1886 (132 Briefe)
655. An Bernhard Daechsel in Sangerhausen (Entwurf)
Eben giebt mir meine Schwester ihr Argwohn zu verstehn es möchte ein von mir an Dich abgesandtes Dankeswort nicht bei Dir angelangt sein: da fällt mir ein, daß ich selber beim Empfang Deines letzten, lieben Briefs und seiner guten Wünsche den gleichen Eindruck und schwarze Hintergedanken hatte — und nun habe ich schon eine halbe Stunde auf die nachlässige und unordentliche Italiänerin räsonnirt, welche meine Besorgungen in der Stadt zu machen hat, falls ich sie nicht selber mache. Sie sagt natürlich, daß sie alle Briefe richtig in den Kasten werfe — aber — — —
Seltsam, es ist der dritte Fall in diesem Winter, daß ich auf den Gedanken gebracht werde, es möchten Briefe von mir nicht besorgt werden. Warum doch? Vielleicht der Briefmarken halber? — Gesetzt aber, mein Verdacht wäre begründet, so bliebe nichts übrig als zu wiederholen, was ich in jenem Br<ief> gesagt — und ich thue es mit herzlichem Vergnügen. Du hast mir einen großen Dienst erwiesen, mein lieber O<nkel>, denn ich zweifle nicht, daß ich ohne Deine Ermuthigung dieses energische Handeln zur rechten Stunde um mein mir wohlverdientes gesammtes Honorar für meine bisherigen Schriften gekommen sein würde: — ein Fall, der nicht nur als Geldverlust, sondern noch schlimmer in seiner moral<ischen> Consequenz auf mich fort-gewirkt haben würde.
Solche Erfahrungen „verderben den Charakter“, wie ich zu sagen pflege: und wer uns solche Erfahrungen erspart, ist also auch unser moral<ischer> Wohlthäter. Und sonderlich wir Philosophen, die wir allzugeneigt sind, unsre schlechten Erlebnisse zu generalisiren und dem gesamten Leben in die Rechnung zu schreiben, haben sehr dankbar zu sein, wenn wir ein gutes gegen ein schlechtes Erl<ebnis> eingetauscht bekommen: — nun, wir generalisiren auch diese Erfahrung viell<eicht> etwas unbesonnen, aber das ist weniger gefährlich — —
656. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg
Meine Lieben,
Ihr habt mich inzwischen mit allen möglichen guten Dingen und Projekten, Schriften, Uhrschnüren, Zukunfts-Öfchen, Zukunfts-Zuhörerchen, ausgegrabenen Griechen und emporgezogenen Deutschen überhäuft und überwältigt, so daß ich ein bischen den Verstand dabei verlor. Nun ist er wieder gekommen, und sofort verlangt er, daß ich Euch einen Dankesbrief schreibe. Zu alledem ist unser Winter herrlich, und wir haben hier guten Grund dankbar zu sein; denn sobald man in die Zeitungen blickt, heißt es „Schneesturm in Wien“ usw. Zwar haben auch wir es zu Schnee gebracht; er sah so komisch aus, daß ich glaubte, er stamme von einem Conditor und boulanger de luxe und schmecke vielleicht süß. Eine ganz heimtückische Lüge stand über unser Clima in der Leipziger „Illustrirten Zeitung“: wörtlich „An der Riviera, die uns sonst um diese Zeit mit Blumen zu versorgen pflegt, ist Alles erfroren“. Ich empfehle den Redacteur tüchtig „emporzuziehn“, an den Haaren natürlich! —
Mir ist zu Muthe, als sei ich das erste Mal in Nizza; mindestens weiß ich jetzt besser mir das Schöne, was zu mir hier paßt, zu Gemüthe zu führen und das Übrige einfach zu ignoriren. Die feine Luft, die zarten Farben aller Art, die unbeschreibliche Sonnigkeit — es hat etwas Begeisterndes, wenigstens für mich. Mein Kopf ist hier zehn Mal mehr werth als in Zürich oder Leipzig, hier, wo ihm das Clima „congenial“ ist, um mich äußerst gebildet auszudrücken. Es ist kein Zweifel, daß ich jedes Jahr (jeden Winter! aber nicht die andere Zeit!) jetzt einen Rucks weiter zur Gesundheit gemacht habe; und zwar zur Gesundheit meines Kopfes, nicht meiner Augen (unter uns gesagt —) Das Projekt mit Vorlesungen hat viel Verführerisches; trotzdem darf ich es nicht allzu sehr aus der Nähe betrachten, aus verschiedenen Gründen. Es thut gut, damit noch etwas Geduld zu haben; einstweilen solltet Ihr, meine Lieben, Eure Blicke lieber nach etwas „Zeitgemäßerem“ Umschweifen lassen. Zum Beispiel nach einer sogenannten Lebensgefährtin. Das Signalement ist: lustig, hübsch noch sehr jung, und im Übrigen ein tapferer kleiner Hammel à la Irene Seydlitz (mit der ich mich beinahe „Du“ nenne) — Dem Onkel Bernhard habe ich natürlich geschrieben, aber ich entnahm seinem Neujahrs-Glückwunschbrief an mich denselben Verdacht, den Du, mein liebes Lama, gehabt hast: daß der Brief nicht angekommen ist. Dies ist das dritte Mal, daß ich diesen Winter auf die Vermuthung komme, es sei ein Brief von mir unterschlagen oder sonst etwas. Ich habe dem Onkel ein paar Zeilen darüber noch zugeschickt.
Meine Lieben, es scheint mir nicht möglich, den hiesigen Himmel mit seinen 220 wolkenlosen Tagen wie ein Öfchen in den Koffer zu stecken und nach Zürich überzusiedeln. Traurig!
Auch hier Vorlesungen über Südamerika, eingerechnet Paraguay. Der Reisende, sehr entzückt im Ganzen (nach einer Reise von 3 1/2 Jahren) behauptet zuletzt, nichts gefunden zu haben, was schöner sei als Nizza.
Von schweizerischer Seite wurde ich auf den Gedanken gebracht, daß das vielfache, fast regelmäßige Scheitern deutscher oder schweizerischer Colonien in den La-Plata-Staaten seinen Grund in der Vermengung der Nationalitäten habe d. h. im Durcheinanderleben deutscher und romanischer Elemente. Es entstehe da kein Gefühl von Heimat, von Zu Hause sein, wenn man die italiänische Schmutzerei usw. in der nächsten Nähe habe. Principiell Romanen ausschließen und ebenso principiell die Reinlichkeit in Wohnung und Leben affichiren: das sei die Hauptsache, aber beides sei nicht leicht, weil das Erste im Widerspruch mit der Regierungspraxis jener Länder stünde, das Zweite mit dem Clima. Nun, vielleicht kann man die Deutschen dazu „emporziehn“.
Mit dem herzlichsten Gruße und Danke
Euer Fritz.
657. An Reinbart und Irene von Seydlitz in München
Meine sehr lieben Freunde,
außer für zwei so gute Briefe habe ich heute auch noch dem angenehmen Schalk Zufall allerschönstens zu danken, dafür daß er mich, ganz unverdientermaaßen, bei meinen Freunden in „guten Geruch“ — Blumen-Geruch! gebracht hat. Möchte ich doch im Stande sein, etwas von unserem unverwüstlichen Sonnen-Wetter (ein Tag wie der andre) unter Kreuzband zu senden, am besten ein gutes Stück blauen Himmels, an dem wir hier Überfluß haben — Nizza rechnet im Jahre auf 220 absolut wolkenlose Tage und hat damit in Europa keinen Nebenbuhler, auch an dieser Küste nicht. Es ist das belebendste Klima, das sich denken läßt, das „Paradies der Kranken und Greise“ (folglich der heutigen Philosophen, welche, in irgend einem Sinne, etwas von Beidem zu sein pflegen)
Meine lieben Freunde, eigentlich sind hier alle Bedingungen zusammen, um sehr gesund, sehr gut beleuchtet, sehr kosmopolitisch, ja sogar sehr billig zu leben (letzteres in Folge des rapiden Niedergangs der Wohnungspreise und der allgemeinen Hôtel-Calamität, welche keine Aussicht hat bald zu verschwinden.) Dank den großen Liquidationen kann man hier zu sehr hübschen Meubles und Einrichtungen kommen. Die Fremden-Welt, wie sie hier lebt, scheint mir zuletzt für einen Künstler und Impresario „in Japonicis“ mehr vorbereitet als vielleicht die Gesellschaft irgend einer europäischen Großstadt. Das slavische Element (Polinnen, Russinnen) überwiegt.
— Was Alles nur ausdrücken soll, daß ich eine herzliche Sehnsucht habe, Euch hier zu haben.
Nehmt, wenn ich bitten darf, Euren Freund mit in Eure Zukunftspläne, Zukunftsträume, Zukunftschlösser auf —, ich, wie ich eben verrathen habe, thue das Gleiche. Wer weiß, was da noch Gutes einmal herauskommt! Man soll hübsch zum Gotte Zufall beten: mitunter schickt er Blumen. —
Aber der Magen, der Vater der Trübsal auch bei mir! Jetzt will er, daß ich von Milch, Eiern, Feigen und Grahambrod lebe — ich glaube, so hat Epicur gelebt, der auch am Magen litt. Das Glück, wie es jener Weise verstand, ist das Glück eines Dyspeptikers - - - Und behaltet lieb Euren Freund
Nietzsche.
658. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Meine Lieben,
Werthester Freund, unsre Briefe haben sich gekreuzt, und mein vorletztes an Sie nach Wien abgesandtes Schreiben ist, wie ich Ihrer letzten Mittheilung entnehme, noch gerade zur rechten Zeit in Ihre Hände gelangt. Inzwischen verlangt es mich sehr nach Nachricht über Alles, was sich in Dresden begeben hat; und der angenehme Zweifel ist in mir aufgestiegen, ob es überhaupt noch nöthig ist, seine Blicke nach Carlsruhe zu richten:— vielleicht bedurfte es für Dr<esden> nur Ihrer Ankunft, um den Stein ins Rollen zu bringen — und den „Löwen“ zum Brüllen. So wenigstens redet mir täglich die Hoffnung zu… Es versteht sich von selber, daß ich jeden Augenblick bereit bin, nach C<arlsruhe> an M<ottl> zu schreiben: bezeichnen Sie mir nur den Termin, wo das Eintreffen eines Briefs Ihnen am nützlichsten erscheint. Der Genfer Professor der Musik, welcher den Winter über in Leipzig weilt, um seine Sachen aufzuführen, heißt Ruthardt: er wünscht sehr, Sie kennen zu lernen! Sie erfahren bei Riedel, wo er wohnt. (Vermuthlich kommen Sie nach Leipzig?)
Treulich
N.
659. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, alles schönstens in Ordnung und nochmals besten Dank! — „Herr Z<iller> wie Du schreibst, will den Klavierauszug des Kaisermarsches gern billiger als 22 Mark kaufen“? Aber er kostet neu nicht 22 Groschen: hier steckt wohl ein Mißverständniß? Übrigens möchte ich ihn behalten, es ist Musik, die ich immer noch sehr liebe. — Die Partitur des Kaisermarsches, die ich besitze, ist ja nicht zu verkaufen! sie ist 1) ein Geschenk W<agner>s an mich, 2) hat W<agner> mit diesem Exemplar der Partitur die erste Aufführung des Werks (in Leipzig) dirigirt; 3) sind handschriftliche Veränderungen im Notentext darin, derentwegen dieses Exemplar einen einzigen Werth hat. — Das gute Lama hat auch an mich geschrieben, einen rührenden Sylvester-Brief. Nun, wir müssen Alle zusehn, wie wir uns die nächsten Monate durchschlagen. Glaubst Du, daß Heinze’s nach Nizza kommen? Und wann? Ich selber bleibe bis zum 13. April (das ist, des Lichtes und meiner Augen wegen, der späteste Termin.) Das Wetter, Woche für Woche, unglaublich schön, hell von früh bis Abend. Treulich Dein
F.
Bürgschafts-Sache mit Schmeitzner ist erledigt. — Hast Du mit Kürbitz gesprochen? Ich schrieb an ihn. —
660. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
1. Ich hörte mit größter Theilnahme von R<ohde>’s Berufung: aber warum schreibt er gar nicht mehr an mich? Ich habe wenig Geduld für einen ehemaligen Freund übrig und wahrhaftig nicht als Einer, der von Natur ungeduldig und unduldsam wäre.
Aber ich habe diese ganzen 10 Jahre über (wenn ich meinen Freund O<verbeck> ein für alle Mal ausnehme) allzuviel Blödsinn, Oberflächlichkeit und Anmaßung von Seiten solcher erlebt, welche ich als meine Freunde glaubte. Ich danke dem Himmel, daß ich die Liebe meiner Angehörigen noch habe, nachdem auch diese, unter der Nachwirkung von allerlei „Freundschaftsdiensten“, wie gefährdet war.
3. Was aber meine ganze Lage betrifft, so erkenne ich gar Niemand mehr für meinen Freund an, der nicht das ungeheure Elend dieser Lage begreift: daß ein Mensch, der für die reichste und umfänglichste Wirksamkeit geboren ist, dermaßen in unfruchtbaren Einöden seine besten Jahre zubringen muß: daß ein Denker wie ich, der sein Bestes niemals in Büchern, sondern immer nur in ausgesuchten Seelen niederlegen kann, gezwungen ist, mit seinen halbblinden schmerzenden Augen „Litteratur zu machen“ — es ist Alles so verrückt! so hart!
661. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
es gäbe Vielerlei zu erzählen, wäre ich nur „bei besseren Augen“. — Ich danke bestens für Deine guten Freundes-Wünsche zum neuen Jahre; insgleichen waren mir die fünf Hundert-Scheine sehr willkommen (— sie ersparten mir den „Gang zum Banquier“, den ich hasse und der mich immer krank macht). Es giebt viel in diesem Jahre zu überwinden, zunächst die kommenden Monate, welche für meine Angehörigen nicht minder hart als für mich sind. Meine Mutter ist fast in Verzweiflung. — Gestern meldete sie mir das Definitivum in Betreff der Rohdeschen Angelegenheit: sie knüpft Hoffnungen daran; in der That ist mir Leipzig, das ja beinahe meine Heimat ist, nunmehr, als ein Rendez-vous aller meiner guten Bekannten und Kameraden von Ehedem, doppelt werth geworden. Sie hatte die Nachricht von Heinze’s, welche sich in diesem Herbste äußerst herzlich gegen mich benommen haben: auch wollen sie für die Osterferien mir hier in Nizza ihren Besuch machen. Dasselbe hat Herr Lanzky in Vallombrosa versprochen (ich habe alle Gründe dankbar zu sein, daß ein Mensch wie L<anzky>, ein merkwürdig edler und feiner Charakter, wenn auch leider kein „Geist“ — mir begegnet ist: auf die Dauer wird er wahrscheinlich so etwas wie meine „praktische Vernunft“, als Ökonom, Gesundheitsrath und dergleichen) Aus dem beiliegenden Briefe Köselitzens, den ich Dir mittheile, weil er seine Situation ganz klar macht — wirst Du ersehen, daß auch noch andre Besuche in Nizza in Aussicht stehen. Herr Widemann hat meiner Mutter den Wunsch ausgedrückt, ein paar Jahre in meiner Nähe leben zu können; ich gestehe, daß ich meine Bedenken hatte — Du wirst aber dem Briefe K<öselitz>s entnehmen, daß es vielleicht Gründe giebt, guten Muths hierin zu sein. Daß K<öselitz> seine korsische Oper (zu der ich ihm im letzten Sommer den Entwurf geschickt habe — er war entzückt davon) hier in Angriff nimmt, ist mein Wunsch; ich thue unter der Hand dies und jenes, um es zu ermöglichen. Schließlich halte ich die Hoffnung fest, daß meine drei Damen, die mir rührend zugethan sind, mesdames Fynn et Manshouroff ebenfalls hierher kommen. Man hat gar nicht so die Wahl, sich zu verlassen, wenn man sich erst gefunden hat: man trifft sie gar zu selten, diese vornehmen und zarten Seelen, mit denen man umgehn kann, ohne, wie gewöhnlich, sich Zwang anthun zu müssen. Jetzt sind sie in England. — Ich schrieb von meinem „Experimentiren“: nun, dem Himmel sei Dank, daß ich’s wagte und mich nicht wieder in die Marter des letzten Winters einspannte, an deren Nachwirkung ich noch ein halbes Jahr beinahe krank war. Alles, was hier von Basel ist, kommt mir dabei zu Hülfe, ebenso herzlich als respektvoll, wie es zur Basler Art gehört. Das Wetter ist unbeschreiblich schön, Woche für Woche; der Himmel leuchtend rein von früh bis Abend.
Erzähle Deiner lieben Frau, daß ich ein Jugendwerk Bizet’s gehört habe, die Orchestersuite Roma (der arme B<izet> selber hat sie nicht zu hören bekommen!) Anziehend-naiv und raffinirt zugleich, wie Alles von diesem letzten Meister der französischen Musik. — Von Herzen Dein Freund
N.
Ich habe, als erste Verwendung der Schmeitznerschen Gelder, das Grab meines Vaters mit einer großen Marmorplatte bedecken lassen. (Es wird nach dem Wunsche meiner Mutter, einstmals auch ihr Grab sein.)
662. An Felix Mottl in Karlsruhe (Entwurf)
Hoff<entlich> ist mein Name Ihnen nicht ganz unbekannt?
Man hat mir die angenehme Mittheilung gemacht, daß Hr P<eter> G<ast> das Schicksal s<eines> L<öwen> v<on> V<enedig> Ihren Händen und Ihrem Geschmacke anvertraut hat: darf ich gestehn, daß ich an Ihrer Entscheidung kaum weniger Antheil nehme als der Componist jener Oper selber. Ich liebe das Werk außerordentlich: vergeben Sie es dieser Liebe wenn sie den Versuch macht auch Sie, hochgeehrter Herr, zu einer besonderen Begünstigung dieser Oper überreden zu können.
Der Text, im vorigen Jh. von der guten Gesellschaft vorgezogen und geliebt, mehrfach componirt, noch von Stendhal ausdrücklich gelobt, erfordert freies Spiel: die „alte gute Zeit“ vor der franz. Revol., die Zeit der allerbesten und sehr männlichen Manieren, des Puders und der Brokat-Kleider kann vielleicht sogar absichtlich mit etwas Ironie vorgeführt und gleichsam unterstrichen werden: — der Reiz dieser Sitten ist gerade heute nicht gering. Die Oper darf sich als Rokoko-Oper geben (ich habe bemerkt, <daß> gerade heute unter den Künstlern eine Vorliebe für Rokoko herrscht)
Eine Rokoko-Oper: es muß Alles auch von Seiten der Dekoration gethan werden, um das Venedig von 1770, die heiterste verliebteste und geliebteste Stadt des vorigen Jhd.’s zum Ausdruck zu bringen.
Man darf dabei auf den auch heute noch wirksamen Zauber Venedigs rechnen, der einzigen Stadt, „von der man träumen kann, ohne sie gesehen zu haben“ Die Musik Peter Gast’s hat jene morbidezza und Zartheit, jenes Glückliche, Müssiggängerische, halb-Orientalische und Alles, was nur Nordische M<enschen> nach dieser geheimnißvoll heiteren und zärtlichen Stadt ohne Lärm und Staub immer wieder hinzieht. In der Musik hatte dieser eigentliche Zauber Venedigs bisher noch keinen Ausdruck bekommen. Wenn der Löwe von V<enedig> erst einmal auf allen Bühnen Eur<opa>’s „gebrüllt“ haben wird (denn ich prophezeie dieser Oper einen Erfolg wie ihn Carmen gehabt hat) wird man fühlen, wie diese Musik nur dort entstehen konnte — und inwiefern die Seele V<enedigs> hier zum Tönen gebracht ist
Es ist mir vom vorigen Winter her in Erinnerung, mit welcher Dankbarkeit gegen Sie ich in franz<ösischen> Zeitungen die Berichte über Ihre Aufführung von Bizet<s> posthumer Oper las: gönnen Sie, was Sie einem von mir verehrten Todten erwiesen haben, nunmehr einem Lebendigen, einem sehr Lebendigen sogar — denn dieser P<eter> G<ast> — — —
662a. An Louise Röder-Wiederhold
Verehrte Frau,
soeben habe ich einige Zeilen an den Kapellmeister Ihrer Oper Herrn Mottl geschrieben: da fällt mir ein, daß Jemand in Carlsruhe noch mehr einen Anspruch hat, von mir einen Brief zu bekommen. Vergeben Sie, ich war so lange schweigsam: wenn ich bei „besseren Augen“ wäre, würde ich sicherlich auch bei besserer Feder sein. (Gewagtes Deutsch! Aber was liegt daran! Wenn man im Deutschen, als Deutscher, nichts wagt, was liegt an uns Deutschen!)
Es ist mir noch in Erinnerung, daß Sie in Ihrem letzten Briefe ein Mittel gefunden hatten, mir meine Unzulänglichkeit in Sachen der Arithmetik vor Augen zu stellen. Der Himmel behüte Sie davor, daß ich nicht eines Tages noch ein Mittel finde, meine beleidigte Eitelkeit zu rächen! —
Jenes bewußte „grauschwarze Ungeheuer“ erweist sich als besonders wohlthätig: wir haben einen artigkalten Winter, und da der Philosoph es sich bisher versagt hat, einzuheizen — —
Unserm Freunde K. ist es auf seinen Kreuz- und Querfahrten schlimm ergangen. Jetzt steht der Stern über Carlsruhe! Gesetzt, daß der Löwe von Venedig dort „brüllen“ lernte — „zärtlich“ genug, um mit Shakespeare zu reden — so gäbe es für mich einen zweiten Verführungs-Grund, mir dieses Carlsruhe einmal im Verlauf des Jahres anzusehn — trotz Allem, was Sie selber, verehrte Frau, gegen Ihren Wohnort geltend gemacht haben.
Genehmigen Sie den herzlichen Gruß
Ihres dankbaren
Dr. Friedrich Nietzsche
Nizza den 10 Januar 1886
rue St. François de Paule 26 II
663. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Es war mir nicht möglich, mich mit meinem früheren Verleger Herrn Schm. in Ch. zum Zweck einer zweiten Auflage von M<enschliches,> A<llzumenschliches> zu verständigen. Im Grunde glaube ich jetzt, daß er meine Schriften gar nicht los geben möchte; er weiß ungefähr, was er in ihnen hat, unter seinen nächsten Bekannten sind Einige der eifrigsten und ergebensten meiner Anhänger. (Haben Sie vielleicht z. B. die Schlußseiten von Widemann „Erkennen und Sein“ H. Reuther 1885 zu sehen bekommen?) Daß Schmeitzner an meinen Schriften bisher nicht verloren, sondern verdient hat, wenn auch nicht in dem Maaße und der Schnelligkeit als er vielleicht erwartet hat, ist mir aus dem Einblicke in seine Geschäftslage, den mir der Prozeß gewährte, vollkommen klar. Meine Bücher haben jetzt ein außerordentl<ich> weit verbreiteten festen und mir sehr ergebnen Leserkreis, der noch nicht groß, aber fortwährend anwachsend ist, — daran ist nicht zu zweifeln. —
Aber hochgeehrter Herr, wenn es nicht angeht die zweite Auflage von M<enschliches> und A<llzumenschliches> zwischen uns zu verabreden: erwägen Sie gefälligst, ob Sie etwas Neues, das bis zur Abschrift fertig ist, herauszugeben gewillt sind! Es ist der zweite Band von
Morgenröthe
Gedanken über die moral<ischen> Vorurtheile.
Wenn es einem Autor ansteht, ein Wort über sein Buch selber zu sagen: nun, ich würde sagen es ist ein Buch für geistige Feinschmecker und Waghalse; es ist sogar vom Feinsten und Verwegensten daran. Trotzdem hat es nichts, was wie ein direkter Angriff erscheint; ich gehöre nicht zu den Parteimenschen irgend welcher Art welche durchaus „bekehren“ oder „umwerfen“ wollen.
664. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
gleich nach dem Eintreffen Ihres herzlich bewillkommneten Briefes (der mich melancholisch machte trotz seiner guten Miene und geduldigen Heiterkeit) sind einige Zeilen an Herrn M<ottl> abgeschickt worden: nehmen wir an, mit etwas Optimismus, daß sie wenigstens „nichts geschadet“ haben. Ich fügte unter Kreuzband ein Programm (raisonné) bei, das des letzten klassischen Concerts in Monte-Carlo, in welchem Bizet’s Orchester-suite „Roma“ aufgeführt wurde (ein feines und raffinirtes Ding aus seiner Jugend, von ihm bei Lebzeiten nicht „gehört“ —), nämlich in Bezug auf ein Wort des Dankes, welches ich im Briefe seinen Bemühungen um Bizet gezollt hatte. Im übrigen habe ich auch einer Praeoccupation gegen Ihr libretto, so gut es angehn wollte, vorzubeugen gesucht. Am gleichen Tage schrieb ich an die treffliche Frau Röder in Carlsruhe. Ich gestehe, daß es jetzt für mich wenig so ersehnte Dinge giebt wie die Aufführung Ihrer Oper: — ich würde Alles thun, dabei zugegen zu sein. Man hat „seinen Geschmack“ und folglich auch seinen „Hunger“, unter Umständen seine Verhungerung.
Ihre aufklärenden Worte über Hrn. Widemann haben mich sehr erquickt. Trotzdem glaube ich, daß es ein richtiger Instinkt (theilweise ein wunderlich vervielfältigter Zufall) war, der im vorigen Herbste unser Zusammenkommen vereitelte. Ich hätte, unter uns gesagt, um Widemann’s Willen (bei einer persönlichen Begegnung mit ihm) dem Schmeitzner alle möglichen Zugeständnisse gemacht und wäre heute noch nicht am Ende mit ihm. —
Bin ich’s denn? — Was glauben Sie auf Grund Ihrer Gespräche mit Herrn Widemann über die projektirte zweite Auflage von „Menschliches, Allzumenschliches“? So lange das Buch in dem Antisemiten-Winkel steckt, wird kein Exemplar mehr verkauft: das weiß Schm<eitzner> selbst. Nun möchte ich ihm die noch vorhandenen Exemplare abkaufen, zur Vernichtung: er verlangt unverschämter Weise 2500 Mark, ich will 500 M. bieten (was für Schm<eitzner> jedenfalls noch besser als nichts ist — und für mich bereits unsinnig Viel!). — Haben Sie die Güte, werther Freund, diesen Fall und diese Frage Herrn Widemann gelegentlich vorzulegen. —
Es wäre mir sehr wichtig, die neue Ausgabe jetzt zu machen: unter uns gesagt, ich glaube, daß ich später nicht wieder darauf zurückkommen könnte. Aber der letzte Sommer und leider auch dieser Winter sind nun einmal von mir auf die Umarbeitung dieses einleitenden Buchs verschwendet worden: nun will ich’s von der Seele haben. Alp-druck! —
Denken Sie, daß mich Nizza dies Mal so entzückt, wie als ob ich es zum ersten Male sähe. Der Winter ist großartig klar, leuchtend und gleichmäßig. — Im Frühjahr gehe ich nach Venedig, wenn es nicht brüllende Löwen giebt, die mich nach Deutschland locken.
Bassano? Conegliano? Ach, Freund, wie schön, wenn wir dort herum uns wiedersehn könnten! Oder in Titian’s Geburtsort?
Ihren verehrten Eltern mich angelegentlich empfehlend und Ihnen selbst ein tapferes, reiches, siegreiches Jahr wünschend
treulich Ihr Nietzsche.
665. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Es ist nur der Wunsch, Ihnen meinen Dank für Ihre Bereitwilligkeit auszudrücken, der mich heute schreiben läßt. Hoffentlich kann ich im kommenden Frühling das Ms. persönlich überreichen: einstweilen bin ich durch die schmerzhaften Zustände meiner Augen bedenklich in der Vollendung der Abschrift gehemmt. Auf eben diesen Termin verspare ich mir einige Bemerkungen, die ich zu machen habe (auch ein Paar Gegen-Vorschläge), mit denen Sie vielleicht schneller sich versöhnen werden, als ich selbst es gethan habe. — Darf ich schließlich Ihnen die Reihe meiner bisher erschienenen Schriften vorführen? (Philologica abgerechnet)
Die Geburt der Tragödie 2. Aufl.
4 unzeitg<emäße> Betr<achtungen>, einzeln erschienen, die vierte in 2. Aufl.
M<enschliches,> All<zumenschliches>. E<in> B<uch für> f<reie> G<eister>
Mit Anhang: Vermischte M<einungen> und Sprüche
Der Wanderer und sein Schatten.
Morgenröthe
Die fröhliche Wissenschaft
Also sprach Z<arathustra>. Ein Buch für Alle und Keinen.
In drei Theilen
Nachdem ich ein Werk veröffentlicht habe, welches — nachdenklich und fragwürdig wie es ist — das Verständniß fast noch mehr als das Mißverst<ändniß> zu fürchten hat, mit den schärfsten Augen angeschaut, mit dem gehorsamsten Ohre gehört werden will, und vor Allem, lange, vielfach, vorsichtig —: bin ich mir der Unwahrscheinlichkeit bewußt worden, daß es diese allein ihm gemäßen Leser finden wird.
666. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe liebe Mutter,
es ist mir dies Mal besonders traurig, daß ich nicht zu Deinem Geburtstage zugegen sein kann: denn vielleicht würde es in Hinsicht auf die vielen schweren Gefühle, welche dieser Tag mit sich bringt, eine Erleichterung für Dein Herz sein, wenigstens eins Deiner Kinder noch als guten Europäer übrig zu behalten: da nun einmal das Lama schlechterdings sich für Südamerika und den Maté erklärt hat. Nun, wer weiß, wie lange es noch dauert: da zieht der Nizza-Müde auch wieder nordwärts, „heimwärts“, gleich den berühmten Schwalben, zumal sich gestern etwas begeben hat, das mich wieder mit einem neuen Bändchen an das gute Leipzig bindet. Ich habe einen Verleger: das ist der langen Rede langer Sinn. Als ich nämlich Nachts so weit war mich zu Bett zu legen, fand ich zufällig noch einen Brief, den man mir unter der Thür durch in’s Zimmer geschoben hatte (ländlich, schicklich, sehr schicklich!)
Ich las ihn, er war von Credner — und seine Erklärung machte mir solches Vergnügen, daß ich nicht umhin konnte, im Hemde einen kleinen Rundtanz zu machen. Trotz der Kälte: denn ich habe bis heute noch nicht eingeheizt. Ich hatte ihm den zweiten Band meiner „Morgenröthe“ angeboten (Du siehst, das alte Schreibe-Thier ist fleißig gewesen); er acceptirt mit Vergnügen, wünscht ausdrücklich, daß ich ihn unter meine Verehrer rechnen möge, verlangt, daß etwas geschehn müsse, um mein Verhältniß mit Schmeitzner zu lösen, deutet den Wunsch an, den Rest von „Menschliches, Allzumenschliches“ dem Schmeitzner abzukaufen, kurz, benimmt sich, wie der lange ersehnte Verleger der Zukunft.
Dies bitte ich auch dem theuren Lama und ihrem Eheherrn, Sklavenhalter und Erziehungsdirektor gefälligst mitzutheilen —, sonst aber Niemandem, auch Heinze’s nicht. —
Vielleicht, daß ich dieser litterarischen Pläne wegen nach Deutschland komme: — dieses kleine „Vielleicht“ bitte ich, meine liebe Mutter, als eine Art Geburtstagsgeschenk von mir heute entgegenzunehmen.
Ihr werdet schrecklich zu thun haben? — Ich bin sehr viel mit meinen Gedanken bei Euch; und als uns neulich von Amerika „schlechtes Wetter“ annoncirt wurde, ärgerte ich mich, weil in diesem Jahre ohnehin schon Amerika uns die gute Laune nimmt. Zwar sagt man mir hier überall „eine Reise nach Südamerika ist kein Ereigniß und kein Grund, sich zu ängstigen“; aber wir sind noch nicht an diese kosmopolitische Flugvögel-Art zu leben gewöhnt, an die unsre Nizza-Gäste gewöhnt sind.
Man erweist mir hier viele Aufmerksamkeit und Auszeichnung, ich kann es nicht ableugnen. Der alte Holländer ist jetzt auch eingetroffen und voller Freude, mich wieder zu sehn (Er hat zu andern Personen von mir ganz stolz gesagt „er ist mir ein wahrer Freund, ich weiß es ganz genau“.)
Derselbe Holländer, früher im Ministerium, aber durch seine Augen zur Niederlegung seines Amtes gezwungen, kommt immer nach Nizza zurück, weil er hier weniger an seinen Augen leide als anderswo: in seinem Holland verschlechtert sich der Zustand jedes Mal. Ganz wie bei mir.
Die alte Pfarrerin läßt auf das Herzlichste grüßen.
Schreib mir genau, was jetzt beschlossen ist, und ob mein letzter Brief (worin ich fünffach zu danken hatte) wirklich angekommen ist.
Denkt meiner einzeln und wenn Ihr beisammen seid und behaltet lieb
Euren Fritz.
667. An Paul Widemann in Chemnitz (Entwurf)
Wie sonderbar ist im letzten Herbst ein Zusammenkommen mir wieder mißrathen! Ich bekenne einige Unsicherheit darüber, daß ich nicht wußte, wie nah oder wie fern Sie zu Hr. Schm<eitzner> stehn — — —
668. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Visitenkarte)
Lieber Freund, hier ist Etwas von Mottl, — sehr wenig, aber nicht ohne „Liebe“. Vielleicht ein guter erster Schritt zum Anfange. „Im Anfang war das Wort“ —
Schönsten Dank für Ihren Brief, ich bin augenleidend. Zuletzt die Bitte, in Sachen Schm<eitzner>’s nichts zu unternehmen, bis ich Sie nochmals darum angehe.
Treulich Ihr N.
669. An Elisabeth Förster in Naumburg
Mein liebes altes Lama,
soeben kommt Dein hübscher und lustiger Vorschlag, und wenn er irgendwie dazu dient, Deinem Herrn Gemahl eine gute Meinung über den unverbesserlichen Europäer und Anti-Antisemiten, Deinen ganz unmaßgeblichen Bruder und Eckensteher Fritz beizubringen (obwohl er gewiß jetzt Anderes zu thun hat, um sich über mich zu „bekümmern“), so will ich gern in die Fußstapfen von Fräulein Alwinchen treten und ersuche Dich angelegentlich, unter gleichen Verhältnissen und Bedingungen mich zum südamerikanischen Grundbesitzer zu machen: mit der ausdrücklichen Variation, daß das Stückchen Erde nicht Friedrichsland oder Friedrichshain heißt (weil ich zunächst noch nicht daselbst „sterben und begrabbelt-grabbelt sein“ möchte), sondern, zur Erinnerung daran, wie ich Dich getauft habe — Lamaland.
Ernstlich geredet: ich würde Dir Alles schicken, was ich habe, wenn es helfen könnte, Dich bald wieder zurück zu führen. Im Grunde sind alle Menschen, die Dich kennen und lieben, dieser Meinung, daß es dreitausend Mal besser wäre, dieses ganze Experiment bliebe Dir erspart. Selbst wenn man noch so sehr jenes Land als geeignet zur deutschen Colonisation befinden sollte, so will doch Niemand zugeben, daß Ihr Beide gerade die Colonisten sein müßtet: dies erscheint vielmehr als willkürlich, verzeih den Ausdruck, überdies als gefährlich, zumal für ein Lama, das an eine sanfte Cultur gewöhnt ist und in ihr auch am besten gedeiht und herumspringt. Diese ganze Erhitzung von Gefühlen, wie sie hinter der ganzen Geschichte als Ursachen liegen, ist eigentlich schon für ein Lama (genauer: für unsern eigentlichen Familien-„typp“, der seine Kunst im Versöhnen zwischen Contrasten hat) zu tropisch, nach meiner Meinung sogar nicht einmal gesund: man bleibt hübscher und jünger, wenn man nicht haßt und nicht argwöhnt —. Zuletzt will es mir immer scheinen, daß Deine Natur sich selbst für eine eigentlich deutschthümliche Bestrebung hier in Europa nützlicher erweisen könne als dort: gerade als Gattin des Dr. Förster, der, wie ich beim Lesen seines Erziehungs-Aufsatzes wieder einmal empfand, eigentlich zum Erziehungsdirektor einer Art Schnepfenthal eine natürliche Mission hat — und nicht, verzeihe es Deinem Bruder, zum Agitator in einer zu drei Viertel schlimmen und schmutzigen Bewegung. Was in Deutschland jetzt dringend noththut, sind eben unabhängige Erziehungsanstalten, welche der Staats-Sklaven-Drillung sich durch die That entgegensetzen. Das Vertrauen, welches Dr. Förster bei dem norddeutschen Adel genießt, schiene mir ausreichend Bürgschaft dafür zu geben, daß eine solche Art Schnepfenthal oder Hofwyl (Du erinnerst Dich? der Ort, wo der alte Vischer gebildet war) unter seiner Leitung Glück machte. Aber dort drüben, unter Bauern, in der Nähe von unmöglich gewordenen vielleicht verbitterten und vergifteten Deutschen — genug, hier ist ein weites Feld zu Besorgnissen. Das dumme große Meer dazwischen! und bei jedem Orkane, von dem Meldung hierher kommt, ärgert sich Dein Bruder und fragt sich, wie um Alles in der Welt das Lama darauf gerathen ist, sich in ein solches Abenteuer zu stürzen. Ich nehme mich zusammen, so gut es geht, aber eine Melancholie sonder Gleichen wird alle Tage und besonders des Abends über mich Herr, — immer deshalb, weil das Lama davon läuft und ganz die Tradition Ihres Bruders aufgiebt. — Eben meldet mir der Hofkapellmeister in Carlsruhe (dem ich auf den Wunsch des armen K<öselitz> geschrieben hatte) meine Empfehlung („die Empfehlung eines von mir enthusiastisch verehrten Mannes“) erwecke bei ihm für das Werk das günstigste Vorurtheil; und indem ich mich von Herzen darüber freue, fällt mir ein, daß Ihr sagen werdet „es ist doch nur ein Jude!“ Das, meine ich, drückt es aus, wie das Lama herausgesprungen ist aus der Tradition des Bruders: — wir freuen uns nicht mehr über das Gleiche. — Inzwischen, es hilft nichts, das Leben ist ein Experiment, man mag thun, was man will, man zahlt es zu theuer: vorwärts, mein liebes altes Lama! Und tapferen Muth zu dem was beschlossen ist!
Dein F.
670. An E. Kürbitz in Naumburg (Entwurf)
Es ist mir viel daran gelegen, meiner Schwester noch einen 300 Mark-Schein — bevor sie in Hamburg an Bord geht — zuzustellen, zu einem Zweck, über den ich Sie eben brieflich benachrichtigt habe. Wenn Sie mir den besonderen Dienst erweisen wollen, das Geld umgehend an die unten verzeichnete Adresse abzuschicken, so wird es nach meiner Berechnung noch zur rechten Zeit in die Hände meiner Schwester kommen. Genehmigen Sie den Ausdruck meiner Hochachtung
671. An Emily Fynn in Genf
Hochverehrte Frau!
endlich kommt ein Brief von mir — soll ich erklären, wie es kommt, daß er erst „endlich“ kommt? Aber es wäre unnütz: Sie selber haben, mit Ihrer großen und nothwendigen Gütigkeit schon genug zu meinen Gunsten und zu meiner Entschuldigung (falls es sich um eine Schuld handelt) geltend gemacht, daß ich gar nichts Besseres thun kann als mich darauf zu berufen. Ich bin so dankbar für alle Feinheit der Interpretation in Bezug auf das, was ich thue oder lasse —
Es scheint, wir haben beide Noth, über schmerzhafte Erlebnisse hinweg zu kommen, hinweg zu leben. Auch ich verlor eine Schwester, nicht zwar durch einen wirklichen Todesfall, aber durch eine jener großen Trennungen, die etwas ebenso Unwiderrufliches haben. Sie ist mit ihrem Gatten nach Südamerika unterwegs, zum Zweck einer Colonisation daselbst: es sind genug Aussichten vorhanden, daß die Sache gelingt, aber je mehr sie gelingt, um so fester sind sie an diese ferne Welt geknüpft. Zuletzt ist es nicht einmal Paraguay, was mir am meisten das Gefühl giebt, meine Schwester verloren zu haben. Mir sind die Gesinnungen meines Schwagers für die er lebt und stirbt, fremder als Paraguay.
In München, das ich auf der Herreise streifte hatte ich, bei meinen Freunden daselbst, den Eindruck wie wohl und heimisch sich in diesem Maler- und Malerinnen-Quartier Ihre Fräulein Tochter fühlen müßte; mehr noch, ich rechnete im Geiste aus, ob sich irgend ein Zusammenhang zwischen ihrer ausgezeichneten und originellen Art, Blumen aufzufassen und dem Japonisme meines Freundes Seydlitz ausfindig machen ließe. Gesetzt, daß Sie zusammen einmal wieder Deutschland berühren, bitte, risquiren Sie einen kleinen Versuch mit München: Mein Freund und seine Frau werden sich eine große Ehre daraus machen, Ihnen zu Diensten zu sein.
An Portofino wo ich die Grüße Ihrer verehrungswürdigen Freundin treulich abgegeben habe, wäre ich beinahe hängen geblieben. Es gab in Genua unter den dortigen Bekannten den allerbesten Willen mich für den Winter in der Villa eines Englischen Dentisten einzuquartieren. Climatische Bedenken — welche inzwischen bei der allgemeinen Härte dieses Winters sich doppelt gerechtfertigt haben — ließen mich weiter reisen, hierher in mein altes Nizza. Die Luft ist hier reiner und glänzender als irgendwo in Europa; man sagt mir, daß ich jeden Winter „besser und jünger“ aussehe — ich meine, darauf hin muß man einem Orte treu bleiben. Einem Orte der Einem Jugend verspricht — —
Was mir in Nizza fehlt, sind Menschen, die ich liebe und denen man nicht erst alles „sagen muß“.
Ich bin drei viertel des Tages ziemlich düster und arbeitsam den Rest lustig oder „profondément triste“, wie es einem einsamen Bär und Philosophen zukommt.
Welche Freude hat mir Ihr Bild gemacht! Und das was am meisten daran anziehend und festhaltend ist, ist glücklicherweise keinem Lebensalter zu eigen: es gehört zu jenem ewigen „jünger und besser“ welches man sich leider durch kein Nizza verschaffen kann. — Zeugniß: meine eigene Photographie. —
Es ist mir oftmals die Sorge gekommen als ob jene ganz merkwürdige Rückkehr Ihrer Gesundheit vielleicht nicht Stand gehalten hätte. Und ob Genf, gerade Genf Ihnen just gut thut? Es sind so viele hier, die vor dem Genfer Winter geflohen sind.
Von den Augen ist nichts Gutes zu melden. Trotzdem: es stand im Engadin schlechter um sie. Das Romershausen’sche Wasser hat mich viele Male erquickt, und niemals, ohne mich mit herzlichstem Dank an seine Geberin denken zu lassen. Behalten Sie mich wenn ich bitten darf auch fürderhin in gutem Angedenken, zu Dreien und nicht bloß zu Dreien. Sie wissen, hochverehrte Frau, daß meine beständigen Wünsche Sie begleiten, und daß es mir eine große Freude sein wird, wenn etwas von diesen Wünschen sich erfüllt.
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Friedrich Nietzsche
Einsiedler von Sils-Maria.
672. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Widmung)
Lieber Freund,
das Neueste über Corsica, etwas provincial, aber südlich-provincial. Viel „couleur locale“. Lesen Sie, bitte, mit Lexicon und verschmähen Sie das Beste nicht, drei Verse im Provençalischen Dialekte, die mich zwei Tage lang glücklich gemacht haben, v. p. 200.
Ich las eben über Ihre Erzgebirg-Schneestürme. Hier haben Sie Etwas zur Erholung davon.
Treulich Ihr F. N.
673. An Erwin Rohde in Tübingen
Lieber alter Freund,
meine Mutter hat mir kürzlich Deine Berufung nach Leipzig gemeldet: ich habe lange keine solche Freude gehabt, wie bei dieser Nachricht! Seitdem male ich mir immer und immer wieder aus, daß dieses Jahr uns zusammen bringen muß. Vielleicht, daß es sich schon für den Frühling einrichten läßt; und am Allerliebsten wäre ich bei Deiner Einführung Augen-, Ohren und Herzenszeuge. Ich kann es gar nicht ausdrücken, wie sehr mich diese Hoffnung streichelt und erquickt. Vorigen Herbst war ich etwas in Leipzig, wie zum Vorgeschmack: ach, still, versteckt beinahe, fast immer für mich, aber wie von lauter Erinnerungen an Dich und unsre alte Gemeinschaft an diesem Orte gewärmt. Der Zufall wollte, daß ich etwas von dem Projekt, das Dich betraf, zu hören bekam: unmittelbar vor der Sitzung, in der die ganze Angelegenheit zum ersten Male ins Auge gefaßt wurde, war ich mit Heinze und Zarncke zusammen. Mir ist es wie ein Traum, daß ich auch einmal so eine Art von hoffnungsvollem Thiere gewesen bin, philologus inter philologos. Es hat sich nichts erfüllt: oder, wie Ihr vielleicht unter Euch jetzt sagt, „er hat nichts erfüllt“. Zu alledem bin ich an Freunden nicht reicher geworden: das Leben hat mir die Pflicht immer mehr mit der furchtbaren Nebenbedingung ihrer einsamen Erfüllung vorgestellt. Es ist schwer, mir nachzufühlen; ich setze beinahe voraus, selbst bei Bekannten, jetzt im Groben mißverstanden zu sein und bin für jede Art Feinheit der Interpretation, ja für den guten Willen zur Feinheit schon von Herzen erkenntlich. Ich bin ein Esel, es ist kein Zweifel. Alter lieber Freund Rohde, es scheint mir, Du verstehst Dich besser auf das Leben, dadurch daß Du Dich hineingestellt hast; während ich es immer mehr von Ferne sehe — vielleicht auch immer deutlicher, immer schrecklicher, immer umfänglicher, immer anziehender. Aber wehe mir, wenn ich einmal diese Entfremdung nicht mehr aushalte! Man wird alt, man wird sehnsüchtig, schon jetzt habe ich, wie jener König Saul, Musik nöthig — der Himmel hat mir zum Glück auch eine Art David geschenkt. Ein Mensch, der mir gleich geartet ist, profondement triste, kann es auf die Dauer nicht mit Wagnerischer Musik aushalten. Wir haben Süden, Sonne „um jeden Preis“, helle, harmlose, unschuldige Mozartische Glücklichkeit und Zärtlichkeit in Tönen nöthig. Eigentlich sollte ich auch Menschen um mich haben, von derselben Beschaffenheit, wie diese Musik ist, die ich liebe: solche, bei denen man etwas von sich ausruht und über sich lachen kann. Aber nicht Jeder kann suchen, der finden möchte — da sitze ich denn und warte und es kommt nichts, und schon weiß ich nichts Besseres als meinem alten Freunde davon zu erzählen, daß ich allein bin.
Vor mir liegt Dein letzter Brief, es ist möglich daß ich eben erst auf ihn antworte, obwohl ein ziemliches Stück Zeit dazwischen weggeflossen ist (der Brief ist vom 22 Dezember 1883) Nimm fürlieb mit Deinem schweigsamen Freunde, der es in vielem Betrachte schwer hat und sich davor fürchten gelernt hat, den Mund aufzumachen. Ehe man sich’s versieht, fährt eine Klage heraus, — und es giebt nichts Dümmeres auf Erden als klagen. Es erniedrigt uns, selbst bei den besten Freunden.
Gieb mir ein Wort hierher, zum Beweise dafür, daß Du mich noch lieb hast, alter Freund Rohde. Und nochmals, ich freue mich über Dein Glück mehr als über mein eigenes. Grüße Deine Frau von dem unbekannten Bär und Einsiedler und streichle Deine Kinder in meinem Namen. In Liebe
Dein getreuer Freund
Nietzsche.
674. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe liebe Mutter,
ich habe so Viel in dieser Zeit an Dich gedacht und dabei es kaum bemerkt, daß ich so Wenig an Dich geschrieben habe, Verzeihung! Ich bin jetzt gerade im Abschreiben, komme langsam, langsam von der Stelle und habe jedes Mal, wenn ich mir Ruhe gönne, es so satt, meine Augen irgendwie noch zu gebrauchen, daß ich darauf hin wahrscheinlich nach allen Seiten mich zum Briefschuldner mache. Trotzdem ist es, wie mir scheint, ein gutes Zeichen, mindestens von meinem Muthe, daß ich selber die Abschrift besorge: Du erinnerst Dich vielleicht, wie vor [3]4 Jahren in Naumburg diktirt wurde, und der Schreiber auch bezahlt wurde (1883) Es war eine schändliche Handschrift, wenn ich mich recht erinnere.
Von unsern Auswanderern habe ich noch zu guterletzt einen schönen goldnen Ring geschickt bekommen; es heißt darauf innewendig „denke in Liebe an B. und E.“ — das will ich denn von Herzen thun, obwohl ich gestehe, daß diese Verbindung „B. und E.“ meinem Gefühle immer noch manchen Zwang anthut. Ich bin mit Förster’s Art nicht gerade verwandt, von seinen Tendenzen nicht zu reden. Daß es zuletzt ein Glück ist, daß er fort ist, gerade noch vor „Thorschluß“ —, darin hast Du, wie ich meine, sehr Recht; die Gefahr war ganz groß.
Hier sagt mir natürlich Jedermann: „mit der deutschen Regierung unzufrieden sein und sich der Regierung von Paraguay anzuvertrauen, die hundert Mal unsicherer und bedenklicher ist, das ist nicht gerade logisch“. Aber was kümmert diese Herrn die Logik! — Wenn nur unser armes Lama dabei nicht zu viel zu leiden hat! Ich fürchte immer, sie hat keine Ahnung davon, was sie erwartet.
Was hat diese ganze Geschichte Einem schon das Herz schwer gemacht!!
An Professor Rohde habe ich meine Glückwünsche geschrieben: ich danke Dir für Deine Mittheilung, über diese Angelegenheit. Am Schönsten wäre es, wenn ich seine ganze Einführung in Leipzig mit erleben könnte! —
Der gute Freund Köselitz ist immer noch in Deutschland und besorgt, für seinen kranken Vater, die Bürgermeister-Geschäfte von Annaberg. Der Hofkapellmeister von Carlsruhe, dem ich ein Paar Worte zur Empfehlung von K<öselitzen>s Oper schrieb (auf K<öselitzen>’s Wunsch: denn ich kenne ihn nicht persönlich) hat mir sehr artig zurück geschrieben: er lege den größten Werth auf meine Empfehlung „die Empfehlung eines von mir enthusiastisch verehrten Mannes“. Hoffen wir, daß es nicht nur bei guten Worten bleibt! — Komme ich nach Deutschland, so will ich dies Mal auch Herrn Widemann alle Ehre erweisen.
Das Bild, nach dem Du Dich erkundigst, ist von meiner alten Engländerin, mit der ich schon 2 Sommer im Engadin verbracht habe, hinzugerechnet, was hinzugehört, ihre Tochter Miss Emily Fynn und ihre Freundin die alte Excell. von Manshouroff vom russischen Hofe — mein „Trio“, mit dem ich herzlich befreundet bin. Sie sind jetzt wieder in Genf: wer weiß, ob es nicht möglich ist, sie noch für Nizza zu bestimmen! Mir fehlt so sehr ein Kreis, wo ich „wie zu Hause“ bin; es sind Menschen der Art. —
Seydlitzens haben mir viel Neigung und Treue bezeigt; gestern noch schrieb die gute Frau von S<eydlitz> (Irene) an mich, unter Anderem auch, daß sie für mich „auf der Suche nach einer guten Frau sei“. Dies hat mich sehr lachen machen. Sie wünscht zu wissen, wie viel Geld die bewußte „gute Frau“ haben müßte: als ob ich das wüßte! Dies, mein gutes Mutterchen, zu Deiner Ergötzung! Aber „unter uns“!
Weißt Du nicht, wann Heinze’s nach Nizza kommen wollen? Es werden überall die Vorbereitungen zum Carneval gemacht, der ungefähr den Monat März einnimmt. Ich fürchte mich davor; an dem schlimmsten Tage werde ich nach Cannes gehn (fahren natürlich!) Der Winter hier ist nach meinen Begriffen ein schlechter Winter gewesen; trotzdem etwas Unschätzbares, wenn man an Naumburger Winter denkt.
Denke in Liebe an mich und schreibe mir wieder so hübsch, meine liebe gute Mutter
Dein F.
675. An Resa von Schirnhofer in Zürich (Entwurf)
Gestern Abend wurde mir in der Pension <de> G<enève> eine Frau P. Rößler aus Graz vorgestellt: und zwei Minuten später kam ich endlich wieder zu meiner großen Freude dem abhanden gegangenen Frl. Resa auf die Spur. Genannte Rösslerin nämlich hatte bei ihrem letzten Pariser Aufenthalte in der gleichen Pension gewohnt, wie Sie, verehrtes Frl., doch nach Ihrer Abreise: sie erzählte wenigstens, noch Ihr Bild daselbst vorgefunden zu haben. Sie glaubte Sie jetzt in Z<ürich>: Wahrscheinlich bemühen Sie sich daselbst um akad<emische> Ehren: — hoffentlich ohne mit Ihrer Gesundheit dafür Buße zahlen zu müssen. Zuletzt haben Sie dort die freundlichsten aller Ärzte zur Hand, — und es soll Fälle geben, wo man gern einmal krank wird, nur um <sich> von Jemand kurieren zu lassen, den man liebt. Grüßen Sie mir Frl. W<illdenow> auf das Beste von dem wunderlichen Einsiedler von S<ils> M<aria>, der vorigen Sommer wenn ich mich recht erinnre, mit seiner Einladung und Aufforderung zum Tanz bei ihr kein Glück gehabt hat, — wahrscheinlich weil er es nicht verdient hat. Wenn Sie selber für diesen Frühling an etwas Erholung und Zeitvertreib denken, erwägen Sie, wenn ich bitten darf, daß ich mir eine große Ehre daraus machen werde, Ihnen dabei zu Diensten zu sein. Z. B. in Venedig, wohin ich von hier übersiedeln will, nach einer schon mehrjährigen Gewohnheit. Ich denke am 13 April von Nizza abzureisen: bis auf diesen Termin habe ich mein Z<immer> gemiethet. Gesetzt, Sie wünschten, geschmückt ich weiß nicht <mit> was für feierlichen Titeln, sich Ihren verehrten Eltern zu präsentiren, so ist der Umweg über Venedig die angenehmste Art von Umweg, die man sich auf Erden wählen kann. Man fährt auf der Gondel, man lacht, man ist ein bischen malinchonico und hört über die Wasser weg singen und Musik machen.
Nochmals, erwägen Sie meinen Vorschlag in einem „feinen Herzen“ und seien Sie auf das herzlichste
gegrüßt von
Ihrem
676. An Elisabeth Förster auf der Reise nach Paraguay
Mein liebes Lama,
unbändige Freude über Deinen Brief aus dem Weltmeere! Er befreite mich von einem fast unerträglichen Drucke, der so weit gieng, mich nicht einmal an Dich schreiben zu lassen, ob ich es gleich täglich wollte: — ich hatte mich ja für das prächtige und ganz überraschende „Vergiß mein nicht“ zu bedanken! Wir haben nämlich in Europa einen zweiten Aufguß von Winter, der nicht weniger stark ausgefallen ist als der erste: unerhörte Schneemassen von England bis Italien; selbst hier erniedrigen wir uns die Nacht wenigstens bis zu 3 Grad unter Null — kurz, die Zeitungen strotzten von schlechten Wetter-Nachrichten, Stürmen, wie sie die „ältesten Seeleute“ nicht erlebt hätten und dergleichen. Und nun sah ich immer das arme Lama schaukeln, schaukeln — — Ich gratuliere sehr dazu, wie Dir bisher die Reise bekommen ist; ich hatte Dir, als Mittel gegen die Seekrankheit, Chloral noch empfehlen wollen und mich geärgert, es vergessen zu haben, aber siehe da! das Lama hat ein noch besseres Gegenmittel, nämlich ihre Gesundheit. Auf diese hin darfst Du wirklich stolz sein: Dein Bruder ist ein wahres Krüppelthier gegen Dich. Da fällt mir ein, daß besagte Krüppelei eben ein wunderliches Projekt hervorgebracht hat: nämlich mich in die Kur des Prof. Schwenninger zu begeben, der nun einmal den Glauben haben soll, mir helfen zu können (er hat, ich weiß nicht wie, eine Anhänglichkeit an mich; thatsächlich haben wir eine Zeitlang im „Kopf“ zusammen zu Mittag gegessen) Dieser Schwenninger richtet sich jetzt in Heidelberg oben auf dem Schloß das große Hôtel zum Sanatorium her; schon für diesen Sommer werden Gäste erwartet (darunter Lord Rosebery, der englische Minister des Auswärtigen); schließlich giebt es diesen Sommer ein ungeheures Universitäts-Jubiläum, und das Heidelberger Faß soll zum ersten Male gefüllt und ausgetrunken werden. Soviel über meine „Gesundheit“.
Köchlins hier, mir sehr zugethan, haben mir gestern mitgetheilt, daß ihr jüngster Sohn sich mit der Tochter jener uns bekannten Basler Familie Hofmann-Merians verlobt habe. Daß Thurneysen-Merian diesen Winter gestorben ist, wirst Du wissen; ebenfalls Wackernagel, der Redakteur der Basler Nachrichten. Die gute Irene v. Seydlitz hat mir einen komischen Brief geschrieben, aus dem sich irgendwelche Hamburger Inspirationen errathen lassen; ich will zusehn, dieses Jahr auch einmal nach München zu kommen, doch aus andern Gründen: ich brauche etwas Verkehr mit Künstlern. Geizer in Jena hat einen Ruf nach Basel gehabt, an Jacob Burckhardts Stelle — und abgelehnt (er rechnet auf Berlin) Ich glaube nicht daran, mein liebes Lama, daß ich mich für die Universität wieder einfangen lasse: es ist mir klimatisch nicht möglich, so lange man mir nicht hier in Nizza eine Zuhörerschaft zurecht macht. Ich kann es nicht beschreiben, wie ich wieder vorigen Herbst mich in Naumburg und Leipzig gefühlt habe: eine beständige betrübte Pelzigkeit. Hier habe ich jeden Winter einen tüchtigen Schritt vorwärts gemacht: zum Mindesten muß ich nichts zu früh risquiren, um nicht Alles wieder zu verlieren. — Verzeihung! Aber Du hast diesen Dingen so viel Nachdenken geschenkt, trotz allen eignen Sorgen, daß ich Dir davon erzählen muß. Der Fall mit der Schwester Deussens hat mich äußerst erbaut — Euretwegen! Ich glaube mich zu erinnern, daß sie als vierzehn- oder fünfzehnjähriges Mädchen ein großes Hauswesen (zu Hause) fest in den Händen hatte und wacker durchführte.
Sage Deinem Bernhard, daß ich den ganzen Winter meine Mahlzeit mit seinem Messer gemacht habe, ebenfalls, daß ich die wollenen Hemden sehr zu schätzen weiß (allerdings als Unterzieh-Hemden); denn ich habe diesen harten Winter, Dank dieser Bekleidung, niemals eingeheizt und in summa doch weniger gefroren als in irgend einem Winter. —
Entdeckung: fetter weißer Käse ist sehr viel leichter verdaulich als magerer. Mein Mittag besteht aus Milch, Grahambrod, Käse und Nüssen — ich glaube, man heißt dies, mit einiger Freiheit des Ausdrucks, Vegetarianismus.
Mein altes liebes Lama, verzeih die Dummheiten dieses Briefs, hoffentlich werde ich wieder vernünftiger — und heute ist es etwas zu Neues und Kurioses für mich, daß das Lama in der Nähe der Cap-Verdeschen Inseln schaukelt! Nein, welche Wohlthat, daß man kein Eckensteher ist! Es lebe das Lama und ihr Bernhard und Euer Paraguay und Eure ganze gute Gesellschaft und Menschheit, die Ihr um Euch habt!
In Liebe und Dankbarkeit
Dein Fritz.
Den 13. April will ich nach Venedig, Briefe poste restante. den 13. Juli ungefähr nach Sils. Im Herbst zur guten Mämms.
677. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Verzeihung für mein langes Schweigen und nimm mit dieser Karte fürlieb, meine gute Mutter! aber ich darf nicht mehr schreiben als ich schon schreibe, bin außerdem sehr angegriffen und recht viel krank. Noch weiß ich nicht, wie der Plan des Jahres zu machen ist: jedenfalls nimm bei Deiner Zimmer-Vermiethung keine Rücksicht darauf! (Du weißt ja, daß ich eventuell doch nur „vorübergehend“ in Naumburg sein könnte, und daß ich, der Stille wegen, das Nest oben vorziehe) Ich habe Prof. Rohde in Tübingen gratulirt zu seiner Versetzung, aber keine Antwort erhalten: vielleicht sind wieder Briefe verloren gegangen? (Ein prächtiger Brief vom Lama, mitten auf der Fahrt geschrieben und ein Zeichen von Glück und gutem Muth, hat mir sehr wohl gethan: ich war so in Angst...) Bis zum 13. April bleibe ich hier, nachher wahrscheinlich Venedig. Aber ich habe Niemanden dort, der für mich sorgt und mich etwas zerstreut — ich bedarf sehr der Erholung.
Von Herzen Dein F.
678. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
Daß ungefähr zu gleicher Zeit, wo Du an mich schriebst, meine Gedanken bei Dir in Basel waren, wird Dir ein vorgestern an Dich abgesandtes rothes Heft verrathen: — wie schön wäre es, über dergleichen curiosa hübsch miteinander, beieinander lachen (selbst sich ärgern) zu können! Ach, die dumme Gesundheit, die Einen von seinen Freunden fern hält! Die Nachrichten über Deine eigne Gesundheit (aus beiden letzten Briefen), auch über Deine Augen, lassen mich es bewundern, wie tapfer Du Dich eigentlich dort in Basel durchschlägst. Aber freilich, Du hast es, Dank Deiner Frau, eben hundert Male besser als ich: Ihr habt zusammen ein Nest — und ich habe höchstens eine Höhle, ich mag mich drehn und wenden wie ich will. Man sagt mir hier, daß ich den ganzen Winter, trotz vielfacher Beschwerniß, immer „bei glänzender Laune“ gewesen sei; ich selber sage mir, daß ich den ganzen Winter profondement triste, torturirt von meinen Problemen bei Tag und Nacht, eigentlich noch mehr höllenmäßig als höhlenmäßig gelebt habe — und daß ich den gelegentlichen Verkehr mit Menschen wie ein Fest, wie eine Erlösung von „mir“ fühle. Das große Mißverständnis der Heiterkeit! Die brave Malvida, die mit ihrer rosigen Oberflächlichkeit sich in einem schweren Leben immer „obenauf“ gehalten hat, schrieb mir einmal, zu meinem bittersten Vergnügen, daß sie, aus meinem Zarathustra heraus, schon den „heitren Tempel winken“ sehe, den ich auf diesem Fundamente aufbauen werde. Nun, es ist einfach zum Todt-lachen; und ich gebe mich nachgerade damit zufrieden, daß man mir nicht zusieht und ansieht, an was für einem „Tempel“ ich baue. —
Erholung, lieber alter Freund, nichts als Erholung habe ich auch jetzt wieder nöthig: aber sie ist immer schwerer zu schaffen. — Die erquickliche leichte Musik Köselitzens gehört dahin: was bin ich diesem Glücksfunde meines Lebens dankbar! (Aber warum hast Du mir nichts über den Brief K<öselitzen>’s gesagt, den ich dem letzten Briefe an Dich beigelegt hatte? Hoffentlich ist nichts verloren gegangen? Ich schrieb gleich nach dem Eintreffen des letzten Geldes; seitdem hörte ich nichts von Dir). Es ist dem Armen mit Wien wie mit Dresden mißrathen; er bat mich, etwas zu seinen Gunsten bei Mottl in Carlsruhe zu versuchen. Letzterer, obschon mir persönlich unbekannt, hat inzwischen sehr artig an mich geschrieben: er lege den größten Werth auf meine Empfehlung („die Empfehlung eines von mir enthusiastisch verehrten Mannes“) Hoffentlich bleibt es nicht bei Worten. — Was Du von Deinen litterarischen Absichten schreibst, macht mir rechte Freude. Ich lese Dich so gern, selbst noch abgesehn von dem, was man durch Dich lernt. Du verschlingst so artig Deine Gedanken, ich möchte fast sagen, listig, als ein Mensch der nuances, der Du bist. Der Himmel segne Dich dafür, in einem Zeitalter, das täglich plumper wird. —
Inzwischen hat man sich bemüht, mich zur Wiederaufnahme meiner akademischen Thätigkeit anzureizen. Ich soll durchaus culturgeschichtliche Collegien lesen. — Sonderbar! Rein als Frage der Erholung ist mir dieser Gedanke sogar recht geläufig. Aber es giebt eine Verrechnung dabei.
Bitte, sende mir, sobald Du kannst, das flügge werdende Geld hierher (zur Hälfte französisch, zur Hälfte italiänisch, wofern dies möglich ist und Dir keine Mühe macht). Ich bleibe hier bis zum 13. April. Meine Augen erlauben es nicht länger. Nachher wahrscheinlich Venedig, mit seinem Gäßchen-Dunkel; dann Engadin; im Herbst muß ich meiner alten armen Mutter etwas Trost zusprechen.
Herr Credner ist bereit, „einen zweiten Band der „Morgenröthe“ in Verlag zu nehmen,“ und hat mir brieflich angezeigt, daß er wünsche, „unter meine Verehrer gerechnet zu werden.“ Solchen Glauben in Israel habe ich noch nicht gefunden. Trotzdem — — —
Ach, wie Vieles gäbe es zu sagen und zu berathschlagen, lieber Freund! Empfiehl mich angelegentlich Deiner Frau und ihren Angehörigen. Dieses Jahr wird mich auch einmal nach München bringen. — Treulich Dein Freund Nietzsche.
(Sehr in Arbeit. Sei übrigens unbesorgt, es wird keinen zweiten Band „Morgenröthe“ geben. —)
679. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Mit diesem Briefe wünsche ich Ihnen ein Vergnügen zu machen. Inzwischen nämlich während der Abschrift, ergab sich die Unmöglichkeit das neue Buch als 2ten Theil oder neue Folge herauszugeben. Es bekommt einen Titel für sich (wie es seine Farbe und seinen Sinn für sich hat) — und damit, denke ich, ist auch Ihnen ein Gefallen geschehn. Dieser Titel ist:
die Capitel-Überschriften lauten:
Nun aber die Form-Fragen: denken Sie, bitte, mit mir darüber nach, wie wir diesem Buche ein möglichst vornehmes und „unpopuläres“ Gewand geben: so allein wäre es seinem Inhalte angemessen. Die neulich gesandte Probe von Du Bois-Reymond welche mir an sich sehr gefallen hat — sie macht Ihrem (oder Du Bois-Reymond<s>) Geschmack alle Ehre — erlaubt trotzdem keine Anwendung auf den Fall meines Buchs: dies soll sehr langsam gelesen werden, es muß viel weniger auf einer Seite stehen, es muß auf den Gelehrsamkeits-Anspruch, wie er sich in einem so großen Formate ausdrückt, Verzicht leisten — und ich will’s endlich mit deutschen Lettern versuchen. Man bringt den Deutschen nicht anders dazu, die Form, die Sprache, den Geschmack eines Buches ernst zu nehmen. — Ich wollte vorschlagen: Wenig Zeilen: c. 26, bequeme Intervalle (worin wesentlich der vornehme Eindruck eines Buches liegt)
Mittelgroßes Format
Feines Velin
Der Inhalt kommt etwas der Hälfte, höchstens Zwei-Drittel der „Morgenröthe“ gleich.
Bitte, geben Sie mir so bald wie möglich eine Probe. Kann der Druck in c. 2 M<onaten> beginnen?
680. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
es ist lange her, daß ich Ihnen nicht geschrieben habe: den Grund davon gab ich auf meiner letzten Karte an, — hoffentlich glauben Sie mir genug, um das zu glauben. Meine Augen sind überangestrengt, übermüdet und „über“ in jedem Betracht, — sie haben zuviel diesen Winter thun müssen, der ein trüber Winter war. Und es ist sonderbar, wie die Brauchbarkeit oder Unbrauchbarkeit meiner Augen mit dem Grade der Lichtfülle im Verhältniß steht! — Wie viel bin ich bei Ihnen gewesen, mit Sorgen, mit Hoffnungen, mit vielem herzlichen Nachdenken über etwas, das vielleicht meinerseits zu thun sei. Und wie erstaunt war ich zu hören, daß Sie Lust und Muth genug zurück erobert haben, um an das Dichten der „Marianna“ zu gehen! Das hat mir große Freude gemacht. Mir ist auf’s Gewissen gefallen, daß ich nach dieser korsischen Seite hin Ihr Interesse zu lenken gesucht habe, — und daß ich zuletzt ein Einsiedler bin, mit einem Einsiedler-Geschmack, der publice gar nicht in Betracht kommt. Im Zeitalter der „Operette“ und des choreographischen Poëms (heiße es nun Amore oder Parsifal) gehöre ich wahrscheinlich unter die „Unzeitgemäßen“. Offenbar will man heute im Theater etwas ganz Andres als im vorigen Jahrhundert, — und „die Oper“ scheint mir überlebt. —
Es fällt mir ein, daß die Wiener ein neues Operetten-Talent haben, Hrn. Kremser, dessen „Botschafter“ (es ist der junge Richelieu) c. 30 Mal mit ausverkauftem Hause vorgeführt wurde.
In Carlsruhe hat man Berlioz’ Benvenuto Cellini „gemacht“, — sehr respektabel für Herrn Mottl! Haben Sie von ihm inzwischen gehört? — Ich leider nicht.
Im „Klassischen Concert“ von Monte-Carlo (unter der Leitung eines Östreichers) habe ich alte Sachen von Rameau (von 1736) gehört, mit großer Neugierde; dann auch ganz neue Modernitäten von Massenet, scheußlich-bunt orchestrirt. Ich hatte keinen Begriff davon, daß man’s auch mit der Orchestration hurenhaft treiben könne.
Das letzte musikalische Ereigniß; hierselbst war der „russische Chor“, der sich durch ganz Europa bewegt hat und hier in Nizza, dem Wohnsitze vieler Russen, es zu einem großen Erfolge brachte. Nicht bei mir: obwohl die Kunststücke des Chorgesangs an sich, die pianissimi, die Verschnellerungen des tempo’s, und ein gewisser reiner mädchenhafter Stimmklang gewiß große Auszeichnung verdienen. Aber die Sachen selbst waren zum Theil nicht russisch genug (irgend wann einmal aus Deutschland oder Italien oder der Türkei hinübergerathen?), zum andern Theil russisch, aber nur im Sinne und Instinkte des gemeinen Mannes (mit einer Leibeigenschaft-Melancholie auch noch über den heitersten Liederchen); es fehlte ganz die männliche Note, der Ausdruck der herrschenden Stände und ihres Stolzes. Vier Concerte, die ersten mit großen Preisen (50, 20, 10 frcs. und nichts weiter).
Noch habe ich mich nicht für Ihren Brief bedankt, lieber Freund. Wenn ich Sie nur an der Spitze eines Orchesters wüßte! Wenigstens für einige Zeit: ein Musiker hält das Leben schlecht aus, wenn er lauter Zukunfts-Partituren schreibt. Ihre Erfahrungen mit Dresden haben etwas Groteskes, dem ich ein paar Erfahrungen mit demselben Dresden zur Seite stellen könnte — fast jede Woche bin ich auf diese curiose Stadt wieder aufmerksam gemacht worden. Da schreibt mir zum Beispiel gestern Jemand, der dort sich niedergelassen hat, ich möchte ihm eine Professur der Philosophie verschaffen, womöglich in Preußen: dieser Jemand war — was glauben Sie? — der verrückte E. von Hagen. Vorige Woche bot mir ein dortiger Dichter seine Freundschaft an: sein Herz sei, mir gegenüber, aufgegangen wie eine volle Rose. Wörtlich! Ich antworte nicht mehr auf solche curiosa.
Prof. Rohde hat eine Berufung nach Leipzig angenommen: und jetzt ist die halbe philosophische Fakultät mir dort „gut Freund“ (Zarncke, Heinze, Leskien, Windisch, Rohde usw.)
Diesen Winter habe ich benutzt, etwas zu schreiben, das Schwierigkeiten in Fülle hat, so daß mein Muth, es herauszugeben, hier und da wackelt und zittert. Es heißt:
Jenseits von Gut und Böse.
Vorspiel
einer Philosophie der Zukunft.
Grüßen Sie Ihren verehrlichen Vater von mir, mit dessen Befinden es hoffentlich besser geht? Es hat mich sehr lachen machen, Sie mir als seinen Vicar zu denken. Sie passen nicht schlecht dazu? hein!
Votre ami
N.
Von hier geht’s am 13. April nach Venedig. Es sticht mich in’s Herz, zu denken, daß ich Sie dort nicht finde. — Und wo werde ich wohnen!
681. An Unbekannt (Entwurf)
Ich habe diesen Winter auch etwas fertig gemacht, etwas Lustiges, es heißt sich
Des Prinzen Vogelfrei
Lieder und Gedanken
Mitgetheilt
v.
F. N.
Man wird es nicht für möglich halten, daß es vom gleichen Verf. wie Z<arathustra> ist — noch weniger, daß hinter beiden Werken die gleichen Hintergedanken stehen. — — —
Nun aber der Druck! Herr Credner war bereit, einen zweiten B<and> der „Morgenröthe“ herauszugeben: nachdem er mir sogar bis so weit seine Bereitwilligkeit bewiesen hat, werde ich hoffentlich für den Pr<inzen> Vogelfrei auf ihn zählen können. Er hat neulich mir geschrieben, daß er wünschte „unter meine Verehrer gerechnet zu werden“; auch Mottl in Carlsruhe, obwohl mir persönlich unbekannt usw.
682. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Hiermit erlaube ich mir Ihnen den Anfang und den Schluß des neuen Buchs vorzulegen (eine Art Widmungs-Gedicht und ein Ausklang des Ganzen), hoffentlich mit dem Ergebniß, daß Sie einigen weiteren Mittheilungen und Vorschlägen, die ich zu machen habe, ein um so geneigteres Ohr schenken.
Das Buch ist als „Fortsetzung“ oder „neue Folge“ der „Morgenröthe“ unmöglich auszugeben: davon habe ich mich während der Abschrift überzeugt. Es ist dazu viel zu fundamental (auch im Ton abweichend): ich kann es jetzt nicht anders und besser betiteln als so:
So, wie ich jetzt das ganze Material geordnet habe, beginnt das Buch mit jenem Hymnus „an den Mistral“: darauf folgt eine lange Einleitung, welche die Züge der Philosophie der Zukunft, deren Heraufkommen ich voraussage, darzustellen unternimmt.
Darauf
Erster Theil: Buch der Loslösung
Zweiter Teil: Buch der Heimlichkeit (mit eingestreuten Versen und Epigrammen)
Dritter Theil: Buch der Höhe
zum Schluß das mitgesandte Lied „oh Lebensmittag“.
Der Umfang ist bedeutend geringer als der der „Morgenröthe“: schon aus diesem Grunde aber verbietet es sich, das neue Buch als eine Art Fortsetzung herauszugeben. Ich bilde mir ein, daß es Ihnen erwünscht ist, auf diese Weise das Buch nicht an eines meiner früheren Werke angekettet zu wissen. — Nach meiner Berechnung wird es den Umfang von der „fr<öhlichen> W<issenschaft>“ haben: welche ich mir gestatte, Ihnen meinerseits zu präsentiren.
Ein Punkt, in Betreff dessen ich schlechterdings um Ihr Entgegenkommen und Ihr Nachgeben bitten muß ist die Form- und Formatfrage des Buchs.
Gesetzt, es giebt später einmal größere und umfänglichere Sachen von mir, deren Herausgabe zwischen uns vereinbart würde, so will ich von vornherein versprechen darin meinerseits ein „Nachgeben“ — aber dies Mal muß das neue Buch vollständig gleich meiner ganzen bisherigen Litteratur erscheinen: es ist dies eine Schicklichkeits- und Etiquettenfrage, bei der der Werth gerade dieses Buches entscheidet.
Man hat sich außerdem an eine bestimmte Form und Ausstattung meiner Bücher gewöhnt: sie gehört jetzt mit zu dem Typus der in ihr repräsentirten Denkungsweise. Vergeben Sie mir, daß ich zu Gunsten des neuen, so entscheidenden Buches unbedingt die alte Form mir ausbitte.
In Betreff des Honorars war meine Vereinbarung mit Herrn Schm<eitzner> die, daß eine Auflage von 1000 Ex. als Norm genommen würde: und daß in Betreff späterer Auflagen nichts voraus festgesetzt werde.
Es sind Bedingungen, auf welche hin man sich mit mir in Verbindung gesetzt hat als ich c. 24 Jahr alt war; jetzt, wo ich im 42ten bin, möchte ich es, wenn nicht besser, so doch nicht anders haben, als ich es damals gehabt habe. (Sehr menschlich wie mich dünkt —)
Meine Hoffnung ist, falls die Augen es erlauben, ungefähr in 2-3 Wochen die Abschrift abzuschließen. Bis dahin habe ich vielleicht ein Wort von Ihnen in den Händen, welches mich in Betreff meiner heutigen Bitte beruhigt. (Denn ich bin sehr beunruhigt)
683. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Entwurf)
Darf ich die Hoffnung aussprechen, daß die Angelegenheit der Hypothek Ihres Hrn. Vaters endlich erledigt und zum Abschluß gekommen ist? Ich für meine Person habe unbändig viel Störung und Unannehmlichkeit davon gehabt; aber dafür können Sie nichts.
Mit Ihrem letzten nach Leipzig gesandten Briefe haben Sie mich beleidigt, ich will das nicht verhehlen, — noch weniger möchte ich auf das in ihm angeregte Thema zurückkommen.
Zuletzt eine Anfrage, in Betreff derer es bei Ihnen steht, Ja oder Nein zu sagen. Zum Zweck einer Sammlung meiner Gedichte möchte ich auch das Verfügungsrecht über jene Lieder haben, welche 1882 in Ihrer Revue abgedruckt worden sind: sie würden „verbessert“, verlängert, zum Theil verkürzt, dieser Sammlung einverleibt werden. Darf ich?
684. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
nur wenige Worte. Die Augen verlangen es. Besten Dank für Brief, Geld und die zwei Bücher. Nächsten Dienstag Abreise nach Venedig, Adresse einfach poste restante. Es ist möglich, daß ich im Köselitz’schen Neste sitzen werde. Heinze’s sind hier, zu meiner Erholung, deren ich sehr bedarf. Winter-Pensum exakt fertig, Abschrift selbsthändig besorgt, Fädchen drum gebunden, ad acta gelegt. Dergleichen druckt mir Niemand, am wenigsten Credner; und der Luxus vom vorigen Jahre darf nicht wiederholt werden (ich meine das Drucken auf eigne Kosten.) Zuletzt: es hat Alles keine Eile. — Mottl hat Nein gesagt, sehr motivirt, Principien-Kampf zu Gunsten Wagners etc. — K<öselitz> selbst sandte Proben seines Operntextes „Marianna“ (das ist das korsische Thema.) Rohde hat geschrieben, schwer bewegt. — Das Schönste war ein Brief aus offenem Meere, aus der Nähe der Cap Verdeschen Inseln, seitens meiner Schwester: glückliche Fahrt, gar keine Seekrankheit, und prächtige Menschen. Eine Schwester Deussens gehört auch zum Projekt. Eine hiesige Fabrik hat meine Empfehlung nachgesucht, um ihre Sachen in Paraguay einzuführen: spaaßhaft. In der französischen Litteratur ist le grand succès dieses Jahres un crime d’amour von Paul Bourget: erstes Zusammentreffen der beiden geistigsten Strömungen des Pessimismus, des Schopenhauerischen (mit der „Religion des Mitleidens“) und des Stendhal’schen (mit messerscharfer und grausamer Psychologie.) Man hält Vorträge über diesen Roman: der endlich einmal wieder „Kammermusik-Litteratur“ ist und nichts für die Menge. Deutscherseits sagt man von ihm, wie ich höre, ein „Fäulnißprodukt,“ —
Mich Dir und Deiner Frau angelegentlich empfehlend Dein Freund
N.
N. B. Heinze erzählte mir vom großen Eindrucke, den Harnacks Dogmengeschichte gemacht habe. — Gestatte mir ein Buch gerade Dir zu empfehlen, von dem man in Deutschland nichts wissen will, aber das viel von meiner Art, über Religion zu denken, und eine Menge suggestive Fakta enthält: Julius Lippert, Christenthum, Volksglaube, Volksbrauch (Hofmann in Berlin, 1882.)
685. An Bernhard Förster in Asuncion
Mein lieber Schwager,
es macht mir einen ganz wunderlichen Eindruck, meinen ersten Brief an Dich übers Meer um einer Geschäftssache Willen abschicken zu müssen. Ein Herr Feer, der hier mit einem andren Deutschen zusammen eine Fabrik besitzt, hat sich an mich gewendet, um mit seinem Anliegen von Dir gut aufgenommen zu werden. Es handelt sich um aromatische Essenzen, welche er in Paraguay einzuführen wünscht: — ein wohlriechendes Anerbieten, dessen Fürsprecher ich mit Vergnügen bin. Herr Feer ist ein Verwandter der mir befreundeten Familie Albert Köchlin, allem Anscheine nach ein wackerer zuverlässiger Mensch, auf den Du mit Deinem grünen Buche einen, wie es scheint, beinahe verführerischen Eindruck hervorgebracht hast; genug, er schwärmt seitdem für Paraguay, denkt selbst an Reisen dahin usw. Er will Dir schreiben, — nun, welchen Sinn und Werth sein Anerbieten hat, weiß ich nicht zu beurtheilen, aber der Mensch ist einer Empfehlung werth. —
Seit einer Woche sind Heinze’s aus Leipzig hier: Ihr könnt denken, wie viel von Euch die Rede war und ist!
Übermorgen geht es aber fort: ich versuche es wieder mit Venedig, wie die letzten Jahre. Etwas überarbeitet; viel Abschreiberei; schließlich fehlt mir die Lust, etwas von mir „öffentlich“ zu machen. Kurz, ein Fädchen um’s Manuscript und ad acta gelegt. —
Nach den Zeitungsberichten zu urtheilen, müßt Ihr gerade auf die Revolution in Montevideo zugesteuert sein; der Hintergrund dieser Bewegung hat mich für Deine Projekte nachdenklich gemacht. — Dies Argentinien könnte schließlich Par<aguay> wie eine Enclave mit seinen Zöllen tyrannisiren.
Verzeihung! Es gab übrigens diesen Winter hier Vorträge über Südamerika, worin Parag<uay> auf eine glänzende Art ins Licht gestellt wurde: nämlich in Hinsicht seiner Bewohner, in denen die milden und arbeitsamen Instinkte wundersam mit Heroismus und Ausdauer in starken Gefühlen vereinigt seien. Der Redner schloß mit dem Gedanken, daß der Mensch vielleicht am schönsten und vollständigsten gedeihe, wo er der Natur am nächsten lebe. Wozu die Zuhörer Beifall klatschten. —
Mit den herzlichsten Wünschen Dein
Friedrich Nietzsche.
Adresse bis Mitte Juni: Venezia poste restante. Nachher Sils-Maria, Engadin, Schweiz.
Der Tod des Professor Vischer-Heusler in Basel hat mir sehr weh gethan. — Rohde ist bereits in Leipzig. Im Herbst hoffe ich dort hin kommen zu können. Mit Credner und Schmeitzner Verdruß über Verdruß.
Claire Heinze will von hier aus ebenfalls an Euch schreiben. Ein Brief von mir, adressirt an Frau Dr. Förster, Asuncion, Paraguay poste restante, ist hoffentlich Euch zu Händen gekommen? —
686. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
Verzeihung, meine liebe Mutter, daß ich wieder so schweigsam war und Dir nicht einmal für Deinen guten Brief gedankt habe. Ein paar Zeitungs-Artikel aus den Basler „Nachrichten“, deren ich zufällig habhaft wurde (leider nur die 3 letzten Nummern) sind an Dich abgeschickt worden: sie stammen von einem eben verstorbenen Schweizerischen Staatsmann, dem Landamman Vigier, der 30 Jahre die Regierung des Kantons Solothurn geleitet hat. Als Student war er in Berlin; und seine Erinnerungen an die 48ger Jahre machen um des Contrastes willen einen starken Eindruck, — man hält es nicht für möglich, daß wir schon so ganz entgegengesetzte Zustände erlebt haben. Zuletzt: wer glaubt heute noch daran, daß unser Deutsches Reich 40 Jahre Stand hält! Es geht alles heute schnell vorüber.
Heinze’s sind seit einer Woche hier, und es giebt zwischen uns einen heiteren und artigen Verkehr, zumal wir nicht weit von einander wohnen. Auch ein Paar schöne Tage kamen zu Hülfe: so daß Heinzes recht erbaut von Nizza sind. Ich bin im Grunde sehr angegriffen, Dank der langen Arbeit und Schreiberei; auch habe ich alles Drucken hinausgeschoben, ich denke im Herbst Einiges persönlich zu diesem Zwecke zu arrangiren, wenn ich zu Dir und nach Leipzig komme. Mit Herrn Credner bin ich beinahe wieder auseinander, unter uns gesagt. Auch der frühere Verleger Schm<eitzner> hat sich durch gereizte und wenig erquickliche Briefe mir ins Gedächtniß zurückgerufen, — ich habe den ganzen Winter über noch Schererei von wegen der Hypothek seines Vaters gehabt.
Der Tod des Prof. Vischer-Heusler in Basel hat mir sehr weh gethan.
Rohde hat von Tübingen noch geschrieben, er ist seit dem 8. d. M. in Leipzig. —
Nächsten Dienstag geht es fort von hier, nach Genua und Venedig; es schmerzt mich, daß ich den guten Freund Köselitz daselbst nicht mehr vorfinde.
687. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Geehrter Herr,
mit diesem Briefe möchte ich Ihnen den Vorschlag machen, ein philosophisches Werk von mir herauszugeben, das unter dem Titel „Jenseits von Gut und Böse“ bereit sein würde, in die Welt zu gehn. Einer meiner Freunde, der mich gerade hier besucht (Hofrath Heinze, Prof. der Philos. in Leipzig) räth mir, mich an Sie zu wenden, in Anbetracht, daß ich am ehesten bei Ihnen den Muth der Initiative finden werde, wie er zur Herausgabe eines solchen sehr unabhängig gedachten und gemachten Buchs nöthig ist. Meine Leser und Anhänger sind weit verbreitet genug, um Ihnen von vornherein die Verkäuflichkeit des Buchs wahrscheinlich zu machen; meine Bedingungen andererseits enthalten, wie ich hoffe, nichts, was Ihnen unbillig erscheinen dürfte, zumal es die alten gleichen Bedingungen sind, welche mir von meinem 24ten bis zum 42ten Lebensjahre immer zugestanden worden sind. Als Honorar pro Bogen 40 Mark, bei einer Auflage von 1000 Exemplaren.
Die Ausstattung (Satz, Format, Papier u.s.w.) getreu nach dem Vorbild von „Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister“ — ich nehme eins meiner früheren Werke, im Grunde sind sie allesammt in dieser Hinsicht einander gleich. Gute Druckerei vorausgesetzt: die meisten meiner Bücher sind bei Teubner und C. G. Naumann in Leipzig gedruckt.
Der Umfang des Buches möchte sich ungefähr auf 300 Seiten erstrecken. — Bedingungen für neue Auflagen vorbehalten. — Druck alsbald beginnend.
Das Buch enthält zehn Abschnitte, deren Überschriften lauten: Von den Vorurtheilen der Philosophen. Der freie Geist. Das religiöse Genie. Das Weib an sich. Zur Naturgeschichte der Moral. Wir Gelehrten. Unsere Tugenden. Völker und Vaterländer. Masken. Was ist vornehm?
— Darf ich hoffen, hiermit, geehrter Herr, Ihnen ein willkommenes Anerbieten gemacht zu haben?
Hochachtungsvoll
Ihr ergebener
Professor Dr. Friedrich Nietzsche.
688. An Carl Fuchs in Danzig
Werther und lieber Herr Doktor,
glauben Sie daran, auch ohne daß ich es schriftlich bezeuge (was mir meine Augen von Jahr zu Jahr weniger erlauben —), daß nicht leicht Jemand Ihren Untersuchungen und Feinheiten mit mehr Theilnahme folgen kann, als ich. Wenn nur „Theilnahme“ ausreichte! Aber es fehlt mir an Wissen und Können nach allen den Seiten hin, wo Ihre merkwürdig vielfältige Begabung liegt. Vor allem: es vergehen Jahre, in denen mir Niemand Musik macht, ich selbst eingerechnet. Das Letzte, was ich mir gründlich angeeignet habe, ist Bizet’s Carmen, — und nicht ohne viele, zum Theil ganz unerlaubte Hintergedanken über alle deutsche Musik (über welche ich beinahe so urtheile wie über alle deutsche Philosophie); außerdem die Musik eines unentdeckten Genies, welches den Süden liebt wie ich ihn liebe und zur Naivetät des Südens das Bedürfniß und die Gabe der Melodie hat. Der Verfall des melodischen Sinns, den ich bei jeder Berührung mit deutschen Musikern zu riechen glaube, die immer größere Aufmerksamkeit auf die einzelne Gebärde des Affekts (ich glaube, Sie heißen das „Phrase“, mein lieber Herr Doktor?), ebenfalls die immer größere Fertigkeit im Vortrage des Einzelnen, in den rhetorischen Kunstmitteln der Musik, in der Schauspieler-Kunst, den Moment so überzeugend wie möglich zu gestalten: das, scheint mir, verträgt sich nicht nur mit einander, es bedingt sich beinahe gegenseitig. Schlimm genug! man muß eben alles Gute in dieser Welt etwas zu theuer kaufen! Das Wagnerische Wort „unendliche Melodie“ drückt die Gefahr, den Verderb des Instinkts und den guten Glauben, das gute Gewissen dabei allerliebst aus. Die rhythmische Zweideutigkeit, so daß man nicht mehr weiß und wissen soll, ob etwas Schwanz oder Kopf ist, ist ohne allen Zweifel ein Kunstmittel, mit dem wunderbare Wirkungen erreicht werden können: der „Tristan“ ist reich daran —, als Symptom einer ganzen Kunst ist und bleibt sie trotzdem das Zeichen der Auflösung. Der Theil wird Herr über das Ganze, die Phrase über die Melodie, der Augenblick über die Zeit (auch das tempo), das Pathos über das Ethos (Charakter, Stil, oder wie es heißen soll —), schließlich auch der esprit über den „Sinn“. Verzeihung! was ich wahrzunehmen glaube, ist eine Veränderung der Perspektive: man sieht das Einzelne viel zu scharf, man sieht das Ganze viel zu stumpf, — und man hat den Willen zu dieser Optik in der Musik, vor Allem man hat das Talent dazu! Das aber ist décadence, ein Wort, das, wie sich unter uns von selbst versteht, nicht verwerfen, sondern nur bezeichnen soll. Ihr Riemann ist mir ein Zeichen davon, eben so wie Ihr Hanns von Bülow, ebenso wie Sie selbst, Sie als der feinsinnigste Interpret von Bedürfnissen und Veränderungen der anima musica, welche, Alles in Allem, zuletzt doch der beste Theil von dem sein mag, was die âme moderne ist. Ich drücke mich verdammt schlecht aus, zum Unterschiede von Ihnen; ich meine, es giebt auch an der décadence eine Unsumme des Anziehendsten, Werthvollsten, Neuesten, Verehrungswürdigsten, — unsre moderne Musik zum Beispiel, und wer nur nach der Art der drei eben Genannten ihr treuer und tapferer Apostel ist. Verzeihung, wenn ich noch hinzufüge: wovon ein Decadenz-Geschmack am entferntesten ist, das ist der große Stil: zu dem zum Beispiel der Palazzo Pitti gehört, aber nicht die neunte Symphonie. Der große Stil als die höchste Steigerung der Kunst der Melodie. —
Endlich ein Wort über eine ganz große theoretische Differenz zwischen uns, nämlich in Anbetracht der antiken Metrik. Freilich: ich darf heute kaum mehr über diese Dinge mitreden, — aber 1871 hätte ich’s gedurft, welches Jahr ich in der erschrecklichen Lektüre der griechischen und lateinischen Metriker verbracht habe, mit einem sehr wunderlichen Resultate. Damals fühlte ich mich als den abseits gestelltesten Metriker unter allen Philologen: denn ich demonstrirte meinen Schülern die ganze Entwicklung der Metrik von Bentley bis Westphal als Geschichte eines Grundirrthums. Damals wehrte ich mich mit Händen und Füßen dagegen, daß z. B. ein deutscher Hexameter irgend etwas Verwandtes mit einem griechischen sei. Was ich behauptete war, um bei diesem Beispiele zu bleiben, daß ein Grieche beim Vortrage eines homerischen Verses gar keine andern Accente als die Wortaccente angewendet habe, — daß der rhythmische Reiz exakt in den Zeitquantitäten und deren Verhältnissen gelegen habe, und nicht, wie beim deutschen Hexameter, im Hopsasa des Ictus: noch abgesehn davon, daß der deutsche Daktylus auch in der Zeitquantität grundverschieden vom griechischen und lateinischen ist. Denn wir sprechen „Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen, es grünten und blühten“ mit dem Gefühle von
, vielleicht sogar als Triolen, gewiß aber nicht zweitheilig-feierlich mit einer langen Silbe, welche die Dauer von zwei kurzen hat. Das Strengernehmen der Dauer einer Silbe war es eben, was in der antiken Welt den Vers von der Alltagsrede abhob: was bei uns Nordländern ganz und gar nicht der Fall ist. Es ist uns kaum möglich, eine rein quantitirende Rhythmik nachzufühlen, so sehr sind wir an die Affekt-Rhythmik des Stark und Schwach, des crescendo und diminuendo, gewöhnt. Von Bentley aber (der ist der große Neuerer, G. Hermann ist erst der Zweite), ebenso von den deutschen Dichtern, welche antike Metra nachzubilden glaubten, ist ganz unschuldig unsre Art rhythmischer Sinn als einzige und „ewige“ Art, als Rhythmik an sich, angesetzt worden: ungefähr wie wir allesammt geneigt sind, unsrer Humanitäts- und Mitgefühls-Moral als die Moral zu verstehen und sie in ältere, grundverschiedene Moralen hineinzu-interpretiren. Es ist ja kein Zweifel, daß unsre deutschen Dichter „in antiken Metren“ damit vielerlei rhythmische Reize in die Poesie gebracht haben, deren sie ermangelte (das Tiktak unsrer Reim-Poeten ist auf die Dauer fürchterlich): aber ein Alter hätte nichts von diesen Zaubern gehört, noch weniger aber geglaubt, dabei seine Metra zu hören. — Unter Franzosen versteht man die Möglichkeit einer allein zeit-quantitirenden Metrik schon leichter: sie fühlen die Zahl der Silben als Zeit. — Ecco, der längste Brief, den ich seit Jahren geschrieben: nehmen Sie ihn als solchen und auch in jedem andern Verstande als ein Zeichen dafür, daß auch ich „die Dankbarkeit“ nicht vergesse, mein werther Herr Doctor, der Sie mich nun schon zwei Mal mit ganz ausgesuchten Gerichten bewirthet haben. — Wo um alles in der Welt haben Sie Ihr Talent zum causer en litterature her? ist etwas französisches Blut in Ihren Adern? —
Schließlich ein Wort des Zorns gegen Ihren Verleger und Drucker. Wie! „Hefte“? Hefte, die nicht haften, die nicht geheftet sind! lucus a non lucendo! Halten Sie diesen Scherz einem alten Philologen zu Gute und bleiben Sie trotzdem wohlgesinnt
Ihrem ergebensten
Dr. Friedrich Nietzsche,
weiland Prof. der klassischen
Sprachen, insgleichen der Metrik.
Lesen Sie, ich bitte, ein Buch, das Wenige kennen, Augustinus de musica, um zu sehen, wie man damals Horazische Metren verstand und genoß, wie man dabei „taktirte“, welche Pausen man einschob u. s. w. (Arsis und Thesis sind bloße Taktirzeichen).
Meine Adresse ist, ein für alle Mal: Naumburg an der Saale. Von da aus wird mir Alles nachgeschickt. Ich selbst bin „unstät und flüchtig“ auf Erden — —
689. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Geehrter Herr,
ein Wort zur Beantwortung Ihres gefälligen, aber leider verneinenden Briefs. Ich habe einen so guten Glauben an die Anziehungskraft und also auch and die Verkäuflichkeit meines neuen Buchs, daß ich Ihnen einen Vorschlag machen will, der eine starke Probe für diesen Glauben giebt. Sie würden mich bereit finden, auf Zahlung des Honorars bis zu dem Zeitpunkt zu warten, wo 600 Exemplare verkauft sind.
Im Übrigen alle Bedingungen, welche ich zuletzt machte, aufrechterhaltend.
Hochachtungsvoll der Ihrige
Professor Dr. Nietzsche.
690. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
immer noch aus Nizza! Im entscheidenden Zeitpunkte, wo ich nach Venedig fort wollte, schlug das Wetter um, und eine Art Verhärtung und Verwinterlichung hat bis jetzt Stand gehalten: so daß ich erst Ende Monats davon fliegen will. Wohin? selbst das ist nicht gewiß. Bei weitem am liebsten nach Venedig: doch ist der Gesundheits-Stand daselbst fragwürdig genug, und fast scheint es, daß Einer, der sich dorthin begiebt, sich nicht nur in eine Gefahr, sondern, was das Unangenehmere ist, in eine Quarantaine hineinstürzt. Bis heute ist letztere zwar nur für die Seeseite (und fürs ganze Adriatico) erklärt: es könnte aber bald genug kommen, daß man sich auch von der Landseite aus, z. B. von Mailand gegen Padua und Venedig sicher stellte: kurz, daß man mir den Rückweg in die Schweiz verbaute. — Trotzdem: ich glaube eigentlich daran, daß ich im entscheidenden Momente doch noch dorthin schlüpfe, — zuletzt hat man nicht zu viel Dinge lieb, und darunter ist, bei mir wenigstens, eine einzige Stadt.
Freilich: Venedig ohne Ihre Musik, lieber Freund! Es schmerzt mich durch und durch, wenn ich daran denke; Sie können nicht glauben, welche Wohlthat Sie mir seit Recoaro, Jahr für Jahr, erwiesen haben, und wie Nichts im Grunde mir diese Erleichterung gegeben hat, die meine Schwere und Schwermüthigkeit so nöthig hat —, als Ihre Kunst. Auch bleibe ich dabei, daß ich in Bezug auf Ihre Musik Recht habe: und nicht Herr Mottl, — dessen Urtheil ich mir zwar psychologisch zurechterklären kann, nimmermehr aber aneignen will! Einstweilen ist es die Wagnerei, die Ihnen im Wege steht; auch die deutsche Vergröberung und Vertölpelung, die seit dem „Reiche“ wächst und wächst. Wir müssen auf Mittel und Wege denken, uns zur Wehre zu setzen, daß man Sie und mich nicht mundtodt macht. Verzeihung, daß ich „mich“ dazwischen menge: aber die negativen Briefe deutscher Verleger geben mir den Eindruck, daß es jetzt bei mir so steht wie bei Ihnen, daß wir still unsre „Partituren“ in den Schrank legen. —
Und eine neue machen? Nicht wahr? Ich freue mich unbändig über Ihre korsische Dichter-Tapferkeit. Für die mitgetheilten kräftigen Verse tantissime grazie!
Was mein Manuscript angeht: so schwebt noch eine Verhandlung mit dem Berliner Verleger C. Heymons (d. h. Carl Duncker’s Verlag). Gesetzt, es wird auch da nichts ausgerichtet, nun, so hat es seine gute Seite für mich. Denn es ist ein erschreckliches Buch, das dies Mal mir aus der Seele geflossen ist, — sehr schwarz, beinahe Tintenfisch. Mir ist zu Muthe, als hätte ich irgend etwas „bei den Hörnern“ gepackt: ganz gewiß ist es kein „Stier“. — —
Wenn Sie einmal an Ihre trefflichen Leute nach Venedig schreiben: bitte, geben Sie ihnen zu verstehen, daß mir an zwei Dingen viel gelegen sei. Erstens, daß der Boden des Zimmers mit einem Teppich belegt werde: ich erkälte mich so leicht. Und dann: ein großer bequemer, gelehrter Lehnstuhl (in Frankreich sagt man für dies Möbel verständnißvoll „un Voltaire“). Eventuell kann man dergleichen miethen: natürlich auf meine Unkosten. —
Ihr Anerbieten, mir wieder bei der Correktur helfen zu wollen, ist herrlich. Geht Alles gut, so giebt es bei einander: Venedig, Druckbogen und Gondelei oder Spazierengehn an den Fondamenta nuove. Ich habe gerade sehr die Erholung und Stille nöthig. —
Ihnen und Ihren verehrten Eltern meine angelegentlichsten Grüße und Wünsche ausrichtend
Ihr
alter Freund
N.
691. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, immer noch in Nizza, wo mich die plötzliche Verhärtung und Verwinterlichung des Clima’s warten hieß: hinzugerechnet die schlechten Nachrichten über den Gesundheitsstand in Venedig. Ich bedarf der Erholung, wie lange nicht; es fehlt mir an Menschen, die sie mir schaffen könnten. Die Augen, Tag und Nacht schmerzhaft, verbieten Lesen und Schreiben. Das Letzte, was ich las, war Dr. Fuchsens Buch („Heft“? — lucus a non lucendo —) „rasend“ interessant und fein, ob ich schon mit allem Fundamentalen nicht einverstanden bin. Auch habe ich ihm gedankt. Rohde hat geschrieben, sehr bewegt über sein Fortgehn von Tübingen: wünscht mich diesen Mai in Leipzig zu finden, ebenso wie meine Mutter. Wir sind durch die letzten Nachrichten von meiner Schwester wieder besorgter, es scheint, daß sie das heiße Clima schlecht aushält. Ihr erster Brief, mitten aus dem Meere, Nähe der Cap Verdeschen Inseln, war heiter, ausgezeichnete Fahrt und Gesellschaft. Eine Schwester Deussens will hin. Eine hiesige Fabrik hat meine Fürsprache gesucht für Importe nach Paraguay: was mir très ridicule vorkam. — Was für ein schlechter Winter! —
Dein Freund
N.
692. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
drei Worte, vor allem des Dankes für Deinen guten Brief. Unsre Sorgen sind gemeinsam, im Grunde glaube ich, daß wir allesammt nicht für ein heißes Clima gemacht sind. Abgesehn von allen leiblichen Consequenzen ruinirt es den Muth und die Kraft des Willens: deshalb geht Dein krankes Thier in so kalte Sommerfrischen, die einem milden Nizzaer Januar zum Verwechseln ähnlich sind: — ich meine, weil unsereins viel Muth und Willenskraft nöthig hat.
Die letzte Zeit war sehr hart und schlecht für mich, eigentlich eine Tortur, bei der Alles, was sonst wohl thut, einem schwer fällt. Ärger über meine Verleger voran: es ist nichts mit Credner (obwohl ich heute noch einen letzten indirekten Versuch vermittelst eines Briefes an Heinze gemacht habe); es ist auch mit den andern Verlegern nichts, an die ich mich gewendet habe. Dies ist schlimm, in vielfachem Betracht; eine der Folgen die ich nur Deinethalb berühre, ist, daß mir die bestimmt erwartete Geldzuschuß-Summe für dies Jahr abgeht, — auf diese hin hatte ich ja die Reise zu Dir projektirt! Nun, warten wir ab, was wird.
Übermorgen gehe ich nach Venedig, will sehr still herumgehen und mich von der großen Angegriffenheit so gut es geht erholen. Vielleicht wohne ich im alten Zimmerchen des guten Köselitz (in Bezug auf welchen ich auch aus Deutschland eine neue abschlägige Antwort zu verzeichnen habe, vom Carlsruher Hofkapellmeister: es hat mich stark mitgenommen, weil ich hier gerade gewonnenes Spiel zu haben glaubte.
Meine Adresse ist zunächst:
Venezia (Italia)
poste restante
Andre Jahre, nicht wahr? machen wir ein kleines Rencontre auf halbem Wege; es scheint mir mit meinen Finanzen absolut unverträglich zu sein, eine Reise nach Naumburg hin und zurück auf mein Jahres-Budget zu setzen. Noch abgesehn von der Gesundheit: denn Du kannst nicht glauben, welche Überwindung ich wieder im vorigen Herbst nöthig hatte, um mir nicht die Melancholie eines Leidenden allzusehr anmerken zu lassen.
In herzlicher Liebe Dein Sohn
692a. An Sophie Vischer-Heusler in Basel (Entwurf)
Noch von meinem letzten Besuche in Basel, wo ich einen Vormittag in Ihrem Hause war (Sie selbst waren verreist) habe ich den Eindruck von dem tiefen Vertrauen zurückbehalten, welches wir, ich darf es wohl sagen, zu einander hatten.
Darf ich hinzufügen, daß es mir persönlich scheint als ob <ein> Stück meines eignen Leben<s> mit ihm zu Grabe getragen sei: er gehörte unter die M<enschen>, welchen ich viel Vertrauen und Entgegenkommen zu danken habe, in einem Lebensalter, wo man durchaus noch keinen Anspruch auf Beides zu erheben hat.
welche mich verpflichtet, Ihnen ein Zeichen meiner Trauer und meines tiefen Mitgefühls zu geben. Es werden selten Männer so betrauert wie Ihr ausgezeichneter Gemahl betrauert wird: von M<enschen> der verschiedensten Denkweisen und Bestrebungen, die aber alle einmüthig in dem Wunsche sind, einmal einen Nachruhm, wie er ihn hat, zu hinterlassen, als treue, wohlwollend-wohlthätige und unermüdliche Freunde alles Guten und Gerechten.
In meinem nächsten Briefe will ich meiner Schwester von Ihrem großen Leide Nachricht geben: über das Meer, wie Sie wissen werden.
693. An Sophie Vischer-Heusler in Basel
Liebe verehrte Frau Professor,
über Naumburg kommt diese außerordentlich schmerzhafte und überraschende Mittheilung zu mir, welche mich verpflichtet, auch meinerseits Ihnen ein Zeichen meiner Trauer und meines tiefen Mitgefühls zu geben. Es werden selten Männer so betrauert, wie Ihr ausgezeichneter Gemahl betrauert wird: von Menschen der verschiedensten Denkweisen und Bestrebungen, die aber alle einmüthig in dem Wunsche sind, einen Nachruhm, wie er ihn hat, zu hinterlassen, als treue, uneigennützige, wohlwollend-wohlthätige und unermüdliche Freunde alles Guten und Gerechten. Darf ich hinzufügen, daß mir persönlich ein Stück Leben und Vergangenheit mit ihm zu Grabe getragen wird, an welches ich gerne und mit vieler Dankbarkeit zurückzudenken habe: er gehörte zu den trefflichen Basler Collegen, die mir, in einer Lebenszeit, wo man noch wenig Anspruch auf Vertrauen machen darf und sich im Grunde erst zu „beweisen“ hat, mit einem unbedingten Vertrauen und hülfreich in Rath und That entgegengekommen sind, nach dem Vorbilde seines verehrungswürdigen und mir unvergeßlich theuren Vaters. Noch von meinem letzten Besuche, den ich ihm in Basel machte (vor zwei Jahren, Sie selbst waren verreist —) habe ich den Eindruck jenes tiefen Vertrauens zurückbehalten, welches wir, ich darf es wohl sagen, zu einander hatten.
In meinem nächsten Briefe will ich meiner Schwester von Ihrem großen Verluste Mittheilung machen, verehrte Frau Professor (über das Meer, Sie wissen ohne Zweifel von ihrer Übersiedelung nach Paraguay?); und ich weiß, daß sie mit Ihnen und mit mir auf das Schmerzlichste davon getroffen sein wird. Wenn ich selbst in diesem Jahre über Basel kommen sollte, werde ich mir die Freiheit nehmen, Ihnen mündlich zu wiederholen, was ich hier geschrieben habe,
als Ihr hochachtungsvoll
ergebener und sehr
betrübter Freund
Professor Dr. Nietzsche.
694. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Gestern Abend bin ich in Venedig eingetroffen, nach ein paar Wochen peinlicher Ungewißheit: deren Zeugniß auch eine Karte an Dich gewesen ist, lieber Freund. — Meine Verleger-Verhandlungen sind allesammt bisher gescheitert, unter nicht uninteressanten Umständen; einen letzten Versuch wird Heinze machen, — aber es steht hier wie mit Mottl’s Negativum: alle diese Herrn wollten gar zu gern, aber sie dürfen nicht. (Die öffentliche Meinung als Gewissen — ) Ich sitze im Neste des ausgeflogenen Singevogels: Adresse San Canciano calle nuova 5256.
695. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Lieber Freund, ich sitze hier in Ihrem Neste, ohne Sie, den ausgeflogenen Singevogel, irgendwie zu repräsentiren. Denn es geht mir nicht gut, meine Augen torturiren mich Tag und Nacht. Das Wetter ist glänzend klar und frisch, aber — ich darf nichts sehen, und Alles thut mir weh.
In summa: ich reise nächster Tage ab, über München nach Naumburg, um mich in einen Wald zu verstecken. Meine Adresse also Naumburg a.d.Saale: — auch für den Fall von Correkturbogen…
Ihre Leute hierselbst sind ausgezeichnet; es scheint mir, daß im Winter (wo das Licht nicht so intensiv ist) sich gut hier wohnen ließe.
Unter einem Concertprogramm las ich als Dirigenten Edoardo Sassone, warum nicht Enrico? — —
696. An Max Heinze in Leipzig (Entwurf)
tantissime grazie für die ganze Bemühung! Zuletzt glaube ich, daß es klug ist, Herrn Credner für dies Mal zu acceptiren quand même, — ich möchte gerade diesem Buche nicht durch einen schlechten Verleger-Namen geschadet wissen.
Geben Sie ihm also, wenn ich bitten darf, das Ms., zugleich mit beifolgendem Blatte, das meine Wünsche für die Druckerei enthält
Ich bin krank, ohne Gesellschaft, Tags und Nachts augenleidend: der letzte Punkt ist es, der mir widerräth in Venedig zu bleiben (wo es blendend klar, aber sehr frisch, beinahe kalt ist)
Auf Wiedersehn also in Leipzig oder — Tautenburg! —
697. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Um sofortige In-Angriffnahme des Drucks gebeten. Wöchentlich 3—4 Bogen.
Tiefes Schwarz, mir in H<insicht> auf meine l<eidenden> Augen dringend erwünscht.
Die letzte Correktur wird von mir und Hr. K<öselitz> besorgt: so daß zu gleicher Zeit 2 Abzüge an H. K<öselitz> und 1 Abzug an mich abgehn. Unsere beiden Adressen folgen anbei Zu Händen des Herrn Druckerei-Besitzers.
698. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, es geht nicht gut. Es ist in Venedig für mich nicht auszuhalten. Die Augen sind zu schmerzhaft — und es fehlt mir an Zerstreuung. Kurz, ich will dieser Tage zu Dir hin abreisen, höchstens daß ich mich in München ein wenig verzögere. —
Mit Credner wird es noch etwas, wenigstens scheint es augenblicklich so. —
Dies Mal hat Dein Sohn es recht nöthig, sich pflegen zu lassen.
In Liebe Dein F.
699. An Irene von Seydlitz in München
Verehrte Freundin,
nichts konnte liebenswürdiger sein als die Intention Ihres Briefes an mich, — der mich aufforderte, an mich selbst zu denken. Aber gerade das geht, wie es scheint, über meine Kräfte, Dank einer lebenslänglichen Verwöhnung: es gab in diesem Winter so viel Anderes zu denken, es lag so viel Anderes und lauter so Schweres auf mir, daß ich nicht einmal Zeit hatte, an mich zu denken, wozu Ihre Zeilen in der That die freundschaftlichste Aufforderung enthielten. Nehmen Sie das alles wörtlich, so verrückt es auch klingen mag. Aber ein Mensch wie ich ist in sein Problem — in seine „Aufgabe“, sagt man wohl? — gespannt wie in ein schönes alterthümliches Folterwerkzeug: hat man’s wieder einmal „überstanden“, nun, so ist man doch für eine längere Zeit kaput. Zum Beispiel jetzt: ein Manuscript mit dem bösartigen Titel „Jenseits von Gut und Böse“ ist das eine Resultat des Winters; das andre — liegt hier in Venedig, ich selber, jenseits vielleicht von Gut und Böse, aber nicht von Ekel, Langeweile, malinchonia und Augenschmerzen. —
Diesen Winter sah ich öfter einmal den Namen meines Freundes Seydlitz in der Neuen freien Presse oder anderswo — sehr siegreich, wie mir schien? — Ich glaube von einem Auftrage für Bologna gelesen zu haben? Dies gab mir die Vorstellung, als ob Sie miteinander vielleicht südliche Pläne planten. Und darf ich wissen, wo Sie sich vor der großen Hitze verstecken wollen? — Zuletzt bitte ich, nicht erstaunt zu sein, mich plötzlich einmal in München auftauchen zu sehn. „Durchreisendamente“, um italiänisch zu sprechen. Dies Jahr muß ich meiner Mutter etwas zu Hülfe kommen, daß sie den Verlust ihres andren Kindes nicht gar zu schwer trägt. — Übrigens sind die Nachrichten gut, die Seefahrt war glänzend. —
Seien wir guter Dinge! (Erste Bedingung des ewig-Weiblichen nach meiner façon: lachen-können, im Kopfe lauter dummes Zeug.)
Dankbar und ergeben
Ihr
Fridericus Nux Crux
Lux Dux etc.
700. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, gesetzt, daß die Gesundheit nichts dazwischen redet, will ich heute Nachmittag 1/2 6 von hier (München) mit dem Schnellzuge zu Dir mich auf den Weg machen. Das heißt: ich komme morgen ganz früh nach Leipzig (3 Uhr 53) und werde mit dem ersten Zuge nach Naumburg weiterreisen. Daß Du an der Bahn bist, möchte ich ganz und gar nicht: es ist viel zu früh und unbequem für Dich.
In Liebe Dein F.
Nein! Ich komme erst Donnerstag früh.
701. An Albert Erlecke in Chemnitz (Entwurf)
Geehrter Herr, ich bedaure, daß eine so rasche Erledigung Ihres Wunsches, wie Sie ihn durch Ihr Telegramm ausdrückten, ganz außerhalb der Möglichkeit lag. Mein Banquier verlangte vor Allem etwas über Sie und Ihre Verhältnisse in Erfahrung zu bringen; aus Ihrem Briefe war in Hinsicht auf ausreichende Bürgschaft und Sicherstellung des verlangten Geldes nichts zu entnehmen.
Ein früherer Brief, auf welchen Sie verweisen und der vielleicht darüber Mittheilungen enthielt, ist bedauerlicher Weise nicht in meine Hände gekommen. — So weit ich die Lage aus der Ferne beurtheilen kann, ist Herr Schmeitzner jetzt sehr gedrängt, seinen Verlag zu verkaufen: es ist wahrscheinlich, daß er Ihnen denselben auch noch zu einem geringeren Preise anbieten wird.
702. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Aber was sind sie für ein Mensch! Keine Antwort auf meine Briefe, nicht einmal der Empfang des Ms. wurde mir angezeigt, die Bedingung, die ich stellte (daß der Druck sofort beginne, — — —
Ich habe keinen Geschmack für bummlige Geschäftsleute, noch weniger für unhöfliche.
Sie machen es mir unmöglich, mit Ihnen weiter zu verkehren: und ich will froh sein, wenn ich — — —
703. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Ich bedaure, Ihnen erklären zu müssen, daß mir fürderhin mit Ihnen geschäftlich zu verkehren unmöglich ist. Sie haben mir auf meinen Brief aus Nizza <nicht geantwortet> und sich nicht einmal, wie ich es durch Hofrath H<einze> Ihnen zu verstehen gab, für dieses Versäumniß zu entschuldigen gewußt. Sie haben den Empfang des M<anuskripts> mir weder angezeigt noch die Bedingung, unter welcher ich dasselbe in Ihre Hände gab (sofortige und schleunigste Erledigung des Drucks) erfüllt. Endlich: Sie schweigen selbst auf mein dringliches Telegramm vom Sonntag: Gründe genug für mich, um hier ein Ende zu machen und anders über mein Ms. zu verfügen: Senden Sie dasselbe, wenn ich bitten darf, mit der nächsten Postgelegenheit nach Naumburg.
704. An Elisabeth Förster in Asuncion
Mein liebes Lama,
Alles, fast Alles, was Du mir gemeldet hast, klingt muthig und lustig: so daß ich meine Geburtstagswünsche dies Mal sehr abkürzen kann (wozu mich andererseits die Augen zwingen), — bleibe so, wie Du bist, muthig und lustig, und „laß Dich nicht aus der Fassung bringen“! Letzteres nämlich ist unsre Devise hierselbst, welche ich jeden Tag unsrer Mutter einige Dutzend Male bei möglichen oder unmöglichen Anlässen zurufe oder mir zurufen lasse. Wozu, wie Dir wohl schon mitgetheilt worden ist, in meinem Falle reichlich Anlaß vorhanden ist. Die Verlegernoth dauert nunmehr schon 3 Monate und ist auf dieselbe kostspielige, aber freiherrliche Manier endlich von mir abgeschüttelt worden, wie voriges Jahr. Von Venedig bin ich noch zur rechten Zeit losgekommen, inzwischen ist die Cholera dort in Blüthe getreten, und durch Land- und See-Quarantänen umzingelt. Wir hatten einen Hundtag-Hitz-Anfall im Mai, der mir wieder zu verstehen gab, wie es Dir wohl zu Muthe sein mag: aber es scheint mir, daß Du leichter Hitze erträgst als ich, — und wahrscheinlich ist Eure Luft nicht so dicklicht wie die Naumburger. Von Seydlitzens gute und liebevolle Briefe; zuletzt aus Berlin, wo der Japonisme triumphiren soll. Rohde habe ich in Leipzig im Colleg gehört: auch da aber sagte ich mir schließlich „ich tausche heute mit Niemandem mehr“. — Und Leipzig ist keine Zufluchts- und Ausruhestätte für mich, — so viel ist klar. Eher schon München: obwohl es erst zu probiren ist. — Um Nizza und Sils-Maria werde ich nicht herumkommen: die Zwischenakte, wo mir vor Allem menschlicher Verkehr noththut, als Kur, müssen noch erfunden werden.
So viel von mir, mein liebes liebes Lama! Deine Mittheilungen über alte Freunde, die den artigen Umweg über Paraguay gemacht haben, waren sehr dankenswerth. Ich denke, daß der tägliche Morgen-Genuß von Maté, welchem ich mich hier ergeben habe, ein gutes Anzeichen dafür ist, wie viel ich an Dich gedacht, auch wie gern ich von Dir gehört habe. Meinem trefflichen Schwager die wärmsten Grüße: ein Briefchen an ihn von Nizza aus wird schwerlich angelangt sein?
In getreuer Bruderliebe
Dein F.
705. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Geehrter Herr,
besten Dank für die übersandte Berechnung: ich gestehe, daß ich gehofft hatte, Sie würden einen noch geringeren Kostenpreis herausrechnen. Mit dem Papier bin ich einverstanden: es gefällt mir. —
Zuletzt bitte ich Sie angelegentlich, den Druck, so sehr es nur angeht, zu beschleunigen und jede Woche mindestens 3 Bogen fertig zu stellen. Den Grund sagte ich Ihnen schon: ich möchte nicht den Sommer verlieren, der zu einer größeren Ausarbeitung bestimmt ist, — vor der Beendigung des Drucks fehlt mir jene Freiheit und Unbekümmertheit, welche ein ganz neuer Gedankenkreis für sich in Anspruch nimmt. Alle produktiven Menschen haben es eilig.
Mit dem Ausdrucke persönlichen Vertrauens
Ihr
ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
706. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Telegramm)
Zusammenkunft sehr erwünscht. Vielleicht für eine Woche? Auenstraße 48 2.
Nietzsche
707. An Paul Heinrich Widemann in Bernsdorf (Postkarte)
Werther Freund, es wäre schön, wenn ich Sie hier in Leipzig zu sehen bekäme: ich bleibe noch bis Ende der Woche. Meine Wohnung ist Auenstrasse 48, 2. Etage rechts. Herr Köselitz ist gleichfalls hier, seit Sonntag. — Und wer weiß, wann eine solche gute Gelegenheit sich wieder anbietet! — Kommen Sie, wenn es irgend angeht!
Mit herzlichem Gruß und Wunsch
Ihr Nietzsche
708. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Das unnumerirte, mit drei Sternen bezeichnete Stück, welches jetzt den Anfang vom vierten Hauptstück macht („Ach, was seid ihr doch etc.“) soll von dieser Stelle weg und an das Ende des neunten Hauptstücks gerückt werden d. h. an den Schluß des Buches. Dort bekommt es die letzte Nummer und verliert seine Sternchen
Prof. Nietzsche.
Von jetzt ab die Correctur wieder wie zuerst für Herrn Köselitz nach Annaberg (Erzgebirge)
für mich Naumburg a/Saale.
709. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Geehrtester Herr, entgegen meiner gestrigen Mittheilung will ich heute melden, daß ich noch diese Woche hier in Leipzig bleibe, desgleichen Herr Köselitz.
Hochachtungsvollst
Prof Dr Nietzsche.
710. An Arthur Nikisch in Leipzig (Entwurf)
H<einrich> K<öselitz>, derselbe Componist, der vor 4 Jahren Ihnen sein Erstlingswerk „Scherz List und Rache“ vorlegte, bittet durch mich um die Erlaubniß, Ihnen seine zweite, wie er hofft, aufführbarere und in jeder B<eziehung> reifere Oper der Löwe von V<enedig> (fertig in Partitur und Klavierauszug) zusenden zu dürfen. Er legt großen Werth darauf, sein Werk in der Hand eines jener seltnen Interpreten zu wissen, welcher ein Herz auch für die heitere, südländische, mozartische Welt der Töne hat.
Er glaubt, Ihnen für die entschiedene Kritik, welche Sie damals hinsichtlich seiner Instrumentation übten, sehr dankbar sein zu müssen: hoffen wir, daß er sie sich gründlich zunutze gemacht hat! Ich selbst, wenn es erlaubt ist, das hinzuzufügen, lege den größten Werth darauf, dieses neue frohmüthige, selbst ausgelassene Werk — — —. Die Ouvertüre desselben ist 1885 mit ausgezeichnetem Erfolg in Zürich (in einem Tonhallen-Concert) aufgeführt worden.
711. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
ein paar Worte aus Leipzig, als späten Dank für Deinen Brief, der mich in Venedig erreichte. Es war gut, daß ich diesem Cholera-Neste entschlüpft bin, so unangenehm die Veranlassungen dazu waren. Es gäbe Viel zu erzählen, — aber schreiben? Nein! Es steht gar zu schlecht mit den Augen. Schmeitzner, wie ich gerade zur rechten Zeit erfuhr, gedachte mir einen schlimmen Streich zu spielen, nämlich meine ganze Litteratur an eine der schmutzigsten und anstößigsten Figuren des sächsischen Buchhandels zu verkaufen (der Betreffende ist mehrfach wegen Vertriebs obscöner Schriften bestraft, auch Socialdemokrat, anerkannt käuflich usw.) Mein Versuch, hier dazwischen zu treten, hat zum Mindesten die Sache etwas verschoben und hinausgeschoben. Ein Leipziger Verleger (nicht der völlig unzuverlässige und launenhafte Credner) verhandelt jetzt mit Schm<eitzner> über den Ankauf meiner Schriften (d. h. der Rest-Exemplare) — aber der unverschämte Schm<eitzner>, (der einen Begriff von meiner Nothlage hat und sie zu seinen Gunsten ausnützt) verlangt den unverschämten Preis von 12 000 Mark. —
Einen neuen Verleger für etwas Neues habe ich nicht aufzufinden vermocht: eine Menge peinlicher Erfahrungen in diesem Capitel hat mich zur Resignation gebracht. Im Grunde hat es mich fast ein halbes Jahr gekostet, dies Suchen, Warten und Enttäuschtwerden. Meine Schriften, sagte man mir in Leipzig, seien „Zukunftsmusik:“ was ich mir ad notam genommen habe. —
Sodann wurde nöthig, für Herrn Köselitz etwas zu thun, da, seitdem er selbst für sein Werk sich bemüht hat, Alles stecken geblieben ist. Hier in Leipzig habe ich wenigstens Eins erreicht — eine Privataufführung im Gewandhause vom letzten Werke K<öselitzen>’s (dem Septett) mit lauter ausgezeichneten Künstlern, den ersten Kräften des Gewandhaus-Orchesters. Der Erfolg war belehrend, wenn auch nicht angenehm — die Musik klang nicht gut, viel zu dick; ich meine, es ist die höchste Zeit, daß K<öselitz> in einer eigentlichen Musikstadt zu leben sich entschließt, um in Betreff der Orchestration zu hören und zu lernen. In Betreff der Oper verhandle ich eben mit Nikisch (ohne viel Hoffnung zu haben.) K<öselitz> brachte mir den fertigen Text der korsischen Oper mit („Marianna“ heißt sie) den er in Annaberg gedichtet hat. Doch war ich nicht im Stande, denselben zu billigen; so sehr der Muth anzuerkennen ist, mit dem er die Aufgabe gefaßt hat. Ein Jahr später wird er’s besser machen. —
Herr Widemann hat mich hier besucht: das ist ein tüchtiger achtbarer und feiner Mensch, obschon mir seine Philosophie einstweilen noch gründlich anfängerhaft vorkommt. Aber es ist etwas, so anzufangen. —
Aber Rohde! Ich fand ihn in der wunderlichsten Klemme, außer sich über die Dummheit, Tübingen verlassen zu haben und tief im Widerspruch mit Leipzig: so daß sein Entschluß, sich nach Heidelberg berufen zu lassen (was inzwischen formaliter geschehn ist) schließlich räsonabel war, faute de plus raisonable. Dies unter uns: obwohl ich glaube, daß heute das Definitivum der Sache da ist (die Rückantwort des sächsischen Ministers). — Die baierische Tragödie hat mich tief erschüttert, ich weiß etwas zu viel von ihren Voraussetzungen. —
In München gab es ein paar prächtige Stunden bei Deinen Verwandten. Der Sommer wahrscheinlich in Sils-Maria. In Kürze eine Karte darüber.
In alter Liebe Dein
Nietzsche.
712. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Lieber Freund, bitte, die Bogen immer noch hierher (Leipzig, Auenstraße 48 II) zu senden. Wenigstens diese Woche will ich noch bleiben, da das Wetter zu frisch ist, um ins Gebirg zu gehn. Können Sie nicht über Reitzenhain etwas erkundschaften? Wie die Ernährung sei? Ob Wald unmittelbar dabei? Was für Wege? Wo die Unterkunft am rathsamsten?
Für unser Zusammensein Ihnen meinen herzlichsten Dank aussprechend
Ihr Freund Nietzsche.
Gesundheit erst heute sich zum Bessern wendend.
— Vergessen Sie, bitte, das Clavier-Arrangement nicht: „durch diese Pforte muß er kommen“, nämlich der Erfolg.
713. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, es ist immer noch zu frisch, um ins Gebirge zu gehn. Diese Woche bleibe ich wohl noch hier. Was ankommt, bitte, umgehend hierher senden! — Freitag war die Musikaufführung im Gewandhaus. Sonnabend und Sonntag war ich heftig krank. Heute besser. Hr. K<öselitz> ist abgereist. Dankbar unsres letzten Zusammenseins eingedenk!
Dein Sohn.
Schm<eitzner> will 12000 M. für meine Bücher: das ist Herrn Fr<itzsch> zu viel. — Schm<eitzner> war zu diesem Zwecke schleunigst hierher gereist.
714. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Lieber Freund, schönsten Dank für Ihre Auskunft: der Prospect (den ich alsbald zurücksende, zusammen mit einem sehr lesenswürdigen Stück Alfieri’s) belehrte mich ausreichend und ersparte mir die Reise (— es ist dort zu theuer für mich —).
Morgen Abend will ich fort nach Sils-Maria! Den nächsten Bogen (den zehnten — der heute Abend abgeht) erbitte ich mir nach Chur (Schweiz) poste restante.
Bei Fritzsch ist Ihr Csardàs angelangt.
Leben Sie wohl, nämlich heiter und tapfer, als alter Ritter des gai saber und empfehlen Sie mich Ihren verehrten Eltern.
Ihr Freund N.
Rohde zum Geheimen Hofrath ernannt. —
715. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, darf ich Dich bitten, morgen (Sonntag) hierher zu kommen und mir die Abreise zu erleichtern? Auch den Koffer mitzubringen, gepackt und geschnürt? Insgleichen ein Nachthemd (denn seit 3 Wochen habe ich immer noch dieselben schrecklichen Sträflings-Hemden) Es versteht sich, daß Deine Reisekosten Dir nicht zur Last fallen dürfen!
Ich werde Dich auf der Bahn empfangen, (c. 11 Uhr) und wir essen dann im Panorama.
In herzlicher Liebe Dein
Sohn.
Auch den kleinen Litteratur-Kalender von 1885 mitbringen! Im Cabinet auf dem Bücherbrett liegend, so viel ich mich erinnere — ein kleines Büchlein, vorne das Bild Gottfried Kellers.
716. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, übermorgen hoffe ich in Sils-Maria zu sein. Habe die alte Gewogenheit, mir dahin das Geld zu senden, in der alten Form.
In alter Treue
Dein Fr. Nietzsche.
717. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe gute Mutter,
in Chur bin ich angekommen, wie billig, nach der ungeheuren Anstrengung, krank. Auch jetzt noch Kopfschmerz. Doch habe ich schon einen wundervollen langen Waldspaziergang in stärkender Gebirgsluft gemacht. Die Reise war trefflich in Scene gesetzt: ich kann Dir nicht genug für Deine Gegenwart und Hülfe dabei danken. Im Grunde war es so ganz in Ordnung, daß ich zu Dir kam, für diesen Frühling. Aber ein anderes Mal müssen wir’s umgekehrt verabreden, nicht wahr? meine liebe liebe Mutter!
Mit dem herzlichsten Danke
Dein F.
Adresse: Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz.
718. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Lieber und werther Herr,
es versteht sich von selbst, daß ich gegen alle Annäherungs-Versuche des Schm<eitzner> unzugänglich bin: er hat mir beifolgenden Brief geschickt, insgleichen ein Telegram<m> desselben Inhalts. Wie er auf den absurden Gedanken gekommen ist, daß ich selbst meine Bücher zurückkaufen soll, weiß ich nicht: was er von einem Angebot von 1000 M. Ihnen gesagt hat, ist vollständig erdichtet. — Bis jetzt habe ich natürlich geschwiegen: falls Sie es wünschen sollten, daß ich ihm es noch einmal schriftlich gebe, wie ungereimt sein Vorschlag mir vorkommt, so stehe ich Ihnen damit zu Diensten. —
Im vorigen Herbst hatte ich in der Voraussetzung, daß es nur noch einen ganz kleinen Rest von „Menschl<iches> Allzumenschl<iches>“ gebe, bei ihm angefragt, was er dafür wolle. Darauf erfuhr ich die erhebliche Zahl der vorhandenen Exemplare, — er wollte sie mir für 2500 M. ablassen: womit unsre Verhandlung zu Ende war. Credner war es (nicht ein „Freund“) der daran gedacht hatte, die Restexemplare aufzukaufen und eine neue Auflage zu veranstalten. Dies unter uns.
Es wäre mir ein großer Stein vom Herzen, wenn meine Litteratur erst glücklich in Ihren Hafen eingeschifft ist! Hoffentlich können Sie mich baldig mit dieser Nachricht beglücken.
Mit herzlichem Gruß
Ihr
ergebenster
Prof Dr Friedrich Nietzsche
NB. Vergleichen Sie einmal die Ziffern der Exemplare mit der Ihnen gegebnen Liste. Es scheint mir nicht Alles zu stimmen.
NB. Ich erzählte Ihnen, daß jener Erlecke von mir Geld haben wollte — und daß, als ich mich erkundigt hatte, wer das sei, ich [+ + +] gen. F. N.
719. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Helfen Sie, lieber Freund, auch hierin — C. G. Naumann schickt mir beifolgenden Entwurf einer Anzeige meines Buchs für das Buchhändler-Börsenblatt. Bitte, machen Sie eine kleine Redaktion und Verbesserung; ein paar signifikantere Ausdrücke sind zu finden, — ich selbst bin dazu ganz unfähig und ungeduldig. Auch will ich’s gar nicht wieder sehn: Sie, lieber Freund, ersparen mir’s, meine eigne Reclame machen zu müssen, nicht wahr? —
— Daß man mich mit meinen Titeln nennt, ist vielleicht für die Sortimenter ganz in Ordnung. Natürlich fehlen sie auf dem Titelblatte.
— Die drei letzten Abschnitte haben als Überschrift:
Völker und Vaterländer.
Was ist vornehm?
Aus hohen Bergen. Nachgesang.
— Inzwischen meinen ergebensten Dank für Brief und Correkturen-Eifer: in der That kommt Ihre Sendung immer nur ein Paar Stunden später als die Naumann’s an mich: — was kaum mit rechten Dingen zugeht.
Hübsch kalt, herrliche Natur, „Ruhe, Größe, Sonnenlicht“ - - -
Bitte, theilen Sie (bei Gelegenheit der Sendung an Naumann) ihm mit, daß ich mit allen seinen Vorschlägen einverstanden bin.
In alter Treue
Ihr Freund N.
720. An Franz Overbeck (Entwurf)
Auch ich, mein lieber Freund, hätte sehr gern das Jahr Dich wiedergesehn; aber ich sehe schon, daß es nichts wird. Mein Wille, den Sommer etwa in Thüringer Wald, den Herbst in M<ünchen> zu verleben, scheiterte an der force majeur<e> (oder mineur<e>) meiner Gesundheit. Es war bis jetzt eine lange Geduldsprobe; ich habe, wie ich glaube, nicht dabei gemuckst; aber jetzt spüre ich die schrecklichen Strapatzen und ihre Nachwirkungen: statt mich zu erholen, wie ich’s nöthig hätte, habe ich mich mit diesem deutschen Aufenthalt heruntergebracht
Fritzsch und Schm<eitzner> haben sich bisher nicht geeinigt. Dieser Tage hat Schm<eitzner> mir direkt den Antrag gemacht, ich sollte meine Litteratur für 12500 Mark abkaufen; insgleichen wollte Erlecke Geld von mir, um die Bücher an sich zu bringen. Kurz, es ist noch die alte Confusion, zu der ich stillschweige und warte. Die schändliche Vernachlässigung, der ich seitens Schm<eitzner> ausgesetzt gewesen bin, ist jetzt in volles Licht gerückt: er hat seit 10 Jahren kein Exemplar von mir an die Sortimenter vertheilt, er hatte nicht einmal ein Leipziger Commissionslager, er hat keine Anzeige gemacht, kein Redaktionsexemplar vertheilt: die Bücher (von M<enschliches,> Allzu<menschliches> an) sind immer noch nicht herausgegeben.
Meine Verhandlungen mit allen möglichen Verlegern haben mir schließlich einen einzigen Ausweg gezeigt, den ich jetzt gehe. Ich mache den Versuch, etwas von mir erscheinen zu lassen, auf meine Unkosten: gesetzt, es werden dreihundert Exemplare verkauft, so habe ich die Kosten heraus und kann eventuell das Experiment wiederholen. Die Firma C. G. Naumann giebt ihren sehr achtenswerthen Namen dazu her (es steht also darauf Verlag von C<onstantin> G<eorg> N<aumann>) Dies strengstens unter uns. Hoffentlich wird das Buch bald fertig, so daß es Dich in Deiner Sommerfrische beglücken kann, wobei ich bemerke, daß es auch noch in einem peinlich frischen Klima als sehr frisch empfunden werden dürfte.
Den Gedanken, mich ein paar Monate zur Erholung jedes Jahr in Deutschland aufzuhalten (z. B. in München) habe ich wieder zurückgelegt: und München hat nicht aufgehört, mich auf die liebenswürdigste Weise an sich zu locken: Seydlitzens, mit denen ich nach langjähriger Erfahrung herzlicher und näher stehe als je; insgleichen der ausgezeichnete Aquarellist Hans Bartels mit Frau, welche meine Installation in die Hand nehmen wollen; letzterer schrieb mir kürzlich von Schloß Berg, wie sehr sich Levi darauf freue, mich einmal den Winter über in M<ünchen> zu haben. Bei einer Jagd auf gute originelle Bücher bin ich wiederum auf etwas Münchnerisches gestoßen: auf Nägelis <Mechanisch-physiologische Theorie der> Abst<ammungslehre> (ein von den Darwinisten scheu bei Seite gelassenes Werk) etwas anderes eben daher: die Anthropogeographie <oder Grundzüge der Anwendung der Erdkunde auf die Geschichte> habe ich mir auch mitgenommen, doch nicht um mich damit lustig zu machen (er gehört dem Kreis der Gregorovius, Moritz Wagner und dergl. großthuerischen Mittelmäßigkeiten, die einander furchtbar bewundern und anräuchern)
ich muß bekennen, daß es nicht allein die klimatische Unzuträglichkeit ist, die mir jenen Plan widerräth. Ich habe Niemanden daselbst, der einen Begriff davon hätte, worum es sich bei mir handelt; und noch abgesehn von dieser Entbehrung persönlicher Sorgfalt und delicatezza, die mir es erlauben könnte, zu sein, was ich bin — wie es zur Erholung nöthig ist —, weiß ich noch weniger Jemanden, mit dem ich meine sehr unpersönlichen Sorgen und Probleme gemein hätte.
Das Leben in Deutschland ist gänzlich unzuträglich: es wirkt vergiftend und lähmend auf mich, und meine Menschenverachtung wächst jedes Mal dort in gefährlichen Proportionen, sobald ich mit „Gebildeten“ in Berührung komme. Besonders nachtheilig das Leben an den deutschen Universitäten, dem ich wieder einmal zugeschaut habe. Wirklich lieber Freund, wenn Du auch keineswegs zu beneiden bist, so bist Du doch zum Mindesten mit Deiner Lage nicht zu bejammern: sie hat etwas Feines und Vorsichtiges an sich. — —
Seit ich fort bin, habe ich eine lange Gedulds-Probe durchgemacht, die ich sobald nicht wiederholen darf. Abgesehen vom Verkehr mit meiner Mutter, die ich heiter und selbstgewisser als je in ihrem hübschen Neste wiederfand (es giebt lauter gute und glänzende Nachrichten von Südamerika) gab es kein Erlebniß und Entgegenkommen, das mich nicht gedemüthigt hätte — oder vielmehr, das mich nicht hätte demüthigen müssen, wenn ich jetzt noch leicht umzuwerfen wäre.
In einem falschen Milieu leben, seiner Lebensaufgabe ausweichen (was ich that so lange ich Philologe und Universitätslehrer war) richtet mich physisch unfehlbar zu Grunde; und jeder Fortschritt auf meinem Wege hat mich der Gesundheit auch im leiblichsten Sinne näher geführt. Jede Reise nach D<eutschland> war bisher aus dem angeführten Grunde ein Rückfall, eine Schwächung meiner Kräfte: leider waren solche Reisen aus diesem und jenem Grunde immer nöthig. Mit meiner letzten (deren schlimme Nachwirkung ich noch nicht überwunden habe) bin ich andrerseits zufrieden, weil mehreres durch dieselbe, wenn nicht in Ordnung, so doch in Klarheit gebracht worden ist — und weil von nun an solche Reisen mir erspart bleiben dürfen. Zwar hat Fr<itzsch> sich noch nicht mit Schm<eitzner> verständigen können: aber vielleicht kommt es noch dazu da F<ritzsch> großen Werth darauf zu legen scheint, den ganzen N<ietzsche> so wie den ganzen W<agner> in seinem Verlag zu haben (eine Nachbarschaft, die auch mir von Grund aus wohl thut; denn Alles in Allem gerechnet, war W<agner> der Einzige, mindestens der Erste, der ein Gefühl davon gehabt hat, worum es sich bei mir handelt. (Wovon z. B. Rohde zu meinem Bedauern nicht die blasseste Vorstellung hat, geschweige denn ein Gefühl von Pflicht gegen mich) In dieser Universitäts-Luft entarten die Besten: ich fühle fortwährend als Hintergrund und letzte Instanz selbst bei solchen Naturen wie R<ohde> die allgemeine verfluchte Wurschtigkeit und den vollkommnen Mangel an Glauben. Davon daß Einer wie ich diu noctuque incubando von Kindesbeinen an zwischen Problemen lebt, über die man schweigt und denen man gern entlaufen möchte, wer hätte dafür ein Mitgefühl? Wagner hatte es; und deshalb war Tr<ibschen> eine solche Erholung für mich; während ich jetzt keinen Ort und keinen Menschen habe, die zu einer Erholung taugten.
721. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
auch ich hätte dieses Jahr sehr gern Dich wiedergesehn: aber ich sehe schon, daß es nichts wird. Mein Wille, den Sommer über im Thüringer Wald, den Herbst in München zu verleben, scheitert an der force majeure (oder mineure) meiner Gesundheit. Das Leben im jetzigen Deutschland ist mir gänzlich unzuträglich, es wirkt vergiftend und lähmend auf mich; und meine Menschenverachtung wächst jedes Mal dort in gefährlichen Proportionen. Mit Deinem guten Willen zum „Außerhalb“ und „a parte“, wie er deutlich aus Deinem Plane der Wohnungsveränderung hervorgeht, bin ich deshalb gründlich einverstanden: Deine Lage in Basel, wahrlich nicht zu beneiden, aber mindestens auch nicht zu bejammern, hat etwas Vorsichtiges und Feines, das Du nicht leicht wo anders wieder finden könntest. Schade, daß dieser Ort mir klimatisch so unmöglich ist: denn mit wem redete ich jetzt lieber meine Dinge als mit Dir und Burckhardt? Auch bin ich wirklich den Baslern gewogen: und es freut mich immer, einem Basler zu begegnen (wie es dieser Tage wieder der Fall war: und jedes Mal fällt mir auf, wie imprägnirt mit dem Burckhardtschen Geiste und Geschmacke alles ist, was von dorther kommt: natürlich vorausgesetzt, daß etc. etc.) Zuletzt aber danke ich Gott (richtiger: meiner Krankheit, und, zu einem sehr guten Theile, Dir, lieber Freund!) daß ich nicht mehr dort bin. In einem falschen Milieu leben und seiner Lebensaufgabe ausweichen, wie ich es that, solange ich Philologe und Universitätslehrer war, richtet mich physisch unfehlbar zu Grunde; und jeder Fortschritt auf meinem Wege hat mich bisher auch der Gesundheit im leiblichsten Sinne näher gebracht. Jede Reise nach Deutschland war deshalb bisher immer ein Rückfall, eine Schwächung meiner Kräfte: leider waren solche Reisen aus diesem oder jenem Grunde immer nöthig. Mit meiner letzten (deren schlimme Nachwirkungen ich bis jetzt noch nicht überwunden habe) bin ich andererseits zufrieden, weil Mehreres durch dieselbe, wenn nicht in Ordnung, so doch in Klarheit gebracht worden ist (und weil, hoffentlich, solche Reisen nunmehr immer seltner werden dürfen —) Meine Mutter fand ich, zu meiner großen Beruhigung, heiterer, thätiger und selbstgewisser als je in ihrem hübschen Neste: wir wollen uns kleine Rendezvous’ vereinbaren, etwa in der Schweiz, da gegen Naumburg leider sich das Gleiche einwenden läßt, wie gegen Basel — es ist mir nachtheilig, von Kindesbeinen an) Beiläufig: mein Zukunftsort wird wahrscheinlich, für Frühling und Sommer, Göschenen sein.
Fritzsch hat sich bisher noch nicht mit Schm<eitzner> verständigen können, aber vielleicht kommt es doch noch dazu, da F<ritzsch> großen Werth darauf zu legen scheint, den „ganzen Nietzsche“, so wie den ganzen Wagner in seinem Verlag zu haben: eine Nachbarschaft, die auch mir von Grund aus wohlthut. Denn, Alles in Allem gerechnet, war R<ichard> W<agner> der Einzige bisher, mindestens der Erste, der ein Gefühl davon gehabt hat, was es mit mir auf sich habe. (Wovon z. B. Rohde, zu meinem Bedauern, auch nicht die blasseste Vorstellung zu haben scheint, geschweige denn ein Gefühl von Pflicht gegen mich.) In dieser Universitäts-Luft entarten die Besten: ich spüre fortwährend als Hintergrund und letzte Instanz, selbst bei solchen Naturen wie R<ohde> eine verfluchte allgemeine Wurschtigkeit und den vollkommnen Mangel an Glauben zu ihrer Sache. Dafür, daß Einer (wie ich) diu noctuque incubando von frühester Jugend an zwischen Problemen lebt und da allein seine Noth und Glück hat, wer hätte dafür ein Mitgefühl! R. Wagner, wie gesagt, hatte es: und deshalb war mir Triebschen eine solche Erholung, während ich jetzt keinen Ort und keine Menschen mehr habe, die zu meiner Erholung taugten. — Meine Verhandlungen mit allen möglichen Verlegern haben mir schließlich einen einzigen Ausweg gezeigt, den ich jetzt gehe. Ich mache den Versuch, etwas auf meine Unkosten erscheinen zu lassen: gesetzt, es werden 300 Exemplare verkauft, so habe ich die Kosten heraus und kann das Experiment eventuell wiederholen. Die Firma C. G. Naumann giebt ihren sehr achtungswerthen Namen dazu her. Dies unter uns. Die Vernachlässigung durch Schm<eitzner> war ungeheuer: seit 10 Jahren keine Exemplare an Sortimenter vertheilt, ebensowenig Redaktionsexemplare; nicht einmal ein Commissionslager in Leipzig; keine Anzeigen, — kurz, meine Schriften von „Menschliches Allzumenschliches“ an, sind „anecdota“. Von „Zarathustra“ sind je 60—70 Exemplare verkauft etc. etc. Schm<eitzner>’s Entschuldigung ist immer: daß seit 10 Jahren keiner meiner Freunde mehr den Muth habe, für mich einzutreten. Er will 12500 Mark für meine Schriften. Die Deinigen hofft er in Dresden zu verkaufen, wie Fritzsch erzählt. — Geld glücklich angelangt.
In Treue Dein Freund
N.
Köselitz kündigt mir eben, als sehr wahrscheinlich, für Herbst seine Übersiedelung nach Nizza an; dasselbe that, vor ein paar Wochen, Herr Lanzky. Bis Mitte September bleibe ich hier, wo es nicht an alten Bekannten fehlt, die Mansouroff, die 2 Fynn’s, Miss Helen Zimmern u.s.w. u.s.w. Aus München die 2 Gräfinnen Bothmer. Bitte, laß Schm<eitzner> nichts davon merken, daß ich von seinen Verhandlungen mit Fritzsch weiß, ebenso vom schlechten Rufe des Ehrlecke: er benutzt dergleichen als Pressionsmittel gegen mich. Er will nämlich, daß ich selbst ihm die Bücher abkaufe (Brief letzter Woche)
722. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Hier, meine liebe Mutter, ist der Brief vom Lama. Beachte die angestrichnen Stellen. — Eben kam Deine Karte, schönsten Dank! Inzwischen war ich immer noch krank, unzufrieden und geistig gehemmt, auch schlecht genährt: doch habe ich jetzt etwas, das mir gut zu thun scheint — ich esse Ziegenkäse und trinke Milch dazu (Was meinst Du? ist 50 Pfennige für ein Pfund Käse theuer?) Dann habe ich 5 Pfd. Malto-Leguminose von der Fabrik bestellt: was heute ankommen wird. Lassen wir also jetzt den Schinken (denn nach der bisherigen Erfahrung hier oben bekommt er mir nicht zum Besten; auch möchte ich nicht gern noch mehr Fleisch essen) Ebenso laß die Suppentafeln: alles Kochen ist mir zu mühvoll, und, wie gesagt, ich habe Malto-Leguminose bestellt: Aber trotzdem, bitte, ein kleines Freßkistchen mit etwas Hübschem, zur Abwechslung.
Mit Fritzsch und Schmeitzner ist die Sache stecken geblieben. Es ist ein Jammer. —
Gestern haben mir meine Damen einen delikaten mit saurer Sahne angemachten Quark geschickt, nach russischer Manier, nebst 2 schönen Grahambroden. —
Köselitz schreibt, er hoffe es durchzusetzen, daß er im Frühherbst nach Nizza übersiedele: was mich sehr erbaut hat. Ich möchte dort gerne ein kleines Heim haben. Wer weiß, vielleicht versorgt mich meine alte Mutter noch mit ihrer angenehmen Russin.
Auch Hr. Lanzky schreibt, er habe ein Paar hundert Francs gespart, um mit mir den Winter in Nizza leben zu können. Wirklich, ich freue mich zum ersten Male auf Nizza. — Ich glaube nicht, daß es mit Sils-Maria so fortgeht. Andere Jahre muß ich etwas probiren, dies Jahr will ich mich noch nach der Decke strecken. —
Dankbar und herzlich eingedenk
Dein alter Philosoph und Sohn.
723. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Sehr geehrter Herr,
für die Rückseite des Umschlags soll beiliegendes Manuskript gelten: ich bedaure, ein kleines Mißverständniß des Herrn K<öselitz> nicht rechtzeitig erledigt zu haben. Es liegt mir augenblicklich etwas daran, daß der Name Schmeitzner’s auf diesem Umschlage nicht vorkommt: wahrscheinlich ist er auch jetzt bereits nicht mehr der Besitzer jener älteren Bücher, sondern hat sie verkauft. Könnte der neue Besitzer (ein Leipziger Verleger) bereits genannt werden, so wäre es mir nicht unerwünscht* (etwa in dritter Zeile); nothwendig ist es nicht. —
Diese Umschlag-Seite soll nicht den Eindruck eines Angebots und einer Aufforderung zum Kaufen machen; vielmehr den einer Mittheilung meinerseits. Ich ersuche also um kleinere und bescheidenere Lettern. (Doch würde ich gern auch eine Probe mit den bisherigen Lettern sehn —)
Was das Titelblatt betrifft: so würde mir es mehr gefallen, wenn die schwarze Randlinie ganz wegbliebe, und die Worte Jenseits von Gut und Böse dadurch mehr Raum bekämen (Die Lettern, mit denen fröhliche Wissenschaft auf dem Titelblatt des gleichlautenden Werks gedruckt ist, könnten vielleicht auch hier am Platze sein?) Die Lettern und Spatien der anderen Worte („Vorspiel einer Philosophie der Zukunft. Von Friedrich Nietzsche usw) scheinen mir sehr passend gewählt: doch würde man erst noch zuzusehn haben, wie sie sich unter dem veränderten Jenseits von Gut und Böse ausnehmen. Dies Alles sei Ihrer Sorgfalt anempfohlen! —
Schließlich bitte ich, unter die Vorrede nicht nur zu setzen „Sils-Maria, im Juni 1885“, wie im Manuskript steht, sondern, deutlicher:
Sils-Maria, Oberengadin
im Juni 1885 (Letzteres ganz klein!)
Ihnen und Ihrem Herrn Bruder mich angelegentlich empfehlend
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
NB.
— Sie senden mir gefälligst eine Probe des Titelblatts und Umschlags nach den hier gemachten Vorschlägen? — Oder ein Paar verschiedene Proben?
724. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
es macht mir große Freude, daß Sie auch meinem neuesten Buche Geschmack abzugewinnen wissen: freilich werden Sie damit sehr vereinzelt bleiben — aber ich habe doch den Trost, gelegentlich einmal sagen zu können „wenn Ihr Anderen nichts an meinen Schriften habt, so liegt es wahrscheinlich daran, weil Ihr nicht genug für dieselben gethan habt!“ Was für Noth haben Sie dagegen schon durch mich gehabt, mein werther Verbesserer, Orthograph und Mitarbeiter! Es ist mehr als billig, daß Sie meine Dinge besser zugänglich finden als irgend jemand: dafür sind Sie ihnen auch mehr entgegengekommen als alle meine Herrn Freunde!
Die Schwierigkeit, die es dies Mal für mich hatte, zu reden (noch mehr: den Ort zu finden, von wo aus ich reden konnte), nämlich unmittelbar nach dem „Zarathustra“, werden Sie mir reichlich nachgefühlt haben: aber jetzt, wo das Buch ziemlich deutlich vor mir steht, scheint es mir, daß ich die Schwierigkeit ebenso schlau als tapfer überwunden habe. Um von einem „Ideal“ reden zu können, muß man eine Distanz und einen niedrigeren Ort schaffen: hier kam mir der früher vorbereitete Typus „freier Geist“ trefflich zu Hülfe. —
So viel von mir. Nun aber Ihre Andeutung in Betreff einer Zukunft „da unten“: nein, was mich dieser Gedanke froh macht! — und mindestens ebenso sehr per se als etwa per me (was Sie mir glauben müssen!). Mitte September gehe ich von hier aus nach Genua, um, zusammen mit dem braven und herzensguten, aber ein wenig melancholischen Lanzky, erst Rapallo und Santa Margherita, dann die Umgebung Genua’s, dann Alassio und andre kleine Riviera-Orte sorgfältig zu besichtigen und, je nach dem, an einem derselben hängen zu bleiben oder in Nizza zu landen. Für den Fall, daß Sie Ihrerseits den gleichen Gang machen, stehen wir natürlich zur Disposition; aber vorausgesetzt, daß Ihnen eine einsame Besichtigung der genannten Orte räthlicher scheint, würde ich mir erlauben, Ihnen ein Paar Adressen für billige Standquartiere zu senden. In Rapallo zb. (von wo aus Sie Santa Margherita und Portofino studiren können) das billige kleine Albergo della posta, ganz am Meere, in dem der erste Theil Zarathustra niedergeschrieben wurde. Ah, welche Freude wäre es für mich, den Cicerone dort und in Genua machen zu dürfen — und alle meine modesten Trattorien müßten Sie probiren! Und auf den düsteren Bastionen stiegen wir herum, und tränken, auf meinem Belvedere in Sampierdarena, ein Glas Monteferrato! Wirklich, ich weiß nichts, worauf ich mich so sehr freuen könnte. Es ist ein Stück meiner Vergangenheit, dies Genueser Stück, vor dem ich Respekt habe… es war furchtbar einsam und streng. —
Lanzky schreibt, am Schluß des letzten Briefs: „ach, was ich durstig bin nach Licht und Meer und tiefer Stille zu Zweien und kindlicher Freude am Einfachen!“ — ein sehr frommer Wunsch bei einem älteren Menschen. —
Hier, in Sils, bin ich noch nicht recht in Ordnung: die Gesundheit verträgt diese kolossalen Sprünge nicht. Auch occupirt der Druck des Buchs mich bis ins Lästige; eine wirkliche Freiheit (und die Erlaubniß, etwas Neues zu denken) giebt es erst mit dem ersten fertigen Exemplare. Also vielleicht in drei Wochen. Für die 4te Umschlag-Seite habe ich eine andre Disposition treffen müssen (— die Verständigung zwischen Schm<eitzner> und Fritzsch ist hoffentlich sehr bald erreicht: vorausgesetzt, daß Schm<eitzner> nichts davon erfährt, inwiefern ich bereits über Fritzschens Absichten unterrichtet bin).
— Komisch! Man hat gut sich wehren gegen Frauen-Emancipation: schon ist wieder ein Musterexemplar eines Litteratur-Weibchens bei mir angelangt, Miss Helen Zimmern (als welche die Engländer mit Schopenhauer bekannt gemacht hat), — ich glaube sogar, sie hat „Schopenhauer als Erzieher“ übersetzt. Natürlich Jüdin: — es ist toll, wie sehr diese Rasse jetzt die „Geistigkeit“ in Europa in den Händen hat (— sie hat mich heute des Längeren schon über ihre Rasse unterhalten). —
— Seien Sie nicht böse, aber Ihr herrliches Adagio hat sich bei mir inzwischen umgetauft: nicht mehr solenne, sondern adagio amoroso. Ich will schwören, daß dies Epitheton nicht nur ornans ist. —
— Die beiden Engländerinnen, die alte Mansouroff, und 2/3 der vorigen Sommer-Gesellschaft von Sils ist wieder da. Inzwischen habe ich aber Göschenen in’s Auge gefaßt, für andere Jahre. Sie werden daran vorbei müssen: Station des Gotthardtunnels. Vielleicht sehen Sie sich’s an? —
In herzlicher Gesinnung
Ihr Freund N.
725. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
wenn es mir nur etwas besser gienge! Da würde ich mich auch viel hübscher für Deine allerliebste Hutschachtel bedanken, die des Guten so viel enthielt! Aber ich weiß nicht was machen: beständig magenkrank beständig indisponirt und nervös, schlecht schlafend, augenleidend, geistig müde, — ob schon bei alledem von gutem Aussehen. Es fehlt mir hier die rechte Ernährung, die ich in Nizza habe, ebenfalls das rechte Zimmer mit gutem Lichte, ebenfalls die rechte Gesellschaft: wiewohl in letzterer Hinsicht ich es eigentlich überall ungenügend habe. Man behandelt mich hier recht artig, voran meine Hausleute, welche im Namen der kleinen Adrienne sich schönstens bedanken. Dann die guten Fynns und die alte dies Mal sehr leidende und schwache Russin; dann ist auch ein sehr gescheutes Litteratur-Weibchen da, aus London, Miss Helen Zimmern, welche das Verdienst hat, Schopenhauern in England eingeführt zu haben; dann aus München 2 Gräfinnen Bothmer, dann aus Basel die Schwester von Prof. Andreas Heusler; aus Leipzig wird Prof. Leskien erwartet, mit Dr. Brockhaus — und noch eine Menge Menschen, die alle zum zweiten, dritten oder zehnten Male hier sind. Auch hat mich der alte General Simon mit Tochter besucht; während ich noch keinen Schritt weit von Sils weggekommen bin, von wegen der blendenden und staubigen Landstraße, die von hier nach St. Moritz führt: meine Augen habens mir bisher absolut verboten, dorthin zu gehn, obschon ich gerne Frau Wehmann (der Schwester Claire’s) meinen Besuch machen möchte, insgleichen meiner Tischnachbarin vom letztjährigen Nizzaer Winter. Deine Torte ist wunderschön gerathen, ich trinke Milch dazu, auch der Honig labt mich; und mit dem Halsbande hast Du sehr meinen Geschmack getroffen — nimm meinen besten Dank, meine alte gute Mutter! Neulich habe ich nicht genug mein Erstaunen ausgedrückt über Deinen kühnen Angriff auf die Wartburg: es war eine ganz große Haupt- und Staatsaktion. In Betreff der Reise nach Paraguay denke ich wie Du: die Einladung hätte mehr Sinn, wenn sie auf Grund des dortigen Sommers gemacht wäre —, zuletzt ist der Winter in Nizza wahrscheinlich doch noch schöner als der dortige, und ein Bischen unterhaltender, wie mir scheint. Zwischen Fritzsch und Schmeitzner schweigt es, zu meinem großen Leidwesen. Wahrscheinlich hat Schm<eitzner> durch Hrn. Widemann erfahren, wie sehr ich mich über die Möglichkeit, in Erleckes Hände zu fallen, entsetzt habe, — und Schm<eitzner> erwartet nun, daß ich ihm Anerbietungen mache. Darum geht er nicht auf Fr<itzsch>s Vorschläge ein. — Der Druck ist nahezu beendet, er hielt mich bisher etwas aufrecht. — Wir haben’s auch hier sehr warm gehabt; glücklicherweise fand ich 2 weiße Hosen hier im Schranke vor. Ich denke Deiner immer in großer Dankbarkeit: was hast Du Alles schon in diesem Jahre für mich gethan! —
Dein alter Sohn, nicht sehr Philosoph.
726. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Einzelne Exemplare sind an folgende Personen
zu versenden:
Professor Dr. Erwin Rohde, Leipzig
Hofrath Prof. Dr. Heinze, Leipzig
Paul Widemann, Dresden, Blochmannstr.
Baron Seydlitz, München, Heßstraße 3
Prof. Dr. Jakob Burkhardt, Basel, Schweiz
Prof. Dr. Franz Overbeck, Basel, Schweiz
Gottfried Keller, Zürich (Schweiz)
Baronin Meysenbug, Roma, via polveriera 6 (Italia)
Monsieur Henri Taine
Talloire, lac d’Annecy
Haute-Savoie (France)
Monsieur Paul Bourget
Paris, Lemerre éditeur
Passage Choiseul 27—31
Dr. Paul Deussen, Berlin, N. W. Paulsstrasse 31
Baron Hans von Bülow, z. Z. in Hamburg
Genauere Adresse weiß ich nicht. Oder soll man’s nach Meiningen senden?
In jedes Exemplar bitte ich meine Visitenkarte zu legen. Bitte, lassen Sie 100 Stück in Ihrer Offizin herstellen: den Rest behalten Sie zurück für spätere Gelegenheiten. Das feinste und stärkste Papier dazu, nichts darauf als: (Sehr elegant, großes Format.) Professor Dr. Friedrich Nietzsche
Exemplare an Redactionen usw.
6 Exemplare an
Signore Paolo Lanzky
Vallombrosa
per Pontassieve (Italia)
2 Ex. an
Miss Helen Zimmern
z. Z. in
Sils-Maria (Alpenrose)
Oberengadin, Schweiz
1 Ex. an Dr. Georg Brandes, Kopenhagen, St. Anneplatz 24
1 Ex. an
Prof. Dr. F. Zarncke
Redaktion des litterarischen Zentralblatts
Leipzig Goethestr. 7.
1 Ex. an Rich. Fleischer
Redaktion der deutschen Revue.
Dresden Reichsstr. 2
1 Ex. an Dr. J. Rodenberg, Redaktion der deutschen Rundschau,
Berlin W. Lützowstraße 7.
O. Braun
Redaktion der Allgemeinen Zeitung
München, Schwanthalerstr. 73
L. von Sacher-Masoch
Redaktion von Auf der Höhe
Leipzig, Arndtstraße 40
Oskar Blumenthal
Redaktion des Berliner Tageblatts
Berlin, Jerusalemerstr. 48
Rudolf von Gottschall,
Red. der Blätter für litter. Unterhaltung
Leipzig
J. V. Widmann
Red. des Bund, Bern (Schweiz)
Dr. Arthur Levysohn, Redaktion des
deutschen Montagsblatts, Berlin,
Steglitzerstr. 2
Dr. Hans Herrig, Redaktion des deutschen
Tageblatts, Berlin, Körnerstr. 4
O. Hopp, Redaktion des Echo
Berlin SW Dessauerstr. 12
Joh. Proelß, Redaktion der Frankfurter Zeitung
Frankfurt a. M. Eschenheimergasse 37
Dr. Zolling, Redaktion der Gegenwart
Berlin, Kön. Augustastr. 12
Dr. G. Conrad, Redaktion der Gesellschaft
München Quaistraße 3
Redaktion der Hamburger Nachrichten
Hamburg
Redaktion der Kölnischen Zeitung
Köln
Dr. Hülskamp, Redaktion des litter. Handweisers
für das kathol. Deutschland
Münster i. W.
Dr. F. Hirsch, Red. des Magazins für die
Litterat. des In- u. Auslandes
Leipzig, Friedrich
Dr. K. Frenzel, Red. der Nationalzeitung
Berlin W. Köthenerstr. 33
Dr. M. Bauer, Red. der Neuen deutschen Warte
Berlin Belle-Allianceplatz 6a
Dr. Hugo Wittmann, Redaktion der
neuen freien Presse
Wien
Freiherrn von Hammerstein, Red. der
Kreuzzeitung
Berlin W. Königgrätzer Str. 15
Dr. Paul Lindau, Red. von Nord und Süd
Berlin W. Von der Heydstr. 1.
F. C. Pindter, Red. der Norddeutschen
Allg. Zeitung
Berlin
J. K. Becher, Red. der Presse
Wien, Berggasse 31.
Dr. H. Kletke, Red. der Vossischen Zeitung
Berlin, Breitestr. 8
Nationalrath Dr. Curti, Red. der Zürcher Post
Zürich (Schweiz)
J. Singer, Redaktion der Allg. Oestereich.
Litteraturzeitung
Wien, VIII Laudongasse 1.
NB. Ich ersuche diese Blätter auch nach der Benutzung aufzuheben, vielleicht zu späterem Gebrauche.
F. N.
— Daß an Herrn Köselitz 2 Ex. und an mich selbst 4 Ex. abzusenden sind (und zwar sofort, wenn der Buchbinder seine erste Arbeit gethan hat) habe ich schon im letzten Briefe mir erbeten.
Hochachtungsvoll Ihr
ergebenster Prof. Nietzsche.
N. Mac Coll. Esq.
„Athenaeum“ Office.
20. Wellington Street.
Strand. W. C.
London.
—. Cotton, Esq.
„The Academy“ Office.
26. Chancery Lane. W. C.
London.
Editor.
„Westminster Review“.
Messrs Trubner & Co.
Ludgate Hill. E. C.
London.
727. An Paul Lanzky in Vallombrosa (Entwurf)
Ihr Vorschlag Corte betreffend verdient sehr erwogen zu werden: nur sind Sie, werther Freund, kein M<ensch>, mit dem ich eigentlich reisen möchte. Ja wenn Sie die Augen eines Malers im Kopf hätten! Und dann noch die pittoreske Redekraft, um einem Halbblinden die Distraktion des Sehens wenigstens indirekt zu schaffen! <Ich> suche lange schon einen mir befreundeten Münchner Aquarellisten zu einer Reise nach Corsica zu bewegen. — Zuletzt steht es nicht mehr ganz in meiner Hand, über diesen Herbst zu verfügen: denn ich will, wenn es irgend möglich ist, meinem Musiker den Anfang und Eintritt in den westlichen Süden erleichtern. Ihn dazu verführt zu haben, habe ich nun einmal auf dem Gewissen: mir liegt sehr viel daran, zu erproben was dort, unter dem einzig afrikanischen Stück Europas, aus einem deutschen Musiker wird, nachdem der außerordentliche Erfolg Venedigs (und seines feuchten Orients) bewiesen ist. — Was mich selbst betrifft, so ist Nizza eine bewiesene, ja die bewiesene Sache (— Sie dürfen nicht nach dem vorletzten Winter urtheilen, der leider der mißrathenste all meiner südlichen Winter war!) Noch fehlt mir viel dort, um wirklich mich daselbst heimisch zu fühlen: vor allem eine heitere und geistreiche Geselligkeit, wie ich sie im Grunde mein ganzes Leben um mich gehabt habe, die Krankheits-jahre abgerechnet. Doch findet sich dort allerlei, vorausgesetzt, daß man erst den guten Willen zum Suchen hat: und Angelhacken zB. für die dortige russische Gesellschaft habe ich genug. — Im Übrigen wissen Sie, daß Nizza mein Arbeits- und Einsamkeits-Ort ist, wie Sils-Maria und daß ich mich der Gesellschaft nur bediene, um auf meine Weise arbeiten und einsam sein zu können (nämlich von mir auf Stunden loszukommen, zur Erholung). Mein Musiker, gesetzt daß er dort leben würde, ist einer jener selbstgenugsamen M<enschen> welche man Wochenlang nicht zu sehen bekommt: aber seine Musik gehört zu den wenigen Dingen, welche ich zu meiner Gesundheit schlecht entbehren kann; und er ist mir gründlich genug zugethan, um mir sie nicht vorzuenthalten. — Über Aj<accio> bin ich sehr gut unterrichtet: Luftfeuchtigkeit wie Pisa und Corfu. — Was Algier betrifft, so sagte mir ein alter Schweizer in Nizza, die Riviera habe alles Gute von dort, und alles Schlimme nicht; auch empfehle ich Daudets Charakteristik der Riviera in einem der letzten Capitel des Nabab darauf hin anzusehen. —
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Philosoph
(kopfleidend augenleidend magenleidend)
Von den 6 Exemplaren die an Sie abgehen werden, müssen Sie 2 an die 2 Zeitschriften abgeben. —
728. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Geehrtester Herr, die Exemplare sind eingetroffen und machen mir Freude: Alles sieht gut aus, auch habe ich bisher keine wesentlichen Fehler auffinden können (nur in den „Berichtigungen“ selbst muß es Seite 68 statt 58 heißen) Ein Verzeichniß Adressen für Freiexemplare und Redaktionsexemplare ist vorgestern an Sie abgesandt worden: ich füge hinzu, daß ein Exemplar Herrn E. W. Fritzsch, Leipzig zu übermitteln ist (dem Musikverleger in der Königsstr, wenn ich nicht irre); ebenfalls ein Exemplar an Dr. Fuchs, Lehrer der Musik in Danzig; auch daß das für Hans von Bülow bestimmte Exemplar am besten ihn erreichen wird, wenn es an die Adresse seiner Mutter abgeht, also
per adr. Frau Baronin von Bülow
Berlin W.
34 Kurfürstenstrasse
Ich möchte gern sehn, in welcher Weise das Buch im Buchhändler-Börsenblatt angekündigt ist. — Ein Paar Adressen für englische und französische Zeitschriften folgen später; die italiänischen Exemplare besorgt Herr Lanzky. — Mit ergebenstem Gruß und Dank
Dr. Nietzsche
729. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
eine Mittheilung und eine Bitte! — Eben telegraphirt mir Fritzsch aus Leipzig „Endlich im Besitz!“ — Worte, die mir große Freude machen. Ein verhängnißvolles Versehn aus meiner Basler Zeit (etwas „zu viel Vertrauen“, wie so oft in meinem Leben) ist damit ad acta gelegt. Wie gut, daß ich diesen Frühling nach Deutschland gieng! Dasselbe habe ich noch ein Mal zu sagen, in Hinsicht darauf, daß ich meine Lage gegenüber Verleger-Möglichkeit und Publikum mir ad oculos demonstrirte; auch daß ich persönlich mit dem ausgezeichneten Brüder-Paar Naumann verhandelte. Das neue Buch, ein Resultat, welches aus der Ferne gar nicht hätte erreicht werden können, ist eben fertig geworden; der Auftrag, ein Exemplar an Dich nach Basel abzusenden, ist bereits seit einigen Tagen ergangen. Nun kommt die Bitte, alter Freund: lies es, von vorne nach hinten, und laß Dich nicht erbittern und entfremden — „nimm alle Kraft zusammen“, alle Kraft Deines Wohlwollens für mich, Deines geduldigen und hundertfach bewährten Wohlwollens, — ist Dir das Buch unerträglich, so doch vielleicht hundert Einzelheiten nicht! Vielleicht auch, daß es dazu beiträgt, ein paar erhellende Lichter auf meinen Zarathustra zu werfen: der deshalb ein unverständliches Buch ist, weil er auf lauter Erlebnisse zurückgeht, die ich mit Niemandem theile. Wenn ich Dir einen Begriff meines Gefühls von Einsamkeit geben könnte! Unter den Lebenden so wenig als unter den Todten habe ich Jemanden, mit dem ich mich verwandt fühlte. Dies ist unbeschreiblich schauerlich; und nur die Übung im Ertragen dieses Gefühls und eine schrittweise Entwicklung desselben von Kindesbeinen an macht mir’s begreiflich, daß ich daran noch nicht zu Grunde gegangen bin. — Im Übrigen liegt die Aufgabe, um deren willen ich lebe, klar vor mir — als ein factum von unbeschreiblicher Traurigkeit, aber verklärt durch das Bewußtsein, daß Größe darin ist, wenn je der Aufgabe eines Sterblichen Größe eingewohnt hat. —
— Ich bleibe hier bis Anfang September.
Treulich Dein F. N.
730. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Lieber und werther Herr Verleger,
es macht mir große Freude, Sie wieder so anreden zu dürfen! — Eben als ich Herrn C. G. Naumann den Auftrag gegeben hatte, Ihnen ein Exemplar meines neuen Werks zu übermitteln, kam Ihr Telegramm: ich nahm dies Zusammentreffen als ein günstiges und gütiges Omen meines Schicksals. —
Schmeitzner ist mir jetzt nichts mehr schuldig; wie es sich von selbst versteht, habe ich das Recht zu eventuellen neuen Auflagen mir vorbehalten. —
Diesen Herbst und Winter sollten Sie dem Vertrieb des noch gar nicht „herausgegebenen“ Zarathustra widmen, der neben meinem eben erscheinenden Buche Jenseits von Gut und Böse außerordentlich anziehend, zum Theil contrastirend wirken wird; andrerseits ist das eben genannte Werk eine Art Einführung in die Hintergründe des Zarathustra, — man wird schon dahinterkommen, daß es sich bei ihm nicht um Phantastereien und unwirkliche Dinge handelt. — Vielleicht könnten die drei Theile zusammengeheftet werden? denn die Vorrede im ersten Theile gilt für das ganze Werk. Und die Verkäuflichkeit scheint mir leichter, wenn auf dem Gesammt-Titelblatt steht
Also sprach Zarathustra.
Ein Buch für Alle und Keinen.
Von
Friedrich Nietzsche.
In drei Theilen.
Es ist schade, daß ich Ihnen meine Gedanken über das, was in Bezug auf die andren Bücher mir räthlich scheint, nicht mündlich auseinander setzen kann. Die Zahl der Exemplare ist so groß, daß es scheinen möchte, als ob es sich um eine ganz neue Ausgabe handle. Dies hat mir einen Gedanken eingegeben. Wenn nun einmal die Titel- und Umschlagblätter durch neue zu ersetzen sind und jedenfalls einige Buchbinder-Arbeit nöthig wird, was meinen Sie? wäre es nicht vernünftig, jenen Anschein zu benutzen d. h. auf den Titel drucken zu lassen
Neue Ausgabe
vermehrt durch eine Vorrede. (oder
Einleitung etc?)
Sie werden bemerken, daß Menschl<iches> Allzum<enschliches> die Morgenröthe, die fröhliche Wissenschaft einer Vorrede ermangeln: es hatte gute Gründe, daß ich damals als diese Werke entstanden, mir ein Stillschweigen auferlegte — ich stand noch zu nahe, noch zu sehr „drin“ und wußte kaum, was mit mir geschehn war. Jetzt, wo ich selber am besten und genauesten sagen kann, was das Eigene und Unvergleichliche an diesen Werken ist und inwiefern sie eine für Deutschland neue Litteratur inauguriren (das Vorspiel einer moralistischen Selbst-Erziehung und Cultur, die bisher den Deutschen gefehlt hat) würde ich mich zu solchen zurückblickenden und nachträglichen Vorreden gerne entschließen. Meine Schriften stellen eine fortlaufende Entwicklung dar, welche nicht nur mein persönliches Erlebniß und Schicksal sein wird: — ich bin nur der Erste, eine heraufkommende Generation wird das, was ich erlebt habe, von sich aus verstehn und eine feine Zunge für meine Bücher haben. Die Vorreden könnten das Nothwendige im Gange einer solchen Entwicklung deutlich machen: woraus sich nebenbei der Nutzen ergeben würde, daß, wer einmal auf eine meiner Schriften angebissen hat, es mit allen aufnehmen muß.
Ich würde, im Falle daß mein Gedanke Ihnen gefiele und einleuchtete, diesen Winter darauf verwenden, mir solche Vorreden auszudenken: mein Bemühen würde sein, jeder dieser Vorreden einen so selbständigen Werth zu geben, daß um ihretwillen allein schon die Werke gelesen werden müßten. — Anzufangen mit „Menschliches, Allzumenschliches“, von dem 511 Exemplare noch da sind, gerade genug, um eine neue Ausgabe zu repräsentiren? Was meinen Sie? Die beiden Anhänge dazu (Vermischte Meinungen und Sprüche und der Wanderer) könnten dann vielleicht das Jahr darauf erscheinen? Als zweiter Band? —
Ich denke, Sie fühlen mir nach, hochgeehrter und lieber Herr Fritzsch, daß ich bei diesen Vorschlägen sammt und sonders Ihr Interesse im Auge habe; ich möchte durchaus nicht, daß Sie jemals den großen Vertrauens-Beweis, den Sie mir durch den Ankauf meiner ganzen bisherigen Litteratur gegeben haben, zu bereuen hätten.
Auf der Rückseite vom Umschlag des letzterschienenen Buchs finden Sie eine Art Überblick und Programm über meine bisherige und zukünftige Thätigkeit. Es sollen 10 Werke und nicht mehr sein, mit denen ich „übrig“ bleiben will; 6 davon sind nunmehr in Ihren Händen. Vereinfachung der Titel (damit sie leicht zu citiren sind z. B. bloß „die Geburt der Tragödie“), andrerseits eine kleine Erläuterung wo ich das Mißverständliche eines Titels erprobt habe (z. B. zu „die fröhliche Wissenschaft“ der Zusatz in Parenthese „gai saber“, damit man an den provençalischen Ursprung meines Titels und an jene Dichter-Ritter, die Troubadours erinnert wird, die mit jener Formel all ihr Können und Wollen zusammenfaßten) — dergleichen scheint mir nützlich. Genaueres erst, wenn ich Ihre Antwort auf meine hier angedeuteten Vorschläge habe.
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
NB. Einen so langen Brief bekommen Sie niemals wieder: das verbieten die Herrn Augen.
731. An Erwin Rohde in Dänemark (Entwurf)
Es hat mir von Herzen wehe gethan, Dich dieses Frühjahr in solcher Tribulation zu finden, daß eigentlich zwischen uns kein gescheutes Wort gesprochen werden konnte, noch weniger ein ungescheutes lustiges, festliches: denn ich hatte mich auf unser Wiedersehn wie auf ein Fest gefreut. Inzwischen wird hoffentlich Alles glätter und glücklicher gegangen sein. Hier in Sils, wo Ende Sommers eine Art Professoren-Rendezvous stattfindet (mit einem Uebergewicht von Leipzig) sprach man viel von Deinem Fall, und immer mit dem aufrichtigsten Bedauern, Dich verloren zu haben. Auch Pflugk-Harttung hat sich mir vorgestellt, als ein Dir sehr ergebener Mensch. — — Ich habe letzthin den Auftrag an C. G. Naumann gegeben, Dir mein neustes Werk zuzusenden: nicht eigentlich damit Du es lesen sollst (denn sein Problem liegt glücklicherweise außerhalb Deiner Sorgen und Verantwortlichkeiten), sondern nur um es Dir nicht nicht zu senden. Ich weiß, alter Freund, Du verstehst die Nuance dieser doppelten Negation. — Empfiehl mich Deiner Frau (sie hat mir sehr gefallen); ich sehe daß das Bild Deines Mädchens auf meinem Tische liegt: daneben das Bild eines Knaben, das Abschiedsgeschenk eines Holländers aus Java, der mir sehr zugethan ist und seine Sommer-Erholung hier in Sils und bei mir sucht. Er hat seine Frau verloren: sein einziges Kind ist nunmehr ihm das Liebste auf Erden.
732. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
anbei folgt ein Stück Manuscript (Vorrede und Schlußgedicht) womit ich meinerseits dazu beitragen möchte, die noch übrigen 500 Exemplare von Menschl<iches> Allzumenschl<iches> flott zu machen. Ich bemerke ausdrücklich, daß dafür meinerseits durchaus kein Honorar verlangt wird; mein Wunsch ist, Ihnen zu erkennen zu geben, daß ich Ihnen für das muthige mir bewiesene Vertrauen dankbar bin. —
Das Stück Psychologie, welches in dieser Vorrede enthalten ist, dürfte an sich schon interessant genug sein, um das Buch flügge zu machen; es ist ein wesentlicher Beitrag zum Verständniß meiner Bücher und der ihnen zu Grunde liegenden schwerverständlichen Selbstentwicklung. Ich schrieb es in meinem letzten Monate des Nizzaer Winteraufenthaltes nieder, ein paar Wendungen abgerechnet, die der Engadin dazu erfunden hat. —
Mein Gedanke ist, daß Sie dies Buch (mein leichtverständlichstes und vorbereitendes) zuerst und zunächst in Umlauf setzen möchten. Es hat seine Freunde in den vereinigten Staaten, in Holland, in Italien und namentlich in Frankreich. —
Vielleicht ist es, entgegen dem, was ich in meinem letzten Briefe vorschlug, rathsamer, den Zarathustra einstweilen noch zurückzuhalten. Er wird am stärksten wirken und gekauft werden, wenn erst eine gewisse Sättigung mit meinen Gedanken und Perspektiven bei dem Publikum erreicht ist. Das eben ausgegebne Buch „Jenseits von Gut und Böse“ wird ihm nicht übel den Weg bereiten.
Im Falle Ihnen mein Vorschlag annehmbar scheint, so würde ich bitten, den Correkturbogen für Vorrede und Schlußgedicht umgehend in Angriff nehmen zu lassen (vielleicht bei C. G. Naumann, der alle meine Gewohnheiten etc. kennt?) denn ich bleibe nur noch bis Ende August hier oben und würde mich für Monat September schwerlich bestimmen können (ich habe eine Fußreise nöthig).
Meine einzige Bedingung wäre, daß die Vorrede in Lettern und Raumverhältnissen genau nach dem Muster der Vorrede zu „Jenseits von Gut und Böse“ gedruckt wird. Man muß sie accentuiren.
Herzlich grüßend Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche Prof.
Es fällt mir ein, daß Schmeitzner (wider meinen Rath) eine Anzahl Exemplare hat binden lassen, noch dazu geschmacklos. Weg mit diesen Einbänden! Es verkauft sich kein einziges derartiges Exemplar! —
733. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
so eben kommt Ihr geehrter Brief, während bereits eine Sendung an Sie meinerseits abgegangen ist. Erwägen Sie bestens meinen Vorschlag, Menschliches Allzumenschliches zunächst in Umlauf zu setzen: dies Buch ist eine gute und leicht zugängliche Pforte zu meinem eigenen Gedankenkreise. —
Andererseits ist es in der That zu erwägen, ob nicht auch die Geburt der Tragödie neu versandt werden könnte. Nur möchte ich es nicht gerade jetzt, damit nicht „das Publikum“ gar zu disparate Werke von mir auf Ein Mal vorgesetzt bekommt. —
Wollen Sie den Zarathustra jetzt in Umlauf bringen, so würde ich proponiren, auf dem Gesammt-Umschlage zu drucken
Also
sprach Zarathustra
Ein Buch
für Alle und Keinen.
Von
Friedrich Nietzsche.
Leipzig
Verlag von E. W. Fritzsch.
Entsprechend auch das Titelblatt. Dann aber, zum Beginn des zweiten Theils eine Seite, auf der nichts weiter steht als
Also
sprach Zarathustra.
Zweiter Theil.
und entsprechend beim Beginn des dritten Theils
Also
sprach Zarathustra.
Dritter Theil.
So wird es sich am besten ausnehmen. —
— Zuletzt eine Bemerkung über „Jenseits von Gut und Böse“, aber ganz unter uns. Thatsächlich giebt C. G. Naumann seinen guten Namen dazu her, weil ein eingeständlicher „Commissions-Verlag“ für meine gegenwärtige Stellung etwas Ungeziemendes und Beschämendes hätte. Die Kosten der ganzen Herausgabe und ihr Risico trage ich allein. —
Mit ergebenstem Gruße
Ihr
Dr. Nietzsche
734. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
ein paar Worte schleuniger Entgegnung auf Ihren eben empfangenen Liebens- und dankenswerthen Brief. Man theilt mir bei Tische mit, daß es jetzt in München den ganzen Nibelungen-Cyklus zu hören giebt, insgleichen noch einmal im September.
Da Sie davon nichts schreiben, muthmaße ich, es möchte Ihnen unbekannt sein; vielleicht daß Sie diese ausgezeichnete Gelegenheit am Schopfe nehmen. —
Es freut mich, daß Ihre Parsifal-Erfahrungen meinen aus der Ferne her gemachten und gewagten Urtheilen und Vorurtheilen nicht gänzlich Unrecht gegeben haben. —
— Daß Sie mir nur nicht eines Tags nach Venedig davonsausen! Vergebung! — Herr Lanzky hat mir einen Ausflug nach Corte auf Corsika für Oktober proponirt; ich habe bisher mich nicht entschließen wollen. Gienge ich dorthin (es ist zuletzt ein kleiner Umweg über Nizza), so thäte ichs ebenso sehr um Ihretwillen als um meiner jetzt entworfenen Zukunfts-Aufgabe willen.
Corte ist die Stadt der Empfängniß Napoleon’s: wie ich ausgerechnet habe. Scheint es nicht, daß eine Wallfahrt dorthin eine geziemende Vorbereitung für den „Willen zur Macht. Versuch einer Umkehrung aller Werthe“ ist? —
Seltsam! Ich war diese Zeit über unbeschreiblich traurig und vor Sorgen schlaflos. —
Besuchen Sie Seydlitzens, bitte, und bringen Sie meine allerschönsten Grüße. Seydlitz hat mir einen Brief geschrieben, worin viele guten und schlauen Dinge vorkamen: er hat Geist. —
Mit der herzlichsten Theilnahme an Ihrer Reise
Ihr Freund N.
Das zweite Exemplar war eigentlich Frau Röder-Wiederhold zugedacht, deren Adresse ich nicht habe. Herrn Widemann habe ich natürlich eins zugesandt. —
735. An Friedrich Hegar in Zürich
Verehrter Herr Capellmeister,
hiermit ruft sich Jemand Ihnen ins Gedächtniß, der seit zwei Jahren durch alle möglichen Zufälle und Kreuzungen verhindert war, nach Zürich zu kommen, — nach jenem Zürich, das bei ihm in einem sehr guten Geruche und, Dank Ihnen, in einem noch besseren Klange steht.
Diese beifolgende Composition würde ich gerne jetzt herausgeben: vorausgesetzt, daß sie Ihre Billigung fände. Namentlich die Instrumentation (die nicht von mir stammt, aber doch auf meine Angaben hin gemacht ist): hätten Sie die Güte, mir Ihr Urtheil über dieselbe ohne Schonung zu sagen? Wie stark müßte der Chor sein, der sich mit dem Blechklange der gewählten Instrumente vertrüge?
Es ist ein Stück Musik, das vielleicht einmal „zu meinem Gedächtniß“ gesungen werden könnte: dafür wenigstens habe ich’s ausgedacht.
Gegen Ende des Liedes ist ein tragischer Accent, der aus meinen innersten „Eingeweiden“ stammt. —
— Wie geht es bei Ihnen? Meine Schwester (Frau Dr. Förster nunmehr) hat bis jetzt recht erfreulich aus ihrer neuen Heimat Paraguay geschrieben. Jene Tage damals in Zürich waren unser heiterstes und wohlgerathenstes Zusammensein, für das wir Beide eine dankbare Erinnerung haben. Sagen Sie dies, bitte, auch Ihrer verehrten Frau Gemahlin.
Mit herzlichstem Gruß und Wunsch
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
736. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe gute Mutter,
ein Regentag: da soll gleich ein Briefchen an Dich absausen! Besten Dank für das, was Du mir geschrieben! Es gieng inzwischen etwas besser: das Recept, das ich mir verordnete, war sehr sonderbar: nämlich ins Hôtel zu gehn und mitzuessen, was Alle essen. Das hat mich wieder auf die Beine gebracht (ich brauche starke Mahlzeiten, um mich wohl zu fühlen: leider, leider bin ich nicht reich genug zu dieser mir angemessenen „Kur“ —).
Augenblicklich sind hier in Sils an die 10 Professoren der Universität; in meinem kleinen Hause 4, mich eingerechnet.
Der Handel mit Schmeitzner ist zu Ende: „endlich im Besitz“ telegraphirte mir Fritzsch — und seitdem ist viel Briefverkehr zwischen uns, weil Vielerlei meinerseits neu anzuordnen ist.
Herr Köselitz schreibt über München und Bayreuth: er ist also schon unterwegs.
So wie der gute alte Wenkel über Philosophie denkt, denken viele alte Philologen auch über Philologie: es sei gar nichts mehr Neues zu sagen. Ich halte beide Urtheile für irrthümlich und habe es (was mehr ist) durch Wort und That bewiesen. Freilich gehören dazu auch neue Ohren: wie man sie sich beim besten Willen in einem gewissen Alter nicht mehr anschaffen kann.
Die Geschichte mit Sonnemann (oder wie der Antisemit heißt, von dem Du schriebst) hat mich besorgt gemacht. Siehst Du, dieser Gattung Menschen wegen könnte ich schon nicht nach Paraguay gehn: ich bin so glücklich darüber, daß sie sich freiwillig aus Europa verbannen. Denn, wenn ich auch ein schlechter Deutscher sein sollte — jedenfalls bin ich ein sehr guter Europäer.
Sils als Landschaft und Menschheit gefällt mir nach wie vor. Nur — ist es zu theuer, wenn ich hier so leben will, daß ich nicht melancholisch werde. Für den September ist ein Zusammentreffen mit dem braven Herrn Lanzky in Aussicht; und, hoffentlich, eine tüchtige Fußreise, die mir sehr nöthig scheint. — Der Winter in Nizza: ich werde schwerlich darum herum kommen.
In alter Liebe und steter Dankbarkeit
Dein Fritz
737. An Reinhart von Seydlitz in München
Lieber alter Freund,
es gäbe Gründe, sich bei Dir für einen sehr guten Brief zu bedanken, in dem feine kluge Sachen standen, wie sie gerne in meine Art Ohren schlüpfen.
Hast Du bemerkt, daß ich die „kleinsten aller möglichen“ Ohren habe? Vielleicht auch die schläuesten ...
Ein Dir im Frühjahr zugedachter Besuch mißrieth mir: ich fand das artige Nest ausgeflogen. Daß ich in diesem Herbste nach München komme (wozu mich Mancherlei locken könnte —) ist inzwischen wieder unwahrscheinlich geworden. Aus meinem letzten deutschen Aufenthalte habe ich ein ressentiment noch nicht überwunden. Die „moralische Luft“ daselbst bläst gegen mich, das ist kein Zweifel. Wahrscheinlich mache ich eine Wallfahrt nach Corte auf Corsica (woselbst Napoleon zwar nicht geboren, aber — was vielleicht sehr viel mehr ist, concipirt worden ist).
Es handelt sich jetzt auch bei mir um eine conceptio: Du wirst es aus dem Umschlage meines letzterschienenen Werks errathen, welches ich Dir (wie sich von selbst versteht) zugesandt habe. Meine ganze frühere Litteratur (von „Geburt der Tragödie“ bis zum „Zarathustra“) ist jetzt in den Besitz von E. W. Fritzsch übergegangen. Derselbe hat bereits, wie Du weißt, den „ganzen Wagner“; es scheint, daß er Werth darauf legt, auch einmal den „ganzen Nietzsche“ zu haben.
Was macht die Reise nach Bologna? Und überhaupt der Japonisme? —
Es bittet Dich und Deine liebe Frau um ein herzliches und freundschaftliches Angedenken
Friedrich Nietzsche.
738. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)
Geehrtester Herr Verleger, so eben empfieng ich Ihre sehr willkommen<en> Mittheilungen und zögere nicht, Ihnen in allen Punkten, um welche Sie bei mir anfragen, meine zustimmende Antwort zu übermitteln. Berücksichtigen Sie, bitte, von den 5 Zeitschriften, die das Buch verlangt haben, die 3 letztgenannten (philosophische Monatshefte, deutsche Litteraturzeitung und auch die deutsche akademische Zeitung) Ebenfalls Herrn Dr. M. Bauer mit Inserat. — Hr. Widemann ist bereits im Besitz eines Exemplars. — Inzwischen ist meine ganze frühere Litteratur aus den Händen des Chemnitzer Verlegers in die mir viel zusagenderen und zutrauenswürdigeren Hände des Hrn. E. W. Fritzsch in Leipzig übergegangen. Ich nehme dies als gutes omen, ebenso wie Ihre heutige Meldung.
Mit ergebenstem Danke der Obige.
739. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)
Werthester Herr Verleger, so eben ist noch ein Stück Manuscript (zur übersandten Vorrede gehörig) an Sie abgegangen. Ich bitte Sie angelegentlich, den Druck zu beschleunigen: ich will so lange hier bleiben, bis diese Sache in Ordnung ist. —
Ein eigenes Blatt mit Also sprach Zarathustra. Erster Theil scheint mir nicht nöthig. —
Inzwischen hat sich Herr Köselitz bei mir schmerzlich darüber beklagt, daß Sie ihm auf seine Zusendungen nicht geantwortet haben. Sagen Sie, wenn es irgend möglich ist, Ja zu dem wunderschönen Adagio für Clavier (für welches ich den Titel „Nachsommer-Musik“ in Vorschlag bringen möchte.)
Von C. G. Naumann habe ich gute Nachrichten über die Wirkung von „Jenseits v. G. u. B.“. —
Ihr ergebenster Nietzsche
740. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Lieber und werther Herr Fritzsch,
hier folgt die Vorrede zur neuen Ausgabe der „Geburt der Tragödie“: Sie können auf diese sehr inhaltreiche und gründlich orientirende Vorrede hin das Buch noch einmal von Stapel laufen lassen, — es scheint mir sogar von größtem Werthe, daß dies geschieht. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß man sich in den nächsten Jahren viel mit meinen Büchern beschäftigen wird (— insofern ich, mit Verlaub gesagt, bei weitem der unabhängigste und im großen Stile denkendste Denker dieser Zeit bin —); man wird mich nöthig haben, und alle möglichen Versuche, mir beizukommen, mich zu verstehen, zu „erklären“ usw. machen. Um den gröbsten Fehlgriffen vorzubeugen, scheint mir (abgesehn von dem eben erschienenen „Jenseits von Gut und Böse“) nichts nützlicher als die beiden Vorreden, welche ich mir erlaubte, Ihnen zu übersenden: sie deuten den Weg an, den ich gegangen bin — und, ernsthaft geredet, wenn ich selber nicht ein Paar Winke gebe, wie man mich zu verstehn hat, so müssen die größten Dummheiten passiren. —
Ich kann nicht beurtheilen, in wie fern es geschäftlich und buchhändlerisch rathsam oder unrathsam ist, Bücher desselben Autors zugleich auf den Markt zu bringen. Das Wesentliche ist, daß, um die Voraussetzungen für das Verständniß des Zarathustra zu haben (— ein Ereigniß ohne Gleichen in der Litteratur und Philosophie und Poesie und Moral usw. usw. Sie dürfen mir’s glauben, Sie glücklicher Besitzer dieses Wunderthiers! —) alle meine früheren Schriften ernstlich und tief verstanden sein müssen; insgleichen die Nothwendigkeit der Aufeinanderfolge dieser Schriften und der in ihnen sich ausdrückenden Entwicklung. Vielleicht ist es ebenso nützlich, sogleich jetzt auch die neue Ausgabe der „Geburt“ (mit dem „Versuche einer Selbstkritik“) auszusenden. Dieser „Versuch“, zusammengehalten mit der „Vorrede von Menschl. Allzumenschliches“, ergiebt eine wahre Aufklärung über mich — und die allerbeste Vorbereitung für meinen verwegenen Sohn Zarathustra.
Im Dezember hoffe ich mit den „Vorreden“ fortfahren zu können: nämlich in Nizza, wo es mir bis jetzt niemals um die bezeichnete Zeit an Muth und Inspiration gefehlt hat. Nämlich 1) Menschl. Allzum. Zweiter Band (enthaltend „Verm. M. u. Spr.“ und den „Wanderer“) 2) Morgenröthe 3 fröhl. Wissenschaft.
Ich denke, Sie wissen, lieber Herr Verleger, wie viel Muth und Inspiration gerade zu solchen „Vorreden“ noth thut? und außerdem noch mehr „guter Wille“ —
Nehmen wir an, daß bis zum Frühjahr meine ganze Litteratur, so weit sie in Ihren Händen ist, zum neuen Fluge fertig und neu „beflügelt“ ist. Denn diese „Vorreden“ sollen Flügel sein! (Nur die 4 unzeitgem. Betrachtungen will ich lassen, wie sie sind: deshalb habe ich, in dem letztens übersandten Nachtrag zur Vorrede für Menschl. Allzum., sehr bestimmt auf sie aufmerksam zu machen für nöthig befunden.) — Eine Zeile Antwort hierher erbittend Ihr
ergebenster Dr. Nietzsche Prof.
Theilen Sie mir gefälligst etwas über die Preise der zunächst auszugebenden Bücher mit! Hermann Credner sagte oder schrieb mir einmal, daß die Schmeitzner’schen Preise das größte Hinderniß gewesen sei, das mir bis jetzt im Wege gestanden.
Ein eignes Bändchen mit lauter „Vorreden“ würde gegen den Geschmack sündigen. Man verträgt das schreckliche Vorrede-Wörtchen „ich“ eben nur unter der Bedingung, daß es in dem drauf folgenden Buche fehlt: es hat nur Recht in der Vorrede. —
1. Sept. Eben trifft Brief und Bogen ein. Ist der Nachtrag („eingeschrieben“ an Sie adressirt) noch nicht in Ihren Händen? Um nicht Alles zu verzögern, bitte ich ihn zu lassen (also nicht zu drucken). Um so mehr aber diese Selbstkritik!
741. An Bernhard und Elisabeth Förster in Asuncion
Meine Lieben in der Ferne,
Vergebung für dies Papier, aber ich weiß gerade keinen Briefbogen zu erwischen, und möchte Sils-Maria doch nicht verlassen, ohne Euch gesagt zu haben, was für schöne Überraschungen und Erquickungen mir in diesem Sommer Eure zwei Briefe gewesen sind. Deiner, mein liebes Lama, kam präcis zur Feier Deines Geburtstags an. Im Ganzen scheint es bei Euch anders zu stehn als bei mir, wo eine Art Ruhe und rückwärts blickende Sammlung eingetreten ist: während Ihr vor dem „Werke“, oder „dem Berge“ steht und vorwärts blickt. Daß ich kurz erzähle, was sich bei mir erledigt hat, so mag zuerst genannt sein, daß die Schmeitzner-Misère, nach zwanzig intermezzi, doch zu Ende gekommen ist: Fritzsch hat Alles an sich gekauft und auch bereits die 62 Centner in seinem Hause, — hoffentlich nicht als „Klumpfuß“! Eben erscheint eine neue Ausgabe von „Menschliches, Allzumenschliches“, mit einer langen Vorrede (ein Druckbogen); vorbereitet wird zu gleichem Zwecke die „Geburt der Tragödie“, bereichert durch einen „Versuch einer Selbstkritik“, worin ich meiner Wagnerei und Romantik von Ehedem gründlich die Wahrheit gesagt habe. Bei C. G. Naumann habe ich vor wenig Wochen etwas Neues von Stapel laufen lassen: „Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft.“ Bis jetzt ist schon die Hälfte der Auflage abgesetzt; Naumann schrieb sehr vergnügt, — es ist als ob ein Bann von meinen Büchern genommen wäre, seit der lähmende und compromittirende Schmeitzner abgeschafft ist. Zuletzt freilich liegt mir nicht genug daran, von diesen gegenwärtigen Deutschen gelesen zu werden: sie haben Andres im Kopfe und in den Händen. Ich will nur, daß sie meine Bücher kaufen, nicht um mich zu bereichern, sondern exakt, daß ich, vollkommen unabhängig von Verlegern, etwas drucken kann und wieder zu meinen Druckkosten komme. So probire ich’s eben. Verzeihung, daß ich das neue Buch noch nicht geschickt habe: aber, eben im Begriff, die Ordre dazu zu geben, sah ich’s mir erst darauf an, ob es Euch Vergnügen machen werde, — und siehe, da schien mir’s gar nicht so! — Mein Aufenthalt in Deutschland hat sich dies Mal so gut gelohnt, wie noch nie; denn Alles war nur persönlich abzumachen. Das Wetter war sehr entgegen, schändlich heiß, schon im Mai (jeden Tag eine ganze Woche lang bis zu 30 Celsius im Schatten!) Freund Rohde in Leipzig saß wie auf einem Marterbett daselbst und nahm nach 6 Wochen Vorlesungen einen Ruf nach Heidelberg an (wo man äußerst glücklich über einen solchen Fang war und ihn umgehend zum Geheimen Hofrath und Mitglied des Badischen Oberschulraths gemacht hat) Ich habe mit ihm kein vernünftiges Wort geredet; mit Heinze habe ich im Rosenthal saure Milch (verzuckert und verzimmtet) gegessen, realiter und symbolice… „Alle Welt“ ist mir „gewogen“, was nicht hindert, daß mich „alle Welt“ seit 16 Jahren mit absoluter Unverständigkeit behandelt. In München liebenswürdiges Entgegenkommen, auch von Levi, der mir für den Fall eines Herbst-Aufenthaltes die schönsten Versprechungen machte: übrigens war er fast noch mehr Bizet-Enthusiast als ich. Er versprach mir, als Finesse ersten Ranges, eine kleine komische Oper von Cornelius: sonderbar! Hier im Engadin entdeckte ich, daß meine Tischnachbarin, ein Mädchen von 17 Jahren, die Schwester des „Barbiers von Bagdad“ — so heißt jene Oper — war, nämlich die Tochter jenes Cornelius (leider sans sa finesse —) Sonst habe ich wieder meine Engländerinnen, die alte Russin, den Holländer aus Java, der sich sehr mir angenähert hat und mir zum Abschied das Bild seines Kindes schenkte (— er hat seine junge Frau verloren und reist nun wieder aus der Sommerfrische im Engadin nach seinem Java zurück: wie rund die Erde wird, meine lieben Südamerikaner, nicht wahr? —) Dann sind c. 10 Universitätsprofessoren hier (in meinem Hause 4), mit denen ein artiger Verkehr stattfindet, ohne daß er mir die Einsamkeit nimmt. Sils, eine Sache ersten Rangs: unsere Halbinsel hat weder in der Schweiz, noch in dem mir bekannten Europa seines Gleichen. Lauter neue Wege: die Stelle, wo ich den Zarathustra ausgedacht habe und einst begraben sein wollte, ist jetzt zugänglich gemacht und als schönste Stelle des Engadin in Ruf gebracht. Was den Winter betrifft, so bleibt es bei Nizza: nur muß ich Jemanden schaffen, der meine Existenz daselbst „wördiger“ gestaltet (denn ich nähere mich dem unheimlichen Zeitpunkte, wo ich ein „berühmtes Thier“ bin und mich gegen Entrée sehen lasse…) Meine Gesundheit hat sich, nach dem Urtheile Aller, die mich wieder gesehn haben, entscheidend verbessert: Anzeichen davon — ich werde grob. Nur die Augen sind zurückgegangen, — weil ich zu viel geguckelt habe. Für die nächsten 4 Jahre ist die Ausarbeitung eines vierbändigen Hauptwerks angekündigt; der Titel ist schon zum Fürchten-Machen: „Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwerthung aller Werthe“. Dafür habe ich Alles nöthig, Gesundheit, Einsamkeit, gute Laune, vielleicht eine Frau.
So! Meine Lieben, nun habe ich entsetzlich lang von mir geschwätzt: aber das gehört wohl zu einem Briefe? — Aus der Stimmung, in der das Lama schrieb, dachte ich mir aus, wie Euer Klima ungefähr den Eindruck machen müsse, wie das von Nizza. Schade, daß Ihr so weit davon gelaufen seid! Und ich — professionell ein „guter Europäer“, habe es nicht so leicht, wie Ihr, Europa zu verlassen! Eigentlich darf ich’s nicht einmal. Auch hat mir jeder Capitän gesagt, mit dem ich ein Stückchen von 2—3 Tagen gefahren bin, daß ich zu denen gehöre, die an der Seekrankheit zu Grunde giengen, wenn ich’s weiter triebe, wie ich’s jedes Mal getrieben habe. —
Behaltet mich lieb, behaltet Euch lieb: es grüßt und umarmt Euch
brüderlich-schwägerlich
Euer Fritz.
— rings überall große Gemsenjagd, seit gestern —
742. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
hier kommt noch Etwas zum Durchlesen: bitte, lassen Sie Ihre kritischen Augen durch diese „Vorrede“ wandern und helfen Sie meiner Orthographie nach — und nicht nur der Orthographie! Sie haben zum Verändern unumschränkte Vollmacht! —
Senden Sie dann den Bogen an E. W. Fritzsch, Leipzig, Königsstrasse 6. — Es könnte vielleicht noch ein Nachtrag zu dieser Vorrede bei Ihnen eintreffen, den ich kürzlich an Fritzsch gesandt habe: doch scheint es mir, nach meiner Erinnerung, daß er etwas zu „persönlich“ gerathen ist, — mag er wegbleiben! Die Vorrede, so wie sie hier vorliegt, hat hoffentlich eine erträgliche Mitte zwischen dem Allzusubjektiven und Allzuobjektiven — jene Mitte, die den guten Geschmack einer Vorrede ausmacht? Oder was meinen Sie? — —
Auch eine neue Ausgabe von der „Geburt der Tragödie“ soll erscheinen, mit einem langen „Versuch einer Selbstkritik“, deren Manuscript schon an F<ritzsch> abgegangen ist. Im Winter will ich noch drei Vorreden machen 1) zum zweiten Bande von Menschl<iches>, Allzumenschliches: derselbe enthält die Vermischten Meinungen und den Wanderer;
-
zur „Morgenröthe“;
-
zur „Fröhlichen Wissenschaft“. Hier auch der angekündigte Lieder-Anhang „Lieder des Prinzen Vogelfrei“.
Auf diese Weise hoffe ich den Büchern ein neues Interesse und, buchhändlerisch betrachtet, auch Flügel zu geben. —
An Fritzsch habe ich kürzlich auch meinerseits den Wunsch ausgedrückt, daß er sich Ihr herrliches Adagio nicht entgehen lassen möge. Würden Sie damit übereinstimmen können, daß es vielleicht den Titel „Nachsommer-Musik“ erhielte? —
Dieses Jahr hat bisher bei mir etwas Aufräumendes und in-Ordnung-Bringendes gehabt. Auf das „Jenseits“ hat nach Naumann’s Bericht das „Publikum“ (oder wer?) tüchtig angebissen. Die ganze Schmeitzner-Misère ist zu Ende. Einzig Sie, lieber lieber Freund, sind noch im Zwischenreiche und purgatorio: oh was erfinden wir zusammen, damit auch Sie „in Ordnung gebracht“, vor Allem wieder „aufgeräumt“ werden? —
Die Cholera in Italien schließt mich auch von Corsika ab: die Inseln sind wie toll vor Angst. —
Seydlitzens sind jetzt wieder zurück und haben mir geschrieben. Bitte, sehen Sie sich seine Japonismen an — und, vielleicht, spielen Sie ihm etwas von Ihren Südlichkeiten und Süßigkeiten (frutta, aber bei Leibe nicht secca!) Was habe ich bedauert, Ihren „Löwen“ nicht in Sils zu haben! Es gab eine eminente Spielerin aus Wien, insgleichen eine Theater-Sängerin aus München, und ein sehr gewähltes „Publikum“ von 7—10 Personen, die von Musik etwas verstehen. Sonderbar! auch die Schwester des „Barbiers von Bagdad“, als meine Tischnachbarin (auf Deutsch: die Tochter des Prof. Cornelius). Übrigens merkte ich, daß Alles, was Artist ist, eigentlich nur für mich sang und spielte: was mich verwöhnen würde, wenn es so fortgienge.
Es scheint mir beinahe, daß Sie in München bleiben wollen? —
Grüßen Sie bestens Frau Rothpletz: Sie haben sie gut gezeichnet; ich glaube, ihr Wunsch zu helfen ist mitunter größer als ihr Zartsinn, aber was macht das! Vor allem ist sie tapfer in ihren Sympathien und Antipathien.
Erfreuen Sie mich recht bald, lieber Freund, mit ein paar Worten über Pläne, Möglichkeiten, Unmöglichkeiten: und ob es etwas giebt, wo ich in’s Spiel komme, wo ich ein Brückchen bauen darf, Ihnen zur Ehre oder zum Nutzen.
Treulich Ihr Freund
N.
NB. Ich sehe, daß ich oben etwas Unklares geschrieben habe: ich wollte sagen, daß Ihre Musik süß, südlich, eine sublime Südfrucht, aber ganz und gar nicht trocken sei.
743. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +]
— Du hast mir noch nicht geschrieben, daß Du die 75 Pfennige welche ich Dir für den Naumburger Zahnarzt gegeben habe, demselben eingehändigt hast. Es war für Zahnpulver. —
— Wenn die Druckerei gut von Statten geht, denke ich kurz nach der Mitte des Monats mich auf den Weg zu machen, hinunter ans Meer, bei Genua. Nur soll es noch sehr heiß dort sein. Herr Lanzky will mich empfangen: hätte ich nur etwas Vergnügen und Unterhaltung von diesem braven Menschen, da er mir keine Belehrung giebt! Ich fürchte mich auch vor Nizza in dieser Hinsicht: Himmel, was mich bisher die Menschen gelangweilt haben, und welche gute Miene habe ich dabei noch gemacht! — —
— Unsre Briefe haben sich gekreuzt. Meinen herzlichsten Dank, meine alte gute Mutter: Ein Brieflein hierher wird mich gerade noch erreichen.
In Liebe Dein Fritz
— Könntest Du nicht im Herbst (vielleicht zur Feier meines Geburtstags?) ein schönes Weintrauben-Kistchen an Herrn und Frau E. W. Fritzsch in Leipzig schicken? Königsstrasse 6. Sie sind aus Lützen; und F<ritzsch> hat doch ein großes Vertrauen zu mir bewiesen. —
744. An General Simon in Celerina (Visitenkarte)
Verehrter Herr General, meinen ergebensten Dank für Ihre und Ihrer Fräulein Tochter sehr gefällige Vermittlung (aus der sich vielleicht, ganz so wie in Nizza, eine wirkliche Verbesserung meines Lebens ergeben könnte) Es ist wahrscheinlich, daß ich von dieser neuen Möglichkeit Gebrauch machen werde: obschon ich bekennen muß, daß die Entschließung dazu dem „Einsiedler von Sils-Maria“ schwer genug wird, — namentlich seit dieser Ort sich in ein Professoren-Rendezvous zu verwandeln beginnt. Für Ihre Reise meine besten Wünsche; bisher muß, nach Briefen zu urtheilen, die Hitze überall noch groß sein. Mit der Bitte, mir auch fernerhin ein gutes Andenken zu bewahren, bleibe ich, der ich immer war,
Ihr dankbar-ergebener
F. N.
745. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
NB. Ich bleibe bis zum 15ten September noch in Sils-Maria. Bitte dringend bis zum 13ten Alles, was noch zu corrigiren ist, mir in
die Hände zu geben.
F. N.
Geehrtester Herr Verleger, Sie sehen, daß ich Ernst mache, um den Büchern zu einer neuen Reise Flügel zu schaffen. Hier ist die Lösung eines Problems: Sie senden Menschliches, Allzumenschliches in zwei Bänden zusammen in die Welt (nicht etwa zusammengebunden, sondern zu gleicher Zeit!) Ich sehe kein besseres Mittel, um die „Verm<ischten> Mein<ungen>“ und den „Wanderer“ flügge zu machen (Letzteres ist auf der Rückseite des Titelblattes als zweiter Anhang bezeichnet: bitte, sehen Sie nach!) — Die Vorrede zum ersten Band bleibt, wie sie in der ersten Fassung war; der nachträglich übersandte Anfang ist jetzt als Anfang der Vorrede zum zweiten Band verwendet.
Ihr F. N.
746. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Soeben, werthester Herr Verleger, kommt die Vorrede zur „Geburt der Tragödie“. Aber nein! das dürfen Sie mir nicht anthun, — und ich selbst werde es nie zulassen, daß ein Wort von mir von solcher Wichtigkeit, wie es diese Vorrede ist, dermaßen unaesthetisch und unwürdig vor die Welt gebracht wird. Mein Vorschlag war, sie solle genau nach dem Muster der Vorrede in „Jenseits von Gut und Böse“ gedruckt werden; ich wiederhole diesen Vorschlag und bitte überzeugt zu sein, daß ich viel lieber die Kosten eines Drucks gemäß meinem Geschmacke tragen will als in Ewigkeit mich ärgern, wenn ich das Buch später aufschlage. Geben Sie das Ms. an C. G. Naumann’s (die ja auch das Buch selbst gedruckt haben) und, wie gesagt, auf meine Rechnung.
Nichts für ungut!
Ihr ergebenster
Dr. Friedrich Nietzsche.
Abreise in Folge anhaltend schönen Wetters verschoben.
747. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
meinen besten Gruß und Dank voran! — Anbei die Bitte, noch die allerletzte (zweite) Revision der Vorrede zum zweiten Bande zu übernehmen. Es sind drei Stücke Manuscript zum Einschieben an Fritzsch abgesandt; ebenfalls die Aufforderung, Ihnen nunmehr Alles zu überlassen. Sie lesen ja meine Schrift so gut wie ich vielleicht nicht. — Schreiben Sie darüber: druckfertig H. K.
Es liegt mir etwas an dieser zweiten Vorrede. Um den ewigen Mißverständnissen in Bezug auf meinen Bruch mit R. W<agner> ein Ende zu machen, habe ich mich entschlossen, die Hauptsache deutlich zu sagen. Es ist freilich damit etwas gewagt. — Übrigens bin ich heil-froh, auf diese schreckliche und lebensgefährliche Wendung als auf ein „Hinter-mir“ blicken zu können. Im Handumdrehen hätte ich daran zu Grunde gehn können; ich bin nicht grob genug dazu, um mich von Menschen trennen zu können, die ich geliebt habe. Aber es ist geschehn: und ich lebe noch. —
Ein Wort hierher, wenn Alles fertig ist: gesetzt, ich reise ab, so folgt mir Alles unverzüglich nach. Wohin? —
Treulich Ihr Freund N.
— Ist es nicht ein Meisterstück und Kunstgriff, wie ich den Fritzsch zur Herausgabe der 2 Bände Menschl<iches> AIlzu<menschliches> gebracht habe? Ich meine, es wird sein Vortheil sein. (Mir scheint es eine Erlösung.)
748. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Bitte, lieber Freund, stellen Sie auf Seite V der zweiten Vorrede den Text dergestalt fest:
gegen ein Stück Vergangenheit, gegen die
schönste, auch gefährlichste Meeresstille
meiner Fahrt… und thatsächlich eine
Loslösung, ein Abschiednehmen.
Das letzte Wort also nicht gesperrt! — Ich denke, daß spätestens in 5 Tagen die allerletzten Revisions-Abzüge in Ihren Händen sind. —
Mit der Ausstattung vom „Versuch einer Selbstkritik“ (Einleitungs-Ersatz von „Geburt der Tragödie“) war ich so unzufrieden, daß ich sie sofort an E. W. Fr<itzsch> zurückgesandt habe: mit der Aufforderung, sie C. G. Naumann zu übergeben: der soll sie nach meinem Geschmack und auch auf meine Kosten herstellen. — Hoffentlich erwächst Ihnen, lieber Freund, daraus keine doppelte Arbeit! —
Allerschönstes, mildestes, klarstes September-Wetter! —
Herzlich grüßend F. N.
749. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Geehrtester Herr,
so eben habe ich dem Banquier Kürbitz in Naumburg den Auftrag gegeben, an Ihre werthe Adresse die Summe von 881 Mark abgehen zu lassen: was, wie ich voraussetzen darf, unverzüglich geschehn wird. Für alle Ihre Mittheilungen meinen ergebensten Dank; wenn nicht Alles trügt, so wird dies Buch sich gut verkaufen. Eben fand ich, im Berner Bund, einen Aufsatz über dasselbe, mit dem Titel „Nietzsches gefährliches Buch“, man kann sich keine stärkere Verlockung zum Kaufen denken als sie dieser Artikel giebt. — Jener Herr Dr. Welti, dessen Brief Sie beilegten, ist, wie man mir hier mitgetheilt hat, der Sohn des alten Bundespräsidenten der Schweiz; er gilt als sehr gescheut. —
Ihnen und Ihrem Herrn Bruder sich dankbar empfehlend
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
750. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +] diese „Vorkämpferin für Frauenrechte“ mit einer andren „Vorkämpferin“ bekannt zu machen, die meine Tischnachbarin ist, Miss Helen Zimmern, etwas sehr Gescheutes, (sie hat die Engländer mit Schopenhauer bekannt gemacht) übrigens nicht Engländerin, sondern — Jüdin. Der Himmel erbarme sich des europäischen Verstandes, wenn man den jüdischen Verstand davon abziehen wollte! Man erzählte mir von einem jungen Mathematiker in Pontresina, der vor Aufregung und Entzücken über mein letztes Buch ganz die Nachtruhe verloren habe; als ich genauer nachfragte, siehe, da war es auch wieder ein Jude (ein Deutscher läßt sich nicht so leicht im Schlafe stören —) Verzeihung für diese Scherze, meine gute Mutter! — Übrigens habe ich die Zusammenkunft mit Herrn Lanzky hintertrieben, ich bekam Angst, er möchte mich wieder so langweilen wie vor zwei Jahren. Vor Nizza fürchte ich mich, von wegen der eifersüchtigen alten Frauen, aber es wird doch nichts Anderes herauskommen. Nur daß ich vielleicht eine Zwischenstation in der Nähe von Genua mache. Hier geht der Rest der Gesellschaft in dieser Woche fort, ich also auch: da es nachher mit der Ernährung hapert. —
Ich bedarf sehr der Erholung: es ist schlimm, daß ich gar keine Menschen habe, die es verstünden, mich zu erholen.
Für Deine schöne Versprechung in Betreff eines Kistchens danke ich Dir herzlich: aber, wie gesagt, ich bin auf der Abreise. — Fritzschens Adresse ist: Leipzig, Königsstr. 6
Deine Nachrichten über unsre Südamerikaner haben etwas Beunruhigendes: es läuft auch da drüben, wie es scheint, auf die alte Nervenaufregung und Hetzerei hinaus? — Das Lama als Landwirthin, welche Butter und Milch verkauft! Nein, welche Komödie! —
Dein alter Sohn.
Adresse: Genova (Italia) poste restante.
751. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Lieber Freund, ich entschließe mich schwer, fort zu gehn, weiß auch noch nicht, wohin. Nach Corsika nicht; auch Nizza ist mir verleidet, seit ich Sie nicht mehr daselbst erwarten darf. Wo giebt es Menschen, die mich etwas zu erholen vermöchten!
Bitte, geben Sie mir noch hierher Auskunft, ob die Schluß-Redaktion der 2ten Vorrede in Ihren Händen ist: ebenfalls ob Fritzsch sich entschlossen hat, die Selbstkritik genau so wie die Vorreden auszustatten. Ich lege großen Werth darauf. Der „Bund“ hat, aus der Feder des Redakteurs V. Widmann, einen starken Aufsatz über mein Buch, unter dem Titel Nietzsche’s gefährliches Buch. Gesammt-Urtheil „das ist Dynamit“.
Schließliche Anfrage: wo giebt es jetzt Carmen zu hören? Ist es in München vorbereitet? — Daß Sie wieder componiren, erbaut mich sehr: oh daß Sie über Portofino säßen, in Ruta, bei der Pinie, wo man das Promontorio für sich hat! Bleiben Sie südlich, und sei es auch nur dem Glauben nach!
N.
Abreise Ende der Woche.
752. An Paul Deussen in Berlin
Lieber alter Freund,
es giebt, wie man mir mittheilt, den schönsten Anlaß, Dir Glück zu wünschen — oder vielmehr nicht einmal erst zu wünschen. Halte fest, was Du jetzt hast, mein alter Freund und Kamerad, sonderlich wenn das „Glück“, wie in Deinem Falle, ein gutes Weib ist; denn das Glück läuft gar zu gerne von Unsereinem davon (nämlich von uns Philosophen und Unthieren der Erkenntniß…)
Zum Zeichen, wie gern ich einmal mich wieder in Deiner Nähe wissen würde, habe ich mir erlaubt, Dir mein jüngstes und bösartigstes Kind zuzusenden: hoffentlich lernt es in Deiner Nähe etwas „Moralität“ und Vedanteske Würde, da es an Beidem von seinem Vater her Mangel leidet. „Jenseits von Gut und Böse“ heißt es; eben las ich bereits einen furchtbar ernsten Aufsatz darüber unter dem Titel „Nietzsches gefährliches Buch“ — es wird das Thema durchfigurirt „das ist Dynamit“…
Was liegt darin! War jemals ein Mensch verwegener zu den Dingen gestellt, als ich? Man muß es aushalten können: das ist die Probe; was man dazu „sagt“, davon „denkt“, ist mir gleichgültig. Schließlich — ich will nicht für heute und morgen, sondern für Jahrtausende Recht behalten.
Diesen Sommer sprach ich öfter über Dich mit Leskien (Sils Maria ist nämlich in der zweiten Hälfte des Sommers ein wahres Professoren-Rendezvous: so daß der alte „Einsiedler von Sils-Maria auf dem Laufenden erhalten wird — — ja, ja, auf dem Laufenden, aber zum Davonlaufen, was die heutigen deutschen Universitäts-Bildungs-Zustände anbetrifft). Leskien erzählte von der außerordentlichen Schätzung, welche Böthlingk für Dein Werk habe; er meinte, es würde leichter sein, Dir eine Sanskrit-Professur als einen Lehrstuhl (Lehnstuhl) für Philosophie zu schaffen. Im Grunde hättest Du Dich mit Deiner Doppel-Begabung zwischen zwei Stühle gesetzt: — man läßt ja nach alter Gelehrten-Gewöhnung nur die „Spezialität“ gelten, man darf nicht zweien Herrn dienen, zumal wenn es zwei Weiber sind, wie Philologie und Philosophie…
Mir selbst hat Dein Buch immer von Neuem wieder tiefes Interesse und Belehrung gegeben: ich wünschte, es gäbe etwas ähnlich Klares, Dialektisch-Durchgearbeitetes auch für die Sankhya-Philosophie. —
Behalte in gutem Gedächtnisse Deinen
Freund Friedrich Nietzsche.
753. An Hippolyte Taine in Meuthon St. Bernard (Entwürfe)
Verehrter Herr
mein Buchhändler hat von mir den Auftrag erhalten, Ihnen ein Exemplar meines letzten Buchs zu übersenden; ich denke, daß er seine Schuldigkeit thun wird und halte meinerseits ein paar Worte für nöthig, die
der Auftrag, den ich m<einem> V<erleger> gab, Ihnen <ein Exemplar meines letzten Buches zu übersenden,> wird hoffentlich erfüllt sein: gestatten Sie mir ein paar Worte, um die
Freiheit, welche ich mir hiermit gegen Sie nehme, zu rechtfertigen.
Das übersandte Werk ist schwer verständlich, voller Hintergedanken, eine fremde Denkweise vielleicht mehr noch verbergend als verrathend: welchen Lesern kann ein solches Buch billigerweise zugemuthet werden? Den Allerwenigsten jedenfalls, den wirklichen Räthselrathern, den historischen „Zeichendeutern“. Dabei dachte ich zum Beispiel an meinen verehrten alten Freund Jakob Burckhardt in Basel; nehmen Sie es wohlwollend auf, hochverehrter Herr, daß ich dabei auch an Sie gedacht habe, dessen Muth, Feinheit, Ausdauer und geistige Umfänglichkeit innerhalb unsres zweifelsüchtigen Europas zu den bestbewiesenen Thatsachen gehört.
Überdies
sind Sie einer der Entdecker Henri Beyles auch ich bin Einer
gäbe es zwischen uns etwas Gemeinsames: Ihre Liebe zu
dem letzten großen Psychol<ogen> H<enri> B<eyle>
Es giebt Wahrheiten, die nur „ins Ohr gesagt“ werden dürfen: laut ausgesprochen, würden sie nicht gehört. Versuchen Sie es, ob mein Buch dergleichen Wahrheiten enthält.
Darf ich Einem der tapfersten und unabhängigsten meiner Zeitgenossen ein Buch in die Hände legen, in dem etwas gewagt wird, das bisher nicht seines Gleichen hatte? Ein großes Geheimniß drückt wie eine große Verantwortlichkeit, — und verlangt Ohren in denen es — — —
754. An Jacob Burckhardt in Basel
Hochverehrter Herr Professor,
es thut mir wehe, so lange Sie nicht gesehn und gesprochen zu haben! Mit wem möchte ich eigentlich noch sprechen, wenn ich nicht mehr zu Ihnen sprechen darf? Das „silentium“ um mich nimmt überhand. —
Hoffentlich hat inzwischen C. G. Naumann seine Schuldigkeit gethan und mein letzthin erschienenes „Jenseits“ in Ihre verehrten Hände gelegt. Bitte, lesen Sie dies Buch, (ob es schon dieselben Dinge sagt, wie mein Zarathustra, aber anders, sehr anders —). Ich kenne Niemanden, der mit mir eine solche Menge Voraussetzungen gemein hätte wie Sie: es scheint mir, daß Sie dieselben Probleme in Sicht bekommen haben, — daß Sie an den gleichen Problemen in ähnlicher Weise laboriren, vielleicht sogar stärker und tiefer noch als ich, da Sie schweigsamer sind. Dafür bin ich jünger… Die unheimlichen Bedingungen für jedes Wachsthum der Cultur, jenes äußerst bedenkliche Verhältniß zwischen dem, was „Verbesserung“ des Menschen (oder geradezu „Vermenschlichung“) genannt wird, und der Vergrößerung des Typus Mensch, vor Allem der Widerspruch jedes Moralbegriffs mit jedem wissenschaftlichen Begriff des Lebens — genug, genug, hier ist ein Problem, das wir glücklicher Weise, wie mir scheint, mit nicht gar Vielen unter den Lebenden und Todten gemein haben dürften. Es aussprechen ist vielleicht das gefährlichste Wagniß, das es giebt, nicht in Hinsicht auf den, der es wagt, sondern in Hinsicht auf die, zu denen er davon redet. Mein Trost ist, daß zunächst die Ohren für meine großen Neuigkeiten fehlen, — Ihre Ohren ausgenommen, lieber und hochverehrter Mann: und für Sie wiederum werden es keine „Neuigkeiten“ sein! — —
Treulich
der Ihre
Dr. Friedrich Nietzsche.
Adresse: Genova, ferma in posta.
755. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
inzwischen wird der durchcorrigirte Bogen (mit dem Vermerk „Vorausgesetzt“) Ihnen gezeigt haben, daß ich von selbst auf die Vermuthung gekommen bin, es möchte sich hier nur um ein Mißverständniß zwischen Verleger und Drucker handeln. Also Versöhnung mit der Officin Röder, vorausgesetzt, wie gesagt, daß diese Vorrede genau nach dem Maaßstabe der 2 anderen hergestellt wird. —
Ich bin auf der Abreise. Meine Adresse ist für die nächste Zeit:
Genova (Italia) poste restante. Um Verwechselungen zu verhüten, empfehle ich auf allen Adressen den Namen Nietzsche zu unterstreichen (die italiänischen Postbeamten wissen bei deutschen Adressen oft nicht, was Hauptname und Vorname ist, da die Italiäner die Gewohnheit haben, den Vornamen nachzusetzen)
In Betreff der von Ihnen vorgelegten Alternative würde ich sehr befürworten, die drei Werke als nova für Rechnung auf 1887 zu versenden — also erst im Dezember! Inzwischen nämlich wird mein letzthin herausgegebenes „Jenseits“ die Aufmerksamkeit hinreichend auf meinen Namen lenken und dient insofern als „Appetitmacher“ und Stomachicum für meine Art von Litteratur (— die nicht zur „leichten“ gehört! —)
— Der „Bund“ hatte zwei Artikel über das genannte Werk unter dem Titel: Nietzsches gefährliches Buch. Der Anfang lautete: „Jene Wagen, welche den zum Bau der Gotthardbahn nöthigen Dynamit an Ort und Stelle zu bringen hatten, trugen eine schwarze, auf Todesgefahr deutende Flagge...“ Der ganze Aufsatz war ein Muster von unfreiwilliger Reklame. —
Haben Sie die Gefälligkeit, mir von jedem der drei Werke ein fertiges Exemplar zu senden, sobald es fertige Exemplare giebt. Und, wie gesagt, nach Genova, poste restante.
Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
756. An Malwida von Meysenbug in Rom
Verehrte Freundin.
letzter Tag in Sils-Maria; alle Vögel bereits fortgeflogen; der Himmel herbstlich-düster; die Kälte wachsend, — also muß der „Einsiedler von Sils-Maria“ sich auf den Weg machen.
Nach allen Seiten habe ich noch Grüße ausgeschickt, wie Jemand, der auch mit seinen Freunden die Jahres-Abrechnung macht. Dabei ist mir eingefallen, daß Sie seit lange keinen Brief von mir haben. Eine Bitte um Ihre Adresse in Versailles, welche ich brieflich an Fräulein B. Rohr in Basel ausgesprochen habe, ist mir leider nicht erfüllt worden. So sende ich denn diese Zeilen nach Rom: wohin ich auch vor Kurzem ein Buch adressirt habe. Sein Titel ist „Jenseits von Gut und Böse, Vorspiel einer Philosophie der Zukunft“. (Verzeihung! Sie sollen es nicht etwa lesen, noch weniger mir Ihre Empfindungen darüber ausdrücken. Nehmen wir an, daß es gegen das Jahr 2000 gelesen werden darf…)
Für Ihre gütige Erkundigung bei meiner Mutter, von der ich dieses Frühjahr hörte, danke ich Ihnen von Herzen. Ich war gerade in übler Verfassung: die Wärme, an die ich Gletscher-Nachbar nicht mehr gewöhnt bin, erdrückte mich beinahe. Dazu fühle ich mich in Deutschland wie von lauter feindlichen Winden angeblasen, ohne irgend welche Lust oder Verpflichtung zu spüren, meinerseits dagegen zu blasen. Es ist einfach ein falsches Milieu für mich, was die Deutschen von heute angeht, geht mich nichts an, — was natürlich kein Grund ist, ihnen gram zu sein. —
So hat sich denn der alte Liszt, der sich auf’s Leben und Sterben verstand, nun doch noch gleichsam in die Wagner’sche Sache und Welt hinein begraben lassen: wie als ob er ganz unvermeidlich und unabtrennlich hinzugehörte. Dies hat mir in die Seele Cosima’s hinein weh gethan: es ist eine Falschheit mehr um Wagner herum, eins jener fast unüberwindlichen Mißverständnisse, unter denen heute der Ruhm Wagner’s wächst und ins Kraut schießt. Nach dem zu urtheilen, was ich bisher von Wagnerianern kennen gelernt habe, scheint mir die heutige Wagnerei eine unbewußte Annäherung an Rom, welche von innen her dasselbe thut, was Bismarck von außen thut.
Selbst meine alte Freundin Malvida — ah, Sie kennen sie nicht! — ist in allen ihren Instinkten grundkatholisch: wozu sogar noch die Gleichgültigkeit gegen Formeln und Dogmen gehört. Nur eine ecclesia militans hat die Intoleranz nöthig; jede tiefe Ruhe und Sicherheit des Glaubens erlaubt die Skepsis, die Milde gegen Andere und Anderes…
Zum Schluß schreibe ich Ihnen ein paar Worte über mich ab, die im „Bund“ (16. und 17. Sept.) zu lesen sind. Überschrift: Nietzsches gefährliches Buch.
„Jene Dynamitvorräthe, die beim Bau der Gotthardbahn verwendet wurden, führten die schwarze, auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge. — Ganz nur in diesem Sinne sprechen wir von dem neuen Buche des Philosophen Nietzsche als von einem gefährlichen Buche. Wir legen in diese Bezeichnung keine Spur von Tadel gegen den Autor und sein Werk, so wenig als jene schwarze Flagge jenen Sprengstoff tadeln sollte. Noch weniger könnte es uns einfallen, den einsamen Denker durch den Hinweis auf die Gefährlichkeit seines Buchs den Kanzelraben und den Altarkrähen auszuliefern. Der geistige Sprengstoff, wie der materielle, kann einem sehr nützlichen Werke dienen; es ist nicht nothwendig, daß er zu verbrecherischen Zwecken mißbraucht werde. Nur thut man gut, wo solcher Stoff lagert, es deutlich zu sagen „Hier liegt Dynamit!“
Seien Sie mir also, verehrte Freundin, dafür hübsch dankbar, daß ich mich von Ihnen ein wenig ferne halte!... Und daß ich mich nicht darum bemühe, Sie auf meine Wege und „Auswege“ zu locken. Denn, um nochmals den „Bund“ zu citiren:
„Nietzsche ist der Erste, der einen neuen Ausweg weiß, aber einen so furchtbaren, daß man ordentlich erschrickt, wenn man ihn den einsamen, bisher unbetretenen Pfad wandeln sieht!“...
Kurz und gut, es grüßt Sie von Herzen
Der Einsiedler von Sils-Maria.
Adresse zunächst: Genova: ferma in posta.
757. An Emily Fynn in St. Moritz
Verehrteste Frau,
erster Versuch, ein Paar Worte aus einer neuen Welt heraus zu schreiben: Verzeihung, wenn die Feder es nur bis zu Klecksen bringt!
Links der Golf von Genua bis zum Leuchtthurm; unter dem Fenster und nach den Bergen zu Alles grün, dunkel, erquicklich für das Auge. Das Albergo Italia reinlich und gefällig eingerichtet: die Küche abscheulich; noch keinen ordentlichen Bissen Fleisch zu sehen bekommen. Um so preiswürdiger ist die reine und nicht erschlaffende Luft, die Gänge hoch zwischen zwei Meeren, ein Pinienwald mit fast tropischer Üppigkeit. Wir haben schon drei Mal grosse Feuer angezündet; es giebt nichts Schöneres als die Flammen gegen den reinen Himmel lodern zu sehn. —
Einsamkeit wie auf einer Insel des griechischen Archipelagus; rings zahllose Bergketten. Mein Freund aus Florenz seit vorgestern einlogirt. —
Unten, in Portofino, weilen gerade der deutsche Kronprinz, zusammen mit dem Grafen von Paris, — und Herr von Keudell: ein Zusammentreffen, das zu denken giebt. —
— Es ist kein Zweifel, dass Portofino es verdient, in Musik gesetzt zu werden. Im Vergleich zur Riviera ist es stiller, heimlicher, auch anständiger, und weniger africanisch.
— Ich danke von Herzen für den telegraphischen Reise-Glückwunsch, der ganz im rechten und letzten Augenblicke an den Einsiedler von Sils-Maria eintraf. Eine Stunde später: und der letzte Vogel flog davon. —
„Nun geht der Winter los“, sagte mein Wirth als ich abreiste.
Hoffentlich ein guter, sonniger, stärkender Winter! Ein deutscher Herr aus Genua sagte mir gestern, wenn er freie Verfügung über sich hätte, so würde er den Winter nie in Genua, sondern in St. Moritz zubringen.
So geht es! Er wünschte sich eben dorthinauf, von wo ich eben herabgeflogen war!
— Vielleicht haben Sie also „das bessere Theil“ erwählt? … Zum Mindesten ist dies mein herzlicher Wunsch, wenn ich an Sie und Ihre verehrte Freundin denke, der ich meine ergebensten Grüsse auszurichten bitte.
In dankbarer Erinnerung
Ihr Prof. Dr. Nietzsche
758. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
in Erwiderung Ihres gefälligen Briefes will ich dies Mal nur meine Ungeneigtheit ausdrücken, auf den Wunsch des Herrn Conradi einzugehn. Solche vierundzwanzigjährige Dichterlinge sind die letzten Leser, die ich mir wünsche; noch weniger möchte ich von ihnen gelobt und öffentlich ausposaunt sein. —
Die Adresse des Herrn Köselitz ist: München, Türkenstrasse 33 III r. Meine eigene Adresse: Nizza (France) poste restante.
Mit den besten Wünschen
Ihr ergebenster Dr. F. Nietzsche
759. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
ein Wort aus diesem wunderlichen Welt-Winkel, wo ich Sie selbst lieber wüßte als in München. Denken Sie sich eine Insel des griechischen Archipelagos, mit Wald und Berg willkürlich überworfen, welche durch einen Zufall eines Tags an das Festland herangeschwommen ist und nicht wieder zurück kann. Es ist etwas Griechisches daran, ohne Zweifel: andrerseits etwas Piratenhaftes, Plötzliches, Verstecktes, Gefährliches; endlich, an einer einsamen Wendung, ein Stück tropischen Pinienwaldes, mit dem man aus Europa weg ist, etwas Brasilianisches, wie mir mein Tischgenosse sagt, der die Erde mehrmals umreist hat. Ich lag nie so viel herum, in wahrer Robinson-Insularität und -Vergessenheit; mehrfach auch lasse ich große Feuer vor mir empor lodern. Die reine unruhige Flamme mit ihrem weißgrauen Bauche sich gegen den wolkenlosen Himmel aufrichten zu sehn — Haidekraut rings herum, und jene October-Seligkeit, welche sich auf hundert Arten Gelb versteht — oh lieber Freund, ein solches Nachsommer-Glück wäre etwas für Sie, ebensosehr und vielleicht noch mehr als für mich! Im Albergo d’Italia (das vorzüglich reinliche Zimmer hat, leider eine italiänische Küche alla Veneziana) wohne ich für 5 frs. den Tag, tutto compreso, auch der Wein. Der Hr. Altsmann, der jetzt mit im Hôtel wohnt (Lehrer an dem Istituto technico in Genova) sagt mir, daß man viel billiger leben könne, wenn man sich ein einzelnes Zimmer in einem der hübschen ringsum zerstreuten Häuser miethe; seine zwei Mahlzeiten im Hôtel werde man für 2 1/2 frs. (vino compreso) arrangiren können.
Hierher habe ich Sie mir gedacht, mein lieber Freund, daß Sie den Muth und die Inspiration finden möchten, Ihren Lebensweg weiter zu gehn und Ihr Lebenslied immer schöner zu singen. Man kann hier das ganze Jahr sein und arbeiten, nach Urtheil und Erfahrung des Professor Altsmann; es giebt einen venticello, eine leichte spielende Vorgebirgs-Luft, welche auch den Sommer hier zu leben anräth: darauf hin giebt es viele Villen alter Seekapitäne oder Genueser, auch die eines englischen Zahnarztes (der z. B. eine kleine Wohnung von 3 Räumen, möblirt, das Jahr für 300 frs. anbietet). Gesetzt, Sie fänden aus meinen Worten etwas heraus, worauf hin Sie selbst Pläne zu machen anfiengen, so will ich Ihnen einen ausgezeichneten ernsten Deutschen in Genua nennen, der um meinetwillen Ihnen gewiß mit Rath und That entgegenkommen wird. Schreiben Sie, bitte, an mich mit dieser Adresse: Nizza (France) poste restante. —
Treulich Ihr Freund
Nietzsche.
Jener erwähnte Deutsche heißt Zilliken (Genova, Vico di Negri 4); ich will ihn morgen besuchen und ihm von Ihnen erzählen. (Er ist Kaufmann oder Banquier)
Gehen Sie, bitte, zu Maler Hans Bartels (der auch Ruta und diese Küste kennt), bringen Sie meine Grüße und vielleicht auch jene 2 Nummern des „Bund“ zum Lesen, welche Naumann Ihnen gesendet hat.
Anbei ein Brief Hegar’s über den „Hymnus an das Leben“. Ihre Mitbetheiligung habe ich absolut verschwiegen.
Lieber Freund, wäre es Ihnen möglich (vorausgesetzt, daß Sie mir eine große Weihnachts-Freude machen wollen —) jenem „Hymnus an das Leben“ ein Klavier-Arrangement angedeihn zu lassen (vierhändig, mit jenem Raffinement der Vierhändigkeit, auf welches man sich jetzt versteht und von dem ich, als ich jung war, gar nichts wußte). In diesem Falle würde ich mir erlauben, das Manuscript an Ihre Münchner Adresse zu senden.
F. N.
760. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, mit herzlichem Danke Deinen Brief endlich erhalten; er war in Genua auf der Post, also von Sils mir nachgeschickt. Willst Du mir jetzt schreiben, so adressire: Nizza (France) poste restante. Aber nichts senden! Für die gütige Intention der Sandtorte bedanke ich mich schönstens, ebenfalls über die Nachricht von jenem theologischen Gedichte. Inzwischen gieng es nicht zum Besten; ich war der letzte Vogel, der aus Sils davonflog. Hier an der Küste war es freilich sehr warm; aber auf Bergrücken zwischen 2 Meeren wandelnd, viel im Schatten liegend, auch große Feuer zum Vergnügen anzündend, habe ich’s ausgehalten. Das Schlimmste war die abscheuliche Ernährung — und, daß ich nicht allein war! Herr L<anzky> (der mir die Einsamkeit nimmt, ohne mir die Gesellschaft zu geben), geht aber glücklicher Weise nicht mit nach Nizza. So viel ist erreicht. — Herrlicher Brief des Prof. Jakob Burckhardt über mein „gefährliches Buch“ wie es die Zeitungen nennen. In Liebe Dein alter Sohn.
F.
761. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
gestern kam Dein Brief (mit dem Gelde) in meine Hände, der mich über Deine Basler Wohnungsnoth unterrichtete. Nein, welche Tribulation! Welche Koboldigkeit des Zufalls! Ich drücke Dir und Deiner lieben Frau mein herzlichstes Bedauern aus. —
Schöner, erquicklicher Herbst, nach einem Jahre, das für mich mancherlei Spannung, aber noch mehr Lösung und Abthun mit sich brachte. Das Letzte ist, daß zwei meiner früheren Bücher in neuen Ausgaben erscheinen, die „Geburt der Tragödie“, bereichert durch einen als Vorrede vorauslaufenden „Versuch einer Selbstkritik“, den ich Deiner Aufmerksamkeit empfehle; insgleichen Menschliches Allzumenschliches in 2 Bänden, mit langen Vorreden, in denen einige Winke für solche gegeben sind, welche sich ernsthaft auf mein „Verständniß“ vorbereiten wollen. Übrigens hat es mit dem „Verstandenwerden“ etwas auf sich; und ich hoffe und wünsche, es möge noch eine gute Zeit dauern, bis es dazu kommt. Am besten wäre es wohl erst nach meinem Tode. Es hat mich ordentlich beruhigt, daß auch ein so feiner und wohlwollender Leser, wie Du es bist, immer noch zweifelhaft darüber bleibt, was ich eigentlich will: meine Angst war groß geworden gerade in der umgekehrten Richtung, nämlich, daß ich dies Mal etwas zu deutlich gewesen sei und „mich“ zu früh schon verrathen habe. Es liegt auf der Hand: ich muß erst noch eine Menge erzieherischer Prämissen geben, bis ich mir endlich meine eignen Leser gezüchtet habe, ich meine Leser, die meine Probleme sehn dürfen, ohne an ihnen zu zerbrechen. Ein Aufsatz des Dr. Widmann im Bund (vom 16. und 17. Sept., lies ihn!) gab mir die Besorgniß, daß das Auge aller Art Polizei auf mich vorzeitig gelenkt werde; der Titel des Aufsatzes war „Nietzsches gefährliches Buch“, der erste Satz lautete ungefähr: „jene Dynamitvorräthe, die beim Bau der Gotthardbahn verwendet wurden, führten die schwarze, auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge.“ —
Meine Adresse ist von nun an wieder: Nizza (France) poste restante. — Über meine „Stimmung“ darfst Du unbesorgt sein; ich sollte denken, die aggressive und militärische Laune meines letzten Buchs sei ein gutes Symptom? —
J. Burckhardt’s Brief, der kürzlich anlangte, betrübte mich, trotzdem er voll von der höchsten Auszeichnung für mich war. Aber was liegt mir jetzt daran! Ich wünschte zu hören „das ist meine Noth! Das hat mich stumm gemacht!“ — In diesem Sinne allein, mein alter Freund Overbeck, leide ich an meiner „Einsamkeit“. An Menschen fehlt mir’s nirgends, aber an solchen, mit denen ich meine Sorgen, meine Sorgen gemein habe! — Aber das ist eine alte Geschichte; und ich habe es hübsch bewiesen, daß ich es trotzdem aushalte. —
In Sils (welches ein Professoren-Rendezvous wird —) hatte ich Verkehr mit Deinem Collegen Brieger, welcher wünschte, Dir durch mich empfohlen zu sein. Er sagte, ernsthaft und ohne Koketterie, die Leipziger hätten sich vergriffen bei seiner Wahl, sie hätten Harnack nehmen müssen. — Maurenbrecher brachte Heinze’s Grüße; insgleichen hat sich Pflugk-Hartung mir vorgestellt. Auch mein Holländer war da u.s.w. u.s.w.
Treulich Dein
Nietzsche
762. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).
Werthester Herr Verleger, beim Rückblick auf das letztvergangene Jahr — denn der 15. October ist mein Geburtstag — erinnere ich mich mit Dankbarkeit daran, daß mir in demselben von Niemandem ein größeres Zeichen von Vertrauen gegeben worden ist als von Ihnen. Möge Ihnen dasselbe vergolten werden, wie sich’s gebührt, in jedem Sinne! — Meine Adresse ist von nun an (und für den ganzen Winter): Nizza (France) poste restante; dahin bitte ich vor Allem die fertigen Exemplare, um welche ich im letzten Briefe bat, zu senden. — Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin sich angelegentlich empfehlend
Ihr Prof. Dr. Nietzsche
763. An Gottfried Keller in Zürich
Hochverehrter Herr,
inzwischen habe ich mir die Freiheit genommen, einer alten Liebe und Gewohnheit gemäß, Ihnen mein letztes Buch zu übersenden; mindestens bekam mein Verleger C. G. Naumann den Auftrag dazu. Vielleicht geht dies Buch mit seinem Fragezeichen-Inhalte wider Ihren Geschmack: vielleicht nicht seine Form. Wer sich ernsthaft und mit herzlicher Neigung um die deutsche Sprache bemüht hat, wird mir schon einige Gerechtigkeit widerfahren lassen müssen: es ist Etwas, so sphinxartige und stummgeborne Probleme, wie die meinen sind, zum Reden zu bringen. —
Im letzten Frühling bat ich meine alte Mutter, mir Ihr Sinngedicht vorzulesen, — und wir Beide haben Sie dafür aus vollem Herzen gesegnet (auch aus vollem Halse: denn wir haben viel gelacht): so rein, frisch und körnig schmeckte uns dieser Honig. —
Mit dem Ausdruck treuer Anhänglichkeit und Verehrung
Ihr Prof. Dr. Friedrich Nietzsche.
764. An General Simon in Siena (Entwurf)
Ein Gruß aus Nizza — denn ich habe es gemacht, wie dies Mal es alle Welt zu machen scheint und bin zeitiger als sonst nach Nizza gegangen. In der That hat die saison hier gut begonnen: in der Stadt verspricht man sich dies Mal sogar etwas Glänzendes. In unsrer Pension de Genève ist bereits die halbe Tafel voll geworden, Alles ist täglich im Gange, die benachbarte Villa Speranza gehört jetzt mit zum Hôtel, so daß es gegen 40 Zimmer mehr giebt als sonst; ich selber wohne in diesem Nebenhause, aus Gründen der Ruhe, und weil ich ein großes hohes Zimmer brauche, um arbeiten zu können. Vorhin sagte mir Mad. Savornin (welche großen Werth darauf legen würde, Sie und Ihre Frl Tochter wieder unter ihren Gästen zu haben) sie werde Alles thun, damit Sie es bequemer hätten, als das letzte Jahr Ihres Hierseins und zb. nicht so hoch zu steigen hätten: kurz, sie offerirt Ihnen ein anderes tiefer gelegenes Zimmer. Es sind auch die alten Gesichter wieder unter der Bedienung, die fleißige Rosalie, dann der Kellner vom Winter 1884—5, als Kassirerin Frau OKonnor; neu ist die jüngste Schwester von Mad. Savornin. Ungefähr 6 Gäste vom vorigen Winter habe ich wiedererkannt. — Bei Tisch erzählte mir ein Italiäner, der in Verbindung mit den offiziellen Kreisen Roms ist, daß daselbst die Cholera in weit höherem Grade hause als man das in der Presse eingestehen dürfe: c. 50 Fälle den Tag. In der That scheint die Begünstigung, welche die Riviera dies Mal seitens der Fremden erfährt, zu einem guten Theil von dem Mißtrauen abzuhängen, welches das durchseuchte Italien macht.
765. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Dem religiösen Gedicht solltest Du keine solche Ehre anthun, meine gute liebe Mutter: dergleichen drechselt man als Gymnasiast auf Bestellung. Genau gesprochen, mit einem thüringischen Charakter im Leibe kommt es Unser Einem auf eine Handvoll Lügen nicht an, sofern es sich nämlich um eine Gefälligkeit handelt; und eine Gefälligkeit gegen den alten Niese war es, daß ich damals dies offizielle Gedicht machte, während alle meine Kameraden Nein sagten. —
Bis jetzt ist wenig Gutes zu melden; kein Mensch in der Welt sorgt mehr für mich, die lästigsten Zufälle, denen ich nicht gewachsen bin, fallen über mich her
766. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment).
[+ + +] hier in Nizza. —
Dein guter Brief war mein Empfang in Nizza. Dem Gedicht, welches Du für mich abgeschrieben hast, möchte ich nicht so viel Ehre geben, wie Du thust: es ist aus Gefälligkeit gegen den alten Niese gemacht. Wir Thüringer mit unsrem nachgiebigen Charakter thun manche Dinge, die wir eigentlich nicht thun sollten. —
Heinze’s sind gut gegen mich: aber, da sie nichts davon halten, auch vielleicht nichts davon verstehen, wer ich eigentlich bin, was ich eigentlich will, so darf man kein Haus auf sie bauen. Dasselbe gilt leider von fast allen meinen noch übrigen menschlichen Beziehungen. Ich habe kein Amt, folglich auch keine „Autorität“: wer mir jetzt noch gewogen ist, macht sich privatim ein wenig über mich lustig, das versteht sich von selbst, und — es thut mir nicht weh.
Einer der bedeutendsten Franzosen, nach Geist, Charakter und Einfluß, Henri Taine, ein Mensch von der hohen Qualität wie Jakob Burckhardt in Basel, hat mir hierher, zum Dank für mein letztes Buch, einen herrlichen Brief geschickt. Solche Ehren, wie Dein Sohn, erfahren Wenige; ich habe immer die Theilnahme der alten unabhängigen und weitblickenden Denker für mich gehabt.
Mit herzlichen Wünschen für Dich und unsre Südamerikaner
Dein Fr.
Nice (France) Pension de Genève — dies ist meine Adresse!
767. An Reinhart von Seydlitz (Entwurf)
Ganz nüchtern erwogen: so werden es nur ganz wenige M<enschen> in Europa sein, deren Bildung umfänglich und tief genug ist, daß sie das Neue, Unerwartete, Grundsätzlich-Radikale an meinen Schriften herausfühlen könnten und gar dafür, daß es Jemanden geben könnte der den Zustand, die Passion erriethe und mitfühlte, aus denen eine solche Denkweise entspringt, dafür fehlt mir bis heute noch jeder Beweis und beinahe auch schon der Glaube. — Dies ist meine Einsamkeit, nochmals gesagt: etwas, das ich nicht los würde, wenn ich meinen Wohnsitz wechselte. Gieb mir doch eine Gegenprobe: wer wäre dankbarer dafür als ich? —
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Von der deutschen „Bildung“ besser zu denken: dazu hat sie mir in den letzten 16 Jahren keinen Anlaß gegeben:
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Meine Bücher, als die bei weitem unabhängigsten und radikalsten Erzeugnisse dieses Zeitraums, sind fast spurlos vorübergegangen. Im Grunde habe ich drei Leser, nämlich Bruno Bauer, J. Burckhardt, Henri Taine, und von denen ist der Erste todt.
<H. Taine> Das ist endlich ein Leser, dessen Cultur umfänglich genug ist, um mich zu verstehn
768. An Reinhart von Seydlitz in München
Lieber Freund,
schönsten Dank! — Aber ich will nicht nach Paraguay, wohin man mich einladet. Viel eher noch nach München: vorausgesetzt, daß ich wieder heiterer und „menschenfreundlicher“ werde, als ich jetzt gerade bin.
Was für ein schwermüthiger Herbst! Bleigewichte überall, Niemand, der mich etwas aufhellt, — und nichts um mich als meine alten Probleme, die alten rabenschwarzen Probleme! — Hast Du Dich in meinem „Jenseits“ umgethan? (Es ist eine Art von Commentar zu meinem „Zarathustra“. Aber wie gut müßte man mich verstehn, um zu verstehn, in wie fern es zu ihm ein Commentar ist!) Ein Buch für die Menschen umfänglichster Bildung, z. B. Jacob Burckhardt und Henri Taine, die ich einstweilen für meine einzigen Leser halte: und zuletzt nicht einmal ein Buch für sie —, sie haben weder die gleiche Noth noch den gleichen Willen mit mir gemein. — Dies ist Einsamkeit: — ich habe Niemanden, der mit mir mein Nein und mein Ja gemein hätte!
Die Reise nach Corsica gab ich auf, weil mir der Mensch, der mich dahin begleiten sollte, gänzlich bei näherer Besichtigung zuwider wurde. Meine Drei-Viertels-Blindheit zwang mich, alles eigne Experimentiren zu lassen und schnellstens nach Nizza zu flüchten, das meine Augen „auswendig gelernt“ haben. Ja, gewiß! Es hat mehr Licht, als München! Bis jetzt weiß ich außer Nizza und dem Engadin keine Gegend, wo ich es noch aushalte, täglich ein paar Stunden mit den Augen thätig zu sein. Aber auch damit geht es vielleicht mit diesem Winter zu Ende. — Habe nur Geduld: ich komme schon noch nach München.
Vielleicht giebt es daselbst ein sehr lustiges weibliches Geschöpf, mit dem ich lachen kann? Ich muß das Lachen nachholen.
Von Paraguay aus die herzlichsten Grüße an Dich und Deine liebe Frau, der ich wünsche bestens empfohlen zu sein.
Treulich
Dein Nietzsche.
Den Wagnerianern (namentlich Levi) in München allesammt meine besten compliments, sincères et tendres!
769. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
in Nizza seit einer Woche ungefähr angelangt, bis jetzt bei sehr schlechter Gesundheit, und mannichfachen Geduldproben und Widerlichkeiten ausgesetzt: ich habe Niemanden, der für mich sorgt — und bin jetzt fast blind! Trotzdem: es soll schon noch eine Zeitlang gehn!… Meine Bitte heute ist, die noch restirenden 500 frs nicht zu schicken, sondern anzulegen, so wie es Dir gut scheint: ich will den Versuch machen, bis Dezember-Schluß mit dem bereits Übersandten auszukommen. Meine andre Bitte ist: hast Du nicht ein Exemplar der „Idyllen aus Messina“? Ich brauche sie umgehend (wegen der Herstellung einer kleinen lyrischen Sammlung „Lieder des Prinzen Vogelfrei“) aber besitze sie nicht. An Schmeitzner darf ich mich nicht wenden.
Meine Angehörigen in Paraguay haben mir einen gezeichneten Plan ihrer colonialen Unternehmung geschickt und wollen mein Geld, das in Naumburg liegt, dazu. Was denkst Du eigentlich über meine Baseler Perspektiven? Mir ist zu Muthe, als ob ich mir das wenige Geld, das ich habe, für alle Fälle bereit halten sollte: ich meine so, daß es jeden Augenblick flüssig zu machen wäre? — Andrerseits verstehe ich mich nicht darauf, in einer solchen dummen Geldsache Nein zu sagen. —
Herrlicher Brief Henri Taine’s, der mich so ernst nimmt als ich nur wünschen kann; er ist so universal gebildet, die Stellen, die er heraushebt, geben mir den Beweis, wie gut er versteht. Übrigens bin ich ihm „infiniment suggestif“ und was meine Gesamtabschätzung der europäischen Völker und Kräfte betrifft, ist er ganz bezaubert und verspricht Satz für Satz wieder durchzunehmen. Er gehört zu meinen drei Lesern, die zwischen den Zeilen lesen.
An Deine Frau Schwiegermutter in München habe ich neuerlich auch geschrieben und mich herzlich für die Güte bedankt, mit der sie den armen Köselitz zu ermuthigen sucht. Übrigens hat mich alle Welt diesen Herbst in München erwartet, „fieberhaft“, wie Seydlitz schreibt. Es ist wunderbar, wie treu alle diese Anhänger Wagners an mir hängen bleiben; ich glaube, sie wissen, daß ich heute noch so gut als ehemals an das Ideal glaube, an welches Wagner glaubte, — was liegt daran, daß ich an dem vielen Menschlich-Allzumenschlichen gestolpert bin, das R<ichard> W<agner> selbst seinem Ideal in den Weg gelegt hat? U.s.w. U.s.w. Verzeihung, alter Freund Overbeck!
Dein F. N.
770. An Heinrich Köselitz in München
Sonderbar, lieber Freund, daß Sie in München sind, und daß ich wieder in Nizza bin! Die Welt ist ersichtlich mit wenig Vernunft eingerichtet, das merkt man, wenn man seinen sogenannten „Lebenslauf“ studirt: es „läuft“, ja! das Leben läuft, und kommt bald hier, bald da an. Zum Beispiel, in Ihrem Falle, bei der „süddeutschen Presse“: es ist schön, daß Sie dazu eine gute Miene machen. Im Grunde steckt in Freund Köselitz — auch — ein guter Schriftsteller, mindestens ein guter Berichterstatter über Gut-Erlebtes; und wenn es Ihnen gelegentlich gefiele, das aesthetische Problem, das zu unserer Lebensgeschichte gehört, als ein Erlebniß darzustellen, vielleicht, daß damit erst der Zugang gewonnen wäre zur Musik des Venetianischen Meisters Pietro Gasti: wenigstens für Deutsche, welche sich für einen Künstler ernsthaft nur interessiren, wenn sie den „Ernst“ der Principien bei ihm entdecken. — Dies, wie so Vieles, „verstand“ R. Wagner. —
Eben sendet Fritzsch die alten Bücher in ihren neuen sauberen Kleidern, und den „Vorreden“, welche sich wunderlich genug ausnehmen. Es scheint mir nachträglich ein Glück, daß ich weder Menschliches, Allzumenschliches noch die Geburt der Tragödie zu Händen hatte, als ich diese Vorreden schrieb: denn, unter uns gesagt, ich halte alles dies Zeug nicht mehr aus. Hoffentlich wachse ich mit meinem Geschmacke noch über den „Schriftsteller und Denker“ Nietzsche hinweg; und vielleicht bin ich dann ein Bischen würdiger zu dem anmaaßlichen Vorsatz, der im Worte „freier Geist“ steckt. — Wissen Sie mir ein Exemplar der „Idyllen aus Messina“ aufzutreiben? Ich brauche sie umgehend, weil sie mit einigen Liederchen zusammen den Schluß der „fröhlichen Wissenschaft“ abgeben sollen: nämlich in der neuen Ausgabe. Der Artikel im „Bund“ war zum Fürchten; Überschrift „Nietzsches gefährliches Buch“. Anfang: „Jene Dynamitvorräthe, welche zum Bau der Gotthardbahn verwendet wurden, trugen die schwarze auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge. In diesem Sinne usw. usw.“ Ich fand zu meinem Bedauern, daß der Artikel in Sils unter den braven Einwohnern stark gelesen und interpretirt wurde. Vielleicht war ich zum letzten Mal in Sils. —
Von Portofino hat, wie nun auch die Zeitungen melden, der Kronprinz Beschlag genommen: er will jeden Herbst hinkommen und behauptet, nirgends auf Erden sich bisher so wohl gefühlt zu haben. Auch der Comte de Paris geht damit um, sich dort anzukaufen: kurz, es ist zu spät. Mein Aufenthalt in Ruta hatte etwas unbeschreiblich Peinliches durch die drückende Nähe zweier Deutschen, mit denen man Tisch und Spaziergang theilen mußte. — Bei der Reise nach Nizza empfand und sah ich ganz deutlich, daß hinter Alassio etwas Neues beginnt, in Luft und Licht und Farbe: nämlich das Afrikanische. Der Ausdruck ist ganz exakt: ich habe die Urtheile vorzüglicher Kenner Afrika’s eingezogen. (Lesen Sie, bitte, den Nabab von Daudet: in einem der letzten Capitel dieses Romans giebt es eine scharfe Bezeichnung des Afrikanischen an dieser Küste.) Alles hundert Mal feiner, delikater, weißgelber, undeutscher, indifferenter als selbst Genua und seine Umgebung. — Es fehlt für die Kurkapelle der Kapellmeister. Ein Jammer, daß Sie nicht einspringen können!
Hat Fritzsch Ihnen auch die Bücher mit den Vorreden geschickt? Ich hoffe.
Treulich Ihr dankbarer
F. Nietzsche.
771. An Unbekannt (Entwurf)
Hochverehrter Mann
ich bin wie Jemand, der von einem Tage zum Andern von der Hand in den Mund lebt, eine Hundeexistenz, aber immer des Glaubens, irgend wer werde mich eines Tages aus diesem unwürdigen und jämmerlichen Dasein herausziehn
Ich brauche fünf, sechs Bedingungen, um zu jener tiefen Herbstes-Ruhe zu kommen, die meiner Philosophie Reife und Süße — — —
Die entscheidenden Wendungen meines Lebens: ach, wer hat etwas davon verstanden! Die jämmerliche unwürdige Existenz hier im Süden, aus der mich Niemand herauszieht
Im Grunde habe ichs bisher zu drei Lesern gebracht, die mir Ehre machen und mich zu „verstehen“ wissen: das ist Bruno Bauer, J<acob> B<urckhardt> und H<ippolyte> Taine; von denen ist der Erste nun auch schon todt.
Es hat sich noch nicht einmal eine vorläufige Form des Anstands herausgebildet, mit der man mir zu begegnen hat, ich bin immer noch den allerdümmsten Verwechslungen ausgesetzt (wohin zB des braven Widemanns Lobspruch gehörte) Hat bis heute Jemand meine „Geburt der Trag.“ (verstanden)? (ich habe nichts gemerkt als daß sie auf das unverschämteste ausgenützt wird zB. von dem Dramat. Linden)
Es ist Ehren-Sache meiner Freunde, für meinen Namen, Ruf und weltliche Sicherheit thätig zu sein und mir eine Burg zu bauen, wo ich gegen die grobe Verkennung bewahrt bin: ich selbst will keinen Finger mehr dafür rühren.
772. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Geehrtester Herr Verleger,
inzwischen sind die Bücher eingetroffen: sie sehen gut aus, insbesondre die Vorreden. An der beiliegenden Arbeit erkennen Sie, daß ich hier mich sofort über die Fortsetzung hergemacht habe (damit ich den Winter für mich frei bekomme: es ist entsetzlich, was dies Zurückblicken-müssen, dies Vergangenheit-Wiederkäuen mich tyrannisirt) Ich denke, es ist eine Vorrede zum Anbeißen-Machen. Bitte, kommandiren Sie Ihrer Druckerei, daß sie den Druck umgehend in Angriff nimmt und erledigt. Natürlich vollkommne Gleichheit der Herstellung, wie bei den bisherigen Vorreden.
Ein Abzug mit dem Manuscript an Herrn Heinrich Köselitz (München, Türkenstraße 33 III r.), zu gleicher Zeit ein Abzug an mich, mit der Adresse, die an der Spitze des Briefs steht.
Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin
mich bestens empfehlend
Ihr ergebenster
ProfDr Nietzsche
773. An Elisabeth Förster in Paraguay
Mein liebes liebes Lama,
Deine letzten Briefe — der nach Sils, auf den ich geantwortet habe, und der über München hierselbst angelangte — gaben mir einen so guten Begriff von Eurem Zutrauen und Unternehmungs-Geiste, daß Unsereiner in der Ferne sich beruhigen lernt und seine Sorgen einstweilen hübsch schlafen schickt. Ich gestehe, daß mir der Gedanke, meine Schwester in einem unangebauten Welt-Winkel der Viehzucht ergeben zu wissen, eingerechnet Milchwirthschaft und Küchlein, noch immer sehr fremd ist, fast wie eine reine Träumerei, die man eines Morgens sich aus den Augen wischt. Noch weniger verstehe ich, warum Ihr Eure bescheidenere, aber bewiesenere Landhaus-Existenz so geschwind gegen den unbewiesenen gran chaco eintauschen wollt. Weshalb sich doch so große Ländereien und folglich so große Sorgen auf den Hals laden? Oder wollt Ihr geschwind reich werden? — mich brächte man nicht mit zehn Pferden dahin, wo, wenn ich recht berichtet bin, nicht einmal eine gute Bibliothek zu finden ist. Unter uns gesagt, meine liebe Schwester, wie ich nun einmal zum Leben und zur Aufgabe gestellt bin, die ich zu erfüllen habe, so habe ich Europa nothwendig, weil es der Sitz der Wissenschaft auf Erden ist; auch fand ich bisher keine Gründe, welche es mir verleideten; und gerade jene großen Bewegungen und Umstürze, welchen es wahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren entgegengeht, finden in mir einen gut vorbereiteten und gründlichst betheiligten Zuschauer. Ich unterschätze die idyllische Absonderung und das Voltairische cultiver son jardin ganz und gar nicht, sonderlich für einen Philosophen: aber ich möchte es nicht in Eurer Weise thun, welche mir zu sehr „Rückkehr zur Natur“ zu sein scheint, Philosophie „für’s liebe Vieh“, im Scherz gesagt. Selbst, wenn ich gezwungen sein sollte, Europa zu verlassen (was nicht ganz unmöglich ist, da man anfängt, auf meine Litteratur als auf gefährliche und unmoralische Litteratur ein Augenmerk zu haben), so dürfte ich aus Gesundheitsgründen keine warmen Länder wählen. Die Verbesserung meines Befindens gehört jedes Jahr meinen drei Wintermonaten in Nizza und meinen Quasi-Wintermonaten im Engadiner Sommer (beide mit einer Durchschnittstemperatur von 9—12 Grad Celsius); die Zwischenzeiten sind mir widerlich durch ein Gefühl von Schlaffheit und Entmuthigung (eingeschlossen, daß meine Augen den Dienst kündigen —) Was mein Geld betrifft: so räth mir mein Verstand, wie der meines Freundes Overbeck jetzt unbedingt davon ab, mich irgendwo damit zu binden und die vollkommen freie Verfügbarkeit und jederzeitige Flüssigmachbarkeit desselben aufzugeben. Wer weiß, was in den nächsten 4 Jahren gerade bei mir sich begiebt? Gewiß ist, daß es jetzt an kleinen Zufällen hängt, ob ich meine Basler Pension noch fortbeziehe; mein letztes Buch wurde z. B. in einer Schweizerischen Zeitung so begrüßt: „Jene Wagen, welche die zum Bau der Gotthardbahn nöthigen Dynamitvorräthe führten, trugen eine schwarze auf Todesgefahr deutende Warnungsflagge. In diesem Sinne nennen wir das Buch des Philosophen Nietzsche ein gefährliches Buch usw.“ Man wird es verbieten, ich sehe es kommen (und sein Druck hat mich c. 300 Thaler gekostet!) Übrigens habe ich einen neuen Leser ihm zu danken, vom Range Jakob Burckhardts, nämlich Henri Taine, der mir einen herrlichen Brief geschrieben hat — Aber wie fremd Euch das klingen muß, auch so ganz aus „weiter Ferne“! In der That, auch ich bin ein „Ausgewanderter“. — und, wer weiß? auch ich habe meinen gran chaco!
In alter Liebe
Euer F.
774. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe alte Mutter,
wirklich hatte ich auf ein Briefchen von Dir gewartet: nun, eben kam es, schönsten Dank! Es gieng nicht gut, es geht nicht gut, es ist auch nicht zu helfen. Doch habe ich Einiges wieder in Ordnung gebracht in Hinsicht auf meine früheren Schriften: die nun alle, in schönen neuen Kleiderchen, und von mir mit mächtig-langen Vorreden versehn, bei dem neuen Verleger sich Aussicht auf bessere Tage machen. Inzwischen habe ich in Betreff der andren Angelegenheit mit Overbeck Briefe gewechselt: und der räth mir unbedingt ab, mein Geld in der gewünschten Weise zu engagiren; es ist wirklich wider alle Vernunft, und Overbeck hat mir mit Recht die völlige Unsicherheit meiner Lage in<s> Gedächtniß zurückgerufen. Du hast ganz Recht, es wäre hundert Mal räthlicher und sicherer gewesen, das Geld Dir auf das Haus zu geben; aber es scheint mir doch besser, so wie es ist, daß ich jeder Zeit flüssig machen kann, was noth thut. Übrigens bin ich wirklich in praktischen Dingen dieser Art unbeschreiblich schwerfällig und ungeschickt; ich glaube, im Grunde würde ichs am liebsten machen wie ein Bauer und das Geld unter die Erde vergraben, bis ichs brauchte. Die ganze Idee, mich zum Grundbesitzer in Paraguay zu machen, hat übrigens auch das gegen sich, daß darauf hin man mir in Basel keine Pension mehr geben würde; ich dürfte es nicht einmal mehr beanspruchen. Eins — oder das Andre. „N<ietzsche> hat eine halbe Meile Land, und Vieh darauf“ — das wäre in dem sparsamen und vernünftigen Basel ein Argument, worauf hin man mir mit dem besten Gewissen von der Welt die Pension entziehn würde. — Sende mir doch so bald als möglich den guten Winterüberzieher, den ich im Frühjahr bei Dir gelassen habe (hübsch gereinigt und die Knöpfe recht fest!) Und, bitte, lege ein oder zwei Paar gestrickte Handschuhe hinein, weißt Du zum Waschen früh morgens, um den Körper damit abzureiben! Die Sendung muß als „getragene Kleider“ bezeichnet werden, aber französisch: frage Deinen Postbeamten, wie man das ausdrückt! — Für Deine Weihnachts-Absicht danke ich herzlichst: aber wir wollen es ja lassen, ich habe es verschworen, mit der Post und dem Zoll in solchen Sachen zu thun zu haben. — Womit könnte ich Dir für Weihnachten eine hübsche kleine Freude machen, meine gute Mutter? Aber Du mußt ganz ernsthaft darauf eingehn; ich habe eben die Summe von 500 frc. erspartes Geld, kann mir also einen kleinen Luxus erlauben. Zumal ich gar Niemanden habe als meine gute Mutter. — Man hat so wenig Menschen übrig, wenn man ein bischen genauer zusieht. Was mich jetzt besorgt macht, ist, daß ich vielleicht bald auch nichts mehr zu thun habe, von wegen der immer schlechteren Augen: nämlich nichts mehr thun kann. —
Nizza ist immer noch das Beste, aber auch nur für die kalte Jahreszeit. Selbst der Oktober ist hier zu mild für mich. Vielleicht bleibe ich einmal den Winter oben im Engadin; es sind auch dies Mal wieder gegen 300 Gäste in St. Moritz dazu entschlossen (darunter mein englisch-russisches Trio)
Haben denn Fritzschs und Janicauds sich schön bei Dir bedankt? Es ist mir eingefallen, daß ich mich noch gar nicht dafür bei Dir bedankt habe.
Wir haben trauriges Wetter, viel Regen; auch gab es eine große Sturmfluth, bei der viel beschädigt worden ist. Ich selbst wurde von einer Welle überrascht und flüchtete auf einen Baum.
Mit herzlichstem Gruß und Dank Dein
F.
775. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
das neue Jahr findet Dich hoffentlich bei guter Gesundheit, auch zufrieden mit der neuen Behausung; in allem Übrigen darf ich ja voraussetzen, daß Alles beim Alten bleibt, da es ja das gute Alte ist: vor Allem Du selbst, mein lieber Freund, den ich nicht erst darum zu bitten brauche, daß mir Dein altes bewährtes und vielfach auf die Probe gestelltes Vertrauen und Wohlwollen auch ins neue Jahr folgen möge. Deinem letzten Brief entnahm ich einige Zuversichtlichkeit mehr, in Hinsicht darauf, daß ich inzwischen in Betreff der Paraguayer Angelegenheit Nein gesagt habe (— ich ärgerte mich im Stillen darüber, daß man mir nicht erspart hat, Nein zu sagen…) Sonst hat sich Nichts zugetragen, eine Sturmfluth im großen Stile abgerechnet, und viel Krankheit und Melancholie meinerseits, letzteres im ganz kleinen Stile: der bei dergleichen der schlechteste Stil ist. Es gab allerlei noch zu verordnen und auszudenken, um die neue Herausgabe meiner Schriften bei Fritzsch für den Herausgeber so vortheilhaft als möglich zu machen. Jetzt sind die älteren Schriften (bis zur „Morgenröthe“) in neuen hübschen Kleidchen, und von mir mit mächtig-langen Vorreden bedacht, zur Versendung fertig und schon versandt. Gestern wurden auch die Vorreden zur „Morgenröthe“ und zur „fröhlichen Wissenschaft“ von mir druckfertig gemacht; den Schluß der fröhlichen Wissenschaft wird ein Anhang machen mit dem Titel „Lieder des Prinzen Vogelfrei“. — Diese 5 Vorreden sind vielleicht meine beste Prosa, die ich bisher geschrieben habe; leider steht mir auch gar* nichts von Freiexemplaren zur Verfügung. —
Die Antinomie meiner jetzigen Lage und Existenzform liegt jetzt darin, daß alles das, was ich als philosophus radicalis nöthig habe — Freiheit von Beruf, Weib, Kind, Gesellschaft, Vaterland, Glauben u.s.w. u.s.w. ich als ebensoviele Entbehrungen empfinde, insofern ich glücklicher Weise ein lebendiges Wesen und nicht bloß eine Analysirmaschine und ein Objektivations-Apparat bin. Ich muß hinzufügen, daß dieser Gegensatz von Nothwendigem und von Entbehrtem durch den abscheulichen Mangel einer auch nur mittelmäßig soliden Gesundheit auf die Spitze getrieben wird, — denn in Momenten der Gesundheit fühle ich jene Entbehrungen weniger hart. Auch weiß ich mir absolut nicht jene 5 Bedingungen zusammen zu bringen, auf denen eine erträgliche Mittlere meiner labilen Gesundheit herzustellen wäre; das Schlimmste aber wäre jedenfalls, wenn ich, um die 5 Bedingungen der Gesundheit zu schaffen, mich der 8 Freiheiten des philosophus radicalis beraubte. — Dies scheint mir der objektivste Ausdruck meiner complizirten Lage… Verzeihung! Oder vielmehr: Du darfst Dich darüber lustig machen! —
Dir und Deiner lieben Frau mich angelegentlich empfehlend
Dein Freund
Nietzsche.
776. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
„die Maschine geht wieder“, Sie sollen dies Mal nicht wieder so betrübte und schwächliche Töne zu hören bekommen, wie in meinem letzten Briefe; wenigstens habe ich den Verdacht, daß Alles, was in diesem Herbst von mir geschrieben worden ist, ein wenig müde und muthlos klingt?… Im Grunde benehmen Sie sich viel resoluter als ich und sind nicht so leicht „umzuwerfen“; dafür haben Sie allerdings einen Gehülfen ersten Ranges, Ihre Gesundheit — oh wenn Sie wüßten, wie ich in dieser Beziehung Sie beneide! Ich habe wirklich Nizza nöthig: ich darf es nicht verkennen. Seit vorigem April habe ich’s zu keinem Wohlgefühle an Leib und Seele gebracht; aber seit einigen Tagen geht es wieder: weshalb ich Nizza festhalten werde, als ein Stück fatum. In der Sprache der Operette geredet und gesungen „oh Fati-Fati-Fati-Nizza!“ Was mir Ihre Worte über die Japanesen-Musik Sullivan’s wohlthaten! Ich gedachte an Recoaro, an die vielen Vormittage in Venedig: das, was Sie in der Musik lieben, liebe ich auch, es ist kein Zweifel, — vor Allem, was Sie selbst machen! Diese Tage giengen Sie mir sehr durch den Kopf: ich hätte Sie gerne da gehabt, um Aesthetica mit Ihnen zu reden. Die Wahrheit ist: mir fehlt augenblicklich in puncto musicae eine Aesthetik, ich will sagen: ich habe einen „Geschmack“ (zb. für Pietro Gasti) aber keine Gründe, keine Logik, keinen Imperativ für diesen Geschmack. Selbst psychologisch nachgerechnet, scheint mir das Problem „warum gefällt mir Ihre Musik?“ einstweilen unlösbar. Sie selbst — wurden mir dabei zum Räthsel: und, seltsam! bei einigem Nachdenken fand ich ein ganz verwandtes Problem in Bezug auf meine eigne Hervorbringung (den „Zarathustra“). Wir reden Beide mit aller Herzhaftigkeit und Lust die „Volkssprache“, ganz wie eine Muttersprache: — und dabei sind wir ironische Thiere, die den Genuß des Raffinements dabei haben, ihre eigne höchst moderne und problematische Art dergestalt in die „Naivetät“ zurückzuübersetzen. Oder? — — — —
Aber, Freund, gestern kam mir diese Erleuchtung: erstens muß Herr Köselitz seine Oper unverzüglich an den Grafen Hochberg nach Berlin abschicken, mit einem sehr bestimmten, künstlerhaft-unbescheidnen Briefe, der genau sagt, was die Oper ist und voraus hat. Zweitens muß Freund Köselitz sich ein litterarisches Manifest ausdenken, worin er seinem „Können“, seinem „Geschmacke“ eine Aesthetik, ein Programm unterschiebt. Bemerken Sie doch, wie deroutirt Alles heute in aestheticis ist: ein strenges Bekenntniß wird heute nicht nur gehört, sondern mit Begierde, mit Dankbarkeit gehört… Ein antiromantisches Bekenntniß über Musik thut Noth; nicht mehr „Moral“ und „Volks-Erhebung“ wollen, mit Musik, sondern Kunst, ars, Kunst für Künstler, etwas göttliche Indifferenz, etwas unerlaubte Heiterkeit auf Kosten aller „wichtigen“ Dinge, Kunst als Überlegenheitsgefühl und „Berg“, gegenüber der Niederung von Politik, Bismarck, Socialismus und Christenthum usw. usw.
Aber warum sind Sie nicht in Nizza, lieber Freund!!??
Ihr getreuer
N.
Vielleicht kommt noch eine „Vorrede“ zu Ihnen, um corrigirt zu werden. Bitte, senden Sie, nach alter Übung, den durchcorrigirten Bogen dann hierher, an mich! —
Ihrem Briefe aus München ist auch die Sendung der „Idyllen aus Messina“ nachgefolgt: schönsten Dank, für Sie und die treffliche Frau Röder! —
777. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Eben, meine liebe liebe Mutter, kam das Paket, nachdem ich bereits rechte Sorge gehabt hatte; ich konnte mich nicht entschließen, an Dich darüber zu schreiben und beschloß von Tag zu Tag zu warten und Geduld zu haben. Es giebt jetzt gerade besondre Gründe, Verzögerungen der Post gelten zu lassen; zwischen Genua und hier ist (seit einem Monat ungefähr) eine Stelle für die Züge unfahrbar. Großes Vergnügen, meine liebe Mutter, daß nun der Überzieher da! Denn wir haben, etwa vom 15. Nov. an, frisches Wetter, die Nächte bis (1—2 Gr.) unter Null; und Dein Sohn hat ein sehr kaltes Nordzimmer für diesen Winter und muß sich hübsch einwickeln, um nicht gar zu sehr zu leiden. Die Wahrheit ist, daß der Sohn wieder guter Dinge ist, trotz Kälte und mancherlei Entbehrung und Nothstand; bei sehr gutem Aussehen, tüchtig bei der Arbeit, tüchtig jeden Tag 4 Stunden marschirend (was Beides immer bei mir zusammen trifft, die Lust und Kraft zum starken Gehen und die Lust und Kraft zum starken Arbeiten: kaltes Wetter Grundbedingung für Beides) Ich bin mehr als je vom Werthe Nizza’s für meine Gesundheit überzeugt und will an ihm festhalten, natürlich nur für die kalten Monate. Denn im Oktober war es zu mild für mich. Die Hauptsache ist, daß wir, seitdem es kalt ist, absolut helles Wetter haben, Tag und Nacht; kein Wölkchen. Und dies ist für mein Gefühl etwas Unbeschreiblich-Wohlthätiges, Belebendes, Ermuthigendes, Gesund-Machendes! Das eben habe ich nirgendswo. Oh, meine gute Mutter, wie kommt mir wieder die ganze Zeit vor zwischen April und jetzt, die ich nicht in Nizza war! Wie eine peinliche Strapatze, wie eine lange Erschöpfung, mit Muthlosigkeit, Mangel an Arbeitskraft, Mangel an Sehkraft verbunden; wie eine schändliche Geduldsprobe, bei der man Alles zusetzt und Nichts dafür bekommt. Aber Du erinnerst Dich, wie ich mich in Naumburg befand; weißt Du, ich war so weit herunter, daß ich schon wie die Katze miaute?..
Eben sehe ich die herrlichen Kravatten; vermuthlich hat in Betreff der Hemden es Schwierigkeiten gegeben. Die Wahrheit ist, daß ich die Kravatten zehn Mal nöthiger habe als Hemden; gestern dachte ich noch daran, mir eine Kravatte zu kaufen, während ich mit den vorhandnen Hemden gut noch den Winter auskomme. Also schönsten Dank! Es hat sich Alles so sehr gut gewendet! — Dagegen, meine liebe Mutter, habe ich ein wenig gelacht über Deine Bade-Marken-Wünsche. Nein, meine liebe Mutter, so haben wir nicht gewettet! Es versteht sich, daß Du sie haben sollst, aber nun noch eine hübsche Hauptsache dazu, ein Kleid, ein Möbel, — bitte, schreib mir!
Eben sehe ich, daß es fünf Kravatten sind — größter Kravattenluxus meines Lebens! Danke tausend Mal! —
Fritzsch hat sofort, am Tage der Ankunft des Traubenkistchens an mich geschrieben. — mein vorletzter Brief nach Paraguay, vom Engadin aus abgesandt, wird schwerlich dort anlangen: weil er über Genua adressirt war, und Südamerika sich gegen alle italiänischen Schiffe durch Quarantänen wehrt. —
Herzlich-dankbar
Dein F.
778. An Friedrich Hegar in Zürich
Verehrtester Herr Kapellmeister,
inzwischen wird, wie ich von Herzen hoffe, es mit der Gesundheit besser und besser gegangen sein, — oh, Sie werden sie nöthig haben, denn der Winter rückt mit seinen großen Anforderungen heran. Ihren Zeilen entnehme ich, mit Dankbarkeit, wie viel Neigung Sie uns bewahrt haben, sogar bis auf meine „Musik“, ich sollte sagen, sogar trotz meiner Musik. Sie haben nur allzusehr Recht mit dem, was Sie über das Chorlied sagen; und es wird nicht nur der Oboen und andrer orchestralen Beihülfe bedürfen, um daraus etwas Vortragbares zu gestalten.
Meine Bitte geht dahin, daß Sie das Manuscript an diese Adresse abgehn lassen:
Herrn Heinrich Köselitz
München
Türkenstraße
33 III r
Von dem oben genannten Herrn wünschte ich Gutes melden zu können: aber er sitzt in München, eingezwängt in Beschäftigungen, die ihm peinlich sind und den Muth rauben, — und immer noch ohne Aussicht auf die Aufführung seiner Oper. Einen prachtvollen großen Orchestersatz ungarischen Gepräges, betitelt „Miska-Czardas“, den er noch in Venedig nein! in Zürich componirt hat, würde ich sehr zur Aufführung empfehlen. Die Stimmen dazu sind geschrieben. —
Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin ein vergnügtes Weihnachten wünschend und mich selbst angelegentlich empfehlend bin und bleibe ich Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche.
779. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
ich habe irgend etwas in Ihrem letzten Briefe zu gut verstanden: so daß ich es nicht mehr über das Herz bringe, Ihnen meinerseits Projekte vorzulegen, die die Aufführung Ihrer herrlichen Musik betreffen. Zuletzt scheint es mir mitunter, daß eine jetzt forcirte Aufführung nicht dasselbe ist, wie eine Aufführung etwa in 10 Jahren: nämlich in Anbetracht, daß der Geschmack sich ändert, daß der Geschmack an Wagner, jetzt in einer Art Hochfluth, in zehn Jahren vielleicht andren Bedürfnissen Platz gemacht haben wird, — und daß Ihre Musik ein wirkliches Verstehen und Genießen nur bei Solchen erwarten darf, die erst gründlich in der Wagnerschen Romantik sich ausgeschwelgt haben. Einstweilen thut wirklich Nichts noth als die Zeit laufen zu lassen, guter Laune zu sein — und Geld zu haben. Mit dem letztern nämlich, mit dem Gelde müßte man sich aus Deutschland wegbegeben, wo das Warten eine wirkliche Tortur abgiebt; ein Wartender kann nicht schaffen, das steht mir, wenigstens aus meinem Stück Erfahrung, fest. Ihr Wort über den eignen anti-tragischen Instinkt hat mich sehr erquickt, es ist viel erreicht, wenn man es in solchen Dingen bei sich zur Aufrichtigkeit bringt und „den Muth zu seinem Geschmacke“ hat. Letzte Wendung ist von Stendhal: er lobt es an dem jungen Sorel, daß er den Muth zu seinem schlechten Geschmacke habe: in Ihrem Falle, in unserm Falle — denn Sie müssen mir dieses „uns“ erlauben — wäre es schwer genug auszumachen, was schlechter und was guter Geschmack ist. Sie erinnern sich: Socrates und Aristophanes stritten sich eine ganze Nacht darüber, so erzählt es Plato am Schlusse des Symposion. — Was nun das Geld anbetrifft, würden Sie damit zufrieden sein, wenn ich meinem Naumburger Banquier eine Anweisung gebe, Ihnen 2000 Mark zu senden? Ausgestellt auf Ihre Zukunft, lieber Freund: Sie sollen nichts weiter darin sehn als ein Darlehn.
Und seien Sie mir zum Mindesten nicht böse, Ihnen von Geldsachen geschrieben zu haben: das griechische Sprüchwort mag zu meinen Gunsten sprechen κοινὰ τῶν φιλῶν.
Treulich Ihr
N.
780. An Malwida von Meysenbug in Rom
Verehrteste Freundin,
Ihre liebenswürdige Absicht, mir schreiben zu wollen, hat mich in Gestalt einer grünen Karte erreicht: sie hatte dazu den Sprung von Genua nach Nizza zu machen. Es ist mein vierter Winter an diesem Orte, mein siebenter an dieser Küste: so will es meine ebenso dumme als anspruchsvolle Gesundheit, auf die böse zu sein gerade jetzt wieder die Anlässe zu häufig sind. Nizza und Engadin: aus diesem Cirkeltanze darf ich altes Pferd immer noch nicht heraus. —
Zum Mindesten darf ich nicht in jene wärmeren Länder, wohin ich jetzt sehr gelockt werde: jeder Brief aus Paraguay enthält Künste der Verführung. Aber umsonst! — ich weiß zu gut, daß mich die Kälte verwöhnt hat (denn mein Kunststück, um die letzten 10 Jahre durchzubringen, bestand in dem Sich-auf-Eis-legen; ein kleiner milder Januar, ungefähr für das ganze Jahr durchgeführt, Nordzimmer, blaue Hände, nichts von Ofen, eiskalte Gedanken — ah, davon brauche ich Ihnen nicht zu schreiben?! —)
— Meine Tischnachbarin sagte neulich, in diesem Betrachte, meine Nähe verursache ihr Schnupfen. —
Hoffentlich finden Sie in Rom genug von Liebe und Freundschaft vor, um die Abreise von Versailles einigermaßen zu verwinden. Von Minghetti’s Tode habe sogar ich gehört. —
Hier ist die Saison sehr im Gange und Glanze, die letzte, wie man überall hört und fühlt, die letzte Saison vor „dem Kriege“. Man ist früher hier eingetroffen als je; ich selbst war unter den Frühesten. Auch die Kälte hat sich beeilt: vielleicht wird der Winter sehr kurz, und schon der Februar bringt den Frühling! Sicherlich kann es keine schönere Jahreszeit für Nizza geben als die jetzige: der Himmel blendend weiß, das Meer tropisch blau, des Nachts ein Mondlicht, daß die Gaslaternen sich schämen und roth werden: und darin laufe ich nun wieder herum, wie schon so viele Male und denke meine schwarze Art Gedanken aus…
Treulich Ihr alter sehr vereinsiedelter Freund
F. N.
781. An Heinrich Köselitz in München
Lieber Freund,
es ist eine Lösung, wenn es gleich nicht die ist, welche ich von Herzens Grunde gewünscht habe. Sie hätten mein Anerbieten annehmen können, es hätte mich reicher gemacht als ich bin — denn das ist augenblicklich meine Armuth, mich außer Stande zu fühlen, diesen ganzen greulichen Druck, der auf Ihnen lastet, von Ihnen zu nehmen. Diese Reisen nach Deutschland sind auch für mich jedes Mal zu einer Kette feinerer oder gröberer Demüthigungen geworden. Zuletzt wüßte ich Ihnen, wenn Sie jetzt nach Nizza kämen, nichts zu präsentiren, was den Vergleich mit der würdigen stillen Venediger Wohnung aushielte; und zb. in Ruta oder in Genua würden Sie die von Ihnen hervorgehobenen Übel, welche ein Wohnungswechsel mit sich bringt, in der bittersten Weise empfunden haben. Ich will nicht vergessen, daß Herr Zillicher in Genua mir seine Karte für Sie gegeben hat, mit der herzlich ernsten Erklärung, daß Jemand, der von mir empfohlen sei, ihm auf das Beste empfohlen sei. Gestern bekam ich den Bericht des Dr. Welti (Sohn des alten Schweizer Bundespräsidenten) aus Zürich zugeschickt — durch wen? Durch Frl. v. Salis. Es thut mir wohl, eine Zeit lang noch in diesem harmlosen clair-obscur fortzuleben. Das incognito ist eine wichtige Sache. Ich weiß nicht, wie es kommt, aber es gab neuerdings bei mir recht viel Düsterkeit und Härte: da dachte ich immer Ihrer Musik — wie sehr sie mir fehle und wie sehr sie meiner Seele und Gesundheit schon genützt hat. Vorigen Sonntag lief ich aus Melancholie in’s Theater: Boccaccio, eine Operette, die ich nun in drei Sprachen kenne. Aber um wie viel war die französische Interpretation die beste! Ich war erstaunt: diese Eleganz und Feinheit der Gebärde, diese tiefe Gutmüthigkeit in der Interpretation, dieser Mangel an der deutschen Gemeinheit (— nämlich die deutsche Gemeinheit ist die gemeinste, vielleicht weil der D<eutsche> sich ihrer leicht schämt). Die Musiker spielten mit Feuer und bester Laune; ein deutscher Orchestermensch würde glauben, daß er im Grunde hundert Mal zu gut für solche Musik sei — und deshalb spielt er dann gemein. Ich selbst — absurd genug — habe drei, vier Mal Thränen in den Augen gehabt. Die große Heiterkeit ist das, was mich jetzt am meisten rührt.
Anbei, lieber Freund, die Vorrede der „Morgenröthe“ zur letzten Revision und dann fort an Fritzsch! Es giebt noch Einiges zu corrigiren: wollen Sie helfen?
Treulich Ihr Freund
Nietzsche
782. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
schnell einen Gruß an Dich zum Weihnachtsfeste: obwohl es gerade schlimm mit den Augen steht und der Tag ihnen schon viel Arbeit gebracht hat. Herzlichen Dank für Deinen Brief; ich wiederhole, was ich im letzten Briefe an Dich ausdrückte — denke Dir Etwas für die Bescheerung aus, das Du gerne gerade von mir hättest. Inzwischen fand ich in den Taschen des Überziehers auch die Wasch-Handschuhe, für die ich mich noch nicht bedankt habe. Mit den schönen Cravatten hat es seinen Haken: bei dreien ist der Mechanismus caput, ich weiß mir da nicht zu helfen, da derselbe sich nicht repariren läßt. Neue Nachrichten aus Paraguay habe ich nicht; die Zeitungen haben viel von der Cholera in Rosario geredet, ebenso in Argentinien, doch soll es jetzt zurückgehn. Ich fürchtete, daß diese Krankheit den Unternehmungen Försters einen Stein in den Weg legt, mindestens Alles verlangsamt; denn die Einwanderung stockt natürlich, wenn die Cholera im Lande ist. Vielleicht ist aber eine Verlangsamung in diesem Falle das geringste Unglück; mir schien es, daß sie zu schnell und ohne rechte Lehrzeit sich auf so große Unternehmungen eingelassen haben. — Frl. v. Meysenbug schrieb auf das Liebenswürdigste aus Rom an mich; sie hatte bisher noch gar keine Nachricht von Lisbeth. Gestern langte auch ein Brief des Frl. v. Salis an, sie betrachtet es „als eine der segensvollsten Fügungen ihres Lebens, meine Philosophie und mich kennen gelernt zu haben“. Sie sandte einen Artikel über mich mit, der in der Zürcher Zeitung gestanden hat, von jenem Dr. Welti, dem Sohn des alten Bundespräsidenten der Schweiz. Sehr ehrfurchtsvoll. Der arme Freund Köselitz hat sich in München jämmerlich befunden und Nichts für seine Aufführung erreicht. Die Sache geht mir sehr nach. Jetzt wird er sich wieder nach Venedig zurückziehn, aber wie enttäuscht! wie verbittert! wie mißhandelt und gedemüthigt! Und das ist ein Mensch, der ein unsterbliches Werk geschaffen hat! Nun, ich selber habe diese ganze Geschichte auch erlebt und durchgemacht, im schönen Jahre 1882. Wenn man das Zeug dazu hat, geht man nicht dran zu Grunde, und zuletzt ist die Geschichte so alt wie die Welt steht. — Für das neue Jahr bin ich recht im Ungewissen, denn es giebt gar keinen Ort mehr, wo ich mich von mir selber etwas erholen kann. Mit Sils-Maria ist es zu Ende, von wegen des Zimmers und der Augen; Venedig hat mir jedes Mal schlecht gethan. Auch hier fehlt es mir eigentlich an Allem, ich habe gegen 30 Wohnungen angesehn, aber nichts gefunden, was recht wäre. Ich bin nicht reich genug für diese ganze Riviera, auch nicht für das Engadin: während meine Gesundheit mir gar keine Wahl läßt. Da bist Du, meine liebe gute Mutter besser dran! Du hast Dein gutes zufriedenes Nest, in dem der Vogel Ruhe hat. Mit den herzlichsten Wünschen, daß es so auch im neuen Jahre bleibe,
Dein alter
Sohn F.
783. An Franz Overbeck in Dresden
Lieber Freund,
Dir ist dies Mal ein betrübtes Weihnachten bescheert worden: was ich von Herzen bedauere. Auch bei den Nachrichten über die ungewöhnlichen Schneefälle, die aus Deutschland kamen, dachte ich Deiner Reisen dorthin mit Besorgniß. Hoffentlich bist Du nirgendswo hängen geblieben; ich glaube, daß noch niemals zu gleicher Zeit eine so große Zahl von Eisenbahnzügen vom Schnee festgesetzt worden ist; auch in Frankreich, auch in der Schweiz. Wir Nizzarden genießen von dem Allen die gute Kehrseite: nämlich die inperturbable Heiterkeit des Himmels. Dabei ist es kalt, in meinem persönlichen Falle sogar sehr kalt. Ein Nordzimmer ohne Ofen: habituelle blaue Finger. Was habe ich in den 7 Wintern meiner Existenz im Süden schon gefroren! Im Grunde bin ich nicht bemittelt genug, um hier zu leben; die Pensionspreise mit Südzimmern sind viel zu hoch für mich, insgleichen die gut gelegenen Privatwohnungen. Rechne ich noch meine Engadiner Sommer dazu mit 10, 11 und 7 Grad Celsius im Monatsdurchschnitt (letzteres im September), so ergiebt sich die frostigste Existenz, die man sich in diesem Leben herstellen kann. Die üble Folge ist, daß ich vom Frühling und Herbst in einer Weise zu leiden habe, daß sie mir fast das ganze Jahr jetzt verleidet: nämlich an den erschlaffenden entmuthigenden entnervenden Consequenzen der wärmeren Jahreszeit. Der letzte Frühling in Naumburg war eine vollkommene Marter für mich. —
Geld, lieber Freund, ist dies Mal sehr erwünscht; ich habe meine letzten Hôtelrechnungen noch nicht bezahlt. — Was mich diese letzte Zeit sehr mitnimmt und mir fast immer gegenwärtig ist, das ist der Zustand des armen Köselitz in München: er ist besorgnißerregend. Ich kenne ungefähr die Resistenzkraft eines solchen Menschen und auch den Punkt, wenn die Schraube überspannt ist. Diese Demüthigungen seit drei Jahren, diese Schläge in’s Gesicht, dieses unerbittliche Nein, verwickelt mit der Nöthigung, sich Brod zu verdienen (er schreibt für Zeitungen 4 Pf. die Zeile) und andrerseits das Bewußtsein davon, ein unsterbliches Werk geschaffen zu haben, dem sich vom Heutigen Nichts an die Seite stellen läßt: das bringt eine Gefahr mit sich, gegen die ich nicht blind bin. Unter uns, man kann jeden Augenblick das Schlimmste hören. Sein Ehrgefühl ist so reizbar, daß ihm auch nicht materiell jetzt unter die Arme zu greifen ist, er weist Alles zurück. Die Geschichte ist so alt wie die Welt; deshalb nicht weniger schmerzhaft. —
Mit den besten Wünschen für das neue Jahr verbleibe ich in dankbarer Ergebenheit
Dein Freund
Nietzsche.
Anbei eine sehr gutmüthige Anzeige von J. v. G. u. B., die sich zu mir verirrt hat. Man sagt mir, dieser Dr. Welti sei der Sohn des Alt-Bundespräsidenten Welti. — Sonst überall die Tonart des Widmann. —
784. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
so bin ich denn, noch vor Jahres Schluß, mit Allem fertig, was ich zum Besten meiner früheren Litteratur zu thun mir vorgesetzt hatte. Das Letzte — das was Ihnen hiermit als Manuscript zugeht — war ein Schlußtheil (fünfter Theil) der fröhlichen Wissenschaft, der von vornherein projektirt war und nur unter den Consequenzen fataler Gesundheits-Zwischenfälle damals nicht fertig wurde. Dieser fünfte Abschnitt des genannten Buchs wird ungefähr 50 Druckseiten ausmachen; die Kosten für die Herstellung will ich selbst bestreiten, aber Teubner (bei dem das Ganze gedruckt ist) muß der Drucker sein. Ich setze nämlich voraus, daß die genau entsprechenden Lettern sich schwerlich in der Röderschen Offizin finden werden; auch C. G. Naumann hatte sie nicht. Übrigens haben Sie vollkommen Recht in Betreff der Lettern, die zur Vorrede der „Geburt der Tragödie“ verwendet worden sind: sie sind vorzüglich scharf und sehn gut aus, — aber sie passen nicht, wie mir scheint, zu dem Eindruck, den jene viel fetteren Teubnerschen Lettern machen, sowohl in der Morgenröthe als in der fröhlichen Wissenschaft. —
Wenn die Vorreden zu letztgenannten Werken, insgleichen jener fünfte Abschnitt der fröhl<ichen> Wiss<enschaft> sammt den „Liedern des Prinzen Vogelfrei“ gedruckt sind, dann ist in der That etwas Wesentliches gethan, um das Verständniß meiner ganzen Litteratur (und Person) zu erleichtern. Und namentlich wird man begreifen, daß wer erst mit mir „angebunden“ hat, auch Schritt für Schritt mit mir weiter muß. —
Auf dem Titel der fröhlichen Wissensch<aft> soll es nunmehr heißen:
Neue erweiterte Ausgabe
mit einem Anhange:
Lieder des Prinzen Vogelfrei.
Geben Sie mir, bitte, umgehend Nachricht über das Eintreffen der drei Manuscripte, desgleichen darüber, daß den Druckern Ihrerseits jede mögliche Beschleunigung anempfohlen ist: denn, wie ich schon im letzten Briefe sagte, ich will schlechterdings das Alles los sein und nicht länger mehr von dem, was Vergangenheit ist, gestört werden. Das ganze Jahr ist damit draufgegangen: gut, salvavi animam, es war eine Gewissenssache, aber nunmehr ist’s genug!
— Ich brauche jetzt, für lange lange Jahre, tiefe Ruhe: denn es steht die Ausarbeitung meines ganzen Gedankensystems vor mir. —
Ihnen, geehrtester Herr Verleger, angenehmes Weihnachten und glückliches Neujahr wünschend
Ihr ergebenster
Prof Dr Nietzsche
NB. Packen Sie das Ms. mit Vorsicht aus, daß die einzelnen Blätter nicht durcheinander gerathen!
Den Correcturgang betreffend: Ein Abzug mit Ms. an Herrn Köselitz (München, Türkenstr. 33 III r.) zu gleicher Zeit ein Abzug an mich hierher (genaue Adresse, wie an der Spitze des Briefs)
1886 (132 Briefe)
655. An Bernhard Daechsel in Sangerhausen (Entwurf)
Только что сестра дала мне понять, что подозревает, будто мое благодарственное письмо, отправленное тебе, не дошло до тебя: и тут мне пришло в голову, что я сам, получив твое последнее милое письмо и добрые пожелания, испытал то же самое впечатление и черные мысли — и вот я уже полчаса распекаю небрежную и беспорядочную итальянку, которая должна выполнять мои поручения в городе, если я не делаю их сам. Она, конечно, говорит, что исправно опускает все письма в ящик — но — — —
Странно, это уже третий случай этой зимой, когда мне приходит в голову мысль, что мои письма могут не доходить. Почему же? Может быть, из-за почтовых марок? — Но предположим, что мое подозрение обосновано, тогда не остается ничего другого, как повторить то, что я сказал в том пис<ьме> — и я делаю это с искренним удовольствием. Ты оказал мне огромную услугу, мой дорогой д<ядя>, ибо я не сомневаюсь, что без твоего ободрения я бы упустил этот решительный момент и лишился бы всего моего заслуженного гонорара за мои прежние сочинения: — случай, который не только как денежная потеря, но и еще хуже, в своих морал<ьных> последствиях, отразился бы на мне.
Такой опыт «портит характер», как я обычно говорю: и тот, кто избавляет нас от такого опыта, является, следовательно, и нашим морал<ьным> благодетелем. И особенно мы, философы, которые слишком склонны обобщать свои дурные переживания и записывать их на счет всей жизни, должны быть очень благодарны, если нам удается обменять плохое переживание на хорошее: — ну, мы, может быть, обобщаем и этот опыт несколько опрометчиво, но это менее опасно — —
656. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg
Мои дорогие,
Вы тем временем завалили и ошеломили меня всякими хорошими вещами и проектами, сочинениями, часовыми цепочками, «печурками будущего», «слушателями будущего», выкопанными греками и возвышенными немцами, так что я немного потерял от этого рассудок. Теперь он вернулся, и тут же требует, чтобы я написал вам благодарственное письмо. Ко всему прочему, у нас здесь чудесная зима, и у нас есть веские причины быть благодарными; ведь как только заглянешь в газеты, там пишут: «Снежная буря в Вене» и т. д. Правда, и у нас выпал снег; он выглядел так забавно, что я подумал, будто он от кондитера и элитного булочника, и, возможно, сладкий на вкус. В лейпцигской «Illustrirte Zeitung» была написана совершенно коварная ложь о нашем климате: дословно «На Ривьере, которая обычно в это время года снабжает нас цветами, всё замерзло». Я рекомендую как следует «возвысить» редактора, разумеется, за волосы! —
У меня такое чувство, будто я впервые в Ницце; по крайней мере, теперь я лучше умею воспринимать то прекрасное, что подходит мне здесь, и просто игнорировать остальное. Тонкий воздух, нежные краски всех видов, неописуемая солнечность — в этом есть что-то вдохновляющее, по крайней мере для меня. Моя голова здесь в десять раз ценнее, чем в Цюрихе или Лейпциге, здесь, где климат «созвучен» ей, если выражаться крайне образованно. Нет сомнений, что каждый год (каждую зиму! но не в остальное время!) я теперь делаю шаг вперед к здоровью; а именно к здоровью моей головы, а не моих глаз (между нами говоря —). Проект с лекциями очень заманчив; тем не менее, я не должен рассматривать его слишком близко по разным причинам. Хорошо бы проявить здесь еще немного терпения; пока что вам, мои дорогие, лучше обратить свои взоры на что-то более «современное». Например, на так называемую спутницу жизни. Описание: веселая, хорошенькая, еще очень молодая, и, в остальном, храбрая маленькая овечка à la Ирен Зейдлиц (с которой я почти перешел на «ты») — Дяде Бернхарду я, конечно, написал, но из его новогоднего поздравительного письма мне я извлек то же подозрение, что было у тебя, моя дорогая Лама: что письмо не дошло. Это уже третий раз за эту зиму, когда у меня возникает предположение, что мое письмо было присвоено или случилось что-то еще. Я отправил дяде еще несколько строк по этому поводу.
Мои дорогие, мне кажется невозможным упаковать здешнее небо с его 220 безоблачными днями, как печурку, в чемодан и переехать в Цюрих. Печально!
Здесь тоже читают лекции о Южной Америке, включая Парагвай. Путешественник, в целом очень восхищенный (после путешествия длиной в 3,5 года), в конце концов утверждает, что не нашел ничего прекраснее Ниццы.
Со швейцарской стороны меня натолкнули на мысль, что многократные, почти регулярные неудачи немецких или швейцарских колоний в странах Ла-Платы имеют своей причиной смешение национальностей, т. е. совместное проживание немецких и романских элементов. Не возникает чувства родины, чувства «дома», когда у тебя по соседству итальянская грязь и т. д. Принципиально исключать романцев и столь же принципиально демонстрировать чистоплотность в жилище и жизни: вот в чем главное, но и то, и другое нелегко, потому что первое противоречит правительственной практике тех стран, а второе — климату. Ну, может быть, можно «возвысить» немцев до этого.
С сердечнейшим приветом и благодарностью
Ваш Фриц.
657. An Reinbart und Irene von Seydlitz in München
Мои очень дорогие друзья,
помимо двух столь хороших писем, я должен сегодня еще и самым прекрасным образом поблагодарить приятного плута Случай за то, что он, совершенно незаслуженно, создал мне у моих друзей «хорошую репутацию» — цветочную репутацию! Хотел бы я быть в состоянии послать вам под бандеролью немного нашей неистребимой солнечной погоды (день за днем одинаковой), а лучше всего — добрый кусок синего неба, которого у нас здесь в избытке — Ницца насчитывает в году 220 абсолютно безоблачных дней и не имеет в этом отношении соперников в Европе, даже на этом побережье. Это самый бодрящий климат, какой только можно себе представить, «рай для больных и стариков» (следовательно, для нынешних философов, которые, в том или ином смысле, имеют обыкновение быть и тем, и другим).
Мои дорогие друзья, на самом деле здесь налицо все условия, чтобы жить очень здорово, очень освещенно, очень космополитично, да даже очень дешево (последнее — вследствие быстрого падения цен на жилье и общей отельной катастрофы, у которой нет перспектив скоро исчезнуть). Благодаря крупным распродажам здесь можно обзавестись очень красивой мебелью и обстановкой. Мир иностранцев, как он здесь живет, кажется мне в конечном счете более подготовленным для художника и импресарио «in Japonicis», чем, возможно, общество любого европейского мегаполиса. Славянский элемент (польки, русские) преобладает.
— Все это лишь должно выразить то, что я испытываю сердечную тоску по тому, чтобы иметь вас здесь.
Примите, если позволите, вашего друга в свои планы на будущее, мечты о будущем, воздушные замки — я, как только что признался, делаю то же самое. Кто знает, что хорошего из этого еще выйдет! Нужно усердно молиться богу Случаю: порой он посылает цветы. —
Но желудок, отец печали, даже у меня! Теперь он хочет, чтобы я жил на молоке, яйцах, инжире и хлебе Грэма — я полагаю, так жил Эпикур, который тоже страдал желудком. Счастье, как его понимал тот мудрец, — это счастье диспептика - - - И сохраните любовь к вашему другу
Ницше.
658. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Мои дорогие,
Достопочтенный друг, наши письма разминулись, и мое предпоследнее письмо, отправленное Вам в Вену, как я заключаю из Вашего последнего сообщения, попало к Вам в руки как раз вовремя. Тем временем мне очень хочется узнать обо всем, что произошло в Дрездене; и у меня возник приятный вопрос, стоит ли вообще еще обращать свои взоры на Карлсруэ:— возможно, для Др<ездена> требовалось лишь Ваше прибытие, чтобы сдвинуть дело с мертвой точки — и заставить «льва» зарычать. По крайней мере, именно так ежедневно нашептывает мне надежда… Само собой разумеется, что я в любой момент готов написать в К<арлсруэ> М<оттлю>: просто укажите мне срок, когда получение письма покажется Вам наиболее полезным. Женевский профессор музыки, который проводит зиму в Лейпциге, чтобы исполнить свои произведения, носит фамилию Рутхардт: он очень хочет познакомиться с Вами! Вы узнаете у Риделя, где он живет. (Вероятно, Вы приедете в Лейпциг?)
Преданный Вам
Н.
659. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Милая моя мама, всё в лучшем виде, и ещё раз сердечно благодарю! — «Господин Ц<иллер>, как ты пишешь, хочет купить клавираусцуг «Кайзермарша» дешевле, чем за 22 марки»? Но он новый не стоит и 22 грошей: тут, вероятно, какое-то недоразумение? Впрочем, я хотел бы оставить его себе, это музыка, которую я до сих пор очень люблю. — Партитура «Кайзермарша», которая у меня есть, конечно, не продаётся! Она 1) подарок В<агнера> мне, 2) с этим экземпляром партитуры В<агнер> дирижировал первым исполнением произведения (в Лейпциге); 3) в ней есть рукописные изменения в нотном тексте, из-за которых этот экземпляр имеет уникальную ценность. — Добрая Лама тоже написала мне, трогательное новогоднее письмо. Что ж, нам всем нужно смотреть, как мы проживём ближайшие месяцы. Думаешь ли ты, что Хайнце приедут в Ниццу? И когда? Я сам останусь до 13 апреля (это, из-за света и моих глаз, самый поздний срок). Погода, неделя за неделей, невероятно прекрасная, светлая с утра до вечера. Преданный тебе
Ф.
Дело о поручительстве со Шмайцнером улажено. — Ты говорила с Кюрбицем? Я писал ему. —
660. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
1. Я с величайшим сочувствием услышал о назначении Р<оде>: но почему он совсем перестал мне писать? У меня осталось мало терпения для бывшего друга, и, право, не потому, что я от природы нетерпелив или нетерпим.
Но за все эти 10 лет (если не считать моего друга О<вербека>, которого я исключаю раз и навсегда) я испытал слишком много глупости, поверхностности и высокомерия со стороны тех, кого считал своими друзьями. Благодарю небо, что у меня еще осталась любовь моих близких, после того как и она была поставлена под угрозу из-за последствий всякого рода «дружеских услуг».
3. Что же касается всего моего положения, то я больше не признаю своим другом никого, кто не понимает чудовищной бедственности этого положения: что человек, рожденный для богатейшей и обширнейшей деятельности, вынужден проводить свои лучшие годы в бесплодных пустынях: что мыслитель, подобный мне, который никогда не может вложить лучшее из того, что имеет, в книги, а всегда только в избранные души, вынужден своими полуслепыми, ноющими глазами «делать литературу» — всё это так безумно! так тяжело!
661. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
многое можно было бы рассказать, будь у меня «глаза получше». — Сердечно благодарю тебя за добрые дружеские пожелания к Новому году; точно так же весьма кстати пришлись мне пять стомарковых купюр (— они избавили меня от «похода к банкиру», который я ненавижу и от которого мне всегда становится дурно). В этом году предстоит многое преодолеть, прежде всего — грядущие месяцы, которые будут не менее тяжелыми для моих родных, чем для меня. Моя мать почти в отчаянии. — Вчера она сообщила мне окончательное решение по делу Роде: она возлагает на него надежды; в самом деле, Лейпциг, который почти что стал моей родиной, теперь, как место встречи всех моих добрых знакомых и товарищей прежних лет, стал для меня вдвойне ценен. Она получила известие от Хайнце, которые этой осенью отнеслись ко мне чрезвычайно сердечно: они также хотят навестить меня здесь, в Ницце, на пасхальные каникулы. То же самое обещал господин Ланцки в Валломброзе (у меня есть все основания быть благодарным за то, что мне встретился такой человек, как Л<анцки>, — удивительно благородный и тонкий характер, пусть, к сожалению, и не «гений» — со временем он, вероятно, станет чем-то вроде моего «практического разума», в качестве эконома, советника по здоровью и тому подобного). Из прилагаемого письма Кёзелица, которое я тебе передаю, поскольку оно проясняет его ситуацию, — ты увидишь, что в перспективе намечаются и другие визиты в Ниццу. Господин Видеман выразил моей матери желание пожить несколько лет рядом со мной; признаюсь, у меня были сомнения — но из письма К<ёзелица> ты поймешь, что, возможно, есть причины смотреть на это с оптимизмом. То, что К<ёзелиц> возьмется здесь за свою корсиканскую оперу (для которой я прошлым летом прислал ему набросок — он был в восторге от него), — мое желание; я исподволь делаю то и другое, чтобы это стало возможным. Наконец, я питаю надежду, что три мои дамы, которые трогательно привязаны ко мне, mesdames Fynn et Manshouroff, также приедут сюда. У человека нет особого выбора, расставаться или нет, если уж он нашел своих: слишком редко встречаются эти благородные и нежные души, с которыми можно общаться, не принуждая себя, как обычно, к насилью над собой. Сейчас они в Англии. — Я писал о своих «экспериментах»: ну что ж, слава богу, что я осмелился и не впрягся снова в пытку прошлой зимы, от последствий которой я еще полгода был почти болен. Все, что здесь есть от Базеля, приходит мне на помощь, столь же сердечно, сколь и уважительно, как это свойственно базельцам. Погода невыразимо прекрасная, неделя за неделей; небо сияет чистотой с утра до вечера.
Передай своей дорогой жене, что я слушал юношеское произведение Бизе, оркестровую сюиту «Рома» (бедный Б<изе> сам ее не услышал!). Притягательно-наивная и утонченная одновременно, как и все у этого последнего мастера французской музыки. — От всего сердца твой друг
Н.
В качестве первого применения денег Шмайцнера я велел покрыть могилу моего отца большой мраморной плитой. (Согласно желанию моей матери, когда-нибудь это будет и ее могила.)
662. An Felix Mottl in Karlsruhe (Entwurf)
Надеюсь, моё имя Вам не совсем незнакомо?
Мне сообщили приятное известие о том, что г-н П<етер> Г<аст> доверил судьбу с<воего> Л<ьва> в<енецианского> Вашим рукам и Вашему вкусу: смею ли я признаться, что принимаю в Вашем решении едва ли не меньшее участие, чем сам композитор этой оперы. Я необычайно люблю это произведение: простите эту любовь, если она пытается убедить и Вас, глубокоуважаемый господин, оказать этой опере особое покровительство.
Текст, который в прошлом веке предпочитали и любили в хорошем обществе, неоднократно положенный на музыку и даже особо восхваленный Стендалем, требует свободной игры: «старое доброе время» до французской революции, время самых лучших и весьма мужественных манер, пудры и парчовых платьев, возможно, даже намеренно может быть представлено с некоторой иронией и как бы подчеркнуто: — прелесть этих нравов именно сегодня немала. Опера может подавать себя как опера в стиле рококо (я заметил, <что> именно сегодня среди художников царит пристрастие к рококо).
Опера в стиле рококо: всё должно быть сделано и со стороны декораций, чтобы выразить Венецию 1770 года, самый беззаботный, влюбленный и любимый город прошлого века.
При этом можно рассчитывать на действующее и по сей день очарование Венеции, единственного города, «о котором можно мечтать, не видя его». Музыка Петера Гаста обладает той morbidezza и нежностью, той счастливой праздностью, полувосточным колоритом и всем тем, что неизменно влечет северных л<юдей> в этот таинственно безмятежный и нежный город без шума и пыли. В музыке это подлинное очарование Венеции до сих пор не находило выражения. Когда «Лев в<енецианский>» однажды «прорычит» на всех сценах Евр<опы> (ибо я пророчу этой опере успех, подобный успеху «Кармен»), люди почувствуют, как эта музыка могла возникнуть только там — и в какой мере душа В<енеции> здесь обрела свое звучание.
Мне памятно с прошлой зимы, с какой благодарностью к Вам я читал во фр<анцузских> газетах отчеты о Вашей постановке посмертной оперы Бизе: даруйте то, что Вы оказали почитаемому мною покойнику, теперь живому, даже очень живому — ибо этот П<етер> Г<аст> — — —
662a. An Louise Röder-Wiederhold
Глубокоуважаемая госпожа,
я только что написал несколько строк капельмейстеру Вашей оперы господину Мотлю: и тут мне пришло в голову, что в Карлсруэ есть еще один человек, который вправе ожидать от меня письма. Простите, что я так долго молчал: если бы у меня были «лучшие глаза», я бы, конечно, был и с лучшим пером. (Смелый немецкий! Но какое это имеет значение! Если в немецком языке, будучи немцем, ничем не рисковать, то что же мы за немцы!)
Я еще помню, что в своем последнем письме Вы нашли способ указать мне на мою несостоятельность в вопросах арифметики. Упаси Вас небо, если я однажды не найду способа отомстить за свое уязвленное тщеславие! —
То самое «серо-черное чудовище» оказывается весьма благотворным: у нас стоит довольно холодная зима, а так как философ до сих пор отказывался топить — —
Нашему другу К. пришлось несладко в его скитаниях. Теперь его звезда стоит над Карлсруэ! Допустим, что лев из Венеции научился там «рычать» — «достаточно нежно», говоря словами Шекспира, — тогда у меня появился бы второй повод поддаться искушению и взглянуть на этот Карлсруэ в течение года — несмотря на все то, что Вы сами, глубокоуважаемая госпожа, говорили против места Вашего проживания.
Примите сердечный привет
Вашего благодарного
Д-ра Фридриха Ницше
Ницца, 10 января 1886 г.
rue St. François de Paule 26 II
663. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Мне не удалось договориться с моим прежним издателем господином Шм. в Х. о втором издании M<enschliches,> A<llzumenschliches>. В сущности, я теперь полагаю, что он вовсе не хочет выпускать мои сочинения из рук; он примерно знает, что они для него значат, среди его ближайших знакомых есть несколько самых ревностных и преданных моих последователей. (Видели ли вы, например, заключительные страницы книги Видемана «Познание и бытие», Г. Ройтер, 1885 г.?) То, что Шмайцнер до сих пор не терял, а зарабатывал на моих сочинениях, пусть даже не в той мере и не с той быстротой, как он, возможно, ожидал, мне совершенно ясно из того представления о его делах, которое дал мне судебный процесс. У моих книг сейчас необычайн<о> широко распространенный, прочный и очень преданный мне круг читателей, который еще не велик, но постоянно растет, — в этом нет никаких сомнений. —
Но глубокоуважаемый господин, если не получается договориться между нами о втором издании M<enschliches> и A<llzumenschliches>: будьте любезны, обдумайте, не желаете ли вы издать что-то новое, что уже готово к переписке! Это второй том
Утренней зари
Мысли о морал<ьных> предрассудках.
Если автору и подобает сказать слово о своей собственной книге: что ж, я бы сказал, что это книга для интеллектуальных гурманов и смельчаков; в ней есть даже нечто самое тонкое и дерзкое. Тем не менее в ней нет ничего, что выглядело бы как прямое нападение; я не принадлежу к числу партийных людей какого бы то ни было толка, которые непременно хотят «обратить» или «опрокинуть».
664. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
сразу же после получения Вашего сердечно приветствуемого письма (которое навело на меня меланхолию, несмотря на его бодрый тон и терпеливую жизнерадостность) я отправил несколько строк господину М<оттлю>: будем надеяться, с долей оптимизма, что они по крайней мере «не повредили». Я приложил бандеролью программу (raisonné) последнего классического концерта в Монте-Карло, на котором была исполнена оркестровая сюита Бизе «Roma» (тонкая и изысканная вещь из его юности, которую он сам при жизни не «слышал» —), а именно в связи со словами благодарности, которые я в письме выразил за его усилия по продвижению Бизе. Кроме того, я также постарался, насколько это было возможно, предотвратить предубеждение против Вашего либретто. В тот же день я написал достопочтенной госпоже Рёдер в Карлсруэ. Признаюсь, что сейчас для меня мало есть вещей столь же желанных, как постановка Вашей оперы: — я бы сделал всё, чтобы присутствовать на ней. У человека есть «свой вкус», а следовательно, и свой «голод», а при определенных обстоятельствах — и своя голодная смерть.
Ваши разъясняющие слова о господине Видемане меня очень порадовали. Тем не менее я полагаю, что это был верный инстинкт (отчасти странно умноженное стечение обстоятельств), который помешал нашей встрече прошлой осенью. Скажу между нами, ради Видемана (при личной встрече с ним) я бы пошел на все возможные уступки Шмейцнеру и до сих пор не был бы в расчете с ним. —
В расчете ли я? — Что Вы думаете на основании Ваших бесед с господином Видеманом о планируемом втором издании «Человеческого, слишком человеческого»? Пока книга находится в этом антисемитском уголке, ни одного экземпляра больше не будет продано: это знает и сам Шм<ейцнер>. Теперь я хотел бы выкупить у него оставшиеся экземпляры для уничтожения: он бессовестно требует 2500 марок, я хочу предложить 500 марок (что для Шм<ейцнера> в любом случае лучше, чем ничего — а для меня уже безумно много!). — Будьте добры, дорогой друг, при случае изложить этот случай и этот вопрос господину Видеману. —
Для меня было бы очень важно сделать новое издание сейчас: скажу между нами, я думаю, что позже я уже не смог бы к этому вернуться. Но прошлое лето и, к сожалению, эта зима были мною потрачены на переработку этой вводной книги: теперь я хочу сбросить её с души. Кошмар! —
Представьте, что Ницца в этот раз восхищает меня так, будто я вижу её впервые. Зима великолепно ясная, сияющая и ровная. — Весной я отправлюсь в Венецию, если не появятся рыкающие львы, которые заманят меня в Германию.
Бассано? Конельяно? Ах, друг, как было бы прекрасно, если бы мы могли увидеться где-нибудь там! Или на родине Тициана?
Покорно рекомендуя себя Вашим почтенным родителям и желая Вам самим храброго, богатого, победного года
преданный Вам Ницше.
665. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Только желание выразить Вам мою благодарность за Вашу готовность побуждает меня написать сегодня. Надеюсь, что будущей весной я смогу лично вручить рукопись: пока же я крайне стеснен в завершении переписки из-за болезненного состояния моих глаз. Именно к этому сроку я приберегу несколько замечаний, которые должен сделать (а также пару встречных предложений), с которыми Вы, возможно, примиритесь быстрее, чем я сам. — Могу ли я, наконец, представить Вам ряд моих опубликованных до сих пор сочинений? (за исключением Philologica)
Рождение трагедии, 2-е изд.
4 несовр<еменных> разм<ышления>, вышедших по отдельности, четвертое во 2-м изд.
Ч<еловеческое,> сл<ишком> ч<еловеческое>. К<нига для> св<ободных> у<мов>
С приложением: Смешанные м<нения> и изречения
Странник и его тень.
Утренняя заря
Веселая наука
Так говорил З<аратустра>. Книга для всех и ни для кого.
В трех частях
Опубликовав произведение, которое — задумчивое и сомнительное, как оно есть — должно опасаться понимания почти еще больше, чем недор<азумения>, требует, чтобы на него смотрели самыми зоркими глазами, слушали самыми послушными ушами, и прежде всего, долго, многократно, осторожно —: я осознал маловероятность того, что оно найдет этих единственно подобающих ему читателей.
666. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая, дорогая матушка,
мне в этот раз особенно грустно, что я не могу присутствовать на твоем дне рождения: ведь, возможно, ввиду многих тяжелых чувств, которые приносит этот день, для твоего сердца было бы облегчением сохранить хотя бы одного из своих детей в качестве хорошего европейца: раз уж лама решительно выбрала Южную Америку и мате. Ну, кто знает, сколько это еще продлится: глядишь, и уставший от Ниццы снова потянется на север, «домой», подобно знаменитым ласточкам, тем более что вчера произошло нечто, что вновь связывает меня новой ленточкой с добрым Лейпцигом. У меня есть издатель: вот в чем суть долгой речи. Когда я ночью уже собирался лечь в постель, я случайно нашел письмо, которое просунули мне под дверь в комнату (по-деревенски, прилично, очень прилично!)
Я прочел его, оно было от Креднера — и его объяснение доставило мне такое удовольствие, что я не мог удержаться и станцевал небольшой танец в одной рубашке. Несмотря на холод: ведь я до сегодняшнего дня еще не топил. Я предложил ему второй том моей «Утренней зари» (ты видишь, старый писака был прилежен); он с удовольствием принимает, выражает желание, чтобы я причислил его к числу моих почитателей, требует, чтобы было сделано что-то для разрыва моих отношений со Шмайцнером, намекает на желание выкупить у Шмайцнера остаток «Человеческого, слишком человеческого», короче говоря, ведет себя как долгожданный издатель будущего.
Прошу тебя сообщить об этом также дорогой ламе и ее супругу, рабовладельцу и директору по воспитанию — больше никому, даже Хайнце. —
Возможно, из-за этих литературных планов я приеду в Германию: — это маленькое «возможно», моя дорогая матушка, прошу принять сегодня от меня как своего рода подарок на день рождения.
Вам, должно быть, предстоит ужасно много дел? — Я очень часто мысленно с вами; и когда недавно из Америки нам «анонсировали плохую погоду», я разозлился, потому что в этом году Америка и без того портит нам настроение. Правда, мне здесь повсюду говорят: «путешествие в Южную Америку — это не событие и не повод для беспокойства»; но мы еще не привыкли к этому космополитичному образу жизни перелетных птиц, к которому привыкли наши гости в Ницце.
Мне здесь оказывают много внимания и почестей, я не могу этого отрицать. Старый голландец теперь тоже прибыл и полон радости снова видеть меня (Он другим людям говорил обо мне с гордостью: «он мне настоящий друг, я знаю это совершенно точно».)
Тот же самый голландец, ранее служивший в министерстве, но вынужденный оставить свой пост из-за глаз, всегда возвращается в Ниццу, потому что здесь его глаза страдают меньше, чем в других местах: в его Голландии состояние каждый раз ухудшается. Совсем как у меня.
Старая пасторша шлет сердечный привет.
Напиши мне точно, что теперь решено и дошло ли действительно мое последнее письмо (в котором я должен был благодарить пять раз).
Вспоминайте меня по отдельности и когда вы вместе, и любите
Вашего Фрица.
667. An Paul Widemann in Chemnitz (Entwurf)
Как странно, что прошлой осенью мне снова не удалось встретиться! Признаюсь, я испытывал некоторую неуверенность, не зная, насколько близки или далеки Вы от г-на Шм<айцнера> — — —
668. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Visitenkarte)
Дорогой друг, вот кое-что от Моттля, — совсем немного, но не без «любви». Возможно, хороший первый шаг для начала. «В начале было Слово» —
Сердечно благодарю за Ваше письмо, у меня болят глаза. В заключение просьба: ничего не предпринимать в деле Шм<eitzner>’а, пока я снова не обращусь к Вам по этому поводу.
Преданный Вам Н.
669. An Elisabeth Förster in Naumburg
Моя милая старая Лама,
только что пришло Твое милое и забавное предложение, и если оно хоть как-то послужит тому, чтобы внушить Твоему супругу хорошее мнение о неисправимом европейце и анти-антисемите, Твоем совершенно незначительном брате и бездельнике Фрице (хотя ему, конечно, сейчас есть чем заняться, кроме как «беспокоиться» обо мне), то я охотно пойду по стопам фройляйн Альвинхен и настоятельно прошу Тебя при тех же обстоятельствах и условиях сделать меня южноамериканским землевладельцем: с той лишь разницей, что этот клочок земли будет называться не Фридрихсланд или Фридрихсхайн (потому что я пока еще не хочу там «умереть и быть погребенным»), а, в память о том, как я Тебя окрестил, — Ламаланд.
Говоря серьезно: я бы послал Тебе все, что у меня есть, если бы это могло помочь Тебе поскорее вернуться назад. В сущности, все люди, которые знают и любят Тебя, придерживаются того мнения, что было бы в три тысячи раз лучше, если бы Тебе удалось избежать всего этого эксперимента. Даже если кто-то и считает ту страну подходящей для немецкой колонизации, никто не хочет признать, что именно вы двое должны быть колонистами: это кажется скорее произвольным, прости за выражение, к тому же опасным, особенно для Ламы, которая привыкла к мягкой культуре и в ней лучше всего процветает и резвится. Весь этот накал чувств, лежащий в основе всей этой истории, на самом деле уже слишком тропический для Ламы (точнее: для нашего настоящего семейного «типа», чье искусство заключается в примирении контрастов), по моему мнению, даже нездоровый: человек остается милее и моложе, если не питает ненависти и подозрений —. Наконец, мне все время кажется, что Твоя натура могла бы оказаться полезнее для собственно немецких стремлений здесь, в Европе, чем там: именно как супруга доктора Фёрстера, который, как я снова почувствовал при чтении его эссе о воспитании, имеет естественное призвание быть директором воспитательного учреждения вроде Шнепфенталя — и не, прости своего брата, агитатором в движении, которое на три четверти является скверным и грязным. То, что сейчас остро необходимо в Германии, — это именно независимые воспитательные учреждения, которые на деле противостоят государственной муштре рабов. Доверие, которым доктор Фёрстер пользуется у северогерманского дворянства, кажется мне достаточной гарантией того, что подобный Шнепфенталь или Хофвиль (помнишь? место, где воспитывался старый Фишер) под его руководством имел бы успех. Но там, за океаном, среди крестьян, вблизи от возможно озлобленных и отравленных немцев — довольно, здесь широкое поле для опасений. Это глупое большое море между нами! И при каждом урагане, о котором приходят известия, Твой брат злится и спрашивает себя, как, во имя всего святого, Ламу угораздило пуститься в такую авантюру. Я беру себя в руки, как могу, но меланхолия, равной которой нет, овладевает мной каждый день, особенно по вечерам, — все потому, что Лама убегает и полностью отказывается от традиций своего брата. — Только что капельмейстер в Карлсруэ сообщает мне (которому я написал по просьбе бедного К<ёзелица>), что моя рекомендация («рекомендация человека, которого я восторженно почитаю») вызывает у него самое благоприятное предубеждение к работе; и, радуясь этому от всего сердца, я вспоминаю, что вы скажете: «это ведь всего лишь еврей!». Это, по-моему, выражает то, как Лама выпрыгнула из традиций брата: — мы больше не радуемся одному и тому же. — Между тем, ничего не поделаешь, жизнь — это эксперимент, делай что хочешь, платишь за это слишком дорого: вперед, моя милая старая Лама! И мужества для того, что решено!
Твой Ф.
670. An E. Kürbitz in Naumburg (Entwurf)
Мне очень важно передать моей сестре еще одну купюру в 300 марок — до того, как она сядет на корабль в Гамбурге, — для цели, о которой я только что сообщил вам в письме. Если вы окажете мне особую услугу и незамедлительно отправите деньги по указанному ниже адресу, то, по моим расчетам, они еще успеют вовремя попасть в руки моей сестре. Примите выражение моего глубокого уважения
671. An Emily Fynn in Genf
Глубокоуважаемая госпожа!
наконец-то от меня письмо — стоит ли объяснять, почему оно приходит лишь «наконец»? Но это было бы бесполезно: Вы сами, с Вашей великой и необходимой добротой, уже достаточно сделали в мою пользу и в моё оправдание (если речь идёт о вине), так что я не могу сделать ничего лучшего, как сослаться на это. Я так благодарен за всю тонкость интерпретации того, что я делаю или оставляю без внимания —
Кажется, нам обоим приходится нелегко — преодолевать болезненные переживания, жить дальше. Я тоже потерял сестру, правда, не из-за реальной смерти, а из-за одного из тех великих разрывов, которые имеют в себе нечто столь же бесповоротное. Она вместе со своим супругом направляется в Южную Америку с целью колонизации тамошних мест: есть достаточно оснований полагать, что дело увенчается успехом, но чем больше оно будет успешным, тем прочнее они будут привязаны к этому далёкому миру. В конечном счёте, дело даже не в Парагвае, который больше всего внушает мне чувство потери сестры. Убеждения моего зятя, ради которых он живёт и умирает, мне чужероднее, чем Парагвай.
В Мюнхене, который я затронул по пути сюда, у своих друзей я проникся впечатлением, как уютно и по-домашнему чувствовала бы себя там Ваша дочь в этом квартале художников и художниц; более того, я в уме прикидывал, нельзя ли найти какую-либо связь между её превосходной и оригинальной манерой воспринимать цветы и японизмом моего друга Зейдлица. Допустим, если Вы снова будете в Германии, пожалуйста, рискните сделать небольшую попытку с Мюнхеном: мой друг и его жена сочтут за великую честь быть Вам полезными.
В Портофино, где я верно передал приветы Вашей достопочтенной подруги, я чуть было не задержался. Среди тамошних знакомых в Генуе было самое искреннее желание устроить меня на зиму на вилле одного английского дантиста. Климатические опасения — которые тем временем, учитывая общую суровость этой зимы, оправдались вдвойне — заставили меня ехать дальше, сюда, в мою старую Ниццу. Воздух здесь чище и ярче, чем где-либо в Европе; мне говорят, что каждую зиму я выгляжу «лучше и моложе» — я считаю, что ради этого стоит хранить верность месту. Месту, которое обещает человеку молодость — —
Чего мне не хватает в Ницце, так это людей, которых я люблю и которым не нужно всё «разжёвывать».
Три четверти дня я довольно мрачен и трудолюбив, остальное время весел или «profondément triste» (глубоко печален), как и подобает одинокому медведю и философу.
Какую радость доставил мне Ваш портрет! И то, что в нём наиболее привлекательно и притягательно, к счастью, не принадлежит ни одному возрасту: это относится к тому вечному «моложе и лучше», которое, к сожалению, нельзя обрести ни в какой Ницце. — Свидетельство: моя собственная фотография. —
Меня часто посещало беспокойство, не пошатнулось ли то удивительное возвращение Вашего здоровья. И действительно ли Женева, именно Женева, идёт Вам на пользу? Здесь так много тех, кто бежал от женевской зимы.
О глазах ничего хорошего сказать не могу. Тем не менее: в Энгадине с ними было хуже. Вода Ромерсхаузена много раз освежала меня, и никогда — без того, чтобы я с сердечнейшей благодарностью не думал о той, кто её дал. Сохраняйте меня, если позволите, и впредь в доброй памяти, втроём и не только втроём. Вы знаете, глубокоуважаемая госпожа, что мои постоянные пожелания сопровождают Вас и что для меня будет великой радостью, если хоть что-то из этих пожеланий исполнится.
Ваш покорнейший
Проф. д-р Фридрих Ницше
Отшельник из Зильс-Марии.
672. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Widmung)
Дорогой друг,
последние новости о Корсике, немного провинциально, но по-южному провинциально. Много «местного колорита». Пожалуйста, читайте со словарем и не пренебрегайте лучшим — тремя стихами на провансальском диалекте, которые сделали меня счастливым на два дня, см. стр. 200.
Я только что читал о ваших снежных бурях в Рудных горах. Вот вам кое-что для отдыха от них.
Искренне ваш Ф. Н.
673. An Erwin Rohde in Tübingen
Дорогой старый друг,
моя мать недавно сообщила мне о твоем назначении в Лейпциг: я давно не испытывал такой радости, как от этого известия! С тех пор я снова и снова представляю себе, что этот год должен нас соединить. Возможно, это удастся устроить уже к весне; и больше всего на свете я хотел бы стать свидетелем — глазами, ушами и сердцем — твоего вступления в должность. Я даже не могу выразить, как сильно эта надежда ласкает и оживляет меня. Прошлой осенью я был немного в Лейпциге, как бы для пробы: ах, тихо, почти скрытно, почти всегда один, но словно согретый множеством воспоминаний о тебе и нашем старом содружестве в этих местах. Случай распорядился так, что я услышал кое-что о проекте, который касался тебя: непосредственно перед заседанием, на котором всё это дело впервые рассматривалось, я был вместе с Хайнце и Царнке. Мне кажется сном, что и я когда-то был своего рода многообещающим существом, philologus inter philologos. Ничего не исполнилось: или, как вы, возможно, теперь говорите между собой, «он ничего не исполнил». Ко всему прочему, я не стал богаче друзьями: жизнь всё чаще представляла мне долг с ужасным побочным условием его одинокого исполнения. Трудно понять меня; я почти исхожу из того, что даже знакомые теперь грубо меня понимают превратно, и я уже от всего сердца признателен за любую тонкость интерпретации, да что там — за добрую волю к этой тонкости. Я осел, в этом нет сомнений. Старый дорогой друг Роде, мне кажется, ты лучше разбираешься в жизни, потому что ты в нее погрузился; в то время как я вижу ее всё больше издалека — возможно, всё отчетливее, всё ужаснее, всё обширнее, всё притягательнее. Но горе мне, если я однажды больше не выдержу этого отчуждения! Человек стареет, становится тоскливым, уже сейчас мне, как тому царю Саулу, нужна музыка — небо, к счастью, подарило мне своего рода Давида. Человек, подобный мне, profondement triste, не может долго выносить вагнеровскую музыку. Нам нужны юг, солнце «любой ценой», светлое, безобидное, невинное моцартовское счастье и нежность в звуках. На самом деле, мне следовало бы иметь вокруг себя людей того же склада, что и музыка, которую я люблю: таких, рядом с которыми можно немного отдохнуть от самого себя и посмеяться над собой. Но не каждый может искать, кто хотел бы найти — вот я и сижу, и жду, и ничего не происходит, и я не нахожу ничего лучшего, как рассказать своему старому другу о том, что я одинок.
Передо мной лежит твое последнее письмо, возможно, я отвечаю на него только сейчас, хотя утекло немало времени (письмо от 22 декабря 1883 года). Будь снисходителен к своему молчаливому другу, которому во многом приходится нелегко и который научился бояться открывать рот. Не успеешь оглянуться, как вырвется жалоба, — а нет ничего глупее на свете, чем жаловаться. Это унижает нас, даже перед лучшими друзьями.
Напиши мне хоть слово, в доказательство того, что ты все еще любишь меня, старый друг Роде. И еще раз, я радуюсь твоему счастью больше, чем своему собственному. Приветствуй свою жену от неизвестного медведя и отшельника и приласкай своих детей от моего имени. С любовью
Твой верный друг
Ницше.
674. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя милая, дорогая матушка,
я в это время так много думал о тебе и при этом едва замечал, что так мало писал тебе, прости! Я сейчас как раз занимаюсь переписыванием, продвигаюсь медленно, медленно, и каждый раз, когда позволяю себе отдохнуть, мне так надоедает хоть как-то использовать свои глаза, что из-за этого я, вероятно, становлюсь должником по письмам во все стороны. Тем не менее, это, как мне кажется, хороший знак, по крайней мере, моего мужества, что я сам берусь за переписку: ты, может быть, помнишь, как 3-4 года назад в Наумбурге диктовали, и писцу тоже платили (1883). Это был позорный почерк, если я правильно помню.
От наших эмигрантов я напоследок получил в подарок красивое золотое кольцо; внутри него написано: «думай с любовью о Б. и Э.» — это я и хочу делать от всего сердца, хотя признаюсь, что эта связь «Б. и Э.» до сих пор причиняет моим чувствам некоторое стеснение. Я не то чтобы близок с манерами Фёрстера, не говоря уже о его тенденциях. Что в конечном итоге счастье, что он уехал, как раз перед «закрытием ворот» — в этом ты, как я считаю, очень права; опасность была весьма велика.
Здесь мне, конечно, каждый говорит: «быть недовольным немецким правительством и довериться правительству Парагвая, которое в сто раз более ненадежно и сомнительно, это не совсем логично». Но что этим господам до логики! — Если бы только наша бедная Лама не слишком от этого страдала! Я все боюсь, что она не имеет представления о том, что ее ждет.
Как же тяжело стало на сердце от всей этой истории!!
Я написал свои поздравления профессору Роде: благодарю тебя за твое сообщение об этом деле. Было бы чудесно, если бы я мог застать все его вступление в должность в Лейпциге! —
Добрый друг Кёзелиц все еще в Германии и исполняет обязанности бургомистра Аннаберга вместо своего больного отца. Придворный капельмейстер из Карлсруэ, которому я написал пару слов с рекомендацией оперы К<ёзелиц>а (по желанию К<ёзелиц>а: ведь я не знаю его лично), ответил мне очень любезно: он придает огромное значение моей рекомендации, «рекомендации человека, которым я восторженно восхищаюсь». Будем надеяться, что дело не ограничится только добрыми словами! — Если я приеду в Германию, то в этот раз хочу оказать все почести и господину Видеману.
Снимок, о котором ты спрашиваешь, — от моей старой англичанки, с которой я уже провел 2 лета в Энгадине, включая тех, кто к ней относится: ее дочь мисс Эмили Финн и ее подругу, старую эксцелленцию фон Маншурофф из русского двора — мое «трио», с которым я сердечно дружу. Они сейчас снова в Женеве: кто знает, не удастся ли склонить их еще и к Ницце! Мне так не хватает круга, где я был бы «как дома»; это люди такого рода. —
Зейдлицы проявили ко мне много расположения и верности; еще вчера добрая фрау фон З<ейдлиц> (Ирена) писала мне, среди прочего, что она «ищет для меня хорошую жену». Это заставило меня от души посмеяться. Она хочет знать, сколько денег должно быть у этой «хорошей жены»: как будто я это знаю! Это, моя добрая матушка, тебе на потеху! Но «между нами»!
Ты не знаешь, когда Хайнце собираются в Ниццу? Повсюду идут приготовления к карнавалу, который занимает примерно весь март. Я боюсь его; в самый худший день я уеду в Канны (конечно, поеду!). Зима здесь, по моим понятиям, была плохой зимой; тем не менее, это нечто бесценное, если вспомнить наумбургские зимы.
Думай обо мне с любовью и пиши мне снова так же мило, моя дорогая добрая матушка.
Твой Ф.
675. An Resa von Schirnhofer in Zürich (Entwurf)
Вчера вечером в пансионе <de> G<enève> мне представили некую госпожу П. Рёсслер из Граца: и две минуты спустя, к моей великой радости, я наконец снова напал на след пропавшей фрейлейн Резы. Упомянутая госпожа Рёсслер во время своего последнего пребывания в Париже жила в том же пансионе, что и вы, почтенная фрейлейн, но уже после вашего отъезда: по крайней мере, она рассказывала, что застала там еще ваш портрет. Она полагала, что вы сейчас в Ц<юрихе>: вероятно, вы стремитесь там к акад<емическим> почестям: — надеюсь, не ценой собственного здоровья. В конце концов, там под рукой самые любезные из всех врачей, — и говорят, бывают случаи, когда человек рад заболеть, лишь бы лечиться у того, кого любишь. Передайте мой самый сердечный привет фрейлейн В<илльденов> от чудаковатого отшельника из З<ильс>-М<арии>, которому прошлым летом, если я правильно помню, не повезло с его приглашением и призывом к танцу, — вероятно, потому, что он этого не заслужил. Если вы сами подумываете о некотором отдыхе и развлечении этой весной, прошу вас, обдумайте, не сочтете ли вы за честь, если я буду к вашим услугам. Например, в Венеции, куда я собираюсь переехать отсюда, по уже многолетней привычке. Я думаю выехать из Ниццы 13 апреля: до этого срока я снял свою к<омнату>. Допустим, вы пожелали бы, украшенная, не знаю <какими> торжественными титулами, предстать перед своими почтенными родителями, так что окольный путь через Венецию — самый приятный вид окольного пути, который только можно выбрать на земле. Едешь в гондоле, смеешься, бываешь немного malinchonico и слышишь, как над водой доносятся пение и музыка.
Еще раз, обдумайте мое предложение в своем «тонком сердце» и будьте сердечнейшим образом
приветствуемы
Вашим
676. An Elisabeth Förster auf der Reise nach Paraguay
Моя дорогая Лама,
необузданная радость по поводу Твоего письма из океана! Оно освободило меня от почти невыносимого гнета, который доходил до того, что я не мог даже написать Тебе, хотя и хотел этого ежедневно: — ведь я должен был поблагодарить за великолепное и совершенно неожиданное «Незабудку»! Дело в том, что у нас в Европе вторая волна зимы, которая оказалась не менее суровой, чем первая: неслыханные массы снега от Англии до Италии; даже здесь мы опускаемся ночью по крайней мере до 3 градусов ниже нуля — короче говоря, газеты пестрели плохими новостями о погоде, штормах, подобных которым «старейшие моряки» не видывали, и тому подобном. И теперь я постоянно видел, как бедная Лама качается, качается — — Я очень поздравляю с тем, как Ты до сих пор переносишь путешествие; я хотел порекомендовать Тебе хлорал как средство от морской болезни и досадовал, что забыл об этом, но посмотри-ка! у Ламы есть средство получше, а именно ее здоровье. Этим Ты действительно можешь гордиться: Твой брат — сущий калека по сравнению с Тобой. Тут мне приходит в голову, что упомянутое калечество как раз породило странный проект: а именно, отправиться на лечение к профессору Швеннингеру, который, должно быть, верит, что может мне помочь (он питает ко мне, не знаю как, привязанность; на самом деле мы некоторое время вместе обедали в «Копфе»). Этот Швеннингер сейчас обустраивает в Гейдельберге наверху в замке большой отель под санаторий; уже этим летом ожидаются гости (в том числе лорд Розбери, английский министр иностранных дел); наконец, этим летом предстоит грандиозный университетский юбилей, и Гейдельбергская бочка должна быть впервые наполнена и выпита. Вот столько о моем «здоровье».
Кёхлины здесь, очень привязанные ко мне, сообщили вчера, что их младший сын обручился с дочерью той известной нам базельской семьи Хофман-Мериан. Ты, должно быть, знаешь, что Турнейзен-Мериан этой зимой скончался; также и Вакернагель, редактор «Базельских новостей». Добрая Ирена фон Зейдлиц написала мне забавное письмо, из которого можно догадаться о каких-то гамбургских вдохновениях; я хочу постараться в этом году приехать в Мюнхен, но по другим причинам: мне нужно немного общения с художниками. Гейзер в Йене получил приглашение в Базель, на место Якоба Буркхардта — и отказался (он рассчитывает на Берлин). Я не верю, моя дорогая Лама, что меня снова удастся заманить в университет: это климатически невозможно для меня, пока мне здесь, в Ницце, не подготовят аудиторию. Я не могу описать, как я снова чувствовал себя прошлой осенью в Наумбурге и Лейпциге: постоянная унылая оцепенелость. Здесь я каждую зиму делал хороший шаг вперед: по крайней мере, я не должен рисковать слишком рано, чтобы не потерять все снова. — Прости! Но Ты уделяла этим вещам так много раздумий, несмотря на все собственные заботы, что я должен Тебе об этом рассказать. Случай с сестрой Дойссена меня чрезвычайно порадовал — ради вас! Мне кажется, я помню, что она, будучи четырнадцати- или пятнадцатилетней девочкой, твердо держала в руках большое домашнее хозяйство (дома) и умело им управляла.
Скажи своему Бернгарду, что я всю зиму ел его ножом, а также, что я очень ценю шерстяные рубашки (правда, как нательные); ибо я эту суровую зиму, благодаря этой одежде, никогда не топил печь и в итоге мерз меньше, чем в любую другую зиму. —
Открытие: жирный белый сыр гораздо легче усваивается, чем нежирный. Мой обед состоит из молока, хлеба Грэма, сыра и орехов — я полагаю, это называют, с некоторой свободой выражения, вегетарианством.
Моя старая дорогая Лама, прости глупости этого письма, надеюсь, я снова стану разумнее — а сегодня для меня слишком ново и любопытно, что Лама качается вблизи островов Зеленого Мыса! Нет, какое благо, что человек не бездельник! Да здравствует Лама и ее Бернгард, и ваш Парагвай, и вся ваша добрая компания и человечество, которое вас окружает!
С любовью и благодарностью
Твой Фриц.
13 апреля я хочу в Венецию, письма до востребования. 13 июля примерно в Зильс. Осенью к доброй Мэммс.
677. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Прости за моё долгое молчание и прими эту открытку, моя добрая матушка! Но я не могу писать больше, чем уже пишу, к тому же я очень истощён и довольно много болею. Я ещё не знаю, как сложится план на год: в любом случае, при сдаче своей комнаты не принимай это во внимание! (Ты ведь знаешь, что я, возможно, буду в Наумбурге лишь «временно» и что ради тишины я предпочитаю гнёздышко наверху). Я поздравил профессора Роде в Тюбингене с его переводом, но не получил ответа: может быть, письма снова затерялись? (Великолепное письмо от Ламы, написанное прямо в пути и ставшее знаком счастья и бодрости духа, очень мне помогло: я был в такой тревоге...) До 13 апреля я остаюсь здесь, потом, вероятно, Венеция. Но у меня там никого нет, кто позаботился бы обо мне и немного развлёк — я очень нуждаюсь в отдыхе.
От всего сердца твой Ф.
678. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
То, что мои мысли были с тобой в Базеле примерно в то же время, когда ты писал мне, откроет тебе красная тетрадь, отправленная тебе позавчера: — как прекрасно было бы посмеяться (и даже позлиться) вместе, сидя рядом, над подобными curiosa! Ах, эта глупая болезнь, которая держит человека вдали от друзей! Известия о твоем собственном здоровье (из обоих последних писем), а также о твоих глазах, заставляют меня восхищаться тем, как отважно ты на самом деле справляешься там, в Базеле. Но, конечно, благодаря твоей жене, тебе живется в сто раз лучше, чем мне: у вас есть общее гнездо — а у меня в лучшем случае нора, как бы я ни вертелся. Мне здесь говорят, что я всю зиму, несмотря на многочисленные тяготы, был «в блестящем настроении»; я же сам говорю себе, что всю зиму я жил profondement triste, терзаемый своими проблемами день и ночь, на самом деле еще более адски, чем пещерно — и что я воспринимаю случайное общение с людьми как праздник, как избавление от «себя». Великое недопонимание веселости! Добрая Мальвида, которая со своей розовой поверхностностью всегда держалась «на плаву» в тяжелой жизни, однажды написала мне к моему горькому удовольствию, что она в моем «Заратустре» уже видит «манящий светлый храм», который я воздвигну на этом фундаменте. Ну, это просто курам на смех; и я теперь довольствуюсь тем, что никто не видит и не замечает, какой именно «храм» я строю. —
Отдыха, дорогой старый друг, ничего, кроме отдыха, мне и сейчас снова нужно: но его все труднее достичь. — Отрадная легкая музыка Кёзелица относится к этому: как я благодарен этой счастливой находке моей жизни! (Но почему ты ничего не сказал мне о письме К<ёзелица>’а, которое я приложил к последнему письму к тебе? Надеюсь, ничего не пропало? Я писал сразу после получения последних денег; с тех пор я ничего от тебя не слышал). У бедняги с Веной вышло так же неудачно, как и с Дрезденом; он просил меня попытаться замолвить за него словечко перед Моттлем в Карлсруэ. Последний, хотя я лично с ним не знаком, тем временем написал мне очень любезно: он придает величайшее значение моей рекомендации («рекомендации человека, которым я восхищаюсь с энтузиазмом»). Надеюсь, дело не ограничится словами. — То, что ты пишешь о своих литературных намерениях, доставляет мне истинную радость. Я так люблю тебя читать, даже если не брать в расчет то, чему у тебя учишься. Ты так искусно поглощаешь свои мысли, я почти хочу сказать, хитро, как человек нюансов, которым ты являешься. Да благословит тебя за это небо в эпоху, которая с каждым днем становится все грубее. —
Тем временем кое-кто пытался побудить меня возобновить мою академическую деятельность. Я непременно должен читать лекции по истории культуры. — Странно! Чисто как вопрос отдыха, эта мысль мне даже вполне близка. Но тут есть свои расчеты.
Пожалуйста, пришли мне, как только сможешь, деньги, которые становятся доступными, сюда (наполовину французскими, наполовину итальянскими, если это возможно и не доставит тебе хлопот). Я остаюсь здесь до 13 апреля. Мои глаза не позволяют дольше. Потом, вероятно, Венеция с ее темными переулками; затем Энгадин; осенью я должен утешить свою старую бедную мать.
Господин Креднер готов «взять в печать второй том „Утренней зари“» и письменно сообщил мне, что желает «быть причисленным к числу моих почитателей». Такой веры в Израиле я еще не встречал. Тем не менее — — —
Ах, как много можно было бы сказать и обсудить, дорогой друг! Передавай мои искренние приветы твоей жене и ее родным. В этом году я когда-нибудь доберусь и до Мюнхена. — Преданный тебе друг Ницше.
(Очень занят работой. Впрочем, не беспокойся, второго тома «Утренней зари» не будет. —)
679. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Этим письмом я желаю доставить Вам удовольствие. Дело в том, что во время переписки выяснилось, что невозможно выпустить новую книгу как 2-ю часть или новое продолжение. Она получает самостоятельное заглавие (как имеет свой собственный цвет и свой собственный смысл) — и этим, я думаю, оказана услуга и Вам. Это заглавие таково:
заголовки глав гласят:
А теперь вопросы формы: подумайте, пожалуйста, вместе со мной о том, как придать этой книге как можно более изысканный и «непопулярный» вид: только так это будет соответствовать её содержанию. Недавно присланный образец Дюбуа-Реймона, который мне сам по себе очень понравился — он делает честь Вашему (или Дюбуа-Реймона) вкусу — тем не менее не допускает применения к случаю моей книги: её следует читать очень медленно, на странице должно быть гораздо меньше текста, она должна отказаться от претензии на учёность, как она выражается в столь большом формате, — и я хочу наконец попробовать немецкий шрифт. Иначе немца не заставишь серьёзно отнестись к форме, языку, вкусу книги. — Я хотел предложить: мало строк: ок. 26, удобные интервалы (в чём по существу и заключается изысканное впечатление от книги)
Средний формат
Тонкая веленевая бумага
Объём составляет примерно половину, самое большее две трети «Утренней зари».
Пожалуйста, пришлите мне как можно скорее образец. Может ли печать начаться примерно через 2 м<есяца>?
680. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
прошло много времени с тех пор, как я не писал Вам: причину этого я указал в своей последней открытке, — надеюсь, Вы достаточно мне верите, чтобы поверить этому. Мои глаза перенапряжены, переутомлены и «пере» во всех отношениях, — им пришлось слишком много работать этой зимой, которая была пасмурной зимой. И странно, как пригодность или непригодность моих глаз соотносится со степенью полноты света! — Как часто я был с Вами, с заботами, с надеждами, со многими сердечными размышлениями о том, что, возможно, мне следовало бы сделать. И как я был удивлен, услышав, что Вы обрели достаточно желания и мужества, чтобы взяться за сочинение «Марианны»! Это доставило мне большую радость. Мне стало совестно, что я пытался направить Ваш интерес в эту корсиканскую сторону, — и что в конечном счете я отшельник с отшельническим вкусом, который publice вообще не принимается во внимание. В эпоху «оперетты» и хореографической поэмы (будь то «Аморе» или «Парсифаль») я, вероятно, принадлежу к «несовременным». Очевидно, сегодня в театре хотят чего-то совершенно иного, чем в прошлом веке, — и «опера» кажется мне пережившей себя. —
Мне приходит на ум, что у венцев есть новый опереточный талант, г-н Кремзер, чей «Посол» (это молодой Ришелье) был показан около 30 раз при аншлагах.
В Карлсруэ «поставили» «Бенвенуто Челлини» Берлиоза, — очень достойно для господина Моттля! Вы слышали о нем что-нибудь с тех пор? — Я, к сожалению, нет.
На «Классическом концерте» в Монте-Карло (под управлением австрийца) я с большим любопытством слушал старые вещи Рамо (1736 года); затем также совсем новые современности Массне, ужасно пестро оркестрованные. Я не имел представления о том, что оркестровку можно довести до блудливости.
Последним музыкальным событием здесь был «русский хор», который гастролировал по всей Европе и здесь, в Ницце, месте жительства многих русских, имел большой успех. Не у меня: хотя само искусство хорового пения, пианиссимо, ускорения темпа и некий чистый девичий тембр голоса, безусловно, заслуживают большого признания. Но сами вещи были отчасти недостаточно русскими (когда-то случайно попали из Германии, Италии или Турции?), отчасти русскими, но только в духе и инстинктах простого человека (с меланхолией крепостного права даже над самыми веселыми песенками); совершенно не хватало мужской ноты, выражения господствующих сословий и их гордости. Четыре концерта, первые с высокими ценами (50, 20, 10 франков и ничего больше).
Я еще не поблагодарил Вас за Ваше письмо, дорогой друг. Если бы я только знал, что Вы во главе оркестра! По крайней мере, на некоторое время: музыкант плохо переносит жизнь, если он пишет только партитуры на будущее. Ваши опыты с Дрезденом имеют нечто гротескное, чему я мог бы противопоставить пару опытов с тем же Дрезденом — почти каждую неделю мне напоминали об этом любопытном городе. Так, например, вчера мне пишет кто-то, кто там обосновался, что я должен помочь ему получить профессуру по философии, по возможности в Пруссии: этот кто-то был — как Вы думаете? — сумасшедший Э. фон Хаген. На прошлой неделе один местный поэт предложил мне свою дружбу: его сердце, по отношению ко мне, раскрылось, как полная роза. Дословно! Я больше не отвечаю на такие curiosa.
Проф. Роде принял приглашение в Лейпциг: и теперь половина философского факультета там — мои «добрые друзья» (Царнке, Хайнце, Лескин, Виндиш, Роде и т. д.).
Эту зиму я использовал, чтобы написать кое-что, что имеет массу трудностей, так что моя решимость опубликовать это то здесь, то там колеблется и дрожит. Оно называется:
По ту сторону добра и зла.
Прелюдия
к философии будущего.
Передавайте привет Вашему почтенному отцу, надеюсь, его самочувствие улучшается? Меня очень рассмешило представлять Вас его викарием. Вы неплохо к этому подходите? hein!
Ваш друг
Н.
Отсюда я 13 апреля отправляюсь в Венецию. Сердце сжимается при мысли, что я не найду Вас там. — И где я буду жить!
681. An Unbekannt (Entwurf)
Этой зимой я тоже кое-что закончил, кое-что забавное, оно называется
«Vogelfrei» принца
Песни и мысли
Сообщено
в.
Ф. Н.
Никто не поверит, что это написано тем же автором, что и Z<arathustra> — и еще меньше, что за обоими произведениями стоят одни и те же тайные мысли. — — —
Но теперь о печати! Господин Credner был готов выпустить второй т<ом> «Утренней зари»: после того как он доказал мне свою готовность зайти так далеко, я надеюсь, что смогу рассчитывать на него в отношении «Vogelfrei» пр<инца>. Недавно он написал мне, что хотел бы «быть причисленным к моим почитателям»; также Mottl в Карлсруэ, хотя лично мне и не знакомый и т. д.
682. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Настоящим позволяю себе представить Вам начало и конец новой книги (своего рода посвятительное стихотворение и завершение всего целого), в надежде, что это побудит Вас с еще большим вниманием отнестись к дальнейшим сообщениям и предложениям, которые я намерен сделать.
Книгу невозможно выпустить как «продолжение» или «новую часть» «Утренней зари»: в этом я убедился во время переписывания. Она для этого слишком фундаментальна (и по тону отличается): я не могу озаглавить её сейчас иначе и лучше, чем так:
Так, как я сейчас упорядочил весь материал, книга начинается с того самого гимна «К Мистралю»: за ним следует длинное введение, которое берется изобразить черты философии будущего, чье пришествие я предсказываю.
Затем
Первая часть: Книга освобождения
Вторая часть: Книга скрытности (с вкрапленными стихами и эпиграммами)
Третья часть: Книга высоты
в заключение — присланная песня «О, полдень жизни».
Объем значительно меньше, чем у «Утренней зари»: уже по одной этой причине исключается возможность выпускать новую книгу как своего рода продолжение. Я полагаю, что Вам желательно, чтобы книга таким образом не была прикована к одному из моих прежних произведений. — По моим расчетам, она будет иметь объем «Веселой науки»: которую я позволяю себе, со своей стороны, Вам преподнести.
Один пункт, в отношении которого я должен безусловно просить Вашего содействия и уступчивости, — это вопрос о форме и формате книги.
Допустим, позже появятся более крупные и объемные вещи от меня, издание которых было бы согласовано между нами, тогда я заранее обещаю со своей стороны «уступчивость» — но в этот раз новая книга должна выйти полностью идентичной всей моей прежней литературе: это вопрос приличия и этикета, в котором ценность именно этой книги является решающей.
К тому же, все привыкли к определенной форме и оформлению моих книг: она теперь является частью типа представленного в ней образа мыслей. Простите меня за то, что в пользу новой, столь решающей книги я настоятельно прошу оставить старую форму.
Что касается гонорара, моя договоренность с господином Шмейцнером заключалась в том, что тираж в 1000 экз. принимался за норму: и что относительно последующих тиражей заранее ничего не устанавливалось.
Это условия, на которых со мной связались, когда мне было около 24 лет; теперь, когда мне 42-й год, я хотел бы, если не лучше, то во всяком случае не иначе, чем это было у меня тогда. (Очень по-человечески, как мне кажется —)
Моя надежда состоит в том, чтобы, если позволят глаза, примерно через 2-3 недели закончить переписывание. К тому времени у меня, возможно, будет от Вас ответ, который успокоит меня относительно моей сегодняшней просьбы. (Ибо я очень встревожен)
683. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Entwurf)
Могу ли я выразить надежду, что дело с ипотекой вашего господина отца наконец улажено и завершено? Лично я имел от этого неимоверно много беспокойства и неприятностей; но вы в этом не виноваты.
Вашим последним письмом, отправленным в Лейпциг, вы меня оскорбили, я не хочу этого скрывать, — еще меньше мне хотелось бы возвращаться к затронутой в нем теме.
Напоследок один вопрос, относительно которого вам решать, сказать «да» или «нет». Для сборника моих стихотворений я хотел бы также иметь право распоряжаться теми песнями, которые были напечатаны в 1882 году в вашем журнале: они были бы «исправлены», дополнены, отчасти сокращены и включены в этот сборник. Могу ли я?
684. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
лишь несколько слов. Глаза требуют этого. Большое спасибо за письмо, деньги и две книги. В следующий вторник отъезд в Венецию, адрес просто poste restante. Возможно, что я буду сидеть в гнезде Кёзелица. Хайнце здесь, для моего отдыха, в котором я очень нуждаюсь. Зимняя норма точно готова, переписана собственноручно, перевязана ниточкой, отложена в архив. Подобного никто мне не напечатает, меньше всего Крендер; и роскошь прошлого года не должна повториться (я имею в виду печатание за свой счет). Напоследок: всё это не к спеху. — Моттль сказал нет, очень мотивированно, борьба принципов в пользу Вагнера и т. д. — Сам К<ёзелиц> прислал образцы своего оперного текста «Марианна» (это корсиканская тема). Роде написал, глубоко взволнованный. — Самым прекрасным было письмо из открытого моря, вблизи островов Зеленого Мыса, от моей сестры: счастливое плавание, никакой морской болезни и великолепные люди. Сестра Дейссена тоже входит в проект. Одна здешняя фабрика просила моей рекомендации, чтобы внедрить свои товары в Парагвае: забавно. Во французской литературе le grand succès этого года — un crime d’amour Поля Бурже: первая встреча двух самых духовных течений пессимизма, шопенгауэровского (с «религией сострадания») и стендалевского (с острорежущей и жестокой психологией). Об этом романе читают лекции: он наконец-то снова «камерная литература», а не что-то для толпы. Со стороны немцев, как я слышу, о нем говорят как о «продукте гниения», —
Поручая себя и свою жену Вашему вниманию, Ваш друг
Н.
N. B. Хайнце рассказывал мне о большом впечатлении, которое произвела «История догматов» Гарнака. — Позволь мне порекомендовать тебе книгу, о которой в Германии не хотят ничего знать, но которая содержит много того, что близко моему способу мышления о религии, и массу наводящих на размышления фактов: Юлиус Липперт, «Христианство, народная вера, народный обычай» (Hofmann в Берлине, 1882).
685. An Bernhard Förster in Asuncion
Мой дорогой зять,
на меня производит весьма странное впечатление необходимость отправлять тебе свое первое письмо через океан по деловому вопросу. Некий господин Феер, владеющий здесь фабрикой вместе с другим немцем, обратился ко мне с просьбой, чтобы ты хорошо принял его с его делом. Речь идет об ароматических эссенциях, которые он желает ввозить в Парагвай: — благоухающее предложение, заступником которого я с удовольствием выступаю. Господин Феер — родственник дружественной мне семьи Альберта Кёхлина, по всем признакам — достойный и надежный человек, на которого ты своей «зеленой книгой» произвел, по-видимому, почти соблазнительное впечатление; довольно сказать, что с тех пор он бредит Парагваем, сам подумывает о поездке туда и т. д. Он хочет написать тебе, — ну, какой смысл и ценность имеет его предложение, я судить не берусь, но человек этот заслуживает рекомендации. —
Уже неделю здесь гостят Хайнце из Лейпцига: можете себе представить, как много мы говорили и говорим о вас!
Послезавтра, однако, я уезжаю: снова попытаю счастья в Венеции, как и в последние годы. Немного переутомился; много переписывания; в конце концов, у меня пропало желание «публиковать» что-либо от себя. Короче говоря, перевязал рукопись тесьмой и отложил в сторону. —
Судя по газетным сообщениям, вы должны были как раз оказаться в эпицентре революции в Монтевидео; подоплека этого движения заставила меня задуматься о твоих проектах. — Эта Аргентина в конечном итоге может тиранить Пара<гвай> своими таможенными пошлинами, как анклав.
Прошу прощения! Кстати, этой зимой здесь читали лекции о Южной Америке, в которых Параг<вай> был представлен в блестящем свете: а именно в отношении его жителей, в которых мягкие и трудолюбивые инстинкты чудесным образом сочетаются с героизмом и выносливостью в сильных чувствах. Оратор закончил мыслью, что человек, возможно, процветает наиболее прекрасно и полно там, где он живет ближе всего к природе. На что слушатели ответили аплодисментами. —
С самыми сердечными пожеланиями, твой
Фридрих Ницше.
Адрес до середины июня: Venezia poste restante. Затем Sils-Maria, Engadin, Schweiz.
Смерть профессора Фишера-Хойслера в Базеле причинила мне большую боль. — Роде уже в Лейпциге. Осенью надеюсь суметь приехать туда. С Креднером и Шмайцнером — сплошные неприятности.
Клэр Хайнце тоже хочет написать вам отсюда. Письмо от меня, адресованное фрау д-р Фёрстер, Асунсьон, Парагвай, poste restante, надеюсь, дошло до ваших рук? —
686. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
Прости, моя дорогая мама, что я снова был так молчалив и даже не поблагодарил тебя за твое доброе письмо. Несколько газетных статей из «Базельских новостей», которые мне случайно попались (к сожалению, только 3 последних номера), были отправлены тебе: они принадлежат перу недавно скончавшегося швейцарского государственного деятеля, ландаммана Вижье, который 30 лет возглавлял правительство кантона Золотурн. Будучи студентом, он был в Берлине; и его воспоминания о 48-м годе производят сильное впечатление из-за контраста, — невозможно поверить, что мы уже пережили столь совершенно противоположные условия. Напоследок: кто сегодня еще верит в то, что наша Германская империя продержится 40 лет! Сегодня все быстро проходит.
Хайнце здесь уже неделю, и между нами установилось приятное и милое общение, тем более что мы живем недалеко друг от друга. К тому же помогли несколько прекрасных дней: так что Хайнце остались очень довольны Ниццей. В сущности, я очень истощен из-за долгой работы и писанины; к тому же я отложил всю печать, думаю осенью устроить кое-что лично для этой цели, когда приеду к тебе и в Лейпциг. С господином Креднером я, по секрету, снова почти разошелся. Также бывший издатель Шм<eitzner> напомнил о себе раздраженными и малоприятными письмами, — я всю зиму имел хлопоты из-за ипотеки его отца.
Смерть профессора Фишера-Хойслера в Базеле причинила мне большую боль.
Роде еще писал из Тюбингена, он с 8-го числа этого месяца в Лейпциге. —
В следующий вторник я уезжаю отсюда в Геную и Венецию; мне больно, что я не застану там доброго друга Кёзелица.
687. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Уважаемый господин,
этим письмом я хотел бы предложить Вам издать мой философский труд, который под названием «По ту сторону добра и зла» готов выйти в свет. Один из моих друзей, который как раз сейчас навещает меня здесь (гофрат Хайнце, профессор философии в Лейпциге), советует мне обратиться к Вам, принимая во внимание, что именно у Вас я скорее всего найду решимость к инициативе, необходимую для издания столь независимо задуманной и написанной книги. Мои читатели и последователи достаточно широко распространены, чтобы заранее сделать вероятной продаваемость книги; мои же условия, с другой стороны, как я надеюсь, не содержат ничего, что могло бы показаться Вам несправедливым, тем более что это те же старые условия, которые мне всегда предоставлялись с моего 24-го по 42-й год жизни. Гонорар — 40 марок за печатный лист при тираже в 1000 экземпляров.
Оформление (набор, формат, бумага и т. д.) в точности по образцу «Человеческого, слишком человеческого. Книги для свободных умов» — я беру одно из своих прежних произведений, в сущности, все они в этом отношении одинаковы. При условии хорошей типографии: большинство моих книг напечатаны у Тойбнера и К. Г. Наумана в Лейпциге.
Объем книги составит примерно 300 страниц. — Условия для новых изданий оговариваются отдельно. — Печать начнется незамедлительно.
Книга содержит десять разделов, заголовки которых гласят: О предрассудках философов. Свободный ум. Религиозный характер. Женщина как таковая. К естественной истории морали. Мы, ученые. Наши добродетели. Народы и отечества. Маски. Что такое благородное?
— Могу ли я надеяться, уважаемый господин, что сделал Вам этим предложение, которое будет для Вас желанным?
С глубоким уважением
Ваш покорный слуга
Профессор д-р Фридрих Ницше.
688. An Carl Fuchs in Danzig
Дорогой и любезный господин доктор,
верьте, даже без моего письменного заверения (на что мои глаза с каждым годом позволяют мне всё меньше), что вряд ли кто-то может следить за Вашими исследованиями и тонкостями с большим участием, чем я. Если бы только «участия» было достаточно! Но мне не хватает знаний и умений во всех тех областях, где лежит Ваш удивительно многогранный талант. Прежде всего: проходят годы, в которые никто не играет мне музыку, включая меня самого. Последнее, что я основательно освоил, — это «Кармен» Бизе, — и не без многих, отчасти совершенно недозволенных задних мыслей обо всей немецкой музыке (о которой я сужу почти так же, как обо всей немецкой философии); кроме того, музыка одного неоткрытого гения, который любит Юг так же, как я, и к наивности Юга имеет потребность и дар мелодии. Упадок мелодического чувства, который я, кажется, ощущаю при каждом соприкосновении с немецкими музыкантами, всё большее внимание к отдельному жесту аффекта (я полагаю, Вы называете это «фразой», мой любезный господин доктор?), а также всё большее мастерство в исполнении отдельного, в риторических художественных средствах музыки, в актерском искусстве, чтобы сделать момент как можно более убедительным: это, как мне кажется, не только уживается друг с другом, но почти обуславливает друг друга. Достаточно скверно! Нужно ведь покупать всё хорошее в этом мире слишком дорого! Вагнеровское слово «бесконечная мелодия» прелестно выражает опасность, порчу инстинкта, а также добрую веру и чистую совесть при этом. Ритмическая двусмысленность, так что уже не знаешь и не должен знать, где хвост, а где голова, — это, без всякого сомнения, художественный прием, с помощью которого можно достичь чудесных эффектов: «Тристан» богат ими, — но как симптом целого искусства это есть и остается признаком разложения. Часть становится господином над целым, фраза — над мелодией, мгновение — над временем (также и темпом), пафос — над этосом (характером, стилем или как это должно называться), наконец, и esprit — над «смыслом». Прошу прощения! То, что я, кажется, замечаю, — это изменение перспективы: видишь отдельное слишком остро, видишь целое слишком тупо, — и есть воля к такой оптике в музыке, прежде всего есть талант к этому! Но это décadence, слово, которое, как само собой разумеется между нами, должно не осуждать, а только обозначать. Ваш Риман для меня — признак этого, так же как и Ваш Ганс фон Бюлов, так же как и Вы сами, Вы как тончайший интерпретатор потребностей и изменений anima musica, которая, в конце концов, может быть лучшей частью того, чем является âme moderne. Я выражаюсь чертовски плохо, в отличие от Вас; я имею в виду, что в décadence есть также бездна самого притягательного, ценного, новейшего, достойного почитания, — наша современная музыка, например, и тот, кто, подобно трем только что упомянутым, является её верным и храбрым апостолом. Прошу прощения, если я добавлю: от чего вкус декаданса наиболее далек, так это от большого стиля: к которому, например, относится Палаццо Питти, но не Девятая симфония. Большой стиль как высшее возвышение искусства мелодии. —
Наконец, слово об одном весьма крупном теоретическом расхождении между нами, а именно относительно античной метрики. Конечно: я сегодня едва ли могу рассуждать об этих вещах, — но в 1871 году я бы мог, год, который я провел за ужасающим чтением греческих и латинских метриков, с весьма странным результатом. Тогда я чувствовал себя самым обособленным метриком среди всех филологов: ибо я демонстрировал своим ученикам всё развитие метрики от Бентли до Вестфаля как историю фундаментального заблуждения. Тогда я руками и ногами отбивался от того, что, например, немецкий гекзаметр имеет хоть что-то общее с греческим. Что я утверждал, оставаясь в рамках этого примера, так это то, что грек при чтении гомеровского стиха вовсе не применял иных акцентов, кроме словесных, — что ритмическая прелесть заключалась точно в квантитативных величинах и их отношениях, а не, как в немецком гекзаметре, в «гоп-са-са» икта: не говоря уже о том, что немецкий дактиль и по квантитативной величине в корне отличается от греческого и латинского. Ведь мы произносим «Пятидесятница, милый праздник, пришел, зеленели и цвели» с чувством
, возможно, даже как триоли, но, конечно, не торжественно-двудольно с долгим слогом, который имеет длительность двух коротких. Именно более строгое отношение к длительности слога в античном мире отделяло стих от повседневной речи: что у нас, северян, совершенно не так. Нам едва ли возможно прочувствовать чисто квантитативную ритмику, настолько мы привыкли к аффективной ритмике сильного и слабого, крещендо и диминуэндо. Но Бентли (он — великий новатор, Г. Герман лишь второй), так же как и немецкие поэты, которые полагали, что подражают античным метрам, совершенно невинно приняли наш тип ритмического чувства за единственный и «вечный», за ритмику как таковую: примерно так же, как мы все склонны понимать нашу мораль гуманности и сострадания как ту самую мораль и интерпретировать её в более старые, в корне отличные моральные системы. Нет сомнения, что наши немецкие поэты «в античных метрах» привнесли этим в поэзию множество ритмических прелестей, которых ей недоставало (тик-так наших поэтов-рифмоплетов в конечном итоге ужасен): но античный человек не услышал бы ничего из этих чар, а тем более не поверил бы, что слышит при этом свои метры. — Французам легче понять возможность чисто квантитативной метрики: они чувствуют количество слогов как время. — Ecco, самое длинное письмо, которое я написал за многие годы: примите его как таковое и в любом другом смысле как знак того, что и я не забываю «благодарность», мой любезный господин доктор, который уже дважды угощал меня столь изысканными блюдами. — Где, черт возьми, Вы взяли свой талант к causer en litterature? Есть ли в Ваших жилах немного французской крови? —
Напоследок слово гнева против Вашего издателя и печатника. Как! «Тетради» (Hefte)? Тетради, которые не держатся (haften), которые не сшиты! lucus a non lucendo! Простите эту шутку старому филологу и, несмотря на это, оставайтесь благосклонны
Вашему покорному слуге
Д-ру Фридриху Ницше,
бывшему проф. классических
языков, а также метрики.
Прочтите, я прошу, книгу, которую мало кто знает, «О музыке» Августина, чтобы увидеть, как тогда понимали и наслаждались горацианскими метрами, как при этом «тактировали», какие паузы вставляли и т. д. (Арсис и тезис — это лишь знаки тактирования).
Мой адрес, раз и навсегда: Наумбург-на-Заале. Оттуда мне всё пересылают. Сам я «скиталец и беглец» на земле — —
689. An C. Heymons (Carl Duncker’s Verlag) in Berlin
Уважаемый господин,
несколько слов в ответ на Ваше любезное, но, к сожалению, отрицательное письмо. Я настолько верю в привлекательность, а следовательно, и в продаваемость моей новой книги, что хочу сделать Вам предложение, которое станет серьезной проверкой этой веры. Вы найдете меня готовым подождать выплаты гонорара до того момента, когда будет продано 600 экземпляров.
В остальном сохраняются все условия, которые я выдвигал в последний раз.
С глубоким уважением, Ваш
Профессор д-р Ницше.
690. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
всё ещё из Ниццы! В решающий момент, когда я собирался уехать в Венецию, погода переменилась, и своего рода оцепенение и зимняя стужа держатся до сих пор: так что я собираюсь улететь отсюда не раньше конца месяца. Куда? Даже это неясно. Больше всего хотелось бы в Венецию: однако состояние здоровья там весьма сомнительно, и почти кажется, что тот, кто туда отправляется, подвергает себя не только опасности, но, что ещё неприятнее, попадает в карантин. До сегодняшнего дня последний был объявлен только для морского пути (и для всей Адриатики): но вполне может случиться, что вскоре обезопасят себя и с суши, например, со стороны Милана по направлению к Падуе и Венеции: короче говоря, что мне преградят обратный путь в Швейцарию. — Тем не менее: я всё же верю, что в решающий момент я всё-таки проскользну туда, — в конце концов, у человека не так много любимых вещей, и среди них, по крайней мере для меня, есть один-единственный город.
Конечно: Венеция без Вашей музыки, дорогой друг! Меня пронзает боль, когда я думаю об этом; Вы не можете себе представить, какое благодеяние Вы оказывали мне, начиная с Рекоаро, год за годом, и как ничто, по сути, не давало мне того облегчения, в котором так нуждаются моя тяжесть и меланхолия, — как Ваше искусство. Я также остаюсь при мнении, что я прав в отношении Вашей музыки: а не господин Моттль, — чьё суждение я, конечно, могу объяснить себе психологически, но никогда не захочу принять! Пока что именно вагнерианство стоит у Вас на пути; а также немецкое огрубление и отупение, которое со времён «Империи» растёт и растёт. Мы должны подумать о средствах и способах защититься, чтобы нас с Вами не заставили замолчать. Прошу прощения, что я «вмешиваюсь» со своей персоной: но отрицательные письма немецких издателей создают у меня впечатление, что сейчас у меня дела обстоят так же, как у Вас, что мы молча кладём свои «партитуры» в шкаф. —
А написать новую? Не так ли? Я безмерно радуюсь Вашей корсиканской поэтической отваге. За присланные сильные стихи tantissime grazie!
Что касается моей рукописи: то ещё ведутся переговоры с берлинским издателем К. Хеймонсом (т. е. издательством Карла Дункера). Допустим, и там ничего не выйдет, ну что ж, это имеет свою хорошую сторону для меня. Ибо это ужасная книга, которая на этот раз вылилась из моей души, — очень чёрная, почти чернильная. У меня такое чувство, будто я схватил что-то «за рога»: уж точно это не «бык». — —
Если Вы будете писать своим замечательным людям в Венецию: пожалуйста, дайте им понять, что для меня важны две вещи. Во-первых, чтобы пол в комнате был застелен ковром: я так легко простужаюсь. И затем: большое удобное, учёное кресло (во Франции для этого предмета мебели с пониманием говорят «un Voltaire»). В крайнем случае, можно такое арендовать: разумеется, за мой счёт. —
Ваше предложение снова помочь мне с корректурой — великолепно. Если всё пойдёт хорошо, то мы будем вместе: Венеция, печатные листы и гондола или прогулки по Фондамента Нуове. Мне сейчас очень нужны отдых и тишина. —
Передавая Вам и Вашим глубокоуважаемым родителям мои самые искренние приветы и пожелания
Ваш
старый друг
Н.
691. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, я всё ещё в Ницце, где меня заставило ждать внезапное похолодание и наступление зимы: к тому же добавились плохие новости о состоянии здоровья в Венеции. Я нуждаюсь в отдыхе, как никогда прежде; мне не хватает людей, которые могли бы мне его обеспечить. Глаза, болящие день и ночь, не позволяют читать и писать. Последнее, что я читал, была книга доктора Фукса («Тетрадь»? — lucus a non lucendo —), «бешено» интересная и тонкая, хотя я и не согласен со всем фундаментальным в ней. Я также поблагодарил его. Роде написал, очень взволнованный своим отъездом из Тюбингена: желает застать меня в мае в Лейпциге, так же как и мою мать. Мы снова обеспокоены последними новостями от моей сестры, кажется, что она плохо переносит жаркий климат. Её первое письмо, прямо из открытого моря, вблизи островов Зеленого Мыса, было бодрым, отличное путешествие и компания. Сестра Дойссена хочет туда поехать. Одна местная фабрика искала моего заступничества для импорта в Парагвай: что показалось мне très ridicule. — Какой плохой зимний сезон! —
Твой друг
Н.
692. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
три слова, прежде всего благодарности за Твое доброе письмо. Наши заботы общие, в сущности, я полагаю, что все мы не созданы для жаркого климата. Помимо всех телесных последствий, он разрушает мужество и силу воли: поэтому Твой больной зверь и отправляется на такие холодные летние курорты, которые до смешения похожи на мягкий ниццкий январь: — я имею в виду, потому что таким, как мы, требуется много мужества и силы воли.
Последнее время было очень тяжелым и плохим для меня, по сути, пыткой, при которой все, что обычно приносит облегчение, дается с трудом. Прежде всего, досада на моих издателей: ничего не выходит с Креднером (хотя я сегодня еще сделал последнюю косвенную попытку посредством письма к Хайнце); ничего не выходит и с другими издателями, к которым я обращался. Это плохо во многих отношениях; одно из последствий, о котором я упоминаю только ради Тебя, заключается в том, что мне не хватает определенно ожидавшейся денежной суммы на этот год, — ведь именно в расчете на нее я и планировал поездку к Тебе! Ну что ж, подождем, что будет.
Послезавтра я еду в Венецию, хочу очень тихо бродить там и по мере сил оправиться от сильного истощения. Возможно, я остановлюсь в старой комнатке доброго Кёзелица (в отношении которого у меня также есть новый отрицательный ответ из Германии, от карлсруэского придворного капельмейстера: это сильно меня подкосило, потому что я полагал, что здесь у меня уже почти выигранная партия).
Мой адрес на первое время:
Venezia (Italia)
poste restante
В другие годы, не правда ли? устроим небольшую встречу на полпути; мне кажется абсолютно несовместимым с моими финансами закладывать в мой годовой бюджет поездку в Наумбург и обратно. Не говоря уже о здоровье: ведь Ты не можешь себе представить, какое преодоление мне снова потребовалось прошлой осенью, чтобы не слишком выказывать меланхолию страдающего человека.
С сердечной любовью, Твой сын
692a. An Sophie Vischer-Heusler in Basel (Entwurf)
Ещё от моего последнего посещения Базеля, когда я провёл утро в Вашем доме (Вы сами были в отъезде), у меня осталось впечатление о глубоком доверии, которое мы, смею сказать, питали друг к другу.
Позвольте добавить, что лично мне кажется, будто <одна> часть моей собственной жизн<и> была погребена вместе с ним: он принадлежал к числу т<ех>, кому я обязан большим доверием и расположением в том возрасте, когда человек ещё вовсе не имеет права требовать ни того, ни другого.
которая обязывает меня выразить Вам знак моей скорби и глубокого сочувствия. Редко когда по людям скорбят так, как скорбят по Вашему выдающемуся супругу: л<юди> самых разных взглядов и стремлений, которые, однако, единодушны в желании оставить после себя такую добрую память, как он — как верные, доброжелательные, благодетельные и неутомимые друзья всего доброго и справедливого.
В своём следующем письме я сообщу моей сестре о Вашем великом горе: за море, как Вы, должно быть, знаете.
693. An Sophie Vischer-Heusler in Basel
Глубокоуважаемая госпожа профессор,
из Наумбурга до меня дошло это чрезвычайно болезненное и неожиданное известие, которое обязывает меня также выразить Вам знак моей скорби и глубокого сочувствия. Редко о ком из мужчин скорбят так, как скорбят о Вашем выдающемся супруге: люди самых разных взглядов и стремлений, которые, однако, единодушны в желании оставить о нем добрую память как о верном, бескорыстном, благожелательном, благодетельном и неутомимом друге всего доброго и справедливого. Позвольте мне добавить, что вместе с ним в могилу уходит и часть моей жизни и прошлого, о которых я вспоминаю с радостью и большой благодарностью: он принадлежал к числу тех замечательных базельских коллег, которые в то время, когда еще мало на что можно претендовать и по сути только предстоит «доказать» свою состоятельность, встретили меня с безусловным доверием и помогали советом и делом, следуя примеру своего достопочтенного и незабвенно дорогого мне отца. Даже от моего последнего визита, который я нанес ему в Базеле (два года назад, Вы сами были в отъезде —), у меня сохранилось впечатление того глубокого доверия, которое, смею сказать, мы питали друг к другу.
В своем следующем письме я сообщу моей сестре о Вашей великой утрате, уважаемая госпожа профессор (через океан, Вы, несомненно, знаете о ее переезде в Парагвай?); и я знаю, что она будет так же глубоко потрясена этим, как Вы и я. Если в этом году мне доведется проезжать через Базель, я позволю себе лично повторить Вам то, что написал здесь,
как Ваш глубокоуважающий
преданный и весьма
опечаленный друг
профессор д-р Ницше.
694. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Вчера вечером я прибыл в Венецию после нескольких недель мучительной неизвестности, свидетельством которой была и открытка к тебе, дорогой друг. — Мои переговоры с издателями пока что все до единого провалились, при весьма любопытных обстоятельствах; последнюю попытку предпримет Хайнце, — но здесь дело обстоит так же, как с негативом Моттля: все эти господа очень хотели бы, но не могут. (Общественное мнение как совесть — ) Я сижу в гнезде улетевшей певчей птички: адрес San Canciano calle nuova 5256.
695. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Дорогой друг, я сижу здесь в Вашем гнезде, не будучи в состоянии хоть как-то заменить Вас, улетевшую певчую птицу. Ибо мне нехорошо, мои глаза мучают меня день и ночь. Погода блестяще ясная и свежая, но — мне нельзя ничего видеть, и всё причиняет мне боль.
В общем: я уезжаю на днях через Мюнхен в Наумбург, чтобы спрятаться в лесу. Мой адрес, следовательно, Наумбург-на-Заале: — также на случай корректурных листов…
Ваши люди здесь превосходны; мне кажется, что зимой (когда свет не такой интенсивный) здесь можно было бы хорошо жить.
В одной концертной программе я прочитал в качестве дирижера Эдоардо Сассоне, почему не Энрико? — —
696. An Max Heinze in Leipzig (Entwurf)
tantissime grazie за все старания! В конечном счете, я полагаю, что разумно будет принять господина Credner на этот раз, quand même, — я бы не хотел, чтобы эта книга пострадала из-за плохой репутации издателя.
Поэтому, если позволите, передайте ему рукопись вместе с прилагаемым листом, в котором содержатся мои пожелания относительно типографии.
Я болен, лишен общества, страдаю от глазной болезни и днем, и ночью: именно последнее обстоятельство заставляет меня отказаться от мысли остаться в Венеции (где ослепительно ясно, но очень свежо, почти холодно).
До скорой встречи в Лейпциге или — в Таутенбурге! —
697. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Прошу немедленно приступить к печати. Еженедельно по 3—4 листа.
Глубокий черный цвет крайне желателен, учитывая мои б<ольные> глаза.
Последняя корректура будет выполнена мной и г-ном К<ёзелицем>: таким образом, чтобы одновременно 2 оттиска отправлялись г-ну К<ёзелицу>, а 1 оттиск — мне. Оба наших адреса прилагаются В руки владельцу типографии.
698. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, дела идут неважно. В Венеции мне невыносимо. Глаза слишком болят — и мне не хватает развлечений. Короче говоря, на днях я хочу уехать к тебе, разве что немного задержусь в Мюнхене. —
С Креднером что-то выйдет, по крайней мере, сейчас так кажется. —
В этот раз твоему сыну очень нужно, чтобы за ним поухаживали.
С любовью, твой Ф.
699. An Irene von Seydlitz in München
Дорогая подруга,
ничто не могло быть любезнее, чем намерение Вашего письма ко мне, — которое призывало меня подумать о самом себе. Но именно это, по-видимому, выше моих сил, благодаря пожизненному избалованию: этой зимой было так много другого, о чем нужно было думать, так много другого и столь тяжелого лежало на мне, что у меня не было даже времени подумать о себе, к чему Ваши строки, в самом деле, содержали самый дружеский призыв. Примите все это буквально, как бы безумно это ни звучало. Но человек вроде меня впряжен в свою проблему — в свою «задачу», как принято говорить? — словно в красивое старинное орудие пытки: если «пережил» это в очередной раз, ну что ж, на долгое время ты разбит. Например, сейчас: рукопись со злобным названием «По ту сторону добра и зла» — это один из результатов зимы; другой — лежит здесь, в Венеции, я сам, по ту сторону, быть может, добра и зла, но не по ту сторону отвращения, скуки, malinchonia и боли в глазах. —
Этой зимой я часто видел имя моего друга Зейдлица в «Neue Freie Presse» или где-то еще — очень победоносно, как мне показалось? — Кажется, я читал о каком-то поручении для Болоньи? Это навело меня на мысль, не строите ли вы вместе, быть может, южные планы. И смею ли я знать, где вы собираетесь спрятаться от сильной жары? — Напоследок прошу не удивляться, если вдруг увидите меня появившимся в Мюнхене. «Durchreisendamente», говоря по-итальянски. В этом году я должен немного помочь своей матери, чтобы она не слишком тяжело переносила потерю своего другого ребенка. — Впрочем, новости хорошие, морское путешествие было блестящим. —
Будем в хорошем настроении! (Первое условие вечно-женственного по моей façon: уметь смеяться, в голове полно всяких глупостей.)
Благодарный и преданный
Ваш
Fridericus Nux Crux
Lux Dux и т. д.
700. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, если здоровье не помешает, сегодня после обеда в 17:30 я хочу отправиться к тебе отсюда (Мюнхен) на скором поезде. Это значит: я приеду в Лейпциг завтра очень рано (в 3:53) и первым же поездом отправлюсь дальше в Наумбург. Я совсем не хочу, чтобы ты встречала меня на вокзале: это слишком рано и неудобно для тебя.
С любовью, твой Ф.
Нет! Я приеду только в четверг утром.
701. An Albert Erlecke in Chemnitz (Entwurf)
Уважаемый господин, я сожалею, что столь быстрое выполнение Вашего желания, как Вы выразили его в своей телеграмме, было совершенно невозможно. Мой банкир прежде всего потребовал узнать что-либо о Вас и Ваших обстоятельствах; из Вашего письма невозможно было почерпнуть ничего относительно достаточного поручительства и обеспечения запрашиваемой суммы денег.
Предыдущее письмо, на которое Вы ссылаетесь и которое, возможно, содержало сведения об этом, к сожалению, не попало мне в руки. — Насколько я могу судить о положении дел издалека, господин Шмайцнер сейчас очень стеснен в средствах и хочет продать свое издательство: вполне вероятно, что он предложит его Вам даже по более низкой цене.
702. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Но что же вы за человек! Никакого ответа на мои письма, даже о получении рукописи мне не сообщили, условие, которое я поставил (чтобы печать началась немедленно, — — —
У меня нет склонности к нерасторопным дельцам, а к невежливым — тем более.
Вы делаете невозможным для меня дальнейшее общение с вами: и я буду рад, если я — — —
703. An Hermann Credner in Leipzig (Entwurf)
Я вынужден сообщить Вам, что в дальнейшем вести с Вами дела для меня невозможно. Вы <не ответили> на мое письмо из Ниццы и даже не сочли нужным, как я давал Вам понять через надворного советника Г<айнце>, извиниться за это упущение. Вы не только не уведомили меня о получении М<анускрипта>, но и не выполнили условие, на котором я передал его Вам (немедленное и скорейшее завершение печати). Наконец, Вы храните молчание даже в ответ на мою настоятельную телеграмму от воскресенья: причин достаточно, чтобы я положил этому конец и распорядился своей рукописью иначе: прошу Вас, отправьте её с ближайшей почтой в Наумбург.
704. An Elisabeth Förster in Asuncion
Моя дорогая Лама,
Всё, почти всё, о чём ты мне сообщила, звучит бодро и весело: так что я могу в этот раз сильно сократить свои поздравления с днём рождения (к чему меня, с другой стороны, принуждают глаза), — оставайся такой, какая ты есть, бодрой и весёлой, и «не давай вывести себя из равновесия»! Последнее, собственно, и есть наш девиз здесь, который я каждый день несколько дюжин раз выкрикиваю нашей матери по любому возможному или невозможному поводу или прошу выкрикивать мне. К чему, как тебе, вероятно, уже сообщили, в моём случае имеется предостаточно поводов. Издательская нужда длится теперь уже 3 месяца и была наконец сброшена мною тем же дорогостоящим, но барским способом, что и в прошлом году. Из Венеции я выбрался ещё вовремя, тем временем холера там расцвела и окружена сухопутными и морскими карантинами. У нас в мае был приступ собачьей жары, который снова дал мне понять, каково тебе, должно быть, приходится: но мне кажется, что ты легче переносишь жару, чем я, — и, вероятно, ваш воздух не такой густой, как в Наумбурге. От Зейдлица хорошие и любящие письма; последнее из Берлина, где должен торжествовать японизм. Роде я слушал в Лейпциге на лекции: но и там я в конце концов сказал себе: «я сегодня ни с кем больше не поменяюсь». — И Лейпциг для меня не место убежища и отдыха, — это ясно. Скорее уж Мюнхен: хотя это ещё предстоит проверить. — Ниццы и Зильс-Марии мне не миновать: антракты, где мне прежде всего необходимо человеческое общение, как лекарство, ещё должны быть изобретены.
Вот и всё обо мне, моя дорогая, дорогая Лама! Твои сообщения о старых друзьях, которые сделали любезный крюк через Парагвай, были очень ценны. Я думаю, что ежедневное утреннее наслаждение мате, которому я здесь предался, — хороший признак того, как много я о тебе думал, а также как радостно мне было получить от тебя весточку. Моему замечательному зятю самые тёплые приветы: письмецо к нему из Ниццы вряд ли дошло?
В верной братской любви
Твой Ф.
705. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Уважаемый господин,
большое спасибо за присланный расчет: признаюсь, я надеялся, что Вы выведете еще меньшую себестоимость. С бумагой я согласен: она мне нравится. —
Напоследок я настоятельно прошу Вас, насколько это возможно, ускорить печать и завершать по меньшей мере 3 листа в неделю. Причину я Вам уже называл: я не хотел бы потерять лето, которое предназначено для более крупной работы, — до завершения печати мне не хватает той свободы и беззаботности, которых требует совершенно новый круг мыслей. Все продуктивные люди спешат.
Выражая личное доверие,
Ваш
покорнейший
проф. д-р Ницше
706. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Telegramm)
Встреча очень желательна. Может быть, на неделю? Ауэнштрассе 48 2.
Ницше
707. An Paul Heinrich Widemann in Bernsdorf (Postkarte)
Дорогой друг, было бы прекрасно, если бы я смог увидеть Вас здесь, в Лейпциге: я остаюсь здесь до конца недели. Моя квартира находится по адресу Ауэнштрассе 48, 2-й этаж направо. Господин Кёзелиц также здесь, с воскресенья. — И кто знает, когда еще представится такая хорошая возможность! — Приезжайте, если это хоть как-то возможно!
С сердечным приветом и пожеланиями
Ваш Ницше
708. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Непронумерованный, обозначенный тремя звездочками фрагмент, который сейчас составляет начало четвертой главы («Ах, что же вы такое и т. д.»), должен быть убран с этого места и перенесен в конец девятой главы, т. е. в самый конец книги. Там он получит последний номер и лишится своих звездочек.
Проф. Ницше.
Отныне корректуру снова, как и прежде, направлять господину Кёзелицу в Аннаберг (Рудные горы),
а мне — в Наумбург-на-Заале.
709. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин, вопреки моему вчерашнему сообщению, хочу сегодня известить, что я остаюсь здесь, в Лейпциге, еще на эту неделю, равно как и господин Кёзелиц.
С глубочайшим почтением
Проф. д-р Ницше.
710. An Arthur Nikisch in Leipzig (Entwurf)
H<einrich> K<öselitz>, тот самый композитор, который 4 года назад представил Вам свое первое произведение «Шутка, хитрость и месть», просит через меня разрешения прислать Вам свою вторую, как он надеется, более пригодную для исполнения и во всех о<тношениях> более зрелую оперу «Лев из В<енеции>» (готовую в партитуре и клавире). Он придает большое значение тому, чтобы его произведение оказалось в руках одного из тех редких интерпретаторов, у которого есть сердце и для светлого, южного, моцартовского мира звуков.
Он считает, что должен быть очень благодарен Вам за решительную критику, которую Вы тогда высказали в отношении его инструментовки: будем надеяться, что он основательно ею воспользовался! Я сам, если позволите это добавить, придаю огромное значение тому, чтобы это новое жизнерадостное, даже озорное произведение — — —. Увертюра к нему была исполнена в 1885 году с выдающимся успехом в Цюрихе (на концерте в Тонхалле).
711. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
несколько слов из Лейпцига в качестве запоздалой благодарности за Ваше письмо, которое застало меня в Венеции. Хорошо, что я выбрался из этого холерного гнезда, какими бы неприятными ни были причины для этого. Можно было бы о многом рассказать, — но писать? Нет! С глазами дело обстоит совсем плохо. Шмайцнер, как я узнал как раз вовремя, задумал сыграть со мной злую шутку, а именно продать всю мою литературу одной из самых грязных и отталкивающих фигур саксонской книжной торговли (этот человек неоднократно был судим за распространение непристойных сочинений, к тому же социал-демократ, общепризнанно продажный и т. д.). Моя попытка вмешаться в это дело по меньшей мере несколько отсрочила и затянула его. Один лейпцигский издатель (не совершенно ненадежный и капризный Креднер) ведет сейчас переговоры со Шм<ейцнером> о покупке моих сочинений (т. е. остатков тиража) — но наглый Шм<ейцнер>, (который имеет представление о моем бедственном положении и использует его в своих интересах) требует бесстыдную цену в 12 000 марок. —
Нового издателя для чего-то нового мне найти не удалось: множество болезненного опыта в этой главе привело меня к смирению. В сущности, эти поиски, ожидания и разочарования стоили мне почти полгода. Мои сочинения, сказали мне в Лейпциге, — это «музыка будущего»: что я принял к сведению. —
Затем стало необходимым сделать что-то для господина Кёзелица, так как с тех пор, как он сам начал хлопотать о своем произведении, всё застопорилось. Здесь, в Лейпциге, я по крайней мере добился одного — частного исполнения последнего произведения К<ёзелица> (септета) в Гевандхаусе с участием исключительно выдающихся артистов, лучших сил оркестра Гевандхауса. Успех был поучительным, хотя и не приятным — музыка звучала нехорошо, слишком густо; я считаю, что К<ёзелицу> давно пора решиться жить в настоящем музыкальном городе, чтобы слышать и учиться в отношении оркестровки. По поводу оперы я сейчас веду переговоры с Никишем (не питая при этом больших надежд). К<ёзелиц> привез мне готовый текст корсиканской оперы («Марианна», как она называется), который он сочинил в Аннаберге. Однако я не смог его одобрить, как бы ни была достойна признания смелость, с которой он взялся за эту задачу. Год спустя он сделает это лучше. —
Господин Видеман навещал меня здесь: это дельный, почтенный и тонкий человек, хотя его философия пока кажется мне совершенно дилетантской. Но это уже что-то — начинать так. —
Но Роде! Я застал его в самом странном затруднении, вне себя от глупости, что покинул Тюбинген, и в глубоком противоречии с Лейпцигом: так что его решение позволить пригласить себя в Гейдельберг (что тем временем формально уже произошло) в конечном счете было разумным, faute de plus raisonable. Это между нами: хотя я полагаю, что сегодня дело окончательно решено (ответ саксонского министра). — Баварская трагедия глубоко потрясла меня, я знаю слишком много о ее предпосылках. —
В Мюнхене было несколько прекрасных часов у Ваших родственников. Лето, вероятно, в Зильс-Марии. Вскоре пришлю открытку по этому поводу.
С неизменной любовью Ваш
Ницше.
712. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Дорогой друг, пожалуйста, по-прежнему присылайте листы сюда (Лейпциг, Ауэнштрассе 48 II). По крайней мере, эту неделю я хочу еще остаться, так как погода слишком свежая, чтобы идти в горы. Не могли бы Вы разузнать что-нибудь о Райценхайне? Как там с питанием? Есть ли поблизости лес? Какие там дороги? Где лучше всего остановиться?
Выражая Вам мою сердечнейшую благодарность за наше времяпрепровождение
Ваш друг Ницше.
Здоровье только сегодня начало поправляться.
— Пожалуйста, не забудьте про клавир-аранжировку: «через эти врата он должен прийти», а именно успех.
713. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, еще слишком прохладно, чтобы отправляться в горы. На этой неделе я, пожалуй, еще останусь здесь. Всё, что придет, пожалуйста, немедленно пересылай сюда! — В пятницу в Гевандхаусе было музыкальное представление. В субботу и воскресенье я был тяжело болен. Сегодня лучше. Г-н К<ёзелиц> уехал. С благодарностью вспоминаю нашу последнюю встречу!
Твой сын.
Шм<айцнер> хочет 12000 марок за мои книги: это для господина Фр<ича> слишком много. — Шм<айцнер> ради этого поспешно приезжал сюда.
714. An Heinrich Köselitz in Annaberg (Postkarte)
Дорогой друг, премного благодарен за Ваши сведения: проспект (который я вскоре вышлю обратно вместе с весьма достойным прочтения произведением Альфьери) просветил меня достаточно и избавил от поездки (— там для меня слишком дорого —).
Завтра вечером я уезжаю в Зильс-Марию! Следующий лист (десятый — который уходит сегодня вечером) прошу прислать в Кур (Швейцария) до востребования.
У Фрича Ваш чардаш получен.
Будьте здоровы, а именно бодры и отважны, как старый рыцарь gai saber, и передавайте поклон Вашим почтенным родителям.
Ваш друг Н.
Роде назначен тайным советником. —
715. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, могу ли я попросить тебя приехать сюда завтра (в воскресенье) и облегчить мой отъезд? А также привезти чемодан, упакованный и перевязанный? И еще ночную рубашку (ведь уже 3 недели я ношу одни и те же ужасные арестантские рубахи). Разумеется, твои дорожные расходы не должны лечь на тебя!
Я встречу тебя на вокзале (около 11 часов), и мы пообедаем в «Панораме».
С сердечной любовью, твой
Сын.
Также захвати маленький литературный календарь за 1885 год! Насколько я помню, он лежит в кабинете на книжной полке — маленькая книжечка, спереди портрет Готфрида Келлера.
716. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, надеюсь послезавтра быть в Зильс-Марии. Прошу по старой дружбе прислать мне туда деньги в прежнем порядке.
С неизменной преданностью
Твой Фр. Ницше.
717. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая добрая матушка,
в Кур я прибыл, как и следовало ожидать, после огромного напряжения, больным. Даже сейчас еще болит голова. Но я уже совершил чудесную долгую прогулку по лесу в укрепляющем горном воздухе. Путешествие было прекрасно организовано: я не могу достаточно отблагодарить тебя за твое присутствие и помощь в этом. В сущности, было совершенно правильно, что я приехал к тебе на эту весну. Но в другой раз мы должны договориться наоборот, не правда ли? моя дорогая, дорогая матушка!
С сердечнейшей благодарностью
Твой Ф.
Адрес: Зильс-Мария, Верхний Энгадин, Швейцария.
718. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Дорогой и глубокоуважаемый господин,
само собой разумеется, что я остаюсь недоступен для любых попыток сближения со стороны Шм<айцнера>: он прислал мне прилагаемое письмо, а также телеграм<м> того же содержания. Как ему пришла в голову абсурдная мысль, что я сам должен выкупать свои книги, я не знаю: то, что он говорил Вам о предложении в 1000 марок, полностью вымышлено. — До сих пор я, разумеется, хранил молчание: если Вы пожелаете, чтобы я еще раз письменно подтвердил ему, насколько нелепым кажется мне его предложение, я к Вашим услугам. —
Прошлой осенью, полагая, что остался лишь совсем небольшой тираж «Чело<веческого>, слишком чело<веческого>», я поинтересовался у него, сколько он за это хочет. В ответ я узнал о значительном количестве имеющихся экземпляров, — он хотел уступить их мне за 2500 марок: на чем наши переговоры и закончились. Это был Креднер (а не «друг»), который подумывал о том, чтобы выкупить остатки тиража и организовать новое издание. Это между нами.
У меня отлегло бы от сердца, если бы моя литература благополучно прибыла в Вашу гавань! Надеюсь, Вы вскоре порадуете меня этим известием.
С сердечным приветом
Ваш
преданнейший
проф. д-р Фридрих Ницше
NB. Сравните как-нибудь цифры экземпляров с предоставленным Вам списком. Мне кажется, не все сходится.
NB. Я рассказывал Вам, что тот Эрлеке хотел получить от меня деньги — и что, когда я навел справки, кто это такой, я [+ + +] ген. Ф. Н.
719. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Помогите, дорогой друг, и в этом — К. Г. Науманн присылает мне прилагаемый проект объявления о моей книге для «Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel». Пожалуйста, сделайте небольшую редакцию и улучшение; нужно найти несколько более значимых выражений, — я сам к этому совершенно неспособен и нетерпелив. И я вовсе не хочу видеть это снова: вы, дорогой друг, избавите меня от необходимости делать собственную рекламу, не так ли? —
— То, что меня называют с моими титулами, возможно, для книготорговцев вполне в порядке вещей. Разумеется, на титульном листе их нет.
— Три последних раздела имеют заголовки:
Народы и отечества.
Что благородно?
С высоких гор. Послесловие.
— Между тем, приношу глубочайшую благодарность за письмо и усердие в корректуре: в самом деле, ваша посылка всегда приходит ко мне лишь на пару часов позже, чем посылка Науманна: — что едва ли происходит естественным путем.
Прекрасно холодно, великолепная природа, «покой, величие, солнечный свет» - - -
Пожалуйста, сообщите ему (при случае отправки Науманну), что я согласен со всеми его предложениями.
В старой верности
Ваш друг Н.
720. An Franz Overbeck (Entwurf)
Я тоже, мой дорогой друг, очень хотел бы в этом году снова увидеться с тобой; но я уже вижу, что из этого ничего не выйдет. Мое желание провести лето, скажем, в Тюрингенском лесу, а осень в М<юнхене>, разбилось о force majeur<e> (или mineur<e>) моего здоровья. Это было до сих пор долгое испытание терпения; я, как мне кажется, при этом не роптал; но теперь я чувствую ужасное переутомление и его последствия: вместо того чтобы восстановиться, как мне было необходимо, я подорвал себя этим пребыванием в Германии.
Фрич и Шм<айцнер> до сих пор не договорились. На днях Шм<айцнер> прямо предложил мне выкупить мою литературу за 12500 марок; точно так же Эрлеке требовал у меня денег, чтобы прибрать книги к своим рукам. Короче говоря, это все та же путаница, по поводу которой я молчу и жду. Позорное пренебрежение, которому я подвергался со стороны Шм<айцнера>, теперь выставлено в полном свете: он за 10 лет не распространил ни одного моего экземпляра среди книготорговцев, у него даже не было лейпцигского комиссионного склада, он не сделал никакой рекламы, не раздал ни одного экземпляра для рецензий: книги (начиная с «Человеческого, слишком человеческого») до сих пор не изданы.
Мои переговоры со всеми возможными издателями в конечном итоге показали мне единственный выход, которым я сейчас и пользуюсь. Я делаю попытку выпустить что-то свое за свой счет: допустим, если будет продано триста экземпляров, то я покрою расходы и, возможно, смогу повторить эксперимент. Фирма К. Г. Наумана предоставляет для этого свое весьма почтенное имя (так что на обложке будет стоять: Издательство К<онстантина> Г<еорга> Н<аумана>). Это строго между нами. Надеюсь, книга скоро будет готова, чтобы она могла порадовать тебя на твоем летнем отдыхе, при этом замечу, что она может быть воспринята как очень свежая даже в мучительно прохладном климате.
Мысль о том, чтобы каждый год останавливаться на пару месяцев в Германии для отдыха (например, в Мюнхене), я отбросил: а Мюнхен не переставал самым любезным образом манить меня к себе: Зейдлицы, с которыми я после многолетнего опыта стал сердечнее и ближе, чем когда-либо; точно так же выдающийся акварелист Ганс Бартельс с женой, которые хотят взять на себя мое обустройство; последний недавно писал мне из замка Берг, как сильно Леви радуется тому, что я однажды проведу зиму в М<юнхене>. Охотясь за хорошими оригинальными книгами, я снова наткнулся на нечто мюнхенское: на «Механико-физиологическую теорию происхождения видов» Негели (труд, который дарвинисты робко обошли стороной); кое-что другое оттуда же: «Антропогеографию» (или основы применения географии к истории) я тоже взял с собой, но не для того, чтобы посмеяться над ней (он принадлежит к кругу Грегоровиуса, Морица Вагнера и тому подобных напыщенных посредственностей, которые ужасно восхищаются друг другом и воскуряют фимиам).
Я должен признаться, что не только климатическая несовместимость отговаривает меня от этого плана. У меня там нет никого, кто имел бы понятие о том, в чем заключается мое дело; и, не говоря уже об этом отсутствии личной заботы и деликатности, которые могли бы позволить мне быть тем, кто я есть — как это необходимо для отдыха, — я тем более не знаю никого, с кем я мог бы разделить свои весьма безличные заботы и проблемы.
Жизнь в Германии совершенно невыносима: она действует на меня отравляюще и парализующе, и мое презрение к людям каждый раз там растет в опасных пропорциях, как только я вступаю в контакт с «образованными» людьми. Особенно пагубна жизнь в немецких университетах, за которой я снова наблюдал. Действительно, дорогой друг, если тебе и не позавидуешь, то, по крайней мере, твое положение не вызывает жалости: в нем есть что-то тонкое и осторожное. — —
С тех пор как я уехал, я прошел через долгое испытание терпения, которое не должен повторять в ближайшее время. Если не считать общения с моей матерью, которую я нашел в ее милом гнездышке более веселой и уверенной в себе, чем когда-либо (оттуда приходят только хорошие и блестящие новости из Южной Америки), не было ни одного события или проявления участия, которое не унизило бы меня — или, вернее, которое не должно было бы унизить меня, если бы меня сейчас еще можно было легко сломить.
Жизнь в ложной среде, уклонение от своего жизненного призвания (что я делал, пока был филологом и университетским преподавателем) неизбежно губит меня физически; и каждый шаг на моем пути приближал меня к здоровью в самом телесном смысле. Каждая поездка в Г<ерманию> до сих пор по указанной причине была рецидивом, ослаблением моих сил: к сожалению, такие поездки по тем или иным причинам всегда были необходимы. Своей последней поездкой (тяжелые последствия которой я еще не преодолел) я, с другой стороны, доволен, потому что благодаря ей многое было, если не приведено в порядок, то хотя бы прояснено — и потому что впредь такие поездки могут быть мне не нужны. Правда, Фр<ич> еще не смог договориться со Шм<айцнером>: но, возможно, до этого еще дойдет, так как Фр<ич> по-видимому, придает большое значение тому, чтобы иметь всего Н<ицше>, так же как и всего В<агнера>, в своем издательстве (соседство, которое и мне идет на пользу в самой основе; ибо, если посчитать все вместе, Вагнер был единственным, по крайней мере первым, у кого было чувство того, в чем заключается мое дело. (О чем, например, Роде, к моему сожалению, не имеет ни малейшего представления, не говоря уже о чувстве долга передо мной). В этом университетском воздухе вырождаются лучшие: я постоянно чувствую фоном и последней инстанцией даже у таких натур, как Р<оде>, всеобщую проклятую безразличность и полное отсутствие веры. О том, что кто-то вроде меня diu noctuque incubando с детских лет живет среди проблем, о которых молчат и от которых хотелось бы убежать, — у кого есть сочувствие к этому? У Вагнера оно было; и поэтому Трибшен был для меня таким отдыхом; в то время как сейчас у меня нет ни места, ни человека, которые годились бы для отдыха.
721. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
я тоже очень хотел в этом году снова увидеться с тобой: но вижу, что ничего не выйдет. Мое желание провести лето в Тюрингском лесу, а осень в Мюнхене разбивается о force majeure (или mineure) моего здоровья. Жизнь в нынешней Германии для меня совершенно невыносима, она действует на меня отравляюще и парализующе; и мое презрение к людям каждый раз там растет в опасных пропорциях. С твоим добрым стремлением к «вне» и «a parte», как оно ясно следует из твоего плана о перемене жилья, я поэтому полностью согласен: твое положение в Базеле, которому, право, не позавидуешь, но и не посочувствуешь, имеет нечто осторожное и тонкое, чего ты нелегко нашел бы где-то еще. Жаль, что это место для меня климатически так невозможно: ведь с кем бы я сейчас охотнее обсуждал свои дела, чем с тобой и Буркхардтом? К тому же я действительно расположен к базельцам: и мне всегда приятно встретить базельца (как это было на днях: и каждый раз меня поражает, насколько пропитано духом и вкусом Буркхардта все, что оттуда исходит: конечно, при условии, что и т. д. и т. п.). Но в конечном счете я благодарю Бога (точнее: свою болезнь и, в очень значительной степени, тебя, дорогой друг!), что я больше не там. Жить в ложной среде и уклоняться от своей жизненной задачи, как я это делал, пока был филологом и университетским преподавателем, физически неизбежно губит меня; и каждый шаг на моем пути до сих пор приближал меня к здоровью в самом телесном смысле. Каждая поездка в Германию поэтому до сих пор всегда была рецидивом, ослаблением моих сил: к сожалению, такие поездки по той или иной причине всегда были необходимы. Своей последней поездкой (тяжелые последствия которой я до сих пор еще не преодолел) я, с другой стороны, доволен, потому что многое благодаря ей, если не приведено в порядок, то, по крайней мере, прояснилось (и потому что, надеюсь, такие поездки теперь могут становиться все реже —). Свою мать я нашел, к моему большому облегчению, более веселой, деятельной и уверенной в себе, чем когда-либо в ее милом гнездышке: мы хотим договориться о маленьких свиданиях, скажем, в Швейцарии, так как против Наумбурга, к сожалению, можно возразить то же самое, что и против Базеля — это вредно для меня, с детских лет). Кстати: моим местом будущего, вероятно, на весну и лето будет Гёшенен.
Фрич до сих пор не смог договориться со Шм<айцнером>, но, возможно, до этого еще дойдет, так как Ф<рич> придает большое значение тому, чтобы иметь «всего Ницше», так же как и всего Вагнера в своем издательстве: соседство, которое и мне доставляет глубокое удовлетворение. Ибо, если считать все вместе, Р<ихард> В<агнер> был единственным до сих пор, по крайней мере первым, у кого было чувство того, что я из себя представляю. (О чем, например, Роде, к моему сожалению, по-видимому, не имеет ни малейшего представления, не говоря уже о чувстве долга передо мной.) В этом университетском воздухе лучшие вырождаются: я постоянно ощущаю как фон и последнюю инстанцию, даже у таких натур, как Р<оде>, проклятое всеобщее безразличие и полное отсутствие веры в свое дело. То, что кто-то (как я) diu noctuque incubando с ранней юности живет среди проблем и только в этом находит свою нужду и счастье, — кто бы мог иметь к этому сочувствие! Р. Вагнер, как я уже сказал, имел его: и поэтому Трибшен был для меня таким отдыхом, в то время как теперь у меня нет ни места, ни людей, которые годились бы для моего отдыха. — Мои переговоры со всеми возможными издателями в конечном счете показали мне единственный выход, которым я сейчас иду. Я делаю попытку выпустить что-то на свой счет: допустим, будет продано 300 экземпляров, тогда я покрою расходы и смогу при случае повторить эксперимент. Фирма К. Г. Науманна предоставляет для этого свое весьма почтенное имя. Это между нами. Пренебрежение со стороны Шм<айцнера> было чудовищным: за 10 лет ни одного экземпляра не было распространено среди книготорговцев, так же как и экземпляров для рецензий; даже нет комиссионного склада в Лейпциге; никакой рекламы, — короче, мои сочинения, начиная с «Человеческого, слишком человеческого», являются «anecdota». Из «Заратустры» продано по 60—70 экземпляров и т. д. и т. п. Оправдание Шм<айцнера> всегда таково: что уже 10 лет ни у кого из моих друзей нет мужества вступиться за меня. Он хочет 12500 марок за мои сочинения. Твои он надеется продать в Дрездене, как рассказывает Фрич. — Деньги благополучно получены.
С верностью, твой друг
Н.
Кёзелиц только что сообщает мне как о весьма вероятном событии о своем переезде осенью в Ниццу; то же самое сделал, пару недель назад, господин Ланцки. До середины сентября я остаюсь здесь, где нет недостатка в старых знакомых: Мансуровы, двое Финнов, мисс Хелен Циммерн и т. д. и т. д. Из Мюнхена — две графини Ботмер. Пожалуйста, не дай Шм<айцнеру> заметить, что я знаю о его переговорах с Фричем, так же как и о плохой репутации Эрлеке: он использует подобное как средство давления на меня. А именно, он хочет, чтобы я сам выкупил у него книги (письмо прошлой недели)
722. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Вот, моя дорогая мама, письмо от Ламы. Обрати внимание на подчёркнутые места. — Только что пришла твоя открытка, премного благодарен! Тем временем я всё ещё был болен, недоволен и духовно подавлен, к тому же плохо питался: но теперь у меня есть кое-что, что, кажется, идёт мне на пользу — я ем козий сыр и запиваю его молоком (Что ты думаешь? 50 пфеннигов за фунт сыра — это дорого?) Затем я заказал 5 фунтов мальто-легуминозы с фабрики: она должна прийти сегодня. Так что оставим пока ветчину (потому что, судя по опыту здесь, наверху, она мне не идёт на пользу; да и не хотелось бы мне есть ещё больше мяса). Также оставь суповые брикеты: любая готовка для меня слишком утомительна, и, как я сказал, я заказал мальто-легуминозу: Но всё же, пожалуйста, пришли маленький ящичек со съестным с чем-нибудь вкусненьким, для разнообразия.
С Фричем и Шмайцнером дело застопорилось. Это просто беда. —
Вчера мои дамы прислали мне нежный творог, заправленный сметаной, по-русски, вместе с 2 прекрасными хлебцами из муки грубого помола. —
Кёзелиц пишет, что надеется добиться того, чтобы в начале осени переехать в Ниццу: что меня очень порадовало. Я бы хотел иметь там маленький дом. Кто знает, может быть, моя старая мама ещё обеспечит меня своей приятной русской.
Г-н Ланцки тоже пишет, что сэкономил пару сотен франков, чтобы иметь возможность провести со мной зиму в Ницце. Право, я впервые радуюсь Ницце. — Я не думаю, что так будет продолжаться с Зильс-Марией. В другие годы мне приходилось что-то пробовать, в этом году я ещё хочу пожить по средствам. —
С благодарностью и сердечно помнящий
Твой старый философ и сын.
723. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Многоуважаемый господин,
для обратной стороны обложки следует использовать прилагаемую рукопись: я сожалею, что не успел вовремя уладить небольшое недоразумение господина К<ёзелица>. Мне сейчас важно, чтобы имя Шмайцнера на этой обложке не фигурировало: вероятно, он уже и сейчас не является владельцем тех старых книг, а продал их. Если бы можно было уже назвать нового владельца (лейпцигского издателя), то это было бы мне не неприятно* (например, в третьей строке); но это не обязательно. —
Эта страница обложки не должна производить впечатление предложения или призыва к покупке; скорее, впечатление сообщения с моей стороны. Поэтому я прошу использовать более мелкий и скромный шрифт. (Впрочем, я хотел бы увидеть и пробный оттиск с прежним шрифтом —)
Что касается титульного листа: мне больше понравилось бы, если бы черная рамка полностью отсутствовала, и слова «По ту сторону добра и зла» получили бы благодаря этому больше пространства (Шрифт, которым напечатано «Веселая наука» на титульном листе одноименного произведения, возможно, подошел бы и здесь?) Шрифт и интервалы других слов («Прелюдия к философии будущего. Фридриха Ницше» и т. д.) кажутся мне очень удачно подобранными: однако следовало бы сначала посмотреть, как они будут смотреться при измененном «По ту сторону добра и зла». Поручаю всё это Вашему вниманию! —
Наконец, прошу Вас под предисловием поставить не только «Зильс-Мария, июнь 1885 г.», как указано в рукописи, а более четко:
Зильс-Мария, Верхний Энгадин
июнь 1885 г. (последнее — совсем мелко!)
Покорно рекомендую себя Вам и Вашему господину брату
Ваш покорный слуга
проф. д-р Ницше
P.S.
— Не будете ли Вы любезны прислать мне пробный оттиск титульного листа и обложки согласно сделанным здесь предложениям? — Или пару различных пробных оттисков?
724. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
мне очень приятно, что Вы сумели найти вкус и в моей новейшей книге: конечно, Вы останетесь в этом весьма одиноки — но у меня всё же есть утешение, что я могу иногда сказать: «если вы, другие, ничего не получаете от моих сочинений, то это, вероятно, потому, что вы недостаточно для них сделали!» Каких только хлопот не Вы, напротив, уже имели из-за меня, мой достойный корректор, орфограф и сотрудник! Более чем справедливо, что Вы находите мои вещи более доступными, чем кто-либо другой: ведь Вы и навстречу им пошли больше, чем все мои господа друзья!
Трудность, которую мне на этот раз стоило заговорить (и еще больше: найти место, откуда я мог бы говорить), а именно непосредственно после «Заратустры», Вы, должно быть, глубоко прочувствовали: но теперь, когда книга довольно отчетливо стоит передо мной, мне кажется, что я преодолел эту трудность столь же хитро, сколь и отважно. Чтобы иметь возможность говорить об «идеале», нужно создать дистанцию и более низкое место: здесь мне отлично помог заранее подготовленный тип «свободного ума». —
Так много обо мне. А теперь о Вашем намеке относительно будущего «там внизу»: нет, как же меня радует эта мысль! — и, по меньшей мере, в такой же степени per se, как и per me (во что Вы должны мне поверить!). В середине сентября я отправляюсь отсюда в Геную, чтобы вместе с добрым и сердечным, но немного меланхоличным Ланцки, сначала тщательно осмотреть Рапалло и Санта-Маргериту, затем окрестности Генуи, потом Алассио и другие маленькие местечки Ривьеры и, в зависимости от обстоятельств, задержаться в одном из них или оказаться в Ницце. В том случае, если Вы со своей стороны предпримете ту же поездку, мы, конечно, в Вашем распоряжении; но при условии, что Вам покажется более разумным одиночный осмотр упомянутых мест, я позволил бы себе прислать Вам пару адресов недорогих временных пристанищ. В Рапалло, например (откуда Вы можете изучать Санта-Маргериту и Портофино), — дешевый маленький Albergo della posta, прямо у моря, в котором была написана первая часть «Заратустры». Ах, какой радостью было бы для меня иметь возможность побыть там и в Генуе Вашим чичероне — и Вам пришлось бы попробовать все мои скромные траттории! И мы бы бродили по мрачным бастионам, и пили бы на моем бельведере в Сампьердарене бокал Монферрато! Право, я не знаю ничего, чему я мог бы так радоваться. Это часть моего прошлого, этот генуэзский кусок, к которому я испытываю уважение… это было ужасно одиноко и сурово. —
Ланцки пишет в конце последнего письма: «ах, как я жажду света, моря, глубокой тишины вдвоем и детской радости от простого!» — очень благочестивое желание для пожилого человека. —
Здесь, в Зильсе, я еще не совсем в порядке: здоровье не выносит этих колоссальных скачков. Также меня до крайности утомляет корректура книги; настоящая свобода (и разрешение думать о чем-то новом) появляется только с первым готовым экземпляром. Так что, возможно, недели через три. Для 4-й страницы обложки мне пришлось принять иное решение (— взаимопонимание между Шм<айцнером> и Фричем, надеюсь, будет достигнуто очень скоро: при условии, что Шм<айцнер> ничего не узнает о том, насколько я уже осведомлен о намерениях Фрича).
— Забавно! Можно сколько угодно защищаться от женской эмансипации: ко мне уже прибыл очередной образцовый экземпляр «литературной дамочки», мисс Хелен Циммерн (которая познакомила англичан с Шопенгауэром), — я даже думаю, что она перевела «Шопенгауэр как воспитатель». Конечно, еврейка: — это безумие, как сильно эта раса сейчас держит в своих руках «духовность» в Европе (— она сегодня долго развлекала меня разговорами о своей расе). —
— Не сердитесь, но Ваше великолепное адажио тем временем переименовалось у меня: больше не solenne, а adagio amoroso. Готов поклясться, что этот эпитет — не просто украшение. —
— Обе англичанки, старая Мансурова и 2/3 прошлогодней летней компании из Зильса снова здесь. Тем временем я, однако, присмотрел Гёшенен на другие годы. Вам придется проезжать мимо: станция Готардского тоннеля. Может быть, Вы взглянете на него? —
С сердечным расположением
Ваш друг Н.
725. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая матушка,
если бы мне только хоть немного полегчало! Тогда я бы гораздо лучше поблагодарил тебя за твою прелестнейшую шляпную коробку, которая содержала так много хорошего! Но я не знаю, что делать: постоянно болен желудком, постоянно нездоров и нервничаю, плохо сплю, страдаю глазами, умственно устал — хотя при всем этом хорошо выгляжу. Мне здесь не хватает правильного питания, которое у меня есть в Ницце, а также правильной комнаты с хорошим освещением, а также правильного общества: хотя в последнем отношении мне, собственно, везде его недостаточно. Со мной здесь обращаются очень любезно, прежде всего мои хозяева, которые от имени маленькой Адриенны сердечно благодарят. Затем добрые Финны и старая, на этот раз очень страдающая и слабая русская; затем здесь есть очень умная литераторша из Лондона, мисс Хелен Циммерн, которая имеет заслугу в том, что познакомила Англию с Шопенгауэром; затем из Мюнхена две графини Ботмер, затем из Базеля сестра профессора Андреаса Хойслера; из Лейпцига ожидается профессор Лескин с доктором Брокгаузом — и еще множество людей, которые все здесь уже во второй, третий или десятый раз. Также меня посетил старый генерал Симон с дочерью; в то время как я еще ни на шаг не отошел от Зильса из-за ослепительной и пыльной проселочной дороги, ведущей отсюда в Санкт-Мориц: мои глаза до сих пор абсолютно запрещали мне ходить туда, хотя я бы охотно нанес визит фрау Веман (сестре Клэр), равно как и моей соседке по столу с прошлогодней ниццкой зимы. Твой торт получился чудесным, я пью к нему молоко, мед тоже подкрепляет меня; а ошейником ты очень угодила моему вкусу — прими мою лучшую благодарность, моя старая добрая матушка! Недавно я недостаточно выразил свое изумление по поводу твоей смелой атаки на Вартбург: это была поистине великая и важная государственная акция. Что касается поездки в Парагвай, я думаю так же, как и ты: приглашение имело бы больше смысла, если бы оно было сделано на основе тамошнего лета — в конце концов, зима в Ницце, вероятно, все же лучше тамошней и, как мне кажется, немного занимательнее. Между Фричем и Шмейцнером молчание, к моему большому сожалению. Вероятно, Шм<eitzner> через г-на Видемана узнал, как сильно я был потрясен возможностью попасть в руки Эрлеке, — и Шм<eitzner> теперь ожидает, что я сделаю ему предложения. Поэтому он не идет на предложения Фр<itzsch>а. — Печать почти закончена, она до сих пор немного поддерживала меня. — У нас здесь тоже было очень жарко; к счастью, я нашел здесь в шкафу двое белых брюк. Я всегда вспоминаю о тебе с большой благодарностью: сколько же всего ты уже сделала для меня в этом году! —
Твой старый сын, не очень философ.
726. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Отдельные экземпляры следует отправить следующим лицам:
Профессору д-ру Эрвину Роде, Лейпциг
Гофрату проф. д-ру Хайнце, Лейпциг
Паулю Видеманну, Дрезден, Блохманнштрассе
Барону Зейдлицу, Мюнхен, Хессштрассе 3
Проф. д-ру Якобу Буркхарду, Базель, Швейцария
Проф. д-ру Францу Овербеку, Базель, Швейцария
Готфриду Келлеру, Цюрих (Швейцария)
Баронессе Мейзенбуг, Рим, виа Польвериера 6 (Италия)
Господину Анри Тэну
Таллуар, озеро Анси
Верхняя Савойя (Франция)
Господину Полю Бурже
Париж, издательство Lemerre
Пассаж Шуазель 27—31
Д-ру Паулю Дойссену, Берлин, N. W. Паульштрассе 31
Барону Гансу фон Бюлову, в настоящее время в Гамбурге
Точного адреса не знаю. Или следует отправить в Майнинген?
В каждый экземпляр прошу вложить мою визитную карточку. Пожалуйста, закажите 100 штук в вашей типографии: остальные оставьте у себя для будущих случаев. Бумага должна быть самой тонкой и прочной, на ней ничего, кроме: (Очень элегантно, большой формат.) Профессор д-р Фридрих Ницше
Экземпляры для редакций и т. д.
6 экземпляров для
Синьора Паоло Ланцки
Валломброза
через Понтассьеве (Италия)
2 экз. для
Мисс Хелен Циммерн
в настоящее время в
Зильс-Марии (Альпенрозе)
Верхний Энгадин, Швейцария
1 экз. для д-ра Георга Брандеса, Копенгаген, Санкт-Аннеплац 24
1 экз. для
Проф. д-ра Ф. Царнке
Редакция «Литературного центрального листка»
Лейпциг, Гётештрассе 7.
1 экз. для Рихарда Флейшера
Редакция «Немецкого обозрения».
Дрезден, Райхсштрассе 2
1 экз. для д-ра Ю. Роденберга, редакция «Немецкого вестника»,
Берлин W. Лютцовштрассе 7.
О. Браун
Редакция «Всеобщей газеты»
Мюнхен, Шванталерштрассе 73
Л. фон Захер-Мазох
Редакция «На высоте»
Лейпциг, Арндтштрассе 40
Оскар Блюменталь
Редакция «Берлинского ежедневника»
Берлин, Йерузалемерштрассе 48
Рудольф фон Готшалль,
Ред. «Листков для литературных развлечений»
Лейпциг
Й. В. Видман
Ред. «Бунда», Берн (Швейцария)
Д-р Артур Левизон, редакция
«Немецкого понедельничного листка», Берлин,
Штеглицерштрассе 2
Д-р Ганс Херриг, редакция «Немецкого
ежедневника», Берлин, Кёрнерштрассе 4
О. Хопп, редакция «Эхо»
Берлин SW, Дессауэрштрассе 12
Йоханнес Прёльс, редакция «Франкфуртской газеты»
Франкфурт-на-Майне, Эшенхаймергассе 37
Д-р Цоллинг, редакция «Современности»
Берлин, Кёнигин-Аугуста-штрассе 12
Д-р Г. Конрад, редакция «Общества»
Мюнхен, Квайштрассе 3
Редакция «Гамбургских новостей»
Гамбург
Редакция «Кёльнской газеты»
Кёльн
Д-р Хюльскамп, редакция «Литературного путеводителя
для католической Германии»
Мюнстер в Вестфалии
Д-р Ф. Хирш, ред. «Журнала отечественной и
зарубежной литературы»
Лейпциг, Фридрихштрассе
Д-р К. Френцель, ред. «Национальной газеты»
Берлин W. Кётенерштрассе 33
Д-р М. Бауэр, ред. «Нового немецкого дозора»
Берлин, Бель-Альянс-плац 6а
Д-р Хуго Виттман, редакция
«Новой свободной прессы»
Вена
Барон фон Хаммерштайн, ред.
«Кройц-цайтунг»
Берлин W. Кёниггретцер-штрассе 15
Д-р Пауль Линдау, ред. «Севера и Юга»
Берлин W. Фон-дер-Хайдт-штрассе 1.
Ф. К. Пиндтер, ред. «Северогерманской
всеобщей газеты»
Берлин
Й. К. Бехер, ред. «Прессы»
Вена, Берггассе 31.
Д-р Г. Клетке, ред. «Фоссише цайтунг»
Берлин, Брайтштрассе 8
Национальный советник д-р Курти, ред. «Цюрихской почты»
Цюрих (Швейцария)
Й. Зингер, редакция «Всеобщей австрийской
литературной газеты»
Вена, VIII Лаудонгассе 1.
NB. Прошу эти издания после использования сохранить, возможно, для дальнейшего использования.
Ф. Н.
— О том, что господину Кёзелицу нужно отправить 2 экз., а мне самому 4 экз. (причем немедленно, как только переплетчик закончит свою первую работу), я уже просил в последнем письме.
С глубоким уважением, Ваш
преданный проф. Ницше.
Н. Мак-Колл, эсквайр.
Редакция «Атенеума».
Веллингтон-стрит, 20.
Стрэнд. W. C.
Лондон.
—. Коттон, эсквайр.
Редакция «Академии».
Чансери-лейн, 26. W. C.
Лондон.
Редактору.
«Вестминстерское обозрение».
Издательство Trubner & Co.
Ладгейт-хилл. E. C.
Лондон.
727. An Paul Lanzky in Vallombrosa (Entwurf)
Ваше предложение относительно Корте заслуживает самого серьезного рассмотрения: только вы, дорогой друг, не тот ч<еловек>, с которым я на самом деле хотел бы путешествовать. Вот если бы у вас в голове были глаза художника! А еще и живописный дар речи, чтобы полуслепому человеку создать хотя бы косвенно отвлечение от созерцания! <Я> уже давно пытаюсь склонить одного знакомого мне мюнхенского акварелиста к поездке на Корсику. — Наконец, не совсем в моей власти распоряжаться этой осенью: ибо я хочу, если это только возможно, облегчить моему музыканту начало и вступление в западный юг. Раз уж я взял на свою совесть то, что соблазнил его на это: мне очень важно испытать, что там, под единственным африканским кусочком Европы, станет из немецкого музыканта, после того как был доказан необычайный успех Венеции (и её влажного Востока). — Что касается меня самого, то Ницца — это проверенное, да, самое проверенное дело (— вы не должны судить по позапрошлой зиме, которая, к сожалению, была самой неудачной из всех моих южных зим!) Мне там еще многого не хватает, чтобы по-настоящему чувствовать себя там как дома: прежде всего, веселого и остроумного общения, какое у меня, по сути, было вокруг всю мою жизнь, если не считать годы болезни. Но там можно найти всякое, при условии, что у вас есть добрая воля к поиску: и наживки, например, для тамошнего русского общества у меня достаточно. — В остальном вы знаете, что Ницца — это мое место для работы и уединения, как и Зильс-Мария, и что я пользуюсь обществом лишь для того, чтобы иметь возможность работать и быть одиноким по-своему (а именно, чтобы на часы отвлекаться от самого себя, для отдыха). Мой музыкант, если предположить, что он будет там жить, — один из тех самодостаточных ч<еловеков>, которых неделями не видишь: но его музыка принадлежит к тем немногим вещам, без которых я для своего здоровья не могу обойтись; и он достаточно искренне привязан ко мне, чтобы не скрывать её от меня. — Об Ая<ччо> я очень хорошо осведомлен: влажность воздуха как в Пизе и на Корфу. — Что касается Алжира, то один старый швейцарец в Ницце сказал мне, что Ривьера взяла оттуда всё хорошее, а всё плохое — нет; также рекомендую посмотреть на характеристику Ривьеры у Доде в одной из последних глав «Набаба» в этом отношении. —
С сердечными приветами
Ваш философ
(страдающий головой, страдающий глазами, страдающий желудком)
Из 6 экземпляров, которые будут отправлены вам, вы должны отдать 2 в те 2 журнала. —
728. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин, экземпляры прибыли и доставили мне радость: всё выглядит хорошо, к тому же я пока не смог обнаружить существенных ошибок (только в самих «Исправлениях» на странице 68 должно быть 58 вместо 58). Список адресов для бесплатных экземпляров и экземпляров для редакции был отправлен Вам позавчера: я добавляю, что один экземпляр следует передать господину Э. В. Фричу, Лейпциг (музыкальному издателю на Кёнигсштрассе, если я не ошибаюсь); также один экземпляр доктору Фуксу, учителю музыки в Данциге; и ещё, что экземпляр, предназначенный для Ганса фон Бюлова, лучше всего дойдёт до него, если будет отправлен по адресу его матери, а именно
per adr. госпоже баронессе фон Бюлов
Берлин W.
Курфюрстенштрассе, 34
Я хотел бы увидеть, каким образом книга анонсирована в «Биржевом листке книготорговцев». — Пара адресов для английских и французских журналов последует позже; об итальянских экземплярах позаботится господин Ланцки. — С покорнейшим приветом и благодарностью
Д-р Ницше
729. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
одно сообщение и одна просьба! — Только что Фрич телеграфировал мне из Лейпцига: «Наконец-то в руках!» — слова, которые доставили мне огромную радость. Роковая ошибка моего базельского периода (нечто вроде «слишком большого доверия», как это часто бывало в моей жизни) тем самым сдана в архив. Как хорошо, что я этой весной поехал в Германию! То же самое я должен сказать еще раз, имея в виду то, что я наглядно продемонстрировал себе свое положение по отношению к возможностям издателей и публике; а также то, что я лично вел переговоры с выдающейся парой братьев Науман. Новая книга, результат, который издалека вовсе не мог быть достигнут, только что закончена; распоряжение отправить экземпляр тебе в Базель было отдано уже несколько дней назад. Теперь же просьба, старый друг: прочти ее, от начала до конца, и пусть она не ожесточит и не оттолкнет тебя — «собери все силы», всю силу твоего благоволения ко мне, твоего терпеливого и сотни раз испытанного благоволения, — если книга тебе невыносима, то, быть может, сотня отдельных деталей — нет! Возможно также, что она поможет пролить немного света на моего Заратустру: который потому и является непонятной книгой, что восходит к одним лишь переживаниям, которые я ни с кем не разделяю. Если бы я мог дать тебе понятие о моем чувстве одиночества! Ни среди живых, ни среди мертвых у меня нет никого, с кем я чувствовал бы себя родственным. Это невыразимо жутко; и только упражнение в вынесении этого чувства и постепенное развитие его с детских лет делает для меня понятным, что я еще не погиб от этого. — В остальном задача, ради которой я живу, ясно стоит передо мной — как факт невыразимой печали, но просветленный сознанием того, что в нем есть величие, если когда-либо величие было присуще задаче смертного. —
— Я остаюсь здесь до начала сентября.
Преданный тебе Ф. Н.
730. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Любезный и достойный господин издатель,
мне доставляет огромную радость снова иметь возможность обращаться к Вам так! — Как раз когда я дал поручение господину К. Г. Науману переслать Вам экземпляр моего нового труда, пришла Ваша телеграмма: я принял это совпадение за благоприятное и доброе знамение моей судьбы. —
Шмайцнер теперь мне больше ничего не должен; как само собой разумеется, я оставил за собой право на возможные новые тиражи. —
Эту осень и зиму Вам следовало бы посвятить распространению еще вовсе не «изданного» Заратустры, который рядом с моей только что выходящей книгой «По ту сторону добра и зла» будет выглядеть чрезвычайно привлекательно, отчасти контрастируя с ней; с другой стороны, только что названный труд является своего рода введением в подоплеку Заратустры, — люди со временем поймут, что речь в нем идет не о фантазиях и нереальных вещах. — Возможно, можно было бы сшить три части вместе? ибо предисловие в первой части относится ко всему произведению. И продаваемость, как мне кажется, будет выше, если на общем титульном листе будет стоять
Так говорил Заратустра.
Книга для всех и ни для кого.
От
Фридриха Ницше.
В трех частях.
Жаль, что я не могу устно изложить Вам свои мысли о том, что кажется мне целесообразным в отношении других книг. Количество экземпляров так велико, что может показаться, будто речь идет о совершенно новом издании. Это навело меня на одну мысль. Если уж титульные листы и обложки подлежат замене на новые и в любом случае потребуется некоторая переплетная работа, что Вы думаете? не было бы разумно воспользоваться этим впечатлением, т. е. напечатать на титуле
Новое издание
дополненное предисловием. (или
Введением и т. д.?)
Вы заметите, что «Человеческое, слишком человеческое», «Утренняя заря», «Веселая наука» нуждаются в предисловии: были веские причины, по которым я тогда, когда создавались эти произведения, наложил на себя молчание — я стоял еще слишком близко, еще слишком «внутри» и едва знал, что со мной произошло. Теперь, когда я сам могу лучше и точнее всего сказать, в чем заключается своеобразие и несравненность этих работ и в какой мере они инаугурируют новую для Германии литературу (прелюдию моралистического самовоспитания и культуры, которой до сих пор не хватало немцам), я бы охотно решился на такие оглядывающиеся назад и запоздалые предисловия. Мои сочинения представляют собой непрерывное развитие, которое будет не только моим личным переживанием и судьбой: — я лишь первый, грядущее поколение поймет то, что я пережил, исходя из самого себя, и будет иметь тонкий вкус к моим книгам. Предисловия могли бы прояснить необходимое в ходе такого развития: из чего попутно следовало бы то преимущество, что тот, кто однажды «клюнул» на одно из моих сочинений, должен будет взяться за все.
В случае, если бы моя мысль Вам понравилась и показалась убедительной, я бы посвятил эту зиму тому, чтобы обдумать такие предисловия: моим стремлением было бы придать каждому из этих предисловий столь самостоятельную ценность, что уже только ради них одних стоило бы читать эти произведения. — Начать с «Человеческого, слишком человеческого», которого осталось еще 511 экземпляров, как раз достаточно, чтобы представить новое издание? Что Вы думаете? Оба приложения к нему («Смешанные мнения и изречения» и «Странник») могли бы тогда, возможно, появиться годом позже? В качестве второго тома? —
Я думаю, Вы чувствуете, глубокоуважаемый и дорогой господин Фрич, что в этих предложениях я всецело имею в виду Ваш интерес; я вовсе не хотел бы, чтобы Вы когда-нибудь пожалели о том огромном доказательстве доверия, которое Вы оказали мне, выкупив всю мою доселе изданную литературу.
На обороте обложки последней вышедшей книги Вы найдете своего рода обзор и программу моей прошлой и будущей деятельности. Это должно быть 10 произведений и не более, с которыми я хочу «остаться»; 6 из них теперь в Ваших руках. Упрощение названий (чтобы их было легко цитировать, например, просто «Рождение трагедии»), с другой стороны, небольшое пояснение там, где я испытал двусмысленность названия (например, к «Веселой науке» добавление в скобках «gai saber», чтобы напоминали о провансальском происхождении моего названия и о тех поэтах-рыцарях, трубадурах, которые этой формулой резюмировали все свое умение и стремление) — подобное кажется мне полезным. Подробнее — только когда я получу Ваш ответ на намеченные здесь предложения.
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше
NB. Столь длинного письма Вы больше никогда не получите: это запрещают господа глаза.
731. An Erwin Rohde in Dänemark (Entwurf)
Мне было очень больно видеть тебя этой весной в такой беде, что мы толком не смогли сказать друг другу ни одного разумного слова, а тем более — ни одного непринужденного, веселого, праздничного: ведь я ждал нашей встречи как праздника. Надеюсь, тем временем все пошло глаже и счастливее. Здесь, в Зильсе, где в конце лета происходит своего рода профессорское рандеву (с перевесом лейпцигцев), много говорили о твоем случае, и всегда с самым искренним сожалением о том, что тебя потеряли. Пфлугк-Хартунг также представился мне как человек, очень преданный тебе. — — Недавно я дал поручение К. Г. Науману прислать тебе мое новейшее сочинение: не для того, чтобы ты его читал (ибо его проблематика, к счастью, лежит вне сферы твоих забот и ответственности), а просто чтобы не не послать его тебе. Я знаю, старый друг, ты понимаешь нюанс этого двойного отрицания. — Передавай привет своей жене (она мне очень понравилась); я вижу, что фотография твоей девочки лежит на моем столе: рядом с ней — фотография мальчика, прощальный подарок голландца с Явы, который очень привязан ко мне и ищет здесь, в Зильсе, и у меня, своего летнего отдыха. Он потерял жену: его единственный ребенок теперь для него дороже всего на свете.
732. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Достопочтенный господин издатель,
прилагаю часть рукописи (предисловие и заключительное стихотворение), с помощью которой я со своей стороны хотел бы способствовать тому, чтобы оставшиеся 500 экземпляров «Человеческого, слишком человеческого» разошлись быстрее. Я особо отмечаю, что за это я со своей стороны не требую никакого гонорара; мое желание — дать Вам понять, что я благодарен Вам за проявленное ко мне смелое доверие. —
Тот фрагмент психологии, который содержится в этом предисловии, сам по себе должен быть достаточно интересен, чтобы сделать книгу востребованной; это существенный вклад в понимание моих книг и лежащего в их основе труднопостижимого саморазвития. Я записал его в последний месяц моего пребывания зимой в Ницце, не считая нескольких оборотов, которые были придуманы для него в Энгадине. —
Моя мысль заключается в том, что Вы могли бы пустить в обращение эту книгу (мою самую легкодоступную и подготовительную) в первую очередь и прежде всего. У нее есть свои друзья в Соединенных Штатах, в Голландии, в Италии и, в частности, во Франции. —
Возможно, вопреки тому, что я предлагал в своем последнем письме, разумнее пока придержать «Заратустру». Он произведет наибольшее впечатление и будет лучше покупаться, когда у публики уже будет достигнуто определенное насыщение моими мыслями и перспективами. Только что вышедшая книга «По ту сторону добра и зла» неплохо подготовит ему путь.
В случае, если мое предложение покажется Вам приемлемым, я бы попросил незамедлительно приступить к корректуре предисловия и заключительного стихотворения (возможно, у К. Г. Наумана, который знает все мои привычки и т. д.?), так как я остаюсь здесь, наверху, только до конца августа, и мне было бы трудно определиться с планами на сентябрь (мне необходимо пешее путешествие).
Моим единственным условием было бы, чтобы предисловие было напечатано шрифтом и с соблюдением пространственных отношений в точности по образцу предисловия к «По ту сторону добра и зла». Его нужно акцентировать.
Сердечно приветствую, Ваш покорнейший
Д-р Ницше, проф.
Мне приходит на ум, что Шмейцнер (вопреки моему совету) велел переплести некоторое количество экземпляров, к тому же безвкусно. Долой эти переплеты! Ни один такой экземпляр не продастся! —
733. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Глубокоуважаемый господин издатель,
только что получил Ваше почтенное письмо, в то время как от меня уже ушла посылка в Ваш адрес. Обдумайте, пожалуйста, мое предложение сначала выпустить в обращение «Человеческое, слишком человеческое»: эта книга — хорошие и легкодоступные врата к моему собственному кругу мыслей. —
С другой стороны, действительно стоит обдумать, нельзя ли также заново разослать «Рождение трагедии». Только мне бы не хотелось делать это именно сейчас, чтобы «публике» не пришлось сразу получать от меня столь разрозненные произведения. —
Если Вы хотите выпустить «Заратустру» сейчас, то я бы предложил напечатать на общей обложке
Так
говорил Заратустра
Книга
для всех и ни для кого.
Фридриха Ницше.
Лейпциг
Издательство Э. В. Фрича.
Соответственно, и титульный лист. Но затем, в начале второй части, страница, на которой не написано ничего, кроме
Так
говорил Заратустра.
Вторая часть.
и соответственно в начале третьей части
Так
говорил Заратустра.
Третья часть.
Так это будет выглядеть лучше всего. —
— Напоследок замечание о «По ту сторону добра и зла», но строго между нами. На самом деле К. Г. Науманн предоставляет свое доброе имя для этого, потому что явное «комиссионное издательство» было бы чем-то неприличным и постыдным для моего нынешнего положения. Расходы на все издание и его риск я несу один. —
С глубочайшим почтением
Ваш
д-р Ницше
734. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
несколько слов в качестве поспешного ответа на только что полученное Ваше любезное и достойное благодарности письмо. За обедом мне сообщили, что сейчас в Мюнхене можно услышать весь цикл «Нибелунгов», а также еще раз в сентябре.
Так как Вы об этом ничего не пишете, я предполагаю, что Вам это может быть неизвестно; возможно, Вы воспользуетесь этой прекрасной возможностью. —
Меня радует, что Ваш опыт с «Парсифалем» не полностью опроверг мои суждения и предубеждения, сделанные и высказанные издалека. —
— Только не вздумайте однажды удрать в Венецию! Простите! — Господин Ланцки предложил мне поездку в Корте на Корсике в октябре; до сих пор я не мог решиться. Если бы я отправился туда (в конце концов, это небольшой крюк через Ниццу), то сделал бы это в равной степени ради Вас и ради моей намеченной задачи на будущее.
Корте — город зачатия Наполеона: как я вычислил. Не кажется ли Вам, что паломничество туда — подобающая подготовка к «Воле к власти. Попытке переоценки всех ценностей»? —
Странно! Все это время я был невыразимо печален и страдал от бессонницы из-за тревог. —
Пожалуйста, навестите Зейдлицев и передайте им мои самые лучшие пожелания. Зейдлиц написал мне письмо, в котором было много хорошего и умного: он человек острого ума. —
С сердечнейшим участием в Вашем путешествии
Ваш друг Н.
Второй экземпляр на самом деле предназначался фрау Рёдер-Видерхольд, адреса которой у меня нет. Господину Видеману я, конечно, один экземпляр отправил. —
735. An Friedrich Hegar in Zürich
Глубокоуважаемый господин капельмейстер,
напоминает Вам о себе человек, который в течение двух лет из-за всевозможных случайностей и препятствий не мог приехать в Цюрих, — в тот самый Цюрих, который оставил у него самые приятные воспоминания и, благодаря Вам, звучит в его памяти еще лучше.
Я хотел бы сейчас издать это прилагаемое сочинение: при условии, что оно встретит Ваше одобрение. В частности, инструментовка (которая выполнена не мной, но по моим указаниям): не будете ли Вы так добры высказать мне свое суждение о ней без всяких прикрас? Насколько сильным должен быть хор, чтобы он гармонировал с медным звучанием выбранных инструментов?
Это музыкальное произведение, которое, быть может, когда-нибудь споют «в память обо мне»: для этого, по крайней мере, я его и задумал.
Ближе к концу песни есть трагический акцент, идущий из самых глубин моей «души». —
— Как Ваши дела? Моя сестра (ныне госпожа доктор Фёрстер) до сих пор пишет весьма отрадные вести из своей новой родины, Парагвая. Те дни в Цюрихе были нашим самым радостным и удачным временем, о котором мы оба храним благодарную память. Передайте это, пожалуйста, также Вашей глубокоуважаемой супруге.
С сердечнейшим приветом и пожеланиями
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше
736. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая добрая матушка,
дождливый день: самое время отправить Тебе письмецо! Премного благодарен за то, что Ты мне написала! Тем временем дела пошли немного лучше: рецепт, который я себе прописал, был весьма странным: а именно, ходить в отель и обедать вместе со всеми, что едят все. Это снова поставило меня на ноги (мне нужны сытные трапезы, чтобы чувствовать себя хорошо: увы, увы, я недостаточно богат для этого подходящего мне «лечения» —).
В данный момент здесь, в Зильсе, около 10 профессоров университета; в моем маленьком доме — 4, включая меня.
Дело со Шмайцнером завершено: «наконец во владении», — телеграфировал мне Фрич, — и с тех пор между нами идет оживленная переписка, поскольку с моей стороны многое нужно переустроить.
Господин Кёзелиц пишет из Мюнхена и Байройта: значит, он уже в пути.
То, как добрый старый Венкель думает о философии, так же многие старые филологи думают о филологии: мол, ничего нового сказать уже нельзя. Я считаю оба суждения ошибочными и (что более важно) доказал это словом и делом. Конечно, для этого нужны и новые уши: а их, при всем желании, в определенном возрасте уже не обрести.
История с Зоннеманом (или как там зовут того антисемита, о котором Ты писала) встревожила меня. Видишь ли, из-за этого рода людей я уже не смог бы поехать в Парагвай: я так счастлив, что они добровольно изгоняют себя из Европы. Ибо, даже если я и плохой немец, — во всяком случае, я очень хороший европеец.
Зильс как пейзаж и люди мне по-прежнему нравятся. Только — слишком дорого, если я хочу жить здесь так, чтобы не впадать в меланхолию. На сентябрь намечается встреча с достойным господином Ланцки; и, надеюсь, основательное пешее путешествие, которое кажется мне очень необходимым. — Зима в Ницце: мне вряд ли удастся этого избежать.
С неизменной любовью и постоянной благодарностью
Твой Фриц
737. An Reinhart von Seydlitz in München
Дорогой старый друг,
были бы причины поблагодарить тебя за очень хорошее письмо, в котором были написаны тонкие и умные вещи, такие, какие охотно проскальзывают в мои уши.
Заметил ли ты, что у меня «самые маленькие из всех возможных» ушей? Может быть, и самые хитрые...
Задуманный мною весной визит не удался: я обнаружил, что милое гнездо опустело. То, что я этой осенью приеду в Мюнхен (куда меня могло бы заманить многое —), тем временем снова стало маловероятным. От моего последнего пребывания в Германии у меня осталось чувство обиды, которое я еще не преодолел. «Моральный воздух» там дует против меня, в этом нет сомнений. Вероятно, я совершу паломничество в Корте на Корсике (где Наполеон, правда, не родился, но — что, возможно, гораздо важнее — был зачат).
Речь сейчас и у меня идет о концепции: ты догадаешься об этом по обложке моего последнего вышедшего произведения, которое я тебе (как само собой разумеется) отослал. Вся моя ранняя литература (от «Рождения трагедии» до «Заратустры») теперь перешла в собственность Э. В. Фрича. У него уже есть, как ты знаешь, «весь Вагнер»; кажется, он придает значение тому, чтобы иметь однажды и «всего Ницше».
Как продвигается поездка в Болонью? И вообще японизм? —
Просит тебя и твою милую жену о сердечном и дружеском воспоминании
Фридрих Ницше.
738. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Visitenkarte)
Глубокоуважаемый господин издатель, только что я получил Ваши весьма желанные<е> сообщения и не медлю передать Вам свой утвердительный ответ по всем пунктам, о которых Вы меня спрашиваете. Пожалуйста, учтите из 5 журналов, запросивших книгу, 3 последних (philosophische Monatshefte, deutsche Litteraturzeitung, а также deutsche akademische Zeitung). Также господина д-ра М. Бауэра с объявлением. — Г-н Видеманн уже имеет экземпляр. — Тем временем вся моя прежняя литература перешла из рук хемницкого издателя в гораздо более приятные мне и заслуживающие доверия руки г-на Э. В. Фрича в Лейпциге. Я принимаю это как добрый знак, равно как и Ваше сегодняшнее сообщение.
С покорнейшей благодарностью, вышеупомянутый.
739. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte)
Достопочтенный господин издатель, только что отправил Вам еще одну часть рукописи (относящуюся к присланной предисловию). Я настоятельно прошу Вас ускорить печать: я хочу оставаться здесь до тех пор, пока это дело не будет приведено в порядок. —
Отдельный лист с «Так говорил Заратустра. Первая часть», мне кажется, не нужен. —
Тем временем господин Кёзелиц с горечью жаловался мне, что Вы не ответили на его присланные материалы. Скажите, если это хоть сколько-нибудь возможно, да этому чудесному адажио для фортепиано (для которого я хотел бы предложить название «Музыка бабьего лета»).
От К. Г. Наумана я получил хорошие новости о влиянии «По ту сторону добра и зла». —
Ваш покорнейший Ницше
740. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Любезный и достойный господин Фрич,
здесь следует предисловие к новому изданию «Рождения трагедии»: Вы можете на основании этого весьма содержательного и основательно ориентирующего предисловия снова выпустить книгу в свет, — мне даже кажется, что это имеет величайшую ценность. Все признаки говорят о том, что в ближайшие годы моими книгами будут много заниматься (— поскольку я, с позволения сказать, являюсь самым независимым и мыслящим в широком масштабе мыслителем этого времени —); во мне будут нуждаться, и будут предприниматься всевозможные попытки подобраться ко мне, понять меня, «объяснить» и т. д. Чтобы предотвратить грубейшие ошибки, мне кажется (не считая только что вышедшего «По ту сторону добра и зла») нет ничего полезнее, чем оба предисловия, которые я позволил себе Вам переслать: они указывают путь, который я прошел — и, говоря серьезно, если я сам не дам пару намеков, как меня следует понимать, то должны случиться величайшие глупости. —
Я не могу судить, насколько целесообразно или нецелесообразно с коммерческой и книготорговой точки зрения выпускать книги одного и того же автора на рынок одновременно. Существенно то, что для обладания предпосылками к пониманию Заратустры (— события без равных в литературе и философии и поэзии и морали и т. д. и т. д. Вы можете мне поверить, Вы, счастливый обладатель этого чудо-зверя! —) все мои прежние сочинения должны быть поняты серьезно и глубоко; равно как и необходимость последовательности этих сочинений и выражающегося в них развития. Возможно, столь же полезно сразу сейчас выпустить и новое издание «Рождения» (с «Попыткой самокритики»). Эта «попытка», взятая вместе с «Предисловием к Человеческому, слишком человеческому», дает истинное просветление относительно меня — и самую лучшую подготовку для моего дерзкого сына Заратустры.
В декабре я надеюсь продолжить работу над «Предисловиями»: а именно в Ницце, где до сих пор в это время года мне никогда не недоставало мужества и вдохновения. А именно 1) Человеч. слишком челов. Второй том (содержащий «Смешанные мнения и изречения» и «Странника») 2) Утренняя заря 3 Веселая наука.
Я думаю, Вы знаете, любезный господин издатель, как много мужества и вдохновения требуется именно для таких «предисловий»? а кроме того, еще больше «доброй воли» —
Предположим, что к весне вся моя литература, насколько она находится в Ваших руках, готова к новому полету и заново «окрылена». Ибо эти «предисловия» должны быть крыльями! (Только 4 Несвоевременных размышления я хочу оставить как есть: поэтому я в недавно пересланном дополнении к предисловию для Человеч. слишком челов. счел необходимым очень решительно обратить на них внимание.) — Ожидая строчку ответа сюда, Ваш
покорнейший д-р Ницше, проф.
Будьте любезны, сообщите мне что-нибудь о ценах на книги, которые предстоит издать в первую очередь! Герман Креднер однажды сказал или написал мне, что цены Шмайцнера были самым большим препятствием, которое до сих пор стояло у меня на пути.
Отдельная книжечка с одними лишь «предисловиями» грешила бы против вкуса. Ужасное словечко «я» в предисловии терпят лишь при том условии, что оно отсутствует в последующей книге: оно имеет право только в предисловии. —
1 сент. Только что прибыло письмо и листы. Дополнение («заказным» на Ваш адрес) еще не в Ваших руках? Чтобы не задерживать всё, прошу его оставить (то есть не печатать). Тем более, однако, эту самокритику!
741. An Bernhard und Elisabeth Förster in Asuncion
Мои дорогие вдали,
Простите за эту бумагу, но я сейчас не могу найти почтовой бумаги, а покидать Зильс-Марию, не сказав вам, какими прекрасными сюрпризами и отрадой стали для меня этим летом ваши два письма, я не хочу. Твое, мое дорогое Лама, пришло как раз к празднованию твоего дня рождения. В целом, у вас, кажется, дела обстоят иначе, чем у меня, где наступило своего рода спокойствие и обращенное назад сосредоточение: в то время как вы стоите перед «Трудом» или «Горой» и смотрите вперед. Чтобы я вкратце рассказал, что у меня уладилось, так прежде всего стоит упомянуть, что Шмайцнеровская нищета, после двадцати интермеццо, все же подошла к концу: Фрич выкупил все и уже имеет эти 62 центнера у себя в доме, — надеюсь, не как «косолапость»! Только что выходит новое издание «Человеческого, слишком человеческого» с длинным предисловием (один печатный лист); готовится к той же цели «Рождение трагедии», обогащенное «Попыткой самокритики», в которой я основательно сказал правду о своем былом вагнерианстве и романтизме. У К. Г. Наумана я несколько недель назад запустил кое-что новое: «По ту сторону добра и зла. Прелюдия к философии будущего». К настоящему времени продана уже половина тиража; Науман писал очень довольный, — как будто с моих книг снято заклятие с тех пор, как парализующий и компрометирующий Шмайцнер устранен. В конце концов, конечно, мне не так уж важно быть прочитанным нынешними немцами: у них на уме и в руках другое. Я хочу лишь, чтобы они покупали мои книги, не для того, чтобы обогатить меня, а именно для того, чтобы я, будучи совершенно независимым от издателей, мог что-то печатать и снова покрывать свои расходы на печать. Так я сейчас и пробую. Простите, что я еще не прислал новую книгу: но, уже собираясь дать распоряжение об этом, я сначала посмотрел на нее, доставит ли она вам удовольствие, — и вот, она показалась мне совсем не такой! — Мое пребывание в Германии в этот раз окупилось как никогда; ибо все нужно было решать только лично. Погода была очень неблагоприятной, ужасно жаркой, уже в мае (каждый день целую неделю до 30 градусов Цельсия в тени!) Друг Роде в Лейпциге сидел там как на пыточном ложе и после 6 недель лекций принял приглашение в Гейдельберг (где были чрезвычайно счастливы такому улову и немедленно сделали его тайным советником и членом Баденского высшего школьного совета). Я не сказал с ним ни одного разумного слова; с Хайнце я ел в Розентале кислое молоко (засахаренное и с корицей), realiter и symbolice… «Весь мир» ко мне «расположен», что не мешает «всему миру» уже 16 лет относиться ко мне с абсолютным непониманием. В Мюнхене любезный прием, также от Леви, который делал мне прекраснейшие обещания на случай осеннего пребывания: кстати, он был почти еще большим энтузиастом Бизе, чем я. Он обещал мне, как изысканность высшего разряда, маленькую комическую оперу Корнелиуса: странно! Здесь, в Энгадине, я обнаружил, что моя соседка по столу, 17-летняя девушка, была сестрой «Багдадского цирюльника» — так называется та опера, — а именно дочерью того самого Корнелиуса (к сожалению, sans sa finesse —). В остальном у меня снова мои англичанки, старая русская, голландец с Явы, который очень сблизился со мной и на прощание подарил мне фотографию своего ребенка (— он потерял свою молодую жену и теперь снова едет из летнего отдыха в Энгадине обратно на свою Яву: как округляется земля, мои дорогие южноамериканцы, не правда ли? —) Затем здесь около 10 университетских профессоров (в моем доме 4), с которыми происходит приятное общение, не избавляющее меня от одиночества. Зильс, вещь первоклассная: наш полуостров не имеет себе равных ни в Швейцарии, ни в известной мне Европе. Сплошь новые пути: место, где я придумал Заратустру и когда-то хотел быть похороненным, теперь сделано доступным и прославлено как самое красивое место Энгадина. Что касается зимы, то остается Ницца: только я должен найти кого-то, кто сделает мое существование там «достойнее» (ибо я приближаюсь к жуткому моменту, когда я стану «знаменитым животным» и буду показывать себя за входную плату…) Мое здоровье, по суждению всех, кто меня снова видел, решительно улучшилось: признак этого — я становлюсь грубым. Только глаза стали хуже — потому что я слишком много смотрел в лупу. На ближайшие 4 года анонсирована разработка четырехтомного главного труда; название уже внушает страх: «Воля к власти. Попытка переоценки всех ценностей». Для этого мне нужно все: здоровье, одиночество, хорошее настроение, возможно, жена.
Ну вот! Мои дорогие, теперь я ужасно долго болтал о себе: но это, пожалуй, относится к письму? — Из настроения, в котором писало Лама, я представил себе, как ваш климат должен производить впечатление, подобное климату Ниццы. Жаль, что вы убежали так далеко! А я — профессионально «хороший европеец», не имею такой легкости, как вы, чтобы покинуть Европу! На самом деле я даже не смею этого делать. К тому же каждый капитан, с которым я проплыл кусочек пути в 2—3 дня, говорил мне, что я принадлежу к тем, кто погиб бы от морской болезни, если бы я продолжал это так, как делал каждый раз. —
Любите меня, любите друг друга: приветствует и обнимает вас
по-братски, по-своячески
Ваш Фриц.
— повсюду вокруг большая охота на серн, со вчерашнего дня —
742. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
вот еще кое-что для прочтения: пожалуйста, позвольте Вашим критическим глазам пробежаться по этому «Предисловию» и помогите мне с орфографией — и не только с орфографией! У Вас есть неограниченные полномочия для внесения изменений! —
Затем отправьте этот лист Э. В. Фричу, Лейпциг, Кёнигсштрассе 6. — Возможно, к Вам еще придет дополнение к этому предисловию, которое я недавно отправил Фричу: однако мне кажется, по моим воспоминаниям, что оно получилось несколько слишком «личным», — пусть лучше останется в стороне! Предисловие, в том виде, в каком оно представлено здесь, надеюсь, нашло сносную середину между слишком субъективным и слишком объективным — ту самую середину, которая составляет хороший вкус предисловия? Или что думаете Вы? — —
Также должно выйти новое издание «Рождения трагедии» с длинным «Опытом самокритики», рукопись которого уже отправлена Ф<ричу>. Зимой я хочу написать еще три предисловия: 1) ко второму тому «Человеческого, слишком человеческого»: он содержит «Смешанные мнения и изречения» и «Странника»;
-
к «Утренней заре»;
-
к «Веселой науке». Здесь также анонсированное приложение песен «Песни принца Фогельфрая».
Таким образом я надеюсь придать книгам новый интерес и, с точки зрения книготорговли, также крылья. —
Фричу я недавно также выразил от себя пожелание, чтобы он не упустил Ваше великолепное Адажио. Согласились бы Вы с тем, чтобы оно получило название «Музыка бабьего лета»? —
Этот год до сих пор имел для меня нечто упорядочивающее и приводящее в порядок. На «По ту сторону», согласно отчету Наумана, «публика» (или кто?) изрядно клюнула. Вся шмайцнеровская нищета подошла к концу. Только Вы, дорогой, дорогой друг, все еще находитесь в промежуточном царстве и чистилище: о, что бы нам придумать вместе, чтобы и Вас «привести в порядок», а прежде всего — снова «приободрить»? —
Холера в Италии отрезает меня и от Корсики: острова словно обезумели от страха. —
Зейдлицы теперь снова вернулись и написали мне. Пожалуйста, посмотрите на его японизмы — и, возможно, сыграйте ему что-нибудь из Ваших южных мотивов и сладостей (frutta, но ни в коем случае не secca!). Как же я жалел, что Вашего «Льва» не было в Зильсе! Там была выдающаяся пианистка из Вены, равно как и оперная певица из Мюнхена, и весьма избранная «публика» из 7—10 человек, которые кое-что понимают в музыке. Странно! Также сестра «Севильского цирюльника» в качестве моей соседки по столу (по-немецки: дочь профессора Корнелиуса). Впрочем, я заметил, что все, кто является артистом, на самом деле пели и играли только для меня: что избаловало бы меня, если бы так продолжалось и дальше.
Мне почти кажется, что Вы хотите остаться в Мюнхене? —
Передавайте наилучшие пожелания фрау Ротплец: Вы хорошо ее описали; я думаю, ее желание помочь порой больше, чем ее деликатность, но что с того! Прежде всего, она отважна в своих симпатиях и антипатиях.
Порадуйте меня как можно скорее, дорогой друг, парой слов о планах, возможностях, невозможностях: и есть ли что-то, где я могу вступить в игру, где я могу построить мостик, к Вашей чести или пользе.
Преданный Вам друг
Н.
NB. Я вижу, что написал выше нечто неясное: я хотел сказать, что Ваша музыка сладкая, южная, возвышенный южный плод, но совсем не сухая.
743. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +]
— Ты мне еще не написал, что передал те 75 пфеннигов, которые я дал тебе для зубного врача в Наумбурге. Это было за зубной порошок. —
— Если в типографии все пойдет хорошо, я думаю отправиться в путь вскоре после середины месяца, вниз к морю, под Геную. Только там, говорят, еще очень жарко. Господин Ланцки хочет меня принять: если бы я получил хоть немного удовольствия и развлечения от этого славного человека, раз уж он не дает мне никаких наставлений! Я также опасаюсь Ниццы в этом отношении: Боже, как же до сих пор люди мне докучали, и какие при этом я делал хорошие мины! — —
— Наши письма пересеклись. Моя сердечная благодарность, моя старая добрая матушка: письмецо сюда меня еще как раз застанет.
С любовью, твой Фриц
— Не мог бы ты осенью (может быть, к празднованию моего дня рождения?) послать красивый ящичек с виноградом господину и госпоже Э. В. Фрич в Лейпциг? Кёнигсштрассе, 6. Они из Лютцена; а Ф<рич> все же оказал мне большое доверие. —
744. An General Simon in Celerina (Visitenkarte)
Глубокоуважаемый господин генерал, примите мою нижайшую благодарность за Ваше и Вашей любезной дочери весьма любезное посредничество (благодаря которому, быть может, совсем как в Ницце, в моей жизни могло бы наступить подлинное улучшение). Весьма вероятно, что я воспользуюсь этой новой возможностью: хотя должен признаться, что решиться на это «отшельнику из Зильс-Марии» довольно трудно, — особенно с тех пор, как это место начинает превращаться в место встреч профессоров. Мои наилучшие пожелания в Вашем путешествии; судя по письмам, жара до сих пор повсюду стоит сильная. С просьбой и впредь хранить обо мне добрую память, остаюсь, как и всегда,
Ваш благодарный и преданный
Ф. Н.
745. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
NB. Я остаюсь в Зильс-Марии до 15 сентября. Пожалуйста, срочно передайте мне до 13 числа всё, что ещё нужно исправить, в
руки.
Ф. Н.
Глубокоуважаемый господин издатель, Вы видите, что я всерьёз намерен придать книгам крылья для нового путешествия. Вот решение проблемы: Вы выпускаете «Человеческое, слишком человеческое» в двух томах одновременно (не переплетёнными вместе, а в одно и то же время!) Я не вижу лучшего средства, чтобы сделать «Смешанные мнения и изречения» и «Странника и его тень» оперёнными (последнее обозначено на обороте титульного листа как второе приложение: пожалуйста, посмотрите!) — Предисловие к первому тому остаётся таким, каким оно было в первой редакции; присланное позже начало теперь используется как начало предисловия ко второму тому.
Ваш Ф. Н.
746. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Только что, глубокоуважаемый господин издатель, пришло предисловие к «Рождению трагедии». Но нет! Вы не должны так со мной поступать, — и я сам никогда не допущу, чтобы слово моё, имеющее такую важность, как это предисловие, было представлено миру столь неэстетично и недостойно. Моё предложение состояло в том, чтобы оно было напечатано точно по образцу предисловия к «По ту сторону добра и зла»; я повторяю это предложение и прошу быть уверенным, что я предпочту взять на себя расходы по печати в соответствии с моим вкусом, нежели вечно сердиться, открывая книгу впоследствии. Передайте рукопись в типографию К. Г. Наумана (которая, собственно, и печатала саму книгу) и, как я уже сказал, за мой счёт.
Без обид!
Ваш покорнейший
Д-р Фридрих Ницше.
Отъезд отложен вследствие продолжающейся хорошей погоды.
747. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
шлю вам свой лучший привет и благодарность! — Прилагаю просьбу взять на себя еще самую последнюю (вторую) редакцию предисловия ко второму тому. Три части рукописи для вставки были отправлены Фричу; так же как и требование передать вам теперь всё. Вы ведь читаете мой почерк так же хорошо, как, пожалуй, не читаю я сам. — Напишите на этом: готово к печати Г. К.
Мне важно это второе предисловие. Чтобы положить конец вечным недоразумениям по поводу моего разрыва с Р. В<агнером>, я решил ясно высказать главное. Конечно, это несколько рискованно. — Впрочем, я очень рад, что могу смотреть на этот ужасный и опасный для жизни поворот как на то, что «позади меня». В мгновение ока я мог бы из-за этого погибнуть; я недостаточно груб для того, чтобы смочь расстаться с людьми, которых любил. Но это случилось: и я еще жив. —
Слово сюда, когда всё будет готово: допустим, я уеду, тогда всё последует за мной незамедлительно. Куда? —
Преданный вам друг Н.
— Разве это не шедевр и не ловкий ход, как я заставил Фрича издать 2 тома «Человече<ского>, слиш<ком человеческого»? Я думаю, это будет ему выгодно. (Мне это кажется избавлением.)
748. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Пожалуйста, дорогой друг, исправьте на странице V второго предисловия текст следующим образом:
против части прошлого, против
прекраснейшего, но и опаснейшего морского штиля
моего плавания… и в самом деле
отрешение, прощание.
Последнее слово, стало быть, не разрядкой! — Думаю, что самое позднее через 5 дней последние корректурные оттиски будут у Вас в руках. —
Оформлением «Попытки самокритики» (замена введения к «Рождению трагедии») я был настолько недоволен, что немедленно отослал его обратно Э. В. Фр<ичу> с просьбой передать его К. Г. Науману: он должен изготовить его по моему вкусу и на мой счет. — Надеюсь, дорогой друг, это не доставит Вам двойной работы! —
Прекраснейшая, мягчайшая, яснейшая сентябрьская погода! —
Сердечно приветствую, Ф. Н.
749. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Глубокоуважаемый господин,
только что я дал поручение банкиру Кюрбицу в Наумбурге отправить на Ваш ценный адрес сумму в 881 марку: что, как я могу предположить, будет исполнено незамедлительно. За все Ваши сообщения приношу свою покорнейшую благодарность; если всё не обманчиво, то эта книга будет хорошо продаваться. Только что я нашел в бернском Bund статью о ней под названием «Опасная книга Ницше», трудно представить себе более сильный соблазн к покупке, чем тот, который дает эта статья. — Тот господин доктор Вельти, чье письмо Вы приложили, является, как мне здесь сообщили, сыном бывшего федерального президента Швейцарии; он считается очень умным. —
С благодарностью рекомендуя себя Вам и Вашему господину брату
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше
750. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment)
[+ + +] познакомить эту «поборницу женских прав» с другой «поборницей», которая сидит за моим столом, мисс Хелен Циммерн, особой весьма умной (она познакомила англичан с Шопенгауэром), кстати, не англичанкой, а — еврейкой. Упаси боже европейский разум, если бы из него вычли еврейский ум! Мне рассказывали об одном молодом математике в Понтрезине, который от волнения и восторга по поводу моей последней книги совсем лишился ночного сна; когда я стал расспрашивать подробнее, глядь, и это снова был еврей (немца не так-то легко потревожить во сне —) Прошу прощения за эти шутки, моя добрая матушка! — Кстати, я расстроил встречу с господином Ланцки, я испугался, что он снова станет утомлять меня, как два года назад. Ниццы я опасаюсь из-за ревнивых старух, но всё равно ничего другого не выйдет. Разве что я, возможно, сделаю остановку где-нибудь поблизости от Генуи. Здесь остальная компания разъезжается на этой неделе, а значит, и я тоже: поскольку потом возникнут трудности с питанием. —
Я очень нуждаюсь в отдыхе: плохо то, что у меня совсем нет людей, которые понимали бы, как дать мне отдохнуть.
За Твое прекрасное обещание насчет ящичка сердечно благодарю: но, как я уже сказал, я собираюсь в отъезд. — Адрес Фричхена: Лейпциг, Кёнигсштрассе, 6
Твои известия о наших южноамериканцах содержат нечто тревожное: похоже, и там всё сводится к старым нервным потрясениям и травле? — Лама в роли фермерши, продающей масло и молоко! Нет, какая комедия! —
Твой старый сын.
Адрес: Genova (Italia) poste restante.
751. An Heinrich Köselitz in München (Postkarte)
Дорогой друг, мне тяжело решиться уехать, и я еще не знаю куда. На Корсику — нет; Ницца мне тоже опротивела с тех пор, как я больше не могу ждать Вас там. Где найти людей, которые могли бы хоть немного развлечь меня!
Пожалуйста, дайте мне знать сюда, находится ли у Вас окончательная редакция 2-го предисловия: а также решил ли Фрич оформить самокритику точно так же, как и предисловия. Я придаю этому большое значение. В «Bund» появилась сильная статья о моей книге, написанная редактором В. Видманом, под названием «Опасная книга Ницше». Общий вердикт: «это динамит».
Последний вопрос: где сейчас можно послушать «Кармен»? Готовят ли её в Мюнхене? — То, что Вы снова сочиняете, очень меня радует: о, если бы Вы сидели над Портофино, в Руте, у сосны, где весь мыс принадлежит только тебе! Оставайтесь на юге, пусть даже только по убеждению!
Н.
Отъезд в конце недели.
752. An Paul Deussen in Berlin
Дорогой старый друг,
как мне сообщают, есть прекраснейший повод поздравить тебя — или, вернее, даже не столько поздравить. Держись крепче за то, что у тебя сейчас есть, мой старый друг и товарищ, особенно если это «счастье», как в твоем случае, — хорошая жена; ибо счастье слишком уж любит убегать от таких, как мы (а именно от нас, философов и чудовищ познания…)
В знак того, как сильно я хотел бы снова оказаться рядом с тобой, я позволил себе послать тебе мое последнее и самое злобное дитя: надеюсь, оно научится вблизи тебя некоторой «моральности» и ведантийскому достоинству, поскольку от своего отца оно унаследовало недостаток того и другого. «По ту сторону добра и зла» называется оно; только что я прочел ужасно серьезную статью о нем под заголовком «Опасная книга Ницше» — там тема варьируется: «это динамит»…
Что с того! Был ли когда-нибудь человек более дерзким в своем отношении к вещам, чем я? Нужно уметь выдержать это: вот в чем испытание; что при этом «говорят», что об этом «думают» — мне безразлично. В конце концов — я хочу быть правым не на сегодня и завтра, а на тысячелетия.
Этим летом я часто говорил о тебе с Лескином (Зильс-Мария во второй половине лета — настоящее рандеву профессоров: так что старый «отшельник из Зильс-Марии» остается в курсе дел — — да, да, в курсе, но хоть беги, когда речь заходит о нынешнем состоянии немецкого университетского образования). Лескин рассказывал об исключительном уважении, которое Бётлингк питает к твоей работе; он полагал, что легче было бы создать для тебя кафедру санскрита, чем кафедру (кресло) философии. По сути, со своим двойным дарованием ты оказался между двух стульев: — ведь по старой ученой привычке признается только «специализация», нельзя служить двум господам, особенно если это две женщины, как филология и философия…
Мне самому твоя книга всякий раз давала глубокий интерес и поучение: я хотел бы, чтобы существовало нечто столь же ясное и диалектически проработанное и для философии санкхьи. —
Сохрани в доброй памяти своего
друга Фридриха Ницше.
753. An Hippolyte Taine in Meuthon St. Bernard (Entwürfe)
Глубокоуважаемый господин
мой книготорговец получил от меня поручение выслать Вам экземпляр моей последней книги; я думаю, что он исполнит свой долг, и со своей стороны считаю необходимым сказать несколько слов, которые
поручение, которое я дал м<оему> и<здателю>, выслать Вам <экземпляр моей последней книги,> надеюсь, будет выполнено: позвольте мне сказать несколько слов, чтобы оправдать
свободу, которую я здесь позволяю себе по отношению к Вам.
Присланное сочинение трудно для понимания, полно задних мыслей, скрывающее чуждый образ мышления, пожалуй, даже больше, чем выдающее его: каким читателям можно по справедливости предложить такую книгу? Во всяком случае, самым немногим, настоящим разгадчикам загадок, историческим «толкователям знаков». При этом я думал, например, о моем глубокоуважаемом старом друге Якобе Буркхардте в Базеле; примите благосклонно, глубокоуважаемый господин, то, что я при этом думал и о Вас, чье мужество, тонкость, выносливость и духовная широта в пределах нашей исполненной сомнений Европы относятся к числу наиболее доказанных фактов.
Более того
Вы — один из первооткрывателей Анри Бейля, я тоже один из них
между нами нашлось бы нечто общее: Ваша любовь к
последнему великому психол<огу> А<нри> Б<ейлю>
Существуют истины, которые можно «шептать только на ухо»: высказанные вслух, они не были бы услышаны. Попробуйте, содержит ли моя книга подобные истины.
Могу ли я вложить в руки одного из самых храбрых и независимых моих современников книгу, в которой осмеливается нечто такое, чему до сих пор не было равных? Великая тайна давит, как великая ответственность, — и требует ушей, в которых она — — —
754. An Jacob Burckhardt in Basel
Глубокоуважаемый господин профессор,
мне больно, что я так долго Вас не видел и не говорил с Вами! С кем бы я хотел на самом деле еще поговорить, если мне больше нельзя говорить с Вами? «Silentium» вокруг меня берет верх. —
Надеюсь, тем временем К. Г. Науманн выполнил свой долг и вложил в Ваши почтенные руки мое недавно вышедшее «По ту сторону». Пожалуйста, прочтите эту книгу (хотя она и говорит о тех же вещах, что и мой Заратустра, но иначе, совсем иначе —). Я не знаю никого, кто имел бы со мной такое множество общих предпосылок, как Вы: мне кажется, что Вы увидели те же проблемы, — что Вы мучаетесь над теми же проблемами схожим образом, возможно, даже сильнее и глубже, чем я, так как Вы более молчаливы. Зато я моложе… Жуткие условия для любого роста культуры, то крайне сомнительное отношение между тем, что называют «улучшением» человека (или прямо «очеловечиванием»), и увеличением типа человека, прежде всего противоречие любого понятия морали с любым научным понятием жизни — довольно, довольно, здесь проблема, которую мы, к счастью, как мне кажется, разделяем с немногими из живущих и умерших. Высказать ее — возможно, самый опасный риск, какой только существует, не в отношении того, кто осмеливается, а в отношении тех, кому он об этом говорит. Мое утешение в том, что пока не хватает ушей для моих великих новостей, — за исключением Ваших ушей, дорогой и глубокоуважаемый человек: а для Вас, в свою очередь, это не будет «новостями»! — —
Преданно
Ваш
Д-р Фридрих Ницше.
Адрес: Genova, ferma in posta.
755. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Достопочтенный господин издатель,
тем временем выверенный корректурный лист (с пометкой «При условии») должен был показать Вам, что я сам пришел к предположению, будто здесь речь идет лишь о недоразумении между издателем и типографией. Итак, примирение с типографией Рёдера, при условии, как было сказано, что это предисловие будет изготовлено точно по образцу двух других. —
Я собираюсь в отъезд. Мой адрес на ближайшее время:
Genova (Italia) poste restante. Во избежание путаницы рекомендую на всех адресах подчеркивать фамилию Nietzsche (итальянские почтовые служащие часто не знают, что в немецких адресах является фамилией, а что именем, так как у итальянцев принято ставить имя после фамилии)
Что касается предложенной Вами альтернативы, я бы очень рекомендовал отправить три произведения как новинки за счет издательства в 1887 году — то есть только в декабре! Ведь тем временем мое недавно изданное «По ту сторону» достаточно привлечет внимание к моему имени и послужит в этом отношении «возбудителем аппетита» и желудочным средством для моего рода литературы (— которая не относится к «легкой»! —)
— В газете «Bund» было две статьи об упомянутом произведении под заголовком: Опасная книга Ницше. Начало гласило: «Те повозки, которые должны были доставить к месту назначения динамит, необходимый для строительства Сен-Готардской железной дороги, несли черный флаг, указывающий на смертельную опасность...» Вся статья была образцом невольной рекламы. —
Будьте любезны прислать мне по одному готовому экземпляру каждого из трех произведений, как только они будут готовы. И, как было сказано, в Геную, до востребования.
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше
756. An Malwida von Meysenbug in Rom
Почтенная подруга.
Последний день в Зильс-Марии; все птицы уже улетели; небо осенне-пасмурное; холод нарастает, — значит, «отшельнику из Зильс-Марии» пора в путь.
Я разослал приветы во все стороны, подобно тому, кто подводит годовой итог в отношениях со своими друзьями. При этом мне пришло на ум, что вы давно не получали от меня писем. Просьба о вашем адресе в Версале, которую я письменно выразил фрейлейн Б. Рор в Базеле, к сожалению, не была выполнена. Поэтому я посылаю эти строки в Рим: куда я недавно также адресовал книгу. Её название — «По ту сторону добра и зла. Прелюдия к философии будущего». (Прошу прощения! Вам вовсе не обязательно её читать, и тем более выражать мне свои чувства по этому поводу. Будем считать, что её дозволено читать лишь к 2000 году…)
Сердечно благодарю вас за ваш любезный запрос о моей матери, о котором я слышал этой весной. Я был тогда в скверном состоянии: жара, к которой я, сосед ледников, больше не привык, почти подавляла меня. К тому же в Германии я чувствую себя так, словно меня обдувают сплошь враждебные ветры, не ощущая ни малейшего желания или обязательства дуть против них со своей стороны. Это просто чуждая мне среда, а что касается нынешних немцев, то меня это не касается, — что, конечно, не повод быть на них в обиде. —
Итак, старый Лист, который понимал толк в жизни и смерти, всё же позволил похоронить себя, так сказать, в вагнеровском деле и мире: как будто он был совершенно неизбежно и неотделимо к ним причастен. Это причинило боль моей душе за Козиму: вокруг Вагнера стало на одну фальшь больше, одно из тех почти непреодолимых недоразумений, под которыми сегодня растет и множится слава Вагнера. Судя по тому, что я до сих пор узнал о вагнерианцах, нынешнее вагнерианство кажется мне бессознательным сближением с Римом, которое изнутри делает то же самое, что Бисмарк делает снаружи.
Даже моя старая подруга Мальвида — ах, вы её не знаете! — во всех своих инстинктах глубоко католична: к чему относится даже равнодушие к формулам и догмам. Только ecclesia militans нуждается в нетерпимости; всякий глубокий покой и уверенность веры допускают скепсис, мягкость по отношению к другим и иному…
В заключение я перепишу для вас несколько слов обо мне, которые можно прочесть в «Bund» (16 и 17 сентября). Заголовок: Опасная книга Ницше.
«Те запасы динамита, которые использовались при строительстве Готардской железной дороги, сопровождались черным предупреждающим флагом, указывающим на смертельную опасность. — Именно в этом смысле мы говорим о новой книге философа Ницше как об опасной книге. Мы не вкладываем в это определение ни капли упрека автору и его труду, так же мало, как тот черный флаг должен был упрекать взрывчатку. Еще меньше нам могло бы прийти в голову выдавать одинокого мыслителя на растерзание церковным воронам и алтарным галкам, указывая на опасность его книги. Духовная взрывчатка, как и материальная, может служить очень полезному делу; нет необходимости, чтобы ею злоупотребляли в преступных целях. Просто хорошо, когда там, где хранится такой материал, ясно сказано: „Здесь лежит динамит!“»
Так что будьте же мне, почтенная подруга, весьма признательны за то, что я держусь от вас немного в стороне!… И что я не пытаюсь заманить вас на мои пути и «обходные пути». Ибо, чтобы еще раз процитировать «Bund»:
«Ницше — первый, кто знает новый выход, но настолько страшный, что человек по-настоящему пугается, видя, как он идет по одинокой, доселе нехоженой тропе!»…
Коротко говоря, сердечно приветствую вас
Отшельник из Зильс-Марии.
Адрес пока: Genova: ferma in posta.
757. An Emily Fynn in St. Moritz
Глубокоуважаемая госпожа,
первая попытка написать пару слов из нового мира: прошу прощения, если перо выводит лишь кляксы!
Слева Генуэзский залив вплоть до маяка; под окном и в сторону гор — всё зелено, темно, отрадно для глаз. Albergo Italia обставлен чисто и приятно: кухня отвратительная; еще не довелось увидеть ни одного приличного куска мяса. Тем более ценен чистый и бодрящий воздух, высокие тропы между двумя морями, сосновый лес с почти тропической пышностью. Мы уже трижды разводили большие костры; нет ничего прекраснее, чем видеть, как пламя полыхает на фоне чистого неба. —
Одиночество, как на острове греческого архипелага; вокруг бесчисленные горные хребты. Мой друг из Флоренции поселился здесь позавчера. —
Внизу, в Портофино, сейчас пребывают германский кронпринц вместе с графом Парижским — и господин фон Кёйделль: встреча, которая заставляет задуматься. —
— Нет сомнений, что Портофино заслуживает того, чтобы быть положенным на музыку. По сравнению с Ривьерой здесь тише, укромнее, пристойнее и менее «по-африкански».
— Я от всего сердца благодарю за телеграфное поздравление с путешествием, которое прибыло к отшельнику из Зильс-Марии в самый нужный и последний момент. Часом позже — и последняя птица улетела бы. —
«Теперь начинается зима», — сказал мой хозяин, когда я уезжал.
Надеюсь, зима будет хорошей, солнечной, укрепляющей! Один немецкий господин из Генуи сказал мне вчера, что если бы он был волен распоряжаться собой, то никогда не проводил бы зиму в Генуе, а предпочел бы Санкт-Мориц.
Вот так! Он как раз мечтал оказаться там, наверху, откуда я только что спустился!
— Быть может, вы выбрали «лучшую долю»? … По крайней мере, это мое сердечное пожелание, когда я думаю о вас и вашей уважаемой подруге, которой прошу передать мои самые преданные приветствия.
С благодарной памятью
Ваш проф. д-р Ницше
758. An Constantin Georg Naumann in Leipzig
Глубокоуважаемый господин издатель,
В ответ на Ваше любезное письмо я хочу на сей раз лишь выразить свое нежелание идти навстречу пожеланию господина Конради. Подобные двадцатичетырехлетние стихоплеты — последние читатели, которых я хотел бы видеть; еще меньше мне хотелось бы, чтобы они меня хвалили и публично расхваливали. —
Адрес господина Кёзелица: Мюнхен, Тюркенштрассе 33 III справа. Мой собственный адрес: Ницца (Франция), до востребования.
С наилучшими пожеланиями
Ваш покорный слуга д-р Ф. Ницше
759. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
несколько слов из этого причудливого уголка мира, где я предпочел бы видеть вас самих, а не в Мюнхене. Представьте себе остров греческого архипелага, беспорядочно усеянный лесами и горами, который однажды по воле случая приплыл к материку и не может вернуться обратно. В нем, без сомнения, есть что-то греческое: с другой стороны, что-то пиратское, внезапное, скрытое, опасное; наконец, на уединенном повороте — кусочек тропического соснового леса, с которым вы словно покидаете Европу, что-то бразильское, как говорит мой сосед по столу, который несколько раз объехал вокруг света. Я никогда еще так много не бездельничал, в истинной робинзоновской островной изоляции и забвении; часто я также развожу перед собой большие костры. Видеть, как чистое беспокойное пламя с бело-серым брюшком поднимается к безоблачному небу — вокруг вереск и то октябрьское блаженство, которое знает сотни оттенков желтого — о, дорогой друг, такое бабье лето было бы для вас, столь же, а может, и еще более желанным, чем для меня! В Albergo d’Italia (где есть превосходно чистые комнаты, к сожалению, итальянская кухня alla Veneziana) я живу за 5 франков в день, tutto compreso, включая вино. Господин Альцман, который сейчас тоже живет в отеле (преподаватель в Istituto technico в Генуе), говорит мне, что можно жить гораздо дешевле, если снять отдельную комнату в одном из красивых домов, разбросанных вокруг; его два приема пищи в отеле можно будет устроить за 2 1/2 франка (vino compreso).
Сюда я мысленно приглашал вас, мой дорогой друг, чтобы вы могли найти мужество и вдохновение продолжать свой жизненный путь и петь свою песнь жизни все прекраснее. Здесь можно находиться и работать круглый год, по суждению и опыту профессора Альцмана; здесь есть venticello, легкий игривый предгорный ветерок, который советует жить здесь и летом: поэтому здесь много вилл старых морских капитанов или генуэзцев, а также вилла одного английского зубного врача (который, например, предлагает небольшую меблированную квартиру из 3 комнат за 300 франков в год). Если вы найдете в моих словах что-то такое, что побудит вас начать строить планы, я назову вам одного выдающегося серьезного немца в Генуе, который ради меня, безусловно, пойдет вам навстречу советом и делом. Пожалуйста, пишите мне по адресу: Nizza (France) poste restante. —
Преданный вам друг
Ницше.
Тот упомянутый немец — Зилликен (Genova, Vico di Negri 4); я навещу его завтра и расскажу ему о вас. (Он купец или банкир)
Пожалуйста, зайдите к художнику Гансу Бартельсу (который также знает Руту и это побережье), передайте мои приветы и, возможно, те 2 номера «Bund» для чтения, которые Наман прислал вам.
Прилагаю письмо Хегара о «Гимне жизни». О вашем соучастии я абсолютно умолчал.
Дорогой друг, было бы для вас возможно (при условии, что вы хотите доставить мне большую рождественскую радость —) сделать фортепианное переложение того «Гимна жизни» (в четыре руки, с той утонченностью игры в четыре руки, которую сейчас понимают и о которой я, когда был молод, ничего не знал). В этом случае я позволил бы себе отправить рукопись на ваш мюнхенский адрес.
Ф. Н.
760. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, с сердечной благодарностью наконец получил Твое письмо; оно было на почте в Генуе, значит, переслано мне из Зильса. Если хочешь мне теперь написать, то адресуй: Ницца (Франция), до востребования. Но ничего не присылай! За доброе намерение с песочным тортом благодарю покорнейше, равно как и за известие о том теологическом стихотворении. Тем временем дела шли не лучшим образом; я был последней птицей, улетевшей из Зильса. Здесь, на побережье, было, конечно, очень тепло; но, гуляя по горным хребтам между двумя морями, много лежа в тени, а также разводя большие костры ради удовольствия, я выдержал. Хуже всего было отвратительное питание — и то, что я был не один! Господин Л<анцки> (который лишает меня одиночества, не давая мне общества), к счастью, не едет со мной в Ниццу. Столько удалось достичь. — Великолепное письмо профессора Якоба Буркхардта о моей «опасной книге», как ее называют газеты. С любовью, Твой старый сын.
Ф.
761. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
вчера я получил Твое письмо (с деньгами), из которого узнал о Твоих жилищных трудностях в Базеле. Нет, какая напасть! Какое коварство случая! Выражаю Тебе и Твоей милой супруге мое глубочайшее сочувствие. —
Прекрасная, освежающая осень после года, который принес мне немало напряжения, но еще больше разрядки и завершения дел. Последнее заключается в том, что две мои ранние книги выходят в новых изданиях: «Рождение трагедии», дополненное предваряющей предисловие «Попыткой самокритики», которую я рекомендую Твоему вниманию; точно так же «Человеческое, слишком человеческое» в 2 томах, с длинными предисловиями, в которых даны некоторые намеки для тех, кто хочет серьезно подготовиться к моему «пониманию». Впрочем, с «быть понятым» не все так просто; и я надеюсь и желаю, чтобы прошло еще немало времени, прежде чем это случится. Лучше всего, пожалуй, было бы только после моей смерти. Меня по-настоящему успокоило, что даже такой тонкий и доброжелательный читатель, как Ты, все еще сомневается в том, чего я, собственно, хочу: мой страх возрос как раз в обратном направлении, а именно, что в этот раз я был слишком откровенен и «выдал себя» слишком рано. Очевидно: мне нужно сначала дать еще множество воспитательных предпосылок, пока я наконец не выращу своих собственных читателей, я имею в виду читателей, которым позволено видеть мои проблемы, не ломаясь при этом. Статья доктора Видмана в «Bund» (от 16 и 17 сентября, прочти её!) вызвала у меня опасение, что на меня преждевременно обратят внимание всякого рода полицейские взоры; заголовок статьи был «Опасная книга Ницше», первое предложение гласило примерно так: «те запасы динамита, которые использовались при строительстве Сен-Готардской железной дороги, сопровождались черным сигнальным флагом, указывающим на смертельную опасность». —
Мой адрес отныне снова: Ницца (Франция), до востребования. — О моем «настроении» можешь не беспокоиться; я полагаю, агрессивный и воинственный тон моей последней книги — это хороший симптом? —
Письмо Я. Буркхардта, которое недавно пришло, опечалило меня, несмотря на то что оно было полно высочайшего признания моих заслуг. Но что мне теперь до этого! Я хотел бы услышать: «это моя беда! Это меня заставило замолчать!» — Только в этом смысле, мой старый друг Овербек, я страдаю от своего «одиночества». Людей мне нигде не недостает, но не хватает тех, с кем я мог бы разделить свои заботы, свои заботы! — Но это старая история; и я прекрасно доказал, что, несмотря на это, я выдерживаю. —
В Зильсе (который становится местом встречи профессоров —) я общался с Твоим коллегой Бригером, который просил меня порекомендовать его Тебе. Он сказал, серьезно и без кокетства, что лейпцигцы ошиблись при его выборе, им следовало взять Гарнака. — Мауренбрехер передал приветы от Хайнце; точно так же представился мне Пфлугк-Хартунг. Также был мой голландец и т.д. и т.д.
Преданный Тебе
Ницше
762. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig (Postkarte).
Достопочтенный господин издатель, оглядываясь на прошедший год — ведь 15 октября мой день рождения, — я с благодарностью вспоминаю, что никто не оказал мне в нем большего знака доверия, чем Вы. Да воздастся Вам за это, как подобает, во всех смыслах! — Мой адрес отныне (и на всю зиму): Ницца (Франция) poste restante; туда я прошу, прежде всего, прислать готовые экземпляры, о которых я просил в последнем письме. — Покорно рекомендуя себя Вам и Вашей супруге
Ваш проф. д-р Ницше
763. An Gottfried Keller in Zürich
Глубокоуважаемый господин,
тем временем я взял на себя смелость, следуя старой любви и привычке, послать Вам свою последнюю книгу; по крайней мере, мой издатель К. Г. Науман получил на это поручение. Возможно, эта книга с её содержанием, полным вопросительных знаков, не придётся Вам по вкусу: возможно, но не её форма. Тот, кто серьёзно и с сердечной склонностью трудился над немецким языком, должен будет воздать мне должное: это что-то значит — заставить заговорить такие сфинксоподобные и немо рождённые проблемы, как мои. —
Прошлой весной я попросил свою старую мать прочитать мне Ваше стихотворение, — и мы оба от всего сердца благословили Вас за это (а также во весь голос: ибо мы много смеялись): так чисто, свежо и зернисто показался нам этот мёд. —
С выражением верной привязанности и почтения
Ваш проф. д-р Фридрих Ницше.
764. An General Simon in Siena (Entwurf)
Привет из Ниццы — ведь я сделал так, как в этот раз, кажется, делает весь мир, и приехал в Ниццу раньше, чем обычно. В самом деле, сезон здесь начался хорошо: в городе в этот раз ожидают даже чего-то блестящего. В нашем пансионе de Genève уже заполнилась половина стола, всё ежедневно в движении, соседняя вилла Speranza теперь относится к отелю, так что номеров стало примерно на 40 больше, чем обычно; я сам живу в этом флигеле ради тишины и потому, что мне нужна большая высокая комната, чтобы иметь возможность работать. Недавно мадам Саворнен (которая придавала бы большое значение тому, чтобы снова видеть Вас и Вашу дочь среди своих гостей) сказала мне, что сделает всё, чтобы Вам было удобнее, чем в последний год Вашего пребывания здесь, и, например, не пришлось бы подниматься так высоко: короче говоря, она предлагает Вам другую, расположенную ниже комнату. Среди обслуживающего персонала снова старые лица: прилежная Розали, затем официант зимы 1884—5 годов, кассиром — фрау О'Коннор; новая — младшая сестра мадам Саворнен. Я узнал около 6 гостей с прошлой зимы. — За столом один итальянец, связанный с официальными кругами Рима, рассказал мне, что там холера свирепствует в гораздо большей степени, чем позволяют признать в прессе: около 50 случаев в день. В самом деле, популярность, которой Ривьера в этот раз пользуется у иностранцев, по-видимому, в значительной степени зависит от недоверия, которое вызывает зараженная Италия.
765. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Религиозному стихотворению не стоит оказывать такой чести, моя добрая милая матушка: подобное гимназисты строчат по заказу. Говоря прямо, с тюрингским характером в душе, нашему брату не жалко приврать, если речь идет об одолжении; а одолжением старому Низе было то, что я тогда написал это официальное стихотворение, в то время как все мои товарищи отказались. —
До сих пор мало хорошего можно сообщить; никто в мире больше не заботится обо мне, самые досадные случайности, с которыми я не в силах справиться, обрушиваются на меня
766. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Fragment).
[+ + +] здесь, в Ницце. —
Твое доброе письмо встретило меня в Ницце. Стихотворению, которое ты для меня переписал, я не хотел бы оказывать столько чести, сколько оказываешь ты: оно сделано из любезности к старому Низе. Мы, тюрингцы, с нашим уступчивым характером делаем многие вещи, которых на самом деле делать не должны. —
Хайнце ко мне добры: но так как они не придают этому значения, а может быть, и не понимают, кто я на самом деле и чего я на самом деле хочу, то строить на них дом нельзя. То же самое, к сожалению, относится почти ко всем моим оставшимся человеческим отношениям. У меня нет должности, следовательно, нет и «авторитета»: кто мне сейчас еще благоволит, тот частным образом немного посмеивается надо мной, это само собой разумеется, и — мне не больно.
Один из самых значительных французов по духу, характеру и влиянию, Анри Тэн, человек такого же высокого качества, как Якоб Буркхардт в Базеле, прислал мне сюда, в благодарность за мою последнюю книгу, великолепное письмо. Такие почести, как твой сын, испытывают немногие; я всегда имел на своей стороне участие старых независимых и дальновидных мыслителей.
С сердечными пожеланиями тебе и нашим южноамериканцам
Твой Фр.
Nice (France) Pension de Genève — это мой адрес!
767. An Reinhart von Seydlitz (Entwurf)
Если рассуждать совершенно трезво: в Европе найдется лишь очень немного людей, чье образование достаточно обширно и глубоко, чтобы они могли прочувствовать новое, неожиданное, фундаментально-радикальное в моих сочинениях, и уж тем более — у меня до сих пор нет никаких доказательств и почти нет веры в то, что может найтись кто-то, кто угадал бы состояние, страсть, из которых проистекает такой образ мыслей, и сопереживал бы им. — Это мое одиночество, повторюсь: то, от чего я не избавился бы, даже если бы сменил место жительства. Дай же мне контрпример: кто был бы более благодарен за это, чем я? —
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Думать лучше о немецком «образовании»: для этого оно не дало мне повода за последние 16 лет:
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Мои книги, как самые независимые и радикальные произведения этого периода, прошли почти бесследно. По сути, у меня есть три читателя, а именно Бруно Бауэр, Я. Буркхардт, Анри Тэн, и из них первый уже умер.
<H. Taine> Это наконец-то читатель, чья культура достаточно обширна, чтобы понять меня
768. An Reinhart von Seydlitz in München
Дорогой друг,
сердечно благодарю! — Но я не хочу в Парагвай, куда меня приглашают. Скорее уж в Мюнхен: при условии, что я снова стану веселее и «человеколюбивее», чем я есть сейчас.
Что за меланхоличная осень! Свинцовые гири повсюду, никто, кто мог бы меня хоть немного развеселить, — и ничего вокруг, кроме моих старых проблем, старых иссиня-черных проблем! — Ты заглядывал в мое «По ту сторону»? (Это своего рода комментарий к моему «Заратустре». Но как хорошо нужно меня понимать, чтобы понять, в какой мере это комментарий к нему!) Книга для людей самого широкого образования, например, Якоба Буркхардта и Анри Тэна, которых я пока считаю своими единственными читателями: да и то, в конечном счете, не книга для них — у них нет ни той же нужды, ни той же воли, что у меня. — Вот что такое одиночество: — у меня нет никого, кто разделял бы со мной мое «нет» и мое «да»!
От поездки на Корсику я отказался, потому что человек, который должен был меня туда сопровождать, при ближайшем рассмотрении стал мне совершенно противен. Моя трехчетвертная слепота заставила меня оставить всякие эксперименты и поскорее бежать в Ниццу, которую мои глаза «выучили наизусть». Да, конечно! В ней больше света, чем в Мюнхене! До сих пор я не знаю, кроме Ниццы и Энгадина, никакой другой местности, где я мог бы еще выдерживать ежедневную работу глазами по несколько часов. Но, возможно, и с этим придет конец нынешней зимой. — Наберись терпения: я еще приеду в Мюнхен.
Может быть, там найдется очень веселое женское создание, с которым я смогу посмеяться? Мне нужно наверстать смех.
Из Парагвая шлю сердечнейшие приветы тебе и твоей дорогой жене, которой желаю быть наилучшим образом рекомендованным.
Преданный тебе
Твой Ницше.
Вагнерианцам (в частности, Леви) в Мюнхене — всем мои наилучшие compliments, sincères et tendres!
769. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
прибыв в Ниццу около недели назад, я до сих пор чувствую себя очень плохо, подвергаясь многочисленным испытаниям терпения и неприятностям: у меня нет никого, кто бы обо мне позаботился — и теперь я почти ослеп! Тем не менее: какое-то время еще должно продержаться!… Моя просьба сегодня заключается в том, чтобы не присылать оставшиеся 500 франков, а вложить их так, как ты считаешь нужным: я хочу попытаться до конца декабря прожить на то, что уже было прислано. Моя другая просьба: нет ли у тебя экземпляра «Идиллий из Мессины»? Они нужны мне немедленно (для подготовки небольшого лирического сборника «Песни принца Фогельфрая»), но у меня их нет. К Шмайцнеру я обращаться не могу.
Мои родственники в Парагвае прислали мне нарисованный план своего колониального предприятия и хотят получить для этого мои деньги, которые лежат в Наумбурге. Что ты на самом деле думаешь о моих перспективах в Базеле? У меня такое чувство, будто мне следует держать те немногие деньги, что у меня есть, наготове на всякий случай: я имею в виду, чтобы их можно было в любой момент сделать ликвидными? — С другой стороны, я не умею говорить «нет» в таких глупых денежных делах. —
Замечательное письмо Анри Тэна, который воспринимает меня так серьезно, как я только мог пожелать; он настолько всесторонне образован, что места, которые он выделяет, служат мне доказательством того, как хорошо он понимает. Впрочем, я для него «infiniment suggestif», и что касается моей общей оценки европейских народов и сил, он совершенно очарован и обещает разобрать всё предложение за предложением. Он принадлежит к числу моих трех читателей, которые читают между строк.
Твоей теще в Мюнхене я недавно тоже написал и сердечно поблагодарил за доброту, с которой она пытается поддержать бедного Кёзелица. Кстати, весь мир ждал меня этой осенью в Мюнхене, «лихорадочно», как пишет Зейдлиц. Удивительно, как верно все эти последователи Вагнера продолжают держаться за меня; я думаю, они знают, что я и сегодня верю в идеал так же сильно, как и прежде, в тот, в который верил Вагнер, — что с того, что я споткнулся о многое человеческое, слишком человеческое, что Р<ихард> В<агнер> сам воздвиг на пути к своему идеалу? И т.д. И т.д. Прости, старый друг Овербек!
Твой Ф. Н.
770. An Heinrich Köselitz in München
Странно, дорогой друг, что Вы в Мюнхене, а я снова в Ницце! Мир, очевидно, устроен с малым разумением, это замечаешь, когда изучаешь свою так называемую «биографию»: она «бежит», да! жизнь бежит и оказывается то здесь, то там в пути. Например, в Вашем случае, в «южногерманской прессе»: прекрасно, что Вы делаете при этом хорошую мину. В сущности, в друге Кёзелице — тоже — скрывается хороший писатель, по крайней мере, хороший репортер о хорошо пережитом; и если бы Вам когда-нибудь захотелось представить эстетическую проблему, которая принадлежит к нашей истории жизни, как переживание, чтобы представить, возможно, что именно этим был бы впервые найден доступ к музыке венецианского мастера Пьетро Гасти: по крайней мере для немцев, которые всерьез интересуются художником лишь тогда, когда обнаруживают в нем «серьезность» принципов. — Это, как и многое другое, «понимал» Р. Вагнер. —
Только что Фрич прислал старые книги в их новых опрятных одеяниях и «предисловия», которые выглядят довольно странно. Мне задним числом кажется счастьем, что у меня под рукой не было ни «Человеческого, слишком человеческого», ни «Рождения трагедии», когда я писал эти предисловия: ибо, говоря между нами, я больше не выношу весь этот хлам. Надеюсь, я со своим вкусом еще перерасту «писателя и мыслителя» Ницше; и, возможно, тогда я буду немного достойнее того самонадеянного замысла, который заключен в словах «свободный ум». — Не сможете ли Вы раздобыть для меня экземпляр «Идиллий из Мессины»? Они нужны мне безотлагательно, потому что вместе с несколькими песенками должны составить завершение «Веселой науки»: а именно в новом издании. Статья в «Бунде» была ужасающей; заголовок «Опасная книга Ницше». Начало: «Те запасы динамита, которые использовались при строительстве Сен-Готардской железной дороги, несли черный флаг, указывающий на смертельную опасность. В этом смысле и т. д. и т. д.» К моему сожалению, я обнаружил, что статью в Зильсе усердно читали и обсуждали среди добропорядочных жителей. Возможно, я был в Зильсе в последний раз. —
Портофино, как теперь сообщают газеты, занял кронпринц: он хочет приезжать туда каждую осень и утверждает, что нигде на земле до сих пор не чувствовал себя так хорошо. Граф де Пари также подумывает о том, чтобы приобрести там недвижимость: короче говоря, уже слишком поздно. Мое пребывание в Руте было невыразимо тягостным из-за гнетущей близости двух немцев, с которыми приходилось делить стол и прогулки. — Во время поездки в Ниццу я совершенно отчетливо почувствовал и увидел, что за Алассио начинается нечто новое, в воздухе, в свете и в цвете: а именно африканское. Выражение совершенно точное: я навел справки у превосходных знатоков Африки. (Прочтите, пожалуйста, «Набаба» Доде: в одной из последних глав этого романа есть острое определение африканского на этом побережье.) Все в сто раз тоньше, деликатнее, бело-желтее, не по-немецки, безразличнее, чем даже Генуя и ее окрестности. — Для курортного оркестра не хватает капельмейстера. Жаль, что Вы не можете выручить!
Прислал ли Вам Фрич книги с предисловиями? Надеюсь.
Искренне Ваш, благодарный
Ф. Ницше.
771. An Unbekannt (Entwurf)
Глубокоуважаемый господин
я словно человек, который живет изо дня в день кое-как, собачья жизнь, но всегда с верой, что кто-нибудь однажды вытащит меня из этого недостойного и жалкого существования
Мне нужно пять-шесть условий, чтобы прийти к тому глубокому осеннему покою, который придает моей философии зрелость и сладость — — —
Решающие повороты моей жизни: ах, кто что-то в этом понял! Жалкое недостойное существование здесь, на юге, из которого меня никто не вытаскивает
В сущности, до сих пор у меня набралось три читателя, которые делают мне честь и умеют меня «понимать»: это Бруно Бауэр, Я<коб> Б<уркхардт> и И<пполит> Тэн; из них первый теперь тоже уже мертв.
До сих пор не выработалась даже предварительная форма приличия, с которой следует ко мне относиться, я все еще подвержен самым глупым смешениям (к которым, например, относится похвала добропорядочного Видемана). Понял ли кто-нибудь до сего дня мое «Рождение траг.»? (я не заметил ничего, кроме того, что ее самым бесстыдным образом используют, например, драматург Линден)
Дело чести моих друзей — действовать ради моего имени, репутации и мирской безопасности и построить мне крепость, где я буду защищен от грубого непонимания: сам я больше не пошевелю для этого и пальцем.
772. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Глубокоуважаемый господин издатель,
тем временем книги прибыли: они выглядят хорошо, особенно предисловия. По прилагаемой работе Вы увидите, что я здесь немедленно взялся за продолжение (чтобы освободить зиму для себя: это ужасно, как это вынужденное оглядывание назад, это пережевывание прошлого тиранит меня). Я думаю, это предисловие, которое вызывает аппетит. Пожалуйста, прикажите Вашей типографии, чтобы она незамедлительно приступила к печати и закончила её. Разумеется, полное единообразие изготовления, как и в предыдущих предисловиях.
Один оттиск вместе с рукописью господину Генриху Кёзелицу (Мюнхен, Тюркенштрассе 33 III справа), одновременно один оттиск мне, по адресу, который стоит в начале письма.
Вам и Вашей супруге
с наилучшими пожеланиями
Ваш покорнейший
проф. д-р Ницше
773. An Elisabeth Förster in Paraguay
Моя милая, милая Лама,
Твои последние письма — то, что пришло в Зильс, на которое я ответил, и то, что дошло до меня здесь через Мюнхен, — дали мне столь ясное представление о вашем доверии и духе предприимчивости, что такой человек, как я, находясь вдали, учится успокаиваться и пока что отправляет свои тревоги спать. Признаюсь, мысль о том, что моя сестра предается животноводству в необжитом уголке мира, включая молочное хозяйство и цыплят, до сих пор кажется мне очень чуждой, почти чистой грезой, которую поутру стираешь с глаз. Еще меньше я понимаю, почему вы хотите так поспешно променять свое более скромное, но проверенное загородное существование на непроверенный Гран-Чако. К чему взваливать на себя столь обширные земли, а следовательно, и столь большие заботы? Или вы хотите быстро разбогатеть? — меня и десятью лошадьми не затащили бы туда, где, если я правильно осведомлен, нет даже хорошей библиотеки. Скажу между нами, моя дорогая сестра, учитывая то, как я устроен в жизни и какую задачу мне предстоит выполнить, я нуждаюсь в Европе, ибо она — средоточие науки на земле; к тому же я пока не нашел причин, которые заставили бы меня возненавидеть ее; и именно те великие движения и потрясения, которые, вероятно, ожидают ее в ближайшие 20 лет, находят во мне хорошо подготовленного и глубоко заинтересованного зрителя. Я вовсе не недооцениваю идиллическое уединение и вольтеровское «возделывание своего сада», особенно для философа, но я не хотел бы делать это в вашей манере, которая кажется мне слишком похожей на «возврат к природе», философию «для милой скотины», если выразиться шутливо. Даже если бы я был вынужден покинуть Европу (что не совсем невозможно, так как начинают обращать внимание на мою литературу как на опасную и безнравственную), то по состоянию здоровья я не должен был бы выбирать жаркие страны. Улучшение моего самочувствия каждый год зависит от моих трех зимних месяцев в Ницце и моих квазизимних месяцев в Энгадинское лето (оба со средней температурой 9—12 градусов Цельсия); промежуточные периоды отвратительны мне чувством вялости и уныния (включая то, что мои глаза отказываются служить —). Что касается моих денег: мой разум, как и разум моего друга Овербека, сейчас настоятельно советует мне не связывать их нигде и не отказываться от полной свободы распоряжения ими и возможности в любой момент превратить их в наличность. Кто знает, что произойдет со мной в ближайшие 4 года? Несомненно то, что сейчас от мелких случайностей зависит, буду ли я продолжать получать свою Базельскую пенсию; моя последняя книга, например, была встречена в одной швейцарской газете так: «Те повозки, что везли запасы динамита, необходимые для строительства Сен-Готардской железной дороги, несли черный предупреждающий флаг, указывающий на смертельную опасность. В этом смысле мы называем книгу философа Ницше опасной книгой и т. д.». Ее запретят, я вижу, что это грядет (а ее печать стоила мне около 300 талеров!). Впрочем, я обязан ей новым читателем уровня Якоба Буркхардта, а именно Анри Тэном, который написал мне великолепное письмо — Но как чуждо это должно звучать для вас, тоже совсем из «дальней дали»! В самом деле, и я — «эмигрант». — и, кто знает? у меня тоже есть свой Гран-Чако!
С прежней любовью
Ваш Ф.
774. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая старая матушка,
я действительно ждал от тебя письмеца: и вот, оно только что пришло, пребольшое спасибо! Дела шли неважно, идут неважно, и тут уж ничем не поможешь. Однако я кое-что привел в порядок в отношении моих прежних сочинений: теперь все они, в красивых новых одежках и снабженные мною мощными длинными предисловиями, у нового издателя имеют шансы на лучшие дни. Тем временем я обменялся письмами с Овербеком по поводу другого дела: и он настоятельно советует мне не вкладывать деньги желаемым образом; это действительно против всякого здравого смысла, и Овербек справедливо напомнил мне о полной ненадежности моего положения. Ты совершенно права, было бы во сто крат разумнее и надежнее отдать деньги тебе под дом; но мне все же кажется, что так, как есть, лучше — я в любое время могу высвободить то, что необходимо. Впрочем, я действительно невыразимо неповоротлив и неуклюж в практических делах такого рода; думаю, в сущности, я бы охотнее всего поступил как крестьянин и зарыл деньги в землю, пока они мне не понадобятся. Вся идея сделать меня землевладельцем в Парагвае, кстати, имеет еще и то против себя, что на этом основании мне в Базеле больше не давали бы пенсию; я даже не мог бы больше на нее претендовать. Одно — или другое. «Ницше имеет полмили земли и скот на ней» — это было бы в экономном и рассудительном Базеле аргументом, на основании которого мне с чистейшей совестью отменили бы пенсию. — Пришли мне, пожалуйста, как можно скорее хорошее зимнее пальто, которое я оставил у тебя весной (хорошо почищенное и с крепко пришитыми пуговицами!) И, пожалуйста, положи туда одну или две пары вязаных перчаток, знаешь, для умывания рано утром, чтобы растирать ими тело! Посылку нужно обозначить как «поношенная одежда», но по-французски: спроси своего почтового служащего, как это выражается! — За твое рождественское намерение сердечно благодарю: но давай оставим это, я дал зарок не иметь дела с почтой и таможней в таких вещах. — Чем бы я мог доставить тебе маленькую приятную радость на Рождество, моя добрая матушка? Но ты должна отнестись к этому совершенно серьезно; у меня как раз есть сумма в 500 франков сэкономленных денег, так что я могу позволить себе маленькую роскошь. Тем более что у меня нет никого, кроме моей доброй матушки. — Остается так мало людей, если присмотреться получше. Что меня сейчас беспокоит, так это то, что, возможно, скоро мне нечего будет делать из-за все ухудшающихся глаз: а именно, я больше ничего не смогу делать. —
Ницца по-прежнему лучшее место, но только для холодного времени года. Даже октябрь здесь слишком мягок для меня. Возможно, я как-нибудь останусь на зиму наверху в Энгадине; в этот раз там снова около 300 гостей в Санкт-Морице решили так сделать (в том числе мое англо-русское трио)
Поблагодарили ли тебя Фричи и Жанико? Мне пришло в голову, что я еще даже не поблагодарил тебя за это.
У нас печальная погода, много дождей; также был большой штормовой прилив, во время которого многое было повреждено. Я сам был застигнут врасплох волной и спасся на дереве.
С сердечнейшим приветом и благодарностью, твой
Ф.
775. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
надеюсь, новый год застает тебя в добром здравии, а также довольным новым жилищем; во всем остальном я вправе полагать, что всё остается по-старому, ибо это хорошее старое: прежде всего ты сам, мой дорогой друг, которого мне не нужно просить о том, чтобы твое старое, проверенное и многократно испытанное доверие и расположение перешли со мной и в новый год. Из твоего последнего письма я почерпнул больше уверенности в том, что я тем временем сказал «нет» по поводу парагвайского дела (— я втайне досадовал на то, что мне не пощадили необходимости говорить «нет»…) В остальном ничего не произошло, если не считать штормового нагона в большом масштабе, да много болезней и меланхолии с моей стороны, последнее — в самом малом масштабе: что при подобных обстоятельствах является худшим стилем. Нужно было еще многое предписать и обдумать, чтобы сделать новое издание моих сочинений у Фрича как можно более выгодным для издателя. Теперь старые сочинения (вплоть до «Утренней зари») в новых красивых одежках, снабженные мною мощными длинными предисловиями, готовы к отправке и уже отправлены. Вчера я также подготовил к печати предисловия к «Утренней заре» и «Веселой науке»; завершением «Веселой науки» станет приложение под названием «Песни принца Фогельфрая». — Эти 5 предисловий, пожалуй, лучшая проза, которую я до сих пор написал; к сожалению, у меня совсем* нет в распоряжении бесплатных экземпляров. —
Антиномия моего нынешнего положения и формы существования заключается теперь в том, что всё то, что мне как philosophus radicalis необходимо — свобода от профессии, жены, детей, общества, отечества, веры и т. д. и т. п. — я ощущаю как такое же количество лишений, поскольку я, к счастью, живое существо, а не просто анализирующая машина и аппарат объективации. Должен добавить, что этот контраст между необходимым и лишенным доводится до крайности отвратительным отсутствием хотя бы посредственно крепкого здоровья, — ибо в моменты здоровья я ощущаю эти лишения менее остро. Также я совершенно не знаю, как собрать воедино те 5 условий, при которых можно было бы восстановить сносную середину моего нестабильного здоровья; но хуже всего было бы, если бы я, ради создания 5 условий здоровья, лишил себя 8 свобод philosophus radicalis. — Это кажется мне самым объективным выражением моего сложного положения… Прости! Или, вернее: ты можешь посмеяться над этим! —
Покорно рекомендуя себя тебе и твоей дорогой жене,
Твой друг
Ницше.
776. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
«машина снова работает», на этот раз вы не услышите таких печальных и слабых нот, как в моих последних письмах; по крайней мере, у меня есть подозрение, что всё, что было написано мной этой осенью, звучит немного устало и уныло?… В сущности, вы ведете себя гораздо решительнее меня, и вас не так легко «сбить с толку»; зато у вас, конечно, есть помощник первоклассный — ваше здоровье; о, если бы вы знали, как я завидую вам в этом отношении! Мне действительно нужна Ницца: я не могу этого отрицать. С прошлого апреля я не чувствовал себя хорошо ни телом, ни душой; но последние несколько дней становится лучше: поэтому я буду держаться за Ниццу как за кусок fatum. Говоря и напевая на языке оперетты: «о Fati-Fati-Fati-Nizza!» Как же мне помогли ваши слова о музыке Салливана в японском стиле! Я вспоминал Рекоаро, те многие утра в Венеции: то, что вы любите в музыке, люблю и я, в этом нет сомнений, — прежде всего то, что вы создаете сами! В эти дни вы часто приходили мне на ум: я бы хотел, чтобы вы были здесь, чтобы поговорить с вами об эстетике. Правда в том, что мне сейчас не хватает эстетики in puncto musicae, я хочу сказать: у меня есть «вкус» (например, к Пьетро Гасти), но нет оснований, нет логики, нет императива для этого вкуса. Даже если посчитать психологически, проблема «почему мне нравится ваша музыка?» кажется мне пока неразрешимой. Вы сами стали для меня загадкой: и, странно! при некотором размышлении я нашел совершенно родственную проблему в отношении моего собственного произведения («Заратустры»). Мы оба со всей искренностью и удовольствием говорим на «народном языке», совсем как на родном: — и при этом мы ироничные существа, которые получают удовольствие от утонченности, переводя свой собственный, крайне современный и проблематичный способ обратно в «наивность». Или нет? — — — —
Но, друг мой, вчера меня осенило: во-первых, господин Кёзелиц должен немедленно отправить свою оперу графу Хохбергу в Берлин с очень решительным, по-художественному нескромным письмом, в котором точно сказано, что представляет собой эта опера и в чем ее преимущество. Во-вторых, друг Кёзелиц должен придумать литературный манифест, в котором он подвел бы под свое «умение», под свой «вкус» эстетику, программу. Заметьте же, как все сегодня дезориентированы в aestheticis: строгое признание сегодня не только услышат, но и воспримут с жаждой, с благодарностью… Антиромантическое признание в музыке необходимо; больше не хотеть «морали» и «народного подъема» от музыки, а искусства, ars, искусства для художников, некоторого божественного безразличия, некоторой недозволенной веселости за счет всех «важных» вещей, искусства как чувства превосходства и «горы» по отношению к низинам политики, Бисмарка, социализма, христианства и т. д. и т. п.
Но почему вы не в Ницце, дорогой друг!!??
Ваш верный
Н.
Возможно, к вам придет еще «предисловие» для исправления. Пожалуйста, по старой привычке, пришлите исправленный лист сюда, мне! —
За вашим письмом из Мюнхена последовала и посылка «Идиллий из Мессины»: сердечное спасибо вам и превосходной фрау Рёдер! —
777. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Только что, моя дорогая, дорогая матушка, пришла посылка, после того как я уже начал всерьез беспокоиться; я не мог решиться написать Тебе об этом и решил ждать изо дня в день, набравшись терпения. Сейчас есть особые причины для того, чтобы оправдать задержки почты; между Генуей и этим местом (примерно с месяц) один участок пути стал непроезжим для поездов. Какая радость, моя дорогая матушка, что теперь пальто у меня! Ведь у нас примерно с 15 ноября стоит свежая погода, ночи до (1—2 градусов) ниже нуля; а у Твоего сына очень холодная северная комната на эту зиму, и ему нужно хорошенько укутываться, чтобы не слишком страдать. Правда в том, что сын снова в хорошем настроении, несмотря на холод и всяческие лишения и нужду; отлично выгляжу, усердно работаю, каждый день по 4 часа марширую (что у меня всегда совпадает: желание и силы для долгой ходьбы и желание и силы для усердной работы: холодная погода — основное условие для того и другого). Я больше чем когда-либо убежден в ценности Ниццы для моего здоровья и хочу остаться здесь, конечно, только на холодные месяцы. Ведь в октябре здесь было слишком мягко для меня. Главное, что с тех пор, как стало холодно, у нас стоит абсолютно ясная погода, днем и ночью; ни облачка. И это для меня нечто неописуемо благотворное, бодрящее, обнадеживающее, исцеляющее! Этого у меня больше нигде нет. О, моя добрая матушка, как же мне снова вспоминается все то время между апрелем и нынешним моментом, когда я не был в Ницце! Как мучительное испытание, как долгое истощение, связанное с унынием, нехваткой сил для работы, нехваткой зрения; как постыдное испытание терпения, при котором все теряешь и ничего не получаешь взамен. Но Ты помнишь, в каком состоянии я был в Наумбурге; знаешь, я был настолько подавлен, что уже мяукал, как кошка?..
Только что вижу великолепные галстуки; по-видимому, с рубашками возникли трудности. Правда в том, что галстуки мне нужны в десять раз больше, чем рубашки; вчера я еще думал о том, чтобы купить себе галстук, в то время как с имеющимися рубашками я вполне могу прожить всю зиму. Так что премного благодарен! Все так хорошо обернулось! — Зато, моя дорогая матушка, я немного посмеялся над Твоими пожеланиями насчет банных марок. Нет, моя дорогая матушка, мы так не договаривались! Само собой разумеется, что Ты их получишь, но теперь еще и что-то главное в придачу, платье, предмет мебели, — пожалуйста, напиши мне!
Только что вижу, что их пять галстуков — величайшая роскошь галстуков в моей жизни! Спасибо тысячу раз! —
Фрич сразу же, в день прибытия ящика с виноградом, написал мне. — Мое предпоследнее письмо в Парагвай, отправленное из Энгадина, вряд ли дойдет туда: потому что оно было адресовано через Геную, а Южная Америка защищается от всех итальянских судов карантинами. —
Сердечно благодарный
Твой Ф.
778. An Friedrich Hegar in Zürich
Глубокоуважаемый господин капельмейстер,
между тем, как я от всего сердца надеюсь, Ваше здоровье должно было пойти на поправку, — о, оно Вам понадобится, ибо зима приближается со своими великими требованиями. Из Ваших строк я с благодарностью узнаю, сколько расположения Вы сохранили к нам, даже в отношении моей «музыки», я должен сказать, даже вопреки моей музыке. Вы более чем правы в том, что говорите о хоровой песне; и потребуются не только гобои и другая оркестровая помощь, чтобы сделать из этого что-то пригодное для исполнения.
Моя просьба состоит в том, чтобы Вы отправили рукопись по этому адресу:
Герну Генриху Кёзелицу
Мюнхен
Тюркенштрассе
33 III r
О вышеупомянутом господине я хотел бы сообщить хорошее: но он сидит в Мюнхене, зажатый в тиски занятий, которые ему тягостны и лишают мужества, — и всё ещё без надежды на постановку своей оперы. Великолепную большую оркестровую пьесу венгерского характера под названием «Miska-Czardas», которую он сочинил ещё в Венеции, нет! в Цюрихе, я бы очень рекомендовал к исполнению. Партии к ней написаны. —
Желая Вам и Вашей глубокоуважаемой супруге весёлого Рождества и искренне рекомендуя себя, остаюсь Вашим покорнейшим
Проф. д-р Ницше.
779. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
я понял кое-что в Вашем последнем письме слишком хорошо: настолько, что у меня больше не поднимается рука предлагать Вам со своей стороны проекты, касающиеся исполнения Вашей великолепной музыки. В конечном счете, мне порой кажется, что исполнение, форсированное сейчас, — это не то же самое, что исполнение лет через 10: а именно, принимая во внимание, что вкус меняется, что вкус к Вагнеру, сейчас находящийся на своего рода подъеме, через десять лет, возможно, уступит место другим потребностям, — и что Ваша музыка может ожидать подлинного понимания и наслаждения только от тех, кто уже основательно пресытился вагнеровским романтизмом. Пока что действительно ничего не нужно, кроме как дать времени идти, быть в хорошем настроении — и иметь деньги. А именно с последним, с деньгами, нужно было бы уехать из Германии, где ожидание становится настоящей пыткой; ожидающий не может творить, это для меня, по крайней мере исходя из моего опыта, несомненно. Ваше слово о собственном антитрагическом инстинкте очень меня ободрило, многого достигнешь, если в таких вещах дойдешь до искренности с самим собой и будешь иметь «мужество следовать своему вкусу». Последний оборот принадлежит Стендалю: он хвалит молодого Сореля за то, что тот имеет мужество следовать своему дурному вкусу: в Вашем случае, в нашем случае — ибо Вы должны позволить мне это «нас» — было бы достаточно трудно определить, что есть дурной, а что хороший вкус. Вы помните: Сократ и Аристофан спорили об этом целую ночь, так рассказывает Платон в конце «Пира». — Что же касается денег, были бы Вы довольны, если бы я дал распоряжение своему Наумбургскому банкиру выслать Вам 2000 марок? Выписано на Ваше будущее, дорогой друг: Вы не должны видеть в этом ничего, кроме займа.
И, по крайней мере, не сердитесь на меня за то, что я написал Вам о денежных делах: греческая пословица пусть говорит в мою пользу κοινὰ τῶν φιλῶν.
Искренне Ваш
Н.
780. An Malwida von Meysenbug in Rom
Глубокоуважаемая подруга,
Ваше любезное намерение написать мне достигло меня в виде зеленой открытки: ей пришлось для этого совершить прыжок из Генуи в Ниццу. Это моя четвертая зима в этом месте, моя седьмая на этом побережье: так того требует мое столь же глупое, сколь и требовательное здоровье, злиться на которое поводов именно сейчас снова слишком много. Ницца и Энгадин: из этого кругового танца мне, старому коню, все еще нельзя вырваться. —
По крайней мере, мне нельзя в те более теплые страны, куда меня сейчас очень зазывают: каждое письмо из Парагвая содержит искусство обольщения. Но тщетно! — я слишком хорошо знаю, что меня холод избаловал (ведь мой фокус, чтобы прожить последние 10 лет, состоял в том, чтобы лечь на лед; небольшой мягкий январь, растянутый примерно на весь год, северная комната, синие руки, никакого отопления, ледяные мысли — ах, об этом мне не нужно Вам писать?! —)
— Моя соседка по столу недавно сказала, что в этом отношении мое присутствие вызывает у нее насморк. —
Надеюсь, Вы найдете в Риме достаточно любви и дружбы, чтобы хоть как-то пережить отъезд из Версаля. О смерти Мингетти слышал даже я. —
Здесь сезон в самом разгаре и блеске, последний, как повсюду слышно и чувствуется, последний сезон перед «войной». Сюда приехали раньше, чем когда-либо; я сам был среди первых. И холод поторопился: возможно, зима будет очень короткой, и уже февраль принесет весну! Конечно, не может быть более прекрасного времени года для Ниццы, чем нынешнее: небо ослепительно белое, море тропически синее, по ночам такой лунный свет, что газовые фонари стыдятся и краснеют: и в этом я теперь снова брожу, как уже много раз, и обдумываю свои черные мысли…
Преданный Вам старый, глубоко уединенный друг
Ф. Н.
781. An Heinrich Köselitz in München
Дорогой друг,
это решение, пусть даже и не то, которого я от всего сердца желал. Вы могли бы принять мое предложение, оно сделало бы меня богаче, чем я есть, — ибо в этом сейчас моя бедность: чувствовать себя не в силах снять с Вас весь этот ужасный гнет, который на Вас давит. Эти поездки в Германию и для меня каждый раз становились цепью мелких или крупных унижений. Наконец, я не знал бы, что Вам предложить, если бы Вы сейчас приехали в Ниццу, что выдержало бы сравнение с достойным тихим венецианским жилищем; и, например, в Руте или в Генуе Вы ощутили бы в самой горькой мере те неудобства, которые влечет за собой перемена жилья, о которых Вы упоминали. Я не хочу забывать, что господин Циллихер в Генуе дал мне свою визитную карточку для Вас с сердечно-серьезным заверением, что тот, кто рекомендован мною, для него рекомендован наилучшим образом. Вчера я получил отчет доктора Вельти (сына старого швейцарского федерального президента) из Цюриха — через кого? Через фрейлейн фон Салис. Мне приятно еще некоторое время пожить в этом безобидном clair-obscur. Инкогнито — важная вещь. Не знаю, как это выходит, но в последнее время у меня было много мрачности и жесткости: тогда я всегда думал о Вашей музыке — как сильно мне ее не хватает и как сильно она уже помогла моей душе и здоровью. В прошлое воскресенье я от меланхолии побежал в театр: «Боккаччо», оперетта, которую я теперь знаю на трех языках. Но насколько же французская интерпретация была лучше! Я был поражен: эта элегантность и тонкость жеста, эта глубокая доброжелательность в интерпретации, это отсутствие немецкой пошлости (— а именно, немецкая пошлость — самая пошлая, возможно, потому, что немец ее легко стыдится). Музыканты играли с огнем и в лучшем настроении; немецкий оркестрант подумал бы, что он в сущности в сто раз лучше такой музыки, — и поэтому он играет пошло. Я сам — как это ни абсурдно — три или четыре раза был со слезами на глазах. Великая безмятежность — вот что меня сейчас больше всего трогает.
Прилагаю, дорогой друг, предисловие к «Утренней заре» для последней редакции, а затем — вперед к Фричу! Есть еще кое-что исправить: хотите помочь?
Преданный Вам друг
Ницше
782. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
шлю тебе быстрый привет к Рождеству: хотя с глазами сейчас совсем плохо, и день уже принес им много работы. Сердечное спасибо за твое письмо; повторяю то, что выразил в последнем письме к тебе — придумай что-нибудь к празднику, что ты хотела бы получить именно от меня. Тем временем я нашел в карманах пальто и варежки, за которые еще не поблагодарил. С красивыми галстуками вышла заминка: у трех из них механизм сломан, я не знаю, как тут помочь, так как он не подлежит починке. Новых известий из Парагвая у меня нет; газеты много говорили о холере в Росарио, а также в Аргентине, но сейчас она вроде бы отступает. Я опасался, что эта болезнь поставит палки в колеса предприятиям Фёрстера, по крайней мере, замедлит всё; ведь иммиграция, конечно, останавливается, когда в стране холера. Возможно, однако, что замедление в данном случае — наименьшее из зол; мне казалось, что они слишком быстро и без должного обучения взялись за такие крупные предприятия. — Фрейлейн фон Мейзенбуг написала мне из Рима самым любезным образом; она до сих пор не получила никаких известий от Лизбет. Вчера пришло также письмо от фрейлейн фон Салис, она считает «одним из самых благословенных событий своей жизни знакомство с моей философией и со мной». Она прислала статью обо мне, которая была опубликована в «Цюрихской газете», написанную тем самым доктором Вельти, сыном старого федерального президента Швейцарии. Очень почтительно. Бедный друг Кёзелиц чувствовал себя в Мюнхене ужасно и ничего не добился для своей постановки. Это дело меня очень гнетет. Теперь он снова собирается уехать в Венецию, но какой разочарованный! какой озлобленный! какой обиженный и униженный! А ведь это человек, который создал бессмертное произведение! Ну что ж, я сам тоже пережил и прошел через всю эту историю в прекрасном 1882 году. Если есть к этому задатки, то не погибаешь, и в конце концов, история эта стара как мир. — Насчет нового года я в полной неизвестности, ибо больше нет такого места, где я мог бы хоть немного отдохнуть от самого себя. С Зильс-Марией покончено из-за комнаты и глаз; Венеция каждый раз действовала на меня плохо. И здесь мне, по правде говоря, не хватает всего, я осмотрел около 30 квартир, но не нашел ничего подходящего. Я недостаточно богат для всей этой Ривьеры, как и для Энгадина: в то время как здоровье не оставляет мне выбора. Тут ты, моя дорогая добрая мама, в лучшем положении! У тебя есть твое хорошее, уютное гнездышко, в котором птица находит покой. С самыми сердечными пожеланиями, чтобы так оно оставалось и в новом году,
Твой старый
сын Ф.
783. An Franz Overbeck in Dresden
Дорогой друг,
В этот раз тебе выпало печальное Рождество: о чем я от всего сердца сожалею. Узнав из новостей о необычайных снегопадах, пришедших из Германии, я с беспокойством думал о твоих поездках туда. Надеюсь, ты нигде не застрял; полагаю, что еще никогда одновременно такое огромное количество железнодорожных составов не оказывалось заблокировано снегом; и во Франции, и в Швейцарии. Мы, ниццианцы, наслаждаемся обратной стороной всего этого: а именно невозмутимой ясностью неба. При этом холодно, в моем личном случае даже очень холодно. Северная комната без печи: привычно синие пальцы. Как же я мерз за 7 зим своего существования на юге! По сути, я недостаточно состоятелен, чтобы жить здесь; цены на пансионы с южными комнатами для меня слишком высоки, равно как и на хорошо расположенные частные квартиры. Если прибавить к этому мои энгадинские лета со средней температурой 10, 11 и 7 градусов Цельсия в месяц (последнее — в сентябре), то получается самое морозное существование, какое только можно себе устроить в этой жизни. Дурное следствие этого в том, что весна и осень заставляют меня страдать таким образом, что теперь они портят мне почти весь год: а именно из-за расслабляющих, обескураживающих, изматывающих последствий теплого времени года. Прошлая весна в Наумбурге была для меня сущим мучением. —
Деньги, дорогой друг, в этот раз очень желательны; я еще не оплатил свои последние счета в отеле. — Что меня в последнее время очень гнетет и почти всегда у меня перед глазами, так это состояние бедного Кёзелица в Мюнхене: оно вызывает опасения. Я примерно знаю предел сопротивляемости такого человека, а также тот момент, когда гайка перетянута. Эти унижения на протяжении трех лет, эти пощечины, это неумолимое «нет», переплетенное с необходимостью зарабатывать на хлеб (он пишет для газет по 4 пфеннига за строку), и, с другой стороны, осознание того, что он создал бессмертное произведение, с которым ничто из современного не может сравниться: это таит в себе опасность, к которой я не слеп. Между нами говоря, в любой момент можно услышать самое худшее. Его чувство собственного достоинства настолько уязвимо, что ему сейчас невозможно помочь даже материально, он все отвергает. История стара как мир; от этого она не менее болезненна. —
С наилучшими пожеланиями в новом году остаюсь в благодарной преданности
Твой друг
Ницше.
Прилагаю весьма добродушное объявление от Й. ф. Г. и Б., которое случайно попало ко мне. Мне говорят, что этот доктор Вельти — сын бывшего федерального президента Вельти. — В остальном везде тон Видмана. —
784. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Глубокоуважаемый господин издатель,
вот я и закончил, еще до конца года, со всем, что намеревался сделать на благо моей прежней литературы. Последнее — то, что я настоящим направляю Вам в качестве рукописи, — было заключительной частью (пятой частью) «Веселой науки», которая была задумана с самого начала и не была тогда закончена лишь вследствие фатальных проблем со здоровьем. Этот пятый раздел упомянутой книги составит около 50 печатных страниц; расходы на производство я готов взять на себя, но печатником должен быть Тойбнер (у которого напечатано всё остальное). Я исхожу из того, что в типографии Рёдера вряд ли найдутся точно такие же литеры; у К. Г. Наумана их тоже не было. Впрочем, Вы совершенно правы насчет литер, использованных для предисловия к «Рождению трагедии»: они превосходно четкие и хорошо смотрятся, — но они, как мне кажется, не подходят к тому впечатлению, которое производят те, гораздо более жирные литеры Тойбнера, как в «Утренней заре», так и в «Веселой науке». —
Когда предисловия к последним названным произведениям, равно как и этот пятый раздел «Веселой науки» вместе с «Песнями принца Фогельфрая» будут напечатаны, тогда, в самом деле, будет сделано нечто существенное для облегчения понимания всей моей литературы (и личности). И, в частности, станет понятно, что тот, кто однажды «связался» со мной, должен шаг за шагом идти со мной дальше. —
На титульном листе «Веселой науки» теперь должно быть написано:
Новое расширенное издание
с приложением:
Песни принца Фогельфрая.
Прошу Вас, незамедлительно сообщить мне о получении трех рукописей, а также о том, что типографам с Вашей стороны рекомендовано всяческое ускорение: ибо, как я уже говорил в последнем письме, я решительно хочу избавиться от всего этого и больше не позволять тому, что осталось в прошлом, беспокоить меня. На это ушел целый год: что ж, salvavi animam, это было делом совести, но теперь достаточно!
— Мне теперь, на долгие-долгие годы, нужен глубокий покой: ибо передо мной стоит задача разработки всей моей системы мышления. —
Желаю Вам, глубокоуважаемый господин издатель, приятного Рождества и счастливого Нового года
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше
NB. Распаковывайте рукопись осторожно, чтобы отдельные листы не перепутались!
Что касается корректуры: один оттиск с рукописью — господину Кёзелицу (Мюнхен, Тюркенштрассе, 33, III справа), одновременно один оттиск — мне сюда (точный адрес, как в начале письма)