1886 (132 Briefe)
655. An Bernhard Daechsel in Sangerhausen (Entwurf)
Eben giebt mir meine Schwester ihr Argwohn zu verstehn es möchte ein von mir an Dich abgesandtes Dankeswort nicht bei Dir angelangt sein: da fällt mir ein, daß ich selber beim Empfang Deines letzten, lieben Briefs und seiner guten Wünsche den gleichen Eindruck und schwarze Hintergedanken hatte — und nun habe ich schon eine halbe Stunde auf die nachlässige und unordentliche Italiänerin räsonnirt, welche meine Besorgungen in der Stadt zu machen hat, falls ich sie nicht selber mache. Sie sagt natürlich, daß sie alle Briefe richtig in den Kasten werfe — aber — — —
Seltsam, es ist der dritte Fall in diesem Winter, daß ich auf den Gedanken gebracht werde, es möchten Briefe von mir nicht besorgt werden. Warum doch? Vielleicht der Briefmarken halber? — Gesetzt aber, mein Verdacht wäre begründet, so bliebe nichts übrig als zu wiederholen, was ich in jenem Br<ief> gesagt — und ich thue es mit herzlichem Vergnügen. Du hast mir einen großen Dienst erwiesen, mein lieber O<nkel>, denn ich zweifle nicht, daß ich ohne Deine Ermuthigung dieses energische Handeln zur rechten Stunde um mein mir wohlverdientes gesammtes Honorar für meine bisherigen Schriften gekommen sein würde: — ein Fall, der nicht nur als Geldverlust, sondern noch schlimmer in seiner moral<ischen> Consequenz auf mich fort-gewirkt haben würde.
Solche Erfahrungen „verderben den Charakter“, wie ich zu sagen pflege: und wer uns solche Erfahrungen erspart, ist also auch unser moral<ischer> Wohlthäter. Und sonderlich wir Philosophen, die wir allzugeneigt sind, unsre schlechten Erlebnisse zu generalisiren und dem gesamten Leben in die Rechnung zu schreiben, haben sehr dankbar zu sein, wenn wir ein gutes gegen ein schlechtes Erl<ebnis> eingetauscht bekommen: — nun, wir generalisiren auch diese Erfahrung viell<eicht> etwas unbesonnen, aber das ist weniger gefährlich — —
656. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg
Meine Lieben,
Ihr habt mich inzwischen mit allen möglichen guten Dingen und Projekten, Schriften, Uhrschnüren, Zukunfts-Öfchen, Zukunfts-Zuhörerchen, ausgegrabenen Griechen und emporgezogenen Deutschen überhäuft und überwältigt, so daß ich ein bischen den Verstand dabei verlor. Nun ist er wieder gekommen, und sofort verlangt er, daß ich Euch einen Dankesbrief schreibe. Zu alledem ist unser Winter herrlich, und wir haben hier guten Grund dankbar zu sein; denn sobald man in die Zeitungen blickt, heißt es „Schneesturm in Wien“ usw. Zwar haben auch wir es zu Schnee gebracht; er sah so komisch aus, daß ich glaubte, er stamme von einem Conditor und boulanger de luxe und schmecke vielleicht süß. Eine ganz heimtückische Lüge stand über unser Clima in der Leipziger „Illustrirten Zeitung“: wörtlich „An der Riviera, die uns sonst um diese Zeit mit Blumen zu versorgen pflegt, ist Alles erfroren“. Ich empfehle den Redacteur tüchtig „emporzuziehn“, an den Haaren natürlich! —
Mir ist zu Muthe, als sei ich das erste Mal in Nizza; mindestens weiß ich jetzt besser mir das Schöne, was zu mir hier paßt, zu Gemüthe zu führen und das Übrige einfach zu ignoriren. Die feine Luft, die zarten Farben aller Art, die unbeschreibliche Sonnigkeit — es hat etwas Begeisterndes, wenigstens für mich. Mein Kopf ist hier zehn Mal mehr werth als in Zürich oder Leipzig, hier, wo ihm das Clima „congenial“ ist, um mich äußerst gebildet auszudrücken. Es ist kein Zweifel, daß ich jedes Jahr (jeden Winter! aber nicht die andere Zeit!) jetzt einen Rucks weiter zur Gesundheit gemacht habe; und zwar zur Gesundheit meines Kopfes, nicht meiner Augen (unter uns gesagt —) Das Projekt mit Vorlesungen hat viel Verführerisches; trotzdem darf ich es nicht allzu sehr aus der Nähe betrachten, aus verschiedenen Gründen. Es thut gut, damit noch etwas Geduld zu haben; einstweilen solltet Ihr, meine Lieben, Eure Blicke lieber nach etwas „Zeitgemäßerem“ Umschweifen lassen. Zum Beispiel nach einer sogenannten Lebensgefährtin. Das Signalement ist: lustig, hübsch noch sehr jung, und im Übrigen ein tapferer kleiner Hammel à la Irene Seydlitz (mit der ich mich beinahe „Du“ nenne) — Dem Onkel Bernhard habe ich natürlich geschrieben, aber ich entnahm seinem Neujahrs-Glückwunschbrief an mich denselben Verdacht, den Du, mein liebes Lama, gehabt hast: daß der Brief nicht angekommen ist. Dies ist das dritte Mal, daß ich diesen Winter auf die Vermuthung komme, es sei ein Brief von mir unterschlagen oder sonst etwas. Ich habe dem Onkel ein paar Zeilen darüber noch zugeschickt.
Meine Lieben, es scheint mir nicht möglich, den hiesigen Himmel mit seinen 220 wolkenlosen Tagen wie ein Öfchen in den Koffer zu stecken und nach Zürich überzusiedeln. Traurig!
Auch hier Vorlesungen über Südamerika, eingerechnet Paraguay. Der Reisende, sehr entzückt im Ganzen (nach einer Reise von 3 1/2 Jahren) behauptet zuletzt, nichts gefunden zu haben, was schöner sei als Nizza.
Von schweizerischer Seite wurde ich auf den Gedanken gebracht, daß das vielfache, fast regelmäßige Scheitern deutscher oder schweizerischer Colonien in den La-Plata-Staaten seinen Grund in der Vermengung der Nationalitäten habe d. h. im Durcheinanderleben deutscher und romanischer Elemente. Es entstehe da kein Gefühl von Heimat, von Zu Hause sein, wenn man die italiänische Schmutzerei usw. in der nächsten Nähe habe. Principiell Romanen ausschließen und ebenso principiell die Reinlichkeit in Wohnung und Leben affichiren: das sei die Hauptsache, aber beides sei nicht leicht, weil das Erste im Widerspruch mit der Regierungspraxis jener Länder stünde, das Zweite mit dem Clima. Nun, vielleicht kann man die Deutschen dazu „emporziehn“.
Mit dem herzlichsten Gruße und Danke
Euer Fritz.
657. An Reinbart und Irene von Seydlitz in München
Meine sehr lieben Freunde,
außer für zwei so gute Briefe habe ich heute auch noch dem angenehmen Schalk Zufall allerschönstens zu danken, dafür daß er mich, ganz unverdientermaaßen, bei meinen Freunden in „guten Geruch“ — Blumen-Geruch! gebracht hat. Möchte ich doch im Stande sein, etwas von unserem unverwüstlichen Sonnen-Wetter (ein Tag wie der andre) unter Kreuzband zu senden, am besten ein gutes Stück blauen Himmels, an dem wir hier Überfluß haben — Nizza rechnet im Jahre auf 220 absolut wolkenlose Tage und hat damit in Europa keinen Nebenbuhler, auch an dieser Küste nicht. Es ist das belebendste Klima, das sich denken läßt, das „Paradies der Kranken und Greise“ (folglich der heutigen Philosophen, welche, in irgend einem Sinne, etwas von Beidem zu sein pflegen)
Meine lieben Freunde, eigentlich sind hier alle Bedingungen zusammen, um sehr gesund, sehr gut beleuchtet, sehr kosmopolitisch, ja sogar sehr billig zu leben (letzteres in Folge des rapiden Niedergangs der Wohnungspreise und der allgemeinen Hôtel-Calamität, welche keine Aussicht hat bald zu verschwinden.) Dank den großen Liquidationen kann man hier zu sehr hübschen Meubles und Einrichtungen kommen. Die Fremden-Welt, wie sie hier lebt, scheint mir zuletzt für einen Künstler und Impresario „in Japonicis“ mehr vorbereitet als vielleicht die Gesellschaft irgend einer europäischen Großstadt. Das slavische Element (Polinnen, Russinnen) überwiegt.
— Was Alles nur ausdrücken soll, daß ich eine herzliche Sehnsucht habe, Euch hier zu haben.
Nehmt, wenn ich bitten darf, Euren Freund mit in Eure Zukunftspläne, Zukunftsträume, Zukunftschlösser auf —, ich, wie ich eben verrathen habe, thue das Gleiche. Wer weiß, was da noch Gutes einmal herauskommt! Man soll hübsch zum Gotte Zufall beten: mitunter schickt er Blumen. —
Aber der Magen, der Vater der Trübsal auch bei mir! Jetzt will er, daß ich von Milch, Eiern, Feigen und Grahambrod lebe — ich glaube, so hat Epicur gelebt, der auch am Magen litt. Das Glück, wie es jener Weise verstand, ist das Glück eines Dyspeptikers - - - Und behaltet lieb Euren Freund
Nietzsche.
658. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Meine Lieben,
Werthester Freund, unsre Briefe haben sich gekreuzt, und mein vorletztes an Sie nach Wien abgesandtes Schreiben ist, wie ich Ihrer letzten Mittheilung entnehme, noch gerade zur rechten Zeit in Ihre Hände gelangt. Inzwischen verlangt es mich sehr nach Nachricht über Alles, was sich in Dresden begeben hat; und der angenehme Zweifel ist in mir aufgestiegen, ob es überhaupt noch nöthig ist, seine Blicke nach Carlsruhe zu richten:— vielleicht bedurfte es für Dr<esden> nur Ihrer Ankunft, um den Stein ins Rollen zu bringen — und den „Löwen“ zum Brüllen. So wenigstens redet mir täglich die Hoffnung zu… Es versteht sich von selber, daß ich jeden Augenblick bereit bin, nach C<arlsruhe> an M<ottl> zu schreiben: bezeichnen Sie mir nur den Termin, wo das Eintreffen eines Briefs Ihnen am nützlichsten erscheint. Der Genfer Professor der Musik, welcher den Winter über in Leipzig weilt, um seine Sachen aufzuführen, heißt Ruthardt: er wünscht sehr, Sie kennen zu lernen! Sie erfahren bei Riedel, wo er wohnt. (Vermuthlich kommen Sie nach Leipzig?)
Treulich
N.
659. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, alles schönstens in Ordnung und nochmals besten Dank! — „Herr Z<iller> wie Du schreibst, will den Klavierauszug des Kaisermarsches gern billiger als 22 Mark kaufen“? Aber er kostet neu nicht 22 Groschen: hier steckt wohl ein Mißverständniß? Übrigens möchte ich ihn behalten, es ist Musik, die ich immer noch sehr liebe. — Die Partitur des Kaisermarsches, die ich besitze, ist ja nicht zu verkaufen! sie ist 1) ein Geschenk W<agner>s an mich, 2) hat W<agner> mit diesem Exemplar der Partitur die erste Aufführung des Werks (in Leipzig) dirigirt; 3) sind handschriftliche Veränderungen im Notentext darin, derentwegen dieses Exemplar einen einzigen Werth hat. — Das gute Lama hat auch an mich geschrieben, einen rührenden Sylvester-Brief. Nun, wir müssen Alle zusehn, wie wir uns die nächsten Monate durchschlagen. Glaubst Du, daß Heinze’s nach Nizza kommen? Und wann? Ich selber bleibe bis zum 13. April (das ist, des Lichtes und meiner Augen wegen, der späteste Termin.) Das Wetter, Woche für Woche, unglaublich schön, hell von früh bis Abend. Treulich Dein
F.
Bürgschafts-Sache mit Schmeitzner ist erledigt. — Hast Du mit Kürbitz gesprochen? Ich schrieb an ihn. —
660. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
1. Ich hörte mit größter Theilnahme von R<ohde>’s Berufung: aber warum schreibt er gar nicht mehr an mich? Ich habe wenig Geduld für einen ehemaligen Freund übrig und wahrhaftig nicht als Einer, der von Natur ungeduldig und unduldsam wäre.
Aber ich habe diese ganzen 10 Jahre über (wenn ich meinen Freund O<verbeck> ein für alle Mal ausnehme) allzuviel Blödsinn, Oberflächlichkeit und Anmaßung von Seiten solcher erlebt, welche ich als meine Freunde glaubte. Ich danke dem Himmel, daß ich die Liebe meiner Angehörigen noch habe, nachdem auch diese, unter der Nachwirkung von allerlei „Freundschaftsdiensten“, wie gefährdet war.
3. Was aber meine ganze Lage betrifft, so erkenne ich gar Niemand mehr für meinen Freund an, der nicht das ungeheure Elend dieser Lage begreift: daß ein Mensch, der für die reichste und umfänglichste Wirksamkeit geboren ist, dermaßen in unfruchtbaren Einöden seine besten Jahre zubringen muß: daß ein Denker wie ich, der sein Bestes niemals in Büchern, sondern immer nur in ausgesuchten Seelen niederlegen kann, gezwungen ist, mit seinen halbblinden schmerzenden Augen „Litteratur zu machen“ — es ist Alles so verrückt! so hart!
661. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
es gäbe Vielerlei zu erzählen, wäre ich nur „bei besseren Augen“. — Ich danke bestens für Deine guten Freundes-Wünsche zum neuen Jahre; insgleichen waren mir die fünf Hundert-Scheine sehr willkommen (— sie ersparten mir den „Gang zum Banquier“, den ich hasse und der mich immer krank macht). Es giebt viel in diesem Jahre zu überwinden, zunächst die kommenden Monate, welche für meine Angehörigen nicht minder hart als für mich sind. Meine Mutter ist fast in Verzweiflung. — Gestern meldete sie mir das Definitivum in Betreff der Rohdeschen Angelegenheit: sie knüpft Hoffnungen daran; in der That ist mir Leipzig, das ja beinahe meine Heimat ist, nunmehr, als ein Rendez-vous aller meiner guten Bekannten und Kameraden von Ehedem, doppelt werth geworden. Sie hatte die Nachricht von Heinze’s, welche sich in diesem Herbste äußerst herzlich gegen mich benommen haben: auch wollen sie für die Osterferien mir hier in Nizza ihren Besuch machen. Dasselbe hat Herr Lanzky in Vallombrosa versprochen (ich habe alle Gründe dankbar zu sein, daß ein Mensch wie L<anzky>, ein merkwürdig edler und feiner Charakter, wenn auch leider kein „Geist“ — mir begegnet ist: auf die Dauer wird er wahrscheinlich so etwas wie meine „praktische Vernunft“, als Ökonom, Gesundheitsrath und dergleichen) Aus dem beiliegenden Briefe Köselitzens, den ich Dir mittheile, weil er seine Situation ganz klar macht — wirst Du ersehen, daß auch noch andre Besuche in Nizza in Aussicht stehen. Herr Widemann hat meiner Mutter den Wunsch ausgedrückt, ein paar Jahre in meiner Nähe leben zu können; ich gestehe, daß ich meine Bedenken hatte — Du wirst aber dem Briefe K<öselitz>s entnehmen, daß es vielleicht Gründe giebt, guten Muths hierin zu sein. Daß K<öselitz> seine korsische Oper (zu der ich ihm im letzten Sommer den Entwurf geschickt habe — er war entzückt davon) hier in Angriff nimmt, ist mein Wunsch; ich thue unter der Hand dies und jenes, um es zu ermöglichen. Schließlich halte ich die Hoffnung fest, daß meine drei Damen, die mir rührend zugethan sind, mesdames Fynn et Manshouroff ebenfalls hierher kommen. Man hat gar nicht so die Wahl, sich zu verlassen, wenn man sich erst gefunden hat: man trifft sie gar zu selten, diese vornehmen und zarten Seelen, mit denen man umgehn kann, ohne, wie gewöhnlich, sich Zwang anthun zu müssen. Jetzt sind sie in England. — Ich schrieb von meinem „Experimentiren“: nun, dem Himmel sei Dank, daß ich’s wagte und mich nicht wieder in die Marter des letzten Winters einspannte, an deren Nachwirkung ich noch ein halbes Jahr beinahe krank war. Alles, was hier von Basel ist, kommt mir dabei zu Hülfe, ebenso herzlich als respektvoll, wie es zur Basler Art gehört. Das Wetter ist unbeschreiblich schön, Woche für Woche; der Himmel leuchtend rein von früh bis Abend.
Erzähle Deiner lieben Frau, daß ich ein Jugendwerk Bizet’s gehört habe, die Orchestersuite Roma (der arme B<izet> selber hat sie nicht zu hören bekommen!) Anziehend-naiv und raffinirt zugleich, wie Alles von diesem letzten Meister der französischen Musik. — Von Herzen Dein Freund
N.
Ich habe, als erste Verwendung der Schmeitznerschen Gelder, das Grab meines Vaters mit einer großen Marmorplatte bedecken lassen. (Es wird nach dem Wunsche meiner Mutter, einstmals auch ihr Grab sein.)
662. An Felix Mottl in Karlsruhe (Entwurf)
Hoff<entlich> ist mein Name Ihnen nicht ganz unbekannt?
Man hat mir die angenehme Mittheilung gemacht, daß Hr P<eter> G<ast> das Schicksal s<eines> L<öwen> v<on> V<enedig> Ihren Händen und Ihrem Geschmacke anvertraut hat: darf ich gestehn, daß ich an Ihrer Entscheidung kaum weniger Antheil nehme als der Componist jener Oper selber. Ich liebe das Werk außerordentlich: vergeben Sie es dieser Liebe wenn sie den Versuch macht auch Sie, hochgeehrter Herr, zu einer besonderen Begünstigung dieser Oper überreden zu können.
Der Text, im vorigen Jh. von der guten Gesellschaft vorgezogen und geliebt, mehrfach componirt, noch von Stendhal ausdrücklich gelobt, erfordert freies Spiel: die „alte gute Zeit“ vor der franz. Revol., die Zeit der allerbesten und sehr männlichen Manieren, des Puders und der Brokat-Kleider kann vielleicht sogar absichtlich mit etwas Ironie vorgeführt und gleichsam unterstrichen werden: — der Reiz dieser Sitten ist gerade heute nicht gering. Die Oper darf sich als Rokoko-Oper geben (ich habe bemerkt, <daß> gerade heute unter den Künstlern eine Vorliebe für Rokoko herrscht)
Eine Rokoko-Oper: es muß Alles auch von Seiten der Dekoration gethan werden, um das Venedig von 1770, die heiterste verliebteste und geliebteste Stadt des vorigen Jhd.’s zum Ausdruck zu bringen.
Man darf dabei auf den auch heute noch wirksamen Zauber Venedigs rechnen, der einzigen Stadt, „von der man träumen kann, ohne sie gesehen zu haben“ Die Musik Peter Gast’s hat jene morbidezza und Zartheit, jenes Glückliche, Müssiggängerische, halb-Orientalische und Alles, was nur Nordische M<enschen> nach dieser geheimnißvoll heiteren und zärtlichen Stadt ohne Lärm und Staub immer wieder hinzieht. In der Musik hatte dieser eigentliche Zauber Venedigs bisher noch keinen Ausdruck bekommen. Wenn der Löwe von V<enedig> erst einmal auf allen Bühnen Eur<opa>’s „gebrüllt“ haben wird (denn ich prophezeie dieser Oper einen Erfolg wie ihn Carmen gehabt hat) wird man fühlen, wie diese Musik nur dort entstehen konnte — und inwiefern die Seele V<enedigs> hier zum Tönen gebracht ist
Es ist mir vom vorigen Winter her in Erinnerung, mit welcher Dankbarkeit gegen Sie ich in franz<ösischen> Zeitungen die Berichte über Ihre Aufführung von Bizet<s> posthumer Oper las: gönnen Sie, was Sie einem von mir verehrten Todten erwiesen haben, nunmehr einem Lebendigen, einem sehr Lebendigen sogar — denn dieser P<eter> G<ast> — — —
662a. An Louise Röder-Wiederhold
Verehrte Frau,
soeben habe ich einige Zeilen an den Kapellmeister Ihrer Oper Herrn Mottl geschrieben: da fällt mir ein, daß Jemand in Carlsruhe noch mehr einen Anspruch hat, von mir einen Brief zu bekommen. Vergeben Sie, ich war so lange schweigsam: wenn ich bei „besseren Augen“ wäre, würde ich sicherlich auch bei besserer Feder sein. (Gewagtes Deutsch! Aber was liegt daran! Wenn man im Deutschen, als Deutscher, nichts wagt, was liegt an uns Deutschen!)
Es ist mir noch in Erinnerung, daß Sie in Ihrem letzten Briefe ein Mittel gefunden hatten, mir meine Unzulänglichkeit in Sachen der Arithmetik vor Augen zu stellen. Der Himmel behüte Sie davor, daß ich nicht eines Tages noch ein Mittel finde, meine beleidigte Eitelkeit zu rächen! —
Jenes bewußte „grauschwarze Ungeheuer“ erweist sich als besonders wohlthätig: wir haben einen artigkalten Winter, und da der Philosoph es sich bisher versagt hat, einzuheizen — —
Unserm Freunde K. ist es auf seinen Kreuz- und Querfahrten schlimm ergangen. Jetzt steht der Stern über Carlsruhe! Gesetzt, daß der Löwe von Venedig dort „brüllen“ lernte — „zärtlich“ genug, um mit Shakespeare zu reden — so gäbe es für mich einen zweiten Verführungs-Grund, mir dieses Carlsruhe einmal im Verlauf des Jahres anzusehn — trotz Allem, was Sie selber, verehrte Frau, gegen Ihren Wohnort geltend gemacht haben.
Genehmigen Sie den herzlichen Gruß
Ihres dankbaren
Dr. Friedrich Nietzsche
Nizza den 10 Januar 1886
rue St. François de Paule 26 II
663. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Es war mir nicht möglich, mich mit meinem früheren Verleger Herrn Schm. in Ch. zum Zweck einer zweiten Auflage von M<enschliches,> A<llzumenschliches> zu verständigen. Im Grunde glaube ich jetzt, daß er meine Schriften gar nicht los geben möchte; er weiß ungefähr, was er in ihnen hat, unter seinen nächsten Bekannten sind Einige der eifrigsten und ergebensten meiner Anhänger. (Haben Sie vielleicht z. B. die Schlußseiten von Widemann „Erkennen und Sein“ H. Reuther 1885 zu sehen bekommen?) Daß Schmeitzner an meinen Schriften bisher nicht verloren, sondern verdient hat, wenn auch nicht in dem Maaße und der Schnelligkeit als er vielleicht erwartet hat, ist mir aus dem Einblicke in seine Geschäftslage, den mir der Prozeß gewährte, vollkommen klar. Meine Bücher haben jetzt ein außerordentl<ich> weit verbreiteten festen und mir sehr ergebnen Leserkreis, der noch nicht groß, aber fortwährend anwachsend ist, — daran ist nicht zu zweifeln. —
Aber hochgeehrter Herr, wenn es nicht angeht die zweite Auflage von M<enschliches> und A<llzumenschliches> zwischen uns zu verabreden: erwägen Sie gefälligst, ob Sie etwas Neues, das bis zur Abschrift fertig ist, herauszugeben gewillt sind! Es ist der zweite Band von
Morgenröthe
Gedanken über die moral<ischen> Vorurtheile.
Wenn es einem Autor ansteht, ein Wort über sein Buch selber zu sagen: nun, ich würde sagen es ist ein Buch für geistige Feinschmecker und Waghalse; es ist sogar vom Feinsten und Verwegensten daran. Trotzdem hat es nichts, was wie ein direkter Angriff erscheint; ich gehöre nicht zu den Parteimenschen irgend welcher Art welche durchaus „bekehren“ oder „umwerfen“ wollen.
664. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
gleich nach dem Eintreffen Ihres herzlich bewillkommneten Briefes (der mich melancholisch machte trotz seiner guten Miene und geduldigen Heiterkeit) sind einige Zeilen an Herrn M<ottl> abgeschickt worden: nehmen wir an, mit etwas Optimismus, daß sie wenigstens „nichts geschadet“ haben. Ich fügte unter Kreuzband ein Programm (raisonné) bei, das des letzten klassischen Concerts in Monte-Carlo, in welchem Bizet’s Orchester-suite „Roma“ aufgeführt wurde (ein feines und raffinirtes Ding aus seiner Jugend, von ihm bei Lebzeiten nicht „gehört“ —), nämlich in Bezug auf ein Wort des Dankes, welches ich im Briefe seinen Bemühungen um Bizet gezollt hatte. Im übrigen habe ich auch einer Praeoccupation gegen Ihr libretto, so gut es angehn wollte, vorzubeugen gesucht. Am gleichen Tage schrieb ich an die treffliche Frau Röder in Carlsruhe. Ich gestehe, daß es jetzt für mich wenig so ersehnte Dinge giebt wie die Aufführung Ihrer Oper: — ich würde Alles thun, dabei zugegen zu sein. Man hat „seinen Geschmack“ und folglich auch seinen „Hunger“, unter Umständen seine Verhungerung.
Ihre aufklärenden Worte über Hrn. Widemann haben mich sehr erquickt. Trotzdem glaube ich, daß es ein richtiger Instinkt (theilweise ein wunderlich vervielfältigter Zufall) war, der im vorigen Herbste unser Zusammenkommen vereitelte. Ich hätte, unter uns gesagt, um Widemann’s Willen (bei einer persönlichen Begegnung mit ihm) dem Schmeitzner alle möglichen Zugeständnisse gemacht und wäre heute noch nicht am Ende mit ihm. —
Bin ich’s denn? — Was glauben Sie auf Grund Ihrer Gespräche mit Herrn Widemann über die projektirte zweite Auflage von „Menschliches, Allzumenschliches“? So lange das Buch in dem Antisemiten-Winkel steckt, wird kein Exemplar mehr verkauft: das weiß Schm<eitzner> selbst. Nun möchte ich ihm die noch vorhandenen Exemplare abkaufen, zur Vernichtung: er verlangt unverschämter Weise 2500 Mark, ich will 500 M. bieten (was für Schm<eitzner> jedenfalls noch besser als nichts ist — und für mich bereits unsinnig Viel!). — Haben Sie die Güte, werther Freund, diesen Fall und diese Frage Herrn Widemann gelegentlich vorzulegen. —
Es wäre mir sehr wichtig, die neue Ausgabe jetzt zu machen: unter uns gesagt, ich glaube, daß ich später nicht wieder darauf zurückkommen könnte. Aber der letzte Sommer und leider auch dieser Winter sind nun einmal von mir auf die Umarbeitung dieses einleitenden Buchs verschwendet worden: nun will ich’s von der Seele haben. Alp-druck! —
Denken Sie, daß mich Nizza dies Mal so entzückt, wie als ob ich es zum ersten Male sähe. Der Winter ist großartig klar, leuchtend und gleichmäßig. — Im Frühjahr gehe ich nach Venedig, wenn es nicht brüllende Löwen giebt, die mich nach Deutschland locken.
Bassano? Conegliano? Ach, Freund, wie schön, wenn wir dort herum uns wiedersehn könnten! Oder in Titian’s Geburtsort?
Ihren verehrten Eltern mich angelegentlich empfehlend und Ihnen selbst ein tapferes, reiches, siegreiches Jahr wünschend
treulich Ihr Nietzsche.
665. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Es ist nur der Wunsch, Ihnen meinen Dank für Ihre Bereitwilligkeit auszudrücken, der mich heute schreiben läßt. Hoffentlich kann ich im kommenden Frühling das Ms. persönlich überreichen: einstweilen bin ich durch die schmerzhaften Zustände meiner Augen bedenklich in der Vollendung der Abschrift gehemmt. Auf eben diesen Termin verspare ich mir einige Bemerkungen, die ich zu machen habe (auch ein Paar Gegen-Vorschläge), mit denen Sie vielleicht schneller sich versöhnen werden, als ich selbst es gethan habe. — Darf ich schließlich Ihnen die Reihe meiner bisher erschienenen Schriften vorführen? (Philologica abgerechnet)
Die Geburt der Tragödie 2. Aufl.
4 unzeitg<emäße> Betr<achtungen>, einzeln erschienen, die vierte in 2. Aufl.
M<enschliches,> All<zumenschliches>. E<in> B<uch für> f<reie> G<eister>
Mit Anhang: Vermischte M<einungen> und Sprüche
Der Wanderer und sein Schatten.
Morgenröthe
Die fröhliche Wissenschaft
Also sprach Z<arathustra>. Ein Buch für Alle und Keinen.
In drei Theilen
Nachdem ich ein Werk veröffentlicht habe, welches — nachdenklich und fragwürdig wie es ist — das Verständniß fast noch mehr als das Mißverst<ändniß> zu fürchten hat, mit den schärfsten Augen angeschaut, mit dem gehorsamsten Ohre gehört werden will, und vor Allem, lange, vielfach, vorsichtig —: bin ich mir der Unwahrscheinlichkeit bewußt worden, daß es diese allein ihm gemäßen Leser finden wird.
666. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe liebe Mutter,
es ist mir dies Mal besonders traurig, daß ich nicht zu Deinem Geburtstage zugegen sein kann: denn vielleicht würde es in Hinsicht auf die vielen schweren Gefühle, welche dieser Tag mit sich bringt, eine Erleichterung für Dein Herz sein, wenigstens eins Deiner Kinder noch als guten Europäer übrig zu behalten: da nun einmal das Lama schlechterdings sich für Südamerika und den Maté erklärt hat. Nun, wer weiß, wie lange es noch dauert: da zieht der Nizza-Müde auch wieder nordwärts, „heimwärts“, gleich den berühmten Schwalben, zumal sich gestern etwas begeben hat, das mich wieder mit einem neuen Bändchen an das gute Leipzig bindet. Ich habe einen Verleger: das ist der langen Rede langer Sinn. Als ich nämlich Nachts so weit war mich zu Bett zu legen, fand ich zufällig noch einen Brief, den man mir unter der Thür durch in’s Zimmer geschoben hatte (ländlich, schicklich, sehr schicklich!)
Ich las ihn, er war von Credner — und seine Erklärung machte mir solches Vergnügen, daß ich nicht umhin konnte, im Hemde einen kleinen Rundtanz zu machen. Trotz der Kälte: denn ich habe bis heute noch nicht eingeheizt. Ich hatte ihm den zweiten Band meiner „Morgenröthe“ angeboten (Du siehst, das alte Schreibe-Thier ist fleißig gewesen); er acceptirt mit Vergnügen, wünscht ausdrücklich, daß ich ihn unter meine Verehrer rechnen möge, verlangt, daß etwas geschehn müsse, um mein Verhältniß mit Schmeitzner zu lösen, deutet den Wunsch an, den Rest von „Menschliches, Allzumenschliches“ dem Schmeitzner abzukaufen, kurz, benimmt sich, wie der lange ersehnte Verleger der Zukunft.
Dies bitte ich auch dem theuren Lama und ihrem Eheherrn, Sklavenhalter und Erziehungsdirektor gefälligst mitzutheilen —, sonst aber Niemandem, auch Heinze’s nicht. —
Vielleicht, daß ich dieser litterarischen Pläne wegen nach Deutschland komme: — dieses kleine „Vielleicht“ bitte ich, meine liebe Mutter, als eine Art Geburtstagsgeschenk von mir heute entgegenzunehmen.
Ihr werdet schrecklich zu thun haben? — Ich bin sehr viel mit meinen Gedanken bei Euch; und als uns neulich von Amerika „schlechtes Wetter“ annoncirt wurde, ärgerte ich mich, weil in diesem Jahre ohnehin schon Amerika uns die gute Laune nimmt. Zwar sagt man mir hier überall „eine Reise nach Südamerika ist kein Ereigniß und kein Grund, sich zu ängstigen“; aber wir sind noch nicht an diese kosmopolitische Flugvögel-Art zu leben gewöhnt, an die unsre Nizza-Gäste gewöhnt sind.
Man erweist mir hier viele Aufmerksamkeit und Auszeichnung, ich kann es nicht ableugnen. Der alte Holländer ist jetzt auch eingetroffen und voller Freude, mich wieder zu sehn (Er hat zu andern Personen von mir ganz stolz gesagt „er ist mir ein wahrer Freund, ich weiß es ganz genau“.)
Derselbe Holländer, früher im Ministerium, aber durch seine Augen zur Niederlegung seines Amtes gezwungen, kommt immer nach Nizza zurück, weil er hier weniger an seinen Augen leide als anderswo: in seinem Holland verschlechtert sich der Zustand jedes Mal. Ganz wie bei mir.
Die alte Pfarrerin läßt auf das Herzlichste grüßen.
Schreib mir genau, was jetzt beschlossen ist, und ob mein letzter Brief (worin ich fünffach zu danken hatte) wirklich angekommen ist.
Denkt meiner einzeln und wenn Ihr beisammen seid und behaltet lieb
Euren Fritz.
667. An Paul Widemann in Chemnitz (Entwurf)
Wie sonderbar ist im letzten Herbst ein Zusammenkommen mir wieder mißrathen! Ich bekenne einige Unsicherheit darüber, daß ich nicht wußte, wie nah oder wie fern Sie zu Hr. Schm<eitzner> stehn — — —
668. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Visitenkarte)
Lieber Freund, hier ist Etwas von Mottl, — sehr wenig, aber nicht ohne „Liebe“. Vielleicht ein guter erster Schritt zum Anfange. „Im Anfang war das Wort“ —
Schönsten Dank für Ihren Brief, ich bin augenleidend. Zuletzt die Bitte, in Sachen Schm<eitzner>’s nichts zu unternehmen, bis ich Sie nochmals darum angehe.
Treulich Ihr N.
669. An Elisabeth Förster in Naumburg
Mein liebes altes Lama,
soeben kommt Dein hübscher und lustiger Vorschlag, und wenn er irgendwie dazu dient, Deinem Herrn Gemahl eine gute Meinung über den unverbesserlichen Europäer und Anti-Antisemiten, Deinen ganz unmaßgeblichen Bruder und Eckensteher Fritz beizubringen (obwohl er gewiß jetzt Anderes zu thun hat, um sich über mich zu „bekümmern“), so will ich gern in die Fußstapfen von Fräulein Alwinchen treten und ersuche Dich angelegentlich, unter gleichen Verhältnissen und Bedingungen mich zum südamerikanischen Grundbesitzer zu machen: mit der ausdrücklichen Variation, daß das Stückchen Erde nicht Friedrichsland oder Friedrichshain heißt (weil ich zunächst noch nicht daselbst „sterben und begrabbelt-grabbelt sein“ möchte), sondern, zur Erinnerung daran, wie ich Dich getauft habe — Lamaland.
Ernstlich geredet: ich würde Dir Alles schicken, was ich habe, wenn es helfen könnte, Dich bald wieder zurück zu führen. Im Grunde sind alle Menschen, die Dich kennen und lieben, dieser Meinung, daß es dreitausend Mal besser wäre, dieses ganze Experiment bliebe Dir erspart. Selbst wenn man noch so sehr jenes Land als geeignet zur deutschen Colonisation befinden sollte, so will doch Niemand zugeben, daß Ihr Beide gerade die Colonisten sein müßtet: dies erscheint vielmehr als willkürlich, verzeih den Ausdruck, überdies als gefährlich, zumal für ein Lama, das an eine sanfte Cultur gewöhnt ist und in ihr auch am besten gedeiht und herumspringt. Diese ganze Erhitzung von Gefühlen, wie sie hinter der ganzen Geschichte als Ursachen liegen, ist eigentlich schon für ein Lama (genauer: für unsern eigentlichen Familien-„typp“, der seine Kunst im Versöhnen zwischen Contrasten hat) zu tropisch, nach meiner Meinung sogar nicht einmal gesund: man bleibt hübscher und jünger, wenn man nicht haßt und nicht argwöhnt —. Zuletzt will es mir immer scheinen, daß Deine Natur sich selbst für eine eigentlich deutschthümliche Bestrebung hier in Europa nützlicher erweisen könne als dort: gerade als Gattin des Dr. Förster, der, wie ich beim Lesen seines Erziehungs-Aufsatzes wieder einmal empfand, eigentlich zum Erziehungsdirektor einer Art Schnepfenthal eine natürliche Mission hat — und nicht, verzeihe es Deinem Bruder, zum Agitator in einer zu drei Viertel schlimmen und schmutzigen Bewegung. Was in Deutschland jetzt dringend noththut, sind eben unabhängige Erziehungsanstalten, welche der Staats-Sklaven-Drillung sich durch die That entgegensetzen. Das Vertrauen, welches Dr. Förster bei dem norddeutschen Adel genießt, schiene mir ausreichend Bürgschaft dafür zu geben, daß eine solche Art Schnepfenthal oder Hofwyl (Du erinnerst Dich? der Ort, wo der alte Vischer gebildet war) unter seiner Leitung Glück machte. Aber dort drüben, unter Bauern, in der Nähe von unmöglich gewordenen vielleicht verbitterten und vergifteten Deutschen — genug, hier ist ein weites Feld zu Besorgnissen. Das dumme große Meer dazwischen! und bei jedem Orkane, von dem Meldung hierher kommt, ärgert sich Dein Bruder und fragt sich, wie um Alles in der Welt das Lama darauf gerathen ist, sich in ein solches Abenteuer zu stürzen. Ich nehme mich zusammen, so gut es geht, aber eine Melancholie sonder Gleichen wird alle Tage und besonders des Abends über mich Herr, — immer deshalb, weil das Lama davon läuft und ganz die Tradition Ihres Bruders aufgiebt. — Eben meldet mir der Hofkapellmeister in Carlsruhe (dem ich auf den Wunsch des armen K<öselitz> geschrieben hatte) meine Empfehlung („die Empfehlung eines von mir enthusiastisch verehrten Mannes“) erwecke bei ihm für das Werk das günstigste Vorurtheil; und indem ich mich von Herzen darüber freue, fällt mir ein, daß Ihr sagen werdet „es ist doch nur ein Jude!“ Das, meine ich, drückt es aus, wie das Lama herausgesprungen ist aus der Tradition des Bruders: — wir freuen uns nicht mehr über das Gleiche. — Inzwischen, es hilft nichts, das Leben ist ein Experiment, man mag thun, was man will, man zahlt es zu theuer: vorwärts, mein liebes altes Lama! Und tapferen Muth zu dem was beschlossen ist!
Dein F.
670. An E. Kürbitz in Naumburg (Entwurf)
Es ist mir viel daran gelegen, meiner Schwester noch einen 300 Mark-Schein — bevor sie in Hamburg an Bord geht — zuzustellen, zu einem Zweck, über den ich Sie eben brieflich benachrichtigt habe. Wenn Sie mir den besonderen Dienst erweisen wollen, das Geld umgehend an die unten verzeichnete Adresse abzuschicken, so wird es nach meiner Berechnung noch zur rechten Zeit in die Hände meiner Schwester kommen. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner Hochachtung
671. An Emily Fynn in Genf
Hochverehrte Frau!
endlich kommt ein Brief von mir — soll ich erklären, wie es kommt, daß er erst „endlich“ kommt? Aber es wäre unnütz: Sie selber haben, mit Ihrer großen und nothwendigen Gütigkeit schon genug zu meinen Gunsten und zu meiner Entschuldigung (falls es sich um eine Schuld handelt) geltend gemacht, daß ich gar nichts Besseres thun kann als mich darauf zu berufen. Ich bin so dankbar für alle Feinheit der Interpretation in Bezug auf das, was ich thue oder lasse —
Es scheint, wir haben beide Noth, über schmerzhafte Erlebnisse hinweg zu kommen, hinweg zu leben. Auch ich verlor eine Schwester, nicht zwar durch einen wirklichen Todesfall, aber durch eine jener großen Trennungen, die etwas ebenso Unwiderrufliches haben. Sie ist mit ihrem Gatten nach Südamerika unterwegs, zum Zweck einer Colonisation daselbst: es sind genug Aussichten vorhanden, daß die Sache gelingt, aber je mehr sie gelingt, um so fester sind sie an diese ferne Welt geknüpft. Zuletzt ist es nicht einmal Paraguay, was mir am meisten das Gefühl giebt, meine Schwester verloren zu haben. Mir sind die Gesinnungen meines Schwagers für die er lebt und stirbt, fremder als Paraguay.
In München, das ich auf der Herreise streifte hatte ich, bei meinen Freunden daselbst, den Eindruck wie wohl und heimisch sich in diesem Maler- und Malerinnen-Quartier Ihre Fräulein Tochter fühlen müßte; mehr noch, ich rechnete im Geiste aus, ob sich irgend ein Zusammenhang zwischen ihrer ausgezeichneten und originellen Art, Blumen aufzufassen und dem Japonisme meines Freundes Seydlitz ausfindig machen ließe. Gesetzt, daß Sie zusammen einmal wieder Deutschland berühren, bitte, risquiren Sie einen kleinen Versuch mit München: Mein Freund und seine Frau werden sich eine große Ehre daraus machen, Ihnen zu Diensten zu sein.
An Portofino wo ich die Grüße Ihrer verehrungswürdigen Freundin treulich abgegeben habe, wäre ich beinahe hängen geblieben. Es gab in Genua unter den dortigen Bekannten den allerbesten Willen mich für den Winter in der Villa eines Englischen Dentisten einzuquartieren. Climatische Bedenken — welche inzwischen bei der allgemeinen Härte dieses Winters sich doppelt gerechtfertigt haben — ließen mich weiter reisen, hierher in mein altes Nizza. Die Luft ist hier reiner und glänzender als irgendwo in Europa; man sagt mir, daß ich jeden Winter „besser und jünger“ aussehe — ich meine, darauf hin muß man einem Orte treu bleiben. Einem Orte der Einem Jugend verspricht — —
Was mir in Nizza fehlt, sind Menschen, die ich liebe und denen man nicht erst alles „sagen muß“.
Ich bin drei viertel des Tages ziemlich düster und arbeitsam den Rest lustig oder „profondément triste“, wie es einem einsamen Bär und Philosophen zukommt.
Welche Freude hat mir Ihr Bild gemacht! Und das was am meisten daran anziehend und festhaltend ist, ist glücklicherweise keinem Lebensalter zu eigen: es gehört zu jenem ewigen „jünger und besser“ welches man sich leider durch kein Nizza verschaffen kann. — Zeugniß: meine eigene Photographie. —
Es ist mir oftmals die Sorge gekommen als ob jene ganz merkwürdige Rückkehr Ihrer Gesundheit vielleicht nicht Stand gehalten hätte. Und ob Genf, gerade Genf Ihnen just gut thut? Es sind so viele hier, die vor dem Genfer Winter geflohen sind.
Von den Augen ist nichts Gutes zu melden. Trotzdem: es stand im Engadin schlechter um sie. Das Romershausen’sche Wasser hat mich viele Male erquickt, und niemals, ohne mich mit herzlichstem Dank an seine Geberin denken zu lassen. Behalten Sie mich wenn ich bitten darf auch fürderhin in gutem Angedenken, zu Dreien und nicht bloß zu Dreien. Sie wissen, hochverehrte Frau, daß meine beständigen Wünsche Sie begleiten, und daß es mir eine große Freude sein wird, wenn etwas von diesen Wünschen sich erfüllt.
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Friedrich Nietzsche
Einsiedler von Sils-Maria.
672. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Widmung)
Lieber Freund,
das Neueste über Corsica, etwas provincial, aber südlich-provincial. Viel „couleur locale“. Lesen Sie, bitte, mit Lexicon und verschmähen Sie das Beste nicht, drei Verse im Provençalischen Dialekte, die mich zwei Tage lang glücklich gemacht haben, v. p. 200.
Ich las eben über Ihre Erzgebirg-Schneestürme. Hier haben Sie Etwas zur Erholung davon.
Treulich Ihr F. N.
673. An Erwin Rohde in Tübingen
Lieber alter Freund,
meine Mutter hat mir kürzlich Deine Berufung nach Leipzig gemeldet: ich habe lange keine solche Freude gehabt, wie bei dieser Nachricht! Seitdem male ich mir immer und immer wieder aus, daß dieses Jahr uns zusammen bringen muß. Vielleicht, daß es sich schon für den Frühling einrichten läßt; und am Allerliebsten wäre ich bei Deiner Einführung Augen-, Ohren und Herzenszeuge. Ich kann es gar nicht ausdrücken, wie sehr mich diese Hoffnung streichelt und erquickt. Vorigen Herbst war ich etwas in Leipzig, wie zum Vorgeschmack: ach, still, versteckt beinahe, fast immer für mich, aber wie von lauter Erinnerungen an Dich und unsre alte Gemeinschaft an diesem Orte gewärmt. Der Zufall wollte, daß ich etwas von dem Projekt, das Dich betraf, zu hören bekam: unmittelbar vor der Sitzung, in der die ganze Angelegenheit zum ersten Male ins Auge gefaßt wurde, war ich mit Heinze und Zarncke zusammen. Mir ist es wie ein Traum, daß ich auch einmal so eine Art von hoffnungsvollem Thiere gewesen bin, philologus inter philologos. Es hat sich nichts erfüllt: oder, wie Ihr vielleicht unter Euch jetzt sagt, „er hat nichts erfüllt“. Zu alledem bin ich an Freunden nicht reicher geworden: das Leben hat mir die Pflicht immer mehr mit der furchtbaren Nebenbedingung ihrer einsamen Erfüllung vorgestellt. Es ist schwer, mir nachzufühlen; ich setze beinahe voraus, selbst bei Bekannten, jetzt im Groben mißverstanden zu sein und bin für jede Art Feinheit der Interpretation, ja für den guten Willen zur Feinheit schon von Herzen erkenntlich. Ich bin ein Esel, es ist kein Zweifel. Alter lieber Freund Rohde, es scheint mir, Du verstehst Dich besser auf das Leben, dadurch daß Du Dich hineingestellt hast; während ich es immer mehr von Ferne sehe — vielleicht auch immer deutlicher, immer schrecklicher, immer umfänglicher, immer anziehender. Aber wehe mir, wenn ich einmal diese Entfremdung nicht mehr aushalte! Man wird alt, man wird sehnsüchtig, schon jetzt habe ich, wie jener König Saul, Musik nöthig — der Himmel hat mir zum Glück auch eine Art David geschenkt. Ein Mensch, der mir gleich geartet ist, profondement triste, kann es auf die Dauer nicht mit Wagnerischer Musik aushalten. Wir haben Süden, Sonne „um jeden Preis“, helle, harmlose, unschuldige Mozartische Glücklichkeit und Zärtlichkeit in Tönen nöthig. Eigentlich sollte ich auch Menschen um mich haben, von derselben Beschaffenheit, wie diese Musik ist, die ich liebe: solche, bei denen man etwas von sich ausruht und über sich lachen kann. Aber nicht Jeder kann suchen, der finden möchte — da sitze ich denn und warte und es kommt nichts, und schon weiß ich nichts Besseres als meinem alten Freunde davon zu erzählen, daß ich allein bin.
Vor mir liegt Dein letzter Brief, es ist möglich daß ich eben erst auf ihn antworte, obwohl ein ziemliches Stück Zeit dazwischen weggeflossen ist (der Brief ist vom 22 Dezember 1883) Nimm fürlieb mit Deinem schweigsamen Freunde, der es in vielem Betrachte schwer hat und sich davor fürchten gelernt hat, den Mund aufzumachen. Ehe man sich’s versieht, fährt eine Klage heraus, — und es giebt nichts Dümmeres auf Erden als klagen. Es erniedrigt uns, selbst bei den besten Freunden.
Gieb mir ein Wort hierher, zum Beweise dafür, daß Du mich noch lieb hast, alter Freund Rohde. Und nochmals, ich freue mich über Dein Glück mehr als über mein eigenes. Grüße Deine Frau von dem unbekannten Bär und Einsiedler und streichle Deine Kinder in meinem Namen. In Liebe
Dein getreuer Freund
Nietzsche.
674. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe liebe Mutter,
ich habe so Viel in dieser Zeit an Dich gedacht und dabei es kaum bemerkt, daß ich so Wenig an Dich geschrieben habe, Verzeihung! Ich bin jetzt gerade im Abschreiben, komme langsam, langsam von der Stelle und habe jedes Mal, wenn ich mir Ruhe gönne, es so satt, meine Augen irgendwie noch zu gebrauchen, daß ich darauf hin wahrscheinlich nach allen Seiten mich zum Briefschuldner mache. Trotzdem ist es, wie mir scheint, ein gutes Zeichen, mindestens von meinem Muthe, daß ich selber die Abschrift besorge: Du erinnerst Dich vielleicht, wie vor [3]4 Jahren in Naumburg diktirt wurde, und der Schreiber auch bezahlt wurde (1883) Es war eine schändliche Handschrift, wenn ich mich recht erinnere.
Von unsern Auswanderern habe ich noch zu guterletzt einen schönen goldnen Ring geschickt bekommen; es heißt darauf innewendig „denke in Liebe an B. und E.“ — das will ich denn von Herzen thun, obwohl ich gestehe, daß diese Verbindung „B. und E.“ meinem Gefühle immer noch manchen Zwang anthut. Ich bin mit Förster’s Art nicht gerade verwandt, von seinen Tendenzen nicht zu reden. Daß es zuletzt ein Glück ist, daß er fort ist, gerade noch vor „Thorschluß“ —, darin hast Du, wie ich meine, sehr Recht; die Gefahr war ganz groß.
Hier sagt mir natürlich Jedermann: „mit der deutschen Regierung unzufrieden sein und sich der Regierung von Paraguay anzuvertrauen, die hundert Mal unsicherer und bedenklicher ist, das ist nicht gerade logisch“. Aber was kümmert diese Herrn die Logik! — Wenn nur unser armes Lama dabei nicht zu viel zu leiden hat! Ich fürchte immer, sie hat keine Ahnung davon, was sie erwartet.
Was hat diese ganze Geschichte Einem schon das Herz schwer gemacht!!
An Professor Rohde habe ich meine Glückwünsche geschrieben: ich danke Dir für Deine Mittheilung, über diese Angelegenheit. Am Schönsten wäre es, wenn ich seine ganze Einführung in Leipzig mit erleben könnte! —
Der gute Freund Köselitz ist immer noch in Deutschland und besorgt, für seinen kranken Vater, die Bürgermeister-Geschäfte von Annaberg. Der Hofkapellmeister von Carlsruhe, dem ich ein Paar Worte zur Empfehlung von K<öselitzen>s Oper schrieb (auf K<öselitzen>’s Wunsch: denn ich kenne ihn nicht persönlich) hat mir sehr artig zurück geschrieben: er lege den größten Werth auf meine Empfehlung „die Empfehlung eines von mir enthusiastisch verehrten Mannes“. Hoffen wir, daß es nicht nur bei guten Worten bleibt! — Komme ich nach Deutschland, so will ich dies Mal auch Herrn Widemann alle Ehre erweisen.
Das Bild, nach dem Du Dich erkundigst, ist von meiner alten Engländerin, mit der ich schon 2 Sommer im Engadin verbracht habe, hinzugerechnet, was hinzugehört, ihre Tochter Miss Emily Fynn und ihre Freundin die alte Excell. von Manshouroff vom russischen Hofe — mein „Trio“, mit dem ich herzlich befreundet bin. Sie sind jetzt wieder in Genf: wer weiß, ob es nicht möglich ist, sie noch für Nizza zu bestimmen! Mir fehlt so sehr ein Kreis, wo ich „wie zu Hause“ bin; es sind Menschen der Art. —
Seydlitzens haben mir viel Neigung und Treue bezeigt; gestern noch schrieb die gute Frau von S<eydlitz> (Irene) an mich, unter Anderem auch, daß sie für mich „auf der Suche nach einer guten Frau sei“. Dies hat mich sehr lachen machen. Sie wünscht zu wissen, wie viel Geld die bewußte „gute Frau“ haben müßte: als ob ich das wüßte! Dies, mein gutes Mutterchen, zu Deiner Ergötzung! Aber „unter uns“!
Weißt Du nicht, wann Heinze’s nach Nizza kommen wollen? Es werden überall die Vorbereitungen zum Carneval gemacht, der ungefähr den Monat März einnimmt. Ich fürchte mich davor; an dem schlimmsten Tage werde ich nach Cannes gehn (fahren natürlich!) Der Winter hier ist nach meinen Begriffen ein schlechter Winter gewesen; trotzdem etwas Unschätzbares, wenn man an Naumburger Winter denkt.
Denke in Liebe an mich und schreibe mir wieder so hübsch, meine liebe gute Mutter
Dein F.
675. An Resa von Schirnhofer in Zürich (Entwurf)
Gestern Abend wurde mir in der Pension <de> G<enève> eine Frau P. Rößler aus Graz vorgestellt: und zwei Minuten später kam ich endlich wieder zu meiner großen Freude dem abhanden gegangenen Frl. Resa auf die Spur. Genannte Rösslerin nämlich hatte bei ihrem letzten Pariser Aufenthalte in der gleichen Pension gewohnt, wie Sie, verehrtes Frl., doch nach Ihrer Abreise: sie erzählte wenigstens, noch Ihr Bild daselbst vorgefunden zu haben. Sie glaubte Sie jetzt in Z<ürich>: Wahrscheinlich bemühen Sie sich daselbst um akad<emische> Ehren: — hoffentlich ohne mit Ihrer Gesundheit dafür Buße zahlen zu müssen. Zuletzt haben Sie dort die freundlichsten aller Ärzte zur Hand, — und es soll Fälle geben, wo man gern einmal krank wird, nur um <sich> von Jemand kurieren zu lassen, den man liebt. Grüßen Sie mir Frl. W<illdenow> auf das Beste von dem wunderlichen Einsiedler von S<ils> M<aria>, der vorigen Sommer wenn ich mich recht erinnre, mit seiner Einladung und Aufforderung zum Tanz bei ihr kein Glück gehabt hat, — wahrscheinlich weil er es nicht verdient hat. Wenn Sie selber für diesen Frühling an etwas Erholung und Zeitvertreib denken, erwägen Sie, wenn ich bitten darf, daß ich mir eine große Ehre daraus machen werde, Ihnen dabei zu Diensten zu sein. Z. B. in Venedig, wohin ich von hier übersiedeln will, nach einer schon mehrjährigen Gewohnheit. Ich denke am 13 April von Nizza abzureisen: bis auf diesen Termin habe ich mein Z<immer> gemiethet. Gesetzt, Sie wünschten, geschmückt ich weiß nicht <mit> was für feierlichen Titeln, sich Ihren verehrten Eltern zu präsentiren, so ist der Umweg über Venedig die angenehmste Art von Umweg, die man sich auf Erden wählen kann. Man fährt auf der Gondel, man lacht, man ist ein bischen malinchonico und hört über die Wasser weg singen und Musik machen.
Nochmals, erwägen Sie meinen Vorschlag in einem „feinen Herzen“ und seien Sie auf das herzlichste
gegrüßt von
Ihrem
676. An Elisabeth Förster auf der Reise nach Paraguay
Mein liebes Lama,
unbändige Freude über Deinen Brief aus dem Weltmeere! Er befreite mich von einem fast unerträglichen Drucke, der so weit gieng, mich nicht einmal an Dich schreiben zu lassen, ob ich es gleich täglich wollte: — ich hatte mich ja für das prächtige und ganz überraschende „Vergiß mein nicht“ zu bedanken! Wir haben nämlich in Europa einen zweiten Aufguß von Winter, der nicht weniger stark ausgefallen ist als der erste: unerhörte Schneemassen von England bis Italien; selbst hier erniedrigen wir uns die Nacht wenigstens bis zu 3 Grad unter Null — kurz, die Zeitungen strotzten von schlechten Wetter-Nachrichten, Stürmen, wie sie die „ältesten Seeleute“ nicht erlebt hätten und dergleichen. Und nun sah ich immer das arme Lama schaukeln, schaukeln — — Ich gratuliere sehr dazu, wie Dir bisher die Reise bekommen ist; ich hatte Dir, als Mittel gegen die Seekrankheit, Chloral noch empfehlen wollen und mich geärgert, es vergessen zu haben, aber siehe da! das Lama hat ein noch besseres Gegenmittel, nämlich ihre Gesundheit. Auf diese hin darfst Du wirklich stolz sein: Dein Bruder ist ein wahres Krüppelthier gegen Dich. Da fällt mir ein, daß besagte Krüppelei eben ein wunderliches Projekt hervorgebracht hat: nämlich mich in die Kur des Prof. Schwenninger zu begeben, der nun einmal den Glauben haben soll, mir helfen zu können (er hat, ich weiß nicht wie, eine Anhänglichkeit an mich; thatsächlich haben wir eine Zeitlang im „Kopf“ zusammen zu Mittag gegessen) Dieser Schwenninger richtet sich jetzt in Heidelberg oben auf dem Schloß das große Hôtel zum Sanatorium her; schon für diesen Sommer werden Gäste erwartet (darunter Lord Rosebery, der englische Minister des Auswärtigen); schließlich giebt es diesen Sommer ein ungeheures Universitäts-Jubiläum, und das Heidelberger Faß soll zum ersten Male gefüllt und ausgetrunken werden. Soviel über meine „Gesundheit“.
Köchlins hier, mir sehr zugethan, haben mir gestern mitgetheilt, daß ihr jüngster Sohn sich mit der Tochter jener uns bekannten Basler Familie Hofmann-Merians verlobt habe. Daß Thurneysen-Merian diesen Winter gestorben ist, wirst Du wissen; ebenfalls Wackernagel, der Redakteur der Basler Nachrichten. Die gute Irene v. Seydlitz hat mir einen komischen Brief geschrieben, aus dem sich irgendwelche Hamburger Inspirationen errathen lassen; ich will zusehn, dieses Jahr auch einmal nach München zu kommen, doch aus andern Gründen: ich brauche etwas Verkehr mit Künstlern. Geizer in Jena hat einen Ruf nach Basel gehabt, an Jacob Burckhardts Stelle — und abgelehnt (er rechnet auf Berlin) Ich glaube nicht daran, mein liebes Lama, daß ich mich für die Universität wieder einfangen lasse: es ist mir klimatisch nicht möglich, so lange man mir nicht hier in Nizza eine Zuhörerschaft zurecht macht. Ich kann es nicht beschreiben, wie ich wieder vorigen Herbst mich in Naumburg und Leipzig gefühlt habe: eine beständige betrübte Pelzigkeit. Hier habe ich jeden Winter einen tüchtigen Schritt vorwärts gemacht: zum Mindesten muß ich nichts zu früh risquiren, um nicht Alles wieder zu verlieren. — Verzeihung! Aber Du hast diesen Dingen so viel Nachdenken geschenkt, trotz allen eignen Sorgen, daß ich Dir davon erzählen muß. Der Fall mit der Schwester Deussens hat mich äußerst erbaut — Euretwegen! Ich glaube mich zu erinnern, daß sie als vierzehn- oder fünfzehnjähriges Mädchen ein großes Hauswesen (zu Hause) fest in den Händen hatte und wacker durchführte.
Sage Deinem Bernhard, daß ich den ganzen Winter meine Mahlzeit mit seinem Messer gemacht habe, ebenfalls, daß ich die wollenen Hemden sehr zu schätzen weiß (allerdings als Unterzieh-Hemden); denn ich habe diesen harten Winter, Dank dieser Bekleidung, niemals eingeheizt und in summa doch weniger gefroren als in irgend einem Winter. —
Entdeckung: fetter weißer Käse ist sehr viel leichter verdaulich als magerer. Mein Mittag besteht aus Milch, Grahambrod, Käse und Nüssen — ich glaube, man heißt dies, mit einiger Freiheit des Ausdrucks, Vegetarianismus.
Mein altes liebes Lama, verzeih die Dummheiten dieses Briefs, hoffentlich werde ich wieder vernünftiger — und heute ist es etwas zu Neues und Kurioses für mich, daß das Lama in der Nähe der Cap-Verdeschen Inseln schaukelt! Nein, welche Wohlthat, daß man kein Eckensteher ist! Es lebe das Lama und ihr Bernhard und Euer Paraguay und Eure ganze gute Gesellschaft und Menschheit, die Ihr um Euch habt!
In Liebe und Dankbarkeit
Dein Fritz.
Den 13. April will ich nach Venedig, Briefe poste restante. den 13. Juli ungefähr nach Sils. Im Herbst zur guten Mämms.
677. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Verzeihung für mein langes Schweigen und nimm mit dieser Karte fürlieb, meine gute Mutter! aber ich darf nicht mehr schreiben als ich schon schreibe, bin außerdem sehr angegriffen und recht viel krank. Noch weiß ich nicht, wie der Plan des Jahres zu machen ist: jedenfalls nimm bei Deiner Zimmer-Vermiethung keine Rücksicht darauf! (Du weißt ja, daß ich eventuell doch nur „vorübergehend“ in Naumburg sein könnte, und daß ich, der Stille wegen, das Nest oben vorziehe) Ich habe Prof. Rohde in Tübingen gratulirt zu seiner Versetzung, aber keine Antwort erhalten: vielleicht sind wieder Briefe verloren gegangen? (Ein prächtiger Brief vom Lama, mitten auf der Fahrt geschrieben und ein Zeichen von Glück und gutem Muth, hat mir sehr wohl gethan: ich war so in Angst...) Bis zum 13. April bleibe ich hier, nachher wahrscheinlich Venedig. Aber ich habe Niemanden dort, der für mich sorgt und mich etwas zerstreut — ich bedarf sehr der Erholung.
Von Herzen Dein F.
678. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
Daß ungefähr zu gleicher Zeit, wo Du an mich schriebst, meine Gedanken bei Dir in Basel waren, wird Dir ein vorgestern an Dich abgesandtes rothes Heft verrathen: — wie schön wäre es, über dergleichen curiosa hübsch miteinander, beieinander lachen (selbst sich ärgern) zu können! Ach, die dumme Gesundheit, die Einen von seinen Freunden fern hält! Die Nachrichten über Deine eigne Gesundheit (aus beiden letzten Briefen), auch über Deine Augen, lassen mich es bewundern, wie tapfer Du Dich eigentlich dort in Basel durchschlägst. Aber freilich, Du hast es, Dank Deiner Frau, eben hundert Male besser als ich: Ihr habt zusammen ein Nest — und ich habe höchstens eine Höhle, ich mag mich drehn und wenden wie ich will. Man sagt mir hier, daß ich den ganzen Winter, trotz vielfacher Beschwerniß, immer „bei glänzender Laune“ gewesen sei; ich selber sage mir, daß ich den ganzen Winter profondement triste, torturirt von meinen Problemen bei Tag und Nacht, eigentlich noch mehr höllenmäßig als höhlenmäßig gelebt habe — und daß ich den gelegentlichen Verkehr mit Menschen wie ein Fest, wie eine Erlösung von „mir“ fühle. Das große Mißverständnis der Heiterkeit! Die brave Malvida, die mit ihrer rosigen Oberflächlichkeit sich in einem schweren Leben immer „obenauf“ gehalten hat, schrieb mir einmal, zu meinem bittersten Vergnügen, daß sie, aus meinem Zarathustra heraus, schon den „heitren Tempel winken“ sehe, den ich auf diesem Fundamente aufbauen werde. Nun, es ist einfach zum Todt-lachen; und ich gebe mich nachgerade damit zufrieden, daß man mir nicht zusieht und ansieht, an was für einem „Tempel“ ich baue. —
Erholung, lieber alter Freund, nichts als Erholung habe ich auch jetzt wieder nöthig: aber sie ist immer schwerer zu schaffen. — Die erquickliche leichte Musik Köselitzens gehört dahin: was bin ich diesem Glücksfunde meines Lebens dankbar! (Aber warum hast Du mir nichts über den Brief K<öselitzen>’s gesagt, den ich dem letzten Briefe an Dich beigelegt hatte? Hoffentlich ist nichts verloren gegangen? Ich schrieb gleich nach dem Eintreffen des letzten Geldes; seitdem hörte ich nichts von Dir). Es ist dem Armen mit Wien wie mit Dresden mißrathen; er bat mich, etwas zu seinen Gunsten bei Mottl in Carlsruhe zu versuchen. Letzterer, obschon mir persönlich unbekannt, hat inzwischen sehr artig an mich geschrieben: er lege den größten Werth auf meine Empfehlung („die Empfehlung eines von mir enthusiastisch verehrten Mannes“) Hoffentlich bleibt es nicht bei Worten. — Was Du von Deinen litterarischen Absichten schreibst, macht mir rechte Freude. Ich lese Dich so gern, selbst noch abgesehn von dem, was man durch Dich lernt. Du verschlingst so artig Deine Gedanken, ich möchte fast sagen, listig, als ein Mensch der nuances, der Du bist. Der Himmel segne Dich dafür, in einem Zeitalter, das täglich plumper wird. —
Inzwischen hat man sich bemüht, mich zur Wiederaufnahme meiner akademischen Thätigkeit anzureizen. Ich soll durchaus culturgeschichtliche Collegien lesen. — Sonderbar! Rein als Frage der Erholung ist mir dieser Gedanke sogar recht geläufig. Aber es giebt eine Verrechnung dabei.
Bitte, sende mir, sobald Du kannst, das flügge werdende Geld hierher (zur Hälfte französisch, zur Hälfte italiänisch, wofern dies möglich ist und Dir keine Mühe macht). Ich bleibe hier bis zum 13. April. Meine Augen erlauben es nicht länger. Nachher wahrscheinlich Venedig, mit seinem Gäßchen-Dunkel; dann Engadin; im Herbst muß ich meiner alten armen Mutter etwas Trost zusprechen.
Herr Credner ist bereit, „einen zweiten Band der „Morgenröthe“ in Verlag zu nehmen,“ und hat mir brieflich angezeigt, daß er wünsche, „unter meine Verehrer gerechnet zu werden.“ Solchen Glauben in Israel habe ich noch nicht gefunden. Trotzdem — — —
Ach, wie Vieles gäbe es zu sagen und zu berathschlagen, lieber Freund! Empfiehl mich angelegentlich Deiner Frau und ihren Angehörigen. Dieses Jahr wird mich auch einmal nach München bringen. — Treulich Dein Freund Nietzsche.
(Sehr in Arbeit. Sei übrigens unbesorgt, es wird keinen zweiten Band „Morgenröthe“ geben. —)
679. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Mit diesem Briefe wünsche ich Ihnen ein Vergnügen zu machen. Inzwischen nämlich während der Abschrift, ergab sich die Unmöglichkeit das neue Buch als 2ten Theil oder neue Folge herauszugeben. Es bekommt einen Titel für sich (wie es seine Farbe und seinen Sinn für sich hat) — und damit, denke ich, ist auch Ihnen ein Gefallen geschehn. Dieser Titel ist:
die Capitel-Überschriften lauten:
Nun aber die Form-Fragen: denken Sie, bitte, mit mir darüber nach, wie wir diesem Buche ein möglichst vornehmes und „unpopuläres“ Gewand geben: so allein wäre es seinem Inhalte angemessen. Die neulich gesandte Probe von Du Bois-Reymond welche mir an sich sehr gefallen hat — sie macht Ihrem (oder Du Bois-Reymond<s>) Geschmack alle Ehre — erlaubt trotzdem keine Anwendung auf den Fall meines Buchs: dies soll sehr langsam gelesen werden, es muß viel weniger auf einer Seite stehen, es muß auf den Gelehrsamkeits-Anspruch, wie er sich in einem so großen Formate ausdrückt, Verzicht leisten — und ich will’s endlich mit deutschen Lettern versuchen. Man bringt den Deutschen nicht anders dazu, die Form, die Sprache, den Geschmack eines Buches ernst zu nehmen. — Ich wollte vorschlagen: Wenig Zeilen: c. 26, bequeme Intervalle (worin wesentlich der vornehme Eindruck eines Buches liegt)
Mittelgroßes Format
Feines Velin
Der Inhalt kommt etwas der Hälfte, höchstens Zwei-Drittel der „Morgenröthe“ gleich.
Bitte, geben Sie mir so bald wie möglich eine Probe. Kann der Druck in c. 2 M<onaten> beginnen?
680. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
es ist lange her, daß ich Ihnen nicht geschrieben habe: den Grund davon gab ich auf meiner letzten Karte an, — hoffentlich glauben Sie mir genug, um das zu glauben. Meine Augen sind überangestrengt, übermüdet und „über“ in jedem Betracht, — sie haben zuviel diesen Winter thun müssen, der ein trüber Winter war. Und es ist sonderbar, wie die Brauchbarkeit oder Unbrauchbarkeit meiner Augen mit dem Grade der Lichtfülle im Verhältniß steht! — Wie viel bin ich bei Ihnen gewesen, mit Sorgen, mit Hoffnungen, mit vielem herzlichen Nachdenken über etwas, das vielleicht meinerseits zu thun sei. Und wie erstaunt war ich zu hören, daß Sie Lust und Muth genug zurück erobert haben, um an das Dichten der „Marianna“ zu gehen! Das hat mir große Freude gemacht. Mir ist auf’s Gewissen gefallen, daß ich nach dieser korsischen Seite hin Ihr Interesse zu lenken gesucht habe, — und daß ich zuletzt ein Einsiedler bin, mit einem Einsiedler-Geschmack, der publice gar nicht in Betracht kommt. Im Zeitalter der „Operette“ und des choreographischen Poëms (heiße es nun Amore oder Parsifal) gehöre ich wahrscheinlich unter die „Unzeitgemäßen“. Offenbar will man heute im Theater etwas ganz Andres als im vorigen Jahrhundert, — und „die Oper“ scheint mir überlebt. —
Es fällt mir ein, daß die Wiener ein neues Operetten-Talent haben, Hrn. Kremser, dessen „Botschafter“ (es ist der junge Richelieu) c. 30 Mal mit ausverkauftem Hause vorgeführt wurde.
In Carlsruhe hat man Berlioz’ Benvenuto Cellini „gemacht“, — sehr respektabel für Herrn Mottl! Haben Sie von ihm inzwischen gehört? — Ich leider nicht.
Im „Klassischen Concert“ von Monte-Carlo (unter der Leitung eines Östreichers) habe ich alte Sachen von Rameau (von 1736) gehört, mit großer Neugierde; dann auch ganz neue Modernitäten von Massenet, scheußlich-bunt orchestrirt. Ich hatte keinen Begriff davon, daß man’s auch mit der Orchestration hurenhaft treiben könne.
Das letzte musikalische Ereigniß; hierselbst war der „russische Chor“, der sich durch ganz Europa bewegt hat und hier in Nizza, dem Wohnsitze vieler Russen, es zu einem großen Erfolge brachte. Nicht bei mir: obwohl die Kunststücke des Chorgesangs an sich, die pianissimi, die Verschnellerungen des tempo’s, und ein gewisser reiner mädchenhafter Stimmklang gewiß große Auszeichnung verdienen. Aber die Sachen selbst waren zum Theil nicht russisch genug (irgend wann einmal aus Deutschland oder Italien oder der Türkei hinübergerathen?), zum andern Theil russisch, aber nur im Sinne und Instinkte des gemeinen Mannes (mit einer Leibeigenschaft-Melancholie auch noch über den heitersten Liederchen); es fehlte ganz die männliche Note, der Ausdruck der herrschenden Stände und ihres Stolzes. Vier Concerte, die ersten mit großen Preisen (50, 20, 10 frcs. und nichts weiter).
Noch habe ich mich nicht für Ihren Brief bedankt, lieber Freund. Wenn ich Sie nur an der Spitze eines Orchesters wüßte! Wenigstens für einige Zeit: ein Musiker hält das Leben schlecht aus, wenn er lauter Zukunfts-Partituren schreibt. Ihre Erfahrungen mit Dresden haben etwas Groteskes, dem ich ein paar Erfahrungen mit demselben Dresden zur Seite stellen könnte — fast jede Woche bin ich auf diese curiose Stadt wieder aufmerksam gemacht worden. Da schreibt mir zum Beispiel gestern Jemand, der dort sich niedergelassen hat, ich möchte ihm eine Professur der Philosophie verschaffen, womöglich in Preußen: dieser Jemand war — was glauben Sie? — der verrückte E. von Hagen. Vorige Woche bot mir ein dortiger Dichter seine Freundschaft an: sein Herz sei, mir gegenüber, aufgegangen wie eine volle Rose. Wörtlich! Ich antworte nicht mehr auf solche curiosa.
Prof. Rohde hat eine Berufung nach Leipzig angenommen: und jetzt ist die halbe philosophische Fakultät mir dort „gut Freund“ (Zarncke, Heinze, Leskien, Windisch, Rohde usw.)
Diesen Winter habe ich benutzt, etwas zu schreiben, das Schwierigkeiten in Fülle hat, so daß mein Muth, es herauszugeben, hier und da wackelt und zittert. Es heißt:
Jenseits von Gut und Böse.
Vorspiel
einer Philosophie der Zukunft.
Grüßen Sie Ihren verehrlichen Vater von mir, mit dessen Befinden es hoffentlich besser geht? Es hat mich sehr lachen machen, Sie mir als seinen Vicar zu denken. Sie passen nicht schlecht dazu? hein!
Votre ami
N.
Von hier geht’s am 13. April nach Venedig. Es sticht mich in’s Herz, zu denken, daß ich Sie dort nicht finde. — Und wo werde ich wohnen!
681. An Unbekannt (Entwurf)
Ich habe diesen Winter auch etwas fertig gemacht, etwas Lustiges, es heißt sich
Des Prinzen Vogelfrei
Lieder und Gedanken
Mitgetheilt
v.
F. N.
Man wird es nicht für möglich halten, daß es vom gleichen Verf. wie Z<arathustra> ist — noch weniger, daß hinter beiden Werken die gleichen Hintergedanken stehen. — — —
Nun aber der Druck! Herr Credner war bereit, einen zweiten B<and> der „Morgenröthe“ herauszugeben: nachdem er mir sogar bis so weit seine Bereitwilligkeit bewiesen hat, werde ich hoffentlich für den Pr<inzen> Vogelfrei auf ihn zählen können. Er hat neulich mir geschrieben, daß er wünschte „unter meine Verehrer gerechnet zu werden“; auch Mottl in Carlsruhe, obwohl mir persönlich unbekannt usw.
682. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Hiermit erlaube ich mir Ihnen den Anfang und den Schluß des neuen Buchs vorzulegen (eine Art Widmungs-Gedicht und ein Ausklang des Ganzen), hoffentlich mit dem Ergebniß, daß Sie einigen weiteren Mittheilungen und Vorschlägen, die ich zu machen habe, ein um so geneigteres Ohr schenken.
Das Buch ist als „Fortsetzung“ oder „neue Folge“ der „Morgenröthe“ unmöglich auszugeben: davon habe ich mich während der Abschrift überzeugt. Es ist dazu viel zu fundamental (auch im Ton abweichend): ich kann es jetzt nicht anders und besser betiteln als so:
So, wie ich jetzt das ganze Material geordnet habe, beginnt das Buch mit jenem Hymnus „an den Mistral“: darauf folgt eine lange Einleitung, welche die Züge der Philosophie der Zukunft, deren Heraufkommen ich voraussage, darzustellen unternimmt.
Darauf
Erster Theil: Buch der Loslösung
Zweiter Teil: Buch der Heimlichkeit (mit eingestreuten Versen und Epigrammen)
Dritter Theil: Buch der Höhe
zum Schluß das mitgesandte Lied „oh Lebensmittag“.
Der Umfang ist bedeutend geringer als der der „Morgenröthe“: schon aus diesem Grunde aber verbietet es sich, das neue Buch als eine Art Fortsetzung herauszugeben. Ich bilde mir ein, daß es Ihnen erwünscht ist, auf diese Weise das Buch nicht an eines meiner früheren Werke angekettet zu wissen. — Nach meiner Berechnung wird es den Umfang von der „fr<öhlichen> W<issenschaft>“ haben: welche ich mir gestatte, Ihnen meinerseits zu präsentiren.
Ein Punkt, in Betreff dessen ich schlechterdings um Ihr Entgegenkommen und Ihr Nachgeben bitten muß ist die Form- und Formatfrage des Buchs.
Gesetzt, es giebt später einmal größere und umfänglichere Sachen von mir, deren Herausgabe zwischen uns vereinbart würde, so will ich von vornherein versprechen darin meinerseits ein „Nachgeben“ — aber dies Mal muß das neue Buch vollständig gleich meiner ganzen bisherigen Litteratur erscheinen: es ist dies eine Schicklichkeits- und Etiquettenfrage, bei der der Werth gerade dieses Buches entscheidet.
Man hat sich außerdem an eine bestimmte Form und Ausstattung meiner Bücher gewöhnt: sie gehört jetzt mit zu dem Typus der in ihr repräsentirten Denkungsweise. Vergeben Sie mir, daß ich zu Gunsten des neuen, so entscheidenden Buches unbedingt die alte Form mir ausbitte.
In Betreff des Honorars war meine Vereinbarung mit Herrn Schm<eitzner> die, daß eine Auflage von 1000 Ex. als Norm genommen würde: und daß in Betreff späterer Auflagen nichts voraus festgesetzt werde.
Es sind Bedingungen, auf welche hin man sich mit mir in Verbindung gesetzt hat als ich c. 24 Jahr alt war; jetzt, wo ich im 42ten bin, möchte ich es, wenn nicht besser, so doch nicht anders haben, als ich es damals gehabt habe. (Sehr menschlich wie mich dünkt —)
Meine Hoffnung ist, falls die Augen es erlauben, ungefähr in 2-3 Wochen die Abschrift abzuschließen. Bis dahin habe ich vielleicht ein Wort von Ihnen in den Händen, welches mich in Betreff meiner heutigen Bitte beruhigt. (Denn ich bin sehr beunruhigt)
683. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Entwurf)
Darf ich die Hoffnung aussprechen, daß die Angelegenheit der Hypothek Ihres Hrn. Vaters endlich erledigt und zum Abschluß gekommen ist? Ich für meine Person habe unbändig viel Störung und Unannehmlichkeit davon gehabt; aber dafür können Sie nichts.
Mit Ihrem letzten nach Leipzig gesandten Briefe haben Sie mich beleidigt, ich will das nicht verhehlen, — noch weniger möchte ich auf das in ihm angeregte Thema zurückkommen.
Zuletzt eine Anfrage, in Betreff derer es bei Ihnen steht, Ja oder Nein zu sagen. Zum Zweck einer Sammlung meiner Gedichte möchte ich auch das Verfügungsrecht über jene Lieder haben, welche 1882 in Ihrer Revue abgedruckt worden sind: sie würden „verbessert“, verlängert, zum Theil verkürzt, dieser Sammlung einverleibt werden. Darf ich?
684. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
nur wenige Worte. Die Augen verlangen es. Besten Dank für Brief, Geld und die zwei Bücher. Nächsten Dienstag Abreise nach Venedig, Adresse einfach poste restante. Es ist möglich, daß ich im Köselitz’schen Neste sitzen werde. Heinze’s sind hier, zu meiner Erholung, deren ich sehr bedarf. Winter-Pensum exakt fertig, Abschrift selbsthändig besorgt, Fädchen drum gebunden, ad acta gelegt. Dergleichen druckt mir Niemand, am wenigsten Credner; und der Luxus vom vorigen Jahre darf nicht wiederholt werden (ich meine das Drucken auf eigne Kosten.) Zuletzt: es hat Alles keine Eile. — Mottl hat Nein gesagt, sehr motivirt, Principien-Kampf zu Gunsten Wagners etc. — K<öselitz> selbst sandte Proben seines Operntextes „Marianna“ (das ist das korsische Thema.) Rohde hat geschrieben, schwer bewegt. — Das Schönste war ein Brief aus offenem Meere, aus der Nähe der Cap Verdeschen Inseln, seitens meiner Schwester: glückliche Fahrt, gar keine Seekrankheit, und prächtige Menschen. Eine Schwester Deussens gehört auch zum Projekt. Eine hiesige Fabrik hat meine Empfehlung nachgesucht, um ihre Sachen in Paraguay einzuführen: spaaßhaft. In der französischen Litteratur ist le grand succès dieses Jahres un crime d’amour von Paul Bourget: erstes Zusammentreffen der beiden geistigsten Strömungen des Pessimismus, des Schopenhauerischen (mit der „Religion des Mitleidens“) und des Stendhal’schen (mit messerscharfer und grausamer Psychologie.) Man hält Vorträge über diesen Roman: der endlich einmal wieder „Kammermusik-Litteratur“ ist und nichts für die Menge. Deutscherseits sagt man von ihm, wie ich höre, ein „Fäulnißprodukt,“ —
Mich Dir und Deiner Frau angelegentlich empfehlend Dein Freund
N.
N. B. Heinze erzählte mir vom großen Eindrucke, den Harnacks Dogmengeschichte gemacht habe. — Gestatte mir ein Buch gerade Dir zu empfehlen, von dem man in Deutschland nichts wissen will, aber das viel von meiner Art, über Religion zu denken, und eine Menge suggestive Fakta enthält: Julius Lippert, Christenthum, Volksglaube, Volksbrauch (Hofmann in Berlin, 1882.)
685. An Bernhard Förster in Asuncion
Mein lieber Schwager,
es macht mir einen ganz wunderlichen Eindruck, meinen ersten Brief an Dich übers Meer um einer Geschäftssache Willen abschicken zu müssen. Ein Herr Feer, der hier mit einem andren Deutschen zusammen eine Fabrik besitzt, hat sich an mich gewendet, um mit seinem Anliegen von Dir gut aufgenommen zu werden. Es handelt sich um aromatische Essenzen, welche er in Paraguay einzuführen wünscht: — ein wohlriechendes Anerbieten, dessen Fürsprecher ich mit Vergnügen bin. Herr Feer ist ein Verwandter der mir befreundeten Familie Albert Köchlin, allem Anscheine nach ein wackerer zuverlässiger Mensch, auf den Du mit Deinem grünen Buche einen, wie es scheint, beinahe verführerischen Eindruck hervorgebracht hast; genug, er schwärmt seitdem für Paraguay, denkt selbst an Reisen dahin usw. Er will Dir schreiben, — nun, welchen Sinn und Werth sein Anerbieten hat, weiß ich nicht zu beurtheilen, aber der Mensch ist einer Empfehlung werth. —
Seit einer Woche sind Heinze’s aus Leipzig hier: Ihr könnt denken, wie viel von Euch die Rede war und ist!
Übermorgen geht es aber fort: ich versuche es wieder mit Venedig, wie die letzten Jahre. Etwas überarbeitet; viel Abschreiberei; schließlich fehlt mir die Lust, etwas von mir „öffentlich“ zu machen. Kurz, ein Fädchen um’s Manuscript und ad acta gelegt. —
Nach den Zeitungsberichten zu urtheilen, müßt Ihr gerade auf die Revolution in Montevideo zugesteuert sein; der Hintergrund dieser Bewegung hat mich für Deine Projekte nachdenklich gemacht. — Dies Argentinien könnte schließlich Par<aguay> wie eine Enclave mit seinen Zöllen tyrannisiren.
Verzeihung! Es gab übrigens diesen Winter hier Vorträge über Südamerika, worin Parag<uay> auf eine glänzende Art ins Licht gestellt wurde: nämlich in Hinsicht seiner Bewohner, in denen die milden und arbeitsamen Instinkte wundersam mit Heroismus und Ausdauer in starken Gefühlen vereinigt seien. Der Redner schloß mit dem Gedanken, daß der Mensch vielleicht am schönsten und vollständigsten gedeihe, wo er der Natur am nächsten lebe. Wozu die Zuhörer Beifall klatschten. —
Mit den herzlichsten Wünschen Dein
Friedrich Nietzsche.
Adresse bis Mitte Juni: Venezia poste restante. Nachher Sils-Maria, Engadin, Schweiz.
Der Tod des Professor Vischer-Heusler in Basel hat mir sehr weh gethan. — Rohde ist bereits in Leipzig. Im Herbst hoffe ich dort hin kommen zu können. Mit Credner und Schmeitzner Verdruß über Verdruß.
Claire Heinze will von hier aus ebenfalls an Euch schreiben. Ein Brief von mir, adressirt an Frau Dr. Förster, Asuncion, Paraguay poste restante, ist hoffentlich Euch zu Händen gekommen? —
686. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
Verzeihung, meine liebe Mutter, daß ich wieder so schweigsam war und Dir nicht einmal für Deinen guten Brief gedankt habe. Ein paar Zeitungs-Artikel aus den Basler „Nachrichten“, deren ich zufällig habhaft wurde (leider nur die 3 letzten Nummern) sind an Dich abgeschickt worden: sie stammen von einem eben verstorbenen Schweizerischen Staatsmann, dem Landamman Vigier, der 30 Jahre die Regierung des Kantons Solothurn geleitet hat. Als Student war er in Berlin; und seine Erinnerungen an die 48ger Jahre machen um des Contrastes willen einen starken Eindruck, — man hält es nicht für möglich, daß wir schon so ganz entgegengesetzte Zustände erlebt haben. Zuletzt: wer glaubt heute noch daran, daß unser Deutsches Reich 40 Jahre Stand hält! Es geht alles heute schnell vorüber.
Heinze’s sind seit einer Woche hier, und es giebt zwischen uns einen heiteren und artigen Verkehr, zumal wir nicht weit von einander wohnen. Auch ein Paar schöne Tage kamen zu Hülfe: so daß Heinzes recht erbaut von Nizza sind. Ich bin im Grunde sehr angegriffen, Dank der langen Arbeit und Schreiberei; auch habe ich alles Drucken hinausgeschoben, ich denke im Herbst Einiges persönlich zu diesem Zwecke zu arrangiren, wenn ich zu Dir und nach Leipzig komme. Mit Herrn Credner bin ich beinahe wieder auseinander, unter uns gesagt. Auch der frühere Verleger Schm<eitzner> hat sich durch gereizte und wenig erquickliche Briefe mir ins Gedächtniß zurückgerufen, — ich habe den ganzen Winter über noch Schererei von wegen der Hypothek seines Vaters gehabt.
Der Tod des Prof. Vischer-Heusler in Basel hat mir sehr weh gethan.
Rohde hat von Tübingen noch geschrieben, er ist seit dem 8. d. M. in Leipzig. —
Nächsten Dienstag geht es fort von hier, nach Genua und Venedig; es schmerzt mich, daß ich den guten Freund Köselitz daselbst nicht mehr vorfinde.
687. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Geehrter Herr,
mit diesem Briefe möchte ich Ihnen den Vorschlag machen, ein philosophisches Werk von mir herauszugeben, das unter dem Titel „Jenseits von Gut und Böse“ bereit sein würde, in die Welt zu gehn. Einer meiner Freunde, der mich gerade hier besucht (Hofrath Heinze, Prof. der Philos. in Leipzig) räth mir, mich an Sie zu wenden, in Anbetracht, daß ich am ehesten bei Ihnen den Muth der Initiative finden werde, wie er zur Herausgabe eines solchen sehr unabhängig gedachten und gemachten Buchs nöthig ist. Meine Leser und Anhänger sind weit verbreitet genug, um Ihnen von vornherein die Verkäuflichkeit des Buchs wahrscheinlich zu machen; meine Bedingungen andererseits enthalten, wie ich hoffe, nichts, was Ihnen unbillig erscheinen dürfte, zumal es die alten gleichen Bedingungen sind, welche mir von meinem 24ten bis zum 42ten Lebensjahre immer zugestanden worden sind. Als Honorar pro Bogen 40 Mark, bei einer Auflage von 1000 Exemplaren.
Die Ausstattung (Satz, Format, Papier u.s.w.) getreu nach dem Vorbild von „Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister“ — ich nehme eins meiner früheren Werke, im Grunde sind sie allesammt in dieser Hinsicht einander gleich. Gute Druckerei vorausgesetzt: die meisten meiner Bücher sind bei Teubner und C. G. Naumann in Leipzig gedruckt.
Der Umfang des Buches möchte sich ungefähr auf 300 Seiten erstrecken. — Bedingungen für neue Auflagen vorbehalten. — Druck alsbald beginnend.
Das Buch enthält zehn Abschnitte, deren Überschriften lauten: Von den Vorurtheilen der Philosophen. Der freie Geist. Das religiöse Genie. Das Weib an sich. Zur Naturgeschichte der Moral. Wir Gelehrten. Unsere Tugenden. Völker und Vaterländer. Masken. Was ist vornehm?
— Darf ich hoffen, hiermit, geehrter Herr, Ihnen ein willkommenes Anerbieten gemacht zu haben?
Hochachtungsvoll
Ihr ergebener
Professor Dr. Friedrich Nietzsche.
688. An Carl Fuchs in Danzig
Werther und lieber Herr Doktor,
glauben Sie daran, auch ohne daß ich es schriftlich bezeuge (was mir meine Augen von Jahr zu Jahr weniger erlauben —), daß nicht leicht Jemand Ihren Untersuchungen und Feinheiten mit mehr Theilnahme folgen kann, als ich. Wenn nur „Theilnahme“ ausreichte! Aber es fehlt mir an Wissen und Können nach allen den Seiten hin, wo Ihre merkwürdig vielfältige Begabung liegt. Vor allem: es vergehen Jahre, in denen mir Niemand Musik macht, ich selbst eingerechnet. Das Letzte, was ich mir gründlich angeeignet habe, ist Bizet’s Carmen, — und nicht ohne viele, zum Theil ganz unerlaubte Hintergedanken über alle deutsche Musik (über welche ich beinahe so urtheile wie über alle deutsche Philosophie); außerdem die Musik eines unentdeckten Genies, welches den Süden liebt wie ich ihn liebe und zur Naivetät des Südens das Bedürfniß und die Gabe der Melodie hat. Der Verfall des melodischen Sinns, den ich bei jeder Berührung mit deutschen Musikern zu riechen glaube, die immer größere Aufmerksamkeit auf die einzelne Gebärde des Affekts (ich glaube, Sie heißen das „Phrase“, mein lieber Herr Doktor?), ebenfalls die immer größere Fertigkeit im Vortrage des Einzelnen, in den rhetorischen Kunstmitteln der Musik, in der Schauspieler-Kunst, den Moment so überzeugend wie möglich zu gestalten: das, scheint mir, verträgt sich nicht nur mit einander, es bedingt sich beinahe gegenseitig. Schlimm genug! man muß eben alles Gute in dieser Welt etwas zu theuer kaufen! Das Wagnerische Wort „unendliche Melodie“ drückt die Gefahr, den Verderb des Instinkts und den guten Glauben, das gute Gewissen dabei allerliebst aus. Die rhythmische Zweideutigkeit, so daß man nicht mehr weiß und wissen soll, ob etwas Schwanz oder Kopf ist, ist ohne allen Zweifel ein Kunstmittel, mit dem wunderbare Wirkungen erreicht werden können: der „Tristan“ ist reich daran —, als Symptom einer ganzen Kunst ist und bleibt sie trotzdem das Zeichen der Auflösung. Der Theil wird Herr über das Ganze, die Phrase über die Melodie, der Augenblick über die Zeit (auch das tempo), das Pathos über das Ethos (Charakter, Stil, oder wie es heißen soll —), schließlich auch der esprit über den „Sinn“. Verzeihung! was ich wahrzunehmen glaube, ist eine Veränderung der Perspektive: man sieht das Einzelne viel zu scharf, man sieht das Ganze viel zu stumpf, — und man hat den Willen zu dieser Optik in der Musik, vor Allem man hat das Talent dazu! Das aber ist décadence, ein Wort, das, wie sich unter uns von selbst versteht, nicht verwerfen, sondern nur bezeichnen soll. Ihr Riemann ist mir ein Zeichen davon, eben so wie Ihr Hanns von Bülow, ebenso wie Sie selbst, Sie als der feinsinnigste Interpret von Bedürfnissen und Veränderungen der anima musica, welche, Alles in Allem, zuletzt doch der beste Theil von dem sein mag, was die âme moderne ist. Ich drücke mich verdammt schlecht aus, zum Unterschiede von Ihnen; ich meine, es giebt auch an der décadence eine Unsumme des Anziehendsten, Werthvollsten, Neuesten, Verehrungswürdigsten, — unsre moderne Musik zum Beispiel, und wer nur nach der Art der drei eben Genannten ihr treuer und tapferer Apostel ist. Verzeihung, wenn ich noch hinzufüge: wovon ein Decadenz-Geschmack am entferntesten ist, das ist der große Stil: zu dem zum Beispiel der Palazzo Pitti gehört, aber nicht die neunte Symphonie. Der große Stil als die höchste Steigerung der Kunst der Melodie. —
Endlich ein Wort über eine ganz große theoretische Differenz zwischen uns, nämlich in Anbetracht der antiken Metrik. Freilich: ich darf heute kaum mehr über diese Dinge mitreden, — aber 1871 hätte ich’s gedurft, welches Jahr ich in der erschrecklichen Lektüre der griechischen und lateinischen Metriker verbracht habe, mit einem sehr wunderlichen Resultate. Damals fühlte ich mich als den abseits gestelltesten Metriker unter allen Philologen: denn ich demonstrirte meinen Schülern die ganze Entwicklung der Metrik von Bentley bis Westphal als Geschichte eines Grundirrthums. Damals wehrte ich mich mit Händen und Füßen dagegen, daß z. B. ein deutscher Hexameter irgend etwas Verwandtes mit einem griechischen sei. Was ich behauptete war, um bei diesem Beispiele zu bleiben, daß ein Grieche beim Vortrage eines homerischen Verses gar keine andern Accente als die Wortaccente angewendet habe, — daß der rhythmische Reiz exakt in den Zeitquantitäten und deren Verhältnissen gelegen habe, und nicht, wie beim deutschen Hexameter, im Hopsasa des Ictus: noch abgesehn davon, daß der deutsche Daktylus auch in der Zeitquantität grundverschieden vom griechischen und lateinischen ist. Denn wir sprechen „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen, es grünten und blühten“ mit dem Gefühle von
, vielleicht sogar als Triolen, gewiß aber nicht zweitheilig-feierlich mit einer langen Silbe, welche die Dauer von zwei kurzen hat. Das Strengernehmen der Dauer einer Silbe war es eben, was in der antiken Welt den Vers von der Alltagsrede abhob: was bei uns Nordländern ganz und gar nicht der Fall ist. Es ist uns kaum möglich, eine rein quantitirende Rhythmik nachzufühlen, so sehr sind wir an die Affekt-Rhythmik des Stark und Schwach, des crescendo und diminuendo, gewöhnt. Von Bentley aber (der ist der große Neuerer, G. Hermann ist erst der Zweite), ebenso von den deutschen Dichtern, welche antike Metra nachzubilden glaubten, ist ganz unschuldig unsre Art rhythmischer Sinn als einzige und „ewige“ Art, als Rhythmik an sich, angesetzt worden: ungefähr wie wir allesammt geneigt sind, unsrer Humanitäts- und Mitgefühls-Moral als die Moral zu verstehen und sie in ältere, grundverschiedene Moralen hineinzu-interpretiren. Es ist ja kein Zweifel, daß unsre deutschen Dichter „in antiken Metren“ damit vielerlei rhythmische Reize in die Poesie gebracht haben, deren sie ermangelte (das Tiktak unsrer Reim-Poeten ist auf die Dauer fürchterlich): aber ein Alter hätte nichts von diesen Zaubern gehört, noch weniger aber geglaubt, dabei seine Metra zu hören. — Unter Franzosen versteht man die Möglichkeit einer allein zeit-quantitirenden Metrik schon leichter: sie fühlen die Zahl der Silben als Zeit. — Ecco, der längste Brief, den ich seit Jahren geschrieben: nehmen Sie ihn als solchen und auch in jedem andern Verstande als ein Zeichen dafür, daß auch ich „die Dankbarkeit“ nicht vergesse, mein werther Herr Doctor, der Sie mich nun schon zwei Mal mit ganz ausgesuchten Gerichten bewirthet haben. — Wo um alles in der Welt haben Sie Ihr Talent zum causer en litterature her? ist etwas französisches Blut in Ihren Adern? —
Schließlich ein Wort des Zorns gegen Ihren Verleger und Drucker. Wie! „Hefte“? Hefte, die nicht haften, die nicht geheftet sind! lucus a non lucendo! Halten Sie diesen Scherz einem alten Philologen zu Gute und bleiben Sie trotzdem wohlgesinnt
Ihrem ergebensten
Dr. Friedrich Nietzsche,
weiland Prof. der klassischen
Sprachen, insgleichen der Metrik.
Lesen Sie, ich bitte, ein Buch, das Wenige kennen, Augustinus de musica, um zu sehen, wie man damals Horazische Metren verstand und genoß, wie man dabei „taktirte“, welche Pausen man einschob u. s. w. (Arsis und Thesis sind bloße Taktirzeichen).
Meine Adresse ist, ein für alle Mal: Naumburg an der Saale. Von da aus wird mir Alles nachgeschickt. Ich selbst bin „unstät und flüchtig“ auf Erden — —
689. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Geehrter Herr,
ein Wort zur Beantwortung Ihres gefälligen, aber leider verneinenden Briefs. Ich habe einen so guten Glauben an die Anziehungskraft und also auch and die Verkäuflichkeit meines neuen Buchs, daß ich Ihnen einen Vorschlag machen will, der eine starke Probe für diesen Glauben giebt. Sie würden mich bereit finden, auf Zahlung des Honorars bis zu dem Zeitpunkt zu warten, wo 600 Exemplare verkauft sind.
Im Übrigen alle Bedingungen, welche ich zuletzt machte, aufrechterhaltend.
Hochachtungsvoll der Ihrige
Professor Dr. Nietzsche.
690. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
immer noch aus Nizza! Im entscheidenden Zeitpunkte, wo ich nach Venedig fort wollte, schlug das Wetter um, und eine Art Verhärtung und Verwinterlichung hat bis jetzt Stand gehalten: so daß ich erst Ende Monats davon fliegen will. Wohin? selbst das ist nicht gewiß. Bei weitem am liebsten nach Venedig: doch ist der Gesundheits-Stand daselbst fragwürdig genug, und fast scheint es, daß Einer, der sich dorthin begiebt, sich nicht nur in eine Gefahr, sondern, was das Unangenehmere ist, in eine Quarantaine hineinstürzt. Bis heute ist letztere zwar nur für die Seeseite (und fürs ganze Adriatico) erklärt: es könnte aber bald genug kommen, daß man sich auch von der Landseite aus, z. B. von Mailand gegen Padua und Venedig sicher stellte: kurz, daß man mir den Rückweg in die Schweiz verbaute. — Trotzdem: ich glaube eigentlich daran, daß ich im entscheidenden Momente doch noch dorthin schlüpfe, — zuletzt hat man nicht zu viel Dinge lieb, und darunter ist, bei mir wenigstens, eine einzige Stadt.
Freilich: Venedig ohne Ihre Musik, lieber Freund! Es schmerzt mich durch und durch, wenn ich daran denke; Sie können nicht glauben, welche Wohlthat Sie mir seit Recoaro, Jahr für Jahr, erwiesen haben, und wie Nichts im Grunde mir diese Erleichterung gegeben hat, die meine Schwere und Schwermüthigkeit so nöthig hat —, als Ihre Kunst. Auch bleibe ich dabei, daß ich in Bezug auf Ihre Musik Recht habe: und nicht Herr Mottl, — dessen Urtheil ich mir zwar psychologisch zurechterklären kann, nimmermehr aber aneignen will! Einstweilen ist es die Wagnerei, die Ihnen im Wege steht; auch die deutsche Vergröberung und Vertölpelung, die seit dem „Reiche“ wächst und wächst. Wir müssen auf Mittel und Wege denken, uns zur Wehre zu setzen, daß man Sie und mich nicht mundtodt macht. Verzeihung, daß ich „mich“ dazwischen menge: aber die negativen Briefe deutscher Verleger geben mir den Eindruck, daß es jetzt bei mir so steht wie bei Ihnen, daß wir still unsre „Partituren“ in den Schrank legen. —
Und eine neue machen? Nicht wahr? Ich freue mich unbändig über Ihre korsische Dichter-Tapferkeit. Für die mitgetheilten kräftigen Verse tantissime grazie!
Was mein Manuscript angeht: so schwebt noch eine Verhandlung mit dem Berliner Verleger C. Heymons (d. h. Carl Duncker’s Verlag). Gesetzt, es wird auch da nichts ausgerichtet, nun, so hat es seine gute Seite für mich. Denn es ist ein erschreckliches Buch, das dies Mal mir aus der Seele geflossen ist, — sehr schwarz, beinahe Tintenfisch. Mir ist zu Muthe, als hätte ich irgend etwas „bei den Hörnern“ gepackt: ganz gewiß ist es kein „Stier“. — —
Wenn Sie einmal an Ihre trefflichen Leute nach Venedig schreiben: bitte, geben Sie ihnen zu verstehen, daß mir an zwei Dingen viel gelegen sei. Erstens, daß der Boden des Zimmers mit einem Teppich belegt werde: ich erkälte mich so leicht. Und dann: ein großer bequemer, gelehrter Lehnstuhl (in Frankreich sagt man für dies Möbel verständnißvoll „un Voltaire“). Eventuell kann man dergleichen miethen: natürlich auf meine Unkosten. —
Ihr Anerbieten, mir wieder bei der Correktur helfen zu wollen, ist herrlich. Geht Alles gut, so giebt es bei einander: Venedig, Druckbogen und Gondelei oder Spazierengehn an den Fondamenta nuove. Ich habe gerade sehr die Erholung und Stille nöthig. —
Ihnen und Ihren verehrten Eltern meine angelegentlichsten Grüße und Wünsche ausrichtend
Ihr
alter Freund
N.
691. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, immer noch in Nizza, wo mich die plötzliche Verhärtung und Verwinterlichung des Clima’s warten hieß: hinzugerechnet die schlechten Nachrichten über den Gesundheitsstand in Venedig. Ich bedarf der Erholung, wie lange nicht; es fehlt mir an Menschen, die sie mir schaffen könnten. Die Augen, Tag und Nacht schmerzhaft, verbieten Lesen und Schreiben. Das Letzte, was ich las, war Dr. Fuchsens Buch („Heft“? — lucus a non lucendo —) „rasend“ interessant und fein, ob ich schon mit allem Fundamentalen nicht einverstanden bin. Auch habe ich ihm gedankt. Rohde hat geschrieben, sehr bewegt über sein Fortgehn von Tübingen: wünscht mich diesen Mai in Leipzig zu finden, ebenso wie meine Mutter. Wir sind durch die letzten Nachrichten von meiner Schwester wieder besorgter, es scheint, daß sie das heiße Clima schlecht aushält. Ihr erster Brief, mitten aus dem Meere, Nähe der Cap Verdeschen Inseln, war heiter, ausgezeichnete Fahrt und Gesellschaft. Eine Schwester Deussens will hin. Eine hiesige Fabrik hat meine Fürsprache gesucht für Importe nach Paraguay: was mir très ridicule vorkam. — Was für ein schlechter Winter! —
Dein Freund
N.
692. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
drei Worte, vor allem des Dankes für Deinen guten Brief. Unsre Sorgen sind gemeinsam, im Grunde glaube ich, daß wir allesammt nicht für ein heißes Clima gemacht sind. Abgesehn von allen leiblichen Consequenzen ruinirt es den Muth und die Kraft des Willens: deshalb geht Dein krankes Thier in so kalte Sommerfrischen, die einem milden Nizzaer Januar zum Verwechseln ähnlich sind: — ich meine, weil unsereins viel Muth und Willenskraft nöthig hat.
Die letzte Zeit war sehr hart und schlecht für mich, eigentlich eine Tortur, bei der Alles, was sonst wohl thut, einem schwer fällt. Ärger über meine Verleger voran: es ist nichts mit Credner (obwohl ich heute noch einen letzten indirekten Versuch vermittelst eines Briefes an Heinze gemacht habe); es ist auch mit den andern Verlegern nichts, an die ich mich gewendet habe. Dies ist schlimm, in vielfachem Betracht; eine der Folgen die ich nur Deinethalb berühre, ist, daß mir die bestimmt erwartete Geldzuschuß-Summe für dies Jahr abgeht, — auf diese hin hatte ich ja die Reise zu Dir projektirt! Nun, warten wir ab, was wird.
Übermorgen gehe ich nach Venedig, will sehr still herumgehen und mich von der großen Angegriffenheit so gut es geht erholen. Vielleicht wohne ich im alten Zimmerchen des guten Köselitz (in Bezug auf welchen ich auch aus Deutschland eine neue abschlägige Antwort zu verzeichnen habe, vom Carlsruher Hofkapellmeister: es hat mich stark mitgenommen, weil ich hier gerade gewonnenes Spiel zu haben glaubte.
Meine Adresse ist zunächst:
Venezia (Italia)
poste restante
Andre Jahre, nicht wahr? machen wir ein kleines Rencontre auf halbem Wege; es scheint mir mit meinen Finanzen absolut unverträglich zu sein, eine Reise nach Naumburg hin und zurück auf mein Jahres-Budget zu setzen. Noch abgesehn von der Gesundheit: denn Du kannst nicht glauben, welche Überwindung ich wieder im vorigen Herbst nöthig hatte, um mir nicht die Melancholie eines Leidenden allzusehr anmerken zu lassen.
In herzlicher Liebe Dein Sohn
692a. An Sophie Vischer-Heusler in Basel (Entwurf)
Noch von meinem letzten Besuche in Basel, wo ich einen Vormittag in Ihrem Hause war (Sie selbst waren verreist) habe ich den Eindruck von dem tiefen Vertrauen zurückbehalten, welches wir, ich darf es wohl sagen, zu einander hatten.
Darf ich hinzufügen, daß es mir persönlich scheint als ob <ein> Stück meines eignen Leben<s> mit ihm zu Grabe getragen sei: er gehörte unter die M<enschen>, welchen ich viel Vertrauen und Entgegenkommen zu danken habe, in einem Lebensalter, wo man durchaus noch keinen Anspruch auf Beides zu erheben hat.
welche mich verpflichtet, Ihnen ein Zeichen meiner Trauer und meines tiefen Mitgefühls zu geben. Es werden selten Männer so betrauert wie Ihr ausgezeichneter Gemahl betrauert wird: von M<enschen> der verschiedensten Denkweisen und Bestrebungen, die aber alle einmüthig in dem Wunsche sind, einmal einen Nachruhm, wie er ihn hat, zu hinterlassen, als treue, wohlwollend-wohlthätige und unermüdliche Freunde alles Guten und Gerechten.
In meinem nächsten Briefe will ich meiner Schwester von Ihrem großen Leide Nachricht geben: über das Meer, wie Sie wissen werden.
693. An Sophie Vischer-Heusler in Basel
Liebe verehrte Frau Professor,
über Naumburg kommt diese außerordentlich schmerzhafte und überraschende Mittheilung zu mir, welche mich verpflichtet, auch meinerseits Ihnen ein Zeichen meiner Trauer und meines tiefen Mitgefühls zu geben. Es werden selten Männer so betrauert, wie Ihr ausgezeichneter Gemahl betrauert wird: von Menschen der verschiedensten Denkweisen und Bestrebungen, die aber alle einmüthig in dem Wunsche sind, einen Nachruhm, wie er ihn hat, zu hinterlassen, als treue, uneigennützige, wohlwollend-wohlthätige und unermüdliche Freunde alles Guten und Gerechten. Darf ich hinzufügen, daß mir persönlich ein Stück Leben und Vergangenheit mit ihm zu Grabe getragen wird, an welches ich gerne und mit vieler Dankbarkeit zurückzudenken habe: er gehörte zu den trefflichen Basler Collegen, die mir, in einer Lebenszeit, wo man noch wenig Anspruch auf Vertrauen machen darf und sich im Grunde erst zu „beweisen“ hat, mit einem unbedingten Vertrauen und hülfreich in Rath und That entgegengekommen sind, nach dem Vorbilde seines verehrungswürdigen und mir unvergeßlich theuren Vaters. Noch von meinem letzten Besuche, den ich ihm in Basel machte (vor zwei Jahren, Sie selbst waren verreist —) habe ich den Eindruck jenes tiefen Vertrauens zurückbehalten, welches wir, ich darf es wohl sagen, zu einander hatten.
In meinem nächsten Briefe will ich meiner Schwester von Ihrem großen Verluste Mittheilung machen, verehrte Frau Professor (über das Meer, Sie wissen ohne Zweifel von ihrer Übersiedelung nach Paraguay?); und ich weiß, daß sie mit Ihnen und mit mir auf das Schmerzlichste davon getroffen sein wird. Wenn ich selbst in diesem Jahre über Basel kommen sollte, werde ich mir die Freiheit nehmen, Ihnen mündlich zu wiederholen, was ich hier geschrieben habe,
als Ihr hochachtungsvoll
ergebener und sehr
betrübter Freund
Professor Dr. Nietzsche.
694. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Gestern Abend bin ich in Venedig eingetroffen, nach ein paar Wochen peinlicher Ungewißheit: deren Zeugniß auch eine Karte an Dich gewesen ist, lieber Freund. — Meine Verleger-Verhandlungen sind allesammt bisher gescheitert, unter nicht uninteressanten Umständen; einen letzten Versuch wird Heinze machen, — aber es steht hier wie mit Mottl’s Negativum: alle diese Herrn wollten gar zu gern, aber sie dürfen nicht. (Die öffentliche Meinung als Gewissen — ) Ich sitze im Neste des ausgeflogenen Singevogels: Adresse San Canciano calle nuova 5256.
695. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Lieber Freund, ich sitze hier in Ihrem Neste, ohne Sie, den ausgeflogenen Singevogel, irgendwie zu repräsentiren. Denn es geht mir nicht gut, meine Augen torturiren mich Tag und Nacht. Das Wetter ist glänzend klar und frisch, aber — ich darf nichts sehen, und Alles thut mir weh.
In summa: ich reise nächster Tage ab, über München nach Naumburg, um mich in einen Wald zu verstecken. Meine Adresse also Naumburg a.d.Saale: — auch für den Fall von Correkturbogen…
Ihre Leute hierselbst sind ausgezeichnet; es scheint mir, daß im Winter (wo das Licht nicht so intensiv ist) sich gut hier wohnen ließe.
Unter einem Concertprogramm las ich als Dirigenten Edoardo Sassone, warum nicht Enrico? — —
696. An Max Heinze in Leipzig (Entwurf)
tantissime grazie für die ganze Bemühung! Zuletzt glaube ich, daß es klug ist, Herrn Credner für dies Mal zu acceptiren quand même, — ich möchte gerade diesem Buche nicht durch einen schlechten Verleger-Namen geschadet wissen.
Geben Sie ihm also, wenn ich bitten darf, das Ms., zugleich mit beifolgendem Blatte, das meine Wünsche für die Druckerei enthält
Ich bin krank, ohne Gesellschaft, Tags und Nachts augenleidend: der letzte Punkt ist es, der mir widerräth in Venedig zu bleiben (wo es blendend klar, aber sehr frisch, beinahe kalt ist)
Auf Wiedersehn also in Leipzig oder — Tautenburg! —
697. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Um sofortige In-Angriffnahme des Drucks gebeten. Wöchentlich 3—4 Bogen.
Tiefes Schwarz, mir in H<insicht> auf meine l<eidenden> Augen dringend erwünscht.
Die letzte Correktur wird von mir und Hr. K<öselitz> besorgt: so daß zu gleicher Zeit 2 Abzüge an H. K<öselitz> und 1 Abzug an mich abgehn. Unsere beiden Adressen folgen anbei Zu Händen des Herrn Druckerei-Besitzers.
698. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, es geht nicht gut. Es ist in Venedig für mich nicht auszuhalten. Die Augen sind zu schmerzhaft — und es fehlt mir an Zerstreuung. Kurz, ich will dieser Tage zu Dir hin abreisen, höchstens daß ich mich in München ein wenig verzögere. —
Mit Credner wird es noch etwas, wenigstens scheint es augenblicklich so. —
Dies Mal hat Dein Sohn es recht nöthig, sich pflegen zu lassen.
In Liebe Dein F.
699. An Irene von Seydlitz in München
Verehrte Freundin,
nichts konnte liebenswürdiger sein als die Intention Ihres Briefes an mich, — der mich aufforderte, an mich selbst zu denken. Aber gerade das geht, wie es scheint, über meine Kräfte, Dank einer lebenslänglichen Verwöhnung: es gab in diesem Winter so viel Anderes zu denken, es lag so viel Anderes und lauter so Schweres auf mir, daß ich nicht einmal Zeit hatte, an mich zu denken, wozu Ihre Zeilen in der That die freundschaftlichste Aufforderung enthielten. Nehmen Sie das alles wörtlich, so verrückt es auch klingen mag. Aber ein Mensch wie ich ist in sein Problem — in seine „Aufgabe“, sagt man wohl? — gespannt wie in ein schönes alterthümliches Folterwerkzeug: hat man’s wieder einmal „überstanden“, nun, so ist man doch für eine längere Zeit kaput. Zum Beispiel jetzt: ein Manuscript mit dem bösartigen Titel „Jenseits von Gut und Böse“ ist das eine Resultat des Winters; das andre — liegt hier in Venedig, ich selber, jenseits vielleicht von Gut und Böse, aber nicht von Ekel, Langeweile, malinchonia und Augenschmerzen. —
Diesen Winter sah ich öfter einmal den Namen meines Freundes Seydlitz in der Neuen freien Presse oder anderswo — sehr siegreich, wie mir schien? — Ich glaube von einem Auftrage für Bologna gelesen zu haben? Dies gab mir die Vorstellung, als ob Sie miteinander vielleicht südliche Pläne planten. Und darf ich wissen, wo Sie sich vor der großen Hitze verstecken wollen? — Zuletzt bitte ich, nicht erstaunt zu sein, mich plötzlich einmal in München auftauchen zu sehn. „Durchreisendamente“, um italiänisch zu sprechen. Dies Jahr muß ich meiner Mutter etwas zu Hülfe kommen, daß sie den Verlust ihres andren Kindes nicht gar zu schwer trägt. — Übrigens sind die Nachrichten gut, die Seefahrt war glänzend. —
Seien wir guter Dinge! (Erste Bedingung des ewig-Weiblichen nach meiner façon: lachen-können, im Kopfe lauter dummes Zeug.)
Dankbar und ergeben
Ihr
Fridericus Nux Crux
Lux Dux etc.
700. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, gesetzt, daß die Gesundheit nichts dazwischen redet, will ich heute Nachmittag 1/2 6 von hier (München) mit dem Schnellzuge zu Dir mich auf den Weg machen. Das heißt: ich komme morgen ganz früh nach Leipzig (3 Uhr 53) und werde mit dem ersten Zuge nach Naumburg weiterreisen. Daß Du an der Bahn bist, möchte ich ganz und gar nicht: es ist viel zu früh und unbequem für Dich.
In Liebe Dein F.
Nein! Ich komme erst Donnerstag früh.
701. An Albert Erlecke in Chemnitz (Entwurf)
Geehrter Herr, ich bedaure, daß eine so rasche Erledigung Ihres Wunsches, wie Sie ihn durch Ihr Telegramm ausdrückten, ganz außerhalb der Möglichkeit lag. Mein Banquier verlangte vor Allem etwas über Sie und Ihre Verhältnisse in Erfahrung zu bringen; aus Ihrem Briefe war in Hinsicht auf ausreichende Bürgschaft und Sicherstellung des verlangten Geldes nichts zu entnehmen.
Ein früherer Brief, auf welchen Sie verweisen und der vielleicht darüber Mittheilungen enthielt, ist bedauerlicher Weise nicht in meine Hände gekommen. — So weit ich die Lage aus der Ferne beurtheilen kann, ist Herr Schmeitzner jetzt sehr gedrängt, seinen Verlag zu verkaufen: es ist wahrscheinlich, daß er Ihnen denselben auch noch zu einem geringeren Preise anbieten wird.
702. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Aber was sind sie für ein Mensch! Keine Antwort auf meine Briefe, nicht einmal der Empfang des Ms. wurde mir angezeigt, die Bedingung, die ich stellte (daß der Druck sofort beginne, — — —
Ich habe keinen Geschmack für bummlige Geschäftsleute, noch weniger für unhöfliche.
Sie machen es mir unmöglich, mit Ihnen weiter zu verkehren: und ich will froh sein, wenn ich — — —
703. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Ich bedaure, Ihnen erklären zu müssen, daß mir fürderhin mit Ihnen geschäftlich zu verkehren unmöglich ist. Sie haben mir auf meinen Brief aus Nizza <nicht geantwortet> und sich nicht einmal, wie ich es durch Hofrath H<einze> Ihnen zu verstehen gab, für dieses Versäumniß zu entschuldigen gewußt. Sie haben den Empfang des M<anuskripts> mir weder angezeigt noch die Bedingung, unter welcher ich dasselbe in Ihre Hände gab (sofortige und schleunigste Erledigung des Drucks) erfüllt. Endlich: Sie schweigen selbst auf mein dringliches Telegramm vom Sonntag: Gründe genug für mich, um hier ein Ende zu machen und anders über mein Ms. zu verfügen: Senden Sie dasselbe, wenn ich bitten darf, mit der nächsten Postgelegenheit nach Naumburg.
704. An Elisabeth Förster in Asuncion
Mein liebes Lama,
Alles, fast Alles, was Du mir gemeldet hast, klingt muthig und lustig: so daß ich meine Geburtstagswünsche dies Mal sehr abkürzen kann (wozu mich andererseits die Augen zwingen), — bleibe so, wie Du bist, muthig und lustig, und „laß Dich nicht aus der Fassung bringen“! Letzteres nämlich ist unsre Devise hierselbst, welche ich jeden Tag unsrer Mutter einige Dutzend Male bei möglichen oder unmöglichen Anlässen zurufe oder mir zurufen lasse. Wozu, wie Dir wohl schon mitgetheilt worden ist, in meinem Falle reichlich Anlaß vorhanden ist. Die Verlegernoth dauert nunmehr schon 3 Monate und ist auf dieselbe kostspielige, aber freiherrliche Manier endlich von mir abgeschüttelt worden, wie voriges Jahr. Von Venedig bin ich noch zur rechten Zeit losgekommen, inzwischen ist die Cholera dort in Blüthe getreten, und durch Land- und See-Quarantänen umzingelt. Wir hatten einen Hundtag-Hitz-Anfall im Mai, der mir wieder zu verstehen gab, wie es Dir wohl zu Muthe sein mag: aber es scheint mir, daß Du leichter Hitze erträgst als ich, — und wahrscheinlich ist Eure Luft nicht so dicklicht wie die Naumburger. Von Seydlitzens gute und liebevolle Briefe; zuletzt aus Berlin, wo der Japonisme triumphiren soll. Rohde habe ich in Leipzig im Colleg gehört: auch da aber sagte ich mir schließlich „ich tausche heute mit Niemandem mehr“. — Und Leipzig ist keine Zufluchts- und Ausruhestätte für mich, — so viel ist klar. Eher schon München: obwohl es erst zu probiren ist. — Um Nizza und Sils-Maria werde ich nicht herumkommen: die Zwischenakte, wo mir vor Allem menschlicher Verkehr noththut, als Kur, müssen noch erfunden werden.
So viel von mir, mein liebes liebes Lama! Deine Mittheilungen über alte Freunde, die den artigen Umweg über Paraguay gemacht haben, waren sehr dankenswerth. Ich denke, daß der tägliche Morgen-Genuß von Maté, welchem ich mich hier ergeben habe, ein gutes Anzeichen dafür ist, wie viel ich an Dich gedacht, auch wie gern ich von Dir gehört habe. Meinem trefflichen Schwager die wärmsten Grüße: ein Briefchen an ihn von Nizza aus wird schwerlich angelangt sein?
In getreuer Bruderliebe
Dein F.
705. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Geehrter Herr,
besten Dank für die übersandte Berechnung: ich gestehe, daß ich gehofft hatte, Sie würden einen noch geringeren Kostenpreis herausrechnen. Mit dem Papier bin ich einverstanden: es gefällt mir. —
Zuletzt bitte ich Sie angelegentlich, den Druck, so sehr es nur angeht, zu beschleunigen und jede Woche mindestens 3 Bogen fertig zu stellen. Den Grund sagte ich Ihnen schon: ich möchte nicht den Sommer verlieren, der zu einer größeren Ausarbeitung bestimmt ist, — vor der Beendigung des Drucks fehlt mir jene Freiheit und Unbekümmertheit, welche ein ganz neuer Gedankenkreis für sich in Anspruch nimmt. Alle produktiven Menschen haben es eilig.
Mit dem Ausdrucke persönlichen Vertrauens
Ihr
ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
706. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Telegramm)
Zusammenkunft sehr erwünscht. Vielleicht für eine Woche? Auenstraße 48 2.
Nietzsche
707. An Paul Heinrich Widemann in Bernsdorf (Postkarte)
Werther Freund, es wäre schön, wenn ich Sie hier in Leipzig zu sehen bekäme: ich bleibe noch bis Ende der Woche. Meine Wohnung ist Auenstrasse 48, 2. Etage rechts. Herr Köselitz ist gleichfalls hier, seit Sonntag. — Und wer weiß, wann eine solche gute Gelegenheit sich wieder anbietet! — Kommen Sie, wenn es irgend angeht!
Mit herzlichem Gruß und Wunsch
Ihr Nietzsche
708. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Das unnumerirte, mit drei Sternen bezeichnete Stück, welches jetzt den Anfang vom vierten Hauptstück macht („Ach, was seid ihr doch etc.“) soll von dieser Stelle weg und an das Ende des neunten Hauptstücks gerückt werden d. h. an den Schluß des Buches. Dort bekommt es die letzte Nummer und verliert seine Sternchen
Prof. Nietzsche.
Von jetzt ab die Correctur wieder wie zuerst für Herrn Köselitz nach Annaberg (Erzgebirge)
für mich Naumburg a/Saale.
709. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Geehrtester Herr, entgegen meiner gestrigen Mittheilung will ich heute melden, daß ich noch diese Woche hier in Leipzig bleibe, desgleichen Herr Köselitz.
Hochachtungsvollst
Prof Dr Nietzsche.
710. An Arthur Nikisch in Leipzig (Entwurf)
H<einrich> K<öselitz>, derselbe Componist, der vor 4 Jahren Ihnen sein Erstlingswerk „Scherz List und Rache“ vorlegte, bittet durch mich um die Erlaubniß, Ihnen seine zweite, wie er hofft, aufführbarere und in jeder B<eziehung> reifere Oper der Löwe von V<enedig> (fertig in Partitur und Klavierauszug) zusenden zu dürfen. Er legt großen Werth darauf, sein Werk in der Hand eines jener seltnen Interpreten zu wissen, welcher ein Herz auch für die heitere, südländische, mozartische Welt der Töne hat.
Er glaubt, Ihnen für die entschiedene Kritik, welche Sie damals hinsichtlich seiner Instrumentation übten, sehr dankbar sein zu müssen: hoffen wir, daß er sie sich gründlich zunutze gemacht hat! Ich selbst, wenn es erlaubt ist, das hinzuzufügen, lege den größten Werth darauf, dieses neue frohmüthige, selbst ausgelassene Werk — — —. Die Ouvertüre desselben ist 1885 mit ausgezeichnetem Erfolg in Zürich (in einem Tonhallen-Concert) aufgeführt worden.
711. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
ein paar Worte aus Leipzig, als späten Dank für Deinen Brief, der mich in Venedig erreichte. Es war gut, daß ich diesem Cholera-Neste entschlüpft bin, so unangenehm die Veranlassungen dazu waren. Es gäbe Viel zu erzählen, — aber schreiben? Nein! Es steht gar zu schlecht mit den Augen. Schmeitzner, wie ich gerade zur rechten Zeit erfuhr, gedachte mir einen schlimmen Streich zu spielen, nämlich meine ganze Litteratur an eine der schmutzigsten und anstößigsten Figuren des sächsischen Buchhandels zu verkaufen (der Betreffende ist mehrfach wegen Vertriebs obscöner Schriften bestraft, auch Socialdemokrat, anerkannt käuflich usw.) Mein Versuch, hier dazwischen zu treten, hat zum Mindesten die Sache etwas verschoben und hinausgeschoben. Ein Leipziger Verleger (nicht der völlig unzuverlässige und launenhafte Credner) verhandelt jetzt mit Schm<eitzner> über den Ankauf meiner Schriften (d. h. der Rest-Exemplare) — aber der unverschämte Schm<eitzner>, (der einen Begriff von meiner Nothlage hat und sie zu seinen Gunsten ausnützt) verlangt den unverschämten Preis von 12 000 Mark. —
Einen neuen Verleger für etwas Neues habe ich nicht aufzufinden vermocht: eine Menge peinlicher Erfahrungen in diesem Capitel hat mich zur Resignation gebracht. Im Grunde hat es mich fast ein halbes Jahr gekostet, dies Suchen, Warten und Enttäuschtwerden. Meine Schriften, sagte man mir in Leipzig, seien „Zukunftsmusik:“ was ich mir ad notam genommen habe. —
Sodann wurde nöthig, für Herrn Köselitz etwas zu thun, da, seitdem er selbst für sein Werk sich bemüht hat, Alles stecken geblieben ist. Hier in Leipzig habe ich wenigstens Eins erreicht — eine Privataufführung im Gewandhause vom letzten Werke K<öselitzen>’s (dem Septett) mit lauter ausgezeichneten Künstlern, den ersten Kräften des Gewandhaus-Orchesters. Der Erfolg war belehrend, wenn auch nicht angenehm — die Musik klang nicht gut, viel zu dick; ich meine, es ist die höchste Zeit, daß K<öselitz> in einer eigentlichen Musikstadt zu leben sich entschließt, um in Betreff der Orchestration zu hören und zu lernen. In Betreff der Oper verhandle ich eben mit Nikisch (ohne viel Hoffnung zu haben.) K<öselitz> brachte mir den fertigen Text der korsischen Oper mit („Marianna“ heißt sie) den er in Annaberg gedichtet hat. Doch war ich nicht im Stande, denselben zu billigen; so sehr der Muth anzuerkennen ist, mit dem er die Aufgabe gefaßt hat. Ein Jahr später wird er’s besser machen. —
Herr Widemann hat mich hier besucht: das ist ein tüchtiger achtbarer und feiner Mensch, obschon mir seine Philosophie einstweilen noch gründlich anfängerhaft vorkommt. Aber es ist etwas, so anzufangen. —
Aber Rohde! Ich fand ihn in der wunderlichsten Klemme, außer sich über die Dummheit, Tübingen verlassen zu haben und tief im Widerspruch mit Leipzig: so daß sein Entschluß, sich nach Heidelberg berufen zu lassen (was inzwischen formaliter geschehn ist) schließlich räsonabel war, faute de plus raisonable. Dies unter uns: obwohl ich glaube, daß heute das Definitivum der Sache da ist (die Rückantwort des sächsischen Ministers). — Die baierische Tragödie hat mich tief erschüttert, ich weiß etwas zu viel von ihren Voraussetzungen. —
In München gab es ein paar prächtige Stunden bei Deinen Verwandten. Der Sommer wahrscheinlich in Sils-Maria. In Kürze eine Karte darüber.
In alter Liebe Dein
Nietzsche.
712. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Lieber Freund, bitte, die Bogen immer noch hierher (Leipzig, Auenstraße 48 II) zu senden. Wenigstens diese Woche will ich noch bleiben, da das Wetter zu frisch ist, um ins Gebirg zu gehn. Können Sie nicht über Reitzenhain etwas erkundschaften? Wie die Ernährung sei? Ob Wald unmittelbar dabei? Was für Wege? Wo die Unterkunft am rathsamsten?
Für unser Zusammensein Ihnen meinen herzlichsten Dank aussprechend
Ihr Freund Nietzsche.
Gesundheit erst heute sich zum Bessern wendend.
— Vergessen Sie, bitte, das Clavier-Arrangement nicht: „durch diese Pforte muß er kommen“, nämlich der Erfolg.
713. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, es ist immer noch zu frisch, um ins Gebirge zu gehn. Diese Woche bleibe ich wohl noch hier. Was ankommt, bitte, umgehend hierher senden! — Freitag war die Musikaufführung im Gewandhaus. Sonnabend und Sonntag war ich heftig krank. Heute besser. Hr. K<öselitz> ist abgereist. Dankbar unsres letzten Zusammenseins eingedenk!
Dein Sohn.
Schm<eitzner> will 12000 M. für meine Bücher: das ist Herrn Fr<itzsch> zu viel. — Schm<eitzner> war zu diesem Zwecke schleunigst hierher gereist.
714. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Lieber Freund, schönsten Dank für Ihre Auskunft: der Prospect (den ich alsbald zurücksende, zusammen mit einem sehr lesenswürdigen Stück Alfieri’s) belehrte mich ausreichend und ersparte mir die Reise (— es ist dort zu theuer für mich —).
Morgen Abend will ich fort nach Sils-Maria! Den nächsten Bogen (den zehnten — der heute Abend abgeht) erbitte ich mir nach Chur (Schweiz) poste restante.
Bei Fritzsch ist Ihr Csardàs angelangt.
Leben Sie wohl, nämlich heiter und tapfer, als alter Ritter des gai saber und empfehlen Sie mich Ihren verehrten Eltern.
Ihr Freund N.
Rohde zum Geheimen Hofrath ernannt. —
715. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, darf ich Dich bitten, morgen (Sonntag) hierher zu kommen und mir die Abreise zu erleichtern? Auch den Koffer mitzubringen, gepackt und geschnürt? Insgleichen ein Nachthemd (denn seit 3 Wochen habe ich immer noch dieselben schrecklichen Sträflings-Hemden) Es versteht sich, daß Deine Reisekosten Dir nicht zur Last fallen dürfen!
Ich werde Dich auf der Bahn empfangen, (c. 11 Uhr) und wir essen dann im Panorama.
In herzlicher Liebe Dein
Sohn.
Auch den kleinen Litteratur-Kalender von 1885 mitbringen! Im Cabinet auf dem Bücherbrett liegend, so viel ich mich erinnere — ein kleines Büchlein, vorne das Bild Gottfried Kellers.
716. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, übermorgen hoffe ich in Sils-Maria zu sein. Habe die alte Gewogenheit, mir dahin das Geld zu senden, in der alten Form.
In alter Treue
Dein Fr. Nietzsche.
717. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe gute Mutter,
in Chur bin ich angekommen, wie billig, nach der ungeheuren Anstrengung, krank. Auch jetzt noch Kopfschmerz. Doch habe ich schon einen wundervollen langen Waldspaziergang in stärkender Gebirgsluft gemacht. Die Reise war trefflich in Scene gesetzt: ich kann Dir nicht genug für Deine Gegenwart und Hülfe dabei danken. Im Grunde war es so ganz in Ordnung, daß ich zu Dir kam, für diesen Frühling. Aber ein anderes Mal müssen wir’s umgekehrt verabreden, nicht wahr? meine liebe liebe Mutter!
Mit dem herzlichsten Danke
Dein F.
Adresse: Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz.
718. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Lieber und werther Herr,
es versteht sich von selbst, daß ich gegen alle Annäherungs-Versuche des Schm<eitzner> unzugänglich bin: er hat mir beifolgenden Brief geschickt, insgleichen ein Telegram<m> desselben Inhalts. Wie er auf den absurden Gedanken gekommen ist, daß ich selbst meine Bücher zurückkaufen soll, weiß ich nicht: was er von einem Angebot von 1000 M. Ihnen gesagt hat, ist vollständig erdichtet. — Bis jetzt habe ich natürlich geschwiegen: falls Sie es wünschen sollten, daß ich ihm es noch einmal schriftlich gebe, wie ungereimt sein Vorschlag mir vorkommt, so stehe ich Ihnen damit zu Diensten. —
Im vorigen Herbst hatte ich in der Voraussetzung, daß es nur noch einen ganz kleinen Rest von „Menschl<iches> Allzumenschl<iches>“ gebe, bei ihm angefragt, was er dafür wolle. Darauf erfuhr ich die erhebliche Zahl der vorhandenen Exemplare, — er wollte sie mir für 2500 M. ablassen: womit unsre Verhandlung zu Ende war. Credner war es (nicht ein „Freund“) der daran gedacht hatte, die Restexemplare aufzukaufen und eine neue Auflage zu veranstalten. Dies unter uns.
Es wäre mir ein großer Stein vom Herzen, wenn meine Litteratur erst glücklich in Ihren Hafen eingeschifft ist! Hoffentlich können Sie mich baldig mit dieser Nachricht beglücken.
Mit herzlichem Gruß
Ihr
ergebenster
Prof Dr Friedrich Nietzsche
NB. Vergleichen Sie einmal die Ziffern der Exemplare mit der Ihnen gegebnen Liste. Es scheint mir nicht Alles zu stimmen.
NB. Ich erzählte Ihnen, daß jener Erlecke von mir Geld haben wollte — und daß, als ich mich erkundigt hatte, wer das sei, ich [+ + +] gen. F. N.
719. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Helfen Sie, lieber Freund, auch hierin — C. G. Naumann schickt mir beifolgenden Entwurf einer Anzeige meines Buchs für das Buchhändler-Börsenblatt. Bitte, machen Sie eine kleine Redaktion und Verbesserung; ein paar signifikantere Ausdrücke sind zu finden, — ich selbst bin dazu ganz unfähig und ungeduldig. Auch will ich’s gar nicht wieder sehn: Sie, lieber Freund, ersparen mir’s, meine eigne Reclame machen zu müssen, nicht wahr? —
— Daß man mich mit meinen Titeln nennt, ist vielleicht für die Sortimenter ganz in Ordnung. Natürlich fehlen sie auf dem Titelblatte.
— Die drei letzten Abschnitte haben als Überschrift:
Völker und Vaterländer.
Was ist vornehm?
Aus hohen Bergen. Nachgesang.
— Inzwischen meinen ergebensten Dank für Brief und Correkturen-Eifer: in der That kommt Ihre Sendung immer nur ein Paar Stunden später als die Naumann’s an mich: — was kaum mit rechten Dingen zugeht.
Hübsch kalt, herrliche Natur, „Ruhe, Größe, Sonnenlicht“ - - -
Bitte, theilen Sie (bei Gelegenheit der Sendung an Naumann) ihm mit, daß ich mit allen seinen Vorschlägen einverstanden bin.
In alter Treue
Ihr Freund N.
720. An Franz Overbeck (Entwurf)
Auch ich, mein lieber Freund, hätte sehr gern das Jahr Dich wiedergesehn; aber ich sehe schon, daß es nichts wird. Mein Wille, den Sommer etwa in Thüringer Wald, den Herbst in M<ünchen> zu verleben, scheiterte an der force majeur<e> (oder mineur<e>) meiner Gesundheit. Es war bis jetzt eine lange Geduldsprobe; ich habe, wie ich glaube, nicht dabei gemuckst; aber jetzt spüre ich die schrecklichen Strapatzen und ihre Nachwirkungen: statt mich zu erholen, wie ich’s nöthig hätte, habe ich mich mit diesem deutschen Aufenthalt heruntergebracht
Fritzsch und Schm<eitzner> haben sich bisher nicht geeinigt. Dieser Tage hat Schm<eitzner> mir direkt den Antrag gemacht, ich sollte meine Litteratur für 12500 Mark abkaufen; insgleichen wollte Erlecke Geld von mir, um die Bücher an sich zu bringen. Kurz, es ist noch die alte Confusion, zu der ich stillschweige und warte. Die schändliche Vernachlässigung, der ich seitens Schm<eitzner> ausgesetzt gewesen bin, ist jetzt in volles Licht gerückt: er hat seit 10 Jahren kein Exemplar von mir an die Sortimenter vertheilt, er hatte nicht einmal ein Leipziger Commissionslager, er hat keine Anzeige gemacht, kein Redaktionsexemplar vertheilt: die Bücher (von M<enschliches,> Allzu<menschliches> an) sind immer noch nicht herausgegeben.
Meine Verhandlungen mit allen möglichen Verlegern haben mir schließlich einen einzigen Ausweg gezeigt, den ich jetzt gehe. Ich mache den Versuch, etwas von mir erscheinen zu lassen, auf meine Unkosten: gesetzt, es werden dreihundert Exemplare verkauft, so habe ich die Kosten heraus und kann eventuell das Experiment wiederholen. Die Firma C. G. Naumann giebt ihren sehr achtenswerthen Namen dazu her (es steht also darauf Verlag von C<onstantin> G<eorg> N<aumann>) Dies strengstens unter uns. Hoffentlich wird das Buch bald fertig, so daß es Dich in Deiner Sommerfrische beglücken kann, wobei ich bemerke, daß es auch noch in einem peinlich frischen Klima als sehr frisch empfunden werden dürfte.
Den Gedanken, mich ein paar Monate zur Erholung jedes Jahr in Deutschland aufzuhalten (z. B. in München) habe ich wieder zurückgelegt: und München hat nicht aufgehört, mich auf die liebenswürdigste Weise an sich zu locken: Seydlitzens, mit denen ich nach langjähriger Erfahrung herzlicher und näher stehe als je; insgleichen der ausgezeichnete Aquarellist Hans Bartels mit Frau, welche meine Installation in die Hand nehmen wollen; letzterer schrieb mir kürzlich von Schloß Berg, wie sehr sich Levi darauf freue, mich einmal den Winter über in M<ünchen> zu haben. Bei einer Jagd auf gute originelle Bücher bin ich wiederum auf etwas Münchnerisches gestoßen: auf Nägelis <Mechanisch-physiologische Theorie der> Abst<ammungslehre> (ein von den Darwinisten scheu bei Seite gelassenes Werk) etwas anderes eben daher: die Anthropogeographie <oder Grundzüge der Anwendung der Erdkunde auf die Geschichte> habe ich mir auch mitgenommen, doch nicht um mich damit lustig zu machen (er gehört dem Kreis der Gregorovius, Moritz Wagner und dergl. großthuerischen Mittelmäßigkeiten, die einander furchtbar bewundern und anräuchern)
ich muß bekennen, daß es nicht allein die klimatische Unzuträglichkeit ist, die mir jenen Plan widerräth. Ich habe Niemanden daselbst, der einen Begriff davon hätte, worum es sich bei mir handelt; und noch abgesehn von dieser Entbehrung persönlicher Sorgfalt und delicatezza, die mir es erlauben könnte, zu sein, was ich bin — wie es zur Erholung nöthig ist —, weiß ich noch weniger Jemanden, mit dem ich meine sehr unpersönlichen Sorgen und Probleme gemein hätte.
Das Leben in Deutschland ist gänzlich unzuträglich: es wirkt vergiftend und lähmend auf mich, und meine Menschenverachtung wächst jedes Mal dort in gefährlichen Proportionen, sobald ich mit „Gebildeten“ in Berührung komme. Besonders nachtheilig das Leben an den deutschen Universitäten, dem ich wieder einmal zugeschaut habe. Wirklich lieber Freund, wenn Du auch keineswegs zu beneiden bist, so bist Du doch zum Mindesten mit Deiner Lage nicht zu bejammern: sie hat etwas Feines und Vorsichtiges an sich. — —
Seit ich fort bin, habe ich eine lange Gedulds-Probe durchgemacht, die ich sobald nicht wiederholen darf. Abgesehen vom Verkehr mit meiner Mutter, die ich heiter und selbstgewisser als je in ihrem hübschen Neste wiederfand (es giebt lauter gute und glänzende Nachrichten von Südamerika) gab es kein Erlebniß und Entgegenkommen, das mich nicht gedemüthigt hätte — oder vielmehr, das mich nicht hätte demüthigen müssen, wenn ich jetzt noch leicht umzuwerfen wäre.
In einem falschen Milieu leben, seiner Lebensaufgabe ausweichen (was ich that so lange ich Philologe und Universitätslehrer war) richtet mich physisch unfehlbar zu Grunde; und jeder Fortschritt auf meinem Wege hat mich der Gesundheit auch im leiblichsten Sinne näher geführt. Jede Reise nach D<eutschland> war bisher aus dem angeführten Grunde ein Rückfall, eine Schwächung meiner Kräfte: leider waren solche Reisen aus diesem und jenem Grunde immer nöthig. Mit meiner letzten (deren schlimme Nachwirkung ich noch nicht überwunden habe) bin ich andrerseits zufrieden, weil mehreres durch dieselbe, wenn nicht in Ordnung, so doch in Klarheit gebracht worden ist — und weil von nun an solche Reisen mir erspart bleiben dürfen. Zwar hat Fr<itzsch> sich noch nicht mit Schm<eitzner> verständigen können: aber vielleicht kommt es noch dazu da F<ritzsch> großen Werth darauf zu legen scheint, den ganzen N<ietzsche> so wie den ganzen W<agner> in seinem Verlag zu haben (eine Nachbarschaft, die auch mir von Grund aus wohl thut; denn Alles in Allem gerechnet, war W<agner> der Einzige, mindestens der Erste, der ein Gefühl davon gehabt hat, worum es sich bei mir handelt. (Wovon z. B. Rohde zu meinem Bedauern nicht die blasseste Vorstellung hat, geschweige denn ein Gefühl von Pflicht gegen mich) In dieser Universitäts-Luft entarten die Besten: ich fühle fortwährend als Hintergrund und letzte Instanz selbst bei solchen Naturen wie R<ohde> die allgemeine verfluchte Wurschtigkeit und den vollkommnen Mangel an Glauben. Davon daß Einer wie ich diu noctuque incubando von Kindesbeinen an zwischen Problemen lebt, über die man schweigt und denen man gern entlaufen möchte, wer hätte dafür ein Mitgefühl? Wagner hatte es; und deshalb war Tr<ibschen> eine solche Erholung für mich; während ich jetzt keinen Ort und keinen Menschen habe, die zu einer Erholung taugten.
721. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
auch ich hätte dieses Jahr sehr gern Dich wiedergesehn: aber ich sehe schon, daß es nichts wird. Mein Wille, den Sommer über im Thüringer Wald, den Herbst in München zu verleben, scheitert an der force majeure (oder mineure) meiner Gesundheit. Das Leben im jetzigen Deutschland ist mir gänzlich unzuträglich, es wirkt vergiftend und lähmend auf mich; und meine Menschenverachtung wächst jedes Mal dort in gefährlichen Proportionen. Mit Deinem guten Willen zum „Außerhalb“ und „a parte“, wie er deutlich aus Deinem Plane der Wohnungsveränderung hervorgeht, bin ich deshalb gründlich einverstanden: Deine Lage in Basel, wahrlich nicht zu beneiden, aber mindestens auch nicht zu bejammern, hat etwas Vorsichtiges und Feines, das Du nicht leicht wo anders wieder finden könntest. Schade, daß dieser Ort mir klimatisch so unmöglich ist: denn mit wem redete ich jetzt lieber meine Dinge als mit Dir und Burckhardt? Auch bin ich wirklich den Baslern gewogen: und es freut mich immer, einem Basler zu begegnen (wie es dieser Tage wieder der Fall war: und jedes Mal fällt mir auf, wie imprägnirt mit dem Burckhardtschen Geiste und Geschmacke alles ist, was von dorther kommt: natürlich vorausgesetzt, daß etc. etc.) Zuletzt aber danke ich Gott (richtiger: meiner Krankheit, und, zu einem sehr guten Theile, Dir, lieber Freund!) daß ich nicht mehr dort bin. In einem falschen Milieu leben und seiner Lebensaufgabe ausweichen, wie ich es that, solange ich Philologe und Universitätslehrer war, richtet mich physisch unfehlbar zu Grunde; und jeder Fortschritt auf meinem Wege hat mich bisher auch der Gesundheit im leiblichsten Sinne näher gebracht. Jede Reise nach Deutschland war deshalb bisher immer ein Rückfall, eine Schwächung meiner Kräfte: leider waren solche Reisen aus diesem oder jenem Grunde immer nöthig. Mit meiner letzten (deren schlimme Nachwirkungen ich bis jetzt noch nicht überwunden habe) bin ich andererseits zufrieden, weil Mehreres durch dieselbe, wenn nicht in Ordnung, so doch in Klarheit gebracht worden ist (und weil, hoffentlich, solche Reisen nunmehr immer seltner werden dürfen —) Meine Mutter fand ich, zu meiner großen Beruhigung, heiterer, thätiger und selbstgewisser als je in ihrem hübschen Neste: wir wollen uns kleine Rendezvous’ vereinbaren, etwa in der Schweiz, da gegen Naumburg leider sich das Gleiche einwenden läßt, wie gegen Basel — es ist mir nachtheilig, von Kindesbeinen an) Beiläufig: mein Zukunftsort wird wahrscheinlich, für Frühling und Sommer, Göschenen sein.
Fritzsch hat sich bisher noch nicht mit Schm<eitzner> verständigen können, aber vielleicht kommt es doch noch dazu, da F<ritzsch> großen Werth darauf zu legen scheint, den „ganzen Nietzsche“, so wie den ganzen Wagner in seinem Verlag zu haben: eine Nachbarschaft, die auch mir von Grund aus wohlthut. Denn, Alles in Allem gerechnet, war R<ichard> W<agner> der Einzige bisher, mindestens der Erste, der ein Gefühl davon gehabt hat, was es mit mir auf sich habe. (Wovon z. B. Rohde, zu meinem Bedauern, auch nicht die blasseste Vorstellung zu haben scheint, geschweige denn ein Gefühl von Pflicht gegen mich.) In dieser Universitäts-Luft entarten die Besten: ich spüre fortwährend als Hintergrund und letzte Instanz, selbst bei solchen Naturen wie R<ohde> eine verfluchte allgemeine Wurschtigkeit und den vollkommnen Mangel an Glauben zu ihrer Sache. Dafür, daß Einer (wie ich) diu noctuque incubando von frühester Jugend an zwischen Problemen lebt und da allein seine Noth und Glück hat, wer hätte dafür ein Mitgefühl! R. Wagner, wie gesagt, hatte es: und deshalb war mir Triebschen eine solche Erholung, während ich jetzt keinen Ort und keine Menschen mehr habe, die zu meiner Erholung taugten. — Meine Verhandlungen mit allen möglichen Verlegern haben mir schließlich einen einzigen Ausweg gezeigt, den ich jetzt gehe. Ich mache den Versuch, etwas auf meine Unkosten erscheinen zu lassen: gesetzt, es werden 300 Exemplare verkauft, so habe ich die Kosten heraus und kann das Experiment eventuell wiederholen. Die Firma C. G. Naumann giebt ihren sehr achtungswerthen Namen dazu her. Dies unter uns. Die Vernachlässigung durch Schm<eitzner> war ungeheuer: seit 10 Jahren keine Exemplare an Sortimenter vertheilt, ebensowenig Redaktionsexemplare; nicht einmal ein Commissionslager in Leipzig; keine Anzeigen, — kurz, meine Schriften von „Menschliches Allzumenschliches“ an, sind „anecdota“. Von „Zarathustra“ sind je 60—70 Exemplare verkauft etc. etc. Schm<eitzner>’s Entschuldigung ist immer: daß seit 10 Jahren keiner meiner Freunde mehr den Muth habe, für mich einzutreten. Er will 12500 Mark für meine Schriften. Die Deinigen hofft er in Dresden zu verkaufen, wie Fritzsch erzählt. — Geld glücklich angelangt.
In Treue Dein Freund
N.
Köselitz kündigt mir eben, als sehr wahrscheinlich, für Herbst seine Übersiedelung nach Nizza an; dasselbe that, vor ein paar Wochen, Herr Lanzky. Bis Mitte September bleibe ich hier, wo es nicht an alten Bekannten fehlt, die Mansouroff, die 2 Fynn’s, Miss Helen Zimmern u.s.w. u.s.w. Aus München die 2 Gräfinnen Bothmer. Bitte, laß Schm<eitzner> nichts davon merken, daß ich von seinen Verhandlungen mit Fritzsch weiß, ebenso vom schlechten Rufe des Ehrlecke: er benutzt dergleichen als Pressionsmittel gegen mich. Er will nämlich, daß ich selbst ihm die Bücher abkaufe (Brief letzter Woche)
722. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Hier, meine liebe Mutter, ist der Brief vom Lama. Beachte die angestrichnen Stellen. — Eben kam Deine Karte, schönsten Dank! Inzwischen war ich immer noch krank, unzufrieden und geistig gehemmt, auch schlecht genährt: doch habe ich jetzt etwas, das mir gut zu thun scheint — ich esse Ziegenkäse und trinke Milch dazu (Was meinst Du? ist 50 Pfennige für ein Pfund Käse theuer?) Dann habe ich 5 Pfd. Malto-Leguminose von der Fabrik bestellt: was heute ankommen wird. Lassen wir also jetzt den Schinken (denn nach der bisherigen Erfahrung hier oben bekommt er mir nicht zum Besten; auch möchte ich nicht gern noch mehr Fleisch essen) Ebenso laß die Suppentafeln: alles Kochen ist mir zu mühvoll, und, wie gesagt, ich habe Malto-Leguminose bestellt: Aber trotzdem, bitte, ein kleines Freßkistchen mit etwas Hübschem, zur Abwechslung.
Mit Fritzsch und Schmeitzner ist die Sache stecken geblieben. Es ist ein Jammer. —
Gestern haben mir meine Damen einen delikaten mit saurer Sahne angemachten Quark geschickt, nach russischer Manier, nebst 2 schönen Grahambroden. —
Köselitz schreibt, er hoffe es durchzusetzen, daß er im Frühherbst nach Nizza übersiedele: was mich sehr erbaut hat. Ich möchte dort gerne ein kleines Heim haben. Wer weiß, vielleicht versorgt mich meine alte Mutter noch mit ihrer angenehmen Russin.
Auch Hr. Lanzky schreibt, er habe ein Paar hundert Francs gespart, um mit mir den Winter in Nizza leben zu können. Wirklich, ich freue mich zum ersten Male auf Nizza. — Ich glaube nicht, daß es mit Sils-Maria so fortgeht. Andere Jahre muß ich etwas probiren, dies Jahr will ich mich noch nach der Decke strecken. —
Dankbar und herzlich eingedenk
Dein alter Philosoph und Sohn.
723. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Sehr geehrter Herr,
für die Rückseite des Umschlags soll beiliegendes Manuskript gelten: ich bedaure, ein kleines Mißverständniß des Herrn K<öselitz> nicht rechtzeitig erledigt zu haben. Es liegt mir augenblicklich etwas daran, daß der Name Schmeitzner’s auf diesem Umschlage nicht vorkommt: wahrscheinlich ist er auch jetzt bereits nicht mehr der Besitzer jener älteren Bücher, sondern hat sie verkauft. Könnte der neue Besitzer (ein Leipziger Verleger) bereits genannt werden, so wäre es mir nicht unerwünscht* (etwa in dritter Zeile); nothwendig ist es nicht. —
Diese Umschlag-Seite soll nicht den Eindruck eines Angebots und einer Aufforderung zum Kaufen machen; vielmehr den einer Mittheilung meinerseits. Ich ersuche also um kleinere und bescheidenere Lettern. (Doch würde ich gern auch eine Probe mit den bisherigen Lettern sehn —)
Was das Titelblatt betrifft: so würde mir es mehr gefallen, wenn die schwarze Randlinie ganz wegbliebe, und die Worte Jenseits von Gut und Böse dadurch mehr Raum bekämen (Die Lettern, mit denen fröhliche Wissenschaft auf dem Titelblatt des gleichlautenden Werks gedruckt ist, könnten vielleicht auch hier am Platze sein?) Die Lettern und Spatien der anderen Worte („Vorspiel einer Philosophie der Zukunft. Von Friedrich Nietzsche usw) scheinen mir sehr passend gewählt: doch würde man erst noch zuzusehn haben, wie sie sich unter dem veränderten Jenseits von Gut und Böse ausnehmen. Dies Alles sei Ihrer Sorgfalt anempfohlen! —
Schließlich bitte ich, unter die Vorrede nicht nur zu setzen „Sils-Maria, im Juni 1885“, wie im Manuskript steht, sondern, deutlicher:
Sils-Maria, Oberengadin
im Juni 1885 (Letzteres ganz klein!)
Ihnen und Ihrem Herrn Bruder mich angelegentlich empfehlend
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
NB.
— Sie senden mir gefälligst eine Probe des Titelblatts und Umschlags nach den hier gemachten Vorschlägen? — Oder ein Paar verschiedene Proben?
724. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
es macht mir große Freude, daß Sie auch meinem neuesten Buche Geschmack abzugewinnen wissen: freilich werden Sie damit sehr vereinzelt bleiben — aber ich habe doch den Trost, gelegentlich einmal sagen zu können „wenn Ihr Anderen nichts an meinen Schriften habt, so liegt es wahrscheinlich daran, weil Ihr nicht genug für dieselben gethan habt!“ Was für Noth haben Sie dagegen schon durch mich gehabt, mein werther Verbesserer, Orthograph und Mitarbeiter! Es ist mehr als billig, daß Sie meine Dinge besser zugänglich finden als irgend jemand: dafür sind Sie ihnen auch mehr entgegengekommen als alle meine Herrn Freunde!
Die Schwierigkeit, die es dies Mal für mich hatte, zu reden (noch mehr: den Ort zu finden, von wo aus ich reden konnte), nämlich unmittelbar nach dem „Zarathustra“, werden Sie mir reichlich nachgefühlt haben: aber jetzt, wo das Buch ziemlich deutlich vor mir steht, scheint es mir, daß ich die Schwierigkeit ebenso schlau als tapfer überwunden habe. Um von einem „Ideal“ reden zu können, muß man eine Distanz und einen niedrigeren Ort schaffen: hier kam mir der früher vorbereitete Typus „freier Geist“ trefflich zu Hülfe. —
So viel von mir. Nun aber Ihre Andeutung in Betreff einer Zukunft „da unten“: nein, was mich dieser Gedanke froh macht! — und mindestens ebenso sehr per se als etwa per me (was Sie mir glauben müssen!). Mitte September gehe ich von hier aus nach Genua, um, zusammen mit dem braven und herzensguten, aber ein wenig melancholischen Lanzky, erst Rapallo und Santa Margherita, dann die Umgebung Genua’s, dann Alassio und andre kleine Riviera-Orte sorgfältig zu besichtigen und, je nach dem, an einem derselben hängen zu bleiben oder in Nizza zu landen. Für den Fall, daß Sie Ihrerseits den gleichen Gang machen, stehen wir natürlich zur Disposition; aber vorausgesetzt, daß Ihnen eine einsame Besichtigung der genannten Orte räthlicher scheint, würde ich mir erlauben, Ihnen ein Paar Adressen für billige Standquartiere zu senden. In Rapallo zb. (von wo aus Sie Santa Margherita und Portofino studiren können) das billige kleine Albergo della posta, ganz am Meere, in dem der erste Theil Zarathustra niedergeschrieben wurde. Ah, welche Freude wäre es für mich, den Cicerone dort und in Genua machen zu dürfen — und alle meine modesten Trattorien müßten Sie probiren! Und auf den düsteren Bastionen stiegen wir herum, und tränken, auf meinem Belvedere in Sampierdarena, ein Glas Monteferrato! Wirklich, ich weiß nichts, worauf ich mich so sehr freuen könnte. Es ist ein Stück meiner Vergangenheit, dies Genueser Stück, vor dem ich Respekt habe… es war furchtbar einsam und streng. —
Lanzky schreibt, am Schluß des letzten Briefs: „ach, was ich durstig bin nach Licht und Meer und tiefer Stille zu Zweien und kindlicher Freude am Einfachen!“ — ein sehr frommer Wunsch bei einem älteren Menschen. —
Hier, in Sils, bin ich noch nicht recht in Ordnung: die Gesundheit verträgt diese kolossalen Sprünge nicht. Auch occupirt der Druck des Buchs mich bis ins Lästige; eine wirkliche Freiheit (und die Erlaubniß, etwas Neues zu denken) giebt es erst mit dem ersten fertigen Exemplare. Also vielleicht in drei Wochen. Für die 4te Umschlag-Seite habe ich eine andre Disposition treffen müssen (— die Verständigung zwischen Schm<eitzner> und Fritzsch ist hoffentlich sehr bald erreicht: vorausgesetzt, daß Schm<eitzner> nichts davon erfährt, inwiefern ich bereits über Fritzschens Absichten unterrichtet bin).
— Komisch! Man hat gut sich wehren gegen Frauen-Emancipation: schon ist wieder ein Musterexemplar eines Litteratur-Weibchens bei mir angelangt, Miss Helen Zimmern (als welche die Engländer mit Schopenhauer bekannt gemacht hat), — ich glaube sogar, sie hat „Schopenhauer als Erzieher“ übersetzt. Natürlich Jüdin: — es ist toll, wie sehr diese Rasse jetzt die „Geistigkeit“ in Europa in den Händen hat (— sie hat mich heute des Längeren schon über ihre Rasse unterhalten). —
— Seien Sie nicht böse, aber Ihr herrliches Adagio hat sich bei mir inzwischen umgetauft: nicht mehr solenne, sondern adagio amoroso. Ich will schwören, daß dies Epitheton nicht nur ornans ist. —
— Die beiden Engländerinnen, die alte Mansouroff, und 2/3 der vorigen Sommer-Gesellschaft von Sils ist wieder da. Inzwischen habe ich aber Göschenen in’s Auge gefaßt, für andere Jahre. Sie werden daran vorbei müssen: Station des Gotthardtunnels. Vielleicht sehen Sie sich’s an? —
In herzlicher Gesinnung
Ihr Freund N.
725. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
wenn es mir nur etwas besser gienge! Da würde ich mich auch viel hübscher für Deine allerliebste Hutschachtel bedanken, die des Guten so viel enthielt! Aber ich weiß nicht was machen: beständig magenkrank beständig indisponirt und nervös, schlecht schlafend, augenleidend, geistig müde, — ob schon bei alledem von gutem Aussehen. Es fehlt mir hier die rechte Ernährung, die ich in Nizza habe, ebenfalls das rechte Zimmer mit gutem Lichte, ebenfalls die rechte Gesellschaft: wiewohl in letzterer Hinsicht ich es eigentlich überall ungenügend habe. Man behandelt mich hier recht artig, voran meine Hausleute, welche im Namen der kleinen Adrienne sich schönstens bedanken. Dann die guten Fynns und die alte dies Mal sehr leidende und schwache Russin; dann ist auch ein sehr gescheutes Litteratur-Weibchen da, aus London, Miss Helen Zimmern, welche das Verdienst hat, Schopenhauern in England eingeführt zu haben; dann aus München 2 Gräfinnen Bothmer, dann aus Basel die Schwester von Prof. Andreas Heusler; aus Leipzig wird Prof. Leskien erwartet, mit Dr. Brockhaus — und noch eine Menge Menschen, die alle zum zweiten, dritten oder zehnten Male hier sind. Auch hat mich der alte General Simon mit Tochter besucht; während ich noch keinen Schritt weit von Sils weggekommen bin, von wegen der blendenden und staubigen Landstraße, die von hier nach St. Moritz führt: meine Augen habens mir bisher absolut verboten, dorthin zu gehn, obschon ich gerne Frau Wehmann (der Schwester Claire’s) meinen Besuch machen möchte, insgleichen meiner Tischnachbarin vom letztjährigen Nizzaer Winter. Deine Torte ist wunderschön gerathen, ich trinke Milch dazu, auch der Honig labt mich; und mit dem Halsbande hast Du sehr meinen Geschmack getroffen — nimm meinen besten Dank, meine alte gute Mutter! Neulich habe ich nicht genug mein Erstaunen ausgedrückt über Deinen kühnen Angriff auf die Wartburg: es war eine ganz große Haupt- und Staatsaktion. In Betreff der Reise nach Paraguay denke ich wie Du: die Einladung hätte mehr Sinn, wenn sie auf Grund des dortigen Sommers gemacht wäre —, zuletzt ist der Winter in Nizza wahrscheinlich doch noch schöner als der dortige, und ein Bischen unterhaltender, wie mir scheint. Zwischen Fritzsch und Schmeitzner schweigt es, zu meinem großen Leidwesen. Wahrscheinlich hat Schm<eitzner> durch Hrn. Widemann erfahren, wie sehr ich mich über die Möglichkeit, in Erleckes Hände zu fallen, entsetzt habe, — und Schm<eitzner> erwartet nun, daß ich ihm Anerbietungen mache. Darum geht er nicht auf Fr<itzsch>s Vorschläge ein. — Der Druck ist nahezu beendet, er hielt mich bisher etwas aufrecht. — Wir haben’s auch hier sehr warm gehabt; glücklicherweise fand ich 2 weiße Hosen hier im Schranke vor. Ich denke Deiner immer in großer Dankbarkeit: was hast Du Alles schon in diesem Jahre für mich gethan! —
Dein alter Sohn, nicht sehr Philosoph.
726. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Einzelne Exemplare sind an folgende Personen
zu versenden:
Professor Dr. Erwin Rohde, Leipzig
Hofrath Prof. Dr. Heinze, Leipzig
Paul Widemann, Dresden, Blochmannstr.
Baron Seydlitz, München, Heßstraße 3
Prof. Dr. Jakob Burkhardt, Basel, Schweiz
Prof. Dr. Franz Overbeck, Basel, Schweiz
Gottfried Keller, Zürich (Schweiz)
Baronin Meysenbug, Roma, via polveriera 6 (Italia)
Monsieur Henri Taine
Talloire, lac d’Annecy
Haute-Savoie (France)
Monsieur Paul Bourget
Paris, Lemerre éditeur
Passage Choiseul 27—31
Dr. Paul Deussen, Berlin, N. W. Paulsstrasse 31
Baron Hans von Bülow, z. Z. in Hamburg
Genauere Adresse weiß ich nicht. Oder soll man’s nach Meiningen senden?
In jedes Exemplar bitte ich meine Visitenkarte zu legen. Bitte, lassen Sie 100 Stück in Ihrer Offizin herstellen: den Rest behalten Sie zurück für spätere Gelegenheiten. Das feinste und stärkste Papier dazu, nichts darauf als: (Sehr elegant, großes Format.) Professor Dr. Friedrich Nietzsche
Exemplare an Redactionen usw.
6 Exemplare an
Signore Paolo Lanzky
Vallombrosa
per Pontassieve (Italia)
2 Ex. an
Miss Helen Zimmern
z. Z. in
Sils-Maria (Alpenrose)
Oberengadin, Schweiz
1 Ex. an Dr. Georg Brandes, Kopenhagen, St. Anneplatz 24
1 Ex. an
Prof. Dr. F. Zarncke
Redaktion des litterarischen Zentralblatts
Leipzig Goethestr. 7.
1 Ex. an Rich. Fleischer
Redaktion der deutschen Revue.
Dresden Reichsstr. 2
1 Ex. an Dr. J. Rodenberg, Redaktion der deutschen Rundschau,
Berlin W. Lützowstraße 7.
O. Braun
Redaktion der Allgemeinen Zeitung
München, Schwanthalerstr. 73
L. von Sacher-Masoch
Redaktion von Auf der Höhe
Leipzig, Arndtstraße 40
Oskar Blumenthal
Redaktion des Berliner Tageblatts
Berlin, Jerusalemerstr. 48
Rudolf von Gottschall,
Red. der Blätter für litter. Unterhaltung
Leipzig
J. V. Widmann
Red. des Bund, Bern (Schweiz)
Dr. Arthur Levysohn, Redaktion des
deutschen Montagsblatts, Berlin,
Steglitzerstr. 2
Dr. Hans Herrig, Redaktion des deutschen
Tageblatts, Berlin, Körnerstr. 4
O. Hopp, Redaktion des Echo
Berlin SW Dessauerstr. 12
Joh. Proelß, Redaktion der Frankfurter Zeitung
Frankfurt a. M. Eschenheimergasse 37
Dr. Zolling, Redaktion der Gegenwart
Berlin, Kön. Augustastr. 12
Dr. G. Conrad, Redaktion der Gesellschaft
München Quaistraße 3
Redaktion der Hamburger Nachrichten
Hamburg
Redaktion der Kölnischen Zeitung
Köln
Dr. Hülskamp, Redaktion des litter. Handweisers
für das kathol. Deutschland
Münster i. W.
Dr. F. Hirsch, Red. des Magazins für die
Litterat. des In- u. Auslandes
Leipzig, Friedrich
Dr. K. Frenzel, Red. der Nationalzeitung
Berlin W. Köthenerstr. 33
Dr. M. Bauer, Red. der Neuen deutschen Warte
Berlin Belle-Allianceplatz 6a
Dr. Hugo Wittmann, Redaktion der
neuen freien Presse
Wien
Freiherrn von Hammerstein, Red. der
Kreuzzeitung
Berlin W. Königgrätzer Str. 15
Dr. Paul Lindau, Red. von Nord und Süd
Berlin W. Von der Heydstr. 1.
F. C. Pindter, Red. der Norddeutschen
Allg. Zeitung
Berlin
J. K. Becher, Red. der Presse
Wien, Berggasse 31.
Dr. H. Kletke, Red. der Vossischen Zeitung
Berlin, Breitestr. 8
Nationalrath Dr. Curti, Red. der Zürcher Post
Zürich (Schweiz)
J. Singer, Redaktion der Allg. Oestereich.
Litteraturzeitung
Wien, VIII Laudongasse 1.
NB. Ich ersuche diese Blätter auch nach der Benutzung aufzuheben, vielleicht zu späterem Gebrauche.
F. N.
— Daß an Herrn Köselitz 2 Ex. und an mich selbst 4 Ex. abzusenden sind (und zwar sofort, wenn der Buchbinder seine erste Arbeit gethan hat) habe ich schon im letzten Briefe mir erbeten.
Hochachtungsvoll Ihr
ergebenster Prof. Nietzsche.
N. Mac Coll. Esq.
„Athenaeum“ Office.
20. Wellington Street.
Strand. W. C.
London.
—. Cotton, Esq.
„The Academy“ Office.
26. Chancery Lane. W. C.
London.
Editor.
„Westminster Review“.
Messrs Trubner & Co.
Ludgate Hill. E. C.
London.
727. An Paul Lanzky in Vallombrosa (Entwurf)
Ihr Vorschlag Corte betreffend verdient sehr erwogen zu werden: nur sind Sie, werther Freund, kein M<ensch>, mit dem ich eigentlich reisen möchte. Ja wenn Sie die Augen eines Malers im Kopf hätten! Und dann noch die pittoreske Redekraft, um einem Halbblinden die Distraktion des Sehens wenigstens indirekt zu schaffen! <Ich> suche lange schon einen mir befreundeten Münchner Aquarellisten zu einer Reise nach Corsica zu bewegen. — Zuletzt steht es nicht mehr ganz in meiner Hand, über diesen Herbst zu verfügen: denn ich will, wenn es irgend möglich ist, meinem Musiker den Anfang und Eintritt in den westlichen Süden erleichtern. Ihn dazu verführt zu haben, habe ich nun einmal auf dem Gewissen: mir liegt sehr viel daran, zu erproben was dort, unter dem einzig afrikanischen Stück Europas, aus einem deutschen Musiker wird, nachdem der außerordentliche Erfolg Venedigs (und seines feuchten Orients) bewiesen ist. — Was mich selbst betrifft, so ist Nizza eine bewiesene, ja die bewiesene Sache (— Sie dürfen nicht nach dem vorletzten Winter urtheilen, der leider der mißrathenste all meiner südlichen Winter war!) Noch fehlt mir viel dort, um wirklich mich daselbst heimisch zu fühlen: vor allem eine heitere und geistreiche Geselligkeit, wie ich sie im Grunde mein ganzes Leben um mich gehabt habe, die Krankheits-jahre abgerechnet. Doch findet sich dort allerlei, vorausgesetzt, daß man erst den guten Willen zum Suchen hat: und Angelhacken zB. für die dortige russische Gesellschaft habe ich genug. — Im Übrigen wissen Sie, daß Nizza mein Arbeits- und Einsamkeits-Ort ist, wie Sils-Maria und daß ich mich der Gesellschaft nur bediene, um auf meine Weise arbeiten und einsam sein zu können (nämlich von mir auf Stunden loszukommen, zur Erholung). Mein Musiker, gesetzt daß er dort leben würde, ist einer jener selbstgenugsamen M<enschen> welche man Wochenlang nicht zu sehen bekommt: aber seine Musik gehört zu den wenigen Dingen, welche ich zu meiner Gesundheit schlecht entbehren kann; und er ist mir gründlich genug zugethan, um mir sie nicht vorzuenthalten. — Über Aj<accio> bin ich sehr gut unterrichtet: Luftfeuchtigkeit wie Pisa und Corfu. — Was Algier betrifft, so sagte mir ein alter Schweizer in Nizza, die Riviera habe alles Gute von dort, und alles Schlimme nicht; auch empfehle ich Daudets Charakteristik der Riviera in einem der letzten Capitel des Nabab darauf hin anzusehen. —
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Philosoph
(kopfleidend augenleidend magenleidend)
Von den 6 Exemplaren die an Sie abgehen werden, müssen Sie 2 an die 2 Zeitschriften abgeben. —
728. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Geehrtester Herr, die Exemplare sind eingetroffen und machen mir Freude: Alles sieht gut aus, auch habe ich bisher keine wesentlichen Fehler auffinden können (nur in den „Berichtigungen“ selbst muß es Seite 68 statt 58 heißen) Ein Verzeichniß Adressen für Freiexemplare und Redaktionsexemplare ist vorgestern an Sie abgesandt worden: ich füge hinzu, daß ein Exemplar Herrn E. W. Fritzsch, Leipzig zu übermitteln ist (dem Musikverleger in der Königsstr, wenn ich nicht irre); ebenfalls ein Exemplar an Dr. Fuchs, Lehrer der Musik in Danzig; auch daß das für Hans von Bülow bestimmte Exemplar am besten ihn erreichen wird, wenn es an die Adresse seiner Mutter abgeht, also
per adr. Frau Baronin von Bülow
Berlin W.
34 Kurfürstenstrasse
Ich möchte gern sehn, in welcher Weise das Buch im Buchhändler-Börsenblatt angekündigt ist. — Ein Paar Adressen für englische und französische Zeitschriften folgen später; die italiänischen Exemplare besorgt Herr Lanzky. — Mit ergebenstem Gruß und Dank
Dr. Nietzsche
729. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
eine Mittheilung und eine Bitte! — Eben telegraphirt mir Fritzsch aus Leipzig „Endlich im Besitz!“ — Worte, die mir große Freude machen. Ein verhängnißvolles Versehn aus meiner Basler Zeit (etwas „zu viel Vertrauen“, wie so oft in meinem Leben) ist damit ad acta gelegt. Wie gut, daß ich diesen Frühling nach Deutschland gieng! Dasselbe habe ich noch ein Mal zu sagen, in Hinsicht darauf, daß ich meine Lage gegenüber Verleger-Möglichkeit und Publikum mir ad oculos demonstrirte; auch daß ich persönlich mit dem ausgezeichneten Brüder-Paar Naumann verhandelte. Das neue Buch, ein Resultat, welches aus der Ferne gar nicht hätte erreicht werden können, ist eben fertig geworden; der Auftrag, ein Exemplar an Dich nach Basel abzusenden, ist bereits seit einigen Tagen ergangen. Nun kommt die Bitte, alter Freund: lies es, von vorne nach hinten, und laß Dich nicht erbittern und entfremden — „nimm alle Kraft zusammen“, alle Kraft Deines Wohlwollens für mich, Deines geduldigen und hundertfach bewährten Wohlwollens, — ist Dir das Buch unerträglich, so doch vielleicht hundert Einzelheiten nicht! Vielleicht auch, daß es dazu beiträgt, ein paar erhellende Lichter auf meinen Zarathustra zu werfen: der deshalb ein unverständliches Buch ist, weil er auf lauter Erlebnisse zurückgeht, die ich mit Niemandem theile. Wenn ich Dir einen Begriff meines Gefühls von Einsamkeit geben könnte! Unter den Lebenden so wenig als unter den Todten habe ich Jemanden, mit dem ich mich verwandt fühlte. Dies ist unbeschreiblich schauerlich; und nur die Übung im Ertragen dieses Gefühls und eine schrittweise Entwicklung desselben von Kindesbeinen an macht mir’s begreiflich, daß ich daran noch nicht zu Grunde gegangen bin. — Im Übrigen liegt die Aufgabe, um deren willen ich lebe, klar vor mir — als ein factum von unbeschreiblicher Traurigkeit, aber verklärt durch das Bewußtsein, daß Größe darin ist, wenn je der Aufgabe eines Sterblichen Größe eingewohnt hat. —
— Ich bleibe hier bis Anfang September.
Treulich Dein F. N.
730. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Lieber und werther Herr Verleger,
es macht mir große Freude, Sie wieder so anreden zu dürfen! — Eben als ich Herrn C. G. Naumann den Auftrag gegeben hatte, Ihnen ein Exemplar meines neuen Werks zu übermitteln, kam Ihr Telegramm: ich nahm dies Zusammentreffen als ein günstiges und gütiges Omen meines Schicksals. —
Schmeitzner ist mir jetzt nichts mehr schuldig; wie es sich von selbst versteht, habe ich das Recht zu eventuellen neuen Auflagen mir vorbehalten. —
Diesen Herbst und Winter sollten Sie dem Vertrieb des noch gar nicht „herausgegebenen“ Zarathustra widmen, der neben meinem eben erscheinenden Buche Jenseits von Gut und Böse außerordentlich anziehend, zum Theil contrastirend wirken wird; andrerseits ist das eben genannte Werk eine Art Einführung in die Hintergründe des Zarathustra, — man wird schon dahinterkommen, daß es sich bei ihm nicht um Phantastereien und unwirkliche Dinge handelt. — Vielleicht könnten die drei Theile zusammengeheftet werden? denn die Vorrede im ersten Theile gilt für das ganze Werk. Und die Verkäuflichkeit scheint mir leichter, wenn auf dem Gesammt-Titelblatt steht
Also sprach Zarathustra.
Ein Buch für Alle und Keinen.
Von
Friedrich Nietzsche.
In drei Theilen.
Es ist schade, daß ich Ihnen meine Gedanken über das, was in Bezug auf die andren Bücher mir räthlich scheint, nicht mündlich auseinander setzen kann. Die Zahl der Exemplare ist so groß, daß es scheinen möchte, als ob es sich um eine ganz neue Ausgabe handle. Dies hat mir einen Gedanken eingegeben. Wenn nun einmal die Titel- und Umschlagblätter durch neue zu ersetzen sind und jedenfalls einige Buchbinder-Arbeit nöthig wird, was meinen Sie? wäre es nicht vernünftig, jenen Anschein zu benutzen d. h. auf den Titel drucken zu lassen
Neue Ausgabe
vermehrt durch eine Vorrede. (oder
Einleitung etc?)
Sie werden bemerken, daß Menschl<iches> Allzum<enschliches> die Morgenröthe, die fröhliche Wissenschaft einer Vorrede ermangeln: es hatte gute Gründe, daß ich damals als diese Werke entstanden, mir ein Stillschweigen auferlegte — ich stand noch zu nahe, noch zu sehr „drin“ und wußte kaum, was mit mir geschehn war. Jetzt, wo ich selber am besten und genauesten sagen kann, was das Eigene und Unvergleichliche an diesen Werken ist und inwiefern sie eine für Deutschland neue Litteratur inauguriren (das Vorspiel einer moralistischen Selbst-Erziehung und Cultur, die bisher den Deutschen gefehlt hat) würde ich mich zu solchen zurückblickenden und nachträglichen Vorreden gerne entschließen. Meine Schriften stellen eine fortlaufende Entwicklung dar, welche nicht nur mein persönliches Erlebniß und Schicksal sein wird: — ich bin nur der Erste, eine heraufkommende Generation wird das, was ich erlebt habe, von sich aus verstehn und eine feine Zunge für meine Bücher haben. Die Vorreden könnten das Nothwendige im Gange einer solchen Entwicklung deutlich machen: woraus sich nebenbei der Nutzen ergeben würde, daß, wer einmal auf eine meiner Schriften angebissen hat, es mit allen aufnehmen muß.
Ich würde, im Falle daß mein Gedanke Ihnen gefiele und einleuchtete, diesen Winter darauf verwenden, mir solche Vorreden auszudenken: mein Bemühen würde sein, jeder dieser Vorreden einen so selbständigen Werth zu geben, daß um ihretwillen allein schon die Werke gelesen werden müßten. — Anzufangen mit „Menschliches, Allzumenschliches“, von dem 511 Exemplare noch da sind, gerade genug, um eine neue Ausgabe zu repräsentiren? Was meinen Sie? Die beiden Anhänge dazu (Vermischte Meinungen und Sprüche und der Wanderer) könnten dann vielleicht das Jahr darauf erscheinen? Als zweiter Band? —
Ich denke, Sie fühlen mir nach, hochgeehrter und lieber Herr Fritzsch, daß ich bei diesen Vorschlägen sammt und sonders Ihr Interesse im Auge habe; ich möchte durchaus nicht, daß Sie jemals den großen Vertrauens-Beweis, den Sie mir durch den Ankauf meiner ganzen bisherigen Litteratur gegeben haben, zu bereuen hätten.
Auf der Rückseite vom Umschlag des letzterschienenen Buchs finden Sie eine Art Überblick und Programm über meine bisherige und zukünftige Thätigkeit. Es sollen 10 Werke und nicht mehr sein, mit denen ich „übrig“ bleiben will; 6 davon sind nunmehr in Ihren Händen. Vereinfachung der Titel (damit sie leicht zu citiren sind z. B. bloß „die Geburt der Tragödie“), andrerseits eine kleine Erläuterung wo ich das Mißverständliche eines Titels erprobt habe (z. B. zu „die fröhliche Wissenschaft“ der Zusatz in Parenthese „gai saber“, damit man an den provençalischen Ursprung meines Titels und an jene Dichter-Ritter, die Troubadours erinnert wird, die mit jener Formel all ihr Können und Wollen zusammenfaßten) — dergleichen scheint mir nützlich. Genaueres erst, wenn ich Ihre Antwort auf meine hier angedeuteten Vorschläge habe.
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
NB. Einen so langen Brief bekommen Sie niemals wieder: das verbieten die Herrn Augen.
731. An Erwin Rohde in Dänemark (Entwurf)
Es hat mir von Herzen wehe gethan, Dich dieses Frühjahr in solcher Tribulation zu finden, daß eigentlich zwischen uns kein gescheutes Wort gesprochen werden konnte, noch weniger ein ungescheutes lustiges, festliches: denn ich hatte mich auf unser Wiedersehn wie auf ein Fest gefreut. Inzwischen wird hoffentlich Alles glätter und glücklicher gegangen sein. Hier in Sils, wo Ende Sommers eine Art Professoren-Rendezvous stattfindet (mit einem Uebergewicht von Leipzig) sprach man viel von Deinem Fall, und immer mit dem aufrichtigsten Bedauern, Dich verloren zu haben. Auch Pflugk-Harttung hat sich mir vorgestellt, als ein Dir sehr ergebener Mensch. — — Ich habe letzthin den Auftrag an C. G. Naumann gegeben, Dir mein neustes Werk zuzusenden: nicht eigentlich damit Du es lesen sollst (denn sein Problem liegt glücklicherweise außerhalb Deiner Sorgen und Verantwortlichkeiten), sondern nur um es Dir nicht nicht zu senden. Ich weiß, alter Freund, Du verstehst die Nuance dieser doppelten Negation. — Empfiehl mich Deiner Frau (sie hat mir sehr gefallen); ich sehe daß das Bild Deines Mädchens auf meinem Tische liegt: daneben das Bild eines Knaben, das Abschiedsgeschenk eines Holländers aus Java, der mir sehr zugethan ist und seine Sommer-Erholung hier in Sils und bei mir sucht. Er hat seine Frau verloren: sein einziges Kind ist nunmehr ihm das Liebste auf Erden.
732. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
anbei folgt ein Stück Manuscript (Vorrede und Schlußgedicht) womit ich meinerseits dazu beitragen möchte, die noch übrigen 500 Exemplare von Menschl<iches> Allzumenschl<iches> flott zu machen. Ich bemerke ausdrücklich, daß dafür meinerseits durchaus kein Honorar verlangt wird; mein Wunsch ist, Ihnen zu erkennen zu geben, daß ich Ihnen für das muthige mir bewiesene Vertrauen dankbar bin. —
Das Stück Psychologie, welches in dieser Vorrede enthalten ist, dürfte an sich schon interessant genug sein, um das Buch flügge zu machen; es ist ein wesentlicher Beitrag zum Verständniß meiner Bücher und der ihnen zu Grunde liegenden schwerverständlichen Selbstentwicklung. Ich schrieb es in meinem letzten Monate des Nizzaer Winteraufenthaltes nieder, ein paar Wendungen abgerechnet, die der Engadin dazu erfunden hat. —
Mein Gedanke ist, daß Sie dies Buch (mein leichtverständlichstes und vorbereitendes) zuerst und zunächst in Umlauf setzen möchten. Es hat seine Freunde in den vereinigten Staaten, in Holland, in Italien und namentlich in Frankreich. —
Vielleicht ist es, entgegen dem, was ich in meinem letzten Briefe vorschlug, rathsamer, den Zarathustra einstweilen noch zurückzuhalten. Er wird am stärksten wirken und gekauft werden, wenn erst eine gewisse Sättigung mit meinen Gedanken und Perspektiven bei dem Publikum erreicht ist. Das eben ausgegebne Buch „Jenseits von Gut und Böse“ wird ihm nicht übel den Weg bereiten.
Im Falle Ihnen mein Vorschlag annehmbar scheint, so würde ich bitten, den Correkturbogen für Vorrede und Schlußgedicht umgehend in Angriff nehmen zu lassen (vielleicht bei C. G. Naumann, der alle meine Gewohnheiten etc. kennt?) denn ich bleibe nur noch bis Ende August hier oben und würde mich für Monat September schwerlich bestimmen können (ich habe eine Fußreise nöthig).
Meine einzige Bedingung wäre, daß die Vorrede in Lettern und Raumverhältnissen genau nach dem Muster der Vorrede zu „Jenseits von Gut und Böse“ gedruckt wird. Man muß sie accentuiren.
Herzlich grüßend Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche Prof.
Es fällt mir ein, daß Schmeitzner (wider meinen Rath) eine Anzahl Exemplare hat binden lassen, noch dazu geschmacklos. Weg mit diesen Einbänden! Es verkauft sich kein einziges derartiges Exemplar! —
733. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
so eben kommt Ihr geehrter Brief, während bereits eine Sendung an Sie meinerseits abgegangen ist. Erwägen Sie bestens meinen Vorschlag, Menschliches Allzumenschliches zunächst in Umlauf zu setzen: dies Buch ist eine gute und leicht zugängliche Pforte zu meinem eigenen Gedankenkreise. —
Andererseits ist es in der That zu erwägen, ob nicht auch die Geburt der Tragödie neu versandt werden könnte. Nur möchte ich es nicht gerade jetzt, damit nicht „das Publikum“ gar zu disparate Werke von mir auf Ein Mal vorgesetzt bekommt. —
Wollen Sie den Zarathustra jetzt in Umlauf bringen, so würde ich proponiren, auf dem Gesammt-Umschlage zu drucken
Also
sprach Zarathustra
Ein Buch
für Alle und Keinen.
Von
Friedrich Nietzsche.
Leipzig
Verlag von E. W. Fritzsch.
Entsprechend auch das Titelblatt. Dann aber, zum Beginn des zweiten Theils eine Seite, auf der nichts weiter steht als
Also
sprach Zarathustra.
Zweiter Theil.
und entsprechend beim Beginn des dritten Theils
Also
sprach Zarathustra.
Dritter Theil.
So wird es sich am besten ausnehmen. —
— Zuletzt eine Bemerkung über „Jenseits von Gut und Böse“, aber ganz unter uns. Thatsächlich giebt C. G. Naumann seinen guten Namen dazu her, weil ein eingeständlicher „Commissions-Verlag“ für meine gegenwärtige Stellung etwas Ungeziemendes und Beschämendes hätte. Die Kosten der ganzen Herausgabe und ihr Risico trage ich allein. —
Mit ergebenstem Gruße
Ihr
Dr. Nietzsche
734. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
ein paar Worte schleuniger Entgegnung auf Ihren eben empfangenen Liebens- und dankenswerthen Brief. Man theilt mir bei Tische mit, daß es jetzt in München den ganzen Nibelungen-Cyklus zu hören giebt, insgleichen noch einmal im September.
Da Sie davon nichts schreiben, muthmaße ich, es möchte Ihnen unbekannt sein; vielleicht daß Sie diese ausgezeichnete Gelegenheit am Schopfe nehmen. —
Es freut mich, daß Ihre Parsifal-Erfahrungen meinen aus der Ferne her gemachten und gewagten Urtheilen und Vorurtheilen nicht gänzlich Unrecht gegeben haben. —
— Daß Sie mir nur nicht eines Tags nach Venedig davonsausen! Vergebung! — Herr Lanzky hat mir einen Ausflug nach Corte auf Corsika für Oktober proponirt; ich habe bisher mich nicht entschließen wollen. Gienge ich dorthin (es ist zuletzt ein kleiner Umweg über Nizza), so thäte ichs ebenso sehr um Ihretwillen als um meiner jetzt entworfenen Zukunfts-Aufgabe willen.
Corte ist die Stadt der Empfängniß Napoleon’s: wie ich ausgerechnet habe. Scheint es nicht, daß eine Wallfahrt dorthin eine geziemende Vorbereitung für den „Willen zur Macht. Versuch einer Umkehrung aller Werthe“ ist? —
Seltsam! Ich war diese Zeit über unbeschreiblich traurig und vor Sorgen schlaflos. —
Besuchen Sie Seydlitzens, bitte, und bringen Sie meine allerschönsten Grüße. Seydlitz hat mir einen Brief geschrieben, worin viele guten und schlauen Dinge vorkamen: er hat Geist. —
Mit der herzlichsten Theilnahme an Ihrer Reise
Ihr Freund N.
Das zweite Exemplar war eigentlich Frau Röder-Wiederhold zugedacht, deren Adresse ich nicht habe. Herrn Widemann habe ich natürlich eins zugesandt. —
735. An Friedrich Hegar in Zürich
Verehrter Herr Capellmeister,
hiermit ruft sich Jemand Ihnen ins Gedächtniß, der seit zwei Jahren durch alle möglichen Zufälle und Kreuzungen verhindert war, nach Zürich zu kommen, — nach jenem Zürich, das bei ihm in einem sehr guten Geruche und, Dank Ihnen, in einem noch besseren Klange steht.
Diese beifolgende Composition würde ich gerne jetzt herausgeben: vorausgesetzt, daß sie Ihre Billigung fände. Namentlich die Instrumentation (die nicht von mir stammt, aber doch auf meine Angaben hin gemacht ist): hätten Sie die Güte, mir Ihr Urtheil über dieselbe ohne Schonung zu sagen? Wie stark müßte der Chor sein, der sich mit dem Blechklange der gewählten Instrumente vertrüge?
Es ist ein Stück Musik, das vielleicht einmal „zu meinem Gedächtniß“ gesungen werden könnte: dafür wenigstens habe ich’s ausgedacht.
Gegen Ende des Liedes ist ein tragischer Accent, der aus meinen innersten „Eingeweiden“ stammt. —
— Wie geht es bei Ihnen? Meine Schwester (Frau Dr. Förster nunmehr) hat bis jetzt recht erfreulich aus ihrer neuen Heimat Paraguay geschrieben. Jene Tage damals in Zürich waren unser heiterstes und wohlgerathenstes Zusammensein, für das wir Beide eine dankbare Erinnerung haben. Sagen Sie dies, bitte, auch Ihrer verehrten Frau Gemahlin.
Mit herzlichstem Gruß und Wunsch
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
736. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe gute Mutter,
ein Regentag: da soll gleich ein Briefchen an Dich absausen! Besten Dank für das, was Du mir geschrieben! Es gieng inzwischen etwas besser: das Recept, das ich mir verordnete, war sehr sonderbar: nämlich ins Hôtel zu gehn und mitzuessen, was Alle essen. Das hat mich wieder auf die Beine gebracht (ich brauche starke Mahlzeiten, um mich wohl zu fühlen: leider, leider bin ich nicht reich genug zu dieser mir angemessenen „Kur“ —).
Augenblicklich sind hier in Sils an die 10 Professoren der Universität; in meinem kleinen Hause 4, mich eingerechnet.
Der Handel mit Schmeitzner ist zu Ende: „endlich im Besitz“ telegraphirte mir Fritzsch — und seitdem ist viel Briefverkehr zwischen uns, weil Vielerlei meinerseits neu anzuordnen ist.
Herr Köselitz schreibt über München und Bayreuth: er ist also schon unterwegs.
So wie der gute alte Wenkel über Philosophie denkt, denken viele alte Philologen auch über Philologie: es sei gar nichts mehr Neues zu sagen. Ich halte beide Urtheile für irrthümlich und habe es (was mehr ist) durch Wort und That bewiesen. Freilich gehören dazu auch neue Ohren: wie man sie sich beim besten Willen in einem gewissen Alter nicht mehr anschaffen kann.
Die Geschichte mit Sonnemann (oder wie der Antisemit heißt, von dem Du schriebst) hat mich besorgt gemacht. Siehst Du, dieser Gattung Menschen wegen könnte ich schon nicht nach Paraguay gehn: ich bin so glücklich darüber, daß sie sich freiwillig aus Europa verbannen. Denn, wenn ich auch ein schlechter Deutscher sein sollte — jedenfalls bin ich ein sehr guter Europäer.
Sils als Landschaft und Menschheit gefällt mir nach wie vor. Nur — ist es zu theuer, wenn ich hier so leben will, daß ich nicht melancholisch werde. Für den September ist ein Zusammentreffen mit dem braven Herrn Lanzky in Aussicht; und, hoffentlich, eine tüchtige Fußreise, die mir sehr nöthig scheint. — Der Winter in Nizza: ich werde schwerlich darum herum kommen.
In alter Liebe und steter Dankbarkeit
Dein Fritz
737. An Reinhart von Seydlitz in München
Lieber alter Freund,
es gäbe Gründe, sich bei Dir für einen sehr guten Brief zu bedanken, in dem feine kluge Sachen standen, wie sie gerne in meine Art Ohren schlüpfen.
Hast Du bemerkt, daß ich die „kleinsten aller möglichen“ Ohren habe? Vielleicht auch die schläuesten ...
Ein Dir im Frühjahr zugedachter Besuch mißrieth mir: ich fand das artige Nest ausgeflogen. Daß ich in diesem Herbste nach München komme (wozu mich Mancherlei locken könnte —) ist inzwischen wieder unwahrscheinlich geworden. Aus meinem letzten deutschen Aufenthalte habe ich ein ressentiment noch nicht überwunden. Die „moralische Luft“ daselbst bläst gegen mich, das ist kein Zweifel. Wahrscheinlich mache ich eine Wallfahrt nach Corte auf Corsica (woselbst Napoleon zwar nicht geboren, aber — was vielleicht sehr viel mehr ist, concipirt worden ist).
Es handelt sich jetzt auch bei mir um eine conceptio: Du wirst es aus dem Umschlage meines letzterschienenen Werks errathen, welches ich Dir (wie sich von selbst versteht) zugesandt habe. Meine ganze frühere Litteratur (von „Geburt der Tragödie“ bis zum „Zarathustra“) ist jetzt in den Besitz von E. W. Fritzsch übergegangen. Derselbe hat bereits, wie Du weißt, den „ganzen Wagner“; es scheint, daß er Werth darauf legt, auch einmal den „ganzen Nietzsche“ zu haben.
Was macht die Reise nach Bologna? Und überhaupt der Japonisme? —
Es bittet Dich und Deine liebe Frau um ein herzliches und freundschaftliches Angedenken
Friedrich Nietzsche.
738. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)
Geehrtester Herr Verleger, so eben empfieng ich Ihre sehr willkommen<en> Mittheilungen und zögere nicht, Ihnen in allen Punkten, um welche Sie bei mir anfragen, meine zustimmende Antwort zu übermitteln. Berücksichtigen Sie, bitte, von den 5 Zeitschriften, die das Buch verlangt haben, die 3 letztgenannten (philosophische Monatshefte, deutsche Litteraturzeitung und auch die deutsche akademische Zeitung) Ebenfalls Herrn Dr. M. Bauer mit Inserat. — Hr. Widemann ist bereits im Besitz eines Exemplars. — Inzwischen ist meine ganze frühere Litteratur aus den Händen des Chemnitzer Verlegers in die mir viel zusagenderen und zutrauenswürdigeren Hände des Hrn. E. W. Fritzsch in Leipzig übergegangen. Ich nehme dies als gutes omen, ebenso wie Ihre heutige Meldung.
Mit ergebenstem Danke der Obige.
739. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)
Werthester Herr Verleger, so eben ist noch ein Stück Manuscript (zur übersandten Vorrede gehörig) an Sie abgegangen. Ich bitte Sie angelegentlich, den Druck zu beschleunigen: ich will so lange hier bleiben, bis diese Sache in Ordnung ist. —
Ein eigenes Blatt mit Also sprach Zarathustra. Erster Theil scheint mir nicht nöthig. —
Inzwischen hat sich Herr Köselitz bei mir schmerzlich darüber beklagt, daß Sie ihm auf seine Zusendungen nicht geantwortet haben. Sagen Sie, wenn es irgend möglich ist, Ja zu dem wunderschönen Adagio für Clavier (für welches ich den Titel „Nachsommer-Musik“ in Vorschlag bringen möchte.)
Von C. G. Naumann habe ich gute Nachrichten über die Wirkung von „Jenseits v. G. u. B.“. —
Ihr ergebenster Nietzsche
740. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Lieber und werther Herr Fritzsch,
hier folgt die Vorrede zur neuen Ausgabe der „Geburt der Tragödie“: Sie können auf diese sehr inhaltreiche und gründlich orientirende Vorrede hin das Buch noch einmal von Stapel laufen lassen, — es scheint mir sogar von größtem Werthe, daß dies geschieht. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß man sich in den nächsten Jahren viel mit meinen Büchern beschäftigen wird (— insofern ich, mit Verlaub gesagt, bei weitem der unabhängigste und im großen Stile denkendste Denker dieser Zeit bin —); man wird mich nöthig haben, und alle möglichen Versuche, mir beizukommen, mich zu verstehen, zu „erklären“ usw. machen. Um den gröbsten Fehlgriffen vorzubeugen, scheint mir (abgesehn von dem eben erschienenen „Jenseits von Gut und Böse“) nichts nützlicher als die beiden Vorreden, welche ich mir erlaubte, Ihnen zu übersenden: sie deuten den Weg an, den ich gegangen bin — und, ernsthaft geredet, wenn ich selber nicht ein Paar Winke gebe, wie man mich zu verstehn hat, so müssen die größten Dummheiten passiren. —
Ich kann nicht beurtheilen, in wie fern es geschäftlich und buchhändlerisch rathsam oder unrathsam ist, Bücher desselben Autors zugleich auf den Markt zu bringen. Das Wesentliche ist, daß, um die Voraussetzungen für das Verständniß des Zarathustra zu haben (— ein Ereigniß ohne Gleichen in der Litteratur und Philosophie und Poesie und Moral usw. usw. Sie dürfen mir’s glauben, Sie glücklicher Besitzer dieses Wunderthiers! —) alle meine früheren Schriften ernstlich und tief verstanden sein müssen; insgleichen die Nothwendigkeit der Aufeinanderfolge dieser Schriften und der in ihnen sich ausdrückenden Entwicklung. Vielleicht ist es ebenso nützlich, sogleich jetzt auch die neue Ausgabe der „Geburt“ (mit dem „Versuche einer Selbstkritik“) auszusenden. Dieser „Versuch“, zusammengehalten mit der „Vorrede von Menschl. Allzumenschliches“, ergiebt eine wahre Aufklärung über mich — und die allerbeste Vorbereitung für meinen verwegenen Sohn Zarathustra.
Im Dezember hoffe ich mit den „Vorreden“ fortfahren zu können: nämlich in Nizza, wo es mir bis jetzt niemals um die bezeichnete Zeit an Muth und Inspiration gefehlt hat. Nämlich 1) Menschl. Allzum. Zweiter Band (enthaltend „Verm. M. u. Spr.“ und den „Wanderer“) 2) Morgenröthe 3 fröhl. Wissenschaft.
Ich denke, Sie wissen, lieber Herr Verleger, wie viel Muth und Inspiration gerade zu solchen „Vorreden“ noth thut? und außerdem noch mehr „guter Wille“ —
Nehmen wir an, daß bis zum Frühjahr meine ganze Litteratur, so weit sie in Ihren Händen ist, zum neuen Fluge fertig und neu „beflügelt“ ist. Denn diese „Vorreden“ sollen Flügel sein! (Nur die 4 unzeitgem. Betrachtungen will ich lassen, wie sie sind: deshalb habe ich, in dem letztens übersandten Nachtrag zur Vorrede für Menschl. Allzum., sehr bestimmt auf sie aufmerksam zu machen für nöthig befunden.) — Eine Zeile Antwort hierher erbittend Ihr
ergebenster Dr. Nietzsche Prof.
Theilen Sie mir gefälligst etwas über die Preise der zunächst auszugebenden Bücher mit! Hermann Credner sagte oder schrieb mir einmal, daß die Schmeitzner’schen Preise das größte Hinderniß gewesen sei, das mir bis jetzt im Wege gestanden.
Ein eignes Bändchen mit lauter „Vorreden“ würde gegen den Geschmack sündigen. Man verträgt das schreckliche Vorrede-Wörtchen „ich“ eben nur unter der Bedingung, daß es in dem drauf folgenden Buche fehlt: es hat nur Recht in der Vorrede. —
1. Sept. Eben trifft Brief und Bogen ein. Ist der Nachtrag („eingeschrieben“ an Sie adressirt) noch nicht in Ihren Händen? Um nicht Alles zu verzögern, bitte ich ihn zu lassen (also nicht zu drucken). Um so mehr aber diese Selbstkritik!
741. An Bernhard und Elisabeth Förster in Asuncion
Meine Lieben in der Ferne,
Vergebung für dies Papier, aber ich weiß gerade keinen Briefbogen zu erwischen, und möchte Sils-Maria doch nicht verlassen, ohne Euch gesagt zu haben, was für schöne Überraschungen und Erquickungen mir in diesem Sommer Eure zwei Briefe gewesen sind. Deiner, mein liebes Lama, kam präcis zur Feier Deines Geburtstags an. Im Ganzen scheint es bei Euch anders zu stehn als bei mir, wo eine Art Ruhe und rückwärts blickende Sammlung eingetreten ist: während Ihr vor dem „Werke“, oder „dem Berge“ steht und vorwärts blickt. Daß ich kurz erzähle, was sich bei mir erledigt hat, so mag zuerst genannt sein, daß die Schmeitzner-Misère, nach zwanzig intermezzi, doch zu Ende gekommen ist: Fritzsch hat Alles an sich gekauft und auch bereits die 62 Centner in seinem Hause, — hoffentlich nicht als „Klumpfuß“! Eben erscheint eine neue Ausgabe von „Menschliches, Allzumenschliches“, mit einer langen Vorrede (ein Druckbogen); vorbereitet wird zu gleichem Zwecke die „Geburt der Tragödie“, bereichert durch einen „Versuch einer Selbstkritik“, worin ich meiner Wagnerei und Romantik von Ehedem gründlich die Wahrheit gesagt habe. Bei C. G. Naumann habe ich vor wenig Wochen etwas Neues von Stapel laufen lassen: „Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.“ Bis jetzt ist schon die Hälfte der Auflage abgesetzt; Naumann schrieb sehr vergnügt, — es ist als ob ein Bann von meinen Büchern genommen wäre, seit der lähmende und compromittirende Schmeitzner abgeschafft ist. Zuletzt freilich liegt mir nicht genug daran, von diesen gegenwärtigen Deutschen gelesen zu werden: sie haben Andres im Kopfe und in den Händen. Ich will nur, daß sie meine Bücher kaufen, nicht um mich zu bereichern, sondern exakt, daß ich, vollkommen unabhängig von Verlegern, etwas drucken kann und wieder zu meinen Druckkosten komme. So probire ich’s eben. Verzeihung, daß ich das neue Buch noch nicht geschickt habe: aber, eben im Begriff, die Ordre dazu zu geben, sah ich’s mir erst darauf an, ob es Euch Vergnügen machen werde, — und siehe, da schien mir’s gar nicht so! — Mein Aufenthalt in Deutschland hat sich dies Mal so gut gelohnt, wie noch nie; denn Alles war nur persönlich abzumachen. Das Wetter war sehr entgegen, schändlich heiß, schon im Mai (jeden Tag eine ganze Woche lang bis zu 30 Celsius im Schatten!) Freund Rohde in Leipzig saß wie auf einem Marterbett daselbst und nahm nach 6 Wochen Vorlesungen einen Ruf nach Heidelberg an (wo man äußerst glücklich über einen solchen Fang war und ihn umgehend zum Geheimen Hofrath und Mitglied des Badischen Oberschulraths gemacht hat) Ich habe mit ihm kein vernünftiges Wort geredet; mit Heinze habe ich im Rosenthal saure Milch (verzuckert und verzimmtet) gegessen, realiter und symbolice… „Alle Welt“ ist mir „gewogen“, was nicht hindert, daß mich „alle Welt“ seit 16 Jahren mit absoluter Unverständigkeit behandelt. In München liebenswürdiges Entgegenkommen, auch von Levi, der mir für den Fall eines Herbst-Aufenthaltes die schönsten Versprechungen machte: übrigens war er fast noch mehr Bizet-Enthusiast als ich. Er versprach mir, als Finesse ersten Ranges, eine kleine komische Oper von Cornelius: sonderbar! Hier im Engadin entdeckte ich, daß meine Tischnachbarin, ein Mädchen von 17 Jahren, die Schwester des „Barbiers von Bagdad“ — so heißt jene Oper — war, nämlich die Tochter jenes Cornelius (leider sans sa finesse —) Sonst habe ich wieder meine Engländerinnen, die alte Russin, den Holländer aus Java, der sich sehr mir angenähert hat und mir zum Abschied das Bild seines Kindes schenkte (— er hat seine junge Frau verloren und reist nun wieder aus der Sommerfrische im Engadin nach seinem Java zurück: wie rund die Erde wird, meine lieben Südamerikaner, nicht wahr? —) Dann sind c. 10 Universitätsprofessoren hier (in meinem Hause 4), mit denen ein artiger Verkehr stattfindet, ohne daß er mir die Einsamkeit nimmt. Sils, eine Sache ersten Rangs: unsere Halbinsel hat weder in der Schweiz, noch in dem mir bekannten Europa seines Gleichen. Lauter neue Wege: die Stelle, wo ich den Zarathustra ausgedacht habe und einst begraben sein wollte, ist jetzt zugänglich gemacht und als schönste Stelle des Engadin in Ruf gebracht. Was den Winter betrifft, so bleibt es bei Nizza: nur muß ich Jemanden schaffen, der meine Existenz daselbst „wördiger“ gestaltet (denn ich nähere mich dem unheimlichen Zeitpunkte, wo ich ein „berühmtes Thier“ bin und mich gegen Entrée sehen lasse…) Meine Gesundheit hat sich, nach dem Urtheile Aller, die mich wieder gesehn haben, entscheidend verbessert: Anzeichen davon — ich werde grob. Nur die Augen sind zurückgegangen, — weil ich zu viel geguckelt habe. Für die nächsten 4 Jahre ist die Ausarbeitung eines vierbändigen Hauptwerks angekündigt; der Titel ist schon zum Fürchten-Machen: „Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwerthung aller Werthe“. Dafür habe ich Alles nöthig, Gesundheit, Einsamkeit, gute Laune, vielleicht eine Frau.
So! Meine Lieben, nun habe ich entsetzlich lang von mir geschwätzt: aber das gehört wohl zu einem Briefe? — Aus der Stimmung, in der das Lama schrieb, dachte ich mir aus, wie Euer Klima ungefähr den Eindruck machen müsse, wie das von Nizza. Schade, daß Ihr so weit davon gelaufen seid! Und ich — professionell ein „guter Europäer“, habe es nicht so leicht, wie Ihr, Europa zu verlassen! Eigentlich darf ich’s nicht einmal. Auch hat mir jeder Capitän gesagt, mit dem ich ein Stückchen von 2—3 Tagen gefahren bin, daß ich zu denen gehöre, die an der Seekrankheit zu Grunde giengen, wenn ich’s weiter triebe, wie ich’s jedes Mal getrieben habe. —
Behaltet mich lieb, behaltet Euch lieb: es grüßt und umarmt Euch
brüderlich-schwägerlich
Euer Fritz.
— rings überall große Gemsenjagd, seit gestern —
742. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
hier kommt noch Etwas zum Durchlesen: bitte, lassen Sie Ihre kritischen Augen durch diese „Vorrede“ wandern und helfen Sie meiner Orthographie nach — und nicht nur der Orthographie! Sie haben zum Verändern unumschränkte Vollmacht! —
Senden Sie dann den Bogen an E. W. Fritzsch, Leipzig, Königsstrasse 6. — Es könnte vielleicht noch ein Nachtrag zu dieser Vorrede bei Ihnen eintreffen, den ich kürzlich an Fritzsch gesandt habe: doch scheint es mir, nach meiner Erinnerung, daß er etwas zu „persönlich“ gerathen ist, — mag er wegbleiben! Die Vorrede, so wie sie hier vorliegt, hat hoffentlich eine erträgliche Mitte zwischen dem Allzusubjektiven und Allzuobjektiven — jene Mitte, die den guten Geschmack einer Vorrede ausmacht? Oder was meinen Sie? — —
Auch eine neue Ausgabe von der „Geburt der Tragödie“ soll erscheinen, mit einem langen „Versuch einer Selbstkritik“, deren Manuscript schon an F<ritzsch> abgegangen ist. Im Winter will ich noch drei Vorreden machen 1) zum zweiten Bande von Menschl<iches>, Allzumenschliches: derselbe enthält die Vermischten Meinungen und den Wanderer;
-
zur „Morgenröthe“;
-
zur „Fröhlichen Wissenschaft“. Hier auch der angekündigte Lieder-Anhang „Lieder des Prinzen Vogelfrei“.
Auf diese Weise hoffe ich den Büchern ein neues Interesse und, buchhändlerisch betrachtet, auch Flügel zu geben. —
An Fritzsch habe ich kürzlich auch meinerseits den Wunsch ausgedrückt, daß er sich Ihr herrliches Adagio nicht entgehen lassen möge. Würden Sie damit übereinstimmen können, daß es vielleicht den Titel „Nachsommer-Musik“ erhielte? —
Dieses Jahr hat bisher bei mir etwas Aufräumendes und in-Ordnung-Bringendes gehabt. Auf das „Jenseits“ hat nach Naumann’s Bericht das „Publikum“ (oder wer?) tüchtig angebissen. Die ganze Schmeitzner-Misère ist zu Ende. Einzig Sie, lieber lieber Freund, sind noch im Zwischenreiche und purgatorio: oh was erfinden wir zusammen, damit auch Sie „in Ordnung gebracht“, vor Allem wieder „aufgeräumt“ werden? —
Die Cholera in Italien schließt mich auch von Corsika ab: die Inseln sind wie toll vor Angst. —
Seydlitzens sind jetzt wieder zurück und haben mir geschrieben. Bitte, sehen Sie sich seine Japonismen an — und, vielleicht, spielen Sie ihm etwas von Ihren Südlichkeiten und Süßigkeiten (frutta, aber bei Leibe nicht secca!) Was habe ich bedauert, Ihren „Löwen“ nicht in Sils zu haben! Es gab eine eminente Spielerin aus Wien, insgleichen eine Theater-Sängerin aus München, und ein sehr gewähltes „Publikum“ von 7—10 Personen, die von Musik etwas verstehen. Sonderbar! auch die Schwester des „Barbiers von Bagdad“, als meine Tischnachbarin (auf Deutsch: die Tochter des Prof. Cornelius). Übrigens merkte ich, daß Alles, was Artist ist, eigentlich nur für mich sang und spielte: was mich verwöhnen würde, wenn es so fortgienge.
Es scheint mir beinahe, daß Sie in München bleiben wollen? —
Grüßen Sie bestens Frau Rothpletz: Sie haben sie gut gezeichnet; ich glaube, ihr Wunsch zu helfen ist mitunter größer als ihr Zartsinn, aber was macht das! Vor allem ist sie tapfer in ihren Sympathien und Antipathien.
Erfreuen Sie mich recht bald, lieber Freund, mit ein paar Worten über Pläne, Möglichkeiten, Unmöglichkeiten: und ob es etwas giebt, wo ich in’s Spiel komme, wo ich ein Brückchen bauen darf, Ihnen zur Ehre oder zum Nutzen.
Treulich Ihr Freund
N.
NB. Ich sehe, daß ich oben etwas Unklares geschrieben habe: ich wollte sagen, daß Ihre Musik süß, südlich, eine sublime Südfrucht, aber ganz und gar nicht trocken sei.
743. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +]
— Du hast mir noch nicht geschrieben, daß Du die 75 Pfennige welche ich Dir für den Naumburger Zahnarzt gegeben habe, demselben eingehändigt hast. Es war für Zahnpulver. —
— Wenn die Druckerei gut von Statten geht, denke ich kurz nach der Mitte des Monats mich auf den Weg zu machen, hinunter ans Meer, bei Genua. Nur soll es noch sehr heiß dort sein. Herr Lanzky will mich empfangen: hätte ich nur etwas Vergnügen und Unterhaltung von diesem braven Menschen, da er mir keine Belehrung giebt! Ich fürchte mich auch vor Nizza in dieser Hinsicht: Himmel, was mich bisher die Menschen gelangweilt haben, und welche gute Miene habe ich dabei noch gemacht! — —
— Unsre Briefe haben sich gekreuzt. Meinen herzlichsten Dank, meine alte gute Mutter: Ein Brieflein hierher wird mich gerade noch erreichen.
In Liebe Dein Fritz
— Könntest Du nicht im Herbst (vielleicht zur Feier meines Geburtstags?) ein schönes Weintrauben-Kistchen an Herrn und Frau E. W. Fritzsch in Leipzig schicken? Königsstrasse 6. Sie sind aus Lützen; und F<ritzsch> hat doch ein großes Vertrauen zu mir bewiesen. —
744. An General Simon in Celerina (Visitenkarte)
Verehrter Herr General, meinen ergebensten Dank für Ihre und Ihrer Fräulein Tochter sehr gefällige Vermittlung (aus der sich vielleicht, ganz so wie in Nizza, eine wirkliche Verbesserung meines Lebens ergeben könnte) Es ist wahrscheinlich, daß ich von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch machen werde: obschon ich bekennen muß, daß die Entschließung dazu dem „Einsiedler von Sils-Maria“ schwer genug wird, — namentlich seit dieser Ort sich in ein Professoren-Rendezvous zu verwandeln beginnt. Für Ihre Reise meine besten Wünsche; bisher muß, nach Briefen zu urtheilen, die Hitze überall noch groß sein. Mit der Bitte, mir auch fernerhin ein gutes Andenken zu bewahren, bleibe ich, der ich immer war,
Ihr dankbar-ergebener
F. N.
745. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
NB. Ich bleibe bis zum 15ten September noch in Sils-Maria. Bitte dringend bis zum 13ten Alles, was noch zu corrigiren ist, mir in
die Hände zu geben.
F. N.
Geehrtester Herr Verleger, Sie sehen, daß ich Ernst mache, um den Büchern zu einer neuen Reise Flügel zu schaffen. Hier ist die Lösung eines Problems: Sie senden Menschliches, Allzumenschliches in zwei Bänden zusammen in die Welt (nicht etwa zusammengebunden, sondern zu gleicher Zeit!) Ich sehe kein besseres Mittel, um die „Verm<ischten> Mein<ungen>“ und den „Wanderer“ flügge zu machen (Letzteres ist auf der Rückseite des Titelblattes als zweiter Anhang bezeichnet: bitte, sehen Sie nach!) — Die Vorrede zum ersten Band bleibt, wie sie in der ersten Fassung war; der nachträglich übersandte Anfang ist jetzt als Anfang der Vorrede zum zweiten Band verwendet.
Ihr F. N.
746. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Soeben, werthester Herr Verleger, kommt die Vorrede zur „Geburt der Tragödie“. Aber nein! das dürfen Sie mir nicht anthun, — und ich selbst werde es nie zulassen, daß ein Wort von mir von solcher Wichtigkeit, wie es diese Vorrede ist, dermaßen unaesthetisch und unwürdig vor die Welt gebracht wird. Mein Vorschlag war, sie solle genau nach dem Muster der Vorrede in „Jenseits von Gut und Böse“ gedruckt werden; ich wiederhole diesen Vorschlag und bitte überzeugt zu sein, daß ich viel lieber die Kosten eines Drucks gemäß meinem Geschmacke tragen will als in Ewigkeit mich ärgern, wenn ich das Buch später aufschlage. Geben Sie das Ms. an C. G. Naumann’s (die ja auch das Buch selbst gedruckt haben) und, wie gesagt, auf meine Rechnung.
Nichts für ungut!
Ihr ergebenster
Dr. Friedrich Nietzsche.
Abreise in Folge anhaltend schönen Wetters verschoben.
747. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
meinen besten Gruß und Dank voran! — Anbei die Bitte, noch die allerletzte (zweite) Revision der Vorrede zum zweiten Bande zu übernehmen. Es sind drei Stücke Manuscript zum Einschieben an Fritzsch abgesandt; ebenfalls die Aufforderung, Ihnen nunmehr Alles zu überlassen. Sie lesen ja meine Schrift so gut wie ich vielleicht nicht. — Schreiben Sie darüber: druckfertig H. K.
Es liegt mir etwas an dieser zweiten Vorrede. Um den ewigen Mißverständnissen in Bezug auf meinen Bruch mit R. W<agner> ein Ende zu machen, habe ich mich entschlossen, die Hauptsache deutlich zu sagen. Es ist freilich damit etwas gewagt. — Übrigens bin ich heil-froh, auf diese schreckliche und lebensgefährliche Wendung als auf ein „Hinter-mir“ blicken zu können. Im Handumdrehen hätte ich daran zu Grunde gehn können; ich bin nicht grob genug dazu, um mich von Menschen trennen zu können, die ich geliebt habe. Aber es ist geschehn: und ich lebe noch. —
Ein Wort hierher, wenn Alles fertig ist: gesetzt, ich reise ab, so folgt mir Alles unverzüglich nach. Wohin? —
Treulich Ihr Freund N.
— Ist es nicht ein Meisterstück und Kunstgriff, wie ich den Fritzsch zur Herausgabe der 2 Bände Menschl<iches> AIlzu<menschliches> gebracht habe? Ich meine, es wird sein Vortheil sein. (Mir scheint es eine Erlösung.)
748. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Bitte, lieber Freund, stellen Sie auf Seite V der zweiten Vorrede den Text dergestalt fest:
gegen ein Stück Vergangenheit, gegen die
schönste, auch gefährlichste Meeresstille
meiner Fahrt… und thatsächlich eine
Loslösung, ein Abschiednehmen.
Das letzte Wort also nicht gesperrt! — Ich denke, daß spätestens in 5 Tagen die allerletzten Revisions-Abzüge in Ihren Händen sind. —
Mit der Ausstattung vom „Versuch einer Selbstkritik“ (Einleitungs-Ersatz von „Geburt der Tragödie“) war ich so unzufrieden, daß ich sie sofort an E. W. Fr<itzsch> zurückgesandt habe: mit der Aufforderung, sie C. G. Naumann zu übergeben: der soll sie nach meinem Geschmack und auch auf meine Kosten herstellen. — Hoffentlich erwächst Ihnen, lieber Freund, daraus keine doppelte Arbeit! —
Allerschönstes, mildestes, klarstes September-Wetter! —
Herzlich grüßend F. N.
749. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Geehrtester Herr,
so eben habe ich dem Banquier Kürbitz in Naumburg den Auftrag gegeben, an Ihre werthe Adresse die Summe von 881 Mark abgehen zu lassen: was, wie ich voraussetzen darf, unverzüglich geschehn wird. Für alle Ihre Mittheilungen meinen ergebensten Dank; wenn nicht Alles trügt, so wird dies Buch sich gut verkaufen. Eben fand ich, im Berner Bund, einen Aufsatz über dasselbe, mit dem Titel „Nietzsches gefährliches Buch“, man kann sich keine stärkere Verlockung zum Kaufen denken als sie dieser Artikel giebt. — Jener Herr Dr. Welti, dessen Brief Sie beilegten, ist, wie man mir hier mitgetheilt hat, der Sohn des alten Bundespräsidenten der Schweiz; er gilt als sehr gescheut. —
Ihnen und Ihrem Herrn Bruder sich dankbar empfehlend
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
750. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +] diese „Vorkämpferin für Frauenrechte“ mit einer andren „Vorkämpferin“ bekannt zu machen, die meine Tischnachbarin ist, Miss Helen Zimmern, etwas sehr Gescheutes, (sie hat die Engländer mit Schopenhauer bekannt gemacht) übrigens nicht Engländerin, sondern — Jüdin. Der Himmel erbarme sich des europäischen Verstandes, wenn man den jüdischen Verstand davon abziehen wollte! Man erzählte mir von einem jungen Mathematiker in Pontresina, der vor Aufregung und Entzücken über mein letztes Buch ganz die Nachtruhe verloren habe; als ich genauer nachfragte, siehe, da war es auch wieder ein Jude (ein Deutscher läßt sich nicht so leicht im Schlafe stören —) Verzeihung für diese Scherze, meine gute Mutter! — Übrigens habe ich die Zusammenkunft mit Herrn Lanzky hintertrieben, ich bekam Angst, er möchte mich wieder so langweilen wie vor zwei Jahren. Vor Nizza fürchte ich mich, von wegen der eifersüchtigen alten Frauen, aber es wird doch nichts Anderes herauskommen. Nur daß ich vielleicht eine Zwischenstation in der Nähe von Genua mache. Hier geht der Rest der Gesellschaft in dieser Woche fort, ich also auch: da es nachher mit der Ernährung hapert. —
Ich bedarf sehr der Erholung: es ist schlimm, daß ich gar keine Menschen habe, die es verstünden, mich zu erholen.
Für Deine schöne Versprechung in Betreff eines Kistchens danke ich Dir herzlich: aber, wie gesagt, ich bin auf der Abreise. — Fritzschens Adresse ist: Leipzig, Königsstr. 6
Deine Nachrichten über unsre Südamerikaner haben etwas Beunruhigendes: es läuft auch da drüben, wie es scheint, auf die alte Nervenaufregung und Hetzerei hinaus? — Das Lama als Landwirthin, welche Butter und Milch verkauft! Nein, welche Komödie! —
Dein alter Sohn.
Adresse: Genova (Italia) poste restante.
751. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Lieber Freund, ich entschließe mich schwer, fort zu gehn, weiß auch noch nicht, wohin. Nach Corsika nicht; auch Nizza ist mir verleidet, seit ich Sie nicht mehr daselbst erwarten darf. Wo giebt es Menschen, die mich etwas zu erholen vermöchten!
Bitte, geben Sie mir noch hierher Auskunft, ob die Schluß-Redaktion der 2ten Vorrede in Ihren Händen ist: ebenfalls ob Fritzsch sich entschlossen hat, die Selbstkritik genau so wie die Vorreden auszustatten. Ich lege großen Werth darauf. Der „Bund“ hat, aus der Feder des Redakteurs V. Widmann, einen starken Aufsatz über mein Buch, unter dem Titel Nietzsche’s gefährliches Buch. Gesammt-Urtheil „das ist Dynamit“.
Schließliche Anfrage: wo giebt es jetzt Carmen zu hören? Ist es in München vorbereitet? — Daß Sie wieder componiren, erbaut mich sehr: oh daß Sie über Portofino säßen, in Ruta, bei der Pinie, wo man das Promontorio für sich hat! Bleiben Sie südlich, und sei es auch nur dem Glauben nach!
N.
Abreise Ende der Woche.
752. An Paul Deussen in Berlin
Lieber alter Freund,
es giebt, wie man mir mittheilt, den schönsten Anlaß, Dir Glück zu wünschen — oder vielmehr nicht einmal erst zu wünschen. Halte fest, was Du jetzt hast, mein alter Freund und Kamerad, sonderlich wenn das „Glück“, wie in Deinem Falle, ein gutes Weib ist; denn das Glück läuft gar zu gerne von Unsereinem davon (nämlich von uns Philosophen und Unthieren der Erkenntniß…)
Zum Zeichen, wie gern ich einmal mich wieder in Deiner Nähe wissen würde, habe ich mir erlaubt, Dir mein jüngstes und bösartigstes Kind zuzusenden: hoffentlich lernt es in Deiner Nähe etwas „Moralität“ und Vedanteske Würde, da es an Beidem von seinem Vater her Mangel leidet. „Jenseits von Gut und Böse“ heißt es; eben las ich bereits einen furchtbar ernsten Aufsatz darüber unter dem Titel „Nietzsches gefährliches Buch“ — es wird das Thema durchfigurirt „das ist Dynamit“…
Was liegt darin! War jemals ein Mensch verwegener zu den Dingen gestellt, als ich? Man muß es aushalten können: das ist die Probe; was man dazu „sagt“, davon „denkt“, ist mir gleichgültig. Schließlich — ich will nicht für heute und morgen, sondern für Jahrtausende Recht behalten.
Diesen Sommer sprach ich öfter über Dich mit Leskien (Sils Maria ist nämlich in der zweiten Hälfte des Sommers ein wahres Professoren-Rendezvous: so daß der alte „Einsiedler von Sils-Maria auf dem Laufenden erhalten wird — — ja, ja, auf dem Laufenden, aber zum Davonlaufen, was die heutigen deutschen Universitäts-Bildungs-Zustände anbetrifft). Leskien erzählte von der außerordentlichen Schätzung, welche Böthlingk für Dein Werk habe; er meinte, es würde leichter sein, Dir eine Sanskrit-Professur als einen Lehrstuhl (Lehnstuhl) für Philosophie zu schaffen. Im Grunde hättest Du Dich mit Deiner Doppel-Begabung zwischen zwei Stühle gesetzt: — man läßt ja nach alter Gelehrten-Gewöhnung nur die „Spezialität“ gelten, man darf nicht zweien Herrn dienen, zumal wenn es zwei Weiber sind, wie Philologie und Philosophie…
Mir selbst hat Dein Buch immer von Neuem wieder tiefes Interesse und Belehrung gegeben: ich wünschte, es gäbe etwas ähnlich Klares, Dialektisch-Durchgearbeitetes auch für die Sankhya-Philosophie. —
Behalte in gutem Gedächtnisse Deinen
Freund Friedrich Nietzsche.
753. An Hippolyte Taine in Meuthon St. Bernard (Entwürfe)
Verehrter Herr
mein Buchhändler hat von mir den Auftrag erhalten, Ihnen ein Exemplar meines letzten Buchs zu übersenden; ich denke, daß er seine Schuldigkeit thun wird und halte meinerseits ein paar Worte für nöthig, die
der Auftrag, den ich m<einem> V<erleger> gab, Ihnen <ein Exemplar meines letzten Buches zu übersenden,> wird hoffentlich erfüllt sein: gestatten Sie mir ein paar Worte, um die
Freiheit, welche ich mir hiermit gegen Sie nehme, zu rechtfertigen.
Das übersandte Werk ist schwer verständlich, voller Hintergedanken, eine fremde Denkweise vielleicht mehr noch verbergend als verrathend: welchen Lesern kann ein solches Buch billigerweise zugemuthet werden? Den Allerwenigsten jedenfalls, den wirklichen Räthselrathern, den historischen „Zeichendeutern“. Dabei dachte ich zum Beispiel an meinen verehrten alten Freund Jakob Burckhardt in Basel; nehmen Sie es wohlwollend auf, hochverehrter Herr, daß ich dabei auch an Sie gedacht habe, dessen Muth, Feinheit, Ausdauer und geistige Umfänglichkeit innerhalb unsres zweifelsüchtigen Europas zu den bestbewiesenen Thatsachen gehört.
Überdies
sind Sie einer der Entdecker Henri Beyles auch ich bin Einer
gäbe es zwischen uns etwas Gemeinsames: Ihre Liebe zu
dem letzten großen Psychol<ogen> H<enri> B<eyle>
Es giebt Wahrheiten, die nur „ins Ohr gesagt“ werden dürfen: laut ausgesprochen, würden sie nicht gehört. Versuchen Sie es, ob mein Buch dergleichen Wahrheiten enthält.
Darf ich Einem der tapfersten und unabhängigsten meiner Zeitgenossen ein Buch in die Hände legen, in dem etwas gewagt wird, das bisher nicht seines Gleichen hatte? Ein großes Geheimniß drückt wie eine große Verantwortlichkeit, — und verlangt Ohren in denen es — — —
754. An Jacob Burckhardt in Basel
Hochverehrter Herr Professor,
es thut mir wehe, so lange Sie nicht gesehn und gesprochen zu haben! Mit wem möchte ich eigentlich noch sprechen, wenn ich nicht mehr zu Ihnen sprechen darf? Das „silentium“ um mich nimmt überhand. —
Hoffentlich hat inzwischen C. G. Naumann seine Schuldigkeit gethan und mein letzthin erschienenes „Jenseits“ in Ihre verehrten Hände gelegt. Bitte, lesen Sie dies Buch, (ob es schon dieselben Dinge sagt, wie mein Zarathustra, aber anders, sehr anders —). Ich kenne Niemanden, der mit mir eine solche Menge Voraussetzungen gemein hätte wie Sie: es scheint mir, daß Sie dieselben Probleme in Sicht bekommen haben, — daß Sie an den gleichen Problemen in ähnlicher Weise laboriren, vielleicht sogar stärker und tiefer noch als ich, da Sie schweigsamer sind. Dafür bin ich jünger… Die unheimlichen Bedingungen für jedes Wachsthum der Cultur, jenes äußerst bedenkliche Verhältniß zwischen dem, was „Verbesserung“ des Menschen (oder geradezu „Vermenschlichung“) genannt wird, und der Vergrößerung des Typus Mensch, vor Allem der Widerspruch jedes Moralbegriffs mit jedem wissenschaftlichen Begriff des Lebens — genug, genug, hier ist ein Problem, das wir glücklicher Weise, wie mir scheint, mit nicht gar Vielen unter den Lebenden und Todten gemein haben dürften. Es aussprechen ist vielleicht das gefährlichste Wagniß, das es giebt, nicht in Hinsicht auf den, der es wagt, sondern in Hinsicht auf die, zu denen er davon redet. Mein Trost ist, daß zunächst die Ohren für meine großen Neuigkeiten fehlen, — Ihre Ohren ausgenommen, lieber und hochverehrter Mann: und für Sie wiederum werden es keine „Neuigkeiten“ sein! — —
Treulich
der Ihre
Dr. Friedrich Nietzsche.
Adresse: Genova, ferma in posta.
755. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
inzwischen wird der durchcorrigirte Bogen (mit dem Vermerk „Vorausgesetzt“) Ihnen gezeigt haben, daß ich von selbst auf die Vermuthung gekommen bin, es möchte sich hier nur um ein Mißverständniß zwischen Verleger und Drucker handeln. Also Versöhnung mit der Officin Röder, vorausgesetzt, wie gesagt, daß diese Vorrede genau nach dem Maaßstabe der 2 anderen hergestellt wird. —
Ich bin auf der Abreise. Meine Adresse ist für die nächste Zeit:
Genova (Italia) poste restante. Um Verwechselungen zu verhüten, empfehle ich auf allen Adressen den Namen Nietzsche zu unterstreichen (die italiänischen Postbeamten wissen bei deutschen Adressen oft nicht, was Hauptname und Vorname ist, da die Italiäner die Gewohnheit haben, den Vornamen nachzusetzen)
In Betreff der von Ihnen vorgelegten Alternative würde ich sehr befürworten, die drei Werke als nova für Rechnung auf 1887 zu versenden — also erst im Dezember! Inzwischen nämlich wird mein letzthin herausgegebenes „Jenseits“ die Aufmerksamkeit hinreichend auf meinen Namen lenken und dient insofern als „Appetitmacher“ und Stomachicum für meine Art von Litteratur (— die nicht zur „leichten“ gehört! —)
— Der „Bund“ hatte zwei Artikel über das genannte Werk unter dem Titel: Nietzsches gefährliches Buch. Der Anfang lautete: „Jene Wagen, welche den zum Bau der Gotthardbahn nöthigen Dynamit an Ort und Stelle zu bringen hatten, trugen eine schwarze, auf Todesgefahr deutende Flagge...“ Der ganze Aufsatz war ein Muster von unfreiwilliger Reklame. —
Haben Sie die Gefälligkeit, mir von jedem der drei Werke ein fertiges Exemplar zu senden, sobald es fertige Exemplare giebt. Und, wie gesagt, nach Genova, poste restante.
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
756. An Malwida von Meysenbug in Rom
Verehrte Freundin.
letzter Tag in Sils-Maria; alle Vögel bereits fortgeflogen; der Himmel herbstlich-düster; die Kälte wachsend, — also muß der „Einsiedler von Sils-Maria“ sich auf den Weg machen.
Nach allen Seiten habe ich noch Grüße ausgeschickt, wie Jemand, der auch mit seinen Freunden die Jahres-Abrechnung macht. Dabei ist mir eingefallen, daß Sie seit lange keinen Brief von mir haben. Eine Bitte um Ihre Adresse in Versailles, welche ich brieflich an Fräulein B. Rohr in Basel ausgesprochen habe, ist mir leider nicht erfüllt worden. So sende ich denn diese Zeilen nach Rom: wohin ich auch vor Kurzem ein Buch adressirt habe. Sein Titel ist „Jenseits von Gut und Böse, Vorspiel einer Philosophie der Zukunft“. (Verzeihung! Sie sollen es nicht etwa lesen, noch weniger mir Ihre Empfindungen darüber ausdrücken. Nehmen wir an, daß es gegen das Jahr 2000 gelesen werden darf…)
Für Ihre gütige Erkundigung bei meiner Mutter, von der ich dieses Frühjahr hörte, danke ich Ihnen von Herzen. Ich war gerade in übler Verfassung: die Wärme, an die ich Gletscher-Nachbar nicht mehr gewöhnt bin, erdrückte mich beinahe. Dazu fühle ich mich in Deutschland wie von lauter feindlichen Winden angeblasen, ohne irgend welche Lust oder Verpflichtung zu spüren, meinerseits dagegen zu blasen. Es ist einfach ein falsches Milieu für mich, was die Deutschen von heute angeht, geht mich nichts an, — was natürlich kein Grund ist, ihnen gram zu sein. —
So hat sich denn der alte Liszt, der sich auf’s Leben und Sterben verstand, nun doch noch gleichsam in die Wagner’sche Sache und Welt hinein begraben lassen: wie als ob er ganz unvermeidlich und unabtrennlich hinzugehörte. Dies hat mir in die Seele Cosima’s hinein weh gethan: es ist eine Falschheit mehr um Wagner herum, eins jener fast unüberwindlichen Mißverständnisse, unter denen heute der Ruhm Wagner’s wächst und ins Kraut schießt. Nach dem zu urtheilen, was ich bisher von Wagnerianern kennen gelernt habe, scheint mir die heutige Wagnerei eine unbewußte Annäherung an Rom, welche von innen her dasselbe thut, was Bismarck von außen thut.
Selbst meine alte Freundin Malvida — ah, Sie kennen sie nicht! — ist in allen ihren Instinkten grundkatholisch: wozu sogar noch die Gleichgültigkeit gegen Formeln und Dogmen gehört. Nur eine ecclesia militans hat die Intoleranz nöthig; jede tiefe Ruhe und Sicherheit des Glaubens erlaubt die Skepsis, die Milde gegen Andere und Anderes…
Zum Schluß schreibe ich Ihnen ein paar Worte über mich ab, die im „Bund“ (16. und 17. Sept.) zu lesen sind. Überschrift: Nietzsches gefährliches Buch.
„Jene Dynamitvorräthe, die beim Bau der Gotthardbahn verwendet wurden, führten die schwarze, auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge. — Ganz nur in diesem Sinne sprechen wir von dem neuen Buche des Philosophen Nietzsche als von einem gefährlichen Buche. Wir legen in diese Bezeichnung keine Spur von Tadel gegen den Autor und sein Werk, so wenig als jene schwarze Flagge jenen Sprengstoff tadeln sollte. Noch weniger könnte es uns einfallen, den einsamen Denker durch den Hinweis auf die Gefährlichkeit seines Buchs den Kanzelraben und den Altarkrähen auszuliefern. Der geistige Sprengstoff, wie der materielle, kann einem sehr nützlichen Werke dienen; es ist nicht nothwendig, daß er zu verbrecherischen Zwecken mißbraucht werde. Nur thut man gut, wo solcher Stoff lagert, es deutlich zu sagen „Hier liegt Dynamit!“
Seien Sie mir also, verehrte Freundin, dafür hübsch dankbar, daß ich mich von Ihnen ein wenig ferne halte!... Und daß ich mich nicht darum bemühe, Sie auf meine Wege und „Auswege“ zu locken. Denn, um nochmals den „Bund“ zu citiren:
„Nietzsche ist der Erste, der einen neuen Ausweg weiß, aber einen so furchtbaren, daß man ordentlich erschrickt, wenn man ihn den einsamen, bisher unbetretenen Pfad wandeln sieht!“...
Kurz und gut, es grüßt Sie von Herzen
Der Einsiedler von Sils-Maria.
Adresse zunächst: Genova: ferma in posta.
757. An Emily Fynn in St. Moritz
Verehrteste Frau,
erster Versuch, ein Paar Worte aus einer neuen Welt heraus zu schreiben: Verzeihung, wenn die Feder es nur bis zu Klecksen bringt!
Links der Golf von Genua bis zum Leuchtthurm; unter dem Fenster und nach den Bergen zu Alles grün, dunkel, erquicklich für das Auge. Das Albergo Italia reinlich und gefällig eingerichtet: die Küche abscheulich; noch keinen ordentlichen Bissen Fleisch zu sehen bekommen. Um so preiswürdiger ist die reine und nicht erschlaffende Luft, die Gänge hoch zwischen zwei Meeren, ein Pinienwald mit fast tropischer Üppigkeit. Wir haben schon drei Mal grosse Feuer angezündet; es giebt nichts Schöneres als die Flammen gegen den reinen Himmel lodern zu sehn. —
Einsamkeit wie auf einer Insel des griechischen Archipelagus; rings zahllose Bergketten. Mein Freund aus Florenz seit vorgestern einlogirt. —
Unten, in Portofino, weilen gerade der deutsche Kronprinz, zusammen mit dem Grafen von Paris, — und Herr von Keudell: ein Zusammentreffen, das zu denken giebt. —
— Es ist kein Zweifel, dass Portofino es verdient, in Musik gesetzt zu werden. Im Vergleich zur Riviera ist es stiller, heimlicher, auch anständiger, und weniger africanisch.
— Ich danke von Herzen für den telegraphischen Reise-Glückwunsch, der ganz im rechten und letzten Augenblicke an den Einsiedler von Sils-Maria eintraf. Eine Stunde später: und der letzte Vogel flog davon. —
„Nun geht der Winter los“, sagte mein Wirth als ich abreiste.
Hoffentlich ein guter, sonniger, stärkender Winter! Ein deutscher Herr aus Genua sagte mir gestern, wenn er freie Verfügung über sich hätte, so würde er den Winter nie in Genua, sondern in St. Moritz zubringen.
So geht es! Er wünschte sich eben dorthinauf, von wo ich eben herabgeflogen war!
— Vielleicht haben Sie also „das bessere Theil“ erwählt? … Zum Mindesten ist dies mein herzlicher Wunsch, wenn ich an Sie und Ihre verehrte Freundin denke, der ich meine ergebensten Grüsse auszurichten bitte.
In dankbarer Erinnerung
Ihr Prof. Dr. Nietzsche
758. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
in Erwiderung Ihres gefälligen Briefes will ich dies Mal nur meine Ungeneigtheit ausdrücken, auf den Wunsch des Herrn Conradi einzugehn. Solche vierundzwanzigjährige Dichterlinge sind die letzten Leser, die ich mir wünsche; noch weniger möchte ich von ihnen gelobt und öffentlich ausposaunt sein. —
Die Adresse des Herrn Köselitz ist: München, Türkenstrasse 33 III r. Meine eigene Adresse: Nizza (France) poste restante.
Mit den besten Wünschen
Ihr ergebenster Dr. F. Nietzsche
759. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
ein Wort aus diesem wunderlichen Welt-Winkel, wo ich Sie selbst lieber wüßte als in München. Denken Sie sich eine Insel des griechischen Archipelagos, mit Wald und Berg willkürlich überworfen, welche durch einen Zufall eines Tags an das Festland herangeschwommen ist und nicht wieder zurück kann. Es ist etwas Griechisches daran, ohne Zweifel: andrerseits etwas Piratenhaftes, Plötzliches, Verstecktes, Gefährliches; endlich, an einer einsamen Wendung, ein Stück tropischen Pinienwaldes, mit dem man aus Europa weg ist, etwas Brasilianisches, wie mir mein Tischgenosse sagt, der die Erde mehrmals umreist hat. Ich lag nie so viel herum, in wahrer Robinson-Insularität und -Vergessenheit; mehrfach auch lasse ich große Feuer vor mir empor lodern. Die reine unruhige Flamme mit ihrem weißgrauen Bauche sich gegen den wolkenlosen Himmel aufrichten zu sehn — Haidekraut rings herum, und jene October-Seligkeit, welche sich auf hundert Arten Gelb versteht — oh lieber Freund, ein solches Nachsommer-Glück wäre etwas für Sie, ebensosehr und vielleicht noch mehr als für mich! Im Albergo d’Italia (das vorzüglich reinliche Zimmer hat, leider eine italiänische Küche alla Veneziana) wohne ich für 5 frs. den Tag, tutto compreso, auch der Wein. Der Hr. Altsmann, der jetzt mit im Hôtel wohnt (Lehrer an dem Istituto technico in Genova) sagt mir, daß man viel billiger leben könne, wenn man sich ein einzelnes Zimmer in einem der hübschen ringsum zerstreuten Häuser miethe; seine zwei Mahlzeiten im Hôtel werde man für 2 1/2 frs. (vino compreso) arrangiren können.
Hierher habe ich Sie mir gedacht, mein lieber Freund, daß Sie den Muth und die Inspiration finden möchten, Ihren Lebensweg weiter zu gehn und Ihr Lebenslied immer schöner zu singen. Man kann hier das ganze Jahr sein und arbeiten, nach Urtheil und Erfahrung des Professor Altsmann; es giebt einen venticello, eine leichte spielende Vorgebirgs-Luft, welche auch den Sommer hier zu leben anräth: darauf hin giebt es viele Villen alter Seekapitäne oder Genueser, auch die eines englischen Zahnarztes (der z. B. eine kleine Wohnung von 3 Räumen, möblirt, das Jahr für 300 frs. anbietet). Gesetzt, Sie fänden aus meinen Worten etwas heraus, worauf hin Sie selbst Pläne zu machen anfiengen, so will ich Ihnen einen ausgezeichneten ernsten Deutschen in Genua nennen, der um meinetwillen Ihnen gewiß mit Rath und That entgegenkommen wird. Schreiben Sie, bitte, an mich mit dieser Adresse: Nizza (France) poste restante. —
Treulich Ihr Freund
Nietzsche.
Jener erwähnte Deutsche heißt Zilliken (Genova, Vico di Negri 4); ich will ihn morgen besuchen und ihm von Ihnen erzählen. (Er ist Kaufmann oder Banquier)
Gehen Sie, bitte, zu Maler Hans Bartels (der auch Ruta und diese Küste kennt), bringen Sie meine Grüße und vielleicht auch jene 2 Nummern des „Bund“ zum Lesen, welche Naumann Ihnen gesendet hat.
Anbei ein Brief Hegar’s über den „Hymnus an das Leben“. Ihre Mitbetheiligung habe ich absolut verschwiegen.
Lieber Freund, wäre es Ihnen möglich (vorausgesetzt, daß Sie mir eine große Weihnachts-Freude machen wollen —) jenem „Hymnus an das Leben“ ein Klavier-Arrangement angedeihn zu lassen (vierhändig, mit jenem Raffinement der Vierhändigkeit, auf welches man sich jetzt versteht und von dem ich, als ich jung war, gar nichts wußte). In diesem Falle würde ich mir erlauben, das Manuscript an Ihre Münchner Adresse zu senden.
F. N.
760. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, mit herzlichem Danke Deinen Brief endlich erhalten; er war in Genua auf der Post, also von Sils mir nachgeschickt. Willst Du mir jetzt schreiben, so adressire: Nizza (France) poste restante. Aber nichts senden! Für die gütige Intention der Sandtorte bedanke ich mich schönstens, ebenfalls über die Nachricht von jenem theologischen Gedichte. Inzwischen gieng es nicht zum Besten; ich war der letzte Vogel, der aus Sils davonflog. Hier an der Küste war es freilich sehr warm; aber auf Bergrücken zwischen 2 Meeren wandelnd, viel im Schatten liegend, auch große Feuer zum Vergnügen anzündend, habe ich’s ausgehalten. Das Schlimmste war die abscheuliche Ernährung — und, daß ich nicht allein war! Herr L<anzky> (der mir die Einsamkeit nimmt, ohne mir die Gesellschaft zu geben), geht aber glücklicher Weise nicht mit nach Nizza. So viel ist erreicht. — Herrlicher Brief des Prof. Jakob Burckhardt über mein „gefährliches Buch“ wie es die Zeitungen nennen. In Liebe Dein alter Sohn.
F.
761. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
gestern kam Dein Brief (mit dem Gelde) in meine Hände, der mich über Deine Basler Wohnungsnoth unterrichtete. Nein, welche Tribulation! Welche Koboldigkeit des Zufalls! Ich drücke Dir und Deiner lieben Frau mein herzlichstes Bedauern aus. —
Schöner, erquicklicher Herbst, nach einem Jahre, das für mich mancherlei Spannung, aber noch mehr Lösung und Abthun mit sich brachte. Das Letzte ist, daß zwei meiner früheren Bücher in neuen Ausgaben erscheinen, die „Geburt der Tragödie“, bereichert durch einen als Vorrede vorauslaufenden „Versuch einer Selbstkritik“, den ich Deiner Aufmerksamkeit empfehle; insgleichen Menschliches Allzumenschliches in 2 Bänden, mit langen Vorreden, in denen einige Winke für solche gegeben sind, welche sich ernsthaft auf mein „Verständniß“ vorbereiten wollen. Übrigens hat es mit dem „Verstandenwerden“ etwas auf sich; und ich hoffe und wünsche, es möge noch eine gute Zeit dauern, bis es dazu kommt. Am besten wäre es wohl erst nach meinem Tode. Es hat mich ordentlich beruhigt, daß auch ein so feiner und wohlwollender Leser, wie Du es bist, immer noch zweifelhaft darüber bleibt, was ich eigentlich will: meine Angst war groß geworden gerade in der umgekehrten Richtung, nämlich, daß ich dies Mal etwas zu deutlich gewesen sei und „mich“ zu früh schon verrathen habe. Es liegt auf der Hand: ich muß erst noch eine Menge erzieherischer Prämissen geben, bis ich mir endlich meine eignen Leser gezüchtet habe, ich meine Leser, die meine Probleme sehn dürfen, ohne an ihnen zu zerbrechen. Ein Aufsatz des Dr. Widmann im Bund (vom 16. und 17. Sept., lies ihn!) gab mir die Besorgniß, daß das Auge aller Art Polizei auf mich vorzeitig gelenkt werde; der Titel des Aufsatzes war „Nietzsches gefährliches Buch“, der erste Satz lautete ungefähr: „jene Dynamitvorräthe, die beim Bau der Gotthardbahn verwendet wurden, führten die schwarze, auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge.“ —
Meine Adresse ist von nun an wieder: Nizza (France) poste restante. — Über meine „Stimmung“ darfst Du unbesorgt sein; ich sollte denken, die aggressive und militärische Laune meines letzten Buchs sei ein gutes Symptom? —
J. Burckhardt’s Brief, der kürzlich anlangte, betrübte mich, trotzdem er voll von der höchsten Auszeichnung für mich war. Aber was liegt mir jetzt daran! Ich wünschte zu hören „das ist meine Noth! Das hat mich stumm gemacht!“ — In diesem Sinne allein, mein alter Freund Overbeck, leide ich an meiner „Einsamkeit“. An Menschen fehlt mir’s nirgends, aber an solchen, mit denen ich meine Sorgen, meine Sorgen gemein habe! — Aber das ist eine alte Geschichte; und ich habe es hübsch bewiesen, daß ich es trotzdem aushalte. —
In Sils (welches ein Professoren-Rendezvous wird —) hatte ich Verkehr mit Deinem Collegen Brieger, welcher wünschte, Dir durch mich empfohlen zu sein. Er sagte, ernsthaft und ohne Koketterie, die Leipziger hätten sich vergriffen bei seiner Wahl, sie hätten Harnack nehmen müssen. — Maurenbrecher brachte Heinze’s Grüße; insgleichen hat sich Pflugk-Hartung mir vorgestellt. Auch mein Holländer war da u.s.w. u.s.w.
Treulich Dein
Nietzsche
762. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).
Werthester Herr Verleger, beim Rückblick auf das letztvergangene Jahr — denn der 15. October ist mein Geburtstag — erinnere ich mich mit Dankbarkeit daran, daß mir in demselben von Niemandem ein größeres Zeichen von Vertrauen gegeben worden ist als von Ihnen. Möge Ihnen dasselbe vergolten werden, wie sich’s gebührt, in jedem Sinne! — Meine Adresse ist von nun an (und für den ganzen Winter): Nizza (France) poste restante; dahin bitte ich vor Allem die fertigen Exemplare, um welche ich im letzten Briefe bat, zu senden. — Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin sich angelegentlich empfehlend
Ihr Prof. Dr. Nietzsche
763. An Gottfried Keller in Zürich
Hochverehrter Herr,
inzwischen habe ich mir die Freiheit genommen, einer alten Liebe und Gewohnheit gemäß, Ihnen mein letztes Buch zu übersenden; mindestens bekam mein Verleger C. G. Naumann den Auftrag dazu. Vielleicht geht dies Buch mit seinem Fragezeichen-Inhalte wider Ihren Geschmack: vielleicht nicht seine Form. Wer sich ernsthaft und mit herzlicher Neigung um die deutsche Sprache bemüht hat, wird mir schon einige Gerechtigkeit widerfahren lassen müssen: es ist Etwas, so sphinxartige und stummgeborne Probleme, wie die meinen sind, zum Reden zu bringen. —
Im letzten Frühling bat ich meine alte Mutter, mir Ihr Sinngedicht vorzulesen, — und wir Beide haben Sie dafür aus vollem Herzen gesegnet (auch aus vollem Halse: denn wir haben viel gelacht): so rein, frisch und körnig schmeckte uns dieser Honig. —
Mit dem Ausdruck treuer Anhänglichkeit und Verehrung
Ihr Prof. Dr. Friedrich Nietzsche.
764. An General Simon in Siena (Entwurf)
Ein Gruß aus Nizza — denn ich habe es gemacht, wie dies Mal es alle Welt zu machen scheint und bin zeitiger als sonst nach Nizza gegangen. In der That hat die saison hier gut begonnen: in der Stadt verspricht man sich dies Mal sogar etwas Glänzendes. In unsrer Pension de Genève ist bereits die halbe Tafel voll geworden, Alles ist täglich im Gange, die benachbarte Villa Speranza gehört jetzt mit zum Hôtel, so daß es gegen 40 Zimmer mehr giebt als sonst; ich selber wohne in diesem Nebenhause, aus Gründen der Ruhe, und weil ich ein großes hohes Zimmer brauche, um arbeiten zu können. Vorhin sagte mir Mad. Savornin (welche großen Werth darauf legen würde, Sie und Ihre Frl Tochter wieder unter ihren Gästen zu haben) sie werde Alles thun, damit Sie es bequemer hätten, als das letzte Jahr Ihres Hierseins und zb. nicht so hoch zu steigen hätten: kurz, sie offerirt Ihnen ein anderes tiefer gelegenes Zimmer. Es sind auch die alten Gesichter wieder unter der Bedienung, die fleißige Rosalie, dann der Kellner vom Winter 1884—5, als Kassirerin Frau OKonnor; neu ist die jüngste Schwester von Mad. Savornin. Ungefähr 6 Gäste vom vorigen Winter habe ich wiedererkannt. — Bei Tisch erzählte mir ein Italiäner, der in Verbindung mit den offiziellen Kreisen Roms ist, daß daselbst die Cholera in weit höherem Grade hause als man das in der Presse eingestehen dürfe: c. 50 Fälle den Tag. In der That scheint die Begünstigung, welche die Riviera dies Mal seitens der Fremden erfährt, zu einem guten Theil von dem Mißtrauen abzuhängen, welches das durchseuchte Italien macht.
765. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Dem religiösen Gedicht solltest Du keine solche Ehre anthun, meine gute liebe Mutter: dergleichen drechselt man als Gymnasiast auf Bestellung. Genau gesprochen, mit einem thüringischen Charakter im Leibe kommt es Unser Einem auf eine Handvoll Lügen nicht an, sofern es sich nämlich um eine Gefälligkeit handelt; und eine Gefälligkeit gegen den alten Niese war es, daß ich damals dies offizielle Gedicht machte, während alle meine Kameraden Nein sagten. —
Bis jetzt ist wenig Gutes zu melden; kein Mensch in der Welt sorgt mehr für mich, die lästigsten Zufälle, denen ich nicht gewachsen bin, fallen über mich her
766. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment).
[+ + +] hier in Nizza. —
Dein guter Brief war mein Empfang in Nizza. Dem Gedicht, welches Du für mich abgeschrieben hast, möchte ich nicht so viel Ehre geben, wie Du thust: es ist aus Gefälligkeit gegen den alten Niese gemacht. Wir Thüringer mit unsrem nachgiebigen Charakter thun manche Dinge, die wir eigentlich nicht thun sollten. —
Heinze’s sind gut gegen mich: aber, da sie nichts davon halten, auch vielleicht nichts davon verstehen, wer ich eigentlich bin, was ich eigentlich will, so darf man kein Haus auf sie bauen. Dasselbe gilt leider von fast allen meinen noch übrigen menschlichen Beziehungen. Ich habe kein Amt, folglich auch keine „Autorität“: wer mir jetzt noch gewogen ist, macht sich privatim ein wenig über mich lustig, das versteht sich von selbst, und — es thut mir nicht weh.
Einer der bedeutendsten Franzosen, nach Geist, Charakter und Einfluß, Henri Taine, ein Mensch von der hohen Qualität wie Jakob Burckhardt in Basel, hat mir hierher, zum Dank für mein letztes Buch, einen herrlichen Brief geschickt. Solche Ehren, wie Dein Sohn, erfahren Wenige; ich habe immer die Theilnahme der alten unabhängigen und weitblickenden Denker für mich gehabt.
Mit herzlichen Wünschen für Dich und unsre Südamerikaner
Dein Fr.
Nice (France) Pension de Genève — dies ist meine Adresse!
767. An Reinhart von Seydlitz (Entwurf)
Ganz nüchtern erwogen: so werden es nur ganz wenige M<enschen> in Europa sein, deren Bildung umfänglich und tief genug ist, daß sie das Neue, Unerwartete, Grundsätzlich-Radikale an meinen Schriften herausfühlen könnten und gar dafür, daß es Jemanden geben könnte der den Zustand, die Passion erriethe und mitfühlte, aus denen eine solche Denkweise entspringt, dafür fehlt mir bis heute noch jeder Beweis und beinahe auch schon der Glaube. — Dies ist meine Einsamkeit, nochmals gesagt: etwas, das ich nicht los würde, wenn ich meinen Wohnsitz wechselte. Gieb mir doch eine Gegenprobe: wer wäre dankbarer dafür als ich? —
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Von der deutschen „Bildung“ besser zu denken: dazu hat sie mir in den letzten 16 Jahren keinen Anlaß gegeben:
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Meine Bücher, als die bei weitem unabhängigsten und radikalsten Erzeugnisse dieses Zeitraums, sind fast spurlos vorübergegangen. Im Grunde habe ich drei Leser, nämlich Bruno Bauer, J. Burckhardt, Henri Taine, und von denen ist der Erste todt.
<H. Taine> Das ist endlich ein Leser, dessen Cultur umfänglich genug ist, um mich zu verstehn
768. An Reinhart von Seydlitz in München
Lieber Freund,
schönsten Dank! — Aber ich will nicht nach Paraguay, wohin man mich einladet. Viel eher noch nach München: vorausgesetzt, daß ich wieder heiterer und „menschenfreundlicher“ werde, als ich jetzt gerade bin.
Was für ein schwermüthiger Herbst! Bleigewichte überall, Niemand, der mich etwas aufhellt, — und nichts um mich als meine alten Probleme, die alten rabenschwarzen Probleme! — Hast Du Dich in meinem „Jenseits“ umgethan? (Es ist eine Art von Commentar zu meinem „Zarathustra“. Aber wie gut müßte man mich verstehn, um zu verstehn, in wie fern es zu ihm ein Commentar ist!) Ein Buch für die Menschen umfänglichster Bildung, z. B. Jacob Burckhardt und Henri Taine, die ich einstweilen für meine einzigen Leser halte: und zuletzt nicht einmal ein Buch für sie —, sie haben weder die gleiche Noth noch den gleichen Willen mit mir gemein. — Dies ist Einsamkeit: — ich habe Niemanden, der mit mir mein Nein und mein Ja gemein hätte!
Die Reise nach Corsica gab ich auf, weil mir der Mensch, der mich dahin begleiten sollte, gänzlich bei näherer Besichtigung zuwider wurde. Meine Drei-Viertels-Blindheit zwang mich, alles eigne Experimentiren zu lassen und schnellstens nach Nizza zu flüchten, das meine Augen „auswendig gelernt“ haben. Ja, gewiß! Es hat mehr Licht, als München! Bis jetzt weiß ich außer Nizza und dem Engadin keine Gegend, wo ich es noch aushalte, täglich ein paar Stunden mit den Augen thätig zu sein. Aber auch damit geht es vielleicht mit diesem Winter zu Ende. — Habe nur Geduld: ich komme schon noch nach München.
Vielleicht giebt es daselbst ein sehr lustiges weibliches Geschöpf, mit dem ich lachen kann? Ich muß das Lachen nachholen.
Von Paraguay aus die herzlichsten Grüße an Dich und Deine liebe Frau, der ich wünsche bestens empfohlen zu sein.
Treulich
Dein Nietzsche.
Den Wagnerianern (namentlich Levi) in München allesammt meine besten compliments, sincères et tendres!
769. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
in Nizza seit einer Woche ungefähr angelangt, bis jetzt bei sehr schlechter Gesundheit, und mannichfachen Geduldproben und Widerlichkeiten ausgesetzt: ich habe Niemanden, der für mich sorgt — und bin jetzt fast blind! Trotzdem: es soll schon noch eine Zeitlang gehn!… Meine Bitte heute ist, die noch restirenden 500 frs nicht zu schicken, sondern anzulegen, so wie es Dir gut scheint: ich will den Versuch machen, bis Dezember-Schluß mit dem bereits Übersandten auszukommen. Meine andre Bitte ist: hast Du nicht ein Exemplar der „Idyllen aus Messina“? Ich brauche sie umgehend (wegen der Herstellung einer kleinen lyrischen Sammlung „Lieder des Prinzen Vogelfrei“) aber besitze sie nicht. An Schmeitzner darf ich mich nicht wenden.
Meine Angehörigen in Paraguay haben mir einen gezeichneten Plan ihrer colonialen Unternehmung geschickt und wollen mein Geld, das in Naumburg liegt, dazu. Was denkst Du eigentlich über meine Baseler Perspektiven? Mir ist zu Muthe, als ob ich mir das wenige Geld, das ich habe, für alle Fälle bereit halten sollte: ich meine so, daß es jeden Augenblick flüssig zu machen wäre? — Andrerseits verstehe ich mich nicht darauf, in einer solchen dummen Geldsache Nein zu sagen. —
Herrlicher Brief Henri Taine’s, der mich so ernst nimmt als ich nur wünschen kann; er ist so universal gebildet, die Stellen, die er heraushebt, geben mir den Beweis, wie gut er versteht. Übrigens bin ich ihm „infiniment suggestif“ und was meine Gesamtabschätzung der europäischen Völker und Kräfte betrifft, ist er ganz bezaubert und verspricht Satz für Satz wieder durchzunehmen. Er gehört zu meinen drei Lesern, die zwischen den Zeilen lesen.
An Deine Frau Schwiegermutter in München habe ich neuerlich auch geschrieben und mich herzlich für die Güte bedankt, mit der sie den armen Köselitz zu ermuthigen sucht. Übrigens hat mich alle Welt diesen Herbst in München erwartet, „fieberhaft“, wie Seydlitz schreibt. Es ist wunderbar, wie treu alle diese Anhänger Wagners an mir hängen bleiben; ich glaube, sie wissen, daß ich heute noch so gut als ehemals an das Ideal glaube, an welches Wagner glaubte, — was liegt daran, daß ich an dem vielen Menschlich-Allzumenschlichen gestolpert bin, das R<ichard> W<agner> selbst seinem Ideal in den Weg gelegt hat? U.s.w. U.s.w. Verzeihung, alter Freund Overbeck!
Dein F. N.
770. An Heinrich Köselitz in München
Sonderbar, lieber Freund, daß Sie in München sind, und daß ich wieder in Nizza bin! Die Welt ist ersichtlich mit wenig Vernunft eingerichtet, das merkt man, wenn man seinen sogenannten „Lebenslauf“ studirt: es „läuft“, ja! das Leben läuft, und kommt bald hier, bald da an. Zum Beispiel, in Ihrem Falle, bei der „süddeutschen Presse“: es ist schön, daß Sie dazu eine gute Miene machen. Im Grunde steckt in Freund Köselitz — auch — ein guter Schriftsteller, mindestens ein guter Berichterstatter über Gut-Erlebtes; und wenn es Ihnen gelegentlich gefiele, das aesthetische Problem, das zu unserer Lebensgeschichte gehört, als ein Erlebniß darzustellen, vielleicht, daß damit erst der Zugang gewonnen wäre zur Musik des Venetianischen Meisters Pietro Gasti: wenigstens für Deutsche, welche sich für einen Künstler ernsthaft nur interessiren, wenn sie den „Ernst“ der Principien bei ihm entdecken. — Dies, wie so Vieles, „verstand“ R. Wagner. —
Eben sendet Fritzsch die alten Bücher in ihren neuen sauberen Kleidern, und den „Vorreden“, welche sich wunderlich genug ausnehmen. Es scheint mir nachträglich ein Glück, daß ich weder Menschliches, Allzumenschliches noch die Geburt der Tragödie zu Händen hatte, als ich diese Vorreden schrieb: denn, unter uns gesagt, ich halte alles dies Zeug nicht mehr aus. Hoffentlich wachse ich mit meinem Geschmacke noch über den „Schriftsteller und Denker“ Nietzsche hinweg; und vielleicht bin ich dann ein Bischen würdiger zu dem anmaaßlichen Vorsatz, der im Worte „freier Geist“ steckt. — Wissen Sie mir ein Exemplar der „Idyllen aus Messina“ aufzutreiben? Ich brauche sie umgehend, weil sie mit einigen Liederchen zusammen den Schluß der „fröhlichen Wissenschaft“ abgeben sollen: nämlich in der neuen Ausgabe. Der Artikel im „Bund“ war zum Fürchten; Überschrift „Nietzsches gefährliches Buch“. Anfang: „Jene Dynamitvorräthe, welche zum Bau der Gotthardbahn verwendet wurden, trugen die schwarze auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge. In diesem Sinne usw. usw.“ Ich fand zu meinem Bedauern, daß der Artikel in Sils unter den braven Einwohnern stark gelesen und interpretirt wurde. Vielleicht war ich zum letzten Mal in Sils. —
Von Portofino hat, wie nun auch die Zeitungen melden, der Kronprinz Beschlag genommen: er will jeden Herbst hinkommen und behauptet, nirgends auf Erden sich bisher so wohl gefühlt zu haben. Auch der Comte de Paris geht damit um, sich dort anzukaufen: kurz, es ist zu spät. Mein Aufenthalt in Ruta hatte etwas unbeschreiblich Peinliches durch die drückende Nähe zweier Deutschen, mit denen man Tisch und Spaziergang theilen mußte. — Bei der Reise nach Nizza empfand und sah ich ganz deutlich, daß hinter Alassio etwas Neues beginnt, in Luft und Licht und Farbe: nämlich das Afrikanische. Der Ausdruck ist ganz exakt: ich habe die Urtheile vorzüglicher Kenner Afrika’s eingezogen. (Lesen Sie, bitte, den Nabab von Daudet: in einem der letzten Capitel dieses Romans giebt es eine scharfe Bezeichnung des Afrikanischen an dieser Küste.) Alles hundert Mal feiner, delikater, weißgelber, undeutscher, indifferenter als selbst Genua und seine Umgebung. — Es fehlt für die Kurkapelle der Kapellmeister. Ein Jammer, daß Sie nicht einspringen können!
Hat Fritzsch Ihnen auch die Bücher mit den Vorreden geschickt? Ich hoffe.
Treulich Ihr dankbarer
F. Nietzsche.
771. An Unbekannt (Entwurf)
Hochverehrter Mann
ich bin wie Jemand, der von einem Tage zum Andern von der Hand in den Mund lebt, eine Hundeexistenz, aber immer des Glaubens, irgend wer werde mich eines Tages aus diesem unwürdigen und jämmerlichen Dasein herausziehn
Ich brauche fünf, sechs Bedingungen, um zu jener tiefen Herbstes-Ruhe zu kommen, die meiner Philosophie Reife und Süße — — —
Die entscheidenden Wendungen meines Lebens: ach, wer hat etwas davon verstanden! Die jämmerliche unwürdige Existenz hier im Süden, aus der mich Niemand herauszieht
Im Grunde habe ichs bisher zu drei Lesern gebracht, die mir Ehre machen und mich zu „verstehen“ wissen: das ist Bruno Bauer, J<acob> B<urckhardt> und H<ippolyte> Taine; von denen ist der Erste nun auch schon todt.
Es hat sich noch nicht einmal eine vorläufige Form des Anstands herausgebildet, mit der man mir zu begegnen hat, ich bin immer noch den allerdümmsten Verwechslungen ausgesetzt (wohin zB des braven Widemanns Lobspruch gehörte) Hat bis heute Jemand meine „Geburt der Trag.“ (verstanden)? (ich habe nichts gemerkt als daß sie auf das unverschämteste ausgenützt wird zB. von dem Dramat. Linden)
Es ist Ehren-Sache meiner Freunde, für meinen Namen, Ruf und weltliche Sicherheit thätig zu sein und mir eine Burg zu bauen, wo ich gegen die grobe Verkennung bewahrt bin: ich selbst will keinen Finger mehr dafür rühren.
772. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Geehrtester Herr Verleger,
inzwischen sind die Bücher eingetroffen: sie sehen gut aus, insbesondre die Vorreden. An der beiliegenden Arbeit erkennen Sie, daß ich hier mich sofort über die Fortsetzung hergemacht habe (damit ich den Winter für mich frei bekomme: es ist entsetzlich, was dies Zurückblicken-müssen, dies Vergangenheit-Wiederkäuen mich tyrannisirt) Ich denke, es ist eine Vorrede zum Anbeißen-Machen. Bitte, kommandiren Sie Ihrer Druckerei, daß sie den Druck umgehend in Angriff nimmt und erledigt. Natürlich vollkommne Gleichheit der Herstellung, wie bei den bisherigen Vorreden.
Ein Abzug mit dem Manuscript an Herrn Heinrich Köselitz (München, Türkenstraße 33 III r.), zu gleicher Zeit ein Abzug an mich, mit der Adresse, die an der Spitze des Briefs steht.
Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin
mich bestens empfehlend
Ihr ergebenster
ProfDr Nietzsche
773. An Elisabeth Förster in Paraguay
Mein liebes liebes Lama,
Deine letzten Briefe — der nach Sils, auf den ich geantwortet habe, und der über München hierselbst angelangte — gaben mir einen so guten Begriff von Eurem Zutrauen und Unternehmungs-Geiste, daß Unsereiner in der Ferne sich beruhigen lernt und seine Sorgen einstweilen hübsch schlafen schickt. Ich gestehe, daß mir der Gedanke, meine Schwester in einem unangebauten Welt-Winkel der Viehzucht ergeben zu wissen, eingerechnet Milchwirthschaft und Küchlein, noch immer sehr fremd ist, fast wie eine reine Träumerei, die man eines Morgens sich aus den Augen wischt. Noch weniger verstehe ich, warum Ihr Eure bescheidenere, aber bewiesenere Landhaus-Existenz so geschwind gegen den unbewiesenen gran chaco eintauschen wollt. Weshalb sich doch so große Ländereien und folglich so große Sorgen auf den Hals laden? Oder wollt Ihr geschwind reich werden? — mich brächte man nicht mit zehn Pferden dahin, wo, wenn ich recht berichtet bin, nicht einmal eine gute Bibliothek zu finden ist. Unter uns gesagt, meine liebe Schwester, wie ich nun einmal zum Leben und zur Aufgabe gestellt bin, die ich zu erfüllen habe, so habe ich Europa nothwendig, weil es der Sitz der Wissenschaft auf Erden ist; auch fand ich bisher keine Gründe, welche es mir verleideten; und gerade jene großen Bewegungen und Umstürze, welchen es wahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren entgegengeht, finden in mir einen gut vorbereiteten und gründlichst betheiligten Zuschauer. Ich unterschätze die idyllische Absonderung und das Voltairische cultiver son jardin ganz und gar nicht, sonderlich für einen Philosophen: aber ich möchte es nicht in Eurer Weise thun, welche mir zu sehr „Rückkehr zur Natur“ zu sein scheint, Philosophie „für’s liebe Vieh“, im Scherz gesagt. Selbst, wenn ich gezwungen sein sollte, Europa zu verlassen (was nicht ganz unmöglich ist, da man anfängt, auf meine Litteratur als auf gefährliche und unmoralische Litteratur ein Augenmerk zu haben), so dürfte ich aus Gesundheitsgründen keine warmen Länder wählen. Die Verbesserung meines Befindens gehört jedes Jahr meinen drei Wintermonaten in Nizza und meinen Quasi-Wintermonaten im Engadiner Sommer (beide mit einer Durchschnittstemperatur von 9—12 Grad Celsius); die Zwischenzeiten sind mir widerlich durch ein Gefühl von Schlaffheit und Entmuthigung (eingeschlossen, daß meine Augen den Dienst kündigen —) Was mein Geld betrifft: so räth mir mein Verstand, wie der meines Freundes Overbeck jetzt unbedingt davon ab, mich irgendwo damit zu binden und die vollkommen freie Verfügbarkeit und jederzeitige Flüssigmachbarkeit desselben aufzugeben. Wer weiß, was in den nächsten 4 Jahren gerade bei mir sich begiebt? Gewiß ist, daß es jetzt an kleinen Zufällen hängt, ob ich meine Basler Pension noch fortbeziehe; mein letztes Buch wurde z. B. in einer Schweizerischen Zeitung so begrüßt: „Jene Wagen, welche die zum Bau der Gotthardbahn nöthigen Dynamitvorräthe führten, trugen eine schwarze auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge. In diesem Sinne nennen wir das Buch des Philosophen Nietzsche ein gefährliches Buch usw.“ Man wird es verbieten, ich sehe es kommen (und sein Druck hat mich c. 300 Thaler gekostet!) Übrigens habe ich einen neuen Leser ihm zu danken, vom Range Jakob Burckhardts, nämlich Henri Taine, der mir einen herrlichen Brief geschrieben hat — Aber wie fremd Euch das klingen muß, auch so ganz aus „weiter Ferne“! In der That, auch ich bin ein „Ausgewanderter“. — und, wer weiß? auch ich habe meinen gran chaco!
In alter Liebe
Euer F.
774. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe alte Mutter,
wirklich hatte ich auf ein Briefchen von Dir gewartet: nun, eben kam es, schönsten Dank! Es gieng nicht gut, es geht nicht gut, es ist auch nicht zu helfen. Doch habe ich Einiges wieder in Ordnung gebracht in Hinsicht auf meine früheren Schriften: die nun alle, in schönen neuen Kleiderchen, und von mir mit mächtig-langen Vorreden versehn, bei dem neuen Verleger sich Aussicht auf bessere Tage machen. Inzwischen habe ich in Betreff der andren Angelegenheit mit Overbeck Briefe gewechselt: und der räth mir unbedingt ab, mein Geld in der gewünschten Weise zu engagiren; es ist wirklich wider alle Vernunft, und Overbeck hat mir mit Recht die völlige Unsicherheit meiner Lage in<s> Gedächtniß zurückgerufen. Du hast ganz Recht, es wäre hundert Mal räthlicher und sicherer gewesen, das Geld Dir auf das Haus zu geben; aber es scheint mir doch besser, so wie es ist, daß ich jeder Zeit flüssig machen kann, was noth thut. Übrigens bin ich wirklich in praktischen Dingen dieser Art unbeschreiblich schwerfällig und ungeschickt; ich glaube, im Grunde würde ichs am liebsten machen wie ein Bauer und das Geld unter die Erde vergraben, bis ichs brauchte. Die ganze Idee, mich zum Grundbesitzer in Paraguay zu machen, hat übrigens auch das gegen sich, daß darauf hin man mir in Basel keine Pension mehr geben würde; ich dürfte es nicht einmal mehr beanspruchen. Eins — oder das Andre. „N<ietzsche> hat eine halbe Meile Land, und Vieh darauf“ — das wäre in dem sparsamen und vernünftigen Basel ein Argument, worauf hin man mir mit dem besten Gewissen von der Welt die Pension entziehn würde. — Sende mir doch so bald als möglich den guten Winterüberzieher, den ich im Frühjahr bei Dir gelassen habe (hübsch gereinigt und die Knöpfe recht fest!) Und, bitte, lege ein oder zwei Paar gestrickte Handschuhe hinein, weißt Du zum Waschen früh morgens, um den Körper damit abzureiben! Die Sendung muß als „getragene Kleider“ bezeichnet werden, aber französisch: frage Deinen Postbeamten, wie man das ausdrückt! — Für Deine Weihnachts-Absicht danke ich herzlichst: aber wir wollen es ja lassen, ich habe es verschworen, mit der Post und dem Zoll in solchen Sachen zu thun zu haben. — Womit könnte ich Dir für Weihnachten eine hübsche kleine Freude machen, meine gute Mutter? Aber Du mußt ganz ernsthaft darauf eingehn; ich habe eben die Summe von 500 frc. erspartes Geld, kann mir also einen kleinen Luxus erlauben. Zumal ich gar Niemanden habe als meine gute Mutter. — Man hat so wenig Menschen übrig, wenn man ein bischen genauer zusieht. Was mich jetzt besorgt macht, ist, daß ich vielleicht bald auch nichts mehr zu thun habe, von wegen der immer schlechteren Augen: nämlich nichts mehr thun kann. —
Nizza ist immer noch das Beste, aber auch nur für die kalte Jahreszeit. Selbst der Oktober ist hier zu mild für mich. Vielleicht bleibe ich einmal den Winter oben im Engadin; es sind auch dies Mal wieder gegen 300 Gäste in St. Moritz dazu entschlossen (darunter mein englisch-russisches Trio)
Haben denn Fritzschs und Janicauds sich schön bei Dir bedankt? Es ist mir eingefallen, daß ich mich noch gar nicht dafür bei Dir bedankt habe.
Wir haben trauriges Wetter, viel Regen; auch gab es eine große Sturmfluth, bei der viel beschädigt worden ist. Ich selbst wurde von einer Welle überrascht und flüchtete auf einen Baum.
Mit herzlichstem Gruß und Dank Dein
F.
775. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
das neue Jahr findet Dich hoffentlich bei guter Gesundheit, auch zufrieden mit der neuen Behausung; in allem Übrigen darf ich ja voraussetzen, daß Alles beim Alten bleibt, da es ja das gute Alte ist: vor Allem Du selbst, mein lieber Freund, den ich nicht erst darum zu bitten brauche, daß mir Dein altes bewährtes und vielfach auf die Probe gestelltes Vertrauen und Wohlwollen auch ins neue Jahr folgen möge. Deinem letzten Brief entnahm ich einige Zuversichtlichkeit mehr, in Hinsicht darauf, daß ich inzwischen in Betreff der Paraguayer Angelegenheit Nein gesagt habe (— ich ärgerte mich im Stillen darüber, daß man mir nicht erspart hat, Nein zu sagen…) Sonst hat sich Nichts zugetragen, eine Sturmfluth im großen Stile abgerechnet, und viel Krankheit und Melancholie meinerseits, letzteres im ganz kleinen Stile: der bei dergleichen der schlechteste Stil ist. Es gab allerlei noch zu verordnen und auszudenken, um die neue Herausgabe meiner Schriften bei Fritzsch für den Herausgeber so vortheilhaft als möglich zu machen. Jetzt sind die älteren Schriften (bis zur „Morgenröthe“) in neuen hübschen Kleidchen, und von mir mit mächtig-langen Vorreden bedacht, zur Versendung fertig und schon versandt. Gestern wurden auch die Vorreden zur „Morgenröthe“ und zur „fröhlichen Wissenschaft“ von mir druckfertig gemacht; den Schluß der fröhlichen Wissenschaft wird ein Anhang machen mit dem Titel „Lieder des Prinzen Vogelfrei“. — Diese 5 Vorreden sind vielleicht meine beste Prosa, die ich bisher geschrieben habe; leider steht mir auch gar* nichts von Freiexemplaren zur Verfügung. —
Die Antinomie meiner jetzigen Lage und Existenzform liegt jetzt darin, daß alles das, was ich als philosophus radicalis nöthig habe — Freiheit von Beruf, Weib, Kind, Gesellschaft, Vaterland, Glauben u.s.w. u.s.w. ich als ebensoviele Entbehrungen empfinde, insofern ich glücklicher Weise ein lebendiges Wesen und nicht bloß eine Analysirmaschine und ein Objektivations-Apparat bin. Ich muß hinzufügen, daß dieser Gegensatz von Nothwendigem und von Entbehrtem durch den abscheulichen Mangel einer auch nur mittelmäßig soliden Gesundheit auf die Spitze getrieben wird, — denn in Momenten der Gesundheit fühle ich jene Entbehrungen weniger hart. Auch weiß ich mir absolut nicht jene 5 Bedingungen zusammen zu bringen, auf denen eine erträgliche Mittlere meiner labilen Gesundheit herzustellen wäre; das Schlimmste aber wäre jedenfalls, wenn ich, um die 5 Bedingungen der Gesundheit zu schaffen, mich der 8 Freiheiten des philosophus radicalis beraubte. — Dies scheint mir der objektivste Ausdruck meiner complizirten Lage… Verzeihung! Oder vielmehr: Du darfst Dich darüber lustig machen! —
Dir und Deiner lieben Frau mich angelegentlich empfehlend
Dein Freund
Nietzsche.
776. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
„die Maschine geht wieder“, Sie sollen dies Mal nicht wieder so betrübte und schwächliche Töne zu hören bekommen, wie in meinem letzten Briefe; wenigstens habe ich den Verdacht, daß Alles, was in diesem Herbst von mir geschrieben worden ist, ein wenig müde und muthlos klingt?… Im Grunde benehmen Sie sich viel resoluter als ich und sind nicht so leicht „umzuwerfen“; dafür haben Sie allerdings einen Gehülfen ersten Ranges, Ihre Gesundheit — oh wenn Sie wüßten, wie ich in dieser Beziehung Sie beneide! Ich habe wirklich Nizza nöthig: ich darf es nicht verkennen. Seit vorigem April habe ich’s zu keinem Wohlgefühle an Leib und Seele gebracht; aber seit einigen Tagen geht es wieder: weshalb ich Nizza festhalten werde, als ein Stück fatum. In der Sprache der Operette geredet und gesungen „oh Fati-Fati-Fati-Nizza!“ Was mir Ihre Worte über die Japanesen-Musik Sullivan’s wohlthaten! Ich gedachte an Recoaro, an die vielen Vormittage in Venedig: das, was Sie in der Musik lieben, liebe ich auch, es ist kein Zweifel, — vor Allem, was Sie selbst machen! Diese Tage giengen Sie mir sehr durch den Kopf: ich hätte Sie gerne da gehabt, um Aesthetica mit Ihnen zu reden. Die Wahrheit ist: mir fehlt augenblicklich in puncto musicae eine Aesthetik, ich will sagen: ich habe einen „Geschmack“ (zb. für Pietro Gasti) aber keine Gründe, keine Logik, keinen Imperativ für diesen Geschmack. Selbst psychologisch nachgerechnet, scheint mir das Problem „warum gefällt mir Ihre Musik?“ einstweilen unlösbar. Sie selbst — wurden mir dabei zum Räthsel: und, seltsam! bei einigem Nachdenken fand ich ein ganz verwandtes Problem in Bezug auf meine eigne Hervorbringung (den „Zarathustra“). Wir reden Beide mit aller Herzhaftigkeit und Lust die „Volkssprache“, ganz wie eine Muttersprache: — und dabei sind wir ironische Thiere, die den Genuß des Raffinements dabei haben, ihre eigne höchst moderne und problematische Art dergestalt in die „Naivetät“ zurückzuübersetzen. Oder? — — — —
Aber, Freund, gestern kam mir diese Erleuchtung: erstens muß Herr Köselitz seine Oper unverzüglich an den Grafen Hochberg nach Berlin abschicken, mit einem sehr bestimmten, künstlerhaft-unbescheidnen Briefe, der genau sagt, was die Oper ist und voraus hat. Zweitens muß Freund Köselitz sich ein litterarisches Manifest ausdenken, worin er seinem „Können“, seinem „Geschmacke“ eine Aesthetik, ein Programm unterschiebt. Bemerken Sie doch, wie deroutirt Alles heute in aestheticis ist: ein strenges Bekenntniß wird heute nicht nur gehört, sondern mit Begierde, mit Dankbarkeit gehört… Ein antiromantisches Bekenntniß über Musik thut Noth; nicht mehr „Moral“ und „Volks-Erhebung“ wollen, mit Musik, sondern Kunst, ars, Kunst für Künstler, etwas göttliche Indifferenz, etwas unerlaubte Heiterkeit auf Kosten aller „wichtigen“ Dinge, Kunst als Überlegenheitsgefühl und „Berg“, gegenüber der Niederung von Politik, Bismarck, Socialismus und Christenthum usw. usw.
Aber warum sind Sie nicht in Nizza, lieber Freund!!??
Ihr getreuer
N.
Vielleicht kommt noch eine „Vorrede“ zu Ihnen, um corrigirt zu werden. Bitte, senden Sie, nach alter Übung, den durchcorrigirten Bogen dann hierher, an mich! —
Ihrem Briefe aus München ist auch die Sendung der „Idyllen aus Messina“ nachgefolgt: schönsten Dank, für Sie und die treffliche Frau Röder! —
777. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Eben, meine liebe liebe Mutter, kam das Paket, nachdem ich bereits rechte Sorge gehabt hatte; ich konnte mich nicht entschließen, an Dich darüber zu schreiben und beschloß von Tag zu Tag zu warten und Geduld zu haben. Es giebt jetzt gerade besondre Gründe, Verzögerungen der Post gelten zu lassen; zwischen Genua und hier ist (seit einem Monat ungefähr) eine Stelle für die Züge unfahrbar. Großes Vergnügen, meine liebe Mutter, daß nun der Überzieher da! Denn wir haben, etwa vom 15. Nov. an, frisches Wetter, die Nächte bis (1—2 Gr.) unter Null; und Dein Sohn hat ein sehr kaltes Nordzimmer für diesen Winter und muß sich hübsch einwickeln, um nicht gar zu sehr zu leiden. Die Wahrheit ist, daß der Sohn wieder guter Dinge ist, trotz Kälte und mancherlei Entbehrung und Nothstand; bei sehr gutem Aussehen, tüchtig bei der Arbeit, tüchtig jeden Tag 4 Stunden marschirend (was Beides immer bei mir zusammen trifft, die Lust und Kraft zum starken Gehen und die Lust und Kraft zum starken Arbeiten: kaltes Wetter Grundbedingung für Beides) Ich bin mehr als je vom Werthe Nizza’s für meine Gesundheit überzeugt und will an ihm festhalten, natürlich nur für die kalten Monate. Denn im Oktober war es zu mild für mich. Die Hauptsache ist, daß wir, seitdem es kalt ist, absolut helles Wetter haben, Tag und Nacht; kein Wölkchen. Und dies ist für mein Gefühl etwas Unbeschreiblich-Wohlthätiges, Belebendes, Ermuthigendes, Gesund-Machendes! Das eben habe ich nirgendswo. Oh, meine gute Mutter, wie kommt mir wieder die ganze Zeit vor zwischen April und jetzt, die ich nicht in Nizza war! Wie eine peinliche Strapatze, wie eine lange Erschöpfung, mit Muthlosigkeit, Mangel an Arbeitskraft, Mangel an Sehkraft verbunden; wie eine schändliche Geduldsprobe, bei der man Alles zusetzt und Nichts dafür bekommt. Aber Du erinnerst Dich, wie ich mich in Naumburg befand; weißt Du, ich war so weit herunter, daß ich schon wie die Katze miaute?..
Eben sehe ich die herrlichen Kravatten; vermuthlich hat in Betreff der Hemden es Schwierigkeiten gegeben. Die Wahrheit ist, daß ich die Kravatten zehn Mal nöthiger habe als Hemden; gestern dachte ich noch daran, mir eine Kravatte zu kaufen, während ich mit den vorhandnen Hemden gut noch den Winter auskomme. Also schönsten Dank! Es hat sich Alles so sehr gut gewendet! — Dagegen, meine liebe Mutter, habe ich ein wenig gelacht über Deine Bade-Marken-Wünsche. Nein, meine liebe Mutter, so haben wir nicht gewettet! Es versteht sich, daß Du sie haben sollst, aber nun noch eine hübsche Hauptsache dazu, ein Kleid, ein Möbel, — bitte, schreib mir!
Eben sehe ich, daß es fünf Kravatten sind — größter Kravattenluxus meines Lebens! Danke tausend Mal! —
Fritzsch hat sofort, am Tage der Ankunft des Traubenkistchens an mich geschrieben. — mein vorletzter Brief nach Paraguay, vom Engadin aus abgesandt, wird schwerlich dort anlangen: weil er über Genua adressirt war, und Südamerika sich gegen alle italiänischen Schiffe durch Quarantänen wehrt. —
Herzlich-dankbar
Dein F.
778. An Friedrich Hegar in Zürich
Verehrtester Herr Kapellmeister,
inzwischen wird, wie ich von Herzen hoffe, es mit der Gesundheit besser und besser gegangen sein, — oh, Sie werden sie nöthig haben, denn der Winter rückt mit seinen großen Anforderungen heran. Ihren Zeilen entnehme ich, mit Dankbarkeit, wie viel Neigung Sie uns bewahrt haben, sogar bis auf meine „Musik“, ich sollte sagen, sogar trotz meiner Musik. Sie haben nur allzusehr Recht mit dem, was Sie über das Chorlied sagen; und es wird nicht nur der Oboen und andrer orchestralen Beihülfe bedürfen, um daraus etwas Vortragbares zu gestalten.
Meine Bitte geht dahin, daß Sie das Manuscript an diese Adresse abgehn lassen:
Herrn Heinrich Köselitz
München
Türkenstraße
33 III r
Von dem oben genannten Herrn wünschte ich Gutes melden zu können: aber er sitzt in München, eingezwängt in Beschäftigungen, die ihm peinlich sind und den Muth rauben, — und immer noch ohne Aussicht auf die Aufführung seiner Oper. Einen prachtvollen großen Orchestersatz ungarischen Gepräges, betitelt „Miska-Czardas“, den er noch in Venedig nein! in Zürich componirt hat, würde ich sehr zur Aufführung empfehlen. Die Stimmen dazu sind geschrieben. —
Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin ein vergnügtes Weihnachten wünschend und mich selbst angelegentlich empfehlend bin und bleibe ich Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche.
779. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
ich habe irgend etwas in Ihrem letzten Briefe zu gut verstanden: so daß ich es nicht mehr über das Herz bringe, Ihnen meinerseits Projekte vorzulegen, die die Aufführung Ihrer herrlichen Musik betreffen. Zuletzt scheint es mir mitunter, daß eine jetzt forcirte Aufführung nicht dasselbe ist, wie eine Aufführung etwa in 10 Jahren: nämlich in Anbetracht, daß der Geschmack sich ändert, daß der Geschmack an Wagner, jetzt in einer Art Hochfluth, in zehn Jahren vielleicht andren Bedürfnissen Platz gemacht haben wird, — und daß Ihre Musik ein wirkliches Verstehen und Genießen nur bei Solchen erwarten darf, die erst gründlich in der Wagnerschen Romantik sich ausgeschwelgt haben. Einstweilen thut wirklich Nichts noth als die Zeit laufen zu lassen, guter Laune zu sein — und Geld zu haben. Mit dem letztern nämlich, mit dem Gelde müßte man sich aus Deutschland wegbegeben, wo das Warten eine wirkliche Tortur abgiebt; ein Wartender kann nicht schaffen, das steht mir, wenigstens aus meinem Stück Erfahrung, fest. Ihr Wort über den eignen anti-tragischen Instinkt hat mich sehr erquickt, es ist viel erreicht, wenn man es in solchen Dingen bei sich zur Aufrichtigkeit bringt und „den Muth zu seinem Geschmacke“ hat. Letzte Wendung ist von Stendhal: er lobt es an dem jungen Sorel, daß er den Muth zu seinem schlechten Geschmacke habe: in Ihrem Falle, in unserm Falle — denn Sie müssen mir dieses „uns“ erlauben — wäre es schwer genug auszumachen, was schlechter und was guter Geschmack ist. Sie erinnern sich: Socrates und Aristophanes stritten sich eine ganze Nacht darüber, so erzählt es Plato am Schlusse des Symposion. — Was nun das Geld anbetrifft, würden Sie damit zufrieden sein, wenn ich meinem Naumburger Banquier eine Anweisung gebe, Ihnen 2000 Mark zu senden? Ausgestellt auf Ihre Zukunft, lieber Freund: Sie sollen nichts weiter darin sehn als ein Darlehn.
Und seien Sie mir zum Mindesten nicht böse, Ihnen von Geldsachen geschrieben zu haben: das griechische Sprüchwort mag zu meinen Gunsten sprechen κοινὰ τῶν φιλῶν.
Treulich Ihr
N.
780. An Malwida von Meysenbug in Rom
Verehrteste Freundin,
Ihre liebenswürdige Absicht, mir schreiben zu wollen, hat mich in Gestalt einer grünen Karte erreicht: sie hatte dazu den Sprung von Genua nach Nizza zu machen. Es ist mein vierter Winter an diesem Orte, mein siebenter an dieser Küste: so will es meine ebenso dumme als anspruchsvolle Gesundheit, auf die böse zu sein gerade jetzt wieder die Anlässe zu häufig sind. Nizza und Engadin: aus diesem Cirkeltanze darf ich altes Pferd immer noch nicht heraus. —
Zum Mindesten darf ich nicht in jene wärmeren Länder, wohin ich jetzt sehr gelockt werde: jeder Brief aus Paraguay enthält Künste der Verführung. Aber umsonst! — ich weiß zu gut, daß mich die Kälte verwöhnt hat (denn mein Kunststück, um die letzten 10 Jahre durchzubringen, bestand in dem Sich-auf-Eis-legen; ein kleiner milder Januar, ungefähr für das ganze Jahr durchgeführt, Nordzimmer, blaue Hände, nichts von Ofen, eiskalte Gedanken — ah, davon brauche ich Ihnen nicht zu schreiben?! —)
— Meine Tischnachbarin sagte neulich, in diesem Betrachte, meine Nähe verursache ihr Schnupfen. —
Hoffentlich finden Sie in Rom genug von Liebe und Freundschaft vor, um die Abreise von Versailles einigermaßen zu verwinden. Von Minghetti’s Tode habe sogar ich gehört. —
Hier ist die Saison sehr im Gange und Glanze, die letzte, wie man überall hört und fühlt, die letzte Saison vor „dem Kriege“. Man ist früher hier eingetroffen als je; ich selbst war unter den Frühesten. Auch die Kälte hat sich beeilt: vielleicht wird der Winter sehr kurz, und schon der Februar bringt den Frühling! Sicherlich kann es keine schönere Jahreszeit für Nizza geben als die jetzige: der Himmel blendend weiß, das Meer tropisch blau, des Nachts ein Mondlicht, daß die Gaslaternen sich schämen und roth werden: und darin laufe ich nun wieder herum, wie schon so viele Male und denke meine schwarze Art Gedanken aus…
Treulich Ihr alter sehr vereinsiedelter Freund
F. N.
781. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
es ist eine Lösung, wenn es gleich nicht die ist, welche ich von Herzens Grunde gewünscht habe. Sie hätten mein Anerbieten annehmen können, es hätte mich reicher gemacht als ich bin — denn das ist augenblicklich meine Armuth, mich außer Stande zu fühlen, diesen ganzen greulichen Druck, der auf Ihnen lastet, von Ihnen zu nehmen. Diese Reisen nach Deutschland sind auch für mich jedes Mal zu einer Kette feinerer oder gröberer Demüthigungen geworden. Zuletzt wüßte ich Ihnen, wenn Sie jetzt nach Nizza kämen, nichts zu präsentiren, was den Vergleich mit der würdigen stillen Venediger Wohnung aushielte; und zb. in Ruta oder in Genua würden Sie die von Ihnen hervorgehobenen Übel, welche ein Wohnungswechsel mit sich bringt, in der bittersten Weise empfunden haben. Ich will nicht vergessen, daß Herr Zillicher in Genua mir seine Karte für Sie gegeben hat, mit der herzlich ernsten Erklärung, daß Jemand, der von mir empfohlen sei, ihm auf das Beste empfohlen sei. Gestern bekam ich den Bericht des Dr. Welti (Sohn des alten Schweizer Bundespräsidenten) aus Zürich zugeschickt — durch wen? Durch Frl. v. Salis. Es thut mir wohl, eine Zeit lang noch in diesem harmlosen clair-obscur fortzuleben. Das incognito ist eine wichtige Sache. Ich weiß nicht, wie es kommt, aber es gab neuerdings bei mir recht viel Düsterkeit und Härte: da dachte ich immer Ihrer Musik — wie sehr sie mir fehle und wie sehr sie meiner Seele und Gesundheit schon genützt hat. Vorigen Sonntag lief ich aus Melancholie in’s Theater: Boccaccio, eine Operette, die ich nun in drei Sprachen kenne. Aber um wie viel war die französische Interpretation die beste! Ich war erstaunt: diese Eleganz und Feinheit der Gebärde, diese tiefe Gutmüthigkeit in der Interpretation, dieser Mangel an der deutschen Gemeinheit (— nämlich die deutsche Gemeinheit ist die gemeinste, vielleicht weil der D<eutsche> sich ihrer leicht schämt). Die Musiker spielten mit Feuer und bester Laune; ein deutscher Orchestermensch würde glauben, daß er im Grunde hundert Mal zu gut für solche Musik sei — und deshalb spielt er dann gemein. Ich selbst — absurd genug — habe drei, vier Mal Thränen in den Augen gehabt. Die große Heiterkeit ist das, was mich jetzt am meisten rührt.
Anbei, lieber Freund, die Vorrede der „Morgenröthe“ zur letzten Revision und dann fort an Fritzsch! Es giebt noch Einiges zu corrigiren: wollen Sie helfen?
Treulich Ihr Freund
Nietzsche
782. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
schnell einen Gruß an Dich zum Weihnachtsfeste: obwohl es gerade schlimm mit den Augen steht und der Tag ihnen schon viel Arbeit gebracht hat. Herzlichen Dank für Deinen Brief; ich wiederhole, was ich im letzten Briefe an Dich ausdrückte — denke Dir Etwas für die Bescheerung aus, das Du gerne gerade von mir hättest. Inzwischen fand ich in den Taschen des Überziehers auch die Wasch-Handschuhe, für die ich mich noch nicht bedankt habe. Mit den schönen Cravatten hat es seinen Haken: bei dreien ist der Mechanismus caput, ich weiß mir da nicht zu helfen, da derselbe sich nicht repariren läßt. Neue Nachrichten aus Paraguay habe ich nicht; die Zeitungen haben viel von der Cholera in Rosario geredet, ebenso in Argentinien, doch soll es jetzt zurückgehn. Ich fürchtete, daß diese Krankheit den Unternehmungen Försters einen Stein in den Weg legt, mindestens Alles verlangsamt; denn die Einwanderung stockt natürlich, wenn die Cholera im Lande ist. Vielleicht ist aber eine Verlangsamung in diesem Falle das geringste Unglück; mir schien es, daß sie zu schnell und ohne rechte Lehrzeit sich auf so große Unternehmungen eingelassen haben. — Frl. v. Meysenbug schrieb auf das Liebenswürdigste aus Rom an mich; sie hatte bisher noch gar keine Nachricht von Lisbeth. Gestern langte auch ein Brief des Frl. v. Salis an, sie betrachtet es „als eine der segensvollsten Fügungen ihres Lebens, meine Philosophie und mich kennen gelernt zu haben“. Sie sandte einen Artikel über mich mit, der in der Zürcher Zeitung gestanden hat, von jenem Dr. Welti, dem Sohn des alten Bundespräsidenten der Schweiz. Sehr ehrfurchtsvoll. Der arme Freund Köselitz hat sich in München jämmerlich befunden und Nichts für seine Aufführung erreicht. Die Sache geht mir sehr nach. Jetzt wird er sich wieder nach Venedig zurückziehn, aber wie enttäuscht! wie verbittert! wie mißhandelt und gedemüthigt! Und das ist ein Mensch, der ein unsterbliches Werk geschaffen hat! Nun, ich selber habe diese ganze Geschichte auch erlebt und durchgemacht, im schönen Jahre 1882. Wenn man das Zeug dazu hat, geht man nicht dran zu Grunde, und zuletzt ist die Geschichte so alt wie die Welt steht. — Für das neue Jahr bin ich recht im Ungewissen, denn es giebt gar keinen Ort mehr, wo ich mich von mir selber etwas erholen kann. Mit Sils-Maria ist es zu Ende, von wegen des Zimmers und der Augen; Venedig hat mir jedes Mal schlecht gethan. Auch hier fehlt es mir eigentlich an Allem, ich habe gegen 30 Wohnungen angesehn, aber nichts gefunden, was recht wäre. Ich bin nicht reich genug für diese ganze Riviera, auch nicht für das Engadin: während meine Gesundheit mir gar keine Wahl läßt. Da bist Du, meine liebe gute Mutter besser dran! Du hast Dein gutes zufriedenes Nest, in dem der Vogel Ruhe hat. Mit den herzlichsten Wünschen, daß es so auch im neuen Jahre bleibe,
Dein alter
Sohn F.
783. An Franz Overbeck in Dresden
Lieber Freund,
Dir ist dies Mal ein betrübtes Weihnachten bescheert worden: was ich von Herzen bedauere. Auch bei den Nachrichten über die ungewöhnlichen Schneefälle, die aus Deutschland kamen, dachte ich Deiner Reisen dorthin mit Besorgniß. Hoffentlich bist Du nirgendswo hängen geblieben; ich glaube, daß noch niemals zu gleicher Zeit eine so große Zahl von Eisenbahnzügen vom Schnee festgesetzt worden ist; auch in Frankreich, auch in der Schweiz. Wir Nizzarden genießen von dem Allen die gute Kehrseite: nämlich die inperturbable Heiterkeit des Himmels. Dabei ist es kalt, in meinem persönlichen Falle sogar sehr kalt. Ein Nordzimmer ohne Ofen: habituelle blaue Finger. Was habe ich in den 7 Wintern meiner Existenz im Süden schon gefroren! Im Grunde bin ich nicht bemittelt genug, um hier zu leben; die Pensionspreise mit Südzimmern sind viel zu hoch für mich, insgleichen die gut gelegenen Privatwohnungen. Rechne ich noch meine Engadiner Sommer dazu mit 10, 11 und 7 Grad Celsius im Monatsdurchschnitt (letzteres im September), so ergiebt sich die frostigste Existenz, die man sich in diesem Leben herstellen kann. Die üble Folge ist, daß ich vom Frühling und Herbst in einer Weise zu leiden habe, daß sie mir fast das ganze Jahr jetzt verleidet: nämlich an den erschlaffenden entmuthigenden entnervenden Consequenzen der wärmeren Jahreszeit. Der letzte Frühling in Naumburg war eine vollkommene Marter für mich. —
Geld, lieber Freund, ist dies Mal sehr erwünscht; ich habe meine letzten Hôtelrechnungen noch nicht bezahlt. — Was mich diese letzte Zeit sehr mitnimmt und mir fast immer gegenwärtig ist, das ist der Zustand des armen Köselitz in München: er ist besorgnißerregend. Ich kenne ungefähr die Resistenzkraft eines solchen Menschen und auch den Punkt, wenn die Schraube überspannt ist. Diese Demüthigungen seit drei Jahren, diese Schläge in’s Gesicht, dieses unerbittliche Nein, verwickelt mit der Nöthigung, sich Brod zu verdienen (er schreibt für Zeitungen 4 Pf. die Zeile) und andrerseits das Bewußtsein davon, ein unsterbliches Werk geschaffen zu haben, dem sich vom Heutigen Nichts an die Seite stellen läßt: das bringt eine Gefahr mit sich, gegen die ich nicht blind bin. Unter uns, man kann jeden Augenblick das Schlimmste hören. Sein Ehrgefühl ist so reizbar, daß ihm auch nicht materiell jetzt unter die Arme zu greifen ist, er weist Alles zurück. Die Geschichte ist so alt wie die Welt; deshalb nicht weniger schmerzhaft. —
Mit den besten Wünschen für das neue Jahr verbleibe ich in dankbarer Ergebenheit
Dein Freund
Nietzsche.
Anbei eine sehr gutmüthige Anzeige von J. v. G. u. B., die sich zu mir verirrt hat. Man sagt mir, dieser Dr. Welti sei der Sohn des Alt-Bundespräsidenten Welti. — Sonst überall die Tonart des Widmann. —
784. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
so bin ich denn, noch vor Jahres Schluß, mit Allem fertig, was ich zum Besten meiner früheren Litteratur zu thun mir vorgesetzt hatte. Das Letzte — das was Ihnen hiermit als Manuscript zugeht — war ein Schlußtheil (fünfter Theil) der fröhlichen Wissenschaft, der von vornherein projektirt war und nur unter den Consequenzen fataler Gesundheits-Zwischenfälle damals nicht fertig wurde. Dieser fünfte Abschnitt des genannten Buchs wird ungefähr 50 Druckseiten ausmachen; die Kosten für die Herstellung will ich selbst bestreiten, aber Teubner (bei dem das Ganze gedruckt ist) muß der Drucker sein. Ich setze nämlich voraus, daß die genau entsprechenden Lettern sich schwerlich in der Röderschen Offizin finden werden; auch C. G. Naumann hatte sie nicht. Übrigens haben Sie vollkommen Recht in Betreff der Lettern, die zur Vorrede der „Geburt der Tragödie“ verwendet worden sind: sie sind vorzüglich scharf und sehn gut aus, — aber sie passen nicht, wie mir scheint, zu dem Eindruck, den jene viel fetteren Teubnerschen Lettern machen, sowohl in der Morgenröthe als in der fröhlichen Wissenschaft. —
Wenn die Vorreden zu letztgenannten Werken, insgleichen jener fünfte Abschnitt der fröhl<ichen> Wiss<enschaft> sammt den „Liedern des Prinzen Vogelfrei“ gedruckt sind, dann ist in der That etwas Wesentliches gethan, um das Verständniß meiner ganzen Litteratur (und Person) zu erleichtern. Und namentlich wird man begreifen, daß wer erst mit mir „angebunden“ hat, auch Schritt für Schritt mit mir weiter muß. —
Auf dem Titel der fröhlichen Wissensch<aft> soll es nunmehr heißen:
Neue erweiterte Ausgabe
mit einem Anhange:
Lieder des Prinzen Vogelfrei.
Geben Sie mir, bitte, umgehend Nachricht über das Eintreffen der drei Manuscripte, desgleichen darüber, daß den Druckern Ihrerseits jede mögliche Beschleunigung anempfohlen ist: denn, wie ich schon im letzten Briefe sagte, ich will schlechterdings das Alles los sein und nicht länger mehr von dem, was Vergangenheit ist, gestört werden. Das ganze Jahr ist damit draufgegangen: gut, salvavi animam, es war eine Gewissenssache, aber nunmehr ist’s genug!
— Ich brauche jetzt, für lange lange Jahre, tiefe Ruhe: denn es steht die Ausarbeitung meines ganzen Gedankensystems vor mir. —
Ihnen, geehrtester Herr Verleger, angenehmes Weihnachten und glückliches Neujahr wünschend
Ihr ergebenster
Prof Dr Nietzsche
NB. Packen Sie das Ms. mit Vorsicht aus, daß die einzelnen Blätter nicht durcheinander gerathen!
Den Correcturgang betreffend: Ein Abzug mit Ms. an Herrn Köselitz (München, Türkenstr. 33 III r.) zu gleicher Zeit ein Abzug an mich hierher (genaue Adresse, wie an der Spitze des Briefs)
1886 (132 Briefe)
655. An Bernhard Daechsel in Sangerhausen (Entwurf)
Только что моя сестра дала мне понять, что она подозревает, что отправленное мной тебе слово благодарности не дошло до тебя: тут я вспомнил, что и сам, получив твое последнее, милое письмо и его добрые пожелания, испытал то же впечатление и черные подозрения — и вот я уже полчаса рассуждаю о небрежной и неорганизованной итальянке, которая должна выполнять мои поручения в городе, если я сам их не делаю. Она, конечно, говорит, что все письма правильно опускает в ящик — но — — —
Странно, это уже третий случай этой зимой, когда я прихожу к мысли, что мои письма не доставляются. Почему же? Возможно, из-за марок?
— Но если моё подозрение обоснованно, то не остаётся ничего другого, как повторить то, что я сказал в томписьме — и я делаю это с искренним удовольствием. Ты оказал мне большую услугу, мой дорогой
дядя>, ибо я не сомневаюсь, что без твоего ободрения в нужный момент я лишился бы всего заслуженного мною гонорара за мои прежние сочинения: — случай, который повлиял бы на меня не только как финансовая потеря, но и ещё хуже — в своём моральном> последствии.
Такие переживания «портят характер», как я люблю говорить: и тот, кто избавляет нас от таких переживаний, является, следовательно, и нашим моральным> благодетелем. И особенно мы, философы, которые слишком склонны обобщать свои плохие переживания и списывать их на весь жизненный счёт, должны быть очень благодарны, когда вместо плохого переживания> получаем хорошее: — ну, мы обобщаем и этот опыт, возможно, несколько опрометчиво, но это менее опасно — —
656. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg
Мои дорогие,
Вы завалили и подавили меня всевозможными хорошими вещами и проектами, письмами, часами на цепочках, будущими печками, будущими слушателями, выкопанными греками и возвышенными немцами, так что я немного потерял рассудок. Теперь он вернулся, и сразу же требует, чтобы я написал вам благодарственное письмо. Ко всему прочему, наша зима великолепна, и у нас есть все основания быть благодарными; ибо стоит только заглянуть в газеты, как там пишут «Снежная буря в Вене» и так далее. Правда, и у нас выпал снег; он выглядел так смешно, что я подумал, будто он от кондитера и буланже де люкс и, возможно, сладкий на вкус.
В «Leipziger Illustrirte Zeitung» была опубликована весьма коварная ложь о нашем климате: дословно «На Ривьере, которая обычно в это время снабжает нас цветами, всё вымерзло». Я рекомендую редактора как следует «поднять», разумеется, за волосы! —
Мне кажется, будто я впервые в Ницце; по крайней мере, теперь я лучше умею воспринимать то прекрасное, что мне здесь подходит, и просто игнорировать остальное. Тонкий воздух, нежные цвета всех оттенков, неописуемая солнечность — это воодушевляет, по крайней мере, меня. Здесь мой ум стоит в десять раз больше, чем в Цюрихе или Лейпциге, здесь, где климат ему «сродни», чтобы выразиться крайне образованно.
Нет сомнений, что каждый год (каждую зиму! но не в другое время!) я делаю шаг вперед к здоровью; и именно к здоровью моего ума, а не глаз (между нами говоря —). Проект с лекциями имеет много соблазнительного; тем не менее, я не должен рассматривать его слишком близко, по разным причинам. Хорошо иметь с этим еще немного терпения; пока что вы, мои дорогие, должны обратить свои взгляды на что-то более «современное». Например, на так называемую спутницу жизни.
Описание: весёлый, милый, ещё очень молодой, и, кроме того, храбрый маленький барашек в стиле Ирен Зейдлиц (с которой я почти называю себя на «ты») — Дяде Бернхарду я, конечно, написал, но из его новогоднего поздравительного письма ко мне я извлёк то же подозрение, которое было и у тебя, моё дорогое Лама: что письмо не дошло. Это уже третий раз за эту зиму, когда я прихожу к предположению, что моё письмо было утаено или что-то ещё. Я отправил дяде ещё пару строк по этому поводу.
Мои дорогие, мне кажется, невозможно положить здешнее небо с его 220 безоблачными днями, как печку, в чемодан и перевезти в Цюрих.
Грустно!Здесь тоже лекции о Южной Америке, включая Парагвай. Путешественник, в целом очень восхищённый (после путешествия длиной в 3 1/2 года), в итоге утверждает, что не нашёл ничего прекраснее Ниццы.
Со швейцарской стороны мне подсказали, что частые, почти регулярные неудачи немецких или швейцарских колоний в государствах Ла-Платы имеют свою причину в смешении национальностей, то есть в совместном проживании немецких и романских элементов. Не возникает чувства родины, чувства дома, если рядом итальянская грязь и прочее. Принципиально исключать романцев и столь же принципиально афишировать чистоту в жилище и жизни: это главное, но оба эти пункта нелегко выполнить, потому что первое противоречит правительственной практике тех стран, а второе — климату. Ну, возможно, немцев можно к этому «возвысить».
С самым сердечным приветом и благодарностью
Ваш Фриц.
657. An Reinbart und Irene von Seydlitz in München
Мои очень дорогие друзья,
кроме двух таких хороших писем, я сегодня также должен выразить самую искреннюю благодарность приятному шалопаю Случаю за то, что он, совершенно незаслуженно, привел меня в "хороший запах" — цветущий запах! — у моих друзей. Хотелось бы мне быть в состоянии послать вам немного нашего неувядаемого солнечного погоды (день как день) под крестовину, лучше всего — хороший кусок голубого неба, которого у нас здесь в избытке — Ницца насчитывает в году 220 абсолютно безоблачных дней и не имеет в Европе соперников, даже на этом побережье.
Это самый оживляющий климат, какой только можно себе представить, «рай для больных и стариков» (а значит, и для нынешних философов, которые, в каком-то смысле, обычно бывают и тем, и другим)
Мои дорогие друзья, здесь, собственно, собраны все условия, чтобы жить очень здорово, очень хорошо освещённо, очень космополитично, да и очень дёшево (последнее — из-за быстрого падения цен на жильё и общей отельной катастрофы, которая вряд ли скоро исчезнет). Благодаря большим распродажам здесь можно обзавестись очень милыми мебелью и обстановкой.
Чужая-мир, как она здесь живёт, кажется мне в конце концов более подготовленной для художника и импресарио „в японском стиле“, чем, возможно, общество любой европейской столицы. Славянский элемент (полячки, русские) преобладает.
— Всё это лишь выражает, что у меня есть сердечная тоска иметь вас здесь.
Возьмите, если я могу попросить, вашего друга в свои планы на будущее, мечты о будущем, замки в будущем — я, как я только что признался, делаю то же самое. Кто знает, что хорошего из этого ещё выйдет! Следует мило молиться богу случая: иногда он посылает цветы. —
Но желудок, отец печали и у меня! Теперь он хочет, чтобы я жил на молоке, яйцах, инжире и хлебе Грэма — я думаю, так жил Эпикур, который тоже страдал от желудка. Счастье, как его понимал тот мудрец, — это счастье диспептика - - - И сохраните любовь к вашему другу
Ницше.
658. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Мои дорогие,
Дорогой друг, наши письма пересеклись, и моё предпоследнее послание, отправленное вам в Вену, как я понимаю из вашего последнего сообщения, всё же вовремя попало к вам в руки. Тем временем мне очень хочется узнать обо всём, что произошло в Дрездене; и во мне возникло приятное сомнение, нужно ли вообще ещё обращать взоры на Карлсруэ:— возможно, для Дрездена было достаточно лишь вашего прибытия, чтобы привести камень в движение — и заставить «льва» рычать. Так, по крайней мере, говорит мне надежда каждый день… Само собой разумеется, что я готов в любой момент написать в К
Преданный вам
Н.
659. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, всё прекрасно в порядке и ещё раз большое спасибо! — „Господин Ц
Ф.
Дело с поручительством Шмейцнера улажено. — Ты говорила с Кюрбицем? Я написал ему. —
660. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
1. Я с большим участием услышал о назначении Роде: но почему он совсем перестал мне писать? У меня осталось мало терпения для бывшего друга, и, честно говоря, не потому, что я от природы нетерпелив и нетерпим.
Но за эти целых 10 лет (если я раз и навсегда исключу своего друга Овербека) я слишком много испытал глупости, поверхностности и самонадеянности со стороны тех, кого считал своими друзьями. Я благодарю небеса, что у меня ещё есть любовь моих близких, после того как и она, под влиянием всяческих «дружеских услуг», была в опасности.
3. Что же касается моего положения в целом, то я не признаю больше никого своим другом, если он не понимает огромного несчастья этого положения: что человек, рождённый для самой богатой и обширной деятельности, вынужден проводить свои лучшие годы в бесплодных пустынях; что мыслитель, как я, который никогда не мог изложить своё лучшее в книгах, а только в избранных душах, вынужден своими полуслепыми, болящими глазами «творить литературу» — всё это так безумно! так жестоко!
661. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
было бы много чего рассказать, если бы только у меня были «лучшие глаза». — Я искренне благодарю за твои добрые дружеские пожелания к Новому году; также мне были очень кстати пять сотенных купюр (— они избавили меня от «похода к банкиру», который я ненавижу и который всегда делает меня больным). В этом году предстоит преодолеть многое, прежде всего — предстоящие месяцы, которые не менее тяжелы для моих близких, чем для меня. Моя мать почти в отчаянии. — Вчера она сообщила мне окончательное решение по делу Роде: она связывает с этим надежды; действительно, Лейпциг, который почти что моя родина, теперь, как место встречи всех моих добрых знакомых и товарищей прежних времен, стал для меня вдвойне ценен.
Она получила известие от Хайнце, которые в эту осень проявили ко мне чрезвычайную сердечность: также они хотят навестить меня здесь, в Ницце, на пасхальные каникулы. То же самое обещал господин Ланцки в Валломброзе (у меня есть все основания быть благодарным, что мне встретился такой человек, как Л<анцки>, замечательно благородный и тонкий характер, хотя, к сожалению, не «дух» — вероятно, со временем он станет для меня чем-то вроде «практического разума», как экономист, советник по здоровью и тому подобное). Из приложенного письма Кёзелица, которое я тебе передаю, потому что оно полностью проясняет его положение, — ты увидишь, что в Ницце ожидаются и другие визиты.
Господин Видеманн выразил моей матери желание прожить несколько лет в моей близости; признаюсь, у меня были сомнения — но из письма Кёселица ты поймёшь, что, возможно, есть основания быть здесь в хорошем настроении. То, что Кёселиц берётся за свою корсиканскую оперу (проект которой я отправил ему прошлым летом — он был в восторге) здесь, — моё желание; я тайком делаю то и это, чтобы это стало возможным. В конце концов, я твёрдо надеюсь, что мои три дамы, которые трогательно преданы мне, медам Фынн и Маншуров, также приедут сюда.
У тебя нет выбора, кроме как доверять, когда ты уже нашел себя: слишком редко встречаются эти благородные и нежные души, с которыми можно общаться, не испытывая, как обычно, принуждения. Сейчас они в Англии. — Я писал о своем «экспериментировании»: ну, слава Богу, что я осмелился и не запер себя снова в мучениях прошлой зимы, последствия которых я еще полгода был почти болен. Все, что здесь связано с Базелем, помогает мне в этом, так же сердечно и уважительно, как это свойственно базельскому духу. Погода неописуемо прекрасна, неделя за неделей; небо сияет чистотой с утра до вечера.
Расскажи своей дорогой жене, что я услышал юношеское произведение Бизе, оркестровую сюиту «Рома» (бедный Бизе сам не успел ее услышать!) Притягательно-наивное и изысканное одновременно, как все у этого последнего мастера французской музыки. — Искренне твой друг
Н.
Я, как первое использование денег Шмейцнера, покрыл могилу моего отца большой мраморной плитой. (По желанию моей матери, когда-нибудь это будет и ее могила.)
662. An Felix Mottl in Karlsruhe (Entwurf)
Надеюсь, моё имя не совсем неизвестно вам?
Мне сообщили приятную новость, что господин Петер Гаст доверил судьбу своего Льва из Венеции вашим рукам и вашему вкусу: могу ли я признаться, что я не менее заинтересован в вашем решении, чем сам композитор этой оперы. Я чрезвычайно люблю это произведение: простите этой любви, если она пытается убедить и вас, глубокоуважаемый господин, оказать особое благоволение этой опере.
Текст, предпочитаемый и любимый хорошим обществом в прошлом веке, многократно положенный на музыку, ещё и Стендалем особо восхваляемый, требует свободной игры: «старое доброе время» до французской
Революция, эпоха самых лучших и очень мужественных манер, пудры и парчовых одежд, возможно, даже может быть намеренно представлена с некоторой иронией и как бы подчеркнута: — очарование этих нравов сегодня не мало. Опера может выступать как рококо-опера (я заметил, что сегодня среди художников царит пристрастие к рококо)
Опера в стиле рококо: всё должно быть сделано и с точки зрения декораций, чтобы выразить Венецию 1770 года, самую весёлую, влюблённую и любимую город прошлого века.
Можно рассчитывать на магию Венеции, которая действует и сегодня, единственного города, «о котором можно мечтать, не видя его». Музыка Петра Гаста обладает той morbidezza и нежностью, тем счастливым, праздным, полувосточным и всем тем, что всегда снова привлекает северных людей к этой таинственно весёлой и нежной городу без шума и пыли. В музыке этот истинный чар Венеции до сих пор не получил выражения.
Когда Лев из В<енеции> однажды "заревет" на всех сценах Евр<опы> (ибо я предсказываю этой опере успех, какой имела Кармен), почувствуют, как эта музыка могла возникнуть только там — и в какой мере душа В<енеции> здесь обрела голос
Мне вспоминается с прошлой зимы, с какой благодарностью к Вам я читал в французских газетах отчеты о Вашей постановке посмертной оперы Бизе: окажите теперь тому, что Вы оказали покойному, которого я почитаю, живущему, и даже очень живущему — ибо этот П<етер> Г<аст> — — —
662a. An Louise Röder-Wiederhold
Уважаемая госпожа,
только что я написал несколько строк капельмейстеру Вашей оперы господину Моттлю: и тут мне пришло в голову, что кто-то в Карлсруэ имеет ещё больше прав получить от меня письмо. Простите, я так долго молчал: если бы у меня были «лучшие глаза», я, несомненно, имел бы и лучшее перо. (Смелое немецкое! Но что в этом? Если мы, немцы, не рискуем в немецком, то что в нас, немцах!)
Я ещё помню, что в своём последнем письме Вы нашли способ указать мне на мою несостоятельность в вопросах арифметики. Небо убережет Вас от того, чтобы я когда-нибудь не нашёл способ отомстить за моё оскорблённое тщеславие!
—Это сознательное «серо-чёрное чудовище» оказывается особенно благотворным: у нас изящно-холодная зима, и поскольку философ до сих пор отказывался топить — —
Нашему другу К. пришлось нелегко в его странствиях туда-сюда. Теперь звезда сияет над Карлсруэ! Предположим, что лев Венеции научился бы там «рычать» — достаточно «нежно», чтобы говорить словами Шекспира — тогда у меня появился бы второй соблазн однажды в течение года посетить это Карлсруэ — несмотря на всё, что вы сами, уважаемая госпожа, высказали против своего места жительства.
Примите сердечный привет
Вашего благодарного
Др. Фридриха Ницше
Ницца, 10 января 1886 г.
rue St. François de Paule 26 II
663. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Мне не удалось договориться с моим бывшим издателем господином Шм. в Х. о второй редакции книги "Человеческое, слишком человеческое". В сущности, я теперь думаю, что он вовсе не хочет расставаться с моими сочинениями; он примерно знает, что они собой представляют, и среди его ближайших знакомых есть некоторые из самых усердных и преданных моих последователей. (Вы, возможно, видели, например, последние страницы книги Видеманна "Познание и бытие", H. Reuther 1885?) То, что Шмейтцнер на моих сочинениях не потерял, а заработал, хотя и не в той мере и не с такой быстротой, как он, возможно, ожидал, мне совершенно ясно из того взгляда на его деловое положение, который мне предоставил процесс.
Мои книги теперь имеют чрезвычайно широко распространённый, устойчивый и очень преданный круг читателей, который ещё не велик, но постоянно растёт, — в этом не может быть сомнений. —
Но глубокоуважаемый господин, если не удастся договориться между нами о втором издании «Человеческого, слишком человеческого»: не соизволите ли вы рассмотреть возможность издания чего-то нового, что уже готово к переписке! Это второй том
Утренней зари
Мысли о моральных предрассудках.
Если автору уместно сказать слово о своей книге: ну, я бы сказал, что это книга для интеллектуальных гурманов и смельчаков; в ней даже есть самое изысканное и дерзкое. Тем не менее, в ней нет ничего, что выглядело бы как прямой нападение; я не отношусь к людям какой-либо партии, которые обязательно хотят «обратить» или «опрокинуть».
664. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
сразу после получения Вашего сердечно принятого письма (которое сделало меня меланхоличным, несмотря на его добрую мину и терпеливую веселость) было отправлено несколько строк господину М<оттл>: предположим, с некоторой долей оптимизма, что они по крайней мере «не навредили». Я приложил под крестовиной программу (рациональную) последнего классического концерта в Монте-Карло, на котором была исполнена оркестровая сюита Бизе «Рома» (изящная и утонченная вещь из его юности, не «услышанная» им при жизни —), а именно в связи со словом благодарности, которое я выразил в письме за его усилия по продвижению Бизе.
В остальном я также пытался предотвратить одну предвзятость по отношению к вашему либретто, насколько это было возможно. В тот же день я написал замечательной госпоже Рёдер в Карлсруэ. Признаюсь, что сейчас для меня мало вещей, которых я так жажду, как постановки вашей оперы: — я бы сделал всё, чтобы присутствовать при этом. У каждого есть «свой вкус», а значит, и «свой голод», а при определённых обстоятельствах — и «своё голодание».
Ваши разъясняющие слова о господине Видемане очень меня ободрили. Тем не менее, я считаю, что это был правильный инстинкт (отчасти странно умноженный случай), который прошлой осенью помешал нашей встрече.
Я бы, между нами говоря, ради Видеманна (при личной встрече с ним) пошёл на все возможные уступки Шмайцнеру и до сих пор не был бы с ним в разрыве. —
Разве я? — Что вы думаете на основании ваших разговоров с господином Видеманном о запланированном втором издании «Человеческое, слишком человеческое»? Пока книга застряла в антисемитском углу, ни один экземпляр не будет продан: это знает и сам Шмайцнер. Теперь я хотел бы выкупить у него оставшиеся экземпляры для уничтожения: он нагло требует 2500 марок, я готов предложить 500 М. (что для Шмайцнера в любом случае лучше, чем ничего — и для меня уже безумно много!).— Будьте так добры, дорогой друг, представить этот случай и этот вопрос господину Видеману при случае. —
Для меня было бы очень важно сделать новое издание сейчас: между нами говоря, я думаю, что позже я не смогу вернуться к этому. Но прошлым летом и, к сожалению, этой зимой я потратил время на переработку этой вводной книги: теперь я хочу избавиться от этого. Альп-давление! —
Представьте, что Ницца на этот раз так очаровала меня, как будто я вижу её впервые. Зима великолепно ясная, светлая и равномерная. — Весной я поеду в Венецию, если не будет ревущих львов, которые заманивают меня в Германию.
Бассано? Конельяно? Ах, друг, как было бы прекрасно, если бы мы могли встретиться там снова! Или в родном городе Тициана?
Сердечно рекомендуя себя вашим уважаемым родителям и желая вам самого смелого, богатого, победного года
преданный вам Ницше.
665. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Меня побуждает написать вам сегодня только желание выразить свою благодарность за вашу готовность. Надеюсь, что весной я смогу лично вручить рукопись: пока что болезненное состояние моих глаз серьезно мешает завершению переписки. На этот же срок я откладываю несколько замечаний, которые мне нужно сделать (в том числе пару контрпредложений), с которыми, возможно, вы смиритесь быстрее, чем я сам. — Можно ли, наконец, представить вам ряд моих опубликованных работ? (Исключая филологические)
Рождение трагедии, 2-е изд.
4 несвоевременных размышления, опубликованных отдельно, четвертое — во 2-м изд.
Изд.
Ч<еловеческое,> с<лишком> ч<еловеческое>. К<нига для> с<вободных> у<мов>
С приложением: Разные м<нения> и изречения
Странник и его тень.
Утренняя заря
Весёлая наука
Так говорил З<аратустра>. Книга для всех и ни для кого.
В трёх частях
После того как я опубликовал труд, который — задумчивый и проблемный, как он есть — должен больше опасаться понимания, чем не<понимания>, требует внимательнейшего взгляда, послушнейшего слуха, и прежде всего — долгого, многократного, осторожного чтения: я осознал маловероятность того, что он найдёт тех единственных читателей, которые ему подходят.
666. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая, дорогая мать,
на этот раз мне особенно грустно, что я не могу быть с тобой в день твоего рождения: ведь, возможно, это было бы облегчением для твоего сердца в связи со многими тяжелыми чувствами, которые приносит этот день, — сохранить хотя бы одного из твоих детей как хорошего европейца: ведь лама решительно выбрала Южную Америку и мате. Ну, кто знает, как долго это еще продлится: уставший от Ниццы снова потянется на север, «домой», как те знаменитые ласточки, тем более что вчера произошло нечто, что снова связывает меня с добрым Лейпцигом новой книжкой. У меня есть издатель: вот и весь смысл долгого разговора.
Когда я ночью уже собирался лечь в постель, я случайно нашёл ещё одно письмо, которое мне просунули под дверь в комнату (по-деревенски, прилично, очень прилично!)
Я прочитал его — это было от Креднера, и его объяснение доставило мне такое удовольствие, что я не мог удержаться и в одной рубашке исполнил небольшой танец. Несмотря на холод: ведь я до сих пор ещё не топился. Я предложил ему второй том моей «Утренней зари» (ты видишь, старое пишущее животное было усердно); он с удовольствием принимает, выражает желание, чтобы я причислил его к своим почитателям, требует, чтобы что-то было сделано для разрешения моих отношений со Шмейтцнером, намекает на желание выкупить у Шмейтцнера остаток «Человеческого, слишком человеческого», короче, ведёт себя как давно ожидаемый издатель будущего.
Прошу также сообщить об этом дорогой Ламе и её супругу, рабовладельцу и директору по воспитанию — но никому больше, даже Хайнце.
Возможно, из-за этих литературных планов я приеду в Германию: — это маленькое «возможно» прошу, моя дорогая мать, принять сегодня как своего рода подарок ко дню рождения.
Вам предстоит ужасно много дел?
— Я очень часто думаю о вас; и когда недавно из Америки нам объявили о "плохой погоде", я разозлился, потому что в этом году Америка и так уже отнимает у нас хорошее настроение. Правда, здесь мне везде говорят: "поездка в Южную Америку — не событие и не повод для беспокойства"; но мы еще не привыкли к этой космополитической жизни, как птицы, к которой привыкли наши гости из Ниццы.Здесь мне уделяют много внимания и почестей, я не могу этого отрицать. Старый голландец тоже прибыл и очень рад снова меня видеть (он другим людям со всей гордостью сказал обо мне: "он мне настоящий друг, я это точно знаю").
Тот же голландец, раньше работавший в министерстве, но вынужденный оставить должность из-за проблем с глазами, всегда возвращается в Ниццу, потому что здесь его глаза беспокоят меньше, чем в других местах: в его Голландии состояние каждый раз ухудшается. Совсем как у меня.
Старая пасторша шлет вам самый сердечный привет.
Напишите мне подробно, что теперь решено, и прибыло ли мое последнее письмо (в котором я имел пять причин для благодарности).
Думайте обо мне по отдельности и когда вы вместе, и сохраняйте любовь
Ваш Фриц.
667. An Paul Widemann in Chemnitz (Entwurf)
Как странно, что осенью мне снова не удалось встретиться с вами! Признаюсь, я немного не уверен, насколько близко или далеко вы стоите к г-ну Шм
668. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Visitenkarte)
Дорогой друг, вот что-то от Моттля, — очень мало, но не без «любви». Возможно, хороший первый шаг к началу. «В начале было Слово» —
Большое спасибо за ваше письмо, у меня проблемы с глазами. И последняя просьба: ничего не предпринимать по делу Шмицнера, пока я снова не обращусь к вам.
Преданный вам Н.
669. An Elisabeth Förster in Naumburg
Мой дорогой старый лама,
только что пришёл твой милый и забавный предложение, и если оно хоть как-то поможет твоему господину-мужу составить хорошее мнение об неисправимом европейце и антиантисемите, твоём совершенно незначительном брате и угловом стояке Фрице (хотя он, конечно, сейчас имеет другие дела, чтобы "беспокоиться" обо мне), то я охотно вступлю в след за фрейлен Альвинхен и прошу тебя усердно, при тех же условиях и обстоятельствах сделать меня южноамериканским землевладельцем: с явным условием, что этот клочок земли не называется Фридрихсланд или Фридрихсхайн (потому что я пока ещё не хочу там "умирать и быть похороненным-похороненным"), а, в память о том, как я тебя крестил — Ламаланд.
Серьёзно говоря: я бы отправил тебе всё, что у меня есть, если бы это помогло вернуть тебя обратно как можно скорее. В сущности, все люди, которые тебя знают и любят, придерживаются мнения, что было бы в три тысячи раз лучше, если бы этот эксперимент был тебе сэкономлен.
Даже если кто-то считает эту страну подходящей для немецкой колонизации, никто не согласится, что именно вы оба должны быть колонистами: это кажется скорее произвольным, прости за выражение, к тому же опасным, особенно для ламы, привыкшей к мягкой культуре, в которой она лучше всего процветает и прыгает. Всё это возбуждение чувств, лежащее в основе всей истории как причины, на самом деле уже слишком тропическое для ламы (точнее, для нашего настоящего семейного «типа», чьё искусство — примирять контрасты), по моему мнению, даже нездоровое: остаёшься красивее и моложе, если не ненавидишь и не подозреваешь —.
В конце концов, мне всегда кажется, что твоя натура могла бы оказаться более полезной для подлинно немецкого стремления здесь, в Европе, чем там: именно как супруга доктора Фёрстера, который, как я снова почувствовал, читая его педагогический трактат, по сути, имеет естественную миссию стать директором образования вроде Шнепфентальского института — и не, прости это своему брату, агитатором в движении, которое на три четверти плохое и грязное. То, что сейчас срочно необходимо в Германии, — это независимые учебные заведения, которые на деле противостоят государственному рабскому дрессированию. Доверие, которое доктор
Фёрстер среди северонемецкого дворянства, кажется мне, даёт достаточную гарантию того, что такое заведение, как Шнепфенталь или Хофвиль (ты помнишь? место, где воспитывался старый Фишер), под его руководством преуспело бы. Но там, на той стороне, среди крестьян, рядом с, возможно, озлобленными и отравленными немцами — достаточно, здесь широкое поле для опасений. Глупое большое море между нами! И при каждом шторме, о котором приходят известия, твой брат сердится и спрашивает себя, как, чёрт возьми, это Лама решился броситься в такое приключение.
Я собираюсь с силами, насколько это возможно, но меланхолия, не имеющая себе равных, овладевает мной с каждым днём, особенно по вечерам, — всё из-за того, что Лама убегает и полностью отказывается от традиции вашего брата. — Только что придворный капельмейстер из Карлсруэ (которому я написал по просьбе бедного Кёселица) сообщил мне, что моя рекомендация («рекомендация человека, которого я восторженно почитаю») вызывает у него самое благоприятное предвзятое мнение о произведении; и, искренне радуясь этому, я вдруг подумал, что вы скажете: «но ведь это всего лишь еврей!» Вот, я думаю, это и выражает, как Лама вырвалась из традиции брата: — мы больше не радуемся тому же самому. — Тем временем, ничего не поделаешь, жизнь — это эксперимент, что бы ни делал, платишь слишком дорого: вперёд, моя дорогая старая Лама! И храбрости для того, что решено!
Твой Ф.
670. An E. Kürbitz in Naumburg (Entwurf)
Мне очень важно передать моей сестре еще одну банкноту в 300 марок — до того, как она сядет на борт в Гамбурге, — для цели, о которой я только что сообщил вам в письме. Если вы окажете мне особую услугу и отправите деньги немедленно по указанному ниже адресу, то, по моим расчетам, они вовремя попадут в руки моей сестры. Разрешите выразить мое глубокое уважение
671. An Emily Fynn in Genf
Высокоуважаемая госпожа!
наконец приходит письмо от меня — должен ли я объяснить, почему оно приходит только "наконец"? Но это было бы бесполезно: Вы сами, с Вашей большой и необходимой добротой, уже достаточно сделали в мою пользу и для моего оправдания (если речь идет о вине), так что я не могу сделать ничего лучше, чем сослаться на это. Я так благодарен за всю тонкость интерпретации в отношении того, что я делаю или не делаю —
Кажется, нам обоим нужно преодолеть болезненные переживания, жить дальше. Я тоже потерял сестру, не из-за реальной смерти, а из-за одной из тех больших разлук, которые имеют что-то столь же необратимое.
Она с мужем отправляется в Южную Америку с целью колонизации там: есть достаточно перспектив, что дело удастся, но чем больше оно удаётся, тем крепче они привязаны к этому далёкому миру. В конце концов, это даже не Парагвай, что больше всего даёт мне чувство, что я потерял свою сестру. Мне чужды убеждения моего зятя, ради которых он живёт и умирает, больше, чем Парагвай.В Мюнхене, который я задел по пути, у моих друзей там я получил впечатление, как хорошо и уютно должна чувствовать себя ваша дочь в этом квартале художников и художниц; более того, я мысленно прикидывал, можно ли найти какую-то связь между её выдающимся и оригинальным способом воспринимать цветы и японизмом моего друга Зейдлица. Предположим, что вы когда-нибудь снова посетите Германию, пожалуйста, рискните небольшим экспериментом с Мюнхеном: мой друг и его жена будут считать за честь служить вам.
В Портофино, где я верно передал приветы вашей достойной уважения подруги, я чуть не застрял. В Генуе среди местных знакомых было самое лучшее желание поселить меня на зиму в вилле английского дантиста.
Климатические соображения — которые теперь, при общей суровости этой зимы, оказались вдвойне оправданными — заставили меня продолжить путешествие, сюда, в моё старое Ниццу. Воздух здесь чище и ярче, чем где бы то ни было в Европе; мне говорят, что каждую зиму я выгляжу «лучше и моложе» — я думаю, на это стоит оставаться верным месту. Месту, которое обещает молодость — —
Чего мне не хватает в Ницце, так это людей, которых я люблю и которым не нужно всё «объяснять».
Три четверти дня я довольно мрачен и трудолюбив, остальное время весел или «глубоко печален», как и подобает одинокому медведю и философу.
Какую радость доставило мне ваше изображение!
И то, что в этом наиболее привлекательно и завораживающе, к счастью, не присуще какому-либо возрасту: это относится к тому вечному «моложе и лучше», которое, к сожалению, нельзя обрести ни в каком Ницце. — Свидетельство: моя собственная фотография. —Меня часто беспокоило, что это удивительное возвращение вашего здоровья, возможно, не устояло. И действительно ли Женева, именно Женева, вам так полезна? Здесь так много тех, кто бежал от женевской зимы.
О глазах хорошего не сообщают. Тем не менее: в Энгадине с ними было хуже. Вода Ромерсхаузена много раз освежала меня и никогда не оставляла без искренней благодарности к своей дарительнице. Сохраните, если позволите, и впредь обо мне добрую память, втроем и не только втроем. Вы знаете, глубокоуважаемая госпожа, что мои постоянные пожелания сопровождают вас, и что мне будет большой радостью, если что-то из этих пожеланий исполнится.
Ваш преданный
Проф. д-р Фридрих Ницше
Отшельник из Зильс-Марии.
672. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Widmung)
Дорогой друг,
последние новости о Корсике, немного провинциальные, но южно-провинциальные. Много „местного колорита“. Пожалуйста, читайте с лексиконом и не пренебрегайте лучшим — тремя стихами на провансальском диалекте, которые сделали меня счастливым на два дня, см. стр. 200.
Я только что читал о ваших снежных бурях в Рудных горах. Вот что-то для отдыха от них.
Преданный вам Ф. Н.
673. An Erwin Rohde in Tübingen
Дорогой старый друг,
моя мать недавно сообщила мне о твоем назначении в Лейпциг: я давно не испытывал такой радости, как при этом известии! С тех пор я все время и снова представляю, что этот год должен нас свести. Возможно, это удастся уже весной; и больше всего я хотел бы быть свидетелем твоего вступления — глазами, ушами и сердцем. Я даже не могу выразить, как сильно эта надежда ласкает и освежает меня. Прошлой осенью я немного побывал в Лейпциге, как бы на пробу: ах, тихо, почти скрытно, почти всегда один, но как будто согретый сплошными воспоминаниями о тебе и нашем старом сообществе в этом месте согретый.
Случайность захотела, чтобы я услышал что-то о проекте, который касался тебя: непосредственно перед заседанием, на котором всё это дело впервые было рассмотрено, я был вместе с Хайнце и Царнке. Мне кажется, что я был когда-то таким же надеющимся животным, philologus inter philologos. Ничего не сбылось: или, как вы, возможно, теперь говорите между собой, „он ничего не выполнил“. Ко всему прочему, я не стал богаче друзьями: жизнь предъявляла мне долг всё больше с ужасным побочным условием его одинокого исполнения.
Мне трудно понять; я почти предполагаю, что даже знакомые теперь грубо меня не понимают, и я искренне благодарен за любую тонкость интерпретации, да и за доброе желание к тонкости. Я осёл, в этом нет сомнения. Старый друг Роде, мне кажется, ты лучше разбираешься в жизни, потому что ты в неё включился; тогда как я всё больше вижу её издалека — возможно, всё яснее, всё ужаснее, всё обширнее, всё привлекательнее. Но горе мне, если я когда-нибудь не выдержу этого отчуждения! Стареешь, начинаешь тосковать, уже сейчас, как царь Саул, мне нужна музыка — небо, к счастью, подарило мне и своего Давида.
Человек, подобный мне по духу, profoundement triste, не может долго выдерживать музыку Вагнера. Нам нужен юг, солнце «любой ценой», светлое, безобидное, невинное моцартовское счастье и нежность в звуках. На самом деле, мне следовало бы иметь вокруг себя людей такого же склада, как и музыка, которую я люблю: таких, с кем можно отдохнуть от себя и посмеяться над собой. Но не каждый, кто хочет найти, может искать — и вот я сижу и жду, и ничего не приходит, и я уже не знаю ничего лучшего, чем рассказать своему старому другу, что я один.Передо мной твое последнее письмо, возможно, я отвечаю на него только сейчас, хотя с тех пор прошло немало времени (письмо от 22 декабря 1883 года). Прими своего молчаливого друга, которому во многом тяжело и который научился бояться открывать рот. Не успеешь оглянуться, как вырвется жалоба, — а нет ничего глупее на земле, чем жаловаться. Это унижает нас, даже перед лучшими друзьями.
Дай мне слово сюда, в доказательство того, что ты все еще любишь меня, старый друг Роде. И еще раз, я радуюсь твоему счастью больше, чем своему собственному.
Передай приветы твоей жене от неизвестного медведя и отшельника и погладь своих детей от моего имени. С любовью
Твой верный друг
Ницше.
674. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая, дорогая мать,
я так много думал о тебе в это время и почти не замечал, что так мало писал тебе, прости! Сейчас я как раз занимаюсь переписыванием, медленно, медленно продвигаюсь и каждый раз, когда позволяю себе отдохнуть, так устаю использовать свои глаза, что, вероятно, становлюсь должником по письмам со всех сторон. Тем не менее, как мне кажется, это хороший знак, по крайней мере, моего мужества, что я сам занимаюсь переписыванием: ты, возможно, помнишь, как четыре года назад в Наумбурге диктовали, и писарю тоже платили (1883). Это был позорный почерк, если я правильно помню.
От наших эмигрантов я получил в последний момент красивое золотое кольцо; на нем внутри написано: «думай с любовью о Б. и Е.» — это я и буду делать от всего сердца, хотя признаюсь, что это сочетание «Б. и Е.» все еще навязывает моим чувствам многое. Я не совсем родственен манере Фёрстера, не говоря уже о его тенденциях.
Что в конце концов это счастье, что он ушёл, как раз перед «закрытием ворот» — в этом, как я считаю, ты совершенно прав; опасность была очень велика.
Здесь, конечно, каждый мне говорит: «быть недовольным немецким правительством и довериться правительству Парагвая, которое в сто раз менее надёжно и более опасно, — это не совсем логично». Но что заботит этих господ логика! — Если только наше бедное лама не пострадает слишком сильно! Я всегда боюсь, что она не представляет, что её ждёт.
Как эта вся история уже отяготила сердце!
Профессуру Роде я написал свои поздравления: благодарю тебя за твою информацию по этому вопросу.
Было бы прекрасно, если бы я мог присутствовать при его полном введении в Лейпциге! —
Хороший друг Кёзелиц все еще находится в Германии и занимается делами бургомистра Аннаберга за своего больного отца. Придворный капельмейстер из Карлсруэ, которому я написал пару слов в рекомендацию оперы Кёзелица (по просьбе Кёзелица: ведь я не знаю его лично), очень любезно ответил мне: он придает большое значение моей рекомендации — «рекомендации человека, которого я восторженно почитаю». Надеюсь, что дело не ограничится одними лишь добрыми словами!— Если я приеду в Германию, то на этот раз я также хочу оказать все почести господину Видеману.
Картина, о которой ты спрашиваешь, принадлежит моей старой англичанке, с которой я уже два лета провел в Энгадине, включая то, что к этому относится, её дочь мисс Эмили Финн и её подругу старую эксцеленцию фон Маншурову с русского двора — моё „трио“, с которым я искренне дружен. Они сейчас снова в Женеве: кто знает, возможно ли ещё убедить их приехать в Ниццу! Мне так не хватает круга, где я чувствую себя „как дома“; это люди такого рода.—
Зейдлицы проявили ко мне много расположения и преданности; вчера еще добрая госпожа фон Зейдлиц (Ирена) писала мне, среди прочего, что она для меня «в поисках хорошей жены». Это очень меня рассмешило. Она хочет знать, сколько денег должна иметь эта самая «хорошая жена»: будто я это знаю! Это, моя дорогая мамочка, для твоего удовольствия! Но «между нами»!
Ты не знаешь, когда Хайнце хотят приехать в Ниццу? Повсюду идут приготовления к карнавалу, который занимает примерно месяц март. Я боюсь этого; в самый худший день я поеду в Канны (естественно, на поезде!). Зима здесь, по моим понятиям, была плохой зимой; тем не менее, это нечто неоценимое, если подумать о наумбургских зимах.
Думай обо мне с любовью и пиши мне снова так мило, моя дорогая хорошая мама
Твой Ф.
675. An Resa von Schirnhofer in Zürich (Entwurf)
Вчера вечером в пансионе <de> Ж<енева> мне представили госпожу П. Рёсслер из Граца: и две минуты спустя я, наконец, к своей великой радости, нашёл след пропавшей фрейлейн Реза. Упомянутая Рёсслер, а именно, во время своего последнего пребывания в Париже жила в том же пансионе, что и вы, уважаемая фрейлейн, но после вашего отъезда: она, по крайней мере, рассказывала, что нашла там ваш портрет. Она думала, что вы сейчас в Ц<юрих>: вероятно, вы там добиваетесь академических почестей: — надеюсь, без ущерба для вашего здоровья.
Наконец, у вас под рукой самые доброжелательные из врачей, — и, говорят, бывают случаи, когда охотно заболеешь, лишь бы
Ещё раз, обдумайте моё предложение в «тонком сердце» и будьте искренне
приветствуемы
Вашим
676. An Elisabeth Förster auf der Reise nach Paraguay
Мой дорогой Лама,
неудержимая радость от твоего письма из мирового океана! Оно освободило меня от почти невыносимого давления, которое дошло до того, что я не мог даже написать тебе, хотя и хотел этого каждый день: — ведь мне следовало поблагодарить за великолепное и совершенно неожиданное «Не забудь меня!» У нас в Европе, кстати, вторая волна зимы, которая оказалась не менее суровой, чем первая: невиданные снежные массы от Англии до Италии; даже здесь ночью температура опускается по крайней мере до 3 градусов ниже нуля — короче, газеты пестрели плохими новостями о погоде, бурях, каких «старейшие моряки» не видели, и тому подобном.
И вот я всё время видел, как бедное лама качается, качается — — Поздравляю очень с тем, как тебе до сих пор удавалось путешествие; я хотел бы посоветовать тебе в качестве средства от морской болезни хлорал и досадовал, что забыл об этом, но вот! у ламы есть ещё лучшее средство, а именно её здоровье. На него ты действительно можешь гордиться: твой брат — настоящее калека по сравнению с тобой. Мне приходит в голову, что упомянутая калека как раз породила причудливый проект: а именно, отправить меня на лечение к проф.
Schwenninger zu begeben, der nun einmal den Glauben haben soll, mir helfen zu können (er hat, ich weiß nicht wie, eine Anhänglichkeit an mich; thatsächlich haben wir eine Zeitlang im „Kopf“ zusammen zu Mittag gegessen) Dieser Schwenninger richtet sich jetzt in Гейдельберге oben auf dem Schloß das große Hôtel zum Sanatorium her; schon für diesen Sommer werden Gäste erwartet (darunter Lord Rosebery, der englische Minister des Auswärtigen); schließlich giebt es diesen Sommer ein ungeheures Universitäts-Jubiläum, und das Heidelberger Faß soll zum ersten Male gefüllt und ausgetrunken werden.
Столько о моём «здоровье».
Кёхлины здесь, очень ко мне расположены, вчера сообщили, что их младший сын обручился с дочерью той известной нам базельской семьи Хофман-Мериан. Ты, вероятно, знаешь, что Турнейзен-Мериан умер этой зимой; также и Вакернагель, редактор Базельских новостей. Добрая Ирена фон Зейдлиц написала мне комичное письмо, из которого можно угадать какие-то гамбургские вдохновения; я постараюсь в этом году тоже раз съездить в Мюнхен, но по другим причинам: мне нужен контакт с художниками.
Гейзер в Йене получил приглашение в Базель на место Якоба Буркхардта — и отказался (он рассчитывает на Берлин). Я не верю, моё дорогое Лама, что я снова позволю себя поймать в ловушку университета: это для меня климатически невозможно, пока мне здесь, в Ницце, не создадут аудиторию. Я не могу описать, как я чувствовал себя прошлой осенью в Наумбурге и Лейпциге: постоянная печальная вялость. Здесь каждую зиму я делаю значительный шаг вперёд: по крайней мере, я не должен рисковать слишком рано, чтобы не потерять всё снова. — Прости! Но ты так много размышляла об этих вещах, несмотря на все свои заботы, что я должен был тебе об этом рассказать.
Случай с сестрой Деуссена чрезвычайно меня обрадовал — из-за вас! Я, кажется, помню, что в четырнадцать или пятнадцать лет она вела большое домашнее хозяйство (дома) и смело справлялась с ним.
Скажи своему Бернхарду, что всю зиму я ел с его ножом, а также, что очень ценю шерстяные рубашки (хотя и как нижнее белье); ибо благодаря этой одежде я никогда не отапливал помещение в эту суровую зиму и в итоге замерзал меньше, чем в любом другом зимнем сезоне. —
Открытие: жирный белый сыр гораздо легче переваривается, чем нежирный.
Мой обед состоит из молока, хлеба Грэма, сыра и орехов — я думаю, это называют, с некоторой свободой выражения, вегетарианством.
Мое старое дорогое Лама, прости глупости этого письма, надеюсь, я снова стану разумнее — и сегодня для меня это что-то слишком новое и любопытное, что Лама качается вблизи Кабо-Верде! Нет, какое блаженство, что ты не отшельник! Да здравствует Лама и ваш Бернхард, и ваш Парагвай, и вся ваша хорошая компания, и человечество, которое у вас вокруг!
С любовью и благодарностью
Твой Фриц.
13 апреля я поеду в Венецию, письма poste restante. Около 13 июля — в Зильс. Осенью — к доброй матушке.
677. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Прости за моё долгое молчание и прими эту открытку, моя добрая мать! Но я не могу писать больше, чем уже пишу, к тому же я очень утомлён и довольно болен. Пока я ещё не знаю, как составить план на год: во всяком случае, при сдаче комнат не учитывай это! (Ты же знаешь, что я, возможно, всё же буду в Наумбурге только «временно», и что я, ради тишины, предпочитаю гнездо наверху) Я поздравил проф. Роде в Тюбингене с его переводом, но не получил ответа: может быть, снова потерялись письма? (Прекрасное письмо от Ламы, написанное в пути и знак счастья и хорошего настроения, очень меня обрадовало: я так волновался...) До 13 апреля я остаюсь здесь, потом, вероятно, Венеция. Но у меня там нет никого, кто бы заботился обо мне и немного развлекал — мне очень нужна передышка.
От всего сердца твой Ф.
678. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
То, что примерно в то же время, когда ты писал мне, мои мысли были с тобой в Базеле, тебе откроет красная брошюра, отправленная тебе позавчера: — как прекрасно было бы вместе посмеяться (или даже разозлиться) над подобными курьёзами! Ах, эта глупая здоровье, которое держит нас вдали от друзей! Новости о твоём собственном здоровье (из двух последних писем), а также о твоих глазах, заставляют меня восхищаться тем, как храбро ты на самом деле пробиваешься там, в Базеле. Но, конечно, у тебя, благодаря твоей жене, всё в сто раз лучше, чем у меня: у вас есть гнездо — а у меня, как ни вертись, лишь пещера.
Мне здесь говорят, что всю зиму, несмотря на многочисленные трудности, я всегда был «в блестящем настроении»; я же говорю себе, что всю зиму я был profoundly triste, мучимый своими проблемами днем и ночью, жил, собственно, скорее адски, чем пещерно — и что случайное общение с людьми воспринимаю как праздник, как избавление от «себя». Великое недоразумение веселья! Добрая Мальвида, которая своей розовой поверхностью всегда держалась «на плаву» в тяжелой жизни, написала мне однажды, к моему горчайшему удовольствию, что она, из моего Заратустры, уже видит «веселый храм», который я построю на этом фундаменте.
Ну, это просто насмешка над смертью; и я постепенно примиряюсь с тем, что мне не видят и не замечают, над каким «храмом» я строю. —
Отдых, дорогой старый друг, только отдых мне снова нужен: но его всё труднее найти. — Освежающая лёгкая музыка Кёселица относится к этому: как я благодарен этому счастливому находке моей жизни! (Но почему ты мне ничего не сказал о письме Кёселица, которое я приложил к последнему письму к тебе? Надеюсь, ничего не потерялось? Я написал сразу после получения последних денег; с тех пор я ничего от тебя не слышал).
С бедным человеком в Вене, как и в Дрездене, всё пошло не так; он просил меня попробовать что-то сделать в его пользу у Моттля в Карлсруэ. Последний, хотя и лично мне неизвестный, тем не менее очень любезно написал мне: он придаёт наибольшее значение моей рекомендации («рекомендации человека, которого я восторженно почитаю»). Надеюсь, дело не ограничится словами. — То, что ты пишешь о своих литературных намерениях, доставляет мне истинную радость. Я так охотно читаю тебя, даже не говоря о том, что можно узнать через тебя. Ты так искусно поглощаешь свои мысли, я бы даже сказал, хитро, как человек нюансов, каким ты являешься. Небо благословит тебя за это в эпоху, которая становится всё грубее с каждым днём.
—Тем временем мне пытались предложить возобновить мою академическую деятельность. Я якобы должен читать лекции по культурной истории. — Странно! Чисто как вопрос отдыха эта мысль мне даже довольно близка. Но здесь есть подвох.
Пожалуйста, пришли мне, как можно скорее, деньги, которые вот-вот будут готовы (половину французскими, половину итальянскими, если это возможно и не доставит тебе хлопот). Я остаюсь здесь до 13 апреля. Мои глаза не позволяют дольше. Потом, вероятно, Венеция с её тёмными улочками; затем Энгадин; осенью я должен утешить мою старую бедную мать.
Господин Креднер готов «издать второй том „Утренней зари“» и написал мне, что желает «быть причисленным к моим почитателям». Такой веры в Израиле я ещё не встречал. Всё же — — —
Ах, сколько всего есть сказать и обсудить, дорогой друг! Передай сердечный привет твоей жене и её родным. В этом году я тоже съезжу в Мюнхен. — Преданный тебе друг Ницше.
(Очень занят. Кстати, не беспокойся, второго тома „Утренней зари“ не будет. —)
679. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
С этим письмом я хочу доставить вам удовольствие. Тем временем, во время переписывания, выяснилось, что невозможно издать новую книгу как вторую часть или новое продолжение. Она получает собственный заголовок (как и свой цвет и смысл) — и, я думаю, этим я тоже сделал вам одолжение. Этот заголовок:
заголовки глав звучат так:
Теперь вопросы формы: подумайте, пожалуйста, вместе со мной, как придать этой книге как можно более благородный и «непопулярный» облик: только так это будет соответствовать её содержанию.
Недавно присланный образец от Дю Буа-Реймона, который мне сам по себе очень понравился — он делает честь вашему (или Дю Буа-Реймона) вкусу — тем не менее не позволяет применить его к случаю моей книги: её нужно читать очень медленно, на странице должно быть гораздо меньше текста, она должна отказаться от претензий на учёность, как это выражается в таком большом формате — и я, наконец, хочу попробовать немецкие буквы. Немцев не заставишь иначе относиться серьёзно к форме, языку, вкусу книги. — Я хотел бы предложить: Мало строк: ок. 26, удобные интервалы (в чём, собственно, и заключается благородное впечатление от книги)
Средний формат
Тонкий велен
Содержание составляет примерно половину, максимум две трети «Утренней зари».
Пожалуйста, пришлите мне образец как можно скорее. Можно ли начать печать примерно через 2 месяца?
680. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
давно я не писал вам: причину этого я указал в своём последнем письме, — надеюсь, вы достаточно верите мне, чтобы этому поверить. Мои глаза переутомлены, переутомлены и «пере» во всех отношениях, — им пришлось слишком много сделать этой зимой, которая была мрачной зимой. И странно, как пригодность или непригодность моих глаз находится в прямой зависимости от степени освещённости! — Как много я был с вами, с заботами, с надеждами, с многими сердечными размышлениями о том, что, возможно, мне следует сделать. И как я был удивлён, услышав, что вы вернули достаточно сил и мужества, чтобы вернуться к написанию «Марианны»!
Это доставило мне большое удовольствие. Мне на совесть легло, что я пытался направить Ваш интерес в эту корсиканскую сторону, — и что в конце концов я отшельник, с отшельническим вкусом, который публично вообще не учитывается. В эпоху «оперетты» и хореографической поэмы (называется ли она Амор или Парсифаль) я, вероятно, отношусь к «несовременным». Очевидно, сегодня в театре хотят чего-то совсем другого, чем в прошлом веке, — и «опера» кажется мне устаревшей. —
Мне приходит в голову, что у венцев есть новый талант в оперетте, г-на Кремзера, чей «Посланник» (это молодой Ришелье) и т.д.
30 раз с аншлагом.В Карлсруэ поставили «Бенвенуто Челлини» Берлиоза — очень респектабельно для господина Моттля! Вы о нём что-нибудь слышали? — Я, к сожалению, нет.
На «Классическом концерте» в Монте-Карло (под управлением австрийца) я услышал старые вещи Рамо (1736 года), с большим любопытством; а также совсем новые современные произведения Массне, отвратительно-пестро оркестрованные. Я и не представлял, что можно так блудливо обращаться с оркестровкой.
Последнее музыкальное событие здесь — «русский хор», который объехал всю Европу и здесь, в Ницце, где живёт много русских, имел большой успех.Не у меня: хотя вокальные трюки хора сами по себе, пианиссимо, ускорения темпа и определённый чистый девичий тембр голоса, безусловно, заслуживают большой похвалы. Но сами произведения отчасти не были достаточно русскими (когда-то перекочевали из Германии, Италии или Турции?), отчасти русскими, но только в смысле и инстинктах простого человека (с крепостнической меланхолией даже в самых весёлых песенках); полностью отсутствовала мужская нота, выражение господствующих сословий и их гордости. Четыре концерта, первые с большими ценами (50, 20, 10 франков и ничего больше).
Я ещё не поблагодарил вас за ваше письмо, дорогой друг.
Если бы я только знал Вас во главе оркестра! Хотя бы на некоторое время: музыканту плохо живется, когда он пишет одни лишь партитуры будущего. Ваш опыт с Дрезденом имеет что-то гротескное, к чему я мог бы добавить несколько своих впечатлений об этом же Дрездене — почти каждую неделю меня снова обращают внимание на этот любопытный город. Например, вчера мне пишет кто-то, кто там обосновался, прося устроить ему профессуру философии, желательно в Пруссии: этот кто-то был — что Вы думаете? — сумасшедший Э. фон Хаген. На прошлой неделе один местный поэт предложил мне свою дружбу: его сердце, по отношению ко мне, раскрылось как полная роза. Буквально!
Я больше не отвечаю на такие curiosa.Проф. Роде принял приглашение в Лейпциг: и теперь половина философского факультета там мне «хороший друг» (Царнке, Хайнце, Лескин, Виндиш, Роде и др.)
Этой зимой я использовал время, чтобы написать нечто, что полно трудностей, так что моя смелость опубликовать это местами колеблется и дрожит. Оно называется:
По ту сторону добра и зла.
Прелюдия
философии будущего.
Поприветствуйте от меня вашего достопочтенного отца, с чьим самочувствием, надеюсь, всё лучше? Мне очень смешно представить вас его викарием. Вы не так уж плохо подходите? hein!
Votre ami
Н.
Отсюда 13 апреля еду в Венецию. Меня колет в сердце при мысли, что я не найду вас там. — И где я буду жить!
681. An Unbekannt (Entwurf)
Этой зимой я также завершил что-то, что-то забавное, оно называется
Принц Вольфрей
Песни и мысли
Сообщено
от
Ф. Н.
Не поверишь, что это от того же автора, что и "Заратустра" — и ещё меньше, что за обоими произведениями стоят одни и те же скрытые мысли. — — —
Теперь же о печати! Г-н Креднер был готов издать второй том "Утренней зари": после того, как он даже так далеко проявил свою готовность, я, надеюсь, смогу рассчитывать на него для "Принца Вольфрея". Недавно он написал мне, что желает "быть причисленным к моим почитателям"; также Моттль из Карлсруэ, хотя лично мне неизвестен и т.д.
682. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Позвольте мне представить вам начало и конец новой книги (нечто вроде посвятительного стихотворения и финального аккорда всего произведения), надеясь, что вы с большим вниманием отнесетесь к дальнейшим сообщениям и предложениям, которые я собираюсь сделать.
Книгу невозможно издать как «продолжение» или «новую серию» «Утренней зари»: в этом я убедился во время переписывания. Она слишком фундаментальна (и отличается по тону): сейчас я не могу назвать её иначе, чем так:
Теперь, когда я упорядочил весь материал, книга начинается с того гимна «Мистралю»: за ним следует длинное введение, которое пытается описать черты философии будущего, приход которой я предсказываю.
Далее
Первая часть: Книга освобождения
Вторая часть: Книга тайны (с вкрапленными стихами и эпиграммами)
Третья часть: Книга высоты
в конце — присланная песня «О, полдень жизни».
Объём значительно меньше, чем у «Утренней зари»: уже по этой причине нельзя издавать новую книгу как продолжение. Мне кажется, вам будет желательно знать, что эта книга не привязана к моим предыдущим работам.
— По моим расчётам, оно будет иметь объём «весёлой науки», которую я позволяю себе, в свою очередь, представить Вам.В одном пункте я должен непременно просить Вашего встречного шага и уступки — это вопрос формы и формата книги.
Предположим, что позднее появятся более крупные и объёмные вещи от меня, издание которых будет согласовано между нами, то я заранее обещаю с моей стороны «уступить» — но на этот раз должна новая книга полностью соответствовать всей моей предыдущей литературе: это вопрос приличия и этикета, при котором ценность именно этой книги решает.
Кроме того, привыкли к определённой форме и оформлению моих книг: она теперь относится к типу представленного в ней образа мышления. Простите мне, что я ради новой, такой решающей книги непременно прошу прежнюю форму.
Что касается гонорара, то моё соглашение с господином Шмецнером заключалось в том, что тираж в 1000 экземпляров принимался за норму: и что относительно последующих изданий ничего не устанавливалось заранее.
Это условия, на которых со мной связались, когда я c.24 года мне было; теперь, когда мне 42, я хотел бы, чтобы это было, если не лучше, то хотя бы не иначе, чем тогда. (Очень по-человечески, как мне кажется —)
Моя надежда, если глаза позволят, примерно через 2-3 недели закончить переписывание. К тому времени, возможно, у меня в руках будет слово от вас, которое успокоит меня в отношении моей сегодняшней просьбы. (Ибо я очень обеспокоен)
683. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Entwurf)
Могу ли я выразить надежду, что дело с ипотекой вашего покойного отца наконец улажено и завершено? Лично я испытал от этого невероятно много помех и неудобств; но вы за это не виноваты.
Вашим последним письмом, отправленным в Лейпциг, вы меня обидели, я не стану этого скрывать, — и еще меньше хочу возвращаться к затронутой в нем теме.
Наконец, вопрос, на который вам предстоит ответить "да" или "нет". В связи с подготовкой сборника моих стихотворений я хотел бы также получить право распоряжаться теми песнями, которые были напечатаны в 1882 году в вашей ревю: они будут "улучшены", расширены, частично сокращены и включены в этот сборник. Могу ли я?
684. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
всего несколько слов. Глаза требуют этого. Большое спасибо за письмо, деньги и две книги. В следующий вторник отъезд в Венецию, адрес просто poste restante. Возможно, я окажусь в гнезде Кёселица. Хайнце здесь, для моего отдыха, в котором я очень нуждаюсь. Зимняя программа точно готова, копия сделана собственноручно, ниточка привязана, дело завершено. Подобное никто не печатает для меня, тем более Креднер; и роскошь прошлого года не должна повторяться (я имею в виду печать за свой счёт). В конце концов: ничто не спешит. — Моттль сказал нет, очень мотивированно, борьба принципов в пользу Вагнера и т.д.
— Кёселиц сам отправил образцы своего оперного либретто «Марианна» (это корсиканская тема). Роде написал, сильно взволнованный. — Самым прекрасным было письмо из открытого моря, с окрестностей Кабо-Верде, от моей сестры: счастливое плавание, ни малейшей морской болезни и великолепные люди. Сестра Дойссена тоже участвует в проекте. Одна местная фабрика запросила мою рекомендацию, чтобы ввезти свои товары в Парагвай: забавно. В французской литературе главный успех этого года — «Преступление любви» Поля Бурже: первое столкновение двух самых интеллектуальных течений пессимизма, шопенгауэровского (с «религией сострадания») и стендалевского (с психологией, острой как нож и жестокой). О этом романе читают лекции: наконец-то снова «камерная литература», а не для толпы. Со стороны немцев, как я слышал, его называют «продуктом гниения», —Сердечно рекомендуя себя Вам и Вашей жене, Ваш друг
Н.
P. S. Хайнце рассказал мне о большом впечатлении, которое произвела «История догматов» Гарнака.
— Позволь мне порекомендовать тебе книгу, о которой в Германии не хотят ничего знать, но которая содержит многое из моего способа думать о религии и множество наводящих фактов: Julius Lippert, Христианство, народная вера, народные обычаи (Hofmann in Berlin, 1882.)685. An Bernhard Förster in Asuncion
Мой дорогой зять,
это производит на меня весьма странное впечатление — отправлять тебе первое письмо через море по делу. Некий господин Фер, владеющий здесь вместе с другим немцем фабрикой, обратился ко мне, чтобы его просьба была благожелательно принята тобой. Речь идет об ароматических эссенциях, которые он желает ввезти в Парагвай: — благоуханное предложение, адвокатом которого я с удовольствием выступаю. Господин Фер — родственник семьи Альберт Кёхлин, с которой я дружен, по всей видимости, надежный и порядочный человек, на которого ты, судя по всему, произвел почти соблазнительное впечатление своей зеленой книгой; в общем, с тех пор он увлечен Парагваем, думает даже о поездке туда и т.д. Он собирается написать тебе, — ну, какой смысл и ценность имеет его предложение, я не могу оценить, но человек достоин рекомендации. —
Уже неделю здесь Хайнце из Лейпцига: можете представить, как много говорили и говорят о вас!
Послезавтра же уезжаю: снова попробую Венецию, как в последние годы. Немного переработал; много переписывал; в конце концов, мне не хватает желания делать что-то из моего «публичным». Короче, ниточка вокруг рукописи — и в архив.
—Судя по газетным сообщениям, вы, должно быть, направляетесь прямо к революции в Монтевидео; фон этой борьбы заставил меня задуматься о ваших проектах. — В конце концов, эта Аргентина могла бы тиранизировать Парагвай как анклав своими пошлинами.
Извините! Кстати, этой зимой здесь были лекции о Южной Америке, в которых Парагвай был представлен в блестящем свете: а именно в отношении его жителей, в которых мягкие и трудолюбивые инстинкты чудесным образом сочетаются с героизмом и стойкостью в сильных чувствах. Лектор закончил мыслью, что человек, возможно, процветает наиболее красиво и полностью там, где он живёт ближе всего к природе. На что слушатели аплодировали. —
С самыми сердечными пожеланиями Ваш
Фридрих Ницше.
Адрес до середины июня: Венеция, до востребования. После — Зильс-Мария, Энгадин, Швейцария.
Смерть профессора Вишера-Хойслера в Базеле очень меня опечалила. — Роде уже в Лейпциге. Осенью я надеюсь попасть туда. С Креднером и Шмейтцнером — одно разочарование за другим.
Клэр Хайнце тоже хочет написать вам отсюда. Моё письмо, адресованное госпоже доктор Фёрстер, Асунсьон, Парагвай, до востребования, надеюсь, дошло до вас? —
686. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
Прости, моя дорогая мать, что я снова так молчал и не поблагодарил тебя даже за твое доброе письмо. Несколько газетных статей из базельских «Nachrichten», которые я случайно достал (к сожалению, только последние 3 номера), были отправлены тебе: они принадлежат недавно умершему швейцарскому государственному деятелю, ландамману Вигиеру, который 30 лет руководил правительством кантона Золотурн. Будучи студентом, он был в Берлине; и его воспоминания о 48-м году производят сильное впечатление из-за контраста, — кажется невозможным, что мы уже пережили такие совершенно противоположные состояния. Наконец: кто сегодня еще верит, что наше Германское государство просуществует 40 лет!Всё проходит быстро.
Хайнце здесь уже неделю, и между нами установилось весёлое и приятное общение, тем более что мы живём недалеко друг от друга. Также несколько прекрасных дней помогли: так что Хайнце очень довольны Ниццей. В глубине души я очень истощён, благодаря долгой работе и письму; также я отложил всю печать, я думаю осенью лично устроить кое-что для этой цели, когда приеду к тебе и в Лейпциг. С господином Креднером я почти снова в ссоре, между нами говоря. Также бывший издатель Шм
Смерть проф. Вишера-Хойслера в Базеле очень меня огорчила.
Роде ещё писал из Тюбингена, он с 8-го этого месяца в Лейпциге. —
В следующий вторник я уезжаю отсюда, в Геную и Венецию; мне больно, что я не застаю там хорошего друга Кёзелица.
687. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Уважаемый господин,
этим письмом я хотел бы предложить Вам издать мою философскую работу, которая под названием «По ту сторону добра и зла» была бы готова выйти в свет. Один из моих друзей, который как раз навещает меня здесь (гофрат Хайнце, профессор философии в Лейпциге), советует мне обратиться к Вам, учитывая, что именно у Вас я скорее всего найду смелость инициативы, необходимую для издания такой очень независимо задуманной и созданной книги. Мои читатели и последователи достаточно широко распространены, чтобы заранее сделать вероятной продаваемость книги; мои условия, с другой стороны, содержат, как я надеюсь, ничего, что могло бы показаться Вам несправедливым, тем более что это старые те же условия, которые мне всегда предоставлялись с моего 24-го до 42-го года жизни. В качестве гонорара за лист 40 марок, при тираже в 1000 экземпляров.
Оформление (набор, формат, бумага и т.д.) строго по образцу «Человеческое, слишком человеческое. Книга для свободных духов» — я беру одну из своих предыдущих работ, в принципе, они все в этом отношении одинаковы. При условии хорошей типографии: большинство моих книг напечатано у Тойбнера и К. Г. Наумана в Лейпциге.
Объем книги, вероятно, составит около 300 страниц.
— Условия для новых изданий сохраняются. — Печать начнется вскоре.Книга содержит десять разделов, заголовки которых звучат так: О предрассудках философов. Свободный дух. Религиозный гений. Женщина как таковая. К естественной истории морали. Мы, ученые. Наши добродетели. Народы и родины. Маски. Что такое благородство?
— Могу ли я надеяться, что этим, уважаемый господин, я сделал вам приятное предложение?
С глубоким уважением
Ваш преданный
Профессор доктор Фридрих Ницше.
688. An Carl Fuchs in Danzig
Вертер и дорогой господин доктор,
поверьте, даже без того, чтобы я засвидетельствовал это письменно (что мои глаза с каждым годом позволяют мне делать все меньше —), что вряд ли кто-то может следовать Вашим исследованиям и тонкостям с большим участием, чем я. Если бы только «участие» было достаточно! Но мне не хватает знаний и умений во всех тех областях, где лежит Ваше удивительно разнообразное дарование. Прежде всего: проходят годы, в которые мне никто не играет музыку, включая меня самого. Последнее, что я основательно усвоил, — это «Кармен» Бизе, — и не без многих, отчасти совершенно недозволенных задних мыслей обо всей немецкой музыке (о которой я сужу почти так же, как и обо всей немецкой философии); кроме того, музыка одного неоткрытого гения, который любит юг так же, как люблю его я, и у которого есть потребность и дар мелодии к наивности юга.
Упадок мелодического чувства, который, как мне кажется, я улавливаю при каждом контакте с немецкими музыкантами, всё большее внимание к отдельным жестам аффекта (я думаю, вы называете это «фразой», мой дорогой господин доктор?), а также всё большее мастерство в исполнении отдельных моментов, в риторических средствах музыки, в актёрском искусстве, в том, чтобы сделать момент как можно более убедительным: всё это, как мне кажется, не только совместимо друг с другом, но и почти взаимно обусловлено. Достаточно плохо! Всё хорошее в этом мире приходится покупать немного слишком дорого! Вагнеровское выражение «бесконечная мелодия» выражает опасность, порчу инстинкта и добрую веру, добрую совесть при этом самым милым образом.
Ритмическая двусмысленность, так что уже не знаешь и не должен знать, что́ здесь хвост, а что́ голова, безусловно, является художественным средством, с помощью которого можно достичь удивительных эффектов: «Тристан» богат ими — как симптом целого искусства, она всё же остаётся признаком распада. Часть становится господином над целым, фраза — над мелодией, момент — над временем (включая темп), пафос — над этосом (характером, стилем или как там его ещё назвать —), наконец, даже esprit — над «смыслом». Простите!
Что я, как мне кажется, замечаю, — это изменение перспективы: отдельное видно слишком резко, целое — слишком тускло, — и есть воля к этой оптике в музыке, прежде всего есть талант к этому! Но это — декаданс, слово, которое, как мы между собой понимаем, не осуждает, а лишь обозначает. Ваш Риман — для меня знак этого, как и ваш Ханс фон Бюлов, как и вы сами, вы как тончайший интерпретатор потребностей и изменений anima musica, которые, в конце концов, могут быть лучшей частью того, что есть âme moderne есть.
Я выражаюсь чертовски плохо, в отличие от Вас; я имею в виду, что в декадансе есть бесчисленное множество самого привлекательного, ценного, нового, достойного почитания, — например, наша современная музыка, и кто только по примеру трех только что названных является её верным и храбрым апостолом. Простите, если я добавлю: что дальше всего от вкуса декаданса, так это большой стиль: к которому, например, относится Палаццо Питти, но не девятая симфония. Большой стиль как высшее выражение искусства мелодии. —
Наконец, слово о большом теоретическом различии между нами, а именно в отношении античной метрики.
Конечно: сегодня я едва ли могу говорить об этих вещах, — но в 1871 году я мог бы это сделать, год, который я провел в ужасающем чтении греческих и латинских метриков, с очень странным результатом. Тогда я чувствовал себя самым отстраненным метриком среди всех филологов: ибо я демонстрировал своим ученикам всю эволюцию метрики от Бентали до Вестфаля как историю фундаментальной ошибки. Тогда я сопротивлялся изо всех сил тому, чтобы, например, немецкий гекзаметр имел какое-либо родство с греческим.
Что я утверждал, оставаясь при этом примере, так это то, что грек при чтении гомеровского стиха вообще не использовал других акцентов, кроме словесных, — что ритмическое очарование заключалось точно в временных количествах и их соотношениях, и не, как в немецком гекзаметре, в подпрыгивании иктуса: не говоря уже о том, что немецкий дактиль также принципиально отличается от греческого и латинского по временному количеству. Ибо мы произносим „Пятидесятница, прекрасный праздник, наступила, зеленели и цвели“ с чувством
, возможно, даже как триоли, но, конечно, не двучастно-торжественно с долгим слогом, который имеет продолжительность двух коротких.Именно строгое соблюдение длительности слога отличало стих в античном мире от повседневной речи: чего у нас, северян, совершенно нет. Нам практически невозможно прочувствовать чисто количественную ритмику, настолько мы привыкли к аффективной ритмике сильного и слабого, крещендо и диминуэндо. Но Бентли (это великий новатор, Г. Герман — лишь второй), как и немецкие поэты, верившие, что воспроизводят античные метры, наивно приняли наш способ ритмического восприятия за единственный и «вечный», за ритмику как таковую: примерно как мы все склонны понимать нашу гуманитарную и сострадательную мораль как мораль вообще и вкладывать её в более древние, принципиально иные морали. Нет сомнений, что наши немецкие поэты «в античных метрах» внесли в поэзию множество ритмических прелестей, которых ей не хватало (тик-так наших рифм-поэтов со временем становится невыносимым): но древний не услышал бы этих чар, и тем более не поверил бы, что слышит свои метры. — Французы легче понимают возможность метрики, основанной лишь на временной количественности: они воспринимают количество слогов как время.
— Вот, самое длинное письмо, которое я написал за годы: примите его как таковое и также во всех других смыслах как знак того, что и я не забываю «благодарности», мой дорогой доктор, который уже дважды угощал меня изысканными блюдами. — Откуда, ради всего на свете, у вас талант к causer en littérature? есть ли во мне французская кровь? —Наконец, слово гнева против вашего издателя и типографа. Как! «Тетради»? Тетради, которые не держатся, которые не сшиты! lucus a non lucendo! Примите эту шутку от старого филолога и оставайтесь все же благосклонны
Ваш преданный
Др. Фридрих Ницше,
бывший проф. классических
языков, а также метрики.
Прочтите, пожалуйста, книгу, которую знают немногие, Августин de musica, чтобы увидеть, как тогда понимали и наслаждались Горацианскими метрами, как при этом «тактировали», какие паузы вставляли и т. д. (Arsis и Thesis — всего лишь знаки тактирования).
Мой адрес, раз и навсегда: Наумбург-на-Заале. Оттуда мне все пересылают. Я сам «непостоянен и мимолетен» на земле — —
689. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Уважаемый господин,
несколько слов в ответ на Ваше любезное, но, к сожалению, отрицательное письмо. Я настолько верю в привлекательность и, следовательно, в продаваемость моей новой книги, что хочу сделать Вам предложение, которое станет серьёзным испытанием для этой веры. Вы найдёте меня готовым ждать оплаты гонорара до тех пор, пока не будет продано 600 экземпляров.
В остальном я сохраняю все условия, которые я выдвигал в последний раз.
С глубоким уважением Ваш
Профессор доктор Ницше.
690. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
всё ещё из Ниццы! В решающий момент, когда я хотел уехать в Венецию, погода изменилась, и некоторое ожесточение и зимнее состояние сохранялись до сих пор: так что я собираюсь улететь только в конце месяца. Куда? даже это не определено. Больше всего я хотел бы в Венецию: но состояние здоровья там достаточно сомнительно, и почти кажется, что тот, кто отправляется туда, попадает не только в опасность, но, что неприятнее, в карантин. Пока что последний объявлен только для морской стороны (и для всего Адриатического моря): но может скоро наступить момент, когда и с суши, например,
из Милана в Падую и Венецию надежно обеспечивал: короче говоря, что мне перекрыли обратный путь в Швейцарию. — Тем не менее: я на самом деле верю, что в решающий момент все же проберусь туда, — в конце концов, не так много вещей любишь, и среди них, по крайней мере у меня, есть только один город.
Конечно: Венеция без вашей музыки, дорогой друг! Мне больно до глубины души, когда я об этом думаю; вы не можете представить, какое благодеяние вы оказывали мне с Рекоаро, год за годом, и как ничто в сущности не давало мне этого облегчения, которое так необходимо моей тяжести и унынию, — как ваше искусство.
Я также остаюсь при своем мнении, что я прав в отношении вашей музыки: и не господин Моттль, — чье суждение я могу психологически объяснить, но никогда не приму! Пока что вам мешает вагнеризм; также немецкое огрубление и одурманивание, которые растут и растут с момента «Империи». Нам нужно подумать о средствах и способах защититься, чтобы вас и меня не заставили замолчать. Простите, что вмешиваю «себя»: но отрицательные письма немецких издателей дают мне впечатление, что сейчас у меня дела обстоят так же, как и у вас, что мы молча кладем наши «партитуры» в шкаф. —
И новую создать? Не так ли? Я безумно рад вашей корсиканской поэтической отваге.
За мощные стихи, которые вы прислали, tantissime grazie!
Что касается моей рукописи: ещё ведутся переговоры с берлинским издателем К. Хеймонсом (то есть издательством Карла Дункера). Предположим, и там ничего не выйдет — что ж, для меня в этом есть своя хорошая сторона. Ведь это ужасная книга, которая на этот раз вылилась из моей души, — очень мрачная, почти как чернила кальмара. У меня такое чувство, будто я схватил что-то «за рога»: уж точно это не «бык». — —
Если вы когда-нибудь будете писать своим замечательным людям в Венецию: пожалуйста, дайте им понять, что для меня очень важны две вещи. Во-первых, чтобы пол в комнате был покрыт ковром: я так легко простужаюсь. И затем: большое удобное, учёное кресло (во Франции это мебель называют понятливо «un Voltaire»). В крайнем случае можно такое арендовать: конечно, за мой счёт. —
Ваше предложение снова помочь мне с корректурой — великолепно. Если всё сложится хорошо, то вместе получится: Венеция, печатные листы и гондолы или прогулки по Fondamenta nuove. Мне как раз очень нужны отдых и покой. —
Передаю вам и вашим уважаемым родителям мои самые искренние приветы и пожелания
Ваш
старый друг
Н.
691. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, всё ещё в Ницце, где внезапное ожесточение и зимнее похолодание климата заставили меня ждать: плюс плохие новости о состоянии здоровья в Венеции. Мне нужна передышка, как давно не было; мне не хватает людей, которые могли бы её обеспечить. Глаза, болезненные днём и ночью, запрещают чтение и письмо. Последнее, что я читал, была книга доктора Фукса („Брошюра“? — lucus a non lucendo —) „безумно“ интересна и тонка, хотя я не согласен с всем фундаментальным. Я также поблагодарил его. Роде написал, очень взволнованный своим уходом из Тюбингена: хочет найти меня в мае в Лейпциге, как и моя мать. Последние новости от моей сестры снова вызывают беспокойство, кажется, она плохо переносит жаркий климат. Её первое письмо, посреди моря, недалеко от Кабо-Верде, было весёлым, отличное плавание и компания. Одна сестра Дойссена собирается туда. Местная фабрика искала моего покровительства для импорта в Парагвай: что показалось мне très ridicule. — Какой плохой зимний сезон! —
Твой друг
Н.
692. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мать,
три слова, прежде всего благодарности за твое доброе письмо. Наши заботы общие, в сущности, я верю, что все мы не созданы для жаркого климата. Не говоря уже о всех физических последствиях, он разрушает мужество и силу воли: поэтому твое больное животное отправляется в такие холодные летние курорты, которые можно спутать с мягким январем в Ницце: — я имею в виду, что нам нужно много мужества и силы воли.
Последнее время было очень тяжелым и плохим для меня, на самом деле это была пытка, при которой все, что обычно приносит облегчение, становится трудным.
Гнев на моих издателей впереди: ничего не выходит с Креднером (хотя сегодня я сделал последний косвенный шаг через письмо Хайнце); ничего не выходит и с другими издателями, к которым я обращался. Это плохо во многих отношениях; одно из последствий, о котором я упоминаю только ради тебя, заключается в том, что я лишаюсь определенной ожидаемой суммы денежной помощи на этот год, — на эту сумму я и планировал поездку к тебе! Ну, подождем, что будет.
Послезавтра я еду в Венецию, хочу тихо походить и, насколько это возможно, восстановиться от сильного недомогания.
Возможно, я живу в старой комнатке доброго Кёселица (в отношении которого я также получил из Германии новый отрицательный ответ, от придворного капельмейстера из Карлсруэ: это сильно меня потрясло, потому что я думал, что здесь у меня была выиграшная игра.Мой адрес пока что:
Венеция (Италия)
до востребования
Другие годы, не так ли? устроим небольшую встречу на полпути; мне кажется, это абсолютно несовместимо с моими финансами, чтобы поставить поездку в Наумбург туда и обратно на мой годовой бюджет. Не говоря уже о здоровье: ведь ты не можешь поверить, какое усилие мне снова пришлось приложить прошлой осенью, чтобы не слишком выдавать меланхолию страдающего.
С сердечной любовью, Твой сын
692a. An Sophie Vischer-Heusler in Basel (Entwurf)
Ещё с моего последнего визита в Базель, где я провёл утро в вашем доме (вы сами были в отъезде), у меня сохранилось впечатление о глубоком доверии, которое мы, я могу это сказать, питаем друг к другу.
Могу ли я добавить, что мне лично кажется, будто часть моей собственной жизни была похоронена вместе с ним: он принадлежал к тем людям, которым я обязан многим доверием и расположением, в возрасте, когда ещё никак не можешь претендовать на то и другое.
которое обязывает меня выразить вам знак моей скорби и глубокого сочувствия. Редко мужчины оплакиваются так, как оплакивают вашего выдающегося супруга: людьми самых разных взглядов и стремлений, которые, однако, единодушны в желании оставить после себя такую же добрую память, как у него, как верные, доброжелательные и неутомимые друзья всего доброго и справедливого.
В своём следующем письме я сообщу сестре о вашем большом горе: через море, как вы узнаете.
693. An Sophie Vischer-Heusler in Basel
Уважаемая госпожа профессор,
через Наумбург ко мне пришло это необычайно болезненное и неожиданное известие, которое обязывает и меня выразить вам знак моей скорби и глубокого сочувствия. Редко мужчины так оплакиваются, как оплакивается ваш выдающийся супруг: людьми самых разных взглядов и стремлений, которые, однако, единодушны в желании оставить после себя такую же добрую память, как у него, — как верные, бескорыстные, благожелательные и неутомимые друзья всего доброго и справедливого.
Могу ли я добавить, что для меня лично с ним уходит в могилу часть жизни и прошлого, о которых я с удовольствием и большой благодарностью вспоминаю: он принадлежал к тем замечательным базельским коллегам, которые встретили меня, в то время жизни, когда еще мало можно претендовать на доверие и в основе нужно еще "доказать" себя, с безусловным доверием и готовыми помочь советом и делом, по примеру своего достойного уважения и незабываемого для меня отца. Еще от моего последнего визита, который я ему нанес в Базеле (два года назад, вы сами были в отъезде —), у меня осталось впечатление того глубокого доверия, которое мы, я могу это сказать, имели друг к другу.
В своем следующем письме я сообщу моей сестре о вашей большой потере, уважаемая госпожа профессор (через море, вы, без сомнения, знаете о ее переезде в Парагвай?); и я знаю, что она будет так же глубоко потрясена, как и вы, и как я. Если в этом году я сам приеду в Базель, я позволю себе свободу повторить вам устно то, что я здесь написал,
как ваш глубокоуважающий
преданный и очень
опечаленный друг
Профессор Доктор Ницше.
694. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Вчера вечером я прибыл в Венецию после нескольких недель мучительной неопределенности, свидетельством которой было и письмо тебе, дорогой друг. — Мои переговоры с издателями до сих пор провалились при небезынтересных обстоятельствах; последнюю попытку предпримет Хайнце, — но здесь все как с негативом Моттля: все эти господа хотели бы очень охотно, но они не могут. (Общественное мнение как совесть — ) Я сижу в гнезде вылетевшей певчей птицы: адрес Сан-Канчиано, калле нуова 5256.
695. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Дорогой друг, я сижу здесь в вашем гнезде, не представляя вас, улетевшую певчую птицу, никаким образом. Ибо мне нехорошо, мои глаза мучают меня день и ночь. Погода великолепно ясная и свежая, но — я не должен ничего видеть, и всё причиняет мне боль.
В общем: я уезжаю в ближайшие дни через Мюнхен в Наумбург, чтобы спрятаться в лесу. Мой адрес, следовательно, Наумбург-на-Заале: — также на случай корректурных листов…
Ваши люди здесь замечательные; мне кажется, что зимой (когда свет не так интенсивен) здесь можно было бы хорошо жить.
Под концертной программой я прочитал в качестве дирижёра Эдоардо Сассоне, почему не Энрико? — —
696. An Max Heinze in Leipzig (Entwurf)
Огромное спасибо за все ваши усилия! В конце концов, я считаю, что будет разумно принять на этот раз господина Креднера, несмотря ни на что, — я не хотел бы, чтобы эта книга пострадала из-за плохой репутации издателя.
Передайте ему, если я могу попросить, рукопись, вместе с прилагаемым листом, который содержит мои пожелания для типографии.
Я болен, без общества, днем и ночью страдаю от глаз: последний пункт заставляет меня отказаться от пребывания в Венеции (где ослепительно ясно, но очень свежо, почти холодно).
До встречи в Лейпциге или — Таутенбурге! —
697. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Прошу немедленно приступить к печати. Еженедельно 3—4 листа.
Глубокий чёрный цвет, крайне желателен для меня в отношении моих страдающих глаз.
Последнюю корректуру выполняем я и г-н Кёселиц: так что одновременно 2 оттиска отправляются г-ну Кёселицу и 1 оттиск — мне. Наши оба адреса прилагаются На руки владельцу типографии.
698. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мать, дела идут неважно. Мне невыносимо в Венеции. Глаза слишком болят — и мне не хватает развлечений. Короче, я собираюсь в эти дни приехать к тебе, разве что немного задержусь в Мюнхене. —
С Креднером еще что-то будет, по крайней мере, сейчас так кажется. —
На этот раз твоему сыну действительно нужно, чтобы о нем позаботились.
С любовью, твой Ф.
699. An Irene von Seydlitz in München
Уважаемая подруга,
ничто не могло быть более любезным, чем намерение Вашего письма ко мне, — которое побуждало меня подумать о себе самом. Но именно это, как кажется, превышает мои силы, благодаря пожизненной избалованности: этой зимой было столько другого, о чём нужно было думать, лежало на мне столько другого и столь тяжёлого, что у меня не было даже времени подумать о себе, к чему Ваши строки действительно содержали самое дружеское приглашение. Возьмите всё это буквально, как бы безумно это ни звучало. Но человек, подобный мне, погружён в свою проблему — в свою «задачу», как, пожалуй, говорят?
— напряжённо, как в красивом старинном орудии пытки: если однажды это «пережито», то на долгое время остаёшься разбитым. Например, сейчас: рукопись с коварным названием «По ту сторону добра и зла» — один из результатов зимы; другой — лежит здесь, в Венеции, я сам, возможно, по ту сторону добра и зла, но не тошноты, скуки, меланхолии и боли в глазах. —Этой зимой я не раз видел имя моего друга Зейдлица в «Новой свободной прессе» или где-то ещё — очень победоносно, как мне показалось? — Кажется, я читал о поручении в Болонью? Это навело меня на мысль, что, возможно, вы вместе планируете южные планы. И могу ли я узнать, где вы собираетесь прятаться от большой жары? — Наконец, прошу не удивляться, если вдруг увидите меня в Мюнхене. «Проездом», как говорят по-итальянски. В этом году я должен помочь матери, чтобы она не слишком тяжело перенесла потерю другого ребёнка. — Кстати, новости хорошие, морское путешествие было великолепным. —
Будьте в хорошем настроении! (Первое условие вечно-женственного, по-моему: уметь смеяться, в голове — сплошная чепуха.)
С благодарностью и преданностью
Ваш
Фридерикус Нукс Крукс
Люкс Дукс и т.д.
700. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мать, если здоровье не помешает, я сегодня днём в 1/2 6 отсюда (Мюнхен) на скором поезде отправлюсь к тебе. Это значит: я приеду завтра очень рано в Лейпциг (3 часа 53) и поеду первым поездом дальше в Наумбург. Я совсем не хочу, чтобы ты была на вокзале: это слишком рано и неудобно для тебя.
С любовью, твой Ф.
Нет! Я приеду только в четверг утром.
701. An Albert Erlecke in Chemnitz (Entwurf)
Уважаемый господин, сожалею, что столь быстрое исполнение вашего желания, выраженного в вашей телеграмме, было совершенно невозможно. Мой банкир прежде всего потребовал узнать что-то о вас и ваших обстоятельствах; из вашего письма не было понятно, есть ли достаточные гарантии и обеспечение запрошенных денег.
Более раннее письмо, на которое вы ссылаетесь и которое, возможно, содержало соответствующие сведения, к сожалению, не дошло до меня. — Насколько я могу судить о ситуации издалека, господин Шмейтцнер сейчас очень заинтересован в продаже своего издательства: вероятно, он предложит его вам и по более низкой цене.
702. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Но что они за человек! Нет ответа на мои письма, даже получение рукописи мне не подтвердили, условие, которое я поставил (чтобы печать началась немедленно, — — —
У меня нет терпения к медлительным деловым людям, и тем более к невежливым.
Вы делаете невозможным для меня дальнейшее общение с вами: и я буду рад, если я — — —
703. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Я сожалею, что вынужден объяснить вам, что в дальнейшем мне невозможно поддерживать с вами деловые отношения. Вы не ответили на мое письмо из Ниццы <не ответили> и даже не соизволили, как я дал вам понять через гофрата Х<ейнце>, извиниться за это упущение. Вы не уведомили меня о получении М<анусрипта> и не выполнили условие, при котором я передал его в ваши руки (немедленное и самое быстрое завершение печати). Наконец: вы молчите даже на мою срочную телеграмму от воскресенья: достаточно причин для меня, чтобы положить этому конец и иначе распорядиться моей рукописью: пожалуйста, отправьте ее с ближайшей почтовой возможностью в Наумбург.
704. An Elisabeth Förster in Asuncion
Мой дорогой Лама,
Всё, почти всё, что ты мне сообщил, звучит смело и весело: так что я могу сильно сократить свои поздравления с днём рождения на этот раз (к чему меня, с другой стороны, вынуждают глаза), — оставайся таким, какой ты есть, смелым и весёлым, и «не давай себя вывести из равновесия»! Последнее, собственно, — наш девиз здесь, который я каждый день кричу или заставляю кричать мне нашей матери несколько десятков раз по возможным или невозможным поводам. Для чего, как тебе, вероятно, уже сообщали, в моём случае достаточно поводов. Издательская нужда длится уже 3 месяца и была, наконец, сброшена мною таким же дорогостоящим, но баронским образом, как и в прошлом году.
Из Венеции я успел уехать вовремя, а теперь там бушует холера, и город окружен карантинами на суше и на море. В мае у нас был жаркий день, который снова дал мне понять, как ты, должно быть, себя чувствуешь: но мне кажется, что ты легче переносишь жару, чем я, — и, вероятно, ваш воздух не такой густой, как в Наумбурге. От Сейдлица хорошие и любящие письма; последнее из Берлина, где, как говорят, торжествует японизм. Роде я слушал в Лейпциге на лекциях: но в конце концов я сказал себе: «сегодня я уже ни с кем не меняюсь». — И Лейпциг не является для меня ни убежищем, ни местом отдыха, — это ясно. Скорее, Мюнхен: хотя это еще предстоит проверить.
— Без Ниццы и Сильс-Марии мне не обойтись: промежуточные акты, где мне прежде всего необходим человеческий обмен как лекарство, ещё предстоит изобрести.Вот и всё от меня, моё дорогое дорогое Лама! Твои сообщения о старых друзьях, которые сделали милый крюк через Парагвай, были очень ценны. Я думаю, что ежедневное утреннее наслаждение мате, которому я здесь предаюсь, — хороший знак того, как много я о тебе думал и как охотно я от тебя услышал. Моему превосходному шурину самые тёплые приветы: письмецо от меня из Ниццы вряд ли дошло?
В верной братской любви
Твой Ф.
705. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Уважаемый господин,
большое спасибо за присланный расчёт: признаюсь, я надеялся, что Вы вычислите ещё более низкую цену. С бумагой я согласен: она мне нравится. —
Наконец, я искренне прошу Вас ускорить печать настолько, насколько это возможно, и завершать не менее 3 листов каждую неделю. Причину я уже Вам назвал: я не хочу терять лето, которое предназначено для более масштабной работы, — до окончания печати мне не хватает той свободы и беззаботности, которые требует совершенно новый круг мыслей. Все продуктивные люди торопятся.
С выражением личного доверия
Ваш
преданный
Проф. Д-р Ницше
706. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Telegramm)
Встреча очень желательна. Возможно, на неделю? Ауэнштрассе 48 2.
Ницше
707. An Paul Heinrich Widemann in Bernsdorf (Postkarte)
Дорогой Вертер, было бы прекрасно, если бы я мог увидеть вас здесь, в Лейпциге: я остаюсь до конца недели. Мой адрес — Ауэнштрассе 48, 2-й этаж справа. Господин Кёзелиц тоже здесь с воскресенья. — И кто знает, когда представится такой хороший случай снова! — Приезжайте, если это возможно!
С сердечным приветом и пожеланиями
Ваш Ницше
708. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Ненумерованный, обозначенный тремя звёздами отрывок, который сейчас открывает четвёртую главную часть („Ах, что вы всё-таки и т.д.“), должен быть убран отсюда и перенесён в конец девятой главной части, то есть в конец книги. Там он получит последний номер и потеряет свои звёздочки.
Проф. Ницше.
Отныне корректуру снова, как и сначала, для господина Кёселица в Аннаберг (Рудные горы)
для меня — Наумбург на Заале.
709. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Уважаемый господин, в отличие от моего вчерашнего сообщения, сегодня я должен сообщить, что остаюсь здесь, в Лейпциге, на этой неделе, как и господин Кёзелиц.
С глубоким уважением
Проф. Д-р Ницше.
710. An Arthur Nikisch in Leipzig (Entwurf)
Г<енрих> К<ёзелиц>, тот же композитор, который четыре года назад представил вам своё первое произведение «Шутка, хитрость и месть», просит через меня разрешения отправить вам свою вторую, как он надеется, более исполнимую и во всех отношениях зрелую оперу «Лев Венеции» (готовая в партитуре и клавирном издании). Он придаёт большое значение тому, чтобы его произведение оказалось в руках одного из тех редких интерпретаторов, у которого есть сердце и для весёлого, южного, моцартовского мира звуков.
Он считает, что должен быть очень благодарен вам за решительную критику, которую вы тогда высказали по поводу его оркестровки: надеемся, что он основательно воспользовался ею! Я сам, если позволительно добавить, придаю большое значение этому новому радостному, даже безудержному произведению — — —. Увертюра к нему была исполнена в 1885 году с выдающимся успехом в Цюрихе (на концерте в Тонхалле).
711. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
несколько слов из Лейпцига, как поздняя благодарность за твое письмо, которое настигло меня в Венеции. Хорошо, что я сбежал из этого очага холеры, как бы неприятны ни были причины для этого. Было бы много чего рассказать, — но писать? Нет! С глазами совсем плохо. Шмейтцнер, как я узнал в самый подходящий момент, собирался сыграть со мной злую шутку, а именно продать всю мою литературу одному из самых грязных и оскорбительных персонажей саксонской книжной торговли (этот человек неоднократно наказывался за распространение непристойных сочинений, также является социал-демократом, признанным продажным и т.д.). Моя попытка вмешаться, по крайней мере, немного отложила и задержала это дело.
Лейпцигский издатель (не совершенно ненадёжный и капризный Креднер) сейчас ведёт переговоры со Шмитцнером о покупке моих сочинений (т. е. оставшихся экземпляров) — но наглый Шмитцнер, (который имеет представление о моём безвыходном положении и использует его в своих интересах) требует наглую цену в 12 000 марок. —
Нового издателя для чего-то нового я не смог найти: множество неприятных опытов в этой главе привело меня к отречению. В сущности, это поиск, ожидание и разочарование стоили мне почти полгода. Мои сочинения, говорили мне в Лейпциге, — это «музыка будущего»: что я принял к сведению.—
Затем стало необходимо сделать что-то для господина Кёзелица, так как с тех пор, как он сам начал заниматься своим творчеством, всё застопорилось. Здесь, в Лейпциге, я хотя бы добился одного — частного исполнения в Гевандхаусе последнего произведения Кёзелица (септета) с исключительными артистами, лучшими силами оркестра Гевандхауса. Результат был поучительным, хотя и не приятным — музыка звучала нехорошо, слишком густо; я считаю, что самое время, чтобы Кёзелиц решил жить в настоящем музыкальном городе, чтобы учиться и слышать в отношении оркестровки.
Что касается оперы, я как раз веду переговоры с Никишем (без особой надежды на успех). Кёзелиц принес мне готовый текст корсиканской оперы («Марианна» называется она), который он написал в Аннаберге. Однако я не смог одобрить его, несмотря на то, что следует признать смелость, с которой он взялся за задачу. Через год он сделает это лучше. —
Господин Видеманн навестил меня здесь: это достойный, почтенный и тонкий человек, хотя его философия пока кажется мне совершенно начинающей. Но это уже что-то, так начинать. —
Но Роде! Я застал его в самом странном затруднении, вне себя от глупости, что он покинул Тюбинген, и в глубоком противоречии с Лейпцигом: так что его решение переехать в Гейдельберг (что между тем формально и произошло) в итоге было разумным, faute de plus raisonable. Это между нами: хотя я думаю, что сегодня дело уже решено окончательно (ответ саксонского министра). — Баварская трагедия глубоко потрясла меня, я слишком много знаю о ее предпосылках. —
В Мюнхене было несколько великолепных часов у твоих родственников. Лето вероятно в Зильс-Марии. Вскоре карточка об этом.
С прежней любовью твой
Ницше.
712. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Дорогой друг, пожалуйста, продолжайте присылать листы сюда (Лейпциг, Ауэнштрассе 48 II). По крайней мере, на этой неделе я еще хочу остаться, так как погода слишком прохладная, чтобы идти в горы. Не могли бы вы что-нибудь разузнать о Рейценхайне? Каково там питание? Есть ли рядом лес? Какие там дороги? Где лучше всего остановиться?
Выражая вам свою сердечнейшую благодарность за наше совместное пребывание
Ваш друг Ницше.
Здоровье только сегодня начало улучшаться.
— Пожалуйста, не забудьте о клавирной аранжировке: „через эти ворота он должен прийти“, а именно успех.
713. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мать, всё ещё слишком свежо, чтобы ехать в горы. На этой неделе я, вероятно, останусь здесь. Всё, что придёт, пожалуйста, немедленно отправляйте сюда! — В пятницу было музыкальное выступление в Гевандхаусе. В субботу и воскресенье я был сильно болен. Сегодня лучше. Г-н Кёзелиц уехал. С благодарностью вспоминаю наше последнее свидание!
Твой сын.
Шмейцнер предлагает 12000 марок за мои книги: это слишком много для г-на Фрича. — Шмейцнер приехал сюда по этому поводу в спешке.
714. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Дорогой друг, большое спасибо за вашу информацию: проспект (который я вскоре верну, вместе с очень достойным чтения произведением Альфиери) проинформировал меня достаточно и избавил от поездки (— там слишком дорого для меня —).
Завтра вечером я уезжаю в Зильс-Мария! Следующий том (десятый — который отправляется сегодня вечером) прошу направить мне в Кур (Швейцария) до востребования.
У Фрича прибыл ваш чардаш.
Живите хорошо, а именно весело и храбро, как старый рыцарь гай сабер, и передайте привет вашим уважаемым родителям.
Ваш друг Н.
Роде назначен тайным советником. —
715. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, могу ли я попросить тебя завтра (в воскресенье) приехать сюда и облегчить мне отъезд? Также привезти чемодан, упакованный и завязанный? Вместе с ночной рубашкой (ибо уже 3 недели я все еще ношу те же ужасные арестантские рубашки). Само собой разумеется, что твои дорожные расходы не должны ложиться на тебя!
Я встречу тебя на вокзале (около 11 часов) и мы поедим в "Панораме".
С любовью,
Твой сын.
Также принеси маленький литературный календарь за 1885 год! В шкафу на книжной полке лежащий, насколько я помню — маленькая книжечка, спереди портрет Готфрида Келлера.
716. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, послезавтра надеюсь быть в Сильс-Марии. Прошу прежнюю услугу — прислать мне туда деньги в прежней форме.
С прежней верностью
Твой Фр. Ницше.
717. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая добрая мама,
в Кур я прибыл, как и следовало ожидать, после огромного напряжения, больной. Даже сейчас ещё болит голова. Но я уже совершил чудесную долгую прогулку по лесу в укрепляющем горном воздухе. Путешествие было прекрасно организовано: я не могу достаточно поблагодарить тебя за твоё присутствие и помощь. В сущности, всё было правильно, что я приехал к тебе на эту весну. Но в следующий раз мы должны договориться наоборот, не так ли? моя дорогая, дорогая мама!
С самым сердечным благодарением
Твой Ф.
Адрес: Зильс-Мария, Верхний Энгадин, Швейцария.
718. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Дорогой и уважаемый господин,
само собой разумеется, что я недоступен для всех попыток сближения Шм<еитцнера>: он прислал мне прилагаемое письмо, а также телеграмму того же содержания. Как он дошёл до абсурдной мысли, что я сам должен выкупить свои книги, я не знаю: то, что он сказал вам о предложении в 1000 марок, полностью выдумано. — Пока что, конечно, я молчал: если вы пожелаете, чтобы я ещё раз письменно дал ему понять, насколько нелепым кажется мне его предложение, то я к вашим услугам.
—Прошлой осенью я предположил, что осталось совсем немного экземпляров «Человеческого, слишком человеческого», и спросил у него, сколько он за них хочет. Тогда я узнал о значительном количестве имеющихся экземпляров, — он хотел уступить их мне за 2500 марок: на этом наши переговоры закончились. Креднер (не «друг») подумал о том, чтобы выкупить оставшиеся экземпляры и организовать новое издание. Это между нами.
Мне было бы большой облегчением, если бы моя литература наконец благополучно прибыла в ваш порт! Надеюсь, вы скоро сможете обрадовать меня этой новостью.
С сердечным приветом
Ваш
преданнейший
Проф. Др. Фридрих Ницше
NB. Сравните цифры экземпляров с данным вам списком. Мне кажется, не всё сходится.
NB. Я рассказывал вам, что тот Эрлекке хотел у меня денег — и что, когда я поинтересовался, кто это такой, я [+ + +] ген. Ф. Н.
719. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Помогите, дорогой друг, и в этом — К. Г. Науманн присылает мне прилагаемый проект объявления о моей книге для книготоргового бюллетеня. Пожалуйста, сделайте небольшую редакцию и улучшение; нужно найти несколько более значимых выражений, — я сам совершенно неспособен и нетерпелив для этого. Да и не хочу я этого снова видеть: вы, дорогой друг, избавляете меня от необходимости делать собственную рекламу, не так ли? —
— То, что меня называют с моими титулами, возможно, вполне уместно для книготорговцев. Конечно, их нет на титульном листе.
— Три последние раздела имеют следующие заголовки:
Народы и отечества.
Что благородно?
С высоких гор. Послесловие.
— Тем временем мою глубокую благодарность за письмо и усердие в правке: действительно, ваша посылка всегда приходит всего на пару часов позже, чем от Науманна: — что едва ли происходит по правилам.
Прекрасно холодно, великолепная природа, «покой, величие, солнечный свет» - - -
Пожалуйста, сообщите (при случае отправки Науманну), что я согласен со всеми его предложениями.
С прежней преданностью
Ваш друг Н.
720. An Franz Overbeck (Entwurf)
Я тоже, мой дорогой друг, очень хотел бы увидеть тебя в этом году; но я уже вижу, что ничего не выйдет. Моё желание провести лето в Тюрингенском лесу, а осень в Мюнхене, потерпело неудачу из-за форс-мажора (или форс-минора) моего здоровья. До сих пор это было долгим испытанием терпения; я, как мне кажется, не нытил; но теперь я чувствую ужасные лишения и их последствия: вместо того, чтобы восстановиться, как мне было необходимо, я измотал себя этим пребыванием в Германии.
Фрич и Шмицнер до сих пор не договорились.
В эти дни Шмеитцнер напрямую предложил мне выкупить мою литературу за 12500 марок; точно так же Эрлекке хотел денег от меня, чтобы заполучить книги себе. Короче, всё та же старая путаница, к которой я молчу и жду. Постыдное пренебрежение, которому я подвергался со стороны Шмеитцнера, теперь полностью вышло на свет: он не распределил ни одного экземпляра моих книг среди книготорговцев за 10 лет, у него даже не было комиссионного склада в Лейпциге, он не дал ни одного объявления, не разослал ни одного рецензионного экземпляра: книги (от «Человеческое, слишком человеческое» и далее) всё ещё не опубликованы.
Мои переговоры со всеми возможными издателями в итоге показали мне единственный выход, по которому я теперь иду. Я пытаюсь опубликовать что-то за свой счёт: предположим, будет продано триста экземпляров, тогда я покрою расходы и, возможно, смогу повторить эксперимент. Фирма C. G. Науманн даёт своё весьма почтенное имя для этого (значит, на обложке будет: Издательство Константина Георга Науманна). Это строго между нами.
Надеюсь, книга скоро будет готова, чтобы порадовать тебя на летнем отдыхе, причем замечу, что даже в неприятно свежем климате она может быть воспринята как очень свежая.
Мысль проводить несколько месяцев в году в Германии для отдыха (например, в Мюнхене) я снова отложил: и Мюнхен не перестает привлекать меня самым обаятельным образом: Сейдлицы, с которыми я после многолетнего опыта общаюсь сердечнее и ближе, чем когда-либо; а также выдающийся акварелист Ханс Бартельс с женой, которые хотят взять на себя мое обустройство; последний недавно писал мне из замка Берг, как сильно Леви радуется тому, чтобы провести со мной зиму в Мюнхене.
На очередной охоте за хорошими оригинальными книгами я снова наткнулся на что-то мюнхенское: на работу Нэгели <Механико-физиологическая теория> <эволюции> (произведение, которое дарвинисты робко отодвигают в сторону) — и ещё на <Антропогеографию, или Основы применения географии в истории>, которую я тоже взял с собой, но не для того, чтобы посмеяться (он принадлежит к кругу Грегоровиуса, Морица Вагнера и прочих самовлюблённых посредственностей, которые страшно восхищаются друг другом и курят фимиам)
должен признаться, что не только климатическая непригодность заставляет меня отказаться от этого плана.
У меня там нет никого, кто имел бы понятие о том, что меня волнует; и даже если отвлечься от этого лишения личной заботы и деликатности, которые позволили бы мне быть тем, кто я есть — как это необходимо для отдыха — я ещё меньше знаю кого-то, с кем мог бы разделить свои очень личные заботы и проблемы.
Жизнь в Германии совершенно невыносима: она действует на меня отравляюще и парализующе, и моё презрение к людям растёт там каждый раз в опасных пропорциях, как только я вступаю в контакт с «образованными». Особенно вредна жизнь в немецких университетах, за которой я снова наблюдал.
Действительно, дорогой друг, даже если тебе нечего завидовать, твоё положение всё же не вызывает сострадания: в нём есть что-то тонкое и осторожное. — —
С тех пор, как я уехал, я прошёл долгое испытание терпением, которое не должен скоро повторять. Не считая общения с моей матерью, которую я застал более весёлой и уверенной в себе, чем когда-либо, в её милом гнёздышке (приходят одни хорошие и радостные новости из Южной Америки), не было ни одного переживания или встречи, которые бы не унизили меня — или, вернее, которые не должны были бы унизить меня, если бы я сейчас ещё был легко сбиваем с толку.
Жить в ложной среде, уклоняться от своей жизненной задачи (что я делал, пока был филологом и университетским преподавателем), неизбежно губит меня физически; и каждый шаг на моём пути приближал меня к здоровью даже в самом телесном смысле. Каждая поездка в Г<ерманию> до сих пор по указанной причине была откатом, ослаблением моих сил: к сожалению, такие поездки всегда были необходимы по тем или иным причинам. С другой стороны, я доволен своей последней поездкой (последствия которой я ещё не преодолел), потому что благодаря ей многое, если не приведено в порядок, то хотя бы прояснилось — и потому что отныне мне можно будет избегать таких поездок.
Хотя Фрич еще не смог договориться с Шмицнером: но, возможно, это еще произойдет, так как Фрич, похоже, придает большое значение тому, чтобы иметь в своем издательстве всего Ницше, как и всего Вагнера (соседство, которое также мне по душе; ибо, в общем и целом, Вагнер был единственным, по крайней мере первым, кто имел представление о том, что я собой представляю. (Чего, к сожалению, Роде не имеет ни малейшего представления, не говоря уже о чувстве долга перед мной) В этой университетской атмосфере лучшие вырождаются: я постоянно чувствую в качестве фона и последней инстанции даже у таких натур, как Роде, общее проклятое безразличие и полное отсутствие веры. Кто бы понял, что такой человек, как я, с детства живет между проблемами, о которых молчат и от которых хочется убежать? Вагнер понял это; и поэтому Трибшен был для меня таким отдыхом; тогда как сейчас у меня нет ни места, ни человека, которые были бы годны для отдыха.
721. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
и я бы очень охотно увидел тебя в этом году: но я уже вижу, что ничего не получится. Мое намерение провести лето в Тюрингенском лесу, а осень в Мюнхене терпит неудачу из-за форс-мажора (или минора) моего здоровья. Жизнь в нынешней Германии мне совершенно не подходит, она действует на меня отравляюще и парализующе; и мое презрение к людям растет там каждый раз в опасных пропорциях. Поэтому я полностью согласен с твоим добрым желанием быть «вне» и «а parte», как это ясно видно из твоего плана изменения жилья: твоя ситуация в Базеле, действительно, не завидна, но, по крайней мере, не стоит и оплакивать, имеет что-то осторожное и тонкое, что ты не легко найдешь где-либо еще. Жаль, что это место мне климатически так невозможно: ибо с кем бы я сейчас охотнее обсуждал свои дела, чем с тобой и Буркхардтом? Также я действительно расположен к базельцам: и мне всегда приятно встретить базельца (как это произошло на днях: и каждый раз я замечаю, как все, что оттуда приходит, пропитано духом и вкусом Буркхардта: разумеется, при условии, что и т.д.
Наконец, я благодарю Бога (точнее: свою болезнь, и в значительной степени тебя, дорогой друг!) за то, что я больше не там. Жить в ложной среде и уклоняться от своей жизненной задачи, как я делал, пока был филологом и университетским преподавателем, неизбежно губит меня физически; и каждый шаг на моём пути до сих пор приближал меня к здоровью в самом телесном смысле. Поэтому каждая поездка в Германию до сих пор была откатом, ослаблением моих сил: к сожалению, такие поездки всегда были необходимы по тем или иным причинам.
С моим последним (последствия которого я до сих пор ещё не преодолел) я, с другой стороны, доволен, потому что многое благодаря ему, если не приведено в порядок, то хотя бы прояснено (и потому, надеюсь, такие поездки теперь могут стать реже —) Мою мать я застал, к моему большому облегчению, более весёлой, активной и уверенной в себе, чем когда-либо, в её милом гнёздышке: мы хотим договориться о небольших встречах, например, в Швейцарии, так как против Наумбурга, к сожалению, можно выдвинуть те же возражения, что и против Базеля — это вредно для меня с детства) Кстати: моё будущее место, вероятно, весной и летом будет Гёшнен.
Фрич до сих пор не смог договориться с Шмицнером, но, возможно, это ещё произойдёт, так как Фрич, похоже, придаёт большое значение тому, чтобы иметь «всего Ницше», как и всего Вагнера в своём издательстве: соседство, которое также мне по душе. Ведь, если всё подсчитать, Рихард Вагнер был единственным, по крайней мере первым, кто имел представление о том, что я собой представляю. (Чего, например,
Роде, к моему сожалению, похоже, не имеет даже бледнейшего представления, не говоря уже о чувстве долга перед мной.) В этой университетской атмосфере вырождаются лучшие: я постоянно ощущаю в качестве фона и последней инстанции, даже у таких натур, как Р<оде>, проклятое общее безразличие и полное отсутствие веры в своё дело. За то, что кто-то (как я) diu noctuque incubando с ранней юности живёт среди проблем и находит там своё горе и счастье, кто бы проявил сочувствие! Р. Вагнер, как я уже сказал, имел его: и поэтому Трибшен был для меня таким отдыхом, тогда как теперь у меня нет ни места, ни людей, которые годились бы для моего отдыха.
— Мои переговоры со всеми возможными издателями в конце концов показали мне единственный выход, по которому я теперь иду. Я пытаюсь выпустить что-то за свой счёт: если будет продано 300 экземпляров, то я покрою расходы и, возможно, смогу повторить эксперимент. Фирма C. G. Naumann предоставляет для этого своё весьма уважаемое имя. Это между нами. Пренебрежение со стороны Шмецнера было чудовищным: в течение 10 лет ни одного экземпляра не было распределено среди книготорговцев, не было и рецензионных экземпляров; даже комиссионного склада в Лейпциге не было; никакой рекламы, — короче говоря, мои сочинения, начиная с «Человеческого, слишком человеческого», стали «анекдотами». «Так говорил Заратустра» продавался по 60—70 экземпляров и т. д. и т. п.Оправдание Шм<ейтцнера> всегда: что уже 10 лет ни один из моих друзей не имеет мужества, чтобы вступиться за меня. Он хочет 12500 марок за мои сочинения. Твои, как рассказывает Фрич, он надеется продать в Дрездене. — Деньги благополучно прибыли.
Верный твой друг
Н.
Кёзелиц только что сообщает мне, как очень вероятно, о своём переезде в Ниццу осенью; то же самое, пару недель назад, сделал господин Ланцки. До середины сентября я останусь здесь, где не недостаёт старых знакомых: Мансуровых, двух Финнов, мисс Хелен Циммерн и т.д. и т.п. Из Мюнхена — две графини Ботмер. Пожалуйста, не дай Шм<ейтцнеру> заметить, что я знаю о его переговорах с Фричем, равно как и о дурной репутации Эрлеке: он использует подобное как средство давления на меня. А именно, он хочет, чтобы я сам выкупил у него книги (письмо на прошлой неделе)
722. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Вот, моя дорогая мама, письмо от Ламы. Обрати внимание на подчёркнутые места. — Только что пришла твоя открытка, большое спасибо! Тем временем я всё ещё болен, недоволен и умственно подавлен, а также плохо питаюсь: но теперь у меня есть что-то, что, кажется, мне полезно — я ем козий сыр и пью к нему молоко (Что ты думаешь? 50 пфеннигов за фунт сыра — это дорого?) Затем я заказал 5 фунтов мальто-легуминозы с фабрики: это должно прийти сегодня. Так что давай теперь оставим ветчину (потому что, судя по предыдущему опыту здесь, она мне не на пользу; также я не хотел бы есть ещё больше мяса). Также оставь суповые таблетки: всякая готовка для меня слишком утомительна, и, как я сказал, я заказал мальто-легуминозу: Но всё же, пожалуйста, небольшую коробку с едой с чем-нибудь хорошеньким, для разнообразия.
С Фричем и Шмейтцнером дело застопорилось. Это печально. —
Вчера мои дамы прислали мне нежный творог, заправленный сметаной, по-русски, вместе с 2 красивыми хлебами Грэма. —
Кёзелиц пишет, что надеется добиться переезда в Ниццу ранней осенью: что меня очень обрадовало. Я бы хотел там иметь маленький дом. Кто знает, может быть, моя старая мама ещё снабдит меня своей приятной русской.
Также г-н.
Ланцки пишет, что он сэкономил пару сотен франков, чтобы провести со мной зиму в Ницце. Действительно, я впервые с нетерпением жду Ниццы. — Не думаю, что так будет и с Сильс-Марией. В другие годы я должен попробовать что-то новое, в этом году я еще буду жить по средствам. —
С благодарностью и теплыми воспоминаниями
Твой старый философ и сын.
723. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Уважаемый господин,
для обратной стороны обложки должно быть использовано прилагаемое рукопись: я сожалею, что не смог своевременно устранить небольшое недоразумение господина Кёселица. В данный момент мне важно, чтобы имя Шмейцнера не упоминалось на этой обложке: вероятно, он уже не является владельцем тех старых книг, а продал их. Мог бы быть назван новый владелец (лейпцигский издатель), это было бы мне не неприятно* (например, в третьей строке); но это не обязательно. —
Эта сторона обложки не должна производить впечатление предложения или призыва к покупке; скорее, она должна выглядеть как сообщение с моей стороны.
Таким образом, я прошу о меньших и более скромных буквах. (Хотя я бы с удовольствием увидел и пробу с прежними буквами —)
Что касается титульного листа: мне было бы приятнее, если бы черная рамка полностью исчезла, и слова «По ту сторону добра и зла» получили бы больше пространства (Буквы, которыми напечатано «Веселая наука» на титульном листе одноименного произведения, возможно, подойдут и здесь?) Буквы и пробелы других слов («Прелюдия к философии будущего. От Фридриха Ницше и т.д.») кажутся мне очень удачно выбранными: однако нужно еще посмотреть, как они будут выглядеть под измененным «По ту сторону добра и зла». Все это предоставляю на ваше усмотрение! —
Наконец, я прошу под предисловием указать не только «Зильс-Мария, июнь 1885», как в рукописи, а более ясно:
Зильс-Мария, Верхний Энгадин
июнь 1885 (последнее совсем мелко!)
С уважением к вам и вашему брату
Ваш преданный
Проф. д-р Ницше
NB.
— Не могли бы вы любяще прислать мне пробу титульного листа и обложки согласно данным здесь предложениям? — Или пару разных проб?
724. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
мне доставляет большую радость, что и моя новая книга нашла у вас отклик: конечно, вы останетесь в этом очень одиноки — но у меня есть утешение, что иногда я могу сказать: «если другие ничего не находят в моих сочинениях, то, вероятно, это потому, что вы недостаточно для них сделали!» Какие же трудности вы уже перенесли из-за меня, мой дорогой исправитель, орфограф и соавтор! Более чем справедливо, что вы находите мои вещи более доступными, чем кто-либо другой: для этого вы и встретили их более радушно, чем все мои господа друзья!
Трудность, которую я испытал на этот раз, говоря (еще больше: находя место, откуда я мог говорить), а именно сразу после «Заратустры», вы, безусловно, хорошо поняли: но теперь, когда книга стоит перед мной довольно ясно, мне кажется, что я преодолел эту трудность так же хитро, как и смело. Чтобы говорить об «идеале», нужно создать дистанцию и более низкое место: здесь мне отлично помог ранее подготовленный тип «свободного духа». —
Столько о мне. Теперь же ваш намек на будущее «там внизу»: нет, как эта мысль меня радует!
— и, по крайней мере, в такой же степени *per se*, как и *per me* (вы должны мне поверить!). В середине сентября я отправляюсь отсюда в Геную, чтобы вместе с добрым и сердечным, но немного меланхоличным Ланцки сначала тщательно осмотреть Рапалло и Санта-Маргериту, затем окрестности Генуи, затем Алассио и другие небольшие города Ривьеры, и, в зависимости от обстоятельств, остаться в одном из них или оказаться в Ницце. В случае, если вы сами решите пройти тот же путь, *мы*, конечно, к вашим услугам; но если вам покажется более разумным *одинокое* посещение указанных мест, я позволю себе прислать вам пару адресов для недорогих квартир. В Рапалло, например,(откуда вы можете изучать Санта-Маргериту и Портофино) дешёвый маленький Albergo della posta, прямо у моря, где был написан первый том Заратустры. Ах, какая это была бы радость для меня — быть вашим гидом там и в Генуе — и вы должны были бы попробовать все мои скромные траттории! И мы бы бродили по мрачным бастионам, и пили бы на моём Бельведере в Сампьердарене бокал Монтеферрато! Честно говоря, я не знаю, на что бы я мог так сильно надеяться. Это часть моего прошлого, эта генуэзская часть, перед которой я испытываю уважение… она была ужасно одинокой и суровой.
—Ланцки пишет в конце последнего письма: «ах, как я жажду света и моря, глубокой тишины вдвоём и детской радости от простоты!» — очень благочестивое желание для пожилого человека. —
Здесь, в Зильсе, я ещё не совсем в порядке: здоровье не выдерживает этих колоссальных скачков. Также печать книги занимает меня до раздражения; настоящая свобода (и разрешение думать о новом) появится только с первым готовым экземпляром. Значит, возможно, через три недели.
Для 4-й обложки мне пришлось придумать другое расположение (— надеюсь, что согласование между Шм<ейтцнером> и Фричем будет достигнуто очень скоро: при условии, что Шм<ейтцнер> не узнает, в какой степени я уже осведомлён о намерениях Фрича).— Забавно! Легко говорить против женской эмансипации: вот уже новое образцовое экземпляр литературной дамы появилось у меня, мисс Хелен Циммерн (та, что познакомила англичан с Шопенгауэром), — я даже думаю, она перевела «Шопенгауэра как воспитателя». Конечно, еврейка: — это безумно, как сильно эта раса сейчас держит в руках «духовность» в Европе (— она сегодня долго рассказывала мне о своей расе). —
— Не сердитесь, но ваше великолепное адажио у меня перекрестилось: больше не solenne, а адажио amoroso. Клянусь, что этот эпитет не только украшающий. —
— Две англичанки, старая Мансуров, и 2/3 прошлогодней летней компании из Зильса снова здесь. Тем временем я присмотрел Гёшенен на будущие годы. Вам придётся проезжать мимо: станция Готтардского тоннеля. Может быть, вы посмотрите? —
С сердечным расположением
Ваш друг Н.
725. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
если бы мне было хоть немного лучше! Тогда я бы и поблагодарил тебя гораздо милее за твою прелестную шляпную коробку, в которой было столько хорошего! Но я не знаю, что делать: постоянно болит желудок, постоянно нездоров и нервничаю, плохо сплю, страдают глаза, умственно устал, — хотя при всём этом выгляжу хорошо. Мне здесь не хватает правильного питания, которое я получаю в Ницце, а также правильной комнаты с хорошим светом, и подходящего общества: хотя в последнем отношении я везде чувствую недостаток. Со мной здесь обращаются очень мило, особенно мои хозяева, которые от имени маленькой Адриенны передают тебе самые красивые благодарности.
Затем хорошие финны и старая, на этот раз очень страдающая и слабая русская женщина; также здесь очень умная литературная дама из Лондона, мисс Хелен Циммерн, которая имеет заслугу введения Шопенгауэра в Англии; затем из Мюнхена две графини Ботмер, затем из Базеля сестра профессора Андреаса Хойслера; из Лейпцига ожидается профессор Лескин с доктором Брокгаузом — и еще множество людей, которые все здесь во второй, третий или десятый раз. Также меня посетил старый генерал Симон с дочерью; в то время как я еще не отходил ни на шаг от Зильса из-за ослепительной и пыльной дороги, которая ведет отсюда в Сент.
Moritz ведёт: мои глаза до сих пор категорически запрещали мне идти туда, хотя я бы с удовольствием навестил фрау Вехман (сестру Клэр), а также свою соседку по столу из прошлогодней ниццской зимы. Твой торт получился великолепно, я пью к нему молоко, и мёд меня освежает; а с ожерельем ты очень попала в мой вкус — прими мою самую искреннюю благодарность, моя старая добрая мать! Недавно я недостаточно выразил своё удивление по поводу твоего смелого штурма Вартбурга: это была настоящая великая государственная акция.Что касается поездки в Парагвай, я думаю так же, как и ты: приглашение имело бы больше смысла, если бы оно было сделано на основании местного лета — в конце концов, зима в Ницце, вероятно, всё же красивее, чем там, и немного развлекательнее, как мне кажется. Между Фричем и Шмейтцнером царит молчание, к моему большому огорчению. Вероятно, Шмейтцнер узнал от г-на Видеманна, как сильно я был потрясён возможностью попасть в руки Эрлеке, — и Шмейтцнер теперь ожидает, что я сделаю ему предложения. Поэтому он не отвечает на предложения Фрича. — Печать почти закончена, она до сих пор немного поддерживала меня. — У нас здесь тоже было очень жарко; к счастью, я нашёл в шкафу 2 белые брюки. Я всегда вспоминаю тебя с большой благодарностью: сколько ты уже сделал для меня в этом году! —
Твой старый сын, не очень философ.
726. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Отдельные экземпляры следует отправить следующим лицам:
Профессор доктор Эрвин Роде, Лейпциг
Придворный советник профессор доктор Хайнце, Лейпциг
Пауль Видеманн, Дрезден, Блохманнштрассе
Барон Зейдлиц, Мюнхен, Хессштрассе 3
Профессор доктор Якоб Буркхардт, Базель, Швейцария
Профессор доктор Франц Овербек, Базель, Швейцария
Готфрид Келлер, Цюрих (Швейцария)
Баронесса Мейзенбуг, Рим, виа Польвериера 6 (Италия)
Месье Анри Тэн
Таллуар, озеро Аннеси
Верхняя Савойя (Франция)
Месье Поль Бурже
Париж, издательство Лемерр
Пассаж Шуазёль 27—31
Доктор Пауль Дойссен, Берлин, С.-З.
Paulsstrasse 31Барону Хансу фон Бюлову, в настоящее время в Гамбурге
Точного адреса я не знаю. Или его следует отправить в Мейнинген?
В каждый экземпляр прошу положить мою визитную карточку. Пожалуйста, изготовьте 100 экземпляров в вашей типографии: остальное оставьте для будущих случаев. Самая тонкая и прочная бумага, ничего на ней, кроме: (Очень элегантно, большой формат.) Профессор доктор Фридрих Ницше
Экземпляры для редакций и т.д.
6 экземпляров для
Синьора Паоло Ланцки
Валломброза
через Понтасьеве (Италия)
2 экз. для
Мисс Хелен Циммерн
в настоящее время в
Зильс-Мария (Альпенрозе)
Верхний Энгадин, Швейцария
1 экз. для доктора Георга Брандеса, Копенгаген, ул.Anneplatz 24
1 экз. для
Проф. д-ра Ф. Царнке
Редакция литературного центрального журнала
Лейпциг, Гётештрассе 7.
1 экз. для Рих. Флейшера
Редакция немецкого обзора.
Дрезден, Райхштрассе 2
1 экз. для д-ра Й. Роденберга, редакция немецкого обзора,
Берлин В., Лютцовштрассе 7.
О. Браун
Редакция Allgemeine Zeitung
Мюнхен, Шванталерштрассе 73
Л. фон Захер-Мазох
Редакция Auf der Höhe
Лейпциг, Арндтштрассе 40
Оскар Блюменталь
Редакция Berliner Tageblatt
Берлин, Иерусалимштрассе 48
Рудольф фон Готтшалль,
Ред. Blätter für litter. Unterhaltung
Лейпциг
Й. В. Видманн
Ред. Bund, Берн (Швейцария)
Д-р.Arthur Levysohn, редакция немецкого
еженедельника Montagsblatt, Берлин,
Steglitzerstr. 2
Др. Ханс Херриг, редакция немецкой
газеты Tageblatt, Берлин, Körnerstr. 4
О. Хопп, редакция Echo
Берлин SW Dessauerstr. 12
Йох. Прёльс, редакция Frankfurter Zeitung
Франкфурт-на-Майне, Eschenheimergasse 37
Др. Цоллинг, редакция Gegenwart
Берлин, Kön. Augustastr. 12
Др. Г. Конрад, редакция Gesellschaft
Мюнхен, Quaistraße 3
Редакция Hamburger Nachrichten
Гамбург
Редакция Kölnische Zeitung
Кёльн
Др. Хюльскамп, редакция литературного
справочника для католической Германии
Мюнстер, Вестфалия
Др. Ф. Хирш, ред. журнала для
литературызаграницы и внутренних дел
Лейпциг, Фридрих
Д-р К. Френцель, ред. Nationalzeitung
Берлин В. Кётенерштрассе 33
Д-р М. Бауэр, ред. Neue deutsche Warte
Берлин Белле-Альянцплац 6а
Д-р Хуго Виттманн, редакция
Neue Freie Presse
Вена
Барону фон Гаммерштейну, ред. Kreuzzeitung
Берлин В. Кёниггрэтцер Штрассе 15
Д-р Пауль Линдау, ред. Nord und Süd
Берлин В. Фон дер Хейдштрассе 1.
Ф. К. Пиндтер, ред. Norddeutsche
Allg. Zeitung
Берлин
Й. К. Бехер, ред. Presse
Вена, Берггассе 31.
Д-р Х. Клетке, ред. Vossische Zeitung
Берлин, Брайтештрассе 8
Национальный совет д-р Курти, ред. Zürcher Post
Цюрих (Швейцария)
Й.Singer, Редакция Allg. Oestereich.
Литературная газета
Вена, VIII Laudongasse 1.
NB. Прошу сохранить эти листы даже после использования, возможно, для дальнейшего использования.
Ф. Н.
— Что 2 экз. для г-на Кёселица и 4 экз. для меня самого должны быть отправлены (и притом немедленно, как только переплётчик завершит свою первую работу), я уже просил в последнем письме.
С глубоким уважением Ваш
преданный Проф. Ницше.
N. Mac Coll. Esq.
Офис „Афинеум“.
20. Wellington Street.
Strand. W. C.
Лондон.
—. Cotton, Esq.
Офис „Академия“.
26. Chancery Lane. W. C.
Лондон.
Редактор.
„Вестминстерское обозрение“.
Мессрс Трубнер & Ко.
Ludgate Hill. E. C.
Лондон.
727. An Paul Lanzky in Vallombrosa (Entwurf)
Ваше предложение относительно Корте заслуживает серьезного рассмотрения: только Вы, дорогой друг, не тот человек, с которым я действительно хотел бы путешествовать. О, если бы у Вас были глаза художника в голове! И еще дар живописной речи, чтобы создать хотя бы косвенно для полуслепого отвлечение зрения! <Я> давно пытаюсь уговорить одного знакомого мне мюнхенского акварелиста на поездку в Корсику. — Наконец, этот осенний период уже не полностью в моей власти: ибо я хочу, если это возможно, облегчить своему музыканту начало и вступление в западный юг.
Совратить его на это — моя вина: мне очень важно проверить, что станет с немецким музыкантом там, под единственным африканским куском Европы, после того как необычайный успех Венеции (и её влажного Востока) доказан. — Что касается меня, то Ницца — доказанная, даже единственная доказанная вещь (— Вы не должны судить по позавчерашней зиме, которая, к сожалению, была самой неудачной из всех моих южных зим!) Мне ещё многого не хватает там, чтобы действительно чувствовать себя как дома: прежде всего, весёлого и остроумного общества, которое, по сути, сопровождало меня всю жизнь, за исключением лет болезни.
Однако там можно найти кое-что, если, конечно, у вас есть желание искать: и, например, крючков для местного русского общества у меня достаточно. — В остальном вы знаете, что Ницца — это моё место работы и уединения, как и Зильс-Мария, и что я пользуюсь обществом только для того, чтобы работать и быть одиноким по-своему (а именно, чтобы на несколько часов отвлечься от себя, для отдыха). Мой музыкант, если бы он там жил, — один из тех самодостаточных людей, которых не увидишь неделями: но его музыка — одна из немногих вещей, без которых я не могу обойтись для своего здоровья; и он достаточно предан мне, чтобы не лишать меня её. — Об Аяччо я хорошо осведомлён: влажность, как в Пизе и Корфу. — Что касается Алжира, то один старый швейцарец в Ницце сказал мне, что Ривьера имеет всё хорошее оттуда, и ничего плохого нет; также рекомендую обратить внимание на характеристику Ривьеры Доде в одной из последних глав «Набаба» на это. —
С сердечными приветами
Ваш философ
(страдающий головными болями, глазными болями, желудочными болями)
Из 6 экземпляров, которые будут вам отправлены, вы должны передать 2 в два журнала. —
728. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Уважаемый господин, экземпляры прибыли и доставляют мне радость: всё выглядит хорошо, также я пока не смог обнаружить существенных ошибок (только в «Исправлениях» на странице 68 вместо 58 должно быть указано). Список адресов для бесплатных и редакционных экземпляров был отправлен вам позавчера: я добавляю, что один экземпляр следует передать господину Э. В. Фричу, Лейпциг (музыкальному издателю на Кёнигштрассе, если я не ошибаюсь); также один экземпляр доктору Фуксу, учителю музыки в Данциге; и что экземпляр, предназначенный для Ганса фон Бюлова, лучше всего дойдёт до него, если отправить его по адресу его матери, то есть
через адрес госпожи баронессы фон Бюлов
Берлин В.
34 Курфюрстенштрассе
Я бы хотел увидеть, как книга анонсирована в книготорговом биржевом листке. — Несколько адресов для английских и французских журналов последуют позже; итальянские экземпляры организует господин Ланцки. — С глубоким приветом и благодарностью
Др. Ницше
729. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
одно сообщение и одна просьба! — Только что телеграфировал мне Фрич из Лейпцига: «Наконец в моём распоряжении!» — слова, которые приносят мне большую радость. Роковая ошибка из моего базельского времени (нечто «слишком много доверия», как так часто в моей жизни) таким образом устранена. Как хорошо, что я этой весной поехал в Германию! То же самое я могу сказать ещё раз, в отношении того, что я ясно представил себе свою позицию по отношению к возможностям издателя и публики; также и то, что я лично вёл переговоры с выдающейся парой братьев Науманн.
Новая книга, результат, которого нельзя было бы достичь издалека, только что завершена; поручение отправить экземпляр тебе в Базель уже выполнено несколько дней назад. Теперь идет просьба, старый друг: прочитай ее, от начала до конца, и не раздражайся и не отчуждайся — «собери все силы», все силы твоего благоволения ко мне, твоего терпеливого и стократно проверенного благоволения, — если тебе книга невыносима, то, возможно, не стократно детали! Возможно также, что она поможет пролить несколько проясняющих лучей на моего Заратустру: поэтому это непонятная книга, потому что она основана на переживаниях, которыми я ни с кем не делюсь.Если бы я мог дать тебе представление о моем чувстве одиночества! Среди живых, как и среди мертвых, нет никого, с кем я чувствовал бы родство. Это неописуемо ужасно; и только привычка терпеть это чувство и его постепенное развитие с детства делают понятным, что я еще не погиб от этого. — В остальном задача, ради которой я живу, ясна передо мной — как факт неописуемой печали, но прославленный сознанием, что в ней есть величие, если когда-либо задача смертного была исполнена величием. —— Я остаюсь здесь до начала сентября.
Преданный тебе Ф. Н.
730. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Дорогой и уважаемый господин издатель,
мне доставляет большую радость снова обращаться к Вам так! — Как раз когда я поручил господину К. Г. Науманну передать Вам экземпляр моего нового труда, пришло Ваше телеграмма: я воспринял это совпадение как благоприятное и доброе предзнаменование моей судьбы. —
Шмейтцнер больше мне ничего не должен; как само собой разумеется, я оставил за собой право на возможные новые издания. —
Этой осенью и зимой Вы должны посвятить распространению ещё вовсе не «изданного» Заратустры, который наряду с моей только что выходящей книгой «По ту сторону добра и зла» будет производить чрезвычайно привлекательное, отчасти контрастирующее впечатление; с другой стороны, вышеупомянутый труд — своего рода введение в глубины Заратустры, — скоро станет ясно, что речь идёт не о фантазиях и нереальных вещах. — Возможно, три части можно было бы сшить вместе? ведь предисловие в первой части относится ко всему произведению.
И продаваемость кажется мне легче, если на общем титульном листе стоит
Так говорил Заратустра.
Книга для всех и ни для кого.
От
Фридриха Ницше.
В трёх частях.
Жаль, что я не могу устно изложить вам свои мысли о том, что, по-моему, было бы разумно в отношении других книг. Количество экземпляров так велико, что может показаться, будто речь идёт о совершенно новом издании. Это навело меня на одну мысль. Если уж так получилось, что титульные и обложечные листы нужно заменить новыми и в любом случае потребуется некоторая работа переплётчика, что вы скажете? не было бы разумно использовать это впечатление, то есть
напечатать на титуле
Новое издание
увеличенное предисловием. (или
Введение и т.д.?)
Вы заметите, что "Человеческое, слишком человеческое", "Утренняя заря", "Весёлая наука" лишены предисловия: у этого были веские причины, ибо, когда создавались эти произведения, я наложил на себя молчание — я был ещё слишком близок, ещё слишком "внутри" и едва ли знал, что со мной произошло. Теперь, когда я сам могу лучше и точнее всего сказать, в чём особенное и неповторимое в этих произведениях и в каком смысле они инаугурируют для Германии новую литературу (прелюдию к моральному самообразованию и культуре, которых до сих пор не хватало немцам), я охотно решился бы на такие ретроградные и запоздалые предисловия. Мои сочинения представляют собой непрерывное развитие, которое не будет лишь моим личным переживанием и судьбой: — я лишь первый, восходящее поколение поймёт из собственного опыта то, что я пережил, и будет иметь тонкий вкус к моим книгам.
Предисловия могли бы сделать необходимое в ходе такого развития очевидным: отсюда, между прочим, возникла бы польза, что тот, кто однажды укусил одну из моих книг, должен будет взяться за все.
Я бы, в случае если моя мысль вам понравится и покажется убедительной, потратил бы эту зиму на то, чтобы придумать такие предисловия: мое стремление было бы придать каждой из этих предисловий настолько самостоятельную ценность, чтобы ради них одних уже стоило читать произведения. — Начать с „Человеческое, слишком человеческое“, от которого еще осталось 511 экземпляров, как раз достаточно, чтобы представить новое издание? Что вы думаете?
Два приложения к нему («Разные мнения и изречения» и «Странник») могли бы, возможно, появиться на следующий год? Как второй том? —
Я думаю, вы понимаете, глубокоуважаемый и дорогой господин Фрич, что в этих предложениях я имею в виду ваши интересы; я ни в коем случае не хочу, чтобы вы когда-либо пожалели о великом доказательстве доверия, которое вы мне оказали, купив всю мою предыдущую литературу.
На обратной стороне обложки последней вышедшей книги вы найдете своего рода обзор и программу моей прошлой и будущей деятельности. Должно быть 10 произведений и не более, с которыми я хочу «остаться»; 6 из них теперь в ваших руках.
Упрощение заголовков (чтобы их было легко цитировать, например, просто «Рождение трагедии»), с другой стороны, небольшое разъяснение там, где я испытал недопонимание заголовка (например, к «Весёлой науке» добавление в скобках «gai saber», чтобы напомнить о провансальском происхождении моего заголовка и о тех поэтах-рыцарях, трубадурах, которые этой формулой обобщали всё своё умение и желание) — подобное, как мне кажется, полезно. Более точное — когда я получу Ваш ответ на мои здесь намеченные предложения.
Преданный Вам
Проф. д-р Ницше
NB. Такого длинного письма Вы больше никогда не получите: это запрещают господа Глаза.
731. An Erwin Rohde in Dänemark (Entwurf)
Мне было искренне больно видеть тебя этой весной в такой скорби, что между нами не могло быть сказано ни одного разумного слова, и тем более — неразумного, веселого, праздничного: ведь я ждал нашей встречи как праздника. Надеюсь, что с тех пор все пошло гладче и счастливее. Здесь, в Зильсе, где в конце лета происходит своего рода встреча профессоров (с преобладанием лейпцигцев), много говорили о твоем случае и всегда с искренним сожалением о том, что тебя потеряли. Также мне представился Пфлугк-Харттунг как человек, очень преданный тебе. — — Недавно я дал поручение К. Г. Науманну отправить тебе мою новую работу: не для того, чтобы ты ее читал (ибо ее проблема, к счастью, лежит вне твоих забот и ответственности), а просто чтобы не не отправить ее тебе. Я знаю, старый друг, ты понимаешь нюанс этого двойного отрицания. — Передай привет твоей жене (она мне очень понравилась); я вижу, что на моем столе лежит портрет твоей девочки: рядом — портрет мальчика, прощальный подарок голландца с Явы, который очень ко мне расположен и ищет здесь, в Зильсе, у меня летнего отдыха. Он потерял жену: его единственный ребенок теперь — самое дорогое для него на земле.
732. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Уважаемый господин издатель,
прилагаю отрывок рукописи (предисловие и заключительное стихотворение), с помощью которого я хотел бы внести свой вклад в то, чтобы оставшиеся 500 экземпляров книги "Человеческое, слишком человеческое" быстро разошлись. Я особо отмечаю, что с моей стороны не требуется никакого гонорара; мое желание — выразить вам признательность за смелое доверие, которое вы мне оказали. —
Психологический отрывок, содержащийся в этом предисловии, сам по себе достаточно интересен, чтобы сделать книгу популярной; это существенный вклад в понимание моих книг и лежащего в их основе трудно понимаемого саморазвития.
Я написал это в последние месяцы моего зимнего пребывания в Ницце, за исключением нескольких оборотов, которые придумал Энгадин. —Моя мысль заключается в том, что Вы эту книгу (мою самую понятную и подготовительную) сначала и прежде всего захотите пустить в оборот. У неё есть друзья в Соединённых Штатах, в Голландии, в Италии и особенно во Франции. —
Возможно, вопреки тому, что я предложил в своём последнем письме, будет разумнее пока что придержать Заратустру. Он окажет наибольшее воздействие и будет куплен, когда у публики уже будет достигнуто определённое насыщение моими мыслями и перспективами.Только что выпущенная книга «По ту сторону добра и зла» не плохо проложит ему путь.
Если моё предложение покажется вам приемлемым, то я просил бы незамедлительно приступить к корректуре предисловия и заключительного стихотворения (возможно, у К. Г. Наумана, который знает все мои привычки и т. д.?) ибо я остаюсь здесь на вершине только до конца августа и вряд ли смогу определиться на сентябрь (мне необходима пешая прогулка).
Моё единственное условие — чтобы предисловие было набрано шрифтом и с соблюдением интервалов точно по образцу предисловия к «По ту сторону добра и зла». Его нужно выделить.
Сердечно приветствующий вас преданный
Д-р Ницше, проф.
Мне пришло в голову, что Шмейтцнер (вопреки моему совету) велел переплести некоторое количество экземпляров, да ещё и безвкусно. Прочь с этими переплётами! Ни один такой экземпляр не продастся! —
733. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Уважаемый господин издатель,
только что пришло Ваше уважаемое письмо, в то время как я уже отправил Вам посылку. Хорошенько обдумайте моё предложение: сначала пустить в оборот "Человеческое, слишком человеческое": эта книга — хорошие и легко доступные врата в мой собственный круг идей. —
С другой стороны, действительно стоит подумать, не следует ли также заново разослать "Рождение трагедии". Только я не хотел бы делать это сейчас, чтобы "публика" не получила от меня за один раз слишком разные произведения.
—Если Вы хотите теперь распространить Заратустру, я бы предложил напечатать на общем обложке
Так
говорил Заратустра
Книга
для всех и ни для кого.
От
Фридриха Ницше.
Лейпциг
Издательство E. W. Fritzsch.
Соответственно и титульный лист. Затем, в начале второй части, страница, на которой ничего не написано, кроме
Так
говорил Заратустра.
Вторая часть.
и соответственно в начале третьей части
Так
говорил Заратустра.
Третья часть.
Так будет лучше всего. —
— Наконец, замечание о „По ту сторону добра и зла“, но совсем между нами. На самом деле, К. Г. Науманн дает свое доброе имя, потому что явный „комиссионный издатель“ для моего нынешнего положения был бы чем-то неуместным и позорным. Все расходы на издание и его риск несу я один. —
С глубоким уважением
Ваш
Др. Ницше
734. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
несколько слов быстрого ответа на ваше только что полученное милое и достойное благодарности письмо. Мне за столом сообщили, что сейчас в Мюнхене можно услышать весь цикл "Нибелунгов", а также снова в сентябре.
Поскольку вы об этом не пишете, я предполагаю, что это вам неизвестно; возможно, вы воспользуетесь этой замечательной возможностью. —
Меня радует, что ваш опыт с "Парсифалем" не полностью опроверг мои суждения и предрассудки, сделанные издалека. —
— Только не улетайте внезапно в Венецию! Простите! — Господин Ланцки предложил мне поездку в Корте на Корсике в октябре; пока я не мог решиться.
Если бы я пошёл туда (это в конце концов небольшой крюк через Ниццу), я сделал бы это столь же ради вас, сколь и ради моей ныне задуманной будущей задачи.Корте — город зачатия Наполеона: как я вычислил. Не кажется ли, что паломничество туда — подходящая подготовка к «Воле к власти. Опыту переоценки всех ценностей»? —
Странно! Все это время я был неописуемо печален и без сна от забот. —
Навестите, пожалуйста, Зейдлицев и передайте мои самые лучшие приветы. Зейдлиц написал мне письмо, в котором было много хорошего и умного: у него есть дух. —
С самым сердечным участием в вашем путешествии
Ваш друг Н.
Второй экземпляр был собственно предназначен госпоже Рёдер-Видерхольд, чей адрес у меня нет. Г-ну Видеману, разумеется, я отправил один. —
735. An Friedrich Hegar in Zürich
Уважаемый господин Капелльмейстер,
этим письмом напоминает о себе тот, кто в течение двух лет по разным случайностям и обстоятельствам был лишён возможности приехать в Цюрих, — в тот Цюрих, который пользуется у него очень хорошей репутацией и, благодаря Вам, ещё лучшим звучанием.
Эту прилагаемую композицию я хотел бы сейчас опубликовать: при условии, что она найдёт Ваше одобрение. Особенно инструментовку (которая не моя, но сделана по моим указаниям): не сочтите за труд высказать мне своё мнение о ней без всякого снисхождения?
Насколько сильным должен быть хор, чтобы сочетаться с металлическим звуком выбранных инструментов?Это музыкальное произведение, которое, возможно, когда-нибудь будет спето «в мою память»: для этого я его и придумал.
В конце песни есть трагический акцент, исходящий из моих глубочайших «внутренностей». —
— Как у вас дела? Моя сестра (теперь госпожа доктор Фёрстер) до сих пор пишет весьма радостные письма из своей новой родины Парагвая. Те дни в Цюрихе были нашим самым светлым и удачным совместным времяпрепровождением, за которое у нас обоих осталась благодарная память. Передайте это, пожалуйста, и вашей уважаемой супруге.
С сердечным приветом и пожеланиями
Ваш преданный
Проф. доктор Ницше
736. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая добрая мать,
дождливый день: вот и письмецо к тебе улетело! Большое спасибо за то, что ты мне написала! С тех пор дела пошли немного лучше: рецепт, который я себе прописал, был очень странным: а именно пойти в отель и есть вместе с всеми. Это поставило меня на ноги (мне нужны обильные приемы пищи, чтобы чувствовать себя хорошо: к сожалению, я недостаточно богат для этого подходящего мне «лечения» —).
Сейчас в Сильсе около 10 профессоров университета; в моем маленьком доме 4, включая меня.
Сделка с Шмейцнером закончена: «наконец в собственности» телеграфировал мне Фрич — и с тех пор между нами много переписки, так как с моей стороны многое нужно заново уладить.
Господин Кёзелиц пишет о Мюнхене и Байройте: значит, он уже в пути.
Так же, как добрый старый Венкель думает о философии, многие старые филологи думают и о филологии: будто нечего больше сказать нового. Я считаю оба этих суждения ошибочными и (что важнее) доказал это словом и делом.
Конечно, для этого нужны новые уши: как бы ни старался, в определённом возрасте их уже не обретёшь.История с Зоннеманом (или как там зовут того антисемита, о котором ты писал) меня встревожила. Видишь ли, из-за таких людей я и не мог бы поехать в Парагвай: я так рад, что они добровольно изгоняют себя из Европы. Ведь, даже если я плохой немец — во всяком случае, я очень хороший европеец.
Зильс как пейзаж и как общество по-прежнему мне нравится. Только — слишком дорого, если я хочу жить здесь так, чтобы не впадать в меланхолию. На сентябрь намечено свидание с добрым господином Ланцки; и, надеюсь, серьёзный пеший поход, который мне очень нужен. — Зима в Ницце: вряд ли я смогу её избежать.
С прежней любовью и постоянной благодарностью
Твой Фриц
737. An Reinhart von Seydlitz in München
Дорогой старый друг,
есть причины поблагодарить тебя за очень хорошее письмо, в котором были тонкие умные вещи, которые охотно проникают в мои уши.
Ты заметил, что у меня «самые маленькие из всех возможных» уши? Возможно, также и самые хитрые...
Запланированный на весну визит к тебе не удался: я нашел милое гнездышко опустевшим. То, что я приеду в Мюнхен этой осенью (что могло бы меня соблазнить по многим причинам), стало маловероятным. От моего последнего пребывания в Германии я еще не преодолел ресентимент. «Моральный воздух» там дует против меня, в этом нет сомнений.
Вероятно, я отправлюсь в паломничество в Корте на Корсике (где Наполеон, хотя и не родился, но — что, возможно, гораздо важнее, был зачат).Теперь и у меня дело доходит до conceptio: ты поймёшь это по обложке моего последнего произведения, которое я тебе (как само собой разумеется) отправил. Вся моя прежняя литература (от «Рождения трагедии» до «Заратустры») теперь перешла во владение Э. В. Фрича. Как ты знаешь, у него уже есть «весь Вагнер»; похоже, он ценит возможность когда-нибудь иметь и «всего Ницше».
Как проходит поездка в Болонью? И вообще, как японское искусство? —
Просит тебя и твою дорогую жену о сердечном и дружеском воспоминании
Фридрих Ницше.
738. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)
Уважаемый господин издатель, только что получил Ваши очень желанные сообщения и не колеблюсь передать Вам моё согласие по всем пунктам, о которых Вы меня спрашиваете. Учтите, пожалуйста, из 5 журналов, которые запросили книгу, три последних (философские ежемесячные журналы, немецкое литературное обозрение и также немецкая академическая газета). Также господину доктору М. Бауэру с объявлением. — Г-н Видеманн уже владеет экземпляром. — Тем временем вся моя прежняя литература перешла из рук химицкого издателя в гораздо более подходящие и надёжные руки г-на Э. В. Фричша в Лейпциге. Я воспринимаю это как добрый знак, как и Ваше сегодняшнее сообщение.
С глубокой благодарностью, вышеупомянутый.
739. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)
Уважаемый господин издатель, только что еще одна часть рукописи (относящаяся к присланному предисловию) была отправлена Вам. Я настоятельно прошу Вас ускорить печать: я хочу остаться здесь до тех пор, пока это дело не будет улажено. —
Отдельный лист с "Так говорил Заратустра. Первая часть" кажется мне не необходимым. —
Тем временем господин Кёселиц жаловался мне с болью, что Вы не ответили на его отправления. Скажите, если это возможно, Да прекрасному Адажио для клавира (для которого я предлагаю название „Послелетняя музыка“).
От К. Г. Наумана я получил хорошие новости о влиянии „По ту сторону добра и зла“. —
Ваш преданный Ницше
740. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Дорогой и уважаемый господин Фрич,
здесь следует предисловие к новому изданию «Рождения трагедии»: на основании этого очень содержательного и тщательно ориентирующего предисловия вы можете снова запустить книгу в печать, — мне даже кажется, что это имеет наибольшую ценность, чтобы это произошло. Все признаки говорят о том, что в ближайшие годы будут много заниматься моими книгами (— поскольку я, если позволите так выразиться, при всем том самый независимый и мыслящий в большом стиле мыслитель этого времени —); меня будут нуждаться, и будут предпринимать всевозможные попытки приблизиться ко мне, понять меня, «объяснить» и т.д.
Чтобы предотвратить самые грубые ошибки, мне кажется (не считая недавно вышедшего «По ту сторону добра и зла»), ничего не полезнее, чем два предисловия, которые я позволил себе отправить вам: они указывают путь, по которому я шёл — и, говоря серьёзно, если я сам не дам пару намёков, как меня понимать, то могут произойти самые большие глупости. —Я не могу судить, насколько с точки зрения бизнеса и книготорговли разумно или неразумно выпускать книги одного автора одновременно на рынок.
Существенное заключается в том, что для понимания Заратустры (— событие не имеющее себе равных в литературе и философии и поэзии и морали и т.д. и т.п. Вы можете мне поверить, счастливый обладатель этого чуда! —) все мои предыдущие сочинения должны быть серьёзно и глубоко поняты; равно как и необходимость последовательности этих сочинений и выражающегося в них развития. Возможно, будет столь же полезно сразу же сейчас разослать и новое издание «Рождения» (с «Опытом самокритики»). Этот «Опыт», в сочетании с «Предисловием к „Человеческому...“»„Человеческое, слишком человеческое“ дает истинное просвещение обо мне — и лучшую подготовку для моего дерзкого сына Заратустры.
В декабре я надеюсь продолжить работу над „Предисловиями“: а именно в Ницце, где до сих пор мне никогда не недоставало мужества и вдохновения в указанное время. А именно: 1) Человеч. Слишком человеч. Второй том (содержащий „Разн. М. и Изр.“ и „Странника“) 2) Утренняя заря 3) Веселая наука.
Я думаю, вы знаете, дорогой господин издатель, сколько мужества и вдохновения требуется именно для таких „Предисловий“?и ещё больше „доброй воли“ —
Предположим, что к весне вся моя литература, насколько она находится в ваших руках, будет готова к новому полёту и вновь „окрылена“. Ведь эти „Предисловия“ должны быть крыльями! (Только 4 „Несвоевременных размышления“ я хочу оставить такими, какие они есть: поэтому я, в недавно присланном Дополнении к предисловию для „Человеческого, слишком человеческого“, счёл необходимым обратить на них особое внимание.) — Прошу ответить сюда Ваш
преданнейший доктор Ницше Проф.
Сообщите мне, пожалуйста, что-нибудь о ценах на книги, которые будут изданы в первую очередь! Герман Креднер однажды сказал или написал мне, что цены Шмейцнера были самым большим препятствием, которое до сих пор стояло на моём пути.
Отдельная книжечка с одними „Предисловиями“ была бы грехом против вкуса. Ведь ужасное слово „я“ в предисловии терпимо только при условии, что оно отсутствует в следующей за ним книге: оно имеет право только в предисловии. —
1 сент. Только что пришло письмо и пакет. Дополнение („заказное“ на ваше имя) ещё не в ваших руках? Чтобы не задерживать всё, прошу его оставить (то есть не печатать). Тем более эту самокритику!
741. An Bernhard und Elisabeth Förster in Asuncion
Мои дорогие вдали,
Простите за эту бумагу, но я сейчас не могу найти бланк для письма, и не хотел бы покидать Зильс-Марию, не сказав вам, какие прекрасные сюрпризы и освежение принесли мне этим летом ваши два письма. Твое, мое дорогое Лама, пришло точно к празднику твоего дня рождения. В целом, кажется, у вас все иначе, чем у меня, где наступила некоторая тишина и сосредоточенность, обращенная назад: в то время как вы стоите перед «делом» или «горой» и смотрите вперед.
Чтобы кратко рассказать, что у меня произошло, сначала можно упомянуть, что неприятности с Шмейтцнером, после двадцати интермедий, наконец-то закончились: Фрич купил всё себе и уже разместил 62 центнера в своём доме, — надеюсь, не как «Клумпфус»! Как раз выходит новое издание «Человеческое, слишком человеческое», с длинным предисловием (один печатный лист); с той же целью готовится «Рождение трагедии», обогащённое «Опытом самокритики», где я основательно сказал правду о своей прежней смелости и романтике. У К. Г. Наумана я недавно запустил в печать что-то новое: «По ту сторону добра и зла.
„Прелюдия к философии будущего“. Пока что уже половина тиража распродана; Науманн написал очень довольный, — как будто проклятие с моих книг снято, с тех пор как устранён парализующий и компрометирующий Шмейцнер. В конце концов, мне не так уж важно, чтобы эти нынешние немцы читали меня: у них в голове и в руках другое. Я лишь хочу, чтобы они покупали мои книги, не для того, чтобы обогатиться, а точно, чтобы я, будучи независимым от издателей, мог что-то напечатать и вернуть свои расходы на печать. Вот так я и пробую.
Извините, что я ещё не отправил новую книгу: но, как раз собираясь отдать распоряжение, я сначала посмотрел, доставит ли она Вам удовольствие, — и, смотрите, мне показалось, что совсем нет! — На этот раз моё пребывание в Германии оказалось таким плодотворным, как никогда; ибо всё было нужно улаживать лично. Погода была очень неблагоприятной, отвратительно жаркой, уже в мае (каждый день целую неделю до 30 градусов по Цельсию в тени!) Друг Роде в Лейпциге сидел там, как на дыбе, и после 6 недель лекций принял приглашение в Гейдельберг (где были чрезвычайно счастливы такому приобретению и немедленно сделали его тайным советником и членом Баденского высшего школьного совета). Я не сказал с ним ни одного разумного слова; с Хайнце я ел в Розентале кислое молоко (подслащённое и подкрашенное), реально и символически… «Весь мир» ко мне «благосклонен», что не мешает «всему миру» относиться ко мне с абсолютным непониманием уже 16 лет. В Мюнхене — любезный приём, даже от Леви, который дал мне прекрасные обещания на случай осеннего пребывания: впрочем, он был почти ещё большим энтузиастом Бизе, чем я. Он пообещал мне, как тончайшую уловку, небольшую комическую оперу Корнелиуса: странно!
Здесь в Энгадине я обнаружил, что моя соседка по столу, девушка 17 лет, была сестрой «Цирюльника из Багдада» — так называется эта опера — а именно дочерью того самого Корнелиуса (к сожалению, без его тонкости —). В остальном у меня снова мои англичанки, старая русская, голландец из Явы, который очень сблизился со мной и на прощание подарил мне фотографию своего ребёнка (— он потерял свою молодую жену и теперь снова отправляется из летнего отдыха в Энгадине обратно на Яву: как круглая становится Земля, мои дорогие южноамериканцы, не так ли? —). Затем здесь около 10 университетских профессоров (в моём доме 4), с которыми происходит приятное общение, не нарушающее моего одиночества.
Сильс, дело первого ранга: наш полуостров не имеет себе равных ни в Швейцарии, ни в известной мне Европе. Сплошные новые пути: место, где я придумал Заратустру и когда-то хотел быть похороненным, теперь стало доступным и получило славу самого красивого места в Энгадине. Что касается зимы, то остаюсь при Ницце: только мне нужно найти кого-то, кто сделал бы моё пребывание там более «достойным» (ибо я приближаюсь к жуткому моменту, когда я стану «знаменитым зверем» и буду показываться за входную плату…). Моё здоровье, по мнению всех, кто меня снова видел, решительно улучшилось: признак этого — я становлюсь грубым. Только глаза ухудшились, — потому что я слишком много пялился.
На следующие 4 года анонсирована разработка четырёхтомного главного труда; название уже пугающее: „Воля к власти. Опыт переоценки всех ценностей“. Для этого мне нужно всё: здоровье, одиночество, хорошее настроение, возможно, женщина.
Ну! Мои дорогие, теперь я ужасно долго болтал о себе: но это, пожалуй, принадлежит письму? — Из настроения, в котором писал лама, я представил, как ваш климат, вероятно, производит впечатление, как в Ницце. Жаль, что вы так далеко оттуда убежали! А я — профессионально „хороший европеец“, не могу так легко, как вы, покинуть Европу! Вообще, мне нельзя этого делать. Также каждый капитан, с которым я плыл на 2—3 дня, говорил мне, что я из тех, кто погибнет от морской болезни, если я буду продолжать так, как делал каждый раз. —
Храните меня в любви, храните себя в любви: приветствует и обнимает вас
братско-зятски
Ваш Фриц.
— кругом большая охота на серн, с вчерашнего дня —
742. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
вот ещё кое-что для прочтения: пожалуйста, пусть ваши критические глаза пробегутся по этому «Предисловию» и помогите моей орфографии — и не только орфографии! У вас есть неограниченные полномочия для изменений! —
Затем отправьте лист Э. В. Фричу, Лейпциг, Кёнигштрассе 6. — Возможно, к этому предисловию ещё прибудет дополнение, которое я недавно отправил Фричу: но, по моей памяти, кажется, что оно получилось слишком «личным», — пусть оно останется!
Предисловие, представленное здесь, надеюсь, занимает сносную середину между чрезмерно субъективным и чрезмерно объективным — ту самую середину, которая составляет хороший вкус предисловия? Или как Вы думаете? — —
Также должно выйти новое издание „Рождения трагедии“, с длинным „Опытом самокритики“, рукопись которого уже отправлена Ф<ритшу>. Зимой я хочу написать ещё три предисловия: 1) ко второму тому „Человеческого, слишком человеческого“; в нём содержатся „Смешанные мнения“ и „Странник“;
-
к „Утренней заре“;
-
к „Весёлой науке“.
Здесь также объявленное приложение песен «Песни принца Вольффри».
Таким образом, я надеюсь придать книгам новый интерес и, с точки зрения книготорговли, также крылья. —
Фрицшу я недавно также выразил желание, чтобы он не упустил ваше великолепное адажио. Вы могли бы согласиться с тем, чтобы оно, возможно, получило название «Послелетняя музыка»? —
Этот год до сих пор имел для меня что-то уборное и приводящее в порядок. На «По ту сторону» по сообщению Наумана «публика» (или кто?) крепко клюнула. Вся Шмейтцнеровская мизера закончилась.
Только Вы, дорогой дорогой друг, всё ещё в промежуточном царстве и чистилище: о, что мы придумаем вместе, чтобы и Вы были «приведены в порядок», прежде всего снова «убраны»? —
Холера в Италии отрезает меня и от Корсики: острова как безумные от страха. —
Зейдлицены снова вернулись и написали мне. Пожалуйста, посмотрите его японизмы — и, возможно, сыграйте ему что-нибудь из своих южных прелестей и сладостей (frutta, но ни в коем случае не secca!) Как я сожалел, что Вашего «Льва» не было в Зильсе! Там была выдающаяся пианистка из Вены, а также театральная певица из Мюнхена и очень избранная «публика» из 7—10 человек, разбирающихся в музыке. Странно!также сестра „Цирюльника из Багдада“, как моя соседка по столу (на немецком: дочь проф. Корнелиуса). Кстати, я заметил, что все артисты на самом деле пели и играли только для меня: что меня бы избаловало, если бы так продолжалось.
Мне почти кажется, что вы хотите остаться в Мюнхене? —
Передайте наилучшие пожелания госпоже Ротплец: вы хорошо её описали; я думаю, её желание помочь порой больше, чем её нежность, но что из того! Прежде всего, она храбра в своих симпатиях и антипатиях.
Обрадуйте меня, дорогой друг, в ближайшее время несколькими словами о планах, возможностях, невозможностях: и есть ли что-то, где я могу вмешаться, где я могу построить мостик, к вашей чести или пользе.
Преданный вам друг
Н.
NB. Я вижу, что выше написал что-то неясное: я хотел сказать, что ваша музыка сладка, южна, возвышенный южный плод, но совсем не сухая.
743. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +]
— Ты ещё не написал мне, что отдал 75 пфеннигов, которые я дал тебе для наумбургского зубного врача. Это было на зубной порошок. —
— Если печать пойдёт хорошо, я думаю отправиться в путь вскоре после середины месяца, вниз к морю, около Генуи. Только там, говорят, ещё очень жарко. Господин Ланцки хочет принять меня: если бы только этот добрый человек доставил мне хоть немного удовольствия и развлечения, раз уж он не даёт мне наставлений! Я боюсь и Ниццы в этом отношении: боже, как люди меня утомляли до сих пор, и какую хорошую мину я при этом ещё делал! — —
— Наши письма пересеклис. Мою сердечную благодарность, моя старая добрая мать: маленькое письмецо сюда ещё успеет до меня дойти.
С любовью твой Фриц
— Не могла бы ты осенью (возможно, в честь моего дня рождения?) отправить красивую коробочку винограда господину и госпоже Э. В. Фрич в Лейпциг? Кёнигштрассе 6. Они из Люцена; и Фрич проявил ко мне большое доверие. —
744. An General Simon in Celerina (Visitenkarte)
Уважаемый господин генерал, мою глубокую благодарность за Ваше и Вашей дочери очень любезное посредничество (из которого, возможно, как и в Ницце, может получиться реальное улучшение моей жизни). Вероятно, я воспользуюсь этой новой возможностью: хотя должен признаться, что решение на это дается "отшельнику из Зильс-Марии" достаточно тяжело, — особенно с тех пор, как это место начинает превращаться в место встреч профессоров. Желаю Вам наилучшего в путешествии; судя по письмам, пока что везде еще стоит сильная жара. С просьбой сохранить обо мне добрую память, остаюсь, как и всегда,
Ваш благодарный и преданный
Ф. Н.
745. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
NB. Я остаюсь в Зильс-Марии до 15 сентября. Пожалуйста, срочно до 13 числа передайте мне всё, что ещё нужно исправить.
Ф. Н.
Уважаемый господин издатель, вы видите, что я серьёзно отношусь к тому, чтобы дать книгам крылья для нового путешествия. Вот решение проблемы: вы отправляете «Человеческое, слишком человеческое» в двух томах вместе в мир (не в одном переплёте, а одновременно!) Я не вижу лучшего способа, чтобы «разнообразные мнения» и «странника» обрели крылья (последнее обозначено на обратной стороне титульного листа как второй приложение: пожалуйста, проверьте!) — Предисловие к первому тому остаётся таким, как в первой редакции; начало, присланное позже, теперь используется как начало предисловия ко второму тому.
Ваш Ф. Н.
746. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Только что, уважаемый господин издатель, пришло предисловие к «Рождению трагедии». Но нет! Вы не должны так поступать со мной, — и я сам никогда не допущу, чтобы слово моё такой важности, как это предисловие, было представлено миру столь неэстетично и недостойно. Моё предложение было, чтобы оно было напечатано точно по образцу предисловия в «По ту сторону добра и зла»; я повторяю это предложение и прошу быть уверенным, что я гораздо охотнее возьму на себя расходы по печати в соответствии с моим вкусом, чем буду вечно досадовать, когда позже открою книгу. Передайте рукопись в C. G. Naumann’s (они же печатали и саму книгу) и, как сказано, за мой счёт.
Ничего личного!
Ваш преданный
Д-р Фридрих Ницше.
Отъезд отложен из-за продолжающейся хорошей погоды.
747. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
мои лучшие пожелания и благодарность вперед! — Прилагаю просьбу взять на себя самую последнюю (вторую) редакцию предисловия ко второму тому. Три части рукописи для вставки отправлены Фричу; также просьба теперь все передать вам. Вы читаете мои тексты, возможно, лучше, чем я. — Напишите об этом: готово к печати Х. К.
Мне небезразлична эта вторая предисловие. Чтобы положить конец вечным недоразумениям по поводу моего разрыва с Р. В. Вагнером, я решил сказать главное ясно. Конечно, это несколько рискованно.
— Кстати, я невероятно рад, что могу оглянуться на этот ужасный и смертельно опасный поворот как на нечто, оставшееся «позади». В одно мгновение я мог бы погибнуть от этого; я недостаточно груб, чтобы суметь расстаться с людьми, которых любил. Но это произошло: и я всё ещё жив. —Слово сюда, когда всё будет готово: если я уеду, то всё последует за мной незамедлительно. Куда? —
Преданный вам друг Н.
— Разве это не шедевр и хитрость, как я заставил Фрича издать 2 тома «Человеческое, слишком человеческое»? Я думаю, это будет ему на пользу. (Мне это кажется избавлением.)
748. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Пожалуйста, дорогой друг, установите текст на странице V второго предисловия следующим образом:
против куска прошлого, против
самой прекрасной, но и самой опасной морской тишины
моего плавания… и действительно
отделение, прощание.
Последнее слово, следовательно, не выделено! — Я думаю, что не позднее чем через 5 дней последние корректурные оттиски окажутся в ваших руках. —
Я был настолько недоволен оформлением „Попытки самокритики“ (вступительной замены „Рождения трагедии“), что сразу же отправил его обратно Э. В. Фричу: с просьбой передать его К. Г. Науманну: он должен сделать его по моему вкусу и за мой счёт. — Надеюсь, дорогой друг, что это не создаст для вас двойной работы! —
Самая прекрасная, мягкая, ясная сентябрьская погода! —
Сердечно приветствующий Ф. Н.
749. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Уважаемый господин,
только что я дал поручение банкиру Кюрбицу в Наумбурге отправить на Ваш почтенный адрес сумму в 881 марку: что, как я смею предположить, будет сделано незамедлительно. За все Ваши сообщения — мою глубокую благодарность; если меня не подводит интуиция, эта книга будет хорошо продаваться. Только что я нашёл в бернском Bund статью о ней под заголовком «Опасная книга Ницше» — нельзя придумать более сильного соблазна для покупки, чем тот, что даёт эта статья. — Этот господин доктор Велти, чьё письмо Вы приложили, как мне здесь сообщили, сын старого президента Швейцарской конфедерации; он считается очень проницательным. —
Рекомендуя себя Вам и Вашему брату с благодарностью
Ваш преданный
Проф. д-р Ницше
750. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +] познакомить эту «борчиху за права женщин» с другой «борчихой», которая является моей соседкой по столу, мисс Хелен Циммерн, очень умной особой (она познакомила англичан с Шопенгауэром), кстати, не англичанкой, а — еврейкой. Небо смилуется над европейским разумом, если от него отнять еврейский разум! Мне рассказывали о молодом математике в Понтрезине, который от волнения и восторга по поводу моей последней книги совсем потерял ночной покой; когда я стал расспрашивать подробнее, оказалось, что это снова был еврей (немца не так легко лишить сна —) Простите за эти шутки, моя добрая мать!— Кстати, я сорвал встречу с господином Ланцки, я испугался, что он снова так наскучит мне, как два года назад. Ниццы я боюсь из-за ревнивых старух, но, вероятно, ничего другого и не выйдет. Только, возможно, я сделаю промежуточную остановку недалеко от Генуи. Здесь остальная часть общества уезжает на этой неделе, и я тоже: потому что потом с питанием будут проблемы. —
Мне очень нужна передышка: плохо, что у меня совсем нет людей, которые понимали бы, как мне отдохнуть.
За твое прекрасное обещание относительно ящика я искренне благодарю тебя: но, как сказано, я в отъезде. — Адрес Фрицшена: Лейпциг, Кёнигштрассе, 6
Твои новости о наших южноамериканцах вызывают беспокойство: и там, как кажется, все сводится к старому нервному напряжению и суете? — Лама как фермерша, продающая масло и молоко! Нет, какая комедия! —
Твой старый сын.
Адрес: Генуя (Италия) до востребования.
751. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Дорогой друг, мне тяжело решиться уехать, и я ещё не знаю, куда. На Корсику нет; и Ницца мне опостылела, с тех пор как я не могу больше ожидать вас там. Где найдутся люди, которые смогли бы меня отдохнуть!
Пожалуйста, дайте мне ещё сюда знать, находится ли окончательная редакция второго предисловия в ваших руках: а также, решил ли Фрич оформить самокритику точно так же, как и предисловия. Я придаю этому большое значение. «Бунд» опубликовал сильную статью о моей книге, написанную редактором В. Видманом, под заголовком «Опасная книга Ницше». Общий вердикт: «это динамит».
Последний вопрос: где сейчас можно услышать Кармен? Готовят ли её в Мюнхене? — То, что вы снова сочиняете, очень радует меня: о, если бы вы сидели над Портофино, в Руте, у сосны, где промонторио принадлежит только вам! Оставайтесь южным, хотя бы по вере!
Н.
Отъезд в конце недели.
752. An Paul Deussen in Berlin
Дорогой старый друг,
как мне сообщают, есть прекрасный повод пожелать тебе счастья — или, скорее, даже не пожелать. Держи крепко то, что у тебя есть сейчас, мой старый друг и товарищ, особенно если это «счастье», как в твоём случае, — хорошая жена; ибо счастье слишком охотно ускользает от нас (а именно от нас, философов и чудовищ познания…)
В знак того, как я хотел бы снова оказаться рядом с тобой, я позволил себе отправить тебе своего последнего и самого злобного ребёнка: надеюсь, он научится в твоём обществе «моральности» и ведантической достоинству, ибо в обоих он страдает от недостатка, унаследованного от отца.
„По ту сторону добра и зла“ — так оно называется; только что я уже прочитал ужасно серьёзную статью об этом под заголовком „Опасная книга Ницше“ — тема проиллюстрирована „это — динамит“…Что в этом? Был ли когда-нибудь человек более дерзким в отношении вещей, чем я? Нужно быть способным выдержать это: это проверка; что при этом „говорят“, „думают“, мне безразлично. В конце концов — я хочу быть прав не на сегодня и завтра, а на тысячелетия.
Этим летом я чаще говорил о тебе с Лескином (Сильс-Мария, собственно, во второй половине лета — настоящее место встреч профессоров: так что старый „отшельник из Сильс-Марии“ остаётся в курсе — — да, да, в курсе, но чтобы убежать, что касается нынешних немецких университетских образовательных состояний). Лескин рассказывал о необычайном уважении, которое Бётлингк питает к твоему труду; он считал, что будет легче создать для тебя кафедру санскрита, чем кафедру (кресло) философии.
В сущности, ты оказался между двух стульев с твоим двойным талантом: — по старой учёной традиции признают только «специализацию», нельзя служить двум господам, тем более если это две женщины, как филология и философия…
Мне твоя книга снова и снова дарила глубокий интерес и поучение: я хотел бы, чтобы существовало что-то столь же ясное, диалектически проработанное и для философии Санкхьи. —
Храни в доброй памяти твоего
Друга Фридриха Ницше.
753. An Hippolyte Taine in Meuthon St. Bernard (Entwürfe)
Уважаемый господин
мой книготорговец получил от меня поручение отправить Вам экземпляр моей последней книги; я думаю, что он выполнит свой долг, и с моей стороны считаю необходимым добавить несколько слов, чтобы
поручение, которое я дал моему издателю, отправить Вам экземпляр моей последней книги, надеюсь, будет выполнено: позвольте мне сказать несколько слов, чтобы
оправдать свободу, которую я себе позволяю по отношению к Вам.
Присланное произведение трудно для понимания, полно скрытых мыслей, возможно, скорее скрывающее, чем раскрывающее чужой образ мышления: каким читателям можно разумно предложить такую книгу?
Во всяком случае, самым немногим, настоящим разгадчикам загадок, историческим «толкователям знамений». При этом я думал, например, о моем глубокоуважаемом старом друге Якобе Буркхардте в Базеле; примите это благосклонно, высокочтимый господин, что я при этом подумал и о Вас, чья смелость, тонкость, настойчивость и духовная широта в нашей сомневающейся Европе принадлежат к наилучшим доказанным фактам.
Кроме того
Вы один из открывателей Анри Бейля — и я тоже
было бы между нами нечто общее: Ваша любовь к
последнему великому психологу Анри Бейлю
Есть истины, которые можно сказать только «на ухо»: произнесенные вслух, они не будут услышаны. Попробуйте, содержит ли моя книга такие истины.
Могу ли я вручить одному из самых смелых и независимых моих современников книгу, в которой предпринято нечто, не имеющее себе равных? Великая тайна давит, как великая ответственность, — и требует ушей, в которых она — — —
754. An Jacob Burckhardt in Basel
Глубокоуважаемый господин профессор,
мне больно так долго не видеть и не разговаривать с Вами! С кем я хотел бы вообще говорить, если мне больше не позволено говорить с Вами? «Молчание» вокруг меня становится невыносимым. —
Надеюсь, что к этому времени К. Г. Науманн выполнил свой долг и передал мою недавно вышедшую книгу «По ту сторону» в Ваши уважаемые руки. Пожалуйста, прочитайте эту книгу (пусть она говорит о тех же вещах, что и мой Заратустра, но иначе, очень иначе —). Я не знаю никого, кто имел бы со мной столько общих предпосылок, как Вы: мне кажется, что Вы увидели те же проблемы, — что Вы трудитесь над теми же проблемами подобным образом, возможно, даже сильнее и глубже, чем я, поскольку Вы более молчаливы. Зато я моложе… Пугающие условия для любого роста культуры, то крайне тревожное соотношение между тем, что называется «улучшением» человека (или даже «очеловечиванием»), и увеличением типа человека, прежде всего противоречие любого морального понятия с любым научным понятием жизни — достаточно, достаточно, здесь проблема, которую мы, к счастью, как мне кажется, можем разделять с не слишком многими среди живых и мёртвых.
Выразить это вслух — возможно, самое опасное предприятие, какое только существует, не в отношении того, кто на него отваживается, а в отношении тех, к кому он обращается. Моё утешение в том, что сначала не хватает ушей для моих великих новостей, — за исключением Ваших ушей, дорогой и глубокоуважаемый мужчина: и для Вас, в свою очередь, это не будут «новостями»! — —Преданно
Ваш
Д-р Фридрих Ницше.
Адрес: Генуя, ferma in posta.
755. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Уважаемый господин издатель,
тем временем исправленный лист (с пометкой „Предполагается“) показал вам, что я сам пришел к предположению, что здесь может быть лишь недоразумение между издателем и типографом. Таким образом, примирение с типографией Рёдер, при условии, как сказано, что это предисловие будет изготовлено точно по мерке двух других. —
Я в отъезде. Мой адрес на ближайшее время:
Генуя (Италия) до востребования. Чтобы избежать путаницы, рекомендую на всех адресах подчеркивать имя Ницше (итальянские почтовые служащие часто не знают, что является фамилией, а что — именем в немецких адресах, так как итальянцы имеют обыкновение ставить имя после фамилии)
Что касается предложенной вами альтернативы, я очень рекомендую отправить три произведения как nova за счет на 1887 год — то есть только в декабре! Тем временем моя недавно изданная „По ту сторону“ привлечет достаточно внимания к моему имени и послужит в этом смысле „возбудителем аппетита“ и желудочным средством для моего рода литературы (— которая не относится к „легкой“! —)
— „Бунд“ опубликовал две статьи о названном произведении под заголовком: Опасная книга Ницше.
Начало звучало так: „Те повозки, которым предстояло доставить динамит, необходимый для строительства Готтардской железной дороги, несли чёрный флаг, указывающий на смертельную опасность...“ Вся статья была образцом непроизвольной рекламы. —Будьте так любезны, прислать мне по одному готовому экземпляру каждого из трёх произведений, как только появятся готовые экземпляры. И, как я уже говорил, в Геную, до востребования.
Ваш преданный
Проф. д-р Ницше
756. An Malwida von Meysenbug in Rom
Уважаемая подруга.
последний день в Зильс-Марии; все птицы уже улетели; небо осенне-мрачное; холод растёт, — значит, «отшельник из Зильс-Марии» должен отправиться в путь.
Во все стороны я разослал приветы, как тот, кто также подводит годовой итог со своими друзьями. При этом мне пришло в голову, что Вы давно не получали от меня письма. Просьба о Вашем адресе в Версале, которую я выразил в письме к фрейлейн Б. Рор в Базеле, к сожалению, не была выполнена. Поэтому я отправляю эти строки в Рим: куда недавно также адресовал книгу. Её название — «По ту сторону добра и зла, прелюдия к философии будущего». (Простите!
Вы не должны его читать, и тем более выражать мне свои чувства по этому поводу. Предположим, что его можно будет прочитать только к 2000 году…)
За ваш добрый запрос к моей матери, о котором я услышал этой весной, я искренне благодарю вас. Я был в плохом состоянии: тепло, к которому я, сосед ледников, уже не привык, почти подавляло меня. К тому же в Германии я чувствую себя как под порывами враждебных ветров, без какого-либо желания или обязанности дуть в ответ. Это просто неподходящая среда для меня, что касается современных немцев, меня это не касается, — что, конечно, не повод сердиться на них.
—Так старый Лист, который понимал жизнь и смерть, всё же позволил себя как бы похоронить в вагнеровском деле и мире: словно он неизбежно и неотделимо к нему принадлежал. Это больно отозвалось в душе Козимы: это ещё одно ложное представление вокруг Вагнера, одно из тех почти непреодолимых недоразумений, под которыми сегодня растёт и процветает слава Вагнера. Судя по тому, что я узнал о вагнерианцах, современное вагнерианство кажется мне бессознательным приближением к Риму, которое изнутри делает то же, что Бисмарк делает снаружи.
Даже моя старая подруга Мальвида — ах, вы её не знаете!— в своих инстинктах глубоко католична: к этому относится даже безразличие к формулам и догмам. Только ecclesia militans нуждается в нетерпимости; всякое глубокое спокойствие и уверенность в вере разрешает скепсис, мягкость к другим и иному…
В заключение я переписываю вам несколько слов обо мне, которые можно прочитать в „Бунде“ (16 и 17 сентября). Заголовок: Опасная книга Ницше.
„Те запасы динамита, которые использовались при строительстве Готтардской железной дороги, несли чёрный флаг предупреждения, указывающий на смертельную опасность. — Именно в этом смысле мы говорим о новой книге философа Ницше как об опасной книге.
Мы не вкладываем в это обозначение ни малейшего упрека автору и его труду, так же как та черная флажка не должна была упрекать тот взрывчатый материал. Еще меньше могло бы прийти нам в голову выдать одинокого мыслителя указанием на опасность его книги на съедение проповедническим воронам и алтарным грачам. Духовная взрывчатка, как и материальная, может служить очень полезному делу; не обязательно, чтобы она использовалась в преступных целях. Только хорошо бы, где хранится такой материал, ясно сказать: „Здесь лежит динамит!“
Будьте же мне, уважаемая подруга, за это мило благодарны, что я немного держусь от вас в стороне!... И что я не стараюсь заманить вас на мои пути и „выходы“. Ибо, чтобы еще раз процитировать „Союз“:
„Ницше — первый, кто знает новый выход, но такой страшный, что по-настоящему пугаешься, когда видишь, как он идет по одинокому, до сих пор нетронутому пути!“...
Короче говоря, сердечно приветствует вас
Отшельник из Зильс-Марии.
Адрес пока что: Генуя: ferma in posta.
757. An Emily Fynn in St. Moritz
Уважаемая госпожа,
первая попытка написать пару слов из нового мира: простите, если перо лишь марает!
Слева Генуэзский залив до маяка; под окном и к горам всё зелёное, тёмное, освежающее для глаз. Альберго Италия чистый и приятно обставленный: кухня отвратительная; ещё не удалось увидеть приличного куска мяса. Тем более достойна похвалы чистая и не расслабляющая воздух, прогулки высоко между двумя морями, сосновый лес с почти тропической пышностью. Мы уже трижды разжигали большие костры; нет ничего прекраснее, чем видеть, как пламя полыхает в чистом небе.
—Одиночество, как на острове греческого архипелага; вокруг бесчисленные горные хребты. Мой друг из Флоренции с позавчерашнего дня здесь. —
Внизу, в Портофино, сейчас находятся немецкий кронпринц вместе с графом Парижским, — и господин фон Койделль: встреча, которая заставляет задуматься. —
— Нет сомнений, что Портофино заслуживает быть положенным на музыку. По сравнению с Ривьерой оно тише, тайнее, также приличнее и менее африканское.
— Я от всего сердца благодарю за телеграфное поздравление с путешествием, которое в самый правильный и последний момент достигло отшельника из Зильс-Марии. Часом позже: и последняя птица улетела. —
„Теперь начинается зима“, — сказал мой хозяин, когда я уезжал.
Надеюсь, это будет хорошая, солнечная, укрепляющая зима! Один немецкий господин из Генуи сказал мне вчера, что если бы он мог свободно распоряжаться собой, то зимовал бы не в Генуе, а в Санкт-Морице.
Вот как бывает! Он хотел бы оказаться именно там, откуда я только что спустился!
— Возможно, вы выбрали „лучшую часть“? … По крайней мере, это моё сердечное желание, когда я думаю о вас и вашей уважаемой подруге, которой прошу передать мои почтительнейшие приветы.
С благодарной памятью
Ваш проф. д-р Ницше
758. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Уважаемый господин издатель,
в ответ на Ваше любезное письмо я хочу на этот раз выразить лишь своё нежелание идти навстречу просьбе господина Конради. Такие двадцатичетырёхлетние поэтишки — последние читатели, которых я хотел бы иметь; ещё меньше я хотел бы, чтобы они меня хвалили и публично прославляли. —
Адрес господина Кёзелица: Мюнхен, Türkenstrasse 33 III r. Мой собственный адрес: Ницца (Франция) poste restante.
С наилучшими пожеланиями
Ваш преданный доктор Ф. Ницше
759. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
несколько слов из этого странного уголка мира, где я предпочел бы видеть вас, чем в Мюнхене. Представьте себе остров греческого архипелага, произвольно покрытый лесом и горами, который однажды случайно приплыл к материку и не может вернуться обратно. В этом, безусловно, есть что-то греческое: с другой стороны, что-то пиратское, внезапное, скрытное, опасное; наконец, на одиноком повороте — кусок тропического соснового леса, с которым вы уходите из Европы, что-то бразильское, как говорит мне мой сосед по столу, который объехал землю несколько раз. Я никогда не лежал так много, в настоящей робинзонадной изоляции и забвении; иногда я также разжигаю перед собой большие костры.
Чистое беспокойное пламя с его беловато-серым брюхом, поднимающееся к безоблачному небу — вереск вокруг, и та октябрьская блаженность, которая понимает сто способов быть жёлтой — о, дорогой друг, такое позднелетнее счастье было бы для вас, не меньше, а может быть, даже больше, чем для меня! В Albergo d’Italia (где отлично чистые комнаты, к сожалению, итальянская кухня alla Veneziana) я живу за 5 франков в день, tutto compreso, включая вино. Г-н Альтсманн, который сейчас живёт в той же гостинице (учитель в Istituto tecnico в Генуе), говорит мне, что можно жить намного дешевле, если снять отдельную комнату в одном из милых домов, разбросанных вокруг; его два приёма пищи в гостинице обойдутся в 2 1/2 франка.
(vino compreso) arrangiren können.Сюда я вас и приглашаю, мой дорогой друг, чтобы вы нашли здесь мужество и вдохновение, чтобы продолжать свой жизненный путь и петь свою жизненную песню всё прекраснее. Здесь можно быть круглый год и работать, по мнению и опыту профессора Альтсмана; здесь есть venticello, лёгкий играющий предгорный ветерок, который делает жизнь здесь приятной даже летом: поэтому здесь много вилл старых мореплавателей или генуэзцев, а также одного английского дантиста (который, например, предлагает небольшую меблированную квартиру из 3 комнат за 300 франков в год).
Предположим, вы найдете в моих словах что-то, что побудит вас самих начать строить планы, тогда я назову вам замечательного серьезного немца в Генуе, который, ради меня, непременно окажет вам помощь советом и делом. Пожалуйста, пишите мне по этому адресу: Ницца (Франция) poste restante. —
Преданный вам друг
Ницше.
Этот упомянутый немец зовется Цилликен (Генуя, Вико ди Негри 4); я навещу его завтра и расскажу ему о вас. (Он купец или банкир)
Пожалуйста, сходите к художнику Гансу Бартельсу (он также знает Руту и этот берег), передайте ему мои приветы и, возможно, также те 2 номера «Бунда» для чтения, которые Науманн вам отправил.
Прилагаю письмо Хегара о «Гимне жизни». Ваше участие я абсолютно умолчал.
Дорогой друг, было бы вам возможно (предполагая, что вы хотите сделать мне большое рождественское удовольствие —) снабдить этот «Гимн жизни» фортепианной аранжировкой (в четыре руки, с тем изяществом четырехручности, на которое теперь способны и о котором я, когда был молод, не имел никакого понятия). В этом случае я позволю себе отправить рукопись по вашему мюнхенскому адресу.
Ф. Н.
760. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мать, с сердечной благодарностью, наконец, получил твое письмо; оно было в Генуе на почте, поэтому мне его переслали из Сильса. Если ты хочешь мне теперь написать, то адресуй: Ницца (Франция) poste restante. Но ничего не присылай! За доброе намерение с песчаным тортом благодарю тебя самым прекрасным образом, также и за известие о том теологическом стихотворении. Тем временем дела шли не лучшим образом; я был последней птицей, улетевшей из Сильса. Здесь, на побережье, конечно, было очень тепло; но, бродя по горным хребтам между двумя морями, много лежа в тени, а также разжигая большие костры для удовольствия, я это выдержал. Худшее было отвратительное питание — и то, что я не был один! Господин Л<анцкий> (который отнимает у меня одиночество, не давая мне общества), к счастью, не едет со мной в Ниццу. Вот что достигнуто. — Великолепное письмо профессора Якоба Буркхардта о моей «опасной книге», как ее называют газеты. С любовью, твой старый сын.
Ф.
761. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
вчера я получил твое письмо (с деньгами), которое сообщило мне о твоих житейских трудностях в Базеле. Нет, какие испытания! Какая злоба случая! Я выражаю тебе и твоей дорогой жене самое искреннее соболезнование. —
Прекрасная, освежающая осень, после года, который принес мне много напряжения, но еще больше разрешения и избавления. Последнее заключается в том, что два моих прежних сочинения выходят в новых изданиях: «Рождение трагедии», обогащенное «Опытом самокритики», который я рекомендую твоему вниманию в качестве предисловия; а также «Человеческое, слишком человеческое» в двух томах, с длинными предисловиями, в которых даны некоторые указания для тех, кто серьезно хочет подготовиться к моему «пониманию». Впрочем, с «пониманием» есть свои сложности; и я надеюсь и желаю, чтобы до этого еще долго не доходило. Лучше всего это произойдет, пожалуй, только после моей смерти. Меня даже успокоило, что даже такой тонкий и доброжелательный читатель, как ты, все еще сомневается в том, чего я на самом деле хочу: мой страх стал велик именно в противоположном направлении, а именно, что на этот раз я был слишком ясен и «себя» слишком рано уже выдал.
Очевидно: мне ещё нужно дать множество воспитательных предпосылок, прежде чем я наконец выращу своих собственных читателей, я имею в виду читателей, которые смогут видеть мои проблемы, не ломаясь о них. Эссе доктора Видмана в «Бунде» (от 16 и 17 сентября, прочтите его!) вызвало у меня опасение, что глаз полиции всех видов будет преждевременно направлен на меня; заголовок эссе был «Опасная книга Ницше», первое предложение звучало примерно так: «те запасы динамита, которые использовались при строительстве Готтардской железной дороги, несли чёрный флаг предупреждения, указывающий на смертельную опасность». —
Мой адрес отныне снова: Ницца (Франция) до востребования.
— О моём «настроении» ты можешь не беспокоиться; я бы подумал, что агрессивное и военное настроение моей последней книги — это хороший симптом? —Письмо Я. Буркхардта, которое недавно пришло, опечалило меня, хотя оно было полно высших похвал в мой адрес. Но что мне до этого! Я хотел бы услышать: «Это моя нужда! Это меня сделало безмолвным!» — В этом смысле, мой старый друг Овербек, я страдаю от своей «одиночества». В людях я не нуждаюсь нигде, но в таких, с которыми я мог бы разделить свои заботы, свои заботы! — Но это старая история; и я красиво доказал, что я всё же это выдерживаю. —
В Зильсе (который становится местом встречи профессоров —) я общался с твоим коллегой Бригером, который хотел, чтобы я порекомендовал его тебе. Он сказал, серьёзно и без кокетства, что лейпцигцы ошиблись в своём выборе, они должны были взять Харнака. — Мауренбрехер передал приветы от Хайнце; также представился мне Пфлугк-Хартунг. Мой голландец тоже был там и т.д. и т.п.
Преданный тебе
Ницше
762. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).
Дорогой господин издатель, оглядываясь на прошедший год — ведь 15 октября мой день рождения — я с благодарностью вспоминаю, что никто не проявил ко мне большего доверия, чем Вы. Пусть оно будет вознаграждено так, как должно, во всех смыслах! — Мой адрес отныне (и на всю зиму): Ницца (Франция) до востребования; туда прошу прежде всего отправить готовые экземпляры, о которых я просил в последнем письме. — С искренним уважением к Вам и Вашей супруге
Ваш проф. д-р Ницше
763. An Gottfried Keller in Zürich
Глубокоуважаемый господин,
тем временем я позволил себе, в соответствии со старой любовью и привычкой, отправить Вам мою последнюю книгу; по крайней мере, моему издателю К. Г. Науманну было дано на это поручение. Возможно, эта книга с её вопросительным содержанием идёт против Вашего вкуса: возможно, не её форма. Тот, кто серьёзно и с искренней склонностью трудился над немецким языком, должен будет оказать мне некоторую справедливость: это есть нечто — заставить говорить такие сфинксоподобные и молчаливо рождённые проблемы, как мои. —
Прошлой весной я попросил свою старую мать прочитать мне Ваше стихотворение в прозе, — и мы оба от всего сердца благословили Вас за это (и во весь голос: ведь мы много смеялись): так чисто, свежо и зернисто показался нам этот мёд. —
С выражением преданной привязанности и почтения
Ваш проф. д-р Фридрих Ницше.
764. An General Simon in Siena (Entwurf)
Привет из Ниццы — ибо я поступил так, как, кажется, в этот раз поступает весь мир, и приехал в Ниццу раньше, чем обычно. На самом деле, сезон здесь начался хорошо: в городе даже обещают что-то блестящее. В нашей Pension de Genève уже половина стола занята, всё ежедневно в движении, соседняя Villa Speranza теперь тоже принадлежит отелю, так что комнат стало на 40 больше, чем раньше; я сам живу в этом пристройке, из соображений тишины и потому, что мне нужно большое высокое помещение, чтобы работать. Недавно мадам
Саворнин (которая придаёт большое значение тому, чтобы снова видеть Вас и Вашу дочь среди своих гостей) обещает сделать всё, чтобы Вам было удобнее, чем в последний год Вашего пребывания здесь, и, например, чтобы Вам не пришлось подниматься так высоко: короче говоря, она предлагает Вам другую комнату, расположенную ниже. Среди обслуживающего персонала снова знакомые лица: усердная Розалия, затем официант зимы 1884—5 годов, в качестве кассирши — госпожа О’Коннор; новым лицом является младшая сестра мадам Саворнин. Примерно 6 гостей прошлой зимы я снова узнал. — За столом один итальянец, связанный с официальными кругами Рима, рассказал мне, что там холера свирепствует в гораздо большей степени, чем это признают в прессе: около 50 случаев в день. В самом деле, популярность, которую Ривьера пользуется в этот раз со стороны иностранцев, кажется, во многом зависит от недоверия, которое вызывает поражённая эпидемией Италия.
765. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Ты не должна оказывать такую честь религиозному стихотворению, моя добрая милая мать: подобное сочиняют по заказу гимназисты. Если говорить точно, с тюрингским характером в душе нам, таким как я, не важно несколько ложных слов, если речь идет о любезности; и это была любезность по отношению к старому Ницше, что я тогда написал это официальное стихотворение, в то время как все мои товарищи отказались. —
Пока что мало хорошего можно сообщить; никто в мире не заботится обо мне, самые неприятные случайности, с которыми я не могу справиться, обрушиваются на меня.
766. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment).
[+ + +] здесь в Ницце. —
Твоё доброе письмо было моим приёмом в Ницце. Стихотворению, которое ты для меня переписал, я не хотел бы придавать столько чести, сколько делаешь ты: оно написано из любезности к старому Ницше. Мы, тюрингцы, с нашим уступчивым характером, делаем многое, чего на самом деле не должны делать. —
Хайнце добры ко мне: но, так как они не придают этому значения, а, возможно, и не понимают, кто я на самом деле и чего я на самом деле хочу, на них нельзя строить дом. К сожалению, то же самое относится почти ко всем моим оставшимся человеческим отношениям. У меня нет должности, следовательно, и нет «авторитета»: те, кто сейчас ко мне расположены, немного подтрунивают надо мной в частном порядке, это само собой разумеется, и — мне это не больно.
Один из самых значительных французов, по уму, характеру и влиянию, Анри Тэн, человек такого же высокого качества, как Якоб Буркхардт в Базеле, прислал мне сюда, в благодарность за мою последнюю книгу, великолепное письмо. Такие почести, как твой сын, испытывают немногие; у меня всегда была поддержка старых независимых и дальновидных мыслителей.
С сердечными пожеланиями для тебя и наших южноамериканцев
Твой Фр.
Ницца (Франция) Pension de Genève — это мой адрес!
767. An Reinhart von Seydlitz (Entwurf)
Совершенно трезво рассмотрев: так будет лишь очень немного людей в Европе, чье образование достаточно обширно и глубоко, чтобы они могли почувствовать новое, неожиданное, принципиально-радикальное в моих сочинениях, и тем более для того, чтобы кто-то мог угадать и сопереживать состояние, страсть, из которых проистекает такое мышление — для этого у меня до сих пор нет никаких доказательств, и почти уже нет веры. — Это мое одиночество, сказанное еще раз: нечто, от чего я не избавлюсь, даже если поменяю место жительства. Дайте мне хотя бы одно доказательство обратного: кто был бы благодарнее за это, чем я? —
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Думать лучше о немецком «образовании»: за последние 16 лет оно не дало мне для этого никакого повода:
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Мои книги, как самые независимые и радикальные произведения этого периода, прошли почти бесследно. В сущности, у меня три читателя, а именно Бруно Бауэр, Я. Буркхардт, Анри Тэн, и из них первый мертв.
<А. Тэн> Это, наконец, читатель, чья культура достаточно обширна, чтобы понять меня
768. An Reinhart von Seydlitz in München
Дорогой друг,
огромное спасибо! — Но я не хочу ехать в Парагвай, куда меня приглашают. Скорее, я предпочёл бы Мюнхен: при условии, что я снова стану веселее и «более дружелюбным к людям», чем сейчас.
Какой мрачный осенний сезон! Всё вокруг как свинцовые гири, никто не может меня развеселить, — и вокруг меня только мои старые проблемы, эти вечно чёрные, как вороново крыло, проблемы! — Ты погрузился в моё «По ту сторону»? (Это своего рода комментарий к моему «Заратустре». Но как хорошо нужно меня понимать, чтобы понять, насколько далеко это от комментария!) Книга для людей с самым обширным образованием, например,
Якоб Буркхардт и Анри Тэн, которых я пока считаю своими единственными читателями: и в конце концов даже не книга для них — у них нет ни той же нужды, ни той же воли, что и у меня. — Это одиночество: — у меня нет никого, кто разделил бы со мной моё «нет» и моё «да»!
От поездки на Корсику я отказался, потому что человек, который должен был сопровождать меня, при ближайшем рассмотрении оказался мне совершенно противен. Моя трёхчетвертная слепота заставила меня отказаться от всех собственных экспериментов и как можно скорее бежать в Ниццу, которую мои глаза «выучили наизусть». Да, конечно! Там больше света, чем в Мюнхене! Пока я не знаю, кроме Ниццы и Энгадина, ни одного места, где я ещё могу выдерживать ежедневную работу глаз в течение нескольких часов. Но, возможно, и с этим всё закончится этой зимой. — Будь терпелив: я ещё приеду в Мюнхен.
Возможно, там есть очень весёлое женское существо, с которым я могу посмеяться? Мне нужно наверстать смех.
Из Парагвая — сердечные приветы тебе и твоей дорогой жене, которой я желаю быть наилучшим образом рекомендованной.
Преданно
Твой Ницше.
Всем мюнхенским вагнерианцам (особенно Леви) — мои лучшие комплименты, sincères et tendres!
769. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
прибыл в Ниццу около недели назад, до сих пор в очень плохом состоянии здоровья, и подвергаюсь различным испытаниям терпения и неприятностям: у меня нет никого, кто бы обо мне заботился — и сейчас я почти слеп! Тем не менее: я еще какое-то время продержусь!… Моя просьба сегодня: не присылай оставшиеся 500 франков, а вложи их, как тебе покажется лучше: я хочу попробовать обойтись тем, что уже прислано, до конца декабря. Моя другая просьба: у тебя нет экземпляра „Идиллий из Мессины“? Мне они нужны срочно (для подготовки небольшого лирического сборника „Песни принца Вольфрея“), но у меня их нет.
К Шмейцнеру я не могу обратиться.
Мои родственники в Парагвае прислали мне нарисованный план их колониального предприятия и хотят использовать мои деньги, которые лежат в Наумбурге. Что ты на самом деле думаешь о моих базельских перспективах? Мне кажется, что я должен держать те немногие деньги, которые у меня есть, на все случаи жизни: я имею в виду, что их можно было бы в любой момент обналичить? — С другой стороны, я не умею говорить "нет" в такой глупой денежной истории. —
Великолепное письмо Анри Тэна, который относится ко мне так серьезно, как я только могу желать; он так универсально образован, места, которые он выделяет, дают мне доказательство, как хорошо он понимает.
Впрочем, я ему «бесконечно внушителен», и что касается моей общей оценки европейских народов и сил, он совершенно очарован и обещает пересмотреть всё предложение за предложением. Он принадлежит к моим трём читателям, которые читают между строк.
Твоей тёще в Мюнхене я недавно тоже написал и сердечно поблагодарил за доброту, с которой она пытается ободрить бедного Кёзелица. Впрочем, весь мир ожидал меня этой осенью в Мюнхене, «лихорадочно», как пишет Зейдлиц. Удивительно, как верно все эти последователи Вагнера держатся за меня; я думаю, они знают, что я и сегодня верю в идеал, в который верил Вагнер, — что значит, что я споткнулся о слишком человеческое, которое Р<ихард> В<агнер> сам положил на пути своего идеала? И т.д. и т.п. Прости, старый друг Овербек!
Твой Ф. Н.
770. An Heinrich Köselitz in München
Странно, дорогой друг, что вы в Мюнхене, а я снова в Ницце! Мир, очевидно, устроен с малым разумом, это замечаешь, когда изучаешь свой так называемый «жизненный путь»: он «бежит», да! жизнь бежит, и то здесь, то там приходит. Например, в вашем случае, к «южнонемецкой прессе»: хорошо, что вы делаете добрую мину. В сущности, в друге Кёселице — тоже — хороший писатель, по крайней мере, хороший репортер о хорошо пережитом; и если вам когда-нибудь захочется представить эстетическую проблему, которая принадлежит к нашей жизненной истории, как переживание изобразить, возможно, что этим будет получен доступ к музыке венецианского мастера Пьетро Гасти: по крайней мере, для немцев, которые серьезно интересуются художником только тогда, когда обнаруживают у него «серьезность» принципов. — Это, как и многое другое, «понимал» Р. Вагнер. —
Только что Фрич отправляет старые книги в их новых чистых одеждах, и «предисловия», которые выглядят достаточно странно. Мне кажется, что это счастье, что у меня не было ни «Человеческого, слишком человеческого», ни «Рождения трагедии», когда я писал эти предисловия: ибо, между нами говоря, я больше не выношу всей этой чепухи.
Надеюсь, я вырасту над "писателем и мыслителем" Ницше вместе со своим вкусом; и, возможно, тогда я стану немного достойнее того высокомерного намерения, которое заключено в слове "свободный дух". — Не могли бы вы раздобыть мне экземпляр "Идиллий из Мессины"? Мне они срочно нужны, так как они должны вместе с несколькими песенками завершать "Весёлую науку": а именно в новом издании. Статья в "Бунде" была ужасна; заголовок "Опасная книга Ницше". Начало: "Те запасы динамита, которые использовались для строительства Готтардской железной дороги, несли чёрный флаг предупреждения о смертельной опасности. В этом смысле и т.д.
и т.д.“ К моему сожалению, я обнаружил, что статья в Сильсе была сильно прочитана и интерпретирована среди добрых жителей. Возможно, я был в Сильсе в последний раз. —
Как теперь сообщают и газеты, Кронпринц занял Портофино: он хочет приезжать туда каждую осень и утверждает, что нигде на земле не чувствовал себя так хорошо. Также граф Парижский собирается там приобрести недвижимость: короче говоря, уже слишком поздно. Мое пребывание в Руте было невыразимо мучительным из-за угнетающей близости двух немцев, с которыми приходилось делить стол и прогулки обязательно. — Во время поездки в Ниццу я ясно почувствовал и увидел, что за Алассио начинается что-то новое, в воздухе, свете и цвете: а именно Африканское. Выражение совершенно точное: я собрал суждения превосходных знатоков Африки. (Пожалуйста, прочитайте "Набаб" Доде: в одной из последних глав этого романа есть точное описание африканского на этом побережье.) Все в сто раз тоньше, деликатнее, бело-желтее, не-немецкое, безразличнее, чем даже Генуя и ее окрестности. — В курортной капелле не хватает капельмейстера. Жаль, что вы не можете подменить!
Фрич отправил вам книги с предисловиями? Надеюсь.
Преданный вам благодарный
Ф. Ницше.
771. An Unbekannt (Entwurf)
Высокоуважаемый господин
я как тот, кто живёт от дня к дню, от руки ко рту, собачья жизнь, но всегда веря, что кто-то когда-нибудь вытащит меня из этого недостойного и жалкого существования
Мне нужно пять, шесть условий, чтобы прийти к той глубокой осенней тишине, которая придаёт моей философии зрелость и сладость — — —
Решающие повороты моей жизни: ах, кто понял что-то из этого! Жалкое недостойное существование здесь, на юге, из которого меня никто не вытаскивает
В сущности, до сих пор у меня было только три читателя, которые делают мне честь и «понимают» меня: это Бруно Бауэр, Якоб Буркхардт и Ипполит Тэн; из них первый уже умер.
Даже предварительная форма приличия, с которой ко мне следует относиться, ещё не сложилась, я всё ещё подвержен самым глупым недоразумениям (например, похвалам доброго Видеманна). Разве кто-то понял мою «Рождение трагедии»? (я не заметил ничего, кроме того, что её самым наглым образом эксплуатируют, например, драматурги.
Линден)
Это дело чести моих друзей — действовать во имя моего имени, репутации и мирской безопасности и строить мне крепость, где я буду защищён от грубого непонимания: сам я не хочу больше шевелить и пальцем.
772. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Уважаемый господин издатель,
между тем книги прибыли: они выглядят хорошо, особенно предисловия. Из прилагаемой работы Вы увидите, что я сразу же принялся за продолжение (чтобы освободить зиму для себя: это ужасно, как это вынужденное оглядывание назад, это пережевывание прошлого меня тиранит). Я думаю, это предисловие, которое заставит читателя укусить. Пожалуйста, прикажите Вашей типографии, чтобы она немедленно приступила к печати и завершила её. Конечно, полное соответствие оформления, как и в предыдущих предисловиях.
Оттиск с рукописью господину Генриху Кёселицу (Мюнхен, Тюркенштрассе 33 III r.), одновременно оттиск мне, по адресу, указанному в начале письма.
Вам и Вашей супруге
с наилучшими пожеланиями
преданный Вам
Проф. Др. Ницше
773. An Elisabeth Förster in Paraguay
Мой дорогой, дорогой лама,
Твои последние письма — то, что из Сильса, на которое я ответил, и то, что прибыло сюда из Мюнхена — дали мне такое хорошее представление о вашем доверии и предпринимательском духе, что кто-то вдали учится успокаиваться и на время отправляет свои заботы спать. Признаюсь, что мысль о том, что моя сестра посвящает себя скотоводству в неосвоенном уголке мира, включая молочное хозяйство и цыплят, все еще кажется мне очень чуждой, почти как чистая мечта, которую утром стирают с глаз. Еще меньше я понимаю, почему вы хотите так быстро обменять свою более скромную, но доказанную жизнь в загородном доме на недоказанный Гран-Чако.
Зачем же нагружать себя такими большими земельными владениями и, следовательно, такими большими заботами? Или вы хотите быстро разбогатеть? — меня не заставишь даже десятью лошадьми отправиться туда, где, если я правильно осведомлён, нет даже хорошей библиотеки. Между нами, моя дорогая сестра, поскольку я поставлен к жизни и к задаче, которую должен выполнить, мне необходима Европа, ибо она — центр науки на Земле; к тому же, я пока не нашёл причин, которые могли бы мне её опостылить; и именно те великие движения и перевороты, которые, вероятно, ожидают её в ближайшие 20 лет, находят во мне хорошо подготовленного и глубоко заинтересованного зрителя.
Я вовсе не недооцениваю идиллическое уединение и вольтеровское cultiver son jardin, особенно для философа: но я не хотел бы делать это по-вашему, что кажется мне слишком похожим на «возврат к природе», философию «для милых животных», если говорить шутя. Даже если мне придется покинуть Европу (что не совсем невозможно, так как начинают обращать внимание на мою литературу как на опасную и безнравственную), то по состоянию здоровья я не смог бы выбрать теплые страны.
Улучшение моего самочувствия каждый год связано с моими тремя зимними месяцами в Ницце и моими почти зимними месяцами в летнем Энгадине (оба с средней температурой 9—12 градусов Цельсия); промежуточные периоды мне противны из-за чувства вялости и уныния (включая то, что мои глаза отказываются служить —)
Что касается моих денег: мой разум, как и разум моего друга Овербека, сейчас категорически советует мне не связывать себя где-либо и не отказываться от полной свободы распоряжения и возможности в любой момент их обналичить. Кто знает, что произойдет со мной в следующие 4 года? Верно то, что сейчас от небольших случайностей зависит, продолжу ли я получать свою базельскую пенсию; моя последняя книга, например,
в одной швейцарской газете так приветствовали: „Те повозки, которые везли запасы динамита, необходимые для строительства Готтардской железной дороги, несли чёрный флаг предупреждения, указывающий на смертельную опасность. В этом смысле мы называем книгу философа Ницше опасной книгой и т.д.“ Её запретят, я это вижу (и её печать обошлась мне примерно в 300 талеров!) Впрочем, я обязан новой читательнице, ранга Якоба Буркхардта, а именно Анри Тэну, который написал мне великолепное письмо — Но как странно это должно звучать для вас, и так совсем из „дальней дали“! В самом деле, и я „эмигрант“. — и, кто знает? и у меня есть мой Гран-Чако!С прежней любовью
Ваш Ф.
774. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая старая мать,
я действительно ждал от тебя письма: вот, оно только что пришло, большое спасибо! Дела шли не хорошо, идут не хорошо, и помочь тут нельзя. Однако я кое-что снова привел в порядок в отношении моих прежних сочинений: теперь все они, в красивых новых одеждах, и снабженные мною мощными длинными предисловиями, у нового издателя имеют перспективу на лучшие дни. Тем временем я обменялся письмами с Овербеком по поводу другого дела: и он решительно отговаривает меня вкладывать деньги желаемым образом; это действительно противоречит всякому разуму, и Овербек справедливо напомнил мне о полной неопределенности моего положения.
Ты совершенно прав, было бы в сто раз разумнее и безопаснее отдать тебе деньги на дом; но, мне кажется, всё же лучше, как есть, что я могу в любой момент обратить в наличные, что необходимо. Впрочем, я действительно в практических делах такого рода невероятно медлителен и неуклюж; я думаю, в глубине души я бы предпочёл поступить как крестьянин и закопать деньги в землю, пока они не понадобятся. Вся идея сделать меня землевладельцем в Парагвае имеет, кроме того, и против себя то, что после этого мне в Базеле больше не дадут пенсии; я даже не смог бы на неё претендовать. Одно — или другое.
„N<ietzsche> имеет полмили земли и скота на ней“ — в бережливом и разумном Базеле это было бы аргументом, на основании которого мне с лучшей совестью на свете отказали бы в пенсии. — Пришли мне, пожалуйста, как можно скорее хорошее зимнее пальто, которое я оставил у тебя весной (хорошенько почищенное и с крепкими пуговицами!) И, пожалуйста, положи туда одну или две пары вязаных перчаток, знаешь, для умывания ранним утром, чтобы растирать ими тело! Посылка должна быть обозначена как „ношеная одежда“, но по-французски: спроси у своего почтового служащего, как это выразить!— За твою рождественскую задумку я искренне благодарен: но давай оставим это, я поклялся не иметь дела с почтой и таможней в таких вопросах. — Чем бы я мог доставить тебе небольшую радость на Рождество, моя дорогая мать? Но ты должна отнестись к этому очень серьёзно; у меня как раз есть сумма в 500 франков сбережённых денег, так что я могу позволить себе небольшую роскошь. Тем более, что у меня нет никого, кроме моей дорогой матери. — Остаётся так мало людей, если присмотреться повнимательнее. То, что меня сейчас беспокоит, это то, что, возможно, скоро у меня не останется ничего, чем можно было бы заниматься, из-за всё ухудшающегося зрения: а именно, я не смогу больше ничего делать.—Ницца всё ещё лучшее место, но только для холодного времени года. Даже октябрь здесь слишком мягкий для меня. Возможно, я однажды останусь на зиму в Энгадине; и на этот раз около 300 гостей в Санкт-Морице решили сделать то же самое (в их числе моё англо-русское трио)
А Фритчи и Яникауды хорошо поблагодарили тебя? Мне пришло в голову, что я ещё не поблагодарил тебя за это.
У нас грустная погода, много дождей; также был большой штормовой прилив, из-за которого многое было повреждено. Я сам был застигнут волной и спасся на дереве.
С сердечным приветом и благодарностью Твой
Ф.
775. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
новый год, надеюсь, застает тебя в добром здравии, а также довольным новым жилищем; во всем остальном я смею предположить, что все остается по-старому, ибо это хорошее старое: прежде всего, ты сам, мой дорогой друг, которому не нужно просить, чтобы твое старое, проверенное и многократно испытанное доверие и благорасположение ко мне сопровождали меня и в новом году. Из твоего последнего письма я почерпнул некоторую уверенность больше, в том, что я тем временем в отношении парагвайского дела сказал Нет (— я втайне раздражался, что мне не сберегли необходимость сказать Нет…) В остальном ничего не произошло, если не считать бурю в большом стиле, и много болезней и меланхолии с моей стороны, последнее в совсем маленьком стиле: что в таких случаях худший стиль. Было еще кое-что, что нужно было распорядиться и обдумать, чтобы новое издание моих сочинений у Фрича сделать для издателя как можно более выгодным. Теперь старые сочинения (до «Утренней зари») в новых красивых одеждах, и снабженные мною мощными длинными предисловиями, готовы к отправке и уже отправлены.
Вчера были также подготовлены к печати предисловия к «Утренней заре» и к «Весёлой науке»; заключение «Весёлой науки» составит приложение под названием «Песни принца Вольного». — Эти 5 предисловий, возможно, лучшая проза, которую я когда-либо написал; к сожалению, у меня также совсем* нет свободных экземпляров в распоряжении. —
Антиномия моего нынешнего положения и формы существования заключается в том, что всё то, что мне как философу-радикалу необходимо — свобода от профессии, женщины, ребёнка, общества, родины, веры и т.д. и т.п.я чувствую столько же лишений, поскольку, к счастью, я живое существо, а не просто анализирующая машина и аппарат объективации. Я должен добавить, что этот контраст между необходимым и лишённым доводится до крайности отвратительным отсутствием даже посредственного крепкого здоровья, — ибо в моменты здоровья я ощущаю эти лишения менее остро. Также я абсолютно не знаю, как совместить те 5 условий, на которых можно было бы создать терпимую середину моего неустойчивого здоровья; но худшее было бы, если бы я, чтобы обеспечить 5 условий здоровья, лишил себя 8 свобод философа-радикала. — Это кажется мне самым объективным выражением моего сложного положения… Простите! Или, вернее: Вы можете над этим посмеяться! —
Сердечно рекомендуя себя Вам и Вашей дорогой супруге
Ваш друг
Ницше.
776. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
„машина снова работает“, на этот раз вы не должны снова слышать такие печальные и слабые ноты, как в моем последнем письме; по крайней мере, я подозреваю, что все, что было написано мной этой осенью, звучит немного устало и безнадежно?… В сущности, вы ведете себя гораздо решительнее, чем я, и вас не так легко „сбить с толку“; зато у вас есть помощник первого ранга — ваше здоровье — о, если бы вы знали, как я завидую вам в этом отношении! Мне действительно нужна Ницца: я не могу этого отрицать. С прошлого апреля я не испытывал ни телесного, ни душевного благополучия; но за последние несколько дней все снова идет: поэтому я буду держаться за Ниццу как за часть судьбы.
На языке оперетты сказано и спето «о Фати-Фати-Фати-Ницца!» Как мне понравились ваши слова о японской музыке Салливана! Я вспомнил Рекоаро, многие утренние часы в Венеции: то, что вы любите в музыке, люблю и я, нет сомнений, — прежде всего, то, что вы сами создаёте! Эти дни вы часто приходили мне на ум: я бы хотел, чтобы вы были здесь, чтобы поговорить с вами об эстетике. Правда в том: в данный момент у меня нет эстетики в отношении музыки, я хочу сказать: у меня есть «вкус» (например, к Пьетро Гасти), но нет оснований, логики, императива для этого вкуса. Даже психологически рассчитанное, проблема «почему мне нравится ваша музыка?» пока кажется неразрешимой.
Вы сами — стали для меня загадкой: и, странно! при некотором размышлении я нашел совершенно родственную проблему в отношении моего собственного творения („Заратустра“). Мы оба говорим с полной сердечностью и удовольствием на „народном языке“, как на родном: — и при этом мы ироничные существа, которые получают удовольствие от утонченности, переводить свою собственную, высшую современную и проблематичную природу таким образом в „наивность“. Или? — — — —Но, друг, вчера меня осенило: во-первых, господин Кёзелиц должен немедленно отправить свою оперу графу Хохбергу в Берлин с очень определенным, художественно-нескромным письмом, которое точно говорит, что такое опера есть и что она имеет.Вот перевод с сохранением всех HTML-тегов:
Во-вторых, друг Кёзелиц должен придумать литературный манифест, в котором он подведёт под своё «умение», свой «вкус» эстетику, программу. Заметите же, как сегодня всё в эстетике сбито с толку: строгое признание сегодня не только слышат, но и слушают с жаждой, с благодарностью… Необходимо антиромантическое признание о музыке; не «мораль» и «народное возвышение» хотят выражать музыкой, а искусство, ars, искусство для художников, нечто божественно безразличное, нечто запретное веселье за счёт всех «важных» вещей, искусство как чувство превосходства и «гора», по сравнению с низиной политики, Бисмарка, социализма и христианства и т. д. и т. п.
Но почему вы не в Ницце, дорогой друг!!??
Ваш преданный
Н.
Возможно, к вам ещё придёт «предисловие» для корректуры. Пожалуйста, по старой традиции, пришлите затем исправленный лист сюда, ко мне! —
Вашему письму из Мюнхена последовала посылка «Идиллий из Мессины»: большое спасибо, вам и превосходной госпоже Рёдер! —
777. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Только что, моя дорогая, дорогая мама, пришла посылка, хотя я уже начал серьезно беспокоиться; я не мог решиться написать тебе об этом и решил ждать день за днем и проявлять терпение. Сейчас есть особые причины, чтобы считать задержки почты допустимыми; между Генуей и здесь (примерно с месяца) есть участок, непроходимый для поездов. Большое удовольствие, моя дорогая мама, что теперь пальто здесь! Потому что у нас, примерно с 15 ноября, свежая погода, ночи до (1—2 градусов) ниже нуля; и твой сын имеет очень холодную северную комнату на эту зиму и должен хорошо укутываться, чтобы не страдать слишком сильно.
Правда в том, что сын снова в добром здравии, несмотря на холод и разные лишения и нужды; при очень хорошем внешнем виде, усердно работая, усердно маршируя каждый день по 4 часа (что всегда у меня совпадает: желание и сила для долгих прогулок и желание и сила для напряжённой работы: холодная погода — основное условие для обоих). Я больше, чем когда-либо, убеждён в ценности Ниццы для моего здоровья и хочу придерживаться её, конечно, только в холодные месяцы. Потому что в октябре было слишком мягко для меня. Главное, что с тех пор, как стало холодно, у нас абсолютно ясная погода, день и ночь; ни облачка. И это для моего чувства — что-то неописуемо благотворное, оживляющее, ободряющее, исцеляющее!
Это я нигде не нахожу. О, моя дорогая мать, как мне представляется всё время между апрелем и сейчас, когда я не был в Ницце! Как мучительное испытание, как долгая усталость, связанная с унынием, отсутствием работоспособности, отсутствием зрения; как позорное испытание терпения, при котором всё вкладываешь и ничего не получаешь. Но ты помнишь, как я был в Наумбурге; знаешь, я был так подавлен, что уже мяукал, как кот?..Только что вижу великолепные галстуки; вероятно, с рубашками возникли трудности.
Правда в том, что галстуки мне нужны в десять раз больше, чем рубашки; вчера я ещё думал купить себе галстук, тогда как имеющимися рубашками я вполне могу обойтись до конца зимы. Так что огромное спасибо! Всё сложилось так хорошо! — Но, моя дорогая мама, я немного посмеялся над твоими пожеланиями о купонных марках на ванны. Нет, моя дорогая мама, мы так не договаривались! Само собой разумеется, что они должны быть у тебя, но теперь ещё одна главная вещь к этому, платье, мебель, — пожалуйста, напиши мне!
Только что вижу, что это пять галстуков — самый большой галстучный роскошь в моей жизни! Спасибо тысячу раз! —
Фрич сразу, в день прибытия ящика с виноградом, написал мне. — моё предпоследнее письмо в Парагвай, отправленное из Энгадина, вряд ли туда доберётся: потому что оно было адресовано через Геную, а Южная Америка защищается от всех итальянских кораблей карантинами. —
Сердечно-благодарный
Твой Ф.
778. An Friedrich Hegar in Zürich
Уважаемый господин капельмейстер,
надеюсь, что с тех пор ваше здоровье улучшилось, — о, оно вам понадобится, ведь зима приближается со своими большими требованиями. Из ваших строк я с благодарностью узнаю, сколько расположения вы сохранили к нам, даже к моей «музыке», я бы сказал, даже несмотря на мою музыку. Вы абсолютно правы в том, что говорите о хоральной песне; и для того, чтобы сделать из неё что-то исполнимое, потребуется не только помощь гобоев и других оркестровых инструментов.
Моя просьба заключается в том, чтобы вы отправили рукопись по этому адресу:
Господину Генриху Кёселицу
Мюнхен
Тюркенштрассе
33 III r
О вышеупомянутом господине я хотел бы сообщить хорошие новости: но он сидит в Мюнхене, зажатый в занятиях, которые ему неприятны и отнимают мужество, — и всё ещё без перспективы постановки его оперы. Великолепную большую оркестровую партитуру венгерского стиля под названием «Мишка-Чардаш», которую он сочинил ещё в Венеции — нет! в Цюрихе, я очень рекомендовал бы к исполнению. Партии для неё написаны. —
Желая вам и вашей уважаемой супруге весёлого Рождества и искренне рекомендуя себя, остаюсь ваш преданный
Проф. Д-р
Nietzsche.779. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
я понял что-то в вашем последнем письме слишком хорошо: так что я не могу заставить себя предложить вам с моей стороны проекты, касающиеся исполнения вашей великолепной музыки. В конце концов, мне иногда кажется, что форсированное исполнение сейчас — это не то же самое, что исполнение, скажем, через 10 лет: а именно, учитывая, что вкусы меняются, что вкус к Вагнеру, сейчас находящийся на каком-то пике, через десять лет, возможно, уступит место другим потребностям, — и что ваша музыка может рассчитывать на настоящее понимание и наслаждение только у тех, кто сначала основательно насладился вагнеровской романтикой.
Пока действительно ничего не нужно, кроме как дать времени идти, быть в хорошем настроении — и иметь деньги. С последними, а именно с деньгами, следовало бы уехать из Германии, где ожидание превращается в настоящую пытку; ожидающий не может творить, это для меня, по крайней мере из моего опыта, очевидно. Ваши слова о собственном антитрагическом инстинкте очень меня ободрили, многое достигнуто, когда в таких вещах человек доходит до искренности и «имеет мужество следовать своему вкусу». Последнее выражение принадлежит Стендалю: он хвалит молодого Сореля за то, что тот имеет мужество следовать своему плохому вкусу: в Вашем случае, в нашем случае — Вы должны позволить мне это «нас» — было бы трудно определить, что плохой, а что хороший вкус. Вы помните: Сократ и Аристофан спорили об этом всю ночь, так рассказывает Платон в конце «Пира». — Что касается денег, Вы были бы довольны, если бы я дал указание своему наумбургскому банкиру отправить Вам 2000 марок?
Ориентированное на ваше будущее, дорогой друг: вы не должны видеть в этом ничего, кроме займа.
И, по крайней мере, не сердитесь на меня за то, что я написал вам о денежных делах: в мою пользу может говорить греческая поговорка κοινὰ τῶν φιλῶν.
Преданный вам
Н.
780. An Malwida von Meysenbug in Rom
Уважаемая подруга,
Ваше любящее намерение написать мне достигло меня в виде зелёной карточки: ей пришлось совершить прыжок из Генуи в Ниццу. Это мой четвёртый зимний сезон в этом месте, мой седьмой на этом побережье: так требует моё столь же глупое, сколь и требовательное здоровье, на которое злиться сейчас снова слишком много поводов. Ницца и Энгадин: из этого кругового танца я, старая лошадь, всё ещё не могу вырваться. —
По крайней мере, я не могу отправиться в те более тёплые страны, куда меня сейчас очень манит: каждое письмо из Парагвая содержит искусства соблазна. Но тщетно!
— я слишком хорошо знаю, что меня избаловал холод (ведь мой трюк, чтобы пережить последние 10 лет, заключался в том, чтобы лежать на льду; небольшой мягкий январь, примерно на весь год, северные комнаты, синие руки, ничего от печи, ледяные мысли — ах, не нужно же мне вам об этом писать?! —)— Моя соседка по столу сказала недавно, что в этом отношении моё присутствие вызывает у неё насморк. —
Надеюсь, в Риме вы найдёте достаточно любви и дружбы, чтобы хоть как-то смягчить отъезд из Версаля. О смерти Мингетти слышал даже я. —
Здесь сезон в полном разгаре и блеске, последний, как везде слышно и чувствуется, последний сезон перед «войной». Приехали сюда раньше, чем когда-либо; я сам был среди первых. И холод тоже поспешил: возможно, зима будет очень короткой, и уже в феврале наступит весна! Безусловно, для Ниццы не может быть более прекрасного времени года, чем нынешнее: небо ослепительно белое, море тропически синее, ночью лунный свет такой, что газовые фонари стыдятся и краснеют: и вот я снова брожу здесь, как уже много раз, и обдумываю свои чёрные мысли…
Преданный вам старый, очень уединённый друг
Ф. Н.
781. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
это решение, пусть и не то, которого я от всего сердца желал. Вы могли бы принять моё предложение, оно сделало бы меня богаче, чем я есть — ибо сейчас моё бедствие в том, что я не в силах снять с вас весь этот ужасный гнёт, который на вас давит. Эти поездки в Германию стали для меня цепью мелких или крупных унижений. В конце концов, если бы вы сейчас приехали в Ниццу, я не смог бы предложить вам ничего, что выдержало бы сравнение с достойной тихой венецианской квартирой; и, например,
в Руте или в Генуе вы бы почувствовали те беды, которые, по вашим словам, приносит с собой смена жилья, самым горьким образом. Я не хочу забывать, что господин Циллихер в Генуе дал мне свою карточку для вас с сердечной и серьезной декларацией, что тот, кого я рекомендую, рекомендован ему наилучшим образом. Вчера я получил отчет доктора Велти (сына старого швейцарского федерального президента) из Цюриха — от кого? От фрейлейн фон Залис. Мне приятно еще некоторое время жить в этом безобидном клер-обскур. Инкогнито — важная вещь.
Я не знаю, как это получается, но в последнее время у меня было много мрачности и суровости: я всё время думал о Вашей музыке — как сильно она мне не хватает и как сильно она уже принесла пользу моей душе и здоровью. В прошлое воскресенье я, устав от меланхолии, пошёл в театр: «Боккаччо», оперетту, которую я теперь знаю на трёх языках. Но насколько французская интерпретация была лучше! Я был удивлён: эта элегантность и тонкость жестов, эта глубокая доброта в интерпретации, это отсутствие немецкой пошлости (— а именно немецкая пошлость — самая пошлая, возможно, потому что немец легко её стыдится). Музыканты играли с огнём и лучшим настроением; немецкий оркестрант поверил бы, что в основе он в сто раз слишком хорош для такой музыки — и поэтому играл бы пошло. Я сам — достаточно абсурдно — три-четыре раза имел слёзы на глазах. Большая весёлость — это то, что сейчас трогает меня больше всего.
Прилагаю, дорогой друг, предисловие к «Утренней заре» для последней редакции и затем отправляю Фричу! Есть ещё кое-что для исправления: не поможете?
Преданный Вам друг
Ницше
782. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
быстрый привет тебе на Рождество: хотя с глазами сейчас плохо, и день уже принес им много работы. Сердечная благодарность за твое письмо; повторю, что выразил в последнем письме к тебе — придумай что-нибудь для подарка, что ты хотела бы получить именно от меня. Тем временем я нашел в карманах пальто и перчатки для стирки, за которые еще не поблагодарил. С красивыми галстуками есть проблема: у трех из них механизм сломан, я не знаю, как это исправить, так как их нельзя починить. Новых новостей из Парагвая у меня нет; газеты много писали о холере в Росарио, а также в Аргентине, но, говорят, теперь она отступает.
Я боялся, что эта болезнь положит камень на пути начинаний Фёрстера, по крайней мере, всё замедлит; ибо иммиграция, конечно, застопорится, если в стране холера. Возможно, однако, что в этом случае замедление — наименьшее несчастье; мне казалось, что они слишком быстро и без должного ученичества взялись за такие большие предприятия. — Фрл. фон Мейзенбуг написала мне из Рима с величайшей любезностью; до сих пор она не получила никаких известий от Лизбет. Вчера пришёл также и письмо от фрл. фон Залис, она считает «одним из самых благодатных поворотов своей жизни, что познакомилась с моей философией и со мной». Она прислала статью обо мне, которая была опубликована в Цюрихской газете, от того самого д-ра.
Вельти, сыну бывшего президента Швейцарии. С глубоким уважением. Бедный друг Кёзелиц находился в Мюнхене в жалком состоянии и не добился ничего для своей постановки. Это меня очень задевает. Теперь он снова вернется в Венецию, но как разочарован! как озлоблен! как оскорблен и унижен! И это человек, создавший бессмертное произведение! Ну, я сам пережил и прошел через всю эту историю в прекрасном 1882 году. Если у тебя есть на это силы, ты не погибаешь, и в конце концов эта история стара, как мир. — В новом году я в большой неопределенности, ибо нет больше места, где я мог бы хоть немного отдохнуть от себя самого. С Сильс-Марией покончено из-за комнаты и глаз; Венеция каждый раз плохо на меня действовала. Даже здесь мне, собственно, всего не хватает, я осмотрел около 30 жилищ, но не нашел ничего подходящего. Я не достаточно богат для всей этой Ривьеры, и для Энгадина тоже: в то время как мое здоровье не оставляет мне никакого выбора. Ты, моя дорогая добрая мать, в лучшем положении! У тебя есть твое хорошее уютное гнездышко, в котором птица может отдохнуть. С самыми сердечными пожеланиями, чтобы так было и в новом году,
Твой старый
сын Ф.
783. An Franz Overbeck in Dresden
Дорогой друг,
На этот раз тебе выпало печальное Рождество: я искренне сожалею об этом. Услышав новости о необычных снегопадах, пришедших из Германии, я с тревогой думал о твоих поездках туда. Надеюсь, ты нигде не застрял; я думаю, что еще никогда за один раз не было задержано столько поездов из-за снега; и во Франции, и в Швейцарии. Мы, ниццарды, наслаждаемся хорошей стороной всего этого: а именно неизменной ясностью неба. При этом холодно, в моем личном случае даже очень холодно. Северная комната без печи: привычные синие пальцы. Сколько я уже замерзал за 7 зим моего существования на юге!
В сущности, я недостаточно обеспечен, чтобы жить здесь; цены на пансионы с комнатами, выходящими на юг, слишком высоки для меня, как и хорошо расположенные частные квартиры. Если добавить к этому мои энгадинские лета с 10, 11 и 7 градусами Цельсия в среднем за месяц (последнее в сентябре), то получается самое холодное существование, которое только можно себе представить в этой жизни. Плохое последствие заключается в том, что я страдаю от весны и осени настолько, что они почти портят мне весь год: а именно от изнуряющих, унылых, обессиливающих последствий тёплого времени года. Последняя весна в Наумбурге была для меня настоящей пыткой.
—Деньги, дорогой друг, на этот раз очень желательны; я ещё не оплатил свои последние счета в отеле. — То, что очень меня изматывает и почти всегда присутствует в моих мыслях в последнее время, это состояние бедного Кёзелица в Мюнхене: оно вызывает тревогу. Я примерно знаю силу сопротивления такого человека и также тот момент, когда винт перетянут. Эти унижения на протяжении трёх лет, эти удары в лицо, это неумолимое "нет", переплетённое с необходимостью зарабатывать на хлеб (он пишет для газет за 4 пфеннига
с одной стороны, сознание того, что он создал бессмертное произведение, рядом с которым ничто современное не может устоять: это несет в себе опасность, перед которой я не закрываю глаза. Между нами, в любой момент можно услышать худшее. Его честь так ранима, что ему нельзя помочь даже материально, он отвергает всё. История стара как мир; от этого не менее болезненно. —
С наилучшими пожеланиями на новый год остаюсь в благодарном почтении
Твой друг
Ницше.
Прилагаю очень доброжелательное объявление от J. v. G. u. B., которое случайно попало ко мне. Мне говорят, что этот доктор Велти — сын бывшего президента конфедерации Велти. — В остальном повсюду тон Видмана. —
784. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Дорогой господин издатель,
так вот, ещё до конца года, я закончил всё, что намеревался сделать для блага моей прежней литературы. Последнее — то, что я сейчас отправляю вам в виде рукописи — это заключительная часть (пятая часть) «Весёлой науки», которая изначально планировалась, но не была завершена из-за последствий роковых проблем со здоровьем. Этот пятый раздел упомянутой книги составит примерно 50 печатных страниц; расходы на производство я возьму на себя, но Теубнер (у которого напечатано всё остальное) должен быть типографом. Я предполагаю, что в типографии Рёдера вряд ли найдутся точно соответствующие шрифты; у К. Г. Наумана их тоже не было.
Впрочем, вы совершенно правы относительно шрифта, использованного для предисловия к «Рождению трагедии»: он превосходно чёткий и хорошо выглядит, — но, как мне кажется, он не подходит к впечатлению, которое производят те гораздо более жирные шрифты Тойбнера, как в «Утренней заре», так и в «Весёлой науке». —
Когда будут напечатаны предисловия к упомянутым произведениям, а также пятый раздел «Весёлой науки» вместе с «Песнями принца Вольфрея», то действительно будет сделано нечто существенное, чтобы облегчить понимание всей моей литературы (и личности). И в частности, станет понятно, что тот, кто однажды «связался» со мной, должен шаг за шагом идти дальше вместе со мной.
—На титуле "Весёлой науки" теперь должно быть написано:
Новое расширенное издание
с приложением:
Песни принца Вольффри.
Сообщите мне, пожалуйста, немедленно о получении трёх рукописей, а также о том, что вы рекомендовали типографам все возможные ускорения: ибо, как я уже писал в последнем письме, я хочу во что бы то ни стало избавиться от всего этого и больше не быть тревожим тем, что принадлежит прошлому. Весь год ушёл на это: хорошо, salvavi animam, это было делом совести, но теперь этого достаточно!
— Мне нужны теперь, на долгие долгие годы, глубокий покой: ибо впереди у меня разработка всей моей системы мыслей. —
Желаю Вам, уважаемый господин издатель, приятного Рождества и счастливого Нового года
Ваш преданный
Проф. д-р Ницше
NB. Распаковывайте рукопись осторожно, чтобы листы не перепутались!
Что касается корректуры: один оттиск с рукописью господину Кёселицу (Мюнхен, Тюркенштрассе 33 III r.), одновременно один оттиск мне сюда (точный адрес, как в заголовке письма)