1885 (95 Briefe)

568. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza, Anfang Januar 1885>

Meine Lieben,

es war meine Absicht, Euch brieflich gleich nach dem Eintreffen der Bücher zu danken: aber — die Bücher treffen nicht ein, ich weiß nicht, was geschehn sein mag. So will ich denn keinen Tag mehr verlieren und euch erzählen, wie herzlich angenehm die kleine hübsche Sendung war: erstaunlich, was Alles in so wenig Raum Platz hat! Die goldnen Knöpfchen sind aber für euren halbblinden Fritz zu kostbar, ich wage nicht sie zu tragen. Ich lag zu Bett, als Euer Geschenk ankam: am ersten Januar (ich rechne aus, daß ich nun 5 Mal hinter einander an diesem Tage krank war!)

Die Wahrheit zu sagen: seit meinem letzten Briefe gieng es immerfort schlecht, das Wetter änderte sich, und damit war es für mich aus. Ewige Anfälle, Erbrechen über Erbrechen; jetzt weiß ich vor jeder Mahlzeit nicht mehr, ob essen oder nicht essen. Die Schwäche des Magens ist in einer eklatanten Weise wieder zum Vorschein gekommen, und in einer Pension ist da schlimm sich einrichten.

Mein Seufzer, den ich schon Ein Mal ausdrückte, heißt auch heute wieder: man schaffe mir eine Köchin!

Dann ist Nizza auf die Dauer nicht möglich, die große Stadt, das unerträgliche Gelärm der Wagen usw. Ebenso habe ich die Herrn Mit-Pensionäre satt, man ist eigentlich in einer gar zu schlechten Gesellschaft, und darf kaum hinsehn, wie der liebe Tisch-Nachbar bei Tisch Messer und Gabel führt. Von dem, was bei Tisch geredet wird, nicht zu reden! Ich denke an meine ehemalige Genueser Isolirtheit mit Trauer und Sehnsucht zurück, obgleich ich wie der ärmste Schlucker gelebt habe; aber ich war nicht von solchem mittelmäßigen deutschen „Pack“ umgeben, es war stolzer und mir angemessner.

Herr Lanzky ist ein rücksichtsvoller mir sehr ergebener Mensch — aber die alte Geschichte: während ich Jemanden nöthig habe, der mich unterhält, läuft es darauf hinaus, daß ich unterhalte. Er schweigt, seufzt, sieht auch aus wie ein Schuster und versteht weder zu lachen noch Geist zu zeigen. Unausstehlich auf die Länge. —

Er geht nächsten Sonntag fort, nach St. Raphael, ein paar Stunden weiter an der Küste, um diesen Ort für mich zu untersuchen. Wir stehen mit einer dortigen Villa in Unterhandlung. —

Köslitz hat in einem Tonhallen-Concert seine Ouvertüre mit schönem Erfolge aufgeführt und selber dirigirt: ich habe einen langen Bericht von Overbeck darüber, der zugegen war. —

Der Gedanke der „Bismarckreden“ kommt in der angenehmsten Weise einem Wunsche entgegen, den ich den ganzen Winter über schon gegen Lanzky ausgesprochen habe. B<ismarck> nämlich läßt sich im Reichstag gehen und bringt seine innewendigsten Dinge heraus, wie Goethe vor Eckermann. Der erste Fall, daß ein Staatsmann einen Reichstag nöthig hat, um über Alles und Jedes sein Herz auszuschütten. Offenbar kann er vor seiner Frau es nicht thun: die ist zu dumm. Schließlich beneide ich ihn selbst um einen solchen Reichstag.

— Von Herzen Euer dankbarer

F.

Was hat mir der gute Stein für einen dunklen Brief geschrieben! Und das zum Danke dafür, daß ich ihm ein Gedicht von mir schickte! Es weiß Keiner mehr sich zu benehmen.

Lanzky’s Aufsatz ist zu dumm und unklar, ich hab’s satt mit der deutschen Stumpfheit.

Nachschrift drei Tage später: endlich sind die Bücher angelangt, allerschönsten Dank! Aber wo bleibt das röthliche dicke Schreibbuch? — Gesundheit langsam sich verbessernd, schönes Wetter.

Mit den Augen geht es immer schlimmer — —

569. An Franz Overbeck in Basel

Pension de Genève Nice sur mer, petite rue St. Etienne

<Anfang Januar 1885>

Mein lieber Freund, dies Mal habe ich mich für zwei Briefe zu bedanken — und doch darf es nicht länger werden als ungefähr auf einem Kärtchen Platz hat. Die Augen!! — und leider, in summa, die ganze Gesundheit! Bisher ist mir in Bezug auf die Gesundheit der Winter mißrathen — — —.

Lanzky, ein rücksichtsvoller, mir sehr ergebener Mensch, aber nichts für längeres Zusammensein. Lieber noch einen Hanswurst. Er geht Sonntag fort, nach St. Raphael, um diesen Ort für mich auszukundschaften: wie er es schon mit Ajaccio gethan hat. Auf die Dauer ist Nizza nämlich für Deinen Philosophen unausstehlich! — unwürdig! — großstädtisch-lärmend — stupid! —

Herzlichen Dank für die Nachrichten über meinen Züricher Musikanten. Dein Wort in Bezug auf seine Musik „naiv“ trifft den Kern.

Dir und Deiner lieben Frau herzlich zugethan

N.

Von Schmeitzner weiß ich seit Monaten nichts; und bin zufrieden damit. Mein Onkel in Sangerhausen, ein geschickter Justizrath, hat die Aufgabe, so viel von den 5000 Mark zu retten als möglich. — Neue Verleger? Moser?! — „Daß Gott erbarm!“

N. B. Das Geld ist in meinen Händen. Schönsten Dank, alter lieber Freund!

Ich freute mich so sehr, unerwartet-Günstiges über Dein eignes Befinden zu vernehmen: will’s gerne Dir nachmachen!

570. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> Mittwoch. <14. Januar 1885>

Meine liebe Mutter und Schwester,

eben kam Eure besorgte Karte an; ich hoffe, daß inzwischen mein vor einigen Tagen abgesandter Brief einige Beruhigung gegeben hat. Die Verzögerung entstand dadurch, daß ich von einem Tag zum andern auf die Bücher wartete — bis sie kamen; da habe ich gleich geschrieben.

Ich bin beständig krank. Diese Nacht noch war ich ganz desperat und wußte wieder einmal nicht wo aus noch ein. Winter-Wetter auch hier. Es schneit heute, wie schon gestern. Wir sind zwei Grad unter Null. Unbeschreiblich, wie ein bewölkter Himmel auf mich wirkt! Der Barometer steht 20 Grad tiefer als mir zuträglich ist! Die Ärzte Nizza’s sagen, daß diesen Winter es allen chronisch Kranken schlechter geht als andre Winter.

Seit Sonntag ist Hr. Lanzky fort, nach St. Raphael. Gestern telegraphirte er, daß er diesen Ort für mich unmöglich finde. Er ist in solchen Dingen höchst zuverlässig und mir sehr werthvoll.

Mich graut vor allem Reisen und Orts-Wechseln. Voriges Jahr habe ich, seit ich Nizza verlassen habe, es nur zu ganz wenig erträglichen Tagen gebracht — ausgenommen die erste Zeit in Zürich.

Schreibt mir doch immer, wie viele Grade der kleine Haar-Hygrometer in Eurer Stube zeigt.

Ich möchte es gerne einmal mit einem Sommer in einer benachbarten Sommerfrische (c. 1000 bis 2000 Meter hoch) versuchen, in Anbetracht daß mit diesem heitren Provence-Himmel kein Stück Europa’s auch für die Sommerzeit concurriren kann. Aber es giebt andre Gründe, die schließlich doch nordwärts treiben.

Ach die Augen! Alles steht still.
Von Herzen Euer
sehr leidender
F.

571. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, den 29 Januar 1885

Dies Mal, meine liebe gute Mutter, wird es mir besonders schwer, Dir Etwas Bestimmtes zu wünschen, das dies Jahr Dir bringen soll; und selbst der Wunsch, daß dies Jahr Dir nichts nehmen soll, will mir nicht über die Lippen. Wir sind allesammt jetzt in großer Schwebe und Unsicherheit und geben deshalb wohl das „Wünschen“ auf; aber was kommt, das wollen wir mit einander tragen und uns zurecht machen.

Sehr gerne wünschte ich auch auf Deinem Geburtstags-Tische vertreten zu sein, mit irgend einem hübschen nützlichen Ding, das Dir Freude macht.

Seit den letzten Nachrichten, die ich gab, habe ich von Dir und unsrer Lisbeth so liebevolle Briefe erhalten, daß ich gern auf der Stelle geantwortet hätte. Aber die Augen, mit denen es schlecht und schlechter geht, geben mir diesen Winter die Entschuldigung für mein briefliches Verstummen nach allen Seiten hin.

Das Wetter hat eine große Crisis auch hier bestanden, es gab drei Tage, wie man sie für Nizza nicht glauben möchte, und eine solche Sturmfluth des Meeres, daß die Promenade des Anglais bis heute jämmerlich an den Nachwirkungen leidet. Seit 50 Jahren hat man so eine Noth nicht erlebt. — Inzwischen ist aber der vollkommen helle Himmel von früh bis Abends zur Regel wieder geworden: was meiner Gesundheit sehr zu Hülfe gekommen ist.

Herr Lanzky ist von St. Raphael zu mir wieder zurückgekehrt und bleibt noch bis zu Ende des Februars. Daß wir uns viel in Gedanken damit beschäftigen, für mich eine bessere und würdigere Existenzform zu schaffen als meine jetzige es ist, und daß ich mich eigentlich fortwährend etwas schäme, so wenig noch auch im äußeren Leben ein Vorbild abzugeben, nach der Art meines Zarathustra, der doch seine Höhle hat und seine zwei Hausthiere — das kannst Du Dir vorstellen. Ein Ort ist zwar schon gefunden, unweit Nizza’s, wo ich später leben will, die Halbinsel St. Jean; aber da muß noch Viel geschafft und geglückt sein, bis es dazu kommt, daß ich dahin übersiedle. Ebenso ist meine Sommer-Existenz im Engadin auf eine ganz neue Basis zu stellen. Überall begreife ich, daß es mit dem Bisherigen vorüber ist, und daß ich jetzt ohne alle Übereilung definitive Zustände zu schaffen habe, zum mindesten ausreichend für 10 Jahre, um mein Lebenswerk mit der vollkommensten Ruhe in Angriff nehmen zu können. Eine Umgebung die zu mir paßt, ich meine zu meinem Werke! Oktober bis Mai in St. Jean, Juli und August im Engadin, die Übergangs-Monate vielleicht in Zürich: so sieht einstweilen das Programm aus. — —

In St. Jean fanden wir vor 8 Tagen die schönsten grünen Geranium-Hecken mit den rothen Blüthen; da dachte ich Eurer und der traurigen Schnee-Welt. —

Abends trinke ich immer jetzt einen starken Grog — heute will ich’s auf Dein Wohl thun!

Dein F.

571a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza, Januar 1885>

Meine liebe Schwester,

ich antworte sofort auf Deine besorgte Karte, um Dich zu beruhigen. Es geht gerade heute nicht gut, ein schlimmes Wetter zieht seit gestern Abend herauf. Sonst aber hat sich mein Zustand in den zwei letzten Wochen verbessert, abgerechnet die Augen: welche ich nicht in dem Maaße schone als ich sollte. Aber ohne meine Arbeiten ist das Leben hier unerträglich. Nizza ist kein Spaziergehe-Ort für mich, die Landschaft widersteht mir, ebenso wie der Mensch in dieser Landschaft (ich meine den Fremden eben[so]sehr als die Franzosen von heute). Zuletzt ist ein Wagen- und Karren-lärm in Nizza und weit und breit herum, wie ich es mir anderswo gar nicht vorstellen kann. — Im Geiste bin ich viel in Venedig: das wäre für mich der rechte Ort, wenn er nicht gerade die umgekehrten klimatischen Verhältnisse besäße. — Genua hat sich, nachträglich, nach vielen gesammelten meteorologischen Daten, als eine glänzende und merkwürdige Wahl meines Instinkts herausgestellt: worüber viel zu sagen wäre. Es ist immer noch nicht unmöglich, daß ich Genua wieder aufsuche: da die Bewohnbarkeit meiner Halbinsel St. Jean für mich allein nicht Leicht moglich ist. Es müßte denn sein, daß ich eine ausgezeichnete Wirthschafterin und Köchin fände. An Villen, die ganz oder theilveise vermiethbar sind, fehlt es dort nicht. Für nächsten Winter übrigens glaube ich daß die beiden Sarasins, meine alten Schüler, die jetzt in Ceylon sind, zurückkommen und sich bei ihrem Aquarium in Villefranche (1/2 Stunde vor Beaulieu und St. Jean) niederlassen, zusammen mit dem Würzburger Professor Semper; da bekomme ich Naturforscher nach meinem Geschmack in die Nähe von St. Jean. Auch wäre ein Zusammenleben zu Dreien (nämlich Köselitz, Lansky und ich) in einer solchen kleinen Villa ausführbar, selbst pekuniär. Wenn Jeder für sein Theil jeden Tag auf 5 frs. rechnet, so könnten wir mit diesen täglichen 15 frs. alles haben, auch die Wirthschafterin. — Noch rationeller wäre vielleicht eine gute wirtschaftliche Gattin für mich, welche ihre Aufgabe darin sehe, mich in dem Zustand zu erhalten, in dem ich meiner überschweren Lebens-Aufgabe am besten nachkomme. Aber alles, was ich von Weibern kennen gelernt habe, ist mit, auf diese Mission angesehn, als unzureichend erschienen: so daß ich eigentlich in diesem Punkte keinen Glauben mehr habe. Sie müßte jung sein, sehr heiter, sehr rüstig und wenig oder gar nicht „gebildet“: und außerdem eine gute Wirtschafterin aus eigener Neigung.

Voila! hier hast Du zu lachen! In Betreff des Geburtstags bin ich sehr einverstanden: die Bismarck-Fortsetzung aber jetzt nicht! sondern, vielleicht s’il vous plait, zum 15. Oktober!

Von Herzen Dein
F.

572. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

12 Febr. 1885 Nizza (France) pension de Genève petite rue St. Etienne

Mein lieber alter Freund,

ich lebe so abseits und sehe und höre nichts mehr von Dir. Aber dieses Jahr muß ich, aus Familien-Gründen, wieder einmal nach Deutschland kommen: ich denke, in dieser Erwartung denken wir Beide uns zusammen ein kleines Rendez-vous aus, etwa für Leipzig.

Heute theile ich Dir, nicht ohne einige Bedenken, Etwas mit, das eine Frage an Dich in sich schließt. Es giebt einen vierten (letzten) Theil Zarathustra, eine Art sublimen Finale’s, welches gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist (das Wort „Öffentlichkeit“ und „Publikum“ klingt mir, in Bezug auf meinen ganzen Zarathustra, ungefähr so wie „Hurenhaus“ und „öffentliches Mädchen“ — Pardon!). Aber dieser Theil soll und muß jetzt gedruckt werden: in 20 Exemplaren, zur Vertheilung an mich und meine Freunde, und mit jedwedem Grade von Discretion. Die Kosten für einen solchen Druck (bei C. G. Naumann in Leipzig, der die letzten Theile gedruckt hat) können nicht erheblich sein; ich selber aber bin, durch die große Unredlichkeit meines Verlegers, jetzt weniger bei Gelde als je (das will sagen: er ist mir 6000 Francs schuldig, und mein Rechtsanwalt sagt mir, es sei kaum möglich, den Prozeß gegen ihn mit Erfolg durchzuführen). Anders ausgedrückt: ich habe, bis zu meinem vierzigsten Jahre, thatsächlich mit meinen vielen Schriften noch keinen Groschen „verdient“ — —: was der Humor (und wenn Du willst, der Stolz) der ganzen Sache ist.

Mehr aber sage ich nicht. Gieb mir, mein lieber alter Freund, so bald wie möglich, hierher Deine Antwort, eine unbefangene Antwort (man kann gegen mich so unbefangen sein, wie gegen „den lieben Gott“, — vorausgesetzt, daß es einen solchen giebt).

Und vor Allem, seien und bleiben wir guter Dinge: es giebt hundert Gründe, in diesem Leben tapfer zu sein.

Dein Freund Nietzsche.

573. An Heinrich Köselitz in Zürich

<Nizza, 14. Februar 1885>

Mein lieber Freund!

geben Sie mir und meiner herzlichen Neugierde so bald als möglich einen ausführlichen Bericht über Das, was Sie thun und wollen, und was in diesem Jahre geschehn soll. — Meine Augen wollen von mir, daß ich diesen Winter unartig-stumm gegen Jedermann bin — auch „gegen mich selber“ — um dunkel von dunklen Dingen zu reden. Ich sehne mich nach Ihrer Musik, erwäge tausend Mal, wie Sie selber hier anzusiedeln wären — und wie „Mistral“ und der unglaublich weiße Lichthimmel Nizza’s auf Sie wirken müßten. Mitunter geht meine Sehnsucht so weit, mich nach Venedig zu drängen, weil ich glaube, Sie leichter dorthin locken zu können als hierher. (Überdieß: ich bin Nizza’s — einer lärmend-widerlichen Franzosenstadt, im Grunde meiner Seele müde und weiß mir leider davon nicht zu helfen, da, bei genauestem Nachforschen, die klimatischen Bedingungen dieses Ortes sich nicht zum zweiten Male in Europa wiederholen wollen.

Im April komme ich (spätestens!) nach Zürich: wäre es möglich, da etwas von Ihrer Musik aufgeführt zu hören, etwas Vokalisches namentlich, so würde ich Vieles Dumme und Verdrießliche, das mir in diesem Jahre bei meiner Reise nach dem Norden bevorstehn mag, gerne dagegen in den Kauf nehmen! —

Bleiben Sie guter Dinge, alle Trübsal lohnt weder auf Erden, noch im Himmel. In Ihrem letzten Briefe waren ein Paar Worte bei Gelegenheit von H. Berlioz, bei denen ich Größtes Vergnügen hatte.

Overbeck schrieb mir des Genaueren über Ihr erstes öffentliches „Auftreten“. Oh daß ich Sie hier an der Spitze des italiänischen Orchesters (dirigirt von Gialdino—Gialdini) sehen könnte! es ist nämlich das neuerbaute italienische Theater eben eröffnet worden (Aida).

Grüßen Sie Freund und Hegar, die Studentinnen nicht zu vergessen!

— Wollen Sie diesen Sommer mich im Engadin (in dem kleinen Stübchen meiner braven Familie Durisch) vertreten? So lernen Sie mein Sils-Maria kennen: — ich selber muß nach Naumburg.

— Was ist aus dem Bruder von Fl. Druscowicz geworden? —

Unter uns gesagt: es giebt etwas Neues als „Frucht“ dieses Winters, aber ich habe keinen Verleger, vor allem aber gar keine Lust mehr daran, neue Dinge gedruckt zu sehn. Die ungeheuere Albernheit, so etwas wie meinen Zarath<ustra>) herauszugeben, ohne es nöthig zu haben, ist mir mit entsprechenden Albernheiten vergolten worden: wie es billig war.

Mittag und Ewigkeit
Von
Friedrich Nietzsche
Erster Theil: die Versuchung Zarathustra’s.

Übrigens vielleicht undruckbar: eine „Gotteslästerung“, gedichtet mit der Laune eines Hanswursts. — Wer aber hübsch gegen mich ist und mir mit Köselitzischer Musik schmeichelt, soll das Ding privatissime zu lesen bekomen.

Addio, und auf Wiedersehn
Ihr N.

Nizza, pension de Genève
(petite rue St. Etienne)

574. Vermutlich an Marie Köckert in Hanau (Entwurf)

<Nizza, Mitte Februar 1885>

Der Himmel weiß (oder weiß er es nicht?) ob ich mich über Ihren Brief gefreut habe. Es kam daß ich’s gestehe, ein kleines boshaftes Vergnügen noch dazu; ich hatte nämlich bei mir gewettet, daß Sie mir diese Worte schreiben würden (Werden Sie es glauben, daß ich hier und da an der Einbildung leide, das zu sein, was man einen Menschenkenner, einen Nierenprüfer nennt? Nein, Sie werden es nicht glauben.

Diesen April werde ich wieder nach Zürich kommen; und später muß ich nach Deutschland, unter die lieben Deutschen — über welche Sie mir nach dem Herzen reden. Es wird muthmaaßlich für lange Zeit meine letzte Reise in diese nordische Welt sein, deren Aufgaben und Werthschätzungen nicht meine Aufgaben und Werthschätzungen sind, und deren Luft mir leicht den Athem nimmt. Damit — will ich aber noch nichts gegen die jetzigen Deutschen gesagt haben: nur daß ich nicht unter sie gehöre.

Haben Sie das tiefste und hellste, südlichste, ja sogar morgenländischste Buch gelesen das es giebt? Pardon, ich meine „Also sprach Zarathustra“ von Friedrich Nietzsche.

575. An Marie Köckert in Hanau (Fragment)

<Nizza, 20. Februar 1885>

Seien wir guter Dinge! Alle Trübsal lohnt sich weder in Himmel noch auf Erden!

576. An Franz Overbeck in Basel

Nizza Freitag 20 Febr. 1885.

Lieber Freund,

ich freute mich herzlich, wieder von Dir zu hören. Mein Leben ist darin jetzt sehr insel-haft geartet, als nur ganz selten noch Nachrichten und Briefe zu mir kommen. Es scheint, daß die größte Zahl meiner früheren Freunde und Bekannten entweder nicht mehr zu mir gehören wollen oder es nicht können — genug, sie schweigen. Ich selber stehe unter der Tyrannei meines Augenleidens und darf nicht schreiben (meine Besorgniß ist nicht gering, ich fürchte, daß ich eines Tages ganz plötzlich blind werde — unter uns gesagt!)

Der Winter ist dies Mal für Nizza mißrathen, und äußerst seltsam. Eine Sturmfluth, wie seit 50 Jahren nicht; zwei Erdbeben; schon vier Mal große Landregen von 2 bis 3 Tagen Dauer — etwas sonst hier Unerhörtes. Alle Kranken sind kränker. Viel bewölkter Himmel. Ich selber habe Viel ausgestanden, die Anwesenheit des braven Lanzky (der nächsten Montag abreist) hat über Manches hinweggeholfen. Doch hätte ich, in letzterer Hinsicht, eine Gegen-Rechnung zu machen — in summa habe ich gelernt, wie nöthig für mich noch eine gute Zeit lang (sagen wir 5 Jahre!) eine vollständige Einsamkeit ist. Es will zu Vieles in mir noch reif werden und zusammenwachsen; die Zeit für „Schüler und Schule“ et hoc genus omne ist noch nicht da.

Die Angelegenheit „Schmeitzner“ steht schlecht, mein Onkel schrieb „kaum möglich“ und „größte Schwierigkeiten“. Ich gestehe, daß Deine mir ganz unerwartet kommenden Geld-Nachrichten zu einem sehr geschickten Momente kamen, und mir zur Beruhigung wurden.

Das Schlimme ist überdieß, daß ich nun keinen Verleger habe, und wenn ich gut genug über meinen litterarischen Ruf in Deutschland unterrichtet bin, auch schwerlich jetzt einen finden werde. Es hat keiner — den Muth dazu. Einige Tage später werde ich mehr in hoc puncto wissen, denn ich habe Unterhandlungen eingeleitet. Weißt du, mein lieber Freund, es ist seit längerer Zeit Etwas da zum Drucken: der Titel wird Dich genügend aufklären.

Mittag und Ewigkeit,
Erster Theil
die Versuchung Zarathustra’s.

Im Monat April denke ich für eine kurze Zeit in Zürich zu erscheinen, wo es Mancherlei abzuwickeln giebt. Das ganze Jahr stellt mir eine Reihe praktischer Aufgaben, zum Theil durch die Dir bekannte Familien-Angelegenheit herbeigezogen. Ich werde nach Deutschland gehn, muthmaaßlich für lange zum letzten Male. Von dem Quartal-Gelde nimm, bitte, so viel weg als zur Anschaffung einer Obligation nöthig ist. Das Übrige sende an mich hierher, womöglich in französischem Papier.

Von Peter Gast hatte ich dieser Tage einen Brief. Drei Akte der Oper sind im Klavierauszuge fertig, die beiden letzten in Arbeit. Ich will, mit ihnen bewaffnet, mein Heil bei deutschen Kapellmeistern versuchen; diese Oper „unter die Haube“ zu bringen gehört zu meinen Sommer-Projekten. Deiner lieben Frau das Herzlichste wünschend Dir immer herzlich-dankbar zugethan

N.

Weißt Du Jemanden, der für diesen Sommer in Sils-Maria mein Zimmer bewohnen könnte? (30 frs. per Monat.)

577. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> Donnerstag<5. März 1885>

Meine Lieben,

Eure heiteren Briefe sind mir sehr willkommen gewesen, ich wünschte mit ähnlichen Heiterkeiten und Festlichkeiten aufwarten zu können. An diesem Winter in N<izza> bleibt aber Viel auszusetzen, und wollte ich anfangen aufzuzählen, so bekämt Ihr die langweiligste Litanei von der Welt. Das Dümmste ist 1) die Augen — — 2) der beständige (fast beständige) Schmerz im Kreuz, mit einer Ausstrahlung nach der rechten Hüfte zu. Derselbe ist so lästig, daß er mir immer und immer wieder die Frage vorlegt: ob ich überhaupt dies Jahr nach Deutschland kommen kann. Reisen ist nämlich eine Marter für mich geworden, von der Ihr Euch keine Vorstellung machen könnt: die Reise von Zürich bis hierher war etwas Schreckliches, und der Gedanke, mich gar noch weiter als Zürich nach dem Norden zu zu entfernen, will mir nicht in den Kopf. Mir ist zu Muthe, als ob ich eben erst die letzten Reisen überwunden hätte — es kommt dazu, daß ich Sammlung im höchsten Grade nöthig habe, und gar keine Zeit mehr verlieren möchte, nachdem ich so viel verloren habe. (Morgen verläßt mich Herr Lanzky, ein recht braver Mensch, der aber doch mir den Werth und die Nothwendigkeit der Einsamkeit für mich wieder recht an’s Herz gelegt hat. Ich will wohl auf der Hut sein, nicht wieder auf diese Art mir einen Winter rauben zu lassen. Es versteht sich, daß ich mich für viele Zeichen von Wohlwollen und Sorgfalt bei ihm sehr zu bedanken habe: aber Eins ist bei mir hundert Mal wichtiger als alles Andre —)

Was den Sommer betrifft, so habe ich den unheimlichen und mich entmuthigenden Eindruck der warmen Jahreszeit und der Ebenen vom vorigen Jahre her noch zu sehr in Erinnerung, als daß ich daran dächte, den Sommer anderswo als im Engadin zu verleben. (Nicht in Sils-Maria, sondern wahrscheinlich in Celerina) So weiß ich mir denn gar nicht zu helfen, als Euch zu bitten, ob nicht eine Zusammenkunft zwischen uns zu verabreden ist, bei der mir es möglich ist, in der Schweiz zu bleiben. Wenn Hr. Dr. Förster Ende April kommt, wer weiß, ob es dann im Verlauf des Jahres nicht einen Anlaß für zwei Menschen mindestens giebt, etwas herumzureisen. Unsre gute Mutter bitte ich von Herzen darüber nachzudenken (in Bezug auf die nächsten 10 Jahre), daß ein alljährliches Zusammentreffen und -Wohnen sich am besten vielleicht für einen Ort der Schweiz ausdenken ließe*: aber auch Venedig würde mir recht sein.

Was ich von St. Jean, der Halbinsel schrieb, ist inzwischen näher geprüft worden: ich fürchte, es ist unausführbar.

Nizza ist unerträglich geräuschvoll. —

(Über Schmeitzner habe ich einen Brief des Onkel Bernhard: ich sage nichts weiter als daß der Ausdruck, „kaum möglich“ und „größte Schwierigkeit“ darin vorherrscht. —) Am Liebsten gienge ich Ende März aus Gründen der Augen und der Stille nach Venedig. Aber wahrscheinlich wird eine Reise nach Zürich daraus, wo Mehreres auf mich wartet.

Mit den herzlichsten Wünschen, und der Bitte, mit meinem körperlich und geistig sehr angegriffnen Zustande fürlieb zu nehmen

Euer F.

578. An Resa von Schirnhofer in Paris

11 März 1885 Nizza, Pension de Genève, petite rue St. Etienne

Verehrtes Fräulein,

man bekommt diesen Winter schwer Etwas von mir zu lesen, das wollen meine Augen so. Ich wünschte sogar dieser dummen Augen wegen in irgend einem dunklen Venedig oder sonstwo zu sein; denn was ich eigentlich von Nizza verlange, sehr trockne Luft und beständigen sehr reinen Himmel, das kann man diesen Winter hier so wenig als anderwärts haben. Es ist ein Ausnahme-Winter: wir hatten eine Sturmfluth wie seit 50 Jahren nicht, zwei kleine Erdbeben, vier zwei- bis dreitägige Landregen à la tedesca, und ein beständiges unklares Ja- und Neinsagen des Himmels: — was meiner Gesundheit schlecht genug bekommen ist. Sodann aber gab es für mich bis vor wenig Tagen einen Deutschen im Hause hier, der mir sehr zugethan ist, — aber ich mag die Deutschen wenig, es ist eine andre Art von „ziehendem Gewölk“, und mir gar nicht zuträglich. — —

Mag ich denn die Franzosen? Einige von ehemals, vor Allem Montaigne. Aus diesem Jahrhunderte im Grunde nur Beyle, und was auf seinem Boden gewachsen ist.

Und Das ist es, was mir heute diesen Brief an Sie, mein liebes verehrtes Fräulein Resa, abzwingt: obgleich, wie gesagt, die Augen-Moral mir zuschreit „Lesen und Schreiben Sie nicht, mein Herr Professor!“ —

Es soll nämlich in Frankreich eine Art von Stendhal-Schwärmern geben, man spricht mir von solchen, die sich „Rougistes“ nennen. Machen Sie, ich bitte, etwas Jagd darauf: zb. auf eine neue Ausgabe von „Le rouge et le noir“, bevorredet von einem Herrn Chapron, wenn ich recht gehört habe. Wohin hat dieses feine Huhn (es ist todt) seine Eier gelegt? Größere Bücher giebt es nicht von ihm. Und machen Sie doch die Bekanntschaft des lebendsten Schülers von Stendhal, Hr. Paul Bourget und erzählen Sie mir, welche Aufsätze er neuerdings geschrieben hat (— ich zeigte Ihnen hier in Nizza seine gesammelten essays zur psychologie contemporaine) Er ist, wie mich dünkt, der rechte Schüler jenes Genie’s, das die Franzosen 40 Jahre zu spät entdeckt haben (von Deutschen bin ich der Erste, der ihn erkannt hat, und nicht auf eine Anregung von Frankreich her) Die sonstigen berühmten Litteratur-Menschen dieses siècles z. B. Sainte-Beuve und Renan, sind mir viel zu süßlich und undulatorisch; aber was ironisch, hart, sublim-boshaft ist, von der Art wie Mérimée, — oh wie Das meiner Zunge wohlschmeckt!

Ende März geht es über die Schweiz nach Deutschland. Die Verheirathung meiner Schwester ist für dies Jahr im Vordergrunde: — grüßen Sie Malwida von mir und seien Sie selber herzlich gegrüßt

von Ihrem ergebensten
Nietzsche

Ms. Bourget ist Mitarbeiter der Revue nouvelle. — Grüßen Sie die ausgezeichneten Menschen, die ich so sehr liebe, ich meine Monods, von mir, Fl. Natalie ja nicht zu vergessen!

Adieu, ma chère philosophe —, veuillez agréer les tendres et respectueux hommages d’un hermite.

579. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Nizza>, 12. Febr. 1885.

Geehrtester Herr,

ich sende Ihnen hiermit, mit der Bitte um jedweden Grad von Diskretion, den vierten und letzten Theil meines Zarathustra, der nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist, sondern nur in 20 Exemplaren gedruckt werden soll. Der Druck muß, wie ich auf das Dringendste Ihnen an’s Herz legen möchte, sofort beginnen und so sehr beschleunigt werden, als es nur möglich ist; ich nehme an, daß jede Woche 4 Correktur-Bogen abgesandt werden. Der Correkturgang ist dieser: 2 Abzüge nebst dem Manuscript gehen an diese Adresse:

Herrn Heinrich Köselitz in Zürich (Schweiz)
Stadelhofer Platz, Kleiner Sonnenhof
zu gleicher Zeit wird ein Abzug an mich abgesandt:
Prof. Dr. Nietzsche
Nizza (France)
Pension de Genève
petite rue St. Etienne

Daß wir Beide, Herr Köselitz und ich, „pünktliche“ Leute sind, werden Sie von früher her wissen.

Alles, was zum Zweck des Drucks nöthig wird, an Abzügen, Probedrucken und dergleichen, muß, zum Schluß, vernichtet oder in meine Hände abgeliefert werden; ich bitte Sie, hochgeehrter Herr, mir eine ausdrückliche Erklärung darüber zukommen zu lassen, ob Sie mir eine Garantie gegen Veruntreuung einzelner Exemplare durch beschäftigte Arbeiter, Druckergehülfen und dergl. geben können. —

Daß ich ein Freund tiefschwarzen Drucks bin und solchen auch für die Correkturbogen mir ausbitte, wissen Sie von früher her. Ausstattung und Papier sollen vollkommen dem letztgedruckten (dritten) Theile meines Zarathustra entsprechen.

Mit Hochachtung
Ihr ergebenster
Dr. Friedrich Nietzsche
Prof.

580. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, Sonnabend. <14. März 1885>

Mein lieber Freund,

als ich Ihre Mittheilung bekam, hatte ich eine Stunde lang großes Vergnügen, um Ihretwillen und um meinetwillen; denn ich weiß Sie lieber in V<enedig> als in Z<ürich>, und mich gleichfalls. Hinter drein aber bin ich Ihnen beinahe böse geworden: es schien mir, Sie hätten in Anbetracht alles dessen, worüber wir im vorigen Frühjahr übereinkamen, (nämlich, daß es für das fernere Schaffen vorbei sei mit Venedig, und etwas Neues, klimatisch-Grundverschiedenes versucht werden müsse) sich entschließen sollen, nach Genua zu gehn, oder vielmehr mir ein paar Worte früher schreiben. Ich wäre bereit gewesen, Sie in Genua, Santa Marguerita, Porto fino einen Monat lang und mehr herumzuführen und mit Ihnen zu erwägen, ob und wie da für Sie zu leben wäre. — Aber nun ist das zu spät, und ich bin Ihnen auch schon lange nicht mehr böse. Ich sage sogar, daß Ihr Venedig auch mir die liebste Verführung ist, und daß es nicht lange mehr dauern wird, so bin ich verführt. Meine Gesundheit ist schlecht, der Zustand der Luft und des Himmels anders als andre Winter, und viele seltsame Melancholien sind mir über das Herz gelaufen, — vom eigentlichen Kranksein nicht zu reden.

Mit den Augen steht es schlimm und schlimmer. — Es kommt vielleicht dieser Tage ein Druckbogen bei Ihnen an: seien Sie nicht ungeduldig, lieber Freund und helfen Sie mir auch dies Mal noch. Es ist der vierte und letzte Theil von „Also s<prach> Z<arathustra>“; der Titel, welchen ich Ihnen das letzte Mal brieflich meldete, war eine Verlegenheits-Auskunft in Hinsicht auf einen neuen Verleger. Damals nämlich suchte ich einen Verleger, und billigerweise hätte ich keinen „vierten Theil“ anbieten können. Für das, was ich noch zu sagen habe comme poète-prophète, brauche ich eine andre Form als die bisherige; und es war eine harte Sache, mich um eines Verlegers willen zu einem solchen Titel zu entschließen. Genug, ich fand keinen Verleger und drucke nun mein Finale auf eigne Kosten. Dafür nur in wenig Exemplaren und nicht für die „Öffentlichkeit“. Bitte, schreiben und sprechen auch Sie nicht davon, daß es einen 4ten <Zarathustra> giebt.

Ihr Orpheus hat mich sehnsüchtig-schwermüthig gemacht. Ach, Freund, daß Sie mir schreiben könnten, Ihre Dichtung sei gedichtet! Es ist eine herrliche Erfindung.

Denken Sie im Spazierengehen daran, mir ein Zimmer, das für mich paßt, zu schaffen — hoch, still, voller Möbel, alterthümlich, und bei reinlichen rechtschaffnen Leuten. Ihr Freund

Nietzsche.

581. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> Sonnabend <14. März 1885>

Endlich, meine Lieben, das will sagen: seit einer Stunde kann ich Euch Nachricht und Aufschluß darüber geben, was ich dieses Frühjahr thun will. Zürich ist nämlich, durch eine plötzliche Entschließung von Hrn. Köselitz, aus dem Programm gestrichen worden; er meldet mir heute morgen, daß er es daselbst absolut nicht mehr aushalte und auf dem Wege nach Venedig sei. Nun habe ich ein Zusammentreffen mit Hr. K<öselitz> auf Grund gemeinsamer Pläne jetzt nöthig; auch ist Venedig für meinen gegenwärtigen Zustand der Augen die wohlthätigste aller Städte —: genug, ich bin sehr erfreut über diese Wendung, welche mir die Reise nach Zürich erspart.

Dem armen K<öselitz> ist es mit Zürich ergangen, wie mir seiner Zeit (das will sagen ungefähr 10 Jahre meiner Jugend!) mit Basel: das Clima dieser Städte ist im Widerspruch mit unsern produktiven Fähigkeiten, und diese beständige Qual macht uns krank. Nach der Seite hin war Basel ein ganz großes Unglück für mich, noch heute leide ich an der schrecklichen Nachwirkung dieser Zeit (und werde nicht mehr davon loskommen).

Man wird tüchtig für seine Unwissenheit bestraft: hätte ich mich zur rechten Zeit mit medizinischen, klimatologischen und dergleichen Problemen beschäftigt, statt mit Suidas und Laertius Diogenes: ich wäre kein halb-zu-Grunde-gerichteter Mensch. — —

Also: ich habe das Meer nöthig usw. Pardon, ich langweile Euch mit diesen alten Geschichten.

Und so verliert man seine Jugend, und ist nun schon über 40 hinaus, und immer noch in den ersten Experimenten über das, was man nöthig hat, und spätestens seit 20 Jahren haben sollte. —

Ihr seht, ich bin wieder heiterer, der wesentlichste Umstand ist wohl der, daß Herr Lanzky fort ist. Ein sehr achtungswürdiger Mensch und mir sehr zugethan — aber was liegt mir an dem Beiden! Er bedeutete für mich das, was ich „bedecktes Wetter“ „deutsches Wetter“ und dergleichen nenne. Es lebt übrigens jetzt Niemand, an dem mir viel gelegen wäre; die Menschen, die ich gerne habe, sind lange, lange todt, z. B. der Abbé Galiani oder Henri Beyle oder Montaigne.

Über die Zukunft meiner Schwester mache ich mir meine Gedanken: das will sagen, ich glaube nicht recht an ein Zurückkehren des Hr. Dr. Förster nach Paraguay. Europa ist gar nicht so klein, und wenn man nicht in Deutschland leben will (worin ich ihm gleichgeartet bin) so braucht man noch lange nicht so weit zu gehn. Zum Enthousiasmus für „deutsches Wesen“ habe ich’s freilich noch wenig gebracht, noch weniger aber zum Wunsche, diese „herrliche“ Rasse gar rein zu erhalten. Im Gegentheil, im Gegentheil —

Pardon, Ihr seht, wie heiter ich bin. Vielleicht, daß wir uns dies Jahr wiedersehn. Aber nicht in Naumburg: Ihr wißt, es bekommt mir schlecht, und der Ort hat Nichts in meinem Herzen, was für ihn spricht. Ich bin dort nicht „geboren“, und niemals „heimisch“ geworden.

Rückenschmerzen, wie sonst. Nizza diesen Winter ausnahmsweise weniger hell und trocken. Vor Ende März werde ich aber schwerlich weg können.

Euch in Liebe zugethan

F.

Ich vergaß mich für Deinen Brief, meine liebe Mutter, der sich mit dem meinen gekreuzt hat <zu danken>. Es ist mir nicht in den Sinn gekommen, Etwas „übel zu nehmen“ — — im Gegentheil!

582. An Paul Lanzky in Florenz (Entwurf)

<Nizza, Mitte März 1885>

So geht es, wenn man nicht am rechten Orte Halt macht, nämlich in St. M., wo es Etwas Gutes zu sehen und auch Etwas zu machen gab.

Die Heiterkeit des „Himmels“ hängt davon ab, daß es sehr viele gute Dinge auch zu machen giebt: und daß das Leben zu kurz ist, um je damit fertig zu werden (— dies ist die Feinheit der Sache)

— Seit Sie fort sind, habe ich es wieder so weit gebracht, fortwährend meinem Lebensloose dankbar zu sein, das mir erlaubt in Nizza zu leben (und nicht im trüben Deutschland), wo ich nicht nöthig habe, mein thatsächliches „Eremitenthum“ auf eine brutale Weise auch noch zur Schau zu tragen. Ich liebe den Komödianten-Mantel mehr als die Kapuze-Trägerei.

583. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, Mitte März 1885>

Als ich deinen Brief las, kam mir wieder einmal zum Bewußtsein, weshalb mich einige feinere Köpfe in Deutschland für irrsinnig halten oder gar erzählen, ich sei im Irrenhaus gestorben. Ich bin viel zu stolz als je zu glauben, daß ein Mensch mich lieben könne: dies würde nämlich voraussetzen, daß er wisse, wer ich bin. Ebensowenig glaube ich daran, daß ich je Jemanden lieben werde: das würde voraussetzen, daß ich — einmal — Wunder über Wunder! — einen Menschen meines Ranges fände — Vergiß nicht, daß ich solche Wesen wie Rich<ard> W<agner> oder A. Schopenhauer eben so sehr verachte als tief bedaure und daß ich den Stifter des Christenthums als oberflächlich empfinde im Vergleich mit mir ich habe sie alle geliebt, als ich noch nicht begriff, was der Mensch ist.

Es gehört zu den Räthseln, über die ich einige Male nachgedacht habe, wie es möglich ist, daß wir blutsverwandt sind. — Was mich beschäftigt, bekümmert, erhebt, dafür habe ich nie einen Mitwisser und Freund gehabt! es ist Schade, daß es keinen Gott giebt, damit es doch Einer wüßte.. — So lange ich gesund bin, habe ich guten Humor genug, um meine Rolle zu spielen und mich vor aller Welt darunter zu verstecken zb. als Basler Professor. Leider bin ich sehr viel krank, und dann hasse ich die Menschen, welche ich kennen gelernt habe, unsäglich, mich eingerechnet. —

Meine liebe Schwester, das Wort unter uns — und Du darfst den Brief hinterdrein verbrennen. Wenn ich nicht ein gut Stück von einem Schauspieler wäre, so hielte ich’s nicht eine Stunde aus, zu leben.

Für Menschen, wie ich bin, giebt es keine Ehe: es sei denn im Stile unseres Goethe. Ich denke nicht daran, je geliebt zu werden.

Wenn ich Dir sehr gezürnt habe, so ist es, weil Du mich zwangst, die letzten M<enschen> aufzu<ge>ben, mit welchen ich ohne Tartüfferie sprechen konnte. Jetzt — bin ich allein.

mit denen ich ohne Maske von den Dingen reden konnte, die mich interessiren. Was sie von mir dachten und hielten, war mir sehr gleichgültig. — Jetzt bin ich allein.

Verbirg diesen Brief unserer Mutter und — — —

Es scheint mir, daß ein Mensch, bei dem allerbesten Willen, unsäglich viel Unheil anstiften kann, wenn er unbescheiden genug ist, denen nützen zu wollen, deren Geist und Wille ihm verborgen ist.

Um ein Beispiel zu nehmen: die gute Malvida hat ihr ganzes Leben nichts als Unheil angestiftet, Dank jener eben genannten Unbescheidenheit.

Sei mir eines solchen Briefs wegen nicht böse! Es liegt mehr Artigkeit darin, als wenn ich wie gewohnt, eine Komödie spiele.

Du weißt, daß ich von den Franzosen dieses Jahrhunderts Henri Beyle (Stendhal) am liebsten habe. Von seinen Schülern ist bei weitem der einflußreichste Taine: um Dir einen Begriff von ihm zu geben, sende ich Dir seinen M. Graindorge, ein Buch, das für meinen Geschmack etwas zu harmlos ist, aber vielleicht um so mehr geeignet ist, dir einen günstigen Begriff von seinem Verfasser zu geben.

584. An Heinrich von Stein in Halle (Entwürfe)

<Nizza, Mitte März 1885>

Diesen Winter bekommt man keine Briefe von mir, ich bin augenleidend, in einem Grade, daß ich fürchte, eines Tages und ganz plötzlich, blind zu sein — Dies sage ich nur, um mich zu entschuldigen, dafür daß ich auf Ihren Brief so spät antworte. — Mein werther Freund, Sie wissen nicht, wer ich bin, noch was ich will. Mein Vortheil ist es, zuzusehen, was Andere thun und wollen, ohne selber dabei erkannt zu werden. — Ich weiß sehr gut, daß Ihre Liebe und Verehrung für R<ichard> W<agner> zu groß ist, als daß Sie einen M<enschen> erkennen könnten, der grundsätzlich von ihm verschieden ist. Was würden Sie von mir denken, wenn ich sagte, daß ich R<ichard> W<agner> eben so sehr tief bedaure als verachte? Sie würden denken, ich sei verrückt. Es ist mein Loos, mich nur unter Masken zu zeigen, ich bin sehr ehrlich gegen Sie, Ihnen so viel von mir zu verrathen. —

Dies unter uns

Ihr ergebenster
N

Sie gefallen mir sehr: nur sollten Sie ernsthaft Dichter und schlechterdings nicht Aesthetiker und Philosoph sein wollen.

Was R<ichard> W<agner> anbetrifft, von dem Ihr Brief redet: so gehört er zu den Menschen, welche ich am meisten geliebt und auch am meisten bedauert habe. Doch liegt es mir ferne, mich je mit ihm zu verwechseln oder zu vergleichen: er gehört einer ganz anderen Ordnung von Menschen an — und am letzten wohl zu den großen Schauspielern —

Es ist schwer zu erkennen, wer ich bin: warten wir 100 Jahre ab: vielleicht giebt es bis dahin irgend ein Genie von Menschenkenner, welches Herrn F. N. ausgräbt. — Im Übrigen — unter uns gesprochen — habe ich Gründe vorsichtig zu sein und Schritt für Schritt zu thun. Schon diesen 4ten Z<arathustra> habe ich nicht mehr der Öffentlichkeit anvertraut.

Dies Werk — es braucht Ihnen nicht zu gefallen, Sie sollen sich ja keinen Zwang anthun! Werke dieser Art sind sehr anspruchsvoll, sie wollen Zeit. Da muß erst die Autorität von Jahrhunderten dazu kommen, daß so Etwas recht gelesen wird. Einstweilen — — —

Ich will bei Gelegenheit einmal den deutschen Musikern die Leviten darüber lesen, was sie von W<agner> zu lernen und zu verlernen haben — sonst bleibt auch in der Geschichte der Musik W<agner> schließlich wie ein großer Thunichtgut übrig

Was aber gar das Reich der Erkenntniß angeht — um des Himmels Willen, wo haben Sie Ihre Augen — was hat da dieses Genie der deutschen Unklarheit zu schaffen, der Nichts ordentlich gelernt und Alles durcheinander gemantscht hat, Pardon und — — —

Soll denn dieses Genie der deutschen Unklarheit auch noch nach seinem Tode fortfahren Unfug zu stiften? Sie mir in einem trüben Winter unter Freunden mit dem W<agner> L<exikon> beschäftigt zu denken — nein, dabei jammert’s mich und ich gedenke meiner eigenen elenden Zeiten, als ich jung war. Lesen Sie doch zur Wiederher<stellung> etwas Stärkend<es> und Herzerh<e>bend<es>, lesen Sie Montaigne — falls Sie zu meinem eigenen, freilich gefährlich starken Wein keinen Durst haben, und noch nichts von besseren Büchern wissen.

Ihnen als dem Verfasser des Wagner-Lexikons! in das ich inzwischen auch ein Mal hineingeblickt habe — und daß ichs ausspreche, mit einem unsäglichen Abscheu vor diesem anmaaßlichen Gefasel über jeglich Ding. „Man soll diesen Sumpf nicht aufrühren“ μὴ κωὴ καμαρώοου, sagte der Syrakusaner — — —

585. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza Donnerstag <19. März 1885>

Geehrter Herr,

es wird mir eben gemeldet, daß Herr Heinrich Köselitz, der mich, wie ich Ihnen mittheilte, in der Correctur unterstützen wird, inzwischen seinen Wohnort gewechselt hat. Seine Adresse ist:

Venezia (Italia)

San Canciano calle nuova 5256

Das Manuscript, hier am 12. d. M. abgesandt, wird in Ihren geehrten Händen sein. Ich bitte nochmals um die größte Beschleunigung des Drucks.

Was das Papier betrifft, so bitte ich doch ein besseres, namentlich stärkeres Velin zu wählen, als zum Druck des dritten Theils verwendet wurde: nur die Farbe muß ähnlich sein. —

Was die Zahl der Exemplare betrifft, so habe ich mich auch (entgegen meiner ersten Mittheilung) zu einem „Mehr“ entschlossen: ich ersuche Sie, im Ganzen 40 Exemplare herstellen zu lassen. —

Im Übrigen wissen Sie, daß ich ein gutes Vertrauen zu Ihrer Druckerei habe, es ist die beste, welche ich bisher kennen lernte.

Ihr ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche.

NB Eben erhalte ich Ihre Zeilen. „Discret, gut und billigst“ va benissimo!

Aber das Ms. ist noch nicht in Ihren Händen! —

586. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 24. März 1885> Dienstag Mittag.

Meine liebe Mutter,

Hier sind ein paar Blumen für das gute Lama; ich rechne nämlich aus, daß dieselben zu gleicher Zeit bei ihr ankommen können, wie Herr Dr. Förster: so daß sie sich damit hübsch schmücken kann. Man sagt mir, daß die Blumen sofort in warmes Wasser gesetzt werden müssen, bei der Ankunft: dann erhalten sie sich noch einige Tage wie frisch.

Herzlich grüßend
(Fast immer krank) Dein F.

587. An Malwida von Meysenbug in Rom

<Nizza,> Donnerstag <26. März 1885>

Verehrte Freundin,

Sie wundern sich darüber, daß ich Ihnen gar nicht mehr schreibe? Ich wundere mich gleichfalls darüber; aber immer, wenn ich mich dazu anschickte, legte ich endlich die Feder wieder weg. Wüßte ich die Gründe dafür genau, so würde ich mich nicht mehr wundern, aber — vielleicht betrüben.

Es gieng mir nicht gut, den ganzen Winter (die trockne Luft fehlte mir, dank den Abnormitäten dieses Jahrs), und als Ihr gütiger Brief zu mir kam, lag ich zu Bett, sehr leidend. Aber das ist eine alte Geschichte, und im Grunde bin ich’s satt, Briefe über meine Gesundheit zu schreiben. „Helfen“ — wer könnte mir helfen! Ich selber bin bei weitem mein bester Arzt. Und das Positivum, daß ich’s aushalte und meinen Willen durchsetze unter viel Widerständen, ist mein Beweis dafür.

Es war den Winter über ein Deutscher um mich, der mich „verehrt“: ich danke dem Himmel, daß er fort ist! Er langweilte mich, und ich war genöthigt, so Vieles vor ihm zu verschweigen. Oh über die moralische Tartüfferie aller dieser lieben Deutschen! Wenn Sie mir einen Abbé Galiani in Rom versprechen könnten! Das ist ein Mensch nach meinem Geschmack. Ebenso Stendhal. — Was Musik angeht: so habe ich letzten Herbst gewissenhaft und neugierig die Probe gemacht, wie ich jetzt zu R. Wagner’s Musik stehe. Was mir diese wolkige, schwüle, vor allem schauspielerische und prätentiöse Musik zuwider ist! So sehr zuwider als — als — als — tausend Dinge, zum Beispiel Schopenhauer’s Philosophie. Das ist Musik eines mißrathenen Musikers und Menschen, aber eines großen Schauspielers — darauf will ich schwören. Da lobe ich mir die tapfere und unschuldige Musik meines Schülers und Freundes Peter Gast, eines ächten Musikers: der mag einmal für seinen Theil dafür sorgen, daß die Herrn Schauspieler und Schein-Genies nicht mehr zu lange den Geschmack verderben. — Der arme Stein! Er hält R. Wagner sogar für einen Philosophen!

Warum rede ich davon? Es ist nur, daß ich Ihnen irgend ein Beispiel gebe. Es ist der Humor meiner Lage, daß ich verwechselt werde — mit dem ehemaligen Basler Professor Herrn Dr. Friedrich Nietzsche. Zum Teufel auch! Was geht mich dieser Herr an! —

Sehen Sie, meine verehrte Freundin, das ist ein Brief „unter vier Augen“.

Ende dieses Monats kommt Herr Dr. Förster nach Naumburg, von der Liebe beschleunigt, nämlich um einen Monat früher als es die Vernunft seiner Land-Studien wollte. Was ich froh bin über diese Wendung! Und wie ich hoffe, damit für die Zukunft einer ganz lebensgefährlichen Art von Folterung enthoben zu sein, welche diese letzten Jahre über mich verhängt war! —

Geben Sie mir doch die Adresse jenes Klosters! Es könnte sein, daß ich vielleicht im Herbst einmal den Versuch mit Rom mache, vorausgesetzt, daß ich incognito dort leben kann, und meiner Einsiedler-Natur nichts Widernatürliches zugemuthet wird.

Sie wissen doch, wie sehr ich Ihnen zugethan bin?

Ihr
N.

Ich liebe diese Küste nicht, ich verachte Nizza, aber im Winter hat es die trockenste Luft in Europa.

588. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Nizza, 30. März 1885>

Lieber Freund,

seltsam! Ich erinnere mich gar nicht mehr, daß ich jemals eine Reise nach einem Orte hin mit Vergnügen unternommen hätte. Aber diesmal: — zu denken, daß ich bald in Venedig und bei Ihnen sein werde, erquickt mich, entzückt mich, es ist wie die Hoffnung auf Genesung bei einem lange und geduldig Kranken. Dabei habe ich entdeckt, daß Venedig mir bisher allein gefallen und wohlgethan hat: oder vielmehr, ich sollte ganz andre (und bescheidenere) Ausdrücke gebrauchen. Als Landschaft ist mir Sils-Maria verwandt (leider nicht als Ort) — wüßte ich nur, wie ich dort mir eine würdige Einsamkeit und Einsiedlerschaft erhalten könnte! Aber — es kommt in Mode!

Sie selber aber, mein lieber Freund und maestro, gehören einstweilen für mich wesentlich zu Venedig, und im Grunde höre ich nichts lieber, als daß Sie dieser Stadt noch nicht müde sind. Wie Viel habe ich neuerdings an Sie und über Sie gedacht!

Sogar, als ich in den mémoires des alten De Brosses (1739—40) über Venedig las und über den damals berühmtesten maëstro, nämlich Hasse (il detto „Sassone“). Sein Sie nicht böse, es liegt mir ferne, unehrerbietige Vergleichungen zu machen.

An Malvida schrieb ich dieser Tage, Herr Peter Gast werde für seinen Theil dafür sorgen, daß die Herrn Schauspieler und Schein-Genies der Musik nicht mehr lange den Geschmack verderben. „Nicht mehr lange“ — das ist vielleicht eine große Übereilung. In einem demokratischen Zeitalter ist das Schöne jeder Art Eigenthum Weniger: pulchrum paucorum est hominum. Ich freue mich, in Ihrem Falle ein „Weniger“ zu sein. Die Menschen, die tief und lustig genug für mich sind, mit âmes mélancholiques et folles, gleich meinen verstorbenen Freunden Stendhal und Abbé Galiani, haben es auf Erden nicht aushalten können ohne die Liebe zu einem Musiker des Glücks (Galiani nicht ohne Piccini, und Stendhal nicht ohne Cimarosa und Mozart)

Ah, wenn Sie wüßten, wie allein ich jetzt auf der Welt bin! Und wie viel Komödie noth thut, um nicht, hier und da, aus Überdruß, irgend Jemandem in’s Gesicht zu spucken! Glücklicher Weise ist etwas von den höflichen Manieren meines Sohnes Zarathustra auch in seinem verrückten Vater vorhanden.

Wenn ich aber zu Ihnen und nach Venedig komme, hat es, für eine Zeit lang, einmal mit der „Höflichkeit“ und der „Komödie“ und dem „Überdruß“ und der ganzen verfluchten Nizza-haftigkeit ein Ende — nicht wahr, mein werther Freund?

Nicht zu vergessen: es werden wieder „bajicoli“ gegessen!

Von Herzen
Ihr N.

NB. Ich will hier die Beendigung des Drucks abwarten.

589. An Franz Overbeck in Basel

Nizza 31 März 1885.

Alles ist glücklich in meinen Händen, ich danke Dir, lieber alter Freund, für alle diese Sorge und Sorgfalt um mich. Du schreibst nichts von Deiner und Deiner lieben Frau Gesundheit: ich nehme es als ein gutes Zeichen, daß Ihr diesen sonderbaren Winter glücklicher bestanden habt als ich. Für mich gab es viel Überwindung, viel kranke Tage. Mit den Augen steht es immer bedenklicher. Die Mittel Schiessens haben nichts geholfen. Seit vorigem Sommer ist eine Wendung eingetreten, die ich nicht verstehe. Flecken, Verschleierung, auch Thränenfluß. Ich darf schwerlich wieder nach Nizza: die Gefahr, überfahren zu werden, ist hier zu groß. Bei Tische hat man mir immer vorlegen müssen, ich mag bei diesem Zustande nicht mehr in Gesellschaft essen.

Es ist wahrscheinlich, daß ich mir die Reise nach dem Norden erspare, die Gefahren und Aufregungen des Allein-Reisens sind jetzt zu groß für mich geworden. — Dr. Förster ist aus Paraguay zurückgekehrt, großer Jubel in Naumburg. Vielleicht entsteht aus der Verheirathung meiner Schwester auch für mich Etwas Gutes: sie wird die Hände voll zu thun haben und Jemanden besitzen, dem sie völlig vertrauen darf und dem sie wirklich nützen kann: was Beides, bisher, in Bezug auf mich, nicht immer möglich war.

Vom Prozeß contra Schm<eitzner> höre ich nichts Neues. Er hatte sich selber zuletzt den ersten Januar als Termin gesetzt, aber ihn wieder, wie früher, verstreichen lassen, ohne „Mucks“. — Was ich am meisten wünsche, meine 3 ersten Theile Zarathustra ihm aus den Händen und damit aus der „Publicität“ zu ziehn, läßt sich vielleicht erreichen.

Natürlich habe ich für den vierten Z<arathustra> keinen Verleger gefunden. Nun, ich bin’s zufrieden und genieße es sogar als ein neues Glück. Wie viel Scham war immer, bei allen meinen Publicationen, für mich zu überwinden! Wenn ein Mensch, wie ich, die Summe eines tiefen und verborgenen Lebens zieht, so gehört dergleichen vor die Augen und Gewissen der ausgesuchtesten Menschen. Genug, es hat Zeit. Mein Verlangen nach Schülern und Erben macht mich hier und da ungeduldig und hat mich, wie es scheint, in den letzten Jahren sogar zu Thorheiten verleitet, welche lebensgefährlich waren. Zuletzt bringt mich das ungeheure Schwergewicht meiner Aufgabe immer wieder zum Gleichgewicht: und ich weiß ganz gut, was zuerst und zunächst allein Noth thut. —

Ich las jetzt, zur Erholung, die Confessionen des h<eiligen> Augustin, mit großem Bedauern, daß Du nicht bei mir warst. Oh dieser alte Rhetor! Wie falsch und augenverdreherisch! Wie habe ich gelacht! (zb. über den „Diebstahl“ seiner Jugend, im Grunde eine Studenten-Geschichte.) Welche psychologische Falschheit! (zb. als er vom Tode seines besten Freundes redet, mit dem er Eine Seele gewesen sei, „er habe sich entschlossen, weiter zu leben, damit auf diese Weise sein Freund nicht ganz sterbe“. So etwas ist ekelhaft verlogen.) Philosophischer Werth gleich Null. Verpöbelter Platonismus, das will sagen, eine Denkweise, welche für die höchste seelische Aristokratie erfunden wurde, zurecht gemacht für Sklaven-Naturen. Übrigens sieht man, bei diesem Buche, dem Christenthum in den Bauch: ich stehe dabei mit der Neugierde eines radikalen Arztes und Physiologen. —

Über das plötzliche Verschwinden unsres „rückfälligen“ Musikers, der auch mich mit einer Karte consternirte, war ich böse. Zuletzt hilft es nichts, ich muß wieder, wie voriges Jahr, nach Venedig und zusehn, woran es eigentlich fehlt. Wir wollen übrigens billig sein: er führt seit Jahren, eine unwürdige Hunde-Existenz als Notenschreiber, was Wunder, wenn er einmal aus der Haut fährt! Das Abschreiben ungeheurer Partituren, das Machen von Klavierauszügen, in den produktivsten Jahren eines produktiven Menschen, wo etwas ganz Anderes noth thut, ist für mich ein Jammer. So schlecht hat es R. Wagner nicht gehabt, und selbst Herr Bungert beschäftigt zu solchen Zwecken andre Musiker und Notenschreiber. Es fehlt Geld — voilà tout! Und deshalb muß dieser „Löwe von Venedig“ erst öffentlich brüllen. Und ich will thun, was ich kann.

Über die Maaßregel des Fl. v. Salis habe ich gelacht. Das gehört unter die Feinheiten der agents provocateurs: sie wollte genau Das, was sie erreicht hat, eine Abweisung, um daraus für die „Agitation“ Capital zu schlagen.

Mich Dir und Deiner lieben Frau zu freundlichem Angedenken empfehlend immer Dein

F. N.

590. An Heinrich Köselitz in Venedig

Oster-Montag früh. <Nizza, 6. April 1885>

Lieber Freund,

eben erhalte ich Ihre Correctur des fünften und sechsten Bogens, wieder mit Dank und Bewunderung der feinen Augen und der feinen Sorgfalt meines Herrn Correctors. —

Ich halte dafür, daß wir jetzt sehr bald uns wiedersehn. Übermorgen (Mittwoch) will ich abreisen; ich hatte bei meiner Zeit-rechnung die christlichen Feste nicht in Betracht gezogen, durch welche die Druckzeit meines IV. Z<arathustra> sich bedeutend verlängert. Wenn ich hier auch nicht „auf Kohlen“ sitze, so will ich doch sehr aufathmen, wenn ich erst wieder an der Lagune sitze. Der Winter war ein großes Pensum der Selbst-Überwindung, und mein einziges Gebet früh und spät „mein Herr, fahren Sie nicht aus der Haut!“

Meine Bitte, lieber Freund, mich hübsch venetianisch irgendwo unterzubringen, — still muß es sein! — habe ich Ihnen schon vorgetragen. Aber machen Sie sich keine Noth deshalb, lassen Sie den Zufall Ihnen etwas zuflüstern! Thut er’s nicht, nun, so versuche ich’s und probire eine Zeit lang dies und das.

Was ich mich auf Ihre Musik freue! — Nehmen wir an, daß ich Freitag Abend in Venedig bin. Jedenfalls telegraphire ich von Genua aus. Meine dumme Gesundheit erlaubt mir nichts fest zu versprechen.

In Freundschaft Ihr
N.

591. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 8. April 1885>

Meine Lieben,

herzliche Glückwünsche allerseits!
Morgen geht es fort nach Venedig.
Meine Adresse:

Venezia (Italia)
poste restante.

In Liebe Euer F.
(sehr augenleidend!!!)

592. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Nizza, Mittwoch . <8. April 1885>

Mein lieber Freund,

morgen früh geht es fort: ein Winter voll viel Noth und Selbst-Überwindung ist wieder hinter mir! — Mit den Augen steht es zum Schlimmsten, es verlangt mich sehr nach der dunkelsten aller Städte, nach Venedig. — Ein Tag ist für Genua zurückbehalten: diesem Ort bin ich tief dankbar, und vielleicht passen wir auch fernerhin zu einander. Adresse: Venezia poste restante.

Von Herzen Dein N.

593. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Nizza, 9 April 1885.

Mein lieber alter Freund,

ich bin sehr betrübt durch die Andeutung, welche Du mir in Betreff der Gesundheit Deiner lieben Frau machst. Nun lebe ich zwar hier an einem Orte, wo es Einem nicht an allerlei Ermuthigungen in dieser Hinsicht gebricht; es ist mir sogar erstaunlich, wie lange, wie (relativ) gut und namentlich wie heiter durchschnittlich ein solcher Zustand ertragen wird. Es scheint, wenn das Leben nicht selber eine lebensgefährliche Sache wäre, diese Krankheit würde es noch nicht dazu machen. So bitte ich Dich denn, auch bei dieser Herzenssorge Deinen Himmel hell zu erhalten, so viel es nur möglich ist.

— Was meine Angelegenheit betrifft, über welche ich Dir Mittheilung machte, so bin ich mitten im Druck; C. G. Naumann hat versprochen „diskret“, gut, billigst“, und ich habe Gründe, an seine Versprechungen zu glauben. Bei einem Worte Deines Briefes kam ich auf den Gedanken, daß zum mindesten das Motto dieses Finale Dir sehr nach dem Herzen sein werde.

Wenn Alles fertig ist, will ich Dir erzählen, wie es steht: Du kannst dann erwägen, was in Deinen Kräften steht. Du bist, mein lieber alter Freund, in dieser Sache vor mir vollkommen frei: in meiner Liebe zu Dir verrückt sich Nichts um einen Zoll, gehe es so oder so. Aber dies versteht sich, unter Menschen, wie wir sind, von selber.

— Morgen breche ich auf und gehe für ein paar Monate nach Venedig. Ich bin sehr augenleidend, und sehne mich nach dem Dunkel seiner Gäßchen. Zuletzt ist es die einzige Stadt, die ich liebe. Und dann ist der einzige Musiker dort, der jetzt Musik macht, wie ich sie liebe, nämlich unser Freund „Peter Gast“. Weißt Du wohl, was den goldigen Glanz des Glücks, was ächte Naivetät, was Meisterschaft im Sinne alter Meister betrifft, so ist dieser Köselitz jetzt unser erster Componist. Es gehört freilich eine gute Nase dazu dies herauszuriechen. Unsre Zeit ist durch die prätensiöse und übertreibende Theater-Musik R<ichard> W<agner>’s (welcher zuletzt ein Schauspieler war, ein sehr großer Schauspieler, auch als Musiker, aber nicht mehr!) arg verdorben in allen Angelegenheiten des musikalischen Geschmacks und Wohlgeschmacks. Die Oper unsres Freundes, welche absolut jetzt auf die deutschen Bühnen muß, heißt „der Löwe von Venedig“. Da wird Einem endlich einmal wieder venetianisch-wohl, wie 1770 ungefähr. —

Meine Adresse: Venezia, poste restante.

Dir und Deiner lieben Frau meine angelegensten und herzlichsten Wünsche.

594. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)

Genova, 10 Aprile 1885. 7. 10 mattina.

Venio questa sera.

Amico.

595. An Bernhard Förster in Naumburg

Venedig, Donnerstag. <16. April 1885>

Lieber und sehr werther Herr Doctor,

— endlich eingerichtet: Geistes-Gegenwart, Tintenfaß-Gegenwart und Alles, was dazu gehört, um einen Brief zu schreiben. Voilà!

Hier und da fällt auch mir ein guter Tag vom Himmel: so geschah’s kürzlich, als ich wieder in der Stadt war, die ich allein liebe. Und da gerade, zu allen den guten Geschenken eines ersten Vormittags auf dem St. Marco-Platze, kam mir auch noch Ihr Brief zu Händen. Es ist gar nicht möglich, daß ich einen Brief unter herzlicheren Empfindungen lesen kann. —

— Also, es hilft Nichts, meine Schwester geht „in die weite weite Welt“ und mit Ihnen, mein lieber Herr Doctor. Die Liebe führt das Lama — Pardon! so nannte ich sie bisher — wie mir scheint, in viele Gefahren, fernab von der Heimath, in ein Leben voller Versuche, wo Manches schief, Manches gut gehn wird: in summa es erwartet sie eine tapfere Zukunft. In dem Allen thut sie mir es gleich: es scheint, dies gehört zur Rasse. Und wenn die Liebe sie in weniger „abstrakter“ Gestalt führt als mich, so hat sie vielleicht von uns Beiden den besseren Geschmack, und „den besseren Theil“ erwählt: nämlich Herrn Bernhard Förster. Die Frauen sind in solchen Dingen schlauer als die Männer: unsereins läuft der „Wahrheit“ und solchen andern blassen Schönheiten nach, und schließlich, wenn man es weit bringt, bringt man es so weit, bei dieser Leidenschaft, daran zu zweifeln, ob man noch im Stande ist, irgend einen Menschen recht aus letztem Herzensgrunde zu lieben: was, nach Briefen und sonstigen Dokumenten der Seele zu schließen, meiner Schwester ganz und gar nicht widerfahren ist.

Dies soll nicht ein Seufzer meinerseits sein, sondern nur ein Einwand gegen eine gewisse allzuschmeichelhafte und unverdiente Wendung Ihres viel zu ernsten Briefes. Man soll, wenn man liebt, eine Sache auch mit ihren schlimmen Kehrseiten lieben (wie das Leben einmal eingerichtet ist, bezahlt man Alles etwas zu theuer — scheint mir) Umgekehrt: um mit meinem Sohne Zarathustra zu reden: „jedwedes schlimme Ding hat zwei gute Kehrseiten“ — und was Ihnen fürderhin auch begegnen mag, verehrter Herr Doctor, meine Schwester wird Ihnen helfen, die „guten Kehrseiten“ und den Himmel wieder hell zu finden. Es scheint, auch dies gehört zur Rasse. —

Mit vielen guten Wünschen, auch unaussprechbaren — Ihr sehr ergebener

Nietzsche.

596. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Venezia (Italia), calle del ridotto, casa Fumagalli. <16. April 1885>

Meine liebe Mutter und Schwester,

in Venedig endlich angekommen, es ist kalt, ich fand nichts von Wohnungen, das nach meinen Wünschen ist, Magen durch diese klimatische Veränderung sehr außer Rand und Band, Augen umschleiert, wie ich’s noch nie im Leben gehabt habe. Genug, es muß Vieles besser werden. Andererseits gefällt mir die Musik meines maëstro so sehr, als nur möglich, nämlich mehr als alle andre Musik — und ich habe nicht mehr viel Dinge übrig, die mir gefallen.

Eben habe ich einen Brief an Herrn Dr. Förster abgeschickt, mit der einfachen Adresse Naumburg a/Saale; ich denke, er ist berühmt genug dazu, daß man nicht mehr nöthig hat.

Meine Wäsche — großer Jammer! Helft mir aus, und schnellstens, wenn es möglich ist! Also: ich habe noch 2 tragbare (ungefähr tragbare) Hemden, Alles Andre sind Lumpen.

Das zuletzt angefertigte Hemd ist im Halse etwas zu eng; das letzte Nachthemd ist zu kurz. Auch mit den Strümpfen steht’s böse.

Auch, bitte, 2 Paar Unterbeinkleider!

Über die Schmeitzner-Angelegenheit bin ich sehr erstaunt. Es kommt mir sehr zustatten, denn ich habe, weil ich diesen Winter keinen Verleger fand, trotz ernstlicher Bemühung, und weil dies Suchen endlich gegen meinen Stolz gieng, den vierten (und letzten) Theil Zarathustra auf eigne Kosten drucken lassen. Es ist übrigens gut so, dieser Theil ist noch weniger als die 3 ersten für die „Öffentlichkeit“; ich bitte darum, daß von der Existenz dieses Theils nicht gesprochen wird; aber ich freue mich, jetzt etwas zu haben, wodurch ich Menschen, welche sich um mich hübsch „verdient“ machen, eine Artigkeit erweisen kann. Die Exemplare sind bisher mir noch nicht ausgehändigt (im Ganzen nur 40) Vielleicht gebe ich C. G. Naumann in Leipzig Auftrag, den Bücher-Ballen nach Naumburg zu expediren: stellt ihn hübsch in eine Ecke und laßt ihn schimmeln!

Meine Sachen fangen erst an, etwas zu taugen, wenn ich selber erst schimmle.

Wozu ich hier in Venedig noch nicht präparirt bin. —

Da fällt mir ein: es giebt ja etwas auszudenken, als Geschenk für die Hochzeit des berühmten und vielgefeierten Lama. Aber hierzu müßt Ihr mich inspiriren, es muß etwas sein, das sie gern mit in ihre ferne neue Heimat nimmt.

In alter Liebe Euer
F.

597. An Heinrich Schieß in Basel (Entwurf)

<Venedig, gegen Ende April 1885>

Meine Augen geben mir große Besorgnisse und noch mehr Unbequemlichkeit und Langeweile. Der Zustand ist so, daß ich mit Mühe lesen kann, durch die Menge Schleier, die vor mir herumschweben: dabei thränen die Augen beständig. Hier, in der feuchten Luft Venedigs, finde ich es viel lästiger als in der trocknen Luft Nizzas: sollte hier das Licht, wegen des vielen Wasserdampfs, eine andre Art von Reizung des Sehnervs hervorbringen als dort, wo die Lichtstrahlen direkter sind und nicht so undulatorisch wirken wie hier? — Mein jetziges Augenleiden scheint mir toto genere verschieden von meinem früheren: das frühere hatte, wie mir scheint, seinen Grund in Ernährungs-störungen des Gehirns, welche den nervus opticus zeitweilig depotenzirten: mein jetziges hat wohl mit der Netzhaut zu thun? Verzeihung für solche Vermuthungen: zuletzt ist es vor Dir eine Unbescheidenheit, auch nur solche Vermuthungen zu äußern.

Die Salbe mit Kali jodatum hat keine irgendwie merkbare Veränderung hervorgebracht.

598. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Venedig, Ende April 1885>

Meine liebe Mutter, ich antworte sofort, sehr erfreut über Deinen Brief und Deine Sendung. Im Grunde bin ich vielleicht niemals so guter Stimmung gewesen wie die letzten Wochen, und es scheint mir, daß ich fortwährend es fühle, wie Ihr bei einander in einer festlichen und freudigen Stimmung seid. Daß ich außerdem einen Musiker habe, der ganz eigens für meinen Geschmack und meine Ohren Musik macht, während ich andre Musik kaum mehr aushalte, ist ein großes Glücks-Geschenk für einen mit schweren Aufgaben überladenen und oft gedrückten, halbzerdrückten Menschen, der nicht mehr ganz jung ist. Es bleibt zu sagen übrig, daß mit meinen Augen es schlimm steht, unheimlich-schlimm; mein ganzes Leben habe ich niemals eine so seltsame und schnell zunehmende Verdunkelung erlebt: es ist Alles vor mir mit Schleiern, welche sich schnell bewegen, überdeckt, dabei thränen die Augen beständig. Für den Sommer muß ich irgend wohin „ins’s dunkle Loch“; ich weiß mir noch nicht zu rathen. Vielleicht nach Vallombrosa, wohin Augenleidende aus Rom zu gehn pflegen: es ist inmitten großer Tannenwälder. Aber freilich, ich möchte nicht wieder mit Herrn Lanzky zusammentreffen, an dem ich diesen Winter mehr „laborirt“ habe als Ihr denken könnt. Ich habe viel Geduld im Verkehr mit den mir fremdesten Naturen; und habe noch Niemanden von mir gestoßen: aber zuletzt büße ich’s immer mit meiner Gesundheit. Am schlimmsten bekommen mir die Langweiligen; am besten die geistigen Hanswürste, — und im Grunde habe ich deshalb, weil man diese unter Deutschen heute nicht findet, fast nur mit Todten Verkehr. — „Bekenntniß einer schönen Seele“, nicht wahr?

Die Steuer hat mich mit 5 frs. gestraft; und gestern, als C. G. Naumann in Leipzig mir Bücher schickte, wurde ich auch mit 5 frs. gestraft: er hatte einen Brief eingelegt, was in Italien strengstens verboten ist. Auf diese Weise werde ich nicht reich, scheint es; aber es schadet meiner guten Laune nichts.

Meine liebe Mutter, Dein Sohn eignet sich schlecht zum Verheirathet-werden; unabhängig sein bis zur letzten Grenze ist mein Bedürfniß, und ich bin für meinen Theil äußerst mißtrauisch geworden in diesem Einen Punkte. Eine alte Frau, und noch mehr ein tüchtiger Diener wäre mir vielleicht wünschenswerther. Wüßte ich nur erst einigermaaßen, wo leben! Du glaubst nicht, an was für delikate Bedingungen die Freiheit meines Kopfes und meine ganze geistige Tüchtigkeit gebunden ist. Und nun die Augen!

Außerdem bin ich gar noch von einer gräßlichen und ganz unmöglichen Verwegenheit meiner Meinungen, ich meine für deutsche Verhältnisse und sittsame gute Freunde und Nachbarn unmöglichen Verwegenheit. Immer aber Komödie spielen, wie ich es so viel thue und gethan habe, geht mir wider den Geschmack; zuletzt ist man doch gerne „bei sich zu Hause“ wenigstens ehrlich. Ich meine: ich kann mir eine „Lebensgefährtin“ gar nicht vorstellen, ohne aus der Haut zu fahren. — —

Gersdorff schrieb mir betrübt: Tuberculose bei seiner Frau constatirt. — Was Köselitzens Oper betrifft: der Löwe von Venedig — die schönste Musik seit Mozart, und doch eine Musik, welche Mozart nicht hätte machen können —, so ist Berlin’s Hoftheater dafür ausgedacht, und Herr von Hülsen wird die Ehre haben, die beste deutsche komische Oper in Scene zu setzen.

Ich sende Herrn Dr. Förster und meiner lieben Schwester die herzlichsten Grüße; auch wißt Ihr, wie hoch ich den Dr. v. Stein schätze (ob er gleich noch im Wagnerschen Sumpfe sitzt, und für meine Denkweise noch keine Nase hat), Dir selber aber den allerschönsten Dank!

Dein F.

Ich wäre gern den Sommer über mit Seydlitzens zusammen, falls sie einen schönen dunklen Wald ausfindig machen. Lisbeth möge ein Bischen nachdenken.

599. An Franz Overbeck in Basel

Venezia 7. Mai 1885.

Sehr erbaut durch Deinen Brief und sehr beruhigt: denn mitunter kam mir der Verdacht, Du möchtest gar den Verfasser des Z<arathustra> für übergeschnappt halten. Meine Gefahr ist in der That sehr groß, aber nicht diese Art Gefahr: wohl aber weiß ich mitunter nicht mehr, ob ich die Sphinx bin, die fragt, oder jener berühmte Oedipus, der gefragt wird — so daß ich für den Abgrund zwei Chancen habe. Das geht nun seinen Gang. —

Der übersandte Brief aus Holland, von einem alten Herrn van Eeden, Direktor des Colonialmuseums in Haarlem, war einer jener „Huldigungsbriefe“, bei denen ich immer mich frage: ob diese selbe Gattung von Menschen, wenn sie mit Einem Male erführen, was ich langsam, langsam vorbereite, mich nicht wie den Tod hassen würden. — Mir ist auch diese Art von Freuden seit langem vergällt. — Mit den Augen steht es hier noch schlimmer als in Nizza; ich habe nach einer erträglichen Wohnung gesucht und gesucht und nichts gefunden, — in solchen Dingen kann mir auch unser K<öselitz> nicht recht rathen und zu Hülfe kommen. Er ist ein ungeschickter Mensch, mit dem man seine Noth hat; und zum Verkehre nicht gemacht, — aber deshalb mir nicht weniger lieb. In seinen eignen Sachen zeigt er sich ebenso gedankenlos und ungeschickt wie in fremden. Er war so ziemlich entschlossen, sein Werk nach Berlin an Hrn. v. Hülsen zu schicken: es kam mir vor wie ein Mittel, wieder lange Zeit nichts davon hören zu müssen. Ich rede ihm zu, den ganz fertigen (prachtvoll gerathenen) Klavierauszug an jenen Musikverleger und ehemaligen Virtuosen Ries (bei Dresden) zu schicken; der will ihm wohl und ist, namentlich wenn er den Klavierauszug druckt, am besten geeignet, zwischen Bühnen und dem Componisten zu vermitteln, — es ist ein sehr erfahrener und bekannter Mann. — An der Musik selber und ihrer Mozartischen Idealität kann ich mich nicht satt hören; es mag aber sein, daß ich dergleichen Musik nöthiger habe als Andre, und insofern auch weniger befähigt bin, ihren Werth festzusetzen. — Einen ganz überraschenden Erfolg hatte ich jüngst, durch einen Brief des Herrn Lanzky: ich hatte gemeint, die Bemühung um ihn, und im Grunde damit dieser Winter in Nizza, sei umsonst gewesen, wie andre Bemühungen meinerseits — aber siehe, es kam anders. Er schrieb wie ein umgedrehter Mensch, von seinem „Pessimismus“ befreit und zu einem ganz ernsthaften wissenschaftlichen Leben entschlossen (ob er schon nicht mehr jung ist). Alles hatte sich verbessert, selbst die Handschrift; er schrieb sehr dankbar. — Den „Kampf um Gott“ habe ich nicht gesehn und mag ihn einstweilen nicht sehn; man bezeugt der Verfasserin, von sehr verschiedenen Seiten her, Respekt. Und wenn Deine liebe Frau auf Grund dieser Art Mémoires und Halb-Roman dem Frl. S<alomé> wieder eine etwas günstigere Beurtheilung gönnt, so soll es mir von Herzen lieb sein; zuletzt hat sie genau das ausgeführt, was ich von ihr in Tautenburg gewünscht habe. Im Übrigen hole sie der Teufel! — Den 22. Mai ist die Hochzeit meiner Schwester, Du verstehst das Datum. Es ist mir der Wunsch ausgedrückt worden (bei meiner Anfrage, womit ich im Stande sei, eine Art „Hochzeitsgeschenk“ zu machen), daß jenes Dürer’sche Blatt „Ritter Tod und Teufel“, welches in Deinen Händen ist, mit diesen beiden Auswanderern als ein werthvolles und tapferes Wahrzeichen, in ihre neue ferne Heimat wandern solle. Es thut mir eigentlich gründlich wehe, es aus Deinen Händen zu nehmen, denn zuletzt hast Du solcher Trostmittel ebenso nöthig als irgend welche Auswanderer, als ein Seefahrer und Vereinsamter auf Deine Art. Vielleicht aber ist es für Deinen Geschmack zu düster: und so sende es, wenn es Dir gefällt, an meine Schwester ab. —

Mein Prozeß gegen Schmeitzner hat, wie ich eben höre, eine überraschende Wendung gemacht: Vater Schmeitzner ist als Bürge eingetreten, und im Juni sollen die 5600 Mark ausgezahlt werden. Da will ich denn zunächst den Druck meines 4ten Z<arathustra> bezahlen. Er ist als Finale gemeint: lies nur einmal die „Vorrede“ des ersten Theils. Der Titel den ich Dir zuerst schrieb, war eine „Condescendenz“ an die Herrn Verleger, welche absolut keine „vierten Theile“ verlegen wollen, wenn sie nicht die drei vorher haben.

Meine herzlichsten Grüße an Deine liebe Frau, und wer sonst in Basel mir wohl will. (Ausdrücklich bemerkt: ich habe weder Burckhardt, noch irgendwem in Basel ein Exemplar geschickt — verschweigen wir, bitte, das Factum, daß ein 4ter Theil existirt.

Dankbar ergeben
Dein Freund N.

Adresse dieselbe wie Köselitzens:
Venezia, San Canciano calle nuova 5256.

600. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Venedig, 7. Mai 1885>

Mein liebes, liebes Lama,

eigentlich kommt mir Alles sehr wunderbar vor, zum Beispiel, daß Du da so, Dir nichts, mir nichts, mit einem fremden Manne Dich abgiebst und sogar in die weite weite Welt gehn willst. Nun habe ich gleich an Overbeck geschrieben, von wegen des Dürerschen Blattes, das freilich mir viel zu düster vorkommt; dann will ich Dir auch noch mein buntes persisches Handexemplar meines Zarathustra schicken, Du kannst es in irgend einem amerikanischen Urwalde aufstellen, als Fetisch. Auch sende ich zugleich 2 Exemplare des vierten Theils, für Dich und Herrn Dr. Förster, mit der ausdrücklichen Bitte, daß dieser vierte Theil überallhin verschwiegen wird, wie als nicht vorhanden. — Kommt später die Frage in die Nähe, was Alles mit hinüber genommen werden soll in die neue Heimat: so möchte ich dann gern etwas von dem, was am nothwendigsten ist, beschaffen dürfen, als eine Art „Hochzeits-Geschenk post festum“. Die Schmeitznersche Angelegenheit nimmt ja einen Verlauf, daraufhin ich ja wagen dürfte, sogar Geschenke zu machen: zunächst kommt dann mein Drucker Herr C. G. Naumann, welcher 284 Mark 40 Pfennige verlangt. Deine Vorschläge für die Zukunft klingen nicht übel auf meinem Resonanz-Boden wieder; für die Sorge, die sich darin ausdrückt, weiß ich nicht genug zu danken. Meine Gegen-Bemerkung ist, daß vielleicht alle Sorgen für meine Zukunft mit Einem Male abgethan sein könnten. Ich ertrage Vormittags das Leben, aber kaum mehr Nachmittags und Abends; und es scheint mir sogar, daß ich genug gethan habe, unter ungünstigen Umständen, um mich mit Ehren aus dem Staube machen zu können. — Dann werde ich zu blind, um noch lesen und schreiben zu dürfen, es fällt mir fast jeden Tag genug ein, daß deutsche Professoren daraus zwei dicke Bücher machen könnten. Aber ich habe Niemanden, für den das Zeug paßt. Es ist so viel Unerlaubtes darunter; es thut Andern wehe. Ich gestehe, daß ich ganz gerne hier und da eine Vorlesung halten würde, ganz ziemlich und schicklich, als Moralist und großer „Erzieher“, der nicht auf den Kopf gefallen ist; aber Studenten sind so dumm, Professoren sind noch dümmer! Und wo! In Jena? Ich habe jetzt keinen Ort mehr, wo ich gerne bin, ausgenommen Venedig: nur daß der hohe Gehalt der Feuchtigkeit der Luft 90 procent, mich malträtirt. Nizza und Oberengadin sind sehr trocken. Und dann wäre ich besser daran in Venedig, wenn mein werther Freund K<öselitz>, der große Musiker, nicht hier wäre. Er ist ein Tölpel und zum Verkehre ungeschickt; ich habe zu viel zu überwinden, was mir wider den Geschmack geht. Freilich: seine Musik ist ein Ding ersten Ranges, von mozartischer Güte und Verklärung: daran kann der Meister Richard nicht rühren. — Übrigens rührt es mich, daß Ihr den 22. Mai gewählt habt: mir ist immer zu Muthe, als ob Du Dich, in allen möglichen Beziehungen, auf einen Fleck Erde niedergelassen und festgesetzt hast, wo ich einmal früher gesessen habe; alles, was Du thust, ist mir Erinnerung, Nachklang. Ich selber — ich bin schrecklich weit davon gelaufen, und habe Niemanden mehr, dem ich auch nur erzählen möchte, wohin. Glaube ja nicht, daß mein Sohn Zarathustra meine Meinungen ausspricht. Er ist eine meiner Vorbereitungen und Zwischen-Akte. — Verzeihung!

Gersdorff kommt den Sommer in die Schweiz, mit seiner kranken Frau (die Tuberkulose, unter uns gesagt) Lanzky schrieb, zu meinem großen Erstaunen, kürzlich einen großen Dankes-Brief hierher: wie ein ganz umgewandelter Mensch —, und ich soll daran Schuld sein! So sind die Bemühungen dieses Winters vielleicht doch nicht so umsonst gewesen, wie andre Bemühungen. — Ein alter Holländer aus Haarlem hat mir ein „Huldigungsschreiben“ geschickt: daß, nach dem Tode Schopenhauer’s, ich usw. — Die Leute wissen und riechen nicht genug, wohin es mit mir geht. Ich bin ein gefährliches Thier und eigne mich schlecht zum Verehrtwerden.

Die akad. Gesellsch. in Basel hat für 3 Jahre wieder die 1000 frs. Pension erneuert, insgleichen sind die 1000 frs. aus dem Heuslerschen fond, seitens der Universität-Regenz, mir auch wieder zuerkannt. Der Staats-Beitrag von 1000 frs. geht mit diesem Jahre (nicht schon mit dem Juni) zu Ende, und es ist kaum wahrscheinlich, daß er erneuert wird. Dies ist die „Sachlage“. —

Unsrer lieben Mutter habe ich gleich nach Empfang der schönen Sendung geantwortet; was für gute Hemden! Was für Honig! Danke ihr noch mals in meinem Namen. — Ich weiß nicht, wohin ich diesen Sommer gehe. Ein tiefer Wald wäre das Beste, aber es müßten heitere Menschen da sein, vor denen ich nicht auf der Hut zu sein noth habe. — Alles was für „Emancipation des Weibes“ schwärmt, ist langsam, langsam dahinter gekommen, daß ich „das böse Thier“ für sie bin. In Zürich, unter den Studentinnen, große Wuth gegen mich. Endlich! — Und wie viele solche „Endlichs“ habe ich abzuwarten! — —

In Liebe

Dein Bruder.

Ich habe schrecklich hier gewohnt, bin umgezogen, und nun ist’s noch schlimmer. Niemand sorgt für so etwas. Oh Genua! und Nizza!

Himmel! Ich muß doch selber die drei ersten Zarathustra’s haben! Also bitte, schicke mir umgehend die drei Hefte aus dem Naumburger Vorrathe. Du bekommst, wie gesagt, mein Exemplar.

601. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

<Venedig, 9. Mai 1885>

Lieber alter Freund,

vor einigen Tagen habe ich ein Exemplar meines vierten und letzten Zarathustra an Dich auf die Post gegeben; hinterdrein beunruhigt mich die Vorstellung, daß das Kreuzband vielleicht nicht fest genug gewesen ist, und daß ich um keinen Preis ein Exemplar dieses ineditum in fremde Hände und unter falsche Augen gerathen lassen möchte. Sollte das Buch zur Stunde nicht eingetroffen sein, so thue, ich bitte Dich, Schritte bei der Post. Die Widmung des Exemplars an Dich steht auf der Titelblatt-seite außen: so daß eine Nachfrage Deinerseits Erfolg haben dürfte.

Das Zweite, was ich zu schreiben habe, ist die ganz unerwartet günstigere Gestaltung meines Prozesses contra Schmeitzner. Die Wahrscheinlichkeit ist in der That groß, daß ich, in zwei Monaten ungefähr, zu meinem Gelde komme; der Vater Sch<meitzner>’s ist als Bürge eingetragen u.s.w. In summa: daraus ergiebt sich die angenehme Möglichkeit, daß ich meinen Herrn Drucker in Leipzig selber bezahlen kann: ein etwas kostspieliger Scherz bleibt es, den ich mir nicht so leicht zum zweiten Male erlauben dürfte. Aber wie glücklich bin ich nun, etwas in den Händen zu haben, womit ich solchen Menschen, welche sich um mich „wohlverdient“ gemacht haben, auf meine Art eine Artigkeit erweisen kann! Zuletzt habe ich Dich noch zu bitten, mein lieber alter Freund Gersdorff, von diesem ineditum nicht zu sprechen. Overbeck bekommt ein Exemplar, ebenso Köselitz — ich habe Beide um dasselbe gebeten.

Ein schönes Motto aus einem alten Mysterium ist mir eingefallen:

„adventabat asinus

pulcher et fortissimus.“

Mit herzlichem Gruße, und in Betreff Deiner lieben Frau voll der aufrichtigsten Wünsche

Dein Freund
N.

Venezia, an der Rialtobrücke.

(Meine Adresse aber Venezia poste restante.)

601a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Venedig, 20. Mai 1885>

Mein liebes Lama, für den Tag, welcher über Dein Lebensloos entscheidet, und zu dem Dir Niemand mehr als ich Glück und Gedeihen und gute Vorzeichen und guten Muth anwünschen kann — für diesen Tag muß ich mir selber eine Art Lebens-Abrechnung machen. [Ich vermuthe], daß Du jetzt ganz andre Sachen zunächst im Kopfe u. Herzen haben wirst als etwa die Sache Deines Bruders: und ebenso liegt es in der Natur daß Du mehr u. mehr die Denkweise Deines Gatte theilen mußt: welche nicht die meine ist, u. es viel weniger ist als Du [weißt]. Das Schlimme ist: ich habe bisjetzt, von Kindesbeinen an, Niemanden gefunden, mit dem ich dieselbe Noth auf Herzen und Gewissen hätte. Dies zwingt mich heute noch, wie zu allen Zeiten, mich so gut es geht mit im Grunde sehr viel schlechter Laune unter irgend einer der heute erlaubten Menschheits-Sorten zu präsentiren. Daß man eigentlich nur unter Gleich-Gesinnten gedeihen kann, ist mein Glaubenssatz: daß ich keinen habe ist mein Malheur, und ich bin nicht umsonst so tief krank gewesen und noch immer durchschnittlich krank. Meine Philologie in L<eipzig> u<nd> B<onn> war ein Versuch der Anpassung; meine Annäherung an W<agner> war eine Übereilung: die aber begreiflich für Jeden sein wird, der die Marter der Vereinsamung kennt: fast alle meine menschl<ichen> Beziehungen sind zuerst aus der Verzweiflung solcher Vereinsamungs-Gefühle entstanden: Malvida ebenso gut als Rée, Overbeck ebenso gut als Köselitz usw. mit denen ich eigentlich immer nur ein Eckchen und Fleckchen gemein habe.

Ich betrachte mich deshalb ganz u<nd> gar nicht als einen versteckten oder hinterhältigen u<nd> mißtrauischen Charakter: im Gegentheil sogar! man hat es eben nicht in der Hand, sich mitzutheilen wenn man auch noch so mittheilungslustig ist. sondern man muß Den finden, gegen den es Mittheilung geben kann. Stein hat mir deshalb gefallen, weil er mir direkt eingestand, daß er noch nichts von meinen eigentlichen Gedanken verstehe; das Gefühl, daß es da etwas sehr Fremdes u<nd> Fernes gebe, daß die Worte in meinem Munde einen anderen Sinn haben als in einem andren Munde — genau dies, was mir neuerdings von verschiednen Seiten bezeugt wird, ist noch der feinste Grad von Verständniß, welchen ich bisher gefunden habe. Alles, was ich bisher geschrieben habe, ist Vordergrund; für mich selber geht es immer erst los, wo meine Gedankenstriche beginnen.

Was ich mir früher unter dem Symbol des Dionysos gedacht habe, was ich jetzt langsam durch den Mund meines Z<arathustra> vorbereite, sind Dinge der gefährlichsten Art: daß ich dazwischen in populärer Weise Sch<openhauer>’s und W<agner>s den Deutschen anempfohlen habe und mich über die moderne Bildung lustig machte<,> gehört ganz in meine Vordergründe, es sind Erholungen für mich gewesen, aber zugleich Verstecke für mich, um mir gute Verborgenheit und Zeit zu schaffen.

602. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Venezia 20 Mai 1885.

Mein liebes Lama,

für den Tag, welcher über Dein Lebensloos entscheidet (und zu dem Dir Niemand mehr als ich Glück und Gedeihen und gute Vorzeichen und guten Muth anwünschen kann) — für diesen Tag muß ich mir selber eine Art Lebens-Abrechnung machen. Von jetzt ab wirst Du ganz andre Sachen zunächst und zuvorderst in Kopf und Herzen haben als die Sachen Deines Bruders, und so soll es recht und billig sein — und ebenso liegt es in der Natur, daß Du mehr und mehr die Denkweise Deines Gatten theilen wirst: welche ganz und gar nicht die meine ist, so viel ich an ihr auch zu ehren und zu rühmen habe. Damit Du aber künftighin eine Art Direction hast, in wiefern die Beurtheilung Deines Bruders viele Vorsicht und vielleicht auch Schonung erfordert: schreibe ich es Dir heute, zum Zeichen großer Herzlichkeit, worin das Schlimme und Schwere meiner Lage liegt. Ich habe bisjetzt, von Kindesbeinen an, Niemanden gefunden, mit dem ich dieselbe Noth auf Herzen und Gewissen hätte. Dies zwingt mich heute noch, wie zu allen Zeiten, mich, so gut es gehn will, und oft mit sehr viel schlechter Laune unter irgend einer der heute erlaubten und verständlichen Menschheits-Sorten zu präsentiren. Daß man aber eigentlich nur unter Gleichgesinnten, Gleich-Gewillten gedeihen kann, ist mein Glaubenssatz (bis hinab zur Ernährung und Förderung des Leibes); daß ich keinen habe, ist mein Malheur. Meine Universitäts-Existenz war der langwierige Versuch der Anpassung an ein falsches Milieu; meine Annäherung an Wagner’s war dasselbe, nur in entgegengesetzter Richtung. Fast alle meine menschlichen Beziehungen sind aus den Anfällen des Vereinsamungs-Gefühls entstanden: Overbeck, so gut als Rée, Malvida so gut als Köselitz — ich bin lächerlich-glücklich gewesen, wenn ich mit Jemandem irgend ein Fleckchen und Eckchen gemein fand oder zu finden glaubte. Mein Gedächtniß ist überladen mit tausend beschämenden Erinnerungen, in Hinsicht auf solche Schwächen, in denen ich die Einsamkeit absolut nicht mehr ertrug. Mein Kranksein hinzugerechnet, welches immer die schauerlichste Entmuthigung über mich bringt; ich bin nicht umsonst so tief krank gewesen und noch jetzt durchschnittlich krank — wie gesagt, weil es mir am rechten milieu fehlt und ich immer etwas Komödie spielen muß, statt mich an den Menschen zu erholen. — Ich betrachte mich deshalb ganz und gar nicht als einen versteckten oder hinterhältigen oder mißtrauischen Menschen; im Gegentheil! Wäre ich’s, so würde ich nicht so viel leiden! Man hat es aber nicht in der Hand, sich mitzutheilen, wenn man auch noch so mittheilungslustig ist, sondern man muß den finden, gegen den es Mittheilung geben kann. Das Gefühl, daß es bei mir etwas sehr Fernes und Fremdes gebe, daß meine Worte andere Farben haben als dieselben Worte in andern Menschen, daß es bei mir viel bunten Vordergrund giebt, welcher täuscht — genau dies Gefühl, das mir neuerdings von verschiedenen Seiten bezeugt wird, ist immer noch der feinste Grad von „Verständniß“, den ich bisher gefunden habe. Alles, was ich bisher geschrieben habe, ist Vordergrund; für mich selber geht es erst immer mit den Gedankenstrichen los. Es sind Dinge gefährlichster Art, mit denen ich zu thun habe; daß ich dazwischen in populärer Manier bald den Deutschen Schopenhauern oder Wagner’n anempfehle, bald Zarathustra’s ausdenke, das sind Erholungen für mich, aber vor Allem auch Verstecke, hinter denen ich eine Zeit lang wieder sitzen kann.

Halte mich deshalb mein liebes Lama nicht für toll, noch für ausgesucht-schlecht, und vergieb es mir insbesondre, daß ich nicht bei Deinem Feste zugegen bin: so ein „krankhafter“ Philosoph gäbe einen schlechten Brautvater ab! Mit tausend zärtlichen Wünschen

Dein F.

603. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegramm).

<Venedig, 22. Mai 1885>

Mit innigen Segenswünschen gegenwärtig Euer Fritz

603a. An Luise Röder-Wiederhold

Venedig den 28. Mai 1885.

Hochverehrte Frau,

es unterliegt gar keinem Zweifel, daß ich irgendworüber nicht hinreichend unterrichtet war, als ich Ihnen meinen Vorschlag zu machen wagte: – im andern Falle würde ja mein Brief etwas ganz Unziemliches sein.

Trotzdem scheint es mir, daß der ausgezeichnete maëstro wegen dieser „Unterlassung“ weder Strafe noch Vorwurf verdient. Er hat sehr menschlich, zum mindesten sehr natürlich gehandelt: naturalia aber, wie sogar das Volk weiß, non sunt turpia.

Ich bin und verbleibe, hochverehrte Frau, Ihr ergebenster Diener

Prof. Dr. Nietzsche

604. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Venedig, Ende Mai 1885>

Meine liebe gute Mutter,

es ist mir nicht viel anders zu Muthe gewesen, diese ganze Zeit über, als Dir; die ganze Sache gieng mir durch und durch.

Und da Dein Sohn eine schlechte Gesundheit hat, so war er folglich immer krank; dieser Frühling ist einer der melancholischsten Frühlinge meines Lebens. Es fehlt mir hier an Abziehung und an theilnehmenden Menschen: an Herrn K<öselitz> nehme ich den wärmsten Antheil, aber zu einem Verkehre mit mir ist er nicht gemacht, noch weniger dazu, etwas für einen Halbblinden Vorsorge zu haben. Für den Tag der Hochzeit hatte ich das Glück, daß eine Baseler Familie, welche mir von Nizza aus bekannt ist, mit mir eine Ausfahrt nach dem Lido machte; die Nöthigung, mit wohlwollenden halbfremden Menschen zu reden, war mir eine wahre Erleichterung.

Vielleicht ist Alles so, wie es gekommen ist, in Ordnung; auch haben wir Beide (ich meine Dr. Förster und mich) uns bisher schicklich genug und mit sehr viel gutem Willen benommen. Die Sache ist aber gefährlich, und wir wollen etwas auf der Hut sein; für meinen persönlichen Geschmack ist ein solcher Agitator zum näheren Verkehre etwas Unmögliches. Er selber hat wohl das gleiche Gefühl: er schrieb zuletzt an mich „Ob eine persönliche Begegnung vor unserer Abreise uns dauerndes Behagen zurücklassen würde, wage ich zu bezweifeln“. Du verstehst.

Ich verstehe die Gestaltung seiner Zukunft nicht, und ich für meine Person bin sogar zu aristokratisch gesinnt, um mich dermaaßen mit 20 Bauernfamilien rechtlich und gesellschaftlich auf gleichen Fuß zu stellen: wie er es im Programm hat. In solchen Verhältnissen bekommt der, welcher den stärksten Willen hat und am klügsten ist, das Übergewicht; gerade zu diesen beiden Qualitäten sind deutsche Gelehrte schlecht präparirt. Pflanzen-Nahrung wie Dr. F<örster> sie will, macht solche Naturen nur noch reizbarer und verstimmbarer. Man sehe sich doch die „fleischfressenden“ Engländer an: das war bisher die Rasse, welche am besten Colonien gründete. Phlegma und Rostbeef — das war bisher das Recept für solche „Unternehmen“.

Was mit mir für diesen Sommer wird, weiß ich immer noch nicht. Wahrscheinlich das alte Sils-Maria: ob ich gleich von allen meinen dortigen Aufenthalten eine schauerliche Erinnerung habe. Ich war immer krank, hatte keine Nahrung, die gerade mir Noth thut, langweilte mich unerhört, aus Mangel an Augenlicht und Menschen — und kam immer in einer Art Verzweiflung in den September hinein. Dies Mal habe ich eine alte Dame in Zürich eingeladen, dorthin zu kommen; noch habe ich keine Antwort. Die jungen Damen, alles wenigstens, was um Malvida von Meysenbug herum wächst, ist nicht nach meinem Geschmack; und ich habe die Lust verloren, bei diesem halbverrückten Volke meine Unterhaltung zu suchen. Ich würde sogar den Umgang mit deutschen Professoren vorziehn: die haben wenigstens alle etwas Rechtschaffnes gelernt, und folglich kann man was bei ihnen lernen.

Mit den Augen steht es täglich schlimmer; und, ohne daß mir Jemand zu Hülfe kommt, bin ich am Ende des Jahrs wahrscheinlich blind. So will ich denn schließen, ich sollte gar nicht lesen und schreiben: aber man hält’s nicht aus, wenn man ganz allein ist.

Mit alter Liebe
Dein Sohn.

NB. Es ärgert mich immer, daß meine dumme Gesundheit und Dein Naumburg und Haus sich nicht mit einander vertragen wollen. Es wäre mir keine kleine Wohlthat, wenn Du bei mir sein könntest.

Venezia (Italia) (poste restante)

605. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Venedig, 5. Juni 1885

Eben, meine liebe Mutter, erhalte ich Deinen Brief: ich las ihn nicht ohne Rührung. Meine Augen sind im schlimmsten und gefährlichsten Zustande, es ist absolut jetzt unerlaubt, zu schreiben, sonst würde ich gern Dir antworten, ebenso den Tautenburgern, an welche ich oft und mit Herzlichkeit denke. Morgen Abreise nach Sils-Maria. Ein Wiedersehn in diesem Jahre möchte ich nicht verschwören, aber es muß sich erst Manches entscheiden, ehe ich’s versprechen könnte.

In Liebe
Dein F.

605a. An Heinrich Köselitz in in Venedig

(Sils-Maria, vermutlich Anfang Juni 1885)

Endlich, nach vieler Geduld, bin ich doch der Inconvenienzen meines Venediger Aufenthaltes überdrüssig geworden: in der That habe ich alles dort anders gefunden als ich wünschen mußte, — abgerechnet Ihre Musik.

606. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria Freitag.<26. Juni 1885>

Meine liebe Mutter,

Dein Brief mit den vielen hübschen kleinen Sachen hat mir großes Vergnügen gemacht; er gab mir eine gute Vorstellung von dem Befinden und neuen Leben unsrer Lisbeth. Inzwischen habe ich selber ein paar Worte an sie und ihren Gatten geschrieben; hoffentlich ist’s freundlich aufgenommen worden — ich gestehe, daß ich Schwierigkeiten habe, mich mit dieser Thatsache von Ehe und Auswanderung zu vertragen. Zuletzt bin ich nicht nur in diesem Falle, sondern bei Allem beinahe, was die Menschen gegenwärtig treiben, verwundert, und außer Stande, dazu „Ja“ oder „Nein“ zu sagen. Mögen Sie es „besser wissen“, was ihnen gut thut! — Dieser Sommer ist bisjetzt der heißeste, dessen man sich im Engadin erinnert: was mich für Euer Wohlbefinden in den Ebenen fürchten macht. Ich vertrage keine Hitze mehr, nachdem ich mir Jahre lang eine Art von mildem Winter fast für alle Jahreszeiten hergerichtet habe. Sils-Maria ist vielleicht zum letzten Male mein Aufenthalts-Ort: es fehlt mir an Schatten, und im Hause fehlt Alles das, was ich gern habe: ein hohes Zimmer, ein bequemer Lehnstuhl, Licht ohne direkte Sonne und ebenso ohne Reflex-licht weißer Häuserwände: — ich habe von Allem was ich brauche, das extreme Gegentheil. Mit dem Magen steht es ein wenig besser, seit ich nur noch zartes Fleisch und Milchreis zu mir nehme, und ich hoffe es mit dieser Diät noch vorwärts zu bringen. Sehr wohl that mir bisher die Nähe einer trefflichen alten Dame, Frau Röder-Wiederhold aus Zürich; bisher habe ich fast jeden Tag ihr 3 Stunden diktirt. Aber ihre Zeit ist nun bald vorbei, und dann bin ich wieder mir selber überlassen. Mit den Augen verhalte ich mich ähnlich, wie Du es mir anräthst. Übrigens hatte ich eine große Gesammt-Consultation über meine Gesundheit mit einem alten Arzte und Freunde des bekannten Dr. Schweninger aus München (der, wie Du wissen wirst, der Arzt Bismarck’s ist) Sein Scharfblick war, nach 1 1/2 tägigem Zusammensein mit mir, für mich überraschend; seine Vorschläge der Kur (mit Beiseitelassung aller Medizin) haben sich aber nicht bewährt. In Betreff der Nahrung hat er mir geradezu genau dasselbe verboten, was ich mir, auf Grund langer Beobachtung jetzt selber verbiete (und ohne daß er von Letzterem eine Ahnung hatte), nämlich Kartoffeln, Kohl, Blumenkohl, Essig, Senf, Pfeffer, Schwarzbrod, Zwiebel, Saucen, alle Suppen, Würste, Käse, alle Liqueure und starken Alcoholica. Ich bin im Grunde sehr einfach zu ernähren: nur gerade in Deutschland nicht, wo man nicht versteht, mir mein Fleisch auf dem Rost zu braten. Eier, Reis, Gries, Milch usw., vor Allem aber gutes Fleisch.

Verzeihung für diese Details. — Einstweilen glaube ich nicht um Nizza herumzukommen, es ist der einzige Ort, der mir den Stoffwechsel so anregt, daß ich mich im Kopfe frei fühle; das Umgekehrte geschieht an Orten mit Luft-Feuchtigkeit und viel Gewölk. Deshalb ist Deutschland im Ganzen, und unser Naumburg im Besonderen, mir unzuträglich. Nizza und Oberengadin sind vielleicht im ganzen Europa die stimulantesten Climata, Dank der trocknen Luft. Warum ist mein System so träge, daß es immer nur mit der größten Noth arbeitet? In Venedig habe ich zuletzt auch die leichteste Mahlzeit nicht mehr zu Ende bringen (verdauen) können. Andrerseits braucht ein Gehirn, wie das meine, eine sehr starke Ernährung: — und ich habe Jahrelang an unzureichender Ernährung gelitten, weil ungünstiges Clima (wie das Basel’s) mir die Schwierigkeit vermehrte. Die herzlichsten Grüße und Wünsche an Dich und Deine „Nächsten“!

Dein F.

Bitte, etwas Honig! Eigentlich gehört’s jetzt zur Tradition meines Aufenthalts hierselbst. Und ein Paar waschlederne gelbe Handschuhe, wie ich sie gern habe!

Ich erwarte die alte Russin Excellenz von Mansuroff, auch meine zwei Engländerinnen wieder. General Simon und Tochter sind in der Nähe von St. Moritz.

Bitte etwas Hübsches für die kleine Adrienne!

607. An Resa von Schirnhofer in Paris

Sils-Maria im Oberengadin. Juni 1885.

Mein verehrtes Fräulein,

Sie haben mir wieder mit Ihrem Brief eine angenehme Überraschung gemacht, beinahe war’s ein Besuch in Sils-Maria. Im Grunde würden Sie selber sich vielleicht hier oben jetzt wohler fühlen als in den heißen Ebenen und Städten; und sollten Sie den alten Einsiedler hier oben, gemäß dem schönen Präcedenz-Falle von 1884 mit einem mehr als brieflichen Besuche auszeichnen, so verspricht er Ihnen, daß er bei besserer Laune und Gesundheit sein will als voriges Jahr. Einstweilen habe ich die treffliche Frau Röder-Wiederhold im Hause; sie erträgt und duldet „engelhaft“ meinen entsetzlichen „Antidemocratismus“ — denn ich diktire ihr täglich ein paar Stunden meine Gedanken über die lieben Europäer von heute und — Morgen; — aber zuletzt, fürchte ich, fährt sie mir doch noch „aus der Haut“ und fort von Sils-Maria, getauft wie sie ist, mit dem Blute von 1848. — Auch steht es ganz schlimm mit meinen Ansichten über das „Weib an sich“. Genug, ich argwöhne, daß es Niemand lange mehr um mich aushält. Obwohl es viele Gründe gäbe, mir „gute Gesellschaft“ zu wünschen. Ah, wer kennt meine „sieben Einsamkeiten“! —

Schade, daß Sie Paul Bourget nicht kennen lernen! Ich meine, das wäre ein feines Fühlhorn für Alles, was jetzt in Frankreich noch „fein“ ist. Ich las: in Vorbereitung nouveaux essais de psychologie contemporaine von Paul Bourget. Paris, Alphonse Lemerre, éditeur, 27—31 Passage Choiseul. Sie würden mich beglücken, wenn Sie mir meldeten, sie seien erschienen.

Sagen Sie unserer ehrwürdigen Malvida etwas zu Gunsten Ihres Einsiedlers: ich glaube, daß ich sie diesen Winter einmal angebrummt habe. Ebenso wünsche ich der ausgezeichneten Kameradin Ihrer Zürcher Studentenzeit, Frl. Wildenow, allerbestens empfohlen zu sein.

Mit ergebenstem Gruße
Ihr N.

Und die Doctor-Dissertation? Welches Thema? —

Ihr Verhalten gegen Frl. Sal<is> ist excellent.

— „Phädra“ gelesen? Nein. — An Monods die besten Grüße.

608. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria Oberengadin 2 Juli 1885.

Lieber Freund,

inzwischen habe ich über Sie durch Frau Röder Dinge gehört, zu denen ich gerne meinen Glückwunsch schicken möchte. Der Gedanke an Wien gilt mir in Bezug auf Ihre Musik, wie Sie es wissen, als der eigentliche „Vernunftgrund“ — in hoc signo vinces, das ist auch heute noch mein Glaube. Wie dumm, daß ich unnützer Mensch nicht einmal dazu dienen kann, ein wenig die Brücke zwischen Venedig und Wien zu machen!

Theilen Sie mir etwas über Ihre neue Musik mit, auch, wie sich der Schluß der Sinfonia ungherese gestaltet hat. Und um welche Zeit des Jahres Sie gedenken, Ihr Schiff auslaufen zu lassen. Alles geht mich so nahe an, — ich wünschte, ich hätte ein Paar Menschen mehr, deren Thun und Lassen mich so nahe angienge wie Ihr Thun und Lassen. Das Letztere sage ich ironice: der Himmel segne Sie dafür, daß Sie hübsch in Ihrem Geleise bleiben und nicht zu viel nach fremdem Rathe hinhorchen.

Ihre treffliche Frau Röder bemüht sich erstaunlich, mir über die Schwierigkeiten meines allzu vereinsamten Lebens hinwegzuhelfen. Doch glaube ich, daß sie zu sehr mit dem „Blute von 48“ getauft ist, als daß sie, in Bezug auf mich, mehr thun könnte als die „allerbeste Miene machen.“ In der Hauptsache mag es ein „böses Spiel“ sein; nun, in der nächsten Woche ist sie davon erlöst. Sie sind bei weitem der liebste Gegenstand unsrer Unterhaltung; und, was Sie auch denken mögen, Ihr Züricher Winter hat Ihnen eine sehr zugethane und rücksichtenreiche Freundin geschenkt.

Meine Gesellschaft vom vorigen Sommer ist auch wieder da, und mir zugethaner als je, die beiden Engländerinnen, welche mir den Genuß distinguirter Lebensformen geben, und die alte russische Hofdame (und Schülerin Chopin’s): noch im letzten Monat hat sie eine Fuge componirt, die keinen „Spaaß versteht“.

— Die letzte Nacht an der Rialtobrücke brachte mir noch eine Musik, die mich zu Thränen bewegte, ein unglaubliches altmodisches Adagio, wie als ob es noch gar kein Adagio vorher gegeben habe.

Mit tausend guten Wünschen

Ihr Freund N.

Ich erwarte auch, aus Paris, das Frl. von Schirnhofer.

609. An Franz Overbeck in Basel

(2. Juli) Sils-Maria, Oberengadin. <1885>

Lieber alter Freund Overbeck,

es beunruhigt mich, nichts von Dir zu hören; und zum Mindesten will ich wünschen, daß Deine Gesundheit nichts mit diesem Schweigen zu thun hat — obwohl die Hitze dieses Jahres und ebenso die Erinnerung an die schlechte lähmende Luft Basels, wie ich sie im vorigen Juni wieder kennen gelernt habe, mir auch nach dieser Seite hin besorgliche Gedanken eingiebt. Als ich hier oben ankam, war eine meiner ersten Handlungen, nach Deinem „Teichmüller“ zu suchen; leider ergab er sich als absens — woraus folgt, daß er in der Nizza-Bücherkiste steckt: was ich hiermit, zu meinem großen Bedauern, Dir melde. Dagegen habe ich hier, aus Deinem Bücherschatze, den Mainländer. Großen Dank noch für die Übersendung des Dürers an meine Angehörigen: man hat mir so sehr dafür gedankt, daß ich glauben muß, damit weit über den Begriff „Hochzeitsgeschenk“ hinausgeschossen zu haben. Möge aber die Zukunft des jungen Paars sich tröstlicher und hoffnungsvoller gestalten als dies unheimliche Bild zu verstehen giebt! Unter uns, ich habe viele Besorgnisse auf dem Herzen —, allerdings auch einige sonderbare Wünsche, gerade was diese neue Welt in Paraguay betrifft. Es kann im Handumdrehen jetzt für mich Europa unmöglich werden; und siehe da, vielleicht findet sich dort in der Ferne auch für einen solchen verflogenen Vogel, wie ich es bin, ein Ast. (Wie geschrieben steht: „so häng ich denn auf krummem Aste“ usw.)

Hier oben habe ich wieder die gleiche, mir sehr zugethane Gesellschaft des vorigen Jahres; zwei sonst in Genf lebende distinguirte Engländerinnen und jene alte Dame vom russischen Hofe, von der ich schrieb, daß sie eine der nächsten Schülerinnen Chopin’s ist: — ihr Verhältniß zur Musik ist kein Spaaß, noch im letzten Monate hat sie eine tüchtige strenge Fuga componirt. Nun ist in meiner Gesellschaft eine deutsche Dame aus Meiningen, welche auf eine briefliche Einladung meinerseits hierher gekommen ist und mir, durch Vorlesen und Nachschreiben, mit großer Güte entgegenkommt: leider ist nächste Woche ihre Zeit zu Ende. Was die Augen betrifft, so ist mein Zustand jetzt von dem Dührings wenig verschieden; dieses plötzliche reißend schnelle Verschwinden des Augenlichtes vom vorigen Sommer an bis jetzt gehört zu den Dingen, wofür ich die Gründe nicht weiß. Die Jodsalbe, welche Schiess verordnete, war wirkungslos. — Ich habe fast jeden Tag 2—3 Stunden diktirt, aber meine „Philosophie“, wenn ich das Recht habe, das, was mich bis in die Wurzeln meines Wesens hinein malträtirt, so zu nennen, ist nicht mehr mittheilbar, zum Mindesten nicht durch Druck. Mitunter sehne ich mich darnach, mit Dir und Jakob Burckhardt eine heimliche Conferenz zu haben, mehr um zu fragen, wie Ihr um diese Noth herumkommt als um Euch Neuigkeiten zu erzählen. Die Zeit ist im Übrigen grenzenlos oberflächlich; und ich schäme mich oft genug, so viel publice schon gesagt zu haben, was zu keiner Zeit, selbst zu viel werthvollern und tiefern Zeiten, vor das „publicum“ gehört hätte. Man verdirbt sich eben den Geschmack und die Instinkte, inmitten der „Preß- und Frechheits-Freiheit“ des Jahrhunderts; und ich halte mir das Bild Dante’s und Spinoza’s entgegen, welche sich besser auf das Loos der Einsamkeit verstanden haben. Freilich, ihre Denkweise war, gegen die meine gehalten, eine solche, welche die Einsamkeit ertragen ließ; und zuletzt gab es für alle die, welche irgendwie einen „Gott“ zur Gesellschaft hatten, noch gar nicht das, was ich als „Einsamkeit“ kenne. Mir besteht mein Leben jetzt in dem Wunsche, daß es mit allen Dingen anders stehn möge, als ich sie begreife; und daß mir Jemand meine „Wahrheiten“ unglaubwürdig mache. — —

Von meiner Mutter erhielt ich die besorgte Meldung, daß Schmeitzner bisher nicht gezahlt hat: es wäre schrecklich, wenn der Prozeß weiter gehn, resp. die Subhastation usw. beantragt werden müßte. Der Juni war der festgesetzte Termin der Zahlung. Mein Onkel, der die ganze Sache übernommen hatte, liegt auf den Tod krank.

Bitte, sende mir wieder 500 frs hier herauf. Deiner vortrefflichen Frau mich herzlich anempfehlend in alter Liebe Dein

F. N.

610. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 4. Juli 1885>

Lieber Freund,

klassisches Beispiel von Briefe-Kreuzung: die 2 Posten müssen sich, eine Stunde von Sils entfernt, begegnet sein. Ich hoffe, daß mein Brief auf alle Deine Fragen Antworten bringt. — Von der „Gesundheit“ habe ich nichts geschrieben, abgesehn von den Augen; es ist gar nichts Befriedigendes zu melden, und oft fängt es bei mir an, an Geduld für das ewige „Geduld-habensollen“ zu fehlen. Venedig war im Ganzen eine Quälerei für mich; Resultat viel Melancholie und Mißtrauen gegen alles Unternommene. Hier oben geht es ein wenig besser. Kranken-Kost, wesentlich Milch. Über Gersdorff ohne Nachricht.

Deiner lieben Frau Besserung und Ent-Baselung „so bald wie möglich“ wünschend Dein alter Freund

N.

611. An Elisabeth Förster in Tautenburg

Sils-Maria 5. Juli 1885. (Montag.)

Mein liebes Lama

zuletzt nämlich bleibt mir das Vorrecht, Dich so zu benamsen, denn ich höre, daß Dein Gatte Dich anders anredet (allerdings ebenfalls hebräisch, was mich bei einem alten Antisemiten wunder nimmt: Eli bedeutet „mein Gott“ und wahrscheinlich, im besonderen Falle „meine Göttin!“) Genug, ich wünsche von ganzem Herzen, daß Dich die Menschen auch fürderhin mit hübschen Namen anreden, sei es nun deutsch oder hebräisch oder paragyaisch: ebenfalls „daß es Dir wohlgehe und Du lange lebest auf Erden“: nämlich alle, welche mir bisher bekannt worden sind als Colonisten Südamerika’s (ich lebte in Rapallo und S. Margherita unter solchen), waren dort reich geworden und hatten nicht nur ihr „Schäfchen“, sondern ein tüchtiges Schaf über’s Meer „in’s Trockne“ gebracht, nämlich in ihre alte genuesische Heimat. Nach diesen sehr weltlichen Wünschen blieben mir noch genug irdische, ja sogar ganz persönliche und geschwisterliche übrig: aber — es will mir Vieles nicht mehr über die Lippen, geschweige denn über eine solche verfluchte kritzliche Schreibefeder. Jedes geschriebene Wort ist vieldeutig, mißverständlich, eines Commentars durch Blicke und Händedrücke bedürftig. Wie viel Dummheiten macht man, wenn man schreibt, was man wünscht! Wie viel dumme Briefe habe ich schon geschrieben! Es lebe die Weisheit meiner Augen, welche mich immer mehr aus einem Schreibethier in ein Schweigethier verwandelt! —

Morgen geht Frau Röder fort, und ich bin wieder allein in dieser erbärmlichen Hütte, welche mir so wider den Geschmack geht, leider auch wider die Gesundheit. Vielleicht kommen die Züricher Mädchen, welche Du kennst, etwas zu dem Einsiedler herauf, nämlich Frl. Wildenow und Frl. Blum. Übrigens gelte ich, in den Studentinnen-Kreisen, als das „böse Thier“ — es scheint, daß eine gewisse Anspielung auf ein lärmmachendes und klatschendes Instrument geradezu bezaubernd gewirkt hat! Wenn Du übrigens vielleicht noch nach München kommen solltest, so sieh Dir zwei dort lebende Mädchen an, von welchen die treffliche Frau Röder mit Bewunderung redet: Frl. von Rantzau und Frl. von Alten — sie leben zusammen. (Dagegen ist die Abneigung gegen Frl. von Salis überall sehr stark, seltsamer Weise, nicht nur bei Frau R<öder> sondern auch bei Köselitz und Frl. von Schirnhofer, — mir selber war sie gar nicht so unsympathisch, vor allem, weil sie gute Manieren hochschätzt, und, wenn auch etwas schweizerisch-steif, selber übt: etwas, das in diesem Pöbel- und Bauern-Zeitalter mir mehr gilt als „Tugend“, „Geist“ und „Schönheit“.) Eine sehr leidende alte Engländerin, von der ich wohl schon im Herbste erzählte, macht mir nach dieser Seite hin Vergnügen; und wenn Du irgend ein Wunderthier von Elégance des Geistes und der Gebärden noch entdeckst, meine liebe Schwester, so melde mir’s: Dein Bruder hat wenig Dinge übrig, die ihm noch Vergnügen machen.

Wie steht der Fall Schmeitzner? Es versteht sich, daß, sobald sein Geld „im Kasten klingt“, es auch zu Jedem springen soll, der etwas davon haben will: sage das, bitte, ausdrücklich unsrer lieben Mutter! — Und wie steht es mit Onkel Bernhard? — Für die Versprechungen auf der letzten Karte meinen besten Dank! — Mit der Gesundheit will es nicht von der Stelle, doch sagt man mir, daß ich besser aussehe als vor 4 Wochen. Milchdiät. Grüße mir meinen Herrn Schwager auf das Angelegenste und behaltet zusammen, wenn Ihr Euch lieb habt, mir irgend ein Winkelchen des Herzens vor!

In Liebe Dein Fritz.

611a. An Louise Röder-Wiederhold

Sils-Maria, 12. Juli 1885.

Verehrte Frau,

wie angenehm, daß man noch in seinem vierzigsten Lebensjahre, unvermuthet und unverdientermaßen, zu neuen „Tanten“ kommen kann! —

Kaum waren Sie abgereist, so nahm ich mir die Erlaubniß, krank zu werden, und so ordentlich krank (mit wüthenden Kopfschmerzen und Erbrechen Tag und Nacht) daß ich, im wörtlichsten Sinne des Worts, erst heute morgen — Sonntag — wieder fähig bin, eine Feder zu führen; gestern bin ich erst vom Bett aufgestanden. Die Feder zu führen – nicht mehr! noch nicht die Gedanken! Aber ein Zeichen von mir und meines herzlichen Gefühls für Sie soll heute morgen noch zur Post, schon damit Sie nicht glauben, ich ahme die Züricher Studentinnen nach: in der That ist inzwischen nichts Briefliches an Sie eingetroffen. Alle Welt schweigt: glauben Sie mir, die Hitze „unterbindet die Blutadern aller Pflichten“, um mich mit einem medizinischen Gleichniß auszudrücken. Mein Verleger z. B. hat den Monat Juni verstreichen lassen, ohne zu zahlen: hoffentlich kommt endlich kühles Wetter und damit „Pflicht“ und „Geld“ zum Vorschein. Auch der Churer Schneider hat sein Ihnen gegebnes Versprechen nicht gehalten; doch kam eine entschuldigende Karte. Die Schreibebücher gefallen mir; und in summa hat die Tante sich in Chur viel Noth gemacht! —

Frl. v. Schirnhofer sendet Ihnen ihre Grüße, sie geht an den atlantischen Ozean, um sich zu erholen. Insgleichen grüßt auf das artigste unser maestro in Venedig: in einem Briefe, welcher von lauter mißrathnen Dingen erzählte und zuletzt den sehr energischen Entschluß ausdrückte, in einer Hauptstadt Europa’s es durchzusetzen, daß man seine Sache anhöre. Er will im Herbst nach Berlin. Man hat ihm von Wien aus eine Empfehlung für das Carlsruher Theater (u. Mottl) angeboten, doch scheint er gegen Carlsruhe eingenommen zu sein (er hat den Wiener Brief nicht beantwortet (derselbe rieth von Wien ab) Sonderbarer Weise kam Carlsruhe noch ein Mal dieser Tage in Erwägung: man empfiehlt mireinen Verleger: H. Reuther (Carlsruhe u. Leipzig) mit den Worten: „ein muthiger anständiger leistungsfähiger Verlag“. Wissen Sie etwas diesen Worten beizufügen? —

Mehr darf ich nicht schreiben. Erzählen Sie mir von Wolfsburg; auch ein alter Wunsch nach Hohenschwangau ist in mir wieder aufgetaucht.

Behalten Sie ein gutes Gedächtniß für diesen Sommer und den tollen Menschen, der so unvermuthet Ihnen über den Weg gelaufen ist — — —

Sehr dankbar, sehr ergeben

Nietzsche.

612. An Franz Overbeck in Basel

<Sils-Maria, 13. Juli 1885>

Mein lieber Freund,

das Geld ist in meinen Händen: was für Umstände habe ich Dir gemacht! — Ich erhebe mich eben von einem ganz schlimmen Anfalle, der fast die vorige ganze Woche eingenommen hat. — Solche Dinge von sich fordern, wie ich es thue — und eine solche Gesundheit! Und zuletzt habe ich in den letzten 10 Jahren doch Einiges durchgesetzt.

— Ein Brief von Köselitz, den ich Dir durchaus mittheilen muß, weil ich Deinen Rath brauche, wirft mich ganz um. Daß man gar nichts machen kann! Oder was könnte ich noch machen? Ich weiß zu gut, daß auf persönlichem Wege Alles zu erreichen ist, daß aber, ohne „Connexion“ und thätige Freunde, der beste Künstler verlornes Spiel spielt: gerade das Seltene und Außerordentliche seines Werks steht ihm im Wege! —

Seit 4 Jahren hat K<öselitz> von außen her nichts als Zurückweisungen und Demüthigungen erfahren: ausgenommen die kleine Züricher Episode. (Seltsam, daß dieselbe Zeitung des Dr. Curti, welche sich ehemals meiner politischen Ansichten anzunehmen verstanden hat, über die Löwen-Ouvertüre tiefe feine und grundsätzliche Sachen geäußert hat, welche wie Prophezeiungen klangen: und Niemand weiß, wer der Verfasser ist!)

Zuletzt thut K<öselitz> das, was mir im Frühjahr das Rathsamste schien: er wendet sich an Ries. Aber es scheint mir, er thut es auf eine Weise, um lauter negative Antworten sich zu erzwingen! — —

Meine „Gesellschafterin“ ist abgereist, seit einer Woche. Ich habe ihr etwas diktirt, was ungefähr eine fünfte Unzeitgemässe Betrachtung zu nennen wäre. Doch war es mehr, um mir etwas Luft zu machen.

Wenn Du mich inmitten meiner Bücher hocken sähest! Und was für Bücher! Eigentlich habe ich erst in den letzten 10 Jahren mir Kenntnisse verschafft; von der Philologie her lernte ich im Grunde nur Methoden (denn den furchtbaren antiquarischen Krimskrams mußte ich wieder wegschaffen, gleichsam „ausmisten“). Nun aber sagen die Augen wiederum auf das Bestimmteste, daß das Kenntnisse-sammeln, soweit es von Büchern abhängt, seine Zeit gehabt hat. Das Durchdenken der principiellen Probleme, das unwillkürlich den Inhalt meiner Engadiner Hochgebirgs-Sommer ausmacht, bringt mich immer wieder, trotz der verwegensten Angriffe von Seiten meines innewendigen „Sceptikers“ auf dieselben Entscheidungen: sie stehen schon, so verhüllt und verdunkelt als möglich in meiner „Geburt der Tragödie“, und alles, was ich inzwischen hinzugelernt habe, ist hineingewachsen und ein Theil davon geworden.

Übrigens ist es mein letzter Sommer in Sils. Die Augen commandiren auch hierin, ich halte es in der Helle nicht mehr aus. In allen sonstigen Beziehungen lebe ich hier oben wie ein Ascet, der alles um sich herum gerade so hat, wie es ihm am unangenehmsten ist: die Natur abgerechnet und die zuträgliche trockne Luft.

Dein Freund und Einsiedler
N.

— Wo werdet Ihr im Sommer sein, bevor Du nach Dresden gehst?

613. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria Oberengadin 23 Juli 1885.

Lieber Freund,

darauf hätte ich wetten mögen, daß Sie auf Ihren „Nothschrei“-Brief in dieser Weise selber antworten würden, wie es heute durch Ihre Karte geschieht — zu meiner großen Freude, wie ich gerne eingestehe. Aus meinem eignen Briefschreibe-leben kenne ich das Phänomen nur zu gut, daß man eine Dummheit und noch dazu eine Unzartheit begeht, wenn man, als Adressat eines Briefs, durch eine geschwinde Beileids-Bezeugung sich zwischen diese natürliche „Auslösung“ (Herstellung der persönlichen Souverainetät) drängt. Ecco! Geredet wie ein Pedant! — aber gefühlt wie ein Freund, glauben Sie’s mir! —

Ich notirte mir gestern, zur eigenen Bestärkung auf dem einmal eingeschlagnen Wege des Lebens, eine Menge Züge, an denen ich die „Vornehmheit“ oder den „Adel“ bei Menschen herauswittere — und was, umgekehrt, Alles zum „Pöbel“ in uns gehört (In allen meinen Krankheits-Zuständen fühle ich, mit Schrecken, eine Art Herabziehung zu pöbelhaften Schwächen, pöbelhaften Milden, sogar pöbelhaften Tugenden — verstehen Sie das? Oh Sie Gesunder!) Vornehm ist z. B. der festgehaltene frivole Anschein, mit dem eine stoische Härte und Selbstbezwingung maskirt wird. Vornehm ist das Langsam-Gehen, in allen Stücken, auch das langsame Auge. Wir bewundern schwer. Es giebt nicht zu viel werthvolle Dinge; und diese kommen von selber und wollen zu uns. Vornehm ist das Ausweichen vor kleinen Ehren, und Mißtrauen gegen den, welcher leicht lobt. Vornehm ist der Zweifel an der Mittheilbarkeit des Herzens; die Einsamkeit, nicht als gewählt, sondern als gegeben; die Überzeugung, daß man nur gegen Seines-Gleichen Pflichten hat und gegen die Andern nach Gutdünken verfährt; daß man sich immer als Einen fühlt, der Ehren zu vergeben hat, und selten Jemandem zugesteht, daß er Ehren gerade für uns auszutheilen habe; daß man fast immer verkleidet lebt, gleichsam incognito reist, — um viel Scham zu ersparen; daß man zum otium fähig sei, und nicht nur fleißig wie Hühner: — gackern, eierlegen und wieder gackern und so fort. Und so fort! alter Freund, ich ermüde Ihre Geduld, aber Sie errathen gewiß, was mir an Ihrem Leben gefällt und Freude macht, und was ich immer fester unterstrichen wünschte.

Der Gedanke, welchen Sie in Betreff des Herrn Wiedemann äußern, ist mir sehr willkommen: übersenden Sie ein Exemplar so, daß daraus auch meine warme Theilnahme für ihn ersichtlich ist — als eine Art Glückwunsch zur Vollendung seines Werks. Ich kenne dasselbe nicht: was Sie mir andeuten, über „Gleichgewichtslagen“ und „Unzerstörbarkeit der Kraft“, gehört auch zu meinen Glaubens-Artikeln. Doch haben wir Dühring gegen uns: zufällig finde ich eben diesen schönen Satz „der Ursprungszustand des Universums oder, deutlicher bezeichnet, eines veränderungslosen, keine zeitliche Häufung von Verschiedenheiten einschließenden Seins der Materie, ist eine Frage, die nur derjenige Verstand abweisen kann, der in der Selbstverstümmelung seiner Zeugungskraft den Gipfel der Weisheit sieht“. Dieser Berliner „Maschinist“ hält uns also, mein werther Freund, für castrati: zum Mindesten hoffe ich, wir haben eine Art Schadenersatz für den angedeuteten Mangel darin, daß wir — „schöner singen“ als Herr Dühring. Ich kenne kaum eine widerlichere Tonmanier als die seine. — Daß ich den „endlichen“ d. h. bestimmt gestalteten Raum für unabweislich im Sinne einer mechanistischen Weltausdeutung halte und daß die Unmöglichkeit einer Gleichgewichtslage mir mit der Frage, wie gestaltet der Gesammt-Raum ist — gewiß nicht kugelförmig! zusammen zu hängen scheint — das habe ich Ihnen schon mündlich erzählt. —

Meine Gesundheit beunruhigend unsicher; irgend eine cardinale Gefahr. Frau Röder ist seit einem halben Monat fort, bene merita! Aber, unter uns, sie paßt mir nicht, ich wünsche keine Wiederholung. Alles, was ich ihr diktirt habe, ist ohne Werth; auch weinte sie öfter als mir lieb ist. Sie ist haltlos; die Frauen begreifen allesammt nicht, daß ein persönliches malheur kein Argument ist, am wenigsten aber die Grundlage zu einer philosophischen Gesammtbetrachtung aller Dinge abgeben kann. Das Schlimmste aber ist: sie hat keine Manieren, und schaukelt mit den Beinen. Trotzdem: sie hat mir über einen bösen Monat weggeholfen, mit der aller besten Gesinnung. — Heiß, unsinnig heiß auch hier. Ihr Freund

N.

Ich hatte geglaubt, mein vierter Z<arathustra> widerstände Ihnen? In der That, er ist schlecht zugänglich, mit seinen entlegenen Zuständen und „Weltgegenden“: welche aber doch existiren und nicht nur arbiträr sind. Für Sie gesagt, als meinen „Einzigen“.

613a. An Louise Röder-Wiederhold

<Sils-Maria, 27. Juli 1885>

Verehrte Frau

nein! ich wünsche durchaus nicht „Idyllen“ zu stören und schrieb ganz und gar nicht als Hiob, vielmehr guter Dinge und jenseits von Schneider- und Kleider-Noth, vielmehr weißgekleidet, wie es sich bei solchem herrlichen Nizzawürdigen Wetter empfiehlt (und gerade in dieser Farbe reichlich — dreifach! — ausgestattet: es ist eine meiner Arten von Luxus)

Wenn ich durch Chur komme, soll das bäurische Kleidungsstück, das mir so viel zu lachen gegeben hat, einer Revision unterworfen werden. Zuletzt ist das Schicksal des Winters noch nicht entschieden. Vielleicht habe ich dergleichen Stoffe noch nöthig; und Sie haben mir einen „Wink des Schicksals“ damit gegeben —)

Eine kleine Schuld giebt es auch noch auszugleichen. Sobald ich über die deutsche Grenze bin, sende ich Ihnen zu, was Sie gütiger Weise für mich auslegten.

Von Venedig eine muthige und frohsinnige Karte: obgleich in den Verhältnissen sich nichts verändert hat.

Herzlich dankbar Ihr

N.

614. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg

<Sils-Maria, 29. Juli 1885>

Meine Lieben,

was für eine Freude habt Ihr mir doch mit der kleinen Kiste gemacht! Die Wahrheit zu sagen: ich war eine Stunde hinterdrein krank, so daß ich den Vers machen mußte

„nichts ist mir schwerer zu ertragen,
„als etwas Gutes zwischen lauter schlechten Tagen.“

Ich bin so oft auf der Post gewesen, immer mit der stillen Hoffnung, daß dort Etwas für mich steht, mit Allerlei darin, und Einiges imprévu, wie ich’s liebe, sogar vielleicht etwas Leckermäuliges, das in die erschreckliche Monotonie von Reis, Rindfleisch, Thee und Milch hineinfällt, und namentlich ein artiges Ding für la petite Adrienne, die hübsch wird und nunmehr in die Schule geht (ich glaube, daß ich zum letzten Male im Hause dieser trefflichen Leute bin) Und siehe, Alles hat sich schönstens erfüllt! Habt tausend Dank! Was das Buch des Herrn W<idemann> betrifft, so weiß ich eigentlich nicht, ob es mir oder ob es dem Lama zugesandt ist; ich habe schon durch Herrn Köselitz meinen Glückwunsch zu seinem Fertig-werden ausdrücken lassen.

Widemann wendet sich fundamental wider Kant und Schopenhauer: ich sehe dem mit Erstaunen zu, wie schnell jetzt die philosophischen Systeme wechseln und wechseln. Es giebt, unter wirklichen Denkern, heute keine Anhänger Schopenhauers mehr, und nur ganz wenige Kantianer. Widemann’s Standpunkt, welcher im Grunde der Eugen Dühring’s ist (obwohl er seine Unabhängigkeit gelten macht), ist für mich bereits ad acta gelegt: und fünf andere hinzu, deren Heraufkommen ich in den nächsten 20 Jahren erwarte. Ich sehe mit Trauer, daß sich noch Nichts, noch Niemand für mich ankündigt, der mir einen Theil meiner Arbeit abnähme. Scheinbar steht es hier, bei W<idemann> gerade anders: denn sein Buch endet vollkommen mit Zarathustra-Gedanken, und auf der letzten Seite erscheinen Dühring und ich in ganz großer Gala und Gloria. Es ist Schade, daß Ihr nicht die Seiten aufgeschnitten habt, wo von meinem „tiefsinnigen Evangelium“ und „meiner klassischen Formulirung des höchsten Ideals menschlichen Strebens“ geredet wird. —

Hopsa! reden wir von etwas Vernünftigerem! Das Lama hat neulich einen so rührenden Brief an mich geschrieben: ich bitte Euch, sie dafür in meinem Namen schönstens zu streicheln. Zuletzt ist der Gedanke eines Zusammentreffens in Baden-Baden nicht übel, nur kommt dabei mein Wunsch, unsre liebe Mutter wieder zu sehn, ins Gedränge. —

Was macht die Schmeitznersche Zahlung? Daran hängt eigentlich meine Dispositions-Fähigkeit für Herbst und Winter.

Auch thäte ich gerne etwas für die Aufführung von K<öselitzen>s Oper, mündlich und persönlich: denn wenn ich nichts thue, thut Niemand was. Er schrieb verzweifelt, seit 3 Jahren hat er nichts als Zurückweisungen und Demüthigungen erfahren.

Ich bin seit 3 Wochen ungefähr wieder allein. Und bin froh darüber. Kein neuer Mensch schlägt bei mir mehr Wurzel, und die „alten Menschen“ sind alle für mich abgedorrt. Schlimm! Ich bin auch der Meinung, daß nichts über gute Familien-Verhältnisse geht.

Alle 3 Tage krank. Mit den Augen steht’s ganz böse. Aber was hält unser-Einer nicht aus?

Es grüßt Euch von Herzen
Euer Fr.

615. An Elisabeth Förster in Naumburg

<Sils-Maria, Ende Juli 1885>

Mein liebes Lama,

Dein guter herzlieber Brief kam einen Tag zu spät: so ist mein Dank für Deine Kiste einen Tag zu früh abgelaufen. Die Freude der kleinen Adrienne war unbeschreiblich. Für Cubaba allerschönsten Dank, es erinnerte mich an eine Art Kuchen aus Kastanien, welche man in Genua macht, ist aber feiner im Geschmack. Seit drei Tagen haben wir Luft, Himmel und Wind wie in Nizza des Winters, es ist frisch; alle Welt sagt mir, daß ich viel besser aussehe. Auch denke ich wieder muthiger über die Zukunft: und seltsam, in Betracht zu den ungeheuren Dingen, mit denen sich Dein dummer Bruder beschwert hat, heißt Muth bei mir auch immer soviel als: guter Wille zur Einsamkeit und Verborgenheit, und Ablehnung jedes Arrangements, wozu mein vieles Kranksein mich verführen könnte. Wenn ich in den letzten Jahren hier und da nach „Schülern“ geseufzt habe, so war es immer die Wirkung krankhafter Entmuthigung; an guten Tagen weiß ich ganz deutlich, daß es besser ist, meine Hauptsachen still für mich abzumachen — und daß ich meinen Verkehr mit Menschen rein als Kur und gelegentliche Medizin zu nehmen habe, vor Allem als Erholung. Aber sobald ich wieder zu Kräften komme, weiß ich, warum ich die größte Unabhängigkeit und Einsamkeit zuerst und zuzweit und zudritt nöthig habe. — Da kommt eben ein Brief von Lanzky: der sorgt ernstlich für mein Persönliches und Leibliches und ist andererseits nicht zum „Schüler“ geeignet, das weiß er selber — aber zu einer Art von Oekonom und Wirthschafter um mich herum. Lies genau, meine liebe Schwester, was er sagt. Ich glaubte es dieser Tage selber, daß ich um die riviera nicht herumkomme: die Beschleunigung des „Stoffwechsels“, wie die Physiologen sagen, bedingt durch trockne Luft (wie in Nordamerika und Nizza) ist für mich, da ich das langweiligste Gedärm von der Welt habe (verdorben überdies durch Jahrzehnde medizinischer Vergiftung) eine Sache ersten Rangs. St. Jean ist etwas für alle Jahreszeiten; ich möchte gern „der Einsiedler von St. Jean“ werden. Im Freien leben und arbeiten — das ist meine Aufgabe. Milch, Reis, Fleisch, keine Hôtels. Und Honig: — oh wie gut ist er wieder!

Bitte, laß diesen Brief auch Deinen Gatten lesen! und behaltet mich lieb!

F.

616. An Paul Heinrich Widemann in Dresden

Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz. <31. Juli 1885>

Sie haben, mein werther Freund, mir durch Ihren Brief und die Übersendung Ihres Werks keine kleine Ehre erwiesen — gar nicht zu reden von dessen letzter Seite, wo Sie meinem Sohne Zarathustra die erste öffentliche Censur feierlich und festlich ausstellten: — Das soll Ihnen nie vergessen werden! Am Tage, an dessen Abende Ihr Buch in meine Hände gelangte, vorvorgestern nämlich — hatte ich morgens nach Venedig den Auftrag abgegeben, daß Ihnen der vierte Theil des Z<arathustra> (das nicht herausgegebene und geheim zu haltende verwegene „Finale“ meiner Symphonie) umgehend zugesandt werden möge. Sie sehen, daß mein Wunsch, Ihnen irgendwie die Freude über Ihr Werk, als vollbracht, auszudrücken, nicht einmal sich die Zeit nahm, dessen Ankunft abzuwarten. Heute kommt meine Freude über die That, — eine ganz außerordentliche That, wie mir scheint — zu einem ersten vorläufigen Worte. Der Eindruck stimmt sehr gut zu alle dem, was ich zuletzt über Sie erzählt bekam, durch Herrn Schmeitzner, bei seinem letzten Besuche in Naumburg: — er sprach von Ihrer Ruhe und Selbst-Beschränkung innerhalb einer großen Aufgabe, von Ihrer Selbst-Kritik, von Ihrer Energie und Willensstärke bei einer unsicheren Gesundheit. Solche Eigenschaften sind es, welche heute selten werden und die Jeden, der sie hat, zu etwas Seltenem, vielleicht Seltsamem machen, worauf hin Zuschauer und Freunde wünschen, hoffen, fürchten, sich sorgen dürfen. Aber zu dem Allen ist es, für mich wenigstens, heute noch nicht Zeit: da hat Ein Wort allein Recht — Dank, mein hochgeehrter Herr und Freund, großen Dank! —

Zuletzt bemerke ich noch, daß ich des verheißenen gebundenen Exemplars mich bereits unwürdig gemacht habe, indem die Ränder des ungebundenen schon mehrfach beschrieben und bekritzelt sind. Unterlassen Sie also diese Zusendung: während ich durchaus nicht Anlaß geben möchte, daß der scharfsinnige Dr. Paul Rée („Stibbe bei Tütz, Westpreußen“) um den Genuß und die Ehre Ihrer Bekanntschaft käme.

— Also, wie es nach den Worten Ihres Briefs zu sagen erlaubt ist,

auf Wiedersehn!
Ihr
ergebenster
Prof. Dr. Friedrich Nietzsche

617. An Unbekannt (Entwurf)

<Vermutlich: Sils-Maria, August 1885>

Ich selber bin 100 Mal radikaler als W<agner> oder Sch<openhauer>, deshalb bleiben es doch meine verehrtesten Lehrer: welchen — — —: ob ich schon jetzt zu meiner Erholung und Erquickung ganz andre Musik nöthig habe als die W<agner>’s, und, beim Lesen Sch(openhauer)’s, jetzt mich langweile, oder verdrießlich werde. Des Falschen und Oberflächlichen ist zu Viel darin.

M<eine> „Unzeitgemäßen“ bedeuten für mich Versprechungen: was sie für Andre sind, weiß ich nicht. Glauben Sie, daß ich längst nicht mehr leben würde, wenn ich diesen Versprechungen nur um Einen Schritt breit ausgewichen wäre! Vielleicht kommt noch ein Mensch, der entdeckt, daß von M<enschliches,> A<llzumenschliches> an ich nichts gethan habe als meine Versprechen erfüllen. Das, was ich freilich jetzt die Wahrheit nenne, ist etwas ganz Furchtbares und Abstoßendes: und ich habe viel Kunst nöthig, um schrittweise die M<enschen> zu einer völligen Umdrehung ihrer höchsten Werthschätzungen zu überreden.

618. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 1. August 1885>

Lieber Freund,

vergeben Sie eine nochmalige Bitte um Absendung eines Z<arathustra>-Exemplars: nämlich an Frl. Helene Druscowicz (die Adresse ist Unter-St. Veit bei Wien) Genanntes Mädchen schrieb dieser Tage sehr artig und unmotivirt an mich: und Sie wissen, daß man auf Erden für alles Unmotivirte dankbar zu sein hat — es ist selten! Das Buch W<idemann>s ist eingetroffen: persönlich betrachtet, ist es vielleicht ein kleines Malheur für mich (von wegen des Dühring und des gepredigten Mengel-Mansch von Physik und „Bewusstseins-Thatsachen“) aber es wird noch viele solche Quidproquo’s geben, und bösere! Ich habe mich bereits bedankt: persönlich betrachtet nach der Seite des Verfassers hin, ist es ein ganzes großes Stück Charakter und Zähigkeit des Willens; das Talent — ist wesentlich schematisch, „kategorientafelhaft“.

N.

Eben trifft Ihr Brief ein, schönsten Gruß und Dank! —

619. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, gegen Anfang August — mehr weiß ich nicht. <7. August 1885>

Lieber Freund,

Hurrah, seit gestern bilde ich mir ein, daß mir etwas vom Himmel gefallen ist, ganz eigens für Sie und für Niemanden anders — nämlich ein prachtvolles Operntext-Sujet. Lesen Sie in beifolgendem Buche die Geschichte auf p. 196 und nehmen Sie die Correcturen vor, die sich von selber verstehn (z. B. daß Marianna nicht die Mutter, sondern die Schwester des Ermordeten sein muß, und daß, bei der Katastrophe, p. 198 unten, es die plötzliche Liebe ist, welche den Romanetti rettet, den Haß auslöscht und die vendetta der Familien beendet.) So hat dieses Thema Alles, was gerade Sie brauchen, weil gerade Sie es können. Erster Akt: festlich-südlich, Carneval, blutige Unterbrechung. Zweiter Akt: die große korsische Todtenklage, die Racheschwüre an der Bahre, Soli und Chöre. Dritter Akt: die gefährliche Einsamkeit eins auf den Tod Verfolgten zum Gefühl zu bringen. Gebirge, Wald, Höhlen, Verstecke, Verrath. Vierter Akt: Katastrophe mit schrecklicher Spannung, zum Schlüsse die Versöhnungs- und Verbrüderungsschwüre der zwei feindlichen Geschlechter. Alles ist männlich, das hysterische Element der Wagnerei ist hundert Meilen weit; es wird viel geschossen; die Liebe (welche im ersten Akte irgendwie keimartig angedeutet sein muß) ist dies Mal Liebe der That und nicht der lyrischen Expansion: wobei es doch, auf dem Höhepunkt des vierten Aktes, ein um so wirkungsvolleres Liebesduett abgeben könnte. Und vor Allem: alles ist wirklich theatralisch, und sogar opernhaft comme il faut! Die Rachefurien-Effekte des zweiten Aktes hat Ihnen kein Musiker schon vorweg genommen. Das Ganze hat Logik, extreme Leidenschafts-Logik — und hat überdies jene typische Art, wie sie ein Drama haben soll.

Marianna, das kriegerische Mädchen, welche im zweiten Akte wie eine Erinnys zu erscheinen hat, ist eine sehr gute Rolle: ebenso Romanetti, der, im Gegensatz zu ihr, verschlossen, vornehm-düster, alle die Züge eines tiefen Menschen zeigen muß, der seine Feinde und den Tod selber verhöhnt. Daß gerade Sie, lieber Freund, das machen können, als prädestinirt für diesen Text und diese Musik, dafür habe ich ein seltsames sigillum veritatis: nämlich Ihre sinfonia ungherese. Ja, wenn Sie mir vergönnen wollen, daß ich Ihnen einen Gedanken ins Ohr flüstern darf, der vielleicht in meinem Munde etwas Unbescheidenes hat: ich bilde mir ein, Sie haben die Ouvertüre zu dieser Oper bereits componirt, und sie sei nichts Anderes als die eben erwähnte sinfonia. Das Schwere, Harte, Gedrängte, Sehnsüchtige, gleichsam Tragödien-schwangere der korsischen Seele scheint mir unübertrefflich gut darin ausgedrückt. Zuletzt ist der „Corse in Musik“ zu erfinden: weshalb sollte nicht „der Ungar“ mit dabei helfen? Es ist sehr gut, daß ein so undeutscher und unitaliänischer Typus der Musik überhaupt schon eine Art Bürgerrecht erlangt hat.

Sie werden diesen Text viel unbedenklicher dichten können als einen griechischen (ich wenigstens habe eine schreckliche Angst vor griechischen Texten, jede antike Statue sieht mich an, als ob sie sagen wollte „ich und Eure Musik — wir vertragen uns nicht!“ Pardon, meine Scepsis braucht nicht die Ihrige zu sein, werther Freund! —

Lesen Sie, bitte, südliche Volkslieder zum Versuche und in summa — seien Sie nicht ungeduldig über einen Freund, der es beinahe nöthig hat, daß es Ihnen gelingt, im höchsten Sinne, weil es ihm selber, in Bezug auf das ganze Leben, nicht gelungen ist.

Von Herzen
Ihr N.

620. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria im Oberengadin (Schweiz) <etwa um den 10. August 1885>

Meine liebe Mutter

wie sehr wünschte ich, Dir auf Deinen rührenden Brief, für den ich meinen ergebensten Dank ausspreche, irgend Etwas melden zu können, das Dir Freude machte! Aber es bleibt bei Deinem wunderlichen Sohne in solchen Fällen immer „sehr viel zu wünschen übrig“ — die alte Geschichte, die Du kennst! Zum Beispiele: wie gerne schriebe ich, daß ich käme, um den Herbst bei Euch zu verbringen! Wie jetzt die Dinge stehn, glaube ich nicht mehr daran — und Schuld ist mein unehrenwerter Herr Verleger, der, wie es scheint, nun auch den Gerichten gegenüber sein Wort nicht hält. Ein Brief Widemann’s aus Dresden gab eine Andeutung, welche mir die eben geäußerte Besorgniß einflößt. Nun habe ich, im festen Vertrauen, für die zweite Hälfte dieses Jahres, auf dem bezeichneten Wege Geld zu bekommen, schon bei meinem Leipziger Drucker nicht unerhebliche Ausgaben gemacht (c. 100 Thaler); insgleichen habe ich noch in diesem Herbste eine Bücherrechnung zu bezahlen — und, was meine Baseler Geldquellen betrifft, so ist mit diesem Sommer, wie Du weißt, der Wendepunkt eingetreten (ich habe jetzt jedes Jahr 1000 frs. weniger als in den letzten 6 Jahren zu verbrauchen, denn der Staatsbeitrag der Pension ist nicht erneuert worden) Daß ich an den Süden klimatisch gebunden bin, steht leider außer Frage; daß ich mich von jetzt ab noch einfacher einrichten muß, ebenfalls, — vor Allem daß ich die großen Reisen mir versage, welche überdies auch meiner Gesundheit immer sehr nachtheilig gewesen sind. Diesen Sommer hat es sich wieder, auf unheimliche Weise, bestätigt, daß Dein Sohn an allen Tagen mit bewölktem Himmel krank ist. Es geht äußerst langsam mit meiner Besserung; doch glaube ich, mit der bisherigen Milch- Reis- und Fleisch-Diät das Rechte getroffen zu haben. Im Übrigen arbeite ich, so oft ich nur eine gute halbe Stunde Gesundheit erwische, und auch dieser Sommer hat sein Erträgniß. Seltsam! Es wimmelt im Engadin von Menschen, die mich kennen; und wenn ich Zeit hätte, „eitel“ zu sein, so könnte ich einen kleinen „Hof“ um mich haben. Es vergeht kaum ein Tag, wo mir nicht besondre Aufmerksamkeiten erwiesen werden, und was die Anerbietungen betrifft, mit Vorlesen, Musik-Vorspielen etc. so werde ich behandelt wie ein Prinz. Aber „der Einsiedler von Sils-Maria“ fängt an, auf seine „Würde“ zu halten und immer schwerer zugänglich zu sein. Auch esse ich nie mehr in Gesellschaft (außer in solcher, die „man mir giebt“) Zwei Engländerinnen, Mutter und Tochter, und eine alte russische Hofdame sorgen ganz eigentlich für mich, ungefähr wie gute Tanten. Ein ausgezeichneter Musiker und Componist, den die alte Russin sich zu Gaste geladen hat (es ist ihr Contrapunkt-Lehrer) begleitet mich auf meinen Spaziergängen; ist er beschäftigt, so thun’s zwei hübsche junge Gräfinnen, oder ein ehemaliger* Schulpförtner, der mit seiner Schwester hier ist, oder Professor Leskien und Dr. Brockhaus aus Leipzig, oder ein Holländer aus Java, der mit meinen Engländerinnen verwandt ist usw. So, meine liebe gute Mutter, jetzt kannst Du Dir wenigstens vorstellen, was Dein Sohn macht. Das Schlimmste ist: er hat kein Geld, ins Ohr gesagt!

Von Herzen Dein F.

621. An Elisabeth Förster in Naumburg

<Sils-Maria, kurz vor dem 15. August 1885>

Mein liebes Lama,

im Grunde wartete ich gerade auf diese Mittheilung über den Fall Schmeitzner, und um dieser von mir als wahrscheinlich angesetzten Möglichkeit willen habe ich zu der ganzen Sache Ja gesagt. Ich kann nämlich nur wiederholen, was ich schon Ein Mal Dir schrieb: woran mir absolut gelegen ist, das ist, meine Schriften aus Sch<meitzner>s Händen zu winden. Daß er mich bezahlt oder nicht bezahlt, ist, dagegen gerechnet, ein verschwindender Gesichtspunkt. Mein Wunsch ist groß, den ganzen Rest von Exemplaren meiner Schriften zu besitzen; oder vielmehr, ich sehe gar kein anderes Mittel als das angegebene, um dazu zu gelangen, was jetzt noth thut, meine frühern Schriften neu und wesentlich verändert herauszugeben. Es ist mir also äußerst angenehm zu hören, daß es vielleicht möglich ist, selber bei der Verauktionirung der Bietende zu sein (resp. vertreten durch Vetter Adalbert)

Zur Instruktion für das Bieten bei dieser Auktionirung bitte ich diese Gesichtspunkte zu betrachten.

1 ich möchte vor Allem
Menschliches, Allzumenschliches. 1878.
Nachtrag dazu: Vermischte Meinungen und Sprüche
1879.
Der Wanderer und sein Schatten 1880.

in Besitz bekommen; diese bedürfen nämlich absolut einer schleunigen neu redigirten Auflage (ich kann nicht darauf warten, bis die spärlichen letzten Exemplare von „Menschl<iches> Allzum<enschliches>“ sich verkauft haben; was bei dem augenblickl. Stande der Dinge sich auf Jahrzehnde hinausschieben könnte)

  1. Sodann will ich die drei Theile Zarathustra wieder bekommen (und sie, nach sorgfältigstem Ermessen, persönlich an einen neuen Verleger verkaufen)

  2. Nicht will ich in Besitz bekommen die Reste der Exemplare

Geburt der Tragödie 2. Aufl.

und der vier Unzeitgemässen Betrachtungen 1873 —1876.

  1. Was die „Morgenröthe“ und

„die fröhliche Wissenschaft“ anbetrifft: so bin ich bei

mir selber nicht entschlossen. Es würde mir zu viel Noth und Sucherei machen, gerade für solche Schriften (Elite-Schriften für Elite-Menschen, d. h. für ganz Wenige) neue Verleger zu finden. So mag es rathsam sein, auch diese, wie die unter 3) aufgezählten, laufen zu lassen.

Die Versicherung Sch<meitzner>s, am 1. Oktober zu zahlen, hat nicht den geringsten Werth, in Anbetracht dessen, was er alles schon versprochen hat. Sein Vater, der sich für ihn verbürgt hatte, hat nicht gezahlt: somit erscheint mir das energische Vorgehen des Onkels vollständig am Platz. Was eben seit Jahren versucht und versucht worden ist, das bezeichnete Haus zu verkaufen, ist also auch bis zum letzten Termine nicht gelungen: — es wird seine guten Gründe haben! Zu einem Subhastations-Verfahren, wie es wahrscheinlich nöthig würde, bin ich nicht reich genug; das ist langwierig und kostspielig. Die Aussicht auf die reiche Braut — ja, wenn nur Schm<eitzner> nicht im Frühjahr 1884 gegen mich dasselbe Kunststück ausgeführt hätte! Wer darf ihm zuletzt noch glauben? Und wenn er nur selber sich glauben dürfte! —

An mich geschrieben hat er bisher nicht. — „Eins ist nothwendiger als das Andre“, mein liebes Lama! Ich bin gegen Deine Theilnahme an Sch<meitzner> gar nicht unempfindlich, auch gegen ihn selber ohne Abneigung. Aber das Malheur, das dieser Verleger in Hinsicht auf die Wirkung Deines Bruders angerichtet hat, ist ungeheuer: daß ich jetzt, im 41ten Lebensjahre isolirt bin, keinen Schüler habe und es täglich empfinde, daß ich gerade in meiner besten Kraft stehe, um eine große Schul-Thätigkeit als Philosoph auszuüben, stelle Dir das auch vor die Seele! Die Bücher heraus aus diesem Winkel!!! Es sind meine Angelhaken; wenn sie mir keine Menschen fangen, so haben sie keinen Sinn! —

Ich gebe dem Rechtsanwalt sofort Auftrag zur schleunigen Zwangsversteigerung. Dir und meinem Herrn Schwager von Herzen dankbar

F.

622. An Paul Heinrich Widemann in Chemnitz

Sils-Maria den 19. Aug. 1885.

Werther Freund,

Soeben hat mein Chemnitzer Rechtsanwalt von mir einen Auftrag erhalten, der, wie ich hoffe, auch Ihren Wünschen genug thun soll.

Im Übrigen bitte ich zu entschuldigen, wenn Jemand nur schwer dazu zu bringen ist, in einem vierten Falle Vertrauen zu haben, nachdem ihm drei Mal hintereinander das gegebne Versprechen nicht gehalten wurde.

In Eile und bei sehr behinderter
Gesundheit
Ihr
N.

623. An Helene Druskowitz in Berlin (Entwürfe)

<Sils-Maria, etwa Mitte August 1885>

Mein verehrtes Frl.

Das Exemplar war Ihnen als Eigenthum zugedacht: aber freilich: ein andres ist, sich auch nur Ein Wort daraus zu eigen machen. Und nun wollen Sie gar schon über solche Dinge schreiben! in Bezug auf welche Sie noch nichts erlebt haben, geschweige denn eine heiligste und innerlichste Erschütterung, wie sie jedem Grade von Verständniß erst vorangegangen sein müßte!

Zu meiner traurigen Verwunderung sehe ich aus Ihren — — —

so <viel ich> von diesen jetzigen M<enschen> weiß, ist meine Hoffnung gering.

Verzeihung, mein verehrtes Frl., aber ich gehöre nicht zu denen, welche „Litt<eratur> machen“, noch weniger zu denen, welche glauben, man könne von allen Dingen öffentlich reden. Wer nicht mir aus dem tiefsten Grunde seines Herzens Dank dafür weiß, daß so etwas wie mein Z<arathustra> überhaupt von mir mitgetheilt ist, wer nicht alles Dasein dafür segnet, daß so etwas in ihm, wie dieser Z<arathustra>, möglich ist, dem fehlt Alles, Ohr, Verstand, Tiefe, Bildung, Geschmack und überhaupt die Natur eines „auserlesenen Menschen“. Solche „Auserlesene“ will ich damit an mich heranziehn: — — —

Ps. Das übersandte Exemplar gehört wie billig Ihnen zu, mein liebes und verehrtes Frl., als Ihr Eigenthum

Was Ihren so aufrichtigen, wenngleich nicht gerade um- und einsichtigen, ja vielleicht auch nicht besonders „bescheidenen“ Brief betrifft: so sage ich, wie so oft: Wie schade daß man nicht eine halbe Stunde Gesprächs haben kann, wenn sie noth thut! Ich brachte noch diesen Winter einen gescheuten und sehr ergebenen Gefährten ms Alters dahin, daß er einen Aufsatz, den er über mich geschrieben hatte, vor Beschämung in Stücke riß.

624. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria 21 Aug. 1885.

Lieber Freund,

mit steifen Fingern — es ist januarlich-kalt seit zwei Tagen — einen herzlichen Gruß! Der Sommer hat bisher keinen üblen Verlauf gehabt, die Gesundheit ist zum Mindesten auf einige zerstreute Tage bei mir zu Gaste gewesen. — was ich sehr hoch anschätzen muß! und mein Muth ist heute größer als er es in Venedig bei unserem letzten Zusammensein war. Ich will doch schwören, daß vino Conegliano mir zum Unheil ausgeschlagen ist! Inzwischen habe ich Milch, Reis, etwas Beefsteak, rohe Eier — und gar nichts Anderes genossen (nicht risotto, sondern Reis in Milch gekocht!)

Die letzten Wochen gab es Blitz und Donner in der Angelegenheit Schmeitzner. Doch scheint jetzt Alles endlich auf der richtigen Bahn: so daß ich am 1. Oktober mein Geld (7000 frs. —) wirklich bekommen soll. Man hatte mich möglichst mit der Sache verschont: als aber die entscheidenden Maßregeln nöthig wurden, stürzte Alles auf mich los, die Rechtsanwälte, meine Angehörigen, Schmeitzner selber, sogar Herr Widemann, es hagelte Briefe und Telegramme, und — die Verantwortlichkeit saß auf mir! Wie billig! Dank einer sehr energischen und plötzlichen Maaßregel (Pfändung des ganzen Verlags in meinem Namen: so daß Schm<eitzner>, von einer Reise kommend, alles versiegelt fand und nicht hinein konnte) auf welche Niemand vorbereitet war, wurde ein Hochdruck geschaffen. Ich hatte, unter uns gesagt, meinen Rechtsanwälten den Auftrag zu einer schleunigen Zwangsversteigerung des ganzen Verlags gegeben (und schon Mittel gesucht, dadurch in den Besitz aller meiner Bücher selber zu kommen) Diese „Zwangsversteigerung“ hat Schm<eitzner> fürchterlich erschreckt: natürlich wäre Alles zu Löschpapier-Preisen weggegangen (ich hätte zwar mein Geld nicht auf diesem Wege bekommen, aber meine „Litteratur!“ Gleich nach der Auktion würde ich gegen Schmeitzner sen. geklagt haben, dessen Bürgschaft in den Händen meiner Rechtsanwälte ist — genug, ich war gut vorgesehn) Wie jetzt die Dinge stehen, ist es Schm<eitzner> nicht mehr möglich, zum vierten Male ein gegebenes Versprechen zu brechen — er muß zahlen! Die Mittel dazu giebt der Verkauf seines ganzen Verlags an Hr. Ernicke in Chemnitz (Firma in Leipzig) für 14,000 Mark; Zahlung 1. Oktober. Den Kauf-Contrakt habe ich in den Händen. Zahlung an mich gleich nach erfolgtem Geld-Eingange: dann Rückgabe der Pfänder. — — Lieber Freund, es hat mich stolz gemacht, Ihnen mit meiner Korsischen Idee nicht mißfallen zu haben. Ich selber möchte am liebsten nach Corsica: und zwar nach Corte, meiner Residenz, wie sie als solche schon seit 4 Jahren mir im Kopfe spukt. Dort ist Pasquale Paoli Herr der Insel gewesen, der wohlgerathenste Mensch des vorigen Jahrhunderts; dort ist die Stelle für ganz große Conceptionen (Napoleon wurde dort, 1768, concipirt — in Ajaccio ist er nur geboren!)

— Die Versendung des 4. Zarath<ustra> an Frl. Druscowicz war meinerseits eine Dummheit; glücklicher Weise hat sie es so aufgefaßt, als ob sie das Buch nur lesen dürfe: sie wird es also an sie zurückschicken, ich gab ihr die dazu nöthige Adresse.

Nun aber die Hauptfrage: geht es mit der Dresdener Angelegenheit vorwärts? Ihre letzten Meldungen beglückten mich. Ich hörte gern, womöglich umgehend, etwas Neues in dieser Sache. Ob ich nach Norden reise, ob ich vielleicht einmal den Winter in Dresden verbringe, — das hängt im Grunde jetzt an Ihren Briefen.

Herr Prof. Ruthardt aus Genf, ein tüchtiger Mensch, mir sehr zugethan, und ein Musiker, vor dem ich Hochachtung habe, war längere Zeit unser Gast, ich meine der Gast meiner alten Russin, deren Lehrer er ist. Er wünscht sehr, sie kennen zu lernen. Den Winter wird er in Leipzig sein; auf der Hinreise besucht er Mottl in Karlsruhe — er wird ihn unzweifelhaft auf Ihre Oper neugierig machen.

Mit den herzlichsten Grüßen
N.

Frau Röder mit ihrem Mangel an Takt, fährt fort, sich brieflich über mein Sils-Maria lustig zu machen: was mich beinahe beleidigt. Dieser Ort soll der Nachwelt ehrwürdig in die Ohren klingen — — aber diese Weiberchen!

Dühring, Cursus, der Philosophie p. 79 steht jener Satz. — Bitte, aus Bebel eine Stelle! er citirt eine Engländerin (Elisab…) über die Dringlichkeit der geschlechtlichen Bedürfnisse des Weibes. Bitte, schreiben Sie den Satz für mich ab! Er ist erbaulich, beim heiligen Aristophanes!

625. An Elisabeth Förster in Naumburg

Sils-Maria 21. August 1885.

Mein liebes Lama,

geschwind eine Auskunft in der Sache Schmeitzner, die, wie ich hoffe, nunmehr geordnet ist, Dank vielfältiger Briefschreiberei: — auch bin ich krank davon gewesen. Der angewendete „Hochdruck“, wie die Techniker sagen, hat seine Schuldigkeit gethan.

Am 1. Oktober wird Schm<eitzner> zahlen, in die Hände des Rechtsanwalt Kaufmann; dieser hat Auftrag, das Geld an Dich abzuliefern. Der Verlag ist an Herrn Erlicke in Chemnitz (Buchhändler-Firma in Leipzig) für 14,000 Mark verkauft; der Verkaufs-Contrakt liegt mir vor. (Daraus ist lehrreich, daß Sch<meitzner>s Jahres-Umsätze zwischen 8000 und 1500 Mark schwankten — nun, meine Bücher haben ihm nicht geschadet!) die Zwangsversteigerung wäre nicht leicht durchführbar gewesen. — Schm<eitzner> selber hätte seine Zustimmung, welche nöthig war, nicht gegeben; ja sogar Herr Widemann, der an mich schrieb, würde eher seinerseits die Gelder beschafft haben als jene Auction zugelassen haben. Also sind meine Bücher mir entwischt! — aber freilich, eine gute Portion Mühe und Sucherei bleibt mir nunmehr auch erspart.

An den Onkel Bernhard habe ich einen dankbaren Brief geschrieben.

Meine Diät ist noch die gleiche; der Erfolg beginnt sich zu zeigen, — scheint es mir. Der Meteorolog des Ortes (Sils ist eine schweizerische met. Station) sagt mir, die Lufttrockenheit der letzten Tage sei ganz erstaunlich. Es ist kein Zweifel, daß dieser Factor jetzt der wichtigste für mein Wohlbefinden ist. —

Ein vortrefflicher Musiker und Componist war hier bei uns zu Gaste, Prof. Ruthardt aus Genf, der Lehrer meiner alten Mansouroff. Er hat sich sehr an mich angeschlossen; ich werde gewiß ihm wieder begegnen. (Der Rückgang der Wagnerei, unter uns gesagt, ist eine Thatsache: das Gewissen aller strengeren Musiker ist aufgerüttelt.)

Sils-Maria gefällt mir wieder sehr gut, seitdem die Heuernte vorbei ist. Die grünen Wiesen sind mir fatal, geradezu anstößig — aber jetzt, gelb, bunt, braun, klingt Alles schön zusammen. Daraus ersiehst Du, wie sehr Dein Bruder innewendig ein Südländer geworden ist. — Das Clima ist rauh und härtet ab; auch halte ich strengstens noch an meiner Milch und Reis-Diät fest.

Was macht unsre liebe Mutter? Ich hörte lange nichts von ihr. Mein Brief an sie wird, wie ich hoffe, durch Deine freundliche Vermittelung in ihre Hände gekommen sein? — Und mein Herr Schwager? Arbeitet er an seinem Buche? Ich habe jetzt einen Holländer zum Umgang, der mir viel von China erzählt (er hat durch seinen eiskalten brüsken Stolz das ganze Hôtel empört — sobald er aber mich findet, giebt es die artigste und lehrreichste Unterhaltung) Meine Engländerinnen und ihre alte russische Freundin gehen Ende des Monats fort, nach Blankenberghe an’s Meer; sie haben sich auf das Gütigste meiner angenommen, und neulich zum Beispiel, als mir die Schm<eitzner>-Geschichte Kopfschmerz und Noth machte, mich einen ganzen Tag herumkutschirt, um mich zu zerstreuen.

Prof. Curtius in Leipzig ist gestorben — ein Ereigniß, das hier vielleicht die stärkste Resonanz fand. Denn Dr. Fritsch ist seinem Lehrer auf das Leidenschaftlichste zugethan, und stand zu dem Hause Curtius persönlicher als alle Verwandten des alten Professors; anderseits ist Prof. Leskien der Führer der Anti-Curtianer, und, als Urheber eines tiefgehenden Conflicts, vielleicht am frühzeitigen Tode C<urtiu>s betheiligt.

Neue gute Nachrichten mir ausbittend und herzlich grüßend

Dein F.

626. An Heinrich von Stein in Halle

Sils-Maria, 30. August 1885.

Werther Herr und Freund,

gar zu gern käme ich Ihrem Wunsche — der mich eben so sehr erfreut als ehrt — auch räumlich entgegen, und nicht nur mit dem Herzen und „dem guten Willen“. Aber — ich habe noch kein Recht, „Ferien mir zu machen“, das heißt in diesem Falle: mein Engadin zu verlassen. Die üble Beschaffenheit meiner Gesundheit hat mich um die ersten Sommer-Monate gebracht: jetzt, bei etwas besserer Laune und Verfassung, muß ich noch drei, vier Wochen bei der Arbeit bleiben.

Damit ist die Aussicht, Sie wieder zu sehn, keineswegs für dieses Jahr „über alle Berge“. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß ich im Herbste nach Naumburg komme: obwohl ich nichts versprechen kann. Es hängt Alles davon ab, wie weit ich Dies und Jenes, das mich beschäftigt, vorwärts bringe: — und ob ich Deutschland (deutsches „Clima“ in jedem Sinne, leiblich und seelisch —) mir zumuthen darf.

Von Herzen Ihnen zugethan
Ihr Freund Nietzsche.

627. An Emily Fynn in Blankenberghe

Sils-Maria, 6 Sept. 1885.

Hochverehrte Frau,

es hätte Gründe gegeben, Ihnen sogleich zu schreiben, aber es gab bessere Gründe, etwas zu warten. Man weiß es zehn Tage hinterdrein besser, von wem man Abschied genommen hat als am Tage darauf.

Was das schöne Räthsel betrifft: so zweifle ich nicht, daß „böse Geister“ auch sehr böse, sehr ironische Lösungen dieses Räthsels bereit halten würden, — ohne sie natürlich auszusprechen: es liegt ja in ihrem Plane, daß das Leben seinen räthselhaften Charakter nicht verliere — Verzeihung!

— Was aber „die Blumen“ betrifft, so kann ich nicht verhehlen, daß ich einstweilen vor den gemalten Blumen, wie ich sie diesen Sommer gesehn habe eine größere Hochachtung besitze als vor den natürlichen: — Sie sehen, wie weit ein Philosoph Artist sein kann! Bisher glaubte ich, die Blumen zeigten das Streben der Natur in’s Kleine und Hübsche: jetzt beginne ich zu ahnen, daß es auch ein Streben ins Große und Vornehme sein könne.

Es ist wahrscheinlich, daß ich in einigen Tagen Portofino wiedersehn werde (ich reise nicht nach dem Norden —) Darf ich die Kühnheit haben zu hoffen, daß ich es auch wieder hören werde?

— Ihnen Allen, meine hochverehrten Damen, von Herzen und mit vieler Dankbarkeit zugethan

Friedrich Nietzsche

628. An Franziska Nietzsche und Elisabeth Förster in Naumburg (Entwurf)

<Sils-Maria, vermutlich Anfang September 1885>

Meine Lieben, ich kann nicht Alles sagen, noch weniger schreiben: und ich denke, Ihr wißt, daß ich mich ungefähr in die bescheidene Attitüde eines „leidenden Gelehrten“ „der um seiner Gesundheit willen im Süden oder im Engadin lebt“, zu schicken weiß. Es hat seine guten Gründe, weshalb mir Menschen fehlen, die zu mir gehören; und es wäre für einen Philosophen lächerlich, wenn er es anders verlangen wollte. Trotzdem es stirbt die Sehnsucht nicht in mir aus, daß der außerordentliche Glücksfall sich doch noch einmal ereignet; es ist höchst schauerlich, solchermaaßen allein zu sein. Mißversteht mich nicht: Das Letzte, was ich wünschte, ist „Ruhm“ und „Zeitungslärm“ und „Schüler-Veneration“; ich habe es zu sehr aus der Nähe gesehn, was dergleichen heute zu bedeuten hat. Ich würde mich mitten darin noch einsamer fühlen als schon jetzt und vielleicht in der Menschenverachtung noch erschrecklich zunehmen.

— — — aber es geht nicht, — und es ist für uns Alle besser so. Ich kann jetzt keinen solchen Abschied nehmen. Da mir das Lama [—] davon will, so ist es besser — — —

629. An Franziska Nietzsche und Elisabeth Förster in Naumburg

Sils-Maria 6. Sept. 1885.

Meine Lieben,

Eure schönen Gaben und Lockspeisen sind eingetroffen — ach, es bedurfte der Lockmittel nicht, Ihr könnt es gar nicht ausdenken, wie sehr und wie lange schon eine Art von grimmigem Heimweh mich quält und mich zu der nordischen Reise zu überreden sucht. Ja, es ziehen auch noch andre Zauber mich nach Eurer Richtung: z. B. daß mit großer Wahrscheinlichkeit diesen Winter in Dresden meine himmlische Leib- und Trostmusik-Oper „der Löwe von Venedig“ zu hören ist. Und trotzdem: es geht nicht! Es geht nicht! Ich bin ein armes Thier mit meiner Gesundheit, das wißt Ihr — und es ist schlecht in diesem Jahre gegangen, bei aller Vorsicht. Das liegt daran, daß ich mich von übermäßig schweren Pflichten und Skrupeln bedrängt weiß, denen eigentlich nur eine Löwen- und Bären-Gesundheit Stand hielte. Vielleicht kann ich dies nicht deutlich machen, aber glaubt es mir: ich leide Tag und Nacht daran. Daß ich „gute Miene“ zu machen weiß und von Zeit zu Zeit sogar einen Anfall von Glück und von ausgelassener Munterkeit habe, das wißt Ihr auch: sonst lebte ich lange nicht mehr. Es wird mir schrecklich schwer, das Lama vor ihrer Abreise nicht zu sehen, es geht mir durch und durch. Trotzdem ist es, glaube ich, besser so — und nicht nur meinetwegen. Vielleicht könnte es bei einem nochmaligen Wiedersehn herauskommen, zu sehr herauskommen, wie vereinsamt sich Euer Fritz jetzt fühlt — denn ich bin ohne Ausnahme alle meine Freunde in den letzten Jahren losgeworden — und wie er thatsächlich schon in einem fernen, fremderen, auch unzugänglicheren Lande lebt als alle Paraguays sein könnten. Aber wir sollten uns Alle einander hübsch Muth machen, da wir allesammt nichts Kleines vorhaben. Ich habe diesen Sommer hier in Sils oft mit großer Neigung über das Projekt meines Herrn Schwagers geredet, vor Deutschen und Ausländern; und seit er von jener Agitation zurückgetreten ist, die gleich jeder negativen Bestrebung die Gefahr in sich birgt, einen edelgearteten Charakter am leichtesten zu verderben, bin ich voller Theilnahme und herzlicher Wünsche für seine Unternehmungen. Das Lama wird ihre Sache gut machen, daran ist kein Zweifel (nur bin ich besorgt, daß sie aus Liebe zu ihrem Gatten zu wenig Fleisch ißt — „Eines schickt sich nicht für Alle“, Verzeihung, meine Lieben!) Mit meiner lieben Mutter will ich, wenn sie erst allein ist, dies und jenes Zusammentreffen und Zusammenleben verabreden: inzwischen müssen wir uns Alle tapfer zusammennehmen. Sils bleibt mein Sommer-Aufenthalt: das hat sich entschieden, Dank einigen Veränderungen, die meinen Augen angemessen waren. Jetzt muß ich noch den Winterort feststellen: ein Versuch mit Florenz soll zunächst gemacht werden. Adresse also: Firenze (Italia) poste restante.

In Liebe und mit Thränen
Euer Fritz.

An Stein habe ich geschrieben: damals glaubte ich noch an die Reise nach Naumburg. Inzwischen war ich krank.

630. An Heinrich Köselitz in Venedig

Naumburg a. d. Saale, Dienstag. <22. September 1885>

Lieber Freund,

inzwischen gab es und giebt es Mancherlei abzuwickeln, und eine Reise nach dem Norden war nicht gut zu vermeiden. Es wird für lange die letzte Reise in dieser falschen Richtung sein: und Alles, was ich insbesondre gegen die klimatische Beschaffenheit Naumburgs einzuwenden habe, bestätigt sich so präcis und unzweideutig, daß ich bereits mit einiger Angst an die Abreise und an die schädliche schwächende Nachwirkung dieses Aufenthalts denke. Im Übrigen thut es mir wohl, noch einmal mit meinen Angehörigen zusammen zu sein: der „Sprengstoff“, in Gestalt des Dr. Förster, wird uns ja in Kurzem recht hübsch über die ganze Erde hin auseinander treiben!

— Heute frage ich bei Ihnen an, ob es bei Ihrem Plane, im Oktober nach Dresden zu kommen, geblieben ist? und ob es schon bestimmtere Entschlüsse giebt? Auch was Schuch inzwischen gethan oder gelassen hat? — Daß ich selber nach Dresden komme, möchte ich gerne versprechen, kann es aber nicht, aus Gründen der Gesundheit. Das Wahrscheinlichere ist vielmehr, daß ich mich im Oktober wieder südwärts auf den Weg mache, vielleicht über Venedig nach Florenz: vielleicht sogar mit ein Paar Wochen Aufenthalt in Venedig, nach dem ich Sehnsucht habe — —

Ist denn das Parterre-Zimmer am Canale grande, gegenüber der Mosaik-Fabrik, noch frei? Seien Sie so freundlich, einmal Ihren Spaziergang dort vorbei zu machen!

Und das Quintett! Was ich Ihnen dazu Glück wünsche, ein größeres Werk diesem heißen Sommer abgewonnen zu haben!

Schönsten Dank für die Citate aus Bebel: obwohl mein Gedächtniß eine Confusion gemacht zu haben scheint, — ich meinte eine andere Seite des Buchs und ein andres „weibliches“ Citat. Zuletzt liegt wenig daran.

Kennen Sie casa Kirsch, ponte di Dio — ein Haus, welches mir Frau Röder-Wiederhold empfohlen hat? Und zuletzt: wissen Sie die jetzige Adresse dieser trefflichen Frau, der nothwendig in kurzer Zeit von mir ein paar freundliche Zeilen zugesandt werden müssen?

Der Sommer in Sils-Maria nahm einen nicht ungünstigen Verlauf; und, dank einigen Veränderungen, die meinen Augen zu Hülfe kamen (z. B. neuen Wegen, welche dem Verschönerungsvereine von Sils alle Ehre machen) ist es sicherer als je, daß dieses Dorf auch fürderhin mich zu Gaste haben wird.

Dieses Jahr nöthigt mich zu lauter abschließenden, wenigstens für eine längere Zeit „endgültigen“ Maaßregeln. — Nächsten Sonnabend eine Zusammenkunft mit dem neuen Buchhändler und Erben Schmeitzner’s, Herrn Erlecke: ich bin für eine neue Auflage von Menschl<iches>, Allzumenschl<iches> vorbereitet. Im Übrigen wird nichts mehr „publicirt“: es geht nunmehr bei mir „wider den Anstand“. — Lange Stille; auch keine neuen Menschen mehr. Die alten Sachen, wenn es noth thut, besser, feiner, voller machen. Sie verstehen diese ganze „Moral“ —

Von Herzen Ihr getreuer
Nietzsche.

631. An Ernst Schuch in Dresden (Entwurf)

<Vermutlich: Leipzig, Anfang Oktober 1885>

Hoffentlich ist Ihnen mein Name nicht unbekannt, und ich darf, ohne mich erst entschuldigen zu müssen, Ihre Gewogenheit in einer Sache in Anspruch nehmen, die mir sehr am Herzen liegt: ich hörte nämlich gern aus Ihrem Munde — oder durch eine Zeile Ihrer Feder — ob die Aufführung der Oper „Der Löwe von Venedig“ für diesen Winter in Aussicht genommen ist. Der Componist, Herr Heinrich Köselitz, welcher früher mein Schüler war und zwei Jahre bei mir Collegien gehört hat, ist inzwischen mir als Musiker u. Freund immer näher und näher getreten; heute gehört er zu den größten Hoffnungen, die ich für die deutsche Kunst habe, und ich zähle seine Musik, insonderheit die genannte Oper zu den besten Dingen, mit denen mich bisher das Leben beschenkt hat. Hier ist jene goldne Brücke der Versöhnung geschlagen, welche über Mozart, Rossini und Wagner hinweg führt — hier ist die südliche Schönheit, die Grazie des Herzens, der helle Himmel, einer ausgelassenen Heiterkeit wieder mit der nordischen Tiefe, der deutschen gelehrten Gründlichkeit und Innigkeit vermählt: und alle die so lange vermißten Zauber der ächten Melodie wirken wieder von Neuem. Ich nenne endlich das Wort, welches die Musik des genannten maëstro am stärksten abhebt und auszeichnet: es ist ganz und gar naive Musik — und man kann von dem Naiven in der Kunst gar nicht hoch genug denken. Als ich Herrn Peter Gast das letzte Mal sah, entwickelte er mir seine sehr guten Gründe, warum er für die Vorführung seines Werkes eigentlich nur zu Ihrer Hand zu Ihrem Feuer zu Ihrer delicatezza in der Interpretation vollkommenes Vertrauen habe — und warum er sich fürchte seine Musik anderswohin zu senden, er traut durchschnittlich den deutschen Kapellmeistern das südländische Temperament und jene instinktive Grazie nicht zu, mit denen sein Löwe von Venedig auf Ihrer Bühne „brüllen“ muß. — Es geschieht so selten, daß ich einmal nach Deutschland komme, wie glücklich wäre ich, in Dresden der ersten Aufführung meiner Leib- und Lieblingsoper beiwohnen zu können (einer Oper, der ich den die europ. Erfolge von Carmen weissage) (im Grunde habe ich in Dresden bisher den stärksten Eindruck einer Oper erlebt: die allererste Aufführung der Meistersinger daselbst, 1866, im Januar, wenn ich mich recht erinnere?)

Hochachtungsvollst und ergebenst

631a. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Leipzig, vermutlich 6. Oktober 1885>

Ein Gruß aus Leipzig, das wird Dir unerwartet kommen! Aber es zog mich diesen Herbst unwiderstehlich noch einmal nach Deutschland, so sehr auch meine Gesundheit protestirte, weil es vielleicht die letzte Möglichkeit war, um M<utter> und Schw<ester> noch einmal zusammen zu treffen<.> Dies ist denn geschehen, und es that mir, bei der Spärlichkeit von menschl<ichen> Beziehungen, die ich jetzt noch aufrecht erhalten will, unbeschreiblich wohl — und wehe. Meinen Schwager H<er>rn Dr F<örster> habe ich noch nicht zu sehen bekommen, — in einem gewissen Sinne paßte es mir trefflich gerade s o. Er ist in Westphahlen, redet und reitet abwechselnd auf seinen zwei Pferden, Antisemitismus und Paraguay und wird dasselbe noch einmal im November für Sachsen thun. Ein Buch der Resultate seines 2 1/2jährigen Aufenthalts in P<araguay> erscheint in Kürze.

632. An Franz Overbeck in Basel

Leipzig <6. Oktober 1885> Auenstraße 48 II rechts.

Lieber Freund

ein Gruß aus Leipzig! das wird Dir unvermuthet kommen. Aber es zog mich diesen Herbst unwiderstehlich noch einmal nach Deutschland (wo ich weder für Leib noch für die liebe „Seele“ fürderhin etwas zu suchen habe) um meine Mutter und Schwester noch einmal beisammen zu finden — wer weiß, ob nicht zum allerletzten Male! Denn im Januar oder Februar reisen die neuen „Colonisten“ ab, glücklicherweise nicht allein, sondern mit lauter achtbaren und wohlansehnlichen Personen. Dr. Förster habe ich noch nicht zu sehn bekommen, denn er weilt in Westphalen, redet und reitet abwechselnd auf seinen zwei Pferden (Paraguay und Antisemitismus) und wird im Monat November dasselbe noch für Sachsen thun. Unsereins hat gar keine Vorstellung von der Masse Arbeit und Aufregung, welche mit solchen Aufgaben verknüpft ist. Was mir wohlthut, ist die Einmüthigkeit im Lobe seines Charakters (denn es lag mir daran, unter der Hand, aus dem Mund von Freund und Feind mir den ungefähren Ruf meines so unerwarteten „Verwandten“ festzustellen) Es giebt ja Gründe genug, im Allgemeinen den Herren Antisemiten nicht über den Weg zu trauen. Übrigens ist ihre Sache viel populärer als man in der Ferne ahnt, namentlich scheint mir der ganze preußische Adel für dieselbe zu schwärmen. — Der Gedanke einer Colonisation in Paraguay ist von mir sehr geprüft worden, nicht ohne den Hintergedanken, ob nicht daselbst auch für mich sich einmal ein Asylon fände. In Bezug auf diese Aussicht bin ich zu einem unbedingten „Nein“ gekommen; meine klimatischen Bedürfnisse widersprechen. Sonst aber ist an der ganzen Sache viel Vernunft, P<araguay> ist ein prachtvolles Stück Erde für deutsche Landbebauer — und unter nicht gerade phantastischen Erwartungen darf ein Westphale oder Pommer wohl gemuth dahin absegeln. Ob gerade meine Schwester und mein Herr Schwager dort am Platze sind, ist eine andre Frage; und ich gestehe mit meiner Mutter zusammen oft sogar schrecklich besorgt zu sein. — Die nunmehrige Einsamkeit meiner Mutter ist eine andre Sorge für mich. Vielleicht kommt es dazu, daß sie wenigstens einen Theil des Jahres mit mir zusammen lebt, etwa in Venedig. Mir selber geschieht damit eine große Wohlthat, denn für meine leibliche Verfassung und halbe Blindheit ist eine fürsorgliche Pflegerin (Du kannst Dir denken, daß meine Mutter mich zu verheirathen wünscht (mit der Tochter meines ehemaligen militärischen Chefs, des Generals von Jagemann.) Aber sie wünscht es umsonst) immer nothwendiger geworden, von meiner seelischen Vereinsamung zu schweigen, aus welcher auch der beste Wille mich jetzt nicht herauszuziehn vermöchte. Ich nehme sie als Loos und will es schon noch lernen, dies Loos nicht als Unglück zu tragen. Eigentlich fehlt mir jetzt ein Mensch, der die schickliche Distanz um mich zieht, eine Art Ceremonienmeister, der mir die überflüssigen Malheurs erspart, welchen ich die letzten Jahre und auch jetzt wieder ausgesetzt war. Es scheint, daß jeden Monat wenigstens eine große bêtise gegen mich begangen werden muß, besonders von den Herrn Weibern, die in unsrer Zeit erschrecklich an Grazie des Herzens und an Bescheidenheit abnehmen. Nun, der Himmel gebe, daß allmählich ich den Menschen aus dem Gedächtniß verschwinde, und meine Einsamkeit zu keinem unverschämten Geschwätze mehr Anlaß giebt. Bei Sils-Maria wird es wohl bleiben: man ist mit der Anlage schattiger Wege und einer Ummöblirung meines Zimmers den Forderungen meiner Augen schönstens entgegengekommen. Für den Winter steht noch nichts fest. Vielleicht einmal Venedig, welches nach der Abreise Köselitzens (nach Wien —) für mich Einsiedler möglich wird. Schmeitzner’s Sache steht im Vordergrund: er hat in 2 Jahren 4 Mal sein Wort nicht gehalten — richtiger, ich Narr habe vier Mal ihm volles Vertrauen geschenkt, und dies nach so vielen schlechten Erfahrungen!! — Wie geht es Dir, lieber alter Freund?

N.

Mitte Monats werde ich wieder in Naumburg sein. Meine Geldwünsche kann ich heute noch nicht präcisiren.

633. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Leipzig, 7. Oktober 1885>

Lieber Freund, eben eintreffende Nachrichten über den Fall Schmeitzner (schlimme Nachrichten, bei denen es mir schwer wird, mich nicht erbittern zu lassen) geben so viel Klarheit, daß ich jetzt hier kein Geld mehr zu erwarten habe: so bestimmt ich darauf rechnen durfte und gerechnet habe (die Bezahlung für den Druck des Z<arathustra> 4 (c. 100 Thaler), eine Buchhändler-Abrechnung mit Lorentz und endlich diese ganze nordische Reise!) Für diesen 1. Oktober als Schmeitznerschen Zahlungstermin war auch der Verkauf des ganzen Sch<meitzner> Verlags an einen Redakteur und Verleger Erlecke in Chemnitz und Leipzig anberaumt; die Copie des Contracts ist in meinen Händen. Nun aber höre ich, daß auch daraus nichts wird! — Widemann’s Vater ist Sch<meitzner>s Advokat. — Sende mir, bitte, nach Leipzig, was von Geld jetzt für mich flüssig wird.

Treulich Dein N.

Ich vergaß gestern mich Deiner verehrten Frau zu empfehlen.

634. An Heinrich von Stein in Berlin

Leipzig den 15 Oktober 1885.

Werther und sehr lieber Herr,

Ihr Brief, den ich gestern auf der Post entdeckte, hat mich gerührt: Sie haben Recht — und was hülfe es zu beweisen, daß wenigstens meinerseits kein Unrecht gegen Sie begangen ist? Ich mache es, wie kranke Thiere der Wildniß und verstecke mich in meine „Höhle“ — Leipzig ist noch mehr Höhle in diesem Sinne als es Naumburg sein konnte. Die Reise nach dem Norden ist mir nicht zum Besten gerathen; die Gesundheit immer trübe und bewölkt, einige Geschäfte, welche Eile zu haben schienen, wollen sich durchaus nicht zu Ende wickeln lassen. Und so weiter.

Gestern sah ich Rée’s Buch über das Gewissen: — wie leer, wie langweilig, wie falsch! Man sollte doch nur von Dingen reden, worin man seine Erlebnisse hat.

Ganz anders empfand ich bei dem Halb-Roman seiner inséparable soéur Salomé, der mir scherzhafter Weise zugleich vor die Augen kam. Alles Formale daran ist mädchenhaft, weichlich, und in Hinsicht auf die Prätension, daß ein alter Mann hier als erzählend gedacht werden soll, geradezu komisch. Aber die Sache selber hat ihren Ernst, auch ihre Höhe; und wenn es gewiß nicht das Ewig-Weibliche ist, was dieses Mädchen hinanzieht, so vielleicht das Ewig-Männliche.

Ich vergaß zu sagen, wie hoch ich die schlichte, klare und beinahe antike Form des Réeischen Buches zu schmecken weiß. Dies ist der „philosophische habitus“. — Schade, daß nicht mehr „Inhalt“ in einem solchen Habit steckt! Unter Deutschen aber ist es nicht genug zu ehren, wenn Jemand in der Art, wie es R<ée> immer gethan hat, dem eigentlich deutschen Teufel, dem Genius oder Dämon der Unklarheit, abschwört. — Die Deutschen halten sich für tief.

Aber was thue ich! Der Höhlenbär fängt an zu brummen — — Bleiben wir allesammt hübsch tapfer auf unserm Posten, auch mit einiger Nachsicht gegen einander: denn Eines schickt sich durchaus nicht für Zweie. Und vor allem: so wenig als möglich brummen!

Treulich
Ihr N.

(In einer Stunde geht’s nach Naumburg: ich will da endlich den Dr. Förster einmal sehen.)

635. An Franziska Nietzsche und an Elisabeth Förster in Naumburg (Postkarte).

<Leipzig, 17. Oktober 1885>

Oh meine Lieben, wie schlecht thut mir dies Naumburg! Leipzig ist auch heute dick umwölkt, und doch ist es zehnmal heller und freier in meinem Kopfe.

Altum silentium. Briefe fehlen.

Mit dem herzlichsten Danke für alle Eure Güte und Liebe

Euer Fr.

Sende, mein liebes Lama, was alles noch rückständig ist, z. B. das andre Hemd (wie sanft und zart ist solch ein Wollenhemd, beinahe wie Lama).

636. An Franz Overbeck in Basel

Leipzig den 17. Oktober 1885. Auenstraße 48II rechts.

Lieber Freund,

Alles ist glücklich in meinen Händen — und Dein eben gekommener Glückwunsch auch in meinem Herzen! Es war der einzige dem Papiere anvertraute Glückwunsch, den ich dies Mal erhielt: — ich dachte länger über dieses Factum eines ein und vierzigjährigen Lebens nach. Es ist auch eine Art von Resultat, und vielleicht nicht in jedem Betracht ein trauriges, zum Mindesten, wenn man ein Recht sich zugestehn darf, den Sinn seines Lebens in die Erkenntniß zu setzen. Zu ihr gehört Entfremdung, Entfernung, vielleicht auch Erkältung. Du wirst reichlich gemerkt haben, wie die Scala der „Frostgefühle“ jetzt beinahe meine Specialität ist: das kommt davon, wenn man so lange „in der Höhe“ lebt, „auf dem Berge“ oder auch, wie der Vogelfreie, „in der Luft“: man wird für den feinsten Reiz der Wärme empfindlich, und immer empfindlicher — oh man wird so dankbar für Freundschaft, mein lieber alter Freund!

Zwei Tage in Naumburg, zur „Feier“ meines Geburtstages. Immer krank, es ist gar nicht auszumachen, ob von außen nach innen oder von innen her. Dicker dunstiger Himmel und, vielleicht, Naumburg zum letzten Male.

Dr. Förster war mir nicht unsympathisch, er hat etwas Herzliches und Edles in seinem Wesen und scheint recht zum Handeln gemacht. Es überraschte mich, wie viel Dinge er fortwährend erledigte und wie leicht ihm das wurde; darin bin ich anders. Seine Wertschätzungen sind, wie billig, nicht gerade sehr nach meinem Geschmacke, Alles ist zu geschwinde fertig, — ich meine, wir (Du und ich) empfinden diese Art von Geistern als voreilig. — Eine früher einmal von mir gelesene Schilderung Försters, welche die Times machten, muß ich als zutreffend anerkennen.

Inzwischen ging die Geschichte mit Schmeitzner wieder weiter und weiter — ich kann durchaus nicht sagen „vorwärts“. Seit vorigem Montage, wo Nachmittags um 5 Uhr eine feierlich versprochne Entscheidung stattfinden sollte, tiefstes silentium. Zwangsversteigerung in Aussicht, sein ganzer Verlag seit Juni als Pfandobjekt von mir gerichtlich mit Beschlag belegt. Vorausgesetzt, daß die Auction stattfindet, so soll der Versuch gemacht werden, meine ganze Litteratur in meine Hände zu bringen: um sie nachher einem neuen würdigeren Verleger (wahrscheinlich Veit und Comp. d. h. Herrn Credner in Leipzig) zu übertragen. Dies ist das Programm. Ich kann von hier nicht von der Stelle, bevor nicht diese Sache im Reinen ist. —

Gestern fand ich, vom Buchhändler geschickt, Rée’s „Entstehung des Gewissens“ vor und dankte nach raschem Überblicke meinem Schicksale, welches es mit sich brachte, daß ich mir vor zwei oder drei Jahren die Widmung dieses mir zugedachten Werkes verbitten mußte. Armselig, unbegreiflich „altersschwach“ —. Zugleich, durch eine artige Ironie des Zufalls, traf auch das Buch des Frl. Salomé ein, das mich ganz umgekehrt berührt hat. Welcher Contrast zwischen der mädchenhaften und sentimentalen Form und dem willens- und wissenskräftigen Inhalte! Es ist Höhe darin; und wenn es wohl nicht das Ewig-Weibliche ist, was dieses Pseudo-Mädchen hinanzieht, so vielleicht — das Ewig-Männliche. — Übrigens hundert Anklänge an unsre Tautenburger Gespräche. —

Grüße Deine liebe Frau bestens von mir (beiläufig, Förster erzählte von einem sehr hübschen Zusammensein mit Euch —) ich hatte gemeint, daß er Euch ganz unbekannt sei? Treulich Dein

N.

637. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz

Leipzig, 20. Okt. 1885.

Werthester Herr Verleger,

das ist freilich eine Enttäuschung — denn man hatte mir gesagt, die Auflage sei vergriffen oder fast vergriffen. So wie die Dinge nach Ihrer freundlichen Mittheilung stehn, wird es aus meinem Projekte nichts werden, und ich muß vorziehen, das, was ich zu Gunsten der neuen Auflage gethan und geschrieben habe, für einen andern Zweck zu verwenden. Wollen Sie mir nicht wenigstens die Ziffer der noch in Betracht kommenden unverkauften Exemplare mittheilen, insgleichen irgend einen Preis-Vorschlag für dieselben, der nicht außer Verhältniß zu mir und meinen Mitteln steht? — Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, daß von nun an meine Baseler Pension jährlich mir 1000 frs. weniger einträgt als bisher, und daß ich überhaupt nur noch mit Sicherheit auf 3 Jahre diese Pension zu erwarten habe? Dies als Commentar zu dem Worte „Mittel“.

Der 4. Theil Zarathustra, resp. die sämmtlichen gedruckten Exemplare (mit Ausnahme von 6 verschenkten) ist mir einstweilen unzugänglich, nämlich vergraben und versteckt unter dem Hab und Gut des Herrn Köselitz in Venedig: welcher genannte ausgezeichnete maëstro sich jetzt, nach seinem letzten Brief zu schließen, in Wien befinden wird, ohne daß ich näher sagen könnte, wo daselbst und auch wie lange. —

Ihnen und Ihrem ausgezeichneten Freunde Herrn Widemann mich angelegentlich empfehlend

Ihr ergebener
Dr. Nietzsche

638. An Franziska Nietzsche in Schkortleben bei Weissenfels (Postkarte)

<Leipzig, 23. Oktober 1885>

Meine liebe gute Mutter,

leider ist jetzt, bei meinem äußerst wechselnden Befinden, gar nichts zu verabreden. Vielleicht reise ich noch auf einen Tag nach Naumburg: es wäre schön, wenn ich, auf dem Rückwege, in Corbetha meine verehrten Anverwandten und Dich selber begrüßen könnte. Vielleicht aber muß ich erst nach Dresden. Ich stecke in vielfacher Abwicklung von Geschäften. Das Geld Sch<meitzner>s habe ich glücklich in Händen, andre Projekte sind weniger glücklich bisher verlaufen. Sobald ich ein Ende absehe, schreibe ich Dir.

In herzlicher Liebe Dein F.

639. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg

<Leipzig, 29. Oktober 1885> Donnerstag früh.

Meine lieben Lieben,

es hat mir gut gethan, bei Euch zu sein. Den Abend speiste ich noch zu Eurem Andenken die mitgebrachten „Opfergaben“ auf, das Kalb und das Schöps (i. e. Edmund von Hagen) und war trotz eiskalter Stube guter Dinge und dankbar.

Schuch hat nicht gemuckst: womit diese Sache als erledigt zu betrachten ist. — Eben habe ich, weniger erheitert als verwundert, das „non remittendum“, die „Urtheile der Presse“ über E<dmund> v<on> H<agen> durchgemustert. Unter uns, in dieser Geschmacks-Sache sind die Wagnerianer (z. B. die Bayreuther Blätter) schlimm compromittirt. —

Der gute Heinze ist vorgestern bei dickem Regenwetter, bei mir, ich will sagen, in meiner Wohnung gewesen, um sich nach mir zu erkundigen. Heute soll ihm, zum Danke dafür, die „Intellektual-Krone“ aufgesetzt werden. —

Unterwegs fuhr ich mit einem Herrn und seiner Gattin zusammen, welche aus Graz kamen und mit Dr. v. Hausegger befreundet waren: sie erzählten von dessen Vegetarianisme.

Mein liebes Lama, sende dem Onkel Bernhard das türkische Kaffeegeschirr — der Gedanke scheint mir sehr gut; und in Anbetracht, daß es etwas Ächtes und eine Curiosität ist, macht dergleichen vielleicht mehr Freude und ist besser in diesem Falle am Platze als wenn es in verhüllter Form einen „Lohn und Geldwerth“, eine Art Bezahlung darstellte.

Undeutlich ausgedrückt! —

Melde mir, bitte, das Resultat der Unterredung mit Kürbitz (gieb mir auch seine genaue Adresse) und verhandle mit ihm über den festen Termin, an welchem jedes Jahr die Zinsen übersandt werden können. Und rechnet zusammen möglichst exakt aus, wie viel die Zinsen nunmehr in einem solchen Falle jährlich betragen werden.

Heute wird Lorentz abgezahlt. —

Behaltet mich lieb!

Euer Fr. das einsamste aller Thiere.

(Ich denke Sonntag zu reisen.)

— Soeben stelle ich aus dem „Tageblatt“ fest, woher mein

verhältnißmäßiges Wohlbefinden von gestern kommt. Die Luftfeuchtigkeit war von 99 plötzlich auf 62 heruntergegangen (61 ist die Durchschnittsziffer für Nizza im ganzen Jahre). —

Eben las ich „gebrannter Java-Kaffee, großartig im Geschmack“!

NB. Wer einen großen Sprung will thun, der geht zurück. —

639a. An Unbekannt (vermutlich Reinhart von Seydlitz in München)

<Nizza, vermutlich zweite Hälfte März 1885>

Werther Freund

ganz krank, unerträglich: also — ich muß mein Telegramm widerrufen und weiß in der That nicht, wann und ob ich kommen kann.

Caccianiga, il dolce far niente

2 ed. Milano Treves

640. An Franziska Nietzsche in Schkortleben bei Weissenfeis (Postkarte)

<Leipzig, 30. Oktober 1885>

Meine liebe Mutter, bitte komm Sonntag den ersten November zu mir; Nachmittags gegen 6 Uhr ist meine Abreise von hier, da haben wir schöne Zeit mit einander, vorausgesetzt, daß Du die Güte hast, 10 Uhr 56 Vormittags hier einzutreffen. Natürlich werde ich am Bahnhofe sein. — Stelle Dir vor, daß ich vorigen Dienstag, gerade während Förster’s bei Dir waren, in Naumburg vorsprach. Doch habe ich die Zeit bis Abends 8, wo sie kamen, gut benutzt und Besuche gemacht (bei Försters Alwinchen, bei dem Referendar Schenk, bei dem Banquier Kürbitz und bei der alten Räthin Pinder) Das Wetter wurde so abscheulich, daß ich es nicht wagte, Dich und meine lieben Anverwandten für den nächsten Tag zum Rendezvous in Corbetha einzuladen: was anfänglich meine Absicht war. Hier bin ich jetzt mit dem Geschäftlichen ziemlich zu Ende — und mit dieser ganzen nordischen Reise nachgerade nicht unzufrieden.

Von Herzen Dein
F.

641. An Elisabeth Förster in Naumburg (Postkarte)

<Florenz, 7. November 1885>

Meine Lieben, ich bin noch nicht „an der Stelle“, Florenz paßt nicht, es ist laut, ungleich gepflastert und voller Wagen-Gefahr für mich. Von Montag an ist meine Adresse: Vallombrosa per Pontassieve (Italia). Lanzky läßt mir dort das beste Zimmer zurichten. In München, wo es 7 Tage keine Sonne gegeben hatte, verbrachte ich einen Vormittag bei Rothpletzens und den Abend bei Seydlitzens; mit letzteren namentlich war es erquickend. Ich reiste, ausgezeichnet von Frau v. S<eydlitz> mit Beefsteaks à la Wiel und einer Flasche Thee ausgerüstet, ab, trug Sorge für eine ganz naive alte Pfarrerin, welche ohne jegliche Kenntniß von Geld, Land und Leuten sich „nach dem Süden“ mit ihrer Tochter aufgemacht hatte. — Ich bin in Flo<renz> einen halben Tag nicht dazu gekommen, an mein Unterkommen zu denken (Lanzky war nicht da, mein Telegramm hatte ihn nicht erreicht, weil er verreist war). In herzlicher Liebe

F.

642. An Franziska Nietzsche in Schkortleben bei Weissenfels (Postkarte)

<Florenz, 7. November 1885>

Meine liebe gute Mutter, einen Gruß aus Florenz, wo es trübe und regnerisch und ganz und gar nicht in der Art der riviera ist. Übermorgen ziehn wir (d. h. Hr. Lanzky und ich) uns in die Wald- und Berg- und Klostereinsamkeit von Vallombrosa zurück, es ist gar nicht weit. Man macht mir dort das beste Zimmer zurecht; Stille werden wir haben, der Ort ist berühmt, Dante und Milton haben ihn verherrlicht, letzterer in der Schilderung des Paradieses. Jetzt ist darin eine große Forstlehranstalt; abgesehn und abseits von dem Hôtel, wo wir Zwei wohnen werden. Höhe circa 3000 Fuß, also frische Luft, gelegentlich Schnee. — Die Reise war eine schreckliche Strapatze; ich mußte zualledem noch die Sorge für eine alte Pfarrers-Wittwe und Tochter übernehmen, welche mit großem Muthe und völliger Unwissenheit sich „nach dem Süden“ aufgemacht hatten. Jetzt habe ich sie glücklich untergebracht, sie waren ganz hülflos. — Wie schön war es, daß Du bei meiner Abreise bei mir warst! Allerschönsten Dank!

F.

643. An Paul Lanzky in Florenz (Fragment)

<Vermutlich: Genua, 9./10. November 1885>

Mein lieber Herr Lanzky, ein Bedenken, welches man mir auf der Post machte (ob es überhaupt ein „valli di Siena“ gäbe, oder ob hier nicht vielleicht durch einen Schreibfehler villa di Siena — — —

644. An Elisabeth Förster in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 11. November 1885>

Wundert Euch nicht zu sehr, meine Lieben, wenn sich heute der Hamletische Maulwurf aus Nizza und nicht aus Vallombrosa („Schattenthal“ —) verlautbart. Es war mir sehr werthvoll, fast gleichzeitig die Luft von Leipzig München Florenz Genua und Nizza zu experimentiren. Ihr könnt gar nicht glauben, wie sehr bei diesem Wettkampfe Nizza triumphirt hat. Meine Wohnung ist nach wie vor Pension de Genève, petite rue St. Etienne; sie ist inzwischen durch Umbau und gänzliche Erneuerung von Stoffen und Farben sehr appetitlich geworden. Mein Tischnachbar ist ein Bischof, ein Monsignore, der Deutsch redet. Euer viel viel gedenkend

Prinz Eichhorn.

645. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 12. November 1885>

Lieber Freund, nur ein Gruß und Glückwunsch von einem, der unterwegs und „unausgepackt“ ist, der aber nicht unter den Gratulanten Deines Geburtstags fehlen möchte. Möchte das neue Jahr uns endlich auch einmal wieder zusammenführen! Es giebt so Vieles zu sagen, es wird immer schwerer und unthunlicher zu schreiben. In den letzten 2 Monaten habe ich eine respektable voyage en zigzag gemacht, und meine stille Hoffnung, es fände sich dabei etwas Neues für mich, sei es Ort oder Mensch, blieb unerfüllt. Um so strenger machten Kopf und Gesundheit ihre Ansprüche geltend: es scheint, daß Nizza und Sils-Maria nicht zu überbieten und auch nicht zu ersetzen sind. In München fand ich in der Theresienstr. das freundlichste Willkommen, München selbst blieb winterlich und sonnenlos. — Schmeitzner hat gezahlt. Meine Adresse Nizza poste restante. In Liebe und Dankbarkeit.

N.

Deine zwei Teichmüller liegen vor mir und folgen demnächst.

646. An Elisabeth Förster in Naumburg

<Nizza, 23. November 1885.> Montag.

Inzwischen ist der dicke Brief, mein liebes Lama, von Vallomarosa nach Nizza gewandelt; insgleichen der Brief unsrer guten Mutter. Habt den allerschönsten Dank! Heute ein paar geschäftliche Notizen (ich bin immer noch von einer gründlichen Erkältung her indisposé und embêté)

Die zwei gewünschten Scheine für Herrn Kürbitz folgen anbei. Erstaunlich, daß sie aus all dem Krimskrams von Papieren zu Tage kamen!

Die Löschungsurkunde, welche, wie es scheint, Herr Kaufmann mitgeschickt hatte, (auf seinem Briefe steht unten „anbei Löschungsurkunde“) habt Ihr wohl zurückbehalten? Meine genaue Adresse hierselbst ist: rue St. François de Paule 26, 2 étage, á gauche

Doch werde ich’s schwerlich bis weiter als zur Mitte Dezember darin aushalten, es fehlt der Ofen, und Vieles ist da, was fehlen dürfte. Ich muß ernstlich darauf bedacht sein, meinem Leben hier eine festere Form zu geben; so lange diese nicht hergestellt ist, bleibt mir als Zuflucht immer nur die schweizerische Pension de Genéve, welche in 2 Hinsichten sehr lobenswerth ist: es ist still daselbst, ebenfalls reinlich — und dies Mal fehlen die degoutanten Menschen. Die Küche ist, in Hinsicht auf Simplizität der Bereitung und Qualität des Fleisches, vielleicht das mir Angemessenste: nur muß ich mit etwas Grahambrod nachhelfen. —

Ich gestehe, daß ich eine überraschend wohlthätige Wirkung gespürt habe, seit ich jeden Abend mit einem Glase Bier beschließe. Gerade in solchen stimulanten Klimaten scheint das Bier wie ein Medikament zu dienen. —

Die zwei letzten Monate waren ein tolles Wagniß für mich, ich kann es gar nicht ausdrücken, was es heißt endlich den Kopf wieder frei haben! Zu alledem haben wir hier ein für Nizza abscheuliches und unziemliches Wetter; und trotzdem empfinde ich den Unterschied, wie als ob ich aus einem Gefängnisse entschlüpft wäre. —

Es war sehr nützlich, obschon äußerst kostspielig, ein Paar Möglichkeiten, die mich hier und da noch verlockten, nämlich München, andrerseits Florenz, endlich Genua, kurz hintereinander erprobt zu haben: alles nichts für mich! Nichts ersetzt mir die Luft von Nizza und die großartige Freiheit dieser cosmopolis, Freiheit in landschaftlicher und menschlicher Beziehung. Außerdem ist es eine Stadt, wo Einer billig leben kann, sogar lächerlich billig; und wenn ich’s noch nicht dazu gebracht habe, so liegt es an meinen Augen und andern Unvollkommenheiten. Das Volk lebt vegetarisch, abgesehn von Fischen.

Mein liebes Lama, hilf mir und schlage bei Wiel nach: der erwähnt ein kleines „genial construirtes“ Maschinchen, womit man Eier zu Schaum schlägt (unter dem Capitel „Eierspeisen“ oder sonstwo) Für den Fall, daß Ciaire Heinze im Frühjahr hierher kommt, hat sie vielleicht die freundschaftliche Gefälligkeit, mir dies Maschinchen mitzubringen. Nota bene! Herr Köchlin hat mir Viel von einer schweizerischen Colonisation, mit Baseler Geld und Frömmigkeit unternommen, auch in den Laplatastaaten (von Rosario aus) erzählt, welche nicht geglückt ist. Er wundert sich, wie man sich nicht mit den jetzigen deutschen Verhältnissen vertragen könne, welche so sehr viel günstiger und solider seien als die in Frankreich oder Italien oder Schweiz oder überall. Du siehst, man beneidet unsre Zustände im Auslande.

Ich lese in Försters Buche und meine, daß einem braven Ackerbauer und Viehzüchter dabei das Herz wackeln muß. Für eine andre Art Menschen wird es weniger verführerisch sein. Die Abwesenheit großer Bibliotheken ist vielleicht nicht genügend ins Licht gestellt. Verzeihung, mein altes Lama, wenn das kränkliche Culturthier, Dein Bruder, sich gar noch Scherze erlaubt.

Lebt wohl, meine Lieben, und muthig und vergnügt, auch mit guten Erinnerungen an

Euren Fritz.

647. An Reinhart und Irene von Seydlitz in München

<Nizza, 24. November 1885>

Meine lieben Freunde,

nach einem kleinen Umweg über Florenz — es geht in meinem Leben nichts ohne Seitensprünge ab — bin ich endlich wieder in meiner Residenz Nizza angelangt und ungefähr, sehr ungefähr „ausgepackt“: — zwischen Nizza und meiner Engadiner Einsiedelei von Sils-Maria wird sich nunmehr der Rest meines Lebens abspielen, die allerliebsten Intermezzi von Venediger Aufenthalten und Gondelfahrten zu Dreien hübsch eingerechnet! Wie schön verpflegt, anglo-amerikanisch, wie man’s hier heißen würde, bin ich von Eurem München abgereist! und wirklich habe ich mit dem herzlichsten Angedenken jeden Schluck getrunken und jeden Bissen gekaut (— man kaut, um gut zu kauen, an einem Bissen 30 bis 70 Mal: das habe ich vom Philister Gladstone gelernt, der seine Kinder bei Tische zählen heißt —).

Hier wohne ich „Square des Phocéens“, am Meere: die ungeheuerliche Art Kosmopolitismus, welche in dieser Wortverbindung steckt, macht mir Vergnügen. In der That haben einst Griechen hier gewohnt.

In Florenz überraschte ich den dortigen Astronomen auf seiner Sternwarte, welche den schönsten Gesammt-Überblick über Ort, Thal und Fluß giebt. Sollte man’s glauben, daß er neben seinem Arbeitstische die sehr zerlesenen Schriften Eures Freundes hatte und daß er, ein schneeweißer alter Mann, mit Begeisterung Stellen aus „Menschliches, Allzumenschliches“ recitirte? — Das Bild dieses vollkommen und hochgearteten Eremitenthums war das kostbarste Geschenk, das ich von Florenz mitnahm: — zugleich freilich auch der schmerzhafteste Biß, nämlich ein Gewissensbiß. Denn ersichtlich hatte dieser einsame Forscher es in der Weisheit des Lebens (und nicht nur in der Entdeckung von Kometen und Orion-Nebeln) weiter gebracht, als Euer Freund.

Auch war er gesund: und wenn ein Philosoph krank ist, so ist er beinahe schon ein argumentum gegen seine Philosophie. Inzwischen dürfte ich geltend machen, daß ich „reißend schnell“ gesund und immer gesunder werde, seit ich meine Philosophie habe und nicht mehr „falschen Götzen“ diene.

Es giebt ein artiges provençalisches Wort, welches ich immer besser verstehn lerne (— und das ist viel bei einem Deutschen) gai saber.

Behaltet lieb

Euren Freund
Nietzsche.

Adresse: Nice (France) poste restante.

Le japonisme meines Freundes Seydlitz und Gedanken über die ästhetische Tartüfferie des jetzigen Europa’s haben mich die ganze Reise über beschäftigt.

648. An Heinrich Köselitz in Wien

Nizza, 24. Nov. 85.

Lieber Freund,

endlich, nach langen Umschweifen, zur Vernunft zurückgekehrt (welche in diesem Falle Nizza heißt), bekomme ich auch schon eine Belohnung dafür, nämlich sehr ersehnte Nachrichten über Sie, einmal durch Sie selber, sodann durch Frau Röder. Es sind schlechte Nachrichten im Grunde; aber so, wie Sie sind, muß Ihnen das Schlechteste zum Vortheile gereichen — verzeihen Sie diesen Optimismus, der zum Mindesten aus der bona fides eines Freundes stammt. Sie haben „den Wind gegen sich“: gesetzt daß Sie schwindsüchtig und übermäßig zärtlich angelegt wären, so müßte man für Sie die größte Angst haben (zum Beispiel ich selber hätte für mich selber in Ihrem Falle wenig Zutrauen). Aber mit Ihren „starken Lungen“, Ihrer lebenslangen Übung im Alleinsein, Ihrer schweigsamen Tapferkeit werden Sie Herr über alle schlechten Winde werden, — und vielleicht sogar noch etwas „herrischer“ und „selbstherrlicher“ als bisher. Ein ganz alter Römer sagt von einem gleich Ihnen Kämpfenden:

„increscunt animi, virescit volnere virtus“

(es schwillt der Muth, durch die Wunde erst tritt die Tapferkeit in Saft und Kraft). Man soll es Ihrer Musik schon einmal anhören, was Krieg und Sieg sind.

Dieser Tage erquickte es mich zu erfahren, daß diese Stadt, welche ich nicht mehr wechseln und eintauschen darf, in ihrem Namen etwas vom Siege hat. Und wenn Sie hören, wie der Platz heißt, wohinaus mein Fenster schaut (herrliche Bäume, in der Ferne röthliche große Gebäude, das Meer und die schön gewundene baie des anges), nämlich „square des Phocéens“, so werden Sie vielleicht gleich mir über den ungeheuren Cosmopolitismus dieser Wort-Verbindung lachen — wirklich haben Phoceer einstmals hier sich angesiedelt — aber etwas Siegreiches und Über-Europäisches klingt heraus, etwas sehr Tröstliches, das mir sagt „hier bist du an deinem Platze“.

Inzwischen nämlich prüfte ich München, Florenz, Genua, — aber es schickt sich für meinen alten Kopf nichts Anderes als dies Nizza, abgerechnet ein paar Monate Sils-Maria: obgleich der Sommer sogar hier erquicklicher sein soll als an irgend einem Binnen-Orte Deutschlands (die Abende frische Meerbrisen, die Nächte kühl). Die Luft ist unvergleichbar, die anregende Kraft (ebenso die Lichtfülle des Himmels) in Europa nicht zum zweiten Male vorhanden. Ich erwähne endlich, daß man hier billig, sehr billig leben kann, und daß der Ort umfänglich genug ist, um jeden Grad einsiedlerischer Verborgenheit zu gestatten. Die ganz ausgesuchten Dinge der Natur, wie die Waldwege am nächsten Berge, wie die Halbinsel St. Jean, hat unsereins für sich; ebenso ist die ganze herrlich-freie Promenade am stark brandenden Meere (c. dreiviertel Stunde lang —) nur für ein paar Stunden des Tags besucht. Vergeben Sie mir, daß ich mich öfter im Geiste mit Ihrem Loose beschäftige und dabei nicht selten zu dem Schlusse komme: Sie sollten es einmal mit diesem Nizza versuchen und Deutschland Deutschland sein lassen. Wir selber, als arbeitsame und solitäre Thiere, werden uns hübsch aus dem Wege gehn, aber hier und da ein kleines Fest des Zusammenseins veranstalten. Zuletzt bin ich einer der besten Liebhaber Ihrer Musik — es würde mir im letzten Theile meines Lebens etwas Nicht-zu-Ersetzendes fehlen, wenn Sie und Ihre Kunst mir gänzlich abhanden kämen. (Gefällt es Ihnen hier nicht, so ist jeden Sonnabend Abend ein Schiff bereit, Sie nach Ajaccio zu führen. Sie schlafen die Nacht durch und finden sich früh morgens im Hafen von A<jaccio)>.) Von Genua bis Nizza fährt man präcise 5 Stunden (7 Uhr morgens ab, Ankunft um 12). Es ist nicht nur Neugierde, welche mich fragen macht, wie auf Sie gerade dies Clima wirken möchte; es ist ebenfalls nicht nur das Verlangen eines Freundes. Man ist hier so „außerdeutsch“ — ich kann es nicht stark genug ausdrücken.

Behalten Sie lieb Ihren Freund N.

Adresse: Nice (France), poste restante.

649. An Franz Overbeck in Basel

<Anfang Dezember 1885.> Nice, nie St. François de Paule 26 (2me étage à gauche)

Lieber Freund,

Dein Brief macht mir eine herzliche Freude: Du siehst, ich „antworte“ sofort darauf, obwohl im Grunde nach gar nichts „gefragt“ ist. Es ist ein Glück, daß es nicht viel Neues zu melden giebt, das Neue hat gewöhnlich seinen Haken. Die Gesundheit ist besser als unter deutschem Himmel, der Kopf freier, die beständige Verstimmung, an der ich in Naumburg und Leipzig litt (— ich gab mir die beste Mühe, sie zu verbergen —) hier wenigstens nicht mehr „beständig“. Ein Zeichen davon ist es, daß ich wieder im Experimentiren mit Wohnungen usw. bin; in der braven Schweizer Pension hielt ich mich nur 3 Tage auf, doch komme ich oft genug auf sie zurück, — vielleicht nachdem ich, wie nun schon 2 Winter, durch die erwähnten Experimente mich zur Verzweiflung gebracht habe. Es muß sich etwas Unabhängiges und mir Angemessenes schließlich finden lassen: aber ich zweifle immer mehr, daß ich’s finde. Weshalb ich Menschen brauche, die für mich sorgen. Das Unpraktische meiner Natur, die halbe Blindheit, andrerseits das Ängstliche, Hülflose, Entmuthigte, was in der Consequenz meiner Gesundheit liegt, schraubt mich oft in Lagen fest, die mich fast umbringen. —

Fast sieben Jahre Einsamkeit und, zum allergrößten Theil, ein wahres Hundeleben, weil es an allem mir Notwendigen fehlte! Ich danke dem Himmel, daß es Niemand so recht aus der Nähe mit angesehn hat (Lanzky abgerechnet, der immer noch ganz außer sich darüber ist.) Und zu dem Allen diese Überzahl von schmerzhaften, mindestens verhängten Tagen, gar nicht von der verzweifelten Langeweile zu reden, in die Jeder geräth, welcher der „Distraction der Augen“ enträth! Ich meine, man hätte mir einen ziemlichen Grad von Pessimismus und Resignationismus nachsehn müssen; aber ich selber habe mir ihn nicht „nachgesehn,“ vielmehr mich aus Leibeskräften dagegen gewehrt. (Das stärkste Stück darin, das ich geleistet habe, war, unter was für Verhältnissen ich meinen Zarathustra begann und durchsetzte: — ich will keinen Tag von den 3 letzten Jahren zum zweiten Male durchleben, Spannung und Gegensätze waren zu groß!)

Dies unter uns, mein lieber alter Freund! Es gäbe so Vieles „unter uns“ zu sagen! Brieflich, ich weiß nicht, wie groß mein Mißtrauen gegen Briefe geworden ist. — Es fällt mir ein, daß ich über Deine bei Schm<eitzner> erschienenen Schriften meine Ansicht gegen Credner gründlich ausgelassen habe; es lag mir daran, für den Fall, daß der Schmeitzner’sche Verlag versteigert wurde, daß der sehr achtbare Credner sich dabei auch Deiner Schriften bemächtigte. Leider, so muß ich sagen, war diese Versteigerung nicht durchzusetzen; und Deine wie meine Schriften liegen vollständig vergraben und unausgrabbar in diesem Antisemiten-Loch. (Das ist meine Einsicht in die Sache: Schmeitzner selber denkt nicht anders darüber.) Meine „Litteratur“ existirt nicht mehr —, mit diesem Urtheile habe ich Abschied von Deutschland genommen, gar nicht desperat etwa! — vielmehr empfand ich, wie viel Mohn in dieser oblivio liegt und welchen Werth es hat, daß ich meinen sehr umfänglichen und nicht ungefährlichen Gedanken ohne die Neugierde eines „Publikums“ nachlaufen kann. Niemand in Deutschland weiß (auch wo man mich gut zu kennen glaubt) was ich von mir will, oder daß ich etwas will; und daß ich davon, unter den schwierigsten Umständen, sogar ein gut Stück schon erreicht habe. — Mit Credner war ich über eine zweite Auflage von Menschl., Allzumenschliches einig geworden, für welche ich Alles (bis auf die Abschrift) bereit gemacht hatte — ein ganzer Sommer Arbeit steckt darin! Schmeitzner schob einen Riegel vor, indem er für die Vernichtung der noch übrigen Exemplare der ersten Auflage die Summe von 2500 Mark verlangte. Damit, wie ich begriffen habe, ist für immer die Möglichkeit zweiter Auflagen ad acta gelegt. Schm<eitzner> selbst hält meine Bücher jetzt für Blei (sie werden überall unter die „antisemitische Litteratur“ gerechnet, wie mir von den Leipziger Buchhändlern bestätigt wird —, und nun macht mir gar der gute Widemann den Streich, mich in Einem Athem mit dem greulichen Anarchisten und Giftmaule Eugen Dühring zusammen zu loben!) Vom Zarathustra sind nicht hundert Exemplare verkauft (und diese fast nur an Wagnerianern und Antisemiten!!) Kurz, es giebt Gründe zu lachen und den Rücken zu kehren. Das Beste ist, daß sonst alles hübsch wieder in Ordnung ist, daß Schm<eitzner> gezahlt hat (nicht ganz so viel als ich Dir schrieb, aber doch mehr als 5000 Mark), daß meine Angehörigen mich mehr lieben als je, daß man mit meinem Aussehn zufrieden ist, daß meine Schwester nunmehr alle Hände voll zu thun hat, in einer Richtung, wo für mich keine malheurs herauskommen, daß Nizza und Sils-Maria entdeckt sind, und daß augenblicklich eine Art halkyonischer Zustand erreicht ist, der dem Zustandekommen einer Philosophie nicht ungünstig sein soll. Und Du, mein lieber Freund, behältst lieb Deinen

N.

Bitte, wenn das Geld flügge wird, sende es, wie sonst (womöglich französisches Papier) einfach récommandé! Ich bin neugierig, wie es mit der Baseler Pension sich gestaltet. — Rée’s Buch, prachtvoll klar und durchsichtig, giebt mir nichts Neues, wo ich es erwartete; — und für eine historische Beweisführung des Alten fehlt ihm gerade Talent und Umfang des Wissens. Vom „Kampf um Gott“ hattest Du noch nicht geschrieben — abgesehn ein Wort von dem Eindrucke, den Deine liebe Frau habe („sie habe Respekt“). Ich bin sehr gut über Eure Universitäts-Festlichkeiten unterrichtet, man versorgt mich mit Basler Nachrichten.

650. An Heinrich Köselitz in Wien

Adresse: Nice, rue St. François de Paule 26, II <6. Dezember 1885>

Lieber Freund,

eben kommt Ihr guter Brief mir zu Händen: ich weiß nichts Besseres zu thun, als sofort darauf zu „antworten“ — so groß ist meine Freude über Ihre Geduld und Ihr Ausharren in Wien. Gesetzt, daß Alles zuletzt umsonst war, und der Norden vorläufig noch nichts von Ihrem „Süden“ wissen und hören will: so haben Sie nicht nur eine Schuldigkeit abgethan — es scheint mir, Sie haben selbst dann mehr erreicht. Sie dürfen sich für eine gute Zeit wieder die ganze Frage von „Angebot und Nachfrage“ aus dem Kopfe schlagen, und, mit gutem Gewissen, wieder in jenen himmlischen Abgrund der Einsamkeit des Schaffenden stürzen, in dem Sie gelebt haben, — in dem wir leben müssen, in dem, zuletzt, wir allein leben können! Ich habe es, mit meinen zwei Monaten in Deutschland, gerade so weit gebracht als ich es Ihnen hiermit wünschen möchte: es kam mir zur vollen Klarheit, daß ich dort gegenwärtig noch nichts zu suchen habe, und daß andre Aufgaben und „Aufgeber“ dort am Platze sind. Diese Klarheit hat mich nicht getrübt — Sie dürfen mir’s glauben —, umgekehrt, noch niemals bin ich in einer solchen halkyonischen Meeresstille und Unbekümmertheit in meinem Süden angelangt, so daß selbst die Leibes-Gesundheit sich verbessert zu haben scheint, trotz der greulichen Strapatzen, welche ich mir seit Sils-Maria zugemuthet habe.

Schmeitzner hat gezahlt; für eine zweite Auflage von Menschl<iches>, Allzum<enschliches>, welche ich mit viel Fleiß in diesem Sommer vorbereitet hatte, war ein ausgezeichneter Verleger gefunden: — schließlich bekam ich einen Brief Sch<meitzner>s, der mir ein für alle Mal den Glauben an die „zweiten Auflagen“ genommen hat (er verlangte, seinerseits, als Entschädigung für den Rest der ersten Auflage 2500 Mark), zugleich mit so unschicklichen Vorschlägen über die Mittel, meine Litteratur verkäuflich und um mich herum Lärm zu machen, daß ich seitdem verstummt bin und stumm bleiben will. Leider verwies er mich, hinsichtlich der angedeuteten Lärmtrommel-Mittel, auf Hrn. Widemann, der mir noch Näheres mittheilen werde: Grund genug für mich um Hrn. W<idemann> nicht zu sehn und als nicht vorhanden zu betrachten. Es ist ein Malheur, daß er diesem Schm<eitzner> so nahe steht: er ist mehreremal vermittelnd in der Prozeßsache Sch<meitzner>’s aufgetreten (sein Vater war Sch<meitzner>’s Advokat) Zuletzt ist mir noch niemals eine solche Verunglimpfung zu Theil geworden als durch seine Zusammenstellung der Namen „Dühring“ und „Zarathustra“: — an diesem Zeichen habe ich genug. Die Antisemiterei vernichtet allen feineren Geschmack, auch bei Zungen, die von Anfang an nicht belegt sind. — Daß jene zweite Auflage nicht möglich ist, thut mir wohl; ich habe bereits herausgerechnet, daß sie nicht nöthig ist, — daß vielmehr eine tiefe Stille über mich, eine Art Begrabensein (meine Schriften sind buchstäblich bei Schm<eitzner> begraben und unausgrabbar) zu den Bedingungen gehört, unter denen allein noch Etwas in mir wachsen kann. — Ich guckte eben links: blaues Meer, eine Bergkette darüber und, in der Nähe, mächtige Eucalyptus-Bäume. Der Himmel leuchtet.

Erwägen Sie recht den schönen Begriff Nizza (der Name ist griechisch und spielt auf einen Sieg an) — es ist „Cosmopolis“, wenn es eins in Europa giebt! Man ist dem feinen französischen Geiste näher (ein neuer Band psychologie contemporaine von Paul Bourget liegt neben mir) und doch wieder nicht zu nahe: meine Straße, mit dem großen italiänischen Theater, ist eine Musterstraße nach italiänischem Schema, — und die Menschen darin ächte rechte Rivieresen. Bei hellstem Himmel sieht man Corsica, sogar von meinem Fenster aus. Die Capelle in Monte Carlo wird jetzt von einem Deutschen dirigirt. Den 23. Januar singt die Lucca hier Carmen. — Trattorien, wo Sie so gut wie in der Panada, (oder vielmehr besser und billiger) essen (vortrefflicher Landwein!) giebt es gleichfalls. Wollen Sie ein Paar Stunden geben, so fehlt es nicht an Auswahl unter vornehmen Russinnen und Polinnen (diese Art herrscht hier).

Ihnen herzlich zugethan und voller Wünsche und Hoffnungen

F. N.

— Was ich darum gäbe, Ihr Septett zu hören! Was ich neidisch auf die Wiener bin! — Läßt es sich mit Carlsruhe machen, so komme ich hin. Frau Röder schrieb sehr artig von dort. (Soll ich an Mottl schreiben? —)

651. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Nice (France) rue St. François de Paule 26, II <10. Dezember 1885>

Lieber Freund,

vielleicht kommt ein an Sie nach Wien abgesandter Brief doch noch in Ihre Hände (vorausgesetzt, daß Sie daselbst, Hauptpost poste restante, Ihre Annaberger Adresse aufgegeben haben oder aufgeben wollten). Zuletzt wundere ich mich über einen geheimen „Parallelismus“ unsrer diesjährigen Erlebnisse und voyages en zigzag, bis zu dem Grade, daß ich mich fast darüber freue: — am Ende nämlich ist ein großes Gefühl von Ruhe und sanfter Gleichgültigkeit über mich gekommen, von dem ich wünsche, daß es auch Ihre Belohnung sein möchte. Es ist jetzt Niemand in Deutschland, der weiß, was ich will oder daß ich etwas will oder gar daß ich davon schon ein genügendes Theil erreicht habe, — Niemand, dem meine „Sachen“ recht von Herzen Vergnügen oder Besorgniß und Noth oder irgend Etwas machten —. Nun, vielleicht ist dies zu wissen eine unschätzbare Einsicht, mit ihr ist man den Gärten Epikurs ganz nahe gekommen, vor Allem aber sich selber, — man springt nach dieser Einsicht mit einem muthwilligen Sprunge zu sich selber zurück. Fahren wir fort, Das zu machen, was uns wohlthut, wobei wir es bei uns selber zu einem guten Gewissen bringen: der Rest ist Schweigen oder gloria, „wie es Gott will“ —.

Für eine Reihe Jahre Sicherheit zu haben und nicht gefährlichen Zufällen ausgesetzt zu sein: dazu muß Einiges erfunden und ausgedacht werden. Ich rede jetzt von Ihnen, lieber Freund. Es ist ganz in der Ordnung, daß Sie erst noch den Versuch mit Carlsruhe machen. Ob er nun gelingt oder nicht gelingt, gleich darauf haben Sie sich wieder nach einer Einsiedelei umzusehn. Der Unmuth über einen nochmaligen Mißerfolg dürfte Sie, wie ich es billig, aber schmerzlich empfinde, nach Venedig zurück treiben, als nach dem einzigen Orte, der für Sie bewiesen ist. Wenn ich mir erlaubte, Ihnen in meinen letzten Briefen Nizza anzuempfehlen, so weiß ich freilich, worin das Haupt-Hinderniß für Sie liegen dürfte, und warum Sie fürchten werden, hier nicht Eremit genug zu sein. Indeß: erwägen Sie, daß die 4 Monate, welche ich mich wahrscheinlich jedes Jahr hierselbst aufhalte, nur den dritten Theil des Jahres ausmachen, zweitens, daß es gerade die 4 Arbeits-Monate für mich sind, in denen ich „den Menschen“ aus dem Wege gehe, vielleicht sogar den Freunden; erwägen Sie vor Allem, daß es ein Freund ist, mit dem man eine strenge Verabredung machen kann, und der an allen Ihren Arbeits- und Lebens-bedingungen beinahe ein persönliches Interesse hat. Andererseits nämlich räth Vieles zu Nizza: es ist ein Ort, um das ganze Jahr daselbst zu leben —, Sie werden den Sommer viel erquicklicher finden als Venedig ihn geben konnte, Dank den nächtlichen Seewinden und Abkühlungen. Sodann ist Nizza, ästhetisch genommen, die entgegengesetzte Art Süden als Venedig es war; es schiene mir eines Versuches würdig, zu sehen, was Ihnen die Musen oder der Mistral oder der leuchtende Himmel hier zu erzählen hätten. Drittens leben Sie hier billiger als an jedem andren Orte der riviera: N<izza> ist ein großer freimüthiger Ort, der es ungefähr Jedermann recht zu machen versteht. Die Preise sind billigerweise während der Winter-Saison höher, man sagt mir, daß sie im Sommer um die Hälfte fallen. Trotzdem hätte ich auch für den Winter Ihnen respektable Trattorien zu empfehlen, wo Sie essen werden, wie Sie es in Venedig gewohnt sind, eher billiger, eher besser. Es ist ein himmlischer Umstand, daß Sie nicht die Üppigkeits-Gelüste der meisten Künstler haben, und daß Ihr so würdiges Leben auch die Tugenden der Einfachheit und Sparsamkeit in sich schließt. — Später werden Sie natürlich einmal ein reicher Mann: aber es liegt heute Alles daran, daß es Ihnen erspart bleiben muß, sich um dies „Später“ zu sorgen. Ihre Kunst will es, daß Sie sorglos leben, nicht wahr, mein lieber Freund?

Ihr N.

652. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Adresse von nun an Nice (France), rue St. François de Paule 26 II <10. Dezember 1885>

Meine liebe Mutter

heute möchte ich, außer meinem Danke für Deinen herzlichen Brief, bei Dir von wegen Weihnachtens anfragen: ob Du etwas weißt, womit unsre Lisbeth und ihr Gatte bei diesem letzten deutschen Weihnachten erfreut werden könnten? Bitte, beschaffe es in meinem Namen und Auftrage: und was Geld betrifft, so gehe zu Herrn Kürbitz, der giebt es Dir (ich will ihm einen kleinen Brief schreiben, namentlich auch in Hinsicht auf die Grabplatte, deren Kosten ich ganz auf mich zu nehmen gedenke, in Anbetracht erstens, daß ich als Sohn meines Vaters und meiner Mutter darauf das Vorrecht habe, und zweitens, daß es gerade für Dich keine Zeit ist, Geld zu außerordentlichen Dingen aufzubringen. Wenn es Dir so gefällig ist, kannst Du ja meine Intention zu Gunsten des bevorstehenden Festes auslegen und darin ein wohlgemeintes kleines Geschenk meinerseits erblicken)

Bitte, sage auch unsrer Lisbeth, daß ihr Gedanke betreffs Onkel Bernhard und die kleinen Löffelchen mir sehr gefiele, und daß sie ja dazu thun möge, was noth thut, mir zu Gefallen.

Das grüne Buch wird jetzt von Frau Pfarrer Hamann gelesen; sie ist voller Auszeichnung für die große Wahrhaftigkeit der Darstellung und versteht die Lage und Aufgabe aus einer Menge ähnlicher Erfahrungen heraus, welche sie innerhalb 50 Jahren in Amerika gemacht hat. Ich gestehe, daß sie mir große Scrupel in den Kopf gesetzt hat (sie meint, die Schwierigkeiten würden für eine Frau kaum überwindlich sein, selbst bei der stärksten Energie und der ausdauerndsten Gesundheit: — Männer könnten sich die Entbehrung, welche ein Weib in solchen Fällen durchzumachen habe, nicht deutlich vorstellen. Auch hält sie, so lange es nicht bessere kaufmännische Zustände, bessere Wege und bessere Regierungsbeamte giebt, alle Arbeit für aussichtslos, mindestens müsse die erste Generation sich als geopfert betrachten. Genug, sie nimmt einen Antheil an der Sache, bei dem nichts Erbauliches herauskommt: weshalb ich Dich bitten möchte, ihre Ansichten strengstens verschwiegen zu halten. Es ist dies selber der Wunsch der alten Frau, sie sieht, daß es zu spät ist, und daß zu späte Warnungen immer nur Malheur anrichten.)

Ich selber habe mich für 4 Monate hier festgesetzt und contraktlich verpflichtet. Das Zimmer, welches ich jetzt bewohne, ist, so lange ich lebe, das erste Zimmer, in dem ich ohne Überwindung und Widerwillen lebe — es entspricht den Haupterfordernissen meiner Gesundheit und meines Geschmacks. Es ist 20 Fuß lang, 14 Fuß breit und 14 Fuß hoch; das Fenster 8 Fuß hoch und 3 Fuß breit; dunkelgelb tapezirt, dunkler Fußteppich, das Bett drei Mal so groß als meins in Naumburg. Nichts darin erinnert an Eleganz, Luxus bric-à-brac und sonstigen weiblichen Zubehör; lauter nothwendige Dinge stehen darin, darunter auch ein ganz großer Arbeitstisch und ein „Voltaire“ (ein bequemer Gelehrten-Lehnstuhl, wie er mir in Deutschland noch nicht vorgekommen ist) Die Aussicht geht auf herrliche Bäume (Eucalyptus der größten Art) das blaue Meer und das Gebirge, vor Allem aber auf den leuchtenden Himmel. Die Sonne kommt Nachmittags, wie sie allein in Hinsicht auf meine Augen kommen darf. —

Ich bin betrübt über meinen vortrefflichen maëstro Köselitz. Es ist ihm auch in Wien schlecht gegangen; nun will er über Dresden Annaberg nach Carlsruhe und dort einen Versuch machen, seine Oper anzubringen. Es wäre mir sehr lieb, wenn Du ihn einlüdest, auf seiner Reise durch Naumburg zu kommen, und wenn es möglich wäre, ihm eine Ehre zu erweisen. Es ist der erste lebende Musiker, — aber die Welt braucht Zeit, sich für etwas Neues zu begeistern, wenn es zugleich etwas Gutes und Feines ist. Adressiere einfach: Herrn Heinrich Köselitz, Annaberg (Sachsen) Ich will, daß er nach Nizza kommt. —

Herzlich grüßend
Dein Sohn.

Sprich dem Lama meinen besten Dank für ihren Brief aus.

653. An Elisabeth Förster in Naumburg

Nice (France), rue St. François de Paule 26 II 20. Dez. 1885.

Mein liebes Lama,

hoffentlich ist kein Brief verloren gegangen; controliren kann ich es nicht mehr. Zuletzt bin ich vielleicht im Rückstande geblieben, weil es mit der Gesundheit nicht gut gieng: ich mag nicht viel davon reden, — da läßt man das Briefschreiben lieber ganz. Sieben Jahre Einsamkeit sind nunmehr vorbei, im Grunde bin ich ganz und gar nicht für Einsamkeit gemacht, und es begegnet mir jetzt, wo ich nicht mehr absehe, wie ich sie loswerde, beinahe alle Wochen ein so plötzlicher Lebensüberdruß, daß es mich krank macht. Meine Diät kommt mir recht vernünftig vor, Mittags trinke ich Milch zu etwas Grahambrod, Abends um 6 bin ich in der Pension de Genève zu Gaste, wo so gekocht wird, daß mein Magen dabei seine Rechnung findet. Schlafmittel brauche ich nicht mehr; wenigstens kommt mir das Seidel Münchener Kindl-Bräu, das ich öfter einmal zu mir nehme, mehr wie ein Verdauungsmittel vor, es ermüdet mich nicht. Gegen Grog habe ich jetzt einen Widerwillen. In meinem Zimmer friere ich leider zu stark, jetzt wo auch wir bis zu 4 Grad unter Null (gelegentlich —) hinab sinken; auch giebt es miserable Störung durch Musik, rechts durch ein Kind, das Tonleitern stümpert, hinter mir durch eine Violine und durch einen Trompeten-Virtuosen. So sehne ich mich auch hierin nach einer Verbesserung, doch nicht mehr für diesen Winter, wo ich aushalten will. Das Schlimmste ist, daß mir die menschlichen Ressourcen jeder besseren Art fehlen, ja daß ich kaum noch Menschen weiß, von denen ich wünschte, daß sie hier leben möchten. Ich hätte Köselitzen gerne hier, weil es jetzt der einzige Musiker ist, dessen Geschmack mir „schmeckt“ — und weil er einsiedlerisch und anspruchslos für sich zu leben versteht. Aber es ist mir mehr nöthig als nur gelegentlich einmal Musik. —

Inzwischen ist auch das allerliebste Maschinchen angelangt; gebraucht habe ich es noch nicht, was meinst Du, welche Art Topf dazu gehört? Es soll mir viel Vergnügen machen und mich immer schön an Dich erinnern. Wie dumm, daß ich Niemanden mehr zum Lachen habe! Wäre ich bei besserer Gesundheit und reich genug, so würde ich, nur um noch Heiterkeit zu haben, nach Japan übersiedeln (zu meinem größten Erstaunen fand ich, daß auch Seydlitz inwendig diese Umwandlung durchgemacht hat, er ist artistisch jetzt der erste deutsche Japanese — lies beifolgende Zeitungsberichte über ihn!) Ich bin gern in Venedig, weil es dort leicht japanesisch zugehn könnte —, ein paar Bedingungen dazu sind da. Das übrige Europa ist pessimistisch-triste, die gräßliche Verderbniß der Musik durch Wagner ist nur ein Einzelfall der allgemeinen Verderbniß und Trübsal. —

Da fällt mir ein, daß ich noch nichts von Krugs erzählt habe. Es mißrieth: ihre Karte welche an die pension de Genève addressirt war, wurde mir überbracht, als sie eben abreisten. Ich lief spornstreichs zur Eisenbahn, um sie noch zu erwischen. Umsonst! Der Zug war fort. —

Danke unsrer Mutter schönstens für das Brillenfutteral! Es ist wirklich mir sehr nöthig gewesen — ich schleppte mich schon zu lange mit den alten Ruinen. — Nun ist es wieder Weihnachten, und es ist ein Jammer, zu denken, daß ich immerfort (wie nun schon sieben Jahre) verurtheilt bin, wie ein Ausgestoßner oder wie ein cynischer Verächter der Menschen zu leben. Es sorgt sich jetzt Niemand mehr um eine Verbesserung meiner Existenz, das Lama hat „Besseres zu thun“ und jedenfalls genug zu thun! Alle die alten Bekanntschaften sind altbacken und steinhart geworden, — wenn ich dran denke, wie ich immer fürlieb genommen habe, so erschrecke ich vor der Zukunft, ich meine vor der Wahrscheinlichkeit, mit was für Menschen ich noch fürlieb nehmen werde, aus jener Noth, welche macht, daß der Teufel Fliegen frißt. — Das ist einmal ein schöner lustiger Weihnachts-Brief! Es lebe das Lama!

F.

Warum geht Ihr nicht nach Japan? Es ist das billigste Leben und so lustig! —

Besten Dank unsrer lieben Mutter für ihren Brief, auch den Gruß der alten Pfarrerin Hamann.

654. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg

<Nizza, gegen Ende Dezember 1885>

Meine Lieben,

es ist herrliches Wetter, da muß auch Euer Thier wieder ein fröhliches Gesicht machen, ob es schon recht melancholische Tage und Nächte gehabt hat. Weihnachten gerieth aber zu einem Festtage. Mittags bekam ich Eure liebe Sendung zu Hände<n>, und geschwind hing die Kette um den Hals, und das artige Kalenderchen kroch in die Westen-Tasche. Darüber ist nun freilich das „Geld“ entschlüpft, wenn nämlich Geld in dem Briefe war (unsre Mutter schreibt davon) Verzeiht es Eurem blinden Thiere, das seinen Kram auf der Straße auspackte: da mag wohl etwas daneben gerutscht sein, denn ich suchte sehr eifrig nach dem Briefe. Hoffentlich ist ein armes altes Weibchen in der Nähe gewesen und hat auf diese Weise ihr „Christkindchen“ auf der Straße gefunden. Dann fuhr ich nach meiner Halbinsel St. Jean, lief einen großen Weg um die ganze Küste ab und setzte mich endlich unter junge Soldaten, die Kegel schoben. Frische Rosen und Geranien in den Hecken, und alles grün und warm: gar nicht nordisch! Da trank denn Euer Thier drei ganz große Gläser eines süßen Landweins und war beinahe a bitzeli betrunken; wenigstens sagte ich nachher zu den Wellen, wenn sie gar zu heftig heran schnoben, wie man zu den Hühnern sagt „Butsch! Butsch! Butsch!“ Dann fuhr ich wieder nach Nizza und aß in meiner Pension zu Abend, fürstlich; auch brannte ein großer Weihnachtsbaum. Denkt euch, ich habe einen boulanger de luxe gefunden, welcher weiß, was „Quarkkuchen“ ist: er erzählte, daß der König von Würtemberg sich einen solchen zu seinem Geburtstage bestellt hat. Das fällt mir bei dem Worte „fürstlich“ ein. —

Ein Paar Tage krank. So blieb der Brief unbeendigt. Inzwischen schrieb Overbeck, daß Rohde einen Ruf nach Leipzig habe. Ob er ihn annimmt? Seltsam, es bewegt mich zu denken, daß jetzt in Leipzig oder seiner Nachbarschaft alles zusammenkommt, was mir das Gefühl giebt, nicht ganz heimatlos zu sein. Im Grunde war es auch diesen Herbst wieder hübsch in Leipzig; ein wenig melancholisch, aber gerade so, wie unsereiner alle Genüsse des Lebens gewürzt findet, mit einem alten kleinen Rosengeruch des Unwiederbringlichen.

Meine Augen werden über kurz oder lang es nur noch in Wäldern aushalten; aber alte Freunde müssen diesen „Wäldern“ nahewohnen. Heißt das nicht — alles gerechnet — „Rosenthal“? — Und zuletzt hat man, durch Leipziger Rathsbeschluß, dem Knoblauch den Krieg erklärt: (die einzige Form des Antisemitismus, welche Eurem kosmopolitischen Nashorn gut riecht) — Verzeihung!

In alter Liebe Euer F.

Himmel! Ich vergaß zum neuen Jahre Euch unbändig viel Glück und Gesundheit und Tapferkeit und gute Gedanken und treue Menschen zu wünschen! — —

NB Ich habe wieder schlafen gelernt (ohne Schlafmittel)

1885 (95 Briefe)

568. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza, Anfang Januar 1885>

Мои дорогие,

я намеревался поблагодарить вас письменно сразу же по получении книг, но — книги не приходят, я не знаю, что могло случиться. Поэтому я не хочу терять больше ни дня и рассказать вам, насколько сердечно приятной была эта маленькая милая посылка: удивительно, как много всего помещается в столь малом пространстве! Однако золотые пуговицы слишком драгоценны для вашего полуслепого Фрица, я не осмеливаюсь их носить. Я лежал в постели, когда пришел ваш подарок: первого января (я подсчитал, что теперь уже 5 раз подряд в этот день я был болен!)

По правде говоря: с момента моего последнего письма дела шли постоянно плохо, погода изменилась, и вместе с этим для меня всё было кончено. Вечные приступы, рвота за рвотой; теперь перед каждым приемом пищи я не знаю, есть или не есть. Слабость желудка проявилась вновь в вопиющей форме, а в пансионе трудно устроиться.

Мой вздох, который я уже однажды выразил, звучит и сегодня снова: пусть мне найдут кухарку!

Затем, Ницца в долгосрочной перспективе невозможна: большой город, невыносимый шум экипажей и т. д. Также я сыт по горло господами сожителями по пансиону, по правде говоря, находишься в слишком дурном обществе и едва ли можешь смотреть, как милый сосед по столу держит нож и вилку во время еды. О том, что говорится за столом, я уж не говорю! Я с грустью и тоской вспоминаю свою прежнюю генуэзскую уединенность, хотя я и жил как бедняк; но я не был окружен таким посредственным немецким «сбродом», это было более гордо и более подобающе мне.

Господин Ланцки — внимательный и очень преданный мне человек, — но старая история: в то время как мне нужен кто-то, кто развлекал бы меня, всё сводится к тому, что развлекаю я. Он молчит, вздыхает, выглядит как сапожник и не умеет ни смеяться, ни проявлять остроумие. Невыносимо в конечном итоге. —

Он уезжает в следующее воскресенье в Сен-Рафаэль, на пару часов дальше по побережью, чтобы осмотреть это место для меня. Мы ведем переговоры об одной вилле там. —

Кёслиц исполнил свою увертюру на концерте в Тонхалле с большим успехом и сам дирижировал: у меня есть длинный отчет об этом от Овербека, который присутствовал там. —

Мысль о «речах Бисмарка» самым приятным образом отвечает желанию, которое я всю зиму высказывал Ланцки. Б<исмарк> ведь позволяет себе расслабиться в рейхстаге и выкладывает свои самые сокровенные вещи, как Гёте перед Эккерманом. Первый случай, когда государственному деятелю нужен рейхстаг, чтобы излить свое сердце обо всем на свете. Очевидно, перед своей женой он не может этого сделать: она слишком глупа. В конце концов, я сам завидую ему из-за такого рейхстага.

— От всего сердца ваш благодарный

Ф.

Какое туманное письмо написал мне добрый Штайн! И это в благодарность за то, что я послал ему свое стихотворение! Никто больше не умеет себя вести.

Статья Ланцки слишком глупа и неясна, я сыт по горло немецкой тупостью.

Постскриптум три дня спустя: наконец книги прибыли, премного благодарю! Но где же красноватая толстая тетрадь для записей? — Здоровье медленно улучшается, погода хорошая.

С глазами становится всё хуже — —

569. An Franz Overbeck in Basel

Pension de Genève Nice sur mer, petite rue St. Etienne

<Начало января 1885>

Мой дорогой друг, в этот раз я должен поблагодарить за два письма — и всё же оно не должно быть длиннее, чем то, что поместится на открытке. Эти глаза!! — и, к сожалению, в целом, всё здоровье! До сих пор в отношении здоровья зима у меня не задалась — — —.

Ланцки — человек внимательный, очень преданный мне, но совсем не для долгого общения. Уж лучше паяц. Он уезжает в воскресенье в Сен-Рафаэль, чтобы разведать это место для меня: как он уже сделал это с Аяччо. В конечном счете, Ницца для твоего философа невыносима! — недостойна! — по-столичному шумная — глупая! —

Сердечное спасибо за новости о моем цюрихском музыканте. Твое слово «наивный» в отношении его музыки попадает в самую точку.

Сердечно преданный тебе и твоей дорогой супруге

Н.

О Шмейцнере я ничего не знаю уже несколько месяцев; и доволен этим. Мой дядя в Зангерхаузене, ловкий юстицрат, взял на себя задачу спасти как можно больше из тех 5000 марок. — Новые издатели? Мозер?! — «Боже упаси!»

N. B. Деньги у меня в руках. Премного благодарен, старый дорогой друг!

Я был так рад неожиданно услышать благоприятные известия о твоем собственном самочувствии: хочу последовать твоему примеру!

570. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> Mittwoch. <14. Januar 1885>

Мои дорогие мама и сестра,

только что пришла ваша полная беспокойства открытка; надеюсь, что тем временем отправленное мною несколько дней назад письмо принесло некоторое успокоение. Задержка произошла из-за того, что я изо дня в день ждал книги — пока они не пришли; как только они прибыли, я сразу же написал.

Я постоянно болен. Еще этой ночью я был в полном отчаянии и снова не знал, куда деться. Зимняя погода и здесь. Сегодня идет снег, как и вчера. У нас два градуса ниже нуля. Неописуемо, как облачное небо действует на меня! Барометр стоит на 20 градусов ниже, чем мне полезно! Врачи в Ницце говорят, что этой зимой всем хроническим больным хуже, чем в другие зимы.

С воскресенья господин Ланцки уехал в Сен-Рафаэль. Вчера он телеграфировал, что считает это место невозможным для меня. Он в таких делах в высшей степени надежен и очень ценен для меня.

Меня страшат любые путешествия и перемены мест. В прошлом году, с тех пор как я покинул Ниццу, у меня было лишь очень мало сносных дней — за исключением первого времени в Цюрихе.

Пишите мне, пожалуйста, всегда, сколько градусов показывает маленький волосяной гигрометр в вашей комнате.

Я хотел бы однажды попробовать провести лето на соседнем летнем курорте (около 1000–2000 метров над уровнем моря), учитывая, что с этим ясным провансальским небом ни один уголок Европы не может конкурировать даже в летнее время. Но есть и другие причины, которые в конечном итоге все же гонят на север.

Ах, глаза! Все стоит на месте.
От всего сердца ваш
сильно страдающий
Ф.

571. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Nizza, den 29 Januar 1885

В этот раз, моя дорогая добрая матушка, мне особенно трудно пожелать Тебе чего-то определённого, что этот год должен Тебе принести; и даже пожелание, чтобы этот год ничего у Тебя не отнял, не сходит у меня с губ. Мы все сейчас находимся в большой неопределённости и сомнениях, а потому, пожалуй, отказываемся от «пожеланий»; но что бы ни пришло, мы будем нести это вместе и приспосабливаться.

Я бы очень хотел присутствовать на Твоём праздничном столе в виде какой-нибудь красивой полезной вещи, которая доставила бы Тебе радость.

После последних известий, которые я передавал, я получил от Тебя и нашей Лизбет такие полные любви письма, что с радостью ответил бы на месте. Но глаза, с которыми дела обстоят всё хуже и хуже, дают мне этой зимой оправдание для моего письменного молчания во все стороны.

Погода и здесь пережила большой кризис: было три дня, в которые трудно поверить для Ниццы, и такой штормовой прилив, что Английская набережная до сих пор жалко страдает от последствий. За 50 лет не видели такой беды. — Тем временем, однако, совершенно ясное небо с утра до вечера снова стало правилом, что очень помогло моему здоровью.

Господин Ланцки вернулся ко мне из Сен-Рафаэля и останется до конца февраля. Ты можешь себе представить, что мы много размышляем о том, чтобы создать для меня лучшую и более достойную форму существования, чем моя нынешняя, и что мне, собственно, постоянно немного стыдно, что я так мало ещё представляю собой образец во внешней жизни, в духе моего Заратустры, у которого всё же есть своя пещера и два домашних животных. Одно место, правда, уже найдено, недалеко от Ниццы, где я хочу жить позже, — полуостров Сен-Жан; но там ещё многое должно быть сделано и удачно сложиться, прежде чем я туда перееду. Точно так же моё летнее существование в Энгадине должно быть поставлено на совершенно новую основу. Везде я понимаю, что с прежним покончено и что теперь я должен без всякой спешки создать окончательные условия, по меньшей мере достаточные на 10 лет, чтобы иметь возможность взяться за дело всей моей жизни с полнейшим спокойствием. Окружение, которое подходит мне, я имею в виду — моему труду! С октября по май в Сен-Жане, июль и август в Энгадине, переходные месяцы, возможно, в Цюрихе: так пока выглядит программа. — —

В Сен-Жане 8 дней назад мы нашли прекраснейшие зелёные изгороди из герани с красными цветами; тогда я думал о Вас и о печальном снежном мире. —

По вечерам я теперь всегда пью крепкий грог — сегодня я сделаю это за Твоё здоровье!

Твой Ф.

571a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza, Januar 1885>

Моя дорогая сестра,

я отвечаю немедленно на твою полную беспокойства открытку, чтобы тебя успокоить. Именно сегодня дела идут неважно, с вечера вчерашнего дня надвигается скверная погода. В остальном же мое состояние за последние две недели улучшилось, если не считать глаз: которые я не берегу в той мере, в какой следовало бы. Но без моих работ жизнь здесь невыносима. Ницца — не место для прогулок для меня, ландшафт мне противен, так же как и человек в этом ландшафте (я имею в виду иностранцев так же, как и нынешних французов). Наконец, в Ницце и повсюду вокруг стоит такой шум от повозок и телег, какого я не могу себе представить ни в одном другом месте. — Духом я часто в Венеции: это было бы для меня подходящим местом, если бы оно не обладало прямо противоположными климатическими условиями. — Генуя, задним числом, после многих собранных метеорологических данных, оказалась блестящим и удивительным выбором моего инстинкта: о чем можно было бы многое сказать. Все еще не исключено, что я снова посещу Геную: так как обитаемость моего полуострова Сен-Жан для меня одного нелегко осуществима. Это было бы возможно лишь в том случае, если бы я нашел превосходную экономку и кухарку. Вилл, которые можно снять целиком или частично, там хватает. Кстати, на следующую зиму я полагаю, что оба Саразена, мои бывшие ученики, которые сейчас на Цейлоне, вернутся и поселятся у своего аквариума в Вильфранш (в получасе езды от Больё и Сен-Жан) вместе с вюрцбургским профессором Земпером; тогда у меня поблизости от Сен-Жан появятся естествоиспытатели по моему вкусу. Также было бы осуществимо совместное проживание втроем (а именно Кёзелиц, Лански и я) на такой маленькой вилле, даже в финансовом отношении. Если каждый будет рассчитывать на свою долю по 5 франков в день, то на эти ежедневные 15 франков мы могли бы иметь все, включая экономку. — Еще рациональнее, возможно, была бы для меня хорошая хозяйственная жена, которая видела бы свою задачу в том, чтобы поддерживать меня в состоянии, в котором я лучше всего справляюсь со своей сверхтяжелой жизненной задачей. Но все, кого я знал из женщин, с точки зрения этой миссии казались мне несостоятельными: так что, собственно, в этом пункте у меня больше нет веры. Она должна была бы быть молодой, очень веселой, очень бодрой и мало или вовсе не «образованной»: и, кроме того, хорошей хозяйкой по собственному призванию.

Voila! вот тебе повод посмеяться! Что касается дня рождения, я полностью согласен: но продолжение о Бисмарке сейчас нет! а, возможно, s’il vous plait, к 15 октября!

От всего сердца твой
Ф.

572. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

12 Febr. 1885 Nizza (France) pension de Genève petite rue St. Etienne

Мой дорогой старый друг,

я живу так уединенно, что ничего не вижу и не слышу о тебе. Но в этом году я, по семейным обстоятельствам, должен снова приехать в Германию: я думаю, в ожидании этого мы оба придумаем себе маленькое рандеву, скажем, в Лейпциге.

Сегодня я сообщаю тебе, не без некоторых сомнений, нечто, что содержит в себе вопрос к тебе. Существует четвертая (последняя) часть «Заратустры», своего рода возвышенный финал, который вовсе не предназначен для публики (слово «публика» и «общественность» звучит для меня, в отношении всего моего «Заратустры», примерно так же, как «бордель» и «публичная девка» — пардон!). Но эта часть должна и обязана быть сейчас напечатана: в 20 экземплярах, для распространения среди меня и моих друзей, и с любой степенью осмотрительности. Расходы на такую печать (у К. Г. Наумана в Лейпциге, который печатал последние части) не могут быть значительными; я же сам, из-за большой нечестности моего издателя, сейчас менее при деньгах, чем когда-либо (это значит: он должен мне 6000 франков, и мой адвокат говорит мне, что вряд ли возможно успешно завершить процесс против него). Иначе говоря: я, до своего сорокового года, фактически еще не «заработал» ни гроша своими многочисленными сочинениями — —: в чем и заключается юмор (и, если хочешь, гордость) всего этого дела.

Больше я, однако, ничего не скажу. Дай мне, мой дорогой старый друг, как можно скорее, сюда свой ответ, непредвзятый ответ (можно быть по отношению ко мне таким же непредвзятым, как по отношению к «дорогому Богу», — при условии, что таковой существует).

И прежде всего, будем и останемся в хорошем настроении: есть сто причин быть храбрым в этой жизни.

Твой друг Ницше.

573. An Heinrich Köselitz in Zürich

<Nizza, 14. Februar 1885>

Мой дорогой друг!

дайте мне и моему сердечному любопытству как можно скорее подробный отчет о том, что Вы делаете и намереваетесь делать, и что должно произойти в этом году. — Мои глаза требуют от меня, чтобы я этой зимой был непослушно-молчалив со всеми — даже «с самим собой» — чтобы туманно говорить о туманных вещах. Я тоскую по Вашей музыке, тысячу раз обдумываю, как бы Вас самого здесь поселить — и как «Мистраль» и невероятно белое световое небо Ниццы должны были бы на Вас подействовать. Порой моя тоска заходит так далеко, что тянет меня в Венецию, потому что я верю, что туда мне легче было бы Вас заманить, чем сюда. (К тому же: я устал от Ниццы — шумного, отвратительного французского города, в глубине души, и, к сожалению, не знаю, как себе помочь, так как при самом тщательном исследовании климатические условия этого места не желают повторяться во второй раз в Европе.)

В апреле я приеду (самое позднее!) в Цюрих: если бы там можно было услышать исполнение чего-нибудь из Вашей музыки, в частности вокального, то я охотно смирился бы ради этого со многим глупым и досадным, что может ожидать меня в этом году во время моей поездки на север! —

Не падайте духом, никакая печаль не стоит того ни на земле, ни на небе. В Вашем последнем письме было несколько слов по поводу Г. Берлиоза, которые доставили мне величайшее удовольствие.

Овербек написал мне подробнее о Вашем первом публичном «выступлении». О, если бы я мог видеть Вас здесь во главе итальянского оркестра (дирижируемого Джальдино — Джальдини)! Дело в том, что только что открылся недавно построенный итальянский театр (Аида).

Приветствуйте друга и Хегара, не забывая студенток!

— Не хотите ли Вы этим летом заменить меня в Энгадине (в маленькой комнатке моей славной семьи Дуриш)? Так Вы узнаете мое Зильс-Марию: — сам я должен ехать в Наумбург.

— Что стало с братом Фл. Друскович? —

Скажу между нами: есть кое-что новое, «плод» этой зимы, но у меня нет издателя, а прежде всего — совсем нет больше желания видеть новые вещи напечатанными. Огромная глупость — издать что-то вроде моего Заратустры, не имея в том необходимости, — была отплачена мне соответствующими глупостями: как и следовало ожидать.

Полдень и Вечность
От
Фридриха Ницше
Часть первая: искушение Заратустры.

Впрочем, возможно, непригодно для печати: «богохульство», сочиненное с причудой паяца. — Но кто будет мил со мной и польстит мне музыкой Кёзелица, тот получит эту вещь для чтения в частном порядке.

Addio, и до свидания
Ваш Н.

Ницца, pension de Genève
(petite rue St. Etienne)

574. Vermutlich an Marie Köckert in Hanau (Entwurf)

<Nizza, Mitte Februar 1885>

Небо знает (или не знает?), обрадовался ли я вашему письму. Признаюсь, к этому примешивалось еще и маленькое злорадное удовольствие; дело в том, что я поспорил сам с собой, что вы напишете мне эти слова (Поверите ли вы, что я временами страдаю манией величия, считая себя тем, кого называют знатоком людей, испытателем сердец? Нет, вы не поверите).

В апреле я снова приеду в Цюрих; а позже я должен буду отправиться в Германию, к милым немцам — о которых вы говорите мне по душе. Вероятно, это будет на долгое время моя последняя поездка в этот северный мир, чьи задачи и ценностные суждения не являются моими задачами и ценностными суждениями, и чей воздух легко перехватывает мне дыхание. Этим — я, однако, не хочу сказать ничего против нынешних немцев: только то, что я не принадлежу к ним.

Читали ли вы самую глубокую и светлую, самую южную, да даже самую восточную книгу, которая существует? Прошу прощения, я имею в виду «Так говорил Заратустра» Фридриха Ницше.

575. An Marie Köckert in Hanau (Fragment)

<Nizza, 20. Februar 1885>

Будем же оптимистами! Ни на небе, ни на земле уныние того не стоит!

576. An Franz Overbeck in Basel

Nizza Freitag 20 Febr. 1885.

Дорогой друг,

я искренне обрадовался, снова получив от тебя весточку. Моя жизнь сейчас стала очень похожа на островную, поскольку новости и письма доходят до меня крайне редко. Похоже, что большинство моих прежних друзей и знакомых либо не хотят больше иметь со мной дела, либо не могут — довольно того, что они молчат. Я сам нахожусь под тиранией своей болезни глаз и мне нельзя писать (моё беспокойство немало, я боюсь, что однажды внезапно ослепну — по секрету говоря!)

Зима в этот раз в Ницце не задалась и выдалась крайне странной. Штормовой прилив, какого не было 50 лет; два землетрясения; уже четыре раза проливные дожди по 2–3 дня — нечто неслыханное для здешних мест. Все больные стали ещё больнее. Много облачного неба. Я сам многое вынес, присутствие доброго Ланцки (который уезжает в следующий понедельник) помогло пережить многое. Однако, в последнем отношении, мне пришлось подвести итог — в сумме я понял, насколько мне ещё необходимо в течение долгого времени (скажем, 5 лет!) полное одиночество. Слишком многое во мне ещё должно созреть и срастись; время для «учеников и школы» et hoc genus omne ещё не пришло.

Дело со «Шмайцнером» обстоит плохо, мой дядя написал «едва ли возможно» и «величайшие трудности». Признаюсь, что твои совершенно неожиданные денежные новости пришли в очень удачный момент и стали для меня утешением.

Хуже всего то, что у меня теперь нет издателя, и, если я достаточно хорошо осведомлён о своей литературной репутации в Германии, то вряд ли сейчас его найду. Ни у кого нет на это мужества. Через несколько дней я буду знать больше in hoc puncto, так как я начал переговоры. Знаешь, мой дорогой друг, уже давно есть кое-что для печати: заглавие тебя достаточно просветит.

Полдень и Вечность,
Первая часть
Искушение Заратустры.

В апреле я думаю на короткое время появиться в Цюрихе, где нужно уладить кое-какие дела. Весь год ставит передо мной ряд практических задач, отчасти вызванных известным тебе семейным делом. Я поеду в Германию, по всей вероятности, надолго в последний раз. Из квартальных денег возьми, пожалуйста, столько, сколько нужно для покупки облигации. Остальное пришли мне сюда, по возможности в французских купюрах.

На днях я получил письмо от Петера Гаста. Три акта оперы готовы в клавире, два последних в работе. Я хочу, вооружившись ими, попытать счастья у немецких капельмейстеров; пристроить эту оперу — одна из моих летних задач. Желая всего самого доброго твоей милой жене, всегда сердечно-благодарный тебе

Н.

Знаешь ли ты кого-нибудь, кто мог бы этим летом пожить в моей комнате в Зильс-Марии? (30 франков в месяц.)

577. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> Donnerstag<5. März 1885>

Мои дорогие,

Ваши жизнерадостные письма были мне очень приятны, я хотел бы ответить подобными же радостями и праздничными новостями. Однако в этой зиме в Н<ицце> можно найти много изъянов, и если бы я начал их перечислять, вы получили бы самую скучную литанию на свете. Самое глупое — это 1) глаза — — 2) постоянная (почти постоянная) боль в пояснице, с отдачей в правое бедро. Она настолько тягостна, что снова и снова ставит передо мной вопрос: смогу ли я вообще в этом году приехать в Германию. Путешествия стали для меня мучением, о котором вы не можете себе составить никакого представления: поездка от Цюриха досюда была чем-то ужасным, и мысль о том, чтобы удалиться еще дальше на север, чем Цюрих, не укладывается у меня в голове. У меня такое чувство, будто я только что оправился от последних поездок — к тому же мне в высшей степени необходимо сосредоточение, и я не хотел бы терять больше ни минуты времени после того, как потерял так много. (Завтра меня покидает господин Ланцки, человек весьма достойный, который, однако, вновь напомнил мне о ценности и необходимости одиночества для меня. Я буду очень осторожен, чтобы не позволить снова украсть у меня зиму таким образом. Само собой разумеется, что я очень благодарен ему за многие проявления доброжелательности и заботы: но одно для меня в сто раз важнее всего остального —)

Что касается лета, то у меня еще слишком свежи в памяти жуткие и обескураживающие впечатления от теплого времени года и равнин прошлого года, чтобы я мог думать о том, чтобы провести лето где-либо, кроме Энгадина. (Не в Зильс-Марии, а, вероятно, в Челерине) Поэтому я не знаю, как мне помочь себе, кроме как попросить вас, нельзя ли договориться о встрече, при которой мне было бы возможно остаться в Швейцарии. Если г-н д-р Фёрстер приедет в конце апреля, кто знает, не появится ли в течение года повод для двух человек, по крайней мере, немного попутешествовать. Прошу нашу добрую матушку от всего сердца подумать о том (в отношении следующих 10 лет), что ежегодную встречу и совместное проживание, возможно, лучше всего было бы устроить в каком-нибудь месте в Швейцарии*: но и Венеция меня бы вполне устроила.

То, что я писал о Сен-Жан, полуострове, было тем временем изучено подробнее: боюсь, это неосуществимо.

Ницца невыносимо шумная. —

(О Шмайцнере у меня есть письмо от дяди Бернхарда: я скажу лишь то, что в нем преобладают выражения «едва ли возможно» и «величайшая трудность». —) Больше всего я хотел бы отправиться в конце марта в Венецию по причинам, связанным с глазами и тишиной. Но, вероятно, из этого выйдет поездка в Цюрих, где меня ждет многое.

С самыми сердечными пожеланиями и просьбой снисходительно отнестись к моему физически и духовно весьма подорванному состоянию

Ваш Ф.

578. An Resa von Schirnhofer in Paris

11 März 1885 Nizza, Pension de Genève, petite rue St. Etienne

Глубокоуважаемая барышня,

этой зимой от меня трудно дождаться чего-либо написанного, таково желание моих глаз. Из-за этих глупых глаз я даже хотел бы оказаться в какой-нибудь темной Венеции или еще где-нибудь; ибо то, чего я на самом деле требую от Ниццы, — очень сухого воздуха и постоянного очень чистого неба, — этого зимой здесь можно получить так же мало, как и в других местах. Это исключительная зима: у нас был штормовой прилив, какого не было последние 50 лет, два небольших землетрясения, четыре двух-трехдневных затяжных дождя à la tedesca и постоянное неясное «да» и «нет» со стороны неба, — что весьма дурно сказалось на моем здоровье. К тому же до недавнего времени в доме здесь был немец, который очень привязан ко мне, — но я мало люблю немцев, это другой сорт «проплывающих облаков», и мне они совсем не полезны. — —

Люблю ли я французов? Некоторых из прошлого, прежде всего Монтеня. Из этого столетия, по сути, только Бейля и то, что выросло на его почве.

И это то, что заставляет меня сегодня написать это письмо Вам, моя дорогая уважаемая барышня Реза, хотя, как я уже сказал, глазная мораль кричит мне: «Не читайте и не пишите, господин профессор!» —

Дело в том, что во Франции должна существовать своего рода секта поклонников Стендаля, мне говорят о таких, которые называют себя «Rougistes». Поохотьтесь, пожалуйста, за ними: например, за новым изданием «Красного и черного» с предисловием некоего господина Шапрона, если я правильно расслышал. Куда эта тонкая птица (он мертв) снесла свои яйца? Больших книг у него нет. И познакомьтесь, пожалуйста, с самым живым учеником Стендаля, г-ном Полем Бурже, и расскажите мне, какие статьи он написал в последнее время (— я показывал Вам здесь, в Ницце, его сборник эссе о современной психологии). Он, как мне кажется, настоящий ученик того гения, которого французы открыли на 40 лет позже (из немцев я первый, кто распознал его, и вовсе не по подсказке из Франции). Остальные знаменитые литераторы этого века, например Сент-Бёв и Ренан, для меня слишком слащавы и волнообразны; но то, что иронично, жестко, возвышенно-злобно, в духе Мериме, — о, как это приятно моему языку!

В конце марта я отправляюсь через Швейцарию в Германию. Замужество моей сестры в этом году на первом плане: — передавайте привет Мальвиде от меня и примите сами сердечный привет

от Вашего покорнейшего
Ницше

Г-н Бурже — сотрудник Revue nouvelle. — Передавайте привет замечательным людям, которых я так сильно люблю, я имею в виду Моно, от меня, и не забудьте, конечно, фл. Натали!

Adieu, ma chère philosophe —, veuillez agréer les tendres et respectueux hommages d’un hermite.

579. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

<Nizza>, 12. Febr. 1885.

Глубокоуважаемый господин,

настоящим направляю Вам, с просьбой о соблюдении строжайшей конфиденциальности, четвертую и последнюю часть моего «Заратустры», которая не предназначена для широкой публики, а должна быть отпечатана лишь в 20 экземплярах. Печать, как я настоятельно прошу Вас принять к сердцу, должна начаться немедленно и быть ускорена настолько, насколько это возможно; я полагаю, что каждую неделю будут отправляться по 4 корректурных листа. Порядок корректуры таков: 2 оттиска вместе с рукописью направляются по этому адресу:

Господину Генриху Кёзелицу в Цюрих (Швейцария)
Stadelhofer Platz, Kleiner Sonnenhof
в то же время один оттиск направляется мне:
Проф. д-ру Ницше
Ницца (Франция)
Pension de Genève
petite rue St. Etienne

О том, что мы оба, господин Кёзелиц и я, люди «пунктуальные», Вы знаете по прежнему опыту.

Всё, что потребуется для целей печати — оттиски, пробные оттиски и тому подобное — должно в конечном итоге быть уничтожено или передано мне в руки; я прошу Вас, глубокоуважаемый господин, дать мне прямое заверение в том, можете ли Вы гарантировать отсутствие утечки отдельных экземпляров со стороны занятых рабочих, помощников печатника и т. п. —

О том, что я сторонник глубоко черной печати и прошу о такой же для корректурных листов, Вы знаете по прежнему опыту. Оформление и бумага должны полностью соответствовать последней напечатанной (третьей) части моего «Заратустры».

С глубоким уважением
Ваш покорный слуга
Д-р Фридрих Ницше
Проф.

580. An Heinrich Köselitz in Venedig

Nizza, Sonnabend. <14. März 1885>

Мой дорогой друг,

когда я получил Ваше сообщение, я целый час испытывал огромное удовольствие — и ради Вас, и ради себя; ибо я предпочитаю знать, что Вы в В<енеции>, а не в Ц<юрихе>, как, впрочем, и себя самого. Однако вслед за тем я почти рассердился на Вас: мне казалось, что, учитывая всё то, о чём мы договорились прошлой весной (а именно, что с Венецией для дальнейшего творчества покончено и необходимо попробовать что-то новое, климатически совершенно иное), Вам следовало бы решиться поехать в Геную или, по крайней мере, написать мне на пару слов раньше. Я был готов целый месяц и дольше водить Вас по Генуе, Санта-Маргерите, Портофино и обдумывать вместе с Вами, можно ли и как Вам там жить. — Но теперь уже поздно, да и я давно уже не сержусь на Вас. Я даже скажу, что Ваша Венеция — это и для меня самое приятное искушение, и пройдёт совсем немного времени, как я буду соблазнён. Моё здоровье плохое, состояние воздуха и неба иное, чем в другие зимы, и много странных меланхолий нахлынуло на моё сердце — не говоря уже о самой болезни.

С глазами дело обстоит плохо и становится всё хуже. — Возможно, на днях к Вам придут корректурные листы: не будьте нетерпеливы, дорогой друг, и помогите мне и в этот раз. Это четвёртая и последняя часть «Так г<оворил> З<аратустра>»; название, о котором я в прошлый раз сообщал Вам в письме, было вынужденной мерой из-за нового издателя. Ведь тогда я искал издателя, и по справедливости не мог предложить «четвёртую часть». Для того, что мне ещё предстоит сказать comme poète-prophète, мне нужна иная форма, нежели прежняя; и было нелегко решиться на такое название ради издателя. Довольно, я не нашёл издателя и теперь печатаю свой финал за свой счёт. Притом лишь в нескольких экземплярах и не для «публики». Пожалуйста, не пишите и не говорите никому о том, что существует 4-й <Заратустра>.

Ваш Орфей наполнил меня тоскливой меланхолией. Ах, друг, если бы Вы могли написать мне, что Ваше произведение завершено! Это великолепное творение.

Прогуливаясь, подумайте о том, чтобы подыскать для меня комнату — высокую, тихую, полную мебели, старинную, и у чистоплотных, порядочных людей. Ваш друг

Ницше.

581. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Nizza,> Sonnabend <14. März 1885>

Наконец, мои дорогие, это значит: вот уже час, как я могу дать вам знать и разъяснить, что я намерен делать этой весной. Цюрих, а именно, в силу внезапного решения г-на Кёзелица, был вычеркнут из программы; он сообщает мне сегодня утром, что он там решительно больше не выдерживает и находится на пути в Венецию. Теперь же мне необходимо встретиться с г-ном К<ёзелицем> на основании общих планов; к тому же Венеция для моего нынешнего состояния глаз — самый благотворный из всех городов —: довольно, я очень рад этому повороту, который избавляет меня от поездки в Цюрих.

С бедным К<ёзелицем> в Цюрихе случилось то же, что в свое время со мной (это значит примерно 10 лет моей юности!) в Базеле: климат этих городов противоречит нашим продуктивным способностям, и эта постоянная мука делает нас больными. В этом отношении Базель был для меня очень большим несчастьем, до сих пор я страдаю от ужасных последствий того времени (и уже не избавлюсь от них).

Человек сурово наказывается за свое невежество: если бы я в свое время занимался медицинскими, климатологическими и тому подобными проблемами, вместо Суды и Диогена Лаэртского: я не был бы полуразрушенным человеком. — —

Итак: мне необходимо море и т. д. Простите, я утомляю вас этими старыми историями.

И так теряешь свою юность, и вот уже за 40, а все еще в первых экспериментах над тем, что тебе нужно, и что должно было быть нужно самое позднее 20 лет назад. —

Вы видите, я снова бодрее, самый существенный момент, пожалуй, в том, что г-н Ланцки уехал. Очень достойный человек и очень привязанный ко мне — но что мне до того и другого! Он означал для меня то, что я называю «пасмурной погодой», «немецкой погодой» и тому подобным. Впрочем, сейчас нет никого, кто был бы мне очень дорог; люди, которых я люблю, давно, давно мертвы, например, аббат Галиани, или Анри Бейль, или Монтень.

О будущем моей сестры я размышляю: это значит, я не очень-то верю в возвращение г-на д-ра Фёрстера в Парагвай. Европа вовсе не так мала, и если не хочешь жить в Германии (в чем я с ним схож), то вовсе не обязательно заходить так далеко. К энтузиазму по поводу «немецкого духа» я, конечно, еще мало пришел, но еще меньше — к желанию сохранить эту «славную» расу в чистоте. Напротив, напротив —

Простите, вы видите, как я весел. Возможно, что в этом году мы снова увидимся. Но не в Наумбурге: вы знаете, он плохо на меня влияет, и в моем сердце нет ничего, что говорило бы в его пользу. Я там не «родился» и никогда не стал «своим».

Боли в спине, как обычно. Ницца этой зимой в виде исключения менее светлая и сухая. Но до конца марта я вряд ли смогу уехать.

С любовью преданный вам

Ф.

Я забыл <поблагодарить> тебя за твое письмо, моя дорогая мать, которое пересеклось с моим. Мне и в голову не приходило «обижаться» — — напротив!

582. An Paul Lanzky in Florenz (Entwurf)

<Nizza, Mitte März 1885>

Вот что бывает, когда не останавливаешься в нужном месте, а именно в Санкт-Морице, где было на что посмотреть и чем заняться.

Безмятежность «небес» зависит от того, что существует еще очень много хороших дел, которые можно сделать: и от того, что жизнь слишком коротка, чтобы когда-нибудь с ними управиться (— в этом-то и заключается тонкость дела)

— С тех пор как Вы уехали, я снова дошел до того, что постоянно благодарен своей судьбе, которая позволяет мне жить в Ницце (а не в пасмурной Германии), где мне нет нужды выставлять напоказ свое фактическое «отшельничество» в грубой форме. Я люблю плащ комедианта больше, чем ношение монашеского капюшона.

583. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Nizza, Mitte März 1885>

Когда я читал твое письмо, ко мне вновь пришло осознание того, почему некоторые более тонкие умы в Германии считают меня безумным или даже рассказывают, будто я умер в сумасшедшем доме. Я слишком горд, чтобы когда-либо верить, что человек может любить меня: ведь это предполагало бы, что он знает, кто я такой. Столь же мало я верю в то, что когда-нибудь полюблю кого-то: это предполагало бы, что я — однажды — чудо из чудес! — найду человека моего ранга — Не забывай, что я презираю таких существ, как Рих<ард> Ва<гнер> или А. Шопенгауэр, столь же сильно, сколь глубоко жалею их, и что основателя христианства я считаю поверхностным по сравнению с собой; я любил их всех, пока еще не понимал, что такое человек.

К числу загадок, над которыми я несколько раз размышлял, относится то, как возможно, что мы кровные родственники. — То, что меня занимает, тревожит, возвышает, — для этого у меня никогда не было соучастника и друга! жаль, что нет Бога, чтобы хоть кто-то знал.. — Пока я здоров, у меня достаточно хорошего настроения, чтобы играть свою роль и прятаться за ней от всего мира, например, в качестве базельского профессора. К сожалению, я очень часто болен, и тогда я невыразимо ненавижу людей, которых узнал, включая самого себя. —

Моя милая сестра, это слово между нами — и ты можешь сжечь письмо после прочтения. Если бы я не был в значительной степени актером, я бы не выдержал и часа, чтобы жить.

Для таких людей, как я, не существует брака: разве что в стиле нашего Гёте. Я не думаю о том, чтобы когда-либо быть любимым.

Если я очень сердился на тебя, то лишь потому, что ты заставила меня отказаться от последних лю<дей>, с которыми я мог говорить без тартюфства. Теперь — я один.

с которыми я мог без маски говорить о вещах, которые меня интересуют. Что они думали и считали обо мне, было мне совершенно безразлично. — Теперь я один.

Скрой это письмо от нашей матери и — — —

Мне кажется, что человек, при самом лучшем желании, может причинить невыразимо много вреда, если он достаточно нескромен, чтобы хотеть принести пользу тем, чей дух и воля ему скрыты.

Чтобы взять пример: добрая Мальвида всю свою жизнь не делала ничего, кроме вреда, благодаря именно этой упомянутой нескромности.

Не сердись на меня из-за такого письма! В нем больше учтивости, чем если бы я, как обычно, играл комедию.

Ты знаешь, что из французов этого столетия я больше всего люблю Анри Бейля (Стендаля). Из его учеников самым влиятельным является Тэн: чтобы дать тебе представление о нем, я посылаю тебе его «М. Грендоржа», книгу, которая на мой вкус несколько слишком безобидна, но, возможно, тем более подходит для того, чтобы дать тебе благоприятное представление о ее авторе.

584. An Heinrich von Stein in Halle (Entwürfe)

<Nizza, Mitte März 1885>

Этой зимой вы не получите от меня писем, у меня болят глаза, до такой степени, что я боюсь однажды и совершенно внезапно ослепнуть — говорю это лишь для того, чтобы извиниться за то, что так поздно отвечаю на ваше письмо. — Мой дорогой друг, вы не знаете, кто я и чего я хочу. Мое преимущество в том, чтобы наблюдать, что делают и чего хотят другие, оставаясь при этом неузнанным. — Я очень хорошо знаю, что ваша любовь и почитание к Р<ихарду> В<агнеру> слишком велики, чтобы вы могли распознать ч<еловека>, который принципиально от него отличается. Что бы вы обо мне подумали, если бы я сказал, что я Р<ихарда> В<агнера> столь же глубоко жалею, сколь и презираю? Вы бы подумали, что я сумасшедший. Моя участь — показываться только под масками, я очень честен с вами, открывая вам так много о себе. —

Это между нами

Ваш покорнейший
Н

Вы мне очень нравитесь: только вам следовало бы всерьез быть поэтом и отнюдь не эстетом и философом.

Что касается Р<ихарда> В<агнера>, о котором говорится в вашем письме: он принадлежит к числу людей, которых я больше всего любил и также больше всего жалел. Но мне далеко до того, чтобы когда-либо путать себя с ним или сравнивать: он принадлежит к совершенно иному разряду людей — и, пожалуй, в последнюю очередь к великим актерам —

Трудно распознать, кто я такой: подождем 100 лет: возможно, к тому времени найдется какой-нибудь гениальный знаток людей, который откопает господина Ф. Н. — Впрочем — говоря между нами — у меня есть причины быть осторожным и действовать шаг за шагом. Даже этого 4-го З<аратустру> я уже не доверил общественности.

Это произведение — оно не обязано вам нравиться, вы ведь не должны себя принуждать! Произведения такого рода очень требовательны, они требуют времени. Должен сначала прийти авторитет столетий, чтобы нечто подобное правильно читали. Пока что — — —

Я хочу при случае прочитать немецким музыкантам нотацию о том, чему им следует учиться у В<агнера> и что разучиваться — иначе и в истории музыки В<агнер> в конце концов останется как великий бездельник

Что же касается самой сферы познания — ради всего святого, где ваши глаза — что там делать этому гению немецкой неясности, который ничего толком не выучил и все смешал в кучу, пардон и — — —

Неужели этот гений немецкой неясности должен и после своей смерти продолжать творить безобразия? Думать о вас в пасмурную зиму среди друзей занятым В<агнеровским> Л<ексиконом> — нет, от этого мне становится жаль, и я вспоминаю свои собственные жалкие времена, когда я был молод. Почитайте же для восстановления чего-нибудь укрепляющего и возвышающего, почитайте Монтеня — если у вас нет жажды к моему собственному, правда, опасно крепкому вину, и вы еще не знаете о книгах получше.

Вам как автору Вагнеровского лексикона! в который я тем временем тоже заглянул — и, скажу прямо, с невыразимым отвращением к этой самонадеянной болтовне обо всем на свете. «Не следует ворошить это болото» μὴ κωὴ καμαρώοου, говорил сиракузец — — —

585. An Constantin Georg Naumann in Leipzig

Nizza Donnerstag <19. März 1885>

Уважаемый господин,

Мне только что сообщили, что господин Генрих Кёзелиц, который, как я Вам сообщал, будет помогать мне с корректурой, тем временем сменил место жительства. Его адрес:

Venezia (Italia)

San Canciano calle nuova 5256

Рукопись, отправленная отсюда 12-го числа сего месяца, должна быть уже в Ваших уважаемых руках. Еще раз прошу Вас максимально ускорить процесс печати.

Что касается бумаги, то я все же прошу выбрать более качественную, а именно более плотную веленевую бумагу, чем та, что использовалась для печати третьей части: только цвет должен быть похожим. —

Что касается количества экземпляров, то я также (вопреки моему первому сообщению) решил увеличить их число: прошу Вас изготовить в общей сложности 40 экземпляров. —

В остальном Вы знаете, что я питаю большое доверие к Вашей типографии, это лучшая из тех, что я до сих пор знал.

Ваш покорнейший
Проф. д-р Ницше.

NB Только что получил Ваши строки. «Дискретно, хорошо и по самой низкой цене» — va benissimo!

Но рукопись еще не в Ваших руках! —

586. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Nizza, 24. März 1885> Dienstag Mittag.

Моя дорогая мама,

Вот несколько цветов для доброй ламы; я рассчитываю, что они могут прибыть к ней в то же время, что и господин доктор Фёрстер: так что она сможет ими красиво украситься. Мне говорят, что цветы по прибытии нужно немедленно поставить в тёплую воду: тогда они сохранят свежесть ещё несколько дней.

Сердечно приветствую
(Почти всегда больной) Твой Ф.

587. An Malwida von Meysenbug in Rom

<Nizza,> Donnerstag <26. März 1885>

Дорогая подруга,

Вы удивляетесь тому, что я Вам совсем больше не пишу? Я и сам этому удивляюсь; но всякий раз, когда я собирался это сделать, я в конце концов откладывал перо. Если бы я точно знал причины этого, я бы больше не удивлялся, но — возможно, огорчился бы.

Мне было нехорошо всю зиму (мне не хватало сухого воздуха из-за аномалий этого года), и когда пришло Ваше доброе письмо, я лежал в постели, очень страдая. Но это старая история, и, по правде говоря, я сыт по горло письмами о своем здоровье. «Помочь» — кто мог бы мне помочь! Я сам себе лучший врач. И тот факт, что я выдерживаю это и провожу свою волю вопреки многим препятствиям, является моим доказательством этого.

Зимой рядом со мной был один немец, который «почитал» меня: благодарю небо, что он уехал! Он утомлял меня, и я был вынужден так многое скрывать от него. О, эта моральная тартюфщина всех этих милых немцев! Если бы Вы могли пообещать мне аббата Галиани в Риме! Вот человек по моему вкусу. Равно как и Стендаль. — Что касается музыки: прошлой осенью я добросовестно и с любопытством проверил, как я сейчас отношусь к музыке Р. Вагнера. Как же мне противна эта туманная, душная, прежде всего театральная и претенциозная музыка! Настолько же противна, как — как — как — тысяча вещей, например, философия Шопенгауэра. Это музыка неудачливого музыканта и человека, но великого актера — готов поклясться. То ли дело храбрая и невинная музыка моего ученика и друга Петера Гаста, подлинного музыканта: пусть он однажды позаботится о том, чтобы господа актеры и мнимые гении больше не портили вкус. — Бедный Штейн! Он даже считает Р. Вагнера философом!

Почему я говорю об этом? Это лишь для того, чтобы привести Вам какой-нибудь пример. В моем положении есть юмор: меня путают с бывшим базельским профессором, доктором Фридрихом Ницше. К черту всё это! Какое мне дело до этого господина! —

Видите ли, моя дорогая подруга, это письмо «с глазу на глаз».

В конце этого месяца доктор Фёрстер приезжает в Наумбург, подгоняемый любовью, а именно на месяц раньше, чем того требовал разум его земельных исследований. Как я рад этому повороту! И как я надеюсь, что в будущем это избавит меня от смертельно опасного рода пыток, которым я был подвергнут в последние годы! —

Дайте же мне адрес того монастыря! Возможно, осенью я сделаю попытку поехать в Рим, при условии, что смогу жить там инкогнито и от моей натуры отшельника не потребуется ничего противоестественного.

Вы ведь знаете, как сильно я к Вам привязан?

Ваш
Н.

Я не люблю это побережье, я презираю Ниццу, но зимой здесь самый сухой воздух в Европе.

588. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Nizza, 30. März 1885>

Дорогой друг,

странно! Я совсем не припоминаю, чтобы когда-либо предпринимал путешествие куда-либо с удовольствием. Но в этот раз: — мысль о том, что я скоро буду в Венеции и у Вас, освежает меня, восхищает, это подобно надежде на выздоровление для долго и терпеливо болевшего. При этом я обнаружил, что Венеция до сих пор была единственным местом, которое мне нравилось и шло на пользу: или, вернее, мне следовало бы употребить совсем иные (и более скромные) выражения. Как пейзаж, мне близок Зильс-Мария (к сожалению, не как место) — знать бы только, как сохранить там достойное одиночество и отшельничество! Но — это входит в моду!

Вы же сами, мой дорогой друг и маэстро, пока что для меня существенно принадлежите Венеции, и, по правде говоря, нет ничего приятнее для меня, чем слышать, что Вы еще не устали от этого города. Как много я в последнее время думал о Вас и о Вас!

Даже когда я читал в мемуарах старого Де Бросса (1739—40) о Венеции и о самом знаменитом тогда маэстро, а именно Хассе (il detto «Sassone»). Не сердитесь, я далек от того, чтобы проводить непочтительные сравнения.

На днях я писал Мальвиде, что господин Петер Гаст со своей стороны позаботится о том, чтобы господа актеры и мнимые гении музыки недолго еще портили вкус. «Недолго» — это, пожалуй, большое преувеличение. В демократическую эпоху прекрасное любого рода — достояние немногих: pulchrum paucorum est hominum. Я рад быть «немногим» в Вашем случае. Люди, достаточно глубокие и веселые для меня, с âmes mélancholiques et folles, подобно моим покойным друзьям Стендалю и аббату Галиани, не могли вынести жизни на земле без любви к музыканту счастья (Галиани — не без Пиччини, а Стендаль — не без Чимарозы и Моцарта).

Ах, если бы Вы знали, как я сейчас одинок в этом мире! И как много нужно комедии, чтобы кое-где, от пресыщения, не плюнуть кому-нибудь в лицо! К счастью, кое-что от вежливых манер моего сына Заратустры есть и в его безумном отце.

Но когда я приеду к Вам в Венецию, то на какое-то время будет покончено с «вежливостью», «комедией», «пресыщением» и всей этой проклятой ниццианщиной — не так ли, мой достойный друг?

Не забыть: снова будем есть «баджоли»!

От всего сердца
Ваш Н.

NB. Я хочу здесь дождаться окончания печати.

589. An Franz Overbeck in Basel

Nizza 31 März 1885.

Всё в моих руках благополучно, благодарю тебя, дорогой старый друг, за всю эту заботу и внимание ко мне. Ты ничего не пишешь о здоровье своём и своей дорогой супруги: я принимаю это за добрый знак, что вы пережили эту странную зиму благополучнее, чем я. Для меня было много преодолений, много болезненных дней. С глазами дело обстоит всё тревожнее. Средства Шисса не помогли. С прошлого лета наступил поворот, которого я не понимаю. Пятна, пелена, также слезотечение. Я вряд ли могу снова поехать в Ниццу: опасность быть перееханным здесь слишком велика. За столом мне всегда приходилось подавать, я не хочу больше есть в обществе при таком состоянии.

Вероятно, я избавлю себя от поездки на север, опасности и волнения одиночных путешествий стали теперь для меня слишком велики. — Д-р Фёрстер вернулся из Парагвая, в Наумбурге большое ликование. Возможно, из замужества моей сестры выйдет что-то хорошее и для меня: у неё будет полно дел, и у неё появится человек, которому она может полностью доверять и которому она действительно может быть полезна: что до сих пор, в отношении меня, было не всегда возможно.

О процессе против Шм<айцнера> я ничего нового не слышу. Он сам в последний раз назначил первое января сроком, но снова, как и раньше, позволил ему истечь без «звука». — То, чего я желаю больше всего, — вырвать из его рук мои 3 первые части Заратустры и тем самым изъять их из «публичности», — возможно, удастся достичь.

Конечно, я не нашёл издателя для четвёртого З<аратустры>. Ну, я доволен этим и даже наслаждаюсь этим как новым счастьем. Сколько стыда мне всегда приходилось преодолевать при всех моих публикациях! Когда человек, подобный мне, подводит итог глубокой и сокровенной жизни, подобное должно предстать перед глазами и совестью самых избранных людей. Довольно, на это есть время. Моё стремление к ученикам и наследникам делает меня кое-где нетерпеливым и, по-видимому, в последние годы даже склонило к глупостям, которые были опасны для жизни. В конце концов, огромный вес моей задачи всегда возвращает меня к равновесию: и я очень хорошо знаю, что прежде всего и в первую очередь необходимо. —

Я читал сейчас, для отдыха, Исповедь св<ятого> Августина, с большим сожалением, что тебя не было со мной. О, этот старый ритор! Как фальшиво и лицемерно! Как я смеялся! (напр., над «кражей» его юности, в сущности, студенческая история.) Какая психологическая фальшь! (напр., когда он говорит о смерти своего лучшего друга, с которым он был одной душой, «он решил жить дальше, чтобы таким образом его друг не совсем умер». Подобное отвратительно лживо.) Философская ценность равна нулю. Оплебействованный платонизм, то есть образ мыслей, который был изобретён для высшей духовной аристократии, приспособленный для натур рабов. Впрочем, в этой книге видишь христианство насквозь: я при этом стою с любопытством радикального врача и физиолога. —

По поводу внезапного исчезновения нашего «рецидивиста»-музыканта, который и меня ошеломил открыткой, я был зол. В конце концов, это не помогает, я должен снова, как в прошлом году, поехать в Венецию и посмотреть, в чём, собственно, дело. Мы хотим, впрочем, быть снисходительными: он годами ведёт недостойное собачье существование в качестве переписчика нот, что удивительного, если он однажды выходит из себя! Переписывание огромных партитур, создание клавираусцугов в самые продуктивные годы продуктивного человека, когда необходимо совсем другое, — для меня это горе. Р. Вагнеру жилось не так плохо, и даже господин Бунгерт нанимает для таких целей других музыкантов и переписчиков нот. Нет денег — voilà tout! И поэтому этот «венецианский лев» должен сначала публично рычать. И я сделаю всё, что смогу.

Над мерой фон Залис я посмеялся. Это относится к тонкостям agents provocateurs: она хотела именно того, чего добилась, — отказа, чтобы извлечь из этого капитал для «агитации».

Рекомендуя себя тебе и твоей дорогой супруге с дружеским воспоминанием, всегда твой

Ф. Н.

590. An Heinrich Köselitz in Venedig

Oster-Montag früh. <Nizza, 6. April 1885>

Дорогой друг,

только что получил вашу корректуру пятого и шестого листов, вновь с благодарностью и восхищением тонкими глазами и тонким усердием моего господина корректора. —

Я полагаю, что мы теперь очень скоро увидимся. Послезавтра (в среду) я хочу уехать; в своих расчетах времени я не принял во внимание христианские праздники, из-за которых время печати моего IV «Заратустры» значительно затягивается. Хотя я здесь и не сижу «как на иголках», я все же очень вздохну с облегчением, когда снова окажусь у лагуны. Зима была большим упражнением в самопреодолении, и моей единственной молитвой утром и вечером было: «мой господин, не выходите из себя!»

Мою просьбу, дорогой друг, устроить меня где-нибудь по-венециански, — тихо должно быть! — я вам уже изложил. Но не беспокойтесь об этом, позвольте случаю что-нибудь нашептать вам! Если он этого не сделает, ну что ж, тогда я попробую сам и подыщу то одно, то другое на некоторое время.

Как же я радуюсь вашей музыке! — Будем считать, что в пятницу вечером я буду в Венеции. В любом случае я дам телеграмму из Генуи. Мое глупое здоровье не позволяет мне обещать что-либо наверняка.

С дружеским приветом, Ваш
Н.

591. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 8. April 1885>

Мои дорогие,

сердечные поздравления всем!
Завтра я уезжаю в Венецию.
Мой адрес:

Venezia (Italia)
poste restante.

С любовью, ваш Ф.
(сильно страдаю от глазной болезни!!!)

592. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

Nizza, Mittwoch . <8. April 1885>

Мой дорогой друг,

завтра утром я уезжаю: зима, полная нужды и самопреодоления, снова позади меня! — С глазами дело обстоит хуже всего, меня очень тянет в самый темный из всех городов, в Венецию. — Один день оставлен для Генуи: этому месту я глубоко благодарен, и, возможно, мы и впредь будем подходить друг другу. Адрес: Venezia poste restante.

От всего сердца Твой Н.

593. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Nizza, 9 April 1885.

Мой дорогой старый друг,

я очень опечален намеком, который ты делаешь мне относительно здоровья твоей дорогой жены. Хотя я живу здесь, в месте, где нет недостатка во всякого рода ободрениях в этом отношении; меня даже поражает, как долго, как (относительно) хорошо и, в частности, как бодро в среднем переносится такое состояние. Кажется, если бы сама жизнь не была опасной для жизни вещью, эта болезнь не сделала бы её таковой. Поэтому я прошу тебя, даже при этой сердечной заботе, сохранять свое небо светлым, насколько это только возможно.

— Что касается моего дела, о котором я тебе сообщил, то я нахожусь в процессе печати; К. Г. Науман обещал «дискретно», хорошо, «по самой низкой цене», и у меня есть основания верить его обещаниям. При чтении одного слова из твоего письма мне пришла мысль, что, по крайней мере, девиз этого финала будет очень по душе твоему сердцу.

Когда всё будет готово, я расскажу тебе, как обстоят дела: ты сможешь тогда обдумать, что в твоих силах. Ты, мой дорогой старый друг, в этом деле передо мной совершенно свободен: в моей любви к тебе ничего не меняется ни на дюйм, как бы оно ни обернулось. Но это само собой разумеется между такими людьми, как мы.

— Завтра я отправляюсь в путь и еду на несколько месяцев в Венецию. У меня очень болят глаза, и я тоскую по темноте её переулков. В конечном счете, это единственный город, который я люблю. А еще там единственный музыкант, который сейчас делает музыку так, как я люблю, а именно наш друг «Петер Гаст». Знаешь ли, что касается золотого блеска счастья, подлинной наивности, мастерства в духе старых мастеров, то этот Кёзелиц сейчас наш первый композитор. Конечно, нужен хороший нюх, чтобы это учуять. Наше время сильно испорчено претенциозной и преувеличенной театральной музыкой Р<ихарда> В<агнера> (который в конечном счете был актером, очень великим актером, даже как музыкант, но не более того!) во всех вопросах музыкального вкуса и хорошего вкуса. Опера нашего друга, которая абсолютно должна сейчас попасть на немецкие сцены, называется «Лев Венеции». Там человеку наконец-то снова становится венециански-хорошо, примерно как в 1770 году. —

Мой адрес: Venezia, poste restante.

Тебе и твоей дорогой жене мои самые искренние и сердечные пожелания.

594. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)

Genova, 10 Aprile 1885. 7. 10 mattina.

Я приду сегодня вечером.

Друг.

595. An Bernhard Förster in Naumburg

Venedig, Donnerstag. <16. April 1885>

Дорогой и весьма почтенный господин доктор,

— наконец-то устроился: присутствие духа, наличие чернильницы и всё, что полагается для того, чтобы написать письмо. Voilà!

Кое-когда и мне с неба падает добрый день: так случилось недавно, когда я снова был в городе, который один лишь люблю. И именно тогда, в дополнение ко всем добрым дарам первого утра на площади Святого Марка, мне в руки попало и Ваше письмо. Совершенно невозможно, чтобы я мог читать письмо с более сердечными чувствами. —

— Итак, ничего не поделаешь, моя сестра отправляется «в широкий, широкий мир» и вместе с Вами, мой дорогой господин доктор. Любовь ведет ламу — пардон! так я называл её до сих пор — как мне кажется, во многие опасности, вдали от родины, в жизнь, полную испытаний, где многое пойдет не так, а многое — хорошо: в сумме, её ожидает отважное будущее. Во всём этом она подобна мне: кажется, это свойственно нашей породе. И если любовь ведет её в менее «абстрактном» обличье, чем меня, то, возможно, у неё из нас двоих вкус лучше, и она избрала «лучшую долю»: а именно господина Бернгарда Фёрстера. Женщины в таких вещах хитрее мужчин: мы, подобные мне, гоняемся за «истиной» и прочими бледными красавицами, и в конце концов, если зайти далеко, доходишь до того, что при этой страсти начинаешь сомневаться, способен ли ты ещё хоть кого-то любить по-настоящему, из самой глубины сердца: что, судя по письмам и прочим документам души, с моей сестрой совершенно не случилось.

Это не должно быть вздохом с моей стороны, а лишь возражением против некоторого чересчур лестного и незаслуженного оборота Вашего слишком уж серьезного письма. Следует, когда любишь, любить вещь и с её дурными сторонами (как жизнь устроена, за всё платишь несколько дороже — мне кажется). Наоборот: говоря словами моего сына Заратустры: «у каждой дурной вещи есть две хорошие стороны» — и что бы Вам впредь ни встретилось, почтенный господин доктор, моя сестра поможет Вам найти «хорошие стороны» и снова сделать небо светлым. Кажется, и это свойственно нашей породе. —

С множеством добрых пожеланий, даже невыразимых — Ваш весьма преданный

Ницше.

596. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Venezia (Italia), calle del ridotto, casa Fumagalli. <16. April 1885>

Мои дорогие мама и сестра,

наконец прибыл в Венецию, здесь холодно, я не нашел ничего из жилья, что соответствовало бы моим желаниям, желудок из-за этой перемены климата совершенно вышел из строя, глаза затуманены, как никогда в жизни не было. Довольно, многое должно стать лучше. С другой стороны, музыка моего маэстро нравится мне настолько, насколько это вообще возможно, а именно больше, чем всякая другая музыка — и у меня осталось не так много вещей, которые мне нравятся.

Только что я отправил письмо господину доктору Фёрстеру с простым адресом: Наумбург-на-Заале; я думаю, он достаточно знаменит, чтобы больше ничего не требовалось.

Мое белье — большая беда! Помогите мне, и как можно скорее, если это возможно! Итак: у меня осталось еще 2 носибельные (примерно носибельные) рубашки, все остальное — лохмотья.

Последняя сшитая рубашка немного тесна в горловине; последняя ночная рубашка слишком коротка. С чулками тоже дела плохи.

Также, пожалуйста, 2 пары кальсон!

По поводу дела Шмайцнера я очень удивлен. Это мне очень кстати, потому что я, так как не нашел этой зимой издателя, несмотря на серьезные усилия, и поскольку эти поиски в конце концов пошли против моей гордости, напечатал четвертую (и последнюю) часть «Заратустры» за свой счет. Впрочем, так хорошо, эта часть еще меньше, чем 3 первые, предназначена для «общественности»; я прошу поэтому, чтобы о существовании этой части не говорили; но я рад, что теперь у меня есть что-то, с помощью чего я могу оказать любезность людям, которые «заслужили» это передо мной. Экземпляры мне до сих пор еще не выданы (всего только 40). Возможно, я дам поручение К. Г. Науманну в Лейпциге отправить тюк с книгами в Наумбург: поставьте его куда-нибудь в угол и пусть он плесневеет!

Мои вещи начинают чего-то стоить только тогда, когда я сам начинаю плесневеть.

К чему я здесь, в Венеции, еще не готов. —

Тут мне приходит в голову: ведь нужно что-то придумать в качестве подарка на свадьбу знаменитого и всеми чествуемого Ламы. Но здесь вы должны меня вдохновить, это должно быть что-то такое, что она с радостью возьмет с собой в свою далекую новую родину.

С прежней любовью, ваш
Ф.

597. An Heinrich Schieß in Basel (Entwurf)

<Venedig, gegen Ende April 1885>

Мои глаза доставляют мне большие беспокойства и еще больше неудобств и скуки. Состояние таково, что я с трудом могу читать из-за множества пелен, которые плавают передо мной: при этом глаза постоянно слезятся. Здесь, во влажном воздухе Венеции, я нахожу это гораздо более тягостным, чем в сухом воздухе Ниццы: может быть, здесь свет из-за большого количества водяного пара вызывает иной вид раздражения зрительного нерва, чем там, где лучи света более прямые и не действуют так волнообразно, как здесь? — Моя нынешняя болезнь глаз кажется мне toto genere отличной от моей прежней: прежняя, как мне кажется, имела причину в нарушениях питания мозга, которые временно лишали силы nervus opticus: моя нынешняя, вероятно, связана с сетчаткой? Прошу прощения за такие предположения: в конце концов, перед Тобой нескромно даже высказывать подобные догадки.

Мазь с Kali jodatum не произвела сколько-нибудь заметного изменения.

598. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Venedig, Ende April 1885>

Моя дорогая мама, отвечаю немедленно, очень обрадованный твоим письмом и твоей посылкой. В сущности, я, пожалуй, никогда не был в таком хорошем настроении, как в последние недели, и мне кажется, что я постоянно чувствую, как вы там вместе пребываете в праздничном и радостном настроении. То, что у меня к тому же есть музыкант, который сочиняет музыку специально для моего вкуса и моих ушей, в то время как другую музыку я едва могу выносить, — это великий дар судьбы для человека, перегруженного тяжелыми задачами и часто подавленного, полураздавленного, который уже не совсем молод. Остается добавить, что с моими глазами дело обстоит плохо, жутко плохо; за всю свою жизнь я никогда не испытывал столь странного и быстро прогрессирующего потемнения: всё передо мной покрыто быстро движущимися пеленами, при этом глаза постоянно слезятся. На лето я должен отправиться куда-нибудь «в темную нору»; я еще не знаю, что мне делать. Возможно, в Валломброзу, куда обычно ездят страдающие глазными болезнями из Рима: она находится посреди больших еловых лесов. Но, конечно, я не хотел бы снова встретиться с господином Ланцки, из-за которого этой зимой я «настрадался» больше, чем вы можете себе представить. У меня много терпения в общении с самыми чуждыми мне натурами, и я еще никого от себя не оттолкнул, но в конечном итоге я всегда расплачиваюсь за это своим здоровьем. Хуже всего на меня действуют скучные люди; лучше всего — духовные шуты, — и, по сути, именно поэтому, поскольку сегодня среди немцев таких не найти, я общаюсь почти только с мертвецами. — «Исповедь прекрасной души», не правда ли?

Налоговая оштрафовала меня на 5 франков; и вчера, когда К. Г. Науманн из Лейпцига прислал мне книги, меня также оштрафовали на 5 франков: он вложил письмо, что в Италии строжайше запрещено. Таким образом, я, кажется, не разбогатею; но моему хорошему настроению это нисколько не вредит.

Моя дорожная мама, твой сын плохо подходит для того, чтобы быть женатым; быть независимым до последней границы — моя потребность, и я, со своей стороны, стал крайне подозрительным в этом единственном пункте. Старая женщина, а еще лучше толковый слуга, были бы для меня, пожалуй, более желательны. Если бы я только знал хоть немного, где жить! Ты не представляешь, к каким деликатным условиям привязана свобода моего ума и вся моя духовная работоспособность. А теперь еще и глаза!

Кроме того, я к тому же отличаюсь ужасной и совершенно невозможной дерзостью своих мнений, я имею в виду невозможной дерзостью для немецких условий и благонравных добрых друзей и соседей. Но постоянно играть комедию, как я это делаю и делал так много, мне противно; в конце концов, хочется хотя бы «у себя дома» быть честным. Я хочу сказать: я вообще не могу представить себе «спутницу жизни», не выходя из себя. — —

Герсдорф написал мне опечаленный: у его жены констатировали туберкулез. — Что касается оперы Кёзелица: «Лев из Венеции» — самая прекрасная музыка со времен Моцарта, и все же музыка, которую Моцарт не смог бы написать, — так вот, для нее создан берлинский придворный театр, и господин фон Хюльзен будет иметь честь поставить лучшую немецкую комическую оперу.

Я посылаю господину доктору Фёрстеру и моей дорогой сестре самые сердечные приветы; также вы знаете, как высоко я ценю доктора фон Штайна (хотя он все еще сидит в вагнеровском болоте и у него еще нет чутья к моему образу мыслей), а тебе самой — самая прекрасная благодарность!

Твой Ф.

Я бы с удовольствием провел лето вместе с Зейдлицами, если они найдут какой-нибудь красивый темный лес. Пусть Лизбет немного подумает.

599. An Franz Overbeck in Basel

Venezia 7. Mai 1885.

Очень воодушевлен твоим письмом и очень успокоен: ибо порой меня посещало подозрение, не считаешь ли ты автора «З<аратустры» помешанным. Моя опасность, в самом деле, очень велика, но не такого рода опасность: однако я порой сам не знаю, являюсь ли я Сфинксом, который задает вопросы, или тем знаменитым Эдипом, которому их задают — так что у меня есть две возможности для бездны. Ну, это идет своим чередом. —

Присланное письмо из Голландии от старого господина ван Эдена, директора Колониального музея в Харлеме, было одним из тех «писем с выражением почтения», при чтении которых я всегда задаюсь вопросом: если бы этот же сорт людей вдруг узнал, что я медленно, медленно подготавливаю, не возненавидели бы они меня, как саму смерть. — Мне и этот род радостей давно уже отравлен. — С глазами здесь дело обстоит еще хуже, чем в Ницце; я искал и искал сносную квартиру и ничего не нашел, — в таких вещах и наш К<ёзелиц> не может мне толком посоветовать и прийти на помощь. Он человек неловкий, с которым намучаешься; и для общения не создан, — но оттого не менее мне дорог. В своих собственных делах он проявляет себя столь же бездумным и неловким, как и в чужих. Он был почти решился отправить свое произведение в Берлин г-ну фон Хюльзену: мне это показалось средством, чтобы снова долгое время ничего об этом не слышать. Я советую ему отправить совершенно готовое (превосходно получившееся) переложение для фортепиано тому музыкальному издателю и бывшему виртуозу Рису (под Дрезденом); тот расположен к нему и, в особенности если он напечатает переложение для фортепиано, лучше всего подходит для того, чтобы стать посредником между театрами и композитором, — это очень опытный и известный человек. — Самой музыкой и ее моцартовской идеальностью я не могу насытиться; но может быть, я больше нуждаюсь в такой музыке, чем другие, и в этом отношении менее способен судить о ее ценности. — Совершенно неожиданный успех я имел недавно благодаря письму господина Ланцки: я полагал, что хлопоты с ним, а по сути, и вся эта зима в Ницце, были напрасными, как и другие мои старания, — но смотри, вышло иначе. Он писал как переродившийся человек, освобожденный от своего «пессимизма» и решившийся на совершенно серьезную научную жизнь (хотя он уже не молод). Все улучшилось, даже почерк; он писал очень благодарно. — «Борьбу за Бога» я не видел и пока не хочу видеть; автору, с самых разных сторон, выказывают уважение. И если твоя милая жена на основании этого рода мемуаров и полуромана снова окажет фрейлейн С<аломе> несколько более благосклонное суждение, то мне будет от всего сердца приятно; в конце концов, она выполнила именно то, чего я желал от нее в Таутенбурге. В остальном же — черт бы ее побрал! — 22 мая свадьба моей сестры, ты понимаешь эту дату. Мне было высказано пожелание (при моем вопросе, чем я мог бы сделать своего рода «свадебный подарок»), чтобы тот дюреровский лист «Рыцарь, смерть и дьявол», который находится в твоих руках, отправился вместе с этими двумя эмигрантами в их новый далекий дом как ценный и доблестный символ. Мне, по правде говоря, глубоко больно забирать его из твоих рук, ведь в конечном счете ты нуждаешься в таких утешительных средствах не меньше, чем любые эмигранты, как мореплаватель и одинокий человек на свой лад. Но, возможно, для твоего вкуса он слишком мрачен: и тогда отправь его, если хочешь, моей сестре. —

Мой процесс против Шмайцнера, как я только что слышу, принял неожиданный оборот: отец Шмайцнер выступил поручителем, и в июне должны быть выплачены 5600 марок. Тогда я прежде всего хочу оплатить печать моего 4-го «З<аратустры». Он задуман как финал: прочти только однажды «Предисловие» первой части. Заглавие, которое я тебе сначала написал, было «уступкой» господам издателям, которые категорически не хотят издавать «четвертые части», если у них нет трех предыдущих.

Мои сердечнейшие приветы твоей милой жене и всем остальным в Базеле, кто ко мне расположен. (Особо замечу: я не посылал экземпляра ни Буркхардту, ни кому-либо еще в Базеле — умолчим, пожалуйста, о том факте, что существует 4-я часть).

Благодарно преданный
Твой друг Н.

Адрес тот же, что у Кёзелица:
Venezia, San Canciano calle nuova 5256.

600. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Venedig, 7. Mai 1885>

Моя милая, милая лама,

на самом деле всё кажется мне очень удивительным, например, то, что ты там так запросто, ни с того ни с сего, водишься с чужим мужчиной и даже хочешь отправиться в далекий-далекий мир. Я уже написал Овербеку по поводу дюреровского листа, который, конечно, кажется мне слишком мрачным; затем я хочу послать тебе также мой красочный персидский экземпляр моего «Заратустры», ты можешь поставить его в каком-нибудь американском девственном лесу как фетиш. Также я посылаю одновременно 2 экземпляра четвертой части, для тебя и господина доктора Фёрстера, с убедительной просьбой, чтобы об этой четвертой части везде умалчивалось, как будто ее не существует. — Если позже возникнет вопрос, что именно нужно взять с собой на новую родину: то я хотел бы иметь возможность приобрести что-то из самого необходимого, в качестве своего рода «свадебного подарка post festum». Дело Шмайцнера идет таким ходом, что я мог бы осмелиться даже делать подарки: прежде всего, придет мой печатник господин К. Г. Науман, который требует 284 марки 40 пфеннигов. Твои предложения на будущее звучат неплохо на моем резонансном фоне; за заботу, которая в них выражается, я не знаю, как и благодарить. Мое встречное замечание состоит в том, что, возможно, все заботы о моем будущем могли бы быть разом устранены. Я выношу жизнь до полудня, но едва ли после обеда и вечером; и мне даже кажется, что я сделал достаточно при неблагоприятных обстоятельствах, чтобы иметь возможность с честью убраться восвояси. — Затем я становлюсь слишком слеп, чтобы иметь право читать и писать, мне почти каждый день приходит в голову достаточно мыслей, чтобы немецкие профессора могли составить из них две толстые книги. Но у меня нет никого, для кого этот материал подошел бы. В нем так много недозволенного; это причиняет другим боль. Признаюсь, что я с удовольствием прочитал бы кое-где лекцию, вполне пристойно и благопристойно, как моралист и великий «воспитатель», который не лыком шит; но студенты такие глупые, профессора еще глупее! И где! В Йене? У меня теперь нет больше места, где мне было бы приятно, за исключением Венеции: только высокое содержание влажности в воздухе, 90 процентов, мучает меня. Ницца и Верхний Энгадин очень сухие. И тогда мне было бы лучше в Венеции, если бы мой дорогой друг К<ёзелиц>, великий музыкант, не был здесь. Он олух и неловок в общении; мне приходится слишком многое преодолевать, что противно моему вкусу. Конечно: его музыка — вещь первоклассная, моцартовского качества и просветления: мастер Рихард не может к этому прикоснуться. — Впрочем, меня трогает, что вы выбрали 22 мая: мне всегда кажется, будто ты, во всех возможных отношениях, обосновалась и укрепилась на том клочке земли, где я когда-то сидел раньше; все, что ты делаешь, для меня воспоминание, отзвук. Я сам — я убежал ужасно далеко и больше не имею никого, кому я хотел бы даже рассказать, куда. Только не думай, что мой сын Заратустра высказывает мои мнения. Он — одна из моих подготовок и промежуточных актов. — Прошу прощения!

Герсдорф приедет летом в Швейцарию со своей больной женой (туберкулез, между нами говоря). Ланцки недавно, к моему великому изумлению, прислал сюда большое благодарственное письмо: как совершенно преобразившийся человек — и я должен быть в этом виноват! Так что усилия этой зимы, возможно, были не такими уж напрасными, как другие усилия. — Старый голландец из Харлема прислал мне «послание с выражением почтения»: что после смерти Шопенгауэра я и т. д. — Люди не знают и не чуют достаточно, куда все идет со мной. Я опасный зверь и плохо подхожу для того, чтобы мне поклонялись.

Академическое общество в Базеле снова возобновило пенсию в 1000 франков на 3 года, точно так же мне снова присуждены 1000 франков из фонда Хойслера со стороны университетского регентства. Государственное пособие в 1000 франков заканчивается в этом году (не уже в июне), и вряд ли вероятно, что оно будет возобновлено. Таково «положение дел». —

Нашей дорогой матери я ответил сразу после получения прекрасной посылки; какие хорошие рубашки! Какой мед! Поблагодари ее еще раз от моего имени. — Я не знаю, куда я поеду этим летом. Глубокий лес был бы лучшим вариантом, но там должны быть жизнерадостные люди, перед которыми мне не нужно быть настороже. — Все, кто восторгается «эмансипацией женщины», медленно, медленно дошли до того, что я для них «злой зверь». В Цюрихе, среди студенток, большая ярость против меня. Наконец-то! — И как много таких «наконец-то» мне еще предстоит дождаться! — —

С любовью

Твой брат.

Я ужасно жил здесь, переехал, и теперь стало еще хуже. Никто не заботится о таких вещах. О Генуя! и Ницца!

Небеса! Мне ведь самому нужны три первых «Заратустры»! Поэтому, пожалуйста, пришли мне немедленно три тетради из запасов в Наумбурге. Ты получишь, как я уже сказал, мой экземпляр.

601. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

<Venedig, 9. Mai 1885>

Дорогой старый друг,

несколько дней назад я отправил тебе по почте экземпляр моего четвёртого и последнего «Заратустры»; теперь меня беспокоит мысль, что бандероль, возможно, была недостаточно прочной, а я ни за что не хотел бы, чтобы экземпляр этого ineditum попал в чужие руки и на глаза посторонним. Если книга до сих пор не пришла, пожалуйста, прими меры на почте. Посвящение тебе стоит на внешней стороне титульного листа, так что твой запрос должен иметь успех.

Второе, о чём я должен написать, — это совершенно неожиданный более благоприятный поворот в моём процессе против Шмайцнера. Вероятность того, что я примерно через два месяца получу свои деньги, действительно велика; отец Ш<meitzner>а зарегистрирован как поручитель и т. д. В сумме: из этого вытекает приятная возможность, что я смогу сам заплатить своему господину печатнику в Лейпциге: это остаётся довольно дорогостоящей шуткой, которую я вряд ли смогу позволить себе второй раз. Но как я счастлив теперь иметь в руках нечто, с помощью чего я могу по-своему оказать любезность тем людям, которые «заслужили» моё расположение! Напоследок я должен попросить тебя, мой дорогой старый друг Герсдорф, не говорить об этом ineditum. Овербек получит экземпляр, так же как и Кёзелиц — я попросил об этом же обоих.

Мне пришёл на ум прекрасный девиз из старой мистерии:

„adventabat asinus

pulcher et fortissimus.“

С сердечным приветом и самыми искренними пожеланиями твоей милой жене

Твой друг
Н.

Венеция, у моста Риальто.

(Мой адрес, однако, Venezia poste restante.)

601a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)

<Venedig, 20. Mai 1885>

Мой дорогой Лама, в день, который решает твою судьбу, и в который никто не может пожелать тебе больше счастья, процветания, добрых предзнаменований и мужества, чем я, — в этот день я должен подвести своего рода жизненный итог. [Я полагаю], что сейчас у тебя в голове и сердце прежде всего совсем другие вещи, нежели дело твоего брата: точно так же в порядке вещей, что ты всё больше и больше должна разделять образ мыслей своего мужа, который не является моим и который гораздо меньше совпадает с моим, чем ты [знаешь]. Беда в том, что до сих пор, с самого детства, я не нашел никого, с кем мог бы разделить ту же тяжесть на сердце и совести. Это вынуждает меня и сегодня, как и во все времена, как можно лучше, по сути, с очень плохим настроением, представляться среди любого из дозволенных сегодня сортов человечества. То, что человек может процветать только среди единомышленников, — мой догмат: то, что у меня их нет, — мое несчастье, и не зря я был так глубоко болен и до сих пор в среднем болен. Моя филология в Л<ейпциге> и Б<онне> была попыткой приспособления; мое сближение с В<агнером> было поспешностью, которая, однако, будет понятна каждому, кто знает муку одиночества: почти все мои человеческие отношения возникли сначала из отчаяния от таких чувств одиночества: Мальвида так же, как и Ре, Овербек так же, как и Кёзелиц и т. д., с которыми у меня на самом деле всегда есть лишь крошечный общий уголок.

Поэтому я вовсе не считаю себя скрытным, коварным и подозрительным характером: напротив, даже! Просто не в твоих силах объясниться, даже если ты очень хочешь этого. Нужно найти того, кому можно что-то сообщить. Штейн понравился мне потому, что он прямо признался мне, что еще ничего не понимает в моих подлинных мыслях; чувство, что здесь есть нечто очень чуждое и далекое, что слова в моих устах имеют иной смысл, чем в устах другого, — именно это, что в последнее время подтверждается мне с разных сторон, является еще самой тонкой степенью понимания, которую я до сих пор находил. Все, что я до сих пор написал, — это лишь передний план; для меня самого все всегда начинается только там, где начинаются мои тире.

То, что я раньше представлял себе под символом Диониса, то, что я теперь медленно подготавливаю устами моего З<аратустры>, — это вещи опаснейшего рода: то, что между делом я в популярной манере рекомендовал немцам Ш<опенгауэра> и В<агнера> и насмехался над современным образованием<>, относится целиком к моим передним планам, это было для меня отдыхом, но в то же время и укрытием, чтобы создать себе надежное убежище и время.

602. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Venezia 20 Mai 1885.

Моя дорогая Лама,

в день, который решает твою жизненную судьбу (и в который никто не может пожелать тебе больше счастья, процветания, добрых предзнаменований и бодрости духа, чем я) — в этот день я должен сам подвести своего рода жизненный итог. Отныне у тебя в голове и сердце будут совсем другие вещи, прежде всего и главным образом, нежели дела твоего брата, и так оно должно быть, это справедливо — и столь же естественно, что ты будешь все больше и больше разделять образ мыслей своего супруга: который совершенно не является моим, как бы я ни уважал и ни превозносил его. Но чтобы у тебя в будущем был своего рода ориентир, в какой мере суждение о твоем брате требует большой осторожности, а может быть, и снисходительности: я пишу тебе сегодня, в знак большой сердечности, в чем заключается тяжесть и трудность моего положения. Я до сих пор, с детских лет, никого не нашел, с кем мог бы разделить ту же нужду на сердце и совести. Это заставляет меня и сегодня, как и во все времена, представляться, насколько это возможно, и часто с очень плохим настроением, среди какого-нибудь из ныне дозволенных и понятных сортов человечества. Но то, что человек может процветать только среди единомышленников, одинаково стремящихся к одному и тому же, — это мой догмат (вплоть до питания и поддержания тела); то, что у меня никого нет, — мое несчастье. Мое университетское существование было затяжной попыткой приспособления к чуждой среде; мое сближение с Вагнером было тем же самым, только в противоположном направлении. Почти все мои человеческие отношения возникли из приступов чувства одиночества: Овербек, так же как Ре, Мальвида, так же как Кёзелиц — я был смехотворно счастлив, когда находил или полагал, что нашел с кем-то хоть какой-то общий клочок или уголок. Моя память перегружена тысячами постыдных воспоминаний относительно таких слабостей, в которых я абсолютно не мог больше выносить одиночества. Если прибавить к этому мою болезнь, которая всегда повергает меня в ужаснейшее уныние; я не зря был так тяжело болен и до сих пор в среднем болен — как я уже сказал, потому что мне не хватает правильной среды и я всегда должен играть некую комедию, вместо того чтобы отдыхать среди людей. — Поэтому я отнюдь не считаю себя скрытным, коварным или подозрительным человеком; напротив! Если бы я был таким, я бы не страдал так сильно! Но человек не властен открыться, даже если он очень хочет поделиться, а должен найти того, кому можно открыться. Чувство, что во мне есть что-то очень далекое и чуждое, что мои слова имеют другие оттенки, чем те же слова у других людей, что у меня много пестрого переднего плана, который вводит в заблуждение — именно это чувство, которое мне в последнее время подтверждают с разных сторон, все еще является тончайшей степенью «понимания», которую я до сих пор нашел. Все, что я до сих пор написал, — это передний план; для меня самого все всегда начинается только с тире. Это вещи опаснейшего рода, с которыми я имею дело; то, что я между делом в популярной манере то рекомендую немцам Шопенгауэра или Вагнера, то придумываю Заратустру, — это отдых для меня, но прежде всего также и укрытия, за которыми я могу некоторое время снова посидеть.

Поэтому не считай меня, моя дорогая Лама, сумасшедшим или нарочито плохим, и прости меня, в особенности, за то, что я не присутствую на твоем празднике: такой «болезненный» философ был бы плохим отцом невесты! С тысячей нежных пожеланий

Твой Ф.

603. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegramm).

<Venedig, 22. Mai 1885>

С сердечными пожеланиями благословения, ваш Фриц

603a. An Luise Röder-Wiederhold

Venedig den 28. Mai 1885.

Глубокоуважаемая госпожа,

вне всякого сомнения, я был недостаточно осведомлен о чем-то, когда осмелился сделать Вам свое предложение: – в противном случае мое письмо было бы чем-то совершенно непристойным.

Тем не менее, мне кажется, что выдающийся маэстро из-за этого «упущения» не заслуживает ни наказания, ни упрека. Он поступил очень по-человечески, по меньшей мере очень естественно: naturalia же, как знает даже простой народ, non sunt turpia.

Я есть и остаюсь, глубокоуважаемая госпожа, Ваш покорнейший слуга

Проф. д-р Ницше

604. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Venedig, Ende Mai 1885>

Моя дорогая добрая матушка,

я чувствовал себя всё это время не иначе, как и ты; всё это дело пронзило меня насквозь.

А так как у твоего сына слабое здоровье, то он, следовательно, всё время болел; эта весна — одна из самых меланхоличных в моей жизни. Мне здесь не хватает отвлечения и сочувствующих людей: к господину К<ёзелицу> я питаю самое теплое участие, но для общения со мной он не создан, и еще меньше — для того, чтобы позаботиться о полуслепом. В день свадьбы мне повезло, что одна базельская семья, знакомая мне еще по Ницце, взяла меня с собой на прогулку к Лидо; необходимость разговаривать с доброжелательными, получужими людьми стала для меня настоящим облегчением.

Возможно, всё, как оно вышло, — к лучшему; к тому же мы оба (я имею в виду доктора Фёрстера и себя) вели себя до сих пор достаточно прилично и с очень большим добрым намерением. Но дело опасное, и нам стоит быть начеку; на мой личный вкус, такой агитатор для близкого общения — нечто невозможное. У него самого, вероятно, такое же чувство: в последний раз он написал мне: «Сомневаюсь, оставит ли личная встреча перед нашим отъездом у нас обоих чувство постоянного удовлетворения». Ты понимаешь.

Я не понимаю, как сложится его будущее, а я лично слишком аристократичен, чтобы ставить себя на равную ногу в правовом и социальном отношении с 20 крестьянскими семьями, как он планирует в своей программе. В таких условиях тот, у кого самая сильная воля и кто умнее всех, получает перевес; именно к этим двум качествам немецкие ученые плохо подготовлены. Растительная пища, которой хочет доктор Ф<ёрстер>, делает такие натуры только еще более раздражительными и склонными к дурному настроению. Посмотрите хотя бы на «мясоедов» англичан: до сих пор это была раса, которая лучше всех основывала колонии. Флегма и ростбиф — вот до сих пор был рецепт для таких «предприятий».

Что будет со мной этим летом, я до сих пор не знаю. Вероятно, старый Зильс-Мария: хотя у меня от всех моих пребываний там остались ужасные воспоминания. Я всегда болел, не получал той пищи, которая мне необходима, невероятно скучал из-за нехватки зрения и людей — и всегда входил в сентябрь в своего рода отчаянии. В этот раз я пригласил одну пожилую даму из Цюриха приехать туда; ответа пока нет. Молодые дамы, по крайней мере всё, что растет вокруг Мальвиды фон Мейзенбуг, — не в моем вкусе; и я потерял желание искать развлечения среди этого полусумасшедшего народа. Я бы даже предпочел общение с немецкими профессорами: они, по крайней мере, все выучили что-то порядочное, и, следовательно, у них можно чему-то научиться.

С глазами с каждым днем всё хуже; и если никто не придет мне на помощь, к концу года я, вероятно, ослепну. На этом я закончу, мне вообще не следовало бы читать и писать: но невозможно выдержать, когда ты совсем один.

С прежней любовью
Твой сын.

NB. Меня всегда сердит, что мое глупое здоровье и твой Наумбург с домом никак не хотят ладить друг с другом. Для меня было бы немалым благом, если бы ты могла быть со мной.

Венеция (Италия) (до востребования)

605. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

Venedig, 5. Juni 1885

Только что, моя дорогая матушка, я получил Твое письмо: я читал его не без волнения. Мои глаза находятся в наихудшем и опаснейшем состоянии, сейчас абсолютно недозволительно писать, иначе я бы с радостью ответил Тебе, а также таутенбуржцам, о которых я часто и с теплотой думаю. Завтра отъезд в Зильс-Марию. Встречу в этом году я не хотел бы обещать, но многое должно сначала решиться, прежде чем я мог бы это пообещать.

С любовью
Твой Ф.

605a. An Heinrich Köselitz in in Venedig

(Sils-Maria, vermutlich Anfang Juni 1885)

Наконец, после долгого терпения, я всё же утомился от неудобств моего пребывания в Венеции: в самом деле, я нашёл там всё иначе, чем мне хотелось бы, — за исключением Вашей музыки.

606. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria Freitag.<26. Juni 1885>

Моя дорогая матушка,

Твое письмо с множеством милых вещиц доставило мне огромное удовольствие; оно дало мне хорошее представление о самочувствии и новой жизни нашей Лизбет. Тем временем я сам написал пару слов ей и её супругу; надеюсь, это было принято благосклонно — признаюсь, мне трудно смириться с этим фактом замужества и эмиграции. В последнее время я удивляюсь не только этому случаю, но почти всему, что люди делают в настоящее время, и не в состоянии сказать на это ни «да», ни «нет». Пусть они «лучше знают», что для них хорошо! — Это лето пока что самое жаркое, какое только помнят в Энгадине: что заставляет меня опасаться за ваше благополучие на равнинах. Я больше не переношу жару, после того как годами приучал себя почти ко всем временам года к своего рода мягкой зиме. Зильс-Мария, возможно, в последний раз является моим местом пребывания: мне не хватает тени, а в доме нет всего того, что я люблю: высокой комнаты, удобного кресла, света без прямых солнечных лучей, а также без отраженного света белых стен домов: — у меня есть полная противоположность всему, что мне нужно. С желудком дело обстоит немного лучше, с тех пор как я принимаю в пищу только нежное мясо и рисовую кашу на молоке, и я надеюсь с этой диетой продвинуться дальше. Очень хорошо на меня до сих пор влияла близость замечательной пожилой дамы, фрау Рёдер-Видерхольд из Цюриха; до сих пор я почти каждый день диктовал ей по 3 часа. Но её время скоро истечет, и тогда я снова буду предоставлен самому себе. С глазами я поступаю так же, как ты мне советуешь. Впрочем, у меня была большая общая консультация по поводу моего здоровья со старым врачом и другом известного доктора Швенингера из Мюнхена (который, как ты знаешь, является врачом Бисмарка). Его проницательность после полуторадневного пребывания со мной была для меня неожиданной; однако его предложения по лечению (с отказом от всех лекарств) не оправдали себя. Что касается питания, он прямо-таки запретил мне именно то, что я, на основании долгих наблюдений, теперь сам себе запрещаю (и без того, чтобы он имел об этом хоть малейшее представление), а именно: картофель, капусту, цветную капусту, уксус, горчицу, перец, черный хлеб, лук, соусы, все супы, колбасы, сыр, все ликеры и крепкие алкогольные напитки. В сущности, меня очень просто кормить: только вот не в Германии, где не умеют жарить мне мясо на решетке. Яйца, рис, манная крупа, молоко и т. д., а прежде всего — хорошее мясо.

Прошу прощения за эти подробности. — Пока что я не думаю, что смогу обойтись без Ниццы, это единственное место, которое так стимулирует мой обмен веществ, что я чувствую себя свободным в голове; обратное происходит в местах с влажным воздухом и большим количеством облаков. Поэтому Германия в целом, и наш Наумбург в частности, мне не подходят. Ницца и Верхний Энгадин, пожалуй, самые стимулирующие климаты во всей Европе, благодаря сухому воздуху. Почему мой организм так вял, что работает всегда только с величайшим трудом? В Венеции я в последнее время не мог доесть (переварить) даже самую легкую трапезу. С другой стороны, такому мозгу, как мой, требуется очень сильное питание: — и я годами страдал от недостаточного питания, потому что неблагоприятный климат (как в Базеле) усиливал трудности. Сердечные приветы и пожелания тебе и твоим «близким»!

Твой Ф.

Пожалуйста, немного меда! На самом деле это теперь часть традиции моего пребывания здесь. И пару желтых лайковых перчаток, таких, как я люблю!

Я жду старую русскую госпожу Мансурову, а также моих двух англичанок. Генерал Симон с дочерью находятся недалеко от Санкт-Морица.

Пожалуйста, что-нибудь милое для маленькой Адриенны!

607. An Resa von Schirnhofer in Paris

Sils-Maria im Oberengadin. Juni 1885.

Милостивая государыня,

Вы снова доставили мне своим письмом приятный сюрприз, это было почти как визит в Зильс-Марию. В сущности, Вы сами, возможно, чувствовали бы себя здесь, наверху, сейчас лучше, чем на жарких равнинах и в городах; и если бы Вы решили почтить старого отшельника здесь, наверху, согласно прекрасному прецеденту 1884 года, визитом, выходящим за рамки переписки, то он обещает Вам, что будет в лучшем настроении и здравии, чем в прошлом году. Пока что у меня в доме гостит замечательная фрау Рёдер-Видерхольд; она «ангельски» терпит и сносит мой ужасный «антидемократизм» — ибо я ежедневно диктую ей по несколько часов свои мысли о милых европейцах сегодняшнего и — завтрашнего дня; — но, боюсь, в конце концов она всё же «выйдет из себя» и уедет из Зильс-Марии, будучи крещенной, как она есть, кровью 1848 года. — Также всё обстоит совсем плохо с моими взглядами на «женщину как таковую». Довольно, я подозреваю, что никто больше долго не выдержит рядом со мной. Хотя было бы много причин желать мне «хорошего общества». Ах, кто знает мои «семь одиночеств»! —

Жаль, что Вы не знакомы с Полем Бурже! Я полагаю, это был бы тонкий индикатор всего, что сейчас во Франции еще «тонко». Я читал: готовится к печати nouveaux essais de psychologie contemporaine Поля Бурже. Париж, Альфонс Лемер, издатель, 27—31 Пассаж Шуазель. Вы бы осчастливили меня, если бы сообщили, вышли ли они.

Скажите нашей почтенной Мальвиде что-нибудь в пользу Вашего отшельника: мне кажется, что я этой зимой однажды на неё ворчал. Также желаю быть наилучшим образом рекомендованным выдающейся подруге Ваших студенческих лет в Цюрихе, фрейлейн Вильденов.

С глубочайшим почтением
Ваш Н.

А как же докторская диссертация? Какая тема? —

Ваше поведение по отношению к фрейлейн Сал<ис> превосходно.

— «Федру» читали? Нет. — Моно наилучшие пожелания.

608. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria Oberengadin 2 Juli 1885.

Дорогой друг,

тем временем я услышал о Вас от фрау Рёдер вещи, по поводу которых хотел бы выразить Вам свои поздравления. Мысль о Вене, как Вы знаете, является для меня в отношении Вашей музыки подлинным «разумным основанием» — in hoc signo vinces, это и по сей день моя вера. Как глупо, что я, бесполезный человек, не могу даже послужить тем, чтобы хоть немного навести мост между Венецией и Веной!

Сообщите мне что-нибудь о Вашей новой музыке, а также о том, как сложился финал Sinfonia ungherese. И в какое время года Вы намереваетесь отправить свой корабль в плавание. Всё меня так глубоко затрагивает, — я хотел бы, чтобы у меня было еще несколько человек, чьи дела и поступки волновали бы меня так же сильно, как Ваши дела и поступки. Последнее я говорю ironice: да благословит Вас небо за то, что Вы благоразумно остаетесь на своем пути и не слишком прислушиваетесь к чужим советам.

Ваша замечательная фрау Рёдер удивительно старается помочь мне преодолеть трудности моей слишком уединенной жизни. Но я полагаю, что она слишком сильно «окрещена кровью 48-го года», чтобы в отношении меня она могла сделать что-то большее, чем «делать хорошую мину при плохой игре». В главном это может быть «плохая игра»; ну что ж, на следующей неделе она будет от этого избавлена. Вы — самый любимый предмет наших бесед; и, что бы Вы ни думали, Ваша цюрихская зима подарила Вам очень преданную и внимательную подругу.

Моя компания с прошлого лета снова здесь и расположена ко мне больше, чем когда-либо: обе англичанки, которые доставляют мне удовольствие от изысканных форм жизни, и старая русская придворная дама (и ученица Шопена): еще в прошлом месяце она сочинила фугу, которая «не терпит шуток».

— Прошлая ночь у моста Риальто принесла мне еще музыку, которая тронула меня до слез, невероятное старомодное адажио, как будто до него еще вовсе не было никакого адажио.

С тысячью добрых пожеланий

Ваш друг Н.

Я также ожидаю из Парижа фрейлейн фон Ширнхофер.

609. An Franz Overbeck in Basel

(2. Juli) Sils-Maria, Oberengadin. <1885>

Дорогой старый друг Овербек,

меня беспокоит, что я ничего не слышу от тебя; и, по крайней мере, мне хочется надеяться, что твое здоровье не имеет никакого отношения к этому молчанию — хотя жара этого года, а также воспоминание о скверном, парализующем воздухе Базеля, каким я его снова узнал в прошлом июне, наводят меня на тревожные мысли и в этом отношении. Когда я прибыл сюда наверх, одним из моих первых дел было поискать твоего «Тейхмюллера»; к сожалению, он оказался absens — откуда следует, что он застрял в книжном ящике в Ницце: о чем я, к моему большому сожалению, тебе и сообщаю. Зато у меня здесь есть Майнлендер из твоего книжного сокровища. Огромное спасибо еще раз за пересылку Дюрера моим родным: меня так сильно за него благодарили, что я должен полагать, будто вышел далеко за рамки понятия «свадебный подарок». Но пусть будущее молодой пары сложится более утешительно и обнадеживающе, чем это дает понять данная жуткая картина! Между нами говоря, у меня на сердце много тревог — хотя, конечно, и несколько странных желаний, особенно что касается этого нового мира в Парагвае. В один миг Европа может стать для меня невозможной; и смотри-ка, быть может, там, вдали, найдется ветка и для такой перелетной птицы, как я. (Как написано: «так вишу я на кривой ветке» и т. д.)

Здесь, наверху, у меня снова та же, очень расположенная ко мне компания, что и в прошлом году; две живущие в Женеве утонченные англичанки и та пожилая дама при русском дворе, о которой я писал, что она одна из ближайших учениц Шопена: — ее отношение к музыке — это не шутки, еще в прошлом месяце она сочинила основательную строгую фугу. Теперь в моей компании есть немецкая дама из Майнингена, которая приехала сюда по моему письменному приглашению и с большой добротой помогает мне, читая вслух и записывая под диктовку: к сожалению, на следующей неделе ее время истекает. Что касается глаз, то мое состояние сейчас мало отличается от состояния Дюринга; это внезапное, стремительно быстрое исчезновение зрения, начавшееся с прошлого лета и продолжающееся до сих пор, относится к вещам, причин которых я не знаю. Йодная мазь, которую прописал Шисс, была неэффективна. — Я диктовал почти каждый день по 2—3 часа, но моя «философия», если я имею право так называть то, что терзает меня до самых корней моего существа, больше не подлежит сообщению, по крайней мере, через печать. Порой я тоскую о том, чтобы провести тайную конференцию с тобой и Якобом Буркхардтом, больше для того, чтобы спросить, как вы справляетесь с этой нуждой, чем для того, чтобы рассказывать вам новости. Время, в остальном, безгранично поверхностно; и мне часто бывает стыдно, что я уже столько сказал publice, что ни в какое время, даже в гораздо более ценные и глубокие времена, не должно было предназначаться для «publicum». Человек просто портит себе вкус и инстинкты посреди «свободы печати и наглости» века; и я противопоставляю себе образ Данте и Спинозы, которые лучше понимали толк в участи одиночества. Конечно, их образ мыслей, по сравнению с моим, был таким, который позволял вынести одиночество; и, в конце концов, для всех тех, у кого был «Бог» в качестве компании, еще не существовало того, что я знаю как «одиночество». Моя жизнь сейчас состоит в желании, чтобы со всеми вещами обстояло иначе, чем я их воспринимаю; и чтобы кто-нибудь сделал мои «истины» неправдоподобными. — —

От матери я получил тревожное сообщение, что Шмейцнер до сих пор не заплатил: было бы ужасно, если бы процесс продолжился, или если бы пришлось ходатайствовать о принудительной продаже с аукциона и т. д. Июнь был установленным сроком платежа. Мой дядя, который взял на себя все это дело, лежит при смерти.

Пожалуйста, пришли мне снова 500 франков сюда наверх. Сердечно рекомендуя себя твоей превосходной жене, в старой любви твой

Ф. Н.

610. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 4. Juli 1885>

Дорогой друг,

классический пример перекрещивающихся писем: две почты должны были встретиться в часе пути от Зильса. Надеюсь, что мое письмо содержит ответы на все твои вопросы. — О «здоровье» я ничего не писал, кроме глаз; сообщать совершенно нечего, и часто мне начинает не хватать терпения для вечного «нужно набраться терпения». Венеция в целом была для меня мучением; результат — много меланхолии и недоверия ко всему предпринятому. Здесь, наверху, дела идут немного лучше. Диета для больных, в основном молоко. От Герсдорфа никаких известий.

Желая твоей дорогой жене выздоровления и избавления от базельских невзгод «как можно скорее», твой старый друг

Н.

611. An Elisabeth Förster in Tautenburg

Sils-Maria 5. Juli 1885. (Montag.)

Моя дорогая Лама

наконец, у меня остается привилегия называть тебя так, ибо я слышал, что твой супруг обращается к тебе иначе (впрочем, тоже по-древнееврейски, что меня, в случае со старым антисемитом, удивляет: Эли означает «мой Бог», а в данном частном случае, вероятно, «моя богиня!»). Довольно, я от всего сердца желаю, чтобы люди и впредь называли тебя красивыми именами, будь то по-немецки, по-древнееврейски или по-парагвайски: а также «да будет тебе благо, и да будешь ты долголетен на земле»: ведь все, кто до сих пор был мне известен как колонисты в Южной Америке (я жил в Рапалло и Санта-Маргерите среди таких), разбогатели там и переправили через море в «сухое место», то есть на свою старую генуэзскую родину, не просто «овечку», а целую добротную овцу. После этих весьма мирских пожеланий у меня осталось еще достаточно земных, даже вполне личных и братских: но — многое уже не идет у меня с языка, не говоря уже о том, чтобы ложиться на бумагу из-под этого проклятого скрипучего пера. Каждое написанное слово многозначно, двусмысленно, нуждается в комментарии взглядами и рукопожатиями. Сколько глупостей совершаешь, когда пишешь то, чего желаешь! Сколько глупых писем я уже написал! Да здравствует мудрость моих глаз, которая все больше превращает меня из пишущего существа в молчащее! —

Завтра фрау Рёдер уезжает, и я снова остаюсь один в этой жалкой лачуге, которая так противна моему вкусу, к сожалению, и моему здоровью. Возможно, цюрихские девушки, которых ты знаешь, немного поднимутся к отшельнику, а именно фройляйн Вильденов и фройляйн Блум. Кстати, в кругах студенток я слыву «злым зверем» — кажется, некий намек на шумный и сплетничающий инструмент подействовал просто очаровательно! Если ты, кстати, все же соберешься в Мюнхен, посмотри на двух живущих там девушек, о которых с восхищением отзывается достопочтенная фрау Рёдер: фройляйн фон Ранцау и фройляйн фон Альтен — они живут вместе. (Напротив, неприязнь к фройляйн фон Салис повсюду очень сильна, как ни странно, не только у фрау Р<ёдер>, но и у Кёзелица и фройляйн фон Ширнхофер, — мне самому она была вовсе не так антипатична, прежде всего потому, что она высоко ценит хорошие манеры и, пусть и несколько по-швейцарски чопорно, сама их практикует: то, что в наш век черни и крестьянства для меня важнее, чем «добродетель», «дух» и «красота».) Одна очень страдающая пожилая англичанка, о которой я, вероятно, уже рассказывал осенью, доставляет мне удовольствие в этом отношении; и если ты обнаружишь еще какое-нибудь чудо-существо с изяществом духа и манер, моя дорогая сестра, сообщи мне: у твоего брата осталось мало вещей, которые еще доставляют ему удовольствие.

Как обстоят дела со Шмайцнером? Само собой разумеется, что как только его деньги «зазвенят в кассе», они должны прыгнуть к каждому, кто хочет получить от них хоть что-то: скажи это, пожалуйста, прямо нашей дорогой матери! — И как дела у дяди Бернхарда? — За обещания на последней открытке моя искренняя благодарность! — Со здоровьем дело не движется с места, хотя мне говорят, что я выгляжу лучше, чем 4 недели назад. Молочная диета. Передавай мой самый сердечный привет моему господину зятю, и, если вы любите друг друга, приберегите для меня хоть крошечный уголок в своих сердцах!

С любовью, твой Фриц.

611a. An Louise Röder-Wiederhold

Sils-Maria, 12. Juli 1885.

Глубокоуважаемая госпожа,

как приятно, что даже на сороковом году жизни можно, неожиданно и незаслуженно, обрести новых «тётушек»! —

Едва вы уехали, как я позволил себе заболеть, причём заболеть по-настоящему (с неистовыми головными болями и рвотой день и ночь), так что, в буквальном смысле слова, лишь сегодня утром — в воскресенье — я снова способен взять в руки перо; вчера я впервые встал с постели. Взять в руки перо — но ещё не мысли! Однако знак от меня и выражение моих сердечных чувств к вам должны отправиться по почте ещё сегодня утром, хотя бы для того, чтобы вы не подумали, будто я подражаю цюрихским студенткам: в самом деле, тем временем ничего письменного от вас не поступало. Весь мир молчит: поверьте мне, жара «перекрывает вены всех обязанностей», если выразиться медицинским сравнением. Мой издатель, например, позволил июню пройти, не заплатив: надеюсь, наконец наступит прохладная погода, а с ней появятся «долг» и «деньги». Также и курский портной не сдержал данного вам обещания; впрочем, пришла извинительная открытка. Письменные принадлежности мне нравятся; и в общем, тётушка в Куре доставила себе много хлопот! —

Фрейлейн фон Ширнхофер передаёт вам свои приветы, она отправляется к Атлантическому океану, чтобы отдохнуть. Равным образом шлёт вам самый любезный привет наш маэстро в Вене: в письме, которое повествовало о сплошь неудачных вещах и в конце выражало весьма энергичное решение — в одной из столиц Европы добиться того, чтобы его дело выслушали. Осенью он хочет в Берлин. Ему из Вены предложили рекомендацию в Карлсруэский театр (и Моттлю), однако он, по-видимому, предубеждён против Карлсруэ (он не ответил на венское письмо (тот же самый советовал отказаться от Вены)). Странным образом Карлсруэ снова рассматривалось на днях: мне рекомендуют издателя: Г. Ройтера (Карлсруэ и Лейпциг) со словами: «смелое, порядочное, дееспособное издательство». Можете ли вы что-нибудь добавить к этим словам? —

Больше мне писать нельзя. Расскажите мне о Вольфсбурге; также во мне вновь всплыло старое желание посетить Хоэншвангау.

Сохраните добрую память об этом лете и о том сумасбродном человеке, который так неожиданно встретился вам на пути — — —

Весьма признательный, весьма преданный

Ницше.

612. An Franz Overbeck in Basel

<Sils-Maria, 13. Juli 1885>

Мой дорогой друг,

деньги у меня в руках: сколько же хлопот я тебе доставил! — Я только что поднялся после очень тяжелого приступа, который отнял почти всю прошлую неделю. — Требовать от себя таких вещей, как это делаю я, — и при таком здоровье! И все же за последние 10 лет я кое-чего добился.

— Письмо от Кёзелица, которое я непременно должен тебе показать, потому что мне нужен твой совет, совершенно выбило меня из колеи. Что ничего нельзя поделать! Или что я еще мог бы сделать? Я слишком хорошо знаю, что личным путем можно достичь всего, но что без «связей» и деятельных друзей лучший художник обречен на провал: именно редкость и необычность его работы стоят у него на пути! —

За 4 года К<ёзелиц> не встречал извне ничего, кроме отказов и унижений: за исключением небольшого цюрихского эпизода. (Странно, что та самая газета доктора Курти, которая когда-то умела принимать мои политические взгляды, высказала о «Львиной увертюре» глубокие, тонкие и принципиальные вещи, которые звучали как пророчества: и никто не знает, кто автор!)

Наконец К<ёзелиц> делает то, что весной казалось мне наиболее разумным: он обращается к Рису. Но мне кажется, он делает это так, чтобы вынудить сплошь отрицательные ответы! — —

Моя «компаньонка» уехала неделю назад. Я продиктовал ей нечто, что можно было бы назвать примерно пятым «Несвоевременным размышлением». Впрочем, это было скорее для того, чтобы мне стало легче дышать.

Если бы ты увидел меня сидящим среди моих книг! И каких книг! На самом деле я только в последние 10 лет приобрел знания; из филологии я, по сути, усвоил только методы (ибо ужасный антикварный хлам мне пришлось снова убрать, своего рода «вычистить»). Но теперь глаза снова самым решительным образом говорят, что собирание знаний, насколько оно зависит от книг, свое отжило. Обдумывание принципиальных проблем, которое невольно составляет содержание моих летних месяцев в горах Энгадина, снова и снова приводит меня, несмотря на самые дерзкие нападки со стороны моего внутреннего «скептика», к одним и тем же решениям: они уже стоят, как можно более скрытые и затемненные, в моем «Рождении трагедии», и все, что я узнал с тех пор, вросло в них и стало их частью.

Впрочем, это мое последнее лето в Зильсе. Глаза командуют и здесь, я больше не выношу этой яркости. Во всех остальных отношениях я живу здесь наверху как аскет, у которого все вокруг устроено именно так, как ему наиболее неприятно: если не считать природы и полезного сухого воздуха.

Твой друг и отшельник
Н.

— Где вы будете летом, прежде чем ты поедешь в Дрезден?

613. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria Oberengadin 23 Juli 1885.

Дорогой друг,

я готов был побиться об заклад, что на свое письмо с «криком о помощи» вы ответите именно таким образом, как это произошло сегодня в вашей открытке, — к моей великой радости, должен признаться. По собственному опыту переписки я слишком хорошо знаю этот феномен: совершаешь глупость, а сверх того и бестактность, когда, будучи адресатом письма, поспешным выражением сочувствия вторгаешься в этот естественный процесс «разрядки» (восстановления личной суверенности). Ecco! Сказано как педант! — но прочувствовано как другом, поверьте мне! —

Вчера я записывал для собственного укрепления на однажды выбранном жизненном пути множество черт, по которым я вынюхиваю «благородство» или «аристократизм» в людях, — и, наоборот, всё то, что относится к «черни» в нас самих (Во всех моих болезненных состояниях я с ужасом чувствую своего рода тягу к плебейским слабостям, плебейской мягкости, даже к плебейским добродетелям — понимаете ли вы это? О, вы, здоровый человек!). Благородно, например, сохранение легкомысленного вида, которым маскируется стоическая твердость и самообладание. Благородна медлительность во всем, в том числе и медленный взгляд. Мы с трудом поддаемся восхищению. Ценных вещей не так уж много; и они приходят сами собой и хотят к нам. Благородно уклонение от мелких почестей и недоверие к тому, кто легко расточает похвалы. Благородно сомнение в сообщаемости сердца; одиночество, не как избранное, а как данное; убеждение, что обязанности есть только по отношению к равным себе, а с остальными поступаешь по своему усмотрению; что всегда чувствуешь себя тем, кто раздает почести, и редко признаешь за кем-то право распределять почести непосредственно для нас; что живешь почти всегда в маске, путешествуешь, так сказать, инкогнито, — чтобы сберечь много стыда; что способен к otium, а не только прилежен, как куры: — кудахтать, нести яйца и снова кудахтать и так далее. И так далее! старый друг, я утомляю ваше терпение, но вы, конечно, догадываетесь, что мне нравится в вашей жизни и доставляет радость, и что я желал бы видеть подчеркнутым всё сильнее.

Мысль, которую вы высказываете по поводу господина Видемана, мне очень приятна: пришлите экземпляр так, чтобы из него была видна и моя теплая симпатия к нему — как своего рода поздравление с завершением его труда. Я не знаком с ним: то, что вы намекаете о «состояниях равновесия» и «неуничтожимости силы», также относится к моим символам веры. Однако против нас Дюринг: случайно я нахожу именно эту прекрасную фразу: «исходное состояние Вселенной или, выражаясь яснее, бытие материи, лишенное изменений и не заключающее в себе никакой временной аккумуляции различий, — это вопрос, который может отвергнуть лишь тот разум, который видит вершину мудрости в самооскоплении своей творческой силы». Этот берлинский «машинист» считает нас, мой дорогой друг, castrati: по крайней мере, я надеюсь, что мы имеем своего рода компенсацию за указанный недостаток в том, что мы — «поем красивее», чем господин Дюринг. Я едва ли знаю более отвратительную манеру тона, чем у него. — То, что я считаю «конечное», т. е. определенно оформленное пространство, неизбежным в смысле механистического толкования мира и что невозможность состояния равновесия, по-видимому, связана у меня с вопросом о том, как оформлено совокупное пространство — конечно, не шарообразно! — это я вам уже рассказывал устно. —

Мое здоровье пугающе нестабильно; какая-то кардинальная опасность. Фрау Рёдер уехала полмесяца назад, bene merita! Но, между нами, она мне не подходит, я не желаю повторения. Всё, что я ей диктовал, не имеет ценности; к тому же она плакала чаще, чем мне хотелось бы. Она неустойчива; женщины все до единой не понимают, что личное malheur не является аргументом и уж тем более не может служить основой для философского рассмотрения всех вещей. Но самое худшее: у нее нет манер, и она болтает ногами. Тем не менее: она помогла мне пережить тяжелый месяц с самыми лучшими намерениями. — Жарко, невыносимо жарко и здесь. Ваш друг

Н.

Я полагал, что мой четвертый З<аратустра> сопротивлялся вам? В самом деле, он труднодоступен с его отдаленными состояниями и «сторонами света»: которые, однако, существуют и не являются лишь произвольными. Сказано для вас, как для моего «единственного».

613a. An Louise Röder-Wiederhold

<Sils-Maria, 27. Juli 1885>

Уважаемая госпожа

нет! я отнюдь не желаю нарушать «идиллии» и писал вовсе не как Иов, напротив, в добром расположении духа и вне всякой портновской и одежной нужды, напротив, в белом, как и подобает при такой великолепной, достойной Ниццы погоде (и именно в этом цвете я богато — втройне! — экипирован: это один из моих видов роскоши)

Когда я буду проездом в Куре, этот крестьянский предмет одежды, который дал мне столько поводов посмеяться, будет подвергнут ревизии. В конце концов, судьба зимы еще не решена. Возможно, подобные ткани мне еще понадобятся; и вы дали мне этим «знак судьбы» —)

Есть еще небольшой долг, который нужно погасить. Как только я пересеку немецкую границу, я пришлю вам то, что вы любезно заплатили за меня.

Из Венеции — смелая и жизнерадостная открытка: хотя в обстоятельствах ничего не изменилось.

Сердечно благодарный, Ваш

Н.

614. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg

<Sils-Maria, 29. Juli 1885>

Мои дорогие,

какую же радость вы доставили мне этой маленькой посылкой! По правде говоря, я целый час после этого был болен, так что мне пришлось сочинить стишок:

«нет ничего мне тяжелее переносить,
чем что-то хорошее среди сплошных плохих дней».»

Я так часто ходил на почту, всегда с тайной надеждой, что там что-то есть для меня, со всякой всячиной внутри, и кое-чем неожиданным, как я люблю, может быть, даже чем-то вкусненьким, что внесло бы разнообразие в ужасающую монотонность риса, говядины, чая и молока, и особенно что-то милое для la petite Adrienne, которая становится хорошенькой и теперь ходит в школу (я думаю, что я в последний раз в доме этих замечательных людей). И вот, всё исполнилось наилучшим образом! Примите тысячу благодарностей! Что касается книги господина В<идемана>, то я, собственно, не знаю, мне ли она адресована или Ламе; я уже через господина Кёзелица выразил ему свои поздравления по случаю её завершения.

Видеман выступает фундаментально против Канта и Шопенгауэра: я с изумлением наблюдаю, как быстро сейчас сменяются философские системы. Среди настоящих мыслителей сегодня больше нет последователей Шопенгауэра и лишь очень немногие кантианцы. Точка зрения Видемана, которая в основе своей совпадает с точкой зрения Ойгена Дюринга (хотя он и отстаивает свою независимость), для меня уже сдана в архив: как и пять других, появления которых я ожидаю в ближайшие 20 лет. Я с грустью вижу, что пока ничего и никто не предвещает мне того, кто взял бы на себя часть моей работы. По-видимому, здесь, у В<идемана>, дело обстоит иначе: ведь его книга заканчивается полностью мыслями о Заратустре, и на последней странице Дюринг и я появляемся в полном блеске и славе. Жаль, что вы не разрезали страницы, где говорится о моем «глубокомысленном евангелии» и «моей классической формулировке высшего идеала человеческих стремлений». —

Гоп-ля! Поговорим о чем-нибудь более разумном! Лама недавно написала мне такое трогательное письмо: прошу вас, погладьте её за это от моего имени. В конце концов, мысль о встрече в Баден-Бадене неплоха, только при этом мое желание снова увидеть нашу дорогую матушку оказывается в затруднении. —

Что с выплатой Шмайцнера? От этого, собственно, зависит моя способность распоряжаться средствами на осень и зиму.

Я также хотел бы сделать что-то для постановки оперы К<ёзелица>, устно и лично: ведь если я ничего не сделаю, никто ничего не сделает. Он писал в отчаянии, за 3 года он не испытал ничего, кроме отказов и унижений.

Я уже около 3 недель снова один. И рад этому. Ни один новый человек больше не пускает у меня корни, а «старые люди» все для меня засохли. Плохо! Я также придерживаюсь мнения, что нет ничего лучше хороших семейных отношений.

Каждые 3 дня болен. С глазами совсем плохо. Но чего только не выдержит такой, как я?

Сердечно приветствую вас
Ваш Фр.

615. An Elisabeth Förster in Naumburg

<Sils-Maria, Ende Juli 1885>

Моя дорогая Лама,

Твое доброе, сердечное письмо пришло на день позже: так что моя благодарность за твой ящик истекла на день раньше. Радость маленькой Адриенны была неописуемой. За Cubaba — прекраснейшее спасибо, он напомнил мне своего рода пирог из каштанов, который делают в Генуе, но он более тонкий на вкус. Уже три дня у нас воздух, небо и ветер, как зимой в Ницце, свежо; все говорят мне, что я выгляжу гораздо лучше. Я снова смелее думаю о будущем: и странно, принимая во внимание те огромные вещи, на которые жаловался твой глупый брат, мужество для меня всегда означает также: добрая воля к одиночеству и скрытности, и отказ от любого устройства, к которому могла бы склонить меня моя частая болезнь. Если в последние годы я здесь и там вздыхал о «учениках», то это всегда было следствием болезненного уныния; в хорошие дни я совершенно ясно знаю, что лучше делать свои главные дела тихо, для себя — и что я должен воспринимать свое общение с людьми исключительно как лечение и случайное лекарство, прежде всего как отдых. Но как только я снова прихожу в себя, я знаю, почему мне нужна величайшая независимость и одиночество — в первую, во вторую и в третью очередь. — Вот как раз пришло письмо от Ланцки: он всерьез заботится о моих личных и телесных нуждах и, с другой стороны, не подходит на роль «ученика», он сам это знает — но подходит на роль своего рода эконома и хозяйственника вокруг меня. Прочти внимательно, моя дорогая сестра, что он говорит. Я и сам на днях поверил, что мне не обойтись без Ривьеры: ускорение «обмена веществ», как говорят физиологи, вызванное сухим воздухом (как в Северной Америке и Ницце), для меня, поскольку у меня самый скучный кишечник в мире (к тому же испорченный десятилетиями медицинского отравления), — дело первостепенной важности. Сен-Жан подходит для всех времен года; я хотел бы стать «отшельником из Сен-Жана». Жить и работать на свежем воздухе — вот моя задача. Молоко, рис, мясо, никаких отелей. И мед: — о, как он снова хорош!

Пожалуйста, дай прочесть это письмо и твоему супругу! И любите меня!

Ф.

616. An Paul Heinrich Widemann in Dresden

Sils-Maria, Oberengadin, Schweiz. <31. Juli 1885>

Вы оказали мне, мой дорогой друг, немалую честь своим письмом и присылкой вашего труда — не говоря уже о его последней странице, где вы торжественно и празднично вынесли моему сыну Заратустре первую публичную оценку: — Этого вам никогда не забыть! В тот день, вечером которого ваша книга попала мне в руки, а именно позавчера, — я утром отправил в Венецию распоряжение, чтобы вам незамедлительно был выслан четвертый том Z<arathustra> (неизданный и подлежащий сохранению в тайне дерзкий «финал» моей симфонии). Вы видите, что мое желание как-то выразить вам радость по поводу вашего труда как свершенного, даже не взяло себе времени дождаться его прибытия. Сегодня моя радость по поводу этого поступка, — совершенно необычайного поступка, как мне кажется, — находит свое первое предварительное слово. Впечатление очень хорошо согласуется со всем тем, что я недавно слышал о вас от господина Шмайцнера во время его последнего визита в Наумбург: — он говорил о вашем спокойствии и самоограничении в рамках великой задачи, о вашей самокритике, о вашей энергии и силе воли при некрепком здоровье. Именно такие качества сегодня становятся редкими и делают каждого, кто ими обладает, чем-то редким, возможно, странным, по поводу чего зрители и друзья могут желать, надеяться, опасаться, беспокоиться. Но для всего этого, по крайней мере для меня, еще не пришло время: здесь право имеет лишь одно слово — благодарность, мой глубокоуважаемый господин и друг, огромная благодарность! —

Напоследок замечу еще, что я уже сделал себя недостойным обещанного переплетенного экземпляра, поскольку поля непереплетенного уже многократно исписаны и испещрены пометками. Так что воздержитесь от этой присылки: тем более что я вовсе не хотел бы давать повод к тому, чтобы проницательный д-р Пауль Ре («Штиббе близ Тюца, Западная Пруссия») лишился удовольствия и чести вашего знакомства.

— Итак, как позволительно сказать согласно словам вашего письма,

до свидания!
Ваш
преданнейший
проф. д-р Фридрих Ницше

617. An Unbekannt (Entwurf)

<Vermutlich: Sils-Maria, August 1885>

Я сам в 100 раз радикальнее, чем В<agner> или Ш<openhauer>, и всё же они остаются моими глубоко почитаемыми учителями: каким образом — — —: хотя мне уже сейчас для моего отдыха и восстановления сил нужна совсем иная музыка, нежели музыка В<agner>’а, и при чтении Ш(openhauer)’а я теперь скучаю или прихожу в досаду. В них слишком много ложного и поверхностного.

М<ои> «Несвоевременные размышления» означают для меня обещания: что они значат для других, я не знаю. Поверьте, я бы уже давно не жил, если бы хоть на шаг отступил от этих обещаний! Возможно, ещё появится человек, который обнаружит, что начиная с «Ч<еловеческого,> с<лишком> ч<еловеческого»> я не делал ничего, кроме как исполнял свои обещания. То, что я, конечно, называю теперь истиной, есть нечто совершенно ужасное и отталкивающее: и мне нужно много искусства, чтобы постепенно убедить л<юдей> в необходимости полного переворота их высших оценок.

618. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 1. August 1885>

Дорогой друг,

простите за повторную просьбу об отправке экземпляра «З<аратустры»»: а именно фройлен Хелене Друскович (адрес: Унтер-Санкт-Файт под Веной). Упомянутая барышня на днях написала мне очень любезно и без всякого повода: а вы знаете, что на земле нужно быть благодарным за всё, что происходит без повода — это редкость! Книга В<идеманна> прибыла: если рассматривать лично, то для меня это, пожалуй, небольшая неприятность (из-за Дюринга и проповедуемой мешанины из физики и «фактов сознания»), но будет еще много таких quid pro quo, и похуже! Я уже поблагодарил: если рассматривать лично со стороны автора, то это целое большое проявление характера и упорства воли; талант — по существу схематичен, «таблично-категориален».

Н.

Только что пришло ваше письмо, шлю сердечный привет и благодарность! —

619. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria, gegen Anfang August — mehr weiß ich nicht. <7. August 1885>

Дорогой друг,

Ура, со вчерашнего дня мне кажется, что на меня с неба свалилось нечто, предназначенное исключительно для Вас и ни для кого другого — а именно великолепный сюжет для оперного либретто. Прочтите в прилагаемой книге историю на стр. 196 и внесите исправления, которые напрашиваются сами собой (например, что Марианна должна быть не матерью, а сестрой убитого, и что в момент катастрофы, на стр. 198 внизу, именно внезапная любовь спасает Романетти, гасит ненависть и прекращает вендетту семей). Таким образом, в этой теме есть всё, что нужно именно Вам, потому что именно Вы способны это воплотить. Первый акт: праздничный, южный, карнавал, кровавое прерывание. Второй акт: великий корсиканский плач по умершему, клятвы мести у гроба, соло и хоры. Третий акт: передать чувство опасного одиночества человека, преследуемого до смерти. Горы, лес, пещеры, тайники, предательство. Четвертый акт: катастрофа с ужасающим напряжением, в финале — клятвы примирения и братства двух враждующих родов. Всё здесь мужественно, истерический элемент вагнерианства отстоит на сто миль; много стреляют; любовь (которая в первом акте должна быть как-то намечена в зародыше) на этот раз — любовь действия, а не лирического излияния: при этом, на кульминации четвертого акта, она могла бы составить весьма эффектный любовный дуэт. И прежде всего: всё по-настоящему театрально и даже оперно comme il faut! Эффекты фурий мести во втором акте еще ни один музыкант у Вас не перехватил. В целом есть логика, логика предельной страсти — и, кроме того, тот типический характер, который должен быть у драмы.

Марианна, воинственная девушка, которая во втором акте должна явиться подобно эринии, — очень хорошая роль: так же как и Романетти, который, в противоположность ей, замкнутый, благородно-мрачный, должен показать все черты глубокого человека, презирающего своих врагов и саму смерть. В том, что именно Вы, дорогой друг, можете это сделать, будучи предопределенным для этого текста и этой музыки, я вижу странное sigillum veritatis: а именно Вашу sinfonia ungherese. Да, если Вы позволите мне шепнуть Вам на ухо мысль, которая, возможно, в моих устах звучит несколько нескромно: мне кажется, Вы уже сочинили увертюру к этой опере, и она есть не что иное, как только что упомянутая sinfonia. Тяжелое, жесткое, сжатое, томительное, словно чреватое трагедией начало корсиканской души кажется мне выраженным в ней непревзойденно хорошо. В конце концов, «корсиканца в музыке» еще предстоит изобрести: почему бы «венгру» не помочь в этом? Очень хорошо, что такой негерманский и неитальянский тип музыки вообще уже получил своего рода право гражданства.

Вы сможете сочинить этот текст гораздо более безбоязненно, чем греческий (я, по крайней мере, испытываю ужасный страх перед греческими текстами, каждая античная статуя смотрит на меня так, словно хочет сказать: «я и Ваша музыка — мы несовместимы!» Простите, мой скепсис не обязательно должен быть Вашим, почтенный друг! —

Пожалуйста, прочтите для пробы южные народные песни и в итоге — не будьте нетерпеливы к другу, которому почти необходимо, чтобы у Вас получилось, в высшем смысле, потому что у него самого, в отношении всей жизни, это не получилось.

От всего сердца
Ваш Н.

620. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Sils-Maria im Oberengadin (Schweiz) <etwa um den 10. August 1885>

Моя дорогая мама

как бы мне хотелось сообщить Тебе в ответ на Твое трогательное письмо, за которое я приношу свою глубочайшую благодарность, хоть что-то, что доставило бы Тебе радость! Но у Твоего странного сына в таких случаях всегда «остается желать многого» — старая история, которую Ты знаешь! Например: как бы я хотел написать, что приеду, чтобы провести осень у Вас! При нынешнем положении дел я уже не верю в это — и виноват мой бесчестный господин издатель, который, по-видимому, теперь не держит своего слова даже перед судом. Письмо Видемана из Дрездена содержало намек, который внушает мне только что высказанное опасение. Теперь я, в твердой уверенности, что получу деньги указанным путем во второй половине этого года, уже сделал немалые расходы у своего лейпцигского печатника (около 100 талеров); точно так же мне предстоит оплатить счет за книги этой осенью — а что касается моих базельских источников дохода, то, как Ты знаешь, этим летом наступил переломный момент (у меня теперь каждый год на 1000 франков меньше, чем за последние 6 лет, так как государственная пенсия не была продлена). То, что я климатически привязан к югу, к сожалению, не подлежит сомнению; то, что мне отныне придется устраиваться еще скромнее, — тоже, прежде всего, я отказываю себе в дальних поездках, которые, к тому же, всегда были очень вредны для моего здоровья. Этим летом вновь пугающим образом подтвердилось, что Твой сын болен во все дни с облачным небом. Мое выздоровление идет крайне медленно; однако я полагаю, что с помощью нынешней молочно-рисово-мясной диеты я нашел верный путь. В остальном я работаю, как только выдается хоть полчаса хорошего самочувствия, и это лето тоже приносит свои плоды. Странно! В Энгадине полно людей, которые меня знают; и если бы у меня было время быть «тщеславным», я мог бы иметь вокруг себя небольшой «двор». Едва ли проходит день, чтобы мне не оказывали особого внимания, а что касается предложений почитать вслух, поиграть музыку и т. д., то со мной обращаются как с принцем. Но «отшельник из Зильс-Марии» начинает дорожить своим «достоинством» и становится все менее доступным. К тому же я больше никогда не ем в обществе (кроме того, которое «мне навязывают»). Две англичанки, мать и дочь, и одна пожилая русская фрейлина заботятся обо мне, почти как добрые тетушки. Выдающийся музыкант и композитор, которого пригласила к себе пожилая русская (это ее учитель контрапункта), сопровождает меня на прогулках; если он занят, это делают две милые молодые графини, или бывший* школьный сторож, который здесь со своей сестрой, или профессор Лескин и доктор Брокгауз из Лейпцига, или голландец с Явы, который является родственником моих англичанок, и т. д. Вот так, моя дорогая добрая мама, теперь Ты можешь хотя бы представить себе, что делает Твой сын. Самое худшее: у него нет денег, сказано по секрету!

От всего сердца Твой Ф.

621. An Elisabeth Förster in Naumburg

<Sils-Maria, kurz vor dem 15. August 1885>

Моя дорогая Лама,

в сущности, я как раз ждал этого сообщения по делу Шмайцнера, и именно ради этой возможности, которую я расценивал как вероятную, я сказал да всему этому делу. Я могу лишь повторить то, что уже однажды писал тебе: что для меня абсолютно важно, так это вырвать мои сочинения из рук Ш<майцнера>а. То, что он платит мне или не платит, по сравнению с этим — несущественный аспект. Мое желание велико — обладать всем остатком экземпляров моих сочинений; или, вернее, я не вижу иного средства, кроме указанного, чтобы прийти к тому, что сейчас необходимо, — издать мои прежние сочинения заново и существенно измененными. Поэтому мне крайне приятно слышать, что, возможно, удастся самому быть участником торгов при аукционе (соотв. быть представленным кузеном Адальбертом)

Для инструкции по торгам на этом аукционе прошу рассмотреть следующие аспекты.

1 я хотел бы прежде всего
Человеческое, слишком человеческое. 1878.
Дополнение к нему: Смешанные мнения и изречения
1879.
Странник и его тень 1880.

получить в собственность; они ведь абсолютно нуждаются в срочном новом отредактированном издании (я не могу ждать, пока распродадутся скудные последние экземпляры «Человеч<еского> слишком человеч<еского>»; что при нынешнем положении вещей могло бы затянуться на десятилетия)

  1. Затем я хочу вернуть три части Заратустры (и, по тщательнейшем рассмотрении, лично продать их новому издателю)

  2. Не хочу я получать в собственность остатки экземпляров

Рождение трагедии 2-е изд.

и четырех Несвоевременных размышлений 1873—1876.

  1. Что касается «Утренней зари» и

«Веселой науки»: то я сам

еще не решил. Мне доставило бы слишком много хлопот и поисков находить новых издателей именно для таких сочинений (элитарные сочинения для элитарных людей, т. е. для самых немногих). Так что, возможно, будет разумнее позволить и им, как и перечисленным в п. 3), идти своим чередом.

Заверение Ш<майцнера>а заплатить 1 октября не имеет ни малейшей ценности, учитывая все то, что он уже обещал. Его отец, который поручился за него, не заплатил: таким образом, решительные действия дяди кажутся мне вполне уместными. То, что годами пытались и пытались сделать — продать указанный дом, — так и не удалось до последнего срока: — на то должны быть веские причины! На процедуру принудительной продажи, которая, вероятно, потребовалась бы, я недостаточно богат; это длительно и дорого. Перспектива богатой невесты — да, если бы только Шм<ейцнер> не проделал со мной тот же фокус весной 1884 года! Кто может ему еще верить? И если бы только он сам мог себе верить! —

Мне он до сих пор не писал. — «Одно нужнее другого», моя дорогая Лама! Я вовсе не равнодушен к твоему участию в делах Ш<майцнера>а, да и к нему самому не испытываю неприязни. Но беда, которую этот издатель причинил в отношении воздействия твоего брата, огромна: то, что я сейчас, на 41-м году жизни, изолирован, у меня нет учеников, и я ежедневно чувствую, что нахожусь в расцвете сил, чтобы вести большую педагогическую деятельность как философ, — представь себе и это! Книги вон из этого угла!!! Это мои рыболовные крючки; если они не ловят мне людей, то в них нет смысла! —

Я немедленно даю адвокату поручение о срочной принудительной продаже. Сердечно благодарен тебе и моему господину зятю

Ф.

622. An Paul Heinrich Widemann in Chemnitz

Sils-Maria den 19. Aug. 1885.

Дорогой друг,

Только что мой адвокат из Хемница получил от меня поручение, которое, как я надеюсь, должно удовлетворить и Ваши пожелания.

В остальном прошу прощения, если кого-то трудно заставить довериться в четвертый раз после того, как трижды подряд данное обещание не было выполнено.

В спешке и при весьма расстроенном
здоровье
Ваш
Н.

623. An Helene Druskowitz in Berlin (Entwürfe)

<Sils-Maria, etwa Mitte August 1885>

Моя почтенная барышня.

Этот экземпляр предназначался Вам в собственность: но, конечно, одно дело — владеть им, и совсем другое — присвоить себе хотя бы одно слово из него. И теперь Вы хотите писать о таких вещах! Относительно которых Вы еще ничего не пережили, не говоря уже о глубочайшем и сокровеннейшем потрясении, которое должно было предшествовать любой степени понимания!

К моему прискорбному удивлению, я вижу из Ваших — — —

сто<лько, сколько> я знаю об этих нынешних л<юдях>, моя надежда невелика.

Прошу прощения, моя почтенная барышня, но я не принадлежу к тем, кто «делает лит<ературу», и еще меньше к тем, кто верит, будто можно публично говорить обо всем. Тот, кто не благодарит меня из самой глубины своего сердца за то, что нечто подобное моему З<аратустре> вообще было мною сообщено, кто не благословляет все бытие за то, что в нем возможно нечто подобное, как этот З<аратустра>, тому не хватает всего: слуха, разума, глубины, образования, вкуса и вообще природы «избранного человека». Таких «избранных» я и хочу привлечь к себе: — — —

P.S. Присланный экземпляр по праву принадлежит Вам, моя дорогая и почтенная барышня, как Ваша собственность

Что касается Вашего столь искреннего, хотя и не совсем осмотрительного и проницательного, да, пожалуй, и не особенно «скромного» письма: то я скажу, как и часто говорил: как жаль, что нельзя поговорить полчаса, когда это необходимо! Еще этой зимой я довел одного умного и очень преданного спутника моих лет до того, что он от стыда разорвал в клочья статью, которую написал обо мне.

624. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria 21 Aug. 1885.

Дорогой друг,

с закоченевшими пальцами — вот уже два дня стоит январский холод — шлю сердечный привет! Лето до сих пор проходило неплохо, здоровье, по крайней мере, навещало меня в течение нескольких разрозненных дней — что я должен ценить очень высоко! — и мой дух сегодня бодрее, чем был в Венеции во время нашей последней встречи. Готов поклясться, что вино Конельяно пошло мне во вред! С тех пор я питался молоком, рисом, немного бифштексом, сырыми яйцами — и больше ничем (не ризотто, а именно рис, сваренный на молоке!)

Последние недели в деле Шмайцнера гремели громы и молнии. Но теперь, кажется, всё наконец вошло в правильное русло: так что 1 октября я действительно должен получить свои деньги (7000 франков —). Меня по возможности старались оградить от этого дела: но когда потребовались решительные меры, всё обрушилось на меня — адвокаты, мои родственники, сам Шмайцнер, даже господин Видеманн, посыпались письма и телеграммы, и — ответственность легла на меня! Как и полагается! Благодаря очень энергичной и внезапной мере (наложение ареста на всё издательство от моего имени: так что Шм<ейцнер>, вернувшись из поездки, обнаружил всё опечатанным и не смог войти), к которой никто не был готов, было создано сильное давление. Я, по секрету, поручил своим адвокатам немедленно начать принудительную продажу всего издательства (и уже искал средства, чтобы таким образом самому стать владельцем всех своих книг). Эта «принудительная продажа» ужасно напугала Шм<ейцнера>: конечно, всё ушло бы по цене макулатуры (я бы, правда, не получил своих денег таким путем, но зато получил бы свою «литературу!»). Сразу после аукциона я подал бы иск против Шмайцнера, чье поручительство находится в руках моих адвокатов — довольно, я был хорошо подготовлен). Сейчас, когда дела обстоят так, Шмайцнеру уже невозможно в четвертый раз нарушить данное обещание — он должен платить! Средства для этого дает продажа всего его издательства господину Эрнике в Хемнице (фирма в Лейпциге) за 14 000 марок; оплата 1 октября. Договор купли-продажи у меня на руках. Оплата мне сразу после поступления денег: затем возврат залогов. — — Дорогой друг, я был горд тем, что моя корсиканская идея не вызвала у Вас неприязни. Я сам больше всего хотел бы на Корсику: а именно в Корте, мою резиденцию, как она уже 4 года мерещится мне в голове. Там Паскуале Паоли был хозяином острова, самый благоразумный человек прошлого века; там место для величайших замыслов (Наполеон был зачат там, в 1768 году — в Аяччо он только родился!)

— Отправка 4-го Зарату<стры> фройлен Друскович с моей стороны была глупостью; к счастью, она поняла это так, будто ей разрешено только прочитать книгу: поэтому она отправит её обратно, я дал ей нужный для этого адрес.

Но теперь главный вопрос: продвигается ли дело в Дрездене? Ваши последние сообщения обрадовали меня. Я был бы рад, по возможности незамедлительно, узнать что-то новое по этому вопросу. Поеду ли я на север, проведу ли, может быть, зиму в Дрездене — это, в сущности, теперь зависит от Ваших писем.

Профессор Рутхардт из Женевы, способный человек, очень ко мне привязанный, и музыкант, к которому я питаю уважение, был долгое время нашим гостем, я имею в виду гостем моей старой русской дамы, чьим учителем он является. Он очень хочет познакомиться с Вами. Зиму он проведет в Лейпциге; по пути туда он посетит Моттля в Карлсруэ — он, несомненно, пробудит в нем любопытство к Вашей опере.

С самыми сердечными приветами
Н.

Фрау Рёдер, с её отсутствием такта, продолжает в письмах насмехаться над моим Зильс-Мария: что меня почти оскорбляет. Это место должно звучать в ушах потомков с почтением — — но эти бабенки!

Дюринг, «Курс философии», стр. 79, там есть та фраза. — Пожалуйста, цитату из Бебеля! Он цитирует одну англичанку (Элизаб…) о неотложности половых потребностей женщины. Пожалуйста, перепишите эту фразу для меня! Она назидательна, клянусь святым Аристофаном!

625. An Elisabeth Förster in Naumburg

Sils-Maria 21. August 1885.

Моя дорогая Лама,

спешу сообщить сведения по делу Шмайцнера, которое, как я надеюсь, теперь улажено благодаря многочисленной переписке: — я даже заболел от этого. Примененный «высокий напор», как говорят техники, выполнил свою задачу.

1 октября Шм<ейцнер> заплатит адвокату Кауфману; тот получил поручение передать деньги тебе. Издательство продано господину Эрлике в Хемнице (книготорговая фирма в Лейпциге) за 14 000 марок; договор купли-продажи у меня на руках. (Из этого поучительно, что годовые обороты Шм<ейцнера> колебались между 8000 и 1500 марок — ну, мои книги ему не навредили!) принудительный аукцион было бы нелегко осуществить. — Сам Шм<ейцнер> не дал бы своего согласия, которое было необходимо; более того, даже господин Видеман, который писал мне, скорее сам бы раздобыл средства, чем допустил бы этот аукцион. Итак, мои книги ускользнули от меня! — но, конечно, изрядная доля хлопот и поисков теперь меня миновала.

Я написал благодарственное письмо дяде Бернхарду.

Моя диета осталась прежней; успех начинает проявляться, — как мне кажется. Местный метеоролог (Зильс — это швейцарская метеостанция) говорит мне, что сухость воздуха в последние дни просто поразительна. Нет сомнений, что этот фактор сейчас является самым важным для моего самочувствия. —

У нас в гостях был превосходный музыкант и композитор, профессор Рутардт из Женевы, учитель моей старой Мансуровой. Он очень привязался ко мне; я непременно встречусь с ним снова. (Упадок вагнерианства, между нами говоря, — свершившийся факт: совесть всех строгих музыкантов пробудилась.)

Зильс-Мария снова мне очень нравится, с тех пор как закончился сенокос. Зеленые луга для меня губительны, просто оскорбительны — но теперь, желтые, пестрые, коричневые, все звучит в прекрасной гармонии. Из этого ты видишь, насколько твой брат внутренне стал южанином. — Климат здесь суровый и закаляет; я также строго придерживаюсь своей молочно-рисовой диеты.

Как наша дорогая мама? Я давно ничего о ней не слышал. Мое письмо к ней, как я надеюсь, попало в ее руки благодаря твоему любезному посредничеству? — А мой зять? Работает ли он над своей книгой? Сейчас я общаюсь с одним голландцем, который много рассказывает мне о Китае (он возмутил весь отель своей ледяной, резкой гордостью — но как только он находит меня, начинаются самые любезные и поучительные беседы). Мои англичанки и их старая русская подруга уезжают в конце месяца в Бланкенберге на море; они отнеслись ко мне с величайшей добротой, и недавно, например, когда история со Шм<ейцнером> доставила мне головную боль и неприятности, они целый день возили меня в экипаже, чтобы отвлечь.

Профессор Курциус в Лейпциге скончался — событие, которое здесь, возможно, нашло самый сильный отклик. Ведь доктор Фрич был страстно предан своему учителю и был ближе к дому Курциуса, чем все родственники старого профессора; с другой стороны, профессор Лескин — лидер антикурцианцев и, как виновник глубокого конфликта, возможно, причастен к преждевременной смерти К<урциу>са.

Прошу прислать новые добрые вести и сердечно приветствую

Твой Ф.

626. An Heinrich von Stein in Halle

Sils-Maria, 30. August 1885.

Дорогой господин и друг,

я бы с огромным удовольствием пошел навстречу Вашему желанию — которое меня столь же радует, сколь и чтит — не только сердцем и «доброй волей», но и физически. Но — у меня еще нет права «устраивать себе каникулы», что в данном случае означает: покидать мой Энгадин. Скверное состояние моего здоровья лишило меня первых летних месяцев: теперь, при несколько лучшем настроении и самочувствии, я должен еще три-четыре недели оставаться при работе.

Тем самым перспектива снова Вас увидеть отнюдь не «за горами» в этом году. Велика вероятность, что осенью я приеду в Наумбург: хотя я ничего не могу обещать. Все зависит от того, насколько далеко я продвинусь в том и другом, что меня занимает: — и могу ли я позволить себе (немецкий «климат» во всех смыслах, телесном и душевном —) Германию.

От всего сердца преданный Вам
Ваш друг Ницше.

627. An Emily Fynn in Blankenberghe

Sils-Maria, 6 Sept. 1885.

Глубокоуважаемая сударыня,

были причины написать Вам немедленно, но были и лучшие причины немного подождать. Спустя десять дней лучше знаешь, с кем простился, чем на следующий день.

Что касается прекрасной загадки: то я не сомневаюсь, что «злые духи» припасли бы и очень злые, очень ироничные решения этой загадки, — разумеется, не высказывая их: ведь в их планы входит, чтобы жизнь не теряла своего загадочного характера — прошу прощения!

— Что же касается «цветов», то не могу скрыть, что в настоящее время я питаю к нарисованным цветам, подобным тем, что видел этим летом, большее уважение, чем к естественным: — Вы видите, до какой степени философ может быть артистом! До сих пор я полагал, что цветы являют собой стремление природы к малому и миловидному: теперь я начинаю догадываться, что это может быть и стремление к великому и благородному.

Вероятно, через несколько дней я снова увижу Портофино (я не еду на север —). Могу ли я иметь дерзость надеяться, что я также снова услышу его?

— Всем Вам, мои глубокоуважаемые дамы, от всего сердца и с большой благодарностью преданный

Фридрих Ницше

628. An Franziska Nietzsche und Elisabeth Förster in Naumburg (Entwurf)

<Sils-Maria, vermutlich Anfang September 1885>

Мои дорогие, я не могу всего сказать, еще меньше — написать: и я думаю, вы знаете, что я умею принять скромную позу «страдающего ученого», «который ради своего здоровья живет на юге или в Энгадине». Есть веские причины, по которым мне не хватает людей, которые принадлежали бы мне; и для философа было бы смешно, если бы он желал иного. Тем не менее, во мне не умирает тоска по тому, чтобы необычайная счастливая случайность все-таки еще раз произошла; это в высшей степени ужасно — быть таким образом одиноким. Не поймите меня превратно: последнее, чего бы я желал, — это «слава», «газетный шум» и «почитание учеников»; я слишком близко видел, что подобное означает сегодня. Я чувствовал бы себя посреди этого еще более одиноким, чем сейчас, и, возможно, еще сильнее преисполнился бы презрением к людям.

— — — но это невозможно, — и для всех нас так лучше. Я не могу сейчас так попрощаться. Поскольку Лама [—] хочет уйти, то лучше — — —

629. An Franziska Nietzsche und Elisabeth Förster in Naumburg

Sils-Maria 6. Sept. 1885.

Мои дорогие,

Ваши прекрасные дары и приманки прибыли — ах, в приманках не было нужды, вы даже представить себе не можете, как сильно и как долго меня мучает своего рода лютая тоска по дому и пытается склонить к путешествию на север. Да, меня тянут в вашу сторону и другие чары: например, то, что с большой вероятностью этой зимой в Дрездене можно будет услышать мою божественную, утешающую душу оперу «Лев Венеции». И все же: это невозможно! Невозможно! Я бедное животное со своим здоровьем, вы это знаете — и в этом году оно было плохим, несмотря на всю осторожность. Это происходит потому, что я чувствую себя обремененным чрезмерно тяжелыми обязанностями и сомнениями, которые выдержало бы только здоровье льва или медведя. Возможно, я не могу выразить это ясно, но поверьте мне: я страдаю от этого день и ночь. То, что я умею «делать хорошую мину» и время от времени даже испытываю приступы счастья и безудержного веселья, вы тоже знаете: иначе я бы давно уже не жил. Мне ужасно тяжело не увидеть Ламу перед ее отъездом, это пронзает меня насквозь. Тем не менее, я думаю, так лучше — и не только ради меня. Возможно, при новой встрече могло бы обнаружиться, слишком сильно обнаружиться, насколько одиноким чувствует себя сейчас ваш Фриц — ведь я без исключения всех своих друзей потерял за последние годы — и как он на самом деле уже живет в далекой, более чужой, а также более недоступной стране, чем могли бы быть все Парагваи. Но мы все должны поддерживать друг в друге мужество, так как мы все замышляем не что-то малое. Этим летом здесь, в Зильсе, я часто с большой симпатией говорил о проекте моего зятя перед немцами и иностранцами; и с тех пор, как он отошел от той агитации, которая, как и всякое негативное стремление, таит в себе опасность легче всего испортить благородный характер, я полон участия и сердечных пожеланий для его начинаний. Лама справится со своим делом хорошо, в этом нет сомнений (только я беспокоюсь, что из любви к своему супругу она ест слишком мало мяса — «Одно не подходит для всех», прошу прощения, мои дорогие!). Со своей дорогой матерью я, когда она останется одна, хочу договориться о той или иной встрече и совместном времяпрепровождении: тем временем мы все должны храбро держаться. Зильс остается моим летним местопребыванием: это решено, благодаря некоторым изменениям, которые подошли моим глазам. Теперь я должен еще определить место для зимы: сначала будет сделана попытка с Флоренцией. Адрес, следовательно: Firenze (Italia) poste restante.

С любовью и со слезами
Ваш Фриц.

Я написал Штейну: тогда я еще верил в поездку в Наумбург. Тем временем я заболел.

630. An Heinrich Köselitz in Venedig

Naumburg a. d. Saale, Dienstag. <22. September 1885>

Дорогой друг,

тем временем возникло и возникает немало дел, которые нужно уладить, и поездки на север было не избежать. Это будет последняя на долгое время поездка в этом неверном направлении: и всё, что я, в частности, имею возразить против климатических условий Наумбурга, подтверждается столь точно и недвусмысленно, что я уже с некоторым страхом думаю об отъезде и о вредных, ослабляющих последствиях этого пребывания. В остальном мне приятно еще раз побыть со своими родными: «взрывчатка» в лице доктора Фёрстера вскоре разбросает нас всех по всему свету!

— Сегодня я спрашиваю вас, остаетесь ли вы при своем плане приехать в октябре в Дрезден? И есть ли уже более определенные решения? А также что Шух тем временем сделал или оставил без внимания? — Что я сам приеду в Дрезден, мне хотелось бы пообещать, но я не могу этого сделать по состоянию здоровья. Скорее, более вероятно, что в октябре я снова отправлюсь на юг, возможно, через Венецию во Флоренцию: может быть, даже с парой недель пребывания в Венеции, к которой я испытываю тоску — —

Свободна ли еще комната на первом этаже на Гранд-канале, напротив мозаичной фабрики? Будьте так любезны, сделайте как-нибудь там свою прогулку!

И квинтет! Как я поздравляю вас с тем, что вы вырвали у этого жаркого лета такое крупное произведение!

Сердечно благодарю за цитаты из Бебеля: хотя моя память, по-видимому, перепутала — я имел в виду другую страницу книги и другую «женскую» цитату. В конце концов, это не так важно.

Знаете ли вы дом Кирш, Понте-ди-Дио — дом, который мне рекомендовала фрау Рёдер-Видерхольд? И последнее: знаете ли вы нынешний адрес этой замечательной женщины, которой мне необходимо в скором времени отправить несколько дружеских строк?

Лето в Зильс-Марии прошло не самым худшим образом; и, благодаря некоторым изменениям, которые помогли моим глазам (например, новым дорожкам, которые делают честь обществу благоустройства Зильса), стало еще более очевидно, что эта деревня и впредь будет принимать меня в качестве гостя.

Этот год вынуждает меня принимать сплошь завершающие, по крайней мере на долгое время «окончательные» меры. — В следующую субботу встреча с новым книготорговцем и наследником Шмайцнера, господином Эрлеке: я готов к новому изданию «Человеческого, слишком человеческого». В остальном больше ничего не будет «публиковаться»: теперь для меня это «против приличий». — Долгая тишина; и никаких новых людей. Старые вещи, если потребуется, делать лучше, тоньше, полнее. Вы понимаете всю эту «мораль» —

От всего сердца ваш верный
Ницше.

631. An Ernst Schuch in Dresden (Entwurf)

<Vermutlich: Leipzig, Anfang Oktober 1885>

Надеюсь, моё имя Вам не совсем незнакомо, и я могу, не извиняясь предварительно, рассчитывать на Ваше расположение в деле, которое мне очень близко к сердцу: я хотел бы узнать из Ваших уст — или из строки Вашего пера — намечена ли на эту зиму постановка оперы «Лев Венеции». Композитор, господин Генрих Кёзелиц, который был моим учеником и два года слушал у меня лекции, с тех пор стал мне как музыкант и друг всё ближе и ближе; сегодня он принадлежит к числу величайших надежд, которые я возлагаю на немецкое искусство, и я причисляю его музыку, в особенности упомянутую оперу, к лучшим вещам, которыми меня до сих пор одаривала жизнь. Здесь перекинут тот золотой мост примирения, который ведет через Моцарта, Россини и Вагнера — здесь южная красота, грация сердца, ясное небо, безудержная веселость вновь сочетаются с северной глубиной, немецкой ученой основательностью и искренностью: и все так долго недостающие чары подлинной мелодии действуют вновь. Наконец, я назову слово, которое сильнее всего выделяет и отличает музыку упомянутого маэстро: это совершенно наивная музыка — а о наивном в искусстве нельзя думать слишком высоко. Когда я в последний раз видел господина Петера Гаста, он изложил мне свои очень веские доводы, почему он в отношении постановки своего произведения питает полное доверие только к Вашей руке, к Вашему огню, к Вашей delicatezza в интерпретации — и почему он боится посылать свою музыку куда-либо еще; он в среднем не доверяет немецким капельмейстерам в плане южного темперамента и той инстинктивной грации, с которыми его «Лев Венеции» должен «рычать» на Вашей сцене. — Так редко случается, что я приезжаю в Германию, как был бы я счастлив присутствовать в Дрездене на первой постановке моей любимой оперы (оперы, которой я предрекаю европейские успехи «Кармен») (в сущности, в Дрездене я до сих пор получил самое сильное впечатление от оперы: самая первая постановка «Мейстерзингеров» там же, в 1866 году, в январе, если я правильно помню?)

С глубочайшим почтением и преданностью

631a. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)

<Leipzig, vermutlich 6. Oktober 1885>

Привет из Лейпцига, это будет для тебя неожиданностью! Но этой осенью меня непреодолимо потянуло еще раз в Германию, как бы ни протестовало мое здоровье, потому что, возможно, это была последняя возможность еще раз встретиться с М<атерью> и Сестр<ой> вместе<.> Это свершилось, и при скудости человеч<еских> отношений, которые я теперь еще хочу поддерживать, мне стало невыразимо хорошо — и больно. Своего зятя Г<осподи>на доктора Ф<ёрстера> я еще не видел, — в известном смысле мне это даже очень на руку. Он в Вестфалии, говорит и ездит верхом, поочередно на своих двух лошадях, антисемитизме и Парагвае, и в ноябре проделает то же самое для Саксонии. Книга с результатами его 2,5-летнего пребывания в П<арагвае> скоро выйдет.

632. An Franz Overbeck in Basel

Leipzig <6. Oktober 1885> Auenstraße 48 II rechts.

Дорогой друг

привет из Лейпцига! Это покажется тебе неожиданным. Но этой осенью меня непреодолимо потянуло еще раз в Германию (где мне больше нечего искать ни для тела, ни для дорогой «души»), чтобы еще раз увидеть мать и сестру вместе — кто знает, не в самый ли последний раз! Ведь в январе или феврале отбывают новые «колонисты», к счастью, не одни, а сплошь с достойными и почтенными людьми. Доктора Фёрстера я еще не видел, ибо он пребывает в Вестфалии, говорит и скачет поочередно на своих двух лошадях (Парагвай и антисемитизм) и в ноябре будет делать то же самое для Саксонии. Нам с тобой и не представить той массы работы и волнений, которые связаны с такими задачами. Что меня радует, так это единодушие в похвале его характеру (ибо мне было важно исподволь, из уст друзей и врагов, установить примерную репутацию моего столь неожиданного «родственника»). Конечно, есть достаточно причин в целом не доверять господам антисемитам. Впрочем, их дело гораздо популярнее, чем можно предположить издалека, в частности, мне кажется, что всё прусское дворянство от него в восторге. — Мысль о колонизации в Парагвае была мною тщательно изучена, не без задней мысли, не найдется ли там и для меня когда-нибудь убежище. В отношении этой перспективы я пришел к безусловному «нет»; мои климатические потребности противоречат. В остальном же в этом деле много здравого смысла, П<araguay> — великолепный кусок земли для немецких земледельцев — и, не питая прямо-таки фантастических ожиданий, вестфалец или померанец вполне может с легким сердцем отплыть туда. На своем ли месте там моя сестра и мой зять — другой вопрос; и я признаюсь, что вместе с матерью часто бываю даже ужасно обеспокоен. — Нынешнее одиночество моей матери — еще одна забота для меня. Возможно, дойдет до того, что она будет жить со мной хотя бы часть года, например, в Венеции. Для меня самого это будет большим благом, ибо для моего физического состояния и полуслепоты заботливая сиделка (ты можешь себе представить, что моя мать желает меня женить (на дочери моего бывшего военного начальника, генерала фон Ягеманна). Но она желает этого тщетно) стала всё более необходимой, не говоря уже о моем душевном одиночестве, из которого даже самая добрая воля сейчас не смогла бы меня вытащить. Я принимаю его как жребий и еще научусь нести этот жребий не как несчастье. На самом деле мне сейчас не хватает человека, который проводил бы вокруг меня подобающую дистанцию, своего рода церемониймейстера, который избавил бы меня от лишних неприятностей, которым я был подвержен последние годы и подвержен снова сейчас. Кажется, что каждый месяц должна совершаться хотя бы одна большая глупость по отношению ко мне, особенно со стороны господ женщин, которые в наше время ужасно теряют в грации сердца и скромности. Ну, дай небо, чтобы я постепенно исчез из памяти людей, и мое одиночество больше не давало повода для наглых сплетен. С Зильс-Марией, вероятно, так и останется: мне пошли навстречу в требованиях моих глаз, устроив тенистые дорожки и переставив мебель в моей комнате. На зиму еще ничего не решено. Может быть, когда-нибудь Венеция, которая после отъезда Кёзелица (в Вену —) станет возможной для меня, отшельника. Дело Шмайцнера на первом плане: он за 2 года 4 раза не сдержал своего слова — вернее, я, дурак, четыре раза оказал ему полное доверие, и это после стольких плохих опытов!! — Как дела у тебя, дорогой старый друг?

Н.

В середине месяца я снова буду в Наумбурге. Свои денежные пожелания я сегодня еще не могу уточнить.

633. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Leipzig, 7. Oktober 1885>

Дорогой друг, только что полученные известия о деле Шмайцнера (тяжкие известия, от которых мне трудно не ожесточиться) вносят такую ясность, что я теперь здесь больше не могу ожидать никаких денег: как бы твердо я на это ни рассчитывал и рассчитывал (оплата за печать 4-й части «Заратустры» (ок. 100 талеров), расчет с книготорговцем Лоренцем и, наконец, вся эта северная поездка!) На 1 октября, как срок платежа Шмайцнера, была также намечена продажа всего издательства Шмайцнера редактору и издателю Эрлеке в Хемнице и Лейпциге; копия контракта у меня на руках. Но теперь я слышу, что и из этого ничего не выйдет! — Отец Видемана — адвокат Шмайцнера. — Пожалуйста, пришли мне в Лейпциг те деньги, которые сейчас могут быть для меня свободны.

Преданный тебе Н.

Я вчера забыл засвидетельствовать свое почтение твоей уважаемой супруге.

634. An Heinrich von Stein in Berlin

Leipzig den 15 Oktober 1885.

Дорогой и глубокоуважаемый господин,

Ваше письмо, которое я обнаружил вчера на почте, тронуло меня: Вы правы — да и что толку доказывать, что, по крайней мере с моей стороны, никакой несправедливости по отношению к Вам совершено не было? Я поступаю так же, как больные дикие звери, и прячусь в свою «пещеру» — Лейпциг в этом смысле еще большая пещера, чем мог быть Наумбург. Поездка на север не пошла мне на пользу; здоровье всё такое же туманное и пасмурное, некоторые дела, которые, казалось, не терпели отлагательств, никак не хотят завершаться. И так далее.

Вчера я видел книгу Ре о совести: — как пусто, как скучно, как ложно! Следует говорить лишь о тех вещах, в которых имеешь собственный опыт.

Совсем иные чувства вызвал у меня полуроман его inséparable soéur Саломе, который шутки ради попался мне на глаза одновременно с той книгой. Всё формальное в нем по-девичьи мягкотело, а в том, что касается претензии на то, что рассказчиком здесь должен выступать старик, — просто комично. Но сама суть имеет свою серьезность, даже свою высоту; и если это, безусловно, не «вечно-женственное», что влечет эту девушку ввысь, то, возможно, «вечно-мужское».

Я забыл сказать, как высоко я ценю простую, ясную и почти античную форму книги Ре. Это и есть «philosophische habitus». — Жаль, что в таком облачении не больше «содержания»! Однако среди немцев нельзя не воздать должное тому, кто, подобно тому, как это всегда делал Ре, отрекается от истинно немецкого дьявола, гения или демона неясности. — Немцы считают себя глубокими.

Но что я делаю! Пещерный медведь начинает ворчать — — Будем же все мы оставаться храбрыми на своем посту, проявляя при этом некоторую снисходительность друг к другу: ведь одно не подобает двоим. И прежде всего: как можно меньше ворчать!

Преданный Вам
Ваш Н.

(Через час отправляюсь в Наумбург: хочу там наконец увидеть доктора Фёрстера.)

635. An Franziska Nietzsche und an Elisabeth Förster in Naumburg (Postkarte).

<Leipzig, 17. Oktober 1885>

О, мои дорогие, как же плохо мне в этом Наумбурге! В Лейпциге сегодня тоже густые облака, и всё же в моей голове в десять раз светлее и свободнее.

Altum silentium. Писем нет.

С сердечнейшей благодарностью за всю вашу доброту и любовь

Ваш Фр.

Пришли, мой дорогой Лама, всё, что ещё осталось, например, другую рубашку (как мягка и нежна такая шерстяная рубашка, почти как лама).

636. An Franz Overbeck in Basel

Leipzig den 17. Oktober 1885. Auenstraße 48II rechts.

Дорогой друг,

Всё в моих руках счастливо — и твоё только что полученное поздравление тоже в моём сердце! Это было единственное поздравление, доверенное бумаге, которое я получил в этот раз: — я долго размышлял над этим фактом сорокаоднолетней жизни. Это тоже своего рода результат, и, пожалуй, не во всех отношениях печальный, по крайней мере, если можно позволить себе право полагать смысл своей жизни в познании. К нему относятся отчуждение, отдаление, возможно, также охлаждение. Ты, должно быть, хорошо заметил, как шкала «чувств мороза» стала теперь почти моей специальностью: это происходит, когда так долго живёшь «на высоте», «на горе» или, как изгой, «в воздухе»: становишься чувствительным к тончайшему раздражителю тепла, и всё чувствительнее — о, становишься таким благодарным за дружбу, мой дорогой старый друг!

Два дня в Наумбурге, для «празднования» моего дня рождения. Постоянно болен, совершенно невозможно определить, идёт ли это снаружи внутрь или изнутри. Густое туманное небо и, возможно, Наумбург в последний раз.

Д-р Фёрстер не был мне антипатичен, в его существе есть что-то сердечное и благородное, и он кажется созданным именно для действия. Меня удивило, как много дел он постоянно решал и как легко ему это давалось; в этом я другой. Его оценки, как и следовало ожидать, не совсем по моему вкусу, всё делается слишком поспешно, — я имею в виду, мы (ты и я) воспринимаем этот тип умов как торопливый. — Описание Фёрстера, которое я когда-то читал в «Таймс», я должен признать верным.

Тем временем история со Шмайцнером продолжалась и продолжалась — я никак не могу сказать «продвигалась». С прошлого понедельника, когда в 5 часов вечера должно было состояться торжественно обещанное решение, глубочайшее молчание. В перспективе принудительная продажа с аукциона, всё его издательство с июня под судебным арестом как залоговый объект. При условии, что аукцион состоится, будет предпринята попытка передать всю мою литературу в мои руки: чтобы впоследствии передать её новому, более достойному издателю (вероятно, Veit und Comp., т. е. господину Креднеру в Лейпциге). Такова программа. Я не могу сдвинуться отсюда с места, пока это дело не будет улажено. —

Вчера я обнаружил, присланную книготорговцем, «Происхождение совести» Ре и, бегло просмотрев, поблагодарил свою судьбу, которая привела к тому, что два или три года назад я был вынужден отказаться от посвящения этого предназначенного мне труда. Жалко, непостижимо «дряхло» —. В то же время, по милой иронии случая, прибыла и книга фрейлейн Саломе, которая произвела на меня совершенно обратное впечатление. Какой контраст между девичьей и сентиментальной формой и волевым, полным знаний содержанием! В ней есть высота; и если это, вероятно, не вечно-женственное, что влечёт эту псевдо-девушку вверх, то, возможно, — вечно-мужское. — Кстати, сотни отголосков наших таутенбургских бесед. —

Передавай наилучшие пожелания твоей дорогой жене от меня (кстати, Фёрстер рассказывал об очень приятной встрече с вами —) я полагал, что он вам совершенно не знаком? Преданный тебе

Н.

637. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz

Leipzig, 20. Okt. 1885.

Достопочтенный господин издатель,

это, конечно, разочарование — ведь мне говорили, что тираж распродан или почти распродан. Поскольку, согласно Вашему любезному сообщению, дела обстоят именно так, из моего проекта ничего не выйдет, и я вынужден предпочесть использовать то, что я сделал и написал в пользу нового издания, для других целей. Не сообщите ли Вы мне хотя бы число еще не проданных экземпляров, а также какое-нибудь ценовое предложение на них, которое не было бы несоразмерным мне и моим средствам? — Не знаю, известно ли Вам, что отныне моя базельская пенсия приносит мне ежегодно на 1000 франков меньше, чем прежде, и что я вообще могу рассчитывать на эту пенсию с уверенностью только в течение 3 лет? Это в качестве комментария к слову «средства».

4-я часть «Заратустры», а точнее все напечатанные экземпляры (за исключением 6 подаренных), пока что мне недоступны, а именно зарыты и спрятаны среди имущества господина Кёзелица в Венеции: который, вышеупомянутый выдающийся маэстро, сейчас, судя по его последнему письму, должен находиться в Вене, причём я не могу сказать точнее, где именно там и как долго.

Покорно рекомендуя себя Вам и Вашему выдающемуся другу господину Видеману,

Ваш преданный
Д-р Ницше

638. An Franziska Nietzsche in Schkortleben bei Weissenfels (Postkarte)

<Leipzig, 23. Oktober 1885>

Моя дорогая добрая матушка,

к сожалению, сейчас, при моем крайне переменчивом самочувствии, договориться о чем-либо невозможно. Возможно, я еще съезжу на один день в Наумбург: было бы прекрасно, если бы на обратном пути я смог навестить в Корбете моих почтенных родственников и тебя саму. Но, возможно, мне придется сначала поехать в Дрезден. Я погряз в многочисленных делах. Деньги Шмайцнера я благополучно получил, другие проекты пока продвигаются менее удачно. Как только я увижу конец делам, я напишу тебе.

С сердечной любовью, твой Ф.

639. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg

<Leipzig, 29. Oktober 1885> Donnerstag früh.

Мои дорогие любимые,

мне было хорошо у вас. Вечером, в память о вас, я доел привезённые «жертвенные дары», телятину и баранину (т. е. Эдмунда фон Хагена), и, несмотря на ледяную комнату, был в хорошем настроении и благодарен.

Шух не пикнул: чем это дело следует считать законченным. — Только что я, скорее удивлённый, чем развеселившийся, просмотрел «non remittendum», «суждения прессы» об Э<дмунде> ф<он> Х<агене>. Между нами, в этом вопросе вкуса вагнерианцы (например, «Байройтские листки») сильно скомпрометированы. —

Добрый Хайнце позавчера, в проливной дождь, был у меня, то есть в моей квартире, чтобы осведомиться обо мне. Сегодня ему, в благодарность за это, должна быть возложена «интеллектуальная корона». —

В дороге я ехал вместе с одним господином и его супругой, которые приехали из Граца и были знакомы с доктором фон Хаузеггером: они рассказывали о его вегетарианстве.

Моя дорогая Лама, пошли дяде Бернхарду турецкий кофейный сервиз — эта мысль кажется мне очень хорошей; и, учитывая, что это нечто подлинное и диковинка, подобная вещь, возможно, доставит больше радости и в данном случае будет уместнее, чем если бы она в завуалированной форме представляла собой «вознаграждение и денежную стоимость», своего рода оплату.

Выразился неясно! —

Сообщи мне, пожалуйста, результат беседы с Кюрбицем (дай мне также его точный адрес) и договорись с ним о твёрдом сроке, в который каждый год могут быть пересланы проценты. И подсчитайте вместе как можно точнее, сколько проценты теперь будут составлять ежегодно в таком случае.

Сегодня Лоренц будет рассчитан. —

Любите меня!

Ваш Фр., самое одинокое из всех животных.

(Я думаю ехать в воскресенье.)

— Только что я установил из «Тагеблатт», откуда моё

относительное вчерашнее хорошее самочувствие. Влажность воздуха внезапно упала с 99 до 62 (61 — это средний показатель для Ниццы за весь год). —

Только что прочитал: «обжаренный кофе Ява, великолепный на вкус»!

NB. Кто хочет совершить большой прыжок, тот делает шаг назад. —

639a. An Unbekannt (vermutlich Reinhart von Seydlitz in München)

<Nizza, vermutlich zweite Hälfte März 1885>

Дорогой друг

совсем болен, невыносимо: поэтому — я должен отозвать свою телеграмму и, право, не знаю, когда и смогу ли я приехать.

Caccianiga, il dolce far niente

2-е изд. Милан Treves

640. An Franziska Nietzsche in Schkortleben bei Weissenfeis (Postkarte)

<Leipzig, 30. Oktober 1885>

Моя дорогая мама, пожалуйста, приезжай ко мне в воскресенье, первого ноября; мой отъезд отсюда назначен на вторую половину дня, около 6 часов, так что у нас будет прекрасное время вместе, при условии, что ты будешь так добра прибыть сюда в 10 часов 56 минут утра. Конечно, я буду на вокзале. — Представь себе, что в прошлый вторник, как раз когда у тебя были Фёрстеры, я заезжал в Наумбург. Впрочем, время до 8 часов вечера, когда они пришли, я использовал с пользой и нанес визиты (Альвинхен у Фёрстеров, референдуарю Шенку, банкиру Кюрбицу и старой советнице Пиндер). Погода стала настолько отвратительной, что я не решился пригласить тебя и моих дорогих родственников на следующий день на встречу в Корбету, как изначально намеревался. Здесь я теперь почти закончил с делами — и этой всей северной поездкой, в конце концов, не недоволен.

От всего сердца твой
Ф.

641. An Elisabeth Förster in Naumburg (Postkarte)

<Florenz, 7. November 1885>

Мои дорогие, я еще не «на месте», Флоренция не подходит, здесь шумно, неровная мостовая и полно опасностей от повозок для меня. С понедельника мой адрес: Vallombrosa per Pontassieve (Italia). Ланцки приказал приготовить мне там лучшую комнату. В Мюнхене, где 7 дней не было солнца, я провел утро у Ротплецев, а вечер у Зейдлицев; особенно отрадно было с последними. Я уехал, снабженный фрау фон Зейдлиц бифштексами а-ля Виль и бутылкой чая, и взял на попечение одну совсем наивную старую пасторшу, которая без малейшего представления о деньгах, стране и людях отправилась «на юг» со своей дочерью. — Во Фло<ренции> я полдня не мог собраться подумать о своем пристанище (Ланцки не было, моя телеграмма не дошла до него, потому что он уехал). С сердечной любовью

Ф.

642. An Franziska Nietzsche in Schkortleben bei Weissenfels (Postkarte)

<Florenz, 7. November 1885>

Моя дорогая добрая матушка, шлю привет из Флоренции, где пасмурно, дождливо и совсем не так, как на Ривьере. Послезавтра мы (т. е. г-н Ланцки и я) удаляемся в лесную, горную и монастырскую глушь Валломброзы, это совсем недалеко. Мне там готовят лучшую комнату; у нас будет тишина, место это знаменитое, Данте и Мильтон прославили его, последний — в описании рая. Сейчас там находится большое лесное училище; в стороне и поодаль от отеля, где мы вдвоем будем жить. Высота около 3000 футов, значит, свежий воздух, временами снег. — Поездка была ужасным испытанием; мне ко всему прочему пришлось взять на себя заботу об одной старой вдове пастора с дочерью, которые с большой отвагой и полным невежеством отправились «на юг». Теперь я их благополучно устроил, они были совершенно беспомощны. — Как прекрасно, что ты была со мной при моем отъезде! Премного благодарю!

Ф.

643. An Paul Lanzky in Florenz (Fragment)

<Vermutlich: Genua, 9./10. November 1885>

Мой дорогой господин Ланцки, одно сомнение, которое мне высказали на почте (существует ли вообще «valli di Siena» или же здесь, возможно, из-за опечатки villa di Siena — — —

644. An Elisabeth Förster in Naumburg (Postkarte)

<Nizza, 11. November 1885>

Не удивляйтесь слишком сильно, мои дорогие, если сегодня гамлетовский крот подает голос из Ниццы, а не из Валломброзы («Тенистой долины» —). Для меня было очень ценно почти одновременно испытать воздух Лейпцига, Мюнхена, Флоренции, Генуи и Ниццы. Вы даже не можете себе представить, насколько в этом состязании Ницца одержала победу. Мое жилье по-прежнему Pension de Genève, petite rue St. Etienne; оно тем временем благодаря перестройке и полному обновлению тканей и цветов стало очень приятным. Мой сосед по столу — епископ, монсеньор, который говорит по-немецки. Очень, очень часто вспоминающий вас

Принц Белка.

645. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Nizza, 12. November 1885>

Дорогой друг, лишь привет и поздравление от того, кто в пути и «не распакован», но кто не хотел бы отсутствовать среди поздравляющих с Твоим днём рождения. Пусть новый год наконец-то снова сведёт нас вместе! Есть так много всего, что нужно сказать, писать становится всё труднее и невозможнее. За последние 2 месяца я совершил почтенный voyage en zigzag, и моя тайная надежда, что при этом найдётся что-то новое для меня, будь то место или человек, осталась неисполненной. Тем настойчивее заявляли о себе голова и здоровье: кажется, что Ниццу и Зильс-Марию превзойти и заменить невозможно. В Мюнхене на Терезиенштрассе я встретил самый дружелюбный приём, сам же Мюнхен оставался зимним и безсолнечным. — Шмайцнер заплатил. Мой адрес: Ницца, poste restante. С любовью и благодарностью.

Н.

Твои два Тейхмюллера лежат передо мной и вскоре последуют за мной.

646. An Elisabeth Förster in Naumburg

<Nizza, 23. November 1885.> Montag.

Тем временем толстое письмо, мой дорогой Лама, перекочевало из Валломарозы в Ниццу; так же как и письмо нашей доброй матери. Примите самую сердечную благодарность! Сегодня несколько деловых заметок (я всё ещё не в духе и раздосадован из-за сильной простуды)

Два запрошенных векселя для господина Кюрбица прилагаются. Удивительно, что они нашлись среди всей этой груды бумаг!

Акт о погашении, который, по-видимому, прислал господин Кауфман (в его письме внизу написано «прилагается акт о погашении»), вы, вероятно, оставили у себя? Мой точный адрес здесь: rue St. François de Paule 26, 2 étage, á gauche

Однако я вряд ли выдержу здесь дольше середины декабря, здесь нет печи, и многого не хватает, что должно было бы быть. Я должен всерьёз задуматься о том, чтобы придать своей жизни здесь более прочную форму; пока это не достигнуто, моим единственным прибежищем остаётся швейцарский пансион de Genéve, который в двух отношениях весьма похвален: там тихо, к тому же чисто — и на этот раз нет отталкивающих людей. Кухня, с точки зрения простоты приготовления и качества мяса, пожалуй, наиболее мне подходит: только приходится помогать себе небольшим количеством хлеба Грэма. —

Признаюсь, что я ощутил удивительно благотворное действие с тех пор, как каждый вечер завершаю стаканом пива. Именно в таком стимулирующем климате пиво, по-видимому, служит своего рода лекарством. —

Последние два месяца были для меня безумным риском, я даже не могу выразить, что значит наконец-то снова иметь свободную голову! Ко всему прочему, у нас здесь отвратительная и неподобающая для Ниццы погода; и несмотря на это, я чувствую разницу, как будто вырвался из тюрьмы. —

Было очень полезно, хотя и крайне дорого, испытать одну за другой несколько возможностей, которые манили меня то тут, то там, а именно Мюнхен, с другой стороны Флоренцию, наконец Геную: всё не для меня! Ничто не заменит мне воздух Ниццы и великолепную свободу этого космополиса, свободу в ландшафтном и человеческом отношении. Кроме того, это город, где можно жить дёшево, даже смехотворно дёшево; и если я ещё не достиг этого, то причина в моих глазах и других несовершенствах. Народ питается вегетариански, не считая рыбы.

Мой дорогой Лама, помоги мне и посмотри у Виля: он упоминает маленькую «гениально сконструированную» машинку, с помощью которой взбивают яйца в пену (в главе «Блюда из яиц» или где-то ещё). На случай, если Клер Хайнце приедет сюда весной, может быть, она окажет дружескую любезность и привезёт мне эту машинку. Nota bene! Господин Кёхлин много рассказывал мне о швейцарской колонизации, предпринятой на базельские деньги и с благочестием, в том числе в странах Ла-Платы (из Росарио), которая не увенчалась успехом. Он удивляется, как можно не мириться с нынешними немецкими условиями, которые гораздо благоприятнее и солиднее, чем во Франции, Италии, Швейцарии или где-либо ещё. Видишь, нам за границей завидуют.

Я читаю книгу Фёрстера и думаю, что у порядочного земледельца и скотовода от неё должно забиться сердце. Для другого рода людей она будет менее соблазнительной. Отсутствие больших библиотек, возможно, недостаточно освещено. Прости, мой старый Лама, если болезненное культурное животное, твой брат, позволяет себе даже шутки.

Будьте здоровы, мои дорогие, и мужественны, и веселы, также с добрыми воспоминаниями о

Вашем Фрице.

647. An Reinhart und Irene von Seydlitz in München

<Nizza, 24. November 1885>

Мои дорогие друзья,

после небольшого крюка через Флоренцию — в моей жизни ничего не обходится без отступлений от курса — я наконец снова прибыл в свою резиденцию в Ницце и примерно, очень примерно «распаковался»: — между Ниццей и моим энгадинским уединением в Зильс-Марии теперь пройдет остаток моей жизни, включая, разумеется, прелестнейшие интермеццо в виде венецианских пребываний и прогулок на гондолах втроем! Как прекрасно, по-англо-американски, как здесь сказали бы, я был накормлен, уезжая из вашего Мюнхена! И я действительно с самыми сердечными воспоминаниями выпил каждый глоток и прожевал каждый кусочек (— чтобы хорошо жевать, нужно жевать один кусочек от 30 до 70 раз: этому я научился у филистера Гладстона, который заставляет своих детей считать за столом —).

Здесь я живу на «Square des Phocéens», у моря: чудовищный космополитизм, заключенный в этом словосочетании, доставляет мне удовольствие. В самом деле, когда-то здесь жили греки.

Во Флоренции я застал местного астронома в его обсерватории, откуда открывается прекраснейший панорамный вид на город, долину и реку. Поверите ли, что рядом с его рабочим столом лежали очень зачитанные сочинения вашего друга и что он, белоснежный старик, с восторгом декламировал отрывки из «Человеческого, слишком человеческого»? — Образ этого совершенного и высокородного отшельничества был самым ценным подарком, который я увез из Флоренции: — в то же время, конечно, и самым болезненным укусом, а именно укусом совести. Ибо очевидно, что этот одинокий исследователь продвинулся в мудрости жизни (а не только в открытии комет и туманностей Ориона) дальше, чем ваш друг.

К тому же он был здоров: а если философ болен, то это почти уже argumentum против его философии. Между тем я мог бы заявить, что становлюсь «стремительно быстро» здоровым и все более здоровым с тех пор, как у меня есть моя философия и я больше не служу «ложным кумирам».

Есть милое провансальское слово, которое я учусь понимать все лучше и лучше (— а это много значит для немца): gai saber.

Оставайтесь любящими

Ваш друг
Ницше.

Адрес: Nice (France) poste restante.

Японизм моего друга Зейдлица и мысли об эстетическом тартюфстве нынешней Европы занимали меня всю дорогу.

648. An Heinrich Köselitz in Wien

Nizza, 24. Nov. 85.

Дорогой друг,

наконец, после долгих скитаний, вернувшись к здравому смыслу (который в данном случае называется Ниццей), я получаю за это награду, а именно столь желанные известия о Вас, сначала от Вас самих, а затем от фрау Рёдер. По сути, это плохие известия; но, учитывая, какой Вы человек, даже худшее должно обернуться Вам на пользу — простите этот оптимизм, который, по крайней мере, проистекает из добрых намерений друга. У Вас «ветер против Вас»: если бы Вы были чахоточным и чрезмерно нежным по натуре, за Вас стоило бы сильно опасаться (например, я сам в Вашем случае имел бы мало уверенности в себе). Но с Вашими «сильными легкими», Вашей пожизненной привычкой к одиночеству, Вашей молчаливой храбростью Вы станете господином над всеми встречными ветрами — и, возможно, даже еще более «властным» и «самодержавным», чем прежде. Один древний римлянин говорит о человеке, борющемся подобно Вам:

„increscunt animi, virescit volnere virtus“

(мужество растет, от раны лишь крепнет доблесть). По Вашей музыке уже можно услышать, что такое война и победа.

На днях меня порадовало известие, что этот город, который я больше не могу сменить или променять, в своем названии имеет нечто от победы. И если Вы услышите, как называется площадь, на которую выходит мое окно (великолепные деревья, вдали красноватые большие здания, море и красиво изгибающаяся baie des anges), а именно «square des Phocéens», то Вы, возможно, как и я, посмеетесь над чудовищным космополитизмом этого словосочетания — действительно, когда-то здесь поселились фокейцы — но в нем звучит нечто победоносное и сверхевропейское, нечто очень утешительное, что говорит мне: «здесь ты на своем месте».

Тем временем я присматривался к Мюнхену, Флоренции, Генуе, — но для моей старой головы нет ничего лучше этой Ниццы, если не считать нескольких месяцев в Зильс-Марии: хотя лето даже здесь должно быть приятнее, чем в любом внутреннем месте Германии (вечера — свежие морские бризы, ночи — прохладные). Воздух несравненный, такой стимулирующей силы (как и полноты небесного света) в Европе больше нигде нет. Наконец, упомяну, что здесь можно жить дешево, очень дешево, и что место достаточно обширно, чтобы позволить любую степень уединенной скрытности. Совершенно избранные природные уголки, такие как лесные тропы на ближайшей горе или полуостров Сен-Жан, принадлежат таким, как мы; точно так же вся великолепная свободная набережная у сильно шумящего моря (около трех четвертей часа в длину —) посещается лишь на пару часов в день. Простите меня за то, что я часто в мыслях занимаюсь Вашей судьбой и при этом нередко прихожу к выводу: Вам стоило бы попробовать эту Ниццу и оставить Германию Германией. Мы сами, как трудолюбивые и одинокие животные, будем красиво избегать друг друга, но время от времени устраивать маленький праздник совместного пребывания. В конце концов, я один из лучших ценителей Вашей музыки — мне не хватало бы чего-то незаменимого в последней части моей жизни, если бы Вы и Ваше искусство окончательно исчезли из моего поля зрения. (Если Вам здесь не понравится, то каждую субботу вечером готов корабль, чтобы отвезти Вас в Аяччо. Вы проспите всю ночь и рано утром окажетесь в порту Аяччо.) От Генуи до Ниццы ехать ровно 5 часов (отправление в 7 утра, прибытие в 12). Не только любопытство заставляет меня спрашивать, как именно этот климат подействует на Вас; это также не только желание друга. Здесь чувствуешь себя настолько «вне Германии» — я не могу выразить это достаточно сильно.

Оставайтесь преданным своему другу Н.

Адрес: Nice (France), poste restante.

649. An Franz Overbeck in Basel

<Anfang Dezember 1885.> Nice, nie St. François de Paule 26 (2me étage à gauche)

Дорогой друг,

Твое письмо доставило мне сердечную радость: видишь, я «отвечаю» на него немедленно, хотя, по сути, ни о чем «не спрашивается». Счастье, что нет особых новостей, у новостей обычно есть свои подвохи. Здоровье лучше, чем под немецким небом, голова свободнее, постоянная подавленность, от которой я страдал в Наумбурге и Лейпциге (— я изо всех сил старался ее скрыть —), здесь, по крайней мере, уже не «постоянна». Признак этого — то, что я снова экспериментирую с жильем и т. д.; в приличном швейцарском пансионе я пробыл всего 3 дня, хотя часто возвращаюсь к мысли о нем, — возможно, после того как, подобно двум предыдущим зимам, я довел себя упомянутыми экспериментами до отчаяния. Что-то независимое и подходящее мне в конце концов должно найтись: но я все больше сомневаюсь, что найду это. Поэтому мне нужны люди, которые позаботятся обо мне. Непрактичность моей натуры, полуслепота, с другой стороны, тревожность, беспомощность, упадок духа, вытекающие из состояния моего здоровья, часто загоняют меня в ситуации, которые почти убивают меня. —

Почти семь лет одиночества и, по большей части, настоящая собачья жизнь, потому что не хватало всего мне необходимого! Благодарю небо, что никто не видел этого вблизи (за исключением Ланцки, который до сих пор вне себя от этого). И ко всему этому — избыток болезненных, по меньшей мере, тягостных дней, не говоря уже об отчаянной скуке, в которую попадает каждый, кто лишен «отвлечения глаз»! Полагаю, мне следовало бы простить изрядную долю пессимизма и ресигнационизма; но я сам не «прощал» его себе, а, напротив, изо всех сил сопротивлялся ему. (Самым сильным поступком в этом отношении было то, при каких обстоятельствах я начал и завершил своего «Заратустру»: — я не хочу прожить ни одного дня из последних 3 лет снова, напряжение и противоречия были слишком велики!)

Это между нами, мой дорогой старый друг! Столько всего можно было бы сказать «между нами»! Письменно — не знаю, насколько велико стало мое недоверие к письмам. — Мне приходит на ум, что я основательно высказал Креднеру свое мнение о твоих сочинениях, вышедших у Шмейцнера; мне было важно, чтобы в случае, если издательство Шмейцнера будет распродано с аукциона, весьма почтенный Креднер прибрал к рукам и твои сочинения. К сожалению, должен сказать, этот аукцион не состоялся; и твои, как и мои сочинения, полностью погребены и неизвлекаемы в этой антисемитской дыре. (Это мое понимание дела: сам Шмейцнер думает об этом не иначе.) Моя «литература» больше не существует — с этим суждением я попрощался с Германией, вовсе не от отчаяния! — напротив, я почувствовал, сколько мака в этом забвении и какую ценность имеет то, что я могу следовать за своими весьма обширными и небезопасными мыслями без любопытства «публики». Никто в Германии не знает (даже там, где считают, что хорошо меня знают), чего я хочу от себя или что я вообще чего-то хочу; и что я, в сложнейших обстоятельствах, уже достиг в этом немалого. — С Креднером я договорился о втором издании «Человеческого, слишком человеческого», для которого я подготовил все (кроме переписки) — на это ушло целое лето работы! Шмейцнер поставил заслон, потребовав за уничтожение оставшихся экземпляров первого издания сумму в 2500 марок. Этим, как я понял, возможность вторых изданий навсегда сдана в архив. Сам Шмейцнер теперь считает мои книги балластом (их повсюду причисляют к «антисемитской литературе», как подтверждают мне лейпцигские книготорговцы — а теперь еще добрый Видеманн выкидывает штуку, хваля меня в одном ряду с ужасным анархистом и ядовитым ртом Ойгеном Дюрингом!) «Заратустры» продано не более ста экземпляров (и те почти только вагнерианцам и антисемитам!!) Короче, есть причины посмеяться и повернуться спиной. Лучшее в том, что в остальном все снова в порядке, что Шмейцнер заплатил (не так много, как я писал тебе, но все же больше 5000 марок), что мои близкие любят меня больше, чем когда-либо, что моим внешним видом довольны, что у моей сестры теперь полно дел в том направлении, где для меня не предвидится никаких неприятностей, что Ницца и Сильс-Мария открыты, и что в данный момент достигнуто некое алкионовое состояние, которое не должно быть неблагоприятным для создания философии. А ты, мой дорогой друг, оставайся преданным своему

Н.

Пожалуйста, когда деньги будут готовы, пришли их, как обычно (по возможности французской бумагой), просто заказным письмом! Мне любопытно, как обстоят дела с Базельским пансионом. — Книга Ре, великолепно ясная и прозрачная, не дает мне ничего нового там, где я этого ожидал; — а для исторического доказательства старого ему как раз не хватает таланта и широты знаний. О «Борьбе за Бога» ты еще не писал — не считая пары слов о впечатлении, которое она произвела на твою милую жену («она испытывает уважение»). Я очень хорошо осведомлен о ваших университетских торжествах, меня снабжают Базельскими новостями.

650. An Heinrich Köselitz in Wien

Adresse: Nice, rue St. François de Paule 26, II <6. Dezember 1885>

Дорогой друг,

только что получил Ваше доброе письмо: не знаю ничего лучшего, чем немедленно на него «ответить» — так велика моя радость по поводу Вашего терпения и Вашей стойкости в Вене. Допустим, что всё в конечном счете было напрасно, и Север пока еще не хочет ничего знать и слышать о Вашем «Юге»: так Вы не только выполнили свой долг — мне кажется, Вы даже в этом случае достигли большего. Вы можете на доброе время выкинуть из головы весь вопрос о «спросе и предложении» и с чистой совестью снова погрузиться в ту небесную бездну одиночества творца, в которой Вы жили, — в которой мы должны жить, в которой, в конечном счете, мы одни можем жить! Я, за свои два месяца в Германии, дошел как раз до того, чего хотел бы пожелать Вам этим письмом: мне стало совершенно ясно, что мне там в настоящее время еще нечего искать и что там сейчас место для других задач и «задающих». Эта ясность меня не омрачила — можете мне поверить, — напротив, еще никогда я не прибывал на свой Юг в таком алкионовом морском штиле и безмятежности, так что даже телесное здоровье, кажется, улучшилось, несмотря на ужасные тяготы, которым я подвергал себя со времен Зильс-Марии.

Шмайцнер заплатил; для второго издания «Человеческого, слишком человеческого», которое я с большим усердием подготовил этим летом, был найден превосходный издатель: — в конце концов я получил письмо Ш<майцнера>а, которое раз и навсегда лишило меня веры во «вторые издания» (он потребовал, со своей стороны, в качестве компенсации за остаток первого тиража 2500 марок), одновременно с такими непристойными предложениями относительно средств сделать мою литературу продаваемой и поднять шум вокруг меня, что с тех пор я умолк и намерен хранить молчание. К сожалению, относительно намеченных средств «шумихи» он отослал меня к г-ну Видеману, который должен был сообщить мне подробности: достаточное основание для меня, чтобы не видеть г-на В<идемана>а и считать его несуществующим. Это несчастье, что он так близок к этому Ш<майцнеру>: он несколько раз выступал посредником в судебном деле Ш<майцнера>а (его отец был адвокатом Ш<майцнера>а). Наконец, еще никогда мне не приходилось испытывать такого очернения, как от его сопоставления имен «Дюринг» и «Заратустра»: — с меня довольно этого знака. Антисемитство уничтожает всякий тонкий вкус, даже у языков, которые с самого начала не были обложены. — То, что это второе издание невозможно, меня радует; я уже подсчитал, что оно не нужно, — что, напротив, глубокая тишина вокруг меня, своего рода погребенность (мои сочинения буквально погребены у Ш<майцнера>а и не подлежат извлечению) относится к тем условиям, при которых только и может еще что-то во мне расти. — Я только что посмотрел налево: синее море, горная цепь над ним и, поблизости, могучие эвкалипты. Небо сияет.

Обдумайте как следует прекрасное понятие Ницца (название греческое и намекает на победу) — это «космополис», если такой вообще есть в Европе! Ты ближе к тонкому французскому духу (новый том psychologie contemporaine Поля Бурже лежит рядом со мной) и все же не слишком близко: моя улица, с большим итальянским театром, — образцовая улица по итальянскому образцу, — и люди на ней — настоящие, подлинные ривьерезы. При яснейшем небе видно Корсику, даже из моего окна. Капеллой в Монте-Карло сейчас дирижирует немец. 23 января Лукка поет здесь «Кармен». — Траттории, где Вы едите так же хорошо, как в «Панаде» (или, вернее, лучше и дешевле) (превосходное местное вино!), также имеются. Если Вы захотите давать уроки пару часов, то нет недостатка в выборе среди знатных русских и полек (этот тип здесь преобладает).

Сердечно преданный Вам и полный пожеланий и надежд

Ф. Н.

— Что бы я отдал, чтобы услышать Ваш септет! Как я завидую венцам! — Если получится с Карлсруэ, то я приеду. Фрау Рёдер писала оттуда очень любезно. (Стоит ли мне написать Моттлю? —)

651. An Heinrich Köselitz in Annaberg

Nice (France) rue St. François de Paule 26, II <10. Dezember 1885>

Дорогой друг,

возможно, письмо, отправленное Вам в Вену, все же попадет к Вам в руки (при условии, что Вы там, на главпочтамте до востребования, указали или хотели указать свой адрес в Аннаберге). В последнее время я удивляюсь тайному «параллелизму» наших переживаний и voyages en zigzag в этом году, до такой степени, что почти радуюсь этому: — в конце концов, на меня снизошло великое чувство покоя и мягкого безразличия, и я желаю, чтобы оно стало и Вашей наградой. Сейчас в Германии нет никого, кто знал бы, чего я хочу, или что я вообще чего-то хочу, или даже что я уже достиг достаточной части этого, — никого, кому мои «дела» доставляли бы от чистого сердца удовольствие, или беспокойство и нужду, или что-либо еще —. Ну, возможно, знать это — бесценное прозрение, с ним человек становится совсем близок к садам Эпикура, а прежде всего — к самому себе, — после этого прозрения человек с озорным прыжком возвращается к самому себе. Будем же продолжать делать то, что идет нам на пользу, при этом обретая в самих себе чистую совесть: остальное — молчание или gloria, «как угодно Богу» —.

Чтобы иметь уверенность на ряд лет и не подвергаться опасным случайностям: для этого нужно кое-что придумать и обдумать. Я говорю сейчас о Вас, дорогой друг. Вполне закономерно, что Вы сначала хотите сделать попытку в Карлсруэ. Удастся она или нет, сразу после этого Вам следует снова подыскать себе уединенное место. Недовольство от еще одной неудачи, как я справедливо, но болезненно чувствую, должно погнать Вас обратно в Венецию, как в единственное место, которое для Вас проверено. Если я позволял себе в своих последних письмах рекомендовать Вам Ниццу, то я, конечно, знаю, в чем для Вас может заключаться главное препятствие и почему Вы будете опасаться, что здесь недостаточно отшельник. Однако: учтите, что 4 месяца, которые я, вероятно, каждый год провожу здесь, составляют лишь треть года, во-вторых, что это как раз 4 рабочих месяца для меня, в которые я избегаю «людей», возможно, даже друзей; учтите прежде всего, что это друг, с которым можно заключить строгое соглашение и который имеет почти личный интерес ко всем Вашим условиям работы и жизни. С другой стороны, многое говорит в пользу Ниццы: это место, чтобы жить там круглый год —, Вы найдете лето гораздо более освежающим, чем могла дать Венеция, благодаря ночным морским ветрам и прохладе. Затем, Ницца, эстетически говоря, — противоположный вид юга, чем была Венеция; мне кажется достойным попытки увидеть, что могли бы рассказать Вам здесь музы, или мистраль, или сияющее небо. В-третьих, Вы живете здесь дешевле, чем в любом другом месте ривьеры: N<izza> — большой, открытый город, который умеет угодить почти каждому. Цены, разумеется, выше в зимний сезон, мне говорят, что летом они падают наполовину. Тем не менее, я мог бы порекомендовать Вам и на зиму достойные траттории, где Вы будете питаться так, как привыкли в Венеции, скорее дешевле, скорее лучше. Это небесное обстоятельство, что у Вас нет склонностей к роскоши, как у большинства художников, и что Ваша столь достойная жизнь включает в себя также добродетели простоты и бережливости. — Позже Вы, конечно, станете богатым человеком: но сегодня все зависит от того, чтобы Вас миновала необходимость заботиться об этом «позже». Ваше искусство требует, чтобы Вы жили беззаботно, не так ли, мой дорогой друг?

Ваш Н.

652. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Adresse von nun an Nice (France), rue St. François de Paule 26 II <10. Dezember 1885>

Моя дорогая мама

сегодня я хочу, помимо благодарности за твое сердечное письмо, спросить тебя насчет Рождества: не знаешь ли ты чего-нибудь, чем можно было бы порадовать нашу Лизбет и её супруга в это последнее немецкое Рождество? Пожалуйста, приобрети это от моего имени и по моему поручению: а что касается денег, то сходи к господину Кюрбитцу, он их тебе выдаст (я напишу ему небольшое письмо, в частности, также по поводу надгробной плиты, расходы на которую я намерен полностью взять на себя, во-первых, учитывая, что как сын моего отца и моей матери я имею на это преимущественное право, а во-вторых, что сейчас для тебя не время тратить деньги на чрезвычайные нужды. Если тебе будет угодно, можешь истолковать мое намерение в пользу предстоящего праздника и увидеть в этом небольшой подарок от меня с добрыми пожеланиями)

Пожалуйста, передай также нашей Лизбет, что её мысль насчет дяди Бернхарда и маленьких ложечек мне очень понравилась, и что пусть она сделает для этого всё необходимое, мне в угоду.

Зеленую книгу сейчас читает госпожа пастор Хаманн; она полна признания великой правдивости изложения и понимает положение и задачу, исходя из множества подобных опытов, которые она приобрела за 50 лет в Америке. Признаюсь, она заронила мне в голову большие сомнения (она считает, что трудности для женщины будут едва ли преодолимы, даже при самой сильной энергии и самом выносливом здоровье: — мужчины не могут ясно представить себе лишения, которые приходится переносить женщине в таких случаях. Также она считает, что пока не будет лучших коммерческих условий, лучших дорог и лучших правительственных чиновников, всякая работа безнадежна, по меньшей мере, первое поколение должно считать себя принесенным в жертву. Довольно, она принимает участие в деле, из которого не выходит ничего назидательного: поэтому я хотел бы попросить тебя держать её взгляды в строжайшем секрете. Это желание самой пожилой дамы, она видит, что уже слишком поздно и что запоздалые предупреждения всегда приносят только беду.)

Я сам обосновался здесь на 4 месяца и связал себя контрактом. Комната, в которой я сейчас живу, — это, пока я жив, первая комната, в которой я живу без преодоления и отвращения — она соответствует главным требованиям моего здоровья и моего вкуса. Она 20 футов в длину, 14 футов в ширину и 14 футов в высоту; окно 8 футов высотой и 3 фута шириной; темно-желтые обои, темный ковер на полу, кровать в три раза больше, чем моя в Наумбурге. Ничто в ней не напоминает об элегантности, роскоши, безделушках и прочих женских принадлежностях; в ней стоят только необходимые вещи, среди них также совсем большой рабочий стол и «Вольтер» (удобное ученое кресло, какого мне в Германии еще не встречалось). Вид открывается на великолепные деревья (эвкалипты величайшего вида), синее море и горы, но прежде всего на сияющее небо. Солнце приходит после обеда, так, как оно только и может приходить, учитывая мои глаза. —

Я опечален моим превосходным маэстро Кёзелицем. Ему тоже плохо пришлось в Вене; теперь он хочет через Дрезден и Аннаберг отправиться в Карлсруэ и там сделать попытку пристроить свою оперу. Мне было бы очень приятно, если бы ты пригласила его заехать по пути через Наумбург, и если бы это было возможно, оказала бы ему честь. Это первый из ныне живущих музыкантов, — но миру нужно время, чтобы воодушевиться чем-то новым, если это одновременно что-то хорошее и тонкое. Адресуй просто: господину Генриху Кёзелицу, Аннаберг (Саксония). Я хочу, чтобы он приехал в Ниццу. —

Сердечно приветствуя,
Твой сын.

Передай Ламе мою лучшую благодарность за её письмо.

653. An Elisabeth Förster in Naumburg

Nice (France), rue St. François de Paule 26 II 20. Dez. 1885.

Моя дорогая Лама,

надеюсь, ни одно письмо не затерялось; проверить это я уже не могу. В последнее время я, возможно, остался в долгу, потому что со здоровьем было неважно: мне не хочется много об этом говорить, — тогда уж лучше совсем бросить писать письма. Семь лет одиночества теперь позади, в сущности, я совсем не создан для одиночества, и теперь, когда я уже не вижу, как от него избавиться, почти каждую неделю меня охватывает такая внезапная тоска по жизни, что мне становится дурно. Моя диета кажется мне вполне разумной: в обед я пью молоко с небольшим количеством хлеба Грэма, вечером в 6 часов я обедаю в пансионе де Женев, где готовят так, что мой желудок остается доволен. Снотворное мне больше не нужно; по крайней мере, кружка мюнхенского пива Kindl-Bräu, которую я время от времени выпиваю, кажется мне скорее средством для пищеварения, она меня не утомляет. К грогу у меня теперь отвращение. В своей комнате я, к сожалению, сильно мерзну, теперь, когда и у нас температура опускается до 4 градусов ниже нуля (изредка —); также бывают ужасные помехи от музыки: справа — ребенок, который неумело играет гаммы, позади меня — скрипка и трубач-виртуоз. Так что я и здесь жажду перемен, но уже не в эту зиму, которую я хочу выдержать. Хуже всего то, что мне не хватает человеческих ресурсов любого лучшего сорта, да и людей, о которых я хотел бы, чтобы они здесь жили, я почти не знаю. Я бы хотел видеть здесь Кёзелица, потому что сейчас это единственный музыкант, чей вкус мне «по вкусу» — и потому что он умеет жить отшельником, не требуя многого. Но мне нужна не только музыка время от времени. —

Тем временем прибыла и прелестнейшая машинка; я ею еще не пользовался, как ты думаешь, какой горшок к ней нужен? Она должна доставить мне много удовольствия и всегда напоминать о тебе. Как глупо, что мне больше не с кем посмеяться! Если бы я был здоровее и достаточно богат, я бы, только ради того, чтобы снова обрести бодрость духа, переехал в Японию (к моему величайшему изумлению, я обнаружил, что и Зейдлиц внутренне прошел через это превращение, он сейчас артистически первый немецкий японец — прочти прилагаемые газетные отчеты о нем!) Мне нравится в Венеции, потому что там могло бы быть по-японски — пара условий для этого есть. Остальная Европа пессимистично-печальна, ужасное разложение музыки Вагнером — лишь частный случай общего разложения и уныния. —

Тут мне приходит в голову, что я еще ничего не рассказал о Кругах. Не вышло: их открытка, адресованная в пансион де Женев, была доставлена мне, когда они уже уезжали. Я помчался сломя голову на вокзал, чтобы успеть их застать. Тщетно! Поезд ушел. —

Сердечно поблагодари нашу маму за футляр для очков! Он был мне действительно очень нужен — я слишком долго таскался со старыми руинами. — Вот снова Рождество, и жаль думать, что я постоянно (как уже семь лет) осужден жить как изгой или как циничный презиратель людей. Никто больше не заботится об улучшении моего существования, у Ламы есть «дела поважнее» и, во всяком случае, достаточно дел! Все старые знакомства стали черствыми и твердыми, как камень, — когда я думаю о том, как я всегда довольствовался малым, я пугаюсь будущего, я имею в виду вероятность того, с какими людьми мне еще придется довольствоваться, из той нужды, которая заставляет черта есть мух. — Вот уж веселое рождественское письмо! Да здравствует Лама!

Ф.

Почему вы не едете в Японию? Там самая дешевая жизнь и так весело! —

Большое спасибо нашей дорогой маме за ее письмо, а также привет от старой пасторши Хаманн.

654. An Bernhard und Elisabeth Förster in Naumburg

<Nizza, gegen Ende Dezember 1885>

Мои дорогие,

стоит чудесная погода, поэтому и ваш Зверь должен снова сделать веселое лицо, хотя у него были весьма меланхоличные дни и ночи. Рождество, однако, удалось на славу. В полдень я получил вашу милую посылку, и цепочка быстро оказалась у меня на шее, а миленький календарик юркнул в карман жилета. При этом, конечно, «деньги» ускользнули, если только деньги были в письме (наша матушка пишет об этом). Простите своему слепому Зверю, который распаковывал свой скарб прямо на улице: там, должно быть, что-то выскользнуло, ведь я очень усердно искал письмо. Надеюсь, какая-нибудь бедная старушка была поблизости и таким образом нашла своего «рождественского ангела» на улице. Затем я поехал на свой полуостров Сен-Жан, прошел большой путь вдоль всего побережья и наконец подсел к молодым солдатам, которые играли в кегли. Свежие розы и герани в живых изгородях, и все зелено и тепло: совсем не по-северному! Там ваш Зверь выпил три очень больших стакана сладкого местного вина и был почти слегка пьян; по крайней мере, потом я говорил волнам, когда они слишком яростно накатывали, как говорят курам: «Цып-цып-цып!» Потом я поехал обратно в Ниццу и поужинал в своем пансионе, по-княжески; горела и большая рождественская елка. Представьте себе, я нашел boulanger de luxe, который знает, что такое «творожный пирог»: он рассказал, что король Вюртембергский заказал себе такой на день рождения. Это пришло мне на ум при слове «по-княжески». —

Пару дней болел. Так письмо и осталось незаконченным. Тем временем Овербек написал, что Роде получил приглашение в Лейпциг. Примет ли он его? Странно, меня волнует мысль, что теперь в Лейпциге или его окрестностях собирается все, что дает мне чувство, будто я не совсем бездомен. В сущности, этой осенью в Лейпциге снова было мило; немного меланхолично, но именно так, как мы, подобные нам, находим приправленными все радости жизни — старым легким ароматом роз невозвратного.

Мои глаза рано или поздно смогут выносить только леса; но старые друзья должны жить близко к этим «лесам». Не значит ли это — если все подсчитать — «Розенталь»? — И наконец, решением Лейпцигского совета была объявлена война чесноку: (единственная форма антисемитизма, которая приятна вашему космополитичному носорогу) — Прошу прощения!

В неизменной любви, ваш Ф.

Боже! Я забыл пожелать вам на Новый год невероятно много счастья, здоровья, храбрости, добрых мыслей и верных людей! — —

NB Я снова научился спать (без снотворного)

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