1884 (90 Briefe)
479. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Mein werther Herr Verleger
eine gute Nachricht! Oder vielmehr die Beste, die es, von mir aus gesehn, geben kann: mein Zarathustra ist fertig: — es bedarf der Abschrift — es bedarf des Drucks. Ich hatte im vergangenen Jahr nicht daran mehr gedacht, daß die ungeheure Sache, den Schluß zu diesen beiden ersten Theilen zu finden, mir schon in diesem Winter (in ein paar Wochen, die Wahrheit zu sagen —) gelingen werde. Ich bin glücklich und, wie schon oft in meinem Leben, von mir selber über mich selber „überrascht“.
Die Vehemenz des Gefühls bei solchen Dingen ist übrigens so groß, daß man wie ein gläsernes Gefäß auf Ein Mal dabei springen kann: und bevor dieser dritte und letzte Theil nicht gedruckt vor mir liegt, und ich von dieser Vehemenz täglich und nächtlich gequält bin, ist die Gefahr keine geringe.
Erlösen Sie mich also wenigstens mit dem vorläufigen Versprechen, daß Sie, lieber und werther Herr Schmeitzner, Alles thun werden, den Druck zu beschleunigen. —
Dieser dritte Akt meines Dramas (besser sollte ich vom Finale meiner Symphonie reden) ist dem Umfange nach (nach ziemlich genauer Schätzung) so lang wie der zweite dh. gegen 100 Druckseiten, eher weniger als mehr.
Der Inhalt enthält mancherlei „Unglaubliches“ — sehen wir zu, wie es mit der deutschen „Pressfreiheit“ bestellt ist! Zuletzt: kann man denn „Dichtungen“ verbieten? —
Mit der Bitte, mir schnell zu antworten und in allem Übrigen Ihnen zugethan und das Beste wünschend
Nietzsche
Nizza (France), pension de Genève petite rue St. Etienne
480. An Franz Overbeck in Basel
<25. Januar 1884>
Verzeihung, alter Freund, für dies Zettelchen — aber ich will eine gute Nachricht drauf schreiben. Seit vorigem Freitage ist „Also sprach Zarathustra“ vollkommen fertig — und ich bin mitten im Abschreiben. Das Ganze ist somit genau im Verlaufe eines Jahrs entstanden: im strengeren Sinne sogar im Verlaufe von 3 x 2 Wochen. —Die letzten zwei Wochen waren die glücklichsten meines Lebens: ich bin nie mit solchen Segeln über ein solches Meer gefahren; und der ungeheure Übermuth dieser ganzen Seefahrer-Geschichte, welche so lange dauert als Du mich kennst, 1870, kam auf seinen Gipfel. Wie es mit mir im auslaufenden Jahre stand, das gab mein letzter Brief zu verstehen. Auch mußte ich die völlige Fremdheit des Nizzaer Bodens reichlich büßen; sogar Geld-Verluste erheblicher Art hatte ich, indem meine Hauswirthin, der ich für Zimmer und Pension vorausbezahlt hatte, verschwinden mußte.
Jetzt habe ich mich in die stille zuverlässige Welt einer Schweizer-Pension zurückgezogen.
Die Vollendung meines Zarathustra hat meiner Gesundheit sehr wohl gethan. — Alter lieber Freund, das Nächste, was ich projektire, zur Erholung! ist ein großer Front-Angriff auf alle Arten des jetzigen deutschen Obscurantismus (unter dem Titel „Neue Obscuranten“); Dazu — habe ich Deinen Rath und Deine Beihülfe nöthig!
Von Herzen Dein N.
481. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Ich bin gerade in einer Stimmung, in der ich jeden Grad von menschlichem Blödsinn, (zumal über) moral<ische> Dinge, gutmüthig und kaltblütig über mich ergehen lasse: das will ich Deinem Briefe zu Gute kommen lassen. Auf den habe ich nicht zu antworten. Aber ich will Dir etwas erzählen.
Das Eine ist: von allen Bekanntschaften, die ich gemacht habe, ist eine der werthvollsten und ergebnißreichsten die mit L<ou>. Erst seit diesem Verkehre war ich reif zu meinem Z<arathustra>. Ich habe diesen Verkehr Deinetwegen abkürzen müssen. Verzeihung wenn ich dies härter empfinde, als Du mir nachfühlen kannst. L<ou> ist das begabteste, nachdenkendste Geschöpf, das man sich denken kann, natürlich hat sie auch bedenkliche Eigenschaften. Auch ich habe solche. Indessen das Schöne an bedenklichen Eigenschaften ist, daß sie zu denken geben, wie der Name sagt. Natürlich nur für Denker.
Es wird mir lieb sein, wenn Du mir schriebest: lieber Fr<itz> mein letzter Brief war Blödsinn sende ihn zurück — aber wenn Du es nicht thust, werde ich keine grauen Haare bekommen. A propos, könntest Du Dich nicht mit Frl. S<alomé> versöhnen?
482. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwürfe)
Aber ein Jahr nachher auf Dinge zurückkommen, die vor meinem intimen Zusammensein mit Frl. Salomé in Tautenburg und Leipzig liegen, war eine Brutalität sonder Gleichen; und mir dann Brief für Brief Dinge mitzutheilen, die mir ganz neu waren, und nachträglich noch Schmutz auf jene aufopferungsreichen Monate zu werfen, das heiße ich niederträchtig. Wenn Frl. S<alomé> über mich geäußert hat, daß ich „unter der Maske idealer Ziele“ schmutzige Absichten in Bezug auf sie verfolgte“, durfte ich so Etwas ein Jahr nachher erfahren? Ich hätte sie mit Schimpf und Schande fortgejagt und Rée’s von ihr befreit. — Dies nur als Probe von hundert Fällen, worin sich die verhängnißvolle Perversität meiner Schwester gegen mich gezeigt hat. Im Übrigen weiß ich längst, daß sie nicht eher Ruhe hat, als bis ich todt bin. Nun, mein Zarathustra ist fertig! Im Augenblick, wo er fertig wurde und ich in meinen Hafen einfuhr, stand sie da und warf mir Hände voll Schmutz in’s Gesicht.
Es sind Andeutungen in Deinem Briefe, welche mich sprachlos machen.
Bin ich es nicht, der ein Übermaaß von unverdienter Güte Euch im letzten Jahr bewiesen hat? Seid Ihr denn undankbar durch und durch? Oder so in den letzten Grund hinein verlogen, daß die einfachste Wahrheit bei Euch auf dem Kopfe steht?
Wer hat sich denn schlecht gegen mich benommen, wenn nicht Ihr? Wer hat mein Leben in Gefahr gebracht, wenn nicht Ihr? Wer hat mich so vollständig in Stich gelassen, wie Ihr, und damals, wo ich Trost nöthig hatte, mir mit Verhöhnung und Beschmutzung meines ganzen Lebens und Strebens geantwortet?
Ich kenne erst recht, und von Kindheit an, die moralische Distanz, die mich und Euch trennt, und habe all meine Milde, Geduld und Stillschweigen nöthig gehabt, um Sie Euch nicht allzufühlbar zu machen. Begreift Ihr denn Nichts von dem Widerwillen, den ich zu überwinden habe, mit solchen Menschen, wie Ihr seid, so nahe verwandt zu sein! Was bringt mich denn zum Erbrechen, wenn ich Briefe meiner Schwester lese und diese Mischung von Blödsinn und Dreistigkeit, die sich gar noch moralisch aufputzt, hinunterschlucken muß?
Ich habe nun ein paar Jahre wie ein zu Tode gemartertes Thier gegen L<isbeth> mich gewehrt und geflüchtet; ich habe sie beschworen mich in Ruhe zu lassen und sie hat nicht einen Moment aufgehört, mich zu martern. Ich fürchtete mich, vorigen August deshalb nach N<aumburg> zu gehn, um nicht thätlich mich an ihr zu vergreifen, und berieth deshalb mit O<verbeck>. Und nun stellt sie sich hin und thut, als ob sie an nichts schuld sei!
Ich weiß nicht, was schlimmer ist, die grenzenlose dreiste Albernheit L<isbeth>s, einen Menschenkenner und Nierenprüfer wie mich über 2 Menschen belehren zu wollen, welche ich Zeit und Lust genug hatte, aus der nächsten Nähe zu studiren: oder die unverschämte Taktlosigkeit, Menschen unausgesetzt mit Schmutz vor mir zu bewerfen, mit denen ich doch jedenfalls ein wichtiges Theil meiner geistigen Entwicklung gemein habe und welche insofern mir 100 Male näher stehen als dieses alberne rachsüchtige Geschöpf.
Mein Ekel mit einer so erbärmlichen Creatur verwandt zu sein.
Woher hat sie diese ekelhafte Brutalität — woher jene verschmitzte Manier, giftig zu stechen <durch welche ihr Brief an Frau R<ée> mir unbeschreiblich wehe that, in die Seele von Frau R<ée> hinein)
Wenn ein Mensch wie ich sagt „der und der gehört in den Plan meines Lebens“ wie ich es L<isbeth> über Frl S<alomé> gesagt habe — so ist es eine blödsinnige Albernheit des Urtheils und des Willens zu schaden und sich an überlegenen Geistern zu rächen. Dann mir in einer so infamen Weise entgegen zu arbeiten. Zuletzt habe ich doch durchgesetzt, was ich wollte.
Die dumme Gans ging so weit, mir Neid auf R<ée> vorzuwerfen! und mich mit G<ersdorff> und sich mit M<alwida> zu vergleichen!
Du kannst mir nicht nachfühlen, welcher Trost mir jahrelang Dr R<ée> gewesen ist — faute de mieux wie es sich von selber versteht, und welche unglaubliche Wohlthat mir gar der Verkehr mit Frl S<alomé> gewesen ist.
Was den Brief L<isbeth>s anlangt — so beunruhigen mich Urtheile über mich selber nicht. Ich denke, ich habe dasselbe schon Ein Mal zu hören bekommen — war’s von L<isbeth>? Oder von Frl S<alomé>? Über mich wenigstens stimmten sie damals überein. Wer treibt denn darin doppel Spiel?
Glaube ja nicht, l<iebe> M<utter>, daß ich schlechter Laune bin. Im Gegentheil! Aber wer jetzt nicht zu mir hält, der laufe zum Teufel — oder meinetwegen nach P<araguay>.
483. Vermutlich an Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
Das Dümmste ist, daß ein grenzenlos absurder Brief meiner Schwester mich nöthigt, aus meiner allzu schonenden Zurückhaltung gegen sie herauszutreten.
Nebenbei gesagt, meine Schwester ist ein Unglückswurm: es ist ihr jetzt das sechste Mal in zwei Jahren passirt, daß sie mitten hinein in meine höchsten und seligsten Gefühle — Gefühle, wie sie auf der Erde überhaupt selten dagewesen sind — einen Brief hineingeworfen hat, der den niederträchtigsten Geruch des Allzumenschlichen hat.
Ich wunderte mich auch in Rom und Naumburg immer darüber, wie selten sie etwas sagt, was mir nicht wider den Strich ist.
Ich bin nach jedem Brief empört gewesen, über die schmutzig verleumderische Art, in der meine Schwester von Frl. Salomé redet. Es mag sich gegen das Mädchen einwenden lassen, was man will — und gewiß anderes als meine Schwester thut — aber dabei bleibt übrig, daß ich kein begabteres, nachdenkenderes Geschöpf gefunden habe. Und obwohl wir nie übereinstimmten, ebenso wie es zwischen Rée und mir stand, so waren wir doch beide nach jeder halben Stunde Zusammensein glücklich über die Menge, die wir dabei gelernt hatten. Und nicht umsonst habe ich in diesen letzten 12 Monaten meine höchste Leistung geleistet. Gewarnt waren wir hinreichend voreinander: und so wenig wir uns liebten, so wenig war es doch nöthig, daß wir einen für uns und alle Welt im höchsten Sinne nützlichen Verkehr aufgaben. Etwas Ähnliches gilt für meinen Verkehr mit Rée; ich weiß heute so gut wie vor sechs Jahren, wo seine Schwächen sind. — Aber er gehört als Denker in meine Entwicklung, und seine Bahnen sind in einem gewissen Sinne meine Erzeugnisse. Daß die Beiden sich gemein gegen mich benommen haben, ist wahr — aber ich hatte es ihnen vergeben, wie ich meiner Schwester schlimmeres Verhalten gegen mich vergeben hatte.
Meine Schwester, dreist gemacht durch die allzu bescheidne Gesellschaft Naumburgs und, wie schon gesagt, an die abscheulichste Litteratur gewöhnt, die es jetzt giebt — ist endlich auch verwöhnt durch meine Gutmüthigkeit und Schonung. Wie viel Briefe an sie habe ich verbrannt! Wie hundert Male habe ich gesagt: „sie kann nichts für ihre Art, laß sie laufen: eines Tages zeigt sie schon wieder ihre angenehmsten Seiten“.
Auf einen Brief wie den letzten Brief meiner Schwester gebührten sich von Rechts wegen eigentlich ein paar Ohrfeigen.
484. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein alter treuer Freund, — denn daß ich so lange schwieg, das hat Sie mir gewiß nicht untreu gemacht. Es gab nichts Gutes zu melden, und ich habe vom vorigen Winter her die Erinnerung und Scham, wie viel Schlimmes ich damals zu Papier gebracht habe, zu Ihrem Leidwesen — es war selber eine Krankheit in der Krankheit, meine damalige Briefschreiberei. — Wissen Sie eigentlich, daß ich im vorigen Winter einen Typhus durchgemacht habe?
Diesen Winter, bis zu Neujahr, gieng es nun wieder zum Verzweifeln; und auch meine Gesundheit war vom Schlimmsten, so wie einmal in Basel. Zu alledem maltraitirte mich meine Schwester nach wie vor mit Briefen, welche ich unter den Begriff „Antisemitismus“ fassen will — Sie errathen, welchen engeren Inhalt sie hatten. Nun, ich bin wieder einmal über alle „Berge“. —
Inzwischen ist mein Verlangen nach Ihrer Musik so groß geworden, daß ich unversehens wohl einmal in Venedig erscheinen werde. Es ist ein Verlangen wie nach schwerer Krankheit: ich glaube, Sie finden in der ganzen Welt keine Ohren, die so auf Sie hören möchten, lieber Freund! —
Zudem: ich möchte auch ein Fest zu Zweien mit Ihnen feiern, und habe guten Grund dazu — denn ich bin im Hafen! Mein „Zarathustra“ ist seit vierzehn Tagen fertig, ganz fertig — —
Wissen Sie vielleicht eine stille deutsche Pension, wo man etwa zu 5 frcs. al giorno leben kann (das Frühstück abgerechnet, welches ich mir selber besorge; auch ohne Wein: denn ich bin kein Weintrinker)
Dieses Jahr, oh lieber Freund, — mag es Ihnen und mir gedeihen!
Von Herzen
Ihr Nietzsche.
Ich weiß, Freund, was Sie zu thun haben: fürchten Sie nicht, daß ich in Bezug auf Ihre Zeit unbescheiden bin. — —
Dieser Januar war der schönste, den ich erlebte: auch dem Wetter nach.
Nice <France>
Pension de Genève, petite rue St. Etienne.
485. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Schönsten Dank, mein werthester Herr Verleger! Und haben Sie guten Muth: Sie haben jetzt das zukunftreichste Buch in Ihrem Verlag, das es giebt — — ich weiß sehr gut, was ich da sage und bin keineswegs toll oder eitel. — Sollte Naumann wieder der Drucker sein, so bestehen Sie unerbittlich auf tiefschwarzen Druck, auch schon für die Correctur-Bogen (ich habe das letzte Mal mit dieser Leipziger „Blässe“ meinen Augen geschadet) Sodann erinnre ich daran, daß das Manuscript nicht an mich, sondern an Hr. Köselitz zu senden ist (der 2. Zarathustra ist in Folge des umgekehrten modus druckfehler-reicher als ich wünschte!) — Vor Allem aber presto, presto! Denn es handelt sich um das Finale meiner Symphonie. Also nicht wieder 500,000 Gesangbücher und andre Teufeleien!
F.N.
486. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber alter Freund,
ich höre mit Betrübniß vom „Gedärme“ und was damit zusammenhängt; es ist der böse Monat, wo man im Norden zum Bewußtsein gebracht wird, daß man den Winter wie eine Schuld zu büßen hat. Ach, und was hat man jetzt im Norden nicht zu „büßen“! Umgebung, Bestrebungen, Vereinsamung — im Grunde ist alles Winter daselbst und wirkt zuletzt aufs „Gedärme“. — Um so mehr bewegt mich Dein Wort „innerlicher Jubel“. Ach, Freund, wer freut sich denn noch, daß ich „über meinen Berg“ bin! Ein Einsiedler in Venedig und Einer in Vallombrosa noch (letzterer leider auch unter vieler Noth des Gedärmes!)
— Was die deutschen Zustände betrifft, so mag wohl Dein Rath an mich, den ich aus Deinen Worten herauslese, der richtige sein: „man soll den Sumpf nicht aufrühren“. Mit was für häßlichen und im Grunde ephemeren Dingen müßte ich mich bekannt machen! Im Grunde ist es die Auszeichnung meiner Position, daß ich von so Vielem nicht weiß und nicht zu wissen brauche (z. B. der Name „Nordau“ ist mir unbekannt). In der That, wir wollen warten und auch unsre Feindschaft in’s Große treiben. —
Eine „Erholung“ übrigens habe ich nöthig, und, wenn es keine kriegerische ist, so muß es eine tüchtige Muskel-Übung sein — Fußmärsche und dergleichen. —
Vielleicht durchlaufe ich einmal die riviera bis nach St. Raphael hin; bisjetzt betrachte ich das Clima von Nizza als das einzig für mich passende; Genua war ein großer Mißgriff, und St. Margherita ein — lebensgefährlicher. — Andrerseits ist mir Nizza zuwider, als Abklatsch von Paris und großthuerische Halb-Großstadt; es fehlt Wald, Schatten, Stille in einem kaum glaublichen Maße. Wäre ich vermögend, so würde ich schon anderswo an der riviera leben; aber verhältnißmäßig lebe ich hier natürlich am billigsten, weil es die größte Stadt ist.
Lieber Freund, es hilft nichts, wir müssen die letzten 500 frs. von der Handwerker-Bank zurücknehmen. Ich habe jetzt Geld nöthig. Aber ich will mich dies Jahr über nichts ärgern: ob es schon Gründe gäbe. —
Es wird bereits gedruckt, falls Schmeitzner seine Schuldigkeit gethan hat. — Übrigens ist der ganze Zarathustra eine Explosion von Kräften, die Jahrzehende lang sich aufgehäuft haben: bei solchen Explosionen kann der Urheber leicht selber mit in die Luft gehen. Mir ist öfter so zu Muthe: — das will ich Dir nicht verbergen. Und ich weiß im Voraus: wenn Du aus dem Finale ersehen wirst, was mit der ganzen Symphonie eigentlich gesagt werden soll (— sehr artistisch und schrittweise, wie man etwa einen Thurm baut), — so wirst auch Du, mein alter treuer Freund, einen heillosen Schrecken und Schauder nicht überwinden können. Du hast einen äußerst gefährlichen Freund; und das Schlimmste an ihm ist, wie sehr er zurückhalten kann. Wie gerne möchte ich mit Dir und Deiner lieben verehrungswürdigen Frau zusammen lachen (mich über mich selber todtlachen!!!)
Von Herzen
Dein Nietzsche.
487. An Fräulein Simon (Albumblatt)
Die Einen reisen, weil sie sich suchen; die Andern, weil sie sich verlieren möchten.
+ + +
Wir machen es auch im Wachen wie im Traume: immer erfinden und erdichten wir erst den Menschen, mit dem wir verkehren — und vergessen dann sofort, daß wir ihn erfunden und erdichtet haben.
+ + +
Redlich gegen uns selber und wer sonst uns freund ist, muthig gegen den Feind, großmüthig gegen den Besiegten, höflich gegen Alle. —
Friedrich Nietzsche.
488. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund,
unbesorgt! Es geht und soll gehn! Die Wahrheit ist, daß eine Verwandlung mit mir vorgeht, und freilich giebt es Augenblicke dabei, wo ich nicht weiß, wie ich den nächsten Augenblick aushalten soll. Aber ich habe alle Taschen voll Erfahrungen und selbsterdachter Recepte. Ob sich wohl jemals ein Mensch so allein gefühlt hat? Ob ich nicht schließlich stumm werde? Zum Mindesten bin ich alle Tage ein Paar Mal auf dem Punkte, Napoleon zuzustimmen, welcher gesagt hat: „es giebt Dinge, die man nicht schreibt.“ Die Gesundheit ist inzwischen immer besser geworden, seit Neujahr erst drei Anfälle. Ich meine, das, was ich gethan habe, ist zugleich für meinen Leib eine Erlösung und Erquickung. Die Spannung der letzten 10 Jahre war zu groß: dies hatte seine physischen Consequenzen. — Ah, man soll nur seine Aufgabe hübsch durchführen, man fährt dabei am besten. Nun habe ich zum ersten Male meinen Hauptgedanken in eine Form gebracht — und siehe da, wahrscheinlich habe ich mich selber dabei erst „in eine Form gebracht.“ —
Übrigens brauche ich nachgerade einen Menschen, der etwas meinen Verkehr mit den lieben Mitmenschen wie ein Ceremonien-Meister überwacht: daß ich wenigstens nicht mehr den ärgsten Brutalitäten und Ungeschicktheiten der bêtise humaine ausgesetzt bin. Was man sich gegen mich an Anmaaßung und Zudringlichkeit in den letzten Jahren bis hin auf die letzten Tage erlaubt hat — geht über alle Vorstellung und Geduld hinaus. Ich muß mich noch ganz anders in meine Einsamkeit einwickeln. Namentlich aber muß ich verlernen, Briefe zu schreiben, in denen ich mich leidend zeige. Der Leidende ist die wohlfeile Beute für Jedermann; in Bezug auf einen Leidenden ist Jeder weise. — (Ganz objektiv betrachtet: wie viel Vergnügen schafft der Leidende denen, die es gerade nicht sind!) —
Mit Vallombrosa viel Verkehr, Übersenden von Bildern, meteorologischen Tabellen u.s.w. Das Problem ist noch nicht gelöst. —
Herzlichsten Dank für das übersandte Geld! Ich lachte dabei, als es ankam: denn ich hätte schon noch etwas warten können! Aber meine allgemeinen „Beängstigungen“ äußern sich mitunter in solchen ganz speziellen Beängstigungen z.B. ob ich noch Geld genug habe für Übermorgen, oder Streichhölzer u.s.w. u.s.w.
Übrigens fand ich noch Niemand, der mich auf einer Fußreise begleiten will. Allein reisen — ist für mich Myops nachgerade eine Thierquälerei. So bleibe ich denn wohl noch Etwas hier: obschon das Licht jetzt schon zu intensiv für mich geworden ist.
Wäre ich doch nicht so arm! Zum Mindesten möchte ich einen Sklaven haben, wie auch noch der ärmste griechische Philosoph ihn hatte. Ich bin zu blind für sehr viele Dinge. Dir und Deiner lieben Frau von ganzem Herzen zugethan
N.
489. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Geehrtester Herr,
in Betreff des Drucks von „Also sprach Zarathustra“ bitte ich angelegentlich um jeden Grad von möglicher Beschleunigung: denn ich kann nur noch kurze Zeit hier in Nizza bleiben. Bis heute (Freitag) ist noch kein Bogen eingetroffen.
Hochachtungsvoll
Ihr
Professor Dr. Nietzsche.
Nice (France) pension de Genève petite rue St. Etienne.
490. An Erwin Rohde in Tübingen
Mein alter lieber Freund
ich weiß nicht, wie es zugieng: aber als ich Deinen letzten Brief las und namentlich als ich das liebliche Kinder-Bild sah, da war mir’s, als ob Du mir die Hand drücktest und mich dabei schwermüthig ansähest: schwermüthig als ob Du sagen wolltest „Wie ist es nur möglich, daß wir so wenig noch gemein haben und wie in verschiedenen Welten leben! Und einstmals — —“
Und so, Freund, geht es mir mit allen Menschen, die mir lieb sind: alles ist vorbei, Vergangenheit, Schonung; man sieht sich noch, man redet, um nicht zu schweigen —, man schreibt sich Briefe noch, um nicht zu schweigen. Die Wahrheit aber spricht der Blick aus: und der sagt mir (ich höre es gut genug!) „Freund Nietzsche, du bist nun ganz allein!“
So weit habe ich’s nun wirklich gebracht. —
Inzwischen gehe ich meinen Gang weiter, eigentlich ist’s eine Fahrt, eine Meerfahrt — und ich habe nicht umsonst Jahrelang in der Stadt des Columbus gelebt. — —
Mein „Zarathustra“ ist fertig geworden, in seinen drei Akten: den ersten hast Du, die beiden andern hoffe ich in 4—6 Wochen Dir senden zu können. Es ist eine Art Abgrund der Zukunft, etwas Schauerliches, namentlich in seiner Glückseligkeit. Es ist Alles drin mein Eigen, ohne Vorbild, Vergleich, Vorgänger; wer einmal darin gelebt hat, der kommt mit einem andern Gesichte wieder zur Welt zurück.
Aber davon soll man nicht reden. Für Dich aber, als einen homo litteratus, will ich ein Bekenntniß nicht zurückhalten — ich bilde mir ein, mit diesem Z<arathustra> die deutsche Sprache zu ihrer Vollendung gebracht zu haben. Es war, nach Luther und Goethe, noch ein dritter Schritt zu thun —; sieh zu, alter Herzens-Kamerad, ob Kraft, Geschmeidigkeit und Wohllaut je schon in unsrer Sprache so beieinander gewesen sind. Lies Goethen nach einer Seite meines Buchs — und Du wirst fühlen, daß jenes „Undulatorische“, das Goethen als Zeichner anhaftete, auch dem Sprachbildner nicht fremd blieb. Ich habe die strengere, männlichere Linie vor ihm voraus, ohne doch, mit Luther, unter die Rüpel zu gerathen. Mein Stil ist ein Tanz; ein Spiel der Symmetrien aller Art und ein Überspringen und Verspotten dieser Symmetrien. Das geht bis in die Wahl der Vokale. —
Verzeihung! Ich werde mich hüten, dies Bekenntniß einem Andern zu machen, aber Du hast einmal, ich glaube als der Einzige, mir eine Freude an meiner Sprache ausgedrückt. —
Übrigens bin ich Dichter bis zu jeder Grenze dieses Begriffs geblieben, ob ich mich schon tüchtig mit dem Gegentheil aller Dichterei tyrannisirt habe. Ach Freund, was für ein tolles, verschwiegenes Leben lebe ich! So allein, allein! So ohne „Kinder“!
Bleibe mir gut, ich bin’s Dir wahrhaftig!
Dein
F. N.
491. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund, ich schrieb nicht, weil ich Etwas Bestimmtes Ihnen melden wollte und nicht dazu kam, mich zu „bestimmen“. Das Dumme ist nämlich, daß Venezia und Nizza klimatische Gegensätze sind — und daß mir Nizza unbeschreiblich wohlthut. Ich las eben wieder (Sigmund, Klimatische Kurorte p. 195) über Venedig „wie in Pau beobachtet man die herabstimmende, beruhigende, erschlaffende Einwirkung auf den Kreislauf, das gesammte Nervensystem usw.“ — das bedeutet aber für mich Kopfschmerz und Schwermuth. Nun habe ich jetzt so viel auf der Seele (ach, Freund, zuerst und vor Allem das Gefühl einer unbeschreiblich großen Verantwortlichkeit!!) daß ich keinen Fehler in klimatischer Beziehung machen darf. Wissen Sie, daß der Fehler des vorigen Winters (Santa Margherita mit seiner feuchten Luft) mir fast (sehr „fast!“); das Leben gekostet hat? — —
Auf der andern Seite dürste ich förmlich nach Ihrer Musik und nach guten Gesprächen mit Ihnen; oder auch nach gemeinsamem Schweigen. Denn — ich bin schweigsam geworden! Alle Dinge hängen zusammen, und ich fand nachgerade so Vieles, worüber ich nicht mehr sprechen mag: wo soll man da anfangen zu reden und aufhören zu schweigen! Musik ist bei weitem das Beste; ich möchte jetzt mehr als je Musiker sein. —
Ist es denn nicht möglich, uns einmal einen Winter an dieser Küste einzurichten? Oder könnten Sie den Sommer nach Sils-Maria kommen? Ihre letzten Briefe gaben keine weitere Auskunft über das Projekt mit Bologna für nächsten Herbst: es scheint mir nöthig, daß jetzt schon dafür Alles vorbereitet werden müßte. Gesetzt, Sie könnten mit einiger Sicherheit diese Aufführung für die bezeichnete Zeit bestimmen: so würde ich darauf hin vielleicht meine Sommer-Pläne verändern und etwa Vallombrosa bei Florenz zu meiner Sommer-Residenz auswählen.
Es fällt mir ein, daß ich neulich vergessen habe, Ihre Hülfe und Mit-Arbeit mir für den letzten Theil des Zarathustra abzubitten; und so mag vielleicht in diesen Tagen ein Correctur-Bogen ganz grob und ungezogen bei Ihnen zur Thür hinein gefallen sein. Seien Sie freundlich und helfen Sie mir dies Mal noch! — Ich ärgere mich so über Druckfehler und habe davon so viel stehen lassen (im 2ten Theile, auf den 3 ersten Bogen, deren Manuscript der große Taps Schmeitzner Ihnen vorenthalten hatte) Sandte ich Ihnen nicht schon Einiges von dieser Gattung? hier gleich noch zwei! Seite 8 Zeile 5 von Oben muß es heißen Zeuge- und Werdelust statt Zunge und Werdelust. — Seite 15 Zeile 12 von Oben muß es heißen Aber wen statt Aber wer. usw.
Nochmals: die regelmäßige Zusammenstellung Venedigs mit Pisa und Pau (auch Rom) in seiner Wirkung macht mich jetzt bedenklich; welche klimatischen Thorheiten habe ich nicht schon begangen! Und wie habe ich sie büßen müssen!
Seien Sie nicht böse, lieber Freund — mich selber macht es so ungeduldig, wieder zur Geduld verurtheilt zu sein!
Ihr getreuer Nietzsche
492. An Ferdinand Laban in Berlin
Mein werther Herr Doctor,
Gestern fiel mir ein, daß ich seit vorigem Frühjahr Nichts von Ihnen gehört habe, nicht einmal, daß die damals an Sie abgesandte Photographie wirklich in Ihre Hände und vor Ihre Augen gelangt ist. Dabei kamen mir besorgliche Gedanken, ich argwöhnte, Sie möchten krank sein — und in der That, aus Allem, was Sie geschrieben haben, empfindet (athmet man gleichsam) die Nähe einer sehr zarten, sehr leidensfähigen Organisation.
Sagen Sie ein Wort zu meiner Beruhigung. Ich träume davon, daß ich in nicht ferner Zeit irgendwo im Süden, am Meere, auf einer Insel, umgeben von den zutrauenswürdigsten Freunden und Arbeits-Genossen leben werde; — und in diesen stillen convent habe ich auch wohl Sie mit hineingedacht. —
Von „Also sprach Zarathustra“ — (meinem „Manifeste“); sind die beiden ersten Theile im vorigen Jahre erschienen. Am dritten und letzten Theile wird bereits gedruckt.
Meine Adresse ist zunächst noch: Nizza (France) pension de Genève, petite rue St. Etienne.
Mit den allerbesten Wünschen Ihr
Nietzsche.
493. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund, Das ist ja eine herrliche Neuigkeit, dieser Entschluß, den Sie mir melden — eine so naturgemäße Lösung Ihres Venetianerthums! Ich merke jetzt erst, wie es mich im Grunde beunruhigt hat, daß Sie nicht an der Spitze Ihrer Truppen marschiren wollten — ich meine mit dem Taktstock in der Hand! Vor Allem wünschte ich nun, daß der Contrakt mit dem Impresario sogleich gemacht werde, und kein Tag mehr dazwischen trete: das Fertigwerden der Partitur ist ja dazu durchaus nicht nöthig!
Mit diesem Projekte haben Sie einen Köder nach mir geworfen, dem ich alter Musik-Karpfen nicht ausweichen kann: ja, ich komme dazu nach Venedig, und schon zu den Proben, falls Sie mir dies erlauben werden. Niemals in meinem Leben habe ich Musik so nöthig gehabt wie in diesem Jahre —: schließlich kommt Alles zur rechten Zeit! Ich, für meinen Theil, bin genau im vierzigsten Jahre an den Punkt gelangt, an welchen für dies Jahr zu gelangen ich mir in den 20ger Jahren vorsetzte. Eine hübsche lange und sehr schauderhafte Seefahrt! —
Nun aber, da ich im Hafen bin, Musik! Musik! —
Meine Gesundheit war noch nie so gut wie vom 1. Januar ab. Natürlich war ich seitdem auch eine ganze Reihe von Tagen krank: und zwar, ausnahmslos, sobald der Himmel bedeckt war!
Ich halte es nun für ausgemacht, daß mein Kopfleiden ausschließlich mit reinem Himmel zu kuriren ist. —
Verzeihung, daß ich davon rede, es ist nur um mich zu rechtfertigen, wenn ich noch etwas länger hier bleibe: — länger als ein paar Wochen aber schwerlich! —
Und dann? — Ich weiß nicht, was. Ich bin sehr angelegentlich nach Vallombrosa eingeladen, von einem Herrn Paul Lansky, der Mitbesitzer des dortigen Hôtels ist und sich mir gewissermaßen zu Gebote gestellt hat. Er ist unabhängig, mehr Pessimist noch als Skeptiker, mir sehr zugethan (er schreibt an mich „Verehrter Meister“ — was mir kuriose Empfindungen und Erinnerungen giebt), und vom Herbst ab will er gehn, wohin ich will. Er hat mir Bilder und meteorologische Tabellen über V<allombrosa> geschickt (950 Meter hoch, Tannenwald) Wenn ich will soll ich im „Paradisino“ wohnen, allein, (dort wo der heilige Gualterus selber gelebt hat.) —
Die Wahrheit zu sagen — ich wäre zehn Mal lieber bei Ihnen. Und wenn ich komme, nicht wahr, da suchen Sie mir einmal ein Zimmer am Canale grande? — daß ich in die ganze lange bunte Stille vom Fenster aus hinausschauen kann? Außer Capri hat im Süden Nichts mir einen solchen Eindruck gemacht wie Ihr Venedig. Ich rechne es nicht zu Italien: irgend was vom Orient ist da hinuntergefallen. —
Schließlich! Schließlich — ich habe Musik nöthig und Ihre Musik! Ich muß eine Kur machen — —
Sie sehen, wie sich die Gedanken bei mir, mit Paulus zu reden, „verklagen und entschuldigen“. Ich ärgere mich, daß ich nicht bei Ihnen bin.
Treulich Ihr Nietzsche
494. An Franz Overbeck in Basel
Anbei, mein lieber Freund Overbeck, ein Brief, der eine sehr gute Nachricht enthält. Wie lange habe ich auf diesen Entschluß unsres Musikers in Venedig gewartet! — und es war eine Sache von der Art, die Einem Stillschweigen außegt. Also — er will sich an die Spitze seiner „Truppen“ stellen, den Taktstock in der Hand! Ich schrieb ihm, er möge keinen Tag mehr verstreichen lassen und den Contract mit dem Impresario fertig und fest machen.
Der Anfang seines Briefes handelt von meinem Zarathustra, in einer Manier, die Dich eher beunruhigen als befriedigen wird. Himmel! wer weiß, was auf mir liegt und was für Stärke ich brauche, um es mit mir selber auszuhalten! Ich weiß nicht, wie ich gerade dazu komme — aber es ist möglich, daß mir zum ersten Male der Gedanke gekommen ist, der die Geschichte der Menschheit in zwei Hälften spaltet. Dieser Zarathustra ist nichts als eine Vorrede, Vorhalle — ich habe mir selber Muth machen müssen, da mir von überall her nur die Entmuthigung kam: Muth zum Tragen jenes Gedankens! Denn ich bin noch weit davon entfernt, ihn aussprechen und darstellen zu können. Ist er wahr oder vielmehr: wird er als wahr geglaubt — so ändert und dreht sich Alles, und alle bisherigen Werthe sind entwerthet. —
Von diesem Sachverhalt hat Köselitz eine Ahnung, einen Vor-Geruch. Ich schreibe dies zu seiner Entschuldigung. — —
Im Übrigen: es gab wieder für mich Erlebnisse zum Ersticken (ich deutete es im letzten Briefe an), aber ich bin drüber hinweg.
Meine herzlichsten Grüße!
Dein N.
N.B. Es bleibt dabei, daß ich einen Ceremonienmeister (eine Art Schutzmann) nunmehr nöthig habe. Im andern Falle muß ich die absolute Einsamkeit wählen.
495. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein lieber Freund,
über Mailand habe ich ebenso sprechen hören wie Sie — es giebt „den Ton“ an. Und dies war schon der Fall zu Stendhal’s Zeiten. Wissen Sie, daß dieser nicht genug zu schätzende Mensch auf seinen Grabstein setzen ließ
„Arrigo Beyle Milanese“ so sehr glücklich hatte er sich in Mailand gefühlt, „neugeboren“! — Aber Sie sollten schlechterdings darauf bestehn, selber auch zu „dirigiren“! Bei allen neuen Stilen giebt es nur Einen, der ihn vorzutragen versteht; daran glaube ich gerade auch in Ihrem Falle! Übrigens warf mir der Zufall einen Aufsatz über Cimarosa’s M<atrimonio> S<egreto> zu: von Hanslick. Der scheint ganz gut zu wissen, was allen diesen großen Musik-Gewaltigen von Schumann an fehlt — einmal der „volle Sonnenschein“ und sodann der veritable „Buffo“ — —
Ich sagte Ihnen wohl schon in Leipzig: in Ihrer Musik ist „voriges Jahrhundert“ und das heißt für Menschen des neunzehnten Jahrhunderts beinahe so viel wie „Unschuld und Seligkeit“. Vor Allem aber Narrheit — und immer mehr scheint es mir, daß das Leben ohne Narrheit gar nicht auszuhalten ist.
Himmel! Was liegt mir jetzt alles auf dem Nacken!! Irgend ein Selbst-Erhaltungstrieb schreit jetzt förmlich nach Ihnen und Ihrer Kunst, Sie Erleichterer meines Daseins, dem ich jeden Tag ein Mal im Herzen Dank sage! —
Zuletzt ist in mir, neben Ihrem Mailänder Plane und durchaus nicht im Gegensatz dazu, noch einmal der Gedanke aufgestiegen, daß Ihr Werk, falls es der Königin Margherita gewidmet wäre, eine Art Eifersucht der Italiäner weniger erregen würde, die, bei der Erinnerung an ihren Cimarosa, ihnen sehr leicht kommen könnte. In diesem Jahrhundert des Nationalitäten-Wahnsinns! —
M. von Meysenbug und die Gräfin Dönhoff wünschen durchaus, daß ich nach Rom komme und ein paar Vorträge halte. Aber ich bin ferne davon. Doch könnte ich, in Bezug auf Sie, und wenn ich Ihnen damit diene, mich schon zu einer römischen Reise bestimmen.
Im Übrigen kamen gestern von Vallombrosa — Veilchen an mich hier an: zum Zeichen, wie weit auch dort die Natur ist (950 M.) Haben Sie keine Möglichkeit, mich etwas über Lanzky zu informiren (Jude? Und wer ist der Musiker Widmann?)
Beiläufig neben allem diesem „Beilaufenden“: hat Venedig eine gute Bibliothek auch für deutsche Bücher, namentlich Historie? —
Mein „Zarathustra“ kommt langsam, langsam vorwärts — wer weiß, ob nicht wieder ihm 500 000 Gesangbücher im Wege sind!
Sie werden auf den letzten Bogen noch einige Ueberraschungen haben. Der Teufel weiß! — nun, nachdem ich soweit mein Stillschweigen gebrochen habe, bin ich zu „mehr“ verpflichtet, zu irgend einer „Philosophie der Zukunft“ — eingerechnet „dionysische Tänze“ und „Narren-Bücher“ und anderes Teufelszeug. — Man muß noch weiterleben!!! Was denken Sie? —
Eigentlich hat Schopenhauer den Pessimismus verdorben —; er war zu eng für diese ganze prachtvolle Nein-sagerei. —
Mit hundert guten Wünschen
Ihr N.
(Arbeiten Sie nicht zu viel!)
Wann könnten Sie nach Mailand kommen? (Die Partitur braucht nicht fertig zu sein!) — Wichmann, nicht Widmann! sonst in Rom.
496. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Geehrter Herr,
ich bin mir nicht sicher, ob ich an 2 Stellen der letzten Correctur-Bogen genügend corrigirt habe und bitte an diesen Stellen einmal nachzusehn. p. 68 Zeile 10 von unten muß es heißen: meine reichste Gabe
p.103 Zeile 8 von oben muß es heißen: und „Umfang der Umfange“ und „Nabelschnur der Zeit“ und „azurne Glocke“.
Zuletzt ersuche ich die Vollendung des Drucks zu beeilen — ich warte hier schon viel zu lange auf das Fertigwerden dieses kleinen Buchs von 7 ½ Bogen! Sobald die 5 ersten Exemplare in meinen Händen sind, reise ich ab: ich bitte dringend darum, daß Dies bald geschieht!
Ergebenst Dr. Nietzsche
497. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber alter Freund Overbeck, die Angelegenheit unseres Venediger maëstro steht nicht mehr auf den Füßen des letzten Briefes, den ich Dir sandte: der damalige Plan ist ihm von Sachverständigen ausgeredet worden: — jetzt will er sich mit der Verlagshandlung Lucca in Mailand einlassen, ganz in der Art, wie es die italiänischen Opern-componisten machen, um ihr Werk zur Aufführung zu bringen. Alles Genauere mag Dir der beiliegende Brief andeuten; in dem auch äusserst anziehende Worte über seine Nausicaa-Conception stehn. Er hat Tiefe und Kraft, unser Freund — und er darf sich, nach seiner Gesundheit, lange Ziele vorsetzen.
Deine Bemerkung, daß Du „ansehnlich magerer“ geworden bist, hat mir zum Bewußtsein gebracht, daß ganz Dasselbe auch in Bezug auf meine Leiblichkeit geschehn ist. Wir — arbeiten zu viel: da steckt wahrscheinlich der Grund, warum unsere Maschine ihren periodischen Knacks haben muß. Mir fiel dieser Tage ein, daß ich in drei Jahren „die Morgenröthe“, „die fröhliche Wissenschaft“ und den „Zarathustra“ gemacht habe: in Anbetracht, daß diese Litteratur unter den Begriff „Liebigscher Fleischextract“ gehört, darf ich mich über meine „Gesundheit“ nicht verdrießen — eher verwundern! Und ganz so steht es mit Deiner ungeheuren Arbeitsamkeit.
Nizza halte ich fest: es ist klimatisch mein „gelobtes Land“. Nur muß man hier tüchtig essen und nicht à la Cornaro leben.
Wo ich die nächste Zeit sein werde, weiß ich heute noch nicht: die Druck-Angelegenheit zwingt mich, noch Etwas hier auszuhalten, wo es schon viel zu hell für meine Augen geworden ist. (Beiläufig: meine Halb-Blindheit hat mir hier viel Theilnahme und sogar briefliche und mündliche Hülfe-Anerbieten verschafft. Es steht schlimm.)
Dir und Deiner lieben Frau die Versicherung meiner treuen Freundschaft.
F.N.
Ich habe keine Quittungs-Formulare mehr — oder weiß sie nicht zu finden. Verzeihung!
498. An Malwida von Meysenbug in Rom
Meine verehrte Freundin,
aus tiefer Arbeit heraus ein Wort! Und damit ist im Grunde auch Alles schon gesagt: meine Entschuldigung für Nicht-Schreiben, Nicht-Kommen und was ich sonst noch für „Schuld“ gegen Sie auf dem Herzen haben mag. —
Nizza ist, in der auffälligsten Weise, der erste Ort, der meinem Kopf (und sogar meinen Augen!) wohlthut; und ich ärgere mich, so spät zu dieser Einsicht gekommen zu sein. Was ich brauche, erstens, zweitens und drittens: das ist Heiterkeit des Himmels und Sonnenschein ohne jegliches Wölkchen, gar nicht zu reden von Scirocco, meinem Todfeinde. Nizza hat im Jahre durchschnittlich 210 solcher Tage, wie ich sie brauche: unter diesem Himmel will ich schon das Werk meines Lebens vorwärts bringen, das härteste und entsagungsreichste Werk, das sich ein Sterblicher außegen kann. — Ich habe Niemanden, der darum weiß: Niemanden, den ich stark genug wüßte, mir zu helfen. Es ist die Form meiner Menschlichkeit, über meine letzten Absichten hübsch schweigsam zu leben; und außerdem auch die Sache der Klugheit und Selbst-Erhaltung. Wer liefe nicht von mir davon! — wenn er dahinter käme, was für Pflichten aus meiner Denkweise wachsen. Auch Sie! Auch Sie, meine hochverehrte Freundin! — Diesen würde ich zerbrechen und Jenen verderben: lassen Sie mich nur in meiner Einsamkeit!!!
— Daß ich in den letzten Jahren jede Art von Niederträchtigkeit erlebt habe und daß beinahe Jedermann, meine Mutter und Schwester sehr eingerechnet, Hände voll Schmutz nach meinem Charakter geworfen haben, Dies rechne ich nicht zu hoch an: ob es gleich, weil es auf Ein Mal kam, mich beinahe um den Verstand gebracht hat. Es war zuletzt eine Eselei von mir, mich „unter die Menschen“ zu begeben: ich mußte es ja voraus wissen, was mir da begegnen werde.
Die Hauptsache aber ist die: ich habe Dinge auf meiner Seele, die hundert Mal schwerer zu tragen sind als la bêtise humaine. Es ist möglich, daß ich für alle kommenden Menschen ein Verhängniß, das Verhängniß bin — und es ist folglich sehr möglich, daß ich eines Tages stumm werde, aus Menschen-Liebe!!!
Ich blätterte dieser Tage einmal in Schopenhauer — ah, diese bêtise Allemande — was ich Das satt habe! Die verdirbt alle großen Dinge! Auch den „Pessimismus“! —
Haben Sie davon gehört, daß mein Zarathustra fertig ist? (in 3 Theilen — Sie kennen den ersten davon) Eine Vorhalle zu meiner Philosophie — für mich gebaut, mir Muth zu machen. Schweigen wir davon. — Ah, was ich jetzt Musik nöthig hätte! Was ich es bedaure, daß die Gräfin Dönhoff nicht hier ist! Ob schon je ein Mensch solchen Durst nach Musik gehabt hat? —
Bleiben wir tapfer und guter Dinge, ein Jeder auf seinen zwei Beinen! — Das Herzlichste und Beste für Sie und das geliebte edle Wesen, das zu meiner Freude jetzt bei Ihnen ist!
Ihr Freund Nietzsche.
499. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Mein lieber Freund, hiermit melde ich, vielleicht zu Ihrem Erschrecken, daß ich im Verlauf der nächsten Woche nach Venedig komme; ich habe hier nur noch eine Geldsendung abzuwarten. Eben ist der letzte Druckbogen abgethan — welche Erleichterung! Sind Sie zufrieden, auch mit dem Finale meiner „Symphonie“? (Es knüpft an den Anfang des 1ten Theils an: circulus also, und hoffentlich nicht circulus vitiosus). In Ihrem letzten Briefe entzückte mich Vieles: — wir Beide sind jetzt recht hübsch unterwegs nach — „Griechenland“! Nicht wahr? Auch hatte ich solches Vergnügen an Ihrem veritablen Artisten-Jargon, in dem Sie von Ihrer Musik sprachen: so reden alle französischen Artisten von Rang und ohne Rang. Aber um als Deutscher so zu sprechen, muß man beinahe schon ein — — sein! usw. Auf Wiedersehn! Von Herzen
N.
Adresse: Genova, poste restante.
500. An Resa von Schirnhofer in Genua
Kommen Sie nur, mein verehrtes Fräulein! Und versuchen Sie es mit dem Hause, in dem ich jetzt wohne. — Sie werden es zutrauenswürdig und schweizerisch-brav finden. Es ist allmählich ziemlich leer geworden, die Winter-Vögel fliegen davon.
In Bezug auf mich selber haben Sie den günstigsten Zeitpunkt getroffen. Gestern wurde der letzte Correctur-Bogen meines letzten Theils „Zarathustra“ fortgeschickt — nun bin ich frei, freier vielleicht als ich je war, und zu jedem „otium cum dignitate“ äußerst bereit.
Also — ich werde Ihnen Nizza zeigen und auch, so gut es gehen will, mich selber, da Sie denn durchaus den alten Einsiedler „kennen lernen“ wollen. Indessen! Jeder Einsiedler hat seine Höhle, nämlich in sich, und manchmal hinter der Höhle noch eine Höhle und noch eine — ich wollte sagen, es ist schwer, einen Einsiedler kennen zu lernen.
Nehmen wir an, daß Sie am 3ten April mit dem Morgen-Schnellzug von Genua abfahren: so sind Sie gegen Mittag in Nizza und finden mich am Bahnhofe, bereit Ihnen zu dienen und erkennbar an einem großen Schnurrbarte und an einem Briefe, den ich in der Hand halte.
Dies mag als abgemacht gelten. Nur für den Fall, daß es Ihnen nicht passen will, würde ich mir noch eine Zeile vorher ausbitten.
Bitte, seien Sie freundlich und fragen Sie vor Ihrer Abreise noch einmal auf der Post in Genua nach poste-restante-Briefen für mich! Diese alte Columbus-Stadt ist eine Art Heimat für mich gewesen: es macht mir Freude, Sie dort zu wissen.
Ihr ergebenster Dr. Fr. Nietzsche
501. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ein eben eintreffender Brief, der mir einen längeren Besuch vom 3ten April an in Aussicht stellt, nöthigt mich, zu meinem herzlichsten Leidwesen, meine Karte zu widerrrufen. Meine Adresse bleibt somit die alte.
Treulich Ihr
Nietzsche.
502. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Geehrter Herr,
ein inzwischen eingetroffener Brief nöthigt mich, noch eine Anzahl Tage hier in Nizza zu bleiben. Ich bitte darum, die fünf ersten Exemplare des Zarathustra umgehend hierher abzusenden.
Hochachtungsvoll
Ihr
ergebenster
Prof. Dr. Nietzsche
503. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Mein lieber Freund, zuletzt vergaß ich Dich zu bitten, mir noch 500 frc. hierher zu senden. —
Das Neueste ist, daß große Befürchtungen in Betreff meines Verlegers entstehn. Du weißt, daß er bis zum 1. April meine bei ihm stehenden Gelder an meine Mutter zurückzahlen wollte. Jetzt aber! Aber darüber ein ander Mal. —
Die verfluchte Antisemiterei verdirbt mir alle meine Rechnungen, auf pekuniäre Unabhängigkeit, Schüler, neue Freunde, Einfluß, sie hat R<ichard> W<agner> und mich verfeindet, sie ist die Ursache eines radikalen Bruchs zwischen mir und meiner Schwester u.s.w. u.s.w. u.s.w. Ohe! Ohe!
Ich erfuhr hier, wie sehr man mir in Wien einen solchen Verleger zum Vorwurf macht. —
504. An Franz Overbeck in Basel
Schönsten Dank, mein lieber Freund! Auch Dein Wink in Betreff Mickiewicz’ kam zur rechten Zeit: ich schäme mich, so wenig von den Polen zu wissen (die, zu guter Letzt, doch meine „Altvordern“ sind!) — wie sehr wünschte ich einem Dichter zu begegnen, der zu Chopin gehörte und mir wie Chopin wohlthäte! — Über Lipiner hörte ich jüngst noch sehr Genaues: äußerlich ein „gemachter Mann“ — Sonst aber die typische Form des jetzigen „Obscurantismo“, hat sich taufen lassen, ist Antisemit, fromm (er hat kürzlich Gottfried Keller auf das Feindseligste angegriffen und ihm „Mangel an wahrem Christenthum und Glauben“ vorgeworfen!) Lipiner soll alle jungen Leute, auf die er Einßuß hat, ruiniren — er treibt sie zum „Mystischen“ und läßt sie das wissenschaftliche Denken verachten. Ein Mensch mit lauter sehr „praktischen“ Nebenabsichten, der die „Zeichen der Zeit“ sich zu Nutze macht. Meine Nachrichten stammen von einem Wiener Naturforscher, der ihn von Kindheit an kennt. —
Über Schmeitzner’s Verhalten weiß ich nichts Neues. Die Sache ist mir äußerst peinlich, denn ich glaubte eine gute Gelegenheit zu haben, meiner Mutter einen wirklichen Dienst zu erweisen und damit Etwas zwischen uns zu verbessern: da kommt mir wieder die Antisemiterei zwischen die Beine!!
Die Zeit ist nun ganz vor der Thür, daß ich Nizza verlasse: ich will die ersten Exemplare meines Zarath<ustra> noch abwarten. Hoffentlich werden sie kommen: aber es ist auch wieder so eine monatelange Claustrur möglich, wie voriges Jahr. Ich erwarte, unter uns gesagt, den Bankerott Schmeitzner’s. Wohin werden da unsre Bücher gerathen!
Für nächsten Winter bin ich bereits ziemlich sicher; womöglich das gleiche Haus und das gleiche Zimmer. Vielleicht gelingt es mir, hier eine Gesellschaft mir zu begründen, unter der ich nicht ganz der „Verborgene“ bin. Das Clima des littoral provençal gehört auf das Wunderbarste zu meiner Natur; ich hätte den Schlußreim zu meinem Zarathustra nur an dieser Küste dichten können, in der Heimat der „gaya scienza.“ Lanzky (ein Dichter, beiläufig) ist bereits entschlossen zu kommen; ich wünschte Köselitz bereden zu können. Vielleicht sogar Dr. Rée und Frl. Salomé, an denen ich gern Einiges gut machen möchte, was meine Schwester schlimm gemacht hat. Ich hörte jetzt wieder über Beide; und Erfreuliches (sie sind in Meran) Von Frl. S<alomé> soll diesen Frühling Etwas erscheinen „über religiöse Affecte“ — dies Thema habe ich in ihr entdeckt, es freut mich außerordentlich, daß meine Tautenburger Bemühungen doch noch Früchte tragen.
Mein Umgang in diesem Winter war durch die Gäste des Hauses, in dem ich wohne, an die Hand gegeben. Ein alter preußischer General mit seiner Tochter, in allen praktischen Dingen mein Rathgeber; eine alte amerikanische Pfarrerin, die mir täglich c. 2 Stunden aus dem Englischen übersetzt hat; neuerdings haben Albert Köchlin und Frau <Lörrach> sich äußerst liebenswürdig gegen mich benommen. Jetzt eben habe ich Besuch, für 10 Tage etwa, von einer Züricher Studentin, was Du spaaßhaft finden wirst — es thut mir wohl, es beruhigt mich Etwas, nach den inneren „großen Wellen“ der letzten Monate. Sie ist befreundet mit — Irma von Regner-Bleileben; und zwischen ihr und Frl. Salomé scheint eine gegenseitige Verehrung stattzufinden; sie ist ebenfalls sehr intim mit der Gräfin Dönhoff und ihrer Mutter, natürlich auch mit Malvida: so daß es genug gemeinsame personalia giebt. Gestern besuchten wir zusammen ein spanisches Stiergefecht. —
Himmel! Ich bekomme jetzt nachgerade eine hübsche Gattung von Briefen — diese Art von Verehrungs-Stil hat R<ichard> Wagner in die deutsche Jugend hineingetragen: und es beginnt schon, was ich lange prophezeit habe, daß ich in manchen Stücken der Erbe R<ichard> W<agner>’s sein werde. —
Die letzten Monate habe ich „Welt-Historie“ getrieben, mit Entzücken, obschon mit manchem schauerlichen Resultate. Habe ich Dir einmal Jacob Burckhardt’s Brief gezeigt, der mich mit der Nase auf die „Welt-Historie“ gestoßen hat? Falls ich den Sommer nach Sils-Maria komme, so will ich eine Revision meiner Metaphysica und erkenntnißtheoretischen Ansichten vornehmen. Ich muß jetzt Schritt für Schritt durch eine ganze Reihe von Disciplinen hindurch, denn ich habe mich nunmehr entschlossen, die nächsten fünf Jahre zur Ausarbeitung meiner „Philosophie“ zu verwenden, für welche ich mir, durch meinen Zarathustra, eine Vorhalle gebaut habe.
Beim Durchlesen von „Morgenröthe“ und „fröhlicher Wissenschaft“ fand ich übrigens, daß darin fast keine Zeile steht, die nicht als Einleitung, Vorbereitung und Commentar zu genanntem Zarathustra dienen kann. Es ist eine Thatsache, daß ich den Commentar vor dem Text gemacht habe — — Wie geht es Emerson und Deiner verehrten Frau?
Dein Freund N.
Du schreibst nichts von Deiner Gesundheit?
505. An Franz Overbeck in Basel
Hurrah, alter lieber Freund Overbeck, hier ist das erste Exemplar des letzten Zarathustra — das gehört billigerweise Dir! Es steht ein Gedanke drin, ein ganz ungeheurer Gedanke, um dessentwillen ich noch recht lange leben muß. Aber was liegt an mir! Die Hauptsache ist — nun, Du wirst es Dir selber sagen!
Dein Nietzsche.
506. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)
Vengo sta sera alle sette.
Nietzsche.
506a. An Paul Lanzky in Florenz (Entwurf)
Aber, mein werther Herr Lanzky, warum schreiben Sie mir das? Wollen Sie mich reizen, Mehr zu sagen, als ich Lust habe? — — Oder soll ich zu der absurden Rolle hinabsteigen, meinen Zarathustra (oder seine Thiere) erklären zu müssen? Dafür, denke ich, werden irgendwann einmal Lehrstühle und Professoren dasein. Einstweilen ist es noch lange nicht Zeit für Zarathustra — und ich will mich verwundern, wenn in dem Rest meines Lebens mir fünf, sechs Menschen begegnen, welche Augen für meine Ziele haben. „Einstweilen“ — das heißt so lange noch alle diese Allemanderies und niaiseries von „Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben“ — — —
Bemerken Sie doch: ich habe mich mit diesem übermenschlichen Bilde ermuthigen wollen.
Alle Menschen aber, die irgend einen heroischen Impuls in sich haben zu ihrem eigenen Ziele hin, werden sich eine große Kraft aus meinem Zarathustra herausnehmen.
Was habe ich mit Denen zu thun, die kein Ziel haben! Mein Leibrezept, beiläufig bemerkt, ist, in Hinsicht auf Solche, — Selbstmord. Aber er mißräth gewöhnlich, aus Mangel an Zucht. Da empfehle ich denn, zur Vorbereitung, eine verbesserte Diät (energische Fleischkost und Nichts von den verdammten italienischen Paste secche) und täglich 5 — 8 Stunden strammen Marschirens im Freien. Auch Soldat-werden thut gut.
Wollen Sie mich davon überzeugen, was ich zu gut weiß, — daß das schwerste und tiefste aller Bücher aller Zeiten auch am schwersten und tiefsten mißverstanden werden muß?
— — — ist das nicht genug?
So, mein Herr! Nun will ich mir einmal Luft machen.
Sie erleben die Entstehung des erhabensten und zukunftsreichsten aller Bücher, die je geschrieben wurden, — Sie haben die Ehre, in dem Zeitalter dieses Buches zu leben: und wie? es ist Nichts in Ihnen, welches das Dasein dafür selig preist, daß solche Dinge entstehen können? Und Sie haben Nichts mir zu schenken, zu geloben? Nichts sich selber oder irgend einem heroischen Genius einsamer Entschließungen zu schwören und zu geloben? Nicht einmal die Allemanderies und niaiseries des trübseligen Gesindels von heute haben Sie aus dem Kopfe verloren, welches für seine Willensschwäche beschönigende Phrasen sucht!
Wie? Sie „sehen meine Ziele nicht“? Gut; was ist da zu verwundern? Ist es aber meine Schuld, wenn Sie nicht meine Augen im Kopfe haben? Sind es denn Ziele für Jedermann? Was haben Sie — mit meinen Zielen zu thun? Was mit dem „Leben“? Ich wollte von den Zwecken Ihres Lebens hören! Hätten Sie welche, so könnten Sie damit vielleicht ein Werkzeug des meinigen sein. Fort mit Ihnen, mein Herr Unbescheiden! Gardez votre distance, monsieur!
507. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund Overbeck,
im Grunde ist es doch sehr schön, daß wir und uns durch die letzten Jahre nicht fremd geworden sind, und sogar, wie es scheint, durch den Zarathustra nicht. Daß ich gegen mein vierzigstes Lebensjahr sehr allein sein würde — darüber habe ich mir niemals Illusionen gemacht; und ich weiß auch Dies, daß Vieles Schlimme gegen mich noch unterwegs ist — ich werde in Kürze darüber belehrt werden, wie theuer man es zu zahlen hat, daß man — die dumme und falsche Sprache der ambitiosi zu gebrauchen — „nach den höchsten Kronen greift“.
Inzwischen will ich meine mir eroberte Situation gut nutzen und ausnutzen: ich bin jetzt, mit großer Wahrscheinlichkeit, der unabhängigste Mann in Europa. Meine Ziele und Aufgaben sind umfänglicher als die irgend eines Andern — und das, was ich große Politik nenne, giebt zum Mindesten einen guten Standort und Vogelschau-Blick ab für die gegenwärtigen Dinge.
Was alle Praxis des Lebens betrifft, so bitte ich Dich, treuer und bewährter Freund, mir fürderhin nur Eine Sache zu wahren, eben die größtmögliche Unabhängigkeit und Freiheit von persönlichen Rücksichten. Ich denke, Du weißt, was gerade in Bezug auf mich die Mahnung Zarathustras „Werde hart!“ sagen will. Mein Sinn, jedem Einzelnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen und im Grunde gerade das mir Feindseligste mit der größten Milde zu behandeln, ist übermäßig entwickelt und bringt Gefahr über Gefahr, nicht nur für mich, sondern für meine Aufgabe: hier ist Abhärtung nöthig und, der Erziehung halber, eine gelegentliche Grausamkeit.
Verzeihung! Es klingt nicht immer gut, wenn man von sich selber redet, es riecht auch nicht immer gut.
Mit meiner Gesundheit bin ich, wie es scheint, über den Berg. Die Winter werde ich in Nizza leben, für die Sommer brauche ich eine Stadt mit großer Bibliothek, wo ich incognito leben kann (ich habe an Stuttgart gedacht, was meinst Du?)
Dieses Jahr denke ich immer noch, wieder nach Sils Maria zu gehen, wo mein Bücher-Korb steht — vorausgesetzt, daß ich mich gegen Zudringlichkeiten meiner Schwester besser zu schützen verstehe als voriges Jahr. Es ist wirklich eine recht bösartige Person geworden; ein Brief voll der giftigsten Verdächtigungen meines Charakters, den ich von ihr im Januar erhielt, ein artiges Seitenstück des Briefes an Frau Rée, hat mir nun hinreichend Klarheit gegeben — sie muß fort nach Paraguay. Ich selber will den Verkehr mit allen Menschen abbrechen, welche zu meiner Schwester halten: ich vertrage jetzt Alles „Halbund Halb“ in Bezug auf mich nicht mehr.
Hier bin ich im Hause Köselitzens, in der Stille Venedigs und höre Musik, die vielfach selber eine Art idealisirtes Venedig ist. Er macht aber Fortschritte zu einer männlicheren Kunst: die neue Ouverture des matrimonio ist hell, streng und feurig.
Dein Freund N.
508. An Malwida von Meysenbug in Rom (Entwurf)
Was Frl. L<ou> betrifft, so wünsche ich sehr, ihr einmal auch noch nützlich zu sein, nachdem ich ihr bisher thatsächlich (Dank dem Eifer meiner Angehörigen) sehr viel Schaden gethan habe — sehr wider den Willen meines Herzens, wie sich von selber versteht.
509. An Malwida von Meysenbug in Rom
Inzwischen, meine hochverehrte Freundin, sind hoffentlich die beiden letzten Theile meines Zarathustra in Ihre Hände gelangt: zum Mindesten habe ich lange schon meinem Verleger den Auftrag dazu gegeben. Das ist kein Geschenk, für das man so ohne Weiteres zu danken hätte — ich verlange ein Umlernen in Betreff der liebsten und verehrtesten Empfindungen, und viel Mehr als ein Umlernen noch! Wer weiß wie viele Generationen erst vorüber gehen müssen, um einige Menschen hervorzubringen, die es in seiner ganzen Tiefe nachfühlen, was ich gethan habe! Und dann selbst noch macht mir der Gedanke Schrecken, was für Unberechtigte und gänzlich Ungeeignete sich einmal auf meine Autorität berufen werden. Aber das ist die Qual jedes großen Lehrers der Menschheit: er weiß, daß er, unter Umständen und Unfällen, der Menschheit zum Verhängniß werden kann, so gut als zum Segen.
Nun, ich selber will Alles thun, um zum Mindesten keinem allzugroben Mißverständniß Vorschub zu leisten; und jetzt, nachdem ich mir diese Vorhalle meiner Philosophie gebaut habe, muß ich die Hand wieder anlegen und nicht müde werden, bis auch der Haupt-Bau fertig vor mir steht. Menschen, die nur die Sprache der Ambition verstehen, mögen mir nachsagen, daß ich nach der höchsten Krone griffe, welche die Menschheit zu vergeben hat. Wohlan! —
Aber diese Einsamkeit, und von Kindesbeinen an! Diese Verschlossenheit im vertrautesten Verkehre noch! Es ist mir gar nicht mehr beizukommen, auch mit Wohlthun nicht mehr.
Kürzlich, als ich in Nizza den Besuch von Frl. Schirnhofer hatte, dachte ich oft Ihrer mit großer Dankbarkeit, denn ich errieth, daß Sie mir damit wohlthun wollten: und wirklich, es war ein Besuch zur rechten Zeit, der heiter und nützlich ablief (zumal keine störende eingebildete Gans zugegen war — Pardon! ich meinte meine Schwester). In der Hauptsache aber glaube ich nicht, daß es einen Menschen geben könne, der mich über dies eingewurzelte Gefühl des Alleinseins hinwegbrächte. Ich fand noch Niemanden, vor dem ich reden könnte, wie ich mit mir selber rede. — Verzeihung für diese Art von Selbst-Bekenntniß, meine verehrte Freundin!
Zweierlei möchte ich gerne genau noch wissen; erstens, wo Sie diesen Sommer sind. Zweitens brauche ich die Adresse von Liszt, seine römische Adresse (nicht für mich).
Ich ärgere mich über jenen inhumanen Brief, den ich im vorigen Sommer Ihnen schickte; ich war durch diese unsäglich widrige Aufhetzerei geradezu krank gemacht worden. Inzwischen ist die Lage dahin verändert, daß ich mit meiner Schwester radical gebrochen habe: denken Sie um des Himmels willen nicht daran, da vermitteln und versöhnen zu wollen — zwischen einer rachsüchtigen antisemitischen Gans und mir giebt es keine Versöhnung. Im Übrigen wende ich jeden Grad von Schonung an, weil ich weiß, was sich zur Entschuldigung meiner Schwester sagen läßt und was im Hintergrunde ihres für mich so schmählichen und unwürdigen Verhaltens steht: — die Liebe. Es ist durchaus nöthig, daß sie möglichst bald nach Paraguay absegelt —. Später, sehr viel später wird sie von selber zur Einsicht kommen, wie sehr sie mit diesen unausgesetzten schmutzigen Verdächtigungen meines Charakters (die Geschichte dauert nun 2 Jahre!) mir in der entscheidendsten Epoche meines Lebens geschadet hat. Zuletzt bleibt mir die sehr unbequeme Aufgabe übrig, einigermaßen an Dr. Rée und Frl. Salomé gut zu machen, was meine Schwester schlimm gemacht hat (von Frl. S. soll nächstens ihr erstes Buch erscheinen: „über den religiösen Affect“ — das selbe Thema, für welches ich ihre außerordentliche Begabung und Erfahrung in Tautenburg entdeckte — es macht mich glücklich, nicht ganz umsonst mich damals so bemüht zu haben.) Meine Schwester reducirt ein so reiches und originales Geschöpf auf „Lüge und Sinnlichkeit“ — sie sieht in Dr. Rée und ihr nichts weiter als 2 „Lumpen“; — dagegen empört sich nun freilich mein Gerechtigkeits-Gefühl, so gute Gründe ich auch habe, mich von Beiden für tief beleidigt zu halten. Es war mir sehr lehrreich, daß meine Schwester zuletzt gegen mich selber genau so blind-verdächtigend gehandelt hat, wie gegen Frl. S.; ich brachte mir da erst zum Bewußtsein, daß alles Schlimme, was ich von Frl. S. geglaubt habe, auf jenes Gezänk zurückgeht, das vor meiner näheren Bekanntschaft mit Frl. S. liegt: wie viel mag da meine Schwester falsch verstanden und hinzugehört haben! Es fehlt ihr alle und jede Menschenkenntniß; der Himmel bewahre sie davor, daß nicht einmal einer der Feinde des Dr. Förster über diesen vor ihr beredt wird!
Nochmals um Verzeihung bittend, daß ich diese alte Geschichte wieder zur Sprache brachte! Es ist nur, um Ihnen zu sagen, daß Sie sich ja nicht in Ihrem eigenen Gefühle durch jenen abscheulichen Brief beeinflussen lassen mögen, den ich Ihnen vorigen Sommer schrieb. Außerordentliche Menschen, wie Frl. Salomé, verdienen, zumal in solcher Jugend, jeden Grad von Nachsicht und Mitleiden. Und wenn ich auch, aus verschiedenen Gründen, noch nicht im Stande bin, eine neue Annäherung von ihr an mich zu wünschen, so will ich doch, für den Fall, daß ihre Lage sich schlimm und verzweifelt gestaltet, von allen eigenen persönlichen Rücksichten absehen. Ich verstehe jetzt nur zu gut, durch eine vielfache Erfahrung, wie leicht mein eigenes Leben und Schicksal genau in den gleichen Verruf kommen könnte, wie das ihrige — verdient und unverdient, wie es immer bei solchen Naturen der Fall zu sein pflegt. —
Von Herzen Ihnen ergeben
und dankbar
Nietzsche.
510. An Resa von Schimhofer in Zürich
Mein werthes Fräulein Resa,
— dieser Name ist mir gar nicht leicht, selbst meine Feder stolpert dabei.
Es ärgert mich, daß Sie von Nizza eine Erkältung (statt einer Erwärmung) davon getragen haben. Das müssen wir das nächste Mal besser machen. Ist es denn nicht möglich, den nächsten Winter für Nizza und die Ausarbeitung der Dissertation zu reservieren?
— Erwägen Sie das! —
Was Themata zu schönen Dissertationen betrifft, so ist meine „Morgenröthe“ eine gute Fundgrube. Bitte, lesen Sie die und ebenso „die fröhliche Wissenschaft“ — beide Bücher sind überdies Einleitungen und Commentare zu meinem Zarathustra.
Eben schrieb ich an Malwida; im letzten Theile, „Rückkehr zur Humanität“ predigend in Hinsicht auf — — Fräulein Salomé. — Wenn Sie Etwas über ihr litterarisches Unternehmen hören, so erzählen Sie es mir. Man muß gegen alle Art Genie’s hübsch human sein, sogar — wenn es Weiberchen sind. Pardon! Aber ich weiß ja, wie Sie selber hierin denken.
Treulich der Ihre
Nietzsche
Venezia, San Canciano calle nuova 5256.
511. An Josef Paneth in Wien
Werther Herr Doctor,
Meinen Glückwunsch voran! Aber vielleicht geht es Ihnen gerade jetzt so gut, daß Nichts mehr „zu wünschen übrig bleibt“ —: dann um so besser! Und um so mehr wird es meinen Wünschen für Sie gemäß sein!
Mein Verleger hat seit lange den Auftrag, Ihnen den letzten Theil meines Zarathustra zuzustellen. Betrachten Sie mich nunmehr wie Jemanden, der seine Fahne entrollt hat und keinen Zweifel über sich mehr übrig läßt. —
Bemerken Sie aber wohl: mein Werk hat Zeit —, und mit dem, was diese Gegenwart als ihre Aufgabe zu lösen hat, will ich durchaus nicht verwechselt sein. Fünfzig Jahre später werden vielleicht Einigen (oder Einem: — es bedürfte eines Genie’s dazu!) die Augen dafür aufgehn, was durch mich gethan ist. Augenblicklich aber ist es nicht nur schwer, sondern durchaus unmöglich (nach den Gesetzen der „Perspektive“), von mir öffentlich zu reden, ohne nicht grenzenlos hinter der Wahrheit zurückzubleiben. — —
Also! — mein werther Herr Dr. Paneth, ich will nicht, daß jetzt schon über mich „geschrieben wird“.
Behalten Sie mich und unsre Gespräche an der provençalischen riviera (der Heimat der „gaya scienza“ —) in gutem Angedenken!
Ihr
Nietzsche.
Venezia, San Canciano calle nuova 5256
512. An Malwida von Meysenbug in Rom
Meine verehrte Freundin,
Dank, von ganzem Herzen, für diesen Brief, aus dem mir eine lichte und gütige Seele entgegenstrahlte —: ich lachte, als ich ihn gelesen hatte und fühlte mich freier.
Ein einziges Wort als Commentar. Sie nennen mich „ungerecht“ in Bezug auf meine Schwester, wie Sie mich, vor zwei Jahren, „ungerecht“ in Bezug auf Richard Wagner genannt haben. In beiden Fällen kennen Sie nur — ich muß sagen, glücklicherweise — nur die Hälfte des Thatbestandes — und ich bin ferne ferne davon, den Rest, die andere Hälfte vor Ihren Augen auszubreiten. Glauben Sie mir aber dies: wenn es überhaupt auf Erden Menschen mit dem tiefsten und unbezwinglichsten Bedürfniß nach Gerechtigkeit giebt, so gehöre ich zu ihnen. Sonderlich, wenn man mich beleidigt hat. Mein Leben enthält sogar mehrere Absurditäten in Folge einer Neigung, mich als erhaben über die Möglichkeit beleidigt zu werden zu bewahren. Vielleicht hat mich eben Ihr Brief vor einer solchen Absurdität bewahrt — —
Unter allen Umständen empfinde ich eine Beleidigung, die Ihnen angethan wird, hundert Mal stärker als eine, die mich allein betrifft.
Nun noch eine komische Differenz zwischen uns. Nämlich: was mir an Rée und später wiederum an Frl. S<alomé> interessant, ja höchst anziehend war, Das ist ganz allein ihre „greuliche Denkweise“. Es sind im Grunde bisher die zwei einzigen Personnages gewesen, welche ich frei fand von dem, was ich, in Bezug auf das gute alte Europa, die „moralische Tartüfferie“ zu nennen pflege. Sie glauben nicht, wie viel ich im Verkehr mit solchen Naturen zu lernen verstehe — und wie ich sie entbehre. Ich nannte Frl. S<alomé> einstmals in Tautenburg mein „anatomisches Praeparat“ — und mein Grimm gegen meine Schwester wird etwas von dem Grimm des Prof. Schiff an sich haben, dem man seinen Lieblings-Hund gestohlen hat. Sehen Sie doch, meine verehrte Freundin, auch ich bin ein arger, arger vivisector — —
Von Herzen
Ihr
Nietzsche.
513. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund
mein letzter Brief hat Dich mehr als ich wünschte beunruhigt: ich schreibe überhaupt sehr thörichte Briefe. — Die Angelegenheit mit meinen Angehörigen muß ich mir vom Halse schaffen — ich habe nunmehr 2 Jahre lang mich in den gutmüthigsten Versuchen erschöpft, zurechtzulegen und zu beruhigen, aber umsonst. So viel ich die Geschichte kenne, ist übrigens diese Art von Mißverhältniß bei Menschen meines Ranges etwas Regelmäßiges. Schlimm genug, daß ich jetzt begreife — endlich! muß ich sagen — wie fast alle meine sonst noch bestehenden Verhältnisse an einem irreparablen Grundfehler leiden und absurd geworden sind. — Zuletzt aber liegt meine eigentliche Noth wo anders und nicht im Bewußtsein dieser Absurdität: eine Noth so groß und tief, daß ich immer frage, ob irgend ein Mensch schon so gelitten hat. Ja wer fühlt mir nach, was es heißt, mit jeder Faser seines Wesens fühlen, daß „die Gewichte aller Dinge neu bestimmt werden müssen!“ Daß daraus mir im Handumdrehn auch jede leibliche Gefahr, Gefängniß und dergleichen, erwachsen kann, ist das Geringste daran; oder vielmehr, es würde mir wohlthun, wenn es erst so weit wäre. Ich will so Viel von mir, daß ich undankbar gegen das Beste bin, was ich schon gethan habe; und wenn ich es nicht so weit treibe, daß ganze Jahrtausende auf meinen Namen ihre höchsten Gelübde thun, so habe ich in meinen Augen Nichts erreicht. Einstweilen — habe ich auch noch nicht einen einzigen Jünger.
Vorwärts! Reden wir von anderen Dingen.
Es war recht an der Zeit, daß ich nach Venedig gieng; denn unser maëstro ist schwer von der Stelle zu bringen und meint im Grunde, mit einigem Partituren-Schreiben sei Alles gethan. Er denkt über Aufführung und Aufführbarkeit kaum nach; und nachträglich sehe ich ein, was für eine wichtige Sache es war, daß ich ihn im vorletzten Herbste nach Leipzig rief — ob es schon zunächst den Anschein hatte, daß es umsonst gewesen sei. Aber es war nicht umsonst: im andern Falle hätte er noch 2 Jahre lang unmögliche Musik gemacht. Daß sein „Plan“ mit der Mailänder Firma Lucca ebenso unpraktisch war, wie sein Venediger, habe ich ihm sofort bewiesen: durch ein briefliches unbedingtes Nein! dieser Firma. Ebenso daß seine Musik überhaupt vor Italiänern einstweilen unmöglich ist, und überdieß deren Pietät gegen ihren Cimarosa verletzen würde. Kurz, es gab eine Revolution in allen möglichen Dingen, eingerechnet Text, Finale’s und viele Form-Fragen, die sich auf die Wirkung beziehn. Um das Ergebniß zusammenzufassen, so sieh Dir einmal diesen Theater-Zettel an
Der Löwe von Venedig.
Komische Oper in fünf Akten von Peter Gast.
Muthmaaßliche erste Aufführung in Dresden gegen Weihnachten. — Habe ich das nicht gut gemacht?
Übrigens steht Alles in der Hauptsache ausgezeichnet, ja zum Erstaunen gut: ich meine in Betreff der Entwicklung seiner Kräfte; und wenn er sich Schritt vor Schritt von den Überresten des kleinen Geschmacks, der sächsisch-chinesischen Hypertrophie von Gutmüthigkeit und dergleichen reinigt, so erleben wir noch das Entstehen einer neuen klassischen Musik, welche sich erlauben darf, die Geister griechischer Heroen heraufzubeschwören. Einstweilen hat er mit dem genannten Werke Venedig ein Denkmal gesetzt; und es ist möglich, daß 20 bezaubernde Melodien daraus einmal mit dem Wort und Begriff „Venedig“ zusammenwachsen werden. — Ich habe hier eine schöne Gelegenheit, meine aesthetische Moral zu predigen, und wahrhaftig nicht vor tauben Ohren! Man muß die große Sache R<ichard> W<agner>’s von seinen persönlichen, zu Principien umgewandelten Mängeln loslösen: in diesem Sinne will ich gerne Hand an sein Werk legen und nachträglich noch beweisen, daß wir nicht nur durch „Zufälle“ zusammengerathen sind. Dein Wort vom „mystischen Separatisten“ nehme ich mit Freuden auf: ich sagte kürzlich noch Köselitz, es gäbe keine „deutsche Cultur“ und habe nie eine gegeben — außer bei mystischen Einsiedlern, Beethoven und Goethe sehr eingerechnet! —
Dein und Euer Freund
Nietzsche
514. An Heinrich von Stein in Berlin
Mein lieber Herr Doctor,
Diese Gedichte Giordano Bruno’s sind ein Geschenk, für welches ich Ihnen von ganzem Herzen dankbar bin. Ich habe mir erlaubt, sie mir zuzueignen, wie als ob ich sie gemacht hätte und für mich — und sie als stärkende Tropfen „eingenommen“. Ja wenn Sie wüßten, wie selten noch etwas Stärkendes von Außen her zu mir kommt! Ich sprach vor zwei Jahren mit einer Art Ingrimm davon, daß ein Ereigniß wie der Parsifal ferne von mir, gerade von mir, vorübergehen mußte; und auch jetzt wieder, wo ich noch einen zweiten Grund weiß, um nach Bayreuth zu gehen — nämlich Sie, mein lieber Herr Doctor, der Sie zu meinen großen „Hoffnungen“ gehören — auch jetzt wieder habe ich Zweifel daran, ob ich hinkommen darf. Nämlich: das Gesetz, das über mir ist, meine Aufgabe, läßt mir keine Zeit dafür. Mein Sohn Zarathustra mag Ihnen verrathen haben, was sich in mir bewegt; und wenn ich Alles von mir erlange, was ich will, so werde ich mit dem Bewußtsein sterben, daß künftige Jahrtausende auf meinen Namen ihre höchsten Gelübde thun.
Verzeihung! — Es giebt so ernste Dinge, daß von ihnen zu reden man erst um Verzeihung bitten sollte. —
Zuletzt möchte ich doch erfahren, wann die Aufführungen sind, wann Sie selber nach Bayreuth kommen und ob Sie vielleicht geneigt wären, mich im Oberengadin (Sils-Maria) zu besuchen: — dort nämlich habe ich seit Jahren meine „Sommer-Residenz“ (eine Stube in einem Bauernhause)
Von Herzen Ihr
Nietzsche
515. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
habe die Gefälligkeit, den beiliegenden Brief an meine Mutter in Naumburg zu adressiren, auch zu frankiren. Es ist mir seit ungefähr 2 Monaten nicht mehr gelungen, einen Brief in ihre Hände gelangen zu lassen; die Post weiß keine Aufklärung über dies sich immer wiederholende Verschwinden von richtig adressirten Briefen und Karten zu geben. Schließlich bin ich auf einen Verdacht gekommen, den ich nicht weiter aussprechen will. —
Köselitz wird etwa in 2 Wochen nach Deutschland reisen, um dem Dresdener Kapellmeister seine Oper vorzuspielen, mit dem er in einer Verbindung von früher her ist. Seien wir glücklich, wenn es soweit ist! Die Sache wird dann schon von selber weiter laufen.
Wenn Du Jakob Burckhardt siehst, so grüße und frage ihn, ob Zarathustra in seinen Händen ist.
Es giebt einen neuen Anhänger, Halb-Franzose, Halb-Italiäner, Halb-Deutscher, in Rom: heißt Aragon.
Herzlich grüßend
Dein Nietzsche.
516. An Malwida von Meysenbug in Rom
Meine hochverehrte Freundin,
Verzeihung, wenn ich in Bezug auf Herrn A<ragon> noch ziemlich viel Mißtrauen habe. Ohne Ihre Fürsprache und rein nach dem mitgeschickten Briefe zu urtheilen, würde ich sogar geneigt sein, auf ein ungewöhnliches Maaß von Unbescheidenheit und Grünschnäbelei zu rathen.
Ganz allgemein geredet — so ist es jetzt äußerst schwer geworden, mir zu helfen; ich halte es immer mehr für unwahrscheinlich, Menschen zu begegnen, die dies vermöchten. Fast in allen Fällen, wo ich mir bisher einmal dergleichen Hoffnungen machte, ergab es sich, daß ich es war, der helfen und zugreifen mußte —: dazu aber fehlt es mir nunmehr an Zeit. Meine Aufgabe ist ungeheuer; meine Entschlossenheit aber nicht geringer. Was ich will, das wird Ihnen mein Sohn Zarathustra zwar nicht sagen, aber zu rathen aufgeben; vielleicht ist es zu errathen. Und gewiß ist Dies: ich will die Menschheit zu Entschlüssen drängen, welche über die ganze menschliche Zukunft entscheiden, und es kann so kommen, daß einmal ganze Jahrtausende auf meinen Namen ihre höchsten Gelübde thun. — Unter einem „Jünger“ würde ich einen Menschen verstehn, der mir ein unbedingtes Gelübde machte —, und dazu bedürfte es einer langen Probezeit und schwerer Proben. Im Übrigen vertrage ich die Einsamkeit: während jeder Versuch der letzten Jahre, es wieder unter Menschen auszuhalten, mich krank gemacht hat. —
Mit Zeitungen, selbst den wohlgemeintesten, kann und darf ich mich nicht einlassen: — ein Attentat auf das gesammte moderne Preßwesen liegt in dem Bereiche meiner zukünftigen Aufgaben. —
Es thut mir immer leid, Nein sagen zu müssen, und ganz besonders zu Ihnen, meine hochverehrte Freundin! Denn zuletzt sind wir Beide zum Ja-sagen geschaffen, nicht wahr? —
Mit den dankbarsten Gefühlen immer Ihr
Nietzsche.
517. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
in diesen Tagen geht es fort von hier, und da ich für die nächsten 3 Monate mir eine Revision der allersubtilsten Dinge (der erkenntnißtheoretischen Probleme) vorgesetzt habe, so bitte ich zu entschuldigen, wenn ich während dieser Zeit ein vollständiges Stillschweigen beobachte und auch von keiner Seite Briefe haben will.
Damit Deine Stimmung darüber sich nicht etwa verdüstere, habe ich eben ein Paar Zeilen an meine Schwester geschrieben.
Seht mitsammen zu, wie Ihr es noch eine Weile mit mir aushaltet.
F.
518. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
es ging schlecht bisher (immer krank) — ich schrieb schon zwei Briefe an Dich, schickte sie aber glücklicherweise nicht ab. Das feucht-warme wolkige Wetter hier oben ist nichts für mich; muthmaaßlich gehe ich noch nach dem Engadin, oder nach Zürich.
Von Luzern aus schrieb ich, wie Du riethest, an meine Mutter. —
Ich habe meinen Tröster und Zusprecher bei mir — meinen Sohn Zarathustra. Wenn Du in die Ferien gehst, nimm ihn mit Dir: ich möchte, daß Du Dich auch davon überzeugtest, daß ich mit diesem Buche alles überwunden habe, was je in Worten gesagt worden ist, und daß dies noch nicht einmal sein größtes Verdienst ist.
Basel, oder vielmehr mein Versuch, in alter ehemaliger Weise mit den Baslern und der Universität umzugehn — hat mich tief erschöpft. Eine solche Rolle und Verkleidung kostet jetzt meinem Stolze zu viel.
Tausend Mal lieber Einsamkeit! Und wenn es sein muß, allein zu Grunde gehn! —
Der Gedanke, den ich Dir im „weißen Kreuz“ aussprach, mich durch eine Art von ganz persönlicher Zuschrift „an meine Freunde“ gleichsam zu erklären — war nur die Eingebung der Basler Luft, ein Gedanke der Entmuthigung. Nicht ein Wort mehr von mir! Das „Mich-Erklären“ habe ich ja schon abgethan, durch den letzten Theil der „fröhlichen Wissenschaft“. Auch der Gedanke an Vorlesungen in Nizza ist nur ein Nothwehr-Einfall der Verzweiflung: denn im Grunde — wie könnte ich jetzt noch Vorlesungen halten! — Freilich, wie ich über die nächsten Jahre hinwegkommen soll, darüber weiß ich mir nicht ein, noch aus. Aber ich habe schon Schweres überstanden und rechne darauf, daß mein Geist der Erfindung mich auch dies Mal nicht im Stich lassen wird. Einstweilen stecke ich in tiefer, tiefer Schwermuth, kaum weiß ich zu sagen warum. Es mag sein, daß ich im Stillen immer geglaubt habe, an dem Punkte meines Lebens, an dem ich angelangt bin, nicht mehr allein zu sein: daß ich da von Vielen Gelübde und Schwüre empfangen würde, daß ich Etwas zu gründen und zu organisiren hätte, und dergleichen Gedanken, mit denen ich über Zeiten gräßlicher Vereinsamung mich hinwegtröstete. Inzwischen ist es anders gekommen. Es ist alles noch zu früh, ich muß mir eine neue Geduld erfinden. Und mehr noch als Geduld. —
Ich denke Deiner und Deiner lieben Frau mit dankbarem Herzen.
Dein N.
N.B. Wie heißt doch das deutsche Wörterbuch, das viel kleiner als das Grimmsche ist, und fertig?
— Da fällt mir ein, daß im weißen Kreuz von mir ein Nachthemd zurückgeblieben ist. Laßt doch, bitte, einmal dort bei dem Zimmermädchen darnach fragen! Pardon!
Muth! Muth! Und: aequam memento rebus in arduis servare mentem — rufe ich mir zu.
Heute Abreise von hier nach Zürich, Hôtel Habis, wo ich bleibe.
519. An Meta von Salis in Zürich (Postkarte).
Mein verehrtes Fräulein,
angenommen, daß Sie wissen, wer ich bin, dürfen Sie sich nicht wundern, wenn ich wünsche, Ihre Bekanntschaft zu machen. Ich werde einige Tage in Zürich bleiben, Hôtel Habis: geben Sie mir, wenn ich bitten darf, ein Wort der Mitteilung dahin über das Wann? und Wo? eines Zusammentreffens.
Ihr ergebener Diener
Prof. Dr. Nietzsche
Piora bei Airolo, bei der Abreise
520. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Mein alter Freund, ich bin in Sils-Maria angelangt — ah diese gute Luft! Ich kann nichts Thörichteres thun als meine Gesundheit und meinen Muth durch ungünstige klimatische Bedingungen herunter zu drücken: Zeugniß mein letzter Brief, auf welchen Du sehr gut geantwortet hast, nämlich aus meinen eigenen Herzenswünschen heraus. Eine Weile soll es nun wieder gehen! „Vorüber die Trübsal dieses Frühlings! Vorüber die Bosheit meiner Schneeflocken im Juni!“ wie Z<arathustra> sagt, sehr engadinerhaft!
Dein N.
521. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
ich vergaß neulich, Dich zu bitten, dem Bibliotheks-Diener den betreffenden Wink zu geben: „Sils-Maria, Oberengadin“ genügt als Adresse. Insgleichen vergaß ich Dich zu fragen, wann Du wieder aus den Ferien nach Basel heimzukehren gedenkst, und wann demgemäß die nächste Pensions-rate für mich in Aussicht steht. Ich laborire nämlich an der Vorstellung, dies Mal nicht bis zu dem nächsten Termine auszureichen. Man hat mir in Val Piora und Zürich schrecklich viel Geld abgenommen. — Was ich überhaupt das „Reisen an sich“ verwünsche! Es erschöpft mich auf eine mir kaum verständliche Art. — Das Wetter war mir bisher zuwider, und ich bin noch ferne davon, mich erholt zu haben. Es gab Tage, die ich kaum zu überwinden wußte: meine Feinde, die Wolken —!
Andererseits giebt es Stunden wenigstens, wo ich, bei einem Rückblick über 40 Jahre, mich glücklich preise — freilich auch mit vielen „blauen Augen,“ aber eben doch hindurch gekommen zu sein. Die Consequenzen eines solchen Lebens kamen in den letzten Jahren zum „Ausbruch“ — eruptiv, in jeder Hinsicht, und beinahe zerstörend. Aber dies „beinahe“ ist meinem ganzen Leben an die Stirn geschrieben — zuletzt bin ich bis jetzt doch noch „der Siegreiche“.
Ich stecke mitten in meinen Problemen drin; meine Lehre, daß die Welt des Guten und Bösen nur eine scheinbare und perspektivische Welt ist, ist eine solche Neuerung, daß mir bisweilen dabei Hören und Sehen vergeht.
Aber Du wirst mitten in Deiner Arbeit sein und hast schon viel zu viel Zeit auf Deinen tollen Freund verwenden müssen — ich dachte oft daran, und mit Betrübniß. Es sollte Jemanden geben, der für mich, wie man sagt, „lebte“; da würde auch Dir, mein lieber Freund, Viel erspart sein.
Die Abende, wo ich ganz allein, im engen niedrigen Stübchen sitze, sind harte Bissen zum Kauen.
Dir und Deiner lieben Frau (der ich vergessen habe die mémoires der Herzogin von Abrantes zu empfehlen, zur Ergänzung der Remusat)
von Herzen zugethan
N.
522. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
Ihr Brief giebt mir in äußerst angenehmer Manier die regulativen Begriffe, mit denen ich meine Erfahrungen der letzten Zeit zusammenfassen kann. Ich bin nämlich lange unterwegs gewesen und habe viele sogenannte „alte Bekannte“ (ich sollte sagen: als „neue Unbekannte“); aufgesucht und gesprochen. Das war eine Thorheit, die mich in jeder Hinsicht gelangweilt und erschöpft hat; dazu kam, daß der Sommer heiß war und daß ich immer in Gegenden lebte, deren Clima mir nachtheilig ist. Endlich in Sils-Maria! Endlich Rückkehr zur — Vernunft! Inzwischen nämlich gieng es um mich zu unvernünftig zu (ich war wie unter Kühen); aber daß ich mich so lange in diesen Niederungen und Kuhställen aufhielt, war selber die größte Unvernunft. Wer Distractionen nöthig hat, wie sie unser-Einer hier und da nöthig hat, Gelegenheit zu lachen, boshafte Menschen und Bücher — der soll nur irgend wo anders hin gehn, aber nicht nach Basel et hoc genus omne.
Das Spaaßhafteste, was ich erlebte war J<acob> Burckhardts Verlegenheit, mir etwas über den Zarathustra sagen zu müssen: er brachte nichts Anderes heraus als — „ob ich es nicht auch einmal mit dem Drama versuchen wolle“. —
In summa: es wird wohl bei Sils und Nizza verbleiben, kürzere Zwischen-Aufenthalte abgerechnet (so ist vorläufig ein Ausflug nach Corsica für nächsten Frühling von Nizza aus verabredet, nämlich von Resa von Schirnhofer und mir — vivat tertius!) Auch sollten wir, mein geliebter Freund, uns hier, im heiligen Sils, der Ursprungsstätte des Zarathustrismus, für nächsten Sommer wiederzusehen versprechen! Haben Sie Lust dazu? Ein landschaftlicher Umblick in der Schweiz hat mich von Neuem belehrt, daß Sils-Maria nicht seines Gleichen in der Schweiz hat: wunderliche Mischung des Milden, Großartigen und Geheimnißvollen! —
Was fehlt mir doch? Daß ich Ihre Musik nicht hören kann, daß ich gar nicht weiß, wann und wie ich sie wieder zu hören bekomme! Ach die glücklichen Dresdener! Meine Tischnachbarin, eine Lievländerin, die in Dresden lebt, erregt meine Eifersucht. An Frau Rothpletz schrieb ich ad vocem „Einsamkeit“ einen Brief und sagte ihr wie wäre denn jetzt — jetzt! — solche Musik wie die Ihre noch möglich, wenn nicht die Erfindung der Einsamkeit gemacht worden wäre! Eingerechnet die Einsamkeit zu Zweien, wie die unsre in Venedig, für die ich Ihnen von ganzem Herzen Dank sage!
Treulich Ihr N.
Ihren verehrlichen Eltern mich bestens empfehlend. N.
523. An Resa von Schimhofer in Zürich
Verehrtestes Fräulein,
hier ist gut leben, in dieser starken hellen Luft, hier, wo die Natur auf wunderliche Weise zugleich mild, feierlich und geheimnißvoll ist — im Grunde gefällt mir’s nirgendswo so gut als in Sils Maria, kurz, Sie werden mich wieder heiter und guten Muths finden, wie in Nizza.
Ich überlege, wie Sie am besten reisen. Nothwendig ist, sich einen Coupéplatz (Chur-Silvaplana) bei der Post in Chur vorauszubestellen, mindestens 8 Tage voraus: der Andrang ist groß. Die Morgenpost geht (wenn ich mich recht erinnere) um 6 Uhr in Chur ab und ist Abends um 5 ungefähr in Silvaplana, wo ich Sie empfange. Ich möchte gerne sobald als möglich den Tag wissen, an dem Sie eintreffen wollen, damit man für diesen Tag Ihnen ein Zimmer im Hotel Alpenrose (wo ich esse) reservire: der Andrang ist auch da groß. Sehen Sie übrigens das schweizerische Eisenbahn-Coursbuch an: man kann auch Nachmittag von Zürich abfahren und gegen 11 den Anschluß an die Nachtpost in Chur erreichen — in diesem Falle ist man Morgens um 10 in Silvaplana. Das ist aber sehr anstrengend; rathsamer scheint mir, in Chur (Hôtel Lukmanier) die Nacht zu bleiben; das genannte Hôtel liegt der Post gegenüber. —
So viel. Ich freue mich auf Ihre Ankunft. Eben blitzt es.
Herzlich Ihnen ergeben
Nietzsche.
524. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund, gestern Abend kam Dein Brief, und ich nahm, Dank demselben, mit mehr Vergnügen als sonst, meine einsame Mahlzeit ein. Die Nacht hatte ich wenig Ruhe, im Zimmer nebenan starb Jemand, man gieng immer hin und her, Arzt, Pfarrer usw. Heute regnet es, wie schon gestern, meine Finger sind steif, ich werde gerade noch fertig bringen, zu schreiben, daß ich gerne 200 frcs. von der Handwerker-Bank hätte, zur Beruhigung. Ob ich im September südlich-westlich reisen kann, hängt von der Cholera und der (7 tägigen!) Quarantäne ab; diese Krankheit hat mich schon gezwungen, über Zürich nach dem Engadin zu reisen, statt, wie es viel näher war, über Lugano. —
An „Peter Gast“ habe ich ungefähr vor einer Woche geschrieben, seine Venetianische Musik geht mir tröstlich durch den Kopf, und ich betrachte es als eine harte Entsagung, nicht bei der Aufführung seiner Oper Zeuge und Taufgevatter zu sein.
Das Clima ist rauh, und die sonderbare Erschöpfung, an der ich laborire (Du glaubst nicht, wie langsam ich meines Weges gehen muß —) hat an dieser scharfen Kälte und Herbheit ein Heilmittel — mindestens hoffe ich das.
Beim Durchlesen meiner „Litteratur,“ die ich jetzt wieder einmal beisammen sehe, fand ich mit Vergnügen, daß ich noch alle starken Willens-Impulse, die in ihr zu Worte kommen, in mir habe und daß auch in dieser Hinsicht kein Grund zu Entmuthigung da ist. Übrigens habe ich so gelebt, wie ich es mir selber (namentlich in „Schopenhauer als Erzieher“); vorgezeichnet habe. Falls Du den Zarath<ustra> mit in Deine Mußezeit nehmen solltest, nimm, der Vergleichung halber, doch die eben genannte Schrift mit hinzu (ihr Fehler ist, daß eigentlich in ihr nicht von Schopenhauer, sondern fast nur von mir die Rede ist — aber das wußte ich selber nicht, als ich sie machte.)
Eben kommen, schön verpackt, die Bücher an.
Dir und Deiner lieben Frau das Beste wünschend
Dein N.
526. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Gestern Abend, meine liebe Mutter, kam die Kiste aus Braunschweig, ich danke bestens für diese Besorgung — der Schinken ist delikat. — Gesundheit giebt manchen Anlaß zur Sorge; so viel Erschöpfung; früher konnte ich ganz anders gehen. Schmerz an der Stelle des Rückens, wo ich schief bin. Seit einigen Tagen plötzliche Verdunkelung des Augenlichtes, so daß ich alles Arbeiten eingestellt habe. — Sonst bewährt sich Sils, und es wird wohl fürderhin bei Sils und Nizza bleiben. Wäre damit das Clima bezeichnet, welches ich zum Leben nöthig habe, so muß doch noch Manches sich hinzufinden, wenn ich es länger aushalten soll — ich bin mit schweren, allerschwersten Aufgaben und Pflichten überbürdet. Vorigen Sommer habe ich das Zimmer tapeziren lassen, dies Mal denke ich an die Erwerbung eines Ofens. Es fehlt nicht an Menschen, mit denen ich reden kann, mit Turneysen-Merians zb. habe ich 3 Wochen zu Mittag gegessen. Eine Engländerin ist da, die früher an mich geschrieben hat. Eben nahm ein preußischer Beamter des Patent-Amts (aus dem Bismarckschen Dunstkreis) von mir Abschied — ganz ergriffen: (er sagte, „die Gespräche mit mir seien die bedeutungsvollste Episode seines geistigen Lebens“); Resa von Schirnhofer wird wohl noch kommen, wenigstens sind Briefe an sie bei mir eingetroffen. Du siehst, daß „der Einsiedler von Sils-Maria“ diesen Sommer besser daran ist als den vorigen, auch fehlt es nicht an guten Nachrichten, welche beweisen, daß die Verehrung, ja Ehrfurcht vor mir außerordentlich im Wachsen ist. Ich selber bin dem gegenüber in einer artigen boshaften Stimmung: das liegt wohl an dem Umstände, daß diese letzten Jahre meine wohlwollenden nachsichtigen vergebenden und versöhnlichen Instinkte gar zu stark in Anspruch genommen worden sind.
Da hast Du nun wieder einen geistigen Wetterbericht von Deinem Sohne; den nächsten bekommst Du wohl erst aus Nizza, wohin ich im September abziehe. (Ich soll dort, nach Prof. Schiess’ Urtheil, Seebäder gebrauchen.)
Mit herzlichem Gruß und Wunsche
Dein F.
526. An Franz Overbeck in München
Lieber alter Freund,
das Geld kam mir zu Händen — ich danke schönstens für die schnelle Besorgung. Die Gesundheit will dies Mal nicht recht von der Stelle, ich bin immer noch nicht die große seltsame Erschöpfung losgeworden. Still liegen — das ist an Stelle des Viel-Herumlaufens früherer Jahre getreten. Das Problem der „düsteren Abende“ ist noch nicht gelöst.
Es thut mir wohl, daß es keine Briefe von Naumburg giebt; wie erschüttert und krank ich aber noch in dieser Hinsicht bin, giebt dies zu verstehen, daß nach jedem Briefe, den ich meiner Mutter in diesem Sommer geschrieben, ich 2 Tage ernstlich krank gewesen bin. Du kannst Dir wohl vorstellen, wie die beständige Wiederholung Eines Vorgangs endlich auf mich gewirkt hat: daß man mir immer und immer wieder in die ungeheure Spannung eines großen Gefühls, das sich über das Schicksal der Menschheit ausspannt, eine Hand voll Schmutz ins Gesicht wirft (und dies auf Grund von Handlungen meinerseits, vor denen, wie mir scheint, jeder höher empfindende Mensch nur Ein Gefühl: bewundernde Verehrung haben sollte!) Daß es mir nicht ansteht, mich zu „rechtfertigen“, wo ich über das Maaß menschlicher Tugenden hinausgegangen bin, liegt auf der Hand, ich gewinne es nicht über mich; aber vielleicht habe ich eben dadurch das Verhältniß zu meinen Angehörigen in Grund und Boden verdorben. — Fühlte ich nicht, daß ich von allen Seiten jetzt isolirt bin, so würde ich diese Lostrennung von meinen Blutsverwandten nicht so schmerzlich empfinden. In Summa: es gehört zu meinen Aufgaben, auch darüber Herr zu werden und fortzufahren, alle meine Schicksale zu Gunsten meiner Aufgabe „in Gold zu verwandeln. “
Es gab doch wieder Stunden, wo diese Aufgabe ganz deutlich vor mir steht, wo ein ungeheures Ganzes von Philosophie (und von Mehr als je Philosophie hieß!) sich vor meinen Blicken auseinander legt. Dies Mal, bei dieser gefährlichsten und schwersten „Schwangerschaft,“ muß ich mir begünstigende Umstände zusammenholen und alle Sonnen mir leuchten machen, die ich noch kennen lernte. Auch werde ich wohl auf der Hut sein, solche klimatische Thorheiten zu begehen, wie die Sprünge Nizza Venedig Basel. Es muß im Wesentlichen vielmehr bei Nizza und Sils bleiben.
Ich hatte für einige Tage Fräulein Resa von Schirnhofer bei mir zu Besuch, bevor sie zu ihren Eltern, nach Graz, abreiste; es ist ein drolliges Geschöpf, das mich lachen macht und sich gut an mich gewöhnt. Diesen Winter wird sie in Paris ihre philosophischen Studien fortsetzen.
Ich esse diesen Sommer nicht allein zu Mittag, wie früher, vielmehr in Gesellschaft; meine jetzige Tischnachbarin, an der ich meine Freude habe, ist eine alte Russin (Hofdame der Kaiserin), eine veritable Schülerin Chopin’s. Mehrere Wochen waren Turneysen-Merian’s in meiner Nähe. Auch Sidney v. Wöhrmann hat mich besucht. Auch giebt es einen neuen „Verehrer,“ einen preußischen Beamten aus dem Bismarck’schen Dunstkreis, angestellt im Patent-Amte.
So viel, mein lieber Freund. Ich ersehne Nachricht von Köselitz — nein, was ich diese Musik liebe und diesen Musiker! Die Cholera-Quarantäne (von 7 Tagen) hält mich in Spannung. Zunächst will ich versuchen, es bis Ende September hier auszuhalten (falls es nicht zu schnell Winter und Schnee giebt). Dann Nizza. Ah, wenn ich doch sagen dürfte: Dresden!
Dir dankbarlich ergeben und mit vielen guten Wünschen für Dich
N.
527. An Heinrich von Stein in München
Sehr willkommen! Sehr ersehnt — mehr sage ich heute nicht. Nehmen Sie in Sils-Maria das Hôtel Alpenrose: da esse ich jetzt zu Mittag. Ein Wort noch über die muthmaßliche Stunde Ihrer Ankunft in Silvaplana: daß ich Sie, verehrtester Herr, daselbst abholen kann.
Von Herzen erfreut
der Einsiedler von Sils-Maria.
528. An Malwida von Meysenbug in Rom
Liebe verehrte Freundin,
um gleich die Hauptsache zu sagen: es ist ein Jammer, wenn wir Beide, zwei Menschen, welche sich lieb haben, nicht zusammenleben — und nun kommen die für mich ganz fatalistischen Gründe des Clima’s und zwingen mich, meine Winter fürderhin in Nizza und nicht in Rom zuzubringen! Erwägen Sie doch einmal, ob die unglaublich belebende und stärkende Luft Nizza’s, die stärkste Luft Europa’s (nächst der vielleicht von Sils-Maria) Ihnen nicht auch gut thun müßte, wie sie mir gut thut: eingerechnet die Wirkung von 220 absolut hellen Sonnen-Tagen im Jahr, für mich etwas ganz Entscheidendes. (Rom hat 100 Tage weniger) Ich für meinen Theil wünsche mir gerade Ihre Nähe, wie ich mir reinen Himmel wünsche: womit Ihnen Alles gesagt sein muß, vorausgesetzt, daß Sie auf meinen Sohn Zarathustra hingehört haben. Und wie werthvoll wäre uns ein Zusammensein namentlich an den Abenden, wo wir beide nicht lesen und schreiben dürfen, und wo wir uns so Viel zu erzählen hätten!
Ich bin einstweilen gesonnen, gegen Anfang Oktober nach Nizza zu gehen und wieder in meine gute schweizerische Pension „Hôtel de Genève“ — und Seebäder zu gebrauchen, wie mir verordnet ist. Bis dahin Sils.
Stein war 3 Tage hier: das ist ein Mann nach meinem Herzen! Er hat mir aus freien Stücken versprochen, so bald er frei wird d.h. so bald sein Vater nicht mehr lebt, dem zu Liebe er es im Norden aushält, zu mir nach Nizza überzusiedeln.
Auch die gute Resa Schirnhofer war da, mit einer ihrer Züricher Freundinnen. Schade, daß sie, um Baslerisch zu reden, so „unanmüethig“ aussieht! Ich kann das Häßliche in meiner Nähe nicht lange aushalten (ich meinte schon in Bezug auf Frl. Salomé einige Selbst-Überwindung darin nöthig zu haben)
Nun erwägen Sie, meine verehrteste Freundin, sich, mich, Ihre Gesundheit — man kann in Nizza mindestens so billig leben als in Rom, und wie ich wenigstens urtheile, drei Mal so produktiv.
Von ganzem Herzen
Ihr
Nietzsche.
Umwenden!
Fast vergaß ichs — ad vocem „Propaganda-machen“ in Ihrem vorletzten Briefe, woraufhin ich mir heute eine kleine Rache erlaube — —
Miß Helen Zimmern (es ist dieselbe welche den Engländern mit gutem Erfolge Schopenhauer vorgeführt hat) schreibt an mich „ich möchte Sie nochmals daran erinnern, doch Ihre Freundin, die Verfasserin der Memoiren einer Idealistin zu bitten, mir ihre sämmtlichen Werke zukommen zu lassen. Es würde mir sicherlich Freude machen, wenn ich dieselben in England durch einen Aufsatz bekannt machen könnte, und ich glaube, daß ich diesen Winter Zeit finden könnte, mich mit denselben zu beschäftigen. “
Ich hatte Miss Zimmern in Ihrer Hinsicht einen Wink gegeben, bei einer Unterredung hier in Sils-Maria: ihre Adresse ist London, 7, Tyndale Terrace Canonbury Square
529. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Zuletzt, mein lieber verehrter Freund — was uns auch für Widerwärtigkeiten im Wege stehen mögen, wir Beide gehören nun einmal zur Ritter- und Brüderschaft „von der gaya scienza“ und wollen uns dessen in diesem guten Jahre, das Ihren „Löwen“ und meinen „Zarathustra“ von Einem Baume abschüttelte, recht von Herzen getrösten. Der Rest — ist Warten, bei Ihnen wie bei mir.
Für die Zukunft trage ich die Hoffnung mit mir herum, daß sich in Nizza eine kleine, äußerst gute Gesellschaft dieses Glaubens an die gaya scienza bilden wird: und im Geiste habe ich Ihnen als dem Ersten schon den Ritterschlag zur Einweihung in diesen neuen Orden gegeben. Man soll „beim Mistral!“ fluchen und schwören — eine andere Verpßichtung wüßte ich nicht, da sich bei Menschen, wie wir sind, Alles „von selber versteht“. —
Einstweilen bin ich durch eine doppelte Quarantäne von Nizza fern gehalten (das heißt durch 2 X 7 Tage) und in Anbetracht, daß erst mit den Herbst-Regen die Cholera verschwinden wird, also etwa in der zweiten Hälfte des October —oscillirt meine Sehnsucht sehr nach dem Norden zu, deutlicher geredet, nach Dresden zu. Sobald die „Aussicht der Aufführung“ Ihnen selber zu Gesicht kommt, (oder auch nur die Wahrscheinlichkeit dieser Aussicht) bitte, telegraphiren Sie hierher. Hier, ohne Ofen, durchfroren, mit blauen Händen, kann ich’s schwerlich lange aushalten — ich müßte mir denn einen Ofen anschaffen.
Ich bin überdies mit der Haupt-Aufgabe dieses Sommers, wie ich sie mir gestellt hatte, im Ganzen fertig geworden — die nächsten 6 Jahre gehören der Ausarbeitung eines Schema’s an, mit welchem ich meine „Philosophie“ umrissen habe. Es steht gut und hoffnungsvoll damit. Zarathustra hat einstweilen nur den ganz persönlichen Sinn, daß es mein „Erbauungs- und Ermuthigungs-Buch“ ist — im Übrigen dunkel und verborgen und lächerlich für Jedermann.
Heinrich von Stein, ein prachtvolles Stück Mensch und Mann, an dem ich Freude gehabt habe, sagte mir ganz ehrlich, er habe von besagtem Z<arathustra> „zwölf Sätze und nicht mehr“ verstanden. — Das that mir sehr wohl.
Schreiben Sie mir ein Wort über Ihre Übersetzung.
Mit der Gesundheit steht es sehr unsicher, es stand in Venedig besser, und in Nizza besser als in Venedig. Alle 10 Tage ein guter Tag: so lautet meine Statistik, hole sie der Teufel!
Kein Mensch, der mir vorliest! Alle Abende melancholisch im niedrigen Zimmer, frostklappernd, 3—4 Stunden die Erlaubniß abwarten, zu Bett zu gehn!
Heute verläßt mich meine beste Sommer-Bekanntschaft, meine Tisch-Nachbarin Frl. von Mansuroff, dame d’honneur der russischen Kaiserin — ach, wir hatten uns so Viel zu erzählen, es ist ein Jammer, daß sie fortgeht! Denken Sie doch, eine veritable Schülerin Chopins, und voller Liebe und Bewunderung für diesen „ebenso stolzen wie bescheidenen“ Menschen! - - -
Sils-Maria ist allerersten Ranges, als Landschaft — und nunmehr auch, wie man mir sagte, durch „den Einsiedler von Sils-Maria“ — —
Sehen Sie, da schrieb ich schnell noch eine „Unbescheidenheit allerersten Ranges"!
Treulich Ihr Freund
Nietzsche
530. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
Deine Gabe, die ich als Geburtstagsgeschenk empfangen habe, hat mich wahrhaft gerührt, und ich möchte gern im Stande sein, auch Deinem Wunsche zu entsprechen und nach Naumburg zu kommen. Was die Gegengründe betrifft, so wirst Du durch meinen letzten Brief hinreichend unterrichtet sein. Es versteht sich, daß für einen außerordentlichen Fall (z. B. wenn es vielleicht sich absehn ließe, daß ein Zusammensein zu Dreien das Letzte für eine längere Zeit sein dürfte — ein Fall, der mir öfters vorschwebt und auf den sich, wie ich gemeint habe, der Wunsch meiner Schwester zu einer Zusammenkunft bezieht) — es versteht sich, daß für einen solchen Fall ich die Rücksichten der Gesundheit (und noch mehr die des Geldes) hintenan setzen würde. Auch würde es mir selber wohlthun, einigermaßen mein Programm für die nächsten 5 Jahre auszusprechen das sich ziemlich bestimmt gestaltet hat, Dank der grossen Aufgabe, in deren Dienste ich lebe. Vielleicht würde gerade durch dies Letzte allem dem Mißverständlichen und Entfremdenden, an welchem die vergangenen Jahre so reich waren, am besten in Hinsicht auf die Zukunft vorgebeugt.
Zum Mindesten würde ich klar machen, weshalb man einem so Tief-beschäftigten und ebenso Tief-Verborgenen Menschen, wie ich bin, mit der größten und schonendsten Vorsicht begegnen müsse (nach der Regel, daß man einen Nachtwandler nicht anreden darf —)
— Im Übrigen steht Alles gut, und ich habe, trotz der größten Schwierigkeiten, bis zu diesem Zeitpunkte (dem 40ten Lebensjahre) Alles noch von mir erreicht, was ich erreichen wollte. —
Schreibe mir, bitte, umgehend, und erwäge, ob im andern Fall vielleicht nächstes Jahr um dieselbe Zeit ein solches Zusammensein zu Dreien in’s Auge zu fassen wäre.
Es hat mich sehr gefreut, daß Du an die kleine Adrienne gedacht hast. Meine Leute hier sind ausgezeichnet, und nachgerade wird der „Einsiedler von Sils-Maria“ von allen Seiten sehr achtungsvoll behandelt. Mehrere der Sommergäste der hiesigen Hôtels haben mir Abschiedsbesuche gemacht.
Honig excellent! Handschuh sehr erwünscht! —
Wirklich, ich fürchte mich jetzt vor langen Reisen, Du kannst nicht glauben, was ich dies Jahr schon an den Folgen der Eisenbahn- und Postfahrten gelitten habe. Sils und Nizza, Nizza und Sils — und dazwischen eine Frühjahrs-Station: so wird es gehen. — Mit den herzlichsten Wünschen für uns 3
Dein Sohn F.
Ich bin traurig über die Abreise meiner vortrefflichen Tischnachbarin Frl. von Mansuroff, dame d’honneur der russichen Kaiserin (einer veritablen Schülerin Chopins) und langweile mich seitdem. Besuch verabredet.
Dr. von Stein hat mit der höchsten Verehrung vom Charakter des Dr. Rée und von seiner Liebe für mich geredet — was mir sehr wohlgethan hat. —
Das Neueste ist: „der Kampf um Gott“, Roman von H. Lou.
531. An Resa von Schirnbofer in Graz
Sehr geehrtes Fräulein
inzwischen gieng es nicht gut. Ah, diese dumme Gesundheit! Außerdem ist es kalt hier oben, blau-finger-kalt, um mich kurz verständlich zu machen; ich wälze das Problem eines Ofens in meinem Kopfe.
Von Nizza bin ich jetzt durch 2 Quarantänen, jede zu 7 Tagen, fern gehalten — was mich etwas nach Norden zu oscilliren macht. Ich möchte wissen, ob man auf die Dresdener Aufführung des „Löwen von Venedig“ rechnen dürfte — in diesem Falle wäre ich sehr versucht und verlockt —. Zuletzt wünscht meine Schwester, „wichtiger“ Dinge halber, ein Zusammentreffen.
Inzwischen kam Heinrich von Stein zu Besuch, nicht länger und nicht kürzer als Sie selber, und sehr erquicklich. Was mir Das gut that! — endlich ein Mensch mit einer heroischen Grundstimmung, und in der Umgebung R. W<agner>’s schön zur Ehrfurcht erzogen, ganz anders als jetzt erzogen wird (nämlich zum Mitreden und Mitschwätzen über Jedes vor Jedem) Er hat mir Aussichten gemacht, für die Zeit, wo sein Vater nicht mehr lebt — zu mir nach Nizza überzusiedeln. —
Eben nahm Frl. von Mansuroff Abschied — oh wie einsam ist es schon geworden! —
Lesen Sie, ich bitte, Stifter’s „Nachsommer“. —
(„Der Kampf um Gott“ Roman von H. Lou (Stuttgart, Auerbach), seit Mai im Druck.)
In summa: ich bin mit dem Sommer zufrieden, insofern ich für 6 Jahre den Entwurf gemacht habe, den Entwurf meiner „Philosophie“ oder „Religion“ oder was weiß ich? Genug, es muß noch gelebt werden. —
Aber die dumme Gesundheit! — —
Nehmen Sie nochmals meinen herzlichsten Dank für Ihren Besuch und bleiben Sie gut-freundschaftlich gesinnt.
Ihrem ergebensten
Nietzsche.
532. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Anbei, meine liebe Mutter, das letzte Document, welches ich in Bezug auf meine Chemnitzer Gelder in den Händen habe; es fehlt, wie Du sehen wirst, der Zins vom 1 Januar 1883 bis 1 April 1884.
Herr Schmeitzner schrieb im vorigen Monat an mich (ohne von mir an sein Versprechen erinnert zu sein): „ich stecke jetzt tief in Hypotheken, Kaufs- und Miethverhandlungen, denn ich muß Wort halten und Ihnen am 1. April das Darlehn zurückzahlen.“
Alles Weitere sei nun Dir anbefohlen, meine liebe Mutter! Dein Vorschlag ist mir vollkommen recht; willst Du es anders, ist es mir auch recht.
Von Mitte nächsten Jahres an hört meine Baseler Pension auf. Von da an will ich langsam meine Gelder aufbrauchen, langsam und sparsam, wie ich es gewöhnt bin — ja noch etwas sparsamer. Ich fange an mit den Geldern, welche ich noch in Basel habe: dann kommt das Schmeitznersche Geld an die Reihe (abgesehn von den 600 Thl.) und zuletzt mein Naumburger Vermögens-Rest. Bis ich mit dem Allen fertig bin, werde ich noch durch zweite Außagen und neue Schriften manche Einnahme haben.
Ich werde noch einige Zeit hier bleiben. Nach Taormina zu gehn, wozu mir meine Schwester räth, liegt mir jetzt ganz fern ebenso fern als Fräulein Mellien. Auch auf die Einladung von Malvida nach Rom habe ich mit Nein geantwortet.
Mitten in tiefer Arbeit.
Von Herzen
F.
533. An Franz Overbeck in München
Lieber Freund, herzlichen Dank voraus!
Im Ganzen sind alle Dinge diesen Sommer bei mir von der Stelle gekommen, und der Hauptzweck ist erreicht worden, freilich sehr auf Unkosten der Gesundheit: namentlich ist eine plötzliche auffallende Verdunkelung der Augen hinzugekommen, die mich nöthigt, mit Schiess zu correspondiren. Die Gesammt-Depression, an der ich leider bei unserm Zusammensein in Basel litt, ist aber gehoben; ich glaube jetzt, daß ich die Differenz mit meinen Angehörigen hundert Mal zu schwer genommen habe. Es genügte schon der Vorschlag zu einem Rendezvous mit meiner Schwester, um vergnügte Gesichter zu machen. Das ist nun mein ewig wiederholter Fehlgriff, daß ich mir fremdes Leid viel zu groß vorstelle. Von meiner Kindheit an hat sich der Satz „im Mitleiden liegen meine größten Gefahren“ immer wieder bestätigt (vielleicht die böse Consequenz der außerordentlichen Natur meines Vaters, den Alle, die ihn kannten, mehr zu den „Engeln“ als zu den „Menschen“ gerechnet haben) Genug, daß ich durch die schlimmen Erfahrungen, die ich mit dem Mitleiden gemacht habe, zu einer theoretisch sehr interessanten Veränderung in der Werthschätzung des Mitleidens angeregt worden bin.
Das Erlebniß des Sommers war der Besuch Baron Stein’s (er kam direkt aus Deutschland für 3 Tage nach Sils und reiste direkt wieder zu seinem Vater — eine Manier, in einen Besuch Accent zu legen, die mir imponirt hat) Das ist ein prachtvolles Stück Mensch und Mann und mir wegen seiner heroischen Grundstimmung durch und durch verständlich und sympathisch. Endlich, endlich ein neuer Mensch, der zu mir gehört und instinktiv vor mir Ehrfurcht hat! Zwar einstweilen noch trop wagnetisé, aber durch die rationale Zucht, die er in der Nähe Dührings erhalten hat, doch sehr zu mir vorbereitet! In seiner Nähe empfand ich fortwährend auf das Schärfste, welche praktische Aufgabe zu meiner Lebens-Aufgabe gehört, wenn ich nur erst genug jüngere Menschen einer ganz bestimmten Qualität besitze! — einstweilen ist es noch unmöglich, davon zu reden, wie ich denn auch noch zu keinem Menschen davon geredet habe. Welch sonderbares Schicksal, 40 Jahr alt werden und alle seine wesentlichsten Dinge, theoretische wie praktische, als Geheimnisse mit sich noch herumschleppen! — Vom Zarathustra sagte Stein ganz aufrichtig, er habe „zwölf Sätze und nicht mehr“ davon verstanden: was mich sehr stolz gemacht hat, denn es charakterisirt die unsägliche Fremdheit aller meiner Probleme und Lichter (zufällig brachte der Sommer mir mehrmals dasselbe Zeugniß in Betreff der Morgenröthe und fröhlichen Wissenschaft „die fremdartigsten Bücher, die es giebt“).
Dagegen ist Stein Dichter genug, um z.B. von dem „anderen Tanzlied“ (dritter Theil) aufs Tiefste ergriffen zu sein (er hatte es auswendig gelernt) Wer nämlich gerade bei den Heiterkeiten Zarathustra’s nicht Thränen vergießen muß, der gilt mir als noch ganz fern von meiner Welt, von mir.
Stein hat mir aus freien Stücken versprochen, zu mir nach Nizza überzusiedeln, sobald sein Vater nicht mehr lebt: dem zu Liebe er es im Norden und an einer deutschen Universität aushält.
Daniella v. Bülow hat mir durch ihn sagen lassen, daß sie ihre Verlobung aufgelöst habe und jetzt, zur Stärkung, meine Schrift „Schopenhauer als Erzieher“ lese.
Köselitzens Schicksal macht mir viel Sorge. Mit der früheren Unabhängigkeit scheint es vorbei zu sein, es steht nicht gut mit der Färberei seines Vaters, er wird schwerlich wieder von Hause fortkönnen, solange er nicht Erfolge hat. Was diese betrifft, so ist der jetzt herrschende Wagnerismus ihm durchaus nicht schädlich, im Gegentheil: vorbereitend, wie ich selber es persönlichst erlebt habe — die zartesten und sublimsten Zustände haben noch nie vor Wagner so geleuchtet, und erst nachdem man durch ihn Augen für diese Lichter und Farben bekommen hat, weiß man, wohin die Kunst unsres Venediger Maestro will und muß — — Seine Gegnerschaft liegt vielmehr im deutschen bewußten oder unbewußten Obscurantismus und Sentimentalismus, in den zweiten-Aufguß-Brühen, wie sie z.B. Brahms servirt, und in summa in der deutschen Mittelmäßigkeit des bürgerlichen Geistes, welcher allem Südländischen gegenüber sich argwöhnisch-reizbar verhält und „Frivolität“ wittert. Es ist derselbe Gegensatz, den meine Philosophie zu spüren bekommt — man haßt an mir und an Köselitzens Musik den hellen Himmel.
Ein Italiäner sagte kürzlich „gegen das, was wir Himmel cielo nennen, ist der deutsche Himmel una carricatura.“
Bravo! da steckt meine ganze Philosophie! —
Von Herzen grüßend und Dir sammt den Deinen das Beste wünschend
Dein Freund N.
Es geht in den nächsten Tagen fort, muthmaaßlich nach Nizza. Adresse jedenfalls: Nizza poste restante.
„Der Kampf um Gott“ Roman von H. Lou (Stuttgart, Auerbach) — Stein sprach davon. —
534. An Heinrich von Stein in Völkershausen
Lieber Herr Doctor,
hier ein letzter Gruß aus Sils-Maria, wo es sehr Herbst geworden ist: — sogar die Einsiedler fliegen davon.
Ihr Besuch gehört zu den drei guten Dingen, für welche ich diesem Zarathustra-Jahre von Grund aus dankbar bin.
Vielleicht sind Sie schlimmer dabei gefahren? Wer weiß, ob Sie nicht viel zu sehr den Philoctet auf seiner Insel gefunden haben? Und sogar Etwas von jenem Philoctet-Glauben: „ohne meine Pfeile wird kein Ilion erobert!“
In einem solchen Zusammentreffen, wie dem unsrigen liegt immer viel Folge, viel Verhängniß. Aber das glauben Sie mir gewiß: von nun an sind Sie einer der Wenigen, deren Loos im Guten und Schlimmen zu meinem Loose gehört.
Treulich
der
Ihre
Nietzsche.
NB. Für alle Fälle irgend eines Anliegens gebe ich Ihnen diese ewige Adresse:
Nizza, poste restante.
535. An Gottfried Keller in Zürich
Hochverehrter Herr,
vom 25. September an werde ich meinen Herbst-Aufenthalt in Zürich nehmen (in der Pension Neptun, inneres Seefeld) Zu den Wünschen die ich mit diesem Aufenthalte verbinde, gehört — zu aller oberst — der Wunsch, von Ihnen die Erlaubniß zu einem Besuche zu erhalten (nebst einem Wink über Ort und Stunde, vielleicht in der Museums-Gesellschaft? oder wie es Ihnen gut und gelegen dünkt.)
Mein „Zarathustra“ ist hoffentlich in Ihren Händen? — Mit ehrerbietigem Gruße
Prof. Dr. Friedr Nietzsche
536. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Eine Bitte an Sie, lieber Freund! — und machen Sie ein freundliches Gesicht dazu!
Ich habe meine Verbindung mit Kapellmeister Hegar in Zürich wieder angeknüpft und möchte gerne ihn zu einer Concert-Aufführung von „Scherz List und Rache“ überreden. Nun haben Sie freilich allen Grund, an meiner Überredungs-Kunst zu zweifeln — ich selber zweifle vielleicht noch mehr daran. Aber zuletzt handelt es sich um einen Versuch: erreiche ich Nichts, so haben wir wieder Das gelernt, was wir schon wußten — sonst aber wäre damit nichts verdorben, sondern alles „beim Alten“. —
Meine Adresse ist hierzu, vom 25. September an
Zürich, Pension Neptun
(ich bitte die Partitur „einschreiben“ zu lassen)
Wenn Sie zufällig den Klavier-Auszug von „Nacht, du holde“ besitzen (oder jemand Ihrer Angehörigen), bitte legen Sie ihn bei — ich sende ihn pünktlich wieder zurück, wenn ich Zürich verlasse.
Für den Winter bleibt es bei Nizza.
Über B<althasar> Grazian empfinde ich wie Sie: Europa hat nichts Feineres und Complicirteres (in der Moralisterei!) hervorgebracht. Gegen meinen „Zarathustra“ macht er immerhin den Eindruck von Rococo und sublimer Verschnörkelung — oder was denken Sie darüber?
— Der Besuch v. Stein’s hat Nachwirkungen, er scheint tief ergriffen sich nach allen Seiten hin darüber ausgesprochen zu haben. Die Erziehung in der Nähe Dühring’s und Wagner’s hat zum Mindesten ihn feinfühlig in Bezug auf das verborgene Pathos eines Einsam-Daherziehenden gemacht: mir selber war in seiner Nähe zu Muthe, wie jenem Philoktet auf seinem Eilande beim Besuch des Neoptolemos — ich meine, er hat auch Etwas von meinem Philoktet-Glauben errathen „ohne meinen Bogen wird kein Ilion erobert!“ —
Übrigens hat sich mir die Aufgabe des nächsten Jahrzehends wundervoll auseinander gelegt — obwohl ich schaudere und staune, wenn ich nach den Kräften frage, die einer solchen Aufgabe genügen könnten. Man muß abwarten und „die Schürze aufhalten“ wenn der Baum von irgend einem Winde geschüttelt wird — mehr weiß ich nicht.
Gestern rechnete ich aus, daß die entscheidenden Höhepunkte meines „Denkens und Dichtens“ („Geburt der Tragödie“ und Zarathustra) mit dem Maximum der magnetischen Sonnen-Einwirkung zusammenfallen, umgekehrt mein Entschluß zur Philologie (und Schopenhauer) (eine Art Selbst-Irrewerden) und insgleichen Menschliches Allzumenschliches (zugleich schlimmste Crisis meiner Gesundheit) mit einem Minimum. — Sehen Sie, wie der Einsiedler von Sils-Maria zum Astrologen wird?
Allerherzlichste Wünsche!
Ihr N.
537. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
zum Glück bin ich noch hier; meine Entscheidung in Betreff einer Zusammenkunft mit meiner Schwester wird in ihren Händen sein. In Rücksicht auf Deine Cholera-Besorgnisse habe ich nicht Lugano gewählt: was „die Teilsplatte“ betrifft, so ist sie zu nahe an der Eisenbahn, um für mich ein erträgliches Ruhequartier abzugeben. Im Oktober Bäder im Vierwaldstätter See zu nehmen ist wohl kaum im Ernst gemeint gewesen.
Also Zürich, Pension Neptun, ein gutes bekanntes Haus: ich habe bereits eine Notiz dahin abgehen lassen, an General Simon, der gerade dort ist (derselbe hat in Nizza mir in manchen praktischen Dingen geholfen, wo es mir selber schwer war, das Praktische zu finden — ein gutmüthiger, stiller, trockner und äußerst zuverlässiger alter Herr, über den vielleicht Dr. Ziller Dir Auskunft geben kann)
Für den Fall, daß meine Schwester mir eine besondere Gefälligkeit erweisen will, würde ich sie ersuchen, mir Etwas mitzubringen, nämlich
-
eins von meinen alten Nachthemden
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ein Paar dünne weiße Strümpfe (von den alten) von wegen zu enger Stiefeln
-
ein Buch, das letzte, das Jacobi für mich eingebunden hat, daran erkenntlich, daß die Ränder nicht über den Schnitt hinausragen: heißt Arnobius, deutsch, altes gelbliches Papier darin. Ein Kirchenvater
4.) ein zweites Buch, nämlich der erste Band meines dreibändigen deutschen Montaigne (steht im Kabinett unter den guten Büchern, ein alter Schmöcker
Ich selber will am 24. Sept. früh hier abreisen und werde am 25. Vormittags in Zürich sein. Nach eben getroffener Verabredung werde ich wahrscheinlich von zwei Gelehrten bis dahin begleitet, von Prof. Leskien aus Leipzig und Dr. Brockhaus: sehr zu meiner Beruhigung, denn Alleinreisen ist nachgerade für mich eine nicht ungefährliche und mich unbeschreiblich aufregende Sache.
Die Augen immer mehr verdunkelt. —
Möge die Zusammenkunft einen guten Ausgang haben, und namentlich nicht noch neues Unheil aus ihr wachsen!
Bei dem Wort „höchst wichtig für mich“ kann ich mir gar nichts mehr denken.
Herzlich grüßend
Dein Sohn.
538. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Verzeihung, lieber Freund, für dies abgerissne Blättchen und noch abgerissnere Briefchen! Zunächst — zu Ihrer Beruhigung, die Partitur ist seit gestern in meinen Händen, — oder vielmehr, sie ist es bereits nicht mehr, denn ich brachte sie Nachmittags zu Hegar. Gäbe es Orchesterstimmen, so bekäme ich die Ouvertüre schon die nächsten Tage zu hören (denn Hegar macht mir hier den Herbst zum Fest, will mir die Arlésienne spielen lassen und was ich will, privatissime, in der Tonhalle und überdieß hat er Herrn Freund, den Schüler Liszts, den ich von früher her kenne, beredet, mir Einiges nach Herzenslust vorzuspielen. Oh der Jammer, daß es keine Klavierauszüge von der mir liebsten und tröstlichsten Oper giebt! Wie Ihre Melodien mir den ganzen Sommer hindurch um die Seele gelaufen sind!
Der Himmel ist nizzahaft schön und ein Tag wie der andre. Meine Schwester ist bei mir; angenehmste Art sich wohlzuthun, wenn man sich lange weh gethan hat. Gottfried Keller hat für heute mit mir eine Zusammenkunft verabredet. Ich habe den Kopf voll der ausgelassensten Lieder, die je durch den Kopf eines Lyrikers gelaufen sind. Zusammen mit Ihrer Partitur gab es einen Brief von Stein, der mir zu all den guten Dingen dieses Jahres als ein kostbares Geschenk, nämlich als ein neuer ächter Freund, geschenkt worden ist.
Kurz — seien wir voller Hoffnungen, oder um mich besser, mit Worten des alten G<ottfried> Keller auszudrücken:
„Trinkt, oh Augen, was die Wimper hält,
Von dem goldnen Überfluß der Welt! “
Ihr dankbarer Freund
N.
Bis Ende Oktober hier, Zürich Pension Neptun dann Nizza.
539. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
inzwischen wirst Du wohl ausreichend gehört haben, daß sich Deine Kinder wieder artig mit einander vertragen und in jedem Betracht guter Dinge sind. Wie lange dies Zusammensein noch dauern wird, läßt sich heute noch nicht sagen; meine Arbeiten, die ich vorhabe, bestimmen mich unter allen Umständen bald wieder zur Einsamkeit: und der Klumpfuß, den ich mit mir schleppe, ich meine 104 Kilo Bücher, wird mich nicht gar zu weit von hier weg fliegen lassen. —
So ist denn für dieses Jahr unser Wiedersehn eine Unmöglichkeit; ich wünsche von Herzen, daß es Dir nicht schwer fallen möge.
Die guten Absichten, welche Dein letzter Brief aussprach, mich etwas stattlicher gekleidet durch die Welt gehen zu machen, habe ich mit vielem Danke angenommen; in der That, ich bin ziemlich dürftig daran und durch viele Ortswechsel ein wenig allzu abgeschabt, gleich einem Bergschafe.
Die Gesundheit macht mir alle Augenblicke Noth: ein fremder Ort und manches Ungewohnte in Speise und Tages-Ordnung malträtirt mich immer. Mein Aussehn ist aber gut und nicht anders als im vorigen Jahre.
Mit herzlichem Danke Dein
F.
540. An Franz Overbeck in München
Lieber alter Freund,
ich bin seit einer Woche hier in Zürich (Pension Neptun) zum Zwecke einer Zusammenkunft mit meiner Schwester — und bis jetzt ist viel guter Sonnenschein in uns und über uns gewesen. Im ganzen Jahre, seitdem ich Nizza verlassen, ist es mir auch leiblich nicht so wohl gegangen, wie hier. Ich bleibe noch einige Zeit und ersuche Dich, das Geld (1000 frcs.) nicht nach Nizza, sondern hierher abzusenden (Pension Neptun, recommandirter Brief, wenn ich bitten darf)
Man muß hübsch Viel begraben, um hübsch Viel noch leben zu können — da man letzteres nun einmal muß.
Dein Freund Nietzsche
Herzlich Glück zur Rückkehr und zum Winter-Halbjahr wünschend. — Nizza-haftes Sonnen-Himmel-Wetter! (— Meine Schwester ist ein Pracht-Thierchen; nächstes Jahr werde ich sie wohl auf die bewußte „überseeische“ Manier für lange verlieren.
(— Schmeitzner will „mich“ für 20 000 Mark verkaufen, aber findet Niemanden, der zu „mir“ Muth genug hat. Dies Beides privatissime
541. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund,
man verspricht mir, daß Ende nächster Woche die Orchesterstimmen der Löwen-Ouvertüre fertig abgeschrieben sind — und dann wird es, vor einem einzigen Zuhörer, nämlich vor mir, eine Aufführung derselben in der Tonhalle geben. Mehr — habe ich bis jetzt nicht erreicht. Vielleicht, daß ein Intimwerden des Dirigenten mit derselben uns einen Schritt weiter bringt. — Wie schwer und absurd „aller Anfang“ ist! — Seien wir guter Dinge!
Übrigens ist Hegar ein vorzüglicher Dirigent — die Art, wie er gestern seinem Orchester eine Beethoven’sche Ouvertüre in’s Gefühl und „Gewissen“ schob, hat mir ganz und gar imponirt. Es giebt zwischen uns eine vollkommene Ehrlichkeit. —
Er machte mir zu Liebe die Arlésienne; das Adagietto klingt ganz sublim.
Von Ihnen, als dem Urheber der Partitur, vermuthet er immer wieder, Sie müßten Kapellmeister beim Militär sein oder in einer kleinen Stadt, — Sie hätten so wenig Zutrauen zu den Geigen, und wollten Alles blasen machen. Natürlich schweige ich über alles Persönliche, die Stimmen sollen nicht einmal Ihren Pseudo-Namen tragen. —
Verfluchte Akustik der Tonhalle!
Ganz von Herzen grüßend
Ihr N.
So steht es „in den Sternen“ geschrieben, daß ich Ihr erster Hörer bin! — und nicht einmal Sie - - -?
542. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
hoffentlich bist Du mit Deiner guten Frau wieder daheim, und auch im Besitz meines vor wenigen Tagen übersandten Briefchens.
Heute ersuche ich Dich, mir für eine Woche das Köselitzische Lied „Nacht Du holde“ zu überlassen — ich habe die Möglichkeit, es hier einmal mir zu Ohren zu bringen, und große Sehnsucht darnach. —
Von Herzen Dein N.
543. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Heute morgen, lieber Freund, hat unser Hegar mit seinem Orchester Ihre Ouvertüre studirt, um sie mir nächsten Sonnabend Morgens 1/2 11 Uhr zwei Mal hintereinander vorzuspielen (Tonhalle)
Den Nachmittag war ich mit ihm zusammen und ließ mir erzählen. Daß Sie doch dabei gewesen wären! Er sprach mit großer Sympathie und aufrichtigem Wohlwollen für — uns Beide. „Sehr viel Talent“ — und dergleichen, was sich von selber versteht. Aber — denn es giebt ein „Aber“ — er wurde nicht müde, das dringendste Bedürfniß auszudrücken, daß Sie ein Orchester in die Hände bekommen müßten (er findet im Punkt der Instrumentation fortwährend jenen Widerspruch zwischen der Feinheit der Absichten und dem „Irrthum der Mittel“, und demonstrirt es an Beispielen.) Er sprach von Ihrem „imaginären Orchester“; auch davon, daß Sie gewisse Farben-Effekte, die Ihnen zusagten, im Übermaaße gebrauchten und abbrauchten usw. usw. Es legte sich mir ein Alp auf die Brust: er meinte, Ihr Werk klinge unbedingt anders als Sie sich vorstellten, und Sie selber würden am meisten verwundert beim Zuhören sein.
Ich schicke diese Zeilen ab, mit dem nicht zu verbergenden Wunsche, Sie möchten am Sonnabend mit zuhören. Wenigstens fürchte ich die Verantwortlichkeit, allein dabei zu sitzen, mit meiner erbärmlichen Laienhaftigkeit und Liebe zu Ihnen. (Das Adjektiv „erbärmlich“ gehört nur zum ersten Worte)
In treuer Liebe zu Ihnen
FN.
— — die Sache scheint mir von der äußersten Wichtigkeit für Sie, für die deutsche Musik, für uns. Wenn Sie nicht an die Dresdener Aufführung glauben, so kommen Sie doch ja! — —
Schönsten Dank für den eben erhaltenen Brief! Muth! Hoffnung! Ich bleibe hier bis Ende Oktober.
544. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
in aller Geschwindigkeit die Mittheilung, daß diesen Samstag, Morgens 1/2 11 Uhr in der Tonhalle die Ouvertüre zum „Löwen in Venedig“ zu hören ist. — — — — — —
Zugleich als Dankes-gruß beim Empfang Deiner Geburtstagswünsche.
Von Herzen
F.N.
545. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe gute Mutter
Deine Briefe und Deine Geschenke — Alles hat mir besonders wohl gethan: so daß ich dies Mal mit viel besserer Gesundheit in das neue Lebensjahr hinübergesegelt bin als all die letzten Jahre hindurch. Der ganze Züricher Aufenthalt ist bisher wohl gerathen, und mein Herabsteigen aus dem Engadin ohne alle üblen Folgen geblieben. Das ausgezeichnet helle Wetter kam mir zu Hülfe, vor allem aber die herzliche und aufrichtige Art unsres geschwisterlichen Zusammenseins. Ich denke, daß nun für die Zukunft zwischen mir und meiner Schwester der Himmel wieder hell gemacht ist. — Im Übrigen empfinden wir, Du und ich, in Bezug auf die Entscheidung des nächsten Jahres ganz gleich, so daß ich eigentlich Nichts dazu Dir zu sagen habe. Höchstens das, was Du aber auch schon als ausgemachte Wahrheit wissen wirst: jeder von uns Dreien hat für das, was er am liebsten möchte und thäte, zwar den besten Willen, aber zu wenig — Geld.
Deine Trauben sind viel schöner als die Züricher, die ich hier zu Tisch bekomme; und was den Honig angeht, so wird auch zukünftig eine Sendung davon zu den angenehmsten Weisen gehören, mich an die Heimat zu erinnern. Ein wenig Honig dieser Qualität nach Tisch scheint mir sogar gut zu thun, während ich gern schon lange auf die gewöhnlichen „Honigtöpfe“ der Schweiz verzichtet habe.
Donnerstag Mittag war das Kästchen in meinen Händen. —
Hemd und Strümpfe — alles höchst erwünscht und nöthig!
Bis Ende des Monates bin ich noch hier, dann wieder Nizza oder Umgebung von Nizza. Es gehört zu den wesentlichsten Errungenschaften des letzten Jahrs für mich, zu wissen welche Gegend Europa’s ganz eigentlich meine Gegend ist. Ich bin davon überzeugt und habe eben die Probe abgelegt, insofern ich der mehrfachen Versuchung, diesen Winter nach Rom zu gehn, widerstanden habe.
Mit dem allerherzlichsten
Danke
Dein
F.
546. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund Gast,
eben komme ich aus der Tonhalle: Heil dieser guten Stunde und Ihnen, der sie mir geschenkt hat! So ist denn Ihre Musik zum ersten Male erklungen, und ich bin stolz darauf, daß dies durch mich und für mich geschehn ist. Mag diese Löwen-Ouvertüre ein Symbol Ihres Laufs durch die Welt sein — so kühn, männlich, witzig, wacker lief sie dahin, ganz und gar nach meinem Herzen, voll hellen Himmels und gewißlich auch — voller Zukunft.
H<egar> will dieser Tage mit der Partitur zu mir kommen; über ein paar Einzelheiten schreibe ich nach dieser Besprechung. — Er sagte, sichtlich warm für Sie geworden, auf dem Orchester-Podium zu mir, gleich nach dem Schlüsse „wenn Sie* noch Etwas zu hören wünschten, so möchten Sie nur nach Zürich kommen“. —
Leben Sie wohl, lieber Freund — freuen Sie sich mit mir, denn ich freue mich unbändig.
Ihren verehrten Eltern meine Empfehlungen und — aus vollem Herzen — meine Glückwünsche!
Treulich
Ihr
N.
547. An Elisabeth Nietzsche in Straßburg
Mein liebes Lama
schließlich muß ich, um Dich noch auf Deiner Wanderschaft zu erreichen, ein Briefchen nach Naumburg adressiren. — Es ist mir öfter zu Muthe gewesen, als ob ich Dir, bei unserm Zusammensein in Zürich, nicht ausreichend meine Liebe bezeugt hätte. Man verlernt Das, wenn man so allein lebt wie ich. — Inzwischen gieng es erträglich, nur Einen Tag war ich krank und zwar wieder allein aus klimatischen Gründen. — Ich bin, mit Hülfe der Bibliothek, jetzt arbeitsam; doch sage ich mir jeden Tag von Neuem, daß alles Dies nur Zwischenakt und Erholung ist: — wenn „der Geist über mich kommt“, muß ich hundert Mal einsamer und „unzerstreuter“ sein als ich hier sein kann (dann sind mir vielleicht die dummen Pensions-Heerdenthiere gar nicht so unzuträglich, ja vielleicht wohlthätiger als jede Art von näherer Menschheit) NB! —
Während wir zusammen zur Bahn fuhren, meldete Hegar, daß denselben Morgen die Ouvertüre geprobt werde. Dies ergab zur Folge, daß wir Beide darum kamen, denn ich kehrte erst Mittag in den Neptun zurück. Gestern fand eine zweimalige Vorführung dieser Ouvertüre statt, zu meiner freudigsten Genugthuung — sie klang prachtvoll (H<egar> hatte schon einige Tage vorher seinen ersten Eindruck zurückgenommen und als „Irrthum“ bezeichnet — er ist ersichtlich warm geworden, wie ich es vermuthete.) Gestern bezahlte ich die Noten-Abschriften — eine Sache von nicht mehr als — 21 frs. Komisch! Man kann sein Geld nicht besser anlegen. — Köselitz denkt, nach der letzten Karte, daran, nach Zürich überzusiedeln — ich soll bei Hegar anfragen. —
Am Tage Deiner Abreise gieng Frl. Müller durch resp. sie siedelte zu ihrem Studenten über, mit einem entliehenen Hut, Shawl und — meinen Noten! Sollte man’s glauben? Vier Tage war ich in „schwebender Pein“, endlich übte ich eine sonderbare Pression aus, indem ich Beschlag auf einen Brief legte — und erhielt meine Noten zurück. — Die alte Frau Müller erzählte mir gestern genug von der ganzen Geschichte, oder vielmehr viel zu viel: viel Unflätherei. —
Herzlichsten Dank für Deinen Brief zum Geburtstag; und wie viel hast Du mir dies Mal geschenkt! Alle Tage gar nichts Anderes als immer schenken! Es war ein recht wohl gerathner Herbst bisher. Meinen allerschönsten Dank!
Dein F.
548. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Lieber Freund Gast,
wenn die Dresdener Aufführung nicht drängt, so kommen Sie schnellstens hierher — schnellstens, weil H<egar> im Herbst immer etwas mehr Zeit hat als im Winter, und weil ich selber hier bald abreisen will. H<egar> hat mir gestern, als er die Partitur zurückbrachte und zwar bevor ich die Anfrage an ihn richtete, mit der Sie mich in Ihrer letzten Karte beauftragten) proponirt, Sie möchten doch alle Herbste hierher kommen — er wolle Ihnen gerne von jeder seiner Proben eine halbe Stunde einräumen, wo Sie das Orchester selber „in die Hand nehmen“ und Ihre Sache einstudiren und sich vorführen könnten. Diese Proposition erschien mir so artig, daß ich heute nur nochmals das Wörtchen „schnellstens“ unterstreichen möchte — weil, wie gesagt, die Arbeit Hegars von jetzt ab fortwährend anwächst, und er bald vielleicht keine Zeit mehr für uns übrig hat. — Natürlich war er mit Ihrem Wunsche ganz einverstanden; und wenn Sie den Winter hier zubringen, so giebt es mancherlei Musik zu hören, bei deren Einübung Sie nach Belieben zugegen sein können. Also! — (Der Pianist Herr Freund spielt mir öfter vor.)
Eine Besprechung der Ouvertüren-Partitur im Einzelnen bleibt bis auf Ihre Hierherkunft aufgespart.
Es versteht sich von selber, daß die in Dresden angeknüpfte Beziehung die wichtigere und entscheidende sein muß.
Ganz von Herzen
der Ihre
N.
549. An Elisabeth Nietzsche in Straßburg
Gestern, mein liebes Lama, war ein schöner Tag, und Dein Brief kam mitten unter lauter guten Dingen in meine Hände. Das Wetter von früh an strahlend in Nizza-hafter Herrlichkeit. Um 9 Uhr gieng ich in die Tonhalle und erlabte mich an Beethoven und Bizet. Dann meldete mir der deutsche Besitzer vom Hôtel des Etrangers in der ehrerbietigsten Form seine Freude, daß ich daran dächte, für den Winter in sein Haus zu kommen und garantirte die selben Bedingungen, wie bisher in Nizza. Dann kam Hegar und brachte die Köselitzische Partitur: er stellte sich für jeden Herbst mit seinem Orchester zur Verfügung und bot aus freien Stücken an, Herrn Peter Gast von jeder seiner eignen Orchester-Proben eine halbe Stunde abzutreten, wo K<öselitz> also das Orchester selber „in die Hand nehmen“ und seine Sachen einstudiren könne. Nach diesem Vorschlage brachte ich die inzwischen eingetroffne Bitte K<öselitz>’s vor, hierher zu H<egar> zu kommen, um in der nächsten Nähe eines Orchesters zu leben — kurz, es paßte Alles gut zusammen, und ich meine das Schicksal K<öselitz>’s mit diesem Züricher Aufenthalte vorwärts gebracht zu haben. — Nachmittags machte ich einen langen Spaziergang mit meiner neuen Freundin Helene Druscowicz, welche einige Häuser weit von der Pension Neptun mit ihrer Mutter wohnt: sie hat sich von allen mir bekannt gewordenen Frauenzimmern bei weitem am ernstesten mit meinen Büchern abgegeben, und nicht umsonst. Sieh einmal zu, wie Dir ihre letzten Schriften gefallen („drei englische Dichterinnen“, darunter die Elliot, welche sie sehr verehrt) und ein Buch über Shelley. Jetzt übersetzt sie den englischen Dichter Swinburne. Ich meine, es ist ein edles und rechtschaffnes Geschöpf, welches meiner „Philosophie“ keinen Schaden thut. Dann lies doch die Novellen meiner Berliner Verehrerin Frl. Glogau: man rühmt sie sehr von wegen „psychologischer Feinheit“. Abends war ich im ersten Tonhallen-Concert, wozu mich H<egar> eingeladen hatte: und so verbrachte ich mit der „Arlésienne“ noch den Abend des guten Tags und legte mich schlafen. Heute Morgen kam ein herzlicher und äußerst taktvoller Brief meines alten Freundes Overbeck an, welcher im Wesentlichen seine volle Freude ausdrückt, daß mir „ein solches Stück treuer und ursprünglicher Anhänglichkeit, wie ich es bei Mutter und Schwester habe“, nicht verloren gegangen ist. — Da ich Deine Reise-Adressen nicht hatte, so habe ich einen Brief an Dich nach Naumburg geschickt. Treulich Dein
F.
Es lebe die Unabhängigkeit! — so denke ich täglich. Nichts mit Heiratherei!
Meine Grüße an alle Verwandten, welche mir wohlgesinnt geblieben sind.
550. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Eben, meine liebe Mutter, wieder einmal vom Krankenlager aufgestanden. Nun schnell ein Wort des herzlichsten Dankes für die angenehme Wein- und Honig-Sendung — auch habe ich nunmehr drei schwarze Handschuh zu meiner Theebereitung; und die Gefahr, sich die Finger zu verbrennen, ist sehr damit verringert. — Es gab Vielerlei hier für mich zu thun, wovon ich im Einzelnen nicht erzählen kann. Die letzten Tage hatte ich Herrn Köselitz hier einzuführen — alles hat sich bisher gut in dieser Absicht angelassen; und zunächst ist dieser Musiker entschlossen, in Zürich zu bleiben, zum Mindesten für den Winter. —
Zufällig kam heraus, daß noch Jemand hier in der Nähe (ich meine in der Nähe meines Hauses) wohnt, nämlich Frau Banquier Köckert aus Genf: — großes Vergnügen, sich wiederzusehn! Bis zum 5 November bleibe ich hier. Dann Abreise nach der riviera. —
Es war eine recht gute Erholungs-Zeit für Deinen Sohn, aber ganz unmöglich wäre mir’s, so zu leben, wenn ich wieder „vom Geiste angefallen“ bin: der verlangt von mir: Einsamkeit. —
Meine Lieben, ich denke, Ihr sitzt hübsch bei einander und erzählt euch gute Dinge — auch von mir?
In herzlicher Liebe
Euer F.
(Donnerstag. Noch voller Kopfschmerz.)
551. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund Overbeck,
in den nächsten Tagen geht es fort, südwärts; mit dem Züricher Herbste, der ausnehmend schön gerathen ist, hat es nunmehr (wie es scheint —) sein Ende — es war gestern schauerlich trübe und drückend. Im Grunde bin ich herzlich zufrieden, hierher gekommen zu sein — endlich gab es wieder einmal ein Aufathmen von dem ungeheuren Drucke meiner Aufgabe, und folglich ein neues Kräfte-sammeln: so daß ich entschlossener als je dies Mal an den Winter herangehe. Ich hatte Viel hier zu thun und durchzusetzen, namentlich als ich begriff, daß es vor der Hand nothwendig sei, Herrn Peter Gast hier einzurichten, in der Nähe eines guten Orchesters und abseits von seinen Verwandten, die ihm den Muth nehmen. Mit Dresden ist es mißrathen, ich ärgere mich, daß ich nicht an K<öselitzen>s Stelle im Frühjahre hingereist bin. Die Stellung eines Künstlers, der, ein Kleinod in den Händen, wie ein Bettler sich herumdrücken muß, um zu bewirken, daß man’s annimmt, ist gar zu absurd. Es ist die Aufgabe seiner Freunde, ihm das zu ersparen. (Seine Ouvertüre klingt übrigens über Erwarten prachtvoll.) — Er wohnt artig und geräumig hierselbst im kleinen Sonnenhof (wo auch die treffliche Druscowicz mit ihrer Mutter lebt) und ißt zusammen zu seiner Erheiterung mit Studentinnen und dergleichen, darunter Frl. Willdenow, die mich den Sommer im Engadin besucht hat. Hegar äußerst entgegenkommend, ebenso Freund. Auch gegen Gottfried Keller fühle ich mich sehr verpflichtet. Frau Banquier Köckert aus Genf ist seit einigen Wochen hier und immer noch mir sehr zugethan.
Was Schmeitzner angeht, so lies, ich bitte Dich, den beiliegenden Brief, seine Antwort auf den von Dir gebilligten Brief. Ich — weiß nichts zu thun. —
Dr. Fuchs hat mir selber seine zwei Hefte zugeschickt — derartigen Ausbrüchen höherer Philologie halte ich gern das Ohr offen, doch bin ich, eben als alter Philologe, zehnmal skeptischer gegen das Riemannsche Problem als Fuchs und lache im Stillen, wie oft hier der Feuereifer des Künstlers F<uchs> mit dem Philologen Fuchs durchgeht. Das Verdienst wird die Feststellung einer unbewußten allgemeinen artistischen Blödsinnigkeit sein. Aber wo stünde es nicht ähnlich! Wer z. B. wäre jetzt im Stande, meinen Zarath<ustra> richtig zu „phrasiren.“!! —
Das Erquicklichste in diesem Herbste war mir der Eindruck meiner Schwester, sie hat sich die Erlebnisse dieser Jahre tüchtig hinter die Ohren und in’s Herz geschrieben und, was ich an jedem Menschen besonders ehre, ohne alle Rancünen.
So die alte ungeschmälerte Herzlichkeit wieder zu finden hatte ich nicht erwartet und vielleicht nicht einmal verdient. Dir und Deiner lieben Frau dankbar zugethan
Dein Freund N.
552. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine Lieben,
allerschönsten Dank für Eure Briefe! Den Freitag geht es fort, und zwar über Genua nach Mentone (— das soll viel stiller sein als Nizza und auch eine achtungswürdigere Menschheit beherbergen — ich wills versuchen!) Nun ist die Ferien-Zeit für mich vorbei, und ich denke, ich habe darin Kräfte neu gesammelt und gespart, um nun wieder an meine Aufgaben gehn zu dürfen. Nicht ohne Furcht und Schauder — aber es muß sein. — In Hinsicht auf die angedeutete Bestimmung des Winters will ich mit der Schmeitzner-Angelegenheit nichts zu thun haben. Andererseits liegt mir daran, daß meine Schriften so schnell wie möglich aus seinen Händen kommen; und insofern eine jetzt angekündigte Klage ihn zum Verkauf der Schriften drängt, so soll es mir recht sein, wenn unser Onkel sofort die nöthigen Schritte thut. Auf den inzwischen eingelaufenen Brief Sch<meitzner>s will ich nicht antworten, er hat gar nichts von dem gethan, was ich forderte und nicht einmal eine Abrechnung geschickt, sondern mich bis aufs neue Jahr vertröstet. — Ich möchte, daß man Schmeitznern andeutete, er solle beim Verkauf der Schriften — z. B. an den Berliner Verleger Oppenheim (den Verleger Karl Hillebrandt’s und Frl. Druscowicz) denken. Hillebrandt ist nun todt — der Einzige, der bisher Etwas für mein Bekanntwerden gethan hat! In dem Necrolog der Frankfurter Zt. wird es ihm zur Ehre angerechnet, daß er für mich eingetreten sei („Nietzsche, den man in Deutschland, weil er mit offenem Visir und mit unerschrockenem Muthe hervortrat, verketzert hat“). — Ich habe gar nichts von Schmeitzner’s Briefen, Abrechnungen usw. mehr in den Händen — schlimm! —
Köselitzen habe ich schönstens einquartirt (ins gleiche Haus, wo Helene Druscowicz mit ihrer Mutter wohnt) und auch überredet, seine Mittags-Mahlzeit zusammen mit Frl. Willdenow, Frl. Blum, Miss Currel und anderen weiblichen Bekannten einzunehmen — zu seinem Besten, denn er hat gar zu plebejische Sitten, und Niemand kann mir’s genug nachrechnen, was für Überwindung mich der Verkehr mit diesem schwerfälligen Körper und Geiste kostet. Das Klavierspiel Eugen d’Alberts und Freunds hat mich übrigens inzwischen so verwöhnt, daß ich meinen alten Freund Köselitz nicht mehr spielen hören kann! — Viele neue Menschen; man will mich durchaus mit dem Thiermaler Koller bekannt machen, ebenso mit Böcklin, der sich hier angekauft hat; auch eine Einladung auf eine artige Sommer-Villeggiatura gab es. — Der „Ceremonienmeister“ fehlt: — Frau Köckert scheint über denselben nachzudenken. Herrliches Wetter!
Treulich Euer
F.
(Hemd wird gezeichnet.)
Wetter unglaublich schön bisher! Adresse: Pension des Etrangers
Mentone (France)
553. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund,
ich vergaß in meinem letzten Schreibebrief Dich zu bitten, das Schmeitzner’sche Dokument an die Adresse meiner Mutter zu befördern. Inzwischen habe ich begriffen, daß ich meine Schriften so schnell als möglich von Schmeitzner erlösen muß, dh. daß er gezwungen werden muß, dieselben jetzt zu verkaufen. (Denn ich habe, kurz gesagt, noch bei Lebzeiten Jünger nöthig: und wenn meine bisherigen Bücher nicht als Angelruthen wirken, so haben sie „ihren Beruf verfehlt.“ Das Beste und Wesentliche läßt sich nur von Mensch zu Mensch mittheilen, es kann und soll nicht „public“ sein.)
Morgen Abend (also Freitag) Abreise nach Mentone. Meine Adresse ist vorläufig: Pension des Etrangers.
Aufenthalt hier wohlgerathen, wirkliche „Ferien,“ Hauptschubfach meiner Gedanken verschlossen, Vielerlei gelernt, Vielerlei Liebes und Herzliches erfahren — und voller Dankbarkeit, auch gegen Dich, mein alter lieber Overbeck!
Dein F N.
554. An Franz Overbeck in Basel
Mein erstes Wort von hier an Dich, geliebter Freund — denn der Zufall belehrt mich eben, daß der sechszehnte November ganz in die Nähe gerückt ist (Zualledem bekam ich eben den von Dir umadressirten Brief des zudringlichen, von mir immerfort grundsätzlich ignorirten Herrn Kürschner aus Stuttgart — und hatte Vergnügen, Deine Schrift zu erkennen) Sieh zu, lieber alter Freund, was sich mit mir noch fernerhin machen läßt; zugegeben, daß es immer lästiger wird, mit mir zu verkehren, so weiß ich doch, daß, bei dem Gleichgewichte Deiner Natur, auch unsre Freundschaft auf ihren zwei Beinen stehen bleiben wird. Es thut mir gründlich weh, daß Du mich jetzt jahrelang immer nur in Zuständen von Krankheit und tiefer Erschöpfung gesehn hast — ach, jeder Schritt auf der Bahn meiner Aufgabe macht sich fürchterlich bezahlt, und jetzt, wo ich mein Leben mehr verstehe, scheint es mir, daß all mein körperliches Elend der letzten 12 Jahre unter den Begriff solcher Abzahlungen fällt) Die unausgesetzte schmerzliche Entbehrung an allem Nothdürftigen, Tröstlichen, Stärkenden, lange zusammengepreßt durch meinen üblichen Gedulds-Stoicismus, bricht von Zeit zu Zeit heraus, und zwar wie mir scheint, immer am stärksten nach einer neuen „Schwangerschaft“ und „Niederkunft“. So bin ich dieses ganze Jahr vom März an innerlich krank gewesen, abgerechnet die hellen Wochen in Zürich, welche den Charakter von Ferien und Festen für mich hatten (Dank den guten heiteren Menschen um mich: ihr Einfluß wiegt den von reinem Himmel bei mir auf, ad exemplum Malvida bei römischem scirocco.
Die Herreise, gefährlich und unerträglich aufregend für einen Drei-Viertels-Blinden, mußte zunächst mit einem bitterbösen 3 tägigen Anfalle bezahlt werden. Auch heute bin ich noch nicht in Ordnung, aber es geht aufwärts. Mentone ist, gegen Nizza gehalten, meiner würdiger, aber es scheint, daß äußere Gründe mich nöthigen könnten, trotzdem dorthin überzusiedeln. Einstweilen die angegebene Adresse.
Dir und Deiner lieben Frau treulich ergeben
N.
555. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine Lieben
angelangt in Mentone und ungefähr über die Nachwirkungen der unerträglich-aufregenden Reise hinweg — will sagen: über einen dreitägigen ganz bösen Anfall. (Es gab zu viel: 4 Mal Billetwechseln, 3 Mal Umsteigen, 2 Mal Dogana peinlichster Art; und dieses steife Sitzen in übervollen Coupés ist für meinen Rücken eine unbeschreibliche Quälerei — ich verschwor wieder alles Reisen!!) Ich habe hier ein hübsches Arbeits-Zimmerchen, ähnlich wie in Zürich, mit voller Sonne. Aber das Haus ist fast leer, und die Ernährung einstweilen erbärmlich (kleine aufgewärmte Bissen von Fleisch, es bekommt mir gar nicht gut)
Wird es nicht besser, so gehe ich doch wieder nach Nizza, wo man mir genügend zu essen giebt, und alles hübsch mager gebraten, — während hier würtembergisch gekocht wird. —
Pardon! daß ich vom Essen rede. Sonst, landschaftlich, ist Mentone mir viel zuthunlicher als Nizza — stiller, großartiger, alles Gebirge und Grün mehr zur Hand, so daß man nicht erst wie in Nizza einen Anlauf von 40 Minuten zu machen hat, um in’s Freie zu kommen.
Aber die Fremden fehlen noch. Man baut eben in aller Gemächlichkeit den Musik-Pavillon. Was die Einwirkung von Meer und Himmel betrifft: so ist mir zu Muthe, als sei ich seit dem Verlassen von Nizza im Frühling immer krank gewesen, die Züricher Wochen abgerechnet, wo Himmel und „Mensch“ sich verschworen hatten, mir’s wohl sein zu lassen.
Ich bin hier so viel geduldiger und warte der Dinge, die da „kommen“ sollen (aus mir nämlich!)
Ich bin Lorentz noch 16 Mark schuldig, aber er kann noch warten. Schmeitzner soll und muß mich verkaufen, ich will aus dieser „Sackgasse“ heraus.
Euch herzlich zugethan
Euer F.
556. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Mein liebes Lama,
Schmeitzner hat schon von mir einen Rüffel-Brief — auch nicht gar so grob, obschon darüber, was grob ist, unsere Ansicht zu differiren scheint. (Der arme Lanzky ist nun um seinen schönen Brief ganz gekommen und nach Griechenland abgereist.)
Ich — für meinen Theil — will durch die Klage vor Allem das erreichen, daß Sch<meitzner> meine Schriften so schnell als möglich verkauft: ich habe mich in Zürich (mit Hülfe des Lese-Museums) überzeugt, daß diese Schriften in seinem Winkel gleichsam verfaulen: seit langem ist mein Name in den sämmtlichen wissenschaftlichen Zeitschriften des In- und Auslandes nicht mehr genannt worden (dies privatissime unter uns!) Er sendet keine Redaktions-Exemplare, er macht keine Anzeigen usw.
Die Hauptsache ist nun: ein guter Verleger, womöglich Breitkopf und Härtel in Leipzig, oder etwas der Art. (Lipiner’s Prometheus ist bei Br<eitkopf> und Härtel erschienen; das sind reiche Leute.) Jener Oppenheim soll zuverlässig und thätig sein. Wenn Du einmal nach Leipzig reisen könntest, giebt es nicht die Möglichkeit, mit Herrn Härtel zu sprechen? Oder sollte ich auf den alten Engelmann zurückkommen, der seiner Zeit (als ich jung war!) sich mir als Verleger angeboten hat? Vielleicht lebt er nicht mehr; dann aber der Sohn. (Das gute Buch von W. Rolph „biologische Probleme“ ist da erschienen, Leipzig, Wilhelm Engelmann.) Ich selber habe Schmeitznern die 3 Verleger genannt. — Nämlich: wenn Alles gut geht, habe ich im Januar einen Verleger und Drucker für den 4ten Zarathustra nöthig. Bis dahin muß also der Verkauf gemacht sein, denn ich bringe keinen Verleger dazu, den 4ten Theil zu drucken, wenn nicht die 3 ersten in seinen Händen sind. (Von diesem 4ten Theile ist kluger Weise bei allen Unterhandlungen über Verkauf usw. zu schweigen, ebenso von dem nunmehr unvermeidlichen fünften und sechsten Theile (es hilft nichts, ich muß meinem Sohne Zarathustra erst zu seinem schönen Tode verhelfen, er läßt mir sonst keine Ruhe.)
Schreibt, meine Lieben, schöne erheiternde Dinge, daß mir Alles wohlgerathe.
Mentone ist etwas Herrliches, gegen Nizza gerechnet. Schon habe ich 8 Spaziergänge entdeckt. Jetzt darf niemand Bekanntes in meine Nähe kommen: ich bedarf dieser absoluten Stille. Ich esse allein.
In herzlicher Liebe Dein und Euer
F.
Sende, mein liebes Lama, das „Material“ (namentlich die letzte Zins-Berechnung) an den guten Onkel! (Köselitz meinte einmal, wenn ich mit Schmeitznern Ernst machte, so fürchte er, ich würde seinerseits eine unerwartete Gemeinheit zu erfahren bekommen — —)
Ich habe an Onkel D<aechsel> sofort geschrieben.
Und kommt denn Dr. F<örster> nach Deutschland? und wann? —
557. An Heinrich Köselitz in Zürich
Hier, mein lieber Freund Gast, ist Etwas, das Ihnen gehören soll, wenn es jenen großen erhaben-ausgelassenen Orchester-Tanz, der in Ihnen schlummert, zum Aufwachen bringt — einen Tanz für großes Orchester, das gut brüllen und brausen kann! Sie können das Lied als Vorrede (oder wie man sonst sagte, als „Programm“); gebrauchen — nämlich für den Fall einer Veröffentlichung Ihrer Musik.
An den Mistral.
Ein Tanzlied.
Mistral-Wind, du Wolken-Jäger,
Trübsal-Mörder, Himmels-Feger,
Brausender, wie lieb’ ich dich!
Sind wir Zwei nicht Eines Schooßes
Erstlingsgabe, Eines Looses
Vorbestimmte ewiglich?
Hier auf glatten Felsenwegen
Lauf’ ich tanzend dir entgegen,
Tanzend, wie du pfeifst und singst:
Der du ohne Schiff und Ruder
Als der Freiheit freister Bruder
Ueber wilde Meere springst.
Kaum erwacht, hört’ ich dein Rufen,
Stürmte zu den Felsenstufen,
Hin zur gelben Wand am Meer —
Heil! Da kamst du schon gleich hellen
Diamant’nen Stromesschnellen
Sieghaft von den Bergen her!
Auf den eb’nen Himmels-Tennen
Sah ich deine Rosse rennen,
Sah den Wagen, der dich trägt,
Sah die Hand dir selber zücken,
Wenn sie auf der Rosse Rücken
Blitzesgleich die Geisel schlägt —
Sah dich aus dem Wagen springen,
Wogen peitschen, Meere zwingen,
Sah dich wie zum Pfeil verkürzt
Rückwärts mit der Ferse stoßen,
Daß dein Wagen in die Rosen
Erster Morgenröthen stürzt.
Tanze nun auf tausend Rücken,
Wellen-Rücken, Wellen-Tücken —
Heil, wer neue Kunst schafft!
Tanzen wir in tausend Weisen,
Frei — sei unsre Kunst geheißen,
Fröhlich — unsre Wissenschaft!
Raffen wir von jeder Blume
Eine Blüthe uns zum Ruhme
Und zwei Blätter noch zum Kranz!
Tanzen wir gleich Troubadouren
Zwischen Heiligen und Huren,
Zwischen Gott und Welt den Tanz!
Wer nicht tanzen kann mit Winden,
Wer sich wickeln muß mit Binden,
Angebunden, Krüppel-Greis,
Wer da gleicht den Heuchel-Hänsen,
Ehren-Tölpeln, Tugend-Gänsen:
Fort aus unserm Paradeis!
Wirbeln wir den Staub der Straßen
Allen Kranken in die Nasen,
Scheuchen wir die Kranken-Brut!
Lösen wir die ganze Küste
Von dem Odem dürrer Brüste,
Von den Augen ohne Muth!
Jagen wir die Himmels-Trüber,
Welten-Schwärzer, Wolkenschieber,
Hellen wir das Himmelreich!
Brausen wir — — oh aller freien
Geister Geist, mit dir zu Zweien
Braust mein Glück dem Sturme gleich!
— Und daß ewig das Gedächtniß
Solchen Glücks, nimm sein Vermächtniß,
Nimm den Kranz hier mit hinauf!
Wirf ihn höher, ferner, weiter,
Stürm’ empor die Himmelsleiter,
Häng’ ihn — an den Sternen auf!
558. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Fragment).
[ + + +] Zugleich schrieb Frau Dr. Müller die Inhaberin der „Schweizer Pension“ in Ajaccio, an mich, meine ihr gemachten Vorschläge acceptirend. Zugleich noch ein langer Brief von Frl. Resa aus Paris, welche, wie ich denke, mich in Corsica besuchen will.
Trotzalledem — ist Euer Prinz so caput, daß er sich noch nicht zu dieser Reise (12 Stunden Nachtfahrt) entschließen kann.
Aber ich meine, diese absonderliche Gelegenheit für Corsica darf ich nicht schlüpfen lassen. Zunächst will ich nach Nizza und experimentiren, ob es wieder so heilsam wirkt. Bin ich erst wieder hergestellt, dann wollen wir zusehn.
Es muß heitere Menschen um mich geben. Schade, daß ich nicht nach Paris gegangen bin. —
Habt mich lieb und seid guter Dinge. (Mein Brief über Schmeitznersche Angelegenheiten wird in Euren Händen sein?)
Euer Fritz.
Adresse: Nizza (France) Pension de Genève / petite rue St. Etien[e]ne
559. An Paul Lanzky in Ajaccio
Mein lieber Herr Lanzky,
Malheur! Sie sind ein paar Tage zu früh abgereist — aber daß Sie nach Nizza gekommen sind, gefällt mir sehr, ich könnte meine Dankbarkeit dafür unter Umständen soweit treiben, jetzt nach Corsica zu kommen. Geben Sie mir, wenn möglich sogleich, ein Paar Einzelheiten über das „Wie und Wo“ in Ajaccio — hierher adressiert, Mentone pension des Etrangers.
Ich befinde mich gerade nicht gut, tapferes Spazierengehen und Pläne-Machen für die Menschen-Zukunft soll mich darüber hinwegbringen. Einige Anfälle von Ungeduld und Grobheit abgerechnet.
Nochmals: es ist mir herzlich angenehm, von Ihnen wieder gehört zu haben.
Treulich
Ihr
Dr. Friedrich Nietzsche
Prof.
NB. Kommen Sie doch, versuchsweise, Sonntag den 30 Nov. morgens an den Hafen: — vielleicht bin ich schon da.
560. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine Lieben, seit meiner letzten Karte bis jetzt heftiger Anfall. Heute erschöpft. — Corsica-Angelegenheit erledigt: — Herr Lanzky wird von dort zurückkehren und den Winter mit mir in Nizza, in der gleichen Pension, zubringen. (Resultat von Briefen und Telegrammen.) Ich will und muß an Nizza festhalten, zum Zweck meiner zukünftigen „Colonie“, welche mir jetzt möglicher erscheint (ich meine: sympathische Menschen, vor denen ich meine Philosophie doziren kann) So allein, wie hier, oder im Engadin, bin ich beständig krank. — Zwischen N<izza> und Mentone handelt es sich um eine gewisse Luft-Feuchtigkeitsdifferenz; ich bin ein feines Thier. Also die alte Adresse (bitte auch für Onkel Bernhard) Pension de Genève.
Euer F.
561. An Resa von Schirnhofer in Paris
Mein liebes Fräulein Resa,
es stand inzwischen, seit meiner Abreise von Zürich, erbärmlich mit mir; ein versuchter Zwischen-Aufenthalt in Mentone ist mir ganz und gar mißrathen — ich vermisse hier die anregende Gewalt des Nizzaer Klima’s und verstehe nicht recht, warum sie hier fehlt. Die Landschaft ist ersten Ranges — feine und kühne Linien, wie vom Maler ausgedacht. Auch ist es still, viel achtbarer als in Nizza — und trotzalledem, es geht nicht!
Denken Sie: inzwischen hat Herr Lanzky in der dortigen Pension de Genève auf mich gewartet — ich hörte es zwei Tage zu spät. Dann ist er nach Ajaccio abgereist, einen rührenden Brief an mich zurück lassend.
Ah diese dummen Augen! — Nun darf ich schon nicht mehr schreiben! Es steht jetzt schlimmer damit als die letzten Jahre. Ich habe zu viel diesen Sommer gearbeitet.
Lob, Ehr’ und Preis für Alles, was Sie über Ihre Pariser Menschen- und Studien-Einrichtung melden! Auch daß Ihnen alles „Monodische“ so gut gefällt! Es sind feinere, höhere Menschen: da soll es wohl schöne und ausgesuchte Kinder abgeben! —
Und Malvida krank? Wie gerne wäre ich bei ihr in Versailles!
Machen Sie um meinetwillen, wenn ich bitten darf, die Bekanntschaft von Saint-Germain-en-Laye: mein Zukunfts-Ort für stilles Arbeiten und Herumstreifen durch Wälder.
Und St. Cloud? —
Sie wissen, im Grunde bin ich den Franzosen (nicht gerade den Parisern!) „guter“ als den Deutschen. Namentlich jetzt!
Geht die Welt nicht schief und schiefer?
Alle Christen treiben Schacher,
Die Franzosen werden tiefer, —
Und die Deutschen — täglich flacher.
Herzlich zugethan Ihr
N.
562. An Heinrich von Stein in Berlin
Einsiedlers Sehnsucht.
Oh Lebens Mittag! Feierliche Zeit!
Oh Sommer-Garten!
Unruhig Glück im Stehn und Spähn und Warten!
Der Freunde harr’ ich, Tag und Nacht bereit:
Wo bleibt ihr Freunde? Kommt! S’ ist Zeit! S’ ist Zeit!
Im Höchsten ward für euch mein Tisch gedeckt:
Wer wohnt den Sternen
So nahe, wer des Lichtes Abgrunds-Fernen?
Mein Reich — hier oben hab ich’s mir entdeckt —
Und all dies Mein — ward’s nicht für euch entdeckt?
Nun liebt und lockt euch selbst des Gletschers Grau
Mit jungen Rosen,
Euch sucht der Bach, sehnsüchtig drängen, stoßen
Sich Wind und Wolke höher heut’ in’s Blau
Nach euch zu spähn aus fernster Vogelschau - - -
Da seid ihr Freunde! — Weh, doch ich bin’s nicht,
Zu dem ihr wolltet?
Ihr zögert, staunt — ach, daß ihr lieber grolltet!
Ich bin’s nicht mehr? Vertauscht Hand, Schritt, Gesicht?
Und was ich bin, — euch Freunden bin ich’s — nicht?
Ein Andrer ward ich und mir selber fremd?
Mir selbst entsprungen?
Ein Ringer, der zu oft sich selbst bezwungen,
Zu oft sich gegen eigne Kraft gestemmt,
Durch eignen Sieg verwundet und gehemmt? —
Ich suchte, wo der Wind am schärfsten weht,
Ich lernte wohnen,
Wo Niemand wohnt, in öden Eisbär-Zonen,
Verlernte Mensch und Gott, Fluch und Gebet,
Ward zum Gespenst, das über Gletscher geht.
Ein schlimmer Jäger ward ich: seht wie steil
Gespannt mein Bogen!
Der Stärkste war’s, der solchen Zug gezogen —
Doch wehe nun! Ein Kind kann jetzt den Pfeil
Drauf legen: fort von hier! Zu eurem Heil! —
Ihr alten Freunde! Seht nun blickt ihr bleich,
Voll Lieb’ und Grausen!
Nein, geht! Zürnt nicht! Hier — könntet ihr nicht hausen!
Hier zwischen fernstem Eis- und Felsenreich —
Da muß man Jäger sein und gemsengleich.
Ihr wendet euch? — — Oh Herz, du trugst genung!
Stark blieb dein Hoffen!
Halt neuen Freunden deine Thüre offen,
Die alten laß! Laß die Erinnerung!
Warst einst du jung, jetzt — bist du besser jung!
Nicht Freunde mehr — das sind, wie nenn’ ich’s doch?
Nur Freund-Gespenster!
Das klopft mir wohl noch Nachts an Herz und Fenster,
Das sieht mich an und spricht „wir warens doch?“
— Oh welkes Wort, das einst wie Rosen roch!
Und was uns knüpfte, junger Wünsche Band, —
Wer liest die Zeichen,
Die Liebe einst hineinschrieb, noch, die bleichen?
Dem Pergament vergleich ich’s, das die Hand
Zu fassen scheut — ihm gleich verbräunt, verbrannt! —
Oh Jugend-Sehnen, das sich mißverstand!
Die ich ersehnte,
Die ich mir selbst verwandt-verwandelt wähnte —
Daß alt sie wurden, hat sie weggebannt:
Nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt!
Oh Lebens Mittag! Zweite Jugend-Zeit!
Oh Sommer-Garten!
Unruhig Glück im Stehn und Spähn und Warten!
Der Freunde harr’ ich, Tag und Nacht bereit: —
Der neuen Freunde! Kommt! S’ ist Zeit! S’ ist Zeit!
— — — — Dies ist für Sie, mein werther Freund, zur Erinnerung an Sils-Maria und zum Danke für Ihren Brief, einen solchen Brief!
F. N.
(Nizza, pension de Genève, petite rue St. Etienne.)
563. An Julius Rodenberg in Berlin (Entwurf)
Zuletzt weiß ich nicht einmal, ob Ihre „Rundschau“ jemals schon Gedichte veröffentlicht hat. Der gegenwärtige Fall aber — daß Friedrich Nietzsche selber einer Zeitschrift das Anerbieten mache, Etwas von mir zu drucken — geht so sehr wider alle meine Regel, daß auch Sie hier einmal eine Ausnahme machen können — eine Ausnahme wie ich unbedingt voraussetze, zu Gunsten und zum Vortheile Ihrer Zeitschrift. Geben Sie mir, hochgeehrter Herr, ein gefälliges Ja! zur Antwort auf diese Zeilen, zugleich mit Ihrem Vorschlage in Betreff des Honorars. Meine Adresse ist zunächst: — — —
564. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine Lieben,
schönsten Dank, alles ist jetzt in meinen Händen. Eure Briefe klingen winterlich-gemüthlich. Für mich — muß es bei Nizza bleiben: die feine Probe mit etwas so Benachbartem und Ähnlichen (in manchen Beziehungen sogar Wohlthätigeren) wie Mentone, welche durchaus zu Gunsten von Nizza ausgeschlagen ist, ist sehr lehrreich; ebenso ist Ajaccio ganz aus dem Felde geschlagen, seit ich durch Herrn Lansky darüber so unterrichtet bin als ob ich dort gewesen wäre. Nun ist Vieles oder Alles hier für mich noch zu erfinden — und ich hoffe, daß ich zum letzten Male mich stumm und demüthig in eine solche Pensions-Unwürdigkeit hineingesteckt habe.
Herr L<anzky> welcher 4 Wochen hier auf „mein Kommen und Verzeihen“ gewartet hatte und schließlich nach Ajaccio abgereist war, ist sofort zurückgekehrt, als ich ihm telegraphirte: „Venez pour Nice. Votre ami N.“ Er telegraphirte zurück: „Je serai a Nice mercredi. Votre bienheureux Lanzky“. — Er hat einen Begriff davon, wer ich bin. Im Ganzen aber, um mich französisch auszudrücken: il m’ôte la solitude, sans me donner la compagnie. — So wird es denn diesen Winter nichts mit dem 4. Zarathustra werden. — Er war mehrere Jahre Redakteur der rivista Europea und kennt diese Welt der Litteraten und Buchhändler. — Ich brauche, für mein späteres Leben hierselbst 1) eine unabhängige Wohnung 2) eine Köchin 3) meinen Musiker Köselitz (mit 5 Stunden wöchentlich und einem kleinen Zuschuß von seinem Vater kann er hier leben, er hat mir dies zugestanden: die Stunden muß ihm meine alte gute Mansuroff bei ihrer hiesigen russischen Gesellschaft verschaffen) Ich könnte noch einige 4) und 5) hinzufügen, bemerke aber ausdrücklich, daß darunter ganz und gar nicht eine „Ehegattin“ eingerechnet ist.
K<öselitz> wird am 7. Dez. seine Löwen-Ouvertüre in einem Tonhallen-Concert selber dirigiren. — Unter seiner Tischgesellschaft ist das Fräulein von Salis, zu seinem großen Mißbehagen.
Dein letzter Brief, mein liebes Lama, enthielt einen Irrthum, den ich, auch zur Mittheilung an Onkel Bernhard, hiermit gründlich beseitigen möchte. Also: Herr Schm<eitzner> kann, wenn er will, die von den vereinbarten 1000 noch vorhandenen Exemplare meiner Schriften an irgend einen Buchhändler verkaufen, er kann aber nicht das Verlagsrecht dieser Schriften verkaufen, weil er es nicht besitzt! Das Recht, meine Schriften zu verlegen, also neue Auflagen zu veranstalten, habe ich ganz allein zu vergeben: und zwar bis auf 30 Jahre nach meinem Tode hinaus. (Es ist dies, unter Umständen, etwas, das mich vermögend machen kann) (Dies ist auch das Urtheil des Herrn Lansky)
Also, liebes Lama, es ist eine große Dummheit, daß ich jetzt nicht nach Leipzig kann. Bei reiflicher Überlegung finde ich es nicht rathsam, daß Du an meiner Stelle mit Leipziger Verlegern redest: auch mit Heinze sprich nicht davon (das ist ein unschlüssiger und ängstlicher Charakter, nicht nur nach meiner Ansicht; überdieß hat er nicht den entferntesten Begriff von meiner Bedeutung, ich meine: er hat keinen „Glauben an mich“ und ist geistig zu gering! Dies unter uns; Du weißt ja, daß ich ihn persönlich gern habe)
Die Summe 20 000 M. ist eine alberne Schwindelei des Schmeitzner. Gesetzt es giebt von den ursprünglich hergestellten 13 000 Exemplaren meiner Schriften (es sind 13, jedes ist in 1000 E. gedruckt) noch die Hälfte, was wohl die ungefähre Wahrheit sein wird, also c. 7000, so würde der unverschämte Schwindler dann immer noch 3 Mark ungefähr für jedes Exemplar haben wollen!! — während unter den 13 Büchern 7 sind, deren Buchhändler-Preis 3 Mark oder weniger beträgt!! (die 4 Unzeitgemäßen und die 3 Zarathustra’s) Wenn Beschlag auf etwas gelegt werden muß, gut, dann auf meine Bücher: die vorhandenen Exemplare werden ungefähr den Werth von 5—7000 Mark repräsentiren; ich meine, für diese Summe gelänge es mir etwa, sie an einen Verleger zu verkaufen, falls sie mir, bei Zahlungs-Unfähigkeit Schmeitzner’s, verbleiben sollten. Dies Verkaufen würde ich persönlich abzumachen haben: — schlimmsten Falls müßte ich deshalb nächstes Jahr nach Leipzig kommen. —
Inzwischen aber hoffe ich, daß Schm<eitzner> mir dies erspart und seinerseits einen Käufer findet. — Seid guter Dinge, meine Lieben! So lange diese Geschichte schwebt, ist alles geistige Schaffen unmöglich. Euer
F.
Schm<eitzner> hatte meine Adresse nicht und that deshalb ganz recht, seinen letzten Brief nach Naumburg zu adressiren. — Ich schrieb im letzten Briefe an Euch, daß ich selber ihm brieflich schon den „Wink“ gegeben habe.
565. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine Lieben,
hier ein Weihnachts-Briefchen! Es ist jammervoll, daß wir nicht hübsch um einen Weihnachts-Baum zusammen stehn — mit Senden von Geschenken geht es nicht, bei solcher Entfernung. Also etwas „Sammt zu einem Jäckchen“ soll meiner lieben Mutter in meinem Namen präsentirt werden; und meinem lieben Lama auch Etwas, schlechterdings, etwas Hübsches, sehr — Hübsches: so verlange ichs hiermit! — Und seien wir alle guter Dinge!
Gestern war ich krank, Abends kam der Brief, der mich besonders dadurch erbaute, daß er nichts von der dummen Schmeitznerei enthielt. Für derartige „Schweigsamkeiten“ habe ich viel Verständniß und Dankbarkeit; man kommt über viele Dinge gar nicht anders weg als daß man nicht mehr daran rührt. Es versteht sich, daß, wenn erst ein definitives Ergebniss vorliegt, ich auch davon wissen will. —
Augenleiden — das ist die nicht verschweigbare Thatsache dieses Winters. Es ist kein Zweifel, daß mein Zimmer im Engadin (ohne Licht, gegen die Felswand hin, Ein kleines Fenster —) die Ursache ist.
Im Übrigen bewährt sich Nizza, im seltsamen Contrast zu Mentone. Ich habe die trockensten Climata nöthig, um mich wohl zu fühlen und geistig hell und heiter zu sein. Die außerordentliche Luft-Trockenheit ist es, was Nizza an dieser ganzen Küste, und was das Engadin wieder in der ganzen Schweiz auszeichnet. Damit hängt wieder die Menge Helligkeit und Reinheit des Himmels zusammen.
In der Pension geht es, Dank meiner „Nachsicht“ und „Bescheidenheit“ („Leutseligkeit“ ist das Richtigere.) General Simon ist auch wieder da. —
Jeden Morgen wird etwas eingeheizt. Der Magen hat sich wieder verbessert, die Küche ist sehr nach seinem Bedürfnisse eingerichtet.
Lanzky ist mir nicht lustig genug. Aber er giebt sich große Mühe um mich und hält es aus, daß ich ohne Grobheit es mitunter nicht aushalte. —
Nun aber sagen die Augen: „Genug!“
Euch mit Liebe grüßend und umarmend
Euer
Prinz Friedrich.
Ich bitte, Lanzky’s wegen, um Rohde’s Broschüre über die Geburt der Tragödie (braun Leder gebunden), dann den Aufsatz über Homer, endlich ein gebundenes Schreibheft, röthlich-violett, Quartformat, vollgeschrieben, dick — ich habe es das letzte Mal vergessen, einzupacken. Damals war es in der Stube an der Treppe, lag in einem Korbe? zwischen andern Büchern und grauen Schreibbüchern. Auf der letzten Seite steht, glaube ich, „böse Weisheit“ oder Etwas Ähnliches. Viele Sentenzen.
Ich sende einen Aufsatz Lanzky’s über mich, nicht weil ich ihn zu loben hätte, sondern weil es der erste größere Essay über mich ist. Daß er in einem ungarischen Winkelblatt gedruckt ist, gehört unter die Rubrik der Dummheit und Ungeschicklichkeit meines Herrn Verlegers. —
F.N.
Und mag das neue Jahr alles Gute und Erwünschte bringen, eingerechnet den Erwünschten!
Von Herzen
Euer F.
566. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund
Dein letzter Brief, ein schöner Klang aus Deinem Geburtstags-Gefühle heraus, that meinem Herzen so wohl — gerne hätte ich gleich noch einmal geschrieben! Aber die Thatsache dieses Winters heißt leider Augenleiden — und folglich äußerste Beschränkung alles Schreibens und Lesens. Über die Ursache dieses Leidens bin ich außer Zweifel: mein Zimmer im Engadin hat kein Licht (einer schwarzen Felswand ganz nahe, Ein einziges kleines Fenster — das Zimmer darf nicht wieder von mir bewohnt werden! Vielleicht habe ich auch im Sommer zu viel schlecht gedruckte Bücher gelesen (deutsche Bücher über Metaphysik!) — — Der Versuch mit Mentone mißrieth, aber das Mißrathen war mir sehr lehrreich. Nizza übt genau wie im vorigen Winter einen überraschend-schnell-wohlthätigen Einfluß — und ich begreife nunmehr, daß es die Lufttrockenheit ist, welche mich Nizza und Oberengadin lieben läßt: ich meine, der lufttrockenste Ort der Riviera und der Schweiz, also Nizza und Oberengadin thun meinem Kopfe am wohlsten. Daß die genannten Gegenden auch eine große Menge heller reiner Tage aufweisen, hängt indirekt mit der erwähnten großen Lufttrockenheit zusammen. Nizza 60 mm, Mentone aber 70 mm im Durchschnitt — Es geht besser, die Anfälle sind hier viel seltener.
An sich ist mir die Stadt N<izza> gräßlich, ich verhalte mich defensiv und wie als ob sie nicht da wäre: mir liegt an der Luft und dem Himmel von N<izza>
Albert Köchlins sind wieder artig gegen mich, auch der General Simon ist sich gleich geblieben. Sodann wohnt Herr Paul Lanzky in meiner Pension, ein großer Verehrer von mir: ehemals Redakteur der rivista Europea, in summa also ein Litterat. Als er mir aber gestern einen langen Essay über mich (gedruckt in einem ungarischen Blatt!) zu lesen gab, blieb mir nichts übrig als zu thun, wie voriges Jahr mit Herrn Dr. Paneth, ebenfalls einem großen Bewunderer und Anbeter: nämlich ihn zu verpflichten, nicht über mich zu schreiben. Ich habe ganz und gar keine Lust, eine neue Art von Nohl, Pohl und „Kohl“ um mich aufwachsen zu lassen — und ziehe meine absolute Verborgenheit tausend Mal dem Zusammensein mit mittelmäßigen Schwarmgeistern vor. —
Hast Du Stein’s „Helden und Welt“ gelesen? — Bitte, thu’s.
Ich lasse mir einen größeren Aufsatz Emerson’s, der einige Klarheit über seine eigene Entwicklung giebt, in’s Deutsche übersetzen (schriftlich); beliebt es, so steht er Dir und Deiner lieben Frau zu Gebote. Ich weiß nicht, wie viel ich darum gäbe, wenn ich nachträglich bewirken könnte, daß eine solche herrliche große Natur, reich an Seele und Geist, eine strenge Zucht, eine wirkliche wissenschaftliche Cultur durchmachte. So wie es steht, ist uns in Emerson ein Philosoph verloren gegangen!
Dir und Deiner lieben Frau das Beste zum Übergange in’s neue Jahr wünschend Dein
N.
Willst Du mir 500 frs. (französisch Papier) in der alten Weise hierher senden? —
567. Vermutlich an Hermann Levi in München (Entwurf)
L<ieber> H<err> L<evi>. Wer weiß, ob Sie sich meiner noch erinnern. Denn ich bin ein Einsiedler, und wenn ich selber die halbe Welt vergessen habe, so wird billigerweise wohl Drei Viertel Welt (oder mehr) mich vergessen haben, — — —
1884 (90 Briefe)
479. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Мой почтенный господин издатель
хорошая новость! Или, вернее, самая лучшая, какая только может быть, с моей точки зрения: мой Заратустра готов: — он нуждается в переписке — он нуждается в печати. Я в прошлом году уже не думал, что мне удастся найти завершение для этих двух первых частей уже этой зимой (по правде говоря, через пару недель —). Я счастлив и, как уже часто бывало в моей жизни, «удивлен» самим собою по поводу самого себя.
Впрочем, сила чувства при таких вещах настолько велика, что можно при этом, как стеклянный сосуд, в один миг треснуть: и пока эта третья и последняя часть не будет лежать передо мной отпечатанной, а я ежедневно и еженощно мучим этой силой, опасность невелика.
Избавьте же меня, по крайней мере, предварительным обещанием, что Вы, дорогой и почтенный господин Шмайцнер, сделаете все, чтобы ускорить печать. —
Этот третий акт моей драмы (лучше мне следовало бы говорить о финале моей симфонии) по объему (согласно довольно точной оценке) такой же длинный, как второй, т.е. около 100 печатных страниц, скорее меньше, чем больше.
Содержание включает в себя всякое «невероятное» — посмотрим, как обстоят дела с немецкой «свободой печати»! В конце концов: разве можно запретить «поэтические произведения»? —
С просьбой быстро ответить мне, во всем остальном преданный Вам и желающий всего наилучшего
Ницше
Ницца (Франция), пансион де Женева, маленькая улица Сент-Этьен
480. An Franz Overbeck in Basel
<25 января 1884>
Прости, старый друг, за эту записочку — но я хочу написать на ней хорошую новость. С прошлой пятницы «Так говорил Заратустра» совершенно готов — и я посреди переписывания. Всё произведение было создано, таким образом, ровно в течение одного года: в более строгом смысле, даже в течение 3 x 2 недель. — Последние две недели были самыми счастливыми в моей жизни: я никогда не плавал под такими парусами по такому морю; и огромная дерзость всей этой истории мореплавания, которая длится столько, сколько ты меня знаешь, с 1870 года, достигла своего пика. Как обстояли мои дела в уходящем году, давал понять мой последний письмецо. Также мне пришлось сполна поплатиться за полную чуждость ниццкой почвы; у меня были даже значительные денежные потери, так как моя хозяйка, которой я заплатил вперёд за комнату и пансион, вынуждена была исчезнуть.
Теперь я уединился в тихом, надёжном мире швейцарского пансиона.
Завершение моего Заратустры очень хорошо сказалось на моём здоровье. — Старый дорогой друг, следующее, что я планирую, для отдыха! — это большая фронтальная атака на все виды нынешнего немецкого обскурантизма (под заглавием «Новые обскуранты»); для этого — мне нужны твой совет и твоя помощь!
От всего сердца твой Н.
481. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Я сейчас в таком настроении, что готов добродушно и хладнокровно выносить любую степень человеческой глупости (особенно касающейся) морал<ьных> вещей: пусть это пойдет на пользу Твоему письму. На него я отвечать не буду. Но я хочу Тебе кое-что рассказать.
Во-первых: из всех знакомств, которые я завел, одно из самых ценных и плодотворных — это знакомство с Л<у>. Только после этого общения я созрел для своего З<аратустры>. Мне пришлось прервать это общение ради Тебя. Прости, если я воспринимаю это тяжелее, чем Ты можешь себе представить. Л<у> — самое одаренное, самое вдумчивое создание, какое только можно себе представить, конечно, у нее есть и сомнительные качества. У меня они тоже есть. Однако прекрасное в сомнительных качествах то, что они заставляют задуматься, как и следует из названия. Конечно, только мыслителей.
Мне было бы приятно, если бы Ты написал мне: дорогой Фр<иц>, мое последнее письмо было глупостью, пришли его обратно — но если Ты этого не сделаешь, я не поседею. Кстати, не мог бы Ты помириться с фр. С<аломе>?
482. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Entwürfe)
Но возвращаться год спустя к вещам, которые были до моей близкой связи с фройляйн Саломе в Таутенбурге и Лейпциге, было неслыханной жестокостью; и сообщать мне потом письмо за письмом вещи, которые были для меня совершенно новыми, и задним числом еще бросать грязь на те самоотверженные месяцы — это я называю подлостью. Если фройляйн С<аломе> высказывалась обо мне, что я «под маской идеальных целей преследовал грязные намерения в отношении нее», должен ли был я узнать о таком год спустя? Я бы прогнал ее с позором и освободил Рээ от нее. — Это лишь как пример из сотни случаев, в которых проявилась роковая извращенность моей сестры по отношению ко мне. Впрочем, я давно знаю, что она не успокоится, пока я не умру. Ну что ж, мой Заратустра готов! В тот момент, когда он был закончен и я вошел в свою гавань, она стояла там и бросала мне в лицо пригоршни грязи.
В твоем письме есть намеки, которые лишают меня дара речи.
Не я ли тот, кто проявил к вам избыток незаслуженной доброты в прошлом году? Неужели вы неблагодарны до мозга костей? Или до такой степени лживы в самой своей основе, что простейшая истина у вас стоит с ног на голову?
Кто же вел себя плохо по отношению ко мне, если не вы? Кто подвергал мою жизнь опасности, если не вы? Кто бросил меня так полностью на произвол судьбы, как вы, и тогда, когда мне нужно было утешение, ответил мне насмешками и очернением всей моей жизни и стремлений?
Я тем более, и с самого детства, знаю ту моральную дистанцию, которая отделяет меня от вас, и мне требовались вся моя мягкость, терпение и молчание, чтобы не давать вам чувствовать ее слишком ощутимо. Неужели вы ничего не понимаете в том отвращении, которое я должен преодолевать, будучи так близко связанным с такими людьми, как вы! Что же вызывает у меня рвоту, когда я читаю письма моей сестры и вынужден проглатывать эту смесь глупости и наглости, которая еще и пытается приукрасить себя моралью?
Я уже несколько лет защищался и бежал от Л<избет> как замученное до смерти животное; я умолял ее оставить меня в покое, и она ни на минуту не переставала мучить меня. Я боялся ехать в прошлый август в Н<аумбург>, чтобы не расправиться с ней физически, и поэтому советовался с О<вербеком>. А теперь она стоит и делает вид, будто ни в чем не виновата!
Я не знаю, что хуже: безграничная наглая глупость Л<избет>, пытающейся поучать такого знатока людей и испытателя сердец, как я, о двух людях, которых у меня было достаточно времени и желания изучить с самой близкой дистанции; или бесстыдная бестактность постоянно бросать в меня грязью людей, с которыми меня, во всяком случае, связывает важная часть моего духовного развития и которые в этом отношении в 100 раз ближе мне, чем это глупое мстительное создание.
Мое отвращение к тому, чтобы быть связанным с таким жалким существом.
Откуда у нее эта отвратительная жестокость — откуда та ехидная манера ядовито жалить <благодаря которой ее письмо к фрау Р<ээ> причинило мне неописуемую боль, в самую душу фрау Р<ээ>)
Если такой человек, как я, говорит: «тот и тот входит в план моей жизни», как я говорил Л<избет> о фройляйн С<аломе>, — то это глупая нелепость суждения и воли — вредить и мстить превосходящим духам. А потом работать против меня таким гнусным образом. В конце концов я все же добился того, чего хотел.
Эта глупая гусыня дошла до того, что обвинила меня в зависти к Р<ээ>! и сравнивать меня с Г<ерсдорфом>, а себя с М<альвидой>!
Ты не можешь прочувствовать, каким утешением был для меня долгие годы доктор Р<ээ> — faute de mieux, как само собой разумеется, и каким невероятным благом было для меня общение с фройляйн С<аломе>.
Что касается письма Л<избет> — то суждения обо мне самом меня не беспокоят. Думаю, я уже однажды слышал нечто подобное — от Л<избет>? Или от фройляйн С<аломе>? По крайней мере, обо мне они тогда были единодушны. Кто же ведет двойную игру?
Только не думай, д<орогая> М<ама>, что я в плохом настроении. Напротив! Но кто сейчас не со мной, тот пусть катится к черту — или, по мне, в П<арагвай>.
483. Vermutlich an Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
Самое глупое заключается в том, что безгранично абсурдное письмо моей сестры вынуждает меня выйти из моей чрезмерно щадящей сдержанности по отношению к ней.
К слову сказать, моя сестра — несчастное создание: уже в шестой раз за два года случается так, что она в самый разгар моих высочайших и блаженнейших чувств — чувств, подобных которым на земле вообще редко когда бывало, — вбрасывает письмо, от которого исходит гнуснейший запах слишком человеческого.
Я и в Риме, и в Наумбурге всегда удивлялся тому, как редко она говорит что-то, что не шло бы мне против шерсти.
После каждого письма я был возмущен грязным, клеветническим тоном, в котором моя сестра отзывается о фройляйн Саломе. Можно возражать против этой девушки что угодно — и, конечно, совсем не то, что делает моя сестра, — но остается фактом, что я не встречал более одаренного и вдумчивого существа. И хотя мы никогда не были согласны друг с другом, точно так же, как это было между Ре и мной, мы оба после каждого получаса общения были счастливы от того, как многому мы при этом научились. И не зря за эти последние 12 месяцев я совершил свое величайшее достижение. Мы были достаточно предупреждены друг о друге: и как бы мало мы ни любили друг друга, не было никакой необходимости прекращать общение, полезное для нас и для всего мира в высшем смысле. Нечто подобное относится и к моему общению с Ре; я сегодня так же хорошо, как и шесть лет назад, знаю, в чем его слабости. — Но он как мыслитель принадлежит к моему развитию, и его пути в известном смысле являются моими порождениями. То, что они оба поступили со мной подло, — правда, но я простил им это, как прощал своей сестре и худшее поведение по отношению ко мне.
Моя сестра, ставшая дерзкой благодаря слишком скромному обществу Наумбурга и, как уже было сказано, привыкшая к отвратительнейшей литературе, какая только существует сейчас, — в конце концов избалована моей добротой и снисходительностью. Сколько писем к ней я сжег! Сколько сотен раз я говорил: «она не виновата в своем характере, оставь ее в покое: однажды она снова покажет свои самые приятные стороны».
За такое письмо, как последнее письмо моей сестры, по справедливости следовало бы дать пару пощечин.
484. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой старый верный друг, — ведь то, что я так долго молчал, конечно, не заставило Вас счесть меня неверным. Не было ничего хорошего, о чем стоило бы сообщать, а у меня с прошлой зимы остались воспоминания и стыд за то, как много дурного я тогда изложил на бумаге, к Вашему огорчению — это была сама по себе болезнь внутри болезни, мое тогдашнее писание писем. — Знаете ли Вы вообще, что прошлой зимой я перенес тиф?
Этой зимой, вплоть до Нового года, дела снова шли отчаянно; и здоровье мое было в наихудшем состоянии, как однажды в Базеле. Ко всему прочему, моя сестра по-прежнему истязала меня письмами, которые я готов подвести под понятие «антисемитизм» — Вы догадываетесь, каково было их более узкое содержание. Ну что ж, я снова «за горами». —
Тем временем мое желание услышать Вашу музыку стало настолько сильным, что я, вероятно, внезапно появлюсь в Венеции. Это желание, как после тяжелой болезни: я думаю, Вы не найдете во всем мире ушей, которые хотели бы слушать Вас так, как я, дорогой друг! —
К тому же: я хотел бы отпраздновать с Вами праздник на двоих, и у меня есть для этого веская причина — ведь я в гавани! Мой «Заратустра» готов уже две недели, совсем готов — —
Не знаете ли Вы, случайно, тихий немецкий пансион, где можно жить примерно за 5 франков в день (не считая завтрака, который я обеспечу себе сам; также без вина: ибо я не пью вина)
Этот год, о дорогой друг, — пусть он будет успешным для Вас и для меня!
От всего сердца
Ваш Ницше.
Я знаю, друг, что Вам предстоит делать: не бойтесь, что я буду нескромен в отношении Вашего времени. — —
Этот январь был самым прекрасным из всех, что я пережил: и по погоде тоже.
Ницца <Франция>
Pension de Genève, petite rue St. Etienne.
485. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Сердечно благодарю, мой дражайший господин издатель! И наберитесь мужества: теперь в вашем издательстве есть самая перспективная книга из всех существующих — — я очень хорошо знаю, что говорю, и отнюдь не безумен и не тщеславен. — Если Наumann снова будет печатать, настаивайте неумолимо на глубоко черном шрифте, даже для корректурных листов (в прошлый раз я повредил глаза этой лейпцигской «бледностью»). Затем напоминаю, что рукопись следует направлять не мне, а господину Кёзелицу (второй «Заратустра» из-за обратного порядка оказался более богат опечатками, чем я желал!) — Но прежде всего presto, presto! Ибо речь идет о финале моей симфонии. Итак, никаких 500 000 сборников псалмов и прочих чертовщин!
Ф.Н.
486. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой старый друг,
я с огорчением слышу о «кишках» и обо всем, что с этим связано; это злой месяц, когда на севере человеку дают понять, что зиму нужно искупать, как вину. Ах, и чего теперь на севере не приходится «искупать»! Окружение, стремления, одиночество — в сущности, там всё зима, и в конечном итоге это воздействует на «кишки». — Тем сильнее меня трогают твои слова о «внутреннем ликовании». Ах, друг, кто же еще радуется тому, что я «преодолел свою гору»! Лишь один отшельник в Венеции да один в Валломброзе (последний, к сожалению, тоже страдает от больших бед с кишками!)
— Что касается немецких порядков, то твой совет, который я вычитываю из твоих слов, вероятно, верный: «не следует ворошить болото». С какими уродливыми и, по сути, эфемерными вещами мне пришлось бы знакомиться! В сущности, отличительная черта моего положения в том, что я о многом не знаю и не нуждаюсь в знании (например, имя «Нордау» мне неизвестно). В самом деле, мы будем ждать и перенесем нашу вражду в более масштабную плоскость. —
Кстати, мне необходим «отдых», и если это не будет отдых воинственный, то это должна быть основательная мышечная тренировка — пешие прогулки и тому подобное. —
Возможно, я как-нибудь пройдусь по Ривьере до самого Сен-Рафаэля; пока что я считаю климат Ниццы единственно подходящим для меня; Генуя была большой ошибкой, а Санта-Маргерита — опасной для жизни. — С другой стороны, Ницца мне противна как копия Парижа и хвастливый полумегаполис; здесь в невероятной степени не хватает леса, тени, тишины. Будь я богат, я бы жил в другом месте на Ривьере; но относительно я живу здесь, конечно, дешевле всего, потому что это самый большой город.
Дорогой друг, ничего не поделаешь, нам нужно забрать последние 500 франков из ремесленного банка. Мне сейчас нужны деньги. Но я не хочу в этом году ни из-за чего сердиться: даже если бы для этого были причины. —
Печать уже идет, если Шмайцнер выполнил свой долг. — Кстати, весь Заратустра — это взрыв сил, которые накапливались десятилетиями: при таких взрывах сам автор легко может взлететь на воздух. Мне часто бывает так не по себе: — я не хочу скрывать это от тебя. И я заранее знаю: когда ты увидишь из финала, что именно должно быть сказано всей симфонией (— очень артистично и постепенно, как, скажем, строят башню), — то и ты, мой старый верный друг, не сможешь преодолеть ужас и содрогание. У тебя крайне опасный друг; и самое худшее в нем то, как сильно он умеет сдерживаться. Как бы я хотел вместе с тобой и твоей дорогой, достойной почитания женой посмеяться (до смерти насмеяться над самим собой!!!)
От всего сердца
Твой Ницше.
487. An Fräulein Simon (Albumblatt)
Одни путешествуют, потому что ищут себя; другие — потому что хотят себя потерять.
+ + +
Мы поступаем наяву так же, как во сне: мы всегда сначала выдумываем и сочиняем человека, с которым общаемся, — а потом тотчас забываем, что мы его выдумали и сочинили.
+ + +
Честность по отношению к самим себе и ко всем, кто нам друг, мужество по отношению к врагу, великодушие по отношению к побежденному, вежливость по отношению ко всем. —
Фридрих Ницше.
488. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг,
не беспокойся! Всё идёт и должно идти! Истина в том, что со мной происходит превращение, и, конечно, бывают при этом мгновения, когда я не знаю, как мне выдержать следующее мгновение. Но у меня все карманы полны опыта и самодельных рецептов. Чувствовал ли себя когда-нибудь человек так одиноко? Не стану ли я в конце концов немым? По меньшей мере, я каждый день по нескольку раз готов согласиться с Наполеоном, который сказал: «есть вещи, которые не пишут». Здоровье тем временем стало всё лучше, с Нового года было всего три приступа. Я думаю, то, что я сделал, является одновременно для моего тела избавлением и подкреплением. Напряжение последних 10 лет было слишком велико: это имело свои физические последствия. — Ах, надо просто хорошо выполнять свою задачу, так лучше всего. Теперь я впервые придал свою главную мысль форме — и вот, вероятно, я сам при этом впервые «придал себе форму». —
Впрочем, мне теперь нужен человек, который бы немного контролировал моё общение с милыми ближними, как церемониймейстер: чтобы я, по крайней мере, больше не был подвержен самым ужасным грубостям и неловкостям bêtise humaine. Что позволяли себе по отношению ко мне в плане высокомерия и назойливости в последние годы, вплоть до последних дней, — превосходит всякое воображение и терпение. Я должен ещё сильнее закутаться в своё одиночество. Но, в частности, я должен разучиться писать письма, в которых я показываю себя страдающим. Страдающий — это дешёвая добыча для каждого; по отношению к страдающему каждый мудр. — (Если рассматривать совершенно объективно: как много удовольствия доставляет страдающий тем, кто как раз им не является!) —
С Валломброзой много общения, пересылка картин, метеорологических таблиц и т. д. Проблема ещё не решена. —
Сердечнейшее спасибо за присланные деньги! Я смеялся, когда они пришли: ведь я мог бы ещё немного подождать! Но мои общие «тревоги» порой выражаются в таких совершенно специфических опасениях, например, хватит ли у меня денег на послезавтра, или спичек и т. д. и т. п.
Кстати, я до сих пор не нашёл никого, кто хотел бы сопровождать меня в пешем путешествии. Путешествовать в одиночку — для меня, миопа, уже стало мучением. Так что я, пожалуй, останусь здесь ещё немного: хотя свет теперь стал для меня слишком интенсивным.
Если бы я только не был так беден! По крайней мере, я хотел бы иметь раба, как его имел даже самый бедный греческий философ. Я слишком слеп для очень многих вещей. Тебе и твоей милой жене от всего сердца преданный
Н.
489. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин,
по поводу печати «Так говорил Заратустра» я настоятельно прошу о любой возможной ускоренности: ибо я могу оставаться здесь, в Ницце, лишь короткое время. До сегодняшнего дня (пятница) еще не прибыло ни одного листа.
С глубоким почтением
Ваш
Профессор д-р Ницше.
Nice (France) pension de Genève petite rue St. Etienne.
490. An Erwin Rohde in Tübingen
Мой старый дорогой друг
я не знаю, как это вышло: но когда я читал твое последнее письмо и особенно когда увидел прелестный детский портрет, мне показалось, будто ты жмешь мне руку и при этом печально смотришь на меня: печально, словно хочешь сказать: «Как же возможно, что у нас так мало общего и мы живем словно в разных мирах! А ведь когда-то — —»
И так, друг мой, у меня со всеми людьми, которые мне дороги: все прошло, осталось в прошлом, в пощаде; мы еще видимся, мы говорим, чтобы не молчать —, мы еще пишем друг другу письма, чтобы не молчать. Но правду говорит взгляд: и он мне говорит (я слышу это достаточно отчетливо!) «Друг Ницше, ты теперь совсем один!»
Вот до чего я действительно дошел. —
Тем временем я продолжаю свой путь, на самом деле это плавание, морское плавание — и я не зря годами жил в городе Колумба. — —
Мой «Заратустра» готов, во всех трех актах: первый у тебя есть, остальные два, надеюсь, смогу прислать тебе через 4—6 недель. Это своего рода бездна будущего, нечто жуткое, особенно в своем блаженстве. В нем все мое, собственное, без прообразов, сравнений, предшественников; кто хоть раз пожил в нем, тот возвращается в мир с другим лицом.
Но об этом не стоит говорить. Тебе же, как homo litteratus, я хочу сделать признание, которое не стану утаивать — я воображаю, что с этим З<arathustra> довел немецкий язык до совершенства. После Лютера и Гёте нужно было сделать еще третий шаг —; посмотри, старый сердечный товарищ, была ли когда-нибудь в нашем языке такая сила, гибкость и благозвучие вместе. Почитай Гёте после страницы моей книги — и ты почувствуешь, что та «волнистость», которая была присуща Гёте как рисовальщику, не осталась чуждой и творцу языка. У меня есть преимущество в более строгой, более мужественной линии, при этом я не опустился, как Лютер, до грубости. Мой стиль — это танец; игра симметрий всякого рода, перепрыгивание через них и насмешка над ними. Это доходит даже до выбора гласных. —
Прости! Я буду остерегаться делать это признание кому-то другому, но ты однажды, кажется, единственный, выразил мне радость по поводу моего языка. —
Впрочем, я остался поэтом до самых границ этого понятия, хотя и изрядно тиранизировал себя противоположностью всякого поэтиканства. Ах, друг, какую безумную, скрытную жизнь я веду! Так одинок, одинок! Так без «детей»!
Оставайся ко мне добр, я поистине твой!
Твой
Ф. Н.
491. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг, я не писал, потому что не хотел сообщать Вам ничего определенного и не мог «определиться». Глупость в том, что Венеция и Ницца — климатические противоположности, а Ницца действует на меня невыразимо благотворно. Я только что снова читал (Зигмунд, «Климатические курорты», стр. 195) о Венеции: «как и в По, наблюдается подавляющее, успокаивающее, расслабляющее воздействие на кровообращение, всю нервную систему и т. д.» — но для меня это означает головную боль и меланхолию. Теперь у меня так много на душе (ах, друг, прежде всего и превыше всего — чувство невыразимо большой ответственности!!), что я не могу позволить себе ошибки в климатическом отношении. Знаете ли Вы, что ошибка прошлой зимы (Санта-Маргерита с ее влажным воздухом) почти (очень «почти!») стоила мне жизни? — —
С другой стороны, я буквально жажду Вашей музыки и хороших бесед с Вами; или даже совместного молчания. Ведь — я стал молчалив! Все вещи взаимосвязаны, и я постепенно нашел так много того, о чем больше не хочу говорить: с чего тут начинать разговор и где заканчивать молчание! Музыка — это, безусловно, лучшее; я сейчас больше, чем когда-либо, хотел бы быть музыкантом. —
Неужели невозможно устроить нам однажды зиму на этом побережье? Или Вы могли бы приехать летом в Зильс-Марию? Ваши последние письма не дали дальнейшей информации о проекте в Болонье на следующую осень: мне кажется необходимым, чтобы уже сейчас все было для этого подготовлено. Допустим, Вы могли бы с некоторой уверенностью определить это представление на указанное время: тогда я, возможно, изменил бы свои летние планы и выбрал бы Валломброзу близ Флоренции своей летней резиденцией.
Мне пришло в голову, что я недавно забыл попросить Вашей помощи и содействия для последней части «Заратустры»; и поэтому, возможно, в эти дни к Вам в дверь упал совершенно грубо и невоспитанно корректурный лист. Будьте добры и помогите мне в этот раз еще! — Я так злюсь на опечатки и так много их оставил (во 2-й части, на первых 3 листах, рукопись которых великий олух Шмайцнер от Вас скрыл). Не посылал ли я Вам уже кое-что в этом роде? Вот еще два! На странице 8, в строке 5 сверху, должно быть «Zeuge- und Werdelust» (радость созидания и становления) вместо «Zunge und Werdelust» (радость языка и становления). — На странице 15, в строке 12 сверху, должно быть «Aber wen» (но кого) вместо «Aber wer» (но кто) и т. д.
Еще раз: регулярное сопоставление Венеции с Пизой и По (а также Римом) по их воздействию заставляет меня сейчас насторожиться; каких только климатических глупостей я уже не совершал! И как мне приходилось за них расплачиваться!
Не сердитесь, дорогой друг — меня самого делает таким нетерпеливым то, что я снова приговорен к терпению!
Ваш верный Ницше
492. An Ferdinand Laban in Berlin
Мой почтенный господин доктор,
Вчера мне пришло в голову, что с прошлой весны я ничего от Вас не слышал, даже того, дошла ли действительно до Ваших рук и предстала ли перед Вашими глазами фотография, отправленная Вам тогда. При этом меня посетили тревожные мысли, я заподозрил, что Вы, быть может, больны — и в самом деле, во всем, что Вы писали, чувствуется (буквально дышит) близость очень тонкой, очень восприимчивой к страданиям организации.
Скажите слово для моего успокоения. Я мечтаю о том, что в недалеком будущем буду жить где-нибудь на юге, у моря, на острове, в окружении самых доверенных друзей и товарищей по работе; — и в этот тихий монастырь я мысленно включил и Вас. —
Что касается «Так говорил Заратустра» — (моего «манифеста»); две первые части вышли в прошлом году. Третья и последняя часть уже печатается.
Мой адрес пока еще: Ницца (Франция), пансион Женевы, маленькая улица Сент-Этьен.
С самыми наилучшими пожеланиями, Ваш
Ницше.
493. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг, это поистине великолепная новость, это решение, о котором Вы мне сообщаете — столь естественное разрешение Вашей венецианскости! Я только теперь замечаю, как меня в сущности беспокоило, что Вы не хотели маршировать во главе Ваших войск — я имею в виду с дирижерской палочкой в руке! Прежде всего я желал бы теперь, чтобы контракт с импресарио был заключен немедленно, и чтобы между этим не прошло ни дня: ведь завершение партитуры для этого вовсе не является необходимым!
Этим проектом Вы забросили мне приманку, от которой я, старый музыкальный карп, не могу уклониться: да, я приеду ради этого в Венецию, и даже на репетиции, если Вы мне это позволите. Никогда в жизни я не нуждался в музыке так, как в этом году —: в конце концов, всё приходит в нужное время! Я, со своей стороны, ровно в сороколетнем возрасте достиг той точки, которой я в 20-е годы поставил себе целью достичь к этому году. Красивое, долгое и весьма ужасное морское путешествие! —
Но теперь, когда я в гавани, музыка! Музыка! —
Мое здоровье еще никогда не было таким хорошим, как с 1 января. Конечно, с тех пор я также был целый ряд дней болен: и притом, без исключения, как только небо было покрыто тучами!
Я теперь считаю установленным, что мой недуг головы лечится исключительно чистым небом. —
Прошу прощения, что говорю об этом, это лишь для того, чтобы оправдаться, если я останусь здесь еще немного дольше: — но вряд ли дольше, чем на пару недель! —
А потом? — Я не знаю, что. Меня очень настойчиво приглашают в Валломброзу, некий господин Пол Лански, который является совладельцем тамошнего отеля и в некотором роде предложил мне свои услуги. Он независим, еще больший пессимист, чем скептик, очень ко мне привязан (он пишет мне «Почтенный мастер» — что вызывает у меня любопытные чувства и воспоминания), и с осени он хочет ехать туда, куда я захочу. Он прислал мне фотографии и метеорологические таблицы Ва<лломброзы> (950 метров над уровнем моря, еловый лес). Если я захочу, я должен жить в «Парадизино», один, (там, где жил сам святой Гуальберт.) —
По правде говоря — я бы десять раз предпочел быть у Вас. И когда я приеду, правда ведь, Вы подыщете мне комнату на Гранд-канале? — чтобы я мог из окна смотреть на всю эту длинную пеструю тишину? Кроме Капри, ничто на юге не произвело на меня такого впечатления, как Ваша Венеция. Я не причисляю ее к Италии: что-то от Востока упало туда. —
Наконец! Наконец — мне нужна музыка, и Ваша музыка! Мне нужно пройти курс лечения — —
Вы видите, как у меня мысли, говоря словами Павла, «обвиняют и оправдывают». Я сержусь на себя, что я не с Вами.
Преданный Вам Ницше
494. An Franz Overbeck in Basel
Прилагаю, мой дорогой друг Овербек, письмо, которое содержит очень хорошую новость. Как долго я ждал этого решения нашего музыканта в Венеции! — и это было дело такого рода, которое требует молчания. Итак — он хочет встать во главе своих «войск», с дирижерской палочкой в руке! Я написал ему, чтобы он не терял ни дня и заключил контракт с импресарио окончательно и бесповоротно.
Начало его письма касается моего Заратустры, в манере, которая скорее встревожит тебя, чем удовлетворит. Небеса! кто знает, что лежит на мне и какая сила мне нужна, чтобы вынести самого себя! Я не знаю, как я пришел именно к этому — но возможно, что впервые мне пришла мысль, которая раскалывает историю человечества на две половины. Этот Заратустра — не что иное, как предисловие, преддверие — я должен был набраться мужества, так как отовсюду ко мне приходило лишь уныние: мужества нести эту мысль! Ибо я еще далек от того, чтобы суметь высказать и представить ее. Истинна ли она или, вернее: будут ли верить в ее истинность — тогда все меняется и переворачивается, и все прежние ценности обесцениваются. —
Об этом положении дел у Кёзелица есть предчувствие, некий запах. Я пишу это в его оправдание. — —
В остальном: у меня снова были переживания, от которых хочется задохнуться (я намекал на это в последнем письме), но я уже преодолел их.
Мои сердечнейшие приветы!
Твой Н.
N.B. Остается в силе то, что мне теперь необходим церемониймейстер (своего рода полицейский). В противном случае я должен буду выбрать абсолютное одиночество.
495. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой дорогой друг,
я слышал о Милане то же самое, что и Вы — он задает «тон». И так было еще во времена Стендаля. Знаете ли Вы, что этот человек, которого невозможно оценить по достоинству, велел написать на своем надгробии
«Арриго Бейль, миланец» настолько счастливым он чувствовал себя в Милане, «заново рожденным»! — Но Вы должны непременно настоять на том, чтобы самому тоже «дирижировать»! Во всех новых стилях есть только один человек, который умеет их исполнять; в это я верю, особенно в Вашем случае! Кстати, случай подбросил мне статью о «Тайном браке» Чимарозы: автор — Ганслик. Он, кажется, довольно хорошо знает, чего не хватает всем этим великим музыкальным титанам, начиная с Шумана, — во-первых, «полного солнечного света», а во-вторых, настоящего «буффо» — —
Я, вероятно, уже говорил Вам в Лейпциге: в Вашей музыке есть «прошлый век», а это для людей девятнадцатого столетия значит почти то же самое, что «невинность и блаженство». Но прежде всего глупость — и мне все больше кажется, что жизнь без глупости вообще невозможно вынести.
Боже! Что только мне сейчас не приходится терпеть!! Какой-то инстинкт самосохранения кричит сейчас буквально о Вас и Вашем искусстве, Вы, облегчитель моего существования, которому я каждый день мысленно говорю спасибо! —
Напоследок во мне, наряду с Вашим миланским планом и отнюдь не в противоречии с ним, еще раз возникла мысль, что если бы Ваше произведение было посвящено королеве Маргарите, это вызвало бы меньше ревности у итальянцев, которая при воспоминании об их Чимарозе очень легко могла бы у них возникнуть. В этот век националистического безумия! —
М. фон Мейзенбуг и графиня Дёнхофф очень хотят, чтобы я приехал в Рим и прочел несколько лекций. Но я далек от этого. Однако, что касается Вас, и если я могу быть Вам этим полезен, я мог бы решиться на поездку в Рим.
Кстати, вчера из Валломброзы ко мне сюда прибыли фиалки: в знак того, как далеко продвинулась природа даже там (950 м). Нет ли у Вас возможности сообщить мне что-нибудь о Ланцки? (Еврей? И кто такой музыкант Видман?)
Между прочим, ко всему этому «сопутствующему»: есть ли в Венеции хорошая библиотека, в том числе для немецких книг, особенно по истории? —
Мой «Заратустра» продвигается медленно, медленно — кто знает, не стоят ли снова у него на пути 500 000 сборников псалмов!
На последних листах Вас ждут еще некоторые сюрпризы. Черт знает! — ну, после того как я настолько нарушил свое молчание, я обязан «большему», какой-то «философии будущего» — включая «дионисийские танцы», «книги дураков» и прочую чертовщину. — Надо еще жить дальше!!! Что Вы думаете? —
На самом деле Шопенгауэр испортил пессимизм —; он был слишком узок для всего этого великолепного отрицания. —
Со ста добрыми пожеланиями
Ваш Н.
(Не работайте слишком много!)
Когда Вы могли бы приехать в Милан? (Партитура не обязательно должна быть готова!) — Вихман, не Видман! иначе в Риме.
496. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Уважаемый господин,
я не уверен, достаточно ли я исправил в 2 местах последние корректурные листы, и прошу в этих местах еще раз проверить. на стр. 68, строка 10 снизу, должно быть: meine reichste Gabe
на стр. 103, строка 8 сверху, должно быть: und „Umfang der Umfange“ und „Nabelschnur der Zeit“ und „azurne Glocke“.
Наконец, я прошу поторопиться с завершением печати — я жду здесь уже слишком долго готовности этой маленькой книги в 7 ½ листов! Как только первые 5 экземпляров будут у меня в руках, я уезжаю: я настоятельно прошу, чтобы это произошло скоро!
Преданный Вам д-р Ницше
497. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой старый друг Овербек, дело нашего венецианского маэстро больше не стоит на тех основаниях, что были в последнем письме, которое я тебе послал: тогдашний план был отговорен ему экспертами: — теперь он хочет связаться с издательством Lucca в Милане, совсем в том духе, как это делают итальянские оперные композиторы, чтобы поставить свое произведение. Все подробности пусть тебе укажет прилагаемое письмо; в котором также стоят чрезвычайно привлекательные слова о его концепции «Навсикаи». У него есть глубина и сила, наш друг — и он может, судя по его здоровью, ставить перед собой далекие цели.
Твое замечание о том, что ты стал «значительно худее», заставило меня осознать, что совершенно то же самое произошло и в отношении моей телесности. Мы — слишком много работаем: в этом, вероятно, кроется причина, почему наш механизм должен иметь свой периодический сбой. Мне на днях пришло в голову, что за три года я сделал «Утреннюю зарю», «Веселую науку» и «Заратустру»: принимая во внимание, что эта литература относится к понятию «мясной экстракт Либиха», я не должен досадовать на свое «здоровье» — скорее удивляться! И точно так же обстоит дело с твоим огромным трудолюбием.
Ниццу я держу в уме: это климатически моя «земля обетованная». Только здесь нужно хорошо питаться, а не жить à la Cornaro.
Где я буду в ближайшее время, я сегодня еще не знаю: издательские дела заставляют меня еще немного задержаться здесь, где стало уже слишком светло для моих глаз. (К слову: моя полуслепота принесла мне здесь много сочувствия и даже письменные и устные предложения помощи. Дела плохи.)
Тебе и твоей дорогой жене заверения в моей верной дружбе.
Ф.Н.
У меня больше нет бланков квитанций — или я не знаю, где их найти. Прошу прощения!
498. An Malwida von Meysenbug in Rom
Моя глубокоуважаемая подруга,
из самой глубины работы — слово! И этим, в сущности, уже всё сказано: моё извинение за то, что не писал, не приходил и за всё то, что я ещё могу иметь на сердце в качестве «вины» перед Вами. —
Ницца — это, самым примечательным образом, первое место, которое идет на пользу моей голове (и даже моим глазам!); и я досадую, что пришел к этому пониманию так поздно. Что мне нужно, во-первых, во-вторых и в-третьих: это ясность неба и солнечный свет без единого облачка, не говоря уже о сирокко, моем злейшем враге. В Ницце в среднем 210 таких дней в году, как мне нужно: под этим небом я намерен продвигать дело всей моей жизни, самое тяжелое и требующее самоотречения дело, какое только может выбрать себе смертный. — У меня нет никого, кто знал бы об этом: никого, кого я считал бы достаточно сильным, чтобы мне помочь. Такова форма моей человечности — жить, храня глубокое молчание о моих последних замыслах; к тому же это вопрос благоразумия и самосохранения. Кто бы не убежал от меня! — если бы узнал, какие обязанности вытекают из моего образа мыслей. Даже Вы! Даже Вы, моя глубокоуважаемая подруга! — Одного я бы сломил, другого погубил: оставьте же меня в моем одиночестве!!!
— То, что в последние годы я испытал всякого рода низость и что почти каждый, включая в том числе мою мать и сестру, бросал пригоршни грязи в мой характер, — это я не ставлю слишком высоко: хотя, поскольку это произошло разом, это едва не лишило меня рассудка. В конечном счете, было глупостью с моей стороны выйти «к людям»: я ведь должен был заранее знать, что меня там ждет.
Но главное вот в чем: у меня на душе есть вещи, которые в сто раз тяжелее нести, чем la bêtise humaine. Возможно, что для всех грядущих людей я — рок, тот самый рок, — и, следовательно, очень возможно, что однажды я стану нем из любви к людям!!!
На днях я листал Шопенгауэра — ах, эта bêtise Allemande — как же это мне надоело! Она портит все великие вещи! Даже «пессимизм»! —
Слышали ли Вы, что мой Заратустра готов? (в 3 частях — Вы знаете первую из них) Преддверие к моей философии — построенное для меня, чтобы придать мне мужества. Промолчим об этом. — Ах, как бы мне сейчас была нужна музыка! Как я сожалею, что графини Дёнхофф здесь нет! Испытывал ли когда-нибудь человек такую жажду музыки? —
Будем же храбры и бодры, каждый на своих двух ногах! — Самые сердечные и наилучшие пожелания Вам и любимому благородному существу, которое к моей радости сейчас с Вами!
Ваш друг Ницше.
499. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Мой дорогой друг, сим извещаю вас, быть может, к вашему ужасу, что в течение следующей недели я прибуду в Венецию; мне осталось здесь дождаться лишь денежного перевода. Только что закончен последний печатный лист — какое облегчение! Довольны ли вы, в том числе финалом моей «Симфонии»? (Он перекликается с началом 1-й части: стало быть, circulus, и, надеюсь, не circulus vitiosus). В вашем последнем письме меня многое восхитило: — мы оба сейчас весьма недурно на пути в — «Грецию»! Не правда ли? Также доставил мне такое удовольствие ваш подлинный артистский жаргон, на котором вы говорили о своей музыке: так говорят все французские артисты, как выдающиеся, так и нет. Но чтобы немцу так говорить, нужно быть почти что — —! и т. д. До свидания! От всего сердца
Н.
Адрес: Genova, poste restante.
500. An Resa von Schirnhofer in Genua
Приходите же, моя почтенная барышня! И попробуйте дом, в котором я сейчас живу. — Вы найдете его заслуживающим доверия и по-швейцарски добропорядочным. Он постепенно довольно сильно опустел, зимние птицы улетают.
Что касается меня самого, то вы выбрали самый благоприятный момент. Вчера был отправлен последний корректурный лист моей последней части «Заратустры» — теперь я свободен, свободнее, пожалуй, чем когда-либо был, и к любому «otium cum dignitate» чрезвычайно готов.
Итак — я покажу вам Ниццу, а также, насколько это возможно, самого себя, раз уж вы непременно хотите «познакомиться» со старым отшельником. Впрочем! У каждого отшельника есть своя пещера, а именно внутри него самого, а иногда за этой пещерой еще одна пещера и еще одна — я хотел сказать, что трудно познакомиться с отшельником.
Предположим, что вы 3-го апреля выезжаете утренним скорым поездом из Генуи: тогда около полудня вы будете в Ницце и найдете меня на вокзале, готового служить вам и узнаваемого по большим усам и письму, которое я буду держать в руке.
Это можно считать условленным. Только в том случае, если вам это не подойдет, я бы попросил вас написать мне еще строчку заранее.
Пожалуйста, будьте любезны и перед отъездом еще раз спросите на почте в Генуе, нет ли там писем до востребования для меня! Этот старый город Колумба был для меня своего рода родиной: мне приятно знать, что вы там будете.
Ваш покорнейший д-р Фр. Ницше
501. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Только что полученное письмо, которое сулит мне длительный визит, начиная с 3-го апреля, вынуждает меня, к моему глубочайшему сожалению, отозвать свою открытку. Мой адрес, таким образом, остается прежним.
Искренне Ваш
Ницше.
502. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин,
полученное мною тем временем письмо вынуждает меня остаться здесь, в Ницце, еще на несколько дней. Прошу Вас поэтому незамедлительно выслать сюда первые пять экземпляров «Заратустры».
С глубоким почтением
Ваш
покорнейший
проф. д-р Ницше
503. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Мой дорогой друг, в прошлый раз я забыл попросить тебя прислать мне сюда еще 500 франков. —
Самое новое заключается в том, что возникают большие опасения по поводу моего издателя. Ты знаешь, что до 1 апреля он должен был вернуть моей матери деньги, которые у него хранятся. Но теперь! Впрочем, об этом в другой раз. —
Проклятый антисемитизм портит мне все расчеты на финансовую независимость, учеников, новых друзей, влияние; он поссорил Р<ихарда> В<агнера> и меня, он стал причиной радикального разрыва между мной и моей сестрой и т.д. и т.д. и т.д. О, горе! О, горе!
Я узнал здесь, как сильно меня в Вене упрекают за такого издателя. —
504. An Franz Overbeck in Basel
Сердечное спасибо, мой дорогой друг! Твой намек насчет Мицкевича тоже пришел вовремя: мне стыдно, что я так мало знаю о поляках (которые, в конечном счете, все же мои «предки»!) — как бы я хотел встретить поэта, который принадлежал бы к Шопену и был бы мне так же приятен, как Шопен! — О Липинере я недавно слышал еще кое-что весьма точное: внешне «сделанный человек» — но в остальном типичная форма нынешнего «обскурантизма», крестился, антисемит, набожный (он недавно самым враждебным образом нападал на Готфрида Келлера и обвинял его в «недостатке истинного христианства и веры»!) Липинер, говорят, губит всех молодых людей, на которых имеет влияние — он толкает их к «мистике» и заставляет презирать научное мышление. Человек с массой весьма «практических» побочных целей, который использует «знамения времени» в своих интересах. Мои сведения исходят от одного венского естествоиспытателя, который знает его с детства. —
О поведении Шмайцнера я ничего нового не знаю. Это дело мне крайне неприятно, ибо я полагал, что у меня есть хорошая возможность оказать моей матери реальную услугу и тем самым улучшить что-то между нами: как вдруг мне опять подставляет ножку антисемитство!!
Время уже совсем близко, когда я покину Ниццу: я хочу дождаться первых экземпляров моего Зарату<стры>. Надеюсь, они придут: но возможна опять такая же многомесячная клаузура, как в прошлом году. Я ожидаю, между нами говоря, банкротства Шмайцнера. Куда же попадут наши книги!
На следующую зиму я уже довольно спокоен; возможно, тот же дом и та же комната. Может быть, мне удастся основать здесь общество, в котором я не буду совсем уж «скрытым». Климат провансальского побережья удивительным образом подходит моей натуре; я мог бы сочинить заключительную рифму к моему Заратустре только на этом берегу, на родине «gaya scienza». Ланцки (поэт, кстати) уже решил приехать; я хотел бы уговорить Кёзелица. Может быть, даже д-р Ре и фрейлейн Саломе, перед которыми я хотел бы искупить кое-что из того, что моя сестра сделала дурно. Я слышал теперь снова о них обоих; и приятное (они в Меране). От фрейлейн С<аломе> должно этой весной выйти что-то «о религиозных аффектах» — эту тему я открыл в ней, меня чрезвычайно радует, что мои таутенбургские усилия все же приносят плоды.
Мое общение этой зимой было продиктовано гостями дома, в котором я живу. Старый прусский генерал с дочерью, во всех практических делах мой советчик; старая американская пасторша, которая ежедневно переводила мне около 2 часов с английского; с недавних пор Альберт Кёхлин и его жена <Лёррах> вели себя со мной чрезвычайно любезно. Как раз сейчас у меня гостит, примерно на 10 дней, студентка из Цюриха, что ты найдешь забавным — мне это идет на пользу, это немного успокаивает меня после внутренних «больших волн» последних месяцев. Она дружит с — Ирмой фон Реньер-Блейлебен; и между ней и фрейлейн Саломе, кажется, существует взаимное почитание; она также очень близка с графиней Дёнхофф и ее матерью, конечно, и с Мальвидой: так что есть достаточно общих персоналий. Вчера мы вместе посетили испанскую корриду. —
Боже! Я теперь получаю довольно милый род писем — этот стиль почитания внес в немецкую молодежь Р<ихард> Вагнер: и уже начинается то, что я давно предсказывал, что во многих отношениях я буду наследником Р<ихарда> В<агнера>’а. —
Последние месяцы я занимался «всемирной историей», с восторгом, хотя и с некоторыми ужасными результатами. Показывал ли я тебе когда-нибудь письмо Якоба Буркхардта, который ткнул меня носом во «всемирную историю»? Если я приеду летом в Зильс-Марию, то хочу провести ревизию моих метафизических и гносеологических взглядов. Я должен теперь шаг за шагом пройти через целый ряд дисциплин, ибо я решил отныне посвятить следующие пять лет разработке моей «философии», для которой я, через моего Заратустру, построил притвор.
При перечитывании «Утренней зари» и «Веселой науки» я, кстати, обнаружил, что там почти нет ни одной строки, которая не могла бы служить введением, подготовкой и комментарием к названному Заратустре. Это факт, что я сделал комментарий раньше текста — — Как дела у Эмерсона и твоей почтенной супруги?
Твой друг Н.
Ты ничего не пишешь о своем здоровье?
505. An Franz Overbeck in Basel
Ура, старый добрый друг Овербек, вот первый экземпляр последнего Заратустры — он по справедливости принадлежит Тебе! В нем заключена мысль, совершенно чудовищная мысль, ради которой я должен прожить еще довольно долго. Но что до меня! Главное — ну, ты сам себе скажешь!
Твой Ницше.
506. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)
Я приду сегодня вечером в семь.
Ницше.
506a. An Paul Lanzky in Florenz (Entwurf)
Но, мой дорогой господин Ланцки, зачем вы мне это пишете? Хотите раздражить меня, чтобы я сказал больше, чем мне хочется? — — Или я должен опуститься до абсурдной роли, будучи вынужденным объяснять своего Заратустру (или его зверей)? Для этого, я думаю, когда-нибудь найдутся кафедры и профессора. Пока же еще далеко не время для Заратустры — и я удивлюсь, если за остаток моей жизни мне встретятся пять-шесть человек, у которых есть глаза для моих целей. «Пока же» — это значит, пока еще существуют все эти Allemanderies и niaiseries о «да и нет воле к жизни» — — —
Заметьте же: я хотел себя воодушевить этим сверхчеловеческим образом.
Все же люди, имеющие в себе какой-либо героический импульс к своей собственной цели, почерпнут огромную силу из моего Заратустры.
Что мне делать с теми, у кого нет цели! Мой главный рецепт, замечу мимоходом, в отношении таких — самоубийство. Но оно обычно не удается из-за отсутствия дисциплины. Тогда я рекомендую для подготовки улучшенную диету (энергичную мясную пищу и ничего из проклятых итальянских paste secche) и ежедневные 5–8 часов бодрого марша на свежем воздухе. Также полезно стать солдатом.
Хотите убедить меня в том, что я и так слишком хорошо знаю, — что самая тяжелая и глубокая из всех книг всех времен должна быть и понята тяжелее и глубже всего?
— — — разве этого не достаточно?
Итак, сударь! Теперь я хочу выпустить пар.
Вы являетесь свидетелем возникновения самой возвышенной и многообещающей из всех когда-либо написанных книг, — вы имеете честь жить в эпоху этой книги: и что же? в вас нет ничего, что благословляло бы бытие за то, что такие вещи могут возникать? И вам нечего мне подарить, нечего обещать? Нечего поклясться и обещать самому себе или какому-нибудь героическому гению одиноких решений? Вы даже не выбросили из головы Allemanderies и niaiseries сегодняшнего унылого сброда, который ищет оправдательные фразы для своей слабовольности!
Как? Вы «не видите моих целей»? Хорошо; что же тут удивительного? Но разве моя вина, если у вас нет моих глаз в голове? Разве это цели для каждого? Что вам — делать с моими целями? Что с «жизнью»? Я хотел услышать о целях Вашей жизни! Если бы они у вас были, вы могли бы, возможно, стать инструментом моей. Прочь от меня, господин Нескромный! Gardez votre distance, monsieur!
507. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг Овербек,
в сущности, ведь это очень хорошо, что мы не стали чужими друг другу за последние годы, и даже, как кажется, благодаря «Заратустре» — тоже. Что к сорока годам я буду очень одинок — насчет этого я никогда не питал иллюзий; и я также знаю, что многое дурное против меня еще в пути — я вскоре узнаю, как дорого приходится платить за то, что — пользуясь глупым и ложным языком ambitiosi — «тянешься к высочайшим коронам».
Тем временем я хочу хорошо использовать и эксплуатировать завоеванное мною положение: я сейчас, с большой вероятностью, самый независимый человек в Европе. Мои цели и задачи обширнее, чем у кого-либо другого — и то, что я называю большой политикой, дает по меньшей мере хорошую позицию и взгляд с высоты птичьего полета на нынешние вещи.
Что касается всей практики жизни, то я прошу тебя, верный и испытанный друг, впредь хранить для меня лишь одну вещь, а именно — величайшую независимость и свободу от личных соображений. Я думаю, ты знаешь, что именно в отношении меня хочет сказать предостережение Заратустры «Стань твердым!». Мое стремление воздавать справедливость каждому отдельному человеку и, в сущности, обращаться как раз с тем, что наиболее враждебно мне, с величайшей мягкостью, чрезмерно развито и несет опасность за опасностью не только для меня, но и для моей задачи: здесь необходима закалка и, ради воспитания, случайная жестокость.
Прости! Не всегда звучит хорошо, когда говоришь о самом себе, да и пахнет не всегда хорошо.
Со своим здоровьем я, кажется, миновал кризис. Зимы я буду жить в Ницце, для лета мне нужен город с большой библиотекой, где я мог бы жить инкогнито (я думал о Штутгарте, что ты скажешь?)
В этом году я все еще думаю снова поехать в Зильс-Марию, где стоит моя корзина с книгами — при условии, что я сумею защититься от назойливости моей сестры лучше, чем в прошлом году. Она действительно стала весьма злобной особой; письмо, полное ядовитейших подозрений в адрес моего характера, которое я получил от нее в январе, — милое дополнение к письму фрау Ре — дало мне теперь достаточную ясность: она должна уехать в Парагвай. Я сам хочу прервать общение со всеми людьми, которые держат сторону моей сестры: я больше не терплю ничего «наполовину» в отношении себя.
Здесь я в доме Кёзелица, в тишине Венеции, и слушаю музыку, которая во многом сама является своего рода идеализированной Венецией. Однако он делает успехи в сторону более мужественного искусства: новая увертюра к «matrimonio» светлая, строгая и пламенная.
Твой друг Н.
508. An Malwida von Meysenbug in Rom (Entwurf)
Что касается фройляйн Л<ou>, то я очень хочу быть ей хоть чем-то полезным, после того как до сих пор фактически (благодаря рвению моих родных) причинил ей очень много вреда — вопреки желанию моего сердца, разумеется.
509. An Malwida von Meysenbug in Rom
Тем временем, моя глубокоуважаемая подруга, надеюсь, две последние части моего «Заратустры» попали к Вам в руки: по меньшей мере, я уже давно дал соответствующее распоряжение своему издателю. Это не подарок, за который следовало бы просто так благодарить — я требую переучивания в отношении самых дорогих и почитаемых чувств, и даже большего, чем просто переучивание! Кто знает, сколько поколений должно смениться, чтобы породить нескольких людей, которые во всей глубине прочувствуют, что я совершил! И даже сама эта мысль внушает мне ужас: какие неправомочные и совершенно неподходящие люди когда-нибудь станут ссылаться на мой авторитет. Но в этом и заключается мука каждого великого учителя человечества: он знает, что при определенных обстоятельствах и случайностях он может стать для человечества как роком, так и благословением.
Что ж, я сам хочу сделать всё, чтобы, по крайней мере, не способствовать никакому слишком грубому недопониманию; и теперь, построив этот преддверие моей философии, я должен снова взяться за дело и не уставать, пока и главное здание не предстанет передо мной готовым. Люди, понимающие только язык амбиций, могут говорить обо мне, что я тянусь к высшей короне, которую только может даровать человечество. Что ж! —
Но это одиночество, и с самых детских лет! Эта замкнутость даже в самом доверительном общении! Ко мне уже совсем не подступиться, даже с помощью благодеяний.
Недавно, когда меня в Ницце посетила фрейлейн Ширнхофер, я часто вспоминал Вас с большой благодарностью, ибо догадался, что Вы хотели сделать мне этим добро: и действительно, это был визит в нужное время, который прошел весело и полезно (тем более что не было никакой мешающей воображаемой гусыни — пардон! я имел в виду свою сестру). В главном же я не верю, что может существовать человек, который избавил бы меня от этого укоренившегося чувства одиночества. Я еще не нашел никого, с кем мог бы говорить так, как говорю с самим собой. — Прошу прощения за этот род самопризнания, моя уважаемая подруга!
Две вещи я хотел бы знать точно; во-первых, где Вы проводите это лето. Во-вторых, мне нужен адрес Листа, его римский адрес (не для меня).
Я злюсь на то бесчеловечное письмо, которое я отправил Вам прошлым летом; я был доведен до болезни этой невыразимо гнусной травлей. Тем временем положение изменилось настолько, что я радикально порвал со своей сестрой: ради всего святого, не думайте о том, чтобы пытаться там посредничать и примирять — между мстительной антисемитской гусыней и мной нет никакого примирения. В остальном я проявляю всяческую снисходительность, потому что знаю, что можно сказать в оправдание моей сестры и что стоит на заднем плане её столь постыдного и недостойного для меня поведения: — любовь. Совершенно необходимо, чтобы она как можно скорее отплыла в Парагвай —. Позже, гораздо позже она сама придет к пониманию того, как сильно она навредила мне в самую решающую эпоху моей жизни этими непрерывными грязными подозрениями в адрес моего характера (эта история длится уже 2 года!). Наконец, на меня ложится очень неприятная задача — хоть как-то исправить перед доктором Ре и фрейлейн Саломе то, что натворила моя сестра (у фрейлейн С. скоро должна выйти её первая книга: «О религиозном аффекте» — та же тема, для которой я открыл её необычайную одаренность и опыт в Таутенбурге — я счастлив, что не совсем напрасно так старался тогда). Моя сестра сводит столь богатое и оригинальное создание к «лжи и чувственности» — она не видит в докторе Ре и в ней ничего, кроме двух «негодяев»; — против этого, конечно, возмущается мое чувство справедливости, какими бы вескими причинами я ни обладал, чтобы считать себя глубоко оскорбленным обоими. Для меня было очень поучительно, что моя сестра в конце концов поступила по отношению ко мне самому точно так же слепо-подозрительно, как и по отношению к фрейлейн С.; только тогда я осознал, что всё плохое, что я думал о фрейлейн С., восходит к тем раздорам, которые были до моего близкого знакомства с фрейлейн С.: как много, должно быть, моя сестра поняла превратно и наслушалась! Ей не хватает всякого знания людей; упаси её небо от того, чтобы кто-нибудь из врагов доктора Фёрстера начал говорить при ней о нем!
Еще раз прошу прощения за то, что снова завел речь об этой старой истории! Это лишь для того, чтобы сказать Вам, чтобы Вы ни в коем случае не позволяли влиять на Ваши собственные чувства тому отвратительному письму, которое я написал Вам прошлым летом. Выдающиеся люди, такие как фрейлейн Саломе, заслуживают, особенно в таком юном возрасте, всякой снисходительности и сострадания. И даже если я, по разным причинам, еще не в состоянии желать её нового сближения со мной, я всё же хочу, в том случае, если её положение станет плохим и отчаянным, отбросить все собственные личные соображения. Я теперь слишком хорошо понимаю, благодаря многократному опыту, как легко моя собственная жизнь и судьба могли бы попасть в точно такую же дурную славу, как и её — заслуженно и незаслуженно, как это всегда бывает с такими натурами. —
Сердечно преданный Вам
и благодарный
Ницше.
510. An Resa von Schimhofer in Zürich
Моя дорогая фрейлейн Реза,
— это имя дается мне совсем нелегко, даже мое перо спотыкается на нем.
Меня сердит, что из Ниццы вы привезли простуду (вместо того чтобы согреться). В следующий раз мы должны сделать это лучше. Разве невозможно зарезервировать следующую зиму для Ниццы и работы над диссертацией?
— Обдумайте это! —
Что касается тем для прекрасных диссертаций, то моя «Утренняя заря» — хороший кладезь. Пожалуйста, прочтите ее, а также «Веселую науку» — обе книги, кроме того, являются введениями и комментариями к моему Заратустре.
Я только что писал Мальвиде; в последней части, проповедуя «возвращение к гуманности» в отношении — — фрейлейн Саломе. — Если вы услышите что-нибудь о ее литературном предприятии, расскажите мне. Нужно быть весьма гуманным ко всякого рода гениям, даже — если это бабенки. Пардон! Но я ведь знаю, что вы сами думаете по этому поводу.
Искренне ваш
Ницше
Венеция, Сан-Канчано, новая улица 5256.
511. An Josef Paneth in Wien
Дорогой господин доктор,
Прежде всего — мои поздравления! Но, быть может, Вам сейчас настолько хорошо, что «большего и желать нельзя» —: тем лучше! И тем больше это будет соответствовать моим пожеланиям для Вас!
Мой издатель уже давно получил поручение доставить Вам последнюю часть моего «Заратустры». Считайте меня отныне тем, кто развернул свое знамя и не оставляет больше никаких сомнений относительно себя. —
Однако заметьте: моему труду нужно время —, и я вовсе не хочу, чтобы меня путали с тем, что нынешнее время должно решить как свою задачу. Пятьдесят лет спустя, быть может, у некоторых (или у одного: — для этого потребовался бы гений!) откроются глаза на то, что мною совершено. В настоящий же момент не только трудно, но и совершенно невозможно (согласно законам «перспективы») говорить обо мне публично, не оставаясь при этом безгранично позади истины. — —
Итак! — мой дорогой господин д-р Панет, я не хочу, чтобы обо мне «писали» уже сейчас.
Сохраните добрую память обо мне и наших беседах на провансальской Ривьере (родине «gaya scienza» —)!
Ваш
Ницше.
Венеция, Сан-Канчано, калле нуова 5256
512. An Malwida von Meysenbug in Rom
Мой глубокоуважаемый друг,
Благодарю от всего сердца за это письмо, из которого мне навстречу сияла светлая и добрая душа —: я смеялся, когда прочел его, и почувствовал себя свободнее.
Единственное слово в качестве комментария. Вы называете меня «несправедливым» по отношению к моей сестре, подобно тому как два года назад вы называли меня «несправедливым» по отношению к Рихарду Вагнеру. В обоих случаях вы знаете лишь — я должен сказать, к счастью — лишь половину положения дел — и я далек, бесконечно далек от того, чтобы раскрыть остальное, другую половину, перед вашими глазами. Но поверьте мне в следующем: если вообще на земле существуют люди с глубочайшей и непреодолимейшей потребностью в справедливости, то я принадлежу к их числу. Особенно если меня оскорбили. Моя жизнь содержит даже несколько абсурдов вследствие склонности сохранять себя возвышенным над возможностью быть оскорбленным. Возможно, именно ваше письмо уберегло меня от подобного абсурда — —
При любых обстоятельствах я чувствую оскорбление, нанесенное вам, в сто раз сильнее, чем то, которое касается только меня.
Теперь еще одно забавное различие между нами. А именно: то, что мне в Рее, а позднее, в свою очередь, в фрейлейн С<аломе> было интересно, да что там, крайне притягательно, — это целиком и полностью их «чудовищный образ мыслей». По сути, до сих пор это были единственные два персонажа, которых я находил свободными от того, что я, применительно к старой доброй Европе, привык называть «моральным тартюфством». Вы не поверите, как много я умею учиться в общении с такими натурами — и как мне их не хватает. Однажды в Таутенбурге я назвал фрейлейн С<аломе> своим «анатомическим препаратом» — и мой гнев против сестры будет иметь в себе нечто от гнева профессора Шиффа, у которого украли его любимую собаку. Поймите же, мой глубокоуважаемый друг, я тоже злой, злой вивисектор — —
От всего сердца
Ваш
Ницше.
513. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг
мой последний ответ обеспокоил тебя больше, чем мне хотелось бы: я вообще пишу очень глупые письма. — С делом моих родственников я должен покончить — я уже 2 года истощаю себя в самых доброжелательных попытках всё уладить и успокоить, но тщетно. Насколько я знаю эту историю, подобного рода несоответствие у людей моего круга — вещь обычная. Плохо лишь то, что я теперь понимаю — наконец-то! должен я сказать — как почти все мои остальные существующие отношения страдают от неисправимого коренного изъяна и стали абсурдными. — Но в конечном счете моя подлинная нужда лежит в другом, а не в осознании этой абсурдности: нужда столь великая и глубокая, что я постоянно спрашиваю себя, страдал ли когда-либо человек так, как я. Да кто поймет меня, что значит чувствовать каждой фиброй своего существа, что «веса всех вещей должны быть определены заново!» То, что из этого для меня в мгновение ока может вырасти и всякая телесная опасность, тюрьма и тому подобное, — это самое малое; или, вернее, мне было бы даже легче, если бы дело зашло так далеко. Я требую от себя так много, что становлюсь неблагодарным по отношению к лучшему из того, что я уже сделал; и если я не доведу дело до того, что целые тысячелетия будут приносить обеты моему имени, то в собственных глазах я ничего не достиг. Пока что — у меня нет еще ни одного ученика.
Вперед! Поговорим о других вещах.
Было самое время отправиться в Венецию; ибо нашего маэстро трудно сдвинуть с места, и он в сущности полагает, что с написанием нескольких партитур всё сделано. Он почти не задумывается об исполнении и сценичности; и задним числом я вижу, каким важным делом было то, что я вызвал его в позапрошлую осень в Лейпциг — хотя поначалу казалось, что это было напрасно. Но это было не напрасно: в противном случае он еще 2 года писал бы невозможную музыку. То, что его «план» с миланской фирмой Lucca был столь же непрактичен, как и его венецианский, я доказал ему немедленно: посредством письменного безусловного отказа! этой фирмы. Равно как и то, что его музыка вообще пока невозможна для итальянцев и, сверх того, оскорбила бы их пиетет к своему Чимарозе. Короче говоря, произошла революция во всех возможных вещах, включая текст, финалы и многие вопросы формы, относящиеся к воздействию. Чтобы подытожить результат, взгляни-ка на эту театральную афишу
Венецианский лев.
Комическая опера в пяти актах Петера Гаста.
Предполагаемая премьера в Дрездене около Рождества. — Разве я не хорошо это устроил?
Впрочем, всё в главном обстоит превосходно, даже на удивление хорошо: я имею в виду развитие его сил; и если он шаг за шагом будет очищаться от остатков мелкого вкуса, саксонско-китайской гипертрофии добродушия и тому подобного, то мы еще станем свидетелями возникновения новой классической музыки, которая может позволить себе вызывать духов греческих героев. Пока что он своим упомянутым произведением воздвиг памятник Венеции; и возможно, что 20 чарующих мелодий из него однажды срастутся со словом и понятием «Венеция». — У меня здесь прекрасная возможность проповедовать свою эстетическую мораль, и, право же, не перед глухими ушами! Нужно отделить великое дело Р<ихарда> В<агнера> от его личных, превращенных в принципы недостатков: в этом смысле я охотно готов приложить руку к его творению и задним числом доказать, что мы сошлись не только благодаря «случайностям». Твое слово о «мистическом сепаратисте» я принимаю с радостью: я недавно говорил Кёзелицу, что никакой «немецкой культуры» не существует и никогда не существовало — за исключением мистических отшельников, при этом Бетховена и Гёте я очень даже учитываю! —
Твой и ваш друг
Ницше
514. An Heinrich von Stein in Berlin
Мой дорогой господин доктор,
Эти стихотворения Джордано Бруно — подарок, за который я Вам от всего сердца благодарен. Я позволил себе присвоить их, как если бы я сам их создал и для себя — и «принял» их как укрепляющие капли. О, если бы Вы знали, как редко еще что-то укрепляющее приходит ко мне извне! Два года назад я с некоторой яростью говорил о том, что такое событие, как «Парсифаль», должно было пройти мимо меня, именно мимо меня; и даже сейчас, когда я знаю еще одну причину поехать в Байройт — а именно Вы, мой дорогой господин доктор, который принадлежит к числу моих великих «надежд», — даже сейчас я сомневаюсь, могу ли я туда поехать. А именно: закон, который надо мной, моя задача, не оставляет мне на это времени. Мой сын Заратустра, возможно, открыл Вам, что движет мною; и если я добьюсь от себя всего, чего хочу, то умру с сознанием того, что грядущие тысячелетия будут приносить свои высшие обеты моему имени.
Прошу прощения! — Есть вещи настолько серьезные, что, прежде чем говорить о них, следует попросить прощения. —
Напоследок я все же хотел бы узнать, когда будут представления, когда Вы сами приедете в Байройт и не были бы Вы, возможно, склонны навестить меня в Верхнем Энгадине (Зильс-Мария): — ведь там у меня уже много лет моя «летняя резиденция» (комната в крестьянском доме).
От всего сердца Ваш
Ницше
515. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
будь добр, адресуй прилагаемое письмо моей матери в Наумбург, а также оплати почтовый сбор. Мне уже около 2 месяцев не удается передать ей письмо; почта не может дать никаких разъяснений по поводу этого постоянно повторяющегося исчезновения правильно адресованных писем и открыток. В конце концов, у меня возникло подозрение, которое я не хочу высказывать вслух. —
Кёзелиц примерно через 2 недели отправится в Германию, чтобы представить свою оперу дрезденскому капельмейстеру, с которым он связан еще с давних пор. Будем счастливы, когда это произойдет! Дело тогда уже само пойдет своим чередом.
Если увидишь Якоба Буркхардта, передай ему привет и спроси, находится ли «Заратустра» у него в руках.
В Риме появился новый последователь, наполовину француз, наполовину итальянец, наполовину немец: его зовут Арагон.
Сердечно приветствую,
Твой Ницше.
516. An Malwida von Meysenbug in Rom
Моя глубокоуважаемая подруга,
Простите, если я всё ещё испытываю довольно много недоверия в отношении господина А<ragon>. Без Вашего заступничества и судя исключительно по присланному письму, я был бы даже склонен предположить необычайную меру нескромности и юношеской самоуверенности.
Говоря совсем в общем — сейчас стало крайне трудно помочь мне; я всё больше считаю маловероятным встретить людей, которые были бы на это способны. Почти во всех случаях, когда я до сих пор питал подобные надежды, оказывалось, что именно я должен был помогать и брать на себя инициативу —: но на это у меня теперь нет времени. Моя задача огромна; но моя решимость не меньше. То, чего я хочу, мой сын Заратустра, конечно, Вам не скажет, но предложит догадаться; возможно, это можно угадать. И несомненно одно: я хочу подтолкнуть человечество к решениям, которые определят всё человеческое будущее, и может случиться так, что когда-нибудь целые тысячелетия будут приносить свои высшие обеты во имя моё. — Под «учеником» я бы понимал человека, который дал бы мне безусловный обет —, а для этого потребовался бы долгий испытательный срок и суровые испытания. В остальном я переношу одиночество: в то время как каждая попытка последних лет снова выдержать пребывание среди людей делала меня больным. —
С газетами, даже самыми благонамеренными, я не могу и не должен иметь дела: — покушение на всю современную прессу входит в круг моих будущих задач. —
Мне всегда жаль говорить Нет, и особенно Вам, моя глубокоуважаемая подруга! Ведь в конечном счёте мы оба созданы для того, чтобы говорить Да, не так ли? —
С самыми благодарными чувствами, всегда Ваш
Ницше.
517. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
в эти дни я уезжаю отсюда, и так как я поставил себе целью на ближайшие 3 месяца пересмотр самых тонких вещей (проблем теории познания), то прошу извинить меня, если в течение этого времени я буду хранить полное молчание и не желаю получать писем ни от кого.
Чтобы твое настроение от этого не омрачилось, я только что написал несколько строк моей сестре.
Постарайтесь вместе как-нибудь еще некоторое время потерпеть меня.
Ф.
518. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
до сих пор дела шли плохо (всё время болел) — я уже написал два письма тебе, но, к счастью, не отправил их. Эта влажно-теплая облачная погода здесь, наверху, не для меня; по всей вероятности, я поеду еще в Энгадин или в Цюрих.
Из Люцерна я, как ты советовал, написал матери. —
У меня с собой мой утешитель и советчик — мой сын Заратустра. Когда поедешь в отпуск, возьми его с собой: я хотел бы, чтобы ты тоже убедился, что этим книгой я преодолел всё, что когда-либо было сказано словами, и что это еще даже не самая большая ее заслуга.
Базель, или, вернее, моя попытка общаться с базельцами и университетом по-старому, как прежде, — глубоко истощила меня. Такая роль и маскировка теперь стоят моему самолюбию слишком дорого.
Тысячу раз лучше одиночество! И если придется, погибнуть в одиночку! —
Мысль, которую я высказал тебе в «Белом кресте», — как бы объясниться перед «моими друзьями» посредством своего рода совершенно личного послания — была лишь внушением базельского воздуха, мыслью уныния. Ни слова больше о себе! С «объяснением себя» я ведь уже покончил в последней части «Веселой науки». Также мысль о лекциях в Ницце — лишь вынужденная идея отчаяния: ибо, в сущности, — как мог бы я сейчас еще читать лекции! — Конечно, как мне пережить ближайшие годы, я не знаю ни входа, ни выхода. Но я уже преодолевал трудности и рассчитываю на то, что мой дух изобретательности и на этот раз не оставит меня. Пока что я пребываю в глубокой, глубокой меланхолии, едва ли могу сказать почему. Может быть, я втайне всегда верил, что в той точке моей жизни, до которой я дошел, я уже не буду один: что я получу там от многих обеты и клятвы, что мне предстоит что-то основать и организовать, и тому подобные мысли, которыми я утешался в периоды ужасного одиночества. Тем временем всё вышло иначе. Всё еще слишком рано, я должен изобрести себе новое терпение. И даже больше, чем терпение. —
Я думаю о тебе и твоей милой жене с благодарным сердцем.
Твой Н.
P.S. Как называется немецкий словарь, который намного меньше словаря Гриммов и уже завершен?
— Тут мне приходит на ум, что в «Белом кресте» осталась моя ночная рубашка. Пожалуйста, пусть кто-нибудь спросит о ней там у горничной! Прошу прощения!
Мужайся! Мужайся! И: aequam memento rebus in arduis servare mentem — взываю я к себе.
Сегодня отъезд отсюда в Цюрих, отель Habis, где я остановлюсь.
519. An Meta von Salis in Zürich (Postkarte).
Милостивая государыня,
допуская, что Вы знаете, кто я, не удивляйтесь, если я пожелаю с Вами познакомиться. Я пробуду несколько дней в Цюрихе, Hôtel Habis: будьте добры, пришлите мне туда весточку о том, когда и где мы могли бы встретиться.
Ваш покорный слуга
Проф. д-р Ницше
Пиора близ Айроло, перед отъездом
520. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Мой старый друг, я прибыл в Зильс-Марию — ах, этот чудесный воздух! Я не могу сделать ничего более глупого, чем подавлять свое здоровье и бодрость духа неблагоприятными климатическими условиями: тому свидетельство мое последнее письмо, на которое ты ответил очень хорошо, а именно — исходя из моих собственных сердечных желаний. Некоторое время теперь снова должно идти! «Прошла печаль этой весны! Прошла злоба моих снежинок в июне!» как говорит З<arathustra>, очень по-энгадински!
Твой Н.
521. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
я забыл на днях попросить тебя дать соответствующий намек библиотечному служителю: «Sils-Maria, Oberengadin» достаточно в качестве адреса. Также я забыл спросить тебя, когда ты собираешься вернуться домой в Базель из отпуска и когда, соответственно, мне ожидать следующую выплату пансиона. Дело в том, что я мучаюсь мыслью, что в этот раз мне не хватит денег до следующего срока. В Валь-Пиоре и Цюрихе с меня содрали ужасно много денег. — Как же я вообще проклинаю «путешествия как таковые»! Они изматывают меня совершенно непонятным для меня образом. — Погода до сих пор была мне противна, и я еще далек от того, чтобы восстановиться. Были дни, которые я едва мог пережить: мои враги, облака —!
С другой стороны, бывают по крайней мере часы, когда я, оглядываясь на 40 лет назад, считаю себя счастливым — конечно, и с множеством «синяков», но все же прошедшим через это. Последствия такой жизни в последние годы «вырвались наружу» — извергаясь во всех отношениях и почти разрушительно. Но это «почти» написано на лбу всей моей жизни — в конечном счете, до сих пор я все же «победитель».
Я по уши в своих проблемах; мое учение о том, что мир добра и зла — лишь мир кажущийся и перспективный, — такое новшество, что у меня порой от этого слух и зрение пропадают.
Но ты, должно быть, поглощен своей работой и уже потратил слишком много времени на своего сумасшедшего друга — я часто думал об этом, и с грустью. Должен был бы найтись кто-то, кто, как говорится, «жил» бы за меня; тогда и тебе, мой дорогой друг, было бы сэкономлено многое.
Вечера, когда я сижу совсем один в тесной низкой комнатке, — это тяжелый кусок, который трудно прожевать.
Тебе и твоей дорогой жене (которой я забыл порекомендовать мемуары герцогини д’Абрантес в дополнение к Ремюза)
сердечно преданный
Н.
522. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
Ваше письмо в чрезвычайно приятной манере дает мне регулятивные понятия, с помощью которых я могу обобщить свой недавний опыт. Дело в том, что я долго был в разъездах и навестил, а также поговорил со многими так называемыми «старыми знакомыми» (я должен был бы сказать: как с «новыми незнакомцами»). Это была глупость, которая во всех отношениях утомляла и изнуряла меня; к тому же лето было жарким, и я все время жил в краях, климат которых для меня вреден. Наконец-то в Зильс-Марии! Наконец-то возвращение к — разуму! А ведь тем временем вокруг меня творилось слишком много неразумного (я был словно среди коров); но то, что я так долго оставался в этих низинах и коровниках, само по себе было величайшей неразумностью. Тот, кому нужны развлечения, какие время от времени нужны таким, как мы, повод посмеяться, злые люди и книги — пусть отправляется куда угодно, но только не в Базель et hoc genus omne.
Самым забавным из того, что я пережил, была неловкость Я<коба> Буркхардта, которому пришлось сказать мне что-то о «Заратустре»: он не смог выдавить из себя ничего, кроме — «не хочу ли я однажды попробовать себя в драме». —
В сумме: по-видимому, останется Зильс и Ницца, если не считать более коротких промежуточных остановок (так, предварительно намечена поездка на Корсику следующей весной из Ниццы, а именно Резой фон Ширнхофер и мной — vivat tertius!) Мы также должны, мой возлюбленный друг, пообещать друг другу увидеться здесь, в священном Зильсе, на родине заратустризма, следующим летом! Есть ли у Вас желание? Осмотр пейзажей в Швейцарии вновь убедил меня в том, что Зильс-Марии нет равных в Швейцарии: удивительное сочетание мягкого, величественного и таинственного! —
Чего же мне не хватает? Того, что я не могу слышать Вашу музыку, того, что я вовсе не знаю, когда и как я снова смогу ее услышать! Ах, счастливые дрезденцы! Моя соседка по столу, лифляндка, живущая в Дрездене, вызывает мою зависть. Фрау Ротплец я написал ad vocem «одиночество» письмо и сказал ей: как же теперь — теперь! — такая музыка, как Ваша, была бы еще возможна, если бы не было изобретено одиночество! Включая одиночество на двоих, как наше в Венеции, за которое я от всего сердца благодарю Вас!
Преданный Вам Н.
Покорнейше прошу передать мой наилучший поклон Вашим почтенным родителям. Н.
523. An Resa von Schimhofer in Zürich
Глубокоуважаемая барышня,
здесь хорошо живется, в этом сильном светлом воздухе, здесь, где природа удивительным образом одновременно мягка, торжественна и таинственна — в сущности, мне нигде не нравится так, как в Зильс-Марии, короче говоря, вы найдете меня снова бодрым и в хорошем настроении, как в Ницце.
Я обдумываю, как вам лучше всего доехать. Необходимо заранее заказать место в купе (Кур — Сильваплана) на почте в Куре, по крайней мере за 8 дней: наплыв большой. Утренняя почта отправляется (если я правильно помню) в 6 часов из Кура и прибывает вечером около 5 часов в Сильваплану, где я вас встречу. Я хотел бы как можно скорее узнать день, в который вы хотите прибыть, чтобы на этот день вам зарезервировали комнату в отеле Alpenrose (где я обедаю): там тоже большой наплыв. Впрочем, посмотрите швейцарское железнодорожное расписание: можно также выехать после обеда из Цюриха и около 11 часов вечера успеть на ночную почту в Куре — в этом случае вы будете в 10 часов утра в Сильваплане. Но это очень утомительно; мне кажется более разумным остаться на ночь в Куре (отель Lukmanier); упомянутый отель находится напротив почты. —
Вот и всё. Я с нетерпением жду вашего приезда. Только что сверкнула молния.
Сердечно преданный Вам
Ницше.
524. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг, вчера вечером пришло Твое письмо, и благодаря ему я принял свою одинокую трапезу с большим удовольствием, чем обычно. Ночью я мало отдыхал, в соседней комнате кто-то умирал, постоянно ходили туда-сюда: врач, священник и т. д. Сегодня идет дождь, как и вчера, мои пальцы онемели, я едва успею написать, что хотел бы получить 200 франков из ремесленного банка для спокойствия. Смогу ли я в сентябре отправиться в юго-западном направлении, зависит от холеры и (7-дневного!) карантина; эта болезнь уже заставила меня ехать в Энгадин через Цюрих, вместо того чтобы ехать через Лугано, что было гораздо ближе. —
«Петеру Гасту» я написал примерно неделю назад, его венецианская музыка утешительно звучит у меня в голове, и я считаю тяжелым самоотречением не быть свидетелем и крестным отцом на постановке его оперы.
Климат суровый, и странное истощение, которым я страдаю (ты не поверишь, как медленно я вынужден идти своей дорогой —), находит в этом резком холоде и терпкости лекарство — по крайней мере, я на это надеюсь.
Перечитывая свою «литературу», которую я теперь снова вижу собранной вместе, я с удовольствием обнаружил, что все сильные импульсы воли, которые в ней выражены, по-прежнему во мне есть, и что в этом отношении нет причин для уныния. Впрочем, я жил так, как сам себе (в частности, в «Шопенгауэре как воспитателе») предписал. Если ты возьмешь «Заратустру» с собой в свободное время, прихвати для сравнения и только что упомянутое сочинение (его ошибка в том, что в нем на самом деле речь идет не о Шопенгауэре, а почти только обо мне — но я сам этого не знал, когда писал его).
Только что пришли красиво упакованные книги.
Желаю всего наилучшего Тебе и Твоей дорогой жене.
Твой Н.
526. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Вчера вечером, моя дорогая мама, пришел ящик из Брауншвейга, сердечно благодарю за эту заботу — ветчина деликатесная. — Здоровье дает немало поводов для беспокойства; такая сильная усталость; раньше я мог ходить совсем иначе. Боль в том месте спины, где я искривлен. С некоторых пор — внезапное потемнение в глазах, так что я прекратил всякую работу. — В остальном Зильс оправдывает себя, и, вероятно, впредь останется Зильс и Ницца. Если бы этим был определен климат, необходимый мне для жизни, то все же многое еще должно приложиться, если я должен выдержать это дольше — я обременен тяжелыми, тягчайшими задачами и обязанностями. Прошлым летом я велел оклеить комнату обоями, в этот раз подумываю о приобретении печи. Нет недостатка в людях, с которыми я могу поговорить, например, с Турнейзен-Мерианами я 3 недели обедал. Здесь есть одна англичанка, которая раньше писала мне. Только что со мной попрощался прусский чиновник патентного ведомства (из окружения Бисмарка) — совершенно потрясенный: (он сказал, что «беседы со мной были самым значительным эпизодом его духовной жизни»); Реза фон Ширнхофер, вероятно, еще приедет, по крайней мере, письма к ней у меня были. Ты видишь, что «отшельнику из Зильс-Марии» этим летом живется лучше, чем прошлым, также нет недостатка в добрых вестях, которые доказывают, что почитание, даже благоговение передо мной чрезвычайно растет. Я сам по отношению к этому пребываю в забавном злорадном настроении: это, вероятно, связано с тем обстоятельством, что в последние годы мои доброжелательные, снисходительные, прощающие и примирительные инстинкты были задействованы слишком сильно.
Вот тебе снова духовная сводка погоды от твоего сына; следующую ты, вероятно, получишь уже из Ниццы, куда я уезжаю в сентябре. (Я должен там, по заключению профессора Шисса, принимать морские ванны.)
С сердечным приветом и пожеланиями
Твой Ф.
526. An Franz Overbeck in München
Дорогой старый друг,
деньги я получил — премного благодарю за скорую помощь. Со здоровьем в этот раз дело обстоит неважно, я всё ещё не избавился от той великой странной усталости. Лежать смирно — вот что пришло на смену многохождению прежних лет. Проблема «мрачных вечеров» ещё не решена.
Мне отрадно, что из Наумбурга нет писем; но насколько я ещё потрясён и болен в этом отношении, даёт понять вот что: после каждого письма, которое я написал своей матери этим летом, я 2 дня был серьёзно болен. Ты можешь себе представить, как постоянное повторение одного и того же процесса в конце концов подействовало на меня: что мне снова и снова в огромном напряжении великого чувства, простирающегося над судьбой человечества, бросают горсть грязи в лицо (и это на основании моих поступков, перед которыми, как мне кажется, у каждого более тонко чувствующего человека должно быть лишь одно чувство: восхищённое преклонение!). То, что мне не подобает «оправдываться» там, где я вышел за пределы человеческих добродетелей, очевидно, я не могу заставить себя это сделать; но, возможно, именно этим я окончательно испортил отношения со своими родными. — Если бы я не чувствовал, что сейчас изолирован со всех сторон, я бы не ощущал этот разрыв с моими кровными родственниками так болезненно. В сумме: в мои задачи входит также справиться с этим и продолжать все свои судьбы в пользу моей задачи «превращать в золото».»
Всё же бывали часы, когда эта задача вставала передо мной совершенно ясно, когда огромное целое философии (и того, что было больше, чем когда-либо называлось философией!) разворачивалось перед моими взорами. В этот раз, при этой опаснейшей и тяжелейшей «беременности», я должен собрать благоприятные обстоятельства и заставить светить все солнца, которые я когда-либо знал. Также я, вероятно, буду начеку, чтобы не совершать таких климатических глупостей, как прыжки Ницца — Венеция — Базель. В основном же должно оставаться при Ницце и Зильсе.
У меня несколько дней гостила фрейлейн Реза фон Ширнхофер, прежде чем она уехала к своим родителям в Грац; это забавное создание, которое заставляет меня смеяться и хорошо ко мне привыкло. Эту зиму она продолжит свои философские штудии в Париже.
Этим летом я обедаю не один, как раньше, а в компании; моя нынешняя соседка по столу, которой я радуюсь, — пожилая русская (фрейлина императрицы), подлинная ученица Шопена. Несколько недель Турнейзен-Мерианы были рядом со мной. Также меня навещал Сидни фон Вёрман. Есть и новый «почитатель», прусский чиновник из окружения Бисмарка, служащий в Патентном ведомстве.
Вот и всё, мой дорогой друг. Я жажду известий от Кёзелица — нет, как же я люблю эту музыку и этого музыканта! Холерный карантин (в 7 дней) держит меня в напряжении. Сначала я хочу попытаться продержаться здесь до конца сентября (если не будет слишком быстро зимы и снега). Затем Ницца. Ах, если бы я мог сказать: Дрезден!
Преданный тебе с благодарностью и с множеством добрых пожеланий
Н.
527. An Heinrich von Stein in München
Сердечно добро пожаловать! Очень жду — больше сегодня ничего не скажу. Остановитесь в Sils-Maria в Hôtel Alpenrose: я сейчас там обедаю. Еще одно слово о предполагаемом часе Вашего прибытия в Silvaplana: чтобы я мог Вас, глубокоуважаемый господин, там встретить.
От всего сердца радующийся
отшельник из Sils-Maria.
528. An Malwida von Meysenbug in Rom
Дорогая, глубокоуважаемая подруга,
чтобы сразу сказать о главном: это просто беда, что мы оба, два человека, которые любят друг друга, не живем вместе — и теперь для меня возникают совершенно фаталистические причины, связанные с климатом, которые вынуждают меня проводить свои зимы впредь в Ницце, а не в Риме! Подумайте только, не пошел бы и Вам на пользу невероятно бодрящий и укрепляющий воздух Ниццы, самый сильный воздух в Европе (пожалуй, после воздуха в Зильс-Марии), так же, как он идет на пользу мне: включая воздействие 220 абсолютно ясных солнечных дней в году, что для меня нечто совершенно решающее. (В Риме их на 100 меньше). Что касается меня, то я желаю именно Вашей близости, как желаю чистого неба: этим Вам должно быть сказано всё, при условии, что Вы прислушались к моему сыну Заратустре. И как ценно было бы для нас совместное времяпрепровождение, особенно по вечерам, когда нам обоим нельзя читать и писать и когда нам было бы так много о чем рассказать друг другу!
Я пока намерен к началу октября отправиться в Ниццу и снова поселиться в моем хорошем швейцарском пансионе «Hôtel de Genève» — и принимать морские ванны, как мне предписано. До тех пор — Зильс.
Штейн был здесь 3 дня: это человек по моему сердцу! Он по собственной воле пообещал мне, что как только станет свободен, т.е. как только не станет его отца, ради которого он терпит жизнь на севере, он переедет ко мне в Ниццу.
Также была добрая Реза Ширнхофер с одной из своих цюрихских подруг. Жаль, что она, говоря по-базельски, выглядит так «непривлекательно»! Я не могу долго выносить безобразное рядом с собой (я уже имел в виду, что в отношении фрейлейн Саломе мне пришлось проявить некоторое самопреодоление).
Теперь обдумайте, моя глубокоуважаемая подруга, себя, меня, свое здоровье — в Ницце можно жить по меньшей мере так же дешево, как в Риме, и, по моему суждению, в три раза продуктивнее.
От всего сердца
Ваш
Ницше.
Переверните!
Чуть не забыл — ad vocem «пропаганда» в Вашем предпоследнем письме, в ответ на что я сегодня позволяю себе маленькую месть — —
Мисс Хелен Циммерн (это та самая, которая с успехом представила англичанам Шопенгауэра) пишет мне: «Я хотела бы еще раз напомнить Вам, чтобы Вы всё же попросили Вашу подругу, автора "Мемуаров идеалистки", прислать мне все её сочинения. Мне бы наверняка доставило радость, если бы я могла познакомить с ними Англию через статью, и я думаю, что этой зимой могла бы найти время, чтобы заняться ими».
Я дал мисс Циммерн намек насчет Вас во время беседы здесь, в Зильс-Марии: её адрес: Лондон, 7, Tyndale Terrace Canonbury Square
529. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Напоследок, мой дорогой и глубокоуважаемый друг, — какие бы невзгоды ни стояли у нас на пути, мы оба принадлежим к рыцарскому братству «von der gaya scienza» («веселой науки») и хотим в этом добром году, который стряхнул с одного древа вашего «Льва» и моего «Заратустру», утешиться этим от всего сердца. Остальное — это ожидание, как у вас, так и у меня.
На будущее я ношу в себе надежду, что в Ницце образуется маленькое, чрезвычайно хорошее общество этой веры в gaya scienza: и в духе я уже посвятил вас первым в рыцари для вступления в этот новый орден. Нужно клясться и божиться «клянусь Мистралем!» — другого обязательства я не знаю, так как у таких людей, как мы, всё «подразумевается само собой». —
Тем временем двойной карантин (то есть 2 раза по 7 дней) удерживает меня вдали от Ниццы, и, учитывая, что холера исчезнет только с осенними дождями, то есть примерно во второй половине октября, — моя тоска сильно колеблется в сторону севера, говоря яснее, в сторону Дрездена. Как только «перспектива постановки» попадет вам на глаза (или даже только вероятность этой перспективы), пожалуйста, телеграфируйте сюда. Здесь, без печки, продрогший, с синими руками, я вряд ли долго выдержу — разве что мне придется обзавестись печкой.
К тому же я в целом закончил с главной задачей этого лета, как я ее себе поставил, — следующие 6 лет принадлежат разработке схемы, которой я наметил свою «философию». С этим все обстоит хорошо и обнадеживающе. Заратустра пока имеет лишь совершенно личный смысл: это моя «книга для назидания и ободрения» — в остальном же темная, скрытая и смешная для каждого.
Генрих фон Штейн, великолепный человек и мужчина, который доставил мне радость, сказал мне совершенно честно, что он понял из упомянутого Z<arathustra> «двенадцать предложений и не более». — Это мне очень понравилось.
Напишите мне словечко о вашем переводе.
Со здоровьем дело обстоит очень ненадежно, в Венеции было лучше, а в Ницце лучше, чем в Венеции. Каждые 10 дней один хороший день: такова моя статистика, черт бы ее побрал!
Ни одного человека, который читал бы мне вслух! Все вечера меланхоличны в низкой комнате, стуча зубами от холода, 3—4 часа ожидая разрешения лечь в постель!
Сегодня меня покидает моя лучшая летняя знакомая, моя соседка по столу фрейлейн фон Мансурова, фрейлина русской императрицы — ах, нам было так много о чем рассказать друг другу, это просто беда, что она уезжает! Только подумайте, настоящая ученица Шопена, полная любви и восхищения этим «столь же гордым, сколь и скромным» человеком! - - -
Зильс-Мария первоклассна как ландшафт — а теперь еще, как мне сказали, и благодаря «отшельнику из Зильс-Марии» — —
Видите, я тут быстро написал еще одну «нескромность первоклассного уровня»!
Преданный вам друг
Ницше
530. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
Твой подарок, который я получил на день рождения, меня поистине тронул, и я хотел бы иметь возможность исполнить Твое желание и приехать в Наумбург. Что касается доводов против, то Ты будешь достаточно осведомлена о них из моего последнего письма. Само собой разумеется, что в чрезвычайном случае (например, если бы можно было предвидеть, что встреча втроем станет последней на долгое время — случай, который часто мне представляется и на который, как я полагал, ссылается желание моей сестры о встрече) — само собой разумеется, что в таком случае я отложил бы в сторону соображения о здоровье (и тем более о деньгах). Также мне самому пошло бы на пользу в некоторой степени озвучить свою программу на ближайшие 5 лет, которая сложилась довольно определенно, благодаря великой задаче, на службе которой я состою. Возможно, именно благодаря этому последнему лучше всего было бы предотвращено в отношении будущего всё то недопонимание и отчуждение, которыми были так богаты прошедшие годы.
По крайней мере, я бы прояснил, почему к такому глубоко занятому и столь же глубоко скрытному человеку, как я, следует относиться с величайшей и бережнейшей осторожностью (по правилу, что нельзя окликать лунатика —)
— В остальном всё хорошо, и я, несмотря на величайшие трудности, к этому моменту (40-му году жизни) достиг всего, чего хотел достичь. —
Напиши мне, пожалуйста, немедленно и обдумай, нельзя ли в ином случае предусмотреть такую встречу втроем в следующем году в то же самое время.
Меня очень порадовало, что Ты подумала о маленькой Адриенне. Мои люди здесь превосходны, и постепенно «отшельник из Зильс-Марии» со всех сторон окружен большим уважением. Несколько летних гостей здешних отелей нанесли мне прощальные визиты.
Мед превосходный! Перчатки очень кстати! —
Право, я теперь боюсь дальних поездок, Ты не поверишь, как я в этом году уже настрадался от последствий железнодорожных и почтовых переездов. Зильс и Ницца, Ницца и Зильс — а между ними весенняя остановка: так оно и пойдет. — С самыми сердечными пожеланиями для нас троих
Твой сын Ф.
Я опечален отъездом моей замечательной соседки по столу фрейлейн фон Мансуровой, фрейлины русской императрицы (истинной ученицы Шопена), и с тех пор скучаю. Визит условлен.
Доктор фон Штейн с высочайшим почтением говорил о характере доктора Ре и о его любви ко мне — что мне очень помогло. —
Самое новое: «Борьба за Бога», роман Х. Лу.
531. An Resa von Schirnbofer in Graz
Многоуважаемая барышня
между тем дела шли неважно. Ах, это глупое здоровье! К тому же здесь, наверху, холодно, до синевы в пальцах холодно, если выразиться кратко и понятно; я обдумываю проблему печи у себя в голове.
От Ниццы я сейчас отделен двумя карантинами, каждый по 7 дней, — что заставляет меня немного осциллировать к северу. Я хотел бы знать, можно ли рассчитывать на дрезденскую постановку «Льва Венеции» — в этом случае я был бы очень искушен и соблазнен —. Наконец, моя сестра желает встречи ради «важных» дел.
Тем временем Генрих фон Штайн заезжал в гости, не дольше и не короче, чем Вы сами, и очень отрадно. Как же мне это помогло! — наконец-то человек с героическим настроем, и в окружении Р. В<агнера> прекрасно воспитанный в духе благоговения, совсем не так, как воспитывают сейчас (а именно: к участию в разговорах и болтовне обо всем и со всеми). Он обрисовал мне перспективы на то время, когда его отца не станет, — переехать ко мне в Ниццу. —
Только что попрощалась фройляйн фон Мансурова — о, как же здесь уже стало одиноко! —
Прочтите, я прошу Вас, «Бабье лето» Штифтера. —
(«Борьба за Бога», роман Г. Лу (Штутгарт, Ауэрбах), с мая в печати.)
В сумме: я доволен летом, поскольку на 6 лет вперед составил набросок, набросок моей «философии» или «религии», или что я знаю? Довольно, это еще должно быть прожито. —
Но это глупое здоровье! — —
Примите еще раз мою сердечнейшую благодарность за Ваш визит и оставайтесь в добром дружеском расположении.
Ваш преданнейший
Ницше.
532. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Прилагаю, моя дорогая матушка, последний документ, который у меня есть в отношении моих хемницких средств; в нем, как ты увидишь, не хватает процентов с 1 января 1883 года по 1 апреля 1884 года.
Господин Шмайцнер писал мне в прошлом месяце (без напоминания с моей стороны о его обещании): «я сейчас по горло занят ипотечными, купчими и арендными сделками, ибо должен сдержать слово и 1 апреля вернуть Вам заем».
Все остальное теперь поручаю тебе, моя дорогая матушка! Твое предложение меня полностью устраивает; если хочешь иначе, мне это тоже подходит.
С середины следующего года моя базельская пенсия прекращается. С этого момента я намерен понемногу расходовать свои средства, медленно и экономно, как я привык — да даже еще экономнее. Я начну со средств, которые у меня еще есть в Базеле: затем дойдет очередь до денег Шмайцнера (не считая 600 талеров) и, наконец, до остатка моего наумбургского состояния. Пока я со всем этим закончу, у меня еще будут доходы от вторых изданий и новых сочинений.
Я еще некоторое время останусь здесь. Ехать в Таормину, что советует мне сестра, мне сейчас совсем не хочется, так же как и к фрейлейн Меллиен. На приглашение Мальвиды в Рим я также ответил отказом.
Посреди глубокой работы.
От всего сердца
Ф.
533. An Franz Overbeck in München
Дорогой друг, заранее сердечно благодарю!
В целом, этим летом у меня всё сдвинулось с мертвой точки, и главная цель была достигнута, правда, очень ценой здоровья: в частности, добавилось внезапное заметное потемнение в глазах, что вынуждает меня переписываться с Шисом. Общая депрессия, от которой я, к сожалению, страдал во время нашей встречи в Базеле, однако, прошла; теперь я полагаю, что я в сто раз преувеличил разногласия с моими близкими. Достаточно было предложения о встрече с моей сестрой, чтобы увидеть радостные лица. Это мой вечно повторяющийся промах — представлять чужие страдания гораздо большими, чем они есть. С самого детства фраза «в сострадании кроются мои величайшие опасности» подтверждалась снова и снова (возможно, это дурное следствие необычайной натуры моего отца, которого все, кто его знал, скорее причисляли к «ангелам», чем к «людям»). Достаточно того, что благодаря горькому опыту, который я получил с состраданием, я пришел к теоретически очень интересному изменению в оценке сострадания.
Событием лета стал визит барона Штейна (он приехал прямо из Германии на 3 дня в Зильс и отправился прямо обратно к своему отцу — манера придавать визиту акцент, которая меня впечатлила). Это великолепный человек и мужчина, и из-за его героического душевного настроя он мне понятен и симпатичен до мозга костей. Наконец-то, наконец-то новый человек, который принадлежит мне и инстинктивно испытывает передо мной благоговение! Правда, пока еще trop magnétisé (слишком загипнотизирован), но благодаря рациональной дисциплине, которую он получил рядом с Дюрингом, всё же очень подготовлен ко мне! Рядом с ним я постоянно острее всего чувствовал, какая практическая задача относится к моей жизненной задаче, если бы только у меня было достаточно молодых людей определенного качества! — пока об этом невозможно говорить, как я, впрочем, еще ни с кем об этом не говорил. Какая странная судьба — дожить до 40 лет и все свои самые существенные вещи, как теоретические, так и практические, таскать с собой как тайны! — О «Заратустре» Штейн сказал совершенно искренне, что он понял из него «двенадцать предложений и не более»: что заставило меня очень гордиться, ибо это характеризует невыразимую чуждость всех моих проблем и озарений (случайно лето принесло мне несколько раз то же самое свидетельство в отношении «Утренней зари» и «Веселой науки» — «самые чуждые книги, которые существуют»).
Зато Штейн достаточно поэт, чтобы, например, быть глубоко тронутым «другой танцевальной песней» (третья часть) (он выучил ее наизусть). Тот, кто именно при чтении веселых мест Заратустры не должен проливать слезы, тот для меня еще очень далек от моего мира, от меня.
Штейн по своей доброй воле обещал мне переехать ко мне в Ниццу, как только его отец умрет: ради которого он терпит жизнь на севере и в немецком университете.
Даниэлла фон Бюлов через него передала мне, что расторгла свою помолвку и теперь, для укрепления духа, читает мое сочинение «Шопенгауэр как воспитатель».
Судьба Кёзелица вызывает у меня много беспокойства. С прежней независимостью, кажется, покончено, дела на красильне его отца идут неважно, он вряд ли сможет снова уехать из дома, пока у него не будет успехов. Что касается последних, то господствующий сейчас вагнеризм ему отнюдь не вредит, напротив: подготавливает, как я сам это лично испытал — самые нежные и возвышенные состояния никогда еще не сияли так до Вагнера, и только после того, как через него обретаешь глаза для этих огней и красок, знаешь, куда хочет и должен идти наш венецианский маэстро — — Его противостояние кроется скорее в немецком сознательном или бессознательном обскурантизме и сентиментализме, в «заварках второго сорта», как их, например, подает Брамс, и в сумме в немецкой посредственности бюргерского духа, который по отношению ко всему южному ведет себя подозрительно-раздражительно и чует «фривольность». Это тот же контраст, который ощущает моя философия — во мне и в музыке Кёзелица ненавидят ясное небо.
Один итальянец недавно сказал: «по сравнению с тем, что мы называем небом — cielo, немецкое небо — una caricatura (карикатура)».
Браво! В этом вся моя философия! —
От всего сердца приветствую и желаю тебе и твоим всего наилучшего.
Твой друг Н.
В ближайшие дни уезжаю, предположительно в Ниццу. Адрес в любом случае: Nizza poste restante.
«Борьба за Бога», роман Г. Лу (Штутгарт, Ауэрбах) — Штейн говорил об этом. —
534. An Heinrich von Stein in Völkershausen
Дорогой господин доктор,
вот последний привет из Зильс-Марии, где стало очень по-осеннему: — даже отшельники улетают прочь.
Ваш визит принадлежит к числу трех хороших вещей, за которые я в глубине души благодарен этому году Заратустры.
Может быть, Вам пришлось хуже? Кто знает, не слишком ли сильно Вы нашли Филоктета на его острове? И даже нечто от той веры Филоктета: «без моих стрел Илион не будет завоеван!»
В такой встрече, как наша, всегда много последствий, много рока. Но этому поверьте мне наверняка: отныне Вы один из немногих, чья судьба в хорошем и дурном принадлежит моей судьбе.
Преданный
Вам
Ваш
Ницше.
NB. На всякий случай, если возникнет какая-либо просьба, даю Вам этот вечный адрес:
Ницца, до востребования.
535. An Gottfried Keller in Zürich
Глубокоуважаемый господин,
с 25 сентября я буду проводить свой осенний отпуск в Цюрихе (в пансионе «Нептун», внутренний Зеефельд). Среди пожеланий, которые я связываю с этим пребыванием, — прежде всего — желание получить от Вас разрешение на визит (а также указание места и часа, может быть, в Музейном обществе? или как Вам будет угодно и удобно).
Мой «Заратустра», надеюсь, у Вас в руках? — С почтительным приветом
Проф. д-р Фридр. Ницше
536. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Одна просьба к Вам, дорогой друг! — и сделайте при этом приветливое лицо!
Я возобновил связь с капельмейстером Хегаром в Цюрихе и хотел бы убедить его устроить концертное исполнение «Шерца, хитрости и мести». Конечно, у Вас есть все основания сомневаться в моем искусстве убеждения — я и сам, пожалуй, сомневаюсь в нем еще больше. Но, в конце концов, речь идет о попытке: если я ничего не добьюсь, то мы снова узнаем то, что уже знали, — в остальном же ничего не будет испорчено, а всё останется «по-старому». —
Мой адрес для этого, с 25 сентября:
Цюрих, пансион «Нептун»
(прошу отправить партитуру «заказным» письмом)
Если у Вас случайно есть клавираусцуг «Ночь, ты, прекрасная» (или у кого-то из Ваших близких), пожалуйста, вложите его — я пришлю его обратно точно в срок, когда буду покидать Цюрих.
На зиму остается Ницца.
О Ба<льтазаре> Грасиане я думаю так же, как и Вы: Европа не произвела ничего более тонкого и сложного (в морализаторстве!). По сравнению с моим «Заратустрой» он всё же производит впечатление рококо и возвышенных завитушек — или что Вы об этом думаете?
— Визит фон Штайна имеет последствия, он, по-видимому, был глубоко тронут и высказывался об этом во все стороны. Воспитание вблизи Дюринга и Вагнера, по крайней мере, сделало его чутким к скрытому пафосу одиноко бредущего: мне самому в его присутствии было так же, как тому Филоктету на его острове при посещении Неоптолема — я думаю, он также угадал нечто из моей веры Филоктета: «без моего лука не будет завоеван Илион!» —
Впрочем, задача следующего десятилетия чудесно развернулась передо мной — хотя я содрогаюсь и изумляюсь, когда спрашиваю себя о силах, которые могли бы соответствовать такой задаче. Нужно ждать и «держать фартук», когда дерево будет потрясено каким-нибудь ветром — большего я не знаю.
Вчера я подсчитал, что решающие кульминационные точки моего «мышления и творчества» («Рождение трагедии» и «Заратустра») совпадают с максимумом магнитного воздействия Солнца, и наоборот, мое решение заняться филологией (и Шопенгауэром) (своего рода самозаблуждение), а также «Человеческое, слишком человеческое» (одновременно худший кризис моего здоровья) — с минимумом. — Видите, как отшельник из Зильс-Марии становится астрологом?
Самые сердечные пожелания!
Ваш Н.
537. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
к счастью, я еще здесь; мое решение относительно встречи с сестрой будет в ее руках. Учитывая Твои опасения по поводу холеры, я не выбрал Лугано: что касается «Teilsplatte», то она слишком близко к железной дороге, чтобы стать для меня сносным местом для отдыха. Купаться в октябре в Фирвальдштетском озере — это вряд ли было сказано всерьез.
Итак, Цюрих, пансион «Нептун», хороший известный дом: я уже отправил туда записку генералу Симону, который сейчас там (он помогал мне в Ницце во многих практических делах, где мне самому было трудно найти практическое решение — добродушный, тихий, сухой и чрезвычайно надежный старый господин, о котором, возможно, доктор Циллер сможет дать Тебе справку)
На случай, если моя сестра захочет оказать мне особую любезность, я бы попросил ее привезти мне кое-что, а именно:
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одну из моих старых ночных рубашек
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пару тонких белых чулок (из старых) из-за слишком тесных сапог
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книгу, последнюю, которую Якоби переплел для меня, ее можно узнать по тому, что края не выступают за обрез: называется «Арнобий», на немецком языке, внутри старая желтоватая бумага. Один из отцов церкви
4.) вторую книгу, а именно первый том моего трехтомного немецкого Монтеня (стоит в кабинете среди хороших книг, старый талмуд
Я сам хочу выехать отсюда рано утром 24 сентября и буду в Цюрихе 25-го до полудня. Согласно только что достигнутой договоренности, меня, вероятно, будут сопровождать до тех пор двое ученых, профессор Лескин из Лейпцига и доктор Брокгауз: очень к моему спокойствию, ибо путешествовать в одиночку для меня теперь дело не совсем безопасное и вызывающее у меня неописуемое волнение.
Глаза все больше темнеют. —
Пусть встреча закончится благополучно, и, в частности, пусть из нее не вырастет новое несчастье!
При словах «крайне важно для меня» я уже не могу ничего себе представить.
Сердечно приветствую
Твой сын.
538. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Простите, дорогой друг, за этот обрывок листка и еще более обрывочное письмецо! Прежде всего — для вашего успокоения: партитура со вчерашнего дня у меня в руках, — или, вернее, уже не у меня, ибо после обеда я отнес ее Хегару. Если бы были оркестровые партии, я бы услышал увертюру уже в ближайшие дни (ибо Хегар устраивает мне здесь осень как праздник, хочет сыграть для меня «Арлезианку» и все, что я пожелаю, в частном порядке, в Тонхалле, а кроме того, он уговорил господина Фройнда, ученика Листа, которого я знаю давно, сыграть мне кое-что по моему желанию. О горе, что нет клавираутов моей самой любимой и утешительной оперы! Как ваши мелодии все лето бродили по моей душе!
Небо ниццански прекрасно, и один день похож на другой. Моя сестра со мной; приятнейший способ позаботиться о себе, когда долго причинял себе боль. Готфрид Келлер договорился о встрече со мной на сегодня. У меня голова полна самых безудержных песен, которые когда-либо приходили в голову лирику. Вместе с вашей партитурой пришло письмо от Штайна, который был подарен мне ко всем добрым вещам этого года как драгоценный подарок, а именно как новый настоящий друг.
Короче — будем полны надежд, или, чтобы выразиться лучше, словами старого Г<отфрида> Келлера:
«Пейте, очи, вдоволь, сколько в силах,
Золотой избыток мира в жилах!»
Ваш благодарный друг
Н.
До конца октября здесь, Цюрих, пансион «Нептун», затем Ницца.
539. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
к настоящему времени ты, вероятно, уже достаточно наслышана о том, что твои дети снова ведут себя прилично, ладят друг с другом и во всех отношениях в добром здравии. Как долго продлится это совместное пребывание, сегодня сказать еще нельзя; мои работы, которые я задумал, при любых обстоятельствах вскоре снова призовут меня к уединению: а косолапость, которую я таскаю с собой, я имею в виду 104 килограмма книг, не позволит мне улететь отсюда слишком далеко. —
Так что в этом году наша встреча невозможна; я от всего сердца желаю, чтобы тебе это не показалось слишком тяжелым.
Добрые намерения, о которых говорилось в твоем последнем письме, — помочь мне выглядеть в мире несколько более опрятно одетым, — я принял с большой благодарностью; в самом деле, я довольно бедно одет и из-за частых переездов немного слишком обтрепался, словно горная овца.
Здоровье доставляет мне неприятности на каждом шагу: чужое место и многое непривычное в еде и распорядке дня постоянно мучают меня. Но выгляжу я хорошо, не хуже, чем в прошлом году.
С сердечной благодарностью, твой
Ф.
540. An Franz Overbeck in München
Дорогой старый друг,
я уже неделю здесь, в Цюрихе (пансион «Нептун»), по случаю встречи с моей сестрой — и до сих пор было много хорошего солнечного света в нас и над нами. За весь год, с тех пор как я покинул Ниццу, я не чувствовал себя так хорошо физически, как здесь. Я останусь еще на некоторое время и прошу тебя деньги (1000 франков) не отправлять в Ниццу, а прислать сюда (пансион «Нептун», заказным письмом, если можно).
Нужно изрядно похоронить, чтобы иметь возможность еще изрядно жить — раз уж последнее необходимо.
Твой друг Ницше
Желаю счастья по случаю возвращения и зимнего полугодия. — Погода как в Ницце, солнце и небо! (— Моя сестра — чудесное создание; в следующем году я, вероятно, надолго потеряю ее из-за известной «заморской» манеры.
(— Шмейцнер хочет продать «меня» за 20 000 марок, но не находит никого, у кого хватило бы мужества на «меня». Это всё — строго конфиденциально.
541. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг,
мне обещают, что к концу следующей недели оркестровые партии увертюры «Лев» будут переписаны — и тогда в Тонхалле состоится её исполнение перед единственным слушателем, а именно передо мной. Больше — я пока ничего не добился. Возможно, сближение дирижёра с этим произведением продвинет нас на шаг вперёд. — Как тяжко и нелепо «всякое начало»! — Будем же бодры!
Кстати, Хегар — превосходный дирижёр; то, как он вчера вложил в свой оркестр чувство и «совесть» бетховенской увертюры, произвело на меня огромное впечатление. Между нами существует полная искренность. —
Ради меня он исполнил «Арлезианку»; адажиетто звучит просто возвышенно.
О Вас, как об авторе партитуры, он постоянно предполагает, что Вы должны быть капельмейстером в армии или в маленьком городке, — у Вас так мало доверия к скрипкам, и Вы хотите, чтобы всё звучало духовыми. Разумеется, я молчу обо всём личном, партии даже не будут носить Вашего псевдонима. —
Проклятая акустика Тонхалле!
Сердечно приветствую Вас,
Ваш Н.
Так написано «на звёздах», что я — Ваш первый слушатель! — а не Вы сами - - -?
542. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
надеюсь, что ты со своей доброй супругой уже вернулся домой и получил мое письмецо, отправленное несколько дней назад.
Сегодня я прошу тебя одолжить мне на неделю песню Кёзелица «Nacht Du holde» — у меня появилась возможность послушать её здесь, и я испытываю к ней огромное влечение. —
От всего сердца твой Н.
543. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Сегодня утром, дорогой друг, наш Хегар репетировал с оркестром Вашу увертюру, чтобы в следующую субботу в 10:30 утра исполнить её для меня два раза подряд (Тонхалле).
После обеда я был у него, и он мне всё рассказал. Ах, если бы Вы были там! Он говорил с большой симпатией и искренним расположением к — нам обоим. «Очень много таланта» — и тому подобное, что само собой разумеется. Но — ибо существует «но» — он не уставал выражать настоятельную потребность в том, чтобы Вы получили в свои руки оркестр (он постоянно находит в плане инструментовки то самое противоречие между тонкостью замыслов и «ошибочностью средств» и демонстрирует это на примерах). Он говорил о Вашем «воображаемом оркестре»; также о том, что Вы чрезмерно используете и изнашиваете определённые цветовые эффекты, которые Вам нравятся, и т. д. и т. п. У меня словно гора свалилась на плечи: он полагал, что Ваше произведение звучит совсем иначе, чем Вы себе представляете, и что Вы сами были бы больше всего удивлены при прослушивании.
Я отправляю эти строки с нескрываемым желанием, чтобы Вы вместе послушали в субботу. По крайней мере, я боюсь ответственности сидеть там в одиночестве, со своей жалкой дилетантской любовью к Вам. (Прилагательное «жалкая» относится только к первому слову)
В верной любви к Вам
Ф.Н.
— — это дело кажется мне чрезвычайно важным для Вас, для немецкой музыки, для нас. Если Вы не верите в дрезденское исполнение, то непременно приезжайте! — —
Сердечное спасибо за только что полученное письмо! Мужества! Надежды! Я остаюсь здесь до конца октября.
544. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
в большой спешке сообщаю, что в эту субботу, в 10:30 утра в Тонхалле можно будет услышать увертюру к «Льву в Венеции». — — — — — —
Одновременно в качестве благодарственного привета за полученные поздравления с днем рождения.
От всего сердца
Ф.Н.
545. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая добрая матушка
Твои письма и твои подарки — всё это доставило мне особую радость: так что в этот раз я вступил в новый год своей жизни с гораздо лучшим здоровьем, чем во все последние годы. Всё пребывание в Цюрихе пока проходит благополучно, и мой спуск из Энгадина не имел никаких дурных последствий. Исключительно ясная погода пришла мне на помощь, но прежде всего — сердечный и искренний характер нашего братско-сестринского общения. Я думаю, что теперь небо между мной и моей сестрой снова прояснилось на будущее. — В остальном мы с тобой одинаково смотрим на решение следующего года, так что мне, собственно, нечего тебе об этом сказать. Разве что то, что ты и сама, конечно, знаешь как непреложную истину: у каждого из нас троих есть самое доброе желание делать то, что он больше всего хочет и к чему стремится, но слишком мало — денег.
Твой виноград гораздо лучше цюрихского, который мне подают здесь к столу; а что касается мёда, то и впредь его присылка будет одним из самых приятных способов напомнить мне о доме. Немного мёда такого качества после еды, кажется, даже идёт мне на пользу, в то время как я уже давно с радостью отказался от обычных швейцарских «горшочков с мёдом».
В четверг в полдень я получил посылку. —
Рубашка и чулки — всё крайне желанно и необходимо!
До конца месяца я ещё здесь, затем снова Ницца или её окрестности. Одно из самых существенных достижений последнего года для меня — знать, какая часть Европы является по-настоящему моей. Я в этом убеждён и только что провёл проверку, поскольку устоял перед многократным искушением поехать этой зимой в Рим.
С самой сердечной
благодарностью
Твой
Ф.
546. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг Гаст,
только что вернулся из Тонхалле: благословен этот добрый час и Вы, подаривший его мне! Итак, Ваша музыка прозвучала впервые, и я горд тем, что это произошло благодаря мне и для меня. Пусть эта «Львиная увертюра» станет символом Вашего пути по миру — такой смелой, мужественной, остроумной, доблестной она была, целиком и полностью по моему сердцу, полная ясного неба и, безусловно, также — полная будущего.
Х<егар> собирается на днях прийти ко мне с партитурой; о паре деталей я напишу после этого обсуждения. — Он сказал мне, заметно проникнувшись к Вам симпатией, на дирижерском подиуме сразу после окончания: «если Вы* еще пожелаете что-то услышать, то Вам стоит только приехать в Цюрих». —
Будьте здоровы, дорогой друг — радуйтесь вместе со мной, ибо я радуюсь безмерно.
Вашим почтенным родителям мои рекомендации и — от всего сердца — мои поздравления!
Преданно
Ваш
Н.
547. An Elisabeth Nietzsche in Straßburg
Моя дорогая Лама
наконец, чтобы застать тебя ещё во время твоего странствия, я должен адресовать письмецо в Наумбург. — Мне часто приходило на ум, будто я, во время нашего пребывания в Цюрихе, недостаточно выразил тебе свою любовь. Это забывается, когда живешь так одиноко, как я. — Между тем дела шли сносно, лишь один день я был болен, и опять-таки исключительно по климатическим причинам. — Сейчас я, с помощью библиотеки, прилежно работаю; но каждый день говорю себе заново, что всё это лишь антракт и отдых: — когда «дух снизойдет на меня», я должен буду быть в сто раз более одиноким и «неотвлеченным», чем могу быть здесь (тогда мне, возможно, глупые стадные животные из пансиона будут вовсе не так тягостны, а может, даже более благотворны, чем любой вид близкого человечества) NB! —
Пока мы вместе ехали на вокзал, Хегар сообщил, что в то же утро будет репетироваться увертюра. Это привело к тому, что мы оба пропустили её, так как я вернулся в «Нептун» только к полудню. Вчера состоялось двукратное исполнение этой увертюры, к моему величайшему удовлетворению — она звучала великолепно (Х<егар> уже за несколько дней до этого взял назад свое первое впечатление и назвал его «заблуждением» — он явно проникся, как я и предполагал.) Вчера я оплатил переписку нот — дело не более чем на — 21 франк. Забавно! Нельзя лучше вложить свои деньги. — Кёзелиц, судя по последней открытке, подумывает о том, чтобы переехать в Цюрих — я должен навести справки у Хегара. —
В день твоего отъезда фройляйн Мюллер ушла, точнее, она переехала к своему студенту, с одолженной шляпой, шалью и — моими нотами! Можно ли в это поверить? Четыре дня я пребывал в «мучительной неопределенности», наконец я оказал странное давление, наложив арест на письмо — и получил свои ноты обратно. — Старая фрау Мюллер вчера рассказала мне достаточно об этой истории, или, вернее, слишком много: много грязи. —
Сердечнейшее спасибо за твое письмо к дню рождения; и как много ты мне в этот раз подарила! Все дни — ничего, кроме постоянных подарков! До сих пор была весьма удачная осень. Моя самая искренняя благодарность!
Твой Ф.
548. An Heinrich Köselitz in Annaberg
Дорогой друг Фройнд,
если дрезденское исполнение не горит, то приезжайте сюда как можно скорее — как можно скорее, потому что у Х<егара> осенью всегда немного больше времени, чем зимой, и потому что я сам хочу скоро отсюда уехать. Х<егар> вчера, когда возвращал партитуру (причем до того, как я обратился к нему с просьбой, которую Вы поручили мне в своей последней открытке), предложил, чтобы Вы приезжали сюда каждую осень — он охотно готов уступать Вам по полчаса на каждой своей репетиции, чтобы Вы могли сами «взять в руки» оркестр, разучить свою вещь и показать её. Это предложение показалось мне настолько любезным, что я хочу сегодня лишь еще раз подчеркнуть словечко «как можно скорее» — потому что, как я уже сказал, объем работы Хегара отныне будет постоянно расти, и вскоре у него, возможно, не останется для нас времени. — Разумеется, он был полностью согласен с Вашим желанием; и если Вы проведете зиму здесь, то будет много разной музыки, на репетициях которой Вы сможете присутствовать по своему усмотрению. Итак! — (Пианист господин Фройнд часто играет мне.)
Подробное обсуждение партитуры увертюры откладывается до Вашего приезда сюда.
Само собой разумеется, что отношения, завязавшиеся в Дрездене, должны оставаться более важными и решающими.
От всего сердца
Ваш
Н.
549. An Elisabeth Nietzsche in Straßburg
Вчера, мой дорогой Лама, был прекрасный день, и твое письмо попало мне в руки среди множества других приятных вещей. Погода с самого утра сияла в ниццианском великолепии. В 9 часов я пошел в Тонхалле и насладился Бетховеном и Бизе. Затем немецкий владелец Hôtel des Etrangers в самой почтительной форме сообщил мне о своей радости, что я подумываю приехать на зиму в его дом, и гарантировал те же условия, что были до сих пор в Ницце. Потом пришел Хегар и принес партитуру Кёзелица: он предложил себя и свой оркестр на каждую осень и по собственной воле предложил уступать господину Петеру Гасту полчаса на каждой из своих оркестровых репетиций, чтобы К<ёзелиц> мог, таким образом, сам «взять в руки» оркестр и разучивать свои вещи. После этого предложения я изложил подоспевшую просьбу К<ёзелица> приехать сюда к Х<егару>, чтобы жить в непосредственной близости от оркестра — короче говоря, всё сложилось удачно, и я полагаю, что этим пребыванием в Цюрихе я продвинул судьбу К<ёзелица> вперед. — После обеда я совершил долгую прогулку с моей новой подругой Хеленой Друсковиц, которая живет в нескольких домах от пансиона «Нептун» вместе со своей матерью: из всех известных мне женщин она серьезнее всех занималась моими книгами, и не напрасно. Посмотри как-нибудь, понравятся ли тебе ее последние сочинения («Три английские поэтессы», среди них Элиот, которую она очень почитает) и книга о Шелли. Сейчас она переводит английского поэта Суинберна. Я считаю, что это благородное и порядочное создание, которое не вредит моей «философии». Затем почитай-ка новеллы моей берлинской поклонницы фройляйн Глогау: их очень хвалят за «психологическую тонкость». Вечером я был на первом концерте в Тонхалле, куда меня пригласил Х<егар>: так я провел вечер этого доброго дня с «Арлезианкой» и лег спать. Сегодня утром пришло сердечное и чрезвычайно тактичное письмо моего старого друга Овербека, который в основном выражает свою искреннюю радость по поводу того, что «такая частица верной и первозданной привязанности, какая есть у меня к матери и сестре», не была мною утрачена. — Поскольку у меня не было твоих адресов в поездке, я отправил письмо тебе в Наумбург. Преданный тебе
Ф.
Да здравствует независимость! — так я думаю каждый день. Никаких женитьб!
Мои приветы всем родственникам, которые остались ко мне благосклонны.
550. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Именно так, моя дорогая матушка, снова поднялся с постели больного. А теперь — спешу выразить сердечнейшую благодарность за приятную посылку с вином и медом; к тому же у меня теперь есть три черные перчатки для приготовления чая — и опасность обжечь пальцы с ними значительно уменьшилась. — Здесь было много дел для меня, о которых я не могу рассказать в подробностях. Последние дни мне пришлось вводить сюда господина Кёзелица — все пока складывается хорошо в этом отношении; и прежде всего, этот музыкант решил остаться в Цюрихе, по крайней мере на зиму. —
Случайно выяснилось, что здесь поблизости (я имею в виду рядом с моим домом) живет еще кое-кто, а именно госпожа банкир Кёкерт из Женевы: — огромное удовольствие увидеться снова! До 5 ноября я остаюсь здесь. Затем отъезд на Ривьеру. —
Это было весьма хорошее время для отдыха твоего сына, но мне было бы совершенно невозможно так жить, когда на меня снова «находит дух»: он требует от меня одиночества. —
Мои дорогие, я думаю, вы сидите мило вместе и рассказываете друг другу хорошие вещи — и обо мне тоже?
С сердечной любовью
Ваш Ф.
(Четверг. Все еще сильная головная боль.)
551. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг Овербек,
в ближайшие дни я уезжаю на юг; цюрихской осени, которая выдалась на редкость прекрасной, по-видимому, пришел конец — вчера было ужасно пасмурно и гнетуще. В сущности, я сердечно доволен тем, что приехал сюда — наконец-то удалось хоть раз вздохнуть свободнее от огромного груза моей задачи, а следовательно, и набраться новых сил: так что к этой зиме я приступаю решительнее, чем когда-либо. Мне пришлось здесь многое сделать и преодолеть, особенно когда я понял, что сейчас необходимо устроить господина Петера Гаста здесь, поблизости от хорошего оркестра и вдали от его родственников, которые лишают его мужества. С Дрезденом ничего не вышло, я злюсь, что я сам не поехал туда весной вместо К<ёзелица>. Положение художника, который, имея в руках сокровище, вынужден скитаться, словно нищий, чтобы добиться того, чтобы его приняли, — это просто абсурд. Задача его друзей — избавить его от этого. (Его увертюра, кстати, звучит на удивление великолепно.) — Он живет здесь, в маленьком Зонненхофе, прилично и просторно (где также живет превосходная Друскович со своей матерью) и обедает для развлечения вместе со студентками и тому подобными, среди которых фрейлейн Вилльденов, навещавшая меня летом в Энгадине. Хегар крайне любезен, так же как и Фройнд. Также я чувствую себя очень обязанным Готфриду Келлеру. Жена банкира Кёкерт из Женевы здесь уже несколько недель и по-прежнему очень ко мне расположена.
Что касается Шмайцнера, то прочти, я прошу тебя, прилагаемое письмо, его ответ на письмо, одобренное тобой. Я — не знаю, что делать. —
Д-р Фукс сам прислал мне свои две тетради — я охотно держу ухо востро для подобных излияний высшей филологии, но я, будучи старым филологом, в десять раз скептичнее отношусь к проблеме Римана, чем Фукс, и втайне смеюсь над тем, как часто здесь пыл художника Ф<укса> берет верх над филологом Фуксом. Заслугой будет установление бессознательной всеобщей артистической глупости. Но где дело обстоит иначе! Кто, например, был бы сейчас в состоянии правильно «фразировать» моего Зарату<стру>.!! —
Самым отрадным этой осенью для меня было впечатление от моей сестры, она крепко зарубила себе на носу и в сердце переживания этих лет и, что я особенно ценю в каждом человеке, без всяких обид.
Найти вновь прежнюю, ничем не умаленную сердечность я не ожидал и, возможно, даже не заслужил. Тебе и твоей дорогой жене благодарно преданный
Твой друг Н.
552. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Милые мои,
премного благодарен за ваши письма! В пятницу уезжаю, а именно через Геную в Ментону (— говорят, там гораздо тише, чем в Ницце, и обитает более достойное человечество — хочу попробовать!) Теперь время каникул для меня закончилось, и я думаю, что за это время я вновь набрался сил и сэкономил их, чтобы теперь снова иметь возможность взяться за свои задачи. Не без страха и трепета — но так надо. — Что касается намеченного определения зимы, я не хочу иметь ничего общего с делом Шмайцнера. С другой стороны, мне важно, чтобы мои сочинения как можно скорее вышли из его рук; и поскольку объявленный сейчас иск подталкивает его к продаже сочинений, то пусть будет так, если наш дядя немедленно предпримет необходимые шаги. На полученное тем временем письмо Ш<меitzner>а я отвечать не хочу, он совершенно ничего не сделал из того, что я требовал, и даже не прислал расчет, а лишь кормил меня обещаниями до нового года. — Я хотел бы, чтобы Шмайцнеру намекнули, что ему следует подумать о продаже сочинений — например, берлинскому издателю Оппенгейму (издателю Карла Гиллебрандта и фрейлейн Друскович). Гиллебрандт теперь умер — единственный, кто до сих пор сделал хоть что-то для моей известности! В некрологе «Франкфуртской газеты» ему ставится в заслугу то, что он вступился за меня («Ницше, которого в Германии предали анафеме, потому что он выступал с открытым забралом и с бесстрашным мужеством»). — У меня на руках больше нет совершенно никаких писем, расчетов и т. д. Шмайцнера — плохо! —
Кёзелица я устроил наилучшим образом (в тот же дом, где живет Елена Друскович со своей матерью), а также уговорил обедать вместе с фрейлейн Вилльденов, фрейлейн Блум, мисс Каррел и другими знакомыми дамами — ему же на пользу, ибо у него слишком плебейские манеры, и никто не может мне достаточно воздать за то, какого преодоления стоит мне общение с этим тяжеловесным телом и духом. Впрочем, игра на фортепиано Эжена д’Альбера и Фройнда меня тем временем так избаловала, что я больше не могу слушать игру моего старого друга Кёзелица! — Много новых людей; меня непременно хотят познакомить с художником-анималистом Коллером, так же как и с Бёклином, который здесь приобрел недвижимость; было также приглашение на приятную летнюю вилледжатуру. — «Церемониймейстера» не хватает: — фрау Кёкерт, кажется, размышляет о нем. Чудесная погода!
Преданный Вам
Ф.
(Рубашка будет помечена.)
Погода до сих пор невероятно прекрасная! Адрес: Pension des Etrangers
Mentone (France)
553. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг,
в своем последнем письме я забыл попросить тебя переслать документ Шмайцнера по адресу моей матери. Тем временем я понял, что должен как можно скорее вызволить свои сочинения от Шмайцнера, т. е. что его нужно принудить продать их сейчас. (Ибо, говоря кратко, мне еще при жизни нужны последователи: и если мои книги до сих пор не действуют как рыболовные крючки, значит, они «не выполнили своего призвания». Самое лучшее и существенное может быть передано только от человека к человеку, оно не может и не должно быть «публичным».)
Завтра вечером (то есть в пятницу) отъезд в Ментону. Мой адрес пока: Pension des Etrangers.
Пребывание здесь пошло на пользу, настоящие «каникулы», главный ящик моих мыслей заперт, многому научился, многое милое и сердечное испытал — и полон благодарности, в том числе и к тебе, мой старый дорогой Овербек!
Твой Ф. Н.
554. An Franz Overbeck in Basel
Мое первое слово отсюда к тебе, возлюбленный друг — ибо случай только что подсказал мне, что шестнадцатое ноября совсем близко (Ко всему прочему, я только что получил переадресованное тобой письмо от назойливого, мною постоянно и принципиально игнорируемого господина Кюршнера из Штутгарта — и получил удовольствие, узнав твой почерк). Посмотри, дорогой старый друг, что еще можно сделать со мной в дальнейшем; признаю, что общаться со мной становится все тягостнее, но я знаю, что при равновесии твоей натуры наша дружба все же устоит на своих двух ногах. Мне глубоко больно, что ты все эти годы видел меня только в состояниях болезни и глубокого истощения — ах, каждый шаг на пути моего предназначения требует ужасной платы, и теперь, когда я лучше понимаю свою жизнь, мне кажется, что все мои телесные страдания последних 12 лет подпадают под понятие таких выплат. Непрерывная мучительная нехватка всего необходимого, утешительного, укрепляющего, долго сдерживаемая моим обычным стоическим терпением, время от времени прорывается наружу, и, как мне кажется, всегда сильнее всего после новой «беременности» и «родов». Так, весь этот год, начиная с марта, я был внутренне болен, не считая светлых недель в Цюрихе, которые были для меня как каникулы и праздники (спасибо добрым, жизнерадостным людям вокруг меня: их влияние для меня перевешивает чистое небо, ad exemplum Мальвида при римском сирокко.
Дорога сюда, опасная и невыносимо волнующая для человека, ослепшего на три четверти, должна была быть оплачена прежде всего трехдневным приступом. Даже сегодня я еще не в порядке, но дело идет на поправку. Ментона, по сравнению с Ниццей, достойнее меня, но кажется, что внешние причины могут вынудить меня, несмотря на это, переехать туда. Пока что — указанный адрес.
Тебе и твоей дорогой жене искренне преданный
Н.
555. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие
прибыв в Ментону и почти оправившись от последствий невыносимо утомительной поездки — хочу сказать: от трехдневного очень тяжелого приступа. (Всего было слишком много: 4 раза смена билетов, 3 пересадки, 2 раза таможня самого неприятного рода; а это неподвижное сидение в переполненных купе — невыразимая мука для моей спины, я снова проклял всякие путешествия!!) У меня здесь милая маленькая рабочая комната, похожая на ту, что была в Цюрихе, залитая солнцем. Но дом почти пуст, а питание пока что жалкое (маленькие разогретые кусочки мяса, мне это совсем не идет на пользу)
Если не станет лучше, я все же вернусь в Ниццу, где мне дают достаточно еды, и все красиво и нежирно поджарено, — тогда как здесь готовят по-вюртембергски. —
Прошу прощения! что я говорю о еде. В остальном, в плане пейзажа, Ментона мне гораздо приятнее, чем Ницца — тише, величественнее, горы и зелень ближе, так что не нужно, как в Ницце, делать 40-минутный марш-бросок, чтобы выбраться на волю.
Но приезжих пока нет. Музыкальный павильон строят не спеша. Что касается воздействия моря и неба: у меня такое чувство, будто с момента отъезда из Ниццы весной я был постоянно болен, не считая цюрихских недель, когда небо и «люди» сговорились, чтобы мне было хорошо.
Я здесь гораздо терпеливее и жду того, что должно «прийти» (а именно из меня самого!)
Я все еще должен Лоренцу 16 марок, но он может подождать. Шмейцнер должен и обязан меня продавать, я хочу выбраться из этого «тупика».
Сердечно преданный вам
Ваш Ф.
556. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая Лама,
Шмайцнер уже получил от меня письмо с выговором — впрочем, не слишком грубое, хотя наши взгляды на то, что считать грубостью, по-видимому, расходятся. (Бедный Ланцки теперь вовсе остался без своего прекрасного письма и уехал в Грецию.)
Я — со своей стороны — хочу посредством иска прежде всего того добиться, чтобы Ш<меитцнер> как можно скорее распродал мои сочинения: я убедился в Цюрихе (с помощью Читального музея), что эти сочинения в его углу попросту гниют: уже давно мое имя не упоминалось ни в одном научном журнале ни у нас, ни за границей (это privatissime между нами!) Он не рассылает экземпляры для рецензий, не дает объявлений и т. д.
Главное теперь: хороший издатель, по возможности Брейткопф и Хертель в Лейпциге или кто-то в этом роде. (Прометей Липинера вышел у Бр<ейткопфа> и Хертеля; это богатые люди.) Тот Оппенгейм должен быть надежным и деятельным. Если бы ты когда-нибудь смогла поехать в Лейпциг, нет ли возможности поговорить с господином Хертелем? Или мне стоит вернуться к старому Энгельману, который в свое время (когда я был молод!) предлагал мне свои услуги в качестве издателя? Возможно, его уже нет в живых; но тогда есть сын. (Хорошая книга В. Рольфа «Биологические проблемы» вышла там, Лейпциг, Вильгельм Энгельман.) Я сам назвал Шмайцнеру этих трех издателей. — А именно: если все пойдет хорошо, в январе мне понадобится издатель и печатник для 4-го Заратустры. К тому времени продажа должна быть совершена, ибо я не заставлю ни одного издателя печатать 4-ю часть, если у него в руках нет трех первых. (Об этой 4-й части при всех переговорах о продаже и т. д. следует мудро помалкивать, равно как и о теперь уже неизбежных пятой и шестой частях (ничего не поделаешь, я должен сначала помочь моему сыну Заратустре прийти к его прекрасной смерти, иначе он не даст мне покоя.))
Пишите, мои дорогие, приятные, ободряющие вещи, чтобы у меня все шло хорошо.
Ментона — это нечто восхитительное по сравнению с Ниццей. Я уже открыл 8 прогулочных маршрутов. Теперь никто из знакомых не должен приближаться ко мне: я нуждаюсь в этой абсолютной тишине. Я ем один.
С сердечной любовью, Твой и Ваш
Ф.
Пришли, моя дорогая Лама, «материал» (в частности, последний расчет процентов) доброму дядюшке! (Кёзелиц однажды сказал, что если я всерьез возьмусь за Шмайцнера, то он опасается, как бы я не столкнулся с какой-нибудь неожиданной подлостью с его стороны — —)
Я немедленно написал дядюшке Д<ехзелю>.
И едет ли доктор Ф<ёрстер> в Германию? И когда? —
557. An Heinrich Köselitz in Zürich
Вот, мой дорогой друг Гаст, нечто, что должно принадлежать Вам, если это пробудит в Вас тот великий, возвышенно-необузданный оркестровый танец, который в Вас дремлет, — танец для большого оркестра, способного мощно реветь и бушевать! Вы можете использовать эту песню как предисловие (или, как говорили иначе, как «программу») — а именно на случай публикации Вашей музыки.
Мистралю.
Танцевальная песня.
Мистраль, ты охотник за тучами,
Убийца тоски, небес очиститель,
Бушующий, как я люблю тебя!
Разве мы двое не из одного чрева,
Первенец, одной судьбой
Предначертаны навеки?
Здесь, на гладких скалистых тропах,
Бегу я танцуя тебе навстречу,
Танцуя, как ты свистишь и поешь:
Ты, что без корабля и руля,
Как свободнейший брат свободы,
Прыгаешь через дикие моря.
Едва проснувшись, услышал я твой зов,
Штурмовал скалистые ступени,
К желтой стене у моря —
Привет! Ты уже пришел, как светлые
Алмазные потоки стремнины,
Победоносно с гор!
На ровных небесных токах
Видел я, как скачут твои кони,
Видел колесницу, что несет тебя,
Видел, как рука твоя сама взлетает,
Когда она на спины коней
Словно молния хлещет бичом —
Видел, как ты прыгаешь из колесницы,
Хлещешь волны, покоряешь моря,
Видел, как ты, сжавшись в стрелу,
Пяткой отталкиваешься назад,
Чтобы твоя колесница в розы
Первой зари рухнула.
Танцуй же на тысячах спин,
Спинах волн, коварстве волн —
Привет тому, кто создает новое искусство!
Будем танцевать тысячью способов,
Свободным — да назовется наше искусство,
Радостной — наша наука!
Сорвем с каждого цветка
По лепестку себе на славу
И еще два листа для венка!
Будем танцевать, как трубадуры,
Между святыми и блудницами,
Между Богом и миром — танец!
Кто не может танцевать с ветрами,
Кто должен кутаться в повязки,
Связанный, калека-старик,
Кто подобен ханжам-лицемерам,
Почетным олухам, добродетельным гусям:
Вон из нашего рая!
Взвихрим дорожную пыль
Всем больным в носы,
Отпугнем выводок больных!
Освободим все побережье
От дыхания иссохших грудей,
От глаз без мужества!
Прогоним омрачителей неба,
Чернителей мира, двигателей туч,
Осветлим небесное царство!
Бушуем — — о дух всех свободных
Духов, с тобой вдвоем
Бушует мое счастье, подобно шторму!
— И чтобы вечно память
О таком счастье жила, прими его завещание,
Возьми этот венок с собой наверх!
Брось его выше, дальше, еще дальше,
Штурмуй небесную лестницу,
Повесь его — на звезды!
558. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Fragment).
[ + + +] В то же время мне написала г-жа д-р Мюллер, владелица «Швейцарского пансиона» в Аяччо, принимая сделанные мною предложения. В то же время еще одно длинное письмо от фрейлейн Резы из Парижа, которая, как я думаю, хочет навестить меня на Корсике.
Несмотря ни на что — ваш принц настолько разбит, что еще не может решиться на эту поездку (12 часов ночного пути).
Но я считаю, что не должен упустить эту необычную возможность побывать на Корсике. Сначала я хочу поехать в Ниццу и поэкспериментировать, будет ли она снова так же целительна. Как только я поправлюсь, тогда и посмотрим.
Вокруг меня должны быть жизнерадостные люди. Жаль, что я не поехал в Париж. —
Любите меня и не падайте духом. (Мое письмо о делах Шмайцнера должно быть уже у вас в руках?)
Ваш Фриц.
Адрес: Ницца (Франция) Pension de Genève / petite rue St. Etien[e]ne
559. An Paul Lanzky in Ajaccio
Мой дорогой господин Ланцки,
Какая досада! Вы уехали на несколько дней раньше — но то, что Вы приехали в Ниццу, мне очень приятно; я мог бы, при известных обстоятельствах, дойти в своей благодарности за это до того, чтобы теперь приехать на Корсику. Сообщите мне, если возможно, немедленно, несколько подробностей о том, «как и где» в Аяччо — адресуйте сюда, в Ментону, пансион des Etrangers.
Я сейчас нездоров, бодрые прогулки и построение планов на будущее человечества должны помочь мне это преодолеть. Если не считать нескольких приступов нетерпения и грубости.
Еще раз: мне сердечно приятно было снова получить от Вас известие.
Преданный Вам
Ваш
Д-р Фридрих Ницше
Проф.
P.S. Приходите же, в порядке эксперимента, в воскресенье 30 ноября утром в порт: — возможно, я уже буду там.
560. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Мои дорогие, с момента моей последней открытки до настоящего времени — сильный приступ. Сегодня изможден. — Дело с Корсикой улажено: — господин Ланцки вернется оттуда и проведет зиму со мной в Ницце, в том же пансионе. (Результат писем и телеграмм.) Я хочу и должен держаться за Ниццу ради моей будущей «колонии», которая теперь кажется мне более возможной (я имею в виду: симпатичные люди, перед которыми я могу излагать свою философию). Столь одинокий, как здесь или в Энгадине, я постоянно болен. — Между Н<иццей> и Ментоной дело в определенной разнице влажности воздуха; я — тонкое существо. Итак, старый адрес (пожалуйста, также для дяди Бернхарда) Pension de Genève.
Ваш Ф.
561. An Resa von Schirnhofer in Paris
Милая моя фрейлейн Реза,
с момента моего отъезда из Цюриха дела мои шли плачевно; попытка сделать промежуточную остановку в Ментоне оказалась совершенно неудачной — мне здесь не хватает живительной силы ниццкого климата, и я не совсем понимаю, почему её здесь нет. Пейзаж первоклассный — тонкие и смелые линии, словно придуманные художником. К тому же здесь тихо, гораздо достойнее, чем в Ницце, — и всё же, ничего не выходит!
Представьте себе: тем временем господин Ланцки ждал меня там, в пансионе de Genève, — я узнал об этом на два дня позже. Затем он уехал в Аяччо, оставив мне трогательное письмо.
Ах, эти глупые глаза! — Теперь мне уже нельзя писать! Сейчас с ними дело обстоит хуже, чем в последние годы. Этим летом я слишком много работал.
Хвала, честь и слава всему, что Вы сообщаете о Вашем парижском быте и занятиях! И тому, что Вам так нравится всё «монодическое»! Это более тонкие, более высокие люди: из этого должны получиться прекрасные и избранные дети! —
А Мальвида больна? Как бы я хотел быть с ней в Версале!
Если позволите, ради меня познакомьтесь с Сен-Жермен-ан-Ле: это моё будущее место для спокойной работы и прогулок по лесам.
А Сен-Клу? —
Вы знаете, в сущности, я к французам (не именно к парижанам!) отношусь «лучше», чем к немцам. Особенно сейчас!
Разве мир не катится всё кривее и кривее?
Все христиане промышляют торгашеством,
Французы становятся глубже, —
А немцы — с каждым днём всё мельче.
Сердечно преданный Вам
Н.
562. An Heinrich von Stein in Berlin
Тоска отшельника.
О полдень жизни! Торжественное время!
О сад летний!
Беспокойное счастье в стоянии, высматривании и ожидании!
Друзей я жду, день и ночь наготове:
Где вы, друзья? Приходите! Пора! Пора!
На высотах для вас мой стол накрыт:
Кто обитает у звезд
Так близко, кто — в бездонных далях света?
Мое царство — здесь, наверху, я открыл его для себя —
И все это Мое — разве не для вас было открыто?
Теперь пусть любит и манит вас седина ледника
С юными розами,
Вас ищет ручей, томительно теснясь, сталкиваются
Ветер и облако выше сегодня в синеве,
Чтобы высмотреть вас с высоты птичьего полета - - -
Вот вы, друзья! — Увы, но я — не тот,
К которому вы стремились?
Вы медлите, изумляетесь — ах, лучше бы вы гневались!
Я уже не тот? Изменились рука, шаг, лицо?
И то, что я есть, — для вас, друзей, я — не то?
Я стал другим и самому себе чужим?
От самого себя ускользнул?
Борец, что слишком часто побеждал себя,
Слишком часто противился собственной силе,
Собственной победой раненый и скованный? —
Я искал там, где ветер дует резче всего,
Я учился жить
Там, где никто не живет, в пустынных зонах белых медведей,
Отучился от человека и бога, проклятия и молитвы,
Стал призраком, что бродит по ледникам.
Дурным охотником я стал: смотрите, как круто
Натянут мой лук!
Сильнейший был тот, кто так натянул тетиву —
Но горе теперь! Ребенок может сейчас стрелу
Наложить: прочь отсюда! Ради вашего же блага! —
Вы, старые друзья! Смотрите, вы бледнеете,
Полные любви и ужаса!
Нет, уходите! Не сердитесь! Здесь — вам не жить!
Здесь, между далечайшим царством льда и скал —
Тут надо быть охотником и подобным серне.
Вы поворачиваете назад? — — О сердце, ты вынесло довольно!
Сильной осталась твоя надежда!
Держи новым друзьям свои двери открытыми,
Старых оставь! Оставь воспоминания!
Был ты когда-то юн, теперь — ты лучше юн!
Больше не друзья — это, как же назвать их?
Только призраки друзей!
Это стучит мне, пожалуй, еще по ночам в сердце и окно,
Это смотрит на меня и говорит: «мы же были ими?»
— О увядшее слово, что когда-то пахло как розы!
И то, что связывало нас, узы юных желаний, —
Кто прочтет знаки,
Что любовь когда-то вписала, еще, бледные?
С пергаментом сравню я их, который рука
боится коснуться — подобно ему, пожелтевшие, сожженные! —
О юношеская тоска, что поняла себя превратно!
Те, кого я жаждал,
Кого считал себе родными-преображенными —
То, что они состарились, изгнало их:
Лишь тот, кто меняется, остается мне родным!
О полдень жизни! Второе время юности!
О сад летний!
Беспокойное счастье в стоянии, высматривании и ожидании!
Друзей я жду, день и ночь наготове: —
Новых друзей! Приходите! Пора! Пора!
— — — — Это для Вас, мой дорогой друг, в память о Зильс-Марии и в благодарность за Ваше письмо, за такое письмо!
Ф. Н.
(Ницца, пансион де Женев, маленькая улица Св. Этьена.)
563. An Julius Rodenberg in Berlin (Entwurf)
Наконец, я даже не знаю, публиковала ли когда-нибудь ваша «Rundschau» стихи. Однако нынешний случай — что Фридрих Ницше сам предлагает журналу напечатать что-то из моего — настолько противоречит всем моим правилам, что и вы можете здесь однажды сделать исключение — исключение, как я безусловно предполагаю, в пользу и к выгоде вашего журнала. Дайте мне, глубокоуважаемый господин, любезный ответ «да» на эти строки, одновременно с вашим предложением относительно гонорара. Мой адрес на данный момент: — — —
564. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие,
сердечно благодарю, всё теперь в моих руках. Ваши письма звучат по-зимнему уютно. Для меня — должна остаться Ницца: тонкий опыт с чем-то столь близким и похожим (в некоторых отношениях даже более благотворным), как Ментона, который решительно обернулся в пользу Ниццы, весьма поучителен; точно так же Аяччо полностью выбыл из игры, с тех пор как я благодаря господину Ланскому осведомлен о нем так, как будто я там был. Теперь многое или всё здесь мне еще предстоит изобрести — и я надеюсь, что в последний раз я молча и смиренно поместил себя в такую недостойную пансионную обстановку.
Господин Л<анский>, который 4 недели ждал здесь «моего приезда и прощения» и в конце концов уехал в Аяччо, немедленно вернулся, когда я телеграфировал ему: «Venez pour Nice. Votre ami N.» Он телеграфировал в ответ: «Je serai a Nice mercredi. Votre bienheureux Lanzky». — Он имеет представление о том, кто я такой. В целом же, выражаясь по-французски: il m’ôte la solitude, sans me donner la compagnie. — Так что в эту зиму ничего не выйдет с 4-м Заратустрой. — Он был несколько лет редактором rivista Europea и знает этот мир литераторов и книготорговцев. — Мне нужны для моей дальнейшей жизни здесь 1) независимая квартира 2) кухарка 3) мой музыкант Кёзелиц (с 5 часами в неделю и небольшим пособием от своего отца он может здесь жить, он признался мне в этом: часы ему должна обеспечить моя добрая старая Мансурова в своем здешнем русском обществе) Я мог бы добавить еще несколько пунктов 4) и 5), но особо замечу, что «супруга» в них совершенно не подразумевается.
К<ёзелиц> 7 декабря сам будет дирижировать своей «Львиной увертюрой» на концерте в Тонхалле. — Среди его сотрапезников есть фрейлейн фон Залис, к его большому неудовольствию.
Твое последнее письмо, мой дорогой Лама, содержало ошибку, которую я, в том числе для сообщения дяде Бернхарду, хотел бы здесь основательно устранить. Итак: господин Шм<айцнер> может, если захочет, продать любому книготорговцу оставшиеся экземпляры моих сочинений из оговоренных 1000, но он не может продать издательское право на эти сочинения, потому что он им не владеет! Право издавать мои сочинения, то есть выпускать новые тиражи, я один имею право предоставлять: причем на срок до 30 лет после моей смерти. (Это, при определенных обстоятельствах, может сделать меня состоятельным человеком) (Это также мнение господина Ланского)
Итак, дорогой Лама, это большая глупость, что я сейчас не могу поехать в Лейпциг. При тщательном обдумывании я нахожу неразумным, чтобы ты вместо меня вел переговоры с лейпцигскими издателями: также не говори об этом с Хайнце (это нерешительный и боязливый характер, не только по моему мнению; к тому же он не имеет ни малейшего представления о моем значении, я хочу сказать: у него нет «веры в меня», и он духовно слишком мелок! Это между нами; ты же знаешь, что я лично хорошо к нему отношусь)
Сумма 20 000 марок — это глупое надувательство Шмайцнера. Допустим, из первоначально изготовленных 13 000 экземпляров моих сочинений (их 13, каждый напечатан тиражом 1000 экз.) осталась еще половина, что, вероятно, будет приблизительной правдой, то есть ок. 7000, тогда этот бесстыдный мошенник всё равно хотел бы получить примерно 3 марки за каждый экземпляр!! — в то время как среди 13 книг есть 7, книготорговая цена которых составляет 3 марки или меньше!! (4 «Несвоевременных размышления» и 3 «Заратустры») Если на что-то должен быть наложен арест, хорошо, тогда на мои книги: имеющиеся экземпляры будут представлять собой стоимость примерно в 5—7000 марок; я думаю, за эту сумму мне удалось бы продать их издателю, если бы они, в случае неплатежеспособности Шмайцнера, остались у меня. Эту продажу мне пришлось бы оформлять лично: — в худшем случае мне пришлось бы ради этого в следующем году приехать в Лейпциг. —
Между тем, однако, я надеюсь, что Шм<айцнер> избавит меня от этого и со своей стороны найдет покупателя. — Будьте бодры, мои дорогие! Пока эта история висит в воздухе, всякое духовное творчество невозможно. Ваш
Ф.
У Шм<айцнера> не было моего адреса, и поэтому он поступил совершенно правильно, адресовав свое последнее письмо в Наумбург. — В последнем письме к вам я писал, что я сам уже дал ему «намек» в письме.
565. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие,
вот вам рождественское письмецо! Как прискорбно, что мы не можем мило стоять вместе вокруг рождественской ёлки — с отправкой подарков при таком расстоянии ничего не выйдет. Поэтому пусть моей дорогой матушке от моего имени будет преподнесено что-нибудь «из бархата на жакетик»; и моему дорогому Ламе тоже что-нибудь, непременно что-нибудь красивое, очень — красивое: так я требую это настоящим! — И давайте все будем в добром расположении духа!
Вчера я был болен, вечером пришло письмо, которое особенно порадовало меня тем, что в нём не было никакой глупой болтовни. К подобным «молчаниям» я питаю большое понимание и благодарность; многие вещи невозможно преодолеть иначе, как перестав их касаться. Само собой разумеется, что, как только появится окончательный результат, я тоже хочу о нём знать. —
Болезнь глаз — вот тот факт этой зимы, о котором невозможно умолчать. Нет сомнений, что причиной тому моя комната в Энгадине (без света, выходящая на скалистую стену, маленькое окно —).
В остальном Ницца оправдывает себя, в странном контрасте с Ментоной. Мне необходим самый сухой климат, чтобы чувствовать себя хорошо и быть духовно ясным и бодрым. Именно необычайная сухость воздуха отличает Ниццу на всём этом побережье, а Энгадин — во всей Швейцарии. С этим же связана и степень яркости и чистоты неба.
В пансионе всё идёт, благодаря моей «снисходительности» и «скромности» («доброжелательность» — это будет вернее). Генерал Симон тоже снова здесь. —
Каждое утро немного протапливают. Желудок снова стал лучше, кухня устроена очень сообразно его потребностям.
Ланцки недостаточно весел для меня. Но он очень старается ради меня и терпит то, что я порой не могу вынести без грубости. —
Но теперь глаза говорят: «Довольно!»
С любовью приветствую и обнимаю вас
Ваш
Принц Фридрих.
Прошу, ради Ланцки, прислать брошюру Роде о «Рождении трагедии» (в коричневом кожаном переплёте), затем статью о Гомере, наконец, переплетённую тетрадь для записей, красновато-фиолетовую, формата кварто, исписанную, толстую — я в прошлый раз забыл её упаковать. Тогда она была в комнате у лестницы, лежала в корзине? между другими книгами и серыми тетрадями. На последней странице, кажется, написано «злая мудрость» или что-то в этом роде. Много сентенций.
Я посылаю статью Ланцки обо мне, не потому что я должен её хвалить, а потому что это первое крупное эссе обо мне. То, что она напечатана в венгерской провинциальной газетёнке, относится к рубрике глупости и неловкости моего господина издателя. —
Ф.Н.
И пусть новый год принесёт всё доброе и желанное, включая того самого желанного!
От всего сердца
Ваш Ф.
566. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг
Твое последнее письмо, прекрасный отзвук твоих праздничных чувств, так согрело мое сердце — я бы с радостью ответил сразу же! Но, к сожалению, главный факт этой зимы — болезнь глаз, а следовательно, крайнее ограничение любого письма и чтения. В причине этого недуга я не сомневаюсь: в моей комнате в Энгадине нет света (она совсем близко к черной скале, единственное маленькое окно — в этой комнате я не должен больше жить! Возможно, летом я также слишком много читал плохо напечатанных книг (немецких книг по метафизике!) — — Попытка с Ментоной не удалась, но эта неудача была для меня весьма поучительной. Ницца, как и прошлой зимой, оказывает удивительно быстрое благотворное влияние — и теперь я понимаю, что именно сухость воздуха заставляет меня любить Ниццу и Верхний Энгадин: я имею в виду, что самые сухие места Ривьеры и Швейцарии, то есть Ницца и Верхний Энгадин, лучше всего действуют на мою голову. То, что в этих краях также много ясных, чистых дней, косвенно связано с упомянутой большой сухостью воздуха. В Ницце 60 мм, а в Ментоне 70 мм в среднем — дела идут лучше, приступы здесь случаются гораздо реже.
Сама по себе город Ни<цца> мне отвратителен, я веду себя оборонительно, как будто его и не существует: для меня важны воздух и небо Ни<ццы>
Альберт Кёхлин снова любезен со мной, генерал Симон также остался прежним. Кроме того, в моем пансионе живет господин Пауль Ланцки, мой большой почитатель: в прошлом редактор rivista Europea, в общем, литератор. Но когда вчера он дал мне почитать длинное эссе обо мне (напечатанное в венгерской газете!), мне не оставалось ничего другого, как поступить так же, как в прошлом году с доктором Панетом, тоже большим поклонником и обожателем: а именно обязать его не писать обо мне. У меня нет ни малейшего желания позволить вырасти вокруг себя новому виду Нолей, Полей и «Колей» — и я в тысячу раз предпочту свое полное уединение обществу посредственных восторженных поклонников. —
Ты читал «Героев и мир» Штайна? — Пожалуйста, прочти.
Я заказал письменный перевод на немецкий язык большой статьи Эмерсона, которая проливает некоторый свет на его собственное развитие; если хочешь, она в твоем распоряжении и распоряжении твоей дорогой жены. Не знаю, сколько бы я отдал за то, чтобы задним числом добиться того, чтобы такая великолепная великая натура, богатая душой и духом, прошла строгую выучку, настоящую научную культуру. В нынешнем же виде в лице Эмерсона мы потеряли философа!
Желая тебе и твоей дорогой жене всего наилучшего в наступающем новом году, твой
Н.
Не мог бы ты прислать мне сюда 500 франков (французскими бумагами) по-старому? —
567. Vermutlich an Hermann Levi in München (Entwurf)
Д<орогой> Г<осподин> Л<еви>. Кто знает, помните ли вы меня еще. Ибо я отшельник, и если я сам забыл полмира, то по справедливости, вероятно, три четверти мира (или больше) забыли меня, — — —