeistern. Folglich müssen wir aller entscheidenden Potenzen dieser Rasse in Europa und Amerika sicher sein — zu alledem hat eine solche Bewegung das Großcapital nöthig. Hier ist der einzige natürlich vorbereitete Boden für den größten Entscheidungs-Krieg der Geschichte: das Übrige von Anhängerschaft kann erst nach dem Schlage in Betracht gezogen werden. Diese neue Macht, die sich hier bilden wird, dürfte im Handumdrehn die erste Weltmacht sein: zugegeben daß zunächst die herrschenden Stände die Partei des Christenthums ergreifen, so ist die Axt ihnen insofern an die Wurzel <gelegt>, als gerade alle starken und lebendigen Individuen aus ihnen unbedingt ausscheiden werden. Daß alle geistig ungesunden Rassen im Christenthum den Glauben der Herrschenden bei dieser Gelegenheit empfinden, folglich für die Lüge Partei nehmen werden, das zu errathen braucht man nicht Psycholog zu sein. Das Resultat ist, daß hier das Dynamit alle Heeresorganisation alle Verfassung sprengt: daß die Gegnerschaft nicht Anderes constituirt und auf Krieg ungeübt dasteht. Alles in Allem, werden wir die Offiziere in ihren Instinkten für uns haben: daß es im aller höchsten Grad unehrenhaft, feige, unreinlich ist, Christ zu sein, dies Urtheil trägt man unfehlbar aus meinem „Antichrist“ mit sich fort. — (Zunächst erscheint das „Ecce homo“ von dem ich sprach, worin das letzte Capitel einen Vorgeschmack giebt, was bevorsteht, und wo ich selbst als Mensch des Verhängnisses auftrete…) Was den deutschen Kaiser betrifft, so kenne ich die Art, solche braunen Idioten zu behandeln: das giebt einem wohlgerathenen Offizier das Maß ab. Friedrich der Große war besser, der wäre sofort in seinem Elemente. — Mein Buch ist wie ein Vulkan, man hat keinen Begriff aus der bisherigen Litteratur, was da gesagt wird, und wie die tiefsten Geheimnisse der menschlichen Natur plötzlich mit entsetzlicher Klarheit herausspringen. Es giebt eine Art darin, das Todesurtheil zu sprechen, die vollkommen übermenschlich ist. Und dabei weht eine grandiose Ruhe und Höhe über das Ganze — es ist wirklich ein Weltgericht, obwohl Nichts zu klein und versteckt ist, was hier nicht gesehen und ans Licht gezogen werde. Wenn Sie endlich das Gesetz gegen das Christenthum unterzeichnet, der „Antichrist“ lesen, das den Schluß macht, wer weiß, so schlottern vielleicht selbst Ihnen, fürchte ich, die Gebeine…

Das Gesetz gegen das Christenthum hat als Überschrift: Todkrieg dem Laster: das Laster ist das Christenthum

Der erste Satz: Lasterhaft ist jede Art Widernatur; die lasterhafteste Art Mensch ist der Priester: der lehrt die Widernatur. Gegen den P<riester> hat man nicht Gründe, man hat das Zuchthaus nöthig.

Der vierte (Satz) Die Predigt der Keuschheit ist eine öffentliche Aufreizung zur Widernatur. Jede Verachtung des geschlechtlichen Lebens, jede Verunreinigung desselben durch den Begriff „unrein“ ist die eigentliche Sünde gegen den heiligen Geist des Lebens.

Der 6. Satz heißt Man soll die heilige Geschichte nennen mit dem Namen den sie verdient, als verfluchte Geschichte; man soll die Worte „Gott“ „Heiland“ „Erlöser“ „Heiliger“ zu Schimpfworten, zu Verbrecher-Abzeichen benutzen.

Umwerthung aller Werthe? Da wird erst — — —

Siegen wir, so haben wir die Erdregierung in den Händen — den Weltfrieden eingerechnet… Wir haben die absurden Grenzen der Rasse Nation und Stände überwunden: es giebt nur noch Rangordnung zwischen Mensch und Mensch und zwar eine ungeheure lange Leiter von Rangordnung.

Da haben Sie das erste welthistorische Papier: Große Politik par excellence.

NB. Suchen Sie mir einen Meister als ersten Übersetzer — ich kann nur Meister der Sprache brauchen.

1171. An Kaiser Wilhelm II (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Ich erweise hiermit dem Kaiser der Deutschen die höchste Ehre, die ihm widerfahren kann, eine Ehre, die um so viel mehr wiegt, als ich dazu meinen tiefen Widerwillen gegen Alles, was deutsch ist, zu überwinden habe: ich lege ihm das erste Exemplar eines Werks in die Hand, mit dem sich die Nähe von etwas Ungeheurem ankündigt — von einer Crisis, wie es keine a<uf> Erden gab, von der tiefsten Gewissens-Collision innerhalb der Menschheit, von einer Entscheidung heraufbeschworen gegen Alles, was bisher geglaubt, gefordert, geheiligt worden war. — Und mit Alledem ist Nichts in mir von einem Fanatiker: wer mich kennt, hält mich für einen schlichten, höchstens ein wenig boshaften Gelehrten, der mit Jedermann heiter zu sein weiß. Diese Schrift giebt wie ich hoffe ein ganz anderes Bild als von einem „Propheten“: und trotzdem oder vielmehr nicht trotzdem — denn alle Propheten waren bisher Lügner — redet aus mir die Wahrheit. — Aber meine Wahrheit ist furchtbar: denn man hieß bisher die Lüge Wahrheit… Umwerthung aller Werthe: das ist meine Formel für einen Akt höchster Selbstbesinnung der Menschheit, — mein Loos will es, daß ich tiefer, muthiger, rechtschaffener in die Fragen aller Zeiten hinunter<zu>blicken wußte als je ein Mensch bisher. Ich fordere nicht das, was jetzt lebt heraus, ich fordere mehrere Jahrtausende gegen mich heraus: ich widerspreche und bin trotzdem der Gegensatz eines neinsagenden Geistes… Es giebt neue Hoffnungen, es giebt Ziele, Aufgaben von einer Größe für die der Begriff bis jetzt fehlte: ich bin ein froher Botschafter par excellence, wie sehr ich auch immer der Mensch des Verhängnisses sein muß… Denn wenn dieser Vulkan in Thätigkeit tritt, so haben wir Convulsionen auf Erden wie es noch keine gab: der Begriff Politik ist gänzlich in einen Geisterkrieg aufgegangen, alle Macht-Geb<ilde> sind in die Luft gesprengt, — es wird Kriege geben, wie es noch nie Kriege gab. —

1172. An Kaiser Wilhelm II (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Ich erweise hiermit dem Kaiser der Deutschen die höchste Ehre, die ihm widerfahren kann, — ich überreiche ihm das erste Exemplar des Werks, in dem das Schicksal der Mh. sich entscheidet. Ein Augenblick tiefster Selbstbesinnung hebt hiermit an, — die Folgen werden ungeheuer, sie werden selbst furchtbar sein: und ein Weg im Gleichgewicht aller ist zunächst widerlegt. Zum Glück auch eine grosse Entscheidung, ein neuer M<en>s<ch>, ein Wissen um das Ziel…

Friedrich Nietzsche

1173. An Otto von Bismarck (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Seiner Durchlaucht dem Fürsten Bismarck.

Ich erweise dem ersten Staatsmann unsrer Zeit die Ehre, ihm durch Überreichung des ersten Exemplars von „Ecce homo“ meine Feindschaft anzukündigen. Ich lege ein zweites Exemplar bei: dasselbe in die Hände des jungen deutschen Kaisers zu legen, wäre die einzige Bitte, die ich jemals an den Fürsten Bismarck zu stellen gesonnen bin. —

Der Antichrist
Friedrich Nietzsche.
Fromentin

Turin, via Carlo Alberto 6, III

Zuletzt, um nichts halb zu thun, muß es mir nachgesehen werden, wenn ich noch zwei Exemplare meines letzterschienenen Werks beilege: in dem selben sind die wissenschaftlichen Voraussetzungen meiner Denkweise mit aller nur wünschbaren Deutlichkeit ausgesprochen.

1174. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, 6. Dezember 1888>

Herrn C. G. Naumann. Hiermit kommt das Ms. zurück; es ist jetzt Alles in vollkommner Ordnung; auch wird Nichts mehr meinerseits geändert. Ich verhandle eben wegen einer französischen und englischen Übersetzung, die zu gle<iche>r Zeit erscheinen müßte. Zu diesem Zwecke würden wir von jedem fertigen Bogen Exemplare zu versenden haben. Über die Zahl der Exemplare überhaupt kann ich heute noch nichts bestimmen. Vielleicht machen wir zwei Auflagen; eine kleine (c. 1000) auf dem guten Papier und eine weit größere mit andrem Papier. —

— Ich bekomme eben ein wahres Huldigungs-Schreiben von einer der ersten Frauen der St. Petersburger Gesellschaft: ich möchte gern, zum Dank dafür, ein Exemplar der Götzen-Dämmerung, möglichst bald in ihren Händen wissen. Adresse: Madame la Princesse Anna Dmitriewna Ténicheff

Quai Anglais 20 St. Petersbourg.

<D>ruckgang wie gewöhnlich. Herr Köselitz ist noch in Berlin (— habe ich unter den Freiexemplaren eins auch für Dr. Carl Fuchs in Danzig bestimmt? —)

Was haben Sie über die buchhändlerische Versendung der G. D. beschlossen? Noch warten? —

1175. An Emily Fynn in Genf

Torino, Via Carlo Alberto. 6. XII. 1888.

Verehrteste Frau,

wo werden Sie mich suchen? Gewiß nicht so nah, in meiner Residenz Turin, die ich ein für alle Mal, auch für die Winter, gewählt habe. Ich kann nicht ausdrücken, wie sehr mir hier Alles wohl thut — ich habe keinen Ort gesehen, der meinen innersten Instinkten so entgegen käme. Großstadt, und dabei still, vornehm, mit einem ausgezeichneten Schlag von Menschen in jeder Classe der Gesellschaft. Wir haben den düsteren Pomp eines großen Begräbnißes gehabt: es galt einem der verehrtesten Piemontesen, dem Conte di Robilant. Und wenn mir Turin gefällt, ich weiß nicht wie es zugeht; man behandelt mich hier mit einer ausgesuchten Délicatesse.

Unter diesen Umständen hat sich mein Befinden geradezu wunderbar verbessert; ich gehe hier mit einem heiteren Stolze durch das Leben, daß Sie weder die Höhle, noch den Höhlenbär erkennen würden —

Ich freue mich unter andern Glücksgütern auch eines klassischen Schneiders. Ach wenn man mich nur nicht „verdirbt“! Was für Briefe kommen jetzt aus aller Welt zu mir! Vorgestern ein Brief aus St. Petersburg, von einer charmanten und sehr gescheuten Russin. Mad. la princesse Anna Dmitriewna Tenischeff. Man sagt mir, daß die Feinschmecker der russischen Gesellschaft meine Bücher mögen, zum Beispiel Fürst Urussow. Leider sind einige verboten…

Heute kam ein Brief von einem Schweden A. Strindberg, einem wirklichen Genie, dessen Tragödie „Père“, selbst die Nerven Zola’s erschüttert haben soll. Der schwört ganz einfach auf mich und endet alle Briefe an alle Welt: „Lisez Nietzsche! c’est mon Carthago est delenda!“

Ich denke, Sie haben dasselbe sublime Wetter, das wir seit September hier haben? Es scheint mir, daß ich in einem unendliehen Claude Lorr<a>in von Farben lebe. Auch habe ich in meinem ganzen Leben zusammengenommen nicht so viel geschaffen als hier in den letzten 20 Tagen — wer weiß! lauter Dinge ersten Ranges… Und ohne einen Schatten von Ermüdung, vielmehr bei vollkommener Heiterkeit und guter Küche.

Auch sind wir hier musikalisch sehr raffinirt. Im letzten Concert lauter feine Sachen, zum Beispiel: Patrie! von Bizet, dann Sakuntala, Ouvertüre von Goldmark. „Cyprisches Lied“ für Orchester von R. de Vilbac und etwas vom Allerschönsten und Rührendsten, das ich überhaupt gehört, so daß ich zehn Minuten ohne jeden Erfolg gegen die Thränen kämpfte — von wem? von einem Turiner Musiker, der 1872 starb. Rossaro…

Sollten die allerbesten Dinge unbekannt bleiben? die allerbesten Menschen eingerechnet! Gehört es zum Wesen des Vollkommenen nicht „berühmt“ zu werden? — Ruhm — ich fürchte man muß ein wenig canaille sein, um berühmt zu werden.

Sie würden mich, verehrteste Frau sehr verbinden, wenn Sie mir die genaue Adresse von Miß Helen Zimmern geben wollten.

Mich Ihnen Allen auf das Herzlichste empfehlend und Ihrer ausgezeichneten Freundin, der ich meine besten Wünsche zu Füßen lege, einen Winter wünschend wie wir ihn haben.

In freundschaftlicher Verehrung
Nietzsche, Unthier…

1176. An August Strindberg in Holte

Torino, via Carlo Alberto 6, III. den 8. Dezember 1888.

Sehr lieber und werther Herr,

ist ein Brief von mir verloren gegangen? Ich habe sofort nach der zweiten Lektüre Ihnen geschrieben, tief ergriffen von diesem Meisterstück harter Psychologie; ich habe insgleichen Ihnen die Überzeugung ausgedrückt, daß Ihr Werk prädestinirt ist, jetzt in Paris aufgeführt zu werden, im théatre libre des Ms. Antoine, — Sie sollten das von Zola einfach fordern! —

— Der hereditäre Verbrecher decadent, selbst Idiot — kein Zweifel! Aber die Geschichte der Verbrecher-Familien, für die der Engländer Galton („the hereditary genius“) das größte Material gesammelt hat, führt immer auf einen zu starken Menschen für ein gewisses sociales niveau zurück. Der letzte große Pariser Criminalfall Prado gab den klassischen Typus: Prado war seinen Richtern, seinen Advokaten selbst durch Selbstbeherrschung, esprit und Übermuth überlegen; trotzdem hatte ihn der Druck der Anklage physiologisch schon so heruntergebracht, daß einige Zeugen ihn erst nach alten Porträts wiedererkannten. —

Jetzt aber fünf Worte unter uns, sehr unter uns! Als gestern mich Ihr Brief erreichte — der erste Brief in meinem Leben, der mich erreicht hat — war ich gerade mit der letzten Manuscript-Revision von „Ecce homo“ fertig geworden. Da es in meinem Leben keinen Zufall mehr giebt, so sind Sie folglich auch kein Zufall. Warum schreiben Sie Briefe, die in einem solchen Augenblick eintreffen!… Ecce homo soll in der That deutsch, französisch und englisch zugleich erscheinen. Ich habe gestern das Manuscript noch an meinen Drucker geschickt; sobald ein Bogen fertig wird, muß er in die Hände der Herrn Übersetzer. Wer sind diesen Übersetzer? Aufrichtig, ich wußte nicht, daß Sie selber für das ausgezeichnete Französisch Ihres Père verantwortlich sind; ich glaubte an eine meisterhafte Übersetzung. Für den Fall, daß Sie selbst die französische Übersetzung in die Hand nehmen wollten, wüßte ich mich nicht glücklich genug zu schätzen über dies Wunder eines sinnreichen Zufalls. Denn, unter uns, meinen „Ecce homo“ zu übersetzen, bedarf es eines Dichters ersten Rangs; es ist im Ausdruck, im raffinement des Gefühls, tausend Meilen jenseits aller bloßen „Übersetzer“. Zuletzt ist es kein dickes Buch; ich nehme an, es wird in der franz. Ausgabe (vielleicht bei Lemerre, dem Verleger Paul Bourgets? —) gerade einen solchen Band für 3 frs. 50 machen. Da es vollkommen unerhörte Dinge sagt und mitunter, in aller Unschuld, die Sprache eines Weltregierenden redet, so übertreffen wir durch Zahl der Auflagen selbst Nana… Andrerseits ist es antideutsch bis zur Vernichtung; die Partei der französischen Cultur wird durch die ganze Geschichte hindurch festgehalten (— ich behandele die deutschen Philosophen allesammt als „unbewußte“ Falschmünzer, ich nenne den jungen Kaiser einen scharlachnen Mukker…) Auch ist das Buch nicht langweilig, — ich habe es mitunter selbst im Stil „Prado“ geschrieben.. Um mich gegen deutsche Brutalitäten („Confiscation“ —) sicher zu stellen, werde ich die ersten Exemplare, vor der Publikation, dem Fürsten Bismarck und dem jungen Kaiser mit einer brieflichen Kriegserklärung übersenden: darauf dürfen Militärs nicht mit Polizei-Maßregeln antworten. — Ich bin ein Psychologe…

Erwägen Sie, verehrter Herr! Es ist eine Sache allerersten Ranges. Denn ich bin stark genug dazu, die Geschichte der Menschheit in zwei Stücke zu zerbrechen. —

Bliebe die Frage der englischen Übersetzung. Wüßten Sie einen Vorschlag dafür? — Ein antideutsches Buch in England…

Sehr ergeben
Ihr
Nietzsche.

1177. An Meta von Salis auf Marschlins (Entwurf)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Verehrtes Fräulein

ich sende Ihnen hiermit etwas Stupendes, aus dem Sie ungefähr errathen werden, daß der alte Gott abgeschafft ist, und daß ich selber alsbald die Welt regieren werde.

Es sind 2 Exemplare; Sie dürfen Eines von diesen an Malvida schicken, doch ohne die geringste Spur davon, daß ich im Hintergrund der Sendung stehe — Sie dürfen insgleichen, Falls Sie ihr ein Paar Worte dazu schreiben wollen, mich darin „den ersten Menschen aller Jahrtausende“ nennen. Erstens ist es wahr, zweitens macht es einen wundervollen Contrast-Effekt, da Malvida in ihrem letzten Brief an mich schrieb, „sie lächle über mich“…

1177a. An Malwida von Meysenbug in Paris (Entwürfe)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Es ist ja aus jedem Wort meiner Schr<ift> über Wagner Etwas zu lernen: und Sie haben das Recht, als eine Wagner- [— — —], dagegen zu reden. Ich ziehe einen solchen Brief bei weitem Ihrer Güte vor. Es ist meiner unwürdig, einen zweideutigen Verkehr noch länger aufrecht zu erhalten — ich habe meine Geduld auch ganz geboten: Jemand der an mich und zugleich an Wagner festhalten will, darf billigerweise von mir abgelehnt werden. Sie haben sich ja bisher nur für décadents interessiert. Sie gehören dazu: — erlauben Sie mir, Ihnen uninteressant zu sein…

Sie gehören zu den [—] Begegnungen meines Lebens, Sie haben Alles übertroffen, was ich Schlechtes von W<agner> erlebt habe. Und doch habe ich mit Niemandem länger Geduld gehabt! Sich an dem ersten M<enschen> aller Jahrtausende vergreifen, in dessen entscheidendem Augenblick — und ich habe Ihnen gesagt, daß es dieser Augenblick sei.

1178. An Anna Dmitriewna Tenischeff in Petersburg (Entwurf)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Verehrte Frau,

In diesem Augenblick, wo eine ungeheure Aufgabe mich gleichsam heraustreibt aus menschl<icher> Beziehung und meine Einsamkeit mit jeder Stimme an mich tritt, ist ein so bedeutendes Wort aus weiter Ferne eine große Linderung ich danke Ihnen auf das Dankbarste dafür. Als Antwort habe ich mir da erlaubt, eine kleine, aber über die Maaßen substanzreiche Schrift den Weg nach St. Petersburg machen zu lassen: sie heißt Götzend<ämmerung> oder wie man <mit> dem Hammer philosophirt. Hoffentlich erlebt sie kein Unglück — an der Grenze…

1179. An Hippolyte Taine in Paris (Entwurf)

<Turin, 8. Dezember 1888>

Verehrter Herr

das Buch, das in Ihre Hände zu legen ich mir den Muth nehme, ist vielleicht das radikalste Buch, das bisher geschrieben wurde — und in Hinsicht auf das, was es vorbereitet, beinahe ein Stück Schicksal. Es wäre mir von unschätzbarem Werthe, wenn dasselbe französisch gelesen werden könnte: ich habe meine Leser jetzt in aller Welt, nebenbei auch in Rußland, ich bin unglücklich, deutsch zu schreiben, obgleich <ich> es vielleicht besser schreibe, als je es ein Deutscher schrieb. Zuletzt werden die Franzosen aus dem Buche die tiefe Sympathie heraushören, die sie verdienen: ich habe in allen meinen Instinkten Deutschland den Krieg erklärt (— p. 58 ein eigner Abschnitt „Was den Deutschen abgeht“)…

Ein Wink darüber, an wen ich vielleicht Exemplare zu senden hätte?… Eine vollkommene und sogar meisterhafte Kenntniß des Deutschen ist freilich die Voraussetzung, um das Buch zu übersetzen.

Mit dem Ausdruck meiner alten Verehrung

Menthon lac d’Annecy Haute Savoie

1180. An Helen Zimmern in Florenz (Entwurf)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Verehrtes Fr<äulein>

eine Sache aller ersten Rangs! ich denke, ich habe nicht nöthig, Sie erst um jede Diskretion zu bitten. Mein Leben kommt jetzt zu einem lang vorbereiteten ungeheuren Eklat: das, was ich in den nächsten zwei Jahren thue, ist der Art, unsere ganze bestehende Ordnung, „Reich“ „Triple allianz“ und wie all diesen Herrlichkeiten heißen über den Haufen zu werfen. Es handelt sich um ein Attentat auf das Christenthum, das vollkommen wie Dynamit auf Alles wirkt, das im Geringsten mit ihm verwachsen ist. Wir werden die Zeitrechnung verändern, ich schwöre es Ihnen zu. Es hat nie ein M<ensch> mehr Recht zur Vernichtung gehabt als ich!

Es sind zwei Schläge, aber mit Zwischenraum von 2 Jahren, der erste heißt Ecce homo und soll sobald als möglich erscheinen. Deutsch, englisch französisch. Der zweite heißt der Antichrist. Umwerthung aller Werthe. Beide sind vollkommen druckfertig: ich gebe soeben das Ms von Ecce homo in die Druckerei. — Für die französische Übersetzung des Ecce homo werde ich einen Schweden, ein wahres Genie haben: ich lege seinen Brief bei, aus dem Sie zum Mindesten entnehmen werden, was er von mir denkt. Für die englische Übersetzung — was denken Sie, verehrtes Fräulein? Sind Sie bei Kräften und gutem Muth, um so etwas auf sich nehmen zu können? Es ist kein dickes Buch, eine Sache von c<irca> 10 Bogen kleiner Seiten. Aber es muß eine ausgezeichnete sorgfältige und delikate Arbeit sein: denn in sprachlichen Dingen giebt es gar (kein) größeres Meisterstück als dieses Ecce homo. — Ein Attentat auf <das> Chr<istenthum> wird in England ein ungeheures Aufsehen machen: ich habe keine Zahlen im Kopfe für die Ziffer der Auflagen. Dazu kommt, daß es auch ein vollkommen vernichtendes Attentat auf die Deutschen ist — durch die Geschichte hindurch als die eigentlich schädliche, verlogene, unheilvolle Rasse… Ein wie mir scheint für Engländer vielleicht nicht unpopulärer Gesichtspunkt… Ich hebe auf den deutschen Charakter, nicht nur auf den deutschen Geist <hin> hervor, daß kein für Engländer verletzendes Wort darin vorkommt.

Das Buch schlägt das Christenthum todt, und außerdem auch noch Bismarck…

Für den Fall, daß Sie mir Ihre eigene Hilfe nicht versprechen können, werden Sie vielleicht Schritte und Wege wissen, wie mir hier geholfen werden kann.

1181. An Heinrich Köselitz in Berlin

<Turin,> Sonntag, den 9. Dec. 1888 via Carlo Alberto 6III

Lieber Freund,

ich war eben im Begriff, Ihnen zu schreiben, da tritt Ihr Brief festlich zur Thür hinein, leider nicht in Begleitung des „Kunstwart“. Doch wird es sich nur um Stunden handeln. — Ihre herrlichen Neuigkeiten in puncto „Provence“ erquicken mich wie wenige Dinge mich erquicken könnten; denn da es mir gut geht, ist es eigentlich billig, daß es meinen „Nächsten“ noch besser geht. Der Erste Schritt, hier wie überall, ist der schwerste — und über den helfen nur die Weiblein hinweg… Auch ich habe Gutes zu melden. Das „Ecce homo“ ist vorgestern an C. G. N<aumann> abgegangen, nachdem ich es, zur letzten Gewissens-Beruhigung, noch einmal vom ersten bis zum letzten Wort auf die Goldwage gelegt habe. Es geht dermaßen über den Begriff „Litteratur“ hinaus, daß eigentlich selbst in der Natur das Gleichniß fehlt: es sprengt, wörtlich, die Geschichte der Menschheit in zwei Stücke — höchster Superlativ von Dynamit… Für die französische Übersetzung werde ich wahrscheinlich das schwedische Genie A. Strindberg haben, der alle seine Werke französisch schreibt — und meisterhaft! — Er hat mir vorgestern seinen ersten Brief geschrieben — es war der erste Brief mit einem welthistorischen Accent, der mich erreichte. Er hat den Begriff davon, daß Zarathustra ein non plus ultra ist. Zugleich traf noch ein Brief aus St. Petersburg ein, von einer der allerersten Frauen Rußlands, beinahe eine Liebeserklärung, jedenfalls ein curioses Stück Brief: Madame la Princesse Anna Dmitriewna Ténicheff. Auch der intelligenteste Kopf der Petersburger Gesellschaft, der alte Fürst Urussow soll sich stark für mich interessiren. Georg Brandes hält diesen Winter wieder Vorlesungen in diesen Kreisen und wird ihnen Wunderdinge berichten. Ich sagte wohl, daß Strindberg und Brandes befreundet sind, daß Beide in Kopenhagen leben? — Strindberg hält mich übrigens für den größten Psychologen des Weibes… Ecco, Malvida!!! —

— Gestern habe ich die Götzen-Dämmerung an Ms. Taine geschickt mit einem Brief, worin ich ihn bitte, für eine französische Übersetzung des Werks sich zu interessiren. Auch für die englische Übersetzung habe ich einen Gedanken: Miss Helen Zimmern, die jetzt in Genf, im nächsten Verkehr mit meinen Freundinnen Fynn und Mansouroff lebt. Sie kennt auch Georg Brandes — sie hat Schopenhauern den Engländern entdeckt, warum nicht erst recht dessen Antipoden?…

Mit E. W. Fritzsch bin ich noch nicht weiter; doch hoffe ich, mit einiger Geduld, daß der Preis noch ein Paar Tausend Mark heruntergeht. Wenn ich meine ganze Litteratur für 8000 Mark zurückerwerbe: so habe ich das Geschäft gemacht. — Naumann beräth mich in dieser Sache. Machen Sie doch meinem alten und sehr komischen Freund Professor Paul Deussen möglichst schnell einen Besuch, Berlin W. Kurfürstendamm 142. Sie können ihm einmal gründlich sagen, was ich bin und was ich kann. Er ist mir übrigens sehr zugethan und auf jene Weise, die auf Erden die seltenste ist: er hat mir vorigen Sommer, zum Zweck meiner Druckkosten, 2000 Mark zugestellt (— zu gleichem Zweck, hören Sie! Frl. Meta von Salis 1000 frcs. —) Unter uns, ich beschwöre Sie!

Jetzt eine ernste Sache. Lieber Freund, ich will alle Exemplare des vierten Zarathustra wieder zurückhaben, um dies ineditum gegen alle Zufälle von Leben und Tod sicher zu stellen (— ich las es dieser Tage und bin fast umgekommen vor Bewegung). Wenn ich es nach ein Paar Jahrzehnten welthistorischer Krisen — Kriege! — herausgeben werde, so wird es die rechte Zeit sein. Strengen Sie, bitte, Ihr Gedächtniß an, wer Exemplare hat. Meine Erinnerung giebt: Lanzky, Widemann, Fuchs, Brandes, wahrscheinlich Overbeck. Haben Sie die Adresse von Widemann? — Wie viel Exemplare waren es? wie viel haben wir noch? — Ein paar mögen in Naumburg sein.

Wetter, nach wie vor, unvergleichlich. Drei Kasten Bücher aus Nizza eingetroffen. — Ich blättere seit einigen Tagen in meiner Litteratur, der ich jetzt zum ersten Male mich gewachsen fühle. Verstehen Sie das? Ich habe Alles sehr gut gemacht, aber nie einen Begriff davon gehabt, — im Gegentheil!… Zum Beispiel die diversen Vorreden, das fünfte Buch „gaya scienza“ — Teufel, was steckt da drin! — Über die dritte und vierte Unzeitgemäße werden Sie in Ecce homo eine Entdeckung lesen, daß Ihnen die Haare zu Berge stehn — mir standen sie auch zu Berge. Beide reden nur von mir, anticipando… Weder Wagner, noch Schopenhauer kamen psychologisch drin vor … Ich habe beide Schriften erst seit 14 Tagen verstanden. —

Zeichen und Wunder!

Es grüßt Sie der
Phönix.

— Menschliches, Allzumenschliches hat mir im höchsten Grade imponirt: es hat etwas von der Ruhe eines grand seigneur.

— Wissen Sie bereits, daß ich für meine internationale Bewegung das ganze jüdische Großkapital nöthig habe?…

1182. An Heinrich Köselitz in Berlin (Postkarte)

<Turin, 10. Dezember 1888>

Aber das ist ja herrlich, was Sie geschrieben haben, lieber Freund! Das ist ja der berühmte „Anfang“, von dem man sagt, daß er schwer ist… Es ist nicht nur Alles richtig, es ist auch ausgezeichnet gesagt, — die Erinnerung an Graf Gobineau und überhaupt der Accent auf das Französische ist ein Meistergriff. Der Redakteur hat, für einen Verwandten W<agner>s, seine Sache nicht schlecht gemacht. Wundervoll ist es, daß „mit großen Gedanken spielen“ ihm als Einwand gilt, — „nur als Feuilletonist, aber überaus espritreich“, in Frankreich lachte man sich todt über eine solche Ablehnung. — Ich bitte Miss Helen Zimmern darum, Sie ins Englische zu übersetzen, für irgendeine der großen reviews. Herr Spitteler soll Ihrer in den Basler Nachrichten gedenken, resp. den ganzen Abschnitt abdrucken lassen. Schönsten Dank für Père! — Nietzsche

1183. An Ferdinand Avenarius in Dresden

<Turin, 10. Dezember 1888>

…Ich bin Ihnen aufrichtig dankbar für Ihre Kritik, mehr noch als für die ausgezeichneten Worte des Herrn Gast, — ich las sie mit Entzücken, Sie haben, ohne es zu wissen, mir das Angenehmste gesagt, was mir jetzt gesagt werden konnte. In diesem Jahre, wo eine ungeheure Aufgabe, die Umwertung aller Werte, auf mir liegt und ich, wörtlich gesagt, das Schicksal der Menschen zu tragen habe, gehört es zu meinen Beweisen der Kraft, in dem Grade Hanswurst, Satyr oder, wenn Sie es vorziehen, „Feuilletonist“ zu sein, — sein zu können, wie ich es im „Fall Wagner“ gewesen bin. Daß der tiefste Geist auch der frivolste sein muß, das ist beinahe die Formel für meine Philosophie: es könnte sein, daß ich mich schon über ganz andere „Größen“ auf eine unwahrscheinliche Weise erheitert habe… Zuletzt thut das meiner persönlichsten Pietät gegen Wagner am wenigsten Abbruch; noch im vorigen Monat habe ich jener unvergeßlichen Zeit der Intimität zwischen uns ein Denkmal gesetzt, das dauern wird: in einem Werke, das jetzt im Druck ist und das jeden Zweifel über mich wegnehmen wird. Auch Ihren Zweifel, sehr werter und lieber Herr! Der „jüngere“ Nietzsche ist niemals über den Punkt-Wagner- mit dem „älteren“ Nietzsche in Widerspruch gewesen: es bliebe wohl zu beweisen, daß jenes x von Wesen, dessen Psychologie in der vierten Unzeitgemäßen gegeben wird, wirklich etwas mit dem Gatten von Frau Cosima zu thun hat oder… — Wissen Sie eigentlich, daß Herr Peter Gast der erste Musiker ist, der jetzt lebt, — Einer der Seltenen zu allen Zeiten, die das Vollkommene können? — Die Musiker, unter uns, finden, ich hätte alles bewiesen, nur zu sehr… Man schreibt mir Briefe über Briefe…

1184. An Ferdinand Avenarius in Dresden

<Turin, 10. Dezember 1888>

… Vergeben Sie mir, in aller Heiterkeit, eine Nachschrift: es scheint, es geht beim Fall Wagner nicht ohne Nachschrift ab. — Warum haben Sie eigentlich Ihren Lesern die Hauptsache vorenthalten? Daß meine „Sinnesänderung“, wie Sie es nennen, nicht von gestern ist? Ich führe nunmehr seit 10 Jahren Krieg gegen die Verderbnis von Bayreuth, — Wagner hielt mich seit 1876 für seinen eigentlichen und einzigen Gegner, die Spuren davon sind überreich in seinen späteren Schriften. Der Gegensatz eines décadent und einer aus der Überfülle der Kraft herausschaffenden, das heißt dionysischen Natur, der das Schwerste Spiel ist, ist ja zwischen uns handgreiflich (ein Gegensatz, der vielleicht in fünfzig Stellen meiner Bücher ausgedrückt ist, z. B. in der „fröhl. Wissenschaft“ S. 312 ff). Wir sind verschieden wie arm und reich. Unter Musikern ist ja über die Armut Wagners gar kein Zweifel; vor mir, vor dem auch die Verstocktesten ehrlich werden, sind auch die extremen Parteigänger seiner Sache über diesen Punkt ehrlich geworden. Wagner war mir als Typus unschätzbar; ich habe an unzähligen Stellen den biologischen Gegensatz des verarmten und, folglich, raffinirten und brutalen Kunstinstinkts zum reichen, leichten, im Spiele sich echt bejahenden dargestellt — vergeben Sie mir! sogar mit der von Ihnen gewünschten „ruhig sachlichen Entwickelung der Gründe“. Eine kleine Hand voll Stellen: Menschl. Allzumenschl. (— vor mehr als 10 Jahren geschrieben)

2,62 ff. décadence und Berninismus im Stil W.’s.

2,51 seine nervöse Sinnlichkeit,

2,60 Verwilderung im Rhythmischen,

2,76 Katholizismus des Gefühls, seine „Helden“ physiologisch unmöglich.

Wanderer u. Schatten 95 gegen das espressivo um jeden Preis.

Morgenröte 225 die Kunst W.s, den Laien in der Musik zu täuschen.

Fröhl. Wissenschaft W. Schauspieler durch und durch,

auch als Musiker. 110 Bewunderungswürdig im Raffinement des sinnlichen Schmerzes.

Jenseits von Gut und Böse 221 Wagner zum kranken Paris gehörig, eigentlich ein französischer Spät-Romantiker, wie Delacroix, wie Berlioz, alle mit einem fond von Unheilbarkeit auf dem Grunde und, folglich, Fanatiker des Ausdrucks.

— Warum ich das Alles Ihnen schreibe? Weil man in St. Petersburg und in Paris mich ebenso ernst nimmt und liest, wie nachlässig im „Vaterlande“… Nachlässig — was für ein Euphemismus…

1185. An Ferdinand Avenarius in Dresden (Postkarte)

<Turin, 10. Dezember 1888>

Ein letztes Wort. Sie sind es mir vielleicht schuldig, jedenfalls bitte ich Sie darum, beide Briefe wörtlich im „Kunstwart“ wiederzugeben. Zuletzt wird der Redakteur am besten wissen, welche Auszeichnung damit seinem Blatt zu Theil wird. — Herr Spitteler, unter uns, ist etwas Ausgesuchtes und Liebenswürdiges im Urtheil: ich möchte Ihnen noch einen andren Kritiker der Musik rühmen, Dr. Carl Fuchs in Danzig, Virtuos, auch im Ausdruck: Wagner hielt ihn für den geistreichsten deutschen Musiker, den ich kenne.

Nietzsche.

Ist mein neues Buch „Götzen-Dämmerung“ in Ihren Händen? — Viel für Artisten

1186. An Paul Deussen in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6 III Dienstag <11. Dezember 1888>

Lieber Freund,

ich bin aufrichtig erfreut über Deinen Brief: er entspricht in allen Hauptsachen meiner eignen Auffassung und auch der in diesen Dingen maßgebenderen, der meines mir unschätzbaren Leipziger Verlegers C. G. Naumann. Dieser räth, zu warten: Fritzsch werde klug genug sein, einen sicheren Betrag für eine sehr unsichere und bei philosophischem Verlag zehnfach unsicherere Zukunft in die Hände zu bekommen. Ich betrachte diesen Lage als eine wirkliche Glückslage. Denn meine frühere Litteratur jetzt um wenige Tausend Mark zurück zu bekommen, unmittelbar, bevor deren Werth begriffen wird, wäre ohne diesen Zufall nicht möglich gewesen. Nichts liegt mir ferner als F<ritzsch> „ärgern“ zu wollen. Der Fall ist, daß er beim Erscheinen vom „Fall Wagner“ in seiner eignen von ihm redigirten Zeitung die schnödesten persönlichen Bemerkungen über mich hat drucken lassen: so daß mir von allen Seiten, auch von Naumann, eine wirkliche Entrüstung ausgedrückt wurde. Du mußt empfinden, welcher Jubel darüber bei den Wagnerianern ist, daß mein eigner Verleger mich nicht nur in Stich läßt, sondern verhöhnt. — Lassen wir das Wort „Ehre“ aus dem Spiel: es ist nur nicht mehr anständig, meine Bücher in solchen Händen zu lassen. —

Meine Gesundheit ausgezeichnet und vollkommen unverwüstlich, obwohl ich, der Reihe nach, lauter ungeheure Aufgaben abzumachen hatte. Jedermann ist erstaunt über die Heiterkeit und den Stolz, mit dem ich hier in Turin lebe: ich werde behandelt wie ein Prinz, — ich bin es vielleicht auch. —

Mein Verleger hat den Auftrag, Dir das zuletzt fertig gewordene Werk die „Götzen-Dämmerung“ zu überreichen. Es ist nicht unmöglich, daß eine französische Übersetzung davon erscheint: ich stehe in Verhandlungen. Was jetzt gedruckt wird, heißt Ecce homo. Wie man wird, was man ist. Dies erscheint zugleich englisch, französisch und deutsch. — Die Briefe, die ich in der letzten Zeit bekomme, vor Allem aus der ersten Gesellschaft von St. Petersburg, auch von einem wirklichen Genie von Dichter, der Schwede ist, haben alle etwas von einem welthistorischen Accente, wie als ob das Schicksal der Menschheit in meiner Hand liegt. —

Ich habe meinen ausgezeichneten Freund und maëstro Peter Gast (— sein eigentlicher Name ist Heinrich Köselitz) aufgefordert, Dir seinen Besuch zu machen. Er hat bei weitem den tiefsten Begriff von mir, Du kannst ihn über Alles fragen. Man kommt ihm übrigens in Berlin sehr entgegen: es ist wahrscheinlich, daß Joachim selbst sein „provençalisches Quartett“ (das mir gewidmet ist —) zum ersten Male vorführt. Unter uns, ein reizendes Mädchen aus der reichsten Aristokratie von Berlin (mit großem Grundbesitz in Hinterpommern) ist der Grund seiner Berliner Existenz: er hat einen Grafen Schlieben zum Rivalen, aber die artige Person will lieber sterben als — — Nochmals, dies unter uns. — Er war den Sommer auf ihrem Waldschloß und hat die Concurrenz von lauter Gardelieutnants aus umwohnendem Adel nur zu glücklich ausgehalten. — Eine Geschichte, die in Venedig begann. — Die Herrn Musikanten! — — — — Ich selbst habe dieser Tage beinahe eine Liebeserklärung von der charmantesten und geistvollsten Frau von St. Petersburg bekommen, Madame la Princesse Anna Dmitriewna Ténicheff, einer große<n> Verehrerin meiner Bücher. Georg Brandes geht diesen Winter nach St. Petersburg und hält Vorträge über mich. —

Mich Dir und Deiner lieben Frau
auf das Herzlichste
empfehlend
Dein Nietzsche

Weitere Verhandlungen über Beschaffung von Geld bitte ich dringend zu unterlassen. Wenn die Summe noch in dem von Naumann erwarteten Grade heruntergeht, bin ich selbst der Lage gewachsen.

1187. An Carl Fuchs in Danzig

Torino, via Carlo Alberto 6, III <11. Dezember 1888>

Lieber Freund,

inzwischen steht und geht Alles wunderbar; ich habe nie annähernd eine solche Zeit erlebt, wie von Anfang September bis heute. Die unerhörtesten Aufgaben leicht wie ein Spiel; die Gesundheit, dem Wetter gleich, täglich mit unbändiger Helle und Festigkeit heraufkommend. Ich mag nicht erzählen, was Alles fertig wurde: Alles ist fertig.

Die nächsten Jahre steht die Welt auf dem Kopf: nach dem der alte Gott abgedankt ist, werde ich von nun an die Welt regieren.

Mein Verleger hat, wie ich nicht zweifle, Ihnen sowohl den Fall als, zuallerletzt, die Götzen-Dämmerung übersandt. Hätten Sie nicht eine kleine kriegerische Laune? Es wäre mir äußerst erwünscht, wenn jetzt ein — der — geistvoller Musiker öffentlich Partei für mich als Antiwagner nehme und den Bayreuthern den Handschuh hinwürfe? Eine kleine Broschüre, in der über mich lauter Neues und Entscheidendes gesagt würde, mit einer Nutzanwendung im Einzelfall, Musik, was denken Sie dazu? Nichts Langwieriges, etwas Schlagendes, Schlagfertiges… Der Augenblick ist günstig. Man kann noch Wahrheiten über mich sagen, die zwei Jahre später beinahe niaiseries sein dürften.

— Und was macht Danzig — oder vielmehr Nicht-Danzig?… Erzählen Sie mir wieder von sich selbst, lieber Freund, — ich habe Zeit, ich habe Ohren…

Es grüßt Sie auf das
Herzlichste
das Unthier.

1188. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin, 11. Dezember 1888>

Meine alte Mutter, wundere Dich nicht, wenn ich jetzt so wenig schreibe. Ich habe nur zu viel zu schreiben, besonders auch wichtige Briefe. Es geht mir übrigens, nach wie vor, ausgezeichnet, kein schlechter Tag bisher. Das Wetter immer noch herrlich; etwas frisch, aber nicht anders, als ich’s vom Oberengadin her gewöhnt bin. Der Ofen ist noch nicht da; die Sache ist vollkommen aufgeklärt — es sind Fehler bei der Untersuchung des Prof. Koch gemacht worden. Die Öfen haben sich seit 8 Jahren in allen Ländern bewährt, — ich habe ein paar Bogen voll der glänzendsten Zeugnisse von Fürsten, Ministern, Professoren und jeder Art Stand. — Von Nizza sind die 3 Bücherkisten eingetroffen. — Ich bin jetzt in jeder Hinsicht hier gut aufgehoben; große Reinlichkeit; ausgezeichnete Nahrung; mächtiges Bett, worin die Italiäner ihren Luxus haben; auch habe ich noch nie so gut geschlafen.

Dein altes Geschöpf

Torino, via Carlo Alberto 6, III: genaue Adresse! —

1189. An Carl Spitteler in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6, III Dienstag <11. Dezember 1888>

Werther Herr,

ich will Ihnen heute einen Vorschlag machen, zu dem nicht Nein zu sagen ich Sie inständig bitte. Mein Kampf gegen Wagner ist auf eine absurde Weise dadurch bisher mißrathen, daß Niemand meine Schriften kennt: so daß die „Sinnes-Änderung“, wie zb. Avenarius sich ausdrückt, als Etwas gilt, was ungefähr gleichzeitig mit dem „Fall Wagner“ ist. Thatsächlich führe ich seit 10 Jahren Krieg — Wagner wußte es selbst am besten —: ich habe keinen allgemeinen Satz, psychologischer oder streng aesthetischer Natur, im „Fall Wagner“ ausgesprochen, den ich nicht schon in meinen Schriften auf das Ernsthafteste vorgetragen habe. Unter diesen Umständen will ich, um diesen Frage auf die Höhe und bis zum Kriege zu bringen, jetzt noch eine Schrift gleicher Ausstattung und gleichen Umfangs wie der „Fall Wagner“ herausgeben, die nur aus 8 größeren sehr ausgewählten Stücken meiner Schriften besteht, unter dem Titel:

Nietzsche contra Wagner.

Aktenstücke

aus Nietzsche’s Werken.

Werther Herr, Sie sollen das herausgeben und eine längere Vorrede, eine wirkliche Kriegserklärung dazu schreiben. Das können Sie, ich weiß das: Sie nehmen das Schicksal der Musik tief genug, um hier der Leidenschaft fähig zu sein.

Die Stellen — ich werde sie selber abschreiben und Ihnen dann zusenden — sind folgende (— ich nehme an, daß Sie meine Schriften besitzen? Andrenfalls ein Wort an mich, damit was fehlt, sofort an Sie abgeht)

1. Zwei Antipoden. (fröhliche Wissenschaft S. 312—16)

2. Eine Kunst ohne Zukunft. (Menschliches, Allzumenschliches Bd. 2, 76—78

3. Barocco. (Menschliches, Allzumenschliches Bd. 2, 62—64

4. Das espressivo um jeden Preis. (Wanderer und sein Schatten S. 93 (also Menschliches, Allzumenschliches II, letzte Hälfte.

5. Wagner Schauspieler, nichts mehr (fröhliche Wissenschaft S. 309—11)

6. Wagner gehört nach Frankreich (Jenseits von Gut und Böse 220—24)

7. Wagner als Apostel der Keuschheit (Genealogie der Moral S. 99—105

8. Nietzsches Bruch mit Wagner (Menschliches, Allzumenschliches Band II Vorwort p. VII—VIII)

In der Vorrede wäre auch die entscheidende Einsicht vom Gesammt-décadence-Charakter der modernen Musik an’s Licht zu stellen: es ist eigentlich das, was die Schrift voraus hat gegen das, was ich früher schon gesagt habe. — Sehen Sie, dies Gesindel fühlt meinen Ingrimm nicht, weil ich „überaus espritreich“ geschrieben habe! Das kann sich Geist nicht mit Leidenschaft verbunden denken… Eine „ruhig-sachliche Entwicklung der Gründe“ verlangt Av<enarius>, wo unsereins vor Leidenschaft zittert…

Ach, das verstehen Sie —

Nietzsche

1190. An Carl Spitteler in Basel (Postkarte)

<Turin, 12. Dezember 1888>

Geehrter Herr,

diese Nacht fiel mir ein Einwand ein, den ich heute am Tage nicht los werde. Hinter einer solchen Veröffentlichung, wie ich sie gestern vorschlug, würde man doch unter allen Umständen mich als Urheber voraussetzen — es stehen zu private Dinge in den Stellen, die abgedruckt werden müßten

Mit der Bitte um Nachsicht Ihr
N.

1191. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin,> Sonnabend <15. Dezember 1888>

Geehrter Herr Verleger,

hier kommt noch ein schönes Manus<c>ript, etwas Kleines, aber sehr gut Gerathenes, auf das ich stolz bin. Nachdem ich im „Fall Wagner“ eine kleine Posse geschrieben habe, kommt hier der Ernst zu Wort: denn wir — Wagner und ich — haben im Grunde eine Tragödie mit einander erlebt. — Es scheint mir, nachdem durch den „Fall Wagner“ die Frage nach unserm Verhältniß wachgerufen ist, sehr an der Zeit, hier einmal eine außerordentlich merkwürdige Geschichte zu erzählen. — Rechnen Sie nun gefälligst aus, wie viel Seiten es in der gleichen Ausstattung wie „Fall Wagner“ ergeben wird? Zwei bis drei Bogen, vermuthe ich. — Mein Wunsch wäre, daß wir diesen kleine Sache sofort absolviren. Ich gewinne dadurch auch noch Zeit, die Übersetzer-Frage in Bezug auf Ecce homo die bis jetzt wenig Chance hat, neu aufzunehmen. Zum Mindesten möchte ich eine französ. Übersetzung, aber ein Meisterstück von Übersetzung haben. —

Sehr erbaut über die schönen und tiefen Worte des Herrn Köselitz (Peter Gast) im „Kunstwart“. Herr Avenarius hat hinterdrein einige Thorheiten gesagt, aber sich bereits auf das Artigste bei mir entschuldigt — ich habe ihm ein sehr heiteres Briefchen geschrieben. Hat er nicht sein Bedauern darüber ausgedrückt, daß ich dies Mal „überaus espritreich“ geschrieben hätte? — Als ob meine Schriften sonst sich durch Stupidität auszeichneten!

Ergebenst
Ihr
Dr. Nietzsche.

Herr E. W. Fritzsch schweigt. Ich auch. — Ich bitte noch, für mich, um 4 Exemplare Götzen-Dämmerung und 1 Exemplar „Fall Wagner“.

1192. An Heinrich Köselitz in Berlin

Torino, den 16. Dezember 1888

Lieber Freund,

bedeutende Erweiterung des Begriffs „Operette“. Spanische Operette. La gran via, zwei Mal gehört — Hauptzugstück von Madrid. Ist einfach nicht zu importiren: man muß dazu Spitzbube und verfluchter Kerl von Instinkt sein — und dabei feierlich… Ein Terzett von drei feierlichen alten riesengroßen Canaillen ist das Stärkste, was ich gehört und gesehn habe — auch als Musik: genial, gar nicht zu rubriziren… Ich nahm, da ich jetzt sehr gebildet in Rossini bin und bereits 8 Opern kenne, die von mir vorgezogene Cenerentola zum Vergleich — ist tausend Mal zu gutartig gegen diesen Spanier. Wissen Sie die Handlung schon kann nur ein vollendeter Spitzbube ausdenken — lauter Sachen, die wie Taschenspielerei wirken, so blitzartig kommt die canaille zum Vorschein. Vier oder fünf Stücke Musik, die man hören muß; sonst hat der Wiener Walzer in der Form größerer Ensembles das Übergewicht. — Offenbach’s „schöne Helena“ hinterdrein fiel einfach ab. Ich lief fort. — Dauer präcis 1 Stunde.

— Heute Nachmittag werde ich ein Requiem von dem alten Neapolitaner Maestro Jommelli hören (starb ungefähr 1770): Accademia di canto corale. —

Und nun die Hauptsache. Ich habe gestern ein Manuscript an C. G. Naumann geschickt, welches zunächst, also vor Ecce homo, absolvirt werden muß. Ich finde die Übersetzer für „Ecce“ nicht: ich muß einige Monate den Druck noch hinausschieben. Zuletzt eilt es nicht. — Das Neue wird Ihnen Vergnügen machen: — auch kommen Sie vor — und wie! —

Es heißt

Nietzsche contra Wagner.

Aktenstücke

eines Psychologen.

Es ist wesentlich eine Antipoden-Charakteristik, wobei ich eine Reihe Stellen meiner älteren Schriften benutzt und dergestalt zum „Fall Wagner“ das sehr ernste Gegenstück gegeben habe. Das hindert nicht, daß die Deutschen darin mit spanischer Bosheit behandelt werden — die Schrift (drei Bogen etwa) ist extrem antideutsch. Am Schluß erscheint Etwas, wovon selbst Freund Köselitz keine Ahnung hat: ein Lied (oder wie Sie’s nennen wollen… ) Zarathustra’s, mit dem Titel Von der Armut des Reichsten — wissen Sie, eine kleine siebente Seligkeit und noch ein Achtel dazu… Musik…

— Ich sehe jetzt mitunter nicht ein, wozu ich die tragische Katastrophe meines Lebens, die mit „Ecce“ beginnt, zu sehr beschleunigen sollte. Dies Neue wird vielleicht, auf Grund der Neugierde, welche der „Fall Wagner“ hervorgerufen hat, stark gelesen werden — und da ich jetzt keinen Satz mehr schreibe, worin ich nicht ganz zum Vorschein käme, so ist zuletzt schon diesen Psychologen-Antithese der Weg, um mich zu verstehn — Ia gran via…

Avenarius, dem ich mit einem boshaften Briefchen auf die Finger gefühlt habe, hat auf das Allerartigste und Herzlichste sich entschuldigt — ich glaube, diese Geschichte habe ich sehr gut gemacht. (Verlangen Sie noch einige Exemplare von Avenarius!)

— Sehen Sie, lieber Freund! Piemonteser Küche! Ah, meine trattoria! Ich habe keinen Begriff gehabt, was in der Kunst der Zubereitung die Italiäner überlegen sind! — und der Qualität! Nicht umsonst mitten innerhalb der allerberühmtesten Viehzucht! — Und, nach wie vor, obwohl ich essey wie ein Prinz, auch viel, zahle ich für jede Mahlzeit (10 ct. Trinkgeld mit) 1 fr. 25. — Für Wohnung, sehr gute Bedienung eingerechnet, erste Lage der Stadt, Sonnenzimmer comme il faut, 25 frs den Monat.

Abends sitze ich in einem prachtvollen hohen Raum: ein kleines sehr anständiges Concert (Clavier 4 Saiteninstr<umente> 2 Bläser) kommt gerade so gedämpft, als es wünschenswerth, zu mir — es sind 3 Säle nebeneinander. Man bringt mir meine Zeitung Journal des débats, — ich esse eine Portion ausgezeichnetes Eis: kostet, mit Trinkgeld (worauf ich halte, weil es hier nicht Sitte ist) 40 ct. — In der galeria Subalpina (in die ich hinabsehe, wenn ich aus meinem Zimmer heraustrete), dem schönsten elegantesten Raum dieser Art, den ich kenne, spielt man jetzt Abend für Abend den barbiere di Seviglia, und zwar vortrefflich: man zahlt, was man verzehrt, mit einem etwas erhöhten Preise. — Und wie gut sieht die Stadt aus, wenn es trübe ist! Neulich sagte ich mir: einen Ort zu haben, wo man nicht heraus will, nicht einmal in die Landschaft, wo man sich freut, in den Straßen zu gehn! — früher hätte ich’s für unmöglich gehalten. —

In Freundschaft
Ihr N.

Etwas Letztes, nicht Letztes: Alle, die jetzt mit mir zu thun haben, bis zur Hökerin herab, die mir herrliche Trauben aussucht, sind lauter vollkommen gerathene Menschen, sehr artig, heiter, ein wenig fett, — selbst die Kellner.

— Eben starb der Prinz von Carignano: wir werden ein großes Begräbniß haben. —

Eben trifft ein herrlicher Brief Taine’s ein! —

1193. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, verm. 17. Dezember 1888>

Wir wollen 2 Bogen von Ecce homo drucken und einige Abzüge auf gutem Papier davon machen, damit ich meinen französischen und englischen Übersetzern resp. Verlegern einen deutlichen Begriff davon geben kann, welcher Art das Werk ist. Diese Abzüge bitte ich mir hierher aus. — Inzwischen ist auf eine ganz unschätzbar<e> Weise eine Beziehung zwischen mir und dem bei weitem einflußreichsten Mann in Frankreich hergestellt worden, einflußreich für Litteratur Buchhandel und litterarisches rénomée, mit dem Chef-Redakteur des Journal des Débats und der Revue des deux Mondes, der zugleich auch für politische Fragen eine der festesten und geschütztesten Positionen Frankreichs hat. Der erste Philosoph Frankreichs, Ms Taine, ein großer Bewunderer meiner Schriften, räth mir unbedingt an, meine Sache in die Hände seines Freundes zu legen, an dem ich einen der allerintelligentesten Leser haben würde (— er ist aufs Tiefste unterrichtet über alles Deutsche, auch selbst im Sprachlichen Meister) Dies heißt in Frankreich seinen Prozeß gewonnen haben. —

Für England habe ich eine ausgezeichnete Schriftstellerin im Auge, die schon das Verdienst hat, Schopenhauer in England eingeführt zu haben, Miss Helen Zimmern, in Florenz lebend, Mitarbeiterin der Times und aller großen Reviews, — in Deutschland geboren, so daß sie vollkommen auch im Sprachlichen competent ist.

Wenn die zwei Bogen erledigt sind, gehn wir an Nietzsche contra Wagner. Einige Wochen werden dann hingehn, ehe alle die Präliminarien mit Übersetzern und Verlegern in Paris und London erledigt sind. —

N.

— Damit der Titel sich so eng wie möglich an den „Fall Wagner“ anschließt, wollen wir schreiben

Nietzsche contra Wagner

Ein Psychologen-Problem

1194. An Franz Overbeck in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6. III <um den 17. Dezember 1888>

Lieber Freund,

ich zählte eben meine Gelder, — ich habe gerade noch 100 frs., so daß ich ohne Schwierigkeit Deiner Sendung gegen Ende des Monats entgegensehe. Ich bin stolz darauf, mich nicht verrechnet zu haben. Denn…

Der Herbst und der Anfang Winter sind mir immerfort sehr wohlthätig gewesen: so daß meine Arbeit und eine sehr tapfere Laune keinen Augenblick nachgelassen haben. Meine jetzige Erholung ist spanische Operette, aus Madrid: das geht über Alles hinaus, lauter feierliche canailles, Spitzbuben durch und durch, aber mit grandezza — —

Überallher gute Nachrichten. Ich lege einen kleinen Brief aus Paris bei, von M. Taine; mit der Bitte, mir ihn umgehend zurückzusenden. Die Beziehung zum Redakteur des Journal des Débats, die er mir vorschlägt, macht mir großes Vergnügen; ich lese seit Jahren keine andre Zeitung mehr. — In Paris hat mein „Fall Wagner“ Aufsehn gemacht; man sagt mir, ich müsse ein geborner Pariser sein: — noch nie habe ein Ausländer so französisch gedacht wie ich im „Fall“. — Von Petersburg bekomme ich wahre Huldigungs-Schreiben, eingerechnet Liebeserklärungen. Georg Brandes hält diesen Winter wieder dort Vorträge. Ich habe jetzt Leser — und, zum Glück, lauter ausgesuchte Intelligenzen, die mir Ehre machen — überall, vor allem in Wien, St. Petersburg, Paris, Stockholm, New York. Meine nächsten Werke werden sogleich mehrsprachig erscheinen. — Das schwedische Genie Strindberg (seine Tragödie der Vater ist soeben in der Reklamschen Bibliothek erschienen: lies es doch!) endet alle Briefe an alle Welt: „Carthago est delenda. Lisez Nietzsche!“

Was macht die Gesundheit?

Dein alter Freund N.

1195. An Hippolythe Taine in Paris (Entwurf)

<Turin, um den 17. Dezember 1888>

Ms Taine 23 rue Cassette

Verehrter Herr,

Sie haben mich auf eine unbeschreibliche Weise geehrt und — beschämt; ich habe es Ihnen nie vergessen, was Ihre große Güte mir nach Zusendung von „Jenseits von Gut und Böse“ gesagt hat. Es war im Grunde die erste Stimme, die ich hörte. Denn meine Einsamkeit war immer vollkommen. Nicht daß ich dies beklagte. Ich glaube, es ist die Grundbedingung dafür, jenen äußersten Grad von Selbstbesinnung zu erreichen, der das Wesen meiner Philosophie ausmacht. Auch spricht meine gute Laune dafür, daß es das Rechte war: ich habe nie an „Vereinsamung“ gelitten. —

Zugleich mit Ihrem unschätzbaren Billet traf das erste tiefe und muthige Wort über mich aus Deutschland ein; da Sie darin genannt werden, nehme ich mir die Freiheit, es Ihnen vorzulegen.

Friedrich Nietzsche.

1196. An Jean Bourdeau in Paris (Entwurf)

<Turin, etwa 17. Dezember 1888>

Verehrter Herr

Ein unschätzbares Billet von Ms. Taine, das ich beilege, giebt mir den Muth, Ihren Rath in einer mir sehr ernsten Sache auszubitten. Ich wünsche, in Frankreich gelesen zu werden; mehr noch, ich habe es nöthig. So wie ich bin, der unabhängigste und, vielleicht der stärkste Geist, der heute lebt, verurtheilt zu einer großen Aufgabe, kann ich mich unmöglich durch die absurden Grenzen, welche eine fluchwürdige und von den Lügenhaften vertretene, dynastische Interessen-Politik zwischen die Völker gezogen hat, abhalten lassen nach den Wenigen zu suchen, die überhaupt für mich Ohren haben. Und ich bekenne es gern: ich suche sie vor Allem in Frankreich. Es ist mir nichts fremd, was sich in der geistigen Welt Frankreichs begiebt: man sagt mir, ich schreibe im Grunde französisch, obschon ich vielleicht mit der deutschen Sprache besonders in meinem Zarathustra, etwas in Deutschland selbst Unerreichtes erreicht habe. Ich wage zu sagen, daß meine Vorfahren, vierte Generation, polnische Edelleute waren; daß meine Urgroßmutter und Großmutter väterlicher Seits in die Goethische Zeit Weimars gehören: Gründe genug, um in einem kaum denkbaren Grade heute der einsamste Deutsche zu sein. Es hat mich nie ein Wort erreicht — und, aufrichtig, ich habe nie desh<alb> geklagt… Jetzt habe ich Leser überall, in Wien, in St. Petersburg, in Stockholm, in Kopenhagen — lauter ausgesuchte Intelligenzen, die mir Ehre machen — sie fehlen mir in Deutschland… Daß selbst in D<eutschland> ein Gefühl dafür ist, wie wenig ich dahin gehöre, dafür ist ein sehr ernster Aufsatz Zeugniß, im Kunstwart erschienen, den beizulegen ich mir erlaube. Der Verfasser ist ein Musiker ersten Ranges, der Einzige, wenn ich ein Urtheil über diesen Dinge habe — folglich unbekannt… — Zum Glück habe ich, mit 24 Jahren als Universitätsprofessor nach Basel berufen, es nicht nöthig gehabt, fortwährend Krieg zu führen und mich in bloßen Streitereien zu verschwenden. In Basel fand ich den verehrungswürdigen Jakob Burckhardt, der mir von Anfang an tief geneigt war, — ich hatte in Richard Wagner und Frau, die damals in Tribschen bei Luzern lebten, eine Intimität, wie ich sie mir werthvoller nicht denken konnte. Im Grunde bin ich vielleicht ein alter Musikant. — Später hat mich Krankheit aus diesen letzten Beziehungen herausgelöst und mich in einen Zustand tiefster Selbstbesinnung gebracht, wie er vielleicht kaum je erreicht worden ist. Und da in meiner Natur selbst nichts Krankhaftes und Willkürliches ist, so habe ich diesen Einsamkeit kaum als Druck, sondern als eine unschätzbare Auszeichnung gleichsam als Reinlichkeit empfunden. Auch hat sich noch Niemand bei mir über düstere Miene beklagt, ich selbst nicht einmal: ich habe vielleicht schlimmere und fragwürdigere Welten des Gedankens kennen gelernt als irgend Jemand, aber nur weil es in meiner Natur liegt, das Abenteuer zu lieben. Ich rechne die Heiterkeit zu den Beweisen meiner Philosophie… Vielleicht beweise ich diesen Satz durch die zwei Bücher, die ich Ihnen hiermit vorlege

Erwägen Sie, verehrter Herr, ob die Götzen-Dämmerung, ein sehr radikal gedachtes und in der Form gewagtes Buch, nicht übersetzt werden sollte. Ich bekenne ein Vergnügen ersten Rangs, mich selbst wie einen Band Pauls Bourget (— das ist ein tiefer und gleichwohl nicht pessimistischer Geist —)

— es würde am schnellsten und gründlichsten in meine Gedanken einführen; ich glaube kaum, daß es möglich ist, mehr Substanz auf kleinerem Raum zu geben. — Von der Schrift über Wagner sagt man mir, sie sei so französisch gedacht, daß man sie nicht ins Deutsche übersetzen könnte. — Die Werke, die eine Entscheidung heraufführen, an der das brutale Rechen-Exempel der jetzigen Politik sich vielleicht als Rechenfehler erweisen könnte, sind vollkommen druckfertig: Jetzt wird erscheinen Ecce homo. Oder: wie man wird was man ist. Später Umwerthung aller Werthe. Aber auch diesen Werke müßten erst ins Französische und Englische übersetzt werden, da ich mein Schicksal <zu>letzt von keiner kaiserlichen Polizeimaßregel abhängig machen will… Dieser junge Kaiser hat nie von den Dingen gehört, wo für Unser einen das Hören erst anfängt: Otitis, beinahe schon Meta-Otitis…

Ich habe die Ehre zu sein ein alter Leser des J<ournal> d<es> D<ebats>: die vollkommene Stumpfheit der jetzigen Deutschen für jede Art höheren Sinns kommt in ihrem Verhalten gegen mich seit 16 Jahren, wohlverstanden! zu einem geradezu erschreckenden Ausdruck. Ich fürchte, es giebt gar keine entscheidenderen, tieferen und, wenn man Ohren hat, aufregenderen Bücher als der

Marteau des Idoles

wäre: eine wirkliche Krisis kommt in ihm zum Ausdruck, aber kein D<eutscher> hat einen Begriff davon — auch bin ich das Gegentheil eines Fanatikers und Apostels und vertrage keine Weisheit außer mit sehr viel Bosheit und guter Laune gewürzt. Meine Bücher sind nicht einmal langweilig — und trotzdem hat noch kein Deutscher einen Begriff davon.. Meine Besorgniß ist, daß im Augenblick, wo man moralisch vor einer meiner Schriften steht, man sie verdirbt: deshalb ist es an der höchsten Zeit, daß ich noch einmal als Franzose zur Welt komme — denn die Aufgabe, um derentwillen ich lebe, ist — — —

— Ich nehme mir die Freiheit, Ihnen jene Bücher vorzulegen: gesetzt, daß diesen französisch erscheinen, so bin ich vorgestellt, eingeführt in Frankreich, — der Rest folgt daraus. (— Der Rest heißt hier das tiefste Buch, das die Menschheit hat, mein Zarathustra. Aber mit dem kann man nicht anfangen.)

Jenseits von Gut und Böse: auch bei d<iesem> Werk hat mir seiner Zeit Ms. Taine eine außerordentliche Theilnahme bezeugt.

Die Götzen-Dämmerung oder wie man mit dem Hammer philosophirt, man könnte den Titel vereinfachen:

Marteau des Idoles

Ich weiß nur dies: in dem Augenblick, wo man mor<a>l<is>ch vor einem meiner Bücher steht, wird man sie verderben. Nun stehe ich gerade vor dem entscheidenden Schritt meines Lebens: die Werke, die im Grunde keine Bücher sind, <sondern> eine Art Schicksal darstellen werden, sind druckfertig, — es steht in meiner Hand, wie viele Monate oder Jahre sie noch zu warten haben. Es ist deshalb für mich eine Frage ersten Rangs, nicht auf den Zufall, auf die Brutalität eines Polizei-Verbots mit meiner Aufgabe angewiesen zu sein, — es ist die höchste Zeit, mich auch außerhalb D<eutsch land>s — — —

1197. An Helen Zimmern in Florenz

Turin, via Carlo Alberto 6 III <um den 17. Dezember 1888>

Verehrtes Fräulein

Sie würden mir einen großen Dienst erweisen, wenn Sie beifolgenden Aufsatz des Herrn Peter Gast unter dem Titel „Nietzsche contra Wagner“ für eine der großen Review’s übersetzen wollten. Ich habe jetzt absolut nöthig, in England bekannt zu werden, denn meine nächsten Schriften — sie sind vollkommen druckfertig — sollen zugleich englisch, französisch und deutsch erscheinen. Die Hornvieh-Rasse der Deutschen — Verzeihung für das starke Wort! — ist mir vollkommen fremd; man wird sich gegen mich mit Confiscationen und andren Polizei-Maßregeln wehren. Also habe ich für meine Aufgabe, die zu den allergrößten gehört, welche ein Mensch auf sich nehmen kann — ich will das Christenthum vernichten — Amerika, England und Frankreich nöthig — Preßfreiheit in jedem Sinn…

Ich erinnere mich, in einer Nummer des Journal des Débats gelesen zu haben, daß eine englische Zeitschrift (Century Review oder ähnlich —) den Kampf gegen Wagner sehr energisch eröffnet hat. Wenn Sie Lust haben, so sende ich Ihnen meine Schrift. Sie ist über alle Maaßen boshaft und könnte eher schon von einem Pariser geschrieben sein.

Jetzt eben erscheint von mir etwas extrem Radikales Götzen-Dämmerung. Oder: wie man mit dem Hammer philosophirt.* Ich sende es Ihnen zu — unter Umständen führen Sie dies Stück in England ein. Es ist antideutsch und antichristlich par excellence — sollte es damit nicht stark auf Engländer wirken? Meine Argumente sind ganz andrer Art, als je angewendet worden sind, — ich bin gar kein Mensch, ich bin Dynamit.

Hoffentlich trifft mein Brief Sie in muthiger und kriegsgewohnter Verfassung? —

Sehr ergeben
Nietzsche

— Herr Peter Gast ist einer unserer ersten Musiker oder, wenn Sie mir glauben wollen, bei weitem der Erste — er kann das, was zu allen Zeiten die Seltensten können, das Vollkommne. Es ehrt mich, einen solchen „Jünger“ zu haben.

N.

— Ms. Taine hat mir über die Götzen-Dämmerung einen unschätzbaren Brief geschrieben, voller Bewunderung über „toutes mes audaces et finesses“. Ich bin eben in Unterhandlung, auf M. Taines Rath, mit dem ausgezeichneten Chef-Redakteur des Journal des Débats und der Revue des deux Mondes Ms. Bourdeau, den er mir als einen der intelligentesten und einflußreichsten Franzosen empfohlen hat: derselbe soll die Schritte zur Übersetzung des Werks vorbereiten.

1198. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 18. Dezember 1888>

Alles wohl erwogen, scheint es mir für den angedeuteten Zweck nützlich<er>, statt des zweiten Bogens das Titelblatt, das Vorwort und das Inhaltsverzeichniß zu drucken. Das zusammen giebt dann eine deutliche Vorstellung. Eine ungefähre Berechnung der Bogenzahl wäre ebenfalls nöthig. —

— Ein Exemplar der Götzen-Dämmerung wollen wir noch übers Meer schicken: eingeschrieben

Herrn Dr. Bernhard Förster

Neu-Germanien

bei Asuncion

Amérique de Sud

Paraguay

Sollte der 2te Bogen schon ganz oder halb gedruckt sein, so nehmen wir ihn mit dazu.

1199. An August Strindberg in Holte

Torino, Via Carlo Alberto 6 III <18. Dezember 1888>

Werther und sehr lieber Herr,

inzwischen hat man mir aus Deutschland „den Vater“ geschickt, zum Beweis dafür, daß ich gleichfalls meine Freunde für den Vater des Vaters interessire. — Das Théatre libre des Ms. Antoine ist ja dazu gemacht, um zu riskiren. Ihr Werk ist vollkommen unschuldig gegen das, was man schon in den letzten Monaten darauf riskirt hat. Es kam dahin, daß A<lbert> Wolf, im Leitartikel des Figaro, öffentlich, im Namen Frankreichs, erröthete. — Aber M. Antoine ist ein eminenter Schauspieler, der sofort die Rolle des capitains („Rittmeisters“) sich aneignen wird. Ich rathe nicht mehr, Zola hineinzumischen, sondern Exemplar und Brief direkt an Ms. Antoine, directeur du theatre libre, zu senden. Man spielt gerne Ausländer —

Draußen bewegt sich, mit düsterem Pomp, ein großes Leichenbegängniß: il principe di Carignano, Vetter des Königs, Admiral der Flotte. Ganz Italien in Turin. —

Ach, wie Sie mich über Ihre Schweden unterrichtet haben! Und neidisch gemacht haben! Sie unterschätzen Ihr Glück: „o fortunatos nimium, sua si bona norint“ — nämlich, daß Sie kein Deutscher sind… Es giebt gar keine andere Cultur, als die französische, es ist kein Einwand, sondern die Vernunft selber, daß man in die einzige Schule geht — sie ist nothwendig die rechte.. Wollen Sie den Beweis dafür? — Aber Sie sind der Beweis! —

Ich sende, mit allerverbindlichstem Danke, die Hefte wieder zurück, in der Annahme, daß Sie dieselben nicht in mehreren Exemplaren besitzen. —

Gleichzeitig mit Ihrem Brief kam ein Brief aus Paris an, von Ms. Taine, voll der höchsten Auszeichnungen für die Götzen-Dämmerung in Hinsicht auf audaces et finesses, und mit einer sehr ernsten Aufforderung, die ganze Frage meines Bekanntwerdens in Frankreich, eingerechnet die Mittel dazu, in die Hände seines Freundes, des Chef-Redakteurs des Journal des Débats und der Revue des deux mondes zu legen, dessen tiefe und freie Intelligenz, auch was Form, was Kenntniß des Deutschen und der deutschen Cultur betrifft, er mir nicht genug zu rühmen weiß. Zuletzt lese ich seit Jahren nur noch das Journal des débats. — Auf diesen Eröffnung meines Panama-Canals nach Frankreich hin habe ich die weitere Publikation von neuen Schriften (drei sind vollkommen druckfertig —) aufs Unbestimmte hinausgeschoben. Zunächst sollen die beiden capitalen Bücher Jenseits von Gut und Böse und die Götzen-Dämmerung übersetzt werden: damit bin ich in Frankreich vorgestellt. —

Ihnen zugethan und voll guter Wünsche
Nietzsche.

1200. An E. Kürbitz in Naumburg

Torino, via Carlo Alberto 6, III den 19. Dez. 1888

Geehrtester Herr,

hiermit ersuche ich Sie, meiner Mutter, Frau Pastor Nietzsche, wieder 30 Mark (dreißig Mark) aushändigen zu lassen. Die Angelegenheit Nieske, Dresden hat sich in willkommner Weise erledigt.

Hochachtungsvoll
Dr. Nietzsche

1201. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm)

<Turin, 20. Dezember 1888>

C. G. Naumann Leipzig

Ecce vorwärts

Nietzsche

1202. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 20. Dezember 1888>

Eine neue Erwägung überzeugt mich, daß wir durchaus Ecce homo erst fertig drucken müssen und daß nachher erst N.c.W. an die Reihe kommt. Alle Verhandlungen mit Verlegern, Schriftstellern und meinen eignen Anhängern kann ich nur mit den fertigen Exemplaren machen: ein Andres ist die Zeit der Veröffentlichung. Für Frankreich will ich zunächst eine Übersetzung von der Götzen-Dämmerung verabreden: sie ist kurz und im höchsten Grade vorbereitend. —

Die Zahl der Exemplare — können Sie mir einmal einen ungefähren Kostenüberschlag für 1000 gute Exemplare und 4000 auf geringerem Papier machen?

Hochachtungsvoll N.

Das Exemplar des Bogens 1 ist an mich nicht angekommen; bitte mir mit Bogen 2 eins mitzusenden.

1203. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 20. Dezember 1888>

Ich habe ein einzelnes Blatt, mit der Überschrift Intermezzo, an Sie abgesandt, mit der Bitte, es in N. contra W. einzulegen. Jetzt wollen wir es lieber, wie es ursprünglich bestimmt war, in Ecce einlegen: und zwar in das zweite Hauptcapitel (Warum ich so klug bin) als Abschnitt 5. Demnach sind die folgenden Ziffern zu ändern. Der Titel „Intermezzo“ natürlich weg.

N.

1204. an Franziska Nietzsche in Naumburg

Torino, via Carlo Alberto 6 III den 21. Dezember 1888

Meine alte Mutter,

es giebt, wenn mich nicht Alles täuscht, in den nächsten Tagen Weihnachten: vielleicht kommt mein Brief noch zur rechten Zeit, vielleicht auch hat Herr Kürbitz einen Wink verstanden, den ich ihm vor einigen Tagen gegeben habe. Mit der Bitte, Dir Etwas auszudenken, was Dir Vergnügen macht und wobei Du gerne an Dein altes Geschöpf denkst und, im Übrigen, um Nachsicht bittend, daß es nicht mehr ist. — Wir haben auch hier ein wenig Winter, doch nicht so, daß ich hätte heizen müssen. Die Sonne und der helle Himmel werden nach ein paar Tagen Nebel immer wieder Herr. Es gab ein großes Leichenbegängniß, einer unsrer Prinzen, der Vetter des Königs; sehr verdient um Italien, auch um die Marine, denn er war der Admiral der Flotte.

Ich bin in jedem Sinne froh, mit Nizza fertig zu sein, — man hat mir indessen 3 Bücherkisten hierher gesandt. Auch die einzige wohlthätige und liebenswürdige Gesellschaft, die ich dort hatte, die ausgezeichneten Köchlins, ebenso reiche als feine und an die besten Kreise gewöhnte Leute, fehlen zum ersten Male diesen Winter in Nizza. Es geht schlecht mit dem alten Köchlin, Madame Cécile hat mir ausführlich geschrieben: beständiges Fieber. Sie sind bei Genua, in Nervi. — Dagegen habe ich aus Genf gute und heitere Nachrichten von Madame Fynn und ihrer russischen Freundin.

Das Allerbeste aber bekomme ich von meinem Freunde Köselitz zu hören, dessen ganze Existenz sich erstaunlich verändert hat. Nicht nur daß die ersten Künstler Berlins, Joachim, de Ahna sich auf das Tiefste für seine Werke interessiren, diesen anspruchsvollste und verwöhnteste Art Künstler, die Deutschland hat: Du würdest vor Allem verwundert sein, daß er in den reichsten und vornehmsten Cirkeln Berlins nur verkehrt und sich mit allzuviel Erfolg um ein schönes und erschrecklich reiches Mädchen bewirbt, obwohl er einen jungen Grafen Schlichen zum Rivalen hat. Ja die Herrn Musiker! Er hat schon den ganzen Sommer auf dem Schloß seiner Prinzessin, in Hinterpommern, ungeheure Wälder, zwischen lauter Junkern und Gardeoffizieren gelebt; aber sie will nichts als Musik von Köselitzen geigen und singen. — Vielleicht erlebt seine Oper ihre erste Aufführung in Berlin; Graf Hochberg steht den Kreisen nahe, die er frequentirt. —

Im Grunde ist Dein altes Geschöpf jetzt ein ungeheuer berühmtes Thier: nicht gerade in Deutschland, denn die Deutschen sind zu dumm und zu gemein für die Höhe meines Geistes und haben sich immer an mir blamirt, aber sonst überall. Ich habe lauter ausgesuchte Naturen zu meinen Verehrern; lauter hochgestellte und einflußreiche Menschen, in St. Petersburg, in Paris, in Stockholm, in Wien, in New-York. Ach wenn Du wüßtest, mit welchen Worten mir die ersten Personnagen ihre Ergebenheit ausdrücken, die charmantesten Frauen, eine Madame la princesse Ténicheff, durchaus nicht ausgeschlossen. Ich habe wirkliche Genies unter meinen Verehrern, — es giebt heute keinen Namen, der mit so viel Auszeichnung und Ehrfurcht behandelt wird, als der meine. — Siehst Du, das ist das Kunststück: ohne Name, ohne Rang, ohne Reichthum werde ich hier wie ein kleiner Prinz behandelt, von Jedermann bis zu meiner Hökerin herab, die nicht eher Ruhe hat als bis sie das Süßeste aus allen ihren Trauben zusammengesucht hat (das Pfund jetzt 28 Pf.)

Zum Glück bin ich jetzt Allem gewachsen, was meine Aufgabe von mir verlangt. Meine Gesundheit ist wirklich ausgezeichnet; die schwersten Aufgaben, zu denen noch nie ein Mensch stark genug war, fallen mir leicht. Turin ist wirklich meine Residenz; ah mit welcher Distinktion man mich hier behandelt! —

Meine alte Mutter, empfange, zum Schluß des Jahres, meine herzlichsten Wünsche und wünsche mir selber ein Jahr, das den großen Dingen, die in ihm geschehn müssen, in jeder Hinsicht entspricht.

Dein altes Geschöpf.

1206. An Ferdinand Avenarius in Dresden (Fragment)

<Turin, kurz vor dem 22. Dezember 1888>

— — — Ihr Blatt hat bei weitem das Tiefste und Schönste über mich gesagt, was bisher gesagt worden ist. — — —

1206. An Ferdinand Avenarius in Dresden

Turin, 22. Dezember 1888

Sehr geehrter Herr,

soeben fiel mir ein, daß es in Ihrem und vielleicht auch in meinem Interesse wäre, wenn Sie den Aufsatz des Herrn Heinrich Köselitz separatim, als Broschüre von wenig Blättern herausgeben wollten. Es ist aller Anschein dafür da, daß er ungeheuer gelesen und gehört würde. Sie können nicht glauben, welche Zeichen von Huldigungen mir von überall jetzt zukommen: ein paar Monate später, mit dem Erscheinen von Ecce homo, von dem 2 Bogen gedruckt sind, rechne ich meine Anhänger nach Millionen. Ihr „Kunstwart“ wird sich dabei nicht schlecht befinden, wenn er das erste Wort dieser Art gesagt hat.

Der Antichrist.

1207. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Turin, den 22. Dezember 1888.

Lieber Freund,

dies Papier habe ich entdeckt, das Erste, auf dem ich schreiben kann. Insgleichen Feder, diesen aber aus Deutschland: Sönnekken’s Rundschrift-Feder. Insgleichen Tinte, diesen aber aus New-York, theuer, ausgezeichnet. — Ihre Nachrichten sind ausgezeichnet; der Fall Joachim ist ersten Ranges. Ohne Juden giebt es keine Unsterblichkeit, — sie sind nicht umsonst „ewig“. — Auch Dr. Fuchs macht seine Sache vortrefflich; ich bekenne, daß, so lange es eine chance Hochberg giebt — es kann ja jeden Augenblick ein toller Wagnerianer an seine Stelle treten — ist die Chance im Auge zu behalten. — Von Herrn Wiedemann erbitten Sie sich, so rücksichtsvoll wie möglich, das Exemplar wieder aus: ich muß das Werk gegen alle Zufälle von Leben und Tod sicher stellen. —

Sehr curios! Ich verstehe seit 4 Wochen meine eignen Schriften, — mehr noch, ich schätze sie. Allen Ernstes, ich habe nie gewußt, was sie bedeuten; ich würde lügen, wenn ich sagen wollte, den Zarathustra ausgenommen, daß sie mir imponirt hätten. Es ist die Mutter mit ihrem Kinde: sie liebt es vielleicht, aber in vollkommner Stupidität darüber, was das Kind ist. — Jetzt habe ich die absolute Überzeugung, daß Alles wohlgerathen ist, von Anfang an, — Alles Eins ist und Eins will. Ich las vorgestern die „Geburt“: etwas Unbeschreibliches, tief, zart, glücklich…

Gehn Sie nicht zu Prof. Deussen: er ist zu stupid für uns, — zu gewöhnlich. — Herr Spitteler ist, seit Ihrem „Kunstwart“, zur Salzsäule erstarrt: er blickt auf seine Dummheit vom letzten Januar zurück…

Die Schrift N<ietzsche> contra W<agner> wollen wir nicht drucken. Das „Ecce“ enthält alles Entscheidende auch über diesen Beziehung. Die Partie, welche, unter Anderm, auch den maestro „Pietro Gasti“ bedenkt, ist bereits in „Ecce“ eingetragen. Vielleicht nehme ich auch das Lied Zarathustras — es heißt: „von der Armut des Reichsten“ — noch hinein. Als Zwischenspiel zwischen 2 Hauptabschnitten.

Unbeschreiblich delikater Brief von Ms. Taine aus Paris (— er bekommt auch Peter Gast zu lesen!); er beklagt, für toutes mes audaces und finesses nicht genug deutsch zu verstehn — das heißt nicht gleich beim ersten Blick sie zu verstehn — und empfiehlt mir, als einen competenten Leser, der aufs Tiefste auch Deutschland und deutsche Litteratur studirt habe, Niemand Geringeres als den Chef-Redakteur des Journal des Débats und der Revue des deux Mondes, Ms. Bourdeau, eine der ersten und einflußreichsten Personnagen Frankreichs. Der soll mein Bekanntwerden in Frankreich in die Hand nehmen, die Frage der Übersetzung: dazu empfiehlt ihn Ms. Taine. — Damit ist der große Panama-Canal nach Frankreich hin eröffnet.

Meine herzlichsten Grüße an Ihre verehrten Angehörigen!

Erster Schnee, hübsch!!!

Ihr Freund Nietzsche.

1208. An Andreas Heusler in Basel (Visitenkarte)

Torino, via Carlo Alberto 6, III <22. Dezember 1888>

Es giebt jetzt keinen Zufall mehr in meinem Leben. Diese Nacht gedachte ich eines von mir besonders verehrten Baslers — ich hüte mich zu sagen wen: und eben kommt ein Brief von Overbeck..

1209. An Franz Overbeck in Basel

Turin, den 22. Dezember 1888

Lieber Freund,

ich danke Dir herzlich für Deine Worte, obgleich Du, gemäß dem tiefen Vertrauen, das wir zu einander haben, vollkommen das Recht hättest, jahrelang zu schweigen. Auch habe ich eben einen Gruß an Andreas Heusler abgeschickt: ein sehr angenehmer Zufall wollte, daß er mir diesen Nacht einfiel und mit besonders guten Empfindungen. Vergebung! aber fast jeder Brief, den ich jetzt schreibe, beginnt mit dem Satz, daß es keinen Zufall mehr in meinem Leben giebt. — C. G. Naumann hat mir noch nicht mitgetheilt, ob und wann die Versendung der Götzen-Dämmerung beginnen soll. Ich glaube, er hat jetzt sehr viel mit mir zu thun; vom Ecce homo sind 2 Druckbogen angelangt. — Dies Mal habe ich Basel so bedacht, daß man schon den Versuch machen muß, mich kennen zu lernen. Und man kommt jetzt wenigstens darüber überein, daß ich nicht stupid bin. Abgesehn von Deinem Exemplar, sind Exemplare für die Bibliothek, für die Lesegesellschaft, für die Basler Nachrichten, für Hr. Spitteler bestimmt. Jakob Burckhardt, der zweimal mit außerordentlichen Ehren vorkommt, hat das allererste Exemplar bekommen, das Naumann für mich schickte. — Was ich wünschte, ist, daß ein capitaler Aufsatz über mich von Köselitz, ein Meisterstück von Präcision und Tiefe, im Kunstwart erschienen, dessen Redakteur mich auch als „Hochzuverehrender!“ anredet, etwa in den Basler Nachrichten abgedruckt würde. Es ist durchaus nichts Provocirendes darin; „daß das Verhalten der Deutschen gegen Nietzsche ein neues Blatt zur Geschichte ihrer zunehmenden geistigen Inferiorität liefert“, wird hoffentlich die Basler nicht beleidigen. —

Und nun der „Fall Fritzsch!“ — Dessentwegen muß ich Dir schreiben. Mein Verleger! Der Verleger des Zarathustra! — Ich habe auf der Stelle an ihn geschrieben: „Wie viel verlangen Sie für meine gesammte Litteratur? In aufrichtiger Verachtung Nietzsche“. Antwort: c. 11 000 Mark. —

Es ist eine Anstandssache für mich, ich werde mich hüten, das Wort „Ehre“ solchem Gesindel gegenüber zu mißbrauchen. — C. G. Naumann, in dieser Sache mir zurathend, empfiehlt noch zu warten und eine Reduktion des Preises zu erzielen. Freilich dürfte die Art, wie jetzt von mir gesprochen wird, ihn stutzig machen, so daß ich nicht an Reduktion glaube. Im Grunde ist die Sache ein Glücksfall ersten Rangs: ich bekomme den Alleinbesitz meiner Litteratur in die Hand im Augenblick, wo sie verkäuflich wird. Denn auch die Werke bei C. G. Naumann gehören allein mir.

Problem: wie schaffe ich jetzt 11 000 Mark? Wie viel würden meine Basler Ersparnisse zusammen ausmachen? (— ich bekenne, sie waren nicht dafür, sondern für die großen Druckkosten der nächsten Jahre bestimmt. Zuletzt könnte ich zum ersten Male in meinem Leben Geld dafür borgen, da die „Zahlungsfähigkeit“ bei mir in den nächsten Jahren gar nicht unbeträchtlich werden dürfte. Mit einem guten Pariser Verleger, Lemerre zB., will ich für Ecce homo, mit Vermittlung dieses allereinflußreichsten Chefredakteurs der beiden dominirenden Blätter Frankreichs, Bedingungen ausmachen, wie die ersten Pariser Romanciers sie haben — und ich werde an Zahl der Auflagen selbst Zola’s Nana überwinden… Was räthst Du? — Dir und Deiner lieben Frau ein fröhliches Weihnachten wünschend

Dein Freund N.

Bemerke, ich hatte Taine ganz direkt um die Mittel ersucht, in Frankreich gelesen zu werden, übersetzt zu werden: zu diesem Zweck nennt er mir Ms. B<ourdeau>, aber so delikat, daß es anders klingt.

1209a. An Giosué Carducci in Italien (Entwurf)

<Turin, 25. Dezember 1888>

Verehrter Herr,

Ich weiß nur zu gut, wie gut sie deutsch verstehen: erwägen Sie, ob Sie nicht erst diese Schrift N<ietzsche> c<ontra> W<agner> den Italiänern vorstellen wollen? Man muß in Italien einen Anfang mit mir machen: ich habe die ersten Intelligenzen Europas für mich — Monsieur Taine zum Beispiel — [— — —]

1210. An Franz Overbeck in Basel

<Turin> Weihnachten. <1888>

Lieber Freund

wir müssen die Sache mit Fritzsch schnell machen, denn in zwei Monaten bin ich der erste Name auf der Erde. —

Ich wage noch zu erzählen, daß es in Paraguay so schlimm als möglich steht. Die hinüber gelockten Deutschen sind in Empörung, verlangen ihr Geld zurück — man hat keins. Es sind schon Brutalitäten vorgekommen; ich fürchte das Äußerste. — Dies hindert meine Schwester nicht, mir zum 15. Oktober mit äußerstem Hohne zu schreiben, ich wolle wohl auch anfangen „berühmt“ zu werden. Das sei freilich eine süße Sache! und was für Gesindel ich mir ausgesucht hätte, Juden, die an allen Töpfen geleckt hätten wie Georg Brandes… Dabei nennt sie mich „Herzensfritz“… Dies dauert nun 7 Jahre! — —

Meine Mutter hat keine Ahnung bisher davon — das ist mein Meisterstück. Sie schickte mir zu Weihnachten ein Spiel: Fritz und Lieschen…

Was hier in Turin merkwürdig ist, das ist eine vollkommene Fascination, die ich ausübe, obwohl ich der anspruchsloseste Mensch bin und Nichts verlange. Aber wenn ich in ein großes Geschäft komme, so verändert sich jedes Gesicht; die Frauen auf der Straße blicken mich an, — meine alte Hökerin legt für mich das Süßeste von Trauben zurück und hat den Preis ermäßigt!… Er ist an sich lächerlich… Ich esse in einer der ersten Trattorien, mit 2 ungeheuren Etagen von Sälen und Zimmern. Ich zahle für jede Mahlzeit 1 fr. 25 mit Trinkgeld — und ich bekomme das Ausgesuchteste in der ausgesuchtesten Zubereitung —, ich habe nie einen Begriff davon gehabt, weder was Fleisch, noch was Gemüse, noch was alle diesen eigentlichen ita<lienischen> Speisen sein können… Heute z. B. die delikatesten ossobuchi, Gott weiß, wie man deutsch sagt, das Fleisch an den Knochen, wo das herrliche Mark ist! Dazu broccoli auf eine unglaubliche Weise zubereitet, zuerst die allerzartesten Maccaroni. — Meine Kellner glänzen vor Feinheit und Entgegenkommen: das Beste* ist, ich mache Niemanden dümmer..

Da in meinem Leben noch Alles möglich ist, so notire <ich> mir alle diesen Individuen, die in dieser unentdeckten Zeit mich entdeckt haben. Ich verschwöre es nicht, daß mich bereits mein zukünftiger Koch bedient. —

Noch Niemand hat mich für einen Deutschen gehalten… Ich lese das Journal des Débats, man hat es mir instinktiv beim ersten Betreten des ersten Cafés gebracht. —

Es giebt auch keine Zufälle mehr: wenn ich an Jemand denke, tritt ein Brief von ihm höflich zur Thür herein…

Naumann ist in einem prachtvollen Feuereifer. Ich habe den Argwohn, daß er die Festtage hat drucken lassen. Es sind 5 Bogen in 2 Wochen mir zugeschickt worden. Den Schluß von Ecce homo macht ein Dithyrambus von einer ganz grenzenlosen Erfindung, — ich darf nicht daran denken, ohne zu schluchzen.

Unter uns, ich komme dieses Frühjahr nach Basel, — ich habe es nöthig! Zum Teufel, wenn man nie ein Wort im Vertrauen sagen kann..

Dein Freund N.

Dr. Fuchs führt eben das Duett K<öselitzen>s in einem Danziger Concert auf, er wünscht fürs dortige Theater den Löwen von Venedig! In Anbetracht aber, daß Joachim seine Theilnahme fortsetzt, so ist das Werk sehr wahrscheinlich vom Grafen Hochberg alsbald in Beschlag genommen.. K<öselitz> ist fortgelaufen für die Weihnachtszeit zu seinen Eltern, um sich nicht beschenken zu lassen… Die von Krauses machen in der Weihnachtszeit (wie sonst) einen fürstlichen Aufwand: sie senden z. B. an jede Familie ihrer Dörfer eine Weihnachtskiste. K<öselitz> hat Krause zu seinem Venediger Freunde dem berühmten Passini geführt, um ihm einige Tausende zu verdienen zu geben. — P<assini> lebt jetzt in Berlin.

1211. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Turin, etwa 25. Dezember 1888>

Verehrte Frau,

im Grunde die einzige Frau, die ich verehrt habe… lassen Sie es sich gefallen, das erste Exemplar dieses Ecce homo entgegenzunehmen. Es wird d<a>r<in> im Grunde alle Welt schlecht behandelt, Richard W<agner> ausgenommen — und noch Turin. Auch kommt Malvida als Kundry vor…

Der Antichrist.

1212. An Franz Overbeck in Basel

<Turin, 26. Dezember 1888> Freitag, Morgens.

Lieber Freund,

soeben mußte ich lachen: mir fiel Dein alter Kassierer ein, den ich noch zu beruhigen habe. Es wird ihm wohlthun, zu hören, daß ich seit 1869 nicht mehr heimatberechtigt in Deutschland bin und einen wunderschönen Basler Paß besitze, der mehrere Male von schweizerischen Konsulaten erneuert worden ist. —

— Ich selber arbeite eben an einem Promemoria für die europäischen Höfe zum Zwecke einer antideutschen Liga. Ich will das „Reich“ in ein eisernes Hemd einschnüren und zu einem Verzweiflungs-Krieg provociren. Ich habe nicht eher die Hände frei, bevor ich nicht den jungen Kaiser, sammt Zubehör in den Händen habe.

Unter uns! Sehr unter uns! — Vollkommene Windstille der Seele! Zehn Stunden ununterbrochen geschlafen!

N.

1213. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin,> den 27. December <1888>

Geehrter Herr,

Sehr verbunden für den Eifer, mit dem der Druck vorwärts geht. Ich habe sowohl die 2 Bogen Ecce als die 2 Bogen N. contra W. druckfertig an Sie zurückgeschickt. —

Soeben meldet mir Dr. Carl Fuchs, daß er eine Schrift gegen Wagner verbrochen habe, die in Danzig durch esprit und Feinheit — er hat sie in der litterarischen Gesellschaft vorgelesen — und auch bei besonderen Fachkennern einen außerordentlichen Erfolg gehabt hat. — Dr. Fuchs ist bei weitem der geistreichste Musiker; das war auch Richard Wagners eigne Meinung. — Ich habe ihm geschrieben, daß ich gerne die Herstellungskosten tragen würde; es ist mir wesentlich, daß ein Musiker mir wieder in dieser Sache Recht giebt. —

Ich nehme an, daß wir die Versendung der Götzen-Dämmerung immer noch hinausschieben? Es hat nicht den geringsten Sinn, jetzt mit Publikationen zu eilen. —

Auch wollen wir so wenig als möglich überflüssige Exemplare verschenken und es im Wesentlichen als ein Buch für die betrachten, die näher schon mit meiner Absicht und Aufgabe vertraut sind. Überflüssig zum Beispiel wäre ein Exemplar nach Paraguay. — Die Verhandlungen zum Zweck einer französischen und englischen Übersetzung der Götzen-Dämmerung sind eingeleitet. —

Alles erwogen, wollen wir im Jahre 1889 die Götzen-Dämmerung und Nietzsche contra Wagner herausgeben: letztere <Schrift> vielleicht zuerst, da mir von allen Seiten geschrieben wird, daß mein „Fall Wagner“ eigentlich erst eine wirklich öffentliche Aufmerksamkeit für mich geschaffen habe.

Ecce homo, das, sobald es fertig ist, in die Hände der Übersetzer überzugehn hat, könnte keinesfalls vor 1890 fertig sein, um in den drei Sprachen zugleich zu erscheinen.

Für die Umwerthung aller Werthe habe ich noch gar keinen Termin. Der Erfolg von Ecce homo muß hier erst vorangegangen sein. — Daß das Werk druckfertig ist, habe ich Ihnen geschrieben.

Als Vorrede zu der Arbeit des Dr. Fuchs würden wir den ausgezeichneten Aufsatz des Hr. Gast nehmen können; ich habe schon mit Avenarius darüber mich verständigt. Titel etwa:

Der Fall Nietzsche.

Randbemerkungen

zweier Musikanten

1214. An Carl Fuchs in Danzig

<Turin,> 27. Dezember 1888.

Alles erwogen, lieber Freund, hat es von jetzt ab keinen Sinn mehr, über mich zu reden und zu schreiben; ich habe die Frage, wer ich bin, mit der Schrift, an der wir drucken Ecce homo für die nächste Ewigkeit ad acta gelegt. Man soll sich fürderhin nie um mich bekümmern, sondern um die Dinge, derentwegen ich da bin. — Auch könnte sich in den nächsten Jahren eine dergestalt ungeheure Umgestaltung meiner äußern Lage ereignen, daß selbst jede Einzelfrage im Schicksal und Lebensaufgabe meiner Freunde davon abhängig würde, — nicht zu reden davon, daß solche ephemere Gebilde wie „das deutsche Reich“ in jeder Rechnung für das, was kommt, wegbleiben müssen. — Zunächst wird Nietzsche contra Wagner herauskommen, wenn Alles geräth, auch noch französisch. Das Problem unsres Antagonism<us> ist hier so tief genommen, daß eigentlich auch die Frage Wagner ad acta gelegt ist. Eine Seite „Musik“ über Musik in der genannten Schrift ist vielleicht das Merkwürdigste, was ich geschrieben habe .. Das, was ich über Bizet sage, dürfen Sie nicht ernst nehmen; so wie ich bin, kommt B<izet> Tausend Mal für mich nicht in Betracht. Aber als ironische Antithese gegen W<agner> wirkt es sehr stark; es wäre ja eine Geschmacklosigkeit ohne Gleichen gewesen, wenn ich etwa von einem Lobe Beethovens hätte ausgehen wollen. Zu alledem war W<agner> rasend neidisch auf Bizet: Carmen ist der größte Opern-Erfolg überhaupt in der Geschichte der Oper und hat bei weitem die Zahl der Aufführungen aller Wagnerischen Opern zusammen in Europa für sich allein überboten. —

Die stupide Taktlosigkeit Fritzschs, mich in seinem eignen Blatte zu verhöhnen, hat den großen Nutzen, daß sie mir einen Anlaß bot, F<ritzsch> zu schreiben: wie viel wollen Sie für meine ganze Litteratur? In aufrichtiger Verachtung Nietzsche. Antwort: 11 000 Mark. — Gesetzt, daß ich auf diesen Weise, im letzten Augenblick Alleinbesitzer meiner Werke werde (— denn auch C. G. Naumann besitzt nichts von mir), so war die Dummheit F<ritzsch>s ein Glücksfall ersten Rangs. — Ich will schon dafür Sorge tragen, daß Sie zur rechten Zeit alle meine Schriften, die Ihnen fehlen, zugeschickt bekommen: warten Sie nur noch ein wenig! — Der Gedanke mit Rostock, gesetzt auch daß es ein Interim-Gedanke von zwei Jahren wäre, scheint mir sehr vorzüglich, namentlich in der Übung und Einübung der eigentlichen Dirigenten-Qualitäten, — auch sonst…

Lieber Freund, ich bitte Sie dringend darum, Ihre Schrift über Wagner an meinen Verleger Herrn C. G. Naumann zu schicken: Sie dürfen sie mir mit einer kleinen Vorrede widmen. Wir müssen die Deutschen durch esprit rasend machen…

Den Tristan umgehn Sie ja nicht: es ist das capitale Werk und von einer Fascination, die nicht nur in der Musik, sondern in allen Künsten ohne Gleichen ist. —

Ich schlage vor, den ausgezeichneten Aufsatz des Herrn Köselitz über mich als Vorrede zu Ihrer Schrift gegen W<agner> voranzudrucken: macht einen prachtvollen Eindruck.

Titel: Der Fall Nietzsche

von Peter Gast und Carl Fuchs

1215. An Heinrich Köselitz in Annaberg

<Turin, 27. Dezember 1888>

Ein Wort nur, lieber Freund! Ich proponire eben Herrn Dr. Fuchs, seine Schrift gegen Wagner im Bunde mit Ihnen herauszugeben, so daß Ihr Aufsatz im Kunstwart die Einleitung macht — oder die Vorrede. Ich habe bereits mich mit Avenarius über eine Separat-Ausgabe derselben verständigt (— wie billig, könnten Sie etwas Weggestrichnes wieder herstellen). Titel, was denken Sie?

Der Fall Nietzsche.

Randbemerkungen

zweier Musikanten.

Auch schadet es Nichts, wenn Sie mich ein wenig als Musiker behandeln — den stupiden Deutschen käme dergleichen nie in den Kopf.

1216. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 28. Dezember 1888>

Ich habe einen Accent vergessen auf Seite 4 von N.c.W

Géraudel

Auf Seite 6 fünfte Zeile von unten muß es heißen:

aus drei Gründen,

N.

Ein gutes Neujahr — für uns Beide…

1217. An Jean Bourdeau in Paris (Entwurf)

<Turin, kurz vor dem 29. Dezember 1888>

Zuletzt, verehrter Herr, verberge ich mir, als alter Leser des J<ournal> d<es> D<ébats> nicht, wie wenig Sie gerade jetzt für mich Zeit haben werden. Nehmen Sie an, daß ich zufrieden bin, mich Ihnen vorgestellt zu haben, — und daß ich warten kann…

1218. An Julius Kaftan in Berlin (Entwürfe)

<Turin, gegen Ende Dezember 1888>

Werther Herr Professor,

Sie gehören, mit Ihrem Besuch in Sils von vorigem Sommer, zu den haarsträubenden Geschichten meines Lebens. Ich übersende Ihnen ein Buch, das in zehn Tagen Ihres Aufenthalts daselbst entstanden ist, nur um Ihnen einen Begriff davon zu geben, daß der Ort, den der tiefste Geist aller Jahrtausende sich ausgewählt hat, keine Theologen verträgt.

Herrn Professor Kaftan

Werthester Herr Professor, Sie gehören, mit Ihrem Besuch in Sils, zu den haarsträubenden Geschichten meines Lebens. Das hindert mich nicht, Ihnen gewogen zu sein: Zeugniß die Übersendung des beifolgenden Buchs. — In zwei Jahren wird Ihnen jeder Zweifel daran benommen sein, daß ich von nun an die Welt regiere

Friedrich Nietzsche.

1219. An Carl Spitteler in Basel (Entwurf)

<Turin, gegen Ende Dezember 1888>

Werther Herr,

Sie sind, mit Dr. Widmann, ein extremer Fall in meinem Leben. Ich bekenne, daß ich den Fall Spitteler nicht verstehe: ich bin an Ehrfurcht gewohnt, vergeben Sie mir das Wort — nicht von irgend Jemand, sondern von den ersten Geistern, die es heute giebt. Sie sollten einen Begriff davon haben, wie Ms Taine an mich schreibt. — Im Grunde verstehe ich Sie nicht. Ihre Worte über „die Geneal<ogie> der Moral“, die mich im Zustand tiefster Versenkung in meine ungeheure Aufgabe trafen, werden mir unvergeßlich bleiben. Nehmen Sie alle Höhe, alle Geisteskraft alle Schöpfungen der ersten Individuen der M<ensch>h<eit> zusammen — Sie bringen nicht eine Seite dieses Werkes hervor, geschweige denn ihre Form. — Es ist gar nicht nöthig, Viel von mir zu lesen, eine Seite, um eine Distanz aufzurichten, über die Niemand hinwegspringt. Sie haben nicht einmal gemerkt, daß die Schrift über W<agner> von mir handelt.

1220. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, den 29. Dec. 1888>

Geehrter Herr Verleger,

mich bestens für Ihre so eben erhaltne Mittheilung bedankend, möchte ich Sie bitten, die Fortsetzung der Drucklegung des Ecce anzuordnen, sobald N.c.W. fertig ist. Einstweilen kommt Ecce auch für Übersetzungs-Pläne noch nicht in Betracht. Ein äußerst liebenswürdiger und entgegenkommender Brief des Ms. Bourdeau, Chefredakteur des J. des Débats, der heute eintraf und der mir erzählt, wie lange und wie gut er meine Werke kenne, nimmt zunächst la „Crépuscule des idoles“ in Aussicht. — Über das gleiche Werk verhandle ich hinsichtlich einer englischen und einer italiänischen Übersetzung. Man muß erst eine Brücke geschaffen haben. —

Ein Rest von Ms, lauter extrem wesentliche Sachen, darunter das Gedicht, mit dem Ecce homo schließen soll, ein non plus ultra von Höhe und Erfindung — ist heute eingeschrieben an Sie abgegangen. — Mit bestem Gruß und Neujahrswunsch

ergebenst
Nietzsche

— Ich bin Ihrer Meinung, daß wir auch für Ecce die Zahl von 1000 Exemplar nicht überschreiten wollen: 1000 Exemp<lar>e in Deutschland ist für ein Werk hohen Stils vielleicht schon ein wenig verrückt, — in Frankreich rechne ich, allen Ernsts, auf 80—400 000 Exemplare. —

Eine Besprechung vom „Fall W<agner>“ im J. des Déb. für Januar in Aussicht

1221. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Turin, etwa 29. Dezember 1888>

Lieber Freund, Dein Brief überrascht mich nicht. Ich rechne es Niemandem an, wenn er nicht weiß, wer ich bin; es steht Niemandem frei, das zu wissen. Es stünde schlimm um mich, wenn ich meine paar menschl<ichen> Beziehungen mir mit absurden Ansprüchen verdorben hätte. Ich habe keinen Augenblick in meinem Leben gegen Dich irgend ein Mißtrauen oder auch nur Verstimmung verspürt: Du bist sogar einer der ganz Wenigen, — gegen die ich tief verpflichtet bin. — Daß ich kein Mensch, sondern ein Schicksal bin, das ist kein Gefühl, welches sich mittheilen ließe. Du brauchst es mir auch heute nicht zu glauben: ich selber glaube sehr ungern daran. Es fehlt mir nicht an Bosheit und Übermuth, um gelegentlich mich über mich lustig zu machen.

1222. An Franz Overbeck in Basel

<Turin, 29. Dezember 1888>

Nein, lieber Freund, mein Befinden ist nach wie vor ausgezeichnet; nur habe ich den Brief bei sehr schlechtem Licht geschrieben — ich erkannte nicht mehr, was ich schrieb. Auch darfst Du nicht denken, daß jene „traurigen“ Mittheilungen auch nur im Entferntesten mich berührten; das liegt seit Jahren tausend Meilen unter mir. — Die Sache mit F<ritzsch> laufen zu lassen ist jedenfalls die Vernunft selbst: er hat mir in seinem neuesten Brief noch erklärt, daß er sich an die genannte Ziffer gebunden wisse. — Ich bin heute sehr glücklich über einen überaus liebevollen und delikaten Brief des Ms. Bourdeau, der mir erzählt, wie viel er von mir schon kenne und wie er von seinem Freunde Hillebrand sehr gut über mich seit lange unterrichtet worden sei. Das Journal des Déb<ats> bringe im Monat Januar einen Artikel über den „Fall Wagner“ aus der Feder Monod’s. — Auch Heusler hat mir auf das Herzlichste geschrieben. —

„Crépuscule des idoles“ wird zuerst in Angriff genommen; ich bin für die Übersetzung desselben Werks mit Miß Helen Zimmern in Unterhandlung, die auch schon Schopenhauer den Engländern vorgestellt hat. — (Ich verhandle auch mit Bonghi —) Unterschätze nicht, daß ich den Fall Fritzsch als Glücksfall empfinde…

Mein Brief kommt gerade zur rechten Zeit, um Dir und Deiner lieben Frau herzlich zum neuen Jahr Glück zu wünschen.

Dein Freund N

— Weißt Du, in meiner äußeren Lage verändert sich in den nächsten Jahren gar nichts, vielleicht überhaupt nicht mehr. Ich mag jeden Grad von Ansehn erreichen, ich will weder meine Gewohnheiten, noch mein Zimmer für 25 frs. aufgeben. Man muß sich an diese Sorte Philosoph gewöhnen. —

Es ist wieder recht schlechtes Licht — come in Londra, sagen mir die Turiner seit 6 Tagen. Nebbia!…

Ich bildete mir sogar ein, ich hätte Dir lauter sehr heitre Sachen geschrieben? — Aufrichtig, ich weiß gar nicht mehr, wie das aussieht, was man Ärger nennt…

1223. An Meta von Salis auf Marschlins

Turin, den 29. Dez. 1888.

Verehrtes Fräulein,

es ist vielleicht nicht verboten, Ihnen um die Jahreswende einen Gruß zu senden — Hoffentlich giebt es ein gutes Jahr. Vom alten sage ich gar Nichts mehr — es war zu gut…

Inzwischen fange ich an, auf eine vollkommen unerhörte Weise berühmt zu werden. Ich glaube, daß noch nie ein Sterblicher solche Briefe bekommen hat, wie ich sie bekomme und nur von lauter ausgesuchten Intelligenzen, von Charakteren in hohen Pflichten und Stellungen bewährt. Überall her: nicht am wenigsten aus der ersten St. Petersburger Gesellschaft. Und die Franzosen! Sie sollten den Ton hören, mit dem Ms. Taine an mich schreibt! So eben traf ein bezaubernder, vielleicht auch bezauberter Brief eines der ersten und einflußreichsten Männer Frankreichs ein, der aus dem Bekanntwerden und Übersetzen meiner Schriften sich eine Aufgabe machen will: kein Geringerer als der Chef-Redakteur des Journal des Débats und der Revue des deux Mondes Ms. Bourdeau. Er sagt mir übrigens, daß eine Besprechung meines „Fall Wagner“ im Januar des J. d Déb. erscheinen werde — von wem? Von Monod. — Ich habe ein veritables Genie unter meinen Lesern, den Schweden August Strindberg, der mich als den tiefsten Geist aller Jahrtausende empfindet. Ich sende Ihnen einen Aufsatz im „Kunstwart“, mit der Bitte, ihn mir gelegentlich zurückzugeben, der in der That auf eine vollkommene Weise den „Fall Nietzsche“ präcisirt. — Das Merkwürdigste ist hier in Turin eine vollkommne Fascination, die ich ausübe — in allen Ständen. Ich werde mit jedem Blick wie ein Fürst behandelt, — es giebt eine extreme Distinktion in der Art, wie man mir die Thür aufmacht, eine Speise vorsetzt. Jedes Gesicht verwandelt sich, wenn ich in ein großes Geschäft trete. — Und da ich Nichts beanspruche und mit vollkommner Gelassenheit gegen Jedermann gleich bin, auch das Gegentheil eines düsteren Gesichts habe, so brauche ich weder Namen, noch Rang, noch Geld, um immer noch unbedingt der Erste zu sein. —

Damit es nicht am Contraste fehlt! meine Schwester hat mir zu meinem Geburtstage mit äußerstem Hohne erklärt, ich wolle wohl auch anfangen, „berühmt“ zu werden… Das werde ein schönes Gesindel sein, das an mich glaube… Dies dauert jetzt sieben Jahre… —

Noch ein andrer Fall. Ich halte ernsthaft die Deutschen für eine hundsgemeine Art Mensch und danke dem Himmel, daß ich in allen meinen Instinkten Pole und nichts Andres bin. Mein Verleger, Herr E. W. Fritzsch, hat bei Gelegenheit vom „Fall Wagner“ einen der schnödesten Artikel über mich in dem von ihm selbst redigirten Mus<ikalischen> Wochenblatt abdrucken lassen. Ich habe ihm darauf sofort geschrieben „Wieviel verlangen Sie für meine ganze Litteratur? In aufrichtiger Verachtung Nietzsche.“ — Antwort: 11 000 Mark. — Sehen Sie! Das ist deutsch… der Verleger des Zarathustra!

Georg Brandes geht diesen Winter wieder nach St. Petersburg, um über das Unthier Nietzsche Vorträge zu halten. Er ist wirklich ein ausgezeichnet intelligenter und guter Mensch, ich habe noch nie so delikate Briefe bekommen. — Es wird auf das Eifrigste gedruckt, feuereifrigst… Inzwischen ist Herr Köselitz ein großes Thier geworden: Joachim und de Ahna schwärmen für diesen neuen „Klassiker“, — ich füge hinzu, daß er in einem der glänzendsten Häuser Berlins mit nur allzuglücklichem Erfolg sich um ein merkwürdig schönes und interessantes Mädchen bewirbt, obwohl er einen Grafen Schlieben zum Rivalen hat. Er war schon den ganzen Sommer auf dem Waldschloß seiner Prinzessin in Hinterpommern unter lauter Junkern und Gardelieutnants. Wahrscheinlich wird ihn Graf Hochberg um die erste Aufführung des Löwen von Venedig für Berlin angehen. — Kurz: Umwerthung aller Werthe… Mit den besten Grüßen und Wünschen

Ihr N.

Haben Sie davon gehört, daß Mad. Kowalewski in Stockholm (— sie stammt vom alten Ungarnkönig Matthias Corvin) den allerersten mathematischen Preis von der Pariser Akademie erhalten hat, den sie vergeben kann? Sie gilt heute als das einzige Genie der Mathematik. —

1224. An Meta von Salis in Marschlins (Postkarte)

<Turin, 29. Dezember 1888>

Verehrtes Fräulein,

erweisen Sie mir die Gefälligkeit, den Kunstwart nicht an mich, sondern an Herrn Prof. Dr. Overbeck (Basel, Seevogelstr.) weiter zu senden. Hochachtungsvoll ergeben

N.

1225. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Turin, 30. Dezember 1888

Auf Seite 6 unten ist der Text dergestalt zu erweitern:

   :ich nehme, aus drei Gründen, Wagner’s Siegfried-Idyll aus; vielleicht auch Liszt, der die vornehmen Orchester-Accente vor allen Musikern voraus hat; zuletzt noch Alles, was jenseits der Alpen gewachsen ist — diesseits… Ich würde Rossini usw. usw.

1226. An Andreas Heusler in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6, III den 30. Dezember 1888

Lieber Heusler,

ich gebe Ihnen sofort ein Zeichen meines Vertrauens, wie ich es jetzt nicht an fünf, sechs Andre geben möchte. Alle stupiden Geschichten in meinem Leben kommen aus Deutschland: hören Sie die letzte! — Mein eigner Verleger E. W. Fritzsch in Leipzig, der neun Werke von mir hat (unter Anderem den Zarathustra, das erste Buch aller Bücher, ich bitte um Vergebung für diesen Ausdruck) — besagter F. hat mich bei Gelegenheit des „Fall Wagner“ in der von ihm selbst redigirten musikalischen Wochenschrift auf die schnödeste und persönlichste Weise verhöhnen lassen. Darauf habe ich ihm geschrieben: „wie viel wollen Sie für meine ganze Litteratur? In aufrichtiger Verachtung Nietzsche“ — Antwort: c. 11,000 Mark: das ist der dritte Theil des brutto-Werthes der noch vorhandenen Exemplare (= 33,000 M) Mein eigentlicher Verleger, Herr C. G. Naumann, einer der ehrenwerthesten Geschäftsleute Leipzigs und Besitzer einer großen Druckerei, räth mir unbedingt dazu, die unerhörte Taktlosigkeit des Fritzsch als Glücksfall zu betrachten, da ich dergestalt, unmittelbar vor dem Augenblick, wo ich „weltberühmt“ werde, meine ganze Litteratur in die Hände bekomme. Denn ich bin auch für den Verlag von C. G. Naumann (— 4 Werke bis jetzt) der Alleinbesitzer. Es wird auf meine Kosten gedruckt und betrieben; ich habe noch keinen Centime Honorar empfangen (— ein Kunststück, lieber Heusler! denn ich bin der Gegensatz eines vermöglichen Menschen, zum Glück aber sehr ökonomisch. Ich zahle z. B. hier 25 frs. für mein Zimmer, den Monat, mit Bedienung — ich will’s auch durchaus nicht anders haben)

Moral der Geschichte: ich brauche c. 14000 frs. — In Anbetracht, daß meine nächsten Werke sich nicht nach Tausenden, sondern nach Zehntausenden verkaufen, und zwar zugleich französisch, englisch und deutsch, so darf ich unbedenklich jetzt mir die genannte Summe entleihen. Ich habe in meinem Leben noch keinen centime Schulden gehabt. — Für die französischen Übersetzungen meiner Bücher, sammt den dazu gehörigen Verleger-Arrangements, sorgt einer der einflußreichsten und intelligentesten Männer Frankreichs, der Chef-Redakteur des Journal des Débats und der Revue des deux Mondes, Ms. Bourdeau, der mir gestern noch den allerliebenswürdigsten Brief schrieb — denn ich habe das Glück, daß mich meine Anhänger lieben. Zunächst wird erscheinen: Crépuscule des idoles. — Die Beziehung zwischen uns ist durch Ms. Taine hergestellt, mit einer délicatesse, die ich nicht genug bewundern kann. — Ich gelte, unter uns, in Paris als das geistreichste Thier, das auf Erden dagewesen ist und, vielleicht, noch als etwas mehr..

Lieber Heusler! Der Rest ist Schweigen.. Alles unter uns!

Friedrich Nietzsche

— mi sinceri auguri…

(Anbei folgt ein Wort über mich, absolut gescheut und ohne Hintergedanken: der Verfasser, jetzt bei weitem der erste Musiker, mein maëstro, hat in Basel studirt, als ich dort war — Peter Gast (pseudon. für Heinrich Köselitz)

— ich bitte mir das Blatt zurück, da ich es nicht zwei Mal habe

1227. An Heinrich Köselitz in Berlin (Entwurf)

<Turin,> Sonntag — Sonntag <30 Dzpar excellence (obwohl es trübe ist —)

Alter Freund,

unter meinem Fenster spielt, ganz als ob ich bereits princeps Taurinorum, Caesar Caesarum und dergleichen wäre, in aller Macht das Municipal-Orchester von Turin z. B. eben noch rhapsodie hongroise ich erkenne das grandiose Cleopatra-Werk von Mancinelli. Vorhin gieng ich an der mole Antonelliana vorbei, dem genialsten Bauwerk, das vielleicht gebaut worden, — merkwürdig, es hat noch keinen Namen — aus einem absoluten Höhentrieb heraus, — erinnert an gar nichts außer an meinen Zarathustra. Ich habe es Ecce homo getauft und im Geiste einen ungeheuren freien Raum herum gestellt. — Dann gieng ich nach meinem palazzo, jetzt palazzo Madama — die madama dazu schaffen wir an —: kann vollkommen bleiben wie er ist, bei weitem die malerischeste Art von großgedachtem Schloß — namentlich im Treppenhaus. Dann bekam ich ein Huldigungsschreiben von meinem Dichter Auguste Strindberg, einem veritablen Genie zu Ehren meiner „grandiosissime Génealogie de la Morale“, mit seinem Ausdruck de sa profonde admiration. Dann schrieb ich, in einem heroisch-aristophanischen Übermuth eine Proklamation an die europäischen Höfe zu einer Vernichtung des Hauses Hohenzollern, dieser scharlachnen Idioten und Verbrecher-Rasse seit mehr als 100 Jahren verfügte dabei über den Thron von Frankreich auch über Elsass, indem ich Victor Buonaparte, den Bruder unsrer Laetitia zum Kaiser machte und meinen ausgezeichneten Ms. Bourdeau, Chef-Redakteur des Journal de Débats und der Revue des deux Mondes zum ambassadeur an meinem Hofe ernannte, — aß nachher bei meinem Koch zu Mittag (— er heißt nicht umsonst de la Pace —) und schreibe nunmehr an meinen Freund und allerhöchst vollkommenen maëstro einen Brief, um ihm Theater, Orchester und alle Art camera in Aussicht zu stellen… Auch habe ich bereits, ihm zu Liebe, die schönste Seite über Musik geschrieben die vielleicht geschrieben worden ist — und zuletzt nicht ihm zu Liebe, vielmehr Jemandem — der, die, das — zu Liebe, der — die — das die Seite einmal lesen soll…

Friedrich Nietzsche
N.

Ich war noch beim Begräbniß des uralten Antonelli zugegen, diesen November. — Er lebte genau so lange, bis Ecce homo, das Buch, fertig war. — Das Buch und der Mensch dazu…

Ich habe gestern mein non plus ultra in die Druckerei geschickt, Ruhm und Ewigkeit betitelt, jenseits aller sieben Himmel gedichtet. Es macht den Schluß von Ecce homo. — Man stirbt daran, wenn man’s unvorbereitet liest…

Man wird deutsch an meinem Hofe sprechen: denn die höchsten Werke der M<ensch>h<eit> sind deutsch geschrieben…

Gymnastik und Pastilles Géraudel nehmen…

Damit ich Ihnen meine Hintergedanken nicht vorenthalte, schicke ich Ihnen einen Brief ab, den ich gestern für meinen maestro, Herrn Pietro Gasti schrieb — und der noch ein paar Tage warten darf… Ich vermache Ihnen diesen B<rief> zu jedem beliebigen Gebrauch

Wenn Sie mich bitten, bekommen Sie auch die Proklamation für das J<ournal> des Debats : sie genügt… Triple alliance — aber das ist ja nur eine Höflichkeit für mésalliance …

1228. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Turin, den 31. Dezember 1888

— Sie haben tausend Mal Recht! Warnen Sie selbst Fuchs… Sie werden in Ecce homo eine ungeheure Seite über den Tristan finden, überhaupt über mein Verhältniß zu Wagner. W<agner> ist durchaus der erste Name, der in E<cce> h<omo> vorkommt. — Dort, wo ich über Nichts Zweifel lasse, habe ich auch hierüber den Muth zum Äußersten gehabt.

Ah, Freund! welcher Augenblick! — Als Ihre Karte kam, was that ich da… Es war der berühmte Rubicon…

Meine Adresse weiß ich nicht mehr: nehmen wir an, daß sie zunächst der palazzo del Quirinale sein dürfte.

N.

1229. An August Strindberg in Holte

Turin, den 31. Dezember 1888

Lieber Herr,

Sie werden die Antwort auf Ihre Novelle in Kürze zu hören bekommen — sie klingt wie ein Flintenschuß.. Ich habe einen Fürstentag nach Rom zusammenbefohlen, ich will den jungen Kaiser füsillieren lassen.

Auf Wiedersehn! Denn wir werden uns wiedersehn.. Une seule condition: Divorçons…

Nietzsche Caesar

1230. An Ruggero Bonghi in Rom (Entwurf)

<Turin, Ende Dezember 1888>

Ich würde einen außerordentlichen Werth darauf legen, von Ihnen den Italiänern vorgestellt zu werden. Ich habe jetzt meine Leser überall, lauter ausgesuchte Intelligenzen — Msr. Taine gehört zu ihnen, bewährte, in hohen Stellen und Pflichten erprobte Charaktere — in Wien, in St. Petersburg, in Stockholm, in Paris, in New York — ich habe sie nicht in Deutschland: kein Wunders, daß keiner mich auch in Italien hört! — Wie kann ein Volk von ernsthaften Menschen, das erste Volk Europas, sich mit dieser Heerden-Rasse par excellence einlassen?… Triple alliance — aber das ist ja das Wort für mésalliance.

Ich sende Ihnen irgend ein Buch von mir. Jeder braucht der Vorstellung. Ich bin bei weitem der stärkste Geist, der auf Erden sein kann, — es steht mir nicht frei etwas andres zu sein. In zwei Jahren habe ich die höchste Gewalt in Hand, die je ein Mensch gehabt hat — ich will das „Reich“ in einen eisernen Gürtel einschließen…

Für die Übersetzung der Götzen-Dämmerung sind eben die Unterhandlungen für Frankreich (Ms. Bourdeau Chefredakteur führt [—]) und einen englischen Übersetzer eingeleitet, — das Buch genügt, um auch für Italien die absurden Fragen, eingerechnet die päpstliche, ad acta zu legen.

Ich wäre dankbar, wenn Sie meinen Brief Seiner Majestät dem Könige Umberto vorlegten. Es giebt keinen besseren Freund Italiens als mich. Ich denke, ich werde Victor Buonaparte als K>aiser> v<on> F<rankreich> nöthig haben.

1231. An Ruggero Bonghi in Rom (Entwurf)

<Turin, Ende Dezember 1888>

Was geht uns Alle um des Himmels Willen der dynastische Wahnsinn des Hauses Hohenzollern an!… Es ist ja keine nationale Bewegung, nichts als eine dynastische… Fürst Bismarck hat nie ans „Reich“ gedacht, — er ist ja mit allen Instinkten bloß Werkzeug des Hauses Hohenzollern! — und diesen Aufreizung zur Selbstsucht der Völker wird als große Politik, als Pflicht beinahe in Europa empfunden und gelehrt!… Damit muß man ein Ende machen — und ich bin stark genug dazu…

Um einen Begriff von mir zu geben, lege ich ein Buch bei, das noch nicht im Buchhandel ist; insgleichen ein Unheil über mich, das von einem ausgesucht tiefen und ernsten M. herrührt. Es wäre mein aufrichtiger Wunsch, daß das Buch auf italiänisch zu lesen wäre: ich verhandle eben mit dem ausgezeichneten Redakteur des Journal des Débats und der Revue Ms. Bourdeau zum Zweck einer französischen Übersetzung. — Die Werke, die von mir folgen werden — und die alle vollkommen bereit sind — sind keine Bücher mehr, sondern Schicksale. Aber ich habe nothwendig erst die intelligenten Nationen auf meine Seite zu bringen: denn obwohl ich den Deutschen so nahe wie möglich stand — ich war mit 24 Jahren ordentlicher Universitätsprofessor — so habe ich nicht ein Ohr dieser stupiden Rasse zu mir überredet.

1231a. An Ruggero Bonghi in Rom (Entwurf)

<Turin, Ende Dezember 1888>

Ich würde einen ausserordentl. Werth darauf legen, von Ihnen den Italiänern vorgestellt zu werden. Ich habe meine Leser jetzt überall, lauter ausgesuchte M<enschen> in St. Petersburg in Paris in Kopenhagen, Stockholm — ich habe sie nicht in Europas „Flachland" Deutschland

xxx s. Faksimile, Anhang Nr. 84

M. Taine gehört zu ihnen — Sie enthalten auch noch Andr. Um einen Begriff von mir zu geben, lege ich ein Buch bei, das noch nicht im Buchhandel ist; desgleichen ein Urtheil über mich, das von Jemanden herrührt, der sich am tiefsten mit mir beschäftigt hat.

1888 (269 Briefe)

969. An Paul Deussen in Berlin

Nizza (France) den 3. Januar 1888 pension de Genève

Дорогой друг,

год начался, я как раз впервые пишу его три восьмерки: что я могу сделать лучшего в его честь, чем написать новогоднее письмо моему старому другу Дойссену? Тем более что в данном случае оно одновременно будет и поздравительным письмом ко дню рождения.

Как мы уже стары? Как молоды мы еще станем?…

Я столь высокого мнения о Твоем деятельном и храбром существовании, что нет особого смысла выражать какие-то пожелания. Тот, кто имеет собственную волю, чтобы направлять вещи, над тем вещи не властны; в конечном счете случайности устраиваются в соответствии с нашими самыми насущными потребностями. Я часто поражаюсь, как мало крайняя немилость судьбы может поделать с волей. Или, вернее, я говорю себе, насколько сама воля должна быть судьбой, чтобы она снова и снова оказывалась права даже против судьбы, ὑπὲρ μόρον —

Странно, что именно сейчас мои старейшие друзья снова стали мне близки (кроме Тебя, например, также Карл фон Герсдорф, от которого я недавно получил чудесное письмо). А именно в то же самое время, когда я осознаю свое радикальное одиночество и когда я, болезненно и нетерпеливо, отрываю от себя одну человеческую связь за другой, должен отрывать. В сущности, сейчас всё для меня знаменует эпоху; всё мое прошлое осыпается с меня; и когда я суммирую то, что я вообще сделал за последние 2 года, это всегда кажется мне одной и той же работой — изолировать себя от своего прошлого, перерезать пуповину между мной и им. Я так много пережил, хотел и, возможно, достиг, что требуется своего рода насилие, чтобы снова стать далеким и свободным от этого. Вехеметность внутренних колебаний была чудовищной; что это примерно заметно и издалека, я заключаю из регулярных epithetis ornantibus, которыми меня одаривает немецкая критика («эксцентричный», «патологический», «психиатрический» et hoc genus omne). Эти господа, не имеющие понятия о моем centrum, о великой страсти, на службе которой я живу, вряд ли смогут увидеть, где я до сих пор был вне своего centrum, где я действительно был «эксцентричным». Но что с того, что меня превратно понимают и нападают на меня! Было бы хуже, если бы этого не делали (— это заставило бы меня относиться с недоверием к самому себе).

Сейчас я желаю на ряд лет только одного: тишины, забвения, снисхождения солнца и осени для чего-то, что хочет созреть, для последующей санкции и оправдания всего моего бытия (бытия, в остальном по сотне причин вечно проблематичного!)

Ко всему, что Ты со своей стороны замышляешь, я, как Ты знаешь, питаю глубокую симпатию. Также к числу существеннейших стимулов моей непредвзятости (моего «сверхевропейского глаза») относится то, что Твое бытие и деятельность снова и снова напоминают мне об единственной великой параллели, существующей к нашей европейской философии. Здесь, во Франции, в отношении этого индийского развития всё еще царит старое полное невежество: так что, например, последователи О. Конта совершенно наивно конструируют законы для исторически необходимого развития и следствия главных философских различий, при которых индийцы вообще не принимаются в расчет, — законы, которым индийское развитие противоречит. Но этого не знает г-н де Роберти (l’ancienne et la nouvelle Philosophie 1887).

Подай мне когда-нибудь снова знак жизни, старый друг; тем временем я рекомендую, при условии, что у Тебя есть желание и время побеседовать со мной, ознакомиться с кое-чем из моей литературы имморалиста (особенно «Веселая наука» и «Утренняя заря», разумеется, в новых изданиях: — там есть над чем посмеяться).

Твоей дорогой жене, которая осталась в моей памяти благодаря своей маленькой храброй и верной манере, мой самый преданный привет и поздравление.

От всего сердца
Твой Ницше

Мое желание снова провести зиму в ученом месте Германии по соседству с хорошими друзьями и книгами (желание, которое в отношении питательных потребностей моего духа временами перерастает в голод и пытку) до сих пор всегда разбивалось о force majeure (или mineure —) моего здоровья. Но «однажды придет день» - - -

970. An Constantin Georg Neumann in Leipzig (Postkarte)

Nice, pension de Genève 3 Jan. 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

Здесь, помимо доброго привета и поздравления с Новым годом, лишь вопрос о том, готова ли, быть может, теперь моя нота для всей печати. — То, что Вы сказали в объявлении книготорговца о моей книге, встретило мое полное одобрение; я также понял намерение, не нуждаясь в пояснениях. — Адрес господина Данрейтера в Нью-Йорке у меня также отсутствует; оставим же эту посылку в пути! — Присланные рецензии, в сущности, вовсе не стоит недооценивать: они обнаруживают своего рода изумление и любопытство. Такие предикаты, как «эксцентричный», «патологический», «психиатрический», регулярно предваряют каждое великое событие в истории и литературе: я, со своей стороны, за такие слова более благодарен, чем за любую похвалу.

Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше

971. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Nizza den 4. Jan. 1888.

Твое милое письмо вместе с деньгами благополучно получено; сердечно благодарю! Лишь одно слово касательно книги: ради ясности было необходимо искусственно изолировать различные очаги возникновения того сложного образования, которое называется моралью. Каждый из этих 3 трактатов выражает отдельное primum mobile; недостает четвертого, пятого и даже самого существенного («стадного инстинкта») — его пришлось пока, как слишком обширный, оставить в стороне, равно как и окончательное суммирование всех различных элементов и, тем самым, своего рода сведение счетов с моралью. Ведь мы еще только в «прелюдии» к моей философии. (К генезису христианства каждый трактат вносит свой вклад; ничто не может быть дальше от меня, чем желание объяснить его с помощью единственной психологической категории.) Но к чему я это пишу? Подобные вещи между тобой и мной и так разумеются сами собой.

Преданно и с благодарностью
Твой Н.

972. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Nizza (France) pension de Genève 6 Jan. 1888

Достопочтенный господин Фрич, Вы еще не уведомили меня о том, были ли отправлены книги для доктора Георга Брандеса в Копенгаген. Письмо названного господина, полученное на днях, вызвало у меня сомнения на этот счет. Надеюсь, ничего не пропало. Мне вряд ли нужно напоминать, насколько Вы действовали бы вопреки собственным интересам, если бы не сумели оценить столь благонамеренный намек. Мне стоит немалых усилий заботиться о том, чтобы меня читали; я никогда прежде этого не делал, и если я делаю это сейчас, то, конечно, не ради себя. — Но я полагаю, что в рождественское время у Вас было слишком много работы. —

С просьбой незамедлительно прояснить мне этот вопрос

Ваш покорнейший
проф. д-р Ницше

973. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 6. Jan. 1888

Дорогой друг,

Вы не сказали мне, не затерялось ли письмо между Венецией и этим местом: я почти готов заключить, что это случилось, и глубоко сожалею об этом. Ибо, как бы странно это ни звучало, письма из Венеции — единственные сейчас, которые я получаю без недоверия и тайной дрожи. В отношении всех остальных я раздражителен до абсурда и вынужден буквально расплачиваться за них бессонными ночами и желудочно-ипохондрическими мучениями. Плохой знак! Но это должно измениться к лучшему. Если говорить сразу о последнем письме, которое я получил от д-ра Г<еорга> Брандеса, то в нем сообщалось, что книги, которые я ему обещал, не дошли: короче говоря, Фрич, этот неисправимый осел, ничего не сделал, да даже не уведомил меня, что не сделал ничего из того, что предлагало ему мое письмо. А ведь я предлагал это в его интересах, после того как он выразил мне свою нужду в том, чтобы я заинтересовал для него каких-нибудь писателей и ученых! В конце концов, д-р Б<рандес>, возможно, единственный, у кого достаточно практики в перепроверке более сложных психологических задач, чтобы не говорить обо мне явных нелепостей. Его письма в высшей степени деликатны и французские (он говорит о себе: «я часто бываю глуп, но никогда — ограничен». О Тэне, которого он очень любит, он использует удачный оборот в отношении его истории революции, которую он не вполне одобряет: «Т<эн> сожалеет об землетрясении и произносит перед ним речи»)

Мне неловко, что я обещал здесь нечто, чего в данный момент не могу выполнить. Не отправим ли мы г-ну Б<рандесу> пока что от нас двоих единственное, что в пределах наших сил, а именно то неопубликованное произведение, хранителем печати которого Вы являетесь, дорогой друг? Пожалуйста, позвольте отправить красивый экземпляр четвертого Заратустры в Копенгаген по этому адресу:

Д-ру Георгу Брандесу
Копенгаген (Дания)
Сент-Анне-Пладс 24.

(— он прислал очень умный трактат о Золя как ученике и «родственнике» Тэна; кроме того, к моему удивлению, там были новости о д-ре Ре и даже о фрейлейн Лу, с большой похвалой обоим, которых он знает еще по Берлину)

Мисс Хелен Циммерн поздравила меня из Флоренции с Новым годом: знаете, та умная англичанка (точнее, еврейка), которая познакомила англичан с Шопенг<ауэром>. Она принадлежит к числу самых ценимых и «высокооплачиваемых» сотрудников «Таймс» и крупных журналов. (Позапрошлым летом она была в Зильс-Марии, сидела за столом рядом со мной)

Напоследок не хочу скрывать, что все это последнее время было для меня богато синтетическими прозрениями и озарениями; что мое мужество снова возросло, чтобы совершить «невероятное» и сформулировать философскую чувствительность, которая отличает меня, до ее последнего вывода.

В прошлый четверг я впервые посетил Монте-Карло, концерт классической музыки (на котором присутствовал и император Бразилии). Сплошь самая современная французская музыка: или, вернее, говоря яснее, сплошь плохой Вагнер. Я больше не выношу эту живописную музыку без идей, без формы, без какой-либо наивности и правды. Нервная, грубая, невыносимо навязчивая и хвастливая — и так накрашена!! Одно было своего рода морской бурей, другое — дикой охотой, третье — балетом эриний (к «Орестее» Эсхила!!!)

Это и есть декаданс…

При этом я вспоминал, как об утраченном счастье, музыку моего венецианского маэстро; октябрь у Вас был в этом году моим единственным утешением, я не могу быть Вам достаточно благодарен.

От всего сердца Ваш друг
Н.

974. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 8. Januar 1888

Милостивый государь,

Вам не следует противиться выражению «культур-миссионер». Чем же еще можно быть сегодня, как не тем, кто «миссионерствует» своим неверием в культуру? Понять, что наша европейская культура — это колоссальная проблема, а вовсе не решение, — разве эта степень самосознания, самопреодоления не является сегодня самой культурой? —

— Меня удивляет, что мои книги еще не у Вас в руках. Я не премину напомнить о себе в Лейпциге. Под Рождество у этих господ издателей обычно голова идет кругом. А пока позвольте мне поделиться с Вами дерзким curiosum, которым не располагает ни один издатель, — моим ineditum, принадлежащим к самому личному, на что я способен. Это четвертая часть моего «Заратустры»; ее подлинное название, ввиду того, что предшествует ей и что последует, должно было быть таким:

Искушение Заратустры.
Интерлюдия.

Пожалуй, так я лучше всего отвечу на Ваш вопрос относительно моей проблемы сострадания. Кроме того, вообще есть глубокий смысл в том, чтобы искать доступ «ко мне» именно через эту потайную дверь: при условии, что в эту дверь входят с Вашими глазами и ушами. Ваш трактат о Золя, как и все, что мне доводилось у Вас читать (в последний раз — статью в «Ежегоднике Гёте»), самым приятным образом напомнил мне о Вашем призвании, а именно — о всякого рода психологической оптике. Когда Вы перепроверяете более сложные арифметические примеры âme moderne, Вы находитесь в своей стихии в той же мере, в какой немецкий ученый обычно выходит из своей стихии. Или, может быть, Вы более высокого мнения о нынешних немцах? Мне кажется, что год от года они становятся в rebus psychologicis все грубее и квадратнее (в полном противоречии с парижанами, у которых все становится нюансом и мозаикой), что все глубокие события ускользают от них. Например, мое «По ту сторону добра и зла» — какое замешательство оно у них вызвало! Я не услышал о нем ни одного умного слова, не говоря уже об умном чувстве. Что здесь речь идет о долгой логике совершенно определенной философской чувствительности, а не о мешанине из сотни произвольных парадоксов и ересей, — я думаю, до этого не додумались даже самые доброжелательные из моих читателей. Никто ничего подобного не «пережил»; мне не идут навстречу даже с тысячной долей страсти и страдания. «Имморалист»? Об этом даже не задумываются. —

К слову: формулу «document humain» братья Гонкур приписывают себе в каком-то из своих предисловий. Но и в этом случае подлинным автором, вероятно, остается г-н Тэн.

Вы правы насчет «харангирования землетрясения»: но такая донкихотчина принадлежит к числу самых почтенных вещей на земле.

С выражением особого почтения

Ваш
Ницше

975. An Ferdinand Avenarius in Dresden

Nizza, pension de Genève den 14. Januar 1888

Глубокоуважаемый господин,

я рад видеть, что господин Карл Шпиттелер добрался до Вас: и именно так, как я желал и ожидал. (Не могли бы Вы подыскать ему издателя для сборника самых интересных эстетических работ? Он обращался ко мне по этому поводу, — но я, что касается издателей, живу на Луне)

Тем временем я вспомнил об одном упущении. Мне следовало бы порекомендовать Вам еще одного человека, доктора Карла Фукса (в Данциге: этого адреса достаточно). Это самый ученый ум во всех проблемах музыкальной эстетики и техники, который я знаю, философ и музыкант в одном лице; к тому же один из наших самых остроумных писателей. (— я не рекомендую никого, кто хоть раз в жизни мне наскучил: этого я никогда не прощаю и не забываю).

С моим самым искренним приветом

и поздравлением Вам

и Вашей газете

Д-р Фридрих Ницше

Проф.

N. B. Я выписываю Вам суждение Шопенгауэра о Норме: кажется, что Шопенгауэр ни от чего в театре не получал большего впечатления, чем от этого произведения. Мир как воля и представление, второй том, стр. 498 полного собрания сочинений:

Здесь следует упомянуть, что редко истинно трагическое воздействие катастрофы, то есть вызванная ею ресигнация и духовный подъем героя, выступает так чисто мотивированно и отчетливо выражено, как в опере Норма, где это происходит в дуэте Qual cor tradisti, qual cor perdesti, в котором поворот воли отчетливо обозначается внезапно наступающим спокойствием музыки. Вообще это произведение, — совершенно отвлекаясь от его превосходной музыки, как и, с другой стороны, от дикции, которая может быть лишь дикцией оперного либретто, — и рассматриваемое исключительно по своим мотивам и своей внутренней экономии, есть в высшей степени совершенная трагедия, истинный образец трагического расположения мотивов, трагического развития действия и трагической развязки, вместе с возвышающим над миром воздействием этого на душевный настрой героя, который затем переходит и на зрителей; да, достигнутое здесь воздействие тем более безупречно и характерно для истинной сущности трагедии, что в ней нет ни христиан, ни христианских настроений.

— (Возможно, этот отрывок из Шопенгауэра мог бы также послужить тому, чтобы заткнуть рот таким непристойным хулителям Вагнера, о которых упоминается на стр. 79 Вашей газеты)

976. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 15. Jan. 1888.

Дорогой друг,

последнее слово вашего письма поражает и огорчает меня безмерно. Как же такое происходит? Как бессмысленно, как случайно кажется всё! В подобных случаях мне всегда кажется, будто я просыпаюсь и будто я в сущности вовсе не живу, а грежу. Я больше не умею примириться ни с какой реальностью. Если мне не удается её забыть, она меня убивает. Я пугаюсь, когда думаю о том, в каком состоянии вы можете находиться. Наша кожа, наша кожа отшельника, недостаточно толста для таких вещей, — не говоря уже о сердце.

— Мне на совесть давит тот глупый эгоизм, с которым я написал вам свое последнее письмо, не рассказав ничего, кроме моих incurata и incurabilia. Странно! Даже в худшие времена моего здоровья жизнь не казалась мне такой трудностью, как сейчас. Бывают ночи, когда я до такой степени не могу выносить себя, что это просто унизительно. Несмотря на всё это: еще столько нужно сделать (даже всё! —) Следовательно, придется это вынести. По крайней мере, до этой «мудрости» я дохожу к полудню.

— Музыка сейчас вызывает у меня такие ощущения, каких, по сути, никогда не было. Она освобождает меня от самого себя, она отрезвляет меня от меня, как будто я обозреваю себя издалека, перечувствовал; она придает мне сил, и каждый раз после вечера музыки (— я 4 раза слушал «Кармен») наступает утро, полное решительных прозрений и идей. Это очень странно. Как будто я искупался в более естественной стихии. Жизнь без музыки — это просто ошибка, мучение, изгнание.

— Тем временем ваша пасторальная музыка слилась во мне с послеполуденным светом Сан-Микеле: я бы очень хотел еще раз услышать оба произведения. Не могу придумать ничего более приятного, чем то, что вы «ворочаете» финал.

— Не ворочаете ли вы также немного volumina, я имею в виду листы писчей бумаги? Господин Авенариус прислал последние номера «Kunstwart», очевидно, чтобы представить господина Шпиттелера как arrivé.

— Фрич снова был мною опрошен по поводу отправки в Копенгаген. Никакого ответа. Д-р Б<рандес> вчера вечером сообщил, что ничего не получено. Я полагаю, что венецианская посылка попала к нему в руки сразу после отправки его письма. Моя искренняя благодарность за ваши хлопоты, дорогой друг! — (Письмо было от 11 января.)

Он рассказывает, среди прочего, что сейчас он самый преследуемый человек на всем Севере, и это после его долгой последней распри с Бьёрнсоном (кстати, все немецкие газеты приняли сторону против Брандеса: прекрасный знак времени!). Вы не слышали о драме Бьёрнсона «Перчатка», о его пропаганде девственности мужчин и о его союзе с женскими защитницами «требования нравственного равенства»? (— это и есть формула). В Швеции безумные женщины создали большие общества, в которых они обещают выходить замуж только за «девственных мужчин». (— то есть гарантированных, как часы, в противном случае и т.д.)

Б<рандес> сетует на ужасающее однообразие немецкой жизни; немецкое писательство задушено издательским делом; все светлые умы уходят в генеральный штаб или администрацию (— «Вы, без сомнения, самый вдохновляющий из всех немецких писателей». Примерно то же самое мне говорила г-жа Тэн).

Ваши слова о «реактивной музыке» меня очень заинтересовали; эта точка зрения могла бы быть яснее, чем «классическая» и «романтическая», и, возможно, это одно и то же. Посмотрите, пожалуйста, еще Хассе, образец для Моцарта. Абсолютное господство знания о самых деликатных условиях, которые красивый голос предъявляет к мелодии…

В верной дружбе, ваш Н.

Только что получил работу д-ра Брандеса, о которой он предупреждал: статьи о Ренане, Флобере, де Гонкурах, Тургеневе, Ибсене, Ст. Милле и т.д. — тонкие вещи, как кажется.

977. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Nizza> 22 Januar <1888>

Достопочтенный господин издатель, я не понимаю, почему от Вас нет никаких известий, хотя я настоятельно просил Вас об этом. Вы до сих пор не сообщили мне, были ли отправлены книги д-ру Г. Брандесу. Тем временем упомянутый господин со своей стороны преподнёс мне в подарок свои труды: я хотел бы полагать, что это уже является ответом на получение моих. То, что и в Ваших интересах, чтобы самый свободомыслящий и ценимый писатель Севера основательно ознакомился с моими идеями (— а он обещал мне это), не нуждается в повторении. Полагаю, что не могу сообщить Вам ничего более приятного. (Кто же, с немецкой стороны, обещал Вам рецензию на эти сочинения? Я бы с удовольствием узнал имена)

Ваш Ницше

978. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 23. Januar 1888>

Прости, моя дорогая мама, что и сегодня я посылаю лишь открытку, чтобы поблагодарить тебя за твое доброе письмо. Мне были крайне необходимы глаза для моей работы, и вследствие этого я немного выпал из общения со всем миром. Погода до сих пор была очень хорошей; её влияние на моё общее самочувствие самое благоприятное (после того как первая половина зимы была почти потеряна для меня из-за пасмурной погоды и состояния здоровья…). Здесь сейчас можно увидеть и услышать всё что угодно: но у твоего чада нет на это времени. Мы на пике сезона; большие скачки; полно важных персон; блестящий театр; карнавал на пороге; и всё время чистейшая синяя солнечная погода, какую только можно пожелать. В ближайшее время ты получишь длинное письмо: а на сегодня извини меня!

С любовью, твой Ф.

979. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, 29. Januar 1888>

Ленбах

Ваша домашняя забота

Кёзелиц: здоровье

больше нет места, где я хотел бы жить в Г<ермании>: ожидание —

моё здоровье по-прежнему абсолютно зависит от ясного неба и сухости воздуха

я вот уже 10 лет не слышал ни звука истинной симпатии, а только слишком много — — —

Я так рад, что снова смог работать: или, выражаясь иначе, что у моего духа снова хватило мужества для задачи, на службе которой я до сих пор жил. Времена, когда этого мужества не хватает, преодолеть невероятно трудно; и поскольку, судя по богатейшему опыту, никто из л<юдей> не имеет представления о том, что со мной происходит и каким грузом <я> отяготил свою жизнь, то никто не знает и того, чем можно было бы меня <немного> восстановить и ободрить. Мои попытки в этом отношении — по сути, все мои поездки в Германию за последние 10 лет — обернулись для меня противоположным, как формальные поражения и унижения, от последствий которых для моего здоровья и, к сожалению, для <моей> памяти я всегда избавлялся лишь спустя долгое время. Я теперь осторожнее… я надеюсь, что наконец избавился от этой абсурдной потребности ждать от ближних того, чего они мне абсолютно не могут дать, — восстановления, оживления, ободрения. В сущности, это трагедия; несоответствие стало слишком велико. Я дал этим немцам в самый разгар периода их духовного упадка произведения первого ранга, ради которых потомки, возможно, простят этой эпохе то, что она существовала: получил ли я хоть слово глубокой благодарности или хотя бы миллионную долю той чести, на которую имел бы право за это?

У вас всех нет веры в меня — у моей матери точно так же, как и у моей сестры

Я решительно не желаю снова подвергать себя опасности быть оскорбленным, очерненным, осмеянным в тот момент, когда я горжусь тем, что совершил нечто бессмертное — Такое никогда не забывается: <это> гложет даже самый доброжелательный характер.— —

Кто же, кроме меня, принимается в расчет в эту эпоху?.. Но я брошен всем миром… <У> меня нет желания принимать это близко к сердцу. Вот уже 10 лет каждое соприкосновение с немецким Севером действует на меня как поражение: ты не можешь себе представить, какое впечатление на меня произвело то, что после ужаснейших лет глубочайшего потрясения здоровья, после того как я создал самое глубокое и великое произведение всего ст<о>лет<и>я, со мной обращались так, как обращались годами. Такое не забывается: и при нынешнем положении дел уже ничего нельзя исправить.

980. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Nizza den 30. Januar 1888

Моя дорогая мама, мне кажется, что сегодня снова стало светлее и лучше. Вчера я, если правильно помню, написал Тебе грустное письмо на день рождения. Я был полумертв и утомлен от сильных болей. К тому же небо было полно густых снежных туч. Думаю, я часто чувствовал бы себя так, если бы жил зимой на севере: ведь я меланхоличное существо и больше других нуждаюсь в солнечном свете всякого рода. Прости!

Твое старое создание

981. An Elisabeth Förster in Asuncion (Entwurf)

<Nizza, vermutlich Ende Januar 1888>

Дорогая се<стра>, полученное мною только что письмо свидетельствует так недвусмысленно о такой доброй воле по отношению ко мне, что я вновь даю себе зарок и со своей стороны в этом несколько крайнем случае не упустить ничего. В конце концов, я, мо<жет> быть, ни к чему больше не был приучен за всю свою жизнь; в сущности — — —

Я никогда не стремился, с самого детства, насаждать свои собственные взгляды и пожелания у лю<дей>, с которыми общаюсь, и еще менее я предполагал их у них. Мне, в сущности, было слишком приятно хотя бы время от времени освобождаться от самого себя посредством какого-либо общения. К счастью, мне не совсем недостает такого общения: я не желаю, чтобы меня удваивали или умножали во сто крат.

Это само по себе сомнительное дело, конечно, достигло в ходе моей жизни апогея, так что почти все знакомые мне и дружественные мне лю<ди> постепенно переметнулись в самый чуждый мне партийный лагерь (например, и Ва<гнер>, чьи последние 6 лет я воспринял как чудовищное вырождение). Там, где они поклоняются, я презираю. С тех пор меня раздражает общение со «старыми знакомыми». Самые неизвестные, безразличные лю<ди> мне подходят: в этом преимущество, например, Ниццы. И я безнадежен в этом пункте, как будто я когда-нибудь буду иначе. Кто может проявить ко мне хотя бы одну тысячную долю страсти и страдания, чтобы угадать хоть что-то из того, чего я хочу? Или должен?

На самом деле я чувствую между нами даже не противоположность, а просто полную чуждость (— ибо противоположность была бы чем-то вполне милым и простым — я люблю противоположность.)

Я хотел бы, чтобы не в такой мере через — — —

Очень глубокая и болезненно-одинокая жизнь, которую я до сих пор вел, постепенно привела к одиночеству, против которого больше нет лекарства. Моим самым любимым утешением остается по-прежнему вспоминать тех немногих, кто выдержал это в подобных условиях, не сломавшись, и при этом сохранил высокую и добрую душу.

982. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Entwurf)

<Nizza, Ende Januar 1888>

Г-н Фр<itzsch>, Вы меня поражаете. Что мне с Вами делать? Вы были больны? Я уже трижды требовал от Вас ответа.

Вы имеете честь иметь дело с одним из величайших умов ст<о>л<етия> — и Вы ведете себя со мной так, как не позволили бы себе ни с кем другим. За те два года, что я снова поддерживаю с Вами связь, Вы часто задевали мою гордость.

— Подумайте, хотите ли Вы, чтобы это было моим последним словом к Вам.

Ну что ж, это Ваше дело. Я воздержусь от каких-либо слов по этому поводу. Но мое дело — чтобы г-н д-р <Brandes> получил книги, которые я ему обещал.

Пришлите мне счет за них немедленно. Вам не придется ждать оплаты.

Адрес господина: — — —

983. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 1. Febr. 1888.

Дорогой друг,

как же близки вы были мне всё это время! сколько всего я передумал, глупого и умного, где вы всегда играли главную роль! Был прекрасный шанс: последний тираж лотереи в Ницце, — и по крайней мере полчаса я позволял себе маленькую глупую роскошь считать само собой разумеющимся, что выиграю главный приз. С этой полумиллионой можно было бы восстановить на земле немало здравого смысла; по крайней мере, мы оба смотрели бы с большей иронией, с большим «по ту сторону» на неразумность нашего существования — а по сути, чтобы делать такие вещи, как делаем вы и я, и делать их вполне хорошо и божественно, нужно одно: ирония (следовательно — ибо такова логика на земле — полмиллиона, посылка иронии…)

Нехватка здоровья, денег, признания, любви, защиты — и при этом не превращаться в трагического ворчуна: в этом парадокс нашего нынешнего состояния, его проблема. У меня наступило состояние хронической уязвимости, за которое я в хорошие моменты беру своего рода реванш, что тоже не из лучших, а именно — избыток жесткости. Свидетельство тому — мое последнее сочинение. Но я принимаю всё это с мудростью утонченного психолога и без малейшего морального осуждения: о, как поучительно жить в таком экстремальном состоянии, как мое! Я только теперь понимаю историю, у меня никогда не было более глубокого взгляда, чем в последние месяцы.

Дорогой друг, ваш психологический расчет влияния Венеции верен. Здесь, где среди стольких гостей и пациентов постоянно слышишь разговоры об идиосинкразии определенного климатического воздействия, я постепенно постиг суть этого вопроса. В отношении оптимума, в отношении осуществления наших самых личных желаний (— наших «произведений») нужно прислушиваться к этому голосу природы: определенная музыка процветает под влажным небом не больше, чем определенные растения. Только что моя соседка по столу рассказывала мне, что до двух недель назад она болела в Берлине, вызывая величайшее беспокойство врачей и будучи не в силах дойти от одного угла улицы до другого. Теперь — да что изменилось, она не может сказать: но она ходит, ест, бодра и больше не понимает, что была больна. Поскольку та же история случалась с ней уже трижды, она клянется «сухостью воздуха» как рецептом от всех недугов души (— ведь она страдала своего рода меланхолической депрессией). — То, что вы годами ощущали Венецию как контрастный климат (по отношению к климату вашей юности) благотворной и как бы маслянисто-успокаивающей, совершенно верно: я обсуждал в Энгадине с врачами этот принципиальный вопрос: что один и тот же климат как раздражающий и контрастный — то есть назначенный лишь на определенное время — имеет прямо противоположное влияние, если используется как постоянный; что, например, житель Энгадина под постоянным влиянием своего климата становится серьезным, флегматичным, несколько анемичным, в то время как гость этого климата получает от него необычайное оживление и общее усиление животного начала. Мораль: вы должны быть гостем Венеции (— были —!). Мне по-настоящему больно это говорить, даже просто осознавать это: ведь так много там устроено небесным и достойным образом, как нигде больше для вас не найти. Пребывание на Корсике? Мне рассказывали о Бастии, что там можно поселиться в пансионе небольших отелей за 3—4 франка в день. Столько беженцев всех стран жило на Корсике (в частности, итальянские ученые и т. д.). Только что открыта железная дорога из Бастии в Корте (1 февраля 1888 г.). Великая скромность корсиканского образа жизни, простота нравов пошли бы такому, как мы, на пользу. И — как же далеко там от «современности»! Возможно, там душа очищается и укрепляется и становится горделивее… (— я ведь уяснил себе, что сейчас страдали бы меньше, если бы были горделивее: вы и я, мы недостаточно горды…)

С любовью и преданностью
Ваш Н.

Прощение за намек! Переезд на Корсику имел бы в глазах ваших почтенных родственников смысл (разумность) неотвратимого эксперимента: ведь будут знать о вашей корсиканской опере. — (Уехать; оттуда сообщить о fait accompli). Корте был бы зимним и летним местом пребывания. Подумайте немного наперед: 5 лет на Корсике были бы грандиозным контрастом к 5 годам в Венеции, культура..

Я написал Фричу 3 письма по делу Брандеса, каждый раз с настоятельной просьбой об ответе. Он молчит.

984. An Franz Overbeck in Basel

Nizza den 3. Februar 1888.

Дорогой друг,

вот наконец счет господина К. Г. Наумана: могу ли я попросить тебя оплатить его с помощью депонированных для этого денег? Спешки нет; я считаю своим долгом не беспокоить тебя такими просьбами в твое рабочее время. —

Я тоже очень занят; и очертания без сомнения огромной задачи, которая сейчас стоит передо мной, все отчетливее выступают из тумана. Были мрачные часы, были целые дни и ночи, когда я больше не знал, как жить, и когда меня охватывало черное отчаяние, какого я еще не испытывал. Тем не менее я знаю, что не могу ускользнуть ни назад, ни вправо, ни влево: у меня просто нет выбора. Эта логика сейчас единственное, что меня поддерживает: со всех других сторон мое состояние невыносимо и болезненно до пытки. Мое последнее сочинение выдает кое-что из этого: в состоянии натянутого до предела лука любое чувство приносит облегчение, при условии, что оно насильственно. Не стоит сейчас ждать от меня «красивых вещей»: так же мало, как стоит ожидать от страдающего и голодающего животного, что оно будет с грацией разрывать свою добычу. Многолетняя нехватка по-настоящему живительной и исцеляющей человеческой любви, абсурдное одиночество, которое приводит к тому, что почти каждый остаток связи с людьми становится лишь причиной ран: все это из худшего, и имеет лишь одно право на существование — право быть необходимым. —

Разве мне нечего написать лучше? Я получил прекрасные знаки почтения и глубокой признательности со стороны нескольких артистов: среди них д-р Брамс, Г. фон Бюлов, д-р Фукс и Моттль. Также остроумный и воинственный датчанин, д-р Г. Брандес, написал мне несколько писем, полных преданности: он изумлен, как он выражается, тем первоначальным и новым духом, который веет на него из моих сочинений и тенденцию которого он называет «аристократическим радикализмом». Он называет меня, безусловно, первым писателем Германии. — О том, что Герсдорф самым основательным и честным образом восстановил свои отношения со мной, я тебе, должно быть, уже писал? Я сожалею, что не могу сообщить то же самое о Роде. На два письма, которые я написал с самым сердечным желанием сделать ему добро и заставить забыть произошедший эксцесс, он не ответил; так же как и на присылку моей последней книги. Это не делает ему чести: но он, должно быть, болен, он в плохом состоянии. — Из Парагвая приходят очень обнадеживающие новости: развитие всего, само по себе столь рискованного, предприятия нельзя назвать иначе как блестящим. В новой колонии уже действуют около 100 человек; среди них несколько очень хороших немецких семей (например, мекленбургские бароны Мальцаны); мои родственники принадлежат к числу крупнейших землевладельцев в Парагвае; влияние д-ра Фёрстера, как я слышал совершенно косвенно и случайно, выросло настолько, что притязания на пост следующего президента республики отнюдь не лишены вероятности. Что он и я должны приложить неимоверные усилия, чтобы не относиться друг к другу прямо как к врагам, ты можешь догадаться… Антисемитские листки набрасываются на меня со всей яростью (— что мне нравится в сто раз больше, чем их прежняя осторожность). На сегодня всё! С наилучшими пожеланиями тебе и твоей дорогой жене

Твой Н.

985. An Josef Viktor Widmann in Bern

Nizza, Pension de Genève, den 4. Febr. 1888.

Глубокоуважаемый господин доктор,

рецензия господина Шпиттелера на мою литературу доставила мне огромное удовольствие. Какой тонкий ум! И как приятно позволить ему себя критиковать! Он по веским причинам ограничивается почти исключительно формальной стороной: он оставляет в стороне саму историю, стоящую за мыслями, страсть, катастрофу, движение к цели, к року — я не могу не похвалить это, в этом есть подлинная деликатность. Не обошлось и без поспешности. Очевидно, что он читал эти сочинения впервые (а порой и вовсе не читал —). Тем больше я восхищаюсь уверенностью его эстетического такта, с которой он разграничивает форму различных книг и эпох. Я очень недоволен тем, что «По ту сторону» осталось без внимания: из-за этого у него, по сути, не было почвы под ногами, чтобы рассуждать о последнем вышедшем «полемическом сочинении!» (К генеалогии морали).

Трудность моих сочинений заключается в том, что в них преобладают более редкие и новые состояния души над нормальными. Я не хвалю это; но это так. Для этих еще не охваченных и часто едва уловимых состояний я ищу знаки; мне кажется, что в этом и заключается моя изобретательность. Ничто не чуждо мне более, чем вера в «единственно спасительный стиль», в который, если я правильно понимаю, верит господин Шпиттелер? Разве намерение сочинения не должно всегда сначала создавать закон своего стиля? Я требую, чтобы, если это намерение меняется, человек также неумолимо менял всю систему процедур стиля. Это я, например, сделал в «По ту сторону», стиль которого больше не похож на мой прежний стиль: намерение, центр тяжести был перенесен. Это я сделал еще раз в последнем «полемическом сочинении», где аллегро яростное и страсть обнаженная, сырая, истинная пришли на смену утонченной нейтральности и нерешительному поступательному движению «По ту сторону». Возможно, господин Ницше — больший артист, чем господин Шпиттелер хотел бы заставить нас поверить…

С моей глубочайшей благодарностью и приветом

Ваш
Ницше.

986. An Josef Viktor Widmann in Bern (Postkarte)

<Nizza, 4. Februar 1888>

В дополнение к моему только что отправленному письму.

Мы предпочли бы не отправлять новогодний номер по этим четырем адресам. Я злюсь из-за бестактности последней фразы. Андре расстроился бы еще больше…

Н.

987. An Carl Spitteler in Basel (Entwürfe)

Nizza, 10. Februar 1888 oder kurz davor

в этом и заключается абсурдность моего положения: я 10 лет создавал сплошные шедевры — а от меня требуют, чтобы я извинялся за них

я изложил свое огромное дело так смело, так ясно, с такими сильными жестами, как никогда еще ничего не говорил. У меня в нем есть акценты гнева, ненависти, которые мне самому непостижимы.

но я возмущен легкомысленным способом, которым разбирают мое последнее произведение. Имеете ли вы понятие о том, что я совершил? — Но у вас нет никакого понятия обо мне.

<P. Рецензия Михаэлиса на «По ту сторону добра и зла», National-Zeitung, Берлин, 4 декабря 1886 г., является> самым достойным изложением хода моих мыслей, которое я до сих пор читал: то, что она написана с неприязнью, я рецензенту вовсе не ставлю в упрек: — ее относительная объективность для меня тем более достойна уважения (конечная попытка, которую он делает, чтобы понять меня как симптом современного социального течения, конечно, лежит в стороне от моих интересов)

988. An Carl Spitteler in Basel

Nizza den 10. Februar 1888. (Pension de Genève)

глубокоуважаемый господин,

довелось ли Вам увидеть новогоднее приложение к «Bund»? Я поблагодарил за него выдающегося редактора «Bund», немного иронично, как и полагается. —

господин Шпиттелер обладает тонким и приятным умом; к сожалению, как мне кажется, сама задача в данном случае лежала слишком в стороне и вне пределов его привычных перспектив, чтобы он мог ее хотя бы разглядеть. Он говорит и видит лишь эстетику: мои проблемы попросту замалчиваются, — включая меня самого. Не назван ни один существенный пункт, который характеризовал бы меня. И, наконец, даже в области формы, среди многого милого, не обошлось без поспешности и промахов. Например: «такое анти-Штраусовское сочинение мог написать только профессор» (— с чем можно сравнить суждение Карла Гиллебранда в «Народах, временах и людях», равно как и беду Бруно Бауэра и почти всех более глубоких натур, которые в то время выражали мне свою благодарность и почтение). Или: «короткие афоризмы удаются ему меньше всего» (— а я, осел, вообразил, что с начала мира никто не обладал такой властью над емким афоризмом, как я: свидетель тому мой Заратустра). Наконец, господин Шпиттелер даже находит, что стиль моего полемического сочинения — противоположность хорошего; будто я выбрасываю всё на бумагу, как только оно приходит мне в голову, даже не задумываясь. Речь идет о покушении на добродетель (или как это еще назвать); я говорю со страстной и болезненной смелостью о трех сложнейших проблемах, которые существуют и в которых я дольше всего чувствую себя как дома; при этом я, как того требует в подобных случаях высшая порядочность, щажу себя не больше, чем что-либо или кого-либо другого; я изобрел для этого новый жест языка для этих во всех отношениях новых вещей — а мой слушатель снова не слышит ничего, кроме стиля, да еще и плохого стиля, и в конце сожалеет, что его надежды на Ницше как писателя значительно поубавились. Неужели я занимаюсь «литературой»? — Он, кажется, даже моего Заратустру рассматривает лишь как высший род стилистического упражнения (— глубочайшее и решающее событие — души, с позволения сказать! — между двумя тысячелетиями, вторым и третьим —)

Последний вопросительный знак: почему мое «По ту сторону» замалчивается? Я прекрасно знаю, что оно считается запрещенной книгой — но, несмотря на всё это, оно содержит ключ ко мне, если таковой вообще существует. Его нужно сначала прочитать. (Я прилагаю две рецензии на эту книгу: доктора Видмана и «Nationalzeitung». Последняя, будучи неприязненной и непочтительной, тем не менее с достаточной ясностью излагает ход мыслей книги)

Обязанный Вам, дорогой господин, благодарностью и, как я надеюсь, не в последний раз

Фридрих Ницше

989. An Reinhart von Seydlitz in Cairo

Nizza, pension de Genève den 12. Februar 1888.

Дорогой друг,

это было вовсе не «гордое молчание», которое с тех пор почти лишило меня возможности говорить с кем бы то ни было, а скорее очень смиренное, молчание страдальца, который стыдится признаться, как сильно он страдает. Зверь забивается в свою нору, когда он болен; так поступает и la bête philosophe. Ко мне так редко доносится дружеский голос. Я сейчас один, абсурдно один; и в моей неумолимой и подпольной борьбе против всего, что до сих пор почиталось и любилось людьми (— моя формула для этого — «переоценка всех ценностей»), я сам незаметно превратился в нечто вроде пещеры — в нечто скрытое, чего уже не найти, даже если бы кто-то отправился на поиски. Но никто не отправляется… Скажу между нами, по секрету — не исключено, что я первый философ эпохи, а может быть, и нечто большее, нечто решающее и роковое, стоящее между двумя тысячелетиями. За такое странное положение расплачиваешься постоянно — всё растущим, всё более ледяным, всё более резким отчуждением. А наши милые немцы!.. В Германии, хотя мне идет 45-й год и я выпустил около пятнадцати произведений (— среди них non plus ultra, «Заратустра» —), до сих пор не появилось ни одной хотя бы мало-мальски достойной рецензии хотя бы на одну из моих книг. Теперь отделываются словами: «эксцентричный», «патологический», «психиатрический». Нет недостатка в дурных и клеветнических намеках в мой адрес; в журналах, ученых и неученых, царит разнузданно враждебный тон — но как получается, что никто никогда не протестует против этого? Что никто никогда не чувствует себя оскорбленным, когда меня поносят? — И годами никакого утешения, ни капли человечности, ни дуновения любви —

При таких обстоятельствах приходится жить в Ницце. Здесь и на этот раз полно бездельников, греков и других философов, полно «мне подобных»: и Бог, с присущим ему цинизмом, позволяет своему солнцу светить над нами прекраснее, чем над столь почтенной Европой господина фон Бисмарка (— которая с лихорадочной добродетелью работает над своим вооружением и целиком и полностью напоминает героически настроенного ежа). Дни здесь приходят с бесстыдной красотой; никогда еще не было более совершенной зимы. И эти краски Ниццы: я хотел бы послать их тебе. Все цвета просеяны сквозь сияющий серебристо-серый свет; духовные, остроумные цвета; ни следа от грубости основных тонов. Преимущество этого маленького кусочка побережья между Алассио и Ниццей — это разрешение на африканизм в цвете, растениях и сухости воздуха: этого нет больше нигде в остальной Европе.

О, как бы я хотел посидеть с тобой и твоей милой, почитаемой супругой под каким-нибудь гомеровско-феакийским небом… но я больше не могу на юг (— глаза скоро заставят меня отправиться в более северные и тупые края). Напиши мне, пожалуйста, еще раз о том времени, когда ты снова будешь в Мюнхене, и прости мне это мрачное письмо!

Твой верный друг Ницше.

Странно! Я три дня ждал твоего прибытия сюда, в отель. Было объявлено о госте из Мюнхена, мне не хотели говорить, кто; за столом рядом со мной освободили два места — разочарование! Это были старые игроки и монтекарлисты, которые мне противны…

990. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Nizza, um den 13. Februar 1888>

Здесь лишь три слова, чтобы сообщить нечто хорошее. Наступили великий покой и облегчение; долгий, крайне болезненный кризис, при котором вся моя чувствительность была в смятении, по-видимому, сдан в архив.

Выражаясь как factum brutum: первая запись моей «Переоценки всех ценностей» готова. Общая концепция для неё была, безусловно, самой долгой пыткой, которую я пережил, настоящей болезнью. Вы, другие «познающие», вам лучше, и не так неразумно! Вы не знаете истину как нечто такое, что отрываешь от сердца по кусочку и при чём каждая победа мстит поражением.

991. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 13. Februar 1888

Дорогой друг,

я бы при любых обстоятельствах написал Вам сегодня и меньше всего хочу, чтобы меня от этого удержало то, что как раз сейчас, в качестве прекраснейшего утреннего приветствия, ко мне пришло Ваше письмо. То, что Вы мне рассказываете вначале, о своего рода душевной реконвалесценции, приятным образом корреспондирует с моим собственным, тем временем достигнутым прогрессом к «разумности»: и даже в отношении рода средства наш инстинкт был на одном и том же пути. — Дорогой друг, я говорю себе теперь в каждое здравое мгновение (— и при этом я думаю по меньшей мере так же много о Вас, как и о себе): «очень многое достигнуто! Вопреки всему очень многое достигнуто! следует поддерживать в себе мужество для этой вполне оправданной гордости!»…

— По правде говоря, Вы даже выигрываете гораздо больше меня при таком подсчете того, что собственно достигнуто. Я сам не вышел за пределы попыток и дерзаний, прелюдий и обещаний всякого рода: но нечто из мира совершенного и счастливого, как вся Ваша опера, спокойно лежит в своем собственном свете и не манит, как всё у меня, за свои пределы —. А что касается «идеальности» в музыке, то у меня от моего последнего посещения Венеции остался на языке неизгладимый вкус чего-то, для чего у меня нет иного названия, кроме «идеальность». Тогда я сказал себе: «дела у друга Кёзелица идут так хорошо, как только могут идти — он изобретает себе собственные целительные средства и очищает себя с помощью bains intérieurs от всего неперевариваемого, что вбросила в него жизнь (— прошу прощения за слишком клиническое сравнение: одна из самых целомудренных дам Франции, мадам Вальмор, пользовалась выражением bains int<érieurs> в определенных случаях)»

— Я нашел у Плутарха, какими средствами Цезарь защищался от болезненности и головной боли: огромные переходы, простой образ жизни, непрерывное пребывание на свежем воздухе, лишения…

— Мое возражение против Венеции заключается прежде всего в том, что она слишком сильно замыкает: я полагал бы, что время от времени необходимо лечение против влияния Венеции… Тогда дела идут или шли бы, возможно, иначе.

— Прыжок в Венецианские Альпы? — Поразительно, что variatio sanat. Для плодотворных и женственно-периодических существ (каковыми являются все художники) мне кажется почти необходимым резкое введение антрактов, контрастов. Возможно, Вы, дорогой друг, вскоре обдумаете проблему Вашего следующего лета — или уже весны? Воздух на родине Тициана, быть может? Пешее путешествие туда? — В конце концов, Вам ничего не останется, как полностью устроиться на венецианский манер: но для этого, как мне кажется, требуется бегство из Венеции, земля, горы, лес, весь забытый в Венеции мир.

Напоследок я не хотел бы упустить один вопрос. От какого места (или людей) Вы теперь прежде всего ожидаете, что можно было бы что-то сделать в пользу Вашей известности? Предвидится ли какой-нибудь музыкальный фестиваль? (— Штутгартский, первая половина июня, с Брамсом, Альбертом, Иоахимом — единственное, о чем я знаю) Писали ли Вы, быть может, Риделю? — Мне как раз пришла на ум Болонья: большой фестиваль в мае. Невозможно ли с Вашей стороны прислать что-то для этого? для концертного исполнения? —

— Насчет Шпиттелера Вы будете правы. Это дело меня досадует. Фрич молчит. — Моя печать у Наумана стоила около 200 талеров. — Я закончил первую рукопись моего «Опыта переоценки»: это было, в общем и целом, пыткой, к тому же у меня еще совсем нет мужества для этого. Десять лет спустя я хочу сделать это лучше. —

От всего сердца

Ваш друг Ницше.

(Напишите мне, пожалуйста, что-нибудь точное о том, что и сколько теперь готово и над чем Вы еще работаете…)

От маленького претенциозного и абсолютно до сих пор пустого журнала Авенариуса я скорее хотел бы предостеречь. Вам нужно дыхание, свободное пространство.

992. An Josef Viktor Widmann in Bern (Postkarte)

<Nizza, d. 13. Febr. 1888.>

Глубокоуважаемый господин доктор,

я пишу Вам критический отзыв на «критику», которую только что получил из самых компетентных источников (— Вы вольны передать её господину Шпиттелеру).

«Статья Шпиттелера в „Bund“ кажется мне удивительной смесью верного чутья и поверхностности, уважения и дерзости, серьёзности и тривиальности. Он рассматривает Вас почти исключительно с литературно-художественной стороны и при этом делает промахи, над которыми мне пришлось посмеяться. О Вашей философской направленности читатель не получает ни малейшего намёка; всё это написано ещё до реального проникновения в Ваш мир. Однако как рецензия она действует сильно, — я привык наконец рассматривать подобные отзывы лишь с точки зрения их влияния на книготорговый сбыт».

С глубоким почтением, Ваш покорнейший
проф. д-р Ницше.

993. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nizza, den 14 Febr. 1888 pension de Genève

Многоуважаемый господин,

Вы еще не сообщили мне, сколько и какие журналы обещали Вам предоставить общие отчеты о моей литературе. Что касается моих усилий в этом отношении, то общий отчет в «Bund», на который я просил Вас рассчитывать, тем временем вышел в первом январском номере: к сожалению, не из-под пера его превосходного редактора д-ра Видмана, как можно было ожидать, а из-под пера остроумного, но поверхностного господина Шпиттелера, который справился с этой чрезвычайно сложной задачей на свой лад. Однако само объявление действует сильно — а это единственное, что имеет значение. Я хочу приучить себя рассматривать подобные рецензии только с точки зрения их влияния на книготорговый оборот.

Что касается знаменитого датчанина д-ра Георга Брандеса (его адрес снова: Копенгаген, площадь Св. Анны, 24), то я полагаю, что мои сочинения тем временем попали к нему в руки. У меня нет абсолютно никакого обещания, что он представит литературный отчет о них, и я бы устыдился когда-либо просить его о чем-то подобном. Но что меня радует, так это видеть его искренние старания приблизиться ко мне и найти доступ к моему столь сложному миру. Д-р Брандес, благодаря своей необычайной практике анализа запутанных случаев современного духа, пожалуй, наиболее способен не ошибиться в отношении меня.

Я также сделал скромный запрос господину д-ру Карлу Фуксу в Данциге, не согласился бы он предоставить свое умное и красноречивое перо для такой работы. Он очень расположен ко мне, но, возможно, слишком занят другими делами. Тем не менее, осторожный зондаж с Вашей стороны здесь был бы нелишним.

Наконец, сюда относится письмо, которое только что пришло и которое я прилагаю: оно от одного из моих друзей из Берлинского университета, профессора д-ра Пауля Дейссена. Прошу Вас вернуть мне это письмо вместе с сообщением о том, что Вы предприняли относительно сделанных в нем предложений.

Неужели нигде не появилось рецензии на мой «Гимн»? Мне обещали исполнения в нескольких местах, например, Моттль в Карлсруэ.

Покорнейше Ваш
Проф. д-р Ницше

994. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza, pension de Genève den 14. Febr 1888.

Глубокоуважаемый господин издатель,

Ваш последний отчет я прочел с большим интересом: мне приятно слышать, что «Полемический очерк» вообще хоть в какой-то мере пользуется спросом. Я ожидал обратного. У меня самого тем временем зародилось сомнение, удачно ли выбран заголовок (я имею в виду удачно с точки зрения книготоргового сбыта). Возможно, было бы разумно повторить заголовок «По ту сторону добра и зла» и поставить его сверху. Приложение. Три трактата.

Легкомысленный, местами остроумный очерк швейцарского литератора не доставил мне радости. Тем не менее я полагаю, что в качестве обзора всего моего литературного творчества он производит сильное впечатление. Он был мне еще неизвестен; по-видимому, редактор не решился прислать его мне. Из Швейцарии мне тем временем с нескольких сторон было выражено определенное возмущение по поводу «ничтожности и наглости этого Шпиттелера». —

Вы, как я полагаю, с удовольствием услышите, что в Берлине готовится более тщательная работа обо мне. С этой целью прошу отправить мои две книги «По ту сторону» и «Генеалогию» по этому адресу (с запиской «по поручению» и т. д.):

Господину Лотару Фолькмару, адвокату

Берлин W. Лейпцигер-штрассе, 135

Что касается исправления присланного счета «Производственные расходы на печать»: то я незамедлительно отправил соответствующее распоряжение в Базель; я могу, пожалуй, предположить, что дело тем временем уже улажено.

С глубоким уважением, Ваш
Проф. д-р Ницше

Мне жалуются, что «Генеалогия» плохо сброшюрована, что она разваливается, что обложечная бумага не выдерживает (—она гораздо тоньше, чем у «По ту сторону»)

995. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, vermutlich 17. Februar 1888>

В этот раз я должен написать своей м<атери> очень дружелюбное и милое письмо, после того как в прошлый раз я её так сильно напугал. Но этой зимой со мной действительно всё плохо; и если бы ты видела это вблизи, ты бы наверняка простила мне такой болезненный крик (каким должно быть было моё последнее письмо). Порой я совершенно теряю над собой контроль и становлюсь почти добычей самых мрачных решений. Не страдаю ли я желчью? Год за годом мне приходилось проглатывать слишком много плохого, и, оглядываясь назад, я тщетно ищу хотя бы одно хорошее событие. Сейчас я обладаю совершенно нелепой и жалкой ранимостью, так что почти всё, что приходит извне, делает меня больным, а малейшая мелочь разрастается до размеров чудовища. Чувство одиночества, недостаток любви, всеобщая неблагодарность и даже пренебрежение ко мне — но я не хочу продолжать в этом тоне. Правда в том, что твой сын — храбрый зверь и что за последний год он снова совершил удивительные вещи: но почему каждое моё действие впоследствии оборачивается для меня поражением? Почему мне не хватает всякой поддержки, всякого глубокого сочувствия, всякого сердечного почитания?

Невыносимое напряжение лежит на мне день и ночь, вызванное задачей, которая лежит на мне, и абсолютной неблагоприятностью всех моих прочих обстоятельств для решения такой задачи: вот в чём главное.

Моё здоровье при поддержке необычайно красивого неба и хорошего питания (и укреп<ляющих> прогул<ок>) довольно хорошо поддерживается: ничто не больно, только милая душа. Я прямо-таки боюсь весны: это всегда моё слабое время. С другой стороны, я больше не знаю места, где у меня есть л<юди>, которые были бы мне сейчас полезны: а моя добрая м<ать> слишком далеко.

Мне приятно то, что ты переписываешь мне из п<исьма> от Ламы: действительно, я писал ей сплошь неприятные письма, и в конце концов люди любят друг друга, как бы сильно они ни причиняли друг другу боль.

996. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Nizza, vermutlich 17. Februar 1888>

[+ + +] Пишу письмо после того, как в прошлый раз так сильно её напугал. Но этой зимой мне действительно очень плохо; и если бы ты видела это вблизи, ты бы, конечно, простила мне такой болезненный крик, каким было моё последнее письмо. Я теряю [+ + +]

[+ + +] передо мной поставлена, и абсолютная неблагоприятность всех прочих обстоятельств для решения такой задачи: здесь, во всяком случае, кроется главная беда. Чувство одиночества, недостаток любви, всеобщая неблагодарность и даже пренебрежение ко мне [+ + +]

[+ + +] Решения. Не страдаю ли я желчью? Год за годом мне приходилось проглатывать слишком много плохого, и, оглядываясь назад, я тщетно ищу хотя бы одно хорошее событие. Это в конечном итоге породило совершенно нелепую и жалкую уязвимость, благодаря которой почти всё, что исходит извне, делает меня больным, и это [+ + +]

[+ + +] храбрый зверь, который и в последний год совершил удивительные вещи: но почему каждое моё действие впоследствии должно оборачиваться поражением? Почему мне не хватает всякой поддержки, всякого глубокого сочувствия, всякого сердечного почитания? —

Моё здоровье под влиянием необычайно прекрасной зимы [+ + +]

[+ + +] <Также не хочу> скрывать, что зима была очень богата духовными приобретениями для моего главного дела: значит, и дух не болен, ничто не больно, только милая душа.

Я прямо-таки боюсь весны: [+ + +]

Я хотел бы попросить тебя об одной маленькой услуге. Напиши несколько слов моему лейпцигскому крайне бестактному и безвкусному издателю, с которым я почти порвал отношения, господину Э. В. Фричу (Лейпциг, Кёнигсштрассе 6). Скажи примерно [+ + +]

997. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 19. Febr. 1888.

Глубокоуважаемый господин,

Вы доставили мне величайшее удовольствие своим вкладом в понятие «современности»: ибо именно этой зимой я кружу в широких кругах вокруг этого вопроса о ценностях первого ранга, очень высоко, очень по-птичьи и с самым лучшим намерением — как можно более несовременно взглянуть сверху вниз на современное… Я восхищаюсь — признаюсь Вам в этом! — Вашей терпимостью к бедствиям в такой же мере, как и Вашей сдержанностью в суждениях. Как Вы позволяете всем этим «деткам» приходить к Вам! Даже Хейзе! —

Я вознамерился в свою следующую поездку в Германию заняться психологической проблемой Кьеркегора, а также возобновить знакомство с Вашей более старой литературой. Это будет для меня, в лучшем смысле слова, полезно — и послужит тому, чтобы «напомнить» мне о моей собственной суровости и высокомерии в суждениях. —

Вчера мой издатель телеграфировал мне, что книги отправлены Вам. Я хочу избавить Вас и себя от рассказа о том, почему это произошло так поздно. Сделайте, я прошу Вас, глубокоуважаемый господин, хорошую мину при «плохой игре», я имею в виду эту ницшеанскую литературу.

Я сам воображаю, что дал «новым» немцам самые богатые, прочувствованные и независимые книги, которыми они вообще обладают; а также сам для себя являюсь капитальным событием в кризисе оценочных суждений. Но это может быть ошибкой; и, кроме того, глупостью —: я желаю не быть вынужденным верить во что-либо относительно себя. Еще несколько замечаний: они относятся к моим первым опытам (— ювеналиям и Juvenalia)

Сочинение против Штрауса, злобный смех «очень свободного ума» над тем, кто считал себя таковым, вызвало чудовищный скандал: я был тогда уже ординарным профессором, несмотря на свои 24 года, следовательно, своего рода авторитетом и чем-то доказанным. Самое беспристрастное описание этого события, где почти каждая «знаменитость» приняла сторону за или против меня и была исписана бессмысленная масса бумаги, находится в книге Карла Гиллебранда «Народы, времена и люди», том 2. То, что я высмеял дряхлое творение того выдающегося критика, было не событием, а то, что я застал немецкий вкус на месте преступления при компрометирующей безвкусице: он единодушно, несмотря на все религиозно-теологические партийные различия, восхищался «Старой и новой верой» Штрауса как шедевром свободы и тонкости ума (а также стиля!). Мое сочинение было первым покушением на немецкое образование (— то самое «образование», которое, как хвастались, одержало победу над Францией —); сформулированное мною слово «образованный филистер» осталось в языке после яростной полемики. —

Оба сочинения о Шопенгауэре и Рихарде Вагнере представляют собой, как мне сегодня кажется, скорее самопризнания, прежде всего самообеты, нежели настоящую психологию тех мастеров, столь же глубоко родственных мне, сколь и антагонистичных. (— я был первым, кто из обоих дистиллировал своего рода единство: сейчас это суеверие очень сильно на переднем плане немецкой культуры: все вагнерианцы — последователи Шопенгауэра. Это было иначе, когда я был молод: тогда это были последние гегельянцы, которые держались Вагнера, и «Вагнер и Гегель» — таков был лозунг еще в пятидесятых годах.)

Между «Несвоевременными размышлениями» и «Человеческим, слишком человеческим» лежит кризис и линька. Также и телесно: я годами жил в непосредственной близости от смерти. Это было моим величайшим счастьем: я забывал себя, я переживал себя… Тот же фокус я проделал еще раз. —

— Итак, мы обменялись подарками: я думаю, как два путника, которые радуются, что встретили друг друга? —

Остаюсь Ваш покорнейший

Ницше

998. An Franz Overbeck in Dresden

Nizza, den 22. Febr. 1888.

Дорогой друг,

меня очень огорчает, что тебе пришлось уехать в Германию по таким причинам. Так что эта и без того мрачная зима принесла тебе еще и этот удар и боль! Хотя, судя по всему, что я о тебе слышу, я должен предположить, что в данном случае речь шла о настоящем избавлении, которое наступило скорее поздно, чем рано; и поэтому я от всего сердца желаю, чтобы нечто весьма отрадное и доброе досталось тебе в качестве возмещения и тем самым залечило твою рану. Наконец: ты не одинок. Я содрогнулся при мысли о том, как мало отшельник знал бы, что делать с таким событием.

О себе сегодня хочу сказать лишь то, что мне снова становится лучше и что болезненное напряжение и меланхолия, под влиянием которых я писал тебе свое последнее письмо, по-видимому, преодолены. В настоящее время я, что тебя удивит, нахожусь под полным впечатлением от новостей из Сан-Ремо: которые, по странной случайности, доступны мне совсем не так, как газетам (так что я знаю intima intimissima этой ужасной и не вполне подлежащей огласке истории). Возможно, и здесь избавление близко.

Сердечно сопереживающий

Твой друг
Ницше

999. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)

<Nizza, den 25. Februar 1888>

На этот раз я обращаюсь к Вам не за себя, а за другого, почти случайно открытого мною остроумного и оригинального <человека,> с вопросом, не желаете ли Вы издать хорошую книгу. Она должна содержать сборник «Эстетика»: чтобы дать Вам некоторое представление о ней, я посылаю Вам статью, которая случайно была напечатана в «Bund» и вызвала оживленную дискуссию в кругу моих друзей-музыкантов и любителей музыки. Я знаю того же автора по весьма примечательной критике некоторых театральных предрассудков: это самое независимое и радикальное из всего, что я читал о проблеме современной драмы.

Профессор Шпиттелер, как Вы догадаетесь по этому небольшому образцу, — человек ума и остроумия, богатый новыми взглядами и смелыми мыслями; он, как мало кто другой, способен рассуждать о вопросах формы и стиля.

Названный господин до сих пор был известен в литературе под именем Феликс Тандем (Prometheus 1882. Extramundana 1883) — Я особо подчеркиваю, что лично с ним не знаком; равно как и то, что он далек от моего собственного образа мыслей и философии. Я желаю лишь порекомендовать Вам оригинального мыслителя, а не последователя или ученика.

1000. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nice, pension de Genève 26. Febr. 1888.

Дорогой друг,

пасмурная погода, воскресенье после обеда, глубокое одиночество: я не могу придумать ничего приятнее, чем поговорить о чем-то с Вами и для Вас. Только что заметил, что пальцы посинели: мой почерк будет понятен лишь тому, кто угадывает мысли…

То, что Вы говорите в своем письме о стиле Вагнера, напоминает мне собственное, где-то записанное высказывание об этом: как его «драматический стиль» есть не что иное, как разновидность дурного стиля, да что там — отсутствия стиля в музыке. Но наши музыканты видят в этом прогресс…

На самом деле все невысказано, да, как я подозреваю, почти и не осмыслено в этой области истин: сам Вагнер, как человек, как животное, как бог и художник, тысячекратно превосходит разум и неразумие наших немцев. А превосходит ли он разум французов? — Сегодня я имел удовольствие получить подтверждение своей правоты там, где сам вопрос мог показаться чрезвычайно рискованным: а именно — «кто до сих пор был лучше всего подготовлен к Вагнеру? кто был наиболее естественным и внутренне вагнерианским, вопреки и без Вагнера?» — На это я давно себе ответил: это был тот причудливый, на три четверти безумный Бодлер, поэт «Цветов зла». Я сожалел, что этот родственный по духу человек не открыл В<агнера> при жизни; я отметил в его стихах места, в которых есть своего рода вагнерианская чувствительность, не нашедшая больше нигде в поэзии своей формы (— Бодлер — либертен, мистик, «сатанист», но прежде всего — вагнерианец). И что мне приходится пережить сегодня! Я листаю недавно вышедший сборник посмертных произведений этого глубоко ценимого и даже любимого во Франции гения: и там, посреди бесценных психологических наблюдений эпохи упадка («моё сердце, обнаженное» — в том роде, в каком их сжигали в случае с Шопенгауэром и Байроном), мне на глаза попадается неопубликованное письмо Вагнера, касающееся статьи Бодлера в «Revue européenne» за апрель 1861 года. Я переписываю его: Дорогой господин Бодлер, я был у Вас несколько раз, но не застал. Вы можете себе представить, как я жажду сказать Вам, какое огромное удовлетворение Вы доставили мне своей статьей, которая чтит и ободряет меня больше, чем все, что когда-либо было сказано о моем бедном таланте. Нельзя ли мне вскоре сказать Вам вслух, как я был опьянен, читая эти прекрасные страницы, которые поведали мне — подобно лучшей поэме — о тех впечатлениях, которыми я должен хвалиться, произведя их на столь превосходящую организацию, как Ваша? Будьте тысячу раз благодарны за это благодеяние, которое Вы мне оказали, и поверьте, я очень горд тем, что могу называть Вас другом. — До скорого, не так ли? Весь Ваш

Рихард Вагнер

(Вагнеру было тогда 48 лет, Бодлеру 40: письмо трогательное, хотя и на жалком французском.)

В той же книге находятся наброски Бодлера, в которых он со страстью берет под защиту Генриха Гейне от французской критики (Жюля Жанена). — В последнее время его жизни, когда он был полубезумен и медленно погибал, вагнерианскую музыку применяли к нему как лекарство; и даже когда просто называли имя Вагнера, «il a souri d’allégresse» (он улыбался от радости). (— Письмо подобного рода благодарности и даже энтузиазма, если меня не подводит память, Вагнер написал лишь однажды: после получения «Рождения трагедии».)

— Как дела сейчас, дорогой друг? Я поклялся себе некоторое время ничего не принимать всерьез. И Вы ни в коем случае не должны думать, что я снова занялся «литературой»: эта запись была для меня; я хочу каждую зиму отныне подряд делать такую запись для себя — мысль о «публичности» фактически исключена. — Дело Фрича улажено телеграфно. — Господин Шпиттелер написал, неплохо, извиняясь за свою «дерзость» (— так он сам говорит). — Зима суровая; но мне сейчас ничего не недостает, разве что божественной и тихой музыки, Вашей музыки, дорогой друг!

Ваш Н.

Газеты и журналы, которым Фрич прошлой осенью через любезный циркуляр предлагал полный экземпляр моих сочинений с целью рецензирования, все как один не ответили ему —

Отец Овербека умер, 84 года. Сам Овербек поехал ради этого в Дрезден: как я боюсь, во вред его собственному здоровью, которое этой зимой снова доставляет трудности. — Снежные бури повсюду, гуманность белых медведей.

Из письма Б<одлера>: «я больше не осмеливаюсь говорить о В<агнере>: надо мной слишком много смеялись. Эта музыка была одной из величайших радостей моего существования: я добрых пятнадцать лет не чувствовал такого возвышения (вернее, похищения)».

1001. An Franz Overbeck in Basel

Nice, pension de Genève den 3. März 1888.

Дорогой друг,

прости меня за то, что, едва получив твое доброе письмо, я вынужден снова докучать тебе своими делами. Счет Лоренца вызывает серьезные сомнения: я могу признать только один-единственный пункт. Первые шесть пунктов я оплатил при своем последнем отъезде из Лейпцига, седьмой и восьмой (Дионисий и Аполлодор) я не получал и никогда не просил присылать. Но об этом я хочу переговорить с самим Лоренцем лично. —

С другой стороны, меня беспокоит, что ты до сих пор ничего не сообщил мне об оплате моего счета за печать у К. Г. Наумана. Я приложил счет к своему предпоследнему письму: — должен ли я опасаться, что письмо со счетом затерялось? — в эту зиму лавин и железнодорожных сбоев, кажется, многое пропадает..

Я уже несколько недель удивляюсь, что К. Г. Науман не подтвердил мне получение денег. —

Расходы на печать «Генеалогии» составили: 588 марок 65 пфеннигов.

Что касается жалованья, срок выплаты которого наступает в конце месяца, то прошу тебя прислать его сюда. Впрочем, я был бы благодарен за каждый день, на который оно придет раньше; по сути, мое время в Ницце истекло — блеск солнца (при, впрочем, холодной погоде) сейчас уже слишком интенсивен для моих глаз. — В остальном мне снова лучше; я также вполне доволен своей зимой, которая была посвящена сплошь радикальным проблемам и решениям. — Просто пришли базельской бумаги, пожалуйста. — Печь была de rigueur, ты прав. Особенно для моей северной комнаты. Впрочем, я совершенно не понимаю, как я выдержал бы северную зиму: как бы сильно я ни желал этого по самым последним причинам. Но даже здесь каждый по-настоящему мрачный и зимний день, когда нет солнца, для меня — сущая пытка: я болен и подавлен в едва ли вероятной степени, физически и духовно. Эта абсурдная степень зависимости имеет нечто унизительное; но ничего не поделаешь, я должен считаться с этим фактором. Энгадин и Ницца, собственно, больше не подлежат обсуждению: это единственное доказанное. Весна внушает мне страх; она до сих пор не удавалась мне ни в одном месте. — Прошедшее десятилетие с моей привычной слабостью и раздражительностью головы и нервов, которые превращали малейшие случайности и неприятности в настоящие катастрофы, должно быть попросту стерто из моей памяти. Но пока что я должен быть доволен днями и неделями, когда я забываю об этом. Эта степень человеческой дряхлости (décrépitude), которая настолько не соответствует всему моему образу мыслей, насколько это возможно, — я не скрываю от себя — несколько обострила мою гордость: плохо, конечно, но только такой ценой и можно вынести эту нищету. — У меня на душе, как у троглодита, которому трудно верить в свет; становишься крайне подозрительным; становишься проблематичным.

Дорогой друг, мне не кажется невозможным, что я снова поприветствую тебя в этом году в Базеле: хотя сегодня я еще не хочу обещать. С самыми сердечными пожеланиями тебе и твоей дорогой жене, твой

Ницше.

(Улица pet. rue St. Etienne теперь переименована: rue Rossini)

1002. An Carl Spitteler in Basel

Nizza den 4. März 1888

Дорогой господин Шпиттелер,

сегодня, вместо всякого ответа, хорошая новость. Мне, после многочисленных неудачных попыток и разочарований, в конечном счете все же удалось заинтересовать издателя публикацией Вашей «Эстетики». Только что мне написал глава одного из самых уважаемых лейпцигских домов (фирма Veit und Co), господин Герман Креднер, в тоне, который нельзя назвать иначе как любезным: он обещает держать это дело на контроле. Я отправил ему Вашу критику современного оркестра вместе с пространным письмом: он говорит, что прочел эту критику «с интересом и удовольствием». Также я упомянул ему о более раннем трактате, вышедшем в «Bund» и посвященном драматургическим вопросам. (Эти две статьи, как я полагаю, будут включены в тот сборник эстетических работ? По крайней мере, я дал это понять) — Вопрос об оформлении, равно как и о гонораре, конечно, не затрагивался: вносить предложения по этому поводу — Ваше право. Прежде всего, однако, необходимо точно сформулировать, что должен содержать том; равно как и его примерный объем и количество печатных листов.

— И будьте в общении с этим несколько избалованным и требовательным издателем (который происходит из старой лейпцигской профессорской семьи и, к тому же, является издателем Имперского суда Германии) не слишком «швейцарским»!…

— С пожеланием и впредь иметь возможность оказать Вам услугу

Ваш д-р Ницше, проф.

(Креднер принадлежит, по его собственному выражению, к числу amateurs моей литературы)

Адрес: Herrn Hermann Credner (Veit & Co) Leipzig (Johannisgasse)

1003. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, den 5. März 1888.

Моя милая добрая матушка,

сегодня утром я бы без сомнения написал Тебе короткое письмо, даже если бы Твое сердечное напоминание не дошло до меня. Всё уже было готово для этого. К тому же мое состояние действительно улучшилось, и тяжелые недели меланхолии остались позади. Меня огорчает, что я отправил Тебе два таких мрачных письма: но бывают времена, когда человек перестает владеть собой и делает вещи, которые при первом же луче солнца едва ли может понять. Зима, впрочем, была для всего мира суровой и печальной: а для такого деликатного и болезненного механизма, как я, особенно. Новости из Сан-Ремо тоже не несут ничего утешительного: эта система лжи и произвольного искажения фактов, которую эта англичанка в союзе с никчемным английским врачом продолжает из месяца в месяц, возмутила даже иностранцев, не говоря уже о немецком враче, обо всей императорской семье, о Бисмарке. Я случайно очень хорошо, даже слишком хорошо осведомлен об intima intimissima этой ужасной истории. — У нас, кстати, с 1 марта идет большая таможенная война между Италией и Францией: наша провинция пострадала от нее сильнее всего. Ницца получала всё, что необходимо для пропитания, из Италии: — мясо, яйца, масло, овощи, вино, растительное масло. Таможенная война с ее неслыханными пошлинами просто проводит черту между двумя странами: так что всему побережью приходится пытаться добывать себе продовольствие в других местах. Хотят наладить прямое пароходное сообщение между Ниццей и Алжиром, уже на днях: 42 часа пути между нами и Африкой. —

Тем не менее: как хорошо, что мы в Европе, будь то в Наумбурге или в Ницце — а не в этом удивительно непривлекательном Парагвае! Отчет очень честный, я действительно не думаю, что он умалчивает о каких-либо хороших сторонах. Очевидно, что жизнь в столице и жизнь в этой лесной и пустынной глуши — вещи весьма разные; в первой еще можно верить, что находишься в Европе. Не для нас! моя добрая матушка! —

Фрич телеграфно уладил дело; также прислал извинительное письмо. Я очень благодарен за тот небольшой нажим, который оказало Твое письмо.

Тем временем в Дрездене скончался отец Овербека; так же как и лейпцигская сестра Кёзелица. Везде приходится что-то нести и преодолевать. — Твое любезное и милое приглашение провести весну в Наумбурге, к сожалению, сейчас ни в чем не соответствует тому, чего требует мое абсурдное здоровье. Во-первых: я не должен далеко путешествовать, я этого не выдержу. Во-вторых: я питаю величайшее недоверие именно к немецкой весне и с ужасом вспоминаю чувство слабости и уныния, которое последняя весна в Наумбурге и Лейпциге вызвала у меня. Еще не решено, куда я отправлюсь; но не очень далеко, и куда-нибудь в горы, где веет свежий воздух; и так, чтобы я держал в поле зрения доступ к Энгадину (на середину июня: раньше туда нельзя).

Напоследок, моя добрая матушка, не затруднит ли Тебя прислать мне 96 марок сюда, в Ниццу? Или у Тебя сейчас нет денег? Я, собственно, в некотором затруднении и был бы благодарен, если бы деньги прислали сейчас. Если Тебе это не подходит, я бы обратился к господину Кюрбицу. (Проще всего стомарковая купюра. Письмо заказное, но деньги в нем не указывать. Или же стофранковая купюра (96 марок = 115 франков), это предпочтительнее.

С сердечной любовью и благодарностью
Твое старое создание

1004. An M. Pfyffer in Viznau (Entwurf)

<Nizza, Mitte März 1888>

Многоуважаемый господин

Я хотел бы договориться с Вами на тот случай, если в конце этого месяца я прибуду к Вам на длительный срок. Одна швейцарка, которую Вы знаете и от которой я должен передать Вам дружеский привет, госпожа Фези из Цюриха, дает мне основания полагать, что в Вашем доме я мог бы найти то, что мне прежде всего необходимо, будь то для моего здоровья или для моей работы: покой. Южная комната, оборудованная для занятий ученого, кровать с хорошим жестким матрасом, шезлонг — это тоже можно было бы устроить.

Я исхожу из того, что мы договоримся о дневной цене пансиона в 4 1/2 франка tout compris: при этом я особо отмечаю, что чай по старой привычке я готовлю себе сам рано утром, поэтому в цену пансиона включены только два основных приема пищи, комната и обслуживание. Вашу кухню мне хвалили.

Для меня было бы ценно найти хорошее место для временного пребывания на весну: мои попытки последних лет не лучшим образом сказались на моем здоровье.

1005. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nice d. 20. März 1888.

Моя дорогая мама

Ты доставила мне огромную радость своей посылкой и сопровождающим её письмом: почти так, как если бы ты сделала мне подарок. У меня как раз было туговато с финансами; и, возможно, я уже писал, что этой зимой моя жизнь в отеле подорожала. Тем не менее, условия, в которых я здесь живу, всё ещё значительно ниже средних, которые каждый здесь в доме должен платить; а с другой стороны, у меня этой зимой есть то, чего раньше не было: комната, которая мне нравится, высокая, с отличным освещением для моих глаз, заново отделанная, с большим тяжёлым столом, шезлонгом, книжным шкафом и тёмными красно-коричневыми обоями, которые я выбрал сам. Мне всё ещё кажется, что я должен держаться за Ниццу: её климатическое влияние на меня благотворно, как никакое другое. Я могу здесь пользоваться своими глазами в два раза больше, чем где-либо ещё. Голова под этим небом стала свободнее, год от года; жуткие последствия многолетней немощи в близости и ожидании смерти здесь проявляются мягче. Я не хочу забывать, что и моё пищеварение здесь лучше, чем где-либо ещё; но прежде всего, мой дух чувствует себя здесь бодрее и в целом легче несёт свою ношу — я имею в виду ношу жизненного жребия, к которому однажды приговорён философ. Я гуляю по утрам час, после обеда три часа в среднем, быстрым шагом — день за днём по одной и той же дороге: она достаточно для этого хороша. После ужина я сижу до 9 часов в салоне, почти среди одних англичан и англичанок, у лампы с абажуром за своим столом. Я встаю в полседьмого и сам готовлю себе чай: к нему немного сухарей. В 12 часов завтрак; в 6 часов основной приём пищи. Никакого вина, никакого пива, никаких спиртных напитков, никакого кофе: величайшая умеренность в образе жизни и питании. С прошлого лета я приучил себя пить воду: хороший знак, прогресс. Впрочем, я как раз сейчас три дня болел: но сегодня всё снова в порядке. К концу марта я думаю покинуть Ниццу: блеск света для меня уже слишком силён, да и воздух уже слишком мягкий, слишком весенний. Возможно, что у меня ещё будут гости: а именно Зейдлиц, который на обратном пути из Египта хочет прибыть ко мне «с женой, матерью, собакой и слугой». Также старый друг Герсдорф снова писал в хорошем настроении: он как раз закончил свой месяц службы в Берлине (— он камергер старой императрицы). Но самым прекрасным было длинное письмо от Ламы: восемь страниц, полных сердечных и даже умных вещей. Написано ещё в Асунсьоне; но полна бодрости («конечно, у меня есть жизненный жребий, к которому я подхожу, это прекрасная вещь» —). Однако она выражает беспокойство, что в ближайшее время будет слишком много дел: потому что заявлено огромное количество новых колонистов, и, возможно, ещё не всё к этому подготовлено. — Я забыл рассказать, что старый школьный товарищ (мой «младший»), лейтенант Геест, здесь на попечении диаконисс Красного Креста: я иногда хожу к нему. Очень северогерманская атмосфера: фрау фон Мюнхов, фрейлейн фон Дитфурт и т. д. Моя соседка по столу — снова этой зимой баронесса Пленкнер, урождённая Секендорф<f>: и как таковая, находится в самом тесном общении со всеми Секендорфами при дворе и в армии (например, с графом Секендорфом<f>, который, как известно, является «правой рукой» новой императрицы — и даже кое-чем большим!). Также она близко дружит с тайным советником фон Бергманом и сама проходит у него лечение: так что я был очень хорошо осведомлён о делах в Сан-Ремо. У меня в руках были даже листы, которые кронпринц написал за пару дней до своего отъезда. - - -

Вот и всё, моя дорогая добрая мама! Обнимает тебя с благодарностью

Твоё старое создание.

Я хотел бы выдать тебе формальную расписку о выплате первых годовых процентов: ибо так заведено. Теперь прошу тебя сначала сказать мне, что я должен написать.

Приветы, с сердечным участием, господину и госпоже ректору Фолькману от меня. Что делает Хайнце? Я почти ждал его. Кстати, один лейпцигский профессор был два дня здесь в доме.

1006. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nice (France) pension de Genève 21. März 1888

Глубокоуважаемый господин Фрич,

тем временем мне стал известен еще один человек, который разумным образом содействует распространению моих сочинений: это господин П. Михаэлис, помощник проповедника в Бремене. Он сотрудничает с «Национальной газетой», которая за последние два года уже дважды публиковала статьи обо мне (точнее, о моих книгах). По всей видимости, он не знаком с «Утренней зарей» и «Веселой наукой»: я бы предложил Вам выслать ему обе эти книги вместе с прилагаемой карточкой от меня.

Адрес: Бремен. Ам Дайх 55.

Выдающийся датчанин, доктор Брандес, с момента получения сочинений писал уже дважды, каждый раз подписываясь «Ваш внимательный и благодарный читатель».

С наилучшими пожеланиями и сердечно поздравляя с предстоящим семейным праздником,

Ваш преданный
Проф. Д. Ницше.

1007. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nice, pension de Genève (rue Rossini)21. März 1888

Дорогой друг

в последнее время здоровье доставило много хлопот: иначе вы бы давно получили благодарственное письмо. Я был просто воодушевлен всем, что вы в прошлый раз написали мне по поводу Вагнера. Вы сегодня единственный, кто не только обладает такими тонкостями вкуса, но и может их обосновать: в то время как я, напротив, чувствую себя осужденным в своей более абсурдной манере лишь нащупывать и блуждать впотьмах. Я больше ничего не знаю, ничего не слышу, ничего не читаю: и, несмотря на все это, нет ничего, что на самом деле волновало бы меня больше, чем судьба музыки.

Не забыть: я все же кое-что услышал — три вещи Оффенбаха (la Pericholle, la grande Duchesse, la fille du tambour-major) — и был в восторге. Четыре, пять раз в каждом произведении он достигает состояния самого буйного буффонадного веселья, но в форме классического вкуса, абсолютно логично — и при этом еще удивительно по-парижски!.. К тому же это избалованное дитя судьбы имело счастье иметь в качестве либреттистов самых остроумных французов: Галеви, который недавно был принят в Академию благодаря этим шедеврам la belle Helène и т. д., Мельяка и других. Тексты Оффенбаха обладают чем-то очаровательным и, вероятно, являются единственным, что опера до сих пор сделала в пользу поэзии. —

Моттль, о котором вы спрашивали, больше не давал о себе знать. Я сообщу вам еще одно слово Зейдлица, который недавно писал из Египта и, вероятно, нанесет мне визит на обратном пути «вместе с женой, матерью, собакой и слугой». Он жалуется на дующий там хамсин, «который подобен переведенной на метеорологический язык симфонии Брамса: безжалостный, песчаный, сухой, непостижимый, нервирующий, примерно десятикратный сирокко». — Также снова писал старый друг Герсдорф, с большим и сердечным воспоминанием и о вас («— я с удовольствием вспоминаю добрые часы, которые я пережил с ним и благодаря ему, и которые были омрачены только Нериной и Расковичем»). Также он говорит: «сколько нужно иметь силы и мужества, чтобы сегодня создавать хорошую музыку. Сегодня едва ли найдется человек, которому Вагнер не сбил бы все понятия». Герсдорф только что закончил свою придворную службу: он, как вы знаете, камергер старой императрицы. —

Мне удалось кое-что, над чем вы будете смеяться: я без просьбы, но в сознании того, что никто другой ничего для него не сделает, нашел издателя для толстого тома Aesthetica тому самому Шпиттелерy (неприятной памяти): фирма Veit & Co (Герман Креднер в Лейпциге, «любитель» моей литературы). Ш<иттелер> поостерегся поблагодарить меня за это. —

Из Копенгагена часто приходят письма, всегда очень умные, но также полные многих признаков страдающего существования: Б<рандес> настолько в войне и одинок, что, кажется, нуждается в ком-то, с кем можно поговорить лично. Самым приятным было длинное письмо моей сестры, чье предприятие неожиданно для нее самой удается: у них сейчас 80 немцев и 3 швейцарца в колонии «Nueva Germania», и на ближайшие месяцы заявлено так много людей, что опасаются, не хватит ли подготовки. —

Только что пришла умная и не лишенная симпатии рецензия на мою «Генеалогию» в Nationalzeitung: присланная автором, П. Михаэлисом, помощником проповедника в Бремене. «Ницше груб, но —»

Вот и все, дорогой друг: это совсем немного. Теперь я снова стою перед отвратительным размышлением, что мне делать с собой в ближайшие месяцы, пока я снова не смогу подняться наверх.. Это плохое время, все попытки и места на самом деле не удались — еще с прошлого года у меня остался самый отвратительный привкус от этого промежуточного времени, которое делает меня слабым и лишает сил. Куда?.. Ведь с Ниццей снова покончено; блеск света слишком силен, воздух уже слишком мягкий. Цюрих? Никогда! Итальянские озера? — гнетущие, подавляющие! Швейцария? еще слишком зимняя, облачная, туманная. Я всю эту ночь не спал в беспокойстве от таких вопросов. —

Мой старый друг и маэстро, желаю вам доброго утра

Ваш
Ницше

Прошу прощения, что письмо заканчивается так, как не должно было заканчиваться, — я делаю так много неправильного.

1008. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Nice 22. März 1888.

Дорогой друг, возвращение зимы заставляет меня иначе взглянуть на ближайшее будущее; в частности, мне кажется, что еще далеко не время отправляться в Швейцарию. В этих обстоятельствах я хотел бы попросить тебя переслать мне часть ожидаемого жалованья в итальянских бумагах (возможно, 300 франков).

Твое сообщение о том, что дом снова продан, меня просто потрясло. Неужели тебя преследует какой-то особый, еще не открытый демон, некий deus ignotus Basileensis? Я глубоко сочувствую тебе и твоей дорогой жене.

Н.

(Здоровье снова ухудшилось.)

Лоренц аннулировал счет и принес глубочайшие извинения. —

1009. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 27. März 1888

Глубокоуважаемый господин,

я очень хотел поблагодарить Вас за столь содержательное и глубокое письмо гораздо раньше: но у меня были проблемы со здоровьем, из-за чего я сильно задержался во всех добрых делах. Кстати говоря, мои глаза служат мне динамометром моего общего состояния: после того как в основном дело пошло на поправку, они стали более выносливыми, чем я когда-либо полагал, — они посрамили пророчества самых лучших немецких окулистов. Если бы господа Грефе и им подобные оказались правы, я бы уже давно ослеп. Так что я — хоть и плохо! — дошел до очков № 3, но я все еще вижу. Я говорю об этой беде, потому что Вы проявили участие, спросив меня о них, и потому что в последние недели глаза были особенно слабыми и раздражительными. —

Мне жаль Вас на Вашем в этот раз особенно зимнем и мрачном севере: как там вообще удается сохранять бодрость духа! Я почти восхищаюсь каждым, кто под пасмурным небом не теряет веры в себя, не говоря уже о вере в «человечество», в «брак», в «собственность», в «государство»…

В Петербурге я был бы нигилистом: здесь я верю, как верит растение, в солнце. Солнце Ниццы — это действительно не предрассудок. Мы получили его за счет всей остальной Европы. Бог позволяет ему с присущим ему цинизмом светить над нами, бездельниками, «философами» и игроками, ярче, чем над столь более достойным военно-героическим «отечеством» —

Наконец, и Вы, с инстинктом северянина, выбрали сильнейший стимул, какой только существует, чтобы вынести жизнь на севере, — войну, агрессивный аффект, викингский набег. Я угадываю в Ваших сочинениях опытного солдата; и не только «посредственность», но, возможно, еще больше тип более независимых и своеобразных натур северного духа может постоянно вызывать Вас на борьбу. Сколько «пасторства», сколько теологии еще осталось во всем этом идеализме!… Для меня это было бы хуже, чем пасмурное небо, — необходимость возмущаться вещами, которые тебя не касаются! —

Ваш опыт с лейпцигским издателем господином Германом Креднером я понимаю слишком хорошо. Я тоже два года назад был глубоко связан с ним, но при первом же признаке его абсурдного издательского самодурства я испытал такой испуг, что резко потребовал назад свою рукопись телеграммой. В прошлом году он был осужден судом за то, что позволил себе в истории новейшей немецкой политики за спиной автора путем коварной посткорректуры перевернуть всю тенденцию произведения! — Он издатель Имперского суда Германии. —

На этот раз достаточно: это совсем немного. Ваша «немецкая романтика» заставила меня задуматься о том, как все это движение на самом деле достигло цели только в музыке (Шуман, Мендельсон, Вебер, Вагнер, Брамс): как литература оно осталось лишь великим обещанием. Французы были счастливее. — Боюсь, я слишком большой музыкант, чтобы не быть романтиком. Без музыки жизнь была бы для меня ошибкой. — Приветствую Вас, глубокоуважаемый господин, сердечно и с благодарностью

Ваш
Ницше

1010. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 31. März 1888>

Дорогой друг,

всё уже подготовлено настолько, что послезавтра утром я уезжаю в Турин. Мне кажется, я помню, что вы сами однажды советовали мне предпринять эту попытку. Моё намерение — остаться там на два месяца, чтобы затем отправиться прямо в Энгадин. Мне хвалят сухой воздух, тихие улицы, необычайную просторность города, так что я смогу совершать долгие прогулки, не подвергая себя воздействию солнечного света. Здесь дела шли не лучшим образом. — Как, должно быть, в вашей Венеции? Меня часто спрашивали об этом, поскольку замечательные Кёхлины собираются туда поехать. Зима — упорный спутник повсюду: только не здесь, кажется. Моя соседка по столу, баронесса Пленкнер, уезжает в Корте: мне всегда удаётся склонить других к тому, на что у меня самого не хватает смелости.

Сердечно преданный Вам
Н.

Адрес: Torino, ferma in posta.

1011. An Elisabeth Förster in Nueva Germania

Nizza, Sonnabend vor Ostern <31. März> 1888

В этот раз, мой дорогой Лама, ты получишь и последнее письмо, которое я пишу в Ницце, так же как ты получил первое в эту зиму. Мне доставляет огромное удовольствие думать, что оно поприветствует тебя в твоей новой, самостоятельно созданной обители — и пусть оно возложит к ногам твоим и твоего Бернхарда мои самые сердечные поздравления на пороге этого нового бытия. Судя по всему, что ты пишешь, надежда вселяется туда вместе с вами: и если жизнь, вероятно, будет несколько суровой и трудовой, вы можете утешиться поэтом, который приблизительно сказал: «лишь тот достоин свободы и жизни в Нуэва-Германия, кто каждый день за них идет на бой» …

То, что ты говоришь о «жизненном жребии» и о том, «что это прекрасная вещь — соответствовать ему», кажется мне в твоем случае вовсе не самообманом. Все продвинулось на удивление хорошо: так что мне порой приходит в голову подражать твоей позе, о которой ты пишешь, и «лечь на спину». К тому же вы можете быть довольны в любом смысле тем, что вас не хватает в милой Европе: сегодня она взирает на мир с героизмом ощетинившегося ежа, и над ней подвешены всевозможные дамокловы мечи. Я даже не говорю о зиме, о самой суровой зиме, о которой знают знаменитые «старейшие люди»: образованный европеец находится в борьбе со всеми стихиями — и, как известно, «стихии ненавидят образованного европейца». По крайней мере, Шиллер верил в нечто подобное. —

Мы здесь, в Ницце, устроились неплохо: Бог, по-видимому, с не чуждым ему цинизмом позволяет солнцу светить на твоего философско-нигилистического бездельника-брата ярче, чем на господина фон Бисмарка и немецкую имперско-благочестивую добродетель. Хотел бы я сам этой зимой «светить» немного больше: но были мрачные недели, когда я сидел в своей пещере, словно угрюмый медведь. Тем не менее, я верю, что в главном дело двинулось вперед и что я сделал еще один шаг прочь из многолетней мизере и декаданса. Также меня облегчает то, что я покончил со своей «литературой»: я даже достаточно образован, чтобы больше ее не любить. Не пишут шедевров в состоянии декаданса: это шло бы против естественной истории! —

Насколько я был болен на самом деле, в сущности, никто не знает. И это хорошо. —

Послезавтра утром я отправляюсь в Турин: это новая попытка продержаться в промежуточное время до Энгадина (ок. 10 июня), после того как все предыдущие попытки постыдно и болезненно провалились. Весна — мое слабое время. В Турине, говорят мне, энергичный воздух, который сух: там чисто, по-столичному, спокойно, город очень обширен, что позволяет мне совершать долгие прогулки в тени: в то время как раздражительность моих глаз особенно велика именно в весенние месяцы. К тому же я немного сыт по горло швейцарцами: слишком квадратные и неуклюжие, как и швейцарские города. — После Энгадина месяц (ок. 20 сент. — 20 окт.) в Венеции: чтобы развеселить первого из ныне живущих музыкантов, а через него и себя. Затем, вероятно, снова Ницца. — У меня нет никаких желаний. К чему было бы нужно, чтобы что-то изменилось?… Мне лишь нужна своего рода сосредоточенность и концентрация, не имеющая себе равных — из-за знаменитой «жизненной задачи», к которой я до сих пор, боюсь, совсем не подходил.

Мой дорогой Лама, обнимаю тебя и твоего «conquistadore da Nueva Germania» много раз

Твой Фриц

1012. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, Sonnabend vor Ostern <31. März 1888>

Только что, моя дорогая мама, пришло Твое такое сердечное письмо: я отвечаю на него немедленно, потому что это последний момент, чтобы написать еще несколько слов, и потому что я должен дать Тебе свой адрес на ближайшие месяцы. Я уезжаю в понедельник утром, на этот раз в Турин: новая попытка пережить весну, время, которое для меня столь сомнительно и вредно. До Турина из Ниццы можно добраться за один день: выезд в 6 часов утра, прибытие в 7:30 вечера. Турин — большой город с великолепной мостовой и широкими тихими улицами: там я могу часами гулять, защищенный от солнца, и в бодрящем климате: ведь Альпы недалеко, и ветры дуют оттуда. К тому же он расположен довольно высоко. Надеюсь, попытка не окажется неудачной. Мое желание — провести там апрель и май, а затем отправиться прямо в Энгадин. Все это не слишком далеко друг от друга. — Здесь у нас была очень беспокойная погода, временами невыносимо душная, мощные грозы, очень по-весеннему и вредно для нервов. Мне пришлось отказаться от своих прогулок. Да и ветер сейчас днем дует очень неприятно и сильно. —

Отель все еще полон; зимний сезон в этот раз очень затянулся. То, что я «живу как граф», как Ты пишешь, заставило меня рассмеяться: о, со мной дела обстоят совсем не так, чтобы мне можно было завидовать. —

Прилагаю в том виде, который Ты предлагаешь, квитанционную книжку.

От всего сердца обнимаю Тебя

Твое старое создание.

Я как раз пишу также Ламе. В этот раз она получит последнее письмо из Ниццы, как я написал ей первое этой зимой. —

Адрес Al Sigre illustmo Signore Dottore Nietzsche ferma in posta Torino Italia

1013. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, den 7. April 1888.

Дорогой друг,

как же это меня обрадовало! Первый привет, который встретил меня здесь, был от Вас; и последний, который застал меня в Ницце, был тоже от Вас. И какие добрые, странные вещи Вы сообщаете! Что Ваш квартет лежит перед Вами в каком-то каллиграфическом совершенстве и что Вы теперь благословляете эту зиму ради него! В сущности, человек становится очень требовательным, когда он санкционирует свою жизнь своими произведениями: в частности, он разучивается нравиться людям. Он становится слишком серьезным, они это чувствуют: за человеком, который хочет, чтобы уважали его труд, скрывается дьявольская серьезность..

Дорогой друг, я пользуюсь первым затишьем в очень бурном путешествии, чтобы написать Вам. Возможно, это придаст мне немного спокойствия и выдержки: ибо до сих пор я был вне себя и еще никогда не путешествовал в столь неблагоприятных условиях. Разве возможно пережить столько абсурдных вещей между понедельником и субботой! Все не заладилось с самого начала; я два дня пролежал больным, где? — в Сампьердарене. Только не подумайте, что я собирался туда ехать. Только мой чемодан сохранил первоначальное намерение отправиться в Турин; мы же остальные, то есть мой ручной багаж и я, разошлись в разные стороны. И как дорого стоило это путешествие! Как обогащались на моей бедности! Я действительно больше не создан для путешествий в одиночку: это слишком сильно меня расстраивает, так что я все делаю глупо. Здесь тоже поначалу все пошло кувырком. Ночами бессонница, изумление, неспособность понять, что принес день. — Когда я снова Вас увижу, я опишу Вам сцену в Савоне, которая просто просилась в юмористический листок. Только она меня расстроила. —

В Генуе я бродил как тень среди сплошных воспоминаний. То, что я когда-то там любил, пять-шесть избранных мест, теперь нравилось мне еще больше: оно казалось мне несравненной бледной знатностью и стояло высоко над всем, что предлагает Ривьера. Я благодарю свою судьбу за то, что она осудила меня на этот суровый и мрачный город в годы декаданса: выходя из него, каждый раз выходишь и из самого себя — воля снова расширяется, у тебя больше нет мужества быть трусливым. Я никогда не был более благодарен, чем в этом скиту под Генуей. —

Но Турин! Дорогой друг, примите мои поздравления! Вы советуете мне по сердцу! Это действительно город, который мне сейчас нужен! Это очевидно для меня и было почти с первого же мгновения: как бы ужасны ни были обстоятельства моих первых дней. Прежде всего, ужасная дождливая погода, ледяная, переменчивая, давящая на нервы, с душными получасами между ними. Но какой достойный и серьезный город! Совсем не мегаполис, совсем не современный, как я опасался: а резиденция XVII века, у которой был только один господствующий вкус во всем — двор и знать. В нем во всем сохраняется аристократическое спокойствие: нет никаких жалких предместий; единство вкуса, которое доходит до цвета (весь город желтый или красно-коричневый). И для ног, и для глаз — классическое место! Какая надежность, какая мостовая, не говоря уже об омнибусах и трамваях, устройство которых здесь доведено до чудесного! Живется здесь, кажется, дешевле, чем в других крупных городах Италии, которые я знаю; к тому же никто меня еще не обманул. Меня принимают за «ufficiale tedesco» (в то время как этой зимой в официальном списке иностранцев Ниццы я значился как Polonais). Нет, какие серьезные и торжественные площади! И дворцовый стиль без претензий; улицы чистые и серьезные — и все гораздо достойнее, чем я ожидал! Самые красивые кафе, которые я видел. Эти аркады при таком переменчивом климате — вещь необходимая: только они просторные, они не давят. Вечером на мосту По: великолепно! По ту сторону добра и зла!!

Проблема остается в погоде Турина. Я до сих пор чрезвычайно от нее страдал: я едва узнавал себя. — С благодарной преданностью, Ваш друг

Ницше

1014. An Georg Brandes in Kopenhagen

Torino (Italia) ferma in posta den 10. April 1888.

Но, почтенный сударь, что за сюрприз! — Где вы набрались мужества публично говорить о vir obscurissimus!.. Неужели вы думаете, что я известен в любезном отечестве? Там со мной обращаются так, словно я нечто странное и абсурдное, нечто, в чем пока нет нужды принимать всерьез… Очевидно, они чуют, что и я их не принимаю всерьез: да и как иначе, сегодня, когда «немецкий дух» стал contradictio in adjecto! —

За фотографию премного благодарен. К сожалению, с моей стороны ничего подобного нет: последние снимки, которые у меня были, забрала с собой моя сестра, вышедшая замуж в Южной Америке.

Прилагаю небольшую vita, первую, которую я написал. Что касается времени написания отдельных книг, то они указаны на обороте титульного листа «По ту сторону добра и зла». Возможно, у вас не осталось этого листа.

«Рождение трагедии» было написано между летом 1870 и зимой 1871 года (завершено в Лугано, где я жил вместе с семьей фельдмаршала Мольтке)

«Несвоевременные размышления» между 1872 и летом 1875 года (их должно было быть 13: здоровье, к счастью, сказало «нет!»)

— То, что вы говорите о «Шопенгауэре как воспитателе», доставляет мне огромную радость. Это небольшое сочинение служит мне опознавательным знаком: кому оно не говорит ничего личного, тот, вероятно, и в остальном не имеет со мной ничего общего. В сущности, в нем изложена схема, по которой я до сих пор жил: оно является строгим обещанием.

«Человеческое, слишком человеческое» вместе с двумя его продолжениями — лето 1876—1879 гг. «Утренняя заря» — 1880 г. «Веселая наука» — январь 1882 г. «Заратустра» — 1883—85 гг. (каждая часть примерно за десять дней. Совершенное состояние «вдохновенного», все задумано в пути, во время долгих прогулок: абсолютная уверенность, словно каждое предложение было продиктовано. Одновременно с чувством величайшей телесной эластичности и полноты —)

«По ту сторону добра и зла», лето 1885 года в Верхнем Энгадине и следующая зима в Ницце.

«Генеалогия» — решена, выполнена и отправлена в Лейпцигскую типографию в готовом к печати виде между 10 и 30 июля 1887 года.

(Конечно, у меня есть и Philologica. Но это нас обоих больше не касается.)

Я сейчас делаю попытку с Турином, хочу остаться здесь до 5 июня, чтобы потом отправиться в Энгадин. До сих пор по-зимнему холодно, сурово, скверно. Но город превосходно спокоен и льстит моим инстинктам. Самая прекрасная мостовая в мире.

Приветствует Вас Ваш благодарный и преданный

Ницше

Жаль, что я не понимаю ни по-датски, ни по-шведски! —

Vita. — Я родился 15 октября 1844 года на поле битвы при Лютцене. Первым именем, которое я услышал, было имя Густава Адольфа. Мои предки были польскими дворянами (Niëzky); кажется, что тип хорошо сохранился, несмотря на трех немецких «матерей». За границей меня обычно считают поляком; еще этой зимой в списке иностранцев в Ницце меня записали comme Polonais. Мне говорят, что моя голова встречается на картинах Матейко. Моя бабушка принадлежала к веймарскому кружку Шиллера-Гёте; ее брат стал преемником Гердера в должности генерального суперинтенданта Веймара. Мне посчастливилось быть учеником достопочтенной Шульпфорты, из которой вышло так много людей (Клопшток, Фихте, Шлегель, Ранке и т. д.), имеющих значение в немецкой литературе. У нас были учителя, которые сделали бы честь любому университету (или сделали —). Я учился в Бонне, позже в Лейпциге; старый Ричль, тогда первый филолог Германии, почти с самого начала выделял меня. В 22 года я был сотрудником «Литературного центрального листка» (Царнке). Основание филологического общества в Лейпциге, которое существует до сих пор, принадлежит мне. Зимой 1868—69 годов Базельский университет предложил мне профессуру; я был даже еще не доктором. Лейпцигский университет присвоил мне докторскую степень задним числом, весьма почетным образом, без всякого экзамена, даже без диссертации. С Пасхи 1869 по 1879 год я был в Базеле; мне пришлось отказаться от немецкого гражданства, так как меня как офицера («конного артиллериста») слишком часто призывали бы, и это мешало бы моим академическим функциям. Тем не менее, я владею двумя видами оружия: саблей и пушками — и, возможно, еще третьим… В Базеле все шло очень хорошо, несмотря на мою молодость; случалось, особенно при защите докторских диссертаций, что экзаменующийся был старше экзаменатора. Огромной милостью для меня стало то, что между Якобом Буркхардтом и мной возникло сердечное сближение: нечто необычное для этого очень замкнутого и живущего в стороне мыслителя. Еще большей милостью было то, что с самого начала моего базельского существования я попал в неописуемо близкую интимность с Рихардом и Козимой Вагнер, которые тогда жили в своем поместье Трибшен под Люцерном, как на острове, вдали от всех прежних связей. Несколько лет у нас все было общим, великое и малое: доверие было безграничным. (Вы найдете в собрании сочинений Вагнера (том 7) напечатанное «Послание» его ко мне по случаю «Рождения трагедии».) Благодаря этим связям я познакомился с широким кругом интересных людей (и «женщин»), в сущности, почти со всем, что растет между Парижем и Петербургом. Около 1876 года мое здоровье ухудшилось. Я провел тогда зиму в Сорренто с моей старой подругой баронессой Мейзенбуг («Мемуары идеалистки») и симпатичным доктором Рэ. Лучше не стало. Выяснилось, что это крайне болезненный и упорный недуг головы, который истощил все мои силы. В течение долгих лет он дошел до кульминации привычной болезненности, так что год тогда насчитывал для меня 200 дней боли. Болезнь должна была иметь совершенно местные причины: отсутствует какая-либо невропатологическая основа. У меня никогда не было ни одного симптома психического расстройства; даже не было температуры, не было обмороков. Мой пульс тогда был таким же медленным, как у первого Наполеона (= 60). Моей специальностью было выносить крайнюю боль cru, vert с полной ясностью два-три дня подряд, при постоянной рвоте слизью. Распространился слух, будто я был в сумасшедшем доме (или даже умер в нем). Ничто не может быть ошибочнее. Мой дух даже в это ужасное время только созрел: свидетельство тому «Утренняя заря», которую я написал в зиму невероятных страданий в Генуе, вдали от врачей, друзей и родственников. Эта книга для меня своего рода «динамометр»: я написал ее с минимумом сил и здоровья. С 1882 года дело пошло, правда, очень медленно, на поправку: кризис, казалось, был преодолен (— мой отец умер очень молодым, точно в том возрасте, в котором я сам был ближе всего к смерти). Мне и сегодня нужна крайняя осторожность; несколько условий климатического и метеорологического характера обязательны. Это не выбор, а принуждение, что я провожу лето в Верхнем Энгадине, а зиму на Ривьере… Наконец, болезнь принесла мне величайшую пользу: она высвободила меня, она вернула мне мужество быть самим собой… К тому же я, по своим инстинктам, храброе животное, даже военное: долгое сопротивление немного обострило мою гордость. — Философ ли я? — Но какое это имеет значение!..

1015. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Turin, 10. April 1888.

Достопочтенный господин издатель, Вам будет интересно узнать, что выдающийся датчанин, доктор Георг Брандес, проводит в Копенгагенском университете цикл публичных лекций «о немецком философе Фридрихе Ницше». Не могли бы Вы придать этой заметке некоторую огласку? (— мне было бы приятно, если бы Вы смогли протащить её, например, в «Leipziger Tageblatt») Адрес до июня: Torino (Italia) ferma in posta

Н.

1016. An Franz Overbeck in Basel

Torino (Italia) ferma in posta 10 April 1888.

Дорогой друг,

подозреваю, что своим маленьким прыжком на юг ты не спасся от дурной погоды. Должно быть, она была отвратительной почти везде. Мне она тоже сильно навредила. Путешествие из Ниццы в Турин, казалось бы, пустяковое дело, было, пожалуй, самым неудачным из всех, что я совершал. В дороге на меня навалилась глубокая слабость: из-за чего я всё делал неправильно и глупо. Мне было наглядно (— и, к сожалению, также по кошельку) продемонстрировано, что мне больше не следует рисковать путешествовать в одиночку. В конце концов, я два дня пролежал больным в ужасном состоянии — где? в Сампьердарене! Хотя у меня был билет до Турина! Но поди ж ты, при пересадке из одного поезда в другой я сел не в тот…

Чемодан достойно сохранил основную идею путешествия; ручная кладь разлетелась, так что пришлось приложить усилия, чтобы собрать её обратно с помощью телеграмм. —

Я делаю очень обдуманную попытку с Турином. Моё желание — продержаться здесь до начала июня, чтобы затем отправиться прямиком в Энгадин. —

Город мне невыразимо симпатичен; Турин — единственный большой город, который мне нравится. Что-то спокойное и старомодное льстит моим инстинктам. Я с восторгом хожу по этим достойным улицам. И где ещё найдёшь такую мостовую! Рай для ног, а также для моих глаз!… Весна — моё дурное время года, именно глаза имеют обыкновение быть до нелепости раздражительными. Я рассчитываю здесь на некую энергию воздуха, обусловленную близостью Альп: пока что я не ошибся в расчётах. Жители мне приятны, я чувствую себя как дома. Меня принимают come un uffiziale tedesco: отнюдь не плохое впечатление при нынешних политических обстоятельствах! — К тому же я живу здесь дешевле, чем в Ницце, Венеции, Швейцарии. Комната на великолепной площади Карло Альберто — 25 франков в месяц, с обслуживанием. Я ем в очень хорошем ресторане; но так как я ем мало (всегда только суп и одно мясное блюдо), то могу позволить себе эту роскошь (— между нами, я почти заболел от отвращения к более обычным тратториям).

К тому же я снова в полной работе; и глаза, и голова послушны: — чего в Ницце уже не было. — Кёзелиц к моему великому назиданию сообщает, что его квартет готов. Зейдлиц написал прелестное письмо из Египта (куда он взял с собой «жену, мать, собаку и слугу»). Из Дании пришла газетная вырезка, которая известила меня, что доктор Брандес читает в Копенгагенском университете цикл публичных лекций «о немецком философе Фридрихе Ницше».

С самыми сердечными пожеланиями тебе и твоему здоровью, и усердно рекомендуя себя милости твоей дорогой супруги,

Твой друг
Ницше

1017. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin,> 11. April 1888

Сегодня только известие, моя дорогая мама, что я, пусть и не счастливый, но всё же целиком и полностью прибыл в Турин. Путешествие было скверным; я два дня пролежал в дороге больным. Сам Турин мне чрезвычайно нравится; мой жизненный дух снова растёт.

Господина Кёзелица ты сделала очень счастливым своим письмом; он написал мне об этом с искренним волнением. —

Известие, которое тебя, возможно, порадует. В Копенгагенском университете самый остроумный датский учёный, доктор Брандес, читает цикл публичных лекций о твоём старом творении. Под названием «Немецкий философ Фридрих Ницше».

Адрес: Torino (Italia) ferma in posta.

1018. An Carl Fuchs in Danzig

Turin, den 14. April 1888.

Дорогой и глубокоуважаемый господин доктор,

у меня и здесь, как в Ницце, Ваш портрет передо мной на столе: что удивительного, если меня совсем не редко охватывает желание поговорить с Вами? И что я это делаю? — К чему, спрашиваю я себя, это абсурдное отчуждение пространством (тем самым пространством, о котором философы говорят, что оно придумано нами —), эта брешь между немногими людьми, которым было бы что сказать друг другу! — —

Знаете ли Вы Турин? Это город по моему сердцу. Даже единственный. Тихий, почти торжественный. Классическая земля для ног и глаз (благодаря превосходной мостовой и цветовому тону желтого и коричнево-красного, в котором всё сливается воедино). Дыхание доброго восемнадцатого века. Дворцы, которые говорят нам по душе: не замки эпохи Возрождения. И то, что посреди города видны снежные Альпы! Что улицы, кажется, бегут прямо в них! Воздух сухой, возвышенно-ясный. Я никогда не думал, что город может стать таким красивым благодаря свету.

В пятидесяти шагах от меня палаццо Кариньяно (1670): мой грандиозный визави. Еще в пятидесяти шагах театр Кариньяно, где сейчас весьма достойно представляют «Кармен». Можно полчаса на одном дыхании идти через высокие аркады. Здесь всё получилось свободным и просторным, особенно площади, так что посреди города испытываешь гордое чувство свободы.

Сюда я притащил свой багаж забот и философии. До июня всё будет идти хорошо, без мучающей меня жары. Близость гор гарантирует определенную энергию, даже суровость. Затем наступит очередь моей старой летней резиденции Зильс-Мария: Верхний Энгадин, мой пейзаж, так далекий от жизни, такой метафизический.. А потом месяц в Венеции: священное место для моих чувств, как обитель (тюрьма, если хотите) единственного музыканта, который создает для меня музыку, кажущуюся сегодня невозможной: глубокую, солнечную, любящую, в совершенной свободе под законом —

Где-то и когда-то я читал, что лишь в немногих городах Германии чтили память Шопенгауэра. Выделяли Данциг. При этом я вспоминал о Вас.

Как всё разбегается! Как всё расходится! Как тихо становится в жизни! Ни одного человека, который знал бы меня, далеко и широко. Моя сестра в Южной Америке. Письма всё реже. А ведь я даже еще не стар!!!! Только философ! Только в стороне! Только компрометирующе в стороне! —

Один curiosum: только что пришла газета из Дании. Из нее я узнаю, что в Копенгагенском университете проводится цикл публичных лекций «om den tüske filosof Friedrich Nietzsche». Лектор — приват-доцент доктор Георг Брандес. —

Расскажите мне немного о Вашей судьбе, дорогой друг! Куда теперь плывет корабль? И почему не читают Ваши собранные Critica? Я ни от кого не любил слушать суждения о ценности de rebus musicis et musicantibus.

Искренне Ваш
Ницше.

(Турин, до востребования

1019. An Resa von Schirnhofer in Zürich

Torino, den 14. April 1888.

Моя очень дорогая фрёйлен Реза,

но это мило и даже более чем мило, что Вы мне это пишете. Только нужно приехать в Турин, чтобы застать меня сейчас. Весна до сих пор повсюду ужасно на меня действовала, хуже всего в Вашем Цюрихе; я дал себе слово не повторять этой ошибки. Турин — великолепный город; ветры высокогорья очищают его от всего мягкого и влажного. Были уже дни, которые по свету, ясности и сухости были вполне достойны Энгадина. Я хочу остаться здесь до 5 июня, а затем прямо — Милан, Комо, Кьявенна — перебраться в мою летнюю резиденцию Зильс-Мария. Я был бы рад, если бы Ваши планы как-нибудь совпали с моими: сделайте небольшую попытку сыграть роль Парки!…

Я живу здесь напротив грандиозного палаццо Кариньяно (в котором родился Витторио Эммануэле), «ценные ценности вокруг» — надеюсь, Вы понимаете этот троп? — и наслаждаюсь по вечерам то превосходным джелато, то хорошим представлением «Кармен» — всё в пяти шагах от меня. На самом деле нет такого честного и благородного города, как этот Турин: классическая мостовая, возвышенные портики и серьезность торжественных площадей. При этом тихо. Снежные Альпы видны прямо посреди города. Кажется, что улицы ведут прямо к ним.

— Я живу на виа Карло Альберто, д. 6, четвёртый этаж. —

Приветствую Вас, уважаемая фрёйлен, так сердечно, как только возможно,

старый философ
Ворчун и имморалист
Ницше.

1020. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Turin, kurz nach dem 14. April 1888>

Дорогой господин Фрич,

прилагаемым письмом, которое я прошу Вас прочесть, обращается ко мне живущий в Нью-Йорке почитатель моего «Заратустры», готовый помочь моим сочинениям в целом «добиться должного уважения» в его стране посредством эссе, написанного на английском языке. Приложенный список его собственных трудов по истории литературы и культуры, по-видимому, дает некоторую гарантию: они даже позволяют понять, что мы имеем дело с важной фигурой в международном литературном обмене. Решайте полностью по своему усмотрению, стоит ли удовлетворить его просьбу. В принципе, весь мой опыт указывает на то, что мое влияние начинается периферийно и лишь оттуда будет стекаться обратно на «отечество». Мне только что сообщили, что весьма обширный общий обзор новейшей немецкой исторической литературы, составленный по поручению флорентийского Archivio storico, воздает большие почести моим взглядам из 2-го «Несвоевременного размышления» B<etrachtung>: эта итальянская публикация упомянутого Archivio Stor<ico> сводится к восхвалению моих воззрений. — Сообщите мне тремя словами, что следует предпринять. В соответствующем случае я сам напишу еще пару слов в Нью-Йорк.

С глубоким уважением, Ваш
преданный
проф. д-р Ницше

Адрес до 4 июня: Torino (Italia) ferma in posta

с того времени: Sils-Maria, Верхний Энгадин, Швейцария.

1021. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Turin, 18. April 1888>

Дорогой друг, я недавно забыл об одной вещи, о которой ты должен знать. А именно о вопросе, что делать с невыносимым «Kunstwart». Моя просьба заключается в том, чтобы ты написал господину Фердинанду Авенариусу (Дрезден, редакция «Kunstwart») вежливую открытку: что профессор Ницше настоящим выражает пожелание, чтобы дальнейшие номера «Kunstwart» ему больше не присылали (или что-то в этом роде). Ты избавишь меня от необходимости писать невежливое письмо (— упомянутый Авенариус извел меня своими любезностями..). Он полагает, что я в восторге от этого низкопробного и позорного листка —!

Чудесная погода. Улучшение здоровья. Что с «домом»?

Твой Н.

1022. An Heinrich Köselitz in Venedig

Torino, Freitag. <20. April 1888> Briefe wie bisher ferma in posta

Дорогой друг,

как же всё это странно! Что звезда над Берлином всё-таки должна взойти! Что снова появился маленький взмах крыла надежды! — На самом деле, диверсия последнего времени, о которой Вы сообщаете, относится к числу самых невероятных и непредвиденных вещей, возможных на этой земле. Снова начинаешь верить в чудо: большой прогресс в искусстве жить!… То, что что-то светлое и красочное пролетело мимо Вас, делает меня совершенно счастливым, дорогой друг: ведь именно это и должно было быть Вам даровано — но какие же мы все остальные мрачные ослы и ночные совы!… Тут была бы уместна философия Краузе — а не Ницше! …

Что касается последней, то, если верить датской газете, которая недавно попала ко мне в руки, действительно должно существовать нечто подобное. В ней сообщается, что в Копенгагенском университете проводится цикл публичных лекций «om den tüzke Filosof Friedrich Nietzsche». Кем? Вы догадываетесь!… Чем только мы не будем обязаны этим господам евреям! — Подумайте только о моих лейпцигских друзьях в университете: как же далеко они от мысли читать лекции обо мне! —

Турин, дорогой друг, — это capitale открытие. Я говорю об этом с той задней мыслью, что при определенных обстоятельствах и Вы могли бы извлечь из этого пользу. Я в хорошем настроении, работаю с утра до вечера — небольшой памфлет о музыке занимает мои пальцы — перевариваю пищу как полубог, сплю, несмотря на то что кареты грохочут по ночам: всё это признаки выдающейся адаптации Ницше к Турину. Это всё воздух: — сухой, бодрящий, веселый; были дни с самым прекрасным энгадинским характером воздуха. Когда я думаю о своих вёснах в других местах, например, в Вашей несравненной волшебной раковине: как велик контраст: первое место, в котором я возможен!… И при этом всё располагает к себе, люди симпатичные и бодрые. Жить можно дешево: 25 франков с обслуживанием за комнату в историческом центре города, напротив грандиозного палаццо Кариньяно 1780 года: в пяти шагах от больших портиков и площади Кастелло, от почты, от театра Кариньяно! — В последнем, с тех пор как я здесь, Кармен: конечно!!! successo piramidale, tutto Torino carmenizzato! Тот же капельмейстер, что и в Ницце. Кроме того, «Лалла Рук» Фель<исьена> Давида, учителя Бизе. Молодой композитор ставит оперетту, к которой сам написал текст, господин Миллер-младший. В адресной книге зарегистрирован 21 композитор, 12 театров, филармоническая академия, музыкальный лицей и бесчисленное множество учителей игры на всех инструментах. Мораль: почти музыкальное место! — Просторные высокие портики — это предмет гордости: их протяженность составляет 20 020 метров, т. е. два добрых часа ходьбы. Трёхязычные крупные книжные магазины. Подобного я еще нигде не встречал. Фирма Löscher очень внимательна ко мне. Её нынешний шеф г-н Клаузен просвещает меня во многих вещах (— я втайне обдумываю возможность провести здесь зиму). Отличная траттория, где с немецким профессором обращаются самым любезным образом: я плачу за каждый обед, включая чаевые, 1 франк 25 сантимов (минестра или ризотто, хороший кусок жаркого, овощи и хлеб — всё вкусно!) Вода великолепная; кофе в лучших кафе — 20 сантимов за чашечку; мороженое, высшая культура, — 30 сантимов. Всё это дает Вам представление. —

Сегодня небо пасмурное и дождливое. Но мне не кажется, что я чем-то расстроен. О лете мне говорят, что только 4 часа в день по-настоящему жаркие. Утром и вечером прохладно. Из самого центра города видно снежный мир: кажется, что между тобой и ним ничего нет, что улицы ведут прямо в Альпы. Осень должна быть самым прекрасным временем. Наконец, здесь в воздухе должно быть некое придающее энергию начало: когда здесь освоишься, станешь королем Италии…

Вот и всё, мой дорогой старый друг! Сердечно Вас приветствую

Ваш Н.

Я морализирую так: Вам нужно место, где можно жить круглый год, но под другим метеорологическим влиянием, нежели в Венеции, возможно, также ближе к музыке, к возможности её исполнения… И Италию нам следовало бы удержать!!!!!!

Расскажите мне еще немного о Вашем квартете. Куда он ведет.

1023. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Turin, <20. April 1888> Freitag.

Наконец-то и моя старая мать снова получит письмо от своего сына, который сидит в Турине, зарывшись с головой в работу. Это, как ты увидишь, хороший знак: ведь до сих пор во всех тех местах, где я проводил свои вёсны, о работе не могло быть и речи. Дух противился, плоть была слаба; желудок без сил.. Здесь есть чудесный сухой воздух, которого я еще не встречал ни в одном городе. Очень бодрящий, очень возбуждающий аппетит: бывали дни, когда я думал, что нахожусь в Энгадине. Близость высокогорья при этом является решающим фактором: с трех сторон Турина перед глазами снежные Альпы. Красиво вдали, конечно: но всё же так, что прямо посреди города заглядываешь в высокогорный мир: словно улицы в нем заканчиваются. — —

Турин — великолепный и благородный город, переполненный красивыми площадями и дворцами. Большой к тому же: 270 000 жителей. Резиденция нескольких князей, а также высшего генерального штаба, очень военный: затем университет; 12 театров, среди них превосходные. Книжные магазины для трех языков (итальянского, немецкого и французского) одинаково хорошо укомплектованы. —

На самом деле это единственный город, в котором я живу с удовольствием. Его гордость — великолепные просторные портики, колоннады и крытые галереи, которые тянутся вдоль всех главных улиц, такие грандиозные, каких во всей Европе и представить себе не могут, к тому же пронизывающие город насквозь, общей протяженностью 10 020 метров (т. е. два часа хорошего марша). Благодаря этому защищен от любой погоды: и такая чистота, такая красота камня и мрамора, что кажется, будто находишься в салоне.

Странно! При этом я живу здесь дешевле, чем в Ницце и Энгадине; дешевле даже, чем в Лейпциге. Я живу на торжественной площади Карло Альберто, напротив грандиозного палаццо Кариньяно, и плачу за свою хорошенькую комнату (с обслуживанием) 25 франков (=20 марок) в месяц (центр города, самое престижное место, красивый палаццо). За очень вкусный обед я плачу, включая всё, даже чаевые, на ваши деньги одну марку (— и мне это нравится в десять раз больше, чем в Лейпциге, где я испытываю отвращение к местной кухне). Кофе в лучших кафе (великолепных и блестящих, каких у вас и представить не могут) 16 пфеннигов, мороженое 24 пфеннига: но всё гораздо лучше, чем умеют делать в Германии. Вода превосходная, горная: хлеб тоже. Ко всему едят очень тонкие хлебные палочки, называемые гриссини, которые можно похрустеть <и> которые к тому же очень полезны для желудка. Я забыл похвалить туринский шоколад, самый знаменитый в Европе. —

Улицы не слишком оживленные: в них находишь покой. Я нигде не гулял с таким удовольствием, как по этим благородным, неописуемо достойным улицам, на которых много старых дворцов. Повсюду огромное расточительство пространства: ничего стесненного. Могучая река дает городу конец с одной стороны. Высокоживописные берега. Повсюду старые большие богатые аллеи деревьев, достойные старой королевской резиденции. —

Друг Кёзелиц нашел очень удачное знакомство и покровительство; возможно, что осенью он приедет в Берлин навестить одну знатную семью, которая сделает всё, чтобы при дворе и в других местах его произведения получили признание.

То, что ты шьешь и чинишь для меня, я слышу с удовольствием. Я снова совсем обносился. Одежда жалкая. Недостойна этого прекрасного города, где следят за собой!

Твое старое создание Ф.

Сердечнейшее спасибо за твое милое письмо! Адрес по-прежнему: Torino (Italia) ferma in posta

1024. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Turin, 16. April 1888>

[+ + +]

— Смерть моего старого опекуна меня очень опечалила: я также вспоминаю о том, что он успешно начал для меня единственный процесс в моей жизни, и что без спасенных им денег твое старое создание не смогло бы в последние годы ничего издать и напечатать. Так всё взаимосвязано, там, где этого зачастую меньше всего ожидаешь. Я хочу написать тете пару слов сочувствия.

— И напоследок просьба, с которой я обращаюсь к тебе очень неохотно. Тот датский ученый, доктор Брандес, который читает обо мне лекцию, самым настоятельным образом просит у меня мою фотографию, присылая мне при этом свою. Случай сейчас настолько исключительный, что я действительно не хотел бы ему ни в чем отказывать. Если есть еще одна фотография, пусть даже последняя, давай отправим ее ему. Я обещаю тебе, что во время моего первого пребывания в Германии я сфотографируюсь для тебя.

Я полагаю, что у тебя еще есть снимок от добрых Шульцев. Пожертвуй им, пожалуйста. И сделай этот адрес:

Herrn Dr. Georg Brandes
in
(St. Anne-Platz 24) Kopenhagen
(Dänemark)

Господин Кёзелиц написал мне сегодня: «при чтении Вашего доброго письма у меня почти закружилась голова от восторга по поводу Брандеса. С ним, как мне кажется, положено реальное начало Вашей деятельности: ведь до сих пор у Вас не было последователей, учеников, приверженцев, а были только воры. И не каждый может выйти и проповедовать людям о Вас; Ваш первый проповедник сам должен пользоваться определенным авторитетом. В случае с Брандесом это так. Он может говорить о Вас, не компрометируя Вас и даже не вредя Вам; он не чужак среди равных Вам, как обычные другие обозреватели Ваших мыслей. К тому же в его распоряжении самые читаемые журналы и европейская аудитория (— он пишет на датском, французском, немецком, шведском, русском, польском языках)»

Турин, в заключение скажу, был бы действительно тем местом, где я больше всего хотел бы видеть свою старую мать. Это доставило бы тебе очень много удовольствия: только уж очень далеко.

Твое старое создание

1025. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, 1. Mai 1888.

Дорогой друг,

Ваше южное название мне очень нравится; в нем есть колорит, оно протестует — Возможно, вам лучше использовать «Возвращение в Авиньон» вместо несколько уютно звучащего императива «Домой в Авиньон!» —

И это напоминает мне о возвращении в Аннаберг и, кто знает? о турнире в Берлине; за которым, надеюсь, последует и игра в мяч, наряду с ноктюрном, и всем тем, что возможно в красивом загородном поместье, вдали от большого города! Мне кажется, всё это очень хорошо продумано: и через год, как я от всего сердца желаю, позади вас останется достойный и прекрасный кусок жизни — в «каллиграфическом совершенстве»…

Погода сегодня пасмурная: тем беспристрастнее я могу писать о Турине, о котором мне хотелось бы дать вам более практичное представление, чем это сделали мои последние письма. Ведь то, что Турин климатически подходит именно мне, больному и абсурдно-зависимому, и что он, например, является обетованной землей для моих ног и глаз, еще не делает меня слепым к тому, что Турин должен предлагать вам совсем другие преимущества, чтобы быть вообще возможным после Венеции. Вы пишете, что он считается дорогим городом? Это может быть совершенно справедливо в устах чиновника или военного начальника: такой город дорог, потому что он вынуждает к представительству своего положения, и потому что это едва ли не первый город Италии по числу высокопоставленных лиц и чиновников (резиденция генерального штаба и т. д.). Судя по нам, которые не хотят ничего представлять, а напротив, ищут уединения в большом городе, всё обстоит с точностью до наоборот. Я еще не встречал места дешевле, меньше всего в Италии: но и Лейпциг дороже. Это делает конкуренция большого города во всех главных вещах (жилье, одежда, питание). Я питаюсь здесь решительно лучше, основательнее, чем я питаюсь в Лейпциге, а также чем в панаде, блаженной памяти, — и дешевле! Здесь есть огромное количество многолюдных тратторий, где цены значительно снижены: город полон молодых людей (и пожилых холостяков), благодаря множеству высших учебных заведений, университету, офицерскому корпусу, — все они хотят хорошо поесть и не слишком много платить. В первых, самых роскошных кафе, в плане любезности, делается просто невероятное. Café nazionale, например, напоминающее Монте-Карло, по вечерам полно, его залы сияют, можно услышать концерт из 12 номеров, небольшой красивый оркестр — и вы не платите ни на чентезимо больше, чем обычно (кофе 20 ч., шоколад 30, порция мороженого 30 и т. д.). Цены в театрах также очень умеренные: кстати, я замечаю здесь своего рода театральную лихорадку. Все театры (кроме t<eatro> regio) в полной активности; прибыла парижская комедийная труппа с лучшей репутацией, также две новые опереточные труппы. Турин воздействует определенным потоком жизни, он не давит, это не образ мелкого заработка и ползания вперед. Пространственный масштаб и великолепие имеют нечто заразительное; ходишь с большей свободой. Сейчас город в своем великолепном весеннем убранстве, аллеи — это всегда был княжеский вкус. Я до сих пор не верю своим глазам, когда вечером иду вдоль По и смотрю туда, на этот богатый, красочный, живописный мир деревьев и холмов! Недавно я обнаружил на другой стороне По высокую аллею деревьев, ведущую вдоль реки в течение полутора часов: на другой стороне полный ручей; глубочайшая тишина; река украшена маленькими зелеными островками, а сбоку, без перерыва, в сияющей чистоте — высокие горы. Это ведь совсем близко: 50 минут на поезде до Ланцо — и вы уже в высоких горах. От них и зависит здешний климат; в особенности множество совершенно ясных дней, даже зимой (в целом всего на 50 дней меньше, чем в Ницце). Я поражаюсь, как хорошо я справляюсь здесь с пасмурной погодой и облачным небом: — я работал постоянно, уже больше, чем за всю зиму в Ницце! В погожие дни здесь веет прелестный, легкий, легкомысленный воздух, в котором самые тяжеловесные мысли обретают крылья… (— я до сих пор не слышал «Кармен»! Доказательство того, как я занят самим собой. Только один раз в театре: неаполитанский фарс — почему? Потому что маэстро звали Э. Сассоне!! «Induction psycho-motrice» называют это сегодня. Придя домой, я освещал себе путь наверх в своем старом палаццо восковой спичкой, которой я обязан не знаю кому. Еще раз: induction psycho-motrice!! —)

Преданный Вам друг
Н.

Должна существовать некая координация вкуса: здесь, где мои глаза и нервы чувствуют себя хорошо, даже блюда кажутся мне придуманными по схеме моего личного вкуса. И даже вода! Она течет повсюду; я всегда хожу со стаканчиком.

1026. An Paul Deussen in Berlin (Postkarte)

Turin, 3. Mai 1888

Дорогой друг,

в этот раз лишь самый сердечный привет из моей весенней резиденции в Турине, где я сижу, погруженный в работу, но в хорошем настроении. Последнее отчасти зависит от сообщений из Копенгагена. В тамошнем университете остроумный доктор Георг Брандес читает цикл лекций «о немецком философе Фридрихе Ницше». Они проходят с блестящим успехом. Зал каждый раз полон до отказа. Более 300 слушателей. Крупные газеты публикуют отчеты. — Sic incipit gloria mundi… Благодарный твой друг

Ницше

Адрес до 5 июня: Torino, ferma in posta. С этого времени — Sils-Maria, Oberengadin

1027. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Torino, 3. Mai 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

из Копенгагена мне сообщают, что лекции доктора Брандеса вызывают большой интерес, что зал каждый раз «набит битком», более 300 слушателей. Доктор Б<рандес> надеется, как он пишет, таким образом «приобрести мне несколько хороших читателей на Севере».

Он слышал о моем «Гимне к жизни», он хотел бы иметь всё, что у меня есть. Не хотите ли вы удовлетворить это желание? — Адрес, как и прежде:

Доктор Георг Брандес
Копенгаген
площадь Св. Анны, 24 (Дания)

С сердечным приветом

от Вашего покорнейшего

Ницше

1028. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Turin, 3 Mai 1888

Моя дорогая мама,

лекции в Копенгагене проходят блестяще. Зал каждый раз полон до отказа. Более 300 слушателей. Крупные газеты публикуют отчеты. — Я повторяю свою просьбу относительно фотографии, поскольку она тем временем была повторена самим доктором Брандесом. Но только одну из лучших! В противном случае лучше ничего. — Надеюсь, ты не обиделась на мое последнее письмо: возможно, я выразился слишком резко? Сердечно приветствую

твое старое создание

1029. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Turin, 3. Mai 1888>

Дорогой друг,

я получил известие от самого доктора Брандеса. Его лекции проходят блестяще. Зал каждый раз «битком» набит. Более 300 слушателей. Все крупные газеты публикуют отчеты. — Он просит у меня «Гимн к жизни»: наконец-то он добивается его первого исполнения. — Сегодня я закончил свой первый месяц в Турине и попробую еще второй. Затем прямо в Энгадин. Очень много работы, но настроение хорошее.

Твой Ницше

1030. An Georg Brandes in Kopenhagen

Turin, den 4. Mai 1888

Глубокоуважаемый господин,

то, что Вы мне рассказываете, доставляет мне огромное удовольствие и, признаюсь, даже больше — удивление. Будьте уверены, что я «злопамятен» по отношению к Вам: Вы же знаете, все отшельники «злопамятны»? ..

Тем временем, как я надеюсь, моя фотография уже дошла до Вас. Само собой разумеется, что я предпринял шаги не для того, чтобы сфотографироваться (ибо я крайне недоверчив к случайным фотографам), а для того, чтобы отчудить фотографию у того, у кого она есть. Возможно, мне это удалось; ибо я пока еще не знаю. В противном случае я воспользуюсь своей первой поездкой в Мюнхен (вероятно, этой осенью), чтобы снова запечатлеть себя.

«Гимн жизни» на днях отправится в путь в Копенгаген. Мы, философы, ничему не бываем так благодарны, как когда нас путают с художниками. Кстати, меня уверяют со стороны первоклассных экспертов, что гимн вполне пригоден для исполнения, пригоден для пения и в отношении эффекта надежен (— «чист в композиции»: эта похвала доставила мне больше всего радости). Превосходный придворный капельмейстер Моттль из Карлсруэ (Вы знаете, дирижер Байройтских фестивальных представлений) пообещал мне исполнение. —

Из Италии мне только что сообщили, что точки зрения моего 2-го «Несвоевременного размышления» были весьма высоко оценены в отчете о немецкой исторической литературе, который составил венский ученый д-р фон Здекауэр по поручению флорентийского Archivio storico. Отчет сводится к тому же самому. —

Эти недели в Турине (где я остаюсь до 5 июня) удались мне лучше, чем любые другие недели за последние годы, — прежде всего, в философском плане. Почти каждый день я достигал той энергии, чтобы видеть свою общую концепцию сверху донизу: где огромное множество проблем, как рельеф и с четкими линиями, лежало подо мной. Для этого требуется максимум силы, на который я едва ли еще надеялся у себя. Все взаимосвязано, все уже годами шло своим чередом, строишь свою философию, как бобр, делаешь это по необходимости и не знаешь того: но все это нужно увидеть, как я увидел сейчас, чтобы поверить. —

Я так облегчен, так укреплен, в таком хорошем настроении, — я прикрепляю к самым серьезным вещам маленький хвостик шутовства. От чего все это зависит? Не от тех ли добрых северных ветров, которым я этим обязан, этих северных ветров, которые не всегда дуют с Альп? — они порой приходят и из Копенгагена!

С благодарным и преданным приветом

Ваш Ницше

1031. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Turin, den 7. Mai 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

настоящим прошу Вас передать по одному экземпляру двух моих сочинений, выпущенных в Вашем издательстве, комиссионеру Фолькмару. Он переправит их через книготорговца Л. Цикеля в Нью-Йорке господину, которому они предназначены:

господину Карлу Кнорцу

540 East 155th Str.

New York

Вышеупомянутый историк литературы обещает написать английское эссе о всех моих сочинениях. — Возможно, Вас заинтересует известие о том, что доктор Георг Брандес читает в Копенгагенском университете весьма посещаемый цикл лекций «о немецком философе Фридрихе Ницше». Более 300 слушателей. —

Ваш покорнейший
д-р Ницше

Адрес: Torino (Italia)

до востребования

1032. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Torino, den 9. Mai 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

Мне еще нужно урегулировать небольшой остаток у букиниста господина Альфреда Лоренца, а именно 7 марок 30 пф. (семь марок тридцать пфеннигов) согласно присланному итоговому счету (от 28 апреля). Вы бы очень меня обязали, если бы взялись уладить это дело от моего имени. Особого уведомления об этом не требуется.

С глубоким почтением, Ваш
Проф. д-р Ницше

Позавчера Вам уже была отправлена открытка касательно Нью-Йорка; в том же духе — и Э. В. Фричу

1033. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin, 10. Mai 1888>

Это ты сделала очень хорошо, моя дорогая мама, гораздо лучше, чем я себе представлял. Премного благодарен! Сколько теперь просит фотограф за снимок? Мне почти необходимо заказать еще пять штук. — Сегодня только сообщу, что я заказал себе полный костюм у хорошего портного (: так что мое последнее желание насчет жилета исполнено). Цена — 64 марки (= 80 франков), очень добротная ткань. Портной подверг вещи, которые были на мне, резчайшей критике; он решительно не хотел верить, что они были сшиты по мерке, он сказал, что таких плохих портных не бывает. (Это были черные брюки за 29 марок и один из двух жилетов с прошлого лета). Я посмеялся; но, говоря серьезно, за последние 10 лет у меня не было на теле ни одной вещи, которая бы мне подошла. — Обнимает тебя

Твое старое создание

1034. An Reinhart von Seydlitz in München

Adresse: Torino <Italia>, ferma in posta. (gültig bis zum 5. Juni) Turin, den 13. Mai 1888

Дорогой друг,

мне кажется невероятным, что ты окончательно решил стать мумией (говоря по-мужски: Mum). Весна пришла: ты снова станешь открыт для прелестей «немецкого духа» — а может быть, даже и для прелестей дружбы! Твое письмо пришло весьма кстати в зиму моего ниццианского недовольства, о которой я, к моему сожалению, дал тебе не самую лестную пробу. С отъездом из Ниццы меня в этот раз покинули и черные духи — и, чудо из чудес, у меня до сих пор была на удивление безмятежная весна. Первая за десять, пятнадцать лет — может быть, и дольше! А именно: я открыл для себя Турин… Турин — город не изведанный! — не так ли? Образованный немец проезжает мимо него. Я же, в своем произвольном ожесточении против всего, чего требует образованность, сделал из Турина свою третью резиденцию, хочу сказать: Зильс-Мария как первую, а Ниццу как вторую. В каждом месте по четыре месяца; для Турина — два месяца весны и два месяца осени. Странно! Что меня к этому склоняет, так это воздух, сухой воздух, который одинаков во всех трех местах, и по одним и тем же метеорологическим причинам. Снежные горы на севере и западе — по этому расчету я сюда и приехал — и я в восторге! Даже в очень теплые дни — у нас уже были такие — дует тот знаменитый зефир, о котором я до сих пор знал только от поэтов (не веря им! народ лжецов!). Ночи свежие. Из самого центра города видно снег. Кроме того, превосходные театры, итальянские или французские; «Кармен», как и подобает, в честь моего присутствия (piramidale successo — прошу прощения за египетский намек!). Серьезный, почти величественный мир тихих улиц с дворцами прошлого века, очень аристократичный. (Я сам живу напротив палаццо Кариньяно, в старом дворце Министерства юстиции). Высота культуры кафе, мороженого, туринского шоколада. Трехъязычные книжные магазины. Университет, хорошая библиотека, штаб-квартира генерального штаба. Город с великолепными аллеями; несравненные береговые пейзажи вдоль По. Безусловно, самый приятный, чистый, просторный город Италии, с роскошью портиков протяженностью 10 020 метров. — Северные ветры, кажется, приносят мне безмятежность; и представь себе, северные ветры долетают до меня даже из Дании. А это самое новое: в Копенгагенском университете доктор Георг Брандес сейчас читает большой цикл лекций о «немецком философе Фридрихе Ницше». Они, судя по газетам, проходят блестяще, зал каждый раз переполнен; более 300 слушателей.

Как долго пройдет времени, прежде чем мои периферийные воздействия (— ведь у меня есть последователи в Северной Америке и даже в Италии) отразятся на любимом отечестве? — где меня уже много лет с коварной серьезностью оставляют в покое, даже не пикнув… Это очень философски — и умно!

Прилагаю вопрос. Было ли тебе моим издателем переслано мое последнее сочинение, «полемическое» сочинение, красиво, как и подобает, «в надежные руки»?

Вчера я придумал себе картину в духе moralité larmoyante, говоря словами Дидро. Зимний пейзаж. Старый возчик, который с выражением самого грубого цинизма, более сурового, чем окружающая зима, справляет нужду на свою собственную лошадь. Лошадь, бедная замученная тварь, оглядывается, благодарно, очень благодарно —

У тебя теперь есть в лице мадам Жюдит Готье (бывшей Мендес) — трибшенских воспоминаний — усердная соратница в пропаганде Японии. Ты читал о ее большом театральном успехе с «la marchande des sourires»?

Прощай, дорогой друг, рекомендуй меня своей милой жене (— есть очень хорошие новости от моей сестры, которая теперь окончательно переселилась в колонию Нуэва-Германия) и, если возможно, также твоей почтенной госпоже матери.

С сердечным приветом

Твой друг Ницше.

(после Турина Зильс-Мария, Верхний Энгадин, Швейцария)

1035. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, Donnerstag d. 17. Mai 1888.

Дорогой друг,

с огорчением узнаю, что Ваше здоровье доставляет Вам трудности. Всё остальное, о чем Вы пишете, звучит так здраво, даже бодро. Прежде всего то, что и Вы не находите «более достойного» применения гонорару, чем пустить его на печать… В этом есть порода; но с этим попадаешь в «перевернутый мир». С каким успехом я сам в последние годы свирепствовал против гонорарных фондов, вырванных из глотки Шмайцнера, Вы, вероятно, догадываетесь! Всё пущено на ветер! — Но это напоминает мне шутливый стишок базельских времен, когда я по вечерам любил развлекать свою сестру тем, что сочинял очень рискованные рифмы. Стишок адресован Шмайцнеру, когда он сообщил, что теперь берется за издательское дело всерьез и продал свой дом, чтобы добыть необходимые средства.

Ты, что дом свой серебришь

И в бумагу превратишь,

О Шмайцнер, внемли мне!

Лучше выпей пару рюмок

И забудь про этот шум-гам,

Ползай сам в своей стране!

**

Стишок в честь пастора Брокхауза, который умер от трихинитоза (сын старого проф. Б<рокхауза>)

Пастор, старый и седой,

Справился с бедой-бедой

И съел колбас сполна.

Тут трихина приползла,

В ногу влезла, как игла,

Смерть была предрешена.

**

О визите госпожи Мари Баумгартнер, которая читала нам «Каина» Байрона.

С Каином, пепсином, яблоками

Шла в Базель, топая ногами,

Мариам из Лёрраха,

Чтобы там с чаем и кексом*

Убить Абелей с блеском

И весь долгий полдень до конца.

**

Когда весной 1883 года я возвращался с сестрой из Рима в Геную, мы по дороге только и делали, что сочиняли такие стихи. Мы подкупали кондукторов на каждой станции, чтобы остаться одни, потому что мы непрерывно смеялись — —

Пришли очень хорошие новости от моих южноамериканцев: они окончательно переселились в новую колонию Нуэва-Германия и были приняты там «так, как не приняли бы даже князя». Приток колонистов значителен. —

Также из Копенгагена есть хорошие новости. Лекции проходят блестяще. Зал каждый раз «битком». Более 300 слушателей. Газеты публикуют отчеты.

Здесь первый управляющий фирмы Löscher очень пошел мне навстречу во всяких житейских делах и нуждах, где я сам не знаю, как себе помочь. Это тихий, скромный человек, буддист, отчасти последователь Майнлендера, восторженный вегетарианец (— он ввел здесь хлеб Грэма и зафиксировал цену: килограмм = 30 сантимов). Вчера он сам, без всякого повода, сказал мне, что он еврей… Даже не крещенный! — Он доказал мне, что Майнлендер не был евреем. —

Из Нью-Йорка от одного почитателя моего «Заратустры» пришло обещание написать большое английское эссе о моих трудах для одного из ведущих американских журналов. —

Я хотел бы сказать Вам, как вдохновляют меня все Ваши суждения о музыке: кажется, что в инстинктах я теперь уже не очень далек от Вашего вкуса, — но бесконечно далек в способности выражать это. Мне не хватает года точного изучения музыки, чтобы снова овладеть хотя бы языком для этого. —

Блестящее исполнение «Кармен», почетный вечер в честь всеми обожаемой фрейлейн Борги. Однако Ницца в игре превзошла всё, что я до сих пор видел в постановках этой оперы (Де Реймс в роли дона Хосе, ла Франден в роли Кармен).

Большой успех Лало с его «Королем Иса» в Париже радует меня. Скромный художник, с которым жизнь обошлась сурово. «Большой успех» начался с третьего акта — то есть с прекрасных мелодий: умный человек приберег их все до этого момента!!

Дорогой друг, простите мне это, возможно, слишком веселое письмо: но после того, как я день за днем «переоценивал ценности» и имел основания быть очень серьезным, возникает некая фатальность и неизбежность веселости. Примерно как на похоронах… С сердечным приветом и благодарностью

Ваш друг Ницше

1036. An Georg Brandes in Kopenhagen

Turin, den 23. Mai 1888.

Глубокоуважаемый господин,

я не хотел бы покидать Турин, не выразив Вам еще раз, сколь многим Вы обязаны моей первой удачной весне. История моих весен, по меньшей мере за последние 15 лет, была, собственно, историей ужасов, фатализмом décadence и слабости. Места не играли в этом никакой роли; казалось, будто никакой рецепт, никакая диета, никакой климат не могли изменить существенно депрессивный характер этого времени. Но посмотрите! Турин! И первые добрые вести, Ваши вести, глубокоуважаемый господин, из которых мне стало ясно, что я жив… Я ведь имею обыкновение порой забывать, что я жив. Случай, вопрос на днях напомнили мне о том, что во мне стерто само главное понятие жизни — понятие «будущее». Ни желания, ни малейшего облачка желания передо мной! Гладкая поверхность! Почему день из моего семидесятого года жизни не должен быть в точности похож на мой сегодняшний день? — Не потому ли, что я слишком долго жил вблизи смерти, чтобы больше не открывать глаза на прекрасные возможности? — Но несомненно то, что теперь я ограничиваюсь тем, что думаю лишь о сегодняшнем дне до завтрашнего, — что я сегодня решаю, что должно произойти завтра, — и ни на день дальше! Это может быть нерационально, непрактично, быть может, даже нехристиански — тот проповедник нагорной проповеди запрещал именно эту заботу «о завтрашнем дне» — но мне это кажется в высшей степени философским. Я стал испытывать к себе чуть больше уважения, чем обычно: я понял, что разучился желать, даже не желая этого. —

Эти недели я использовал для того, чтобы «переоценить ценности». — Вы понимаете этот троп? — В сущности, алхимик — самый достойный вид человека из всех существующих: я имею в виду того, кто из малого, презираемого делает нечто ценное и даже золото. Только он один обогащает; остальные лишь меняются. Моя задача в этот раз совершенно любопытна: я спросил себя, что до сих пор человечество больше всего ненавидело, боялось, презирало: — и именно из этого я сделал свое «золото»…

Лишь бы меня не обвинили в фальшивомонетничестве! Или, вернее, меня обвинят. —

— Попала ли моя фотография в Ваши руки? Моя мать оказала мне огромную услугу, чтобы в столь необычном случае не показаться неблагодарным. Надеюсь, что и лейпцигский издатель Э. В. Фрич исполнил свой долг и отправил Гимн.

Напоследок я признаюсь в любопытстве. Поскольку мне было отказано в возможности подслушать у дверной щели, чтобы узнать что-то обо мне, я хотел бы подслушать что-то иным способом. Три слова для характеристики тем Ваших отдельных лекций — как много я хотел бы узнать из трех слов!

Сердечно и преданно приветствую Вас, глубокоуважаемый господин,

Ваш
Ницше

1037. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Turin, 25. Mai 1888>

Дорогой друг,

парижане просто в восторге от — «Страстей по Матфею»!! «Фигаро», действительно «Фигаро»! посвятил целую страницу нотному приложению: меланхоличной арии «Erbarme dich, mein Gott»… Здесь театр Кариньяно закрылся, конечно, на «Кармен»: он жил за её счёт 2 месяца. Публике предлагали 3 другие оперы: она отвергала их одну за другой. Количество представлений было для меня поразительным: произведение исполняли несколько раз три вечера подряд. В конце — весьма достойные подарки маэстро Муньоне, золотые часы с ремонтуаром и тому подобное.

Похоже, что в Италии опереточные композиторы держат оркестры в своих руках: у меня перед глазами 2 случая здесь. Канти, например, композитор «la nuova befana», использует свою должность маэстро, чтобы и самому проявлять себя; в антрактах — песня или симфония, «сочинённая специально для этого вечера». —

Вас приветствует незадачливый музыкант

Н

1038. An Georg Brandes in Kopenhagen (Postkarte)

Turin d. 27. Mai 1888.

Какие у Вас глаза! Ницше на этой фотографии, в самом деле, ещё не автор «Заратустры», — он для этого на пару лет слишком молод.

За этимологию слова gote я очень благодарен: она просто божественна! — Полагаю, что Вы сегодня также читаете письмо от меня?

Ваш благодарный и преданный
Н.

1039. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Turin, den 27. Mai 1888.

Моя дорогая мама,

Ты доставила мне поистине необыкновенную радость копией письма ламы: я прочитал его по меньшей мере шесть раз и каждый раз находил в нем новое утешение. Раз уж дело зашло так далеко, можно, пожалуй, довериться: даже я начинаю верить в это дело…

Я несколько дней неважно себя чувствовал, иначе ты получила бы слова благодарности раньше. Мое время здесь тоже подходит к концу. У меня впереди еще неделя: 5 июня я хочу уехать, а 6-го, если здоровье не сыграет со мной злую шутку, прибыть в Зильс-Марию. Сейчас можно взять прямые билеты от Турина до Кьявенны: это большое облегчение для твоего старого создания.

Теперь я хочу в этом году с самого начала быть там наверху разумным и не делать снова всяких глупых попыток. Этим я хочу сказать, что прошу тебя, моя дорогая мама, незамедлительно прислать мне хорошее количество того деликатного окорока, который в прошлом году так понравился твоему сыну (Как вы его называете? Балыковый окорок? Знаешь, совсем нежный и без жира)

В ближайшее время я напишу пару слов господину Кюрбицу, чтобы он от моего имени предоставил в твое распоряжение немного денег для этих и других нужд. Например, также для оплаты фотографии. —

Кажется, я действительно удачно выбрал одежду. Это элегантный костюм, который превосходно сидит. Я решил снова следить за собой и положить конец небрежности во внешнем виде. Это мне тоже кажется признаком определенного прогресса в улучшении моего здоровья? Пока ты caput, тебе все равно, как ты выглядишь…

Лекции моего копенгагенского почитателя блестяще завершились, под громкие овации, которые он принял от моего имени. Он пишет мне, что «мое имя теперь популярно во всех интеллектуальных кругах Копенгагена и известно во всей Скандинавии». (Этого я на родине, конечно, еще не достиг!)

Вчера здешний философ, профессор Паскуале Д’Эрколе, нанес мне очень любезный визит. Он, ныне декан философского факультета местного университета, услышал о моем пребывании здесь в книжном магазине Löscher.

Американский журнал в Нью-Йорке пообещал мне эссе о моих трудах.

Только что пришло чрезвычайно интересное письмо от доктора Фукса объемом в три листа. —

Господин Кёзелиц в следующем месяце также покинет Италию и сначала отправится к своим родителям.

То, что ты хочешь переписать письма господина Буссе, — это, пожалуй, слишком большая честь. Не сделать ли нам, как прежде, и просто промолчать? — Или они хороши? — Меня иначе мучают такие натуры, которым я совершенно не знаю, как помочь —

Приветствует и обнимает тебя
Твой старый философ

Адрес: Зильс-Мария, Верхний Энгадин, Швейцария.

1040. An Franz Overbeck in Basel

Turin, den 27. Mai 1888.

Дорогой друг,

доставляю себе удовольствие поделиться с тобой недавно полученным письмом из Копенгагена, с просьбой когда-нибудь, возможно, в Зильс-Марию, переслать его мне обратно.

Кстати, Зильс-Мария уже на пороге. Я хочу выехать отсюда 5 июня и думаю, если здоровье не сыграет со мной привычную шутку, прибыть туда 6-го. Что несколько подбадривает меня перед поездкой, так это новое железнодорожное распоряжение: можно взять прямые билеты Турин-Кьявенна, — тем самым ужасной маленькой неприятности с шестикратной перерегистрацией багажа приходит конец. —

Мое здоровье в целом выдержало. За эти 2 месяца в Турине я болел 4 раза: mezzo termino, которым я готов довольствоваться.

Сегодня утром пришло великолепное письмо длиной в три листа от доктора Фукса, которое вновь свидетельствует об удивительной энергии. Его сопровождает большой комплекс рецензий и концертных отчетов, вышедших из-под пера этого самого остроумного из нынешних музыкантов. Я хочу в полном спокойствии насладиться ими.

Вчера здешний filosofo, профессор Паскуале д’Эрколе, нанес мне очень любезный визит; он услышал о моем пребывании здесь в книжном магазине Löscher. Он сейчас декан философского факультета. —

Archivio storico во Флоренции в своей последней публикации (общий отчет о немецкой исторической литературе) с отличием упоминает мои общие мысли об истории (2-е Нес<воевременное> размышление); трактат сводится к этому. Я рассказываю это именно тебе, дорогой друг, потому что ты единственный, кто до сих пор выразил мне интерес к тем мыслям. — Сердечно рекомендуя себя тебе и твоей дорогой жене

Твой Ницше.

Письмо из Нью-Йорка, которое ты был так добр мне переслать, содержало обещание английского эссе о моих сочинениях со стороны одного из крупнейших американских журналов.

1041. An Heinrich Köselitz in Venedig

Turin, Donnerstag <31. Mai 1888>

Если я отвечаю Вам сразу же, то у Вас не возникнет сомнений, чего мне не хватает, — того, что мне не хватает Вас, дорогой друг! Как бы весна ни была мне полезна, она не приносит мне именно того лучшего, что приносили мне до сих пор даже самые худшие вёсны, — Вашей музыки! Она срослась с моим понятием «весна» — со времен Рекоаро! — примерно так же, как нежный колокольный звон над городом лагун с понятием «Пасха». Как только мне приходит на ум одна из Ваших мелодий, я надолго задерживаюсь на этих воспоминаниях с чувством благодарности: ничто не дарило мне столько возрождения, подъема и облегчения, как Ваша музыка. Это моя хорошая музыка par excellence, ради которой я внутренне всегда надеваю более чистое платье, чем для любой другой.

Я позволил себе позавчера отправить Вам театральные рецензии доктора Фукса. В них много тонкого и пережитого.

Лекции доктора Брандеса завершились прекрасным образом — большой овацией, однако Б<рандес> утверждает, что она предназначалась не ему. Он уверяет меня, что мое имя теперь популярно во всех интеллектуальных кругах Копенгагена и известно во всей Скандинавии. Похоже, что мои проблемы очень заинтересовали этих северян; в деталях они были лучше подготовлены, например, к моей теории «морали господ» благодаря всеобщему точному знанию исландских саг, которые дают богатейший материал для этого. Мне приятно слышать, что датские филологи одобряют и принимают мое выведение слова bonus: само по себе это сильный ход — возводить понятие «хороший» к понятию «воин». Без моих предпосылок ни один филолог не смог бы прийти к такой мысли. —

Действительно жаль, что Вы не совершили вылазку в Кадоре, вместо того чтобы заниматься маранием бумаги. Мой дурной пример явно портит Ваши, сами по себе гораздо лучшие, нравы. Погода была очень подходящей для такого открытия гор: хотя я сам тоже не воспользовался этим и в равной степени недоволен собой по этому поводу.

Существенным уроком я обязан этим последним неделям: я нашел свод законов Ману во французском переводе, который был сделан в Индии под строгим контролем тамошних высокопоставленных жрецов и ученых. Это абсолютно арийское произведение, жреческий кодекс морали на основе Вед, кастовых представлений и древних обычаев — не пессимистичный, как бы жречески он ни был настроен, — дополняет мои представления о религии самым удивительным образом. Признаюсь, у меня сложилось впечатление, что все остальное, что мы имеем из великих законодательств морали, кажется мне подражанием и даже карикатурой на него: прежде всего египтицизм; но даже Платон кажется мне во всех главных пунктах просто хорошо обученным брахманом. Евреи при этом выглядят как раса чандала, которая учится у своих господ принципам, благодаря которым жречество становится господином и организует народ… Китайцы, по-видимому, также под впечатлением от этого классического древнего свода законов породили своих Конфуция и Лао-цзы. Средневековая организация выглядит как странное ощупывание в попытке вернуть все те представления, на которых покоилось древнее индо-арийское общество, — но с пессимистическими ценностями, которые берут свое начало в почве расовой décadence. — Евреи и здесь кажутся лишь «посредниками» — они ничего не изобретают.

Вот столько, мой дорогой друг, в знак того, как охотно я бы с Вами побеседовал —. Во вторник отъезд. —

От всего сердца
Ваш Ницше.

1042. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Zettel)

<Turin, Mai 1888>

Друзьям философии Фридриха Ницше будет небезынтересно узнать, что прошлой зимой остроумный датчанин д-р Георг Брандес посвятил этой философии целый цикл лекций в Копенгагенском университете. Оратор, чье мастерство в изложении сложных комплексов мыслей не нуждалось в доказательствах, сумел живо заинтересовать аудиторию из более чем 300 человек новым и дерзким образом мышления немецкого философа: так что его лекции завершились блестящей овацией в честь оратора и его темы.

1043. An Pasquale d’Ercole in Turin

Sils-Maria, den 9. Juni 1888 (Oberengadin)

Глубокоуважаемый господин профессор,

я пользуюсь первой же минутой, когда у меня снова ясная и спокойная голова, чтобы выразить Вам, что вопреки всему я не самый неблагодарный и не самый невежливый человек на свете. Мне было тяжело покинуть Турин, не попрощавшись с Вами; но иначе было нельзя. Я был почти всё время болен, а в последние дни словно оглушён жарой. Припишите отчасти моей гордости то, что я не хотел остаться в Вашей памяти исключительно как «страдалец». Припишите это также моей философии, которая советует больному подражать животным и забиваться в свою нору. Я не сомневаюсь, что рано или поздно, в прекрасный, свежий и ясный осенний день, я буду иметь честь возобновить столь ценную и любезную мне человеческую связь, которой я в этот раз едва ли был достоин.

Тем временем Ваша доброта дала мне средство быть в Вашем обществе и здесь. Ваш философ из Интра интересует меня как психологическая проблема: поэт, да ещё и итальянец, который влюбился как раз в серость нашей немецкой схоластики! Я вспоминаю при этом восторг, который выразил господин И. Тэн по поводу первого впечатления от логики Гегеля: Тэн, который тоже носит в себе скрытого поэта. Он полагал, примерно, что это было высшее состояние его жизни.

Примите, глубокоуважаемый господин профессор, самый преданный привет

Вашего благодарно обязанного
Ницше

1044. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria, den 10. Juni 1888

Моя дорогая мама,

Твое письмо и чудесная посылка пришли с очень коротким интервалом: когда пришло первое, я еще лежал больной в постели, но к моменту прибытия ящика я был уже на пути к выздоровлению. Дело в том, что с поездкой снова вышло неважно. Я приехал больным уже в первый вечер и провел ужасную ночь в Кьявенне. Оставаться там на следующий день не позволяли духота и невыносимый воздух этой дыры. Но долгая поездка на почтовой карете до Зильса не пошла мне на пользу; и так мне пришлось снова, как, к сожалению, почти каждый раз, провести первые 24 часа в сильной рвоте. К тому же здесь, наверху, не дует тот воздух, который я здесь ищу. Много снега, который тает, делает воздух слишком влажным; при этом жара достигает 23 градусов. Странно! Я гораздо легче переносил туринскую погоду, хотя у нас изо дня в день было 31 градус. Но воздух был насквозь сухим и чистым, к тому же всегда дул приятный зефир. Здесь, в Зильсе, еще глубоко в мае лежал 6-футовый слой плотного снега. В соседних селениях сошли огромные лавины, числом 26. Теперь все это тает. Куда ни пойдешь, везде натыкаешься на снег как на препятствие; горы до самого дна долины еще белые. Никогда еще не было столько снега; говорят, что холод опускался до 33 градусов ниже нуля. Целые большие леса были снесены лавинами, ущерб велик.

Теперь, как ты можешь себе представить, чужестранцев еще совсем нет; а одна ласточка весны не делает. Я ем один. До сих пор все не совсем в порядке: ни желудок, ни сон, ни желание работать, ни желание гулять. К тому же здесь еще совсем не предусмотрено и не устроено все для нужд приезжих — так что у меня везде возникают трудности, и я немного меланхоличен. —

И тут очень кстати пришла прекрасная ветчина, моя дорогая мама; я сердечно благодарю за все те хорошие вещи, которые ты прислала. Рубашки кажутся великолепными: я как раз отложил в сторону две, которые стали тонкими и дырявыми, так что новые как раз придутся к месту.

То же самое касается теплых красивых чулок. Если я должен принять все это, как ты того настоятельно желаешь, в качестве подарка, то ты должна хотя бы позволить мне преподнести тебе небольшой ответный дар. Ты хотела бы, писала ты мне в Турин, получить более мягкую на вид мою фотографию: пожалуйста, сделай ее и оплати тогда обе фотографии из тех 30 марок, которые я тем временем велел передать тебе через г<осподина> Кюрбица. В следующий раз я хотел бы что-то вроде салфетки, чтобы я мог сам накрывать себе на столик, когда захочу поесть. —

С одеждой у меня теперь в целом все в порядке. У меня на голове очень легкая шляпа, сплетенная из конского волоса: очень красивая, но дорогая. Маленькой Адриенне я привез из Ниццы кольцо, которое выглядело прелестно и которое госпожа Кёхлен выбрала для меня у местного ювелира. Кроме того, хорошее парижское мыло. У меня новый чемодан, за который я заплатил 15 франков = 4 талера.

В Турине я напоследок застал большой музыкальный праздник, в котором участвовали 34 городских оркестра из трех провинций Италии, плюс еще 8 оркестров из Турина. Состязание оркестров проходило одновременно в 3 крупнейших театрах Турина (каждый на 3000—4000 мест) с утра до вечера. —

Я бы с радостью написал тебе такое же веселое письмо, как написала ты, моя дорогая мама. Но твое старое создание постоянно немного грустит. С любовью и большой благодарностью

Твой Ф.

1045. An Heinrich Köselitz in Venedig

Donnerstag Sils, d. 14. Juni 1888.

Дорогой друг,

Ваше письмо прибыло ко мне одновременно с возвращением моего здоровья (— и моего цирюльника): можете себе представить, как празднично оно было встречено. Ваше сообщение о том, что провансальский квартет однажды будет принадлежать мне, льстит мне в высшей степени. Я уже почти изменил свои жизненные планы в связи с этим. Но об этом как-нибудь в другой раз: сегодня лишь первое и предварительное выражение глубокой признательности. То, что люди разделяют хорошие вещи друг с другом, сближает их самым сокровенным образом: и я до сих пор очень хорошо помню, какие маленькие трепеты совершенства пробегали по моей душе, когда я в Венеции имел честь слушать тогда еще создававшийся квартет. —

Cartolina не прибыла; если великолепный дуэт придет, я не упущу случая для «склонного увеселения». — Это очень любезная мысль с Вашей стороны — переслать пару слов доктору Фуксу: я прошу Вас об этом, я достаточно хорошо знаю, как это подействует на очень уединенного и слишком мало ценимого данцигца. Напоследок я рассказал в своем последнем письме о Вас. Кстати, поразительно, чего он только не добивается и не предпринимает: его последние письма-отчеты дали мне снова самое высокое представление о пылкой энергии его натуры. (Рецензии он желает получить обратно: у него есть еще много других, и он готов, по желанию, их предоставить…)

До сих пор все шло плохо, дорогой друг. Поездка снова не удалась, как обычно: мне потребовалось шесть дней, чтобы хоть как-то избавиться от плохих последствий. Ничто не бывает так неустойчиво в равновесии, как мое здоровье… Погода, которую я застал здесь наверху, была не той, которую я искал. Влажно, душно, оттепель, — 23 градуса Цельсия. Только представьте: я с раскаянием думал о покинутом Турине, хотя и узнал его в самый сильный зной. В последнее время термометр поднимался день ото дня до 31 градуса Цельсия, минимум был 22 градуса Цельсия. И странно! Я, самый чувствительный к жаре человек, совсем не страдал от этого — спал хорошо, ел хорошо, имел идеи и работал… Тонкий сухой воздух, зефир на улицах — в сущности, это был своего рода неведомый мне эпикуреизм. Какой высоты достигла культура кафе, я не осмеливаюсь писать. —

Со вчерашнего дня и здесь снова хороший воздух и здоровье. Зильс действительно прекрасен; на дерзкой латыни это то, что я называю Perla Perlissima. Богатство красок, в сто раз более южное, чем в Турине. Вокруг еще лежат остатки 26, отчасти огромных, лавин. Целые леса были ими повалены. Здесь существует интересное лавинное право: древесина принадлежит тому, на чей участок лавина ее сбросила. Один житель Беверса таким образом получил в подарок древесины примерно на 5000 франков. Снег лежал здесь еще до мая высотой в 6 футов: затем он растаял с едва постижимой быстротой.

В Турине я напоследок услышал еще музыкальный фестиваль: соревновались 34 городских оркестра. Я присутствовал на соревновании пяти лучших капелл в театре Вит<орио> Эм<ануэле>, который вмещает около 5000 человек. Звучание было очаровательно прекрасным: чего я никогда бы не поверил. Эти fortissimi! Я отметил для себя как безусловно лучшее выступление капеллы из Асти с их маэстро Фоскини, который имел мужество исполнить собственную Sinfonia drammatica в качестве конкурсного произведения. После моего отъезда из Турина я с удовольствием узнал, что Асти получил большую золотую медаль со всеми возможными почестями со стороны двух министерств, также и для маэстро. —

Овербек снимает собственный дом в Базеле. От моей сестры пришел прямо-таки очаровательный длинный отчет о прибытии и торжественной встрече в Новой Германии. Дело действительно приобретает грандиозный аспект.

В Мюнхене увидьтесь, если возможно, с Зейдлицами. Они так добры ко мне. — От Леви я слышу, что он болен и этим летом не дирижирует в Байройте.

Я предоставил Фричу свободу действий, чтобы он сообщил что-нибудь в прессе о моем копенгагенском успехе. Недавно он написал мне, что в суете дел забыл об этом, и теперь, вероятно, уже слишком поздно. — Неисправим!

С сердечным поздравлением по случаю поездки

Ваш Н.

1046. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Sils-Maria, 15. Juni 1888>

Дорогой друг,

я только что прочел, перепечатанную в «Bund», тонкую и прекрасную вещь Шпиттелера о Шу<берте>. При этом я решил снова дать этому человеку, который мне все же очень дорог, знак моего участия (и, по возможности, разогнать «облачко» между нами —) Есть ли у Вас еще экземпляр Гимна для отправки? Я, к сожалению, оставил 2 экз. в Ницце. — Пожалуйста, напишите на нем:

Господину Карлу Шпиттелеру
в знак особого глубокого уважения
Н.

Адрес: Базель, Gartenstr. 74.

Возможно, что осенью я буду проездом в Базеле. Тогда я бы навестил его; может быть, Шп<иттелер> подготовлен к Вашей музыке? Он кажется мне пока незаменимым для нас.

— И исправьте кларнет, друг! Иначе я не найду покоя в гробу!…

У нас сегодня снег и ледяной ветер. Здоровье немного лучше. Письмо вчера Вам отправил.

Преданный Вам друг Н.

1047. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria> Sonnabend. <16. Juni 1888>

Моя дорогая мама,

дела идут не лучшим образом. Прости, если пишу несколько кратко. Деньги от Кюрбитца ты должна при любых обстоятельствах принять, иначе я не смогу сделать свои заказы так, как мне необходимо! Ты, возможно, уже не помнишь, что я писал из Турина. В этот раз я хочу получить весь свой запас ветчины из Наумбурга. Прошлым летом я получал её из Базеля, из Цюриха, из Санкт-Галлена и других мест, сплошь с досадой и разочарованиями: так что я не хочу это повторять. Мне приходилось, как ты можешь себе представить, всегда расплачиваться своим здоровьем, если заказ оказывался плохим или наполовину неудовлетворительным. То, что мне на самом деле пошло только на пользу, была самая последняя сентябрьская посылка из Наумбурга: круглая толстая колбаса из ветчины лососевого посола. Поэтому я и писал из Турина, что хочу в этот раз с самого начала быть благоразумным и не проводить всевозможные неудачные эксперименты. Поскольку моё лето длится примерно 4 месяца, мне нужно ещё как минимум 12 фунтов = 6 килограммов ветчины лососевого посола. Речь идёт о всём моём ужине на 4 месяца. Если бы ты имела представление о сложности моего питания именно здесь, в условиях чрезвычайно дорогого туризма, ты бы сразу поняла, что эта очень однообразная и скучная диета для меня относительно самая дешёвая и здоровая. Я не должен больше ничем рисковать; чем регулярнее, тем лучше. В большом городе, как Турин, мне, конечно, доступно любое разнообразие: здесь же нет (— это сразу становится ужасно дорого, так как я уже плачу за очень простой обед 2 франка 25 сантимов = 19 грошей (без чаевых). — Если тебе это доставляет хлопоты, моя добрая мама, то дай мне хороший адрес магазина в Готе или Брауншвейге. Конечно, мне было бы приятнее всего так, как я задумал: чтобы ты сама выбрала ветчину и отправила её (— расходы на транспортировку, разумеется, также ложатся на меня —)

Я закончил с маленькой колбасой: она была слишком сухой из-за своей малости. Большая лучше, но далеко не такая хорошая, как та толстая круглая с прошлой осени. Я думаю, будет хорошо прислать довольно большие. Присланные 3 фунта заканчиваются примерно через 14 дней: это значит, что у меня осталось еды ещё на 6 дней.

Не сердись, что я доставляю тебе такие хлопоты: но я прошу тебя немедленно снова отправить большую посылку, чем в прошлый раз: и самую лучшую. Расходы на это для меня вообще не имеют значения, если всё будет очень хорошо и полезно, так что охотно дай немного больше, при условии, что это первоклассное качество. — И сходи, пожалуйста, к Кюрбитцу!!!!

Мёд, к сожалению, пошёл мне очень плохо: совсем как прошлым летом. Началась рвота. Это восковой мёд: но мой желудок никак не может справиться с воском. —

Я прилагаю одно письмо от Ламы; другое последует в следующий раз, чтобы письмо не дублировалось. Меня удивляет, что Лизбет ничего не говорит о моих 8 письмах, которые я написал ей из Ниццы этой зимой.

С любовью
Твоё старое создание

Я ещё совсем не поблагодарил тебя за твоё сердечное письмо. Приехать в Наумбург при моём состоянии здоровья, конечно, невозможно: это не прихоть, что обрекает меня на Энгадин и Ниццу — —

В качестве адреса, собственно, достаточно Зильс-им-Энгадин, Швейцария: ведь есть ещё 2 других Зильса, не в Энгадине.

1048. An Meta, von Salis auf Marschlins

Sils, Engadin, den 17. Juni 1888.

Глубокоуважаемая барышня

сейчас валит снег изо всех сил: я сижу в своей пещере и с некоторой грустью размышляю, не потеряла ли погода (или погодник) рассудок. Когда я прибыл сюда, было душно, утомительно, жара в 24 градуса; меня почти охватило раскаяние, что я покинул Турин, где у нас хоть и было ежедневно 31 °C, но зато aria limpida elastica и тот знаменитый зефир, о котором я раньше знал только от поэтов. Здесь наверху растаяло 26 лавин; куда бы ни пошел гулять, везде находил кучи мягкого снега: — я 6 дней был болен, прежде чем снова примирился с Зильсом и жизнью. —

Пишу это, в сущности, для того, чтобы пригласить Вас приехать сюда. Я не сомневаюсь, что Вы привезете с собой лучшую погоду — и тот разум, который погода потеряла.

В «Альпенрозе» четырнадцать человек — почти сплошь гамбуржцы и гамбурженки. Все они бегут от тропического знойного лета, которое нам обещали, — и теперь сидят в снегу.

Я только что, с помощью метеорологических таблиц, установил следующую звучащую совершенно невероятно истину.

„Январь в Италии“

Ясные дни

Дождливые дни

Степень облачности

Турин

10,3

2

4,9

Флоренция

9,1

9,7

5,7

Рим

8,2

10

5,8

Неаполь

7,7

10,8

5,2

Палермо

3,2

13,5

6,5

Это означает, что зимой, чем дальше на юг спускаешься, тем хуже погода (— меньше ясных дней, больше дождливых дней и всё более пасмурное небо —) А мы все инстинктивно верим в обратное!! Пишу это, в сущности, чтобы спросить, что Вы пережили в Риме и с Римом. У меня часто возникали сомнения, доставила ли Вам радость именно эта зима, когда Рим к тому же еще пребывал в паломническом тумане. Но в последнее время Вас там вовсе не было: я так давно ничего не слышал о Вас.

От моей сестры пришли самые лучшие известия: в последнее время описание торжественного въезда в новую резиденцию Нуэва-Германия, которое меня совершенно очаровало. Предприятие процветает; оно уже сейчас имеет великолепный вид.

Слышали ли Вы о том, что я тем временем стал знаменит? А именно в Дании, где, к моему величайшему изумлению, доктор Георг Брандес ведет пропаганду моей философии. Он прочитал длинный цикл лекций «о немецком философе Фридрихе Ницше» в Копенгагенском университете — и у меня есть основания полагать, что он имел с этим большой успех. На всем Севере теперь говорят обо мне („мораль господ“, по-видимому, кодовое слово)

С просьбой сказать мне доброе слово здесь, наверху

остаюсь Ваш покорнейший слуга
Ницше

Как поживает фрейлейн Реза? Она уже promota? — И Ваша поэтическая подруга?

1049. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria d. 20. Juni 1888.

Дорогой друг,

Ваш «Любовный дуэт» ворвался в мою хандру, как молния. Я был исцелен в одно мгновение, признаюсь, что сам плакал от удовольствия. Какие воспоминания пробуждает во мне эта божественная музыка! И все же мне кажется, что только теперь, прочитав ее шесть раз подряд, я понял ее полностью — она кажется мне также в высшей степени «певучей». В ней есть высокое восторженное чувство, которое привело бы в восторг Стендаля: как раз вчера я читал его богатейшую книгу «Рим, Неаполь и Флоренция» и постоянно думал при этом о Вас!* — Он рассказывает, среди прочего, как он спрашивает Россини: «что Вы больше любите, "Итальянку в Алжире" или "Танкреда"?» Тот отвечает: «Тайный брак»…

Дорогой друг, это наводит меня на мысль поздравить Вас с тем, что Вы остановились на названии «Лев Венеции». Это все же очень вдохновляющее и будящее воображение название. Было бы жаль, если бы маленький намек «Венеция» отсутствовал… Также мне нравится обозначение «итальянская комическая опера»: оно предотвращает многочисленные путаницы и недоразумения. Наконец: Вы правы, что остались при своем «Петере Гасте»: я понял это, когда прочел. — Это грубовато, наивно и, с позволения сказать, по-немецки… Вы знаете, что я с прошлой осени нахожу Вашу оперную музыку очень немецкой — старонемецкой, доброго шестнадцатого века?

Еще раз приношу свою глубочайшую благодарность — внезапное появление этого великолепного дуэта было поистине лекарством.

Тем временем я был очень подавлен и закрыт, как небо, и неспособен ни на что хорошее. Абсурдный беспорядок климата также сыграл свою роль. После того как у нас неделю стояла самая жаркая погода, какая вообще возможна в Энгадине (24 градуса), мы уже 6 дней снова сидим в зиме. Сначала полдня шел снег, потом еще 2 целых дня: и с тех пор тяжелые облака все время тянутся над нами.

В библиотеке отеля я нашел биографию Вагнера, написанную Нолем: она составлена в вычурном стиле. Я сам там фигурирую как «остроумный друг и покровитель» — дословно! — Король Баварии, который был известным педерастом, говорит Вагнеру: «Значит, Вы тоже не любите женщин? они такие скучные!» — Это «мнение» Ноль находит «юношески охваченным»…

Овербек писал вчера о своем плохом состоянии здоровья и о том, что на следующей неделе он переезжает в новый дом. Он необычайно рад услышать о Вашем путешествии в Германию и о квартете.

Смерть императора взволновала меня: в последнее время он был маленьким мерцающим огоньком свободной мысли, последней надеждой для Германии. Теперь начинается режим Штеккера: — я делаю вывод и уже знаю, что отныне моя «Воля к власти» будет конфискована прежде всего в Германии…

Шлю Вам самые теплые и благодарные приветы

Ваш друг
Ницше

— Дошла ли до Вас моя открытка касательно Шпиттелера?

1050. An Karl Knortz in Evansville (Indiana)

Sils-Maria, Oberengadin, den 21. Juni 1888. (Schweiz)

Глубокоуважаемый господин!

Получение двух произведений Вашего пера, за которые я Вам весьма признателен, дает мне основание полагать, что моя литература тем временем перешла в Ваше владение. Задача дать представление обо мне — будь то как о мыслителе, будь то как о писателе и поэте — кажется мне чрезвычайно сложной. Первая серьезная попытка такого рода была предпринята прошлой зимой выдающимся датчанином, доктором Георгом Брандесом, который, вероятно, известен Вам как историк литературы. Под заглавием «Немецкий философ Фридрих Ницше» он провел в Копенгагенском университете обширный цикл лекций обо мне, успех которых, судя по всему, что мне оттуда сообщали, должен был быть блестящим. Он живо заинтересовал аудиторию в 300 человек смелостью постановки моих проблем и, как он сам говорит, сделал мое имя популярным на всем Севере. В остальном у меня есть более скрытый круг слушателей и почитателей, к которому принадлежат и некоторые французы, например, г-н Тэн. Мое глубочайшее убеждение состоит в том, что эти мои проблемы, вся эта позиция «имморалиста» для сегодняшнего дня еще слишком преждевременны, еще слишком не подготовлены. Сама мысль о пропаганде мне совершенно чужда; я не пошевелил и пальцем ради нее.

О своем «Заратустре» я полагаю, что это самое глубокое произведение, существующее на немецком языке, а также самое совершенное с точки зрения языка. Но чтобы прочувствовать это, требуются целые поколения, которые должны сначала наверстать те внутренние переживания, на основе которых могло возникнуть это произведение. Я почти хотел бы посоветовать начать с последних работ, которые являются наиболее масштабными и важными («По ту сторону добра и зла» и «К генеалогии морали»). Мне самому наиболее симпатичны мои средние книги, «Утренняя заря» и «Веселая наука» (они наиболее личные).

«Несвоевременные размышления», в некотором смысле юношеские сочинения, заслуживают высочайшего внимания для понимания моего развития. В книге Карла Хильдебранда «Народы, времена и люди» есть несколько очень хороших статей о первых «Несвоевременных». Сочинение против Штрауса вызвало большую бурю; сочинение о Шопенгауэре, чтение которого я особенно рекомендую, показывает, как энергичный и инстинктивно говорящий «да» дух умеет извлекать благотворнейшие импульсы даже из пессимиста. С Рихардом Вагнером и фрау Козимой Вагнер я несколько лет, которые принадлежат к числу самых ценных в моей жизни, был связан глубоким доверием и самым искренним согласием. Если я теперь принадлежу к противникам вагнеровского движения, то за этим, как само собой разумеется, не стоят никакие мелочные мотивы. В собрании сочинений Вагнера, том IX (если я правильно помню), есть письмо ко мне, которое свидетельствует о наших отношениях.

Я воображаю, что мои книги благодаря богатству психологического опыта, бесстрашию перед самым опасным, возвышенной откровенности являются первоклассными. Я также не боюсь никакого сравнения в том, что касается искусства изложения и художественных требований. С немецким языком меня связывает долгая любовь, тайная близость, глубокое почтение! Основание достаточное, чтобы почти не читать больше книг, написанных на этом языке.

Примите, глубокоуважаемый господин, самые преданные приветствия от Вашего

профессора доктора Ницше.

1051. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Sils-Maria> Montag Nachmittag 25. Juni 1888

Моя дорогая добрая матушка,

я пишу Тебе немедленно, ибо Ты только что доставила мне совершенно неистовую радость. Нет, что это за прекрасная посылка! Роскошь галстука затмевает всё, что я видел в Турине; а так как у меня теперь есть очень красивые современные воротнички, вместе это будет выглядеть очень празднично. Сухари отвечали «глубоко прочувствованной» потребности. Я везде, в Ницце, в Турине, к чаю ранним утром беру сухари; но в Энгадине они не растут. Ветчина выглядит чрезвычайно деликатно и внушительно: я смотрю с новой уверенностью в будущее — а это что-то да значит!! Ибо я до сих пор переживал дурное и тяжелое время. Еще вчера я не знал, как защититься от самых печальных мыслей. Знаешь, мне кажется, что дело не только в моем здоровье, но и в предпосылках для того, чтобы стать здоровым — жизненная сила так слаба, я не могу восполнить потерю более чем десяти лет, в течение которых я жил только за счет «капитала» и ничего, ничего, ничего не приобрел — —

Я держусь с большим искусством и осторожностью, сносно, но сколько времени уходит на то, когда я так слаб, как в моем возрасте быть не должно! И это сверхвозбудимое состояние в зависимости от погоды — тоже плохой знак. Я почти всё время был в невыразимо плохом состоянии. Глубинная головная боль, которая влекла за собой тошноту в желудке; никакого желания и сил на прогулки; отвращение к моему [+ + +]

1052. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria Oberengadin Schweiz 26. Juni 1888.

Глубокоуважаемый господин издатель,

есть кое-что для печати. Если вам удобно, мы можем немедленно взяться за это небольшое дело. Это всего лишь брошюра, но она должна выглядеть настолько эстетично, насколько это возможно. Она касается вопросов искусства: следовательно, мы не должны скомпрометировать себя своим вкусом.

Жаль, что я не могу поговорить об этом с вами лично. Я бы с удовольствием выслушал и ваши предложения. Что касается моих, то я хотел бы прежде всего порекомендовать попробовать немецкий шрифт. Крупные, жирные, красивые буквы и не более 27 строк на странице (при условии сохранения прежнего формата —). Возможно, мы снова сделаем рамку вокруг страницы, как в «Заратустре». — Мне кажется, я заметил, что немец совершенно невосприимчив к вопросам и красотам стиля, как только читает латинским шрифтом. Только с немецким шрифтом у него возникает восприимчивость к эстетике стиля. (Возможно, потому, что он привык читать своих классиков этим шрифтом? — —)

В итоге: мой латинский шрифт до сих пор принес мне много вреда. Особенно в «Заратустре».

Я хотел бы подчеркнуть еще несколько пожеланий:

более черный шрифт, чем в последнем издании.

бумага плотнее и, по возможности, желтая (— она должна выглядеть очень изысканно)

либеральное использование пространства, например, большие интервалы между отдельными абзацами.

Для внешней обложки я снова рекомендую бледно-зеленый цвет и название красным, как в 4-м «Заратустре».

Прежде всего, я прошу сделать несколько пробных оттисков относительно шрифта, распределения пространства, а также бумаги.

С просьбой уделить этому делу некоторое внимание

остаюсь
Ваш покорный слуга
Проф. д-р Ницше

NB. Я до сих пор не видел ничего, напечатанного немецким шрифтом, что мне бы понравилось. Я не советую шрифт Швабахер (— это создает лишние трудности для господ читателей —)

Пожалуйста, отправьте эти пробы также господину Кёзелицу (Мюнхен, до востребования). Это человек со вкусом.

1053. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria, 28. Juni 1888>

Достопочтенный господин издатель,

Всё хорошо обдумав, должен сказать, что ничего не выйдет с немецким шрифтом. Я не могу отречься от всей своей прежней литературы. В конечном счете, людей принуждают к собственному вкусу. А мне, по крайней мере, латинский шрифт несравненно симпатичнее! — Итак, моё предложение: шрифт как в «По ту сторону», формат тоже, но только 27 строк на странице. Поэтому я не ожидаю никаких «проб». Окончательная печать может начаться немедленно. Адрес господина Кёзелица я пришлю, как только получу его. — Пара рукописных дополнений последует сегодня письмом.

Насчет обложки я тоже думаю иначе. Зеленый и красный цвета не подходят для брошюры.

С просьбой сообщить мне в скором времени

С глубоким уважением, Ваш
Проф. д-р Ницше

1053a. An Reinhart von Seydlitz in München

Sils-Maria, den 28. Juni 1888.

Дорогой друг,

нет ничего глупее глупости — а именно моей. Мысль о том, что письмо должно застать тебя ещё на юго-востоке, ни на мгновение не возникала на моем горизонте. А сколько было бы хорошего, если бы мы все вместе провели несколько дней в Турине! Ибо у меня там было такое настроение, какого не было уже 20 лет, и я блистал, подобно дракону, умом и злостью. Даже жара мне не вредила: при этом я не могу не заметить, что культура кафе в Турине достигла поистине головокружительных высот! Я считал себя знатоком в gelati, spumoni, pezzi duri, но поди ж ты…

То, что ты был в Ницце, причиняет мне прямо-таки боль. И в Рапалло, в том священном месте, где родилась «Книга книг», Заратустра! —

— Здесь я должен что-то исправить. Еще вчера мне пришла мысль снова приятно погулять «среди людей»: принимая во внимание, что я как «нечеловек», как «бездомный» становлюсь все больше похож на животное. Отступление через Мюнхен во второй половине сентября??? Но тебя там наверняка не будет. —

Я прилагаю для твоей любезной супруги, для благосклонного развлечения, письмо моей сестры, в котором она описывает переезд в новую резиденцию. Оно на самом деле адресовано моей матери и было ею переписано для меня. Оно кажется мне приятным document humain, говоря словами парижан. —

На днях мой выдающийся друг и maëstro di Venezia господин Генрих Кёзелиц прибыл в Мюнхен: это дитя человеческое, которое создает единственную музыку, находящую еще милость в моих избалованных ушах. Первая современная опера (веселая, душевная, мастерская, не дилетантская à la Вагнер…) — его работа: она называется «Лев из Венеции». Только что он закончил глубокомысленный и прекрасный квартет — изображающий «Провансальскую свадьбу». Если упомянутый чудо-зверь представится тебе, прими его с сердечностью — [+ + +]

Прошу передать твоей почтенной матушке мою глубочайшую благодарность за её привет.

Твой
друг Ницше.

1054. An Carl Fuchs in Danzig

Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz d. 30. Juni 1888

Дорогой, глубокоуважаемый друг,

странно! странно! моим желанием было сразу же после моего возвращения в прохладу — ведь у нас в Турине было день за днем 31 градус — написать Вам прекрасное благодарственное письмо: благочестивое желание, не правда ли?? — Но кто мог предположить, что я не просто «вернусь в прохладу», а попаду в собачью погоду, из-за которой мое здоровье потерпит кораблекрушение! Зима, лето в бессмысленной смене: двадцать шесть лавин в таянии; теперь еще и дождь, небо почти всегда затянуто — достаточно причин, чтобы оправдать глубокое нервное истощение с рецидивом моих прежних недугов. — Я не припомню, чтобы переживал погоду хуже: и это в моем Зильс-Марии, куда я бегу, чтобы избежать плохой погоды! Удивительно ли, если даже местный пастор привык ругаться? Он теперь иногда запинается в разговоре; потом всегда проглатывает проклятие. Недавно, выходя из занесенной снегом церкви, он избил свою собаку со словами: «эта проклятая псина испортила мне всю проповедь!» —

Вы догадываетесь, чего бы мне хотелось? Но это не подобает с музыкантом…

Я получил такое удовольствие от Ваших «учений и мнений», что не хотел оставлять это только для себя: надеюсь, я не сделал ничего непристойного, когда послал их своему маэстро в Венецию?.. И каким же свидетельством энергии было Ваше письмо! Как Вам удается там, на Вашем севере, оставаться таким молодым? Ваше письмо было действительно еще моложе, чем Ваш портрет —

Мне все время приходит в голову мысль, что Вы принадлежите к гораздо более свободному, более значительному месту, где Вашему педагогическому таланту подчинены другие силы и где Вам не приходится делать все в одиночку — Вы высекаете искры даже из Вашего Данцига: это придется признать любому кузнецу!

Другие музыканты нервничают: о том, как Вы себя чувствуете, я заключаю по Вашему стилю, который течет гибко и проворно. Так не пишут, когда страдают диспепсией.. И как же прожита вся Ваша критика!

Если, достойный друг, есть еще что сообщить, подарите мне еще одну вторую посылку рецензий! Адрес: Sils, Верхний Энгадин, Швейцария. Возможно, погода тем временем придет в разум! — и я вместе с ней! —

Вам
благодарно обязанный
Ваш
Ницше.

Спасибо за самую лестную этимологию! Поляки говорят, что это означает «нигилист»…

1055. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)

Sonntag Abend d. 1 Juli 1888.

Глубокоуважаемый господин издатель, вот последние дополнения к рукописи, которые я прошу разместить в указанных местах. — Остается в силе второе решение: латинский шрифт, 27 строк, без рамки —

С глубоким почтением Ваш
Д-р Ницше

до сих пор всё еще болен!!!

1056. An Franz Overbeck in Basel

Sils, Engadin, am 4. Juli 1888.

Дорогой друг,

надеюсь, к этому времени ты вместе со своей, вероятно, крайне утомленной бедной женой уже немного отдохнул. Полагаю, что самое сложное в проблеме переезда (déménagement) уже позади. Мое главное пожелание при этом может быть лишь таким: пусть плохое состояние здоровья, которое ты описывал мне в последний раз, не переехало вместе с вами. Надеюсь, твоя новая крепость останется неприступно запертой для таких гостей. Иначе я не могу не восхититься в очередной раз великой стойкостью твоей натуры. В этом ты меня намного превосходишь. —

У меня есть немало поводов для этого вздоха. С тех пор как я покинул Турин, я нахожусь в жалком состоянии. Постоянная головная боль, постоянная рвота; рецидив моих старых недугов; глубокое нервное истощение, при котором весь организм никуда не годится. Мне трудно защищаться от самых печальных мыслей. Или, вернее, я мыслю очень ясно, но не оптимистично о своем общем положении. Не хватает не только здоровья, но и предпосылок для выздоровления — жизненная сила больше не цела. Потерю как минимум 10 лет уже не восполнить: все это время я жил за счет «капитала» и ничего, совершенно ничего не приобрел. Но это делает бедным… В физиологическом плане нельзя наверстать упущенное, каждый плохой день на счету: этому я научился у англичанина Гальтона. Я могу, при благоприятных обстоятельствах, с предельной осторожностью и благоразумием достичь шаткого равновесия; если эти благоприятные обстоятельства отсутствуют, то никакая осторожность и благоразумие мне не помогут. Первым случаем был Турин; второй, к сожалению, в этот раз — Зильс. Я попал в неприятную и беспокойную зимнюю погоду, которая изматывает меня так же, как, скажем, февраль в Базеле. — Эта крайняя раздражительность под влиянием метеорологических условий — не добрый знак: она характеризует определенное общее истощение, которое, по сути, и является моим настоящим недугом. Все остальное, как головная боль и т. д., — лишь следствие и относительно симптоматично. — В худшие времена в Базеле и после Базеля было точно так же: только тогда я был в высшей степени невежественен и позволял врачам искать локальные недуги, что было еще одним роковым обстоятельством. Я вовсе не страдаю болезнями головы, не страдаю болезнями желудка: но под давлением нервного истощения (которое отчасти наследственное — от моего отца, который также умер лишь от последствий общего недостатка жизненной силы, — отчасти приобретенное) последствия проявляются во всех формах. Единственный режим, который был бы уместен тогда, — это американская диета Вейра-Митчелла: экстремальное потребление самого ценного питательного материала (с абсолютной сменой места, общества, интересов). Фактически же я, по неведению, выбрал противоположный режим: и до сих пор не понимаю, как я не умер в Генуе от полного истощения. —

Я теперь осведомлен об этом предмете не хуже любого врача: если бы я знал это 20 лет назад, я бы предотвратил это состояние…

Прости, дорогой друг, за это слишком медицинское письмо. Господин Кёзелиц в Мюнхене; первая постановка «Фей» Вагнера уже состоялась, согласно отчету, который он прислал. За присланные деньги приношу тебе мою глубочайшую благодарность.

Твой друг
Ницше.

1057. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria,> Sonnabend Nachmittag <7. Juli 1888>

Моя дорогая мама, мне всё ещё не лучше. Я никогда ещё здесь, наверху, не переживал такого долгого плохого времени. — Погода продолжает быть неблагоприятной для меня. Снежную погоду сменила многонедельная дождливая погода: так что за свои 5 недель я пережил 1 ясный день (к тому же это был как раз день тяжёлого приступа).

Ветчина, которая пошла мне на пользу, медленно подходит к концу: так что твоя доброта снова должна быть востребована. Я надеюсь, что моё благодарственное письмо за последнюю посылку, которое я написал сразу после получения, попало в твои руки.

От всего сердца твой сын
Ф.

Новая ночная рубашка очень приятна к телу. Большое спасибо!

1058. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria,> 11. Juli Mittwoch 1888.

Дорогой друг,

Ничего не изменилось, ни со мной, ни с погодой. Сегодня ледяной воздух: небо плотно затянуто. За пять недель я пережил один светлый, правда, очень холодный день (— к сожалению, у меня были причины провести его в постели). Зато 24 дня с проливным дождем, днем и ночью; и три снежных дня. Температура, благодаря большому количеству снега, который все еще лежит, в среднем низкая. В начале моего пребывания здесь, наверху, был неприятный душный воздух, с самой высокой отметкой термометра, которая вообще может быть достигнута в Энгадине; нельзя было пройти и 20 шагов, не вспотев. Это сразу сменилось снежной погодой. Старейшие люди (85 лет) не имеют представления о таких условиях.

Преданный тебе друг
Н.

Страдающий господин из Рима уезжает. Также большая гамбургская семья. Плохо для отелей.

1059. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, d. 12. Juli 1888

Глубокоуважаемый господин издатель

желание доктора Карла Фукса в Данциге (этого адреса достаточно) мы с удовольствием исполним.

Мне было желательно, чтобы Вы вернули мне рукопись. Я переписал её в таком состоянии слабости, что я сам нахожу её неразборчивой. Уже более пяти недель я болен; очень нежеланное возвращение моих старых состояний; глубокое нервное истощение с постоянной головной болью и рвотой. Я ничего не говорю об отвратительной погоде, в которую на этот раз забросила меня моя злая звезда.

Как только мои силы позволят, я возьмусь за то, чтобы переписать всю рукопись ещё раз с максимально возможной чёткостью почерка. Какое-либо более точное указание времени я сделать не могу. Другая погода, другое здоровье. Этой ночью был сильный мороз. Ближайшие горы глубоко в снегу. 25 дней непрерывных дождей. 3 дня занесён снегом. За 5 недель один ясный день, который я, к сожалению, вынужден был провести в постели. Постоянно очень низкая температура.

Пробные оттиски я просмотрел с интересом. Тот, что с привычными шрифтами моих прежних книг и с одной чертой вокруг, заслужил моё полное одобрение.

С глубоким уважением, Ваш
Проф. д-р Ницше

1060. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils, Oberengadin d. 16. Juli 1888.

Глубокоуважаемый господин издатель,

дела идут лучше: Вы получаете здесь доказательство тому! —

Рукопись в том виде, в каком она здесь представлена, полностью готова: я прошу немедленно взять её в работу. —

Господин Кёзелиц также подготовлен. Адрес: господину Генриху Кёзелицу, Аннаберг, саксонские Рудные горы

С пожеланием, чтобы дело теперь быстро продвигалось вперёд, Ваш

покорнейший
проф. д-р Ницше.

NB. Страницы пронумерованы, начиная с предисловия.

1061. An Carl Spitteler in Basel

Sils, Oberengadin, am 16. Juli 1888

Глубокоуважаемый господин,

когда я прибыл сюда, я нашел в воскресном приложении к «Bund» напечатанные Ваши слова о Шуберте. Моя радость была велика: никто сегодня не пишет о de rebus musicis et musicantibus столь же любовно и столь же предметно. Я немедленно сделал заказ, чтобы хоть как-то дать Вам знак моей симпатии — надеюсь, не без успеха. Последнее я говорю из недоверия к почте.

Мне так долго не хватало никаких известий о Вас. Письмо, предназначенное мне в Ниццу, по не знаю каким причинам, попало мне в руки только вчера, 15 июля. Похоже, оно совершило кругосветное путешествие. Но новости в нем восхитительны, прежде всего перспектива работы, тема которой интересует меня не меньше, чем ее автор. Этот Креднер может себя поздравить! — Возможно, уместно, чтобы я высказался о названном господине несколько яснее, чем в моем последнем письме. Весь мир уважает его, но весь мир знает и «истории» о нем, прежде всего его авторы. Он, между нами, капризен и своенравен до глупости. Два года назад он проиграл процесс против профессора в Тюбингене, потому что в его историческом труде он вставил свои собственные совершенно иные политические взгляды посредством последующих исправлений. Я сам был с ним в порядке по поводу издания моего «По ту сторону»: но, будучи предупрежденным, при первом же признаке издательского самовластия я телеграфически потребовал назад свою ру<ко>пись. Этой зимой остроумный датчанин д-р Брандес жаловался мне в письме на свою беду: произведение, вышедшее у Креднера, было написано на таком немецком, за который он, автор, не берет на себя ответственности — немецкий был «креднеровским немецким». — Будьте немного начеку, дорогой господин!

Только что упомянутый д-р Брандес прославил меня этой зимой в Дании. Он прочитал длинный цикл лекций в Копенгагенском университете: «о немецком философе Фридрихе Ницше». Судя по газетам, успех должен был быть исключительным; более 300 слушателей регулярно, большая овация в конце. Только что мне предложено нечто подобное для Нью-Йорка. До сих пор я имел счастье обладать самым избранным и в то же время избегающим газет кругом читателей, какой только может быть; скажем, тридцать умных голов между Парижем и Петербургом. Остальное меня не касается.

Я выпишу Вам еще пару слов из письма одного достопочтенного музыканта (кстати, того самого, который этой зимой написал несколько слов слишком много о некоторой критике): «вчерашний номер Kunstwart содержал чертовски умную статейку Шпиттелера о сонатах Шуберта. У этого человека есть сердце, вкус и талант судьи в музыкальных делах; он знает, в отличие от редких даже музыкантов, о чем идет речь. Странным образом он не называет сонату ми-бемоль мажор, которая, на мой взгляд, является самым совершенным достижением Шу<берта> в этой области; так же как и „Скитальца“, одно из самых мощных и вдохновенных фортепианных произведений, которые существуют; даже Бетховен, со всей своей силой, не создал ничего столь захватывающего. Поистине, Шуберт — гигант; но он не имел представления о своих размерах и своей силе; гигант, который лежит в траве, играет с детьми и сам считает себя ребенком — феномен, который вряд ли возможен где-либо еще, кроме как среди немцев, или скажем, „возможен был“, ибо дети в Германии сегодня играют в великана Голиафа, и стало трудно казаться ребенком». —

«Гимн жизни!» Дорогой и любезный господин Шпиттелер, в сущности, я старый музыкант. — Он должен быть однажды спет «в мою память» <будет> — другими словами, он должен остаться после меня, при условии, что вообще что-то «останется»… Моттль в Карлсруэ обещал мне исполнение. —

Приветствую Вас с выражением сердечного участия, Ваш

Д-р Ницше

1062. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Sils, Oberengadin, d. 17. Juli 1888.

Дорогой друг,

огромное удовольствие! А именно от того, что Вы снова доступны для меня. Мне не хватало Вашего мюнхенского адреса — о! и как же сильно мне его не хватало! — Но об этом позже!

Я настоятельно рекомендую отправить Г. фон Бюлову экземпляр Дуэта: мое предложение состоит в том, чтобы, учитывая, что мы друг с другом не без оглядки (Бюлов и я —), написать на нем:

От имени друга

с почтительным приветом

преподносится проф. д-ром Ницше.

(NB. Он также является капельмейстером гамбургского театра на следующую зиму. Avis au lecteur.) Впрочем, здесь, где сейчас преобладает гамбургское общество, не могли нахвалиться театральным руководством Бюлова. Несравненно тонкие постановки Моцарта: так же и «Кармен», просто неузнаваемая по сравнению со старыми постановками (— Бюлов сделал делом чести не компрометировать произведение в обычно-немецкой манере) — Вы можете себе представить, в какой зверинец я хотел бы запереть Вашего льва? Поллини!!!

Вчера пришло очень приятное письмо от господина Шпиттелера, написанное и отправленное в Ниццу более 2 месяцев назад: выражающее благодарность за мое посредничество с издателем. Речь идет о главном труде Шп<иттелер>а, представляющем эстетику всей французской драмы. Самые компетентные знатоки, по-видимому, вне себя от восхищения им (— он, с большой скромностью, сначала везде осведомился)

Со мной дела шли и идут плохо. Старое жалкое состояние головной боли и рвоты почти постоянно; много лежу в постели; мало сил даже на прогулки. К тому же собачья погода, с тех пор как я здесь, наверху. Неиссякаемый дождь, временами снежные дни, повсюду очень низкая температура, за 5 недель один, к тому же ледяной светлый день (— в который я лежал в постели)

В самые последние дни мне показалось, что здоровье сделало несколько шагов вперед: правда, непосредственно им предшествовал самый тяжелый приступ моего недуга, который у меня был здесь, наверху. —

Д-р Фукс написал так много, что это целая литература. Небольшой пакет рецензий по его особой просьбе на днях отправляется к Вам. —

Дорогой друг! Помните ли Вы, что я написал в Турине небольшой памфлет? Мы печатаем его сейчас; и Вас настоятельно просят помочь в этом. У Наумана уже есть Ваш адрес. Заголовок таков:

Казус Вагнер.
Проблема музыкантов.
Фридриха
Ницше.

Это нечто забавное, с подкладкой из почти слишком большой серьезности. — Можете ли Вы предоставить в мое распоряжение собр<анные> сочинения Вагн<ер>а? Я хотел бы получить пару мест, чтобы иметь возможность цитировать их точно, с указанием тома и страницы, 1) в тексте «Кольца» есть вариант последней песни Брунгильды, который совершенно буддийский: я хочу получить только номер страницы и тома, не слова 2) как дословно звучит место из «Тристана»:

«den furchtbar tief geheimnißvollen Grund
wer macht der Welt ihn kund?“

правильно ли это? —

  1. в одном из своих последних сочинений Вагн<ер> однажды высказался, даже жирным шрифтом, если я правильно помню, что «целомудрие творит чудеса». Здесь я хотел бы получить точную формулировку. —

В остальном я прошу <Вас> делать мне любого рода замечания, критику слов и вкуса. В этом маленьком произведении много дерзкого. — Корректурный процесс как обычно. По поводу оформления, бумаги и т. д. я с Науманом уже договорился. Рукопись 19 июля будет у него в руках.

С самыми сердечными приветами
Вашего друга
Ницше.

Покорнейше кланяюсь Вашим почтенным родителям.

1063. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils, Oberengadin Dienstag 17. Juli <1888>

Милая моя матушка,

вчера вечером, когда я как раз доедал последний кусок ветчины, пришла твоя прекрасная посылка, на вид в довольно хорошем состоянии: только сухари немного покрошились и рассыпались по пакету. Таможенный сбор составил 80 пфеннигов. Ты составляешь точную опись содержимого или таможня сама вскрывает посылку? Мне это не совсем ясно. Может быть, и то, и другое? Колбасы, которые на ощупь кажутся очень нежными, я велел подвесить, но хочу начать с самой толстой. Мне кажется, что маленькие сохраняются легче, чем толстые — что ты сама об этом думаешь? — Сухари я попробовал сегодня утром к чаю: они на вкус превосходны и заслуживают всяческой похвалы. Для открытия «сладостей» хочу дождаться по-настоящему хорошего дня; кошелек чудесно соответствовал «глубоко прочувствованной потребности». А какая красивая, тонкая, прочная салфетка! — Это напоминает мне о превосходных ночных рубашках; а также о чудо-звере галстуке, скрытые прелести которого я, по правде говоря, еще не обнаружил (— я называю его хамелеоном). Что касается ветчины, то мне на глаза попалось объявление одной цюрихской фирмы, которая называет себя «Готской колбасной лавкой». Она рекомендует свои «тюрингские молочные ветчинки» (без жира, костей и шкурки): не должны ли это быть именно наши сорта ветчины? — Уже два дня я чувствую нечто вроде улучшения: правда, непосредственно перед этим был самый сильный приступ за все время, так что, возможно, я просто острее ощущаю контраст. Погода остается зимней, дождливой, пасмурной; вчера был страшный шторм. Но, кажется, повсюду дела обстоят плохо. Как безмятежно и мило течет твоя жизнь в Наумбурге! Как много всего происходит! И после каждого твоего письма мне кажется, что вы там вместе очень весело проводили время и много смеялись. (Только плата за пансион у Фолькмана была слишком мала.) Письмо доброго Ламы прилагаю. Новость о покупке 6000 моргенов я совершенно не понимаю: как, впрочем, и финансовое положение предприятия для меня загадка. Фрейлейн фон Залис не приехала. В отеле, где я обедаю, человек 40–50. Мой образ жизни таков. В 5 часов я выпиваю чашку какао (в постели); примерно в 6:30 я пью свой чай. В 12 часов я обедаю, один, за полчаса до обеда в отеле: обычно бифштекс и омлет. Вечером в 7 часов я съедаю у себя в комнате только кусочек ветчины, 2 сырых яичных желтка и 2 белые булочки. За свой обед я плачу весьма умеренную цену, а именно, по сравнению с тем, что платят другие приезжие здесь: 2 франка 25 сантимов (= 18 грошей). Приезжим пришлось бы платить 3–4 франка. Приготовлено хорошо; мясо отличное. — На случай, если будет еще одна посылка — мое летнее пребывание здесь продлится еще более 2 месяцев — прошу тебя иметь в виду стальные перья. В последнее время у меня стал такой плохой почерк, что пришлось попробовать особый вид стальных перьев, фирмы Sönnecken: это письмо написано ими. Этот вид сейчас очень распространен, он наверняка найдется и в Наумбурге. Точное название:

Sönnecken’s Rundschriftfedern
№ 5

Пожалуйста, сохрани этот адрес. Главный магазин находится в Лейпциге.

Как ты находишь, я снова пишу разборчиво? Я был на грани того, чтобы самому перестать разбирать свои рукописи. —

Напиши мне, пожалуйста, точно, на какой адрес теперь следует отправлять письма Ламе. И вообще, что ты пишешь на каждом письме.

Еще раз сердечно благодарю, моя старая добрая матушка, я доставляю тебе этим летом столько хлопот!! —

Твой Фриц.

1064. An Carl Fuchs in Danzig

<Sils-Maria> Mittwoch, den 18. Juli 1888

Дорогой господин доктор,

не сердитесь, но я вынужден, по необходимости, защищаться от Ваших писем. Мне совершенно запрещено выслушивать подобные privatissima, personalissima: это действует на меня, я не смею сказать как — это прозвучало бы слишком по-медицински. Поставьте себя на мгновение в положение того, у кого на душе «Заратустра». Если Вы поймете, какого труда мне стоило достичь приблизительного равновесия по отношению ко всему факту «человек», то Вы поймете и ту крайнюю осторожность, с которой я теперь отношусь ко всякому человеческому общению. Я хочу, раз и навсегда, очень многого больше не знать, очень многого никогда больше не слышать — ценой этого я кое-как выдерживаю.

Я дал людям самую глубокую книгу, какую они имеют, моего «Заратустру»: книгу, которая настолько выделяет, что тот, кто может сказать «я понял, то есть пережил, шесть фраз из неё», тем самым принадлежит к высшему разряду смертных. — Но как приходится за это расплачиваться! откупаться! это почти портит характер! Пропасть стала слишком велика. С тех пор я, собственно, занимаюсь лишь шутовством, чтобы справиться с невыносимым напряжением и уязвимостью.

Это между нами. Остальное — молчание.

Ваш друг
Ницше.

1065. An Ferdinand Avenarius in Dresden (Entwurf)

<Sils-Maria, kurz vor dem 20. Juli 1888>

Не сердитесь! Во-первых, я решительно не могу заставить себя регулярно читать журналы. Вся моя задача требует, мой вкус требует от меня отчуждения, равнодушия, забвения настоящего… Во-вторых, я был действительно раздосадован — тем, как обошлись с Г. Гейне; именно сейчас, когда дует проклятый ветер германомании, я не питаю снисхождения к подобным уступ<кам>. Я специально прочел в Турине книгу проклятого Хена по этому поводу: этому господину, который напоследок с очень малым набором примеров резюмирует свое понятие о немецком (например, просто забыв о немцах как о музыкантах), вероятно, не пришло в голову, что культурная ценность художника или мыслителя по отношению к своему народу вовсе не совпадает с его ценностью как таковой — и что, например, немцы обязаны Лессингу и Гейне больше, чем, скажем, Гёте — они были им нужнее. Это не говорит ничего против Гёте (напротив) — но говорит кое-что против той низости и неблагодарности, которая сейчас ополчилась на Лессинга и Гейне. Я привык к иному отношению, с которым память о Гейне почитается во Франции: где, например, братья Гонкур оказывают ему честь, представляя его вместе с аббатом Галиани и принцем де Линем как самую возвышенную форму парижского остроумия (— три иностранца! удивительно!)

1066. An Franz Overbeck in Basel

Sils, den 20. Juli 1888.

Дорогой друг,

ничего не улучшилось, ни погода, ни здоровье, — и то, и другое остается абсурдным. Но сегодня я расскажу тебе кое-что еще более абсурдное: это доктор Фукс. Он тем временем написал мне целую литературу (включая письмо из 12 больших тесных листов!). Я постепенно превратился в ежа, и мое старое недоверие полностью восстановилось. Его эгоизм настолько хитер, а с другой стороны, настолько боязлив и несвободен, что ему ничего не помогает — ни его большой талант, ни многое подлинно артистическое в его натуре. Он жалуется, что в Данциге 7 лет весь мир был против него; и из сотни признаков следует, что и сейчас он не пользуется там доверием. Он хочет уехать; он ведет переговоры с Дрезденом после того, как ничего не вышло с Берлинской музыкальной школой. А ведь он не упустил ни одной формы домогательства и лести! Новый пакет рецензий лишь слишком поучителен в этом отношении. Многое тонко и хорошо, пока речь идет о вещах; если же в расчет принимаются люди, то правит «бесконечно малое». Он сделал для меня пометки на полях. «Это сильно преувеличено; но я обязан ему тем-то и тем-то». Или: «она ненавидит меня из-за этого слова: это было глупо с моей стороны». После того как с подачей заявления на профессорскую должность в Берлинской высшей школе дело не заладилось, 3 профессора из нее приехали в Данциг и дали концерт. Ф<укс> самым наглым образом превозносит их до небес. В оправдание этого он пишет мне, что не хотел показывать свое огорчение из-за своей неудачи. На самом деле он добивался трех самых влиятельных голосов. — Он обещал мне эссе о моих сочинениях: при этом он выражает настоящий адский страх, что поддержка меня, атеиста, повредит ему в его должности органиста церкви Святого Петра. Конечно, под псевдонимом!! Он уже заклял обоих моих издателей хранить в тайне его псевдонимность. Тот же Ф<укс> годами испытывал адский страх, что его связь со мной повредит ему у Вагнера; несколькими годами ранее, когда мое влияние в вагнеровском мире было неоспоримым, он лишь слишком рьяно добивался моего расположения. Я предсказал, что со смертью Вагнера к нему вернется мужество писать мне. Так и случилось, почти комичным образом. — Он также органист в синагоге в Данциге; ты можешь себе представить, что он грязнейшим образом насмехается над иудейским богослужением (— но он позволяет платить себе за это!!)

Наконец, он написал мне письмо о своем происхождении, с таким количеством отвратительных и непристойных нескромностей о своей матери и отце, что я потерял терпение и в самой грубой форме запретил ему такие письма. У меня совсем нет желания позволять нарушать мое одиночество случайными письмами. — Вот до чего мы дошли. К сожалению, я слишком хорошо знаю этот тип людей, чтобы надеяться, что на этом мы закончили. —

Господин Шпиттелер написал мне с большой благодарностью. Мне удалось добиться того, в чем он отчаялся: а именно найти издателя. Речь идет об эстетике французской драмы: и вот, господин Креднер в Лейпциге (фирма Veit, издательство Имперского суда) самым любезным образом выразил мне свою готовность. Эта маленькая гуманность с моей стороны имеет еще и юмористический подтекст: это была моя своего рода месть за крайне бестактную и наглую статью Шпиттелера о всей моей литературе, которая вышла прошлой зимой в «Bund». — Я слишком высокого мнения о таланте этого швейцарца, чтобы позволить сбить себя с толку грубостью (— я уважаю его характер — чего, к сожалению, нельзя сказать о докторе Ф<уксе>) Ш<питтелер> благодаря моему заступничеству стал также сотрудником «Kunstwart» и, на мой вкус, его единственным интересным пером. В остальном я отказался от этого издания: на недавно полученное письмо г-на Авенариуса, который болезненно жаловался на отписку, я решительно высказал ему правду (— издание дует в немецко-националистическую дуду и, например, самым гнусным образом предало Генриха Гейне — господин Авенариус, этот еврей!!!)

Прямо сейчас у меня печатается маленький музыкальный памфлет, нечто очень забавное (— написано в Турине) — С сердечным приветом и поздравлениями тебе и твоей дорогой жене

Твой Ницше

1067. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Sils-Maria, kurz nach dem 20. Juli 1888>

Дорогой друг

я пишу тебе еще несколько слов, но только для нас, только между нами. Трудности, в которых я живу, необычайны; но они лежат не там, где ищешь их ты и другие друзья. Я едва ли могу объяснить их. Но с того времени, как мой З<аратустра> лежит у меня на совести, я подобен зверю, которого невыразимым образом постоянно ранят. Эта рана состоит в том, что я не услышал никакого ответа, ни малейшего дуновения ответа… Эта книга стоит так особняком, я хотел бы сказать по ту сторону всех книг, что создание её — сплошная мука; она ставит своего творца так же особняком, так же по ту сторону. Я защищаюсь от своего рода петли, которая хочет меня задушить, — это одиночество, — с другой стороны, я из самой глубины понимаю, почему никто не может сказать мне слова, которое ещё достигло бы меня… Мораль такова: можно погибнуть от того, что создал нечто бессмертное: ты расплачиваешься за это потом в каждое мгновение. Это портит характер, это портит вкус, это портит здоровье. Понять и пережить шесть предложений той книги — это, кажется мне, уже возносит каждого в более высокий, более чуждый порядок смертных. Но нести на себе весь мир той книги, этот неизмеримо тяжелый мир глубины, дали, того, что ещё никогда доселе не было увидено и совершено, и после попытки поделиться им, т. е. облегчить его бремя, оказаться лицом к лицу с мертвым, тупым одиночеством — это чувство выше всех чувств.

Я защищаюсь, как ты можешь подумать, с большой изобретательностью против этого избытка чувств. Мои последние книги относятся к этому: они страстнее всего, что я делал до сих пор. Страсть оглушает. Она идет мне на пользу, она заставляет немного забыться… К тому же я достаточно артист, чтобы суметь удержать состояние, пока оно не обретет форму, пока не станет образом. Я произвольно выдумал себе те типы, которые своей дерзостью доставляют мне удовольствие, например, «имморалиста» — доселе неслыханный тип. Сейчас как раз печатается небольшой памфлет музык<ального> характера, который, кажется, был продиктован самым веселым настроением: веселость тоже оглушает. Она идет мне на пользу, она заставляет забыться… Я действительно очень много смеюсь над такими произведениями —

Трудность найти отвлечение, которое было бы достаточно сильным, становится всё больше. Я порой меланхоличен невыразимым образом.

1068. An Paul Deussen in Berlin (Entwurf)

<Sils-Maria, 22. Juli 1888>

Дорогой д<руг>

я позволил пройти паре дней, чтобы оправиться от небольшого оцепенения. Факт, о котором сообщает мне Ваша доброта, стоит так особняком в моей жизни; я даже не понимаю его. Мне кажется, что я пережил слишком много противоположного — что до сих пор я только делал подарки, как будто это самая естественная вещь в мире. Благодарность, признание, понимание — очень прекрасные вещи, но если принципиально и не без успеха отдаляешься от своего времени, как это делаю я, то оставляешь эти прекрасные вещи в стороне. До сих пор я не нахожу отношение ко мне несправедливым. Людям я еще не жаловался на это. Другой вопрос, просто жизненный вопрос, пока что, благодаря совершенно незаслуженной благодарности базельцев, не стал для меня по-настоящему тягостным: по правде говоря, я не думаю о нем, и мои базельцы всегда думали о нем первыми. Абсурдная невозможность издавать сочинения, если я не печатаю их сам, действительно несколько осложняет мое положение: — и в этом смысле я неописуемо благодарен за то, что Ваша старая дружба имела мне сообщить на этот раз… Если бы у меня была лучшая вера в мое здоровье, я мог бы считать свое положение и в названном отношении лишь «временным»… Неудобство в том, что этим летом мне снова, хуже, чем в последние годы, напомнили о некоторой неизлечи<мости>… — Мне нужны сотни предосторожностей и благоразумий, а кроме того, еще пара благоприятных обстоятельств, например, ясная, сухая погода. Тогда я достигаю опреде<ленного> уровня уравновешенности. Если мне не хватает этой милости обстоятельств (как, к сожалению, было с начала июня), то никакая осторожность и благоразумие мне не помогают. — Рецидив старых страданий и состояний и большая трудность сохранять мужество. — Дорогой друг, я не знаю, кого мне благодарить. Но, безусловно, никого больше, чем Вас. Сохраните ко мне любовь и верьте в любовь старого «нечеловека» и «бездомного», говоря словами Г<ёте>. Рекомендуя себя Вам и Вашей ми<лой> супру<ге> — — — рекомендуя себя Вашей дружбе

1069. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils, den 24. Juli <1888> Montag. <23. Juli>

Моя дорогая матушка,

сразу после получения последней посылки я отправил тебе письмо: к нему была приложена вторая половина письма ламы. В то время я еще не пробовал ветчину; теперь же, на основании несколько более чем достаточного опыта, могу вынести о ней суждение. Мне очень жаль, но она оказалась совсем не такой, как ты хотела. Ветчина из лосося — это нечто несравненно лучшее и более здоровое. Мужчина, несмотря на все твои просьбы не пересаливать, сделал её отвратительно солёной. Мясо выглядит коричнево-красным, не бледным, как мясо лососевой ветчины. Мне приходится пить воду по шесть раз за ночь с тех пор, как я ем эту ветчину по вечерам; при этом мой желудок определённо перегружен из-за большого количества соли, так что любая еда теперь идёт мне меньше впрок. Также проявилось обычное последствие употребления слишком солёного мяса — воспаление дёсен, которое сильно мешает мне жевать. При этом мне на ум приходит слово «молочная ветчинка»: это чистая ирония по отношению к этой пересоленной вещи! Даже само мясо далеко не такое хорошее, как у лососевой ветчины: последнюю я мог хорошо разжевать зубами, здесь же всегда остаётся остаток волокон, с которыми невозможно справиться. Мужчина не имеет ни малейшего представления о том, что такое ветчина для питания больного: я, прошедший школу старого Виля, имею в этом деле немалый опыт. —

Зато сухари я нашёл более вкусными, чем любые, которые ел до сих пор. Премного благодарен! Также тыква имела очень приятный и интересный вкус: она пошла мне на пользу — нужно похвалить фрейлейн Альвинхен.

Остаётся обсудить любопытное денежное дело. Вчера вечером пришло твоё письмо по этому поводу; вчера утром я уже отправил письмо профессору Дойссену. Ибо он сообщил об этом деле и мне напрямую: почти так же, как и тебе, только с одним оборотом, который я сообщаю тебе для назидания: «я надеюсь, ты примешь с дружеским пониманием, если отдельные лица попытаются со своей стороны искупить то, в чём человечество грешит перед тобой». В своём ответе я возразил против того, что «человечество грешит передо мной», воздал должное либеральности и незаслуженной благодарности базельцев, прямо опроверг то, что моё положение является бедственным, и, наконец, совершенно точно, как ты и предполагала, принял деньги только из-за невозможности найти издателей и принуждения, которое тяготеет надо мной, печатать мои сочинения за свой счёт. (За последние 4 года на расходы по печати было потрачено более 4000 франков). Деньги эти по большей части будут деньгами Дойссена (— он делал мне самые настойчивые предложения такого рода прошлой осенью). В «неизвестных» берлинских почитателей я не очень-то верю: единственный, кто мог бы быть причастен и к чьему характеру мог бы подойти такой поступок, — это доктор Ре (который находится в хороших отношениях с Дойссеном). Всё это между нами. Главное, чтобы никто ничего об этом не узнал. Для меня было бы крайне невыгодно, например, в Базеле, если бы хоть слово об этом просочилось — они там действительно делают сверх того (срок моей пенсии ведь истёк в 1886 году!!). Я не хочу этой зимой в Ниццу, потому что в прошлый раз в отеле среди гостей проявили интерес к моему несколько скудному финансовому положению таким образом, что это задело мою гордость. — Не пиши ничего об этом деле в Парагвай: Лизбет восприняла бы это вовсе не как «почётный дар», а, совсем как я сам, как милостыню. Я бы предпочёл одаривать своих «почитателей» — — Мне ещё этой осенью понадобится около 200 марок на печатные расходы. Также может быть, что моё зимнее путешествие и пребывание потребуют небольшой доплаты, так как я хочу попробовать кое-что новое. Мне по многим причинам необходимо отвлекающее и рассеивающее путешествие: до сих пор я был чрезвычайно подавлен и меланхоличен. В остальном ты знаешь, что я экономен. Так что отдай деньги Кюрбицу, но с замечанием, что скоро часть должна быть доступна.

Твоё старое создание Ф.

1070. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, den 24. Juli 1888

Дорогой друг,

пусть смерч проносится мимо! Море снова гладкое. —

Сегодня я сообщу Вам кое-что веселое. В ближайшее время у меня выходит в свет небольшой памфлет, битком набитый музыкальными символами веры, — правда, в самой рискованной форме!! — Он был написан еще в добрые туринские дни, а не в Зильсе, не между болезнью и снежными облаками. Кстати, в нем нашлось очень лестное слово о Римане: хотя в остальном почести там не особо раздаются…

Рукопись уже в типографии. Она уже была там однажды, но мне ее вернули из-за неразборчивости. Я делал копию в таком состоянии слабости, что латинские буквы понимались так же легко, как греческие (— небольшой пробный оттиск доказал мне это). Новая копия гораздо четче, благодаря особому виду перьев, «круглым перьям Зённекена», которые местный учитель порекомендовал для моих дрожащих рук.

В последние дни небо часто было ясным, и Зильс соблазнительно распускал свой старый павлиний хвост южных красок. И вот поди ж ты! Передо мной предстал старый музыкант, капельмейстер Дрезденского придворного театра, который слушал его с 1847 года. Я разговорил этого седовласого старца — и всплыл целый кусок истории музыки с самыми причудливыми деталями. Поверите ли Вы, что Вагнер, будучи придворным капельмейстером, на полном серьезе предлагал королю в «Дрезденском вестнике» отказаться от титула «король» и называться «наследственным президентом дома Веттинов»? А также, что он призывал его отменить деньги и восстановить бартерную торговлю? — Наказание за такие эксцентричности было мягким и даже тонким: у Вагнера отобрали классическую оперу и заставили дирижировать халтурой. К сожалению, Бюлов, тогда еще совсем юный парень, у которого был бесплатный билет от придворной интенданттуры, спутал все карты. Очень откровенно воспользовавшись своим билетом, он в одиночку освистал оперу, которой Вагнер не дирижировал, при первом же удобном случае — и добился ее провала. —

Довольно на сегодня! Я писал лишь для того, чтобы написать Вам.

Ваш друг
Ницше.

1071. An Carl Spitteler in Neuveville

Sils, Engadin d. 25 Juli 1888.

Многоуважаемый господин,

то, что Вы мне сообщаете, огорчает меня. Мотивировка, которую господин Креднер дает своему отказу, была бы просто глупостью, если бы она была правдивой. Но это, конечно, лишь предлог. Вчера я пришел к выводу вместе с одним господином, которому была известна подноготная история Дрезденского придворного театра за последние 40 лет, что все отказы — в отношении опер, книг, услуг — мотивируются ложно, — что истинная причина никогда не озвучивается. Что бы это могло быть в Вашем случае? — Доверить печати главу или введение к труду заранее во Франции относится к числу самых обычных приемов книготорговой рекламы: — это действует «возбуждающе на аппетит». К тому же характер, ценность этого введения должны были разъяснить господину Креднеру, что за дух его автор: тот, кто хотел бы стать его автором…

Мой собственный опыт общения с издателями, к слову сказать, в сто раз злонамереннее Вашего. Среди него есть вещи, которые не вынесешь на бумагу — Но я нахожусь в состоянии войны; и я понимаю, когда ведут войну против меня. За последние годы я потратил около 4000 франков на расходы по печати: давно доказана невозможность того, чтобы книга Ницше была напечатана кем-то иным, кроме него самого. Это между нами. —

Что касается моего положения в немецкой прессе, о котором Вы спрашиваете, то оно довольно странное: оно зиждется на страхе, который испытывают передо мной. Я один из немногих, кто не колеблется скомпрометировать себя: очень сомнительный тип человека! На самом деле я пользуюсь весьма значительным авторитетом — и меня, тайно, много читают. Это кое-что значит — быть самым независимым умом Европы. У меня в каждом крупном городе есть круг почитателей, даже в Балтиморе. Моим самым ценным шагом к тому, чтобы раз и навсегда гарантировать себе уважение, было мое покушение на немецкое «образование» во времена высочайшего национального самообожания, по случаю одной жалкой, но всеми восхваляемой книги дряхлого Штрауса. На нее было около 200, отчасти очень страстных, ответов — и симпатия всех более глубоких натур. Старый гегельянец Бруно Бауэр с тех пор стал ницшеанцем. Впрочем, я тогда вовсе не был «новичком», как Вы, по-видимому, полагаете. Я обладал авторитетом молодого гения во всех университетских кругах Германии, с 22 лет был сотрудником первых научных журналов и получил от Лейпцига почетную докторскую степень «ob scriptorum praestantiam» (— сплошь филологика —). У меня также была на моей стороне вся вагнеровская партия.

Тот страх — я не хотел бы этого отрицать — самого ценного рода: а именно, в любой момент готовый перерасти в благоговение. Мне еще ни разу не удавалось завести личного врага.

«Первая мудрость, чтобы быть принятым „в обществе“, — это сразу же при входе устроить дуэль“, говорит Стендаль. Я этого не знал, но я это сделал. —

В заключение позвольте задать Вам вопрос. Вы уже вели переговоры с Робертом Оппенгеймом (Берлин) относительно Вашего труда? У него в издательстве есть родственная литература, например, лучшая немецкая книга, существующая о Франции, «Франция и французы» Карла Гиллебрандта. — Или мне самому написать? —

С выражением
дружеского расположения
Ваш
покорнейший
Ницше

Адрес: Роберт Оппенгейм

Издательство
Берлин W
Маттай-Кирхштрассе 7.

1072. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 16. Juli 1888>

Дорогой друг, еще слово по поводу д-ра Ф<укса>. Он тем временем ответил на мое письмо, превосходно — и не просто умно. Кстати, он признает, что заслужил это письмо и даже ожидал его. В сумме: я снова набрался мужества и учусь терпению. — Одновременно пришло письмо от г-на Шпиттелера (из «Basler Nachrichten»), который горько жалуется на Креднера. Этот непредсказуемый человек в последний момент, когда все было уже условлено, под осязаемыми предлогами вернул рукопись Ш<питтелера>. Восемь лет не находить издателя для шедевра эстетической и исторической критики! Я предпринял новую попытку помочь. — Тем временем из Дрездена приехал старый музыкант и пришел в Зильс. Очень воодушевленный тем, что нашел такого же музыкального крокодила, как я, он рассказал мне почти полвека музыкальной истории с любопытнейшими подробностями: капельмейстер Риччиус, с 1847 года в Дрезденском придворном театре. — Погода, хотя и оставляет желать много лучшего, прояснилась; я тоже. Последний приступ был, конечно, самым тяжелым; я обратился к врачу. Отель «Альпенрозе» полностью занят, даже многие частные комнаты в селении, которыми он распоряжается. С сердечным приветом, твой

Н.

1073. An Meta von Salis auf Marschlins (Postkarte)

Sils, d. 27 Juli <1888>

Глубокоуважаемая барышня,

Вы бы меня очень обязали, если бы сообщили мне текущий адрес фрейлейн фон Мейзенбуг. Это снова Версаль, вилла Амиэль? Или необычайная погода также нарушила её летние привычки? —

Погода, хотя всё ещё очень неспокойная и непредсказуемая, всё же позволяет солнцу снова проглядывать. Я ещё не переживал здесь, наверху, худшего времени, даже в отношении своего здоровья. —

Сердечно благодарю за письмо и приветствие.

Ваш покорнейший
проф. д-р Ницше.

1074. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)

<Sils-Maria, 27. Juli 1888.>

Сердечно благодарю! Сегодня лишь несколько слов для самого любезного корректора. — Пожалуйста, обдумайте, в каких случаях три точки… могут быть заменены или опущены (— они, возможно, встречаются слишком часто). Мы хотим в имени Вагнер сохранить винительный падеж с «n» (Wagnern), но дательный — без «n». — Я могу, в случае необходимости, обойтись без трех заметок, о которых просил в последнем письме. Однако я хотел бы процитировать номер страницы для не-вагнерианцев. —

Я хотел бы, чтобы господину доктору Фуксу был доставлен экземпляр 4-го «Заратустры»: ничего на нем не писать, кроме «ineditum» (жирно подчеркнуто!). Мы ведь ему его еще не посылали? — Ваш дуэт Бюлову: bravissimo! vivat sequens!

Только что сюда снова прибыл гамбургский музыкант в качестве гостя: г-н фон Хольтен (пианист). Также был один старый дрезденский капельмейстер, который работает в Дрезденском придворном театре с 1847 года и смог рассказать мне любопытнейшие вещи (Риччиус). Мы оба немного прояснились — а именно погода и я.

Верно Ваш друг
Ницше.

1075. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, Sonntag d. 29. Juli <1888>

Дорогой друг,

тем временем я распорядился, чтобы Вам был доставлен один из немногих экземпляров моего ineditum: в знак того, что между нами снова всё в порядке и что дикий момент слишком уязвимой и слишком одинокой души преодолён. Четвёртая часть «Заратустры», с которой я обошёлся с тем стыдом перед «публикой», который в отношении трёх первых частей я не сохранил, о чём горько сожалею… Точнее, это антракт между «Заратустрой» и тем, что последует («Имена не называют тебя…»). Более точное название, которое было бы более характерным:

«Искушение Заратустры».
Интерлюдия.

Господин К. Г. Науманн, безусловно, уже предложил Вам то, что у него есть от меня в издательстве; я дал ему на это намёк. Что сделал господин Фрич, я не знаю; я в данный момент не могу ничего от него требовать и получить — по причинам! —

Мне представился действительно умный музыкант, профессор фон Хольтен из Гамбурга, который с большим интересом вспоминал о Вас и повёл меня к дискуссии о принципах Римана (— а также о других принципах: мы оба — большие музыканты-антидекаденты, то есть антисовременные музыканты). Он, кстати, желает Вам того же, чего желаю я — более свободного круга деятельности и больше не Данцига.

Погода крайне непостоянна и меняется каждые три часа; моё здоровье меняется вместе с ней. Вчера мне пришло письмо из Байройта, написанное под полным впечатлением от «Парсифаля». Неизвестный мне венский почитатель, который называет меня своим «учителем» (о!!!) и призывает меня к своего рода акту великодушия по отношению к «Парсифалю»: — я должен быть великодушнее, чем Зигфрид по отношению к старому страннику. Кстати, говорил от имени целого круга моих «учеников», как он выразился, сплошь «свободных умов», очень благодарных за «По ту сторону добра и зла»… (— я сказал им так много великих, глубоких, даже страшных слов..)

О блестящем успехе доктора Брандеса в Копенгагене я Вам, вероятно, рассказывал. Более 300 слушателей на его продолжительном цикле обо мне; в конце — большая овация. Он пишет мне, что моё имя теперь популярно во всех интеллектуальных кругах Копенгагена и известно во всей Скандинавии. Из Нью-Йорка мне была обещана английская статья о моих сочинениях.

Если Вы когда-нибудь доберётесь (— ведь Вам не хватает на это времени, дорогой друг!!) написать что-нибудь обо мне, проявите мудрость, которой, к сожалению, ещё никто не обладал, чтобы охарактеризовать меня, «описать», — но не «обесценить». Это даёт приятную нейтральность, мне кажется, что при этом можно отложить в сторону свой пафос и тем самым получить в руки более тонкую духовность. Меня ещё никогда не характеризовали — ни как психолога, ни как писателя (включая «поэта»), ни как изобретателя нового вида пессимизма (дионисийского, рождённого из силы, который находит удовольствие в том, чтобы схватить проблему бытия за рога), ни как имморалиста (— высшая на данный момент форма «интеллектуальной честности», которая может обращаться с моралью как с иллюзией, после того как она сама стала инстинктом и неизбежностью —). Совершенно не нужно, даже нежелательно, принимать при этом мою сторону: напротив, доля любопытства, как перед чужеземным растением, с ироническим сопротивлением, показалась бы мне несравненно более умной позицией по отношению ко мне. — Прошу прощения! Я только что написал несколько наивностей — маленький рецепт, как счастливо выбраться из чего-то невозможного…

С самым дружеским приветом
Ваш Н.

«Весёлую науку» («la gaya scienza») Вы в любом случае должны прочитать: это моя срединная книга, — очень много тонкого счастья, очень много алкионизма…

1076. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm)

Sils Engadin 30. Juli 1888

пожалуйста, верните рукопись заключительного примечания — Ницше

1077. An Heinrich Hengster in Bayreuth (Entwurf)

<Sils-Maria, Ende Juli 1888>

Дорогой господин

Вы написали мне хорошее письмо. Я с пониманием отношусь к тому, когда кто-то сообщает мне новость с умом и доброжелательностью. —

Так уж вышло, что ответ на Ваше письмо существовал еще до того, как оно было прочитано. Сейчас как раз печатают письмо от меня, которое было составлено в мае этого года в Турине. Его название: «Казус Вагнер. Проблема музыканта».

Возможно, никто еще не пережил в этом деле больше, чем я…

Обратите внимание Ваших друзей на эту предстоящую публикацию (C. G. Naumann, Лейпциг). Вы уже знаете, что никаким другим путем обо мне ничего не узнают. «Пресса» хранит молчание обо мне: я иного и не желаю…

С пожеланием слышать от Вас
всегда только хорошее
Ваш покорнейший
Ницше

1078. An Malwida von Meysenbug in Rom

Sils, Engadin Schweiz Ende Juli 1888

Глубокоуважаемая подруга,

наконец-то! не правда ли? — Но я невольно умолкаю перед каждым, потому что у меня всё меньше желания позволять кому-либо заглядывать в трудности моего существования. Вокруг меня стало действительно очень пусто. Буквально говоря, нет никого, кто имел бы хоть какое-то понятие о моем положении. Самое худшее в нем, без сомнения, — это не слышать уже 10 лет ни одного слова, которое еще достигло бы меня, — и осознавать это, осознавать это как неизбежность! Я дал человечеству самую глубокую книгу, которой оно обладает, книгу, по сравнению с которой все остальные книги — лишь литература. Как же приходится расплачиваться за это! — Это вырывает из всякого человеческого общения, это создает невыносимое напряжение и уязвимость, ты словно зверь, которого постоянно ранят. Рана в том, чтобы не слышать ответа, ни единого звука в ответ, и нести бремя, которое хотелось бы разделить, которое хотелось бы отдать (— иначе зачем писать?), нести его в ужасающем одиночестве на своих плечах. Можно погибнуть от того, чтобы быть «бессмертным»! — Случайно у меня есть еще и несчастье быть современником обеднения и опустошения немецкого духа, что вызывает жалость. В милом отечестве со мной обращаются как с тем, кому место в сумасшедшем доме: такова форма «понимания» меня! Кроме того, мне мешает байройтский кретинизм. Старый соблазнитель Вагнер даже после своей смерти отнимает у меня остатки людей, на которых я мог бы повлиять. — Но в Дании — абсурдно говорить! — меня этой зимой чествовали!! Остроумный д-р Георг Брандес осмелился прочитать обо мне длинный цикл лекций в Копенгагенском университете! И с блестящим успехом! Более 300 слушателей регулярно! И большая овация в конце! — Сейчас мне прочат нечто подобное в Нью-Йорке. Я — самый независимый дух Европы и единственный немецкий писатель — это кое-что значит! —

Это напоминает мне вопрос из Вашего последнего почтенного письма. Вы, конечно, предполагаете, что за книги, подобные тем, что пишу я, я не получаю гонорара. Но чего Вы, возможно, не предполагаете, так это того, что я должен покрывать еще и все расходы на производство и распространение (— в последние годы ок. 4000 франков). Учитывая, что я в опале у прессы и книготорговцев и исключен из их круга, не продается и сотни напечатанных экземпляров. Я без состояния, моя пенсия в Базеле скромна (3000 франков в год). Однако я всегда откладывал кое-что из последней: так что до сих пор у меня нет ни гроша долгов. Мой фокус в том, чтобы все больше упрощать жизнь, избегать долгих путешествий, включая жизнь в отелях. До сих пор это удавалось; я и не хочу иначе. Только для гордости это создает те или иные трудности. —

Под этим многообразным давлением изнутри и извне мое здоровье, к сожалению, оставляло желать лучшего. В последние годы дело не шло на поправку. Последние месяцы, когда к этому добавилась еще и немилость погоды, были даже до неразличимости похожи на мои худшие времена. —

Тем временем у моей сестры дела шли гораздо лучше. Предприятие, по-видимому, удалось блестяще, праздничный, почти княжеский въезд в колонию около 4 месяцев назад произвел на меня большое впечатление. Сейчас там около 120 немцев, помимо обилия местных пеонов; среди них есть хорошие семьи, например, мекленбургские бароны Мальцаны. —

Недавно я очень живо вспомнил о Вас, глубокоуважаемая подруга, благодаря книге, в которой одна из главных фигур первого тома «Мемуаров идеалистки» предстала в самом ярком свете. Также и фрейлейн фон Залис писала мне с большой благодарностью о своем пребывании с Вами.

С самыми сердечными пожеланиями Вашего благополучия и просьбой о постоянном, пусть даже тихом участии

Ваш преданный
Ницше.

— Требуется величие души, чтобы вообще выдержать мои сочинения. Мне выпало счастье озлоблять против себя всех, кто слаб и добродетелен.

1079. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils, 2. August 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

Настоящим пересылаю Вам окончание рукописи. Мы хотим напечатать эту последнюю часть точно так же, как и само окончание: она станет от этого примерно на один печатный лист длиннее. Эти дополнения, которые носят название Послесловие, должны начинаться на странице, которая следует за последней страницей самого «Письма».

Адрес господина Кёзелица по-прежнему:

«Господину Генриху Кёзелицу

Аннаберг»

Прилагаю предложение для Книготоргового вестника. Мне важно, чтобы об этой публикации заговорили заблаговременно.

1080. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, 2. August 1888>

Моя дорогая мама

второе августа! Но мы по-прежнему находимся в условиях постоянных дождей. Холодно, снег совсем близко, лето почти закончилось. Однако мне кажется, что моя сопротивляемость всё же возросла. Я смог по порядку уладить многое, даже небольшую рукопись (первая копия из-за моей сильной слабости стала настолько неразборчивой, что Науманн прислал её обратно; вторая, сделанная за последние 8 дней, выглядит совсем иначе. И дело тут не только в хороших перьях)

В этот раз ветчина полностью соответствует моим желаниям и вкусу — преогромнейшее спасибо! Для меня это гораздо более легкая работа, так как жевание всё ещё доставляет мне трудности. Из предпоследней ветчины я съел два куска; привычка во всём много значит, так что второй кусок показался мне более сносным, чем первый. Но новые мне несравненно милее. Было странно, что сухари прибыли как раз тогда, когда я заказал себе такие же у пекаря в Зильваплане. Сравнение, конечно, очень в пользу твоих. То, что существует ещё и хамелеон, просто удивительно; вчера я позволил ему продемонстрировать мне все свои искусства.

Компания в отеле неплохая; а те, кто относится к более выдающимся особам, стремятся представиться мне. Например, очень приятный прокурор доктор Шён из Любека; старый президент из Северной Германии; только что снова профессор фон Хольтен из Гамбурга; капельмейстер из Дрезденского придворного театра; и даже хорошенькие девушки совершенно очевидно оказывают мне знаки внимания. У них есть примерное представление о том, что я «зверь». Повар в этом году готовит для меня с особой изысканностью. Пришли письма, которые отчасти были безумны от энтузиазма по поводу моих книг: среди них одно прямо из байройтского «Парсифаля», от имени целого круга «учеников» из Вены. Однако я держусь очень холодно по отношению ко всем таким юношеским порывам. Я пишу совсем не для бродильной и незрелой возрастной категории. —

Также прибыла фрейлейн фон Салис, немного более худая и бледная, чем прежде. — На этой неделе в Зильсе повесили 3 новых колокола, сегодня я ещё хвалил превосходного литейщика и производителя этих колоколов, лучшего в Швейцарии. Звук очень красивый.

Только что узнал об ужасном происшествии со слоном в Мюнхене.

Гремит гром; льёт как из ведра; сегодня утром я промок до нитки. По ночам мне немного не хватает сна. Вероятно, это из-за того, что отвратительная погода делает прогулки почти невозможными. Иногда я всё же выбегаю под дождь.

Приветствует и обнимает тебя твоё
старое создание

1081. An Adolf Ruthardt in Leipzig (Postkarte).

Sils-Maria, Oberengadin d. 7 August 1888

Дорогой и любезный господин профессор,

не могли бы Вы незамедлительно дать мне весьма просвещенный ответ? Как звучат в оригинальном тексте «Прекрасной Елены» слова хора, которые по-немецки звучат как «на Крит! на Крит»? Может быть, allons pour Crète? У меня, как ни странно, есть настоятельная причина это узнать. Вы, как старый женевец, — единственный, кто, возможно, мне поможет.

С самым дружеским приветом
Проф. д-р Ницше

1082. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)

<Sils-Maria,> Donnerstag. <9. August 1888>

Дорогой друг,

есть еще постскриптумы к моему «Письму», требующие исправления, — сочувствую Вам! Очень перченые и соленые; во втором постскриптуме я беру проблему в расширенном виде за рога (— мне не скоро представится случай снова говорить об этих вещах; однажды выбранная форма позволяет мне многие «вольности» —). Среди прочего, и суд над мертвыми, в том числе над Брамсом. Однажды я даже позволил себе намекнуть на Вас: в форме, которая, надеюсь, встретит Ваше одобрение! —

Только что я дал Науману поручение представить Вам на последнюю ревизию окончательно исправленные листы, в которых я кое-что изменил.

С глубочайшей признательностью

Ваш друг
Н.

1083. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Sils d. 9. August <1888>

Дорогой друг,

в первых строках предисловия я изменил слова «многими шутками» на «сотней шуток». Впоследствии слово «сотней» показалось мне здесь слишком сильным; я бы предложил вам при редактировании восстановить первоначальное «многими».

Сегодня невероятно прекрасный день, краски юга!

Ваш друг Ницше.

1084. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Donnerstag <9. August 1888>

Глубокоуважаемый господин издатель,

Сегодня утром корректуры были отправлены Вам. Я написал на них «готово к печати»; но, принимая во внимание, что многое нужно изменить и что я питаю очень мало доверия к своему почерку, мне кажется более разумным, когда листы будут исправлены, отправить их на последнюю ревизию господину Кёзелицу — он читает мой почерк лучше, чем я сам. — Существенной потери времени от этого произойти не может. — Я ожидаю только еще послесловия. Мне неясно, сколько времени занимает отправление из Зильса до Вас. То, что Вы отправляете в субботу, в понедельник после обеда в 4 часа уже у меня в руках. Я подозреваю, что в обратном направлении это идет гораздо медленнее. —

С покорнейшим приветом
Ваш
Н.

1085. An Hans von Bülow in Hamburg

Sils-Maria, Engadin d. 10. August 1888

Глубокоуважаемый господин,

тем временем я взял на себя смелость воодушевить одного друга на то, чтобы он прислал Вам первый номер оперы. Возможно, подумал я, это «раздразнит аппетит». Опера называется «Лев из Венеции»: я бы с величайшим удовольствием увидел этого льва в зверинце Поллини…

Эта опера — птица редчайшего вида. Таких вещей теперь больше не делают. Все те качества на переднем плане, которые сегодня, скандально, но фактически, утрачены музыкой. Красота, юг, безмятежность, совершенно доброе, даже озорное настроение самого лучшего вкуса — способность создавать из целого, завершать, а не фрагментировать (осторожный эвфемизм для «вагнеризировать»)

Мой друг, господин Петер Гаст, — одна из самых глубоких и богатых натур, которую случай забросил в это беднеющее время. Мой «ученик», признаюсь, в самом узком смысле, выросший из моей философии, как никто другой. 32 года, до сих пор в полной независимости, уроженец саксонских Рудных гор (принадлежит к удивительно способной семье, которая веками держала в своих руках культуру первого города Рудных гор). Строжайшее музыкальное образование, любимый ученик старого Рихтера в Лейпциге, затем период преодоленного вагнерианства. С тех пор — изоляция в Венеции, в чудесной простоте условий, без «публичности», без «лицемерия», «достоинств» и прочей суеты. — Его мать — венка.

Текст оперы — это просто matrimonio segreto, переведенный моим другом. В прошлом веке он считался образцовым либретто; первый набросок принадлежит Гаррику. Следуя намеку Стендаля, мы перенесли действие произведения в Венецию, то есть не просто позволили ему там происходить, а скорее попытались перевести Венецию в это произведение… Мой друг, который уже 6 лет живет там в таинственном и счастливом уединении, как мне, по крайней мере, кажется, изобрел для музыки некое волшебство венецианского колорита morbidezza, добавив к этому множество прелестно-грубых реалий южного лаццаронизма. Эффектнейший четвертый акт с хором гондольеров в финале, couleur locale первого класса. — Существует превосходно читабельное и красиво написанное клавираусцуг, каллиграфический шедевр моего друга, как и сама партитура. — Увертюра была впервые исполнена в Цюрихе (в Тонхалле). Никто больше не пишет таких увертюр — из цельного куска дерева…

Теперь, когда Вагнер царит в театрах от Санкт-Петербурга до Монтевидео, требуется мужество в духе Бюлова, чтобы рискнуть хорошей музыкой…

С выражением давнего почтения

Проф. д-р Ницше

1086. An Carl Fuchs in Danzig (Postkarte)

<Sils, 10. August 1888>

Будьте спокойны, любезный друг! Я говорю в этом письме о деле, в котором я не только авторитет, но единственный авторитет, существующий ныне. — Вы сами будете первым, кто признает это за мной, — и однажды вы найдете до крайности комичным, что вы предложили мне, в данном случае, «свое посредничество»…

С самым дружелюбным, но совершенно ироническим выражением лица

Ваш
Н.

1087. An Emily Fynn in Genf

Sils den 11. August 1888.

Глубокоуважаемая госпожа

это был день, десятое августа! Погода теплая, чистая, глубоко-синяя; всё, за что я брался, удавалось; каждые два часа случался приятный сюрприз (— в том числе частный концерт для меня, устроенный выдающимся музыкантом из Гамбурга, господином фон Хольтеном: он разучил пьесу моего венецианского маэстро и сыграл ее шесть раз подряд — наизусть!)

Утром я бегал вокруг озера Зильс, после обеда был в глубине долины Фельс — там было по меньшей мере 70 приезжих, все как будто в состоянии выздоровления, ибо до позавчерашнего дня погода была поистине как тяжелая болезнь. И когда я вечером вернулся домой, подсчитывая, сколько хорошего принес этот день, оказалось, что он еще даже не исчерпал своих даров — я нашел Ваше столь доброе, столь любезное письмо! Столь незаслуженное письмо!

— Но зима была зла ко мне, это было мрачное и болезненное время, без солнечного света ни наверху, ни внутри. Всё пребывание в Ницце не задалось. Философы, когда они больны, поступают как животные: они замолкают, они забиваются в свою нору. Даже моя старая подруга Мейзенбуг, должно быть, очень удивлена, не слышав обо мне ничего с прошлой осени. — Жара в Италии уже в начале июня погнала меня в Энгадин — о, несчастный я человек! — Такую погоду невозможно описать; мое состояние ухудшилось настолько, что напомнило мне о моих самых печальных временах. Глубокая слабость, каждую неделю по паре раз в постели, роковая головная боль с ее роковыми последствиями. Поскольку нельзя было выйти из дома и приходилось дрожать весь день в холодной комнате, ночью не удавалось даже уснуть. К тому же полное отсутствие общества; глаза слишком слабы для чтения; болезнь и скука в постоянном режиме. — Примерно 3 недели погода другая: не то чтобы лучше, но, по крайней мере, с хорошими, пусть и короткими, антрактами. Были зимние дни величайшей суровости, с тихими ветрами; и сейчас общий характер ландшафта из-за огромной массы снега очень зимний. Но вчера и позавчера — высшее, земное и энгадинское совершенство!

В Ницце я по вечерам читал «Journal de Genève»… Как часто при чтении печальных сводок погоды я думал о Вас и Вашей страдающей подруге! Для первой зимы в Женеве это было тяжело. Парагвай при таких погодных условиях — действительно заманчивая перспектива.

Последние более подробные сообщения о поистине княжеском въезде и приеме моих соотечественников в новой колонии произвели на меня сильное впечатление. В конечном счете, Европа как музей культуры мне абсолютно необходима. Дикая природа (— и счастье…) — для того, у кого нет философии на совести!. —

К курьезам этой зимы относится то, что я начал становиться знаменитым! Где? В Дании. Остроумный ученый Дании, доктор Георг Брандес, прочел длинный цикл университетских лекций о философе Ницше, с необычайным успехом, если верить газетам. Более 300 человек постоянных слушателей; в конце — большая овация. — Мне как раз прочат нечто подобное в Нью-Йорке. — Хотел бы я получать больше удовольствия от подобных вещей. В сущности, это настраивает меня иронично.

На следующую зиму отшельник хочет на Корсику, не совсем в Аяччо, а в неоткрытый мир. Мне необходимо такое глубокое самосозерцание, что мне нигде не бывает достаточно тихо, нигде не бывает достаточно антисовременно. Передайте, если позволите, сердечный привет от меня Вашей глубокоуважаемой подруге; то же самое — Вашей дочери. Я очень рад, что она общается с хорошим художником. Также с большим интересом слышу о фрейлейн Циммерн: я хотел бы, чтобы она еще помнила обо мне. Не следует забывать и привет выдающейся мадам Бихлер. Ваш почтительно преданный

Ницше.

P.S. Только что начинают звонить колокола Зильса, — новые колокола! Красивый мягкий мелодичный звон. —

1088. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Sils den 11. August <1888>

Дорогой друг,

для меня было немалым утешением услышать, даже увидеть самому, что это весьма рискованное сочинение доставило Вам удовольствие. Бывают часы, особенно по вечерам, когда мне недостает мужества для такой дерзости и жесткости. В сумме: это приучает меня к еще большему одиночеству — и готовит меня к тому, чтобы возвестить еще совсем иные вещи, нежели мои колкости по поводу такого «частного случая». Самое сильное, собственно, содержится в «Послесловиях»; в одном пункте я даже сомневаюсь, не зашел ли я слишком далеко (— не в самих вещах, а в их высказывании). Возможно, мы примечание (в котором намекается кое-что о происхождении В<агнера>) опустим, а вместо него сделаем между главными разделами «Послесловия» небольшие промежутки…

На стр. 27, строка 1, следовало бы, конечно, точнее сказать: «его инстинкт к тому, чтобы не нуждаться в высшей законности»; но так как перед этим стоит «его сознание того», мне это показалось излишним. Поступайте как знаете! —

В заключении всего я вернулся к точке зрения «Предисловия»: одновременно и для того, чтобы лишить сочинение характера случайности, — чтобы выделить его связь со всей моей задачей и намерением.

На обложке указаны сочинения; также я не забыл «Гимн». — На этот раз мне нравятся страницы, — как раз достаточно заполнены и не такие сжатые и запутанно полные, как в «По ту сторону» (— которое кажется мне трудночитаемым).

Вчера был праздник в мою честь. Возможно, у Вас звенело в ушах. Господин фон Хольтен, пианист Гамбургской консерватории, разучил «Любовный дуэт» и исполнил его для меня на частном концерте. Ему пришлось повторить его шесть раз: он чудесно выделил певческий голос — он сам был совершенно восхищен «любезной и тонкой музыкой», как он выразился (— он играл по памяти —) он нашел странной логику ges в басу на странице 5, в нижней строке «dein Will gescheh».

Сразу после этого я сел и написал в Гамбург Гансу…

quod deus bene vertat! —

— А Вам уже удалось услышать свой квартет? —

Уже три дня стоит необычайно прекрасная погода: до этого была суровая зима, приходилось выходить на улицу в метель и при ледяном ветре. —

Что Вы думаете о зиме, которую нам предстоит ожидать? —

И остается ли в силе Ваш визит к семье фон Краузе? -

Не исключено, что я снова отправлюсь отсюда в Турин. Если только… Если бы Бюлов поскорее ответил! — Но кто знает, где он скрывается!

Будьте здоровы, дорогой друг!

Всегда мысленно с Вами

Н.

«Лейтмотив» моих дурных шуток «Вагнер как искупитель» относится, конечно, к надписи на венке Мюнхенского Вагнеровского общества: «Искупление искупителю»…

1089. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils-Maria,> Sonntag, <12. August 1888>

Глубокоуважаемый господин издатель,

только что снова прибыл корректурный лист — содержащий две «приписки». Тем временем я отправил еще один кусок рукописи: мы хотим начать этот кусок под заголовком Эпилог на новой странице (53). К нему я сегодня утром написал еще несколько очень существенных заключительных слов, которые придают сочинению значительную отсылку к моей последней опубликованной работе. Прошу прощения за то, что рукопись попадает в Ваши руки такими фрагментами: если бы Вы знали, в каких невероятных условиях я провожу это лето здесь, наверху, Вы бы наверняка отнеслись ко мне с пониманием. Дело, о котором идет речь в этом сочинении, ответственное и достаточно тяжелое: я хочу быть абсолютно доволен собой в этом процессе — и этим объясняется то, что я все еще вношу дополнения. Я не хочу иметь необходимости возвращаться ко всей этой проблеме: поэтому я сейчас день и ночь размышлял над ней, чтобы найти все существенные ее пункты. — Только 3 дня как погода хорошая; до этого было по-зимнему в худшем смысле. Все время болен!…

Для корректуры Предисловия абсолютно действителен текст, установленный мной и господином Кёзелицем на присланном корректурном листе: однако я просил о том, чтобы последняя ревизия была еще проведена господином К<ёзелицем>.

На обложке мы хотим опустить слова ridendo dicere severum, после того как они нашли более подходящее место на листе, где стоят слова Туринское письмо. —

Обложка, где все зеленое, слова и бумага, мне очень нравится. Так и оставим. — Бумага тоже хорошая, плотная. —

Ваши предложения относительно количества экземпляров и обозначения последних 500 как второго издания также получили мое полное одобрение. — Цена тоже.

Из Ваших слов я заключаю, что первый лист еще не напечатан? В этом случае, значит, небольшое изменение на стр. 7 еще будет сделано? а именно, вместо трех стихотворных строк — эти другие:

«того я не могу тебе сказать,

и то, о чем ты спрашиваешь,

ты никогда не сможешь узнать».»

Небольшой проект для биржевого листка книготорговцев, конечно, может быть изменен в любом смысле и в каждом слове: возможно, Вам не нравится выражение «гениальный памфлет»; или дело с «рогами»; поступайте, пожалуйста, по своему усмотрению! Здесь мне не хватает всякого опыта в отношении того, что дозволено и что полезно.

С наилучшими пожеланиями успешного осуществления нашего предприятия

Ваш покорнейший д-р Ницше

1090. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria,> Montag, <13. August 1888>

Моя дорогая матушка,

у нас уже 4 дня стоит несравненно прекрасная погода, и мы все перевели дух. До этого еще была глубокая зима; так что моя хозяйка положила мне на кровать двойные одеяла, и я пустил в ход все зимние вещи, какие у меня были. Но в один миг наступило чудесное летнее настроение; самые прекрасные краски, которые я видел здесь наверху, и небо совершенно чистое, как в Ницце. Сегодня утром я катался на лодке по озеру с фрейлейн фон Салис; вчера один выдающийся музыкант дал мне небольшой частный концерт, на котором он играл вещи господина Кёзелица, которые он разучил для меня. Также прибыло очень любезное письмо от миссис Финн из Женевы (несмотря на то, что с прошлой осени я полностью замолчал и оставил несколько писем без ответа). В моем отеле сейчас 60 гостей. У меня было очень много дел, мы снова в разгаре работы над печатью. —

Теперь я доел немного солоноватые и грубые окорока; равно как и один из тех, что были нежными и маленькими. Второй тоже уже начат: так что теперь уже недолго осталось до того, как запас будет исчерпан. Мое намерение по-прежнему — продержаться до 15 сентября: хотя при погоде этого года ничего нельзя обещать. В сущности, все мое пребывание до сих пор было испытанием терпения первого разряда: ничего более ужасного и представить себе нельзя. Я очень часто не знал, как преодолеть невероятную меланхолию и слабость.

Зильс обзавелся новыми колоколами, звон которых очень мягкий и полный.

Насчет перьев прошу тебя прислать мне целую коробку, из-за поездки на юг, где я больше ничего не смогу достать.

Несколько дней назад я также написал господину фон Бюлову в Гамбург, который сейчас там уже 2 зимы дирижирует оперой, чтобы порекомендовать ему произведение выдающегося господина Кёзелица. Он был бы единственным, кто осмелился бы на что-то подобное: но так как он человек непредсказуемый, я ни на что не рассчитываю. —

С сердечной любовью обнимаю тебя

Твое старое создание.

1091. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1888>

Дорогой друг, очень обрадован Вашим только что полученным письмом! — Что касается примечания, то я (за исключением более осторожной нюансировки вопроса о происхождении) решил оставить его полностью без изменений. Дело в том, что в своего рода эпилоге я со всей силой возвращаюсь к фальши В<агнера>: так что любой намек в эту сторону становится ценным. (Упомянутый эпилог я еще несколько раз перерабатывал: то, что Вы получите, — еще не окончательный вариант. Но Вы пришлите мне его, исправленным!) — Я в самом деле имею в виду венец<ианские> эпиграммы (а не римские элегии). Исторически верно (как я узнал из книги Хена), что именно они послужили главным поводом. — Семья фон Краузе, как и все на свете, сейчас, должно быть, в разъездах. Дуэт еще вовсе не прибыл. — Беер нет, Бетц! —

С дружеским приветом, Ваш Н.

Суббота. — Последние 10 дней чудесная погода, если не считать вчерашнего дня.

1092. An Carl Fuchs in Danzig (Postkarte)

Sils, am 22. August 1888.

Дорогой друг, мне по-прежнему не хватает времени, и, прежде всего, глаз, чтобы поблагодарить Вас за Ваши содержательные сообщения. У меня сейчас настоящий прилив всяческих неотложных дел, которые поглощают остатки моего зрения целиком и полностью. К счастью, Вы не знакомы с этим физиологическим недугом. Для чтения и письма мне нужны очки № 3 — если бы мои три окулиста были правы, я бы уже много лет был слеп. На самом деле, от каждого дня у меня остается лишь совсем небольшое количество часов для письма и чтения; а когда погода пасмурная — и того меньше. Согласовать это с требованиями высокой ученой культуры — задача не из легких…

С новым шрифтом, возможно, есть еще 1 1/2 месяца в запасе. Для корректуры у меня есть друг, господин Петер Гаст, который уже 10 лет вычитывает каждый лист, выходящий из-под моей руки.

Искренне Ваш Н.

1093. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils, Mittwoch, d. 22. August <1888>

Моя дорогая мама,

у нас снова довольно скверная погода, сыро и холодно: тем больше я обрадовался прибытию твоей посылки, которая попала мне в руки (вчера) во вторник после обеда. Вечером я сразу же начал ветчину, так как с маленькими я полностью разделался. Мне показалось, что она на вкус еще нежнее, что, возможно, связано с размером. Все хорошо, что хорошо кончается — подумал я при этом. Посмотрим, на сколько ее хватит. Я только что подсчитал, что мое пребывание здесь наверху продлится еще 24 дня — 15 сентября отъезд —. Сухари пришлись как нельзя кстати, поскольку те, что я купил у пекаря в Сильваплане в прошлую субботу, не удались. Чай я сразу же пересыпал в жестяные банки: для меня это очень приятное разнообразие. Салфетка пришлась как раз вовремя, так как другую мне нужно отдать в стирку. Премного благодарю, моя добрая милая мама! Все-таки приятно получать из дома такие коробочки — гораздо лучше, чем от швейцарского колбасного фабриканта…

Фрейлейн фон Салис уехала несколько дней назад. Вообще, здесь быстро пустеет. Очень приятная компания для меня — берлинский профессор Кафтан с супругой, которые хорошо знают меня еще по Базелю и впервые здесь наверху. (К<афтан> привез мне новости и приветы от Дойссена, а также от Ромундта: я не могу полностью исключить мысль, что он, возможно, сам хотел бы быть одним из тех друзей, которые «желают остаться неизвестными». Кстати, это один из самых симпатичных теологов, которых я знаю) — Что касается тех денег, то ко мне все больше приходит понимание, что они прибыли очень вовремя. Если все пойдет так же, как хорошо началось, то в ближайшие годы я закончу главное дело своей жизни — и мне понадобится немало денег на печать. — Соображения об этом главном деле, а также желание по возможности избежать всяких экспериментов в нынешних обстоятельствах, все же приведут меня снова в Ниццу. Отсюда я отправлюсь прямо в Турин. Таким образом, я остаюсь на пути. — Несколько дней назад я составил следующий список своих пожитков: 4 рубашки. 4 ночные рубашки. 3 шерстяные рубашки. 8 пар чулок. Хороший пиджак. Более плотное пальто. Зимнее пальто из Наумбурга (еще вполне хорошее, но я ношу его слишком редко!) 2 черных брюк, одни очень толстые брюки. 2 высоких черных жилета, 2 последних наумбургских жилета (которые были бы вполне хороши, только на ладонь коротки). Толстые домашние туфли. — Это кажется мне как раз достаточным. Чтобы не переполнять чемодан, я должен быть очень осторожен и в этот раз оставлю здесь наверху халат (— он сильно порван, и мне кажется, для такого ученого, как я, приличнее, если он не носит халатов. Наумбургское зимнее пальто, вероятно, займет его место)

Вот только что снова выглянуло солнце. 2 сентября я не забыл. — Очень много нужно сделать; и я хотел бы иметь возможность больше спать.

С любовью
Твое старое создание

1094. An Meta von Salis auf Marschlins

Mittwoch, Sils. <22. August 1888>

Глубокоуважаемая барышня,

погода такая же, как в утро Вашего отъезда — впервые с тех пор: шумный плеск. Я позволяю себе тот разумный отдых, который так часто устраивал себе этим летом в борьбе с «духами природы», — и немного беседую с Вами. Ко всему прочему передо мной лежит некая книга: она прибыла вчера вечером. Никогда еще я не видел себя столь достойно облаченным — почти как «классик». Первый же взгляд в нее преподнес мне сюрприз: я обнаружил длинное предисловие к «Генеалогии», о существовании которого я забыл… В сущности, в памяти у меня оставались лишь названия трех трактатов: остальное, т.е. содержание, улетучилось. Таково следствие чрезвычайной умственной деятельности, которая заполняла эту зиму и эту весну и которая словно воздвигла между ними стену. Теперь книга оживает передо мной — и вместе с ней состояние прошлого лета, из которого она возникла. Чрезвычайно сложные проблемы, для которых не было ни языка, ни терминологии: но я, должно быть, пребывал тогда в состоянии почти непрерывного вдохновения, раз этот текст течет так, словно это самая естественная вещь на свете. В нем не чувствуется никакого труда — стиль неистовый и волнующий, при этом полный тонкостей; гибкий и богатый красками, как я, собственно, до тех пор не писал никакой прозы. Правда, великий критик Шпиттелер говорит, что с тех пор, как он прочел это мое сочинение, он оставил всякие надежды на меня как на писателя…

По сравнению с прошлым летом, которое позволило мне такую импровизацию на ужасные темы, это лето, конечно, кажется просто «провальным». Мне чрезвычайно жаль: ведь из впервые удавшегося весеннего пребывания я привез даже больше сил, чем в прошлом году. К тому же все было подготовлено к великой и совершенно определенной задаче. «Памфлет» против Вагнера (— которым я, между нами, горжусь) во всем существенном принадлежит Турину и был, по сути, самым настоящим, самым лучшим отдыхом, который только можно было себе устроить посреди тяжелых дел.

К особенностям этого лета относится абсурдная бессонница. И сегодня, как вчера, как позавчера, с двух часов размышлял… в 4 часа какао…

Вчера после обеда я был с профессором Кафтаном в долине Фехс. В «Альпенрозе» еще около 30 человек. В сущности, сейчас все быстро подходит к концу. Осень — у нас несомненная сентябрьская погода: если это еще не эвфемизм. Тем не менее я хочу попытаться продержаться до середины сентября.

С самыми сердечными пожеланиями Вашего благополучия и с многочисленными поводами поблагодарить Вас

Ваш покорнейший
Д-р Ницше.

— Вы можете быть уверены, что книга будет беречься как зеница ока и вернется к Вам в совершенно прочной (переплетенной) обертке.

1095. An Heinrich Köselitz in Buchwald (Postkarte)

<Sils-Maria,> 24 Aug. 1888

Дорогой друг, я как раз отправляю эпилог Науману с условием, что он будет еще раз представлен Вам для последней редакции. Мне показалось полезным выразить кое-что яснее (— мне показалось изящным взять христианство под защиту против В<агнера> —). К тому же самый последний абзац теперь сильнее, — и веселее…

«В путь на Крит!» — это знаменитый хор из «Прекрасной Елены». Я говорю Вам это из вредности, после того как Вы «просветили» меня насчет заключительных слов «Парсифаля». Эти «последние слова» Вагнера ведь были моим лейтмотивом…

Пока ничего нового. Все уезжают. Все еще в разъездах. С середины сентября в Турине большие празднества по случаю свадьбы принца Амедео: в качестве праздничной оперы — «Тангейзер», на немецком языке, в постановке Анджело Ноймана (teatro regio, в остальное время только карнавальный театр)… Как бы мне хотелось иметь Вас поблизости, т. е. в Венеции!

Благодарный
Ваш друг Н.

1096. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, Sonntag <26. August 1888>

Дорогой друг,

несколько дней покоя. Было также пара дней болезни. Но должно идти — и оно идет. В этот раз моя очередь рассказывать. — Сначала о д-ре Брандесе. Он сделал для меня лишь то, что делает уже 30 лет для всех независимых умов Европы — он представил меня своим соотечественникам. Что я в своем случае должен высоко ценить, так это то, что он там преодолел свою страстную неприязнь ко всем нынешним немцам. Только что он снова, после визита кайзера, в «истинно дьявольском настроении», как пишет Kölnische Zeitung, выразил свое презрение ко всему немецкому. Ну, ему щедро платят тем же. В ученых кругах он пользуется самой дурной репутацией: состоять с ним в отношениях считается позором (достаточная причина для меня, такого, какой я есть, придать истории о зимних лекциях самую широкую огласку). Он принадлежит к тем международным евреям, у которых в теле истинный дьявольский дух, — у него и на Севере врагов предостаточно. Он полиглот, имеет свою лучшую аудиторию в России, знает хороший интеллектуальный мир Англии и Франции самым близким образом — и является психологом (чего ему немецкие ученые не прощают…) Его величайший труд, выходивший несколько раз, «Главные течения литературы девятнадцатого века» — до сих пор лучшая написанная по-немецки культурная книга об этом великом предмете. — К музыке он, как писал мне зимой, к своему сожалению, никакого отношения не имеет. —

4 дня назад нас покинул господин фон Хольтен. Мы все опечалены. Такое сочетание любезности и злобы — вещь крайне редкая. Старый аббат с капризами великого актера. При этом совершенно удивительная изобретательность в делании добра, в доставлении радости — у каждого есть история об этом. Он, в самом деле, должен быть в счастливейших обстоятельствах, я имею в виду не кошелька, а сердца, ибо не проходило дня, чтобы он не «совершил» чего-то подобного. — Для меня он придумал следующую любезность: он разучил композицию единственного музыканта, которого я сегодня признаю, моего друга Петера Гаста, и играл ее мне приватно шесть раз наизусть, будучи в восторге от «этого любезного и остроумного произведения». — In rebus musicis et musicantibus (в музыкальных делах и среди музыкантов) мы ладили как нельзя лучше, т. е. мы были без всякой терпимости и препарировали «одноглазого» среди слепых… Что касается Римана, то мы говорили об этом достаточно серьезно, но также в том же духе, а именно, что «фразированное» издание хуже любого другого — а именно, как злостная школьная педагогика. Что является «неправильным», можно, в самом деле, определить в бесчисленных случаях, что является правильным — почти никогда. Иллюзия «фразировщиков» в этом пункте казалась нам необычайной. Основная предпосылка, на которой они строят, что вообще существует правильное, т. е. одно правильное толкование, кажется мне психологически и по опыту ложной. Композитор, в состоянии творчества, как и воспроизведения, видит эту тонкую тень в чисто лабильном равновесии — каждый случай, каждое повышение или ослабление субъективного чувства силы охватывает то более широкие, то необходимо более узкие круги как единицы. Короче говоря, старый филолог говорит, исходя из всего филологического опыта: не существует единственно спасительной интерпретации ни для поэтов, ни для музыкантов (Поэт абсолютно не является авторитетом для смысла своих стихов: есть удивительнейшие доказательства того, насколько текучим и расплывчатым для них является «смысл» —).

— Другая точка зрения, о которой мы говорили (— может быть, я уже как-то касался ее в разговоре с Вами, дорогой друг, пару лет назад). Это одушевление, оживление мельчайших частей речи музыки (— я хотел бы, чтобы Вы и Риман применяли слова, которые каждый знает из риторики: период (предложение), колон, запятая, в зависимости от размера, равно как вопросительное предложение, условное предложение, императив — ибо учение о фразировке — это попросту то же, что для прозы и поэзии учение о пунктуации), — так вот: мы рассматривали это одушевление и оживление мельчайших частей, как оно в музыке относится к практике Вагнера и оттуда стало почти господствующей системой исполнения (даже для актеров и певцов), с родственными явлениями в других искусствах: это типичный симптом упадка, доказательство того, что жизнь отступила от целого и роскошествует в мельчайшем. «Фразировка» была бы, таким образом, симптоматикой упадка организующей силы: иначе говоря, неспособности охватывать ритмически большие отношения — форма вырождения ритмического… Это звучит почти парадоксально. Первые и самые страстные поборники ритмической точности и однозначности были бы не только следствиями ритмического décadence, но и их сильнейшими и самыми успешными орудиями! В той мере, в какой глаз настраивается на ритмическую отдельную форму («фразу»), он становится миопичным (близоруким) для широких, длинных, больших форм: точно так же, как в архитектуре бернинизма. Изменение оптики музыканта — оно повсюду в действии: не только в ритмической сверхживости мельчайшего, наша способность к наслаждению все больше ограничивается деликатными маленькими возвышенными вещами… следовательно, делаешь только еще такие — —

Мораль: Вы с Риманом целиком и полностью на «верном пути» — единственном, который еще существует…

Мы обсуждали также пункт, который касается Вас особенно. Фон Хольтен считал, что такими концертами с фразировкой, как те, что устраиваете Вы, абсолютно ничего не достигается. Там иллюзия исполнителя полная. Люди просто не слышат, в какой мере исполнение отличается от каждого ранее слышанного: даже профессиональному пианисту отнюдь не с желаемой отчетливостью (отдельные случаи, как водится, исключая) привычная ему и зафиксированная интерпретация является настолько делом сознания, чтобы в каждое мгновение чувствовать разницу. Такие концерты абсолютно ни в чем не убеждают, потому что они вообще не доводят разницу до сознания. Другое дело, конечно, тоже только в отношении весьма искушенных музыкантов, ставить различные манеры исполнения плотно друг за другом; что он отрицал, так это то, что этим можно доказать очевидность правильного. Вы хотели бы только дать проголосовать…

Все, что Вы мне пишете, укрепляет меня в желании, чтобы Данциг delenda est (был разрушен), — Бонн: это звучит гораздо веселее… Я втайне предполагаю, что там все еще функционирует в качестве капельмейстера добродушный шуманианец Брамбах (— я пел под его управлением в Кельне на большом музыкальном празднике в Гюрценихе — например, «Фауст» Шумана —). Там живет много хороших людей, также и иностранки. Климатическая разница неописуемо благоприятна… Вся мировая окраска меняется на Рейне в «добром нраве» — crede experto (верь опытному). Наконец, там действительно есть рейнская музыкальная жизнь. — Вы однажды в Наумбурге видели моего друга Круга: тот самый, теперь большая шишка, у которого в подчинении 80 служащих, юстицрат и директор левобережной Рейнской железной дороги, резиденция в Кельне, совсем недавно основал в Кельне Вагнеровское общество большого стиля: он его президент. —

С многими сердечными пожеланиями и прося прощения за все нежеланное в этом письме

Ваш покорнейший
Ницше

NB. до 14 сент. Зильс. 15-го отъезд — —

— Вы, надеюсь, не приняли всерьез мой «литературный рецепт»?? — Я в плане «публичности» и «славы» не делаю ничего, кроме злостей. — Некоторые рождаются посмертно. —

1097. An Carl Fuchs in Danzig

<Sils-Maria, vermutlich Ende August 1888>

Для разграничения античной ритмики («временная ритмика») и варварской («аффективная ритмика»).

1. Того, что помимо словесного ударения существовало еще какое-то иное ударение, — для этого у теоретиков ритма (напр., Аристоксена) нет ни малейшего свидетельства, ни одного определения, даже соответствующего слова. — Арсис и тезис лишь со времен Бентли понимаются в ложном смысле современной ритмики — определения, которые дают этим словам древние, совершенно недвусмысленны.

2. Как в Афинах, так и в Риме ораторов, даже самых знаменитых, упрекали в том, что они нечаянно произносили стихи. Приводится множество примеров таких сорвавшихся стихов. Упрек этот, согласно нашей привычной манере произносить греческие и латинские стихи, просто непостижим (— лишь ритмический иктус создает у нас из последовательности слогов стих: но как раз самая обычная речь содержала, согласно античному представлению, очень легко совершенные стихи —)

3. Согласно прямым свидетельствам, невозможно было услышать ритм произносимых лирических стихов, если при помощи тактовых ударов более крупные временные единицы не доводились до сознания чувства. Пока танец сопровождал (— а античная ритмика выросла не из музыки, а из танца), ритмические единицы видели глазами.

4. У Гомера встречаются случаи, когда краткий слог необычным образом образует начало дактиля. Филологи полагают, что в таких случаях ритмический иктус обладает силой компенсировать недостаток времени. У античных филологов, великих александрийцев, которых я специально опрашивал по этому пункту, не находится ни малейшего следа такого оправдания краткого слога (зато пять других).

5. Как на греческой, так и на латинской почве наступает момент, когда северные песенные ритмы берут верх над античными ритмическими инстинктами. Бесценный материал для этого — в главном труде по христианско-греческой гимнологии (вышедшем из южнофранцузского ученого монастыря). С того момента, как наш тип ритмического ударения проникает в античный стих, каждый раз язык оказывается потерян: немедленно исчезают словесное ударение и различение долгих и кратких слогов. Это шаг к образованию варваризирующих идиом.

6. Наконец, главное. Оба вида ритмики противоположны по своему изначальному замыслу и происхождению. Наша варварская (или германская) ритмика понимает под ритмом последовательность одинаково сильных аффективных нарастаний, разделенных понижениями. Это дает нашу древнейшую форму поэзии: три слога, каждый выражающий главное понятие, три значимых удара, как бы по сенсориуму аффекта — это образует наш древнейший стихотворный размер. (В нашем языке в среднем самый значимый слог, аффективно-доминирующий слог, имеет ударение, в корне отличное от античных языков.) Наш ритм — это средство выражения аффекта: античный ритм, временной ритм, напротив, имеет задачу обуздывать аффект и до известной степени элиминировать его. Исполнение античного рапсода было чрезвычайно страстным (— в «Ионе» Платона можно найти яркое описание жестов, слез и т.д.): временная равномерность ощущалась как своего рода масло на волнах. Ритм в античном понимании — это, морально и эстетически, поводья, которые накладываются на страсть.

В итоге: наш тип ритмики относится к патологии, античный — к «этосу»…

Предоставлено на любезное рассмотрение господину д-ру Карлу Фуксу.

Ф. Н.

1098. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils den 30. August 1888

Моя дорогая мама,

я хочу, чтобы это письмо попало к тебе в руки не позднее 2 сентября, не столько к празднованию Седана, сколько потому, что в этот день исполняется десять лет, как твоя замечательная Альвина с тобой. В наше время, когда всё сходится и снова расходится, такой срок — это почти чудо; и мало найдется вещей, которым тебя можно было бы больше позавидовать (разве что твоему сыну —). Особенно в твоем одиночестве, когда двое твоих детей разбросаны по всему свету, тебе, чтобы по-настоящему чувствовать себя дома, нужно такое доброе и верное существо. Беда в том, что тебе будет нелегко найти замену, если она когда-нибудь понадобится. Пожалуйста, передай Альвине мою благодарность и признательность от моего имени: я думаю, что всё доброе на этой земле находит свою награду. —

Нас здесь сейчас одарили чудесной погодой, и мы вдоволь наслаждаемся тем, что заслужили долгим терпением. В данный момент мой отель удостоен чести принимать у себя чрезвычайно влиятельного господина Бедекера из Лейпцига; его жена с дочкой, всегда очень любезные со мной, были здесь всё лето. Я снова полностью в работе, — надеюсь, так продлится еще некоторое время, поскольку хорошо и долго готовившаяся работа, которая должна была быть завершена этим летом, буквально «провалилась в воду». Это была невосполнимая потеря со стороны этого ужасного лета. —

До 15 сентября я намерен продержаться. В этот день отъезд, снова в Турин, который остался у меня в лучшей памяти с весны. Там во второй половине сентября состоится очень большая княжеская свадьба принца Амедео. В качестве праздничной оперы выбран «Тангейзер» (немецкий, разумеется, труппа Анджело Ноймана —). Господин Кёзелиц находится у своих друзей, баронов фон Краузе, в их имениях в Задней Померании, приняв очень любезное приглашение. Друг Зейдлиц написал вчера, что император Японии через своего посла вручил ему любезное благодарственное письмо за его заслуги в распространении японского вкуса. — Еще понадобится небольшая посылка: не сухари, а ветчина такого же размера и качества, как последние (которые я нахожу деликатными). Затем я еще раз прошу прислать гросс перьев для круглого письма Зённекена № 5, из-за отъезда на юг. Также поищи мне, пожалуйста, небьющийся гребень (что-нибудь очень хорошее!); кстати, мне еще не хватает гребня от вшей (узкого, но он должен быть очень острым —). — С чаем у меня вышла забавная история. Этим летом меня преследует сушонг. Я 4 раза заказывал чай и каждый раз просил другой (потому что сушонг слишком слаб и недостаточно терпок на вкус для меня), но мне 4 раза присылали сушонг! В последний раз даже «мать» этого чая! То, что хорошо для твоего сына, — это хороший конго (но заказывать нужно в главном магазине: мелкие торговцы сами не различают сорта).

С сердечнейшим приветом
Твое старое создание

1099. Vermutlich an Carl Spitteler in Basel (Entwurf)

<Sils-Maria, verm. Anfang September 1888>

Шпиттелер.

Милостивый государь.

Вы совершенно меня недооцениваете. До сих пор мне вовсе не недоставало гуманности по отношению к моим современникам (— время: в остальном у меня нет с ними ничего общего). — Я мог бы рассказать Вам о двух случаях, которые Вы бы поняли. — Ваш друг В<идман> однажды напечатал о моей книге самые непристойные глупости, какие только могут быть: я позволил себе пошутить, сказав ему, что «он меня понял»… он поверил.

Что касается г-на Шп<иттелера>, то он однажды выразил настоящую ярость по поводу того, что ему приходится читать мои сочинения; он даже отказался от книги, которую предложил ему мой издатель («По ту сторону добра и зла»). До сих пор я полагал, что создание этого времени оказывает себе незаслуженную честь, когда берет в руки мою книгу.

До сих пор я также привык к тому, что всякий, кто входил в мои книги, снимал обувь… Господа Видман и Шпиттелер даже не сняли сапог — и каких сапог!…

Я насмехался над немцами в плане понимания: не сомневайтесь, что у меня есть опыт и в отношении швейцарского рогатого скота.

Н.

1099a. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Sils-Maria, verm. Anfang September 1888>

Ответ на письмо вдовы Вагнера, отличающееся вежливостью

Вы оказываете мне честь, публично нападая на меня на основании моего сочинения, которое дало первое разъяснение о В<агнере>, — Вы сами делаете попытку разъяснить что-то и обо мне. Я признаюсь, почему я в невыгодном положении: у меня слишком много правоты, слишком много разума, слишком много солнца на моей стороне, чтобы борьба при таких обстоятельствах была мне позволена. Кто знает меня? — госпожа Козима меньше всех. Кто знает Вагнера? Никто, кроме меня, если добавить ещё госпожу К<озиму>, которая знает, что я прав… она знает, что противник <прав> — я уступаю Вам всё, исходя из этой позиции. При таких обстоятельствах женщина теряет свою грацию, почти свой разум… Не ошибаются те, кто молчит: особенно когда они неправы…

Si tacuisses, Cosima mansisses…

С выражением
соответствующего обстоятельствам
сочувствия

Вы очень хорошо знаете, насколько я осведомлен о том влиянии, которое Вы оказали на В<агнера> — Вы знаете еще лучше, насколько я презираю это влияние… Я повернулся спиной к Вам и Вагнеру в тот самый момент, когда начался этот обман…

Если дочь Листа хочет рассуждать о вещах немецкой культуры или даже религии, то у меня нет никакой жалости…

1100. An Carl Fuchs in Danzig (Entwurf)

<Sils-Maria, September 1888>

Дорогой друг, Вам следует, наконец! принять во внимание, что фразировка — это не то, что меня касается: и что я, из участия к Вам и из некоторой привычной объективности к неприятным вещам, воздерживался от того, что любой другой на моем месте давно бы сделал: а именно сказать «Черт Вас возьми!» Теперь же я просто вынужден защищаться. Я отбиваюсь <руками> и ногами от того, чтобы кто-то нападал на меня с письмами. Что имеет мое несколько серьезнее наполненное существование общего с такими абсурдными вопросами, как «фразировка»!

Каждый, кто имеет малейшее представление о глубокой сосредоточенности и концентрации, которых требует от меня решение высочайших вопросов, страшится писать мне. У меня давно уже нет никакой переписки, кроме как с моей матерью и с моим другом Гастом — с последним как раз по той причине, по которой я желаю прервать общение с Вами. Ваше толстое письмо будет, как такой толстый великан, еще некоторое время сопровождать меня по жизни — нераспечатанным: будьте в этом уверены; — — —

1101. An Carl Fuchs in Danzig

Sils, den 6. Sept. 1888

Дорогой друг,

в ближайшие дни я покидаю Зильс; поскольку мне еще необходимо длительное глубокое сосредоточение, я снова исчезаю, в соответствии с моей монашеской практикой, для посещений любого рода — включая письма. Передо мной уже лежит пачка непрочитанных писем: боюсь, среди них есть два от Вас. — Напоследок не скрою от Вас своего подозрения: не касаются ли они священной «фразировки»? В таком случае следовало бы всерьез обдумать, не по адресу ли они посланы? Письма о «фразировке» философу переоценки всех ценностей!… В Ницце меня во что бы то ни стало хотят заинтересовать жителями Марса; там для этой планеты есть самые мощные телескопы в Европе. Вопрос: кто мне на самом деле ближе, марсиане или фразировка? — Я бы охотно продолжил интересоваться доктором Фуксом, но с исключением его марсиан…

Небольшое сочинение под названием

Казус Вагнер

Музыкантская проблема.

поступит к Вам в октябре. —

С сердечным приветом
философ из
Зильс-Марии.

NB. Здесь, в Зильсе, меня пытаются заинтересовать самой большой форелью, которую когда-либо ловили, весом в 30 фунтов; кто знает, в этом случае, при условии хорошего соуса майонез…

1102. An Meta von Salis auf Marschlins

Sils den 7. Sept. 1888

Глубокоуважаемая барышня,

Настоящим возвращаю Вам книгу, присовокупляя к этому мою самую искреннюю благодарность. Я вложил её в прочный картон: моё желание — чтобы почта не совершила никаких грубостей.

Тем временем я был очень прилежен — до такой степени, что у меня есть основания взять назад вздох из моего последнего письма по поводу «провального лета». Мне даже удалось нечто большее, нечто такое, на что я не рассчитывал… Следствием этого, конечно, стало то, что моя жизнь в последние недели пришла в некоторое расстройство. Я несколько раз вставал в 2 часа ночи, «движимый духом», и записывал то, что до этого проносилось у меня в голове. Затем я слышал, как мой домовладелец, господин Дуриш, осторожно открывал входную дверь и ускользал на охоту за сернами. Кто знает! возможно, я тоже был на охоте за сернами…

Третье сентября было очень примечательным днём. Утром я написал предисловие к моему Переоцениванию всех ценностей, самое гордое предисловие, которое, возможно, было написано до сих пор. После я вышел наружу — и вот! самый прекрасный день, который я видел в Энгадине, — сияние всех красок, синева на озере и небе, ясность воздуха, совершенно неслыханная… Это было не только моё суждение… Горы, глубоко внизу покрытые белым — ведь у нас были суровые зимние дни — во всяком случае, усиливали интенсивность света. —

Затем я пошёл обедать и нашёл рядом с моим прибором письма, среди них и любопытно толстое письмо от Вас…

После обеда я обошёл вокруг всего озера Сильваплана: этот день, вероятно, останется в моей памяти. —

15 сентября я уезжаю в Турин; что касается зимы, то попытка с Корсикой была бы всё же, по причинам глубокого сосредоточения, в котором я нуждаюсь, немного рискованной… Но кто знает —

В следующем году я решусь отдать в печать моё Переоценивание всех ценностей, самую независимую книгу, которая существует… Не без больших сомнений! Первая книга, например, называется Антихрист.

С сердечнейшим приветом и полным согласием с Вашим суждением о Цюрихе, не говоря уже о водяных бродягах,

остаюсь благодарнейшим и преданным
Ваш
Фридрих Ницше

1103. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils, den 7. Sept. 1888>

Глубокоуважаемый господин издатель,

в этот раз я преподнесу Вам сюрприз. Вы, конечно, думаете, что с печатью мы закончили: но вот посмотрите! Только что к Вам отправляется самая аккуратная рукопись, которую я когда-либо Вам присылал. Речь идет о сочинении, которое по своему оформлению должно стать полным двойником «Казуса Вагнера». Его заглавие: Праздность психолога. Мне необходимо издать его сейчас, потому что в конце следующего года нам, вероятно, придется приступить к печати моего главного труда — Переоценки всех ценностей. Поскольку он носит весьма строгий и серьезный характер, я не могу прислать вслед за ним ничего веселого и изящного. С другой стороны, должен пройти некоторый период между моей последней публикацией и тем серьезным трудом. Также я <не> хотел бы, чтобы он последовал непосредственно за дерзким фарсом против Вагнера. —

Это сочинение, объем которого невелик, возможно, также послужит тому, чтобы немного приоткрыть уши для меня: дабы тот главный труд не встретил вновь такого абсурдного молчания, как мой Заратустра. — Итак, во всем так же, как и сочинение о Вагнере: такое же количество экземпляров.

Я покидаю Зильс 15 сентября и снова отправляюсь в Турин. Оттуда я сообщу Вам свой адрес. Ничто не мешает нам немедленно начать печать: и, принимая во внимание, что на эту зиму мне необходимо глубокое сосредоточение, мне было бы даже весьма желательно, если бы эти несколько листов были готовы как можно скорее. — Досылки рукописи Вам опасаться не стоит. Последние недели я был в значительно лучшем состоянии, чем все лето.

Я прошу Вас отправить бесплатные экземпляры «Казуса Вагнера» по следующим адресам (с припиской от Вашей руки: По поручению автора

К. Г. Науманн

Барону Карлу фон Герсдорфу, рыцарю и т. д.

в Острихене близ Зайденберга,

Силезия

Барону Р. фон Зейдлицу, Мюнхен, Хессштрассе, 3

Доктору Брандесу, Копенгаген, площадь Св. Анны, 24

(три экземпляра)

Профессору доктору Якобу Буркхардту, Базель

Профессору доктору Овербеку, Базель

Зеефогельштрассе

Доктору Фуксу, Данциг

Госпоже доктору Элизабет Фёрстер

Колония Новая Германия

Нуэва-Германия

Парагвай (Южная Америка)

(это письмо следует заказным)

Профессору доктору Дойссену, Берлин W.

(2 экз.) Курфюрстендамм, 142

Фрейлейн Мете фон Салис, доктору философии

Маршлинс близ Ландкварта (Швейцария)

Генриху Кёзелицу, 2 экз.

Господину фон Хольтену, профессору музыки

Гамбург

Я жду прибытия каждый день, будь то экземпляры или, по крайней мере, корректурные оттиски. Попросите же Э. В. Фрича выписать музыкальные газеты, в которые мы должны отправить экземпляры. Ни одного экземпляра, пожалуйста, для «Бунда». — Зато один по адресу:

Фердинанду Авенариусу

Редакция «Кунстварта»

Дрезден, Штефаниенштрассе, 1

С глубоким уважением
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше.

1104. An Carl Fuchs in Danzig

Sils den 9. Sept. 1888.

Дорогой друг,

я приеду не так скоро, как мог полагать еще два дня назад; некоторые издательские и печатные вопросы требуют здесь обязательного урегулирования или ожидания. Ближайший, довольно вероятный срок — 16 сентября. — Сегодня я пребываю в непредвиденном свободном расположении «милой души» — и вы должны немедленно это почувствовать. Последние недели я был самым странным образом вдохновлен: так что кое-что, на что я не рассчитывал, однажды утром было готово, словно бессознательно. Это вызвало некоторый беспорядок и исключения в моем образе жизни: я вставал (или вскакивал) чаще всего в 2 часа ночи, чтобы, «движимый духом», набросать что-то. Тогда я слышал, как открывалась входная дверь: мой хозяин крался на охоту за сернами. Кто из нас двоих был больше на охоте за сернами? — Невероятно, но факт: сегодня утром я отправил в типографию самую тщательную, чистую и проработанную рукопись, которую я когда-либо сочинял, — я даже не хочу подсчитывать, за сколько дней она была создана. Название достаточно любезное: «Праздность психолога» — содержание самое худшее и радикальное, хотя и скрытое под множеством тонкостей и смягчений. Это полное общее введение в мою философию: — следующее, что затем последует, — это «Переоценка всех ценностей» (первая книга которой почти готова). Посмотрим, до какой степени сегодня вообще возможна «свобода мысли»: у меня есть смутное представление о том, что за это меня будут преследовать в самой красивой форме.

Мораль: у меня появилось время прочитать два письма — и искренне! с восторгом. Юмор ситуации в том, что я только что публично похвалил Римана: и чтобы вы поняли мой более сокровенный настрой, я перепишу вам несколько слов господина Гаста, которые он написал мне, вычитывая соответствующие слова.

«Метрические исследования Римана, вдохновленные и возникшие из пропаганды исполнения Вагнера, возможно, еще можно назвать оружием, которое становится опасным для Вагнера: как вы однажды (Утренняя заря, стр. 184) представили историческую науку как дочь и окончательную победительницу романтизма. Я хотел бы, по крайней мере, верить, что если они продолжат обострение восприимчивости к музыкальной периодике еще несколько десятилетий, то они пробудят чувство большого параллелизма периодов и, наконец, чувство плана построения композиции, каким оно было на рубеже этого века; и закон к этому!» — Вы, конечно, позволите мне дать моему другу прочитать вашу совершенно превосходную oratio pro domo (и arte)? Он сейчас совсем недалеко от вас: приглашен в гости знатной семьей в их имения в Задней Померании (— Венецианская дружба; очень красивая девушка и т. д.). Возможно, переписанные слова сами дадут вам представление о нашем весьма очищенном gustus. Я только что вступил в контакт с Бюловом с целью передать комическую итальянскую оперу господина Гаста («Лев Венеции») зверинцу Поллини. Общественности пока почти ничего не было представлено; в пожелания моего друга не входит именно сейчас, посреди путаницы вкусов, привлекать к себе внимание. Глубокая тишина, пребывание наедине с собой в лучшем — в сто раз важнее, чем быть «известным», т. е. неправильно понятым. — В остальном точно мой случай — и моя практика…

Из моего «памфлета» вы получите должное представление о моем музыкальном пессимизме; и также, в этом особом случае, я все еще определен некоторыми очень четкими и неприятными воспоминаниями о моем времени близости с Вагнером. Исполнение увертюры к «Волшебной флейте» в Мангейме (— где я имел честь сопровождать фрау Козиму при ее первом появлении перед «миром» в качестве кавалера) было из-за «сверхживости» любой ценой, из-за истинных эксцессов контрастов своего рода типом «бернинизма» в исполнении. —

В заключение признаюсь, что мне доставляет необычайное удовольствие однажды оказаться совершенно определенно неправым по отношению к вам, дорогой друг, и самому сделать это. Это несравненно улучшает наши отношения: поверьте в это «праздношатающемуся психологу»…

Небо знает — вы художник, а не школьный учитель! — я тоже это знаю…

Преданно ваш Н.

Еще раз сказано: на следующую неделю и, возможно, дольше я снова человеколюбив…

1105. An Heinrich Köselitz in Buchwald

Sils, den 12. Sept. 1888 Mittwoch

Дорогой друг,

я еще не знаю вашего адреса, но, принимая во внимание, что хочу написать вам до своего отъезда, я предположу, что письмо, отправленное в Аннаберг, попадет к вам в руки. В воскресенье я должен уехать в Турин, в качестве пробы: я и во сне не мог представить, что конец моего пребывания в Зильсе подвергнет меня еще более тяжкому испытанию терпения. Неслыханная погода с наводнениями уже неделю; все затоплено; день и ночь льет дождь, вперемешку со снегом. Только за 4 дня выпало 220 миллиметров осадков (тогда как среднемесячная норма здесь обычно составляет 80 мм). Мое здоровье при этом пострадало не лучшим образом: я и сейчас пишу с головной болью.

На днях я отправлю вам посылку, сплошь печатные издания, среди них, с большой благодарностью, выпуск «Байрейтских листков». Остальное — Fuchsiana: ряд рецензий и кое-что из его весьма примечательных писем (— среди них одно, которое дает превосходное представление обо всем предприятии Римана: вы обнаружите, что Фукс надеется на него в том же, на что надеетесь вы — в укреплении и восстановлении великого чувства ритма).

Только что я услышал, что у Ганса фон Бюлова выйдет сочинение под названием «Старые и новые вагнерианцы». Совпадение с моим памфлетом любопытно. В остальном я все еще жду от него ответа. —

Есть еще кое-что любопытное, о чем стоит сообщить. Несколько дней назад я снова отправил господину К. Г. Науману рукопись, которая носит заголовок «Праздность психолога». Под этим безобидным названием скрывается очень смелое и точное изложение моих самых существенных философских ересей: так что сочинение может послужить введением и возбуждением аппетита к моей «Переоценке всех ценностей» (первая книга которой почти готова в черновиках). В ней много суждений о современности, о мыслителях, писателях и т. д. Последний раздел называется «Скитания современного человека»; первый — «Изречения и стрелы». В целом очень жизнерадостно, несмотря на весьма строгие суждения (— мне кажется, между нами, что я только в этом году научился писать по-немецки — то есть по-французски). Главы, помимо названных: проблема Сократа; «разум» в философии. Как «истинный» мир наконец стал сказкой. Мораль как противоестественность. Четыре великих заблуждения. «Улучшатели» человечества. Это подлинная психология, причем самая неизведанная и тонкая. (— Немцам будет сказано немало истин, в частности, будет обосновано мое невысокое мнение о духе имперской Германии).

Это сочинение, во всем выступающее как близнец «Казуса Вагнера» (пусть и вдвое больше по объему), должно выйти как можно скорее: потому что мне нужен промежуток времени до публикации «Переоценки» (— которая будет написана с суровой серьезностью и в ста милях в стороне от всякой терпимости и любезностей).

Я надеюсь, что это письмо застанет вас в приятной непривычности существования. Несколько слов от вас будут очень желанны для меня в Турине (до востребования).

Преданно и с благодарностью
Ваш друг
Ницше.

— Что тем временем поделывает квартет?

1106. An Meta von Salis auf Marschlins (Postkarte)

<Sils-Maria,> Mittwoch 12. Sept. 1888

Глубокоуважаемая барышня

последний привет из Зильса, а заодно и рассказ о нашей водной беде. Прошлая неделя стала величайшим испытанием терпения за всё это лето (— а это о многом говорит!), лило как из ведра день и ночь, временами вперемешку со снегом. Озера переполнены, местами вода доходит до самой дороги. Полуостров стал целым островом; долина Самадена представляет собой огромное озеро. Только что я попытался пройти по лесной тропе мимо лесопилки: у неё появилось новое очарование — долгое время пришлось идти прямо у воды (— озеро казалось намного больше). Железная дорога Колико-Кьявенна, говорят, частично отрезана водой. — Г-н Кавицель подсчитал, что количество осадков за последние 4 дня составило 220 миллиметров (тогда как норма для целого месяца — 80). В воскресенье отъезд в Турин. — Мои нижайшие рекомендации и пожелания

Д-р Н.

1107. An Georg Brandes in Kopenhagen

Sils-Maria d. 13. Sept. 1888.

Глубокоуважаемый господин,

Сим доставляю себе истинное удовольствие — а именно напомнить Вам о себе: и притом посредством пересылки небольшого злобного, но тем не менее весьма серьезно задуманного сочинения, которое возникло еще в добрые дни в Турине. Тем временем, однако, было вдоволь злых дней: и такой упадок здоровья, мужества и «воли к жизни», говоря по-шопенгауэровски, что та маленькая весенняя идиллия казалась мне едва ли правдоподобной. К счастью, у меня сохранился еще документ той поры — «Казус Вагнер. Проблема музыканта». Злые языки хотят читать «казус Вагнера»…

Как бы сильно и с какими бы вескими основаниями Вы ни защищались от музыки (— самой назойливой из всех муз), все же взгляните разок на этот кусочек музыкальной психологии. Вы, глубокоуважаемый господин Космополитикус, настроены слишком по-европейски, чтобы не слышать при этом в сто раз больше, чем мои так называемые соотечественники, «музыкальные» немцы…

В конечном счете я, в данном случае, знаток in rebus et personis — и, к счастью, до такой степени музыкант по инстинкту, что представленный здесь последний вопрос о ценности музыки кажется мне доступным и разрешимым исходя из самой музыки.

В сущности, эта работа написана почти по-французски, — пожалуй, легче было бы перевести ее на французский, чем на немецкий…

Не могли бы Вы дать мне еще пару русских или французских адресов, которым было бы разумно сообщить об этом сочинении?

Спустя пару месяцев можно ожидать кое-что философское: под весьма доброжелательным названием Праздность психолога я говорю всему миру любезности и колкости — включая эту остроумную нацию, немцев —

Все это, в основном, лишь отдых от главного дела: последнее называется Переоценка всех ценностей — Европе придется изобрести еще одну Сибирь, чтобы отправить туда автора этой попытки переоценки.

Надеюсь, это бодрое письмо застанет Вас в привычном для Вас решительном расположении духа —

С радостью вспоминая Вас
Д-р Ницше

Адрес до середины ноября: Torino (Italia)

ferma in posta.

1108. An Jacob Burckhardt in Basel

Sils-Maria, Herbst <13. September> 1888.

Глубокоуважаемый господин профессор,

Сим позволяю себе представить Вам небольшое эстетическое сочинение, которое, как бы оно ни было задумано в разгар серьезности моих задач как отдых, все же имеет свою серьезность. Вы ни на мгновение не позволите ввести себя в заблуждение его легким и ироничным тоном. Возможно, я имею право однажды отчетливо высказаться об этом «случае Вагнера», — возможно, даже обязан. Движение сейчас в высшей славе. Три четверти всех музыкантов полностью или наполовину убеждены, от Санкт-Петербурга до Парижа, Болоньи и Монтевидео театры живут этим искусством, недавно еще молодой германский император назвал все это дело национальным вопросом первого ранга и встал во главе его: причин достаточно, чтобы было позволено выйти на поле битвы. — Признаюсь, что сочинение, учитывая всецело европейско-международный характер проблемы, должно было быть написано не по-немецки, а по-французски. До известной степени оно написано по-французски: и во всяком случае, было бы легче перевести его на французский, чем на немецкий…

— От меня не ускользнуло, что не так давно был день, когда благоговение целого города с глубокой благодарностью вспомнило своего первого воспитателя и благодетеля. Я позволил себе, со всей скромностью, присоединить свое собственное чувство к чувству целого города.

С выражением большой любви и почтения
Ваш
Д-р Фридрих Ницше

(Мой адрес до середины ноября: Torino, poste restante: единственное слово от Вас сделало бы меня счастливым.)

1109. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria d. 13 Sept. 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

в этот самый момент пришло Ваше ценное письмо, из которого я с удовольствием узнаю, как далеко Вы уже продвинулись. Что касается газет, в которые имеет смысл отправить экземпляр, то, к моему сожалению, именно в этом вопросе я совсем не компетентен. Тема представляет весьма общий интерес: в сущности, ни о чем не говорят и не «болтают» так много, как о В<агнере>. Я полагаю, нам не следует забывать венские главные газеты (— например, «Нойе Фрайе Прессе»). Газеты, чье невоспитанное или же совершенно молчаливое поведение Вы констатировали, пожалуйста, оставьте в стороне. Возможно, в этот раз не стоит упускать из виду и Францию: движение, споры «за» и «против» в вопросе о Вагнере там по меньшей мере столь же значительны, как и в Германии. Я бы предложил отправить по экземпляру в:

revue des deux mondes

Le Figaro

Journal des débats

и в (швейцарскую)

Journal de Genève

Адреса Вы легко сможете найти в Лейпциге (— любое газетное бюро ими располагает)

на этих экземплярах мое имя должно быть обозначено как:

Monsieur le professeur Dr. Nietzsche

de Bâle.

Из частных лиц прошу Вас также от моего имени принять во внимание:

  1. барона д-ра Ганса фон Бюлова

Гамбург

  1. господина Карла Шпиттелера, Базель

Gartenstr. 74

  1. господина Лотара Фолькмара, адвоката

Berlin W. Leipziger Straße 135

— Один лист рукописи к Предисловию «Праздности психолога» был отправлен позавчера. —

В следующий понедельник или вторник я прибываю в Турин. Пока что мы хотим еще немного отдохнуть и оставить новую печать. Господин Кёзелиц как раз находится в поездке (в Задней Померании), так что расстояние между Турином, Лейпцигом и господином Кёзелицем делает процесс корректуры непрактичным.

Возможно, Вы снабдите авторские экземпляры для частных лиц снова такой же красной запиской, с тем же содержанием, только в конце

Адрес: Prof. Dr. Nietzsche

Torino (Italia)

ferma in posta

Я останусь там до середины ноября. —

С покорнейшим приветом, Ваш
профессор Ницше

1110. An Reinhart von Seydlitz in München

Sils-Maria, d. 13. September 1888.

Дорогой друг,

похоже, многое из того, что уже направлялось в Мюнхен, в этом году не доехало: причисли и меня — говорю это с большим сожалением — к мюнхенскому дефициту. Лето было, как всем известно, скандальным: я восхищаюсь своим терпением, у меня были причины выйти из стольких кож, чтобы оклеить ими свою комнату. В довершение всего Энгадин затопило в приступе водянки, так что не хватило совсем чуть-чуть, и мы стали бы рыбами. Сплошь необычные вещи в Зильсе: лето, знойное, длившееся в общей сложности полторы недели и устроенное перед весной; вместо весны и лета — двусмысленная и не всегда двусмысленная зима; восемнадцать чудовищ-лавин, наследство так называемой настоящей зимы; новые колокола; форель весом в 30 фунтов; господин Бедекер с супругой, которые всё лето отмечали мой отель (Alpenrose), «помечали звёздочками»… Наконец, наш метеоролог подсчитал, что всего за четыре дня выпало 220 миллиметров осадков, тогда как месяцу со здоровыми средними потребностями нужно всего 80 миллиметров воды. —

Послезавтра я отправляюсь на запад —: не только географическое положение запрещает причислять Турин к «Югу». — Я прибуду туда как раз тогда, когда закончится великая свадьба Савойя-Бонапарт. Позже — кто знает! — но я думаю, Ницца. — Моё внутреннее хозяйство целиком и полностью находится на службе у экстремального предприятия, которое в названии книги можно выразить тремя словами: «Переоценка всех ценностей». Я часто размышляю о мерах, которые придумает терпимость Европы по отношению ко мне: специально сконструировать маленькую Сибирь с искусственным льдом (и джелато), чтобы иметь возможность сослать меня в Сибирь…

Это не исключает того, что я совершил несколько веселостей. Одна из них, которая вскоре возьмёт на себя смелость с некоторым озорством переступить твой порог, называется «Казус Вагнер. Музыкантская проблема.» (— злые языки читают: Казус Вагнера). Ганс фон Бюлов также высказывается на родственную тему: и ввиду того, что мы оба немного пожили за кулисами… В конце года будет опубликована другая моя вещь, которая являет мою философию в её тройном качестве: как lux, как nux и как crux. Она называется, со всей грацией и добродетелью: «Праздность психолога» — и была создана, пока я здесь «лез на стены». Среди прочего, немцам там говорится правда в такой форме, что мне стоит ожидать почестей и собственноручных писем разве что от японских величеств. Я со всей скромностью намекаю, что «дух», так называемый «немецкий дух», ушёл гулять и живёт где-то на летнем отдыхе — во всяком случае, не в «Рейхе», скорее уж в Зильс-Марии….

С чем и рекомендую себя тебе и твоей дорогой супруге с сердечным сожалением.

Преданный тебе Ницше.

(До середины ноября предположительный адрес: Torino, ferma in posta.)

1111. An Paul Deussen in Berlin

Sils-Maria, d. 14. Sept. 1888 Adresse bis 15. November: Torino (Italia) ferma in posta.

Дорогой друг,

я не хочу покидать Зильс, не пожав еще раз Вашу руку в память о величайшем сюрпризе, который преподнесло мне это богатое на сюрпризы лето. Теперь я могу говорить смелее, чем тогда, когда мне приходилось отвечать Вам: здоровье с тех пор вернулось вместе с «лучшей» погодой, ибо понятие «хорошая» непрактично как для метеорологов, так и для философов. Правда, в самую последнюю неделю у нас был настоящий эксцесс всего года — подлинный потоп, вызвавший серьезнейшие бедствия от наводнений в Верхнем и Нижнем Энгадине. За 4 дня выпало 220 миллиметров осадков, тогда как норма для целого месяца здесь составляет 80 м<illimeter>. — В этом же месяце Вы получите от меня посылку: небольшой эстетический памфлет, в котором я впервые и самым решительным образом вывожу на свет психологическую проблему Вагнера. Это объявление войны без пощады всему этому движению: в конечном счете, я единственный, у кого хватает охвата и глубины, чтобы не быть здесь неуверенным. — То, что мое сочинение, памфлет, если угодно, против Вагнера вызовет определенное волнение, дает мне понять последний отчет моего издателя. Только на основании предварительного анонса в «Биржевом бюллетене книготорговцев» поступило столько заказов, что тираж в 1000 экз. можно считать исчерпанным (т. е. если экземпляры, которые затребованы, позже не пойдут на попятную…). Прочтите это сочинение также с точки зрения вкуса и стиля: так сегодня никто в Германии не пишет. Перевести это сочинение на французский было бы так же легко, как трудно, почти невозможно, перевести его на немецкий…

— У моего издателя уже есть другая р<уко>п<ись>, которая дает очень строгое и тонкое выражение всей моей философской гетеродоксии — скрытой под большой грацией и злостью. Она называется: «Досуг психолога». — В конечном счете, эти два сочинения — лишь настоящая передышка посреди неизмеримо тяжелой и решающей задачи, которая, если она будет понята, расколет историю человечества на две половины. Смысл ее заключается в трех словах: переоценка всех ценностей. Многое после этого перестанет быть свободным, что до сих пор было свободным: царство терпимости в силу ценностных решений первого ранга низведено до простой трусости и слабости характера. Быть христианином — чтобы назвать лишь одно следствие — с этого момента становится неприличным. — И от этого радикальнейшего переворота, о котором знает человечество, многое у меня уже приведено в движение. Только, повторяю, мне необходим всякий отдых и отступление, чтобы представить работу без малейшего усилия, как игру, как «свободу воли». Первая книга ее наполовину завершена. — Мой старый друг, Вы догадываетесь, что в этом и в ближайшие годы предстоит печатать нечто — и что действительно та странная денежная щедрость постучалась в мою дверь в решающий хороший момент. Нужно иметь счастье во всем, даже в том, чтобы делать добро… Парой лет раньше — кто знает, что бы я Вам ответил! —

С сердечнейшим приветом, Ваш друг

Ницше.

— Я также посылаю экземпляр господину адвокату Фолькмару. —

1112. An Elisabeth Förster in Paraguay

Sils d. 14 Sept. 1888

Моя дорогая Лама,

совсем не так, как я хотел, я добираюсь до того, чтобы написать тебе, лишь в конце моего энгадинского лета (—?—). В этом году всё шло весьма необычно: нельзя было ничего обещать, ничего решать. При этом моё здоровье сильно пошатнулось; а когда стало лучше, я попытался компенсировать большую потерю времени для своей задачи ещё более напряжённой работой. Теперь действительно кое-что достигнуто: и я могу снова найти время для более человеколюбивых трудов и даже для писем. Как долго у меня на сердце лежало желание выразить тебе мою огромную радость по поводу окончательного переезда и того торжественного образа, в котором он был совершён! Также и то, что твоё здоровье так храбро выдерживает множество новых обязанностей и забот, — немалое утешение. Нам обоим, пусть и по-разному, тяжело — но, с другой стороны, нам обоим снова хорошо. Мы не позволяем себе так легко пасть духом — ни себе, ни делам, которые нас касаются. Настоящая беда в мире — это всё лишь слабость…

О себе могу рассказать, что к проверенным местам, Ницце и Зильсу, добавилось третье в качестве антракта: Турин. Климатически и по духу — самое симпатичное мне место из всех, что я до сих пор находил. Большой город, но спокойный, благородный, аристократичный, университет, хорошие библиотеки, очень много любезности ко мне, отличные театральные условия — и очень низкие цены. Пища и воздух, вода и прогулки — всё совершенно по моему вкусу. Крупные книжные магазины трёхъязычные (французский, немецкий, итальянский, так что в отношении новой научной литературы я там гораздо лучше устроен, чем даже в самом Лейпциге). Кольцо высоких гор, окружающее Турин с трёх сторон, поддерживает тот же сухой и разрежённый воздух, какой, по тем же причинам, имеют Зильс и Ницца. Поскольку я нахожусь в самой середине решающей работы моей жизни, полное упорядочивание на ряд лет для меня — первое условие. Зима — Ницца, весна — Турин, лето — Зильс, два осенних месяца — Турин — таков план. Соответственно, и моя диета приведена в норму, т. е. абсолютно индивидуальна и устроена в соответствии с самыми личными потребностями. Сюда, конечно, относится эмансипация от любого приёма пищи в обществе. Успех постепенно опробованного мною оптимума существования проявляется в огромном росте работоспособности. Три трактата прошлого лета, которым вы оказали честь своим вниманием, были задуманы, выполнены и отправлены в печать менее чем за 25 дней. То же самое я совершил этим летом, при первом же повороте к лучшему, ещё раз. В Турине с играющей лёгкостью была создана решающая часть психологии музыканта, которая этой осенью дойдёт до вас. Также и от переоценки всех ценностей есть, по крайней мере почти, первая книга. — Эти новости ведь неплохи, правда? моя дорогая Лама? — Загвоздка в том, что я должен сам печатать свои сочинения — и что навсегда прошло время, когда между мной и современностью могло существовать какое-либо иное отношение, кроме войны не на жизнь, а на смерть! — С этим несколько по-индейски вышедшим заключением приветствует и обнимает тебя, моя дорогая Лама, твой брат Фриц. — Самые сердечные приветы твоему Бернхарду. —

1113. An E. Kürbitz in Naumburg

Sils-Maria, Oberengadin d. 14. Sept. 1888

Глубокоуважаемый господин,

Настоящим прошу Вас еще раз передать от моего имени моей матери, госпоже пастору Ницше, сумму в 30 марок (тридцать марок). Значительно бо́льшая сумма будет подлежать выплате в Лейпциге через пару месяцев. О ней я сообщу Вам дополнительно.

С глубоким уважением, Ваш профессор д-р Ницше

1114. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria, an einem der letzten Tage. <14. September 1888>

Моя старая мать написала мне очень грустное письмо, и, во всяком случае, её мысли всё это время были заняты другим: иначе ей пришло бы в голову, что сын в каждом письме назначал свой отъезд из Зильса на 15 сентября. Сейчас у нас 14 сентября, послеобеденное время, и ничего, кроме твоего милого письма, не пришло. Чтобы немного подшутить над собой, я написал пару слов господину Кюрбитцу: он передаст доброй матушке небольшую денежную сумму, о которой как о «почетном даре» самого скромного толка не стоит даже говорить. Возможно, это ещё немного пополнит кассу доброй матушки на сентябрь, которая, вопреки всем нуждам момента, непременно хочет меня одарить. (Господину Кюрбитцу я дал точно такое же поручение, как и в прошлый раз; он подумает, что ты снова хочешь что-то для меня достать) — Этим летом я жил довольно экономно: в чём мне существенно помогли твои прекрасные посылки из Наумбурга.

Письмо моего друга Овербека, который молчал месяцами, принесло известие о долгом и тяжелом состоянии истощения, из которого он выходит лишь очень медленно. У него теперь есть собственный дом в Базеле, но он забыл написать об этом хотя бы слово. Фрау Ротплец, должно быть, была совсем недалеко отсюда 3 дня, но в ужасе от нашей полной зимы быстро обратилась в бегство. Последним событием было крайне тревожное наводнение, при котором вся округа сильно пострадала, за исключением Зильса, который вовремя (20 лет назад) возвел большие дамбы. Несмотря на это, здесь тоже всё превратилось в озеро; и долгое время нельзя было гулять. Дождь, смешанный со снегом, лил день и ночь; за 4 дня выпало в 3 раза больше, чем обычно за месяц. —

Сегодня утром я отправил ещё одно бодрое письмо Ламе. Совершенно бесполезно беспокоиться о вещах, в которых мы не видим ясности. Судя по тому, что ты рассказываешь о Клэр Хайнце, я полагаю, что в Лейпциге знают гораздо больше определенного, чем в Наумбурге. Лейпцигское колониальное общество должно быть полностью осведомлено об условиях договора, на которых тамошнее правительство связалось с Фёрстером. Сама она, очевидно, не могла обещать того же самого. Мы, по правде говоря, не осведомлены о главных вещах: я замечаю это каждый раз, когда мои добрые Кохлины в Ницце хотят получить об этом сведения. Тогда они, вероятно, спрашивают по порядку: «Богат ли доктор Фёрстер, чтобы присвоить себе такое огромное имущество?»

Затем: «Стоит ли за ним колониальное общество?» — «Или крупный немецкий банкирский дом?» — «Но ведь он не мог же занять эти деньги?» — Основывать колонии, не имея при этом даже слишком многого, едва ли возможно. Здесь всё как с большими отелями. Первая компания рискует; вторая, которая берет их дешево, процветает.

Сколько крупных швейцарских состояний было потрачено на основание колоний в Южной Америке! — Обнадеживающим здесь является именно доверие парагвайцев: ни в коем случае нельзя полагать, что они доверили Фёрстеру такое большое дело только из личной симпатии, а на основании реальных гарантий. В конце концов, это южноамериканцы — очень умные люди. Откровенно говоря, если они доверяют, мы можем доверять в сто раз больше. —

2-й лист

— В этот момент прибывает твоя посылка — огромное удовольствие! Я сразу же опробовал гребень и уже успел его оценить. Эта небольшая работа по очистке каждый вечер перед сном с этим основательным инструментом принесет мне ещё больше пользы. Также пришли очень недостающие очки, у которых была сломана дужка. Чайную машину можно оставить здесь; для поездки у меня нет ни малейшего места. — Я всё же очень доволен, что получил перья: ведь в моей жизни, жизни настоящего пишущего существа, первостепенное значение имеет то, чтобы писать разборчиво для самого себя. Весной это полностью прекратилось. Мне только жаль, что хлопоты доставили тебе столько нужды. Открытка в Лейпциг с адресом «Sönnecke Stahlfederfabrik» избавила бы тебя от всего этого. —

Напоследок: моя добрая матушка, мы не должны терять мужество. На самом деле я думаю, что мы оба сейчас немного больны и поэтому воспринимаем всё слишком тяжело. Я действительно болен и не думаю завтра уезжать: я уже 8 дней не могу избавиться от расстройства желудка. Как только я отправлю письмо тебе, я лягу в постель, — голова ни на что не годится, аппетита тоже нет. Моё главное правило — военная точность в мелочах образа жизни: я должен расплачиваться за попытки и отклонения несоразмерно дорого. —

Путешествие, матушка, недолгое. Турин находится на полпути в Ниццу: так что я, собственно, не делаю крюка. Утром я сажусь здесь на почту; в полдень я в Кьявенне; вечером в Милане. Там я остаюсь на ночь. На следующий день я за 3 часа на скором поезде добираюсь до Турина. — Путешествие, как обычно, в Венецию и оттуда в Ниццу в два и три раза длиннее. — Обнимает тебя старое создание.

(Следующие дни и в дороге я буду жить на ветчине.)

Адрес: Torino (Italia)

poste restante.

1115. An Franz Overbeck in Basel

<Sils-Maria, 14. September 1888>

Дорогой друг,

с истинным облегчением я получил твое письмо; ибо, судя по всему, что я мог заключить из твоих последних сообщений, дела твои шли не лучшим образом. Небольшой поворот к лучшему, по крайней мере к более благоприятному, все же наметился. Наконец, я полагаю, что странная неблагоприятность метеорологических условий делает всякое истощение в этом году опасным, — я говорю по опыту. Человек отнюдь не изолирован от всей жизни природы: если вино не удается из-за недостатка солнца, мы тоже становимся кислыми… Странно, что здесь, наверху, нам приберегли самое суровое испытание терпения до последнего: всю последнюю неделю стояли просто чудовищные условия: — я снова днями лежал как оглушенный. Масса воды, выпавшая только за 4 дня, составляет 220 миллиметров: в то время как нормальное количество за весь месяц в Зильсе — 80 мм. Несмотря на это, Зильс был единственным местом в Энгадине, которое пережило эту катастрофу (— неслыханную в истории Энгадина!) без ущерба. — Мой отель, «Альпенрозе», в котором я всегда останавливаюсь, но обедаю один, имел этим летом честь принимать у себя господина Бедекера с супругой из Лейпцига в течение пары месяцев: настоящая цензура, даже для Зильса! — Очень приятный, остроумный и утонченный музыкант, к слову, находящийся в блестящем положении, был здесь моим собеседником: господин фон Хольтен из Гамбурга, из консерватории. Он дал мне небольшой частный концерт, где по памяти исполнил сплошь Кёзелицианы (которые разучил для меня), — восхищенный «тонкой и любезной музыкой». — При назначении Гарнака я много думал о тебе: этот молодой кайзер постепенно проявляет себя выгоднее, чем можно было ожидать, — он недавно выступил резко анти-антисемитски и перед всем миром выразил свою огромную признательность тем двоим, кто вовремя тактично освободил его от компрометирующего общества Штёкера и Ко. (Беннигсену и барону фон Дугласу). — Мне даже говорят, что его поведение по отношению к матери в сто раз более почтительно, чем того хотела бы партийная страсть в Германии и Англии. — Могу ли я рассказать о себе? В главном я чувствую больше, чем когда-либо, великий покой и уверенность в том, что нахожусь на своем пути и даже вблизи великой цели. К моему собственному удивлению, я уже наполовину закончил в окончательной форме первую книгу моего «Переоценка всех ценностей». Она обладает энергией и прозрачностью, которые, возможно, не были достигнуты ни одним философом. Мне кажется, будто я разом научился писать. Что касается содержания, страсти проблемы, то это произведение прорезает тысячелетия — первая книга, между нами говоря, называется «Антихрист», и я готов поклясться, что все, что когда-либо было придумано и сказано для критики христианства, — пустая детская игра по сравнению с этим. — Такое предприятие делает глубокие паузы и отвлечения гигиенически необходимыми. Одна из них навестит тебя примерно через 10 дней: она называется «Казус Вагнер. Проблема музыканта». Это объявление войны без пощады — мой издатель сообщает мне, что уже несколько недель (после первого объявления в «Биржевом бюллетене книготорговцев») поступило столько заказов, что тираж в 1000 экз. можно считать исчерпанным. — Также вторая рукопись, полностью готовая к печати, уже находится в руках господина К. Г. Наумана. Но мы пока оставим ее полежать некоторое время. Она называется «Праздность психолога» и очень дорога мне, потому что в кратчайшей (возможно, и самой остроумной) форме выражает мою существенную философскую гетеродоксию. В остальном она очень «своевременна»: я высказываю свои «любезности» обо всех возможных мыслителях и художниках современной Европы — включая то, что немцам в вопросах духа, вкуса и глубины* прямо в лицо высказываются самые беспощадные истины. —

Через несколько дней я хочу уехать в Турин: нельзя упускать попытку узнать тамошнюю осень после того, как весна так исключительно хорошо на меня подействовала. Для меня было бы великим благом привести свою жизнь на ряд глубоко трудолюбивых и внутренне решающих лет в регулярный порядок: Зильс, Турин, Ницца, Турин, Зильс и т. д. Для Ниццы мне необходимо новшество: стать полностью независимым в диете и обществе, как я это сделал в Зильсе. Я обнаружил, что ненужная мрачность и даже определенные неудачи почти всех моих зим в Ницце связаны с уступками, на которые я шел в этих двух пунктах. Точно так же было в Зильсе: только с прошлого лета я стою на своих ногах — и только с тех пор я знаю, насколько бесценен именно для меня этот Зильс. — У меня нет другой критики моего образа жизни, кроме меры моей работоспособности. Прошлым летом я написал три трактата «Генеалогии» менее чем за месяц, подготовив их к печати; в этом я закончил ту «психологическую праздность» за 20 дней. — Эта работоспособность выражается особенно в зрении: в то время как любая ошибка в диете, любая плохая погода немедленно депотенцируют меня в этом отношении. — Осталось кое-что рассказать, но, старый друг, privatissime, между нами. Из Берлина от «желающих остаться неизвестными» друзей и почитателей (среди которых, однако, проф. Дойссен проявил себя как посредник и, вероятно, главный участник) мне был прислан «почетный дар» в 2000 марок. Я принял его с выраженным отказом от мысли, будто я нахожусь в нужде, и с выражением благодарности за базельскую либеральность, только ввиду необходимости самому оплачивать печать своих сочинений. Фактически деньги пришли очень вовремя, — я снова свободнее дышу в этой абсурдной необходимости печататься. — В этом отношении я, следовательно, не буду прибегать к базельским сбережениям. — 1000 франков, которые должны быть выплачены в первую очередь, я прошу выслать мне только для Ниццы, то есть примерно к 16 ноября (ха! какой день!). Ты догадаешься, что я проявил небольшую экономию как в Турине, так и здесь, так что я продержусь еще пару месяцев.

Прости, дорогой друг! Я только что вижу, что письмо могло оказаться слишком длинным для твоего здоровья. С самыми лучшими пожеланиями и просьбой передать мой искренний поклон твоей милой супруге, я остаюсь в старой любви и привязанности

Твой Ницше.

Адрес, примерно с 18 сент. по 14 нояб.: Torino (Italia) ferma in posta.

Большая свадьба там, Савойя-Бонапарт, должна сначала закончиться. Сейчас все отели там переполнены.

1116. An Unbekannt (Entwurf)

<Sils-Maria, Mitte September 1888>

Достопочтенный господин

только что вышло в свет моё сочинение, направленное против В<агнера>. Прошу Вас не истолковывать дурно то, что я не присылаю его Вам. Я не посылаю его никому (ни «человеку», ни «газете»), чьи антивагнеровские убеждения мне известны. Причин для этого Вы, конечно, не потребуете…

1117. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)

<Sils-Maria, Mitte September 1888>

Проф. д-р Фридрих Ницше.

Отъезд из Зильса 16 сент. (не

15-го)

Прошу до этого времени сообщить. —

1118. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria d. 15 Sept. 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

сегодня утром я просмотрел новую работу от начала до конца — она безупречна. Несколько тонких изменений, в том числе касающихся расположения строк, по-видимому, принадлежат господину Кёзелицу. В самом деле, оформление работы производит то впечатление, которого я желаю, — я выражаю Вам свою полную признательность за то, что Вы так хорошо проконсультировали меня в этом главном вопросе. — То, что я дописал эпилог, кажется мне теперь самой счастливой мыслью: я связал эту частность, «случай Вагнера», с моей общей тенденцией. В конечном счете пять последних страниц работы дадут обо мне больше разъяснений, чем могли бы дать любые эссе и трактаты, при условии, — что, возможно, можно предполагать, — что работа попадет во многие руки и на многие глаза.

Тем временем я понял и кое-что другое: что сейчас дальнейшая публикация недопустима. Она нарушила бы, сломала бы впечатление от этой работы, — она почти устранила бы необходимость однажды оглянуться на мои прежние сочинения, весьма желательную необходимость. — Поэтому, глубокоуважаемый господин издатель, возьмите присланную рукопись на некоторое время (— скажем, предварительно до Пасхи следующего года) на хранение. Мне будет приятно, если Вы не пришлете ее мне обратно, — мыслитель должен уметь защищать себя от всего готового, завершенного (— поэтому у меня почти никогда нет при себе моих собственных сочинений —)

— Я написал доктору Брандесу в Копенгаген, не знает ли он еще несколько французских и русских адресов, которые могли бы быть приняты во внимание в данном случае. Позаботьтесь о том, чтобы он получил работу одним из первых. —

Только что я слышу, что и Ганс фон Бюлов выпускает работу, касающуюся этой проблемы. Очень желательно: мы единственные двое, кто обладает мужеством и знанием всех интимных подробностей «случая Вагнера»... Он тоже должен получить работу как можно скорее.

С наилучшими пожеланиями
и глубочайшей
благодарностью, Ваш
д-р Ф. Ницше.

— Само собой разумеется, что я во всех отношениях следую установленному Вами сроку 22 сентября.

1119. An Heinrich Köselitz in Buchwald

Sils-Maria, d. 16. Sept. 88

Дорогой друг,

наши письма пересеклись, — но это меньше всего является причиной не отвечать Вам немедленно. Ибо Ваше письмо было очень кстати, тем более что никакие письма до меня больше не доходят: весь мир считает, что я уехал. Я был бы рад этому: но что толку! «Высшая» сила природы, после того как она весь так называемый летний период истязала меня здесь наверху, наконец-то удерживает меня здесь накрепко… Я написал сегодня в Турин, куда я был записан: «Non si può partire. Grandi inondazioni. La ferrovia Chiavenna-Colico molte volte interrotta». — Почтмейстер обещает сообщить мне, когда все придет в порядок: неделю я, пожалуй, еще просижу здесь. — Погода, к счастью, мягкая и не сентябрьская… У меня при письме сейчас в качестве подложки лежит первый готовый экземпляр «Казуса Вагнера»… Науманн сообщает, что публичная рассылка начнется 22 сентября. — При тщательном прочтении сочинения я нашел двадцать причин больше быть Вам благодарным. Целый ряд тонких технико-типографских приемов, безусловно, восходит к Вам. То, что в списке книг на обороте отсутствуют «Несвоевременные размышления», просто восхитительно. — В одном случае с корректурой Вы правы, — но и я тоже: «seinen Geschmack an Jemanden verlieren» (винительный падеж) — это лишь иной нюанс, чем «an Jemandem». — Я был крайне воодушевлен при прочтении тем, что дописал «Эпилог»: уровень сочинения от этого неимоверно поднимается, — оно больше не кажется чем-то отдельным, курьезом посреди моей задачи. — То, что я назвал нашего молодого германского кайзера «неэстетичным понятием», уже заметят… Впрочем, он нравится мне все больше: он почти каждую неделю делает шаг, чтобы показать, что не хочет, чтобы его путали ни с «Kreuzzeitung», ни с «антисемитизмом». Вчера я отправил Вам толстый пакет Fuchsiana, — письма отчасти весьма поучительны и всегда очень остроумны. Он еще особо просил меня в последней открытке дать Вам прочесть его письмо о Римане. — Здоровье мое снова пошатнулось: я уже 10 дней не чувствую себя хорошо, — и сегодня снова благоразумно пропустил обед. — Ваша великолепная, благородная лесная и замковая глушь, включая «диких и ручных», которые в ней бродят, доставляет мне большое удовольствие. Кто-то рассказывал мне, что Ваши фон Краузе состоят в отношениях с графом Хохбергом: к сожалению, последний теперь тоже сдан в архив, каким-то недвусмысленным вагнерианцем должен стать его преемник. — В сущности, мне в этот раз любопытно, что будут делать с моей «декларацией войны» против Вагнера. Господину Науманну я уже сообщил, что мы сейчас ни при каких обстоятельствах не должны выпускать ничего нового: это сломало бы эффект и почти аннулировало его (— до Пасхи присланная рукопись может подождать в Лейпциге) —

Мое намерение по-прежнему остается — попробовать Турин на осень: в середине ноября, примерно, Ницца, но с некоторыми существенными изменениями образа жизни там (— свобода в диете и против всякого общества: состояние, достигнутое здесь, в Зильсе —) В остальном я хотел бы придерживаться этого, даже пространственно небольшого круга: Зильс, Турин, Ницца, Турин, Зильс.

Приветствую Вас, дорогой друг, от всего сердца

Ваш
Ницше.

— Я отправил «Казус» также Авенариусу: если у Вас действительно еще есть намерение высказаться по этому поводу, то, пожалуйста, немедленно сообщите об этом Авенариусу, — чтобы он не поручил это кому-то другому. N.B. Не будете ли Вы любезны вернуть рецензию доктору Фуксу, Данциг? — Сами письма мне обратно не присылайте. —

1120. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm).

<Sils-Maria, 18. September 1888>

печать согласен вперед турин — ницше

1121. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils, d. 18 Sept. 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

я весьма удивлен, но еще более обрадован тем, что Вы немедленно приступили к печати «Праздности». Мои сомнения, выраженные в последнем письме, не идут ни в какое сравнение с теми сомнениями, которые содержались в моем первом письме по этому поводу. Чтобы иметь возможность издать то чрезвычайно серьезное произведение, «Переоценку всех ценностей», действительно требуется по меньшей мере год промежутка, промежуточного времени по отношению к прежним публикациям. Возможно, чтобы не смешивать оба сочинения, мы примем срок в 1—2 месяца, по истечении которого выйдет второе сочинение. Столько в конечном счете требует и сама печать. —

То, что я еще не в Турине, является следствием огромных наводнений, которые пережили Энгадин и Верхняя Италия. Железная дорога Колико — Кьявенна еще не восстановлена: однако обещают, что это произойдет в самые ближайшие дни. — Поэтому я прошу отныне адресовать письма в Torino (Italia) ferma in posta. —

Адрес господина Кёзелица еще примерно 2 недели будет таким:

Buchwald b/Wurchow

(Hinterpommern)

с дополнительным адресом

S‘Hochwohlgeboren

Herrn von Krause

Прилагаю предисловие, которое и будет окончательным. — То, что я до сих пор присылал Вам в качестве предисловия (за вычетом, разумеется, вычеркнутого куска), было мною еще немного продолжено, так что теперь оно должно войти в книгу — а именно на предпоследнее место. (— заключение составят «Скитания современного человека») Мы дадим этой статье заголовок:

Чего недостает немцам.

Теперь, с тем дополнением, которое я сегодня Вам пересылаю, в ней всего 7 небольших разделов. Соответственно, этот заголовок должен быть внесен и в оглавление. —

Предисловие теперь гораздо короче — и более соответствует цели. —

Я телеграфировал сегодня утром, только чтобы не дать Вам сбиться с толку относительно печати.

С глубоким уважением, Ваш
покорнейший
д-р Ницше

— Мне очень приятно таким образом освободить себе зиму. —

1122. An Heinrich Köselitz in Buchwald

Turin, den 27. Sept 88

Дорогой друг,

сегодня прибыла Ваша корректура 2-го листа, отправленная 24-го числа из Вурхова, одновременно с посылкой Наумана от 25-го (4-й печатный лист). В сущности, связь Берлин—Турин должна быть значительно быстрее, чем Вурхов—Турин. Дело тоже продлится недолго; вероятно, будет 6 листов или немного больше. Последняя ревизия не нужна; рукопись была подготовлена гораздо лучше, чем памфлет о Вагнере.

Что касается заглавия, то Вашим весьма гуманным возражениям предшествовало мое собственное сомнение: в конце концов, я нашел в словах предисловия формулу, которая, быть может, удовлетворит и Вашим потребностям. То, что Вы пишете мне о «тяжелой артиллерии», я, будучи в разгаре завершения первой книги «Переоценки», должен просто принять. Дело действительно идет к ужасным детонациям: я не думаю, что во всей литературе можно найти аналог этой первой книге по части оркестрового звучания (включая пушечный гром). — Новый заголовок (который влечет за собой весьма скромные изменения в 3–4 местах) должен быть:

Сумерки идолов.

Или:

как философствуют молотом.

От

Ф. Н.

Смысл этих слов, в конечном счете угадываемый и сам по себе, есть, как сказано, тема краткого предисловия. — Первое письмо о «Случае» было от Герсдорфа. Он пишет также о львином дуэте (ex ungue leonem —): «Это музыка, которую я люблю. Где уши, чтобы слышать ее, где музыканты, чтобы играть ее?» — Курьез, который сообщает Герсдорф и который меня очень позабавил: Г<ерсдорф> был свидетелем яростного приступа гнева Вагнера против Бизе, когда Минни Хаук была в Неаполе и пела «Кармен». На этом основании, что В<агнер> и здесь принял сторону, моя злость в одном определенном главном месте будет воспринята гораздо острее. Впрочем, Герсдорф вполне серьезно предостерегает меня от вагнерианок. — И в этом смысле новый заголовок Сумерки идолов будет услышан, — стало быть, еще одна злость против Вагнера…

Старый друг, Вы еще совсем не на моей высоте со своим рассуждением о дательном и именительном падежах в понятии Бога. Ведь именительный падеж — это соль этого места, его достаточное основание для существования…

Мое путешествие было сопряжено с трудностями и испытаниями терпения худшего рода: я прибыл в Милан только к полуночи. Самым опасным был долгий ночной переход в Комо через затопленную местность по совсем узкому дощатому мостику — при свете факелов! Прямо как создано для меня, слепого котенка! — Истощенный вялым и противным воздухом Ломбардии, я прибыл в Турин: но странно! как по мановению руки все пришло в порядок. Чудесная ясность, осенние краски, изысканное чувство благополучия во всем. В двух главных вещах, а именно в жилье и траттории, мое второе появление было воспринято самым желанным образом. Порядок, чистота, внимание в первом выросли на 50 процентов; качество и количество в трат<тории> — на 100, без того, чтобы где-либо изменились весьма умеренные цены. Также у меня здесь появился мой первый портной, который шьет для меня как надо. — В пяти шагах от меня находится самая большая площадь со старым средневековым замком: на нем есть прелестный маленький театр, перед которым сидишь ночью (с 8 1/4) на открытом воздухе, ешь мороженое и сейчас как раз можешь слушать прелестную французскую оперетту «Маскотта» Одрана (— мне очень хорошо известную по Ницце). Эта музыка, ни в чем не становящаяся пошлой, с таким количеством милых, остроумных маленьких мелодий, целиком принадлежит к тому идиллическому роду бытия, который мне сейчас необходим по вечерам. (Противоположность этому: «Цыганский барон» Штрауса: я убежал от него с отвращением и вскоре — два вида немецкой пошлости, животная и сентиментальная, наряду с совершенно ужасными попытками то тут, то там показать образованного музыканта: Боже! Как же французы превосходят нас в плане вкуса!) — Погода оставляет желать лучшего. Но я переношу здесь плохую погоду лучше и еще не потерял ни одного дня для работы. Приветствую Вас, дорогой друг, с самыми сердечными пожеланиями для Берлина и всего, что с ним связано, Ваш Н.

— Напоследок я даже не поблагодарил Вас за Ваше доброе письмо, из которого у меня в памяти остались слова: «полный самых примечательных, странных, непостижимых впечатлений».

1123. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin,> 28. Sept. <1888>

Моя дорогая мама, всего лишь открытка, чтобы сообщить тебе, как поживает старое создание в Турине, куда оно прибыло 21 сентября. Хотя погода и здесь переменчива, всё же само существование здесь снова идёт мне необычайно на пользу, — я не потерял ни одного рабочего дня и чувствую себя несравненно лучше, чем в Энгадине. Турин также единственное место, где моё питание полностью соответствует моим весьма личным потребностям. Настоящая находка для меня, этот Турин! — Прибыв сюда во второй раз, я радуюсь большому вниманию и любезности по отношению ко мне. Новый элегантный осенний плащ тоже есть. — Ветчина была для поездки, которая была очень утомительной, бесценна: в другой раз я попрошу тебя снабдить меня ею снова. Впервые за много лет не заболел в дороге. — Очень занят работой. — Твой, обнимающий тебя

Ф.

1124. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 4. Okt. 1888

Глубокоуважаемый господин издатель,

при сем высылаю еще четыре страницы рукописи, которые желательно вставить в последний раздел «Скитания несовременного человека». Не совсем в самый конец: мы хотим, чтобы последние 10 номеров оставались примерно последними. Но перед этим, не имеет большого значения, где именно будет сделана вставка. —

Третий лист с корректурой я отправил Вам в тот день, когда от Вас поступил 4-й. К моему удивлению, господин Кёзелиц (чей адрес уже некоторое время — Берлин, до востребования) до сих пор мне его не переслал.

Досадная опечатка в «Казусе Вагнера» на странице 20, третья строка снизу: Das letztere вместо Der letztere. Я полагал, что уже исправил это. — С покорнейшим приветом, Ваш д-р Ницше.

Самочувствие значительно улучшилось. Мое лето было совершенно невыносимым. —

1125. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, Anfang Oktober 1888>

Пожалуйста, немедленно три экземпляра по этому адресу отправить: Madame la Baronne M. de Meysenbug

Версаль

Франция Villa Amiel

Я планирую французское издание «Казуса Вагнера»

1126. An Malwida von Meysenbug in Rom

Turin, den 4. Okt. 1888

Глубокоуважаемая подруга,

я только что дал своему издателю поручение немедленно отправить три экземпляра моего только что выходящего сочинения Der Fall Wagner.

Музыкальная проблема — по вашему версальскому адресу. Это сочинение, объявление войны в области эстетики, более радикальное, чем можно было бы себе представить, по-видимому, вызывает значительный резонанс. Мой издатель писал, что на самое первое сообщение о готовящемся моем сочинении об этой проблеме и в этом духе поступило столько заказов, что тираж можно считать исчерпанным. — Вы увидите, что в этой дуэли я не утратил своего хорошего настроения. Откровенно говоря, покончить с Вагнером — это, посреди невероятно тяжелой задачи моей жизни, одна из подлинных отрад. Я написал это небольшое сочинение весной, здесь, в Турине: тем временем первая книга моей Переоценки всех ценностей была завершена — величайшее философское событие всех времен, с которым история человечества раскалывается на две половины…

Это сочинение против Вагнера следовало бы прочесть и на французском языке. Его даже легче перевести на французский, чем на немецкий. К тому же оно во многих пунктах близко французскому вкусу, похвала Бизе в начале была бы очень услышана. — Конечно, это должен быть тонкий, даже изысканный стилист, чтобы передать тон сочинения —: в конце концов, я сам сейчас единственный изысканный немецкий стилист. —

Я был бы очень признателен, если бы вы в этом пункте захотели спросить бесценного совета г-на Габриэля Моно (— у меня было бы всё это лето повод спросить другого совета, совета г-на Поля Бурже, который жил в непосредственной близости от меня: но он ничего не понимает в rebus musicis et musicantibus: не считая этого, он был бы переводчиком, который мне нужен —)

Сочинение, хорошо переведенное на французский, читали бы на половине земного шара: — я в этом вопросе единственный авторитет и, сверх того, достаточно психолог и музыкант, чтобы и во всем техническом не дать себя провести.

— Ваше доброе письмо, глубокоуважаемая подруга, я прочел с истинным волнением. Вы просто правы — я тоже…

Желая вам всего самого сердечного от старого друга —

Мой адрес остается до середины ноября, может быть, и дольше

Torino (Italia) ferma in posta

С просьбой настоятельно рекомендовать меня уважаемому кругу, в котором вы живете.

Н.

Экземпляры сочинения были отправлены издателем в Revue, в Journal des débats и в Figaro.

Только что я нашел у себя еще один экземпляр сочинения. Возможно, вы знаете пару лиц, которые могли бы быть приняты во внимание в связи с вопросом этого письма, и которым тогда мог бы быть предназначен экземпляр. —

1127. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Turin, Sonnabend <6. Oktober 1888>

Уважаемый господин,

пожалуйста, немедленно пришлите мне обратно лист, обозначенный как страница 4. Вчера прибыл авторский лист 4 с корректурой Кёзелица и был немедленно отправлен Вам.

Преданный Вам
Д-р Ницше

1128. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Torino (Italia) ferma in posta am 9. Oct. 1888

Дорогой друг, на этот раз я прошу у тебя лишь одну цитату из моих собственных сочинений, которых, по своей привычке, не имею при себе. В первом томе «Человеческого, слишком человеческого» в разделе, посвященном государству, я назвал демократию формой упадка государства. Я хотел бы узнать номер страницы этого места. — Здесь с 22 сентября, как только последствия ужасных наводнений позволили мне выехать из Зильса. Самочувствие значительно улучшилось по сравнению с летом, которое осталось в моей памяти как самое жуткое. Надеюсь, ты можешь сообщить о себе то же самое.

Сердечно преданный тебе Ницше

1129. An Hans von Bülow in Hamburg

Turin, 9. Oktober 1888.

Почтенный сударь,

Вы не ответили на мое письмо, — раз и навсегда вы будете избавлены от меня, это я вам обещаю. Я полагаю, вы имеете представление о том, что величайший дух эпохи выразил вам свое пожелание.

Фридрих Ницше.

1130. An Heinrich Köselitz in Berlin

Turin, den 14. Okt. 1888

Дорогой друг,

я воздержусь от того, чтобы говорить с Вами о моих рецептах «небесного и земного выздоровления», поскольку Вы, и не только по видимости, понимаете в этой проблеме, включая её «решение», в сто раз лучше. При таких обстоятельствах даже Берлин — не помеха: мне доставляет величайшее удовольствие знать, что Вы находитесь именно там. Даже Турин, собственно, уже не является точкой зрения. — В деле «Льва» Бюлов не ответил: что ему плохо отозвалось. Ибо на сей раз это был я, кто написал ему грубое и совершенно оправданное письмо, чтобы раз и навсегда с ним покончить. Я дал ему понять, что «первый дух эпохи выразил ему желание»: я позволяю себе теперь подобное. —

Сегодня пришел 6-й лист от Наумана; вероятно, будет ещё 2 листа. В самом деле, в этом сочинении я in nuce: очень многое на малом пространстве. —

Только что прибыло письмо от профессора Дойссена из Мадрида: он хочет объехать всю Испанию и всё же вовремя вернуться к берлинским лекциям. «Воздух Мадрида, единственный в своей чистоте, сухости, разреженности и прозрачности, — всё кажется погруженным в цветной эфир, блестящим, как покрытая лаком картина». —

Знаете ли Вы, кто получит «Случай»? Вдова Бизе. И притом по самым горячим ходатайствам доктора Брандеса: он называет её «самой прелестной, очаровательной женщиной с маленьким нервным тиком, который ей странно идет, но совершенно настоящей, совершенно истинной и пылкой». Он полагает, что она немного понимает по-немецки. «Ребенок Бизе — идеальной красоты и прелести». —

Он передал экземпляр моего сочинения величайшему шведскому писателю, который целиком на моей стороне, Августу Стриндбергу; он называет его «истинным гением», только немного сумасшедшим. Также он просит экземпляры для нескольких персон из высшего петербургского общества, которые уже обратили на меня внимание, насколько это возможно при запрете моих сочинений в России: князь Урусов и княгиня Анна Дмитриевна Тенишева. Это «высшие гурманы»…

Французы поставили на сцене главный роман Достоевского. Также мне запомнилась опера «Вакх», музыка и либретто одного и того же автора, имя вылетело из головы. Не поставлена, только в планах.

Против Турина нечего возразить: это великолепный и удивительно благотворный город. Проблема найти внутри лучших кварталов города, близко, совсем близко к его центру, уединение отшельника, на невероятно красивых и широких улицах — эта, по-видимому, неразрешимая для больших городов проблема здесь решена. Тишина здесь — по-прежнему правило, оживленность, «большой город» — своего рода исключение. При этом около 300 000 жителей.

Погода уже несколько дней отличается ниццианской чистотой и яркостью красок, только немного свежо для меня, у которого после энгадинского зимнего заточения появился прямо-таки страх перед новой зимой. С июня я мерзну, и как! Без всякого противоядия! — К тому же мое здоровье не может оправиться от шока, вызванного несколько затянувшейся дизентерией (по-немецки — колика). Сначала я думал об отравлении: но обычные средства, висмут и порошок Довера, сделали свое дело. Тем не менее, в результате возникло истощение, которое делает меня более чувствительным и к холоду. —

Приветствует и обнимает Вас сердечнейшим образом Ваш верный друг

Ницше

Только что, 15-го утром, я нахожу любезное поздравительное письмо: премного благодарен! Тем более, что оно единственное! — То, что оркестр идет Вам на пользу, радует меня безмерно, — Ваше путешествие обретает всё больше смысла, — пожалуй, уже слишком много…

Лист 6 только что отправлен Науману.

1131. An Malwida von Meysenbug in Rom

Turin, den 18. Okt. 1888

Почтенная подруга,

это не те вещи, в которых я допускаю возражения. Я, в вопросах décadence, высшая инстанция, существующая на земле: нынешние люди, с их<er> жалкой инстинктивной вырожденностью, должны были бы считать себя счастливыми, имея кого-то, кто в более темных случаях наливает им чистого вина. То, что этот паяц сумел внушить веру в себя (— как вы выражаетесь с достойной почитания невинностью), будто он «последнее выражение творческой природы», своего рода её «заключительное слово», — для этого, в самом деле, требуется гений, но гений лжи… Я же сам имею честь быть чем-то противоположным — гением истины — —

Фридрих Ницше.

1132. An Franz Overbeck in Basel

Turin, den 18. Okt. 1888

Дорогой друг,

вчера, с твоим письмом в руках, я совершил свою обычную послеобеденную прогулку за пределами Турина. Повсюду чистейший октябрьский свет; великолепная аллея, которая около часа вела меня вдоль самого По, едва тронутая осенью. Я сейчас самый благодарный человек на свете — осенне настроенный в самом лучшем смысле этого слова: это мое великое время жатвы. Все дается мне легко, все удается, хотя вряд ли кому-то еще доводилось держать в руках столь великие вещи. О том, что первая книга «Переоценки всех ценностей» готова, готова к печати, я сообщаю тебе с чувством, для которого у меня нет слов. Это будут четыре книги; они выходят по отдельности. В этот раз я, как старый артиллерист, выкатываю свою тяжелую артиллерию: боюсь, я разнесу историю человечества на две половины. — С тем сочинением, о котором я упоминал в последнем письме, мы скоро закончим: чтобы отнимать как можно меньше времени от моего сейчас совершенно бесценного времени, оно было напечатано с превосходной точностью. Твоя цитата из «Человеческого, слишком человеческого» пришла как раз вовремя, чтобы быть внесенной. — Это сочинение уже является стократным объявлением войны с далеким громом в горах; на переднем плане много «забавного», в духе моей условной веселости… Можно с поразительной легкостью составить представление по этому сочинению о моей степени гетеродоксии, которая, в самом деле, не оставляет камня на камне. Против немцев я выступаю в нем по всему фронту: тебе не придется жаловаться на «двусмысленность». Эта безответственная раса, на совести которой все великие беды культуры и которая во все решающие моменты истории держала в голове что-то «иное» (— Реформация во времена Ренессанса; кантовская философия, когда в Англии и Франции с трудом был достигнут научный образ мышления; «освободительные войны» во время появления Наполеона, единственного, кто до сих пор был достаточно силен, чтобы создать из Европы политическое и экономическое единство —), сегодня держит в голове «Рейх», этот рецидив раздробленности и культурного атомизма, в тот момент, когда впервые ставится великий вопрос о ценностях. Никогда в истории не было более важного момента: но кто бы что-нибудь об этом знал? Диспропорция, которая здесь обнаруживается, совершенно необходима: в тот момент, когда еще никогда не виданная высота и свобода духовной страсти овладевают высшей проблемой человечества и вызывают решение для его судьбы, общая мелочность и тупость должны еще резче выделяться на этом фоне. Против меня пока вовсе нет никакой «вражды»: у людей просто нет ушей для чего-либо моего, следовательно, нет ни «за», ни «против»*…

Дорогой друг, положи, если можно просить, и те 500 франков, о которых ты пишешь, в ремесленный банк. Я должен сейчас изо всех сил экономить, чтобы справиться с чрезвычайными расходами на печать в ближайшие три года. (Я исхожу из того, что 1000 франков, срок выплаты которых наступил 1 октября, сейчас полностью депонированы там же.) В конце декабря мне, конечно, очень срочно понадобятся 500 франков. Мой план — продержаться здесь до 20 ноября (— несколько морозная затея, так как зима приходит рано!) Затем я хочу в Ниццу и там, полностью порвав со всеми прежними обычаями, устроить себе существование, которое мне сейчас нужно. Я временами думал и о Бастии на Корсике: но я боюсь, посреди глубокого самосозерцания, которое мне необходимо, эксперимента и его опасностей.

Господин Кёзелиц переехал в Берлин; его письма дышат самым лучшим душевным состоянием, какое только можно пожелать на земле. И для него что-то делается: об этом как-нибудь позже. Адрес: Берлин SW, Линденштрассе 116 IV 1. —

С самой глубокой благодарностью приветствую тебя и твою милую жену

Твой Ницше

1133. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin> d. 19. Okt. 1888

На этот раз старая мать забыла о дне рождения старого существа, который, если я не ошибаюсь, приходится на 15 октября. Только что пришло твое доброе письмо, я рад, что домашние заботы стали немного меньше. Здесь дела идут все лучше; день за днем погода совершенно неописуемой чистоты и наполненности светом — я еще нигде не видел такой осени. О чудесном винограде и других фруктах я даже не говорю. Город великолепный, но тихий, со всеми своими 300 000 жителей. — Производитель печей в Дрездене хочет доставить мне печь франко фрахт и упаковка в Турин за 24 марки, также мешок с 1000 цилиндров топлива за 12 марок франко и беспошлинно до Турина. Очень приемлемо! —

Много работы, но всегда бодрый дух!

Твой Фриц

Точный адрес: Torino (Italia) poste restante

Энгадин сильно меня подкосил!!!

1134. An Georg Brandes in Kopenhagen

Turin, den 20 Okt. 1888

Дорогой и любезный господин,

снова повеял приятный ветер с севера вместе с Вашим письмом: в конечном счете, это было до сих пор единственное письмо, которое «показало лицо», которое вообще хоть как-то отреагировало на мое покушение на Вагнера. Ибо мне не пишут. Я вызвал ужасный испуг даже у самых близких и родных. Так, например, мой старый друг барон Зейдлиц в Мюнхене, по несчастью, как раз является президентом Мюнхенского вагнеровского общества; мой еще более старый друг, юстицрат Круг в Кёльне — президент тамошнего вагнеровского общества; мой зять доктор Бернхард Фёрстер в Южной Америке, небезызвестный антисемит, один из самых ревностных сотрудников «Байрейтских листков»; а моя достопочтенная подруга Мальвида фон Мейзенбуг, автор «Мемуаров идеалистки», по-прежнему путает Вагнера с Микеланджело…

С другой стороны, мне дали понять, что мне следует остерегаться «вагнерианки»: та в определенных случаях не знает угрызений совести — возможно, из Байрейта будут защищаться, на имперско-немецкий и кайзеровский манер, путем запрета моего сочинения — как «опасного для общественной нравственности»: ведь кайзер в данном случае — заинтересованная сторона. Можно было бы даже истолковать мою фразу «мы все знаем неэстетичное понятие христианского юнкера» как оскорбление величества - - -

Ваше заступничество в честь вдовы Бизе доставило мне огромное удовольствие. Пожалуйста, дайте мне ее адрес; равно как и адрес князя Урусова. Один экземпляр отправлен Вашей подруге княгине Дмитриевне Тенишевой. — При моей следующей публикации, которая заставит себя ждать не так уж долго (— заголовок теперь такой: Сумерки идолов. Или: Как философствуют молотом), я бы очень хотел послать экземпляр и тому шведу, которого Вы представили мне столь лестными словами. Только я не знаю его места жительства. — Это сочинение — моя философия in nuce — радикальная до преступности…

О воздействии Тристана я тоже мог бы рассказать чудеса. Добротная доза душевных мук кажется мне превосходным тоником перед вагнеровской трапезой. Имперский судебный советник доктор Винер в Лейпциге дал мне понять, что для этого годится и карлсбадский курс лечения…

Ах, как же Вы трудолюбивы! А я идиот, который даже датского не понимает! — То, что именно «в России можно снова ожить», я Вам вполне верю; я причисляю какую-нибудь русскую книгу, прежде всего Достоевского (во французском переводе, ради всего святого, только не на немецком!!), к своим величайшим утешениям.

От всего сердца и с правом быть благодарным

Ваш Ницше

1135. An Malwida von Meysenbug in Rom

Turin, den 20 Okt. 1888.

Почтенная подруга,

простите меня, если я еще раз беру слово: это может быть в последний раз. Я постепенно упразднил почти все свои человеческие отношения из отвращения к тому, что меня принимают не за того, кто я есть. Теперь ваша очередь. Я годами посылал вам свои сочинения, чтобы вы наконец-то, честно и наивно, объяснили мне: «я питаю отвращение к каждому слову». И вы имели бы на это право. Ибо вы «идеалистка» — а я рассматриваю идеализм как ставшую инстинктом неправдивость, как нежелание видеть реальность любой ценой: каждое предложение моих сочинений содержит презрение к идеализму. Нет над всем человечеством до сих пор худшего рока, чем эта интеллектуальная нечистоплотность; ценность всех реальностей обесценили тем, что выдумали «идеальный мир»… Вы ничего не понимаете в моей задаче? Что значит «переоценка всех ценностей»? Почему Заратустра считает добродетельных самым роковым видом людей? почему он должен быть разрушителем морали? — вы забыли, что он говорит: «разбейте, разбейте мне добрых и справедливых?» —

— Вы — то, чего я никогда не прощаю — из моего понятия «Сверхчеловек» снова состряпали «высший обман», нечто из соседства сивилл и пророков: в то время как каждый серьезный читатель моих сочинений должен знать, что тип человека, который не должен вызывать у меня отвращения, — это как раз противоположный тип идеальным идолам прошлого, тип, в сто раз более похожий на Чезаре Борджиа, чем на Христа. И если вы даже, в моем присутствии, произносите почтенное имя Микеланджело на одном дыхании с такой насквозь нечистоплотной и фальшивой тварью, как Вагнер, то я избавлю вас и себя от слова для описания моего чувства при этом. — Вы всю свою жизнь почти во всех ошибались: немало бед, в том числе и в моей жизни, проистекает из того, что вам доверяют и что ваше суждение абсолютно недостойно доверия. Наконец, вы путаете Вагнера и Ницше! — И, записывая это, я стыжусь того, что поставил свое имя в это соседство. — Итак, вы ничего не поняли из того отвращения, с которым я, вместе со всеми порядочными натурами, 10 лет назад повернулся спиной к Вагнеру, когда обман с первыми Байройтскими листками стал осязаемым? Вам неизвестна глубокая горечь, с которой я, подобно всем честным музыкантам, вижу, как эта чума вагнеровской музыки, эта обусловленная ею порча музыкантов, все дальше распространяется? Вы не заметили, что я уже десять лет являюсь своего рода совестью для немецких музыкантов, что я во всех возможных местах снова насаждал артистическую честность, благородный вкус, глубочайшую ненависть к отвратительной сексуальности вагнеровской музыки? что последний классический музыкант, мой друг Кёзелиц, вышел из моей философии и воспитания? — Вы никогда не понимали ни слова из того, что я говорил, никогда не понимали ни одного шага моего: это не помогает; мы должны внести в это ясность между нами, — и в этом смысле «случай Вагнера» для меня еще и счастливый случай — —

Фридрих Ницше.

1136. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin, 26. Oktober 1888>

Только открытка, моя добрая матушка, чтобы ты снова получила от меня весточку. Совсем не было причин так тебя пугать: между нами это ничего не значит. Надеюсь, у тебя сейчас тоже такая чудесная солнечная осень: я, по крайней мере, еще нигде не видел погоды лучше. При таких обстоятельствах всё идет благополучно вперед; ни малейшей усталости или жалоб. Печь заказана, но не самая маленькая, а следующая по размеру. Мой хозяин предложил мне, на случай, если я не захочу оставить ее в конце зимы, выплатить мне половину того, что она мне стоила. Приветствует и обнимает тебя твое старое создание.

1137. An Heinrich Köselitz in Berlin

Turin, d. 30. Okt. 88.

Дорогой друг,

я только что посмотрел на себя в зеркало, — я никогда так не выглядел. Образцово в хорошем настроении, упитанный и на десять лет моложе, чем было бы позволительно. Ко всему прочему, с тех пор как я выбрал Турин своим домом, я сильно изменился в тех почестях, которые оказываю сам себе, — например, наслаждаюсь услугами превосходного портного и придаю большое значение тому, чтобы везде меня воспринимали как выдающегося иностранца. Что мне, к моему удивлению, удалось. В своей траттории я, несомненно, получаю лучшие куски, какие только есть: мне всегда подсказывают, что именно сегодня удалось особенно хорошо. Между нами говоря, я до сегодняшнего дня не знал, что значит есть с аппетитом; так же как и того, что мне нужно, чтобы быть в силах. Моя критика зимы в Ницце теперь очень сурова: недостаточная и совершенно не подходящая именно мне диета. То же самое, может быть, даже в большей степени, относится — ничего не поделаешь, дорогой друг! — к Вашей Венеции. Здесь я ем с самым веселым расположением духа и желудка, добрых четыре раза больше, чем в Панаде. — Да и вообще Ницца была чистым безумием. В ландшафтном отношении Турин мне симпатичнее, чем этот известковый, бедный деревьями и глупый кусок Ривьеры, настолько, что я не могу достаточно злиться на то, что так поздно оттуда выбрался. Я не говорю ни слова о презренном и подлом типе людей там, — иностранцы не исключение. Здесь день за днем встает с одинаковым необузданным совершенством и солнечным светом: великолепная листва деревьев в пылающем желтом цвете, небо и большая река нежно-голубые, воздух высочайшей чистоты — Клод Лоррен, о котором я никогда не мечтал. Фрукты, виноград в самой коричневой сладости — и дешевле, чем в Венеции! Во всех отношениях я нахожу <это> здесь достойным жизни. Кофе в лучших кафе, маленькая чашечка, удивительного качества, даже первоклассного, какого я еще не встречал, 20 сантимов — и в Турине не платят чаевых. Моя комната, первоклассное расположение в центре, солнце с раннего утра до полудня, вид на палаццо Кариньяно, площадь Карло Альберто и дальше на зеленые горы — 25 франков в месяц с обслуживанием, включая чистку обуви. В траттории я плачу за каждый обед 1 франк 15 сантимов и, что считается явным исключением, оставляю еще 10 сантимов. За это я получаю очень большую порцию минестры, будь то сухая или в бульоне: огромнейший выбор и разнообразие, а итальянские макаронные изделия все первоклассные (— я здесь только учусь понимать большие различия). Затем превосходный кусок нежного мяса, прежде всего жаркое из телятины, которого я нигде так не ел, с гарниром из овощей, шпината и т. д. Три булочки, здесь очень вкусные, для любителей гриссини, те самые тонкие хлебные палочки, которые являются туринским вкусом. — Печь заказана из Дрездена: знаете, угольно-содовое отопление — без дыма, следовательно, без дымохода. Также я велел прислать из Ниццы свои книги. Кстати, здесь удивительно мягко, даже по ночам. Мое чувство холода, о котором я писал, имеет только внутренние причины. Впрочем, оно сразу же прошло. —

Вашим письмом Вы доставили мне огромную радость. В сущности, я почти ни от кого не слышал, насколько сильно воздействуют мои мысли. Новизна, смелость обновления действительно первоклассны: — что касается последствий, то я теперь порой смотрю на свою руку с некоторым недоверием, потому что мне кажется, что я держу судьбу человечества «в руке». — Вы довольны, что я закончил моралью Диониса? Мне пришло в голову, что этот ряд понятий ни в коем случае не должен отсутствовать в этом «Vademecum» моей философии. С помощью нескольких фраз о греках я могу бросить вызов всему, что было о них сказано. — В заключение та речь-молот из Заратустры — возможно, после этой книги, слышимая… Я сам не слушаю ее без ледяной дрожи по всему телу.

Погода такая великолепная, что нет никакого труда сделать что-то хорошо. В свой день рождения я снова начал кое-что, что, кажется, удается и уже значительно продвинулось. Оно называется Ecce homo. Или Как становятся самими собой. Оно повествует, с большой дерзостью, обо мне и моих сочинениях: я хотел не только представить себя перед этим совершенно жутко одиноким актом переоценки, — я хотел бы однажды провести пробу, чем я на самом деле рискую при немецких понятиях о свободе печати. Мое подозрение в том, что первую книгу Переоценки конфискуют на месте, — законно, с полным на то правом. С помощью этого «Ecce homo» я хотел бы обострить вопрос до такой степени серьезности, а также любопытства, чтобы общепринятые и в сущности разумные понятия о дозволенном здесь однажды допустили исключительный случай. Впрочем, я говорю о себе с максимально возможной психологической «хитростью» и веселостью, — я вовсе не хочу предстать перед людьми пророком, чудовищем и моральным уродом. И в этом смысле эта книга могла бы принести пользу: она, возможно, предотвратит то, что меня будут путать с моей противоположностью.

Я очень любопытствую по поводу Вашей гуманности в «Kunstwart». Знаете ли Вы, что летом я написал господину Авенариусу крайне грубое письмо из-за того, как его издание «списало» Генриха Гейне? — Грубые письма — у меня признак веселости…

Сердечно Вас приветствую, со множеством невыразимых побочных, задних и передних пожеланий (— «Одно нужнее, чем другое»: так говорил Заратустра)

Н.

1138. An Malwida von Meysenbug in Rom

<Turin,> 5. n. 88.

Подождите лишь немного, почтеннейшая подруга! Я еще представлю Вам доказательство того, что «Nietzsche est toujours haïssable». Вне всякого сомнения, я поступил с Вами несправедливо: но так как этой осенью я страдаю от избытка добропорядочности, то для меня истинное благодеяние — поступать несправедливо…

«Имморалист».

1139. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 6. November 1888

Уважаемый господин издатель,

пусть вас теперь ничто не удивляет в моих действиях! Например, то, что мы, как только «Сумерки идолов» будут во всех смыслах закончены, должны немедленно начать новую печать. Я полностью убедился в необходимости еще одного сочинения, в высшей степени подготовительного сочинения, чтобы примерно через год иметь возможность выступить с первой книгой «Переоценки». Должно быть создано настоящее напряжение — в противном случае получится как с Заратустрой. Последние недели я был вдохновлен самым счастливым образом, благодаря несравненному благополучию, единственному в моей жизни, а также благодаря чудесной осени и деликатнейшей любезности, которую я встретил в Турине. Таким образом, я решил чрезвычайно трудную задачу — а именно: рассказать о самом себе, своих книгах, своих взглядах, фрагментарно, насколько это требовалось, свою жизнь — в период между 15 октября и 4 ноября. Я думаю, это будет услышано, возможно, даже слишком… И тогда всё будет в порядке. —

Теперь вопрос об изготовлении. Мое намерение состоит в том, чтобы придать этому труду уже ту форму и оформление, которые должен иметь тот главный труд, к которому он во всех смыслах представляет собой длинное предисловие. Выслушайте же теперь, почтеннейший господин издатель, что я предлагаю.

Тот же формат, что и у последних сочинений. Промежутки между строками точно такие же, как в «Предисловии» к «Казусу Вагнера» и «Сумеркам идолов». Количество строк — 29. Никакой рамки вокруг текста; зато строка шире. Бумага не иная, чем у последних двух сочинений. — Будет ли вам угодно прислать мне пробный оттиск такой страницы, чтобы я увидел ее своими глазами? Возьмите для этого любой кусок рукописи «Сумерек идолов», который заполняет целую страницу! — Новое сочинение называется:

Ecce homo

Как становятся самими собой.

С дружеским приветом
Ваш Ницше

1140. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 7. November 1888>

Уважаемый господин издатель,

я только что отправил Вам письмо, как вдруг получаю послание из Базеля от господина Карла Шпиттелера, который очень воодушевлен и благодарен за «Казус Вагнера». Он опубликовал или как раз публикует работу об этом в «Бунде». При этом он пишет, что доктор В. Видман, редактор «Бунда», огорчен тем, что я не прислал ему это сочинение. Давайте же сделаем еще один шаг, мне очень приятно, когда именно в Швейцарии меня не оставляют в беде. К тому же я совсем не злопамятный человек. Пожалуйста, отправьте экземпляр в редакцию «Бунда»!

Ваш Ницше

Nouvelle Revue публикует статью, сообщают мне из Парижа.

1141. An Carl Spitteler in Basel

<Turin, um den 10. November 1888>

Дорогой и любезный господин,

весьма воодушевлен тем, что в данном «случае» Ваше «да» на моей стороне, поскольку на сей раз у меня есть несколько причин не считать голоса, а взвешивать их.. Только что мне сообщили из Парижа о предстоящем обзоре сочинения: в Nouvelle Revue. Там я искренне испытываю некоторый страх… Это «да» из окружения мадам Адам компрометирует. —

То, что я не отправил сочинение господину доктору Видману, имело своей причиной опасение, что оно может задеть его симпатии к И. Брамсу. Но так как я полагаю, что могу сделать вывод из Ваших слов, что он его ожидал, то я с удовольствием доставлю его в его руки без промедления.

Мне любопытно, что напишет об этом «Kunstwart». — Не правда ли, Вы окажете мне услугу и пришлете как «Basler Nachrichten», так и «Bund» в благословенный город Турин!

Ваш
искренне преданный
Ницше

1142. An Heinrich Köselitz in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6III.<13. November 1888.>

Дорогой друг,

Ваше последнее письмо вызвало у меня, среди прочего, вздох по поводу моей глупости; мне следовало бы, проявив хоть немного тонкости, знать, что, дабы не лишиться Вашего визита в Турин, слово «Турин» было на пару писем запрещено. Вы недооцениваете, чего мне, среди всех прочих «благ», здесь не хватает — и не только здесь, но и везде, — и не только со вчерашнего дня, а уже больше года: il mio maestro Pietro Gasti. Когда Вы недавно вписали в письмо некую строчку нот своими «аврориными» розовыми пальцами, я был попросту завистлив — я поостерегусь говорить, кому или чему…

Осень подошла к концу, — она с удивительным даже для туринцев постоянством с начала октября до глубокого ноября день за днем играла свою золотую красоту da capo. Сейчас стало немного пасмурно, воздух не слишком холодный; странно, как хорошо этот цветовой тон подходит старым palazzi. Осмелюсь утверждать, что для моего самочувствия это почти благодатнее, чем та самая череда «прекрасных дней», с которыми даже Гёте не умел толком справиться. — Ну, довольно хулы! ибо я справился с ними хорошо, — даже слишком хорошо… Мой «Ecce homo. Как становятся сами собою» возник в период между 15 октября, днем моего всемилостивейшего рождения и господина, и 4 ноября с такой античной самоуверенностью и добрым расположением духа, что он кажется мне слишком удачным, чтобы позволить себе шутить по этому поводу. Последние части, кстати, уже написаны в тональности, которая, должно быть, была утрачена мейстерзингерами, — «тональность миродержца»… Заключительная глава носит неприятный заголовок: Почему я — рок. То, что это именно так, доказывается столь убедительно, что в конце сидишь передо мной как «личинка» и «чувствующая грудь»…

Упомянутая рукопись уже отправилась рачьим шагом в типографию. Для оформления я в этот раз «пожелал» то же самое, что и для «Переоценки»: к которой это является изрыгающим пламя предисловием. —

Господин Карл Шпиттелер излил свой восторг по поводу «Случая» в Bund: у него удивительно меткие слова, — он также поздравил меня письменно с тем, что я дошел до самого конца: он, по-видимому, считает общую характеристику нашей современной музыки как музыки décadence первоклассным культурно-историческим выводом. Впрочем, сначала он обратился в «Kunstwart». — Из Парижа мне обещают статью в revue nouvelle. Вслед за этим завязалась и петербургская связь: княгиня Анна Дмитриевна Тенишева. — Доктор Брандес пишет, что величайший шведский писатель, «истинный гений», Август Стриндберг, всецело на моей стороне. На днях ко мне придет адрес очаровательной вдовы Бизе, которую меня очень просили порадовать присылкой моего сочинения. —

Наши чудесные дамы из туринской аристократии придумали на январь concorso di bellezza: они стали совсем дерзкими, когда сюда прибыли фотографии первых красавиц из Спа. Еще весной я видел подобный concours портретов на последней выставке: в чем они явно чувствуют свое превосходство над всем миром, так это в Busento, который с совершенной наивностью доверяется художнику. Наша новая согражданка, прекрасная Летиция Бонапарт, недавно вышедшая замуж за герцога д’Аоста и проживающая здесь, во всяком случае, будет участвовать.

Приветствую Вас с просьбой воспринять первые слова моего письма трагически, Ваш друг

Ницше.

1143. An Franz Overbeck in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6, III am 13. Nov. 1888.

Дорогой друг,

исключительный случай 16 ноября, быть может, послужит оправданием тому, что я сегодня же посылаю письмо вслед за своим последним письмом. Возможно, у вас уже зима: у нас она почти наступила, — на ближайших горах уже лежит легкий парик. Надеюсь, зима будет соответствовать осени: по крайней мере здесь она была настоящим чудом красоты и обилия света, — постоянный Клод Лоррен. Я переучился в отношении самого понятия «хорошая погода» и с состраданием думаю о своей глупой привязанности к Ницце. — Мои книги, которые я там оставил, уже в пути в Турин. По этому случаю я узнал, что в pension de Genève прибыла моя веселая соседка по столу прежних времен, фрау фон Брандис. — Угольно-содовая печь тоже в пути, по очень честным ценам, как я должен сказать в честь дрезденского Ниске. Я купил себе сегодня пару превосходных английских зимних перчаток. — При всем желании, старый друг Овербек, мне не удается рассказать тебе что-то плохое о себе. Все идет и идет в темпе fortissimo работы и хорошего настроения. Также здесь со мной обращаются comme il faut, как с кем-то крайне выдающимся, здесь есть манера открывать передо мной двери, которой я еще нигде не встречал. Признаюсь, что я посещаю только очень хорошие места, а также радую себя классическим портным. — На днях у нас была мрачная помпа великих похорон, в которых участвовала вся Италия: граф Робилант, самый почитаемый тип пьемонтской знати, кстати, родной сын короля Карло Альберто, как здесь знают. В его лице Италия потеряла премьера, которого невозможно заменить. — Кое-что веселое попутно: красавицы туринской аристократии стали совсем дерзкими, когда сюда прибыли изображения первых коронованных красавиц в Спа. Они немедленно наметили на январь и concorso di bellezza — я думаю, у них есть на это полное право! Я уже видел перед собой такой конкурс портретов на весенней выставке. Наша новая туринка, принцесса Летиция Бонапарт, новобрачная герцога д’Аоста, также с удовольствием примет участие в этой партии. — Тем временем я получил настоящие письма с восхвалениями моего «Случая Вагнера». Это сочинение называют не только психологическим шедевром первого ранга в области, где до сих пор никто вообще не имел глаз — в психологии музыкантов; разъяснение о характере декаданса нашей музыки называют вообще культурно-историческим событием, чем-то, что никто, кроме меня, не смог бы сделать: слова о Брамсе называют пределом психолог. проницательности. — Г-н Шпиттелер в четверговом номере «Bund» выразил свой восторг, господин Кёзелиц в «Kunstwart»; из Парижа мне сообщают о предстоящей статье в Nouvelle Revue. — И в остальном хорошие новости. Величайший шведский писатель, «настоящий гений», как пишет д-р Брандес, Август Стриндберг, тем временем полностью высказался в мою пользу; петербургское общество также ищет связей со мной, что очень затруднено запретом моих сочинений (князь Урусов, княгиня Анна Дмитриевна Тенишева). Наконец, очаровательная вдова Бизе!…

Печать «Сумерек идолов. Или: как философствуют молотом» завершена; рукопись «Ecce homo. Как становятся самими собой» уже в типографии. — Последнее, имеющее абсолютную важность, дает кое-что психологическое и даже биографическое обо мне и моей литературе: меня увидят сразу. Тон сочинения веселый и роковой, как и все, что я пишу. — В конце следующего года выйдет тогда первая книга Переоценки. Она лежит готовая. —

С самыми сердечными пожеланиями твоего благополучия в теле и душе, твой

Ницше

1144. An Meta von Salis auf Marschlins

Turin, den 14. Nov. 88

Глубокоуважаемая барышня,

поскольку я постоянно страдаю от небольшого избытка хорошего настроения и других благ, вы вполне можете простить мне совершенно бессмысленное письмо. До сих пор всё шло лучше, чем хорошо; я волочил свою ношу так, словно от природы был «бессмертным» носильщиком. Мало того, что первая книга «Переоценки» была закончена уже 30 сентября, тем временем появилось весьма невероятное литературное произведение, носящее заголовок «Ecce homo. Как становятся тем, что есть», — оно тоже уже обрело крылья и, если меня не обманывает предчувствие, порхает в сторону Лейпцига… Ибо этот homo — я сам, включая ecce; попытка распространить вокруг себя немного света и ужаса, кажется, удалась мне почти слишком хорошо. Последняя глава, например, имеет неприятный заголовок: почему я — рок. То, что это именно так, доказывается настолько сильно, что в конце концов перед вами остается сидеть лишь «личинка», лишь «чувствующая грудь». — О том, что требуется некоторое разъяснение касательно меня, мне недавно доказал случай с Мальвидой. Я послал ей, с небольшой долей ехидства, четыре экземпляра «Казуса Вагнера» с просьбой предпринять некоторые шаги для хорошего французского перевода. «Объявление войны» мне: Мальвида использует это выражение. —

Я, между нами говоря, еще раз убедился в том, что знаменитый «идеализм» в данном случае в основе своей является крайней формой нескромности, — «невинной», как само собой разумеется. Ей всегда позволяли высказываться, и, как мне кажется, никто не сказал ей, что в каждом своем предложении она не только ошибается, но и лжет… Ведь именно так поступают «прекрасные души», которые не смеют видеть реальность. Избалованная всей своей жизнью, она в конце концов сидит, как маленькая комичная Пифия, на своем диване и говорит: «Вы ошибаетесь насчет Вагнера! Я знаю это лучше! Совершенно то же самое, что Микеланджело» — Я написал ей в ответ, что Заратустра хочет упразднить добрых и справедливых, потому что они всегда лгут. На это она ответила, что полностью согласна со мной в этом, ибо существует так мало действительно хороших…

И это временами защищало меня от Вагнера! — Турин — не то место, которое покидают. Я отложил Ниццу в архив, равно как и romantisme корсиканской зимы (— в конце концов, это больше не стоит того, господа бандиты действительно упразднены, даже короли, эти Беллакоша) — Осень здесь была постоянным Клодом Лорреном, — я часто спрашивал себя, возможно ли такое на земле. Странно! против летней мизере там, наверху, действительно нашлась компенсация. Вот оно что: старый Бог еще жив…

— К тому же здесь со мной очень деликатны, мое положение по сравнению с весенним улучшилось в неисчислимой степени. — О своем здоровье я больше даже не смею говорить: это пройденный этап. — Сочинение, законченное еще в Энгадине, возможно, самое радикальное из существующих, теперь носит заголовок:

Сумерки идолов

Или:

как философствуют молотом.

Печать завершена. — Если я обдумаю всё, что натворил между 3 сентября и 4 ноября, то боюсь, что в ближайшее время земля задрожит. На этот раз в Турине; два года назад, когда я был в Ницце, как и положено, в Ницце. В самом деле, последний отчет обсерватории от вчерашнего дня уже сообщил о легкой осцилляции…

У нас был мрачный помпаж великих похорон. Один из самых почтенных пьемонтцев, граф ди Робилант, был предан земле; вся Италия была в трауре. Она потеряла премьер-министра, которого ждали с нетерпением — и которого никто не заменит.

С глубочайшей преданностью
Ваш
Ницше.

Господин Шпиттелер в «Bund» издал крик восторга по поводу «Казуса». —

1145. An Elisabeth Förster (Entwurf)

<Turin, Mitte November 1888>

Сестра моя!

Я получил твое письмо и, перечитав его несколько раз, вижу себя в серьезной необходимости проститься с тобой. Теперь, когда моя судьба решилась, я ощущаю каждое твое слово ко мне с удесятеренной остротой: у тебя нет ни малейшего представления о том, что значит быть в самом близком родстве с человеком и судьбой, в которых решается вопрос тысячелетий, — я, говоря совершенно буквально, держу в руках будущее человечества. Я знаю человеческую природу и бесконечно далек от того, чтобы в каком-либо отдельном случае осуждать то, что является роком человечества в целом; более того: я понимаю, как именно ты, в силу полной невозможности видеть те вещи, в которых живу я, была вынуждена почти что бежать в противоположность мне. Что меня при этом успокаивает, так это мысль о том, что ты поступила по-своему хорошо, что у тебя есть кто-то, кого ты любишь и кто любит тебя, что перед тобой остается значительная задача, которой посвящены как твои способности, так и твои силы, — наконец, чего я не хочу скрывать, что именно эта задача увела тебя несколько в сторону от меня, так что ближайшие потрясения того, что, возможно, сейчас происходит со мной, тебя не достигнут. — Последнего я желаю ради тебя: я прежде всего настоятельно прошу тебя не поддаваться никакому дружескому и в данном случае прямо опасному любопытству читать сочинения, которые сейчас выходят из-под моего пера. Подобное могло бы ранить тебя сверх всякой меры — а меня, при мысли об этом, еще больше… В этом смысле я сам сожалею, что отправил тебе сочинение против Вагнера, которое посреди огромного напряжения, в котором я живу, было для меня истинным благом — как честная дуэль психолога с благочестивым соблазнителем, которого никто легко не распознает как такового.

Для общего успокоения хочу сказать о себе лишь то, что самочувствие мое превосходно, я полон твердости и терпения, каких не знал ни часа во всей своей прежней жизни; что самое тяжелое становится для меня легким, что все, за что я берусь, удается. Задача, которая лежит на мне, тем не менее соответствует моей природе — так что только теперь я имею представление о том, что было моим предопределенным счастьем. Я играю с грузом, который раздавил бы любого смертного… Ибо то, что мне предстоит сделать, ужасно во всех смыслах этого слова: я бросаю вызов не отдельным людям, я бросаю вызов человечеству в целом своим страшным обвинением; как бы ни решилось дело, за меня или против меня, в любом случае на моем имени лежит неизмеримо много рока… Прося тебя от всего сердца видеть в этом письме не жестокость, а нечто противоположное, подлинную человечность, которая стремится предотвратить лишние беды, я вверяю себя, преодолевая необходимость, твоей любви…

Твой брат.

1146. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Adresse: Torino (Italia), via Carlo Alberto 6III.<17. November 1888>

Моя старая матушка,

— это самое удивительное совпадение, какое только может быть. Мой рассудок на мгновение остановился. Представь себе, что я как раз собираюсь попросить тебя сделать выписку из собрания сочинений Вагнера: том 7, в котором есть письмо Вагнера ко мне. Мне нужна была последняя фраза из него, которая необходима мне для одной работы. Письмо содержит эту фразу: та третья страница, которая доставила тебе такое удовольствие. Совершенно сказочно! —

Мне доставляет большую радость слышать о существенном улучшении жизненных обстоятельств моего дяди Оскара; еще больше — то, что мне позволено дать ему пусть даже скромный знак моей привязанности. Я очень прошу его «нацепить» фрак, — я никогда не думал, что его ждет еще столь достойное будущее. —

(Ты не должна требовать от меня, чтобы я продавал свою одежду, как старый еврей, моя добрая матушка. —)

К моему сожалению, отсутствует конверт этого любопытного письма: у меня нет ни малейшего представления, откуда оно пришло. Если бы ты лучше сообщила мне почтовый штемпель, вместо того чтобы описывать странствия из места в место, я бы уже был на следe. Это должен быть близкий знакомый, на это указывает шутка в адресе «Рёккен близ Лютцена». Не из Вены ли он? —

Итак, печь, как я понял из твоего письма, оплачена господином Кюрбицем? Всего вышло 68 марок. Напиши мне в следующем письме прямо, что дело улажено. Отправка мне могла состояться только после оплаты. — До сих пор прибыли два больших мешка топлива, вместе с 4 коробочками растопки. От холода я страдал еще умеренно, если не считать нескольких дождливых дней: в такую погоду всегда становишься чувствительнее. Сейчас снова прекрасно и мягко, даже ночью. Самым холодным был единственный октябрьский день, когда мы хоть и не достигли точки замерзания, но были близки к ней. Сразу после этого снова восхитительные осенние дни. — Твоя история о «долженствовании» в большом стиле доставила мне удовольствие, я согласен с тобой, что это нечто хорошее, — это держит голову, а может, и тело свободными. Мы все еще в изобилии прекраснейшего винограда: фунт первоклассного качества стоит 24 пфеннига на ваши деньги. Питание сверх всякой меры хорошее и полезное. Не зря живешь в стране самого прославленного животноводства, причем в ее королевской резиденции. Нежность телятины для меня просто нечто новое, так же как и высоко ценимая мною деликатная баранина. И какое приготовление! Какая добротная, чистая, даже изысканная кухня! Я до сих пор не знал, что такое хороший аппетит: честно, я ем в 4 раза больше, чем в Ницце, плачу меньше и у меня еще ни разу не было расстройства желудка. Признаю, что меня здесь, как и в других вещах, выделяют; я определенно получаю лучшие куски. Но так везде, где я здесь вращаюсь: меня принимают за нечто весьма выдающееся, ты бы сама удивилась, как гордо и с каким достоинством твое старое создание здесь расхаживает. По сравнению с Ниццей все перевернулось. — Легкого пальто, подбитого синим шелком, пока вполне достаточно поверх моего парадного костюма. Толстое, все еще вполне приличное пальто от Хильдебранда удостоится чести только этой зимой. Две пары ботинок на шнурках. Огромные английские зимние перчатки. Золотые очки (не в дороге). Теперь ты можешь представить себе это старое создание.

С любовью
Ф.

Найди это место и напиши, от какого числа письмо (— оно появилось в Norddeutsche Zeitung)

— Я забыл про хамелеонов среди моего блеска: они здесь совершенно чужие, — тем лучше!

1147. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Turin, den 18. November 1888

Дорогой господин издатель,

Вы имеете честь издавать труды первого человека всех тысячелетий. То, что Вы можете позволить такой старой гусыне, как Поль, рассуждать обо мне, относится к вещам, которые возможны только в Германии. Не думайте, что я читаю подобное: мне буквально пишут из Лейпцига: «Воображение Поля, что он своим ограниченным опусом сделал что-то против Вашего "Суда над миром", просто уморительно». — Я получаю со всех сторон настоящие письма с выражением почтения, как о шедевре психологической проницательности, которому нет равных, как об истинном избавлении от опасного недоразумения… Спросите же господина фон Бюлова, что он об этом думает. — И издатель «Заратустры» принимает сторону против меня? —

С искренним презрением
Ницше.

1148. An Heinrich Köselitz in Berlin

Turin, den 18. Nov. 1888

Дорогой друг,

Ваше письмо имеет последствия — я чувствую нечто вроде удара молнии… Тотчас же ушло короткое собственноручное письмо Фричу с подписью «в искреннем презрении Ницше». Два дня спустя я хочу написать ему: «Давайте договариваться друг с другом, господин Фрич! При таких обстоятельствах невозможно оставлять мои произведения в Ваших руках. Сколько Вы хотите за всё вместе?» — Если дело дойдет до того, что я получу всю свою литературу в свои руки, всё «Naumanniana», то это был бы сейчас мастерский ход, — два года спустя господин Ф<рич> сильно бы призадумался… Mille grazie! Возможно, Вы тем самым даже стали творцом моей fortuna. — Я рассчитываю, что он захочет 3000 талеров; если мне не изменяет память, он заплатил Шмейцнеру 2000. — Учтите, что тем самым я стану владельцем Заратустры. Уже «Ecce homo» откроет глаза. — Я чуть не падаю со стула от удовольствия. —

Но это было лишь второстепенным делом. Совсем другой вопрос глубоко волнует меня — вопрос об оперетте, которого касается Ваше письмо. Мы не виделись с тех пор, как я просветился в этом вопросе — о, настолько просветился! Пока Вы связываете с понятием «оперетта» какое-либо снисхождение, какой-либо вульгаризм вкуса, Вы — простите за сильное выражение! — всего лишь немец… Спросите же, как месье Одран определяет оперетту: «рай всех деликатных и утонченных вещей», включая возвышенные сладости. Я недавно слушал «Маскотту» — три часа и ни одного такта венщины (= свинятины). Прочтите какой-нибудь фельетон о новой парижской оперетте: они сейчас во Франции в этом деле настоящие гении остроумной веселости, злобной доброты, архаизмов, экзотизмов, совершенно наивных вещей. Требуется 10 пьес первого разряда, чтобы оперетта, под огромным давлением конкуренции, осталась на плаву. Существует уже настоящая наука о тонкостях вкуса и эффекта. Я заклинаю Вас, Вена — это свинарник… Если бы я мог показать Вам одну настоящую парижскую субретку, которая создает образ, в единственной роли, например, мадам Жюдик или Милли Мейер, то пелена упала бы с Ваших глаз, я хотел сказать — с оперетты. У оперетты нет никакой пелены: пелена — это просто немецкое…

— А вот и своего рода рецепт. Для наших тел и душ, дорогой друг, небольшое отравление парижским — это просто «избавление»: мы становимся собой, мы перестаем быть грубо-немецкими… Простите меня, но по-немецки писать я могу лишь с того момента, когда смог представить себе парижан в качестве читателей. «Казус Вагнер» — это опереточная музыка…

На днях я пришел к такому же размышлению по поводу поистине гениального произведения шведа, господина Августа Стриндберга, представленного мне доктором Брандесом как главный почитатель. Это французская культура на несравненно более сильном и здоровом фундаменте: эффект очарователен: «Les mariés» называется, Париж 1885. — Очень любопытно, мы абсолютно сходимся во взглядах на «женщину», — это уже заметил доктор Брандес. —

Мораль: не Италия, старый друг! Здесь, где у меня есть первое опереточное общество Италии, я говорю <себе> при каждом движении миленьких, часто слишком миленьких бабенок, что они превращают в плотскую карикатуру любую оперетту. У них ведь нет остроумия в ножках, — не говоря уже о головке… Оффенбах в Италии столь же темный (хочу сказать, вульгарный), как и в Лейпциге. —

Видите, каким мудрым я теперь становлюсь! Как я сам переоцениваю ценности моего друга Кёзелица! — Почему не Брюссель?… Лучше всего, конечно, сам Париж. Воздух делает своё дело. — Это знал Вагнер: ставить себя на сцене он научился только в Париже.

Прошу и это письмо воспринять трагически. С искренним уважением, Ваш

Н.

1149. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 19. Nov. 1888

Уважаемый господин издатель,

Обязанный Вам благодарностью за Ваше письмо, спешу сообщить Вам о своих решениях.

Пробная страница мне не нравится. Я нахожу страницу двух последних сочинений, с чертой, не только гораздо более элегантной, но и более легко читаемой. Набор из-за более широких пробелов становится труднообозримым для глаза: а именно в этом прежде всего и заключается опасность для понимания. Останемся же при странице «Сумерек идолов», останемся также и при черте. —

Второй пункт, о котором <я> хочу поговорить с Вами, как я говорю сам с собой, — это вопрос об оформлении, то есть о бумаге. В предвидении, быть может, даже чрезмерной славы моего имени в течение недолгого времени, я обязан проявить некоторое уважение к самому себе, при котором материальные соображения не должны приниматься во внимание. Моя воля такова, чтобы мы сохранили ту же бумагу и для «Ecce homo», — но чтобы мы как для «Сумерек идолов», так и для нового сочинения сохранили те же цены, что и для «Казуса Вагнера». —

Позже — кто знает? — мы когда-нибудь будем и зарабатывать деньги: я не осмеливаюсь намекнуть, в какой мере будут читать «Переоценку». Пока же всё зависит от того, чтобы в течение по меньшей мере года все занимались мной.

Новое сочинение содержит о каждом из моих прежних сочинений отдельную главу, заглавием которой служит название соответствующего сочинения. Этим, как я полагаю, исчерпывается Ваше предложение: чему противоречит также и то, что нет никаких рецензий, заслуживающих упоминания. Всё это жалкий вздор, без исключения. —

Прошу господина доктора Фукса выслать «По ту сторону» и «К генеалогии морали» вместе с адресом господина Кёзелица. — То, что пишут о «Казусе Вагнера», я не хочу видеть. —

Если Вы в состоянии начать печатание немедленно и с усердием, то у меня будет повод быть Вам благодарным.

Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше

Турин, via Carlo Alberto 6, III

Прошу прислать мне первые 4 экземпляра «Сумерек идолов». Если Вы еще возьмете время до переплетных работ, то могли бы прислать только сигнальные листы книги. —

Господин Шпиттелер с пылом вступился за меня в «Bund». — Те несколько слов, которые он по этому случаю вообще говорит обо мне, — это, безусловно, лучшее из того, что до сих пор было сказано публично.

1150. An Carl Spitteler in Basel (Postkarte)

Turin, den 19. Nov. <1888>

Достопочтенный сударь,

Ваши слова о Ницше в целом — самое достойное из всего, что я до сих пор читал. — То, что я связываю свое «обращение» с «Кармен», конечно, — Вы ни на мгновение в этом не усомнитесь, — еще одна моя злая выходка. Я знаю зависть, приступы ярости Вагнера по поводу успеха «Кармен» — величайшего, кстати сказать, успеха в истории оперы. —

С искренней привязанностью
Ницше

1151. An Georg Brandes in Kopenhagen

Torino, via Carlo Alberto 6, III den 20. Nov. 1888.

Милостивый государь,

Простите, что отвечаю немедленно. В моей жизни сейчас происходят курьезные по смыслу случайности, которым нет равных. Позавчера — и вот опять. — Ах, если бы вы знали, что я только что написал, когда ваше письмо нанесло мне свой визит…

Я только что с цинизмом, который станет всемирно-историческим, рассказал о самом себе: книга называется «Ecce homo» и является покушением без малейшего снисхождения к Распятому: она заканчивается громом и молниями против всего, что является христианским или христиански-инфицированным, от которых теряешь зрение и слух. В конечном счете я — первый психолог христианства и могу, как старый артиллерист, коим я являюсь, выкатить тяжелую артиллерию, о существовании которой не подозревал ни один противник христианства. — Все это — прелюдия к переоценке всех ценностей, труду, который лежит передо мной готовым: я клянусь вам, что через два года вся земля будет в конвульсиях. Я — рок. —

— Угадайте, кому в «Ecce homo» достается больше всего? Как самому двусмысленному роду людей, как самой проклятой в истории расе по отношению к христианству? Господам немцам! — Я сказал им ужасные вещи… На совести немцев, например, то, что они лишили смысла последнее великое время истории, Возрождение, — в тот момент, когда христианские ценности, ценности декаданса, терпели поражение, когда они в инстинктах самого высшего духовенства были преодолены контринстинктами, инстинктами жизни!… Нападать на Церковь — это ведь означало восстанавливать христианство. — Чезаре Борджиа в качестве Папы — вот был бы смысл Возрождения, его подлинный символ…

— И вы не должны сердиться на то, что сами появляетесь в решающем месте книги — я как раз писал его — в том контексте, где я клеймлю поведение моих немецких друзей по отношению ко мне, это абсолютное оставление в беде как в вопросах чести, так и в философии. — Вы появляетесь, окутанные любезным облаком славы, совершенно внезапно…

Вашим словам о Достоевском я верю безоговорочно; с другой стороны, я ценю его как самый ценный психологический материал, который я знаю, — я странным образом благодарен ему, как бы сильно он ни был противен моим низшим инстинктам. Примерно такое же мое отношение к Паскалю, которого я почти люблю, потому что он бесконечно многому меня научил: единственный логичный христианин…

— Позавчера я читал, восхищенный и чувствуя себя как дома, «Молодоженов» господина Августа Стриндберга. Мое искреннее восхищение, которому ничто не мешает, кроме чувства, что я при этом немного восхищаюсь и собой… Турин остается моей резиденцией —

Ваш Ницше, теперь Чудовище…

Куда я могу прислать вам «Сумерки идолов, или

как философствуют молотом»? В случае, если вы еще 14 дней будете в Копенгагене, ответ не требуется. —

1152. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 20. November 1888>

Ведите переговоры со мной, господин Фрич! При таких обстоятельствах мне не позволено оставлять свои сочинения в ваших руках. Сколько вы требуете за всё вместе? (За исключением гимна, который должен остаться вашей собственностью). Вы никогда не давали мне представления о том, что и сколько из этого продается. Я вовсе не хочу, чтобы вы несли убытки из-за меня. В конце концов, я заберу у вас и гимн.

1153. An E. Kürbitz in Naumburg

Turin d. 22 Nov 88

Глубокоуважаемый господин,

пожалуйста, незамедлительно потребуйте возврата 68 марок от фирмы Nieske, принимая во внимание предупреждение прус<ского> правительства относительно этой печи.

Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше

1154. An Ad. Fleischmann in München

Torino, via Carlo Alberto 6, III 24 Nov. 1888

Глубокоуважаемый господин доктор,

к счастью, Ваше письмо всё же сумело найти меня в моем туринском уединении, — ответ на него я хочу отправить по почте еще сегодня. Это сочинение в высшей степени заслуживает внимания всех тонких и изощренных умов; я отовсюду, из Санкт-Петербурга и Парижа, получаю настоящие письма с выражением почтения, как по поводу проявления психологической проницательности в крайне запутанном случае. В конце концов, нет никого, кто знал бы Вагнера так близко, как я, — время в Трибшене было в моей жизни удивительно значимым, мы проводили вместе почти каждую неделю. — Госпожа Вагнер лучше всех знает, как я разгадал самое сокровенное этой скрытной натуры, но у нее есть сотни причин поддерживать миф о Вагнере…

Самое существенное в этом сочинении, в конечном счете, не психология Вагнера, а констатация décadence-характера нашей музыки в целом: это решающее прозрение, к которому мог прийти лишь тот, кто в своих глубочайших инстинктах является музыкантом и кого даже самый умный из умных не сможет провести.

Мой адрес на всю зиму остается прежним.

С глубоким уважением
Д-р Ницше

1154a. An August Strindberg in Holte

<Turin, 24. November 1888>

Разве это не стоит перевести? Это динамит.

Антихрист.

1155. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Turin, am 25. November 1888.

Г-ну Э. В. Фричу

признаюсь, что не знаю, как достать деньги в столь короткий срок, так что вы пока ничем не связаны. Вы позволите мне возобновить переговоры в более поздний срок.

Преданный вам
Д-р Ницше

1156. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 25. Nov. 1888

Уважаемый господин издатель,

«Сумерки идолов» мне очень нравятся, я еще раз убедился в том, о чем писал в последнее время, что нам следует сохранить то же оформление для «Ecce homo». — Две очень глупые ошибки, которые, как я боюсь, произошли по моей вине или из-за плохого зрения: стр. 137, стр. 7 Agleoph вместо Aglaop, стр. 52, стр. 5 Symptomologie вместо Symptomatologie. —

Слова, которыми следовало бы анонсировать это сочинение в биржевом бюллетене книготорговцев, я предоставил господину Кёзелицу, который сообщит Вам об этом. Ничего страшного, если они будут несколько резкими; для этого сочинения не разрешается рассылать рецензионные экземпляры в газеты.

В этот раз необходимо попробовать несколько очень умно подобранных объявлений. — Один весьма рассудительный пожилой господин, сотрудник главных журналов («Gegenwart», «deutsche Revue», «unsere Zeit», а также «Bl<ätter> für litter. Unterhaltung»), доктор Флейшман, бывший судебный чиновник, самым любезным образом выразил мне из Мюнхена свою готовность подробно написать о «Казусе Вагнер» (— его об этом все в Мюнхене просили). Поэт Мартин Грайф в Мюнхене в знак благодарности прислал мне свои произведения. —

Что касается бесплатных экземпляров «Сумерек идолов», то я возьму на себя 3 (из 4 присланных): Вам же остается их рассылка по следующим адресам:

В Базель, Швейцария:

  1. Господину главному библиотекарю доктору Зиберу

  2. Правлению Базельского читательского общества в надежные руки.

  3. Редакции «Basler Nachrichten»

  4. Господину Карлу Шпиттелеру, Gartenstraße 74

  5. Господину профессору доктору Овербеку

В Берлин:

  1. Господину профессору доктору Дойссену, Берлин W., Kurfürstendamm 142

  2. Господину Генриху Кёзелицу

В Дрезден:

  1. Господину Фердинанду Авенариусу, Stephanienstr. 1.

В Данциг:

  1. Господину доктору Карлу Фуксу

В Санкт-Петербург:

  1. Князю Урусову, Сергиевская 79.

Если бы Вам удалось как можно скорее предоставить мне мой счет за «Казус Вагнер», я был бы Вам обязан.

Господин Э. В. Фрич совершил чудовищную бестактность по отношению ко мне и позволил одной старой гусыне высмеять меня в самом жалком, личном ключе в своем собственном издании. После этого я спросил Фрича, сколько он хочет за всю мою литературу, — мне не позволено оставлять ее в таких руках. Ответ прилагается. Честно говоря, я его не понимаю. Мне кажется, он хочет 10 000 талеров.

С глубоким уважением, Ваш
Проф. д-р Ницше

Как только «Ecce homo» произведет впечатление — оно вызовет изумление, равного которому нет, — я предприму уже обдуманные шаги, чтобы подготовить переводы «Переоценки» на 7 основных языков силами исключительно выдающихся писателей Европы. Труд должен выйти одновременно на всех языках. —

NB. Я ожидаю шведский перевод «Сумерек идолов».

Честно говоря, я хочу забрать свои сочинения прочь от Фрича. Через два года они будут стоить в тысячу раз дороже. На одном только моем «Заратустре» можно стать миллионером: это самое решающее произведение из всех существующих.

1157. An Heinrich Köselitz in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6, III Montag <25. November 1888>

Дорогой друг,

может быть, и к Вам уже прибыли «Сумерки идолов»? Ко мне вчера поступили первые экземпляры. Две глупые ошибки: «Symptomologie» вместо «Symptomatologie» и «Agleophamus» вместо «Aglaophamus»: подобное приводит филолога в ярость. — Я установил цену на эту книгу в 1 1/2 марки: Вы понимаете? — Такое же оформление, такая же цена и для «Ecce homo», работа над которым сейчас начинается. — Избавьте меня от затруднения и напишите Науману что-нибудь о «Сумерках идолов» для «Биржевого листка книготорговцев». Вы можете использовать выражения настолько сильные, насколько это возможно. — Фрич требует от меня около 10 000 талеров. — Вопрос о «свободе печати», как я теперь чувствую со всей остротой, — это вопрос, который применительно к моему «Ecce homo» вообще не должен возникать. Я поставил себя настолько по ту сторону — не того, что сегодня считается ценным и стоит наверху, а вообще человечества, — что применение какого-либо кодекса было бы комедией. Впрочем, книга богата шутками и злостью, ибо я со всей силой представляю себя как антитип тому роду людей, которому до сих пор поклонялись: — книга настолько «нечестива», насколько это возможно…

Признаюсь, что «Сумерки идолов» кажутся мне совершенными; невозможно сказать более решительные вещи яснее и деликатнее… Нельзя использовать 10 дней более полезно, ибо больше времени книга у меня не отняла. —

Якоб Буркхардт получил от меня первый экземпляр.

У нас по-прежнему очаровательная весенняя погода; я сижу сейчас в полном безмятежии и легко одетый перед открытым окном.

Последнее соображение. Видите ли, дорогой друг, «нарушать круги» — это в моем нынешнем существовании действительно невозможно. Есть что-то особенное в этом «круге»… Но другое дело: я порой совершенно вне себя от того, что не могу сказать искреннего и безусловного слова кому бы то ни было — у меня нет никого для этого, кроме господина Петера Гаста… Также Вы найдете в моей, в сущности, веселой и злобной «актуальности» больше вдохновения для «оперетты», чем где-либо еще: я проделываю столько глупых шуток с самим собой и у меня бывают такие частные выходки паяца, что я порой полчаса ухмыляюсь на открытой улице, я не знаю другого слова… Недавно мне пришло в голову представить Мальвиду в решающем месте «Ecce homo» как Кундри, которая смеется… Я на 4 дня потерял способность сохранять серьезное выражение лица —

Думаю, с таким состоянием человек созрел для того, чтобы стать «Искупителем мира»?…

Приезжайте…

Ваш друг Н.

— Тот тип печей, которые я заказал себе за большие деньги из Германии (68 марок), теперь официально запрещен властями как опасный для жизни. — На их место приходит изящная печь с газовым отоплением. Цена 65 франков — подносишь спичку, и готово; если в комнате достаточно тепла, гасишь ее —

Только что здесь с треском провалилась вагнеризирующая опера «Нерон». Главный певец обратился в бегство.

Самая свежая новость — решение Турина построить оперный театр первоклассного уровня. —

1158. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Turin, den 26. Nov. 88

Глубокоуважаемый господин издатель,

я пишу Вам еще раз; вопрос, о котором идет речь, — первостепенной важности. Все обдумав, я прихожу к выводу, что неквалифицируемый поступок Э. В. Фрича — это счастливая случайность, ценность которой невозможно переоценить. Без этого поступка, который является не просто бестактностью, а оскорблением чести (— он приписал мне самые жалкие личные мотивы для моего сочинения против Вагнера, мне, самому безличному человеку, который, возможно, когда-либо существовал), у меня не было бы средства забрать свои сочинения из его рук. Теперь же я не только могу это сделать, я должен это сделать: в момент, когда моя жизнь стоит перед лицом огромного решения и на мне лежит ответственность, для которой нет выражения, я не могу терпеть, чтобы по отношению ко мне совершались подлости. Издатель «Заратустры»! первой книги всех тысячелетий! в которой заключена судьба человечества! которая через несколько лет разойдется миллионными тиражами!… Как только выйдет «Ecce homo», я стану первым человеком из всех ныне живущих.

Переговорите, глубокоуважаемый господин издатель, лично с Э. В. Фричем, скажите ему, что мое решение бесповоротно, он оскорбил мою честь. Я хочу, чтобы Вы собрали всю мою литературу, — с другой стороны, я хочу, чтобы теперь, когда все решается для меня, мы также подумали о более нормальных отношениях между автором и издателем. Я никогда не буду требовать гонораров, это часть моих принципов; но я хочу, чтобы Вы имели полную долю в успехе, в победе моей литературы. — «Переоценка всех ценностей» станет событием, не имеющим равных, <не> просто литературным, а потрясающим все существующее<>. Возможно, оно изменит летоисчисление. —

Литература, находящаяся в руках Фр<ича>, должна как можно скорее перейти в Ваши руки, прежде чем Ф<рич> поймет, что у него в руках. Уже «Сумерки идолов» опасны в этом отношении. Я в данный момент не знаю, как достать требуемую им сумму, — возможно, Вам удастся ее немного уменьшить.

Ваш покорнейший
Д-р Ницше

Прилагаю дополнение к E. h., — будет еще больше

Эта бумага, на которой я пишу, нравится мне больше всего.

1159. An Paul Deussen in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6,III am 26. Nov. 88

Дорогой друг,

мне необходимо поговорить с тобой об одном деле первостепенной важности. Моя жизнь сейчас достигает своей вершины: еще пара лет, и земля содрогнется от чудовищного удара молнии. — Я клянусь тебе, что у меня есть сила изменить летоисчисление. — Нет ничего, что стоит сегодня, что не рухнуло бы; я больше динамит, чем человек. — Моя переоценка всех ценностей с главным заглавием «Антихрист» готова. В ближайшие два года я должен предпринять шаги, чтобы перевести это произведение на 7 языков; первый тираж на каждом языке — около миллиона экземпляров. — До тех пор у меня выйдет еще:

  1. Сумерки идолов. Или: как философствуют молотом. Произведение готово, вчера я дал распоряжение, чтобы один из первых экземпляров был отправлен тебе. Читай его, я прошу тебя, с глубочайшей серьезностью, как бы ни было оно, по сравнению с тем, что грядет, веселой книгой.

  2. Ecce homo. Как становятся сами собою. Эта книга только обо мне, — в конце концов я выступаю в ней со всемирно-исторической миссией. Она уже в печати. — В ней впервые проливается свет на моего Заратустру, первую книгу всех тысячелетий, библию будущего, высший взрыв человеческого гения, в котором заключена судьба человечества. — И вот здесь возникает моя просьба, ради которой я пишу.

Я хочу вернуть своего Заратустру назад из рук Э. В. Фрича, я хочу сам держать в руках всю свою литературу как ее единственный владелец. Это не только огромное состояние, ибо моего Заратустру будут читать как Библию, — она просто больше не может находиться в руках Э. В. Фрича. Этот неразумный человек только что оскорбил мою честь: я не могу поступить иначе, я должен забрать у него книги. Я уже вел с ним переговоры: он хочет за всю мою литературу около 10 000 талеров. К счастью, он не имеет ни малейшего представления о том, что он имеет. — В сумме: мне нужно 10 000 талеров. Подумай, старый друг! Я не прошу ничего в подарок, речь идет о займе под любые проценты, какие будут желательны. У меня, кстати, ни гроша долгов, есть еще несколько тысяч на расходы, и благодаря моей базельской пенсии я не знаю забот. (— «Сумерки идолов» и «Ecce homo» печатаются на определенные деньги, которые некое чудо в свое время прислало мне из Берлина.) Только деньги должны быть в моем распоряжении скоро, прежде чем Ф<рич> почует, что у него есть. Тогда я собрал бы все вместе в руках заслуживающего доверия Наумана в Лейпциге.

Твой друг Ницше

(— с наилучшим приветом «отважной подруге» —)

Открытку из Мадрида получил. — Мое здоровье сейчас изумительно, я способен на самое сильное, — ты бы не поверил своим ушам, если бы услышал, что 3 упомянутых чудовища-книги были созданы между 24 августа и 4 ноября!

1160. An August Strindberg in Holte

Torino, Via Carlo Alberto, 6, III den 27. November 1888.

Глубокоуважаемый господин,

я думаю, наши отправления пересеклись? — Я дважды с глубоким волнением читал Вашу трагедию; меня безмерно удивило знакомство с произведением, в котором мое собственное понятие о любви — в ее средствах война, в ее основе смертельная ненависть полов — выражено грандиозным образом.

— Но ведь это произведение предназначено для того, чтобы быть поставленным сейчас в Париже в Свободном театре (théâtre libre) господина Антуана! Потребуйте этого просто от Золя! В данный момент он придает большое значение тому, чтобы о нем помнили. —

— В сущности, я сожалею о предисловии, хотя и не хотел бы, чтобы его не было: оно содержит сплошь бесценную наивность. То, что Зо<ла> не «за абстракцию», напоминает мне немецкого переводчика романа Достоевского, который тоже был не «за абстракцию»: он просто опустил «des raccourcis d’analyse», — они его «стесняли»… И то, что Зо<ла> не умеет отличить типы от «êtres de raison»! что он требует état civil complet для трагедии! Но я чуть не затрясся от смеха, когда в конце он даже делает из этого расовый вопрос! До тех пор, пока во Франции вообще существовал вкус, всегда из расового инстинкта отвергали именно то, чего хочет Золя: именно la race latine протестует против Золя. В конечном счете он современный итальянец, — он поклоняется веризму…

С искренним глубоким уважением
Ваш
Ницше.

1161. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 27. November 1888>

Глубокоуважаемый господин издатель, я вынужден буду попросить Вас прислать мне вторую часть рукописи обратно, так как я хочу еще кое-что в нее добавить. Иначе может возникнуть путаница. Итак, всю вторую половину рукописи, начиная с раздела, который имеет заголовок: Так говорил Заратустра. Я полагаю, что это не вызовет ни малейшей задержки в печати, так как я немедленно отправлю рукопись обратно, а в работе пока еще находится большое количество материала — Для получения денег для Ф<рицша> я вчера предпринял еще один шаг: я сообщу Вам, если он увенчается успехом.

Преданный Вам д-р Ницше

1162. An Unbekannt (Entwurf)

Torino, via Carlo Alberto 6 III den 27. Nov. 1888

Высокопочтенный господин

я пришел из сотни бездн, в которые еще не осмеливался заглянуть ни один взор, я знаю высоты, куда не залетал ни один птенец, я жил среди льдов, — я был опален сотней снегов: мне кажется, что тепло и холод в моих устах — это иные понятия

1. Слава и вечность.

2. Последняя воля.

3. Среди хищных птиц

4. Огненный знак

5. Солнце заходит.

6. О бедности богатейшего.

1163. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Turin,> 29. Nov. 88

Дорогой друг,

очень хорошие новости из Берлина. Исполнение «провансальского квартета» (посвященного мне) самим Иоахимом стало вероятным. Учитывая, что Й<оахим> исполняет в своих квартетах только классическую музыку, это отличие первого ранга. Де Ана тоже в восторге. — Соперник К<ёзелица> в вопросе о точках — молодой граф Шлибен — к сожалению, совершенно безнадежный соперник…

Еще одна новость. Шведский гений Стриндберг считает меня величайшим психологом — вечно-женственного. Он прислал мне свою трагедию «Отец» (с восторженным предисловием Золя), которая действительно грандиозным образом выражает мое определение любви (— оно приведено, например, в случае с Вагнером). Я как раз хлопочу о том, чтобы это произведение поставили в Свободном театре в Париже.

Н.

1164. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Torino, via Carlo Alberto 6, III 30. Nov. 1888

Уважаемый господин,

Всё тщательно обдумав, я не могу согласиться на эту цену. Тем временем я попытался заинтересовать господина К. Г. Наумана покупкой издательства. Но он сейчас не хочет об этом ничего слышать, так как слишком занят другими предприятиями. Само по себе мне было бы приятно, если бы вся моя литература находилась в одних руках: само собой разумеется, что ради этого я был бы готов пойти на жертву (— мои книги до сих пор были для меня самого любопытной дорогостоящей роскошью —): только я никак не могу позволить себе столько, сколько Вы требуете. —

Покорнейший д-р Ницше

1165. An Paul Deussen in Berlin (Telegramm)

<Turin, 30. November 1888>

deussen kurfuerstendamm 142 berlin

марка не талер, подождать письма = ницше

1166. An Paul Deussen in Berlin (Postkarte)

Torino, via Carlo Alberto 6, III <30. November 1888>

Дорогой друг,

спешу написать пару слов для облегчения. Будет возможно приобрести мои сочинения по гораздо более низкой цене: я уже договорился о 11 000 марок. Возможно, я сторгуюсь еще дешевле. Поэтому жди от меня окончательного известия.

Твой Ницше

1167. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin,> 1. Dezember, bezauberndes Frühlingswetter <1888>

Уважаемый господин,

ко мне только что попала рукопись; но так как к ней не приложены соответствующие дополнения, то моя работа над ней сейчас была бы напрасной, это вызвало бы большую путаницу. При таких обстоятельствах прошу прислать мне всю рукопись еще раз, с самого начала, даже если что-то уже должно было быть напечатано; также и всё, что было прислано позже. Я хочу предоставить Вам рукопись такую же хорошую, как и последняя, даже рискуя тем, что мне придется еще неделю поработать переписчиком. Времени при этом терять нечего; а месяц раньше или позже — не имеет значения. — Я написал Фричу в Вашем духе; очень благодарен за этот, безусловно, полезный намек!

Преданный Вам Н.

1168. An Heinrich Köselitz in Berlin

<Turin> 2. Dez. 88.

Воскресенье, после 4 часов дня, невыразимо прекрасный осенний день. Только что вернулся с большого концерта, который, по сути, произвел на меня сильнейшее концертное впечатление в жизни — мое лицо постоянно кривилось, чтобы скрыть крайнее удовольствие, включая, на 10 минут, гримасу слез. Ах, если бы вы были там! В сущности, это был урок оперетты, перенесенный на музыку. Наши 90 лучших музыкантов города; превосходный дирижер; самый большой театр здесь с великолепной акустикой; 2500 слушателей, все до единого, кто здесь живет музыкой и рассуждает о ней. Pubblico sceltissimo, искренне: нигде больше у меня не было ощущения, что нюансы понимаются настолько тонко. Это были сплошь чрезвычайно изысканные вещи, и я тщетно ищу более интеллигентный энтузиазм. Никакой примеси среднего вкуса. — Начало увертюры «Эгмонт» — видите ли, при этом я думал только о господине Петере Гасте… Затем Венгерский марш Шуберта (из Moment musical), великолепно переложенный и инструментованный Листом. Огромный успех, da capo. — Затем нечто для всего струнного оркестра: после 4-го такта я был в слезах. Совершенно небесное и глубокое вдохновение, от кого? от музыканта, который умер в 1870 году в Турине, Россаро — клянусь вам, музыка первоклассная, с таким качеством формы и сердца, которое меняет все мое представление об итальянцах. Ни одного сентиментального момента — я больше не знаю, что такое «громкие» имена… Возможно, лучшее остается неизвестным. — Далее следовала: увертюра «Сакунтала», восьмикратный шквал аплодисментов. Черт возьми, этот Гольдмарк! Я не ожидал от него такого. Эта увертюра построена в сто раз лучше, чем что-либо у Вагнера, и психологически настолько заманчива, настолько изысканна, что я снова начал дышать воздухом Парижа. Любопытно: в ней настолько отсутствует музыкальная «пошлость», что увертюра к «Тангейзеру» показалась мне непристойностью. Инструментально продумана и выверена, сплошная филигрань. — Теперь снова нечто для струнного оркестра: «Кипрская песня» Вильбака, снова предел деликатности изобретения и звукового эффекта, снова огромный успех и da capo, хотя это длинная пьеса. — Наконец: «Patrie»! Увертюра Бизе. Как же мы образованны! Ему было 35 лет, когда он написал это произведение, длинное, очень драматичное произведение, вам следовало бы услышать, как этот маленький человек становится героическим…

Ecco! Можно ли получить лучшее питание? И я заплатил 1 франк за вход…

Сегодня вечером «Франческа да Римини» в Кариньяно: я приложил к последнему письму отчет об этом. Композитор Каньони будет присутствовать. —

Мне теперь кажется, что Турин и в музыкальном суждении, как и во всем остальном, — самый солидный город, который я знаю.

Ваш друг Н.

Печатные листы, вероятно, пока задерживаются: я вчера потребовал обратно всю рукопись. — Фрич хочет 10 000 марок, а не талеров. — Тиражи очень полные.

1169. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm).

<Turin, 6. Dezember 1888>

C. G. Naumann Leipzig

Рукопись возвращена. Всё переработано

1170. An Georg Brandes in Kopenhagen (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Дорогой друг, я считаю необходимым сообщить Вам несколько вещей первостепенной важности: дайте Ваше честное слово, что эта история останется между нами. Мы вступили в большую политику, даже в самую великую… Я готовлю событие, которое с высокой вероятностью расколет историю на две половины, вплоть до того, что у нас будет новое летоисчисление: с 1888 года как года первого. Всё, что сегодня наверху, Тройственный союз, социальный вопрос — всё полностью переходит в образование противоположностей между индивидами: у нас будут войны, каких еще не бывало, но не между нациями, не между сословиями: всё взорвано изнутри, — я — самый страшный динамит, какой только существует. — Я хочу через 3 месяца дать заказы на изготовление рукописного издания |«Антихриста. Переоценки всех ценностей»|, оно останется совершенно секретным: оно послужит мне агитационным изданием. Мне необходимы переводы на все главные европейские языки: когда произведение должно будет выйти, я рассчитываю на миллион экземпляров на каждом языке в качестве первого тиража. Я думал о Вас для датского, о господине Стриндберге для шведского издания. — Поскольку речь идет об истребительном ударе против христианства, очевидно, что единственная международная сила, которая имеет инстинктивный интерес к уничтожению христианства, — это евреи; здесь существует инстинктивная вражда, а не что-то «воображаемое», как у каких-нибудь «вольнодумцев» или социалистов — мне плевать на вольнодумцев. Следовательно, мы должны быть уверены в поддержке всех решающих сил этой расы в Европе и Америке — ко всему этому такое движение требует крупного капитала. Здесь единственная естественно подготовленная почва для величайшей решающей войны в истории: остатки сторонников могут быть приняты во внимание только после удара. Эта новая сила, которая здесь сформируется, должна в мгновение ока стать первой мировой державой: допустим, что поначалу господствующие сословия примут сторону христианства, но топор в этом отношении <приложен> к их корню, поскольку именно все сильные и живые индивиды из них непременно выйдут. Что все духовно нездоровые расы в христианстве при этом случае почувствуют веру господствующих, следовательно, примут сторону лжи, — чтобы догадаться об этом, не нужно быть психологом. Результат в том, что здесь динамит взрывает всю армейскую организацию, всю конституцию: что противная сторона не конституирует ничего иного и стоит неподготовленной к войне. В общем и целом, офицеры в своих инстинктах будут на нашей стороне: что быть христианином — в высшей степени бесчестно, трусливо, нечистоплотно, — это суждение каждый неизбежно вынесет из моего «Антихриста». — (Сначала появится «Ecce homo», о котором я говорил, где последняя глава дает предвкушение того, что предстоит, и где я сам выступаю как человек рока…) Что касается германского императора, то я знаю манеру обращаться с такими коричневыми идиотами: это дает меру для хорошо воспитанного офицера. Фридрих Великий был лучше, тот сразу был бы в своей стихии. — Моя книга как вулкан, в прежней литературе нет понятия о том, что там сказано и как глубочайшие тайны человеческой природы внезапно вырываются с ужасающей ясностью. В ней есть манера выносить смертный приговор, которая совершенно сверхчеловечна. И при этом над всем веет грандиозное спокойствие и высота — это поистине мировой суд, хотя нет ничего столь малого и скрытого, что здесь не было бы увидено и выведено на свет. Когда Вы наконец прочтете закон против христианства, «Антихриста», который подводит итог, кто знает, может быть, даже у Вас, боюсь, задрожат кости…

Закон против христианства имеет заголовок: Смертный бой пороку: порок — это христианство

Первое положение: Порочен всякий вид противоестественности; самый порочный вид человека — это священник: он проповедует противоестественность. Против священника не нужны доводы, нужна тюрьма.

Четвертое (положение): Проповедь целомудрия — это публичное подстрекательство к противоестественности. Всякое презрение к половой жизни, всякое осквернение её понятием «нечисто» — это подлинный грех против святого духа жизни.

6-е положение гласит: Священную историю следует называть тем именем, которого она заслуживает, — проклятой историей; слова «Бог», «Спаситель», «Искупитель», «Святой» следует использовать как ругательства, как клейма преступников.

Переоценка всех ценностей? Там только — — —

Если мы победим, то у нас в руках будет мировое правительство — включая всеобщий мир… Мы преодолели абсурдные границы расы, нации и сословий: существует только иерархия между человеком и человеком, причем огромная длинная лестница иерархии.

Вот Вам первый всемирно-исторический документ: большая политика par excellence.

NB. Найдите мне мастера в качестве первого переводчика — мне нужны только мастера языка.

1171. An Kaiser Wilhelm II (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Я настоящим оказываю императору немцев высочайшую честь, какую только можно ему оказать, честь, которая весит тем больше, что мне приходится для этого преодолевать мое глубокое отвращение ко всему, что является немецким: я вкладываю в его руки первый экземпляр произведения, которым возвещается близость чего-то чудовищного — кризиса, подобного которому не было на з<ем>ле, глубочайшего столкновения совести внутри человечества, вызванного решением против всего, во что до сих пор верили, чего требовали, что считали священным. — И при всем этом во мне нет ничего от фанатика: кто меня знает, считает меня простым, самое большее — немного злобным ученым, который умеет быть веселым с каждым. Это сочинение дает, как я надеюсь, совсем иную картину, чем картина «пророка»: и все же, или, вернее, не все же — ибо все пророки до сих пор были лжецами — из меня говорит истина. — Но моя истина страшна: ибо до сих пор ложью называли истину… Переоценка всех ценностей: это моя формула для акта высочайшего самосознания человечества, — моя судьба хочет, чтобы я умел смотреть в вопросы всех времен глубже, смелее, добросовестнее, чем когда-либо смотрел человек. Я не бросаю вызов тому, что живет сейчас, я бросаю вызов нескольким тысячелетиям: я противоречу и все же являюсь противоположностью отрицающего духа… Есть новые надежды, есть цели, задачи такой величины, для которых до сих пор не хватало понятия: я радостный вестник par excellence, как бы я ни был вынужден быть человеком рока… Ибо когда этот вулкан придет в действие, у нас будут потрясения на земле, каких еще не бывало: понятие политики полностью растворилось в войне духов, все властные струк<туры> взлетели на воздух, — будут войны, каких еще никогда не было. —

1172. An Kaiser Wilhelm II (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Я свидетельствую здесь Императору немцев высочайшую честь, какую только можно ему оказать, — я вручаю ему первый экземпляр труда, в котором решается судьба Мх. Начинается момент глубочайшего самопознания, — последствия будут колоссальными, они будут даже ужасными: и путь в равновесии всех поначалу опровергнут. К счастью, также великое решение, новый ч<е>л<о>век, знание о цели…

Фридрих Ницше

1173. An Otto von Bismarck (Entwurf)

<Turin, Anfang Dezember 1888>

Его Светлости князю Бисмарку.

Я оказываю первому государственному деятелю нашего времени честь, объявляя ему своей враждой через поднесение первого экземпляра «Ecce homo». Я прилагаю второй экземпляр: вручить его в руки молодого германского императора — это была бы единственная просьба, с которой я когда-либо намерен обратиться к князю Бисмарку. —

Антихрист
Фридрих Ницше.
Фромантен

Турин, via Carlo Alberto 6, III

Напоследок, чтобы не делать ничего наполовину, прошу простить меня, если я приложу еще два экземпляра моего последнего изданного труда: в нем с предельной ясностью изложены научные предпосылки моего образа мыслей.

1174. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, 6. Dezember 1888>

Г-ну К. Г. Науманну. Настоящим возвращаю рукопись; теперь всё в полном порядке; с моей стороны больше ничего меняться не будет. Я как раз веду переговоры о французском и английском переводах, которые должны выйти одновременно. Для этой цели нам пришлось бы рассылать экземпляры каждого готового листа. О количестве экземпляров вообще я сегодня ещё ничего не могу сказать. Возможно, мы сделаем два тиража; один небольшой (ок. 1000) на хорошей бумаге и другой, гораздо больший, на другой бумаге. —

— Я только что получил настоящее письмо с выражением почтения от одной из первых дам петербургского общества: я хотел бы, в благодарность за это, чтобы экземпляр «Сумерек идолов» как можно скорее оказался в её руках. Адрес: Madame la Princesse Anna Dmitriewna Ténicheff

Quai Anglais 20 St. Petersbourg.

<П>роцесс печати как обычно. Г-н Кёзелиц всё ещё в Берлине (— определил ли я среди бесплатных экземпляров один также для д-ра Карла Фукса в Данциге? —)

Что вы решили насчёт книготорговой рассылки «С. и.»? Всё ещё ждём? —

1175. An Emily Fynn in Genf

Torino, Via Carlo Alberto. 6. XII. 1888.

Глубокоуважаемая госпожа,

где Вы будете меня искать? Конечно, не так близко, в моей резиденции в Турине, которую я выбрал раз и навсегда, даже на зиму. Я не могу выразить, как хорошо мне здесь всё подходит — я не видел места, которое так соответствовало бы моим сокровенным инстинктам. Большой город, и при этом тихий, благородный, с превосходным кругом людей в каждом классе общества. У нас были мрачные пышные похороны: хоронили одного из самых почитаемых пьемонтцев, графа ди Робиланта. И если мне нравится Турин, я не знаю, как это получается; здесь со мной обращаются с изысканной деликатностью.

При таких обстоятельствах мое самочувствие просто чудесно улучшилось; я иду здесь по жизни с таким безмятежным достоинством, что Вы не узнали бы ни пещеру, ни пещерного медведя —

Среди прочих благ я радуюсь также классическому портному. Ах, если бы меня только не «испортили»! Какие письма приходят теперь ко мне со всего света! Позавчера письмо из Санкт-Петербурга от очаровательной и очень умной русской дамы. Мадам княгиня Анна Дмитриевна Тенишева. Мне говорят, что ценители в русском обществе любят мои книги, например, князь Урусов. К сожалению, некоторые запрещены…

Сегодня пришло письмо от шведа А. Стриндберга, настоящего гения, чья трагедия «Отец», как говорят, потрясла даже нервы Золя. Он просто клянется мною и заканчивает все свои письма ко всем на свете: «Читайте Ницше! Это мой Карфаген должен быть разрушен!»

Думаю, у Вас такая же возвышенная погода, какая стоит у нас с сентября? Мне кажется, что я живу в бесконечном Клод Лорр<a>ене красок. К тому же я за всю свою жизнь, вместе взятую, не создал столько, сколько здесь за последние 20 дней — кто знает! сплошь вещи первоклассные… И без тени усталости, напротив, при полном душевном спокойствии и хорошей кухне.

Также мы здесь очень утонченны в музыкальном отношении. На последнем концерте были сплошь изысканные вещи, например: «Родина!» Бизе, затем «Сакунтала», увертюра Гольдмарка. «Кипрская песня» для оркестра Р. де Вильбака и нечто из самого прекрасного и трогательного, что я когда-либо слышал, так что я десять минут безуспешно боролся со слезами — от кого? от туринского музыканта, который умер в 1872 году. Россаро…

Должны ли самые лучшие вещи оставаться неизвестными? включая самых лучших людей! Не входит ли в сущность совершенного — не становиться «знаменитым»? — Слава — боюсь, нужно быть немного подлецом, чтобы стать знаменитым.

Вы бы очень меня обязали, глубокоуважаемая госпожа, если бы дали мне точный адрес мисс Хелен Циммерн.

Сердечно рекомендуя себя Вам всем и Вашей выдающейся подруге, к ногам которой я возлагаю свои лучшие пожелания, желая ей зимы такой, как у нас.

В дружеском почтении
Ницше, Чудовище…

1176. An August Strindberg in Holte

Torino, via Carlo Alberto 6, III. den 8. Dezember 1888.

Глубокоуважаемый и дорогой господин,

не затерялось ли мое письмо? Я написал Вам сразу же после второго прочтения, глубоко потрясенный этим шедевром жесткой психологии; я также выразил Вам свое убеждение, что Ваше произведение предназначено для того, чтобы сейчас быть поставленным в Париже, в théatre libre господина Антуана, — Вам следовало бы просто потребовать этого от Золя! —

— Наследственный преступник — декадент, даже идиот — вне всякого сомнения! Но история преступных семей, для которой англичанин Гальтон («наследственная гениальность») собрал величайший материал, всегда сводится к человеку, слишком сильному для определенного социального уровня. Последний крупный парижский уголовный процесс Прадо дал классический тип: Прадо превосходил своих судей, своих адвокатов даже самообладанием, остроумием и дерзостью; тем не менее давление обвинения физиологически довело его до того, что некоторые свидетели узнали его лишь по старым портретам. —

А теперь пять слов между нами, очень между нами! Когда вчера Ваше письмо достигло меня — первое письмо в моей жизни, которое достигло меня, — я как раз закончил последнюю редакцию рукописи «Ecce homo». Поскольку в моей жизни больше нет случайностей, то и Вы, следовательно, не случайность. Почему Вы пишете письма, которые приходят в такой момент!… «Ecce homo» должен выйти на самом деле одновременно на немецком, французском и английском языках. Вчера я отправил рукопись своему печатнику; как только будет готов первый лист, он должен попасть в руки господ переводчиков. Кто эти переводчики? Откровенно говоря, я не знал, что Вы сами ответственны за превосходный французский язык Вашего отца; я полагал, что это мастерский перевод. В том случае, если бы Вы сами захотели взяться за французский перевод, я не счел бы себя достаточно счастливым из-за этого чуда остроумной случайности. Ибо, между нами, чтобы перевести мой «Ecce homo», требуется поэт первого ранга; он по выражению, по утонченности чувства, на тысячу миль выше всех простых «переводчиков». Наконец, это не толстая книга; я полагаю, что во французском издании (возможно, у Лемерра, издателя Поля Бурже? —) она как раз составит такой том по 3 франка 50 сантимов. Так как она говорит совершенно неслыханные вещи и порой, со всей невинностью, говорит языком миродержца, то мы превзойдем по числу тиражей даже «Нана»… С другой стороны, она антинемецкая до уничтожения; партия французской культуры проводится через всю историю (— я рассматриваю всех немецких философов как «бессознательных» фальшивомонетчиков, я называю молодого кайзера багряным ханжой…) К тому же книга не скучная, — я порой сам писал ее в стиле «Прадо».. Чтобы обезопасить себя от немецких жестокостей («конфискация» —), я отправлю первые экземпляры, до публикации, князю Бисмарку и молодому кайзеру с письменным объявлением войны: на это военные не смеют отвечать полицейскими мерами. — Я психолог…

Обдумайте это, глубокоуважаемый господин! Это дело первостепенной важности. Ибо я достаточно силен для того, чтобы расколоть историю человечества на две части. —

Остается вопрос об английском переводе. Не могли бы Вы что-нибудь предложить? — Антинемецкая книга в Англии…

Глубоко преданный Вам
Ваш
Ницше.

1177. An Meta von Salis auf Marschlins (Entwurf)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Почтенная барышня

я посылаю Вам сим нечто изумительное, из чего Вы приблизительно догадаетесь, что старый Бог упразднен и что я сам вскоре буду править миром.

Здесь 2 экземпляра; Вы можете послать один из них Мальвиде, но без малейшего намека на то, что я стою за этой посылкой — Вы можете также, если захотите написать ей пару слов по этому поводу, назвать меня в них «первым человеком всех тысячелетий». Во-первых, это правда, во-вторых, это создает чудесный контрастный эффект, так как Мальвида в своем последнем письме ко мне написала, что «она улыбается мне»…

1177a. An Malwida von Meysenbug in Paris (Entwürfe)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Из каждого слова моего соч<инения> о Вагнере можно чему-то научиться: и вы имеете право, как Вагнеров- [— — —], возражать против этого. Я предпочитаю такое письмо вашей доброте. Мне недостойно дольше поддерживать двусмысленные отношения — я также исчерпал всё своё терпение: того, кто хочет держаться за меня и одновременно за Вагнера, я по справедливости могу отвергнуть. Ведь вы до сих пор интересовались только декадентами. Вы к ним принадлежите: — позвольте мне быть для вас неинтересным…

Вы принадлежите к [—] встречам моей жизни, вы превзошли всё худшее, что я испытал от В<агнера>. И всё же ни с кем другим я не был терпелив дольше! Посягнуть на первого ч<еловека> всех тысячелетий в его решающий момент — а я ведь говорил вам, что это именно такой момент.

1178. An Anna Dmitriewna Tenischeff in Petersburg (Entwurf)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Глубокоуважаемая госпожа,

В этот момент, когда колоссальная задача словно исторгает меня из человеческих отношений и мое одиночество взывает ко мне каждым голосом, столь значительное слово из далекой дали приносит большое облегчение — я благодарю Вас за него самым сердечным образом. В качестве ответа я позволил себе отправить небольшое, но чрезвычайно содержательное сочинение в Санкт-Петербург: оно называется «Сумерки идолов, или Как философствуют молотом». Надеюсь, с ним не случится беды — на границе…

1179. An Hippolyte Taine in Paris (Entwurf)

<Turin, 8. Dezember 1888>

Глубокоуважаемый господин

книга, которую я осмеливаюсь вложить в Ваши руки, — возможно, самая радикальная книга из всех, что были написаны до сих пор, — и в отношении того, что она готовит, почти частица судьбы. Для меня было бы неоценимо, если бы ее можно было прочесть на французском языке: у меня теперь есть читатели по всему миру, в том числе и в России, я несчастлив писать по-немецки, хотя <я> пишу на нем, пожалуй, лучше, чем когда-либо писал кто-либо из немцев. В конечном счете французы услышат в этой книге глубокую симпатию, которую они заслуживают: я всеми своими инстинктами объявил войну Германии (— стр. 58, отдельный раздел «Чего не хватает немцам»)…

Намек на то, кому мне, возможно, следовало бы отправить экземпляры?… Совершенное и даже мастерское знание немецкого языка, конечно, является необходимым условием для перевода этой книги.

С выражением моего давнего почтения

Ментон, озеро Анси, Верхняя Савойя

1180. An Helen Zimmern in Florenz (Entwurf)

<Turin, um den 8. Dezember 1888>

Почтенная барышня Fr<äulein>

дело первостепенной важности! Думаю, мне нет нужды просить Вас о всяческой осмотрительности. Моя жизнь подходит сейчас к долгожданной, грандиозной развязке: то, что я совершу в ближайшие два года, способно опрокинуть весь наш существующий порядок, «Рейх», «Тройственный союз» и как там еще называются все эти великолепия. Речь идет о покушении на христианство, которое действует подобно динамиту на всё, что хоть в малейшей степени с ним срослось. Мы изменим летоисчисление, я клянусь Вам в этом. Еще ни один ч<еловек> не имел большего права на разрушение, чем я!

Это будут два удара, но с промежутком в 2 года; первый называется Ecce homo и должен выйти как можно скорее. На немецком, английском, французском. Второй называется Антихрист. Переоценка всех ценностей. Оба полностью готовы к печати: я как раз отдаю рукопись Ecce homo в типографию. — Для французского перевода Ecce homo у меня будет швед, настоящий гений: я прилагаю его письмо, из которого Вы, по крайней мере, поймете, что он обо мне думает. Что касается английского перевода — что Вы думаете, почтенная барышня? Хватит ли у Вас сил и бодрости духа, чтобы взяться за такое дело? Это не толстая книга, вещь объемом c<irca> 10 печатных листов небольшого формата. Но это должна быть превосходная, тщательная и деликатная работа: ибо в языковом отношении нет (никакого) большего шедевра, чем этот Ecce homo. — Покушение на х<ристианство> произведет в Англии невероятный фурор: у меня нет в голове цифр для тиражей. К тому же это еще и совершенно сокрушительное покушение на немцев — на протяжении всей истории как на по сути вредоносную, лживую, пагубную расу… Точка зрения, которая, как мне кажется, может оказаться не такой уж непопулярной среди англичан… Я подчеркиваю <hin> в отношении немецкого характера, а не только немецкого духа, что в нем нет ни одного слова, оскорбительного для англичан.

Книга убивает христианство, а заодно и Бисмарка…

В том случае, если Вы не можете пообещать мне свою собственную помощь, возможно, Вы будете знать пути и способы, как мне здесь можно помочь.

1181. An Heinrich Köselitz in Berlin

<Turin,> Sonntag, den 9. Dec. 1888 via Carlo Alberto 6III

Дорогой друг,

я как раз собирался написать Вам, как вдруг Ваше письмо торжественно входит в дверь, к сожалению, не в сопровождении «Kunstwart». Но это вопрос лишь нескольких часов. — Ваши великолепные новости насчет «Прованса» радуют меня так, как мало что могло бы порадовать; ибо, поскольку у меня все хорошо, вполне справедливо, чтобы у моих «ближних» дела шли еще лучше. Первый шаг, здесь, как и везде, — самый трудный, и преодолеть его помогают только женщины… У меня тоже есть хорошие новости. «Ecce homo» позавчера отправилось к C. G. N<aumann>, после того как я, для последнего успокоения совести, еще раз взвесил его на золотых весах от первого до последнего слова. Оно настолько выходит за рамки понятия «литература», что, собственно, даже в природе не хватает сравнения: оно буквально раскалывает историю человечества на две части — высшая превосходная степень динамита… Для французского перевода у меня, вероятно, будет шведский гений А. Стриндберг, который пишет все свои произведения по-французски — и мастерски! — Позавчера он написал мне свое первое письмо — это было первое письмо со всемирно-историческим акцентом, которое до меня дошло. Он понимает, что Заратустра — это non plus ultra. В то же время пришло еще одно письмо из Санкт-Петербурга, от одной из самых выдающихся женщин России, почти признание в любви, во всяком случае, любопытный экземпляр письма: Madame la Princesse Anna Dmitriewna Ténicheff. Также самый умный человек петербургского общества, старый князь Урусов, как говорят, сильно мною интересуется. Георг Брандес этой зимой снова читает лекции в этих кругах и будет рассказывать им чудеса. Я, кажется, говорил, что Стриндберг и Брандес дружат, что оба живут в Копенгагене? — Стриндберг, кстати, считает меня величайшим психологом женщины… Ecco, Malvida!!! —

— Вчера я отправил Götzen-Dämmerung (Сумерки идолов) г-ну Тэну с письмом, в котором прошу его заинтересоваться французским переводом этого труда. Также насчет английского перевода у меня есть мысль: мисс Хелен Циммерн, которая сейчас живет в Женеве, в тесном общении с моими подругами Финн и Мануровой. Она также знает Георга Брандеса — она открыла англичанам Шопенгауэра, почему бы не открыть тем более его антипода?…

С Э. В. Фричем я еще не продвинулся дальше; но надеюсь, при некотором терпении, что цена упадет еще на пару тысяч марок. Если я выкуплю всю свою литературу за 8000 марок: значит, я совершил сделку. — Науманн консультирует меня по этому делу. Нанесите, пожалуйста, моему старому и очень комичному другу профессору Паулю Дойссену как можно скорее визит, Berlin W. Kurfürstendamm 142. Вы можете ему основательно сказать, кто я и что я могу. Он, кстати, очень ко мне расположен, причем тем образом, который на земле встречается реже всего: прошлым летом он передал мне 2000 марок на оплату моих типографских расходов (— с той же целью, слышите! Фрл. Мета фон Салис 1000 франков —) между нами, заклинаю Вас!

Теперь серьезное дело. Дорогой друг, я хочу получить обратно все экземпляры четвертого Заратустры, чтобы обезопасить это ineditum от всех случайностей жизни и смерти (— я читал его на днях и чуть не умер от волнения). Когда я через пару десятилетий всемирно-исторических кризисов — войн! — издам его, это будет самое подходящее время. Напрягите, пожалуйста, свою память, у кого есть экземпляры. Моя память подсказывает: Ланцки, Видеман, Фукс, Брандес, вероятно, Овербек. Есть ли у Вас адрес Видемана? — Сколько было экземпляров? сколько у нас еще осталось? — Пара может быть в Наумбурге.

Погода, как и прежде, несравненная. Прибыли три ящика книг из Ниццы. — Я уже несколько дней листаю свою литературу, к которой теперь впервые чувствую себя доросшим. Понимаете это? Я все сделал очень хорошо, но никогда не имел об этом понятия, — напротив!… Например, различные предисловия, пятая книга «gaya scienza» — черт возьми, что там скрыто! — О третьем и четвертом «Несвоевременных размышлениях» Вы прочтете в Ecce homo такое открытие, что волосы встанут дыбом — у меня они тоже встали дыбом. Оба говорят только обо мне, anticipando… Ни Вагнер, ни Шопенгауэр психологически в них не фигурировали… Я понял оба сочинения только 14 дней назад. —

Знамения и чудеса!

Вас приветствует
Феникс.

— Человеческое, слишком человеческое произвело на меня высочайшее впечатление: в нем есть что-то от спокойствия grand seigneur.

— Знаете ли Вы уже, что для моего международного движения мне нужен весь еврейский крупный капитал?…

1182. An Heinrich Köselitz in Berlin (Postkarte)

<Turin, 10. Dezember 1888>

Но это же восхитительно, что Вы написали, дорогой друг! Это же то самое знаменитое «начало», про которое говорят, что оно трудно… Это не только всё верно, это ещё и превосходно сказано, — воспоминание о графе Гобино и вообще акцент на французском — это мастерский ход. Редактор, для родственника В<agner>а, сделал своё дело неплохо. Удивительно, что «играть великими мыслями» считается у него возражением, — «лишь как фельетонист, но чрезвычайно остроумно», во Франции бы рассмеялись до смерти над таким отказом. — Я прошу мисс Хелен Циммерн перевести Вас на английский для какого-нибудь из крупных журналов. Господин Шпиттелер должен упомянуть Вас в «Базельских новостях», или же напечатать весь отрывок целиком. Премного благодарен за «Père»! — Ницше

1183. An Ferdinand Avenarius in Dresden

<Turin, 10. Dezember 1888>

…Я искренне благодарен Вам за Вашу критику, даже больше, чем за превосходные слова господина Гаста, — я читал их с восторгом, Вы, сами того не зная, сказали мне самое приятное, что мне сейчас могли сказать. В этом году, когда на мне лежит колоссальная задача, переоценка всех ценностей, и я, буквально говоря, несу на себе судьбу человечества, к моим доказательствам силы относится то, что я могу быть в такой степени паяцем, сатиром или, если хотите, «фельетонистом», — могу быть, как я был им в «Казусе Вагнер». То, что глубочайший дух должен быть также и самым легкомысленным, — это почти формула моей философии: может быть, я уже веселился над совсем другими «величиинами» невероятным образом… Наконец, это меньше всего вредит моему глубочайшему личному благоговению перед Вагнером; еще в прошлом месяце я воздвиг памятник тому незабываемому времени близости между нами, который пребудет: в произведении, которое сейчас в печати и которое развеет всякие сомнения относительно меня. Также и Ваши сомнения, глубокоуважаемый и дорогой господин! «Младший» Ницше никогда не был в противоречии с «старшим» Ницше по вопросу о Вагнере: еще предстояло бы доказать, что тот икс сущности, психология которого дана в четвертом «Несвоевременном размышлении», действительно имеет что-то общее с супругом госпожи Козимы или… — Знаете ли Вы вообще, что господин Петер Гаст — первый музыкант, который сейчас живет, — один из редчайших во все времена, кто способен на совершенство? — Музыканты, между нами, находят, что я всё доказал, даже слишком… Мне пишут письма одно за другим…

1184. An Ferdinand Avenarius in Dresden

<Turin, 10. Dezember 1888>

… Простите мне, ради всего святого, постскриптум: кажется, в случае с Вагнером без постскриптума не обойтись. — Почему вы, собственно, скрыли от своих читателей главное? Что моя «перемена взглядов», как вы это называете, произошла не вчера? Я веду войну против разложения Байройта уже 10 лет, — Вагнер с 1876 года считал меня своим подлинным и единственным противником, следов этого предостаточно в его поздних сочинениях. Противоположность между décadent и натурой, творящей из избытка сил, то есть дионисийской натурой, для которой самое тяжелое — это игра, между нами вполне осязаема (противоположность, которая, возможно, выражена в пятидесяти местах моих книг, например, в «Веселой науке», стр. 312 и сл.). Мы различны, как бедный и богатый. Среди музыкантов нет никаких сомнений в бедности Вагнера; передо мной, перед которым даже самые закоренелые становятся честными, даже крайние приверженцы его дела стали честны в этом пункте. Вагнер был для меня бесценен как тип; я в бесчисленных местах изображал биологическую противоположность обедневшего и, следовательно, утонченного и жестокого художественного инстинкта — богатому, легкому, в игре подлинно утверждающему себя, — простите меня! — даже с желаемым вами «спокойным объективным изложением доводов». Горстка примеров: Человеческое, слишком человеческое (— написано более 10 лет назад)

2,62 и сл. décadence и бернинизм в стиле В.

2,51 его нервная чувственность,

2,60 одичание в ритмике,

2,76 католицизм чувства, его «герои» физиологически невозможны.

Странник и его тень 95 против espressivo любой ценой.

Утренняя заря 225 искусство В. обманывать дилетантов в музыке.

Веселая наука В. актер насквозь,

даже как музыкант. 110 Достоин восхищения в утонченности чувственной боли.

По ту сторону добра и зла 221 Вагнер принадлежит к больному Парижу, по сути, французский поздний романтик, как Делакруа, как Берлиоз, все с фоном неизлечимости в основе и, следовательно, фанатики выражения.

— Почему я пишу вам все это? Потому что в Санкт-Петербурге и в Париже меня воспринимают и читают так же серьезно, как небрежно на «родине»… Небрежно — какой эвфемизм…

1185. An Ferdinand Avenarius in Dresden (Postkarte)

<Turin, 10. Dezember 1888>

Последнее слово. Вы, быть может, обязаны мне этим, во всяком случае, я прошу вас о том, чтобы оба письма были дословно воспроизведены в «Kunstwart». В конечном счете, редактору лучше знать, какая честь тем самым будет оказана его изданию. — Господин Шпиттелер, между нами, отличается исключительным и любезным суждением: я хотел бы похвалить вам еще одного музыкального критика, доктора Карла Фукса в Данциге, виртуоза, в том числе и в выражении: Вагнер считал его самым остроумным немецким музыкантом, которого я знаю.

Ницше.

Находится ли моя новая книга «Сумерки идолов» у вас в руках? — Многое для артистов

1186. An Paul Deussen in Berlin

Torino, via Carlo Alberto 6 III Dienstag <11. Dezember 1888>

Дорогой друг,

я искренне рад твоему письму: оно во всех главных пунктах совпадает с моим собственным мнением, а также с мнением более авторитетного в этих делах человека — моего бесценного лейпцигского издателя К. Г. Наумана. Он советует подождать: Фрич окажется достаточно умным, чтобы получить верную сумму за весьма неопределенное, а в философском издательском деле вдесятеро более неопределенное будущее. Я считаю это положение настоящей удачей. Ибо получить обратно мою прежнюю литературу за несколько тысяч марок сейчас, непосредственно перед тем, как ее ценность будет понята, без этого случая было бы невозможно. Ничто не дальше от меня, чем желание «досадить» Ф<ричу>. Дело в том, что после выхода «Казуса Вагнера» он позволил напечатать в своей собственной, редактируемой им газете гнуснейшие личные замечания обо мне: так что со всех сторон, в том числе от Наумана, мне выражали подлинное возмущение. Ты должен чувствовать, какой ликование царит по этому поводу среди вагнерианцев от того, что мой собственный издатель не только бросает меня на произвол судьбы, но и глумится надо мной. — Оставим слово «честь» в стороне: просто больше не прилично оставлять мои книги в таких руках. —

Мое здоровье превосходное и совершенно несокрушимое, хотя мне пришлось одно за другим завершить множество колоссальных дел. Все изумлены той бодростью и гордостью, с которыми я живу здесь, в Турине: со мной обращаются как с принцем, — возможно, я им и являюсь. —

Мой издатель получил поручение вручить тебе последнее из законченных произведений — «Сумерки идолов». Не исключено, что появится его французский перевод: я веду переговоры. То, что сейчас печатается, называется Ecce homo. Как становятся самими собой. Это выходит одновременно на английском, французском и немецком языках. — Письма, которые я получаю в последнее время, прежде всего из высшего общества Санкт-Петербурга, а также от настоящего гения-поэта, шведа, — все они имеют некий всемирно-исторический акцент, как будто судьба человечества находится в моих руках. —

Я попросил моего замечательного друга и маэстро Петера Гаста (— его настоящее имя Генрих Кёзелиц) нанести тебе визит. У него самое глубокое понимание меня, ты можешь спрашивать его обо всем. Кстати, в Берлине ему идут навстречу: вполне вероятно, что сам Иоахим впервые исполнит его «провансальский квартет» (который посвящен мне —). Между нами, прелестная девушка из богатейшей берлинской аристократии (с большими земельными владениями в Задней Померании) — причина его берлинского существования: у него в соперниках граф Шлибен, но эта милая особа предпочтет умереть, чем — — Еще раз, это между нами. — Он провел лето в ее лесном замке и с большим успехом выдержал конкуренцию со стороны гвардейских лейтенантов из окрестного дворянства. — История, которая началась в Венеции. — Господа музыканты! — — — — Я сам на днях получил почти признание в любви от самой очаровательной и остроумной дамы Санкт-Петербурга, мадам княгини Анны Дмитриевны Тенишевой, большой<> поклонницы моих книг. Георг Брандес едет этой зимой в Санкт-Петербург и будет читать лекции обо мне. —

Тебя и твою дорогую супругу
от всего сердца
рекомендую
Твой Ницше

Дальнейшие переговоры о добывании денег прошу настоятельно прекратить. Если сумма снизится еще до той степени, на которую рассчитывает Науман, я сам справлюсь с положением.

1187. An Carl Fuchs in Danzig

Torino, via Carlo Alberto 6, III <11. Dezember 1888>

Дорогой друг,

теперь всё стоит и движется чудесно; я никогда не переживал ничего подобного тому времени, что прошло с начала сентября по сей день. Неслыханные задачи легки, как игра; здоровье, подобно погоде, ежедневно восходит с неукротимой ясностью и твердостью. Я не хочу рассказывать, что всё было завершено: всё готово.

В ближайшие годы мир встанет с ног на голову: после того как старый бог отрекся от престола, отныне я буду править миром.

Мой издатель, в чем я не сомневаюсь, переслал вам как «Казус Вагнер», так и, совсем недавно, «Сумерки идолов». Не возникло ли у вас воинственного настроения? Мне было бы крайне желательно, если бы сейчас какой-нибудь — тот самый — остроумный музыкант публично принял мою сторону как антивагнерианца и бросил перчатку байрейтцам? Небольшая брошюра, в которой обо мне было бы сказано сплошь новое и решающее, с применением к частному случаю, музыке, что вы об этом думаете? Ничего затянутого, что-то разящее, находчивое… Момент благоприятный. Еще можно говорить обо мне истины, которые два года спустя могли бы стать почти niaiseries.

— А что делает Данциг — или, вернее, не-Данциг?… Расскажите мне снова о себе, дорогой друг, — у меня есть время, у меня есть уши…

Приветствую вас
самым сердечным образом,
ваше Чудовище.

1188. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Turin, 11. Dezember 1888>

Моя старая мать, не удивляйся, если я сейчас так мало пишу. У меня просто слишком много писанины, особенно важных писем. Впрочем, у меня по-прежнему всё отлично, ни одного плохого дня до сих пор. Погода всё ещё чудесная; немного свежо, но не иначе, как я привык в Верхнем Энгадине. Печи всё ещё нет; дело полностью прояснилось — были допущены ошибки при исследовании профессора Коха. Печи за 8 лет отлично зарекомендовали себя во всех странах, — у меня есть несколько листов, полных блестящих отзывов от князей, министров, профессоров и людей любого сословия. — Из Ниццы прибыли 3 ящика с книгами. — Я теперь во всех отношениях здесь хорошо устроен; большая чистота; отличная еда; огромная кровать, в которой итальянцы знают толк; к тому же я ещё никогда так хорошо не спал.

Твоё старое создание

Турин, via Carlo Alberto 6, III: точный адрес! —

1189. An Carl Spitteler in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6, III Dienstag <11. Dezember 1888>

Дорогой господин,

я хочу сегодня сделать Вам предложение, от которого, как я Вас настоятельно прошу, не отказываться. Моя борьба против Вагнера до сих пор абсурдным образом терпела неудачу из-за того, что никто не знает моих сочинений: так что «перемена взглядов», как выражается, например, Авенариус, считается чем-то, что произошло примерно одновременно с «Казусом Вагнера». На самом деле я веду войну уже 10 лет — Вагнер сам знал это лучше всех —: я не высказал в «Казусе Вагнера» ни одного общего положения, психологического или строго эстетического характера, которое я уже не изложил бы со всей серьезностью в своих сочинениях. В этих обстоятельствах, чтобы поднять этот вопрос на должную высоту и довести его до войны, я хочу теперь издать еще одно сочинение такого же оформления и объема, как «Казус Вагнера», которое будет состоять только из 8 крупных, очень тщательно отобранных отрывков из моих сочинений под заглавием:

Ницше против Вагнера.

Документы

из произведений Ницше.

Дорогой господин, Вы должны издать это и написать к этому длинное предисловие, настоящую декларацию войны. Вы можете это сделать, я знаю: Вы принимаете судьбу музыки достаточно глубоко, чтобы быть способным здесь на страсть.

Места — я сам их перепишу и затем пришлю Вам — следующие (— я полагаю, что у Вас есть мои сочинения? В противном случае слово мне, чтобы то, чего не хватает, немедленно было отправлено Вам)

1. Два антипода. (Веселая наука стр. 312—16)

2. Искусство без будущего. (Человеческое, слишком человеческое т. 2, 76—78

3. Барокко. (Человеческое, слишком человеческое т. 2, 62—64

4. Espressivo любой ценой. (Странник и его тень стр. 93 (то есть Человеческое, слишком человеческое II, последняя половина.

5. Вагнер актер, не более того (Веселая наука стр. 309—11)

6. Вагнеру место во Франции (По ту сторону добра и зла 220—24)

7. Вагнер как апостол целомудрия (К генеалогии морали стр. 99—105

8. Разрыв Ницше с Вагнером (Человеческое, слишком человеческое том II предисловие стр. VII—VIII)

В предисловии следовало бы также выявить решающее понимание общего характера декаданса современной музыки: это, собственно, то, чем данное сочинение превосходит то, что я говорил раньше. — Видите ли, эта сволочь не чувствует моего гнева, потому что я писал «чрезвычайно остроумно»! Такой ум не может представить себе соединение с духом страсти… «Спокойно-делового изложения доводов» требует Авенариус там, где такие, как мы, дрожат от страсти…

Ах, это понимаете Вы —

Ницше

1190. An Carl Spitteler in Basel (Postkarte)

<Turin, 12. Dezember 1888>

Уважаемый господин,

этой ночью мне пришло на ум возражение, от которого я не могу отделаться весь сегодняшний день. Ведь за такой публикацией, какую я предложил вчера, при любых обстоятельствах будут видеть меня как автора — в тех местах, которые должны быть напечатаны, слишком много личного

С просьбой о снисхождении, Ваш
Н.

1191. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin,> Sonnabend <15. Dezember 1888>

Уважаемый господин издатель,

вот еще одна прекрасная рукопись, нечто небольшое, но весьма удавшееся, чем я горжусь. После того как в «Казусе Вагнера» я написал небольшую безделицу, здесь берет слово серьезность: ибо мы — Вагнер и я — в сущности, пережили друг с другом трагедию. — Мне кажется, после того как «Казусом Вагнера» был поднят вопрос о наших отношениях, самое время рассказать здесь одну чрезвычайно примечательную историю. — Будьте любезны, подсчитайте, сколько страниц это составит в том же оформлении, что и «Казус Вагнера»? Два-три листа, полагаю. — Мое желание состояло бы в том, чтобы мы немедленно закончили с этой маленькой вещью. Благодаря этому я также выиграю время, чтобы заново поднять вопрос о переводчике в отношении Ecce homo, у которого до сих пор мало шансов. По меньшей мере, я хотел бы иметь французский перевод, но перевод — шедевр. —

Весьма воодушевлен прекрасными и глубокими словами господина Кёзелица (Петера Гаста) в «Kunstwart». Господин Авенариус вслед за тем наговорил несколько глупостей, но уже самым любезным образом извинился передо мной — я написал ему очень веселое письмецо. Разве не выразил он свое сожаление по поводу того, что в этот раз я написал «чрезвычайно остроумно»? — Как будто мои сочинения в остальном отличаются глупостью!

Покорнейше
Ваш
д-р Ницше.

Господин Э. В. Фрич молчит. Я тоже. — Прошу еще для меня 4 экземпляра «Сумерек идолов» и 1 экземпляр «Казуса Вагнера».

1192. An Heinrich Köselitz in Berlin

Torino, den 16. Dezember 1888

Дорогой друг,

значительное расширение понятия «оперетта». Испанская оперетта. La gran via, слышал дважды — главный хит Мадрида. Это просто невозможно импортировать: для этого нужно быть прохвостом и отъявленным мерзавцем по инстинкту — и при этом торжественным… Терцет из трех торжественных старых огромных каналий — это самое сильное, что я слышал и видел — также как музыка: гениально, совершенно не поддается классификации… Поскольку я теперь очень образован в Россини и уже знаю 8 опер, я взял для сравнения предпочитаемую мною «Золушку» (Cenerentola) — она в тысячу раз добродушнее по сравнению с этим испанцем. Знаете ли вы сюжет — его может придумать только законченный прохвост — сплошные вещи, которые выглядят как фокусы, настолько молниеносно проявляется эта каналья. Четыре или пять музыкальных номеров, которые нужно услышать; в остальном венский вальс в форме крупных ансамблей берет верх. — «Прекрасная Елена» Оффенбаха вслед за этим просто померкла. Я убежал. — Длительность ровно 1 час.

— Сегодня после обеда я буду слушать Реквием старого неаполитанского маэстро Йоммелли (умер около 1770 года): Accademia di canto corale. —

А теперь главное. Вчера я отправил рукопись К. Г. Науману, которую нужно завершить в первую очередь, то есть до «Ecce homo». Я не могу найти переводчиков для «Ecce»: мне придется отложить печать на несколько месяцев. В конце концов, это не к спеху. — Новое доставит Вам удовольствие: — там появляетесь и Вы — и еще как! —

Оно называется

Ницше против Вагнера.

Акты

психолога.

Это по существу характеристика антипода, при этом я использовал ряд мест из своих более ранних сочинений и таким образом дал очень серьезный противовес «Случаю Вагнера». Это не мешает тому, что немцы в нем рассматриваются с испанской злобой — сочинение (около трех листов) крайне антинемецкое. В конце появляется нечто, о чем даже друг Кёзелиц не имеет понятия: песня (или как Вы хотите это назвать…) Заратустры под названием Об убожестве богатейшего — знаете, маленькое седьмое блаженство и еще восьмое в придачу… Музыка…

— Я теперь порой не понимаю, зачем мне слишком ускорять трагическую катастрофу моей жизни, которая начинается с «Ecce». Это новое, возможно, будут много читать благодаря любопытству, которое вызвал «Случай Вагнера» — а так как я теперь не пишу ни одного предложения, в котором не проявлялся бы полностью, то, в конце концов, эта психологическая антитеза и есть путь к моему пониманию — la gran via…

Авенариус, которому я погрозил пальцем в ехидном письмеце, извинился самым милым и сердечным образом — я думаю, эту историю я провернул очень хорошо. (Потребуйте еще несколько экземпляров у Авенариуса!)

— Видите, дорогой друг! Пьемонтская кухня! Ах, моя траттория! Я не имел понятия, насколько итальянцы превосходят других в искусстве приготовления пищи! — и в качестве! Не зря же они находятся в самом центре самого знаменитого животноводства! — И, как и прежде, хотя я ем как принц, и много, я плачу за каждый обед (включая 10 сантимов на чай) 1 франк 25 сантимов. — За жилье, включая очень хорошее обслуживание, лучшее расположение в городе, солнечная комната comme il faut, 25 франков в месяц.

По вечерам я сижу в великолепном высоком помещении: небольшой очень приличный концерт (клавир, 4 струнных инструмента, 2 духовых) доносится до меня как раз так приглушенно, как и хотелось бы — там три зала рядом. Мне приносят мою газету Journal des débats, — я ем порцию превосходного мороженого: стоит, с чаевыми (на которых я настаиваю, потому что здесь это не принято), 40 сантимов. — В галерее Субальпина (в которую я смотрю вниз, когда выхожу из своей комнаты), самом красивом и элегантном помещении такого рода, которое я знаю, вечер за вечером играют «Севильского цирюльника», причем превосходно: платишь за то, что съел, по несколько завышенной цене. — И как хорошо выглядит город, когда пасмурно! Недавно я сказал себе: иметь место, откуда не хочется уезжать, даже на природу, где радуешься тому, что ходишь по улицам! — раньше я считал это невозможным.

С дружеским приветом
Ваш Н.

И последнее, не последнее: все, с кем я сейчас имею дело, вплоть до торговки, которая выбирает для меня чудесный виноград, — сплошь вполне удавшиеся люди, очень любезные, веселые, немного упитанные — даже официанты.

— Только что скончался принц Кариньянский: у нас будут большие похороны. —

Только что пришло чудесное письмо Тэна! —

1193. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, verm. 17. Dezember 1888>

Мы хотим напечатать 2 листа Ecce homo и сделать с них несколько оттисков на хорошей бумаге, чтобы я мог дать моим французским и английским переводчикам, соотв. издателям, ясное представление о том, что это за произведение. Эти оттиски я прошу прислать мне сюда. — Тем временем совершенно бесценным образом установилась связь между мной и самым влиятельным человеком во Франции, влиятельным в области литературы, книжной торговли и литературной репутации, с главным редактором Journal des Débats и Revue des deux Mondes, который в то же время занимает одну из самых прочных и защищенных позиций во Франции по политическим вопросам. Первый философ Франции, г-н Тэн, большой почитатель моих сочинений, настоятельно советует мне доверить мое дело его другу, в лице которого я обрел бы одного из самых умных читателей (— он глубоко осведомлен обо всем немецком, даже в языковом отношении является мастером). Это во Франции означает выиграть свой процесс. —

Для Англии я присмотрел отличную писательницу, у которой уже есть заслуга в том, что она представила Шопенгауэра в Англии, мисс Хелен Циммерн, живущую во Флоренции, сотрудницу Times и всех крупных обозрений, — родившуюся в Германии, так что она полностью компетентна и в языковом отношении.

Когда два листа будут готовы, мы приступим к Nietzsche contra Wagner. Пройдет несколько недель, прежде чем все предварительные условия с переводчиками и издателями в Париже и Лондоне будут улажены. —

Н.

— Чтобы заголовок как можно теснее примыкал к «Казусу Вагнера», мы напишем

Nietzsche contra Wagner

Проблема психолога

1194. An Franz Overbeck in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6. III <um den 17. Dezember 1888>

Дорогой друг,

я только что пересчитал свои деньги — у меня осталось ровно 100 франков, так что я без труда ожидаю твою посылку к концу месяца. Я горжусь тем, что не просчитался. Ибо…

Осень и начало зимы всегда были для меня весьма благотворны: так что моя работа и очень бодрое настроение ни на мгновение не ослабевали. Мой нынешний отдых — испанская оперетта из Мадрида: это выше всяких похвал, сплошь торжественные canailles, мошенники до мозга костей, но с grandezza — —

Отовсюду хорошие новости. Прилагаю небольшое письмо из Парижа от г-на Тэна; с просьбой вернуть его мне безотлагательно. Связь с редактором «Journal des Débats», которую он мне предлагает, доставляет мне огромное удовольствие; я уже много лет не читаю никакой другой газеты. — В Париже мой «Казус Вагнер» наделал шума; мне говорят, что я должен быть прирожденным парижанином: — еще никогда иностранец не мыслил по-французски так, как я в «Казусе». — Из Петербурга я получаю настоящие письма с восхвалениями, включая признания в любви. Георг Брандес читает там этой зимой лекции снова. У меня теперь есть читатели — и, к счастью, сплошь избранные умы, которые делают мне честь — повсюду, прежде всего в Вене, Санкт-Петербурге, Париже, Стокгольме, Нью-Йорке. Мои следующие произведения будут сразу выходить на многих языках. — Шведский гений Стриндберг (его трагедия «Отец» только что вышла в библиотеке Реклама: прочти же её!) заканчивает все свои письма ко всем на свете: «Carthago est delenda. Lisez Nietzsche!»

Как здоровье?

Твой старый друг Н.

1195. An Hippolythe Taine in Paris (Entwurf)

<Turin, um den 17. Dezember 1888>

Ms Taine 23 rue Cassette

Глубокоуважаемый господин,

Вы оказали мне неописуемую честь и — привели в смущение; я никогда не забывал того, что Ваша великая доброта сказала мне после присылки «По ту сторону добра и зла». Это был, в сущности, первый голос, который я услышал. Ибо мое одиночество всегда было полным. Не то чтобы я жаловался на это. Я полагаю, что это основное условие для достижения той предельной степени самопознания, которая составляет сущность моей философии. Мое хорошее настроение также говорит в пользу того, что это было правильно: я никогда не страдал от «одиночества». —

Одновременно с Вашей бесценной запиской пришло первое глубокое и смелое слово обо мне из Германии; так как Вы в нем упоминаетесь, я беру на себя смелость представить его Вам.

Фридрих Ницше.

1196. An Jean Bourdeau in Paris (Entwurf)

<Turin, etwa 17. Dezember 1888>

Глубокоуважаемый господин

Бесценная записка от г-жи Тэн, которую я прилагаю, придает мне мужества просить Вашего совета в деле, весьма для меня серьезном. Я желаю, чтобы меня читали во Франции; более того, я в этом нуждаюсь. Будучи тем, кто я есть — самым независимым и, возможно, самым сильным умом из ныне живущих, обреченным на великую задачу, — я никак не могу позволить абсурдным границам, которые проклятая и поддерживаемая лжецами династическая политика интересов провела между народами, помешать мне искать тех немногих, у кого вообще есть уши для меня. И я охотно признаюсь: я ищу их прежде всего во Франции. Мне не чуждо ничто из того, что происходит в духовном мире Франции: мне говорят, что я, по сути, пишу по-французски, хотя, возможно, в немецком языке, особенно в моем «Заратустре», я достиг чего-то недосягаемого даже в самой Германии. Я осмелюсь сказать, что мои предки в четвертом поколении были польскими дворянами; что мои прабабушка и бабушка по отцовской линии принадлежат к веймарской эпохе Гёте: причин достаточно, чтобы сегодня в едва мыслимой степени быть самым одиноким немцем. До меня никогда не доходило ни слова — и, откровенно говоря, я никогда не жаловался по эт<ому> поводу… Теперь у меня есть читатели повсюду: в Вене, в Санкт-Петербурге, в Стокгольме, в Копенгагене — сплошь избранные умы, которые делают мне честь, — их мне не хватает в Германии… Что даже в Г<ермании> есть чувство того, насколько я туда не принадлежу, свидетельствует весьма серьезная статья, опубликованная в Kunstwart, которую я позволяю себе приложить. Автор — музыкант первого ранга, единственный, если я вообще могу судить о таких вещах, — следовательно, неизвестный… — К счастью, будучи в 24 года призванным в Базель в качестве университетского профессора, мне не приходилось постоянно вести войну и растрачивать себя на пустые споры. В Базеле я нашел достопочтенного Якоба Буркхардта, который с самого начала был глубоко расположен ко мне, — у меня была близость с Рихардом Вагнером и его супругой, жившими тогда в Трибшене близ Люцерна, какой я не мог бы себе представить более ценной. В сущности, я, пожалуй, старый музыкант. — Позже болезнь вырвала меня из этих последних связей и привела в состояние глубочайшего самосозерцания, какого, возможно, едва ли кто когда-либо достигал. И так как в моей природе нет ничего болезненного и произвольного, я воспринимал это одиночество едва ли как гнет, а скорее как бесценную награду, своего рода чистоплотность. И никто никогда не жаловался мне на мой мрачный вид, даже я сам: я, возможно, познал более страшные и сомнительные миры мысли, чем кто-либо другой, но только потому, что в моей природе — любить приключения. Я отношу жизнерадостность к доказательствам моей философии… Возможно, я докажу этот тезис двумя книгами, которые я представляю Вам здесь

Подумайте, глубокоуважаемый господин, не следует ли перевести «Сумерки идолов» — книгу, задуманную весьма радикально и смелую по форме. Я признаюсь в удовольствии первого ранга — видеть себя подобным тому, как Поль Бурже (— это глубокий и притом не пессимистичный ум —)

— это быстрее и основательнее всего ввело бы в мои мысли; я едва ли верю, что возможно дать больше содержания на меньшем пространстве. — О сочинении о Вагнере мне говорят, что оно задумано настолько по-французски, что его невозможно перевести на немецкий. — Труды, которые приведут к решению, при котором грубый расчет нынешней политики мог бы оказаться ошибкой в расчетах, полностью готовы к печати: сейчас выйдет «Ecce homo». Или: как становятся тем, что есть. Позже — «Переоценка всех ценностей». Но и эти труды должны быть сначала переведены на французский и английский, так как я не хочу, чтобы моя судьба в п<о>следнюю очередь зависела от какой-либо имперской полицейской меры… Этот молодой кайзер никогда не слышал о вещах, с которых для таких, как мы, слух только начинается: отит, почти уже мета-отит…

Я имею честь быть давним читателем J<ournal> d<es> D<ebats>: полная тупость нынешних немцев к любому роду высшего смысла находит в их поведении по отношению ко мне за последние 16 лет, заметьте, прямо-таки пугающее выражение. Я боюсь, что нет более решительных, глубоких и, если есть уши, более волнующих книг, чем

Marteau des Idoles

была бы: в ней выражается настоящий кризис, но ни один н<емец> не имеет об этом понятия — к тому же я противоположность фанатика и апостола и не терплю никакой мудрости, если она не приправлена изрядной долей злости и хорошего настроения. Мои книги даже не скучны — и все же ни один немец не имеет о них понятия… Мое опасение в том, что в тот момент, когда перед одной из моих работ встают с моральной точки зрения, ее портят: поэтому самое время мне еще раз прийти в мир как французу — ибо задача, ради которой я живу, есть — — —

— Я беру на себя смелость представить Вам те книги: допустим, что они появятся на французском, тогда я представлен, введен во Францию, — остальное последует из этого. (— Остальное здесь означает самую глубокую книгу, которая есть у человечества, мой «Заратустра». Но с нее нельзя начинать.)

«По ту сторону добра и зла»: также и к этому труду г-жа Тэн в свое время проявила необычайное участие.

«Сумерки идолов, или Как философствуют молотом», можно было бы упростить заголовок:

Marteau des Idoles

Я знаю лишь одно: в тот момент, когда перед одной из моих книг встают с мор<а>л<ь>ной точки зрения, ее испортят. Сейчас я стою как раз перед решающим шагом моей жизни: труды, которые в сущности не являются книгами, <а> представляют собой своего рода судьбу, готовы к печати, — в моей власти, сколько месяцев или лет им еще ждать. Поэтому для меня вопрос первостепенной важности — не зависеть в своей задаче от случая, от жестокости полицейского запрета, — самое время мне также и вне Г<ермании> — — —

1197. An Helen Zimmern in Florenz

Turin, via Carlo Alberto 6 III <um den 17. Dezember 1888>

Глубокоуважаемая барышня

Вы оказали бы мне огромную услугу, если бы согласились перевести прилагаемое эссе господина Петера Гаста под названием «Ницше против Вагнера» для одного из крупных журналов. Мне сейчас совершенно необходимо стать известным в Англии, ибо мои следующие сочинения — они полностью готовы к печати — должны выйти одновременно на английском, французском и немецком языках. Скотская порода немцев — прошу прощения за резкое слово! — мне совершенно чужда; против меня будут защищаться конфискациями и другими полицейскими мерами. Итак, для моей задачи, которая принадлежит к числу величайших, какие только может взять на себя человек, — я хочу уничтожить христианство, — мне нужны Америка, Англия и Франция — свобода печати в любом смысле…

Я припоминаю, что читал в одном из номеров Journal des Débats, будто английский журнал (Century Review или что-то в этом роде) очень энергично начал борьбу против Вагнера. Если у Вас есть желание, я пришлю Вам свое сочинение. Оно в высшей степени злобно и скорее могло бы быть написано парижанином.

Как раз сейчас выходит нечто крайне радикальное из-под моего пера: Сумерки идолов. Или: как философствуют молотом.* Я вышлю его Вам — возможно, Вы представите это произведение в Англии. Оно антинемецкое и антихристианское par excellence — разве оно не должно произвести сильное впечатление на англичан? Мои аргументы совсем иного рода, чем те, что применялись когда-либо, — я вовсе не человек, я динамит.

Надеюсь, мое письмо застанет Вас в бодром и привычном к борьбе расположении духа? —

Преданный Вам
Ницше

— Господин Петер Гаст — один из наших первых музыкантов или, если хотите мне поверить, безусловно, первый — он умеет делать то, что во все времена удавалось лишь немногим: создавать совершенное. Для меня честь иметь такого «ученика».

Н.

— Госпожа Тэн написала мне о Сумерках идолов бесценное письмо, полное восхищения «toutes mes audaces et finesses». Я как раз веду переговоры, по совету господина Тэна, с выдающимся главным редактором Journal des Débats и Revue des deux Mondes господином Бурдо, которого он рекомендовал мне как одного из самых умных и влиятельных французов: он должен подготовить шаги для перевода этого труда.

1198. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 18. Dezember 1888>

Всё тщательно обдумав, мне кажется полезным для указанной цели напечатать вместо второго листа титульный лист, предисловие и оглавление. Всё вместе это даст ясное представление. Приблизительный расчёт количества листов был бы также необходим. —

— Один экземпляр «Сумерек идолов» мы хотим ещё отправить за море: заказным

Господину д-ру Бернхарду Фёрстеру

Новая Германия

близ Асунсьона

Южная Америка

Парагвай

Если 2-й лист уже полностью или наполовину напечатан, то мы возьмём его в дополнение.

1199. An August Strindberg in Holte

Torino, Via Carlo Alberto 6 III <18. Dezember 1888>

Дорогой и глубокоуважаемый господин,

тем временем мне из Германии прислали «Отца» в доказательство того, что я также интересую своих друзей отцом отца. — Théatre libre господина Антуана ведь и создан для того, чтобы рисковать. Ваше произведение совершенно невинно по сравнению с тем, чем там уже рисковали в последние месяцы. Дошло до того, что А<льбер> Вольф в передовице «Фигаро» публично, от имени Франции, покраснел. — Но господин Антуан — выдающийся актер, который немедленно присвоит себе роль капитана («ротмистра»). Я больше не советую примешивать Золя, а рекомендую отправить экземпляр и письмо напрямую господину Антуану, директору Théatre libre. Там любят играть иностранцев —

Снаружи движется с мрачной помпой большая похоронная процессия: принц Кариньянский, кузен короля, адмирал флота. Вся Италия в Турине. —

Ах, как же вы просветили меня насчет ваших шведов! И как же вы заставили меня позавидовать! Вы недооцениваете свое счастье: «o fortunatos nimium, sua si bona norint» — а именно то, что вы не немец… Не существует никакой другой культуры, кроме французской; это не возражение, а сам разум — идти в единственную школу, она неизбежно является правильной.. Хотите доказательство этого? — Но ведь вы и есть доказательство! —

Я возвращаю тетради с самой искренней благодарностью, полагая, что они у вас не в нескольких экземплярах. —

Одновременно с вашим письмом пришло письмо из Парижа от господина Тэна, полное высочайших оценок «Сумерек идолов» в отношении audaces et finesses, и с очень серьезным предложением передать весь вопрос о моем признании во Франции, включая средства для этого, в руки его друга, главного редактора Journal des Débats и Revue des deux mondes, чью глубокую и свободную интеллигентность, в том числе в вопросах формы, знания немецкого языка и немецкой культуры, он не может перестать превозносить. Наконец, я уже много лет читаю только Journal des débats. — Вслед за этим открытием моего Панамского канала во Францию я отложил на неопределенный срок дальнейшую публикацию новых сочинений (три из них полностью готовы к печати —). Прежде всего должны быть переведены две главные книги: «По ту сторону добра и зла» и «Сумерки идолов»: тем самым я буду представлен во Франции. —

Преданный Вам и полный добрых пожеланий
Ницше.

1200. An E. Kürbitz in Naumburg

Torino, via Carlo Alberto 6, III den 19. Dez. 1888

Глубокоуважаемый господин,

настоящим прошу Вас снова выдать моей матери, госпоже пастору Ницше, 30 марок (тридцать марок). Дело Ниске, Дрезден, разрешилось желательным образом.

С глубоким почтением
Д-р Ницше

1201. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm)

<Turin, 20. Dezember 1888>

К. Г. Науманн Лейпциг

Ecce vorwärts

Ницше

1202. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 20. Dezember 1888>

Новое соображение убеждает меня в том, что мы непременно должны сначала закончить печатать Ecce homo, а затем уже придет очередь N.c.W. Все переговоры с издателями, писателями и моими собственными сторонниками я могу вести только при наличии готовых экземпляров: другое дело — время публикации. Для Франции я хочу прежде всего договориться о переводе «Сумерек идолов»: она короткая и в высшей степени подготовительная. —

Количество экземпляров — не могли бы вы составить для меня примерную смету расходов на 1000 хороших экземпляров и 4000 на более дешевой бумаге?

С глубоким уважением, N.

Экземпляр 1-го листа ко мне не поступил; пожалуйста, пришлите его мне вместе со 2-м листом.

1203. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 20. Dezember 1888>

Я отправил Вам отдельный лист с заголовком «Интермеццо» с просьбой вложить его в «N. contra W.». Теперь мы предпочли бы, как это и было задумано изначально, вложить его в «Ecce»: а именно во вторую главную главу («Почему я так мудр») в качестве раздела 5. Соответственно, последующие цифры подлежат изменению. Заголовок «Интермеццо», разумеется, убрать.

N.

1204. an Franziska Nietzsche in Naumburg

Torino, via Carlo Alberto 6 III den 21. Dezember 1888

Моя старая матушка,

если меня не обманывает предчувствие, в ближайшие дни наступит Рождество: быть может, мое письмо придет как раз вовремя, а может, господин Кюрбиц понял намек, который я сделал ему несколько дней назад. С просьбой придумать что-нибудь, что доставит тебе удовольствие и при мысли о чем ты с радостью вспомнишь свое старое создание, и, кроме того, прося снисхождения за то, что это не нечто большее. — У нас здесь тоже немного зима, но не такая, чтобы мне пришлось топить. Солнце и ясное небо после нескольких дней тумана всегда берут верх. Были большие похороны, одного из наших принцев, кузена короля; очень заслуженного человека для Италии, а также для флота, ибо он был адмиралом флота.

Я во всех отношениях рад, что покончил с Ниццей, — тем временем мне прислали сюда 3 ящика с книгами. Также единственное благотворительное и любезное общество, которое у меня там было, выдающиеся Кёхлины, столь же богатые, сколь утонченные и привыкшие к лучшим кругам люди, впервые отсутствуют этой зимой в Ницце. Дела у старого Кёхлина идут плохо, мадам Сесиль подробно написала мне: постоянная лихорадка. Они под Генуей, в Нерви. — Зато я получил из Женевы хорошие и радостные известия от мадам Финн и ее русской подруги.

Но самое лучшее я слышу о своем друге Кёзелице, чье существование поразительно изменилось. Мало того, что первые артисты Берлина, Иоахим, де Ана, глубочайшим образом интересуются его произведениями, эти самые требовательные и избалованные артисты, какие есть в Германии: ты бы прежде всего удивилась тому, что он вращается только в самых богатых и знатных кругах Берлина и с огромным успехом ухаживает за красивой и ужасно богатой девушкой, хотя у него есть соперник — молодой граф Шлихен. Да уж, эти господа музыканты! Он провел все лето в замке своей принцессы, в Дальней Померании, среди огромных лесов, среди сплошных юнкеров и гвардейских офицеров; но она не хочет ничего, кроме как играть на скрипке и петь музыку Кёзелица. — Возможно, его опера дождется своей первой постановки в Берлине; граф Хохберг близок к кругам, в которых он вращается. —

В сущности, твое старое создание теперь ужасно знаменитый зверь: не то чтобы в Германии, ибо немцы слишком глупы и слишком подлы для высоты моего духа и всегда позорились на мне, но во всем остальном мире. У меня сплошь избранные натуры в почитателях; сплошь высокопоставленные и влиятельные люди, в Санкт-Петербурге, в Париже, в Стокгольме, в Вене, в Нью-Йорке. Ах, если бы ты знала, какими словами выражают мне свою преданность первые персоны, самые очаровательные женщины, мадам принцесса Тенишева, безусловно, не исключение. У меня есть настоящие гении среди моих почитателей, — сегодня нет имени, с которым обращались бы с таким отличием и благоговением, как с моим. — Видишь ли, в этом и заключается фокус: без имени, без ранга, без богатства меня здесь принимают как маленького принца, от каждого встречного до моей лавочницы, которая не успокоится, пока не выберет самое сладкое из всех своих виноградин (фунт сейчас 28 пфеннигов).

К счастью, я теперь справляюсь со всем, чего требует от меня моя задача. Мое здоровье поистине превосходное; самые тяжелые задачи, к которым еще никогда ни один человек не был достаточно силен, даются мне легко. Турин — поистине моя резиденция; ах, с каким отличием меня здесь принимают! —

Моя старая матушка, прими в конце года мои самые сердечные пожелания, и я сам себе желаю года, который во всех отношениях соответствует великим вещам, что должны в нем произойти.

Твое старое создание.

1206. An Ferdinand Avenarius in Dresden (Fragment)

<Turin, kurz vor dem 22. Dezember 1888>

— — — Ваша газета сказала обо мне самое глубокое и прекрасное из всего, что было сказано до сих пор. — — —

1206. An Ferdinand Avenarius in Dresden

Turin, 22. Dezember 1888

Многоуважаемый господин,

мне только что пришло в голову, что в Ваших, а может быть, и в моих интересах было бы, если бы Вы пожелали издать статью господина Генриха Кёзелица отдельно, в виде брошюры в несколько страниц. По всем признакам, её будут читать и слушать необычайно много. Вы не можете себе представить, какие знаки почтения отовсюду теперь приходят ко мне: через несколько месяцев, с выходом Ecce homo, от которого напечатано 2 листа, я буду насчитывать своих сторонников миллионами. Ваш «Kunstwart» окажется в неплохом положении, если он первым скажет слово такого рода.

Антихрист.

1207. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Turin, den 22. Dezember 1888.

Дорогой друг,

я обнаружил эту бумагу, первую, на которой я могу писать. Также и перо, но это из Германии: Sönnekken’s Rundschrift-Feder. Также и чернила, но эти из Нью-Йорка, дорогие, превосходные. — Ваши новости превосходны; случай с Иоахимом — первоклассный. Без евреев нет бессмертия, — они не зря «вечные». — Также доктор Фукс отлично справляется со своим делом; признаюсь, что, пока существует шанс с Хохбергом — ведь в любой момент на его место может прийти какой-нибудь сумасшедший вагнерианец — этот шанс нужно держать в поле зрения. — Попросите у господина Видемана, как можно деликатнее, экземпляр обратно: я должен обезопасить это произведение от всех превратностей жизни и смерти. —

Очень любопытно! Я уже 4 недели понимаю свои собственные сочинения, — более того, я ценю их. Со всей серьезностью, я никогда не знал, что они означают; я бы солгал, если бы сказал, что они импонировали мне, за исключением Заратустры. Это как мать со своим ребенком: она, возможно, любит его, но в полном неведении относительно того, что это за ребенок. — Теперь у меня есть абсолютное убеждение, что всё удалось с самого начала, — всё есть одно и хочет одного. Позавчера я читал «Рождение»: нечто неописуемое, глубокое, нежное, счастливое…

Не ходите к профессору Дойссену: он слишком глуп для нас, — слишком зауряден. — Господин Шпиттелер, после Вашего «Kunstwart», застыл, как соляной столп: он оглядывается на свою глупость прошлого января…

Сочинение N<ietzsche> contra W<agner> мы печатать не будем. «Ecce» содержит всё решающее, в том числе и об этом отношении. Часть, которая, среди прочего, также учитывает маэстро «Пьетро Гасти», уже внесена в «Ecce». Возможно, я включу туда еще и песню Заратустры — она называется: «О бедности богатейшего». В качестве интермедии между двумя главными разделами.

Неописуемо деликатное письмо от господина Тэна из Парижа (— он тоже получит почитать Петера Гаста!); он сетует, что недостаточно понимает по-немецки для toutes mes audaces und finesses — то есть не понимает их с первого взгляда — и рекомендует мне в качестве компетентного читателя, который глубочайшим образом изучил также Германию и немецкую литературу, никого иного, как главного редактора Journal des Débats и Revue des deux Mondes, господина Бурдо, одну из первых и влиятельнейших персон Франции. Он должен взять в свои руки мое признание во Франции, вопрос перевода: для этого его рекомендует господин Тэн. — Тем самым открыт великий Панамский канал во Францию.

Мои сердечнейшие приветы Вашим почтенным родным!

Первый снег, мило!!!

Ваш друг Ницше.

1208. An Andreas Heusler in Basel (Visitenkarte)

Torino, via Carlo Alberto 6, III <22. Dezember 1888>

Теперь в моей жизни больше нет никакой случайности. Этой ночью я вспоминал одного особенно почитаемого мною базельца — я остерегусь называть кого именно: и вот приходит письмо от Овербека..

1209. An Franz Overbeck in Basel

Turin, den 22. Dezember 1888

Дорогой друг,

сердечно благодарю тебя за твои слова, хотя, согласно глубокому доверию, которое мы питаем друг к другу, ты имел бы полное право молчать годами. Я также только что отправил приветствие Андреасу Хойслеру: весьма приятная случайность захотела, чтобы он пришел мне на ум этой ночью, причем с особенно добрыми чувствами. Прости! Но почти каждое письмо, которое я сейчас пишу, начинается с фразы о том, что в моей жизни больше нет случайностей. — К. Г. Науманн еще не сообщил мне, должна ли начаться рассылка «Сумерек идолов» и когда именно. Полагаю, у него сейчас очень много дел со мной; от «Ecce homo» прибыли 2 печатных листа. — В этот раз я позаботился о Базеле так, что уже нельзя не попытаться узнать меня поближе. И теперь, по крайней мере, приходят к согласию, что я не глуп. Помимо твоего экземпляра, экземпляры предназначены для Библиотеки, для Читательского общества, для «Базельских новостей», для г-на Шпиттелера. Якоб Буркхардт, который дважды упоминается с чрезвычайными почестями, получил самый первый экземпляр, который Науманн прислал для меня. — Что я хотел бы, так это чтобы капитальная статья обо мне, написанная Кёзелицем, шедевр точности и глубины, появившаяся в «Kunstwart», редактор которого также обращается ко мне как к «Высокопочитаемому!», была перепечатана, скажем, в «Базельских новостях». В ней решительно нет ничего провокационного; надеюсь, фраза «что поведение немцев по отношению к Ницше представляет собой новую страницу в истории их растущей интеллектуальной неполноценности» не оскорбит базельцев. —

А теперь «дело Фрича!» — Из-за него я должен тебе написать. Мой издатель! Издатель Заратустры! — Я тут же написал ему: «Сколько вы требуете за всю мою литературу? В искреннем презрении, Ницше». Ответ: ок. 11 000 марок. —

Это вопрос приличия для меня, я буду остерегаться злоупотреблять словом «честь» по отношению к такой сволочи. — К. Г. Науманн, советуя мне в этом деле, рекомендует еще подождать и добиться снижения цены. Конечно, то, как сейчас говорят обо мне, должно его озадачить, так что я не верю в снижение. В сущности, это дело — удача первостепенной важности: я получаю единоличное владение своей литературой в тот момент, когда она становится продаваемой. Ведь и произведения у К. Г. Науманна принадлежат только мне.

Проблема: как мне теперь достать 11 000 марок? Сколько составили бы мои базельские сбережения в сумме? (— признаюсь, они предназначались не для этого, а для больших расходов на печать в ближайшие годы. В крайнем случае, я мог бы впервые в жизни занять деньги на это, поскольку моя «платежеспособность» в ближайшие годы должна стать весьма немалой. С хорошим парижским издателем, например, Лемерром, я хочу для «Ecce homo», при посредничестве этого влиятельнейшего главного редактора двух доминирующих газет Франции, договориться об условиях, какие имеют первые парижские романисты — и я превзойду по числу тиражей даже «Нану» Золя… Что ты посоветуешь? — Желаю тебе и твоей милой жене счастливого Рождества

Твой друг Н.

Заметь, я просил Тэна совершенно прямо о средствах, чтобы быть прочитанным во Франции, быть переведенным: для этой цели он называет мне М. Бурдо, но так деликатно, что это звучит иначе.

1209a. An Giosué Carducci in Italien (Entwurf)

<Turin, 25. Dezember 1888>

Почтенный сударь,

Я слишком хорошо знаю, насколько хорошо Вы понимаете по-немецки: не обдумаете ли Вы, не стоит ли сначала представить итальянцам это сочинение N<ietzsche> c<ontra> W<agner>? В Италии нужно начать с меня: на моей стороне первые умы Европы — господин Тэн, например — [— — —]

1210. An Franz Overbeck in Basel

<Turin> Weihnachten. <1888>

Дорогой друг

нам нужно быстро уладить дело с Фричем, потому что через два месяца я стану первым именем на земле. —

Я еще осмеливаюсь рассказать, что в Парагвае дела обстоят как нельзя хуже. Заманенные туда немцы возмущены, требуют свои деньги назад — а их нет. Уже случались проявления жестокости; я боюсь самого худшего. — Это не мешает моей сестре писать мне 15 октября с крайним сарказмом, что я, должно быть, тоже хочу начать «становиться знаменитым». Что это, конечно, милое дело! и что за сброд я себе выбрал, евреи, которые лизали все тарелки, как Георг Брандес… При этом она называет меня «сердечный Фриц»… Это длится уже 7 лет! — —

Моя мать пока не имеет об этом ни малейшего представления — это мой шедевр. На Рождество она прислала мне игру: Фриц и Лизхен…

Что здесь, в Турине, удивительно, так это полное очарование, которое я излучаю, хотя я самый непритязательный человек и ничего не требую. Но когда я захожу в большой магазин, каждое лицо меняется; женщины на улице смотрят на меня, — моя старая торговка откладывает для меня самый сладкий виноград и снизила цену!… Она сама по себе смехотворна… Я обедаю в одной из первоклассных тратторий, с 2 огромными этажами залов и комнат. Я плачу за каждый обед 1 франк 25 сантимов с чаевыми — и получаю самое изысканное в самом изысканном приготовлении —, я никогда не имел понятия о том, что такое мясо, что такое овощи, что такое все эти настоящие ита<льянские> блюда могут быть… Сегодня, например, деликатнейшие оссобуко, Бог знает, как по-немецки сказать, мясо на костях, где находится восхитительный мозг! К этому брокколи, приготовленные невероятным образом, сначала нежнейшие макароны. — Мои официанты сияют любезностью и предупредительностью: самое лучшее* то, что я никого не делаю глупее..

Поскольку в моей жизни еще все возможно, я отмечаю <себе> всех этих индивидуумов, которые в это неоткрытое время открыли меня. Я не стану зарекаться, что меня уже обслуживает мой будущий повар. —

Никто еще не принимал меня за немца… Я читаю Journal des Débats, мне его инстинктивно принесли при первом же посещении первого кафе. —

Случайностей тоже больше нет: когда я думаю о ком-то, письмо от него вежливо входит в дверь…

Науман в великолепном воодушевлении. У меня подозрение, что он уже отдал праздничные дни в печать. За 2 недели мне прислали 5 листов. Завершает Ecce homo дифирамб совершенно безграничного вымысла, — я не могу думать о нем, не всхлипывая.

Между нами, я приеду этой весной в Базель, — мне это необходимо! К черту, если нельзя никогда сказать ни слова по секрету..

Твой друг Н.

Д-р Фукс как раз исполняет дуэт К<ёзелиц>а в данцигском концерте, он желает для тамошнего театра Льва Венеции! Однако, учитывая, что Иоахим продолжает свое участие, произведение, весьма вероятно, вскоре будет конфисковано графом Хохбергом.. К<ёзелиц> убежал на рождественские праздники к своим родителям, чтобы не позволить одарить себя… Краузе в рождественское время (как обычно) проявляют княжескую щедрость: они посылают, например, каждой семье в своих деревнях рождественский ящик. К<ёзелиц> привел Краузе к своему венецианскому другу, знаменитому Пассини, чтобы дать ему заработать несколько тысяч. — П<ассини> сейчас живет в Берлине.

1211. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Turin, etwa 25. Dezember 1888>

Глубокоуважаемая госпожа,

по сути, единственная женщина, которую я почитал… позвольте Вам преподнести первый экземпляр этого Ecce homo. В нём, по сути, со всем миром обошлись плохо, за исключением Рихарда Вагнера — и ещё Турина. Также Мальвида встречается там в образе Кундри…

Антихрист.

1212. An Franz Overbeck in Basel

<Turin, 26. Dezember 1888> Freitag, Morgens.

Дорогой друг,

я только что рассмеялся: мне вспомнился твой старый кассир, которого мне еще предстоит успокоить. Ему пойдет на пользу узнать, что с 1869 года я больше не являюсь гражданином Германии и обладаю прекрасным базельским паспортом, который несколько раз продлевался швейцарскими консульствами. —

— Сам я сейчас работаю над меморандумом для европейских дворов с целью создания антигерманской лиги. Я хочу затянуть «Рейх» в железную рубашку и спровоцировать его на отчаянную войну. У меня не будут развязаны руки, пока я не получу в свои руки молодого кайзера вместе с его окружением.

Между нами! Совершенно между нами! — Полный штиль в душе! Спал десять часов подряд!

Н.

1213. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin,> den 27. December <1888>

Милостивый государь,

Весьма признателен за рвение, с которым продвигается печать. Я отправил Вам обратно готовые к печати 2 листа Ecce, а также 2 листа N. contra W. —

Только что д-р Карл Фукс сообщил мне, что он сочинил труд против Вагнера, который в Данциге имел необычайный успех благодаря своему остроумию и тонкости — он зачитывал его в литературном обществе — а также среди особых знатоков. — Д-р Фукс, безусловно, самый остроумный музыкант; таково было и собственное мнение Рихарда Вагнера. — Я написал ему, что охотно взял бы на себя расходы по изданию; для меня существенно, чтобы музыкант снова поддержал меня в этом деле. —

Я полагаю, что мы всё ещё откладываем рассылку «Сумерек идолов»? Нет ни малейшего смысла сейчас спешить с публикациями. —

Также мы хотим дарить как можно меньше лишних экземпляров и рассматривать её по существу как книгу для тех, кто уже ближе знаком с моим замыслом и задачей. Лишним, например, был бы экземпляр для Парагвая. — Переговоры с целью французского и английского перевода «Сумерек идолов» начаты. —

Всё обдумав, мы хотим в 1889 году издать «Сумерки идолов» и «Ницше против Вагнера»: последнюю <сочинение> возможно первой, так как мне со всех сторон пишут, что мой «Случай Вагнер», собственно, только и создал мне по-настоящему широкое общественное внимание.

Ecce homo, которое, как только будет готово, должно перейти в руки переводчиков, ни в коем случае не может быть готово до 1890 года, чтобы появиться одновременно на трёх языках.

Для «Переоценки всех ценностей» у меня ещё нет никакого срока. Успех Ecce homo должен сначала предшествовать этому. — О том, что труд готов к печати, я Вам писал.

В качестве предисловия к работе д-ра Фукса мы могли бы взять превосходную статью г-на Гаста; я уже договорился об этом с Авенариусом. Заглавие примерно такое:

Случай Ницше.

Заметки на полях

двух музыкантов

1214. An Carl Fuchs in Danzig

<Turin,> 27. Dezember 1888.

Всё обдумав, дорогой друг, скажу, что отныне нет никакого смысла говорить и писать обо мне; я сдал в архив вопрос, кто я такой, вместе с сочинением, которое мы печатаем, Ecce homo, для грядущей вечности. Впредь не следует заботиться обо мне, но о тех вещах, ради которых я здесь. — Также в ближайшие годы может произойти столь чудовищное преобразование моего внешнего положения, что даже каждый отдельный вопрос о судьбе и жизненной задаче моих друзей будет зависеть от этого, — не говоря уже о том, что такие эфемерные образования, как «Германская империя», должны быть исключены из любого расчёта на то, что грядёт. — Прежде всего выйдет Nietzsche contra Wagner, если всё удастся, то даже на французском. Проблема нашего антагонизм<а> здесь взята так глубоко, что, собственно, и вопрос о Вагнере сдан в архив. Страница о «музыке» в упомянутом сочинении — это, пожалуй, самое примечательное из того, что я написал.. То, что я говорю о Бизе, вы не должны принимать всерьёз; такой, как я, Б<изе> и в тысячу раз не рассматривает. Но как ироническая антитеза к В<агнеру> это действует очень сильно; было бы безвкусицей без равных, если бы я, скажем, хотел начать с похвалы Бетховену. Ко всему прочему, В<агнер> был безумно завистлив к Бизе: «Кармен» — это величайший оперный успех вообще в истории оперы, и она намного превзошла число постановок всех опер Вагнера вместе взятых в Европе. —

Ступидная бестактность Фрича, высмеявшего меня в его собственной газете, принесла ту огромную пользу, что дала мне повод написать Ф<ричу>: сколько вы хотите за всю мою литературу? С искренним презрением Ницше. Ответ: 11 000 марок. — Допустим, что таким образом в последний момент я стану единоличным владельцем своих произведений (— ведь и К. Г. Науманн не владеет ничем моим), тогда глупость Ф<рича> была удачей первого ранга. — Я позабочусь о том, чтобы вы в нужное время получили все мои сочинения, которых вам недостаёт: подождите ещё немного! — Мысль о Ростоке, даже если это временная мысль на два года, кажется мне весьма превосходной, особенно в плане упражнения и освоения подлинных качеств дирижёра, — да и в остальном…

Дорогой друг, я настоятельно прошу вас отправить вашу работу о Вагнере моему издателю господину К. Г. Науманну: вы можете посвятить её мне с небольшим предисловием. Мы должны свести немцев с ума своим esprit…

Тристана вы уж не обходите: это capitale произведение, обладающее очарованием, которому нет равных не только в музыке, но и во всех искусствах. —

Я предлагаю напечатать превосходную статью господина Кёзелица обо мне в качестве предисловия к вашей работе против В<агнера>: производит великолепное впечатление.

Название: Дело Ницше

Петера Гаста и Карла Фукса

1215. An Heinrich Köselitz in Annaberg

<Turin, 27. Dezember 1888>

Всего одно слово, дорогой друг! Я как раз предлагаю господину доктору Фуксу издать его сочинение против Вагнера вместе с Вами, так чтобы Ваша статья в Kunstwart послужила введением — или предисловием. Я уже договорился с Авенариусом об отдельном издании этого труда (— по справедливости, Вы могли бы восстановить кое-что из вычеркнутого). Название, что Вы думаете?

Случай Ницше.

Заметки на полях

двух музыкантов.

К тому же не повредит, если Вы немного представите меня как музыканта — тупым немцам подобное никогда не пришло бы в голову.

1216. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Turin, 28. Dezember 1888>

Я забыл акцент на странице 4 в N.c.W

Géraudel

На странице 6, пятая строка снизу, должно быть:

по трем причинам,

N.

Счастливого Нового года — нам обоим…

1217. An Jean Bourdeau in Paris (Entwurf)

<Turin, kurz vor dem 29. Dezember 1888>

Наконец, почтенный сударь, я, как давний читатель J<ournal> d<es> D<ébats>, не скрываю от себя, как мало у Вас сейчас найдется для меня времени. Примите к сведению, что я доволен тем, что представился Вам, — и что я могу подождать…

1218. An Julius Kaftan in Berlin (Entwürfe)

<Turin, gegen Ende Dezember 1888>

Глубокоуважаемый господин профессор,

Вы, со своим прошлогодним летним визитом в Зильс, принадлежите к числу самых невероятных историй моей жизни. Я посылаю Вам книгу, которая возникла за десять дней Вашего пребывания там, лишь для того, чтобы дать Вам понятие о том, что место, которое избрал для себя глубочайший дух всех тысячелетий, не терпит теологов.

Господину профессору Кафтану

Глубокоуважаемый господин профессор, Вы, со своим визитом в Зильс, принадлежите к числу самых невероятных историй моей жизни. Это не мешает мне быть к Вам расположенным: свидетельством тому — посылка прилагаемой книги. — Через два года у Вас исчезнет всякое сомнение в том, что я отныне правлю миром

Фридрих Ницше.

1219. An Carl Spitteler in Basel (Entwurf)

<Turin, gegen Ende Dezember 1888>

Дорогой господин,

Вы, наряду с доктором Видманом, являетесь исключительным случаем в моей жизни. Признаюсь, я не понимаю случая Шпиттелера: я привык к благоговению, простите мне это слово, — не от кого попало, а от величайших умов, существующих сегодня. Вы должны иметь представление о том, как пишет мне г-жа Тэн. — В сущности, я Вас не понимаю. Ваши слова о «Генеа<логии> морали», которые застали меня в состоянии глубочайшего погружения в мою колоссальную задачу, останутся для меня незабываемыми. Возьмите всю высоту, всю духовную силу, все творения величайших личностей че<лове>че<ства> вместе — Вы не создадите и страницы этого труда, не говоря уже о его форме. — Совершенно не обязательно читать много из написанного мною, достаточно страницы, чтобы создать дистанцию, через которую никто не перепрыгнет. Вы даже не заметили, что сочинение о В<агнере> — обо мне.

1220. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Turin, den 29. Dec. 1888>

Уважаемый господин издатель,

сердечно благодарю Вас за только что полученное сообщение и прошу Вас распорядиться о продолжении печати Ecce, как только будет готов N.c.W. Пока что Ecce еще не рассматривается в планах на перевод. Чрезвычайно любезное и предупредительное письмо г-на Бурдо, главного редактора J. des Débats, которое пришло сегодня и в котором он рассказывает, как давно и как хорошо он знает мои труды, прежде всего выдвигает на первый план «Crépuscule des idoles». — По поводу того же произведения я веду переговоры относительно английского и итальянского переводов. Нужно сначала навести мосты. —

Остаток рукописи, сплошь крайне важные вещи, включая стихотворение, которым должен завершаться Ecce homo, — non plus ultra высоты и изобретательности, — сегодня был отправлен Вам заказным письмом. — С наилучшими пожеланиями и поздравлением с Новым годом

преданный Вам
Ницше

— Я согласен с Вашим мнением, что и для Ecce нам не следует превышать тираж в 1000 экземпляров: 1000 экземп<lar>яров в Германии для произведения высокого стиля, пожалуй, уже немного безумно, — во Франции я со всей серьезностью рассчитываю на 80—400 000 экземпляров. —

Рецензия на «Казус В<агнер>» в J. des Déb. ожидается в январе

1221. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Turin, etwa 29. Dezember 1888>

Дорогой друг, Твое письмо меня не удивляет. Я никого не виню, если он не знает, кто я такой; никому не дано это знать. Плохо было бы со мной, если бы я испортил свои немногие человеческие отношения абсурдными требованиями. Я ни на мгновение в своей жизни не испытывал по отношению к Тебе никакого недоверия или даже досады: Ты даже один из тех немногих, перед которыми я глубоко в долгу. То, что я не человек, а судьба, — это не то чувство, которое можно передать. Тебе не нужно верить мне и сегодня: я сам очень неохотно в это верю. Мне не занимать злости и дерзости, чтобы время от времени посмеяться над самим собой.

1222. An Franz Overbeck in Basel

<Turin, 29. Dezember 1888>

Нет, дорогой друг, я по-прежнему чувствую себя превосходно; просто я писал письмо при очень плохом освещении — я уже не видел, что пишу. И ты не должен думать, что те «печальные» сообщения хоть сколько-нибудь меня задели; это уже много лет как осталось далеко позади. — Оставить дело с F<ritzsch> как есть — во всяком случае, самое разумное: в своем последнем письме он снова объяснил мне, что считает себя связанным названной цифрой. — Я сегодня очень счастлив получить чрезвычайно любезное и деликатное письмо от г-на Бурдо, который рассказывает мне, как много он уже знает обо мне и как его друг Гиллебранд уже давно очень хорошо осведомлен обо мне. Journal des Déb<ats> в январе опубликует статью о «Казусе Вагнера» из-под пера Моно. — Хойслер тоже написал мне очень сердечно. —

«Crépuscule des idoles» будет взят в работу первым; я веду переговоры о переводе этого же произведения с мисс Хелен Циммерн, которая уже представила англичанам Шопенгауэра. — (Я также веду переговоры с Бонги —) Не недооценивай того, что я воспринимаю случай с Фричем как счастливый случай…

Мое письмо подоспело как раз вовремя, чтобы сердечно поздравить тебя и твою милую жену с Новым годом.

Твой друг N

— Знаешь, в моем внешнем положении в ближайшие годы ничего не изменится, возможно, вообще больше никогда. Какого бы уровня признания я ни достиг, я не хочу менять ни свои привычки, ни свою комнату за 25 франков. Нужно привыкнуть к такому сорту философа. —

Снова очень плохой свет — come in Londra, говорят мне туринцы последние 6 дней. Nebbia!…

Я даже вообразил себе, что написал тебе сплошь очень веселые вещи? — Честно говоря, я уже совсем не знаю, как выглядит то, что называют досадой…

1223. An Meta von Salis auf Marschlins

Turin, den 29. Dez. 1888.

Почтенная барышня,

возможно, не возбраняется послать Вам приветствие под Новый год — надеюсь, год будет хорошим. О старом я больше не скажу ни слова — он был слишком хорош…

Тем временем я начинаю становиться знаменитым совершенно неслыханным образом. Полагаю, что еще ни один смертный не получал таких писем, какие получаю я, и исключительно от избранных умов, от людей, занимающих высокие посты и исполняющих важные обязанности. Отовсюду: не в последнюю очередь из высшего петербургского общества. А французы! Вам следовало бы слышать тон, с которым г-н Тэн пишет мне! Только что прибыло очаровательное, возможно, и очарованное письмо от одного из первых и влиятельнейших людей Франции, который поставил себе целью ознакомление с моими сочинениями и их перевод: никто иной, как главный редактор Journal des Débats и Revue des deux Mondes г-н Бурдо. Кстати, он сообщает мне, что рецензия на мой «Казус Вагнер» появится в январском номере J. d Déb. — от кого? От Моно. — У меня есть подлинный гений среди читателей, швед Август Стриндберг, который воспринимает меня как глубочайший дух всех тысячелетий. Я посылаю Вам статью в «Kunstwart» с просьбой при случае вернуть её мне; она, в самом деле, совершенно точно определяет «Казус Ницше». — Самое примечательное здесь, в Турине, — это всеобщее очарование, которое я вызываю — во всех сословиях. С каждым взглядом ко мне относятся как к князю, — есть крайняя изысканность в том, как мне открывают дверь, как подают блюдо. Каждое лицо преображается, когда я захожу в большой магазин. — И так как я ни на что не претендую и с полным спокойствием отношусь ко всем одинаково, а также имею лицо, совершенно противоположное мрачному, мне не нужны ни имя, ни ранг, ни деньги, чтобы всегда оставаться безусловно первым. —

Чтобы не было недостатка в контрасте! Моя сестра по случаю моего дня рождения с крайним презрением заявила мне, что я, должно быть, тоже начинаю «становиться знаменитым»… Это будет прекрасный сброд, который верит в меня… Это длится уже семь лет… —

Еще один другой случай. Я всерьез считаю немцев подлейшим сортом людей и благодарю небо за то, что во всех своих инстинктах я поляк и ничто иное. Мой издатель, г-н Э. В. Фрич, по случаю выхода «Казуса Вагнер» позволил напечатать одну из самых гнусных статей обо мне в редактируемом им самим Musikalischen Wochenblatt. Я тотчас же написал ему: «Сколько Вы требуете за всю мою литературу? В искреннем презрении, Ницше». — Ответ: 11 000 марок. — Видите! Это по-немецки… издатель Заратустры!

Георг Брандес этой зимой снова едет в Санкт-Петербург, чтобы читать лекции о чудовище Ницше. Он действительно необычайно умный и добрый человек, я никогда не получал столь деликатных писем. — Печатают с величайшим усердием, огненно-усердно… Тем временем г-н Кёзелиц стал важной птицей: Иоахим и де Ана в восторге от этого нового «классика», — добавлю, что он в одном из самых блестящих домов Берлина с более чем счастливым успехом сватается к удивительно красивой и интересной девушке, хотя у него есть соперник — граф Шлибен. Он провел всё лето в лесном замке своей принцессы в Задней Померании среди сплошных юнкеров и гвардейских лейтенантов. Вероятно, граф Хохберг обратится к нему по поводу первой постановки «Венецианского льва» в Берлине. — Короче: переоценка всех ценностей… С наилучшими пожеланиями и приветом

Ваш Н.

Слышали ли Вы о том, что мадам Ковалевская в Стокгольме (— она происходит от древнего венгерского короля Матвея Корвина) получила самую первую математическую премию Парижской академии, которую та может присудить? Сегодня она считается единственным гением математики. —

1224. An Meta von Salis in Marschlins (Postkarte)

<Turin, 29. Dezember 1888>

Глубокоуважаемая барышня,

окажите мне любезность, пересылайте Kunstwart не мне, а господину профессору доктору Овербеку (Базель, Seevogelstr.). С глубоким почтением, преданный Вам

Н.

1225. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Turin, 30. Dezember 1888

На странице 6 внизу текст следует дополнить следующим образом:

   :я исключаю, по трем причинам, «Зигфрид-идиллию» Вагнера; быть может, также Листа, который превосходит всех музыкантов в благородстве оркестровых акцентов; наконец, все, что выросло по ту сторону Альп — по эту сторону… Я бы [включил] Россини и т. д. и т. д.

1226. An Andreas Heusler in Basel

Torino, via Carlo Alberto 6, III den 30. Dezember 1888

Дорогой Хойслер,

я немедленно даю Вам знак своего доверия, какого я сейчас не хотел бы дать пяти-шести другим. Все глупые истории в моей жизни происходят из Германии: послушайте последнюю! — Мой собственный издатель Э. В. Фрич в Лейпциге, у которого девять моих произведений (среди прочих «Заратустра», первая книга из всех книг, прошу прощения за это выражение) — упомянутый Ф. по случаю «Казуса Вагнера» в редактируемом им самим музыкальном еженедельнике позволил самым гнусным и личным образом высмеять меня. На это я написал ему: «сколько Вы хотите за всю мою литературу? В искреннем презрении Ницше» — Ответ: ок. 11 000 марок: это третья часть валовой стоимости еще имеющихся экземпляров (= 33 000 М). Мой настоящий издатель, господин К. Г. Науман, один из самых почтенных деловых людей Лейпцига и владелец большой типографии, настоятельно советует мне рассматривать неслыханную бестактность Фрича как счастливый случай, так как я таким образом, непосредственно перед моментом, когда я стану «всемирно известным», получу всю свою литературу в свои руки. Ибо я также являюсь единственным владельцем издательства К. Г. Наумана (— 4 произведения на данный момент). Печатается и ведется всё за мой счет; я еще не получил ни сантима гонорара (— фокус, дорогой Хойслер! ибо я — противоположность состоятельного человека, но, к счастью, очень экономен. Я плачу, например, здесь 25 франков за свою комнату в месяц, с обслуживанием — я и не хочу иначе).

Мораль сей басни: мне нужно ок. 14 000 франков. — Принимая во внимание, что мои следующие произведения будут продаваться не тысячами, а десятками тысяч, причем одновременно на французском, английском и немецком языках, я могу без колебаний сейчас занять у Вас названную сумму. У меня в жизни еще не было ни сантима долгов. — О французских переводах моих книг, вместе с соответствующими издательскими договоренностями, заботится один из самых влиятельных и умных людей Франции, главный редактор «Journal des Débats» и «Revue des deux Mondes», г-н Бурдо, который еще вчера написал мне любезнейшее письмо — ибо мне посчастливилось, что мои последователи любят меня. Сначала выйдет: «Crépuscule des idoles». — Связь между нами установлена через г-на Тэна с такой деликатностью, которой я не могу надивиться. — Я слыву, между нами, в Париже самым остроумным существом, которое когда-либо было на земле и, возможно, еще чем-то большим..

Дорогой Хойслер! Остальное — молчание.. Всё между нами!

Фридрих Ницше

— mi sinceri auguri…

(Прилагаю слово обо мне, абсолютно искреннее и без задних мыслей: автор, сейчас безусловно первый музыкант, мой маэстро, учился в Базеле, когда я был там — Петер Гаст (псевдоним Генриха Кёзелица)

— прошу вернуть мне листок, так как у меня его нет в двух экземплярах

1227. An Heinrich Köselitz in Berlin (Entwurf)

<Turin,> Sonntag — Sonntag <30 Dzpar excellence (obwohl es trübe ist —)

Старый друг,

под моим окном играет, совсем как будто я уже princeps Taurinorum, Caesar Caesarum и тому подобное, во всю мощь муниципальный оркестр Турина, например, только что rhapsodie hongroise, я узнаю грандиозное произведение «Клеопатра» Манчинелли. Недавно я проходил мимо моле Антонеллиана, самого гениального сооружения, которое, возможно, было построено, — удивительно, у него до сих пор нет названия, — из абсолютного стремления ввысь, — не напоминает ни о чем, кроме моего Заратустры. Я окрестил его Ecce homo и мысленно окружил его огромным свободным пространством. — Затем я пошел к своему palazzo, теперь palazzo Madama — мадаму к нему мы создадим —: может вполне оставаться таким, как есть, безусловно, самый живописный вид грандиозно задуманного замка — особенно на лестнице. Затем я получил письмо с выражением почтения от моего поэта Августа Стриндберга, подлинного гения, в честь моей «grandiosissime Génealogie de la Morale», с его выражением de sa profonde admiration. Затем я написал в героически-аристофановском духе прокламацию к европейским дворам об уничтожении дома Гогенцоллернов, этой багряной расы идиотов и преступников, правившей более 100 лет, распорядившись при этом троном Франции, а также Эльзасом, сделав Виктора Бонапарта, брата нашей Летиции, императором, и назначив моего выдающегося господина Бурдо, главного редактора Journal de Débats и Revue des deux Mondes, амбассадором при моем дворе, — после этого обедал у своего повара (— не зря же его зовут де ла Паче —) и теперь пишу письмо моему другу и высочайшему совершенному маэстро, чтобы пообещать ему театр, оркестр и всякого рода camera… Также я уже, ради него, написал самую прекрасную страницу о музыке, которая, возможно, когда-либо была написана — и, наконец, не ради него, а скорее ради Кого-то — того, той, того — ради, кто — та — то должен однажды прочитать эту страницу…

Фридрих Ницше
Н.

Я еще присутствовал на похоронах старейшего Антонелли в ноябре этого года. — Он жил ровно до тех пор, пока Ecce homo, книга, не была закончена. — Книга и человек к ней…

Вчера я отправил в типографию свое non plus ultra под названием «Слава и вечность», сочиненное по ту сторону всех семи небес. Оно завершает Ecce homo. — От него умирают, если читают неподготовленными…

При моем дворе будут говорить по-немецки: ибо величайшие произведения ч<елове>ч<ества> написаны по-немецки…

Принимать гимнастику и пастилки Géraudel…

Чтобы не скрывать от Вас свои тайные мысли, я отправляю Вам письмо, которое написал вчера для своего маэстро, господина Пьетро Гасти, — и которое может подождать еще несколько дней… Я завещаю Вам это п<исьмо> для любого использования

Если Вы попросите, Вы получите также прокламацию для J<ournal> des Debats: она достаточна… Triple alliance — но ведь это всего лишь любезность для mésalliance …

1228. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Turin, den 31. Dezember 1888

— Вы тысячу раз правы! Предупредите сами Фукса… Вы найдете в Ecce homo потрясающую страницу о «Тристане», вообще о моем отношении к Вагнеру. W<agner> — безусловно, первое имя, которое встречается в E<cce> h<omo>. — Там, где я не оставляю места сомнениям, я и здесь набрался мужества дойти до крайности.

Ах, друг! какой момент! — Когда пришла ваша открытка, что я тогда сделал… Это был знаменитый Рубикон…

Своего адреса я больше не знаю: предположим, что им в ближайшее время может быть palazzo del Quirinale.

Н.

1229. An August Strindberg in Holte

Turin, den 31. Dezember 1888

Милостивый государь,

Вы вскоре услышите ответ на свою новеллу — он звучит как ружейный выстрел.. Я созвал княжеский съезд в Риме, я хочу расстрелять молодого императора.

До свидания! Ибо мы увидимся снова.. Une seule condition: Divorçons…

Ницше Цезарь

1230. An Ruggero Bonghi in Rom (Entwurf)

<Turin, Ende Dezember 1888>

Я бы придал исключительное значение тому, чтобы быть представленным Вами итальянцам. У меня теперь есть читатели повсюду, сплошь избранные умы — г-н Тэн принадлежит к их числу, проверенные, испытанные на высоких постах и должностях характеры — в Вене, в Санкт-Петербурге, в Стокгольме, в Париже, в Нью-Йорке — у меня их нет в Германии: неудивительно, что никто не слышит меня и в Италии! — Как может народ серьезных людей, первый народ Европы, связываться с этой расой стада par excellence?… Тройственный союз — но ведь это же слово для мезальянса.

Я посылаю Вам какую-нибудь из своих книг. Каждому нужно представление. Я, безусловно, самый сильный дух, который только может быть на земле, — я не волен быть кем-то другим. Через два года у меня в руках будет высшая власть, которую когда-либо имел человек — я хочу заключить «Империю» в железный пояс…

Для перевода «Сумерек идолов» как раз начаты переговоры для Франции (г-н Бурдо, главный редактор, ведет [—]) и для английского переводчика, — книги достаточно, чтобы и для Италии сдать в архив абсурдные вопросы, включая папский.

Я был бы благодарен, если бы Вы представили мое письмо Его Величеству королю Умберто. Нет лучшего друга Италии, чем я. Думаю, мне понадобится Виктор Бонапарт в качестве императора Франции.

1231. An Ruggero Bonghi in Rom (Entwurf)

<Turin, Ende Dezember 1888>

Какое нам, ради всего святого, дело до династического безумия дома Гогенцоллернов!… Это ведь не национальное движение, а всего лишь династическое… Князь Бисмарк никогда не думал о «Рейхе», — он ведь всеми своими инстинктами лишь орудие дома Гогенцоллернов! — и это разжигание эгоизма народов воспринимается и преподносится в Европе как большая политика, почти как долг!… С этим нужно покончить — и я достаточно силен для этого…

Чтобы дать представление обо мне, я прилагаю книгу, которой еще нет в книжной торговле; а также некое суждение обо мне, исходящее от одного исключительно глубокого и серьезного М. Моим искренним желанием было бы, чтобы эту книгу можно было прочесть на итальянском: я как раз веду переговоры с выдающимся редактором Journal des Débats и Revue г-ном Бурдо с целью перевода на французский. — Труды, которые последуют за моими — и которые все полностью готовы — это уже не книги, а судьбы. Но мне необходимо прежде привлечь на свою сторону интеллектуальные нации: ибо, хотя я был так близок к немцам, насколько это возможно — я в 24 года был ординарным университетским профессором, — я не смог склонить ни одного уха этой глупой расы к себе.

1231a. An Ruggero Bonghi in Rom (Entwurf)

<Turin, Ende Dezember 1888>

Я придавал бы исключительную ценность тому, чтобы быть представленным Вами итальянцам. У меня теперь есть читатели повсюду, сплошь избранные л<юди> в Санкт-Петербурге, в Париже, в Копенгагене, в Стокгольме — у меня их нет в «низменной» Германии Европы

xxx см. факсимиле, приложение № 84

М. Тэн принадлежит к их числу — Вы также найдете там Андр. Чтобы дать представление обо мне, я прилагаю книгу, которой еще нет в книжной торговле; точно так же суждение обо мне, исходящее от того, кто занимался мною глубже всех.

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