1883 (115 Briefe)
367. An Malwida von Meysenbug in Rom
Hochverehrte Freundin
Ich stehe eben von einem äußerst schmerzhaften Anfalle meines Leidens auf, mit dem ich „Neujahr feierte“: da finde ich Ihren Brief und Ihre alte Güte vor! Verargen Sie mir meinen neulichen Seufzer nicht (auch braucht Niemand sonst um meine Noth zu wissen) Aber es kommt gerade jetzt Vieles zusammen, um mich der Verzweiflung ziemlich nahe zu bringen. Unter alle Diesem ist, wie ich nicht leugnen will, auch meine Enttäuschung in Betreff von L<ou> S<alomé>. So ein „wunderlicher Heiliger“ wie ich, der die Last einer freiwilligen Ascese (einer schwer verständlichen Ascese des Geistes) zu allen seinen übrigen Lasten und erzwungenen Entsagungen hinzugenommen hat, ein Mensch, der in Bezug auf das Geheimniß seines Lebenszieles keinen Mitwisser hat: ein solcher verliert unsäglich viel, wenn er die Hoffnung verliert, einem ähnlichen Wesen begegnet zu sein, das eine ähnliche Tragödie mit sich herumschleppt und nach einer ähnlichen Lösung ausschaut. Seit Jahren bin ich nun ganz allein, und Sie werden mir zugeben, daß ich „eine gute Miene“ dazu gemacht habe — auch die gute Miene gehört unter die Bedingungen meiner Ascese. Wenn ich jetzt noch Freunde habe, so habe ich sie — ja wie soll ich das ausdrücken? — trotz dem, was ich bin oder werden möchte. So sind Sie mir gut geblieben, liebe verehrte Freundin, und ich wünsche von ganzem Herzen, daß ich dafür zum Danke Ihnen auch noch einmal aus meinem Garten eine Frucht reichen kann, die nach Ihrem Geschmack ist. —
Was Sie vom Charakter L<ou> S<alomé>’<s> sagen, ist wahr, so schmerzlich es mir ist, es einzugestehn. Ich fand eigentlich noch niemals einen solchen naturwüchsigen, im Kleinsten lebendigen, durch das Bewußtsein nicht gebrochnen Egoism vor, einen solchen thierhaften Egoism: und deshalb sprach ich von „Naivetät“, so paradox das Wort auch klingt, wenn man sich dabei des raffinirten auflösenden Verstandes erinnert, den L<ou> besitzt. Aber es will mir scheinen, daß in diesem Charakter noch eine andre Möglichkeit verborgen liegt: wenigstens ist dies der Traum, der mich nie ganz verlassen hat. Gerade bei einer solchen Natur könnte eine beinahe plötzliche Veränderung und Verlegung des ganzen Schwergewichts möglich sein: das, was die Christen eine „Erweckung“ nennen. Die Vehemenz ihrer Willenskraft, ihre „Schwungkraft“ ist außerordentlich. In ihrer Erziehung müssen entsetzliche Fehler gemacht worden sein — ich habe noch kein so schlecht erzogenes Mädchen kennen gelernt. So wie sie augenblicklich erscheint, ist sie beinahe die Caricatur dessen, was ich als Ideal verehre, — und Sie wissen, man wird am empfindlichsten in seinem Ideale gekränkt.
Was Rée betrifft, so kommt er mir immer mehr wie Jemand vor, dessen Lebensflamme halb im Erlöschen ist: — keine Ideale, keine Zwecke, keine Pflichten, keine Instinkte. Es scheint ihm wohl zu thun, in der Nähe L<ou> S<alomé>s zu leben und ihr nützlich (ich möchte sagen: dienstbar) zu sein. Darin geht es ihm anders als mir. Aber auch ich will L<ou> nützlich sein, so gut ich kann: das habe ich ihr und mir versprochen.
Nicht wahr, Sie glauben mir, wenn ich sage „es handelt sich nicht im Entferntesten um eine Liebschaft“? Sie erwähnten Nerina, und mir kam der Gedanke, als ob ich vielleicht eine Parallele zu meinem Freunde G<ersdorff> sein solle?
So viel über dies Thema: es gehört zu den Irrfahrten Ihres Freundes Odysseus. Wäre ich nur etwas klüger! Oder beriethe mich Jemand besser! Aber ein Halb-Blinder lebt zu sehr in seinen Träumen, Bedürfnissen und — Hoffnungen.
Um Nicht-Antwort wird gebeten, meine verehrungswürdige Freundin.
Von Herzen Ihr FN.
368. An Heinrich Köselitz in München
Inzwischen, mein lieber Köselitz, fehlte es mir an Vernunft — und so war ich nicht im Stande Ihren Brief zu beantworten, nicht einmal, ihn richtig zu empfinden. Es war mir, als ob aus einer ungeheuren Fremde her Jemand zu mir spreche.
Neulich unterwegs dachte ich viel an Sie: ich erwog das Problem, welches seit Wagner da ist, und ungelöst ist: wie ein ganzer Akt Oper eine symphonische Einheit als Organism bekommen könne. Dabei gerieth ich auf mancherlei Fragen der Praxis oder der „Praktik“; z.B. der Musiker müßte einen solchen Gesammt-Satz schaffen aus der genauesten Kenntniß des dazu gehörigen Stücks Drama (Affekte, Wechsel und Kampf der Affekte) und alles Scenische muß ihm gegenwärtig sein. Aber nicht das Wort! Der eigentliche Text müßte erst gedichtet werden, nachdem die Musik fertig ist, in einer fortwährenden Anpassung an die Musik: während bis jetzt das Wort es war, das die Musik mit sich fortschleppte.
Dies ist Ein Punkt: den Text nach der Musik zu dichten!
Der andere Punkt ist der, daß der Verlauf der Affekte, der gesammte Aufbau des Aktes etwas vom Schema des symphonischen Satzes haben müßte: gewisse Responsionen und dergl. — daß also der Dichter sofort auf die Aufgabe hin den Akt zu bauen habe, daß er ein symphonisches Ganze auch als Musik werden könne.
Kurz: der Musiker muß vorher den Dichter leiten, und nachher, wenn die Musik fertig ist, erst recht! —
Es thut mir Alles sehr wohl, was Sie über Ihre Erlebnisse schreiben. Auch selbst in meinem Interesse ist es, wenn Sie mit Levi eine gute Tonart des Verkehrs erfinden. Was seinen „Scherz“ betrifft, so habe ich ein Verschen gemacht:
„Mit Wagner bliebe man gerne Freund,
Wär’ er sich nicht selber sein größter Feind.“
Meine Grüße an ihn <Levi>, wenn es Ihnen passend scheint, sie auszurichten. — Irgendwann einmal werde ich doch wohl in München leben. —
Lesen Sie doch einmal die November-Nummer von Schmeitzner’s Zeitschrift. Da ist ein Aufsatz über die „fröhliche Wissenschaft“ aus einer mir unbekannten Feder. Nicht übel! Zum ersten Mal las ich seit 6 Jahren etwas über mich ohne Ekel.
Sonst stinkt das Blatt nach Dühring und Juden-Feindschaft.
Wenn es mir etwas besser geht (die Gesundheit ist sehr rückwärts gegangen!) werde ich auch an Frau Rothpletz schreiben, die mir einen äußerst liebevollen Neujahrsbrief schrieb. Einstweilen sagen Sie ihr den Dank meines Herzens.
Adieu, lieber Freund! Und vorwärts, aufwärts! Die Erde und das Leben sind nur bei dieser schrägen Richtung in die Höhe auszuhalten.
Von Herzen
Ihr F. N.
Anfang Februar werde ich wohl wieder in Genua sein.
369. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund,
es geht gar nicht gut, und am besten wäre es, ich schwiege davon. Am Anfang Februar will ich nach Genua übersiedeln — ich werde in dem gleichen Hause wohnen, wo ich vorigen Winter verlebte. Einen Ofen werde ich nicht haben — ich habe auch hier keinen. Gefroren hab ich diesen Winter wie noch nie, auch nie so schlecht gegessen. Übrigens geht die Gesundheit stark rückwärts.
Ich verstehe jetzt, welchen Werth für alle Einsiedler der Menschenhaß gehabt hat. Leider bin ich zum Gegentheil geartet. Auch wünschte ich, ich hätte einen felsenfesten Glauben an mich selber: aber dazu bin ich noch weniger angelegt. Ich bin schon viel zu viel krank dazu: und jeder Umschlag des Wetters, jeder trübe Himmel bringt in mir eine große Beängstigung hervor. Das Wetter letzten Sommers in Deutschland und diesen Winters hier ist das Schlimmste, was mir an physischen Widerwärtigkeiten begegnen kann. Im Grunde ist „die fröhliche Wissenschaft“ nur eine überschwängliche Art sich zu freuen, daß man einen Monat reinen Himmel über sich gehabt hat. Man wird eben als Leidender sehr bescheiden und übertrieben dankbar gesinnt — was ich auch in Bezug auf andre Dinge im verflossenen Jahre viel zu viel gewesen bin.
Das „moralische“ Schluß-Ergebniß dieses bösen Jahres heißt so: man hat mich dasselbe Gift hundertmal und in den verschiedensten Dosen schlucken lassen, das Gift „Geringschätzung“, von der schnöden Gleichgültigkeit an bis zur tiefen Verachtung. Das hat bei mir einen Zustand hervorgebracht wie bei einer Phosphorvergiftung: ewiges Erbrechen, Kopfschmerz, Schlaflosigkeit usw. Ich habe Jahre lang nichts von außen her erlebt: im verflossenen Jahre aber sehr viel, leider immer dasselbe. Drum werde ich’s so schwer los. Das beneficium mortis erlange ich aber nicht von mir — ich will noch etwas von mir und darf mich durch schlechtes Wetter und schlechten Ruf daran nicht hindern lassen.
Deutschland ist jetzt für mich eine üble Gegend: gerade die Art Menschen, welche ich dort achte, ist mir äußerst abgeneigt; und die Deutschen sind so ungeschickt in ihren Abneigungen, daß sie immer gleich auch taktlos-unhöflich werden. Ich bin als Student achtungsvoller behandelt worden als im letzten Jahre.
So weiß ich denn gar nicht, wo ein, wo aus. Wüßte ich Jemanden, der mich nach Spanien begleitete! Für Europa sind dort die besten Möglichkeiten reinen Himmels. (Ich bin durch eine Abhandl. in Perthes geogr<aphischer> Zeitschrift sehr gut über Mittelmeer-Klima unterrichtet.)
Frau Rothpletz erfreute mich Neujahr mit einem äußerst gütigen Briefe: sie stellt die Möglichkeit hin, daß wir uns alle zusammen im Sommer wiederfinden — etwa in Tirol oder Südbayern. Aber, wie gesagt, ich fürchte Deutschland.
Ich habe einiges Vertrauen zu irgend einer grandiosen Alpen-Wildniß: ich muß mir Muth machen.
Und immer mehr sehe ich ein, daß ich nicht mehr unter Menschen passe — ich mache lauter Thorheiten (ich bin, im Vertrauen gesagt, 1) viel zu aufrichtig und 2) bis zum Exceß gutmüthig, so daß alles Unrecht immer auf mir liegen bleibt — was auf die Dauer ein sehr übles Resultat giebt.
Adieu, mein lieber Freund, ich bemühe mich allen denen wohlwollend und gerecht zu sein, welche es nicht gegen mich sind.
Den herzlichsten Gruß an Deine liebe Frau, und die besten Wünsche für Euch Beide.
F.N.
Köselitzens Erlebnisse haben manches Parallele mit den meinigen. Aber er hat einen Vorsprung vor mir: er ist vollkommen gesund.
370. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund, ich schrieb Ihnen lange nicht, und es war gut so. Meine Gesundheit hatte sich wieder an Zustände gewöhnt, welche ich hinter mir glaubte: es war eine große Leib- und Seelenquälerei — wobei das jetzige Europa-Wetter keinen geringen Antheil hatte.
Inzwischen gab es aber wieder reine klare Tage, und sofort bin ich auch wieder meiner selber Herr geworden. Ein Glück bleibt es bei alledem, wenn man in der Einsamkeit mit sich selber fertig werden kann: aber wie Viele sind gebunden und müssen ihr Elend im Verkehre mit Menschen verdoppelt tragen!
Gefroren habe ich übrigens wie noch niemals, und ebenfalls niemals schlechter gegessen. Eine Veränderung meines Aufenthaltortes ist jetzt nöthig: ich hatte bereits das Zimmer wieder gemiethet, welches ich im letzten Winter in Genua bewohnte — aber die neueste Nachricht ist, daß der Herr, welcher jetzt darin wohnt, sich anders entschlossen hat und bleiben will.
Nun hat mich die alte gute Freundin Meysenbug nach Rom eingeladen: und mir mit Bestimmtheit Jemanden in Aussicht gestellt, der täglich 2 Stunden mit mir schreiben will. Da ich gerade auf das Dringendste Jemanden zum Schreiben und Diktiren nöthig habe, so will ich nach Rom übersiedeln — so wenig es, wie Sie wissen, der Ort meiner Wahl ist.
Dieser bereitwillige „Schreiber“ ist Fräulein Cécile Horner, die Verwandte Brenner’s (ich habe sie nie gesehn)
Aber vielleicht haben Sie Vergnügen daran zu hören, was es zu schreiben und druckfertig zu machen giebt. Es handelt sich um ein ganz kleines Buch — hundert Druckseiten etwa. Aber es ist mein Bestes, und ich habe einen schweren Stein mir damit von der Seele gewälzt. Es giebt nichts Ernsteres von mir und auch nichts Heitereres; ich wünsche von Herzen, daß diese Farbe — welche nicht einmal eine Mischfarbe zu sein braucht — immer mehr zu meiner „Natur“farbe werde. Das Buch soll heißen
Also sprach Zarathustra.
Ein Buch für Alle und Keinen.
Von
F. N.
Mit diesem Buche bin ich in einen neuen „Ring“ eingetreten — von jetzt ab werde ich wohl in Deutschland unter die Verrückten gerechnet werden. Es ist eine wunderliche Art von „Moral-Predigten“.
Mein Aufenthalt in Deutschland hat mich vollkommen zu dem gleichen Gesichtspunkte gebracht wie Sie, liebster Freund, der Ihrige — nämlich daß ich nicht mehr hineingehöre. Und jetzt wenigstens, nach meinem „Zarathustra“, geht es mir auch wie Ihnen: diese Einsicht und „Stellungnahme“ hat mich ermuthigt.
Wohin wir jetzt gehören? — Seien wir glücklich, daß wir eine solche Frage überhaupt stellen dürfen!
Unsre Erlebnisse waren ziemlich gleich: nur haben Sie ein besseres Temperament, eine bessere stillere einsamere Vergangenheit — und eine bessere Gesundheit vor mir voraus.
Ich bin beinahe erstickt. —
Also bis zum 10ten werde ich noch hier sein. Später Roma poste restante.
Ihnen immer sehr in Gedanken und Wünschen nahe
F. N.
Sie haben Overbecks entzückt! Wie mich!
371. An Malwida von Meysenbug in Rom
Verehrtestes Fräulein,
die Güte Ihres Vorschlags hat mich bewegt: es war soviel Nachdenken darin — über das, was gerade mir noth thut. Wie selten wird einem das Geschenk einer solchen nachdenklichen Güte!
Der Zufall wollte, daß ich gerade meiner alten Genueser Wirthin versprochen hatte, den Februar in meinem alten Kämmerchen bei ihr zuzubringen. Aber „der Zufall“ will wiederum, daß sie mir vorgestern meldet, besagtes Kämmerchen werde doch nicht frei: der Herr, der bisher darin wohne, habe sich entschlossen, zu bleiben. Also bin ich frei, auch für Rom.
Nehmen wir also an, daß ich Mitte des Monats Februar nach Rom komme. —
Was das Klima Rom’s betrifft, so bin ich freilich besorgt: die intrikate Maschinerie meines Kopfes hält es wirklich nur an wenig Orten aus. Das letzte Mal hatte ich denselben Scirocco dort, der mich aus Messina trieb: ich fand ihn in Orta wieder, dann in Luzern — und endlich hat er mich (in Gestalt von Fräulein L<ou> S<alomé>) auch in Deutschland weidlich gequält - - -
Aber einen Monat versuche ich’s jedenfalls. Meine „Einsiedlerei“ wird ja auch in Rom möglich sein: sie ist bei mir leider eine ganz einfache Sache der Noth, obschon ich reichlich viel guten Willen in diese „Noth“ hineingelegt habe. — Dergestalt suche ich mir alle meine Nothwendigkeiten zu „wenden“.
Unschätzbar ist mir gerade in diesem Augenblick die Möglichkeit, welche Sie mir eröffnen, daß Fräulein Horner bereit sei, nach meinem Dictate zu schreiben. Ich habe gerade etwas zu diktiren und druckfertig zu machen: wenn Fräulein H<orner> mir dabei helfen will, so ist es wirklich eine „Hülfe in der Noth“. Ich wußte gar nicht, wohin mich wenden: da kam Ihr Brief.
Geben Sie mir, meine hochverehrte Freundin, mit Einem Worte noch den Wink, wo die Wohnung ist, welche Sie erwähnten — und verzeihen Sie, was ich Ihren Augen und nicht nur Ihren Augen wieder für Noth gemacht habe!
Von ganzem Herzen der Ihrige
Dr. F. Nietzsche.
Santa Marguerita Ligure (poste restante).
372. An Franz Overbeck in Basel
Zugleich mit Deinem Briefe, für dessen Ton und Willen ich Dir nicht genug danken kann, mein lieber Freund — kam die Meldung aus Genua, daß mein altes Kämmerchen doch nicht zum ersten Februar frei werde: sein bisheriger Inhaber habe sich anders entschlossen. Nun hat Malv<ida> Meysenbug mir schon seit Wochen vorgeschlagen, nach Rom zu kommen: sie hat ein Zimmer ausfindig gemacht, mehr noch: auch Jemanden, der bereit ist, täglich ein Paar Stunden für mich zu schreiben (nämlich Fräulein Horner, die im Hause nebenan wohnt) Rom ist nicht der Ort meiner Wahl, aber augenblicklich weiß ich nicht besser zu wählen. Eben habe ich für die Mitte des Monats Februar meine Ankunft zugesagt. — Nun möchte ich Dich bitten, mir recht bald noch an meine bisherige Adresse das Geld zu schicken (die frcs 400, womöglich in italiänischem Papier) und ebenfalls ein Buch (unter Kreuzband) das ich bei Dir gelassen habe „Italien in 60 Tagen von Gsell-Fels“.
Jetzt hatten wir Regenwetter: aber vorher gab es eine ganze Reihe vollkommen reiner Tage, die ich gut benützt habe. Ich war vorher in einem wahren Abgrund von Gefühlen (meine Briefe waren sehr unvollständig —), aber ich habe mich ziemlich „senkrecht“ aus dieser Tiefe in meine Höhe erhoben. Es wird nun wieder „gehen“: — hoffen wir’s wenigstens!
Inzwischen, im Grunde in ganz wenig Tagen, habe ich mein bestes Buch geschrieben, und, was mehr sagen will, jenen entscheidenden Schritt gethan, zu dem ich im vorigen Jahre noch nicht den Muth hatte. Diesmal hatte ich alle meine zehn Kräfte nöthig — und sie waren auch zu meinen Diensten. Ich bin jetzt noch ein Paar Tage mit der „Nagelprobe“ beschäftigt, eine Sache des feinen Hörens, für die man nicht einsam genug sein kann. Dann brauche ich nur Jemanden, dem ich meinen Text diktire: und dazu ist also Fräulein Horner „vom Himmel gefallen.“
Unter diesen Umständen geht es auch mit der Gesundheit wieder vorwärts. Doch habe ich, wie ich heute ausrechnete, in den letzten zwei Monaten 50 gramm Chloral-Hydrat (puro) verbraucht — ich habe nie mehr geschlafen ohne dies Mittel!
Aber ich habe doch geschlafen, jetzt gegen 14 Tage hintereinander — oh welche Wohlthat! — —
Meine „Moral“ in Bezug auf mich heißt übrigens mehr als je „Einsamkeit“. Mein lieber alter Freund, ich dachte Dir diesmal etwas Erfreuliches zu schreiben? Ist es so? Und ebenso Deiner lieben Frau! Innige Grüße.
Dein F.N.
373. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund
das Geld ist in meinen Händen: und wieder dachte ich darüber nach, welche unangenehme Mühsal ich Dir nun seit Jahren mache. Vielleicht hat es nun bald sein Ende.
Ich will es Dir nicht verhehlen, es steht schlecht mit mir. Es ist wieder Nacht um mich; mir ist zu Muthe, als hätte es geblitzt — ich war eine kurze Spanne Zeit ganz in meinem Elemente und in meinem Lichte. Und nun ist es vorbei. Ich glaube, ich gehe unfehlbar zu Grunde, es sei denn, daß irgend Etwas passirt, ich weiß durchaus nicht was. Vielleicht, daß mich Jemand aus Europa wegschleppte — ich, mit meiner physikalischen Denkungsweise, sehe in mir jetzt das Opfer einer terrestrisch-klimatischen Störung, der Europa ausgesetzt ist. Was kann ich dafür, daß ich einen Sinn mehr habe und eine neue furchtbare Leidensquelle!
Selbst so zu denken ist schon eine Erleichterung — so brauche ich doch nicht die Menschen als Ursachen meines Elends anzuklagen. Obwohl ich dies könnte! Und nur zu viel auch thue! Alles, worauf ich in meinen Briefen an Dich hingedeutet habe, ist nur das Nebenbei — ich habe eine solche vielfache Last qualvoller und gräßlicher Erinnerungen zu tragen! So ist es mir zum Beispiel noch nicht Eine Stunde aus dem Gedächtnisse weggeblieben, daß mich meine Mutter eine Schande für das Grab meines Vaters genannt hat.
Von anderen Beispielen will ich schweigen — aber ein Pistolenlauf ist mir jetzt eine Quelle relativ angenehmer Gedanken. —
Mein ganzes Leben hat sich vor meinen Blicken zersetzt: dieses ganze unheimliche verborgen gehaltene Leben, das alle sechs Jahre einen Schritt thut und gar nichts eigentlich weiter will als diesen Schritt: während alles Übrige, alle meine menschlichen Beziehungen, mit einer Maske von mir zu thun haben, und ich fortwährend das Opfer davon sein muß, ein ganz verborgenes Leben zu führen. Ich bin den grausamsten Zufällen immer ausgesetzt gewesen — oder vielmehr: ich bin es, der aus allen Zufällen sich Grausamkeiten gemacht hat.
Dies Buch, von dem ich Dir schrieb, eine Sache von 10 Tagen, kommt mir jetzt wie mein Testament vor. Es enthält in der größten Schärfe ein Bild meines Wesens, wie es ist, sobald ich einmal meine ganze Last abgeworfen habe. Es ist eine Dichtung und keine Aphorismen-Sammlung.
Ich fürchte mich vor Rom und kann mich nicht entschließen. Wer weiß, welche Tortur dort auf mich wartet! So habe ich mich daran gemacht, mein eigner Abschreiber zu sein.
Was soll ich thun unter diesem Himmel und Wetter-Wechsel! Ah diese Beängstigung! Und dabei weiß ich, daß, relativ, am Meere es noch „am besten geht“!
Mit herzlichem Danke und Dir und Deiner lieben Frau das Beste wünschend
F.N.
374. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Der Gsell-Fels, lieber Freund, ist bis heute Abend (Sonnabend) nicht eingetroffen. Vielleicht war es für Kreuzband zu schwer? Oder als eingebundenes Buch für Kreuzband ungeeignet? Genug, ich vermuthe, daß er noch in Basel ist. — Mit Bedauern! — nun mache ich Dir wieder neue Mühsal!
F.N.
375. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Geehrtester Herr Verleger,
Ihr Gruß war zufällig das erste Zeichen von Theilnahme, welches ich in Genua empfieng.
Heute habe ich Ihnen etwas Gutes zu melden: ich habe einen entscheidenden Schritt gethan — und ich meine nebenbei, auch einen solchen, der Ihnen nützlich sein soll. Es handelt sich um ein kleines Werk (kaum hundert Druckseiten), dessen Titel ist
Also sprach Zarathustra.
Ein Buch für Alle und Keinen.
Es ist eine „Dichtung“, oder ein fünftes „Evangelium“ oder irgend Etwas, für das es noch keinen Namen giebt: bei weitem das Ernsteste und auch Heiterste meiner Erzeugnisse, und Jedermann zugänglich. So glaube ich denn, daß es eine „sofortige Wirkung“ thun wird — zumal jetzt, nach verschiedenen Anzeichen zu schließen, die langsame und widerstrebende Art, sich mit mir zu beschäftigen, jetzt an einen gewissen Punkt gelangt ist — Zufällig erfahre ich sowohl aus Wien wie aus Berlin, daß unter „intelligenten Männern“ viel von mir geredet wird. Ich mache Sie auf Herrn Brandes, den Culturhistoriker aufmerksam, der jetzt in Berlin ist: es ist der geistreichste der jetzigen Dänen. Ich erfahre, daß er sich eingehend mit mir beschäftigt hat.
Unsre „Bedingungen“ des Verlags sind uns Beiden bekannt. Nur muß ich diesmal auf zwei Äußerlichkeiten besonderen Werth legen, weil dieses Buch als eine Spitze meiner bisherigen Bücher erscheinen soll. Bei ganz gleichem Formate und Drucke bitte ich um eine schwarze Linie, welche den Text jeder Seite einfaßt: so ist es einer Dichtung würdiger. Und dann: ein stärkeres Velin!
Geben Sie mir gefälligst eine umgehende Benachrichtigung, ob ich Ihnen das Werk schicken soll. Ich arbeite mit allen „Kräften“ (oh meine Augen!) selber an der Abschrift, und will, daß, im Falle Sie einverstanden sind, Teubner diese 6 Bogen in der größten Schnelligkeit absolvirt.
Für mich ist die Zeit einer „Drucklegung“ immer ein Krankheits-stadium. Deshalb so schnell als möglich!
Mit den besten Wünschen Ihnen
zugethan
Dr. F. Nietzsche.
Santa Margherita Ligure,
poste restante.
(Aufrichtig, ich schäme mich von „sofortiger Wirkung“ zu sprechen; aber ich thue es Ihretwegen, der Sie vernünftiger Weise ganz andre Werthschätzungen im Kopfe tragen müssen als ich. Pardon!)
376. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Soeben soll das fertige Manusc<ript> an Schmeitzner abgehn. Du siehst, lateinisch zu reden: omnis motus in fine celerior.
Für Rom bin ich immer noch nicht entschlossen (trotz der guten Gesellschaft, die mir versprochen wird: Gräfin Dönhoff und ausgezeichnete Norweger.) — Mir ist zu Muthe, als ob ich in diesem Jahre Niemanden sprechen könne. —
Unglaubliches Wetter. Und wahrlich nicht après nous le déluge!
Dein Freund.
377. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Geehrtester Herr Verleger, um jedem Zeitverluste vorzubeugen, sende ich das Manuscript sofort an Sie ab: es ist eben fertig geworden. Die Verfügung darüber steht bei Ihnen: nur bitte ich mir eine telegraphische Mittheilung darüber aus, daß es in Ihren Händen ist. Nichts als „Arrivato“.
Mit den besten Hoffnungen
Ihr
F.N.
(Santa Margherita Ligure
poste restante.)
378. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Woran starb Wagner? Soeben kommt die Nachricht seines Todes nach Genua. Ich bin heute ohne allen Grund hierher gereist und kaufte eben, wider meine Gewohnheit, die eben erschienene Abendnummer des Caffaro. Mein erster Blick fällt auf das Telegramm aus Venedig.
F.N.
Adr.: Santa Marg. Ligure, immer fort!
379. An Unbekannt (Entwurf)
Jemand, der so lange allein gelebt hat, erlebt gar keine einzelnen Erlebnisse mehr, sondern nur Symptome allgemeinen Verhaltens zu seinem Leben: und ich habe gräßliche Erinnerungen mit zurück gebracht, und bin nicht im Stande mich von ihnen freizumachen.
380. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwürfe)
Sie haben Einem Ziele gelebt und ihm jedes Opfer gebracht; über den Menschen hinaus empf<anden> Sie das Ideal dieses Einen, und ihm, welches nicht stirbt, gehören Sie, gehört Ihr Name für immer.
und über die Liebe jenes Menschen hinaus erfaßten Sie das Höchste, was seine Liebe und seine Hoffnung erdachten: Dem dienten Sie, Dem gehören Sie und Ihr Name für immerdar — dem was nicht mit einem M<enschen> stirbt, ob es schon in ihm geboren wurde
So sehe ich heute auf Sie, und so sah ich, wenn gleich aus großer Ferne, immer auf Sie, als auf die bestverehrte Frau, die es meinem Herzen giebt.
Wenige wollen so etwas: und von den Wenigen: wer kann es so wie Sie!
Sie haben es sich früher nicht verwehrt in ernsten Lagen auf meine Stimme zu hören: und eben jetzt, wo mich die erste Nachricht ereilt, daß Sie das Ernsteste jetzt erlebt haben, weiß ich mein Gefühl nicht anders auszuschütten als indem ich ganz an Sie und nur an Sie allein es richte
weiß ich nicht anders zu thun als ich es früher that
als die bestverehrte Frau, die es meinem Herzen giebt.
Wir sind nicht Gegner in kleinen Dingen gewesen
nicht was Sie verlieren, sondern was Sie jetzt besitzen, steht mir vor der Seele: und es wird wenig M<enschen> geben, die mit Einem so tiefen Gefühl sagen: so war es Alles meine Pflicht — es war auch mein ganzer Besitz — was ich um diesen Einen that, und nichts [— — —]
Ich denke, ich spreche mit diesem Allem von Ihnen meine hochverehrte Frau? Aber ich denke, ich sprach mit diesem Allem auch ganz und gar von ihm. Ja es ist jetzt schwer geworden, von Ihnen allein zu reden. —
ich glaube durchaus nicht an irgendwelche noch versteckte Welten, aus denen etwas Tröstungen zu entnehmen wären. Das Leben ist genau so tief und schwerwiegend als wir es tief <und> schwerwiegend zu machen wissen: aber es giebt Einige die aus hundert furchtbaren Zufällen die nicht in unserer Hand stehen, immer wieder Vernunft und Schönheit aufzurichten wissen durch den Glauben an V<ernunft> und Sch<önheit> — das ist nun der beste gute Wille und die beste gute Kraft, das war und ist im Höchsten Ihre Kraft.
Es ist immer noch Kampf; und die ersten Bollwerke sind immer noch zu erstürmen. Da ist der Anblick des Lebens hart, gräßlich, — und wenn man Einen sieht, der um neuer Farben und Töne willen, wie ein — — —
Sie haben es sich früher nicht verwehrt, in ernsten Lagen auch meine Stimme <zu> hören: und jetzt, wo die Kunde zu mir kommt, daß das Ernsteste Sie getroffen hat, weiß ich nicht anders zu thun als ich früher that und bitte Sie desgleichen zu thun — ich habe kein Mittel, das Gefühl, das mir diese Kunde giebt, auszuhalten als indem ich es ganz auf Sie und nur allein auf Sie richte.
Nicht was Sie verlieren, sondern was Sie jetzt erst besitzen, soll nun vor meiner Seele stehn: wie Sie jetzt wohl zu sich sprechen dürfen: dies nun habe ich vollbracht, so wollte es meine Pflicht, was ich um diesen Einen that, und Alles habe ich gethan und dargebracht und mich nicht geschont, ich war unerbittlich, und wo ist der Tropfen Blutes, den ich für mich behielt: eine tiefe Ruhe hinter allem Schmerze: ich fühle es. Und so habe ich es einstmals gewollt.“ —
bis um letzten Blutstropfen sich vergeben und ohne Schonung so — — —
Über die Liebe jenes Menschen hinaus erfaßte ich das Höchste, was seine Hoffnung erdachte: dem diente ich, und diesem Höchsten, das nicht stirbt, gehöre ich an und mein Name für immerdar.
So sehe ich heute auf Sie, und so sah <ich>, wenn gleich aus großer Ferne, immer auf Sie — als auf die bestverehrte Frau, die es meinem Herzen giebt.
Wenige wollen so etwas von sich wie Sie es wollen: und von diesen Wenigen — wer kann es dann so wie Sie es können und konnten! Ein Kampf ist fortwährend, jedes große Leben durch und durch, und es gäbe Gründe über Gründe, wenn der Anblick eines solchen kämpfenden Lebens immer hart und gräßlich wäre.
381. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund, jeder Ihrer letzten Briefe war eine Wohlthat für mich: ich danke Ihnen von ganzem Herzen dafür.
Dieser Winter war der schlechteste meines Lebens; und ich betrachte mich als das Opfer einer Natur-Störung. Das alte Sündfluth-Europa bringt mich noch um: aber vielleicht kommt mir noch ein Mensch zu Hülfe und schleppt mich auf die Hochlande von Mexico. Allein kann ich solche Reisen nicht unternehmen: das verbieten die Augen und einiges Andre.
Die ungeheure Last, die in Folge des Wetters auf mir liegt (sogar der alte Aetna beginnt zu speien!) hat sich bei mir in Gedanken und Gefühle verwandelt, deren Druck furchtbar war: und aus dem plötzlichen Loswerden von dieser Last, in Folge von 10 absolut heitern und frischen Januartagen, die es gab, ist mein „Zarathustra“ entstanden, das losgebundenste meiner Erzeugnisse. Teubner druckt bereits daran; ich selber habe die Abschrift gemacht. Übrigens meldet Schmeitzner, daß im vergangnen Jahre alle meine Schriften besser gekauft worden sind, und ich erfahre sonst allerlei über eine wachsende Theilnahme. Sogar ein Mitglied des Reichstags und Anhänger Bismarcks (Delbrück) soll seinen äußersten Unwillen darüber ausgedrückt haben, daß ich nicht — in Berlin lebe, sondern in St. Margherita!!
Verzeihen Sie dies Geschwätz, Sie wissen, was mir sonst jetzt gerade im Kopfe und am Herzen liegt. Ich war einige Tage heftig krank und machte meinen Wirthen Besorgnisse. Es geht nun wieder, und ich glaube sogar, daß der Tod Wagners die wesentlichste Erleichterung war, die mir jetzt geschafft werden konnte. Es war hart, sechs Jahre lang Gegner dessen sein zu müssen, den man am meisten verehrt hat, und ich bin nicht grob genug dazu gebaut. Zuletzt war es der altgewordne Wagner, gegen den ich mich wehren mußte; was den eigentlichen Wagner betrifft, so will ich schon noch zu einem guten Theile sein Erbe werden (wie ich es oft gegen Malvida gesagt habe) Im letzten Sommer empfand ich, daß er mir alle die Menschen weggenommen hatte, auf welche in Deutschland zu wirken überhaupt Sinn haben kann, und sie in die verworrne wüste Feindseligkeit seines Alters hineinzuziehn begann.
Es versteht sich, daß ich an Cosima geschrieben habe.
Im Übrigen, alter Freund, auch Ihnen hat sich mit diesem Tode der Himmel aufgehellt. Es ist jetzt Verschiedenes möglich zB. daß wir noch einmal im Bayreuther „Tempel“ sitzen, um Sie zu hören.
Was Ihre Worte über Lou betrifft, so habe ich sehr lachen müssen. Glauben Sie denn, daß ich darin einen andern „Geschmack“ habe als Sie? Nein, durchaus nicht! Aber im gegebnen Falle handelte es sich verdammt wenig um „mit oder ohne Liebreiz“, sondern darum, ob ein groß angelegter Mensch zu Grunde geht oder nicht. —
Also die Correcturen dürfen wieder zu Ihnen laufen, mein alter hülfreicher Freund? — Schönsten Dank für Alles.
FN.
382. An Malwida von Meysenbug in Rom
Liebe verehrte Freundin,
so geht es! Ich warte Tag um Tag um Ihnen schreiben zu können: „ich komme!“, weil ich Tag um Tag denke, es wird besser gehn. Aber es geht immer schlechter, und jetzt, nach dem Tode Wagner’s zumal, ganz schlecht. Meine Gesundheit ist jetzt, wie Februar 1883 vor drei Jahren; es ist Alles krank an mir, und ich will und mag keinen Menschen sehn und sprechen. Es soll mein altes strenges Selbst-Régime noch einmal versucht werden: denn mein Erfahrungs-satz ist „wenn ich mir selber nicht allein helfe, werde ich keine Hülfe finden.“
Das heißt also: ich komme nicht nach Rom.
W<agner>s Tod hat mir fürchterlich zugesetzt; und ich bin zwar wieder aus dem Bett, aber keineswegs aus der Nachwirkung heraus. — Trotzdem glaube ich, daß dies Ereigniß, auf die Länge hin gesehn, eine Erleichterung für mich ist. Es war hart, sehr hart, sechs Jahre lang Jemandem Gegner sein zu müssen, den man so verehrt und geliebt hat, wie ich W<agner> geliebt habe; ja, und selbst als Gegner sich zum Schweigen verurtheilen müssen — um der Verehrung willen, die der Mann als Ganzes verdient. W<agner> hat mich auf eine tödtliche Weise beleidigt — ich will es Ihnen doch sagen! — sein langsames Zurückgehn und -Schleichen zum Christenthum und zur Kirche habe ich als einen persönlichen Schimpf für mich empfunden: meine ganze Jugend und ihre Richtung schien mir befleckt, insofern ich einem Geiste, der dieses Schrittes fähig war, gehuldigt hatte.
Dies so stark zu empfinden — dazu bin ich durch unausgesprochne Ziele und Aufgaben gedrängt.
Jetzt sehe ich jenen Schritt als den Schritt des alt werdenden Wagner an; es ist schwer, zur rechten Zeit zu sterben.
Hätte er noch länger gelebt, oh was hätte noch zwischen uns entstehen können! Ich habe furchtbare Pfeile auf meinem Bogen, und W<agner> gehörte zu der Art Menschen, welche man durch Worte tödten kann. —
Dies war bei weitem der härteste und qualvollste Winter meines Lebens, und mein Leid gieng außerordentlich in die Tiefe und die Abgründe; — die Anlässe dazu sind fast gleichgültig. Es gab irgend eine große Nothwendigkeit für mich, einmal gemartert zu werden und zu sehn, ob mein Ziel mich leben läßt und am Leben festhalten läßt. Der Tod Wagner’s gab in diese Empfindungen hinein einen tiefen dumpfen Donner; aber vielleicht geht mein Ungewitter jetzt seinem Ende zu.
Mit der wärmsten Dankbarkeit
Ihr Nietzsche.
Ich habe an Cosima geschrieben. Sie werden dies billigen?
383. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Lieber Freund, von jetzt an ist meine Adresse
Genova, Salita delle Battestine 8 (interno 6)
Ich bitte, diese Adresse Niemandem mitzutheilen; insgleichen aus meinem Zarathustra-Unternehmen (es wird bereits gedruckt!) eine Sache des Schweigens zu machen.
(Es geht mir sehr, sehr schlecht.)
Treulich F N.
384. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund, es geht recht übel. Meine Gesundheit ist jetzt auf dem Punkte, wie vor drei Jahren. Alles ist kaput, und der Magen nachgerade so sehr, daß er auch die Schlafmittel nicht mehr verträgt — was schlaflose, äußerst gequälte Nächte zur Folge hat, und in weiterer Folge eine gründliche Nervosität. — Ah, ich bin fürchterlich von der Natur zum „Selbstquäler“ ausge — rüstet. Es versteht sich von selber, daß, von außen her gesehn, ich das vernünftigste Leben führe. Aber meine Phantasie et hoc genus omne von Geist sind stärker als meine Vernunft.
Was Rom betrifft, so habe ich gestern abgeschrieben; ich will Niemanden jetzt sprechen. Auch habe ich auf einem Umwege gehört, daß meine Schwester in Rom erwartet wird, und daß sie über Venedig reisen will.
Sonnabend siedle ich nach Genua über; meine Adresse ist von jetzt ab (und ich bitte darum, sie nicht mitzutheilen!)
Genova (Italia) salita delle Battestine 8 (interno 6)
Ich will auf dem schon gegangenen Wege in größter Zurückgezogenheit meine Gesundheit suchen. Mein Fehler im vorigen Jahre war, daß ich die Einsamkeit aufgab. Ich bin durch das ausschließliche Zusammensein mit idealischen Bildern und Vorgängen so reizbar geworden, daß ich im Verkehr mit den jetzigen Menschen unglaublich leide und entbehre; zuletzt werde ich dabei hart und ungerecht, kurz, es bekommt mir schlecht.
Wagner war bei weitem der vollste Mensch, den ich kennen lernte, und in diesem Sinne habe ich seit sechs Jahren eine große Entbehrung gelitten. Aber es giebt etwas zwischen uns Beiden wie eine tödtliche Beleidigung; und es hätte furchtbar kommen können, wenn er noch länger gelebt haben würde.
Lou ist bei weitem der klügste Mensch, den ich kennen lernte. Aber u.s.w. u.s.w.
Mein „Zarathustra“ wird schon im Druck sein.
Ich habe an Cosima geschrieben, sobald ich konnte. Das heißt: nach einigen der allerschlimmsten Tage, die ich zu Bett zubrachte.
Nein! Dieses Leben! Und ich bin der Fürsprecher des Lebens!!
Sobald die Jahreszeit es erlaubt, will ich in die Berge, zu den Süd-Abhängen des Mont-Blanc.
Es hilft Alles nichts: ich muß mir helfen, oder es ist aus. —
Was macht bei Dir und Deiner lieben Frau die Gesundheit?
Dein Freund F N.
385. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Zugleich mit dem herzlichsten Dank für Ihren Brief sende ich heute meine neue Adresse (die ich auch schon Teubnern mitgetheilt habe)
Genova (Italia)
salita delle Battestine
8 (interno 6)
F.N.
386. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund, Dein Brief that mir herzlich wohl. Verzeihung, wenn ich jetzt wenig schreibe. Ich bin krank, fast vom Augenblick an, wo ich Genua betrat. Fieber, Kopfschmerz, Nachts Schweiß, große Müdigkeit. Zumeist zu Bett; ich habe weder Appetit noch Geschmack. Man nennt diese Krankheit hier Influenza. Dr. Breiting (der erste Arzt Genua’s und mir äußerst zugethan) hat mir Chinin verordnet; das hatte ich mir natürlich auch selber schon verordnet. — Es soll eine Sache von 4—6 Wochen sein. Wie gut, daß ich allein und nicht in Rom bin!
Sonst sieht der Himmel fortwährend rein und klar aus, und auch in mir ist Alles geordneter und zufriedener. Ich begreife eine gewisse Nothwendigkeit für mich, darin, daß ich so gelitten habe; ich habe mir drei oder vier Glücks-Wünsche persönlicher Art, die ich noch hatte, damit aus der Seele geschnitten, und bin wieder freier als ich es vorher war. — Die Loslösung von meinen Angehörigen fängt an, sich mir als wahre Wohlthat darzustellen; ach, wenn Du wüßtest, was ich in diesem Capitel (seit meiner Geburt —) Alles zu überwinden gehabt habe! Ich mag meine Mutter nicht, und die Stimme meiner Schwester zu hören macht mir Mißvergnügen; ich bin immer krank geworden, wenn ich mit ihnen zusammen war. „Gezankt“ haben wir uns fast gar nicht, auch im vorigen Sommer nicht; ich weiß schon mit ihnen umzugehen, aber es bekommt mir schlecht.
Eine andere „Befreiung“ will ich Dir nur andeuten: ich habe es abgelehnt, daß Rée’s Hauptbuch „Geschichte des Gewissens“ mir gewidmet wird — und damit einem Verkehre ein Ende gesetzt, aus dem manche unheilvolle Verwechslung entstanden ist. —
Ob mein letztes Werk gedruckt wird, ist mir zweifelhaft; ich höre und sehe nichts mehr davon. Nun, es hat auch Zeit! —
Malvida schrieb mir eben, auch von Frau Wagner „C<osima> will für die Welt, uns Alle einbegriffen, ebenso abgeschieden sein wie er, will nie die Freunde wiedersehn, nie einen Brief mehr lesen, kurz wie eine Nonne leben, nur seinem Andenken und den Kindern.“ —
Ungefähr will ich’s ebenso machen, wenn auch nicht aus gleichen Motiven. Ich werde „verschwinden“ — ich glaube, das habe ich schon vom Engadin aus Dir einmal in Aussicht gestellt. Vorher aber bedarf ich noch vieler Erwägungen und auch einer langen persönlichen Unterredung mit Dir.
Mein Leben gestaltet sich allmählich und nicht ohne Krämpfe — aber es soll Gestalt bekommen!
So! Und nun will ich mich wieder hinlegen. Was ich müde bin!
Dir und Deiner verehrten Frau immer auf das dankbarste eingedenk
F.N.
Genova Salita delle Battestine
8 (interno 4)
Dienstag den ?
Deussens Vedanta-Werk ist ausgezeichnet. Übrigens bin ich für diese Philosophie beinahe das böse Princip.
387. An Heinrich Köselitz in Venedig
Krank! Lieber Freund, so geht es! Kaum hatte ich Genua betreten, so gieng’s los. Fieber, Frost, Nachts Schweiß, intensiver Kopfschmerz, große beständige Müdigkeit, Mangel an Geschmack und Appetit: das ist das Bild der Krankheit. Ich bin zumeist im Bett und schleiche hier und da einmal in die Stadt. Ein Basler Arzt sorgt für mich und hat mir natürlich Chinin verordnet: aber meine eigne „Weisheit“ hatte schon vorher Chinin „verordnet“. Das ist eine Sache von 4—6 Wochen, sagt man mir; man nennt’s Influenza. — Wie gut, daß ich allein bin!
Für Ihren letzten Brief bin ich Ihnen besonders dankbar. Wirklich, lieber Freund, Sie sind einer der festesten Knoten, mit denen ich mich an’s Leben gebunden fühle; ich kann es gar nicht ausrechnen, wie viele ermuthigende Gefühle ich einem gelegentlichen Hinblick nach Ihnen oder einem gelegentlichen Herblick von Ihnen zu mir verdanke.
So wie Sie’s machen, gefällt mir’s ungemein: Ihre Kraft, Ihre Spannung, Ihre Forderung an sich selber wächst mitten unter der gleichmäßigen ehrlichsten Arbeit und kommt nicht nur wie eine Convulsion einmal „über“ Sie — und deshalb sind Sie in der Praxis stolzer als jene Künstler, bei denen Kraft und Ehrgeiz das Leben zum Krampfe machen.
Habe ich Ihnen gar nichts zu erzählen? — Gestern kam ein deutscher Musiker zu mir, Herr Bungert, im Alter von 35 Jahren, früher Klavierspieler, neuerdings Componist. Er stammt, was Klavierspielen betrifft, aus der Schule Chopin’s (er lebte 4 Jahre in Paris und hatte einen Schüler Chopin’s zum Lehrer); was Contrapunkt betrifft, ist Kiel sein Lehrer. Auch war er schon ein Jahr praktischer Kapellmeister (in Kreuznach). Das Erste, was er mir erzählte, war, daß er mit einer Oper eben fertig sei, deren Text er selber gedichtet habe: sie heiße Nausikaa. Ich erfuhr, daß N<ausikaa> zuletzt sich in’s Meer wirft und sich dem Poseidon zum Opfer bringt. Ein andres Werk von ihm „die Studenten von Salamanca“ sei von 3 deutschen Bühnen angenommen, und er werde deshalb wohl nach Deutschland reisen müssen. Er hatte die Absicht gehabt, der Nausikaa wegen nach Griechenland zu gehen, aber der englische Consul Brown habe ihm klar gemacht, daß man „dies näher haben könne“ und zwar — bei Porto fino. Er hat in einem gut eingerichteten Castell daselbst, das jenem Consul gehört, ganz allein gelebt und die Nausikaa componirt. — Vielerlei gieng mir bei diesen Dingen durch den Kopf. Er scheint den Umgang mit mir zu wünschen, es ist eine Ahnung in ihm, daß es bei mir irgend welche Griechische und auch wohl Goethische Hoffnungen giebt. — Aber er gefällt mir noch gar nicht. Haben Sie je von ihm gehört?
Bungert heißt er.
Endlich, lieber Freund: ich bin ganz zweifelhaft geworden, ob mein Werk, von dem ich Ihnen in einem meiner letzten Briefe schrieb, gedruckt wird. Es giebt Hindernisse. — Und alle Dinge haben Zeit oder sollten sie haben.
Nun wieder in’s Bett.
Mit herzlichem Gruß und Wunsch
F.N.
Salita delle Battestine
8, interno 4.
388. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Soeben kam „Gsell-Fels Italien“ bei mir an. —
Ich leide gräßlich am Kopfe, Tag für Tag.
Es schneit, seit gestern Abend. Gab es je so viel Schnee in Genua? So war’s, als ich von Leipzig abreiste.
Ein deutscher Componist, Herr Bungert, hat mich besucht; zum ersten Male, daß mich Jemand hier besucht. — Was denkt man über seine Musik bei Euch? — Ich lag zu Bett mit verbundenem Kopfe, und er hat mich ein paar Stunden auf das Beste unterhalten — er erzählte mir seine Opern, die er selbst gedichtet hat, namentlich seine Nausikaa (er lebte in Porto fino) Es ist ein Dichter. —
(Eben blitzt und donnert es). Dein Freund
F.N.
388a. An August Bungert in Genua (Widmung)
Wer viel einst zu verkünden hat,
Schweigt viel in sich hinein:
Wer einst den Blitz zu zünden hat,
Muss lange — Wolke sein.
389. An Paul Deussen in Oberdreis
Das ist schön, lieber alter Freund! So soll man’s machen: alle seine sieben Kräfte einzeln entfalten und zuletzt zusammen nehmen und mit sieben Pferden nach Einem Ziele fahren. Da mußte Viel in einem Menschen zusammenkommen, um eine solche Vedanta-Lehre uns Europäern offenbaren zu können; und ich preise nicht am wenigsten, alter Freund, daß Du nicht verlernt hast, tüchtig zu arbeiten. Hieß nicht eine der drei Musen Μελέτη? Der Himmel weiß es: ohne rechtschaffenen Fleiß wächst nur Unkraut aus der schönsten Anlage. In der Nähe gesehn soll auch der beste Künstler sich nicht vom Handwerker unterscheiden. Ich hasse das Lumpengesindel, das kein Handwerk haben will und den Geist nur als eine Feinschmeckerei gelten läßt.
Es macht mir großes Vergnügen, einmal den klassischen Ausdruck der mir fremdesten Denkweise kennen zu lernen: dies leistet mir Dein Buch. Es kommt darin Alles auf’s Naivste an’s Licht, was ich in Hinsicht auf diese Denkweise geargwöhnt habe: ich lese Seite für Seite mit vollkommner „Bosheit“ — Du kannst Dir keinen dankbareren Leser wünschen, lieber Freund!
Der Zufall will, daß man gerade jetzt ein Manifest von mir druckt, welches ungefähr mit derselben Beredsamkeit Ja! sagt, wo Dein Buch Nein! sagt. Das ist zum Lachen; aber vielleicht thut Dir’s wehe, und ich bin mit mir noch nicht einig, ob ich es Dir schicken werde. Um Dein Buch machen zu können, durftest Du nicht so über alle Dinge denken wie ich; und Dein Buch mußte gemacht werden. Folglich — — — — — — — —
Von Herzen dankbar
Friedrich Nietzsche.
390. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund, es hat sich Nichts verbessert, der Kopfschmerz arbeitet jeden Tag von ½ 12 bis Abends um 7, ich bin fast immer zu Bett, ein Paar Stunden des Vormittags abgerechnet. Dazu haben wir Winter; und eine ganze Woche Sonne war nicht im Stande, den Schnee Genua’s abzuthauen. Mein Arzt widerräth mir Genua, seiner Winde wegen, welche auf mein Gehirn wirken, auch wenn ich im Zimmer bin. Er empfiehlt mir Süd-Spanien. Ich bin ruhig, aber von der schwärzesten Melancholie. Mein Leben ist in allen Fundamenten mißrathen, ich empfinde das jeden Augenblick — und ebenso, daß es so kommen mußte, und daß es meine einzige „Existenzform“ ist.
Herr Bungert und ich, zwei brave Genuesen — wir haben nun 3 Jahre in der größten Nachbarschaft gelebt (auch diesen Winter wieder, in Santa Margar.) — und nichts von einander gewußt. Er führt meine Schriften mit sich herum und hat Vieles „hinter sich“ gelassen, was auch wir „hinter uns“ gelassen haben zB. Schopenhauer. Wenn mich nicht Alles täuscht, so gehört diese neue Bekanntschaft zu den ausgesuchtesten, die mir der Zufall schenken konnte. Er ist selbständig; ich fand nichts Krankhaftes bisher an ihm. Er hat Feuer im Leibe und Muth zu den größten Aufgaben; seine Grundsätze sind streng und den unsern so verwandt als möglich. „Die Studenten von Salamanca“ (aus dem Gil Blas genommen) sind in einem neuen Stile componirt: lange geschlossene symphonische Formen. Was ich von ihm hörte, machte mir im hohen Maaße den Eindruck des Reifgewordenen; er verlangt von einem Stücke, daß jede Note zuletzt dran nothwendig sei und nicht durch eine andre ersetzt werden könne. Es ist ein Dichter; er hat den Kopf voll der griechischen Heroensage, und seine Entwürfe sind jener Welt von Empfindungen entnommen, in der Aeschylus und Sophokles dichteten. Eine Niobe schwebt ihm als sein Äußerstes vor der Seele. — Der germanischen Sage ist er abgeneigt. Von jetzt lebenden italiänischen Dichtern liebt er Stecchetti („Postuma“), und seinetwillen wird er wohl später in Bologna leben. Vorgestern war sein Geburtstag, was zufällig herauskam; ich war den Abend bei ihm, und er spielte mir neue Stücke zB. Genova la superba. Er hat viel italiänische Lieder componirt. Früher gehörte er nach seinem Geschmacke zu den Ultra-Romantikern und Anhängern des „letzten“ Beethoven; aber er hat viel erlebt und sich viel verwandelt. Es ist ein Rheinländer der Abkunft nach. —
So! — Das nenne ich „schwatzen“! — Von Teubner in Leipzig niente. —
Himmel! Was ist das Leben für eine kuriose Erfindung! —
Der Tod Wagner’s ist mir eine große Erleichterung. — Privatissime: es steht bevor, daß ich für ein Jahrzehnd „von der Welt verschwinde“. Aber die Gesundheit redet ihr Wort
Von Herzen der Ihre
F.N.
391. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein lieber Freund,
ich schreibe Ihnen gleich noch ein Paar Worte über Hr. Bungert und schicke auch zugleich etwas Musik von ihm an Sie ab (ich selber kenne dieselbe noch nicht.) Mit seinen gedruckten Sachen steht er bei op. 27; nun ist aber die ganze Genueser Ausbeute noch unedirt. Er lebt von dem, was man ihm für seine Musik bezahlt (man bezahlt sehr viel), hinzugerechnet, daß er wöchentlich etwa 4 Stunden giebt. Er besitzt einen herrlichen Flügel, ein Pianino und eine „comfortable“ Einrichtung für 2 Zimmer — alles erworbenes Hab und Gut; auch eine gute Bibliothek — für griechische Tragödie und für Homer viel Philologisches; dann eine Menge Lyriker. Er hat Vorlieben für Unbekanntes auch innerhalb der deutschen Litteratur; es scheint wirklich das Beste unbekannt, wenigstens mir unbekannt zu bleiben.
In Bezug auf Gedichte ist mir seine Cultur ganz erstaunlich. Wie stark und wie geistreich weiß er einem Gedichte beizukommen! Aber die Musiker sollten auch billigerweise die besten Interpreten sein.
„Wirkung“ seiner Musik auf mich? Ach, Freund, ich bin langsam in der Liebe, ich empfinde das Fremde zu lange, wie alle Einsamen thun; aber ich gebe mir Mühe. Ich sagte ihm neulich, der wahre Künstler sei der, welcher „mit Vernunft rase“; so scheint es mir bei ihm zu stehn und ich habe meine große Freude dran. Sein Affekt geht leicht in die Höhe, und es ist nichts Gewolltes und Geschraubtes daran; auch ist er allen „hysterischen“ Leidenschaften herzlich feind. Es scheint mir, daß er jetzt „machen kann“, was er will; dies ist seine Gefahr; er muß sich durch große Aufgaben erziehn. Das Leben hat ihm vor 3 Jahren die tiefste Wunde gemacht; er meinte, man wachse nur durch große Verluste: erst seitdem hat er seine dramatischen Ziele. Sein nächster Freund ist der Bildhauer Cauer in Rom. Er ist entschlossen von Charakter und kein Schmeichler; die Kellner mögen ihn, obwohl er sie etwas mißhandelt. Er besucht keine Gesellschaften, aber man legt, wie es mir scheint, hier großen Werth darauf, ihn einmal bei sich zu haben; besonders die Familie des deutschen Consuls Leupold und Engländer. Vorgestern überraschte er mich durch die Schnelligkeit, mit der er ein Lied componirte, das ihm die Königin von Rumänien zusandte: es hieß „Alpenglühen“ — nachdem ich es vier Mal singen gehört hatte, schien es mir ein sehr gutes Gedicht. (Besagte Dame wird in Pegli erwartet.) Für den Frühling geht er nach Deutschland, um seine Gil-Blas-Oper aufzuführen (sie ist in Leipzig und Köln angenommen; er corrigirt eben Partitur- und Klavierauszug-Abschriften. Den Klavierauszug hat Blomberg gemacht: wissen Sie aus Basel noch, wer das ist?)
— Ganz unter uns, lieber Freund: der Ort, wohin ich mich zurückziehn werde, ist Barcelona in Spanien, vom Herbste an. Ich will meine Lebensaufgabe schon zu Ende führen — aber damit ist das nicht widerlegt, was ich im letzten Briefe andeutete. (Ich leide viel zu viel, und ich entbehre — Alles!)
Noch fällt mir ein: Bungert findet die Orchestration von Carmen außerordentlich, höchstens zu raffinirt; er erzählte, daß Hector Berlioz selber bei dieser Partitur sehr die Hand im Spiel gehabt habe. — Was seine eigne Orchestration in der Gil-Blas-Musik betrifft, so fürchtet er, daß sie „zu schwer“ ist. — Es giebt eine Ouvertüre „Tasso“ von ihm und eine Symphonie (ungedruckt).
So! Mein lieber alter Freund, ein geschwätziges Brieflein.
Allerschönsten Dank!
Ihr F. N.
(krank)
392. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein lieber Freund,
gestern Abend hörte ich wieder Carmen — es war vielleicht die zwanzigste Aufführung in diesem Jahre, das Haus gestopft voll, wie immer: es ist hier die Oper der Opern. Sie sollten die Todtenstille hören, wenn den Genuesen ihr Leibstück gespielt wird — das Präludium des 4ten Aktes, und das Bis-Geheul hinterdrein. Auch die „Tarantelle“ gefällt ihnen sehr. Nun, alter Freund, auch ich war wieder ganz glücklich, es bewegt sich bei dieser Musik irgend ein tiefer tiefer Grund in mir, und ich nehme mir immer dabei vor es auszuhalten, und lieber noch meine äußerste Bosheit auszuschütten als an mir — zu Grunde zu gehen. Ich dichtete fortwährend dabei Dionysos-Lieder in denen ich mir die Freiheit nehme, das Furchtbarste furchtbar und zum Lachen zu sagen: dies ist die jüngste Form meines Wahnsinns. Wenn ich nur diesem Herrn Gumbert, Pardon! Bungert etwas von dieser Musik beibringen könnte, hinzu zu seinem Schumann-Brahmsschen Schwebe-Idealismus, den ich auf die Dauer nicht aushalte: es fehlen die Knochen. Ich glaube, wir haben uns bereits etwas von einander „entfernt“; und als ich Carmen wieder hörte, war ich noch „entfernter.“
Ah diese verfluchte Gesundheit! Ich liege zu Bett und stehe auf, um mich wieder zu legen. Noch kein Spaziergang. Alle 2 Tage schwätze ich mit Dr. Breiting über Physica und Medica, — das thut mir wohl.
Sie schrieben zuletzt vom „Hochgebirge“? So denke ich auch; ich will an die Südseite des Montblanc, nach Cour majeur. Aber vor Mai geht das nicht. Und wie soll ich bis Mai noch leben! So viele Tage!
Verzeihung, daß ich so oft schreibe: ich vertraue jetzt so wenig Menschen.
In Treue
F N.
393. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund, mir ist zu Muthe, als hättest Du mir lange nicht geschrieben. Aber vielleicht täusche ich mich, die Tage sind so lang, ich weiß gar nicht mehr, was ich mit einem Tage anfangen soll: es fehlen mir alle „Interessen“. Im tiefsten Grunde eine unbewegliche schwarze Melancholie. Im Übrigen Müdigkeit. Zumeist zu Bett; auch ist es das Vernünftigste für die Gesundheit. Ich war recht mager geworden, man wunderte sich; jetzt habe ich eine gute trattoria und will mich schon wieder herausfüttern. Aber das Schlimmste ist: ich begreife gar nicht mehr, wozu ich auch nur ein halbes Jahr leben soll, Alles ist langweilig schmerzhaft degoutant. Ich entbehre und leide zu viel und habe einen Begriff von der Unvollkommenheit, den Fehlgriffen und den eigentlichen Unglücksfällen meiner ganzen geistigen Vergangenheit, der über alle Begriffe ist. Es ist Nichts mehr gut zu machen; ich werde nichts Gutes mehr machen. Wozu noch etwas machen! —
Das erinnert mich an meine letzte Thorheit, ich meine den „Zarathustra“ (Ist es jetzt deutlich zu lesen? Ich schreibe wie ein Schwein) Es passirt mir alle Paar Tage, daß ich es vergesse; ich bin neugierig, ob es irgend einen Werth hat — ich selber bin in diesem Winter unfähig des Unheils und könnte mich im allergröbsten Sinne über Werth und Unwerth täuschen. Übrigens höre und sehe ich Nichts davon: äußerste Schnelligkeit war meine Bedingung des Drucks. Nur meine allgemeine Müdigkeit hat mich Tag für Tag verhindert, den ganzen Druck abzutelegraphiren; ich warte mehr als 4 Wochen auf Correcturbogen, es ist unanständig, mich so zu behandeln. Aber wer ist denn noch anständig gegen mich! So nehme ich’s denn hin. —
Der Winter verzögert sich dies Jahr um ein, zwei Monate. Sonst würde ich dran denken können, bald etwas in die Berge zu gehen und Höhenluft zu versuchen. Genua ist nicht das Rechte für mich; so findet Dr. Breiting.
Ich bin auch noch keinen Schritt spazieren gewesen. Die Nächte schwitze ich. Der tägliche Kopfschmerz ist milder geworden, aber immer noch regelmäßig.
Ich habe neulich Liebermeister’s im Hôtel de Gênes besucht; sie sind jetzt in Santa Margherita.
Hoffentlich bist Du mit Deiner lieben Frau in guter Stimmung, das Leben ist Euch wahrlich nicht mißrathen, ich denke mit Vergnügen daran.
Dein Freund
F N.
394. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein lieber Freund, Sie haben mich sehr erbaut mit Ihrem Briefe! Nichts höre ich von Ihnen lieber als Ihre Versprechungen, es sei denn Ihre Erfüllungen, ich meine Ihre Musik. Ich habe gar nicht daran gedacht, daß Sie etwas von B<ungert> zu lernen hätten; und wenn ich von Ihnen im Gespräche ein Wort sagte (natürlich mit jedem Grad von Vorsicht), so nannte ich Sie immer den „Freund meiner Hoffnung“. — In Bezug auf die jetzige und bevorstehende deutsche Cultur — also abgesehn von uns „Zukunfts-Musikern“ — giebt mir B<ungert> Manches zu denken. Sehen Sie, da ist jetzt, abseits von dem Wagnerianismus, in Deutschland eine Musik-Empfindung obenauf, die sich eben, in Gestalt B<ungert>s, der Bühne bemächtigen will; die Vertreter derselben betrachten sich als erwachsen aus Beethoven und Schumann und haben darin Recht. (il motivo ist auch beim „letzten Beethoven“ abhanden gekommen, sein Mangel charakterisirt allen deutschen „Idealismus“, zB. auch die Idealistinnen wie M<alwida> von Meysenbug) Jene Vertreter fühlen sich als die Erben der deutschen Lyrik (Goethe — Heine — Daumer), ihr typisches Verhältniß ist in Bettina von Arnim ausgedrückt (— die sollten sie als ihre Heilige verehren!) — es ist das Verhältniß Goethe : Beethoven, oder vielmehr etwas Drittes, worin diese Beiden in ein Verhältniß kommen. Nun ist mir äußerst interessant, daß dieser lyrisch-romantische Geist, der in Deutschland jetzt der Fürsprecher der Sinnlichkeit ist, die Griechen hinzunimmt und zum ersten Male Homer zum Tönen bringen will. Dieses allgemeine Erlebniß der deutschen Cultur hat in Goethe’s Erlebnissen seine Vorgeschichte. Geht es gut, so kommt so etwas heraus dabei, wie „Hermann und Dorothea“ in Musik: auf mehr warte und hoffe ich nicht dabei. (Ganz persönlich genommen, ist mir diese deutsche Zukunft ziemlich gleichgültig, wie „Hermann und Dorothea“) An „Melodie“ wird es fehlen, hier wie dort, ich meine bei den Wagnerianern. Aber man wird das Gegentheil glauben. —
Ich dachte darüber nach, was eigentlich das ist, was Sie il motivo nennen. Ich dachte beinahe, es sei Musik, die man nicht macht, sondern die man nimmt: Volks-Musik. Man hat jetzt nachgewiesen, daß die beliebtesten Arien Bellini’s (auch Paesiello’s) ihr Motiv aus Liedern haben, die man um Catania herum singt. (Homer nahm die Motive zusammen, über die ein paar Jahrhunderte alle Rhapsoden gesungen hatten.) „II motivo“ scheint mir, auf musikalischem Gebiete das zu sein, was man „Sprichwort“ nennt. Was meinen Sie? — Dabei fällt mir mein „Zarathustra“ ein. —
Man trinkt in Genua Bier.
Was Spanien betrifft, so ist Ihr Argument auch ein Argument gegen Genua. — Lieber Freund, die Wahl Barcelona’s ist das letzte Ergebniß meiner klimatologischen Studien und beinahe die Entscheidung eines Verzweifelnden. Ich überlebe einen solchen Winter, wie diesen nicht wieder, sondern würde mir, wenn wieder mir auf so lange der Himmel verhüllt bliebe, unfehlbar das Leben nehmen. Sie kennen mich glücklicherweise hierin nicht; es ist nicht leicht möglich, mehr zu leiden als ich diesen Winter gelitten habe. Und „es hieng am Wetter!“ — — sagt mein Mephistopheles.
Von ganzem Herzen
Ihr F N.
Zuletzt wollen wir B<ungert> nicht Unrecht thun: das Heft Lieder gehört in seine Vor-Genueser Zeit — er hat Hunderte von Liedern gemacht, und auch jetzt noch 100 ungedruckt „auf Lager“.
395. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werther Herr Verleger,
ich bin Gift und Galle gegen Sie oder Teubner oder die ganze verfluchte Druckerei. Man soll halten, was man verspricht, oder nicht versprechen.
Der Druck sollte beendet sein — ich sandte das M<anu>s<kript> am 14 Februar ab. Und ich habe noch keinen Bogen! So raubt man mir Monate; ich kann ja nichts anfangen, so lange so ein „Druck“ auf mir liegt. — Ich will nicht ein Wort mehr hinzufügen
Nietzsche.
396. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werther Herr Verleger,
es thut mir wohl, daß ich keinen Grund habe, auf Sie böse zu sein. Was Teubner’s betrifft — so geben mir diese zu verstehen, daß ein Brief von mir verloren gegangen sein müsse. Thatsache ist, daß ich unmittelbar nach Empfang der Druckprobe meine Zustimmung brieflich an Teubners gemeldet habe; ich habe nicht eine halbe Stunde verstreichen lassen. —
Diese fünf Wochen unnützen Aufenthaltes in dieser windigen feuchten und durchfrorenen Stadt sind meiner Gesundheit zum Verhängniß geworden. Fünf Wochen Fieber und Chininessen. Fast immer zu Bett.
Ihr
Nietzsche.
Denken Sie doch über das Titelblatt nach! Teubners sind in Dingen der Form wahre Tölpel.
397. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund Köselitz, nehmen wir an, daß es jetzt wieder aufwärts geht — vergessen und verbrennen Sie den Unsinn meiner diesjährigen Briefe und glauben Sie kein Wort von alledem, was ein kranker Mensch spricht. Ihr letzter Brief war wieder so reich an kräftigen Einsichten — ich schämte mich ordentlich, daß Sie derlei als Antwort auf meine todtmüde Bett-Briefschreiberei mir sendeten. Natürlich haben Sie Recht, und ich bin ein Unwissender in Dingen der musica. Alle meine Erinnerungen sind hierin zehn bis 20 Jahre alt; und damals war ich noch ein Andrer, oder vielmehr: ich war damals gewiß noch nicht „ich selber“. — Es ist Schade, daß ich Ihnen das Liederheft Bungert’s sendete, ich wußte nicht, was darin stand und wollte ihn wahrhaftig nicht bei Ihnen herabsetzen. Ich halte ihn für etwas — er ist sehr fleißig und unangenehm. Was muß ich aber für Unsinn geschrieben haben, daß Sie glauben konnten, er betrachte Beethoven als überwundenen Standpunkt — und ebenso, daß er eine tiefe Wirkung von mir aus erfahren habe? Von Beidem ist das Gegentheil wahr; es verdrießt mich, ihn derart bei Ihnen „verleumdet“ zu haben. Was Beethoven betrifft, so gehen meine Erinnerungen auf Tribschen zurück. W<agner> liebte die letzten Quartette sehr, er wollte mit ihnen demonstriren, daß Beeth<oven> sich aus der Form nichts mehr gemacht habe; „er hätte hier oder auch dort aufhören können“ — sagte er wohl bei einem Stück. Das allerletzte Quartett ist, wenn ich mich recht erinnere, eine Ausnahme, nach dem Urtheil der Wagnerianer ein „Rückschritt“. — Lieber Freund, für all diese Dinge, wie sie in Wahrheit stehen, müssen Sie mir erst wieder Ohren machen.
Ich dachte oft, daß jetzt für mich die rechte Zeit gekommen sei, mich an Haydn’s Quartetten zu erquicken. Die letzten Beethovenschen sind, nach meiner Erinnerung, als Ganzes eine undeutliche und launenhafte Musik: an einigen Stellen steht freilich der Himmel offner als irgendwo. (Damals sagte ich „das sind Behauptungen, aber keine Beweise: das ist ,gesetzt’, aber nicht — componirt“)
Zarathustra kommt jetzt an die Reihe. Was stand ihm im Wege? Eine halbe Million christlicher Gesangbücher, die Teubner bis Ostern fertig machen mußte. Unter welche Rubrik gehört eigentlich dieser „Zarathustra“? Ich glaube beinahe, unter die „Symphonien“. Gewiß ist, daß ich damit in eine andere Welt hinübergetreten bin — der „Freigeist“ ist erfüllt. Oder?
Von Herzen
dankbar Ihr Nietzsche.
(Ich bleibe bis zum 25ten hier.)
398. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund Overbeck, ich weiß Deinem guten Briefe nichts zu erwidern als: es geht vorwärts. Mit dem Leben bin ich diesmal noch davon gekommen: nun will ich auch noch mit der Gesundheit davonkommen. — So stand es immer mit meinen Erleb- und Erleidnissen: gesetzt ich halte sie aus, so werden sie mir noch zum Gewinn. Ich bin jetzt viel klarer und entschlossener als im vorigen Jahre, und als sehr sehr gebranntes Kind habe ich eine sehr klare und entschlossene Scheu vor dem Feuer: das will in meinem Falle sagen: Menschenscheu. Selbst in diesem letzten Monate (in Genua), der mich mit 4,5 Menschen bekannt gemacht hat, haben sich meine Erfahrungen wiederholt und bestätigt. Hundertmal habe ich mir gesagt, daß das wesentliche Genesungsmittel in den letzten drei Jahren die Enthaltung von allem Verkehre war. Jetzt ist Genua für mich „verspielt und verthan“. Ich bin stolz genug für ein unbedingtes incognito, selbst in ärmlichen Verhältnissen: aber halb geehrt, halb geduldet, halb verwechselt fühle ich mich wie in der Hölle — dazu bin ich nicht „stolz genug“. — Dein Vorschlag im letzten Briefe ist bei weitem das Acceptabelste von Vorschlägen, die mir neuerdings gemacht sind (Jakob Burckhardt hat mich sehr eindringlich aufgefordert, „Weltgeschichte ex professo zu dociren“ — mit Hindeutungen auf seinen Lebensabend) Aber warten wir erst noch Zarathustra ab: ich fürchte, keine Behörde der Welt wird mich darnach noch zum Lehrer der Jugend haben wollen. Übrigens — was stand diesem meinem Zarathustra im Wege? Eine halbe Million christlicher Gesangbücher! Aber jetzt komme ich bei Teubner an die Reihe (weshalb ich bis zum 25ten des Monats noch hier bleiben werde). — Verhältnißmäßig passe ich sehr gut nach Basel und zu den Baslern (besser als Du, liebster Freund!) Auch hier ist der Basler Dr. Breiting mir bei weitem der zuträglichste Verkehr. (Ich aß gestern mit ihm in seinem Hospital, das er commandirt und besuchte mit ihm die Kranken) Aber das Clima Basels ist mir ganz unmöglich, nach einem halben Jahre bin ich wieder halbtodt. Ich brauche reinen Himmel — sonst gehe ich an meinem gräßlichen Temperament zu Grunde (In allen Lebensaltern war der Überschuß des Leidens ungeheuer bei mir)
Zuletzt: es ist möglich, daß ich mit diesem Winter in eine neue Entwicklung eingetreten bin. Zarathustra ist etwas, das kein lebendiger Mensch außer mir machen kann. Vielleicht habe ich jetzt erst meine beste Kraft entdeckt. Selbst als „Philosoph“ habe ich meine wesentlichsten Gedanken (oder „Tollheiten“); noch nicht ausgesprochen — ach, ich bin so schweigsam, so versteckt! Aber gar als „Dichter"! Meine Philologie habe ich vergessen; ich hätte was Besseres in meinen 20-ger Jahren lernen können! Ach, was ich unwissend bin! —
Im Sommer Wald und Hochgebirge, im Herbst Barcelona — das ist das Neueste. Geheim zu halten!
In treuer Freundschaft
F N.
399. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werthester Herr Verleger
„es steht nicht in meiner Macht“, den Zarathustra-Text zu Gunsten der ängstlichen Leipziger zu verändern — und es freut mich zu hören, daß Sie selber in dieser Beziehung mich und meine Unabhängigkeit vertreten haben. Was übrigens „den Staat“ betrifft: so weiß ich, was ich weiß. Mag man mich zu den „Anarchisten“ rechnen, wenn man mir übel will: aber gewiß ist, daß ich europäische Anarchien und Erdbeben in ungeheurem Umfange voraussehe. Alle Bewegungen führen dahin — Ihre antijüdische eingerechnet.
Aus einiger Entfernung gesehn sieht der „Antisemitismus“ ganz und gar so aus wie der Kampf gegen die Reichen und die bisherigen Mittel, reich zu werden.
Verzeihung! Wie komme ich dazu zu politisiren! —
Was das Titelblatt zu Zarathustra betrifft: so schlage ich diesmal etwas Neues vor, nämlich daß darauf gar nichts weiter steht als
Also
sprach Zarathustra.
Sehr groß natürlich und in rother Farbe, auf blaßgrünem Grunde. Was urtheilen Sie?
Eine vorläufige Anzeige durch die Augsburger Zeitung würde ich rathsam finden. Ja keine Reclame, lieber Herr Schmeitzner — es würde der „übermenschlichen“ Vornehmheit der Zarathustra-Tendenzen Abbruch thun.
Sie sprachen in Ihrem letzten Briefe von Geld-Überfluß oder etwas Ähnlichem. Wenn es Ihnen bequem fällt, so hätte ich gerne das Honorar hierher und bald — und zwar in französischem Papier. Gesetzt, daß es 6 Bogen werden, so betrüge die Summe gerade frs. 300.
Bitte, es in einem recommandirten Briefe zu senden, an meine angegebene Adresse, ohne eine Bezeichnung, daß Geld darin ist. Bisher habe ich auf diese Art mir alles Geld schicken lassen. —
Treiben Sie ja doch die Druckerei vorwärts! Ich will Genua verlassen und mit Schiff: und vorher soll Alles fertig corrigirt sein!
Mit herzlichem Gruß und Dank der Ihre
Nietzsche
Schlimmer als „starke Ausdrücke“ sind — „schwache Ausdrücke"!
(Auch ein Probeblatt des Umschlags (des Titels) soll Teubner schicken!)
400. An Malwida von Meysenbug in Rom
Verehrte Freundin,
inzwischen habe ich meinen entscheidenden Schritt gethan, Alles ist in Ordnung. Um einen Begriff davon zu geben, worum es sich handelt, lege ich den Brief meines ersten „Lesers“ bei — meines ausgezeichneten Venediger Freundes, der auch diesmal wieder mein Gehülfe beim Druck ist. —
Ich verlasse Genua, sobald ich kann und gehe in die Berge: dieses Jahr will ich Niemanden sprechen.
Wollen Sie einen neuen Namen für mich? Die Kirchensprache hat einen: ich bin — — — — — — — — der Antichrist.
Verlernen wir doch ja das Lachen nicht!
Ganz ergeben der Ihre
F. Nietzsche.
Genova, Salita delle Battestine 8 (interno 4).
Diese Adresse ist im strengsten Sinne nur für Sie.
401. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund,
beim Lesen Ihres letzten Briefes überlief mich ein Schauder. Gesetzt, Sie haben Recht — so wäre also mein Leben doch nicht mißrathen? Und gerade jetzt am wenigsten, wo ich es am meisten geglaubt habe?
Andererseits gab mir Ihr Brief das Gefühl, daß ich nun nicht mehr lange zu leben habe — und es soll so gut sein! Sie glauben, lieber Freund, es nicht, was für einen Überschuß von Leiden mir das Leben abgeworfen hat, in allen Zeiten, von früher Kindheit an. Aber ich bin ein Soldat: und dieser Soldat ist zuguterletzt noch der Vater Zarathustra’s geworden! Diese Vaterschaft war seine Hoffnung; ich denke, Sie empfinden jetzt den Sinn des Verses an den Sanctus Januarius „der du mit dem Flammenspeere meiner Seele Eis zertheilt, daß sie brausend nun zum Meere ihrer höchsten Hoffnung eilt“ — —
Und auch den Sinn der Überschrift „incipit tragoedia“. —
Genug davon. Ich habe vielleicht keine größere Freude in meinem Leben gehabt als Ihren Brief. —
Nun geben Sie mir einen Rath. Overbeck besorgt sich um mich (geben Sie ihm doch etwas Vertrauen auch in Bezug auf Zarathustra) und hat mir jüngst den Vorschlag gemacht, ich möchte wieder nach Basel zurückkehren und zwar nicht an die Universität; aber etwa als Lehrer am Pädagogium weiterwirken (er schlägt mir vor, „als Lehrer des Deutschen“) Dies ist sehr gut und fein empfunden, ja es hat mich beinahe schon verführt: meine Gegengründe sind Gründe von Wetter und Wind usw. O<verbeck> meint, daß es schon „Anknüpfungspunkte“ geben würde, falls ich dieses Willens sei; man hat mich gut im Gedächtniß, und, die Wahrheit zu sagen, ich bin nicht der schlechteste Lehrer gewesen. Meine Augen und die geringe Arbeitskraft meines Kopfes in Hinsicht auf Dauer wollen in Rechnung gebracht sein: ebenso die Nähe J<acob> Burkhardts, eines der wenigen Menschen, mit dem zusammen ich mich wirklich wohl fühle.
In diesem Sommer will ich einige Vorreden zu neuen Auflagen meiner früheren Schriften machen: nicht als ob neue Auflagen bevorstünden, sondern damit ich noch zur rechten Zeit besorge, was zu besorgen ist. Gar zu gerne möchte ich auch noch den Stil meiner älteren Schriften reinigen und klären; aber das ist nur bis zu einer gewissen Grenze möglich. —
Was macht der Apulische Hirtenreigen? —
Mich ekelt davor, daß Z<arathustra> als Unterhaltungs-Buch in die Welt tritt; wer ist ernst genug dafür! Hätte ich die Autorität des „letzten Wagner“, so stünde es besser. Aber jetzt kann mich Niemand davon erlösen, zu den „Belletristen“ geworfen zu werden. Pfui Teufel! —
Treulich und dankbar
Ihr Freund Nietzsche.
402. An Heinrich Köselitz in Venedig
Nun machen gar noch Sie, lieber Freund, „spanische Schlösser“ wie man in Frankreich sagt — und zwar neuspanische, mexikanische. Ich freue mich darüber! Wir werden dem jetzigen Europa fremd; damit dies Gefühl ein positivum werde, etwas Kräftiges und Schaffendes, wäre es freilich rathsam, es mit der räumlichen Entfremdung zu verstärken. Inzwischen haben wir Beide Grund zu warten: und ich wahrscheinlich doch eher in Barcellona als in Basel. Man verspricht mir für B<arcelona> reinen Himmel und wesentlich nördliche Winde; das Neueste aber ist, daß Genua sich eine direkte allwöchentliche Verbindung mit B<arcelona> herstellt — eine Folge der Gotthardbahn — wodurch uns Barcellona (c. 30 Stunden Fahrt) so nahe gerückt ist wie Neapel. — Ich bemerke ausdrücklich, daß bei dem Overbeckschen Vorschlage gar nicht der Gesichtspunkt materieller Versorgung maaßgebend gewesen, vielmehr der einer Beschwichtigung des Gemüths. Das letzte Jahr hat mir auf Ein Mal so viele Anzeichen davon gegeben, daß man (eingerechnet meine „Freunde“ und Angehörigen) mich, mein eigentliches Leben und Thun, verachtet; und ich bin nicht „gemacht“ zum Ertragen der Verachtung. In der That ist es äußerst zweifelhaft, ob ich jetzt ein „nützlicher“ Mensch bin; wer mich nicht als einen „schädlichen“ ansieht, der doch ganz gewiß als einen höchst überflüssigen Nichtsthuer. Mit „Zarathustra“ gerathe ich nun gar noch unter die „Litteraten“ und „Schriftsteller“, und das Band, das mich mit der Wissenschaft verknüpfte, wird als zerrissen erscheinen. —
Bemerken Sie doch, lieber Freund, daß Heinze bei weitem mein bester Fürsprecher in Universitätskreisen ist: er fällt damit auf und setzt sich dem Argwohne aus. Ich habe ihn gern: es ist eine sehr reinliche wohlmeinende und gerade Art. In Schulpforta war er noch mein Lehrer. Daß er nach Basel berufen wurde, war wesentlich mein Werk; und da ereignete sich das curiosum, daß ich, damals Dekan der philosophischen Fakultät, meinen früheren Lehrer „einzuführen“ hatte. —
Mit Rée habe ich „abgeschlossen": d. h. ich habe mir die Widmung seines Hauptwerks — verbeten. —
Ich will mit Niemandem mehr verwechselt werden.
Meine Erfahrungen in den letzten Wochen haben mir bestätigt, daß die 2-jährige absolute Enthaltung vom Verkehre hier in Genua das Hauptmittel meiner leiblichen Genesung gewesen ist. Die ärmlichste Einsamkeit soll mir recht sein: aber, nochmals, ich will nicht verwechselt werden.
Jene vorgeschlagene Basler Existenz ist mir nicht sicher genug, gerade auch in Hinsicht auf „Beschwichtigung des Gemüths“.
Ich habe, wohlerwogen, noch die Mittel, um 10 Jahre in meiner Weise zu leben. Das kommt von der Sparsamkeit. —
(Neulich imponirte mir ein buffo-Duett durch seinen Geist: hinterher hörte ich, daß es aus der Cenerentola sei.)
Treulich Ihr Freund N.
Von allen Menschen, die ich kenne, sind Sie der Einzige, an dessen Zukunft ich glaube und dessen Werden wirklich Etwas mit meinem Werden Gemeinsames hat. Deshalb darf ich Sie schon gelegentlich um Rath fragen. —
Ich lerne eigentlich jetzt erst Zarathustra kennen. Seine Entstehung war eine Art Aderlaß, ich verdanke ihm, daß ich nicht erstickt bin. Es war etwas Plötzliches, die Sache von 10 Tagen.
403. An Franz Overbeck in Basel
Lieber lieber Freund, inzwischen habe ich mir Deinen Vorschlag nochmals überlegt und auch den Venediger maestro zu Rathe gezogen. Das Wetter ist herrlich, meine Gesundheit und mein Muth immer im Wachsen: somit hat meine Überlegung einigen Werth. Es giebt viele ängstliche Zeiten für mich, über die ich schwer hinwegkomme; da zweifle ich denn auch am Werthe meiner Überlegungen und Entschlüsse. Sobald Gesundheit und Wetter sich aber aufheitern, gestehe ich mir immer ein, daß ich mit einem äußerst schmerzhaften Leben doch auf ein Ziel lossteure, um dessentwillen es sich schon lohnt, hart und schwer zu leben. Ich bin mir dessen deutlich bewußt: am schlechtesten ist mir immer bisher jedes Beiseitegehen von meiner Hauptsache bekommen, sei es selbst in Gestalt eines Berufs oder des Arbeitens für Andre (— in welche Rubrik, kurioser Weise, mein letzter Sommer und Herbst gehört) Und diesen Winter hat mich Nichts am Leben erhalten als das plötzliche Zurückspringen auf meine Hauptsache: da liegen meine Pflichten, wo ich an mich die schwersten Anforderungen stellen muß, da liegen auch meine Lebensquellen. Lehrer sein: ach ja, es wäre wohlthätig genug jetzt für mich (vorigen Sommer war ich’s noch und empfand, wie gut dies zu mir passe) Aber es giebt etwas Wichtigeres, gegen das gerechnet mir auch ein nützlicher und wirkungsvoller Lehrer-Beruf nur als Erleichterung des Lebens, als Erholung gelten dürfte. Und erst, wenn ich meine Hauptaufgabe erfüllt habe, werde ich auch das gute Gewissen für eine solche Existenz, wie Du sie mir wünschest, finden. —
Aber vielleicht habe ich sie erfüllt?
Inzwischen kam Zarathustra, langsam, Bogen für Bogen, zum Vorschein. Ja, ich lernte ihn jetzt erst kennen! In jenen 10 Tagen seiner Entstehung hatte ich dazu keine Zeit. Wirklich, liebster Freund, es scheint mir mitunter, als ob ich gelebt, gearbeitet und gelitten hätte, um dies kleine Buch von 7 Bogen machen zu können! ja als ob mein Leben damit eine nachträgliche Rechtfertigung erhalte. Und selbst auf diesen schmerzhaftesten aller Winter sehe ich seitdem mit andern Augen: wer weiß, ob nicht erst eine so große Qual nöthig war, mich zu jenem Aderlaß zu bestimmen, als welcher dies Buch ist? Du verstehst, es ist sehr viel Blut in diesem Buche.
Darf ich Dich bitten, mir die 1000 frcs (in französischem Papier, s il [v]Vous plaît!) baldigst zu kommen zu lassen? An meine Adresse, Salita delle Battestine 8 (interno 4) und recommandirt, aber ohne Angabe des Inhaltes.
Sodann bitte ich Dich noch um die Adresse der verehrten Frau Rothpletz in München, der ich immer noch nicht Dank gesagt habe, daß sie mir so tröstlich zum 1 Januar schrieb. —
Herr Dr. Fuchs kann sich gratuliren, daß er einmal im Leben so gütig beurtheilt worden ist, wie von Dir in Deinem Briefe. Ich weiß etwas zu viel von ihm. —
Von Herzen Dir und Deiner lieben Frau zugethan
Dein Nietzsche.
Ich dankte Dir noch gar nicht für Deinen reichen ausführlichen Brief, den ich um so mehr zu schätzen habe als er Dich des Restes Deiner Mußezeit beraubt hat!
Wenn Du doch aus dieser Universitäts-Welt heraustreten könntest! Und zumal aus der schweren Luft der noch mehr verschränkten als beschränkten Basler!
Hier am Meere giebt es genug kleine Städte, wo man halb so billig und dreimal so gesund lebt als in Basel. —
404. An Malwida von Meysenbug in Rom
Wollen Sie nicht ein wenig mit lachen, hochverehrte Freundin? Ich lege eine Karte bei, vom Verfasser jenes Briefes — Erwägen Sie doch, es ist gegen das Ende des neunzehnten Jahrhunderts! Und der Schreiber ist ein anscheinend vernünftiger Mensch ein Skeptiker — fragen Sie nur meine Schwester!
Es ist eine wunderschöne Geschichte: ich habe alle Religionen herausgefordert und ein neues „heiliges Buch“ gemacht! Und, in allem Ernste gesagt, es ist so ernst als irgend eines, ob es gleich das Lachen mit in die Religion aufnimmt. —
Wie geht es Ihrer Gesundheit? Ich war im Ausgange des Winters schlimm daran: ein heftiges Fieber hat mich fast fünf Wochen gequält und ans Bett gefesselt. Wie gut, daß ich allein lebe! -
Nicht wahr, Sie heben mir die beiden Curiosa auf oder senden Sie gelegentlich zurück? Bis zum 25ten bin ich (was ich im Grunde sehr bin) noch Genuese.
Von Herzen Sie verehrend
Nietzsche.
Die Bemerkung auf der Mitte der Karte ist gut. — In der That habe ich das Kunststück (und die Thorheit) „begangen“, die Commentare eher zu schreiben als den Text. — Aber wer hat sie denn gelesen? Ich meine: jahrelang studirt? Ein Einziger, so viel ich weiß: dafür hat er nun auch seine Freude am Texte.
In Deutschland fand ich voriges Jahr die Oberflächlichkeit des Urtheils bis zu dem Punkte des Blödsinns gereift, daß man mich mit Rée verwechselte. Mit Rée!!! Ich meine, Sie wissen, was das sagen will. —
405. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund, in Hinsicht auf Ihre Karte erlaube ich mir, nicht ohne etwas Ironie, Schopenhauers Satz zu citiren: „Moral predigen — ist leicht“.
Ihre Bemerkung über „Räderwerk“ und „Organismus“ finde ich wahr. Es ist ein curiosum: ich habe den Commentar früher geschrieben als den Text. Versprochen ist Alles schon in „Schop<enhauer> als Erz<ieher>“; es war aber ein gutes Stück Weg von „Menschl<iches>, Allzum<enschliches>“ bis zum „Übermenschen“ zu machen. Wenn Sie jetzt einen Augenblick an die „fröhl<iche> Wiss<enschaft>“ zurückdenken wollen, so werden Sie lachen, mit welcher Sicherheit, ja impudentia darin die bevorstehende Geburt „annoncirt“ wird. —
Auf die Gefahr hin, Ihnen einen Augenblick des Ekels zu machen und unter der Bedingung, daß Sie diesen Brief sogleich verbrennen, rechtfertige ich mich wegen des Wortes „Verachtung“, das Sie zu stark und unglaubwürdig finden. Ich habe mich nie von der Meinung Anderer über mich führen lassen; aber mir fehlt die Menschenverachtung und die glückliche Mitgift des Bärenfells — und so bekenne ich, zu allen Zeiten des Lebens sehr an der Meinung über mich gelitten zu haben. Bedenken Sie, daß ich aus Kreisen stamme, denen meine ganze Entwicklung als verwerflich und verworfen erscheint; es war nur eine Consequenz davon, daß meine Mutter mich voriges Jahr einen „Schimpf der Familie“ und „eine Schande für das Grab meines Vaters“ nannte. Meine Schwester schrieb mir einmal, wenn sie katholisch wäre, so würde sie in ein Kloster gehn, um den Schaden wieder gut zu machen, den ich durch meine Denkweise schaffe; ja sie hat mir offne Feindschaft angekündigt, bis zu jenem Zeitpunkte, wo ich umkehren und mich bemühen werde, „ein guter und wahrer Mensch zu werden“. Beide halten mich für einen „kalten hartherzigen Egoisten“, auch Lou hatte von mir die Meinung, bevor sie mich näher kennen lernte, ich sei „ein ganz gemeiner niederer Charakter, immer darauf aus, Andre zu meinen Zwecken auszubeuten“. Cosima hat von mir gesprochen als von einem Spione, der sich in das Vertrauen Anderer einschleicht und sich davonmacht, wenn er hat, was er will. Wagner ist reich an bösen Einfällen; aber was sagen Sie dazu, daß er Briefe darüber gewechselt hat (sogar mit meinen Ärzten) um seine Überzeugung auszudrücken, meine veränderte Denkweise sei die Folge unnatürlicher Ausschweifungen, mit Hindeutungen auf Päderastie. — Meine neuen Schriften werden an den Universitäten als Beweise meines allgemeinen „Verfalls“ ausgelegt; man hat eben etwas zuviel von meiner Krankheit gehört. Aber das thut mir weniger wehe, als wenn mein Freund Rohde sie als „kalt-behaglich“ empfindet und als „wahrscheinlich sehr zuträglich für die Gesundheit“. — Zuletzt: jetzt erst, nach der Veröffentlichung des Zarathustra, wird das Ärgste kommen, denn ich habe, mit meinem „heiligen Buche“, alle Religionen herausgefordert.
— Rée ist immer gegen mich von einer rührenden Bescheidenheit gewesen, dies will ich Ihnen ausdrücklich bekennen. — „Aus der Welt fort in den Wald ziehn! Punktum."
Ihr treugesinnter
Nietzsche
406. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Heute lernte ich zufällig, was „Zarathustra“ bedeutet: nämlich „Gold-Stern“. Dieser Zufall machte mich glücklich. Man könnte meinen, die ganze Conception meines Büchleins habe in dieser Etymologie ihre Wurzel: aber ich wußte bis heute nichts davon. —
Es regnet in Strömen, aus der Ferne klingt Musik zu mir. Daß mir diese Musik gefällt und wie sie mir gefällt, weiß ich nicht aus meinen Erlebnissen zu erklären: eher noch aus denen meines Vaters. Und warum sollte nicht — ?
Ihr Freund N.
407. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund,
jetzt ist die Correctur zu Ende: ich drücke Ihnen die Hand! Wie gut Sie verstehen zu corrigiren, und wahrhaftig nicht nur meine Texte, sondern me ipsum — das bewies mir wieder Ihr herrlicher letzter Brief.
Ich hätte Ihnen jene häßlichen Dinge nicht schreiben sollen: zumal sie ganz unvollständig und ungenügend sind, um Ihnen die Qual und Melancholie dieses Winters zu erklären. Was liegt an schiefen Urtheilen über mich! — so habe ich selber in jeder hellen Stunde empfunden. Viel schwerer drückten auf mich eine Anzahl widerlich-schauerlicher Thatsachen, deren Mitwisser ich geworden war, ohne irgend Etwas dabei zu thun zu haben. Am schlimmsten aber litt ich an einem verschwiegenen Ehrenhandel, aus dem ich lange keinen Ausweg sah als meinen Tod. — Zuletzt kam der Tod Wagners. Was riß damit Alles in mir auf! Es ist meine schwerste Probe gewesen, in Bezug auf Gerechtigkeit gegen Menschen — dieser ganze Verkehr und Nicht-Mehr-Verkehr mit Wagner; und mindestens hatte ich es zuletzt hierin zu jener „Indolenz“ gebracht, von der Sie schreiben. Was kann freilich melancholischer sein als Indolenz, wenn ich an jene Zeiten denke, wo der letzte Theil des Siegfried entstand! Damals liebten wir uns und hofften Alles für einander — es war wirklich eine tiefe Liebe, ohne Nebengedanken. —
Jetzt, lieber Freund, will ich zusehn, wie ich alle meine persönlichen Verhältnisse wieder in Ordnung bringe. Meine Schwester hat mir von Rom aus geschrieben, und auf das Versöhnlichste: — zum Danke dafür will ich jetzt über Rom reisen.
Im Übrigen habe ich mir jetzt diesen Gesichtspunkt vor die Seele gestellt: je mehr man mich vergißt, um so besser hat es mein Sohn, als welcher heißt Zarathustra. Woraus sich ergiebt, daß ich ein noch verborgeneres Leben vor mir habe als mein bisheriges war. Von Herzen dankbar
Ihr Freund Nietzsche.
(Ich reise nächsten Donnerstag Nachts, den 3 Mai)
408. An Elisabeth Nietzsche in Rom
Meine liebe Schwester,
es war der reine Zufall, daß Dein Brief in meine Hände kam, denn ich gehe nicht mehr wie sonst zur Post. Aber es soll ein guter Zufall gewesen sein: und so will ich Dir denn gleich antworten. Es freut mich von Herzen, daß Du nicht mehr Krieg gegen Deinen Bruder führen willst. Zu alledem bin ich jetzt auf einem Punkte angelangt, in dem man nicht mehr Krieg gegen mich führen darf, wenn man „weise“ und meine Schwester ist. —
Es war mein schwerster und kränkster Winter; abgerechnet 10 Tage, welche mir gerade genügten, um Etwas zu machen, um dessentwillen sich mein ganzes schweres und krankes Dasein lohnt. Ich hatte aus meiner kurzen „Rückkehr zu den Menschen“ eine solche Summe von widerlich-schauerlichen Eindrücken mitgenommen, daß ich eine Zeitlang ihre Last zu schwer fand. Nun, ich bin über Vieles in meinem Leben schon Herr geworden; aber es gab darin manche heftige Überwindung, um „dem Leben überhaupt“ gut zu bleiben und meine persönlichen Erfahrungen als unwesentlich bei einer solchen Gesammtabschätzung durchzustreichen.
Dies habe ich denn auch diesen Winter wieder gethan: und auf die Dauer werde ich auch alle meine menschlichen Beziehungen, die einstweilen etwas verwirrt sind, wieder in Ordnung gebracht haben, — mit Dir anzufangen.
Und dies wäre der Anfang, daß ich jetzt nach Rom komme. In der That, der Frühling kommt spät, unsre Küstengebirge hier tragen noch Schneekronen. So habe ich denn noch einen Monat Zeit.
Bitte, verhilf mir zu einem guten Zimmer, worin man sich recht ausruhen kann, ich bin oft so müde. Auch kann man mir in Betreff der Stille nirgends mehr genug thun.
Die „ewige Stadt“! Ich bin ihr nicht gut gesinnt und komme nicht ihretwegen nach Rom. Aber sage das ja nicht der verehrten Meysenbug! —
Aber was ist denn das für eine widernatürliche Vermehrung meiner Reichthümer, von der mir eben Overbeck aus Basel schreibt? — Was die Schreibmaschine betrifft, so hat sie ihren „Knacks“ weg: wie Alles, was charakterschwache Menschen eine Zeitlang in den Händen haben, seien dies nun Maschinen oder Probleme oder Lou’s. Aber mein hiesiger Arzt, ein Basler, der mich hier von einer Malariahaften influenza kurirt hat, macht sich ein Vergnügen daraus, sie bei sich zu haben und zu „kuriren“; und wirklich, er zeigte mir neulich einen Vers, den er mit ihr zuwege gebracht hatte und der anfieng:
„Schreibkugel ist ein Ding gleich mir von Eisen“ —
Was nun das „Eiserne“ anlangt: so willst Du, daß es Thon werde. Welcher Gedanke! Liebe Lisbeth, je mehr man mich vergißt, um so besser geht es meinem Sohne, der da heißt: „Zarathustra“: dies ist ein Haupt-Gesichtspunkt — für mich und Dich.
Meine Gesundheit ist ziemlich hergestellt, doch habe ich, zur Beruhigung meines Nervensystems, nöthig gehabt, 4 Monate, Nacht für Nacht Schlafmittel zu gebrauchen: wovon ich mich nun entwöhnen will. —
Die Correctur ist zu Ende, also kann ich reisen. Somit will ich vorschlagen, daß ich nächsten Donnerstag (den dritten Mai) Nachts hier abfahre: Freitag Mittag bin ich dann in Rom.
Bis dahin gieb mir noch Nachricht.
Mit dem herzlichsten Danke
Dein alter Bruder Fritz.
(NB. Ich schreibe an unsere Mäms.)
Meine Grüße an Malvida!
Adresse: salita delle Battestine
8 (interno 4)
409. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Werther Herr Verleger, mein Brief ist doch in Ihren Händen? Ich bat mir das Honorar in demselben für Genua aus; nun ist es dafür zu spät. Auch machte ich einen Vorschlag in Betreff des Umschlags: ein eben eintreffender Brief Teubner’s zeigt aber, daß Sie ihn noch gar nicht davon benachrichtigt haben. — Eine Adresse für mich bin ich außer Stande anzugeben; damit Sie aber nicht alle Verbindung mit mir verlieren, will ich Ihnen die jetzige Adresse meiner Schwester schreiben: deren Sie sich nöthigenfalls bedienen mögen.
Roma, via Polveriera 4
(piano 2)
Ergebenst Ihr Nietzsche.
410. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, ich danke allerschönstens für Brief und Sendung. Um Dir einen Begriff davon zu geben, daß mit der Gesundheit auch meine Menschlichkeit (sagen wir: „Gutmütigkeit“ —) überhand nimmt, melde ich, daß ich Donnerstag zu versöhnlichen Zwecken nach Rom reisen will (— eine dumme Reise in allen andern Rücksichten!) und daß ich eben an meine Mutter geschrieben habe.
Gestern las ich mich citirt, mit einiger Verwunderung, weil ich vergessen hatte, so ein Wort gesagt zu haben. Nämlich: „gut deutsch sein heißt sich entdeutschen.“ —
Dir und der Deinen das Herzlichste
F. N.
411. An Jacob Burckhardt in Basel
Hochverehrter Herr Professor,
zuletzt fehlt mir jetzt nichts als ein Gespräch mit Ihnen! Nachdem ich über den „Sinn meines Lebens“ etwas zur Klarheit gekommen bin, hätte ich gar zu gern Sie über „den Sinn alles Lebens“ sprechen hören mögen (ich bin jetzt mehr „Ohr“ als irgend etwas Anderes —) aber der Sommer führt mich diesmal nicht nach Basel, sondern nach Rom! Was das beifolgende Büchlein betrifft, so sage ich nur dies: irgendwann schüttet Jeder einmal sein Herz aus und die Wohlthat, die er sich damit erweist, ist so groß, daß er kaum begreifen kann, wie sehr er eben damit Allen Anderen am meisten wehthut.
Ich ahne etwas davon, daß ich dies Mal Ihnen noch mehr wehe thue als es bisher geschehen ist: aber auch das, daß Sie, der Sie mir immer gut gewesen sind, von jetzt ab mir noch guter sein werden!
Nicht wahr, Sie wissen, wie ich Sie liebe und ehre?
Ihr
Nietzsche.
Roma, via Polveriera 4 (piano 2)
412. An Gottfried Keller in Zürich
Hochverehrter Herr,
als Antwort auf Ihren gütigen Brief und zugleich als Bestätigung Ihres darin ausgesprochnen Gedankens — daß der große Schmerz die Menschen beredter mache als sie es sonst sind —: möchte sich Ihnen das beifolgende Büchlein empfehlen, das den Titel trägt
„Also sprach Zarathustra.“
Seltsam! Aus einem wahren Abgrunde von Gefühlen, in die mich dieser Winter, der gefährlichste meines Lebens, geworfen hatte, erhob ich mich mit Einem Male und war zehn Tage lang wie unter dem hellsten Himmel und hoch auch über hohen Bergen.
Die Frucht dieser Tage liegt nun vor Ihnen: möge sie süß und reif genug sein, um Ihnen — einem Verwöhnten im Reiche des Süßen und Reifgewordnen! — wohlzuthun!
Von Herzen Sie
verehrend
Prof Dr Nietzsche
Roma, via Polveriera 4 (piano II).
413. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werthester Herr Verleger,
noch schnell ein Paar Worte, bevor die Noth des Einpackens losgeht! Denn mit Genua hat es nunmehr sein Ende.
Anbei folgen 4 Briefe, welche ich nicht zu lesen bitte — Pardon! — aber die in die betreffenden Freiexemplare eingelegt werden sollen. Die Adresse steht jedes Mal oben auf der ersten Seite.
Die Personen, welche Sie nach meinem Wunsche diesmal mit Freiexemplaren bedenken mögen, sind diese:
Herrn Dr. Sieber, Bibliothekar der
Basler Universitäts-Bibliothek,
zu geehrten Händen
Herrn Prof. Dr. Overbeck in Basel
Herrn Prof. Dr. Jakob Burckhardt in Basel
Frau Marie Baumgartner in Lörrach (Baden)
(Thumringer Strasse)
Herrn Staatsschreiber Gottfried Keller in Zürich
Herrn Prof. Dr. Rohde in Tübingen.
Frau L. Rothpletz in München
(13 Fürstenstraße)
Herrn Baron Hans von Bülow in Meiningen
Herrn Dr. Heinrich von Stein
Privatdozenten der Universität Berlin
Herrn Baron Carl von Gersdorff auf Ostrichen bei
Seidenberg (Schlesien)
Herrn Hofrath Prof. Dr. Heinze in Leipzig
Wenn Sie die Adresse des ausgezeichneten Dänen Hrn. Georg Brandes sich verschaffen können, so geschähe mir ein großer Gefallen, falls Sie ihn mit einem Exemplare in meinem Namen beschenken wollten.
Es ist gar nichts auf die Exemplare zu schreiben, ausgenommen meine römische Adresse, und diese auf die Außenseite der Pakete: also jedesmal
Prof. Dr. Nietzsche, Roma
4 via Polveriera
(piano 2)
Nun mache ich Ihnen wieder diese Mühe, lieber Herr Schmeitzner! Verübeln Sie mir es nicht und bleiben Sie wohlgesinnt
Ihrem „Autor"
Nietzsche
414. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Werthester Herr Verleger, wie geht es Ihnen? Ich sende Ihnen von Rom aus einen herzlichen Gruß und eine ganz zuverlässige Adresse, welche von nun an an die Stelle der letztgenannten zu treten hat (auch auf allen Freiexemplaren)
Roma, piazza Barberini 56, ultimo piano
56 (sechs und fünfzig)
Ergebenst Ihr
Nietzsche.
415. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein lieber Freund, es thut mir wohl zu denken, daß Ihr Herr Vater um Sie ist und das Geheimniß der Venediger Existenz seines Sohnes einmal mit Augen sieht. Es kommt eigentlich in allen Dingen auf dies „mit Augen sehen“ an; auch ich bin sehr zufrieden, zur Correctur meiner Urtheile und der Urtheile über mich, nach Rom gegangen zu sein und „mit Augen gesehn“ worden zu sein. Der vergangne Herbst und Winter ist mir hier recht ferne und fremd geworden; mancherlei darin war vielleicht nur eine furchtbare — Hallucination. —
Im Übrigen mögen zur Erklärung meines damals ganz ungewöhnlichen „Unlustgefühls“ jene elektrischen „Stürme“ ausreichen, welche in den Herbstund Wintermonaten alle Beobachter der elektrischen Strömungen in Erstaunen gesetzt haben: zeitlich fallen sie mit dem Sichtbarwerden großer Sonnenflecken zusammen.
Rom ist kein Ort für mich — so viel steht fest. Ich nehme diesen Monat hin als eine menschliche Erquickung und ein Ausruhen. Niemals noch habe ich so gut gewohnt; zum ersten Male war es, daß es als eine Ehre bezeichnet und empfunden wurde, mich im Hause zu haben: und natürlich war es eine Schweizer Familie, welche mich dermaßen auszeichnete.
Wenn ich sagen wollte, was mir fehlt, so würde ich sagen: Ihre Musik. Es giebt für mich keine köstlichere Art der menschlichen Erquickung und des Ausruhens.
Für den Sommer habe ich ein Projekt: ein gut eingerichtetes Schloß im Walde, von Benediktinern zu ihrer Erholung eingerichtet, mit zusammengeladenen befreundeten Menschen zu füllen. Ich will jetzt mir auch neue Freunde suchen.
In der Hauptsache aber halte ich fest, daß eine tiefe und strenge Einsamkeit, eine tiefere und strengere als je, auf mich wartet.
Wo ich bin, lieber Freund, da wächst auch die Liebe zu Ihnen, und ich will gerne der Herold Ihrer Musik heißen. Bleiben wir doch ja in allen guten Hoffnungen einander treu und gewogen!
Von Herzen Ihr Freund Nietzsche.
Adr.: Roma, Piazza Barberini 56, ultimo piano
416. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
eben habe ich zum ersten Male die weißen Hosen angezogen; es ist ungefähr die Zeit dazu, obwohl es bei uns hier viel kühler geblieben ist als bei Dir (nach Deinem letzten Briefe zu schließen, für den ich bestens danke.) Auf den Bergen, die wir um Rom sehen, liegt noch viel Schnee; das erhält ein Klima, wie es kaum erquicklicher zu denken ist. Heute ist eigentlich zum ersten Male der Himmel trübe, die Luft überaus dick und schwül.
Auch die Taschentücher kommen mir sehr zu Nutz, vielen Dank!
Meine weiteren Pläne und die mit ihnen verbundene Wahl eines Aufenthaltes geben mir viel Mühe und Kopfzerbrechen.
Rom selber ist völlig ungeeignet für mich; und dies recht gründlich begriffen zu haben ist ein Vortheil dieser letzten Reise hierher.
Mit den besten Grüben
und Wünschen
Dein F.
Wenn es je noch eine Gelegenheit giebt, etwas hierher zu senden, so bitte ich mir etwas aus, das mir sehr Noth thut — die einzige Sorte von Stahlfedern, mit denen ich bequem schreiben kann. Ich möchte gleich einen langen Vorrath davon, also 2 Gros (das sind 24 Dutzend)
Die Feder heißt
B
S. Roeders Humboldfeder
Berlin
B bedeutet „weich"
Man kann sie direkt bestellen (es genügt: S. Roeder Stahlfederfabrik Berlin) oder bei einem Naumburger Schreib-Papierhändler.
417. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werthester Herr Verleger
für Ihre Sendung und noch mehr für Ihre letzte Karte meinen aufrichtigen Dank: ich freute mich über alles eigentlich Persönliche, was letzte Karte enthielt und denke nunmehr, daß Sie auf Ihrer Bahn sind. Vielleicht daß Sie eben damit auch über die „Verlegenheiten des Verlegers“ hinaus kommen oder hinaus sind. —
Von Zarathustra höre ich kein Wort. Unbegreiflich! Lebt er noch? Oder haben Teubners ihn zuletzt noch umgebracht, etwa um seiner „starken Ausdrücke“ willen?
In der Sendung französischen Geldes lag einiger Humor für mich, erstens, weil ich inzwischen nicht nach Frankreich, sondern nach Rom gereist bin: woran ich damals, als ich Ihnen schrieb, noch nicht dachte. Und zweitens weil Sie mich nun gerade zu dem nöthigen, was ich mir ersparen wollte — nämlich: zu einem Banquier zu gehen. Das ist mir nämlich, bei der Schwäche meiner Augen und der gänzlichen Unerfahrenheit in Geldsachen, das Gräßlichste: und man betrügt mich ganz regelmäßig, oder ich lasse Geld liegen — kurz, ich komme schlimm dabei und davon weg.
Nichts für ungut! Ich erzähle es Ihnen nur, damit Sie etwas zu lachen haben.
Adresse nach wie vor: Roma, piazza Barberini 56 ultimo piano
Mit ergebenstem Gruße, auch von Seiten meiner Schwester
Nietzsche
418. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Lieber Freund, ein Zufall erinnert mich daran, daß ich Ihnen im vorigen Jahre noch ein Wort über Ulfilas schuldig geblieben bin. U<lfilas> hat die ganze Bibel übersetzt: für das alte Testament benutzte er die Septuaginta. Alle Gothenstämme nahmen seine Übersetzung an: sie wanderte nach Spanien und Italien mit ihnen. Der größte Theil ist für uns verloren gegangen; vom alten Testament blieben nur Fragmente aus Esra und Nehemia und ein Psalm übrig. —
„Zarathustra“ ist die ächte unverderbte Form des Namens Zoroaster, also ein persisches Wort. Von den Persern wird auf p. 81 Mitte geredet. —
Inzwischen habe ich einen Brief an Sie abgesandt, doch, wie mir scheint, vergessen, auch meine Adresse Ihnen mitzutheilen: Roma, Piazza Barberini 56 ultimo piano. —
Ich bin sehr bewegt und bringe viel Zeit in heiterer Gesellschaft zu; sobald ich allein bin, fühle ich mich so erschüttert wie noch nie im Leben. — Und Sie, lieber Freund? —
419. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund,
in Hinsicht auf Genesung und Herstellung geist-leiblicher Sicherheit war Rom ein guter Gedanke und hat sich bisher bewährt: ich fand überall und nicht nur bei meiner Schwester das entgegenkommendste Vertrauen — etwas, das ich sehr nöthig hatte, sei es auch nur als Symbol und Vorzeichen für etwas, das ich einmal sehr nöthig haben werde. Die Gesundheit zwar, im wörtlichsten Sinne, ist bisher durch Rom nicht gefördert, und die Großstadt ist sogar meinen Bedürfnissen entgegengesetzt. Für alles das, was Rom anbietet, bin ich zu wenig vorbereitet, oder vielmehr: ich bin zu sehr schon mit Vorbereitungen zu andern Dingen überladen, als daß ich noch genug freien Willen hätte, mich auf so viel Fremdes und Neues einzulassen. Der antike Kopf Epikurs, sowie der des Brutus, gab mir zu denken, ebenso drei Landschaften des Claude Lorrain. Im Grunde fand ich aber noch Nichts, woran ich einen Geist erkannt hätte der zu mir als zu einem Bruder und Freunde redete — und gestern sah ich gar Menschen die heilige Treppe hinauf knien!
Hoffentlich ist inzwischen mein Zarathustra in Deine Hände gelangt; ich selber weiß gar nichts mehr von ihm, seit die Correctur vorbei ist. Mag er seinen Weg allein gehen! —
Was die Verwendung der nächsten Jahre betrifft, so bin ich darüber nicht mehr im Ungewissen. Eine äußere Bedingung ist dazu die oft schon brieflich angedeutete „Weltflucht“: so viel ist klar und wer mir wohl will, wird es sich auch klar machen können. Es kostet mich dieser Entschluß viel mehr Mühe als Du glauben wirst; und die Erwählung des richtigen Ortes bringt mich fast zur Verzweiflung.
Ich meine, daß meine Schwester über die eigentlichen Motive dieser nächsten Schritte gut genug unterrichtet ist und bitte ihr hierüber, wenn sie davon sprechen sollte, Glauben zu schenken. Die Erlebnisse des vorigen Jahres sind ihr zu Gute gekommen — und insofern auch mir. Malvida Meysenbug ist lauter mütterliche Güte gegen mich; sie wünscht mir, was ich mir selber am meisten wünsche und versteht auch Wege und Griffe dazu. (Beiläufig: sie möchte gern, daß ich und Lenbach (der Maler) uns näher befreundeten)
Meine Adresse ist Roma, Piazza Barberini 56 ultimo piano: ich bleibe hier wohl noch bis in den Juni hinein.
Dir und den Deinigen — denn ich nehme an, daß die verehrte Frau Rothpletz bei Dir ist — meine und meiner Schwester allerbeste Grüße.
In Dankbarkeit Dein Freund
F.N.
420. An Karl Hillebrand in Florenz
Verehrtester Herr,
manche Jahre sind vorüber, in denen ich gegen Sie geschwiegen habe — schwerverständliche Jahre voller Selbstüberwindung und schwarzer Wellen, aus denen ich nunmehr „an die Oberfläche komme“, nicht als ein Ertrunkener, sondern, wie ich meine, voller als je an Leben.
Dies kleine Buch, das ich hiermit Ihrer Güte anheimgebe, ist ein ganz plötzliches Ereigniß, das Werk von zehn vollkommen hellen Tagen dieses schwermüthigsten aller Winter. Jetzt, wo ich es kennen lerne — denn bei seiner Entstehn fehlte mir dazu die Zeit, und inzwischen war ich krank — erschüttert es mich durch und durch und ich bin nach jeder Seite in Thränen. Alles, was ich gedacht, gelitten und gehofft habe, steht darin und in einer Weise, daß mir mein Leben jetzt wie gerechtfertigt erscheinen will. Und dann wieder schäme ich mich vor mir selber: denn ich habe hiermit nach den höchsten Kronen die Hand ausgestreckt, welche die Menschheit zu vergeben hat. —
Wer ist umfänglich genug an Menschlichkeit und Wissen, um einem solchen Narren, wie ich jetzt bin, das zu sagen, was er am liebsten hört, die Wahrheit, jede Wahrheit?
Unter den Lebenden weiß ich nur Sie und Jakob Burckhardt, die mir diesen Dienst leisten könnten — — so bitte ich Sie denn von ganzem Herzen: thun Sie es!
Nicht wahr, Sie wissen, wie hoch ich Sie verehre?
Friedrich Nietzsche.
Roma, piazza Barberini 56 ultimo piano.
421. An Marie Baumgartner in Lörrach
Inzwischen, verehrteste Frau, wird mein „Zarathustra“ bei Ihnen angelangt sein; und nach dem zu schließen, was Sie mir voriges Jahr über die ersten Zeilen desselben geschrieben haben (sie bildeten den Schluß der „fröhlichen Wissenschaft“); darf ich beinahe mit Sicherheit darauf schließen, daß dieser mein jüngster und liebster Sohn bei Ihnen nicht in der Fremde sein wird.
— Ich bin jetzt auf hoher See und verlange das Höchste von mir und — für mich. —
Im Zusammenhange damit steht nun ein Entschluß, der seit Jahren kommt und geht und wiederkommt und endlich — jetzt!
— mich reif findet und stark genug: der Entschluß, auf ein paar Jahre zu „verschwinden“.
Aber Sie meinen vielleicht, verehrte Freundin, ich sei schon genug „verschwunden gewesen“? — und Ihr letzter äußerst gütiger Brief scheint mir vielmehr den Wunsch auszudrücken, ich möchte aus den dunklen Wassern der Vereinsamung wieder „an die Oberfläche“ kommen!
Fragen Sie hierüber auch meinen Sohn Zarathustra: und wenn Entschuldigen von irgend welcher „Schuld“ dabei Noth thut, so wird er mich auch entschuldigen müssen!
Ich will es so schwer haben, wie nur irgend ein Mensch es hat: erst unter diesem Drucke gewinne ich das gute Gewissen dafür, etwas zu besitzen, das wenige Menschen haben und gehabt haben: Flügel — um im Gleichnisse zu reden.
Bleiben Sie mir gut, auch dann wenn ich „verschwunden“ und „verflogen“ bin!
Von Herzen Ihr Freund
Nietzsche.
422. An Elisabeth Nietzsche in Rom (Postkarte)
Mißrathen! Scirocco hielt sein flammendes Schwert über Aquila. Die Gegend nichts für mich! —
Mit heftigstem Kopfschmerz etc.. bis hierher, Terni, zurückgereist. Strömender Regen. Jetzt zu Bett!
Morgen weiter nach der Schweiz zu. Näheres weiß ich noch nicht.
Von Herzen Dein Bruder (recht verzweifelt aber!)
423. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Im lieblichen Regenneste angelangt. Doch voller Respekt vor den gutgehaltenen Wegen in weitem Umkreis, die ich soeben bei strömendem Regen auf die Probe gestellt habe. Im Gehen dachte ich viel an Dich, und mit der herzlichsten Dankbarkeit.
Fast schaudere ich jetzt vor der Einsamkeit zurück: aber ich habe es schon gelernt, die Zähne auf einander zu beißen.
Hier sagt man, es habe dies Jahr immer geregnet. Ein Zimmer mit Ofen im Engadin! — das wird der Humor der Sache sein!
Dein getreuer Bruder.
424. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Mein lieber alter Freund, diesmal sende ich, zur Auskunft über mich, keinen gräßlichen Brief (Du wirst mich meiner Briefe halber satt bekommen haben! —), sondern meine fröhliche und mit mir sehr wohl-versöhnte Schwester. Mit der angelegentlichen Bitte an Dich und Deine zu verehrende Frau, ihr die Treue entgelten zu lassen, die sie mir in jenen unwirschen Zeiten bezeigt hat, und mit dem Wunsche, daß ein seit 8 Wochen über Chemnitz („Zarath<ustra>“); gesandter Brief in den Händen von Frau Rothpletz ist, bin ich Dein Freund
N.
425. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester, dieser Brief wird, wie ich hoffe, Euch wieder bei einander finden; und vielleicht kommt er, wenn Ihr gerade von mir sprecht — nun, ich denke, nichts Schlimmes!
Inzwischen gieng es mir hart. Ich traf im Engadin bei Regen ein und recht durchgefroren: einige Stunden später war Sils-Maria eingeschneit. Ich blieb bis Mittwoch im Hôtel, leider heimgesucht vom bösen Kopfschmerz — dank dem unglaublichen Wetter. Es hat hier „immer geregnet“ — ganz so, wie man mir’s am Lago maggiore sagte. Die Gegend und ganze Art des Engadin gefällt mir wieder ausnehmend, es bleibt mir die liebste Gegend — aber es muß wärmer werden! Hier in meinem ungeheizten Zimmer fühle ich mich schlechter als in den kältesten Januartagen der Genueser Küste. Zudem fehlen immer noch (heute Donnerstag!) meine Sachen aus Rom.
Die Leute sind so gut gegen mich und freuen sich meiner Wiederkehr, zumal die kleine Adrienne. Im Hause selber, wo ich wohne, kann ich engl. Biskuits, Corned-beef, Thee, Seife und eigentlich alles Mögliche kaufen: das ist bequem.
Irgend ein reicher Freund sollte mir hier ein Haus von 2 Zimmern bauen: denn auf die Dauer mag ich in diesem ganz niedrigen, weißgetünchten Raum nicht leben. Daß ich aber noch manchen Sommer hier herauf muß — ist mir sehr wahrscheinlich.
Ihr könnt nicht glauben, wie melancholisch ich in der Ebene bin. — Hier oben bin ich mehr chez moi. —
Nun bitte, bitte: eine große Wurstsendung! Etwas recht Gutes! Auch eine Schinkenwurst dabei! Natürlich auf meine Unkosten! Aber recht bald, daß ich mich von innen her erwärme.
Wie kam’s doch, daß ich mich für die schwarze Weste nicht bedankt habe? Sie sitzt gut und war mir sehr nützlich. Dagegen sind meine 4 Paar weiße Hosen eine Ironie auf diesen Engadiner „Winter“. —
Glücklicherweise bin ich jetzt durch 3 Jahre eingeschult, Kälte zu ertragen.
Meine Stimmung ist gut.
Euch herzlich zugethan
Fritz.
Notiz, die allein von unsrer Mutter gelesen werden darf: bitte, besorge in meinem Namen für den 10. Juli Jakob Burckhardt, Der Cicerone. Neueste Auflage.
426. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter
Eine Stunde nach dem Abgange meines Briefes kam Deine Sendung an: schneller konnte meine Bitte nicht erfüllt werden! In der That war Alles darin, was ich haben wollte — und Einiges mehr. Z.B. der herrliche Honig. Doch wollen wir’s ja nicht ein zweites Mal probiren! Gewöhnlich läuft der Honig unterwegs aus — wovon mir greuliche Geschichten erzählt wurden. Aber es ist so kalt! Es ist ein vollständiger rauher Winter hier: und sehr trübe dazu, wenn es nicht schneit oder regnet. Abscheulicher Wind!
Trotzdem — es wird schon gehen und besser werden.
Die Wurst ist ausgezeichnet, insgleichen die Süßigkeiten. Die Federn sind die richtigen, das ist eine wichtige Sache!
Sage doch meiner Lisbeth, daß die Kisten von Rom aus mich 87 frs. gekostet haben: und die Bücher sind dabei so verdorben worden, daß ich sagte: „noch zwei Mal und es ist Maculatur“.
Es ergab sich, daß ich in der weißgetünchten Stube es nicht aushielt — meiner Augen halber. So habe ich angeordnet, daß sie neu und zwar grünlich gestrichen wird.
Alle Kranken fand ich hier gesund geworden: und die Alten eher jünger als vor 2 Jahren. So den alten Pfarrer von 81 Jahren: er hat diesen Winter keine seiner Funktionen ausgesetzt und geht Sonntag in das tiefste Gebirge stundenweit um ein Kind zu taufen.
Euch von Herzen dankbar
F.
(Später doch noch eine Wurst- und Schinkensendung!)
NB. ich vergaß für die Abschrift der Recension zu danken. Das ist nun freilich die schüchternste und befangenste Art, von mir zu reden. In Anbetracht aber, daß es ein Leipziger Professor ist, der so schreibt, so ist vielleicht sogar noch der Muth anzuerkennen! — Im Vergleiche zu diesem armen Volke lebe ich freilich im „siebenten Himmel“ der Erkenntniß!
427. An Carl von Gersdorff in Ostrieben
Mein lieber alter Freund Gersdorff,
inzwischen habe ich erfahren, daß Dir etwas sehr Schmerzliches widerfahren ist — der Verlust Deiner Mutter. Als ich dies hörte, war es mir ein rechter Trost, Dich nicht allein im Leben zu wissen, und ich gedachte der herzlichen und dankbaren Worte, mit denen Du in Deinem letzten Briefe an mich, Deine Lebens-Gefährtin erwähntest. Wir haben es in unserer Jugend schwer gehabt, Du und ich — aus verschiedenen Gründen; aber es wäre eine schöne Billigkeit darin, wenn unserem Mannes-Alter einiges Milde und Tröstliche und Herzstärkende begegnete.
Was mich betrifft, so habe ich eine lange schwere Askese des Geistes hinter mir, die ich freiwillig auf mich nahm und die nicht Jedermann sich hätte zumuthen dürfen. Die letzten sechs Jahre waren in diesem Betracht die Jahre meiner größten Selbstüberwindung: wobei ich noch absehe von dem, was mich Gesundheit, Einsamkeit, Verkennung und Verketzerung überwinden ließ. Genug, ich habe auch diese Stufe meines Lebens überwunden — und was jetzt noch vom Leben übrig ist (wenig, wie ich glaube!) soll nun ganz und voll das zum Ausdruck bringen, um dessentwillen ich überhaupt das Leben ausgehalten habe. Die Zeit des Schweigens ist vorbei: mein Zarathustra, der Dir in diesen Wochen übersandt sein wird, möge Dir verrathen, wie hoch mein Wille seinen Flug genommen hat. Laß Dich durch die legendenhafte Art dieses Büchleins nicht täuschen: hinter all den schlichten und seltsamen Worten steht mein tiefster Ernst und meine ganze Philosophie. Es ist ein Anfang, mich zu erkennen zu geben — nicht mehr! — Ich weiß ganz gut, daß Niemand lebt, der so Etwas machen könnte, wie dieser Zarathustra ist —
Lieber alter Freund, nun bin ich wieder im Ober-Engadin, zum dritten Male, und wieder fühle ich, daß hier und nirgends anderswo meine rechte Heimat und Brutstätte ist. Ach, was liegt noch Alles verborgen in mir und will Wort und Form werden! Es kann gar nicht still und hoch und einsam genug um mich sein, daß ich meine innersten Stimmen vernehmen kann!
Ich möchte Geld genug haben, um mir hier eine Art ideale Hundehütte zu baun: ich meine, ein Holzhaus mit 2 Räumen; und zwar auf einer Halbinsel, die in den Silser See hineingeht und auf der einst ein römisches Castell gestanden hat. Es ist mir nämlich auf die Dauer unmöglich, in diesen Bauernhäusern zu wohnen, wie ich bisher gethan habe: die Zimmer sind niedrig und gedrückt, und immer giebt es mancherlei Unruhe. Sonst sind mir die Einwohner von Sils-Maria sehr gewogen; und ich schätze sie. Im Hôtel Edelweiß, einem ganz vorzüglichen Gasthofe, esse ich: allein natürlich, und zu einem Preise, der nicht gänzlich im Mißverhältniß zu meinen kleinen Mitteln steht. Ich habe einen großen Korb Bücher mit herauf gebracht: und auf drei Monate ist es wieder abgesehn. Hier wohnen meine Musen: schon im „Wanderer und sein Schatten“ habe ich gesagt, diese Gegend sei mir „blutsverwandt, ja noch mehr“. —
Nun habe ich Dir Etwas von Deinem alten Freunde und Einsiedler Nietzsche erzählt — ein Traum von dieser Nacht brachte mich dazu.
Bleib mir gut und treu! — wir sind alte Kameraden und haben Manches gemeinsam gehabt!
Dein
Friedrich Nietzsche.
428. An Heinrich Köselitz in Venedig
Wie kommt es doch, lieber Freund Köselitz, daß ich so lange nicht an Sie geschrieben habe? — so fragte ich mich eben. Aber ich war so unsicher und unschlüssig inzwischen, ein Hauch von Krankheit lag noch auf mir: da wollte ich nicht schreiben (ich habe diesen Winter leider viel zu viel Briefe geschrieben, die voller Krankheit sind —) Sodann mißrieth mir Einiges: so der Versuch, in Italien einen Sommeraufenthalts-Ort für mich zu finden. Einmal versuchte ich’s im Volsker-Gebirge und einmal in den Abruzzen (in Aquila) Nun ist mir verwunderlich gewesen, warum ich jetzt jedes Jahr, wenn der Frühling kommt, den heftigsten Trieb fühle, noch südlicher zu gehn: so dies Jahr nach Rom, voriges Jahr nach Messina; vor zwei Jahren war ich drauf und dran, mich nach Tunis einzuschiffen — da kam der Krieg. Die Erklärung liegt wohl darin, daß ich die Winter über jedesmal so an der Kälte gelitten habe (3 Winter ohne Ofen!) daß mit dem Erwachen der Wärme ein wahrer Heißhunger nach Wärme in mir erwacht. — Dies Jahr kam noch ein Heißhunger nach menschlichen, ich meine humanen Beziehungen hinzu: und namentlich nach „menschlicheren“ als das vorige Frühjahr mir gebracht hat. In der That, so wie ich jetzt Alles überschaue: so war das, was mir im vorigen Jahr und diesem Winter begegnet ist, von der schauerlichsten und bösesten Art: und ich wundere mich, daß ich mit dem Leben davon gekommen bin — wundere mich und zittere jetzt noch dabei.
— Man hat mir in Rom sehr viel Liebes und Herzliches erwiesen; und wer mir gut gewesen ist, ist es jetzt mehr als je.
Von Zarathustra höre ich jetzt eben, daß er noch „unversandt“ in Leipzig wartet: sogar die Freiexemplare. Das machen die „sehr wichtigen Verhandlungen“ und beständigen Reisen des Chefs der alliance antijuive, des Herrn Schmeitzner: da muß „der Verlag einmal etwas warten“: so schreibt er. Es ist wahrhaftig zum Lachen: zuerst das christliche Hinderniß, die 500 000 Gesangbücher, und nun das judenfeindliche Hinderniß — das sind ganz „Religionsstifterliche Erlebnisse“.
Malvida und meine Schwester waren erstaunt, wie bitter (verbittert) Zarathustra ausgefallen sei; ich — wie süß. De gustibus usw. —
Nun habe ich wieder mein geliebtes Sils-Maria im Engadin, den Ort, wo ich einmal sterben will; inzwischen giebt er mir die besten Antriebe zum Noch-Leben. Ich bin im Ganzen merkwürdig schwebend, erschüttert, voller Fragezeichen —: es ist kalt hier oben, das hält mich zusammen und stärkt mich. —
Ich will 3 Monate hier sein: aber was wird dann? Ach Zukunft! - - -
Fast jeden Tag denke ich mir aus, wie ich einmal wieder zum Hören Ihrer Musik komme; sie fehlt mir, ich weiß so wenig Dinge noch, die mir von Grund aus wohlthun. Aber Sils-Maria und Ihre Musik gehören dazu.
Ihr letzter Brief enthielt sehr schöne Gedanken, für die ich mich recht bedanke! Ich sah daraufhin mir noch einmal Epicur’s Büste an: Willenskraft und Geistigkeit sind im höchsten Grade an dem Kopfe ausgeprägt.
Ihnen nahe und von Herzen treu
F. N.
429. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Schwester
nun bin ich auch in Besitz Deines Briefes, wie ich schon längst im Besitz und Genuß Deiner Baseler Sendung bin; und ich wünschte Etwas zu haben, das ich Dir entgegen senden könnte, um nicht bloß mit Worten der Dankende zu sein. Aber Sils-Maria ist eine Art Ende der Welt; in Naumburg ist man „der Welt“ viel näher; leider, wie ich aus Deinem Briefe mit Betrübniß entnehme, auch „der bösen Welt“. Mach Dir doch ja um meinetwillen keine neuen Sorgen und Aufregungen; ich weiß es so schon gar nicht wieder gut zu machen, daß ich Dir in den letzten 12 Monaten der Störenfried Deines Lebens werden mußte.
Es war gut, daß wir in Rom zusammen waren; und wenn ich auch zu den schweigsameren Menschen gehöre, so wirst Du doch genug gehört und errathen haben, um zu wissen, wie es mit mir steht. — Das, was der Mensch sein Ziel nennt (das, woran er im Grunde bei Tag und Nacht denkt): das legt eine wahre Eselshaut um sein Wesen, so daß man ihn beinahe todtschlagen kann — er überwindet’s und geht, als der alte Esel, mit dem alten I-A seinen alten Weg. So steht’s jetzt mit mir. —
Hier habe ich mich auf 3 Monate eingemiethet: in der That, ich bin der größte Thor, wenn ich mir durch italiänische Luft den Muth nehmen lasse. Hier und da taucht der Gedanke in mir auf: was geschieht nachher? (Schreibe mir doch einmal über den Eindruck, den Lugano auf Dich gemacht hat.) Meine „Zukunft“ ist mir die dunkelste Sache von der Welt; da ich aber noch viel fertig zu machen habe, sollte ich auch nur an dieses Fertig-machen als meine Zukunft denken und das Übrige Dir und den Göttern überlassen. - - -
Die Gegenwart verlangt übrigens — Würste und Schinken: alle übersandten Fressalia habe ich mit dem größten Danke gegen die Geberin aufgespeist, insgleichen mit dem besten Appetite: mein Magen ist ganz in Ordnung.
Sollte Dein Geburtstag in der Nähe sein? Ich habe nicht die geringste Ahnung mehr, ob es Juni oder Juli ist: so leben die Philosophen — ohne Zeit. — Für den genannten Fall habe ich unsrer guten Mutter einen Wink gegeben, der hoffentlich nicht zu spät gekommen ist. Unter allen Umständen bin ich Dein getreuer Bruder und habe die allerherzlichsten Wünsche für Dich jederzeit bei mir.
Dein F.
(Pfefferkuchen bekommt mir nicht in dieser Höhe.)
430. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Soeben, mein liebes Lama, sagt man mir, daß wir den 6ten Juli haben: so lasse ich schnell noch ein Brief-Täubchen abfliegen, daß Dir zur angemessenen Stunde meine allerschönsten Gratulationen überbringen mag.
Burckhardt’s Cicerone, dessen neueste Außage zu besitzen Du einmal den Wunsch geäußert hast, soll in meinem Auftrage auf Deinem Geburtstags-tische liegen; es ist wirklich eins der besitzenswürdigsten Bücher und beinahe belehrender als ein Aufenthalt in Rom: für uns Beide soll das Buch aber ein Erinnerungs-zeichen sein an das vielerlei Gute, was wir dort zusammen gesehn (und nicht gesehn) haben —eingerechnet die Genüsse anderer Art zB. in den trattorie.
An letztere werde ich eben durch meine oede langweilige Leguminosen-Suppe erinnert: zu der bin ich aber heute verurtheilt, weil mein Magen in Folge eines äußerst schmerzhaften 2tägigen Anfalls ganz geschwächt ist. Es geht mir eigentlich nicht gut; denn ich mache jede Veränderung des Wetters mit durch; namentlich hat mir bisher jede Bedeckung des Himmels meinen Kopfschmerz gebracht; — gemäß der Nähe der Wolken bin ich sogar hier in diesem Punkte noch empfindlicher als in Genua. Die Moral meiner Gesundheit heißt nach wie vor: „wo es jährlich 200 bewölkte Tage giebt, bist Du 200 Tage unwohl und leidest: wo es 40 bewölkte Tage giebt, hast Du für 320 gute Chancen — um nicht mehr zu sagen“.
Zudem: es ist hier ein Winterchen fortwährend: ich bin äußerst dankbar für den Besitz des Fußsacks (sage das unserer lieben Mutter, insgleichen meinen herzlichsten Dank für ihren zweiten Brief!).
Das Zimmer habe ich dunkel mir tapeziren lassen, aber es ist und bleibt kalt und sehr niedrig! - - -
Aber das sind Allotria; jetzt, meine liebe Schwester, eine Hauptsache, eine ganz ernsthafte Bitte an Dich! Du sollst Schmeitznern die bestimmte Erklärung abnöthigen, mündlich oder schriftlich, wie Du es am besten vermagst, daß er den 2ten Theil Zarathustra unverzüglich in Druck giebt, sobald das Manuscript in seine Hände kommt. Ich will damit zu Ende kommen und von dieser Expansion des Gefühls erlöst sein, die solche Produktionen mit sich führen: es ist mir öfter der Gedanke gekommen, daß ich an so Etwas plötzlich sterbe. Er soll es in der Hand haben, wann er diesen zweiten Theil (genau vom Umfange des ersten) ausgeben will: aber ich will den Druck hinter mir haben und muß dies verlangen: es ist eine Gesundheitssache ersten Ranges. Dieses Frühjahr bin ich durch die nichtswürdige Bummelei der Herrn Teubner 4 Wochen länger krank gewesen als ich hätte sein müssen. Dafür will ich Schmeitznern versprechen, daß nächstes Jahr von mir nichts zu drucken ist: meine Absicht ist nun, Vorträge auszudenken und auszuarbeiten, und den „Text“ für meine Vorträge aus meinem Zarathustra selbst zu nehmen. —
Aus Allem wirst Du errathen, daß besagter 2ter Theil wirklich existirt: Du kannst Dir von der Vehemenz solcher Entstehungen nicht leicht einen zu großen Begriff machen. Darin aber liegt ihre Gefahr. — Um des Himmels Willen, bringe dies mit Schmeitzner in’s Reine; ich selber bin jetzt zu reizbar gestimmt. — Ach, wie schön, daß ich Dir so Etwas schreiben kann! —
Ganz von Herzen
Dein Bruder.
431. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund Overbeck! Der Zufall (oder die Post) wollte, daß Dein Brief erst den 4ten Juli in meine Hände gelangte — und seitdem war ich nicht wohl. So komme ich spät zu Dir, ganz wie mein Sohn Zarathustra, der sich nach meinem Willen schon diese Ostern meinen Freunden präsentiren sollte: aber da kam erst „das christliche Hinderniß“ (die 500 000 Gesangbücher, von denen ich wohl schrieb?) und nun steht ihm wieder „das judenfeindliche Hinderniß“ im Wege. Denn wirklich, es verhält sich so: Herr Schmeitzner meldete jüngst, die „äußerst wichtigen“ Verhandlungen und Reisen in Sachen des Antisemitenthums machten, daß der Verlag zurückstehn müsse die sämmtlichen Exemplare des Zarath<ustra>, eingerechnet die Freiexemplare seien noch in Leipzig! — Bravo! Aber wer erlöst mich von einem Verleger, der die antisemitische Agitation wichtiger nimmt als die Verbreitung meiner Gedanken? Ich meine hier nicht einmal besonders stolz zu reden — —
Ich erkannte auf der Theeund Leguminosen-Sendung mit herzlichem Danke die Handschrift Deiner lieben Frau; ich habe ihr Mühe gemacht! Ach, und ich muß fortfahren, ihr Mühe zu machen! Erstens brauche ich bald wieder Thee (bei diesem Kalk-Wasser braucht man doppelt so viel und bringt es doch nicht zu einem wohlschmeckenden Getränke: übrigens bin ich kein Freund von dieser Qualität, ich hätte gern ein Pfund von einem feineren Thee) Sodann: doch ich schreibe lieber bald einmal direkt an Deine verehrte Frau.
Ich habe hier sehr an der Kälte gelitten: ein wahres Glück, daß ich durch 3 ofenlose Winter einigermaßen abgehärtet bin. Doch wirken diese kalten Stuben sehr auf die Stimmung, in Genua so wie hier. Ein Gefühl von Welt-Fremdheit, Vorüber-Eilendem, Wanderer-haftem sitzt sehr tief in mir drin — und, die Wahrheit zu sagen, schwerlich nur in Folge der großen Unbehaglichkeit meines äußeren Lebens. Es kommt selten noch ein warmer Ton zu mir; und Vieles vom Allerbesten, das Anderen das Herz warm macht, ist mir gleichgültig geworden. Um ein Wort von meiner Gesundheit zu sagen: so bin ich einer der geduldigsten Menschen und balancire von einer Weise in die andre. Aber der Überschuß kranker, schmerzhafter, mindestens tief gehemmter Tage ist außerordentlich: obschon ich gegen mich als Patienten alle erdenkliche Vorsicht, Strenge und Selbstüberwindung gelten mache. Zweierlei scheint mir incurabel: das Eine, daß jedes regelmäßige geistige Arbeiten, nach einer gewissen Zeit (c. 2 Wochen) einen tiefen Verfall nach sich zieht, weil es zu intensiv ist (der Zeit nach gar nicht: da geben ja schon die Augen sehr bestimmte Grenzen!) Sodann: mein Gefühl, sei es des Angenehmen oder des Unangenehmen, hat so heftige Explosionen, daß ein Augenblick, im strengsten Sinne, hinreicht, um, durch eine Veränderung der Blut-cirkulation wahrscheinlich, mich vollkommen krank zu machen (etwa 12 Stunden später ist es entschieden, es dauert 2—3 Tage) Endlich: jeder bedeckte Himmel setzt mich tief herab; hier oben, wo die Wolken nahe sind, entsteht unvermeidlich sogar Kopfschmerz dabei. Also: Gegenden, wo es 200 bedeckte Tage giebt, nehmen mir 200 Tage weg — und umgekehrt.
Sonst ist der Engadin mir lieb und werth, und bis zur Mitte September soll er mir’s bleiben. Wie gern hätte ich Dich einmal recht nahe, alter lieber Freund!
F.N.
432. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Mein liebes Lama, also so weit ist meine Zarathustra-Angelegenheit vorwärts gerückt, daß ich Ende dieser Woche bereit bin zur Absendung des druckfertigen Manuscriptes.
Ah, ich kann nicht ausdrücken, wie groß die Genugthuung ist, welche ich bei diesen Worten empfinde. Damit, daß ich diesen 2ten Theil gemacht habe, ist das ganze Jahr schon gerechtfertigt, insbesondere die Reise nach dem Engadin: und sogar auch die Reise nach Rom bekommt nun eine neue Bedeutung: es war ein tiefes Ausruhen in diesem römischen Aufenthalt; und gerade auch in der Zerstreuung und dem Lärm meiner Wohnung lag etwas Nützliches, ebenso in dem Klumpfuß auf der Eisenbahn und dem vielen verdorbenen Magen und schlechten Nächten. Alles hinderte mich zu arbeiten und nachzudenken; und es ist kaum zu sagen, wie schwer es ist, mich von mir selber wegzuziehn. — Von dieser negativen Wohlthätigkeit Rom’s könnte ich nun noch zur positiven übergehen — aber meine Augen sind übel daran, und ich habe noch Anderes zu schreiben.
Unter allen Umständen muß jetzt unverzüglich der Druck losgehen! oder ich breche mit Schmeitzner (wozu ich allen Grund habe — —)
So lange er glaubt, daß seine Agitation eine wichtigere Angelegenheit sei als die Verbreitung meiner Bücher und Gedanken: ist es für mich die äußerste Geduldsprobe meines Stolzes, mit ihm zu verkehren. —
Im letzten Winter habe ich Alles so eingerichtet, daß der erste Theil Zarathustra Ostern in den Händen meiner Leser sein konnte: und habe den höchsten Fleiß nöthig gehabt, um es so einzurichten. Ein verlornes halbes Jahr der Wirkung meiner Gedanken kommt recht sehr in Betracht, namentlich in Hinsicht auf die Dauer meines eignen Lebens. —
Daß il negro immer noch auf der Wanderschaft ist, thut mir recht Leid. Herrig soll mir sehr willkommen sein.
Der Brief an Frau R<ée> ist, litterarisch betrachtet, Deine beste Leistung bisher; gebe der Himmel, daß es nie wieder zu solchen Anlässen kommt, Dich litterarisch auszuzeichnen! Übrigens kann ich schwören, daß die mir in Deinem Briefe zugesprochene Denk- und Handlungsweise mit der Wahrheit übereinstimmt, und nicht nur eine „schöne Farbe“ ist. Mein Mitleid hatte über meinen Stolz gesiegt, und die Absicht zu helfen über die Absicht, mir zu nützen — (in der „fröhlichen Wissenschaft“ steht zu lesen: „wo liegen deine größten Gefahren? — Im Mitleiden.“);
Rée habe ich auch in dieser Sache viel zu gut behandelt: und ungefähr 10 Briefe an ihn nicht abgeschickt (vielmehr an Stelle eines jeden einen neuen geschrieben — ich fürchtete immer, er könnte sich das Leben nehmen. Zuletzt hat er über seinen verrückten Freund wohl nur gelacht!)
Bitte, bringe die Sache mit Schmeitzner-Teubner in Ordnung. Sobald Du das Ja-wort hast, telegraphire mir „Ja“.
Dir und unsrer lieben Mutter das Herzlichste!
Dein F.
Es geht wieder besser mit der Gesundheit, seit ich täglich saure Milch nehme, wie in Tautenburg.
433. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund,
ich hatte rechte Sehnsucht nach einem Briefe von Ihnen; und als ich vorgestern das Ersehnte Mittags auf meiner Serviette liegend fand, glaubte ich, daß mir lange keine bessere Mahlzeit aufgetischt sei. Es war ein Klang aus Ihrer Musik in Ihren Gedanken, das erquickte mich — ob es mir gleich wieder einen Heißhunger nach dieser Musik machte, der ja jetzt unstillbar scheint. Wenigstens möchte ich nicht deswegen die Cholera nach Venedig beschwören, daß Sie von dort flüchten müßten! (Es gehört zu den schauerlichen Erinnerungen aus meiner Studentenzeit, daß ich eine Nacht mit einer Cholera-leiche zugebracht habe)
Die Wünsche auf Ihrer Postkarte, die so geheimnißvoll klangen, müssen wohl gut auf mich gewirkt haben — vielleicht hat sich inzwischen gerade das erfüllt, was Sie mir im Stillen gewünscht haben.
Nicht wahr, lieber Freund? Dies ist eine allgemeine Wahrheit: „der zweite Vers ist schwerer, als der erste Vers“.
Nun, ich habe den zweiten Vers hinter mir — und jetzt wo er fertig ist, schaudert mir bei der Schwierigkeit, über die ich hinweg bin, ohne an sie gedacht zu haben.
Seit meinem letzten Briefe gieng es mir besser und muthiger, und mit Einem Male hatte ich die Conception zum zweiten Theile Zarathustra — und nach der Conception auch die Geburt: Alles mit der größten Vehemenz.
(Dabei ist mir der Gedanke gekommen, daß ich wahrscheinlich an einer solchen Gefühls-Explosion und -Expansion einmal sterben werde: hol’ mich der Teufel!)
Das Manuscript für die Druckerei wird übermorgen fertig sein, es fehlen nur noch die letzten 5 Abschnitte; und meine Augen ziehn meinem „Fleiße“ Grenzen.
Wenn Sie die Schlußseite des ersten Z<arathustra> lesen, so werden Sie die Worte finden „— und erst, wenn ihr mich Alle verleugnet habt, will ich euch wiederkehren.
Wahrlich, mit andern Augen, meine Brüder, werde ich mir dann meine Verlorenen suchen; mit einer andern Liebe werde ich euch dann lieben.“
Dies ist das Motto zum zweiten Theil: aus ihm ergeben sich, was dem Musiker zu sagen fast unschicklich ist, andre Harmonien und Modulationen, als im ersten Theile.
In der Hauptsache galt es, sich auf die zweite Stufe zu schwingen, — um von dort aus noch die dritte zu erreichen <deren Name ist: „Mittag und Ewigkeit“: das sagte ich Ihnen schon einmal? Aber ich bitte Sie inständig, davon gegen Jedermann zu schweigen! Für den dritten Theil will ich mir Zeit lassen, vielleicht Jahre —)
Wenn ich nun wieder mit der Bitte zu Ihnen komme, mir bei der Correktur zu Hülfe zu kommen — so geht das eigentlich über alle Grenzen von Freundschaft und Schamhaftigkeit hinaus: und wenn Sie es nicht zu Stande bringen, mich darin zu rechtfertigen — ich bringe es nicht zu Stande!
Dabei bleibt Ihnen die Hoffnung, daß aus dem Drucke jetzt nichts wird. Vielleicht trenne ich mich von Schmeitznern: er behandelt unverhohlen seine antisemitische Agitation als eine weit wichtigere Angelegenheit als die Verbreitung meiner Gedanken. —
Geben Sie mir doch noch genaue Auskunft über die Schritte und Fortschritte Ihrer Partitur: Sie schwiegen so lange davon! Und welche Pläne giebt es? Und was macht die göttliche Nausikaa?
Von Herzen Ihr Freund
Nietzsche.
434. An Paul Rée in Flims (Entwurf)
Zu spät, fast ein Jahr zu spät erhalte ich Aufschluß über den Antheil, den Sie an den Vorgängen des letzten Sommers haben: und ich habe noch nie so viel Ekel in meiner Seele beisammen gehabt, wie jetzt, bei dem Gedanken, daß solch ein schleichender verlogen heimtückischer Gesell jahrelang als mein Freund hat gelten können. Dies heiße ich ein Verbrechen und nicht nur an mir — sondern zu oberst an der Freundschaft und selber noch am hohlsten Namen „Freundschaft“. Pfui, mein Herr! Man wird sich vor Ihnen hüten müssen, und nicht einmal wie vor einem anständigen Bösewicht, sondern wie vor einem unanständigen! Also von Ihnen stammt die Verunglimpfung meines Charakters, und Frl. S<alomé> ist nur das Mundstück, das sehr unsaubere Mundstück Ihrer Gedanken über mich gewesen? Sie sind es, der, in meiner Abwesenheit natürlich, von mir wie von einem gemeinen und niedrigen Egoisten redet, der immer darauf aus sei, Andre auszubeuten? Sie sind es, der behauptet hat, ich habe unter der Maske der Idealität in Bezug auf Frl. S<alomé> die schmutzigsten Absichten verfolgt? Sie sind es, der über meinen Geist zu äußern wagt, ich sei verrückt und wisse nicht, was ich wolle? Nun verstehe ich freilich diesen ganzen Handel besser, der mich beinahe den achtungswürdigsten und mir nächststehenden M<enschen> entfremdet hätte: Niemand konnte je begreifen, wie ich auf die Seite solcher M<enschen>) treten konnte, die sich wahrscheinlich schon überall durch falsches Spiel gegen mich verdächtig gemacht haben. Je nun, ich habe meinen Freund zu vertreten geglaubt, wenn ich Sie eine ganze Reihe von Jahren hindurch vertheidigt und gegen Mißtrauen geschützt habe: und ich hatte dazu genug Anlaß, da Sie nicht zu denen gehören, welchen Vertrauen entgegengebracht wird. Vielleicht hat mir in den letzten 7 Jahren Nichts so im Wege gestanden, als eben dies, daß ich Sie in Schutz nahm. In der That, in der Menschen-Kennerei hab ich’s, nach dieser Probe zu schließen, nicht weit gebracht, und ich errathe, wie vielen Hohn und Spott Sie in dieser Hinsicht gegen mich schon haben laut werden lassen. Bravo! Aber ich will lieber von solchen M<enschen> wie Sie sind, verhöhnt werden, als daß ich sie verstünde. In der That, ich verstehe gar nicht mehr, was Sie von mir und mit mir gewollt haben. R<ichard> W<agner> warnte mich ein Mal vor Ihnen und sagte: „der wird einmal schlecht an Ihnen handeln, der führt Nichts Gutes im Schilde.“
Nachdem Sie diesen Brief geschrieben haben, bleibt gar kein Zweifel mehr über Ihren Charakter: Wir wollen uns bei Frl. S<alomé> bedanken, daß sie zuerst den Schleier von diesem Isisbilde gehoben hat. — Ich aber habe Sie Jahrelang für rechtschaffen gehalten und in diesem Punkte gegen Jedermann vertheidigt! Es steht schlimm mit meiner Menschenkennerei! — es ist kein Zweifel: und Sie haben allen Grund, über mich zu lachen.
ich hätte große Lust, Ihnen mit ein paar Kugeln eine Lektion in der praktischen Moral zu geben: und vielleicht erreiche ich im günstigsten Falle, Sie ein für alle Mal von der Beschäftigung mit Moral abzubringen — —: dazu nämlich mein Herr Dr. Rée gehören nur reine Hände aber nicht Schlammfinger!
435. An Georg Rée in Stibbe (Entwurf)
Unsre kurze Bekanntschaft von Leipzig her muß mich rechtfertigen, wenn ich heute an Sie schreibe, was ich Ihrem Bruder Paul selber nicht schreiben mag: daß jeder weitere Verkehr zwischen ihm und mir unter meiner Würde ist. Jetzt erst, fast ein Jahr zu spät kommen mir wesentliche Thatsachen zur Kenntniß, welche Ihren Bruder heillos vor mir compromittiren — nachdem ich inzwischen mir die höchste Mühe gegeben hatte, sein verdächtig gewordenes Benehmen gegen mich zu entschuldigen und ins mildeste Licht zu rücken. Es ist beinahe ein Zufall, daß ich jetzt davon erfahre: im vorigen Jahre, ebenso wie bei meinem diesjährigen Aufenthalte in Rom hatte ich immer verlangt, daß in meiner Gegenwart nicht von den häßlichen Vorgängen des vorigen Sommers geredet würde. Jetzt aber höre ich, daß die ganze abscheuliche Verunglimpfung, die mir und meiner Schwester von Frl. S<alomé> angethan ist, ganz und gar auf Ihren Bruder zurückfällt: daß dieses Mädchen eben nur das Mundstück für seine Gedanken gewesen ist — Bisher hat es Jedermann, mit dem ich mich in nähere Verbindung setzte, dies für eine Ehre und Auszeichnung gehalten: — ich halte es selber dafür — darüber sage ich kein Wort weiter. — Ihr Bruder hat diese Gesinnung gegen mich reichlich zur Schau getragen: aber, wie ich nun weiß, hinter meinem Rücken als schleichender, verleumderischer, verlogener Gesell an mir gehandelt. Er also ist es, welcher von mir als einem niedrigen Ch<arakter> und gemeinen Egoisten redet, der Alle nur zu seinen Zwecken ausbeuten wolle: er ist es, der mir vorwirft, ich hätte unter der Maske idealer Ziele in Bezug auf Frl. L<ou> die schmutzigsten Absichten verfolgt; er ist der, der es wagt, von meinem Geiste verächtlich zu sprechen, als ob ich ein Verrückter sei, der nicht wisse, was er wolle. — Nun verstehe ich es allerdings, wenn er mir diesen Winter schrieb, er habe gegen mich das Gefühl von Schuld — ohne sich näher darüber auszulassen. Ich mag alle diese schleicherischen Duckmäuser nicht, seine Art hat mir lange schon Bedenken gemacht, aber ich meinte, es sei ein Mensch, den anzutreiben und in geistiger Arbeit zu erhalten meine Schuldigkeit sei. Ich sagte ihm voriges Jahr einmal: „wir haben uns nie gezankt, aber auch nie übereingestimmt.“
Und so bleibt es dabei: Ihr Bruder gereicht mir, wie nicht minder Ihnen und Ihrer verehrungswürdigen Mutter zur Schande: ich habe lange nichts so Bitteres erlebt.
Unter dieses Wort Schuld fällt es vor Allem, wie schamlos er mich über Frl. S<alomé> belogen hat: er predigte von ihr, wie als ob sie zu gut für diese Welt sei, eine Märtyrerin der Erkenntniß von Kindesbeinen an, vollkommen selbstlos, als ob sie alles Glück und alles Behagen des Lebens für die Wahrheit zum Opfer gebracht hätte. — Nun Herr R<ée>, es wächst alle Jubeljahre Einmal ein M<ensch> dieser Art auf Erden: und ich würde um die Erde reisen, um ihn kennen zu lernen. Ich habe nun dieses Mädchen kennen gelernt und mit der größten Hartnäckigkeit versucht, den letzten Schatten jenes Bildes von ihr festzuhalten. Unmöglich! (ihre Mutter selber hat mich vor ihr gewarnt) Ich war einfach der Belogene: und so oft ich Ihrem Bruder mein sehr strenges Urtheil über den Charakter dieses Mädchens gab, meinen Sie, daß er je nur ein Wort der Entschuldigung und der Milde für sie gehabt hätte? Er sagte immer nur: Sie haben vollkommen über Lou Recht, aber es ändert meine Beziehungen zu ihr in Nichts“. Brieflich nannte er sie einmal sein Verhängniß: quel goût! Diese dürre schmutzige übelriechende Äffin mit ihren falschen Brüsten — ein Verhängniß!
Pardon!
Wie sie selber über Ihren Bruder spricht und denkt, das soll die Sache meiner Diskretion sein. In Leipzig rief sie ihn nie anders als Dreckel! was mich empört hat.
436. An Louise von Salome in Petersburg (Entwurf)
Hochverehrte Frau
Ich bin Ihnen die Antwort auf die Bedenken schuldig geblieben, welche Sie in Ihrem Brief an mich äußerten, im Grunde, weil diese Bedenken sich mir selber inzwischen allzuschwer in der Wirklichkeit aufdrängten. Was war das für eine Täuschung, in welche man mich versetzt hatte! Man hatte mir von Ihrem Frl. Tochter gesprochen und geschrieben, wie als ob sie fast zu gut für diese Welt sei, eine Märtyrerin der Erkenntniß von Kindesbeinen an, jedes Glück und jedes Behagen des Lebens ja die Gesundheit hingebend für das Eine: Wahrheit, vollkommen selbstlos, und bewährt in einer langen Schule der Aufopferung. Ich will nicht davon reden, welche Mühe ich mir gegeben habe, auch den letzten Schatten dieses Bildes aufrecht zu erhalten und wie viel ich dabei zu vergessen und zu vergeben gehabt habe. Noch weniger aber will ich Ihnen als der Mutter aussprechen, welches Bild mir schließlich übrig geblieben ist.
Meine Schwester und ich — wir haben Beide alle Gründe, die Begegnung mit Ihrem Frl. Tochter im Kalender unseres Lebens schwarz anzustreichen. Daß wir Beide es sehr gut mit ihr gemeint haben, steht außer allem Zweifel. —
Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr ergebenster
437. An Malwida von Meysenbug in Rom
Meine liebe hochverehrte Freundin,
oder ist es unbescheiden, wenn ich Sie so nenne? Gewiß ist, daß ich ein unbändig gutes Zutrauen zu Ihnen habe: und so wird es auf die Worte nicht sehr ankommen.
Ich habe einen schlimmen Sommer gehabt und habe ihn noch. Die böse Geschichte des vorigen Jahres stürzte noch einmal über mich her; und ich habe so viel hören müssen, was mir diese herrliche Natur-Einsamkeit verdorben und fast zur Hölle gemacht hat. Nach Allem, was ich nun erfahren habe, ach viel zu spät! — sind diese beiden Personen Rée und Lou nicht würdig, meine Stiefelsohlen zu lecken — Pardon für dies allzumännliche Gleichniß! Es ist ein langes Unglück, daß dieser Rée, ein Lügner und schleichender Verleumder von Grund aus, mir über den Lebensweg gelaufen ist. Und was habe ich lange Geduld und Mitleid mit ihm gehabt! „Es ist ein armer Bursch, man muß ihn vorwärts treiben“ — wie oft habe ich mir das gesagt, wenn mir seine ärmliche und unaufrichtige Manier zu denken und zu leben Widerwillen machte! Ich vergesse den Ingrimm nicht, den ich 1876 empfand, als ich hörte, er werde mit zu Ihnen nach Sorrent kommen. Und vor zwei Jahren wiederholte sich nochmals dieser Ingrimm: ich war hier in Sils-Maria und wurde krank bei der Nachricht meiner Schwester, daß er hier herauf kommen wolle. Man soll seinen Instinkten besser vertrauen, auch den Instinkten des Widerstrebens. Aber das Schopenhauerische „Mitleiden“ hat immer in meinem Leben bisher den Haupt-Unfug angestiftet — und deshalb habe ich allen Grund, solchen Moralen gut zu sein, welche noch ein paar andere Triebfedern zur Moralität rechnen und nicht unsere ganze menschliche Tüchtigkeit auf „Mitgefühle“ reduziren wollen. Dies nämlich ist nicht nur eine Weichlichkeit, über die jeder großgesinnte Hellene gelacht haben würde — sondern eine ernste praktische Gefahr. Man soll sein Ideal vom Menschen durchsetzen, man soll mit seinem Ideale seine Mitmenschen wie sich selber zwingen und überwältigen: und also schöpferisch wirken! Dazu aber gehört, daß man sein Mitleiden hübsch im Zaume hält, und daß man, was unserm Ideale zuwider geht (wie z.B. solches Gesindel wie L<ou> und R<ée>) auch als Feinde behandelt. — Sie hören, wie ich mir „die Moral lese": aber um bis zu dieser „Weisheit“ zu kommen, hat es mich fast das Leben gekostet. —
Ich hätte den Sommer mit Ihnen und in dem edlen Kreise, der Sie umgiebt, leben sollen: aber nun ist es zu spät!
Von ganzem Herzen Ihnen zugethan und dankbar
Nietzsche
438. An Ida Overbeck in Basel
Liebe verehrte Frau Professor,
inzwischen kam der Brief meines Freundes Overbeck, und ich erlaube mir heute einmal, ihm so zu antworten, und zu danken! daß ich an Sie schreibe, an die ich seit langer Zeit keinen Brief abgeschickt habe! Seien Sie froh deshalb: denn Alles, was ich in dem letzten Zeiträume an Briefen „verfaßt“ habe, gehört unter die Rubrik: Krankheit und Schwermuth — und auch die Dinge, von welchen ich zu erzählen (oder eigentlich nicht einmal zu erzählen) hatte, waren aus dem Reiche des Daseins, welches man am besten verhüllt. Es war mein schwerster und kränkster Winter; und die Erlebnisse, die ihn dazu machten, hätten Einen über Nacht zu einem „Timon von Athen“ machen können. Was liegt daran, daß in ihnen allen Nichts ist, dessen ich mich zu schämen hätte und Manches, das eine andre Würdigung und Theilnahme hätte finden dürfen, als es sie zB. bei meinen Angehörigen gefunden hat! In dem finde und fand ich keinen Trost und keine Erleichterung. Im Gegentheil: wenn ich selber irgendwie mehr zu dieser Gattung von „Wirklichkeit“ gehörte, ihr gleichartiger wäre, so würde ich wahrscheinlich Alles viel leichter ertragen haben — — und tragen. So aber fiel es wie ein Wahnsinn über mich her; und es ist durch Nichts wieder gut zu machen, daß meine Phantasie und mein Mitleid jetzt nun ungefähr ein Jahr in dem Schlamm dieser Erfahrungen hat waten müssen. Ich glaube mehr bereits ausgestanden zu haben, fünf Mal mehr, als genügt, einen normalen Menschen zum Selbstmord zu bringen: und es ist noch nicht zu Ende. Das Unglück wollte, daß ich voriges Jahr im Grunde nur Dinge zu hören und errathen bekam, die zu diesen nächsten Erlebnissen den entsprechenden Rahmen bildeten; insbesondere sind mir einige Proben einer abgründlichen Perfidie der Rache (seitens jenes jüngst gestorbnen großen Musikers R<ichard> W<agner>) zu Ohren gekommen. Der Contrast all dieser Dinge zu dem Seelen-Zustand, in welchem ich vorigen Frühling lebte, war ganz und gar schauerlich, und stark genug, ein Glas zu zerbrechen, das auch ziemlich viel schon ausgehalten hat.
Jetzt gehen diese Dinge wieder von Neuem vorwärts. Meine Schwester will ihre Rache an jener Russin haben — nun gut, aber bis jetzt bin ich das Opfer von alledem gewesen, was sie in dieser Sache gethan hat. Sie merkt nichts davon, daß kaum ein Zoll noch fehlt zum Blutvergießen und zu den brutalsten Möglichkeiten — und ich lebe und arbeite hier Oben diesen Sommer wie Einer, „der sein Haus bestellt.“ — —
In der That, ohne die Ziele meiner Arbeit und die Unerbittlichkeit solcher Ziele lebte ich nicht mehr. In so ferne heißt mein Lebensretter: Zarathustra, mein Sohn Zarathustra! —
Was den betrifft: so habe ich Alles dazu gethan, daß er diese Ostern bei meinen Freunden erscheinen konnte — Der Rest ist Schweigen.
Das Geld bitte ich meinen Freund, hierher zu senden. Mit Thee bin ich durch meinen Wirth versorgt worden, der Commissionär für Genfer Geschäfte ist. Die Leguminose ist sehr empfehlenswerth. — Wollen Sie einen guten Zwieback-Bäcker mit dem beifolgenden Zettel versehen und den Freund bitten, daß er die Bezahlung übernimmt? (In Genua zahle ich für den feinsten Zwieback in der ersten Conditorei 1 frc. 60 das Kilo)
Und nun den herzlichsten Gruß und die alte Bitte um Nachsicht!
Ihr F.N.
Auch Ihrer Frau Mutter den wärmsten und dankbarsten Gruß und meine Bitte um Verzeihung dafür, daß mein Brief an Sie immer noch — in Chemnitz liegt! — Was ist jetzt ihre Adresse?
439. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf).
Dein Bruder ist ganz eigentlich unglücklich: ich habe nämlich den Brief an G<eorg> R<ée> abgeschickt.
Nein, ich bin nicht gemacht zu Feindschaft und Haß: und seit diese Sache so weit geschritten ist, daß eine Versöhnung mit jenen Beiden nicht mehr möglich ist, weiß ich nicht mehr wie leben; ich denke fortwährend dran. Es ist unverträglich mit meiner ganzen Philosophie und Denkweise — es zieht mir jedes hochstrebende Gefühl nieder, daß ich in die Rubrik menschlicher Feindseligkeiten gerathen bin und mit solchem armen Volke! Bis dahin habe ich nie Jemanden gehaßt, auch W<agner> nicht, dessen Perfidien bei weitem über die Leistungen L<ou>’s hinausgingen. Jetzt erst fühle ich mich gedemüthigt.
440. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Mein liebes liebes Lama,
eben habe ich, in einem Briefe an Georg Rée, den ich in Leipzig kennen gelernt habe, meine Beziehungen zu Paul R<ée> abgebrochen.
Stelle Dir vor! Der Übelstand bei dieser ganzen Sache war für mich, daß ich den besten Theil der facta nicht wußte: während sie Dir wahrscheinlich allzugegenwärtig waren, da Du jenen Scenen beigewohnt hast — ich aber nicht! — Mit R<ée> hätte ich ja unter keinen Umständen wieder verkehren können, wenn das Bild, welches Frl. Salomé von mir entwarf, in Wahrheit auf ihn zurückgeht. Deine beiden letzten Briefe haben mir erst Lichter angezündet! Ich wußte auch das Stärkste von dem nicht, was sie über Rée selber geurtheilt hat. Welche Hülfe wäre das mir in diesem Winter gewesen! —
Seit diese Sache wieder losgelassen ist, leide ich daran wie an einem Wahnsinn und habe bei Tag und Nacht keine Ruhe. Ich meinte, es sei genug, daß ich diesen Winter fünf Mal mehr darum ausgestanden habe als genügt, einen normalen Menschen zum Selbstmord zu bringen. Und nun erst sind wir in das sanglante Stadium der Sache getreten! Es ist ein Ehrenhandel in bester Form geworden.
Ich merkte der Sache in den ersten fünf Minuten ihren lebensgefährlichen Charakter an; und als ich von Tautenburg fortgieng, war ich äußerst glücklich, einer solchen Sache durch sehr viel Selbst-Überwindung eine leidlich harmlose Wendung gegeben zu haben (auf meine Unkosten natürlich; was ich aber nicht gar zu schwer taxirte) Was liegt daran, daß man einem Manne Etwas als Schwäche gegen ein Mädchen auslegt! — in diesem Punkte nehmen es Männer und Frauen nicht gar so streng. Es schien mir aber meiner sehr würdig, statt auf Rache und Vergeltung, auf den Nutzen der Person hinzuarbeiten, welche sich schlecht gegen mich benommen hatte.
Schließlich, schließlich, mein liebes Lama, blieb ich als der Einzige übrig, „der sich schlecht benommen hatte“; — seit Deinem Schritte, aus dem geschlossen wurde, daß meine nächsten Angehörigen nicht an meine „Idealität“ in dieser Sache glaubten, wendete sich Alles zu meinen Ungunsten. —
Pardon! Es soll das letzte Wort in der Sache zwischen uns sein, deren Consequenzen ich nunmehr stillschweigend über mich ergehn lassen will.
Schmeitzner telegraphirte mir Dienstag Nachmittag: woraus ich schließe, daß es doch erst Dein zweiter Brief war, der ihn zur Raison gebracht hat. Es ist mir ganz unschätzbar, daß ich jetzt noch diese Drucksache abmachen kann; ich bin wie Einer, der keine Zeit mehr hat. Also nochmals meinen allerinnigsten Dank für diese Wohlthat! —
Was meine Lebensweise betrifft: so erzähle ich Dir als Curiosum, daß ich seit wir uns nicht gesehn haben, Mittag für Mittag (außer wenn ich krank war) Dasselbe gegessen habe (es giebt einfach um diese Stunde nichts anderes): nämlich: reine Bouillon (2 Teller), ein Beefsteak mit Piselli (das kostet zusammen 2 fr. 50 cs. — was Dir einen Begriff von den hiesigen Preisen geben mag!)
Deuschland ist mir unsäglich verleidet. Vielleicht gehe ich den Winter nach San Remo, wo es viel mehr heitere Tage giebt als in der Umgebung Genua’s. Und es ist doch nur ein Katzensprung weiter. — Bevor ich den dritten und letzten Theil Zarathustra nicht fertig habe, ist das Leben für mich noch unerlöst. Dies privatissime!
In Treue Dein Bruder.
Zwei Briefe an Dich und einen Brief an Paul Rée, die ich inzwischen schrieb, habe ich nicht abgesendet, sondern wieder zerrissen. — Schone mich, bitte! —
441. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Mein lieber Freund, die Angst überkommt mich, Sie möchten krank sein? Oder habe ich wirklich mit der Bitte zu viel erbeten, die ich im letzten Briefe aussprach und Ihnen wehe gethan? (Ich wünschte auch für den zweiten Theil Zarathustra, an dem gedruckt wird, Ihre Beihülfe in der Correctur) Ich kann mir es sehr gut vorstellen, daß dies leidige Corrigiren Ihnen zum Tode fatal geworden ist und bin nicht im Geringsten gegen Sie „böse“, wenn Sie mir dies sagen: — glauben Sie doch ein wenig mehr daran, daß ich Ihnen von Grund aus gut bin und mir selber nicht den Schmerz anthun möchte, Ihnen Etwas Lästiges zugemuthet zu haben. — Und dann: ich hörte so gerne von Ihren Arbeiten und Plänen, falls es erlaubt ist, davon zu hören? —
Ihr alter Freund Nietzsche.
442. An Ida Overbeck in Basel (Entwurf)
Soeben kamen auch die Zwiebäcke an: ich finde sie kräftig und mild, so wie ich alle Dinge mir wünsche — und welcher Art auch Ihr Brief war für dessen Vertrauen ich Ihnen meinen herzlichsten Dank zu sagen habe. Schließlich darf ich sogar glücklicherweise die Vermuthung aussprechen, daß wenn Sie die böse Geschichte, „in deren Schatten ich wandle“ sehr viel genauer kennen würden, Sie mir ihrethalben auch noch sehr viel gewogener sein würden. Vertrauen Sie doch diesem Worte und denken Sie nicht an „Schwäche“ und dergleichen; wenn ich an dieser Geschichte zu Grunde gehe, so ist es, weil ich mir in Bezug auf einen sehr natürlichen Zug des menschl<ichen> Herzens, nämlich „Rache“ schlechterdings nicht nachgeben will, also in Folge einer Stärke. Glauben Sie auch nicht an Rückfälle: leider handelt es sich um einen Vor-Fall, um etwas für mich Neues, von dem ich erst seit drei Wochen weiß und dessentwegen ich Höllentage und Nächte erlebt habe. Besorgen Sie sich auch nicht über die falsche Stellung zwischen meiner Schwester und mir (die Wahrheit ist, daß alle meinen bisherigen Stellungen zu allen M<enschen> falsche sind: sie ist ebenso oder mehr beleidigt als ich und hat ihr gutes Recht) und wenn sie durchsetzen will, daß L<ou> wieder nach Rußland zurückgeschafft wird, so stiftet sie, falls sie es erreicht, mehr Nutzen als ich mit meinem Ascetismus. Sie ist voriges Jahr zu schonend gegen mich gewesen und so sind mir erst seit 3 Wochen die gravirendsten Thatsachen dieser Geschichte bekannt geworden, die sie mir in Tautenburg verschwiegen hat. In Rom wollte ich nicht, daß von alledem geredet werde. Ein Brief an Frau Rée (übrigens ein Frauenzimmer-Meisterstück) dessen Kopie sie mir schickte, gab mir neue Lichter — und neue Qualen: Dr. Rée tritt auf einmal in den Vordergrund: über einen M<enschen> mit dem man jahrelang Liebe und Vertrauen gemein gehabt hat, umlernen zu müssen ist fürchterlich, und ich möchte mir in dieser Wüste Labung und Trost aus den Fingern saugen.
Von Steinach schwieg ich: ich habe mich hier bis Mitte Sept. eingemiethet, das Zimmer tapeziren lassen und will die absolute Einsamkeit benutzen. Im Winter und Frühjahr habe ich zu viel Zeit durch Krankheit verloren — es war ein typhöser Zustand, von dem ich mich nur ganz langsam erholt habe. (Sonderbar, ich hatte bis dahin noch nie an Fieber gelitten) Ach, wenn Sie wüßten, was die Probleme mir für Noth machten, mit denen ich mich jetzt herumschlage, und das schreckliche Gefühl der Verantwortlichkeit auf der höchsten Spitze der Erkenntniß! Wenn in dieses Uhrwerk schwieriger Vorstellungen und hoher Gefühle auf einmal die Sandund Schmutzkörner des Lebens hineingerathen — so entsteht etwas [von] wie tiefste Desperation. Glauben Sie mir, wenn ich diese 2 Jahre leben bleibe, so ist es eine Leistung ersten Ranges. Bis Ende Sept<ember> möchte ich eine größere philos<ophische> Abhandl<ung> fertig haben: inzwischen druckt man eifrig am zweiten Bande meines Zarathustra.
Ich habe einmal den Glauben gehabt, einen solchen M<enschen> gefunden zu haben. Als ich diesen Glauben verlor, da war es nicht eine Enttäuschung, sondern die Ent<täuschung>. Ich hatte den besten Willen, ihn umzuschaffen zu dem Bilde, welches ich mir von ihm gemacht hatte: man hat mich dabei gestört —; wer weiß, wie weit ich es gebracht hätte!
Sonderbar! Noch in einem ihrer jüngsten Briefe sagte M<alwida von Meysenbug>, sie habe seit Olga Niemanden so zärtlich geliebt als L<ou>.
443. An Ida Overbeck in Basel
Meine liebe Frau Professor,
soeben kamen auch die Zwiebäcke an: ich finde sie mild und kräftig, so wie ich alle Dinge mir wünsche — und welcher Art auch Ihr Brief war, für den ich Ihnen den herzlichsten Dank zu sagen habe. Glücklicherweise darf ich sogar die Vermuthung aussprechen, daß wenn Sie diese böse Geschichte, in deren Schatten ich wandle, sehr viel genauer kennen würden, Sie mir ihrerhalben noch sehr viel gewogener sein würden. Vertrauen Sie doch diesem meinem Worte und denken Sie nicht an „Schwäche“ und „Allzumenschliches“ und dergleichen; und wenn ich an dieser Geschichte auch zu Grunde gehn sollte, so geschähe es, weil ich mir auch hier wieder zehn Mal zu viel zugemuthet habe als sonst Menschen thun, und gegen mich unerbittlich bleibe — also aus einer Stärke und nicht aus einer Schwäche. Glauben Sie auch nicht an „Rückfälle“: leider handelt es sich jetzt um Vor-Fälle, um Dinge die für mich neu sind und derentwegen ich Höllentage und -Nächte verlebt habe: nun, ich würge daran — und habe schon Manches im Leben hinunter gewürgt!
Bemerken Sie doch: die einzige meiner würdige Position in dieser Sache ist — daß ich ihr Opfer bin. —
Besorgen Sie sich auch nicht in Betreff einer „falschen Stellung“ von mir zu meiner Schwester (die Wahrheit ist, daß alle meine Stellungen zu allen Menschen falsch sind — wer kennt mich denn!); sie hat in dieser Sache ihr gutes Recht, überdies ist sie ebenso sehr oder mehr beleidigt als ich — und wenn sie durchsetzen will, daß Frl. S<alomé> wieder nach Rußland zurückgeschafft wird, so stiftet sie, falls sie es erreicht, mehr Nutzen, als ich mit meinem Ascetismus, der durchaus auf Rache verzichten will. Wir sind jetzt sehr gute Freunde, besser als je. Aber sie auf meinen Standpunkt versetzen? — Warum?
Meine Schwester ist voriges Jahr zu schonend gegen mich gewesen: ist es nicht toll, daß mir die gravirendsten Thatsachen dieser bösen Geschichte erst seit drei Wochen bekannt worden sind! — in Tautenburg hat sie dieselben mir verschwiegen, und in Rom verlangte ich, daß von dieser ganzen Sache nicht geredet werde. Erst ein Brief meiner Schwester an Frau Rée (beiläufig gesagt, ein Frauenzimmer-Meisterstück von Brief!), dessen Kopie sie mir schickte, gab mir Lichter und welche Lichter! Dr. Rée tritt auf Ein Mal in den Vordergrund: über einen Menschen, mit dem man sich lange Jahre in Vertrauen und Liebe verbunden gefühlt hat, umzulernen, so umlernen zu müssen — ist ganz und gar fürchterlich, und ich möchte mir einen Tropfen Trost und Labsal inmitten dieser Wüste aus den Fingern saugen. — Vielleicht bringt der Herbst noch ein kleines Pistolenschießen.
Von Steinach schwieg ich; ich habe mich hier bis Mitte September eingemiethet, mit meinem ganzen Hab und Gut (104 Kilo Bücher!) habe mir das Zimmer tapeziren lassen und will meine absolute Einsamkeit gehörig benutzen. Es ist mir nämlich im letzten Winter und Frühling gar zu viel Zeit verloren gegangen (durch Krankheit: es war ein typhöser Zustand, von dem ich mich äußerst langsam erholt habe). Ach, wenn Sie wüßten, was die Probleme mir für Noth machen, mit denen sich Geist und Herz jetzt bei mir herumschlagen — dies schreckliche Gefühl der Verantwortlichkeit auf der höchsten Spitze der Erkenntniß! Wahrhaftig, ganz abgesehn von allen elenden Erfahrungen und der ungeheuren Vereinsamung, in der ich seit Jahren lebe — das, was mich am stärksten am Leben festhält, ist auch das, was mir die tiefsten Nöthe und Desperationen bringt und bringen muß —: nun sollte man mich billiger Weise noch mit überflüssigen Nöthen verschonen!
Glauben Sie mir: wenn ich diese 2 Jahre leben bleibe, so ist es eine Leistung ersten Ranges.
— Lesen Sie doch auf dem beiliegenden Bogen „die heilige Katharina in Rom“ — da ist ein Ideal freilich in mittelalterlicher Verkleidung vorgeführt. Ich habe einmal den Glauben gehabt, einen Menschen dieses Ideals gefunden zu haben. Als ich diesen Glauben verlor, da war es nicht „Eine Enttäuschung“, sondern — die Enttäuschung. Nun, ich hatte sogar den Willen dazu, mir den Menschen umzuschaffen zu dem Bilde, welches ich mir von ihm gemacht hatte: — und wer weiß, wie weit ich’s darin gebracht hätte! Aber man hat mich gestört. —
Die Blätter sind aus dem Buche des Berliner Privatdozenten Heinrich von Stein (das ist übrigens der gegenwärtige Verehrer von Frl. S<alomé>, also mein „Nachfolger“, hierin, wie in andern Dingen).
Sonderbar! Noch in einem ihrer letzten Briefe an mich schrieb Malvida v. Meysenbug, sie habe seit Olga Niemanden so zärtlich geliebt wie Frl. Salomé. —
Im Herbst soll eine größere philosophische Arbeit fertig sein. Am zweiten Bande Zarathustra wird bereits eifrig gedruckt.
Ihnen und meinem Freunde den Ausdruck dankbarster Gesinnung! Das Geld ist in meinen Händen.
F.N.
444. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Schwester,
Dein Brief hat mir gut gethan — etwas, das jetzt selten ein Brief bei mir hervorbringt. Was Herrn Schmeitzner betrifft: so wird Deine Vermuthung berechtigt sein. Alles erwogen, war er in einer greulichen Klemme und mußte schon nolens volens den 2ten Zarathustra sofort acceptiren; er hat auf einer Karte gemeldet, daß das Ms. sofort an die Druckerei abgeht. Es ist beinahe zum Lachen, wie Jemand gezwungen werden kann, gerade das zu thun, was er am wenigsten thun möchte (nämlich: noch Etwas drucken und seine Schulden vermehren) Auf die Dauer freilich bin ich der, welcher am schlimmsten dabei fährt: denn, ich sehe es deutlich kommen — eines Tages ist der gute excentrische Bursche banquerott, und meine Ersparnisse sind dahin (in Wahrheit: verwendet zum Besten der antisemitischen Agitation — was wieder der Humor an der Sache ist!)
Übrigens hat er auch als Politiker Unglück, und ich verstehe seinen Stoßseufzer in dem Briefe an Dich nur gar zu gut! — Ich gratulire aufrichtig dem Dr. Förster, daß er noch zur rechten Zeit Europa und die Judenfrage hinter sich gelassen hat. Denn wehe einer Partei, welche genöthigt ist, nach so kurzem Bestände schon einen solchen Tisza-Prozeß auf ihr Conto zu schreiben! Ja, wenn der verkommenste Adel der Welt, der ungarische, zu einer Partei gehört, da ist Alles verloren. —
Ich war dieser Tage etwas verstimmt über Frau Overbeck, welche mir, gewiß in der „wohlmeinendsten“ Absicht, aber doch ungeschickt und unbescheiden bis zum Exzeß, einen kleinen moralischen Brief geschrieben hat über „Schwäche“, „Närrisch-sein, Allzumenschliches“ usw. und mit der Versicherung „ich kann mich noch immer nicht überzeugen, daß ich an Ihnen ernstlich irre zu werden hätte“: nebst der Belehrung, daß „man nur durch Fehler und Schwächen zu seinen höchsten Tugenden komme“. Man kann gar nichts Dümmeres thun als klagen: man diskreditirt sich bei seinen Freunden und diskreditirt sich seine Freunde.
Ich habe mir diese Sache ad notam genommen — aber sehr artig geantwortet, wie sich von selbst versteht (auch mit der Bemerkung, daß wir (Du und ich) jetzt sehr gute Freunde sein, vielleicht bessere als je, und daß Du, wenn Du erreichtest, daß Frl. S<alomé> nach Rußland zurückgeschafft würde, wahrscheinlich mehr Nutzen stiftetest, als ich mit meinem Ascetismus, der auf alle Vergeltung verzichten wollte)
Inzwischen gab es einen Höllen-Tag, in Folge dessen ich ein paar Tage krank war. Ich hatte eben zu Mittag gegessen, da meldet mir der Wirth meines Hotels „um drei Uhr kommt Familie Rée, 8 Personen“. Ich kann nicht beschreiben, was die nächste Stunde mir Alles durch den Kopf gieng: ich lief zur Post, es war strömendes Regenwetter, ich bestellte für den nächsten Morgen mir einen Platz, ich wollte nach Basel, endlich mußte ich zu Bett: und wahrhaftig, ich zitterte bei jedem Geräusch im Hause. Ich bin ganz und gar nicht gemacht zur Feindschaft. — Zuletzt ergab sich, daß ein Mißverständniß, ein ähnlich klingender Name an Allem schuld war. Aber ich habe doch, in Folge dieses Tages, meinen Brief an Georg Rée abgesandt. —
Es ist hier, seit Wochen! äußerst kalt, die Berge tief bis hinab beschneit, die Fremden unzufrieden. Ich selber bin sehr arbeitsam; wenn ich aus meiner Arbeit zu mir komme, bin ich aber die Beute der Melancholie — das ist nicht zu ändern! Ich sehe und weiß, wie groß meine Vereinsamung ist; und diese unheilvolle Geschichte trennt immer mehr Menschen von mir ab. — Es gab in diesem Frühjahr auch von Overbeck’s Seite einen Brief, den ich mir hinter die Ohren geschrieben habe: er demonstrirte, ich hätte als Schriftsteller jedes erlaubte Maaß dessen überschritten, was die Leser sich gefallen lassen könnten und dürfe mich gar nicht wundern, wenn man sich gegen mich wende (nebst Bemerkungen darüber, daß meine Aphorismen-Form auch die beste Geduld zuletzt zur Verzweiflung bringe: ungefähr war dies der Sinn.) Früher würde er sich das Alles nicht erlaubt haben zu sagen, aber nach dieser Geschichte darf man’s!
Nächstens schreibe ich auch unsrer guten Mutter, deren Brief von gestern mich wahrhaft gerührt hat. Aber bis Mitte Sept. bin ich hier fest gemiethet und will weiter arbeiten.
Dein Bruder F.
445. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Geehrtester Herr Verleger,
in Betreff des Correctur-Ganges habe ich in diesen Tagen an Naumann geschrieben; namentlich daß das Manuscript nicht an mich, sondern immer an Hrn. Köselitz geschickt wird. Thun Sie Alles, daß es keine Stockungen und Bummeleien à la Teubner giebt!
Was den ersten Zarathustra betrifft: so habe ich Alles gethan, daß er um Ostern in den Händen der Leser sein konnte. Ein halbes Jahr früher oder später — das ist für ein kurzes Menschenleben, wie es das meinige sein wird, sehr viel — ich sage kein Wort mehr.
Ihr ergebenster
Dr Nietzsche.
NB. Der erste Bogen ist in meinen Händen. Sollen die Bogen immer an Sie zurück geschickt werden? —
446. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein lieber Freund, ich fürchte, daß es Post-Unfug gegeben hat: bis heute ist Nichts von Ihren Correcturen in meine Hände gelangt, wohl aber Ihre Karte, die mit der Absendung des ersten Bogens gleichzeitig ist: und inzwischen müssen Ihnen noch 2 Bogen zugegangen sein. Was thun! Ich vertraue mir selber nicht in Betreff jener feinen Kleinigkeiten der Correctur, die Ihr Auge und Ihr Geschmack sieht — ja nicht einmal in den groben „Großigkeiten“ vertraue ich mir.
Ihr Brief gab mir wieder zu denken und dafür dankbar zu sein, was für ein guter Leser Sie sind — und wie Sie nicht nur das „zwischen den Zeilen Stehende“ lesen, sondern auch das, was zwischen ihnen stehen sollte, aber nicht dasteht! Im Übrigen sehen wir zu, was Zarathustra selber zu Ihrem Briefe zu sagen hat; und es stünde schlimm, wenn er dazu gar Nichts zu sagen hätte.
Ihre Farben-Bemerkung über „Gewitterhaft-Violett“ war mir interessant, und in gleichem Maße wie Ihre vorjährigen Worte über die Farben meiner „Musik“ — sit venia verbo! Auch, was Sie über „complementirende Menschen“ sagen, gehört noch in dies Bereich Ihres venezianischen Farbensinns: ich selber könnte mir sehr gut Wesen vorstellen, welche sich so zu allen anderen verhalten wie Erlösungen, Zwecke und Rechtfertigungen, — aber ich fand Niemanden der Art. Mein Glaube ist, daß es höhere und tiefere Menschen giebt, und viele Stufen und Distanzen; und es ist unerläßlich, daß der höhere Mensch nicht nur höher steht, sondern auch den Affect der Distanz fühlt und zeitweilig zu erkennen giebt — unerläßlich mindestens dafür, daß sein Höher-sein wirkt, also höher macht. Wenn ich den ersten Zarathustra ganz verstehe: so will er eben an solche sich wenden, welche im Gedränge und mitten im Gesindel lebend entweder ganz und gar die Opfer dieses Distanz-Affektes werden (des Ekels, unter Umständen!) oder ihn ablegen müssen: denen redet er zu, sich auf eine einsame glückselige Insel zu flüchten — oder nach Venedig. —
Gerade Epicur gilt mir als negatives Argument für meine Forderung: bis jetzt hat es ihm alle Welt entgelten lassen, und schon von seiner Zeit an, daß er sich verwechseln ließ und es mit der Meinung über sich leicht, göttlich-leicht nahm. Schon in der letzten Zeit seiner Berühmtheit haben sich die Schweine in seine Gärten gedrängt; und es gehört zu den großen Ironien der fama, daß wir einem Seneca zu Gunsten der Epikurischen Männlichkeit und Seelenhöhe Glauben schenken müssen — einem Menschen, dem man im Grunde immer sein Ohr, aber niemals „Treu und Glauben“ schenken sollte. In Corsica sagt man: Seneca è un birbone. —
Eben erfuhr ich, daß ich wieder einmal dem Tode entgangen bin: denn es war eine Zeitlang höchst wahrscheinlich, daß ich den Sommer auf Ischia, in Casamicciola, zubringen würde.
Adieu, mein lieber, lieber Köselitz! In Ihrer Umarbeitung von „Sch<erz>, L<ist> und R<ache>“ liegt viel Charakter, guter Charakter — bravo! bravissimo!
Ihr Freund Nietzsche.
447. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Lieber Freund, Ihr Bogen I ist doch noch angekommen, nach Umschweifen. Mit Bogen 4 wird nun auch das M s. Ihnen regelmäßig zugehen: — für mich ist dies eine wahre „Erleichterung des Gemüths“, denn heute, beim Durchsehen der ersten Bogen litt ich förmlich Scham vor Ihnen, in Anbetracht der wahnsinnig albernen Einfälle, die in ihnen zu lesen waren, Dank den Leipziger Setzern und Correktoren. „Zuletzt denkt Freund Köselitz, Zarathustra ist verrückt geworden (oder, was schlimmer wäre, Leipzigerisch)!“ — also sprach ich zu meinem Herzen.
Einen Brief an Sie sandte ich heute Morgen ab.
Es giebt in meinem Kopf jetzt wieder manchen schlimmen Nagewurm.
Ihr Freund
F. N.
448. An Ida Overbeck in Steinach am Brenner (Entwurf)
Ich will nur gleich direkt noch einmal an Sie schreiben und gut zu machen suchen, was ich mit dem letzten Briefe schlecht gemacht habe. Es muß ein sehr ungeschickter Brief gewesen sein, denn erstens hat er Sie betrübt, und zweitens hat er den Eindruck gemacht als ob ich mich zu vertheidigen hätte. Die Wahrheit zu sagen: zur Moralität ermahnt zu werden macht mich ungeduldig und der Ausdruck „falsches Mitleid“ angewendet auf den tiefsten Schmerz meines Lebens, hat mir sogar wehe gethan. Trotzdem sind das Empfindungen, die nicht 2 Tage bei mir anhalten, solchen M<enschen> gegenüber von deren gründlichem Wohlwollen ich überzeugt bin. Ich sehe, daß ich auf Ihren Brief diese Worte geschrieben habe „man thut nichts Dümmeres als klagen: man diskreditirt sich damit vor seinen Freunden und diskreditirt sich selber dadurch seine Freunde“. Indeß: „diese Weisheit“ soll in unserm Falle unanwendbar, oder ein überwundener Standpunkt sein, nicht wahr? — Übrigens ist die ganze böse Geschichte so complicirt, daß ich Jedem nur dankbar sein muß, der ihretwegen an mir noch immer nicht ernstlich irre geworden ist.
Meine Erfahrung vom vorigen Jahre hat mir eine seltsame Beobachtung an die Hand gegeben: ich, lange Zeit dem praktischen Leben fremd, handle in 50 Fällen 49 Mal nach einem Motive, an welches man nicht denkt, wenn man mich handeln sieht. Daraus ergiebt sich, daß ich fast immer Mißdeutung errege und meist, in unglücklichen Fällen, das Opfer meiner Handlungsweise bin. — Nun denke ich aber über Opfer, Enttäuschung, Schmerz und dergl. so: es kommt nur darauf an, daß man’s aushält — dann sind es die mächtigsten Förderungen und Quellen des Lebens. Und was dies Jahr betrifft, das noch nicht zu Ende ist — so kann ich jetzt schon sagen, daß ich niemals mich in solchen Höhen der Empfindung gefühlt habe, wie in diesem unheimlichen Jahre, und daß ich mehr als Eine Stunde mir schon wieder gesagt habe: ein solcher Schmerz, (es war als ob ich an allen verwundbaren Stellen auf Einmal mit dem Messer gestochen würde!); ist eine hohe Auszeichnung. Sie wissen viell<eicht> daß ich stolz darauf <bin>, in physischen Martern zu den M<enschen> zu gehören, welche am meisten Erfahrung haben. Ich habe Leib und Seele in solcher Beschaffenheit daß ich mit Beiden furchtbar leiden kann: und was die Seele betrifft, war ich voriges Jahr wie Einer, der viele, viele Jahre lang keine Erlebnisse mehr erlebt hatte: weshalb jede Haut der Seele und jede natürliche Schutzmaßregel mir fehlten.
Man hat mich in fürchterlicher Weise belogen, mißbraucht, verhöhnt in der Ehre beeinträchtigt — dies ist jetzt kein Zweifel. Wenn sich meine Freunde darüber empören und eine Genugthuung an den Übelthätern suchen, so ist das in Ordnung: dies nenne ich „das gute Recht meiner Schwester.“ Der Übelstand ist, daß alle diese feindl<ichen> Maßregeln sich gegen Personen richten, welche ich geliebt habe und welche ich viell<eicht> jetzt noch liebe: mindestens bin ich jeden Augenblick bereit, den ganzen Kram von Beleidigung und mir erwiesenem Schaden wegzuwerfen, wenn ich wüßte, ich könnte ihnen wirklich nützen.
Da überhaupt wieder in dieser Sache gehandelt wird (ich hatte meine Schwester dringend gebeten, es zu lassen), so bin ich gezwungen, mit meiner Schwester zu handeln; denn man hat sie im vorigen Jahre, von Seiten der Familie R<ée> in Stich gelassen, ebenso wie mich. Unter dem Eindruck einiger empörenden Details, die ich ein Jahr zu spät erfuhr, habe ich an Georg R<ée> den Rittergutsbesitzer auf Stibbe einen fulminanten Brief geschrieben. Er hat mir darauf mit einem Injurien-Prozeß gedroht — und darauf wieder habe ich mit etwas Anderem gedroht. Nun wollen wir sehen, wie es weiter geht.
Lou ist, was mächtige Energie des Willens und Originalität des Geistes betrifft, ein Wesen ersten Ranges und ebenso in Betreff einer wirklichen Genialität der Begabung für meine persönlichen Interessen habe ich [—] „es ist ewig schade um sie“, dies Wort hat hier sein Recht: — Nach ihrer praktischen Moralität mag sie ins Zuchthaus oder Irrenhaus gehören: — Für Rée und das ihn Auszeichnende mag sprechen, daß M<alwida> von M<eysenbug> ihn jahrelang, als den besten Ausdruck menschl<icher> Güte verehrt hat.
449. An Ida Overbeck in Steinach am Brenner
Meine liebe Frau Professor,
ich will nur gleich noch einmal direkt an Sie schreiben und gut zu machen suchen, was ich mit dem letzten Briefe schlecht gemacht habe. Es muß ein sehr ungeschickter Brief gewesen sein, denn erstens hat er Sie betrübt, und zweitens hat er den Eindruck gemacht, als ob ich mich zu vertheidigen hätte. Die Wahrheit zu sagen: zur Moralität vermahnt zu werden macht mich ungeduldig, und der Ausdruck „falsches Mitleiden“, angewendet auf den tiefsten Schmerz meines Lebens, hat mir sogar wehe gethan. Aber das sind Empfindungen, die nicht zwei Tage bei mir anhalten, solchen Menschen gegenüber, von deren gründlichem Wohlwollen ich überzeugt bin. Übrigens ist die ganze böse Geschichte so complicirt, daß ich es hochzuschätzen habe, wenn Jemand ihretwegen „noch immer nicht ernstlich an mir irre geworden ist“ — so sehr ich auch das entgegen gesetzte Bewußtsein habe, das ich schon in meinem Briefe ausdrückte, das Bewußtsein, in meinem ganzen praktischen Verhalten zu Menschen niemals Höheres gewollt und niemals sublimer gehandelt zu haben. Was meine Schwester betrifft, so habe ich es weder im vorigen Jahre noch in diesem an Deutlichkeit darüber, was ich will, fehlen lassen; aber wenn man nicht zusammen lebt, so geschieht Manches, dessen Folgen man anzuerkennen hat, nachdem es nicht mehr möglich ist, es ungeschehn zu machen. Ich habe mich gewiß nicht gegen Sie über meine Schwester beklagt, sondern über das Fatalistische darin, daß Alles, was sie in dieser Sache gethan hat — und zwar zur Rettung und Wiederherstellung meiner Ehre (eingerechnet ihre eigne Genugthuung) — sich gegen mich wendet. Als ich gerade mit meinem zweiten Zarathustra fertig geworden war, (beiläufig: ich habe noch in keinem Jahre diese Höhen der Empfindung erreicht und bin wahrscheinlich deshalb der beneidenswürdigste aller Sterblichen) da bekam ich ganz unerwarteter Weise ihren Brief an Frau R<ée> nebst einigen Details über die ganze Geschichte, die mich dermaaßen empörten, daß ich an den Rittergutsbesitzer Rée, den Bruder meines ehemal. Freundes einen fulminanten Brief schrieb. Der hat mir darauf mit einem Injurien-Prozeß gedroht: und ich habe darauf mit etwas Anderem gedroht. Nun wollen wir sehen, wie die Sache weiter läuft. — Meine Schwester schrieb mir zuletzt noch, daß sie mir jene Dinge aus Schonung voriges Jahr verschwiegen habe; und in der That, vielleicht war es wirklich nöthig, mir diese ganze auf Jahre sich zurückerstreckende Enttäuschung tropfenweise und allmählich einzugeben — wahrscheinlich lebte ich andernfalls nicht mehr. Ich war voriges Frühjahr wie Einer, der viele, viele Jahre von außen her nichts mehr erlebt hatte; meiner Seele fehlte die Haut sozusagen und alle natürlichen Schutzmaaßregeln. Das, was ich von da an erlebt habe, ist so complizirt schmerzhaft, daß ich meine, es sei nach allen an mir überhaupt verwundbaren Stellen das Messer gestoßen worden.
Und nun noch ein Wort über Frl. S<alomé>. Ganz abgesehn von der idealistischen Beleuchtung, in der man mir sie vorgeführt hatte (als eine Märtyrerin der Erkenntniß fast von Kindesbeinen an und noch mehr Heldin als Märtyrerin) ist und bleibt sie mir ein Wesen ersten Ranges, um die es ewig schade ist. Gemäß der Energie ihres Willens und der Originalität ihres Geistes war sie zu etwas Großem angelegt: nach ihrer thatsächlichen Moralität mag sie freilich eher ins Zuchthaus oder Irrenhaus gehören. Mir fehlt sie, selbst noch mit ihren schlechten Eigenschaften: wir waren verschieden genug, daß aus unsern Gesprächen immer etwas Nützliches herauskommen mußte, ich habe Niemanden so Vorurtheilsfrei, so gescheut und so vorbereitet für meine Art von Problemen gefunden. Mir ist seitdem, als ob ich zum Stillschweigen oder zu einer humanen Heuchelei im Verkehre mit allen Menschen verurtheilt sei. —
Bitten Sie doch ja Freund Overbeck, daß er seinen herrlichen Gedanken eines Zusammentreffens in Schuls festhält. Und Sie selber, meine liebe verehrte Frau Professor, bleiben Sie mir gut und — zuversichtlicher!
Allseitig die besten Grüße!
Von Herzen Ihnen
ergeben — Nietzsche
Wir sind bei Bogen 4 Zarathustra II. Drucker ist Naumann: den ersten Theil rückt Teubner nicht heraus, wahrscheinlich, weil Hr. Schm<eitzner> seine Schulden nicht bezahlen kann. —
450. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner (Entwurf)
Ich will auch an Dich, lieber Freund, noch ein Paar aufrichtige Worte schreiben, wie ich es jüngst an Deine Frau gethan habe. Ich habe ein Ziel, welches mich nöthigt, noch zu leben und dessentwegen ich auch mit den schmerzhaftesten Dingen fertig werden muß: ohne diesen Zwang, der über mir steht, würde ich es leichter nehmen — nämlich längst nicht mehr leben. Und nicht nur hätte mir Jeder, der in diesem Winter meinen Zustand aus der Nähe gesehn, begriffen hätte, sagen dürfen: mach Dir’s doch leichter! Stirb!“ sondern auch schon früher, in den furchtbaren Jahren physischer Leiden, stand es so mit mir. Selbst noch meine Genueser Jahre sind eine lange lange Kette von Selbst-Überwindungen und nicht im Geschmacke irgend eines M<enschen>, den ich kenne. Also, lieber Freund, der „Tyrann in mir“ der unerbittliche wird mich vielleicht auch diesmal triumphiren lassen (was körperliche Qualen betrifft — nach Länge Intensität und Mannichfaltigkeit darf ich mich zu den Erfahrensten und Erprobtesten und Siegreichsten unter den Menschen zählen) Und wie meine Denkweise ist, so verlangt sie sogar einen absoluten Sieg: nämlich die Verwandlung des Erlebnisses in Gold und Nutzen höchsten Ranges. Einstweilen bin ich aber immer noch der leibhaftige Ringkampf: beim Lesen der Aufforderung Deiner lieben Frau hatte ich den Eindruck, als ob Jemand den alten Laokoon auffordere, er möge doch seine Schlangen überwinden. Pardon!
Meine „Angehörigen“ und ich wir sind von einander zu verschieden: sie wissen nicht genau was mir noththut. Die Maßregel, die ich den Winter über nöthig befand, keine Briefe mehr von daheim zu empfangen, ist aber nicht mehr aufrecht zu erhalten. Ich blute aber noch an jedem verächtlichen Wort, das gegen Rée oder Frl. S<alomé> geschrieben wird — ich bin nicht zur Feindschaft gemacht, während meine Schwester mir kürzlich schrieb, es sei ja ein „frischer fröhlicher Krieg.“
Ich habe die stärksten abziehenden Mittel angewendet, die ich kenne, und namentlich an meine höchste und schwerste Produktivität appellirt. (Inzwischen ist wieder die Skizze zu einer „Moral für Moralisten“ fertig geworden) Aber von außen her kommt mir Nichts entgegen: umgekehrt, es ist gleichsam alles verschworen, mich in meinem Abgrund festzuhalten: so das entsetzliche letztjährige Winter-Wetter, wie es die Küste von Genua noch kaum erlebt hat, so wieder dieser kalte trübe Sommer ohne Sonnenschein. Das Mißgeschick Köselitzens im vorigen Herbst hat mich tief verletzt; der Tod W<agner>’s aber war viell<eicht> die schauerlichste Complikation dieses Winters, aus Umständen, von denen ich nicht reden kann. Das langwierige Nervenfieber gab mir einen Begriff von der tiefen Erschütterung meines Wesens — denn ich hatte überhaupt bis dahin noch nie Fieber gehabt und mich für unfähig dazu gehalten)
Denke doch daran, Etwas absolut Abziehendes ausfindig zu machen: ich bin eine so concentrirte Natur, daß es jetzt der äußersten und extremsten Mittel bedarf, um mich abzuziehn. Die Gefahr ist groß. Soll ich eine Übersiedelung nach Mexico vornehmen?
451. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner
Mein lieber Freund Overbeck,
ich will auch an Dich noch ein Paar aufrichtige Worte schreiben, wie ich es jüngst an Deine verehrte Frau gethan habe. Ich habe ein Ziel, welches mich nöthigt, noch zu leben und dessen-wegen ich auch mit den schmerzhaftesten Dingen fertig werden muß. Ohne dieses Ziel würde ich es leichter nehmen — nämlich, längst nicht mehr leben. Und nicht nur diesen Winter hätte ein Jeder, der meinen Zustand aus der Nähe gesehn und begriffen hätte, mir sagen dürfen: „mach Dir’s doch leichter! Stirb!“ — sondern auch früher schon, in den furchtbaren Jahren physischen Leidens, stand es ebenso mit mir. Selbst noch meine Genueser Jahre sind eine lange lange Kette von Selbstüberwindungen um jenes Zieles Willen und nicht im Geschmacke irgend eines Menschen, den ich kenne. Also, lieber Freund, der „Tyrann in mir“, der unerbittliche, will, daß ich auch dies Mal siege (was körperliche Qualen betrifft, nach Länge Intensität und Mannichfaltigkeit, so darf ich mich zu den erfahrensten und erprobtesten Menschen rechnen: ist es denn mein Loos, daß ich’s auch noch in Betreff der seelischen Qualen sein muß?) Und wie meine Denkweise und letzte Philosophie nun einmal ist, so habe ich sogar einen absoluten Sieg nöthig: nämlich die Umwandlung des Erlebnisses in Gold und Nutzen höchsten Ranges. — —
Einstweilen bin ich freilich immer noch der leibhaftige Ringkampf: so daß ich bei den neulichen Aufforderungen Deiner lieben Frau ungefähr den Eindruck hatte, als ob Jemand den alten Laocoon auffordere, er möge doch seine Schlangen überwinden.
Meine Angehörigen und ich — wir sind zu verschieden. Die Maaßregel, die ich diesen Winter für nöthig befand, keine Briefe mehr von daher zu empfangen, ist aber nicht mehr aufrecht zu erhalten (ich bin nicht hart genug dazu) Aber ein jedes verächtliche Wort, was gegen Rée oder Frl. S<alomé> geschrieben wird, macht mir das Herz bluten; es scheint, ich bin schlecht zur Feindschaft gemacht (während meine Schwester mir zuletzt noch schrieb, ich solle guter Dinge sein, es sei ja „ein frischer fröhlicher Krieg“)
Ich habe die stärksten abziehenden Mittel angewendet, die ich kenne, und namentlich an die höchste und schwerste eigne Produktivität appellirt. (Inzwischen ist die Skizze zu einer „Moral für Moralisten“ fertig geworden) Ach, Freund, ich bin ja ein alter geriebener Moralist der Praxis und Selbstberherrschung, ich habe hier so wenig etwas versäumt, wie etwa diesen Winter bei der Selbst-Behandlung im Nervenfieber. Aber von außen her werde ich nicht unterstützt; im Gegentheil, es scheint gleichsam Alles verschworen, mich in meinem Abgrunde festzuhalten: — so das entsetzliche letztjährige Winter-Wetter, wie es die Küste Genuas noch kaum erlebt hat, so wieder dieser kalte trübe regnerische Sommer.
Aber die Gefahr ist groß. Ich bin eine allzu concentrirte Natur, und was mich auch trifft, bewegt sich nach meinem Mittelpunkte. Das Unglück des vorigen Jahres ist nur im Verhältniß zu dem mich beherrschenden Ziele und Zwecke so groß; ich war und bin furchtbar zweifelhaft über mein Recht geworden, mir ein solches Ziel zu setzen — das Gefühl meiner Schwäche überfiel mich, in einem Momente, wo Alles, Alles, Alles mir hätte Muth machen sollen!
Denke doch daran, liebster Freund Overbeck, etwas absolut Abziehendes ausfindig zu machen! ich glaube, es bedarf jetzt der äußersten und extremsten Mittel — Du kannst Dir nicht vorstellen, wie bei Tag und Nacht dieser Wahnsinn in mir wüthet.
Daß ich in diesem Jahre meine sonnenhellsten und heitersten Dinge erdacht und geschrieben habe, viele Meilen hoch über mir und meinem Elende: das gehört eigentlich zum Erstaunlichsten und Schwerst-Erklärlichen, was ich weiß.
Ich habe, soweit ich berechnen kann, noch das nächste Jahr nöthig zu leben — hilf mir dazu, daß ich noch fünfzehn Monate aushalte.
Wenn es irgendwie Dir möglich ist, den Gedanken einer Zusammenkunft in Schuls zu verwirklichen: so gieb mir einen Wink — ich bin Dir äußerst dankbar auch schon für den Vorschlag.
Treulich Dein
Nietzsche.
452. An Heinrich Köselitz in Venedig
Woher, lieber Freund, haben Sie nur alle diese herrlichen Epicurea? Ich meine nicht nur Epikurische Worte, sondern alles das von Epicur’s Garten-Luft und -Duft, was mir aus jedem Ihrer neuerlichen Briefe entgegenkommt. Ach, ich hätte dergleichen so nöthig — eingerechnet das göttliche Kunststück „den Massen auszuweichen“. Denn, die Wahrheit zu sagen, ich bin beinahe zerdrückt. — Doch ich will von Anderem sprechen.
Das Schicksal Ischia’s hat mich immer mehr erschüttert; und außer alle dem, was jeden Menschen angeht, giebt es Etwas daran, das mir persönlich nahe geht, auf eine eigne schauerliche Weise. Diese Insel lag mir so in den Sinnen: wenn Sie Zarathustra II zu Ende gelesen haben werden, wird dies Ihnen deutlich sein, wo ich meine „glückseligen Inseln“ suchte. „Cupido mit den Mädchen tanzend“ ist nur in Ischia sofort verständlich: (die Ischiotinnen sagen „Cupedo“). Kaum bin ich mit meiner Dichtung fertig, bricht die Insel in sich zusammen. — Sie wissen, daß in der Stunde, in der ich den ersten Zarath<ustra> im Druck-Manuscript vollendete — Wagner gestorben ist. — Dies Mal bekam ich in der entsprechenden Stunde Nachrichten, die mich so empörten, daß es wahrscheinlich diesen Herbst ein Pistolen-Duell giebt. Silentium! Lieber Freund! — —
Inzwischen habe ich die Skizzen zu einer „Moral für Moralisten“ gemacht und in vielen Punkten mich geordnet und zurechtgerückt. Die durchgehende unbewußte ungewollte Gedanken-Congruenz und -Zusammengehörigkeit in der buntgeschichteten Masse meiner neueren Bücher hat mein Erstaunen erregt: man kann von sich nicht los, deshalb soll man es wagen, sich weithin gehen zu lassen. —
Ich gestehe, was ich mir jetzt sehr wünschte — daß einmal ein andrer Mensch eine Art Résumé meiner Denk-Ergebnisse machte und mich selber dabei in Vergleichung zu bisherigen Denkern brächte. Es verlangt mich, aus einem wahren Abgrunde unverdientester und sehr ausgedehnter Geringschätzung heraus, in welchen mein ganzes Thun und Trachten seit 1876 steht, nach einem „Wort der Weisheit“ über mich.
Zarathustra-Bogen sind ausgeblieben — ich mag nicht an Schm<eitzner> schreiben; ich glaube, daß es ihm nicht gut geht, in Folge dieser Antisemitica. Vom ersten Z<arathustra> ist noch kein Exemplar in die Welt gebracht; so viel ich verstehe und errathe, rückt Teubner die Exemplare nicht heraus, weil Schm<eitzner> ihm nicht seine Schulden bezahlen kann. Silentium! Bitte!! —
Ich gehe, soweit ich nicht krank bin (oder halb wahnsinnig, was auch vorkommt) mit Gedanken über eine Rede herum, die ich im Herbst in Leipzig an der Universität halten will: „die Griechen als Menschenkenner“ ist das Thema. Ich habe nämlich den ersten Schritt dazu gethan, um dort an der Universität Vorlesungen halten zu können — zunächst, für 4 Semester, eine Schilderung der „griechischen Cultur“ — wozu ich hier mir einen Entwurf machte. Silentium zum dritten Male! —
Inzwischen kann alles Mögliche geschehn. Ach, Freund, wohin ist jener Monat des Sanctus Januarius!!! Seitdem bin ich wie zum Tode verurtheilt und nicht nur zum Tode, sondern zum „Sterben“.
Leben Sie wohl! Wer steht mir jetzt so nahe wie Sie?
Ihr Nietzsche.
453. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Schwester,
ich schreibe unmittelbar nach Empfang Deines Briefes, der mir wieder Deine für mich wohlwollenden Absichten recht zum Bewußtsein bringt. Es geht in meinem Kopfe drunter und drüber, ich thue wahrscheinlich eine Ungerechtigkeit nach der andern, richte eine Teufelei nach der andern <an>, erreiche unter allen Umständen, daß ich selber dabei zehn Mal mehr leide als irgend Jemand — und wünsche täglich auf irgend eine Weise erlöst zu sein. Ich bin sehr froh, daß ich einige Briefe an Dich — Nachtgeburten — zerrissen habe; aber doch ist mir ein Brief an unsere Mutter entschlüpft, der noch in dieselbe Gattung gehört. Das Schlimme ist, ganz wie letzten Winter, ein mir persönlich im höchsten Grade nachtheiliges Ausnahme-Wetter: ich bin im buchstäblichen Sinne bei bedecktem Himmel und heranziehenden Wolken ein anderer Mensch, schwarzgallig und sehr bösartig gegen mich, mitunter auch gegen Andre. (Zarathustra I und II sind Licht- und Heiterer-Himmel-Ausgeburten, ebenso der Sanctus Januarius. Wer mich nach solchen Dingen beurtheilt, beurtheilt mich hundert Mal zu günstig, à la Köselitz.) Mein eigentliches Recept heißt deshalb immer noch das Thal von Oaxaca in Mexico, welches im Jahre c. 33 betrübte Tage hat, im Übrigen Tag und Nacht reines wolkenloses Engadiner Himmels-Wetter, ca. 220! während Sils im Jahre 80 heitere Tage hat. (die Höhe ist die gleiche wie hier, es ist eine Schweizer-Colonie, die Preise außerordentlich billig)
Andererseits thäte mir ein Bischen Dociren sehr gut: nur habe ich eine gräßliche Erinnerung speziell an die Leipziger Universität — ich bin diesen Empfindungs- und Urtheils-Maaßstäben auf eine fast lächerliche Art entwachsen — oder wie Du’s nennen willst. Die Zukunft der Menschheit — daran zu denken ist mein einziges Labsal, das Gegenwärtige will ich nicht mehr sehn und hören, es erstickt, drückt, quält mich, es macht mich arm und kleinmüthig — — Am wenigsten aber könnte ich jetzt Vorlesungen aus dem Ärmel schütteln, alte noch weniger als neue. Mein allgemeinster Gesichtspunkt ist, daß ich nächstes Jahr hier oben meinen Zarathustra-Schluß mache — der Gedanke daran, wie er mir vorschwebt, macht mich fast schwindeln, die Aufgabe ist ungeheuer schwer und einstweilen weit über das Maaß meiner Kräfte gehend.
Darauf hin will ich diesen Winter leben, mich recht hell und ruhig und fest machen und abwarten, ob ich’s leisten kann.
Mit Overbeck habe ich ein baldiges Zusammentreffen in Schuls in’s Auge gefaßt. Den September will ich mich von hier fortmachen; und wenn Ihr mich sehr lockt, so komme ich doch noch nach Naumburg (Versprechen möchte ich’s nicht, das hängt von meiner bösen Gesundheit, respective vom Wetter ab) Ich muß heitre Menschen um mich haben, in Ermangelung des heitern Himmels. Und ein Bischen geehrt werden und nicht beschimpft und verdächtigt.
Herzlich dankend
Dein F.
Ich will meine Bücher für nächsten Sommer gleich hier Oben in meinem Zimmer lassen.
454. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner (Postkarte)
Herrlich, lieber Freund! Und meinen allerbesten vorläufigen Dank! Also am gleichen Abende mit Dir komme ich in Schuls an; zum Aufenthalte schlage ich Piz Chiampatsch vor: — das von Dir genannte Haus wird hier als todt bezeichnet. Sieh doch ja zu, daß wir es zusammen auf 3—4 Tage bringen; der Himmel weiß, oder weiß es nicht einmal, wann mir eine solche Freude wieder bescheert wird! Ich erhob mich heute von einem schweren Anfalle. Immer noch ganz allein; doch hat mich mein „Leibarzt“, Dr. Breiting von Genua, besucht — was noth that.
Von Herzen Dir und den verehrten Deinigen zugethan
N.
Danke Deiner lieben Frau für einen sehr liebenswürdigen Brief!
455. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
„Vorüber, ihr Schafe, vorüber!“
Mich krankes Schaf zu weiden
In schönen Einsamkeiten,
Das lag mir in dem Sinn.
Nun ist der Sommer gangen;
Das Lama und die Schlangen,
Die nahmen mir ihn hin.
Räuberlied
Nun ruhen alle Wälder,
Der Hüter schläft der Felder,
Und auch das liebe Vieh.
Du aber, meine Seele,
Auf! Schrei aus voller Kehle:
„Die Börse! Ou la vie!“
Injurien-Prozeß
Vor strömendem Geblüte
Da förchtet sich der Jude,
Es macht ihn mißvergnügt.
Viel lieber strömt er Gelder
An seine Rechtsanwälter
Bis so — „die Ehre siegt.“
Ergebung in Gott
Laß nur das Lama schnauben
Es wächst aus sauren Trauben
Zuletzt doch süßer Wein.
Der Liebe Unterpfänder
Sind kleine Mißverständer
Und große obendrein!
456. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Verbrennen Sie doch, lieber Köselitz, meinen letzten Brief, wie jene Winter-Briefe, und verwischen Sie auch die Spur davon, wenn es geht, aus Ihrem Gedächtniß. Ich habe es schwer; aber wer giebt mir das Recht, damit es Ihnen schwer zu machen! Um so mehr als Sie einer der besten Erleichterer meines Lebens und meiner Gedanken sind! — Morgen treffe ich mit Overbeck zusammen, um zu berathschlagen (besser wär’s freilich „um Rad-zu schlagen“); Mir fehlt allzusehr heiterer Himmel, Zutrauen der Menschen und Ihre Musik —!
Meinen ergebensten Dank für Ihre unverbesserlich guten Correcturen!
Von ganzem Herzen
Seneca exul.
(Ich bleibe noch bis Ende August in Sils-Maria.)
456a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Muß ich’s denn immerfort noch büßen, mich wieder mit Dir versöhnt zu haben? Ich bin Deine unbescheidene Moralschwätzerei gründlich müde.
Und so viel steht fest, daß Du und Niemand anders mein Leben in 12 Monaten dreimal in Gefahr gebracht hast!
Einem Menschen wie mir — seine höchste Thätigkeit zu zerstören! Ich habe noch Niemand gehaßt, Dich ausgenommen!
457. An Heinrich Köselitz in Venedig
Wie gut that mir wieder Ihr Brief, Freund Venetianer! — das heiße ich „Vorlesungen über griechische Cultur“ vor Einem, der sie nöthig hat — und nicht vor Leipziger Studenten et hoc genus omne! Die kuriose Gefahr dieses Sommers heißt für mich — um das böse Wort nicht zu scheuen — Irrsinn; und wie ich im vorigen Winter zu einem wirklichen langen Nervenfieber wider alles Vermuthen gekommen bin — ich, der ich noch niemals Fieber gehabt hatte! — so könnte auch das noch passiren, woran ich ebenfalls nie bei mir geglaubt habe: daß mein Verstand sich verwirrt. Man hat mich ein Jahr lang zu einer Gattung von Gefühlen gehetzt, denen ich mit allerbestem Willen abgeschworen habe und über die ich in der gröberen Form wirklich glaubte Herr geworden zu sein: Rachegefühle und „ressentiment’s“. — Und dabei haben sich meine Triebe und Absichten verwirrt und sind labyrinthisch geworden: so daß ich oft nicht weiß, wie herauskommen. — Der Gedanke der Vorlesungen in Leipzig war ein Gedanke der Verzweiflung, — ich wollte eine Distraction durch stärkste tägliche Arbeit, ohne eigentlich auf meine letzten Aufgaben zurückgeworfen zu sein. Aber der Gedanke ist bereits wieder bei Seite gethan: und Heinze, der jetzige Rector der Universität hat mir klaren Wein darüber eingeschenkt, daß mein Gesuch in Leipzig scheitern werde (und wohl auch an allen deutschen Universitäten); die Fakultät werde es nicht wagen, mich dem Ministerium vorzuschlagen — von wegen meiner Stellung zum Christenthum und den Gottes-Vorstellungen Bravo! Dieser Gesichtspunkt gab mir meinen Muth wieder.
Auch die erste Besprechung des ersten Zarathustra, die mir zugesandt wird (von einem Christen und Antisemiten, und, sonderbarer Weise, im Gefängnisse entstanden) macht mir Muth, insofern auch da sofort die populäre Position, die einzig an mir begriffen werden kann, eben meine Stellung zum Christenthum, gut und scharf begriffen ist. „Aut Christus, aut Zarathustra!“ Oder auf Deutsch: es handelt sich um den alten längst verheißenen Antichrist — so empfinden es die Leser. Da werden alle Vertheidiger „unsrer Lehre vom Weltheilande“ feierlich herbei gerufen („umgürtet euch mit dem Schwerte des heiligen Geistes“!!) gegen Zarathustra: und dann heißt es „Bezwingt ihr ihn, so wird er der Eure und wird treu sein, denn an ihm ist kein Falsch; bezwingt er Euch, so habt ihr euren Glauben verwirkt: das ist die Buße, die ihr dem Sieger zahlen müßt!“
Hier, lieber Freund, so lächerlich es Ihnen vielleicht klingen mag, hörte ich zum ersten Male von außen her, was ich von innen her lange hörte und weiß: ich bin einer der furchtbarsten Gegner des Christenthums und habe eine Angriffs-Art erfunden, von der auch Voltaire noch keine Ahnung hatte. — Aber das geht Sie „Gott sei Dank!“ nichts an.
Worum ich Epicur beneide, das sind seine Schüler in seinem Garten; ja, da läßt sich schon das edle Griechenland, und da ließe sich gar das unedle Deutschland vergessen! Und daher meine Wuth, seit ich im breitesten Sinne begriffen habe, was für erbärmliche Mittel (die Herabsetzung meines Rufs, meines Charakters, meiner Absichten) genügen, um mir das Vertrauen und damit die Möglichkeit von Schülern zu nehmen. „Um des Ruhmes willen“ habe ich nicht Eine Zeile geschrieben, das glauben Sie mir wohl: aber ich meinte, meine Schriften könnten ein guter Köder sein. Denn zuletzt: der Trieb des Lehrens ist stark in mir. Und insofern brauche ich sogar Ruhm, daß ich Schüler bekomme — zumal es mit einer Stellung an Universitäten nach der letzten Erfahrung unmöglich ist. — Ich war ein Paar Tage mit Overbeck zusammen — ein paar reine sonnenhelle Tage, an denen auch Ihrer viel gedacht wurde!
F. N.
Ihren Worten über Epicur, wie den früheren über Seneca, weiß ich Nichts an die Seite zu stellen — an Sach-Kenntniß.
458. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner
Lieber Freund
die Trennung von Dir warf mich in die tiefste Melancholie zurück, und die ganze Rückreise wurde ich böse schwarze Empfindungen nicht los; darunter war ein wahrer Haß auf meine Schwester, die mich nun ein Jahr lang mit Schweigen zur Unrechten Zeit und mit Reden zur unrechten Zeit um den Erfolg meiner besten Selbst-Überwindungen gebracht hat: so daß ich schließlich das Opfer eines schonungslosen Rachegefühls bin, während gerade meine innerste Denkweise allem Sich-Rächen und Strafen abgesagt hat: — dieser Conflict in mir nähert mich Schritt für Schritt dem Irrsinn, das empfinde ich auf das Furchtbarste — und ich wüßte nicht, inwiefern eine Reise nach Naumburg diese Gefahr verringern könnte. Umgekehrt: es könnte zu schauderhaften Augenblicken kommen — und auch jener lange genährte Haß könnte in Wort und That zum Vorschein kommen: wobei ich bei weitem am meisten das Opfer sein würde. Auch Briefe an meine Schwester zu schreiben ist jetzt nicht mehr rathsam — außer solchen von der harmlosesten Form (ich schickte ihr zuletzt noch einen Brief voller lustiger Verschen) Vielleicht war meine Versöhnung mit ihr in dieser ganzen Geschichte der verhängnißvollste Schritt — ich sehe jetzt ein, daß sie dadurch geglaubt hat, ein Recht zu ihrer Rache an Frl. S<alomé> zu bekommen. — Pardon! Nach unserer Übereinstimmung über das Bedenkliche an dem Leipziger Plan that es mir wahrhaft wohl, einen Brief Heinze’s vorzufinden, mit dem diese ganze Angelegenheit — ein Schritt der Verzweißung meinerseits — zu Ende gebracht ist. Ich lege Dir den Brief bei, insgleichen die erste öffentliche Äußerung über Zarathustra I; sonderbarer Weise ist letztere in einem Gefängnisse niedergeschrieben. Was mir Vergnügen macht, das ist zu sehen, daß gleich dieser erste Leser ein Gefühl davon hat, worum es sich hier handelt: um den längst verheißenen „Antichrist“. Seit Voltaire gab es kein solches Attentat* gegen das Christenthum — und, die Wahrheit zu sagen, auch Voltaire hatte keine Ahnung davon, daß man es so angreifen könne. — Was Zarathustra II betrifft, so schreibt Köselitz: „Z<arathustra> wirkt ungeheuer stark; es wäre aber verwegen, schon darüber mich äußern zu wollen: er hat mich umgeworfen, ich liege noch am Boden.“ — Du verstehst! Inzwischen, während ich mit Dir zusammen war, hat mir mein alter Schulfreund Krug seinen Besuch machen wollen (der „Direktor des königl. Eisenbahn-Betriebs-Amts in Cöln“ ist, wie auf seiner Karte steht)
Köselitzens Brief enthält Worte über Epicur (wie früher einmal über Seneca) welchen ich Nichts an die Seite zu setzen wüßte, an tiefster Sach- und Menschenkenntniß dieser Philosophie: er deutet an, daß er „Leibphilologen“ habe, die er in die Bibliothek treibe, die Kirchenväter und andre Scribenten auf Epicur hin anzusehn. Welche Wohlthat war es, Dich und Dein herzliches Vertrauen einmal so in der Nähe zu haben! Und wie gut verstehen und verstanden wir uns! Möge Deine besser gesicherte Vernunft meinem ins Schwanken gerathenen Kopfe eine Stütze sein und bleiben!
Von Herzen Dein Freund Nietzsche.
459. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Schwester
es ist heute, wie schon seit drei Tagen ein vollkommen reines Wetter — und ich überschaue mit Heiterkeit und Sicherheit, was ich bisher erreicht und nicht erreicht habe und was ich von mir noch will. Du weißt es nicht; und deshalb darf ich es Dir nicht verübeln, wenn Du mich gerne auf einem anderen Boden und gesicherter, geschützter sehest. Dein Brief an G<eorg> R<ée> gab mir zu denken, und noch mehr Deine gelegentliche Bemerkung, mein Zustand in Basel sei doch wohl der beste bisher gewesen. Ich hingegen urtheile so: der ganze Sinn der furchtbaren physischen Schmerzen, denen ich ausgesetzt war, liegt darin, daß ich durch sie allein aus einer falschen, nämlich hundertmal zu niedrigen Auffassung meiner Lebens-Aufgabe herausgerissen worden bin. Und da ich zu den bescheidenen Menschen von Natur gehöre, so bedarf es der gewaltsamsten Mittel, um mich zu mir selber zurückzurufen. Auch die Lehrmeister, die meine Jugend gehabt hat, sind wahrscheinlich, im Verhältniß zu dem, was ich zu thun habe, nur geringere und vorübergehende Kräfte; daß ich über ihnen ihr Ideal geschaut habe, über all diesen Schopenhauer’s und Wagner’s — das hat mir sie ganz entbehrlich gemacht, und ich könnte mich jetzt gar nicht unbilliger beurtheilen, als wenn ich mich nach diesen von mir in jedem Sinne überwundenen Zeitgenossen beurtheilte. Jedes Wort meines Zarathustra ist ja siegreicher Hohn und mehr als Hohn über die Ideale dieser Zeit; und fast hinter jedem Wort steht ein persönliches Erlebniß, eine Selbst-Überwindung ersten Ranges. Es ist ganz nothwendig, daß ich mißverstanden werde; mehr noch, ich muß es dahin bringen, schlimm verstanden und verachtet zu werden. Daß meine „Nächsten“ [Verwandten] damit anfangen mußten, begriff ich vorigen Sommer und Herbst, und hatte das herrliche Bewußtsein, eben damit auf meiner Bahn zu sein. Dies Gefühl steht auch im Z<arathustra> überall zu lesen. Der schlimme Winter und meine unterliegende Gesundheit haben mich davon entfernt und muthlos gemacht; und ebenso haben die kleinlichen Dinge, welche seit einigen Wochen über mich herstürzen, mir wieder die größte Gefahr gebracht — nämlich meinen Weg zu verlassen. Sobald ich jetzt sagen muß: „ich halte die Einsamkeit nicht mehr aus“, so empfinde ich eine unsägliche Erniedrigung vor mir selber — ich bin dem Höchsten, das in mir ist, abtrünnig geworden.
Was liegt an diesen Rées und Lou’s! Wie kann ich ihr Feind sein! Und wenn sie mir Schaden gethan haben — ich habe genug Nutzen von ihnen gehabt und gerade darin, daß es so ganz verschiedene Arten Menschen sind als ich bin: darin liegt für mich eine reichliche Compensation, ja eine Aufforderung zur Dankbarkeit gegen die Beiden. Es sind beides originale Menschen, und keine Kopien: deshalb hielt ich es mit ihnen aus, so sehr sie mir wider den Geschmack giengen. In Betreff der „Freundschaft“ habe ich bis jetzt überhaupt Entbehrung geübt (und Schmeitzner z.B. behauptet, ich hätte gar keine Freunde, „ich sei zehn Jahre lang vollkommen in Stich gelassen worden“); Was die ganze Richtung meiner Natur betrifft: so habe ich keinen Genossen (auch Köselitz nicht!) niemand hat eine Ahnung davon, wann mir Trost, eine Ermuthigung, ein Händedruck Noth thut; dies war z. B. im höchsten Grade voriges Jahr der Fall, nach meinem Aufenthalte in Tautenburg. Und wenn ich klage, dann glaubt alle Welt ein Recht zu haben, ihr Bißchen Machtgefühl an mir als einem Leidenden auszulassen; man nennt’s Zuspruch, Mitleiden, guten Rath usw.
Aber so gieng es immer solchen Menschen, wie ich bin; mein ganz persönlicher Übelstand ist die schlimme Gesundheit, welche als Erniedrigung meines eignen Kraftgefühls, als Mißtrauen gegen mich selber sich geltend macht: und da ich unter diesem europäischen Himmel mindestens zwei Drittel des Jahres leidend und schwermüthig bin, so gehört ein unglaubliches Glück dazu, daß ich’s noch länger aushalte. Glück nenne ich hier nur das Ausbleiben solcher Unglücksfälle, wie der letztjährigen — also daß keine Steine in mein Uhrwerk gerathen. Ich kann nämlich an kleinen Steinchen zu Grunde gehen, weil das Uhrwerk jetzt im höchsten Grade complizirt ist, und die Verantwortlichkeit in den allerhöchsten Fragen der Erkenntniß auf mir lastet. — In summa um doch eine praktische Consequenz aus diesen Allgemeinheiten zu ziehn: meine liebe liebe Schwester, erinnere mich mit keinem Wort, weder mündlich noch schriftlich, an die Dinge, welche mich um mein Selbst-Vertrauen, ja fast um das Resultat meines Lebensweges bringen wollten! Rechne es auf meine Gesundheit, daß sie so sehr auf mich wirken und gewirkt haben! Schaffe Vergessen und irgend etwas Neues und ganz Verschiedenes davon, daß ich über den Verlust solcher „Freunde“ lachen lerne! Und denke daran, daß einem Menschen wie ich bin, niemals die Gegenwart gerecht werden darf, und daß jeder Compromiß zu Ehren des „guten Rufs“ meiner nicht würdig ist.
Geschrieben bei reinem Himmel, mit hellem Kopfe, gutem Magen und in früher Morgenstunde.
Von Herzen Dein Bruder.
Die Correktur wird mich noch ein paar Wochen hier festbinden.
460. An Heinrich Köselitz in Venedig
Zunächst, lieber alter Freund, noch eine Erinnerung aus der Zeit, wo ich eifrig genug Democritea und Epicurea trieb — eine auch für Philologen noch unerschöpfte Welt der Forschung! Sie wissen: die Bibliothek in Herculanum, deren Papyrus man äußerst langsam und mühselig zum Reden bringt, ist die Bibliothek eines Epicureers; also es giebt Hoffnungen für die Aufdeckung ächter Schriften Epicur’s! Ein Stück aus einer solchen ist zB. von Gomperz (in den Berichten der Wiener Academie) entziffert worden: es handelt von „der Freiheit des Willens“ und ergiebt als (wahrscheinliches) Resultat, daß Epicur ein heftiger Gegner des Fatalismus war, aber dabei — Determinist: — was Ihnen Vergnügen machen wird! (Damals trieb ich die Atomenlehre bis hin zum Quartanten des Jesuiten Boscovich, der zuerst mathematisch demonstrirt hat, daß die Annahme erfüllter Atompunkte eine für die strengste Wissenschaft der Mechanik unbrauchbare Hypothese sei: ein Satz, der jetzt unter mathematisch geschulten Naturforschern als kanonisch gilt. Für die Praxis der Forschung ist er gleichgültig.)
Gestern kamen, von Naumann gesandt, die Aushängebogen des zweiten Z<arathustra> an; beim Durchsehen derselben fand ich 4 Druckfehler, welche ich Ihnen mittheile, für die einstmalige Möglichkeit einer zweiten Auflage, welche Sie wohl erleben werden, ich aber nicht! p. 6 oben muß es heißen: Denkbarkeit, nicht Dankbarkeit.
p. 7 ganz unten euch, nicht auch.
p. 38 Rosenhänge, nicht Rosengänge
p. 44 schreien, nicht schreie.
Sonst nimmt sich das Buch gut und reinlich aus. Ich bin noch nicht zu einem objektiven Eindruck des Ganzen gelangt; doch wollte es mir scheinen, daß es einen nicht geringen Sieg über den „Geist der Schwere“ darstelle, in Hinsicht darauf, wie schwer die Probleme, um die es sich handelt, darzustellen sind. Daß der erste Theil einen Ring von Gefühlen umfaßt, der für den Ring von Gefühlen, die den zweiten Theil ausmachen, eine Voraussetzung ist — auch das erscheint mir leicht erkennbar und „gut gemacht“, um wie ein Tischlermeister zu reden. Im Übrigen habe ich alles Schwere und Schwerste noch vor mir. Nach einem ziemlich genauen architektonischen Überschlag des Ganzen giebt es noch ebenso viel als bisher — ungefähr noch 200 Seiten. Gelingt es mir so, wie mir — trotz der fürchterlichsten Gegnerschaft, die ich im Herzen gegen das gesammte Zarathustra-Gebilde mit mir herumschleppe — die ersten zwei Theile gelungen erscheinen, so will ich ein Fest feiern und vor Vergnügen dabei sterben. Pardon!
Wahrscheinlich hätte ich, wenn ich dieses ganze Jahr meine Seele heiter und hell gehabt hätte, aus artistischen Motiven die Farben der beiden ersten Theile dunkler, finsterer und greller gewählt — in Hinsicht auf das, was den Schluß macht. Aber dies Jahr war mir das Labsal heitrerer und luftigerer Farben zum Leben nothwendig; und so habe ich im zweiten Theile beinahe wie ein Possenreißer meine Sprünge gemacht. — Im Einzelnen ist unglaublich Vieles persönlich Erlebte und Erlittne darin, das nur mir verständlich ist, — manche Seiten kamen mir fast blutrünstig vor.
Es gehört für mich übrigens zu den noch räthselhaften Thatsachen, daß ich wirklich in diesem Jahre beide Theile gemacht habe. Ein Bild, das fast in allen meinen Schriften einmal vorkommt „über sich selber erhaben“ — ist zur Wirklichkeit geworden — und — oh wenn Sie wüßten, was hierbei sich selber zu bedeuten hat! Sie denken hundert Mal zu gut von mir, Freund Köselitz! —
461. An Heinrich Köselitz in Venedig
Mein lieber Freund,
nun ist es wieder einmal mit dem Engadin für mich zu Ende: Mittwoch will ich abreisen — nach Deutschland, wo es Mehreres für mich zu thun und abzuthun giebt. Geben Sie, wenn Sie mir schreiben wollen, Ihrem Briefe die Richtung auf Naumburg; da will ich ein wenig mich in den natürlichsten Empfindungen ausruhen und erholen, eingerechnet, daß ich viel schönes Obst essen will. Was mir auch dort fehlen wird, wie es mir überall fehlt — das ist Ihre Musik. Ich glaube, wie Sie meine Sachen vielleicht stärker und unbequemer empfinden als irgend Jemand, so muß ich alles, was von Ihnen kommt, balsamischer empfinden als Andere es können: dies ist ja ein ganz artiges Verhältniß zwischen uns! Vielleicht ist es ein Verhältniß wie zwischen Komödien- und Tragödiendichtern (ich sagte Ihnen wohl einmal, daß Wagner in mir einen verkappten Tragödiendichter sah) gewiß ist, daß ich im Ganzen „epikurischer“ dabei wegkomme als Sie; und so ist es das „Gesetz der Dinge“: der Komödiendichter ist die höhere Gattung und muß mehr wohlthun als jener Andere, ob er es nun will oder nicht.
Dieses Engadin ist die Geburtsstätte meines Zarathustra. Ich fand eben noch die erste Skizze der in ihm verbundenen Gedanken; darunter steht „Anfang August 1881 in Sils-Maria, 6000 Fuss über dem Meere und viel höher über allen menschlichen Dingen.“
Wie die Qual und Wirrsal meines Gemüths auf die Farben der zwei ersten Theile gewirkt haben mag? (Denn die Gedanken und Richtungen waren gegeben) Seltsam, alter Freund! Ich meine allen Ernstes, daß Z<arathustra> heiterer und lustiger ausgefallen ist als er sonst ausgefallen sein würde. Ich könnte dies beinahe „aktenmäßig“ beweisen.
Andererseits: ich würde lange, lange, lange nicht so tief gelitten haben und leiden, wenn ich nicht in den 2 letzten Jahren fünfzig Mal Motive aus meiner Einsiedler-Theorie auf die Praxis übertragen hätte und aus den schlimmen, ja schauerlichen Folgen dieser „Praktik“ zum Zweifel an mir selber getrieben worden wäre. Dergestalt hat Z<arathustra> sich auf meine Kosten erheitert, und ich habe mich auf seine Kosten verdüstert.
Übrigens muß ich Ihnen, nicht ohne Betrübniß, melden, daß jetzt, mit dem dritten Theile, der arme Z<arathustra> wirklich in’s Düstere geräth — so sehr, daß Schopenhauer und Leopardi nur als Anfänger und Neulinge gegen seinen „Pessimismus“ erscheinen werden. So will es der Plan. Um aber diesen Theil machen zu können, brauche ich selber erst tiefe, himmlische Heiterkeit: denn das Pathetische der höchsten Gattung wird mir nur als Spiel gelingen. (Zum Schluß wird Alles hell.)
Vielleicht arbeite ich inzwischen noch Etwas Theoretisches aus; meine Skizzen dafür haben jetzt die Überschrift
Die Unschuld des Werdens.
Ein Wegweiser zur Erlösung von der Moral.
Der erste Theil Z<arathustra> ist jetzt endlich unterwegs, der zweite fertig gedruckt (ich notire für den Fall einer 2ten Auflage, diese Druckfehler:
p. 6 oben: Denkbarkeit, nicht Dankb./ p. 7 ganz unten: euch, nicht auch/ p. 38: Rosenhänge, nicht Rosengänge/ p. 44: schreien, nicht schreie/ p. 98 Zeile 9: Da, nicht Dann//
Beinahe wäre ich nach Venedig gekommen! Feiern Sie ein Fest dafür, daß es nicht geschehen ist und behalten Sie lieb Ihren Freund
Nietzsche.
462. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werthester Herr Verleger,
Zugleich mit der Übersendung des Honorars für den zweiten Zarathustra, welches ich mir jetzt ausbitten möchte, geben Sie mir doch auch wieder einen genauen Rechenschafts-Bericht über meine Ihnen anvertrauten Gelder (ich habe in diesem Jahre noch keinen solchen Bericht erhalten) Bitte, sehen Sie zu, daß das Gewünschte in den nächsten 8 Tagen in meine Hände kommt; denn meines Bleibens hier in Naumburg ist es nur noch kurze Zeit.
Sehr schön wäre es, wenn Sie uns hier einmal besuchen wollten.
Für Ihre letzte Karte meinen besten Dank. Ich wünsche von Herzen, daß mein Zarathustra-Sonnenschein, von dem Sie reden, recht Vielen „einleuchten“ möge; geschieht es aber nicht, so bin ich zum mindesten daran nicht schuld. Es herrscht in dem lieben Deutschland eine allerliebste Verdüsterung aller Himmel: ich will zusehn, mich selber sobald als möglich wieder aus dieser Wolken-Trübsal zu retten.
Mit herzlichen Wünschen
Ihr
Dr. F. Nietzsche.
Mir fehlt die „fröhliche Wissenschaft“ ganz und gar: bitte bitte um ein Exemplar!
463. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine Lieben, ach was für eine Reise! Zwar ergab sich in Frankfurt, daß Overbeck und Frau im gleichen Zuge gewesen waren, aber eine Stunde nach unserm Zusammensein war ich krank. Ich reiste allein weiter und kam bis Freiburg mit größter Mühe. Dort legte ich mich zu Bett: eine Nacht Erbrechens. Am Morgen drängte mich der Lärm im Hause fort nach Basel zu reisen. Da, bei Overbecks, lag ich den zweiten Tag mit heftigsten Kopfschmerzen. Heute besser. Aber bedeckter Himmel und kalt. Sehr angegriffen! Morgen weiter nach Genua. —
Mein Abschied von Euch ist mir diesmal härter angekommen als sonst: auch habt Ihr mir so viel Liebes erwiesen! — Jetzt heißt es alle Kraft zusammennehmen, um nicht die letzte Kraft noch zu verlieren. Ich bin vieler Dinge so müde.
Euer F.
464. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine Lieben, ich weiß noch immer nicht, wo ich bleibe; Dr. Breiting ist ganz „unabkömmlich“, meine Wohnung in Genua ist bis zum 15ten d. M. noch vermiethet. Aber Genua selber schien mir diesmal unmöglich. Inzwischen habe ich Spezia studirt, es aber auch nicht so gefunden, wie ich’s nöthig habe. Das einzig Sichere ist, daß ich am Meere leben muß: ich kann nicht beschreiben, wie erlösend es mir für Gehirn und Augen vorkommt. Übrigens bin ich immer noch sehr herunter und viel krank; der Norden und all das Nordische hat mir schrecklich zugesetzt! Briefe nach Genua poste restante.
In herzlicher Liebe Euer
F.
465. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Mein geliebter Freund, ich möchte Dir, außer meinem Danke für die wohlthuenden Tage bei Euch, irgend Etwas Bestimmtes melden: das Einzige wäre dies, daß die Nähe des Meeres mir unbeschreiblich wohl thut: womit die Negation aller nordischen Pläne noch einmal bestätigt und begründet wird. Ich darf, ich kann nur noch am Meere leben, in Hinsicht auf Gehirn und Augen! — Aber wo! Genua unmöglich, Spezia (wo ich 3 Tage bin) kaum möglich. Briefe nach Genua poste restante, ich weiß nicht mehr, wohin. Dr. Breiting ganz überbeschäftigt.
Dein F. N.
466. An Paul Lanzky in Florenz (Fragment)
[+ + +] Kommen Sie mit mir nach Murcia oder Barcellona: 220 wolkenleere Tage im Jahre! [+ + +]
467. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Nun, alter treuer Freund Köselitz, es steht gar nicht gut mit mir: die bösen Anfälle immer schneller hinter einander her, ich erhole mich kaum noch. Seit vielen Wochen konnte ich keinen Brief mehr schreiben; ich hoffe, daß meine Schwester sich bei Ihnen in meinem Namen für Brief und Sendung (Beides gleich lieb und nachdenklich) bedankt hat? In Genua angelangt, nehme ich mir nun vor, den alten Berg zur Gesundheit und Heiterkeit nochmals zu erklimmen. Vielleicht gelingt es mir nicht wieder, und damit wäre Vieles mißlungen. Unterdessen gedenke ich Ihrer wie meines besten Trostes: und Ihnen soll Alles gelingen!
Ihr N.
468. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).
Meine liebe Mutter und Schwester, so habe ich denn wieder in meiner alten Residenz Genua Platz genommen — vorläufig, bis mich Jemand nach Spanien begleitet. Hier will ich schrittweise meine Gesundheit und Heiterkeit wiederfinden, so wie ich es vor 4 Jahren gethan habe: an Energie fehlt es ja nicht. Es steht augenblicklich schlecht: tiefste Erschütterung, Anfall über Anfall. Von Spezia an südlich geht der Scirocco los, deshalb habe ich nun auch den Süden Italiens gestrichen. — Ich habe eine Aufgabe, und keine Zeit mehr zu verlieren. Haltet mir, so viel es geht, unangenehme Eindrücke und Erinnerungen fern und seid in Bezug auf mich guten Muths. Mit dankbaren Grüßen und Wünschen
Euer F.
469. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber alter Freund, beim Lesen Teichmüllers bin ich immer mehr starr vor Verwunderung, wie wenig ich Plato kenne und wie sehr Zarathustra πλατωνίζει. — Gesundheit unglaublich herunter, aber guter Wille, sie wieder hinauf zu bringen, vorhanden. Ich fand nirgends einen guten Ort für mich und habe mich in’s alte Genua und in’s alte Haus zurückgezogen — hoffentlich um da auch die alte Heiterkeit wieder zu finden, ohne welche ich nichts Gutes-Neues zu finden weiß. Dir und Deiner lieben Frau die Versicherung herzlichen Gedenkens: wir drei haben es noth, tapfer zu sein!
F. N.
470. An Franz Overbeck in Basel
Lieber Freund, Teichmüller II ist eingetroffen und ebenfalls der treffliche Cornaro — Wasser auf meine Mühle! Vielleicht stelle ich einmal die eignen Erfahrungen zusammen; ich habe Viel beobachtet und versucht und will auch noch den Lohn davon haben — das bewußte „lange und heitere Leben“. Nicht in Deutschland leben und nicht mit meinen Angehörigen zusammen ist mir freilich ebenso wichtig wie die Martern des Wenig-Essens. Ich bin sehr herunter, die Meerluft erquickt mich unbeschreiblich. Dr. Breiting verordnete mir, zu meinem Triumphe, das von mir zuerst medizinisch verwendete Kali phosphor. wieder; er hat sich von seiner Wirksamkeit bestens inzwischen überzeugt. So bin ich der Erfinder meines eigenen Medikaments. Ebenso bin ich stolz auf meine rationelle Typhus-Behandlung im letzten Winter; und wenn ich noch dieselbe Energie besitze wie vor 4 Jahren, so will ich auch im Ganzen schon wieder Herr meines Leibes und meiner Seele werden und auf dem gleichen Wege (man erzählte mir daß ich unbewußt die Methode angewendet habe, die jetzt in Amerika florirt.)
Von Herzen dankbar
F N
471. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Mein liebes Lama, bis jetzt war es elend und ekelhaft, und wenn ich Dir dies schreibe, so will ich damit nicht Dich etwa auffordern, über Recepte nachzudenken, wie mir aufzuhelfen ist. Ich muß mir aufhelfen, Niemand Anderes — und auch mein Recept muß ich finden und mir nichts geben lassen. (Im Gleichnisse zu reden: es muß mir gehen wie mit dem Kali phosphoricum — ich will mein Heilmittel selber erst entdecken. Beiläufig: Dr. Breiting wendet es seitdem mit „entschiedenem Erfolge“ an —) Von der Schwere der Aufgabe, die auf mir liegt, hat Niemand eine Vorstellung; und wenn Jemand sich dieselbe etwa unter der Form einer litterarischen Arbeit, z. B. dem Fertigmachen meines Zarathustra denkt, so macht mir das beinahe Übelkeit und Lach- oder Brechreiz — so „zwider“ ist mir alle Litteratur-Macherei; und der Gedanke, zuletzt gar unter die Schriftsteller gerechnet zu werden! gehört zu den Dingen bei denen es mich schüttelt. Lies, meine liebe Schwester, recht viel in „Morgenröthe“ und „fröhlicher Wissenschaft“, den inhalt- und zukunftsreichsten Büchern, die es giebt —; in Deinen letzten Briefen war Mancherlei über „egoistisch“ und „unegoistisch“, was nicht mehr von meiner Schwester geschrieben sein sollte. Ich unterscheide vor Allem starke und schwache Menschen — solche, die zum Herrschen und solche, die zum Dienen und Gehorchen, zur „Hingebung“ berufen sind. Was mich an dieser Zeit anekelt, ist die unsägliche Schwächlichkeit Unmännlichkeit Unpersönlichkeit Veränderlichkeit Gutmüthigkeit, kurz die Schwäche der „Selbst“-sucht, die sich gar noch als „Tugend“ drapiren möchte. Was mir bisher wohlgethan hat, war der Anblick von Menschen eines langen Willens — die Jahrzehnde lang schweigen können und sich nicht einmal deshalb mit moralischen Prunkworten aufputzen —, etwa als „Helden“ oder „Edle“, sondern die ehrlich sind, an Nichts besser zu glauben als an ihr Selbst und ihren Willen, dasselbe den Menschen einzudrücken* für alle, alle Zeit.
Pardon! Was mich an R<ichard> W<agner> anzog, war dies; insgleichen lebte Schopenh<auer> nur in einem solchen Gefühle.
Und nochmals Pardon, wenn ich hinzufüge, daß ich ein Wesen solcher Art voriges Jahr gefunden zu haben glaubte, nämlich Frl. S<alomé>; ich habe sie für mich durchgestrichen, als ich endlich fand, daß sie nicht mehr wolle, als es sich auf ihre Weise behaglich zu machen, und daß die prachtvolle Energie ihres Willens nur auf ein so bescheidenes Ziel gerichtet sei — kurz daß sie darin zur Gattung Rée gehört. (Ich will noch der Billigkeit wegen hinzufügen, daß sie ebenso wie Rée eine für mich sehr anziehende Eigenschaft besitzt, nämlich in Bezug auf sich, die Motive ihres Handelns usw. von einer vollkommenen Schamlosigkeit zu sein. Weißt Du, es leben vielleicht in jedem Zeitalter kaum 5 Menschen, die diese Eigenschaft haben und zugleich Geist genug, um sich ausdrücken zu können. (Zu ihnen gehörte Napoleon.)
Ich weiß vielleicht besser als irgend Jemand auch noch unter den starken Menschen Rangordnungen zu machen nach der Tugend; so gewiß unter den Schwachen es noch hundert Arten und sehr artige und liebenswürdige giebt — gemäß den Tugenden, die den Schwachen zukommen. Es giebt starke „Selbste“ deren Selbstsucht man beinahe göttlich nennen möchte (z. B. die Zarathustra’s) — aber jede Stärke ist schon an sich etwas für den Blick Labendes und Beseligendes. Lies Shakespeare: er steckt voll solcher starker Menschen, roher harter mächtiger Granit-Menschen. An diesen ist unsre Zeit so arm - - - und nun gar an starken Menschen, die Geist genug hätten für meine Gedanken!
Taxire also den Verlust, den ich in diesem Jahre erlitten habe, nicht zu niedrig. — Du kannst Dir nicht denken, wie einsam und „verborgen“ ich mir immer unter all der liebenswürdigen Tartufferie jener Menschen vorkomme, die Du „Gute“ nennst: zB. Malvida oder auch Schücking’s, Heinze’s, Seydlitzens usw. usw. und wie es in mir mitunter schreit nach einem Menschen, der redlich ist und reden kann, sei es selbst ein Scheusal, wie Lou. Natürlich wären mir Halbgötter zur Unterhaltung erwünschter. — —
Nochmals Pardon, ich schreibe Dir dies aus dem allerherzlichsten Herzen und weiß wahrhaftig wie herzensgut Du es mit mir meinst. — Ah diese verfluchte „Einsamkeit“!
FN.
Stein ist zu jung noch für mich, den würde ich verderben. Köselitzen hätte ich beinahe verdorben — ich habe 1000 Rücksichten gegen ihn nöthig.
Sende mir unter Kreuzband poste restante den Gsell-Fels (60 Tage Italien) — Ich sende Dir nächstens Paraguay-Thee. Zum 16. November sende einen Zarathustra II an Overbeck. — Lorentz in Leipzig hat doch die Rhein.-Museums? —
Die besten Grüße meiner lieben Mutter.
472. An Malwida von Meysenbug in Rom
Meine hochverehrte Freundin,
es ist mir inzwischen schlecht, recht schlecht gegangen, und meine Reise nach Deutschland war schuld daran. Ich vertrage es nur noch, am Meere zu leben; alle binnenländische Luft depotenzirt bei mich Nerven und Augen auf die entschiedenste Weise und bringt in kurzer Zeit Schwermuth und Mißtrauen in mir zum Vorschein — häßliches Unkraut, mit dem ich schon mehr im Leben gekämpft habe als mit Schlangen und anderen berühmtern Unthieren. Im kleinen Elend steckt unser gefährlichster Feind; das große Leid vergrößert.
Aber nun bin ich wieder einsam — und die Wahrheit zu sagen, ich war noch nie so einsam. Alle Erlebnisse der letzten Jahre haben mich immer dies Eine gelehrt: es giebt Niemanden, der Willens ist mit mir meinen Weg zu gehn — es sieht noch Niemand diesen Weg — —
Dies ist ein großes Leid, und wahrhaftig, ich fühle es bereits: es hat die Kraft, zu vergrößern. —
Denken Sie, daß ich sofort nach Spezia gereist bin, als ich hörte, Sie seien dort. Aber es war zu spät.
Noch habe ich mich nicht für den vorzüglichen Aufsatz des Frl. Jacobson über Stecchetti bedankt: bin jetzt über diesen Dichter völlig aufgeklärt und will nichts mit ihm zu thun haben. Diese Italiäner sind so abhängig und halten ihre Ohren so nach Frankreich und Deutschland hin! — wie in ihrer Politik. Nur in der bösartigen Satire sind sie original und wahrhaft zu bewundern: aber was ist mir sonst dieser „Mussetisme“, wenn mir selbst Musset nicht gar zu viel bedeuten will? —
Nun habe ich noch eine Bitte auf dem Herzen. Es sind Briefe an mich nach Rom abgegangen, zum Beispiel von Jacob Burkhardt, Gottfried Keller und Anderen, — diese Briefe möchte ich nicht einbüßen. Durch ein Versehen tragen alle diese Briefe an mich folgende Adresse: via Polveriera 4, secondo piano. Wollen Sie gütigst einmal in dem angegebenen Hause darnach fragen lassen? Oder, eventuell, auf der Post? —
Ihre letzten Nachrichten klangen betrübend, und inzwischen erfuhr ich auch noch, was für Sorgen Sie in der nächsten Nähe
gehabt haben. Meine herzlichsten Wünsche sind immer um Sie und nicht weniger meine allerergebenste Dankbarkeit: aber ich möchte viel lieber einmal etwas für Sie thun, und nicht bloß für Sie fühlen!
Ihr Nietzsche.
Genova, Salita delle Battestine 8 (interno 5)
473. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber alter Freund, möge Dir ein gutes Jahr beschieden sein! Oder vielmehr: ich glaube, Du wirst es haben, so wie Du es verdienst: denn zuletzt erlebt man immer nur seine Erlebnisse, oder noch genauer: sich selber. Jedes Mal, daß ich mit Dir zusammenkam, hatte ich meine innerste Freude an Deiner Ruhe und milden Festigkeit; und ich bin nachgerade dahin gekommen, nichts höher zu schätzen als einen langen Willen, für den zehn Jahre nicht viel bedeuten, und wenn es selber zehn Jahre des Schweigens sein sollten. Ich habe Dir seit Deinem letzten Geburtstage, an dem wir in Basel zusammen waren, viel Unruhe gemacht und vielleicht auch manchen Zweifel: trotzdem glaube ich, Du weißt jetzt besser als vor 12 Monaten, daß ich einen Steuermann in mir trage, auf den Verlaß ist, daß er mancherlei Thorheiten des Kapitäns zuletzt wieder gut macht und ausgleicht — eben auch einen langen und bisher noch sehr schweigsamen Willen. —
Meine Schwester hat den Auftrag, Dir zum 16 Nov. den zweiten Theil Zarathustra’s einzuhändigen — lies ihn als einen zweiten Theil von vieren dh. verstehe, daß Mancherlei darin erst im Sinne des Ganzen seine Nothwendigkeit bekommen wird. Im Übrigen wirst Du wissen, wie unsäglich fern ich mit diesem Z<arathustra> von allem eigentlich Litterarischen bin. Es handelt sich um eine ungeheure Synthesis, von der ich glaube, daß sie noch in keines Menschen Kopf und Seele gewesen ist. Bringe ich sie so an’s Licht, wie ich sie auf Augenblicke vor mir gesehn habe, so will ich ein Fest feiern und sterben. —
Es geht, wie ich leider melden muß, betrüblich genug. Anfälle über Anfälle, jeder Tag eine Krankengeschichte und manche Stunde, wo ich mir sage: „ich weiß mir nicht mehr zu helfen“. Jetzt erst merke ich ganz, wie arm und abgeschnitten von äußeren Begünstigungen mein Leben nun eine ganze Reihe von Jahren hingerollt ist — jetzt wo die stille Hoffnung mich verlassen hat, daß diese Erleichterungen und Begünstigungen zu mir kommen müßten. Ich bin fortwährend noch wüthend darüber, sobald mir einfällt, daß mir ein Mensch fehlt, mit dem ich über die Zukunft der Menschen nachdenken kann — wirklich, ich bin durch die lange Entbehrung von zu mir gehöriger Gesellschaft inwendig ganz krank und wund. Nichts kommt mir zu Hülfe, Niemand denkt sich etwas aus, das mich erheitern und erheben könnte, es will sich nichts dazwischen stellen und mich von all den beschimpfenden Eindrücken erlösen, mit denen mich die letzten Jahre überhäuft haben. Ich bin an den Augen viel gehinderter als sonst, es giebt so viel Zeit, wo mir die Einsamkeit zur Last wird. Dazu will es mit Genua durchaus nicht mehr gehen, es lärmt zu sehr und hat seine Spaziergänge in gar zu großen Entfernungen. Ich merke, man kann nichts zum zweiten Male thun. Um zu genesen, brauche ich neue erstmalige Eindrücke. Von Menschen hier habe ich gar nichts; Breiting sehe ich etwa alle 8 Tage auf 5 Minuten, er ist mit Zeit und Kopf vollkommen in Anspruch genommen. Im Grunde thäte mir nichts so noth als Menschen (also z. B. Rom): aber die andre Thatsache ist, daß ich es nur am Meere noch aushalte. — — — —
Denkt freundlich an mich, Du mit Deiner lieben Frau (was macht ihr Übersetzungs-Project?) zumal wenn Ihr gute Musik zusammen spielt!
Von Herzen Dein Freund
Nietzsche.
474. An Heinrich Köselitz in Venedig
Ach, lieber lieber Freund, eben erst kommt Ihre Karte in meine Hände, es macht mich unglücklich, wie spät! — und namentlich, daß ich Genua verlassen habe und, nach längerem Zweifel, mich vorgestern für diesen Winter in Nizza festgesetzt und festgebunden habe! Im Jahr 220 vollkommen reine Tage — das entschied zuletzt: die Wirkung dieser herrlichen Lichtfülle auf mich sehr gequälten Sterblichen (und oft so Sterbenslustigen —) grenzt an’s Wunderbare. Ich habe hier für die sechs Winter-Monate fast so viel Himmels-Tage als in Genua für das ganze Jahr. Damit sagte ich der geliebten Stadt des Columbus — etwas Anderes war sie mir nie — Lebewohl; und sie war zuletzt noch rührend-schön in ihrem Oktoberglanze.
Nizza, als französische Stadt, ist mir unleidlich und fast ein Flecken in dieser südländischen Herrlichkeit; aber es ist auch noch eine italiänische Stadt — da, im älteren Theil, habe ich mich eingemiethet, und wenn geredet werden muß, wird italiänisch geredet: dann ist es, wie in einer Genueser Vorstadt.
Freund, ich weiß Etwas, das ich Ihnen nicht verschweigen will. Eine deutsche Dame wünscht Pensionäre zu haben, in einer neu eingerichteten Villa (bestens eingerichtet und warm — wie ich bezeugen kann); und da sie diesmal anfängt, so hat sie einen unglaublich niederen Anfangs-Preis für diesen Winter gemacht (90 frs. für Zimmer und Kost). Es ist nicht nahe bei mir, sondern ein Halb-Stündchen weit; ungefähr die ganze Promenade des Anglais liegt dazwischen. Gesetzt aber, Sie wollten sich dort einlogiren, so wäre der letzte Gesichtspunkt vielleicht sogar in Ihrem Sinne vortheilhaft. — Ich selber zahle 25 frs. Miethe für den Monat; und auch billige Restaurationen giebt es, im Stile Ihrer Panada und der Pariser Etablissements Duval: es ist besser hier leben als in Genua. Wein sehr billig.
Jene Villa liegt still, im Garten; schöne Hügelland-Spaziergänge sind unmittelbar dabei. Das Meer etwa 10 Minuten weit.
Zuletzt, liebster Freund — ich weiß gar nicht mehr zu sagen, wie sehr ich Ihre Musik liebe und sehnsüchtig liebe. Die Zahl der Dinge, die mir ganz und gar wohl thun und die Seele heil machen, ist so klein für mich geworden, oh ich großer Narr!
In herzlicher Liebe Ihr
Nietzsche.
Ein Beweis, daß ich Sie gern in irgend einer Art bei mir haben möchte: ich habe dies Mal aus Naumburg Ihre sämmtlichen Briefe an mich mitgenommen.
FN.
Reisegeld von Genua nach Nizza würde unter meine Obliegenheiten gehören — nicht wahr, alter Freund?
475. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester,
habt nur Geduld mit mir (auch ich muß sie mit mir haben —): das ist freilich sehr viel verlangt, nicht wahr?
Inzwischen hat sich wenig gebessert, aber doch so viel entschieden, daß ich den Winter in Nizza bleibe. Die lärmende elegante Stadt mißfiel mir Anfangs; zuletzt habe ich aber Manches herausgefunden, was für mich übrig bleibt — stille Wege und italiänische Stadt-Theile, bessere Kost als in Genua und für einen bescheidenen Prinzen, wie ich bin, im Ganzen auch alte Genueser Preise. Es ist eine große Stadt, man kann’s haben, wie man will. Das Wichtigste aber ist, daß es keine Kranken-Stadt ist — viel zu frisch und windig: während es dieselbe Lichtfülle und Zahl der reinen Tage hat, wie jene Krankenorte, an denen ich nicht gehängt sein möchte.
Ich habe gegen Genua diesen Fortschritt gemacht: Genua hat ungefähr im ganzen Jahr so viel himmlisch-klare Tage wie Nizza in seinen 6 Wintermonaten. Von der belebenden, ja förmlich elektrisirenden Wirkung dieser Lichtfülle auf mein ganzes System kann ich keinen Begriff geben; der beständige schmerzhafte Druck auf dem Gehirn, dem ich zuletzt noch in Naumburg verfallen war, ist weg; auch esse ich noch einmal so viel, und der Magen protestirt nicht.
Trübe Tage machen mich auch hier krank. —
Mein Zimmer ist sehr kalt, aber gut für den Frühling. Glücklicherweise bin ich durch die Genueser Winter an schauerliche Winter-Zimmer gewöhnt.
Eben habe ich Köselitz eingeladen, hierher zu kommen; und Herr Paul Lanzky wird wohl einmal noch mein Reisegefährte nach Spanien sein. —
Licht, Licht, Licht — darauf bin ich nun einmal eingerichtet. —
Sagt dem werthen Dr. Ziller den allerschönsten Dank für seine übersandte Dissertation; sie soll, mit Köselitz zusammen, ernstlichst gelesen und überdacht werden. — Seid doch ja recht zufrieden, so gute Musik und einen so guten und interessanten Menschen im Hause zu haben. —
Für Weihnachten muß ich Euch bitten, meine Lieben, Euch etwas von mir zu wünschen und zu bescheeren, wonach Euch das Herz verlangt. Ja nichts senden! Es war mir unmöglich, in Genua die Schwierigkeiten zu überwinden, welche die Absendung des Paraguay-Thees machte; er steht noch in Genua. Wenn Du einmal durch diese Stadt kommen solltest, meine liebe Elisabeth, so empfehle ich folgende Wohnungs-Adresse: Frau Settimia Stagnetti, salita delle Battestine 8 (interno 5) — für Dich wie gemacht. (Monatl. 22 frs).
Hiesige Bekanntschaften gäben zu erzählen: ein preußischer General mit Tochter, die Frau eines indischen Fürsten Lady Memet Ali mit Töchterchen, ein prachtvoll köstümirter Perser, mein Tischnachbar, auch eine alte Baslerin, eine alte schwäbische Pfarrerin und Russen Engländer etc. — alles spricht aber deutsch und ist gegen mich artig. (Übrigens lauter honette Leute.)
Adressirt für gewöhnlich nach Villefranche-sur-Mer poste restante
Von Herzen
Euer F.
475a. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
Overbeck
Genua war eine ausgezeichnete Schule harter einfacher Lebensweise für mich — ich weiß jetzt, daß ich wie ein Arbeiter und Mönch leben kann. Zuletzt war ich dort zu bekannt — und ich konnte nicht länger leben wie ich wollte.
Nizza ist groß genug, es versteckt mich.
-
Ich ahnte daß ich von dem Augenblick an, wo ich mein Ideal zeigen würde, ich ganz allein sein würde. Nun weiß ich es. Es gab zuletzt noch die härteste Illusion.
-
Sodann ist Deutschland und die Wirkung durch Universität für mich jetzt ein überwundener Standpunkt — überhaupt das Leben und Wirken im Norden
Nizza ist eine Dauerstation für mich.
Farbe der Wand
Piano
Der Salon
Kinder
Mücken
Der Monat in Genua war kritisch, ich hatte Zustände die von Desperation reden — ich wußte nicht wo aus noch ein. Jetzt glaube ich, ist Vieles wieder klar und bin ich mit den 2 letzten Jahren zufrieden — wegen dieser ungeheuren Klarheit.
Genua war überdieß von Anfang an für mich die Stadt Eines Menschen, des Columbus. Nun habe ich selber ein neues Land entdeckt — in allen guten Stunden glaube ich es. Ich muß es mir nur noch — erobern
476. An Franz Overbeck in Basel
Mein lieber Freund Overbeck,
habe nur noch Geduld mit mir wie bisher! Nach meinen guten Stunden und Minuten gerechnet — seltenen Dingen! das ist wahr — bin ich einer der beneidenswerthesten Sterblichen, und jetzt mehr als je. Zwischen inne liegt Vieles, was an Verzweiflung grenzt und dessenthalben ich Deine Geduld mit mir haben muß — das ist auch wahr. In jenen guten Stunden aber weiß ich, daß ich nicht umsonst jahrelang die einsamste aller Meer-Fahrten gemacht habe: ich habe mein „neues Land“ entdeckt, von dem noch Niemand etwas wußte; nun muß ich’s mir freilich immer noch, Schritt für Schritt, erobern. —
Von allen guten Dingen, die ich gefunden habe, will ich am wenigsten die „Fröhlichkeit des Erkennens“ wegwerfen oder verloren haben, wie Du vielleicht angefangen hast zu argwöhnen. Nur muß ich jetzt, mit meinem Sohne Zarathustra zusammen, zu einer viel höheren Fröhlichkeit hinauf, als ich sie je bisher in Worten darstellen konnte. Das Glück, welches ich in der „fröhlichen Wissenschaft“ darstellte, ist wesentlich das Glück eines Menschen, der sich endlich reif zu fühlen beginnt für eine ganz große Aufgabe, und dem die Zweifel über sein Recht dazu zu schwinden anfangen. Lies mir zu Liebe doch noch ein Mal Seite 194 und das Gedicht auf der folgenden Seite; übrigens steckt das ganze Buch voll solcher Stellen, an denen ausgedrückt ist „die Stunde ist da! Machen wir uns vorher noch ein kleines Fest mit Singen und Springen!“ —
Das eigenthümliche Unglück des letzten und vorletzten Jahres bestand im strengsten Sinne darin, daß ich einen Menschen gefunden zu haben meinte, der mit mir die ganz gleiche Aufgabe habe. Ohne diesen voreiligen Glauben würde ich nicht in diesem Maaße an dem Gefühle der Vereinsamung gelitten haben und leiden, wie ich es that und thue: denn ich bin und war darauf vorbereitet, allein meine Entdeckungsfahrt zu Ende zu führen. Aber sobald ich nur einmal den Traum geträumt hatte, nicht* allein zu sein, war die Gefahr fürchterlich. Noch jetzt giebt es Stunden, wo ich nicht weiß, mich selber zu ertragen.
Das andre Unglück war: ein ungewöhnlich trübes Wetter im vorigen Winter, ebenso wie im letzten Sommer. Ich bin auf Licht eingerichtet: — es ist beinahe das Einzige, was ich absolut nicht zu entbehren und zu ersetzen weiß: Lichtfülle eines heiteren Himmels. Mit Genua habe ich’s darin überhaupt nicht gut getroffen: jetzt erst fand ich die statistische Angabe, daß Genua im ganzen Jahre nicht viel mehr reine Tage hat als Nizza in den sechs Winter-Monaten: worauf ich umgehend mich nach Nizza aufmachte. Bin ich erst des Spanischen mächtig, so geht es weiter nach Valencia, etwa im nächsten Winter. Ein Mensch, so bescheiden wie Dein Freund in Wohnung und Kost und Kleidung, lebt überall leicht und billig. —
Es geht mir jetzt besser. —
Herzlichsten Dank für Deinen Brief und Deine Gefühle für mich — ich will zusehn, daß ich Dir und Deiner verehrten lieben Frau nicht wieder solche Noth mache, wie zuletzt.
Dein Nietzsche.
477. An Franz Overbeck in Basel
Lieber alter Freund,
wie wohl that mir Dein Brief! — Nun nimm mit mir fürlieb auch in das neue Jahr hinein, das vor der Thüre steht — ich bin dieses alten sehr müde, und wenn ich heute keinen Klagebrief schreiben mag, so ist es, weil ich’s in diesem Jahre zuviel gethan habe — namentlich aber an Dich, mein lieber Freund!
Mit meiner Gesundheit steht es so, wie vor mehreren Jahren in Basel es einmal stand — ich weiß nicht mehr wo aus, noch ein. Die ungeheure Masse von Gemüthsqualen hat mich in alle Fundamente hinein zu Schaden gebracht. — Nizza ist mir höchlichst zuwider; aber in der Einen Hauptsache, was den reinen Himmel betrifft, übertrifft es wahrhaftig noch meine Erwartungen. Es war ein großes Unglück, daß ich vorigen Winter in der wolkigen feuchtschweren Luft der anderen riviera verbrachte.
Anbei sende ich die verlangte Quittung, mit der Bitte, auf ihr auszufüllen, was noch auszufüllen ist. Lege das Geld nur einstweilen auf die Handwerkerbank, ich will den Versuch machen, bis März mit dem auszureichen, was ich bei mir habe, vom Oktober her. — Deine neueste Finanz-Operation zu meinen Gunsten verpflichtet mich zu vielem Danke. —
Es giebt einen neuen Menschen, der mir vielleicht zur rechten Zeit geschenkt wird: er heißt Paul Lanzky und ist mir so ergeben, daß er gerne sein und mein Schicksal zusammenknüpfen möchte, sobald es angeht. Unabhängig und ein Freund der Einsamkeit und Einfachheit, 31 Jahre alt, philosophisch gesinnt, mehr Pessimist noch als Skeptiker: es ist der Erste, der mich brieflich anredet „Verehrtester Meister!“ (was mich mit den verschiedensten Empfindungen und Erinnerungen getroffen hat).
Er ist Mitbesitzer des Hôtels (foresteria) in Vallombrosa — und zuletzt wird meine „Philosophie“ noch einmal in diesem alten guten großartigen Winkel sich „ein Nest“ gründen. — Einen Theil des nächsten Jahres werde ich wohl dort, im Paradisino, einsiedlerisch abseits von dem Hotel selbst, zubringen: eingeladen dazu bin ich. — Das Zusammentreffen ist wunderbar: ich hatte mir voriges Jahr solche Mühe um eben dies Vallombrosa gegeben — und wenn Du etwas von meinen Hintergedanken errathen hast, so wirst Du jetzt auch fühlen, wie der Zufall mir entgegenkommt.
Nun wohlan! —
Krank, krank, krank! Was kann die vernünftigste Lebensweise ausrichten, wenn alle Augenblicke einmal die Vehemenz des Gefühls dazwischen schlägt wie ein Blitz und die Ordnung aller leiblichen Funktionen umstößt (ich glaube namentlich die Blutcirkulation verändert)
Sage Deiner lieben Frau, daß ich Emerson wie eine Bruder-Seele empfinde (aber sein Geist ist schlecht gebildet.) Alles Gute uns Dreien!
F N.
478. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine Lieben Guten,
nun habe ich alle Eure herzlichen und sorglichen Briefe von Villafranca, auch das prächtige militärische Buch und eben noch den Weihnachtsbrief — da ärgert es mich so, daß mein letzter gestern Abend abgesandter Brief gar nicht zu Eurer fröhlichen Tonart paßt, und daß ich nicht meinen Wurm für mich behalten habe, wie so oft in anderen Jahren. Wahr ist es nun freilich, daß es mir erbärmlich schlecht geht und gegangen ist (die erste Reihe der Tage in Nizza ausgenommen, wo ich wie elektrisirt war); ich glaube daß meine Gesundheit in diesem letzten Vierteljahr so schlimm war wie je in meinen schlechtesten Zeiten; und oft weiß ich nicht mehr wo aus, noch ein. Alles war an mir krank, ich kam alle 2—3 Tage eben Ein Mal dazu essen zu können; dann alle Art Erkältungen (heftigen Schnupfen als kleinstes Übel gar nicht zu rechnen) Ewig Erbrechen, Schlaflosigkeit, schwermüthige Gedanken über die alten Dinge, allgemeines Unbehagen des Kopfes, spitzige Schmerzen in den Augen, daher auch nicht lesen, keine Gesellschaft — denn mein Magen zwang mich nach kurzer Zeit jene bunte Tischgesellschaft aufzugeben. Auch habe ich nie so an der Kälte gelitten, wie hier; die Nächte friert es gewöhnlich. Sonst ist das Wetter prachtvoll und meine stäte tägliche Bewunderung. — Aber ich muß Vieles ändern und besser haben als ich es jetzt habe: sonst ist es vorbei mit Eurem Fritz.
Vielleicht habe ich bald die rechte Hülfe an dem Herrn Paul Lanzky in Florenz, der wie es scheint darauf wartet, mit mir zusammen zu leben; nur kann er jetzt von Florenz nicht fort. Er ist Mitbesitzer des Hôtels von Vallombrosa und hat mir bereits für nächstes Frühjahr Vorschläge gemacht, die ganz schön für Euren Eremiten und Wald-Einsiedler passen. Was den Hochsommer betrifft, so halte ich an Sils-Maria fest: und wenn das liebe Lama hinaufkommen will, so ist das recht und lieb und auch schon von mir mit der Frau Durisch in Aussicht genommen — lieber aber als Frl. Mellien würde ich Frl. v. Salis in ihrer Gesellschaft finden. Freilich, ich kenne weder die Eine, noch die Andre.
Hr. Lanzky ist der Erste, der an mich schreibt „verehrtester Meister!“ — es macht mir ebenso sehr Rührung als Spaaß und Spott, daß ich hierin anfange, zum Erben Wagner’s zu werden.
Ich bin jetzt ganz still untergebracht, die gute Frau Hendschel kocht; ein Spanier, mit dem ich mich italiänisch verständige und der theilnahmvoll für mich ist „come un fratello“ theilt meine Mahlzeiten. Ich habe nun auch ein kleines Öfchen mir ins Zimmer schaffen lassen — und damit, wenn nicht das Vergnügen der Wärme, so doch das des dicken Rauchs.
So! Meine herzlich Geliebten, legt Euch meinen häßlichen Brief von gestern zurecht, so gut es gehn will und bringt mich auf andre Gedanken — Ihr könnt nicht glauben, welche Gemüths-Qualen ich ausstehe, und seit einem Jahre! — ich habe ein sehr verborgenes Leben geführt, es ist mir schwer beizukommen und aufzuhelfen; ich glaube, es ist gar nicht zu errathen, warum ich so leide.
Nun wohlan! Da ist das neue Jahr vor der Thüre. Um des Himmels Willen, nichts schicken! Wir haben hier den Stadt-Octroi — ganz abgesehn noch von der Douane!
Seid fröhlich, wie ich es sein möchte!
Von Herzen dankbar
Euer F.
Schönstes Neujahr für uns Drei!
1883 (115 Briefe)
367. An Malwida von Meysenbug in Rom
Глубокоуважаемая подруга
Я только что встал после крайне болезненного приступа моего недуга, с которым я «встречал Новый год»: и вот нахожу Ваше письмо и Вашу неизменную доброту! Не ставьте мне в упрек мой недавний вздох (да и никому другому не нужно знать о моей нужде). Но именно сейчас многое сошлось воедино, чтобы довести меня до почти полного отчаяния. Среди всего этого, не стану отрицать, есть и мое разочарование в отношении Л<у> С<аломе>. Такой «чудной святой», как я, который взвалил на себя бремя добровольного аскетизма (труднопостижимого аскетизма духа) в дополнение ко всем прочим своим тяготам и вынужденным отречениям, человек, у которого нет ни одного доверенного лица в том, что касается тайны его жизненной цели: такой человек теряет несказанно много, когда теряет надежду встретить подобное существо, которое влачит за собой схожую трагедию и ищет схожего решения. Вот уже много лет я совсем один, и Вы согласитесь со мной, что я «делал хорошую мину» при плохой игре — ведь хорошая мина также входит в условия моего аскетизма. Если у меня теперь еще есть друзья, то они у меня — ну как бы это выразить? — вопреки тому, что я есть или кем хочу стать. Так и Вы остались ко мне добры, дорогая уважаемая подруга, и я от всего сердца желаю, чтобы я в благодарность за это смог еще раз преподнести Вам из своего сада плод, который пришелся бы Вам по вкусу. —
То, что Вы говорите о характере Л<у> С<аломе>’<ы>, — правда, как бы больно мне ни было это признавать. Я, собственно, никогда еще не встречал такого первозданного, живого в мелочах, не сломленного сознанием эгоизма, такого животного эгоизма: и поэтому я говорил о «наивности», как бы парадоксально ни звучало это слово, если вспомнить об утонченном, разъедающем рассудке, которым обладает Л<у>. Но мне кажется, что в этом характере скрыта еще одна возможность: по крайней мере, это мечта, которая никогда меня не покидала. Именно у такой натуры возможна почти внезапная перемена и перенос всего центра тяжести: то, что христиане называют «пробуждением». Вескость ее силы воли, ее «движущая сила» необычайны. В ее воспитании должны были быть допущены чудовищные ошибки — я еще не встречал столь плохо воспитанной девушки. В том виде, в каком она предстает сейчас, она почти карикатура на то, что я почитаю как идеал, — а Вы знаете, человек становится наиболее уязвимым, когда задет его идеал.
Что касается Ре, то он кажется мне все больше похожим на человека, чье жизненное пламя наполовину угасло: — никаких идеалов, никаких целей, никаких обязанностей, никаких инстинктов. Ему, по-видимому, приятно жить рядом с Л<у> С<аломе> и быть ей полезным (я бы сказал: услужливым). В этом он отличается от меня. Но и я хочу быть полезным Л<у>, насколько могу: это я обещал ей и себе.
Ведь правда, Вы верите мне, когда я говорю, что «речь ни в коем случае не идет о любовной связи»? Вы упомянули Нерину, и мне пришла мысль: не должен ли я, быть может, стать параллелью моему другу Г<ерсдорфу>?
Столько об этой теме: она принадлежит к странствиям Вашего друга Одиссея. Если бы я был хоть немного умнее! Или если бы кто-нибудь посоветовал мне лучше! Но полуслепой слишком живет в своих мечтах, потребностях и — надеждах.
Прошу не отвечать, моя достопочтенная подруга.
От всего сердца Ваш Ф.Н.
368. An Heinrich Köselitz in München
Тем временем, мой дорогой Кёзелиц, мне недоставало разума — и поэтому я был не в состоянии ответить на Ваше письмо, даже не в состоянии правильно его воспринять. Мне казалось, будто кто-то говорит со мной из какой-то чудовищной дали.
Недавно в дороге я много думал о Вас: я обдумывал проблему, которая существует со времен Вагнера и остается нерешенной: как целый акт оперы может обрести симфоническое единство как организм. При этом я натолкнулся на разного рода вопросы практики или «практики»; например, музыкант должен был бы создать такой целостный опус на основе точнейшего знания соответствующего драматического произведения (аффекты, смена и борьба аффектов), и все сценическое должно быть у него перед глазами. Но не слово! Самый текст должен был бы сочиняться лишь после того, как музыка готова, в постоянном приспособлении к музыке: тогда как до сих пор именно слово было тем, что волокло за собой музыку.
Это один пункт: сочинять текст после музыки!
Другой пункт заключается в том, что ход аффектов, общее построение акта должны были бы иметь нечто от схемы симфонической части: определенные респонсии и тому подобное — чтобы, таким образом, поэт сразу же строил акт с расчетом на то, чтобы он мог стать симфоническим целым также и как музыка.
Короче: музыкант должен заранее направлять поэта, и после, когда музыка готова, тем более!
Мне очень приятно все, что Вы пишете о своих переживаниях. Даже в моих интересах, чтобы Вы нашли с Леви хороший тон общения. Что касается его «шутки», то я сочинил стишок:
«С Вагнером хотелось бы остаться другом,
Если б он не был сам себе злейшим врагом.»
Мои приветы ему <Леви>, если Вы сочтете уместным их передать. — Когда-нибудь я все же, вероятно, буду жить в Мюнхене. —
Прочтите как-нибудь ноябрьский номер журнала Шмайцнера. Там есть статья о «Веселой науке», написанная неизвестным мне пером. Недурно! Впервые за 6 лет я читал что-то о себе без отвращения.
В остальном листок воняет Дюрингом и юдофобией.
Когда мне станет немного лучше (здоровье сильно ухудшилось!), я напишу также фрау Ротплец, которая написала мне чрезвычайно любезное новогоднее письмо. Пока же передайте ей благодарность моего сердца.
Адью, дорогой друг! И вперед, вверх! Землю и жизнь можно вынести только при этом наклонном направлении ввысь.
От всего сердца
Ваш Ф. Н.
В начале февраля я, вероятно, снова буду в Генуе.
369. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг,
дела идут совсем неважно, и лучше бы мне об этом молчать. В начале февраля я хочу переехать в Геную — я буду жить в том же доме, где провел прошлую зиму. Печки у меня не будет — впрочем, ее нет у меня и здесь. Я мерз этой зимой как никогда, и никогда еще так плохо не питался. К слову, здоровье сильно ухудшается.
Теперь я понимаю, какую ценность для всех отшельников имела мизантропия. К сожалению, я устроен с точностью до наоборот. Также мне хотелось бы иметь непоколебимую веру в самого себя: но к этому я еще менее склонен. Я для этого слишком болен: и каждая перемена погоды, каждое пасмурное небо вызывает во мне сильную тревогу. Погода прошлого лета в Германии и этой зимы здесь — это худшее из физических невзгод, что может со мной случиться. По сути, «веселая наука» — это лишь восторженный способ радоваться тому, что у тебя был месяц чистого неба над головой. Становишься, страдая, очень скромным и чрезмерно благодарным — чем я, впрочем, и в отношении других вещей в прошедшем году был слишком уж.
«Моральный» итоговый результат этого дурного года таков: меня заставили сто раз проглотить один и тот же яд в самых разных дозах, яд «пренебрежения», от гнусного равнодушия до глубокого презрения. Это вызвало у меня состояние, как при отравлении фосфором: постоянная рвота, головная боль, бессонница и т. д. Годами я ничего не переживал из вне: в прошедшем же году — очень многое, к сожалению, всегда одно и то же. Поэтому мне так трудно от этого избавиться. Однако beneficium mortis я от себя не получу — я хочу еще чего-то от себя и не должен позволять плохой погоде и дурной репутации мешать мне в этом.
Германия сейчас для меня — скверное место: именно те люди, которых я там уважаю, крайне враждебны ко мне; а немцы настолько неуклюжи в своих неприязнях, что всегда сразу становятся еще и бестактно-грубыми. Будучи студентом, я получал больше уважения, чем в прошлом году.
И вот я совсем не знаю, что делать и куда податься. Если бы я знал кого-то, кто сопровождал бы меня в Испанию! Для Европы там лучшие возможности чистого неба. (Я очень хорошо осведомлен о средиземноморском климате благодаря статье в географическом журнале Perthes.)
Госпожа Ротплец порадовала меня на Новый год чрезвычайно добрым письмом: она допускает возможность того, что мы все вместе встретимся летом — где-нибудь в Тироле или Южной Баварии. Но, как я уже сказал, я боюсь Германии.
У меня есть некоторая вера в какую-нибудь грандиозную альпийскую глушь: я должен набраться мужества.
И я все больше убеждаюсь, что больше не подхожу для жизни среди людей — я совершаю сплошные глупости (я, по секрету говоря, 1) слишком искренен и 2) до крайности добродушен, так что вся несправедливость всегда остается на мне — что в конечном итоге дает очень плохой результат).
Прощай, мой дорогой друг, я стараюсь быть доброжелательным и справедливым ко всем тем, кто не настроен так против меня.
Сердечный привет твоей милой жене и наилучшие пожелания вам обоим.
Ф.Н.
Переживания Кёзелица во многом параллельны моим. Но у него есть преимущество передо мной: он совершенно здоров.
370. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг, я долго не писал Вам, и это было к лучшему. Мое здоровье снова привыкло к состояниям, которые, как я полагал, остались позади: это была великая телесная и душевная мука — в чем нынешняя европейская погода сыграла не последнюю роль.
Между тем, однако, снова наступили чистые ясные дни, и я тотчас же снова стал хозяином самому себе. Счастье, несмотря ни на что, заключается в том, чтобы в одиночестве уметь справляться с самим собой: но как же многие связаны и вынуждены нести свое несчастье, удвоенное общением с людьми!
Кстати, я мерз, как никогда прежде, и никогда еще не питался хуже. Перемена места моего пребывания теперь необходима: я уже снова снял комнату, в которой жил прошлой зимой в Генуе, — но последняя новость такова, что господин, который сейчас в ней живет, передумал и хочет остаться.
Теперь старая добрая подруга Мейзенбуг пригласила меня в Рим: и определенно пообещала мне человека, который будет ежедневно 2 часа писать со мной. Поскольку мне сейчас крайне необходим кто-то для письма и диктовки, я хочу переехать в Рим — как бы мало это, как Вы знаете, ни было местом моего выбора.
Этот готовый помочь «писец» — фрейлейн Сесиль Хорнер, родственница Бреннера (я ее никогда не видел).
Но, возможно, Вам будет приятно услышать, что предстоит написать и подготовить к печати. Речь идет о совсем маленькой книге — около ста печатных страниц. Но это мое лучшее, и я сбросил с души тяжелый камень этим трудом. Нет ничего более серьезного у меня, а также ничего более радостного; я от всего сердца желаю, чтобы этот цвет — который даже не обязан быть смешанным цветом — все больше становился моим «природным» цветом. Книга должна называться
Так говорил Заратустра.
Книга для всех и ни для кого.
От
Ф. Н.
С этой книгой я вступил в новый «круг» — отныне меня в Германии, вероятно, будут причислять к сумасшедшим. Это странный род «нравоучительных проповедей».
Мое пребывание в Германии привело меня к той же самой точке зрения, что и Вас, любезнейший друг, — а именно, что я больше туда не вписываюсь. И теперь, по крайней мере, после моего «Заратустры», я чувствую себя так же, как и Вы: это прозрение и «позиция» ободрили меня.
Куда мы теперь принадлежим? — Будем счастливы, что мы вообще смеем задавать такой вопрос!
Наш опыт был довольно схожим: только у Вас лучший темперамент, лучшее, более тихое и уединенное прошлое — и лучшее здоровье, чем у меня.
Я был почти задушен. —
Итак, до 10-го числа я еще буду здесь. Позже — Рим, до востребования.
Всегда очень близок Вам в мыслях и пожеланиях
Ф. Н.
Вы восхитили Овербека! Как и меня!
371. An Malwida von Meysenbug in Rom
Глубокоуважаемая барышня,
Доброта Вашего предложения тронула меня: в нем было столько раздумий — о том, что нужно именно мне. Как редко выпадает дар такой вдумчивой доброты!
Случай распорядился так, что я как раз обещал своей старой генуэзской хозяйке провести февраль в моей старой каморке у нее. Но «случай» опять же распорядился так, что позавчера она сообщает мне, что упомянутая каморка все же не освободится: господин, который до сих пор в ней живет, решил остаться. Значит, я свободен, в том числе и для Рима.
Примем же, что я приеду в Рим в середине февраля. —
Что касается климата Рима, то я, конечно, обеспокоен: сложный механизм моей головы действительно выдерживает его лишь в немногих местах. В прошлый раз у меня там был тот же самый сирокко, который выгнал меня из Мессины: я снова встретил его в Орте, потом в Люцерне — и, наконец, он (в образе фрейлейн Л<у> С<аломе>) изрядно мучил меня и в Германии - - -
Но один месяц я в любом случае попробую. Мое «отшельничество» ведь будет возможно и в Риме: оно у меня, к сожалению, — совершенно простая вещь, продиктованная нуждой, хотя я вложил в эту «нужду» предостаточно доброй воли. — Таким образом я стараюсь «обратить» себе на пользу все свои нужды.
Бесценна для меня именно в этот момент возможность, которую Вы мне открываете, что фрейлейн Хорнер готова писать под мою диктовку. Мне как раз нужно кое-что продиктовать и подготовить к печати: если фрейлейн Х<орнер> захочет мне в этом помочь, то это действительно «помощь в беде». Я совсем не знал, к кому обратиться: и тут пришло Ваше письмо.
Дайте мне, моя глубокоуважаемая подруга, одним словом еще намек, где находится квартира, о которой Вы упоминали, — и простите, сколько хлопот я снова доставил Вашим глазам и не только Вашим глазам!
От всего сердца Ваш
Д-р Ф. Ницше.
Санта-Маргерита-Лигуре (до востребования).
372. An Franz Overbeck in Basel
Одновременно с Твоим письмом, за тон и волю которого я не могу Тебе достаточно отблагодарить, мой дорогой друг, — пришло известие из Генуи, что моя старая каморка всё же не освободится к первому февраля: её нынешний жилец передумал. Теперь Мальвида фон Мейзенбуг уже несколько недель предлагает мне приехать в Рим: она нашла комнату, и даже больше: человека, готового ежедневно по несколько часов писать для меня (а именно фрейлейн Хорнер, которая живёт в соседнем доме). Рим — не место моего выбора, но в данный момент я не знаю, что выбрать лучше. Только что я пообещал приехать в середине февраля. — Теперь я хотел бы попросить Тебя как можно скорее прислать мне на мой прежний адрес деньги (400 франков, по возможности итальянскими бумажными купюрами) и также книгу (бандеролью), которую я оставил у Тебя: «Италия за 60 дней» Гзель-Фельса.
Сейчас у нас была дождливая погода, но до этого стояла целая череда совершенно ясных дней, которые я хорошо использовал. До этого я был в настоящей бездне чувств (мои письма были очень неполными —), но я довольно «вертикально» поднялся из этой глубины на свою высоту. Теперь снова «пойдёт»: — будем, по крайней мере, на это надеяться!
Тем временем, по сути, всего за несколько дней, я написал свою лучшую книгу и, что ещё важнее, сделал тот решительный шаг, на который в прошлом году у меня ещё не хватало мужества. В этот раз мне понадобились все мои десять сил — и они были к моим услугам. Я сейчас ещё пару дней занят «проверкой на ноготь», делом тонкого слуха, для которого нельзя быть достаточно одиноким. Затем мне нужен только кто-то, кому я продиктую свой текст: и для этого, значит, фрейлейн Хорнер «упала с неба».
При таких обстоятельствах и со здоровьем дело пошло на поправку. Однако, как я сегодня подсчитал, за последние два месяца я израсходовал 50 граммов хлоралгидрата (puro) — я никогда больше не спал без этого средства!
Но я всё же спал, сейчас около 14 дней подряд — о, какое благодеяние! — —
Моя «мораль» по отношению к самому себе, кстати, означает больше, чем когда-либо, «одиночество». Мой дорогой старый друг, я думал написать Тебе в этот раз что-то приятное? Так ли это? И также Твоей дорогой жене! Сердечные приветы.
Твой Ф.Н.
373. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг
деньги у меня в руках: и я снова задумался о том, сколько неприятных хлопот я доставляю тебе уже несколько лет. Возможно, скоро этому придет конец.
Не стану скрывать от тебя: дела мои плохи. Вокруг меня снова ночь; мне кажется, будто сверкнула молния — я был короткое время полностью в своей стихии и в своем свете. А теперь всё кончено. Я верю, что неизбежно погибну, если только не случится что-то, я совершенно не знаю что. Может быть, если бы кто-то увез меня из Европы — я, с моим физикалистским образом мышления, вижу теперь в себе жертву земно-климатического расстройства, которому подвержена Европа. Разве я виноват, что у меня на одно чувство больше и появился новый ужасный источник страданий!
Даже так думать — уже облегчение, по крайней мере, мне не нужно обвинять людей как причину моих бед. Хотя я мог бы это делать! И слишком часто делаю! Всё, на что я намекал в своих письмах к тебе, — лишь побочное; мне приходится нести такую многократную ношу мучительных и ужасных воспоминаний! Так, например, у меня ни на час не выходило из памяти, что моя мать назвала меня позором для могилы моего отца.
О других примерах я промолчу, но дуло пистолета для меня сейчас — источник относительно приятных мыслей. —
Вся моя жизнь разложилась у меня на глазах: вся эта жуткая, скрываемая жизнь, которая каждые шесть лет делает шаг и, по сути, не хочет ничего, кроме этого шага, в то время как всё остальное, все мои человеческие отношения, имеют дело с маской, которую я ношу, и я постоянно должен быть жертвой того, что веду совершенно скрытую жизнь. Я всегда был подвержен самым жестоким случайностям — или, вернее, я сам тот, кто превращал все случайности в жестокости.
Эта книга, о которой я тебе писал, дело 10 дней, кажется мне теперь моим завещанием. Она с величайшей остротой содержит образ моего существа, каким оно становится, как только я сбрасываю всю свою ношу. Это поэтическое произведение, а не сборник афоризмов.
Я боюсь Рима и не могу решиться. Кто знает, какая пытка ждет меня там! Поэтому я взялся сам переписывать свои труды.
Что мне делать под этим небом и при этой смене погоды! Ах, эта тревога! И при этом я знаю, что, относительно, у моря мне «лучше всего»!
С сердечной благодарностью и пожеланиями всего наилучшего тебе и твоей дорогой жене
Ф.Н.
374. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Gsell-Fels, дорогой друг, до сегодняшнего вечера (субботы) не прибыл. Может быть, для бандероли он был слишком тяжел? Или как переплетенная книга не подходит для бандероли? Довольно, я полагаю, что он все еще в Базеле. — С сожалением! — теперь я снова причиняю тебе новые хлопоты!
Ф.Н.
375. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель,
Ваш привет был случайно первым знаком участия, который я получил в Генуе.
Сегодня мне есть что сообщить Вам приятного: я сделал решительный шаг — и, кстати, полагаю, такой, который должен быть полезен и Вам. Речь идет о небольшом произведении (едва ли сто печатных страниц), заглавие которого
Так говорил Заратустра.
Книга для всех и ни для кого.
Это «поэма», или пятое «Евангелие», или что-то такое, для чего еще нет названия: безусловно, самое серьезное и в то же время самое светлое из моих творений, доступное каждому. Поэтому я верю, что оно произведет «немедленный эффект» — тем более сейчас, судя по различным признакам, когда медленный и неохотный способ заниматься мною достиг определенной точки — случайно я узнаю как из Вены, так и из Берлина, что среди «интеллигентных людей» много говорят обо мне. Я обращаю Ваше внимание на господина Брандеса, культуролога, который сейчас в Берлине: это самый остроумный из нынешних датчан. Я узнаю, что он подробно занимался мною.
Наши «условия» издательства нам обоим известны. Только в этот раз я должен придать особое значение двум внешним деталям, потому что эта книга должна появиться как вершина моих прежних книг. При совершенно одинаковом формате и печати я прошу о черной рамке, которая обрамляла бы текст каждой страницы: так это более достойно поэмы. И затем: более плотная веленевая бумага!
Будьте добры, дайте мне незамедлительное уведомление, должен ли я прислать Вам это произведение. Я работаю со всеми «силами» (о, мои глаза!) сам над переписыванием и хочу, чтобы в случае Вашего согласия Тойбнер выполнил эти 6 печатных листов с величайшей быстротой.
Для меня время «печатания» — всегда стадия болезни. Поэтому как можно скорее!
С наилучшими пожеланиями, Вам
преданный
Д-р Ф. Ницше.
Санта-Маргерита-Лигуре,
до востребования.
(Искренне, я стыжусь говорить о «немедленном эффекте»; но я делаю это ради Вас, так как Вы по здравом размышлении должны иметь в голове совсем иные оценки, нежели я. Прошу прощения!)
376. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Только что готовая рукопись<r> должна отправиться к Шмайцнеру. Ты видишь, говоря по-латыни: omnis motus in fine celerior.
Насчет Рима я все еще не решил (несмотря на хорошую компанию, которую мне обещают: графиня Дёнхофф и замечательные норвежцы.) — Мне кажется, будто в этом году я ни с кем не смогу говорить. —
Невероятная погода. И поистине не après nous le déluge!
Твой друг.
377. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин издатель, чтобы избежать всякой потери времени, я немедленно отправляю Вам рукопись: она только что была закончена. Распоряжение ею остается за Вами: прошу лишь прислать мне телеграфное сообщение о том, что она у Вас в руках. Ничего, кроме «Arrivato».
С наилучшими надеждами
Ваш
Ф.Н.
(Санта-Маргерита-Лигуре
до востребования.)
378. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
От чего умер Вагнер? Только что пришло известие о его смерти в Геную. Я приехал сюда сегодня без всякой причины и только что, вопреки своей привычке, купил только что вышедший вечерний номер «Caffaro». Мой первый взгляд падает на телеграмму из Венеции.
Ф.Н.
Адр.: Санта-Марг. Лигуре, всё вперёд!
379. An Unbekannt (Entwurf)
Тот, кто так долго жил в одиночестве, уже не переживает отдельных событий, а лишь симптомы общего отношения к своей жизни: и я привез с собой ужасные воспоминания и не в силах от них освободиться.
380. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwürfe)
Вы жили ради одной цели и принесли ей в жертву всё; за пределами человеческого вы ощущали идеал этого Единого, и ему, который не умирает, принадлежите вы, принадлежит ваше имя навеки.
и за пределами любви того человека вы постигли высшее, что его любовь и его надежда могли помыслить: Ему вы служили, Ему принадлежите вы и ваше имя во веки веков — тому, что не умирает с человеком, даже если оно было рождено в нём
Так я смотрю сегодня на вас, и так я смотрел, пусть и с большого расстояния, всегда на вас, как на самую почитаемую женщину, которая есть у моего сердца.
Немногие хотят чего-то подобного: и из этих немногих: кто может это так, как вы!
Вы и раньше не отказывали себе в том, чтобы в серьёзных ситуациях прислушаться к моему голосу: и именно сейчас, когда до меня доходит первое известие о том, что вы пережили самое серьёзное, я не знаю, как иначе излить свои чувства, кроме как направив их целиком на вас и только на вас одну
не знаю, как поступить иначе, чем я поступал раньше
как на самую почитаемую женщину, которая есть у моего сердца.
Мы не были противниками в мелочах
не то, что вы теряете, а то, чем вы теперь обладаете, предстаёт перед моей душой: и найдётся мало людей, которые с таким глубоким чувством скажут: так всё это было моим долгом — это было также всем моим достоянием — то, что я сделала ради этого Единого, и ничего [— — —]
Я думаю, я говорю всем этим о вас, моя глубокоуважаемая госпожа? Но я думаю, я говорил всем этим также целиком и полностью о нём. Да, теперь стало трудно говорить только о вас. —
я вовсе не верю в какие-либо ещё скрытые миры, из которых можно было бы почерпнуть утешение. Жизнь ровно настолько глубока и серьезна, насколько мы умеем делать её глубокой <и> серьёзной: но есть некоторые, кто из сотен ужасных случайностей, которые не в нашей власти, снова и снова умеют воздвигать разум и красоту через веру в р<азум> и к<расоту> — это и есть лучшая добрая воля и лучшая добрая сила, это была и есть в высшей степени ваша сила.
Это всё ещё борьба; и первые бастионы всё ещё предстоит взять штурмом. Здесь вид жизни суров, ужасен, — и когда видишь того, кто ради новых красок и звуков, как — — —
Вы и раньше не отказывали себе в том, чтобы в серьёзных ситуациях прислушаться <к> моему голосу: и теперь, когда до меня доходит весть, что самое серьёзное постигло вас, я не знаю, как поступить иначе, чем я поступал раньше, и прошу вас сделать то же самое — у меня нет иного средства выдержать чувство, которое вызывает во мне эта весть, кроме как направив его целиком на вас и только на вас одну.
Не то, что вы теряете, а то, чем вы теперь только обладаете, должно теперь стоять перед моей душой: как вы теперь, вероятно, можете сказать себе: это я совершила, так хотел мой долг, то, что я сделала ради этого Единого, и всё я сделала и принесла в дар, и не щадила себя, я была неумолима, и где та капля крови, которую я оставила для себя: глубокий покой за всей болью: я чувствую это. И так я когда-то хотела.“ —
до последней капли крови себя отдавать и без пощады так — — —
За пределами любви того человека я постиг высшее, что его надежда могла помыслить: ему я служил, и этому высшему, которое не умирает, принадлежу я и моё имя во веки веков.
Так я смотрю сегодня на вас, и так я смотрел <я>, пусть и с большого расстояния, всегда на вас — как на самую почитаемую женщину, которая есть у моего сердца.
Немногие хотят от себя того же, чего хотите вы: и из этих немногих — кто может это так, как можете и могли вы! Борьба идёт непрерывно, в каждой великой жизни насквозь, и нашлись бы причины на причины, если бы вид такой борющейся жизни всегда был суров и ужасен.
381. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг, каждое Ваше последнее письмо было для меня благодеянием: я благодарю Вас за них от всего сердца.
Эта зима была худшей в моей жизни; и я считаю себя жертвой нарушения природы. Старая допотопная Европа меня еще погубит: но, может быть, найдется человек, который придет мне на помощь и утащит меня на высокогорья Мексики. В одиночку я не могу предпринимать такие путешествия: это запрещают глаза и кое-что другое.
Огромная тяжесть, которая лежит на мне вследствие погоды (даже старая Этна начинает извергаться!), превратилась во мне в мысли и чувства, давление которых было ужасным: и из внезапного освобождения от этой тяжести, вследствие 10 абсолютно ясных и свежих январских дней, которые были, возник мой «Заратустра», самое раскованное из моих произведений. Тойбнер уже печатает его; я сам сделал чистовую копию. Впрочем, Шмейцнер сообщает, что в прошлом году все мои сочинения покупались лучше, и я узнаю всякие другие вещи о растущем интересе. Даже один член рейхстага и сторонник Бисмарка (Дельбрюк), как говорят, выразил свое крайнее недовольство тем, что я живу не в Берлине, а в Санта-Маргерите!!
Простите эту болтовню, Вы знаете, что у меня сейчас на уме и на сердце. Я был несколько дней сильно болен и заставил своих хозяев беспокоиться. Теперь снова все идет, и я даже полагаю, что смерть Вагнера была самым существенным облегчением, которое только могло быть мне сейчас даровано. Было тяжело шесть лет подряд быть противником того, кого больше всего почитал, и я не достаточно грубо для этого скроен. В последнее время это был постаревший Вагнер, против которого я должен был защищаться; что касается настоящего Вагнера, то я еще в значительной мере стану его наследником (как я часто говорил Мальвиде). Прошлым летом я почувствовал, что он отнял у меня всех людей, на которых вообще имеет смысл воздействовать в Германии, и начал втягивать их в запутанную, пустынную враждебность своей старости.
Само собой разумеется, что я написал Козиме.
В остальном, старый друг, и для Вас с этой смертью небо прояснилось. Теперь многое возможно, например, что мы еще раз посидим в байройтском «храме», чтобы послушать Вас.
Что касается Ваших слов о Лу, то мне пришлось от души посмеяться. Неужели Вы думаете, что у меня в этом другой «вкус», чем у Вас? Нет, отнюдь нет! Но в данном случае дело чертовски мало касалось того, «с прелестью или без», а того, погибнет человек с широкой натурой или нет. —
Итак, корректуры могут снова отправляться к Вам, мой старый отзывчивый друг? — Премного благодарен за все.
Ф.Н.
382. An Malwida von Meysenbug in Rom
Дорогая, глубокоуважаемая подруга,
вот как обстоят дела! Я жду день за днём, чтобы смочь написать Вам: «я еду!», потому что день за днём думаю, что станет лучше. Но становится всё хуже, а теперь, особенно после смерти Вагнера, совсем плохо. Моё здоровье сейчас такое же, как в феврале 1883 года, три года назад; во мне всё больно, и я не хочу и не могу никого видеть и ни с кем говорить. Нужно ещё раз попробовать мой старый строгий режим самоограничения: ибо мой эмпирический вывод гласит: «если я не помогу себе сам, я не найду никакой помощи».
Это значит: я не приеду в Рим.
Смерть W<agner>а ужасно на меня подействовала; и хотя я уже встал с постели, но отнюдь не оправился от последствий. — Тем не менее я верю, что это событие, если смотреть на него в долгосрочной перспективе, является для меня облегчением. Было тяжело, очень тяжело шесть лет быть противником того, кого так почитал и любил, как я любил W<agner>а; да, и даже будучи противником, обрекать себя на молчание — ради того почитания, которое этот человек заслуживает как целое. W<agner> нанёс мне смертельное оскорбление — я всё же хочу сказать Вам об этом! — его медленное отступление и сползание к христианству и церкви я воспринял как личное оскорбление: вся моя юность и её направление казались мне запятнанными, поскольку я поклонялся духу, способному на этот шаг.
Чувствовать это так остро — к этому меня подталкивают невысказанные цели и задачи.
Теперь я вижу в том шаге шаг стареющего Вагнера; трудно умереть вовремя.
Если бы он прожил ещё дольше, о, что ещё могло бы возникнуть между нами! У меня в колчане есть страшные стрелы, а W<agner> принадлежал к тому сорту людей, которых можно убить словами. —
Это была, безусловно, самая тяжёлая и мучительная зима в моей жизни, и моё страдание уходило необычайно глубоко, в самые бездны; — поводы к этому почти безразличны. Существовала какая-то великая необходимость для меня — быть однажды измученным и посмотреть, позволит ли мне моя цель жить и держаться за жизнь. Смерть Вагнера отозвалась в этих чувствах глухим, тяжёлым громом; но, возможно, моя гроза теперь подходит к концу.
С глубочайшей признательностью
Ваш Ницше.
Я написал Козиме. Вы ведь одобрите это?
383. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Дорогой друг, отныне мой адрес
Genova, Salita delle Battestine 8 (interno 6)
Прошу никому не сообщать этот адрес; равно как и сделать делом молчания мое предприятие с «Заратустрой» (он уже печатается!).
(Мне очень, очень плохо.)
Преданный Ф. Н.
384. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг, дела совсем плохи. Мое здоровье сейчас в том же состоянии, что и три года назад. Все разрушено, а желудок дошел до того, что не переносит даже снотворного — что влечет за собой бессонные, крайне мучительные ночи, а как следствие — полнейшую нервозность. — Ах, природа ужасно одарила меня способностью «мучить самого себя». Само собой разумеется, что со стороны я веду самый разумный образ жизни. Но мое воображение и et hoc genus omne духа сильнее моего разума.
Что касается Рима, то вчера я отказался от поездки; я не хочу сейчас ни с кем говорить. К тому же я окольными путями узнал, что в Риме ждут мою сестру и что она собирается ехать через Венецию.
В субботу я переезжаю в Геную; мой адрес отныне (и я прошу его никому не сообщать!)
Genova (Italia) salita delle Battestine 8 (interno 6)
Я хочу искать здоровья на уже пройденном пути в величайшем уединении. Моей ошибкой в прошлом году было то, что я оставил одиночество. От исключительного пребывания среди идеальных образов и событий я стал настолько раздражительным, что невероятно страдаю и мучаюсь в общении с нынешними людьми; в конце концов я становлюсь при этом черствым и несправедливым, короче говоря, мне от этого плохо.
Вагнер был, безусловно, самым цельным человеком, которого я встречал, и в этом смысле я шесть лет терпел большую нехватку. Но между нами обоими есть нечто вроде смертельного оскорбления; и все могло бы закончиться ужасно, если бы он прожил дольше.
Лу — безусловно, самый умный человек, которого я встречал. Но и т. д., и т. д.
Мой «Заратустра» уже должен быть в печати.
Я написал Козиме, как только смог. То есть: после нескольких самых ужасных дней, которые я провел в постели.
Нет! Эта жизнь! И я — защитник жизни!!
Как только позволит время года, я хочу в горы, на южные склоны Монблана.
Ничто не помогает: я должен помочь себе сам, иначе все кончено. —
Как здоровье у тебя и твоей дорогой жены?
Твой друг Ф. Н.
385. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Вместе с сердечной благодарностью за Ваше письмо посылаю сегодня свой новый адрес (который я уже сообщил Тойбнеру)
Генуя (Италия)
salita delle Battestine
8 (interno 6)
Ф.Н.
386. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг, Твое письмо доставило мне сердечную радость. Прости, если я сейчас пишу мало. Я болен, почти с того самого момента, как ступил в Геную. Лихорадка, головная боль, ночная потливость, большая усталость. По большей части в постели; у меня нет ни аппетита, ни вкуса. Здесь эту болезнь называют гриппом. Доктор Брайтинг (первый врач Генуи и чрезвычайно ко мне расположенный) прописал мне хинин; я, конечно, и сам себе его уже прописал. — Это должно занять 4—6 недель. Как хорошо, что я один и не в Риме!
В остальном небо постоянно чистое и ясное, и внутри меня тоже всё стало более упорядоченным и спокойным. Я постигаю некую необходимость для себя в том, что я так страдал; я вырезал из своей души три или четыре личных пожелания счастья, которые у меня еще оставались, и снова стал свободнее, чем был прежде. — Отчуждение от моих родных начинает представляться мне истинным благодеянием; ах, если бы ты знал, что мне пришлось преодолеть в этой главе (с самого моего рождения —)! Я не люблю свою мать, и слышать голос моей сестры мне неприятно; я всегда заболевал, когда был с ними. Мы почти совсем не «ссорились», даже прошлым летом; я уже умею с ними обращаться, но это плохо на меня влияет.
О другом «освобождении» я хочу лишь намекнуть тебе: я отказался от того, чтобы главная книга Рее «История совести» была посвящена мне — и тем самым положил конец общению, из которого возникло немало пагубных недоразумений. —
Будет ли напечатано мое последнее сочинение, для меня сомнительно; я больше ничего об этом не слышу и не вижу. Ну что ж, это и подождет! —
Мальвида только что написала мне, также и о фрау Вагнер: «Козима хочет для мира, включая нас всех, быть столь же уединенной, как он, хочет никогда больше не видеть друзей, никогда больше не читать писем, короче говоря, жить как монахиня, только ради его памяти и детей». —
Примерно так же хочу поступить и я, пусть и не по тем же мотивам. Я «исчезну» — кажется, я уже однажды обещал тебе это из Энгадина. Прежде, однако, мне нужно еще многое обдумать, а также провести долгую личную беседу с тобой.
Моя жизнь постепенно обретает форму, и не без судорог — но она должна обрести форму!
Ну вот! А теперь я снова хочу прилечь. Как же я устал!
Всегда с величайшей благодарностью помнящий о тебе и твоей почтенной супруге
Ф.Н.
Генуя, Salita delle Battestine
8 (interno 4)
Вторник, ?
Работа Дойссена о Веданте превосходна. Впрочем, для этой философии я почти что злой принцип.
387. An Heinrich Köselitz in Venedig
Болен! Дорогой друг, вот как обстоят дела! Едва я ступил в Геную, как всё началось. Лихорадка, озноб, ночная потливость, сильная головная боль, постоянная сильная усталость, отсутствие вкуса и аппетита: вот картина болезни. Я по большей части лежу в постели и лишь изредка выбираюсь в город. Базельский врач заботится обо мне и, конечно, прописал мне хинин: но моя собственная «мудрость» уже до этого «прописала» мне хинин. Это дело на 4—6 недель, говорят мне; называют это гриппом. — Как хорошо, что я один!
За ваше последнее письмо я вам особенно благодарен. Право, дорогой друг, вы — один из самых крепких узлов, которыми я чувствую себя привязанным к жизни; я даже не могу сосчитать, скольким ободряющим чувствам я обязан случайному взгляду на вас или случайному взгляду от вас ко мне.
То, как вы поступаете, мне чрезвычайно нравится: ваша сила, ваше напряжение, ваши требования к самому себе растут посреди равномерной, честнейшей работы и не приходят лишь однажды «на» вас, подобно конвульсии, — и поэтому на практике вы горже тех художников, у которых сила и честолюбие превращают жизнь в судорогу.
Есть ли у меня что вам рассказать? — Вчера ко мне приходил немецкий музыкант, господин Бунгерт, 35 лет от роду, прежде пианист, ныне композитор. Что касается игры на фортепиано, он происходит из школы Шопена (он жил 4 года в Париже, и его учителем был ученик Шопена); что касается контрапункта, его учитель — Киль. Также он уже год был практическим капельмейстером (в Кройцнахе). Первое, что он мне рассказал, было то, что он только что закончил оперу, текст к которой сочинил сам: она называется «Навсикая». Я узнал, что Н<авсикая> в конце бросается в море и приносит себя в жертву Посейдону. Другое его произведение, «Студенты из Саламанки», принято тремя немецкими театрами, и поэтому ему, вероятно, придется поехать в Германию. У него было намерение отправиться в Грецию ради «Навсикаи», но английский консул Браун разъяснил ему, что это «можно получить ближе», а именно — в Портофино. Он жил там совсем один в хорошо обустроенном замке, принадлежащем этому консулу, и сочинял «Навсикаю». — Многое пронеслось у меня в голове при этих словах. Похоже, он желает общения со мной, в нем есть предчувствие, что у меня есть какие-то греческие, а возможно, и гётеанские надежды. — Но он мне пока совсем не нравится. Вы когда-нибудь слышали о нем?
Бунгерт — его фамилия.
Наконец, дорогой друг: я стал совсем сомневаться, будет ли напечатано мое произведение, о котором я писал вам в одном из своих последних писем. Есть препятствия. — А у всех вещей есть время, или оно должно быть.
А теперь снова в постель.
С сердечным приветом и пожеланиями
Ф.Н.
Salita delle Battestine
8, interno 4.
388. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Только что ко мне прибыл «Gsell-Fels Italien». —
Я ужасно страдаю от головных болей, день за днём.
Идёт снег, с вечера вчерашнего дня. Бывало ли когда-нибудь столько снега в Генуе? Так было, когда я уезжал из Лейпцига.
Немецкий композитор, господин Бунгерт, навестил меня; впервые кто-то навестил меня здесь. — Что думают о его музыке у вас? — Я лежал в постели с перевязанной головой, и он несколько часов развлекал меня самым лучшим образом — он рассказывал мне свои оперы, к которым сам написал либретто, в частности свою «Навсикаю» (он жил в Портофино). Это поэт. —
(Только что сверкнула молния и прогремел гром). Твой друг
Ф.Н.
388a. An August Bungert in Genua (Widmung)
Кто много возвестить готов,
Тот в тишине молчит:
Кто должен вызвать блеск громов,
Тот долго — тучей спит.
389. An Paul Deussen in Oberdreis
Это прекрасно, дорогой старый друг! Так и надо делать: развернуть все свои семь сил по отдельности, а в конце собрать их воедино и на семи конях мчаться к одной цели. Многое должно было сойтись в одном человеке, чтобы он смог открыть нам, европейцам, такое учение Веданты; и я не в последнюю очередь ценю, старый друг, что ты не разучился усердно трудиться. Разве не называлась одна из трех муз Μελέτη? Бог весть: без честного прилежания из самых прекрасных задатков вырастает лишь сорняк. Вблизи и лучший художник не должен отличаться от ремесленника. Я ненавижу этот сброд, который не хочет иметь никакого ремесла и признает дух лишь как некое лакомство.
Мне доставляет огромное удовольствие познакомиться с классическим выражением наиболее чуждого мне образа мыслей: это дает мне твоя книга. В ней самым наивным образом выходит наружу все то, что я подозревал относительно этого образа мыслей: я читаю страницу за страницей с совершенным «злорадством» — ты не можешь пожелать себе более благодарного читателя, дорогой друг!
Случай распорядился так, что как раз сейчас печатают мой манифест, который примерно с той же красноречивостью говорит «Да!», где твоя книга говорит «Нет!». Это смешно; но, возможно, тебе будет больно, и я еще не решил, стоит ли мне посылать его тебе. Чтобы написать свою книгу, ты не должен был думать обо всем так, как я; и твоя книга должна была быть написана. Следовательно — — — — — — — —
Сердечно благодарный
Фридрих Ницше.
390. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг, ничего не улучшилось, головная боль мучает каждый день с половины двенадцатого до семи вечера, я почти всегда в постели, если не считать нескольких утренних часов. К тому же у нас зима; и целая неделя солнца не смогла растопить снег в Генуе. Мой врач отговаривает меня от Генуи из-за ветров, которые воздействуют на мой мозг, даже когда я нахожусь в комнате. Он рекомендует мне юг Испании. Я спокоен, но охвачен чернейшей меланхолией. Моя жизнь во всех своих основах не удалась, я чувствую это каждое мгновение — и так же то, что так и должно было случиться, и что это моя единственная «форма существования».
Господин Бунгерт и я, два добрых генуэзца — мы прожили 3 года в величайшей близости (и этой зимой снова, в Санта-Маргерите) — и ничего не знали друг о друге. Он возит с собой мои сочинения и оставил «позади себя» многое из того, что и мы оставили «позади», например, Шопенгауэра. Если меня не обманывает предчувствие, то это новое знакомство принадлежит к числу самых избранных, какие только мог подарить мне случай. Он самостоятелен; я пока не нашел в нем ничего болезненного. У него огонь в теле и мужество для величайших задач; его принципы строги и настолько близки нашим, насколько это возможно. «Студенты из Саламанки» (взятые из «Жиль Блаза») сочинены в новом стиле: длинные завершенные симфонические формы. То, что я слышал от него, произвело на меня в высшей степени впечатление зрелости; он требует от произведения, чтобы каждая нота в конечном счете была там необходима и не могла быть заменена другой. Он поэт; его голова полна греческих героических сказаний, и его замыслы взяты из того мира чувств, в котором творили Эсхил и Софокл. Ниоба предстает перед его душой как его предел. — К германским сказаниям он питает неприязнь. Из ныне живущих итальянских поэтов он любит Стеккетти («Postuma»), и ради него он, вероятно, позже будет жить в Болонье. Позавчера был его день рождения, что выяснилось случайно; я был у него вечером, и он играл мне новые пьесы, например, «Genova la superba». Он сочинил много итальянских песен. Раньше по своему вкусу он принадлежал к ультраромантикам и приверженцам «позднего» Бетховена; но он многое пережил и сильно изменился. По происхождению он рейнландец. —
Ну вот! — Это я называю «болтать»! — От Тойбнера из Лейпцига ничего. —
Боже! Что за странное изобретение — жизнь! —
Смерть Вагнера для меня — большое облегчение. — Конфиденциально: предстоит то, что я на десятилетие «исчезну из мира». Но здоровье говорит свое слово
От всего сердца Ваш
Ф.Н.
391. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой дорогой друг,
я пишу Вам еще несколько слов о г-не Бунгерте и одновременно посылаю Вам немного его музыки (сам я ее еще не знаю). Из его печатных работ у него есть опус 27; однако весь генуэзский улов еще не издан. Он живет на то, что ему платят за его музыку (платят очень много), плюс к тому, что он дает около 4 часов уроков в неделю. У него есть великолепный рояль, пианино и «удобная» обстановка для 2 комнат — всё это нажитое добро; также хорошая библиотека — много филологических трудов по греческой трагедии и Гомеру; затем множество лириков. У него есть склонность к неизвестному, в том числе и в немецкой литературе; кажется, действительно лучше оставаться неизвестным, по крайней мере, мне неизвестным.
Что касается стихов, то его культура меня просто поражает. Как сильно и как остроумно он умеет подойти к стихотворению! Но музыканты по справедливости и должны быть лучшими интерпретаторами.
«Впечатление» от его музыки на меня? Ах, друг мой, я медленно влюбляюсь, я слишком долго воспринимаю чужое, как делают все одинокие люди; но я стараюсь. Недавно я сказал ему, что истинный художник — это тот, кто «беснуется с разумом»; так, кажется, обстоит дело у него, и я нахожу в этом большую радость. Его аффект легко поднимается вверх, и в этом нет ничего надуманного и вычурного; к тому же он сердечно враждебен всем «истерическим» страстям. Мне кажется, что сейчас он «может делать» всё, что захочет; в этом его опасность; он должен воспитывать себя через великие задачи. Жизнь нанесла ему глубочайшую рану 3 года назад; он считал, что человек растет только через большие потери: только с тех пор у него появились его драматические цели. Его ближайший друг — скульптор Кауэр в Риме. Он решителен по характеру и не льстец; официанты любят его, хотя он с ними немного груб. Он не посещает светские общества, но, как мне кажется, здесь придают большое значение тому, чтобы хоть раз принять его у себя; особенно семья немецкого консула Леупольда и англичане. Позавчера он удивил меня быстротой, с которой сочинил песню, присланную ему королевой Румынии: она называлась «Альпийское сияние» — после того как я услышал, как ее спели четыре раза, она показалась мне очень хорошим стихотворением. (Упомянутая дама ожидается в Пельи.) Весной он едет в Германию, чтобы поставить свою оперу «Жиль Блаз» (она принята в Лейпциге и Кёльне; он как раз исправляет копии партитуры и клавира. Клавир сделал Бломберг: помните ли Вы еще из Базеля, кто это такой?)
— Совершенно между нами, дорогой друг: место, куда я удалюсь, — это Барселона в Испании, начиная с осени. Я хочу уже завершить свою жизненную задачу — но это не опровергает того, на что я намекал в последнем письме. (Я страдаю слишком сильно, и мне не хватает — Всего!)
Еще пришло на ум: Бунгерт находит оркестровку «Кармен» необычайной, разве что слишком утонченной; он рассказывал, что Гектор Берлиоз сам очень приложил руку к этой партитуре. — Что касается его собственной оркестровки в музыке к «Жиль Блазу», то он опасается, что она «слишком тяжела». — У него есть увертюра «Тассо» и симфония (неизданные).
Ну вот! Мой дорогой старый друг, болтливое письмецо.
Всего самого наилучшего!
Ваш Ф. Н.
(болен)
392. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой дорогой друг,
вчера вечером я снова слушал «Кармен» — это было, пожалуй, двадцатое представление в этом году, зал набит битком, как всегда: это здесь опера из опер. Вы бы слышали эту мертвую тишину, когда генуэзцам играют их любимую вещь — прелюдию к 4-му акту, и последовавший за ней вой «на бис». Также им очень нравится «Тарантелла». Ну что ж, старый друг, и я снова был совершенно счастлив, эта музыка затрагивает во мне какой-то глубокий-глубокий пласт, и я всякий раз даю себе слово выдержать это и лучше уж излить свою крайнюю злобу, чем — погибнуть самому. Я при этом непрерывно сочинял дионисийские песни, в которых позволяю себе говорить о самом страшном ужасно и смеясь: такова новейшая форма моего безумия. Если бы я только мог преподать этому господину Гумберту, пардон! Бунгерту хоть что-то из этой музыки, в дополнение к его шумановско-брамсовскому парящему идеализму, который я долго выносить не могу: не хватает костей. Я думаю, мы уже несколько «отдалились» друг от друга; а когда я снова услышал «Кармен», я стал еще «дальше».»
Ах, это проклятое здоровье! Я лежу в постели и встаю, чтобы снова лечь. Еще ни одной прогулки. Каждые 2 дня я болтаю с доктором Брайтингом о физике и медицине, — это идет мне на пользу.
Вы в последний раз писали о «высокогорье»? Я думаю так же; я хочу на южную сторону Монблана, в Курмайор. Но до мая это невозможно. А как мне прожить до мая! Столько дней!
Простите, что я так часто пишу: я сейчас доверяю так немногим людям.
С преданностью
Ф. Н.
393. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг, мне кажется, будто ты давно мне не писал. Но, может быть, я ошибаюсь, дни такие длинные, я уже совсем не знаю, что мне делать с днем: мне недостает всяких «интересов». В самой глубине души — неподвижная черная меланхолия. В остальном — усталость. По большей части в постели; к тому же это самое разумное для здоровья. Я сильно исхудал, все удивлялись; теперь я нашел хорошую trattoria и собираюсь снова откормиться. Но самое худшее: я уже совсем не понимаю, зачем мне жить хотя бы еще полгода, все скучно, мучительно, отвратительно. Я слишком многим обделен и слишком много страдаю, и у меня есть представление о несовершенстве, промахах и подлинных несчастьях всего моего духовного прошлого, которое выше всякого понимания. Ничего уже не исправить; я больше не сделаю ничего хорошего. К чему еще что-то делать! —
Это напоминает мне о моей последней глупости, я имею в виду «Заратустру» (Теперь его можно ясно прочитать? Я пишу как свинья). Со мной случается каждые пару дней, что я забываю об этом; мне любопытно, имеет ли он хоть какую-то ценность — я сам этой зимой неспособен на зло, и мог бы в самом грубом смысле ошибаться насчет ценности и неценности. Впрочем, я ничего об этом не слышу и не вижу: предельная быстрота была моим условием печати. Только моя общая усталость мешала мне день за днем оттелеграфировать весь тираж; я жду корректурные листы уже больше 4 недель, это неприлично — так со мной обращаться. Но кто еще приличен со мной! Так что я принимаю это как есть. —
Зима в этом году задерживается на месяц-два. Иначе я мог бы подумать о том, чтобы вскоре отправиться в горы и попробовать горный воздух. Генуя — не то, что мне нужно; так считает доктор Брайтинг.
Я также еще ни разу не выходил на прогулку. По ночам я потею. Ежедневная головная боль стала слабее, но все еще регулярна.
Я недавно навещал Либермайстеров в Hôtel de Gênes; они сейчас в Санта-Маргерите.
Надеюсь, ты со своей дорогой женой в хорошем настроении, жизнь у вас поистине удалась, я вспоминаю об этом с удовольствием.
Твой друг
Ф. Н.
394. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой дорогой друг, Вы очень порадовали меня своим письмом! Ничего я не слышу от Вас охотнее, чем Ваши обещания, разве что их исполнение, я имею в виду Вашу музыку. Я вовсе не думал, что Вам есть чему учиться у Б<ungert>а; и если я в разговоре и обмолвился о Вас словом (конечно, с величайшей осторожностью), то всегда называл Вас «другом моей надежды». — Что касается нынешней и грядущей немецкой культуры — то есть, не считая нас, «музыкантов будущего», — то Б<ungert> дает мне много пищи для размышлений. Видите ли, сейчас в Германии, в стороне от вагнерианства, возобладало музыкальное чувство, которое как раз в лице Б<ungert>а стремится овладеть сценой; его представители считают себя выросшими из Бетховена и Шумана и в этом правы. (il motivo исчез даже у «позднего Бетховена», его недостаток характеризует весь немецкий «идеализм», например, также идеалисток вроде М<alwida> фон Мейзенбуг). Эти представители чувствуют себя наследниками немецкой лирики (Гёте — Гейне — Даумер), их типичное отношение выражено в Беттине фон Арним (— её им следовало бы почитать как свою святую!) — это отношение Гёте : Бетховена, или, скорее, нечто третье, в чем эти двое вступают в связь. Теперь мне крайне интересно, что этот лирико-романтический дух, который в Германии сейчас является защитником чувственности, приобщает греков и впервые хочет заставить Гомера звучать. Этот общий опыт немецкой культуры имеет свою предысторию в переживаниях Гёте. Если всё пойдет хорошо, то получится нечто вроде «Германа и Доротеи» в музыке: на большее я в этом случае не надеюсь и не жду. (Лично для меня это немецкое будущее довольно безразлично, как и «Герман и Доротея»). «Мелодии» будет не хватать, здесь, как и там, я имею в виду у вагнерианцев. Но все будут верить в обратное. —
Я размышлял о том, что же такое на самом деле то, что Вы называете il motivo. Я почти подумал, что это музыка, которую не создают, а которую берут: народная музыка. Сейчас доказано, что самые популярные арии Беллини (а также Паизиелло) берут свой мотив из песен, которые поют вокруг Катании. (Гомер собрал мотивы, о которых несколько столетий пели все рапсоды.) «Il motivo», как мне кажется, в музыкальной области — это то же, что называют «пословицей». Что Вы думаете? — При этом мне вспоминается мой «Заратустра». —
Man trinkt in Genua Bier.
Что касается Испании, то Ваш аргумент — это также аргумент против Генуи. — Дорогой друг, выбор Барселоны — это последний результат моих климатологических изысканий и почти решение отчаявшегося человека. Я не переживу еще одну такую зиму, как эта, а если небо снова так надолго останется закрытым для меня, я неизбежно лишу себя жизни. К счастью, Вы не знаете меня с этой стороны; нелегко страдать больше, чем я страдал этой зимой. И «всё зависело от погоды!» — — говорит мой Мефистофель.
От всего сердца
Ваш Ф. Н.
Напоследок не будем поступать несправедливо по отношению к Б<ungert>у: тетрадь песен относится к его догенуэзскому периоду — он написал сотни песен, и даже сейчас у него есть «на складе» 100 неопубликованных.
395. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Дорогой господин издатель,
я полон желчи и ярости против Вас, или Тойбнера, или всей этой проклятой типографии. Следует выполнять то, что обещаешь, или не обещать вовсе.
Печать должна была быть закончена — я отправил рукопись 14 февраля. А у меня еще нет ни одного листа! Так у меня крадут месяцы; я ведь ничего не могу начать, пока на мне лежит такой «груз». — Я не хочу добавлять ни слова.
Ницше.
396. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Дорогой господин издатель,
мне приятно, что у меня нет причин сердиться на Вас. Что касается Тойбнеров — они дают мне понять, что письмо от меня должно было затеряться. Факт в том, что я сразу же после получения пробного оттиска письменно сообщил о своем согласии Тойбнерам; я не дал пройти и получасу. —
Эти пять недель бесполезного пребывания в этом ветреном, сыром и промерзшем городе стали роковыми для моего здоровья. Пять недель лихорадки и хинина. Почти всё время в постели.
Ваш
Ницше.
Подумайте же над титульным листом! Тойбнеры в вопросах формы — сущие неучи.
397. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг Кёзелиц, предположим, что теперь дела снова идут на поправку — забудьте и сожгите чепуху из моих писем этого года и не верьте ни единому слову из того, что говорит больной человек. Ваше последнее письмо снова было так богато сильными прозрениями — мне было по-настоящему стыдно, что Вы прислали мне подобное в ответ на мою смертельно усталую писанину из постели. Конечно, Вы правы, а я невежда в делах musica. Все мои воспоминания об этом десяти- или двадцатилетней давности; и тогда я был еще другим, или, вернее: я тогда, конечно, еще не был «самим собой». — Жаль, что я послал Вам тетрадь песен Бунгерта, я не знал, что в ней написано, и поистине не хотел при Вас его принижать. Я считаю его чем-то — он очень прилежен и неприятен. Но какую же чепуху я должен был написать, раз Вы могли подумать, что он считает Бетховена пройденным этапом — и точно так же, что он испытал глубокое влияние от меня? И то, и другое — полная противоположность истине; меня досадует, что я так «оклеветал» его перед Вами. Что касается Бетховена, то мои воспоминания восходят к Трибшену. В<агнер> очень любил последние квартеты, он хотел ими продемонстрировать, что Бетх<овен> больше не придавал значения форме; «он мог бы закончить здесь или там» — говорил он, вероятно, о каком-нибудь произведении. Самый последний квартет, если я правильно помню, является исключением, по суждению вагнерианцев — «шагом назад». — Дорогой друг, чтобы понять, как все эти вещи обстоят на самом деле, Вам придется сначала снова «настроить мне уши».
Я часто думал, что теперь для меня настало самое время насладиться квартетами Гайдна. Последние квартеты Бетховена, по моим воспоминаниям, в целом — музыка неясная и капризная: в некоторых местах, конечно, небо открыто шире, чем где-либо еще. (Тогда я говорил: «это утверждения, но не доказательства: это "заявлено", но не — сочинено»)
Настала теперь очередь Заратустры. Что стояло у него на пути? Полмиллиона христианских песенников, которые Тойбнер должен был закончить к Пасхе. К какой рубрике, собственно, относится этот «Заратустра»? Я почти верю, что к «симфониям». Несомненно то, что я перешел с ним в другой мир — «свободный дух» исполнен. Или нет?
От всего сердца
благодарный Ваш Ницше.
(Я остаюсь здесь до 25-го числа.)
398. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг Овербек, на твое доброе письмо я не могу ответить ничего, кроме: дело движется. С жизнью я в этот раз еще справился: теперь хочу справиться и со здоровьем. — Так было всегда с моими переживаниями и страданиями: полагаю, если я их выдержу, они еще обернутся для меня выгодой. Я сейчас гораздо яснее и решительнее, чем в прошлом году, и как очень сильно обжегшийся ребенок, я испытываю очень ясную и решительную боязнь перед огнем: в моем случае это означает: боязнь людей. Даже в этот последний месяц (в Генуе), который познакомил меня с 4,5 людьми, мой опыт повторился и подтвердился. Сотни раз я говорил себе, что существенным средством исцеления в последние три года было воздержание от всякого общения. Теперь Генуя для меня «проиграна и растрачена». Я достаточно горд для безусловного инкогнито, даже в скудных условиях: но наполовину почитаемый, наполовину терпимый, наполовину перепутанный с кем-то другим, я чувствую себя как в аду — для этого я не «достаточно горд». — Твое предложение в последнем письме — самое приемлемое из всех предложений, сделанных мне в последнее время (Якоб Буркхардт очень настойчиво призывал меня «преподавать всемирную историю ex professo» — с намеками на свой жизненный закат). Но подождем еще Заратустру: боюсь, ни одно ведомство в мире не захочет после этого видеть меня учителем молодежи. Впрочем — что стояло на пути у моего Заратустры? Полмиллиона христианских сборников псалмов! Но теперь до меня дойдет очередь у Тойбнера (почему я и останусь здесь до 25-го числа месяца). — Относительно я очень хорошо подхожу Базелю и базельцам (лучше, чем ты, любезнейший друг!). И здесь базельский доктор Брайтинг для меня — самое полезное общение. (Вчера я обедал с ним в его больнице, которой он командует, и посещал с ним больных). Но климат Базеля для меня совершенно невозможен, через полгода я снова полумертв. Мне нужно чистое небо — иначе я погибну из-за своего ужасного темперамента (Во всех возрастах избыток страданий у меня был чудовищным).
Напоследок: возможно, что с этой зимой я вступил в новое развитие. Заратустра — это то, чего не может сделать ни один живой человек, кроме меня. Возможно, я только сейчас открыл свою лучшую силу. Даже как «философ» я еще не высказал свои самые существенные мысли (или «безумия»); ах, я так молчалив, так скрытен! Но тем более как «поэт»! Свою филологию я забыл; я мог бы выучить что-то получше в свои 20 лет! Ах, как я невежествен! —
Летом — лес и высокогорье, осенью — Барселона, это самое новое. Держать в секрете!
В верной дружбе
Ф. Н.
399. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель
«не в моей власти» изменять текст «Заратустры» в угоду боязливым лейпцигцам — и мне приятно слышать, что вы сами в этом отношении защищали меня и мою независимость. Что же касается «государства»: то я знаю, что я знаю. Пусть меня причисляют к «анархистам», если хотят мне зла: но несомненно то, что я предвижу европейские анархии и землетрясения в огромных масштабах. Все движения ведут туда — включая ваше антиеврейское.
Если смотреть с некоторого расстояния, то «антисемитизм» выглядит совершенно так же, как борьба против богатых и прежних способов стать богатым.
Прошу прощения! Как это я дошел до того, чтобы политизировать! —
Что касается титульного листа к «Заратустре»: то на сей раз я предлагаю нечто новое, а именно, чтобы на нем вообще ничего больше не было, кроме
Так
говорил Заратустра.
Очень крупно, конечно, и красным цветом, на бледно-зеленом фоне. Что вы скажете?
Предварительное объявление в «Augsburger Zeitung» я счел бы целесообразным. Только никакой рекламы, дорогой господин Шмайцнер — это повредило бы «сверхчеловеческой» благородности тенденций «Заратустры».
В своем последнем письме вы упоминали об избытке денег или чем-то подобном. Если вам удобно, я хотел бы получить гонорар сюда и вскоре — причем во французских ассигнациях. Полагая, что выйдет 6 листов, сумма составила бы ровно 300 франков.
Пожалуйста, пришлите их заказным письмом на мой указанный адрес, без какой-либо пометки о том, что внутри деньги. До сих пор я все деньги велел присылать себе таким способом. —
Ради всего святого, подгоняйте типографию! Я хочу покинуть Геную и отправиться на корабле: а до того всё должно быть полностью выправлено!
С сердечным приветом и благодарностью, ваш
Ницше
Хуже, чем «сильные выражения», — «слабые выражения»!
(Также пробный оттиск обложки (титула) пусть пришлет Тойбнер!)
400. An Malwida von Meysenbug in Rom
Дорогая подруга,
тем временем я сделал свой решающий шаг, всё в порядке. Чтобы дать представление о том, в чем дело, я прилагаю письмо моего первого «читателя» — моего выдающегося венецианского друга, который и на этот раз снова является моим помощником при печати. —
Я покидаю Геную, как только смогу, и отправляюсь в горы: в этом году я не хочу ни с кем разговаривать.
Хотите новое имя для меня? У церковного языка оно есть: я — — — — — — — — Антихрист.
Давайте же не разучимся смеяться!
Всецело преданный Вам
Ф. Ницше.
Genova, Salita delle Battestine 8 (interno 4).
Этот адрес в строжайшем смысле только для Вас.
401. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг,
при чтении Вашего последнего письма меня охватила дрожь. Допустим, Вы правы — так, значит, моя жизнь всё же не была неудачной? И именно сейчас, меньше всего, когда я больше всего в это верил?
С другой стороны, Ваше письмо дало мне ощущение, что мне осталось недолго жить — и это должно быть хорошо! Вы не поверите, дорогой друг, какой избыток страданий принесла мне жизнь во все времена, с самого раннего детства. Но я солдат: и этот солдат в конце концов стал отцом Заратустры! Это отцовство было его надеждой; я думаю, Вы теперь чувствуете смысл стиха к Sanctus Januarius: «ты, что копьем пламенным лед моей души разбил, чтобы она, шумя, теперь к морю своей высшей надежды устремилась» — —
А также смысл заголовка «incipit tragoedia». —
Довольно об этом. У меня, пожалуй, не было большей радости в жизни, чем Ваше письмо. —
Теперь дайте мне совет. Овербек беспокоится обо мне (окажите же и ему некоторое доверие в отношении Заратустры) и недавно предложил мне вернуться в Базель, причем не в университет, а, скажем, продолжить работу учителем в педагогиуме (он предлагает мне быть «учителем немецкого языка»). Это очень хорошо и тонко прочувствовано, да, это меня почти уже соблазнило: мои доводы против — это доводы погоды, ветра и т. д. О<вербек> считает, что «точки соприкосновения» уже нашлись бы, если бы у меня было такое желание; меня хорошо помнят, и, по правде говоря, я был не самым плохим учителем. Мои глаза и малая работоспособность моей головы в плане продолжительности должны быть приняты в расчет: так же, как и близость Я<коба> Буркхардта, одного из немногих людей, с которыми я чувствую себя по-настоящему хорошо.
Этим летом я хочу написать несколько предисловий к новым изданиям моих прежних сочинений: не потому, что новые издания на подходе, а чтобы я еще вовремя позаботился о том, о чем нужно позаботиться. Очень хотелось бы мне также очистить и прояснить стиль моих старых сочинений; но это возможно лишь до известного предела. —
Что делает Апулийский пастушеский хоровод? —
Мне противно, что З<аратустра> выходит в мир как развлекательная книга; кто достаточно серьезен для этого! Будь у меня авторитет «последнего Вагнера», было бы лучше. Но теперь никто не может избавить меня от того, чтобы меня причислили к «беллетристам». Тьфу, черт! —
Преданно и благодарно
Ваш друг Ницше.
402. An Heinrich Köselitz in Venedig
Теперь и вы, дорогой друг, строите «испанские замки», как говорят во Франции, — причем новоиспанские, мексиканские. Я этому рад! Мы становимся чужими нынешней Европе; чтобы это чувство стало позитивным, чем-то сильным и созидательным, было бы, конечно, разумно усилить его пространственным отчуждением. Тем временем у нас обоих есть повод ждать: и у меня, вероятно, скорее в Барселоне, чем в Базеле. Мне обещают в B<arcelona> чистое небо и преимущественно северные ветры; но самое новое — это то, что Генуя устанавливает прямое еженедельное сообщение с B<arcelona> — следствие постройки Сен-Готардской железной дороги, — благодаря чему Барселона (около 30 часов пути) стала для нас так же близка, как Неаполь. — Я особо замечу, что в предложении Овербека решающим был вовсе не аспект материального обеспечения, а скорее аспект успокоения души. Прошлый год дал мне сразу так много признаков того, что люди (включая моих «друзей» и родственников) презирают меня, мою подлинную жизнь и деятельность; а я не «создан» для того, чтобы терпеть презрение. В самом деле, крайне сомнительно, являюсь ли я сейчас «полезным» человеком; кто не считает меня «вредным», тот уж точно считает в высшей степени излишним бездельником. С «Заратустрой» я теперь и вовсе попадаю в разряд «литераторов» и «писателей», и связь, которая соединяла меня с наукой, будет казаться разорванной. —
Заметьте же, дорогой друг, что Хайнце — мой лучший заступник в университетских кругах: он этим выделяется и подвергает себя подозрениям. Он мне нравится: это очень чистоплотный, благонамеренный и прямой человек. В Шульпфорте он был еще моим учителем. То, что его пригласили в Базель, было по существу моим делом; и там случился курьез, что я, будучи тогда деканом философского факультета, должен был «представлять» своего бывшего учителя. —
С Ре я «покончил»: т. е. я запретил посвящать мне его главный труд. —
Я больше не хочу, чтобы меня с кем-либо путали.
Мой опыт последних недель подтвердил мне, что двухлетнее абсолютное воздержание от общения здесь, в Генуе, было главным средством моего телесного выздоровления. Самое убогое одиночество меня устроит: но, еще раз, я не хочу, чтобы меня путали.
То предложенное базельское существование для меня недостаточно надежно, как раз и в отношении «успокоения души».
У меня, по зрелом размышлении, еще есть средства, чтобы прожить 10 лет по-своему. Это от бережливости. —
(Недавно меня впечатлил один буффо-дуэт своим духом: позже я услышал, что это из «Золушки».)
Преданный Вам друг Н.
Из всех людей, которых я знаю, Вы единственный, в чье будущее я верю и чье становление действительно имеет нечто общее с моим становлением. Поэтому я могу иногда просить Вас о совете. —
Я, собственно, только сейчас узнаю Заратустру. Его возникновение было своего рода кровопусканием, я обязан ему тем, что не задохнулся. Это было нечто внезапное, дело 10 дней.
403. An Franz Overbeck in Basel
Милый, дорогой друг, я еще раз обдумал твое предложение и посоветовался с венецианским маэстро. Погода чудесная, мое здоровье и бодрость духа постоянно растут: а значит, мои размышления имеют некоторый вес. Бывают для меня тревожные времена, которые я с трудом преодолеваю; тогда я сомневаюсь и в ценности своих размышлений и решений. Но как только здоровье и погода проясняются, я всегда признаюсь себе, что, несмотря на крайне болезненную жизнь, я все же держу курс на цель, ради которой стоит жить тяжело и трудно. Я ясно осознаю это: хуже всего мне до сих пор удавалось любое отступление от моего главного дела, будь то даже в форме профессии или работы для других (— к какой рубрике, как ни странно, относится мое прошлое лето и осень). И этой зимой меня поддерживало в жизни только внезапное возвращение к моему главному делу: там лежат мои обязанности, где я должен предъявлять к себе самые суровые требования, там же лежат и источники моей жизни. Быть учителем: о да, это было бы сейчас для меня достаточно благотворно (прошлым летом я им еще был и чувствовал, как хорошо это мне подходит). Но есть нечто более важное, по сравнению с чем даже полезная и эффективная учительская профессия могла бы считаться для меня лишь облегчением жизни, отдыхом. И только когда я выполню свою главную задачу, я обрету чистую совесть для такого существования, какого ты мне желаешь. —
Но, может быть, я уже выполнил ее?
Тем временем Заратустра медленно, лист за листом, появлялся на свет. Да, я только сейчас узнал его! В те 10 дней его создания у меня на это не было времени. Право, милейший друг, мне порой кажется, будто я жил, работал и страдал, чтобы суметь создать эту маленькую книжку в 7 листов! Да, будто моя жизнь получила тем самым запоздалое оправдание. И даже на эту самую мучительную из всех зим я с тех пор смотрю другими глазами: кто знает, не нужна ли была столь великая мука, чтобы решиться на то кровопускание, которым является эта книга? Ты понимаешь, в этой книге очень много крови.
Могу ли я попросить тебя прислать мне 1000 франков (во французских ассигнациях, s'il [v]Vous plaît!) как можно скорее? На мой адрес: Salita delle Battestine 8 (interno 4), заказным письмом, но без указания содержимого.
Затем я прошу тебя еще об адресе уважаемой госпожи Ротплец в Мюнхене, которую я до сих пор не поблагодарил за то, что она написала мне так утешительно к 1 января. —
Господин доктор Фукс может поздравить себя с тем, что однажды в жизни его оценили так доброжелательно, как ты в своем письме. Я знаю о нем слишком много. —
От всего сердца преданный тебе и твоей дорогой жене
Твой Ницше.
Я еще совсем не поблагодарил тебя за твое богатое, подробное письмо, которое я ценю тем больше, что оно лишило тебя остатка твоего досуга!
Если бы ты только мог выйти из этого университетского мира! И особенно из тяжелого воздуха еще более запутанного, чем ограниченного, Базеля!
Здесь, у моря, достаточно маленьких городов, где живут вдвое дешевле и втрое здоровее, чем в Базеле. —
404. An Malwida von Meysenbug in Rom
Не хотите ли посмеяться вместе со мной, глубокоуважаемая подруга? Я прилагаю карточку от автора того письма — только вдумайтесь, ведь на дворе конец девятнадцатого века! А пишущий — по-видимому, разумный человек, скептик — спросите только мою сестру!
Это чудесная история: я бросил вызов всем религиям и создал новую «священную книгу»! И, говоря со всей серьезностью, она столь же серьезна, как и любая другая, пусть даже она и включает смех в религию. —
Как ваше здоровье? В конце зимы мне было совсем худо: сильная лихорадка мучила меня почти пять недель и приковала к постели. Как хорошо, что я живу один! -
Не правда ли, вы прибережете для меня обе эти диковинки или пришлете их при случае обратно? До 25-го числа я (кем я, в сущности, очень являюсь) все еще генуэзец.
Искренне преданный Вам
Ницше.
Замечание в середине карточки — хорошее. — В самом деле, я «совершил» такой трюк (и глупость), что написал комментарии раньше, чем сам текст. — Но кто же их прочел? Я имею в виду: изучал годами? Лишь один человек, насколько мне известно: зато теперь он получил удовольствие от самого текста.
В Германии в прошлом году я обнаружил, что поверхностность суждений дошла до такой степени слабоумия, что меня перепутали с Ре. С Ре!!! Я полагаю, Вы понимаете, что это значит. —
405. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг, в отношении Вашей открытки позволю себе, не без некоторой иронии, процитировать фразу Шопенгауэра: «Проповедовать мораль — легко».
Ваше замечание о «механизме» и «организме» я нахожу верным. Это курьез: я написал комментарий раньше, чем текст. Все уже обещано в «Шоп<енгауэре> как воспит<ателе>»; однако предстоял немалый путь от «Челов<еческого>, слишком челов<еческого>» до «Сверхчеловека». Если Вы сейчас захотите на мгновение вспомнить «Веселую науку», то посмеетесь над тем, с какой уверенностью, даже impudentia, там «анонсируется» предстоящее рождение. —
Рискуя вызвать у Вас на мгновение отвращение и при условии, что Вы немедленно сожжете это письмо, я оправдаюсь за слово «презрение», которое Вы находите слишком сильным и неправдоподобным. Я никогда не позволял мнению других руководить мною; но мне не хватает человеконенавистничества и счастливого дара медвежьей шкуры — и потому признаюсь, что во все времена жизни я очень страдал от мнения обо мне. Учтите, что я происхожу из кругов, которым все мое развитие кажется предосудительным и отверженным; лишь следствием этого было то, что в прошлом году моя мать назвала меня «позором семьи» и «срамом для могилы моего отца». Моя сестра однажды написала мне, что если бы она была католичкой, то ушла бы в монастырь, чтобы искупить вред, который я причиняю своим образом мыслей; более того, она объявила мне открытую вражду до того момента, пока я не одумаюсь и не постараюсь «стать хорошим и истинным человеком». Обе считают меня «холодным, бессердечным эгоистом», Лу тоже была обо мне такого мнения, прежде чем узнала меня ближе, считая, что я «совершенно подлый, низкий характер, всегда стремящийся использовать других в своих целях». Козима говорила обо мне как о шпионе, который вкрадывается в доверие к другим и исчезает, как только получает желаемое. Вагнер богат на злые выдумки; но что Вы скажете на то, что он обменивался письмами об этом (даже с моими врачами), чтобы выразить свое убеждение, будто мой изменившийся образ мыслей — следствие противоестественных распутств, с намеками на педерастию. — Мои новые сочинения истолковываются в университетах как доказательства моего общего «упадка»; о моей болезни просто слишком много наслышаны. Но это причиняет мне меньше боли, чем то, что мой друг Роде воспринимает их как «холодно-самодовольные» и «вероятно, очень полезные для здоровья». — Наконец: теперь, после публикации Заратустры, придет самое худшее, ибо я своим «священным писанием» бросил вызов всем религиям.
— Ре всегда был по отношению ко мне трогательно скромен, это я хочу Вам прямо признать. — «Прочь из мира в лес! Точка."
Ваш преданный
Ницше
406. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Сегодня я случайно узнал, что означает «Заратустра»: а именно «золотая звезда». Эта случайность сделала меня счастливым. Можно было бы подумать, что весь замысел моей книжки уходит корнями в эту этимологию: но до сегодняшнего дня я ничего об этом не знал. —
Льет как из ведра, издалека доносится музыка. То, что эта музыка мне нравится, и то, как она мне нравится, я не могу объяснить своими переживаниями: скорее, переживаниями моего отца. И почему бы не — ?
Ваш друг Н.
407. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг,
теперь корректура закончена: жму Вам руку! Как хорошо Вы умеете исправлять, и, по правде говоря, не только мои тексты, но и me ipsum — это снова доказало мне Ваше чудесное последнее письмо.
Мне не следовало писать Вам те неприятные вещи: тем более что они совершенно неполны и недостаточны, чтобы объяснить Вам муку и меланхолию этой зимы. Что значат кривотолки обо мне! — так я и сам чувствовал в каждый светлый час. Гораздо тяжелее давили на меня некоторые отвратительно-ужасные факты, о которых я узнал, не имея к ним никакого отношения. Но хуже всего я страдал от скрываемой дуэльной истории, из которой долго не видел иного выхода, кроме своей смерти. — Наконец пришла смерть Вагнера. Что же всё это всколыхнуло во мне! Это было моим тяжелейшим испытанием в отношении справедливости к людям — всё это общение и прекращение общения с Вагнером; и, по крайней мере, в конце концов я пришел здесь к той «индоленции», о которой Вы пишете. Что, конечно, может быть печальнее индоленции, когда я вспоминаю те времена, когда создавалась последняя часть «Зигфрида»! Тогда мы любили друг друга и надеялись на всё друг для друга — это была действительно глубокая любовь, без задних мыслей. —
Теперь, дорогой друг, я хочу посмотреть, как мне снова привести в порядок все мои личные отношения. Моя сестра написала мне из Рима, и в самом примирительном тоне: — в благодарность за это я теперь поеду через Рим.
В остальном я теперь поставил перед своей душой такую точку зрения: чем больше забывают меня, тем лучше будет моему сыну, которого зовут Заратустра. Откуда следует, что мне предстоит еще более скрытая жизнь, чем та, что была до сих пор. Сердечно благодарный
Ваш друг Ницше.
(Я уезжаю в следующий четверг ночью, 3 мая)
408. An Elisabeth Nietzsche in Rom
Моя дорогая сестра,
это была чистая случайность, что твое письмо попало мне в руки, ибо я больше не хожу на почту, как прежде. Но пусть это будет хорошая случайность: и потому я хочу ответить тебе сразу же. Я от всего сердца рад, что ты больше не хочешь вести войну против своего брата. Ко всему прочему, я сейчас достиг той точки, в которой против меня уже нельзя вести войну, если быть «мудрой» и моей сестрой. —
Это была моя самая тяжелая и болезненная зима; если не считать 10 дней, которых мне как раз хватило, чтобы сделать нечто, ради чего все мое тяжелое и больное существование имеет смысл. Я вынес из своего короткого «возвращения к людям» такую сумму отвратительно-ужасных впечатлений, что одно время находил их груз слишком тяжелым. Ну что ж, я уже овладел многим в своей жизни; но в ней было немало сильных преодолений, чтобы оставаться в добрых отношениях с «жизнью вообще» и вычеркнуть свой личный опыт как несущественный при такой общей оценке.
Это я и сделал снова этой зимой: и со временем я приведу в порядок все свои человеческие отношения, которые пока несколько запутаны, — начиная с тебя.
И вот начало: я сейчас еду в Рим. В самом деле, весна приходит поздно, наши прибрежные горы здесь еще носят снежные короны. Так что у меня есть еще месяц.
Пожалуйста, помоги мне найти хорошую комнату, в которой можно как следует отдохнуть, я часто так устаю. К тому же, никто не может сделать для меня достаточно в отношении тишины.
«Вечный город»! Я не питаю к нему добрых чувств и еду в Рим не ради него. Но только не говори об этом почтенной Мейзенбуг! —
Но что это за противоестественное приумножение моих богатств, о котором мне только что пишет Овербек из Базеля? — Что касается пишущей машинки, то она «сломалась»: как и все, что люди со слабым характером некоторое время держат в руках, будь то машины, проблемы или Лу. Но мой здешний врач, базелец, который лечил меня здесь от малярийного гриппа, находит удовольствие в том, чтобы держать ее у себя и «лечить»; и действительно, недавно он показал мне стих, который он сочинил с ее помощью и который начинался так:
«Пишущий шар — вещь, подобная мне, из железа» —
Что же касается «железного»: ты хочешь, чтобы оно стало глиной. Какая мысль! Дорогая Лизбет, чем больше меня забывают, тем лучше для моего сына, которого зовут «Заратустра»: это главная точка зрения — для меня и для тебя.
Мое здоровье довольно поправилось, однако для успокоения нервной системы мне было необходимо 4 месяца, ночь за ночью, принимать снотворное: от которого я теперь хочу отвыкнуть. —
Корректура закончена, так что я могу ехать. Таким образом, я предлагаю выехать отсюда в следующий четверг (третьего мая) ночью: в пятницу в полдень я буду в Риме.
До тех пор дай мне знать.
С сердечнейшей благодарностью
Твой старый брат Фриц.
(NB. Я пишу нашей Мэмс.)
Мои приветы Мальвиде!
Адрес: salita delle Battestine
8 (interno 4)
409. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Уважаемый господин издатель, ведь мое письмо уже у Вас в руках? Я просил в нем гонорар за «Геную»; теперь для этого уже поздно. Также я сделал предложение относительно обложки: однако только что полученное письмо Тойбнера показывает, что Вы его еще даже не уведомили об этом. — Адрес для связи со мной я не в состоянии указать; но чтобы Вы не потеряли со мной всякую связь, я напишу Вам нынешний адрес моей сестры: им Вы можете воспользоваться в случае необходимости.
Рим, via Polveriera 4
(2-й этаж)
Преданный Вам Ницше.
410. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, благодарю тебя сердечнейшим образом за письмо и посылку. Чтобы дать тебе понятие о том, что вместе со здоровьем берет верх и моя человечность (скажем: «добродушие» —), сообщаю, что в четверг я намерен отправиться в Рим с примирительными целями (— глупое путешествие во всех других отношениях!) и что я только что написал своей матери.
Вчера я прочел, что меня цитируют, с некоторым удивлением, ибо я забыл, что говорил такие слова. А именно: «быть добрым немцем — значит отнемечиться». —
Тебе и твоим — сердечный привет
Ф. Н.
411. An Jacob Burckhardt in Basel
Глубокоуважаемый господин профессор,
в последнее время мне не хватает только разговора с Вами! После того как я обрел некоторую ясность относительно «смысла моей жизни», мне бы очень хотелось услышать, как Вы говорите о «смысле всей жизни» (я сейчас больше «ухо», чем что-либо другое —), но лето на этот раз ведет меня не в Базель, а в Рим! Что касается прилагаемой книжечки, скажу лишь одно: когда-нибудь каждый изливает свое сердце, и благодеяние, которое он себе этим оказывает, столь велико, что он едва ли может постичь, как сильно он именно этим причиняет боль всем остальным больше всего.
Я предчувствую, что на этот раз я причиняю Вам еще больше боли, чем это случалось до сих пор: но также и то, что Вы, всегда доброжелательно относившийся ко мне, отныне будете относиться ко мне еще лучше!
Ведь правда, Вы знаете, как я Вас люблю и почитаю?
Ваш
Ницше.
Рим, via Polveriera 4 (2-й этаж)
412. An Gottfried Keller in Zürich
Глубокоуважаемый господин,
в ответ на Ваше любезное письмо и вместе с тем в подтверждение высказанной в нем Вами мысли — что великая боль делает людей красноречивее, чем они есть обычно, —: позвольте предложить Вашему вниманию прилагаемую книжицу, которая носит заглавие
«Так говорил Заратустра».
Странно! Из истинной бездны чувств, в которую меня бросила эта зима, самая опасная в моей жизни, я поднялся в одно мгновение и десять дней пребывал словно под самым ясным небом и высоко над высокими горами.
Плод этих дней теперь перед Вами: пусть он будет достаточно сладок и зрел, чтобы — Вам, избалованному в царстве сладкого и созревшего! — доставить Вам удовольствие!
Сердечно Вас
почитающий
проф. д-р Ницше
Рим, via Polveriera 4 (piano II).
413. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель,
еще несколько слов на скорую руку, прежде чем начнется суматоха с упаковкой! Ибо с Генуей теперь покончено.
Прилагаю 4 письма, которые, прошу вас, не читайте — пардон! — но которые следует вложить в соответствующие авторские экземпляры. Адрес каждый раз указан вверху на первой странице.
Лица, которых вы, согласно моему пожеланию, могли бы на сей раз одарить авторскими экземплярами, следующие:
Господину д-ру Зиберу, библиотекарю
Базельской университетской библиотеки,
в собственные руки
Господину проф. д-ру Овербеку в Базеле
Господину проф. д-ру Якобу Буркхардту в Базеле
Госпоже Мари Баумгартнер в Лёррахе (Баден)
(Тумрингер-штрассе)
Господину государственному секретарю Готфриду Келлеру в Цюрихе
Господину проф. д-ру Роде в Тюбингене.
Госпоже Л. Ротплец в Мюнхене
(Фюрстенштрассе, 13)
Господину барону Гансу фон Бюлову в Майнингене
Господину д-ру Генриху фон Штайну
приват-доценту Берлинского университета
Господину барону Карлу фон Герсдорфу в Острихене близ
Зайденберга (Силезия)
Господину гофрату проф. д-ру Хайнце в Лейпциге
Если вы сможете раздобыть адрес выдающегося датчанина г-на Георга Брандеса, то оказали бы мне большую услугу, если бы пожелали одарить его экземпляром от моего имени.
На экземплярах ничего писать не нужно, за исключением моего римского адреса, и его — на внешней стороне пакетов: то есть каждый раз
Проф. д-р Ницше, Рим
4 via Polveriera
(piano 2)
Снова я доставляю вам эти хлопоты, дорогой господин Шмайцнер! Не обессудьте и оставайтесь благосклонны
к Вашему «автору»
Ницше
414. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин издатель, как Вы поживаете? Шлю Вам из Рима сердечный привет и совершенно надежный адрес, который отныне должен занять место последнего (также и на всех бесплатных экземплярах)
Рим, пьяцца Барберини 56, последний этаж
56 (пятьдесят шесть)
Преданный Вам
Ницше.
415. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой дорогой друг, мне отрадно думать, что ваш господин отец с вами и что он наконец воочию увидел тайну венецианского существования своего сына. Во всех вещах, собственно, всё сводится к этому «видеть воочию»; я тоже очень доволен тем, что отправился в Рим для исправления своих суждений и суждений обо мне, и тем, что был «увиден воочию». Прошедшие осень и зима стали для меня здесь совсем далекими и чужими; многое в них, возможно, было лишь ужасной — галлюцинацией. —
В остальном, для объяснения моего тогдашнего совершенно необычного «чувства нерасположения» могут быть достаточны те электрические «бури», которые в осенние и зимние месяцы привели в изумление всех наблюдателей электрических токов: по времени они совпадают с появлением больших солнечных пятен.
Рим — не место для меня, это твердо установлено. Я принимаю этот месяц как человеческую отраду и отдых. Никогда еще я не жил так хорошо; впервые это было обозначено и воспринято как честь — иметь меня в доме: и, конечно, это была швейцарская семья, которая оказала мне такую честь.
Если бы я захотел сказать, чего мне не хватает, я бы сказал: вашей музыки. Для меня нет более восхитительного вида человеческой отрады и отдыха.
На лето у меня есть проект: наполнить хорошо обустроенный замок в лесу, устроенный бенедиктинцами для их отдыха, собранными вместе дружественными людьми. Я хочу теперь искать себе также новых друзей.
В главном же я придерживаюсь того, что глубокое и строгое одиночество, более глубокое и строгое, чем когда-либо, ждет меня.
Где бы я ни был, дорогой друг, там растет и любовь к вам, и я охотно хочу называться глашатаем вашей музыки. Давайте же оставаться верными и расположенными друг к другу во всех добрых надеждах!
От всего сердца ваш друг Ницше.
Адр.: Roma, Piazza Barberini 56, ultimo piano
416. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
только что я впервые надел белые брюки; как раз пришло время, хотя у нас здесь осталось гораздо прохладнее, чем у тебя (судя по твоему последнему письму, за которое я премного благодарен). На горах, которые мы видим вокруг Рима, еще лежит много снега; это поддерживает климат, более освежающий, чем можно себе представить. Сегодня, собственно, впервые небо пасмурное, воздух необычайно густой и душный.
Носовые платки мне тоже очень пригодились, большое спасибо!
Мои дальнейшие планы и связанный с ними выбор места пребывания доставляют мне много хлопот и головной боли.
Рим сам по себе совершенно мне не подходит; и то, что я основательно это понял, — преимущество этой последней поездки сюда.
С наилучшими приветами
и пожеланиями
Твой Ф.
Если когда-нибудь еще представится возможность что-то прислать сюда, то я прошу тебя о том, в чем я очень нуждаюсь, — о единственном сорте стальных перьев, которыми я могу удобно писать. Я хотел бы сразу большой запас, а именно 2 гросса (это 24 дюжины).
Перо называется
B
S. Roeders Humboldfeder
Berlin
B означает «мягкое»
Их можно заказать напрямую (достаточно: S. Roeder Stahlfederfabrik Berlin) или у продавца писчей бумаги в Наумбурге.
417. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Достопочтенный господин издатель
примите мою искреннюю благодарность за Вашу посылку и, тем более, за Вашу последнюю открытку: я был рад всему, что было в ней сугубо личного, и теперь полагаю, что Вы на своем пути. Возможно, что именно благодаря этому Вы также преодолеете или уже преодолели «издательские затруднения». —
О Заратустре не слышу ни слова. Непостижимо! Жив ли он еще? Или, может быть, Тойбнеры в конце концов его погубили, скажем, из-за его «сильных выражений»?
В присылке французских денег для меня был некоторый юмор: во-первых, потому что тем временем я отправился не во Францию, а в Рим, о чем я тогда, когда писал Вам, еще не помышлял. А во-вторых, потому что Вы теперь вынуждаете меня именно к тому, чего я хотел избежать — а именно: идти к банкиру. Это для меня, при слабости моих глаз и полной неопытности в денежных делах, самое ужасное: меня постоянно обманывают, или я оставляю деньги — короче говоря, я остаюсь в проигрыше и ухожу ни с чем.
Не обессудьте! Я рассказываю Вам это только для того, чтобы Вам было над чем посмеяться.
Адрес по-прежнему: Roma, piazza Barberini 56 ultimo piano
С глубочайшим почтением, также от имени моей сестры
Ницше
418. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Дорогой друг, случай напоминает мне, что я остался должен Вам еще одно слово об Ульфиле в прошлом году. U<lfilas> перевел всю Библию: для Ветхого Завета он использовал Септуагинту. Все готские племена приняли его перевод: он странствовал вместе с ними в Испанию и Италию. Большая часть для нас утрачена; от Ветхого Завета остались лишь фрагменты из Ездры и Неемии и один псалом. —
«Заратустра» — это подлинная, неискаженная форма имени Зороастр, то есть персидское слово. О персах говорится на стр. 81 в середине. —
Тем временем я отправил Вам письмо, но, как мне кажется, забыл сообщить Вам также свой адрес: Roma, Piazza Barberini 56 ultimo piano. —
Я очень взволнован и провожу много времени в веселой компании; как только я остаюсь один, я чувствую себя потрясенным, как никогда в жизни. — А Вы, дорогой друг? —
419. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг,
в отношении выздоровления и восстановления духовно-телесного равновесия Рим был хорошей мыслью и до сих пор себя оправдывал: я везде, и не только у моей сестры, встречал самое любезное доверие — то, в чем я очень нуждался, пусть даже только как в символе и предзнаменовании того, в чем я однажды буду очень нуждаться. Здоровье, правда, в самом буквальном смысле, до сих пор в Риме не улучшилось, и большой город даже противоречит моим потребностям. Для всего того, что предлагает Рим, я слишком мало подготовлен, или, вернее, я уже слишком перегружен подготовкой к другим вещам, чтобы у меня оставалось достаточно свободной воли погрузиться в столь многое чужое и новое. Античная голова Эпикура, как и голова Брута, заставили меня задуматься, равно как и три пейзажа Клода Лоррена. В сущности, однако, я еще не нашел ничего, в чем я узнал бы дух, который говорил бы со мной как с братом и другом, — а вчера я даже видел людей, ползущих на коленях по Святой лестнице!
Надеюсь, тем временем мой Заратустра попал к тебе в руки; я сам уже ничего не знаю о нем с тех пор, как закончилась корректура. Пусть он идет своим путем один! —
Что касается использования ближайших лет, то я в этом больше не пребываю в неведении. Внешним условием для этого является часто уже упоминавшееся в письмах «бегство от мира»: это ясно, и тот, кто желает мне добра, сможет это понять. Это решение стоит мне гораздо больших усилий, чем ты можешь себе представить; и выбор подходящего места почти доводит меня до отчаяния.
Я полагаю, что моя сестра достаточно хорошо осведомлена об истинных мотивах этих ближайших шагов, и прошу тебя, если она будет говорить об этом, верить ей. Переживания прошлого года пошли ей на пользу — а значит, и мне. Мальвида Мейзенбуг — сама материнская доброта ко мне; она желает мне того, чего я сам больше всего желаю, и понимает также пути и способы для этого. (К слову: она хотела бы, чтобы я и Ленбах (художник) подружились ближе)
Мой адрес: Roma, Piazza Barberini 56 ultimo piano: я останусь здесь, вероятно, до самого июня.
Тебе и твоим близким — ибо я полагаю, что уважаемая госпожа Ротплец у тебя — мои и моей сестры самые лучшие приветы.
С благодарностью, твой друг
Ф.Н.
420. An Karl Hillebrand in Florenz
Глубокоуважаемый господин,
прошло несколько лет, в течение которых я хранил молчание по отношению к Вам — труднопостижимые годы, полные самопреодоления и черных волн, из которых я теперь «выхожу на поверхность», не как утопленник, а, как мне кажется, более чем когда-либо полный жизни.
Эта маленькая книга, которую я сим передаю на Ваше милостивое усмотрение, — совершенно внезапное событие, плод десяти совершенно ясных дней этой самой меланхоличной из всех зим. Теперь, когда я знакомлюсь с ней — ибо во время ее создания у меня не было на это времени, а затем я был болен, — она потрясает меня до глубины души, и после каждой страницы я в слезах. Все, что я думал, страдал и на что надеялся, заключено в ней, и таким образом, что моя жизнь теперь кажется мне оправданной. И снова я стыжусь самого себя: ведь я протянул руку к высочайшим венцам, которые человечество может даровать. —
Кто обладает достаточной широтой человечности и знаний, чтобы сказать такому безумцу, каким я сейчас являюсь, то, что он больше всего хочет услышать, — правду, всю правду?
Среди живущих я знаю только Вас и Якоба Буркхардта, кто мог бы оказать мне эту услугу — — поэтому я от всего сердца прошу Вас: сделайте это!
Ведь Вы знаете, как высоко я Вас чту?
Фридрих Ницше.
Рим, пьяцца Барберини 56, последний этаж.
421. An Marie Baumgartner in Lörrach
Тем временем, глубокоуважаемая госпожа, мой «Заратустра» должен был уже дойти до Вас; и, судя по тому, что Вы писали мне в прошлом году о первых его строках (они составляли заключение «Веселой науки»), я могу почти с уверенностью заключить, что этот мой младший и самый любимый сын не будет у Вас чужим.
— Я сейчас в открытом море и требую самого высокого от себя и — для себя. —
С этим связано решение, которое годами приходило, уходило и снова возвращалось, и наконец — теперь!
— застает меня зрелым и достаточно сильным: решение «исчезнуть» на несколько лет.
Но Вы, быть может, думаете, глубокоуважаемая подруга, что я и так был достаточно «исчезнувшим»? — и Ваше последнее чрезвычайно доброе письмо, напротив, выражает желание, чтобы я снова вышел из темных вод одиночества «на поверхность»!
Спросите об этом также моего сына Заратустру: и если при этом потребуется оправдание какой-либо «вины», то он должен будет оправдать и меня!
Я хочу, чтобы мне было так тяжело, как только может быть любому человеку: только под этим давлением я обретаю чистую совесть от того, что обладаю тем, что немногие люди имеют и имели: крыльями — говоря иносказательно.
Оставайтесь ко мне добры, даже когда я «исчезну» и «улечу»!
От всего сердца Ваш друг
Ницше.
422. An Elisabeth Nietzsche in Rom (Postkarte)
Неудачно! Сирокко держал свой пламенный меч над Аквилой. Местность совсем не для меня! —
С сильнейшей головной болью и т. д. вернулся обратно сюда, в Терни. Проливной дождь. Теперь в постель!
Завтра дальше в сторону Швейцарии. Подробностей пока не знаю.
От всего сердца, твой брат (но в полном отчаянии!)
423. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Прибыл в милый Регеннест. Но полон уважения к ухоженным дорогам в широкой округе, которые я только что испытал под проливным дождем. На ходу я много думал о тебе, с самой сердечной благодарностью.
Сейчас я почти содрогаюсь от одиночества: но я уже научился стискивать зубы.
Здесь говорят, что в этом году всегда шел дождь. Комната с печью в Энгадине! — в этом, должно быть, и есть весь юмор ситуации!
Твой верный брат.
424. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Мой дорогой старый друг, на этот раз я посылаю тебе для известий о себе не ужасное письмо (ты, должно быть, уже сыт по горло моими письмами! —), а мою веселую и очень хорошо со мной примирившуюся сестру. С настоятельной просьбой к тебе и твоей достопочтенной супруге отплатить ей той верностью, которую она проявила ко мне в те суровые времена, и с пожеланием, чтобы письмо, отправленное 8 недель назад в Хемниц („Zarath<ustra>“), оказалось в руках фрау Ротплетц, я твой друг
Н.
425. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мать и сестра, этот письмо, как я надеюсь, застанет вас снова вместе; и, быть может, оно придет как раз тогда, когда вы будете говорить обо мне — ну, я думаю, ничего плохого!
Тем временем мне пришлось нелегко. Я прибыл в Энгадин под дождем и изрядно продрог: несколько часов спустя Зильс-Мария был занесен снегом. Я оставался до среды в отеле, к сожалению, мучимый сильной головной болью — благодаря невероятной погоде. Здесь «все время шел дождь» — совсем как мне говорили на Лаго-Маджоре. Местность и весь облик Энгадина мне снова чрезвычайно нравятся, это остается моим любимым краем — но здесь должно стать теплее! Здесь, в своей неотапливаемой комнате, я чувствую себя хуже, чем в самые холодные январские дни на побережье Генуи. К тому же до сих пор (сегодня четверг!) нет моих вещей из Рима.
Люди здесь так добры ко мне и радуются моему возвращению, особенно маленькая Адриенна. В самом доме, где я живу, я могу покупать англ. бисквиты, солонину, чай, мыло и вообще все возможное: это удобно.
Какой-нибудь богатый друг должен был бы построить мне здесь дом из двух комнат: ибо долго жить в этой совсем низкой, беленой комнате я не хочу. Но то, что мне придется еще не одно лето бывать здесь наверху — для меня весьма вероятно.
Вы не можете себе представить, как меланхолично я чувствую себя на равнине. — Здесь, наверху, я больше chez moi. —
А теперь, пожалуйста, пожалуйста: большую посылку с колбасой! Что-нибудь очень хорошее! Также ветчинную колбасу! Разумеется, за мой счет! Но как можно скорее, чтобы я согрелся изнутри.
Как же так вышло, что я не поблагодарил за черный жилет? Он сидит хорошо и был мне очень полезен. Зато мои 4 пары белых брюк — это ирония над этой энгадинской «зимой». —
К счастью, я теперь за 3 года приучен переносить холод.
Настроение у меня хорошее.
Сердечно преданный вам
Фриц.
Записка, которую может прочесть только наша мать: пожалуйста, приобрети от моего имени к 10 июля Якоба Буркхардта, «Чичероне». Новейшее издание.
426. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама
Через час после отправки моего письма пришла твоя посылка: быстрее моя просьба не могла быть исполнена! В самом деле, там было всё, что я хотел — и кое-что ещё. Например, чудесный мёд. Но не будем же пробовать это второй раз! Обычно мёд по дороге вытекает — о чём мне рассказывали ужасные истории. Но сейчас так холодно! Здесь самая настоящая суровая зима: и к тому же очень пасмурно, если не идёт снег или дождь. Отвратительный ветер!
Тем не менее — всё наладится и станет лучше.
Колбаса превосходная, равно как и сладости. Перья — те самые, что нужно, это важное дело!
Скажи же моей Лизбет, что ящики из Рима обошлись мне в 87 франков: а книги при этом так испортились, что я сказал: «ещё два раза, и это будет макулатура».
Оказалось, что я не могу находиться в побелённой комнате — из-за глаз. Поэтому я распорядился, чтобы её перекрасили, причём в зеленоватый цвет.
Всех больных я нашёл здесь выздоровевшими: а старики выглядят скорее моложе, чем 2 года назад. Так, старый пастор 81 года: он этой зимой не пропустил ни одной своей службы и в воскресенье отправляется в самые глубокие горы за много вёрст, чтобы крестить ребёнка.
Сердечно благодарный вам
Ф.
(Позже всё-таки ещё одна посылка с колбасой и ветчиной!)
NB. Я забыл поблагодарить за переписанную рецензию. Это, конечно, самый робкий и скованный способ говорить обо мне. Но принимая во внимание, что так пишет лейпцигский профессор, возможно, стоит признать даже его смелость! — По сравнению с этим бедным народом я, конечно, живу на «седьмом небе» познания!
427. An Carl von Gersdorff in Ostrieben
Мой дорогой старый друг Герсдорф,
тем временем я узнал, что с тобой случилось нечто очень болезненное — потеря матери. Когда я услышал об этом, мне стало настоящим утешением знать, что ты не одинок в этой жизни, и я вспомнил сердечные и благодарные слова, с которыми ты в своем последнем письме ко мне упоминал свою спутницу жизни. Нам в нашей юности пришлось нелегко, тебе и мне — по разным причинам; но было бы прекрасной справедливостью, если бы в зрелые годы нас встретило нечто мягкое, утешительное и ободряющее.
Что касается меня, то позади у меня долгий тяжелый аскетизм духа, который я добровольно взял на себя и который не каждый осмелился бы на себя возложить. Последние шесть лет были в этом отношении годами моего величайшего самопреодоления: при этом я еще не говорю о том, что мне пришлось преодолеть в плане здоровья, одиночества, непризнания и преследований. Довольно, я преодолел и эту ступень моей жизни — и то, что теперь еще осталось от жизни (немного, как я полагаю!), должно теперь полностью и всецело выразить то, ради чего я вообще вынес эту жизнь. Время молчания прошло: мой Заратустра, который будет отправлен тебе в ближайшие недели, пусть откроет тебе, как высоко взлетела моя воля. Пусть легендарный характер этой книжки не введет тебя в заблуждение: за всеми этими простыми и странными словами стоит моя глубочайшая серьезность и вся моя философия. Это начало того, чтобы дать себя узнать — не более того! — Я очень хорошо знаю, что нет никого, кто мог бы сделать нечто подобное тому, чем является этот Заратустра —
Дорогой старый друг, теперь я снова в Верхнем Энгадине, в третий раз, и снова чувствую, что здесь и нигде больше моя настоящая родина и колыбель. Ах, сколько всего еще скрыто во мне и хочет стать словом и формой! Вокруг меня не может быть достаточно тихо, высоко и уединенно, чтобы я мог услышать свои сокровенные голоса!
Я хотел бы иметь достаточно денег, чтобы построить здесь своего рода идеальную собачью конуру: я имею в виду деревянный дом с двумя комнатами; причем на полуострове, который вдается в озеро Сильс и на котором когда-то стоял римский кастеллум. Ибо мне в конечном итоге невозможно жить в этих крестьянских домах, как я делал до сих пор: комнаты низкие и тесные, и всегда бывает какая-то суета. В остальном жители Зильс-Марии очень расположены ко мне; и я ценю их. В отеле Edelweiß, совершенно превосходной гостинице, я обедаю: конечно, один, и по цене, которая не находится в полном несоответствии с моими скромными средствами. Я привез с собой большую корзину книг: и снова все рассчитано на три месяца. Здесь живут мои музы: еще в «Страннике и его тени» я сказал, что эта местность мне «родственна по крови, да даже больше». —
Теперь я рассказал тебе кое-что о твоем старом друге и отшельнике Ницше — сон этой ночью побудил меня к этому.
Оставайся ко мне добр и верен! — мы старые товарищи и многое пережили вместе!
Твой
Фридрих Ницше.
428. An Heinrich Köselitz in Venedig
Как же так вышло, дорогой друг Кёзелиц, что я так долго Вам не писал? — именно так я только что спросил себя. Но я был в это время так неуверен и нерешителен, на мне еще лежало дыхание болезни: вот я и не хотел писать (я, к сожалению, этой зимой написал слишком много писем, которые полны болезни —). Затем у меня кое-что не заладилось: например, попытка найти для себя место для летнего пребывания в Италии. Однажды я пробовал в горах Вольсков, а однажды в Абруццо (в Аквиле). Теперь мне стало удивительно, почему я сейчас каждый год, когда приходит весна, чувствую сильнейшее влечение уехать еще южнее: так в этом году в Рим, в прошлом году в Мессину; два года назад я был готов сесть на корабль до Туниса — но тут началась война. Объяснение, вероятно, в том, что я каждую зиму так страдал от холода (3 зимы без печи!), что с пробуждением тепла во мне просыпается настоящий голод по теплу. — В этом году добавился еще голод по человеческим, я имею в виду гуманным отношениям: и в особенности по «более человечным», чем те, что принесла мне прошлая весна. В самом деле, если я сейчас оглядываю всё: то, что случилось со мной в прошлом году и этой зимой, было самого ужасного и злого рода: и я удивляюсь, что остался жив — удивляюсь и до сих пор дрожу при этом.
— В Риме мне оказали очень много любви и сердечности; и кто был ко мне добр, тот теперь еще больше, чем когда-либо.
О «Заратустре» я сейчас слышу, что он всё еще «не отправлен» и ждет в Лейпциге: даже авторские экземпляры. Это всё «очень важные переговоры» и постоянные поездки шефа alliance antijuive, господина Шмайцнера: тут «издательство должно немного подождать»: так он пишет. Это поистине смешно: сначала христианское препятствие, 500 000 сборников псалмов, а теперь юдофобское препятствие — это всё совершенно «религиозно-основательские переживания».
Мальвида и моя сестра были удивлены, насколько горьким (озлобленным) получился «Заратустра»; я же — насколько сладким. De gustibus и т. д. —
Теперь у меня снова мой любимый Зильс-Мария в Энгадине, место, где я однажды хочу умереть; тем временем он дает мне лучшие побуждения к тому, чтобы еще жить. Я в целом удивительно парящий, потрясенный, полный вопросительных знаков —: здесь наверху холодно, это держит меня в тонусе и укрепляет. —
Я хочу пробыть здесь 3 месяца: но что будет потом? Ах, будущее! - - -
Почти каждый день я придумываю, как мне снова удастся послушать Вашу музыку; мне ее не хватает, я знаю так мало вещей, которые доставляют мне истинное удовольствие. Но Зильс-Мария и Ваша музыка относятся к ним.
Ваше последнее письмо содержало очень прекрасные мысли, за которые я Вас очень благодарю! Вслед за этим я еще раз посмотрел на бюст Эпикура: сила воли и духовность выражены в этой голове в высшей степени.
Близкий Вам и преданный от всего сердца
Ф. Н.
429. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая сестра
теперь и я получил твое письмо, как уже давно получил и наслаждаюсь твоей посылкой из Базеля; и мне хотелось бы иметь что-то, что я мог бы послать тебе в ответ, чтобы быть благодарным не только на словах. Но Зильс-Мария — это своего рода край света; в Наумбурге человек гораздо ближе к «миру»; к сожалению, как я с огорчением узнаю из твоего письма, также и к «злому миру». Пожалуйста, не беспокойся и не волнуйся ради меня снова; я и так не знаю, как загладить свою вину за то, что в последние 12 месяцев мне пришлось стать возмутителем твоего спокойствия.
Хорошо, что мы были вместе в Риме; и пусть я принадлежу к числу людей более молчаливых, ты, должно быть, услышала и угадала достаточно, чтобы знать, как обстоят мои дела. — То, что человек называет своей целью (то, о чем он, по сути, думает день и ночь): это накладывает на его сущность настоящую ослиную шкуру, так что его можно почти до смерти забить — он преодолевает это и идет, как старый осел, со своим старым иа-иа своей старой дорогой. Так обстоят дела у меня сейчас. —
Здесь я снял жилье на 3 месяца: в самом деле, я величайший дурак, если позволяю итальянскому воздуху лишить меня мужества. То тут, то там у меня возникает мысль: что будет потом? (Напиши мне как-нибудь о впечатлении, которое произвел на тебя Лугано.) Мое «будущее» — самая темная вещь на свете; но так как мне еще многое нужно закончить, мне следовало бы думать только об этом завершении как о своем будущем, а остальное предоставить тебе и богам. - - -
Впрочем, настоящее требует — колбас и ветчины: все присланные съестные припасы я съел с величайшей благодарностью к дарительнице, притом с лучшим аппетитом: мой желудок в полном порядке.
Скоро ли твой день рождения? У меня нет ни малейшего представления, июнь сейчас или июль: так живут философы — вне времени. — На случай, если это так, я дал намек нашей доброй матери, который, надеюсь, не опоздал. При любых обстоятельствах я твой верный брат и всегда храню для тебя самые сердечные пожелания.
Твой Ф.
(Пряники мне на этой высоте не идут.)
430. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Только что, моя дорогая Лама, мне сказали, что сегодня 6-е июля: поэтому я спешу отправить почтового голубка, который в подобающий час доставит Тебе мои самые прекрасные поздравления.
«Чичероне» Буркхардта, о желании иметь последнее издание которого Ты когда-то упоминала, по моему поручению должен лежать на Твоем столе в день рождения; это действительно одна из самых достойных обладания книг, и она почти поучительнее, чем пребывание в Риме: для нас обоих эта книга должна стать памятным знаком о многом хорошем, что мы там вместе видели (и не видели) — включая удовольствия иного рода, например, в trattorie.
О последних мне как раз напоминает мой пустой, скучный суп из бобовых: но я приговорен к нему сегодня, потому что мой желудок совершенно ослаб после крайне болезненного двухдневного приступа. Мне, собственно, не хорошо; ибо я переживаю каждое изменение погоды; в частности, до сих пор каждое облако на небе приносило мне головную боль; — из-за близости облаков я даже здесь в этом отношении еще чувствительнее, чем в Генуе. Мораль моего здоровья по-прежнему такова: «там, где ежегодно бывает 200 пасмурных дней, Ты 200 дней нездоров и страдаешь: там, где бывает 40 пасмурных дней, у Тебя есть 320 хороших шансов — чтобы не сказать больше».
К тому же: здесь постоянно какая-то зимушка: я чрезвычайно благодарен за наличие мешка для ног (скажи это нашей дорогой матушке, равно как и мою сердечнейшую благодарность за ее второе письмо!).
Комнату я велел оклеить темными обоями, но она остается холодной и очень низкой! - - -
Но это пустяки; теперь, моя дорогая сестра, главное, совершенно серьезная просьба к Тебе! Ты должна вынудить у Шмайцнера твердое объяснение, устно или письменно, как Тебе будет удобнее, что он незамедлительно отдаст в печать 2-ю часть «Заратустры», как только рукопись попадет ему в руки. Я хочу покончить с этим и освободиться от этого расширения чувств, которое влекут за собой такие произведения: мне часто приходила мысль, что я могу внезапно умереть от чего-то подобного. Пусть он сам решает, когда он хочет выпустить эту вторую часть (точно такого же объема, как первая): но я хочу, чтобы печать была позади, и должен требовать этого: это вопрос здоровья первостепенной важности. Этой весной из-за никчемной медлительности господ Тойбнеров я проболел на 4 недели дольше, чем должен был. За это я готов пообещать Шмайцнеру, что в следующем году от меня ничего не будет печататься: мое намерение теперь — придумывать и разрабатывать лекции, а «текст» для своих лекций брать из самого моего «Заратустры». —
Из всего этого Ты догадаешься, что упомянутая 2-я часть действительно существует: Тебе нелегко составить слишком большое представление о неистовости такого возникновения. Но в этом и заключается ее опасность. — Ради всего святого, уладь это со Шмайцнером; я сам сейчас слишком раздражителен. — Ах, как хорошо, что я могу написать Тебе нечто подобное! —
От всего сердца
Твой брат.
431. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг Овербек! Случай (или почта) распорядился так, что Твое письмо попало мне в руки только 4 июля — а с тех пор я был нездоров. Так я прихожу к Тебе с опозданием, совсем как мой сын Заратустра, который по моей воле должен был представиться моим друзьям еще на эту Пасху: но сначала возникло «христианское препятствие» (те 500 000 сборников псалмов, о которых я, кажется, писал?), а теперь ему снова стоит на пути «антисемитское препятствие». Ибо в самом деле дело обстоит так: господин Шмайцнер недавно сообщил, что «чрезвычайно важные» переговоры и поездки по делам антисемитизма привели к тому, что издательство вынуждено отложить дела, а все экземпляры «Заратустры», включая бесплатные, все еще находятся в Лейпциге! — Браво! Но кто избавит меня от издателя, который считает антисемитскую агитацию важнее распространения моих мыслей? Я здесь даже не хочу говорить с особой гордостью — —
Я узнал по посылке с чаем и бобовыми с сердечной благодарностью почерк Твоей дорогой жены; я доставил ей хлопот! Ах, и мне придется продолжать доставлять ей хлопоты! Во-первых, мне скоро снова понадобится чай (при этой известковой воде нужно вдвое больше, и все равно не получается вкусный напиток: впрочем, я не любитель такого качества, я бы хотел фунт более тонкого чая). Затем: но я лучше напишу как-нибудь скоро прямо Твоей почтенной жене.
Я здесь очень страдал от холода: настоящее счастье, что я благодаря 3 зимам без печей кое-как закалился. Однако эти холодные комнаты сильно влияют на настроение, в Генуе так же, как и здесь. Чувство чуждости миру, чего-то мимолетного, страннического сидит очень глубоко во мне — и, по правде говоря, вряд ли только вследствие великого неудобства моей внешней жизни. Ко мне редко доходит еще теплый тон; и многое из самого лучшего, что согревает сердце другим, стало мне безразлично. Чтобы сказать слово о моем здоровье: я один из самых терпеливых людей и балансирую из одного состояния в другое. Но избыток болезненных, мучительных, по меньшей мере глубоко подавленных дней необычаен: хотя я применяю к себе как к пациенту всю мыслимую осторожность, строгость и самопреодоление. Две вещи кажутся мне неизлечимыми: первая — то, что любая регулярная умственная работа через определенное время (около 2 недель) влечет за собой глубокий упадок, потому что она слишком интенсивна (по времени вовсе нет: тут уже глаза ставят очень определенные границы!). Затем: мое чувство, будь то приятного или неприятного, имеет такие бурные взрывы, что мгновения, в строгом смысле слова, достаточно, чтобы, вероятно, из-за изменения кровообращения, сделать меня совершенно больным (примерно 12 часов спустя это становится очевидным, длится 2—3 дня). Наконец: каждое пасмурное небо глубоко подавляет меня; здесь, наверху, где облака близко, от этого неизбежно возникает даже головная боль. Итак: местности, где бывает 200 пасмурных дней, отнимают у меня 200 дней — и наоборот.
В остальном Энгадин мне дорог и мил, и до середины сентября он должен оставаться таковым. Как бы я хотел видеть Тебя однажды совсем близко, старый дорогой друг!
Ф.Н.
432. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая лама, вот насколько продвинулось моё дело с «Заратустрой», что к концу этой недели я буду готов к отправке готовой к печати рукописи.
Ах, я не могу выразить, как велико удовлетворение, которое я испытываю при этих словах. Тем, что я сделал эту 2-ю часть, уже оправдан весь год, в особенности поездка в Энгадин: и даже поездка в Рим теперь обретает новое значение: это был глубокий отдых в этом римском пребывании; и даже в рассеянности и шуме моей квартиры было нечто полезное, так же как и в косолапости на железной дороге, и в часто испорченном желудке, и в плохих ночах. Всё мешало мне работать и размышлять; и трудно сказать, как тяжело мне оторваться от самого себя. — От этой негативной благодетельности Рима я мог бы теперь перейти к позитивной — но мои глаза в плохом состоянии, и мне ещё нужно писать другое.
При любых обстоятельствах печать должна начаться немедленно! или я порву со Шмайцнером (для чего у меня есть все основания — —)
Пока он считает, что его агитация — более важное дело, чем распространение моих книг и мыслей: для меня величайшее испытание терпения моей гордости — иметь с ним дело. —
Прошлой зимой я всё устроил так, чтобы первая часть «Заратустры» могла быть в руках моих читателей на Пасху: и мне потребовалось величайшее усердие, чтобы устроить это именно так. Потерянные полгода воздействия моих мыслей имеют весьма большое значение, особенно в отношении продолжительности моей собственной жизни. —
То, что il negro всё ещё странствует, мне очень жаль. Херригу буду очень рад.
Письмо к фрау Р<ее> — литературно говоря, твоё лучшее достижение на данный момент; дай бог, чтобы никогда больше не было таких поводов проявить себя литературно! Впрочем, я могу поклясться, что приписанный мне в твоём письме образ мыслей и действий соответствует истине, а не является лишь «красивой краской». Моя жалость победила мою гордость, а намерение помочь — намерение принести пользу себе — (в «Весёлой науке» можно прочесть: «где лежат твои величайшие опасности? — В сострадании.»);
Рее я тоже в этом деле обошёлся слишком хорошо: и примерно 10 писем к нему не отправил (вернее, вместо каждого написал новое — я всё боялся, что он может покончить с собой. В конце концов, он, вероятно, только посмеялся над своим сумасшедшим другом!)
Пожалуйста, приведи в порядок дело со Шмайцнером-Тойбнером. Как только получишь согласие, телеграфируй мне «Да».
Тебе и нашей дорогой матери сердечнейший привет!
Твой Ф.
Со здоровьем снова стало лучше, с тех пор как я ежедневно принимаю кислое молоко, как в Таутенбурге.
433. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг,
я очень тосковал по письму от Вас; и когда позавчера я нашел желанное послание лежащим на моей салфетке за обедом, я подумал, что давно мне не подавали лучшего угощения. В Ваших мыслях звучала Ваша музыка, и это меня освежило — хотя у меня тут же снова разыгрался голод по этой музыке, который теперь кажется неутолимым. По крайней мере, я бы не хотел, чтобы из-за этого Вы накликали холеру на Венецию, чтобы Вам пришлось оттуда бежать! (К числу ужасных воспоминаний моей студенческой поры относится то, что мне пришлось провести ночь с трупом умершего от холеры)
Пожелания на Вашей открытке, которые звучали так таинственно, должно быть, подействовали на меня благотворно — возможно, тем временем исполнилось именно то, чего Вы мне втайне желали.
Не правда ли, дорогой друг? Это общая истина: «второй стих труднее, чем первый стих».
Что ж, второй стих у меня позади — и теперь, когда он готов, меня бросает в дрожь от той трудности, которую я преодолел, даже не задумываясь о ней.
С момента моего последнего письма мне стало лучше и бодрее, и внезапно ко мне пришел замысел второй части Заратустры — а после замысла и рождение: всё с величайшей яростью.
(При этом мне пришла мысль, что я, вероятно, когда-нибудь умру от такого взрыва и расширения чувств: черт возьми!)
Рукопись для типографии будет готова послезавтра, не хватает только последних 5 разделов; и мои глаза ставят границы моему «усердию».
Если Вы прочтете последнюю страницу первого За<ратустры>, то найдете там слова: «— и лишь тогда, когда вы все отречетесь от меня, я вернусь к вам.
Воистину, другими глазами, братья мои, буду я тогда искать своих потерянных; другой любовью буду я тогда любить вас».
Это девиз ко второй части: из него вытекают, что музыканту говорить почти неприлично, иные гармонии и модуляции, нежели в первой части.
Главное заключалось в том, чтобы взлететь на вторую ступень, — чтобы оттуда достичь еще и третьей <имя которой: «Полдень и Вечность»: я ведь уже говорил Вам об этом? Но я настоятельно прошу Вас молчать об этом перед всеми! Для третьей части я хочу дать себе время, возможно, годы —)
Если я теперь снова обращаюсь к Вам с просьбой помочь мне с корректурой — это, по правде говоря, выходит за все границы дружбы и стыдливости: и если Вы не сможете оправдать меня в этом — я сам не смогу!
При этом у Вас остается надежда, что из печати сейчас ничего не выйдет. Возможно, я расстанусь со Шмайцнером: он неприкрыто считает свою антисемитскую агитацию гораздо более важным делом, чем распространение моих мыслей. —
Дайте же мне еще точные сведения о шагах и успехах Вашей партитуры: Вы так долго о ней молчали! И какие есть планы? И что поделывает божественная Навсикая?
От всего сердца Ваш друг
Ницше.
434. An Paul Rée in Flims (Entwurf)
Слишком поздно, почти на год позже, я получаю разъяснения о той роли, которую вы сыграли в событиях прошлого лета: и никогда еще в моей душе не было столько отвращения, как сейчас, при мысли о том, что такой подлый, лживый и коварный субъект мог годами считаться моим другом. Я называю это преступлением, и не только против меня — а прежде всего против дружбы и даже против самого пустого слова «дружба». Фу, сударь! От вас нужно будет остерегаться, и даже не как от порядочного злодея, а как от непорядочного! Значит, это от вас исходит очернение моего характера, а фрейлейн С<аломе> была лишь рупором, очень нечистоплотным рупором ваших мыслей обо мне? Это вы, конечно же, в мое отсутствие, говорите обо мне как о подлом и низком эгоисте, который всегда стремится использовать других? Это вы утверждали, что я под маской идеальности в отношении фрейлейн С<аломе> преследовал грязнейшие цели? Это вы осмеливаетесь высказываться о моем уме, что я сумасшедший и не знаю, чего хочу? Теперь я, конечно, лучше понимаю всю эту историю, которая едва не отдалила меня от самых достойных и близких мне л<юдей>: никто никогда не мог понять, как я мог встать на сторону таких л<юдей>, которые, вероятно, уже повсюду скомпрометировали себя нечестной игрой против меня. Что ж, я полагал, что защищаю своего друга, когда в течение целого ряда лет отстаивал вас и оберегал от недоверия: и у меня было для этого достаточно оснований, так как вы не принадлежите к тем, к кому испытывают доверие. Возможно, за последние 7 лет ничто не стояло у меня на пути так, как именно это — то, что я брал вас под защиту. В самом деле, в деле познания людей я, судя по этому испытанию, не преуспел, и я догадываюсь, сколько насмешек и издевательств вы уже позволили себе по этому поводу в мой адрес. Браво! Но я лучше буду осмеян такими л<юдьми>, как вы, чем буду понимать их. В самом деле, я больше вовсе не понимаю, чего вы хотели от меня и со мной. Р<ихард> В<агнер> однажды предостерег меня от вас и сказал: «он когда-нибудь поступит с вами дурно, у него на уме нет ничего доброго».
После того как вы написали это письмо, не остается никаких сомнений в вашем характере: мы должны поблагодарить фрейлейн С<аломе> за то, что она первой приподняла завесу с этого образа Исиды. — Я же годами считал вас порядочным человеком и в этом пункте защищал вас перед каждым! Плохи дела с моим познанием людей! — нет никаких сомнений: и у вас есть все основания смеяться надо мной.
У меня было бы большое желание преподать вам парой пуль урок практической морали: и, возможно, в лучшем случае я добьюсь того, чтобы раз и навсегда отвадить вас от занятий моралью — —: для этого, мой любезный доктор Рее, нужны чистые руки, а не грязные пальцы!
435. An Georg Rée in Stibbe (Entwurf)
Наше короткое знакомство в Лейпциге должно послужить мне оправданием, когда я пишу Вам сегодня то, чего не желаю писать самому Вашему брату Паулю: что всякое дальнейшее общение между ним и мной ниже моего достоинства. Только теперь, почти год спустя, до меня доходят существенные факты, которые безнадежно компрометируют Вашего брата в моих глазах — после того как я тем временем приложил величайшие усилия, чтобы оправдать его ставшее подозрительным поведение по отношению ко мне и представить его в самом мягком свете. Почти случайно я узнаю об этом сейчас: в прошлом году, как и во время моего пребывания в Риме в этом году, я всегда требовал, чтобы в моем присутствии не говорили об отвратительных событиях прошлого лета. Теперь же я слышу, что вся гнусная клевета, которую мне и моей сестре нанесла фрейлейн С<аломе>, целиком и полностью исходит от Вашего брата: что эта девица была лишь рупором для его мыслей. — До сих пор каждый, с кем я вступал в более близкие отношения, считал это честью и отличием: — я и сам так считаю — об этом я не скажу больше ни слова. — Ваш брат вдоволь выставлял напоказ это свое отношение ко мне: но, как я теперь знаю, за моей спиной действовал как подлый, клеветнический, лживый субъект. Это он говорит обо мне как о низком х<арактере> и подлом эгоисте, который хочет использовать всех только в своих целях: это он упрекает меня в том, что я под маской идеальных целей преследовал грязнейшие намерения в отношении фрейлейн Л<у>; это он осмеливается презрительно отзываться о моем уме, как будто я сумасшедший, который не знает, чего хочет. — Теперь я, конечно, понимаю, почему он писал мне этой зимой, что испытывает по отношению ко мне чувство вины — не вдаваясь в подробности. Я не люблю всех этих скрытных подхалимов, его манера давно вызывала у меня сомнения, но я полагал, что это человек, которого я обязан подталкивать и поддерживать в духовной работе. Однажды в прошлом году я сказал ему: «мы никогда не ссорились, но и никогда не были согласны друг с другом».
И так оно и остается: Ваш брат является позором для меня, как и для Вас, и для Вашей достопочтенной матери: я давно не переживал ничего столь горького.
Под это слово «вина» подпадает прежде всего то, как бесстыдно он лгал мне о фрейлейн С<аломе>: он проповедовал о ней так, словно она слишком хороша для этого мира, мученица познания с детских лет, совершенно бескорыстная, словно она принесла в жертву истине все счастье и все удобства жизни. — Ну что ж, господин Р<ее>, такой ч<еловек> рождается на земле раз в сто лет: и я бы объехал весь земной шар, чтобы познакомиться с ним. Я теперь познакомился с этой девицей и с величайшим упорством пытался удержать хоть последнюю тень того образа, что был у меня о ней. Невозможно! (ее собственная мать предостерегала меня от нее) Я был просто обманут: и всякий раз, когда я высказывал Вашему брату свое весьма строгое суждение о характере этой девицы, думаете ли Вы, что у него нашлось хоть слово оправдания или мягкости для нее? Он всегда говорил только: «Вы полностью правы насчет Лу, но это нисколько не меняет моих отношений с ней». В письме он однажды назвал ее своим роком: quel goût! Эта сухая, грязная, дурно пахнущая обезьянка с ее фальшивой грудью — рок!
Pardon!
Как она сама говорит и думает о Вашем брате — пусть это останется на совести моей осмотрительности. В Лейпциге она никогда не называла его иначе как Dreckel! что меня возмущало.
436. An Louise von Salome in Petersburg (Entwurf)
Глубокоуважаемая госпожа
Я остался должен Вам ответ на опасения, которые Вы выразили в своем письме ко мне, главным образом потому, что эти опасения тем временем сами собой слишком тяжело навязались мне в действительности. Что это было за заблуждение, в которое меня ввели! Мне говорили и писали о Вашей фрейлейн дочери так, словно она почти слишком хороша для этого мира, мученица познания с детских лет, отдающая каждое счастье и каждое жизненное благополучие, да что там — здоровье, ради одного: истины, совершенно бескорыстная и закаленная в долгой школе самопожертвования. Я не хочу говорить о том, каких усилий мне стоило поддерживать даже последнюю тень этого образа и как много мне при этом пришлось забыть и простить. Но еще меньше я хочу высказывать Вам, как матери, какой образ в конечном итоге остался у меня.
Моя сестра и я — у нас обоих есть все основания отметить встречу с Вашей фрейлейн дочерью в календаре нашей жизни черным цветом. То, что мы оба желали ей очень хорошего, не вызывает никаких сомнений. —
С глубочайшим почтением, Ваш покорный слуга
437. An Malwida von Meysenbug in Rom
Моя дорогая, глубокоуважаемая подруга,
или же это нескромно, если я буду так Вас называть? Несомненно то, что я питаю к Вам безграничное доверие: а потому слова не будут иметь большого значения.
У меня было скверное лето, да и сейчас оно такое. Злая история прошлого года снова навалилась на меня; и мне пришлось столько выслушать, что это испортило мне это чудесное уединение на лоне природы и почти превратило его в ад. После всего, что я теперь узнал, ах, слишком поздно! — эти двое, Ре и Лу, не стоят того, чтобы лизать подошвы моих сапог — прошу прощения за это слишком мужское сравнение! Это долгое несчастье, что этот Ре, лжец и подлый клеветник до мозга костей, перешел мне дорогу в жизни. А сколько долгого терпения и сострадания я к нему питал! «Это бедный малый, его нужно подталкивать вперед» — как часто я говорил себе это, когда его убогая и неискренняя манера думать и жить вызывала у меня отвращение! Я не забываю того негодования, которое испытал в 1876 году, когда услышал, что он поедет с Вами в Сорренто. И два года назад это негодование повторилось снова: я был здесь, в Зильс-Марии, и заболел от известия моей сестры, что он хочет приехать сюда. Нужно больше доверять своим инстинктам, в том числе инстинктам сопротивления. Но шопенгауэровское «сострадание» до сих пор всегда было главным источником бед в моей жизни — и поэтому у меня есть все основания быть благосклонным к таким моралям, которые причисляют к нравственности еще несколько других побудительных мотивов и не хотят сводить всю нашу человеческую доблесть к «сочувствию». Это ведь не только мягкотелость, над которой посмеялся бы любой великодушный эллин, — но и серьезная практическая опасность. Нужно проводить свой идеал человека, нужно своим идеалом принуждать и покорять своих ближних, как и самих себя: и тем самым действовать творчески! Для этого, однако, требуется держать свое сострадание в узде и относиться как к врагам к тому, что противно нашему идеалу (как, например, такой сброд, как L<ou> и R<ée>). — Вы слышите, как я себе «читаю мораль»: но чтобы дойти до этой «мудрости», мне пришлось почти поплатиться жизнью. —
Мне следовало бы провести лето с Вами и в том благородном кругу, который Вас окружает: но теперь уже слишком поздно!
От всего сердца преданный Вам и благодарный
Ницше
438. An Ida Overbeck in Basel
Глубокоуважаемая госпожа профессор,
тем временем пришло письмо моего друга Овербека, и я позволяю себе сегодня ответить ему, и поблагодарить! за то, что я пишу Вам, Вам, которой я уже долгое время не отправлял ни одного письма! Будьте рады этому: ибо всё, что я «сочинил» в письмах за последнее время, относится к рубрике: болезнь и меланхолия — да и вещи, о которых мне приходилось рассказывать (или, собственно, даже не рассказывать), были из той сферы бытия, которую лучше всего окутать тайной. Это была моя самая тяжелая и болезненная зима; и переживания, которые сделали её таковой, могли бы за одну ночь превратить человека в «Тимона Афинского». Что с того, что в них нет ничего, чего мне следовало бы стыдиться, и есть многое, что могло бы найти иную оценку и сочувствие, нежели то, которое оно нашло, например, у моих родных! В этом я не нахожу и не находил ни утешения, ни облегчения. Напротив: если бы я сам хоть как-то больше принадлежал к этому роду «действительности», был бы более схож с ним, то я, вероятно, перенес бы всё гораздо легче — — и вынес бы. Но так это навалилось на меня, как безумие; и ничем уже не исправить того, что моему воображению и моему состраданию пришлось теперь около года брести в грязи этого опыта. Я полагаю, что уже вынес больше, в пять раз больше, чем достаточно, чтобы довести нормального человека до самоубийства: и это еще не конец. На беду, в прошлом году мне довелось слышать и угадывать в основном вещи, которые образовывали соответствующую рамку для этих ближайших переживаний; в частности, до моих ушей дошли некоторые образцы бездонного коварства мести (со стороны того недавно умершего великого музыканта Р<ихарда> В<агнера>). Контраст всех этих вещей с душевным состоянием, в котором я жил прошлой весной, был совершенно ужасающим и достаточно сильным, чтобы разбить стекло, которое и без того уже немало выдержало.
Теперь эти дела снова движутся вперед. Моя сестра хочет отомстить той русской — ну что ж, но до сих пор я был жертвой всего того, что она сделала в этом деле. Она не замечает, что не хватает едва ли дюйма до кровопролития и самых жестоких возможностей — а я живу и работаю здесь, наверху, этим летом, как тот, «кто приводит в порядок свой дом». — —
В самом деле, без целей моей работы и неумолимости таких целей я бы уже не жил. В этом смысле мой спаситель жизни называется: Заратустра, мой сын Заратустра! —
Что касается его: то я сделал всё, чтобы он мог появиться у моих друзей на эту Пасху — Остальное — молчание.
Деньги я прошу моего друга прислать сюда. Чаем я обеспечен благодаря моему хозяину, который является комиссионером по женевским делам. Бобовые весьма рекомендуются. — Не могли бы Вы снабдить прилагаемой запиской хорошего пекаря сухарей и попросить друга взять на себя оплату? (В Генуе я плачу за самые лучшие сухари в первоклассной кондитерской 1 франк 60 сантимов за килограмм)
А теперь сердечнейший привет и старая просьба о снисхождении!
Ваш Ф.Н.
Также Вашей матушке самый теплый и благодарный привет и моя просьба о прощении за то, что мое письмо к Вам всё еще — лежит в Хемнице! — Какой теперь её адрес?
439. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf).
Твой брат на самом деле глубоко несчастен: ведь я отправил письмо G<eorg> R<ée>.
Нет, я не создан для вражды и ненависти: и с тех пор, как это дело зашло так далеко, что примирение с ними обоими стало невозможным, я больше не знаю, как жить; я постоянно думаю об этом. Это несовместимо со всей моей философией и образом мыслей — меня угнетает любое возвышенное чувство от того, что я попал в разряд человеческих враждебностей и к таким жалким людям! До сих пор я никогда никого не ненавидел, даже W<agner>, чье вероломство далеко превосходило поступки L<ou>. Только теперь я чувствую себя униженным.
440. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя милая, милая Лама,
только что в письме к Георгу Ре, с которым я познакомился в Лейпциге, я порвал свои отношения с Паулем Р<е>.
Представь себе! Неприятность всей этой истории заключалась для меня в том, что лучшей части фактов я не знал: в то время как они тебе, вероятно, были слишком хорошо известны, так как ты присутствовала при тех сценах, — а я нет! — С Р<е> я бы ни при каких обстоятельствах не смог снова общаться, если картина, которую фрейлейн Саломе нарисовала обо мне, в действительности восходит к нему. Твои два последних письма наконец-то пролили свет! Я не знал даже самого сильного из того, что она судила о самом Ре. Какая помощь это была бы для меня этой зимой! —
С тех пор как это дело снова всплыло, я страдаю от него, как от безумия, и не знаю покоя ни днем, ни ночью. Я думал, что достаточно того, что этой зимой я вынес в пять раз больше, чем нужно, чтобы довести нормального человека до самоубийства. И только теперь мы вступили в кровавую стадию этого дела. Оно превратилось в дуэль в лучшем виде.
Я в первые же пять минут заметил смертельно опасный характер этого дела; и когда я уезжал из Таутенбурга, я был чрезвычайно счастлив, что благодаря большому самопреодолению придал такому делу довольно безобидный оборот (конечно, за мой счет; но я не считал это слишком тяжелым). Что с того, что человеку приписывают нечто как слабость по отношению к девушке! — в этом пункте мужчины и женщины не так уж строги. Но мне казалось достойным меня вместо мести и возмездия работать на пользу того лица, которое плохо со мной обошлось.
В конце концов, в конце концов, моя милая Лама, остался я единственным, «кто плохо себя вел»; — после твоего шага, из которого был сделан вывод, что мои ближайшие родственники не верят в мою «идеальность» в этом деле, все обернулось против меня. —
Пардон! Это должно быть последнее слово в этом деле между нами, последствия которого я отныне буду молча терпеть.
Шмайцнер телеграфировал мне во вторник днем: из чего я заключаю, что все-таки только твое второе письмо привело его в чувство. Для меня совершенно бесценно, что я сейчас еще могу закончить это печатное дело; я как человек, у которого больше нет времени. Итак, еще раз моя самая искренняя благодарность за это благодеяние! —
Что касается моего образа жизни: расскажу тебе как курьез, что с тех пор, как мы не виделись, обед за обедом (кроме тех случаев, когда я был болен) я ел одно и то же (в этот час просто нет ничего другого): а именно: чистый бульон (2 тарелки), бифштекс с горошком (это стоит вместе 2 франка 50 сантимов — что может дать тебе представление о здешних ценах!)
Германия мне невыразимо опротивела. Возможно, я поеду на зиму в Сан-Ремо, где гораздо больше ясных дней, чем в окрестностях Генуи. А это всего лишь на один кошачий прыжок дальше. — Пока я не закончу третью и последнюю часть «Заратустры», жизнь для меня еще не искуплена. Это сугубо конфиденциально!
В верности твой брат.
Два письма к тебе и одно письмо к Паулю Ре, которые я написал тем временем, я не отправил, а разорвал. — Пощади меня, пожалуйста! —
441. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Мой дорогой друг, страх одолевает меня: не больны ли Вы? Или я действительно просил о слишком многом в той просьбе, которую высказал в последнем письме, и причинил Вам боль? (Я желал бы и для второй части «Заратустры», которая сейчас печатается, Вашей помощи в корректуре). Я могу себе очень хорошо представить, что это досадное корригирование стало для Вас смертельно утомительным, и нисколько не «сержусь» на Вас, если Вы скажете мне об этом: — верьте же немного больше в то, что я отношусь к Вам со всей душой и сам себе не хотел бы причинить боль, навязав Вам что-то тягостное. — И затем: я так охотно слушал бы о Ваших работах и планах, если позволено о них слышать? —
Ваш старый друг Ницше.
442. An Ida Overbeck in Basel (Entwurf)
Только что прибыли и сухари: я нахожу их крепкими и мягкими, такими, какими я желаю видеть все вещи — и какого рода было Ваше письмо, за доверие в котором я должен принести Вам свою самую сердечную благодарность. Наконец, я могу даже, к счастью, высказать предположение, что если бы Вы знали дурную историю, «в тени которой я хожу», гораздо точнее, Вы были бы ко мне из-за неё ещё гораздо более расположены. Поверьте же этому слову и не думайте о «слабости» и тому подобном; если я из-за этой истории погибну, то это потому, что я в отношении одной очень естественной черты человеческого сердца, а именно «мести», решительно не хочу уступать, то есть вследствие силы. Не верьте также в рецидивы: к сожалению, речь идёт о пред-шествующем случае, о чём-то новом для меня, о чём я знаю лишь последние три недели и из-за чего пережил адские дни и ночи. Не беспокойтесь также о ложном положении между моей сестрой и мной (правда в том, что все мои доселешние положения по отношению ко всем людям — ложные: она так же или более оскорблена, чем я, и имеет на то полное право), и если она хочет добиться того, чтобы Л<у> снова была отправлена обратно в Россию, то она, если достигнет этого, принесёт больше пользы, чем я со своим аскетизмом. Она в прошлом году была слишком щадящей по отношению ко мне, и поэтому лишь 3 недели назад мне стали известны самые отягчающие факты этой истории, которые она скрыла от меня в Таутенбурге. В Риме я не хотел, чтобы обо всём этом говорили. Письмо к фрау Ре (кстати, женский шедевр), копию которого она мне прислала, пролило для меня новый свет — и принесло новые мучения: доктор Ре внезапно выходит на передний план: переучиваться в отношении человека, с которым годами делил любовь и доверие, — это ужасно, и я хотел бы в этой пустыне высосать из пальца облегчение и утешение.
О Штайнехе я молчал: я снял здесь жильё до середины сентября, велел оклеить комнату обоями и хочу воспользоваться абсолютным одиночеством. Зимой и весной я потерял слишком много времени из-за болезни — это было тифозное состояние, от которого я оправлялся лишь очень медленно. (Странно, до тех пор я никогда не страдал лихорадкой). Ах, если бы Вы знали, какую нужду причиняли мне проблемы, с которыми я сейчас борюсь, и ужасное чувство ответственности на самой вершине познания! Когда в этот часовой механизм сложных представлений и высоких чувств внезапно попадают песчинки и грязь жизни — возникает нечто [вроде] глубочайшего отчаяния. Поверьте мне, если я останусь жив эти 2 года, то это будет достижение первого ранга. К концу сент<ября> я хотел бы закончить большую философ<скую> работу: тем временем усердно печатают второй том моего Заратустры.
У меня однажды была вера, что я нашёл такого человека. Когда я потерял эту веру, это было не разочарование, а то самое разочарование. У меня было самое доброе намерение переделать его по образу, который я себе создал: мне при этом помешали —; кто знает, чего бы я достиг!
Странно! Ещё в одном из своих недавних писем М<альвида фон Мейзенбуг> говорила, что после Ольги она никого не любила так нежно, как Л<у>.
443. An Ida Overbeck in Basel
Милая моя госпожа профессор,
только что прибыли сухари: я нахожу их мягкими и крепкими, именно такими, какими я желаю видеть все вещи — и какого бы рода ни было Ваше письмо, за которое я приношу Вам сердечнейшую благодарность. К счастью, я могу даже высказать предположение, что если бы Вы знали эту скверную историю, в тени которой я пребываю, гораздо точнее, Вы были бы ко мне из-за неё ещё гораздо более благосклонны. Поверьте же этому моему слову и не думайте о «слабости», «слишком человеческом» и тому подобном; и если я даже погибну из-за этой истории, то это случится потому, что я и здесь снова потребовал от себя в десять раз больше, чем обычно делают люди, и остаюсь неумолим к самому себе — то есть из силы, а не из слабости. Не верьте также в «рецидивы»: к сожалению, сейчас речь идёт о «пре-цидивах», о вещах, которые для меня новы и из-за которых я пережил адские дни и ночи: ну что ж, я давлюсь ими — и уже немало в жизни проглотил!
Заметьте же: единственная достойная меня позиция в этом деле — что я её жертва. —
И не беспокойтесь по поводу «ложного положения», в котором я нахожусь по отношению к моей сестре (правда в том, что все мои положения по отношению ко всем людям ложны — кто же меня знает!); у неё в этом деле есть полное право, к тому же она оскорблена не меньше или даже больше меня — и если она хочет добиться того, чтобы фрейлейн С<аломе> снова была отправлена обратно в Россию, то она, если достигнет этого, принесёт больше пользы, чем я со своим аскетизмом, который принципиально хочет отказаться от мести. Мы сейчас очень хорошие друзья, лучше, чем когда-либо. Но перевести её на мою точку зрения? — Зачем?
Моя сестра в прошлом году была слишком снисходительна ко мне: разве не безумие, что самые тяжкие факты этой скверной истории стали мне известны только три недели назад! — в Таутенбурге она скрыла их от меня, а в Риме я требовал, чтобы об этом деле вообще не говорили. Только письмо моей сестры к фрау Ре (между прочим, дамский шедевр письма!), копию которого она мне прислала, пролило мне свет, и какой свет! Д-р Ре внезапно выходит на передний план: переучиваться относительно человека, с которым долгое время чувствовал себя связанным доверием и любовью, так переучиваться — это совершенно ужасно, и я хотел бы выжать из пальцев каплю утешения и отрады посреди этой пустыни. — Возможно, осень принесёт ещё небольшую перестрелку.
О Штейнахе я молчал; я снял здесь жильё до середины сентября, со всем своим скарбом (104 килограмма книг!), велел оклеить комнату обоями и хочу должным образом воспользоваться своим абсолютным одиночеством. Дело в том, что прошлой зимой и весной у меня пропало слишком много времени (из-за болезни: это было тифозное состояние, от которого я оправлялся крайне медленно). Ах, если бы Вы знали, какую нужду доставляют мне проблемы, с которыми сейчас борются мой дух и сердце — это ужасное чувство ответственности на самой вершине познания! Поистине, совершенно не считая всех жалких переживаний и чудовищного одиночества, в котором я живу годами, — то, что сильнее всего удерживает меня в жизни, — это также то, что приносит и должно приносить мне глубочайшие страдания и отчаяние —: ну, следовало бы по справедливости избавить меня ещё от излишних страданий, которые мне ни к чему!
Поверьте мне: если я останусь жив в эти 2 года, то это будет достижение первого ранга.
— Прочтите же на прилагаемом листе «святую Екатерину в Риме» — там идеал, конечно, представлен в средневековом облачении. У меня однажды была вера, что я нашёл человека этого идеала. Когда я потерял эту веру, это было не «разочарование», а — то самое разочарование. Ну, у меня даже было желание переделать человека под тот образ, который я себе создал: — и кто знает, как далеко я бы в этом продвинулся! Но мне помешали. —
Листы из книги берлинского приват-доцента Генриха фон Штейна (это, кстати, нынешний обожатель фрейлейн С<аломе>, то есть мой «преемник» в этом, как и в других вещах).
Странно! Ещё в одном из своих последних писем ко мне Мальвида фон Мейзенбуг писала, что после Ольги она никого не любила так нежно, как фрейлейн Саломе. —
Осенью должна быть готова большая философская работа. Второй том «Заратустры» уже усердно печатается.
Вам и моему другу выражение благодарнейших чувств! Деньги в моих руках.
Ф.Н.
444. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Милая моя сестра,
Твое письмо подействовало на меня благотворно — вещь, которую сейчас редко вызывает у меня какое-либо письмо. Что касается господина Шмайцнера: твоё предположение, вероятно, верно. Взвесив всё, он оказался в ужасном затруднении и был вынужден, волей-неволей, немедленно принять 2-го Заратустру; он сообщил на открытке, что рукопись немедленно отправляется в типографию. Почти смешно, как человека можно заставить делать именно то, чего он меньше всего хочет (а именно: ещё что-то печатать и увеличивать свои долги). В конечном счете, конечно, я тот, кто больше всего от этого страдает: ибо я ясно вижу, к чему это идет — однажды этот добрый эксцентричный малый будет банкротом, и мои сбережения пропадут (по правде говоря: использованные на благо антисемитской агитации — в чем опять-таки заключается ирония судьбы!)
Впрочем, он и как политик терпит неудачи, и я слишком хорошо понимаю его тяжелый вздох в письме к тебе! — Я искренне поздравляю доктора Фёрстера с тем, что он ещё вовремя оставил позади Европу и еврейский вопрос. Ибо горе той партии, которая вынуждена после столь короткого существования уже записать на свой счет такой процесс Тисы! Да, если самая разложившаяся знать в мире, венгерская, принадлежит к партии, то всё потеряно. —
На днях я был несколько расстроен фрау Овербек, которая, конечно, из «самых лучших» побуждений, но всё же неуклюже и нескромно до крайности, написала мне маленькое морализаторское письмо о «слабости», «глупости, человеческом, слишком человеческом» и т. д., с заверением: «я всё ещё не могу убедить себя, что мне пришлось бы всерьез разочароваться в Вас»: наряду с поучением, что «только через ошибки и слабости человек приходит к своим высшим добродетелям». Нельзя сделать ничего глупее, чем жаловаться: человек дискредитирует себя перед своими друзьями и дискредитирует своих друзей.
Я принял это к сведению — но ответил очень любезно, как само собой разумеется (также с замечанием, что мы (ты и я) теперь очень хорошие друзья, возможно, лучшие, чем когда-либо, и что ты, если бы добилась того, чтобы фройляйн С<аломе> была отправлена обратно в Россию, вероятно, принесла бы больше пользы, чем я со своим аскетизмом, который хотел отказаться от всякого возмездия)
Тем временем был один адский день, вследствие которого я пару дней был болен. Я только что пообедал, как хозяин моего отеля сообщает мне: «в три часа приезжает семья Ре, 8 человек». Я не могу описать, что всё пронеслось у меня в голове за следующий час: я побежал на почту, лил проливной дождь, я заказал себе место на следующее утро, я хотел в Базель, наконец, я был вынужден лечь в постель: и, право, я дрожал при каждом звуке в доме. Я совсем не создан для вражды. — В конце концов выяснилось, что во всём виновато недоразумение, похоже звучащее имя. Но я всё же, вследствие этого дня, отправил своё письмо Георгу Ре. —
Здесь уже несколько недель! чрезвычайно холодно, горы глубоко заснежены до самого низа, приезжие недовольны. Я сам очень трудолюбив; когда я выхожу из своей работы к самому себе, я, однако, становлюсь добычей меланхолии — этого не изменить! Я вижу и знаю, как велико моё одиночество; и эта злополучная история отделяет от меня всё больше людей. — Этой весной было также письмо со стороны Овербеков, которое я зарубил себе на носу: он демонстрировал, что я как писатель перешел всякую допустимую меру того, что читатели могут позволить себе терпеть, и не должен удивляться, если люди отвернутся от меня (наряду с замечаниями о том, что моя форма афоризмов даже лучшее терпение в конце концов доводит до отчаяния: примерно таков был смысл.) Раньше он не позволил бы себе всё это сказать, но после этой истории это можно!
В ближайшее время я напишу также нашей доброй матери, чьё вчерашнее письмо меня по-настоящему тронуло. Но до середины сентября я здесь твердо снял жилье и хочу продолжать работать.
Твой брат Ф.
445. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель,
по поводу процесса корректуры я на днях писал Науману; в частности, о том, что рукопись не должна присылаться мне, а всегда господину Кёзелицу. Сделайте всё возможное, чтобы не было никаких задержек и проволочек в духе Тойбнера!
Что касается первого «Заратустры»: то я сделал всё, чтобы он к Пасхе мог оказаться в руках читателей. Полгода раньше или позже — для короткой человеческой жизни, каковой будет моя, это очень много — я не скажу больше ни слова.
Ваш покорнейший
Д-р Ницше.
NB. Первый лист у меня в руках. Следует ли всегда отсылать листы обратно Вам? —
446. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой дорогой друг, боюсь, что произошла какая-то почтовая путаница: до сегодняшнего дня ваши корректуры не попали мне в руки, хотя ваша открытка, отправленная одновременно с первым листом, дошла; а тем временем к вам должны были поступить еще 2 листа. Что делать! Я не доверяю себе в отношении тех тонких мелочей корректуры, которые видит ваш глаз и ваш вкус — да я даже в грубых «крупностях» себе не доверяю.
Ваше письмо снова заставило меня задуматься и быть благодарным за то, какой вы хороший читатель — и как вы читаете не только то, что «между строк», но и то, что должно было бы стоять между ними, но не стоит! Впрочем, посмотрим, что сам Заратустра скажет на ваше письмо; и было бы плохо, если бы ему вовсе нечего было на это сказать.
Ваше замечание о цвете «грозово-фиолетовый» было мне интересно, в той же мере, как и ваши прошлогодние слова о цветах моей «музыки» — sit venia verbo! Также то, что вы говорите о «дополняющих людях», относится к этой области вашего венецианского чувства цвета: я сам мог бы очень хорошо представить себе существа, которые относятся ко всем остальным как избавления, цели и оправдания, — но я не нашел никого подобного. Моя вера в том, что существуют высшие и низшие люди, и много ступеней и дистанций; и необходимо, чтобы высший человек не только стоял выше, но и чувствовал аффект дистанции и временами давал его распознать — необходимо, по крайней мере, для того, чтобы его «высшесть» действовала, то есть делала выше. Если я правильно понимаю первого Заратустру: он хочет обратиться именно к тем, кто, живя в толпе и среди сброда, либо целиком и полностью становятся жертвами этого аффекта дистанции (отвращения, при известных обстоятельствах!) либо вынуждены отбросить его: к ним он взывает, чтобы они бежали на одинокий блаженный остров — или в Венецию. —
Эпикур для меня как раз является отрицательным аргументом в пользу моего требования: до сих пор весь мир заставлял его расплачиваться, и уже с его времен, за то, что он позволил себя перепутать и относился к мнению о себе легко, божественно легко. Уже в последнее время его славы свиньи пробрались в его сады; и к великим ирониям fama относится то, что мы должны верить Сенеке в пользу эпикурейского мужества и высоты духа — человеку, которому в сущности всегда можно верить на слово, но никогда не следует доверять «веру и правду». На Корсике говорят: Seneca è un birbone. —
Только что узнал, что я в очередной раз избежал смерти: ведь некоторое время было весьма вероятно, что я проведу лето на Искье, в Казамиччоле.
Adieu, мой дорогой, дорогой Кёзелиц! В вашей переработке «Sch<erz>, L<ist> und R<ache>» много характера, хорошего характера — браво! bravissimo!
Ваш друг Ницше.
447. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Дорогой друг, Ваш лист I всё-таки дошёл, после блужданий. С листом 4 теперь и M s. будет регулярно доходить до Вас: — для меня это истинное «облегчение души», ибо сегодня, просматривая первые листы, я буквально испытывал перед Вами стыд, ввиду безумно глупых выдумок, которые можно было в них прочесть, благодаря лейпцигским наборщикам и корректорам. «В конце концов друг Кёзелиц подумает, что Заратустра сошёл с ума (или, что было бы хуже, стал лейпцигцем)!» — так говорил я своему сердцу.
Письмо Вам я отправил сегодня утром.
В моей голове снова завёлся не один злой точащий червь.
Ваш друг
Ф. Н.
448. An Ida Overbeck in Steinach am Brenner (Entwurf)
Я хочу лишь сразу же написать Вам еще раз и попытаться исправить то, что я испортил своим последним письмом. Должно быть, это было очень неуклюжее письмо, потому что, во-первых, оно Вас огорчило, а во-вторых, создало впечатление, будто я должен оправдываться. По правде говоря: наставления о морали делают меня нетерпеливым, а выражение «ложная жалость», примененное к глубочайшей боли моей жизни, причинило мне даже боль. Тем не менее, это чувства, которые не задерживаются у меня на 2 дня по отношению к тем людям, в чьем искреннем доброжелательстве я убежден. Я вижу, что на Ваше письмо я написал такие слова: «нет ничего глупее, чем жаловаться: этим дискредитируешь себя перед друзьями и дискредитируешь самих друзей». Однако: эта «мудрость» в нашем случае должна быть неприменима или являться пройденным этапом, не так ли? — Впрочем, вся эта скверная история настолько сложна, что я должен быть благодарен каждому, кто из-за нее еще не разочаровался во мне всерьез.
Мой опыт прошлого года дал мне странное наблюдение: я, долгое время чуждый практической жизни, в 50 случаях 49 раз действую по мотивам, о которых не думают, когда видят, как я действую. Из этого следует, что я почти всегда вызываю недопонимание и чаще всего, в несчастных случаях, становлюсь жертвой своего образа действий. — Но теперь я думаю о жертвах, разочаровании, боли и тому подобном так: важно лишь то, чтобы выдержать это — тогда это мощнейшие стимулы и источники жизни. И что касается этого года, который еще не закончился — я уже сейчас могу сказать, что никогда не чувствовал себя на таких высотах чувств, как в этом жутком году, и что не один час я уже говорил себе: такая боль (это было так, будто меня всеми уязвимыми местами сразу пронзили ножом!) — это высокая награда. Вы, может<ить>, знаете, что я горжусь тем, что <я> в физических мучениях принадлежу к числу М<юдей>, у которых больше всего опыта. У меня тело и душа в таком состоянии, что я могу ужасно страдать и тем, и другим: а что касается души, то в прошлом году я был как человек, который много, много лет не переживал никаких событий: поэтому у меня отсутствовали всякая душевная оболочка и всякая естественная защитная мера.
Меня ужасным образом оболгали, использовали, высмеяли, задели мою честь — в этом теперь нет сомнений. Если мои друзья возмущаются этим и ищут сатисфакции у злодеев, то это в порядке вещей: это я называю «добрым правом моей сестры». Беда в том, что все эти враждеб<ные> меры направлены против людей, которых я любил и которых, может<ить>, люблю до сих пор: по крайней мере, я в любой момент готов отбросить весь этот ворох оскорблений и причиненного мне вреда, если бы знал, что действительно могу им помочь.
Поскольку в этом деле вообще снова предпринимаются действия (я настоятельно просил свою сестру оставить это), я вынужден действовать вместе с сестрой; ведь в прошлом году со стороны семьи Р<ее> ее бросили в беде, так же как и меня. Под впечатлением от нескольких возмутительных деталей, о которых я узнал на год позже, я написал Георгу Р<ее>, владельцу поместья в Штиббе, фульминантное письмо. Он пригрозил мне в ответ судебным иском об оскорблении — а я в ответ пригрозил кое-чем другим. Теперь посмотрим, что будет дальше.
Лу — что касается мощной энергии воли и оригинальности духа — существо первоклассное, и так же в отношении подлинной гениальности дарования; что касается моих личных интересов, у меня [—] «ее бесконечно жаль», эти слова здесь уместны: — По своей практической морали она, может быть, должна быть в тюрьме или сумасшедшем доме: — В пользу Рее и того, что его отличает, может говорить то, что М<альвида> фон М<ейзенбуг> годами почитала его как лучшее выражение человечес<кой> доброты.
449. An Ida Overbeck in Steinach am Brenner
Моя дорогая госпожа профессор,
я хочу сразу же написать Вам еще раз напрямую и попытаться исправить то, что я испортил своим последним письмом. Должно быть, это было очень неуклюжее письмо, потому что, во-первых, оно Вас опечалило, а во-вторых, создало впечатление, будто мне нужно оправдываться. По правде говоря: наставления в морали вызывают у меня нетерпение, а выражение «ложная жалость», примененное к глубочайшей боли моей жизни, причинило мне даже боль. Но это чувства, которые не задерживаются у меня дольше двух дней по отношению к людям, в искреннем доброжелательстве которых я убежден. Впрочем, вся эта скверная история настолько сложна, что я высоко ценю, если кто-то из-за нее «все еще не разочаровался во мне всерьез» — как бы сильно я ни осознавал противоположное, о чем уже писал в своем письме, осознание того, что во всем своем практическом поведении по отношению к людям я никогда не желал высшего и никогда не действовал возвышеннее. Что касается моей сестры, то я ни в прошлом году, ни в этом не оставлял сомнений в том, чего я хочу; но когда люди не живут вместе, случается многое, последствия чего приходится признавать, когда уже невозможно повернуть время вспять. Я, конечно, жаловался Вам не на свою сестру, а на фатализм того, что все, что она сделала в этом деле — причем ради спасения и восстановления моей чести (включая ее собственное удовлетворение) — оборачивается против меня. Когда я как раз закончил своего второго Заратустру (к слову: ни в один год я еще не достигал таких высот чувств и, вероятно, поэтому являюсь самым завидным из всех смертных), я совершенно неожиданно получил ее письмо к госпоже Р<е> вместе с некоторыми деталями всей этой истории, которые настолько меня возмутили, что я написал фульминантное письмо помещику Ре, брату моего бывшего друга. Тот в ответ пригрозил мне судебным иском об оскорблении: а я в ответ пригрозил кое-чем другим. Теперь посмотрим, как дело пойдет дальше. — Моя сестра написала мне напоследок, что скрыла от меня те вещи в прошлом году из жалости; и, в самом деле, возможно, было действительно необходимо вводить мне это разочарование, растянувшееся на годы, по капле и постепенно — вероятно, в противном случае я бы уже не жил. Прошлой весной я был подобен человеку, который много, очень много лет ничего не переживал извне; моей душе, так сказать, не хватало кожи и всех естественных защитных механизмов. То, что я пережил с тех пор, настолько мучительно сложно, что мне кажется, будто нож был вонзен во все вообще уязвимые места во мне.
А теперь еще слово о фрейлейн С<аломе>. Совершенно отвлекаясь от идеалистического освещения, в котором мне ее представили (как мученицу познания чуть ли не с детских лет и еще более героиню, чем мученицу), она остается для меня существом первого ранга, о котором вечно жаль. Согласно энергии ее воли и оригинальности ее духа, она была создана для чего-то великого: по своей фактической морали она, конечно, скорее принадлежит тюрьме или сумасшедшему дому. Мне ее не хватает, даже с ее дурными качествами: мы были достаточно разными, чтобы из наших бесед всегда выходило что-то полезное, я не встречал никого столь свободного от предрассудков, столь проницательного и столь подготовленного к моему роду проблем. Мне с тех пор кажется, будто я осужден на молчание или на гуманное лицемерие в общении со всеми людьми. —
Попросите же друга Овербека, чтобы он не оставлял свою прекрасную мысль о встрече в Шульсе. А Вы сами, моя дорогая уважаемая госпожа профессор, оставайтесь ко мне добры и — увереннее!
Всего самого наилучшего!
Сердечно Ваш
преданный — Ницше
Мы на 4-м листе Заратустры II. Печатник — Науман: первую часть Тойбнер не выпускает, вероятно, потому что г-н Шм<айцнер> не может оплатить свои долги. —
450. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner (Entwurf)
Я хочу и тебе, дорогой друг, написать еще несколько искренних слов, как я недавно сделал это для твоей жены. У меня есть цель, которая вынуждает меня продолжать жить и из-за которой я должен справляться даже с самыми болезненными вещами: без этого принуждения, которое довлеет надо мной, я бы отнесся к этому легче — а именно, давно бы уже не жил. И не только каждый, кто видел мое состояние вблизи этой зимой, понял бы это и имел бы право сказать: „Облегчи же себе жизнь! Умри!“, но и раньше, в ужасные годы физических страданий, со мной было так же. Даже мои генуэзские годы — это длинная-длинная цепь самопреодолений, и совсем не в духе кого-либо из людей, которых я знаю. Итак, дорогой друг, „тиран во мне“, неумолимый, возможно, и на этот раз позволит мне одержать победу (что касается телесных мук — по их продолжительности, интенсивности и многообразию я могу причислить себя к самым опытным, испытанным и победоносным среди людей). И поскольку мой образ мыслей таков, он требует даже абсолютной победы: а именно, превращения пережитого в золото и пользу высшего порядка. Пока же я все еще являюсь воплощенной борьбой: читая призыв твоей дорогой жены, у меня было такое впечатление, будто кто-то призывает старого Лаокоона преодолеть своих змей. Прошу прощения!
Мои „родственники“ и я — мы слишком разные: они не знают точно, что мне нужно. Мера, которую я счел необходимой зимой — больше не получать писем из дома, — однако, больше не может поддерживаться. Но я все еще кровоточу от каждого презрительного слова, написанного против Ре или фрейлейн С<аломе> — я не создан для вражды, в то время как моя сестра недавно написала мне, что это, мол, „свежая, веселая война“.
Я применил самые сильные отвлекающие средства, которые знаю, и, в частности, воззвал к своей высшей и тяжелейшей продуктивности. (Тем временем снова готов набросок к „Морали для моралистов“). Но извне мне ничто не идет навстречу: наоборот, словно все сговорилось удержать меня в моей бездне: так, ужасная прошлогодняя зимняя погода, какой побережье Генуи едва ли знало, так и снова это холодное пасмурное лето без солнца. Неудача Кёзелица прошлой осенью глубоко ранила меня; смерть В<агнера> же была, пожалуй, самой ужасной сложностью этой зимы, в силу обстоятельств, о которых я не могу говорить. Затяжная нервная лихорадка дала мне понятие о глубоком потрясении моего существа — ведь у меня вообще до тех пор никогда не было лихорадки, и я считал себя неспособным к ней).
Подумай же о том, чтобы найти что-то абсолютно отвлекающее: я натура настолько сконцентрированная, что теперь требуются крайние и экстремальные средства, чтобы отвлечь меня. Опасность велика. Должен ли я предпринять переезд в Мексику?
451. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner
Мой дорогой друг Овербек,
я хочу и Тебе написать несколько искренних слов, как я недавно сделал это для Твоей глубокоуважаемой супруги. У меня есть цель, которая принуждает меня жить дальше и ради которой я должен справляться даже с самыми болезненными вещами. Без этой цели мне было бы легче — а именно, давно уже не жить. И не только в эту зиму всякий, кто увидел бы и постиг мое состояние вблизи, мог бы сказать мне: «облегчи же себе участь! Умри!» — но и раньше, в ужасные годы физических страданий, со мной было то же самое. Даже мои генуэзские годы — это длинная-длинная цепь самопреодолений ради той цели, а не по вкусу какого-либо человека, которого я знаю. Итак, дорогой друг, «тиран во мне», неумолимый, хочет, чтобы я и на этот раз победил (что касается телесных мук, по их длительности, интенсивности и многообразию, то я могу причислить себя к самым опытным и испытанным людям: неужели мой жребий таков, что я должен быть им и в отношении душевных мук?) И каков бы ни был мой образ мыслей и последняя философия, мне необходима даже абсолютная победа: а именно, превращение пережитого в золото и пользу высшего ранга. — —
Пока что я, конечно, все еще воплощенная борьба: так что при недавних призывах Твоей дорогой супруги у меня было примерно такое впечатление, будто кто-то призывает старого Лаокоона преодолеть своих змей.
Мои родные и я — мы слишком разные. Меру, которую я счел необходимой этой зимой — больше не получать писем оттуда, — однако, невозможно поддерживать (я недостаточно тверд для этого). Но каждое презрительное слово, написанное против Ре или фрейлейн С<аломе>, заставляет мое сердце обливаться кровью; кажется, я плохо создан для вражды (в то время как моя сестра в последний раз писала мне, чтобы я был в хорошем настроении, ведь это «свежая веселая война»)
Я применил самые сильные отвлекающие средства, какие знаю, и, в частности, апеллировал к высшей и тяжелейшей собственной продуктивности. (Тем временем набросок к «Морали для моралистов» стал готов) Ах, друг, я ведь старый искушенный моралист практики и самообладания, я здесь упустил не больше, чем, скажем, этой зимой при самолечении от нервной горячки. Но извне меня не поддерживают; напротив, кажется, будто все сговорилось удерживать меня в моей бездне: — и ужасная прошлогодняя зимняя погода, какой побережье Генуи едва ли знало прежде, и снова это холодное, пасмурное, дождливое лето.
Но опасность велика. Я слишком сконцентрированная натура, и все, что меня задевает, движется к моему центру. Несчастье прошлого года так велико лишь по отношению к господствующим надо мной цели и задаче; я стал и остаюсь ужасно сомневающимся в своем праве ставить перед собой такую цель — чувство моей слабости охватило меня в момент, когда все, все, все должно было придать мне мужества!
Подумай же, любезнейший друг Овербек, о том, чтобы найти что-то абсолютно отвлекающее! я думаю, сейчас нужны крайние и экстремальные средства — Ты не можешь себе представить, как день и ночь это безумие неистовствует во мне.
То, что в этом году я придумал и написал свои самые солнечные и безмятежные вещи, на много миль выше меня и моих страданий: это, собственно, относится к самому удивительному и труднообъяснимому, что я знаю.
Мне, насколько я могу рассчитать, необходимо прожить еще следующий год — помоги мне в том, чтобы я продержался еще пятнадцать месяцев.
Если для Тебя хоть как-то возможно осуществить мысль о встрече в Шульсе: то дай мне знак — я буду Тебе крайне благодарен уже за одно это предложение.
Преданный Тебе
Ницше.
452. An Heinrich Köselitz in Venedig
Откуда, дорогой друг, у Вас только берутся все эти дивные эпикурейства? Я имею в виду не только эпикурейские слова, но и всё то, что веет от воздуха и аромата сада Эпикура, что доносится до меня из каждого Вашего недавнего письма. Ах, я так нуждаюсь в подобном — включая и этот божественный трюк «избегать толпы». Ибо, по правде говоря, я почти раздавлен. — Но я хочу поговорить о другом.
Судьба Искьи потрясла меня еще сильнее; и помимо всего того, что касается каждого человека, есть в этом нечто, что затрагивает меня лично, каким-то особым, жутким образом. Этот остров так занимал мои мысли: когда Вы дочитаете «Заратустру II» до конца, Вам станет ясно, где я искал свои «блаженные острова». «Купидон, танцующий с девушками» понятен сразу только на Искье: (искитанки говорят «Купедо»). Едва я закончил свою поэму, как остров рухнул. — Вы знаете, что в тот час, когда я закончил первый «Заратустр<а>» в рукописи для печати, — умер Вагнер. — В этот раз я получил в соответствующий час известия, которые возмутили меня настолько, что этой осенью, вероятно, будет дуэль на пистолетах. Silentium! Дорогой друг! — —
Тем временем я сделал наброски к «Морали для моралистов» и во многих пунктах привел себя в порядок и расставил всё по местам. Постоянное бессознательное, непроизвольное совпадение и взаимосвязь мыслей в пестрой массе моих новых книг вызвали у меня изумление: от себя не убежишь, поэтому нужно осмелиться дать себе волю. —
Признаюсь, чего бы я сейчас очень желал — чтобы кто-нибудь другой сделал своего рода резюме моих мыслительных результатов и сопоставил меня самого с прежними мыслителями. Я жажду, из истинной бездны незаслуженного и весьма обширного презрения, в которой пребывают все мои дела и стремления с 1876 года, услышать «слово мудрости» о себе.
Листы «Заратустры» не пришли — я не хочу писать Шм<айцнеру>; я думаю, что у него дела идут неважно из-за этих антисемитских изданий. От первого «З<аратустры>» еще ни один экземпляр не вышел в свет; насколько я понимаю и догадываюсь, Тойбнер не выдает экземпляры, потому что Шм<айцнер> не может выплатить ему свои долги. Silentium! Прошу!! —
Я хожу, насколько я не болен (или наполовину безумен, что тоже случается), с мыслями о речи, которую хочу произнести осенью в Лейпциге в университете: «Греки как знатоки людей» — вот тема. Я ведь сделал первый шаг к тому, чтобы иметь возможность читать там в университете лекции — сначала, на 4 семестра, описание «греческой культуры» — для чего я здесь сделал себе набросок. Silentium в третий раз! —
Тем временем может произойти всё что угодно. Ах, друг, куда делся тот месяц Sanctus Januarius!!! С тех пор я словно приговорен к смерти, и не просто к смерти, а к «умиранию».
Будьте здоровы! Кто сейчас так близок мне, как Вы?
Ваш Ницше.
453. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая сестра,
я пишу сразу же после получения твоего письма, которое вновь заставляет меня в полной мере осознать твои доброжелательные по отношению ко мне намерения. У меня в голове всё идет кувырком, я, вероятно, совершаю одну несправедливость за другой, творю одну чертовщину за другой <an>, добиваюсь при любых обстоятельствах того, что сам страдаю при этом в десять раз больше, чем кто-либо другой, — и ежедневно желаю каким-нибудь образом избавиться от этого. Я очень рад, что разорвал несколько писем к тебе — порождений ночи; но всё же одно письмо к нашей матери ускользнуло от меня, которое относится к тому же роду. Плохо то, что, совсем как прошлой зимой, стоит для меня лично в высшей степени неблагоприятная исключительная погода: я в буквальном смысле при пасмурном небе и надвигающихся тучах другой человек, желчный и очень злой по отношению к себе, порой также и к другим. (Заратустра I и II — порождения света и ясного неба, так же как и Sanctus Januarius. Кто судит обо мне по таким вещам, судит обо мне в сто раз слишком благосклонно, à la Кёзелиц.) Мой настоящий рецепт поэтому по-прежнему называется долина Оахака в Мексике, в которой в году около 33 пасмурных дней, в остальном же день и ночь чистое безоблачное небо, как в Энгадине, погода, ок. 220! в то время как в Зильсе в году 80 ясных дней. (высота такая же, как здесь, это швейцарская колония, цены необычайно низкие)
С другой стороны, мне пошло бы на пользу немного преподавания: только у меня ужасные воспоминания именно о Лейпцигском университете — я из этих мерок чувств и суждений почти смехотворным образом вырос — или как ты это назовешь. Будущее человечества — думать об этом мое единственное утешение, настоящего я больше не хочу видеть и слышать, оно душит, давит, мучает меня, оно делает меня бедным и малодушным — — Меньше всего, однако, я мог бы сейчас сыпать лекциями как из рукава, старыми еще меньше, чем новыми. Моя самая общая точка зрения заключается в том, что в следующем году я здесь, наверху, закончу своего «Заратустру» — мысль о том, каким он мне представляется, заставляет меня почти кружиться, задача невероятно сложна и пока что далеко выходит за пределы моих сил.
Исходя из этого, я хочу прожить эту зиму, сделать себя по-настоящему светлым, спокойным и твердым и подождать, смогу ли я это выполнить.
С Овербеком я наметил скорую встречу в Скуоле. В сентябре я хочу уехать отсюда; и если вы будете очень меня зазывать, то я всё же приеду в Наумбург (обещать не хотел бы, это зависит от моего плохого здоровья, соответственно, от погоды). Мне нужно иметь вокруг себя жизнерадостных людей, за неимением ясного неба. И чтобы меня немного почитали, а не оскорбляли и не подозревали.
Сердечно благодаря
Твой Ф.
Я хочу оставить свои книги на следующее лето прямо здесь, наверху, в своей комнате.
454. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner (Postkarte)
Великолепно, дорогой друг! И примите мою самую искреннюю предварительную благодарность! Итак, в тот же вечер я прибуду с Вами в Скуоль; для остановки предлагаю Piz Chiampatsch: — дом, который Вы упомянули, здесь считается закрытым. Постарайтесь же сделать так, чтобы мы смогли провести вместе 3—4 дня; небо знает, а может, даже и не знает, когда мне снова выпадет такая радость! Сегодня я поднялся после тяжелого приступа. По-прежнему совсем один; впрочем, меня навестил мой «лейб-медик», доктор Брайтинг из Генуи, — что было необходимо.
От всего сердца преданный Вам и Вашим почтенным близким
Н.
Поблагодарите Вашу милую супругу за очень любезное письмо!
455. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
«Прочь, овцы, прочь!»
Пастись, овцой больною,
В тиши, под сенью хвоею,
Я в мыслях лишь мечтал.
Но лето пролетело;
И лама, и змеи тело
Уносят мой идеал.
Песня разбойника
Уснули все дубравы,
Спят сторожа и травы,
И скот в ночной тиши.
А ты, душа, проснись же,
Кричи, кричи потише:
«Кошелёк! Ou la vie!»
Судебный процесс
Пред видом крови алой
Еврей дрожит усталый,
Ему не по нутру.
Он лучше шлёт монеты
Своим адвокатам в сметы,
Пока так — «честь в миру».
Предание себя Богу
Пусть лама лишь фырчит,
Из кислых ягод, глядишь,
Вино созреет в срок.
Любви залог нежданный —
То мелкий спор незваный,
Иль даже — впрок урок!
456. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Сожгите же, дорогой Кёзелиц, мое последнее письмо, как и те зимние письма, и сотрите также след от него, если возможно, из Вашей памяти. Мне тяжело; но кто дает мне право делать от этого тяжело Вам! Тем более, что Вы — один из лучших облегчителей моей жизни и моих мыслей! — Завтра я встречаюсь с Овербеком, чтобы посовещаться (конечно, лучше было бы «поколесить»); мне слишком не хватает ясного неба, доверия людей и Вашей музыки —!
Приношу свою глубочайшую благодарность за Ваши безупречно хорошие правки!
От всего сердца
Seneca exul.
(Я остаюсь в Зильс-Марии до конца августа.)
456a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Entwurf)
Должен ли я вечно расплачиваться за то, что снова примирился с тобой? Я сыт по горло твоим нескромным морализаторством.
И совершенно ясно, что ты, и никто другой, за 12 месяцев трижды подвергал мою жизнь опасности!
Такому человеку, как я — разрушить его высшую деятельность! Я еще никого не ненавидел, кроме тебя!
457. An Heinrich Köselitz in Venedig
Как же мне было приятно получить Ваше письмо, друг венецианец! — это я называю «чтением лекций о греческой культуре» перед тем, кто в них нуждается, — а не перед лейпцигскими студентами et hoc genus omne! Любопытная опасность этого лета для меня — чтобы не побояться дурного слова — безумие; и как прошлой зимой я, вопреки всяким ожиданиям, слёг с настоящей долгой нервной горячкой — я, у которого никогда не было лихорадки! — так могло бы случиться и то, во что я также никогда у себя не верил: что мой рассудок помутится. Меня целый год травили родом чувств, от которых я с самым добрым намерением отрёкся и над которыми, в их грубой форме, я действительно полагал, что одержал верх: чувствами мести и «ressentiment’ами». — И при этом мои влечения и намерения запутались и стали лабиринтообразными: так что я часто не знаю, как из них выбраться. — Мысль о лекциях в Лейпциге была мыслью отчаяния, — я хотел отвлечения посредством сильнейшей ежедневной работы, не будучи, собственно, отброшенным к своим последним задачам. Но мысль эта уже отброшена: и Хайнце, нынешний ректор университета, налил мне чистого вина, сказав, что моё прошение в Лейпциге провалится (да и, пожалуй, во всех немецких университетах); факультет не осмелится представить меня министерству — из-за моей позиции по отношению к христианству и представлениям о Боге. Браво! Эта точка зрения вернула мне мужество.
Даже первый отзыв о первом Заратустре, который мне прислали (от христианина и антисемита, и, как ни странно, возникший в тюрьме), придаёт мне мужества, поскольку и там сразу же популярная позиция, единственная, которая может быть понята во мне, а именно моя позиция по отношению к христианству, понята хорошо и остро. «Aut Christus, aut Zarathustra!» Или по-немецки: речь идёт о старом, давно обещанном Антихристе — так чувствуют это читатели. Там все защитники «нашего учения о Спасителе мира» торжественно призываются («препояшьтесь мечом духа святого»!!) против Заратустры: и затем говорится: «Если вы победите его, то он станет вашим и будет верен, ибо в нём нет лжи; если же он победит вас, то вы утратили свою веру: это та епитимья, которую вы должны заплатить победителю!»
Здесь, дорогой друг, как бы смешно это Вам ни показалось, я впервые услышал извне то, что долго слышал и знал изнутри: я один из самых страшных противников христианства и изобрёл способ нападения, о котором даже Вольтер не имел понятия. — Но это Вас, «слава Богу!», не касается.
Кому я завидую, так это Эпикуру, его ученикам в его саду; да, там можно забыть благородную Грецию, и там можно было бы даже забыть неблагородную Германию! И отсюда мой гнев, с тех пор как я в самом широком смысле понял, какие жалкие средства (умаление моей репутации, моего характера, моих намерений) достаточны, чтобы лишить меня доверия и, тем самым, возможности иметь учеников. «Ради славы» я не написал ни одной строки, это Вы, надеюсь, мне верите: но я полагал, что мои сочинения могли бы стать хорошей приманкой. Ведь в конце концов: влечение к преподаванию сильно во мне. И постольку мне даже нужна слава, чтобы у меня появились ученики — тем более что после последнего опыта положение в университетах невозможно. — Я провёл пару дней с Овербеком — пару чистых, залитых солнцем дней, в которые много думали и о Вас!
Ф. Н.
Вашим словам об Эпикуре, как и прежним о Сенеке, я не могу противопоставить ничего — по знанию предмета.
458. An Franz Overbeck in Steinach am Brenner
Дорогой друг
разлука с тобой ввергла меня в глубочайшую меланхолию, и всю обратную дорогу я не мог избавиться от злых черных чувств; среди них была настоящая ненависть к моей сестре, которая целый год своими неуместными молчаниями и неуместными речами лишала меня успеха моих лучших попыток самопреодоления: так что в конечном итоге я стал жертвой беспощадного чувства мести, в то время как именно мой сокровенный образ мыслей отказался от всякой мести и наказания: — этот конфликт во мне шаг за шагом приближает меня к безумию, я чувствую это самым ужасным образом — и я не знаю, каким образом поездка в Наумбург могла бы уменьшить эту опасность. Напротив: могут наступить ужасающие моменты — и та долго питаемая ненависть может проявиться в словах и делах: при этом я в гораздо большей степени оказался бы жертвой. Писать письма моей сестре сейчас тоже не рекомендуется — за исключением писем самого безобидного содержания (в последний раз я отправил ей письмо, полное забавных стишков). Возможно, мое примирение с ней во всей этой истории было самым роковым шагом — я теперь вижу, что она благодаря этому поверила, будто получила право на свою месть фрейлейн С<аломе>. — Прошу прощения! После нашего согласия относительно сомнительности лейпцигского плана мне было поистине приятно обнаружить письмо Хайнце, которым все это дело — шаг отчаяния с моей стороны — было завершено. Я прилагаю к письму его послание, а также первый публичный отзыв о «Заратустре I»; как ни странно, последний был написан в тюрьме. Что доставляет мне удовольствие, так это видеть, что уже этот первый читатель имеет представление о том, в чем здесь дело: о давно обещанном «Антихристе». Со времен Вольтера не было такого покушения* на христианство — и, по правде говоря, даже Вольтер не имел понятия о том, что его можно атаковать так. — Что касается «Заратустры II», то Кёзелиц пишет: «З<аратустра> действует невероятно сильно; однако было бы дерзостью пытаться высказываться о нем уже сейчас: он сбил меня с ног, я все еще лежу на земле». — Ты понимаешь! Тем временем, пока я был с тобой, мой старый школьный друг Круг хотел нанести мне визит (он «директор королевского управления железнодорожных перевозок в Кёльне», как написано на его визитной карточке)
Письмо Кёзелица содержит слова об Эпикуре (как раньше о Сенеке), которым я не нашел бы равных по глубочайшему знанию сути и людей в этой философии: он намекает, что у него есть «личные филологи», которых он гоняет в библиотеку, чтобы те просматривали отцов церкви и других писателей на предмет упоминаний об Эпикуре. Каким благом было иметь тебя и твое сердечное доверие так близко! И как хорошо мы понимаем и понимали друг друга! Пусть твой более устойчивый разум будет и останется опорой для моей пошатнувшейся головы!
От всего сердца твой друг Ницше.
459. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя милая сестра
сегодня, как и последние три дня, стоит совершенно ясная погода — и я с безмятежностью и уверенностью обозреваю то, чего я до сих пор достиг и не достиг, и чего я еще хочу от самого себя. Ты этого не знаешь; и поэтому я не могу ставить тебе в вину, если ты охотно видела бы меня на другой почве, более обеспеченным и защищенным. Твое письмо к G<eorg> R<ée> заставило меня задуматься, а еще больше — твое случайное замечание, что мое состояние в Базеле было, пожалуй, лучшим из всех до сих пор. Я же сужу иначе: весь смысл ужасных физических страданий, которым я был подвержен, заключается в том, что я через них один был вырван из ложного, а именно — стократно слишком низкого понимания моей жизненной задачи. А так как я по натуре принадлежу к скромным людям, то требуются самые насильственные средства, чтобы призвать меня обратно к самому себе. Даже те наставники, которые были у меня в юности, вероятно, по сравнению с тем, что мне предстоит сделать, — лишь незначительные и преходящие силы; то, что я увидел над ними их идеал, над всеми этими Шопенгауэрами и Вагнерами, — это сделало их для меня совершенно излишними, и я не мог бы судить о себе более несправедливо, чем если бы я судил о себе по этим современникам, которых я во всех смыслах преодолел. Каждое слово моего Заратустры — это ведь победоносная насмешка, и даже больше, чем насмешка, над идеалами этого времени; и почти за каждым словом стоит личное переживание, самопреодоление высшего порядка. Совершенно необходимо, чтобы меня неправильно понимали; более того, я должен дойти до того, чтобы меня понимали дурно и презирали. Что мои «ближние» [родственники] должны были начать с этого, я понял прошлой осенью и зимой, и испытал великолепное сознание того, что именно этим я нахожусь на своем пути. Это чувство можно прочесть повсюду и в Z<arathustra>. Дурная зима и мое подорванное здоровье отдалили меня от этого и лишили мужества; точно так же и мелочные вещи, которые уже несколько недель обрушиваются на меня, снова поставили меня перед величайшей опасностью — а именно, сойти с моего пути. Как только я теперь вынужден сказать: «я больше не выношу одиночества», я испытываю невыразимое унижение перед самим собой — я стал отступником от того высшего, что есть во мне.
Что мне до этих Ре и Лу! Как я могу быть их врагом! И если они причинили мне вред — я получил от них достаточно пользы, и именно в том, что это совсем другие типы людей, чем я: в этом для меня заключается обильная компенсация, да что там — призыв к благодарности обоим. Они оба — оригинальные люди, а не копии: поэтому я и терпел их, как бы они ни были противны моему вкусу. Что касается «дружбы», то я до сих пор вообще практиковал воздержание (и Шмейцнер, например, утверждает, что у меня вообще нет друзей, «я был десять лет совершенно брошен на произвол судьбы»); что касается всего направления моей натуры: у меня нет соратника (даже Кёзелица!) никто не имеет представления о том, когда мне нужны утешение, ободрение, рукопожатие; это, например, в высшей степени было так в прошлом году, после моего пребывания в Таутенбурге. И когда я жалуюсь, весь мир считает, что имеет право выместить свое маленькое чувство власти на мне как на страдальце; это называют участием, состраданием, добрым советом и т. д.
Но так всегда было с такими людьми, как я; мое сугубо личное бедствие — это плохое здоровье, которое проявляется как унижение моего собственного чувства силы, как недоверие к самому себе: и так как под этим европейским небом я не менее двух третей года страдаю и пребываю в меланхолии, то требуется невероятное счастье, чтобы я выдерживал это еще дольше. Счастьем я называю здесь лишь отсутствие таких несчастных случаев, как прошлогодние — то есть чтобы никакие камни не попадали в мой часовой механизм. Я ведь могу погибнуть от маленьких камешков, потому что часовой механизм сейчас в высшей степени сложен, и ответственность в самых высших вопросах познания лежит на мне. — В сумме, чтобы все же сделать практический вывод из этих общих мест: моя милая, милая сестра, не напоминай мне ни единым словом, ни устно, ни письменно, о вещах, которые хотели лишить меня уверенности в себе, да почти и самого результата моего жизненного пути! Спиши это на мое здоровье, на то, что они так сильно влияют и влияли на меня! Создай забвение и что-нибудь новое и совершенно отличное от этого, чтобы я научился снова смеяться над потерей таких «друзей»! И помни, что человеку, подобному мне, никогда не должна воздавать должное современность, и что любой компромисс в угоду «доброму имени» меня не достоин.
Написано при ясном небе, со светлой головой, хорошим желудком и в ранний утренний час.
От всего сердца, твой брат.
Корректура задержит меня здесь еще на пару недель.
460. An Heinrich Köselitz in Venedig
Прежде всего, дорогой старый друг, еще одно воспоминание из того времени, когда я достаточно усердно занимался Democritea и Epicurea — мир исследований, неисчерпаемый даже для филологов! Вы знаете: библиотека в Геркулануме, папирусы которой заставляют «заговорить» крайне медленно и мучительно, — это библиотека эпикурейца; значит, существуют надежды на обнаружение подлинных сочинений Эпикура! Один фрагмент из такого сочинения был, например, расшифрован Гомперцем (в отчетах Венской академии): в нем речь идет о «свободе воли», и он дает (вероятный) результат, что Эпикур был ярым противником фатализма, но при этом — детерминистом: — что доставит Вам удовольствие! (В то время я довел учение об атомах вплоть до четвертого тома иезуита Бошковича, который первым математически доказал, что допущение заполненных атомных точек является непригодной гипотезой для строжайшей науки механики: положение, которое сейчас среди математически образованных естествоиспытателей считается каноническим. Для практики исследования оно безразлично.)
Вчера, присланные Науманом, пришли корректурные листы второго Z<arathustra>; при их просмотре я нашел 4 опечатки, о которых сообщаю Вам на случай будущей возможности второго издания, которое Вы, вероятно, застанете, а я — нет! стр. 6 вверху должно быть: Denkbarkeit (мыслимость), а не Dankbarkeit (благодарность).
стр. 7 в самом низу euch (вас), а не auch (тоже).
стр. 38 Rosenhänge (склоны роз), а не Rosengänge (розовые аллеи)
стр. 44 schreien (кричать), а не schreie (кричу).
В остальном книга выглядит хорошо и чисто. Я еще не пришел к объективному впечатлению от целого; однако мне показалось, что она представляет собой немалую победу над «духом тяжести», учитывая то, как трудно изложить проблемы, о которых идет речь. То, что первая часть охватывает круг чувств, который для круга чувств, составляющих вторую часть, является предпосылкой, — это тоже кажется мне легко узнаваемым и «хорошо сделанным», если говорить как столярный мастер. В остальном у меня все тяжелое и тяжелейшее еще впереди. Согласно довольно точному архитектурному расчету целого, остается еще столько же, сколько было до сих пор — примерно еще 200 страниц. Если мне удастся сделать это так, как — несмотря на ужаснейшее сопротивление, которое я в сердце своем ношу против всего замысла «Заратустры», — мне удались, как кажется, первые две части, то я устрою праздник и умру от удовольствия. Pardon!
Вероятно, если бы весь этот год моя душа была веселой и светлой, я бы из художественных побуждений выбрал цвета первых двух частей более темными, мрачными и резкими — в отношении того, что составляет финал. Но в этом году мне для жизни было необходимо утешение более веселых и воздушных красок; и поэтому во второй части я прыгал почти как шут. — В деталях в ней невероятно много лично пережитого и выстраданного, понятного только мне, — некоторые страницы казались мне почти кровожадными.
Кстати, для меня это относится к числу еще загадочных фактов, что я действительно в этом году сделал обе части. Образ, который почти во всех моих сочинениях встречается однажды — «возвыситься над самим собой» — стал реальностью — и — о, если бы Вы знали, что здесь означает само по себе! Вы думаете обо мне в сто раз лучше, чем я есть, друг Кёзелиц! —
461. An Heinrich Köselitz in Venedig
Мой дорогой друг,
вот и подошло для меня к концу пребывание в Энгадине: в среду я хочу уехать — в Германию, где мне нужно многое сделать и завершить. Если захотите написать мне, направляйте письмо в Наумбург; там я хочу немного отдохнуть и восстановиться среди самых естественных ощущений, в том числе собираюсь есть много вкусных фруктов. Чего мне и там будет не хватать, как не хватает везде — это Вашей музыки. Я думаю, что, поскольку Вы, возможно, воспринимаете мои вещи сильнее и болезненнее, чем кто-либо другой, я должен воспринимать всё, что исходит от Вас, более целительно, чем другие могут это делать: это ведь совершенно милое отношение между нами! Возможно, это отношение, как между комедиографами и трагиками (я, кажется, однажды говорил Вам, что Вагнер видел во мне скрытого трагика); несомненно то, что в целом я выхожу из этого более «эпикурейски», чем Вы; и таков «закон вещей»: комедиограф — это высший род и должен приносить больше блага, чем тот другой, хочет он того или нет.
Этот Энгадин — место рождения моего Заратустры. Я как раз нашел первый набросок связанных в нем мыслей; под ним стоит: «Начало августа 1881 года в Зильс-Марии, 6000 футов над уровнем моря и гораздо выше всех человеческих дел».
Как мука и смятение моего духа могли повлиять на краски двух первых частей? (Ведь мысли и направления были заданы). Странно, старый друг! Я всерьез полагаю, что Z<arathustra> получился более светлым и веселым, чем он получился бы в ином случае. Я мог бы доказать это почти «документально».
С другой стороны: я не страдал бы и не страдаю так долго, долго, долго, если бы за последние 2 года пятьдесят раз не переносил мотивы из моей теории отшельника на практику и не был бы доведен до сомнения в самом себе из-за дурных, даже ужасных последствий этой «практики». Таким образом, Z<arathustra> повеселел за мой счет, а я омрачился за его счет.
Впрочем, должен сообщить Вам, не без печали, что теперь, с третьей частью, бедный Z<arathustra> действительно погружается во мрак — настолько, что Шопенгауэр и Леопарди покажутся лишь новичками и дилетантами по сравнению с его «пессимизмом». Так требует план. Но чтобы суметь сделать эту часть, мне самому сначала нужна глубокая, небесная безмятежность: ибо патетика высшего рода удастся мне только как игра. (В конце концов всё станет светлым.)
Возможно, тем временем я разработаю еще что-нибудь теоретическое; мои наброски для этого сейчас имеют заголовок
Невинность становления.
Путеводитель к избавлению от морали.
Первая часть Z<arathustra> теперь наконец в пути, вторая напечатана (отмечаю на случай 2-го издания следующие опечатки:
стр. 6 вверху: Denkbarkeit, не Dankb./ стр. 7 в самом низу: euch, не auch/ стр. 38: Rosenhänge, не Rosengänge/ стр. 44: schreien, не schreie/ стр. 98 строка 9: Da, не Dann//
Я чуть было не приехал в Венецию! Отпразднуйте то, что этого не случилось, и сохраняйте любовь к Вашему другу
Ницше.
462. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель,
Одновременно с пересылкой гонорара за второго Заратустру, о котором я теперь хотел бы попросить, пришлите мне, пожалуйста, снова точный отчет о доверенных Вам моих денежных средствах (в этом году я еще не получал такого отчета). Прошу Вас, позаботьтесь о том, чтобы желаемое оказалось у меня в руках в ближайшие 8 дней; ибо я пробуду здесь, в Наумбурге, лишь недолгое время.
Было бы очень хорошо, если бы Вы захотели навестить нас здесь как-нибудь.
За Вашу последнюю открытку приношу свою искреннюю благодарность. Я от всего сердца желаю, чтобы мой «Заратустра-солнечный свет», о котором Вы говорите, «озарил» как можно больше людей; если же этого не случится, то, по крайней мере, я в том не виноват. В милой Германии царит прелестнейшее помрачение всех небес: я постараюсь как можно скорее спастись из этой облачной хмари.
С сердечными пожеланиями
Ваш
Д-р Ф. Ницше.
У меня совершенно отсутствует «Веселая наука»: прошу, прошу прислать экземпляр!
463. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Мои дорогие, ну и путешествие! Хотя в Франкфурте выяснилось, что Овербек с женой ехали в том же поезде, но через час после нашей встречи я заболел. Я поехал дальше один и с величайшим трудом добрался до Фрайбурга. Там я слёг в постель: ночь рвоты. Утром шум в доме заставил меня уехать в Базель. Там, у Овербеков, я пролежал второй день с сильнейшими головными болями. Сегодня лучше. Но небо затянуто облаками и холодно. Очень измотан! Завтра дальше в Геную. —
Моё прощание с вами в этот раз далось мне тяжелее, чем обычно: ведь вы проявили ко мне столько любви! — Теперь нужно собрать все силы, чтобы не потерять последние. Я так от многого устал.
Ваш Ф.
464. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Мои дорогие, я всё ещё не знаю, где остановлюсь; д-р Брайтинг совершенно «незаменим», моя квартира в Генуе сдана внаём до 15-го числа сего месяца. Но сама Генуя на этот раз показалась мне невозможной. Тем временем я изучил Специю, но тоже не нашёл её такой, как мне нужно. Единственное, что точно, — это то, что я ам моря жить должен: не могу описать, какое облегчение это приносит моему мозгу и глазам. Впрочем, я всё ещё очень слаб и часто болею; север и всё северное ужасно на меня подействовали! Письма — в Геную, до востребования.
С сердечной любовью, ваш
Ф.
465. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Мой возлюбленный друг, я хотел бы, помимо благодарности за благодатные дни, проведенные у вас, сообщить Вам нечто определенное: единственное, что я могу сказать, это то, что близость моря действует на меня неописуемо благотворно: чем еще раз подтверждается и обосновывается отрицание всех северных планов. Я должен, я могу жить только у моря, ради мозга и глаз! — Но где! Генуя невозможна, Специя (где я нахожусь 3 дня) едва ли возможна. Письма в Геную до востребования, я больше не знаю, куда. Д-р Брайтинг совершенно перегружен работой.
Твой Ф. Н.
466. An Paul Lanzky in Florenz (Fragment)
[+ + +] Поезжайте со мной в Мурсию или Барселону: 220 безоблачных дней в году! [+ + +]
467. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ну что ж, старый верный друг Кёзелиц, дела мои идут совсем неважно: злые приступы следуют один за другим всё быстрее, я едва успеваю приходить в себя. Вот уже много недель я не мог написать ни одного письма; надеюсь, что моя сестра поблагодарила вас от моего имени за письмо и посылку (и то, и другое одинаково мило и заботливо)? Прибыв в Геную, я теперь намерен вновь попытаться взобраться на старую гору здоровья и бодрости духа. Возможно, мне это снова не удастся, и тогда многое пойдет прахом. Тем временем я вспоминаю о вас как о своём лучшем утешении: и пусть у вас всё получится!
Ваш Н.
468. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).
Мои дорогие мать и сестра, вот я снова обосновался в своей старой резиденции в Генуе — временно, пока кто-нибудь не сопроводит меня в Испанию. Здесь я хочу постепенно вернуть себе здоровье и бодрость духа, как я это сделал 4 года назад: энергии мне не занимать. В данный момент дела обстоят плохо: глубочайшее потрясение, приступ за приступом. Начиная от Специи и южнее начинается сирокко, поэтому я теперь вычеркнул юг Италии. — У меня есть задача, и нет времени больше терять. Ограждайте меня, насколько это возможно, от неприятных впечатлений и воспоминаний и будьте в отношении меня бодры духом. С благодарными приветами и пожеланиями
Ваш Ф.
469. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой старый друг, читая Тейхмюллера, я все больше цепенею от изумления, как мало я знаю Платона и как сильно Заратустра πλατωνίζει. — Здоровье невероятно подорвано, но добрая воля поправить его имеется. Я нигде не нашел для себя подходящего места и вернулся в старую Геную и в старый дом — в надежде обрести здесь и прежнюю безмятежность, без которой я не умею снова находить ничего хорошего-нового. Тебе и твоей милой жене — заверения в сердечной памяти: нам троим необходимо быть храбрыми!
Ф. Н.
470. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой друг, «Тейхмюллер II» прибыл, а также превосходный Корнаро — вода на мою мельницу! Возможно, я когда-нибудь соберу воедино собственный опыт; я многое наблюдал и пробовал, и хочу получить за это свою награду — ту самую «долгую и безмятежную жизнь». Не жить в Германии и не быть вместе с моими родственниками, конечно, для меня так же важно, как и мучения от малого потребления пищи. Я очень истощен, морской воздух освежает меня неописуемо. Доктор Брайтинг, к моему триумфу, снова прописал мне Kali phosphor., который я первым начал использовать в медицинских целях; он тем временем наилучшим образом убедился в его эффективности. Так что я — изобретатель собственного лекарства. Точно так же я горжусь своим рациональным лечением тифа прошлой зимой; и если у меня еще осталась та же энергия, что и 4 года назад, то я хочу в целом снова стать хозяином своего тела и своей души и на том же пути (мне рассказывали, что я бессознательно применил метод, который сейчас процветает в Америке, идя по нему).
От всего сердца благодарный
Ф Н
471. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая Лама, до сих пор это было жалким и отвратительным, и если я пишу Тебе об этом, то вовсе не для того, чтобы побудить Тебя размышлять над рецептами, как мне помочь. Я должен помочь себе сам, никто другой — и свой рецепт я должен найти сам, и не позволять ничего давать себе. (Говоря притчами: со мной должно быть так же, как с Kali phosphoricum — я хочу сам сначала открыть свое лекарство. К слову: д-р Брайтинг с тех пор применяет его с «решительным успехом» —) О тяжести задачи, которая лежит на мне, никто не имеет представления; и если кто-то представляет ее себе в форме литературной работы, например, завершения моего «Заратустры», то это вызывает у меня почти тошноту и рвотный или смехотворный позыв — настолько мне «противна» всякая литературщина; и мысль о том, чтобы в конце концов быть причисленным к писателям! относится к вещам, от которых меня бросает в дрожь. Читай, моя дорогая сестра, побольше «Утренней зари» и «Веселой науки», самых содержательных и перспективных книг, которые существуют —; в Твоих последних письмах было многое об «эгоистичном» и «неэгоистичном», чего больше не должно быть написано моей сестрой. Я различаю прежде всего сильных и слабых людей — тех, кто призван к господству, и тех, кто призван к служению и повиновению, к «преданности». Что меня отвращает в этом времени, так это невыразимая слабость, немужественность, безличность, изменчивость, добродушие, короче говоря, слабость «само»-любия, которое еще хочет драпироваться в «добродетель». Что до сих пор делало мне добро, так это вид людей с долгой волей — которые могут молчать десятилетиями и даже не приукрашивают себя ради этого моральными пышными словами —, скажем, как «герои» или «благородные», а которые честны, не верят ни во что лучше, чем в свое Я и свою волю, чтобы запечатлеть это в людях на все, все времена.
Прошу прощения! Что меня привлекало в Р<ихарде> В<агнере>, было это; точно так же Шопенг<ауэр> жил только в таком чувстве.
И еще раз прошу прощения, если я добавлю, что в прошлом году я поверил, что нашел существо такого рода, а именно фрейлейн С<аломе>; я вычеркнул ее для себя, когда наконец обнаружил, что она не хочет ничего больше, чем устроиться уютно на свой лад, и что великолепная энергия ее воли направлена лишь на столь скромную цель — короче говоря, что в этом она принадлежит к породе Ре. (Я хочу еще ради справедливости добавить, что она, так же как и Ре, обладает очень привлекательным для меня свойством, а именно — быть в отношении себя, мотивов своих поступков и т. д. совершенно бесстыдной. Знаешь, в каждую эпоху живут едва ли 5 человек, которые обладают этим свойством и одновременно достаточным умом, чтобы уметь выразить себя. (К ним принадлежал Наполеон.)
Я, возможно, лучше, чем кто-либо другой, умею выстраивать иерархии даже среди сильных людей по добродетели; так же, как среди слабых есть еще сотня видов, очень милых и любезных — согласно добродетелям, которые подобают слабым. Существуют сильные «Я», чье себялюбие можно назвать почти божественным (например, у Заратустры) — но каждая сила уже сама по себе есть нечто освежающее и блаженное для взора. Читай Шекспира: он полон таких сильных людей, грубых, твердых, могучих гранитных людей. На них наше время так бедно - - - а уж тем более на сильных людей, у которых хватило бы достаточно ума для моих мыслей!
Поэтому не оценивай потерю, которую я понес в этом году, слишком низко. — Ты не можешь себе представить, как одиноко и «скрыто» я всегда чувствую себя среди всей той любезной тартюфщины тех людей, которых Ты называешь «добрыми»: например, Мальвида или также Шюкинги, Хайнце, Зейдлицы и т. д. и т. д., и как во мне порой кричит потребность в человеке, который честен и может говорить, пусть даже это будет чудовище, как Лу. Конечно, полубоги были бы для развлечения желательнее. — —
Еще раз прошу прощения, я пишу Тебе это от самого искреннего сердца и поистине знаю, как сердечно Ты ко мне относишься. — Ах, это проклятое «одиночество»!
Прим.
Штайн еще слишком молод для меня, его я бы испортил. Кёзелица я почти испортил — мне нужно проявлять 1000 предосторожностей по отношению к нему.
Пришли мне бандеролью до востребования Гзелль-Фельса (60 дней в Италии) — Я пришлю Тебе на днях парагвайский чай. К 16 ноября отправь «Заратустру II» Овербеку. — Лоренц в Лейпциге ведь имеет «Рейнские музеи»? —
Лучшие пожелания моей дорогой матери.
472. An Malwida von Meysenbug in Rom
Моя глубокоуважаемая подруга,
мне в последнее время жилось плохо, совсем плохо, и виной тому была моя поездка в Германию. Я могу переносить только жизнь у моря; любой материковый воздух самым решительным образом ослабляет мои нервы и глаза и в короткое время вызывает во мне меланхолию и недоверчивость — безобразные сорняки, с которыми мне в жизни приходилось бороться больше, чем со змеями и другими более знаменитыми чудовищами. В малом несчастье таится наш опаснейший враг; большое горе возвеличивает.
Но теперь я снова одинок — и, по правде говоря, я никогда еще не был так одинок. Все пережитое за последние годы всегда учило меня одному: нет никого, кто хотел бы идти со мной моим путем — никто еще не видит этого пути — —
Это большое горе, и, право, я уже чувствую: оно обладает силой возвеличивать. —
Представьте, что я немедленно отправился в Специю, как только услышал, что Вы там. Но было уже поздно.
Я еще не поблагодарил за превосходную статью фрейлейн Якобсон о Стеккетти: теперь я полностью просвещен насчет этого поэта и не хочу иметь с ним ничего общего. Эти итальянцы так зависимы и так прислушиваются к Франции и Германии! — как и в своей политике. Только в злой сатире они оригинальны и по-настоящему достойны восхищения: но что мне до этого «мюссетизма», если сам Мюссе для меня не так уж много значит? —
Теперь у меня еще одна просьба на сердце. На мое имя в Рим были отправлены письма, например, от Якоба Буркхардта, Готфрида Келлера и других, — я бы не хотел потерять эти письма. По недоразумению все эти письма на мое имя имеют следующий адрес: via Polveriera 4, secondo piano. Не будете ли Вы так любезны попросить узнать о них в указанном доме? Или, возможно, на почте? —
Ваши последние известия звучали печально, а тем временем я узнал еще и о том, какие заботы у Вас были в самом ближайшем окружении.
Мои самые сердечные пожелания всегда с Вами, как и моя глубочайшая признательность: но я предпочел бы однажды что-то сделать для Вас, а не только чувствовать к Вам!
Ваш Ницше.
Генуя, Salita delle Battestine 8 (interno 5)
473. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой старый друг, пусть тебе сопутствует добрый год! Или, вернее: я верю, что ты его получишь, так, как ты того заслуживаешь: ибо в конечном счете человек всегда переживает лишь свои переживания, или, еще точнее: самого себя. Каждый раз, когда я встречался с тобой, я находил глубочайшую радость в твоем спокойствии и мягкой твердости; и я постепенно пришел к тому, чтобы ничто не ценить выше, чем долгую волю, для которой десять лет не значат многого, даже если это будут десять лет молчания. С твоего последнего дня рождения, когда мы были вместе в Базеле, я доставил тебе много беспокойства и, возможно, немало сомнений: тем не менее я верю, что теперь ты знаешь лучше, чем 12 месяцев назад, что во мне есть кормчий, на которого можно положиться, что он в конце концов исправляет и уравновешивает всякие глупости капитана — как раз благодаря долгой и до сих пор еще очень молчаливой воле. —
Моя сестра получила поручение вручить тебе к 16 ноября вторую часть «Заратустры» — читай ее как вторую часть из четырех, т.е. пойми, что многое в ней обретет свою необходимость лишь в смысле целого. В остальном ты будешь знать, как несказанно далек я с этим За<ратустрой> от всего, что собственно литературно. Речь идет об огромном синтезе, о котором я верю, что его еще не было ни в чьей голове и душе. Если я выведу его на свет так, как видел его перед собой в отдельные мгновения, то я хочу отпраздновать торжество и умереть. —
Дела идут, к сожалению, должен сообщить, довольно печально. Припадок за припадком, каждый день — история болезни, и бывают часы, когда я говорю себе: «я больше не знаю, как себе помочь». Только теперь я полностью осознаю, как бедно и отрезанно от внешних благоприятных условий катилась моя жизнь целую череду лет — теперь, когда меня покинула тихая надежда, что эти облегчения и благоприятные условия должны прийти ко мне. Я до сих пор постоянно в ярости от этого, как только мне приходит на ум, что мне не хватает человека, с которым я мог бы поразмышлять о будущем людей — поистине, я внутренне совсем болен и изранен от долгого отсутствия общества, принадлежащего мне. Ничто не приходит мне на помощь, никто не придумает ничего, что могло бы меня развеселить и возвысить, ничто не хочет встать между мной и избавить меня от всех оскорбительных впечатлений, которыми меня осыпали последние годы. Я гораздо сильнее ограничен в зрении, чем обычно, бывает так много времени, когда одиночество становится для меня бременем. К тому же в Генуе дела совсем не идут, там слишком шумно, а прогулки находятся на слишком больших расстояниях. Я замечаю, что нельзя ничего сделать во второй раз. Чтобы выздороветь, мне нужны новые, первоначальные впечатления. От людей здесь у меня совсем ничего нет; Брайтинга я вижу примерно раз в 8 дней на 5 минут, он полностью занят своим временем и головой. В сущности, мне не нужно ничего так сильно, как людей (например, Рим): но другой факт в том, что я выдерживаю это только у моря. — — — —
Вспоминайте обо мне по-доброму, ты со своей милой женой (как ваш переводческий проект?), особенно когда вы вместе играете хорошую музыку!
От всего сердца твой друг
Ницше.
474. An Heinrich Köselitz in Venedig
Ах, дорогой, дорогой друг, только что Ваша открытка попала мне в руки, и меня делает несчастным то, как поздно! — и в особенности то, что я покинул Геную и, после долгих колебаний, позавчера обосновался и привязал себя на эту зиму к Ницце! 220 совершенно ясных дней в году — это решило всё: воздействие этого великолепного изобилия света на меня, весьма измученного смертного (и часто столь жаждущего смерти —), граничит с чудом. У меня здесь за шесть зимних месяцев почти столько же небесных дней, сколько в Генуе за весь год. Этим я сказал любимому городу Колумба — чем-то иным он для меня никогда не был — прощай; и он был напоследок еще трогательно-прекрасен в своем октябрьском блеске.
Ницца как французский город мне неприятна и является почти пятном на этом южном великолепии; но это также и итальянский город — там, в старой части, я снял жилье, и если приходится говорить, то говорят по-итальянски: тогда это как в генуэзском предместье.
Друг, я знаю кое-что, о чем не хочу от Вас умалчивать. Одна немецкая дама желает принимать постояльцев в недавно обставленной вилле (превосходно обставленной и теплой — как я могу засвидетельствовать); и так как она начинает в этот раз, то установила невероятно низкую начальную цену на эту зиму (90 франков за комнату и питание). Это не близко от меня, а в получасе ходьбы; примерно вся Английская набережная лежит между нами. Но если предположить, что Вы захотели бы там поселиться, то последний аспект был бы, возможно, даже выгоден в Вашем понимании. — Я сам плачу 25 франков за аренду в месяц; и есть также дешевые рестораны в стиле Вашей «Панады» и парижских заведений Дюваля: здесь жить лучше, чем в Генуе. Вино очень дешевое.
Та вилла стоит тихо, в саду; красивые прогулки по холмам — непосредственно рядом. До моря около 10 минут.
Напоследок, любезнейший друг, — я уже не знаю, как сказать, как сильно я люблю Вашу музыку и тоскливо люблю ее. Число вещей, которые мне совершенно и всецело приятны и исцеляют душу, стало для меня таким малым, о, я великий дурак!
В сердечной любви, Ваш
Ницше.
Доказательство того, что я хотел бы видеть Вас у себя в каком-либо виде: я в этот раз взял из Наумбурга все Ваши письма ко мне.
P.S.
Дорожные расходы из Генуи в Ниццу относились бы к моим обязанностям — не так ли, старый друг?
475. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мама и сестра,
имейте только терпение со мной (мне и самому приходится его иметь с собой —): это, конечно, очень многого требует, не правда ли?
Тем временем мало что улучшилось, но всё же решилось настолько, что я остаюсь на зиму в Ницце. Шумный элегантный город поначалу мне не понравился; в конце концов, однако, я нашёл многое, что остаётся для меня — тихие тропы и итальянские кварталы, лучшая еда, чем в Генуе, и для скромного принца, каким я являюсь, в целом также старые генуэзские цены. Это большой город, можно иметь всё, как хочешь. Но самое важное — это то, что он не является городом для больных — слишком свежо и ветрено: при том, что здесь такое же обилие света и количество ясных дней, как в тех лечебных местах, к которым я не хотел бы быть привязанным.
Я сделал по сравнению с Генуей такой прогресс: в Генуе примерно за весь год столько же небесно-ясных дней, сколько в Ницце за её 6 зимних месяцев. О живительном, даже буквально электризующем воздействии этого обилия света на всю мою систему я не могу дать никакого представления; постоянное болезненное давление на мозг, которому я в конце концов был подвержен ещё в Наумбурге, исчезло; также я ем в два раза больше, и желудок не протестует.
Пасмурные дни делают меня и здесь больным. —
Моя комната очень холодная, но хороша для весны. К счастью, я благодаря генуэзским зимам привык к ужасным зимним комнатам.
Я только что пригласил Кёзелица приехать сюда; а господин Пауль Ланцки, вероятно, ещё станет моим попутчиком в Испанию. —
Свет, свет, свет — на это я теперь настроен. —
Передайте уважаемому доктору Циллеру самую сердечную благодарность за присланную диссертацию; она должна быть, вместе с Кёзелицем, самым серьёзным образом прочитана и обдумана. — Будьте же вполне довольны тем, что у вас в доме есть такая хорошая музыка и такой хороший и интересный человек. —
На Рождество я должен попросить вас, мои любимые, пожелать себе что-нибудь от меня и подарить себе то, чего жаждет ваше сердце. Только ничего не присылайте! Мне было невозможно в Генуе преодолеть трудности, которые возникли с отправкой парагвайского чая; он всё ещё стоит в Генуе. Если ты когда-нибудь будешь проездом через этот город, моя дорогая Элизабет, то я рекомендую следующий адрес проживания: фрау Сеттимия Станьетти, salita delle Battestine 8 (interno 5) — как раз для тебя. (Ежемесячно 22 франка).
Здешние знакомства дали бы повод для рассказов: прусский генерал с дочерью, жена индийского князя леди Мехмет Али с дочкой, великолепно костюмированный перс, мой сосед по столу, также старая базелька, старая швабская пасторша и русские, англичане и т. д. — все, однако, говорят по-немецки и со мной любезны. (Кстати, сплошь порядочные люди.)
Адресуйте обычно до востребования в Вильфранш-сюр-Мер
От всего сердца
Ваш Ф.
475a. An Franz Overbeck in Basel (Entwurf)
Овербек
Генуя была для меня превосходной школой сурового, простого образа жизни — я теперь знаю, что могу жить как рабочий и монах. Под конец я стал там слишком известен — и не мог больше жить так, как хотел.
Ницца достаточно велика, она скрывает меня.
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Я предчувствовал, что с того момента, как я покажу свой идеал, я останусь совсем один. Теперь я это знаю. В конце концов, оставалась еще самая тяжелая иллюзия.
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Затем, Германия и влияние через университет для меня теперь пройденный этап — вообще жизнь и деятельность на севере
Ницца — постоянное местопребывание для меня.
Цвет стены
Пианино
Салон
Дети
Комары
Месяц в Генуе был критическим, у меня были состояния, о которых говорят как об отчаянии — я не знал, куда деться. Теперь, я полагаю, многое снова прояснилось, и я доволен двумя последними годами — из-за этой невероятной ясности.
Генуя, к тому же, с самого начала была для меня городом одного человека, Колумба. Теперь я сам открыл новую страну — в хорошие часы я в это верю. Мне осталось только — завоевать её
476. An Franz Overbeck in Basel
Мой дорогой друг Овербек,
прояви ко мне еще немного терпения, как и до сих пор! Если судить по моим хорошим часам и минутам — редким вещам! это правда, — я один из самых завидных смертных, и сейчас больше, чем когда-либо. Между ними лежит многое, что граничит с отчаянием, и поэтому мне приходится просить Твоего терпения ко мне — это тоже правда. Но в те хорошие часы я знаю, что не зря годами совершал самое одинокое из всех морских путешествий: я открыл свою «новую землю», о которой еще никто ничего не знал; теперь мне, конечно, приходится все еще шаг за шагом завоевывать ее. —
Из всех хороших вещей, которые я нашел, я меньше всего хочу выбросить или потерять «веселость познания», как ты, возможно, начал подозревать. Только теперь я должен, вместе с моим сыном Заратустрой, подняться к гораздо более высокой веселости, чем та, которую я до сих пор мог выразить словами. Счастье, которое я изобразил в «веселой науке», — это по существу счастье человека, который наконец начинает чувствовать себя зрелым для очень большой задачи и у которого сомнения в своем праве на это начинают исчезать. Ради меня прочти еще раз страницу 194 и стихотворение на следующей странице; впрочем, вся книга полна таких мест, в которых выражено: «час настал! Устроим-ка мы прежде еще маленький праздник с пением и плясками!» —
Своеобразное несчастье последнего и предпоследнего года состояло в самом строгом смысле в том, что я думал, будто нашел человека, у которого со мной совершенно одна и та же задача. Без этой поспешной веры я не страдал бы и не страдаю в такой мере от чувства одиночества, как я это делал и делаю: ибо я готов и был готов в одиночку завершить свое путешествие к открытиям. Но как только я хоть раз увидел сон, что я не один, опасность стала ужасной. Даже сейчас бывают часы, когда я не знаю, как вынести самого себя.
Другим несчастьем была необычайно пасмурная погода прошлой зимой, так же как и прошлым летом. Я приспособлен к свету: — это почти единственное, без чего я абсолютно не могу обойтись и чем не могу заменить: обилие света ясного неба. С Генуей мне в этом отношении вообще не повезло: только сейчас я нашел статистические данные, что в Генуе за весь год не намного больше ясных дней, чем в Ницце за шесть зимних месяцев: после чего я немедленно отправился в Ниццу. Как только я овладею испанским, я отправлюсь дальше в Валенсию, возможно, следующей зимой. Человек, столь скромный, как твой друг, в жилье, еде и одежде, живет везде легко и дешево. —
Мне сейчас лучше. —
Сердечнейшее спасибо за твое письмо и твои чувства ко мне — я постараюсь сделать так, чтобы не причинять тебе и твоей глубокоуважаемой дорогой жене таких тревог, как в прошлый раз.
Твой Ницше.
477. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой старый друг,
как же приятно мне было получить Твое письмо! — А теперь прими меня с собой и в новый год, который стоит на пороге, — я от этого старого очень устал, и если сегодня я не хочу писать жалобное письмо, то лишь потому, что в этом году я делал это слишком часто — особенно Тебе, мой дорогой друг!
С моим здоровьем дело обстоит так же, как несколько лет назад в Базеле — было когда-то, — я больше не знаю, куда деваться. Огромная масса душевных страданий повредила мне все основы. — Ницца мне крайне противна; но в одном главном, что касается чистого неба, она поистине превосходит мои ожидания. Было большим несчастьем, что я провел прошлую зиму в облачном, влажно-тяжелом воздухе другой Ривьеры.
Прилагаю требуемую квитанцию с просьбой заполнить в ней то, что еще нужно заполнить. Пока просто положи деньги в ремесленный банк, я хочу попытаться до марта прожить на то, что у меня есть с октября. — Твоя новейшая финансовая операция в мою пользу обязывает меня к большой благодарности. —
Появился новый человек, который, возможно, послан мне в нужное время: его зовут Пауль Ланцки, и он настолько предан мне, что хотел бы связать свою и мою судьбу, как только это станет возможным. Независимый, любитель уединения и простоты, 31 год, философски настроенный, скорее пессимист, чем скептик: это первый, кто обращается ко мне в письмах «Глубокоуважаемый учитель!» (что поразило меня самыми разными чувствами и воспоминаниями).
Он совладелец отеля (foresteria) в Валломброзе — и, в конце концов, моя «философия» еще раз найдет «гнездо» в этом старом, добром, великолепном уголке. — Часть следующего года я, вероятно, проведу там, в Парадизино, отшельником, в стороне от самого отеля: я приглашен туда. — Это совпадение удивительно: в прошлом году я приложил столько усилий именно ради этой Валломброзы — и если Ты догадался о чем-то из моих тайных мыслей, то теперь Ты почувствуешь, как случай идет мне навстречу.
Ну что ж! —
Болен, болен, болен! Что может сделать самый разумный образ жизни, если в любой момент веhemence (неистовость) чувства ударяет, как молния, и опрокидывает порядок всех телесных функций (я полагаю, в частности, изменяет кровообращение)
Скажи своей дорогой жене, что я чувствую Эмерсона как братскую душу (но его дух плохо образован.) Всего доброго нам троим!
Ф. Н.
478. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие, хорошие,
получил я все ваши сердечные и заботливые письма из Виллафранки, также великолепную военную книгу и только что рождественское письмо — и досадно мне, что мое последнее письмо, отправленное вчера вечером, совсем не вяжется с вашим радостным тоном, и что я не придержал свою хандру при себе, как это часто бывало в другие годы. Правда, конечно, что мне было и есть ужасно плохо (за исключением первых дней в Ницце, когда я был словно наэлектризован); я полагаю, что мое здоровье в этом последнем квартале было таким плохим, как никогда в мои худшие времена; и часто я не знаю, куда деваться. Всё во мне было больно, я мог поесть лишь раз в 2—3 дня; затем всякого рода простуды (не говоря уже о сильном насморке как о наименьшем из зол), постоянная рвота, бессонница, меланхолические мысли о старом, общее недомогание головы, острые боли в глазах, из-за чего я не мог ни читать, ни общаться — ведь мой желудок заставлял меня через короткое время покидать то пестрое общество за столом. Также я никогда так не страдал от холода, как здесь; по ночам обычно морозит. В остальном погода великолепная и предмет моего постоянного ежедневного восхищения. — Но я должен многое изменить и устроить лучше, чем сейчас: иначе с вашим Фрицем будет покончено.
Возможно, скоро я найду настоящую помощь в лице господина Пауля Ланцки во Флоренции, который, по-видимому, ждет возможности жить вместе со мной; только он сейчас не может уехать из Флоренции. Он совладелец отеля в Валломброзе и уже сделал мне предложения на следующую весну, которые очень подходят вашему отшельнику и лесному затворнику. Что касается разгара лета, то я по-прежнему держусь за Зильс-Марию: и если милая Лама захочет приехать, то это будет правильно и приятно, и я уже договорился об этом с фрау Дуриш — однако компанию фрейлейн фон Салис я бы предпочел компании фрейлейн Меллиен. Конечно, я не знаю ни ту, ни другую.
Г-н Ланцки — первый, кто пишет мне «глубокоуважаемый мастер!» — это вызывает у меня столько же трогательных чувств, сколько веселья и иронии, что я в этом начинаю становиться наследником Вагнера.
Я сейчас устроился совсем тихо, добрая фрау Хеншель готовит еду; испанец, с которым я объясняюсь по-итальянски и который относится ко мне с сочувствием «come un fratello», делит со мной трапезы. Я также велел поставить себе в комнату маленькую печку — и вместе с ней, если не удовольствие от тепла, то хотя бы от густого дыма.
Ну вот! Мои сердечно любимые, постарайтесь истолковать мое вчерашнее неприятное письмо как можно лучше и навести меня на другие мысли — вы не можете себе представить, какие душевные муки я претерпеваю, и уже год! — я вел очень скрытную жизнь, ко мне трудно подступиться и помочь; я думаю, совсем невозможно угадать, почему я так страдаю.
Ну что ж! Новый год на пороге. Ради всего святого, ничего не присылайте! У нас здесь городской акциз — не говоря уже о таможне!
Будьте счастливы, как хотел бы быть я!
Сердечно благодарный
Ваш Ф.
Счастливейшего Нового года нам троим!