1887 (191 Briefe)

785. An Emily Fynn in St. Moritz

Nizza (France) pension de Genève 1. Januar 1887.

Hochverehrte Frau,

Ihr liebenswürdiges Erinnerungszeichen, für das ich mich von Herzen bedanke, ist über Naumburg nach Nizza gewandert — wer weiß, durch wie viele Schneelandschaften und Postverzögerungen hindurch! Sie würden jeden Falls dieser Tage von mir Nachricht bekommen haben, und schon früher, wenn nicht in der letzten Zeit sich ein wunderlicher Umstand allem Briefschreiben bei mir entgegengestellt hätte: blaue Finger! Ich habe bisher hier ein Nordzimmer bewohnt, ohne Ofen, gegen einen kalten Garten gelegen — es war eine wirkliche Strapaze, zu der ich aber gute Miene gemacht habe.

Die Kälte war seit dem 14. November gründlich zu spüren, ein beständiges schönes Januar-Wetter, fast ohne Unterbrechung Sonnenschein und reiner Himmel, ganz so, wie ich’s liebe (und nöthig habe!) Es ist mir öfter der Gedanke gekommen, daß eigentlich unser beiderseitiger Geschmack und Bedürfniß auch über Nizza und nicht nur über den Engadin übereinstimmen müßte: vorgesehn, daß man nicht zu früh hierher kommt (wie ich dies Mal gethan habe, Mitte Oktober) und nicht zu spät davongeht. Die Ähnlichkeit der Luft in Hinsicht auf Energie, Trockenheit, anregende Kraft, muß bei Ihnen oben und bei mir hier unten jetzt zum Verwechseln sein. Übrigens bisher kein Stäubchen Schnee; dafür eine Sturmfluth, die zwei Tage lang über die Promenade des Anglais hinweg gieng. Übermorgen ziehe ich in ein andres Quartier und bekomme ein Sonnen-Zimmer. Glücklicherweise nährt man mich ordentlich; ich habe für Mittag wieder meine ausschließliche Milch- und Ei-Diät festgehalten, aber des Abends nehme ich an einer respektablen table d’hôte Theil, an der fast nur Engländer sind. Es war davon die Rede, daß eine Engländerin Ihres Namens, Miss Fynn, von San Remo in mein Hôtel übersiedeln wolle, und man hatte ihr den mir benachbarten Salon zugedacht: dies wäre ein artiges Quidproquo gewesen! Die Gesellschaft hier in Nizza soll diesen Winter besser sein als andre Jahre: so erzählt man mir, denn ich lebe einsiedlerischer noch als sonst. Die Villen stark occupirt, mehr als die Hôtels; viele Equipagen, viel Dienerschaft sichtbar. Der König v. Würt<t>emberg, der russische Thronfolger, auch der regierende Herzog von Sachsen-Gotha sind hier; man hat längere Zeit die russische Kaiserin erwartet (für die Villa Van-Derwies) „Die letzte Saison vor dem Kriege“ — so sagt alle Welt. Ich denke, daß das nächste Jahr auch einiges Gute bringen wird, zum Beispiel für uns ein friedliches Wiedersehn da oben in der Höhe, deren heilkräftige und bewiesene Wirkung Ihrer verehrten Freundin und Ihnen selbst schwer zu ersetzen sein wird. Mit Sils bin ich immer noch einverstanden, nicht mit dem Zimmer daselbst: oder vielmehr, meine Augen verbieten mir es fürderhin. Ich muß ein großes hohes Arbeitszimmer haben, mit den fünf nothwendigen Eigenschaften. Über den Zwischenakt noch nichts entschieden: ich fürchte die Zwischenakte. Vielleicht Venedig, wohin mein armer, durch lauter Demüthigungen stark niedergebeugter Musiker zurückgekehrt ist, der vielleicht meines Zuspruchs bedarf (oder vielmehr meines Glaubens an seine Musik: alle Künstler haben „Gläubige“ nöthig)

Möge uns Allen ein gutes Jahr beschieden sein, mit Geduld und Trost für die Leidenden, mit Tapferkeit und Sonnenschein für Alle! Bitte, sagen Sie Fräulein von Mansouroff meinen ergebensten Gruß und Glückwunsch; insgleichen Frau Bichler; und wenn Sie schreiben sagen Sie auch Ihrer Fräulein Tochter einen herzlichen Gruß.

Ihnen in Verehrung zugethan

Dr Nietzsche

Oh! ich vergaß mich für Ihren ersten Brief zu bedanken, der mir, inmitten von unangenehmen Menschen, so wohl gethan hat! —

786. An Meta von Salis in Zürich

Nice (France) pension de Genève 1 Januar 1887.

Hochgeehrtes Fräulein,

nehmen Sie meinen herzlichen Dank für Brief, Sendung, Gesinnung und Alles, was mir von Ihnen gemeldet und bezeugt wird. Auch dafür, daß Sie dem kleinen albergo in Rapallo Ehre erwiesen haben (vielleicht erzählte ich Ihnen, daß in demselben der erste Theil meines Zarathustra niedergeschrieben wurde, übrigens unter so erbärmlichen Verhältnissen des Leibes und der Seele, daß die Erinnerung daran mir übel macht) Nach meiner Erfahrung aus diesem Herbste muß ich Ihnen, für eine zweite Reise an diese Küste, einen Aufenthalt in Ruta anempfehlen (albergo d’Italia, vortreffliche Zimmer): das ist der kleine Ort auf dem Dach des promontorio, welches bis Portofino vorstößt. Da oben, in bester Luft, giebt es eine Fels- und Waldlandschaft zu erforschen, die wie ein Stück griechischer Archipelagus anmutet. Die einsamste Welt, die ich bisher fand, sehr Zarathustrisch. Leider waren daselbst zwei mißglückte Deutsche meine beständige Fußfessel: so daß mir auch dieser Ort im Gedächtniß etwas vergällt und verekelt ist. — Aus den Worten Ihres Briefs habe ich Eins herausgenommen, das Wort Gegner: habe ich Gegner? Da ist eine Lücke in meinem Bewußtsein; zum Mindesten habe ich noch nicht daran zu leiden gehabt. Das Mißverständniß über mich ist einstweilen zu groß, als daß ich wirkliche Gegner oder auch wirkliche Freunde haben könnte; auch werde ich mich weder darüber beklagen, noch die Geduld verlieren. Gewiß ist, daß mir meine „Freunde“ hundert Mal mehr Noth gemacht haben als irgendwelche Abgeneigtheiten. Auch der Dr. Welti, der mich durch ein liebenswürdiges clair-obscur von Verehrung hindurch sieht, macht es nicht besser, wie mir scheint. —

Daß Schloß Marschlins nicht verkauft ist, hat mich gefreut zu hören: obwohl es mir schwer fallen möchte zu sagen, warum. Man soll sein Altes halten: es hält uns. Eben lese ich „notre monde moderne, qui se fait de plus en plus improvisateur et momentané“. —

Ihnen, hochgeehrtes Fräulein, mich dankbar empfehlend verbleibe ich Ihr

ergebenster

Dr. Friedrich Nietzsche

787. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Nizza> 4. Jan. 1887.

Werthester Herr Verleger,

inzwischen habe ich die Wohnung gewechselt: die genaue Adresse, die dringend nöthig ist, heißt nunmehr: Nice (France) rue des Ponchettes 29 (I étage) Wahrscheinlich wird Ihnen auch Herr Köselitz eine Veränderung seiner Adresse zu melden haben. — Die Schneelawinen, die über Leipzig gefallen sind, scheinen auch der Röderschen Druckerei zugesetzt zu haben? Wenigstens ist seit der Vorrede zur „Morgenröthe“ Nichts mehr bei mir angelangt. Hoffentlich ist kein Malheur passirt, und Alles geht nun im neuen Jahr seinen Gang. Bitte nochmals, die ganze Sache schnell vorwärts zu treiben! Sie haben mir noch nichts darüber geschrieben, ob die Rödersche Druckerei im Stande sein wird, den fünften Theil der fröhl<ichen> Wiss<enschaft> analog den andren Theilen herzustellen, oder ob Teubner eintreten muß.

Hochachtungsvoll Dr. Nietzsche.

788. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 4. Januar 1887>

Lieber Freund, das Geld ist eingetroffen, besten Dank! Seit gestern neue Wohnung (rue des Ponchettes 29 1re ét.) Sonnenlage, absolut nöthig, bei der Strenge des Winters; bisherige Situation für Geist und Leib nicht länger haltbar. Fragezeichen: ob Geld bis zur nächsten Sendung ausreichen wird? Welches wäre ungefähr der Tag des März, wo sie eintreffen könnte? — Gestern rechnete ich 21 Wohnungen nach, die ich in den 7 Wintern in Genua und Nizza bewohnt habe: ebensoviele Strapazen und Degouts in jedem Betracht. Ach die südliche Schmutzerei!! Hier habe ich in den letzten Monaten c. 40 Zimmer angesehn, ohne etwas Passendes zu finden — passend für ein denkendes und reinliches Thier wie ich bin. — Über Teneriffa bin ich gut unterrichtet; es hat einen Haken, neben vielen Vorzügen ersten Ranges — es erschlafft und deprimirt beispiellos, vermöge seiner mit Feuchtigkeit überladenen Luft: darin ist es das gerade Gegenstück von Nizza. Doch giebt es Kranke, auf welche diese Beschaffenheit der Luft kalmirend wirkt (Pau, Pisa, Palermo sind darin verwandt.)

Mit freundschaftlichem Gruße Dein

N.

789. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 9. Januar 1887>

Mein lieber Freund, nun werden Sie wieder in Ihrem alten stillen lieben Neste sein, wo der Vogel so viele schöne Lieder schon gesungen hat. Meine herzlichsten Wünsche sind fortwährend um Sie herum; zuletzt weiß ich Sie lieber in Venedig als hier oder in Genua, weil mir der Degout zu gegenwärtig ist, in welchen Unsereiner geräth, in Gegenden, für die wir nicht „reich genug“ sind. In Venedig hat die Armut etwas Achtbares und zum Ort Stimmendes; in Nizza ist es umgekehrt… (Ich schrieb an Hegar um Ihres Csardás willen: wenn ich ihn beauftragte, meinen Chorgesang an Sie zu adressiren, so geschah es, um ihn zu einigen Zeilen an Sie zu veranlassen — Ob ich mich dabei verrechnet habe, weiß ich nicht. Nur nehme ich ausdrücklich einen ehemals geäußerten Wunsch in Betreff dieses Chors zurück; es liegt mir gar nichts jetzt an ihm) Durch eine Unpünktlichkeit in Leipzig haben sich die letzten Correkturen gekreuzt; ich sandte die Ihrige, sobald sie ankam, gleich wieder an Sie zurück. Zeit großen Schnees, wahrscheinlich lange. Treulich und mit tausend Wünschen Ihr Freund Nietzsche.

Adresse: Nice, rue des Ponchettes 29, 1re étage.

790. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 9. Januar 1887.>

Lieber Freund, meine Karte ist kurz vor dem Eintreffen Deines Briefes abgegangen: für letzteren herzlichen Dank! Hoffentlich verbessert sich Deine Gesundheit unter der guten Pflege, die Du hast; gerade bei Augenleiden scheint mir es am wenigsten gut zu sein, „daß der Mensch allein ist“. Der Winter ist hart, auch hier; statt Schnee haben wir tagelangen Regen; die näheren Berge sind seit längerer Zeit weiß (was in der bunten und farbensatten Landschaft wie eine Koketterie der Natur aussieht —). Zu dieser „Buntheit“ gehören auch meine blauen Finger, nach wie vor; insgleichen meine schwarzen Gedanken. Eben lese ich, mit solcherlei Gedanken, den Commentar des Simplicius zu Epictet: man hat in ihm das ganze philosophische Schema klar vor sich, auf welches sich das Christenthum eingezeichnet hat: so daß dies Buch eines „heidnischen“ Philosophen den denkbar christlichsten Eindruck macht (abgerechnet daß die ganze christliche Affekten-Welt und Pathologie fehlt, „Liebe“, wie Paulus von ihr redet, „Furcht vor Gott“ usw) Die Fälschung alles Thatsächlichen durch Moral steht da in vollster Pracht; erbärmliche Psychologie; der Philosoph auf den „Landpfarrer“ reduzirt. — Und an alledem ist Plato schuld! er bleibt das größte Malheur Europas! —

Dein N.

791. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 15. Januar 1887>

Vergebung, daß ich so spät schreibe und auch nur ein Kärtchen, meine liebe Mutter! Die Gesundheit war immerfort störend und gestört, die Härte des Winters nöthigte zum Umziehn, die Augen wollen nicht mehr, kurz es thut Geduld Noth. Meine Adresse ist nunmehr: Nizza (France), rue des Ponchettes 29 au premier. Nun habe ich wohl ein Sonnenzimmer, aber die Nachwirkung von 2 Monaten Frost und Feuchtigkeit ist noch nicht aus dem Körper und Geiste weg. — Nächstens schreibe ich Dir zum Geburtstage: bei Herrn Kürbitz ersuche ich Dich 30 Mark in Empfang zu nehmen und Dir etwas auszudenken, womit „das alte Geschöpf“ Dir ein Vergnügen machen kann. Auch die Recension des Buchs hat sich wieder gefunden (von jenem Dr. Welti) und soll Dir zugehn: wogegen ich Bedenken habe, Dir das Buch zu schicken, weil es wirklich ganz und gar kein Buch zum Lesen ist; meine gelehrtesten Freunde und Bekannten finden es unverständlich. Es ist eine Verwechslung, wenn etwa Frl. v. Salis glauben sollte, es zu verstehen. (Giebt es gute Nachrichten aus Paraguay? — Hr. Köselitz ist wieder in Venedig.)

In alter Liebe Dein altes Geschöpf.

792. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza> Donnerstag früh <20. Januar 1887>

Meine liebe Mutter, inzwischen wird meine Karte bei Dir eingetroffen sein. Heute nur, nebst dem Dank für Deinen Brief, ein Wort über den Ofen! Ich bin überzeugt, daß er mir noch sehr dienstlich sein wird, nämlich im Engadin, um ein paar Monate länger es daselbst auszuhalten; die viele Herumreiserei wird mir immer mehr zuwider. Deshalb verkaufe ihn nicht, ich bitte Dich! — Vorgestern ist ein Briefchen an Hr. Kürbitz abgegangen, das in Beziehung zum 2. Februar steht. — Gestern Abend langte ein prächtiger Brief des Lama bei mir an, vom 12. November, mit lauter guten Nachrichten. Dr. Förster ist auf der Reise, um 2 Käufe abzuschließen. Ein Besuch hier in Nizza ist mir versprochen, aber erst nach vier Jahren („vielleicht macht uns der Holzhandel nach den argentinischen Ländern, welche überhaupt kein Holz haben, noch ein wenig wohlhäbig“)

Herzlich grüßend Dein
Sohn.

Nice (France) rue des Ponchettes 29 au premier

793. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nice (France) rue des Ponchettes 29 au premier <21. Januar 1887>

Lieber Freund,

es ist mir eine wahre Erleichterung, Sie wieder in Venedig zu wissen. Ihr Brief — oh was er mir wohlthat! Es war mir wie ein Versprechen darin, daß es auch bei mir nun wieder besser gehen solle — besser das heißt heller heiterer südlicher unbekümmerter, hoffentlich auch „unlitterarischer“: denn diese ganze In-Scene-setzung meiner alten Litteratur hat mich greulich malträtirt und „persönlich“ gemacht. Ich tauge nicht für’s „Wiederkäuen“ des Lebens. Jetzt ergötze und erhole ich mich an der kältesten Vernunft-Kritik, bei der man unwillkürlich blaue Finger bekommt (und folglich die Lust verliert, zu schreiben —) Ein Generalangriff auf den gesammten „Causalismus“ der bisherigen Philosophie kommt dabei heraus, auch einiges Schlimmere noch. —

Hätten Sie doch ein Stück Ihrer Oper zur Aufführung gebracht! Man muß, wenn man sich produziren will, das am Meisten Charakteristische, also Fremdeste produziren. Daß Sie dem Levi Ihr Septett vorführten, ist, nach meinem Gefühle, mehr Höflichkeit als etwas Anderes (etwas „Sachse“ — Vergebung, alter Freund!) Das Beste an der Geschichte ist, daß Ihr Septett so aufgenommen wurde, wie Sie schreiben; hätte es gefallen, so hätte ich an eine Verwechslung geglaubt. —

Levi hat mir vom Frühling her den besten Eindruck hinterlassen. Auch was mir von anderer Seite inzwischen aus München gemeldet wurde, bestätigt, daß er eine Art Zusammenhang mit mir (er nennt’s Dankbarkeit) weder verloren hat, noch verlieren will: was übrigens von allen Wagnerianern gilt (ob ich es schon mir nicht recht zu erklären weiß) Man hat mich letzten Herbst in München erwartet „mit fieberhafter Spannung“, wie Seydlitz (jetzt Präsident des Wagner-Vereins) meldete. Im Engadin, beiläufig gesagt, hatte ich als Tischnachbarin die Schwester des Barbier von Bagdad: Sie verstehen diese abgekürzte Redeweise?

Zuletzt — neulich hörte ich zum ersten Male die Einleitung zum Parsifal (nämlich in Monte-Carlo!) Wenn ich Sie wiedersehe, will ich Ihnen genau sagen, was ich da verstand. Abgesehn übrigens von allen unzugehörigen Fragen (wozu solche Musik dienen kann oder etwa dienen soll?) sondern rein ästhetisch gefragt: hat Wagner je Etwas besser gemacht? Die allerhöchste psychologische Bewußtheit und Bestimmtheit in Bezug auf das, was hier gesagt, ausgedrückt, mitgetheilt werden soll, die kürzeste und direkteste Form dafür, jede Nuance des Gefühls bis aufs Epigrammatische gebracht; eine Deutlichkeit der Musik als descriptiver Kunst, bei der man an einen Schild mit erhabener Arbeit denkt; und, zuletzt, ein sublimes und außerordentliches Gefühl, Erlebniß, Ereigniß der Seele im Grunde der Musik, das Wagnern die höchste Ehre macht, eine Synthesis von Zuständen, die vielen Menschen, auch „höheren Menschen“, als unvereinbar gelten werden, von richtender Strenge, von „Höhe“ im erschreckenden Sinne des Worts, von einem Mitwissen und Durchschauen, das eine Seele wie mit Messern durchschneidet — und von Mitleiden mit dem, was da geschaut und gerichtet wird. Dergleichen giebt es bei Dante, sonst nicht. Ob je ein Maler einen so schwermüthigen Blick der Liebe gemalt hat als W<agner> mit den letzten Accenten seines Vorspiels? —

Treulich Ihr Freund Nietzsche

794. An Elisabeth Förster in Asuncion

Nizza, rue des Ponchettes 29 au premier am 26. Januar 1887

Meine liebe Schwester,

Donnerstag Nachmittag, als ich im Spazierengehn gerade an das fremdherrliche Lama dachte und ihm einen Brief zu schreiben beschloß, trat ein unbekannter Herr zu mir und sagte „Madame Gazzola a des lettres pour Monsieur“. Sofort gieng Monsieur zu Madame Gazzola — ah eine gazza ladra schlimmen Angedenkens vom letzten Winter her — und siehe da, es gab einen Brief mit der unverkennbaren Handschrift eines südamerikanischen Lama’s. Allerschönsten Dank! Er kam sehr erwünscht, denn die Cholera-Nachrichten der Zeitungen hatten mich recht auf ein Lebenszeichen von Dir warten machen. Das Beste aber an Deinem guten Briefe ist die in ihm über vier Jahre weg gespannte Hoffnung und Regenbogenbrücke eines Wiedersehens, und zwar hier in Nizza: — was, beiläufig gesagt, selbst auf verwöhnte Südamerikaner nicht ohne Anziehungskraft zu sein scheint, denn wir haben immer Gäste von dort, diesen Winter zum Beispiel die erste Militär-Personnage von Montevideo, eine Zeit lang auch den Präsidenten von Argentinien. Dies Mal gerade, wo Europa sich in einen Schneeberg und Eisbär verwandelt hat, verdient unser Streifen Riviera dreifache Sterne der Auszeichnung: bisher noch kein Stäubchen Schnee; und wenn auch die ferneren Berge um Nizza herum sich weiß gepudert haben, so möchte dies mehr unter die Toilettenkünste dieser südländischen Schönheit und Zauberin gehören als unter ihre Bösartigkeiten (an denen sie übrigens reich ist, comme beauté et comme femme) Wie gut, daß ich nicht in München bin! Seydlitz meldete mir kürzlich von dort eine bis dahin noch gar nicht dagewesene Verdummung bei sich (man hat ihn zum Präsidenten des Wagner-Vereins gemacht —): sicherlich die Consequenz der ewigen betrübten eisigen feuchten Sonnenlosigkeit des deutschen Winters. Rothpletzens sind allesammt nach Teneriffa entschlüpft; Herr Köselitz, nach einer langen resultatlosen Thierquälerei daselbst, die mir große Besorgnisse gab — er schrieb, um sich zu ernähren, zuletzt für die Zeitungen, die Zeile zu 4 Pfennig — hat sich wieder in die Venediger Einsiedelei davongemacht. Aus Rom meldet man (nämlich Malvida ebenso als General Simon) die große allgemeine Schmutzerei in den Gassen — man beneidet mich um das reinliche Nizza. Kurz, jenes philosophische Murmelthier, welches seine Sommer im Engadin verpfeift — denn das Murmelthier pfeift, es hat nichts Besseres von der Musik gelernt — macht dies Mal wieder seinen Winterschlaf in Nizza ab: und es ist Vernunft darin — quod erat demonstrandum. Übrigens sagt man mir, daß ich noch nie so gesund ausgesehn hätte als diesen Winter. Thatsächlich fehlt noch Viel an der wirklichen Gesundheit; ich erinnere mich aber eines ganzen Nachmittags, wo ich mir gesund vorkam, und es ist kein Zweifel, daß ich jeden Winter seit 7 Jahren einen Hops in der Richtung hin gemacht habe, wo die Gesundheit wohnt. Hoffen wir, daß ich sie bei einem längeren Leben schließlich doch noch erwische, sei es auch nur im Greisenalter, als wackeliger alter Weisheits-Greis. Was nämlich meine bisherige „Weisheit“ betrifft, so habe ich sie satt. Inzwischen wurde meine ganze bisherige Litteratur mit Vorreden und neuen Manschetten versehn: vielleicht daß sie dadurch anziehender für Andere geworden ist — für mich ist es damit aus. Wenn es Euch, meine verehrten Hinterwäldler, darnach gelüsten sollte, so wird einmal das Ganze meiner Litteratur, l’œuvre de Frédéric Nietzsche, wie man sich in Frankreich ausdrücken würde, seine Reise über den Ozean machen (in summa 4 starke Bände) Aber wer weiß, wann endlich die sächsische Verleger- und Drucker-Bummelei mit dem œuvre fertig wird! Das Letzte, was zu Stande kam, ist die „Morgenröthe“; die größte Veränderung aber begiebt sich mit der fröhlichen Wissenschaft, welche zuletzt in lauter Lieder und Liederlichkeit ausläuft, unter dem Titel „Lieder des Prinzen Vogelfrei“. — Anbei, nämlich indem ich gezwungen war, meine ganze Büchermensch-Vergangenheit still für mich wiederzukäuen, habe ich constatirt

  1. daß die lieben Deutschen es in fünfzehn Jahren noch nicht zu einer einzigen auch nur mittelmäßig gründlichen und ernsthaften Recension irgend eines meiner 12 Bücher gebracht haben

  2. daß ich selber dies Faktum erst jetzt bemerke, also wahrscheinlich innewendig nicht sehr um die Aufmerksamkeit der lieben Deutschen bemüht gewesen bin — kurz, daß ich’s „verdient“ habe —

  3. daß ich keinen Menschen weiß, der von dem Hintergrunde dieser ganzen Litteratur, von meinem sehr merkwürdigen eigentlichen Schicksale, etwas „wüßte“, oder es mir zu verstehen gegeben hätte, daß er etwas wüßte; ich bin folglich in der Ironie und Menschenverspottung ziemlich avancirt, jetzt bereits so weit, daß ich auf „verehrende Briefe“, wie sie nicht ganz selten eintreffen, nicht mehr antworte — ich rieche die Verwechslung immer fünfhundert Schritt weit.

Genug. Aber ich sage dies, um auch meinerseits das Bedürfniß auszudrücken, einige Wochen nichts zu thun als zu lachen. Also: in vier Jahren, meine liebe Schwester, wird gelacht, dabei bleibt es, ich danke von ganzem Herzen für dies Versprechen.

Inzwischen die treulichsten Wünsche für Eure muthigen Unternehmungen, die fortfahren, mich in Erstaunen zu setzen.

In Liebe
F.

(Adresse für Nizza am sichersten immer: pension de Genève.)

795. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Nizza,> 28. Januar 1887.

Werthester Herr Verleger,

inzwischen war ich sehr beschäftigt und ganz „anderswo“, als in Leipzig mit meinen Gedanken: Vergebung, daß ich mich noch nicht einmal für Ihre letzten gefälligen Mittheilungen bedankt habe. Hiermit möchte ich Ihnen nur meine neue Adresse kundgeben: sie gilt auch nur bis zum Anfang des März.

Nizza (France) rue des Ponchettes 29 au premier

Ihnen und Ihrem Herrn Bruder mich angelegentlich empfehlend Ihr ergebenster

Prof. Dr. F. Nietzsche

Aus Zürich ist mir die Anzeige des Dr. Welti zugesandt worden. —

796. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, France rue des Ponchettes 29 au premier <30. Januar 1887>

So! meine liebe gute Mutter, da soll schnell ein Geburtstags-Briefchen an Dich flügge gemacht werden, daß es zur rechten Zeit bei Dir ist: was mir in diesem Winter, bei der allgemeinen Schnee-Noth in Europa, weniger berechenbar und sicher scheint als sonst. Es freut mich aber, daß Herr Kürbitz wenigstens sicher und berechenbar geblieben ist (— könnte ich dasselbe doch von meinem Leipziger Verleger Fritzsch sagen, der mich seit 4 Wochen in einer geradezu Besorgniß erregenden Weise in Stich läßt! Zuletzt wird es Nichts sein als die alte Sächsische Bummelei und Unpünktlichkeit) Hoffentlich macht das Wetter Dir ein freundliches Gesicht zu Deinem Geburtstage, wie es Alle thun werden, die Dir gratuliren; und hoffentlich kommt auch ein Brief aus Südamerika an, der Dich erfreut. Im Grunde sind wir jetzt Alle recht über die Erde weg verstreut; es ist wenig von gleichen Menschen und Interessen übrig geblieben. Die Idee, daß nahe Verwandte von mir sich in Südamerika mit Holzhandel bereichern wollen, ist so fremd für mich als ihnen meine „Ideen“ sein mögen (über welche sich der beiliegende Dr. Welti im Grunde zu artig und gutmüthig ausdrückt als daß ich seinem Urtheile großen Werth beizulegen vermöchte) Das Leben ist eine ungewisse und gefährliche Sache, jeden Augenblick kann Etwas passiren, das man nicht zu verdauen vermag. Um von mir nicht zu reden: so verdrießt mich jetzt die aussichtslose Lage des Herrn Köselitz aufs Äußerste. Er ist schon zu alt, als daß man ihm zu warten anrathen dürfte; in seinem Alter muß man als Künstler berühmt sein oder berüchtigt (wie es Wagner z. B. war) Das ist anders für Unsereinen, ich meine für uns Philosophen, denen jede Art Ruhm, Aufsehn, Neugierde eher lästig sein muß: denn wir dürsten nicht darnach, mit Jemanden „übereinzustimmen.“ Ein Musiker aber, dessen Musik Niemand mag, und der in seiner Ecke hocken bleibt, ist eine lächerliche Figur, gleich einer Tänzerin, mit der kein Mensch tanzen will, so schön sie sich auch geputzt hat. Daß Herr K<öselitz> ein braver Mensch ist, giebt leider in dieser Hinsicht nicht den geringsten Trost, eher umgekehrt; das Schlimmste ist, daß er sich nicht darauf versteht, andre Künstler für sich einzunehmen.

Das Wetter ist hier über alle Maaßen schön, hell, mild; auch haben wir bisher noch nicht ein Stäubchen Schnee gehabt. Was ich fürchte, das ist, es möchte der Frühling zu früh kommen (nachdem der Winter um einen Monat zu früh gekommen ist —); und die warme Jahreszeit ist allen Nervenleidenden die gefährliche Jahreszeit. —

— Und nun will ich einen Sonntags-spaziergang über die Berge machen und an meine gute Mutter dabei mit vielen herzlichen Wünschen denken. Was man doch allein ist! Dein altes

Geschöpf.

797. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Nizza, 8. Februar 1887

Werthester Herr Fritzsch, haben Sie auch Herrn Köselitz je ein Exemplar der Werke übersendet, an deren Vorreden er mitgeholfen hat? Wir müssen diesem sorgsamsten aller Correktoren uns unter allen Umständen erkenntlich erweisen — zum Mindesten ist es meine Schuldigkeit. — Ich selber erwarte mit Ungeduld das fertige Exemplar der „Morgenröthe“. — Was die sämmtliche<n> Manuscript-stücke betrifft, die zur Ergänzung der „fröhlichen Wissenschaft“ bestimmt waren, so bin ich heute nicht mehr geneigt, sie diesem Zwecke zu opfern. Senden Sie mir dieselben hierher zurück, und sobald als möglich, weil mein hiesiger Aufenthalt seinem Ende entgegen sieht. Ich nehme an, daß noch Nichts davon in die Druckerei gewandert ist. — Vielleicht ist überhaupt die buchhändlerische Neu-Versendung der fröhl<ichen> Wiss<enschaft> noch zu verschieben? Doch das gehört in Ihren Interessen-Kreis, nicht in den meinen. — Meine Adresse, möglichst genau und deutlich zu schreiben, ist einstweilen noch:

Nice (France)

rue des Ponchettes 29 au premier

Ihr ergebenster Dr. Nietzsche

798. An Franz Overbeck in Basel

Nice, 12. Fevr. 87

Lieber Freund,

es hilft nichts, ich werde Dich bitten müssen, mir dies Mal noch vor dem Quartals-Termine Geld zu schicken — 200 frs. etwa, und unter meiner ehemaligen Adresse pension de Genève pet. rue St. Etienne: denn zu dem neuen Hause, in dem ich wohne, fehlt es mir noch an Zutrauen. Der Winter ist streng, auch hier; doch bringt er eine große Menge vollkommen heller Tage mit sich — und ich habe noch kein Mal geheizt. Man sagt mir, daß mein Aussehn besser sei als den letzten Winter, auch daß ich beständig heiter sei: aber das hat man mir mein ganzes Leben gesagt. Die Menschen sind hier vielleicht noch oberflächlicher als anderswo: es versteht sich also, daß auch ich meine „Oberfläche“ habe. — Vielleicht hast Du selbst schon von Herrn Köselitz gehört, daß er inzwischen nach Venedig zurückgekehrt ist. Er preist die Frische und Klarheit der dortigen Luft und fügt hinzu, in seinem letzten Briefe „aria limpida, bei der ich gewiß ein paar Sachen gemacht haben würde, wenn ich im Geschirr geblieben wäre. Aber ich war halbtodt. Mir graut, die Feder zum Niederschreiben in die Hand zu nehmen.“

So habe ich meine Sorge, zumal ich gar nicht mehr absehe, was jetzt noch etwa zu thun ist, um den allgemeinen Widerwillen und Widerspruch, der sich gegen seine Musik geltend macht, zu heben. Levi hat eine Aufführung des Septetts veranstaltet, aber „er habe ein Gesicht dazu geschnitten wie Freund in Zürich“ — „und gewiß hat er mich halb bedauert, halb ausgelacht.“

Es freut mich sehr, daß Du an der Oper solches Wohlgefallen gehabt hast; aber ich muß mir immer noch den Musiker suchen, dem sie gefällt. Köselitz hat die gebildetsten wohlwollendsten und anerkanntesten Musiker gegen sich. Trotzdem: gerade dies giebt mir Zutrauen. Es stünde bedenklicher, wenn es anders stünde… Gesetzt, daß er selbst weniger daran litte, so würde ich ihm beinahe dazu gratuliren: denn es ist das eigentliche Abzeichen des wahrhaft Neuen und Originalen (— daß man die Gebildeten gegen sich hat). Beiläufig: mir ist diese letzten Monate (wo ich mehr als mir lieb war mich genöthigt sah, meine frühere Litteratur zu berücksichtigen) zum Bewußtsein gekommen, daß in fünfzehn Jahren auch nicht eine einzige werthvolle sachlich-tiefe, interessante und interessirte Recension über eins meiner Bücher geschrieben worden ist — und daß ich’s nicht vermißt habe (was das Beste daran ist!) Dagegen will ich keinen Augenblick leugnen, daß ein andres Faktum mir schrecklich weh thut und mir auch beständig gegenwärtig ist: daß in eben diesen fünfzehn Jahren auch nicht Ein Mensch mich „entdeckt“ hat, mich nöthig gehabt hat, mich geliebt hat, und daß ich diese lange erbärmliche schmerzenüberreiche Zeit durchlebt habe, ohne durch eine ächte Liebe getröstet worden zu sein. Mein ganzer „Zarathustra“ ist aus dieser Entbehrung gewachsen — wie unverständlich muß er sein! Welche absurden Erinnerungen habe ich in Hinsicht auf die Wirkung, die er gemacht hat! Er hat erbittert, wenigstens eine gewisse Art von Menschen: dies ist bisher seine einzige tiefere Wirkung gewesen. — Indessen — indessen — ich bin „intelligent“ genug, um auch dies als gutes Zeichen zu nehmen. Zuletzt habe ich keine Zeit, mich sehr um die „Meinung über mich“ zu bekümmern: es giebt eine erschreckliche Menge von Problemen, die auf mich drücken. Und was für Probleme! Wenn ich nur den Muth hätte, Alles zu denken, was ich weiß.. (Dies ist nicht sehr deutlich ausgedrückt, lieber Freund: es ist gut, daß ich in Frankreich lebe, das unwillkürlich zur Deutlichkeit erzieht) Empfiehl mich Deiner lieben Frau und gieb mir bald Nachricht über Deinen Winter, ich meine Deine Gesundheit bei einem solchen Winter.

Dein F. N.

Habe ich Dir von H. Taine geschrieben? Und daß er mich „infiniment suggestif“ findet? Und von Dostoiewsky?

799. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nice (France) rue des Ponchettes 29 au premier den 13. Febr. 1887

Werthester Herr Verleger,

voran Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin meine aufrichtigen Glückwünsche zu dem Ereigniß in Ihrer Familie, das Sie mir heute meldeten. —

Inzwischen werden Sie aus meiner Karte (vom Dienstag) ersehn haben, daß meine Zeit hierselbst zu Ende geht und nicht nur meine Zeit, sondern auch meine Geduld — Oh wenn Sie wüßten, was ich selbst mich Anfang Winters beeifert habe, um das Manuscript zu der versprochnen Zeit in Ihre Hände abliefern zu können!

Wir Beide, werther Herr Fritzsch, sind zwar nahe genug der sächsischen Grenze geboren — damit aber haben wir noch lange kein Recht auf die verdammliche sächsische Bummelei und Unpünktlichkeit, der ich meinerseits Zeitlebens den Krieg gemacht habe. —

Ich dachte inzwischen daran, die eingesandten Manuscript-Stücke zu einer zweiten Auflage von „Jenseits von Gut und Böse“ zu verwenden. Indessen — wenn Sie mir garantiren können, daß der Druck innerhalb 5—6 Wochen zu Ende gebracht werden kann, so soll es bei meiner ersten Absicht bleiben. So lange will ich mich dann hier noch fixieren.

Das Verzeichniß der Stücke, welches Ihr heutiger Brief enthält, ist schwer von mir bloß aus dem Gedächtnisse zu controliren. Zunächst fehlt jedenfalls gerade der Anfang des fünften Buchs (Ich glaube, die Überschrift war: was es mit unsrer Heiterkeit auf sich hat) Insgleichen fehlt das zweite Stück „Inwiefern auch wir noch fromm sind, also 344. Die letzte Nummer des vierten Buchs ist übrigens 342: folglich muß die erste Nummer des fünften Buchs 343 sein (und nicht 345) Auch erkenne ich nicht aus Ihrem Register, ob Sie 371 Wir Furchtlosen richtig auch mit dem später geschickten Nachtrag versehn haben.

Diese hier angedeuteten Veränderungen belieben Sie noch zu machen: dann mag Ihr Register, das ich wieder beilege, Gültigkeit haben.

Aber warum sind nicht wenigstens die Abzüge der Vorrede in meinen Händen? Insgleichen ein fertiges Exemplar der Morgenröthe? —

Der Druckgang der gleiche, wie früher: ein Abzug mit dem Manuscript an Hrn. Köselitz (Venezia, San Canciano calle nuova 5256) zu gleicher Zeit ein Abzug an mich.

Ihr ergebenster Dr. Nietzsche

800. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 13. Febr. 1887.

Lieber Freund,

eben meldet Fritzsch, daß der Druck der fröhlichen Wissenschaft (resp. der verschiedentlichen Nachträge) nunmehr seinen Gang nehmen wird — und somit muß ich Sie wieder, aber hoffentlich für lange zum letzten Male, um Ihre unschätzbare Beihülfe mit Kopf und Augen bitten. Seien Sie nicht böse, lieber Freund, gerade dies Mal geht es nicht ohne Sie. Ich habe nämlich im letzten Oktober so geschwind wie möglich noch ein fünftes Buch zu besagter „Wissenschaft“ hinzu gekritzelt (um dem Ganzen eine Art Gleichwerthigkeit mit der Morgenröthe zu geben, nämlich vom buchbinderischen Standpunkt aus —) und bin jetzt selber einigermaßen neugierig, was ich damals eigentlich geschrieben haben mag. Es ist ganz weg aus meinem Gedächtnisse. Nur weiß ich, daß es einige Noth hatte, meine Ansichten gleichsam zurückzubilden und eine Art Condescendenz zu einem früheren Stand- und Gesichtspunkte des Lebens aufrecht zu erhalten. Nehmen wir an, daß es nicht immer gelungen ist: bitte aber, seien Sie dies Mal mißtrauischer als sonst gegen mich und schreiben Sie mir, unter Umständen, einfach „das und das geht nicht, gefällt mir nicht, warum nicht lieber so und so etc. etc. etc..“

Es giebt eine längere Vorrede, und, zum Schluß, hinter dem fünften Buch, eine Handvoll Lieder: so daß Alles sich schönstens in Liederlichkeit auflöst.

— Herr Fritzsch wird sich gegen Sie zu entschuldigen haben (er ist schrecklich beschäftigt, sogar mit der Verlobung einer Tochter); es versteht sich von selbst, daß Ihnen alle die Werke, an deren Vorreden Sie Ihre „liebe Noth“ gehabt haben, zugehen. —

— Der Zufall hat mir ins Ohr geflüstert, daß Mottl schließlich doch abgelehnt hat und auch von Berlin schon mit großem Bedauern fahren gelassen worden ist. In wie fern das mich gefreut hat, ist schwer auszudrücken: aber ich glaube immer noch, daß dieser Mann Ihre Oper aufführen wird…

Ganz von ferne ist mir die Einsicht aufgegangen, daß wir Beide, in Hinsicht auf Mittel und Wege, diese Oper zur Aufführung zu bringen, uns wie die Kinder benommen haben. Himmel, was wird hier in Frankreich Alles in Scene gesetzt, ehe ein Componist dazu kommt, sein Werk zu hören! Das ist ein rabbiater Kampf von Jahren, mit allen Künsten und Listen des neunzehnten Jahrhunderts. Das wesentlichste der anständigen Mittel (denn die Mehrzahl ist unanständig) ist ein aesthetisches Programm, das Lärm macht. Ein Werk, das nicht eine „Theorie“ hinter sich hat und im Stande ist, Partei zu machen, vor allem Parteien zu beleidigen, kommt nicht mehr an’s Licht der Welt, sei es ein Gemälde, sei es eine Oper. Gehört man (— zufällig… ) zu keiner Partei, so muß man hier à tout prix alle Parteien frondiren — dann geht es, vielleicht…

Dabei fällt mir ein, daß ich sehr dankbar sein würde, wenn Sie mir einen Einblick in Ihre Münchner Recensionen gestatteten. Ich will Einiges daraus lernen, das verspreche ich Ihnen.

— Kennen Sie Dostoiewsky? Außer Stendhal hat Niemand mir so viel Vergnügen und Überraschung gemacht: ein Psychologe, mit dem „ich mich verstehe“. —

Und nun habe ich Ihnen noch nicht einmal für Ihren guten Brief gedankt, und für Ihren Muth, Ihre Tapferkeit, Ihre Treue für Venedig — was mir Alles so gegenwärtig ist und so verehrungswürdig erscheint! Ich bitte Sie von Herzen darum: lassen Sie den Himmel wieder in Ihre Bäume wachsen! Ihr Freund

Nietzsche

801. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Nizza, 18. Februar 1887>

Mein lieber Herr Fritzsch! Der Zufall treibt sein Spiel mit uns — unsre Briefe haben sich wieder gekreuzt! Es bleibt mir Nichts übrig, um bei dem stehen zu bleiben was ich in meinem letzten Briefe Ihnen mittheilte, als das Manuscript zum zweiten Mal Ihnen zuzusenden: mit der herzlich dringlichen Bitte, mich aus dieser monatelangen Marter der Erwartung baldigst zu befreien. Ich habe mit dieser Druckerei-Geschichte meinen ganzen Winter zugesetzt… Zuerst also die Vorrede, dann das fünfte Buch, dann die Lieder des Prinzen Vogelfrei! — Ein einzelnes Blatt, das zum fünften Buch gehört und hier liegen geblieben war, habe ich in aller Eile direkt an Ihre Druckerei geschickt.

Die Adresse des Herrn Köselitz ist:

Venezia (Italia)

San Canciano calle nuova 5256

Ich habe das Manuscript neu numerirt; jenes einzelne Blatt bitte ich nunmehr mit der Nummer 358 zu versehen und an dieser Stelle einzuschieben (die Nummer, die darauf steht, ist falsch)

Dies fünfte Buch der fröhl<ichen> Wissenschaft ist äußerst inhaltsreich und wird, wie mir scheint, die Anziehungskraft des Ganzen bedeutend steigern. Pardon! So soll kein Autor reden —

Ihr ergebenster N.

802. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

Sonnabend. <Nizza, 19. Februar 1887>

Lieber Freund, inzwischen habe ich Fritzsch zur Rede gestellt; in Betreff der Pflicht-Exemplare, die er Ihnen schuldete: aber er antwortet, diese Exemplare seien richtig an Sie nach München abgesandt, aber von dort ihm zurückgeschickt worden — er wisse Nichts von Ihrer Übersiedlung nach Venedig. Darauf habe ich ihm sofort Ihre neue Adresse zukommen lassen. (In nächster Woche soll übrigens auch die Vorrede zur „fröhl<ichen> Wissenschaft“ in unsren Händen sein.)

Nochmals um Entschuldigung bittend

Ihr Freund N.

Hoffentlich auch bei Ihnen herrliches Wetter. Bisher kein Stäubchen Schnee.

803. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 19. Februar 1887>

Sei nicht böse, meine liebe Mutter, daß ich gar nicht schreibe: aber es ist kein Wetter darnach. Blaue Finger; bisher noch nicht geheizt. Sehr harter Winter für mich. Es freut mich sehr, daß Du Dich hübsch gekleidet weißt, man erträgt das Leben noch einmal so gut. Ich selbst bin leider nicht mit mir zufrieden und schleppe die alten häßlichen Sachen aus einem Jahr ins andre. — Wolltest Du mir einen Gefallen thun, so sende das Zeitungsblatt mit dem Artikel des Dr. Welti nach Leipzig an Herrn E. W. Fritzsch, Verlagshandlung, Königstr. 6 — aber ohne etwas hinzuzufügen. Vielleicht dient es dazu, ihm ein wenig Muth zu machen. In herzlicher Liebe Dein altes

Geschöpf.

804. An Franz Overbeck in Basel

<Nizza,> Mittwoch. (23 Feb. 87)

Lieber Freund

heute nur meinen Dank für Deinen Brief und die Geldsendung, die mich sehr beruhigt hat; ich war selten in meinem Leben so sehr am Ende meines „Lateins“. Übrigens bin ich krank, hüstele comme il faut, fröstele: dabei spielt sich der lärmende Carneval von Nizza fast vor meinem Fenster ab ..

Anbei ein Brief des Venediger maëstro, an dem Du, wie ich glaube, Freude haben wirst. Ich war so in Sorge! Aber es dreht sich zum Besseren. Eine kleine Machination, sehr indirekt, welche darauf abzielte, Herrn Hegar in Zürich zu einer Artigkeit gegen ihn zu veranlassen, scheint mir gelungen.

Gesetzt, daß ich diesen Frühling nach Zürich komme und Hegar bereit finde, mir den Mizka-Czàrdas vorzuführen, werde ich nicht versäumen, Dich dazu einzuladen.

Von Dostoiëwsky wußte ich vor wenigen Wochen auch selbst den Namen nicht — ich ungebildeter Mensch, der keine „Journale“ liest! Ein zufälliger Griff in einem Buchladen brachte mir das eben ins Französische übersetzte Werk l’esprit Souterrain unter die Augen (ganz so zufällig ist es mir im 21ten Lebensjahre mit Schopenhauer und im 35ten mit Stendhal gegangen!) Der Instinkt der Verwandtschaft (oder wie soll ich’s nennen?) sprach sofort, meine Freude war außerordentlich: ich muß bis zu meinem Bekanntwerden mit Stendhals Rouge et Noir zurückgehen, um einer gleichen Freude mich zu erinnern. (Es sind zwei Novellen, die erste eigentlich ein Stück Musik, sehr fremder, sehr undeutscher Musik; die zweite ein Geniestreich der Psychologie, eine Art Selbstverhöhnung des γνῶθι σαυτόν). Beiläufig gesagt: diese Griechen haben viel auf dem Gewissen — die Fälscherei war ihr eigentliches Handwerk, die ganze europäische Psychologie krankt an den griechischen Oberflächlichkeiten; und ohne das Bischen Judenthum usw. usw. usw.

Diesen Winter habe ich auch Rénans Origines gelesen, mit viel Bosheit und — wenig Nutzen. Diese ganze Geschichte kleinasiatischer Zustände und sentiments scheint mir auf eine komische Weise in der Luft zu schweben. Zuletzt geht mein Mißtrauen jetzt bis zur Frage, ob Geschichte überhaupt möglich ist? Was will man denn feststellen? — etwas, das im Augenblick des Geschehens selbst nicht „feststand?“ —

Lieber Freund, über das Deutschland, dessen Zeitgenossen wir sind, kein Wort! Ich lese eben Sybels Hauptwerk, in französischer Übersetzung, nachdem ich über die einschlägigen Probleme die Schule von Tocqueville und Taine durchgemacht habe — da finde ich z. B. diesen süperben Gedanken „c’est du régime féodal et non de sa chute, que sont nés l’égoisme, l’avidité, les violences et la cruauté, qui conduisirent aux terreurs des massacres de septembre.“ Ich glaube, das fühlt und weiß sich als „Liberalismus;“ gewiß ist, daß ein solcher zur Schau getragener Haß gegen die ganze Gesellschafts-Ordnung des Mittelalters sich vortrefflich mit der rücksichtsvollsten Behandlung der preußischen Geschichte verträgt. Z. B. in Betreff der Theilung Polens. (Kennst Du Montalembert’s Moines d’Occident? Oder vielmehr: weißt Du etwas Solideres und weniger Parteiisches, als dies Werk, aber mit der gleichen Absicht, die Wohlthaten, welche die europäische Gesellschaft den Klöstern verdankt, in’s Licht zu stellen?)

Dieser Winter thut mir wohl, wie ein Zwischen-Akt und Zurückschauen. Unglaublich! Ich habe in den letzten 15 Jahren eine ganze Litteratur auf die Beine gestellt und sie schließlich mit Vorreden und Zuthaten so weit „fertig gemacht“, daß ich sie als losgelöst von mir betrachte, — daß ich darüber lachen kann, wie ich im Grunde über alles Litteratur-Machen lache. Alles in Allem, so habe ich nur die miserabelsten Jahre meines Lebens dazu verwendet.

Treulich Dein alter Freund
N.
homo illitteratus

805. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 24. Februar 1887>

Lieber Freund, vielleicht sind Sie durch die Nachrichten über unser Erdbeben beunruhigt: hier ein Wort, das Ihnen wenigstens sagen soll, wie es bei mir steht. Die Stadt ist voll zerrütteter Nervensysteme, die Panik in den Hôtels kaum glaublich. Diese Nacht, gegen 2—3 Uhr, habe ich eine Rundtour gemacht und einige mir befreundete Personen besucht, die im Freien, auf Bänken oder in Droschken, der Gefahr vorzubeugen glaubten. Mir selbst geht es gut; noch keinen Augenblick Schrecken — und sogar sehr viel Ironie!

Ihrem Verdacht gegen Fritzsch weiß ich nicht zu entgegnen. Es ist mir nicht klar, wie er jetzt zu mir steht; aber ich bin geneigt, ihm viel zu verzeihen, nachdem er die große Dummheit gemacht hat, meine unmögliche Litteratur auf seine Schultern zu nehmen.

Der Eindruck Ihres letzten Briefs war so, daß ich ein Fest feierte. Alles wendet sich zum Guten; und Unsereiner muß hübsch vom Schicksal geschmort werden, wenn anders wir — schmackhaft werden sollen.

Treulich Ihr N.

806. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza,> Donnerstag morgen <24. Februar 1887>

Meine liebe Mutter, nur ein Wort der Beruhigung, für den Fall, daß die Nachrichten über unser Erdbeben Dich beunruhigt haben. Es ist wahr, daß die Mehrzahl der Fremden den Kopf dabei verloren hat; Dein altes Geschöpf aber nicht. Diese Nacht, gegen 2—3 Uhr, machte ich eine kleine Inspektions-Tour durch die Stadt, ich besuchte namentlich die mir bekannten Hôtels, die zum Theil sehr gelitten haben: ihre Inwohner brachten die scharf kalte Nacht im Freien zu, eingewickelt auf Bänken liegend, oder in Droschken usw. Gegen Abend aß ich in der Pension de Genève, natürlich im Freien: lauter zerrüttete Nervensysteme, mit Ausnahme der alten Pfarrerin, welche, gleich mir, guter Laune war. Für Nizza ist es ein großer Schlag; die Saison ist mit Einem Male zu Ende. — Herzlichsten Dank für Deinen Brief und seine heitere Beigabe! Es giebt Viel jetzt für mich zu thun: entschuldige, wenn ich nur Karten schicke!

Dein altes Geschöpf.

807. An Reinhart von Seydlitz in München

Nizza, Donnerstag den 24. Febr. 87. rue des Ponchettes 29 au premier

Glücklicher Weise, lieber Freund, bewies in Deinem eignen Falle Dein Brief ganz und gar nicht quod erat demonstrandum: sonst aber gebe ich Dir Alles zu, die verhängnißvollen Einwirkungen des bedeckten Himmels, der langen feuchten Kälte, der Nähe von Bajovaren und von bairischem Bier — ich bewundre jeden Künstler, der diesen Feinden die Stirn bietet, gar nicht zu reden von der deutschen Politik, welche nur eine andre Art permanenten Winters und schlechten Wetters ist. Mir scheint Deutschland in den letzten 15 Jahren eine förmliche Schule der Verdummung geworden zu sein. Wasser, Quark und Mist weit und breit: das blödsinnige Lächeln des alten Wilhelm über diesen Wassern schwebend — so sieht sich das aus der Ferne an. Ich bitte tausend Male um Entschuldigung, wenn ich damit Deine edleren Gefühle verletze, aber vor diesem gegenwärtigen Deutschland, so sehr es auch igelmäßig in Waffen starrt, habe ich keinen Respekt mehr. Es repräsentirt die stupideste verkommenste verlogenste Form des „deutschen Geistes“, die es bisher gegeben hat — und was hat dieser „Geist“ sich schon Alles an Geistlosigkeit zugemuthet! Ich vergebe es Niemanden, der mit ihm seinen Compromiß macht, heiße er selbst Richard Wagner, und namentlich nicht, wenn es so schändlich zweideutig und vorsichtig gemacht wird, wie dies der kluge, allzukluge Verherrlicher der „reinen Thorheit“ in seinen letzten Jahren bewerkstelligt hat — —

Hier, in unserm Sonnenlande — was für andre Dinge haben wir im Kopfe! Eben noch hatte Nizza seinen langen internationalen Carneval (mit Spanierinnen im Übergewichte, beiläufig gesagt) und dicht hinter ihm, sechs Stunden nach seiner letzten Girandola, gab es schon wieder neue und seltener erprobte Reize des Daseins. Wir leben nämlich in der interessanten Erwartung zu Grunde zu gehn — Dank einem wohlgemeinten Erdbeben, das nicht nur alle Hunde weit und breit heulen macht. Welches Vergnügen, wenn die alten Häuser über Einem wie Kaffemühlen rasseln! wenn das Tintenfaß selbständig wird! wenn die Straßen sich mit entsetzten halbbekleideten Figuren und zerrütteten Nervensystemen füllen! Diese Nacht machte ich, gegen 2—3 Uhr, comme gaillard, der ich bin, eine Inspektionsrunde in den verschiedenen Theilen der Stadt, um zu sehn, wo die Furcht am größten ist — die Bevölkerung campirt nämlich Tags und Nachts im Freien, es sah hübsch militärisch aus. Und nun gar in den Hôtels! wo Vieles eingestürzt ist und folglich eine vollkommene Panik herrscht. Ich fand alle meine Freunde und Freundinnen, erbärmlich unter grünen Bäumen ausgestreckt, sehr flanelliert, denn es war scharf kalt, und bei jeder kleinen Erschütterung düster an das Ende denkend. Ich zweifle nicht, dies macht der Saison ein plötzliches Ende, alles denkt ans Abreisen (gesetzt, daß man fortkommt und daß die Eisenbahnen nicht zu allererst „abgerissen“ sind) Schon gestern Abend waren die Gäste des Hôtels, wo ich esse, nicht dazu zu bringen, ihre table d’hôte im Innern des Hauses einzunehmen — man aß und trank im Freien; und abgesehn von einer alten sehr frommen Frau, welche überzeugt ist, daß der liebe Gott ihr Nichts zu leide thun darf, war ich der einzige heitere Mensch unter lauter Larven und „fühlenden Brüsten.“

— Eben erwische ich ein Zeitungsblatt, das diese letzte Nacht bei weitem malerischer als Dein Freund vermag Dir zu Gemüthe führen wird. Ich lege es bei, lies es, bitte, Deiner lieben Frau vor und behalte mich in gutem Angedenken!

Treulich
Dein Nietzsche

(Verzeih die Eile und Hastigkeit meiner Schrift, aber der Brief soll mit dem nächsten Zuge fort.)

807a. An Reinhart von Seydlitz in München

<Nizza, 24. Februar 1887>

NB der Verlust an Menschenseelen stellt sich, nach eingetretener Beruhigung, als unerheblich heraus: an der ganzen Riviera ungefähr 1000 Personen. Die ersten Ziffern waren viel höher. F. N.

Auf einem Zeitungsausschnitt, beigelegt dem Brief Ns an Seydlitz vom 24. Februar 1887

808. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 24. Februar 1887.> Donnerstag Morgen.

Lieber Freund, in meinem gestrigen Briefe habe ich dem Ereignisse des Tags zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Ich sende deshalb ein Zeitungsblatt. Auch versteht es sich von selbst, daß ich thue, was ich kann, um etwas Muth und Ruhe zu verbreiten, denn die Panik ist ungeheuer und die Stadt ist voller zerrütteter Nervensysteme. — Diese Nacht habe ich, zwischen 2 und drei 1/2 Uhr, eine Rundtour gemacht, um die mir bekannten Personen aufzusuchen, die alle im Freien, in düsterer Stimmung, übernachteten — wie ich fürchte, sehr zum Nachtheil ihrer Gesundheit, denn die Nacht war kalt. Es gab kleine Erschütterungen, die Hunde heulten, halb Nizza war auf den Füßen. Ich selbst habe vor und nach meiner Inspektionstour gut geschlafen. Das Schlimmste ist, daß damit die Saison plötzlich zu Ende ist. Ich erwarte übrigens noch mehr und bin auf Alles vorbereitet, heiter bis jetzt: das Wetter herrlich. Dir und Deiner lieben Frau einen herzlichen Gruß!

Dein N.

809. An Malwida von Meysenbug in Rom

Nizza, rue des Ponchettes 29 au premier <Ende Februar 1887>

Verehrte Freundin,

— ich hoffe, daß Sie von mir keine Nachrichten über unser Erdbeben erwarten? Ich für meine Person bin dabei nicht „umgefallen“ und habe selbst an jenem Morgen des Schreckens, wo Nizza einem Tollhause glich, mit großer Gemüthsstille in meinem Zimmer gearbeitet (das Haus war sonst verlassen); auch ist es mir passirt, in einem Brief, den ich an jenem Tage schrieb, das Ereigniß des Tages zu vergessen. — Das Erdbeben hat übrigens dem Hause, in welchem der dritte und vierte Theil des Zarathustra niedergeschrieben wurde, so zugesetzt, daß es abgetragen wird. — Vergänglichkeit!…

— Eben langte ein großer Brief meiner Schwester an, der das ausführlichste Bild ihrer jetzigen mühevollen, aber wohlgemuthen Existenz giebt, überdies aber die entscheidende Nachricht von dem glänzend gelungenen Ankauf eines mächtigen Stück Landes bringt — eine lange erwartete Nachricht: das neue Besitzthum zu Coloniezwecken ist größer als manches deutsche Fürstenthum und voll des herrlichsten Hochwaldes: man will nämlich Holzhandel treiben, mit Argentinien, das keine Wälder hat. Wie ferne klingt mir das in den Ohren! Holzhandel! Südamerika! Und dabei wird selbst die antisemitische Propaganda fortgetrieben… Meine Schwester ist gründlich „ausgewandert“, gesetzt daß sie jemals bei mir heimisch gewesen ist: was ich nicht glaube. —

Was machen denn alle die jungen oder weniger jungen Mädchen, mit denen bekannt zu sein ich Ihrer Freundschaft verdanke (lauter kleine verrückte Thiere, unter uns gesagt)? — Daß ich einen „sehr verehrenden“ Brief von Frl. von Salis erhalten habe, theilte ich Ihnen wohl schon mit; dagegen keinen von Frl. Rohr außer einer Empfangsanzeige (ich hatte ihr nämlich mein letztes Buch geschickt und mag sie damit hübsch in Schrecken gesetzt haben) Von Frl. von Schirnhofer „seit Jahren“ keine Nachricht; ein Versuch, etwas über sie durch ihre Freundin Frl. Wildenow in Zürich zu erfahren, mißrieth. Ein Frl. Druscowicz soll sich neuerdings durch ein altkluges Litteraten-Geschwätz an meinem Sohne Zarathustra versündigt haben: es scheint, durch irgend ein Verbrechen habe ich die weiblichen Federkiele gegen meine Brust gerichtet — und so ist’s Recht! Denn, wie meine Freundin Malvida spricht: „ich bin schlimmer noch als Schopenhauer.“

Es scheint wirklich, daß ich in meinen letzten Briefen sei es mit Ihnen, sei es mit mir selber, ganz unerlaubte Scherze getrieben habe: und es ist schön, daß Sie dergleichen nicht krumm nehmen. Im Grunde mache ichs jetzt mit Jedermann so, instinktiv, überdies mit Wohlwollen — ich glaube nicht mehr daran, daß irgend Jemand Etwas von mir, an mir, über mich „begreift“. Fünfzehn Jahr Einsamkeit — was sage ich! Zwei und vierzig Jahre — denn so alt bin ich.

Vielleicht erfüllt sich mein Wunsch, Sie wiederzusehn, verehrte Freundin, endlich! endlich! nämlich im nächsten Winter. Nicht daß ich es versprechen möchte; aber ein Gefühl, daß meine Geduld für Nizza zu Ende geht, macht mich von besseren Orten, besseren Menschen träumen. Bis zum 3. April bleibe ich noch hier.

Es grüßt Sie in alter Verehrung
Ihr
Friedrich Nietzsche.

810. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza den 2. März 1887.

Sehr geehrter Herr Verleger,

Ihren werthen Mittheilungen habe ich eine gewisse Beruhigung über das Schicksal meines letzten Buchs entnommen. Dieses langsam und gleichsam unterirdische Weiterwirken meiner Schriften, von dem Sie reden, gefällt mir bei weitem am meisten; ich sollte sogar jede andre plötzlichere Art von Wirkung im Widerspruch mit meiner Denkungsweise finden, welche vielleicht nichts so entschieden von sich abwehrt als ein „Publikum“ im modernen Sinne. „Kammermusik“, vor Wenigen, aber vor Kennern, vor Verwöhnten —

Meine Photographie würde ich gerne selbst an Frau Röder-Wiederhold schicken: aber — aber es giebt keine Photographien mehr! Mein alter Photograph, der Maler Schultze in Naumburg, hat sein Geschäft aufgegeben, aus Melancholie über seinen Sohn, wie man mir sagt. Die letzte Photographie von mir, die sich bei ihm noch vorfand, ist in den Besitz meiner Mutter übergegangen.

Inzwischen hat Herr Dr. Adams von Neapel aus an mich geschrieben: er will mich hier auf der Rückreise besuchen.

Von unserm Erdbeben werden Sie gelesen haben: die Zeitungen geben ein übertreibendes Bild davon. Ich selbst war durchaus nicht „umgeworfen“ —

Hochachtungsvoll der Ihrige
Prof. Dr. Nietzsche

Die Adresse des Herrn Köselitz ist: Venezia (Italia) San Canciano calle nuova 5256

811. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 4. März 1887>

Meine liebe Mutter, ich denke, es giebt hier Nichts mehr zu besorgen, an kleinen Stößen und Erzitterungen fehlt es nicht, aber das ist billig, — das „Nervensystem“ unsres Erdbodens muß sich erst beruhigen. Die Zeitungsnachrichten waren sehr übertrieben und zum Theil falsch. An der ganzen Riviera sind nicht mehr als 1000 Menschenleben zu beklagen; und wir in Nizza sind relativ am besten weggekommen. — Morgen wird, aus Neapel zurückkehrend, Dr. Adams hier eintreffen, um „seinen Meister“ kennen zu lernen, es ist ein Philologe und Schüler Rohdes, der aber nach Philosophie wie ein Fisch auf dem Trocknen schnappt. Hoffentlich giebt es keine Enttäuschungen: mein Mißtrauen ist groß geworden. Meine alte Mutter, daß Du mir keinen Mißbrauch mit der Welti-Recension treibst! Sie ist ja etwas Jämmerliches; aber nur darum, weil sie beweist, daß man mich immer noch in der Schweiz mit großer Achtung behandelt, habe ich sie Dir geschickt. — Allerschönsten Dank für den Brief des Lama, der endlich ein sehr klares Bild giebt. Aufrichtig, wenn Beide nicht so hoffnungsvolle Phantasten wären, stünde es sehr viel besser; das Lama benimmt sich so brav als möglich, aber Holzhandel! zum Teufel, dazu muß man geboren sein! — Ich bleibe bis zum 3. April.

Dein altes Geschöpf.

812. An Emily Fynn in St. Moritz

Nice (France) rue des Ponchettes 29 <um den 4. März 1887>

Hochverehrte Frau,

indem ich Ihnen meinen allerherzlichsten Dank für eine so warm geäußerte Theilnahme ausdrücken möchte, darf ich nicht verschweigen, daß es eine unverdiente Theilnahme ist: denn so wunderlich es klingen mag, ich bin viel zu gut bei der ganzen Katastrophe weggekommen als daß ich irgend ein Anrecht auf Theilnahme hätte. Die ganze Sache war äußerst interessant —, noch mehr absurd; und nicht weniger oder mehr gefährlich als etwa eine Fahrt mit einem train rapide des Nachts. Die Zeitungen haben schrecklich übertrieben; umgekehrt scheint es mir, daß die wirklich herzzerreißenden Vorgänge, die in den kleinen Küstenorten zwischen Genua und San Remo sich abspielten, viel zu wenig die öffentliche Theilnahme erregt haben. In Nizza lag das Centrum der Bewegung jedenfalls nicht unter der Erde, sondern in den Nerven: man hat hier einen Lärm gemacht, daß ganz Europa sich für unser „Schicksal“ interessiert! Wie viel Briefe bekam ich! Wie viel Aufforderungen zur Flucht! Aber in meinem persönlichen Falle muß ich bekennen, daß ich es nicht einmal zum Schrecken gebracht habe und zum Beispiel an jenem Morgen, wo das ganze Nizza ins Freie stürzte und einem Tollhause glich, in der ungestörtesten Gemüthsruhe auf meinem Zimmer arbeitete; es ist mir passiert, in zwei Briefen, die ich an jenem Tage schrieb, das Ereigniß des Tages zu vergessen!

Sie sehen, wie unwürdig ich Ihres Mitgefühls bin!

— In der ersten Nacht darauf, wo Alles im Freien campirte, schlief ich ruhig bis 2 Uhr zu Hause: da kam ein stärkerer Stoß wieder, die Hunde heulten rings, ich kleidete mich an und machte eine Wanderung durch die verschiedenen Theile Nizzas um zu sehen, zu welchen Thorheiten die Furcht die Menschen treiben kann. Dies war die interessanteste Wanderung, die ich bisher in Nizza gemacht habe: hinterdrein schlief ich so gut als vorher. —

Anbei folgt die einzige objektive Darstellung des Vorgangs, die ich bisher entdecken konnte — gemacht auf dem Cap des Vorgebirgs von Antibes, welches Sie kennen. —

Ich bleibe noch bis zum 3. April hier und hoffe auch noch über die zu erwartenden schlimmen Tage des Monats (März) den 9ten, den 22ten, und 23ten hinwegzukommen. Jener deutsche Gelehrte nämlich, der mit seiner Prophezeiung (von vorigem November) bis auf den Tag Recht bekommen hat, wird, fürchte ich, auch noch für die weiteren Prophezeiungen Recht bekommen. Doch verspricht er schwächere Stöße — Sonne und Mond sind die Bösewichte, welche unsere arme kleine Erde so beunruhigen. —

(Das Haus, in welchem zwei meiner Werke entstanden sind, ist dermaaßen erschüttert und unhaltbar geworden, daß es abgetragen werden muß. Dies hatte den Vortheil für die Nachwelt, daß sie eine Wallfahrtsstätte weniger zu besuchen hat.)

— Sagen Sie, bitte, Ihrer verehrten Freundin, daß ich diesen Winter über die Gemüths-Eigenschaften des russischen Volks viel nachgedacht habe, dank dem eminenten Psychologen Dostoiewsky dem, was Schärfe der Analyse betrifft, selbst das modernste Paris Niemanden zur Seite zu stellen hat. Man lernt die Russen durch ihn lieben — man lernt sie auch fürchten. Das ist ein Volk, das seine Kräfte noch nicht verbraucht hat, wie die meisten europäischen Völker, weder die Kräfte seines Willens noch die seines Herzens. —

Uns Allen bessere Gesundheit wünschend und mir selbst die Fortdauer einer so gütigen Gesinnung — die ihr Licht selbst über philosophische Einsiedler und Höhlenbären leuchten läßt — verbleibe ich Ihnen und Ihrem verehrungswürdigen Kreise treulich zugethan

als Ihr ergebenster Diener

Prof. Dr. Nietzsche.

813. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).

<Nizza, 6. März 1887>

Werther Herr Verleger, endlich, nämlich nach Empfang der letzten Correcturbogen, begreife ich, daß Sie die Vergrößerung der fröhlichen Wissenschaft durch das von mir projektirte „fünfte Buch“ nicht wünschen, also wahrscheinlich irgendwie buchhändlerisch unrathsam finden. Aber warum schreiben Sie mir das nicht einfach? und zur rechten Zeit? Ich kann diese Art Interessen schlecht beurtheilen und bin viel zu wenig dabei betheiligt: was liegt mir daran, ob Etwas von mir heute oder morgen gedruckt wird! Das Einzige, was ich perhorrescire, ist dagegen, durch das monatelange verfluchte Warten um Zeit und gute Laune gebracht zu werden. — Also wir lassen das fünfte Buch, Vorrede und Lieder genügen. (Schade, daß ich mich dieses fünften Buchs wegen hier in diesem Erdbeben-Neste noch bis zum 3. April fest gemiethet habe!) Ergebenst

Ihr Dr. Fr. Nietzsche.

814. An Heinrich Köselitz in Venedig

Montag. <Nizza, 7. März 1887>

Lieber Freund,

soeben empfieng ich, dankbar Ihrer Hülfe eingedenk, die Correktur der „Lieder“ — das ist die letzte Correktur, es freut mich dies Ihnen melden zu können. Mit dem „fünften Buche“, dessen Manuscript seit mehreren Monaten in Fritzschens Händen ist und dessen Drucklegung ich selber zu bezahlen gewillt war, scheint besagter Leipziger wenig einverstanden. Genug, wir lassen es vor der Hand ungedruckt; vielleicht gehört es seinem Tone und Inhalte nach überdies mehr zu Jenseits von G<ut> und B<öse> und dürfte diesem Werke bei einer zweiten Auflage einverleibt werden —, mit mehr Recht, wie mir jetzt scheint als jener fröhl<ichen> Wissenschaft: so daß zuletzt hinter dem Widerstreben des Verlegers ein „höherer Sinn“, ein Stück blauen Himmels von Vernünftigkeit sichtbar wird. Und welcher Verleger dürfte nicht etwas furchtsam sein, nachdem er sich ungeschickter Weise mit meiner Litteratur beschwert hat? Ich habe es noch nicht einmal zu Widersachern gebracht; seit 15 Jahren ist überhaupt über keines meiner Bücher eine tief gemeinte, gründliche, sach- und fachgemäße Recension erschienen — kurz, man muß dem Fritzsch Einiges zu Gute halten. —

In welcher Lage wäre ich, gesetzt, daß die zehn Jahre Philologie und Basel in meinem Leben fehlten! —

Eben ist ein Philologe mit verwandter Vorgeschichte hier bei mir zum Besuche, ein Dr. Adams, aus der Schule Rohde’s und v. Gutschmidts erwachsen und von seinen Lehrern sehr gewürdigt, aber — leidenschaftlich degoutirt und gegen alle Philologie eingenommen. Er flüchtet zu mir, „seinem Meister“ — denn er will sich schlechterdings der Philosophie weihen; und nun überrede ich ihn langsam, langsam, keine Dummheiten zu machen und sich durch keine falschen Vorbilder fortreißen zu lassen. Ich glaube, es gelingt mir, ihn zu „enttäuschen“. — Dabei erfuhr ich, wie selbst im Tübinger Stift meine Schriften heimlich und gierig verschluckt werden; ich gelte dort als einer der „negativsten Geister“. — Dr. Adams ist halb Amerikaner, halb Schwabe. —

Mit Dostoiewsky ist es mir gegangen wie früher mit Stendhal: die zufälligste Berührung, ein Buch, das man in einem Buchladen aufschlägt, Unbekanntschaft bis auf den Namen — und der plötzlich redende Instinkt, hier einem Verwandten begegnet zu sein.

Bis jetzt weiß ich noch wenig über seine Stellung, seinen Ruf, seine Geschichte: er ist 1881 gestorben. In seiner Jugend war er schlimm daran: Krankheit, Armut, bei vornehmer Abkunft; mit 27 Jahren zum Tode verurtheilt, auf dem Schaffot noch begnadigt, dann 4 Jahre Sibirien, in Ketten, inmitten schwerer Verbrecher. Diese Zeit war entscheidend: er entdeckte die Kraft seiner psychologischen Intuition, mehr noch, sein Herz versüßte und vertiefte sich dabei — sein Erinnerungs-Buch an diese Zeit „la maison des morts“ ist eins der „menschlichsten“ Bücher, die es giebt. Was ich zuerst kennen lernte, eben in französischer Übersetzung erschienen, heißt l’esprit souterrain, zwei Novellen enthaltend: die erste eine Art unbekannter Musik, die zweite ein wahrer Geniestreich der Psychologie — ein schreckliches und grausames Stück Verhöhnung des γνῶθι σαυτόν, aber mit einer leichten Kühnheit und Wonne der überlegenen Kraft hingeworfen, daß ich vor Vergnügen dabei ganz berauscht war. Inzwischen habe ich noch, auf Overbeck’s Empfehlung hin, den ich in meinem letzten Briefe befragte, Humiliés et offensés gelesen (das Einzige, was O<verbeck> kannte), mit dem größten Respekt vor dem Künstler Dostoiewsky. Auch merke ich bereits, wie die jüngste Generation von Pariser Romandichtern von dem Einflusse und der Eifersucht auf D<ostojewsky> vollständig tyrannisirt wird (zb. Paul Bourget)

— Ich bleibe bis zum 3. April, hoffentlich ohne noch weitere Bekanntschaft mit dem Erdbeben zu machen: jener Dr. Falb nämlich warnt vor dem 9. März, wo er eine Recrudescenz der Erscheinungen für unsre Gegend erwartet, insgleichen vor dem 22. und 23. März. Bisher bin ich kaltblütig genug dabei geblieben und habe mitten unter tollgewordnen Tausenden mit dem Gefühl der Ironie und der kalten Neugierde gelebt. Aber man kann nicht für sich gut sagen: vielleicht bin ich in wenig Tagen unvernünftiger als irgend Jemand. Das Plötzliche, das imprévu hat seine Reize…

Wie geht es Ihnen? Nein, wie mich Ihr letzter Brief erquickt hat! Sie sind so tapfer!

Treulich Ihr Freund N.

815. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).

Nizza, Montag <7. März 1887>

Nachtrag zur eben abgesandten Correktur der Lieder. Der fünfte Vers des letzten Liedes muß so hergestellt werden:

Sah dich aus dem Wagen springen,

Schneller dich hinabzuschwingen,

Sah dich wie zum Pfeil verkürzt

Senkrecht in die Tiefe stossen, —

Wie ein Goldstrahl durch die Rosen

Erster Morgenröthen stürzt.

F. N.

816. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 10. März 1887>

Lieber Freund, Ihre Karte, mit dem sehr berechtigten Anstoße und Winke, kam zufällig um eine Post später als Ihre Correktur; und da letztere schon an F<ritzsch> abgegangen war, blieb mir Nichts übrig als eine Karte nachzusenden, auf welche ich in aller Geschwindigkeit ein Quidproquo von Vers hingekritzelt habe. — Eben kam ein lustiger Brief von Seydlitz, Präsident des Wagner-Vereins in München, — er citirt die „Bayreuther Blätter für Einseitigkeit und Epigonenthum“ und schildert seine Existenz „unter der Nation mißrathener Knödel und dem ganzen schief aufgegangenen Teige germanischer Rasse“. Er verlangt nach einer Kur, „in Licht, Farbe und Linie“ und ist intelligent genug, um von sich zu sagen „auch der japonisme ist nur Morphium“. „Sonne, Ruhe und vielleicht hier und da einen schönen Menschen“ — das sind seine Wünsche; er nähme selbst ein Erdbeben in den Kauf. Ich selber werde beneidet ob meiner „olympischen Serenität“ — dies gab mir zu denken. Es ist Alles Optik…

Treulich Ihr N.

817. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Nizza> Sonnabend <12. März 1887>

Werther Herr Fritzsch,

Um so besser, wenn es sich nur um ein Mißverständniß handelt! Mißverständnisse lassen sich heben: überdieß sollten Sie wissen, daß ich Ihnen, Alles in Allem, sehr zugethan bin — wenn auch, im Einzelnen, sehr wüthend ..

Somit bleibt es dabei, daß das fünfte Buch gedruckt wird.

Das Mißverständniß war übrigens erklärlich genug: ich erwartete die Druckbogen des fünften Buchs und bekam statt desselben die „Lieder“, mit Seitenzahlen, welche ein fünftes Buch auszuschließen schienen.

Es versteht sich, daß diese Seitenzahlen nunmehr verändert werden müssen: bitte, dies dem Drucker mitzutheilen.

Eine besondre Notiz über dieses fünfte Buch auf dem Titelblatte der fr<öhlichen> Wiss<enschaft> halte ich nicht für nöthig.

In Betreff meiner Pünktlichkeit, insgleichen der des Herrn Köselitz bitte ich keine Zweifel zu haben. Die Correktur der „Vorrede“ habe ich zwei Stunden nach ihrem Empfang selber auf die Post gebracht und an Ihre Adresse abgesandt.

Das Erdbeben soll eine ungeheure Confusion und Überbürdung der Post zur Folge gehabt haben.

(Wir hatten gestern noch ein Nachspiel, ganz entsprechend den Prophezeiungen des Dr. Falb. Jetzt sind uns der 23. und 24. März noch als schlimme Tage angekündigt.)

Ergebenst der Ihre
Dr. Nietzsche.

818. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 22. März 1887>

Meine liebe Mutter, immer noch in Nizza, aber in keiner erfreulichen Stimmung und überdies krank. Den 3. April will ich davon; wahrscheinlich geht es nach Zürich. Es fehlt mir recht an Menschen, bei denen ich mich Etwas erholen könnte. Was ich dieses Herumreisen satt habe! Hier ist es triste geworden; in der Pension de Genève sitzen wir zu 6 Personen zu Tisch (statt 68, die wir vor dem Erdbeben waren). Das vierte Stockwerk bricht man ab: in ihm habe ich 2 meiner Bücher geschrieben. — Wenn ich nur wüßte, warum ich so müde bin! Mein Gedanke ist, eine kleine Kaltwasserkur zu brauchen. Mit Fritzsch giebt es Verdruß und Bedenken, er scheint mir eine Schlafmütze. Herr Köselitz sitzt wieder still und arbeitsam in Venedig: so mag es wieder gehn! Der Brief aus St. Moritz brachte keine guten Nachrichten.

Ein Dr. Adams ist hier angelangt, ein Philologe aus der Schule Rohdes; er will bei mir zum „Philosophen“ werden! Comödie!! —

In alter Liebe Dein altes Geschöpf.

819. An Theodor Fritsch in Leipzig

Nizza, den 23 März 1887

Geehrtester Herr,

Sie erweisen mir in Ihrem eben angelangten Briefe so viel Ehre, daß ich nicht umhin kann, Ihnen noch eine Stelle aus meiner Litteratur zu verrathen, die sich mit den Juden beschäftigt: sei es auch nur, um Ihnen ein doppeltes Recht zu geben, von meinen „schiefen Urtheilen“ zu reden. Lesen Sie, bitte, „Morgenröthe“ p. 194.

Die Juden sind mir, objektiv geredet, interessanter als die Deutschen: ihre Geschichte giebt viel grundsätzlichere Probleme auf. Sympathie und Antipathie bin ich gewohnt bei so ernsten Angelegenheiten aus dem Spiele zu lassen: wie dies zur Zucht und Moralität des wissenschaftlichen Geistes und — schließlich — selbst zu seinem Geschmack gehört.

Ich gestehe übrigens, daß ich mich dem jetzigen „deutschen Geiste“ zu fremd fühle, um seinen einzelnen Idiosynkrasien ohne viel Ungeduld zusehn zu können. Zu diesen rechne ich in Sonderheit den Antisemitismus. Der auf S. 6 Ihres geschätzten Blattes gerühmten „klassischen Litteratur“ dieser Bewegung verdanke ich sogar manche Erheiterung: oh wenn Sie wüßten, was ich im vorigen Frühling über die Bücher jenes ebenso gespreizten als sentimentalen Querkopfs, der Paul de Lagarde heißt, gelacht habe! Es fehlt mir offenbar jener „höchste ethische Standpunkt“, von dem auf jener Seite die Rede ist.

Es bleibt nur übrig, Ihnen für die wohlwollende Voraussetzung zu danken, daß ich nicht „durch irgend eine gesellschaftliche Rücksichtnahme zu meinen schiefen Urtheilen verführt“ bin; und vielleicht dient es zu Ihrer Beruhigung, wenn ich zuletzt noch sage, daß ich unter meinen Freunden keinen Juden habe. Allerdings auch keine Antisemiten.

Giebt mein Leben irgend eine Wahrscheinlichkeit dafür ab, daß ich von irgend welchen Händen „die Schwingen verschneiden lasse“? —

Mit diesem Fragezeichen empfehle ich mich Ihrem ferneren Wohlwollen — und Nachdenken…

Ihr ergebenster

Professor Dr. Nietzsche

Ein Wunsch: geben Sie doch eine Liste deutscher Gelehrter, Künstler, Dichter, Schriftsteller, Schauspieler und Virtuosen von jüdischer Abkunft oder Herkunft heraus! (Es wäre ein werthvoller Beitrag zur Geschichte der deutschen Cultur (auch zu deren Kritik!)

820. An Franz Overbeck in Basel

Nizza, Donnerstag 24. März <1887>

Lieber Freund,

eben erhalte ich Deine Nachrichten, — und in Anbetracht, daß ich Ende nächster Woche von hier fort will (auch fort muß), — so giebt es einen Grund mehr, Dir sofort zu antworten. Ich wünschte schreiben zu können: „auf Wiedersehn!“, aber meine Gesundheit verbietet mir einstweilen Zürich und was damit zusammenhängt: ich bin sonderbar angegriffen, die ganze Zeit über, müde, geistig und leiblich unlustig und zu Nichts nutz, auch gegen Lärm und das ganze kleine Ärgerniß des Lebens so ungeduldig, daß ich mich in Etwas ganz Stilles und Abgezogenes flüchten will: nämlich in einen waldigen und spaziergeherischen Ort am Lago maggiore — Canobbio mit Namen. In der Nähe davon steht ein mir gut empfohlenes Pensionshaus Villa Badia; die Besitzer sind Schweizer. Dorthin habe ich mich für den 4. April angemeldet. Venedig, das um diese Zeit des herankommenden Frühlings die Tradition für sich hat, auch meine ernsthafte Liebe (der einzige Ort auf Erden, den ich liebe) ist mir jedes Jahr schlecht bekommen: der Grund liegt in ganz bestimmten meteorologischen Faktoren, die mir nur zu gut bekannt sind. — Ist es möglich, daß ich etwa am Mittwoch oder Donnerstag nächster Woche die 1000 frs. in den Händen habe? —

Ein Dr. Adams ist, seit einem Monat etwa, hier, ein anscheinend begabter und tüchtiger Philologe aus der Schule Rohde’s und Gutschmidts, aber an aller Philologie leidenschaftlich degoutirt und durchaus entschlossen, sich der Philosophie zu weihen: weshalb er seine Wallfahrt hierher, zu seinem „Meister“, gemacht hat. Vielleicht gelingt es mir, ihn zu enttäuschen und aus der Unklarheit solcher Absichten herauszuziehn: ich führe ihn sanft zur Geschichte der Philosophie hinüber (er hat bisher „de fontibus Diodori“ gearbeitet), — es ist bereits nicht unmöglich, daß er meine im Stich gelassenen Laërtiana wieder aufnimmt! Das Ganze ist übrigens für mich eine Strapaze, die mich an eine frühere Strapaze (Tautenburger Sommer 1882) erinnert; und zuletzt kenne ich die Welt genug, um zu wissen, was in dergleichen Fällen „der Welt Lohn“ ist. — Die „jungen Leute“ sind mir zuwider. —

Anbei ein komisches Faktum, das mir mehr und mehr zum Bewußtsein gebracht wird. Ich habe nachgerade einen „Einfluß“, sehr unterirdisch, wie sich von selbst versteht. Bei allen radikalen Parteien (Socialisten, Nihilisten, Antisemiten, christl<ichen> Orthodoxen, Wagnerianern) genieße ich eines wunderlichen und fast mysteriösen Ansehens. Die extreme Lauterkeit der Atmosphäre, in die ich mich gestellt habe, verführt .. Ich kann meine Freimüthigkeit selbst mißbrauchen, ich kann schimpfen, wie es in meinem letzten Buche geschehn ist — man leidet darunter, man „beschwört“ mich vielleicht, aber man kommt nicht von mir los. In der „antisemitischen Correspondenz“ (die nur privatim versandt wird, nur an „zuverlässige Parteigenossen“) kommt mein Name fast in jeder Nummer vor. Zarathustra „der göttliche Mensch“ hat es den Antisemiten angethan; es giebt eine eigne antisemitische Auslegung davon, die mich sehr hat lachen machen. Beiläufig: ich habe „an zuständiger Stelle“ den Vorschlag gemacht, ein sorgfältiges Verzeichniß der deutschen Gelehrten Künstler Schriftsteller Schauspieler Virtuosen von ganz- oder halbjüdischer Abkunft herzustellen: das gäbe einen guten Beitrag zur Geschichte der deutschen Cultur, auch zu deren Kritik. (Bei dem Allen bleibt, unter uns gesagt, mein Schwager völlig aus dem Spiele; ich verkehre mit ihm sehr höflich, aber fremd, und so selten als möglich. Seine Unternehmung in Paraguay prosperirt übrigens; meine Schwester gleichfalls.)

Gesetzt, daß es mir in Canobbio nicht besser geht, gedenke ich einen Versuch mit einer kleinen Kaltwasserkur in Brestenberg zu machen. Ach, es ist Alles so unsicher und wacklig in meinem Leben; und dabei diese abscheuliche Gesundheit! Die Nöthigung andererseits liegt auf mir mit dem Gewicht von hundert Centnern, einen zusammenhängenden Bau von Gedanken in den nächsten Jahren aufzubauen — und dazu brauche ich fünf sechs Bedingungen, die mir alle noch fehlen und selbst unerreichbar scheinen! — Der vierte Stock der Pension de Genève, in dem der 3. und 4. Theil meines Zarathustra entstanden ist, wird jetzt völlig abgetragen, nachdem ihn das Erdbeben gründlich durcheinandergeschüttelt hat. Diese „Vergänglichkeit“ thut mir wehe. — Der Boden zittert immer noch gelegentlich. — Mit herzlichem Gruß und Wunsch, auch an Deine liebe Frau,

Dein Nietzsche

(Hoffentlich giebt es gute Nachrichten aus Teneriffa?)

Lecky habe ich selbst in Besitz: aber solchen Engländern fehlt „der historische Sinn“ und auch noch einiges Andre. Das Gleiche gilt von dem sehr gelesenen und übersetzten Amerikaner Draper. —

821. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

(Nizza) <27. März 1887>

Werthester Herr Verleger,

gestern (Sonnabend) ist der erste Bogen des 5. Buchs hier angelangt; hoffentlich kommt der zweite noch vor meiner Abreise von hier, welche auf: Sonntag den 3. April festgesetzt ist. Meine nächste Adresse wird diese sein:

Canobbio (Lago maggiore)
Villa Badia
Italia

Herr Köselitz wird von mir über diesen Ortswechsel benachrichtigt. (Haben Sie ihm die drei umsonst nach München gesandten Exemplare an seine Venediger Adresse geschickt? Ich bin ihm sehr dankbar, Niemand hat soviel für das Zustandekommen meiner „Litteratur“ gethan wie er — es scheint ihn gekränkt zu haben, daß die Vorreden nicht in seinen Besitz gekommen sind).

Ihr ergebenster Nietzsche
(sehr augenleidend, — es ist viel zu
hell an dieser Küste)

822. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 27. März 1887>

Lieber Freund, ich bin augenleidend: Vergebung, wenn ich nur mit einem Kärtchen mich bedanke, für Brief und die eben eintreffende Dostoijewsky-Übersetzung. Es freut mich, daß Sie, muthmaaßlich, zuerst dasselbe von ihm gelesen haben wie ich, — „die Wirthin“ (französisch als erster Theil des Romans l’esprit Souterrain) Ich sende Ihnen dagegen „Humiliés et offensés“: die Franzosen übersetzen delikater als der greuliche Jüd Goldschmidt (mit seinem Synagogen-Rhythmus) — Seltsam! Inzwischen habe ich mir eingebildet, daß Sie zu Ihrer Nausicaa zurückgekehrt sind: und ich habe Ihnen schon Glück und Heil dazu gewünscht, im Traume natürlich, — und mir gleichfalls: denn mein Bedürfniß nach einer goldenen gesättigten gereinigten leuchtenden Kunst ist heftig geworden wie ein Durst. —

Es giebt doch noch Druckbogen: helfen Sie, lieber Freund! — Sonntag den 3. April reise ich ab; meine Adresse von da an: Canobbio (Lago maggiore) Villa Badia. Italia.

Treulich Ihr Freund N.

823. An Theodor Fritsch in Leipzig

Nizza, den 29. März 1887 (vor der Abreise)

Sehr geehrter Herr,

hiermit sende ich Ihnen die drei übersandten Nummern Ihres Correspondenz-Blattes zurück, für das Vertrauen dankend, mit dem Sie mir erlaubten, in den Principien-Wirrwarr auf dem Grunde dieser wunderlichen Bewegung einen Blick zu thun. Doch bitte ich darum, mich fürderhin nicht mehr mit diesen Zusendungen zu bedenken: ich fürchte zuletzt für meine Geduld. Glauben Sie mir: dieses abscheuliche Mitredenwollen noioser Dilettanten über den Werth von Menschen und Rassen, diese Unterwerfung unter „Autoritäten“, welche von jedem besonneneren Geiste mit kalter Verachtung abgelehnt werden (z. B. E. Dühring, R. Wagner, Ebrard, Wahrmund, P. de Lagarde — wer von ihnen ist in Fragen der Moral und Historie der unberechtigtste, ungerechteste?), diese beständigen absurden Fälschungen und Zurechtmachungen der vagen Begriffe „germanisch“, „semitisch“, „arisch“, „christlich“, „deutsch“ — das Alles könnte mich auf die Dauer ernsthaft erzürnen und aus dem ironischen Wohlwollen herausbringen, mit dem ich bisher den tugendhaften Velleitäten und Pharisäismen der jetzigen Deutschen zugesehen habe.

— Und zuletzt, was glauben Sie, das ich empfinde, wenn der Name Zarathustra von Antisemiten in den Mund genommen wird?…

Ihr ergebenster
Dr. Fr. Nietzsche

824. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 1. April 1887>

Lieber Freund, Ihre Karte traf eben ein, ich sitze mitten in der Abreise — aber ein aesthetisches Glaubenssätzlein und Fragezeichen muß schnell an Sie fort, zugleich als Antwort für Etwas an Ihrer Karte, das mich fragen macht. Ich bin jetzt so antitheatralisch, antidramatisch; die „Sottise“, von der Sie reden, haftet dem Drama essentiell an. Die Verderbniß der Musik durch die Rücksichten und Conventionen des Dramas wird mir immer sichtbarer, das „Publikum“ erzwingt sich mit ihm immer mehr eine demokratisirte Kunst, es hat, durch R<ichard> W<agner> hindurch, seinen Willen zur Tyrannei bereits in gefährlicher Weise bekundet. (Wie weit mein Mißtrauen geht? Zwei Theater haben hier diesen Winter „Carmen“ vorgeführt, eins französisch, eins italiänisch — und Ihr Freund hat obstinat sich selbst Carmen versagt!) Rückkehr der Musik, aus der Schauspieler-Unnatur, zur Natur der Musik — die zuletzt die idealste Form der modernen Redlichkeit ist!

Treulich Ihr N.

Adresse Cannobbio (Lago Maggiore) Villa Badia.

825. An Malwida von Meysenbug in Rom (Postkarte)

<Nizza, 1. April 1887>

Verehrte Freundin, ich habe mir ernstlich überlegt, ob ich nicht jetzt gleich zu Ihnen nach Rom eilen sollte — was der Wunsch und Ausdruck meines Herzens wäre —; aber die dumme Gesundheit sagt hartnäckig, wie so oft in meinem Leben, zu meinen Wünschen Nein! Ich bedarf kälterer und weniger südlicher Gegenden; Nizza ist mir dies Mal nicht zum Besten bekommen, seine vehemente Lichtfülle zwingt mich jetzt, Schatten zu suchen. Meine Adresse ist für den nächsten Monat Canobbio (Lago Maggiore, Italia) Villa Badia. Geben Sie mir, bitte, Ihre Versailler Adresse, sei es auch nur, um Sie mit einem Briefe daselbst jeder Zeit erreichen zu können… Sie errathen gewiß, daß mir von Menschen fast Nichts übrig geblieben ist (obschon ich nicht alt bin — oder doch?) Die Jahre gehn dahin, und man hört kein Wort mehr, das Einem noch ans Herz kommt. Folglich!! Oh wie gern möchte ich meine treue verehrte Freundin Malvida wieder hören! Dankbar Ihr F. N.

826. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Cannobio den 4. April 1887.

Nächste Adresse:

Zürich (Schweiz)
poste restante

Prof. Dr. Nietzsche.

827. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 4. April 1887> Montag.

Lieber Freund, bitte, adressiren Sie von nun an Alles an mich nach

Zürich, poste restante

Hier, in Cannobio, ist nicht meines Bleibens. Sonne in Überfluß, der Himmel seit 2 Tagen von unvergleichlicher Reinheit.

Meine Augen sagen zu Alle Dem „Nein!“, so sehr meine inwendigen Augen dazu Ja sagen möchten.

Treulich Ihr
Nietzsche.

NB. Der zweite Bogen des 5. Buchs ist noch nicht in meinen Händen.

828. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Cannobio, 12. April 1887>

Meine Adresse ist wieder (bis zu Ende des Monats noch)

Cannobio (Lago Maggiore)
Villa Badia

Gesundheitsgründe. Mit ergebenstem Gruße Ihr

Nietzsche

829. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 12. April 1887>

Lieber Freund, eben kam Ihr nach Zürich gesandter Brief mir zu: er macht mir große Freude, ich gestehe es gern ein — denn ich hörte noch niemals über meine „Litteratur“ so gewählte und glückliche Worte. Sie empfinden, wovon meine sonstigen Leser keine Ahnung haben, „das Ganze“, Sie sehen, daß es ein Ganzes giebt, Etwas, das wächst, zugleich, wie mir scheint, in die Erde hinein (hinab!) und hinaus in den blauen Himmel… Auch bin ich gerade die letzte Zeit gegen Menschl<iches>, Allzum<enschliches> dankbarer und nicht nur duldsamer geworden: in Zeiten des Mißtrauens und der Unsicherheit (ich stecke in solchen) geht mir der besonnene, klare, wohlwollende Klang dieser Schriften besonders zu Herzen. —

Ich bleibe diesen Monat noch hier. Es giebt, seit Ihrem Briefe, einen Grund weniger für mich nach Zürich zu gehn. Adresse genau: Cannobio (Lago maggiore) Villa Badia.

Diese Stelle ist schöner als irgend eine Stelle der Riviera, rührender — wie komme ich so spät zu dieser Einsicht? Das Meer hat wie alle großen Dinge etwas Stupides und Indezentes, das hier fehlt.

Treulich Ihr Freund N.

(Eben langt der Correcturbogen an: danke!)

830. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Arona-Magadino, 12. April 1887>

Dein Brief, meine liebe Mutter, kam spät, nach allen möglichen Zufällen und Abenteuern, in meine Hände, überdies fast zerrissen, so daß die Post ihn mit einer Bandage versehn und versiegelt hatte! so gab er ein trauriges Sinnbild für Deinen eigenen Zustand, der mich herzlich beunruhigt hat. Hoffentlich giebst Du bald bessere Nachricht — und zwar unter dieser Adresse:

Cannobio (Lago maggiore)

Villa Badia

bitte sehr genau, es geht so Viel verloren wegen der Ähnlichkeit der Namen. — Mir selbst geht es noch nicht besser, der trübe Himmel setzt mir sehr zu. Vielleicht mache ich eine kleine Kaltwasserkur im Monat Mai durch. Bis Ende des April denke ich hier auszuhalten

Die Sachen mit Fritzsch rücken langsam vorwärts.

Nächstens schicke ich Dir ein Bild meines jetzigen Aufenthalts. Ehemals war es eine Abtei.

In Liebe Dein altes Geschöpf.

831. An Franz Overbeck in Basel

Cannobio, Villa Badia 14. April 1887.

Lieber Freund,

seit dem 3. April bin ich hier am Lago maggiore, das Geld kam noch zur rechten Zeit in meine Hände, auch war es mir lieb, daß Du nicht Alles schicktest: denn auch heute weiß ich noch nicht genau, wo ich den Sommer verleben werde. Mein altes Sils-Maria muß, wie ich mir ungern eingestehe, ad acta gelegt werden, ebenso wie Nizza: es fehlt mir jetzt an beiden Orten jene erste und wesentlichste Bedingung, die Einsamkeit, die tiefe Ungestörtheit, Abseitigkeit, Fremdheit, ohne welche ich nicht zu meinen Problemen hinunter kann (denn, unter uns gesagt, ich bin in einem geradezu erschrecklichen Sinn ein Mensch der Tiefe; und ohne diese unterirdische Arbeit halte ich das Leben nicht mehr aus) Mein letzter Winter in Nizza ist zur Marter geworden, ebenso wie mein letzter Aufenthalt in Sils: weil mir jene stille Verborgenheit abhanden gekommen ist, welche eine Existenz-Bedingung für mich ist, auch der einzige Weg, es zur Gesundheit zu bringen. Es ist von Jahr zu Jahr wieder schlechter gegangen mit dieser Gesundheit; und sie ist ein zuverlässiger Maaßstab für mich, ob ich auf meinen Wegen bin — oder auf denen Anderer. Die Probleme, die auf mir liegen, denen ich nicht mehr ausweiche (was habe ich alle Ausweichungen büßen müssen! Z. B. meine Philologie) vor denen ich wörtlich bei Tag und Nacht keine Ruhe habe — sie nehmen für jede fehlerhafte Beziehung (zu Menschen, Orten, Büchern) eine grausame Vergeltung. Ich sage das Dir ins Ohr, denn wie dürfte ich voraussetzen, daß die absonderlichen Voraussetzungen meines Schaffens sich von selber verstünden? Es scheint mir, daß ich gegen Menschen zu mild, zu rücksichtsvoll bin, auch werde ich, wo ich nur gelebt habe, alsbald so sehr von Menschen in Anspruch genommen, daß ich mich zuletzt gegen sie nicht mehr zu vertheidigen weiß. Diese Überlegung hindert mich zb. es einmal mit München zu versuchen, wo eine Menge Wohlwollen für mich parat liegt, wo aber Niemand lebt, der Ehrfurcht vor den ersten und wesentlichsten Bedingungen meines Daseins hätte — oder gar Willens wäre, sie mir zu schaffen. Nichts agaçirt die Menschen so sehr als merken zu lassen, daß man sich mit einer Strenge behandelt, der sie sich selber nicht gewachsen fühlen. Es giebt für mich gar nichts Lähmenderes, Entmuthigenderes als hinein in das jetzige Deutschland zu reisen und mir die vielen gutartigen Personen näher anzusehn, welche sich mir „wohlgesinnt“ glauben. Einstweilen fehlt eben alles* Verständniß für mich; und, wenn mich ein Wahrscheinlichkeits-Schluß nicht trügt, so wird es vor 1901 nicht anders werden. Ich glaube, man hielte mich einfach für toll, wenn ich verlauten ließe, was ich von mir selber halte. Es gehört zu meiner „Humanität“, die allgemeine Unklarheit über mich bestehn zu lassen: ich würde meine achtbarsten Freunde gegen mich erbittern und Niemandem damit wohlthun.

Inzwischen habe ich ein tüchtiges Stück Arbeit abgethan, mit der Revision und Neu-Herausgabe meiner älteren Schriften. Gesetzt, es wäre bald mit mir zu Ende — und ich verschweige nicht ein immer tieferes Verlangen nach dem Tode — so bleibt Etwas von mir zurück, ein Stück Cultur, das einstweilen durch kein andres sich ersetzen läßt. (Diesen Winter habe ich mich reichlich in der europäischen Litteratur umgesehn, um jetzt sagen zu können, daß meine philosophische Stellung bei weitem die unabhängigste ist, so sehr ich mich auch als Erbe von mehreren Jahrtausenden fühle: das gegenwärtige Europa hat noch keine Ahnung davon, um welche furchtbaren Entscheidungen mein ganzes Wesen sich dreht, und an welches Rad von Problemen ich gebunden bin — und daß mit mir eine Katastrophe sich vorbereitet, deren Namen ich weiß, aber nicht aussprechen werde.)

Nimm an, lieber Freund, daß ich etwa bis Ende April noch hier bleibe. Wie erreiche ich von hier jenes Brestenberg, wo ich gerne eine Massage-Kur durchmachen möchte (Monat Mai)? Auch Mammern ist mir empfohlen.

Ich lege einen Brief meines Venediger Corrector’s bei, wir sind eifrig beim Druck der fröhl<ichen> Wissenschaft. Aus dem Briefe magst Du auch meine Entschuldigung entnehmen, wenn ich meine Einladung nach Zürich, zum Anhören des Mizka-Czardàs, hiermit zurückziehn muß.

Jedenfalls möchte ich Dich in diesem Frühjahr ein Mal sprechen.

Treulich Dein Freund
N.

Adresse: Cannobio (Lago maggiore) Villa Badia

In der Fremdenliste der Villa Badia von 1885 finde ich: Mademoiselle Maria Overbeck, de Dresde. Herzlichen Gruß an Deine liebe Frau und Dank für die guten Nachrichten aus Teneriffa. Die Reise hierher, sehr winterlich, unterbrochen (wie alle meine Reisen) durch einen heftigen Ausbruch meines Kopfleidens. In Laveno eine entsetzliche eiskalte Nacht mit beständigem Erbrechen. — Vorgestern und gestern Wiederholung des Krankheits-Anfalls. Heute Erleichterung.

832. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

Cannobio (Lago Maggiore) Villa Badia <15. April 1887>

Lieber Freund, das Verschwinden des russischen Romans betrübt mich um Ihretwillen; daß es beim Einpacken nicht an der nöthigen Sorgfalt gefehlt hat, kann mir Dr. Adams bezeugen. Zuletzt liegt ein Vortheil vielleicht auch in diesem Mißgeschick: gewiß ist, daß Sie sich mit viel mehr Vernunft in den Sonnenschein Ariost’s gesetzt haben als ich in diese Petersburger Winter-Dämmerung. — Über Beichtväter-Psychologie giebt es im nächsten Bogen noch ein Wort mehr. — Haben Sie eigentlich bemerkt, daß der Schlußchor vom ersten Bande „Menschl<iches>, Allzum<enschliches>“ („Schön ist’s, mit einander etc“) nach der Melodie eines andren Schlußchors abgesungen werden darf? — Gestern Abend hatte ich eine förmlich verliebte Sehnsucht nach Ihrem Venediger „Löwen“ — und was gieng mir Alles durch den Kopf dabei! Andre Jahre war ich um diese Zeit immer bei Ihnen. Die Glocken Osterns über Venedig wegklingend, die Vormittage in Ihrem Zimmer und Ihrer Musik, die Abendlichtfarben auf der piazza — das war bisher für mich Frühling! Herzlichen Dank!!!!

833. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Cannobio, 15. April 1887>

Sehr geehrter Herr Verleger, es fällt mir ein, daß Sie meine gegenwärtige Adresse nicht haben, und daß ich folglich umsonst auf eine Mittheilung in Betreff der Ostermesse warte. Bis Ende April bleibe ich noch hier, nämlich in

Cannobio (Lago maggiore) Villa Badia

Hoffentlich sind Sie im Stande, mir noch hierher Nachricht zu geben: meinen späteren Aufenthaltsort vermag ich heute schlechterdings noch nicht anzugeben.

Können Sie mir irgend etwas mittheilen, das sich auf den neuen Besitzer meiner ganzen früheren Litteratur, Herrn E. W. Fritzsch, bezieht? Mein Verdacht ist, daß er ein Bummelhans ist: aber ich möchte gern mit diesem Verdachte Unrecht haben! Ihr ergebenster

Nietzsche Prof.

834. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Cannobio, 19. April 1887> Villa Badia, Dienstag.

Wirklich, lieber Freund, meine Karte war ohne alle Hintergedanken, ein reiner Ausdruck der Dankbarkeit gegen Sie und Venedig (Vergebung, wenn das in mir durcheinander gewachsen ist: Frühling, Venedig und Ihre Musik weiß ich nicht mehr auseinander zu halten — wozu auch! ich habs zusammen erlebt!) Nun aber, nach Ihrer Karte, nach Ihrem verführerischen Bilde, mit dem auch größere Asketen zu verlocken wären als ich bin, nun kommen die Hintergedanken: oder vielmehr, ich bin bereits entschlossen, am 1. Mai meine Frühlings-Pilgerschaft zu Ihrer Stadt anzutreten. Vielleicht aber reden Sie es mir noch aus? Vielleicht ist die Stadt überfüllt? Wohnung nur zu extremen Preisen zu haben? (Beiläufig, hat die alte Östreicherin am Canale grande vermiethet?) Dann aber — es ist kein Zweifel, daß mir jetzt eine Erholung, eine Abziehung von mir im höchsten Grade noth thut: ich hatte an eine Kaltwasserkur in der Schweiz gedacht, fürchte mich aber vor den Schweizern noch mehr als vor der Einsamkeit. Ich würde Viel darum geben, mit Ihnen einige aesthetika zu reden, Principielles, wozu mich Ihre eigne Musik immer wieder treibt. („Wir“ entbehren eigentlich aller musikalischen Aesthetik und wissen unsre Werthe, wie wir sie stark genug empfinden, nicht recht mehr zu begründen: bei mir ein wahrer Nothstand!) Die ganze Stellung der Kunst ist mir zum Problem geworden: und, psychologisch geredet, was gieng eigentlich in Ihnen vor, als Sie den Muth zu Ihrem jetzigen Geschmack gewannen? und was in mir, als ich mich Wagnern entfremdete (und vor W<agner> schon der Schumann’schen Musik) Ich will dahinter kommen, warum Ihre „Löwenmusik“ mir in dem Maaße erquicklich, heilkräftig, innig, heiter, verklärt erscheint, wie — nun zum Beispiel wie Goethe’s Löwennovelle (Sie kennen sie doch? es ist der frühste und stärkste Eindruck, den ich von Goethe habe) oder wie Stifters Nachsommer. In dieser Richtung liegt noch eine ganze Welt der Schönheit: und es gäbe kaum ein größeres Leidwesen für mich als zu denken, daß die traurigen Cruditäten der letzten Jahre Sie, lieber Freund, von dieser einmal entdeckten Welt abspänstig machen sollten. Ich segne Venedig, das alte und das neue, weil es nun einmal Ihre Muschel ist: und ich ehre Ihre Conchylien-Abgeschlossenheit zu hoch in meiner Seele, als daß mir nicht immer einiges Mißtrauen kommt, wenn ich eine Reise nach Venedig ins Auge fasse.

Ihren Aufsatz habe ich mit ungeheurem Vergnügen gelesen: er ist, wenn mir dies zu sagen erlaubt ist, in einem Stile geschrieben, der Nietzschischer gar nicht gedacht werden kann. Es giebt so viel Geheimnisse des Rhythmus, der Satz-Cadenzen, von denen meine Leser nichts wissen, meinen Leser ausgenommen!

Eben sendet Fritzsch den vorletzten Bogen des 5. Buchs. Wollen wir das Fertigwerden der fröhl<ichen> Wissenschaft, im Grunde das Fertigwerden meiner ganzen bisherigen „Litteratur“ zusammen feiern? Ich fühle, daß es jetzt einen Abschnitt in meinem Leben giebt — und daß ich nun die ganze große Aufgabe vor mir habe! Vor mir und, noch mehr, auf mir!

Im Übrigen würde ich in Venedig still und abseits, wie ein Englein leben, kein Fleisch essen, und alles vermeiden, was die Seele düster und gespannt macht. Kürzlich noch schrieb ich an Overbeck, daß ich nur einen einzigen Ort auf der Erde liebe, nämlich Venedig.

Bitte, alter Freund, sagen Sie, soll ich kommen? ......

Ihr Nietzsche.

835. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 26. April 1887>

Lieber Freund, Verzeihung! Aber es wird Nichts mit meiner Reise nach V<enedig>. Inzwischen protestirt Alles, voran die Augen und der Kopf: vier Mal in letzter Zeit meine abscheulichen Anfälle; eine abscheuliche Melancholie und Reizbarkeit als Consequenz; ein tiefes Bedürfniß nach Stille… Mir fiel ein, daß ich jetzt nicht werth bin, so schöne Dinge zu sehn (und zu hören!) Verzeihung nochmals! Sie wissen, mit welchem Bedauern ich dergestalt von Ihnen Abschied nehme, nachdem ich im Geiste schon wieder ganz mit Ihnen zusammengewesen war!

Der letzte Bogen bekommt noch mehrfache Zusätze und Veränderungen, sodaß er zu einem Doppelbogen anschwellen dürfte. Dies wird veranlassen, daß er nochmals zu Ihnen wandert. Verzeihung auch dafür! Was für Mühe mache ich Ihnen!

Ich habe diesen Schlußbogen übrigens noch nicht von Fritzsch erhalten. (C. G. Naumann schrieb mir, F<ritzsch> sei vielleicht kein Geschäftsmann, aber ein trefflicher Charakter, ich solle ihn in Ehren halten)

Treulich Ihr Freund N.

Vom „Jenseits“ sind wir 200 Exemplare wirklich los geworden.

836. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Cannobio, 27. April 1887>

Adresse von nun an:

Zürich (Schweiz)
poste restante

Herr Köselitz hat sich bei mir für die Übersendung der Bücher auf das Schönste bedankt: von diesem Danke kommt aber Dreiviertel billigerweise Ihnen zu, werthester Herr Verleger!

Immer bei sehr schlechter Gesundheit

Ihr ergebenster
Nietzsche.

837. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 27. April 1887>

Adresse von nun an:

Zürich (Schweiz) poste restante

Wahrscheinlich geht es nach Brestenberg oder Mammern, wo ich eine Massage-Kur versuchen will; doch erst ein Zwischenakt in Zürich!

Ihrer herzlich gedenkend (meine gestrige Karte wird doch angekommen sein? eine Absage-Karte?)

Ihr Freund N.

838. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Zürich, Pension Neptun Freitag den 29. April 1887

Lieber und werther Herr Fritzsch,

bei abscheulicher Gesundheit in Zürich angelangt; ich weiß noch nicht, wo ich die nächste Zeit zubringe, das hängt von ärztlichen Consultationen ab.

Ich habe den letzten Bogen (der mich noch in Cannobio erreichte) noch mit etlichen Zusätzen und Einschiebungen bereichern müssen, so daß er zum Doppelbogen anschwellen dürfte. Meine Absicht dabei war, ihm noch mehr den Charakter einer Vorbereitung „für Also sprach Zarathustra“ zu geben (welches Werk der Zeit nach auf die fröhl<iche> Wissenschaft folgt) Andererseits wird damit erreicht, daß die fröhl<iche> Wissenschaft nunmehr meinen andren Büchern im Umfange gleich wird, also — ebenso wie die beiden Bände Menschl<iches> Allzumenschliches, wie die Morgenröthe, wie Zarathustra c. 350 Seiten bekommt. (Auch „Jenseits von Gut und Böse“ wird bei der zweiten Auflage auf diese Stärke anwachsen)

Was will ich froh sein, wenn wir erst fertig sind und meine ganze ältere Litteratur damit auf die Beine gestellt ist! Ich betrachte es als einen der besten Glücksfälle meines Lebens, daß wir, Frühling voriges Jahr, so zufällig miteinander in Leipzig zusammengetroffen sind. Sie wissen es, werthester Herr Verleger: ich hatte Grund zu einer tiefen Erbitterung, denn es schien mir als ob meine Bücher in einen Sumpf gerathen seien, aus dem es kein Entrinnen gäbe. Ein solches jahrelanges Mißtrauen, wie ich es gegen meinen frühern Verleger hatte, war eine Tortur, deren Folgen ich jetzt noch bisweilen spüre. —

Geben Sie, bitte, Ihrem Drucker noch den Wink, diesen letzten Theil Text recht sorgfältig zu behandeln. Sobald ich eine feste Adresse habe, melde ich sie Ihnen; aber auch Alles, was hierher kommt (Zürich, Pension Neptun) gelangt in meine Hände und wird mir nachgeschickt.

Mit herzlichem Gruße
Ihr ergebenster
Dr Nietzsche.

NB. Die Correktur dieses letzten Bogens ist natürlich nochmals an Hrn. Köselitz und an mich zu senden, sobald die 8 neuen Nummern eingeschoben sind.

839. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Zürich, 29. April 1887>

Lieber Freund, gestern (Donnerstag) Abend bin ich hier in Zürich angelangt, Pension Neptun: und heute schon begreife ich, daß es absolut unmöglich für mich ist, hier länger zu bleiben — daß ich in die Kühle und in den Schatten flüchten muß. Diese schlaffe weichliche Luft und noch mehr dieser Sonnenschein sind Feinde, mit denen mir jetzt am wenigsten der Kampf erlaubt ist. Nun wäre es mir im höchsten Grade erwünscht, Dich jetzt zu sehn: wäre ich nicht so tief angegriffen (es gab in der letzten Zeit einen Anfall nach dem andern) so würde ich nach Basel kommen. Aber was meinst Du? könntest Du vielleicht morgen (Sonnabend) hier eintreffen und die Nacht bleiben, am Sonntage zurückreisen? (als mein Gast natürlich) Diesen Wunsch lege ich Dir nahe, es wird mir sonst unwahrscheinlich, daß wir uns zu sehen bekommen: sowohl Brestenberg wie Mammern liegen in der für mich zu warmen Zone, deren verhängnißvolle Einwirkung ich vom vorigen Jahre her im Gedächtniß habe (Mai in Naumburg) Treulich und

in Liebe Dein
Nietzsche.

840. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Zürich, 1. Mai 1887>

Meine Lieben,

Lieber Freund, Karte und Correktur, aus Cannobio nachgeschickt, sind hier in Zürich in meine Hände gelangt: es gab mir einen Stich, was Sie zuletzt meldeten, ich darf gar nicht daran denken, worauf ich Verzicht leisten mußte. Selbst gegen Cannobio habe ich einen abscheulichen Tausch gemacht. Luft feucht-weichlich, peinlicher Sonnenglanz, häßliche Menschen. Ich logire in Pension Neptun. — Ihr Gedanke der „Berichtigungen“, auf letzter Seite, ist sehr gut: helfen Sie einen Fehler mehr noch entdecken (ich habe kein Exemplar der fröhl<ichen> Wissenschaft da) Im Anfange des 2. Buches, gegen die Realisten redend, sage ich ungefähr „eine Maske, die man einem unbekannten X aufsetzen und auch wohl wieder abnehmen usw. usw. Da ist das X ausgefallen, wenn ich mich recht erinnere. Wollen Sie eventuell, wenn der allerletzte Correkturbogen kommt, diese Berichtigung in die Liste eintragen? —

Herzlich Ihrer gedenkend und immer noch recht betrübt

Ihr N.

(Männerchor schon in meinen Händen!)

(Herzliches und gescheutes Gespräch über Sie mit Hegar - - -)

841. An Meta von Salis in Zürich (Postkarte)

<Zürich, 1. Mai 1887>

Hochgeehrtes Fräulein, wo und wann werde ich das Vergnügen haben, Sie hier in Zürich begrüßen zu dürfen? Ich selbst bin in der Pension Neptun, meinem gewöhnlichen Standquartier, abgestiegen. Geben Sie mir mit Einem Wort eine gefällige Auskunft.

Ihr ergebenster
Dr. Fr. Nietzsche

842. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Zürich, 4. Mai 1887> Mittwoch.

Lieber Freund, hier in Zürich geht es nicht: sonnig, schwül, lärmend und mesquin, eine beständige Aufforderung zum Tanz der Abreise. Adresse für die nächste Zeit Chur, poste restante: dorthin werden Sie, hoffe ich, den allerletzten Correkturbogen in Kürze absenden können, der, wenn Röder pünktlich ist, nächsten Sonntag oder Montag in Ihren Händen sein dürfte. Mein Recept sollen starke Gebirgsmärsche sein; die Städte taugen jetzt nichts, Kaltwasserkuren sind gefährlich, als bloße Stimulantia. Dagegen empfehle ich die Massage, auch Ihnen, lieber Freund, natürlich zur Selbstbehandlung (eine Schrift zur Anleitung folgt in Kürze). Der Besuch Overbecks hat mich sehr erquickt; der Rest — ist Zürich.

Treulich Ihr Freund N.

843. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Zürich, 4. Mai 1887>

Lieber Freund, Dein Besuch war mir eine wahre Erquickung, ich danke Dir von Herzen dafür. Übrigens bleibt es dabei, daß Zürich zu sonnig und zu unruhig für mich ist: ich verlasse es in den nächsten Tagen. — Bleibtreu giebt mir eine bittre Empfindung: ein Deutschland, in dem das die Unzufriednen sind, ist gewiß nicht meine Heimat und noch viel weniger meine Hoffnung! — Am gleichen Tage las ich einen unzufriednen Franzosen, einen Unabhängigen (denn zu seinem Katholicismus gehört jetzt mehr Unabhängigkeit als zur Freidenkerei): Barbey d’Aurevilly, Œuvres et hommes. Sensations d’histoire. Lies ihn, auf meine Verantwortung: er gehört auf die Lesegesellschaft. (Als romancier ist er mir nicht erträglich.) Danke insgleichen für die Mutter Bertz und die vortrefflichen Zahnbürsten. Adresse vorläufig Chur, poste restante.

Treulich und in Liebe Dein N.

844. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Chur, 10. Mai 1887>

Meine liebe Mutter, endlich wieder ein Lebenszeichen! Es gieng nicht zum Besten, und auch jetzt noch ist Nichts erreicht, was mich muthiger stimmen könnte. Ich war 10 Tage in Zürich: abgesehn von einem Besuche Overbecks habe ich daselbst wenig Gutes erlebt, und der Zustand von Schwäche war ähnlich wie voriges Jahr in Naumburg. Der Frühling ist mir zur Last, für das Engadin ist es noch zu früh: so sitze ich denn in Chur und suche für meine Augen Ruhe in den Wäldern. Meine Adresse ist bis zum 10. Juni: Chur (Schweiz) Rosenhügel. — Sende mir aber Nichts hierher! Wir wollen bis zum Aufbruch in meinen eigentlichen Sommeraufenthalt warten. Dein lieber Brief ist mir aus Cannobio nachgesendet worden; die neuen Nachrichten, die er über unsre Südamerikaner gab, haben mich sehr beruhigt. Daß Herr Lüber-Sonnemann noch nicht Willens ist, Deutschland zu verlassen, war in der antisemitischen Correspondenz zu lesen (als ausdrückliche Erklärung seinerseits) In herzlicher Liebe Dein altes

Geschöpf F.

845. An Malwida von Meysenbug in Rom

den 12. Mai 1887. Adresse: Chur (Schweiz), Rosenhügel — bis zum 10. Juni — nachher: Celerina, Oberengadin.

Hochverehrte Freundin.

Seltsam! Was Sie zuletzt mir mit solcher Güte ausdrückten, ob es nicht für uns Beide jetzt fruchtbar und erquicklich sein müßte, unsre zwei Einsamkeiten wieder einmal in die allernächste herzlichste Nachbarschaft zu rücken, das habe ich selbst oft genug in der letzten Zeit gedacht und gefragt. Noch Einen winter mit Ihnen zusammen, vielleicht gar von Trina gemeinsam gepflegt und gewartet — das ist in der That eine äußerst verlockende Aussicht und Perspektive, für die ich Ihnen nicht genug Dank sagen kann! Am liebsten schon noch einmal in Sorrent (δὶς καὶ τρὶς τὸ καλὸν sagen die Griechen: „alles Gute zwei Mal, drei Mal!“) Oder in Capri — wo ich Ihnen wieder Musik machen will, und bessere als damals! Oder in Amalfi, oder Castellammare. Zuletzt selbst in Rom (obschon mein Mißtrauen gegen römisches Klima und gegen die großen Städte überhaupt auf guten Gründen steht und nicht leicht umzuwerfen ist) Die Einsamkeit mit der einsamsten Natur war bisher mein Labsal, mein Mittel der Genesung: solche Städte des modernen Treibens wie Nizza, wie sogar schon Zürich (von wo ich eben komme) machen mich auf die Dauer reizbar, traurig, ungewiß, verzagt, unproduktiv, krank. Von jenem stillen Aufenthalte da unten habe ich eine Art Sehnsucht und Aberglauben zurückbehalten, wie als ob ich dort, wenn auch nur ein Paar Augenblicke, tiefer aufgeathmet hätte als irgendwo sonst im Leben. Zum Beispiel bei jener allerersten Fahrt in Neapel, die wir zusammen nach dem Posilipp zu machten. — —

Am Ende, Alles erwogen, sind Sie allein mir zu einem solchen Wunsche übrig geblieben: im Übrigen fühle ich mich zu einer Einsamkeit und Burg verurtheilt. Da giebt es keine Wahl mehr. Das, was mich noch leben heißt, eine ungewöhnliche und schwere Aufgabe, heißt mich auch den Menschen aus dem Wege zu gehn und mich an Niemanden mehr anzubinden. Es mag die extreme Lauterkeit sein, in die mich eben jene Aufgabe gestellt hat, daß ich nachgerade „die Menschen“ nicht mehr riechen kann, am wenigsten die „jungen Leute“, von denen ich gar nicht selten heimgesucht werde (— oh, sie sind zudringlich-täppisch, ganz wie junge Hunde!)

Damals, in der Sorrentiner Einsamkeit, waren mir B<renner> und R<ée> zu viel: ich bilde mir ein, daß ich damals gegen Sie sehr schweigsam gewesen bin, selbst über Dinge, über die ich zu Niemandem lieber geredet hätte als zu Ihnen.

Auf meinem Tische liegt die neue Auflage (die zweibändige) von Menschliches, Allzumenschliches, deren erster Theil damals ausgearbeitet wurde — seltsam! seltsam! gerade in Ihrer verehrungswürdigen Nähe! In den langen „Vorreden“, welche ich für die Neuherausgabe meiner sämmtlichen Schriften nöthig befunden habe, stehen kuriose Dinge von einer rücksichtslosen Aufrichtigkeit in Bezug auf mich selbst: damit halte ich mir „die Vielen“ ein für alle Mal vom Leibe, denn nichts agaçirt die Menschen so sehr als etwas von der Strenge und Härte merken zu lassen, mit der man sich selbst, unter der Zucht seines eigensten Ideals, behandelt und behandelt hat. Dafür habe ich meine Angel nach „den Wenigen“ ausgeworfen, zuletzt auch dies ohne Ungeduld: denn es liegt in der unbeschreiblichen Fremdheit und Gefährlichkeit meiner Gedanken, daß erst sehr spät — und gewiß nicht vor 1901 — die Ohren sich für diese Gedanken aufschließen werden.

Nach Versailles zu kommen — ach wäre es nur irgendwie mir möglich! Denn ich verehre den Kreis Menschen, den Sie dort vorfinden (sonderbares Bekenntniß für einen Deutschen: aber ich fühle mich im heutigen Europa nur den geistigsten Franzosen und Russen verwandt, und ganz und gar nicht meinen gebildeten Landsleuten, die alle Dinge nach dem Princip „Deutschland, Deutschland über Alles“ beurtheilen) Aber ich muß wieder in die kalte Luft des Engadins: der Frühling setzt mir unglaublich zu: ich mag gar nicht eingestehn, bis in welche Abgründe von Muthlosigkeit ich mich unter seinem Einflusse verirre. Mein Leib fühlt sich (wie übrigens auch meine Philosophie) auf die Kälte als sein conservirendes Element angewiesen — das klingt paradox und ungemüthlich, ist aber die bewiesenste Thatsache meines Lebens.

— Damit verräth sich zuletzt keineswegs eine „kalte Natur“: das verstehen Sie gewiß, meine hochverehrte und treue Freundin!…

In alter Liebe und Dankbarkeit Ihr

Nietzsche.

Frl. Salomé hat mir gleichfalls die Verlobung mitgetheilt; aber auch ich habe ihr nicht geantwortet, so aufrichtig ich ihr Glück und Gedeihen wünsche. Dieser Art Mensch, der die Ehrfurcht fehlt, muß man aus dem Wege gehn. Wer Dr. Andreas ist, weiß Niemand mir zu sagen. —

In Zürich habe ich das vortreffliche Fräulein von Schirnhofer aufgesucht, eben von Paris zurückkehrend, über ihre Zukunft, Absicht, Aussicht ungewiß, aber, gleich mir, für Dostoiewsky schwärmend.

846. An Erwin Rohde in Heidelberg

Chur (Graubünden) Rosenhügel den 18. Mai 1887

Lieber Freund,

diesen Winter hat mir in Nizza ein junger Gelehrter, der Dir bekannt ist, seinen Besuch gemacht, ein Dr. Heinrich Adams. Er gefiel mir nicht zum Besten, aber in Hinsicht darauf, daß er von Dir mit großer Anhänglichkeit und Verehrung redete, ist er von mir so gut als möglich aufgenommen worden. Seinem ungestümen und wenig begründeten Verlangen, sich der Philosophie zu widmen, bin ich, wie sich von selbst versteht, mit allem möglichen Mißtrauen entgegengetreten; so viel scheint mir wenigstens erreicht, daß er jetzt guten Willen hat, sich ernstlich auf das Studium der Geschichte der antiken Philosophie zu werfen: vielleicht mit der Aussicht auf eine spätere Lehrthätigkeit an einer Universität.

Nun schreibt er heute von Zürich (Seilergraben 29, 2) und erbittet sich von mir eine Auskunft, die er billigerweise sich von Dir direkt holen sollte: nämlich ob Du für ihn nicht eine kleine Stellung an einer Bibliothek ausfindig machen könntest. Ich würde großen Werth darauf legen, daß er etwas unter Deinen Augen und unter Deiner Kritik und Disciplin lebte, denn es ist ein unsicherer Mensch, in dem Selbstüberhebung und Selbstverachtung in bedenklicher Weise abwechseln: so daß es nicht ohne Gefahr wäre, wenn er sich selbst überlassen bliebe.

Ich selbst — denn Du wirst fragen, warum ich mir nicht selber diese Last auflade? — ich mache mir aus den „jungen Leuten“ nichts und habe außerdem Erfahrung genug, um zu zweifeln, ob ich ihnen wirklich zu Nutze bin. Meine Erholung sind die alten Männer, solche wie J<acob> Burckhardt oder H<ippolyte> Taine: — und selbst mein Freund Rohde ist mir lange nicht alt genug… Aber „einst wird kommen der Tag“ usw.

Mit einem herzlichen Gruße
Dein
Nietzsche

847. An Franz Overbeck in Basel

Chur, Rosenhügel 13. Mai 1887.

Lieber Freund,

bis jetzt giebt es nichts Gutes zu vermelden, meine Versuche unterwegs sind allesammt mißrathen; ich habe mich hier, einen Sprung weit von Chur, im Hause eines Lehrers festgesetzt und warte die Zeit ab, wo man ins Engadin abreisen kann, ohne daselbst zu erfrieren. Jedenfalls warte ich den 10. Juni ab. Trübes feuchtes Wetter, gelegentlich sogar Wintertage; eine entsprechende Trübsal bei mir, Muthlosigkeit, Fragezeichen ohne Antworten, keine „Wünsche“ selbst, nirgends etwas Erfreuliches am Horizonte, weder Mensch, noch Buch, noch Musik, alle animalischen Funktionen gedrückt, die Augen beständig schmerzhaft, das Spazierengehn eine Last, insofern ich eigentlich zu müde dazu bin, aber nichts anderes „zu thun“ habe. Ebenso stand es voriges Jahr in Naumburg, ebenso die früheren Jahre in Venedig: es scheint, daß der Frühling mein Feind ist? Leider auch der Herbst; und wahrscheinlich würde es auch der Sommer sein, wenn ich ihn mir nicht zu einem räsonabeln Winter umgeschaffen hätte (denn der Durchschnittsgrad des Engadiner Sommers, 10 Grad Celsius, entspricht dem Januar in Nizza)

Unser Zusammensein in Zürich war das gute Erlebniß der ganzen letzten Monate: ich sage Dir nochmals meinen besten Dank dafür. Gestern habe ich an Rohde in Angelegenheiten des Dr. Adams geschrieben: letzterer wünscht irgendwo eine kleine Stellung und Beschäftigung an einer Bibliothek. Gesetzt, daß Du selbst etwas dergleichen weißt, so habe die Güte, es mir gelegentlich mitzutheilen. — Natürlich hatte der genannte „junge Mann“, als ich ihn am Tage vor meiner Abreise gerade noch erwischte, ganz und gar kein Geld (ich sagte Dir, daß er mir etwas schuldig ist)

Die „jungen Leute“ sind mir zur Last, in Sonderheit, wenn sie als Verehrer meiner Litteratur zu mir kommen. Denn es liegt auf der Hand, daß das keine Litteratur für „junge Leute“ ist. — Beiläufig: der Druck bei Fritzsch stockt wieder, Gründe nicht klar; aber ich bin zum Mißtrauen jetzt leider zu gut präparirt. —

Ich lege eine „Recension“ meines letzten Buches bei, die, ganz ausnahmsweise, dies Mal in meine Hände gelangt ist. (Meine Verleger haben im Allgemeinen die Weisung, mich mit dergleichen zu verschonen) „Nord und Süd“: ist das nicht das Blatt des Paul Lindau? — Was mir immer an deutschen Bücher-Anzeigen auffällt, ist die Stumpfheit des Blicks für das eigentlich Charakteristische und „In die Augen-Springende“ eines Buchs. Dieser Recensent z. B. ist ersichtlich beim Lesen in Zweifel darüber gewesen, ob es sich nicht am Ende um eine „witzige Persiflage“ handelt: während Taine, wie es sich von selbst versteht, zu allererst an meinem Buche das „Tief-Leidenschaftliche“ empfand. —

Ich lege auch noch ein andres Aktenstück bei: die „Proklamation“ meines Schwagers in Sachen Paraguays. Es scheint in der That, daß meine Angehörigen sehr stolz und glücklich über ihre nunmehr vollendete Besitzergreifung sind: das Land, groß wie ein kleines Fürstenthum (12 Quadrat-Meilen) enthält herrlichen Hochwald, und alle Arten edlen Nutzholzes: man ist auf Holzhandel mit dem holzarmen Argentinien angewiesen und hat dazu eine Wasserstraße. Bis jetzt ist Alles sehr gut gegangen, von Seiten der dortigen Regierung ist der Dr. Förster in aller Weise ausgezeichnet worden, und meine Schwester hat viel zu thun gehabt, weil ihr Haus eine Art Rendez-vous der Sozietät von Parag<uay> geworden war, wo man spanisch, englisch, deutsch, französisch redete und selten unter 14 Personen zu Tische saß. Die neueste Acquisition ist ein deutscher Bäcker und ein deutscher Fleischer, insgleichen ein sehr zu schätzender deutscher Arzt.

Zuletzt sende ich Dir auch noch den „Bleibtreu“ zurück, dem ich nicht einen Augenblick treu bleiben möchte: ich kann durchaus nicht ersehen, daß seine Prätensionen auf wirkliche Qualitäten gegründet sind: so sehr ich auch gewohnt bin, bei „jungen Leuten“ mich nicht ohne Weiteres durch die Prätension als solche schon abschrecken zu lassen. Für einen Menschen, der für nichts als für „Litteratur“ Sinn und Auge hat, schreibt dieser Bl<eibtreu> wie ein Schwein inmitten des allergewöhnlichsten Zeitungs-Düngers, vollkommen stumpf gegen alle nuances der Worte; sein Zorn überredet nicht, sein Witz geht nicht über das hinaus, was man „Geschnotter“ nennt — und gar sein Hintergrund von Philosophie! Selbst keine Aesthetik! Byron und Skott im jetzigen Deutschland! Damit verträglich die Verehrung Zola’s! Und welche psychologische Armseligkeit, zb. in dem kurzen Abweise, mit dem er das letzte Werk Dostojewsky’s bedenkt! (Gerade daß die höchste psychologische Mikroscopie und Feinsichtigkeit noch ganz und gar nichts zum Werthe eines Menschen hinzuthut, das ist ja eben das Problem D<ostojewsky>’s, das ihn am meisten interessirt: wahrscheinlich weil er es in russischen Verhältnissen zu oft aus der Nähe erlebt hat! (Ich empfehle dafür übrigens das zuletzt ins Französische übersetzte kleine Werk D<ostojewsk>)’s „l’esprit souterrain“ dessen zweiter Theil jenes sehr thatsächliche Paradoxon auf eine beinahe fürchterliche Weise illustrirt). —

Adieu, mein lieber Freund! Und die herzlichsten Grüße an Deine Frau!

Treulich
Dein Nietzsche.

NB. Ich mache eine kleine Kur mit Karlsbader Salz frühmorgens (— wovor hat man sich da diätetisch in Acht zu nehmen? Ich denke vor Saurem, vor Butter, Obst usw?)

848. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Chur, 17. Mai 1887>

Werthester Herr Verleger, meine Adresse bleibt noch bis zum 10ten Juni:

Chur (Schweiz) Rosenhügel

Den vorletzten Correkturbogen (20) habe ich Montag den 9. Mai an Sie abgeschickt; es beunruhigt mich einigermaßen, daß bis jetzt (Dienstag den 17 Mai) der letzte (21) noch nicht in meinen Händen ist.

Hoffentlich ist Nichts verloren gegangen? —

Mit ergebenstem Gruße
der Ihrige
Prof Dr Nietzsche.

849. An Erwin Rohde in Heidelberg

Chur, den 19. Mai 1887.

Nein, mein alter Freund Rohde, ich erlaube Niemanden über Ms. Taine so respektwidrig zu reden, wie Dein Brief es thut — und Dir am wenigsten, weil es wider allen Anstand geht, Jemanden so zu behandeln, von dem Du weißt, daß ich ihn hochhalte. Magst Du, wenn es Dir gefällt, von mir selber nach Herzenslust und Gewohnheit Unsinn reden — das liegt in der natura rerum, ich habe mich nie darüber beklagt, noch es je anders erwartet. Aber in Bezug auf einen Gelehrten wie Taine, der Deiner species verwandter ist, solltest Du Augen im Kopfe haben. Ihn „inhaltlos“ nennen ist ganz einfach eine rasende Dummheit, studentisch zu reden — es ist zufällig gerade der substantiellste Kopf im jetzigen Frankreich — und die Bemerkung dürfte am Platze sein, daß dort, wo Einer keinen „Inhalt“ sieht, deshalb doch recht wohl ein Inhalt sein könnte, nur eben kein Inhalt für ihn. In der schmerzlichen Geschichte der modernen Seele, die in vielem Betrachte sogar eine tragische Geschichte ist, nimmt Taine seinen Platz ein als ein wohlgerathener und ehrwürdiger Typus mehrerer der nobelsten Qualitäten dieser Seele, ihres rücksichtslosen Muthes, ihrer unbedingten Lauterkeit des intellektuellen Gewissens, ihres rührenden und bescheidenen Stoicismus inmitten tiefer Entbehrung und Vereinsamung. Mit solchen Eigenschaften verdient ein Denker Ehrfurcht: er gehört zu den wenigen, die ihre Zeit verewigen. Mich erquickt der Anblick eines solchen tapferen Pessimisten, der geduldig und unerbittlich seine Pflicht thut, ohne den großen Lärm und die Schauspielerei nöthig zu haben, ja der ehrlich von sich sagen kann: „satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus“. Sein Leben wird dergestalt, ob er es will oder nicht, zu einer Mission, er steht eben zu allen seinen Problemen nothwendig (und nicht so beliebig, so zufällig, wie Du, gleich den meisten Philologen, zur Philologie)

Nichts für ungut! Aber ich glaube, wenn ich nur diese Eine Äußerung von Dir wüßte, ich würde Dich auf Grund des damit ausgedrückten Mangels an Instinkt und Takt verachten. Glücklicherweise bist Du mir anderweitig ein bewiesener Mensch.

— Aber Du solltest Burckhardt über Taine reden hören!

Dein Freund N.

850. An E. Kürbitz in Naumburg

Chur (Schweiz) Rosenhügel 20. Mai 1887.

Sehr geehrter Herr,

mein Schwager, Herr Dr. Förster, stellt an mich (wie ich eben aus einem Briefe meiner Schwester erfahre) das Verlangen, daß ich für Ausgaben im Betrag von 4500 Mark für ihn gut stünde; genauer, daß drei Rechnungen in der Höhe der genannten Summe jetzt durch Sie bezahlt werden möchten, und daß ich dafür einträte, gesetzt diese drei Rechnungen bis Juli durch Einzahlungen auf Land oder eine Anleihe nicht gedeckt würden. Ich fühle mich außer Stande, auf diese Proposition einzugehn und bitte bei Gelegenheit Herrn Dr. Förster davon Mittheilung zu machen.

Mit bekannter Hochschätzung
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Fr. Nietzsche.

851. An Heinrich Köselitz in Venedig

Chur, Schweiz, Rosenhügel 20. Mai 1887.

Lieber Freund,

inzwischen gieng es nicht besser: und fast bilde ich mir ein, daß der Frühling, meine verhängnißvolle Jahreszeit, mir überall gleich zusetzt — und daß ceteris paribus Venedig bei weitem das Wählenswertheste auch für diese Zeit bleibt. Ein paar gute Minuten helfen mir über lange böse Strecken weg — selbst weniger noch, ein kleiner Ruck des Herzens beim Anhören einer Musik, die ich liebe: aber es gab bisher keinen solchen Ruck! Es gab keine Musik, keinen St. Markusplatz, keine Gondel — nichts als die häßlichen Gebirgsbauern, deren Bewegungen und Laute mir wehe thun. Doch hat Chur schöne Wälder um sich: aber ich wurde auch in ihnen nicht „ohnig der Melancholei“, von der ich besessen bin. Dazu fehlten stupide Zufälle nicht, die mich aus meinem „Willen zur Sorglosigkeit“ immer wieder in die Sorge hineintrieben. Die Behauptung Plato’s, daß man mit Massage sogar Gewissensbisse heilen könne, verdiente erprobt zu werden: — doch bin ich bisher auch mit ihrer Hülfe nicht über den Gewissensbiß hinweggekommen, dies Mal Venedig und meinen Freund Köselitz in Stich gelassen zu haben.

Was mag denn wieder mit Fritzsch vorgegangen sein? Der allerletzte (modifizirte) Correkturbogen des 5. Buchs ist bis heute nicht in meinen Händen: der vorletzte, mit Ihrer Correctur, ist am 9. Mai von Chur nach Leipzig abgereist. Seitdem — silentium. —

Hoffentlich ist Nichts verloren gegangen? —

Haben wir Geduld, es kommt eigentlich Nichts darauf an, wann meine Schriften „fertig“ werden. Eben habe ich Rohden einen allerliebst-groben Brief geschrieben, wegen einer respectwidrigen Aeußerung über Taine. Insgleichen einen Geldbrief Paraguay betreffend: ich hüte mich weislich, mich irgendwie in diese Antisemiten-Unternehmung einzulassen. Übrigens ist ein grandioses Stück Erde von mehr als 12 □ Meilen (größer als Lippe) im Besitz meiner Angehörigen als propriedad del Sg. Don Bernardo Förster — unter dem Namen „Neu-Germanien“. Es ist möglich, daß eine der größten Eisenbahnen der Welt, welche unten von der Mündung des La-Plata nach dem Panamakanal geht, entweder durch die Colonie hindurch oder nahe vorbei führt (die Bahnlinie durch Bolivia und Peru). Schon bei dem Bahnbau läßt sich ein Vermögen erwerben, denn die Colonie ist mit prachtvollem Hochwald bedeckt und hat 2 Wasserstraßen nach dem Hauptstrom. Der General Osborne, früher Gesandter der Verein<igten> St<aaten> in Argentinien, verhandelt jetzt mit der Regierung über diese Bahn, die sein „Ideal“ und Lebenszweck ist (er hat meiner Schwester gesagt, beim Abschiede, „sein schönster Gedanke sei, wenn er eines Tages mit dem Zuge käme to see the little Queen of Nueva Germania“)

Die Bibliothek in Chur, ca. 20 000 Bände, giebt mir dies und jenes, das mich belehrt. Zum ersten Male sah ich das vielberühmte Buch von Buckle „Geschichte der Civilisation in England“ — und sonderbar! es ergab sich, daß B<uckle> einer meiner stärksten Antagonisten ist. Übrigens ist es kaum glaublich, wie sehr E. Dühring sich von den plumpen Werthurtheilen dieses Demokraten in historischen Dingen abhängig gemacht hat: ganz derselbe Fall, wie mit Carey, von dem er alle wesentlichen Oeconomica sich angeeignet hat. In philosophicis steht es noch schlimmer: es ist wirklich einer der unoriginellsten Köpfe, der aber mit seiner Agitatoren-Dreistigkeit gerade über diesen Thatbestand hinweg zu täuschen versteht. Ich hätte ihn mit dem gleichen Rechte einen Amalgamisten nennen können, wie ich E. v. Hartmann genannt habe.

Ob ich diesen Sommer in Sils-Maria sein werde, ist ungewiß; vielleicht Celerina, noch vielleichter die Lenzer Haide (wo es tiefen Wald giebt) Aber erst muß die „liebe Seele“ wieder ruhig werden und die dumme Spannung verlernen, in der ich mich so lange befinde, als die Redaktion meiner früheren Litteratur dauert: sie hat mir allzu sehr deutlich gemacht, daß ich ohne Halt bin und leicht durch einen Sturm über Nacht fortgeblasen werden kann. Verklettert, sehr hoch, aber in der beständigen Nähe der Gefahr — und ohne eine Antwort auf die Frage „wohin?“ — —

Oh was liebe ich die Musik meines Freundes Peter Gast!

Treulich und von Herzen Ihr
Nietzsche.

852. An Erwin Rohde in Heidelberg

<Chur, 23. Mai 1887.> Montag Nachmittag.

Lieber Freund, es ist nicht schön, daß ich vorgestern dergestalt einem plötzlichen Zorn gegen Dich nachgegeben habe, aber zum Mindesten ist es gut, daß er herausgekommen ist: denn er hat mir Etwas sehr Werthvolles eingebracht, nämlich Deinen Brief, der mich wesentlich erleichtert und meinem Gefühle gegen Dich andre Bahnen giebt.

Dein Wort über T<aine> klang mir über die Maaßen ablehnend und ironisch: was in mir dagegen revoltirte, war der Einsiedler, der aus einer allzureichlichen Erfahrung weiß, mit welcher erbarmungslosen Kälte alle Abseitslebenden bei Seite gethan und auch wohl abgethan werden. Es kommt dazu, daß Taine, außer Burckhardt, in langen Jahren der Einzige gewesen ist, der mir ein herzhaftes und theilnehmendes Wort über meine Schriften gesagt hat: so daß ich ihn und Burckhardt einstweilen für meine einzigen Leser halte. Wir sind in der That gründlich aufeinander angewiesen, als drei gründliche Nihilisten: obschon ich selbst, wie Du vielleicht spürst, immer noch nicht daran verzweifle, den Ausweg und das Loch zu finden, durch das man in’s „Etwas“ kommt.

Wenn man dergestalt in seinen tiefen Bergwerken steckt und gräbt, wird man „unterirdisch“, zum Beispiel mißtrauisch. Es verdirbt den Charakter: Zeugniß mein letzter Brief. Nimm fürlieb!

Dein N.

853. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Chur (Schweiz) Rosenhügel den 1. Juni 1887.

Werthester Herr Verleger! Anbei folgt der corrigirte letzte Bogen des 5ten Buchs: womit nunmehr meine Arbeit zu Ende gekommen ist. Heute bitte ich Sie, mir den Zeitpunkt anzugeben, in dem „Morgenröthe“ und „fröhliche Wissenschaft“ versandtfähig sein werden: es liegt mir daran in Hinsicht eines Geburtstags. Ebenfalls bitte ich Sie um die Rechnung für den Druck des fünften Buchs: welche sofort in Ordnung gebracht werden soll.

Mit bestem Gruße Ihr
ergebenster
Dr. F. Nietzsche.

854. An Elisabeth Förster in Asuncion (Entwurf)

<Sils-Maria, kurz vor dem 5. Juni 1887>
  1. Mein liebes Lama, Du findest Deinen Bruder ganz und gar widerwillig, Geld herauszurücken: seine Lage ist zu unsicher, und die Eure nicht bewiesen genug als daß es erlaubt wäre, hier bloß auf den Augenblick hin zu handeln.

  2. Das Schlimmste ist zu alledem, daß unsere Interessen und Wünsche jetzt gerade recht auseinander laufen. Soweit Eure Unternehmung eine antis<emitische> Unternehmung ist — und man hat mir das inzwischen ad oculos demonstrirt —

  3. habe ich im innersten Herzen kein Vertrauen zu ihr ja nicht einmal viel Wohlwollen fromme Wünsche. Gelingt das Werk des Dr. F<örster>, so will ich mich um Deinetwillen damit zufrieden geben und möglichst wenig daran denken, daß es zugleich der Triumph einer von mir geringgeschätzten Bewegung ist, gelingt es ihm nicht, so werde ich mich am Zugrundegehn einer antisem<itischen> Unternehmung freuen und Dich um so mehr bedauern, daß Du Dich aus Pflicht und Liebe an eine solche Sache gebunden hast.

  4. Ich sage das ein- für alle Mal: mit Betrübniß darüber, daß es durchaus gesagt werden muß.

  5. Mein Wunsch ist zuletzt, daß man Euch deutscherseits etwas zu Hülfe käme, und nämlich dadurch daß man die Antisemiten nöthigte, Deutschland zu verlassen: wobei ja nicht zu zweifeln wäre, daß sie Euer Land der „Verheißung“ P<araguay> anderen Ländern vorziehen würden. Den Juden andererseits wünsche ich immer mehr, daß sie in Europa zur Macht kommen, damit sie jene Eigenschaften verlieren (nämlich nicht mehr nöthig haben) vermöge deren sie als Unterdrückte sich bisher durchgesetzt haben. Im Übrigen ist es meine ehrliche Überzeugung: ein Deutscher, der bloß daraufhin, daß er ein D<eutscher> ist, in Anspruch nimmt mehr zu sein, als ein Jude, gehört in die Komödie: gesetzt nämlich daß er nicht ins Irrenhaus gehört

855. An Elisabeth Förster in Asuncion

Chur, den 5. Juni 1887.

Weißt Du noch, mein liebes Lama, wie wir einstmals — es war im Herbst 1879 — in Chur zusammen auf dem Rosenhügel frühstückten? Du hattest einen Band Middlemarch von der braven Eliot bei Dir? Eben da wohnt jetzt Dein Bruder, bei einem Lehrer, wartend, wartend, ob das Wetter endlich die Auffahrt ins Engadin erlaubt: denn dies Jahr haben wir einen widerspänstigen und bösen Frühling, der den Mai ebenso mit Wintertagen durchspickt hat, wie der vorjährige Frühling (in Naumburg, schlimmen Angedenkens!) seinen Mai mit Hundstagen. Damals gieng es hinauf bis zu 30 Grad Cels. im Schatten, dies Mal hinunter bis 1 Grad unter Null: das ist das „europäische Gleichgewicht“! Das Üble daran ist, daß beide Natur-Anomalien mir gleichmäßig zusetzen, ja ich erinnere mich, wenige solche Depressions-Zeiten durchgemacht zu haben wie die letzten Frühlinge. Es steht überhaupt unheimlich mit mir: ich muß als Maximum meines überhaupt erreichten relativen Wohlbefindens jenen Sommer in Tautenburg betrachten, seit welchem Alles schief gegangen ist. Es kostet mich jetzt eine ernsthafte Überwindung, mit jedem einzelnen Tage fertig zu werden; dazu bin ich excessiv mißtrauisch geworden und habe eigentlich Niemanden übrig behalten, vor dem ich Lust hätte, mich etwas gehen zu lassen und guter Dinge zu sein. Wie sich von selber versteht, verhalten sich die „lieben Mitmenschen“ entsprechend zu mir: Alles hat mich seitdem verlassen, selbst das Lama ist davon gesprungen und unter die Antisemiten gegangen (was ungefähr das radikalste Mittel ist, um mit mir „fertig“ zu werden) Nun, ich sage das am wenigsten im Tone eines Vorwurfs, es ist bei weitem vernünftiger, in südamerikanischen Wäldern die „Försterei“ im großen Maaßstabe zu treiben als die „Brüderlichkeit“ im kleinen. Bevor ich hierher kam, habe ich mich ein paar peinliche Wochen in Zürich durchgewunden, zum ersten Mal wieder in der Pension Neptun seit jenen Herbsttagen, wo wir so heiter waren, gleichsam als ob —: ich wohnte in jenem kleinen Kämmerchen, das Du die erste Nacht inne hattest und dachte Viel an Dich (ebenso wie vorher bei der Reise über den Gotthard) Ich suchte Hegars auf, die sich Dir herzlich empfehlen lassen, auch Fräulein von Salis, eben vor der „Prüfung“, nämlich der Doctorpromotion stehend und sehr angegriffen; insgleichen Frl. v. Schirnhofer, die eben von Paris zurückkam und auch von dem Gespenst des nahen Examens überschauert war; übrigens war mit demselben Zuge auch Frl. Wildenow von Paris gekommen, doch ohne daß die beiden ehemaligen Freundinnen das gleiche Coupé benutzt hätten (sie erzählten vielmehr beiderseits mit einigem Stolze, sich nicht einmal auf dem Perron gegrüßt zu haben) Die Medizinerin schien mir übrigens vollendet langweilig und von Flöten-gegangener Weiblichkeit: sie sprach klug wie ein dummes Buch. Ich erwähne noch, daß Frl. Salomé sich jetzt verheirathet, mit einem Dr. Andreas; ebenfalls daß Malvida ihre ältere Schwester verloren hat und nunmehr glaubt „an der Reihe“ zu sein; auch daß in Basel die uns bekannten Menschen rapid aussterben (Thurneysen-Merian, der Prof. Vischer, Frau Prof. Hagenbach-Bischoff, der lustige Dr. Burckhardt), daß Jakob Burckhardt seine Geschichtsprofessur aus Altersschwäche niedergelegt hat und unglücklich über seinen insipiden Nachfolger ist; auch daß Overbeck zu mir nach Zürich gekommen ist (sein Haar ist nun auch weiß geworden) daß die Familie Rothpletz auf Teneriffa war, daß Prof. Moriz Wagner (der Freund von Frau Rothpletz) sich eben in München erschossen hat; auch daß ich mich mit Rohden verzürnt habe; daß ich in Nizza gründlich angepumpt worden bin und natürlich nichts wieder bekommen habe; daß bei der Leipziger Ostermesse mein letzterschienenes Buch einen schlechten krebsartigen Charakter an den Tag gelegt hat (es sind im Ganzen 114 Exemplare verkauft worden); endlich daß die verschiednen Druckereien, die ich mir in den letzten Jahren habe „zu Schulden kommen“ lassen, die Summe von 450 Thalern verschluckt haben. (Mein liebes Lama, Du findest Deinen Bruder jetzt ganz und gar abgeneigt, Geld heraus zu rücken: seine Lage ist zu unsicher, und die Eure nicht bewiesen genug als daß es erlaubt wäre, hier bloß auf den Augenblick hin zu handeln. Dagegen habe ich, einer Vorstellung unsrer guten Mutter nachgebend, so viel wenigstens mir abgerungen (denn ich bin ein Geizhals und überdies mißtrauisch, wie gesagt, bis zum Exceß), daß 800 Thaler für Dich flügge worden sind, insofern ich das, was Du bisher noch auf dem Haus in Naumburg stehen hattest, auf meine Kappe genommen habe, hoffentlich mit Deiner Billigung? Im Übrigen muß ich mich zu einer plötzlichen Veränderung meines Looses bereit halten: denn meine Schriften sind compromittirend und ich habe keinen Hinterhalt mehr, auch in Basel nicht. Verzeihung, daß ich so viel von mir rede und nichts Erquickliches noch dazu! Um so besser mag es Dir gehen, mein liebes Geburtstagslama!

F.

Meine besten Wünsche Deinem Dr. Förster zu seiner großen Unternehmung! Mir fiel, als ich die Karte mit dem äußerst respektablen Besitzthum anstaunte, der Satz ein „wer besitzt, ist auch besessen“. Man giebt damit viel Freiheit auf. —

Freund Köselitz sitzt enttäuscht und melancholisch wieder in Venedig, auch ohne Geld: denn alle Aussichten, seinen „Löwen von Venedig“ zum Brüllen zu bringen, sind vorbei. Die Deutschen schwärmen nur noch für Wagner und Neßler.

Es scheint ein Brief an Dich verloren gegangen zu sein, ein sehr heiterer Brief aus Nizza abgeschickt, etwa einen Monat vor dem Erdbeben (die Etage, in der mein Zarath<ustra> entstanden ist, stürzte ein und ist jetzt abgetragen worden)

856. An Heinrich Köselitz in Venedig

Adresse, nach wie vor: Chur, Rosenhügel. d. 8. Juni 1887.

Lieber Freund,

noch schnell ein paar Worte, bevor ich mich auf die Wanderschaft begebe: wer weiß, wie lange es dauert, bis ich wieder Tinte und Feder zur Hand nehmen kann — denn mein Reiseziel ist dies Mal ungewiß (Lenzer Haide oder Celerina oder Sils oder?) Zudem drängt es mich, Ihnen ein Faktum zu melden, auf das hin von Ihnen vielleicht etwas combinirt werden könnte: nämlich der Hamburger Pollini (zu dem, wie ich mich erinnere, Sie einiges Vertrauen in puncto Muth und Unabhängigkeit haben) ist für diesen Winter mit Hans von Bülow einig geworden: dabei soll es unter anderem eine vollständige Mozart-Serie abgeben. Nun scheint es mir immer noch, daß Bülow der Mann ist, der Ihre Oper aufzuführen wagen wird: er steht unabhängiger da als Mottl und Levi, ja er liebt gelegentlich eine outrance von Unabhängigkeit ad oculos zu demonstriren. Es wäre der Versuch zu machen, ob er es nicht in Ihrem Falle thäte. Daß Sie ehemals ein kleines Brief-rencontre mit ihm gehabt haben, kommt einfach nicht in Betracht: Bülow hat in Hinsicht auf solche Dinge eine noblesse, auf die man bauen kann. Er hat sich zehn Mal mit Brahms überworfen (und mit wem nicht?) aber das hindert ihn nicht: umgekehrt, es spornt ihn an, einer von ihm einmal erkannten Kraft und Originalität sich zu widmen. Erwägen Sie, lieber Freund: sagen Sie ihm, weshalb Sie Ihr Werk unaufführbar glauben, wenn es nicht von ihm gewagt wird, — charakterisiren Sie Ihre Musik mit sieben unzweideutigen Prädikaten (im Gegensatz zu Wagner und zu Neßler, den einzigen „Zeitgemäßen“ der jetzigen deutschen Seele); vielleicht schadet es nichts, wenn Sie die Verantwortung für den ganzen Schritt auf mich legen (obwohl ich aus allen möglichen Gründen nicht von mir aus zuerst an Bülow über diese Sache schreiben möchte)

Ich erzähle noch nebenbei, daß Brahms eine romantische Oper componirt — er ist am Thunersee — der Text ist von V. Widmann, zurechtgemacht nach dem Lustspiel von Gozzi „das laute Geheimniß“. Dabei habe ich mir gesagt, daß der genannte Dr. Widmann zuletzt auch Ihren Corsischen Text ausdichten könnte.

Endlich habe ich eine Bitte: sagen Sie mir, wie viel Exemplare vom 4ten Theil Zarathustra bei Ihnen in Venedig liegen. Vielleicht habe ich damit etwas vor.

Die Leipziger Buchhändlermesse hat mir ein lehrreiches Resultat abgeworfen. Dies Mal, in Bezug auf Jens<eits> von G<ut> und B<öse> ist buchhändlerischer Seits Alles, was noth thut (und etwas mehr sogar!) gethan worden: also dem Herrn Schmeitzner ist nichts mehr in die Schuhe zu schieben, wie ich es bisher that. Trotzdem — ist das Ergebniß dasselbe wie bei Schmeitzner: oder vielmehr, es ist noch schlechter! Es sind überhaupt nur 114 Exemplare verkauft worden (während allein 66 Exemplare an Zeitungen und Zeitschriften verschenkt worden sind)

Lehrreich! Nämlich man will partout meine Litteratur nicht: und ich — darf mir den Luxus des Druckes nicht mehr gestatten. —

Wenn Sie sich eines alten Wunsches erinnern möchten! Ich würde so gern Ihre critica aus der Münchner Zeit lesen: sind sie frei? (Aber warum bieten Sie Ihre unvergleichlichen Artikel über Venedig nicht lieber der Frankfurter Zeitung an, statt der Süddeutschen Presse?..) Treulich und herzlich Ihr Freund

N.

Schönsten Dank für die ganze Correctur-Noth, die ich Ihnen gemacht habe!!! Wer weiß, vielleicht habe ich fürderhin nichts mehr zu „corrigiren“, ausgenommen mich selbst…

857. An Lendi, Wirt in Celerina (Entwurf)

<Chur, um den 8. Juni 1887>

Im letzten Herbst hat mir einer der treusten Gäste Ihres Hauses H. G.<eneral> Simon die Mittheilung gemacht, daß Sie mir mit ausnahmsweisen Bedingungen entgegenkommen würden, wenn ich gesonnen wäre einen längeren Aufenthalt in Celerina zu nehmen.

Ich habe bisher sechs Sommer hintereinander in Sils-Maria zugebracht, in einem Privathause, dessen Bewohner ich schätze und ungern verlasse: doch macht die Rücksicht auf meine immer mehr leidenden Augen es nöthig, ein Zimmer mit günstigeren Lichtverhältnissen zu suchen als jenes Haus mir zu bieten vermag. Nun glaubt Frl. Simon in dem Ihnen benachbarten Hause Rocco ein solches Zimmer gefunden zu haben; und man theilt mir mit, daß Sie mir für das Zimmer, hinzugerechnet Mittag- und Abendessen an Ihrer table d’hôte, täglich den Preis von 4 1/2 frcs. rechnen würden. Mit der Bitte, mich darüber zu benachrichtigen, wann jenes Zimmer mir bereit stehen könnte und wann Ihr Haus selbst seine Gäste zu erwarten hat, bin ich — — —

858. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Chur, um den 8. Juni 1887>

An Overbeck

Es ging inzwischen mit der Gesundheit schlecht und schlechter: dem Frühling darf ich dafür nicht mehr die Schuld geben, er hat sich aus dem Staube gemacht und selbst nicht einmal „aus dem Staub“ … Wir hatten Schnee bis tief ins Thal herab.

Nachdem ich meiner gesamten bisherigen Litteratur nunmehr eine Art letzter Oelung gegeben und von ihr mit Zärtlichkeit Abschied genommen habe will es mir scheinen, als ob es überhaupt mit allem Veröffentlichen von Büchern bei mir jetzt vorbei sei (Gott sei Dank, werden meine Freunde sagen) Facta loquuntur: kein deutscher Verleger wagt es mit mir noch (oh sie haben Recht, diese Herren!), ich habe in den letzten 3 Jahren bei den Unbefangensten und Muthigsten immer nur das harte Wörtchen „Nein“ zu hören bekommen. Andererseits ist mir die deutsche Presse abgeneigt (oh sie hat ein Recht dazu, diese Dame!) sie möchte am liebsten meinen Namen gar nicht vorbringen, wie das mir von Litteraten selbst bezeugt ist, dazu gehört z. B. daß von den 50—60 Recensionsex<emplaren> meines letzten Buches kaum 1/5 die Wirkung gehabt hat, die man von einer derartigen Zusendung erwartet. Am wichtigsten ist dies: ich hatte bisher geglaubt daß Schm<eitzner> dem Vertrieb meiner Schriften den größten Nachtheil gethan habe: auch mit seinen unsinnigen Preisen. Nun kann man sich nicht sorgsamer und thätiger benehmen als sich mein jetziger Verleger, Herr C. G. Naumann benommen hat; und der Preis war räsonnabel: das Resultat ist trotzdem dasselbe, ja sogar noch schlimmer als bisher — es sind, wie bei der Ostermesse constatirt wurde, im Ganzen nur 114 Exemplare verkauft worden. Somit ist, von der Geb<urt> der T<ragödie> an bis jetzt, eine stetig wachsende Gleichgültigkeit gegen meine Schr<iften> ziffernmäßig constatirt. Ich selbst habe in den letzten 3 Jahren erhebliche Unkosten durch Selbst-Drucke gehabt: für den 4. Th<eil> Z<arathustras> c. 100 Thl., für Jenseits von Gut und Böse c. 300, das Jahr für die mannigfachen Zurechtmachungen und Bereicherungen meiner älteren Schriften c. 150 Thaler. Das hat nun ein Ende. Weder ich, noch irgend ein Verleger kann den Luxus einer Litteratur aufrechterhalten, deren Liebhaber kaum die Zahl 100 überschreiten.

Ein peinliches Erlebniß, das mich einige Tage krank gemacht hat, war ein Zwischenfall mit Rohde, dem Niemand besonders viel Takt und Delikatesse nachrühmen wird. Er beging in einem Briefe eine solche Rüpelei gegen mich, daß ich mich dazu hinreißen ließ, ihm eine sehr grobe Antwort und Abfertigung zu theil werden zu lassen. Ich muß hinzufügen, daß er hierauf in einer Weise zurück geantwortet hat, die seinem Charakter alle Ehre macht. Im Ganzen ein recht überflüssiges Erlebniß, zumal in meinem jetzigen Zustande. —

859. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 13. Juni 1887>

Glück zu, lieber Freund! Das nehme ich als ein sehr gutes Zeichen, daß Sie wieder Muth und gute Laune zu einem neuen Wagniß haben. Die Adresse Bülow’s fehlt mir; nach meiner ungefähren Erinnerung wollte er diesen Frühling nach Frankfurt a. M. gehn, um dort an der Musikschule eine Anzahl Muster-Lektionen zu geben. Zuletzt erfahren Sie etwas Gewisses schneller als ich, da wir noch nicht den Sommerkours der Post haben und also sehr langsam von der Außenwelt afficirt werden. In jedem Falle empfehle ich die größte Eile. Was den Titel betrifft, so bin ich beinahe gleicher Meinung geworden; haben Sie übrigens gehört, daß bei Verdi Othello vom Volke als il leone di Venezia begrüßt wird? — Schönsten Dank für die zwei guten Briefe; heute bin ich noch krank, darum die Karte. Es bleibt bei Sils. Treulich Ihr N.

Hinter dem Haus Rest einer Lawine. Ich der erste Gast. Reiner Himmel. —

860. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Sils den 14. Juni 1887.

Werthester Herr Verleger, von nun ab bin ich wieder in Sils-Maria, Oberengadin zu erreichen: hoffentlich haben Sie recht bald mir etwas zuzusenden! Meine letzte Karte, von Chur aus abgesandt, wird, wie ich denke, in Ihre Hände gelangt sein? —

— Ich bin um die Adresse H. von Bülow’s angegangen worden: können Sie mir dazu verhelfen? —

Hochachtungsvoll der Ihrige
Dr F. Nietzsche

861. An Fräulein Simon in Siena (Entwurf)

<Sils-Maria, Mitte Juni 1887>

Mit tiefer Betrübniß las ich eben Ihre Trauerbotschaft, die erst spät und nach mancherlei Umwegen in meine Hände gelangt ist. Nein! Das hatte ich nicht erwartet: es schien mir umgekehrt, daß eine gewisse kritische Zeit der Gesundheit nunmehr überwunden sei und daß der verehrte Mann unter Ihrer unvergleichlichen Pflege noch einem langen, freundlichen wolkenlosen Alter entgegensehn dürfe

Wie oft habe ich diesen Winter an Sie Beide gedacht. Wie oft auch mir Glück dazu gewünscht, daß ein Versuch den ich letzten Herbst machte, Ihren Herrn Vater für Nizza zu überreden durch einen Zufall mißglückt ist und daß ihm auf diese Weise der Schrecken des Erdbebens erspart blieb, der in jener 4. Et<age> meines H<otels> de G<enève> vielleicht größer als irgendwo gewesen ist.

jetzt muß ich dreifach dem damaligen Zufall dankbar sein, ich würde andernfalls glauben müssen, irgendwie an dem so unerwarteten Ausgange mitschuldig zu sein, — — —

Seien Sie überzeugt, verehrtes Fl., daß das Bild Ihres verehrungswürdigen Vaters, wie er jetzt vor mir steht, diese seltene Vereinigung von Güte, Ernst, Gewissenhaftigkeit und Tiefe des Gemüths, niemals aus meinem Gedächtnisse schwinden wird.

862. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Sils-Maria, Mitte Juni 1887>

[+ + +] <an Lisbeth habe ich von> Chur aus geschrieben, ich denke, daß der Brief zum Geburtstage in ihren Händen sein wird. Es ist ein Jammer, Brief für Brief immer nur Nein schreiben zu müssen: man sollte mir das ersparen und gar nicht mich um Geld angehen.

Meine liebe Mutter, obwohl Du mir erst kürzlich ein schönes Kistchen geschickt hast, so bitte ich Dich heute nochmals um ein Kistchen: nämlich mir wäre Schinken (die feinste Schinkenwurst) sehr nützlich und insgleichen möchte ich der kleinen Adrienne ein hübsches (ansehnlicheres) Geschenk machen. Die Leute hier im Hause sind gut gegen mich, und Dein altes Thier hat wenige Winkel auf der Erde übrig, wo die Leute gegen ihn gut sind. Natürlich rechnest Du mir die Unkosten an, die es macht: mir wäre aber ein Kästchen mit 12 Dutzend Stahlfedern sehr erwünscht, aber genau dieser Adresse entsprechend (man wird sie aus Berlin bestellen müssen —)

S. Roeder Hoflieferant, Berlin
Stahlfeder Nr. 15. Breit

Es sind die einzigen Stahlfedern, mit denen ich schön schreiben kann (so schön wie z. B. dieser Brief geschrieben ist)

Es mag sehr heiß bei Euch sein: auch hier ist es warm, trotzdem daß der Schnee noch tief hinunter geht und hinter meinem Hause der Rest einer Lawine liegt. Mir scheint es aber lästig schwül: so daß ich viel weniger als sonst gehe. Dies hängt aber wohl von meiner Schwäche ab.

Natürlich bin ich ganz allein, bei weitem der erste Gast. —

Der alte General Simon ist gestorben. — Herzlich und dankbar Dein altes

Geschöpf.

863. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria Oberengadin d. 17. Juni 1887.

Lieber Freund,

bis jetzt habe ich auch hier oben nicht viel Besseres gethan als krank sein. Ich kam mit einem heftigen Anfall meines Kopfleidens an, hatte ein 12 stündiges Erbrechen und befand mich in einem jener Zustände, an die mein kleines Zimmer hierselbst leider zu gut gewöhnt ist. Dieser Zustand wurde von einer gründlichen allgemeinen Erkältung abgelöst, mit Fieber, Schlaf- und Appetitlosigkeit, Schwindel, Dumpfheit, Schwäche: so daß ich weniger gehen kann als ich möchte und sogleich in Schweiß gerathe (trotz der Nähe des Schnees: vor meinem Fenster liegt der Rest einer Lawine) Trotzdem freue ich mich, wieder hier zu sein und überhaupt noch da zu sein. …Diese letzten Jahre auszuhalten — das war vielleicht das Schwerste, was mir überhaupt mein Schicksal bisher zugemuthet hat. Nach einem solchen Anrufe, wie mein Zarathustra es war, aus der innersten Seele heraus, nicht einen Laut von Antwort zu hören, nichts, nichts, immer nur die lautlose, nunmehr vertausendfachte Einsamkeit — das hat etwas über alle Begriffe Furchtbares, daran kann der Stärkste zu Grunde gehn — ach, und ich bin nicht „der Stärkste“! Mir ist seitdem zu Muthe als sei ich tödtlich verwundet, es setzt mich in Erstaunen, daß ich noch lebe. Aber es ist kein Zweifel, ich lebe noch: wer weiß, was ich noch Alles zu erleben habe!

Mit Celerina ist es Nichts, stelle Dir vor, der alte General Simon ist eben gestorben, und der Wirth will die ausgemachten Bedingungen nicht aufrecht erhalten. Der Verlust dieses alten strengen mir sehr zugethanen Militärs ist wirklich für mich ein Verlust: er hat so oft mir, um Kantisch zu reden, die „Kritik der praktischen Vernunft“ dargestellt, daß ich nunmehr, im Ausland, wirklich noch ein gut Theil verlassener und „unpraktischer“ daran bin als vorher. Er starb in Siena, 71 Jahre alt. Bei einer kleinen Verschiebung der Dinge im Jahre 1848 wäre er vielleicht einer der einflußreichsten und höchstgestellten Militärs im damaligen Deutschland geworden; er gehörte zur Familie jener begabten Revolutionärs Simon.

In Chur hörte ich, zu meiner wahren Erbitterung, Schumanns Paradis und Peri. Nein, welche schändliche Verweichlichung des Gefühls! Und was für ein Philister und Biedermann schwimmt mitten in diesem See von Limonade gazeuse! Ich bin davon gelaufen — mit einer wahren Sehnsucht nach den kurzweiligen und lustigen Melodien unseres Venediger maëstro. Beiläufig: ich habe ihn zu einem letzten Versuch, seine Oper anzubringen, überredet — Bülow (der jetzt von dem Hamburger Pollini engagirt ist) soll das Werk aufführen. Wenn B<ülow> es nicht thut, thut’s Niemand nicht! Man muß dazu Muth, selbst Paradoxie im Leibe haben.

Treulich Dein N.

Ich bin hier natürlich „bei weitem der erste“ Gast. Wenn Ende des Monats das Geld flüssig wird, sende es, bitte, recommandirt, wie gewöhnlich, Sils-Maria: das genügt. Herzliche Grüße an Deine liebe Frau.

864. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, Mittwoch. <22. Juni 1887>

Lieber Freund,

woran das hängt, — ich weiß es nicht: aber eine förmliche décadence ist bei mir ausgebrochen, meine Gesundheit übt ihre alten miserabelsten Weisen wieder ein, die Ermattung selbst an sogenannten „gesunden“ Tagen ist unheimlich, nachts versinke ich oft in eine Muthlosigkeit und Desperation, die mir Scham einflößt — und selbst das sublim-helle und bewiesene Wetter von Sils hilft mir nicht aus diesem „Verfall“! Dabei kommt nicht ein Laut aus der weiten weiten Welt, der meinem Herzen erquicklich klänge: Ihre „Laute“ abgerechnet, lieber Freund, — alles, was Sie mir geschickt haben — beide Sendungen glücklich angelangt! — klang mir wie Musik: und zuletzt bin ich ein alter Musikant, für den es keinen Trost giebt außer „in Tönen“! Glauben Sie mir, alle die kleinen Winke eines „Glaubensbekenntnisses“, wie sie Ihnen dem Kritiker entschlüpfen, machten mir ein Vergnügen, als ob es Musik aus dem segreto matrimonio selbst sei (— es ist nämlich kein Zweifel, daß ich im alleruntersten Grunde die Musik machen können möchte, die Sie machen — und daß ich meine eigne Musik (Bücher eingerechnet) immer nur gemacht habe faute de mieux…

Das erinnert mich an die eben erfolgte Ankunft der ersten fertigen Exemplare von Morg<enröthe> und Fröhl<iche> Wissenschaft: hoffentlich sind diese Bücher auch auf der Reise zu Ihnen? Und Sie werden sich die Laune nicht durch diese Ankömmlinge verderben lassen, an denen viel zu viel deutsches Ungenügen und trüber Himmel ist, als daß man ihnen nicht lieber aus dem Weg gienge? Himmel, was habe ich Alles ausgestanden, und wie sparsam sind die goldenen Tropfen des Lebens auf mich bisher niedergeträufelt! — Trotzdem: ich glaube, wie Sie, an diese goldenen Tropfen und mache mir nichts aus den Künstlern, die keinen Geschmack davon auf der Zunge haben. —

Ich las über Gozzi: z. B. daß Rich<ard> Wagner einen seiner ersten Texte aus ihm genommen hat („die Frau eine Schlange“); auch daß das „laute Geheimniß“ von Calderon ist und nur bearbeitet von Gozzi. — Der Dr. Widmann des „Bund“ lobt als angenehme Privatwohnung an der Riva die casa Petrarca, auch als Winteraufenthalt: eben da wohnen auch Paul Bourget und Gregorovius. Kennen Sie das Haus? — Ich selber habe mich für diesen Winter nach Rom versprochen: Malvida, die ihre jüngere Schwester verloren hat und nun ihrerseits glaubt an der Reihe zu sein, möchte mich noch einmal bei sich haben. Vielleicht, daß ich meine Hinreise über Venedig und Bologna einrichte… Denken Sie sich, daß in Zürich der treffliche Weber gestorben ist: allgemeine Trauer. —

Ein Wunsch zuletzt, den ich nicht unterdrücken kann: es sollte möglich sein, Ihre Urtheile und Werthschätzungen in Hinsicht auf Musik und Musiker beisammen zu haben, als ein hübsches Bändchen Aphorismen — sie müssen nämlich beieinander stehn und sich gegenseitig tragen, das Einzelne mag dann so kühn und auffallend klingen als es heute klingen muß… Ein solches kleines Buch und „Glaubensbekenntniß“ wäre unschätzbar als Herold Ihrer Musik — Sie sind der Einzige, der mit Wissen den ausgesuchten Geschmack auch vertreten kann, der als Instinkt in dieser Musik regiert. Treulich

Ihr Freund N.

865. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 24. Juni 1887

Lieber und werther Herr Fritzsch,

die ersten Exemplare habe ich mit Dank empfangen, die Rechnung gleichfalls. Was letztere betrifft, so hat Herr C. G. Naumann (Universitätsstr.) von mir den Auftrag, die 282 M 26 Pf. ungesäumt Ihnen auszuhändigen (ich habe ihm nur gesagt, daß ich so viel Ihnen schuldig bin; nichts Näheres)

Es thut mir wohl, daß wir so weit sind; und ich bitte Sie den Glauben aufrecht zu erhalten, der auch mein Glaube ist, daß alle diese Bücher, die Sie nunmehr in Ihrem Verlage haben, durch ihre unabhängige und radikale Gesinnung ebensowohl als durch Reichthum und Form der Gedanken es verdienen, fortzuleben. Verzeihung, daß ich selbst das ausspreche! —

Sie haben vielleicht schon Herrn Köselitz mit Exemplaren bedacht? Jedenfalls muß ich darum bitten. Ein Exemplar der fröhl<ichen> Wissenschaft soll Dr. V. Widmann (Redaktion des „Bund“, Bern) erhalten: er hat vorigen Sommer etwas sehr Intelligentes über mein damals erschienenes Jenseits von G<ut> und B<öse> veröffentlicht. Mir selber bitte ich ebenfalls noch einmal Exemplare aus, zum Zweck eines Geburtstages; auch hätte ich gern von der Geburt der Tragoedie ein Exemplar der 2. Auflage (die einiges Verschiedene von der ersten hat z. B. auf der 2.ten Seite des Textes ein Citat aus Wagners Meistersingern (anstatt des Epigramms von Hebbel)

Einige weitere Wünsche für später vorbehalten.

— Nun sind wir noch nicht fertig mit Drucken, lieber Herr Fritzsch, aber dies Mal handelt es sich um Musik. Der beifolgende „Hymnus an das Leben“ (Chorgesang mit Orchester) ist inzwischen reif zur Veröffentlichung geworden, ich hätte ihn gern in Ihrem Verlag. Was die Herstellungskosten betrifft, so werden wir uns verständigen; mir liegt aber an einer vornehmen und würdigen Ausstattung — denn der Hymnus ist bestimmt, von mir „übrig zu bleiben“ und später einmal „zu meinem Gedächtnisse“ gesungen zu werden.

Thun Sie, wenn ich bitten darf, umgehend die Schritte zum Druck des Hymnus: denn ich möchte im Herbst schon ihn in Zürich mir vorführen lassen (durch die Güte Hegar’s, die in solchen Fällen mir bewiesen ist.)

Die Correktur wird auch in diesem Falle, wie es sich von selbst versteht, mein „ständiger“ Correktor und Freund Herr Köselitz mit besorgen.

Herzlich grüßend
der Ihrige
Prof Dr. F. Nietzsche

Nachschrift. Ich sehe eben die Rechnungen durch und entdecke, daß Sie sich um 100 M. zu Ihren Ungunsten verrechnet haben. Somit bin ich Ihnen

282 M. 26 Pf.
schuldig

F. N.

866. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 24. Juni 1887

Sehr geehrter Herr Verleger,

Ihre Mittheilungen über das Ergebniß der Ostermesse, für die ich Ihnen auf das Verbindlichste zu danken habe, gaben mir reichlich Anlaß zum Nachdenken: ich habe mich ersichtlich, obschon ich in meinen Erwartungen nicht unbescheiden war, etwas verrechnet. Das thut mir umso mehr leid, als ich gerne gerade das Buch möglichst bald neu herauszugeben gedachte, etwa im Umfange verdoppelt. Ich nahm an, daß man besser auf dieses kleine Buch „anbeißen“ werde, und daß es dann leichter sein dürfte, das vervollständigte und stärkere Werk zum Verkauf zu bringen. Aber es ist klar, daß ich den Geschmack der gegenwärtigen Deutschen zu wenig kenne.

Wollen Sie die Gefälligkeit haben, eine kleine Schuld, die ich Herrn E. W. Fritzsch (Leipzig, Königsstraße 6) abzutragen habe, in meinem Namen zu berichtigen? Ich schulde ihm* 282 Mark 26 Pf.; er ist bereits davon benachrichtigt, daß die Zahlung durch Ihre Hand erfolgen wird.

Meine Adresse ist, wie alle Sommer, Sils-Maria, Oberengadin (Schweiz), muthmaßlich bis gegen Ende September.

Hochachtungsvoll und dankbar
Ihr ergebenster
Prof Dr. Nietzsche

867. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 25. Juni 1887>

Meine liebe Mutter, herzlichen Dank für Deine Karte; ich nehme an, daß inzwischen ein Brief von mir in Deine Hände gelangt ist? Darin standen ein paar Wünsche; ich möchte gerne auch wieder etwas Honig haben (einen Sommerüberzieher habe ich mir noch aus Nizza mitgenommen) Die Gesundheit, wie es wenigstens scheint, geht wieder vorwärts. Bis jetzt bin ich immer noch der einzige Gast von Sils. —

Meine Druckrechnung bei Fritzsch betrug nur 282 Mark: was mich erfreut hat. In Chur habe ich Kleidung, Wäsche (Hemden, Strümpfe, Stiefeln usw.) revidirt und ausbessern lassen: so daß ich jetzt wieder hübsch in Ordnung bin.

Dein Sohn, mit lauter guten Wünschen für Dich.

Bitte die Adresse von Gustav Krug!

868. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria d. 27 Juni 1887

Lieber Freund,

eine schöne Überraschung sonder Gleichen! Etwas, das ich Ihnen niemals vergessen will! Eine umanità und delicatezza, Jemandem erwiesen, der neuerdings vielleicht ein wenig zuviel vom Gegentheil heimgesucht worden ist! Haben Sie Dank: ich gehe den einzelnen Stimmen nach und entdecke überall Feinheiten und Einfälle, mit denen Sie mich beschenkt haben! Was für eine schöne Kunst, wo man so viele nuances in einem minimum von Zeit bemerkbar machen kann! —

Aber nein, Ihre „Lust zu Bülow“ muß wieder kommen, lieber Freund, Sie müssen den Würfel noch einmal werfen — es ist etwas an dieser Combination Bülow-Pollini, das dazu drängt, das Schicksal herauszufordern. Mir scheint dieser Zufall ein Wink: ich habe ziemliches Vertrauen zu dem Wagniß, zu dem ich Sie ganz von Herzen überreden möchte. Bülow’s Charakter erlaubt mancherlei, was den Herrn Mottl und Levi nicht „freisteht“ (obschon Hegar mir noch zuletzt sagte, er begriffe Levi nicht, warum er Ihr Werk nicht aufführe „was könne es ihm machen?“… )

Ich selbst möchte in Bezug auf Bülow jetzt nicht „dazwischen treten“: auch aus delicatezza. Bülow wird über Ihr Werk unbefangener, „unvorsichtiger“, Bülowscher urtheilen, wenn er nicht zugleich meinen Namen hört.

— Ich kann das Ereigniß nicht verschweigen, mit dem ich schlecht fertig werde: oder vielmehr, ich bin innewendig immer noch ganz außer mir. Heinrich von Stein ist todt: ganz plötzlich, Herzschlag. Ich habe ihn wirklich geliebt; es schien mir, daß er mir aufgespart sei für ein späteres Alter. Er gehörte zu den ganz wenigen Menschen, an dessen Dasein ich Freude hatte; auch hatte er großes Vertrauen zu mir. Er sagte noch zuletzt, in meiner Gegenwart kämen ihm Gedanken, zu denen er sonst nicht den Muth fände; ich „befreite“ ihn. Und was haben wir hier oben zusammen gelacht! Er stand im Rufe, nicht zu lachen. Sein zweitägiger Besuch hier in Sils, ohne Nebenabsichten von Natur und Schweiz, sondern direkt von Bayreuth hierher kommend und direkt von mir zu seinem Vater nach Halle zurückreisend — ist eine der seltsamsten und feinsten Auszeichnungen, die ich erfahren habe. Es machte hier Eindruck; er sagte im Hôtel: „ich komme nicht wegen des Engadin“. — Sein letztes Werk, eine Geschichte der Anfänge der Aesthetik (Descartes und so weiter bis Baumgarten, Kant: sehr gelehrt) ist mir gerühmt worden. — Es war bei weitem die schönste species Mensch unter den Wagnerianern: wenigstens soweit ich sie kennen gelernt habe. — Diese Sache thut mir so weh, daß ich immer wieder nicht daran glaube. Nein, was ich mich einsam fühle! Zuletzt stirbt mir auch die gute Malvida weg — wie Viele bleiben dann übrig?? Ich fürchte mich, zu zählen. —

Bleiben Sie mir gut und treu, mein lieber Freund Köselitz! Dankbar

der Ihrige FN.

869. An Josef Viktor Widmann in Bern

Sils-Maria, Ober-Engadin, den 28. Juni 1887.

Hochgeehrter Herr Doktor,

vorigen Sommer haben Sie mich in keinen kleinen Schrecken versetzt: ich fand eines Tages hierselbst im Café die vortrefflichen Einwohner von Sils über ihren regelmäßigen Sommer-Gast stutzig und nachdenklich geworden, — sie hatten allesammt den Bund gelesen. „Wie! dieser anscheinend so harmlose Einsiedler und Höhlenbär ist also im Grunde etwas ganz Gefährliches?“ — Das las ich in Aller Augen. Ich selbst, nachdem auch ich den Bund gelesen, hatte freilich einen andren Eindruck: nämlich als ob ich über mich etwas sehr Liebenswürdiges und Wohlwollendes gelesen hätte. Ein paar Aeußerungen, die sich im Munde des Redacteurs eines demokratischen Blattes ganz von selbst verstanden, habe ich vielleicht überhört oder vergessen — in der Hauptsache muß ich Ihnen dankbar bezeugen, nach Jahresfrist nunmehr, daß Ihre Besprechung jedenfalls bei Weitem die ‚intelligenteste‘ Besprechung gewesen ist, die dieses unsympathische Buch bisher erfahren hat. Die Dichter sind nun einmal ‚divinatorische‘ Wesen: ein solches Räthselbuch wird zuletzt immer noch eher von einem Dichter errathen und ‚aufgeknackt‘, als von einem sogenannten Philosophen und ‚Fachmann‘.

Zum Danke dafür erlaube ich mir, Ihnen ein älteres Buch von mir zu überreichen, das eben jetzt neu erscheint, mehrfach verändert und verbessert (oder verbösert?) — in der Annahme, daß es Ihnen unbekannt geblieben ist. Vielleicht erscheint es Ihrem Geschmacke im Ganzen annehmbarer und erquicklicher, als jenes ‚Jenseitige‘ vom letzten Jahre. Doch mag es ebenfalls ‚ein gefährliches Buch‘ sein: wenigstens hat mir gerade das seiner Zeit Gottfried Keller in artigster Weise brieflich zu Gemüthe geführt.

Mit hochachtungsvollem Gruße

Ihr ergebenster
Dr. F. Nietzsche,
weiland Professor in Basel.

870. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria den 30. Juni 1887.

Lieber Freund,

Deine Nachricht vom Tode Steins (die mir inzwischen auch von Seiten des Vaters zugegangen ist) hat mich auf das Allerschmerzlichste berührt: oder vielmehr, ich bin immer noch ganz außer mir darüber. Ich hatte ihn so lieb, er gehörte zu den wenigen Menschen, deren Dasein an sich mir Freude machte. Auch zweifelte ich nicht daran, daß er mir gleichsam für später aufgespart sei: denn solchen Menschen, die, reich und tief, nothwendiger Weise eine langsame Entwicklung haben, muß man viel Zeit geben. Und man hat sie ihm nicht gegeben! Warum bin ich nicht an seiner Stelle abgerufen worden — es hätte mehr Sinn gehabt. Aber Alles ist so unsinnig: und diese noble Creatur, die schönste Species Mensch, deren ich in Folge meiner Wagnerischen Beziehungen überhaupt ansichtig geworden bin, ist nicht mehr! —

Für Deinen Brief meinen angelegentlichen Dank, lieber Freund, um so mehr, als er einem sehr unerquicklichen Zustande zum Trotz entstanden ist. Ich nehme an, daß ungefähr zu gleicher Zeit auch meine „Morgenröthe“ in Deine Hände gelangt ist, deren nachdenkliche, aber vielleicht nicht unbedenkliche Vorrede sich Deiner Aufmerksamkeit empfehlen mag. Zuletzt gehört das Alles einer Generation zu, die wir Beide wahrscheinlich nicht mehr erleben werden: dieselbe, in welcher die großen Probleme, an denen ich leide, so gewiß ich auch durch sie und um ihretwillen noch lebe, leibhaft werden müssen und in That und Wille übergehn müssen. In kurzer Zeit darf ich Dir auch die neue „fröhliche Wissenschaft“ schicken. —

Sobald ich mich etwas erholt habe, sollen ein paar Zeilen an Frau Rothpletz nach München abgeschickt werden. Meine Gesundheit kommt nur langsam von der Stelle: und in der Hauptsache stockt sie: es giebt irgend eine tiefe physiologische Hemmung, deren Ursache und Sitz ich nicht nachzuweisen vermag, Dank welcher die Durchschnittsempfindung („das Gemeingefühl“, wie die Physiologen sagen) beständig unter dem Nullpunkte ist; — ohne alle Übertreibung, ich habe jetzt ein Jahr lang nicht Einen Tag gehabt, wo ich an Geist und Leib frisch und wohlgemuth gewesen wäre. Diese beständige Depression (Tags und auch Nachts) ist schlimmer als jene heftigen und extrem schmerzhaften Crisen, denen ich so oft unterworfen bin. — Carlsbad hat nichts genützt; überhaupt ist der Magen bei mir immer nur ganz indirekt betheiligt und niemals die causa prima.

Zuletzt eine Bitte an Deine liebe Frau. Seit drei Monaten fehlt mir ein Thee, der mir zuträglich ist. Der einzige Thee, zu dem ich Vertrauen habe und der in meinem Falle bewiesen ist, ist der englische Thee Horniman, den man auch in Basel haben kann (— ich kaufte ihn seiner Zeit am Markte) Es giebt Blechbüchsen von ein Kilo Inhalt, zum Preise von 12 frs: darf ich um die Zusendung einer solchen Büchse ersuchen? Die Verpackung übernimmt unzweifelhaft das Geschäft selbst. — Dieser Thee ist nichts besonders Feines, aber er bleibt sich absolut gleich (seit 40 Jahren) und ist folglich nicht, wie alle Thees, die man sonst kauft, eine Sache des Versuchs.

Mit den herzlichsten Wünschen für Deine Besserung bin und bleibe ich treulich

Dein Nietzsche

871. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 2. Juli 1887.

Werthester Herr Verleger,

hier sind meine Wünsche in Betreff von noch zu vertheilenden Exemplaren.

I 

 

 

 

 

  

Für mich selbst bitte ich um je ein Exemplar von Geburt der Tragödie (2. Aufl.)

Morgenröthe

fröhliche Wissenschaft

II 

 

 

  

Für Herrn Professor Dr. Overbeck in Basel

Menschl. Allzumenschl. in 2 Bänden.

III 

 

 

 

 

  

Für Mad. Malvida de Meysenbug

(Versailles, villa Amiel)

Morgenröthe

fröhliche Wissenschaft

IV 

 

 

 

 

  

Für Monsieur H. Taine

Menthon, Lac d’Annecy (Haute Savoie)

Morgenröthe

fröhliche Wissenschaft

Haben Sie die Gefälligkeit, die Versendung umgehend anzuordnen: ich möchte, daß meine zugehörigen Briefe gleichzeitig mit den Büchern anlangten.

Was den Hymnus anlangt, so erwarte ich die Stichproben. Vielleicht erinnern Sie sich, daß Sie diesen Hymnus schon einmal gesehn haben, in seiner ersten Ausarbeitung: nämlich im Herbst 1882, bei einem Besuche, den Sie mir in der Waldstraße machten. Inzwischen hat er sich aber wesentlich verbessert; ich nehme an, daß er „reif und süß“ geworden ist und ohne alle Bedenken jetzt der Öffentlichkeit übergeben werden darf. Ich habe in dieser Beziehung Musiker, deren Urtheil ich hoch schätze, um Rath gefragt.

Ihr ergebenster N.

872. An Hippolyte Taine in Genf

Sils-Maria, Oberengadin, den 4. Juli 1887.

Hochverehrter Herr!

es gäbe so viele Gründe für mich, Ihnen Dank zu sagen: für die nachsichtige Güte Ihres Briefes, in dem die Worte über Jakob Burckhardt mir besonders erquicklich zu Ohren klangen; für Ihre unvergleichlich starke und einfache Charakteristik Napoleon’s in der Revue, deren ich in diesem Mai beinahe zufällig habhaft wurde (ich war zuletzt nicht übel auf sie vorbereitet durch ein neuerdings erschienenes Buch Ms. Barbey d’Aurevilly’s, dessen Schlußkapitel — über neuere Napoleon-Litteratur — wie ein langer Schrei des Verlangens klang — wonach doch? Unzweifelhaft gerade nach einer solchen Erklärung und Auflösung jenes ungeheuren Problems von Unmensch und Uebermensch, wie Sie sie uns gegeben haben). Ich will auch das nicht vergessen, daß ich mich freute, Ihrem Namen in der Widmung des letzten Romans von Mr. Paul Bourget zu begegnen: obwohl ich das Buch nicht mag — es wird Mr. B<ourget> niemals möglich sein, ein wirkliches physiologisches Loch in der Brust eines Mitmenschen glaubwürdig zu machen (dergleichen ist für ihn bloß quelque chose arbitraire, wovon ihn sein delikater Geschmack hoffentlich fürderhin fernhalten wird. Aber es scheint, daß der Geist Dostoiewskys diesen Pariser Romanciers keine Ruhe läßt?) Und nun seien Sie so geduldig, verehrter Herr, und lassen Sie sich die Ueberreichung von zweien meiner Bücher gefallen, die eben in neuen Auflagen erschienen sind. Ich bin ein Einsiedler, Sie werden es wissen, und bekümmere mich nicht viel um Leser und um Gelesenwerden, doch hat es mir seit meinen zwanziger Jahren (ich bin jetzt 43) niemals an einzelnen ausgezeichneten und mir sehr zugethanen Lesern gefehlt (es waren immer alte Männer), darunter zum Beispiel Richard Wagner, der alte Hegelianer Bruno Bauer, mein verehrter College Jacob Burckhardt und jener Schweizer Dichter, den ich für den einzigen lebenden deutschen Dichter halte, Gottfried Keller. Ich hätte eine große Freude daran, wenn ich auch den von mir am meisten verehrten Franzosen unter meinen Lesern hätte.

Diese zwei Bücher sind mir lieb. Das erste, die Morgenröthe, habe ich in Genua geschrieben, in Zeiten schwersten und schmerzhaftesten Siechtums, von den Aerzten aufgegeben, Angesichts des Todes und inmitten einer unglaublichen Entbehrung und Vereinsamung: aber ich wollte es damals nicht anders und war trotzdem mit mir in Frieden und Gewißheit. Das andre, die fröhliche Wissenschaft, verdanke ich den ersten Sonnenblicken der wiederkehrenden Gesundheit: es entstand ein Jahr später (1882), ebenfalls in Genua, in ein paar sublimklaren und sonnigen Januarwochen. Die Probleme, mit denen sich beide Bücher beschäftigen, machen einsam. Darf ich Sie bitten, dieselben aus meinen Händen mit Wohlwollen in Empfang zu nehmen?

Ich bin und verbleibe mit dem Ausdruck meiner tiefen und persönlichen Hochschätzung

Ihr ergebenster
Friedrich Nietzsche.

873. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 6. Juli 1887>

Lieber Freund, wegen der Bemühung, die der Thee macht, bitte ich viele Male um Entschuldigung. Inzwischen ist mir zufällig eine Luzerner Adresse des Thee Hornimann zu Gesicht gekommen: ich will noch ein paar Tage warten und dann mich dorthin wenden. Gesundheit fortschreitend, wie es scheint, trotz zweier neuer Anfälle. — Eben erhielt ich Mittheilungen und Anfragen aus Weimar, seitens des Archivrath Burckart, aus denen sich ergiebt, daß sich komischer Weise die Goetheforschung auch in meine Familiengeschichte mengt: sie hat nämlich herausgebracht, daß das dem jungen Dichter befreundete „Muthgen“ (c. 1778) niemand anders ist als meine Großmutter väterlicher Seits, Erdmuthe Dorothea Krause, Schwester des Königsberger Prof. theol. Krause, der der Nachfolger Herders wurde als Generalsuperintendent von Weimar, und nachherige Gattin des Superintendenten Dr. Ludwig Nietzsche in Eilenburg (meines Großvaters). Mit dankbarem Gruß an Dich und Deine liebe Frau

Dein N.

874. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria 10. Juli 1887.>

Mit der übersandten Probeplatte (in Hinsicht auf Format usw.) ganz einverstanden. Bitte, die Fortsetzung des Stichs anzuordnen; auch mir eine (oder einige) Papierproben zuzustellen. —

In Betreff von Fachschriften und sonstigen Adressen muß ich erst mit mir (und mit Freunden) zu Rathe gehn. Das Werthvollste würde jedenfalls <sein>, einzelne Schriftsteller ausfindig zu machen, die sich in Form längerer Essay’s über diese ganze Abfolge von Schriften verbreiteten. Wäre ich nur nicht zu sehr „außerhalb“, in jedem Sinne! —

Mit ergebenstem Gruße Ihr
Nietzsche

875. An C. A. Hugo Burkhardt in Weimar (Entwurf)

<Sils-Maria, Mitte Juli 1887>

Noch eine Bemerkung zu der genealogischen Notiz auf meiner letzten Karte. Mein Vater wurde am 10. Okt. des Schlacht-Jahrs 1813 geboren, in Eilenburg: die Niederkunft erfolgte, nachdem am Abende vorher Napoleon mit seinem Stabe in Eilenburg eingerückt war. — Meine Großmutter war eine große Verehrerin Napoleons, trotz der schlimmen Erinnerungen, die sich für sie an die Besetzung Weimars durch die Franzosen knüpften. — Daß sie auch eine große Verehrerin Goethes war, brauche ich nicht erst zu sagen „er war nicht nur ein großer Geist, sondern auch der liebenswürdigste M<ensch>“, habe ich als kleiner Knabe sie oftmals rufen hören. „Muthgen“ gehörte zu den gern gesehensten Gästen im Garten G<oethe>’s, wohin sie mit der ihr befreundeten Geh<eimen> Räthin Schmidt ging: 1811 trat sie eine Erbschaft dieser G. Schm an (Notiz Burkarts)

Eine meiner alten Tanten hat kurz vor ihrem Tode den Koffer, in dem sich auch die Briefe aus der Weimarer Vergangenheit unsrer Familie befanden, verbrannt, aus einem Sinn für Delikatesse und Ordnung, der unserm Geschlechte (nicht mir) extrem scheinen mag.

876. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria, Sonntag <17. Juli 1887>

Lieber Freund,

eine Bitte an Dich als „Kirchenvater“ — mir fehlt dringlich eine Stelle des Tertullian, in der diese schöne Seele die Freuden voraus schildert, welche er im „Jenseits“ genießen werde beim Anblick der Martern seiner Feinde und Antichristlich-Gesinnten: die Martern werden sehr ironisch und bösartig spezialisirt in Anspielung auf die ehemaligen Berufsarten dieser Feinde. Ist es Dir möglich, Dich dieser Stelle zu erinnern? und sie mir eventuell zu senden? (originaliter oder auch übersetzt: ich habe sie deutsch nöthig)

Mit bestem Danke für Deine letzten Karten, in denen mich das Wort „Beschämung“ ebenso gerührt hat als Dein Interesse für jene Vorreden erfreut. Es bleibt Dir nicht erspart, in den nächsten Tagen die fröhl<iche> Wissenschaft zu erhalten: fasse Dich in Gottergebenheit, die Gefahr geht damit zu Ende — und vielleicht findest Du auf einem kühlen Berge ein Stündchen und Plätzchen, um Dir diese Art „Wissenschaft“ zu Gemüthe zu führen.

Vorgestern habe ich meinen englisch-russischen Damen einen Besuch gemacht, sie sind dies Jahr in Maloja — wir waren heiter und herzlich zusammen; das Hôtel übrigens in einem angenehmen Luxus. Auch hat man mir ein kleines Concert „servirt“ — ein sehr begabter vornehmer Holländer spielte (Grieg, Jensen, Parsifal)

Gestern habe ich durch Frau Werthemann an die „Jungfere“ Marie Walter einen Auftrag betreffs westphäl<ischen> Schinkens nach Basel abgehn lassen.

Nota bene zu meiner letzten Karte. Ich habe dem braven Archivrath und Goetheforscher einen schönen Schreck gemacht, indem ich ihm (durch meine Mutter) vorstellen ließ, es sei unwahrscheinlich, daß 1778 „Muthgen“ mit dem jungen Dichter befreundet gewesen sei — gemäß dem Umstande, daß „Muthgen“ im December dieses Jahres das Licht der Welt erblickt habe. Der Unglückliche hatte seine „Entdeckung“ schon drucken lassen! — nun bleibt noch die Möglichkeit, daß das Muthgen des Goetheschen Tagebuchs die Mutter meiner Großmutter ist. Der Zusammenhang mit „Goethens“ steht übrigens unter allen Umständen fest; auch ist die Berufung des Prof. Krause als Nachfolgers von Herder das Werk Goethe’s.

Mit herzlichen Grüßen an Dich und Deine liebe Frau

Dein Nietzsche.

877. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz, Sonntag <17. Juli 1887>

Hier, geehrtester Herr Verleger, ist eine kleine Streitschrift die in direktem Zusammenhange mit dem voriges Jahr erschienenen „Jenseits“ steht: schon dem Titel nach. Vielleicht bringt sie das zu wege, die Aufmerksamkeit auf jenes Buch zu lenken: obschon sie gewiß nicht in dieser Absicht entstanden ist. — Meine Bitte ist, den Druck derselben umgehend zu beginnen; Ausstattung, Typen, Papier, Zahl der Exemplare — Alles exakt wie bei „Jenseits“: so daß diese Abhandlung wirklich als Fortsetzung von jenem „Jenseits“ auch äußerlich sich ausnimmt. Auch der Correkturengang der gleiche: ein Exemplar mit dem Manuscript an Herrn Köselitz (Venezia, San Canciano calle nuova 5256) und gleichzeitig ein Exemplar an mich hierher. — Meinen besten Dank für die Abzahlung der Gelder an Herrn E. Fritzsch, der mir bereits seit längerer Zeit den Empfang gemeldet hat.

Mit dem Wunsche, in einem gewissen Sinne auch einem Ihrer Vorschläge in Betreff Verbreitung meiner Litteratur mit dieser kleinen Schrift entsprochen zu haben

bin ich Ihr ergebenster

Prof Dr Nietzsche

878. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, Montag <18. Juli 1887>

Lieber Freund,

eine sofortige Antwort auf Ihren Brief, der eben zur Thür hereinspaziert ist, bei großem Regenwetter, welches mit seinem sanften Dunkel mir gar nicht unerquicklich scheint. Vielleicht haben Sie es auch — und sind damit den Alpdruck ein wenig los, den der Sommer auf die Seele legt. Sie haben Recht, ich sollte recht erkenntlich für meine kühle Sommer-Residenz sein (dies Jahr habe ich selbst hier oben gelegentlich an Schwüle gelitten, — was müssen Sie Ärmster ausstehen!) Sonst glauben Sie mir, mit einem gesunden Leibe kommt man über Alles hinweg, und mit einem kranken ist Nichts gut, und die besten Geschenke des Himmels werden kalt und traurig bei Seite gelegt. Eine physiologische Hemmung, die mir, ohne jede Übertreibung, seit Jahresfrist nicht Einen guten Tag gegeben hat und sich in Form von Allerlei Kleinmuth, Verwundbarkeit, Mißtrauen, Arbeitsunfähigkeit wie eine schwere seelische Erkrankung ausnimmt, so bestimmt ich auch die Physis als die Schuldige weiß und anklage — das ist eine Misere, mit der ein guter Gott Ihr Leben, lieber Freund, verschont hat. Zuletzt will ich billig sein und eine wesentliche Veränderung seit 8 Tagen ungefähr zugestehn — doch ist mein Mißtrauen so tief und die ganz schlimmen Anfalls-Tage immer noch so häufig, daß es mich dünkt, es könne morgen wieder ganz beim Alten sein. —

Diese besseren Tage habe ich sofort vehement ausgenutzt und eine kleine Streitschrift abgefaßt, die das Problem meines letzten Buchs, wie mir scheint, recht vor die Augen bringt: — alle Welt hat sich beklagt, daß man „mich nicht verstehe“, und die verkauften ca. 100 Exemplare gaben mir’s recht handgreiflich zu verstehn, daß man mich nicht verstehe. Denken Sie, ich habe ca. 500 Thaler Druckkosten in den letzten 3 Jahren gehabt — kein Honorar, wie sich von selbst versteht — und dies in meinem 43ten Jahre, nachdem ich 15 Bücher herausgegeben habe! Mehr noch: nach genauer Revue aller überhaupt in Betracht kommenden Verleger und vielen äußerst peinlichen Verhandlungen ergiebt sich als strenges Faktum, daß kein deutscher Verleger mich will (selbst wenn ich kein Honorar beanspruche) — Vielleicht bringt es diese kleine Streitschrift zu Wege, daß man ein paar Exemplare meiner älteren Schriften kauft (aufrichtig, es thut mir immer weh, wenn ich an den armen Fritzsch denke, auf dem nun die ganze Last hockt). Mags also meinen Verlegern zu Gute kommen: ich für meine allereigenste Person weiß nur zu genau, daß es mir nicht zu Gute kommt, wenn man anfängt, mich zu verstehen…

Overbeck schrieb, daß er die Vorreden hintereinander wie „die spannendste Odyssee im Reich des Gedankens“ gelesen habe. — Marie Rothpletz verheirathet sich mit einem Major a. D. von der Marck (dessen Schwester mir von Nizza her als sehr gute Tischnachbarin im Gedächtniß ist)

Komisches Hin-und-Her, Briefe und Anfragen zwischen Weimar und den dortigen Goetheforschern und unsrer Familie. Man hat nämlich „entdeckt“, wer das „Muthgen“ (eines der Räthsel des Goetheschen Tagebuchs) ist: der Archivrath Burkart hat es sogar schon drucken lassen — nämlich meine Großmutter. Nun habe ich diesen Herren den Streich gespielt, etwas dagegen zu stellen: „es schiene mir unwahrscheinlich, daß ‚Muthgen‘ (Erdmuthe Krause) 1778 ,dem jungen Dichter befreundet gewesen sei“, weil —… Muthgen erst im December des genannten Jahres das Licht der Welt erblickt habe. Große Bestürzung. Nun vermuthet man, es müsse die Mutter von „Muthgen“ sein. Die Beziehungen zu „Goethens“ stehn übrigens außer allem Zweifel. Daß der Bruder Muthgens, der Prof. theol. Krause in Königsberg nach Weimar berufen wurde als Nachfolger Herders (als Generalsuperintendent des Landes) war Goethes Werk.

Lieber Freund, es wird nicht nur gedruckt, bei Naumann, es wird auch gestochen, bei Fritzsch: fühlen Sie den Stich?… Zum Mindesten werden Sie ihn bald sehn.

Aber seien Sie doch so engelhaft (wie die Dönhoff zu sagen pflegte) und schicken Sie, was zu schicken ist, an Bülow… alter Freund — bitte —

(curiosum anbei: Dr. Widmann vom „Bund“ hat mir geschrieben, enthusiastisch; auch von Brahms, mit dem er zusammen ist (letzterer „lebhaft interessirt von Jenseits“, jetzt im Begriff sich fröhl<iche> Wissenschaft zu Gemüthe zu führen. — Sollte ich in dieser Richtung Etwas für matrim<onio> segreto thun können??? Fragezeichen.

Treulich Ihr
N.

879. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria,> Montag, <18. Juli 1887>

Herrn C. G. Naumann.

Bitte, geehrtester Herr Verleger, ordnen Sie an, daß man nicht mehr als 30 Zeilen auf die Seite setzt — noch lieber wäre mir 29. Brief und Manuscript wird hoffentlich in Ihren werthen Händen sein? Nochmals darum bittend, daß man ungesäumt an den Druck geht

hochachtungsvoll der
Ihrige
Dr Nietzsche.

880. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm)

Sils Engadin 20. Juli 1887

Bitte Manuscript wieder zurück Zwischenfall

Nietzsche

881. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 24. Juli 1887>

Lieber Freund, ich halte es für meine Schuldigkeit, Sie sofort von dem zu benachrichtigen, was ich eben höre: daß in Weimar Herr v. Loën gestorben ist, und daß an seine Stelle der bisherige Intendant in Hannover, Hr. Bronsart von Schellendorff tritt. Gesetzt, daß Sie in Betreff Hamburgs noch nicht schlüssig geworden sind, so wäre der Fall Weimar und Lassen nicht zu unterschätzen. Der neue Intendant genießt eines sehr guten Rufs. — Eine Andeutung meines letzten Briefs, daß bei Naumann gedruckt werde, war verfrüht; ich habe telegraphisch mir das Manuscript zurück bestellt, nicht aus Unzufriedenheit damit, sondern weil inzwischen das Begonnene weiter gewachsen ist und sobald auch noch kein Ende absehn läßt. Titel und Thema: „zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift“.

In Treue Ihr Freund
N.

Adr: Dem General-Intendanten des Großherzogl<ichen> Weimar<ischen> Hoftheaters Baron Bronsart von Schellendorff.

Heute bei Rothpletzens Hochzeit: Maria R<othpletz> und der Hauptmann a. D. von der Marck. (Oder Major)

882. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 29. Juli 1887.

Hochgeehrter Herr Verleger,

nunmehr ist Alles in Ordnung, der „Zwischenfall“ beseitigt — der Druck kann sofort beginnen (oder vielmehr: ich bitte darum, daß er sofort beginnt und mit großer Lebendigkeit durchgeführt wird, damit die ganze Sache vor meiner Abreise von hier erledigt ist: 6—7 Bogen)

In Betreff der Ausstattung, Papier, Lettern, Zahl der Zeilen usw. bleibt es bei meiner anfänglichen Bestimmung: absolute Gleichheit mit „Jens<eits> von G<ut> und Böse.“ Die beiden Bücher müssen zum Verwechseln ähnlich aussehn. (Also auch die Vorrede nach dem Muster von Jens<eits> von G<ut> und B<öse>, ganz wie dort die Vorrede arrangirt ist) Auch in Betreff des Correkturengangs bleibt es bei dem zuletzt Angeordneten. Die Adresse des Herrn Köselitz in Venedig haben Sie.

Mit dem Wunsche, daß Alles wohl gerathen möge,

bin ich, der ich war,
Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche

— Was müssen Sie von der Hitze leiden! Hier selbst, in einer Höhe von fast 6000 Fuß, ist es schwül! — —

883. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

(Sonnabend) <Sils-Maria, 30. Juli 1887>

Lieber Freund, was für ein Sommer! Ich denke Sie mir im Zimmer sitzen, mehr Omelette als Mensch; auch soll der segretario des allerschönsten matrimonio nicht mehr belästigt werden, wie es durch meine letzten Briefe und Karten zu meiner nachträglichen Unzufriedenheit geschehn ist: zum Mindesten nicht, so lange die große Hitze währt, wo Alles, was von außen an Einen kommt, wie ein Insekt wehe thut. Seien Sie nicht böse, lieber Freund! — Ich erwäge, daß vom Standpunkte des Glücks das dolce far niente nichts Gutes an sich hat bei 25 Gr. Cels. sondern erst von 15 an, abwärts; und wieder, daß von 8 C. an das dolce darin besteht, sehr viel zu thun. In summa; man muß seine Sommer im Gebirge zubringen (— Pieve di Cadore?) — Mein Manuscript ist fertig, sogar in der Abschrift. Es wird doch noch gedruckt.

Mit dem allerherzlichsten Gruße

Ihr Freund N.

884. An Malwida von Meysenbug in Rom

Sils-Maria, Oberengadin den 30. Juli 1887.

Endlich, meine hochverehrte Freundin, ist mir Ihr gütiges Schreiben zugekommen, nachdem dasselbe eine wahre Odyssee durchgemacht hatte, hin und her durch Schweiz und Deutschland: — es zeigte die Spuren davon, war auf gemacht, hatte alle möglichen Postvermerke am Leibe und sah wie ein altes Schiff aus, dem Etwas zugestoßen ist. Verzeihung! denn zuletzt bin ich die Ursache von dem Allen, mit der Adresse, die ich Ihnen in meinem Churer Brief gab: aber denken Sie, inzwischen ist der Mann, dem zu Liebe ich einen Versuch mit Celerina machen wollte, ein alter preußischer General, gestorben — und somit bin ich wieder in meinem alten Einsiedler-Nest.

Ich nannte einen Todesfall, der mich betrübte; es gab einen zweiten, der mir noch viel mehr zugesetzt hat und den ich kurz darauf erfuhr — Sie werden wissen, wen ich meine: den Tod Heinrich von Stein’s. Ich hatte eigentlich nie daran gezweifelt, daß diese noble Creatur mir gewissermaßen aufgespart sei, für ein späteres Leben, dann wenn diese reiche und tief angelegte Natur wirklich sich entfaltet, wirklich ans Licht gekommen sein würde: denn er war noch erschrecklich jung, weit unter seinem Alter, wie es gerade recht ist bei Bäumen, die auf eine mächtige und lange Bestimmung angelegt sind. Nun bricht der Blitz einen solchen jungen Baum zusammen: das gehört zum Schmerzhaftesten, eine Zeitlang bin ich es keine Minute losgeworden. — —

Der Kampf mit meiner schlechten Gesundheit hat mir auch hier oben, in der bewiesenen Luft des Oberengadin, noch einige Wochen gekostet, ehe ich den Schaden, den mir der Frühling und lauter mir unmögliche Climata und Orte angethan hatten, zum Ausgleich brachte. Ich habe eine so große Aufgabe und Bestimmung auf mir, daß mich alle solche Zeitverluste blutig reizen und erbittern (leider sind es immer auch tiefe Depressions-Zeiten, wo man nicht mehr den Muth zu sich selber aufrecht erhalten kann — die schlimmste Einbuße, die es auf Erden giebt.)

Daß dieser Muth in der Hauptsache aber bei mir Stand hält, trotz jener physiologisch-begründeten Intermittenzen, haben Ihnen vielleicht die neuen Ausgaben von „Morgenröthe“ und „fröhl<icher> Wissenschaft“ bewiesen, welche ich mir erlaubte, an Ihre Versailler Adresse zu schicken. Ich empfehle insbesondere, was neu daran ist: die zwei Vorreden, dann das fünfte Buch der fröhl<ichen> Wissenschaft nebst dessen Anhange: „Lieder des Prinzen Vogelfrei.“ (Die neuen Auflagen der „Geburt der Tragödie“ und von „Menschl<iches>, Allzumenschliches“ (2 Bände) enthalten Wesentliches über meine Beziehung zu Wagner: leider bin ich außer Stande, diese Sachen Ihnen zu senden)

Mit dem schwachsinnigen und eitlen Lanzky, verehrte Freundin, dürfen Sie mich nicht verwechseln: das ist ein Litterat zehnten Ranges, dem ich einen Fußtritt gegeben habe, als ich merkte, welchen Mißbrauch er mit mir und meiner Litteratur zu treiben anfieng. Halten Sie denn eine Seite von seinem süßlichen Gewäsch aus? Es versteht sich von selbst, daß seine „Abendröthe“, von der Sie schreiben, mir absolut unbekannt ist: dergleichen darf bei mir nicht über die Schwelle, ebenso wenig wie Hr. L<anzky> selbst. Das ist ein anscheinend ziemlich gutmüthiger und braver Mensch, aber innerlich corrumpirt: wenn solche mißrathne Creaturen gar noch sich den „Mantel der Weisheit“ umthun, so muß man sie behandeln wie die unverschämtesten Lügner: und das sind sie in der That. — —

Meine ehrerbietigsten Complimente an Herrn und Frau Monod, auch an Frl. Natalie Herzen, und den Ausdruck alter Liebe und Treue für Sie!

Nietzsche.

Fräulein v. Salis ist hier, Doktorin nunmehr: ihre Abhandlung über Agnes von Poitou soll Herrn Prof. Monod zugehn. — Ich bin inzwischen in Beziehung zu Ms. Taine gekommen, er schrieb dieser Tage an mich, sehr liebenswürdig.

885. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria, Oberengadin d. 3. August 1887.

Meine liebe Mutter,

es kam mir so vor, als ob alle Welt weit und breit schwiege; kein Brief-Schmetterling verfliegt sich mehr auf meine Höhe — offenbar ist es in der Tiefe sehr, sehr heiß. Schließlich fällt mir aber ein, daß ich auch eine lange Zeit still geschwiegen habe — und so soll denn gleich ein Briefchen davon flattern. Ich war sehr arbeitssam, den ganzen Monat Juli: es scheint, daß mit der Gesundheit auch meine geistigen Kräfte wieder zugenommen haben. Auch habe ich einige Verbesserungen in der Einrichtung meiner Lebensweise durchgeführt, die entschieden sehr günstig gewirkt haben. Das Eine ist, daß ich noch kein Mal die table d’hôte besucht habe, deren Kost manche unberechenbare Gefahren in sich hat: dazu ist der Saal heiß, überfüllt (c. 100 Personen, viel Kinder) lärmend, genug, nichts für Dein zartes Thier, das zuletzt auch ein wenig zu stolz ist, um sich ohne Gewissensbisse en masse mit abfüttern zu lassen. So esse ich denn allein, eine halbe Stunde vorher: Tag für Tag ein schönes rothes Beefsteak mit Spinat und eine große Omelette (mit Apfel-Marmelade darin.) Dafür zahle ich ebenso viel als für die table d’hôte. Abends nichts als einige Scheibchen Schinken, 2 Eidotter und 2 Semmeln. Das wesentlichste ist aber die Neuerung früh morgens. Ich vertrug eigentlich seit vielen Monaten den Thee nicht mehr, wenn ich aufstand, sondern war hinterdrein müde und nervös, mit den deutlichen Anzeichen verdorbnen Magens. Etwa alle vierzehn Tage höchstens gab es einen guten Morgen, wo ich arbeiten konnte. Jetzt habe ich mir etwas Neues erfunden, das sich 5 Wochen schon bewährt hat: um 5 Uhr nehme ich eine Tasse bittren Cacao (van Houten), die ich selbst aufgieße, dann lege ich mich wieder zu Bett, schlafe mitunter wieder ein, stehe aber Punkt sechs auf und trinke, wenn ich mich angezogen habe, noch eine große Tasse Thee. Dann geht es an die Arbeit — und es geht. Das ganze System ist viel beruhigter und mehr im Gleichgewicht; auch ist meine Laune besser. Ich habe im Monat Juli nur 3 große Anfälle meines Kopfleidens mit tagelangem Erbrechen gehabt: was gegen die Monate vorher ein wirklicher Fortschritt ist. Meine russisch-englische Gesellschaft ist dies Jahr nicht in Sils, sondern in dem prachtvollen Maloja-Hôtel, wo ich einen Tag mit ihnen zugebracht habe. Hier in Sils ist Frl. von Salis mit einer Freundin, ich mache so gut es gehn will, die Unterhaltung der beiden Damen. Dann ist Basel dies Jahr sehr stark in Sils vertreten (37 Personen), darunter viele alte Bekannte zb. Sally Vischer (Frau Allioth) mit 4 Kindern nunmehro. In München hat sich Frl. Maria Rothpletz die letzte Woche mit dem Bruder einer Dame verheirathet, die einen ganzen Winter meine Tischnachbarin in Nizza war: mit dem Hauptmann Von der Marck. Heute will ich noch mir Wiel’schen Schinken von der Hauptbezugsquelle bestellen. — Mit dem allerherzlichsten Wunsche, daß es Dir wohl ergehe, meine liebe Mutter! Hoffentlich giebt es keine schlechten Nachrichten, ich habe etwas fertig zu machen, wozu ich Sonnenschein in jedem Sinne brauche.

Dein altes Geschöpf.

885a. An Louise Röder-Wiederhold

Sils-Maria den 3. August 1887.

Verehrte Frau

ich nehme die erste Ruhepause wahr, die eine anstrengende Arbeit mir und meinen Augen läßt, um meinen ganz stillgestellten und eingefrornen Brief-Verkehr mit „der Welt“ wieder in Fluß zu bringen: und da fällt mir zuallererst die angenehme Schuld, Briefschuld ein, die ich gegen Sie noch auf der Seele habe. Es war sehr liebenswürdig, sich dergestalt eines alten schweigsamen Philosophen und Höhlenbärs zu erinnern, wie Sie es mit Ihrem gütigen und klugen Briefe gethan haben. Die Jahre laufen davon, die Menschen auch; es ist wunderlich, was ich seit Sommer 1875 vereinsiedelt bin. Es versteht sich, daß ich mich bemühe, dies natürlich zu finden, sogar etwas wie Auszeichnung aus einem solchen Loose herauszulesen. Doch giebt es Tage, wo ich eine Last darin trage: — das geschieht, um es gerade Ihnen zu sagen, wenn ich wieder einmal mir meine völlige Unfähigkeit ad oculos demonstrirt habe, unsrem Venediger Freunde und maëstro zu Hülfe zu kommen. Dazu gehört ein Darinstecken, ein Mitmachen, etwas wie Amt, Macht, Ansehn unter den Gegenwärtigen und Gegenwärtigsten: — ein Zukunfts-Philosoph läßt seine Freunde bei lebendigem Leibe verhungern, welche absurde Consequenz bringt alles Unzeitgemäß-sein mit sich! — Nebenbei noch gesagt, ich glaube daß mir selber in den letzten Jahren nichts so gefehlt hat wie eine Aufführung der Köselitzischen Oper, der ich hätte beiwohnen können: es wäre ein Labsal, eine Ermuthigung, ein Sieg ersten Ranges für mich gewesen. Man behält nicht viele Dinge lieb, wenn man alt wird, aber die alten immer lieber. Mit fünf, sechs Melodien unsres Venedigers habe ich mir manche schlaflose Nacht zu einer Erquickung umgewandelt: nur darf ich dann nicht daran denken, daß der, dem man so kostbare Dinge zu verdanken hat, wie eine Art Bettler lebt, der nicht bittet, daß man ihm giebt, nein, daß man von ihm nimmt. Das ist Alles so absurd — und andrerseits so alltäglich, so ewig, so natürlich!!!! – Wenn Sie mir schreiben, verehrte Frau, was mir hin und wieder geschrieben wird, daß meine Schriften einen gewissen Einfluß ausüben, so kann ich mir im Grunde dabei immer ein Gefühl der Angst nicht ersparen: nämlich es möchte ein schlimmer Einfluß sein. Vielleicht habe ich bisher in einem kaum erlaubten Maaße gerade Eins immer ganz außer Acht gelassen: daß es Leser giebt. Wäre ich reich genug oder so etwas wie ein principe, der seine eigne Druckerei hätte, so gäbe es keine Leser meiner Schriften — aber wahrscheinlich dennoch diese Schriften. Das gehört zu meinem Unglauben an das Jetzt: ich glaube, daß die Ohren heute für andre Dinge offen stehn sollten, als für meine Dinge. Diese, fürchte ich, richten heute Unfug an, wenn sie heute gehört werden. Mit dem herzlichen Wunsche, daß es sich in Ihrem Falle, verehrte Frau, um eine wirkliche Ausnahme handle — und ich lasse Ausnahmen zu und ehre sie — bin und bleibe ich Ihr dankbar ergebener Nietzsche.

886. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria den 8. August 1887.

Lieber Freund,

Ihr Brief hat mich wieder so gerührt! Wenn ich nur irgend ein Mittel wüßte, Ihnen ein wenig nützlich sein zu können, statt Ihnen durch ungeschickte „Aufforderungen zum Tanz“ (zum verwünschten Tanz mit Postpferden, Eisenbahnen und Theaterbetriebs-Ochsen) zuletzt noch gar weh zu thun! Sehen Sie, ganz grob egoistisch geredet, läge mir eigentlich etwas daran, wenn Sie Ihre schönen Partituren und Klavierauszüge nicht wegschickten, damit ich dieselben im Herbste noch bei Ihnen vorfände (denn bisher ist es noch bei Venedig geblieben: Zwischenfälle und Überraschungen vorbehalten, die meine gute Absicht vernichten könnten). Aber es versteht sich hundert Mal von selbst, daß „Eins nothwendiger ist als das Andre“; und zuletzt wüßte ich für mich selbst wenig angenehmere Ereignisse als eine baldige Aufführung Ihres herrlichen Werks: selbst angenommen, was leider angenommen werden muß, daß ich bei ihr nicht zugegen bin. — Mir ist der Fall „Weimar“ inzwischen nicht aus dem Kopf gekommen. Bülow ist brüsk und excentrisch: berechenbar ist gar Nichts in diesem Falle, höchstens möglich, in dem Sinn als bei Gott nichts unmöglich ist. Was den neuen Weimarschen Chef angeht: so hat er vielleicht den Wunsch, sich mit einer Novität und Merkwürdigkeit zu präsentieren? Wäre es nicht möglich, ihm einen längeren Brief-Bericht zu senden, eine Art Selbstkritik des Werks, natürlich mit starker Hervorhebung des Stils, der Richtung, der gewissermaßen gerade jetzt nöthigen und prädestinierten Richtung einer solchen Musik? (Auch die leichte Aufführbarkeit, das Venetianische usw. wäre zu unterstreichen) Und dies, bevor das Manuscript abgienge; vielmehr letzteres für den Fall in Aussicht stellend, daß ein wirklicher Wunsch vorhanden sei, das Werk kennen zu lernen. Verfassen Sie einen kleinen Aufsatz, so gut und fein und überlegen, lieber Freund, wie jenen, den Sie mir nach Cannobio zusendeten, über die Vandalisirung Venedigs — und seien Sie mir nicht böse…

— Anbei folgt der Hymnus: Alles Weitere steht nun in Ihrer Hand! Ich lege einen Vorschlag zum Titelblatt bei: es versteht sich, daß Sie hierüber wie über die Noten eine unbeschränkte Freiheit (zu ändern) haben. Ein paar Fragezeichen meinerseits, die auf das Bescheidenste um Gehör bitten: —

Seite 3, vorletzter Takt: zur Verstärkung Alt mit Sopran unisono also die Altstimme

entsprechend p. 8 sechster Takt, wo die Verstärkung („und in der / Gluth, in der“) noch wesentlicher erscheint. Ebendaselbst, ein Takt vorher: wie wäre es, der Trompete hier zur Bekräftigung des c ein zu geben?…

Seite 4, dritter Takt, entsprechend Seite 9: den Fagotten vielleicht diese kleine Bewegung des sonst zu starren Rhythmus anvertrauen — ?

Auf der allerletzten Seite bitte ich die Schluß-Interpunktion nach Pein zu ändern: nicht Ausrufezeichen, vielmehr drei Punkte: als welche mit ihrem ominösen Charakter hier wenn irgendwo am Platze sind. Also:

wohlan! Noch hast du deine Pein…

— Und wenn Sie zufrieden sind, dann den Stich fort an E. W. Fritzsch! —

Es ist möglich, daß alsbald auch Naumannsche Correkturen eintreffen: seien Sie, lieber Freund, geduldig! Zum Wenigsten verspreche ich Ihnen ein paar Überraschungen bei dieser „Streitschrift“. Sie ist in der That rasch beschlossen, begonnen und fertig gemacht: nach dem Postschein habe ich das Manuskript (zum 2. Mal) an Naumann am 30. Juli abgeschickt: der Anfang der Arbeit, leider nicht von mir notirt, muß gegen den 10. Juli gewesen sein. Bis dahin ungefähr war ich krank und extrem indisponirt.

Mit dem allerherzlichsten Gedenken an Sie, lieber Freund,

Ihr getreuer
Nietzsche

NB. Vor einigen Tagen habe ich an Frau Röder nach Arbon geschrieben, die sich freundlich genug mir ins Gedächtniß gerufen hat.

[Beilage]

Hymnus an das Leben
von
Friedrich Nietzsche.

Für Chor und Orchester bearbeitet von Peter Gast.

Gewiß, so liebt ein Freund den Freund,

Wie ich dich liebe, räthselvolles Leben!

Ob ich in dir gejauchzt, geweint,

Ob du mir Leid, ob du mir Lust gegeben,

Ich liebe dich mit deinem Glück und Harme,

Und wenn du mich vernichten mußt, Entreiße ich mich schmerzvoll deinem Arme, Wie Freund sich reißt von Freundes Brust.

Mit ganzer Kraft umfaß ich dich, —

Laß deine Flammen meinen Geist entzünden

Und in der Gluth des Kampfes mich

die Räthsellösung deines Wesens finden!

Jahrtausende zu denken und zu leben,

Wirf deinen Inhalt voll hinein!

Hast du kein Glück mehr übrig, mir zu geben,

Wohlan! Noch hast du — deine Pein…

L. S.

Leipzig,
Verlag von E. W. Fritzsch.

887. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Freitag… Sils-Maria, Tag des Monats mir völligunbekannt. <12. August 1887>

Schnell noch ein Briefchen an meine gute Mutter. Es steht ein Gewitter am Himmel, Dein altes Geschöpf befindet sich nicht gerade zum Besten, in Sonderheit machen die Augen wieder rechte Sorge. In der Hauptsache aber ist es bis jetzt gegangen: es gab viel zu thun, „der Geist“ hat immer gute Miene gemacht — und das Körperchen auch: ein paar Tage mit bösem Kopfschmerz und Erbrechen, wie immer, abgerechnet. Es ist auch hier dies Jahr wärmer; auch fällt es mir auf, daß ich niemals in meinem Leben so viel Wasser getrunken habe als diesen Sommer. Die Mahlzeiten immer noch so, wie ich Dir zuletzt schrieb: nur habe ich das Gemüse Mittags weggelassen. Ein Wiel’scher Schinken ist eingetroffen, aus der Kuranstalt in Eglisau, in der nach dem Tode des Dr. Wiel seine Methode fortlebt, auch seine Arten, Schinken für Magenkranke herzustellen (es gehört eine Spezialität in der Mästung der Schweine dazu, wie man mir sagt) Die Adresse bekam ich von Frl. von Salis, sie ihrerseits vom englischen Consul in Zürich. Das Pfund Schinken (im Ganzen) zu 1 1/2 frs. (12 Silbergroschen) Übrigens läßt Dir Frl. von Salis, jetzt Doktorin (der Geschichte: ihre Dissertation handelt von der Mutter des Kaiser Heinrich IV) die herzlichsten Grüße durch mich übermitteln. Meine englisch-russische Gesellschaft ist in Maloja, immer noch, und schreibt fleißig an mich. Kürzlich ein großer Maskenball daselbst, wobei Miss Fynn als russische Bäuerin Aufsehn erregt hat. Meine alte Meysenbug ist wieder in Versailles, immer noch sehr betrübt über den Tod ihrer Schwester Laura. Sie wünscht so sehr, daß ich diesen Winter zu ihr nach Rom komme; sie denkt, es könnte vielleicht ihr letzter Winter sein. Der Herbst (d. h. Oktober bis Mitte November) ist einstweilen für Venedig festgesetzt, nicht ohne Furcht meinerseits vor dem Sprung aus dem lufttrockensten Stück Europas in das luftfeuchteste (Auch die Wärmedifferenz ist enorm: unser Sommer hier oben, im Durchschnitt 10 Gr. Cels. entspricht dem Durchschnitt eines Januars in Nizza) Aber ich muß meinen Venediger Freund und maëstro etwas ermuthigen: zuletzt thut mir seine Musik wohl wie… die gute reine helle Luft hier oben. Man schreibt mir, daß der berühmte Componist Johannes Brahms (jetzt in der Schweiz) sich sehr mit meinen Büchern abgiebt. Für die Herrn Musiker, scheint es, hat Dein altes Geschöpf etwas Anziehendes. Übrigens druckt man jetzt meinen „Hymnus an das Leben“ Chor mit Orchester: das Einzige, was von meinen Compositionen erscheinen soll, damit man einmal etwas hat, das zu meinem Gedächtniß gesungen werden kann. (Verlag von E. W. Fritzsch.)

Meine besten Wünsche zu dem neuen Vorhaben meines unruhigen und unternehmungslustigen Schwagers. Nun! Nun! Eine landwirtschaftliche Akademie — und ein alter Schulmeister und Volksredner an der Spitze: das ist vielleicht etwas für Südamerikaner. Für mich ist’s nichts. Ich liebe jede Art Fachmann.

„Wunschzettelchen“, auf Wunsch, meine liebe Mutter! Bitte, keinen Honig! (das letzte Mal ist er mir schlimm bekommen) Aber sonst sehr gern die guten Dinge, von denen Du schreibst. Dann zwei Cravatten, eine große breite, zum Umlegen und eine zum Anstecken. Endlich: aus der Apotheke in der Herrenstraße 100 gramm Rhabarber in Stücken. Und bitte, sobald als möglich. Es grüßt Dich in herzlicher Liebe

Dein altes Geschöpf.

Mache meinen lieben Onkels Edmund und Oskar, von deren zu erwartendem Besuche Du schreibst, die schönsten Complimente in meinem Namen. Nun bin ich bald 43 Jahr - - -

…Und ich habe Dir nicht einmal für Deinen gütigen Brief gedankt! Verzeihung!

N. B. „Muthgen“ ist natürlich die Mutter der Großmama N<ietzsche>. Der Bruder, der Prof. Dr. theol. Krause in Königsberg, wurde, auf Goethes Veranlassung, der Nachfolger Herder’s, als Generalsuperintendent von Weimar. Ad notam für Herrn Archivrath B<urkhart>.

888. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Sils—Maria Oberengadin, Schweiz. Sonnabend <13. August 1887>

Sehr geehrter Herr Verleger,

die Correktur des Hymnus wird in Ihren Händen sein, insgleichen der Entwurf für das Titelblatt. Den Stich des letzteren bitte ich umgehend bewerkstelligen zu lassen: den Abzug erbitte ich mir hierher zur Correctur, Sils-Maria. Über Papier (stark, fein, holzfrei) sollen Sie verfügen, ebenso über die Zahl der herzustellenden Exemplare; in dieser Hinsicht fehlt mir jedweder Maaßstab, jedwede Erfahrung.

Mich Ihnen mit bestem
Gruße empfehlend Ihr
Nietzsche.

889. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Sils-Maria 14. August. <1887>

Geehrtester Herr Verleger,

so eben habe ich mit bestem Danke für den hiermit bewiesenen „guten “Willen“, den Druck rasch zu Ende zu führen, den 3.ten Bogen erhalten. Morgen sende ich die Correktur des 2.ten: der erste, druckfertig, muß schon wieder in Ihren Händen sein. In drei, vier Tagen folgt der Rest des Manuscriptes, die dritte Abhandlung: sie wäre eher fertig geworden, wenn nicht meine Augen protestirt hätten: doch sind 3/4 schon abgeschrieben. Meine Absicht ist, hier bis in den September hinein zu bleiben (spätestens 20. Sept.) vorausgesetzt, daß die Kälte nicht so groß wird (Durchschnittstemperatur des September hier oben 7 Grad Celsius… )

Ganz ergebenst
Ihr Nietzsche.

890. An Emily Fynn in Maloja

Mittwoch <Sils-Maria, 17. August 1887>

Hochverehrte Frau,

so eben finde ich mitten in einem Wust alter Rechnungen das kleine beiliegende Bildchen der Villa Badia, welches Sie aber erst in schöne blaue und braune Farben übersetzen müssen, um es erträglich zu finden. Zwar schien es mir, daß Sie im Grunde jetzt das Reisen gerne bereit sind ad acta zu legen, ja daß Sie sich einen Gewinn von der Heimkehr gerade auch in Hinsicht auf Ihre ausgezeichnete Freundin versprechen: und in so fern kommt die Villa Badia zu spät. Es müßte denn sein, daß Sie die Heimreise über die Seen nähmen und dann Turin-Genf. Für diesen Fall empfiehlt sich ein Zwischenakt am genannten Ort; die zauberhaften Farben des Herbstes daselbst, der Reichthum an Feigen, an herrlichen Bäumen, das Klösterliche und Vornehme der Lage und Anlage — ich zweifle nicht, daß Sie zusammen eine tiefe schöne Erinnerung von dort heimbringen würden.

Inzwischen, nach jenem köstlichen und reichen Tage bei Ihnen, habe ich gelebt wie ein Höhlenbär — sehr arbeitsam und, wie mir scheint, verbessert in Hinsicht auf Gesundheit und Geduld. Wenn Alles glückt, was ich just unter der Hand habe, gedenke ich ein paar Stunden der Erholung bei Ihnen zu feiern, hoffend, daß inzwischen auch bei Ihnen der schöne Sommer und die heroïsche Landschaft Malojas stärkend und hoffnungsgebend gewirkt hat. —

Ihnen Allen in treuer Verehrung und Anhänglichkeit zugethan, bin ich, meine hochverehrten Damen

Ihr ergebenster Diener

Dr Fr. Nietzsche Prf.

891. An Heinrich Köselitz (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1887>

Lieber Freund, es beunruhigt mich, daß bis heute (Donnerstag) Morgen der dritte Correcturbogen noch nicht in meinen Händen ist. Naumann hat den für mich bestimmten Abzug Freitag Abend von Leipzig abgeschickt, so daß ich Sonntag Mittag ihn hatte: Sie müssen den Ihrigen nach meiner Berechnung noch früher gehabt haben. Nun gab es in den letzten 4 Tagen große Gewitter und im Bergell zwei Bergrutsche, so daß die Post 2 Mal ausgeblieben ist: sollte da ein Malheur passirt, irgend was verloren gegangen sein?… Meinen allerschönsten Dank für Ihren Brief und Alles, was Sie gerade in den letzten Wochen für mich wieder gethan haben: es war zu viel, aber ich selbst bin unschuldig daran, daß die Druckerei und die Stecherei zugleich anfiengen zu speien, ich hatte es anders angeordnet (aber Fr<itzsch> ist ein großer Bummelhans, und N<aumann> hat mir den Beweis geben wollen, daß er’s nicht ist) Heute krank, recht erschöpft: sonst würde ich Ihnen mehr schreiben. Hoffentlich haben Sie’s jetzt kühler. —

Treulich Ihr N.

892. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Sils-Maria <18. August 1887>

Geehrtester Herr Verleger, bis heute (Donnerstag Vormittag) ist der dritte Correkturbogen aus Venedig noch nicht bei mir eingetroffen. Vielleicht ein Malheur? Es gab große Gewitter, Bergrutsche; die Post aus Italien ist 2 Mal um einen halben Tag zu spät gekommen. — Nun ist gerade in Betreff dieses dritten Bogens noch etwas in der Druckerei zu thun, dessentwegen der Bogen unter allen Umständen nochmals an mich geschickt werden müßte, bevor er druckfertig ist. In einem Briefe, den ich zugleich mit dieser Karte absende, liegt das Manuscript einer längeren Anmerkung, die an den Schluß der ersten Abhandlung (in den leeren Raum daselbst) zu rücken ist.

Das Manuscript der 3ten Abhandlung ist beinahe fertig.

Ihr ergebenster
Prof Dr Nietzsche

892a. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils-Maria, 18. August 1887>

(Beilage zum Brief vom 18. VIII. 1887)

Nachtrag zu Seite 37 und 38 auf beiliegendem Blatte.

diese Anmerkung (in ganz kleinen Lettern — ich empfehle die der

Inhaltsangabe im Jenseits v. G. u B. p. VII) ist so einzurichten, daß der Text ganz unten auf S. 37. beginnt und die Seite 38 bis zu Ende ausfüllt. Also auf Seite 37 ein ansehnlicher Zwischenraum noch zwischen dem Strich unter dem Haupttext und der Anmerkung zu lassen! —

Dieses Nachtrags wegen bitte ich mir den Bogen 3 nochmals zur Correktur aus. Auch soll derselbe, zum Zweck der Zeitersparniß, nicht an Hrn Köselitz abgehen.

F. N.

Im Falle der nach Venedig gesandte Correkturbogen verloren gegangen ist, wäre es natürlich nöthig, diesen dritten Bogen an Herrn K zu senden.

893. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Sils-Maria, 19. August 1887> Freitag.

Arrivato! mille grazie! In der That war die Straße im Bergell wieder zerstört, die Post kam um einen halben Tag zu spät.

Es ist kalt hier; neuer Schnee auf den nächsten Bergen. Ich selbst recht gehemmt und unlustig; die verhängten Himmel (mit dicken Schneewolken und Nordwinden) setzen mir arg zu.

Trotzdem: Sie haben’s schlimmer da „unten“! Und nun noch gar solche „Litteratur“ lesen müssen…

Treulich und dankbar
Ihr N.

894. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 20. August <1887> (kalt, Schnee)

Geehrtester Herr Verleger,

nur drei Worte: denn ich bin gerade krank. Der kleine ästhetische Skrupel, der mich veranlaßte, den Preis der Partitur nicht auf dem Titelblatte (wo das Gedicht steht) zu wünschen, muß natürlich Ihrem Gesichtspunkte und der geschäftlichen Praxis sich unterordnen: obwohl es mir leid thut. Daß das kleine Werk im Herbst zur Versendung kommt, ist mein eigner Wunsch; ich selbst möchte einige Exemplare noch früher haben. Daß eine Composition von mir bei Musikern einiges Interesse erregen könnte, ist in der That nicht ganz unwahrscheinlich; mir fällt eigentlich auf, wie sehr sich gerade die Musiker auch mit meinen Schriften abgeben — es scheint, daß ich ihnen eine Art Vertrauensmann bin. Dies gilt ganz und gar nicht bloß von den Wagnerischen Musikern; man hat mir zum Beispiel erst kürzlich geschrieben, daß Dr. Joh. Brahms sich auf das Lebhafteste für meine Bücher interessire. Zehn Capellmeister ausfindig zu machen, die den Hymnus auf ihr Winter-Programm setzten, sollte nicht schwer sein. — Von dieser Seite aus weiß ich mir in der Frage der Stimmen (Druck oder Abschrift) nicht recht zu helfen; da ich mich in jedem Sinne als einen Menschen „der Zukunft“ betrachte, so zweifle ich eigentlich nicht daran, daß man sich einmal genug für mich interessiren wird, um sich auch dieses „Glaubensbekenntniß“ in Tönen nicht entgehen zu lassen. Zunächst wünschte ich freilich, daß es sich erst in einigen Aufführungen bewährte, als singbar, klang- und ausdrucksreich. Verzeihung, daß ich von diesen Sachen rede. —

Das Circular scheint mir ein äußerst glücklicher Gedanke. Auch danke ich Ihnen noch besonders dafür, daß Sie darin jedes Wort der Reklame vermieden haben: das ist vom besten Geschmack.

Bei C. G. Naumann wird eine kleinere Schrift von mir gedruckt, eine „Streitschrift“, die vielleicht einige Aktualität für sich hat. Auf dem Umschlag (Rückblatt) wird die ganze Reihe der Ihnen zugehörigen Schriften aufgezählt, mit besondrer Hervorhebung der neuen Ausgaben und ihrer Veränderungen. Ich gestehe, daß ich einen Erfolg dieser Schrift besonders in Hinsicht auf meine ganze frühere Litteratur (die fleißig darin citirt wird) wünsche, — und daß sie beinahe aus dem Bedürfniß entstanden ist, dem Vertrieb dieser älteren Litteratur und damit auch Ihnen, geehrtester Herr Verleger, zu Hülfe zu kommen.

Mit herzlichem Gruß Ihr N.

Grüßen Sie, bitte, Herrn Rudhardt von mir (früher Prf. in Genf); man sagt mir hier, er habe eine gute Lehrer-Stellung am Leipziger Conservatorium. Das freut mich. Ich habe ihn hier kennen gelernt. Und zeigen Sie ihm meinen Hymnus! —

Senden Sie doch das Circular auch an Dannreuther (New York), der sich sehr für meine Litteratur zu interessiren scheint. Insgleichen an den Dänen Dr. Georg Brandes, einen der „schneidigsten“ deutschen Litteraten; seine Adresse im Litteratur-Kalender.

Die Correktur des Titelblattes bitte sobald als nur möglich hierher, an mich.

N.

895. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Freitag Nachmittag. <Sils-Maria, 19. August 1887>

Meine liebe Mutter,

ich schreibe auf der Stelle: Du hast mich herrlich beschenkt, und es giebt viele Gründe, weshalb ich gerade in diesem Augenblick besonders Dir dafür Dank zu sagen habe. Es stand in der letzten Zeit nicht mehr gut mit mir; vielleicht war ich ein wenig überarbeitet; jedenfalls setzte mir der Umschlag des Wetters sehr zu (vier Tage Gewitter, schwerer Regen; seitdem winterliche Luft, auf den nächsten Bergen neuer Schnee; heute morgen gieng ich mit Frl. von Salis in einem leichten Schneegestöber spazieren; in meinem Zimmer sitze ich morgens bei 2—5 Grad an der Arbeit) Die Schachtel enthielt lauter gute Dinge, einige davon ganz unerwartet zb. ein prachtvolles neues Werk des Dr. Deussen (hast Du seine Adresse?) über indische Philosophie (deren erste Autorität Deussen jetzt für Deutschland ist: der Zufall will daß ich selber gerade mit ihr stark beschäftigt bin, so daß das Buch à propos kommt, wie selten ein dedicirtes Buch) Den Sandtorten-Genuß muß ich mir noch etwas versagen; ich habe sie in eine Blechschachtel gethan. Den Cacao werde ich mit großem Interesse mit zwei Präparaten vergleichen, die ich selbst trinke (den holländischen van Houten und den schweizerischen Sprüngli): sehen wir zu, welche Nation den Preis davonträgt. Die Cravatten: meinem „tiefgefühlten“ Bedürfnisse entsprechend. Auch der Rhabarber sieht recht vertrauenerweckend aus: ich habe in diesem Punkte etwas Erfahrung (was bekanntlich, so wie das menschliche Leben nun einmal ist, fast immer so viel bedeutet wie „schlechte Erfahrung“ ..) Ich wäre neugierig zu wissen, was er kostet, da ich die französischen, italiänischen und schweizerischen Preise im Kopfe habe. Das Hemd: sehr gut! Denn ich trage diese Art fort und fort (Nachts nicht, aber am Tage) Auch scheint es mir, daß die Ärmel vernünftiger Weise kurz sind (und nicht wie bei denen, die ich jetzt trage) Endlich die Strümpfe und die Handschuh: meine liebe Mutter, welche Menge guter Dinge! Ich vergesse, wie überraschend mir die Brausepulver* vorkamen: wie als ob Du gewittert hast, was Dein altes Geschöpf sich oft diesen Sommer gewünscht hat.

Sonst giebt es wenig Neues zu melden. Frl. von Salis läßt sich Dir schönstens empfehlen; sie kommt mir immer noch sehr caput vor. Gestern besuchten mich meine Engländerinen im Wagen, ich fuhr noch ein halbes Stündchen mit ihnen, als sie zurück mußten. Im Hôtel Maloja, wo sie immer noch weilen, ist die Saison dies Mal sehr gut (c. 300 Person); der neuliche Maskenball hat der Miss Fynn einen großen Erfolg gemacht (die Zeitungen berichten selbst davon); man will mir sie bei meinem nächsten Besuche in den 2 Kostümen präsentiren, welche sie damals gehabt hat: erst als russische Hofdame, dann als russische Bäuerin. Es sollen die schönsten Costüme des Balls gewesen sein. — Um einen Begriff von der Frequenz zu geben: Am 9ten August verkehrten in Maloja, bei dem Hôtel, c. 900 Wagen, davon c. 500 Kutschen und Equipagen. Sehr nizza-mäßig, dagegen hält unser Sils seinen idyllischen Charakter fest.

Nochmals mit dem allerschönsten Danke, meine liebe gute Mutter!

Dein altes Geschöpf.

896. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 25. August 1887>

Dein Brief, einen Tag später als die Schachtel, traf mich tief eingeschneit, im besten Januarwetter, das Zimmer sehr kalt. Seitdem hat es sich verbessert; zwar ist es immer noch sehr frisch (c. 4 Grad morgens), denn die Berge sind wie Zuckerhüte, aber der Himmel herrlich hell und die Luft trocken. Schönsten Dank für die Torte, die einen feinen und reinen Geschmack hatte! Die Strümpfe scheinen mir besonders gut zu thun, sie sind warm und von guter Wolle. Etwas ganz Komisches: stelle Dir vor, meine liebe Mutter, der Cacao schmeckt täuschend wie Thee, und wenn es nicht drauf stünde, was es ist, so würde ich’s nimmermehr glauben. Ich habe mir jetzt aus der Schweiz Schinkenwurst kommen lassen, ganz gut, das Pfund 12 Groschen 8 Pfennige: ist das auch Euer Preis? — Die Berufung des Prof. Dr. Krause an die oberste geistliche Stelle in ganz Weimar kann natürlich nur von oberster Stelle, dem Staatsministerium (Goethe) ausgegangen sein; G<oethe> spricht mehrere Mal von ihm (kränklich, mit einem weichlichen Geschmack in Litteratur; übrigens war er einer der bekanntesten Rationalisten jener Zeit, er liebte es, Schillersche Worte als Text zu seinen Predigten zu nehmen.) 1778 ist unantastbar; es handelt sich ja nur um das Tagebuch Goethes von diesem Jahr. Krause’s ächte Weimaraner: nie daran gezweifelt. — Meine Musik, Orchester-Partitur (nicht Klavier) noch nicht erschienen.

Dein F.

897. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils-Maria 28. August 1887> Sonntag früh

Hochgeehrter Herr Verleger

hiermit folgt endlich die dritte (Schluß-)Abhandlung — zu spät, wie ich mit Bedauern sage, ich war viel krank, die ganze letzte Zeit. Doch bilden jetzt die drei Abhandlungen ein gutes Ganze

Dem Manuscript der Abhandlung (das von hinten anfängt NB!) liegen noch zwei Blätter bei, einmal die

  1. Inhalts-Angabe, am Schlusse des Buchs oder vor den drei Abhandlungen einzufügen

  2. ein Nachtrag zur Vorrede.

Und damit Glück auf! Und fröhlich vorwärts!

Mit ergebenstem Gruß Ihr
Nietzsche

898. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).

Sils-Maria 29. August 1887

Werthester Herr Verleger,

mit Ihrer Fassung des Titels ganz einverstanden. Ich überzeugte mich, daß das Gedicht auf dem Titelblatt sich ganz abscheulich ausnimmt.

Und lassen Sie, bitte, sowohl für meinen Namen als für die Worte „Hymnus an das Leben“ einfachere und ernstere Lettern nehmen (um des Himmels Willen nichts dergleichen Geschnörkeltes und Rokoko-Mäßiges wie auf der beiliegenden Probe!)

Ergebenst, der Ihrige
Prof Dr Nietzsche

899. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, den 30. August 1887.

Lieber Freund,

inzwischen, denke ich, wird es auch in Venedig kühler geworden sein. Wir waren sogar schon eingeschneit und gründlichst: schönster Januar für zwei Tage, — seitdem wieder menschlicher, doch frisch, selbst herb. Die dumme Gesundheit wackelt wieder, der böseste Anfall des Sommers kaum überstanden. Trotzdem eine Art Zufriedenheit und Fortschritt, in jeder Hinsicht; vor allem ein guter Wille, nichts Neues mehr zu erleben, dem „Außen“ etwas strenger aus dem Weg zu gehn, und das zu thun, wozu man da ist. Sils wird festgehalten, ich wünschte, ich hätte schon eine eben solche Winterhöhle, wie diese Sommerhöhle. Für diesen Herbst, lieber Freund, bin ich immer noch Willens, es mit Venedig zu versuchen: doch muß ich erst von Ihnen noch eine ernstgemeinte Erlaubniß dazu erhalten. Gesetzt nämlich, daß Sie jetzt ein tiefes Für-sich-sein lieber hätten und hygienischer in irgend einem Sinne fänden, so bedarf es des kleinsten Winkes, lieber alter Freund: ich würde mich selbst nicht schonen, wenn ich Sie nicht in solchen Hauptsachen schonte. Im andren Falle habe ich ein paar Bitten auszusprechen; aber, wie gesagt, einstweilen schwebt noch Alles.

Was das Titelblatt angeht: so bin ich voller Verdruß. Ich habe es zuletzt Fritzsch überlassen, Alles nach seinem Gutdünken resp. der alten Geschäfts-Routine zu arrangiren; nur will ich nichts mehr davon hören. Er will auf die Preisanzeige nicht Verzicht leisten, er mag das Gedicht auf dem Titelblatt nicht etc. Zuletzt hat er mir ein Monstrum von Stichprobe geschickt, das ich meinerseits mit Ingrimm abgelehnt habe. Habeat sibi! — Daß Ihr Name nicht auf das Titelblatt soll, hat mich, aufrichtig, perplex gemacht (— ich weiß nicht, was in mir remonstrirte, ich glaube beinahe vanité… ) Zuletzt habe ich mich überredet, daß diese Verzichtleistung Ihrerseits in der That zu einem guten Ausgange führen kann, daß sie klug ist, kurz daß wir Beide etwas auf die Länge hin spekuliren müssen und gegen die Gesichtspunkte des Augenblicks gleichgültig sein dürfen. So soll ich denn also geschmückt mit was für schönen fremden Federn vor die Herrn Musiker treten!! Habeat sibi! — Ich habe noch eine allerletzte Revision des ganzen Stichs gemacht, hinsichtlich der von Ihnen eingetragnen Correcturen: und wirklich fand ich noch zwei ganz grobe Fehler. (Zwei Takte verwechselt)

Bei Naumann ist hoffentlich nichts Störendes vorgefallen: wir sind noch nicht weiter seit dem Bogen 3. Doch habe ich auf der leeren Zwischenseite am Schlusse der ersten Abhandlung noch eine Anmerkung (für Gelehrte) eingerückt.

Hier reist man ab, die Hôtels leeren sich. Der Vogel sitzt einsam. Doch soll diese Tage mein alter Freund Dr. Deussen von der Berliner Universität hier eintreffen, mit Frau (auf der Reise nach Griechenland: hübsch! über Sils nach Griechenland!) er hat mir eben ein prachtvolles Werk geschickt, „die Sûtras des Vedanta“, die erste europäische Übersetzung eines enorm scharfsinnigen und raffinirten Commentars der Vedanta-Philosophie (Sanscrit)

Keine Musik! Kein Ton guter Musik!…

Treulich und dankbar
Ihr N.

900. An Franz Overbeck in Dresden

Sils-Maria d. 30. Aug. 1887

Lieber Freund,

der Sommer ist dahin; wir waren sogar schon zwei Tage tüchtig eingeschneit, seitdem blieb es frisch und streng, doch so hell, wie sich’s meine Gesundheit nur wünschen kann. Die Kälte ist nicht mein Feind.

Ich habe oft an Dich gedacht, namentlich in Hinsicht auf Deinen Dresdener Aufenthalt, über den Du schwer genug hinweggekommen sein wirst. Jetzt denke ich Dich auf irgend einer Höhe, nachsommerlich gesinnt und hoffentlich wieder etwas von schmerzlichen Eindrücken hergestellt. Dein Name ist diesen Sommer oft genug hier oben von mir genannt worden: denn Basel war dies Mal die längste Zeit das dominirende Element in Sils, — nämlich durch eine Kopfzahl von 36 vertreten. Die gute Basler Welt zeigte sich gegen mich ganz unverändert, sehr herzlich und sehr respektvoll, ganz wie ich’s nur wünschen konnte. Die Namen La Roche Ryhiner Allioth usw. usw. schwirrten mir anfangs etwas vor dem Kopf; allmählich stellte sich mein Gedächtniß wieder ein; namentlich Sally Vischer von Ehedem hat sich prächtig die ganze Zeit über gegen mich bezeigt (mit ihren Kindern Manfred Eleonora Sigismund: wir haben über die schönen Namen gelacht!) Insgleichen die Schwester von Andreas Heusler. — Sodann ist Frl. von Salis hier, jetzt Doktorin der Geschichte (Abhandlung über die Mutter Heinrich des IV., Agnes von Poitou), welche mit ihrer Freundin, der Tochter des Prof. Kym zusammenwohnt. Endlich habe ich einen gelegentlichen Verkehr mit einem Prof. der Mathematik aus Erlangen, Noether gehabt, einem gescheuten Juden, und dem alten Reichsgerichtsrath Dr. Wiener aus Leipzig sammt Familie (vielleicht auch ein wenig Jude?) Meine englisch-russischen Damen haben mich von Maloja aus besucht; Miss Fynn hat bei einem dortigen Maskenball den ersten Rang im succès behauptet (sogar nach den Zeitungen), nämlich als russische Hofdame und russische Bäuerin. Mit der alten Mansouroff geht es aber nicht zum Besten. Eines Tags begrüßte mich ein alter Herr, grauhäuptig, mit seiner Frau: Prof. Claß („Philosoph“) aus Erlangen: seine ersten Worte waren „oh wie liebenswürdig haben Sie mich examinirt! das werde ich nie vergessen“ (— er promovirte seiner Zeit in Basel). Noch habe ich Dir nicht für die Tertullianstelle gedankt, ich habe von Deinen adnotat<iones> dazu den unbefangensten Gebrauch gemacht (nämlich in einer Abhandlung, die jetzt gedruckt wird): ein Stück der Stelle fand sich noch vor Eintreffen Deines Briefes in meinen Manuscripten, aber es war mir sehr werthvoll, sie in extenso zu bekommen. — Das Resultat vom Verkauf von „Jenseits“ ist sehr lehrreich; dies Mal ist Alles gethan, was ein geschickter und beliebter Buchhändler zu Gunsten eines Buchs thun kann; es sind ebenfalls gegen 60 Freiexemplare an Zeitschriften und Redaktionen vertheilt worden. Trotzdem jämmerlicher Abschluß der Rechnung, buchstäblich 106 Exemplare verkauft, Alles sonst remittirt. Kaum der fünfte Theil der Redaktionen hat Notiz von der Zusendung genommen; entschiedene Zeichen von Abneigung und principieller Ablehnung gegen Alles, was von mir kommt, fehlen nicht. Und nicht Eine in Betracht kommende Anzeige! Ich sage dies übrigens nicht mit Verdruß: denn ich verstehe es. Trotzdem schien es mir nothwendig, diesem „Jenseits“ von mir aus etwas zu Hülfe zu kommen: und so habe ich ein paar gute Wochen benutzt, um in Gestalt von 3 Abhandlungen das Problem des genannten Buchs noch einmal zu präcisiren. Damit glaube ich am Ende mit den Bemühungen zu sein, meine bisherige Litteratur „verständlich“ zu machen: und nunmehr wird für eine Reihe von Jahren nichts mehr gedruckt, — ich muß mich absolut auf mich zurückziehn und abwarten, bis ich die letzte Frucht von meinem Baume schütteln darf. Keine Erlebnisse; nichts von außen her; nichts Neues — das sind für lange jetzt meine einzigen Wünsche. — Den 20. Sept. will ich nach Venedig abreisen, um unsrem braven K<öselitz> wieder Muth zu machen; er hatte einen schweren Sommer.

Ms. Taine hat von Genf aus sehr liebenswürdig an mich geschrieben. (In Bezug auf ihn hat Rohde in diesem Frühjahr eine Rüpelei gegen mich begangen, nun, ich habe ihm gründlich darauf gedient, vielleicht zu gründlich. Hinterdrein that mir’s leid.) Man schreibt mir, daß Dr. Johannes Brahms sich auf das Lebhafteste für meine Schriften interessire — (Die Gesundheit bei strengster Diät besser als andere Jahre: in summa 6 ganz schlimme Anfallstage.) Ich halte an Sils fest. Ich habe keine Zeit mehr, zu probiren — und keinen Glauben daran mehr, zu finden.. Empfiehl mich auf das Beste Deiner lieben Frau und deren Anverwandten! (Die Nachricht von der Münchner Hochzeit kam in Gestalt einer schönen Karte zu mir) Treulich und dankbar Dein

N.

900a. An Theodor Fritsch in Leipzig

< zwischen August und September 1887>

— In der Partitur des Hymnus, den zu übersenden ich mir erlaubte, ist noch die letzte Note der Clarinette (auf S. 11) zu berichtigen: dieselbe muss cis heissen, nicht c.

Prof. Nietzsche.

901. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 4. September 1887>

Unsre Briefe haben sich gekreuzt, meine liebe Mutter, schönsten Dank! Professor Deussen und Frau (etwas jüdisch) haben mich gestern Abend verlassen, nach einem sehr herzlichen Zusammensein von 1 1/2 Tagen; leider war ich eigentlich krank dabei. Wir haben schlechtes Wetter: das setzt mir arg zu. — Nun eine Bitte, die aber eine sofortige Erfüllung heischt: sonst hat sie gar keinen Sinn. Ich brauche eine ganz feine Schinkenwurst; was ich aus der Schweiz mir besorgt habe, ist fett und bekommt mir nicht. Kannst Du mir nicht umgehend etwas schicken? Es ist eine rechte Frage der Gesundheit. So daß ich es spätestens Freitag habe? (Heute ist Sonntag) Bitte, meine liebe Mutter, thue Dein Möglichstes und verzeih, daß ich Dir solche Noth mit meinen Wünschen mache! Andre Sommer richten wirs besser ein.

Dein F.

(Nichts Andres als die Wurst!)

902. An Emily Fynn in Menaggio

Sils-Maria, den 7. September 1887.

Hochverehrte Frau!

Zuletzt muß ich gar, zu meinem herzlichsten Bedauern, von Ihnen brieflich Abschied nehmen. Oh diese dumme Gesundheit! Ich dachte gestern bei Ihnen zu sein — eine unausstehliche Angegriffenheit zwang mich hier zu bleiben; auch heute steht es nicht besser. Vielleicht wollen die Tage, welche ich mit einem alten Freunde (dem Professor der Berliner Universität Dr. Deussen dem ersten Kenner der indischen Philosophie) zugebracht habe, eine nachträgliche Buße. Der Besuch war kurz (— er kam mit seiner kleinen, ganz kleinen Frau erst Freitag nachmittag an und hatte nur zwei Tage für mich Zeit) sehr angenehm, sehr angreifend, zumal das Wetter schwer und kalt auf uns lastete. Nun ist er wieder fort, will noch nach Genf, Genua, Rom, Neapel, Brindisi, Athen, Jonische Inseln, Constantinopel — Alles in Einem Zuge, da er Ende Oktober zum Beginn der Wintervorlesungen wieder in Berlin sein muß. Die Energie einer solchen Reise hat etwas Respektables; aber man brächte mich nicht mit vier Pferden dazu, es ihm nachzumachen. Im Frühling, während der kurzen Osterferien war er mit seiner Frau am nördlichsten Ende von Schweden, um das Jahresfest der Verlobung mit ihr an der Stelle zu feiern, wo diese Verlobung stattgefunden hat. So reist man heute durch die Welt: die Erde ist so klein geworden!…

Dies sage ich, um Sie zu überzeugen, daß Genf von Nizza und von Sils gar nicht so weit ist, und daß ich dies Mal in der Hoffnung Abschied nehme, in Genf Sie selbst hochverehrte Frau, ebenso wie Ihre ausgezeichnete Freundin, vielleicht schon im nächsten Frühling wieder begrüßen zu dürfen. Ich muß für den eigentlichen Winter wahrscheinlich nach Rom (um meine alte leidende Freundin M<alwida> von Meysenbug noch einmal zu sehen); im Grunde sollte eigentlich auch Ihre Fräulein Tochter ihr Schiff nach der ewigen Stadt lenken? Für diesen angenehmen Fall erlaube ich mir die Meysenbug’sche Adresse zu notieren: Via Polveriera 6, nächste Nähe des Colisees. Man findet bei ihr Frau Minghetti und andere gute römische und fremde Welt.

Mit den allerherzlichsten Wünschen für Ihrer aller Gesundheit und im Grunde Sie um die Heimreise beneidend — denn Sie haben doch ein Heim, während ich nichts als ein unstäter Vogel bin —

bleibe ich treulich
der alte
Höhlenbär von Sils.
(verdrießlich und brummend, daß er
heute nicht aus der Höhle kann).

903. An Heinrich Köselitz in Venedig

Donnerstag <Sils-Maria, 8. September 1887>

Lieber Freund,

ich wünschte, es stünde etwas anders mit mir: seit einem Monat ungefähr geht es wieder krebshaft; sollten die Sonnenfinsterniß, Falb und andre „jenseitige“ Gewalten auch bei mir die inneren humores in die Höhe ziehn?… Ich bin so unnütz betrübt, — unnütz, denn im Ganzen Großen hätte ich eher Grund, guter Dinge zu sein. Das Wetter ist miserabel diesen Herbst; viele Tage mit dicker Wolkendecke (das macht bei mir einen Eindruck bis zum Erbrechen) Eine komische Unterbrechung gab es, komisch und rührend: mein alter Freund Deussen aus Berlin erschien (auf der Reise nach Griechenland, mit einem liebenswürdigen Umschweif über Sils: er will Ende Oktober wieder in Berlin sein), brachte seine kleine Frau und seine eben erfolgte Ernennung zum Professor der Philosophie. Der Fall ist historisch: Deussen ist der erste eingeständliche Schopenhauerianer, der eine Professur in Deutschland erhalten hat, — und daß D<eussen> Schopenhauers glühendster Verehrer und Verkündiger ist (übrigens eminent rationell), daran bin ich schuld: er hat mir auf emphatische Weise für die Hauptwendung seines Lebens gedankt. Das Wesentlichere (in meinen Augen) ist, daß er der erste Europäer ist, der von Innen her der indischen Philosophie nahe gekommen ist: er brachte mir seine eben erschienenen Sûtras des Vedânta, ein Buch raffinirter Scholastik des indischen Denkens, in dem der Scharfsinn der modernsten europäischen Systeme (Kantismus, Atomistik, Nihilismus usw) einige Jahrtausende früher vorweg genommen ist (es sind Seiten darin, die wie „Kritik der reinen Vernunft“ klingen und nicht nur klingen) Das Werk ist auf Kosten der Berliner Akademie der Wissenschaften gedruckt; ich nehme an, daß D<eussen> bald genug ihr Mitglied sein wird. Er ist eine Spezialität; auch die sprachgelehrtesten Engländer (wie Max Müller), die ähnliche Ziele verfolgen, sind gegen D<eussen> Esel, weil ihnen „der Glaube fehlt“, das Herauskommen aus Schopenhauer-Kantischen Voraussetzungen. Er übersetzt jetzt die Upanischad’s: was würde Schopenh<auer> für eine Freude haben!!

— Fritzsch schweigt; aufrichtig, der Verkehr mit ihm seit einem Jahre hat mir unsinnig viel Überwindung gekostet. Es ist ein guter Kerl; aber ich will den Tag segnen, wo Alles hübsch zu Ende ist, und es nichts mehr zwischen uns zu verhandeln giebt. — Naumann sandte gestern den 4ten, heute (Donnerstag) den fünften Bogen. — Ich lege den Brief des Herrn Avenarius bei: ich will im Allgemeinen Ja sagen, in Hinsicht darauf, daß es gut ist, einen Ort zu haben, wo man gelegentlich in aestheticis mitreden kann. Dabei habe ich eigentlich mehr an Sie als an mich gedacht. A<venarius> ist ein Dichter (31 Jahre alt), mehr aber noch ein sehr rühriger Vermittler mit buchhändlerischem Instinkt. (Gottfried Keller sprach mir von ihm; er giebt Anthologien der allermodernsten Lyrik Deutschlands heraus und bringt es dabei zu mehreren Auflagen etc)

Frl. von Salis, die diesen Sommer mit ihrer Freundin Kym hier zugebracht hat (übrigens als Doktorin der Geschichte) ist gestern abgereist. Es regnet. Vielleicht auch bei Ihnen? — Ich rechne mir alle die schlimmen Herbste vor, die ich schon durchgemacht habe; bis jetzt ist es noch bei dem Venediger Plane geblieben. Die Frau am Canale grande gefällt mir nicht; ich würde Verdruß haben. Wie viel will man in der casa Petrarca für den Monat? Oder haben Sie etwas Neues in Sicht? — Sonderbar! Der römische Plan ist inzwischen erschüttert, auf eine Weise, die ich am letzten erwartet hätte. Vielleicht ist Rom Unsinn für mich? Und ich krieche wieder nach Nizza? Oh wenn Sie doch in N<izza> lebten! Ich schwöre Ihnen, der Sommer sollte Ihnen daselbst unvergleichlich wohler thun als in V<enedig> (Seewind von 10 Morgens bis 5; dann kühlere Strömung von den Gebirgen her, man geht Abends mit Paletot aus).

Mit herzlichstem Gruß
Ihr
Nietzsche.

Ich habe Ihnen noch gar nicht für Ihren guten Brief gedankt!! (Abreise von hier ca. 20. Sept.)

Durchschnitts-Temperatur des September in Sils 7 Grad Cels. Der Sprung nach Venedig vielleicht zu groß? —

904. An Ferdinand Avenarius in Dresden

Sils-Maria, Oberengadin, den 10. Sept. 1887.

Werthester Herr,

auf dergleichen Anfragen habe ich bisher immer Nein gesagt; es hilft nichts, ich muß es auch in diesem Falle thun. Sehen Sie darin nicht mehr als eine der fünftausend Necessitäten, die ein resoluter Wille zur Unabhängigkeit in sich schließt. Man ist nicht ungestraft „Philosoph“. Ich will schlechterdings nichts mit Zeitschriften zu thun haben: sie sind immer Parteischriften, und am meisten dann, wenn sie es selbst nicht zu sein glauben. — Ich kann, zu meinem Bedauern, hier weder von meiner alten Theorie, noch alten Praxis abgehn. —

Übrigens giebt man mir diese meine „Enthaltsamkeit“ artig genug zurück: man „enthält sich“ auch meiner. Wenigstens sagt mir dies Gottfried Keller (— „mein Name sei in deutschen Zeitschriften so gut wie nicht mehr vorhanden“.) Ich selbst, drei und vierzig Jahre alt, überdies, wie ich fürchte, Vater von fünfzehn Büchern (vielleicht verzähle ich mich? die Ziffer ist schrecklich) — ich selbst habe über mich noch nicht drei Zeilen gelesen, die mich interessirt hätten, irgend etwas Gründliches, Kluges, psychologisch-Zurechnungsfähiges. Dies als factum, nicht als „Seufzer“.

Um Ihnen andrerseits meine Antheilnahme zu beweisen, mache ich Sie, werthester Herr Lyricus, auf zwei Männer aufmerksam, deren feiner und freier Geschmack in artibus schon mehrfach meine Bewunderung erregt hat (— und die zu schreiben verstehn) Der Eine ist ein deutscher Musiker, der seit Jahren in Venedig lebt, in einer dedaigneusen Zurückgezogenheit; gelegentlich, sehr gelegentlich greift er auch zur Feder (unter irgend einem Pseudonym z. B. Thomas Mürner): man müßte ihn dazu verführen, seine Urtheile über Musik und Musiker niederzuschreiben. Ich gebe Ihnen die genaue Adresse, mit der Bitte um Diskretion: Signor Enrico Köselitz

San Canciano calle nuova 5256
Venezia

Der Andre ist ein Schweizer, Professor Spitteler (Neuveville im Kanton Bern); vielleicht ist er Ihnen unter dem Namen „Tandem“ bekannt? Ein paar ästhetische Aufsätze von ihm, die ich zufällig kennen lernte (z. B. eine „Kritik des modernen Orchesters“ von einem kulturhistorischen Gesichtspunkte aus, insgleichen über Theater, „theatralisch“, dies als Problem gefaßt) verriethen mir einen ungewöhnlich nachdenklichen und feinen Kopf (— er schreibt lustig: welches Glück!)

Beide Männer mögen Ihnen bestens empfohlen sein; ihre Mitarbeiterschaft würde der verwöhntesten Zeitschrift zur Ehre gereichen. Erinnern Sie sich, bitte, dieser obscurorum virorum wenn Sie sich etwa meiner wieder erinnern sollten…

Hochachtungsvoll
Ihr
ergebenster Prof. Dr. Nietzsche
vir obscurissimus.

Ad vocem Musik: hüten Sie Sich vor allen Wagnerianern, die schreiben, — das ist Hornvieh oder Sumpf.

905. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 11. September 1887>

Lieber Freund, wieder zwei böse Tage. Das Programm ist nun dies: ich gedenke Montag den 19ten abzureisen und Dienstag den 20 Abends in Venedig einzutreffen. Der Druckbogen, den Naumann Freitag den 16. Abends an Sie absenden wird, kann mir also muthmaaßlich von Ihnen schon bei der Ankunft eingehändigt werden; eben (Sonntag) langte der 6te Bogen an (in dem die zweite Abhandlung zu Ende kommt; fehlt noch die dritte Abhandlung und die Vorrede)… Ich sehe meinen betrübten und entarteten Hut vor mir; dabei fällt mir ein, daß ich voriges Jahr bei meinem Besuch Ihrer hübschen Höhle einen alten Hut von mir wiederfand, den einzigen, den ich bisher gern getragen habe (er war von Ihnen ausgewählt) Er schien mir noch restaurationsfähig (zu waschen, eventuell zu färben); gesetzt, daß er noch existirt, dürfte ich Ihre Leute bitten, denselben zu einem Hutmacher zu tragen? (Ich verhandelte darüber mit einem H<utmacher> an der kleinen piazza, wo Goldoni steht, vor der Rialtobrücke: er wollte in 4 Tagen fertig sein. Aber schließlich reiste ich noch vorher ab)

Hier ist es leer geworden. — Was ich mich darauf freue, Sie wieder zu begrüßen! Und wir wollen uns hübsch festigen und an den Händen halten: im Grunde steht es gut mit uns, so wie es steht…

Treulich Ihr Freund N.

906. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Sils-Maria, Sonntag. <11. September 1887>

Meine liebe Mutter, leider gieng es wieder inzwischen ganz schlecht; heftiger Anfall. Sonst hätte ich mich schon eher für die deliziöse Wurst bedankt, welche wirklich, wie gewünscht, Freitag Nachmittag eintraf. Das ist etwas für Dein altes Geschöpf! Andre Jahre will ich das Herumexperimentieren mit Schinken lassen und gleich von vorn herein eine feste Bestellung auf solchen Schinken machen. — Ich war fleißig diesen Sommer, aber nun muß ich’s büßen; ich habe oft in den letzten Wochen wieder allen Muth verloren, es geht mit dem dummen Kopf nicht von der Stelle; Alles in Allem, ist mein Leben eine Thierquälerei. Unter diesen Umständen wird es wohl nichts mit Rom; am 20 September will ich nach Venedig (Adresse: Venezia (Italia) poste restante, der Name Nietzsche sehr deutlich geschrieben) Später wohl das alte Nizza. Hier ist es leer, ziemlich seit Mitte August.

In herzlicher Liebe dankbar Dein F.

907. An Josef Viktor Widmann in Bern

Sils-Maria Ober-Engadin den 11. September 1887.

Hochgeehrter Herr Doctor,

machen Sie, bitte, Ihrem ausgezeichneten Mitarbeiter dem Herrn Prof. Spitteler mein ergebenstes Compliment: ich las eben seine Kritik des modernen Orchesters. Wie viel Wissen, Takt, Unabhängigkeit des Unheils! welcher esprit, welche gute Artisten-Laune! Und was seinen Geschmack in rebus musicis et musicantibus anbetrifft, so verhindert mich nur Eins ihn zu loben, — daß es gerade mein Geschmack ist. Mir kamen dabei ein Paar nachdenkliche Sachen von ihm in’s Gedächtniß, die ich vorigen Winter in Nizza gelesen habe (über Theater und Theatralisches): leider ohne Kopf und Ende, in ganz zufällig erwischten einzelnen Sonntags-Beilagen des „Bund“. Könnte man dergleichen Aesthetica des genannten Herrn nicht beisammen lesen? Es gäbe ein Buch seltenen Ranges ab, gemacht für einige Feinschmecker und Abseitige, an denen es gerade heute nicht fehlt. Pulchrum est paucorum hominum. —

Gestern, von einem Dresdener Herrn Avenarius höflichst zu einem neu zu begründenden Kunstblatte eingeladen, habe ich mir die Freiheit genommen, an meiner Stelle Herrn Spitteler in Vorschlag zu bringen. —

Mit angelegentlichem Gruße
Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche

Nota bene, ich habe mich noch gar nicht für die liebenswürdige Gesinnung Ihres Briefes bedankt! Gesetzt, daß Sie irgend einen Werth darauf legen sollten, die Geburt der Tragoedie in der zweiten Auflage zu besitzen (sie enthält ein Curiosum, den Versuch einer Kritik dieser Schrift, von mir selbst), so genügen zwei Worte an den Verleger Herrn E. W. Fritzsch, Leipzig, Königstraße 6 (derselbe ist über Ihre Antheilnahme an meinen Büchern unterrichtet; ich nehme an, daß die „fröhliche Wissenschaft“ glücklich in Ihre Hände gelangt ist?)

Zuletzt: würden Sie vielleicht gewillt sein, Herrn Johannes Brahms Etwas in meinem Namen zu überreichen, gesetzt, daß er noch in Ihrer Nähe ist? (nämlich eine Composition von mir, die jetzt eben erscheint: „Hymnus an das Leben“, Chor und Orchester)… Ich bin nämlich, wie Wagner sagte, eigentlich „ein verunglückter Musikus“ (er selbst sei ein „verunglückter Philologe“ —).

908. An Meta von Salis auf Marschlins

Sils-Maria, Mittwoch.<14. September 1887>

Verehrtestes Fräulein,

es scheint mir, daß Sie mit Marschlins den besseren Theil gewählt haben: denn Sils ist nichts mehr werth, seitdem Sie fort sind. Der September hat einen heimtückischen Charakter: kalt, schneeig, regnerisch, verdrossen — ich selbst bin jeden Augenblick krank. Stünde es anders, so hätten Sie längst Nachricht von mir, auch ein Wort herzlichsten Dankes: denn Sie haben mir wacker dabei geholfen, über einen schweren und im Grunde von conträren Winden heimgesuchten Arbeits-Sommer — „hinwegzugondeln“. — Daß Sie meine Bücher lesen, macht mir jetzt weniger Besorgniß: der kürzeste persönliche Verkehr wirkt als Correktur auf ein bloß buchmäßiges Kennenlernen fremder Meinungen und Werthe; — man sieht, hört und schließt hintendrein ruhiger (alles Gedruckte ist an sich noch zweideutig und macht Unruhe) — Eben ist ein erbärmlicher Aufsatz angelangt, von einem Spiritisten und Wagnerianer abgefaßt, des Titels: „Variationen über Themen von Friedrich Nietzsche“. Insgleichen kam eine Einladung des Dresdener Avenarius, meinen Namen mit zur Begründung eines neuen Kunstblattes herzugeben: natürlich Nein gesagt. — Malvida schweigt. — Den 20. Sept. will ich nach Venedig abreisen; der Herbst scheint kalt zu werden: das ist in Hinsicht auf die Lagunenstadt für mich eine Hoffnung. — Neulich, an einem gründlichen Regentage, entwickelte sich ein artiges, sehr principielles Gespräch, bei dem die Rollen hübsch vertheilt waren: der preußische Landrath, der Mediziner aus Gießen, der Jurist aus Heidelberg (Geh.Rath Gierke) und ich (comme philosophe). — Mein Druck ist beim letzten Drittel angelangt; das Buch wird heißen „Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift“. Damit ist nunmehr alles Wesentliche angedeutet, was zur vorläufigen Orientierung über mich dienen kann: von der Vorrede zur Geburt der Tragödie bis zur Vorrede des letzt genannten Buchs — das giebt eine Art „Entwicklungsgeschichte“. Nichts ist übrigens degoutanter, als sich selbst commentieren zu müssen; aber bei der vollkommnen Aussichtslosigkeit dafür, daß irgend jemand Anders mir dies Geschäft hätte abnehmen können, habe ich die Zähne zusammengebissen und gute Miene, hoffentlich auch „gutes Spiel“ gemacht. Die Arbeit eines ganzen Jahrs! (eingerechnet das fünfte Buch der gaya scienza, das ich besonders empfehle) — Mein verehrtes Fräulein, behalten Sie diesen Sommer in guter Erinnerung, — ich will es auch thun.

Mich Ihrer ausgezeichneten Freundin angelegentlich empfehlend bleibe ich Ihr

ergebenster Diener
Dr Friedrich Nietzsche.

NB. Aber man soll nicht sagen: „Marschlins bei Igis“, sondern „Igis bei Marschlins“ — oder vielmehr, man soll gar nicht „Igis“ sagen… Ich vergaß, mich Ihrer verehrten Frau Mutter zu empfehlen.

909. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria, 15. September 1887>

Werthester Herr Verleger, hiermit die Anzeige, daß meine Adresse von nun an Venedig ist: also

Venezia (Italia)
poste restante

Für die „Variationen“ jenes spiritistischen Herrn bedanke ich mich schönstens, in Hinsicht auf guten Willen: doch zweifle ich, daß er zur Verdeutlichung meiner Gedanken beiträgt.

— Sind Sie sicher, daß Hr. Dr. Widmann (Redaktion des „Bund“, in Bern) ein Exemplar der „fröhl<ichen> Wiss<enschaft>“ erhalten hat? Er schrieb mir vor c. 2 Monaten nichts davon, drückte aber einen außerordentlichen Respekt vor der „Geburt der Trag<ödie>“ aus (er hat deren zweite Auflage noch nicht)

Sind von der Partitur des Hymnus schon Exemplare fertig?

— Mit ergebenstem Gruße

Dr. Nietzsche.

Meine Gratulation zu der 2. Wagner-Ausgabe!

910. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Sils-Maria, 15. September 1887>

Werthester Herr Verleger,

noch ein Wort aus Sils-Maria! So eben meldet mir Dr. Widmann (Berner „Bund“) den ich eigens darüber gefragt habe: daß er in der That drei Monate umsonst auf die „fröhliche Wissenschaft“ gewartet habe. Dies ist bedauerlich: was ist denn passirt? Dr. Widmann hat im vorigen Sommer einen längeren sehr intelligenten Essai über mein „Jenseits von Gut und Böse“ gebracht; er war mir bis dahin unbekannt. Inzwischen hat er mir noch seine tiefe Anhänglichkeit an gewisse Gedanken der „Geburt der Tragödie“ ausgedrückt; mehr scheint er nicht von mir zu kennen. Ich glaube, Sie thäten gut, ihm alle meine Bücher zum Zweck einer längeren Besprechung zu präsentieren; sein Blatt, das verbreitetste Schweizer Blatt, ist überall auf der Erde zu finden, wo es Schweizer giebt (— und ich, als Einer, der fast 19 Jahre hauptsächlich in der Schweiz gelebt hat und der 10 Jahre an einer Schweizer Hochschule thätig war, bin, wie sich von selbst versteht, unter Schweizern sehr bekannt)

Auf meiner Karte von heute morgen theilte ich Ihnen mit, daß meine Adresse von nun an Venezia (Italia) poste restante ist.

Sie sind mir immer noch die Adresse des Herrn Hans von Bülow schuldig.

Mit herzlichem Gruße
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

Insgleichen ist ein Dozent der Berliner Universität zu einer Gesammtbesprechung meiner Bücher in Arbeit: wie mir mein Freund Prof. Deussen von dort meldet.

911. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, Donnerstag. <15. September 1887>

Lieber Freund,

daß Sie einen so guten Eindruck von den zwei ersten Abhandlungen haben, macht mich glücklich. Nun kommt noch die dritte: in etwas andrer Tonart, anderem Tempo (mehr „Finale“ und Rondo), und, vielleicht, noch verwegener concipirt. Das Stärkste aber ist die „Vorrede“: wenigstens kommt darin das starke Problem, das mich beschäftigt, zum kürzesten Ausdruck. —

Was Venedig betrifft, so wollen wir es bei der Verabredung lassen, von der meine letztabgesandte Karte redete, — daß ich nämlich den nächsten Dienstag Abend, mit dem Zuge wie gewöhnlich, eintreffe. Hier friere ich zu sehr, ich kann kaum schreiben: der Herbst ist wesentlich kälter als andre Jahre (und trüber, regnerischer: was das Gefühl für die Kälte verschärft) Ich schwankte, aufrichtig, zwischen Venedig und — Leipzig: letzteres zu gelehrten Zwecken, denn ich habe in Hinsicht auf das nunmehr zu absolvirende Hauptpensum meines Lebens noch viel zu lernen, zu fragen, zu lesen. Daraus würde aber kein „Herbst“, sondern ein ganzer Winter in Deutschland: und, Alles erwogen, räth mir meine Gesundheit für dies Jahr dringend noch von diesem gefährlichen Experimente ab. Somit läuft es auf Venedig und Nizza hinaus: — und auch, von Innen her geurtheilt, brauche ich jetzt die tiefe Isolation mit mir zunächst noch dringlicher als das Hinzulernen und Nachfragen in Bezug auf 5000 Einzelne Probleme.

Denn in der Hauptsache steht es gut: der Ton dieser Abhandlungen wird Ihnen verrathen, daß ich mehr zu sagen habe als in denselben steht.

Die Wohnungsfrage, lieber Freund, steht ganz bei Ihnen. Die Nähe des St. Marco-Platzes ist mir lieb. Zu Gunsten der casa Fumagalli mache ich geltend, daß sie mir nicht mehr fremd ist, daß die Damen anständige und gute Manieren haben, daß Alles reinlich ist; aber das Licht war schlimm für meine Augen, auch die Decke zu niedrig. Eine chaise longue (um mich auszustrecken) habe ich nöthig: ich bin so viel krank. — Was die Hôtels betrifft, so glaube ich, daß man z. B. in dem Hôtel am St. Marco-Platze (heißt es nicht Albergo San Marco?) einzelne Zimmer miethen kann (mit Aussicht auf den Platz), ohne im Übrigen zum sonstigen Zubehör des Hôtellebens (Table d’hôte usw) verpflichtet zu sein? Denn eine völlig unabhängige Diät ist für mich eine Hauptsache. (Ich habe hier den ganzen Sommer allein gegessen, und immer dasselbe.) Kein Wein, keine Schnäpse: soviel habe ich „begriffen“.

Das Bett muß mit einer Zanzariera geschützt sein (wie auch in Nizza)

Gesetzt, daß meine Gesundheit nicht protestirt, so würde ich gern den Aufenthalt auf 2 Monate projektiren: vor dem 20. November in Nizza einzutreffen hat wenig Sinn (— Erfahrung des letzten Jahres!)

Gute Leute, zu denen ich Vertrauen haben kann, sind die Hauptsache bei der Wohnungs-Frage; insgleichen Reinlichkeit. Denn ich bin in Bezug auf Menschen und Sachen (sonderlich Betten) von einer unangenehmen und beinahe nervösen Geneigtheit zum Ekel: was das Leben mir sehr erschwert hat.

Im Übrigen liebe ich Ihre Stadt, lieber Freund, obschon sie den großen Fehler hat, daß sie stinkt. Nizza, als Stadt und „Mensch“, liebe ich nicht; aber es stinkt nicht. Complexität des „Herzens“!

Hoffentlich thun keine Telegramme weiter noth. Ich will C. G. Naumann benachrichtigen, daß er die Correkturen nunmehr auch für mich nach Venedig schickt.

In herzlicher Freude über die Nähe unseres Wiedersehns

Ihr N.

912. An Josef Viktor Widmann in Bern

Sils, den 15. September 1887.

Malheur! Gleichzeitig mit meinem ersten Brief kam die Mittheilung des Verlegers, daß die „Fröhliche Wissenschaft“ an Sie abgesandt sei. Was mag geschehen sein? Ich habe von Herrn E. W. Fritzsch umgehend Auskunft verlangt. —

— Was die Werke des Herrn Spitteler angeht: so darf man dergleichen feine Sachen den heutigen Deutschen eigentlich nicht zumuthen. Es steht nicht zum Besten mit dem „Deutschen Geiste“. Ich selbst, wenn ich eine Reise nach Deutschland nöthig habe, mache mir vorher immer erst mit einem naturwissenschaftlichen Spruche Muth, zum Beispiel:

Um das Rhinozeros zu sehn,

Beschloß nach Deutschland ich zu gehn.

Mit ergebenstem Gruße
Ihr
N. philosophus
(extramundanus, trotzalledem
aber auch „tandem aliquando“… )

NB. Der Hymnus ist noch nicht zur Absendung bereit. Meine Adresse von jetzt: Venezia, ferma in posta.

913. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria den 17. Sept. 1887.

Lieber Freund,

vermuthlich bist Du schon in Basel, und vielleicht auch schon wieder in tiefer Arbeit: sie wird Dir eine Art Wohlthat sein, nach den überaus schmerzlichen und unabweislichen Eindrücken, die dieser Sommer für Dich mit sich brachte. Ich habe Deinen Bericht mit tiefem Antheile gelesen. —

Dies ist mein letzter Brief, den ich in Sils noch zu schreiben habe: denn ich stehe vor der Abreise. Die nächste Adresse ist, wie ich schon neulich in Aussicht stellte, Venezia, ferma in posta. Es wäre mir werthvoll, das Geld, etwa zur Hälfte, in italiänischem Papier (die andre in französischem) zu erhalten. Meine Absichten gehen dahin, etwa zwei Monate in Venedig zu bleiben (und die dortige Bibliothek auf meine Interessen hin einmal in Erwägung zu ziehn); dann aber wieder Nizza aufzusuchen. Die Frage „Klima, Helligkeit des Himmels, Trockenheit der Luft“ hat sich dies Jahr mir wieder in ihrer kardinalen Wichtigkeit ins Gedächtniß geschrieben. Ich darf* noch nicht mit Neuem experimentieren. (Später ist, aus Gründen meiner Studien, der Aufenthalt an einer großen Universität mir unumgänglich: wahrscheinlich Leipzig, wo bei weitem das meiste Entgegenkommen für mich ist: ich bin froh, unter uns gesagt, daß der Rüpel Rohde sich dort nicht festgesetzt hat… )

Meine Gesundheit ist seit meinem letzten Briefe wieder in entschiedenem Rückgange; der frühe Herbst (mit überwiegend schlechtem Wetter) hat mir arg zugesetzt.

Der Zufall mit der verloosten Obligation kommt mir insofern nicht unbequem, als ich in Kürze (etwa in 1 1/2 Monat) eine größere Summe Geld brauche, um meinen letzten Druck zu bezahlen. Mit dieser Schrift (drei Abhandlungen enthaltend) ist übrigens meine vorbereitende Thätigkeit zum Abschluß gelangt: im Grunde gerade so, wie es im Programm meines Lebens lag, zur rechten Zeit noch, trotz der entsetzlichsten Hemmnisse und Gegen-Winde: aber dem Tapferen wird Alles zum Vortheil. (Der einzige bisherige Leser der genannten Schrift „Zur Genealogie der Moral. Eine Streitschrift“, mein alter ständiger Correktor Köselitz hat, wie der beiliegende Brief verräth, viel Vergnügen an ihr)

Professor Deussen hat mich hier besucht, mit seiner kleinen Frau; rührende Anhänglichkeit an mich. Er reist nach Griechenland; der Umweg über Sils war sehr liebenswürdig. Übrigens der erste Philosophie-Professor Schopenhauerschen Bekenntnisses: und, daß er zu dieser Denkweise gelangt ist, daran soll ich und niemand sonst schuld sein. Va benissimo! Ich lege mehr Werth darauf, daß D<eussen> der erste europäische Gelehrte ist, der die indische Philosophie von Innen her, auf Grund Kantisch-Schopenhauerscher Vorbereitung, versteht (— er „glaubt“ an sie: dazu war in der That Schop<enhauer> die nothwendige Zwischenstufe) Er brachte mir das raffinirteste Werk jener Philosophie, die Sûtras des Vedânta, von ihm übersetzt und auf Kosten der Akademie gedruckt. —

Weißt Du etwas Persönliches von Herrn Carl Spitteler, der jetzt in Basel lebt (Gartenstr. 74: er schrieb an mich)? Unzweifelhaft ein eminent feiner und interessanter Kopf; wie steht er sonst? Er scheint verbittert; trinkt er? — Ich suche für seine ästhetischen Abhandlungen einen Verleger (…für mich selber einen Verleger zu finden habe ich aufgegeben… ) Mich Dir und Deiner lieben Frau angelegentlichst empfehlend

Dein Freund
N.

914. An Carl Spitteler in Basel

Sils-Maria, den 17. Sept. 1887.

Werthester Herr,

ein einziges Wort für Ihre Zeilen: denn ich stehe in Begriff, abzureisen. — Sie räsonniren auf Redaktionen und Verleger, — das nimmt mich ein wenig gegen Sie ein, Verzeihung! Wenn man Dinge hervorbringt, die nicht Futter für die Masse sind, so darf man es den Lieferanten der Masse nicht verargen, wenn sie dagegen gleichgültig bleiben. Deshalb brauchen sie weder „feige“ noch „feil“ zu sein. —

Man muß eine solche Lage als sein Vorrecht behandeln (ich rede aus Erfahrung) und seine Heiterkeit, trotzalledem, mit den Zähnen festhalten. Wer heute „am besten lacht“, der lacht auch — glauben Sie mir das! — zuletzt…

Und — man muß nicht von seinen Talenten leben wollen (gesetzt nämlich, daß es Ausnahme-Talente sind)

Mit dem Ausdrucke
meiner herzlichen Antheilnahme
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

NB. Ich will ein paar Versuche machen, für Ihre Aesthetica einen Verleger zu schaffen.

(Die kleine Litteratur-Gans Druscowicz ist Alles Andere als meine „Schülerin“…)

915. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)

Cadenabbia <20. September 1887>

domani sera — Nietzsche

916. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sommer/Herbst 1887>

Herzlichsten Dank. Fritz

917. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 24 September 1887>

Meine liebe Mutter, nur ein Wort der Beruhigung. Seit 3 Tagen in Venedig; die Stadt vollkommen gesund; die Krankheit ist im Süden Italiens, namentlich in Sicilien. Italien ist etwas sehr Langes; Du würdest Dich doch gewiß nicht in Naumburg beunruhigt fühlen, wenn Du hörtest, daß in Zürich die Cholera sei. Die Luft ist schöner, kräftiger, klarer als ich sie je in Venedig gefunden habe. Ich denke bis zum 21. Oktober hier zu bleiben. Adresse: Venezia, calle dei preti 1263 (San Marco)

Ich freue mich über die guten Nachrichten aus P<araguay>. Danke für das Haarbürstchen! Vielleicht komme ich übers Jahr zu dieser Zeit nach Leipzig, zu längerem Aufenthalt.

Dein altes Geschöpf.

918. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 24. September 1887>

Lieber Freund, in Venedig angelangt, unter erträglicheren Bedingungen als andere Male. Die Luft auch jetzt limpida elastica. Die Reise selbst nicht ohne Gefahr (Sturm und Gewitter auf dem Comersee) Ich finde unsern maëstro besser eingerichtet als sonst; ein herrliches neues Pastorale (für Orchester) verräth mir das schönste Gleichgewicht und Glück am Vollkommenen, — so daß ich nunmehr diese Sorge ad acta lege. — Was das Geld anbetrifft, so scheint es mir besser, wenn Du mir hierher nur 300 frs ital<ienisches> Papier schickst (den Rest später nach Nizza) Ich glaube doch nicht länger als bis c. den 21. Okt. hier zu bleiben. (Das Licht ist äußerst angreifend für meine Augen; es ist ein grundverschiedenes Licht als das in Sils und Nizza, von wegen der Luftfeuchtigkeit.) Ein guter (aber feindseliger) Aufsatz über „Jenseits“ in der Nationalzeitung (4 Dezemb. 1886) hier mir erst zu Gesicht kommend.

Treulich Dein N.

Adresse: Venezia, calle dei preti 1263 (San Marco)

919. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig,> 1. Oktober 1887.

Geehrtester Herr Verleger, ich vergaß, mir die Aushängebogen von Alledem, was nunmehr fertig ist, auszubitten. Also, wie ich annehme, die ersten 8 Bogen.

Ergebenst
Prof. Dr Nietzsche

920. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 1. Oktober 1887>

Meine liebe Mutter, noch ein Kärtchen! Die Augen erlauben nicht mehr zu schreiben, sie sind hier kitzlicher als anderswo. Sonst aber ist es gut gegangen, der Übergang vom Engadin nach Venedig hat sich bewährt. Allerdings das günstigste Wetter; heiterer Himmel, kühle angenehme Luft. Ich bleibe bis zum 20. Oktober hier: hinterdrein Nizza. Bitte sende mir in Deinem nächsten Briefe drei der vier Postmarken aus Paraguay: ich habe sie Jemandem versprochen, der mir eine große Gefälligkeit erwiesen hat. Freund Köselitz ist hier besser eingerichtet, besorgt, ernährt, wie ich zu meiner Freude finde, als ich es je auf meinen Reisen bin; viel unabhängiger, viel „würdiger“; auch macht er die schönste Musik, die heute überhaupt gemacht wird.

In herzlicher Liebe
Dein altes Geschöpf.

Venezia (San Marco) calle dei preti 1263

921. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 5. Oktober 1887>

Lieber Herr Fritzsch, ich bitte Sie, mir hierher nach Venedig 22 Exemplare des Hymnus zu schicken (gut zwischen 2 feste Cartons gepackt) Ich will Alles von hier aus expedieren, da ich mancherlei dabei zu schreiben habe (in Hinsicht auf event<uelle> Aufführungen für diesen Winter); auch werde ich den Fehler überall corrigieren. —

Meine Adresse ist: (bis zum 20. Oktober)

Venezia, calle dei preti 1263
(San Marco)

Legen Sie doch bei (oder senden Sie apart) einen Musiker-Calender, worin Namen und Adressen stehn. Es giebt doch so etwas? — (Schreiben Sie es mir auf Rechnung, bitte)

Mit ergebenstem Gruß Ihr
Prof. Dr. Nietzsche

922. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Venedig, 5. Oktober 1887>

Als achter Abschnitt der Vorrede einzuschieben: so daß der letzte Abschnitt derselben nunmehr die Nummer 9 bekommt.

Zuletzt, daß ich wenigstens mit Einem Worte auf einen ungeheuren und noch gänzlich unentdeckten Thatbestand hinweise, der sich mir langsam, langsam festgestellt hat: es gab bisher keine grundsätzlicheren Probleme als die moralischen, ihre treibende Kraft war es, aus der alle großen Conceptionen im Reiche der bisherigen Werthe ihren Ursprung genommen haben (— Alles somit, was gemeinhin „Philosophie“ genannt wird; und dies bis hinab in deren letzte erkenntnißtheoretische Voraussetzungen) Aber es giebt noch grundsätzlichere Probleme als die moralischen: diese kommen Einem erst in Sicht, wenn man das moralische Vorurtheil hinter sich hat, wenn man als Immoralist in die Welt, in das Leben, in sich zu blicken weiß…

923. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig> Donnerstag. <5. Oktober 1887>

Geehrtester Herr Verleger

das heute morgen abgesandte Stück Manuscript (Nachtrag zur Vorrede) soll nicht gelten; es bleibt also bei der ursprünglichen Anordnung, nach der die Vorrede 8 Abschnitte hat.

Ihr ergebenster N.

924. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Venedig, Montag <10. Oktober 1887>

Meine liebe Mutter,

ich danke Dir herzlich für Deinen Brief, der mich erheiterte; auch brachte er sehr gute Nachrichten über unsre Südamerikaner. Es scheint in der That, daß das Lama ihrer dortigen Aufgabe auf das Tapferste nachkommt, — insgleichen daß sie eine Aufgabe hat, bei der ihre Talente sich frei und natürlich entfalten können: mehr darf man eigentlich vom Leben nicht wünschen. Wenn die Sache geräth, so hat sie (wie mir wenigstens vorkommen will) den Löwenantheil am Gelingen. Die Männer geben in solchen Fällen allerdings die Initiative, aber meistens auch das Malheur hinzu. — Die Zeit bisher in Venedig war im Ganzen nicht ungünstig; im Grunde habe ich seit 10 Jahren keinen Ort für den Herbst gewählt, der sich so wohlthätig erwiesen hätte, wie dies Venedig. Allerdings auch ein Wetter ohne Vergleich; klar, frisch, rein, wolkenlos, fast wie in Nizza. Unsern Köselitz finde ich besser eingerichtet (würdiger, distinguirter, unabhängiger) als ich es je gewesen bin. Die alte vornehme Familie, in deren Haus er wohnt, lebt ganz für ihn, hat seit seinem Wiederkommen die besten Zimmer ihm abgetreten, kocht für ihn: so daß er auch besser genährt ist als man es sonst im Süden wird. In dieser verbesserten Lage hat er wieder wunderschöne Musik gemacht, die sich auf das Glücklichste von dem Wagnerischen Kampf- und Krampfwesen unterscheidet. Wir Beide sind nicht gar zu leicht nach dem lieben Vaterlande zu verführen; die Bornirtheit daselbst macht mich lachen; und wenn ich es vielleicht nöthig habe, dorthin zurückzukehren (zu gelehrten Zwecken), so werde ich mir erst mit einem naturwissenschaftlichen Sprüchlein Muth machen, zum Beispiel:

„Um das Rhinozeros zu sehn,

„Beschloß nach Deutschland ich zu gehn.“

Ich fand hier beieinander, was in den deutschen Zeitschriften Alles über mein letztes Buch gedruckt worden ist: ein haarsträubendes Kunterbunt von Unklarheit und Abneigung. Bald ist mein Buch „höherer Blödsinn“, bald ist es „diabolisch berechnend“, bald verdiente ich, dafür aufs Schaffot zu kommen (wenigstens nach der Art der früheren Zeiten, sich gegen unangenehme Freigeister zu wehren) bald werde ich als „Philosoph der junkerlichen Aristokratie“ verherrlicht, bald als zweiter Edmund von Hagen verhöhnt, bald als Faust des neunzehnten Jahrhunderts bemitleidet, bald als „Dynamit“ und Unmensch vorsichtig bei Seite gethan. Und dies Stück Erkenntniß in Bezug auf mich hat ungefähr 15 Jahre Zeit gebraucht; hätte man etwas von meiner ersten Schrift „Geburt der Tragoedie“ verstanden, so hätte man schon damals in gleicher Weise sich entsetzen und bekreuzigen können. Aber damals lebte ich unter einem hübschen Schleier und wurde vom deutschen Hornvieh verehrt, gleich als ob ich zu ihm gehörte. Nun, dies hat seine Zeit gehabt. Unzweifelhaft werde ich immer noch einige Jahre früher in Frankreich „entdeckt“ sein, als im Vaterlande.

Meine Absicht ist, am 21. Oktober von hier nach Nizza überzusiedeln, zu einem langen arbeitsamen Winter.

Dein altes Geschöpf.

In Hinsicht auf eine frühere Frage: man zahlt Strafe, wenn etwas Geschriebenes in ein Paket eingelegt wird: ich rede aus Erfahrung.

925. An Elisabeth Förster in Asuncion

Venedig 15 Okt <1887>

Mein liebes Lama,

heute ist, wenn mich nicht Alles täuscht, mein Geburtstag: was kann ich Besseres an ihm thun, als dem alten Lama einen Brief schreiben? Denn man soll wenigstens den kleinen guten Rest von natürlichen „Bindebänderchen“ noch festhalten, wenn man übrigens, wie es im Schicksal eines Philosophen liegt, verurtheilt ist, so unangebunden und abseits wie möglich zu leben. Letzterem Ideale habe ich mich in den letzten 10 Jahren tapfer angenähert: ein kleiner Beweis dafür mag es sein, daß heute nur ein einziger gratulierender Brief an mich eingelaufen ist: der unsrer guten Mutter. Von ihr bin ich inzwischen sorgsam über die Fortschritte der Colonisation unterrichtet worden; und aus dem Tone einer gewissen fröhlichen Zuversicht, der aus Deinen eignen Briefen klingt, mein liebes Lama, entnehme ich eigentlich noch Besseres: Ihr selber schreitet vorwärts und nicht nur Eure Colonisation. Ich wünschte, nicht so gänzlich den Tendenzen und Aspirationen meines Herrn Schwagers mich entgegengesetzt zu fühlen, um mit dem Gelingen seiner Unternehmung noch gründlicher sympathisiren zu können. So aber, wie es steht, habe ich mit einiger Noth bei mir auseinanderzuhalten, was ich persönlich in Eurem Falle wünsche und was ich sachlich vielleicht daran verwünsche. Reden wir von angenehmeren Dingen. Von diesem Sommer her habe ich Dir noch mehrere herzliche Grüße auszurichten: denn Sils-Maria bringt immer eine Anzahl Menschen zusammen, die mir ein Stück meiner und unsrer Vergangenheit vor Augen stellen. Dies Mal war Basel daselbst glänzend vertreten, nämlich mit der Kopfzahl von 36 Personen (viele Kinder dabei) Frau Allioth-Vischer (ehemals Sally) und ich — wir haben uns auf <das> artigste gegen einander benommen; sie gedachte viel der „guten alten Zeit“, das jetzige Leben mit den deutschen Professoren in Basel scheint jetzt grundverschieden. Dann hat Deussen mich auf ein paar Tage besucht, auf einem liebenswürdigen Umwege Berlin—Sils—Athen. Er brachte mir seine Ernennung zum Professor mit: die erste Philosophie-Professur eines anerkannten Schopenhauerianers, noch dazu in Berlin! Insgleichen hat Frl. von Salis sich 6 Wochen in Sils aufgehalten, um sich von den Strapazen der Doktorpromotion zu erholen; sie hatte eine kranke kleine Freundin bei sich, die Tochter des Prof. Kym, und ich habe Humanität genug gehabt, um mich dieser im Grunde unerquicklichen, wie sehr auch achtbaren Weiblichkeiten so gut ich konnte anzunehmen. Meine englisch-russische Gesellschaft war dies Mal in Maloja im Grandhôtel; so gab es nur einige Besuche hin und her, auch noch auf der Herreise nach Venedig (— wir verlebten einen prachtvollen September-Nachmittag am Comersee zusammen) Vom Tode H<einrich> von Steins sage ich nichts; wieder ein Ring weniger in der noch so kleinen Kette meiner menschlichen Beziehungen. Es verwundete mich wie eine persönliche Beraubung. Ebenso that mir der Tod des alten General Simon sehr weh; auch ist er in Hinsicht auf mein Leben im Süden eine ernstliche Einbuße, denn dieser alte Mann vertrat bei mir „die praktische Vernunft“ (eigentlich lebe ich nur noch dank seinen guten Rathschlägen). Freund Köselitz grüßt auf das Herzlichste; er lebt hier in seiner Muschel (Venedig) geschützt und behütet, gut versorgt, in jedem Punkte besser als früher: so daß meine absurde, aber aus Gesundheitsgründen absolut gebotene Vagabondage aus einem ruppigen Kämmerchen ins andre, als „garçon meublé“, wie ich mich nenne, hier ihr Gegenstück findet. Die Gesundheit, in diesem Frühjahr wieder auf das Tiefste beunruhigt und beunruhigend, hat im Sommer wieder Fortschritte gemacht; die Anfälle wurden seltener, die geistige Thätigkeit konnte wieder aufgenommen werden. Meine „Litteratur“ ist jetzt auf die Beine gestellt; nach der letzten Berechnung habe ich jetzt im Ganzen 800 Thaler (= 3000 frs.) Druckkosten gehabt (und nichts verdient!) Andrerseits nicht die geringste Aussicht, daß einmal, wenn mein Hauptwerk fertig ist, es auf andrem Wege zur Welt kommt als durch „Selbstdruck“. Meine Stellung hat sich präcisirt: die Abneigung gegen meine Denkweise ist überall aufgewacht, wo man nur aufgehört hat, mich zu verwechseln (wie früher allgemein) Vergieb mir in Hinsicht auf diese Zukunftssorge (nämlich um die Ermöglichung meines Hauptwerks, in dem sich das Problem und die Aufgabe meines Lebens concentrirt), wenn ich mich jetzt in Geldsachen unfreiwillig ängstlich und zögernd benehme. Ich verstehe meine Lage jetzt und habe keine Illusion mehr: dies ist auch ein Fortschritt.

So! Nun habe ich wieder mit dem alten Lama geplaudert! Dir und Deinem Bernhard die besten Wünsche

Deines F.

Adresse für den Winter: Nizza, France pension de Genève pet. rue St. Etienne

926. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 15. Oktober 1887>

Werthester Herr Verleger, der 10te Bogen scheint verloren gegangen, mitsammt dem Manuscript; wenigstens ist er bis heute (15 Oktober) weder bei Herrn Köselitz noch bei mir angelangt. Eben expedieren wir den 11ten Bogen. Ich selbst reise Freitag (den 21 Oktober) Morgens ab; was Dienstag Abend von Leipzig abgeht, kommt noch hier in meine Hände. Meine spätere Adresse ist: Nizza (France) pension de Genève, pet. rue St. Etienne. — Ich bemerke, daß es eine einzige direkte Verbindung zwischen Leipzig und Venedig giebt. —

In dem 8. Aushängebogen habe ich 2 Fehler entdeckt, die wahrscheinlich auf mein Conto kommen.

Hochachtungsvoll und mit der Bitte größter Beschleunigung

Ihr Dr. N.

927. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 17. Oktober 1887>

Lieber Freund, es geht mit meinem Venediger Aufenthalt zu Ende: den nächsten Freitag reise ich nach Nizza ab. Meine Adresse daselbst ist wieder: pension de Genève, pet. rue St. Etienne. Hoffentlich ein Winter ohne Erdbeben! Bitte, sende an diese Adresse die noch restirenden 700 frs. in französ. Papier! Ich habe dieses Jahr etwas Mühe gehabt, mit meinen Geldern durchzukommen und versucht so gut wie möglich zu ökonomisiren: jeden Tag ein frs. weniger — das war das Problem. Ebendeshalb will ich jetzt nichts Neues versuchen (wie Rom), sondern mich nach einem „Bette“, das mir bekannt ist „strecken“. — Du wirst in großer Arbeit sein, alter Freund? Nimm meinen herzlichsten Gruß und empfiehl mich Deiner lieben Frau! (Ich vergaß Dir für die Übersendung der 300 frs. ital. <Papier> zu danken!) Etwas augenleidend.

Dein Nietzsche.

928. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 18. Oktober 1887>

Nachtrag zur Correktur der Vorrede.

In deren siebenten Abschnitt ist an Stelle von

das hundertartige Drama

herzustellen:

„das dionysische Drama“

Prof. Dr. Nietzsche

929. An Franziska Nietzsche in Naumburg

den 18. Oktober <1887> Venedig

Meine liebe Mutter,

Dein Brief, am Geburtstage eintreffend, fand mich bei einer Thätigkeit, an der Du Vergnügen gehabt hättest: ich schrieb gerade ein Briefchen an das südamerikanische Lama. Dein Brief und Deine Glückwünsche waren übrigens die einzigen, die bei mir anlangten: was mir einen guten Begriff von meiner inzwischen erreichten „Unabhängigkeit“ gegeben hat: letztere aber ist für einen Philosophen die Bedingung ersten Ranges. Hoffentlich hast Du an meinen letzten Mittheilungen die gute Laune nicht überhört, mit der ich Dir die Speisekarte deutscher Urtheile über mich vorlegte: diese kennen zu lernen hat mich wirklich erheitert, — auch bin ich Menschenkenner genug, um zu wissen, wie sich in 50 Jahren das Urtheil über mich herumgedreht haben wird, und in welcher Glorie von Ehrfurcht dann der Name Deines Sohnes strahlt, wegen derselben Dinge, derentwegen ich bis jetzt mißhandelt und beschimpft worden bin. Seit meiner Kindheit nie ein tiefes und verständnißvolles Wort gehört zu haben — das gehört eben zu meinem Loos, auch erinnere ich mich nicht, darüber geklagt zu haben. Übrigens bin ich „den Deutschen“ gar nicht gram deshalb; erstens fehlt ihnen gerade die ganze Bildung, der ganze Ernst für die Probleme, wo mein Ernst ist, und dann — sie sind wirklich sehr okkupirt und haben alle Hände voll zu thun, als daß sie Zeit hätten, sich mit etwas absolut Fremdem zu beschäftigen. Anbei, zu Deiner Beruhigung gesagt: Du scheinst zu glauben, daß der Widerspruch, den ich finde, etwas Wesentliches mit meiner Stellung zum Christenthum zu thun hat. Nein! So „harmlos“ ist Dein Sohn nicht, so „harmlos“ sind auch meine Herrn Gegner nicht. Die Urtheile, die ich Dir schrieb, stammen sammt und sonders aus der Sphäre der unkirchlichsten Parteien, die es jetzt giebt; das waren keine Theologen-Urtheile. Fast jede dieser Kritiken (die zum Theil von sehr intelligenten Kritikern und Gelehrten stammten) wehrte sich ausdrücklich gegen den Verdacht, als ob sie etwa mich durch den Hinweis auf die Gefährlichkeit meines Buchs „den Kanzelraben und den Altarkrähen ausliefern“ wollte. Der Gegensatz, in dem ich mich befinde, ist hundert Mal radikaler, als daß dabei die religiösen Fragen und Confessions-Schattirungen ernstlich in Betracht kämen.

Verzeihung für diese allzulange Zwischenrede: aber wenn ich sage, daß die intelligentesten Gelehrten sich in Bezug auf mich bisher vergriffen haben, so versteht es sich von selber, daß der alte Pinder nicht etwa feiner gewesen ist. Der empfand natürlich nichts weiter als daß seine und meine Ansichten verschiedene Ansichten sind, — und bedauerte dies. —

Die Nachrichten über Paraguay sind wirklich sehr erquicklich; doch fehlt bei mir immer noch auch der leiseste Wunsch, mich in die Nachbarschaft meines antisemitischen Herrn Schwagers zu setzen. Seine und meine Ansichten sind verschiedne Ansichten: — und ich bedaure dies nicht. —

Der Koffer zu meiner Abreise ist bereits zur Hälfte gepackt; übermorgen Abends oder Morgens geht es fort. Die Gesundheit hat sich im Ganzen gehalten, abgesehn, daß die Augen mir Noth machen. Meine Adresse von jetzt ab ist: Nice (France)

pension de Genève

pet. rue St. Etienne

Mit den herzlichsten und dankbarsten Grüßen

Dein altes Geschöpf.

Von Nizza aus will ich über den Transport des kleinen Carbon-Natron-Öfchens schreiben, den ich für mein dortiges Nordzimmer nöthig haben werde (mit einem Centner Material)

929a. An Hermann Levi in München

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

[…] ich hörte gern Ihr Urteil darüber. <Der Hymnus soll&gt; in memoriam Nietzschii <gesungen werden und soll die einzige Musik sein,&gt; welche von mir übrig bleiben soll .<Es habe noch nie einen Philosophen gegeben, der> in dem Grade und bis zu dem Grunde Musiker war wie ich es bin.

930. An Hermann Levi in München (Entwurf)

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Verehrter Herr,

Darf ich mich Ihnen auf eine vielleicht etwas überraschende Weise ins Gedächtniß rufen? Nämlich mit Musik — der einzigen, welche von mir übrig bleiben soll (und die irgend wann einmal, vorausgesetzt, daß sonst wenig von mir übrig bleibt, zu meinem Gedächtniß „in memoriam“ gesungen werden dürfte). Ich hörte gerne Ihr Unheil darüber, ob sie das verdient. — Vielleicht hat es nie einen Philosophen gegeben, der in dem Grade au fond so sehr Musiker war, wie ich es bin. Deshalb könnte ich natürlich immer noch ein gründlich verunglückter Musiker sein. —

Mit dem Ausdruck meiner
alten und unveränderlichen
Hochschätzung

Nizza, Pension de Genève

Levi

931. An Felix Mottl in Karlsruhe

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Verehrter Herr,

— was werden Sie von mir denken, wenn ich, mich Ihrer mich ehrenden Zeilen vom letzten Winter erinnernd, Ihnen heute Musik von mir selbst zu übersenden wage? Halten Sie diesen Hymnus eines Philosophen für möglich, für singebar, für anhörbar und aufführbar?… Ich selber bilde mir das Alles ein, mehr noch, ich wünsche, daß dieses Stück Musik ergänzend eintreten möge, wo das Wort des Philosophen nach der Art des Wortes nothwendig undeutlich bleiben muß. Der Affekt meiner Philosophie drückt sich in diesem Hymnus aus.

Mit dem Ausdruck besonderer
Hochschätzung
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche

Adresse: Nizza (France) pension de Genève

932. An Carl Riedel in Leipzig

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Hochverehrter Herr Professor,

es scheint mir so lange her, daß ich nicht in Leipzig war: erst nächstes Jahr wird sich dazu wieder die Gelegenheit finden, und da hoffe ich auch Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin wieder die Hand drücken zu können! Heute kommt nur ein gedrucktes und gestochenes Erinnerungszeichen, das darum bittet, freundlich aufgenommen zu werden: jener „Hymnus auf das Leben“, den Sie 1882 schon gesehn haben, damals noch in einem Rohzustande, und von dem ich wünsche, daß er inzwischen reif, fertig, vielleicht aufführbar geworden ist. (Ihre Winke und Ausstellungen von damals sind auf das dankbarste benutzt worden). Mein Name als der des unabhängigsten und radikalsten Philosophen, den es jetzt giebt, ist bekannt genug; eine Art Glaubensbekenntniß in Tönen seitens eines solchen Philosophen würde vielfache Neugierde und Theilnahme erregen. Zwar ist die eigentliche Bestimmung dieses Hymnus eine andre — er soll, irgend wann einmal, wenn „ich nicht mehr bin“, zum Gedächtniß an mich gesungen werden: womit aber der Wunsch durchaus nicht ausgeschlossen sein soll, daß er noch bei meinen Lebzeiten bekannt wird. Finden Sie selber, hochverehrter Herr Professor, vielleicht ein Mittel, einen Anlaß dazu?.. In Leipzig gerade ist mir alle Welt gewogen, ein guter Theil der Universitätscollegen steht mir persönlich nahe; eine Leipziger Aufführung dieses Hymnus gehörte zu meinen besonderen Wünschen.

Mit dem Ausdruck, der alten und unveränderlichen Gesinnung

Ihr ergebenster
Prof. Dr. Friedrich Nietzsche

(Adresse: Nizza (France) pension de Genève

933. An Adolf Ruthardt in Leipzig (Visitenkarte).

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Dem ausgezeichneten Herrn
Rudhardt zur Erinnerung
an Sils-Maria und

Prof. Dr. Nietzsche

934. An Alfred Volkland in Basel

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Verehrter Herr,

darf ich voraussetzen, daß Ihnen mein Name nicht gänzlich fremd geworden ist? — Im Vertrauen darauf übersende ich Ihnen ein Stück Musik von mir, das einzige, von dem ich wünsche, daß es von mir bekannt wird, — vielleicht auch in Basel, mit dem ich mich durch viele gute Erinnerungen und nicht am wenigsten durch gute Musik-Erinnerungen verbunden fühle. Angenommen, daß dieser „Hymnus an das Leben“ Ihnen gefiele und einer Aufführung nicht unwerth erschiene: bei der Basler Gesellschaft, daran zweifle ich nicht, würde er ein lebhaftes Interesse erregen. Es giebt keinen Ort, wo man so viel gute Gesinnung gegen mich alten Philosophen hat, wie in Basel.

In alter Hochschätzung
sich empfehlend
Prof. Dr. Nietzsche

Adresse: Nizza (France) pension de Genève

935. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 20. Oktober 1887>

Auf Seite 159, 2 Zeile von unten steht vrdirebt statt verdirbt. Das stand jedenfalls nicht auf dem zuerst übersandten Exemplar des 10 Bogen, der hier von uns corrigirt worden ist.

F. N.

936. An Hans von Bülow in Hamburg

<Venedig, 22. Oktober 1887>

Verehrter Herr,

es gab eine Zeit, wo Sie über ein Stück Musik von mir das allerberechtigtste Todesurtheil gefällt haben, das in rebus musicis et musicantibus möglich ist. Und nun wage ich es trotzalledem, Ihnen noch einmal Etwas zu übersenden, — einen Hymnus auf das Leben, von dem ich um so mehr wünsche, daß er leben bleibt. Er soll einmal, in irgend welcher nahen oder fernen Zukunft, zu meinem Gedächtnisse gesungen werden, zum Gedächtnisse eines Philosophen, der keine Gegenwart gehabt hat und eigentlich nicht einmal hat haben wollen. Verdient er das?…

Zu alledem wäre es möglich, daß ich in den letzten zehn Jahren auch als Musiker Etwas gelernt hätte.

Ihnen, verehrtester Herr, in alter unveränderlicher Gesinnung zugethan

Dr Fr Nietzsche Prof

Adresse: Nizza (France), pension de Genève

937. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza,> Pension de Genève, petite rue St. Etienne, 23. Okt.1887.

Lieber Freund, erster Morgen in Nizza: eben kam der Brief — ich lese mit Rührung die angenehmen Schriftzüge des Venediger maëstro…

Die Reise extrem angreifend; zwischen Genua und Mailand gefährlicher Zwischenfall (in den Tunnels, Nachts); 2 Stunden Verzögerung. Ankunft in Nizza mit heftigen Kopfschmerzen. Der Koffer offen, das Schloß abgesprungen. —

Nizza, erheblich wärmer, hat jetzt etwas Berauschendes. Heitere mondaine Eleganz, großer freier Eintritt der verschwenderischen Natur in die großstädtische Liberalität mit Raum und Form, ein gewisser Exotismus und Afrikanismus der Vegetation (— meine eigne Höhle, hoch, bunt, kommt mir jüdisch-bizarr vor) Da sitze ich nun wieder, englisch und indifferent, zwischen lauter Engländern.

(Deussen sitzt Quarantäne halber auf einem griechischen Inselchen, unter unausdenkbaren Verhältnissen.) Treugesinnt Ihr N.

938. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 23. Oktober 1887>

Erster Morgen in Nizza: es trifft sich schön, daß da gerade der von Venedig nachgesandte Brief in meine Hände kommt! Schönsten Dank! Ich gratuliere Dir zu Deiner Haus-Veränderung, ebenfalls zu den 4 Miethern: es scheint, daß wir allesammt jetzt mit etwas mehr Ruhe in die Zukunft sehn. Bei mir ist wenigstens so viel erreicht, daß ich keine Pläne mehr mache und keine Wünsche mehr habe, dagegen die paar bewährten Dinge (wozu Nizza gehört) festhalte und mich so wenig als möglich von außen her in dem stören lassen will, was meine Arbeit und den Sinn meines Lebens ausmacht. Venedig hat einen guten Nachgeschmack bei mir hinterlassen. Die Reise war sehr anstrengend, ich kam mit peinlichstem Kopfschmerz an; Abends aber war der Muth schon wieder hergestellt. Um diese Zeit ist Nizza bezaubernd. (Der Brief meines Schwagers ist mit „dem besten Willen“ geschrieben; an diesem Willen fehlt es auch bei mir nicht. Trotzdem…)

Dein altes Geschöpf.

Nizza (France) pension de Genève

939. An Heinrich Köselitz in Venedig (Entwurf)

<Nizza, kurz vor dem 27. Oktober 1887>

die dramatische Attitüde dieser Stelle, auf welcher der Hauptaccent liegt, kommt mit dem a schlechterdings nicht heraus (weil mit dem a kein Ende erreicht wird); aber hier muß die Linie des Gefühls wirklich zu Ende kommen — nämlich mit einem Seufzer! Darauf, nach einer Pause, das Neue, das Gegenstück eben dieses Seufzers, der Ausdruck des nunmehr erst errungenen zuversichtlichen Gefühls „ich b. b. wohlan! ich bin bereit“.

940. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza 27. Okt. 1887. (blaue Finger, Pardon!)

Lieber Freund,

eben langte Ihr Brief an; ich las Montaigne, um mich aus einer grillig-düsteren und gereizten Stimmung zu ziehen — Ihr Brief half mir gründlicher noch davon. Seit gestern Abend habe ich eine Fischgräte im Halse, die Nacht war peinlich; trotz wiederholten Versuchen des Erbrechens hält sie fest. Sonderbar, ich empfinde eine Abundanz von Symbolik und Sinn in dieser physiologischen Niederträchtigkeit. —

Zu alledem ist es kalt, januarlich; mein Nordzimmer läßt mich nicht mit mir spaßen — und auch nicht mit sich! — Overbeck meldet eben seinerseits Rheumatismus (überdies Neues über Spitteler, seinen alten Schüler), tiefe Versenkung in den Wust der Scholastik (über welche er diesen Winter zum ersten Male liest), auch daß man R<ichard> W<agner>’s Symphonie in Basel gemacht hat. Wir wollen ihm (nach Ihrem Vorschlag) den Hymnus jetzt schicken: als welcher zu aller Art Tapferkeit auffordert. Beiläufig: die Schlußwendung „wohlan! noch hast du deine Pein!…“ ist das Stärkste von Hybris in griechischem Sinne, von lästerlicher Herausforderung des Schicksals durch einen Exceß von Muth und Übermuth: — mir läuft immer noch jedes Mal, wenn ich die Stelle sehe (und höre), ein kleiner Schauder über den Leib. Man sagt, daß für solche „Musik“ die Erinnyen Ohren haben. —

Ais erleichtert mich, ich kann Ihnen nicht helfen, es macht die Brücke zu der „süßen“ Entschlossenheit der letzten Phrasirung. Ich würde a aushalten, wenn es den Anfang einer langen leidenschaftlichen, tragischen, auf- und abschwellenden Cadenz (auf fis-moll), etwa mit einem Violinen-Unisono, machte; an sich allein steht es da, dürr, schmerzhaft, hoffnungslos. Auch bewegt sich in diesen Takten die Melodie in lauter kleinen Sekunden: diese einzige große h—a klingt wie ein Widerspruch. — Sie sehen, ich komme über den moralischen Querstand dieses a schlecht hinweg. —

Die Partitur hat mir übrigens großes Vergnügen gemacht; und es scheint mir, daß Fritzsch sich besser aus der Sache herausgezogen hat als wir ihm zugetraut haben. Was für gutes Papier hat er genommen! Im Grunde ist es die „eleganteste“ Partitur, die ich bisjetzt gesehn habe; und daß F<ritzsch> wirklich die Stimmen dazu hat herstellen lassen (ohne mir vorher ein Wort davon zu sagen), freut mich: es verräth seinen Glauben an die Aufführbarkeit des Hymnus. Oh, alter lieber Freund, was haben Sie sich damit um mich „verdient gemacht“! Diese kleine Zugehörigkeit zur Musik und beinahe zu den Musikern, für welche dieser H<ymnus> Zeugniß ablegt, ist in Hinsicht auf ein einstmaliges Verständniß jenes psychologischen Problems, das ich bin, ein unschätzbarer Punkt; und schon jetzt wird es nachdenken machen. Auch hat der H<ymnus> etwas von Leidenschaft und Ernst an sich und präzisirt wenigstens einen Hauptaffekt unter den Affekten, aus denen meine Philosophie gewachsen ist. Zu allerletzt: er ist etwas für Deutsche, ein Brückchen, auf dem vielleicht sogar diese schwerfällige Rasse dazu gelangen kann, sich für eine ihrer seltsamsten Mißgeburten zu interessiren. —

Nizza, aufgerüttelt durch sein Erdbeben, schickt sich diesen Winter an, alle seine Verführungskünste anzuwenden. Reinlicher war es nie; die Häuser schöner angestrichen; die Küche in den Hôtels besser. Das italiänische Theater (Sonzogno, als Impresario, bringt selber den Winter hier zu) verspricht zuerst, wie Bülow i pescatori di perle (26. Nov.); darauf Carmen; darauf Amleto (von wem?), darauf Lakmé (von Delibes) — lauter Feinschmeckerei. Eben haben wir einen glänzenden Astronomen-Congreß hier gehabt, le congrès Bisch genannt (nämlich der reiche Jude Bischoffsheim, amateur in astronomicis, bestreitet die Kosten des ganzen Congresses und wirklich, man ist entzückt über die von ihm veranstalteten Feste.) Ihm verdankt N<izza> bereits sein Observatorium, insgleichen dessen Unterhaltung, Besoldung der Angestellten, nebst dem, was die Publikationen kosten. Ecco! Jüdischer Luxus in großem Stile! —

Lieber Freund, ich habe Sie dies Mal nicht nur mit großer Dankbarkeit verlassen, auch mit großem Respekt. Bleiben Sie sich treu, ich weiß Ihnen nichts Besseres zu wünschen!

Von Herzen Ihr N.

941. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> 31. Okt. 1887

Heute, meine liebe Mutter, schreibe ich nichts als ein Ofen-Briefchen: denn die Frage ist dringend. Ich habe inzwischen sehr an der vorzeitigen Kälte gelitten: mein Zimmer, Hochparterre, gegen Norden, neben einem kühlen Garten, überdies durchaus nicht niedrig, macht mir blaue Finger und schauerliche Empfindungen jetzt schon: was soll’s im eigentlichen Winter werden! Gleich nach dem Empfang Deines freundlichen Briefes habe ich mich auf die Suche nach Mieth-Ofen gemacht (unterstützt von einer gefälligen Frau, welche hier zu Hause ist und selbst eine Pension besessen hat); aber ich kam gründlich enttäuscht zurück. Man wollte für die Saison 50 frs. (ohne Heizmaterial ebenfalls; ohne die Kosten des Setzens und Transports); das geringste Öfchen sollte 20 frs. Miethe kosten. Nun würde ich nach früherer Erfahrung in der Woche für Holz jedenfalls 4 frs. brauchen (Hôtelpreis natürlich, aber es geht gar nicht anders) Da scheint es mir doch mit Deinem Öfchen viel billiger: außerdem kann ich’s selbst besorgen und brauche nicht zum Einheizen den Hausknecht. (Diese Art Ofen giebt es hier gar nicht.) Meine Bitte geht also dahin, meine liebe Mutter, das Öfchen nebst 2 Centner Material an mich mit möglichster Zeitersparniß abzusenden: per Fracht oder petite vitesse? Bitte, sprich mit dem Herrn Sekretär darüber, der Dir auch über die richtige Adressirung Auskunft geben kann. Das Geld für das Heizmaterial und den Transport soll Hr. Kürbitz Dir übermitteln (dem ich in diesen Tagen schreiben will) Nur muß Alles sehr Schlag auf Schlag geschehn. Auch bitte ich mir eine genaue Beschreibung aus, wie man den Ofen heizt und reinigt usw. usw.

Inzwischen werden 2 Karten von mir an Dich angelangt sein. Der Brief meines Herrn Schwagers ist von mir beantwortet worden. —

Gestern schrieb Hofkapellmeister Mottl von Carlsruhe an mich, eine Aufführung meines Hymnus in Aussicht stellend. —

Mit herzlichem Gruß

Dein altes Geschöpf
F.

Die eine schwarze Weste ist von der Seite her häßlich durchgerissen; der Stoff scheint sehr weich. — Ein paar neue Hosen haben 4 Thaler gekostet. — Mir fehlt immer noch eine Cravatte zum Umknüpfen, aber breit (nicht wie die letzte, sondern wie die früheren, welche das ganze Hemd bedeckten. Die Öffnung der „Weste“ ist viel zu weit.) Bis jetzt fand ich in N<izza> noch keine Cravatte, wie ich sie brauche: doch will ich noch suchen.

Adresse, genau: Nice (France) Hôtel de Genève pet. rue St. Etienne

942. An Gustav Krug in Köln

<Nizza, Ende Oktober 1887>

Lieber Gustav,

hiermit übersende ich Dir als meinem ältesten Freund und Bruder in arte musica, das Einzige, was von meiner Musik übrig bleiben soll — eine Art Glaubensbekenntniß in Tönen, das sich dazu eignen möchte, einmal „zu meinem Gedächtniß“ gesungen zu werden. Denn so ein Philosoph, wie ich, der durchaus keine Gegenwart hat und haben will, hat vielleicht ebendamit eine kleine Anwartschaft auf „Zukunft“ —

— Kannst Du Dir dieses kleine Chorwerk nicht einmal vorführen lassen? Ich erinnere mich der herrlichen Klangwirkung des Gürzenich-Saales. Ein guter Chor dürfte sich von diesem Hymnus (der eine energische Haltung und einen dramatischen Hauptaccent hat) keinen kleinen Erfolg versprechen.

In alter Liebe und Treue / mit den herzlichsten Empfehlungen an Deine liebe Frau

Dein Freund
Nietzsche.

Adresse: Nizza (France) pension de Genève

943. An alle Empfänger des Hymnus an das Leben (Zettel)

<Oktober/November 1887>

— In der Partitur des Hymnus, den zu übersenden ich mir erlaubte, ist noch die letzte Note der Clarinette (auf S. 11) zu berichtigen: dieselbe muß cis lauten, nicht c.

Prof. Nietzsche.

944. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Nizza,> Donnerstag den 2. <3.> Nov. 1887

Lieber Freund,

großes Vergnügen über den neuherausgegebenen, verbesserten und vermehrten Schlafrock! Nein, was Sie mich beschämen! Ich vermißte nämlich dies Kleidungsstück täglich, bei den winterlichen Stimmungen dieses Herbstes, welche mein Nord-Garten- und Parterre-Zimmer noch unterstreicht. Trotzdem wagte ich nicht, mir ihn kommen zu lassen, weil ich mich seines entarteten Zustandes erinnerte, der diesem Nizza noch mehr widerspricht als vielleicht Ihrem „philosophischeren“ Venedig; auch bin ich noch nicht bescheiden genug dazu, meinen Stolz im Zur-Schautragen meiner Lumpen zu suchen. Ecco!.. Und nun plötzlich so verschönert und achtbar geworden in seinem Zimmer zu sitzen — welche Überraschung!

Es scheint Alles verschworen, mir diesen Winter hier acceptabler zu machen als die letzten Winter waren: wo ich nicht nur gelegentlich, sondern gewohnheitsmäßig aus der Haut fuhr (irgendwohinein, z. B. in das verfluchte Bücher- und Litteraturmachen) Eben habe ich mir das Zimmer angesehn, welches ich diese nächsten 6 Monate bewohnen will: es liegt präcis über meinem bisherigen, ist gestern neu tapezirt worden, meinem schlechten Geschmack entsprechend, roth-braun-gestreift und -gesprenkelt, hat sich gegenüber ein tiefgelb angestrichenes Gebäude, fern genug, daß der Reflex erquicklich ist, und darüber, zur weiteren Erquickung, den halben Himmel (— er ist blau blau blau!). Unten ein schöner Garten, immergrün, auf den der Blick fällt, wenn ich am Tisch sitze. Der Boden mit Stroh bedeckt, darüber ein alter und über ihm ein neuer hübscher Teppich; ein großer runder Tisch, eine gutgepolsterte chaise longue, ein Bücherschrank, das Bett mit einer schwarz-blauen Decke verhüllt, die Thür insgleichen mit schweren braunen Vorhängen; noch ein paar Sachen mit grell rothem Tuche behängt (der Waschtisch und der Kleiderständer), kurz, ein artiges farbiges, im Ganzen warmes und dunkles Durcheinander. Ein Ofen kommt von Naumburg, von jener Art, die ich Ihnen beschrieben habe. — Bisher gieng es nicht gut; doch war das Wetter auch häßlich genug (4 Tage beinahe Regen) Was die hymnologische Litteratur betrifft, so langte zuerst ein Brief von Frau von Bülow an, ihren Gatten entschuldigend als „erdrückt durch Arbeit“, übrigens artig genug („mich zu Ihren Bewunderern zählend, natürlich so weit es meine geistigen Mittel mir erlauben“ usw) Sodann ein äußerst hübscher Brief Mottl’s, der eine Gelegenheit zur Aufführung nicht vorüberlassen will (— er findet das hohe a des Soprans in der Pianostelle sehr gewagt und wünscht der Composition mehr melodischen Reichthum — ah wie er Recht hat!)

Von Prof. Deussen kam aus Athen ein Lorbeer- und ein Feigenblatt an, gepflückt am 15. Oktober an der Stelle, wo ehedem die Akademie Plato’s gestanden hat. Insgleichen ein Gruß vom „Weiblein klein“. Auch mein Schwager hat artig genug an mich geschrieben; wir strengen uns Beide an, die etwas extreme Situation zu mildern (— er schreibt über „Jenseits“, das er sich hat kommen lassen: ich hatte es nicht geschickt, aus Gründen)

Von Naumann noch Nichts. Fast zweifle ich, ob er eigentlich weiß, daß ich in Nizza bin. — Welchen Zeitungen und Zeitschriften soll ich Exemplare schicken? (Bei dem wissenschaftlicheren und exclusiveren Geschmack dieser Abhandlungen so wenigen als möglich! Dagegen den Fach-Zeitschriften in Deutschland, Frankreich und England.)

Treulich und dankbar

Ihr Freund
Nietzsche.

(Was bin ich für die Herstellung des Kleidungsstückes dem Schneider schuldig?)

945. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Nizza, 3 Nov. 1887.

Geehrtester Herr Verleger,

in der Annahme, daß in diesen Tagen die ersten Exemplare des neuen Buchs versandtreif werden, wiederhole ich die Adresse für meine Nizzaer Existenz:

Nice (France) pension de Genève pet. rue St. Etienne.

Bitte, senden Sie 4 Exemplare an diese Adresse ab; gleichzeitig 2 an die des Herrn Köselitz nach Venedig. (Insgleichen an mich die noch fehlenden Aushängebogen 9—12 und Vorrede) Mit ergebenstem Gruß und dem Wunsch, daß Alles gut steht und geht.

Ihr Prof. Dr Nietzsche

Weiteres über Freiexemplare etc. etc. nächstens brieflich! —

946. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza (France) pension de Genève Montag. <8. November 1887>

Geehrtester Herr Verleger,

endlich komme ich dazu, die Angelegenheiten des neuen Buches mit Ihnen zu besprechen. Zuerst die Preisfrage: wie viel soll es kosten? Mein Vorschlag ist 3 Mark, vorbehalten natürlich die entsprechenden Modificationen des Preises für die Buchhändler. Doch hörte ich gerne erst Ihr Urtheil. Mein Hauptwunsch bei dieser Veröffentlichung ist, etwas damit zum Besten meiner früheren Litteratur zu erreichen: nämlich dazu einzuladen, dieselbe zu lesen und ernst zu nehmen. Wenn Sie glauben, daß dem Vertriebe der Schrift ein noch niedrigerer Preis (zb. 2 Mark) günstig sein möchte, so bin ich damit auch zufrieden. — Die zweite ist die, an welche Zeitschriften und Zeitungen Redaktionsexemplare zu versenden sind, dem Charakter und Titel der Schrift entsprechend an so wenig Zeitungen als möglich; dagegen an die philosophischen Fachzeitschriften. Die Blätter, welche vom „Jenseits“ Besprechungen von einigem Gehalte gebracht haben, sollen auch dies Buch erhalten (zb. der „Bund“, die Nationalzeitung, Nord und Süd, litt. Centralblatt)

Bei einer etwaigen Ankündigung des Buchs bitte ich auf den Punkt aufmerksam zu machen, daß diese Streitschrift in einer nothwendigen Beziehung zu „Jenseits von Gut und Böse“ steht, zu dessen Ergänzung und Verdeutlichung.

Was die Freiexemplare betrifft: so bitte ich folgende Personen damit zu bedenken (es wäre mir erwünscht, wenn auf jedes dieser Exemplare rechts oben ein kleiner rother bedruckter Streifen Papier geklebt würde, wie ich es mehrfach schon gesehn habe, des Inhalts (lateinische Lettern):

Im Auftrage des Herrn Verfassers

hochachtungsvoll überreicht von

C. G. Naumann

oder ähnlich!

1 

Frau Dr. Elisabeth Förster

per adr. Monsieur le docteur Bernard Förster

Paraguay

Amérique de Sud

Asuncion

2 

Dem Oberbibliothekar Dr. Sieber

Basel (Schweiz)

zugleich mit einem Exemplar von Jenseits von G<ut> und B<öse>

3 

Monsieur le professeur Monod

Versailles (France)

villa Amiel

zugleich mit einem Exemplar von Jenseits von G<ut> und B<öse>

4 

Herrn Prof. Dr. Jakob Burckhardt

Basel (Schweiz

5 

Herrn Prof. Dr. Overbeck

Basel (Schweiz)

6 

Herrn Geheimrath Prof. Dr. Rohde

Heidelberg

7 

Herrn Prof. Dr. Schönberg

Tübingen

8 

Monsieur le docteur Hippolyte Taine

Menthon, lac d’Annecy Haute Savoie (France)

9 

Dem Freiherrn Carl von Gersdorff

auf Ostrichen, Altseidenberg (Schlesien)

10 

Herrn Dr. Johannes Brahms

Baden-Baden Hôtel zum Bären

11 

Herrn Dr. Karl Fuchs

Danzig

12 

Herrn Professor Dr. Deussen

Berlin W Kurfürstenstraßendamm 142

13 

Dem Baron Herrn Dr. Hans von Bülow

z. Z. in Hamburg

14 

Herrn Prof. Dr. Schaarschmidt, Bonn (am Rhein)

15 

Herrn Dr. Rudolf Kleinpaul

Leipzig-Gohlis Bismarckstr. 11

16 

Herrn Hofrath Prof. Dr. Heinze

Leipzig

17 

Herrn Professor Dr. Wundt, Leipzig

18 

Herrn Reichsgerichtsrath Dr. Wiener, Leipzig

19 

Herrn Professor Dr. Ribbeck, Leipzig

20 

Herrn Professor Dr. Windisch, Leipzig

21 

Herrn Professor Dr. Wachsmuth, Leipzig

22 

Herrn Professor Dr. Leuckart, Leipzig

23 

Herrn Professor Dr. Binding, Leipzig

24 

Dem Geheimrath Prof. Dr Helmholz

Berlin

25 

Monsieur le professeur Charles Vogt

Genève (Suisse)

26 

Herrn Professor Dr. Du Bois-Reymond

Berlin, v. Wilhelmsstr. 15

27 

Herrn Professor Dr. Ernst Mach

Prag II Weinberggasse 3

Ergebenst
Ihr Dr Nietzsche

947. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza, den 9. Nov. 1887

Geehrtester Herr Verleger,

soeben langte Ihr werthes Schreiben vom 5ten an; es macht mir Freude, wahrzunehmen, mit welcher Theilnahme Sie den Vertrieb meiner Litteratur behandeln. Zu dem, was ich gestern Ihnen geschrieben habe, bleibt heute wenig nur hinzuzufügen. Erstens: daß ich Ihnen in Hinsicht auf Zeitungen und Zeitschriften freie Hand gebe (— nur bitte ich die unanständige „Kreuzzeitung“ wegzulassen) Dasselbe gilt für die Maßregeln, die mit den Sortiments-Handlungen zu treffen sind; auch daß Sie in Betreff des von mir vorgeschlagenen Ordinärpreises entscheiden sollen. Das Alles sind Dinge, von denen ich nichts verstehe. Ein paar Worte, die sich für das Buchhändler-Börsenblatt eignen möchten, folgen anbei; es wird wohl noch einiges Geschäftsmäßigere Ihrerseits beigefügt werden müssen. —

Die drei Vorausbestellungen sind mir räthselhaft: ich glaubte, daß kein Mensch etwas von diesem Buche schon wisse. —

Rechnen Sie übrigens den Herrn Dannreuther (Newjork) mit unter die Vorausbestellt-Habenden. —

Was die Verwendung der Exemplare an meine Freunde etc. betrifft: so wäre mir sehr erwünscht, wenn das Herrn Professor Dr. Overbeck in Basel zugedachte Exemplar am 16 November spätestens in seinen Händen wäre: das ist sein Geburtstag. —

— Die Adresse des Prof. Monod (Versailles) ist falsch. Lassen Sie, bitte, die Absendung an ihn, bis ich wieder schreibe. —

Zuletzt ersuche ich um Zustellung der Rechnung für die Herstellungskosten des neuen Werks.

Hochachtungsvoll Ihr ergebener
Prof. Dr. Nietzsche

Ein Exemplar an Dr. Georg Brandes, Kopenhagen, St. Anne-Platz 24. Insgleichen: Herrn Ferdinand Avenarius, Redaktion des „Kunstwart“ Dresden. Insgleichen: an die Saturday Review.

Die Anzeigen von „Jenseits von G<ut> und B<öse>“ im litterar. Centralblatt, so wie in der litterar. Rundschau habe ich noch nicht gesehn. Bitte, senden Sie dieselben! (Alles Andre las ich in Venedig, bei Herrn Köselitz)

948. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza den 10. Nov. 1887.

Lieber Freund,

der Zufall will (— oder ist’s gar nicht der Zufall?) daß auch ich in der letzten Woche am Problem Piccini—Gluck hängen blieb. Sie wissen, daß im Monat November 1787 Gluck starb? — vielleicht auch, daß der größte und geistreichste Piccinist, der Abbé Galiani im gleichen Jahre starb? (30. Oktober 1787 in Neapel) Wir feiern also das hundertjährige Jubiläum eines großen Problems und einer verhängnißvollen, wahrscheinlich falschen Entscheidung desselben. Ich lese Galiani: mich agaçirt es geradezu, daß dieser verwöhnteste und raffinirteste Geist des vorigen Jahrhunderts in diesem Grade außer sich ist über seinen Piccini (ungefähr wie Stendhal über Rossini, aber noch naiver und „verwandter“, wenn ich recht empfinde) Er macht einen scharfen Unterschied zwischen den komischen Opern Piccini’s, die bloß für Neapel und in Neapel möglich sind, und den anderen, die in ganz Italien und selbst in Frankreich ungefähr goutirt werden können. Nur von den ersteren sagt er, daß P<iccini>) damit auf dem höchsten Gipfel der Kunst angelangt sei; er sagt zu Madame d’Épinay, sie könne sich gar keine Idee davon machen, so sehr sei es supérieur Allem, was sie je gehört habe. Der Zeitpunkt, wo Piccini auf diese Höhe kommt, ist 1770—71 etwa (aus letzterem Jahre sind die Briefe Galianis) Damals spielte man in Neapel von P<iccini> La Fenta giardiniera und II Don Chisciotto, insgleichen La Gelosia per Gelosia: auf eins dieser Werke, wenn nicht auf alle, muß sich das Entzücken G<aliani>s beziehn (— „er hat mich gelehrt, daß wir alle und immer singen, wenn wir sprechen. Die Schwierigkeit besteht darin, unsern Ton und unsre Modulation zu finden, wenn wir sprechen.“) Er macht sich lustig über Mad. d’Épinay, welche diese Sachen nach Paris haben will; er sagt „ils ne vont pas même à Rome“. „Sie werden seine italiänischen komischen Opern haben, solche wie La Buona Figliuola, aber keine der neapolitanischen.“ (Diese Oper, La B<uona> F<igliuola>, mit dem Texte Goldoni’s ist zuerst in Rom aufgeführt 1760; in Paris erst 1770, mit großem Erfolg. Die französische Kritik sagte damals „les oreilles françaises, habituées depuis quelques années à une genre qui leur répugnait d’abord, ont reçu celle-ci avec la plus délicieuse sensation. Les accompagnements surtout ont paru travaillés avec un art infini“. Klingt das nicht sehr merkwürdig?)

Es scheint mir nöthig, den ganzen Gegensatz „italiänische und französische Musik“ erst wieder zu entdecken und den hybriden Begriff „deutsche Musik“ einmal bei Seite zu thun. Es handelt sich um einen Stilgegensatz: die Herkunft der Componisten ist dafür ganz gleichgültig. So ist Händel ein Italiäner, Gluck ein Franzose (— die französische Kritik feiert z. B. in diesem Augenblick Gluck als das größte musikalische Genie des französischen Geistes, als ihren Gluck) Es giebt geborene Italiäner, die dem französischen Stile huldigen, es giebt geborene Franzosen, die italiänische Musik machen. Aber worin eigentlich besteht der große Stilgegensatz? Ich empfehle besonders die mémoires des Präsident de Brosses (seine Reise in Italien 1739), in denen fortwährend dies Problem leidenschaftlich berührt wird: da erscheint z. B. il Sassone, Ihr Venediger Hasse, als fanatischer Antifranzose.

Können Sie sich nicht in Venedig den Anblick Piccini’scher Partituren verschaffen? namentlich seiner Napolitana? Sollte da Etwas verloren und vergessen worden sein? — Man muß dem bornirten „deutschen Ernst“ in der Musik das Genie der Heiterkeit entgegenstellen. —

Dies erinnert mich an den hymnum ecclesiasticum, über den inzwischen nur Ein Urtheil eingelaufen ist, das Rudhardts: „sehr würdig, rein im Satz und wohlklingend“.

Der 2.te Band des „Journal des Goncourt“ ist erschienen: die interessanteste Novität. Er betrifft die Jahre 1862—65; in ihm sind die berühmten dîners chez Magny auf das Handgreiflichste beschrieben, jene Diners, welche zwei Mal monatlich die damalige geistreichste und skeptischste Bande der Pariser Geister zusammenbrachten (Sainte-Beuve, Flaubert, Th<éophile> Gautier, Taine, Rénan, les Goncourts, Schérer, Gavarni, gelegentlich Turgenjew usw). Exasperirter Pessimismus, Cynismus, Nihilismus, mit viel Ausgelassenheit und gutem Humor abwechselnd; ich selbst gehörte gar nicht übel hinein — ich kenne diese Herrn auswendig, so sehr daß ich sie eigentlich bereits satt habe. Man muß radikaler sein: im Grunde fehlt es bei Allen an der Hauptsache — „la force“.

Treulich Ihr Freund Nietzsche

949. An Elisabeth Förster in Asuncion

Nizza (France) pension de Genève den 11. Nov. 1887

Mein liebes Lama,

eben habe ich meinem Verleger den Auftrag ertheilt, ein Exemplar meines letzten Buchs an Dich abgehn zu lassen. Eigentlich hätte ich Dir’s gerne erspart: denn es sind Stellen drin, wie im vorletzten, die absolut nicht für Deine gegenwärtigen Ohren taugen. Aber ich möchte schlechterdings verhüten, daß das Buch auf einem andren Wege zu Dir gelangte; und da ich das, nach der Erfahrung hinsichtlich von „Jenseits von Gut und Böse“, beinahe vorauszusehn habe, so wähle ich das Geringere von zwei „Übeln“ und schicke Dir’s selbst. —

Zuletzt erregt das Buch vielleicht ein zu allgemeines Interesse, als eine Art Kriegserklärung gegen die Moral, als daß fünf, sechs peinlich-persönliche Dinge dagegen in Betracht kämen. Daß sie gesagt werden mußten, hat in dem seinen Grund, daß ich der schändlichen Vermanschung meines Namens und meiner Interessen ein Ende machen will, die sich in den letzten 10 Jahren gebildet hat. Dem gleichen Zwecke dienen alle die Vorreden und Beigaben der neuen Auflagen meiner älteren Werke. (Du findest auf der Rückseite des Buchs einen Überblick über Alles, was in den letzten 2 Jahren in Bezug auf diese frühere Litteratur von mir gethan worden ist. Es wäre noch hinzuzufügen, daß bei E. W. Fritzsch in herrlicher Ausstattung jener Hymnus erschienen ist, der einmal „zu meinem Gedächtniß“ gesungen werden soll (— er wird muthmaßlich schon diesen Winter an mehreren Orten aufgeführt werden, zb. in Carlsruhe durch H<of>k<apell>m<eister> Mottl.) Der Titel lautet:

Hymnus
an das Leben
für
gemischten Chor und Orchester
componirt
von
Friedrich Nietzsche.
Partitur Pr. 2 Mk.
Chorstimmen usw.
Orchesterstimmen usw,
usw.
Eigenthum des Verlegers für alle Länder
Leipzig.
E. W. Fritzsch.

Dieser Hymnus ist mir sehr werth, als der Ausdruck des gehobensten und stolzesten Zustandes, den ich erlebt habe. Die Vortragsbezeichnung ist „Entschlossen; mit heroischem Ausdruck“. Die Musiker finden ihn „machtvoll“. „Magnifico! Che vigore! È la vera musica ecclesiastica“, riefen italiänische Künstler beim Anhören; was mich sehr hat lachen machen. —

Allerschönsten Dank für Deinen Geburtstagsbrief, der mich am ersten Morgen meines Nizzaer Winter-Aufenthaltes in erquicklicher Weise überraschte. Meinem werthen Herrn Schwager habe ich sofort meinen Dank für seine Wünsche brieflich ausgedrückt: er hat mir sehr liebenswürdig in seinem Briefe die Hand gereicht — und ich habe versucht, dasselbe zu thun: ein Schauspiel, das in Hinsicht auf die bedeutende Verlängerung unsrer beiderseitigen Arme, die dazu noth that, für das zuschauende Lama nicht ohne Reiz gewesen sein dürfte.

Vielleicht trifft Dich dieser Brief schon in der neuen Heimat? Und etwa gegen Weihnachten? Nimm ihn als Ausdruck meiner herzlichsten Wünsche für Alles, was von Euch so großartig unternommen ist: ich selbst, es hilft nichts, bleibe freilich der „gute Europäer“… Treulich Dein und Euer

F.

950. An Erwin Rohde in Heidelberg

Nizza den 11. Nov. 1887

Lieber Freund,

es scheint mir, daß ich noch Etwas von diesem Frühjahre her bei Dir gut zu machen habe? Zum Zeichen, daß es mir nicht an gutem Willen dazu fehlt, sende ich hiermit eine eben erschienene Schrift an Dich ab (— vielleicht bin ich Dir dieselbe zu alledem auch schuldig, denn sie steht im engsten Verbände mit jener, welche ich Dir zuletzt übersendete —) Nein, laß Dich nicht zu leicht von mir entfremden! In meinem Alter und in meiner Vereinsamung verliere ich wenigstens die Paar Menschen nicht mehr, zu denen ich einmal Vertrauen gehabt habe.

Dein N.

Nota bene. Über Ms. Taine bitte ich Dich zur Besinnung zu kommen. Solche groben Sachen, wie Du über ihn sagst und denkst, agaçiren mich. Dergleichen vergebe ich dem Prinzen Napoleon; nicht meinem Freunde Rohde. Wer diese Art von strengen und großherzigen Geistern mißversteht (— T<aine> ist heute der Erzieher aller ernsteren wissenschaftlichen Charaktere Frankreichs), von dem glaube ich nicht leicht, daß er etwas von meiner eignen Aufgabe versteht. Aufrichtig, Du hast mir nie ein Wort gesagt, das mir zu vermuthen erlaubte, Du wüßtest, welches Schicksal auf mir liegt. Habe ich Dir je daraus einen Vorwurf gemacht? Nicht einmal in meinem Herzen; und sei es auch nur deshalb, weil ich es überhaupt von Niemandem anders gewohnt bin. Wer wäre mir bisher auch nur mit einem Tausendstel von Leidenschaft und Leiden entgegengekommen! Hat irgend wer auch nur einen Schimmer von dem eigentlichen Grunde meines langen Siechthums errathen, über das ich vielleicht doch noch Herr geworden bin? Ich habe jetzt 43 Jahre hinter mir und bin genau noch so allein, wie ich es als Kind gewesen bin. —

951. An Franz Overbeck in Basel

Nizza, den 12 Nov. 87 pension de Genève

Lieber Freund,

zu Deinem Geburtstage habe ich bereits ein paar kleine Gaben vorausgeschickt: den Hymnus an das Leben, insgleichen das neueste (und für längere Zeit letzte) Buch. Heute habe ich nicht nur meine Wünsche für Dein bevorstehendes Lebensjahr hinzuzufügen (für Deine Gesundheit, für Deinen Kampf mit Rheumatism und Scholastik!..): vor Allem den Ausdruck meiner Verehrung und Dankbarkeit für die unwandelbare Treue, die Du mir in der härtesten und unverständlichsten Zeit meines Lebens bewiesen hast. Es scheint mir, daß sich eine Art Epoche für mich abschließt; ein Rückblick ist mehr als je am Platz. Zehn Jahre Krankheit, mehr als zehn Jahre; und nicht so einfach Krankheit, für die es Ärzte und Arzneien gäbe. Weiß eigentlich irgend Jemand, was mich krank machte? was mich Jahre lang in der Nähe des Todes und im Verlangen nach dem Tode festhielt? Es scheint mir nicht so. Wenn ich R. Wagner ausnehme, so ist mir Niemand bisher mit dem Tausendstel von Leidenschaft und Leiden entgegengekommen, um mich mit ihm „zu verstehn“; ich war dergestalt schon als Kind allein, ich bin es heute noch, in meinem 44ten Lebensjahre. Dieses schreckliche Jahrzehend, das ich hinter mir habe, hat mir reichlich zu kosten gegeben, was Allein-sein, Vereinsamung bis zu diesem Grade, bedeutet: die Vereinsamung und Schutzlosigkeit eines Leidenden, der kein Mittel hat sich auch nur zu wehren, sich auch nur „zu vertheidigen“. Mein Freund Overbeck abgerechnet (und drei Menschen noch dazu) hat sich in den letzten zehn Jahren fast Jedermann, den ich kenne, mit irgend einer Absurdität an mir vergriffen, sei es mit empörenden Verdächtigungen, sei es mindestens in der Form schnöder Unbescheidenheit (zuletzt noch Rohde, dieser unverbesserliche Flegel) Das hat mich, um das Beste davon zu sagen, unabhängiger gemacht; aber auch härter vielleicht und menschenverachtender als ich selbst wünschen möchte. Glücklicher Weise habe ich esprit gaillard genug, um mich gelegentlich über diese Erinnerungen ebenso lustig zu machen, wie über alles Andre, was nur mich betrifft; und überdies habe ich eine Aufgabe, die mir nicht erlaubt, viel an mich zu denken (eine Aufgabe, ein Schicksal oder wie man’s nennen will) Diese Aufgabe hat mich krank gemacht, sie wird mich auch wieder gesund machen, und nicht nur gesund, sondern auch wieder menschenfreundlicher und was dazu gehört. —

Das Geld ist glücklich in meine Hände gelangt, und ohne daß ich vorher in irgend welche Schwierigkeit gerathen wäre. Mit Nizza halte ich es jetzt so, wie mit Sils-Maria: ich versuche mich mit ihm zu arrangieren und stelle mir die guten und bewiesenen Faktoren in den Vordergrund: sein belebendes und erheiterndes Clima, seine Lichtfülle (welche mir einen Gebrauch meiner Augen gestattet, der außer allem Verhältniß zu dem steht, was sie anderwärts, namentlich in Deutschland, leisten) Die pension de Genève, tüchtig verbessert und mit viel gutem Willen der Zukunft entgegensehend, hat mir dies Mal ein wirkliches Arbeitszimmer hergerichtet (mit Licht- und Farbenmodifikationen, welche für mich absolut wichtig sind); ein kleiner Natron-Carbon-Ofen ist von Naumburg aus an mich unterwegs. Ich zahle etwas mehr Pension als früher (5 1/2 frs. per Tag, Wohnung und 2 Mahlzeiten: meinen Morgenthee besorge ich selbst); aber, unter uns gesagt, jeder andre Gast zahlt mehr (8—10 frs.) Beiläufig: eine Tortur für meinen Stolz!!!

— Du weißt, was ich jetzt von mir verlange: meine Orte dafür sollen Nizza und Sils-Maria bleiben (Venedig als Zwischenakt: ich habe eine herrliche Erinnerung an Köselitz, der seine gütige und hohe Seele sich zu bewahren gewußt hat, trotz aller Art Enttäuschung, und jetzt Musik macht, für die ich kein anderes Wort mehr habe als „klassisch“ (Zwei Sätze einer Symphonie z. B., der schönste „Claude Lorrain“ in Musik, den ich kenne) Dir und Deiner lieben Frau einen glücklichen und guten Tag wünschend, Dein N.

Prof. Deussen sendet Dir seinen Gruß; er war diesen Herbst in Athen. Ich bekam von ihm ein Lorbeer- und Feigenblatt geschickt, dort gepflückt, wo die Akademie Piatos gestanden hat.

In diesen Wochen wird auch die Rechnung C. G. Naumann’s über die Herstellungskosten des neuen Buchs einlaufen; Du bekommst sofort von mir Mittheilung.

952. An Jacob Burckhardt in Basel

Nice (France) pension de Genève14. Nov. 1887

Verehrtester lieber Herr Professor,

auch diesen Herbst bitte ich wieder um die Erlaubniß, Ihnen etwas von mir vorlegen zu dürfen, moralhistorische Studien unter dem Titel Zur Genealogie der Moral: auch dies Mal wieder wie alle Male nicht ohne eine gewisse Unruhe. Denn — ich weiß es nur zu gut — alle Schüsseln, welche von mir aufgetischt werden, enthalten so viel Hartes und Schwerverdauliches, daß zu ihnen sich noch Gäste einladen und so verehrte Gäste wie Sie es sind! eigentlich eher ein Mißbrauch freundschaftlich-gastfreundschaftlicher Beziehungen ist. Man sollte mit solcher Nußknackerei hübsch bei sich bleiben und nur die eignen Zähne in Gefahr bringen. Gerade in diesem neuesten Falle handelt es sich um psychologische Probleme härtester Art: so daß es fast mehr Muth bedarf, sie zu stellen als irgend welche Antworten auf sie zu riskiren. Wollen Sie mir noch einmal Gehör schenken?… Jedenfalls bin ich diese Abhandlungen Ihnen schuldig, weil sie im engsten Bezuge zu dem letztübersandten Buche („Jenseits von Gut und Böse“) stehn. Es ist möglich, daß ein Paar Hauptvoraussetzungen jenes schlecht zugänglichen Buchs hier deutlicher herausgekommen sind; — wenigstens gieng meine Absicht dahin. Denn alle Welt hat mir über jenes Buch das Gleiche gesagt: daß man nicht begreife, um was es sich handle, daß es so etwas sei wie „höherer Blödsinn“: zwei Leser ausgenommen, Sie selbst, hochverehrter Herr Professor, und andererseits einer Ihrer dankbarsten Verehrer in Frankreich, Ms. Taine. Verzeihung, wenn ich mir mitunter zum Troste sage: „ich habe bis jetzt nur zwei Leser, aber solche Leser!“ — Das sehr innerliche und schmerzhaft-verwickelte Leben, das ich bisher gelebt habe (und an dem meine im Grunde stark angelegte Natur Schiffbruch gelitten hat) hat nachgerade eine Vereinsamung mit sich gebracht, gegen die es kein Heilmittel mehr giebt. Mein liebster Trost ist immer noch der, der Wenigen zu gedenken, die es unter ähnlichen Bedingungen ausgehalten haben, ohne zu zerbrechen und sich eine gütige und hohe Seele zu bewahren gewußt haben. Es kann Niemand Ihrer dankbarer gedenken, hochverehrter Mann! als ich es thue.

Treulich und unveränderlich
Ihr ergebenster
Nietzsche.

Meine Wünsche für Ihre Gesundheit zu guterletzt! Dieser Winter scheint hart zu werden. Oh wären Sie hier!!

953. An E. Kürbitz in Naumburg (Postkarte)

Nizza (France), pension de Genève 16. Nov. 1887.

Geehrtester Herr,

in Hinsicht auf einen Wunsch, den ich meiner Mutter ausgedrückt habe (die Beschaffung von Ofen und Heizmaterial) bitte ich ihr die dazu nöthigen Gelder gefälligst zu übermitteln; ich nehme an, daß sie Ihnen persönlich sagen wird, wie viel sie dazu braucht. Der Winter scheint hart zu werden; ich wage es dies Jahr nicht, was ich jetzt sieben Jahre hintereinander gewagt habe, den Winter ohne Ofen zu überstehn.

Mit bekannter Hochschätzung
Ihr ergebenster
Prof Dr. Nietzsche

954. An Paul Deussen in Berlin (Postkarte)

Nice (France) pension de Genève 16. Nov. 1887.

Lieber Freund,

Du wirst von Deiner Odyssee jetzt glücklich in Deinen Berufs-Hafen wieder eingelaufen sein: ich wünsche Dir einen glücklichen und schülerreichen Winter und ein Vorwärts in jedem Sinne auf Deiner Bahn (ohne Hemmung, ohne „Quarantänen“ —) Die schöne Symbolik Deiner Handlung am 15. Okt. hat mich tief gerührt: — vielleicht ist dieser alte Plato mein eigentlicher großer Gegner? Aber wie stolz bin ich, einen solchen Gegner zu haben! — Behalte mich lieb!

Dein
Nietzsche

Einen herzlichen Gruß an die kleine tapfere Kameradin!

955. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 19. November 1887>

Lieber Freund,

heute nur in aller Eile die Bitte, welche ein Brief meiner Mutter mir nahe legt, derselben ein Exemplar des Hymnus zu senden: denn es giebt sehr guten Willen, besagten Hymnus in Naumburg aufzuführen. Nur beschwöre ich Sie, liebster Freund, mein Gewissen im Punkte des problematischen a zu beruhigen; denn inzwischen hat Freund Krug, der Kölner Regierungsrath, mir seine entschiedene Mißbilligung desselben ausgedrückt (es sei „sein einziger Anstoß“: sein Brief, übrigens fast begeistert, auch hinsichtlich der Instrumentation, war bisher das schönste Erwiederungszeichen. Auch hat er die Aufführung in Cöln versprochen) Bitte, bitte, bitte und seien Sie so engelhaft, corrigiren Sie!!! damit ich in meinen Nächten vor der Clarinette Ruhe finde: als welche wie ein böses Gewissen bei mir umgeht.

Brief nächstens.

Jammervolles Wetter.

Treulich Ihr Freund Nietzsche

956. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 23. November 1887>

Meine liebe Mutter, heute nur die Mittheilung, daß ich diesen Morgen zum ersten Male in geheiztem Zimmer sitze: — ich habe recht zu leiden gehabt, bis es so weit kam, denn das Wetter war auch hier vom Schlimmsten. Insgleichen melde ich, daß der Hymnus an Deine Adresse abgesandt ist; daß es mich freuen wird, wenn Naumburg ihm und mir die Ehre der Aufführung erweist, und daß die Fachmusiker ihn rühmen (als „singebar“, „rein im Satz“ usw) Meine besten Empfehlungen an Frl. Krug, insgleichen an Frau Claire Heinze, welche ganz Recht hat über Heizen und Nichtheizen in Nizza, nur nicht für diesen excentrischen Winter. Dein F.

957. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 23. November 1887>

Zugleich mit Deinem lieben Briefe rückte der Ofen in mein Zimmer ein: so daß ich mich die Stunde darauf einer doppelten Wärme des Gefühls zu erfreuen hatte. (Es war die höchste Zeit; das Wetter war auch hier über alle Maaßen peinlich und niederdrückend: kein Schnee, aber Regengüsse, fast 10 Tage; auf den Quadratmeter 208 Liter Wasser) Ich habe den Hymnus, mit einem Briefe, an Euren Volckland geschickt; kannst Du nicht auch Deinerseits ihm einen kleinen Rippenstoß in besagter Richtung geben? Auch Köln und Naumburg stellen Aufführungen in Aussicht. —

Auch Buckhardt hat einen Brief von mir; eben drückte Sieber seinen Dank aus für die Übersendung von „Jenseits v. G<ut> u. B<öse>“ und der „Genealogie der Moral“. Das Herzlichste an Dich und Deine liebe Frau!

N.

958. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, 24. Nov. 1887

Lieber Freund

ich genieße diesen Morgen eine große Wohlthat: zum ersten Male steht ein „Feuergötze“ in meinem Zimmer: ein kleiner Ofen — ich bekenne, daß ich um ihn herum bereits einige heidnische Sprünge gemacht habe. Die Zeit bis heute war eine blaufingrige Fröstelei, bei der auch meine Philosophie nicht auf den besten Füßen stand. Es ist schlecht erträglich, wenn man im eignen Zimmer den eiskalten Anhauch des Todes spürt, — wenn man sich nicht auf sein Zimmer wie auf seine Burg zurückziehen kann, sondern nur wie in sein Gefängniß zurückgezogen wird —. Der Regen floß stromweise die letzten zehn Tage: man hat berechnet, daß auf einen Quadratmeter 208 Liter Wasser gefallen sind. Der Oktober war der kälteste, den ich bisher erlebte, der November der regenreichste. Nizza ist noch ziemlich leer; doch sind wir 25 Personen bei Tische, freundliche und wohlwollende Menschlein, gegen die nichts einzuwenden ist.

Inzwischen hat nur Overbeck geschrieben, voll Freude über den „Hymnus“ und seine „schöne, ungemein eindringliche und würdevolle Weise“; („mir kommt Deine jetzige Musik außerordentlich einfach vor“) Er hebt den „prachtvollen, wiederum so sprechenden Accent auf dem ersten ,Pein‘ heraus und die mir fast noch mehr ins Herz klingende Beschwichtigung der Schlußtakte.“ — Freund Krug (der mich übrigens bittet, den Justizrath in Regierungsrath „umzuwerthen“ —) spricht von „tiefer Rührung bis zu Thränen“. „Ich hoffe bestimmt, daß der Chor hier aufgeführt wird… Die Instrumentation ist vortrefflich, soweit ich beurtheilen kann. Sie zeigt eine angenehme Steigerung und Abwechslung bei weiser Mäßigung, wie z. B. auf S. 8, wo die Worte „und in der Gluth des Kampfes“ durch das tremolo der Bratschen und die Tenorposaune mit nachfolgender p Fanfare der Trompete nur leise gedeutet werden. Schön wird sich auch S. 6 und 10 die zart herabsteigende Flöte ausnehmen“ usw usw —

Daß Gluck zu seinen ersten Anhängern Rousseau gehabt hat, giebt zu denken: mir wenigstens ist Alles, was dieser Mensch geschätzt hat, ein wenig fragezeichenwürdig; insgleichen Alle, die ihn geschätzt haben (— es ist eine ganze Familie Rousseau, dahin gehört auch Schiller, zum Theil Kant, in Frankreich G<eorge> Sand, sogar Sainte-Beuve; in England die Eliot usw). Jedermann, der „die moralische Wörde“ nöthig gehabt hat, faute de mieux, hat zu den Verehrern Rousseaus gehört, bis auf unsern Liebling Dühring hinab, der den Geschmack hat, sich in seiner Selbstbiographie geradezu als Rousseau des neunzehnten Jahrhunderts zu präsentiren. (Bemerken Sie, wie Jemand sich zu Voltaire und Rousseau verhält: es macht den tiefsten Unterschied, ob er zum ersten Ja sagt oder zum zweiten. Die Feinde Voltaire’s (zb. Victor Hugo, alle Romantiker, selbst die letzten Raffinirten der Romantik, wie die Gebrüder Goncourt) sind allesammt gnädig gegen den maskirten Pöbel-Mann Rousseau — ich argwöhne, daß auf dem Grunde der Romantik selbst etwas von pöbelhaftem Ressentiment zu finden ist..) Voltaire ist eine prachtvolle geistreiche Canaille; aber ich bin der Meinung Galiani’s:

„un monstre gai vaut mieux
qu’un sentimental ennuyeux“

V<oltaire> ist nur auf dem Boden einer vornehmen Cultur möglich und erträglich, die sich eben den Luxus der geistigen canaillerie gestatten kann… —

Sehen Sie, welche warmen Gefühle, welche „Toleranz“ bereits mein Ofen in mich überzuströmen beginnt…

Bitte, lieber Freund, halten Sie sich diese Aufgabe gegenwärtig, Sie kommen nicht um dieselbe herum: Sie müssen in rebus musicis et musicantibus die strengeren Principien wieder zu Ehren bringen, durch That und Wort, und die Deutschen zu dem Paradoxon verführen, das nur heute paradox ist: daß die strengeren Principien und die heitere Musik zusammengehören…

Treulich und dankbar Ihr Freund N.

959. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Nizza d. 25 Nov. 1887.

Geehrtester Herr Verleger,

die Exemplare des neuen Buchs sind glücklich in meine Hände gelangt, insgleichen Ihre gefälligen Mittheilungen vom 22. November. In Bezug auf letztere habe ich nachzutragen, daß wir das Exemplar von „Jenseits“ und der „Genealogie“ nicht an Ms. Monod senden wollen, dagegen an diese Adresse (mit dem hübschen rothen Zettel auf jedem):

Monsieur Victor Cherbuliez

de l’Académie.

Redaction de la Revue des Deux Mondes

Paris

— Die Visitenkarten werden mir gerade jetzt sehr erwünscht kommen: ich bitte um deren baldigste Zusendung.

Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche

960. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 2. Dez. 1887.

Verehrter Herr,

ein paar Leser, die man bei sich selbst in Ehren hält und sonst keine Leser — so gehört es in der That zu meinen Wünschen. Was den letzten Theil dieses Wunsches angeht, so sehe ich freilich immer mehr, daß er unerfüllt bleibt. Um so glücklicher bin ich, daß zum „satis sunt pauci“ mir die pauci nicht fehlen und nie gefehlt haben. Von den Lebenden unter ihnen nenne ich (um solche zu nennen, die Sie kennen werden) meinen ausgezeichneten Freund Jakob Burckhardt, Hans von Bülow, Ms. Taine, den Schweizer Dichter Keller; von den Todten den alten Hegelianer Bruno Bauer und Richard Wagner. Es macht mir eine aufrichtige Freude, daß ein solcher guter Europäer und Cultur-Missionär, wie Sie es sind, fürderhin unter sie gehören will: ich danke Ihnen von ganzem Herzen für diesen guten Willen.

Freilich werden Sie dabei Ihre Noth haben. Ich selber zweifle nicht daran, daß meine Schriften irgendworin noch „sehr deutsch“ sind: Sie werden das freilich viel stärker empfinden, verwöhnt, wie Sie sind, durch sich selbst, ich meine durch die freie und französisch-anmuthige Art, mit der Sprache umzugehn (eine geselligere Art im Vergleich zu der meinen) Viele Worte haben sich bei mir mit andren Salzen inkrustirt und schmecken mir anders auf der Zunge als meinen Lesern: das kommt hinzu. In der Skala meiner Erlebnisse und Zustände ist das Übergewicht auf Seiten der seltneren ferneren dünneren Tonlagen gegen die normalen mittleren. Auch habe ich (als alter Musikant zu reden, der ich eigentlich bin) ein Ohr für Viertelstöne. Endlich — und das wohl am meisten macht meine Bücher dunkel — es giebt in mir ein Mißtrauen gegen Dialektik, selbst gegen Gründe. Es scheint mir mehr am Muthe, am Stärkegrade seines Muthes gelegen, was ein Mensch bereits für „wahr“ hält oder noch nicht… (Ich habe nur selten den Muth zu dem, was ich eigentlich weiß)

Der Ausdruck „aristokratischer Radikalismus“, dessen Sie sich bedienen, ist sehr gut. Das ist, mit Verlaub gesagt, das gescheuteste Wort, das ich bisher über mich gelesen habe. Wie weit mich diese Denkweise schon in Gedanken geführt hat, wie weit sie mich noch führen wird — ich fürchte mich beinahe mir dies vorzustellen. Aber es giebt Wege, die es nicht erlauben, daß man sie rückwärts geht; und so gehe ich vorwärts, weil ich vorwärts muß.

Damit ich meinerseits nichts versäume, was Ihnen den Zugang zu meiner Höhle, will sagen Philosophie erleichtern könnte, soll mein Leipziger Verleger Ihnen meine früheren Schriften en bloc übersenden. Ich empfehle in Sonderheit deren neue Vorreden zu lesen (sie sind fast alle neu herausgegeben) Diese Vorreden möchten, hintereinander gelesen, vielleicht etwas Licht über mich geben, vorausgesetzt, daß ich nicht dunkel an sich (dunkel an und für mich —) bin, als obscurissimus obscurorum virorum…

— Dies wäre nämlich möglich. —

Sind Sie Musiker? So eben giebt man ein Chorwerk mit Orchester von mir heraus, einen „Hymnus an das Leben“. Derselbe ist bestimmt, von meiner Musik übrig zu bleiben und einmal „zu meinem Gedächtniß“ gesungen zu werden: angenommen, daß sonst genug von mir übrig bleibt. Sie sehen, mit was für posthumen Gedanken ich lebe. Aber eine Philosophie, wie die meine, ist wie ein Grab — man lebt nicht mehr mit. „Bene vixit, qui bene latuit“ — so steht auf dem Grabstein des Descartes. Eine Grabschrift, kein Zweifel!

Es ist auch mein Wunsch, Ihnen einmal zu begegnen.

Ihr
Nietzsche

NB. Ich bleibe diesen Winter in Nizza. Meine Sommeradresse ist: Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz. — Meine Universitäts-Professur habe ich aufgegeben. Ich bin drei Viertel blind.

961. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nizza den 2. Dez. 1887.

Werthester Herr Verleger,

eben habe ich dem ausgezeichneten Dr. Georg Brandes, dem Dänen, ein Versprechen gemacht, zu dem ich freilich erst Ihrer Zustimmung bedurft hätte. Derselbe hat mir den ernsthaftesten Willen ausgedrückt, sich im Zusammenhange mit meinem ganzen Gedanken- und Schriftenkreise zu beschäftigen; um dies zu ermöglichen, müssen wir ihm die ganze Litteratur von mir, die in Ihren Händen ist, übermitteln. Er besitzt zwar mehrere Schriften schon, aber nichts von den neuen Auflagen. Er gehört zu den geschicktesten Missionären neuer Ideen, die ich kenne und hat einen weiten Kreis von Wirksamkeit. Mitarbeiter aller großen europäischen und deutschen Zeitschriften, theils deutsch, theils dänisch, theils französisch schreibend, die letzten Jahre Vorträge in Petersburg, Moskau und Warschau haltend, ist er wie geschaffen dafür, zwischen den Nationen zu vermitteln und neue Namen bekannt zu machen. Seine ausgezeichneten Arbeiten über deutsche und französische Litteratur (Leipzig, Veit u. Co. und anderswo erschienen) werden Ihnen vielleicht bekannt sein. Seine Adresse ist:

Dr. Georg Brandes
Kopenhagen, Dänemark
St. Anne-Platz 24.

Hochachtungsvoll
Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche

Nizza Pension de Genève

962. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 3. Dezember 1887>

Meine gute alte Mutter, wir haben fast unausgesetzt ein trauriges Wetter, das auf mir drückt: so daß weder meine Gesundheit, noch meine Arbeit auf einen grünen Zweig kommt. Sonst hätte ich Gründe, guter Dinge zu sein: es gab schöne Briefe und unerwartete aus allen Weltgegenden. Dein Sohn ist nachgerade eine Macht: er stärkt und erquickt, er macht Anderen „gutes Wetter“. — Die antisemitische Litteratur bitte ich auch fürderhin mir vorzuenthalten. Auch Hr. Busse ist Antisemit. — Was den Hymnus angeht, so thue Deinerseits nichts mehr und laß Alles laufen, wie es läuft. Führt Naumburg ihn nicht auf, so wirst Du ihn vielleicht in Leipzig hören können — und zehnmal würdiger! Das Gedicht mag einstweilen als mein Erzeugniß gelten (und gilt überall dafür) Ich werde schon eine Gelegenheit finden, „dem die Ehre zu geben, dem die Ehre gebührt“. Augenblicklich wäre es unopportun. (Der Hofkapellmeister Mottl in Carlsruhe schreibt mir, daß der Hymnus einer sehr guten Aufführung bedürfe, um seine Wirkung zu thun. Dies macht mich gegen die Naumburger Aufführung zweifelhaft)

Dein altes Geschöpf.

962a. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, um den 10. Dezember 1887>

Schnell ein Paar Worte zum Danke für Deinen gemüthlichen Brief, der mir wie aus einer warmen Stube zu kommen schien und Vieles brachte, das mich interessirt. Ich beantworte zuerst Deine Frage in Betreff meines Vermögens; das <sich> bei Herrn Kürbitz befindet: ich glaube, daß es daselbst in der allerbesten Sicherheit ist. Stelle Dir vor, daß gerade in diesen Tagen die alte Pfarrerin einen Brief aus Amerika bekam, der die Nachricht mittheilt, daß ihr dort bei einem Administrator niedergelegtes und seit vielen Jahren von demselben verwaltetes Vermögen (c. 200 000 M. selbst erworbenes) verloren sei, und daß der Administrator sich das Leben genommen habe. Hier hat es weder an Vorsicht, noch — — —

In Betreff des H<ymnus> gebe ich Dir vollkommen Recht: insofern man meint, mit der Aufführung mir einen besonderen Gefallen zu erweisen, so kann ich auf dieselbe — — —

so lange Naumburg es nicht sich zur Ehre anrechnet, von mir etwas mit meiner Erlaubniß aufführen zu dürfen, steht eben Alles auf dem Kopf; und unter keinen Umständen wünsche ich womöglich gar noch dankbar sein zu müssen.

962b. An Ernst Julius Kürbitz in Naumburg

Nizza den 11. Dez. 1887.

Sehr geehrter Herr,

die Angelegenheit, derentwegen ich zuletzt Ihnen eine Karte schrieb, hat sich inzwischen erledigt. Dagegen habe ich heute eine Bitte auszudrücken, die sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest bezieht. Ich wünsche, daß meiner Mutter in meinem Namen 30 Mark (dreißig Mark) eingehändigt werden und wäre Ihnen dankbar, wenn dies so bald als möglich geschähe

In bekannter Hochschätzung
Ihr
Prof. Dr. F. Nietzsche.

Nizza, pension de Genève

963. An Carl Fuchs in Danzig

Nizza (France) den 14. Dez. 1887 pension de Genève

Lieber und werther Freund,

es war ein sehr guter Augenblick, mir einen solchen Brief zu schreiben. Denn ich bin, fast ohne den Willen dazu, aber gemäß einer unerbittlichen Notwendigkeit, gerade mitten darin, mit Mensch und Ding bei mir abzurechnen und mein ganzes „Bisher“ ad acta zu legen. Fast Alles, was ich jetzt thue, ist ein Strich-drunter-ziehn. Die Vehemenz der inneren Schwingungen war erschrecklich, die letzten Jahre hindurch; nunmehr, wo ich zu einer neuen und höheren Form übergehn muß, brauche ich zuallererst eine neue Entfremdung, eine noch höhere Entpersönlichung. Dabei ist es wesentlich, was und wer mir noch bleibt. —

Wie alt ich eigentlich schon bin? Ich weiß es nicht; ebensowenig, wie jung ich noch sein werde. —

Ich betrachte mit Vergnügen Ihr Bild; es scheint mir viel Jugend und Tapferkeit drin zu sein, gemischt, wie es sich ziemt, mit beginnender Weisheit (und weißen Haaren? ..)

In Deutschland beschwert man sich stark über meine „Excentricitäten“. Aber da man nicht weiß, wo mein Centrum ist, wird man schwerlich darüber die Wahrheit treffen, wo und wann ich bisher „excentrisch“ gewesen bin. Zum Beispiel, daß — ich Philologe war — damit war ich außerhalb meines Centrum (womit, glücklicher Weise, durchaus nicht gesagt ist, daß ich ein schlechter Philologe war) Insgleichen: heute scheint es mir eine Excentricität, daß ich Wagnerianer gewesen bin. Es war ein über alle Maaßen gefährliches Experiment; jetzt, wo ich weiß, daß ich nicht daran zu Grunde gegangen bin, weiß ich auch, welchen Sinn es für mich gehabt hat — es war meine stärkste Charakter-Probe. Allmählich disciplinirt Einen freilich das Innewendigste zur Einheit zurück; jene Leidenschaft, für die man lange keinen Namen hat, rettet uns aus allen Digressionen und Dispersionen, jene Aufgabe, deren unfreiwilliger Missionär man ist.

Dergleichen ist sehr schwer aus der Ferne zu verstehn. Meine letzten zehn Jahre waren dadurch über die Maaßen schmerzhaft und gewaltsam. Falls Sie Lust haben sollten, mehr von dieser bösen und problematischen Geschichte zu hören, so seien Ihrer freundschaftlichen Theilnahme die Neuausgaben meiner früheren Schriften empfohlen, insbesondere deren Vorreden. (Anbei bemerkt: mein aus guten Gründen etwas desperater Verleger, der treffliche E. W. Fritzsch in Leipzig, ist bereit, Jedermann diese Neuausgaben auszuhändigen, vorausgesetzt, daß man ihm dafür einen längeren Essai (über „Nietzsche en bloc“) verspricht. Die größeren Litteraturblätter, wie Lindau’s Nord und Süd, sind reif dafür, einen solchen Essai nöthig zu haben, da eine wirkliche Unruhe und Aufregung über die Bedeutung meiner Litteratur sich bemerkbar macht. Bisher hat noch Niemand genug Muth und Intelligenz gehabt, mich den lieben Deutschen zu entdecken: meine Probleme sind neu, mein psychologischer Horizont ist bis zum Erschrecken umfänglich, meine Sprache kühn und deutsch, vielleicht giebt es keine gedankenreicheren und unabhängigeren deutschen Bücher als die meinen)

— Der Hymnus gehört auch zu diesem „Strich-drunter-ziehn“. Können Sie ihn nicht sich einmal singen lassen? Man hat mir von verschiedenen Seiten schon die Aufführung in Aussicht gestellt (zb. Mottl in Carlsruhe) Seine eigentliche Bestimmung soll freilich sein, einmal „zu meinem Gedächtniß“ gesungen zu werden: er soll von mir übrig bleiben, gesetzt, daß ich selbst übrig bleibe.

Behalten Sie mich in guter Erinnerung, mein lieber Herr Doktor: ich danke Ihnen auf das Herzlichste dafür, daß Sie mir auch in der zweiten Hälfte Ihres Jahrhunderts zugethan bleiben wollen.

Ihr Freund
Nietzsche

964. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, pension de Genève den 20. Dez. 1887.

Lieber Freund,

ich war eben im Begriff, mich bei Ihnen nach Ihnen zu erkundigen: denn Ihr letzter Brief datirt vom 12. November. Ihre Karte giebt mir den schmerzhaften Verdacht ein, daß ein letzterer Brief nicht angelangt ist. Meine Mutter hat mir indessen mit vieler Freude und Dankbarkeit von einem sehr schönen Brief erzählt, den Sie ihr geschrieben haben, zusammen mit der Übersendung des Hymnus. Das war das Neueste, was ich von Ihnen wußte. Gestern habe ich endlich ein kleines Werk erkapert, das für jenes Problem, mit dem sich unsre letzten Briefe beschäftigten, ausgezeichnete Winke giebt: A. Pougin, die ersten Anfänge der französischen Oper. Das Entscheidende darin ist ein langer Brief jenes originellen Geistes, dem man die französische Oper verdankt, Perrin’s, von 1659. Darin wird methodisch, in 9 Rubriken, aufgezählt, was den Franzosen an der damaligen italiänischen Oper widerstand, und woraufhin die Neuerung gewagt wurde. Der Brief, im genannten Buche zum ersten Male wieder abgedruckt, ist ein capitales Faktum für die Culturgeschichte. —

Sie sehen, daß ich im Geiste bei Ihnen bin; und es gab noch ein besondres Ereigniß, wo ich Sie vermißt und verlangt habe, wie selten, nämlich die erste Aufführung von Carmen im großen italiänischen Theater — ein wahres Ereigniß für mich: ich habe in diesen 4 Stunden mehr erlebt und begriffen als sonst in 4 Wochen. Alle Ehre Herrn Sonzogno! Ausverkauftes Haus, viel vornehmste Welt (duc de Montpensier etc), ein unvergleichlich tragischer Eindruck, Alles hundert Mal spanischer als man es in Deutschland begreifen und goutiren würde. Wenn ich Sie wiedersehe, will ich Ihnen erzählen, was ich begriffen habe. Von einer Aufführung der pescatori habe ich nur den ersten Akt mir zugemuthet: das Werk ist noch ohne Gleichgewicht; der Einfluß der Vorbilder (Gounod, Fel. David, Wagner’s Lohengrin) unvermittelt und unüberwunden fühlbar. —

Zu Hegar’s Zurücksendung sage ich kein Wort. Die Kluft ist nach allen Seiten hin zu groß geworden; ich habe alle mögliche Art von Kasteiung nöthig, um nicht selber unter die Ressentiments-Menschen zu gerathen. Die Art Vertheidigungszustand, in den sich die mir von ehemals befreundeten M<enschen> gegen mich versetzen, hat etwas Agaçantes, das peinlicher wirkt als ein Angriff. „Nicht hören und nicht sehen“ — das scheint die Devise. Auf den Hymnus hat Niemand mehr geantwortet, außer Brahms (er schrieb „J<ohannes> B<rahms> erlaubt sich hierdurch seinen verbindlichen Dank für Ihre Sendung zu sagen: für die Auszeichnung, als welche er sie empfindet und die bedeutsamen Anregungen, welche er Ihnen verdankt. In hoher Achtung ergeben“) Auf das Buch hin gab es nur zwei Briefe, allerdings sehr schöne: einen von Dr. Fuchs; und einen von Dr. Georg Brandes (der geistreichste Däne, den es jetzt giebt d. h. Jude) Letzterer ist Willens, sich mit mir gründlich zu befassen: er ist erstaunt von dem „ursprünglichen Geiste“, der aus meinen Schriften spreche und gebraucht, zu deren Charakteristik, den Ausdruck „aristokratischer Radikalismus“. Das ist gut gesagt und empfunden. Ah, diese Juden! — Ein Paar Recensionen meines „Jenseits“, von Naumann mir übersandt, zeigen nur schlechten Willen: die Worte „psychiatrisch“ und „pathologisch“ sollen als Erklärungsgrund meines Buchs und als dessen Censur gelten. (Unter uns gesagt: die Unternehmung, in der ich drin stecke, hat etwas Ungeheures und Ungeheuerliches, — und ich darf es Niemandem verargen, der dabei den Zweifel hier und da in sich auftauchen fühlt, ob ich noch „bei Verstande“ bin)

Das Schönste nicht zu vergessen: mein alter Freund Gersdorff hat auf die rechtschaffenste und herzlichste Weise sein Verhältniß zu mir wieder hergestellt: das war ein förmliches Geschenk für mich. Er verlangt, daß ich ihn über Sie, lieber Freund, gründlich unterrichte, — ich werde es heute noch versuchen.

Ich bin arbeitsam, aber schwermüthig und noch nicht aus der vehementen Schwingung heraus, welche die letzten Jahre mit sich gebracht haben. Noch nicht „entpersönlicht genug“. — Trotzdem weiß ich, was gethan und abgethan ist: ein Strich ist unter meine bisherige Existenz gezogen — das war der Sinn der letzten Jahre. Freilich, ebendamit hat sich diese bisherige Existenz als das herausgestellt, was sie ist — ein bloßes Versprechen. Die Leidenschaft der letzten Schrift hat etwas Erschreckendes: ich habe sie vorgestern mit tiefem Erstaunen und wie etwas Neues gelesen.

Erzählen Sie mir, lieber Freund, von lauter guten Dingen!

Treulich Ihr N.

965. An Carl von Gersdorff in Ostrichen bei Seidenberg

Nice (France) Hôtel de Genève 20 Dec. 1887.

Lieber Freund,

selten in meinem Leben hat mir ein Brief solche Freude gemacht wie der Deinige vom 30. November. Es scheint mir, daß damit Alles zwischen uns auf das Rechtschaffenste und Gründlichste wieder in Ordnung gebracht ist. Ein solches Glück konnte gar nicht auf einen passenderen Zeitpunkt mir aufgespart bleiben, als es der jetzige ist. In einem bedeutenden Sinn steht mein Leben gerade jetzt wie im vollen Mittag: eine Thür schließt sich, eine andre thut sich auf. Was ich nur in den letzten Jahren gethan habe, war ein Abrechnen, Abschließen, Zusammenaddiren von Vergangnem, ich bin mit Mensch und Ding nachgerade fertig geworden und habe einen Strich drunter gezogen. Wer und was mir übrig bleiben soll, jetzt wo ich zur eigentlichen Hauptsache meines Daseins übergehn muß (überzugehn verurtheilt bin… ) das ist jetzt eine capitale Frage. Denn, unter uns gesagt, die Spannung, in welcher ich lebe, der Druck einer großen Aufgabe und Leidenschaft, ist zu groß, als daß jetzt noch neue Menschen an mich herankommen könnten. Thatsächlich ist die Oede um mich ungeheuer; ich vertrage eigentlich nur noch die ganz Fremden und Zufälligen und, anderseits, die von Altersher und aus der Kindheit mir Zugehörigen. Alles Andre ist abgebröckelt oder auch abgestoßen worden (es gab viel Gewaltsames und Schmerzliches dabei —)

Es bewegte mich, Deinen Brief, und Deine alte Freundschaft darin, gerade jetzt zum Geschenk zu erhalten. Etwas Ähnliches geschah im vorigen Sommer, als plötzlich Deussen im Engadin erschien, den ich 15 Jahre lang nicht gesehn hatte (— er ist der erste Philosophie-Professor Schopenhauerischer Confession und behauptet, daß ich die Ursache seiner Verwandlung sei) Insgleichen bin ich tief dankbar für Alles das, was ich dem Venediger maëstro verdanke. Ich habe ihn fast jedes Jahr besucht und darf Dir ohne jede Übertreibung sagen: er ist in rebus musicis et musicantibus meine einzige Hoffnung, mein Trost und mein Stolz. Denn er ist beinahe aus mir gewachsen: und das, was er jetzt von Musik macht, ist an Höhe und Güte der Seele und an Classicität des Geschmacks weit über Allem, was jetzt sonst von Musik gemacht wird. Daß man sich ablehnend und unanständig gegen ihn verhält und daß er ganze Jahre einer wirklichen Tortur durch Zurückweisungen, Taktlosigkeiten und deutsche Tölpeleien durchgemacht hat, steht dazu nicht im Widerspruch. Aber dies ist die Moral der Geschichte: entweder geht man an den Widerwärtigkeiten des Lebens zu Grunde oder kommt stärker aus ihnen heraus.

Auch Du, mein lieber alter Freund! Du Viel-Geprüfter! wirst diesen Satz unterschreiben können? —

Es scheint mir, daß ich Dir dies Mal einen Geburtstagsbrief geschrieben habe? Ganz wie ehedem, in unsrer „guten alten“ Zeit? (Ich bin Dir wirklich nicht einen Augenblick untreu geworden: sage das auch Deiner lieben Frau, zugleich mit meiner angelegentlichen Empfehlung!)

In alter Liebe und
Freundschaft Dein Nietzsche

Eben erschienen, bei E. W. Fritzsch: Hymnus an das Leben. Für gemischten Chor und Orchester componirt von Friedrich Nietzsche. Partitur. — Bitte, lies doch die neue Ausgabe der fröhlich. Wissenschaft: — es ist Einiges zum Lachen darin.

966. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza,> 28. Dezember 1887.

Heute nur einen Gruß und Glückwunsch zum Übergang aus dem alten Jahr ins neue! Der Winter ist hart; ich fürchte, daß er Dir Noth macht, im Bunde mit der Scholastik… Hier ist seit gestern tiefer Schnee: etwas Neues für mich, selbst für viele Niçois. Palmen mit Schnee überladen, die gelben Orangen aus Schnee herausguckend, drüber ein unglaublicher Himmel, ganz strahlend vor Freude — alles sehr phantastisch und absurd. Der Schnee ist von körniger und solider Art (man nennt diese Art hier neige de Corse) Ich beneide mich unter diesen Umständen um meinen kleinen Ofen (den ich alle Morgen präcis um 6 Uhr einheize): denn ich habe ein Nordzimmer. Sonst nicht viel Gutes zu melden; die Schwere meines Daseins lastet wieder stärker auf mir; fast keinen ganz guten Tag gehabt; und viel Sorge und Schwermuth. Bewahre mir Deine Treue und Liebe, alter Freund!

N.

Das Geld bitte ich mir in der üblichen Weise aus, recommandirt, pension de Genève.

967. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

Nizza, den 29. Dec. 1887.

— — — der „antisem<itischen> Correspondenz“ gelesen habe, kenne ich keine Schonung mehr. Diese Partei hat der Reihe nach mir meinen Verleger, meinen Ruf, meine Schwester, meine Freunde verdorben — nichts steht meinem Einfluß mehr im Wege, als daß der Name Nietzsche in Verbindung mit solchen Antisemiten wie E. Dühring gebracht worden ist: man muß es mir nicht übel nehmen, wenn ich zu den Mitteln der Nothwehr greife. Ich werfe Jeden zur Thüre hinaus, der mir in diesem Punkte Verdacht einflößt. (Du begreifst, in wiefern es mir eine wahre Wohlthat ist, wenn diese Partei anfängt, mir den Krieg zu erklären: nur kommt es 10 Jahre zu spät —)

Wir stecken hier seit vorgestern Abend im Schnee: das ist für Nizza etwas ganz Seltenes, ich habe es noch nicht erlebt. Die Palmen mit Schnee überdeckt, die gelben Apfelsinen zwischen Schnee herausguckend — das sieht kurios aus; und dabei ein himmlisches Wetter, klar und leuchtend, das Meer vom schönsten Blau. Die Kälte geht nachts bis auf 3 Grad unter Null hinunter; unter diesen Umständen ist mein kleiner Ofen unschätzbar (— er wird alle Morgen um 6 eingeheizt, so daß ich für die Zeit meines Sitzens am Schreibtisch leidlich warm habe.) Nizza ist nicht zum Besten daran, was Gäste betrifft; unser Haus relativ das am meisten besuchte (c. 45 Personen) Die Zeit vor dem Schnee war eine herrliche Spaziergehe-Zeit: nur daß der Staub mir sehr zu schaffen gemacht hat (noch am Weihnachtstage —)

Eine große Masse Bücher steht in meinem Zimmer; es giebt auch einen kleinen Bücherschrank. Es giebt auch eine vorzügliche chaise longue (ich kann ohne eine solche nicht gut mehr leben) Unsre Küche ist diesen Winter sehr lobenswürdig. Meine Absicht geht dahin, es etwa bis Ende März auszuhalten (— bis die Sonne mich forttreibt, die zu blendend wird)

— Und nun, meine alte liebe Mutter, sind wir am Ende mit diesem Jahre: ich wünsche mir und Dir zum neuen Muth, Geduld und — recht schöne Briefe. In Liebe Dich umarmend

Dein altes Geschöpf.

968. An Elisabeth Förster in Asuncion (Entwurf)

<Nizza, Ende Dezember 1887>

Man hat mir inzwischen schwarz auf weiß bewiesen, daß Herr Dr Förster auch jetzt noch nicht seine Verbindung mit der antis<emitischen> Bewegung aufgegeben hat. Ein Leipziger Tolpatsch und Biedermeyer (Fritsch, wenn ich mich recht erinnere) unterzog sich dieser Aufgabe, — er übersandte mir bisher regelmäßig, trotz meines energischen Protestes die antis<emitische> Corresp<ondenz> (ich habe nichts Verächtlicheres bisher gelesen als diese Correspondenz) Seitdem habe ich Mühe, etwas von der alten Zärtlichkeit und Schonung wie ich sie gegen Dich so lange gehabt habe zu Deinen Gunsten geltend zu machen, die Trennung zwischen uns ist ja nachgerade damit in der absurdesten Weise festgestellt. Hast Du gar nichts begriffen, wozu ich in der Welt bin?

Willst Du einen Katalog der Gesinnungen die ich als antipodisch empfinde? Du findest sie ganz hübsch bei einander in den „Nachklängen zu P<arsifal>“ Deines Gatten; als ich sie las, gieng mir als haarsträubende Idee auf, daß Du nichts, nichts von meiner Krankheit begriffen hast, ebenso wenig als meine schmerzhafteste und überraschendste Erkenntniß — daß der Mann, den ich am meisten verehrt hatte, in einer ekelhaften Entartung gradwegs in das überging, was ich immer am meisten verachtet hatte, in den Schwindel mit moralischen und christlichen Idealen. — Jetzt ist so viel erreicht, daß ich mich mit Händen und Füßen gegen die Verwechslung mit der antis<emitischen> Canaille wehren muß; nachdem meine eigne Schw<ester>, meine frühere Schw<ester> wie neuerdings wieder Widemann zu dieser unseligsten aller Verwechslungen den Anstoß gegeben haben. Nachdem ich gar den Namen Z<arathustra> in der antis<emitischen> Correspondenz gelesen habe, ist meine Geduld am Ende — ich bin jetzt gegen die Partei Deines Gatten im Zustand der Notwehr. Diese verfluchten schmutzigen Antisemiten-Fratzen sollen nicht an mein Ideal greifen!!

Daß unser Name durch Deine Ehe mit dieser Bewegung zusammen gemischt ist, was habe ich daran schon gelitten! Du hast die letzten 6 Jahre allen Verstand und alle Rücksicht verloren.

Himmel, was mir das schwer wird!

Ich habe, wie es billig ist, nie von Dir verlangt, daß Du etwas von der Stellung <verstündest>, die ich als Ph<ilosoph> zu meiner Zeit einnehme; trotzdem hättest Du, mit ein wenig Instinkt der Liebe, es vermeiden können, so geradewegs Dich bei meinen Antipoden anzusiedeln. Ich denke jetzt über Schwestern ungefähr so, wie Sch<openhauer> dachte, — sie sind überflüssig, sie stiften Unsinn.

Ich genieße als Ergebniß der letzten 10 Jahre, daß <ich> die gutmüthige Illusion verloren habe, als ob irgend Jemand wüßte, worum es sich bei mir handelt. Ich bin Jahre lang in der Nähe des Todes gewesen: nicht eine Ahnung davon bei irgend Jemandem, warum. Und als ich wieder Herr wurde und langsam wieder haben fast alle M<enschen> die ich kenne förmlich gewetteifert, meine Genesung durch die beleidigendste Mißhandlung immer wieder in Frage zu stellen:

ich hüte mich nachgerade, mich mit gegenwärtigen M<enschen> einzulassen; denn meine Erinnerung in Betreff fast aller derer, die ich bis jetzt kenne, ist, daß ich von ihnen in den härtesten Zeiten meines Lebens schändlich mißhandelt worden bin

Bis jetzt <habe ich es> freilich Niemandem vergessen, der sich in den letzten 10 Jahren an mir vergriffen hat: <doch lerne ich vielleicht auch das noch,> mein Gedächtniß hat wenig Platz für meine Erlebnisse

es war mir z. B. bisher unmöglich, Overbecks in Basel zu besuchen, weil <ich> es Frau Overbeck nicht vergeben hatte, daß sie sich schmutzige und unwürdige Vorstellungen über ein <Wesen gebildet hatte,> von dem ich ihr selbst gesagt habe, daß es die einzige Verwandte Natur ist, der ich bisher im Leben begegnet bin. Dasselbe gilt auch von Malvida und im Grunde von allen meinen alten Bekannten: man hat in diesem Punkte meine Ehre bis diesen Augenblick nicht wieder hergestellt. Der Besuch des vortreffl<ichen> Deussen erinnerte mich an diese Sachlage.

3. Ich habe allzulange aus einer gewissen absurden Gutmüthigkeit vorausgesetzt, daß man ungefähr wisse, worum es sich bei mir handele (zb. warum ich Jahrelang in der nächsten Nachbarschaft des Todes gelebt habe.) Nun, Schritt für Schritt bin ich hierüber (daß Niemand etwas von mir weiß) „wissend“ geworden; und das Beste ist, daß ich, seitdem ich das „weiß“, mich besser unabhängiger wohlwollender gegen Jedermann gestimmt fühle.

Ich habe mich jetzt in die Lage geschickt, zu der ich mich bisher nur „verurtheilt“ fühlte (nämlich nie einen verwandten Laut zu hören) mehr noch, ich habe eben darin das Auszeichnende meiner Lage, meines Problems, meiner neuen Fragestellung begriffen.

Ich lerne es mich in die Lage zu schicken zu der ich mich bisher immer verurtheilt glaubte: nämlich nie einen verwandten Laut zu hören

1887 (191 Briefe)

785. An Emily Fynn in St. Moritz

Nizza (France) pension de Genève 1. Januar 1887.

Глубокоуважаемая сударыня,

Ваш любезный знак внимания, за который я сердечно благодарю, проделал путь через Наумбург в Ниццу — кто знает, через сколько снежных пейзажей и почтовых задержек! Вы в любом случае получили бы от меня весточку в эти дни, и даже раньше, если бы в последнее время не возникло странное обстоятельство, препятствующее мне в написании любых писем: синие пальцы! До сих пор я жил здесь в северной комнате, без печи, выходящей окнами в холодный сад — это было настоящее испытание, но я делал хорошую мину при плохой игре.

Холод ощущался основательно с 14 ноября, стояла неизменно прекрасная январская погода, почти без перерывов солнце и чистое небо, совсем так, как я люблю (и в чем нуждаюсь!). Мне часто приходила мысль, что, собственно, наши вкусы и потребности должны совпадать не только в отношении Энгадина, но и Ниццы: при условии, что не приезжать сюда слишком рано (как я сделал в этот раз, в середине октября) и не уезжать слишком поздно. Сходство воздуха в отношении энергии, сухости, стимулирующей силы должно сейчас у Вас наверху и у меня здесь внизу быть поразительным. Впрочем, до сих пор ни пылинки снега; зато штормовой прилив, который два дня бушевал над Английской набережной. Послезавтра я переезжаю в другое жилье и получу солнечную комнату. К счастью, меня здесь прилично кормят; на обед я снова придерживаюсь своей исключительной молочно-яичной диеты, но вечером принимаю участие в достойном table d’hôte, где почти одни англичане. Шли разговоры, что англичанка Вашего имени, мисс Финн, хочет переехать из Сан-Ремо в мой отель, и ей предназначали соседний со мной салон: это было бы забавное Quidproquo! Общество здесь в Ницце должно быть этой зимой лучше, чем в другие годы: так мне рассказывают, ибо я живу еще более уединенно, чем обычно. Виллы сильно заняты, больше, чем отели; видно много экипажей, много прислуги. Король Вюртембергский, русский наследник престола, также правящий герцог Саксен-Готский здесь; долгое время ожидали русскую императрицу (для виллы Ван-Дервис). «Последний сезон перед войной» — так говорит весь мир. Я думаю, что следующий год принесет и кое-что хорошее, например, для нас — мирную встречу там наверху, на высоте, целительное и доказанное действие которой Вашей почтенной подруге и Вам самой будет трудно чем-либо заменить. С Зильсом я по-прежнему согласен, но не с комнатой там: или, вернее, мои глаза запрещают мне ее впредь. Мне нужен большой высокий рабочий кабинет с пятью необходимыми качествами. О промежуточном акте еще ничего не решено: я боюсь промежуточных актов. Возможно, Венеция, куда вернулся мой бедный, сильно подавленный сплошными унижениями музыкант, который, быть может, нуждается в моем ободрении (или, вернее, в моей вере в его музыку: всем художникам нужны «верующие»)

Пусть нам всем будет дарован хороший год, с терпением и утешением для страждущих, с мужеством и солнечным светом для всех! Пожалуйста, передайте фрейлейн фон Мансуровой мой самый преданный привет и поздравления; также фрау Бихлер; и когда будете писать, передайте также Вашей дочери сердечный привет.

Преданный Вам с глубоким почтением

Д-р Ницше

О! Я забыл поблагодарить Вас за Ваше первое письмо, которое среди неприятных людей так хорошо на меня подействовало! —

786. An Meta von Salis in Zürich

Nice (France) pension de Genève 1 Januar 1887.

Глубокоуважаемая барышня,

примите мою сердечную благодарность за письмо, посылку, расположение и всё, о чём Вы мне сообщаете и что свидетельствуете. А также за то, что Вы оказали честь маленькому albergo в Рапалло (возможно, я рассказывал Вам, что именно там была написана первая часть моего «Заратустры», впрочем, при столь жалких обстоятельствах тела и души, что воспоминание об этом вызывает у меня дурноту). По моему опыту этой осени, я должен порекомендовать Вам для второй поездки на это побережье остановиться в Руте (albergo d’Italia, превосходные номера): это маленькое местечко на крыше promontorio, которое выдается до Портофино. Там наверху, в лучшем воздухе, есть скалистый и лесной ландшафт для исследования, который напоминает кусочек греческого архипелага. Самый уединенный мир, который я до сих пор находил, очень в духе Заратустры. К сожалению, там двое неудачливых немцев были моими постоянными спутниками: так что и это место в моей памяти несколько отравлено и вызывает отвращение. — Из слов Вашего письма я выделил одно, слово противники: есть ли у меня противники? В моём сознании здесь пробел; по крайней мере, мне ещё не приходилось от этого страдать. Непонимание меня пока слишком велико, чтобы у меня могли быть настоящие противники или даже настоящие друзья; впрочем, я не буду ни жаловаться на это, ни терять терпения. Несомненно то, что мои «друзья» доставили мне в сто раз больше хлопот, чем любые недоброжелательства. И доктор Вельти, который смотрит на меня сквозь любезное clair-obscur почитания, кажется, не делает лучше, как мне представляется. —

То, что замок Маршлинс не продан, меня порадовало: хотя мне было бы трудно сказать, почему. Следует хранить своё старое: оно хранит нас. Только что читаю «notre monde moderne, qui se fait de plus en plus improvisateur et momentané». —

С благодарностью рекомендуя себя Вам, глубокоуважаемая барышня, остаюсь Ваш

покорнейший

д-р Фридрих Ницше

787. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Nizza> 4. Jan. 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель,

тем временем я сменил квартиру: точный адрес, который крайне необходим, теперь таков: Nice (France) rue des Ponchettes 29 (I étage). Вероятно, и господину Кёзелицу придется сообщить Вам об изменении своего адреса. — Снежные лавины, обрушившиеся на Лейпциг, по-видимому, затронули и типографию Рёдера? По крайней мере, со времени написания предисловия к «Утренней заре» ко мне ничего больше не поступало. Надеюсь, никакой беды не случилось, и в новом году всё идет своим чередом. Еще раз прошу, поскорее продвигать всё дело! Вы мне еще ничего не написали о том, будет ли типография Рёдера в состоянии изготовить пятую часть «Веселой науки» аналогично другим частям, или же должен вмешаться Тойбнер.

С глубоким уважением, д-р Ницше.

788. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 4. Januar 1887>

Дорогой друг, деньги получены, премного благодарен! Со вчерашнего дня я в новой квартире (rue des Ponchettes 29 1re ét.) — солнечная сторона, совершенно необходимо при суровости этой зимы; прежнее положение было дольше невыносимо ни для духа, ни для тела. Вопрос: хватит ли денег до следующего перевода? Примерно какого числа марта он мог бы прийти? — Вчера я насчитал 21 квартиру, в которых жил за 7 зим в Генуе и Ницце: столько же тягот и отвращения во всех отношениях. Ах, эта южная грязь!! Здесь за последние месяцы я осмотрел около 40 комнат, не найдя ничего подходящего — подходящего для такого мыслящего и чистоплотного животного, как я. — О Тенерифе я хорошо осведомлен; у него есть один изъян, помимо многих достоинств первого ранга — он расслабляет и угнетает беспримерно, в силу своего перенасыщенного влагой воздуха: в этом он прямая противоположность Ницце. Впрочем, есть больные, на которых такое свойство воздуха действует успокаивающе (По, Пиза, Палермо в этом схожи).

С дружеским приветом, твой

Н.

789. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 9. Januar 1887>

Мой дорогой друг, теперь вы снова будете в своем старом тихом милом гнездышке, где птица уже спела так много прекрасных песен. Мои самые сердечные пожелания постоянно окружают вас; в конечном счете, я предпочитаю знать вас в Венеции, чем здесь или в Генуе, потому что слишком свежо мое отвращение к тому положению, в которое попадают люди нашего круга в местах, для которых мы недостаточно «богаты». В Венеции бедность имеет нечто достойное и соответствующее месту; в Ницце все наоборот… (Я писал Хегару ради вашего Чардаша: если я поручил ему адресовать мое хоровое пение вам, то это было сделано для того, чтобы побудить его написать вам несколько строк — не знаю, просчитался ли я при этом. Только я прямо беру назад ранее высказанное пожелание относительно этого хора; мне теперь совсем нет до него дела). Из-за непунктуальности в Лейпциге последние корректуры пересеклись; я отправил вашу, как только она пришла, сразу же обратно вам. Время большого снега, вероятно, надолго. Преданно и с тысячью пожеланий ваш друг Ницше.

Адрес: Nice, rue des Ponchettes 29, 1re étage.

790. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 9. Januar 1887.>

Дорогой друг, моя открытка была отправлена незадолго до получения твоего письма: за последнее — сердечное спасибо! Надеюсь, твое здоровье улучшается благодаря хорошему уходу, который ты получаешь; особенно при глазных болезнях мне кажется наименее полезным, «что человек один». Зима сурова, здесь тоже; вместо снега у нас целыми днями идет дождь; ближние горы уже долгое время белые (что в этом пестром и насыщенном красками пейзаже выглядит как кокетство природы —). К этой «пестроте» относятся и мои синие пальцы, как и прежде; равно как и мои черные мысли. Сейчас я читаю, с подобными мыслями, комментарий Симпликия к Эпиктету: в нем перед глазами предстает вся философская схема, на которую наложилось христианство: так что эта книга «языческого» философа производит самый что ни на есть христианский эффект (не считая того, что весь христианский мир аффектов и патология отсутствуют, «любовь», как о ней говорит Павел, «страх Божий» и т. д.). Фальсификация всего фактического посредством морали предстает здесь во всем своем блеске; жалкая психология; философ, сведенный к «сельскому пастору». — И во всем этом виноват Платон! Он остается величайшим несчастьем Европы! —

Твой Н.

791. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 15. Januar 1887>

Прости, что пишу так поздно и всего лишь открытку, моя дорогая мама! Здоровье постоянно беспокоило и было расстроено, суровость зимы вынудила переехать, глаза уже не те, короче говоря, нужно терпение. Мой адрес теперь: Ницца (Франция), rue des Ponchettes 29 au premier. Теперь у меня есть солнечная комната, но последствия двух месяцев мороза и сырости еще не выветрились из тела и духа. — В ближайшее время напишу тебе к дню рождения: прошу тебя получить у господина Кюрбитца 30 марок и придумать себе что-нибудь, чем «старое создание» может доставить тебе удовольствие. Также нашлась рецензия на книгу (того самого доктора Вельти), и она должна дойти до тебя: хотя я сомневаюсь, стоит ли присылать тебе саму книгу, потому что это совсем не книга для чтения; мои самые ученые друзья и знакомые находят ее непонятной. Это недоразумение, если фрейлейн фон Салис вдруг решит, что понимает ее. (Есть ли хорошие новости из Парагвая? — Господин Кёзелиц снова в Венеции.)

С неизменной любовью, твое старое создание.

792. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza> Donnerstag früh <20. Januar 1887>

Моя дорогая мама, к этому времени моя открытка уже должна была дойти до тебя. Сегодня лишь, помимо благодарности за твое письмо, пара слов о печи! Я убежден, что она еще очень пригодится мне, а именно в Энгадине, чтобы продержаться там еще несколько месяцев; бесконечные разъезды становятся мне все более противны. Поэтому не продавай ее, пожалуйста, я прошу тебя! — Позавчера ушло письмецо господину Кюрбитцу, которое связано со 2 февраля. — Вчера вечером я получил великолепное письмо от Ламы, от 12 ноября, сплошь с хорошими новостями. Доктор Фёрстер в поездке, чтобы завершить 2 покупки. Мне обещан визит сюда, в Ниццу, но только через четыре года («возможно, торговля лесом с аргентинскими землями, в которых вообще нет леса, сделает нас еще немного состоятельнее»)

Сердечно приветствующий тебя твой
Сын.

Ницца (Франция), рю де Поншетт, 29, на втором этаже

793. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nice (France) rue des Ponchettes 29 au premier <21. Januar 1887>

Дорогой друг,

для меня истинное облегчение знать, что Вы снова в Венеции. Ваше письмо — о, как оно меня утешило! В нем было для меня словно обещание того, что и у меня теперь всё снова пойдет лучше — лучше, то есть светлее, радостнее, южнее, беззаботнее, надеюсь, также и «нелитературнее»: ибо вся эта инсценировка моей старой литературы ужасно меня измучила и сделала «личностной». Я не гожусь для «пережевывания» жизни. Сейчас я наслаждаюсь и отдыхаю за холоднейшей критикой разума, от которой невольно синеют пальцы (и, следовательно, пропадает желание писать —). В результате получается генеральная атака на весь «каузализм» прежней философии, а также кое-что похуже. —

Если бы Вы только представили к исполнению часть Вашей оперы! Нужно, если хочешь себя проявить, проявлять самое характерное, то есть самое чуждое. То, что Вы представили Леви свой септет, — по моему ощущению, скорее вежливость, чем что-либо иное (нечто «саксонское» — простите, старый друг!). Лучшее в этой истории то, что Ваш септет был принят так, как Вы пишете; если бы он понравился, я бы поверил в недоразумение. —

Леви оставил у меня наилучшее впечатление еще с весны. И то, что мне с тех пор сообщали из Мюнхена с другой стороны, подтверждает, что он не потерял и не хочет терять некую связь со мной (он называет это благодарностью): что, впрочем, верно для всех вагнерианцев (хотя я и не знаю, как это себе объяснить). Прошлой осенью в Мюнхене меня ожидали «с лихорадочным напряжением», как сообщал Зейдлиц (ныне президент Вагнеровского общества). В Энгадине, кстати говоря, моей соседкой по столу была сестра «Севильского цирюльника»: Вы понимаете этот сокращенный способ выражения?

Напоследок — недавно я впервые услышал вступление к «Парсифалю» (а именно в Монте-Карло!) Когда я снова Вас увижу, я точно скажу Вам, что я там понял. Впрочем, отвлекаясь от всех посторонних вопросов (для чего такая музыка может служить или, скажем, должна служить?), а спрашивая чисто эстетически: делал ли Вагнер когда-нибудь что-то лучше? Высочайшая психологическая осознанность и определенность в отношении того, что здесь должно быть сказано, выражено, сообщено, кратчайшая и прямейшая форма для этого, доведенная до эпиграмматичности каждая нюансировка чувства; ясность музыки как описательного искусства, при которой думаешь о щите с чеканной работой; и, наконец, возвышенное и необычайное чувство, переживание, событие души в основе музыки, что делает Вагнеру величайшую честь, синтез состояний, которые многим людям, даже «высшим людям», покажутся несовместимыми: судящей строгости, «высоты» в пугающем смысле слова, сопричастности и проницательности, которые прорезают душу, словно ножами, — и сострадания к тому, что там созерцается и судится. Подобное есть у Данте, больше нигде. Писал ли когда-нибудь какой-либо художник столь меланхоличный взгляд любви, как Вагнер с последними аккордами своего прелюдии? —

Преданный Вам друг Ницше

794. An Elisabeth Förster in Asuncion

Nizza, rue des Ponchettes 29 au premier am 26. Januar 1887

Милая моя сестра,

В четверг после обеда, когда я во время прогулки размышлял о дивном ламе и решил написать ему письмо, ко мне подошел незнакомый господин и сказал: «Madame Gazzola a des lettres pour Monsieur». Тотчас же месье отправился к мадам Гаццоле — ах, эта сорока-воровка (gazza ladra) дурной памяти еще с прошлой зимы — и вот, нашлось письмо с безошибочно узнаваемым почерком южноамериканского ламы. Премного благодарен! Оно пришло очень кстати, ибо газетные известия о холере заставили меня изрядно поволноваться в ожидании весточки от тебя. Но самое лучшее в твоем добром письме — это надежда и радужный мост воссоединения, перекинутые через четыре года разлуки, и притом здесь, в Ницце: — что, кстати говоря, даже для избалованных южноамериканцев, по-видимому, не лишено привлекательности, ибо у нас постоянно бывают гости оттуда, этой зимой, например, первая военная персона из Монтевидео, некоторое время также президент Аргентины. Как раз сейчас, когда Европа превратилась в снежную гору и белого медведя, наша полоска Ривьеры заслуживает тройных звезд отличия: до сих пор ни пылинки снега; и если даже дальние горы вокруг Ниццы припудрились белым, то это скорее следует отнести к искусству туалета этой южной красавицы и чародейки, нежели к ее злобности (которой, впрочем, она богата, comme beauté et comme femme). Как хорошо, что я не в Мюнхене! Зейдлиц недавно сообщил мне оттуда о невиданном доселе отупении (его сделали президентом Вагнеровского общества —): конечно, следствие вечной, печальной, ледяной, влажной безсолнечности немецкой зимы. Ротплецы все до единого ускользнули на Тенерифе; господин Кёзелиц, после долгого и безрезультатного мучения животных там, что вызывало у меня большие опасения — он писал, чтобы прокормиться, последнее время для газет, по 4 пфеннига за строку — снова удрал в венецианское уединение. Из Рима сообщают (а именно Мальвида, так же как и генерал Симон) о большой всеобщей грязи на улицах — мне завидуют из-за чистой Ниццы. Короче говоря, тот философский сурок, который проводит свои лета, насвистывая в Энгадине — ибо сурок свистит, он ничему лучше из музыки не научился — на этот раз снова проводит свою зимнюю спячку в Ницце: и в этом есть смысл — quod erat demonstrandum. Впрочем, мне говорят, что я еще никогда не выглядел так здорово, как этой зимой. На самом деле до настоящего здоровья еще далеко; но я помню целый день, когда я чувствовал себя здоровым, и нет сомнения, что каждую зиму в течение 7 лет я делал скачок в том направлении, где живет здоровье. Будем надеяться, что при более долгой жизни я в конце концов все же поймаю его, пусть даже в старческом возрасте, в виде шаткого старого мудреца. Что же касается моей доселешней «мудрости», то я сыт ею по горло. Тем временем вся моя прежняя литература была снабжена предисловиями и новыми манжетами: возможно, она стала от этого более привлекательной для других — для меня же с этим покончено. Если вам, мои почтенные провинциалы, этого захочется, то когда-нибудь всё собрание моей литературы, l’œuvre de Frédéric Nietzsche, как выразились бы во Франции, совершит свое путешествие через океан (в сумме 4 увесистых тома). Но кто знает, когда наконец саксонская издательская и типографская волокита управится с этим œuvre! Последнее, что вышло, — это «Утренняя заря»; однако самая большая перемена происходит с «Веселой наукой», которая в конце концов выливается в сплошные песни и легкомыслие под названием «Песни принца Свободомысла». — При этом, а именно будучи вынужденным молча пережевывать про себя все свое прошлое книжника, я констатировал:

  1. что милые немцы за пятнадцать лет так и не сподобились ни на одну, даже посредственно основательную и серьезную рецензию на любую из моих 12 книг

  2. что я сам замечаю этот факт только сейчас, значит, вероятно, внутренне не очень-то стремился к вниманию милых немцев — короче, что я это «заслужил» —

  3. что я не знаю ни одного человека, который «знал» бы что-либо о подоплеке всей этой литературы, о моей весьма примечательной подлинной судьбе, или дал бы мне понять, что он что-то знает; я следовательно весьма преуспел в иронии и насмешках над людьми, теперь уже настолько, что на «почтительные письма», которые приходят не так уж редко, больше не отвечаю — я чую подмену всегда за пятьсот шагов.

Довольно. Но я говорю это, чтобы и со своей стороны выразить потребность несколько недель ничего не делать, кроме как смеяться. Итак: через четыре года, милая моя сестра, будем смеяться, на том и порешим, я от всего сердца благодарю за это обещание.

Тем временем самые искренние пожелания вашим смелым начинаниям, которые продолжают приводить меня в изумление.

С любовью
Ф.

(Адрес для Ниццы надежнее всего всегда: pension de Genève.)

795. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Nizza,> 28. Januar 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель,

в последнее время я был очень занят и мыслями находился совсем «в другом месте», нежели в Лейпциге: прошу прощения, что до сих пор даже не поблагодарил Вас за Ваши последние любезные сообщения. Настоящим хочу лишь сообщить Вам свой новый адрес: он действителен также только до начала марта.

Ницца (Франция), улица Поншетт, 29, второй этаж

Покорно рекомендуя себя Вам и Вашему господину брату, Ваш покорнейший

Проф. д-р Ф. Ницше

Из Цюриха мне было прислано объявление д-ра Вельти. —

796. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, France rue des Ponchettes 29 au premier <30. Januar 1887>

Итак! моя дорогая добрая матушка, нужно поскорее отправить тебе поздравительное письмецо ко дню рождения, чтобы оно вовремя дошло до тебя: что в эту зиму, при всеобщем снежном бедствии в Европе, кажется мне менее предсказуемым и надежным, чем обычно. Но меня радует, что господин Кюрбиц по крайней мере остался надежным и предсказуемым (— если бы я мог сказать то же самое о моем лейпцигском издателе Фриче, который уже 4 недели оставляет меня в беде, причем в вызывающей тревогу манере! В конце концов, это не что иное, как старая саксонская нерасторопность и непунктуальность). Надеюсь, погода будет приветливой в твой день рождения, как и все те, кто будет тебя поздравлять; и надеюсь, что придет письмо из Южной Америки, которое тебя порадует. По сути, мы сейчас все очень разбросаны по земле; мало что осталось от общих людей и интересов. Мысль о том, что мои близкие родственники хотят обогатиться в Южной Америке на торговле лесом, так же чужда мне, как мои «идеи» могут быть чужды им (о которых прилагаемый доктор Вельти отзывается, в сущности, слишком любезно и добродушно, чтобы я мог придавать большое значение его суждению). Жизнь — вещь неопределенная и опасная, в любой момент может случиться то, что невозможно переварить. Не говоря уже о себе: меня сейчас крайне огорчает безнадежное положение господина Кёзелица. Он уже слишком стар, чтобы советовать ему ждать; в его возрасте нужно быть знаменитым или печально известным как художник (как, например, Вагнер). Иначе обстоят дела у таких, как мы, я имею в виду нас, философов, для которых любой вид славы, внимания, любопытства должен быть скорее обременительным: ведь мы не жаждем «соглашаться» с кем-либо. Но музыкант, чью музыку никто не любит и который остается сидеть в своем углу, — фигура смешная, подобно танцовщице, с которой никто не хочет танцевать, как бы красиво она ни нарядилась. То, что господин К<öselitz> — хороший человек, к сожалению, в этом отношении не дает ни малейшего утешения, скорее наоборот; самое худшее, что он не умеет располагать к себе других художников.

Погода здесь необычайно прекрасная, ясная, мягкая; к тому же у нас до сих пор не было ни пылинки снега. Чего я боюсь, так это того, что весна может наступить слишком рано (после того как зима наступила на месяц раньше —); а теплое время года для всех страдающих нервными расстройствами — опасное время года. —

— А теперь я хочу совершить воскресную прогулку по горам и при этом думать о моей доброй матушке с множеством сердечных пожеланий. Как же все-таки человек одинок! Твое старое

создание.

797. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Nizza, 8. Februar 1887

Достопочтенный господин Фрич, отправили ли Вы также господину Кёзелицу экземпляр сочинений, в предисловиях к которым он помогал? Мы должны проявить признательность этому самому внимательному из корректоров при любых обстоятельствах — по меньшей мере, это мой долг. — Я сам с нетерпением ожидаю готовый экземпляр «Утренней зари». — Что касается всех тех рукописных фрагментов, которые предназначались для дополнения «Веселой науки», то сегодня я уже не склонен приносить их в жертву этой цели. Пришлите их мне обратно сюда, и как можно скорее, поскольку мое пребывание здесь подходит к концу. Я полагаю, что еще ничего из этого не попало в типографию. — Возможно, книготорговую пересылку «Веселой науки» вообще стоит отложить? Но это входит в круг Ваших интересов, а не моих. — Мой адрес, который следует писать как можно точнее и разборчивее, пока еще:

Ницца (Франция)

rue des Ponchettes 29 au premier

Ваш покорнейший д-р Ницше

798. An Franz Overbeck in Basel

Nice, 12. Fevr. 87

Дорогой друг,

ничего не поделаешь, мне придется попросить тебя прислать мне денег еще раз до наступления квартального срока — примерно 200 франков, и по моему прежнему адресу: pension de Genève, pet. rue St. Etienne: ибо к новому дому, в котором я живу, у меня еще нет доверия. Зима сурова, даже здесь; но она приносит с собой огромное количество совершенно ясных дней — и я еще ни разу не топил печь. Мне говорят, что мой вид лучше, чем прошлой зимой, а также что я постоянно пребываю в хорошем настроении: но мне это говорили всю мою жизнь. Люди здесь, пожалуй, еще более поверхностны, чем в других местах: само собой разумеется, что и у меня есть своя «поверхность». — Возможно, ты сам уже слышал от господина Кёзелица, что он тем временем вернулся в Венецию. Он хвалит свежесть и чистоту тамошнего воздуха и добавляет в своем последнем письме: «aria limpida», при котором я, безусловно, сделал бы несколько вещей, если бы оставался в строю. Но я был полумертв. Мне страшно брать перо в руки, чтобы что-то записать».

Так что у меня есть свои заботы, тем более что я совсем не вижу, что еще можно сделать сейчас, чтобы преодолеть всеобщее неприятие и противоречие, которое проявляется по отношению к его музыке. Леви организовал исполнение септета, но «он при этом сделал такое лицо, как наш друг в Цюрихе» — «и, конечно, он меня наполовину жалел, наполовину высмеивал».

Меня очень радует, что опера тебе так понравилась; но мне все еще приходится искать музыканта, которому она нравится. У Кёзелица самые образованные, доброжелательные и признанные музыканты против него. Тем не менее: именно это внушает мне доверие. Было бы тревожнее, если бы дело обстояло иначе... Допустим, если бы он сам меньше от этого страдал, я бы почти поздравил его с этим: ибо это настоящий признак истинно нового и оригинального (— то, что образованные люди против тебя). Кстати: в последние месяцы (когда я был вынужден больше, чем мне хотелось, обращаться к своей прежней литературе) я осознал, что за пятнадцать лет не было написано ни одной ценной, содержательно-глубокой, интересной и заинтересованной рецензии ни на одну из моих книг — и что я не ощутил этого (что в этом самое лучшее!). Напротив, я ни на мгновение не стану отрицать, что другой факт причиняет мне ужасную боль и постоянно присутствует в моем сознании: что за эти же пятнадцать лет ни один человек не «открыл» меня, не нуждался во мне, не любил меня, и что я прожил это долгое, жалкое, полное боли время, не будучи утешенным настоящей любовью. Весь мой «Заратустра» вырос из этой нехватки — насколько же он должен быть непонятным! Какие абсурдные воспоминания у меня остались относительно того эффекта, который он произвел! Он озлобил, по крайней мере, определенный род людей: это пока что его единственное глубокое воздействие. — Впрочем — впрочем — я достаточно «интеллектуален», чтобы и это принять за хороший знак. В конце концов, у меня нет времени слишком заботиться о «мнении обо мне»: существует ужасное количество проблем, которые давят на меня. И какие проблемы! Если бы у меня только хватило мужества подумать обо всем, что я знаю... (Это выражено не очень ясно, дорогой друг: хорошо, что я живу во Франции, которая невольно приучает к ясности). Передавай привет своей дорогой жене и дай мне скорее знать о своей зиме, я имею в виду твое здоровье в такую зиму.

Твой Ф. Н.

Писал ли я тебе о Г. Тэне? И о том, что он находит меня «infiniment suggestif»? И о Достоевском?

799. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nice (France) rue des Ponchettes 29 au premier den 13. Febr. 1887

Достопочтенный господин издатель,

прежде всего примите мои искренние поздравления Вам и Вашей глубокоуважаемой супруге по случаю события в Вашем семействе, о котором Вы мне сегодня сообщили. —

Тем временем Вы, должно быть, поняли из моей открытки (от вторника), что мое время здесь подходит к концу, и не только мое время, но и мое терпение — О, если бы Вы знали, как я сам в начале зимы старался, чтобы доставить рукопись в Ваши руки в обещанный срок!

Мы оба, дорогой господин Фрич, хоть и родились достаточно близко к саксонской границе, — но это еще далеко не дает нам права на проклятую саксонскую медлительность и непунктуальность, с которыми я со своей стороны всю жизнь вел войну. —

Я тем временем подумывал использовать присланные части рукописи для второго издания «По ту сторону добра и зла». Однако — если Вы можете гарантировать мне, что печать будет завершена в течение 5—6 недель, то пусть все останется согласно моему первоначальному намерению. Столько времени я еще готов здесь задержаться.

Список частей, который содержит Ваше сегодняшнее письмо, мне трудно проверить, полагаясь лишь на память. Во-первых, в любом случае не хватает именно начала пятой книги (я полагаю, заголовок был: в чем заключается наша веселость). Также отсутствует вторая часть «Насколько и мы еще благочестивы», то есть 344. Последний номер четвертой книги, кстати, 342: следовательно, первый номер пятой книги должен быть 343 (а не 345). Также я не могу понять из Вашего реестра, снабдили ли Вы 371 «Мы, бесстрашные» должным образом присланным позднее дополнением.

Указанные здесь изменения, пожалуйста, внесите: тогда Ваш реестр, который я прилагаю обратно, будет иметь силу.

Но почему у меня на руках нет хотя бы оттисков предисловия? Равно как и готового экземпляра «Утренней зари»? —

Порядок печати тот же, что и раньше: один оттиск вместе с рукописью господину Кёзелицу (Венеция, Сан-Канчано, калле нуова 5256), одновременно один оттиск мне.

Ваш покорнейший д-р Ницше

800. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, den 13. Febr. 1887.

Дорогой друг,

Фрич только что сообщил, что печать «Веселой науки» (соответственно, различных дополнений к ней) теперь пойдет своим чередом — и поэтому я снова, но, надеюсь, в последний раз надолго, должен просить вас о вашей неоценимой помощи головой и глазами. Не сердитесь, дорогой друг, именно в этот раз без вас не обойтись. Дело в том, что в октябре прошлого года я на скорую руку набросал еще пятую книгу к упомянутой «Науке» (чтобы придать всему своего рода равноценность с «Утренней зарей», а именно с переплетной точки зрения —) и теперь сам в некоторой степени любопытствую, что же я тогда на самом деле написал. Это совершенно вылетело у меня из памяти. Знаю только, что стоило немалого труда как бы обратить вспять мои взгляды и поддерживать своего рода снисходительность к прежней точке зрения и взглядам на жизнь. Допустим, что это не всегда удавалось: но, пожалуйста, будьте в этот раз более недоверчивы ко мне, чем обычно, и пишите мне, при случае, просто: «то-то и то-то не годится, мне не нравится, почему бы не сделать так-то и так-то и т. д. и т. п.».

Есть более длинное предисловие и, в конце, после пятой книги, горсть песен: так что все прекраснейшим образом разрешается в песенности.

— Господин Фрич должен будет извиниться перед вами (он ужасно занят, даже помолвкой дочери); само собой разумеется, что все те произведения, с предисловиями к которым вы имели «немало хлопот», будут вам доставлены. —

— Случай шепнул мне на ухо, что Моттль в конце концов все-таки отказался и уже был отпущен из Берлина с большим сожалением. Насколько это меня обрадовало, трудно выразить: но я все еще верю, что этот человек исполнит вашу оперу…

Совсем издалека до меня дошло понимание того, что мы оба, в отношении средств и путей к постановке этой оперы, вели себя как дети. Боже, что только здесь, во Франции, не предпринимается, прежде чем композитор доберется до того, чтобы услышать свое произведение! Это яростная борьба длиной в годы, со всеми искусствами и хитростями девятнадцатого века. Самое существенное из приличных средств (ибо большинство — неприличные) — это эстетическая программа, которая наделает шума. Произведение, за которым не стоит «теория» и которое не способно создать партию, прежде всего — оскорбить партии, больше не выходит на свет божий, будь то картина или опера. Если принадлежишь (— случайно… ) ни к какой партии, то здесь нужно любой ценой фрондировать против всех партий — тогда, может быть, получится…

При этом мне приходит в голову, что я был бы очень благодарен, если бы вы позволили мне взглянуть на ваши мюнхенские рецензии. Я хочу кое-чему из них научиться, обещаю вам.

— Знаете ли вы Достоевского? Кроме Стендаля, никто не доставил мне столько удовольствия и удивления: психолог, с которым «я нахожу общий язык». —

А теперь я даже не поблагодарил вас за ваше доброе письмо, и за ваше мужество, вашу храбрость, вашу верность Венеции — что все мне так близко и кажется таким достойным почитания! Я от всего сердца прошу вас: позвольте небу снова расти в ваших деревьях! Ваш друг

Ницше

801. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Nizza, 18. Februar 1887>

Мой дорогой господин Фрич! Случай играет с нами — наши письма снова разминулись! Мне не остается ничего другого, кроме как остановиться на том, о чем я сообщил Вам в своем последнем письме, и отправить Вам рукопись во второй раз: с сердечной и настоятельной просьбой как можно скорее избавить меня от этих многомесячных мук ожидания. Я из-за этой истории с типографией потерял всю свою зиму… Итак, сначала предисловие, затем пятая книга, затем песни принца Фогельфрая! — Отдельный лист, который относится к пятой книге и остался здесь, я в спешке отправил прямо в Вашу типографию.

Адрес господина Кёзелица:

Venezia (Italia)

San Canciano calle nuova 5256

Я заново пронумеровал рукопись; тот отдельный лист, пожалуйста, теперь снабдите номером 358 и вставьте на это место (номер, который на нем стоит, неверный)

Эта пятая книга «Веселой науки» чрезвычайно содержательна и, как мне кажется, значительно усилит привлекательность всего произведения. Пардон! Автор не должен так говорить —

Ваш покорнейший Н.

802. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

Sonnabend. <Nizza, 19. Februar 1887>

Дорогой друг, я наконец призвал Фрича к ответу насчет обязательных экземпляров, которые он задолжал Вам; но он отвечает, что эти экземпляры были должным образом отправлены Вам в Мюнхен, но оттуда возвращены ему обратно — он ничего не знал о Вашем переезде в Венецию. Я немедленно передал ему Ваш новый адрес. (Кстати, на следующей неделе у нас в руках должно быть и предисловие к «Веселой науке».)

Еще раз прошу прощения

Ваш друг Н.

Надеюсь, у Вас тоже стоит чудесная погода. До сих пор ни пылинки снега.

803. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 19. Februar 1887>

Не сердись, моя дорогая мама, что я совсем не пишу: но погода к тому не располагает. Синие пальцы; до сих пор еще не топили. Очень тяжелая зима для меня. Я очень рад, что ты знаешь, что ты красиво одета, жизнь переносится вдвое легче. Сам я, к сожалению, собой не доволен и таскаю старые уродливые вещи из года в год. — Если бы ты хотела сделать мне одолжение, то отправь газетный лист со статьей доктора Вельти в Лейпциг господину Э. В. Фричу, издательство, Кёнигштрассе, 6 — но ничего не добавляя. Возможно, это послужит тому, чтобы придать ему немного мужества. С сердечной любовью, твое старое

создание.

804. An Franz Overbeck in Basel

<Nizza,> Mittwoch. (23 Feb. 87)

Дорогой друг

сегодня лишь моя благодарность за Ваше письмо и денежный перевод, который меня очень успокоил; я редко в своей жизни был так сильно «на мели». Кстати, я болен, кашляю comme il faut, зябну: при этом шумный карнавал в Ницце происходит почти под моим окном ..

Прилагаю письмо венецианского maëstro, которое, как я полагаю, доставит Вам радость. Я был так обеспокоен! Но всё меняется к лучшему. Небольшая махинация, весьма косвенная, направленная на то, чтобы побудить господина Хегара в Цюрихе к любезности по отношению к нему, по-видимому, удалась.

Допустим, что этой весной я приеду в Цюрих и застану Хегара готовым исполнить для меня Mizka-Czàrdas, я не премину пригласить Вас на это.

О Достоевском я и сам еще несколько недель назад не знал даже имени — я, необразованный человек, который не читает «журналов»! Случайный выбор в книжной лавке подвернул мне под руку только что переведенное на французский язык произведение l’esprit Souterrain (совершенно так же случайно это произошло со мной на 21-м году жизни с Шопенгауэром и на 35-м со Стендалем!) Инстинкт родства (или как мне это назвать?) заговорил немедленно, моя радость была необычайной: мне нужно вернуться к моему знакомству со «Красным и черным» Стендаля, чтобы вспомнить подобную радость. (Это две новеллы, первая, собственно, кусок музыки, очень чуждой, очень ненемецкой музыки; вторая — гениальный штрих психологии, своего рода самоосмеяние γνῶθι σαυτόν). Между прочим: эти греки имеют много грехов на совести — фальсификация была их настоящим ремеслом, вся европейская психология страдает от греческих поверхностностей; и без этой малости иудаизма и т. д. и т. д. и т. д.

Этой зимой я также читал Origines Ренана, с большой злобой и — малой пользой. Вся эта история малоазиатских состояний и sentiments кажется мне комичным образом висящей в воздухе. Наконец, мое недоверие доходит теперь до вопроса, возможна ли история вообще? Что же хотят установить? — нечто, что в момент самого события «не было установлено?» —

Дорогой друг, о Германии, современниками которой мы являемся, ни слова! Я как раз читаю главный труд Зибеля во французском переводе, после того как прошел через школу Токвиля и Тэна по соответствующим проблемам — там я нахожу, например, эту превосходную мысль: «c’est du régime féodal et non de sa chute, que sont nés l’égoisme, l’avidité, les violences et la cruauté, qui conduisirent aux terreurs des massacres de septembre.» Я полагаю, это чувствует и осознает себя как «либерализм»; несомненно, что такая выставленная напоказ ненависть ко всему общественному строю Средневековья прекрасно уживается с самым почтительным отношением к прусской истории. Например, в отношении раздела Польши. (Знаешь ли ты Moines d’Occident Монталамбера? Или, вернее: знаешь ли ты что-то более солидное и менее пристрастное, чем этот труд, но с тем же намерением — выставить в свете благодеяния, которыми европейское общество обязано монастырям?)

Эта зима идет мне на пользу, как антракт и взгляд назад. Невероятно! За последние 15 лет я создал целую литературу и в конце концов «завершил» ее предисловиями и дополнениями настолько, что рассматриваю ее как отделившуюся от меня, — что могу смеяться над ней, как я в сущности смеюсь над всяким литераторством. В общем и целом, я потратил на это лишь самые жалкие годы своей жизни.

Преданный Вам Ваш старый друг
Н.
homo illitteratus

805. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 24. Februar 1887>

Дорогой друг, возможно, вы обеспокоены новостями о нашем землетрясении: вот несколько слов, которые должны хотя бы сказать вам, как обстоят дела у меня. Город полон расшатанных нервных систем, паника в отелях едва ли поддается описанию. Этой ночью, около 2—3 часов, я совершил обход и навестил некоторых знакомых мне людей, которые полагали, что смогут избежать опасности, находясь на открытом воздухе, на скамейках или в извозчичьих экипажах. Сам я чувствую себя хорошо; ни на мгновение не испытал страха — и даже очень много иронии!

На ваши подозрения в отношении Фрича я не знаю, что ответить. Мне неясно, как он сейчас ко мне относится; но я склонен многое ему простить после того, как он совершил большую глупость, взвалив на свои плечи мою невозможную литературу.

Впечатление от вашего последнего письма было таково, что я устроил праздник. Все меняется к лучшему; и нам с вами приходится изрядно потомиться в судьбе, если мы хотим стать — вкусными.

Преданный вам Н.

806. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza,> Donnerstag morgen <24. Februar 1887>

Моя дорогая мама, лишь слово успокоения на тот случай, если известия о нашем землетрясении тебя встревожили. Это правда, что большинство приезжих потеряли голову; но только не твое старое создание. Этой ночью, около 2—3 часов, я совершил небольшой инспекционный тур по городу, я посетил, в частности, известные мне отели, которые отчасти сильно пострадали: их постояльцы провели холодную ночь под открытым небом, лежа завернутыми на скамейках или в экипажах и т. д. К вечеру я обедал в Pension de Genève, конечно, на свежем воздухе: сплошь расшатанные нервные системы, за исключением старой пасторши, которая, как и я, была в хорошем настроении. Для Ниццы это большой удар; сезон разом закончился. — Сердечнейшее спасибо за твое письмо и его радостное приложение! Сейчас мне предстоит многое сделать: извини, если я шлю только открытки!

Твое старое создание.

807. An Reinhart von Seydlitz in München

Nizza, Donnerstag den 24. Febr. 87. rue des Ponchettes 29 au premier

К счастью, дорогой друг, в твоем собственном случае твое письмо вовсе не доказало quod erat demonstrandum: в остальном же я уступаю тебе во всем — роковое влияние пасмурного неба, долгого сырого холода, близости баварцев и баварского пива — я восхищаюсь каждым художником, который бросает вызов этим врагам, не говоря уже о немецкой политике, которая есть лишь иной вид перманентной зимы и скверной погоды. Мне кажется, Германия за последние 15 лет стала настоящей школой отупения. Вода, творог и навоз повсюду: слабоумная улыбка старого Вильгельма, парящая над этими водами — так это выглядит издалека. Я тысячу раз прошу прощения, если этим задеваю твои благородные чувства, но перед этой нынешней Германией, как бы она ни ощетинивалась оружием, подобно ежу, я больше не испытываю никакого уважения. Она представляет собой самую глупую, самую разложившуюся, самую лживую форму «немецкого духа», какая когда-либо существовала — а ведь чего только этот «дух» не позволял себе в плане бездуховности! Я не прощаю никому, кто идет с ним на компромисс, будь то хоть сам Рихард Вагнер, и особенно если это делается так позорно двусмысленно и осторожно, как это проделал умный, слишком умный прославитель «чистой глупости» в свои последние годы — —

Здесь, в нашей солнечной стране — какие другие мысли у нас в голове! Только что в Ницце закончился долгий международный карнавал (с преобладанием испанок, между прочим), и сразу вслед за ним, через шесть часов после его последнего фейерверка, появились новые и более редкие прелести бытия. Мы живем в интересном ожидании погибнуть — благодаря благонамеренному землетрясению, от которого воют не только все собаки в округе. Какое удовольствие, когда старые дома гремят над тобой, как кофейные мельницы! когда чернильница начинает жить своей жизнью! когда улицы заполняются испуганными полураздетыми фигурами и расшатанными нервными системами! Этой ночью, около 2–3 часов, я, как истинный удалец, совершил инспекционный обход различных частей города, чтобы посмотреть, где страх сильнее всего — население ведь днем и ночью живет под открытым небом, это выглядело довольно по-военному. А уж что творится в отелях! где многое обрушилось и, как следствие, царит полная паника. Я нашел всех своих друзей и подруг, жалко растянувшихся под зелеными деревьями, сильно укутанных в фланель, ибо было очень холодно, и при каждом малейшем толчке мрачно думающих о конце. Я не сомневаюсь, это положит внезапный конец сезону, все думают об отъезде (при условии, что удастся уехать и что железные дороги не будут «оторваны» в первую очередь). Еще вчера вечером гостей отеля, где я обедаю, невозможно было заставить принять их table d’hôte внутри дома — ели и пили на открытом воздухе; и, не считая одной старой очень набожной женщины, которая убеждена, что милостивый Бог не смеет причинить ей вреда, я был единственным веселым человеком среди сплошных масок и «чувствующих сердец».

— Только что мне попался газетный листок, который гораздо живописнее, чем твой друг, сможет донести до тебя события этой последней ночи. Я прилагаю его, прочти его, пожалуйста, своей дорогой жене и сохрани обо мне добрую память!

Преданно твой
Ницше

(Прости за спешку и неразборчивость моего почерка, но письмо должно уйти с ближайшим поездом.)

807a. An Reinhart von Seydlitz in München

<Nizza, 24. Februar 1887>

NB потеря человеческих жизней, после наступившего успокоения, оказалась незначительной: на всей Ривьере около 1000 человек. Первые цифры были намного выше. Ф. Н.

На газетной вырезке, приложенной к письму Н. к Зейдлицу от 24 февраля 1887 года

808. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 24. Februar 1887.> Donnerstag Morgen.

Дорогой друг, в моем вчерашнем письме я уделил слишком мало внимания событиям дня. Поэтому я посылаю газетный лист. Само собой разумеется, что я делаю все, что могу, чтобы вселить хоть немного мужества и спокойствия, ибо паника огромна, а город полон расстроенных нервных систем. — Эту ночь я, между 2 и 3 с половиной часами, совершил обход, чтобы навестить знакомых мне людей, которые все ночевали под открытым небом в мрачном настроении — как я боюсь, очень во вред их здоровью, ибо ночь была холодной. Были небольшие толчки, собаки выли, пол-Ниццы было на ногах. Я сам до и после своего инспекционного обхода спал хорошо. Хуже всего то, что на этом сезон внезапно закончился. Впрочем, я ожидаю еще большего и готов ко всему, пока что бодр: погода великолепная. Тебе и твоей дорогой жене сердечный привет!

Твой Н.

809. An Malwida von Meysenbug in Rom

Nizza, rue des Ponchettes 29 au premier <Ende Februar 1887>

Почтенная подруга,

— надеюсь, вы не ждете от меня известий о нашем землетрясении? Что касается меня, то я при этом не «упал», и даже в то утро ужаса, когда Ницца была похожа на сумасшедший дом, я с величайшим спокойствием духа работал в своей комнате (дом был в остальном пуст); к тому же со мной случилось в письме, которое я писал в тот день, забыть о событии дня. — Землетрясение, кстати, так повредило дом, в котором были написаны третья и четвертая части «Заратустры», что его сносят. — Бренность!…

— Только что пришло большое письмо от моей сестры, которое дает подробнейшую картину ее нынешнего трудного, но бодрого существования, а кроме того, приносит решающее известие об успешно завершенной покупке огромного участка земли — долгожданное известие: новое владение для целей колонизации больше, чем иное немецкое княжество, и полно великолепного строевого леса: они, видите ли, собираются заниматься торговлей древесиной с Аргентиной, в которой нет лесов. Как далеко это звучит для моих ушей! Торговля древесиной! Южная Америка! И при этом даже антисемитская пропаганда продолжается… Моя сестра основательно «эмигрировала», если предположить, что она когда-либо была мне близка: во что я не верю. —

Что же поделывают все те молодые или менее молодые девушки, знакомством с которыми я обязан вашей дружбе (сплошь маленькие сумасбродные создания, говоря между нами)? — О том, что я получил «весьма почтительное» письмо от фрейлейн фон Салис, я, вероятно, вам уже сообщал; напротив, никакого от фрейлейн Рор, кроме уведомления о получении (я ведь послал ей свою последнюю книгу, и, должно быть, изрядно напугал ее этим). От фрейлейн фон Ширнхофер «уже много лет» нет вестей; попытка узнать что-либо о ней через ее подругу фрейлейн Вильденов в Цюрихе не удалась. Некая фрейлейн Друскович, как говорят, недавно согрешила против моего сына Заратустры своими не по годам мудрыми литературными сплетнями: кажется, каким-то преступлением я настроил женские перья против своей груди — и так оно и верно! Ибо, как говорит моя подруга Мальвида: «я еще хуже, чем Шопенгауэр».

Кажется, действительно, что в своих последних письмах, будь то с вами или с самим собой, я позволял себе совершенно недозволенные шутки: и прекрасно, что вы не принимаете подобное в штыки. В сущности, я теперь поступаю так со всеми, инстинктивно, к тому же с доброжелательностью — я больше не верю в то, что кто-либо хоть что-то «понимает» во мне, обо мне, про меня. Пятнадцать лет одиночества — что я говорю! Сорок два года — ведь мне столько лет.

Возможно, мое желание вновь увидеть вас, почтенная подруга, наконец-то! наконец-то! исполнится следующей зимой. Не то чтобы я хотел обещать это; но чувство, что мое терпение по отношению к Ницце подходит к концу, заставляет меня мечтать о лучших местах, о лучших людях. До 3 апреля я остаюсь здесь.

Приветствую вас в неизменном почтении
Ваш
Фридрих Ницше.

810. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza den 2. März 1887.

Многоуважаемый господин издатель,

Из Ваших ценных сообщений я почерпнул некоторое успокоение относительно судьбы моей последней книги. Это медленное и как бы подспудное воздействие моих сочинений, о котором Вы говорите, нравится мне больше всего; я бы даже счел любой другой, более внезапный род воздействия противоречащим моему образу мыслей, который, пожалуй, ничто так решительно не отталкивает от себя, как «публику» в современном смысле. «Камерная музыка», для немногих, но для знатоков, для искушенных —

Я бы охотно сам послал свою фотографию госпоже Рёдер-Видерхольд: но — но фотографий больше нет! Мой старый фотограф, художник Шульце в Наумбурге, закрыл свое дело из-за меланхолии по сыну, как мне говорят. Последняя моя фотография, которая еще оставалась у него, перешла во владение моей матери.

Тем временем господин доктор Адамс написал мне из Неаполя: он хочет навестить меня здесь на обратном пути.

О нашем землетрясении Вы, должно быть, читали: газеты дают преувеличенную картину этого события. Сам я отнюдь не был «повержен» —

С глубоким почтением Ваш
Проф. д-р Ницше

Адрес господина Кёзелица: Venezia (Italia) San Canciano calle nuova 5256

811. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 4. März 1887>

Моя дорогая мама, я думаю, здесь больше нечего опасаться, небольших толчков и сотрясений хватает, но это пустяки, — «нервная система» нашей земли должна сначала успокоиться. Газетные сообщения были сильно преувеличены и отчасти ложны. На всей Ривьере погибло не более 1000 человек; а мы в Ницце отделались относительно легко. — Завтра, возвращаясь из Неаполя, сюда прибудет доктор Адамс, чтобы познакомиться со «своим учителем», это филолог и ученик Роде, который, однако, жадно тянется к философии, как рыба, выброшенная на берег. Надеюсь, не будет разочарований: мое недоверие возросло. Моя старая мама, только не злоупотребляй рецензией Вельти! Она ведь жалкая; но я прислал её тебе только потому, что она доказывает, что меня всё ещё в Швейцарии почитают. — Премного благодарен за письмо Ламы, которое наконец даёт очень ясное представление. Честно говоря, если бы оба не были такими многообещающими фантазерами, дела обстояли бы гораздо лучше; Лама ведет себя как можно лучше, но торговля лесом! черт возьми, к этому нужно быть рожденным! — Я остаюсь до 3 апреля.

Твое старое создание.

812. An Emily Fynn in St. Moritz

Nice (France) rue des Ponchettes 29 <um den 4. März 1887>

Глубокоуважаемая сударыня,

выражая Вам свою самую сердечную благодарность за столь тепло выраженное сочувствие, я не могу умолчать о том, что это сочувствие незаслуженное: ибо, как бы странно это ни звучало, я отделался от всей этой катастрофы слишком легко, чтобы иметь хоть какое-то право на сострадание. Все это дело было чрезвычайно интересным — и еще более абсурдным; и не более и не менее опасным, чем, скажем, ночная поездка на скором поезде. Газеты ужасно преувеличили; напротив, мне кажется, что действительно душераздирающие события, разыгравшиеся в маленьких прибрежных городках между Генуей и Сан-Ремо, вызвали гораздо меньше общественного внимания, чем следовало бы. В Ницце центр движения находился во всяком случае не под землей, а в нервах: здесь подняли такой шум, что вся Европа заинтересовалась нашей «судьбой»! Сколько писем я получил! Сколько призывов к бегству! Но в моем личном случае должен признаться, что я даже не успел испугаться и, например, в то утро, когда вся Ницца высыпала на улицу и стала похожа на сумасшедший дом, я в полнейшем спокойствии духа работал у себя в комнате; со мной случилось даже то, что в двух письмах, которые я написал в тот день, я забыл упомянуть о событии дня!

Вы видите, насколько я недостоин Вашего сочувствия!

— В первую же ночь после этого, когда все ночевали под открытым небом, я спокойно спал дома до 2 часов: тогда снова последовал более сильный толчок, вокруг выли собаки, я оделся и совершил прогулку по разным частям Ниццы, чтобы увидеть, до каких глупостей страх может довести людей. Это была самая интересная прогулка, которую я до сих пор совершал в Ницце: после нее я спал так же хорошо, как и прежде. —

Прилагаю единственное объективное описание происшествия, которое мне удалось обнаружить — сделанное на мысе Антиб, который Вам знаком. —

Я остаюсь здесь до 3 апреля и надеюсь пережить также ожидаемые тяжелые дни месяца (марта) — 9-е, 22-е и 23-е. Тот немецкий ученый, который со своим предсказанием (от прошлого ноября) оказался прав вплоть до дня, боюсь, окажется прав и в своих дальнейших пророчествах. Впрочем, он обещает более слабые толчки — солнце и луна — вот те злодеи, которые так тревожат нашу бедную маленькую Землю. —

(Дом, в котором были созданы два моих произведения, оказался настолько потрясен и непригоден для жилья, что его придется снести. Это имело то преимущество для потомков, что у них будет одним местом паломничества меньше.)

— Передайте, пожалуйста, Вашей почтенной подруге, что этой зимой я много размышлял о душевных качествах русского народа, благодаря выдающемуся психологу Достоевскому, которому по остроте анализа даже самый современный Париж не может противопоставить никого. Через него учишься любить русских — учишься их также и бояться. Это народ, который еще не исчерпал свои силы, как большинство европейских народов, ни силы своей воли, ни силы своего сердца. —

Желая всем нам лучшего здоровья, а себе — сохранения столь доброго расположения, которое проливает свой свет даже на философских отшельников и пещерных медведей, остаюсь Вам и Вашему достопочтенному кругу преданно верным

Ваш покорнейший слуга

Проф. д-р Ницше.

813. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).

<Nizza, 6. März 1887>

Уважаемый господин издатель, наконец, а именно после получения последних корректурных листов, я понимаю, что Вы не желаете расширения «Веселой науки» за счет спроектированной мною «пятой книги», следовательно, вероятно, считаете это с точки зрения книжной торговли нецелесообразным. Но почему Вы мне просто не написали об этом? И вовремя? Я плохо разбираюсь в такого рода интересах и слишком мало в этом заинтересован: какое мне дело до того, будет ли что-то из написанного мною напечатано сегодня или завтра! Единственное, что я ненавижу, — это когда из-за многомесячного проклятого ожидания меня лишают времени и хорошего настроения. — Итак, мы оставляем пятую книгу, предисловия и песен будет достаточно. (Жаль, что из-за этой пятой книги я снял здесь, в этом гнезде землетрясений, жилье до 3 апреля!) С глубоким уважением

Ваш д-р Фр. Ницше.

814. An Heinrich Köselitz in Venedig

Montag. <Nizza, 7. März 1887>

Дорогой друг,

только что я получил, с благодарностью помня о Вашей помощи, корректуру «Песен» — это последняя корректура, и я рад сообщить Вам об этом. Что касается «пятой книги», рукопись которой уже несколько месяцев находится в руках Фрича и оплату печати которой я был готов взять на себя, то упомянутый лейпцигский издатель, по-видимому, не очень с этим согласен. Довольно, пока оставим её непечатной; возможно, по своему тону и содержанию она, кроме того, больше относится к «По ту сторону добра и зла» и могла бы быть включена в это произведение при втором издании — с большим правом, как мне теперь кажется, чем к той «Весёлой науке»: так что в конечном счёте за сопротивлением издателя проглядывает «высший смысл», кусочек голубого неба разумности. Да и какой издатель не стал бы немного опасаться, после того как он по неосторожности обременён моей литературой? У меня до сих пор не появилось даже противников; за 15 лет ни об одной из моих книг не вышло ни одной глубокой, основательной, знающей и профессиональной рецензии — короче говоря, нужно кое-что простить Фричу. —

В каком положении я был бы, если бы в моей жизни не было десяти лет филологии и Базеля! —

Сейчас у меня в гостях филолог с похожей предысторией, некий доктор Адамс, выросший в школе Роде и фон Гутшмида и очень ценимый своими учителями, но — страстно разочарованный и настроенный против всей филологии. Он бежит ко мне, к «своему учителю» — ибо он решительно хочет посвятить себя философии; и теперь я медленно, медленно убеждаю его не делать глупостей и не позволять увлекать себя ложными примерами. Думаю, мне удаётся его «разубедить». — При этом я узнал, как даже в Тюбингенском Штифте мои сочинения тайно и жадно поглощаются; я слыву там одним из «самых негативных умов». — Доктор Адамс наполовину американец, наполовину шваб. —

С Достоевским у меня вышло так же, как раньше со Стендалем: самое случайное соприкосновение, книга, которую открываешь в книжном магазине, незнание до самого имени — и внезапно говорящий инстинкт, что встретил родственную душу.

До сих пор я ещё мало знаю о его положении, его репутации, его истории: он умер в 1881 году. В юности ему пришлось нелегко: болезнь, бедность, при знатном происхождении; в 27 лет приговорён к смерти, помилован прямо на эшафоте, затем 4 года Сибири, в кандалах, среди тяжких преступников. Это время было решающим: он открыл силу своей психологической интуиции, более того, его сердце при этом смягчилось и углубилось — его книга воспоминаний об этом времени «Записки из Мёртвого дома» — одна из самых «человечных» книг, которые существуют. То, с чем я познакомился в первую очередь, только что вышедшее во французском переводе, называется «Записки из подполья», содержащее две повести: первая — своего рода неведомая музыка, вторая — настоящий гениальный психологический этюд — ужасный и жестокий акт насмешки над γνῶθι σαυτόν, но брошенный с такой лёгкой дерзостью и восторгом превосходящей силы, что я был совершенно опьянён от удовольствия. Тем временем я, по рекомендации Овербека, которого спрашивал в своём последнем письме, прочитал «Униженные и оскорблённые» (единственное, что знал О<вербек>), с величайшим уважением к художнику Достоевскому. Я также уже замечаю, как молодое поколение парижских романистов полностью тиранизируется влиянием и ревностью к До<стоевскому> (например, Поль Бурже).

— Я остаюсь до 3 апреля, надеюсь, не заводя дальнейшего знакомства с землетрясением: тот самый доктор Фальб предостерегает от 9 марта, когда он ожидает рецидив явлений для нашей местности, а также от 22 и 23 марта. До сих пор я сохранял достаточно хладнокровия и жил среди обезумевших тысяч с чувством иронии и холодного любопытства. Но нельзя сказать наверняка: возможно, через несколько дней я буду более неразумен, чем кто-либо другой. Внезапность, непредвиденное имеет свои прелести…

Как Ваши дела? Нет, как же меня ободрило Ваше последнее письмо! Вы такой храбрый!

Искренне Ваш друг Н.

815. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).

Nizza, Montag <7. März 1887>

Дополнение к только что отправленной корректуре песен. Пятая строфа последней песни должна быть исправлена следующим образом:

Sah dich aus dem Wagen springen,

Schneller dich hinabzuschwingen,

Sah dich wie zum Pfeil verkürzt

Senkrecht in die Tiefe stossen, —

Wie ein Goldstrahl durch die Rosen

Erster Morgenröthen stürzt.

Ф. Н.

816. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 10. März 1887>

Дорогой друг, Ваша открытка с весьма справедливым замечанием и намеком пришла случайно на одну почту позже Вашей корректуры; и так как последняя уже была отправлена Ф<рицу>, мне не оставалось ничего иного, как дослать открытку, на которой я в большой спешке нацарапал quidproquo из стихов. — Только что пришло забавное письмо от Зейдлица, президента Вагнеровского общества в Мюнхене, — он цитирует «Байройтские листки об односторонности и эпигонстве» и описывает свое существование «среди нации неудачных кнедлей и всего криво взошедшего теста германской расы». Он жаждет лечения «в свете, цвете и линии» и достаточно умен, чтобы сказать о себе: «даже японизм — это лишь морфий». «Солнце, покой и, может быть, кое-где красивый человек» — вот его желания; он бы даже согласился на землетрясение. Мне самому завидуют из-за моей «олимпийской безмятежности» — это заставило меня задуматься. Все это лишь оптика…

Преданный Вам Н.

817. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Nizza> Sonnabend <12. März 1887>

Дорогой господин Фрич,

Тем лучше, если речь идёт лишь о недоразумении! Недоразумения можно устранить: к тому же вам следует знать, что я, в общем и целом, очень к Вам расположен — пусть даже, в частности, очень разгневан ..

Таким образом, остаётся в силе то, что пятая книга будет напечатана.

Недоразумение, впрочем, было вполне объяснимо: я ожидал корректурные листы пятой книги, а вместо них получил «Песни» с номерами страниц, которые, казалось, исключали наличие пятой книги.

Само собой разумеется, что эти номера страниц теперь должны быть изменены: пожалуйста, сообщите об этом печатнику.

Особого примечания об этой пятой книге на титульном листе «Весёлой науки» я не считаю нужным.

Что касается моей пунктуальности, равно как и пунктуальности господина Кёзелица, прошу не иметь никаких сомнений. Корректуру «Предисловия» я сам отправил по почте через два часа после её получения и отослал на Ваш адрес.

Землетрясение, должно быть, привело к огромной путанице и перегрузке почты.

(Вчера у нас было ещё одно последствие, вполне соответствующее пророчествам доктора Фальба. Теперь нам предрекают ещё 23 и 24 марта как тяжёлые дни.)

Преданный Вам
Д-р Ницше.

818. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 22. März 1887>

Моя дорогая мать, всё ещё в Ницце, но в невесёлом настроении и к тому же больна. 3 апреля я хочу уехать отсюда; вероятно, отправлюсь в Цюрих. Мне очень не хватает людей, среди которых я мог бы хоть немного отдохнуть. Как же мне надоели эти разъезды! Здесь стало тоскливо; в пансионе de Genève нас за столом 6 человек (вместо 68, которые были до землетрясения). Четвёртый этаж сносят: в нём я написал 2 своих книги. — Если бы я только знал, почему я так устал! Моя мысль — что мне нужно немного полечиться холодной водой. С Фричем выходят неприятности и сомнения, он кажется мне соней. Господин Кёзелиц снова сидит тихо и прилежно в Венеции: пусть так и идёт! Письмо из Санкт-Морица не принесло хороших новостей.

Сюда прибыл некий доктор Адамс, филолог из школы Роде; он хочет стать у меня «философом»! Комедия!! —

Со старой любовью, твоё старое создание.

819. An Theodor Fritsch in Leipzig

Nizza, den 23 März 1887

Глубокоуважаемый господин,

Вы оказываете мне в Вашем только что полученном письме столько чести, что я не могу не открыть Вам еще одно место из моей литературы, которое касается евреев: пусть даже только для того, чтобы дать Вам двойное право говорить о моих «кривых суждениях». Прочтите, пожалуйста, «Утреннюю зарю», стр. 194.

Евреи для меня, объективно говоря, интереснее, чем немцы: их история ставит гораздо более принципиальные проблемы. Я привык оставлять симпатию и антипатию в стороне в столь серьезных делах: как это относится к дисциплине и моральности научного духа и — в конечном счете — даже к его вкусу.

Впрочем, признаюсь, что я чувствую себя слишком чуждым нынешнему «немецкому духу», чтобы без большого нетерпения наблюдать за его отдельными идиосинкразиями. К ним я в особенности причисляю антисемитизм. «Классической литературой» этого движения, восхваляемой на стр. 6 Вашего уважаемого издания, я обязан даже немалым весельем: о, если бы Вы знали, как я смеялся прошлой весной над книгами того столь же напыщенного, сколь и сентиментального упрямца, которого зовут Пауль де Лагард! Мне, очевидно, недостает той «высшей этической точки зрения», о которой идет речь на той странице.

Остается лишь поблагодарить Вас за доброжелательное предположение, что я не «соблазнен какими-либо общественными соображениями к моим кривым суждениям»; и, возможно, это послужит Вашему успокоению, если я напоследок скажу, что среди моих друзей нет ни одного еврея. Впрочем, как и антисемитов.

Дает ли моя жизнь хоть какую-то вероятность того, что я позволю каким-либо рукам «подрезать мне крылья»? —

С этим вопросительным знаком я вверяю себя Вашему дальнейшему благорасположению — и размышлению…

Ваш покорнейший

Профессор д-р Ницше

Одно пожелание: издайте же список немецких ученых, художников, поэтов, писателей, актеров и виртуозов еврейского происхождения или корней! (Это был бы ценный вклад в историю немецкой культуры (а также в ее критику!)

820. An Franz Overbeck in Basel

Nizza, Donnerstag 24. März <1887>

Дорогой друг,

только что получил Твои известия, — и принимая во внимание, что в конце следующей недели я хочу (да и должен) уехать отсюда, — у меня есть еще одна причина ответить Тебе немедленно. Я хотел бы написать: «до свидания!», но мое здоровье пока запрещает мне Цюрих и все, что с ним связано: я странно подавлен, все это время, утомлен, душевно и телесно вял и ни на что не годен, а также настолько нетерпим к шуму и всем мелким неприятностям жизни, что хочу укрыться в чем-то совершенно тихом и уединенном: а именно в лесистом и пригодном для прогулок месте на Лаго-Маджоре — Каноббио по названию. Неподалеку от него находится рекомендованный мне пансион Вилла Бадия; владельцы — швейцарцы. Туда я записался на 4 апреля. Венеция, которая в это время наступающей весны имеет традицию на своей стороне, а также мою искреннюю любовь (единственное место на земле, которое я люблю), каждый год действует на меня дурно: причина кроется в совершенно определенных метеорологических факторах, которые мне слишком хорошо известны. — Возможно ли, что я получу 1000 франков на руки где-то в среду или четверг следующей недели? —

Уже около месяца здесь находится некий д-р Адамс, по-видимому, одаренный и способный филолог из школы Роде и Гутшмидта, но испытывающий страстное отвращение ко всей филологии и твердо решивший посвятить себя философии: ради чего он и совершил свое паломничество сюда, к своему «учителю». Возможно, мне удастся разочаровать его и вытянуть из неясности подобных намерений: я мягко подвожу его к истории философии (до сих пор он работал над «de fontibus Diodori»), — уже не исключено, что он возобновит мои заброшенные лаэртианы! Впрочем, все это для меня — обуза, напоминающая о прежней обузе (Таутенбургское лето 1882 года); и, в конце концов, я достаточно знаю мир, чтобы понимать, какова в подобных случаях «награда мира». — «Молодые люди» мне противны. —

Прилагаю забавный факт, который все больше доходит до моего сознания. У меня появился своего рода «влияние», весьма подпольное, как само собой разумеется. Во всех радикальных партиях (социалисты, нигилисты, антисемиты, христианские ортодоксы, вагнерианцы) я пользуюсь странной и почти таинственной репутацией. Крайняя чистота атмосферы, в которую я себя поместил, соблазняет... Я могу даже злоупотреблять своей откровенностью, я могу ругаться, как это случилось в моей последней книге, — от этого страдают, меня, возможно, «заклинают», но не могут от меня отделаться. В «антисемитской корреспонденции» (которая рассылается только приватно, только «надежным партийным товарищам») мое имя встречается почти в каждом номере. Заратустра, «божественный человек», пришелся по душе антисемитам; существует особое антисемитское толкование его, которое меня очень рассмешило. Кстати: я «в надлежащем месте» внес предложение составить тщательный список немецких ученых, художников, писателей, актеров, виртуозов чисто или полуеврейского происхождения: это был бы хороший вклад в историю немецкой культуры, а также в ее критику. (При всем этом, скажем между нами, мой зять полностью остается в стороне; я общаюсь с ним очень вежливо, но отчужденно, и как можно реже. Его предприятие в Парагвае, кстати, процветает; моя сестра — тоже.)

Допустим, что в Каноббио мне не станет лучше, я намерен сделать попытку с небольшим курсом холодного водолечения в Брестенберге. Ах, все так неуверенно и шатко в моей жизни; и при этом это отвратительное здоровье! С другой стороны, на мне лежит груз в сто центнеров — необходимость выстроить связное здание мыслей в ближайшие годы — а для этого мне не хватает пяти-шести условий, которые все еще кажутся недостижимыми! — Четвертый этаж пансиона «де Женев», где возникли 3-я и 4-я части моего Заратустры, сейчас полностью разбирается после того, как землетрясение основательно его потрясло. Эта «бренность» причиняет мне боль. — Земля все еще время от времени дрожит. — С сердечным приветом и пожеланиями, также Твоей милой супруге,

Твой Ницше

(Надеюсь, есть хорошие новости с Тенерифе?)

Лекки у меня есть в собственности: но таким англичанам не хватает «исторического чувства», а также кое-чего другого. То же самое относится к очень читаемому и переводимому американцу Дрэперу. —

821. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

(Nizza) <27. März 1887>

Глубокоуважаемый господин издатель,

вчера (в субботу) первый лист 5-й книги прибыл сюда; надеюсь, второй придет еще до моего отъезда отсюда, который назначен на: воскресенье, 3 апреля. Мой следующий адрес будет таким:

Canobbio (Lago maggiore)
Villa Badia
Italia

Господин Кёзелиц будет мною уведомлен об этой смене места жительства. (Отправили ли Вы ему три экземпляра, бесплатно посланные в Мюнхен, по его венецианскому адресу? Я ему очень благодарен, никто не сделал столько для появления моей «литературы», как он — по-видимому, его задело то, что предисловия не попали к нему в руки).

Ваш покорный Ницше
(сильно страдающий от глаз, — здесь, на побережье,
слишком светло)

822. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 27. März 1887>

Дорогой друг, у меня болят глаза: простите, что благодарю лишь короткой запиской за письмо и только что полученный перевод Достоевского. Меня радует, что вы, по-видимому, прочли у него то же самое, что и я, — «Хозяйку» (по-французски как первую часть романа «Записки из подполья»). Я же посылаю вам «Униженных и оскорбленных»: французы переводят деликатнее, чем ужасный жид Гольдшмидт (с его синагогальным ритмом) — Странно! Тем временем я вообразил, что вы вернулись к своей Навсикае: и я уже пожелал вам в связи с этим счастья и благополучия, конечно же, во сне, — и себе тоже: ибо моя потребность в золотом, насыщенном, очищенном, сияющем искусстве стала острой, как жажда. —

Ведь есть еще печатные листы: помогите, дорогой друг! — В воскресенье, 3 апреля, я уезжаю; мой адрес с тех пор: Canobbio (Lago maggiore) Villa Badia. Italia.

Преданный вам друг Н.

823. An Theodor Fritsch in Leipzig

Nizza, den 29. März 1887 (vor der Abreise)

Многоуважаемый господин,

настоящим возвращаю Вам три присланных номера Вашего «Корреспонденционного листка», благодаря за доверие, с которым Вы позволили мне взглянуть на путаницу принципов в основе этого странного движения. Однако прошу Вас впредь не утруждать меня подобными присылками: боюсь, в конце концов, за свое терпение. Поверьте мне: это отвратительное желание назойливых дилетантов рассуждать о ценности людей и рас, это подчинение «авторитетам», которые каждым более здравомыслящим умом отвергаются с холодным презрением (например, Э. Дюринг, Р. Вагнер, Эбрард, Вармунд, П. де Лагард — кто из них в вопросах морали и истории наиболее неправомочен, наиболее несправедлив?), эти постоянные абсурдные фальсификации и подгонки расплывчатых понятий «германский», «семитский», «арийский», «христианский», «немецкий» — все это могло бы в конечном итоге всерьез разгневать меня и вывести из того иронического благоволения, с которым я до сих пор наблюдал за добродетельными веллеитетами и фарисейством нынешних немцев.

— И наконец, что, по-Вашему, я чувствую, когда имя Заратустра произносится антисемитами?…

Ваш покорнейший
Д-р Фр. Ницше

824. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 1. April 1887>

Дорогой друг, Ваша открытка только что пришла, я сижу посреди сборов к отъезду — но один эстетический догмат и вопросительный знак должны быть быстро отправлены Вам, заодно как ответ на кое-что в Вашей открытке, что заставляет меня задаваться вопросом. Я сейчас так антитеатрален, антидраматичен; «глупость», о которой Вы говорите, сущностно присуща драме. Порча музыки из-за соображений и условностей драмы становится мне всё более очевидной, «публика» всё больше навязывает с ней демократизированное искусство, она, через Р<ихарда> В<агнера>, уже проявила свою волю к тирании в опасной форме. (Как далеко заходит моё недоверие? Два театра здесь этой зимой представили «Кармен», один на французском, один на итальянском — и Ваш друг упрямо отказал себе в «Кармен»!) Возвращение музыки, из актерской неестественности, к природе музыки — которая в конечном счете является идеальнейшей формой современной честности!

Преданный Вам Н.

Адрес Cannobbio (Lago Maggiore) Villa Badia.

825. An Malwida von Meysenbug in Rom (Postkarte)

<Nizza, 1. April 1887>

Дорогая подруга, я всерьез обдумывал, не поспешить ли мне сейчас же к Вам в Рим — что было бы желанием и выражением моего сердца —; но глупое здоровье упрямо говорит «нет» моим желаниям, как это часто бывало в моей жизни! Мне нужны более холодные и менее южные края; Ницца в этот раз пошла мне не на пользу, ее неистовое обилие света вынуждает меня теперь искать тени. Мой адрес на следующий месяц: Canobbio (Lago Maggiore, Italia), Villa Badia. Сообщите мне, пожалуйста, Ваш версальский адрес, хотя бы для того, чтобы я мог в любое время связаться с Вами письмом… Вы, конечно, догадываетесь, что от людей мне почти ничего не осталось (хотя я не стар — или все же?). Годы уходят, и больше не слышишь ни слова, которое еще тронуло бы сердце. Следовательно!! О, как бы я хотел снова услышать мою верную, почитаемую подругу Мальвиду! С благодарностью, Ваш Ф. Н.

826. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Cannobio den 4. April 1887.

Следующий адрес:

Цюрих (Швейцария)
до востребования

Проф. д-р Ницше.

827. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 4. April 1887> Montag.

Дорогой друг, пожалуйста, адресуйте отныне всё мне в

Цюрих, до востребования

Здесь, в Каннобио, мне не сидится. Солнца в избытке, небо уже 2 дня несравненной чистоты.

Мои глаза говорят всему этому «Нет!», как бы мои внутренние глаза ни хотели сказать «Да».

Преданный Вам
Ницше.

P.S. Второй лист 5-й книги ещё не у меня в руках.

828. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Cannobio, 12. April 1887>

Мой адрес снова (до конца месяца еще)

Cannobio (Лаго-Маджоре)
Villa Badia

По состоянию здоровья. С глубочайшим почтением, Ваш

Ницше

829. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 12. April 1887>

Дорогой друг, только что до меня дошло Ваше письмо, отправленное в Цюрих: оно доставило мне огромную радость, признаюсь охотно — ибо я еще никогда не слышал о моей «литературе» столь избранных и удачных слов. Вы чувствуете то, о чем мои прочие читатели не имеют ни малейшего представления, «целое», Вы видите, что существует целое, нечто, что растет, одновременно, как мне кажется, в землю (вниз!) и наружу в синее небо… Также я в последнее время стал более благодарным и не только более терпимым к человеческому, слишком человеческому: во времена недоверия и неуверенности (я нахожусь в таких) рассудительный, ясный, доброжелательный тон этих сочинений особенно трогает мое сердце. —

Я остаюсь в этом месяце еще здесь. С момента Вашего письма у меня стало на одну причину меньше ехать в Цюрих. Адрес точно: Cannobio (Lago maggiore) Villa Badia.

Это место прекраснее, чем любое место на Ривьере, более трогательное — как это я так поздно пришел к такому пониманию? В море, как и во всех великих вещах, есть нечто глупое и непристойное, чего здесь нет.

Преданный Вам друг Н.

(Только что прибыл корректурный лист: спасибо!)

830. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Arona-Magadino, 12. April 1887>

Твое письмо, моя дорогая мама, попало ко мне в руки поздно, после всевозможных случайностей и приключений, к тому же почти разорванным, так что почта снабдила его бандажом и опечатала! Так оно стало печальным символом твоего собственного состояния, которое меня сердечно встревожило. Надеюсь, ты скоро сообщишь лучшие новости — и именно по этому адресу:

Каннобио (Лаго-Маджоре)

Вилла Бадия

пожалуйста, очень точно, так как многое теряется из-за сходства названий. — Мне самому пока не лучше, пасмурное небо очень на меня давит. Возможно, в мае я пройду небольшой курс лечения холодной водой. Думаю продержаться здесь до конца апреля.

Дела с Фричем медленно продвигаются вперед.

В ближайшее время я пришлю тебе изображение моего нынешнего местопребывания. Раньше это было аббатство.

С любовью, твое старое создание.

831. An Franz Overbeck in Basel

Cannobio, Villa Badia 14. April 1887.

Дорогой друг,

с 3 апреля я здесь, на Лаго-Маджоре, деньги пришли как раз вовремя, и мне было приятно, что ты не прислал всё сразу: ведь даже сегодня я еще не знаю точно, где проведу лето. Мой старый Зильс-Мария должен быть, как я неохотно признаю, отложен в сторону, так же как и Ницца: мне сейчас не хватает в обоих местах того первого и самого существенного условия — одиночества, глубокой невозмутимости, уединенности, чуждости, без которых я не могу спуститься к своим проблемам (ибо, говоря между нами, я в самом ужасном смысле человек глубины; и без этой подземной работы я больше не выношу жизни). Моя последняя зима в Ницце стала пыткой, так же как и мое последнее пребывание в Зильсе: потому что я утратил ту тихую скрытость, которая является для меня условием существования, а также единственным путем к здоровью. С каждым годом с этим здоровьем становилось всё хуже; и оно для меня — надежный критерий того, иду ли я своими путями или путями других. Проблемы, которые лежат на мне, от которых я больше не уклоняюсь (сколько же мне пришлось расплачиваться за все уклонения! Например, за мою филологию), перед которыми у меня буквально ни днем, ни ночью нет покоя — они жестоко мстят за каждое ошибочное отношение (к людям, местам, книгам). Я говорю это тебе на ухо, ибо как я мог бы предположить, что странные предпосылки моего творчества понятны сами собой? Мне кажется, что я слишком мягок, слишком внимателен к людям, и, где бы я ни жил, меня тотчас же настолько обременяют люди, что в конце концов я уже не знаю, как от них защититься. Это соображение мешает мне, например, попробовать пожить в Мюнхене, где для меня готово много доброжелательности, но где нет никого, кто имел бы благоговение перед первыми и самыми существенными условиями моего существования — или хотя бы был готов их мне создать. Ничто так не раздражает людей, как демонстрация того, что ты относишься к себе с строгостью, к которой они сами себя не чувствуют способными. Для меня нет ничего более парализующего, более обескураживающего, чем ехать в нынешнюю Германию и присматриваться к тем многим добродушным людям, которые считают себя «благосклонными» ко мне. Пока что мне просто не хватает всякого понимания; и, если меня не обманывает вероятностный вывод, до 1901 года иначе не будет. Думаю, меня сочли бы просто сумасшедшим, если бы я высказал то, что думаю о самом себе. К моей «гуманности» относится то, чтобы позволить существовать всеобщей неясности относительно меня: я бы озлобил против себя своих самых почтенных друзей и никому бы этим не сделал добра.

Тем временем я проделал изрядный кусок работы по пересмотру и переизданию моих старых сочинений. Допустим, скоро мне придет конец — а я не скрываю всё более глубокого желания смерти — так что после меня останется нечто, частица культуры, которую пока нельзя заменить ничем другим. (Этой зимой я вдоволь насмотрелся на европейскую литературу, чтобы теперь сказать, что моя философская позиция безусловно самая независимая, как бы я ни чувствовал себя наследником нескольких тысячелетий: нынешняя Европа еще не имеет представления о том, вокруг каких страшных решений вращается всё мое существо и к какому колесу проблем я прикован — и что вместе со мной готовится катастрофа, имя которой я знаю, но не произнесу.)

Предположим, дорогой друг, что я останусь здесь примерно до конца апреля. Как мне добраться отсюда до того Брестенберга, где я хотел бы пройти курс массажа (в мае)? Мне также рекомендовали Маммерн.

Прилагаю письмо моего венецианского корректора, мы усердно работаем над печатью «Веселой науки». Из этого письма ты также можешь понять мои извинения, если я вынужден отозвать свое приглашение в Цюрих на прослушивание «Мицка-чардаша».

В любом случае я хотел бы повидаться с тобой этой весной.

Искренне твой друг
Н.

Адрес: Cannobio (Lago maggiore) Villa Badia

В списке приезжих виллы Badia за 1885 год я нахожу: Mademoiselle Maria Overbeck, de Dresde. Сердечный привет твоей милой жене и благодарность за хорошие новости с Тенерифе. Путешествие сюда, очень зимнее, было прервано (как и все мои путешествия) сильным приступом моей головной болезни. В Лавено — ужасная ледяная ночь с постоянной рвотой. — Позавчера и вчера повторение приступа болезни. Сегодня облегчение.

832. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

Cannobio (Lago Maggiore) Villa Badia <15. April 1887>

Дорогой друг, исчезновение русского романа огорчает меня ради Вас; что при упаковке не было недостатка в необходимой тщательности, может засвидетельствовать доктор Адамс. Наконец, в этой неудаче, возможно, есть и преимущество: несомненно, что Вы с гораздо большим здравомыслием погрузились в солнечный свет Ариосто, чем я — в эти петербургские зимние сумерки. — О психологии духовников в следующем листе будет сказано еще слово. — Вы, собственно, заметили, что заключительный хор первого тома «Человеческого, слишком человеческого» («Прекрасно это, вместе и т. д.») можно петь на мелодию другого заключительного хора? — Вчера вечером у меня была прямо-таки влюбленная тоска по Вашему венецианскому «Льву» — и что только при этом не приходило мне в голову! В другие годы в это время я всегда был у Вас. Колокола Пасхи, звучащие над Венецией, утренние часы в Вашей комнате и Ваша музыка, цвета вечернего света на площади — до сих пор это было для меня весной! Сердечное спасибо!!!!

833. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Cannobio, 15. April 1887>

Многоуважаемый господин издатель, мне пришло в голову, что у Вас нет моего нынешнего адреса и что, следовательно, я напрасно жду известий по поводу пасхальной ярмарки. До конца апреля я еще остаюсь здесь, а именно в

Каннобио (Лаго-Маджоре), Вилла Бадия

Надеюсь, Вы сможете прислать мне известие еще сюда: о своем дальнейшем местопребывании я сегодня, к сожалению, еще ничего не могу сказать.

Можете ли Вы сообщить мне что-нибудь, касающееся нового владельца всех моих прежних литературных трудов, господина Э. В. Фрича? У меня есть подозрение, что он бездельник: но я хотел бы ошибаться в этом подозрении! Ваш покорный

Ницше, проф.

834. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Cannobio, 19. April 1887> Villa Badia, Dienstag.

Действительно, дорогой друг, моя открытка была без всяких задних мыслей, чистым выражением благодарности Вам и Венеции (простите, если это у меня переплелось: весну, Венецию и Вашу музыку я уже не могу отличить друг от друга — да и зачем! я пережил это вместе!) Но теперь, после Вашей открытки, после Вашего соблазнительного образа, которым можно было бы искусить и больших аскетов, чем я, теперь приходят задние мысли: или, вернее, я уже решил 1 мая начать свое весеннее паломничество в Ваш город. Но, может быть, Вы отговорите меня? Может быть, город переполнен? Жилье можно найти только по экстремальным ценам? (Кстати, сдала ли та старая австрийка жилье на Гранд-канале?) Но тогда — нет сомнений, что мне сейчас крайне необходим отдых, отвлечение от самого себя: я подумывал о водолечении в Швейцарии, но боюсь швейцарцев еще больше, чем одиночества. Я бы многое отдал за то, чтобы поговорить с Вами об эстетике, о принципиальных вещах, к чему меня постоянно побуждает Ваша собственная музыка. («Мы» на самом деле лишены всякой музыкальной эстетики и уже не умеем должным образом обосновать свои ценности, как бы сильно мы их ни чувствовали: для меня это настоящее бедствие!) Все положение искусства стало для меня проблемой: и, говоря психологически, что на самом деле происходило в Вас, когда Вы набрались мужества для своего нынешнего вкуса? и что во мне, когда я отдалился от Вагнера (а до В<агнера> — от музыки Шумана)? Я хочу докопаться до того, почему Ваша «львиная музыка» кажется мне в такой мере живительной, целительной, сердечной, безмятежной, просветленной, как — ну, например, как «Львиная повесть» Гёте (Вы ведь ее знаете? это самое раннее и сильное впечатление, которое у меня осталось от Гёте) или как «Бабье лето» Штифтера. В этом направлении лежит еще целый мир красоты: и вряд ли было бы для меня большим огорчением думать, что печальные грубости последних лет должны отвратить Вас, дорогой друг, от этого однажды открытого Вами мира. Я благословляю Венецию, старую и новую, потому что она теперь Ваша раковина: и я слишком высоко чту в своей душе Вашу замкнутость, подобную моллюску, чтобы у меня не возникало всегда некоторого недоверия, когда я задумываю поездку в Венецию.

Вашу статью я прочел с огромным удовольствием: она, если позволите мне это сказать, написана в стиле, который более ницшеанским и представить нельзя. Существует так много тайн ритма, каденций фразы, о которых мои читатели ничего не знают, за исключением моего читателя!

Фрич только что прислал предпоследний лист 5-й книги. Хотите, чтобы мы вместе отпраздновали завершение «Веселой науки», по сути, завершение всей моей доныне созданной «литературы»? Я чувствую, что сейчас в моей жизни наступает новый этап — и что теперь передо мной стоит вся великая задача! Передо мной и, еще больше, на мне!

В остальном я жил бы в Венеции тихо и уединенно, как ангелочек, не ел бы мяса и избегал бы всего, что делает душу мрачной и напряженной. Недавно я писал Овербеку, что люблю на земле только одно место, а именно Венецию.

Прошу Вас, старый друг, скажите, стоит ли мне приезжать? ......

Ваш Ницше.

835. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 26. April 1887>

Дорогой друг, прошу прощения! Но ничего не выйдет с моей поездкой в В<енецию>. Тем временем протестует всё, прежде всего глаза и голова: четыре раза за последнее время мои отвратительные приступы; отвратительная меланхолия и раздражительность как следствие; глубокая потребность в тишине… Мне пришло в голову, что я сейчас не достоин видеть (и слышать!) столь прекрасные вещи. Прошу прощения ещё раз! Вы знаете, с каким сожалением я таким образом прощаюсь с Вами, после того как в мыслях я уже снова был полностью с Вами!

Последний авторский лист получает ещё многочисленные дополнения и изменения, так что он может раздуться до двойного листа. Это послужит причиной того, что он снова отправится к Вам. Прошу прощения и за это! Сколько хлопот я Вам доставляю!

Кстати, я ещё не получил этот заключительный лист от Фрича. (К. Г. Науман писал мне, что Ф<рич>, возможно, и не делец, но превосходный человек, и мне следует его ценить)

Преданный Вам друг Н.

От «По ту сторону» мы действительно избавились в количестве 200 экземпляров.

836. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Cannobio, 27. April 1887>

Адрес отныне:

Цюрих (Швейцария)
до востребования

Господин Кёзелиц самым прекрасным образом поблагодарил меня за присылку книг: однако три четверти этой благодарности по справедливости причитаются Вам, глубокоуважаемый господин издатель!

По-прежнему в очень плохом состоянии здоровья

Ваш покорнейший
Ницше.

837. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Cannobio, 27. April 1887>

Адрес отныне:

Цюрих (Швейцария) poste restante

Вероятно, я отправлюсь в Брестенберг или Маммерн, где хочу попробовать курс массажа; но сначала — антракт в Цюрихе!

Сердечно вспоминая Вас (моя вчерашняя открытка ведь должна была дойти? открытка с отказом?)

Ваш друг Н.

838. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Zürich, Pension Neptun Freitag den 29. April 1887

Дорогой и глубокоуважаемый господин Фрич,

прибыл в Цюрих в ужасном состоянии здоровья; я еще не знаю, где проведу ближайшее время, это зависит от врачебных консультаций.

Мне пришлось дополнить последний лист (который застал меня еще в Каннобио) еще несколькими добавлениями и вставками, так что он должен разрастись до двойного листа. Мое намерение при этом состояло в том, чтобы придать ему еще больше характер подготовки «к "Так говорил Заратустра"» (каковое произведение по времени следует за «Веселой наукой»). С другой стороны, этим достигается то, что «Веселая наука» теперь по объему сравняется с другими моими книгами, то есть — так же, как оба тома «Человеческого, слишком человеческого», как «Утренняя заря», как «Заратустра» — будет насчитывать около 350 страниц. (Также и «По ту сторону добра и зла» во втором издании вырастет до этого объема)

Как я буду рад, когда мы наконец закончим и вся моя прежняя литература будет таким образом поставлена на ноги! Я считаю одной из самых больших удач в моей жизни то, что мы весной прошлого года так случайно встретились друг с другом в Лейпциге. Вы знаете это, глубокоуважаемый господин издатель: у меня были основания для глубокой горечи, ибо мне казалось, что мои книги попали в болото, из которого нет выхода. Такое многолетнее недоверие, какое я испытывал к своему прежнему издателю, было пыткой, последствия которой я до сих пор порой ощущаю. —

Пожалуйста, дайте вашему печатнику указание отнестись к этой последней части текста очень внимательно. Как только у меня будет постоянный адрес, я сообщу его вам; но и все, что приходит сюда (Цюрих, пансион «Нептун»), попадает в мои руки и пересылается мне.

С сердечным приветом
Ваш покорнейший
Д-р Ницше.

NB. Корректуру этого последнего листа, конечно, следует еще раз отправить г-ну Кёзелицу и мне, как только будут вставлены 8 новых номеров.

839. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Zürich, 29. April 1887>

Дорогой друг, вчера (в четверг) вечером я прибыл сюда, в Цюрих, в Pension Neptun: и уже сегодня я понимаю, что мне абсолютно невозможно оставаться здесь дольше — что я должен бежать в прохладу и тень. Этот вялый, изнеживающий воздух и, еще больше, этот солнечный свет — враги, борьба с которыми мне сейчас меньше всего позволительна. Мне было бы в высшей степени желательно увидеть тебя сейчас: если бы я не был так глубоко истощен (в последнее время был один приступ за другим), я бы приехал в Базель. Но что ты думаешь? Мог бы ты, возможно, прибыть сюда завтра (в субботу), остаться на ночь и вернуться в воскресенье? (конечно, в качестве моего гостя) Я настоятельно прошу тебя об этом, иначе мне кажется маловероятным, что мы сможем увидеться: и Брестенберг, и Маммерн находятся в слишком теплой для меня зоне, о пагубном влиянии которой я помню по прошлому году (май в Наумбурге). Преданно и

с любовью твой
Ницше.

840. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Zürich, 1. Mai 1887>

Мои дорогие,

Дорогой друг, открытка и корректура, пересланные из Каннобио, попали мне в руки здесь, в Цюрихе: меня кольнуло то, о чем вы сообщили в последний раз, я даже думать не смею, от чего мне пришлось отказаться. Даже по сравнению с Каннобио я совершил отвратительный обмен. Воздух влажно-мягкий, назойливый солнечный блеск, неприятные люди. Я остановился в пансионе «Нептун». — Ваша мысль о «исправлениях» на последней странице очень хороша: помогите обнаружить еще одну ошибку (у меня нет под рукой экземпляра «Веселой науки»). В начале 2-й книги, говоря о реалистах, я примерно сказал: «маска, которую надевают на неизвестный X, а потом, возможно, снова снимают и т. д. и т. д.». Там X выпал, если я правильно помню. Не могли бы вы, если придет самый последний корректурный лист, внести это исправление в список? —

Сердечно вспоминая вас и все еще весьма опечаленный

Ваш Н.

(Мужской хор уже у меня в руках!)

(Сердечный и умный разговор о вас с Хегаром - - -)

841. An Meta von Salis in Zürich (Postkarte)

<Zürich, 1. Mai 1887>

Глубокоуважаемая барышня, где и когда я буду иметь удовольствие приветствовать Вас здесь, в Цюрихе? Сам я остановился в пансионе «Нептун», моей обычной штаб-квартире. Дайте мне любезный ответ одним словом.

Ваш покорнейший
д-р Фр. Ницше

842. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Zürich, 4. Mai 1887> Mittwoch.

Дорогой друг, здесь, в Цюрихе, невозможно: солнечно, душно, шумно и мелочно, постоянный призыв к танцу отъезда. Адрес на ближайшее время Кур, poste restante: туда вы, надеюсь, сможете в скором времени отправить самый последний корректурный лист, который, если Рёдер будет пунктуален, должен оказаться у вас в руках в следующее воскресенье или понедельник. Моим рецептом должны стать сильные горные походы; города сейчас никуда не годятся, водолечение опасно, как простое стимулирующее средство. Напротив, я рекомендую массаж, также и вам, дорогой друг, разумеется, для самолечения (брошюра с инструкцией последует в скором времени). Визит Овербека меня очень взбодрил; остальное — это Цюрих.

Преданный Вам друг Н.

843. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Zürich, 4. Mai 1887>

Дорогой друг, твой визит был для меня истинным отражением, благодарю тебя от всего сердца. Кстати, остается в силе то, что Цюрих для меня слишком солнечный и слишком беспокойный: я покидаю его в ближайшие дни. — Блейбтрой вызывает у меня горькое чувство: Германия, в которой таковы недовольные, конечно, не моя родина и еще меньше — моя надежда! — В тот же день я читал одного недовольного француза, независимого (ибо к его католицизму сейчас требуется больше независимости, чем к вольнодумству): Барбе д’Оревильи, «Произведения и люди». Исторические ощущения. Прочти его, ручаюсь: он должен быть в читательском обществе. (Как романист он для меня невыносим.) Также спасибо за матушку Берц и превосходные зубные щетки. Адрес пока Кур, до востребования.

Преданно и с любовью, твой Н.

844. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Chur, 10. Mai 1887>

Моя дорогая мама, наконец-то снова весточка! Дела шли не лучшим образом, да и сейчас еще не достигнуто ничего, что могло бы придать мне бодрости. Я был 10 дней в Цюрихе: если не считать визита к Овербеку, я там мало хорошего испытал, и состояние слабости было похоже на прошлогоднее в Наумбурге. Весна для меня в тягость, для Энгадина еще слишком рано: вот я и сижу в Куре и ищу покоя для своих глаз в лесах. Мой адрес до 10 июня: Chur (Schweiz) Rosenhügel. — Но не присылай мне ничего сюда! Мы подождем до отъезда в мое настоящее летнее местопребывание. Твое дорогое письмо было переслано мне из Каннобио; новые известия, которые оно дало о наших южноамериканцах, меня очень успокоили. О том, что господин Любер-Зоннеманн еще не намерен покидать Германию, можно было прочесть в антисемитской корреспонденции (как прямое заявление с его стороны). С сердечной любовью, твое старое

создание Ф.

845. An Malwida von Meysenbug in Rom

den 12. Mai 1887. Adresse: Chur (Schweiz), Rosenhügel — bis zum 10. Juni — nachher: Celerina, Oberengadin.

Глубокоуважаемая подруга.

Странно! То, что Вы в последний раз с такой добротой высказали мне, не было ли бы сейчас плодотворно и отрадно для нас обоих — вновь сблизить наши два одиночества в самое тесное, сердечнейшее соседство, — об этом я сам довольно часто думал и спрашивал в последнее время. Еще одна зима вместе с Вами, может быть, даже под общим присмотром и уходом Трины — это, в самом деле, чрезвычайно заманчивая перспектива, за которую я не могу выразить Вам достаточной благодарности! Больше всего хотелось бы снова в Сорренто (δὶς καὶ τρὶς τὸ καλὸν говорят греки: «все хорошее — дважды, трижды!») Или на Капри — где я снова хочу играть для Вас музыку, и лучше, чем тогда! Или в Амальфи, или в Кастелламмаре. Наконец, даже в Риме (хотя мое недоверие к римскому климату и к большим городам вообще имеет веские основания, и его нелегко поколебать). Одиночество среди уединенной природы до сих пор было моим утешением, моим средством исцеления: такие города современной суеты, как Ницца, как даже уже Цюрих (откуда я только что приехал), со временем делают меня раздражительным, печальным, неуверенным, робким, непродуктивным, больным. От того тихого пребывания там, внизу, у меня осталась своего рода тоска и суеверие, как будто я там, пусть даже всего на несколько мгновений, вздохнул глубже, чем где-либо еще в жизни. Например, во время той самой первой поездки в Неаполе, которую мы совершили вместе к Позилиппо. — —

В конце концов, все взвесив, Вы остались для меня единственным человеком для такого желания: в остальном я чувствую себя обреченным на одиночество и крепость. Тут больше нет выбора. То, что заставляет меня еще жить, необычная и тяжелая задача, также велит мне избегать людей и ни к кому больше не привязываться. Может быть, это крайняя чистота, в которую меня поставила именно эта задача, что я теперь уже не могу выносить «людей», меньше всего «молодых людей», которыми я довольно часто бываю посещаем (— о, они навязчивы и неуклюжи, совсем как щенки!)

Тогда, в соррентийском одиночестве, Б<реннер> и Р<ее> были для меня слишком многим: я воображаю, что тогда я был с Вами очень молчалив, даже о вещах, о которых я не хотел бы говорить ни с кем больше, чем с Вами.

На моем столе лежит новое издание (двухтомное) «Человеческого, слишком человеческого», первая часть которого была проработана тогда — странно! странно! как раз в Вашей достопочтенной близости! В длинных «Предисловиях», которые я счел необходимыми для переиздания всех моих сочинений, стоят любопытные вещи с беспощадной откровенностью по отношению к самому себе: этим я раз и навсегда держу «многих» на расстоянии, ибо ничто так не раздражает людей, как демонстрация строгости и твердости, с которой человек относится и относился к самому себе под дисциплиной своего собственного идеала. Зато я забросил свою удочку для «немногих», в конце концов и это без нетерпения: ибо в неописуемой чуждости и опасности моих мыслей заключается то, что лишь очень поздно — и, конечно, не раньше 1901 года — уши откроются для этих мыслей.

Попасть в Версаль — ах, если бы это было хоть как-то возможно для меня! Ибо я почитаю круг людей, которых Вы там встретите (странное признание для немца: но в нынешней Европе я чувствую себя родственным только самым духовным французам и русским, и совсем не своим образованным соотечественникам, которые судят обо всех вещах по принципу «Германия, Германия превыше всего»). Но я должен вернуться в холодный воздух Энгадина: весна невероятно угнетает меня: я даже не хочу признаваться, в какие бездны уныния я заблуждаюсь под ее влиянием. Мое тело чувствует себя (как, впрочем, и моя философия) зависимым от холода как от своего сохраняющего элемента — это звучит парадоксально и неуютно, но является самым доказанным фактом моей жизни.

— Этим в конечном счете вовсе не выдается «холодная натура»: Вы, конечно, понимаете это, моя глубокоуважаемая и верная подруга!…

В старой любви и благодарности Ваш

Ницше.

Фрл. Саломе также сообщила мне о помолвке; но и я не ответил ей, как бы искренне я ни желал ей счастья и процветания. Такого рода людей, у которых отсутствует благоговение, нужно избегать. Кто такой доктор Андреас, никто не может мне сказать. —

В Цюрихе я разыскал превосходную фрейлейн фон Ширнхофер, только что вернувшуюся из Парижа, неуверенную в своем будущем, намерениях, перспективах, но, подобно мне, восторгающуюся Достоевским.

846. An Erwin Rohde in Heidelberg

Chur (Graubünden) Rosenhügel den 18. Mai 1887

Дорогой друг,

этой зимой в Ницце меня навестил молодой учёный, который тебе знаком, некий доктор Генрих Адамс. Он не произвёл на меня лучшего впечатления, но, принимая во внимание то, что он говорил о тебе с большой привязанностью и почтением, я принял его настолько хорошо, насколько это было возможно. Его порывистому и малообоснованному желанию посвятить себя философии я, как само собой разумеется, противопоставил всяческое недоверие; по крайней мере, мне кажется, удалось достичь того, что теперь у него есть добрая воля всерьёз заняться изучением истории античной философии: возможно, с перспективой на будущую преподавательскую деятельность в университете.

Теперь он пишет сегодня из Цюриха (Seilergraben 29, 2) и просит у меня совета, который он по справедливости должен был бы получить прямо у тебя: а именно, не мог бы ты подыскать для него небольшую должность в библиотеке. Я придавал бы большое значение тому, чтобы он жил под твоим присмотром, под твоей критикой и дисциплиной, ибо это неуверенный в себе человек, в котором высокомерие и самоуничижение чередуются опасным образом: так что было бы небезопасно, если бы он остался предоставлен самому себе.

Я сам — ведь ты спросишь, почему я не взваливаю эту ношу на себя? — я ничего не смыслю в «молодых людях» и, кроме того, у меня достаточно опыта, чтобы сомневаться, действительно ли я приношу им пользу. Мой отдых — это старые люди, такие как Я<коб> Буркхардт или И<пполит> Тэн: — и даже мой друг Роде для меня далеко не достаточно стар… Но «придёт однажды день» и т. д.

С сердечным приветом
Твой
Ницше

847. An Franz Overbeck in Basel

Chur, Rosenhügel 13. Mai 1887.

Дорогой друг,

до сих пор нечего сообщить хорошего, все мои попытки в пути потерпели неудачу; я обосновался здесь, недалеко от Кура, в доме одного учителя, и жду времени, когда можно будет отправиться в Энгадин, не рискуя там замерзнуть. Во всяком случае, я подожду до 10 июня. Пасмурная влажная погода, временами даже зимние дни; соответствующая хандра у меня, уныние, вопросы без ответов, никаких «желаний» как таковых, нигде на горизонте ничего отрадного, ни человека, ни книги, ни музыки, все животные функции подавлены, глаза постоянно болят, прогулки в тягость, поскольку я, собственно, слишком устал для них, но «делать» больше нечего. Так же было в прошлом году в Наумбурге, так же в прежние годы в Венеции: кажется, что весна — мой враг? К сожалению, и осень; и, вероятно, лето тоже было бы им, если бы я не переделал его для себя в разумную зиму (ибо средняя температура энгадинского лета, 10 градусов Цельсия, соответствует январю в Ницце)

Наша встреча в Цюрихе была тем самым хорошим событием последних месяцев: я еще раз приношу тебе за это свою глубочайшую благодарность. Вчера я написал Роде по поводу доктора Адамса: последний желает получить где-нибудь небольшую должность и работу в библиотеке. Если ты сам знаешь что-либо подобное, будь добр, сообщи мне при случае. — Конечно, у упомянутого «молодого человека», когда я застал его как раз за день до моего отъезда, совсем не было денег (я говорил тебе, что он мне кое-что должен)

«Молодые люди» в тягость мне, в особенности когда они приходят ко мне как почитатели моей литературы. Ибо очевидно, что это литература не для «молодых людей». — Кстати: печать у Фрича снова застопорилась, причины неясны; но я сейчас, к сожалению, слишком хорошо подготовлен к недоверию. —

Я прилагаю «рецензию» на мою последнюю книгу, которая, в виде исключения, на этот раз попала мне в руки. (Мои издатели, как правило, имеют указание избавлять меня от подобного) «Nord und Süd»: разве это не газета Пауля Линдау? — Что меня всегда поражает в немецких книжных обзорах, так это тупость взгляда на по-настоящему характерное и «бросающееся в глаза» в книге. Этот рецензент, например, при чтении явно сомневался, не идет ли в конце концов речь об «остроумном пасквиле»: в то время как Тэн, как само собой разумеется, прежде всего ощутил в моей книге «глубокую страстность». —

Я прилагаю также еще один документ: «прокламацию» моего зятя по делам Парагвая. Поистине кажется, что мои родственники очень горды и счастливы своим теперь уже завершенным овладением: земля, размером с небольшое княжество (12 квадратных миль), содержит великолепный строевой лес и все виды ценной древесины: приходится полагаться на торговлю лесом с бедной лесом Аргентиной, и к тому же есть водный путь. До сих пор все шло очень хорошо, со стороны тамошнего правительства доктор Фёрстер был всячески отмечен, и моей сестре пришлось много потрудиться, потому что их дом стал своего рода местом встреч общества Параг<уая>, где говорили по-испански, по-английски, по-немецки, по-французски и редко сидели за столом менее чем в 14 человек. Последнее приобретение — немецкий пекарь и немецкий мясник, а также весьма ценный немецкий врач.

Напоследок я посылаю тебе обратно и «Блейбтроя», которому я не хотел бы оставаться верным ни на мгновение: я совершенно не могу усмотреть, чтобы его претензии были основаны на реальных качествах: как бы я ни привык не позволять «молодым людям» отпугивать себя претензиями как таковыми. Для человека, у которого нет ни смысла, ни глаза ни для чего, кроме «литературы», этот Бл<ейбтрой> пишет как свинья посреди самого обыкновенного газетного навоза, совершенно глухой ко всем нюансам слов; его гнев не убеждает, его остроумие не выходит за пределы того, что называют «болтовней» — и еще этот его философский фон! Никакой эстетики! Байрон и Скотт в нынешней Германии! И совместимое с этим почитание Золя! И какая психологическая нищета, например, в том кратком отказе, с которым он удостаивает последнее произведение Достоевского! (Как раз то, что высочайшая психологическая микроскопия и тонкость восприятия еще вовсе ничего не добавляют к ценности человека, — это ведь и есть именно та проблема Д<остоевского>, которая его больше всего интересует: вероятно, потому, что он слишком часто наблюдал ее вблизи в российских условиях! (Я рекомендую для этого, кстати, переведенное недавно на французский язык небольшое произведение Д<остоевского> «Записки из подполья», вторая часть которого иллюстрирует этот весьма фактический парадокс почти ужасающим образом). —

Прощай, мой дорогой друг! И сердечнейшие приветы твоей жене!

Преданный тебе
Твой Ницше.

NB. Я провожу небольшой курс лечения карлсбадской солью по утрам (— чего при этом следует остерегаться в диете? Я думаю, кислого, масла, фруктов и т. д.?)

848. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Chur, 17. Mai 1887>

Глубокоуважаемый господин издатель, мой адрес до 10-го июня остается прежним:

Кур (Швейцария) Розенхюгель

Предпоследний корректурный лист (20) я отправил Вам в понедельник, 9 мая; меня несколько беспокоит, что до сих пор (вторник, 17 мая) последний (21) еще не у меня в руках.

Надеюсь, ничего не пропало? —

С покорнейшим приветом
Ваш
Проф. д-р Ницше.

849. An Erwin Rohde in Heidelberg

Chur, den 19. Mai 1887.

Нет, мой старый друг Роде, я никому не позволю говорить о г-не Тэне так неуважительно, как это делает твое письмо, — и тебе в особенности, ибо это противоречит всякому приличию — так обращаться с тем, о ком ты знаешь, что я его высоко ценю. Можешь, если тебе угодно, говорить обо мне самом всякий вздор, сколько душе угодно и по привычке, — это в природе вещей, я никогда на это не жаловался и иного не ожидал. Но в отношении такого ученого, как Тэн, который ближе к твоему виду, тебе следовало бы иметь глаза на месте. Называть его «бессодержательным» — это просто-напросто вопиющая глупость, говоря студенческим языком, — это случайно как раз самый содержательный ум в нынешней Франции, — и уместно будет заметить, что там, где кто-то не видит «содержания», оно все же вполне может быть, просто это не содержание для него. В болезненной истории современной души, которая во многих отношениях является даже трагической историей, Тэн занимает свое место как удачный и достойный уважения тип нескольких благороднейших качеств этой души: ее безрассудного мужества, ее безусловной чистоты интеллектуальной совести, ее трогательного и скромного стоицизма посреди глубокой нужды и одиночества. Обладая такими качествами, мыслитель заслуживает благоговения: он принадлежит к тем немногим, кто увековечивает свое время. Меня освежает вид такого храброго пессимиста, который терпеливо и неумолимо исполняет свой долг, не нуждаясь в большом шуме и актерстве, и который, в самом деле, может честно сказать о себе: «satis sunt mihi pauci, satis est unus, satis est nullus». Его жизнь таким образом, хочет он того или нет, становится миссией, он относится ко всем своим проблемам необходимо (а не так произвольно, так случайно, как ты, подобно большинству филологов, к филологии).

Не обессудь! Но я думаю, если бы я знал только это одно твое высказывание, я бы презирал тебя из-за выраженного в нем отсутствия инстинкта и такта. К счастью, в остальном ты для меня человек проверенный.

— Но тебе следовало бы послушать, как Буркхардт говорит о Тэне!

Твой друг Н.

850. An E. Kürbitz in Naumburg

Chur (Schweiz) Rosenhügel 20. Mai 1887.

Многоуважаемый господин,

мой зять, доктор Фёрстер, обращается ко мне (как я только что узнал из письма моей сестры) с просьбой поручиться за него по расходам в сумме 4500 марок; точнее, чтобы три счета на указанную сумму были сейчас оплачены Вами и чтобы я выступил гарантом на случай, если эти три счета не будут покрыты до июля поступлениями от продажи земли или займом. Я чувствую себя не в состоянии принять это предложение и прошу Вас при случае сообщить об этом доктору Фёрстеру.

С неизменным глубоким уважением
Ваш покорный слуга
проф. д-р Фр. Ницше.

851. An Heinrich Köselitz in Venedig

Chur, Schweiz, Rosenhügel 20. Mai 1887.

Дорогой друг,

тем временем лучше не стало: и мне почти кажется, что весна, мое роковое время года, везде одинаково гнетет меня — и что ceteris paribus Венеция остается самым предпочтительным местом даже для этого времени. Несколько хороших минут помогают мне пережить долгие тяжелые отрезки — и даже меньше того, легкий трепет сердца при прослушивании музыки, которую я люблю: но пока не было такого трепета! Не было музыки, не было площади Святого Марка, не было гондолы — ничего, кроме уродливых горных крестьян, чьи движения и звуки причиняют мне боль. Правда, в Куре есть красивые леса вокруг: но и в них я не стал «свободным от меланхолии», которой одержим. К тому же не обошлось без глупых случайностей, которые постоянно выбивали меня из моей «воли к беззаботности» и снова ввергали в заботы. Утверждение Платона о том, что массажем можно вылечить даже угрызения совести, заслуживало бы проверки: — однако до сих пор даже с его помощью я не смог избавиться от угрызений совести за то, что в этот раз оставил Венецию и своего друга Кёзелица в беде.

Что же могло снова случиться с Фричем? Самый последний (исправленный) корректурный лист 5-й книги до сих пор не у меня в руках: предпоследний, с Вашей корректурой, ушел из Кура в Лейпциг 9 мая. С тех пор — silentium. —

Надеюсь, ничего не пропало? —

Наберемся терпения, по сути, не имеет значения, когда мои сочинения будут «готовы». Только что я написал Родену прелестно-грубое письмо из-за неуважительного высказывания о Тэне. Также письмо о деньгах, касающееся Парагвая: я благоразумно остерегаюсь как-либо ввязываться в это антисемитское предприятие. Впрочем, грандиозный кусок земли площадью более 12 кв. миль (больше, чем Липпе) находится во владении моих родственников как propriedad del Sg. Don Bernardo Förster — под названием «Новая Германия». Возможно, что одна из величайших железных дорог в мире, которая идет внизу от устья Ла-Платы к Панамскому каналу, пройдет либо через колонию, либо вблизи нее (железнодорожная линия через Боливию и Перу). Уже на строительстве дороги можно составить состояние, ибо колония покрыта великолепным высоким лесом и имеет 2 водных пути к главному течению. Генерал Осборн, бывший посланник Соедин<енных> Шт<атов> в Аргентине, сейчас ведет переговоры с правительством об этой дороге, которая является его «идеалом» и целью жизни (он сказал моей сестре при прощании: «его самая прекрасная мысль — если он однажды приедет на поезде, to see the little Queen of Nueva Germania»)

Библиотека в Куре, около 20 000 томов, дает мне то и другое, что меня просвещает. Впервые я увидел знаменитую книгу Бокля «История цивилизации в Англии» — и странно! оказалось, что Б<окль> — один из моих сильнейших антагонистов. Впрочем, едва ли можно поверить, насколько Э. Дюринг стал зависим от грубых оценочных суждений этого демократа в исторических вопросах: совершенно тот же случай, что и с Кэри, у которого он заимствовал все существенные экономические положения. В области философии дела обстоят еще хуже: это действительно один из самых неоригинальных умов, который, однако, своей агитаторской наглостью умеет скрыть именно этот факт. Я мог бы с тем же правом назвать его амальгамистом, как назвал Э. фон Гартмана.

Буду ли я этим летом в Сильс-Марии — неизвестно; может быть, в Челерине, а еще вероятнее — на Ленцерхайде (где есть густой лес). Но сначала «добрая душа» должна снова успокоиться и разучиться той глупой напряженности, в которой я нахожусь так долго, пока длится редактирование моей прежней литературы: она слишком ясно дала мне понять, что я лишен опоры и могу быть легко сметен бурей за одну ночь. Забрался высоко, очень высоко, но в постоянной близости опасности — и без ответа на вопрос «куда?» — —

О, как я люблю музыку моего друга Петера Гаста!

Преданно и от всего сердца Ваш
Ницше.

852. An Erwin Rohde in Heidelberg

<Chur, 23. Mai 1887.> Montag Nachmittag.

Дорогой друг, нехорошо, что позавчера я поддался внезапному гневу на тебя, но, по крайней мере, хорошо, что он вырвался наружу: ведь он принес мне нечто очень ценное, а именно твое письмо, которое значительно облегчило меня и направило мои чувства к тебе в иное русло.

Твои слова о Т<aine> прозвучали для меня чрезмерно неприязненно и иронично: то, что восстало во мне против этого, было отшельником, который по слишком богатому опыту знает, с какой безжалостной холодностью всех живущих в стороне отбрасывают, а порой и уничтожают. К тому же Тэн, помимо Буркхардта, был за долгие годы единственным, кто сказал мне сердечное и сочувственное слово о моих сочинениях: так что я пока считаю его и Буркхардта своими единственными читателями. Мы, по сути, основательно зависим друг от друга как три убежденных нигилиста: хотя я сам, как ты, возможно, чувствуешь, все еще не отчаиваюсь найти выход и ту лазейку, через которую можно попасть в «нечто».

Когда так сидишь в своих глубоких рудниках и копаешь, становишься «подпольным», например, подозрительным. Это портит характер: свидетель тому — мое последнее письмо. Не обессудь!

Твой Н.

853. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Chur (Schweiz) Rosenhügel den 1. Juni 1887.

Достопочтенный господин издатель! Прилагаю исправленный последний лист 5-й книги: на этом моя работа завершена. Сегодня прошу Вас сообщить мне время, когда «Утренняя заря» и «Веселая наука» будут готовы к отправке: для меня это важно в связи с одним днем рождения. Также прошу Вас прислать счет за печать пятой книги: который должен быть немедленно оплачен.

С наилучшими пожеланиями, Ваш
покорнейший
д-р Ф. Ницше.

854. An Elisabeth Förster in Asuncion (Entwurf)

<Sils-Maria, kurz vor dem 5. Juni 1887>
  1. Моя дорогая Лама, ты находишь своего брата совершенно не желающим расставаться с деньгами: его положение слишком шаткое, а ваше — недостаточно обоснованное, чтобы позволить себе действовать здесь, полагаясь лишь на сиюминутный момент.

  2. Хуже всего то, что наши интересы и желания сейчас как раз довольно сильно расходятся. Поскольку ваше предприятие является антис<емитским> предприятием — а мне это тем временем ad oculos demonstrirt —

  3. я в глубине души не питаю к нему доверия, да и вообще не испытываю особого расположения или добрых пожеланий. Если дело доктора Ф<ёрстера> увенчается успехом, то ради тебя я готов буду смириться с этим и по возможности меньше думать о том, что это одновременно триумф движения, которое я не ставлю ни во что; если же ему это не удастся, то я буду радоваться краху антисем<итского> предприятия и тем больше буду жалеть тебя за то, что ты из чувства долга и любви связала себя с таким делом.

  4. Я говорю это раз и навсегда: с прискорбием от того, что это непременно должно быть сказано.

  5. Мое последнее желание состоит в том, чтобы вам со стороны Германии оказали некоторую помощь, а именно тем, чтобы принудили антисемитов покинуть Германию: при этом не приходится сомневаться, что они предпочли бы вашу страну «обетованную» П<арагвай> другим странам. Евреям же, с другой стороны, я все больше желаю, чтобы они пришли к власти в Европе, дабы они утратили те качества (а именно, чтобы у них больше не было необходимости в них), благодаря которым они до сих пор утверждались как угнетенные. В остальном же я искренне убежден: немец, который лишь на том основании, что он Н<емец>, претендует на то, чтобы быть больше, чем еврей, достоин комедии: при условии, конечно, что он не достоин сумасшедшего дома

855. An Elisabeth Förster in Asuncion

Chur, den 5. Juni 1887.

Помнишь ли ты, мой дорогой Лама, как мы когда-то — это было осенью 1879 года — завтракали вместе в Куре на Розенхюгеле? У тебя был с собой том «Миддлмарч» доброй Элиот? Именно там сейчас живет твой брат, у одного учителя, ожидая, ожидая, позволит ли погода наконец проехать в Энгадин: ведь в этом году у нас строптивая и злая весна, которая испещрила май зимними днями так же, как прошлогодняя весна (в Наумбурге, помяни её лихом!) свой май — собачьими днями. Тогда температура поднималась до 30 градусов Цельсия в тени, в этот раз опускалась до 1 градуса ниже нуля: вот оно, «европейское равновесие»! Плохо то, что обе природные аномалии одинаково сильно на меня давят, да я и не припомню, чтобы переживал такие периоды депрессии, как последние вёсны. Вообще со мной дело обстоит жутко: я должен считать максимумом своего достигнутого относительного благополучия то лето в Таутенбурге, после которого всё пошло наперекосяк. Мне сейчас стоит серьезного преодоления справляться с каждым отдельным днем; к тому же я стал чрезмерно подозрительным и, по сути, у меня не осталось никого, перед кем мне хотелось бы немного расслабиться и быть в хорошем настроении. Как само собой разумеется, «дорогие ближние» относятся ко мне соответственно: все меня с тех пор покинули, даже Лама ускакал прочь и подался в антисемиты (что является едва ли не самым радикальным средством, чтобы «покончить» со мной). Ну, я говорю это меньше всего в тоне упрека, гораздо разумнее заниматься «лесным хозяйством» в южноамериканских лесах в больших масштабах, чем «братством» в малых. Прежде чем приехать сюда, я провел несколько мучительных недель в Цюрихе, впервые снова в пансионе «Нептун» после тех осенних дней, когда мы были так безмятежны, как будто бы —: я жил в той маленькой каморке, которую ты занимал в первую ночь, и много думал о тебе (так же, как и раньше во время путешествия через Сен-Готард). Я навестил Хегаров, которые просили передать тебе сердечный привет, также фрейлейн фон Салис, которая как раз перед «экзаменом», а именно защитой докторской диссертации, и очень подавлена; также фрл. фон Ширнхофер, которая только что вернулась из Парижа и тоже была охвачена призраком скорого экзамена; кстати, тем же поездом приехала из Парижа и фрл. Вильденов, но без того, чтобы обе бывшие подруги воспользовались одним купе (они, скорее, обе с некоторой гордостью рассказывали, что даже не поздоровались на перроне). Медичка показалась мне, впрочем, совершенно скучной и лишенной женственности: она говорила умно, как глупая книга. Упомяну еще, что фрл. Саломе сейчас выходит замуж за некоего доктора Андреаса; также что Мальвида потеряла свою старшую сестру и теперь считает, что «настала её очередь»; также что в Базеле знакомые нам люди стремительно вымирают (Турнейзен-Мериан, профессор Фишер, фрау профессор Хагенбах-Бишофф, веселый доктор Буркхардт), что Якоб Буркхардт сложил с себя профессорство по истории из-за дряхлости и несчастен из-за своего безвкусного преемника; также что Овербек приехал ко мне в Цюрих (его волосы теперь тоже стали белыми), что семья Ротплец была на Тенерифе, что профессор Мориц Вагнер (друг фрау Ротплец) только что застрелился в Мюнхене; также что я поссорился с Роденом; что в Ницце меня основательно «обчистили» и, конечно, я ничего не получил обратно; что на Лейпцигской пасхальной ярмарке моя последняя вышедшая книга проявила дурной, раковый характер (было продано всего 114 экземпляров); наконец, что различные типографии, которыми я «обзавелся» в последние годы, поглотили сумму в 450 талеров. (Мой дорогой Лама, ты найдешь своего брата сейчас совершенно не склонным выкладывать деньги: его положение слишком ненадежно, а ваше не доказано настолько, чтобы было позволительно действовать здесь, исходя лишь из момента. Зато я, уступив представлению нашей доброй матери, вырвал у себя по крайней мере столько (ибо я скряга и, кроме того, подозрителен, как сказано, до крайности), что 800 талеров для тебя стали доступны, поскольку то, что у тебя до сих пор висело на доме в Наумбурге, я взял на себя, надеюсь, с твоего одобрения? В остальном я должен быть готов к внезапной перемене своей участи: ибо мои сочинения компрометируют, и у меня больше нет убежища, даже в Базеле. Прости, что я так много говорю о себе, да еще и ничего утешительного! Тем лучше пусть будет тебе, мой дорогой именинный Лама!

Ф.

Мои наилучшие пожелания твоему доктору Фёрстеру по поводу его великого предприятия! Мне, когда я разглядывал открытку с крайне почтенным имуществом, пришла в голову фраза: «кто владеет, тот и одержим». Этим жертвуешь большой свободой. —

Друг Кёзелиц снова сидит разочарованный и меланхоличный в Венеции, тоже без денег: ибо все перспективы заставить его «Льва Венеции» рычать прошли. Немцы восторгаются теперь только Вагнером и Несслером.

Похоже, одно письмо к тебе затерялось, очень веселое письмо, отправленное из Ниццы примерно за месяц до землетрясения (этаж, на котором возник мой Зарату<стра>, обрушился и теперь был снесен)

856. An Heinrich Köselitz in Venedig

Adresse, nach wie vor: Chur, Rosenhügel. d. 8. Juni 1887.

Дорогой друг,

еще несколько слов наспех, прежде чем я отправлюсь в путь: кто знает, сколько времени пройдет, прежде чем я снова смогу взять в руки перо и чернила — ведь пункт моего назначения на этот раз неизвестен (Ленцерхайде, или Челерина, или Зильс, или что-то еще?). К тому же меня подмывает сообщить Вам один факт, на основании которого Вы, возможно, могли бы что-то предпринять: а именно, гамбургский Поллини (к которому, насколько я помню, Вы питаете некоторое доверие в плане смелости и независимости) договорился на эту зиму с Гансом фон Бюловом: среди прочего, должна состояться полная серия концертов Моцарта. Теперь мне все еще кажется, что Бюлов — тот человек, который осмелится поставить Вашу оперу: он стоит более независимо, чем Моттль и Леви, да он и любит время от времени демонстрировать наглядную независимость ad oculos. Стоило бы попробовать, не сделал ли бы он это в Вашем случае. То, что у Вас когда-то была небольшая перепалка в письмах с ним, просто не принимается в расчет: Бюлов в отношении таких вещей обладает благородством, на которое можно положиться. Он десять раз ссорился с Брамсом (а с кем он не ссорился?), но это ему не мешает: наоборот, это побуждает его посвятить себя силе и оригинальности, которые он однажды признал. Обдумайте это, дорогой друг: скажите ему, почему Вы считаете свое произведение неисполнимым, если за него не возьмется он, — охарактеризуйте свою музыку семью недвусмысленными предикатами (в противовес Вагнеру и Несслеру, единственным «современным» авторам нынешней немецкой души); возможно, не повредит, если Вы возложите ответственность за весь этот шаг на меня (хотя я по всем возможным причинам не хотел бы сам первым писать Бюлову об этом деле).

Между прочим, расскажу еще, что Брамс сочиняет романтическую оперу — он на Тунском озере — текст написал В. Видман, переделав комедию Гоцци «Громкий секрет». При этом я сказал себе, что упомянутый д-р Видман в конечном счете мог бы досочинить и Ваш корсиканский текст.

Наконец, у меня есть просьба: скажите мне, сколько экземпляров 4-й части «Заратустры» лежит у Вас в Венеции. Возможно, у меня есть на них планы.

Лейпцигская книжная ярмарка принесла мне поучительный результат. На этот раз, в отношении «По ту сторону добра и зла», со стороны книготорговцев было сделано все, что необходимо (и даже немного больше!): так что господина Шмайцнера больше не в чем упрекнуть, как я делал это до сих пор. Тем не менее — результат тот же, что и при Шмайцнере: или, вернее, он еще хуже! Всего было продано лишь 114 экземпляров (в то время как 66 экземпляров были просто розданы газетам и журналам).

Поучительно! А именно: люди не хотят решительно никакой моей литературы: а я — не смею больше позволить себе роскошь печататься. —

Если бы Вы могли вспомнить об одном старом желании! Я бы так хотел прочитать Вашу critica мюнхенского периода: они свободны? (Но почему бы Вам не предложить Ваши несравненные статьи о Венеции лучше Frankfurter Zeitung, вместо Süddeutsche Presse?..) Преданно и сердечно, Ваш друг

Н.

Сердечнейшее спасибо за всю корректорскую муку, которую я Вам доставил!!! Кто знает, может быть, впредь мне больше нечего будет «исправлять», кроме самого себя…

857. An Lendi, Wirt in Celerina (Entwurf)

<Chur, um den 8. Juni 1887>

Прошлой осенью один из самых преданных гостей вашего заведения, г-н Г.<енерал> Симон, сообщил мне, что вы готовы пойти мне навстречу на исключительных условиях, если я пожелаю задержаться в Челерине на более долгий срок.

До сих пор я провел шесть летних сезонов подряд в Зильс-Марии, в частном доме, обитателей которого я ценю и покидаю с неохотой: однако забота о моих все более слабеющих глазах вынуждает меня искать комнату с более благоприятным освещением, чем то, что может предложить мне этот дом. Теперь фрейлейн Симон полагает, что нашла такую комнату в соседнем с вами доме Рокко; и мне передают, что за эту комнату, включая обед и ужин за вашим table d’hôte, вы установили бы для меня цену в 4 1/2 франка в день. С просьбой сообщить мне, когда эта комната могла бы быть готова для меня и когда ваше заведение ожидает своих гостей, я остаюсь — — —

858. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Chur, um den 8. Juni 1887>

Овербеку

Тем временем со здоровьем становилось всё хуже и хуже: винить в этом весну я больше не могу, она убралась восвояси, даже не сказав «прощай»… У нас лежал снег, спустившийся глубоко в долину.

После того как я теперь преподал своего рода последнее причастие всей своей прежней литературе и нежно с ней простился, мне кажется, что с публикацией книг для меня вообще покончено (слава Богу, скажут мои друзья). Facta loquuntur: ни один немецкий издатель больше не рискует связываться со мной (о, они правы, эти господа!), за последние 3 года я у самых непредвзятых и смелых слышал только одно жесткое словцо «нет». С другой стороны, немецкая пресса настроена против меня (о, она имеет на это право, эта дама!), она предпочла бы вообще не упоминать моего имени, как мне засвидетельствовали сами литераторы; к этому относится, например, то, что из 50—60 рецензионных эк<земпляров> моей последней книги едва ли 1/5 имела тот эффект, которого ожидают от подобной рассылки. Самое важное вот что: до сих пор я полагал, что Шм<айцнер> нанес наибольший вред распространению моих сочинений: в том числе своими бессмысленными ценами. Теперь же никто не может вести себя более заботливо и деятельно, чем мой нынешний издатель, господин К. Г. Науман; и цена была разумной: результат, тем не менее, тот же самый, даже еще хуже, чем прежде — всего, как было установлено на пасхальной ярмарке, было продано 114 экземпляров. Таким образом, от «Рожд<ения> т<рагедии>» и до сих пор цифрами подтверждается постоянно растущее равнодушие к моим соч<инениям>. Сам я за последние 3 года понес значительные расходы на самостоятельные издания: на 4-ю ч<асть> З<аратустры> ок. 100 талеров, на «По ту сторону добра и зла» ок. 300, ежегодно на разнообразные исправления и дополнения моих старых сочинений ок. 150 талеров. Этому теперь пришел конец. Ни я, ни какой-либо издатель не можем позволить себе роскошь литературы, число любителей которой едва ли превышает 100 человек.

Мучительным переживанием, которое на несколько дней выбило меня из строя, стал инцидент с Роде, которому никто не припишет особой тактичности и деликатности. В одном письме он позволил себе такую грубость по отношению ко мне, что я не удержался и ответил ему весьма резко, поставив его на место. Должен добавить, что после этого он ответил мне таким образом, что это делает честь его характеру. В целом, совершенно излишнее переживание, особенно в моем нынешнем состоянии. —

859. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 13. Juni 1887>

Удачи, дорогой друг! Я принимаю это как очень хороший знак, что у Вас снова есть мужество и хорошее настроение для новой авантюры. Адреса Бюлова у меня нет; по моим приблизительным воспоминаниям, он собирался этой весной поехать во Франкфурт-на-Майне, чтобы дать там в музыкальной школе ряд показательных уроков. В конечном счете, Вы узнаете что-то определенное быстрее меня, так как у нас еще нет летнего расписания почты, и поэтому мы очень медленно реагируем на внешний мир. В любом случае я рекомендую величайшую поспешность. Что касается названия, то я почти пришел к тому же мнению; кстати, слышали ли Вы, что у Верди «Отелло» народ приветствует как il leone di Venezia? — Большое спасибо за два хороших письма; сегодня я еще болен, поэтому пишу на открытке. Остаюсь в Зильсе. Преданный Вам Н.

За домом остатки лавины. Я первый гость. Чистое небо. —

860. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Sils den 14. Juni 1887.

Достопочтенный господин издатель, отныне я снова доступен в Зильс-Марии, Верхний Энгадин: надеюсь, вы вскоре пришлете мне что-нибудь! Моя последняя открытка, отправленная из Кура, как я полагаю, попала к вам в руки? —

— Ко мне обратились по поводу адреса Г. фон Бюлова: не могли бы вы мне в этом помочь? —

С глубоким почтением, ваш
Д-р Ф. Ницше

861. An Fräulein Simon in Siena (Entwurf)

<Sils-Maria, Mitte Juni 1887>

С глубокой скорбью я только что прочел ваше печальное известие, которое дошло до моих рук лишь поздно и после многих окольных путей. Нет! Этого я не ожидал: мне казалось, наоборот, что некий критический период для здоровья теперь преодолен и что глубокоуважаемый человек под вашим несравненным уходом может рассчитывать еще на долгую, дружелюбную и безоблачную старость.

Как часто я думал этой зимой о вас обоих. Как часто я поздравлял себя с тем, что попытка, которую я предпринял прошлой осенью, чтобы уговорить вашего господина отца поехать в Ниццу, по случайности не удалась, и что таким образом его миновал ужас землетрясения, который на том 4-м эт<аже> моего о<теля> де Ж<енева> был, пожалуй, сильнее, чем где-либо.

Теперь я должен быть втройне благодарен тому случаю, иначе мне пришлось бы думать, что я каким-то образом причастен к столь неожиданному исходу, — — —

Будьте уверены, уважаемая Фл., что образ вашего достопочтенного отца, каким он сейчас стоит передо мной, это редкое сочетание доброты, серьезности, добросовестности и глубины души, никогда не изгладится из моей памяти.

862. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

<Sils-Maria, Mitte Juni 1887>

[+ + +] <Лизбет я написал из> Кура, думаю, что письмо будет у неё в руках ко дню рождения. Очень жаль, что в каждом письме приходится писать только нет: мне следовало бы этого избежать и вообще не просить меня о деньгах.

Моя дорогая мама, хотя ты совсем недавно прислала мне чудесный ящичек, я сегодня снова прошу тебя об одном ящичке: мне очень пригодилась бы ветчина (лучшая ветчинная колбаса), а также я хотел бы сделать маленькой Адриенн красивый (более приличный) подарок. Люди здесь, в доме, добры ко мне, а у твоего старого зверя осталось мало уголков на земле, где люди добры к нему. Конечно, ты вычтешь из моих расходов то, во что это обойдётся: но мне была бы очень желанна коробочка с 12 дюжинами стальных перьев, именно по этому адресу (придётся заказывать их из Берлина —)

С. Рёдер, поставщик двора, Берлин
Стальное перо № 15. Широкое

Это единственные стальные перья, которыми я могу красиво писать (так же красиво, как, например, написано это письмо)

У вас, должно быть, очень жарко: здесь тоже тепло, несмотря на то что снег ещё лежит глубоко внизу и позади моего дома остался след от лавины. Но мне кажется, что здесь душно: поэтому я гуляю гораздо меньше, чем обычно. Впрочем, это, вероятно, зависит от моей слабости.

Конечно, я совсем один, безусловно, первый гость. —

Старый генерал Симон умер. — Сердечно и с благодарностью, твоё старое

создание.

863. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria Oberengadin d. 17. Juni 1887.

Дорогой друг,

до сих пор и здесь, наверху, я не сделал ничего лучшего, чем болел. Я прибыл с сильным приступом моей головной боли, у меня была 12-часовая рвота, и я оказался в одном из тех состояний, к которым моя маленькая комната здесь, к сожалению, слишком привыкла. Это состояние сменилось сильной простудой с лихорадкой, отсутствием сна и аппетита, головокружением, отупением, слабостью: так что я могу ходить меньше, чем хотелось бы, и сразу же бросаюсь в пот (несмотря на близость снега: перед моим окном лежит остаток лавины). Несмотря на это, я рад снова быть здесь и вообще быть. …Выдержать эти последние годы — это, пожалуй, было самым тяжелым, что до сих пор требовала от меня судьба. После такого призыва, каким был мой Заратустра, из самой глубины души, не услышать ни звука в ответ, ничего, ничего, только безмолвное, теперь тысячекратно усилившееся одиночество — это нечто ужасное, превосходящее всякое воображение, от этого может погибнуть и самый сильный — ах, а я не «самый сильный»! С тех пор мне кажется, будто я смертельно ранен, меня удивляет, что я еще жив. Но нет сомнений, я еще жив: кто знает, что мне еще предстоит пережить!

С Челериной ничего не вышло, представь себе, старый генерал Симон только что умер, и хозяин не хочет соблюдать оговоренные условия. Потеря этого старого, строгого, очень привязанного ко мне военного — это действительно для меня потеря: он так часто представлял мне, говоря по-кантовски, «Критику практического разума», что теперь, за границей, я стал еще более одиноким и «непрактичным», чем прежде. Он умер в Сиене, в возрасте 71 года. При небольшом изменении обстоятельств в 1848 году он, возможно, стал бы одним из самых влиятельных и высокопоставленных военных в тогдашней Германии; он принадлежал к семье тех одаренных революционеров Симонов.

В Куре я слушал, к моему истинному огорчению, «Рай и Пери» Шумана. Нет, какая постыдная изнеженность чувств! И какой филистер и обыватель плавает посреди этого озера из лимонада! Я убежал оттуда — с истинной тоской по занимательным и веселым мелодиям нашего венецианского маэстро. Кстати: я уговорил его на последнюю попытку пристроить свою оперу — Бюлов (который сейчас ангажирован гамбургским Поллини) должен исполнить это произведение. Если Б<юлов> этого не сделает, не сделает никто! Для этого нужно иметь мужество, даже парадоксальность в душе.

Преданный тебе Н.

Я здесь, конечно, «безусловно, первый» гость. Когда в конце месяца появятся деньги, пришли их, пожалуйста, заказным письмом, как обычно, в Зильс-Марию: этого достаточно. Сердечный привет твоей дорогой жене.

864. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, Mittwoch. <22. Juni 1887>

Дорогой друг,

отчего это зависит, — я не знаю: но у меня наступил форменный décadence, мое здоровье снова упражняется в своих старых, самых жалких манерах, изнеможение даже в так называемые «здоровые» дни пугает, по ночам я часто погружаюсь в уныние и отчаяние, которые внушают мне стыд, — и даже возвышенно-светлая и доказанная погода Зильса не помогает мне выбраться из этого «упадка»! При этом ни звука из широкого, широкого мира, который звучал бы для моего сердца отрадно: если не считать Ваших «звуков», дорогой друг, — все, что Вы мне прислали — обе посылки благополучно дошли! — звучало для меня как музыка: в конце концов, я старый музыкант, для которого нет утешения, кроме как «в тонах»! Поверьте мне, все те маленькие намеки на «символ веры», как они ускользают у Вас от критика, доставили мне такое удовольствие, как будто это была музыка из самого segreto matrimonio (— ведь нет сомнения, что в самой глубине души я хотел бы уметь делать ту музыку, которую делаете Вы, — и что свою собственную музыку (включая книги) я всегда делал лишь faute de mieux…).

Это напоминает мне о только что состоявшемся прибытии первых готовых экземпляров «Утренней зари» (Morg<enröthe>) и «Веселой науки» (Fröhl<iche> Wissenschaft): надеюсь, эти книги тоже уже в пути к Вам? И Вы не позволите испортить себе настроение этими пришельцами, в которых слишком много немецкой недостаточности и пасмурного неба, чтобы не предпочесть уйти с их пути? Боже, что мне пришлось вынести, и как скупо золотые капли жизни до сих пор проливались на меня! — Тем не менее: я, как и Вы, верю в эти золотые капли и не обращаю внимания на художников, у которых нет вкуса к ним на языке. —

Я читал о Гоцци: например, что Рих<ард> Вагнер взял один из своих первых текстов из него («Женщина-змея»); также что «громкая тайна» принадлежит Кальдерону и лишь обработана Гоцци. — Доктор Видман из «Bund» хвалит как приятную частную квартиру на Риве casa Petrarca, также и для зимнего пребывания: именно там живут также Поль Бурже и Грегоровиус. Знаете ли Вы этот дом? — Я сам обещал поехать на эту зиму в Рим: Мальвида, потерявшая свою младшую сестру и теперь полагающая, что настала ее очередь, хочет еще раз видеть меня у себя. Возможно, я устрою свой путь туда через Венецию и Болонью… Представьте себе, что в Цюрихе скончался превосходный Вебер: всеобщая скорбь. —

И последнее пожелание, которое я не могу подавить: было бы возможно иметь Ваши суждения и оценки в отношении музыки и музыкантов вместе, как милый томик афоризмов — они должны стоять рядом и поддерживать друг друга, отдельное высказывание может тогда звучать так смело и поразительно, как оно должно звучать сегодня… Такая маленькая книга и «символ веры» были бы бесценны как глашатай Вашей музыки — Вы единственный, кто может со знанием дела представлять и избранный вкус, который царит в этой музыке как инстинкт. Преданно

Ваш друг Н.

865. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 24. Juni 1887

Любезный и достойный господин Фрич,

первые экземпляры я получил с благодарностью, как и счет. Что касается последнего, то господин К. Г. Науман (Университетская ул.) получил от меня поручение незамедлительно передать Вам 282 марки 26 пфеннигов (я лишь сказал ему, что задолжал Вам именно столько; никаких подробностей).

Мне отрадно, что мы зашли так далеко; и я прошу Вас сохранить веру, которая является и моей верой, что все эти книги, которые теперь находятся в Вашем издательстве, благодаря своему независимому и радикальному духу, а также богатству и форме мыслей, заслуживают того, чтобы продолжать жить. Прошу прощения, что я сам это высказываю! —

Вы, возможно, уже снабдили экземплярами господина Кёзелица? В любом случае, я должен об этом попросить. Экземпляр «Веселой науки» должен получить доктор В. Видман (редакция газеты «Bund», Берн): прошлым летом он опубликовал нечто весьма умное о моей вышедшей тогда книге «По ту сторону добра и зла». Для себя я также прошу еще раз экземпляры, по случаю дня рождения; также я хотел бы получить экземпляр 2-го издания «Рождения трагедии» (в котором есть некоторые отличия от первого, например, на 2-й странице текста — цитата из «Мейстерзингеров» Вагнера (вместо эпиграфа Хеббеля)).

Некоторые другие пожелания оставлю на потом.

— Теперь мы еще не закончили с печатью, любезный господин Фрич, но на этот раз речь идет о музыке. Прилагаемый «Гимн к жизни» (хоровое пение с оркестром) тем временем созрел для публикации, я хотел бы видеть его в Вашем издательстве. Что касается производственных расходов, мы договоримся; но мне важно изысканное и достойное оформление — ибо гимн предназначен для того, чтобы «остаться после меня» и быть исполненным позже «в память обо мне».

Сделайте, если позволите просить, незамедлительно шаги к печати гимна: ибо я хотел бы уже осенью представить его в Цюрихе (благодаря любезности Хегара, которую он проявлял ко мне в подобных случаях).

Корректуру и в этом случае, как само собой разумеется, будет вместе со мной осуществлять мой «постоянный» корректор и друг господин Кёзелиц.

Сердечно приветствую,
Ваш
проф. д-р Ф. Ницше

P.S. Я только что просматриваю счета и обнаруживаю, что Вы просчитались на 100 марок не в свою пользу. Таким образом, я должен Вам

282 марки 26 пфеннигов

Ф. Н.

866. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 24. Juni 1887

Глубокоуважаемый господин издатель,

Ваши сообщения о результатах пасхальной ярмарки, за которые я приношу Вам свою глубочайшую благодарность, дали мне богатую пищу для размышлений: я, по-видимому, хотя и не был нескромен в своих ожиданиях, несколько просчитался. Мне тем более жаль, что я как раз и намеревался как можно скорее выпустить новое издание этой книги, увеличив её объём примерно вдвое. Я полагал, что на эту маленькую книжку «клюнут» охотнее, и что тогда будет легче реализовать дополненный и более значительный труд. Но ясно, что я слишком плохо знаю вкус нынешних немцев.

Не будете ли Вы так любезны уплатить от моего имени небольшой долг, который я должен господину Э. В. Фричу (Лейпциг, Кёнигсштрассе, 6)? Я должен ему 282 марки 26 пфеннигов; он уже уведомлен о том, что платёж будет произведен через Ваши руки.

Мой адрес, как и каждое лето, — Зильс-Мария, Верхний Энгадин (Швейцария), предположительно до конца сентября.

С глубоким уважением и благодарностью
Ваш покорный слуга
Проф. д-р Ницше

867. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 25. Juni 1887>

Моя дорогая мама, сердечное спасибо за твою открытку; я полагаю, что тем временем письмо от меня попало к тебе в руки? В нем было несколько пожеланий; я хотел бы снова получить немного меда (летний плащ я еще привез с собой из Ниццы). Здоровье, по крайней мере, кажется, идет на поправку. До сих пор я все еще единственный гость в Зильсе. —

Мой счет за печать у Фрича составил всего 282 марки: что меня порадовало. В Куре я пересмотрел и починил одежду, белье (рубашки, чулки, сапоги и т. д.): так что теперь я снова в полном порядке.

Твой сын, с самыми добрыми пожеланиями тебе.

Пожалуйста, адрес Густава Круга!

868. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria d. 27 Juni 1887

Дорогой друг,

прекрасный сюрприз, равного которому нет! То, что я никогда не забуду! Такая человечность и деликатность, проявленные к тому, кого в последнее время, возможно, слишком часто преследовало обратное! Примите мою благодарность: я вслушиваюсь в отдельные голоса и повсюду открываю тонкости и находки, которыми вы меня одарили! Какое прекрасное искусство, где можно передать столько нюансов за минимум времени! —

Но нет, ваше «желание к Бюлову» должно вернуться, дорогой друг, вы должны еще раз бросить жребий — в этом сочетании Бюлов-Поллини есть нечто такое, что побуждает бросить вызов судьбе. Мне этот случай кажется знаком: я питаю немалое доверие к той дерзости, к которой хотел бы от всего сердца вас склонить. Характер Бюлова позволяет многое, что «не подобает» господам Мотлю и Леви (хотя Хегар мне еще недавно говорил, что не понимает Леви, почему тот не исполняет ваше произведение: «что ему стоит?»… )

Я сам не хотел бы сейчас «вмешиваться» в дела Бюлова: также из деликатности. Бюлов будет судить о вашем произведении более непредвзято, «неосторожно», по-бюловски, если он не услышит при этом моего имени.

— Я не могу умолчать о событии, с которым мне трудно смириться: вернее, я внутренне до сих пор вне себя. Генрих фон Штайн умер: совсем внезапно, сердечный приступ. Я действительно любил его; мне казалось, что он прибережен для меня на более поздний возраст. Он принадлежал к тем немногим людям, чье существование доставляло мне радость; к тому же он питал ко мне большое доверие. Он говорил еще недавно, что в моем присутствии ему приходят мысли, на которые он иначе не нашел бы мужества; я «освобождал» его. А как мы здесь, наверху, вместе смеялись! У него была репутация человека, который не смеется. Его двухдневный визит сюда, в Зильс, без побочных целей, связанных с природой и Швейцарией, а прямо из Байройта сюда и прямо от меня обратно к отцу в Галле — это одно из самых странных и тонких знаков внимания, которые я когда-либо получал. Это произвело здесь впечатление; он сказал в отеле: «я приехал не ради Энгадина». — Его последняя работа, история начал эстетики (Декарт и так далее до Баумгартена, Канта: очень ученая), была мне расхвалена. — Это был, безусловно, самый прекрасный вид человека среди вагнерианцев: по крайней мере, из тех, кого я узнал. — Эта вещь причиняет мне такую боль, что я снова и снова не верю в это. Нет, как же я чувствую себя одиноко! В конце концов, умирает и добрая Мальвида — сколько же тогда остается?? Я боюсь считать. —

Оставайтесь же ко мне добры и верны, мой дорогой друг Кёзелиц! Благодарный

Ваш Ф. Н.

869. An Josef Viktor Widmann in Bern

Sils-Maria, Ober-Engadin, den 28. Juni 1887.

Глубокоуважаемый господин доктор,

прошлым летом Вы повергли меня в немалый испуг: однажды здесь, в кафе, я застал почтенных жителей Зильса озадаченными и призадумавшимися по поводу своего постоянного летнего гостя, — они все как один прочли «Bund». «Как! Этот на вид такой безобидный отшельник и пещерный медведь, оказывается, в сущности, нечто весьма опасное?» — это я прочел в глазах каждого. У меня же самого, после того как я тоже прочел «Bund», было, конечно, иное впечатление: а именно, как будто я прочел о себе нечто весьма любезное и доброжелательное. Пару высказываний, которые сами собой разумелись в устах редактора демократической газеты, я, быть может, пропустил мимо ушей или забыл — в главном же я должен с благодарностью засвидетельствовать Вам теперь, спустя год, что Ваша рецензия была, во всяком случае, самой «интеллигентной» из всех, что эта несимпатичная книга до сих пор удостоилась. Поэты — существа «провидческие»: такую книгу-загадку в конце концов всегда скорее разгадает и «расколет» поэт, нежели так называемый философ и «специалист».

В благодарность за это позвольте мне преподнести Вам одну мою старую книгу, которая как раз сейчас выходит в новом издании, многократно измененная и улучшенная (или ухудшенная?) — в предположении, что она осталась Вам неизвестной. Быть может, она покажется Вашему вкусу в целом более приемлемой и отрадной, чем то «потустороннее» сочинение прошлого года. Впрочем, она тоже может оказаться «опасной книгой»: по крайней мере, именно это в свое время Готфрид Келлер в любезнейшей форме поставил мне на вид в своем письме.

С глубоким почтением

Ваш покорнейший
Д-р Ф. Ницше,
бывший профессор в Базеле.

870. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria den 30. Juni 1887.

Дорогой друг,

Твое известие о смерти Штайна (которое тем временем дошло до меня и со стороны отца) глубоко потрясло меня: вернее, я до сих пор вне себя от этого. Я так любил его, он принадлежал к тем немногим людям, чье существование само по себе доставляло мне радость. Я также не сомневался, что он, так сказать, прибережен для меня на будущее: ведь таким людям, которые, будучи богатыми и глубокими, неизбежно развиваются медленно, нужно давать много времени. А ему его не дали! Почему не призвали на его место меня — это имело бы больше смысла. Но всё так бессмысленно: и это благородное создание, прекраснейший вид человека, которого я вообще когда-либо видел благодаря моим вагнеровским связям, больше не существует! —

Прими мою искреннюю благодарность за твое письмо, дорогой друг, тем более что оно было написано вопреки весьма неприятному состоянию. Я полагаю, что примерно в то же время к тебе попала и моя «Утренняя заря», чье задумчивое, но, возможно, не лишенное опасений предисловие, быть может, заслуживает твоего внимания. В конечном счете, всё это принадлежит поколению, которое мы оба, вероятно, уже не застанем: тому самому, в котором великие проблемы, от которых я страдаю, — как бы я ни жил до сих пор благодаря им и ради них, — должны стать плотью и кровью и перейти в действие и волю. В скором времени я смогу прислать тебе и новую «Веселую науку». —

Как только я немного оправлюсь, я отправлю несколько строк фрау Ротплец в Мюнхен. Мое здоровье поправляется лишь медленно: и в основном оно застопорилось: существует какое-то глубокое физиологическое препятствие, причину и местонахождение которого я не могу определить, из-за чего среднее самочувствие («общее чувство», как говорят физиологи) постоянно находится ниже нулевой отметки; — без всякого преувеличения, у меня уже год не было ни одного дня, когда я чувствовал бы себя свежим и бодрым душой и телом. Эта постоянная депрессия (днем и ночью) хуже, чем те сильные и крайне болезненные кризисы, которым я так часто подвержен. — Карлсбад не помог; вообще, желудок у меня всегда участвует лишь косвенно и никогда не является causa prima.

Напоследок просьба к твоей дорогой жене. Уже три месяца мне не хватает чая, который мне полезен. Единственный чай, к которому у меня есть доверие и который в моем случае проверен, — это английский чай Horniman, который можно достать и в Базеле (— я покупал его в свое время на рынке). Существуют жестяные банки весом в один килограмм по цене 12 франков: могу ли я попросить о присылке такой банки? Упаковку, несомненно, возьмет на себя сам магазин. — Этот чай не является чем-то особенно изысканным, но он остается абсолютно неизменным (уже 40 лет) и, следовательно, не является, в отличие от всех других чаев, которые обычно покупаешь, делом случая.

С самыми сердечными пожеланиями твоего выздоровления, остаюсь преданный тебе

Твой Ницше

871. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 2. Juli 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель,

вот мои пожелания относительно экземпляров, которые еще предстоит распределить.

I 

 

 

 

 

  

Для меня самого прошу по одному экземпляру «Рождения трагедии» (2-е изд.)

«Утренней зари»

«Веселой науки»

II 

 

 

  

Для господина профессора д-ра Овербека в Базеле

«Человеческое, слишком человеческое» в 2 томах.

III 

 

 

 

 

  

Для мадам Мальвиды фон Мейзенбуг

(Версаль, вилла Амиель)

«Утренней зари»

«Веселой науки»

IV 

 

 

 

 

  

Для господина Г. Тэна

Ментон, озеро Анси (Верхняя Савойя)

«Утренней зари»

«Веселой науки»

Будьте любезны распорядиться об отправке незамедлительно: я хотел бы, чтобы мои сопроводительные письма прибыли одновременно с книгами.

Что касается Гимна, то я ожидаю пробные оттиски. Возможно, Вы помните, что уже видели этот гимн однажды, в его первой редакции: а именно осенью 1882 года, во время визита, который Вы нанесли мне на Вальдштрассе. С тех пор он, однако, существенно улучшился; я полагаю, что он стал «зрелым и сладким» и теперь без всяких сомнений может быть передан общественности. В этом отношении я спрашивал совета у музыкантов, чье суждение я высоко ценю.

Ваш покорный Н.

872. An Hippolyte Taine in Genf

Sils-Maria, Oberengadin, den 4. Juli 1887.

Глубокоуважаемый господин!

у меня было бы так много причин поблагодарить Вас: за снисходительную доброту Вашего письма, в котором слова о Якобе Буркхардте прозвучали для меня особенно отрадно; за Вашу несравненно сильную и простую характеристику Наполеона в «Ревю», которую я почти случайно раздобыл в этом мае (я был к ней неплохо подготовлен благодаря недавно вышедшей книге г-на Барбе д’Оревильи, чья заключительная глава — о новейшей наполеоновской литературе — звучала как долгий крик желания — но чего же? Несомненно, именно такого объяснения и разрешения той чудовищной проблемы нечеловека и сверхчеловека, какое Вы нам дали). Я также не хочу забывать о том, что был рад встретить Ваше имя в посвящении последнего романа г-на Поля Бурже: хотя мне не нравится эта книга — г-ну Б<урже> никогда не удастся сделать правдоподобной настоящую физиологическую дыру в груди ближнего (подобное для него лишь quelque chose arbitraire, от чего его деликатный вкус, надеюсь, впредь будет его удерживать. Но кажется, что дух Достоевского не дает покоя этим парижским романистам?). А теперь будьте так терпеливы, уважаемый господин, и позвольте преподнести Вам две мои книги, которые только что вышли в новых изданиях. Я отшельник, Вы, должно быть, знаете это, и не слишком забочусь о читателях и о том, чтобы меня читали, однако с двадцати лет (мне сейчас 43) у меня никогда не было недостатка в отдельных выдающихся и очень преданных мне читателях (это всегда были старики), среди которых, например, Рихард Вагнер, старый гегельянец Бруно Бауэр, мой глубокоуважаемый коллега Якоб Буркхардт и тот швейцарский поэт, которого я считаю единственным живущим немецким поэтом, Готфрид Келлер. Я был бы очень рад, если бы и самый почитаемый мною француз оказался в числе моих читателей.

Эти две книги мне дороги. Первую, «Утреннюю зарю», я написал в Генуе, во времена тяжелейшего и мучительнейшего недуга, когда врачи отказались от меня, перед лицом смерти и посреди невероятной нужды и одиночества: но я тогда не хотел иначе и, несмотря на это, был в мире и уверенности с самим собой. Другой, «Веселой науке», я обязан первым лучам возвращающегося здоровья: она возникла год спустя (1882), также в Генуе, за несколько возвышенно-ясных и солнечных январских недель. Проблемы, которыми занимаются обе книги, делают одиноким. Могу ли я просить Вас принять их из моих рук с благосклонностью?

Я остаюсь с выражением моего глубокого и личного почтения

Ваш покорнейший
Фридрих Ницше.

873. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 6. Juli 1887>

Дорогой друг, прошу прощения за множество хлопот, которые я доставил с этим чаем. Тем временем мне случайно попался на глаза люцернский адрес чая Hornimann: я подожду еще пару дней, а затем обращусь туда. Здоровье, по-видимому, поправляется, несмотря на два новых приступа. — Только что я получил сообщения и запросы из Веймара от архивного советника Бурхарта, из которых следует, что, как ни странно, гётеведение вмешивается и в историю моей семьи: оно выяснило, что «Мутхен», подруга юного поэта (ок. 1778 г.), — это никто иная, как моя бабушка по отцовской линии, Эрдмуте Доротея Краузе, сестра кёнигсбергского профессора теологии Краузе, который стал преемником Гердера на посту генерального суперинтенданта Веймара, и впоследствии супруга суперинтенданта доктора Людвига Ницше в Айленбурге (моего деда). С благодарным приветом тебе и твоей дорогой супруге

Твой Н.

874. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria 10. Juli 1887.>

С присланной пробной пластиной (в отношении формата и т. д.) полностью согласен. Пожалуйста, распорядитесь о продолжении гравировки; а также пришлите мне один (или несколько) образцов бумаги. —

Что касается специализированных изданий и прочих адресов, мне нужно сначала посоветоваться с самим собой (и с друзьями). Самым ценным было бы, во всяком случае <было бы>, найти отдельных авторов, которые могли бы в форме пространных эссе высказаться об этой целой последовательности сочинений. Если бы я только не был так сильно «вне», во всех смыслах! —

С покорнейшим приветом, Ваш
Ницше

875. An C. A. Hugo Burkhardt in Weimar (Entwurf)

<Sils-Maria, Mitte Juli 1887>

Ещё одно замечание к генеалогической заметке на моей последней открытке. Мой отец родился 10 октября 1813 года, в год битвы, в Эйленбурге: роды произошли после того, как накануне вечером Наполеон со своим штабом вступил в Эйленбург. — Моя бабушка была большой поклонницей Наполеона, несмотря на тяжёлые воспоминания, которые связывались у неё с оккупацией Веймара французами. — То, что она была также большой поклонницей Гёте, мне не нужно и говорить: «он был не только великим умом, но и самым любезным ч<еловеком>», — часто слышал я, как она восклицала, будучи маленьким мальчиком. «Мутхен» принадлежала к числу самых желанных гостей в саду Г<ёте>, куда она ходила со своей подругой, тайной советницей Шмидт: в 1811 году она вступила в наследство этой Г. Шм. (заметка Буркартов)

Одна из моих старых тётушек незадолго до своей смерти сожгла чемодан, в котором находились также письма из веймарского прошлого нашей семьи, из чувства деликатности и порядка, которое нашему роду (но не мне) может показаться чрезмерным.

876. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria, Sonntag <17. Juli 1887>

Дорогой друг,

просьба к тебе как к «отцу церкви» — мне срочно нужно одно место у Тертуллиана, где эта прекрасная душа описывает радости, которыми он будет наслаждаться в «загробном мире» при виде мучений своих врагов и антихристиански настроенных лиц: мучения там очень иронично и злобно детализированы с намеком на прежние профессии этих врагов. Можешь ли ты припомнить это место? И, возможно, прислать его мне? (в оригинале или в переводе: мне оно нужно на немецком)

С большой благодарностью за твои последние открытки, в которых слово «стыд» тронуло меня так же сильно, как порадовал твой интерес к тем предисловиям. Тебе не избежать того, чтобы в ближайшие дни получить «Веселую науку»: наберись терпения, опасность на этом заканчивается — и, возможно, ты найдешь на прохладной горе часок и местечко, чтобы ознакомиться с этим видом «науки».

Позавчера я навестил своих англо-русских дам, в этом году они в Малое — мы были веселы и сердечны друг с другом; отель, кстати, в приятной роскоши. Также мне «подали» небольшой концерт — очень одаренный знатный голландец играл (Григ, Йенсен, Парсифаль)

Вчера я через фрау Вертхеманн отправил в Базель поручение «девице» Мари Вальтер насчет вестфальской ветчины.

Nota bene к моей последней открытке. Я изрядно напугал почтенного архивариуса и исследователя Гёте, дав ему понять (через мою мать), что маловероятно, будто «Мутхен» была дружна с молодым поэтом в 1778 году — ввиду того обстоятельства, что «Мутхен» увидела свет в декабре этого года. Несчастный уже успел напечатать свое «открытие»! — теперь остается еще возможность, что Мутхен из дневника Гёте — это мать моей бабушки. Связь с «Гёте» в любом случае установлена; к тому же назначение профессора Краузе преемником Гердера — дело рук Гёте.

С сердечными приветами тебе и твоей дорогой супруге

Твой Ницше.

877. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz, Sonntag <17. Juli 1887>

Вот, глубокоуважаемый господин издатель, небольшая полемическая статья, которая находится в прямой связи с вышедшей в прошлом году книгой «По ту сторону»: уже по самому своему названию. Возможно, она поможет привлечь внимание к той книге, хотя, конечно, создавалась она вовсе не с этой целью. — Моя просьба: начать её печать незамедлительно; оформление, шрифт, бумага, тираж — всё точно так же, как у «По ту сторону»: чтобы этот трактат действительно выглядел как продолжение того «По ту сторону» и внешне. Процесс корректуры также тот же: один экземпляр вместе с рукописью господину Кёзелицу (Венеция, San Canciano calle nuova 5256) и одновременно один экземпляр мне сюда. — Приношу свою глубочайшую благодарность за выплату денег господину Э. Фричу, который уже давно сообщил мне об их получении.

С пожеланием, чтобы этой небольшой работой я в некотором смысле пошёл навстречу и одному из Ваших предложений относительно распространения моей литературы,

остаюсь Ваш покорнейший

проф. д-р Ницше

878. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, Montag <18. Juli 1887>

Дорогой друг,

немедленный ответ на Ваше письмо, которое только что вошло в дверь под аккомпанемент сильного дождя, чья мягкая тьма кажется мне совсем не неприятной. Возможно, и у Вас он идет — и Вы немного избавились от кошмара, который лето накладывает на душу. Вы правы, я должен быть весьма признателен за свою прохладную летнюю резиденцию (в этом году даже здесь, наверху, я временами страдал от духоты, — что же приходится терпеть Вам, бедняга!). В остальном, поверьте мне, со здоровым телом можно преодолеть всё, а с больным — ничто не в радость, и лучшие дары небес откладываются в сторону холодными и печальными. Физиологическое торможение, которое, без всякого преувеличения, за последний год не дало мне ни одного хорошего дня и проявляется в форме всякого рода уныния, уязвимости, недоверия, неспособности к работе, словно тяжелое душевное заболевание, — как бы я ни был уверен, что виновата физика, и как бы ни обвинял её, — это беда, от которой добрый Бог избавил Вашу жизнь, дорогой друг. Наконец, я хочу быть справедливым и признать существенное изменение за последние 8 дней — но мое недоверие так глубоко, а совсем плохие дни приступов всё еще так часты, что мне кажется, завтра всё может вернуться на круги своя. —

Эти лучшие дни я сразу же яростно использовал и написал небольшую полемическую статью, которая, как мне кажется, довольно наглядно ставит перед глазами проблему моей последней книги: — весь мир жаловался, что меня «не понимают», и проданные около 100 экземпляров дали мне весьма ощутимо понять, что меня не понимают. Подумайте только, у меня было около 500 талеров расходов на печать за последние 3 года — никакого гонорара, как само собой разумеется — и это на 43-м году жизни, после того как я выпустил 15 книг! Более того: после тщательного обзора всех вообще возможных издателей и многих крайне неприятных переговоров выясняется как строгий факт, что ни один немецкий издатель не хочет меня (даже если я не требую гонорара) — Возможно, эта маленькая полемическая статья приведет к тому, что купят несколько экземпляров моих старых сочинений (честно говоря, мне всегда больно, когда я думаю о бедном Фриче, на которого теперь взвалена вся тяжесть). Пусть это пойдет на пользу моим издателям: я же лично знаю слишком хорошо, что мне это не пойдет на пользу, если меня начнут понимать…

Овербек писал, что он читал предисловия одно за другим как «самую захватывающую одиссею в царстве мысли». — Мари Ротплец выходит замуж за майора в отставке фон дер Марка (чья сестра запомнилась мне по Ницце как очень хорошая соседка по столу).

Забавное хождение туда-сюда, письма и запросы между Веймаром, тамошними исследователями Гёте и нашей семьей. А именно, «открыли», кто такая «Мутхен» (одна из загадок дневника Гёте): архивный советник Буркарт даже уже напечатал это — а именно, моя бабушка. Теперь я сыграл с этими господами злую шутку, противопоставив этому нечто: «мне кажется невероятным, что "Мутхен" (Эрдмуте Краузе) в 1778 году была дружна с молодым поэтом», потому что —… Мутхен только в декабре того же года увидела свет божий. Большое смятение. Теперь предполагают, что это должна быть мать «Мутхен». Отношения с «Гёте» вне всякого сомнения. То, что брат Мутхен, профессор теологии Краузе в Кёнигсберге, был призван в Веймар в качестве преемника Гердера (как генеральный суперинтендант страны), было делом рук Гёте.

Дорогой друг, это не только печатается у Наумана, это еще и гравируется у Фрича: чувствуете ли Вы этот укол?… По крайней мере, Вы скоро его увидите.

Но будьте же ангельски добры (как говаривала Дёнхофф) и пошлите то, что следует послать, Бюлову… старый друг — прошу —

(curiosum прилагается: д-р Видман из «Bund» написал мне, с энтузиазмом; также от Брамса, с которым он вместе (последний «живо интересуется "Веселой наукой"», сейчас собирается принять её к сердцу). — Могу ли я в этом направлении что-то сделать для matrim<onio> segreto??? Вопросительный знак.

Искренне Ваш
Н.

879. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria,> Montag, <18. Juli 1887>

Г-ну К. Г. Науманну.

Пожалуйста, глубокоуважаемый господин издатель, распорядитесь, чтобы на странице было не более 30 строк — еще лучше было бы 29. Письмо и рукопись, надеюсь, уже в Ваших почтенных руках? Еще раз прошу о том, чтобы немедля приступили к печати

с глубоким почтением
Ваш
д-р Ницше.

880. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Telegramm)

Sils Engadin 20. Juli 1887

Пожалуйста, верните рукопись обратно, инцидент

Ницше

881. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 24. Juli 1887>

Дорогой друг, считаю своим долгом немедленно сообщить Вам то, что я только что услышал: в Веймаре скончался господин фон Лоэн, и на его место заступает доселе бывший интендант в Ганновере, г-н Бронзарт фон Шеллендорф. Допустим, что Вы еще не приняли окончательного решения относительно Гамбурга, тогда случай с Веймаром и Лассеном не стоит недооценивать. Новый интендант пользуется очень хорошей репутацией. — Намек в моем последнем письме о том, что печататься будет у Наумана, был преждевременным; я телеграфно потребовал рукопись обратно, не из недовольства ею, а потому что начатое тем временем разрослось и пока еще не видно конца. Название и тема: «К генеалогии морали. Полемическое сочинение».

Преданный Вам друг
Н.

Адр: Генерал-интенданту Великогерцог<ского> Веймар<ского> придворного театра барону Бронзарту фон Шеллендорфу.

Сегодня на свадьбе у Ротплецев: Мария Р<отплец> и капитан в отставке фон дер Марк. (Или майор)

882. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 29. Juli 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель,

теперь всё в порядке, «инцидент» исчерпан — печать может начинаться немедленно (или, вернее, я прошу, чтобы она началась немедленно и велась с большой живостью, дабы всё дело было закончено до моего отъезда отсюда: 6—7 листов)

Что касается оформления, бумаги, шрифта, числа строк и т. д., остаюсь при своём первоначальном решении: абсолютное сходство с «По ту сторону добра и зла». Обе книги должны выглядеть до степени смешения похожими. (Следовательно, и предисловие по образцу «По ту сторону добра и зла», совершенно так, как там скомпоновано предисловие.) Также и в отношении порядка корректур остаюсь при том, что было распоряжено в последний раз. Адрес господина Кёзелица в Венеции у Вас есть.

С пожеланием, чтобы всё удалось как нельзя лучше,

остаюсь, тем, кем был,
Ваш покорнейший
Д-р Ницше

— Как же Вы, должно быть, страдаете от жары! Даже здесь, на высоте почти 6000 футов, душно! — —

883. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

(Sonnabend) <Sils-Maria, 30. Juli 1887>

Дорогой друг, что за лето! Я представляю, как Вы сидите в комнате, больше омлет, чем человек; также секретаря прекраснейшего matrimonio не следует больше беспокоить, как это случилось в моих последних письмах и открытках, к моему последующему неудовольствию: по крайней мере, не до тех пор, пока длится сильная жара, когда всё, что приходит извне, жалит, как насекомое. Не сердитесь, дорогой друг! — Я полагаю, что с точки зрения счастья dolce far niente не имеет в себе ничего хорошего при 25 градусах Цельсия, а только начиная с 15 и ниже; и опять же, что начиная с 8 градусов Цельсия dolce состоит в том, чтобы делать очень много. В итоге: нужно проводить лето в горах (— Пьеве-ди-Кадоре?) — Моя рукопись готова, даже в чистовой копии. Она всё-таки будет напечатана.

С самым сердечным приветом

Ваш друг Н.

884. An Malwida von Meysenbug in Rom

Sils-Maria, Oberengadin den 30. Juli 1887.

Наконец, моя глубокоуважаемая подруга, ваше доброе письмо дошло до меня, после того как оно совершило настоящую одиссею, скитаясь туда-сюда по Швейцарии и Германии: оно несло на себе следы этого пути, было вскрыто, имело на себе всевозможные почтовые отметки и выглядело как старый корабль, с которым приключилась беда. Прошу прощения! Ведь в конечном счете я сам виноват во всем этом из-за адреса, который дал вам в своем курском письме: но представьте себе, тем временем человек, ради которого я хотел сделать попытку обосноваться в Целерине, старый прусский генерал, скончался — и таким образом я снова в своем старом отшельническом гнезде.

Я упомянул о кончине, которая меня опечалила; был и второй случай, который потряс меня еще сильнее и о котором я узнал вскоре после этого — вы поймете, кого я имею в виду: смерть Генриха фон Штейна. Я, собственно, никогда не сомневался, что это благородное создание в некотором смысле прибережено для меня, для более поздней жизни, когда эта богатая и глубокая натура действительно раскроется, действительно выйдет на свет: ибо он был еще ужасно молод, далеко не в своих годах, как и подобает деревьям, предназначенным для великого и долгого будущего. И вот молния сокрушает такое молодое дерево: это одна из самых болезненных вещей, я ни на минуту не мог избавиться от этой мысли в течение долгого времени. — —

Борьба с моим плохим здоровьем стоила мне и здесь, наверху, в проверенном воздухе Верхнего Энгадина, еще нескольких недель, прежде чем я смог компенсировать ущерб, нанесенный мне весной и совершенно неподходящими для меня климатом и местами. На мне лежит столь великая задача и предназначение, что все подобные потери времени доводят меня до исступления и горечи (к сожалению, это всегда еще и периоды глубокой депрессии, когда уже невозможно поддерживать мужество быть самим собой — худшая потеря, какая только есть на земле).

Однако то, что это мужество в основном сохраняется во мне, несмотря на эти физиологически обусловленные перерывы, возможно, доказали вам новые издания «Утренней зари» и «Веселой науки», которые я позволил себе отправить на ваш версальский адрес. Я особенно рекомендую то, что в них нового: два предисловия, затем пятая книга «Веселой науки» вместе с приложением к ней: «Песни принца Фогельфрая». (Новые издания «Рождения трагедии» и «Человеческого, слишком человеческого» (2 тома) содержат существенные сведения о моих отношениях с Вагнером: к сожалению, я не в состоянии послать вам эти вещи)

С слабоумным и тщеславным Ланцки, уважаемая подруга, вы меня не путайте: это литератор десятого разряда, которому я дал пинка, когда заметил, какое злоупотребление он начал совершать мною и моей литературой. Неужели вы выносите хоть страницу его слащавой болтовни? Само собой разумеется, что его «Вечерняя заря», о которой вы пишете, мне абсолютно неизвестна: подобному не место у моего порога, как и самому г-ну Ланцки. Это, по-видимому, довольно добродушный и порядочный человек, но внутренне развращенный: когда такие неудавшиеся создания еще и облачаются в «плащ мудрости», с ними нужно обращаться как с самыми бесстыдными лжецами: а они таковыми и являются. — —

Мои глубочайшие комплименты господину и госпоже Моно, а также фрейлейн Натали Герцен, и выражение старой любви и преданности вам!

Ницше.

Фрейлейн фон Салис здесь, теперь уже доктор: ее диссертация об Агнессе Пуатуской должна быть передана профессору Моно. — Я тем временем вошел в контакт с г-ном Тэном, он писал мне на днях, очень любезно.

885. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria, Oberengadin d. 3. August 1887.

Моя дорогая мама,

мне казалось, что весь мир вокруг затих; ни одна бабочка-письмо не залетает больше на мою высоту — по-видимому, внизу очень, очень жарко. В конце концов, однако, мне приходит в голову, что я тоже долго хранил молчание — и поэтому пусть сейчас же улетит отсюда письмецо. Я был очень трудолюбив весь июль: кажется, что вместе со здоровьем возросли и мои умственные силы. Также я внес некоторые улучшения в свой образ жизни, которые определенно подействовали очень благоприятно. Во-первых, я еще ни разу не посетил table d’hôte, чья пища таит в себе некоторые непредсказуемые опасности: к тому же зал там жаркий, переполненный (около 100 человек, много детей), шумный — в общем, не для твоего нежного создания, которое к тому же немного слишком гордо, чтобы без угрызений совести позволять кормить себя en masse. Поэтому я ем один, за полчаса до этого: день за днем прекрасный красный бифштекс со шпинатом и большой омлет (с яблочным мармеладом внутри). Плачу за это столько же, сколько за table d’hôte. Вечером ничего, кроме нескольких ломтиков ветчины, 2 яичных желтков и 2 булочек. Но самое существенное — это новшество рано утром. Я, собственно, уже много месяцев не переносил чай, когда вставал, а был после него уставшим и нервным, с явными признаками расстроенного желудка. Хорошее утро, когда я мог работать, бывало от силы раз в две недели. Теперь я придумал кое-что новое, что оправдывает себя уже 5 недель: в 5 часов я выпиваю чашку горького какао (van Houten), которое завариваю сам, затем снова ложусь в постель, иногда снова засыпаю, но ровно в шесть встаю и, одевшись, выпиваю еще большую чашку чая. Затем приступаю к работе — и работа идет. Вся система стала гораздо спокойнее и уравновешеннее; и настроение мое лучше. В июле у меня было всего 3 сильных приступа моей головной болезни с многодневной рвотой: что по сравнению с предыдущими месяцами является настоящим прогрессом. Моя русско-английская компания в этом году не в Зильсе, а в великолепном отеле Maloja, где я провел с ними один день. Здесь, в Зильсе, фрейлейн фон Салис с подругой, я, как могу, развлекаю обеих дам. Затем Базель в этом году очень широко представлен в Зильсе (37 человек), среди них много старых знакомых, например, Салли Фишер (фрау Аллиот) теперь уже с 4 детьми. В Мюнхене фрейлейн Мария Ротплец на прошлой неделе вышла замуж за брата дамы, которая целую зиму была моей соседкой по столу в Ницце: за капитана фон дер Марка. Сегодня я еще хочу заказать себе вильскую ветчину из главного источника поставок. — С самыми сердечными пожеланиями, чтобы у тебя все было хорошо, моя дорогая мама! Надеюсь, нет никаких плохих новостей, мне нужно закончить кое-что, для чего мне солнечный свет во всех смыслах необходим.

Твое старое создание.

885a. An Louise Röder-Wiederhold

Sils-Maria den 3. August 1887.

Глубокоуважаемая госпожа,

я пользуюсь первой передышкой, которую дарует мне и моим глазам утомительная работа, чтобы вновь привести в движение мою совершенно застывшую и замороженную переписку с «миром»: и тут мне прежде всего приходит на ум приятный долг, долг письма, который всё ещё лежит у меня на душе перед Вами. Было очень любезно с Вашей стороны вспомнить о таком старом молчаливом философе и пещерном медведе, как это сделали Вы в своем добром и умном письме. Годы бегут, люди тоже; удивительно, насколько я уединился с лета 1875 года. Само собой разумеется, что я стараюсь находить это естественным, даже усматривать нечто вроде знака отличия в такой участи. Но бывают дни, когда я чувствую в этом бремя: — это случается, скажу прямо Вам, когда я в очередной раз продемонстрировал себе ad oculos свою полную неспособность прийти на помощь нашему венецианскому другу и маэстро. Для этого нужно быть внутри, участвовать, иметь нечто вроде должности, власти, авторитета среди современников и самых что ни на есть присутствующих: — философ будущего оставляет своих друзей голодать заживо, какую абсурдную последовательность влечет за собой всякая несвоевременность! — Кстати, должен добавить, я думаю, что мне самому в последние годы не хватало ничего так сильно, как постановки оперы Кёзелица, на которой я мог бы присутствовать: это было бы для меня отрадой, ободрением, победой первого ранга. Человек не сохраняет много привязанностей, когда стареет, но старые любит всё больше. С помощью пяти-шести мелодий нашего венецианца я превращал многие бессонные ночи в отдохновение: только мне тогда нельзя думать о том, что тот, кому мы обязаны столь драгоценными вещами, живет как своего рода нищий, который не просит, чтобы ему давали, нет, который просит, чтобы у него брали. Это всё так абсурдно — и с другой стороны, так обыденно, так вечно, так естественно!!!! – Когда Вы пишете мне, глубокоуважаемая госпожа, то, что мне время от времени пишут, что мои сочинения оказывают определенное влияние, я, по сути, никогда не могу избавиться при этом от чувства страха: а именно, что это может быть дурное влияние. Возможно, до сих пор я в едва ли допустимой мере упускал из виду именно одно: что существуют читатели. Будь я достаточно богат или кем-то вроде принца, у которого есть собственная типография, не было бы читателей моих сочинений — но, вероятно, всё же были бы эти сочинения. Это относится к моему неверию в настоящее: я считаю, что уши сегодня должны быть открыты для других вещей, нежели для моих. Они, боюсь, творят сегодня зло, если их слушают сегодня. С сердечным пожеланием, чтобы в Вашем случае, глубокоуважаемая госпожа, речь шла о действительном исключении — а я допускаю исключения и чту их — я есть и остаюсь Ваш благодарный и преданный Ницше.

886. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria den 8. August 1887.

Дорогой друг,

Ваше письмо снова так меня тронуло! Если бы я только знал хоть какое-то средство быть Вам хоть немного полезным, вместо того чтобы в конечном счете причинять Вам боль своими неуклюжими «приглашениями на танец» (на проклятый танец с почтовыми лошадьми, железными дорогами и театральными дельцами-быками)! Понимаете, говоря совсем грубо и эгоистично, мне было бы важно, чтобы Вы не отсылали свои прекрасные партитуры и клавираусцуги, чтобы я мог застать их у Вас осенью (ибо пока что всё остается в силе насчет Венеции: за исключением непредвиденных обстоятельств и сюрпризов, которые могли бы разрушить мое доброе намерение). Но само собой разумеется сто раз, что «одно нужнее другого»; и, в конце концов, я не знаю для себя ничего приятнее, чем скорое исполнение Вашего великолепного произведения: даже при допущении того, что, к сожалению, приходится допустить, — что я не буду при нем присутствовать. — Случай с «Веймаром» тем временем не выходит у меня из головы. Бюлов резок и эксцентричен: в этом деле вообще ничего нельзя предсказать, разве что допустить возможность, в том смысле, что у Бога нет ничего невозможного. Что касается нового веймарского шефа: быть может, у него есть желание представить себя какой-нибудь новинкой и диковинкой? Нельзя ли отправить ему более пространное письмо-отчет, своего рода самокритику произведения, конечно, с сильным акцентом на стиль, на направление, на то направление такой музыки, которое в некотором смысле именно сейчас необходимо и предначертано? (Также следовало бы подчеркнуть легкость исполнения, венецианский колорит и т. д.) И это прежде, чем уйдет рукопись; скорее, стоит упомянуть о последней на случай, если возникнет реальное желание ознакомиться с произведением. Напишите небольшое эссе, такое же хорошее, тонкое и превосходное, дорогой друг, как то, что Вы прислали мне в Каннобио о вандализме в Венеции — и не сердитесь на меня…

— Прилагаю Гимн: всё дальнейшее теперь в Ваших руках! Я прилагаю предложение для титульного листа: разумеется, Вы вольны изменять его так же, как и ноты, без всяких ограничений. Пара вопросов с моей стороны, которые самым скромным образом просят внимания: —

Страница 3, предпоследний такт: для усиления альт с сопрано в унисон, то есть альтовую партию

соответственно стр. 8, шестой такт, где усиление («и в / пламени, в») кажется еще более существенным. Там же, тактом раньше: как насчет того, чтобы дать трубе здесь для подкрепления до ?…

Страница 4, третий такт, соответственно странице 9: доверить фаготам, возможно, это небольшое движение в остальном слишком застывшего ритма — ?

На самой последней странице прошу изменить заключительную пунктуацию после «муки»: не восклицательный знак, а скорее три точки: поскольку они со своим зловещим характером здесь как нельзя более уместны. Итак:

ну что ж! Еще есть у тебя твоя мука…

— И если Вы довольны, то отправляйте в печать к Э. В. Фричу! —

Возможно, что вскоре придут и корректуры Наумана: будьте, дорогой друг, терпеливы! По крайней мере, я обещаю Вам несколько сюрпризов в этой «полемической статье». Она, по правде говоря, была быстро задумана, начата и закончена: согласно почтовой квитанции, я отправил рукопись (во 2-й раз) Науману 30 июля: начало работы, к сожалению, не записанное мной, должно было быть около 10 июля. Примерно до того времени я был болен и крайне не в духе.

С самыми сердечными воспоминаниями о Вас, дорогой друг,

Ваш верный
Ницше

NB. Несколько дней назад я написал фрау Рёдер в Арбон, которая была достаточно любезна, чтобы напомнить мне о себе.

[Приложение]

Гимн жизни
автор
Фридрих Ницше.

Для хора и оркестра обработал Петер Гаст.

Конечно, так любит друг друга,

Как я люблю тебя, загадочная жизнь!

Ликовал ли я в тебе, плакал ли,

Дарила ли ты мне горе или радость,

Я люблю тебя со всем твоим счастьем и бедами,

И если ты должна меня уничтожить, я с болью вырвусь из твоих объятий, как друг вырывается из груди друга.

Всеми силами я обнимаю тебя, —

Пусть твое пламя воспламенит мой дух

И в пылу борьбы я найду

разгадку тайны твоего существа!

Тысячелетия мыслить и жить,

Брось свое содержание полностью внутрь!

Если у тебя не осталось больше счастья, чтобы дать мне,

Ну что ж! Еще есть у тебя — твоя мука…

L. S.

Лейпциг,
Издательство Э. В. Фрича.

887. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Freitag… Sils-Maria, Tag des Monats mir völligunbekannt. <12. August 1887>

Надо быстренько написать письмецо моей доброй матушке. На небе собирается гроза, твое старое создание чувствует себя не лучшим образом, особенно беспокоят глаза. В основном же до сих пор все шло неплохо: было много работы, «дух» всегда был бодр — да и тельце тоже: если не считать нескольких дней с сильной головной болью и рвотой, как всегда. Здесь в этом году тоже теплее; также я заметил, что никогда в жизни не пил так много воды, как этим летом. Питаюсь по-прежнему так, как писал тебе в последний раз: только исключил овощи в обед. Прибыла ветчина Виля из лечебницы в Эглизау, где после смерти доктора Виля продолжает жить его метод, а также его способы приготовления ветчины для страдающих желудочными заболеваниями (говорят, для этого нужна особая специализация в откорме свиней). Адрес я получил от фрейлейн фон Залис, а она, в свою очередь, от английского консула в Цюрихе. Фунт ветчины (всего) стоит 1 1/2 франка (12 серебряных грошей). Кстати, фрейлейн фон Залис, ныне доктор (истории: ее диссертация посвящена матери императора Генриха IV), передает тебе через меня сердечный привет. Моя англо-русская компания все еще в Малоя и усердно мне пишет. Недавно там был большой маскарад, на котором мисс Финн произвела фурор в образе русской крестьянки. Моя старая Мейзенбуг снова в Версале, все еще очень опечалена смертью своей сестры Лауры. Она так хочет, чтобы я приехал к ней в Рим этой зимой; она думает, что это может быть ее последняя зима. Осень (т. е. с октября по середину ноября) пока запланирована для Венеции, не без страха с моей стороны перед прыжком из самого сухого места Европы в самое влажное (разница температур тоже огромна: наше лето здесь, наверху, в среднем 10 градусов Цельсия, соответствует среднему январю в Ницце). Но я должен немного подбодрить моего венецианского друга и маэстро: в конце концов, его музыка действует на меня благотворно, как… хороший чистый светлый воздух здесь, наверху. Мне пишут, что знаменитый композитор Иоганнес Брамс (сейчас в Швейцарии) очень увлечен моими книгами. Похоже, для господ музыкантов твое старое создание представляет какой-то интерес. Кстати, сейчас печатают мой «Гимн жизни» для хора с оркестром: единственное из моих сочинений, которое должно быть опубликовано, чтобы было что-то, что можно спеть в мою память. (Издательство Э. В. Фрича.)

Мои наилучшие пожелания новому начинанию моего беспокойного и предприимчивого зятя. Ну что ж! Ну что ж! Сельскохозяйственная академия — и во главе старый школьный учитель и народный оратор: это, может быть, подходит для южноамериканцев. Для меня это не подходит. Я люблю любого рода специалистов.

«Список пожеланий», по желанию, моя дорогая матушка! Пожалуйста, никакого меда! (в прошлый раз он мне сильно повредил). Но в остальном очень буду рад тем хорошим вещам, о которых ты пишешь. Затем два галстука, один большой широкий, чтобы повязывать, и один на булавке. Наконец: из аптеки на Херренштрассе 100 грамм ревеня в кусочках. И, пожалуйста, как можно скорее. Приветствую тебя с сердечной любовью

Твое старое создание.

Передай моим дорогим дядям Эдмунду и Оскару, о чьем ожидаемом визите ты пишешь, самые лучшие комплименты от моего имени. Вот мне скоро 43 года - - -

…А я даже не поблагодарил тебя за твое доброе письмо! Прости!

N. B. «Мутхен» — это, конечно, мать бабушки Н<ицше>. Брат, профессор, доктор теологии Краузе в Кёнигсберге, по инициативе Гёте стал преемником Гердера на посту генерального суперинтенданта Веймара. Ad notam для господина архивариуса Б<уркхарта>.

888. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

Sils—Maria Oberengadin, Schweiz. Sonnabend <13. August 1887>

Глубокоуважаемый господин издатель,

Корректура гимна будет у Вас в руках, равно как и проект титульного листа. Гравюру последнего прошу незамедлительно исполнить: оттиск прошу прислать мне сюда для корректуры, в Зильс-Марию. Бумагой (плотной, высококачественной, бездревесной) распорядитесь сами, равно как и количеством экземпляров для печати; в этом отношении у меня нет никакого мерила, никакого опыта.

С наилучшим
приветом, Ваш
Ницше.

889. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Sils-Maria 14. August. <1887>

Глубокоуважаемый господин издатель,

только что с большой благодарностью за проявленное «доброе» желание поскорее завершить печать я получил 3-й лист. Завтра я вышлю корректуру 2-го: первый, готовый к печати, должен быть уже у Вас. Через три-четыре дня последует остаток рукописи, третий трактат: он был бы готов раньше, если бы не запротестовали мои глаза: впрочем, 3/4 уже переписаны. Мое намерение — оставаться здесь до сентября (самое позднее до 20 сентября), при условии, что холод не станет слишком сильным (средняя температура сентября здесь, наверху, 7 градусов Цельсия…)

Всецело преданный Вам
Ваш Ницше.

890. An Emily Fynn in Maloja

Mittwoch <Sils-Maria, 17. August 1887>

Глубокоуважаемая сударыня,

только что среди груды старых счетов я нашел маленькую приложенную картинку виллы Бадия, которую, впрочем, Вам еще предстоит перевести в красивые синие и коричневые тона, чтобы найти ее сносной. Хотя мне показалось, что Вы в сущности уже готовы отложить путешествия в долгий ящик, более того, что Вы ожидаете выгоду от возвращения домой, особенно в отношении Вашей замечательной подруги: и в этом смысле вилла Бадия появляется слишком поздно. Разве что Вы совершите обратный путь через озера, а затем Турин-Женева. В этом случае рекомендуется антракт в упомянутом месте; волшебные краски осени там, изобилие инжира, великолепных деревьев, монастырский дух и благородство расположения и устройства — я не сомневаюсь, что Вы вместе привезли бы оттуда глубокое прекрасное воспоминание.

Тем временем, после того восхитительного и богатого дня у Вас, я жил как пещерный медведь — очень трудолюбиво и, как мне кажется, улучшившись в отношении здоровья и терпения. Если все удастся, что у меня сейчас в работе, я намерен отпраздновать несколько часов отдыха у Вас, надеясь, что тем временем и на Вас прекрасное лето и героический пейзаж Малои подействовали укрепляюще и вселяюще надежду. —

Преданный Вам всем в искреннем почтении и привязанности, я, мои глубокоуважаемые дамы,

Ваш покорнейший слуга

Д-р Фр. Ницше, проф.

891. An Heinrich Köselitz (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1887>

Дорогой друг, меня беспокоит, что до сегодняшнего (четверг) утра третий корректурный лист ещё не у меня в руках. Науманн отправил предназначенный для меня оттиск из Лейпцига в пятницу вечером, так что в воскресенье в полдень он был у меня: по моим расчётам, Вы должны были получить свой ещё раньше. В последние 4 дня были сильные грозы, а в Бергеле — два оползня, из-за чего почта дважды не приходила: не случилось ли какой беды, не пропало ли что-нибудь?.. Приношу Вам свою глубочайшую благодарность за Ваше письмо и за всё, что Вы снова сделали для меня как раз в последние недели: это было слишком много, но я сам не виноват в том, что типография и граверная мастерская одновременно начали извергать работу, я распорядился иначе (но Фр<ич> — большой бездельник, а Н<ауманн> хотел доказать мне, что это не так). Сегодня болен, очень истощён: иначе я написал бы Вам больше. Надеюсь, у Вас сейчас прохладнее. —

Искренне Ваш Н.

892. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Sils-Maria <18. August 1887>

Глубокоуважаемый господин издатель, до сего дня (четверг, до полудня) третий корректурный лист из Венеции ко мне еще не поступил. Быть может, какая-то неудача? Были сильные грозы, оползни; почта из Италии дважды опаздывала на полдня. — Теперь же, именно в отношении этого третьего листа, в типографии нужно еще кое-что сделать, из-за чего лист при любых обстоятельствах должен быть снова прислан мне, прежде чем он будет готов к печати. В письме, которое я отправляю одновременно с этой открыткой, лежит рукопись более длинного примечания, которое следует поместить в конце первого трактата (на свободное место там же).

Рукопись 3-го трактата почти готова.

Ваш покорный слуга
Проф. д-р Ницше

892a. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils-Maria, 18. August 1887>

(Приложение к письму от 18 августа 1887 г.)

Дополнение к страницам 37 и 38 на прилагаемом листе.

это примечание (очень мелким шрифтом — я рекомендую тот, что в

содержании в «По ту сторону добра и зла», стр. VII) следует оформить так, чтобы текст начинался в самом низу стр. 37 и заполнял страницу 38 до конца. Таким образом, на странице 37 нужно оставить значительный промежуток между чертой под основным текстом и примечанием! —

В связи с этим дополнением прошу прислать мне корректурный лист 3 еще раз для проверки. Также, в целях экономии времени, он не должен отправляться г-ну Кёзелицу.

Ф. Н.

В случае, если корректурный лист, отправленный в Венецию, был утерян, было бы, конечно, необходимо отправить этот третий лист господину К.

893. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Sils-Maria, 19. August 1887> Freitag.

Arrivato! mille grazie! В самом деле, дорога в Бергелле снова была разрушена, почта опоздала на полдня.

Здесь холодно; на ближайших горах выпал новый снег. Я сам довольно скован и не в духе; нависшее небо (с густыми снежными тучами и северными ветрами) сильно на меня давит.

Тем не менее: Вам там «внизу» хуже! А теперь еще и приходится читать такую «литературу»…

Преданно и с благодарностью
Ваш Н.

894. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Sils-Maria, Oberengadin den 20. August <1887> (kalt, Schnee)

Глубокоуважаемый господин издатель,

всего три слова: ибо я сейчас болен. Маленькие эстетические сомнения, которые побудили меня не желать указания цены партитуры на титульном листе (где напечатано стихотворение), должны, конечно, уступить место Вашей точке зрения и деловой практике: хотя мне и жаль. То, что небольшое произведение выйдет в свет осенью — моё собственное желание; я бы и сам хотел получить несколько экземпляров пораньше. То, что сочинение в моём исполнении может вызвать некоторый интерес у музыкантов, в самом деле не совсем невероятно; меня, собственно, поражает, как сильно именно музыканты занимаются моими сочинениями — кажется, что я для них своего рода доверенное лицо. Это относится отнюдь не только к вагнерианским музыкантам; мне, например, совсем недавно писали, что доктор И. Брамс живо интересуется моими книгами. Найти десять капельмейстеров, которые включили бы гимн в свою зимнюю программу, не должно быть трудно. — С этой стороны я не совсем знаю, как помочь себе в вопросе о голосах (печать или рукопись); поскольку я во всех смыслах считаю себя человеком «будущего», я, собственно, не сомневаюсь, что однажды мной будут интересоваться достаточно, чтобы не упустить и это «исповедание веры» в звуках. Прежде всего, я, конечно, хотел бы, чтобы оно сначала зарекомендовало себя в нескольких исполнениях как пригодное для пения, звучное и выразительное. Прошу прощения, что говорю об этих вещах. —

Циркуляр кажется мне чрезвычайно удачной мыслью. Также я особенно благодарю Вас за то, что Вы избежали в нём всякой рекламы: это свидетельствует о лучшем вкусе.

У К. Г. Наумана печатается небольшая моя работа, «полемическое сочинение», которое, возможно, имеет некоторую актуальность. На обложке (задней стороне) перечисляется весь ряд принадлежащих Вам сочинений с особым выделением новых изданий и их изменений. Признаюсь, что я желаю успеха этому сочинению, особенно в отношении всей моей прежней литературы (которая усердно в нём цитируется), — и что оно почти возникло из потребности помочь распространению этой старой литературы, а тем самым и Вам, глубокоуважаемый господин издатель.

С сердечным приветом, Ваш Н.

Передайте, пожалуйста, привет господину Рудхардту от меня (ранее проф. в Женеве); мне здесь говорят, что он занимает хорошую преподавательскую должность в Лейпцигской консерватории. Это меня радует. Я познакомился с ним здесь. И покажите ему мой гимн! —

Пошлите же циркуляр также Данрейтеру (Нью-Йорк), который, кажется, очень интересуется моей литературой. Равным образом датчанину доктору Георгу Брандесу, одному из самых «решительных» немецких литераторов; его адрес в «Литературном календаре».

Корректуру титульного листа, пожалуйста, как можно скорее сюда, мне.

Н.

895. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Freitag Nachmittag. <Sils-Maria, 19. August 1887>

Моя дорогая мама,

пишу немедленно: ты сделала мне чудесный подарок, и есть много причин, по которым именно в этот момент я должен особенно поблагодарить тебя за него. В последнее время дела у меня шли не лучшим образом; возможно, я был немного переутомлен; во всяком случае, перемена погоды сильно на меня повлияла (четыре дня грозы, сильный дождь; с тех пор зимний воздух, на ближайших горах снова снег; сегодня утром я гулял с фрейлейн фон Салис в легкую метель; в своей комнате по утрам я сижу за работой при температуре 2—5 градусов). Коробка содержала сплошь хорошие вещи, некоторые из них совершенно неожиданные, например, великолепный новый труд доктора Дойссена (есть ли у тебя его адрес?) об индийской философии (авторитетом в которой для Германии сейчас является Дойссен: так случилось, что я сам сейчас сильно ею занят, поэтому книга пришлась кстати, как редко какая другая дарственная книга). В удовольствии съесть песочный торт мне пока приходится себе отказывать; я переложил его в жестяную коробку. Какао я с большим интересом сравню с двумя сортами, которые пью сам (голландским «ван Хаутен» и швейцарским «Шпрюнгли»): посмотрим, какая нация возьмет приз. Галстуки: соответствуют моим «глубоко прочувствованным» потребностям. Ревень тоже выглядит весьма внушающим доверие: у меня в этом вопросе есть некоторый опыт (что, как известно, при нынешнем устройстве человеческой жизни почти всегда означает «плохой опыт»..). Мне было бы любопытно узнать, сколько он стоит, так как я держу в голове французские, итальянские и швейцарские цены. Рубашка: очень хорошая! Ведь я ношу такие постоянно (ночью нет, но днем — да). Также мне кажется, что рукава разумно короткие (а не как у тех, что я ношу сейчас). Наконец, чулки и перчатки: моя дорогая мама, какое множество хороших вещей! Я забыл упомянуть, как удивили меня шипучие порошки*: как будто ты почувствовала, чего твое старое создание часто желало этим летом.

В остальном мало новостей. Фрейлейн фон Салис просила передать тебе наилучшие пожелания; она все еще кажется мне очень утомленной. Вчера меня навестили мои англичанки в экипаже, я проехал с ними еще полчаса, когда им нужно было возвращаться. В отеле «Малоя», где они все еще останавливаются, сезон в этот раз очень хороший (ок. 300 человек); недавний бал-маскарад принес мисс Финн большой успех (газеты даже пишут об этом); мне хотят представить ее во время моего следующего визита в тех двух костюмах, которые были на ней тогда: сначала в качестве русской придворной дамы, затем русской крестьянки. Говорят, это были самые красивые костюмы на балу. — Чтобы дать представление о посещаемости: 9 августа у отеля в Малое проехало ок. 900 экипажей, из них ок. 500 карет и повозок. Очень по-ниццански, зато наш Зильс сохраняет свой идиллический характер.

Еще раз с самой сердечной благодарностью, моя дорогая добрая мама!

Твое старое создание.

896. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 25. August 1887>

Твое письмо, пришедшее на день позже посылки, застало меня занесенным снегом, в лучшую январскую погоду, в комнате было очень холодно. С тех пор стало лучше; правда, все еще очень свежо (около 4 градусов по утрам), ведь горы стоят словно сахарные головы, но небо чудесно ясное, а воздух сухой. Премного благодарен за торт, у него был тонкий и чистый вкус! Чулки, кажется, мне особенно помогают, они теплые и из хорошей шерсти. Кое-что совсем странное: представь себе, моя дорогая мама, какао на вкус обманчиво напоминает чай, и если бы на нем не было написано, что это такое, я бы ни за что не поверил. Я заказал себе из Швейцарии ветчинную колбасу, вполне неплохая, фунт стоит 12 грошей 8 пфеннигов: такая же у вас цена? — Назначение проф. д-ра Краузе на высшую духовную должность во всем Веймаре, конечно, могло исходить только от высшего руководства, Государственного министерства (Гёте); Г<oethe> несколько раз упоминает его (болезненный, с мягкотелым вкусом в литературе; впрочем, он был одним из самых известных рационалистов того времени, любил брать слова Шиллера в качестве текста для своих проповедей). 1778 год неприкосновенен; ведь речь идет только о дневнике Гёте за этот год. Настоящие веймарцы Краузе: никогда в этом не сомневался. — Моя музыка, партитура для оркестра (не для фортепиано), еще не вышла.

Твой Ф.

897. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Sils-Maria 28. August 1887> Sonntag früh

Глубокоуважаемый господин издатель

наконец-то следует третий (заключительный) трактат — слишком поздно, к моему сожалению, я был много болен всё последнее время. Однако теперь три трактата составляют хорошее целое

К рукописи трактата (которая начинается с конца, NB!) приложены ещё два листа, во-первых, это

  1. Оглавление, которое следует вставить в конце книги или перед тремя трактатами

  2. дополнение к предисловию.

И на этом — удачи! И бодро вперёд!

С глубочайшим уважением, Ваш
Ницше

898. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).

Sils-Maria 29. August 1887

Глубокоуважаемый господин издатель,

полностью согласен с Вашим вариантом названия. Я убедился, что стихотворение на титульном листе смотрится совершенно отвратительно.

И позвольте, пожалуйста, как для моего имени, так и для слов «Гимн жизни» использовать более простые и строгие шрифты (ради всего святого, ничего такого вычурного и в стиле рококо, как на прилагаемом образце!)

Преданный Вам,
проф. д-р Ницше

899. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, den 30. August 1887.

Дорогой друг,

думаю, теперь и в Венеции стало прохладнее. Нас даже уже засыпало снегом, и самым основательным образом: прекраснейший январь на два дня, — с тех пор снова стало человечнее, но свежо, даже терпко. Глупое здоровье снова пошатнулось, едва пережив самый злой приступ лета. Тем не менее, есть своего рода удовлетворение и прогресс во всех отношениях; прежде всего — добрая воля больше не переживать ничего нового, строже избегать «внешнего» и делать то, ради чего ты здесь. Зильс закреплен, я хотел бы, чтобы у меня уже была такая же зимняя пещера, как эта летняя. На эту осень, дорогой друг, я все еще намерен попробовать Венецию: но сначала я должен получить от Вас на это серьезное разрешение. А именно: если бы Вы сейчас предпочли глубокое уединение и сочли бы его более гигиеничным в каком-либо смысле, то достаточно малейшего намека, дорогой старый друг: я бы не щадил самого себя, если бы не щадил Вас в таких важных делах. В противном случае у меня есть несколько просьб; но, как я уже сказал, пока все под вопросом.

Что касается титульного листа: я полон досады. В конце концов я предоставил Фричу всё устроить по его усмотрению или по старой деловой рутине; только я больше не хочу ничего об этом слышать. Он не хочет отказываться от указания цены, ему не нравится стихотворение на титульном листе и т. д. Наконец, он прислал мне чудовищный пробный оттиск, который я со своей стороны с негодованием отверг. Habeat sibi! — То, что Вашего имени не должно быть на титульном листе, искренне привело меня в замешательство (— я не знаю, что во мне воспротивилось, я почти верю, что тщеславие…). В конце концов я убедил себя, что этот отказ с Вашей стороны действительно может привести к хорошему исходу, что он мудр, короче говоря, что мы оба должны рассчитывать на долгосрочную перспективу и можем быть безразличны к сиюминутным точкам зрения. Так что же, я должен предстать перед господами музыкантами, украшенный такими прекрасными чужими перьями!! Habeat sibi! — Я сделал еще самую последнюю ревизию всей гравировки относительно внесенных Вами исправлений: и действительно, я нашел еще две совсем грубые ошибки. (Перепутаны два такта)

Надеюсь, у Наумана не произошло ничего неприятного: мы еще не продвинулись дальше 3-го листа. Однако на пустой промежуточной странице в конце первого трактата я вставил еще одно примечание (для ученых).

Здесь люди уезжают, отели пустеют. Птица сидит в одиночестве. Но на днях сюда должен прибыть мой старый друг доктор Дойссен из Берлинского университета с женой (по пути в Грецию: мило! через Зильс в Грецию!) он только что прислал мне великолепный труд, «Сутры Веданты», первый европейский перевод чрезвычайно проницательного и утонченного комментария к философии Веданты (санскрит).

Никакой музыки! Ни одного звука хорошей музыки!…

Преданный и благодарный
Ваш Н.

900. An Franz Overbeck in Dresden

Sils-Maria d. 30. Aug. 1887

Дорогой друг,

лето прошло; нас даже успело основательно засыпать снегом на два дня, с тех пор погода остается свежей и суровой, но такой ясной, какой только может желать мое здоровье. Холод — не мой враг.

Я часто думал о тебе, особенно в связи с твоим пребыванием в Дрездене, которое, должно быть, было для тебя нелегким. Теперь я представляю тебя на какой-нибудь высоте, в настроении бабьего лета и, надеюсь, уже немного оправившимся от болезненных впечатлений. Твое имя этим летом здесь, наверху, я называл довольно часто: ведь Базель в этот раз дольше всего был доминирующим элементом в Зильсе — а именно, представленным числом в 36 человек. Доброе базельское общество относилось ко мне совершенно неизменно, очень сердечно и очень уважительно, именно так, как я только мог желать. Имена Ла Рош, Рихинер, Аллиот и т. д. поначалу немного кружились у меня в голове; постепенно память вернулась; особенно Салли Фишер из прежних времен прекрасно проявляла себя всё это время (вместе со своими детьми Манфредом, Элеонорой, Сигизмундом: мы посмеялись над этими красивыми именами!). Равно как и сестра Андреаса Хойслера. — Затем здесь находится фрейлейн фон Салис, теперь доктор истории (диссертация о матери Генриха IV, Агнессе Пуатье), которая живет вместе со своей подругой, дочерью профессора Кима. Наконец, у меня было случайное общение с профессором математики из Эрлангена, Нётером, умным евреем, и старым имперским судьей доктором Винером из Лейпцига вместе с семьей (возможно, тоже немного евреем?). Мои англо-русские дамы навещали меня из Малои; мисс Финн на тамошнем маскараде заняла первое место по успеху (даже по сообщениям газет), а именно в качестве русской придворной дамы и русской крестьянки. Со старой Мансуровой, однако, дела обстоят не лучшим образом. Однажды меня поприветствовал старый господин, седовласый, со своей женой: профессор Класс («философ») из Эрлангена: его первыми словами были: «о, как любезно вы меня экзаменовали! этого я никогда не забуду» (— он в свое время защищался в Базеле). Я еще не поблагодарил тебя за место из Тертуллиана, я воспользовался твоими adnotat<iones> к нему самым непредвзятым образом (а именно в статье, которая сейчас печатается): часть этого места нашлась еще до получения твоего письма в моих рукописях, но мне было очень ценно получить его in extenso. — Результат продажи «По ту сторону» очень поучителен; в этот раз сделано всё, что может сделать ловкий и популярный книготорговец в пользу книги; также было роздано около 60 бесплатных экземпляров в журналы и редакции. Несмотря на это, плачевный итог счета, буквально 106 экземпляров продано, всё остальное возвращено. Едва ли пятая часть редакций обратила внимание на присылку; нет недостатка в решительных признаках неприязни и принципиального отказа ко всему, что исходит от меня. И ни одной стоящей рецензии! Впрочем, я говорю это не с досадой: ибо я понимаю это. Тем не менее, мне казалось необходимым с моей стороны немного помочь этому «По ту сторону»: и поэтому я использовал пару хороших недель, чтобы в форме 3 статей еще раз уточнить проблему упомянутой книги. Этим я считаю, что покончил с попытками сделать мою прежнюю литературу «понятной»: и отныне в течение ряда лет ничего больше не будет напечатано, — я должен абсолютно замкнуться в себе и ждать, пока не смогу стряхнуть последний плод со своего дерева. Никаких переживаний; ничего извне; ничего нового — вот мои единственные желания на долгое время. — 20 сентября я хочу уехать в Венецию, чтобы снова придать мужества нашему славному К<ёзелицу>; у него было тяжелое лето.

Г-жа Тэн написала мне из Женевы очень любезно. (В отношении него Роде этой весной совершил грубость по отношению ко мне, ну, я основательно ему ответил, возможно, слишком основательно. Впоследствии мне стало жаль.) Мне пишут, что доктор Иоганнес Брамс живо интересуется моими сочинениями — (Здоровье при строжайшей диете лучше, чем в другие годы: в сумме 6 очень плохих дней приступов.) Я держусь за Зильс. У меня больше нет времени пробовать — и больше нет веры в то, что найду.. Поклонись от меня наилучшим образом твоей дорогой жене и ее родственникам! (Известие о мюнхенской свадьбе пришло ко мне в виде красивой открытки) Преданно и благодарно твой

Н.

900a. An Theodor Fritsch in Leipzig

< zwischen August und September 1887>

— В партитуре гимна, который я позволил себе переслать, необходимо исправить последнюю ноту кларнета (на стр. 11): она должна называться до-диез, а не до.

Проф. Ницше.

901. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 4. September 1887>

Наши письма разминулись, моя дорогая мама, премного благодарю! Профессор Дойссен с супругой (немного еврейского происхождения) покинули меня вчера вечером, после очень теплого времяпрепровождения в течение полутора дней; к сожалению, я при этом был нездоров. У нас плохая погода: она на меня сильно действует. — А теперь просьба, которая требует немедленного исполнения: иначе в ней нет никакого смысла. Мне нужна очень нежная ветчинная колбаса; то, что я достал себе из Швейцарии, жирное и мне не подходит. Не могла бы ты мне безотлагательно что-нибудь прислать? Это настоящий вопрос здоровья. Так, чтобы я получил это самое позднее в пятницу? (Сегодня воскресенье) Пожалуйста, моя дорогая мама, сделай всё возможное и прости, что я доставляю тебе такие хлопоты своими желаниями! Другим летом мы устроим это лучше.

Твой Ф.

(Ничего, кроме колбасы!)

902. An Emily Fynn in Menaggio

Sils-Maria, den 7. September 1887.

Глубокоуважаемая сударыня!

В конечном счете мне приходится, к моему глубочайшему сожалению, прощаться с Вами письменно. О, это глупое здоровье! Я думал быть у Вас вчера — невыносимое недомогание заставило меня остаться здесь; сегодня дела идут не лучше. Возможно, дни, которые я провел со старым другом (профессором Берлинского университета доктором Дойссеном, первым знатоком индийской философии), требуют запоздалого покаяния. Визит был коротким (он приехал со своей маленькой, совсем маленькой женой только в пятницу после обеда и имел в моем распоряжении всего два дня), очень приятным, очень утомительным, тем более что погода давила на нас тяжестью и холодом. Теперь он снова уехал, хочет еще посетить Женеву, Геную, Рим, Неаполь, Бриндизи, Афины, Ионические острова, Константинополь — всё за один раз, так как в конце октября он должен быть снова в Берлине к началу зимних лекций. В энергии такого путешествия есть нечто достойное уважения; но меня и на четверке лошадей не заставили бы повторить это. Весной, во время коротких пасхальных каникул, он был с женой на самом северном краю Швеции, чтобы отпраздновать годовщину помолвки с ней в том самом месте, где эта помолвка состоялась. Вот как путешествуют сегодня по миру: земля стала такой маленькой!…

Я говорю это, чтобы убедить Вас, что Женева от Ниццы и от Зильса совсем не так далеко, и что в этот раз я прощаюсь с надеждой, что в Женеве я смогу приветствовать Вас лично, глубокоуважаемая сударыня, так же как и Вашу замечательную подругу, возможно, уже следующей весной. На саму зиму мне, вероятно, придется отправиться в Рим (чтобы еще раз увидеть мою старую страдающую подругу М<альвиду> фон Мейзенбуг); в сущности, не должна ли и Ваша фрейлейн дочь направить свой корабль в вечный город? На этот приятный случай я позволяю себе записать адрес Мейзенбуг: Via Polveriera 6, в непосредственной близости от Колизея. У нее можно встретить госпожу Мингетти и других представителей хорошего римского и иностранного общества.

С самыми сердечными пожеланиями здоровья Вам и всем Вашим, и, по правде говоря, завидуя Вам по поводу возвращения домой — ведь у Вас есть дом, в то время как я всего лишь беспокойная птица —

остаюсь преданным Вам
старый
Зильсский пещерный медведь.
(раздраженный и ворчливый оттого, что
сегодня не может выбраться из пещеры).

903. An Heinrich Köselitz in Venedig

Donnerstag <Sils-Maria, 8. September 1887>

Дорогой друг,

я хотел бы, чтобы со мной было иначе: примерно месяц дела идут опять скверно; неужели солнечное затмение, Фальб и другие «потусторонние» силы и на меня воздействуют, взвинчивая внутренние гуморы?… Я так бесполезно опечален, — бесполезно, ибо в общем и целом у меня скорее были бы причины быть в хорошем настроении. Погода этой осенью ужасная; много дней с плотным облачным покровом (это производит на меня впечатление вплоть до тошноты). Произошло забавное прерывание, забавное и трогательное: мой старый друг Дойссен из Берлина появился (по пути в Грецию, с любезным крюком через Зильс: он хочет к концу октября снова быть в Берлине), привез свою маленькую жену и свое только что состоявшееся назначение профессором философии. Случай исторический: Дойссен — первый признанный шопенгауэрианец, получивший профессорскую кафедру в Германии, — и то, что Д<ойссен> является самым пылким почитателем и провозвестником Шопенгауэра (кстати, в высшей степени рациональным), в этом виноват я: он в самых выразительных словах поблагодарил меня за главный поворот в своей жизни. Более существенным (в моих глазах) является то, что он первый европеец, который изнутри приблизился к индийской философии: он привез мне свои только что вышедшие «Сутры Веданты», книгу утонченной схоластики индийской мысли, в которой проницательность новейших европейских систем (кантианство, атомистика, нигилизм и т. д.) предвосхищена на несколько тысячелетий раньше (там есть страницы, которые звучат как «Критика чистого разума», и не только звучат). Труд напечатан на средства Берлинской академии наук; я полагаю, что Д<ойссен> скоро станет ее членом. Он — специалист; даже самые сведущие в языках англичане (как Макс Мюллер), преследующие схожие цели, по сравнению с Д<ойссеном> — ослы, потому что им «не хватает веры», выхода из шопенгауэровско-кантианских предпосылок. Он сейчас переводит Упанишады: какую радость испытал бы Шопенг<ауэр>!!

— Фрич молчит; откровенно говоря, общение с ним в течение года стоило мне неимоверных усилий. Это хороший малый; но я буду благословлять тот день, когда все благополучно закончится и нам больше не о чем будет договариваться. — Науман прислал вчера 4-й, сегодня (четверг) пятый лист. — Я прилагаю письмо господина Авенариуса: я в общем хочу сказать да, принимая во внимание, что хорошо иметь место, где можно изредка высказываться в области aestheticis. При этом я на самом деле думал больше о Вас, чем о себе. А<венариус> — поэт (31 год), но еще больше — очень деятельный посредник с книготорговым инстинктом. (Готфрид Келлер говорил мне о нем; он издает антологии самой современной лирики Германии и добивается при этом нескольких изданий и т. д.)

Фрейлейн фон Салис, которая провела это лето здесь со своей подругой Ким (кстати, как доктор истории), вчера уехала. Идет дождь. Может быть, и у Вас? — Я перебираю в уме все скверные осени, которые уже пережил; до сих пор все еще остается в силе венецианский план. Женщина на Гранд-канале мне не нравится; у меня были бы неприятности. Сколько хотят в casa Petrarca за месяц? Или у Вас есть что-то новое на примете? — Странно! Римский план тем временем пошатнулся, причем таким образом, какого я меньше всего ожидал. Может быть, Рим — это бессмыслица для меня? И я снова поползу в Ниццу? О, если бы Вы жили в Н<ицце>! Клянусь Вам, лето там подействовало бы на Вас несравненно лучше, чем в В<енеции> (морской ветер с 10 утра до 5; затем более прохладное течение с гор, вечером выходят в пальто).

С сердечнейшим приветом
Ваш
Ницше.

Я еще совсем не поблагодарил Вас за Ваше хорошее письмо!! (Отъезд отсюда ок. 20 сент.)

Средняя температура сентября в Зильсе 7 градусов Цельсия. Прыжок в Венецию, пожалуй, слишком велик? —

904. An Ferdinand Avenarius in Dresden

Sils-Maria, Oberengadin, den 10. Sept. 1887.

Глубокоуважаемый господин,

на подобные запросы я до сих пор всегда отвечал отказом; ничего не поделаешь, я должен поступить так и в данном случае. Не усматривайте в этом ничего, кроме одной из пяти тысяч необходимостей, которые заключает в себе решительная воля к независимости. Нельзя безнаказанно быть «философом». Я решительно не хочу иметь ничего общего с журналами: они всегда являются партийными изданиями, и больше всего тогда, когда сами не считают себя таковыми. — Я, к моему сожалению, не могу здесь отступить ни от своей старой теории, ни от старой практики. —

Впрочем, мне довольно любезно возвращают эту мою «воздержанность»: меня тоже «воздерживаются» замечать. По крайней мере, так говорит мне Готфрид Келлер (— «мое имя в немецких журналах практически больше не существует».) Я сам, сорока трех лет от роду, к тому же, боюсь, отец пятнадцати книг (может быть, я сбился со счета? цифра ужасна) — я сам не прочел о себе еще и трех строк, которые меня бы заинтересовали, чего-то основательного, умного, психологически вменяемого. Это как факт, а не как «вздох».

Чтобы, с другой стороны, доказать Вам мое участие, я обращаю Ваше внимание, глубокоуважаемый господин Лирикус, на двух людей, чей тонкий и свободный вкус in artibus уже неоднократно вызывал мое восхищение (— и которые умеют писать). Один из них — немецкий музыкант, который уже много лет живет в Венеции в пренебрежительном уединении; изредка, очень изредка он берется за перо (под каким-нибудь псевдонимом, например, Томас Мюрнер): следовало бы соблазнить его записать свои суждения о музыке и музыкантах. Я даю Вам точный адрес с просьбой о конфиденциальности: Синьор Энрико Кёзелиц

San Canciano calle nuova 5256
Venezia

Другой — швейцарец, профессор Шпиттелер (Нёввиль в кантоне Берн); возможно, он известен Вам под именем «Тандем»? Несколько эстетических очерков его, с которыми я случайно познакомился (например, «Критика современного оркестра» с культурно-исторической точки зрения, а также о театре, «театральном», как о проблеме), выдали мне необычайно вдумчивый и тонкий ум (— он пишет забавно: какое счастье!)

Оба этих человека пусть будут Вам горячо рекомендованы; их сотрудничество сделало бы честь самому избалованному журналу. Вспомните, пожалуйста, об этих obscurorum virorum, если Вы когда-нибудь снова вспомните обо мне…

С глубоким уважением
Ваш
преданнейший проф. д-р Ницше
vir obscurissimus.

Ad vocem музыка: остерегайтесь всех вагнерианцев, которые пишут, — это скот или болото.

905. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 11. September 1887>

Дорогой друг, снова два скверных дня. Программа теперь такова: я намерен выехать в понедельник 19-го и прибыть в Венецию во вторник 20-го вечером. Печатный лист, который Науманн отправит Вам в пятницу 16-го вечером, может быть, таким образом, предположительно, вручен мне Вами уже по прибытии; только что (в воскресенье) пришел 6-й лист (в котором заканчивается второе рассуждение; не хватает еще третьего рассуждения и предисловия)… Я вижу перед собой свою печальную и выродившуюся шляпу; при этом мне приходит на ум, что в прошлом году во время посещения Вашей милой пещеры я нашел свою старую шляпу, единственную, которую я до сих пор носил с удовольствием (она была выбрана Вами). Она показалась мне еще подлежащей реставрации (постирать, возможно, покрасить); если предположить, что она еще существует, могу ли я попросить Ваших людей отнести ее шляпнику? (Я договаривался об этом со шляпником на маленькой площади, где стоит Гольдони, перед мостом Риальто: он обещал быть готовым через 4 дня. Но в конце концов я уехал раньше)

Здесь стало пусто. — Как же я радуюсь тому, что снова Вас поприветствую! И мы будем крепко держаться и держаться за руки: в сущности, у нас всё хорошо, так, как оно есть…

Преданный Вам друг Н.

906. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Sils-Maria, Sonntag. <11. September 1887>

Моя дорогая мама, к сожалению, мне снова стало совсем плохо; сильный приступ. Иначе я бы уже раньше поблагодарил за восхитительную колбасу, которая действительно, как и было заказано, прибыла в пятницу после обеда. Это как раз для Твоего старого создания! В другие годы я оставлю эксперименты с ветчиной и сразу же сделаю твердый заказ на такую ветчину. — Я был прилежен этим летом, но теперь должен расплачиваться; я часто в последние недели снова терял всякое мужество, дело с этой глупой головой не двигается с места; в общем и целом, моя жизнь — это мучение животных. При таких обстоятельствах, вероятно, ничего не выйдет с Римом; 20 сентября я хочу поехать в Венецию (адрес: Venezia (Italia) poste restante, имя Ницше написано очень четко). Позже, вероятно, старая Ницца. Здесь пусто, довольно сильно с середины августа.

С сердечной любовью, благодарный Твой Ф.

907. An Josef Viktor Widmann in Bern

Sils-Maria Ober-Engadin den 11. September 1887.

Глубокоуважаемый господин доктор,

передайте, пожалуйста, мое нижайшее почтение вашему выдающемуся сотруднику, господину профессору Шпиттелеру: я только что прочел его критику современного оркестра. Сколько знаний, такта, независимости суждений! Какой эспри, какое прекрасное артистическое настроение! И что касается его вкуса in rebus musicis et musicantibus, то лишь одно мешает мне его хвалить — то, что это как раз мой вкус. При этом мне вспомнились кое-какие его глубокомысленные вещи, которые я читал прошлой зимой в Ницце (о театре и театральности): к сожалению, без начала и конца, в совершенно случайно попавшихся отдельных воскресных приложениях «Бунда». Нельзя ли прочесть подобную эстетику названного господина собранной воедино? Это составило бы книгу редкого достоинства, созданную для немногих гурманов и людей не от мира сего, в которых как раз сегодня нет недостатка. Pulchrum est paucorum hominum. —

Вчера, получив от дрезденского господина Авенариуса любезное приглашение в новый, только основываемый художественный журнал, я взял на себя смелость предложить вместо себя господина Шпиттелера. —

С искренним приветом
Ваш покорнейший
Д-р Ницше

Nota bene, я еще совсем не поблагодарил вас за любезное расположение, выраженное в вашем письме! Если вы придаете хоть какое-то значение тому, чтобы иметь «Рождение трагедии» во втором издании (оно содержит курьез — попытку критики этого сочинения, написанную мной самим), то достаточно двух слов издателю, господину Э. В. Фричу, Лейпциг, Кёнигштрассе, 6 (он осведомлен о вашем интересе к моим книгам; полагаю, что «Веселая наука» благополучно попала к вам в руки?)

И последнее: не были бы вы, быть может, склонны передать господину Иоганнесу Брамсу кое-что от моего имени, если он еще находится поблизости от вас? (а именно, мое сочинение, которое как раз сейчас выходит: «Гимн жизни», для хора и оркестра)… Дело в том, что я, как сказал Вагнер, собственно, «несостоявшийся музыкант» (он сам же — «несостоявшийся филолог» —).

908. An Meta von Salis auf Marschlins

Sils-Maria, Mittwoch.<14. September 1887>

Глубокоуважаемая барышня,

мне кажется, что Вы выбрали с Маршлинсом лучшую долю: ибо Зильс больше ничего не стоит с тех пор, как Вы уехали. Сентябрь носит коварный характер: холодный, снежный, дождливый, угрюмый — я сам каждую минуту болен. Если бы дело обстояло иначе, Вы бы давно получили от меня весточку, а также слова сердечнейшей благодарности: ведь Вы отважно помогли мне «переправиться» через тяжелое и, по сути, терзаемое противными ветрами рабочее лето. — То, что Вы читаете мои книги, теперь вызывает у меня меньше беспокойства: кратчайшее личное общение действует как корректив к чисто книжному знакомству с чужими мнениями и ценностями; — видишь, слышишь и заключаешь после этого спокойнее (всё напечатанное само по себе еще двусмысленно и вносит беспокойство). — Только что прибыла жалкая статья, написанная спиритом и вагнерианцем, под заглавием: «Вариации на темы Фридриха Ницше». Также пришло приглашение от дрезденского Авенариуса дать свое имя для основания нового журнала об искусстве: разумеется, сказал нет. — Мальвида молчит. — 20 сентября я хочу уехать в Венецию; осень обещает быть холодной: в отношении города на лагунах для меня это надежда. — Недавно, в один основательно дождливый день, завязался приятный, весьма принципиальный разговор, в котором роли были мило распределены: прусский ландрат, медик из Гисена, юрист из Гейдельберга (тайный советник Гирке) и я (в качестве философа). — Моя печать дошла до последней трети; книга будет называться «К генеалогии морали. Полемическое сочинение». Этим теперь намечено всё существенное, что может послужить для предварительной ориентации во мне: от предисловия к «Рождению трагедии» до предисловия к последней названной книге — это дает своего рода «историю развития». Впрочем, нет ничего отвратительнее, чем необходимость комментировать самого себя; но при полной безнадежности того, что кто-либо другой мог бы взять на себя это дело, я стиснул зубы и сделал хорошую мину, надеюсь, также и «хорошую игру». Работа целого года! (включая пятую книгу «Веселой науки», которую я особенно рекомендую). — Моя глубокоуважаемая барышня, сохраните это лето в доброй памяти, — я тоже так сделаю.

Покорнейше рекомендуя себя Вашей достопочтенной подруге, остаюсь Ваш

преданнейший слуга
Д-р Фридрих Ницше.

NB. Но не следует говорить: «Маршлинс близ Игиса», а «Игис близ Маршлинса» — или, вернее, вообще не следует говорить «Игис»… Я забыл засвидетельствовать свое почтение Вашей уважаемой матушке.

909. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Sils-Maria, 15. September 1887>

Достопочтенный господин издатель, сим уведомляю, что отныне мой адрес — Венеция: а именно

Venezia (Italia)
poste restante

За «Вариации» того спиритического господина премного благодарю, принимая во внимание добрую волю: однако сомневаюсь, что они способствуют прояснению моих мыслей.

— Вы уверены, что г-н д-р Видман (редакция «Bund» в Берне) получил экземпляр «Вес<ёлой> наук<и>»? Он писал мне около 2 месяцев назад и ничего об этом не упомянул, зато выразил чрезвычайное уважение к «Рождению траг<едии>» (у него еще нет её второго издания)

Готовы ли уже экземпляры партитуры Гимна?

— С покорнейшим приветом

Д-р Ницше.

Мои поздравления со 2-м изданием Вагнера!

910. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Sils-Maria, 15. September 1887>

Достопочтенный господин издатель,

ещё одно слово из Зильс-Марии! Только что доктор Видман (бернская газета «Bund»), которого я специально об этом спросил, сообщает мне: что он, в самом деле, три месяца напрасно ждал «Весёлую науку». Это прискорбно: что же случилось? Прошлым летом доктор Видман опубликовал пространное, весьма умное эссе о моем сочинении «По ту сторону добра и зла»; до того момента он был мне неизвестен. Тем временем он выразил мне свою глубокую привязанность к определённым мыслям из «Рождения трагедии»; больше, по-видимому, он ничего из моих трудов не знает. Полагаю, вы поступили бы хорошо, предоставив ему все мои книги с целью написания подробного обзора; его газета, самая распространённая швейцарская газета, встречается повсюду на земле, где есть швейцарцы (— а я, как человек, который почти 19 лет прожил преимущественно в Швейцарии и 10 лет работал в швейцарском высшем учебном заведении, разумеется, очень известен среди швейцарцев).

В своей открытке сегодня утром я сообщил вам, что мой адрес отныне — Venezia (Italia), poste restante.

Вы всё ещё должны мне адрес господина Ганса фон Бюлова.

С сердечным приветом
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше

Равным образом один доцент Берлинского университета работает над общим обзором моих книг: как сообщает мне оттуда мой друг проф. Дойссен.

911. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, Donnerstag. <15. September 1887>

Дорогой друг,

то, что у Вас сложилось столь хорошее впечатление о двух первых трактатах, делает меня счастливым. Теперь выходит третий: в несколько ином ключе, в ином темпе (больше «финала» и рондо) и, пожалуй, задуманный еще более дерзко. Но самое сильное — это «Предисловие»: по крайней мере, в нем важнейшая проблема, которая меня занимает, находит свое кратчайшее выражение. —

Что касается Венеции, то давайте оставим все как было условлено в моей последней отправленной открытке, — а именно, что я прибуду в следующий вторник вечером, поездом, как обычно. Здесь я слишком мерзну, едва могу писать: осень значительно холоднее, чем в другие годы (и пасмурнее, дождливее: что обостряет ощущение холода). Я колебался, признаться, между Венецией и — Лейпцигом: последний — для ученых целей, ибо мне еще многое предстоит узнать, спросить, прочесть относительно главной задачи моей жизни, которую теперь нужно завершить. Но из этого вышла бы не «осень», а целая зима в Германии: и, все взвесив, мое здоровье настоятельно отговаривает меня в этом году от такого опасного эксперимента. Таким образом, все сводится к Венеции и Ницце: — и, судя по внутреннему состоянию, мне сейчас глубокая изоляция наедине с самим собой нужна еще более настоятельно, чем изучение и расспросы по поводу 5000 отдельных проблем.

Ибо в главном дело обстоит хорошо: тон этих трактатов выдаст Вам, что мне есть что сказать больше, чем в них написано.

Вопрос с жильем, дорогой друг, полностью на Ваше усмотрение. Близость площади Сан-Марко мне приятна. В пользу casa Fumagalli скажу, что она мне уже не чужая, что дамы там порядочные и с хорошими манерами, что все чисто; но свет был плох для моих глаз, да и потолок слишком низкий. Мне необходим шезлонг (чтобы вытянуться): я так часто болею. — Что касается отелей, то я полагаю, что можно, например, в отеле на площади Сан-Марко (не называется ли он Albergo San Marco?) снять отдельные комнаты (с видом на площадь), не будучи при этом обязанным пользоваться остальными атрибутами отельной жизни (table d’hôte и т. д.)? Ибо полностью независимая диета для меня — главное. (Я здесь все лето ел один, и всегда одно и то же.) Никакого вина, никаких спиртных напитков: столько я «постиг».

Кровать должна быть защищена москитной сеткой (как и в Ницце).

Допустим, если мое здоровье не воспротивится, я бы охотно планировал пребывание на 2 месяца: прибывать в Ниццу до 20 ноября нет особого смысла (— опыт прошлого года!)

Хорошие люди, к которым я могу испытывать доверие, — это главное в вопросе с жильем; равно как и чистоплотность. Ибо я в отношении людей и вещей (особенно кроватей) обладаю неприятной и почти нервной склонностью к отвращению: что очень осложнило мне жизнь.

В остальном я люблю Ваш город, дорогой друг, хотя у него есть большой недостаток — он воняет. Ниццу, как город и «человека», я не люблю; но она не воняет. Сложность «сердца»!

Надеюсь, телеграммы больше не понадобятся. Я хочу уведомить К. Г. Наумана, чтобы он теперь присылал корректуры для меня также в Венецию.

С сердечной радостью о близости нашей встречи

Ваш Н.

912. An Josef Viktor Widmann in Bern

Sils, den 15. September 1887.

Беда! Одновременно с моим первым письмом пришло сообщение от издателя, что «Весёлая наука» была отправлена вам. Что могло случиться? Я немедленно потребовал объяснений от господина Э. В. Фрича. —

— Что касается произведений господина Шпиттелера: право, не стоит предлагать такие тонкие вещи нынешним немцам. Дела с «немецким духом» обстоят не лучшим образом. Я сам, когда мне приходится ехать в Германию, всякий раз сначала придаю себе смелости каким-нибудь естественнонаучным изречением, например:

Чтоб носорога повидать,

Решил я в Германию скакать.

С глубочайшим почтением
Ваш
N. philosophus
(extramundanus, несмотря ни на что,
но также «tandem aliquando»… )

NB. Гимн ещё не готов к отправке. Мой адрес теперь: Venezia, ferma in posta.

913. An Franz Overbeck in Basel

Sils-Maria den 17. Sept. 1887.

Дорогой друг,

вероятно, ты уже в Базеле и, возможно, снова погружен в глубокую работу: она станет для тебя своего рода благодеянием после крайне болезненных и неотвратимых впечатлений, которые принесло тебе это лето. Я прочел твой отчет с глубоким сочувствием. —

Это мое последнее письмо, которое я должен написать, еще находясь в Зильсе: ибо я стою перед отъездом. Мой следующий адрес, как я уже недавно предполагал, — Venezia, ferma in posta. Мне было бы ценно получить деньги, примерно половину, в итальянских бумажных купюрах (другую половину — во французских). Мои намерения состоят в том, чтобы остаться в Венеции примерно на два месяца (и однажды рассмотреть тамошнюю библиотеку с точки зрения моих интересов); затем же снова отправиться в Ниццу. Вопрос «климата, яркости неба, сухости воздуха» в этом году снова запечатлелся в моей памяти своей кардинальной важностью. Я не смею* пока экспериментировать с новым. (Позже, по причинам моих занятий, пребывание в крупном университете для меня неизбежно: вероятно, Лейпциг, где для меня, безусловно, больше всего понимания: я рад, говоря между нами, что грубиян Роде там не закрепился… )

Мое здоровье со времени моего последнего письма снова в решительном упадке; ранняя осень (с преимущественно плохой погодой) сильно меня подкосила.

Случай с выигрышной облигацией кажется мне тем более удобным, что в скором времени (примерно через полтора месяца) мне понадобится большая сумма денег, чтобы оплатить мою последнюю печать. С этим сочинением (содержащим три трактата), кстати, моя подготовительная деятельность подошла к завершению: в сущности, именно так, как это было в программе моей жизни, еще в нужное время, несмотря на ужаснейшие препятствия и встречные ветры: но для храброго все оборачивается к выгоде. (Единственный на данный момент читатель упомянутого сочинения «К генеалогии морали. Полемическое сочинение», мой старый постоянный корректор Кёзелиц, как выдает прилагаемое письмо, получил от него большое удовольствие)

Профессор Дойссен навестил меня здесь со своей маленькой женой; трогательная привязанность ко мне. Он едет в Грецию; крюк через Зильс был очень любезен. Кстати, первый профессор философии шопенгауэровского толка: и то, что он пришел к такому образу мыслей, в этом виноват я и никто другой. Va benissimo! Я придаю больше значения тому, что Д<ойссен> — первый европейский ученый, который понимает индийскую философию изнутри, на основе кантовско-шопенгауэровской подготовки (— он «верит» в нее: для этого, в самом деле, Шоп<енгауэр> был необходимой промежуточной ступенью). Он привез мне самое утонченное произведение той философии, Sûtras des Vedânta, переведенное им и напечатанное на средства Академии. —

Знаешь ли ты что-нибудь личное о господине Карле Шпиттелере, который сейчас живет в Базеле (Gartenstr. 74: он писал мне)? Несомненно, выдающийся тонкий и интересный ум; как он вообще? Он кажется озлобленным; пьет ли он? — Я ищу издателя для его эстетических трактатов (…найти издателя для себя самого я оставил попытки… ) Поручая себя тебе и твоей дорогой жене самым настоятельным образом

Твой друг
Н.

914. An Carl Spitteler in Basel

Sils-Maria, den 17. Sept. 1887.

Глубокоуважаемый господин,

лишь одно слово в ответ на Ваши строки: ибо я собираюсь в отъезд. — Вы рассуждаете о редакциях и издателях, — это меня немного настраивает против Вас, прошу прощения! Если человек создает вещи, которые не являются кормом для толпы, то не стоит ставить в вину поставщикам толпы, если они остаются к ним равнодушными. Поэтому им не нужно быть ни «трусливыми», ни «продажными». —

Нужно относиться к такому положению как к своей привилегии (я говорю по опыту) и, несмотря ни на что, зубами держаться за свою бодрость. Кто сегодня «смеется лучше всех», тот смеется также — поверьте мне! — последним…

И — не следует пытаться жить за счет своих талантов (при условии, конечно, что это исключительные таланты)

С выражением
моего сердечного участия
Ваш покорный слуга
Проф. д-р Ницше

NB. Я хочу предпринять несколько попыток найти издателя для Вашей «Эстетики».

(Маленькая литературная гусыня Друскович — кто угодно, только не моя «ученица»…)

915. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)

Cadenabbia <20. September 1887>

завтра вечером — Ницше

916. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Sommer/Herbst 1887>

Сердечно благодарю. Фриц

917. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 24 September 1887>

Моя дорогая мама, лишь слово для успокоения. 3 дня в Венеции; город совершенно здоров; болезнь на юге Италии, а именно на Сицилии. Италия — это нечто очень длинное; ты бы ведь, конечно, не чувствовала беспокойства в Наумбурге, если бы услышала, что в Цюрихе холера. Воздух здесь прекраснее, сильнее, яснее, чем я когда-либо находил в Венеции. Я думаю остаться здесь до 21 октября. Адрес: Venezia, calle dei preti 1263 (San Marco)

Я радуюсь хорошим новостям из П<арагвая>. Спасибо за щеточку для волос! Возможно, в следующем году в это же время я приеду в Лейпциг на более долгий срок.

Твое старое создание.

918. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 24. September 1887>

Дорогой друг, я прибыл в Венецию, в условиях более сносных, чем в другие разы. Воздух и сейчас limpida elastica. Сама поездка была не без опасности (шторм и гроза на озере Комо). Я нахожу нашего maëstro устроенным лучше, чем обычно; великолепная новая пастораль (для оркестра) выдает мне прекраснейшее равновесие и счастье в совершенстве, — так что я теперь эту заботу ad acta lege. — Что касается денег, то мне кажется лучше, если ты пришлешь мне сюда только 300 франков итал<ианской> бумаги (остальное позже в Ниццу). Я все же не думаю оставаться здесь дольше, чем примерно до 21 октября. (Свет крайне утомителен для моих глаз; это совершенно иной свет, чем в Зильсе и Ницце, из-за влажности воздуха.) Хорошая (но враждебная) статья о «По ту сторону» в «Nationalzeitung» (4 декабря 1886 г.) попалась мне на глаза только здесь.

Преданный тебе Н.

Адрес: Venezia, calle dei preti 1263 (San Marco)

919. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig,> 1. Oktober 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель, я забыл попросить прислать мне сигнальные экземпляры всего того, что теперь готово. То есть, как я полагаю, первые 8 листов.

Покорнейший
Проф. д-р Ницше

920. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 1. Oktober 1887>

Моя дорогая мама, еще одна открытка! Глаза больше не позволяют писать, они здесь чувствительнее, чем где-либо еще. В остальном же все прошло хорошо, переход из Энгадина в Венецию оказался удачным. Правда, погода была самая благоприятная: ясное небо, прохладный приятный воздух. Я останусь здесь до 20 октября: затем Ницца. Пожалуйста, пришли мне в своем следующем письме три из четырех почтовых марок из Парагвая: я обещал их кое-кому, кто оказал мне большую услугу. Друг Кёзелиц здесь устроен, обеспечен и накормлен лучше, к моей радости, чем я когда-либо был в своих путешествиях; гораздо независимее, гораздо «достойнее»; к тому же он пишет прекраснейшую музыку, которую вообще сегодня создают.

С сердечной любовью
Твое старое создание.

Venezia (San Marco) calle dei preti 1263

921. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 5. Oktober 1887>

Дорогой господин Фрич, прошу Вас прислать мне сюда, в Венецию, 22 экземпляра гимна (хорошо упакованными между двумя плотными картонками). Я хочу отправить всё отсюда, так как мне нужно приложить к ним кое-какие пояснения (ввиду возможных исполнений этой зимой); также я везде исправлю ошибку. —

Мой адрес: (до 20 октября)

Venezia, calle dei preti 1263
(San Marco)

Приложите, пожалуйста (или пришлите отдельно), музыкальный календарь, в котором есть имена и адреса. Ведь существует же что-то подобное? — (Запишите это, пожалуйста, на мой счет)

С глубочайшим уважением, Ваш
проф. д-р Ницше

922. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Venedig, 5. Oktober 1887>

Вставить в качестве восьмого раздела предисловия: так, чтобы последний раздел оного теперь получил номер 9.

Напоследок, позвольте мне хотя бы одним словом указать на колоссальный и доселе совершенно нераскрытый факт, который медленно, очень медленно утверждался в моем сознании: до сих пор не было проблем более фундаментальных, чем моральные; именно их движущая сила была той, из которой брали свое начало все великие концепции в области прежних ценностей (— всё, следовательно, что обычно называют «философией»; и это вплоть до её последних гносеологических предпосылок). Но существуют проблемы еще более фундаментальные, чем моральные: они открываются взору лишь тогда, когда оставляешь моральный предрассудок позади себя, когда умеешь смотреть на мир, на жизнь, на самого себя как имморалист…

923. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig> Donnerstag. <5. Oktober 1887>

Глубокоуважаемый господин издатель

отправленная сегодня утром часть рукописи (дополнение к предисловию) не должна быть принята во внимание; таким образом, остается первоначальный порядок, согласно которому предисловие имеет 8 разделов.

Ваш покорнейший Н.

924. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Venedig, Montag <10. Oktober 1887>

Моя дорогая матушка,

сердечно благодарю тебя за письмо, которое меня очень порадовало; оно также принесло весьма добрые вести о наших южноамериканцах. Похоже, в самом деле, что лама со всей отвагой справляется со своей тамошней задачей, — равно как и то, что у неё есть дело, в котором её таланты могут раскрыться свободно и естественно: большего от жизни, собственно, и желать нельзя. Если дело удастся, то (как мне, по крайней мере, кажется) львиная доля успеха будет принадлежать ей. Мужчины в таких случаях, конечно, проявляют инициативу, но чаще всего привносят и беду. — Время, проведённое до сих пор в Венеции, в целом было весьма благоприятным; по сути, за последние 10 лет я не выбирал места для осени, которое оказалось бы столь благотворным, как эта Венеция. К тому же и погода несравненная; ясная, свежая, чистая, безоблачная, почти как в Ницце. Наш Кёзелиц, как я нахожу, устроился лучше (достойнее, изысканнее, независимее), чем когда-либо удавалось мне. Старинная благородная семья, в чьём доме он живёт, буквально живёт ради него, с момента его возвращения уступила ему лучшие комнаты, готовит для него: так что он и питается лучше, чем обычно удаётся на юге. В этом улучшенном положении он снова сочинил прекрасную музыку, которая самым счастливым образом отличается от вагнеровской борьбы и судорог. Нас обоих не так-то легко соблазнить вернуться в милое отечество; тамошняя ограниченность вызывает у меня смех; и если мне, быть может, и придётся туда вернуться (ради учёных целей), то я сначала придам себе смелости каким-нибудь естественнонаучным стишком, например:

«Чтоб носорога повидать,

Решил я в Германию скакать».

Я нашёл здесь собранным всё, что было напечатано в немецких журналах о моей последней книге: душераздирающая мешанина из неясности и неприязни. То моя книга — «высшая глупость», то она «дьявольски расчётлива», то я заслуживаю за неё эшафота (по крайней мере, в духе прежних времён, когда защищались от неприятных вольнодумцев), то меня прославляют как «философа юнкерской аристократии», то высмеивают как второго Эдмунда фон Хагена, то жалеют как Фауста девятнадцатого века, то осторожно откладывают в сторону как «динамит» и изверга. И на это осознание по отношению ко мне ушло около 15 лет; если бы хоть что-то поняли из моего первого сочинения «Рождение трагедии», то уже тогда могли бы точно так же ужасаться и креститься. Но тогда я жил под красивой вуалью, и немецкий рогатый скот почитал меня так, словно я принадлежал к его числу. Что ж, это время прошло. Несомненно, меня всё же откроют во Франции на несколько лет раньше, чем в отечестве.

Моё намерение — 21 октября переехать отсюда в Ниццу, на долгую трудовую зиму.

Твоё старое создание.

Что касается прежнего вопроса: приходится платить штраф, если в посылку вложено что-то написанное: говорю по собственному опыту.

925. An Elisabeth Förster in Asuncion

Venedig 15 Okt <1887>

Моя дорогая Лама,

сегодня, если меня не обманывает память, мой день рождения: что может быть лучше, чем написать письмо старому Ламе? Ведь нужно хотя бы сохранить те немногие добрые остатки «связующих нитей», если уж человеку, как это бывает в судьбе философа, суждено жить как можно более обособленно и в стороне. К последнему идеалу я за последние 10 лет храбро приблизился: небольшим доказательством этого может служить то, что сегодня пришло лишь одно поздравительное письмо: от нашей доброй матери. От неё я тем временем был заботливо осведомлен об успехах колонизации; и по тону той уверенной радости, что звучит в твоих собственных письмах, моя дорогая Лама, я заключаю о еще более важном: вы сами движетесь вперед, а не только ваша колонизация. Я хотел бы не чувствовать себя столь полностью противопоставленным тенденциям и стремлениям моего зятя, чтобы иметь возможность еще полнее сопереживать успеху его предприятия. Но при нынешнем положении дел мне приходится с некоторым трудом разделять в себе то, чего я лично желаю в вашем случае, и то, что я по существу, возможно, в этом осуждаю. Поговорим о более приятных вещах. С этого лета у меня есть для тебя еще несколько сердечных приветов: ведь Зильс-Мария всегда собирает множество людей, которые напоминают мне о части моего и нашего прошлого. В этот раз Базель был там блестяще представлен, а именно в количестве 36 человек (среди них много детей), госпожа Аллиот-Фишер (в девичестве Салли) и я — мы вели себя друг с другом <самым> любезным образом; она много вспоминала о «добром старом времени», нынешняя жизнь с немецкими профессорами в Базеле кажется теперь совершенно иной. Затем Дойссен навестил меня на пару дней, сделав любезный крюк Берлин—Зильс—Афины. Он привез мне известие о своем назначении профессором: первая философская профессура признанного шопенгауэрианца, да еще и в Берлине! Также фрейлейн фон Залис провела 6 недель в Зильсе, чтобы оправиться от тягот защиты докторской диссертации; у нее была с собой больная маленькая подруга, дочь профессора Кима, и у меня хватило гуманности, чтобы как можно лучше позаботиться об этих, в сущности, малоприятных, сколь бы почтенных ни были, женщинах. Мое англо-русское общество в этот раз было в Малойе, в Гранд-отеле; так что было лишь несколько визитов туда и обратно, еще во время поездки в Венецию (— мы провели великолепный сентябрьский день на озере Комо вместе). О смерти Г<енриха> фон Штейна я ничего не скажу; еще одним звеном меньше в и без того короткой цепи моих человеческих отношений. Это ранило меня, как личная утрата. Так же сильно меня опечалила смерть старого генерала Симона; к тому же, в отношении моей жизни на юге, это серьезная потеря, ведь этот старик олицетворял для меня «практический разум» (собственно, я живу только благодаря его добрым советам). Друг Кёзелиц шлет сердечнейший привет; он живет здесь в своей раковине (Венеция), защищенный и оберегаемый, хорошо обеспеченный, во всех отношениях лучше, чем раньше: так что мое абсурдное, но по состоянию здоровья абсолютно необходимое бродяжничество из одной грубой каморки в другую, в качестве «garçon meublé», как я себя называю, находит здесь свое отражение. Здоровье, весной снова глубоко встревоженное и тревожащее, летом снова пошло на поправку; приступы стали реже, умственную деятельность удалось возобновить. Моя «литература» теперь поставлена на ноги; по последним подсчетам, у меня в общей сложности было 800 талеров (= 3000 франков) расходов на печать (и ничего не заработано!). С другой стороны, нет ни малейшей надежды, что когда-нибудь, когда мой главный труд будет закончен, он выйдет в свет иным путем, кроме как через «самоиздат». Мое положение уточнилось: неприязнь к моему образу мыслей проснулась везде, где только перестали путать меня (как раньше повсеместно). Прости меня за эту заботу о будущем (а именно об осуществлении моего главного труда, в котором концентрируются проблема и задача моей жизни), если я сейчас невольно веду себя боязливо и нерешительно в денежных делах. Я понимаю свое положение теперь и больше не питаю иллюзий: это тоже прогресс.

Ну вот! Теперь я снова поболтал со старым Ламой! Тебе и твоему Бернхарду наилучшие пожелания

Твоего Ф.

Адрес на зиму: Ницца, Франция, пансион де Женев, малая ул. Св. Этьена

926. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 15. Oktober 1887>

Достопочтенный господин издатель, 10-й лист, по-видимому, потерялся вместе с рукописью; по крайней мере, до сегодняшнего дня (15 октября) он не дошел ни до господина Кёзелица, ни до меня. Сейчас мы отправляем 11-й лист. Я сам уезжаю в пятницу (21 октября) утром; то, что выйдет из Лейпцига во вторник вечером, еще успеет попасть ко мне в руки. Мой дальнейший адрес: Ницца (Франция), пансион де Женева, малая улица Сент-Этьен. — Замечу, что существует единственное прямое сообщение между Лейпцигом и Венецией. —

В 8-м пробном листе я обнаружил 2 ошибки, которые, вероятно, на моей совести.

С глубоким уважением и просьбой о скорейшем исполнении

Ваш д-р Н.

927. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 17. Oktober 1887>

Дорогой друг, моё пребывание в Венеции подходит к концу: в следующую пятницу я уезжаю в Ниццу. Мой адрес там снова: pension de Genève, pet. rue St. Etienne. Надеюсь, зима пройдёт без землетрясений! Пожалуйста, пришли по этому адресу оставшиеся 700 франков во французских бумагах! В этом году мне было нелегко уложиться в средства, и я старался экономить как мог: каждый день на один франк меньше — вот в чём была задача. Именно поэтому я не хочу сейчас пробовать ничего нового (как, например, Рим), а хочу «протянуть ноги» в той «постели», которая мне знакома. — Ты, должно быть, по горло в работе, старый друг? Прими мой сердечный привет и передай его своей милой жене! (Я забыл поблагодарить тебя за присланные 300 франков в итал. <бумагах>!) Немного страдаю глазами.

Твой Ницше.

928. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 18. Oktober 1887>

Дополнение к исправлению предисловия.

В его седьмом разделе вместо

das hundertartige Drama

следует читать:

«дионисийская драма»

Проф. д-р Ницше

929. An Franziska Nietzsche in Naumburg

den 18. Oktober <1887> Venedig

Моя дорогая мама,

Твое письмо, пришедшее в день рождения, застало меня за занятием, которое доставило бы тебе удовольствие: я как раз писал письмецо южноамериканской ламе. Твое письмо и твои поздравления, кстати, были единственными, которые я получил, что дало мне хорошее представление о моей к настоящему времени достигнутой «независимости»: последняя же для философа является условием первого порядка. Надеюсь, в моих последних сообщениях ты не пропустила то хорошее настроение, с которым я представил тебе меню немецких суждений обо мне: знакомство с ними меня действительно позабавило, — к тому же я достаточно хорошо разбираюсь в людях, чтобы знать, как через 50 лет суждение обо мне перевернется и в какой славе почтения будет тогда сиять имя твоего сына из-за тех самых вещей, за которые меня до сих пор третировали и поносили. С самого детства не слышать ни одного глубокого и понимающего слова — это как раз относится к моему жребию, и я не припомню, чтобы жаловался на это. Впрочем, я вовсе не держу зла на «немцев» за это; во-первых, им как раз не хватает всей той образованности, всей той серьезности в отношении проблем, в которых заключается моя серьезность, а во-вторых — они действительно очень заняты и у них полно дел, чтобы у них было время заниматься чем-то абсолютно чуждым. Кстати, к твоему успокоению: ты, кажется, полагаешь, что противоречие, которое я встречаю, имеет что-то существенное общего с моим отношением к христианству. Нет! Твой сын не настолько «безобиден», да и мои господа противники тоже не настолько «безобидны». Суждения, о которых я тебе писал, все до единого исходят из сферы самых нецерковных партий, какие только есть сейчас; это были не суждения теологов. Почти каждая из этих критических статей (которые отчасти исходили от очень умных критиков и ученых) прямо открещивалась от подозрения, будто она хочет «выдать меня церковным воронам и алтарным воронам», указывая на опасность моей книги. Противоречие, в котором я нахожусь, в сто раз радикальнее, чем то, чтобы при этом всерьез принимались во внимание религиозные вопросы и конфессиональные оттенки.

Прошу прощения за это слишком длинное отступление: но если я говорю, что самые умные ученые до сих пор ошибались относительно меня, то само собой разумеется, что старый Пиндер не был тоньше. Он, конечно, не чувствовал ничего, кроме того, что его и мои взгляды — это разные взгляды, — и сожалел об этом. —

Новости о Парагвае действительно очень отрадны; однако у меня все еще нет ни малейшего желания селиться по соседству с моим антисемитским зятем. Его и мои взгляды — это разные взгляды: — и я не сожалею об этом. —

Чемодан для моего отъезда уже наполовину упакован; послезавтра вечером или утром я уезжаю. Здоровье в целом держится, если не считать того, что глаза доставляют мне хлопоты. Мой адрес отныне: Ницца (Франция)

pension de Genève

pet. rue St. Etienne

С самыми сердечными и благодарными приветами

Твое старое создание.

Из Ниццы я напишу о транспортировке маленькой угольно-содовой печки, которая понадобится мне там для моей северной комнаты (с центнером материала)

929a. An Hermann Levi in München

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

[…] я был бы рад услышать Ваше суждение об этом. <Гимн должен&gt; in memoriam Nietzschii <быть исполнен и должен стать единственной музыкой,&gt; которая останется после меня .<Никогда еще не было философа, который> был бы музыкантом в такой степени и до такой глубины, как я.

930. An Hermann Levi in München (Entwurf)

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Глубокоуважаемый господин,

Позвольте мне напомнить Вам о себе, быть может, несколько неожиданным образом? А именно — музыкой, единственным, что должно остаться от меня (и что когда-нибудь, при условии, что больше от меня почти ничего не останется, могло бы быть исполнено в мою память «in memoriam»). Я охотно выслушал бы Ваш приговор о том, заслуживает ли она этого. — Возможно, никогда не было философа, который в такой степени au fond был бы музыкантом, как я. Поэтому я, конечно, все еще мог бы быть совершенно несостоявшимся музыкантом. —

С выражением моего
старого и неизменного
глубокого уважения

Ницца, Pension de Genève

Леви

931. An Felix Mottl in Karlsruhe

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Милостивый государь,

— что Вы обо мне подумаете, если я, вспоминая Ваши лестные строки прошлой зимы, осмелюсь сегодня послать Вам музыку собственного сочинения? Считаете ли Вы этот гимн философа возможным, пригодным для пения, для слушания и для исполнения?… Я сам воображаю себе всё это, более того, я желаю, чтобы это музыкальное произведение могло дополнить то, где слово философа по самой природе слова неизбежно должно оставаться неясным. Аффект моей философии выражается в этом гимне.

С выражением особого
почтения
Ваш покорный слуга
Проф. д-р Ницше

Адрес: Ницца (Франция), пансион Женева

932. An Carl Riedel in Leipzig

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Глубокоуважаемый господин профессор,

мне кажется, что прошло уже так много времени с тех пор, как я не был в Лейпциге: только в следующем году представится возможность снова там побывать, и тогда я надеюсь вновь пожать руку Вам и Вашей глубокоуважаемой супруге! Сегодня я посылаю лишь печатный и гравированный памятный знак, который просит о дружеском приеме: тот самый «Гимн жизни», который Вы видели еще в 1882 году, тогда еще в сыром виде, и о котором я желаю, чтобы он тем временем стал зрелым, законченным, возможно, исполнимым. (Ваши тогдашние намеки и замечания были использованы с величайшей благодарностью). Мое имя как имя самого независимого и радикального философа из ныне живущих достаточно известно; своего рода исповедь веры в звуках со стороны такого философа вызвала бы многократное любопытство и участие. Правда, истинное предназначение этого гимна иное — он должен, когда-нибудь, когда «меня уже не будет», исполняться в память обо мне: что, однако, отнюдь не исключает желания, чтобы он стал известен еще при моей жизни. Не найдете ли Вы сами, глубокоуважаемый господин профессор, быть может, средства или повода для этого?.. В Лейпциге ко мне все благоволят, значительная часть университетских коллег близка мне лично; лейпцигское исполнение этого гимна было бы одним из моих особых желаний.

С выражением прежней и неизменной преданности

Ваш покорнейший
Проф. д-р Фридрих Ницше

(Адрес: Ницца (Франция), пансион Женева

933. An Adolf Ruthardt in Leipzig (Visitenkarte).

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Выдающемуся господину
Рудхарту на память
о Зильс-Марии и

проф. д-ру Ницше

934. An Alfred Volkland in Basel

<Venedig, um den 20. Oktober 1887>

Глубокоуважаемый господин,

могу ли я предположить, что мое имя не стало для Вас совершенно чужим? — Уповая на это, я посылаю Вам свое музыкальное произведение, единственное, о котором я желаю, чтобы оно стало известно, — быть может, и в Базеле, с которым я чувствую себя связанным многими добрыми воспоминаниями и, не в последнюю очередь, добрыми музыкальными воспоминаниями. Если предположить, что этот «Гимн к жизни» Вам понравится и не покажется недостойным исполнения: я не сомневаюсь, что в Базельском обществе он вызвал бы живой интерес. Нет такого места, где питали бы ко мне, старому философу, столько доброго расположения, как в Базеле.

С неизменным глубоким уважением
преданный Вам
проф. д-р Ницше

Адрес: Ницца (Франция), пансион Женева

935. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

<Venedig, 20. Oktober 1887>

На странице 159, во 2-й строке снизу написано vrdirebt вместо verdirbt. Во всяком случае, этого не было в первом присланном экземпляре 10-го листа, который был нами здесь исправлен.

Ф. Н.

936. An Hans von Bülow in Hamburg

<Venedig, 22. Oktober 1887>

Глубокоуважаемый господин,

было время, когда Вы вынесли по поводу одного моего музыкального произведения самый обоснованный смертный приговор, какой только возможен in rebus musicis et musicantibus. И теперь, несмотря ни на что, я осмеливаюсь еще раз послать Вам нечто — гимн жизни, о котором я тем более желаю, чтобы он остался жить. Он должен когда-нибудь, в каком-нибудь близком или далеком будущем, быть спет в память обо мне, в память о философе, у которого не было настоящего и который, собственно, даже не хотел его иметь. Заслуживает ли он этого?…

Ко всему этому было бы возможно, что за последние десять лет я и как музыкант чему-то научился.

Вам, глубокоуважаемый господин, преданный в старом неизменном расположении

Д-р Фр. Ницше, проф.

Адрес: Ницца (Франция), пансион Женева

937. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza,> Pension de Genève, petite rue St. Etienne, 23. Okt.1887.

Дорогой друг, первое утро в Ницце: только что пришло письмо — я с волнением читаю приятные строки венецианского маэстро…

Путешествие крайне утомительное; между Генуей и Миланом опасный инцидент (в туннелях, ночью); 2 часа задержки. Прибытие в Ниццу с сильной головной болью. Чемодан открыт, замок соскочил. —

Ницца, значительно теплее, сейчас обладает чем-то опьяняющим. Безмятежная светская элегантность, великое свободное вторжение расточительной природы в городскую либеральность с пространством и формой, некий экзотизм и африканизм растительности (— моя собственная пещера, высокая, пестрая, кажется мне еврейско-причудливой) Вот я снова сижу здесь, по-английски и равнодушно, среди одних англичан.

(Дойссен из-за карантина сидит на маленьком греческом островке, в немыслимых условиях.) Преданный Вам Н.

938. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 23. Oktober 1887>

Первое утро в Ницце: как удачно, что именно сейчас мне в руки попадает письмо, пересланное из Венеции! Премного благодарен! Поздравляю тебя с переменой дома, а также с четырьмя жильцами: кажется, что все мы теперь можем смотреть в будущее с чуть большим спокойствием. У меня, по крайней мере, достигнуто столько, что я больше не строю планов и не имею желаний, зато держусь за те немногие проверенные вещи (к которым относится и Ницца) и хочу как можно меньше позволять внешним обстоятельствам мешать тому, что составляет мою работу и смысл моей жизни. Венеция оставила у меня приятное послевкусие. Путешествие было очень утомительным, я прибыл с мучительнейшей головной болью; но к вечеру дух был уже восстановлен. В это время года Ницца очаровательна. (Письмо моего зятя написано с «лучшими намерениями»; в этих намерениях нет недостатка и у меня. Тем не менее…)

Твое старое творение.

Ницца (Франция) пансион де Женева

939. An Heinrich Köselitz in Venedig (Entwurf)

<Nizza, kurz vor dem 27. Oktober 1887>

драматическая установка этого места, на которое падает главный акцент, с нотой ля попросту не выходит (потому что с ля не достигается завершение); но здесь линия чувства действительно должна прийти к концу — а именно вздохом! Затем, после паузы, новое, противопоставление этого самого вздоха, выражение теперь только что обретённого уверенного чувства «я б. б. ну что ж! я готов».

940. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza 27. Okt. 1887. (blaue Finger, Pardon!)

Дорогой друг,

только что получил Ваше письмо; я читал Монтеня, чтобы вырваться из причудливо-мрачного и раздраженного настроения — Ваше письмо помогло мне в этом еще основательнее. Со вчерашнего вечера у меня в горле рыбья кость, ночь была мучительной; несмотря на неоднократные попытки вызвать рвоту, она не выходит. Странно, я ощущаю изобилие символики и смысла в этой физиологической подлости. —

Ко всему прочему, холодно, по-январски; моя северная комната не позволяет мне шутить с собой — да и с ней тоже! — Овербек только что сообщает со своей стороны о ревматизме (кроме того, новости о Шпиттелере, его старом ученике), глубоком погружении в пучину схоластики (по которой он этой зимой читает впервые), а также о том, что в Базеле исполнили симфонию Р<ихарда> В<агнера>. Мы хотим (по Вашему предложению) послать ему гимн сейчас: как произведение, призывающее ко всякого рода доблести. Кстати: заключительный оборот «ну же! еще не прошла твоя боль!…» — это сильнейшее проявление гибриса в греческом смысле, кощунственного вызова судьбе через избыток мужества и дерзости: — у меня до сих пор каждый раз, когда я вижу (и слышу) это место, пробегает легкая дрожь по телу. Говорят, что у Эриний есть уши для такой «музыки». —

Ля-диез облегчает меня, я не могу Вам помочь, он создает мостик к «сладостной» решительности последней фразировки. Я бы выдержал ля, если бы оно было началом длинной страстной, трагической, нарастающей и затихающей каденции (в фа-миноре), скажем, с унисоном скрипок; само по себе оно стоит там сухо, болезненно, безнадежно. К тому же в этих тактах мелодия движется сплошь малыми секундами: эта единственная большая си-бемоль — ля звучит как противоречие. — Вы видите, я плохо справляюсь с этим моральным диссонансом ля. —

Партитура, кстати, доставила мне большое удовольствие; и мне кажется, что Фрич справился с делом лучше, чем мы предполагали. Какую хорошую бумагу он использовал! В сущности, это самая «элегантная» партитура, которую я видел до сих пор; и то, что Ф<рич> действительно распорядился изготовить к ней голоса (не сказав мне об этом ни слова заранее), радует меня: это выдает его веру в исполнимость гимна. О, старый дорогой друг, как же Вы этим «заслужили» мою признательность! Эта малая причастность к музыке и почти к музыкантам, для которых этот Г<имн> свидетельствует, является неоценимым пунктом в отношении будущего понимания той психологической проблемы, которой я являюсь; и уже сейчас это заставит задуматься. К тому же в Г<имне> есть нечто от страсти и серьезности, и он уточняет, по крайней мере, один главный аффект среди тех аффектов, из которых выросла моя философия. И последнее: он для немцев, мостик, по которому, возможно, даже эта тяжеловесная раса сможет прийти к тому, чтобы заинтересоваться одним из своих самых странных выродков. —

Ницца, встряхнутая своим землетрясением, собирается этой зимой применить все свои соблазны. Чище она еще никогда не была; дома покрашены красивее; кухня в отелях лучше. Итальянский театр (Сонзоньо, как импресарио, сам проводит здесь зиму) обещает сначала, как Бюлов, «Искателей жемчуга» (26 ноября); затем «Кармен»; затем «Гамлета» (чьего?), затем «Лакме» (Делиба) — сплошное лакомство для гурманов. Только что у нас был блестящий конгресс астрономов, le congrès Bisch, как его называют (а именно, богатый еврей Бишоффсхайм, любитель в области астрономии, оплачивает расходы всего конгресса, и, право, все в восторге от устроенных им празднеств). Ему Н<ицца> уже обязана своей обсерваторией, равно как и ее содержанием, жалованьем сотрудников, наряду с расходами на публикации. Ecco! Еврейская роскошь в большом стиле! —

Дорогой друг, в этот раз я расстаюсь с Вами не только с большой благодарностью, но и с большим уважением. Оставайтесь верны себе, я не знаю, чего лучшего можно Вам пожелать!

От всего сердца Ваш Н.

941. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> 31. Okt. 1887

Сегодня, моя дорогая мама, я пишу лишь короткое письмо об обогревателе: ибо вопрос неотложный. Я тем временем сильно страдал от преждевременных холодов: моя комната, высокий первый этаж, окнами на север, рядом с прохладным садом, к тому же совсем не низкая, уже сейчас вызывает у меня посинение пальцев и ужасные ощущения: что же будет в настоящую зиму! Сразу после получения твоего любезного письма я отправился на поиски печи в аренду (при поддержке любезной дамы, которая здесь местная и сама держала пансион); но вернулся я глубоко разочарованным. За сезон просили 50 франков (также без топлива; без учета расходов на установку и транспортировку); самая маленькая печурка должна была стоить 20 франков аренды. Теперь, по прежнему опыту, мне в неделю на дрова в любом случае понадобилось бы 4 франка (цена отеля, конечно, но иначе никак). В таком случае мне кажется, что с твоей печуркой выйдет гораздо дешевле: к тому же я могу сам о ней заботиться и мне не нужен гостиничный слуга для растопки. (Такого типа печей здесь вовсе нет.) Моя просьба, таким образом, состоит в том, моя дорогая мама, чтобы отправить мне печурку вместе с 2 центнерами топлива с максимально возможной быстротой: грузом или малой скоростью? Пожалуйста, поговори об этом с господином секретарем, который также сможет дать тебе информацию о правильном адресовании. Деньги на топливо и транспортировку тебе должен передать господин Кюрбиц (которому я собираюсь написать на днях). Только всё должно произойти очень быстро, одно за другим. Также прошу прислать мне точное описание, как топить печь, чистить её и т. д. и т. п.

Тем временем две мои открытки должны были до тебя дойти. На письмо моего зятя я ответил. —

Вчера придворный капельмейстер Моттль из Карлсруэ писал мне, обещая исполнение моего гимна. —

С сердечным приветом

Твое старое создание
Ф.

Одна черная жилетка сбоку некрасиво порвалась; ткань кажется очень мягкой. — Пара новых брюк стоила 4 талера. — Мне всё еще не хватает галстука, чтобы повязать, но широкого (не как последний, а как прежние, которые закрывали всю рубашку. Вырез «жилетки» слишком велик.) До сих пор я в Н<ицце> не нашел такого галстука, какой мне нужен: но я еще поищу.

Адрес, точно: Nice (France) Hôtel de Genève pet. rue St. Etienne

942. An Gustav Krug in Köln

<Nizza, Ende Oktober 1887>

Дорогой Густав,

настоящим посылаю тебе, как моему старейшему другу и брату in arte musica, единственное, что должно остаться от моей музыки, — своего рода символ веры в звуках, который мог бы подойти для того, чтобы когда-нибудь быть исполненным «в память обо мне». Ибо такой философ, как я, у которого совершенно нет и не должно быть настоящего, быть может, именно благодаря этому имеет небольшое право на «будущее» —

— Не мог бы ты как-нибудь прослушать это небольшое хоровое произведение? Я помню великолепный акустический эффект зала Гюрцених. Хороший хор мог бы ожидать немалого успеха от этого гимна (который отличается энергичной подачей и драматическим главным акцентом).

С неизменной любовью и преданностью / с самыми сердечными пожеланиями твоей дорогой супруге

Твой друг
Ницше.

Адрес: Ницца (Франция), пансион Женева

943. An alle Empfänger des Hymnus an das Leben (Zettel)

<Oktober/November 1887>

— В партитуре гимна, которую я позволил себе переслать, необходимо исправить последнюю ноту кларнета (на стр. 11): она должна быть до-диез, а не до.

Проф. Ницше.

944. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Nizza,> Donnerstag den 2. <3.> Nov. 1887

Дорогой друг,

огромное удовольствие от вновь выпущенного, улучшенного и дополненного халата! Нет, как же вы меня смущаете! Ведь я ежедневно скучал по этому предмету одежды в зимнем настроении этой осени, которое моя северная садовая комната на первом этаже еще больше подчеркивает. Тем не менее, я не решался заказать его, потому что помнил о его плачевном состоянии, которое противоречит этой Ницце еще больше, чем, возможно, вашей «более философской» Венеции; к тому же я еще не настолько скромен, чтобы искать свою гордость в демонстрации своих лохмотьев. Ecco!.. И теперь вдруг сидеть в своей комнате в таком похорошевшем и почтенном виде — какой сюрприз!

Кажется, всё сговорилось сделать эту зиму здесь более приемлемой для меня, чем были прошлые зимы: когда я не просто изредка, а по привычке выходил из себя (куда-нибудь, например, в проклятое сочинительство книг и литературы). Только что я осмотрел комнату, в которой собираюсь прожить следующие 6 месяцев: она находится прямо над моей прежней, вчера была заново оклеена обоями, в соответствии с моим дурным вкусом, в красно-коричневую полоску и крапинку, напротив — выкрашенное в темно-желтый цвет здание, достаточно далеко, чтобы отсвет был приятным, а над ним, для дальнейшего оживления, полнеба (— оно синее-синее-синее!). Внизу прекрасный вечнозеленый сад, на который падает взгляд, когда я сижу за столом. Пол покрыт соломой, поверх нее старый ковер, а над ним новый красивый; большой круглый стол, хорошо обитый шезлонг, книжный шкаф, кровать, накрытая черно-синим покрывалом, дверь также с тяжелыми коричневыми занавесками; еще несколько вещей, обтянутых ярко-красной тканью (умывальник и вешалка для одежды), короче говоря, милая, пестрая, в целом теплая и темная путаница. Печь едет из Наумбурга, того типа, который я вам описывал. — До сих пор дела шли не хорошо; но и погода была достаточно скверной (почти 4 дня дождя). Что касается гимнологической литературы, то сначала пришло письмо от фрау фон Бюлов, извиняющей своего супруга как «раздавленного работой», впрочем, достаточно любезное («считая себя в числе ваших поклонников, конечно, насколько позволяют мои умственные способности» и т. д.). Затем чрезвычайно милое письмо Моттля, который не хочет упустить возможность для исполнения (— он находит высокое ля сопрано в пиано очень рискованным и желает композиции большего мелодического богатства — ах, как он прав!)

От профессора Дойссена из Афин пришел лавровый и фиговый лист, сорванные 15 октября на том месте, где некогда стояла Академия Платона. Также привет от «маленькой женушки». Мой зять тоже написал мне довольно любезно; мы оба стараемся смягчить несколько экстремальную ситуацию (— он пишет о «По ту сторону», которое он заказал: я не посылал его по определенным причинам).

От Наумана пока ничего. Почти сомневаюсь, знает ли он вообще, что я в Ницце. — В какие газеты и журналы мне следует послать экземпляры? (При более научном и эксклюзивном вкусе этих трактатов — как можно в меньшее число! Зато в специализированные журналы Германии, Франции и Англии.)

Преданно и благодарно

Ваш друг
Ницше.

(Сколько я должен портному за изготовление этого предмета одежды?)

945. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Nizza, 3 Nov. 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель,

в предположении, что в эти дни первые экземпляры новой книги будут готовы к отправке, я повторяю адрес моего пребывания в Ницце:

Nice (France) pension de Genève pet. rue St. Etienne.

Пожалуйста, отправьте 4 экземпляра по этому адресу; одновременно 2 экземпляра — господину Кёзелицу в Венецию. (Также пришлите мне недостающие корректурные листы 9—12 и предисловие). С покорнейшим приветом и пожеланием, чтобы всё было хорошо и шло успешно.

Ваш проф. д-р Ницше

Подробнее о бесплатных экземплярах и т. д. и т. п. напишу в письме в ближайшее время! —

946. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza (France) pension de Genève Montag. <8. November 1887>

Глубокоуважаемый господин издатель,

наконец-то я дошел до того, чтобы обсудить с Вами дела новой книги. Сначала вопрос о цене: сколько она должна стоить? Мое предложение — 3 марки, разумеется, с учетом соответствующих изменений цены для книготорговцев. Однако я охотно выслушал бы сначала Ваше суждение. Мое главное желание при этой публикации — достичь чего-то на пользу моей прежней литературы: а именно, пригласить к тому, чтобы ее читали и воспринимали всерьез. Если Вы считаете, что для распространения сочинения более низкая цена (например, 2 марки) была бы благоприятной, то я этим также доволен. — Второй вопрос касается того, в какие журналы и газеты следует разослать рецензионные экземпляры: в соответствии с характером и названием сочинения — в как можно меньшее число газет; напротив, в философские специализированные журналы. Издания, которые опубликовали содержательные рецензии на «По ту сторону», должны также получить эту книгу (например, «Bund», «Nationalzeitung», «Nord und Süd», «litt. Centralblatt»)

При возможном анонсировании книги прошу обратить внимание на тот момент, что этот полемический труд находится в необходимой связи с книгой «По ту сторону добра и зла», являясь ее дополнением и разъяснением.

Что касается бесплатных экземпляров: то прошу одарить ими следующих лиц (мне было бы желательно, если бы на каждый из этих экземпляров справа вверху была наклеена маленькая красная печатная полоска бумаги, как я это уже неоднократно видел, следующего содержания (латинским шрифтом):

По поручению автора

почтительно преподнесено

К. Г. Науманом

или подобное!

1 

Госпоже д-ру Элизабет Фёрстер

адрес: Monsieur le docteur Bernard Förster

Парагвай

Южная Америка

Асунсьон

2 

Старшему библиотекарю д-ру Зиберу

Базель (Швейцария)

вместе с экземпляром «По ту сторону добра и зла»

3 

Monsieur le professeur Monod

Версаль (Франция)

вилла Амиель

вместе с экземпляром «По ту сторону добра и зла»

4 

Проф. д-ру Якобу Буркхардту

Базель (Швейцария)

5 

Проф. д-ру Овербеку

Базель (Швейцария)

6 

Тайному советнику проф. д-ру Роде

Гейдельберг

7 

Проф. д-ру Шёнбергу

Тюбинген

8 

Monsieur le docteur Hippolyte Taine

Ментон, озеро Анси, Верхняя Савойя (Франция)

9 

Барону Карлу фон Герсдорфу

в Острихене, Альтзейденберг (Силезия)

10 

Д-ру Йоханнесу Брамсу

Баден-Баден, отель «У медведя»

11 

Д-ру Карлу Фуксу

Данциг

12 

Профессору д-ру Дейссену

Берлин W, Курфюрстенштрасседамм 142

13 

Барону д-ру Гансу фон Бюлову

в настоящее время в Гамбурге

14 

Проф. д-ру Шааршмидту, Бонн (на Рейне)

15 

Д-ру Рудольфу Кляйнпаулю

Лейпциг-Голис, Бисмаркштрассе 11

16 

Придворному советнику проф. д-ру Хайнце

Лейпциг

17 

Профессору д-ру Вундту, Лейпциг

18 

Советнику Имперского суда д-ру Винеру, Лейпциг

19 

Профессору д-ру Риббеку, Лейпциг

20 

Профессору д-ру Виндишу, Лейпциг

21 

Профессору д-ру Ваксмуту, Лейпциг

22 

Профессору д-ру Лейкарту, Лейпциг

23 

Профессору д-ру Биндингу, Лейпциг

24 

Тайному советнику проф. д-ру Гельмгольцу

Берлин

25 

Monsieur le professeur Charles Vogt

Женева (Швейцария)

26 

Профессору д-ру Дюбуа-Реймону

Берлин, Вильгельмштрассе 15

27 

Профессору д-ру Эрнсту Маху

Прага II, Вайнберггассе 3

Покорнейше
Ваш д-р Ницше

947. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza, den 9. Nov. 1887

Глубокоуважаемый господин издатель,

только что получил Ваше ценное письмо от 5-го числа; мне приятно видеть, с каким участием Вы относитесь к распространению моей литературы. К тому, что я писал Вам вчера, сегодня остается добавить лишь немногое. Во-первых: что я предоставляю Вам полную свободу действий в отношении газет и журналов (— только прошу исключить непристойную «Кройццайтунг»). То же самое касается мер, которые следует принять в отношении книготорговых предприятий; а также того, что Вы должны сами решить вопрос о предложенной мною обычной цене. Все это вещи, в которых я ничего не смыслю. Несколько слов, которые могли бы подойти для «Биржевого листка книготорговцев», прилагаю; вероятно, с Вашей стороны потребуется добавить еще кое-что более деловое. —

Три предварительных заказа для меня загадочны: я полагал, что никто еще ничего не знает об этой книге. —

Кстати, включите господина Данрейтера (Нью-Йорк) в число тех, кто сделал предварительный заказ. —

Что касается рассылки экземпляров моим друзьям и т. д.: мне было бы очень желательно, чтобы экземпляр, предназначенный господину профессору доктору Овербеку в Базеле, оказался у него в руках не позднее 16 ноября: это его день рождения. —

— Адрес профессора Моно (Версаль) неверен. Пожалуйста, приостановите отправку ему, пока я не напишу снова. —

Напоследок прошу прислать счет за производственные расходы по новому труду.

С глубоким уважением, Ваш покорный слуга
Проф. д-р Ницше

Один экземпляр доктору Георгу Брандесу, Копенгаген, площадь Св. Анны, 24. Также: господину Фердинанду Авенариусу, редакция «Кунстварта», Дрезден. Также: в «Saturday Review».

Объявления о «По ту сторону добра и зла» в «Литературном центральном листке», а также в «Литературном обозрении» я еще не видел. Пожалуйста, пришлите их! (Все остальное я читал в Венеции, у господина Кёзелица)

948. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza den 10. Nov. 1887.

Дорогой друг,

Случай хочет (— или это вовсе не случай?), чтобы и я на прошлой неделе застрял на проблеме Пиччинни—Глюка. Вы знаете, что в ноябре 1787 года Глюк умер? — возможно, также знаете, что величайший и остроумнейший пиччиннист, аббат Галиани, умер в том же году? (30 октября 1787 года в Неаполе). Таким образом, мы празднуем столетний юбилей великой проблемы и рокового, вероятно, ошибочного решения оной. Я читаю Галиани: меня прямо-таки раздражает, что этот самый избалованный и утонченный ум прошлого века до такой степени выходит из себя из-за своего Пиччинни (примерно как Стендаль из-за Россини, но еще наивнее и «родственнее», если я правильно чувствую). Он проводит резкое различие между комическими операми Пиччинни, которые возможны только для Неаполя и в Неаполе, и другими, которые могут быть оценены во всей Италии и даже во Франции. Только о первых он говорит, что Пи<iccini>) достиг на них величайшей вершины искусства; он говорит мадам д’Эпине, что она не может себе даже представить, насколько это supérieur всему, что она когда-либо слышала. Время, когда Пиччинни достигает этой высоты, — примерно 1770—71 годы (последним годом датированы письма Галиани). Тогда в Неаполе ставили произведения Пи<iccini>: «Мнимая садовница» (La Finta giardiniera) и «Дон Кихот» (Il Don Chisciotto), а также «Ревность за ревность» (La Gelosia per Gelosia): к одному из этих произведений, если не ко всем, должен относиться восторг Га<лиани> (— «он научил меня, что мы все и всегда поем, когда говорим. Трудность заключается в том, чтобы найти наш тон и нашу модуляцию, когда мы говорим»). Он насмехается над мадам д’Эпине, которая хочет получить эти вещи в Париже; он говорит: «ils ne vont pas même à Rome». «Они получат его итальянские комические оперы, такие как La Buona Figliuola, но ни одной из неаполитанских». (Эта опера, La B<uona> F<igliuola>, на текст Гольдони, была впервые поставлена в Риме в 1760 году; в Париже только в 1770 году, с большим успехом. Французская критика тогда писала: «les oreilles françaises, habituées depuis quelques années à une genre qui leur répugnait d’abord, ont reçu celle-ci avec la plus délicieuse sensation. Les accompagnements surtout ont paru travaillés avec un art infini». Разве это не звучит весьма примечательно?)

Мне кажется необходимым заново открыть всю противоположность «итальянской и французской музыки» и отбросить гибридное понятие «немецкая музыка». Речь идет о стилистической противоположности: происхождение композиторов здесь совершенно безразлично. Так, Гендель — итальянец, Глюк — француз (— французская критика, например, в этот момент прославляет Глюка как величайшего музыкального гения французского духа, как своего Глюка). Есть прирожденные итальянцы, которые поклоняются французскому стилю, есть прирожденные французы, которые пишут итальянскую музыку. Но в чем на самом деле заключается великая стилистическая противоположность? Я особенно рекомендую мемуары президента де Бросса (его путешествие в Италию 1739 года), в которых постоянно страстно затрагивается эта проблема: там, например, появляется il Sassone, ваш венецианец Хассе, как фанатичный антифранцуз.

Не можете ли вы достать в Венеции партитуры Пиччинни? в частности, его Napolitana? Неужели там что-то было потеряно и забыто? — Нужно противопоставить ограниченной «немецкой серьезности» в музыке гений жизнерадостности. —

Это напоминает мне об hymnum ecclesiasticum, о котором тем временем поступило только одно суждение, суждение Рудхардта: «очень достойно, чисто по композиции и благозвучно».

Вышел 2-й том «Дневника братьев Гонкур»: интереснейшая новинка. Он охватывает 1862—65 годы; в нем самым наглядным образом описаны знаменитые dîners chez Magny, те обеды, которые дважды в месяц собирали тогдашнюю самую остроумную и скептическую банду парижских умов (Сент-Бёв, Флобер, Тео<филь> Готье, Тэн, Ренан, Гонкуры, Шерер, Гаварни, иногда Тургенев и т. д.). Ожесточенный пессимизм, цинизм, нигилизм, чередующиеся с большим весельем и хорошим юмором; я сам вписывался туда совсем неплохо — я знаю этих господ наизусть, настолько, что они мне, собственно, уже надоели. Нужно быть радикальнее: в сущности, всем им не хватает главного — «la force».

Преданный Вам друг Ницше

949. An Elisabeth Förster in Asuncion

Nizza (France) pension de Genève den 11. Nov. 1887

Моя дорогая Лама,

только что я дал поручение своему издателю отправить тебе экземпляр моей последней книги. На самом деле, я охотно избавил бы тебя от этого: ибо в ней есть места, как и в предпоследней, которые совершенно не подходят для твоих нынешних ушей. Но я решительно хочу предотвратить то, чтобы книга попала к тебе иным путем; а так как, исходя из опыта с «По ту сторону добра и зла», я почти предвижу это, то выбираю меньшее из двух «зол» и посылаю тебе её сам. —

В конце концов, книга, возможно, вызывает слишком общий интерес как своего рода объявление войны против морали, чтобы пять-шесть неловко-личных вещей могли идти в сравнение. То, что они должны были быть сказаны, имеет под собой ту причину, что я хочу положить конец постыдному смешению моего имени и моих интересов, которое сложилось за последние 10 лет. Той же цели служат все предисловия и дополнения к новым изданиям моих старых работ. (Ты найдешь на обороте книги обзор всего, что было сделано мной за последние 2 года в отношении этой прежней литературы. Следует еще добавить, что у Э. В. Фрича в великолепном оформлении вышел тот гимн, который однажды должен быть спет «в память обо мне» (— он, предположительно, уже этой зимой будет исполнен в нескольких местах, например, в Карлсруэ под управлением придворного капельмейстера Моттля). Название гласит:

Гимн
к жизни
для
смешанного хора и оркестра
сочинен
от
Фридриха Ницше.
Партитура цена 2 марки.
Хоровые партии и т.д.
Оркестровые партии и т.д.,
и т.д.
Собственность издателя для всех стран
Лейпциг.
Э. В. Фрич.

Этот гимн мне очень дорог как выражение самого возвышенного и гордого состояния, которое я пережил. Обозначение темпа — «Решительно; с героическим выражением». Музыканты находят его «мощным». «Magnifico! Che vigore! È la vera musica ecclesiastica», — восклицали итальянские артисты при прослушивании; что заставило меня от души посмеяться. —

Сердечнейшее спасибо за твое письмо ко дню рождения, которое приятно удивило меня в первое утро моего зимнего пребывания в Ницце. Своему почтенному зятю я немедленно выразил письменно свою благодарность за его пожелания: он очень любезно протянул мне руку в своем письме — и я попытался сделать то же самое: зрелище, которое, учитывая значительное удлинение наших обеих рук, которое для этого потребовалось, не могло не быть забавным для наблюдающей Ламы.

Может быть, это письмо застанет тебя уже на новой родине? И примерно к Рождеству? Прими его как выражение моих самых сердечных пожеланий для всего, что вами так грандиозно предпринято: я сам, ничего не поделаешь, конечно, остаюсь «хорошим европейцем»… Искренне твой и ваш

Ф.

950. An Erwin Rohde in Heidelberg

Nizza den 11. Nov. 1887

Дорогой друг,

мне кажется, что я еще должен загладить перед тобой вину за эту весну? В знак того, что у меня нет недостатка в доброй воле для этого, я посылаю тебе только что вышедшее сочинение (— возможно, я даже обязан тебе им в дополнение ко всему, ибо оно находится в теснейшей связи с тем, которое я прислал тебе в последний раз —) Нет, не позволяй так легко отчуждать себя от меня! В моем возрасте и в моем одиночестве я, по крайней мере, больше не теряю тех немногих людей, к которым когда-то проникся доверием.

Твой Н.

Nota bene. Прошу тебя одуматься по поводу г-на Тэна. Такие грубые вещи, как те, что ты говоришь и думаешь о нем, раздражают меня. Подобное я прощаю принцу Наполеону; но не моему другу Роде. Кто превратно понимает этот род строгих и великодушных умов (— Т<эн> сегодня является воспитателем всех более серьезных научных характеров Франции), о том я не склонен верить, что он хоть что-то понимает в моей собственной задаче. Откровенно говоря, ты никогда не сказал мне ни слова, которое позволило бы мне предположить, что ты знаешь, какая судьба на мне лежит. Делал ли я тебе когда-нибудь из этого упрек? Даже в своем сердце — нет; хотя бы уже потому, что я вообще ни от кого другого к этому не привык. Кто до сих пор встретил меня хотя бы с тысячной долей страсти и страданий! Догадался ли хоть кто-нибудь хоть о проблеске истинной причины моего долгого недуга, над которым я, возможно, все-таки стал господином? Мне сейчас 43 года, и я точно так же одинок, как был в детстве. —

951. An Franz Overbeck in Basel

Nizza, den 12 Nov. 87 pension de Genève

Дорогой друг,

к Твоему дню рождения я уже отправил несколько небольших даров: «Гимн жизни», а также новейшую (и на долгое время последнюю) книгу. Сегодня я хочу не только добавить свои пожелания к Твоему предстоящему году жизни (о Твоем здоровье, о Твоей борьбе с ревматизмом и схоластикой!..): прежде всего, выразить свое почтение и благодарность за неизменную верность, которую Ты проявил ко мне в самое тяжелое и непонятное время моей жизни. Мне кажется, что для меня завершается своего рода эпоха; взгляд назад сейчас уместен как никогда. Десять лет болезни, больше десяти лет; и не просто болезни, от которой есть врачи и лекарства. Знает ли кто-нибудь на самом деле, что делало меня больным? что удерживало меня годами вблизи смерти и в жажде смерти? Мне кажется, что нет. Если не считать Р. Вагнера, то никто до сих пор не подходил ко мне с тысячной долей той страсти и страдания, чтобы «понять» меня; я был таким одиноким еще ребенком, я остаюсь таким и сегодня, на 44-м году жизни. Это ужасное десятилетие, которое осталось позади, дало мне сполна вкусить, что значит быть одному, одиночество до такой степени: одиночество и беззащитность страдальца, у которого нет средств даже просто сопротивляться, даже просто «защищаться». Если не считать моего друга Овербека (и еще трех человек), то за последние десять лет почти каждый, кого я знаю, грешил против меня какой-нибудь абсурдностью, будь то возмутительные подозрения или, по крайней мере, форма грубой бестактности (последним был Роде, этот неисправимый грубиян). Это сделало меня, мягко говоря, более независимым; но, возможно, и более жестким и более презирающим людей, чем мне самому хотелось бы. К счастью, у меня достаточно esprit gaillard, чтобы время от времени посмеиваться над этими воспоминаниями так же, как и над всем остальным, что касается только меня; к тому же у меня есть задача, которая не позволяет мне много думать о себе (задача, судьба или как это еще назвать). Эта задача сделала меня больным, она же снова сделает меня здоровым, и не только здоровым, но и снова более человеколюбивым и всем, что к этому прилагается. —

Деньги благополучно попали мне в руки, и при этом я не попал ни в какие затруднения. С Ниццей я теперь поступаю так же, как с Зильс-Марией: я пытаюсь устроиться в ней и выдвигаю на передний план хорошие и доказанные факторы: ее бодрящий и веселящий климат, ее обилие света (которое позволяет мне пользоваться глазами так, что это не идет ни в какое сравнение с тем, что они могут в других местах, в частности в Германии). Пансион де Женев, значительно улучшенный и с большой доброй волей смотрящий в будущее, в этот раз подготовил для меня настоящую рабочую комнату (с модификациями света и цвета, которые для меня абсолютно важны); небольшая натриево-угольная печь уже в пути ко мне из Наумбурга. Я плачу за пансион немного больше, чем раньше (5 1/2 франков в день, жилье и 2 приема пищи: свой утренний чай я готовлю сам); но, по секрету, любой другой гость платит больше (8—10 франков). Между прочим: одна пытка для моей гордости!!!

— Ты знаешь, чего я теперь требую от себя: моими местами для этого должны оставаться Ницца и Зильс-Мария (Венеция как антракт: у меня прекрасное воспоминание о Кёзелице, который сумел сохранить свою добрую и высокую душу, несмотря на всякого рода разочарования, и теперь пишет музыку, для которой у меня нет другого слова, кроме «классическая» (две части симфонии, например, самый прекрасный «Клод Лоррен» в музыке, который я знаю). Желаю Тебе и Твоей дорогой жене счастливого и доброго дня, Твой Н.

Проф. Дойссен шлет Тебе привет; этой осенью он был в Афинах. Я получил от него в подарок лавровый и фиговый лист, сорванные там, где стояла Академия Платона.

В ближайшие недели придет и счет К. Г. Наумана за производственные расходы на новую книгу; я сразу же сообщу Тебе.

952. An Jacob Burckhardt in Basel

Nice (France) pension de Genève14. Nov. 1887

Глубокоуважаемый господин профессор,

и этой осенью я снова прошу позволения представить Вам нечто от себя, морально-исторические исследования под заглавием К генеалогии морали: и на сей раз, как и всегда, не без некоторого беспокойства. Ибо — я знаю это слишком хорошо — все блюда, которые я подаю на стол, содержат так много твердого и трудноперевариваемого, что приглашать к ним гостей, да еще таких почтенных гостей, как Вы! — это, собственно, скорее злоупотребление дружески-гостеприимными отношениями. С таким щелканьем орехов следовало бы оставаться при себе и подвергать опасности только собственные зубы. Как раз в этом новейшем случае речь идет о психологических проблемах самого твердого рода: так что почти больше мужества требуется, чтобы поставить их, чем рискнуть дать на них какие-либо ответы. Хотите ли Вы еще раз выслушать меня?… Во всяком случае, я обязан Вам этими трактатами, потому что они находятся в теснейшей связи с последней пересланной Вам книгой («По ту сторону добра и зла»). Возможно, что пара главных предпосылок той труднодоступной книги здесь выступили отчетливее; — по крайней мере, таково было мое намерение. Ибо все на свете говорили мне об этой книге одно и то же: что невозможно понять, о чем идет речь, что это нечто вроде «высшей бессмыслицы»: за исключением двух читателей, Вас самих, глубокоуважаемый господин профессор, и, с другой стороны, одного из Ваших самых благодарных почитателей во Франции, г-на Тэна. Простите, если я порой говорю себе в утешение: «у меня до сих пор только два читателя, но какие читатели!» — Та очень внутренняя и болезненно-запутанная жизнь, которую я до сих пор вел (и в которой моя, в сущности, сильно устроенная натура потерпела кораблекрушение), принесла с собой со временем одиночество, против которого нет больше никакого средства. Моим самым любимым утешением остается все еще вспоминать тех немногих, кто выдержал это в подобных условиях, не сломавшись, и сумел сохранить в себе добрую и высокую душу. Никто не может вспоминать Вас с большей благодарностью, глубокоуважаемый человек! чем это делаю я.

Преданный и неизменный
Ваш покорнейший
Ницше.

Мои пожелания Вашего здоровья напоследок! Эта зима обещает быть суровой. О, если бы Вы были здесь!!

953. An E. Kürbitz in Naumburg (Postkarte)

Nizza (France), pension de Genève 16. Nov. 1887.

Глубокоуважаемый господин,

в отношении желания, которое я высказал своей матери (приобретение печи и топлива), прошу Вас любезно передать ей необходимые для этого средства; я полагаю, что она лично скажет Вам, сколько ей на это нужно. Зима обещает быть суровой; я не решаюсь в этом году, как решался семь лет подряд, пережить зиму без печи.

С неизменным глубоким уважением
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше

954. An Paul Deussen in Berlin (Postkarte)

Nice (France) pension de Genève 16. Nov. 1887.

Дорогой друг,

Ты, должно быть, уже счастливо вернулся из своей одиссеи в свою профессиональную гавань: я желаю тебе счастливой и богатой на учеников зимы и движения вперед во всех смыслах на твоем пути (без препятствий, без «карантинов» —). Прекрасная символика твоего поступка 15 октября глубоко тронула меня: — быть может, этот старый Платон — мой настоящий великий противник? Но как же я горд тем, что у меня есть такой противник! — Люби меня!

Твой
Ницше

Сердечный привет маленькой отважной подруге!

955. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Nizza, 19. November 1887>

Дорогой друг,

сегодня лишь в большой спешке обращаюсь с просьбой, которую внушило мне письмо моей матери: послать ей экземпляр Гимна, ибо есть большое желание исполнить упомянутый Гимн в Наумбурге. Только заклинаю Вас, любезнейший друг, успокоить мою совесть по поводу проблематичного «а»; ибо тем временем друг Круг, кёльнский правительственный советник, выразил мне своё решительное неодобрение оного (это, мол, «единственный его изъян»: его письмо, впрочем, почти восторженное, в том числе относительно инструментовки, было до сих пор самым прекрасным знаком отклика. Также он обещал исполнение в Кёльне). Прошу, прошу, прошу, будьте ангелом, исправьте!!! чтобы я обрёл покой в своих ночах перед кларнетом: который бродит вокруг меня, словно нечистая совесть.

Письмо в ближайшее время.

Ужасная погода.

Преданный Вам друг Ницше

956. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 23. November 1887>

Моя дорогая мама, сегодня только сообщение о том, что я впервые этим утром сижу в отапливаемой комнате: — мне пришлось изрядно пострадать, пока до этого дошло, ибо погода и здесь была из худших. Также сообщаю, что гимн в твой адрес отправлен; что я буду рад, если Наумбург окажет ему и мне честь исполнения, и что профессиональные музыканты его хвалят (как «удобный для пения», «чистый по композиции» и т. д.). Мои наилучшие пожелания фройляйн Круг, а также фрау Клэр Хайнце, которая совершенно права насчет отопления и отсутствия отопления в Ницце, только не для этой эксцентричной зимы. Твой Ф.

957. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 23. November 1887>

Вместе с Твоим милым письмом в мою комнату въехала печь: так что час спустя я мог наслаждаться двойным теплом чувств. (Это было в самый раз; погода и здесь была до крайности тягостной и удручающей: никакого снега, но проливные дожди, почти 10 дней; 208 литров воды на квадратный метр) Я отправил гимн с письмом вашему Фолькланду; не мог бы и Ты со своей стороны слегка подтолкнуть его в указанном направлении? Также Кёльн и Наумбург обещают постановки. —

У Буркхардта тоже есть мое письмо; только что Зибер выразил свою благодарность за присылку «По ту сторону добра и зла» и «К генеалогии морали». Самые сердечные приветы Тебе и Твоей милой жене!

Н.

958. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, 24. Nov. 1887

Дорогой друг,

я наслаждаюсь этим утром великим благодеянием: впервые в моей комнате стоит «огненный идол»: маленькая печка — признаюсь, что я уже совершил вокруг неё несколько языческих прыжков. Время до сегодняшнего дня было синепалой зябкостью, при которой и моя философия стояла не на лучших ногах. Трудно выносимо, когда в собственной комнате чувствуешь ледяное дыхание смерти, — когда нельзя укрыться в своей комнате, как в своей крепости, а лишь чувствуешь себя заточенным, как в тюрьме. Дождь лил потоками последние десять дней: подсчитали, что на квадратный метр выпало 208 литров воды. Октябрь был самым холодным из всех, что я до сих пор пережил, ноябрь — самым дождливым. Ницца ещё довольно пуста; впрочем, нас 25 человек за столом, милые и доброжелательные люди, против которых ничего нельзя возразить.

Тем временем написал только Овербек, полный радости по поводу «Гимна» и его «прекрасного, необычайно проникновенного и достойного стиля»; («мне твоя нынешняя музыка кажется необычайно простой»). Он выделяет «великолепный, опять же такой выразительный акцент на первом слове "Pein" (боль) и почти ещё сильнее западающее мне в сердце успокоение заключительных тактов». — Друг Круг (который, кстати, просит меня «переоценить» юстицрата в регирунгсрата —) говорит о «глубоком волнении до слёз». «Я твёрдо надеюсь, что хор будет исполнен здесь… Инструментовка превосходна, насколько я могу судить. Она показывает приятное нарастание и разнообразие при мудрой умеренности, как, например, на стр. 8, где слова „und in der Gluth des Kampfes“ (и в пылу борьбы) лишь тихо намечены тремоло альтов и теноровым тромбоном с последующим p фанфары трубы. Красиво также будут звучать на стр. 6 и 10 нежно нисходящая флейта» и т. д. и т. д. —

То, что у Глюка среди первых поклонников был Руссо, заставляет задуматься: по крайней мере для меня всё, что ценил этот человек, вызывает вопросы; равно как и все, кто ценил его (— это целое семейство Руссо, сюда же относятся Шиллер, отчасти Кант, во Франции Ж<орж> Санд, даже Сент-Бёв; в Англии Элиот и т. д.). Каждый, кому была нужна «моральная добродетель», faute de mieux (за неимением лучшего), принадлежал к почитателям Руссо, вплоть до нашего любимца Дюринга, который имеет вкус прямо представлять себя в своей автобиографии Руссо девятнадцатого века. (Заметьте, как кто-то относится к Вольтеру и Руссо: есть глубочайшая разница, говорит ли он «да» первому или второму. Враги Вольтера (например, Виктор Гюго, все романтики, даже последние утончённые романтики, как братья Гонкур) все до одного милостивы к замаскированному плебею Руссо — я подозреваю, что в основе самого романтизма можно найти нечто от плебейского ресентимента..) Вольтер — великолепная остроумная каналья; но я придерживаюсь мнения Галиани:

«un monstre gai vaut mieux
qu’un sentimental ennuyeux»

В<ольтер> возможен и терпим только на почве благородной культуры, которая как раз может позволить себе роскошь духовной канальства… —

Видите, какие тёплые чувства, какая «терпимость» уже начинают переполнять меня от моей печки…

Пожалуйста, дорогой друг, держите эту задачу в уме, вам от неё не уйти: вы должны в rebus musicis et musicantibus (в музыкальных делах и среди музыкантов) вернуть честь более строгим принципам, делом и словом, и соблазнить немцев парадоксом, который только сегодня является парадоксом: что более строгие принципы и весёлая музыка принадлежат друг другу…

Преданно и благодарно Ваш друг Н.

959. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)

Nizza d. 25 Nov. 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель,

экземпляры новой книги благополучно попали мне в руки, равно как и Ваши любезные сообщения от 22 ноября. Что касается последних, должен добавить, что мы не хотим отправлять экземпляр «По ту сторону» и «Генеалогии» г-же Моно, зато хотим отправить их по этому адресу (с красивым красным ярлыком на каждом):

Monsieur Victor Cherbuliez

de l’Académie.

Redaction de la Revue des Deux Mondes

Paris

— Визитные карточки придутся мне сейчас очень кстати: прошу прислать их как можно скорее.

Ваш покорный слуга
Д-р Ницше

960. An Georg Brandes in Kopenhagen

Nizza den 2. Dez. 1887.

Глубокоуважаемый господин,

несколько читателей, которых ценишь сам, и больше никаких читателей — именно таково одно из моих желаний. Что касается последней части этого желания, то я, конечно, все больше вижу, что оно остается неисполненным. Тем счастливее я от того, что в отношении «satis sunt pauci» мне не недостает этих pauci, и никогда не недоставало. Из ныне живущих среди них я назову (чтобы назвать тех, кого Вы, вероятно, знаете) моего выдающегося друга Якоба Буркхардта, Ганса фон Бюлова, г-жу Тэн, швейцарского поэта Келлера; из умерших — старого гегельянца Бруно Бауэра и Рихарда Вагнера. Мне доставляет искреннюю радость, что такой добрый европеец и миссионер культуры, как Вы, отныне желает принадлежать к их числу: я благодарю Вас от всего сердца за это доброе намерение.

Конечно, Вам придется с этим нелегко. Я сам не сомневаюсь, что мои сочинения в чем-то еще «очень немецкие»: Вы, разумеется, почувствуете это гораздо сильнее, будучи избалованы сами собой, я имею в виду ту свободную и изящную, по-французски легкую манеру обращаться с языком (более общительную манеру по сравнению с моей). Многие слова у меня покрылись другими солями и ощущаются на языке иначе, чем у моих читателей: к этому добавляется и то, что в шкале моих переживаний и состояний перевес на стороне более редких, отдаленных, более тонких тональностей по сравнению со средними, нормальными. К тому же у меня (говоря как старый музыкант, коим я, собственно, и являюсь) есть слух на четверти тонов. Наконец — и это, пожалуй, больше всего делает мои книги темными — во мне живет недоверие к диалектике, даже к доводам. Мне кажется, что дело скорее в мужестве, в степени силы этого мужества, в том, что человек уже считает «истинным» или еще нет… (У меня лишь редко хватает мужества на то, что я, собственно, знаю).

Выражение «аристократический радикализм», которым Вы пользуетесь, очень удачно. Это, с позволения сказать, самое проницательное слово, которое я до сих пор читал о себе. Как далеко этот образ мыслей уже завел меня в моих раздумьях, как далеко он еще заведет — я почти боюсь представлять себе это. Но есть пути, которые не позволяют идти по ним вспять; и поэтому я иду вперед, потому что должен идти вперед.

Чтобы я, со своей стороны, не упустил ничего, что могло бы облегчить Вам доступ в мою пещеру, то есть к моей философии, мой лейпцигский издатель должен переслать Вам все мои прежние сочинения en bloc. Я рекомендую в особенности прочесть их новые предисловия (они почти все переизданы). Эти предисловия, прочитанные одно за другим, быть может, прольют некоторый свет на меня, при условии, что я не являюсь темным сам по себе (темным в себе и для себя —), как obscurissimus obscurorum virorum…

— Это ведь было бы возможно. —

Вы музыкант? Как раз сейчас выпускают мое хоровое произведение с оркестром, «Гимн жизни». Ему суждено остаться от моей музыки и однажды быть исполненным «в память обо мне»: при условии, что от меня самого останется достаточно. Вы видите, с какими посмертными мыслями я живу. Но такая философия, как моя, подобна могиле — с ней больше не живут. «Bene vixit, qui bene latuit» — так написано на надгробии Декарта. Эпитафия, вне всякого сомнения!

Это также и мое желание — однажды встретиться с Вами.

Ваш
Ницше

NB. Эту зиму я остаюсь в Ницце. Мой летний адрес: Зильс-Мария, Верхний Энгадин, Швейцария. — Свою университетскую профессуру я оставил. Я на три четверти слеп.

961. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Nizza den 2. Dez. 1887.

Глубокоуважаемый господин издатель,

только что я дал обещание выдающемуся доктору Георгу Брандесу, датчанину, для выполнения которого мне, конечно, потребовалось бы Ваше согласие. Он выразил самое серьезное желание заняться изучением всего круга моих мыслей и сочинений; чтобы сделать это возможным, мы должны передать ему все мои произведения, которые находятся в Ваших руках. Хотя у него уже есть несколько моих работ, у него нет ничего из новых изданий. Он принадлежит к числу самых искусных миссионеров новых идей, которых я знаю, и обладает широким кругом влияния. Будучи сотрудником всех крупных европейских и немецких журналов, пишущим отчасти на немецком, отчасти на датском, отчасти на французском языках, а в последние годы читавшим лекции в Петербурге, Москве и Варшаве, он как нельзя лучше подходит для того, чтобы выступать посредником между народами и делать известными новые имена. Его выдающиеся труды о немецкой и французской литературе (вышедшие в Лейпциге, в издательстве Veit u. Co. и других) Вам, возможно, известны. Его адрес:

Д-р Георг Брандес
Копенгаген, Дания
Святой Анны площадь, 24.

С глубоким уважением
Ваш покорнейший
Д-р Ницше

Ницца, Пансион де Женев

962. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 3. Dezember 1887>

Моя добрая старая матушка, у нас почти непрерывно стоит печальная погода, которая давит на меня: так что ни мое здоровье, ни моя работа не могут прийти в норму. В остальном у меня были бы причины быть в хорошем настроении: приходили прекрасные и неожиданные письма со всех концов света. Твой сын теперь стал силой: он укрепляет и оживляет, он создает другим «хорошую погоду». — Антисемитскую литературу, прошу тебя, и впредь от меня скрывать. Г-н Буссе тоже антисемит. — Что касается Гимна, то со своей стороны ничего больше не предпринимай и пусти всё на самотёк. Если Наумбург его не исполнит, то, возможно, ты сможешь услышать его в Лейпциге — и в десять раз достойнее! Стихотворение пусть пока считается моим произведением (и везде так считается). Я еще найду случай «воздать честь тому, кому она подобает». В данный момент это было бы некстати. (Придворный капельмейстер Моттль в Карлсруэ пишет мне, что Гимн требует очень хорошего исполнения, чтобы произвести свое впечатление. Это заставляет меня сомневаться в наумбургском исполнении)

Твое старое создание.

962a. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, um den 10. Dezember 1887>

Быстро несколько слов благодарности за Твое уютное письмо, которое, казалось, пришло из теплой комнаты и принесло многое, что меня интересует. Я сначала отвечу на Твой вопрос относительно моего состояния, которое <sich> находится у господина Кюрбитца: я полагаю, что оно там в самой полной безопасности. Представь себе, что как раз в эти дни старая пасторша получила письмо из Америки, в котором сообщается новость, что ее состояние, вложенное там у администратора и управлявшееся им в течение многих лет (ок. 200 000 марок, самим заработанных), потеряно, и что администратор покончил с собой. Здесь не было недостатка ни в осторожности, ни — — —

Что касается г<ymnus>, я полностью с Тобой согласен: поскольку полагают, что исполнением оказывают мне особую услугу, то я могу от нее — — —

пока Наумбург не считает для себя честью иметь возможность исполнить что-либо мое с моего разрешения, все стоит вверх дном; и ни при каких обстоятельствах я не желаю, по возможности, быть еще и благодарным.

962b. An Ernst Julius Kürbitz in Naumburg

Nizza den 11. Dez. 1887.

Глубокоуважаемый господин,

Дело, по поводу которого я писал Вам в прошлый раз, тем временем уладилось. Зато сегодня у меня есть к Вам просьба, касающаяся предстоящего праздника Рождества. Я желаю, чтобы моей матери от моего имени были переданы 30 марок (тридцать марок), и был бы Вам признателен, если бы это произошло как можно скорее.

С неизменным глубоким уважением,
Ваш
Проф. д-р Ф. Ницше.

Ницца, пансион де Женев

963. An Carl Fuchs in Danzig

Nizza (France) den 14. Dez. 1887 pension de Genève

Любезный и достойный друг,

это был очень удачный момент, чтобы написать мне такое письмо. Ибо я, почти против своей воли, но в силу неумолимой необходимости, как раз нахожусь в самом разгаре процесса сведения счетов с людьми и вещами вокруг меня и сдачи в архив всего моего «доселе». Почти всё, что я сейчас делаю, — это подведение черты. Весьма ужасной была сила внутренних колебаний в последние годы; теперь, когда я должен перейти к новой и более высокой форме, мне прежде всего нужно новое отчуждение, еще более высокое обезличивание. При этом существенно, что и кто у меня еще остается. —

Сколько мне на самом деле лет? Я не знаю; так же, как не знаю, насколько молодым я еще буду. —

Я с удовольствием рассматриваю Ваш портрет; мне кажется, в нем много юности и отваги, смешанных, как и подобает, с начинающейся мудростью (и седыми волосами? ..)

В Германии сильно жалуются на мои «эксцентричности». Но так как не знают, где мой центр, то вряд ли смогут правдиво судить о том, где и когда я до сих пор был «эксцентричен». Например, то, что я был филологом, — этим я был вне своего центра (что, к счастью, вовсе не означает, что я был плохим филологом). Точно так же: сегодня мне кажется эксцентричностью то, что я был вагнерианцем. Это был чрезвычайно опасный эксперимент; теперь, когда я знаю, что не погиб от него, я также знаю, какой смысл он имел для меня — это было мое самое суровое испытание характера. Постепенно самое сокровенное, конечно, дисциплинирует человека, возвращая его к единству; та страсть, для которой долго нет названия, спасает нас от всех отступлений и рассеяний, та задача, невольным миссионером которой являешься.

Подобные вещи очень трудно понять на расстоянии. Мои последние десять лет были из-за этого чрезвычайно болезненными и бурными. Если у Вас возникнет желание услышать больше об этой злой и проблематичной истории, то Вашему дружескому вниманию рекомендуются новые издания моих прежних сочинений, в особенности их предисловия. (Кстати замечу: мой по веским причинам несколько отчаявшийся издатель, достойный Э. В. Фрич в Лейпциге, готов предоставить эти новые издания каждому, при условии, что ему пообещают взамен длинное эссе (о «Ницше en bloc»). Крупные литературные журналы, такие как «Nord und Süd» Линдау, созрели для того, чтобы нуждаться в таком эссе, так как заметно реальное беспокойство и волнение по поводу значения моей литературы. До сих пор ни у кого не хватило мужества и интеллекта открыть меня для милых немцев: мои проблемы новы, мой психологический горизонт пугающе обширен, мой язык смел и немецкий, возможно, нет более глубоких по мысли и более независимых немецких книг, чем мои)

— Гимн также относится к этому «подведению черты». Не можете ли Вы как-нибудь дать его исполнить? Мне уже с разных сторон обещали его постановку (например, Моттль в Карлсруэ). Его истинное предназначение, конечно, в том, чтобы однажды быть исполненным «в память обо мне»: он должен остаться от меня, при условии, что я сам останусь.

Сохраните обо мне добрую память, мой дорогой господин доктор: я сердечно благодарю Вас за то, что Вы хотите оставаться преданным мне и во второй половине Вашего столетия.

Ваш друг
Ницше

964. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, pension de Genève den 20. Dez. 1887.

Дорогой друг,

я как раз собирался спросить Вас о Вас: ведь Ваше последнее письмо датировано 12 ноября. Ваша открытка вызывает у меня болезненное подозрение, что последнее письмо не дошло. Моя мать, однако, с большой радостью и благодарностью рассказала мне об очень хорошем письме, которое Вы ей написали вместе с присланным гимном. Это было последнее, что я о Вас знал. Вчера я наконец раздобыл небольшое сочинение, которое дает превосходные намеки на ту проблему, которой были посвящены наши последние письма: А. Пужен, «Первые начала французской оперы». Решающим в нем является длинное письмо того оригинального ума, которому мы обязаны французской оперой, Перрена, от 1659 года. В нем методично, по 9 рубрикам, перечисляется то, что вызывало сопротивление французов в тогдашней итальянской опере, и почему была предпринята эта новация. Письмо, впервые перепечатанное в упомянутой книге, является капитальным фактом для истории культуры. —

Вы видите, что я душой с Вами; и было еще одно особое событие, на котором мне Вас не хватало и где я Вас искал, как редко когда, а именно первое представление «Кармен» в большом итальянском театре — истинное событие для меня: я за эти 4 часа пережил и понял больше, чем обычно за 4 недели. Вся честь господину Сонзоньо! Аншлаговый дом, много самой знатной публики (герцог де Монпансье и т. д.), несравненно трагическое впечатление, всё в сто раз испанское, чем можно было бы понять и оценить в Германии. Когда я снова увижу Вас, я расскажу Вам, что я понял. От исполнения «Рыбаков» я осилил только первый акт: произведение еще не уравновешено; влияние образцов (Гуно, Фел. Давид, «Лоэнгрин» Вагнера) ощущается непосредственно и непреодоленно. —

О возврате Хегаром я не скажу ни слова. Пропасть стала слишком большой со всех сторон; мне нужны всякого рода самоистязания, чтобы самому не попасть в число людей, движимых ресентиментом. Тот вид оборонительного состояния, в который ставят себя по отношению ко мне люди, бывшие когда-то моими друзьями, имеет нечто раздражающее, что действует болезненнее, чем нападение. «Не слышать и не видеть» — кажется, таков девиз. На гимн больше никто не ответил, кроме Брамса (он написал: «И<оганнес> Б<рамс> позволяет себе настоящим выразить свою искреннюю благодарность за Вашу посылку: за честь, которой он ее считает, и за значительные импульсы, которыми он Вам обязан. С глубоким уважением, преданный»). На книгу было только два письма, правда, очень хороших: одно от доктора Фукса и одно от доктора Георга Брандеса (самый остроумный датчанин, который сейчас есть, т. е. еврей). Последний намерен основательно заняться мной: он поражен «первоначальным духом», который говорит из моих сочинений, и использует для их характеристики выражение «аристократический радикализм». Это хорошо сказано и прочувствовано. Ах, эти евреи! — Пара рецензий на мой «По ту сторону», присланных мне Науманом, показывают только злую волю: слова «психиатрический» и «патологический» должны служить объяснением моей книги и ее осуждением. (Между нами говоря: предприятие, в котором я нахожусь, имеет нечто чудовищное и немыслимое, — и я не могу винить никого, у кого при этом здесь и там возникает сомнение, в своем ли я еще «уме»)

Не забыть самое прекрасное: мой старый друг Герсдорф самым честным и сердечным образом восстановил свои отношения со мной: это был настоящий подарок для меня. Он требует, чтобы я основательно просветил его о Вас, дорогой друг, — я попытаюсь сделать это еще сегодня.

Я трудолюбив, но меланхоличен и еще не вышел из того неистового колебания, которое принесли с собой последние годы. Еще недостаточно «деперсонализирован». — Тем не менее я знаю, что сделано и отделано: черта подведена под моим прежним существованием — в этом был смысл последних лет. Конечно, именно этим данное прежнее существование проявило себя как то, чем оно является — простое обещание. Страстность последнего сочинения имеет нечто пугающее: я читал его позавчера с глубоким изумлением, как нечто новое.

Расскажите мне, дорогой друг, о сплошь хороших вещах!

Искренне Ваш Н.

965. An Carl von Gersdorff in Ostrichen bei Seidenberg

Nice (France) Hôtel de Genève 20 Dec. 1887.

Дорогой друг,

редко в моей жизни письмо доставляло мне такую радость, как твое от 30 ноября. Мне кажется, что этим всё между нами самым честным и основательным образом приведено в порядок. Такое счастье не могло выпасть на мою долю в более подходящее время, чем нынешнее. В значимом смысле моя жизнь сейчас находится как бы в полном зените: одна дверь закрывается, другая открывается. Всё, что я делал в последние годы, было сведением счетов, завершением, подведением итогов прошлого; я покончил с людьми и делами и подвел под этим черту. Кто и что должно остаться со мной теперь, когда я должен перейти к самой сути своего существования (перейти к которой я обречен…), — это сейчас капитальный вопрос. Ибо, говоря между нами, напряжение, в котором я живу, давление великой задачи и страсти слишком велико, чтобы новые люди могли теперь приблизиться ко мне. На самом деле пустота вокруг меня огромна; я, по сути, выношу только совсем чужих и случайных людей, а с другой стороны — тех, кто принадлежит мне с давних пор и с детства. Всё остальное отпало или было отторгнуто (при этом было много насильственного и болезненного —)

Меня тронуло получить твое письмо и твою старую дружбу в нем в подарок именно сейчас. Нечто подобное произошло прошлым летом, когда внезапно в Энгадине появился Дойссен, которого я не видел 15 лет (— он первый профессор философии шопенгауэровского толка и утверждает, что я — причина его преображения). Также я глубоко благодарен за всё то, чем я обязан венецианскому маэстро. Я навещал его почти каждый год и могу сказать тебе без всякого преувеличения: он в rebus musicis et musicantibus — моя единственная надежда, мое утешение и моя гордость. Ибо он вырос почти из меня: и то, что он сейчас создает в музыке, по высоте и доброте души, а также по классичности вкуса, стоит далеко выше всего, что сейчас создается в музыке. То, что к нему относятся неприязненно и непристойно и что он целые годы претерпевал настоящие муки из-за отказов, бестактностей и немецкой грубости, не противоречит этому. Но такова мораль истории: либо человек погибает от превратностей жизни, либо выходит из них более сильным.

И ты, мой дорогой старый друг! Ты, много испытавший! сможешь подписаться под этой фразой? —

Мне кажется, что в этот раз я написал тебе письмо ко дню рождения? Совсем как прежде, в наше «доброе старое» время? (Я действительно ни на мгновение не был тебе неверен: передай это также своей дорогой жене, вместе с моими искренними пожеланиями!)

В старой любви и
дружбе твой Ницше

Только что вышло в издательстве Э. В. Фрича: Гимн жизни. Для смешанного хора и оркестра, сочинено Фридрихом Ницше. Партитура. — Пожалуйста, прочти новое издание «Веселой науки»: — там есть над чем посмеяться.

966. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza,> 28. Dezember 1887.

Сегодня лишь привет и поздравление с переходом из старого года в новый! Зима сурова; боюсь, что она доставляет тебе нужду, заодно со схоластикой… Здесь со вчерашнего дня глубокий снег: нечто новое для меня, даже для многих нисуазцев. Пальмы, перегруженные снегом, желтые апельсины, выглядывающие из-под снега, над ними невероятное небо, совершенно сияющее от радости — всё очень фантастично и абсурдно. Снег здесь зернистого и плотного вида (такой вид здесь называют neige de Corse). В этих обстоятельствах я завидую сам себе из-за своей маленькой печки (которую я каждое утро ровно в 6 часов растапливаю): ведь у меня северная комната. В остальном немного хорошего, что можно сообщить; тяжесть моего существования снова давит на меня сильнее; почти не было совсем хорошего дня; и много забот и меланхолии. Сохрани мне свою верность и любовь, старый друг!

Н.

Деньги прошу прислать мне обычным способом, заказным письмом, pension de Genève.

967. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)

Nizza, den 29. Dec. 1887.

— — — прочитав «antisem<itischen> Correspondenz», я больше не знаю пощады. Эта партия по очереди испортила мне издателя, мою репутацию, мою сестру, моих друзей — ничто больше не стоит на пути моего влияния, кроме того, что имя Ницше связывают с такими антисемитами, как Э. Дюринг: не стоит ставить мне в вину, если я прибегаю к средствам самообороны. Я выставляю за дверь каждого, кто вызывает у меня подозрения в этом отношении. (Ты понимаешь, насколько для меня истинное благодеяние, что эта партия начинает объявлять мне войну: только это происходит на 10 лет позже —)

Мы здесь с позавчерашнего вечера в снегу: для Ниццы это нечто совершенно редкое, я еще такого не видел. Пальмы, покрытые снегом, желтые апельсины, выглядывающие из-под снега — это выглядит любопытно; и при этом небесная погода, ясная и сияющая, море прекраснейшего синего цвета. Холод ночью опускается до 3 градусов ниже нуля; в этих обстоятельствах моя маленькая печка бесценна (— ее топят каждое утро в 6 часов, так что во время моего сидения за письменным столом мне сносно тепло.) В Ницце дела обстоят не лучшим образом, что касается гостей; наш дом относительно самый посещаемый (ок. 45 человек). Время до снега было чудесным временем для прогулок: только пыль доставляла мне много хлопот (еще в день Рождества —)

В моей комнате стоит большая масса книг; есть также небольшой книжный шкаф. Есть также превосходный шезлонг (я больше не могу хорошо жить без такого). Наша кухня этой зимой очень похвальна. Мое намерение состоит в том, чтобы продержаться примерно до конца марта (— пока солнце не погонит меня прочь, так как оно становится слишком ослепительным)

— А теперь, моя старая любимая мама, мы подошли к концу этого года: я желаю себе и тебе в новом году мужества, терпения и — очень красивых писем. С любовью обнимаю тебя

Твое старое создание.

968. An Elisabeth Förster in Asuncion (Entwurf)

<Nizza, Ende Dezember 1887>

Мне тем временем черным по белому доказали, что господин доктор Фёрстер и сейчас еще не оставил свою связь с антис<емитским> движением. Один лейпцигский олух и филистер (Фрич, если я правильно помню) взял на себя эту задачу, — он до сих пор регулярно присылал мне, вопреки моему энергичному протесту, антис<емитскую> корреспонденцию (я не читал до сих пор ничего более презренного, чем эта корреспонденция). С тех пор мне трудно сохранить в твою пользу хоть что-то из той старой нежности и бережного отношения, которые я так долго питал к тебе, ведь разрыв между нами теперь окончательно закреплен самым абсурдным образом. Ты совсем ничего не поняла, для чего я в этом мире?

Хочешь каталог убеждений, которые я воспринимаю как антиподные? Ты найдешь их довольно мило собранными вместе в «Отголосках к П<арсифалю>» твоего супруга; когда я читал их, меня осенила ужасающая мысль, что ты ничего, ничего не поняла в моей болезни, так же мало, как и в моем самом болезненном и неожиданном осознании — что человек, которого я больше всего почитал, в отвратительном вырождении перешел прямо к тому, что я всегда больше всего презирал, к дурману моральных и христианских идеалов. — Теперь достигнуто так много, что я должен защищаться руками и ногами от смешения с антис<емитской> сволочью; после того как моя собственная с<естра>, моя прежняя с<естра>, как недавно снова Видеман, дали повод к этому самому злосчастному из всех смешений. После того как я даже прочитал имя З<аратустры> в антис<емитской> корреспонденции, мое терпение лопнуло — я теперь против партии твоего супруга в состоянии необходимой обороны. Эти проклятые грязные антисемитские рожи не должны прикасаться к моему идеалу!!

То, что наше имя из-за твоего брака смешано с этим движением, — сколько я уже из-за этого настрадался! Ты за последние 6 лет потеряла всякий разум и всякую осмотрительность.

Небо, как же мне это тяжело!

Я, как и подобает, никогда не требовал от тебя, чтобы ты понимала положение, которое я как ф<илософ> занимаю в свое время; тем не менее, ты могла бы, имея хоть немного инстинкта любви, избежать того, чтобы так прямо поселиться у моих антиподов. Я сейчас думаю о сестрах примерно так, как думал Ш<опенгауэр>, — они излишни, они сеют нелепости.

Я наслаждаюсь как результатом последних 10 лет тем, что я потерял добродушную иллюзию, будто кто-то знает, в чем дело со мной. Я годами был на пороге смерти: ни малейшего представления об этом у кого-либо, почему. И когда я снова стал господином и медленно снова... почти все л<юди>, которых я знаю, буквально соревновались в том, чтобы снова и снова ставить под вопрос мое выздоровление самым оскорбительным обращением:

я теперь остерегаюсь связываться с нынешними л<юдьми>; ибо мое воспоминание почти обо всех тех, кого я до сих пор знаю, таково, что я в самые тяжелые времена моей жизни был ими позорно обижен

До сих пор я, конечно, никому не простил того, кто за последние 10 лет посягал на меня: но, возможно, я научусь и этому, моя память имеет мало места для моих переживаний

мне, например, до сих пор было невозможно посетить Овербеков в Базеле, потому что я не простил фрау Овербек того, что она составила грязные и недостойные представления о с<уществе,> о котором я сам ей говорил, что это единственная родственная натура, которую я до сих пор встречал в жизни. То же самое касается и Мальвиды, и, в сущности, всех моих старых знакомых: в этом пункте мою честь до сего мгновения не восстановили. Визит достоп<римечательного> Дейссена напомнил мне об этом положении дел.

3. Я слишком долго из определенного абсурдного добродушия предполагал, что люди примерно знают, в чем дело со мной (например, почему я годами жил в непосредственной близости от смерти). Ну что ж, шаг за шагом я стал «знающим» относительно этого (что никто ничего не знает обо мне); и самое лучшее то, что я, с тех пор как «знаю» это, чувствую себя лучше, независимее и доброжелательнее настроенным ко всем.

Я теперь поставил себя в положение, к которому до сих пор чувствовал себя лишь «приговоренным» (а именно никогда не слышать родственного звука), более того, я именно в этом осознал отличительную черту моего положения, моей проблемы, моей новой постановки вопроса.

Я учусь мириться с положением, к которому до сих пор всегда считал себя приговоренным: а именно никогда не слышать родственного звука

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