1881 (115 Briefe)

74. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 8. Januar 1881>

Lieber lieber Freund, ich habe nichts zu schreiben, aber ich dachte eben an Sie recht lange, ich lag wieder still am Meere, wie eine Eidechse in der Sonne, an den fernen Bergesspitzen glänzte zum ersten Male der Schnee (näher ist er noch nicht gekommen). Ihr Brief, gut wie alles, was ich von Ihnen erfahren, zeigt mir wieder, daß ich Ihnen Noth mache, mehr als ich möchte. Ertragen wir es in Stille mit einander! Im späteren Leben, wenn wir immer mehr zusammengewachsen sind wie treue alte Bäume, lachen wir wohl noch einmal über die Jugend unsres Verkehrens! Bewahren Sie Sich mir auch im neuen Jahrzehnt — ich fürchte, am Ende desselben noch einsamer zu sein als ich jetzt bin (ich fürchte es und bin beinahe vorläufig schon stolz darauf!) Aber Sie müssen mir bleiben, und ich will Ihnen bleiben!

Treugesinnt Ihr Freund F.N.

75. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 8. Januar 1881>

Meine Lieben, Eure Briefe machten den Schluß des Jahres schön, es gab auch sonst blaues warmes Wetter zum Abschied. Inzwischen ist das neue Jahr etwas strenger aufgetreten, doch kann ich nicht sagen, daß ich bisher den Ofen wirklich vermißt hätte, bei meiner Art zu leben und zu wandern. An den ferneren Bergen der Küste ist der Schnee auf den Spitzen. Wir hatten drei bis vier Tage Regenwetter (Novemberwetter) Wenn die Sonne scheint, gehe ich immer auf einen einsamen Felsen am Meer und liege dort im Freien unter meinem Sonnenschirm still, wie eine Eidechse; das hat mehrere Male meinem Kopfe wieder aufgeholfen. Meer und reiner Himmel! Was habe ich mich früher gequält! Täglich wasche ich den ganzen Körper und namentlich den ganzen Kopf, nebst starkem Frottiren. — Meinen schönsten Dank und herzlichstes Bedauern über Geschenk und Mißgeschick desselben! Möge Freude und Zufriedenheit um Euch sein!

In herzlicher Liebe
Euer F.

76. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 8. Januar 1881.>

Magst Du, theurer Freund, zusammen mit Deiner lieben verehrten Frau, in Deiner zuversichtlichen guten Art auch in’s neue Jahrzehnt übergetreten sein! Ich denke so oft an Dich und namentlich, wenn ich nach Mittag, fast Tag für Tag, auf meinem abgeschiedenen Felsen am Meere sitze oder liege, wie die Eidechse in der Sonne ruhe und mit den Gedanken auf Abenteuer des Geistes ausgehe. Meine Diät und Vertheilung des Tages sollte mir doch auf die Dauer gut thun! Meerluft und viel reiner Himmel — das sehe ich nun ein ist mir unentbehrlich! Die Wärme ist im neuen Jahre geringer als im alten, ich habe keinen Ofen — aber wer hat hier einen Ofen! — Ich habe noch nicht erfahren, ob das Büchlein und mein zugleich abgesandter Brief glücklich in Deine Hände gelangt ist? Treulich der Deine und der Eure.

F.N.

77. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 25. Januar 1881>

Lieber Freund, so lasse ich denn mein Genueser Schiff an Sie ablaufen! Der Winter ist hart geworden, seitdem hat sich meine Gesundheit zum Schlimmen gewendet — ich bin glücklich, nichts mehr mit dem Manuscript zu thun zu haben. — Nun heißt es wieder: „Freund, in Ihre Hände befehle ich meinen Geist!“ und noch mehr: „in Ihren Geist befehle ich meine Hände!“ Ich schreibe zu schlecht und sehe alles krumm. Wenn Sie nicht errathen, was ich denke, so ist das Manuscript unentzifferbar. (Mit großem Ergötzen sehe ich aber aus Ihren beiden letzten Briefen, in welcher Nachbarschaft unsere Gedanken laufen — leider kann ich nicht antworten wie ich möchte, verzeihen Sie es mir!) — Nun will ich sehen, ob sich das „Leben“ wieder erhalten läßt; ich habe doch meine Aufgabe gelöst und denke mit gutem Gewissen an das Kommende — wie es nun auch kommt! Daß so viel Schmerz mir bescheert wird! Alberne Oekonomie meines Leibes! Mag es Ihnen nur im Leibe und im Herzen gut gehen, mein guter lieber Köselitz!

Treulich F.N.

Bitte um Antwort: poste restante!

78. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Genua, 29. Januar 1881>

Meine liebe gute Mutter,

so möge Dir das neue Jahr ein heiteres Gesicht machen! Und wenn es dabei ein Gesicht zeigt, das von dem des alten Jahres nicht gar zu verschieden ist, so wollen wir Alle damit zufrieden sein! Denn im Grunde hast Du, meine liebe Mutter, Dein erträgliches und rechtschaffenes Maaß von irdischem Wohlbefinden, davon überzeuge ich mich bei jedem Besuche mit großem Vergnügen. Daß das „Glück“ eines Tages mit Trommeln und Trompeten erst noch käme, daran glauben wir ja Alle nicht mehr; Jeder hat seine Aufgabe und muß täglich zusehen und sich tummeln, daß sie geräth — und geräth sie, so ist man guter Dinge; schlimmsten Falls macht man eine gute Miene, wie ich jetzt zum bösen Spiele des Winters.

Ja, das ist ein Spazierenlaufen! Denn im Zimmer ist es nicht lange Zeit auszuhalten, und ich habe bis jetzt noch keinen geheizten Raum betreten. Trotzdem bin ich nicht verstimmt, obschon meine Gesundheit entschieden seit dem Eintritt des harten Winters zum Schlechten sich wendet. Hoffentlich dauert es nicht mehr zu lange. Es bedarf einer so sorgfältigen und peinlichen Überlegung, jeden Tag mit einer solchen Gesundheit durch alle Klippen hindurchzuschiffen, daß ich froh bin, es allein abzumachen, denn es sieht so kleinlich aus, selbst unmännlich. Aber ich habe meine Tapferkeit und Männlichkeit in anderen Dingen und muß mich eben durchschlagen, um etwas Ordentliches in meiner Art doch noch, trotz aller bösen Krankheit, zu Stande zu bringen. Ich esse diesen Winter, der Erwärmung und leichteren Verdauung wegen, mehr Fleisch. Dagegen wagte ich noch nicht wieder mit den Eiern zu beginnen: ich habe immer noch den Naumburger gestoßenen Zucker. Zum Frühstück esse ich altbacknes Weißbrod, zu Thee oder Kaffe. Ich bin regelmäßig wie eine Uhr. Sechs bis acht Stunden gehe ich herum. Eigentlich habe ich das Leben, wie ich es früher ersehnte, als ich von Rothenburg an der Tauber träumte — erinnere doch unsre Lisbeth daran! — ja ich habe es gründlicher und tüchtiger als ich es damals mir ausdachte (ich war noch nicht unabhängig genug im Geiste und noch nicht so durch Erfahrung und Leiden durchgearbeitet, wie ich jetzt es bin — denn, meine liebe Mutter, ob man mir es ansieht oder nicht, ich habe in den letzten 10 Jahren unbändig viel erlebt.)

Und nun nochmals! Frieden und Freuden um Dich! In Treue und Liebe

Dein Sohn F.

79. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 3. Februar 1881>

Oh mein lieber Freund, wie schön verstehen Sie es, mein Gewissen zu erleichtern — denn es wurde mir recht schwer, an Sie, auf dem so große Aufgaben ruhen, mein Ansinnen zu stellen. — Wir haben einen Winter von 30 Tagen gehabt, vorausgesetzt daß er vorbei ist. Ich liege seit dem 31. Januar wieder täglich in der Sonne und gestern war es mir zu heiß. Venedig hat den Fehler, keine Stadt für einen Spaziergänger zu sein — ich brauche meine 6—8 Stunden Wegs in freier Natur. Haben Sie nicht vielleicht an Bologna für den Sommer gedacht? Oder Albano und Ariccia bei Rom? Es verlangt mich so nach Ihnen. Hören Sie etwas vom Befinden der Frau v. Wöhrmann? — Ihre Duell-Geschichte zeigt, daß Sie mir sehr überlegen sind — ich bewundere und lache dabei. In herzlicher Freundschaft Ihr F.N.

80. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 9. Februar 1881>

Ach, welche Überraschung war das! Die Schönheit und männliche Anmuth dieses Ihres Manuskriptes zu sehen — das ist wie nach einem römisch-türkischen Bade sich fühlen, reingewaschen nicht nur, sondern verjüngt und verbessert. Ich las und gieng einige Stunden spazieren, voller inniger Gedanken gegen Sie und die Natur. Es scheint mir ein gehaltvolles Buch: aber es ist schwer. In den Morgenstunden dieses herrlichen Februar habe ich noch einen Nachtrag gemacht, damit alles recht unzweideutig herauskomme. — Sie werden, meine ich, damit zufrieden sein. Darf ich diesen Nachtrag senden? — Auch will ich den Titel ändern; Sie haben mich dadurch, daß Sie den zufällig hingeschriebenen Vers aus dem Hymnus an Varuna als Motto nahmen, auf den Gedanken gebracht: sollte das Buch nicht heißen: „Eine Morgenröthe. Gedanken über die moralischen Vorurtheile u.s.w.“. Es sind so viel bunte und namentlich rothe Farben darin! Erwägen Sie es! (Das Titelblatt, mit einfachen, stark wirkenden Ornamenten, sei auch Ihrem Geschmack und Nachdenken empfohlen!)

Der dankbarste Glückliche.

81. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 12. Februar 1881>

Lieber armer Freund, vergeben Sie mir! Das Manuscript des Nachtrags ist stärker geworden als es billig ist in Hinsicht auf Sie! Ich bitte Sie inständig, helfen Sie mir diesmal noch und tragen Sie es mir nicht nach, daß ich etwas thue, was wie eine Unverschämtheit aussieht! Machen Sie meine Sache einmal zur Ihrigen — es mußte Mehreres in das Buch hinein, der Horizont desselben wollte rund werden, und ich war in der rechten Verfassung, bei diesem herrlichen Vor-Frühling! So ist es geschehn, was im Hinblick auf Ihre Freundschaft vielleicht hätte unterlassen werden sollen! Aber, wie gesagt, nehmen Sie es einmal als Ihre Sache; wer weiß, ob Sie nicht irgendwann einmal als mitschuldig an dem Zustandekommen dieses Buchs zu leiden haben — sehen wir zu, daß wir Beide uns jetzt an ihm zusammen noch freuen können. Aber dazu ist ein Wort des Verzeihens nöthig! Nur Ein Wort auf einer Karte, und, ich bitte dringend, nicht mehr als höchstens drei Worte!!!!! Nur ein Wort! Aber gleich, theurer armer Freund!

82. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 13. Februar 1881>

Von Euch Beiden, meine Lieben, habe ich so schöne ausführliche Nachrichten — und ich selber lasse so lange auf Nachricht warten! Vor Allem: wir haben den Winter hinter uns! Er hat gerade 30 Tage gedauert. Vom 31 Januar an ist es sehr angenehm, ich liege fast täglich ein paar Stunden am Meere. Von Hrn. Köselitz ließ ich mir Nachricht über Frau v. W<öhrmann> geben: sie will nicht nach Corfu. Die Einen sagen, sie leide an der Lunge, Andre nennen ein andres Leiden. Ein mir bekannter Maler malt ihr Töchterchen. — Wie lange bleibt sie in Venedig? Schreibt es mir doch. Jetzt ist Fürst Liechtenstein dort, er hat auch Hrn. Köselitz seinen Besuch gemacht, Gersdorff ist auch noch dort. — Liebe Lisbeth, zum Lesen in Gesellschaft empfehle ich Voltaire’s Mahomet, von Goethe übersetzt (in allen Goethe-Ausgaben) Daß Frau von Sévigné eingeschlagen hat, hörte ich mit großem Vergnügen, ja, ich wartete darauf, es zu hören. Nehmt, meine Inniggeliebten, die herzlichen und dankbaren Grüße

Genaue Adresse, nicht wie das letzte Mal!

Eures F.

83. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 22. Februar 1881>

Ist es wahr, lieber Freund, daß Sie einen guten Glauben an das Ganze haben? Oder haben Sie mich nur etwas ermuthigen wollen? Ich bin so durch fortwährende Schmerzen zerbrochen, daß ich nichts mehr beurtheilen kann, ich sinne darüber nach, ob es mir nun nicht endlich erlaubt sei, die ganze Bürde abzuwerfen; mein Vater als er so alt war wie ich es bin, starb. — Auf Ihre vorletzte Karte hätte ich gleich antworten sollen und mögen — aber ich konnte nicht! sie war von einem feinen und freundlichen Geiste eingegeben, Madame de Sévigné würde Ihnen ein Compliment dafür gemacht haben. — Titel! Der zweite „E<ine> Morgenr<öthe>“ ist um einen Grad zu schwärmerisch, orientalisch und weniger guten Geschmacks: aber das wird durch den Vortheil aufgewogen, daß man eine freudigere Stimmung im Buche voraussetzt als beim andern Titel, man liest in anderem Zustande; es kommt dem Buche zu statten, welches, ohne das Bischen Aussicht auf den Morgen, doch gar zu düster wäre! — Anmaaßend klingt der andre Titel auch, ach, was liegt noch daran! Ein wenig Anmaaßung mehr oder weniger bei solch einem Buche! — Die Orthographie und die grammatische Correktheit, lieber Freund, sind wieder Ihre Sache, ich habe keine andre Orthographie als die Köselitzische. Mitunter mache ich Sprachfehler z. B. in der bildung der Conjunctive: verbessern Sie mich in allen Stücken, ohne irgend ein weiteres Wort!

Hinter diesem ganzen Buche klingt mir meine Musik zu Manfred — denken Sie sich! — Was macht Freund Widemann? Von Dr. Rée höre ich das Betrübteste, sein Vater ist in der Nachwirkung einer Operation gestorben, seine Mutter schwer krank. Sind Sie wirklich diesen Sommer noch in Venedig? Frau v. Wöhrmann bleibt, wie ich höre. — Und Herr Racowitz? — Meinem alten Kameraden Gersdorff danken Sie des Herzlichsten für seinen Gruß, es steht zwischen uns beim Alten. (Wenn er sich nur frei machen wollte! Aber er ist so eigensinnig und zwar in Hinsicht auf Andre z.B. seine Verwandten! Denken Sie, was ich zuverlässig erfahre und was man nicht wissen darf, daß G<ersdorff>’s Vater sich erschossen hat.)

Nun, mein lieber einziger Leser und Schreiber, wir müssen das einmal Unternommene gut zu Ende führen, auch Herr Schmeitzner und Oschatz müssen angetrieben werden. Inzwischen giebt es Niemanden, an den ich mit so herzlicher und dankbarer Gesinnung dächte als an Sie!

In Treue der Ihrige
F.N.

Kennen Sie Jemanden in Bologna? Aber vielleicht komme ich noch nach Venedig, etwa Mitte April, ich muß mich von mir selber abziehn, meine Gedanken fressen mich auf. Ich will rudern — wer hat ein Boot? Aber allein. — Und meine Wohnung? —

84. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 22. Februar 1881>

Ja, theurer Freund, ich bin noch in Genua und habe den härtesten Theil des Winters hoffentlich hinter mir. Zum ersten Male im Winter ohne Ofen, mit erstarrten Gliedmaaßen oft genug. Ich bin wieder leidender als vor Weihnachten, und werde die Kopfschmerzen kaum mehr los, mitunter werde ich aller Dinge sehr müde. Bitte, sende den nächsten Gehalt wieder an Herrn Schmeitzner, ebenfalls die 50 frcs, von denen Du schriebst. Beunruhige Dich nicht, gegen den vorigen Winter gerechnet, bin ich doch gut gefahren, und viell. thut mir der Frühling wieder gut. — Die Augen stehn mir so selten noch zu Gebote! Verzeih meinen Anschein von Undankbarkeit, lieber guter Freund. Von Herzen Dich und Deine liebe Frau grüßend

F.N.

84a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Disposition)

Genua, um den 22. Februar 1881

Lisbeth
Hut
Notizbuch Bleistift
Stiefel

84b. An Paul Rée in Naumburg (Disposition)

Genua, um den 22. Februar 1881

Rée
Faust 4 xx
Süden?
Besuch v Jahr

85. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz

<Genua, 23. Februar 1881>

Werthester Herr Verleger

für alle Ihre Dispositionen meinen ergebensten Dank, ich glaube an Ihr aufrichtiges Wohlwollen für mich und deshalb glaube ich auch an Alles, was Sie in Dingen für mich thun, worin ich, wie Sie wissen, unerfahren bin. Was Geld betrifft, so verstehe ich nur Eins: wenig zu brauchen und zu sparen. Wer lebt denn wohl so philosophisch und gut (und doch keineswegs asketisch) als ich hier in Genua? Und doch brauche ich für jeden Monat nicht mehr als 60 Mark, Alles, auch das Zufälligste eingerechnet.

Dafür habe ich, schon meiner fast erloschenen Augen wegen, keine Aussicht auf irgend ein ernährendes Amt in meinem späteren Leben. Also wollen wir fortfahren zu sparen und zu sammeln! Dies ist heute aber nur die Nebensache. —

Ich frage nämlich an, ob Sie den Verlag eines neuen Buches übernehmen wollen, welches in der Abschrift des Herrn Köselitz vor mir liegt. Meine Bedingungen in Betreff der Ausstattung und des Honorars sind die alten. Dafür verlange ich aber, daß diesmal Herr Oschatz an Güte und Pünktlichkeit sich selber übertreffe — es muß ein Musterbuch werden.

Der Titel ist:

Eine Morgenröthe.
Gedanken über die moralischen Vorurtheile.
Von
Friedrich Nietzsche.

„Es giebt so viele Morgenröthen, die noch nicht geleuchtet haben.“ Rigveda.

Dies Buch ist das, was man „einen entscheidenden Schritt“ nennt — ein Schicksal mehr als ein Buch.

Geben Sie mir eine Antwort auf meine Anfrage, hierher, nach Genova (Italia) poste restante.

Sie wissen, daß ich immer mit den aufrichtigsten Wünschen für Sie bin und bleibe

Ihr Dr F. Nietzsche

86. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 24. Februar 1881>

Heute, in Folge eines starken Abführmittels, ein guter Tag, und helle Sonne! Ich habe sofort die Anordnung des Ganzen (im Groben) vorgenommen — es legte sich leicht und natürlich in 4 Massen auseinander, jede mit ihrer Grundfarbe, und von ähnlichem Umfange. Das Gelingen hat mich erheitert. Als ich das Ganze so wieder zusammen gesehen hatte, mußte ich lachen — es wird kein dickes Buch, aber es giebt nicht viele Bücher mit so viel Inhalt (rede ich jetzt als Vater des Buchs? ich glaube nicht) Meine drei Genueser Schutzpatrone Columbus, Mazzini und Paganini haben, wie mir scheint, etwas die Hand im Spiele gehabt. — Im Herbst verzweifelte ich, daß ich je die Stimmung und Kraft und Lust für das Ganze wieder finden würde — es war mir in Marienbad durch den Kopf geflogen. Und heute! — Dank Ihrer großen großen Güte!

F.N.

87. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 26. Februar 1881>

Lieber Freund, mit der Einen Hand warf ich einen Brief an Dr. Rée in den Kasten, mit der andern empfieng ich den Ihrigen und finde darin die mich entzückende Idee, dem Armen im Norden eine solche unsäglich feine, angemessene, gedankenvolle, hintergedankenvolle Dedikation zu machen. Ja, ihm etwas Sonne schaffen! Und Sie, wahrer Freund meiner Freunde, wie reich Sie immer zur rechten Zeit sind! So gegen Gersdorff! Ich schwärme und bin ganz glücklich! Wie viel des Guten kommt durch Sie zu mir!

F.N.

88. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 13. März 1881>

Das ist nicht recht, lieber Freund! Sie machen mich zum Vertrauten Ihrer Noth — und einer solchen Noth! — nachdem sie vorüber ist! Und es geht mir diesmal wie in Marienbad — es ist mir als ob Sie vor mir zurückflöhen und mich irgend wofür bestrafen wollten. Ich schäme mich immer, an diese Geschichten zu denken. Ach, ein Kärtchen und ein Wörtchen darauf und hundert frs. oder mehr fliegen zu Ihnen. — Nun, nichts für ungut! Aber Sie sind mir zu fein.

Ihre Nachrichten über Ihr Werk sind sehr gut. Fürst L<iechtenstein> ist mir immer, von sehr glaubwürdiger und urteilsfähiger Seite aus (Frau C<osima> Wagner) als ein ausgezeichneter Mensch gerühmt worden, ich freue mich, daß er auch gegen Sie Witterung verräth. Denn, lieber Freund, Sie sind zu entdecken.

Heute soll das M<anu>s<cript> an Herrn Schmeitzner abgehen. Was habe ich inzwischen alles um dieses Buches willen in mir durchgemacht! Nach einer kurzen kurzen Freude! Genug, ich fühle mich jetzt wieder auf offnem Meere, und die alte mir so wohlbekannte bittre Entschlossenheit hat mich wieder. —

Fragen Sie meinen alten Kameraden Gersdorff, ob er Lust habe, mit mir auf ein bis zwei Jahre nach Tunis zu gehen. Klima ausgezeichnet, nicht zu heiß — Überfahrt von Livorno über Cagliari sehr kurz, das Leben dort billig. Ich will unter Muselmännern eine gute Zeit leben, und zwar dort, wo ihr Glaube jetzt am strengsten ist: so wird sich wohl mein Urtheil und mein Auge für alles Europäische schärfen. Ich denke, eine solche Berechnung liegt nicht außerhalb meiner Lebensaufgabe. — Ein deutsch-schweizerisches Handelshaus in Tunis wird uns Logis besorgen. Aber erst muß das Buch fertig gemacht werden: ich will, daß bis Ende April ein Exemplar in Ihren Händen ist.

Von meinem Reiseplan bitte ich Sie und Herrn G<ersdorff> gegen andre Personen vorläufig zu schweigen. — Ein Maler des Genre’s findet in Tunis sein gelobtes Land: nur darauf hin mache ich dem Freunde diesen Vorschlag.

Lieber lieber Freund, warum kann ich Ihre Musik nicht hören! Ich bedarf aller Arten Gesundheit — es ist mir etwas zu tief in’s Herz gegangen, dieser „herzbrecherische Nihilismus“!

Nun, bleiben wir tapfer!

Treugesinnt F. N.

89. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz

Genova den 13ten März 1881.

Werthester Herr,

hier ist das Manuscript — es kostet mich einen bitteren Entschluß, es aus den Händen zu geben. —

Es werden gegen 16—18 Druckbogen sein.

Nach dem Titelblatt folgt ein Blatt mit der Aufschrift: Erstes Buch. — Es sind 5 Bücher. —

Als Norm für die Raum-Eintheilung betrachte ich „Menschliches Allzumenschliches“. Ja nicht eng zusammen drucken! Der Fehler des Buches ist so schon, daß die wesentlichsten Gedanken zu dicht sich folgen.

Nun aber Eile! Eile! Eile! Ich will von Genua fort, sobald ich das Buch fertig habe und sitze bis dahin auf Kohlen. Helfen Sie! treiben Sie Herrn Oschatz! Kann er mir nicht ein schriftliches Versprechen machen, daß bis spätestens Ende April das Buch hier in meinen Händen ist — fertig und vollkommen? —

Zu gleicher Zeit geht ein Bogen an Herrn Köselitz nach Venedig und ein Bogen an mich nach Genova (poste restante) ab.

Die Blätter und Blättchen des Ms. sind roth numerirt. Vier- oder fünfmal ist auch die Rückseite beschrieben.

Lieber Herr Schmeitzner, wir wollen Alle diesmal unsre Sache so gut als möglich machen. Der Inhalt meines Buches ist so wichtig! Es ist unsre Ehrensache, in nichts es fehlen zu lassen, daß es würdig und makellos zur Welt kommt. —

Ich beschwöre Sie, um meines Namens willen, jegliche Reklame zu unterlassen. Und manches Andere versteht sich von selber, sobald Sie selber erst das Buch gelesen haben.

Mit dem wärmsten Wünschen (aber einigem Herzklopfen)

Ihr ergebenster
Dr. F. N.

90. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 14. März 1881>

Hier, lieber Freund, kommt doch noch das M<anu>s<cript>. Ein Anfall meines Kopfleidens wird mich einige Tage „dienstunfähig“ machen — und so hilft vielleicht Gersdorff, die Zettel zusammenzukleben. Bitten Sie ihn darum in meinem Namen! (Machen Sie ihn darauf aufmerksam, daß 5 oder 6 auch auf der Rückseite beschrieben sind) Es sind 5 Bücher. Nach dem Titelblatt folgt ein Blatt mit der Aufschrift: Erstes Buch. (u.s.w.) Für das Titelblatt liebe ich die symbolischen Bezüge nicht. Einfache starke und muthige Linien und höchste Lesbarkeit der Worte! —

Treulich Ihr Freund
Nietzsche.

91. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 14. März 1881>

Meine Lieben, schönsten Dank für die Briefe. Es gieng und geht mir immer noch nicht gut. Ungünstiges Wetter. — Verzeihung, daß ich von B<aden->Baden gesprochen habe — an mich habe ich dabei gar nicht gedacht! Sondern nur, daß unser Mütterchen einmal einen angenehmen milden unterhaltenden und idyllischen Ort für ihr Alter habe, damit sie nicht in der dummen Beamtenstadt N<aumburg> allein übrig bleibe (dies N<aumburg> ist im Winter und im Sommer abscheulich — ich habe nie ein heimatliches Gefühl dafür gehabt, ob ich schon mich redlich bemüht habe, es mir dort gefallen zu lassen.) Über das Befinden der Frau von W<öhrmann> in Venedig habe ich keine guten Nachrichten. — Glaubt nicht, daß ich in ärgerlicher Stimmung schreibe. Ich wünsche von Herzen Euch wohl zu thun und denke viel an das, was Euch erfreuen könnte.

Euer F.

92. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 18. März 1881>

Lieber, lieber Freund, heute nur Ein Wort! Es giebt etwas, wovon Du zu allererst erfahren mußt — in Chemnitz ist ein neues Manuscript von mir in Arbeit. Dies ist das Buch, welches wahrscheinlich an meinem Namen hängen bleiben wird. — Welche Last habe ich auf den Schultern gehabt! Und welche habe ich nun erst mir aufgelegt! Nun, vorwärts und das Auge weder rückwärts noch zur Seite gewendet! Ich bin sehr bewegt und möchte Deine treue Hand fassen können. Meine paar wirklichen Freunde werden mich von nun an noch mehr durchs Leben zu tragen haben, ich werde ihnen und Dir Noth machen, aber es hilft nichts!

Von Herzen Dein Freund.

93. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Genua, 19. März 1881>

[ + + + ] <da>s erste Buch schon [ + + + ] Glück zu! — [ + + + ], werthester Herr! [ + + + ] Bücher, nämlich:

Lecky Geschichte des Ursprungs der Aufklärung.

Deutsch.

Lecky Sittengeschichte Europas. Deutsch.

(Beides bei C. F. Winter, Leipzig)

Grabbe’s ges. Werke Herausgegeben von O. Blumenthal.

(Ja nicht die andre neuere Ausgabe Gottschalls!)

Immer Genova, poste restante.

Der Correkturbogen wegen sehen Sie doch die Bestimmungen des Weltpostvertrags noch einmal ein! Ihr ergebener

F. N.

94. An Heinrich Köselitz in Venedig

Genova 20 März. 81.

Aber, lieber Freund, Ihre gestrenge Freundschaft wird mir wenigstens nicht verwehren können, eine Schuld abzutragen: ich denke an die zahllosen Brief- Correktur- Paket-Porti und Papier-Unkosten et hoc genus omne und versuche heute, etwas davon Ihnen zu ersetzen. Der Augenblick scheint mir gut gewählt, denn diese Sendung giebt mir die Befriedigung einer kleinen Bosheit, in Anbetracht, daß ich gerade so auf Ihren letzten Brief antworte. Sodann macht es mir Vergnügen zu denken, daß Sie nun ein paar Wochen länger in Venedig bleiben werden.

Ich bin heute guter Dinge, denn der Kopfschmerz, der von Sonntag Nachmittag bis zur letzten Nacht dauerte, ist wieder fort.

Danken Sie Gersdorff für die Aussicht, die er mir giebt. Ich liebe feste Termine: ist es möglich, den 15 September als solchen in’s Auge zu fassen? —

Die Titelblatt-Affaire wollen wir aufgeben! Es ist auch daran etwas zum Lachen! Nämlich: ich wünschte dabei nur Sie zufriedenzustellen, da Sie das letzte Mal sich so ärgerlich über Herrn Schmeitzners und Oschatzens Ungeschmack äußerten — ich selber aber war gar nicht so unzufrieden und dachte im Stillen: „dies versteht eben Freund Köselitz besser“ Nun, denke ich, beschränken wir uns darauf, Hrn. Oschatz einige Versuchstitel mehr fabriziren zu lassen — und Sie wählen den relativ erträglichsten aus! — Überdieß: wir wollen Hrn. Schmeitzner ja keine Kosten mehr aufbürden — zuletzt ruinirt er sich noch mit meinen unverkäuflichen Büchern. Wie eigentlich so ein Buch empfunden wird, möchte ich gern wissen; ich habe den schlimmsten Argwohn, wenn ich z. B. nach dem Briefe Rohde’s weiter rathe und mir den ungeneigten Leser denke — was im Grunde, für den Fall des neuen Buches, Jedermann sein wird!

Dagegen freilich hat der Verfasser der Aera Bismarcks mich „den deutschen Montaigne Pascal und Diderot“ genannt. Alles auf Ein Mal! Wie wenig Feinheit ist in solchem Lobe, also: wie wenig Lob! —

Schädlich wenigstens wird das Buch nicht wirken — nur daß ich selber es zu büßen haben werde! Ich gebe ja nicht nur den hochmoralischen, sondern allen anständigen und braven Menschen einen Anlaß, sich ihrer Moralität und Bravheit auf meine Unkosten zu freuen. Ich will zusehen, wie ich davon komme; weiß ich doch besser als Alle es wissen können, daß Alles noch zu thun ist, und daß ich selber nur auf Tage und Stunden den Charakter habe, der nöthig ist, um hier überhaupt noch an ein „Thun“ zu denken.

Ach, Freund, ich werde unklar, weil ich in diesen Nothdingen meines Selbst zu sehr umgetrieben bin und zuviel mit Einem Worte empfinde.

Sagen Sie mir, daß Sie mir gut sind, auch trotz der heutigen Boshaftigkeit — aber schreiben Sie es nicht auf Briefpapier, sondern auf ein Kärtchen, damit es Ihnen so wenig als möglich Zeit nimmt.

Von Herzen der Ihre:
treugesinnt F. N.

Jeder Titel muß vor Allem citirbar sein: also müssen wir ändern! Nicht „Eine Morgenröthe“, sondern nur: Morgenröthe. So klingt es auch nicht so prätentiös.

95. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 21. März 1881>

Ich bin so glücklich, lieber Freund, hier ein paar Büchlein Ihnen schicken zu können, die wie für Sie gerade geschrieben scheinen; wenigstens weiß ich Niemanden, der mehr Nutzen aus ihnen ziehn könnte. Es ist der Theil der musikalischen Aesthetik, der uns jetzt in Deutschland vorenthalten wird. — Und dann: wo findet sich ein zweiter Ohrenzeuge wieder, der zugleich auch so sehr Augenzeuge und mehr noch ist! — Er kennt den alten Haydn persönlich — und was weiß er zu erzählen! Einen herzlichen Gruß und Dank an Gersdorff! Denkt er wirklich daran, mich zu begleiten? — Herr Oschatz soll einige Versuchs-Titel mehr fabriziren, und Sie werden den erträglichsten auswählen — mehr wünsche ich nicht. Sie waren das letzte Mal (beim „Wanderer“) so ärgerlich über den Ungeschmack: ich hatte bei der Anregung dieses Thema’s nur den Wunsch, Ihnen diesen Ärger diesmal zu ersparen (ich selber nämlich war gar nicht unzufrieden: es ist zum Lachen!)

Mein Kopfschmerz hat 6 Tage diesmal gedauert! —

Treulich Ihr Freund.

96. An Erwin Rohde in Tübingen

<Genua, 24. März 1881>

So läuft nun das Leben dahin und davon, und die besten Freunde hören und sehen nichts von einander! Ja das Kunststück ist nicht gering: zu leben und nicht mißmuthig zu werden! Wie oft bin ich in dem Zustande, wo ich gerne bei meinem alten rüstigen blühenden tapferen Freunde Rohde eine Anleihe machen möchte, wo ich eine „Transfusion“ von Kraft, nicht von Lammblut, sondern von Löwenblut recht von Nöthen hätte — aber da steckt er in Tübingen, in Büchern und im Ehestande, für mich in allen Beziehungen unerreichbar. Ach, Freund, so muß ich denn fort und fort vom „eignen Fette“ leben: oder wie Jeder weiß, der dies einmal recht versucht hat, vom eignen Blute trinken! Da gilt es sowohl den Durst nach sich selber nicht verlieren als auch sich nicht auszutrinken.

Im Ganzen bin ich aber erstaunt, um es Dir zu gestehen — wie viel Quellen der Mensch in sich fließen lassen kann. Selbst einer, wie ich, der nicht zu den reichsten gehört. Ich glaube, wenn ich alle die Eigenschaften besäße, die Du vor mir voraus hast, ich würde übermüthig und unausstehlich. Schon jetzt giebt es Augenblicke, wo ich auf den Höhen über Genua mit Blicken und Empfindungen herumwandele, wie sie von eben hier aus vielleicht einmal der selige Columbus auf das Meer und auf alle Zukunft hinaus gesandt hat.

Nun, mit diesen Augenblicken des Muthes und vielleicht sogar der Narrheit muß ich mein Lebensschiff wieder in’s Gleichgewicht zu bringen suchen. Denn Du glaubst nicht, wie viel Tage, und wie viel Stunden selbst an erträglichen Tagen — überstanden werden müssen, um nicht mehr zu sagen. Soweit man mit „Weisheit“ der Lebenspraxis einen schwierigen Zustand der Gesundheit erleichtern und mildern kann, thue ich wahrscheinlich Alles, was man in meinem Falle thun kann — ich bin darin weder gedanken- noch erfindungslos — aber ich wünsche Niemanden das Loos, an welches ich anfange mich zu gewöhnen, weil ich anfange zu begreifen, daß ich ihm gewachsen bin.

Aber Du, mein theurer lieber Freund, bist nicht in einer solchen Klemme, wo man sich dünn machen muß, um gerade sich durchzuwinden; Overbeck ist es auch nicht, ihr thut eure schöne Arbeit und ohne viel davon zu sprechen, vielleicht ohne viel davon zu denken, habt Ihr alles Gute vom Mittage des Lebens — und ein wenig Schweiß dazu, wie ich vermuthe. Wie gerne hörte ich ein Wort von Deinen Plänen, von großen Plänen — denn mit einem solchen Kopfe und Herzen, wie Du hast, trägt man hinter all der täglichen und vielleicht kleinen Arbeit, irgend etwas Umfängliches und Sehr-Großes mit sich herum — wie sehr würdest Du mich erquicken, wenn Du mich solcher Mittheilungen nicht für unwürdig hieltest! Solche Freunde wie Du müssen mir helfen, den Glauben an mich in mir selber aufrecht zu erhalten; und das thust Du, wenn Du mich für Deine besten Ziele und Hoffnungen zum Vertrauten behältst. — Wenn sich unter diesen Worten die Bitte um einen Brief verbergen sollte, nun ja! liebster Freund, ich hätte gerne etwas recht, recht Persönliches von Dir wieder einmal in Händen — damit ich nicht immer nur den vergangenen Freund Rohde im Herzen empfinde, sondern auch den gegenwärtigen und — was mehr ist — den werdenden und wollenden: ja den Werdenden! den Wollenden!

Von Herzen
der Deine.

Sage Deiner lieben Frau ein Wort zu meinen Gunsten: sie soll nicht böse sein, daß ich sie immer noch nicht kenne: irgend wann einmal mache ich Alles gut.

Genova (Italia)
poste restante

96a. An Julius Wolff in Berlin

Genua, Mo 28. März 1881

28 März 1881.
Adr.: Genova (Italia)
poste restante.

Sehr geehrter Herr,

das sind traurige Nachrichten — ich hatte gehofft, es stünde jetzt besser mit der geistigen Gesundheit des Hrn O<tto> B<usse> eben weil ich ein Jahr lang nichts mehr von ihm gehört habe! Im Frühjahr 1880, als ich in Venedig war, wurde ich, um die ganze Wahrheit zu sagen, durch seine wichtigthuerischen Sendschreiben in einem Grade belästigt, daß ich dem mit Gewalt ein Ende machen mußte — ich sagte ihm, in dem einzigen Briefe, den ich an ihn geschrieben habe, die „Wahrheit“, immerhin, wie sich von selber versteht, so schonend als es ein Mann von so edlen und hochherzigen Sinnen von mir erwarten kann. Ich widerrieth ihm sich mit meinen Gedanken zu beschäftigen, suchte ihm in Hinsicht auf seine frühere praktische Thätigkeit wieder Muth zu machen, erklärte es als eine Selbsttäuschung, wenn er glaube, daß ich in irgendwelchen Stellen meiner Schriften an ihn gedacht hätte oder daß gar meine Schriften durch ihn hervorgerufen seien — so weit ging sein Wahn — / endlich: ich drückte so kräftig als möglich mein Unbehagen über den Ton aus, in dem er von mir zu sprechen sich gewöhnt hatte. Es war ein so abkühlender Brief, als ihn die hitzige Schwärmerei seiner Sendschreiben eben nöthig machte. Später habe ich ihm durch einen eben so besonnenen als vertrauenswürdigen Freund erklären lassen, daß ich weitere Schriftstücke nicht mehr lesen würde — in der That ist das Umfänglichste, beinahe ein Broschürchen, mir bis heute unbekannt. Von einem Werthe, gar einem wissenschaftlichen Werthe kann bei diesen schwülstigen und oft ganz unverständlichen Schriftstücken nicht die Rede sein. — Wahrscheinlich hat jener Freund in diesen Angelegenheiten mit Hrn. O<tto> B<usse> noch einige Briefe gewechselt — ich wollte damals von alledem nichts mehr hören und unterließ absichtlich ihn zu fragen. Vielleicht ist es Ihnen, verehrter Herr, erwünscht, die Adresse dieses Freundes zu haben. Hier ist sie:

Signore H. Köselitz

Venezia
S. Canciano Calle nuova 5256. /

Aus früherer Zeit erinnere ich mich einer Karte, die ich an Hrn. O<tto> B<usse> schrieb, um zu erklären, daß ein brieflicher Verkehr für mich eine Unmöglichkeit sei (denn ich bin fast blind — Verzeihung! Auch dieser Brief ist nur eine Ausnahme. Mein einziger Brief an Hrn O. B. ist von mir Herrn Köselitz in die Feder diktirt worden.)

Von ganzem Herzen wünsche ich, irgendwie zur Genesung eines so ausgezeichnet guten Menschen beitragen zu können. Wäre ich nur in seiner Nähe! — ich wollte ihn schon vom Glauben an seine und meine „Größe“ abbringen! Aber meine Gesundheit gebietet mir, im Süden, in einem Hafenort des mittelländischen Meeres zu leben. Sollte ein Arzt es rathsam finden, Hrn B. für längere Zeit in meine Nähe zu versetzen: so geben Sie mir Nachricht! Man sagt mir nach, daß ich beruhigend auf meine Umgebung wirke; und meine Lebensweise ist so einfach und natürlich, daß Herr O. B. sie nicht ohne Nutzen annehmen würde. Genug: ich wollte Ihnen nur sagen, wie gern ich helfen möchte! Ganz ergeben der Ihre

Dr. F. Nietzsche

97. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 30. März 1881>

Aber, liebster Freund, das war eine Vergiftung! Wahrscheinlich hat man Ihnen gefälschten Wein zu trinken gegeben; denken Sie ja darüber nach, wo Sie dies Gift in den Leib bekommen haben mögen! — Eben las ich in Ihrem Hefte „Carnevale von Venedig“ und zwar zum ersten Male! Sonderbar! das Vorurtheil, es sei viel von meinen Meinungen darin, hatte mich bisher dagegen eingenommen. Jetzt werde ich auf das Angenehmste überrascht: es ist purus Köselitzius, reiner guter und nicht verfälschter Wein aus Ihrem Weinberge! Es thut mir alles so wohl; und ich glaube, es sind sehr nützliche Tendenzen in diesem Hefte ausgesprochen, die nicht nur mir nützlich und wohlthuend erscheinen werden! Z. B.: alle diese Bemerkungen über A<dalbert> Stifter’s Nachsommer! Das könnte manchem Dichter, manchem Leser und manchem, der beides noch nicht ist, recht zu Statten kommen! Ich wünschte, Sie machten sich einmal inmitten Ihrer Arbeit „Ferien“ und schrieben dieses Heft um, mit allem Behagen und ohne jegliche Rücksicht auf das „mein“ und „dein“ zwischen uns Beiden — welches ja, nach der Ethik der Pythagoreer, unter Freunden nicht existirt! Und so soll es sein! Ganz vertraulich und heimlich gesprochen: für wen schrieb ich denn das letzte Buch auf? Für uns: wir müssen uns einen Schatz an Eigenem sammeln, für das Alter! Denn mit dem Gedächtniß ist es nichts, ich habe z. B. den Inhalt meiner frühern Schriften fast vergessen, und finde dies sehr angenehm, viel besser jedenfalls als wenn man alles früher Gedachte immer vor sich hätte und sich mit ihm auseinandersetzen müßte. Giebt es vielleicht doch eine solche Auseinandersetzung in mir, nun, so geht sie im „Unbewußten“ vor sich, wie die Verdauung bei einem gesunden Menschen! Genug: wenn ich meine eignen Schriften sehe, ist es mir als ob ich alte Reiseabenteuer hörte, die ich vergessen hätte. Sehen wir zu, daß wir unser ganzes Leben derartig für uns monumentalisiren — es ist mir ganz gleichgültig und leerer Schall in den Ohren, wenn ein solches Begehren „Eitelkeit“ heißt. Seien wir doch eitel für uns und so sehr als möglich!

Der Übelstand meiner Augen ist groß, jetzt z. B. nach der Arbeit dieses Winters muß ich viele Tage verstreichen lassen, ohne ein Wort zu lesen und zu schreiben; und kaum begreife ich’s, wie ich mit diesem Manuscript fertig geworden bin. Voller Bedürfnisse, etwas zu lernen und recht gut wissend, wo das steckt, was gerade ich zu lernen habe, muß ich das Leben so hinstreichen lassen — wie es meine elenden Organe, Kopf und Augen, fordern! Und es handelt sich nicht um ein Besserwerden! Es wird immer kümmerlicher, und die Dunkelheit nimmt zu!

Also, lieber guter Freund, machen Sie ein Venediger Gedenkbuch, geben Sie es anonym heraus (oder mit einem neuen Namen) und denken Sie daran, wie uns so ein Buch dieses Inhaltes erquickt haben würde, wenn es zu uns versteckten Jünglingen in unsere deutschen Winkel gelangt wäre, damals als wir 20 Jahr alt waren!

Nun noch ein Wort von unsern Bekümmernissen! Herr Otto Busse macht seinen Verwandten und Freunden die größte Sorge (— voller Größenwahn, (in Bezug auf sich und mich!)) und diese wenden sich nun an mich! — meinend, ich hätte ihm etwas in den Kopf gesetzt! Das soll ich nun wieder hinausschaffen! Er hält sich für den Reformator der Deutschen und mich für die „Autorität der Autoritäten“ — kurz: Muhammed und Allah! Er behauptet, daß „wissenschaftliche Werke“ von ihm in meinen Händen seien! für die die Deutschen noch nicht reif seien! u.s.w. Alles unter sieben Siegeln Ihnen anvertraut!

Dann: Herr Schmeitzner behandelt mich nicht artig. Vor 5 Wochen hat er mir ein Kärtchen geschrieben, (mit der allzu sächsischen Wendung „Ei natürlich verlege ich Ihr Buch!“) Seitdem tiefes Schweigen, trotzdem daß ich 2 Briefe und 2 Karten abgesandt habe! Daß ihm eine Ehre widerfährt, wenn er dieses Buch herausgeben darf, davon hat er keine Vorstellung.

Nun möchte ich gern etwas verreisen, um meinen Kopf etwas zu zerstreuen und viel Spazieren zu gehn — es ist dies sehr nöthig, damit ich nicht von meinen Skrupeln aufgefressen werde! (Verfluchte Melancholei!) Aber Correkturbogen! Fast hätte ich Lust, diese ganze Druckgeschichte Herrn Schmeitzner aus den Händen zu nehmen: ich warte nur, daß er mir einen Anlaß giebt. Vielleicht erweise ich ihm eben damit einen großen Dienst: denn wer mag ein solches Buch gerne als Verleger vertreten!

Frau von Wöhrmann hat ihre Söhne kommen lassen — es steht also wohl schlimm! — —

Charron — vorzüglicher Gedanke! Es ist das Erziehungsbuch des alten französischen Adels! — Es lebe unser Stendhal! Ja, die Rangordnung der Geister ist noch nicht gemacht! — P<rosper> Mérimée ist jetzt der best beschimpfte Franzose unter Franzosen aller Parteien! ihr erster großer Erzähler aus diesem Jahrhundert!

Gehen wir unsere Wege nur weiter! Man trifft doch auf mancherlei Gutes dabei! —

Von Herzen Ihr F. N.

98. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 6. April 1881>

Sie thun mir so wohl, lieber Freund, mit Vielem und mit Ihren Briefen namentlich — und ich habe das Wohlthuende jetzt recht nöthig! Es geht mir gar nicht gut. Wie gerne käme ich zu Ihnen, namentlich wenn ich jetzt denken darf, daß es nicht ganz wider Ihren Wunsch ist! Aber Venedig ist noch zu voll, ich kann nicht die Geselligkeit wieder aufnehmen, wie ich sie ehemals liebte, jede Unterhaltung ist jetzt, nach einem halbjährigen Nicht-reden, für mich eine ernste Sache. — Wann reist G<ersdorff> ab? — Aber da ist die arme Frau von W<öhrmann>, unsrer Familie so nahestehend und mir selber (sie hat mir wieder und wieder versprochen, „wie eine Schwester“ für mich sorgen zu wollen) Auch ihre beiden Söhne sind in V<enedig>. Dieses Ihr Venedig liegt an der Heerstraße für alle guten Menschen. Schlimm für mich! Ich käme gar zu gern.

Treugesinnt Ihr F. N.

Schmeitzner’s Schweigen auf alle Briefe und Karten ist wider die „gute Sitte“ —

99. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 6. April 1881>

Meine Lieben, Verzeihung, daß ich so spät antworte! Ich wartete lange auf einen guten Tag. Diese Uebergangsmonate in Genua sind mir nicht dienlich, ich bin fast immer krank, die Unruhe des Wetters ist gar zu groß. Die vielen Wolken und Südwinde drücken Stimmung und Kopf, seit 6 Wochen habe ich gar nichts mehr gethan. Nun, das muß man erfahren und sich anderemale darnach richten (Mit den Wintermonaten bin ich hier einverstanden) Auch wird die Sonne mir jetzt zu hell, wenn sie scheint — und meine Spaziergängerei ist nicht mehr durchzuführen, die doch von allen meinen Gesundheits-Maßregeln die wichtigste ist. — Die Genueser Küche ist für mich gemacht. Werdet Ihr’s mir glauben, daß ich jetzt 5 Monate fast alle Tage Kaldaunen gegessen habe? Es ist von allem Fleische das Verdaulichste und Leichteste, und billiger; auch die Fischchen aller Art, aus den Volksküchen, thun mir gut. Aber gar kein Risotto, keine Makkaroni bis jetzt! So veränderlich ist es mit der Diät nach Ort und Klima! — In herzlicher und dankbarer Liebe

Euer F.

100. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 6. April 1881>

Sonderbar! Den Tag vor Deinem Brief, mein lieber Freund, habe ich endlich einen Brief an Rohde abgesandt; es that mir sehr wohl zu hören, daß er bei Euch sei — das ist wie eine Badereise für ihn. Hätte ich Dich nur auch so nahe! Ich hätte einigen Zuspruch und die gute beschwichtigende Nähe des Vertrauens auch recht nöthig. Die letzten Monate waren mir hier ungünstig, für andre Jahre will ich mir’s merken (die Unruhe des Wetters ist gar zu groß — aber mit den Wintermonaten in G<enua> bin ich einverstanden). — Was ich schrieb, daß mein Ms. in Arbeit in Ch<emnitz> sei, muß ich seltsamer Weise widerrufen. Hr. Schm<eitzner> hat seit 6 Wochen sich in tiefes Schweigen gegen mich gehüllt und antwortet auf nichts mehr: selbst daß mein Ms. überhaupt in seinen Händen ist, kann ich auf keine Weise erfahren. Völlig unverständlich! — Dir und Deiner lieben Frau den herzlichsten und dankbarsten Gruß.

101. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 10. April 1881> Sonntag früh.

Als ich gestern Ihren Brief las, „gieng mein Herze in Sprüngen“, wie das Kirchenlied sagt, — es war gar nicht möglich, mir jetzt zwei angenehmere Dinge mitzutheilen! (Das Buch, zu dem allmählich in mir ein nicht geringer Hunger entstanden ist, wird wohl heute in meine Hände kommen) Also: so soll es sein! Wir Beiden kommen noch ein Mal zusammen, auf dieser aussichtsreichen Kante des Lebens und schauen mit einander vorwärts und rückwärts und geben uns die Hand dabei, zum Zeichen, daß uns viele viele guten Dinge gemeinsam sind, mehr als wir in Worten sagen können. Sie können es kaum wissen, wie erquickend mir der Gedanke dieser Gemeinsamkeit ist — denn Einer mit seinen Gedanken allein gilt als Narr, und oft genug auch sich selber: mit Zweien aber beginnt die „Weisheit“ und die Zuversicht und die Tapferkeit und die geistige Gesundheit. — — — — — —

Also Recoaro! Ich habe nur noch bis Ende dieses Monates mein Zimmer in Miethe und gedachte jedenfalls den ersten Mai abzureisen: nun, wenn es Ihnen gelegen kommt, so reise ich an diesem Tage nach Vicenza (von da sind es 4 Stunden Fahrt — das ist für den nächsten Tag) Sehen Sie doch zu, noch Einzelheiten über Preise der Zimmer u.s.w. zu bekommen; ich habe gelernt, daß das Wissen um Preise die Hälfte der Sparsamkeit selber ist. (Hier habe ich monatlich, alles in allem, 80 lire gebraucht — so billig kann man nur in großen Seestädten leben!)

Beim Weiterlesen im Venediger Hefte ist mir der Wunsch, den ich Ihnen ausdrückte, immer lebhafter gekommen. Wirklich, es steht der Inhalt dieses Heftes nicht in meinem neuen Buche — aber es ist wie die gute Nachbarschaft dazu. Zweierlei fiel mir auf: einmal, Sie haben so viel erlebt und sodann, Sie haben mehr als irgend Jemand, den ich kenne, sich geübt, seit vielen Jahren, sich hell gut und eigentlich auszudrücken: die Worte strömen Ihnen jetzt zu, die rechten Worte. Sie dürfen mir ein wenig hierin vertrauen — ich habe in solchen Dingen Witterung und selbst einiges Wissen. Und damit Sie nicht glauben, ich wolle Sie jetzt loben, füge ich gleich hinzu: Sie verstehen sich als Schriftsteller nicht auf das Schimpfen und nicht auf die Bosheit — und das zu wissen ist ganz gut. Es giebt Menschen, deren Charakter immer gerade zu derselben Zeit seine hohe Fluth hat, wo ihr Intellekt die seine hat: es scheint mir, daß Sie zu diesen gehören. Es hat dies auch einige kleinere Beschränktheiten in sich, welche man, wie gesagt, wissen muß, um von sich nichts Falsches zu fordern.

Gestern habe ich, unter Anleitung meiner Wirthin, ein Genueser Gericht gekocht, dessen Hauptbestandtheile Artischocken und Eier waren.

Ich bin jetzt so weit hier heimisch, daß alle, denen ich meiner Lebensbedürfnisse halber mich nähere, ein freundliches Gesicht und Wort für mich haben. Ja, ich habe Beispiele von einem mehr als artigen, „uneigennützigen“ Betragen gegen mich.

Dagegen schweigt Herr Schm<eitzner> fortgesetzt, was weder freundlich, noch artig ist: vor 7 Wochen kündigte er einen Brief, durch jenes Kärtchen, an — aber der Brief kam nicht. Ich bat ihn vor 4 Wochen, mir ein paar Bücher zu schicken — aber die Bücher kamen nicht. Er nöthigt mich, nun auch zu schweigen.

Das Titelblatt sah greulich aus! — Eine wesentliche Änderung habe ich gemacht — Morgenröthe und nicht „Eine M.“ Ein Titel muß vor allem citirbar sein, — das war er bisher nicht. Zudem: in dem „Eine“ lag etwas Pretiöses.

Leben Sie wohl! Den allerschönsten Dank!

Ihr Freund F. N.

Sagen Sie Gersdorffen, daß der ausbrechende Krieg in Tunis alle Reisepläne in’s Weite schiebt, und daß es unrathsam ist, für diesen Herbst und Winter als Fremder dort anzulanden — man hat die mißtrauische Gesinnung und Schlimmeres gegen sich. — Ärgerliche Kreuzung!

102. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 10. April 1881>

Meine liebe liebe Lisbeth, einem so guten Briefe muß ich mit etwas Gutem antworten. Also: ein neues größeres Buch von mir! Mit dem Manuscript habe ich seit 2 Monaten nichts mehr zu thun, der Druck wird einen guten Theil des Sommers wegnehmen und ein Zusammensein mit Hrn. Köselitz nöthig machen <doch nicht in Venedig!> Dies ist ein entscheidendes Buch, ich kann nicht ohne große Bewegung daran denken. — Und noch etwas Heiteres: gestern habe ich auf meiner Maschine ein Genueser Gericht unter Anleitung meiner Wirthin gekocht, und siehe, es war vortrefflich! Hauptbestandtheile Artischocken und Eier (Die Artischocke kostet 7—8 Pfennige)

Lebt wohl und behaltet mich lieb! Wetter und Gesundheit molto variabile.

F.N.

103. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 16. April 1881>

In solchen herrlichen schlichten und fröhlichen Büchern wie dem Mayer’s giebt es eine Harmonie der Sphären zu hören: eine Musik, die nur für den wissenschaftlichen Menschen bereitet ist. — Was ist der Ruhm! Charron der Verfasser von „sur la sagesse“ war vielleicht der gelesenste Autor zweier Jahrhunderte, nächst Montaigne. Und jetzt! — Er war Geistlicher und berühmt durch seine Predigten gegen Reformation; lebte in der Nähe und im Umgang mit dem alten M<ontaigne> — mehr hat mein Gedächtniß nicht über ihn. Es muß eine schöne neue Ausgabe etwa aus den fünfziger Jahren geben. Kräftiges schönes Altfranzösisch! — Vergessen Sie nicht, Badehosen nach Recoaro mitzunehmen!

Verzeihung für dies unanständige Durcheinander!

Mit herlichem Gruße Ihr Freund

F.N.

(„Über Auslösung“ ist für mich das Wesentlichste und Nützlichste im Buche)

104. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Genua, 16. April 1881>

Aber, werther Herr Verleger, unter solchen <Umständen> hätten Sie anders gegen mich handeln s<ollen! Ich bin> sehr unzufrieden: meine wesentliche Bed<ingung war> die Schnelligkeit der Herstellung und ein sch<nelles Arbeiten> mit dem Drucker (bis zum 1 Mai fertig zu s<ein). Soll ich> dieser verteufelten Correkturbogen wegen <noch den ganzen> Sommer verlieren? Mein Geist sollte gerade <für diese> Zeit Ruhe und Freiheit von den Problemen haben, von denen diese Blätter handeln. — Freiheit für etwas Anderes! Und nun kommen diese Bogen, wie Tropfen um Tropfen, mit einer schändlichen Hartnäckigkeit — alle Wochen einer! Warum schrieben Sie mir 7 Wochen nicht, nachdem Sie einen Brief mir angekündigt hatten! — Heute, am 16 April sind 2 Bogen erledigt!!! F.N.

105. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Genua, 19. April 1881>

Geehrtester Herr Verleger,

der eben ankommende Brief des Herrn B. G. Teubner, in dem er mir wöchentlich 4 Bogen zusagt, besänftigt mich einigermaaßen — ich schreibe es Ihnen gleich, damit Sie nicht glauben, ich sei gallsüchtig.

Ich ersuchte Sie, vor 4 Wochen, um die Zusendung von 3 Büchern: sollte die Karte nicht in Ihre Hände gekommen sein? Ich gl<aube> [+ +] in den 7 Woch<en Ihres Schwei>gens gehörte die <Erfüllung> meiner Bitte nic<ht zu den „Un>begreiflichkeiten“. [+ + +]

106. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 26. April 1881>

Also, lieber Freund, nächsten Sonntag reise ich Ihnen entgegen und denke halb sechs Nachmittag in Vicenza Sie zu finden; für den Fall, daß irgendwie wir uns dort nicht finden, würde ich gerne noch von Ihnen den Namen des Gasthauses erfahren, in dem wir die Nacht zubringen und nach welchem ich mich sofort vom Bahnhofe begeben würde.

Teubner ist von unserm Ortswechsel benachrichtigt.

Sie bringen doch Ihre Musik mit? Und vielleicht auch Chopin?

Ich kann Ihnen nicht sagen, wie ich mich freue, daß wir nun doch noch zusammenkommen! Wer weiß, wohin unsre Winde und Stürme uns nachher treiben! Es giebt leider zu viele Himmelsrichtungen (und nicht nur Himmels-!)

Von ganzem Herzen Ihr treuer Freund

F.N.

107. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 28. April 1881>

Meine Lieben, ich bin in vollem Einpacken, denn Sonntag verlasse ich auf einige Monate Genua, um mit Herrn Köselitz zusammen mein Buch zu corrigiren und Wald Berg und Freundschaft zu genießen. Es ist eine italiänische Sommerfrische „Recoaro (presso di Vicenza) Italia“ ist die Adresse fürderhin und poste restante. Meine Koffer lasse ich hier, gepackt, und ebenso habe ich schon für meine Rückkehr eine Wohnung in Genua. Es ist nicht dieselbe wie bisher, weil meine Wirthin nach Spezia übersiedelt. — Mein Befinden war gar nicht gut, die ganze letzte Zeit: auch 2 ganz harte Anfälle der alten Art (mit Erbrechen usw.) gab es. Doch weiß ich ungefähr die Gründe. — Schönsten Dank für den Brief mit Thüringer Luft und anderem Guten. Dies Jahr komme ich nicht nach Deutschland, aus Sparsamkeit usw. Es denkt Eurer in Liebe

Euer F.

Das Paket welches ich sende, ist erst am 10 Juli aufzumachen! Pardon!!

107a. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Disposition)

Genua, um den 28. April 1881

Naumburg wegen Daniel Stern

108. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 28. April 1881>

Lieber theurer Freund, Sonntag verlasse ich Genua auf einige Monate und gehe nach Recoaro (presso di Vicenza) einer ital<ienischen> Sommerfrische, wohin auch Hr. Köselitz kommt. Willst Du mir dorthin den neuen „grünen Heinrich“ senden? Alle Jahre Ein gutes Buch zu lesen, ist gewiß keine Ausschweifung (voriges Jahr lasen wir den „Nachsommer“). — Fr<eund> Rohde hat einen langen Brief über sich geschrieben, an dem mir aber zweierlei fast wehe that 1) die Art Gedankenlosigkeit in Betreff der Richtung des Lebens bei einem solchen Menschen! und 2.) die Masse schlechten Geschmacks in Wort und Wendung (vielleicht nennt man’s auf deutsch<en> Universitäten „Witz“ — der Himmel behüte uns davor!) Dir und Deiner lieben verehrten Frau einen guten Sommer und heiteren Himmel! (am Himmel hängt bei mir fast Alles, es gieng mir also nicht gut!)

109. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 18. Mai 1881>

Meine Lieben, es will mir scheinen als hätte ich recht lange nichts von Euch gehört. — Mir ist es seit meiner Abreise so gegangen wie voriges Jahr nach der Abreise von Venedig: schlecht, sehr schlecht — deshalb schrieb ich nicht. Die erwähnte Sendung von Genua mußte ich unterlassen, es gab Schwierigkeiten, die ich mit meiner Unkenntniß der Sprache nicht überwältigen konnte: Verzeihung! — Zu meinen schönsten und überraschendsten Erlebnissen gehört die Entdeckung, die ich hier mache, wo ich Freund Köselitzens komische Oper kennen lerne: er ist ein Musiker ersten Ranges und was er kann, kann ihm unter den Lebenden keiner nachmachen. Dabei genieße ich noch etwas Persönliches: es ist gerade die Musik, die zu meiner Philosophie gehört. — Leider gebietet meine Gesundheit mir die größte Enthaltsamkeit in diesem Genusse. Meine Adresse habt ihr: Recoaro, presso di Vicenza, Italia, poste restante.

In herzlicher Liebe Eurer gedenkend

F N.

110. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Recoaro, 18. Mai 1881>

Nur ein Wort des Dankes, mein lieber Freund, für die Besorgung des „grünen Heinrich“, er soll mir eine rechte Sommerfreude werden. Wenn Du mein nächstes Gehalts-Quartal an Schmeitzner sendest, bringe dies Buch, bitte, in Verrechnung. — Mein Befinden ist schlecht. Der Druck wird sich viel<leicht> noch über 2 Monate hinschleppen. — Nun aber noch eine frohe, sehr frohe Botschaft: unser Freund K<öselitz> ist ein Musiker ersten Ranges, sein Werk von einem neuen und eigenen Zauber der Schönheit, in dem Keiner der Lebenden ihm gleichkommt. Heiterkeit, Anmuth, Innigkeit, ein großer Bogen der Empfindung, von der harmlosen Lustigkeit hinauf bis zur unschuldigen Erhabenheit: dabei eine technische Vollkommenheit und Feinheit der Ansprüche an sich selbst, die mir, in diesem groben Jahrhundert, unsäglich erquickend vorkommt. Zu alledem: es giebt eine Verwandtschaft zwischen dieser Musik und meiner Philosophie: letztere hat die wohltönendste Fürsprecherin gefunden! —

111. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Recoaro, 31. Mai 1881>

Lieber Freund, soeben rüstet sich Hr. K<öselitz> zu seiner Ab- und Rückreise. Es ist so nöthig — für uns Beide. Meine Gesundheit verträgt, trotz aller Vorsicht, ein solches Zusammensein nicht mehr, es gab Anfälle von der übelsten Basler Manier. — Ich bleibe der Druckbogen wegen noch hier (die helle Sommersonne und die anscheinende Unmöglichkeit, einen Ort zu finden, der für meine armen Augen und die ebenen langen guten Spaziergänge, die mein Kopf braucht, gleichmäßig sorgt, bringt mich mitunter fast zur Verzweiflung; voriges Jahr habe ich nach sorgfältigstem Aussuchen von scheinbar möglichen Orten acht mal eine Enttäuschung erlebt, und in diesem Sommer geht es ebenso los!) Sicher bleibe ich bis Mitte Juni. Die Fortsetzung des „grünen Heinrich“ bitte ich mir später (etwa August) aus.

Dir und Deiner lieben Frau von Herzen ergeben

F.N.

112. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Recoaro, 5. Juni 1881>

Lieber Freund, es geht gar nicht gut, — aber ein Gefühl der Herzstärkung ist mir von unserm Zusammensein übrig geblieben, das ich nicht missen möchte! Ich bin Ihnen sehr dankbar für die Überwindung, nach Recoaro zu gehen und hier so lange auszuhalten. Noch nie gab es für mich einen Mai, der es so sehr gewesen wäre, wie dieser! Es ist so vieles offenbar geworden, und was noch alles von dem alten lieben Köselitzius absconditus an’s Licht hinaus will, das ist gar nicht mehr abzusehen! — Ich träume davon unterwegs. Jeden Nachmittag war ich auf drei Viertel Höhe des Spitz. Veränderte Diät: alle Minestren, Risotti, Macaroni, Polenten abgeschafft! Tagesreglement, nach der Minute abgelebt! Aber elende Kopfschmerzen trotzalledem, Tag für Tag Gewitter oder Gewitter-Umwölkung! Können Sie vielleicht aus einem Reisebuch (Amthor’s Tirol oder „Die deutschen Alpen I“) oder sonsther etwas über Brentonico erfahren? Ist es hoch?

In herzlicher Liebe und Freundschaft Ihr

F.N.

113. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 5. Juni 1881>

Meine Lieben, ich möchte Euch zum Danke für alles Gute, das Ihr mir schreibt und wünscht, Besseres zu melden haben — aber mein Befinden ist immer kläglich. Freund K<öselitz> hat mich schon seit einigen Tagen verlassen, es gieng nicht mehr, allein sein ist mir zuträglicher (und wie wenig waren wir eigentlich zusammen! Er hatte von früh bis in die Nacht zu arbeiten) Nun, ich muß Geduld und Vernunft brauchen! Die Anfälle hatten Baslerischen und Naumburger Charakter, und einen Grad von Kopfschmerz werde ich gar nicht los. Vielleicht gehe ich an’s Meer schon bald wieder zurück. Doch bleibe ich gewiß hier bis zum 15 Juni.

In Liebe Euer F.

114. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 11. Juni 1881>

Meine Lieben, in ein Paar Wochen kommt mein Buch zu Euch. Seht es freundlich von außen an: so sieht das Wesen aus, das unsern nicht zu schönen Namen unsterblich machen wird! Aber ich bitte Euch von ganzem Herzen, es nicht zu lesen und es Niemandem zu leihen. Es bleibt dabei? — Herr Maler Rascowich ist in der größten Noth! Freund Köselitz (der selbst so wenig hat, und im letzten Jahre ein paar hundert frs. daran gewendet hat, Hrn. R<ascowich> vom Verhungern zu retten) schreibt mir heute, daß Frau v. Wöhrmann noch mit fünf Monaten Honorar für den Zeichenunterricht, den das Töchterchen bei Herrn R<ascowich> erhält, im Rückstande ist. Nun gehört unser Maler zu den delikaten Naturen, welche eher zu Grunde gehen als eine Rechnung einreichen. Erfindet doch ein feines Mittel, und schnellstens, um der lieben Frau v. W<öhrmann> das Gedächtniß in diesem Punkte zu schärfen. — Mein Befinden fort und fort miserabel, aber die Correctur hält mich fest. In Liebe

F.

115. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Recoaro, 17. Juni 1881>

Meinen Glückwunsch zu Ihrem Finalissimo! Und ebenso zur Beendigung unsrer unausstehlichen Correctur! (Das M<anu>script des letzten Bogens ist an mich geschickt worden.) Das Umschlag-Titelblatt aber ist Ihre Sache — wie ich Teubner geschrieben habe; ich will es gar nicht sehen. Das Exemplar für Frau v. W<öhrmann> geht an Ihre Adresse; Schm<eitzner> ist benachrichtigt. — Inzwischen war ich des Lebens müde; das schöne Recoaro ist eine Hölle für mich gewesen, ich bin immer krank, und kenne keinen Ort der so ungünstig mit seinem beständigen Wetter-Umschlagen auf mich wirkte. Brentonico bei Mori (wir sind ja durchgefahren) ist viel zu tief, und der M<onte> Baldo ist noch dazu ein Wetterberg, wie der Pilatus: immer Gewölk! Ich zerbreche mir den Kopf und finde nichts als den Versuch mit dem Engadin zu wiederholen: was in 4 Tagen ungefähr geschehen soll. Ich bin ein gemartertes Thier und lechze nach einiger Schmerzfreiheit. In herzlicher Freundschaft

FN.

Pseudonymität und Verborgenheit unmöglich für Sie! Veränderung des Namens genügt z. B. Coselli.

116. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 19. Juni 1881>

Ach, meine gute liebe Schwester, Du meinst, es handele sich um ein Buch? Hältst auch Du mich immer noch für einen Schriftsteller! Meine Stunde ist da. — Ich möchte Dir so viel ersparen, Du kannst ja meine Bürde nicht tragen (es ist schon Verhängniß genug, so nah mit mir verwandt zu sein) Ich möchte, daß Du Jedem mit reinem Gewissen sagen könntest „ich kenne die neueren Ansichten meines Bruders nicht“. (Man wird es Dir schon zu verstehen geben, daß diese „unmoralisch“ und „schamlos“ sind.) — Inzwischen: guten Muth und Tapferkeit, jeder für seinen Theil, und gute alte Liebe! —

Meine Adresse: St. Moritz in Graubünden (Schweiz) poste restante. Es ist dies wieder einmal ein letzter Versuch. Seit Februar habe ich außerordentlich zu leiden gehabt, und nur sehr wenig Orte sind mir günstig. — Schönsten Dank für den Dienst in Betreff des Herrn Malers R<ascovich>.

117. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Recoaro, 19. Juni 1881>

<Werthester> Herr Verleger,

<hier i>st meine Adresse <St. Moritz (>Graubünden) <Schweiz>, poste restante. — Die Correktur ist beendet; oder was etwa noch zu thun ist, geht einzig Herrn Köselitz an. —

Ich vermuthe, Sie haben Sich insgeheim geschworen, dies solle die letzte Schrift sein, die Sie von mir verlegen. In der That, ich passe nicht mehr in Ihre Wagner-Schopenhauer-Dühring- und sonstige Partei-Litteratur hinein. — Aber deshalb brauchen wir uns nicht böse zu sein! Ich bleibe mit herzlichen Wünschen immer der Ihrige

F.N.

118. An Ernst Schmeitzner in Bautzen

<Recoaro, 21. Juni 1881>

Roux, der Kampf der Theile im Organismus

(W. Engelmann, Leipzig)

Schüssler, eine abgekürzte Therapie 7 Aufl.

(Schulze, Oldenburg)

Kaltbrunner, der Beobachter (die erschienenen Lieferungen)

(Wurster, Zürich)

Kunze, Compendium der praktischen Medicin

(F. Emke, Stuttgart)

Johnston, Chemie des täglichen Lebens (die erschienenen Lieferungen)

(Krabbe, Stuttgart)

Foster, Lehrbuch der Physiologie

(C. Winter, Heidelberg oder Leipzig)

Horneman, Hygienische Abhandlungen

(Vieweg, Braunschweig)

Katscher, Bilder aus dem chinesischen Leben

(C. F. Winter, Leipzig)

Caspari, Zusammenhang der Dinge

(Trewendt, Breslau)

Post, Bausteine für eine allg. Rechtswissenschaft

(Schulze, Oldenburg)

Buckle, Essays

(C. F. Winter, Leipzig)

Wollen Sie, werthester Herr Verleger, die Güte haben und mir diese Bücher umgehend bestellen? Und in einem Holzkistchen alle zusammen nach St. Moritz (Graubünden) senden? Sehr verbunden

Prof. Dr. Nietzsche.

119. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Recoaro, 23. Juni 1881>

Mein lieber Freund, hier sind Nachrichten — gute Nachrichten von Dr. Rée.

In Betreff des Herrn Rascovicz schrieb mir meine Schwester vorgestern, auf welche sinnreiche und delikate Manier sie Frau v. W<öhrmann> das Gedächtniß in diesem Punkte geschärft habe. Weder ich, noch sie haben eine Minute Zeit in dieser Angelegenheit versäumt — und doch scheint es zu spät gewesen zu sein.

Wenn das Exemplar der Morgenröthe in Ihre Hände kommt, so erweisen Sie mir noch eine Ehre: gehen Sie mit demselben auf einen Tag nach dem Lido, lesen Sie es als Ganzes und versuchen Sie ein Ganzes für sich daraus zu machen — nämlich einen leidenschaftlichen Zustand. Wenn Sie das nicht thun, so thut es Niemand. —

Jene hundert frs., mein lieber alter Vergeßlicher, haben Sie mir längst abgetragen, in Gestalt von zahllosen Porti, Papierauslagen und was sonst zum Zustandekommen meiner Schriften nöthig war. Verzeihung, daß ich daran erinnere! —

Es bleibt doch bei dem Engadin — denn von meinen vielen Versuchen in der Schweiz (vielleicht 20—30) ist der Engadiner der einzige leidlich gelungene. Es ist schwer für meine Natur das Rechte in der Höhe und Tiefe zu finden, im Grunde ist es ein Tasten, es sind Faktoren dabei, die sich nicht streng fassen lassen (z. B. die Elektricität der ziehenden Wolken und die Wirkungen der Winde: ich bin überzeugt, daß achtzigmal von 100 ich diesen Einflüssen meine Qualen zu danken habe.) Wo ist das Land mit viel Schatten, ewig reinem Himmel, gleichem kräftigen Meerwinde von Morgen bis Abend, ohne Wetter-Umschläge? Dahin, dahin — will ich — ziehn! Sei es auch außer Europa!

Recoaro ist, als Landschaft, eine meiner schönsten Erfahrungen, ich bin seiner Schönheit recht nachgelaufen und habe viel Mühe und Eifer verwendet. Die Schönheit der Natur ist, wie jede andere, sehr eifersüchtig und will, daß man ihr allein diene.

Doch kam ab und zu Ihre Musik dazwischen, wie der beste Traum, den ich seit langem geträumt habe.

Treulich Ihr Freund N.

Adresse: St. Moritz in Graubünden (Schweiz) poste restante.

120. An Erwin Rohde in Tübingen (Postkarte)

<Sils-Maria> d. 4. Juli 1881.

Nun, alter lieber Getreuer, hier kommt alter ego, und Du kannst Dich nach Herzenslust mit mir unterhalten, mit mir zanken, grollen, glücklich sein und über alle Wolken hinausblicken. Es wäre schlimm, wenn es nicht gerade ein Buch für Dich wäre — ich wüßte sonst gar nicht mehr, wie ich es auf Erden noch dazu bringe, Jemandem eine Freude zu machen. Du hast darin alle meine Ingredienzien; laß bei Seite, was Dir wehe thut und nimm alles zusammen, was Dir, gerade Dir Muth macht. Anders weiß ich auch nicht für Deinen reichen und edelherzigen Brief dankbar zu sein — ich muß alle Viertelstunden, welche mir Kopf und Augen frei geben, im Dienste einer großen Aufgabe verwenden, und ich träume in meiner Seele immer davon, eben so auch am besten meinen Freunden zu dienen. Behalte mich lieb!

Dein F. N.

Sils-Maria (Engadin) Schweiz poste restante.

121. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, 7. Juli 1881>

So habe ich mich denn wieder nach dem Engadin hindurchgerettet, und mein erster Brief von hier aus soll an Dich sein, meine liebe Schwester und Dir meine Geburtstags-Wünsche und -Herzlichkeiten überbringen. Sehr gerne wäre ich auf Deinem Geschenktischchen vertreten — und dafür bitte ich Dich nun selber zu sorgen, nach Deinem Geschmacke und in meinem Namen. Was ist Dir aber zu wünschen? — ich weiß es nicht recht und finde überhaupt von Jahr zu Jahr mehr, daß man, was man hat, nützen und ausnützen soll (selbst sein Schlimmes, wie eine schlechte Gesundheit) und sich des Wünschens lieber enthalten sollte: die Dinge, die man so begehrt, halten zuletzt, wenn man sie bekommt, nicht, was sie versprochen haben. Dies Alles sind freilich Theorien, die zu meinem Leibe und Leben mehr passen als zu dem Deinen; blase sie also ruhig in den Wind, wenn sie Dir nicht gefallen. Ich für meinen Theil wünsche mir nichts mehr: weiß ich doch kaum, wie ich mit dem fertig werden soll, was ich habe. Dies ist dunkel geredet, aber nicht dunkel gedacht. —

Es war eine böse und gefährliche Zeit, ich bin aus Recoaro kaum mit dem Leben davon gekommen. Die Anfälle kamen jeden Tag, alle bösen Complikationen zeigten sich (Erbrechen u.s.w.) — und trotzdem schien Alles so günstig wie möglich eingerichtet (Diät Bewegung Ruhe schöne und erhabne Gebirgsnatur, Alleinsein u. s. w.) Aber mit den Orten ist es jetzt bei mir ein reines Experimentiren, an den meisten gehe ich zu Grunde — es kommen Bedingungen in Betracht, die eben nur bei meiner Art von Natur so entscheidend sind (die der atmosphärischen Elektricität); darauf hin muß ich die Orte ausprobiren. Basel Naumburg Genf Baden-Baden, fast alle Gebirgsorte, die ich kenne, Marienbad, die italiänischen Seen u. s. w. sind Orte zum Zugrundegehen. Der Winter am Meere ist erträglich, das Frühjahr (Sorrent und Genua) fortwährendes Leiden (wegen der unstäten Bewölkung) So oft mir nur einfällt, wie fürchterlich und hart ich die letzten 2 Jahre wieder zugebracht habe, selbst wenn es in aller Geduld geschah, so kann ich hier die Thränen nicht zurückhalten. Hier im Engadin ist mir bei weitem am wohlsten auf Erden: zwar die Anfälle kommen hierher wie überall hin, aber viel milder und menschlicher. Ich habe eine fortwährende Beruhigung und keinen Druck, wie sonst überall; die Aufregung hört hier für mich auf. Ich möchte alle Menschen bitten „erhaltet mir nur die 3, 4 Monate Engadiner Sommer, sonst kann ich wirklich das Leben nicht länger ertragen“. Wie unvernünftig, im vorigen Sommer nach Marienbad zu gehen, mir den Magen zu verderben und eine allgemeine Schwächung zu holen (durch die purgirende Wirkung dieser Wasser) Als ob ich Kraft fahren lassen dürfte und auf diesem Wege! Verzeihung!

Ich hatte auf der Reise das Unglück, daß ein Zug seinen Anschluß verfehlte; alle meine Pläne geriethen in Verwirrung, meine Gesundheit auch, die Reise dauerte schließlich noch einmal so lang und kostete auch noch einmal so viel. St. Moritz stieß mich heftig zurück, ich hielt es kaum 3 Stunden dort aus, dann nahm ich die Post. All das Elend, das ich dort durchgemacht habe, trat vor mich, es war alles wie mit meinen Schmerzen bewölkt. Trotzdem: es ist der Ort, dem ich es verdanke, daß ich noch lebe. Die Preise waren nicht geringer geworden, für ein einfaches Zimmer wollte man überall 90—180 frs. monatlich.

Am Abend des ersten Tages fürchtete ich das Engadin verlassen zu müssen. Am andern Tag kam Hülfe; ein junger Engadiner, mit dem ich eine Nacht gereist war, bemühte sich in uneigennütziger Weise um mich und hat mir ein stilles Plätzchen ausgemittelt, an dem ich gerne bis ans Ende sitzen bleiben möchte: aber der Engadiner Sommer ist so kurz, und Ende September will ich wieder nach Genua zurück. Ich habe es noch nie so ruhig gehabt, und die Wege, Wälder, Seen, Wiesen sind wie für mich gemacht; und die Preise sind nicht außer allem Verhältniß zu meinen Mitteln. Der junge Mann kam aus Neapel, um sein Hôtel im Sommer zu führen, bei ihm esse ich zu Mittag (allein, wie natürlich) Der Ort heißt Sils-Maria; bitte, haltet den Namen vor meinen Freunden und Bekannten geheim, ich wünsche keine Besuche. Briefe erbitte ich mir mit dieser Adresse: „Silvaplana (Engadin) Schweiz poste restante.“

Und unsrer guten Mutter habe ich noch nicht einmal für ihren schönen Reise-Brief gedankt! —

Sende mir, liebe Schwester, 2 Bücher aus dem Schranke, jedes unter Kreuzband. 1) Dühring, Cursus der Philosophie (das ist zum Lachen für mich) und 2) Carey, Volkswirtschaftslehre (uneingebunden, dick)

Und nun tapfer weiter, meine gute Lisbeth — wie es Dein Bruder auch thun wird. Sei unverzagt!

F.N.

122. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 8. Juli 1881>

Liebster Freund, das war eine gefährliche Zeit; kaum bin ich von R<ecoaro> fortgekommen! — Auf der Reise verfehlte ein Zug seinen Anschluß: Verdoppelung der Reisezeit und Reisekosten war das Resultat. Ihr Brief war der erste Gruß im Engadin! St. Moritz stieß mich heftig zurück, es erschien mir unter der Krystallisation meiner dortigen Leiden vor 2 Jahren. Nach 3 Stunden verließ ich es, am Abend wollte ich sogar das E<ngadin> verlassen! Zuletzt bin ich, dank einem ernsten und liebenswürdigen Schweizer, mit dem ich die Nacht durch reiste und der aus Neapel in seine Heimat zurückkehrte, in dem lieblichsten Winkel der Erde untergebracht worden: so still habe ich’s nie gehabt, und alle 50 Bedingungen meines armen Lebens scheinen hier erfüllt zu sein. Ich nehme diesen Fund hin als ein ebenso unerwartetes wie unverdientes Geschenk, gleich Ihrer herrlichen Musik, die hier, in dieser ewigen heroischen Idylle, noch schöner in’s Herz geht als da unten. — Ich erhebe mich eben von einem dreitägigen Anfall (Gewitter). Treulich

Ihr Freund FN.

Sils-Maria (Engadin)Schweiz poste restante.

123. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 8. Juli 1881>

Mein lieber Freund, ich bin wieder im Engadin. Die ganze letzte Zeit äußerst schmerzhaft und gefährlich, ich dachte nicht lebendig aus R<ecoaro> fortzukommen. Das Engadin hat mich vor 2 Jahren im Leben festgehalten und wird es auch diesmal thun, ich habe es nirgends besser. — Ich hätte gern ein paar Bücher von der Biblioth<ek> oder Lesegesellsch<aft>, nämlich die zwei Bände Hellwald, 1) Culturgeschichte, 2) die Erde und ihre Bewohner. (Er kennt die neueste Litteratur der Historie, Reisen usw.) Sodann den Band Kuno Fischer’s über Spinoza. — Schmeitzner (der mir den Geldempfang gemeldet hat) wird Dir mein Buch geschickt haben; Verzeihung, es war nicht möglich 2 Exemplare, wie ich wünschte, zu senden. Zudem muß ich leider noch hinzufügen, daß es durchaus kein Buch zum Vorlesen ist, sondern im Superlativ ein einsames Buch sein will. — Wie erquickt es mich, von der Förderung Deiner „christl<ichen> Litteratur-Genesis“ zu hören! Wie viele Fragen habe ich dafür bereit! — Der grüne Heinrich ist mir für meinen (im Grunde pathetischen) Zustand ein wenig zu miniaturenhaft und bunt: aber es ist ein Ausbund von Poesie und Schelmerei, vielleicht sogar von Ernst.

Dein treuer Freund
F.N.

124. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)

<Sils-Maria, 8. Juli 1881>

So wollen wir’s nur fort treiben! Am Ende, mein lieber tapferer Freund, sind wir doch ein Paar tüchtige Schwimmer. Alle Welt hält uns schon für ertrunken, aber da tauchen wir immer wieder auf und bringen sogar aus der Tiefe etwas mit herauf, was, wie wir meinen, Werth hat und vielleicht auch einmal für Andre Glanz bekommen wird. Ich habe gerade auch eine gefährliche Zeit hinter mir und bin wieder im Engadin angelangt, meiner alten Rettungsstätte: „des Leibes noch nicht ledig“ und was die Seele betrifft, so lesen Sie das Buch, welches unser Verleger Ihnen zusenden wird. Mir ist mitunter als ob ich als Längst-Gestorbener mir die Dinge und Menschen anschaute — sie bewegen, erschrecken und entzücken mich, ich bin ihnen aber ganz ferne. Der auf ewig Abhandengekommene und doch gerade

Ihnen so Nahe: —
In Treue F.N.

125. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, um den 9. Juli 1881>

Meine liebe Mutter,

ich betrübe mich sehr über Deinen und unsern Verlust! Es war ein so sanftmüthiger und braver Mensch, unser Theobald, streng gegen sich und doch kein Fanatiker; ich hielt ihn für den besten unter den Oehlers. Wer weiß, ob nicht an seinem Nervenleiden, noch mehr als seine Theologie, die Quacksalberei seines Schwiegervaters den Hauptantheil hat! Er hat den Tod dem Irrenhause vorgezogen und wahrscheinlich klug daran gethan. Wir werden immer seiner mit Rührung gedenken.

Nun noch ein Wort von mir, zur Beruhigung. Ich mache mir Vorwürfe über meine Thorheit, Euch meine kurzen Gesundheits-Kärtchen und nichts weiter zu schicken: — so müßt Ihr einen falschen Eindruck von mir gewinnen. Nie gab es einen Menschen, auf den das Wort „niedergedrückt“ weniger gepaßt hätte. Meine Freunde, die mehr von meiner Lebensaufgabe und deren unaufhaltsamer Förderung errathen, meinen, ich sei wenn nicht der Glücklichste so jedenfalls der Muthigste der Menschen. Ich habe Schwereres auf mir als meine Gesundheit und werde damit fertig, auch dies zu tragen. Mein Aussehen ist übrigens vortrefflich, meine Muskulatur in Folge meines beständigen Marschirens fast die eines Soldaten, Magen und Unterleib in Ordnung. Mein Nervensystem ist, in Anbetracht der ungeheuren Thätigkeit die es zu leisten hat, prachtvoll und der Gegenstand meiner Verwunderung, sehr fein und sehr stark: selbst die langen schweren Leiden, ein unzweckmäßiger Beruf und die fehlerhafteste Behandlung haben ihm nicht wesentlich geschadet, ja im letzten Jahre ist es stärker geworden, und, Dank ihm, habe ich eines der muthigsten und erhabensten und besonnensten Bücher hervorgebracht, welche jemals aus menschlichem Gehirne und Herzen geboren sind. Selbst wenn ich mir in Recoaro das Leben genommen hätte, so wäre einer der ungebeugtesten und überlegtesten Menschen gestorben, nicht ein Verzweifelnder. Mein Gehirnleiden ist sehr schwer zu beurtheilen, in Betreff des wissenschaftlichen Materials, welches hierzu nöthig ist, bin ich jedem Arzte überlegen. Ja es beleidigt meinen wissenschaftlichen Stolz, wenn Ihr mir eurerseits neue Kuren vorschlagt und gar meint, ich „ließe meine Krankheit laufen“. Vertraut mir doch ein wenig mehr auch hierin! Bis jetzt bin ich erst 2 Jahre in meiner Behandlung, und wenn ich Fehler gemacht habe, so lag es immer daran, daß ich dem eifrigen Zureden Anderer endlich nachgegeben habe und Versuche machte. Dahin gehört der Aufenthalt in Naumburg, in Marienbad u.s.w. Jeder verständige Arzt hat mir übrigens eine Genesung erst nach einer längeren Reihe von Jahren in Aussicht gestellt, und vor allem muß ich die schweren Nachwirkungen los zu werden suchen, von allen jenen falschen Methoden her, nach denen ich so lange Zeit behandelt worden bin. Seid mir ja nicht böse, wenn ich Eure Liebe und Theilnahme in diesem Punkte zurückzuweisen scheine. Aber ich will durchaus mein eigner Arzt nunmehr sein, und die Menschen sollen mir noch nachsagen, daß ich ein guter Arzt gewesen sei — und nicht nur für mich allein. — Immerhin gehe ich noch vielen, vielen Leidenszeiten entgegen; werdet nicht darüber ungeduldig, ich bitte Euch von Herzen! Dies macht mich ungeduldiger als meine Leiden selber, weil es mir zeigt, daß meine nächsten Verwandten so wenig Glauben an mich haben.

So viel heute und Ein-für-alle-Mal! Schon viel zu viel für meine Augen!

Wer im Geheimen zusehen könnte, wie ich die Rücksichten auf meine Genesung mit der Förderung meiner großen Aufgaben zu verknüpfen weiß, der würde mir keine geringe Ehre zollen. Ich lebe nicht nur sehr muthig, sondern im höchsten Maaße vernünftig und unterstützt von einem reichen medicinischen Wissen und unablässigen Beobachten und Forschen.

Von ganzem Herzen und mit der Bitte,
mir nichts übel zu deuten
Euer Sohn und Bruder.

Schreibt mir gute Dinge hier hinauf, wo ich über der Zukunft der Menschheit brüte, und lassen wir alles das kleine persönliche Leiden und Sorgen bei Seite. Auch eine äußerst delikate Wurst würde zu den guten Dingen gehören.

126. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 13. Juli 1881>

Den herzlichsten Dank, meine liebe gute Mutter, für Deinen Brief! Er that mir recht wohl! Ja so klingt es wahrscheinlicher: der arme Th<eobald> hat im Zustande der Gemüthserregung ein Bad nehmen wollen (um sich zu beruhigen), und dabei traf ihn der Schlag. Das kommt oft, oft vor! — Hoffentlich hat mein Brief Dir wenigstens den Trost verschafft, daß Dein alter Sohn noch ziemlich tapfer durch’s Leben geht. —

Zwei zweitägige Anfälle bisher im Engadin.

Wenn die Wurst Ende nächster Woche eintrifft, so wäre es die beste Zeit! Dann bitte ich um 1) 1 Paar wollne Strümpfe, 2) einen Handschuh (gestrickt) zum Waschen (wie das gute Lama mir sie zu machen pflegt) (ich meine zu meinem Bade morgens) und 3) endlich ein Paar schwarze gestrickte recht lange Handschuh mit einem Daumen. Bitte bitte!

Fr.

127. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 13. Juli 1881>

Verzeihung, mein lieber guter Freund! Ja die Barbarei meiner Handschrift, die niemand mehr lesen kann, ich auch nicht! (Weshalb lasse ich meine Gedanken drucken? damit sie für mich lesbar werden. Verzeihung auch dafür!) — Also:

Sils (Engadin) poste restante.

Es giebt nämlich in Graubünden noch ein Sils.

Eben von einem heftigen zweitägigen Anfalle zum Lichte erwachend und wieder an’s Leben glaubend

Treulich Dein und Euer
F.N.

128. An Marie Bautngartner in Lörrach

<Sils-Maria, 15. Juli 1881>

Liebe verehrte Frau Baumgartner, hier kommt wieder einmal ein geschriebenes Wörtchen von mir zu Ihnen, und als Vorläufer oder Mitläufer eines gedruckten Wortes, für das ich um alle Ihre Theilnahme bitten möchte: — Besseres und Persönlicheres habe ich nicht mitzutheilen, und das alte Lied meiner körperlichen Nothzustände möchte ich wahrhaftig nicht mehr vor Ihnen absingen. Jeder hat zu tragen: verlernen wir über dem Tragen und Schwertragen auch das Auffliegen und Weit-Hinausschauen nicht! Es verträgt sich nicht so übel mit einander! Es giebt viele Mittel, um stark zu werden und starke Flugschwingen zu bekommen: Entbehrung und Schmerzen gehören dazu, es sind Mittel im Haushalte der Weisheit. Über allem Jammer immer wieder ein Lied der Freude — nicht wahr, das ist das Leben! Das kann es sein! Treulich

F.N.

Ich denke an Sie und die Ihrigen, namentlich an Ihren Gelehrten, mit dem herzlichsten Danke.

129. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 19. Juli 1881>

Meine liebe Mutter und Schwester, allen Euren guten Briefen folgt nun auch die gute Wurst nach, leider zerbrochen und durch die große Hitze etwas ausgedörrt (Ich würde vorschlagen, derlei Langes zwischen 2 glatte Hölzer zu packen) Die andern gewünschten Sachen schickt jetzt noch nicht — später, wenn vielleicht wieder einmal eine schöne Wurst mitzuschicken ist (und ebenso, zum Vorrath, für 5 Sgr. „abführende Pillen“ aus der Tuchenschen (Herrenstr.) Apotheke; die italiänischen thun mir nicht so gut; hier habe ich dergleichen nicht nöthig oder doch nur nach den Anfällen)

Bis jetzt 4 zwei- bis dreitägige Anfälle (mit langem Erbrechen: jedesmal Gewitter im Spiel oder Gewitterwolken) heute bin ich sehr matt, aber froh — der vierte ist eben vorüber.

Es ist für die Engadiner Begriffe unsäglich heiß. Wo bleiben die erbetenen Bücher? Wie sieht denn mein Buch aus? Mein Verleger, gegen mich taktlos und nachlässig — ich bin seiner müde und er vielleicht meiner — beehrt mich nicht mit einem Exemplar. Von Herzen Eurer gedenkend

F.

Adresse nunmehr: Sils (Engadin, Schweiz)

130. An Ferdinand Laban in Pressburg

Sils <Engadin, Schweiz> 19 Juli 1881

Ihr Gesang, werther Herr, geht mir so nahe und thut mit so wohl, daß ich alles Recht verliere, ihn zu loben. Zumal da ich annehme, Sie machen es jenen älteren Musikern gleich, welche ihre heitere lebenfunkelnde Symphonie mit einem ernsten schwermüthigen Satze wie mit einer Morgendämmerung beginnen: — sie waren darin Schelme. Und vielleicht haben Sie eben auch nur ein Vorspiel uns geben wollen, daß uns ein wenig irre leiten soll? Denn zuletzt, lieber Herr, sind wir Beide doch wohl Einer Meinung, über diesen Einen Punkt: daß sich auch jetzt noch der Bogen des Lebens so straff spannen lasse, daß die Sehne der Begierde singt und pfeift? daß wir auch jetzt noch so stolz und darüber-hinsehend leben können, wie jener herrliche römische Kaiser, in dessen Verehrung wir Beide einmüthig sind (lesen Sie doch zum Beweise dafür meine jüngst erschienene „Morgenröthe“ — ich kann sie Ihnen leider nicht schicken) Dankbar der Ihrige

F.N.

131. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, Mitte Juli 1881>

Meine liebe Schwester

Du hast in so vielen Stücken über mich Recht, daß ich von Herzen wünsche, Du mögest auch über Dich selber immer Recht haben und das Dir Zuträglichste beschließen. Ich denke, Du wirst über den Irrthum vieler Mädchen hinaus sein, welche ihren Zug zur Zurückgezogenheit und Unabhängigkeit auf dem Wege der Ehe zu befriedigen denken; das Ergebniß ist gewöhnlich ganz wider Erwarten das Umgekehrte, von den seltensten Ausnahmen abgesehen. Dein Leben in Pforta gefällt mir sehr. Sieh Dich nur reichlich um, wo Ort, Menschen und Thätigkeit (Klima nicht zu vergessen) gerade für Dich gemacht zu sein scheinen. So denke ich für meinen Theil auch, und müßte ich selber darüber Europa verlassen. Denn alles, was wir leiden, müssen nicht nur wir, sondern das muß die andre Menschenwelt tragen — sehen wir also zu, so wenig wie möglich zu leiden.

Ich werde Dich schwerlich abhalten können, meine „Morgenröthe“ zu lesen; so dachte ich über ein Mittel nach, auch dies für Dich und mich zum Besten zu wenden. Lies das Buch also, wenn ich bitten darf, unter einem Gesichtspunkt, den ich allen andern Lesern gerade widerrathen würde, aus einem ganz persönlichen Sehwinkel (Schwestern haben zuletzt auch Privilegien) Suche alles heraus, was Dir verräth, was im Grunde Dein Bruder am meisten braucht, am meisten nöthig hat, was er will und was er nicht will. Lies dazu namentlich das fünfte Buch, wo vieles zwischen den Zeilen steht. Wohin alles bei mir noch strebt, ist nicht mit Einem Worte zu sagen — und hätte ich das Wort, ich würde es nicht sagen. Es kommt auf günstige aber ganz unberechenbare Umstände an. Meine guten Freunde (und Jedermann) wissen eigentlich nichts über mich und haben auch wohl noch nicht nachgedacht; ich selber war immer sehr schweigsam über alle meine Hauptsachen, ohne daß es doch so erschien.

Versorge mich, mein liebes Lama, doch mit schönen Notizbüchern und lege eine Werkstatt dazu an — ich brauche jährlich mindestens 4; feinstes, sehr starkes Papier (weiß), ungefähr 100 Blätter in jedem Buche. Wenn Du von Menschen hörst, die etwas mir zu Gefallen thun wollen — heiße sie Notizbücher machen. Der Zustand, in dem ich in Bezug hierauf lebe, ist schmachvoll. Anbei das Format. Ja nicht größer!

In herzlicher Liebe und mit den besten Grüßen an unsre Mutter. Die Wurst ist doch sehr schön.

Dein Bruder.

132. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. Juli 1881>

Mir fiel ein, lieber Freund, daß Ihnen an meinem Buche die beständige innerliche Auseinandersetzung mit dem Christenthume fremd, ja peinlich sein muß; es ist aber doch das beste Stück idealen Lebens, welches ich wirklich kennen gelernt habe, von Kindesbeinen an bin ich ihm nachgegangen, in viele Winkel, und ich glaube, ich bin nie in meinem Herzen gegen dasselbe gemein gewesen. Zuletzt bin ich der Nachkomme ganzer Geschlechter von christlichen Geistlichen — vergeben Sie mir diese Beschränktheit! —

Frau Lucca: ein sehr guter Gedanke! Sie kann sprechen und Possen machen. Auch mich hat sie einmal entzückt, vor nunmehr 18 Jahren. Sollte sie jung genug sein? —

Bei der Art, wie Sie Ihre Partitur machen, bin ich voll stiller Hochachtung für Sie und sehe zu, wie ich einem guten Goldschmiede zusehe. Täuschen Sie sich nicht über meine Empfindung!

Hier, auch hier giebt es für mich zu leiden; bisher 4 schwere zwei- oder dreitägige Anfälle. Der Sommer ist für die Engadiner zu heiß; ich wage gar nicht an Venedigs Sommer dabei zu denken.

Hr. Schmeitzner hat vergessen, mir mein Buch zu senden; ich bin seiner satt. (Aber er hat all meine Ersparnisse!)

In treuem Gedenken der Ihre

F. N. in Sils.

133. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 23. Juli 1881>

Es freut mich sehr, mein lieber Freund, daß auch in dieser Angelegenheit unsre Freundschaft Stand hält, ja sich neu besiegelt hat — ich denke mitunter mit Bangniß an alle die Feuer- und Kälteproben, denen die mir liebsten Menschen durch meine „Unumwundenheit“ ausgesetzt werden. Was das Christenthum betrifft, so wirst Du mir wohl das Eine glauben: ich bin in meinem Herzen nie gegen dasselbe gemein gewesen und habe mir von Kindesbeinen an manche innerliche Mühe um seine Ideale gegeben, zuletzt freilich immer mit dem Ergebniß der puren Unmöglichkeit. — Auch hier habe ich viel zu leiden, der Sommer ist diesmal heißer und elektricitätsreicher als gewöhnlich, zu meinem Nachtheil. Trotzdem weiß ich mir nichts meiner Natur Angemesseneres als dies Stück Ober-Erde. — Frau Baumgartner hat mir sehr gut und herzlich geschrieben. — Ich selber bin noch nicht im Besitz meines Buches. — Hellwald mit Dank empfangen; es ist ein Compendium einer Gattung von Meinungen.

Dir und Deiner lieben Frau von Herzen zugethan

F.N.

Ich weiß absolut nicht mehr, mit welchen Ansichten ich noch wohlthue, mit welchen ich wehe thue.

134. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 30. Juli 1881>

An diesem unerwarteten Kästchen habe ich großes Vergnügen gehabt, meine liebe Mutter und Schwester! Gerade nach diesen Dingen hatte ich rechtes Verlangen; meine Kost, die sich nach der Decke strecken muß, ist hier sehr gut, aber wesentlich fleischig. Es fehlten mir gut-gewürzte süße Sachen. Der Handschuh ist schon im Gebrauche.

Mein Befinden aber bleibt übel: diese schreckliche Unbeständigkeit des Himmels, diese Wolken selbst im Engadin! Schon 3 schwere Anfälle durchgemacht! Und dazwischen immer etwas elend. Es ist ein Ausnahme-Wetter hier.

Das Schmeitznersche Buch ist nun auch in meinen Händen.

Die Wurst ist so mild und rein von Geschmack. Aber keine Birnen schicken, meine liebe Mutter, ich danke Dir!

Euer Sohn und Bruder.

135. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 30. Juli 1881>

Ich bin ganz erstaunt, ganz entzückt! Ich habe einen Vorgänger und was für einen! Ich kannte Spinoza fast nicht: daß mich jetzt nach ihm verlangte, war eine „Instinkthandlung“. Nicht nur, daß seine Gesamttendenz gleich der meinen ist — die Erkenntniß zum mächtigsten Affekt zu machen — in fünf Hauptpunkten seiner Lehre finde ich mich wieder, dieser abnormste und einsamste Denker ist mir gerade in diesen Dingen am nächsten: er leugnet die Willensfreiheit —; die Zwecke —; die sittliche Weltordnung —; das Unegoistische —; das Böse —; wenn freilich auch die Verschiedenheiten ungeheuer sind, so liegen diese mehr in dem Unterschiede der Zeit, der Cultur, der Wissenschaft. In summa: meine Einsamkeit, die mir, wie auf ganz hohen Bergen, oft, oft Athemnoth machte und das Blut hervorströmen ließ, ist wenigstens jetzt eine Zweisamkeit. — Wunderlich! Übrigens ist mein Befinden gar nicht meinen Hoffnungen entsprechend. Ausnahmewetter auch hier! Ewiges Wechseln der atmosphärischen Bedingungen! — das treibt mich noch aus Europa! Ich muß reinen Himmel monatelang haben, sonst komme ich nicht von der Stelle. Schon 6 schwere, zwei- bis dreitägige Anfälle!! — In herzlicher Liebe

Euer Freund.

136. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria den 14 August 1881.

Nun, mein lieber guter Freund! Die Augustsonne ist über uns, das Jahr läuft davon, es wird stiller und friedlicher auf Bergen und in den Wäldern. An meinem Horizonte sind Gedanken aufgestiegen, dergleichen ich noch nicht gesehn habe — davon will ich nichts verlauten lassen, und mich selber in einer unerschütterlichen Ruhe erhalten. Ich werde wohl einige Jahre noch leben müssen! Ach, Freund, mitunter läuft mir die Ahnung durch den Kopf, daß ich eigentlich ein höchst gefährliches Leben lebe, denn ich gehöre zu den Maschinen, welche zerspringen können! Die Intensitäten meines Gefühls machen mich schaudern und lachen — schon ein Paarmal konnte ich das Zimmer nicht verlassen, aus dem lächerlichen Grunde, daß meine Augen entzündet waren — wodurch? Ich hatte jedesmal den Tag vorher auf meinen Wanderungen zuviel geweint, und zwar nicht sentimentale Thränen, sondern Thränen des Jauchzens; wobei ich sang und Unsinn redete, erfüllt von einem neuen Blick, den ich vor allen Menschen voraus habe.

Zuletzt — wenn ich nicht meine Kraft aus mir selbst nehmen könnte, wenn ich auf Zurufe Ermuthigungen Tröstungen von außen warten müßte, wo wäre ich! was wäre ich! Es gab wahrhaftig Augenblicke und ganze Zeiten meines Lebens (z. B. das Jahr 1878), wo ich einen kräftigenden Zuspruch, einen zustimmenden Händedruck wie das Labsal aller Labsale empfunden hätte — und gerade da ließen mich alle im Stich, auf welche ich glaubte mich verlassen zu können und die mir jene Wohlthat hätten erzeigen können. Jetzt erwarte ich’s nicht mehr und empfinde nur ein gewisses trübes Erstaunen, wenn ich z. B. an die Briefe denke, die ich jetzt bekomme — alles ist so unbedeutend, keiner hat etwas durch mich erlebt, keiner sich einen Gedanken über mich gemacht — es ist achtbar und wohlwollend, was man mir sagt, aber ferne, ferne, ferne. Auch unser lieber Jacob Burckhardt schrieb so ein kleinlautes verzagtes Brieflein.

Dagegen nehme ich es als Belohnung auf, daß dies Jahr mir zweierlei zeigte, das zu mir gehört und mir innig nahe ist — das ist Ihre Musik und diese Landschaft. Das ist keine Schweiz, kein Recoaro, etwas ganz Anderes, jedenfalls etwas viel Südlicheres, — ich müßte schon nach den Hochebenen von Mexiko am stillen Ozeane gehen, um etwas Ähnliches zu finden (z. B. Oaxaca) und da allerdings mit tropischer Vegetation. Nun, dies Sils-Maria will ich mir zu erhalten suchen. Und ebenso empfinde ich für Ihre Musik, aber weiß gar nicht, wie ihrer habhaft werden! Notenlesen und Klavierspielen habe ich aus meinen Beschäftigungen ein- für allemal streichen müssen. Die Anschaffung einer Schreibmaschine geht mir im Kopf herum, ich bin in Verbindung mit ihrem Erfinder, einem Dänen aus Kopenhagen.

Was machen Sie im nächsten Winter? Ich nehme an, daß Sie in Wien sein werden? Aber für den darauf folgenden Winter wollen wir uns eine Zusammenkunft ausdenken, wenn auch nur eine kurze — denn ich weiß jetzt wohl, daß ich nicht zu Ihrem Umgange tauge und daß es Ihnen freier und fruchtbarer zu Muthe ist, wenn ich wieder fortgeflogen bin. Mir liegt andererseits an der immer größeren Befreiung Ihres Gefühls und an dem Erwerbe eines innigen und stolzen Zu-Hause-seins, in summa an Ihrem glücklichen allerglücklichsten Schaffen und Reifwerden so unbeschreiblich viel, daß ich mich in jede Lage leicht finden werde, welche aus den Bedingungen Ihrer Natur erwächst. Ich habe nie gegen Sie irgend welche häßlichen Gefühle, vertrauen Sie darauf, lieber Freund! —

Sagen Sie mir noch beiläufig, wie man jetzt deutsches M<ark> Papiergeld in Italien verkauft (für ital<ienisches> Papier), ich meine, was der Cours ist.

Die Adresse von Fräulein von Meysenbugk habe ich auch nicht im Kopfe; jetzt wird sie wohl mit Monods irgendwo zusammen sitzen, ich meine, Hr. Schm<eitzner> mag das Exemplar nach Paris schicken. — Mit Hrn. Schm<eitzner> ist alles auf’s schonendste ausgeglichen; ich habe mir vorgenommen, ihn nicht dafür leiden zu lassen, daß ich auf voreilige Schlüsse hin manches von ihm erwartete, was nicht zu seiner Natur gehört.

In herzlicher Freundschaft und Dankbarkeit

Ihr F. N.

(Ich bin viel krank gewesen.)

137. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1881>

Meine gute Mutter, seit der so angenehmen Sendung, für welche ich mich sofort bedankt habe, hörte ich nichts mehr von Dir, auch unser Lama bekam damals einen Brief von mir, aber hat nicht geantwortet. Überhaupt hat seit einem Monat keine Menschenseele an mich geschrieben. Oft krank gewesen, heute gerade erhebe ich mich von einem Anfalle. Sehr unruhiges Wetter. Wie vermisse ich in dieser Schneeluft die warmen Handschuhe! Wurst sende mir ja nicht mehr, ich habe Mittags Fleisch und möchte nicht mehr Fleisch essen. Aber bitte, einen Docht für die Spirit<us> Lampe, ein Kämmchen (mit Bürste) für die Tasche, etwas alte Leinwand für Wunden, dann Zwirn und Nadeln. Und sehr ist alles Süße hier oben von mir geschätzt, z. B. die guten Pfefferkuchen (das einzig Preiswürdige, was ich in Naumburg kenne) Ja! Und ein starkes Schreibheft, in gewöhnlichem Quartformat, gutes Papier, und Linien (in dieser Entfernung Verzeihung!

In herzlicher Liebe
F.

138. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1881>

Meine gute Lisbeth, ich bringe es nicht über’s Herz, Herrn Dr Ree abzutelegraphiren: obwohl ich Jedermann, der meinen Engadiner Arbeits-Sommer d. h. die Förderung meiner Aufgabe, meines „Eins ist noth“, unterbricht, als meinen Feind betrachte. Ein Mensch mitten hinein in das von allen Seiten aufschießende Gewebe meiner Gedanken — das ist eine furchtbare Sache; und kann ich meine Einsamkeit nicht fürderhin sicher stellen, so verlasse ich Europa auf viele Jahre, ich schwöre es! Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren und habe schon viel zu viel verloren; wenn ich nicht mit meinen guten Viertelstunden geize, so habe ich ein schlechtes Gewissen. Du kannst nicht wissen, was ich noch von mir verlange. Genug, es soll der letzte Fall der Art sein, ich habe eine Verpflichtung gegen Dr R<ée>, die mir verbietet, Nein zu sagen: wie ich eine gegen Herrn Köselitz hatte; ich mußte nach Recoaro, als er mich bat, dorthin zu kommen (es handelte sich nicht um mich, sondern um ihn und seine ganze Lebens-Entscheidung). Von meiner Gesundheit und wie es der zu bekommen pflegt, rede ich nicht einmal. — Ich habe dafür gesorgt, daß in meinem Nachbarhaus, Hôtel Edelweiß, ein Zimmer für meinen Freund bereit ist.

In herzlicher Liebe und Aufrichtigkeit

Dein Bruder.

139. An Franz Overbeck in Zürich

<Sils-Maria, 20./21. August 1881>

Theurer Freund, zwischen uns steht es gut; und was die Wirkung meines Buchs betrifft, so sage ich, im Scherz und Ernst, „es gehört zu den stärksten geistigen Getränken“, wenigstens nach der Wirkung zu urtheilen, die ich selber davon verspüre, wenn ich mich einmal müde und muthlos fühle. Zuletzt: es ist ein Anfang meiner Anfänge — was liegt noch vor mir! auf mir! Irgendwann werde ich genöthigt sein, auf ein Paar Jahre von der Welt förmlich zu verschwinden — um alle meine Vergangenheit und menschlichen Beziehungen, und Gegenwart, Freunde, Verwandte, Alles, Alles mir aus dem Sinn zu schlagen. Da wird es gelten tapfer zu sein, und auch Du, mein geliebter Freund, wirst Deine alte große Treue, Deine Tapferkeit in der Treue zu mir, noch auf einer höchsten Probe bewahren müssen! Ich bin auf die Dauer ein lästiger Kamerad, nicht wahr? Nun, Freund Romundt denkt anders, dem wenigstens habe ich keine Lasten aufgelegt — er schreibt frisch und munter, daß er „die Lehre Kants von Gott — Seele — Freiheit — und Unsterblichkeit wieder aufbaue“. Das hat mich wirklich erheitert! Es scheint doch, daß ich noch keine „schädliche und unmoralische“ Wirkung ausgeübt habe (vielmehr — gar keine Wirkung!) — Seien wir guter Dinge! Sind wir doch die Freien, und nicht die „Kinder der Magd!“ — Nun kommen Bitten über Bitten! Verzeihung! — Das nächste Mal möchte ich das Geld selber empfangen; ich reise den 27 September von hier fort, ist es möglich, es bis dahin zu erhalten? Wann kehrst Du nach Basel zurück? Nach Genua es zu senden hat die Schwierigkeit, daß es mir dort an Ausweise-Papier fehlt (ich habe keinen Paß, brauche ihn auch sonst nicht.)

Schmeitzner soll fürderhin meine Ersparnisse nicht mehr empfangen, es giebt Gründe, ein wenig auf der Hut zu sein, er ist wagehalsig und thut manches, ohne erst um Erlaubniß zu fragen. Nun, lieber Freund, möchte ich sehr gern, daß alles noch von der Basler Pension zu Ersparende von Dir angesammelt würde, und Zinsen zu Zinsen, so daß ich nach Ablauf der 6 Jahre, noch eine gute Zeit davon leben kann (sage mir: wann ist der letzte Zahlungstermin dieser 6 Pensionsjahre?) Ich bin auf der „Höhe“ des Lebens d.h. meiner Aufgaben, die das Leben mir allmählich gestellt hat, und muß, wo irgend möglich, diese nächsten vier Jahre ohne alle und jede äußere Störung eben diesen Aufgaben weihen, und an gar nichts Anderes mehr denken, hilf mir dabei, Treuester der Treuen!

Nein, Littré’s Buch werde ich gewiß nicht lesen, und ebenso wenig komme ich zu Keller’s „grünem Heinrich“: meine Augen erlauben mir solche „Luxusausgaben der Sehkraft“ nicht mehr. Im Vertrauen gesagt: das Wenige, was ich mit den Augen arbeiten kann, gehört jetzt fast ausschließlich physiologischen und medizinischen Studien (ich bin so schlecht unterrichtet! — und muß so Vieles wirklich wissen!) Bitte, sende den zweiten Band vom „grünen Heinrich“ an unsern „grünen Heinrich“ in Venedig, der jetzt eben mit seiner herrlichen Partitur — Filigran-Arbeit auch als solche — fertig geworden ist. — Ich habe mit dem Erfinder der Schreibmaschine Hr. Malling-Hansen in Kopenhagen, Briefe gewechselt — ein solches Instrument, bei dem die Augen nach einer Woche Übung gar nicht mehr thätig zu sein brauchen, wäre unschätzbar für mich, aber es ist nichts für mich „Armen-Mann“ — mit Kasten und „zur Versendung bereit verpackt“, also noch ohne Transport kostet es 375 R.Mark. Es wiegt 6 Pfund und ist 8 Zoll lang. Eine Schriftprobe lege ich bei.

Ich möchte ein paar Bücher durch Dich vom Buchhändler:

1. O. Liebmann, Analysis der Wirklichkeit.

2. O. Caspari, die Thomson’sche Hypothese (Stuttgart 1874 Horster.)

3. A. Fick, „Ursache und Wirkung“.

4. J. G. Vogt, die Kraft. Leipzig, Haupt & Tischler 1878.

5. O. Liebmann, Kant und die Epigonen.

Sodann hätte ich eins von meinen Büchern aus den Züricher Kisten sehr nöthig: Spir, Denken und Wirklichkeit — es ist uneingebunden, befindet sich also in der Kiste der Uneingebundenen und besteht aus 2 Bänden.

Giebt es auf der Zürcher Lesegesellschaft (oder Bibliothek) die „philosophischen Monatshefte“? Ich brauche davon Band 9 Jahrgang 1873 und ebenso Jahrgang 1875. Dann Zeitschrift Kosmos, Band 1.

Giebt es von Dubois-Reymond’s Reden eine Gesamtausgabe?

Endlich, endlich! Auch in die Apotheke möchte ich Dich schicken, es handelt sich um Vervollständigung meiner Privatapotheke. Ich bitte um

1. ferrum phosphoricum

2. phosphorsaures Kali

3. natrum sulfuricum

4. natrum muriaticum

von jedem 10 Gramm in Pulverform. Sehr gut verpackt. Sei mir nicht böse und nimm Dir Zeit zu Allem, mache es so gelegentlich wie möglich ab. Ich bin wegen meiner zudringlichen Bitten schon Deiner verehrten Schwiegermutter so beschwerlich geworden, und möchte doch bei ihr und bei Dir und bei Deiner lieben Frau und bei allen Deinen werthen Verwandten in Zürich in recht gutem Andenken bleiben!

F.N.

140. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. August 1881>

Lieber Freund, ich habe Overbeck beauftragt, Ihnen den 2. Band von Keller’s ,,gr<ünem> Heinrich“ zuzusenden und bitte Sie das Ganze, als einen Labetrunk nach schwerer Arbeit, aus meiner Hand freundlich anzunehmen. Ich juble mit Ihnen, wenn ich an Ihre Filigran-Partitur denke.

Overbeck schrieb mir jüngst in einer Bewegung, die an ihm selten ist; charakteristisch schien mir dieser Satz „Dein Buch erfüllt mit höchstem Lebensmuthe, weil es so gründlich und ehrlich davon durchdrungen ist, daß zu trösten gar nicht der Beruf der Wahrheiten ist, und alle sancho-pansaartige Begehrlichkeit, mit der man gemeinhin an die Wissenschaft herantritt, niederschlägt“. — Und der gute Rée hat, als Antwort, in der liebenswürdigsten Weise bei meiner Schwester angefragt, ob es erlaubt sei, von Stibbe nach Sils-Maria überzusiedeln. Endlich: Freund Romundt, der sich in Leipzig habilitirt hat, kündigt mir an, daß sein nächstes Werk „die Lehre Kants über Gott, Seele und Unsterblichkeit wieder aufbaue“ — es soll, wie man mir meldet, Bismarck gewidmet werden — — !

In Paris ist eine Ausstellung für Electricität: ich sollte eigentlich dort sein, als Ausstellungsgegenstand, viell<eicht> bin ich in diesem Punkte empfänglicher als irgend ein Mensch, zu meinem Unglücke!

Treulich und dankbar der Ihre F. N.

141. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. August 1881>

Meine liebe Schwester, der Schrecken darüber, daß meine Einsamkeit nicht heilig geachtet wird, hat mich 4 Tage krank gemacht, es schien als ob alle guten Geister mich verlassen hätten und die ganze geistige Arbeit des Sommers verloren sei. Nun, ich werde mir die Sache schon zurecht legen, und jedenfalls soll Freund R<ée> um so besser behandelt werden. Schon jetzt habe ich Gesichtspunkte, nach denen mir eine Zusammenkunft — jetzt mit ihm — sehr wichtig erscheint. — Darüber hatte ich ganz vergessen, Dir für Deinen ersten Brief zu danken, der mich so erheitert hatte; mir fiel ein Wort meiner Genueser Wirthin über die Frauen ein: „tutte le donne sono furbe“ (Ungefähr: „alle Frauen sind Spitzbuben“). — Herr Malling-Hansen in Kopenhagen, der Erfinder der berühmten Schreibmaschine, hat mir jetzt zweimal geschrieben — aber es ist eine Sache für reiche Leute. Mit Transport wird es mindestens frs. 500 kosten. Die Maschine ist 8 Zoll lang, 6 Pfund schwer und befindet sich in einem Mahagonikasten. Der genaue Preis für Maschine Kasten und „zur Versendung verpackt“ (also noch ohne Transport) ist R.M.375. — Ich friere so: Strümpfe! Viel Strümpfe!

Mit herzlichem Gruße und Dank.

142. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 24. August 1881>

Ja, meine liebe Mutter, hier oben, 6000 Fuß höher als Genua, wo die Schneeschmelze bis zum Juni sich hinzieht, und im Juli und August Schnee fällt, hat man Wünsche, die unten in der Ebene etwas verrückt klingen mögen. Ich sehe nach dem Thermometer im Zimmer: 8 Grad Réaumur. Dabei schneidende Winde, und das unbeständigste Wetter, welches auch den Engadinern unangenehm und nachtheilig ist: leider (für mich qualvoll!) sehr viele Gewitter. Schreib mir doch, was für verschiedene Wirkungen die Nietzsche’s vom Gewitter gespürt haben. — Mit meiner Nahrung bin ich sehr zufrieden: Mittag (1/2 12) jedes Mal ein Fleisch, mit Maccaroni, Morgens (1/2 7) ein rohes Eidotter Thee und Aniszwieback (ländlich-kräftig), Abends (1/2 7) 2 rohe Eidotter, ein Stück Polenta (wie sie alle Hirten und Bauern essen), Thee (zweiter Aufguß) und Aniszwieback. In Genua lebe ich noch viel „volkstümlicher“, gleich den dortigen Arbeitern. Alle Morgen um 5 kalte Gesammtabwaschung, täglich 5—7 Stunden Bewegung. Von 7—9 Abends still im Dunklen sitzen (so auch in Genua, wo ich ohne Ausnahme jeden Abend von 6 an zu Hause war: nie Theater, Concert u.s.w. Ihr könnt Euch nicht denken, wie sparsam, ja geizig ich mit meinen geistigen Kräften und meiner Zeit umzugehen habe, damit ein so leidendes und unvollkommenes Wesen doch noch reife Früchte trage: nehmt mir in Hinsicht auf diese schwere Art zu leben nichts übel, ich muß gegen mich selber täglich, stündlich hart sein. In Liebe

Euer F.

143. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria Ende August 1881.

Aber das sind ja herrliche Neuigkeiten, mein lieber lieber Freund! Vor allem, daß Sie fertig sind! Mir wird bei dem Gedanken dieses ersten großen Fertigwerdens Ihres Lebens unsäglich wohl und feierlich zu Muthe, ich werde den 24. August 1881 im Gedächtniß behalten! Wie es nur zugeht! Aber mich überkommt, sobald ich nur Ihres Werkes gedenke, ein Gefühl von Befriedigung und eine Art von Rührung, dergleichen ich in Bezug auf meine eignen „Werke“ nicht kenne. An diesen ist etwas, das immer und immer meine Scham beleidigt: sie sind Abbilder eines leidenden unvollständigen, der nötigsten Organe kaum mächtigen Geschöpfes — ich selber als Ganzes komme mir so oft wie der Krikelkrakel vor, den eine unbekannte Macht über’s Papier zieht, um eine neue Feder zu probiren. (Unser Schmeitzner hat ganz gut verstanden, mich an diesem Punkt empfindlich zu berühren, indem er in jedem seiner letzten Briefe betonte, daß „meine Leser keine Aphorismen mehr von mir lesen wollten“.) Nun, Sie, lieber Freund, sollen kein solcher Aphorismus-mensch sein, Ihr Ziel geht in’s Höhere, Sie haben nicht nur, wie ich, den Zusammenhang und das Bedürfniß des Zusammenhanges ahnen zu lassen — Ihre Aufgabe ist es, in Ihrer Kunst die höheren Stilgesetze wieder offenbar zu machen, deren Beseitigung die Schwäche der neueren Künstler fast zum Princip erhoben hat: Ihre Aufgabe ist es, Ihre Kunst wieder einmal fertig zu zeigen! Das fühle ich, wenn ich an Sie denke, und ich genieße in dieser Aussicht ein Vollendetwerden meiner eignen Natur wie im Bilde. Diesen Genuß haben Sie mir bisher allein gegeben, und erst seitdem ich Ihre Musik kenne, steht es so zwischen uns.

Und dann die zweite Neuigkeit: daß Wien nach Venedig und der Berg zu Muhammed kommt! Welche Unruhe nimmt dies von mir! Ich sehe jetzt den Gang der Dinge, Ihre erste festliche Einführung — ich vermuthe, Sie werden, unmittelbar in dem Erfolge, den Muth haben, Ihren aesthetischen neuen Willen durch ein Paar beredte Schriftstücke der Welt kund zu thun und damit über die einzig zulässige Interpretation Ihres Werkes die Verwirrung beseitigen. Bekennen Sie sich ungescheut zu den höchsten Absichten! Menschen wie Sie müssen ihre Worte voranwerfen und sie durch ihre Thaten einzuholen wissen (selbst ich habe mir bisher erlaubt nach dieser Praxis zu leben) Benutzen Sie alle Freiheiten, die man dem Künstler allein noch zugesteht und bedenken Sie wohl: unsre Aufgabe ist unter allen Umständen anzutreiben, „dorthin“ zu treiben — gleichgültig beinahe, ob wir selber dorthin gelangen! (Die exhortatio indirecta finde ich zum Erstaunen oft in meinem letzten Buche z. B. in dem Abschnitte § 542 „der Philosoph und das Alter“ — die direkte Ermahnung und Anreizung hat dagegen etwas so Altkluges.)

So viel für heute — es ist gar nicht nöthig, hierauf zu antworten, lieber Freund. Wenn wir uns einmal wieder sehen, spielen Sie mir Ihre Musik als Antwort (sie ist mir in diesen Monaten recht in’s Herz gesickert, und, aufrichtig! — ich weiß jetzt nichts, was ich lieber hören möchte —)

Es war mir eine rechte Freude, die Handschrift meines alten braven Gersdorff wiederzuerkennen (leider in etwas zu blasser Tinte) und zwar von einem Interesse Zeugniß ablegend, welches annoch selten ist und das ihn mir recht in der Nähe meiner Befürfnisse und Freuden zeigt.

Leben Sie wohl und gedenken Sie meiner als eines durch Ihren letzten Brief Hochbeglückten.

Ihr Freund Nietzsche.

144. An Paul Rée in Stibbe

Sils-Maria Ende August 1881

Mein lieber lieber Freund, nur zweimal habe ich bis jetzt dem schönsten Schauspiele etwas zusehen dürfen — wie eine selbsteigne intellektuelle Natur sich plötzlich entfaltet, bei Ihnen und bei unserm Freunde Köselitz. Letzterer hat, nach einer wunderbaren tiefen Umwandlung seines „Geschmacks“, neuerdings ein Werk geschaffen, welches eine helle Heiterkeit und Höhe zeigt, daß ich darin wie in einem besseren Wasser schwimmen muß und im Schwimmen auf dieser neuen Fluth vor Vergnügen jauchze: — es ist seine komische Oper „Scherz List und Rache“. Und wenn er immer wieder mir zu verstehen giebt, daß meine Philosophie und Denkweise ihm zu dieser Umwandlung verholfen habe und daß diese hier in Tönen zu erklingen beginne, so bin ich sowohl als alter verunglückter Musikus und ebenso als neuer unmöglicher unvollständiger aphoristischer Philosophus allzu hoch geehrt, um mich nicht auch beschämt zu fühlen.

Und dieses selbe Jahr, das jenes Werk an’s Licht brachte, soll nun auch das Andre Werk an’s Licht bringen, an dem ich im Bilde des Zusammenhanges und der goldnen Kette meine arme stückweise Philosophie vergessen darf! Welches herrliche Jahr 1881! Ich empfinde gegen Sie, mein lieber Freund und Vollender, ein ganz unbegrenztes Wohlgefühl und möchte, was ich Ihnen vielleicht schon zehnmal sagte, eine eigne Sonne schaffen können, die über Ihnen und dem Wachsthum Ihres Gartens allein zu scheinen hätte. Wie sollte ich es auch aushalten, ohne von Zeit zu Zeit meine eigne Natur gleichsam in einem gereinigten Metalle und in einer erhöhteren Form zu sehen — ich, der ich selber Bruchstück und wandelndes Elend bin und durch seltne, selt<e>n „gute Minuten“ in das bessre Land hinausschaue, in dem die ganzen und vollständigen Naturen wandeln. Es jammert mich immer zu hören, daß Sie leiden, daß Ihnen irgend etwas fehlt, daß Sie jemanden verloren haben: während bei mir Leiden und Entbehrung zur Sache gehören und nicht wie bei Ihnen zum Unnöthigen und zur Unvernunft des Daseins.

Nun gleich etwas von dieser Unvernunft! Lieber Freund, wenn Sie jetzt reisen wollen, so thun Sie es ja nicht im Hinblick <auf> eine Zusammenkunft mit mir (die doch nur sehr kurz sein dürfte, nach allen neuern Erfahrungen!) sondern um Ihrer Gesundheit und der Gesundheit Ihrer verehrten Frau Mutter Willen! Sollte aber das Engadin nicht in letzterer Hinsicht ungeeignet sein? Es ist kalt und windig hierselbst, wir hatten letzthin sogar einen vollen Schnee-Wintertag. Den 26. Sept. reise ich nach Genua zurück, ich muß um diese Zeit dort sein, und will in den nächsten Jahren überhaupt nur zwischen Genua und Sils-Maria hin- und herreisen. (Ich vertrage Reisen nicht, habe kein Geld zu Ortswechsel und dergleichen und bedarf der unbedingten Einsamkeit nicht als einer Liebhaberei, sondern als der Bedingung, mit der ich vielleicht das Leben noch ein paar Jahre aushalte (— es geht nämlich, im Vertrauen gesagt, sehr elend). So habe ich mich denn entschlossen, auf das Wiedersehen mit Ihnen zu verzichten und Ihnen dringend ans Herz <zu> legen, für die eigne Wohlfahrt und die der nächsten und zugehörigsten Seele bei dem Entwurfe des Reiseplanes zu sorgen. Ach, mein lieber Freund Rée, bleiben wir zusammen auf den Höhen tapferer Gesinnung, hellen Schauens, fliegen wir miteinander durch Vergangnes und Zukünftiges und seien wir, im Wohlgefühle dieser Gemeinsamkeit, nicht dem Schicksale zu gram, wenn es uns von einander hält — wie es jetzt wieder zu thun scheint! —

In herzlicher Liebe und Treue
Ihr Freund
Nietzsche

145. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 2. September 1881>

Den schönsten Dank, meine Guten Lieben — aber das war mein Geburtstagspaket! Da Ihr mir schriebt, eins schicken zu wollen, hatte ich Euch ja daraufhin meinen Wunschzettel geschickt. Alles ist recht und zum Theil schon im Gebrauch und im Verbrauch. Nun noch c. 3 Wochen, dann ist es wieder hier vorbei, am 26ten d. M. Abreise nach Genua. Das Wetter war in summa die ärgste Enttäuschung, die das Engadin mir machen konnte — und mir äußerst nachtheilig. Seit der letzten Karte war mein Zustand mir besorgnißerregend, der Kopfschmerz permanent, alle Speisen unmöglich. Draußen tiefer Schnee-Winter, oder Stürme, Gewitter, Regentage, alles wild durcheinander. Jetzt versuche ich eine Milchkur (der gute Rath des guten Lama kam genau zur Stunde, als ich das Milchtrinken anfieng) Rée schrieb, er und seine Mutter würden „in einigen Wochen“ reisefertig sein — aufrichtig, ich bin wenig zum Besuchempfangen mit meiner Gesundheit eingerichtet. Sonst — meine „Gedanken“ würden jetzt nicht mehr gestört werden! — ich habe gar keine mehr! Es ist Verfall. — Neulich fiel mir Frau Pastor Harseim ein, ich habe ihr als Knabe eine „heroische Handlungsweise“ zugetraut, sie war die erste Frau dieser Gattung, die ich kennen lernte. Ich freue mich über ihre Freude. — Schreibt mir Gutes und Beruhigendes über Gesundheit — es ist genug, daß Einer von uns Sorge macht!

In Liebe F.

146. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 5. September 1881>

Lieber Freund, und armer Freund! — Denn ich denke mit Beschämung an die Zudringlichkeit meiner Nothstände! — wir wollen die Geldsendung in den October verschieben. Ein rekommandirter Brief, Genova poste restante, doch ohne Angabe, was darin ist, kommt schon in meine Hände. Was die Handwerkerbank und überhaupt jede Anlegung des Geldes in Basel betrifft, so wäre mir die Nennung meines Namens dabei unerwünscht. Falls mein Name aber nothwendig ist, so würde ich einer Züricher Anlage den Vorzug geben.

Ich habe schlimme Zustände durchgemacht, es trat, unter der Einwirkung des geradezu bösartigen und tollen Wetters, eine allgemeine decadence ein. Die Hoffnung auf das Engadin ist diesmal zu Schanden geworden, doch wäre es anderswo mir nicht besser ergangen, mindestens in diesem aufgeregten Europa, das vor Neuerungssucht selbst die Jahreszeiten durcheinanderwirft. Hier hatten wir tiefen Schneewinter, Herbststürme und Sommergewitter und Märzthautage wild durcheinander.

Dein dankbar gesinnter Freund

F.N.

147. An Ida Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 5. September 1881>

Liebe Frau Professor, wenn ich mich heute an Sie mit einer Bitte wende, so wird es wohl wie schlechtes Gewissen aussehen — da ich mir bewußt bin, Ihrer verehrten Frau Mutter sowohl wie meinem Freunde schon gar zu viel Noth mit meinen Bitten gemacht zu haben! Ich möchte von Ihnen Auskunft über ein gelehrtes Kochgeräth, den sogenannten Papinianischen Topf (auch Digestor Papinianus, den Physiologen gut bekannt) Giebt es solche in Zürich? Und zu welchem Preise? Ein kleines Format vorausgesetzt (etwa um ein halbes bis ganzes Pfund Fleisch darin zu kochen) Oder finden Sie die luftdicht zu schließenden Umbach’schen Bouillontöpfe vorräthig?

Im Falle Sie etwas Derartiges entdecken, was sich für meine Genueser Küche eignen möchte und auch seinem Preise nach im Verhältniß zu mir steht, so senden Sie es mir noch in das Engadin.

Und Sie werden doch mir deshalb nicht böse sein? Herzlich

Ihnen zugethan und dankbar gesinnt
FN

148. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 6. September 1881>

Verschen aus der Baumannshöhle.

Die Weisheit spricht: da wo Gedanken fehlen,

Da stellt der Thee zur rechten Zeit sie ein,

Ein Gott noch unbekannt den Griechenseelen,

„Maschinentheos“: — laßt uns weise sein!

(So sprach einst der eine Höhlenbär zum anderen, als er von ihm das Theetrinken lernte.)

149. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. September 1881>

Danke Deiner lieben Frau für ihre ebenso gütige als exakte Auskunft. Nein, ein solcher Topf paßt nicht für meinen Haushalt: welcher flüchtig und transportabel sein muß, wie ich selber (ebenso wenig als die erwähnte Schreibmaschine) Die Zeitschriften laß! Die gesuchten Aufsätze stehen in Liebmann’s „Analysis“ auch. Ceterum, missis his jocis, dicam quod tacere velim, sed non jam tacere possum. Sum in puncto desperationis. Dolor vincit vitam voluntatemque. O quos menses, qualem aestatem habui! Tot expertus sum corporis cruciatus, quot in caelo vidi mutationes. In omni nube est aliquid fulminis instar, quod manibus me tangat subitis infelicemque penitus pessumdet. Quinquies mortem invocavi medicum, atque hesternum diem ultimum speravi fore — frustra speravi. Ubi est terrarum illud sempiternae serenitatis caelum, illud meum caelum? Vale amice.

150. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 20. September 1881>

Lieber Freund, das Geld ist auch eingetroffen, insgleichen die delikaten Backwerke, für welche ich der verehrten Senderin den herzlichsten Dank auszudrücken bitte. In einer Woche reise ich ab. Die Abhandl<ung> von Fick ist mir jetzt nicht mehr nöthig. Bitte, habe die Güte, meine mannichfaltigen Ausgaben, zu denen meine leiblichen und geistigen Bedürfnisse in diesem Sommer Anlaß gegeben haben, bei Dir und den Deinen im Hause Falkenstein in Ordnung zu bringen! Es ist ja bald wieder Geld für mich in Deinen Händen, das dazu dienlich ist. — Hast Du vielleicht an Köselitz den 2ten Band des „grünen Heinrich“ geschickt? — Denke Dir, daß Freund Rohde Buch und Brief, vor 3 Monaten ihm zugesandt, unbeantwortet gelassen hat! Was mag den wieder quälen! — Man muß sich die Geduld zum Aushalten in Pfennigen zusammenbetteln. Vertraue mir, ich habe noch Gründe auszuhalten. —

Dein Freund.

151. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. September 1881>

Mein liebes Lama, es ist nicht leicht möglich, mir mit einem Geschenk mehr Vergnügen zu machen als Du mir mit den Büchlein’s gemacht hast; so oft ich sie gebrauche, werde ich dankbar Deiner gedenken, ebenso oft als ich bisher mich geärgert habe, daß ich in diesem Punkte wie der erste beste Schulknabe fürlieb nehmen mußte. (Sonst schwimmt nämlich ein nur einigermaßen geachteter Autor oder Künstler in einem Luxus von Geschenken, die sein Handwerkszeug betreffen — und es ist der beste Beweis dafür, daß ich vollkommen ohne Anerkennung meinen Weg gehe (seit ich mir die „Parteien“ der -ianer vom Halse geschafft habe) wenn ich constatire, daß nach 10 Jahren Thätigkeit ich wie ein Anfänger mit dem geringsten Zeuge arbeite, das gar nichts mit meinen Gedanken zu thun hat. Es vermehrt meinen Stolz, daß ich diese schönen und sinnreich geschmückten Büchlein meiner Familie und nicht irgendwelchen „Verehrern“ verdanke.) Bleistift Nr. 2 ist recht, aber fürderhin wollen wir Faber abdanken. Romundts Buch, recht ausgequollen persönlich, scheint mir sehr erquicklich und für ihn hoher Ehren werth; ich kenne etwas die inneren Widerstände, die er zu überwinden hatte; wie blutig-schwer ist jeder Schritt der Selbständigkeit! — Mit der herzlichsten Dankbarkeit

Dein Bruder.

152. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. September 1881>

Meine liebe Mutter, gestern hatte ich den besten Tag dieses Jahres — es war ein vollkommner September, Geist und Leib bei mir frei, Mittags kamen die Geschenke, und den ganzen Nachmittag lief ich mit glücklichen und dankbaren Gefühlen an den blauen Seen herum. Die Strümpfe sind ein wahrer Schatz, ich sehe mich schon wieder die langen stillen Abende mit doppelten Strümpfen in der Kälte sitzen. Die Uhr werde ich jetzt um der Uhrkette willen noch weniger gern verlieren, ich denke beide so lange als möglich zu tragen. Die Handschuhe kommen sehr erwünscht, ein klein wenig allerdings post festum, denn ich habe schon ein erfrornes Fingerchen. Nun, der Genueser Winter ist noch in Aussicht, vielleicht wird er härter. In Betreff der Hallischen Pfefferkuchen bin ich alles Lobes voll, es ist mein „Leib“-confekt, das mir immer gut thut — und es freut mich, wie ich schon einmal schrieb, daß Ihr in Naumburg doch wenigstens etwas habt, das billig ist. Dienstag geht es fort nach Genua, leider sehr unbequem, mit Nachtreisen und Nachtankunft (fast 3 Tage unterwegs!) Dann kommt die Noth, Wohnung zu finden: ach, diese nächsten Wochen sind eine große Aufregung, und ich werde wohl viel krank sein! Adresse wieder: Genova (Italia) poste restante. Der Name Nietzsche unterstrichen, N sehr deutlich.

153. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 22. September 1881>

Hier die letzte Karte aus dem Engadin, von jetzt ab heißt es wieder: Genova poste restante. Gefährliche Zeiten waren es, der Tod schaute mir über die Achsel, ich habe den ganzen Sommer über fürchterlich gelitten: wohin soll ich mich wenden! Daß ein Himmel mit monatelanger Reinheit eine Lebensbedingung für mich geworden ist, sehe ich nun ein: lange vermag ich diesem ewigen Wechseln, diesem Wolken-aufziehen nicht mehr Stand zu halten! Und welche Energie der Geduld verbrauche ich nutzlos im Kampfe mit dem unvernünftigen Element! Denken Sie, ich habe in summa hier oben 10 erträgliche Tage gehabt, und die schlimmen Tage brachten Zustände so gräßlich als ich sie in Basel erlebt habe. — Der größere Theil derer, welchen ich mein Buch geschickt habe, hat, in 3 Monaten, nicht einmal ein Wort des Dankes für mich gehabt. Nun, das kann mich stolz machen: ach, Freund, ich brauche noch etwas Leben, denn ich habe noch etwas damit anzufangen! Mögen die Menschen mir keine Freude machen: so will ich mir selber Freude machen! Aber Ihre Musik muß mich umtönen, das wird mir nöthig, merke ich jetzt.

Treulich F.N.

154. An Hermann Pachnicke in Berlin (Postkarte)

<Sils-Maria, 24. September 1881>

Mein lieber Herr Pachnicke, Ihre Anhänglichkeit thut mir wohl, und fast scheint es mir als wenn, mit der Zeit, sich daraus auch irgend eine Anähnlichung ergeben müßte. Erwägen Sie recht innerlich, was ich in der „Morgenröthe“ gesagt habe — deren Aushängebogen ein Geschenk für Sie sein sollen. In philologicis wenden Sie sich ja an meinen Freund, Professor Dr. Rohde an der Universität Tübingen — ich selber lebe ferne und ohne Bücher und kann keine Briefe schreiben. Muth und eine hohe Gesinnung Ihnen wünschend

der Ihrige F.N. (Genova (Italia)
poste restante.

155. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 4. Oktober 1881>

Meine Lieben, so bin ich wieder im alten Genua eingerichtet, mitten im Gäßchengewühl und recht im Gegensatz zu der Eleganz der Kranken in Nizza. (Inzwischen hat mich Vieles für Nizza bereden wollen, ich widerstrebe) Müde und wie betäubt bin ich hier angekommen, mein Zustand war unbeschreiblich geworden, und die Reise selber war nur durch einen Krampf von Energie möglich. Fast fürchte ich, mir einzugestehn, daß Recoaro und Engadin endgültige Widerlegungen meiner Bergaufenthalte sind (wegen der größeren Nähe der Wolken) Daß Dr. Rée mich hier besuchen wird, ist sehr fein und praktisch für mich ausgedacht. — Es ist mir ein Paar Mal gelungen durch meine medizinischen Künste einen entschiedenen Anfall aufzuhalten — zu meinem großen Erstaunen! — Die Notizbücher sind herrlich, aber — es steht noch nichts drin. Genova poste rest<ante>

156. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 4. Oktober 1881>

Drei Worte, lieber Freund, die ersten wieder aus Genua! Und wieder waren Sie es, der mich hier zuerst begrüßte — Sie glauben nicht, wie empfänglich ich für solche Zeichen der Seele bin. — Ich bin gereist fast mit der Energie eines Tollen, denn der Wechsel meiner Zustände und die Quälerei, an der meine halbe Blindheit auf Reisen schuld ist, überstiegen alles Maaß, und mit „Geduld“ war nichts mehr auszurichten.

Bleiben Sie bei Ihrem Matrim<onio> segr<eto>-Projekt! Es giebt noch keine Oper, bei der einem Nordländer völlig südländisch zu Muthe wird, — das bleibt Ihnen aufgespart!

Treulich Ihr F.N.

157. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 8. Oktober 1881>

Meine Guten Lieben! So schwer es mir wird, es mir einzugestehn — ich kann nur noch am Meere leben. Das Martyrium vom 1 Mai bis 1 Oktober war gräßlich und barg alle und die schlimmsten Gefahren für mich in seinem Schooße. Auch hier leide ich viel, wie Ihr wißt, aber es ist doch menschenmöglich, damit zu leben, während im Engadin, in Marienbad, in Naumburg und Basel mir das Leben zur Thierquälerei wurde. — Freund Rée soll mir einen großen Gefallen thun, nämlich die gebundenen 2 Bände meiner eignen Schriften, die Ihr in Naumburg habt (gut im Carton verpackt, mit Seidenpapier) mitbringen. Ich brauche sie — und überdieß machen sie mir Vergnügen. Wenn ich sie nicht lese, wer liest sie! —

In herzlicher Liebe (bei Scirrocco)

Euer F.

158. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 14. Oktober 1881>

Nun, alter lieber Freund, so habe ich wieder meine Stadt Genua, die unmodernste, die ich kenne und die zugleich von Lebenskraft strotzt — so etwas ganz und gar Unromantisches und doch höchst Ungemeines: so will ich denn weiter leben in der Obhut meiner hiesigen Schutzheiligen Columbus Paganini und Mazzini, die zusammen sehr gut ihre Stadt vertreten. Von Dir und von Deiner verehrten Schwiegermutter erhielt ich die einzigen Ermuthigungen im Engadin — ich habe einen fürchterlichen Wechsel von Zuständen durchgemacht, und meine Abreise und Reise wurde nur durch eine gewisse Tollheit von Energie möglich.

F.N.

159. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 21. Oktober 1881>

Ich schreibe im Café, mein Zimmer hat nicht Licht genug zum Lesen und Schreiben (aber am 25ten d. M. wechsele ich — die dritte Wohnung wieder!) Ach, meine Lieben, es ging und geht nicht gut! Ich mag gar keine Einzelheiten melden. Es ist ein fortwährender Kampf, Tag für Tag. Möchten Eure guten Wünsche endlich einmal „einschlagen“! Inzwischen heißt es: tapfer sein! — Wir haben eigentlich Winter, eisige Regen mit Sturm, mir graut vor dem, was kommt, vielleicht ein harter Winter — und ich wieder ohne Ofen. Aber die giebt es hier nicht. Der fürchterliche Aufenthalt im Engadin hat mich vorbereitet. — Denkt, daß zu den Übelständen dieses Monates gehörte, Abends von 8—12 außer meinem Zimmer zu sein (in Folge einer schrecklichen Musik nebenan) Genug, es bedarf wieder der Geduld. Habt auch mit mir Geduld!

In Liebe und Dankbarkeit.

160. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 21. Oktober 1881>

Eisige Regen, heftige Winde, kurz Winter, es ist hart und läßt Schlimmes fürchten. J. Burckhardt hat Recht, aber mir dem Fast-Blinden sind jetzt alle neuen Versuche mit Städten und alle Reisen überhaupt unausstehliche Martern geworden; diese Stadt (auch diese Bevölkerung) sagt meinem Charakter zu und hält mich in der Tapferkeit und im Streben fest. Ach, Freund, wie gieng es inzwischen! Jeder Tag ein Kampf — die Summe von Energie, Geduld, Besinnung und Erfindung, die täglich von mir verbraucht wird, ist wahrlich nicht gering, aber da Niemand darum näher weiß, wird sie mir einmal auch Niemand anrechnen — und zuletzt nennt man gar mein Leben ein müßiggängerisches. — Lege das Geld doch auf 6 monatl. Kündigung an. — Ich denke Deiner und der Deinigen in herzlicher und steter Dankbarkeit, lieber guter Freund!

F.N.

161. An Erwin Rohde in Tübingen (Postkarte)

<Genua, 21. Oktober 1881>

Lieber alter Freund, da Du mir inzwischen nicht geschrieben hast, so nehme ich an, daß es irgendwelche Schwierigkeiten dabei für Dich giebt. Deshalb spreche ich heute die herzlich gemeinte Bitte und dies ohne alle für Dich peinlichen Hintergedanken aus: schreibe mir jetzt nicht! Es verändert sich damit gar nichts zwischen uns, aber unerträglich ist mir die Empfindung, anscheinend durch die Zusendung eines Buches auf einen Freund eine Art Zwang ausgeübt zu haben. Was liegt an einem Buche! Ich habe noch Wichtigeres zu thun — und ohne dies wüßte ich nicht, wozu leben. Denn es geht mir hart, ich leide viel.

In Liebe
Dein F. N.

162. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 27. Oktober 1881>

Es war eine fürchterliche Zeit für mich, und ich hatte meine Genueser Kühnheit nöthig, um durchzukommen. Ich führe täglich einen Kampf durch, von dem Niemand einen Begriff hat, die Anfälle meiner Schmerzen sind so mannichfaltig und verlangen von mir so viel, viel Energie, Geduld, Nachdenken und Erfindung — ja es ist fast lächerlich: Erfindung! — — — —

Ihr Brief war wieder das Beste, was die letzten Wochen mir vom Dasein zeigten — ich war glücklich, Sie wieder mir schaffend denken zu dürfen, und noch mehr erquickte es mich zu hören, daß Sie Ihrem Leben einen großartigen langen Plan einzuverleiben gedenken — mit dieser Ihrer Praxis errathen Sie beinahe die Ausschweifungen meiner neuesten Theorien.

In treuer Neigung Ihr Freund
F.N.

163. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 28. Oktober 1881>

Willst Du mir, lieber Freund, folgendes Buch unter Kreuzband senden lassen (durch Deinen Leipziger Buchhändler, mit dem Du es vielleicht vereinbarst, daß ich direkt mit meinen Bücheraufträgen mich an ihn wenden kann, und daß die Zahlung jährlich zugleich mit Deinen eigenen Zahlungen erfolgt?)

Foissac, Meteorologie, Deutsch von Emsmann.

Leipzig 1859.

(Es ist von wegen der fürchterlichen Einflüsse der atmosphärischen Elektrizität auf mich — sie werden mich noch auf der Erde herumtreiben, es muß bessere Bedingungen des Lebens für meine Natur geben. Z. B. in den Hochebenen Mexicos, auf der Seite des stillen Ozeans (schweizerische Colonie „Neu-Bern“). Sehr, sehr, sehr gequält, Tag um Tag.

Dein Fr.

164. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 29. Oktober 1881>

Das waren wieder schreckliche Zeiten! Jeder Tag ein Elend und ein Kampf! Das unglaublichste Wetter! Ich bildete mir ein, hier milder fortzukommen als im Engadiner Sommer — aber die Schmerzen sind dieselben. — Seit gestern habe ich die neue Wohnung, welche mir schöne Ruhe zu geben erscheint. Es ist gut, daß Freund Rée mich nicht in den letzten Wochen hier gesehn hat — ich war auf die tiefste Stufe meiner Ansprüche herabgestiegen. Jetzt kann ich mich schon „sehen lassen“ — es hat mich viel Nachdenken gekostet, dies Haus zu finden. Adresse: Genova, salita delle Battistine 8 (interno 6), aber nur für Rée und nicht für Briefe.

In Liebe Euer Philoktet.

165. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 6. November 1881>

Ich erhebe mich eben von der letzten Niederlage. Aber lassen wir die Gesundheit (und ogni speranza)! Ich bin hier in Genua so reich, so stolz, so ganz principe Doria und verlange nach nichts als nach Ihnen, lieber Freund — ich biete Ihnen alle Güter dieser meiner Welt, um Sie, vielleicht für einen Monat, nach Genua zu locken, Sie sammt Ihrer neuen und alten Musik! Ich war — in allem Ernste gesagt Ihretwegen — im Theater und hörte Rossini’s Semiramide und Bellini’s Giulietta e Romeo (dies 4 mal).

Dieser Monat ist hier sehr schön; ich sitze Abends in einem Weingarten, mit Meer, Bergen und Villen unter mir, ja ich nehme ein Meerbad, in meiner Grotte der Morgenröthe. Wenn die Lotterie uns günstig ist, kommen Sie? Ein Rundreisebillet für 40 Tage kostet 44 lire (ein Zimmer für 15—20) und sonst alles sehr billig.

Ihr Freund N.

166. An Paul Rée in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 6. November 1881>

Mein lieber Freund, eben giebt mir ein Brief meiner Schwester ein Bild von Ihnen, genug und zuviel für meine Ungeduld und mein — Tage-Abzählen: — ich meinte, der Anfang des November werde uns zusammenbringen! Halten Sie ja an dem Wiedersehen in Genua fest — dieser Ort gehört zu mir, ich will Ihnen denselben schon präsentiren und repräsentiren, ganz als principe Doria, wenn Sie wollen. — Heute nur eine Bitte: bringen Sie mir zwei Chemicalien mit, welche ich hier nicht aufzufinden weiß 1) Magnesia phosphorica 2) Kali phosphoricum; von Jedem 50 Gramm, in Pulver und Jedes wohlverschlossen in Glas (wegen der leichten Löslichkeit). Wollen Sie so gut sein?

Von Herzen Ihr Freund Nietzsche.

167. An Franz Overbeck in Basel

<Genua, 14. November 1881.>

Mein lieber Freund, was ist dies unser Leben? Ein Kahn, der im Meere schwimmt, von dem man nur dies mit Sicherheit weiß, daß er eines Tages umschlagen wird. Da sind wir nun zwei alte gute Kähne, die sich treulich Nachbarschaft gehalten haben, und namentlich hat Deine Hand redlich dabei geholfen, mich vor dem „Umschlagen“ zu behüten! So wollen wir denn unsere Fahrt fortsetzen und einer um des Andern Willen recht lange! recht lange! — wir würden uns so vermissen! Einigermaßen glatte See und gute Winde und vor allem Sonne — was ich mir wünsche, wünsche ich auch Dir; und traurig, daß meine Dankbarkeit sich eben nur in einem solchen Wunsche äußern kann und daß sie gar nichts über Wind und Wetter vermag!

Foissac ist eingetroffen, schnell und billig von Deinem Buchhändler besorgt: diese medizinische Meteorologie, obschon von der Academie gekrönt, ist aber leider eine Wissenschaft in der Kindheit und für meine persönliche Noth eben nur ein Dutzend Fragezeichen mehr. Vielleicht weiß man jetzt mehr — ich hätte in Paris bei der Elektrizitäts-Ausstellung sein sollen, theils um das Neueste zu lernen, theils als Gegenstand der Ausstellung: denn als Witterer von elektrischen Veränderungen und sogenannter Wetter-Prophet nehme ich es mit den Affen auf und bin wahrscheinlich eine „Spezialität“. Kann Hagenbach vielleicht sagen, durch welche Kleidung (oder Ketten, Ringe u.s.w.) man sich am besten gegen diese allzustarken Einflüsse schützt? Ich kann mich doch nicht immer in einer seidenen Hängematte aufhängen! Besser, sich ganz aufzuhängen! Und sehr radikal!

Wann ist der Gotthardtunnel fertig? Wann soll er befahren werden? Er soll mich zu Dir und zu den Ärzten (Augen- und Zahnärzte einbegriffen) bringen; ich habe eine lange Consultation in’s Auge gefaßt. (Dieser Tunnel ist den Genuesen vor die Thür gebaut, sie sind äußerst dankbar, ja, sie sind gegen jeden Schweizer jetzt dessenthalben artig.)

Meine Augen versagen immer mehr — die außerordentliche Schmerzhaftigkeit nach kürzestem Gebrauche hält mich geradezu von der Wissenschaft entfernt (ganz abgesehn von der großen Schwachsichtigkeit.) Seit wie lange habe ich nicht lesen können!! Romundt’s Buch habe ich nicht gelesen — nach einem musternden Blicke aber glaube ich, es ist Schleicherei auf verbotenen, uns verbotenen Wegen — das mag ich nicht! —

Paësiello’s Meisterwerk ist das matrimonio segreto: da kam Cimarosa und componirte denselben Text noch einmal, und siehe! es wurde auch sein Meisterwerk. Und nun kommt Köselitz und — das ist das Neueste — er hat es zum dritten Male componirt und ist im Wesentlichen fertig damit. Der Text verdient es — das Wagniß und die Kühnheit des Gedankens hat mir zu denken gegeben. So wie ich K<öselitz> kenne, freue ich mich dieses Charakterzugs: Überhebung und Dreistigkeit sind ihm sehr fremd. — — Die „Nacht o holde“ hat auf Dich vielleicht etwas anders gewirkt als auf mich, nach Deinen Worten zu schließen — und so ist es natürlich. Genug, es war beide Male ein Eindruck, der zu Ehren des Componisten auslief. —

Mit der Bitte, mich Deiner lieben Frau des Herzlichsten zu empfehlen verbleibe ich Dein Freund

Friedr. Nietzsche.

168. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 18. November I88I>

Lieber Freund, vielleicht bringt gerade das Interesse Ihres Schaffens eine zeitweilige Nöthigung der Ruhe oder der energischen Abziehung mit sich: ich weiß das nicht — aber kommen Sie, wenn Sie müssen, angemeldet oder unangemeldet: Ihrer bin ich immer gewärtig! Vom „Gelde“ sage ich nur so viel: ich erspare immer etwas: warum soll ich dies nicht für den gegebenen Fall eines Besuchs auf Ihre Zukunft anlegen, statt auf die des Hrn. Schmeitzner? Was ist sicherer? Sagen Sie selber! (— Ich rede recht genuesisch! —) Freund, ein großer Fund für Sie! Ich hörte zweimal eine ganz junge Sängerin als Somnambula: Emma Nevada. Zweimal hat sie mich in eine sanfte Trunkenheit versetzt (was noch keine Stimme über micht vermocht hat) Immer schwebt jetzt „Nausicaa“ um micht, ein Idyll mit Tänzen und aller südlichen Herrlichkeit solcher, die am Meere leben, Musik und Dichtung von Freund Köselitz; Nausicaa gesungen von Emma Nevada. Meine Genuesen waren ganz außer sich, sie haben sie behandelt wie einen Engel vom Himmel.

Ihr F.N.

Gab es je so schönes Wetter? —

169. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 18. November 1881>

Meine liebe Schwester, vom Tode der Frau von W<öhrmann> hatte ich sogleich durch Köselitz Nachricht, schreiben kann ich nicht, obschon ich es herzlich gern thun möchte. Ach, die Augen — Ich weiß mir damit gar nicht mehr zu helfen, sie halten mich förmlich mit Gewalt ferne von der Wissenschaft — und was habe ich außerdem! Nun, die Ohren! könnte man sagen. — Wir hatten das schönste Wetter inzwischen, und alles in allem, ich habe nie Besseres erlebt. Jeden Nachmittag sitze ich am Meere. Durch die Abwesenheit der Wolken ist mein Kopf frei, und ich bin voller guter Gedanken und Absichten — aber, wie gesagt, die Augen! sie halten nicht mehr eine Viertelstunde Lesens aus, ohne Schmerzen zu machen. Es genügt mir, daß hier und da ein Wörtchen in Dein herrliches Notizbuch kommt — es muß mir genügen! Eurer immer dankbar gedenkend — in Liebe F N.

170. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 27. November 1881>

Mein lieber Freund, es wäre unbescheiden, auf meine „Aufforderung zum Tanz“ der Reise zurückzukommen, aber erzählen will ich doch, daß die erste Seite Ihres Briefes mich lachen machte, vor freudiger Erwartung. Ich war in meinem Garten, d. h. dem der Villetta Negro, neben der ich wohne (Stendhal nennt sie einmal „eine der malerischesten Stellen Italiens“); und dachte Ihrer in vieler Liebe. —

Der liebliche Singevogel ist davongeflogen (er singt jetzt „Mignon“, in Florenz). — Das Goldmännchen von Mailand ist an mir vorübergegangen — und an Ihnen auch, wie ich fürchte? — Dr. Rée schreibt von Gersdorff in Leipzig, und daß er es da nicht lange aushalten werde, „vor Sehnsucht nach Venedig und Köselitz“. Ohime! Sie seufzen! —

In Treue Ihr Freund F. N.

171. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 27. November 1881>

Lieber, guter Freund, ich und alles „Meinige“ macht Ihnen Noth! Dieser Herr Busse! Aber es waren ein paar so delikate Empfindungen in seinem Briefe, daß ich ergriffen war — ergriffen und voller Spott über mein Schicksal! Niemand (wenn ich einen einzigen Menschen ausnehme —) hat mich bisher so geehrt wie dieser arme Herr Busse. Senden Sie nur seine Sendschreiben, ich will ihm sogar antworten —: er ist mein ganzes „Publicum“. —

Zeitschriften“ — etwas mir ganz fremd Gewordenes: wozu! ich kenne die Zeit nicht mehr, nehme mir Zeit und brauche keine Publicität: wenn ich aber eine brauchte, dann würde ich nicht an ein Journal denken, das sich selber lesen muß, um Leser zu haben. (Oder wird auf die Anti-Juden spekulirt?) Seien wir geduldig!!!

Soll ich die Briefe zurück an Sie schicken?

172. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 28. November 1881>

Hurrah! Freund! Wieder etwas Gutes kennen gelernt, eine Oper von François Bizet (wer ist das?): Carmén. Hörte sich an wie eine Novelle Mérimée’s, geistreich, stark, hier und da erschütternd. Ein ächt französisches Talent der komischen Oper, gar nicht desorientiert durch Wagner, dagegen ein wahrer Schüler von H<ector> Berlioz. So etwas habe ich <nicht> für möglich gehalten! Es scheint, die Franzosen sind auf einem besseren Wege in der dramatischen Musik; und sie haben einen großen Vorsprung vor den Deutschen in Einem Hauptpunkte: die Leidenschaft ist bei ihnen keine so weithergeholte (wie z. B. alle Leidenschaften bei Wagner).

Heute etwas krank, durch schlechtes Wetter, nicht durch die Musik: vielleicht sogar wäre ich viel kränker, wenn ich sie nicht gehört hätte. Das Gute ist mir Medizin! Darum meine Liebe zu Ihnen!!

173. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 4. Dezember 1881>

Das war ein Wort zur rechten Zeit, meine liebe Lisbeth! Ja, die Schreibmaschine ist mir unentbehrlich (sonderbar! ich hatte sie aus den Gedanken verloren und doch leide ich so an den Augen! sie sind bei jedem Anfall sehr betheiligt!) Also: ich will die Maschine kaufenvorausgesetzt, daß Freund Rée sie mir mitbringt (daß sie nicht geschickt werden muß!) Auch möchte ich nicht gerade das Exemplar haben, auf dem Jedermann gespielt hat. In der zweiten Hälfte Dezember schicke ich das noch nöthige Geld an Dich — wie viel? — daß Du über 200 M. für mich vom Oktober an verfügen könntest, schriebst Du mir.

Ich habe neulich auf meiner Karte Freund Rée nicht einmal für seinen schönen Brief gedankt!

Nein! Wie zur rechten Zeit Dein Brief kam! Ich erhob mich von einem schweren Anfall und wußte gar nicht mehr, was machen. Ich habe so viel zu schreiben. Eurer in Liebe gedenkend!

174. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1881>

Lieber guter Freund, von Zeit zu Zeit (wie kommt das?) ist es mir wie ein Bedürfniß, so etwas Allgemeineres und Unbedingteres über Wagner zu hören, und am liebsten von Ihnen! Auch über Chamfort gleich zu fühlen, soll eine Ehrensache für uns Beide sein, er war ein Mann vom Schlage Mirabeau’s, nach Charakter, Herz und großem Sinne — M<irabeau> selber urtheilte so über seinen Freund.

Daß Bizet todt ist, gab mir einen tiefen Stich. Ich hörte Carmen zum zweiten Male — und wieder hatte ich den Eindruck einer Novelle ersten Ranges, wie etwa von Mérimée. Eine so leidenschaftliche und so anmuthige Seele! Für mich ist dieses Werk eine Reise nach Spanien werth — ein höchst südländisches Werk! — Lachen Sie nicht, alter Freund, ich vergreife mich mit meinem „Geschmacke“ nicht leicht so ganz und gar. — In herzlicher Dankbarkeit

Recht krank inzwischen, doch wohl durch Carmen - - -

175. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1881>

Meine liebe Schwester, ich kenne die Hansen’sche Maschine recht gut, Hr. Hansen hat mir zweimal geschrieben und Proben, Abbildungen und Urtheile Kopenhagener Professoren über dieselbe geschickt. Also diese will ich (nicht die amerikanische, die zu schwer ist.)

Haus Falkenstein ist verkauft, Rothpletzens siedeln spätestens 1 April nach München über. Man fragt wegen meiner Bücher an; ich möchte sie eigentlich mit nach München transportiren lassen — das ist ein Universitätsort mit herrlichem Hochwald in der Nähe — möglich, daß ich da einmal eine Zeitlang arbeite oder Collegien höre. Schreib mir über diesen Punkt. Herzlichste Grüße an unsre gute Mutter

176. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 6. Dezember 1881>

Lieber Freund, verzeihe, daß ich nur Ein Wort des Dankes für Deinen guten Brief habe — die Augen erlauben mir nicht mehr die geringste „Freigebigkeit im Schreiben“. Wegen der Bücherkisten erbitte ich mir noch etwas Bedenkzeit. Wenn der Gehalt fällig ist, so sende mir doch wieder 500 frs. davon, poste restante und recommandirt, aber ohne Bezeichnung des Geldwerthes, als Brief somit. Mein alter Paß von 1876 wirkt immer noch bei der Post. — Deinem Buchhändler schulde ich 3 Mark 90 Pfennige. — In Leipzig essen jetzt Rée, Gersdorff und Romundt zusammen, es wird da viel unser gedacht. — Die Schreibmaschine ist eine Nothwendigkeit geworden, ich habe den Auftrag dafür gegeben, meine Schwester war deshalb in Leipzig und hat dort eine solche arbeiten sehn. — Mehrere böse Anfälle. Das Wetter aber in Summa sehr gesund.

Von ganzem Herzen grüßend
N.

177. An Heinrich Köselitz in Genua (Postkarte)

<Genua, 8. Dezember 1881>

Sehr spät bringt mein Gedächtniß (das mitunter verschüttet ist) heraus, daß es wirklich von Mérimée eine Novelle „Carmen“ giebt, und daß das Schema und der Gedanke und auch die tragische Consequenz dieses Künstlers noch in der Oper fortleben. (Das libretto ist nämlich bewunderungswürdig gut) Ich bin nahe daran zu denken, Carmen sei die beste Oper, die es giebt; und so lange wir leben, wird sie auf allen Repertoiren Europa’s sein.

Herr O. Busse verspricht seine Gedanken über die „Fortpflanzung des Menschen“ zu veröffentlichen (oh ich Unglücklicher! —) einstweilen empfiehlt er in seinem Sendschreiben die Kindes-Aussetzung nach Art der Spartaner. Ich finde das Wort und das Gefühl nicht, um ihm zu antworten.

Eine lateinische Abhandlung über Epicur will mir gewidmet sein: bravo!

Ich lebe seltsam, wie auf den Wellenspitzen des Daseins — eine Art fliegender Fisch. Sie sind mir immer gegenwärtig, mein lieber Freund!

F.N.

178. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 12. Dezember 1881>

Lieber Freund, ich danke Dir für Deine Mittheilung und Mühwaltung! Heute erfahre ich durch Dr. Rée, daß Hr. Schmeitzner für seine zu begründende Zeitschrift Mitarbeiter wirbt durch die Versicherung, daß Du und ich fest zugesagt hätten! Unverschämt! Die Wahrheit ist, daß er noch gar nicht an mich eine Anfrage gestellt hat, und daß ich unsäglich weit davon entfernt bin, mich an dieser Zeitschrift zu betheiligen! — Auf die genannte Weise hat er Hrn. Dr. von Stein (in Halle Privatdozent) gewonnen. — Ich sehe weder ein Princip, noch einen großen Namen, noch irgend ein Bedürfniß — wozu diese Zeitschrift? Und Herr Widemann halte ich für merkwürdig ungeeignet, Redacteur zu sein. —

Für den nächsten Monat hoffe ich auf den Besuch Dr. Rée’s, dessen Buch „das Gewissen“ tüchtig gefördert wird. In alter Liebe und Dankbarkeit

F.N.

179. An Carl von Gersdorff in Leipzig

<Genua,> 18 Dezember 1881.

Mein lieber alter Freund,

das nenne ich eine grandiose Art, der Verfinsterung unsrer Freundschaft ein Ziel zu setzen und Licht zu schaffen! Ich war vor Vergnügen ganz außer mir, als ich Deine Karte gelesen hatte — ich lief mit einem so glücklichen Gesichte durch die Straßen Genua’s, daß die Leute mich verwundert ansahen; zuletzt hielt ich ein Tuch vor das Gesicht. Nun! Glaube es mir nur, ich bin wirklich noch Dein alter Freund, ja ich meine, ich werde Dir fürderhin ein besserer Freund sein können als ich es früher war — das ist eine Frucht der letzten schweren seltsamen entscheidenden Jahre! Viel Wetter und Unwetter sind uns Beiden über den Kopf (und über das Herz) gegangen, manche Rinde mußte brechen — aber, wir Beide sind inzwischen trotzalledem, gleich guten alten Bäumen, in die Höhe gewachsen — wer weiß wie hoch! Heute weiß ich nichts Besseres zu thun als einem liebenswürdigeren Wesen als ich bin nachzufolgen und Dir auch ein Gelöbniß zu machen. Ja, mein alter Freund, ich will bis an mein Lebensende beflissen sein, Dir Freude und Muth zu machen; Dein Vertrauen zum Leben und zu Dir selber soll immer im Wachsen sein, und große edle und freie Gedanken sollen vor Dir herziehn —: in dem Allen will ich die Genossin Deines Lebens zu unterstützen suchen, welche, wie ich mit der tiefsten Dankbarkeit empfinde, Deine tapfere und großmüthige Grundart errathen hat und vertrauensvoll ihre Hand in die Deine gelegt hat.

Und nun kein Wort mehr — es giebt Vieles, was nicht ausgesprochen werden soll, zwischen uns, und Eines giebt es, was ich wieder gut machen will (ich habe Dir Einmal wehe gethandas vergesse ich nie, und Du sollst den Vortheil davon haben!)

In Treue Dein
Freund Nietzsche.

180. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 18. Dezember 1881>

Im Geiste habe ich über so viel Dinge Ihnen Kärtchen zugesandt, daß ich gleich von der allerletzten Neuigkeit ein Wort sagen will — Vergangnes mag vergangen sein! Gersdorff hat auf eine grandiose Art dem Mißverhältniß zwischen uns ein Ziel gesetzt! — Diese Familie meines Namens (ohne e) ist mir von meiner Kindheit her bekannt, ich habe einmal die Sommerferien auf ihrer schönen Besitzung zugebracht (es giebt eine weitschweifige Art von Verwandtschaft). Schöne Mädchen!

Wünschen Sie mir Glück und helles Wetter! ich nehme die Feder zur Hand, um das letzte Manuscript zu machen (die Schreibmaschine trifft erst in einem Vierteljahre ein). Es gilt der Fortsetzung der „Morgenröthe“ (6. bis 10. Buch). Es ist Zeit, sonst vergesse ich meine Erlebnisse (oder „Gedanken“)!

Jede „Zeitschrift“, die Sie zum Schreiben bringt, soll mir lieb und werth sein!

Treulich
F.N.

181. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Genua, 21. Dezember 1881>

Meine Lieben, ein Briefchen von mir soll wenigstens zu Weihnachten in Eure Hände kommen — im Übrigen setze ich voraus (und bitte darum!) daß ich auf Eurem Geschenktische vertreten sein möge — in der Art wie voriges Weihnachten, und daß Ihr Euch von mir etwas bescheert, was Euch Vergnügen macht oder nützlich ist.

Die letzte Neuigkeit ist meines alten Freundes Gersdorff Verlobung — aber was könnte ich Euch Neues erzählen! (Seine Braut, Frl. Martha Nitzsche (Gohlis Leipzig) wer ist das? Kennt Ihr sie?) Er hat auf eine grandiose Art unsre Freundschaft wieder in Ordnung gebracht.

Meine Bücherkisten in Zürich ärgern mich. Ich möchte nämlich die Bücher (mit wenigen Ausnahmen) überhaupt los sein und dachte sie zu verkaufen (und andre nützlichere zum Theil dagegen eintauschen) Nun kommt der theure Transport nach Naumburg, der fast das Geld verschlingt, das ich dafür in Leipzig lösen könnte!

Meine Augen gehen reißend abwärts, ich kann es nicht verhehlen. Ich werfe jetzt öfters etwas um, zerbreche etwas oder stolpere. Wo finde ich eine andre Stadt, die so herrlich mit breiten Platten gepflastert ist, wie Genua, wo ich weit in der Umgebung herum gehen kann und immer auf glattem harten Steine (mit Riefen darin, wo es auf- oder abwärts geht)?

Überhaupt ist Genua doch eigentlich mein glücklichster Griff, in Bezug auf Gesundheit und geistige Ungestörtheit.

Ich habe ein sehr helles, sehr hohes Zimmer — das wirkt gut auf meine Stimmung. Ganz in der Nähe ist ein reizender Garten, der offen steht, mit mächtigem waldartigen Grün (auch im Winter) Wasserfällen, wilden Thieren und Vögeln und herrlichen Fernblicken auf Meer und Gebirge — alles auf sehr kleinem Raume.

Jetzt verzehren die Genuesen ihr Weihnachtsbackwerk, ihr pane dolce di Genova in ungeheuren Massen und senden es nach aller Welt hin. Es ist ganz genau unsre Stolle, oder vielmehr: unsre Stolle ist die deutsche Nachahmung des pane dolce di Genova. Ein Gebäck mit Mandeln Rosinen Citronat kann nicht gut rein deutsche Erfindung sein — das liegt auf der Hand.

Und nun wollen die Augen nicht mehr — und vielleicht könnt Ihr dies Geschreibsel nicht lesen?

Nach der Schreibmaschine wäre eine Vorlesemaschine eine sehr schöne Erfindung. Jeder Vorlese-Mensch ist eine Störung für ein denkendes und sensibles Thier, wie ich bin.

Adieu! meine Lieben, die Ihr mir so schöne lange Briefe geschrieben habt! Lauft glücklich das alte Jahr zu Ende ab — wer weiß, was das neue alles bringen wird, Gutes und Neues! Das ist ja das Beste vom Leben — le long espoir et les vastes pensées, nach Lafontaine.

In herzlicher Liebe
Euer Fritz.

Mittwoch früh.

182. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 28. Dezember 1881>

Gebe Ihnen, mein lieber Freund, das neue Jahr etwas Neues, irgend ein sehr schönes Geschenkchen — ich weiß nicht was — und erwägen Sie, ob ich Ihnen nicht irgend einen Wunsch erfüllen kann; ich habe ein solches Bedürfniß, von Ihnen einen Wunsch zu hören!

Augenblicklich bin ich elend daran, ich komme nicht recht wieder zu mir, der letzte Anfall war zu hart (am 23ten Dez.) Weihnachten lag ich zu Bett und dachte, daß ich nicht mehr „denken“ dürfe.

Soll ich Ihnen den Klavierauszug von Carmen schicken? Oder macht er eine Störung? — Diese Nacht gieng meine Seele zwischen Ihren Melodien aus Sch<erz> L<ist> und R<ache> herum und war sehr glücklich dabei! Wann erlebe ich das wieder und das matr<imonio> segr<eto> dazu!! Machen wir Pläne!

In Treue Ihr Freund.

183. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 28. Dezember 1881>

Meine Lieben, seit dem 23ten bin ich krank, es gab einen der allerheftigsten Anfälle, der mich nachdenken gemacht hat — und jetzt komme ich gar nicht recht wieder in Ordnung und lege mich alle Nachmittage wieder zu Bett, trotz allem schönen Wetter. — Verzeihung! Ich habe den letzten Brief, wie ich zu spät merkte, nicht frankirt, ich finde wenigstens die dafür bestimmte Postmarke noch in meinem Portemonnaie. — Auch hier konnte ich ein Paar Geschenkchen machen. Dem Sohn meiner Wirthin, der im Irrenhause ist, habe ich eine schöne Stolle (Pane dolce) geschickt. — Liebe Lisbeth, schreib doch gleich ein Wort an Frau Rothpletz wegen der Übersiedelung der Bücher nach Naumburg. — Tapfer vorwärts in’s neue Jahr, im Vertrauen auf alles alte Gute!

F.

184. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Genua, 28. Dezember 1881>

Ich wollte Dir und ebenso Frau Rothpletz in den Weihnachtstagen einen Brief schreiben — und nun bin ich krank geworden und, ob ich schon wieder aufgestanden bin, erhole ich mich schlecht und muß mich jeden Nachmittag wieder zu Bett legen. So verzeih dies Kärtchen und bitte auch die verehrte Frau um Nachsicht für mich: möge das neue Jahr Vieles besser machen als das alte und auch mich etwas ausbessern! Also die Bücher fort nach Naumburg! (fast hätte ich gesagt: fort zum Teufel! Wozu habe ich halbblindes Thier noch Bücher! Es ist nur eine Last und namentlich wenn ich denke, wem Alles es Last ist!) Das Geld ist gut angekommen, der alte Paß wirkte wie der allerneueste. — Was Hr. Schmeitzner ableugnet, hat Herr Dr. von Stein (im Gespräch mit Rée) erzählt. — Gersdorff hat auf eine grandiose Art seine Freundschaft mit mir wiederhergestellt. — In Treue Dein

F.N.

1881 (115 Briefe)

74. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 8. Januar 1881>

Дорогой дорогой друг, мне нечего писать, но я только что долго думал о вас, я снова лежал тихо у моря, как ящерица на солнце, на дальних вершинах гор впервые заблестел снег (поближе он ещё не подошёл). Ваше письмо, хорошее, как всё, что я узнаю от вас, снова показывает мне, что я причиняю вам страдания, больше, чем хотел бы. Давайте перенесём это молча вместе! В более поздней жизни, когда мы срастёмся ещё больше, как верные старые деревья, мы, возможно, ещё раз посмеёмся над молодостью нашего общения! Сохраните себя для меня и в новом десятилетии — я боюсь, что в конце его буду ещё более одиноким, чем сейчас (я боюсь этого и почти уже заранее горжусь этим!) Но вы должны остаться со мной, и я хочу остаться с вами!

Преданный вам друг Ф.Н.

75. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 8. Januar 1881>

Мои дорогие, ваши письма сделали конец года прекрасным, и кроме того, на прощание была тёплая голубая погода. Тем временем новый год начался несколько суровее, но я не могу сказать, что до сих пор действительно скучал по печке, при моём образе жизни и странствиях. На дальних горах побережья снег лежит на вершинах. У нас было три-четыре дня дождливой погоды (ноябрьской погоды). Когда светит солнце, я всегда иду на одинокий утёс у моря и лежу там на открытом воздухе под своим зонтом, неподвижно, как ящерица; это несколько раз помогало моей голове. Море и чистое небо! Как я раньше мучился! Каждый день я мою всё тело и, в частности, всю голову, с сильным растиранием. — Мою самую прекрасную благодарность и сердечное сожаление по поводу подарка и его неудачи! Пусть радость и удовлетворение окружают вас!

С сердечной любовью
Ваш Ф.

76. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 8. Januar 1881.>

Надеюсь, дорогой друг, вместе с твоей любимой и уважаемой женой, ты вступил в новое десятилетие с твоей уверенной и доброй манерой! Я так часто думаю о тебе, особенно когда после полудня, почти каждый день, сижу или лежу на своём уединённом утесе у моря, как ящерица, отдыхая на солнце, и отправляюсь в приключения духа. Моя диета и распорядок дня должны, в конце концов, пойти мне на пользу! Морской воздух и много чистого неба — теперь я понимаю, что это для меня необходимо! Тепло в новом году меньше, чем в старом, у меня нет печи — но кто здесь её имеет! — Я ещё не узнал, дошли ли книжечка и моё одновременно отправленное письмо счастливо до твоих рук? Преданный тебе и ваш.

Ф.Н.

77. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 25. Januar 1881>

Дорогой друг, так я отправляю к вам свой генуэзский корабль! Зима стала суровой, с тех пор моё здоровье ухудшилось — я счастлив, что больше не имею дела с рукописью. — Теперь снова говорится: „Друг, в твои руки вверяю я свой дух!“ и ещё больше: „в твоём духе вверяю я свои руки!“ Я пишу слишком плохо и всё вижу криво. Если вы не угадаете, что я думаю, то рукопись будет неразборчивой. (С большим удовольствием вижу из ваших двух последних писем, в каком соседстве бродят наши мысли — к сожалению, я не могу ответить, как хотел бы, простите меня!) — Теперь я хочу посмотреть, удастся ли сохранить „жизнь“; я всё же выполнил свою задачу и думаю с чистой совестью о будущем — как бы оно ни сложилось! Как много боли мне суждено! Глупая экономия моего тела! Пусть вам будет хорошо и в теле, и в сердце, мой добрый дорогой Кёзелиц!

Преданный вам Ф.Н.

Прошу ответить: до востребования!

78. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Genua, 29. Januar 1881>

Моя дорогая добрая мама,

пусть новый год принесёт тебе радостное лицо! И если оно будет не слишком отличаться от лица старого года, то мы все будем этим довольны! Ведь в глубине души, моя дорогая мама, у тебя есть своё терпимое и честное количество земного благополучия, в чём я с большим удовольствием убеждаюсь при каждом визите. Что «счастье» когда-нибудь придёт с барабанами и трубами, в это мы уже все не верим; у каждого есть своя задача, и каждый день нужно следить и суетиться, чтобы она удалась — и если удаётся, то настроение хорошее; в худшем случае делаешь хорошую мину, как я сейчас в этой плохой зимней игре.

Да, это прогулка! Ведь в комнате долго не высидеть, и я до сих пор не заходил в отапливаемое помещение. Тем не менее я не унываю, хотя моё здоровье с наступлением суровой зимы определённо ухудшилось. Надеюсь, это не продлится слишком долго. Требуется такое тщательное и мучительное обдумывание, чтобы каждый день с таким здоровьем пробираться через все рифы, что я рад, что справляюсь с этим в одиночку, потому что это выглядит так мелочно, даже не по-мужски.

Но я проявляю свою храбрость и мужество в других вещах и должен пробиваться, чтобы, несмотря на все злые болезни, создать что-то достойное в моём роде. Этой зимой я ем больше мяса — ради согревания и более лёгкого пищеварения. Зато я ещё не решаюсь снова начинать с яиц: у меня всё ещё есть наумбургский колотый сахар. На завтрак я ем чёрствый белый хлеб с чаем или кофе. Я регулярен, как часы. Шесть-восемь часов я гуляю. В сущности, я имею ту жизнь, о которой мечтал раньше, когда грезил о Ротенбурге-на-Таубере — вспомни же нашу Лизбет! — да, я имею её основательнее и крепче, чем я тогда себе представлял (я ещё не был достаточно независим в духе и не был так переработан опытом и страданиями, как я есть теперь — ибо, моя дорогая мать, видно это или нет, за последние 10 лет я пережил невероятно много.)

И ещё раз! Мира и радости тебе! В верности и любви

Твой сын Ф.

79. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 3. Februar 1881>

О, мой дорогой друг, как прекрасно вы умеете облегчить мою совесть — ибо мне было действительно тяжело обратиться к вам, на ком лежат такие большие задачи. — У нас была зима длиной в 30 дней, если предположить, что она прошла. Я снова лежу на солнце каждый день с 31 января, и вчера мне было слишком жарко. У Венеции есть недостаток — это не город для прогулок — мне нужно моих 6—8 часов пути на природе. Вы не думали, случайно, о Болонье на лето? Или Альбано и Аричча около Рима? Мне так хочется вас увидеть. Вы что-нибудь слышали о здоровье госпожи фон Вёрман? — Ваша история о дуэли показывает, что вы мне сильно превосходите — я восхищаюсь и смеюсь при этом. С сердечной дружбой Ваш Ф.Н.

80. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 9. Februar 1881>

Ах, каким же это было сюрпризом! Видеть красоту и мужскую прелесть вашей рукописи — это как почувствовать себя после римско-турецкой бани, не только очищенным, но и помолодевшим и улучшившимся. Я читал и несколько часов гулял, полный нежных мыслей о вас и природе. Мне кажется, это содержательная книга: но она тяжела. В утренние часы этого чудесного февраля я сделал еще одно дополнение, чтобы все вышло действительно недвусмысленно. — Вы, я думаю, будете довольны. Можно ли мне отправить это дополнение? — Также я хочу изменить название; вы навели меня на мысль, что, взяв случайно написанный стих из гимна Варуне в качестве эпиграфа, книга не должна ли называться: „Утренняя заря. Мысли о моральных предрассудках и т.д.“. В ней так много ярких, и в частности красных, цветов! Подумайте об этом! (Титульный лист, с простыми, сильно действующими орнаментами, также рекомендуется вашему вкусу и размышлению!)

Самый благодарный счастливец.

81. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 12. Februar 1881>

Дорогой бедный друг, простите меня! Рукописное дополнение получилось объемнее, чем следовало бы с учетом Вас! Я умоляю Вас, помогите мне еще раз и не держите на меня зла за то, что я делаю что-то, что выглядит как наглость! Сделайте мое дело на этот раз своим — в книгу должно было войти несколько вещей, горизонт ее должен был стать круглым, и я был в правильном настроении при этом чудесном предвесеннем времени! Так получилось то, что, возможно, следовало бы опустить ввиду нашей дружбы! Но, как сказано, примите это на этот раз как Ваше дело; кто знает, не придется ли Вам когда-нибудь как соучастнику в создании этой книги страдать — давайте посмотрим, сможем ли мы оба сейчас вместе радоваться ей. Но для этого нужно слово прощения! Только одно слово на открытке, и, я настоятельно прошу, не более максимум трех слов!!!!! Только одно слово! Но сразу, дорогой бедный друг!

82. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 13. Februar 1881>

От вас обоих, мои дорогие, я получил такие прекрасные и подробные известия — а сам так долго заставляю ждать ответа! Прежде всего: зима позади! Она продлилась ровно 30 дней. С 31 января стало очень приятно, я почти каждый день лежу несколько часов у моря. От г-на Кёзелица я получил известия о госпоже фон Вёрманн: она не хочет ехать на Корфу. Одни говорят, что у неё проблемы с лёгкими, другие называют другое заболевание. Один знакомый мне художник пишет портрет её дочери. — Как долго она останется в Венеции? Напишите мне об этом. Сейчас там князь Лихтенштейн, он также навестил г-на Кёзелица, Герсдорф тоже ещё там. — Дорогая Лизбет, для чтения в обществе рекомендую «Магомета» Вольтера в переводе Гёте (есть во всех изданиях Гёте). То, что вы взялись за госпожу де Севинье, я услышал с большой радостью, да, я ждал, чтобы услышать это. Примите, мои любящие, сердечные и благодарные приветы

Точный адрес, не как в прошлый раз!

Ваш Ф.

83. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 22. Februar 1881>

Правда ли, дорогой друг, что вы верите во всё это? Или вы просто хотели меня ободрить? Я так сломлен постоянными болями, что больше не могу ничего судить, я размышляю, не пора ли мне наконец сбросить всё это бремя; мой отец, когда был в таком же возрасте, как я, умер. — На вашу предпоследнюю открытку я должен был и мог бы сразу ответить — но не мог! она была вдохновлена тонким и дружелюбным духом, мадам де Севинье сделала бы вам комплимент за это. — Титулы!

Второй „Заря“ на градус слишком восторженный, восточный и менее хорошего вкуса: но это компенсируется преимуществом, что в книге предполагается более радостное настроение, чем при другом названии, читают в другом состоянии; это идет книге на пользу, которая, без этого крошечного намека на утро, была бы слишком мрачной! — Другое название звучит также самонадеянно, ах, что в этом такого! Немного больше или меньше самонадеянности в такой книге! — Орфография и грамматическая корректность, дорогой друг, снова Ваше дело, у меня нет другой орфографии, кроме кёселицевской. Иногда я допускаю языковые ошибки, например,

в образовании союзов: исправьте меня во всех отношениях, без всяких дальнейших слов!

За всей этой книгой мне слышится моя музыка к Манфреду — представьте себе! — Как поживает друг Видеманн? От доктора Рее я слышу самое печальное: его отец умер после операции, мать тяжело больна. Вы действительно ещё этим летом в Венеции? Фрау фон Вёрманн, как я слышал, остаётся. — А господин Рацовиц? — Моему старому товарищу Герсдорфу передайте самые сердечные благодарности за его привет, между нами всё по-прежнему. (Если бы он только освободился! Но он такой упрямый, особенно в отношении других, например, своих родственников!

Думаете, что я надёжно узнаю и что нельзя знать, что отец G<ersdorff> застрелился.)

Ну, мой дорогой единственный читатель и писатель, мы должны довести до конца начатое хорошо, также господа Шмейцнер и Ошац должны быть подгоняемы. Тем временем нет никого, о ком я думал бы с такой сердечной и благодарной настроенностью, как о Вас!

В преданности Ваш
Ф.Н.

Знаете ли Вы кого-нибудь в Болонье? Но возможно, я ещё приеду в Венецию, примерно в середине апреля, я должен отвлечься от себя самого, мои мысли пожирают меня. Я хочу грести — у кого есть лодка? Но один. — А моё жильё? —

84. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 22. Februar 1881>

Да, дорогой друг, я всё ещё в Генуе и, надеюсь, пережил самую суровую часть зимы. Впервые зимой без печи, с онемевшими конечностями, и довольно часто. Я снова болен больше, чем до Рождества, и едва ли избавлюсь от головных болей, порой я очень устаю от всего. Пожалуйста, пришли следующее жалование снова господину Шмейцнеру, а также 50 франков, о которых ты писал. Не беспокойся, по сравнению с прошлой зимой, я всё же в хорошем состоянии, и, возможно, весна снова пойдёт мне на пользу. — Глаза так редко слушаются меня! Прости меня за видимость неблагодарности, дорогой добрый друг. Сердечно приветствую тебя и твою милую жену

Ф.Н.

84a. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Disposition)

Genua, um den 22. Februar 1881

Лизбет
Шляпа
Записная книжка Карандаш
Сапоги

84b. An Paul Rée in Naumburg (Disposition)

Genua, um den 22. Februar 1881

Ре
Фауст 4 xx
Юг?
Визит в году

85. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz

<Genua, 23. Februar 1881>

Уважаемый господин издатель,

за все ваши распоряжения — мою глубокую благодарность. Я верю в ваше искреннее расположение ко мне и поэтому верю во всё, что вы делаете для меня в тех делах, в которых, как вы знаете, я неопытен. Что касается денег, то я понимаю только одно: нужно мало и экономить. Кто живёт так философски и хорошо (и при этом отнюдь не аскетично), как я здесь, в Генуе? И тем не менее мне не нужно более 60 марок в месяц, включая всё, даже случайные расходы.

Однако из-за почти ослепших глаз у меня нет перспектив на какую-либо обеспечивающую должность в моей дальнейшей жизни. Поэтому давайте продолжим экономить и копить! Но сегодня это лишь второстепенное.

Я спрашиваю, не хотите ли вы взять на себя издание новой книги, рукопись которой лежит перед мной в копии господина Кёзелица. Мои условия относительно оформления и гонорара остаются прежними. Зато я требую, чтобы на этот раз господин Ошац превзошел самого себя в добросовестности и пунктуальности — книга должна стать образцовой.

Заголовок:

Утренняя заря.
Мысли о моральных предрассудках.
От
Фридриха Ницше.

„Есть столько утренних зарь, которые еще не сияли.“ Ригведа.

Эта книга — то, что называют „решающим шагом“ — это судьба, а не просто книга.

Дайте мне ответ на мой запрос сюда, в Геную (Италия), до востребования.

Вы знаете, что я всегда остаюсь с самыми искренними пожеланиями к вам

Ваш доктор Ф. Ницше

86. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 24. Februar 1881>

Сегодня, вследствие сильного слабительного, хороший день и яркое солнце! Я сразу же распределил всё (в общем) — оно легко и естественно разделилось на 4 части, каждая со своей основной краской и примерно одинакового объёма. Удача меня обрадовала. Когда я снова увидел всё это вместе, мне пришлось засмеяться — книга не будет толстой, но мало книг с таким содержанием (говорю ли я сейчас как отец книги? не думаю). Мои три генуэзских покровителя — Колумб, Мадзини и Паганини — как мне кажется, немного поучаствовали в этом. — Осенью я отчаивался, что когда-нибудь снова обрету настроение, силы и желание для всего этого — это пришло мне в голову в Мариенбаде. А сегодня! — Благодаря Вашей великой великой доброте!

Ф.Н.

87. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 26. Februar 1881>

Дорогой друг, одной рукой я бросил письмо доктору Ре в ящик, другой получил ваше и нахожу в нём восхитительную идею — сделать такому бедняге на севере столь невыразимо тонкую, уместную, продуманную, с подтекстом посвящение. Да, создать для него солнце! И вы, истинный друг моих друзей, как щедры вы всегда в нужный момент! Вот против Герсдорфа! Я в восторге и безмерно счастлив! Сколько добра приходит ко мне через вас!

Ф.Н.

88. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 13. März 1881>

Это несправедливо, дорогой друг! Вы делаете меня доверенным лицом вашей нужды — и такой нужды! — после того, как она прошла! И на этот раз со мной происходит то же, что и в Мариенбаде — мне кажется, что вы убегаете от меня и хотите наказать меня за что-то. Мне всегда стыдно вспоминать об этих историях. Ах, открытка и несколько слов на ней, и сто франков или больше летят к вам. — Ну, ничего страшного! Но вы слишком изысканны для меня.

Ваши новости о вашей работе очень хороши. Князь Лихтенштейн всегда хвалился мне как выдающийся человек с очень достоверной и компетентной стороны (фрау Козима Вагнер), я рад, что он также проявляет к вам благосклонность.

Ибо, дорогой друг, вам предстоит открыться.

Сегодня рукопись должна быть отправлена господину Шмейцнеру. Сколько всего я пережил ради этой книги! После короткой, очень короткой радости! Хватит, я снова чувствую себя в открытом море, и ко мне вернулась старая, хорошо знакомая горькая решимость. —

Спросите моего старого товарища Герсдорфа, не хочет ли он на год-два поехать со мной в Тунис. Климат отличный, не слишком жарко — переезд из Ливорно через Кальяри очень короткий, жизнь там дешевая. Я хочу провести хорошее время среди мусульман, и именно там, где их вера сейчас строже всего: так, вероятно, мой суд и мой взгляд на все европейское обострятся.

Я думаю, такой расчёт не выходит за рамки моей жизненной задачи. — Немецко-швейцарская торговая фирма в Тунисе обеспечит нас жильём. Но сначала книга должна быть закончена: я хочу, чтобы к концу апреля экземпляр был в ваших руках.

О моём плане путешествия прошу вас и господина G<ersdorff> пока что молчать перед другими людьми. — Художник жанровой живописи найдёт в Тунисе свою обетованную землю: только поэтому я делаю другу это предложение.

Дорогой, дорогой друг, почему я не могу услышать вашу музыку! Мне нужны все виды здоровья — это слишком глубоко проникло мне в сердце, этот „разрывающий сердце нигилизм“!

Ну, будем храбрыми!

Преданный вам Ф. Н.

89. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz

Genova den 13ten März 1881.

Дорогой господин,

вот рукопись — мне тяжело расставаться с ней. —

Это будет около 16—18 печатных листов.

После титульного листа следует лист с надписью: Первая книга. — Всего 5 книг. —

За образец разбивки на разделы я беру «Человеческое, слишком человеческое». Только не печатайте слишком плотно! Ошибка книги в том, что основные мысли следуют слишком тесно друг за другом.

Теперь же — скорее! Скорее! Скорее! Я хочу уехать из Генуи, как только книга будет готова, и до тех пор сижу как на угольях. Помогите! Подгоняйте господина Ошаца!

Не может ли он дать мне письменное обещание, что книга будет здесь в моих руках не позднее конца апреляготовая и совершенная? —

В то же время один экземпляр отправляется господину Кёселицу в Венецию, а другой — мне в Геную (до востребования).

Листы и листочки рукописи пронумерованы красным. Четыре или пять раз текст написан и на обратной стороне.

Дорогой господин Шмейтцнер, на этот раз мы все должны сделать наше дело как можно лучше. Содержание моей книги так важно! Это вопрос нашей чести, не допустить ни малейшего упущения, чтобы книга вышла в свет достойно и безупречно. —

Умоляю вас, ради моего имени, воздержитесь от любой рекламы. И многое другое станет понятно само собой, как только вы сами прочитаете книгу.

С самыми теплыми пожеланиями (но с некоторым сердцебиением)

Ваш преданный
Д-р Ф. Н.

90. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 14. März 1881>

Здесь, дорогой друг, всё же приходит М<ану>с<крипт>. Приступ моей головной боли сделает меня на несколько дней „неработоспособным“ — и, возможно, Герсдорф поможет склеить листочки. Попросите его об этом от моего имени! (Обратите его внимание, что 5 или 6 также написаны на обратной стороне) Это 5 книг. После титульного листа следует лист с надписью: Первая книга. (и т.д.) Для титульного листа я не люблю символические отсылки не. Простые, сильные и смелые линии и высокая читаемость слов! —

Преданный Ваш друг
Ницше.

91. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 14. März 1881>

Мои дорогие, большое спасибо за письма. Мне всё ещё нехорошо. Неблагоприятная погода. — Простите, что я говорил о B<аден->Бадене — я вовсе не думал о себе! А только о том, чтобы наша матушка имела приятное, мягкое, уютное и идиллическое место для своей старости, чтобы она не осталась одна в глупом чиновничьем городе N<аумбурге> (этот N<аумбург> отвратителен и зимой, и летом — я никогда не испытывал к нему родственных чувств, хотя и честно старался полюбить это место). О состоянии госпожи фон В<ёрман> в Венеции у меня нет хороших новостей. — Не думайте, что я пишу в раздражённом настроении. Я от всего сердца желаю вам добра и часто думаю о том, что могло бы вас обрадовать.

Ваш Ф.

92. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 18. März 1881>

Дорогой, дорогой друг, сегодня только одно слово! Есть нечто, о чём ты должен узнать первым — в Хемнице идёт работа над новой моей рукописью. Это книга, которая, вероятно, останется связанной с моим именем. — Какую ношу я нёс на плечах! И какую теперь на себя взвалил! Ну, вперёд и не поворачивая глаз ни назад, ни в сторону! Я очень взволнован и хотел бы иметь возможность пожать твою верную руку. Мои немногие настоящие друзья теперь будут ещё больше нести меня через жизнь, я буду доставлять им и тебе хлопоты, но ничего не поделаешь!

От всего сердца твой друг.

93. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Genua, 19. März 1881>

[ + + + ] <да> первое издание уже [ + + + ] Удачи! — [ + + + ], уважаемый господин! [ + + + ] книги, а именно:

Лекки История происхождения Просвещения.

Немецкий.

Лекки История нравов Европы. Немецкий.

(Оба издания у C. F. Winter, Лейпциг)

Собрание сочинений Граббе Издано О. Блументаль.

(Только не другое новое издание Готшаля!)

Всегда Генуя, poste restante.

Из-за корректурного листа посмотрите ещё раз положения Всемирного почтового договора! Ваш преданный

Ф. Н.

94. An Heinrich Köselitz in Venedig

Genova 20 März. 81.

Но, дорогой друг, Ваша строгая дружба не сможет хотя бы запретить мне погасить долг: я думаю о бесчисленных расходах на письма, корректуру, посылки, почтовые сборы и бумагу и тому подобное и пытаюсь сегодня немного возместить это Вам. Момент кажется мне хорошо выбранным, ибо эта посылка дает мне удовлетворение от небольшой злобы, учитывая, что я так отвечаю на Ваше последнее письмо. Кроме того, мне доставляет удовольствие думать, что Вы теперь останетесь в Венеции еще на несколько недель.

Сегодня я в хорошем настроении, ибо головная боль, которая длилась с воскресного вечера до прошлой ночи, наконец прошла.

Поблагодарите Герсдорфа за перспективу, которую он мне открывает.

Я люблю твердые сроки: возможно ли рассматривать 15 сентября как таковой? —

Дело с титульным листом оставим! В этом тоже есть что-то смешное! А именно: я хотел бы удовлетворить только Вас, так как в последний раз Вы так сердились на безвкусицу господ Шмейцнера и Ошатца — я же сам был не так недоволен и думал про себя: «это лучше понимает друг Кёселиц» Ну, думаю, ограничимся тем, что заставим господина Ошатца изготовить несколько пробных титулов — и Вы выберете относительно самый терпимый! — К тому же: мы же не хотим нагружать господина Шмейцнера больше расходами — в конце концов, он еще разорится на моих непродаваемых книгах.Как на самом деле воспринимается такая книга, я бы хотел узнать; у меня возникают худшие подозрения, когда я, например, продолжаю рассуждать по письму Роде и представляю себе недоброжелательного читателя — что, в сущности, в случае с новой книгой будет каждый!

Впрочем, автор эпохи Бисмарка назвал меня «немецким Монтенем, Паскалем и Дидро». Всё сразу! Как мало тонкости в такой похвале, а значит: как мало похвалы! —

Вредным по крайней мере книга не будет — только я сам за это поплачусь! Я даю не только высоконравственным, но и всем порядочным и добропорядочным людям повод радоваться своей нравственности и добропорядочности за мой счёт.Я хочу посмотреть, как я отсюда выберусь; ведь я знаю лучше, чем кто-либо может знать, что всё ещё предстоит сделать, и что я сам имею характер, необходимый для того, чтобы здесь вообще ещё думать о «делании», лишь на дни и часы.

Ах, друг, я становлюсь неясным, потому что слишком сильно взволнован этими нуждами моего «я» и слишком много чувствую одним словом.

Скажите мне, что вы ко мне добры, несмотря на сегодняшнюю злобу — но напишите это не на бумаге для писем, а на карточке, чтобы это отняло у вас как можно меньше времени.

От всего сердца ваш:
преданный Ф. Н.

Каждое название должно прежде всего цитироваться: значит, нужно изменить! Не «Утренняя заря», а просто: Утренняя заря. Так это звучит и не так претенциозно.

95. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 21. März 1881>

Я так счастлив, дорогой друг, что могу прислать вам здесь несколько книжек, которые, кажется, написаны специально для вас; по крайней мере, я не знаю никого, кто мог бы извлечь из них больше пользы. Это часть музыкальной эстетики, которая сейчас в Германии скрывается от нас. — И затем: где найти второго свидетеля, который был бы одновременно и таким же очевидцем, и даже больше! — Он лично знал старого Гайдна — и что он может рассказать! Сердечный привет и благодарность Герсдорфу! Он действительно собирается сопровождать меня? — Господин Ошац должен изготовить еще несколько пробных титулов, и вы выберете самый терпимый — больше я не желаю. В прошлый раз (с «Странником») вы так разозлились на безвкусицу: я, предлагая эту тему, хотел только избавить вас от этого раздражения на этот раз (я сам, собственно, был совсем не недоволен: это смешно!)

Моя головная боль на этот раз длилась 6 дней! —

Преданный вам друг.

96. An Erwin Rohde in Tübingen

<Genua, 24. März 1881>

Так протекает жизнь, и лучшие друзья ничего не слышат и не видят друг о друге! Да, это не малое искусство: жить и не впадать в уныние! Как часто я оказываюсь в таком состоянии, когда хотел бы взять в долг у своего старого бодрого, цветущего, храброго друга Роде, когда мне очень нужна была бы «трансфузия» силы, не бараньей крови, а львиной — но он сидит в Тюбингене, в книгах и в браке, для меня во всех отношениях недосягаемый. Ах, друг, так я должен снова и снова жить «собственным жиром»: или, как знает каждый, кто хоть раз по-настоящему пытался, пить собственную кровь!

Тут важно не потерять жажду к себе и не выпить себя до дна.

В целом, однако, я удивлён, признаюсь тебе — сколько источников может в себе вместить человек. Даже такой, как я, не из самых богатых. Думаю, если бы я обладал всеми качествами, которыми ты меня превосходишь, я стал бы надменным и невыносимым. Уже сейчас бывают моменты, когда я брожу по высотам над Генуей с взглядами и чувствами, которые, быть может, когда-то отсюда же на море и на всё будущее посылал блаженный Колумб.

Ну, с этими моментами мужества и, быть может, даже безумия я должен пытаться снова привести свой жизненный корабль в равновесие.

Ибо ты не представляешь, сколько дней, и сколько часов даже в сносные дни — приходится переживать, чтобы не сказать больше. Насколько можно облегчить и смягчить трудное состояние здоровья с помощью «мудрости» жизненной практики, я, вероятно, делаю всё, что можно сделать в моём случае — я не лишён ни мыслей, ни изобретательности — но я не желаю никому той участи, к которой начинаю привыкать, потому что начинаю понимать, что я ей под силу.

Но ты, мой дорогой друг, не в такой ловушке, где нужно делать себя тонким, чтобы как-то пробиться; Овербек тоже не в такой ситуации, вы делаете свою прекрасную работу и, не говоря много об этом, а может, и не думая много, у вас есть всё хорошее от полудня жизни — и немного пота к этому, как я предполагаю. Как бы я хотел услышать слово о твоих планах, о больших планах — ведь с такой головой и сердцем, как у тебя, за всей повседневной и, возможно, мелкой работой, ты носишь в себе что-то обширное и очень большое — как бы ты меня освежил, если бы не считал меня недостойным таких откровений!

Такие друзья, как ты, должны помогать мне поддерживать веру в себя; и ты делаешь это, когда доверяешь мне свои лучшие цели и надежды. — Если под этими словами скрывается просьба о письме, ну что ж! дорогой друг, я бы с удовольствием получил от тебя что-то очень, очень личное — чтобы я не только чувствовал в сердце друга Роде прошлого, но и настоящего, и — что важнее — будущего и стремящегося: да, становящегося! стремящегося!

От всего сердца
твой.

Передай своей дорогой жене добрые слова обо мне: пусть она не сердится, что я всё ещё не знаком с ней: когда-нибудь я всё исправлю.

Генуя (Италия)
до востребования

96a. An Julius Wolff in Berlin

Genua, Mo 28. März 1881

28 марта 1881.
Адр.: Генуя (Италия)
до востребования.

Уважаемый господин,

это печальные новости — я надеялся, что с умственным здоровьем г-на О<тто> Б<уссе> теперь лучше, именно потому, что я целый год ничего о нём не слышал! Весной 1880 года, когда я был в Венеции, я, чтобы сказать всю правду, был досаждён его важничающими посланиями в такой степени, что должен был положить этому конец силой — я сказал ему в единственном письме, которое я ему написал, «правду», впрочем, как само собой разумеется, так бережно, как может ожидать от меня человек с такими благородными и возвышенными чувствами.

Я отговаривал его заниматься моими мыслями, пытался вновь ободрить его в отношении его прежней практической деятельности, объяснил, что это самообман, если он думает, будто я в каких-либо местах своих сочинений имел его в виду или что даже мои сочинения были вызваны им — так далеко зашёл его бред — / наконец: я выразил как можно более решительно своё неудовольствие по поводу тона, в котором он привык говорить обо мне. Это было такое охлаждающее письмо, какое только и требовалось его горячей восторженности в его посланиях.

Позже я через столь же рассудительного, сколь и надежного друга дал ему понять, что не буду больше читать никаких писем — на самом деле, самое объемное, почти брошюрка, мне до сих пор неизвестно. О какой-либо ценности, тем более научной, в этих напыщенных и часто совершенно непонятных письмах не может быть и речи. — Вероятно, этот друг еще обменялся несколькими письмами с господином Отто Буссе по этим вопросам — я тогда не хотел больше ничего слышать и намеренно не спрашивал его. Возможно, вам, уважаемый господин, будет угодно иметь адрес этого друга. Вот он:

Синьор Х. Кёселиц

Венеция
С.Канчиано, Калье Нуова 5256. /

Из более раннего времени я помню открытку, которую написал господину О<тто> Б<уссе>, чтобы объяснить, что переписка для меня невозможна (ибо я почти слеп — простите! И это письмо — лишь исключение. Моё единственное письмо господину О. Б. было продиктовано мне господином Кёселицем под диктовку.)

От всего сердца желаю внести хоть какой-то вклад в выздоровление столь замечательного человека. Если бы я только был рядом с ним! — я хотел бы отвратить его от веры в его и мою «величину»! Но моё здоровье требует, чтобы я жил на юге, в портовом городе Средиземного моря. Если врач сочтёт целесообразным перевести господина Б. на более длительное время в мою близость: дайте мне знать! Мне приписывают, что я успокаивающе действую на своё окружение; и мой образ жизни настолько прост и естественен, что господин О. Б. мог бы принять его не без пользы. Достаточно: я хотел только сказать вам, как охотно я хотел бы помочь! Преданный вам

Д-р Ф. Ницше

97. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 30. März 1881>

Но, дорогой друг, это было отравление! Вероятно, вам дали поддельное вино; подумайте же, где вы могли получить этот яд в своё тело! — Только что я читал в вашей тетради «Карнавал в Венеции» и притом в первый раз! Странно! Предвзятое мнение, что там много моих взглядов, до сих пор отвращало меня от неё. Теперь я приятно удивлён: это чистый Кёселициус, чистое хорошее и не поддельное вино из вашего виноградника! Мне всё это так хорошо; и я верю, что в этой тетради выражены очень полезные тенденции, которые будут полезны и благотворны не только для меня! З.

B.: все эти замечания о романе Адальберта Штифтера "Позднее лето"! Это могло бы пригодиться многим поэтам, многим читателям и тем, кто ещё не является ни тем, ни другим! Я хотел бы, чтобы вы однажды, посреди своей работы, "отдохнули" и переписали эту тетрадь заново, с полным удовольствием и без всякого внимания к "моему" и "твоему" между нами — что, согласно этике пифагорейцев, не существует между друзьями! И так должно быть! Совершенно конфиденциально и тайно сказано: для кого я написал последнюю книгу? Для нас: мы должны накопить сокровище собственного, для старости! Потому что с памятью ничего не поделаешь, например, я...

содержание моих прежних сочинений почти забыл, и нахожу это очень приятным, во всяком случае, гораздо лучше, чем если бы всё ранее задуманное всегда было перед глазами и пришлось бы с этим разбираться. Возможно, такое разбирательство всё же происходит во мне, ну, так оно идёт в «бессознательном», как пищеварение у здорового человека! Достаточно: когда я вижу свои собственные сочинения, мне кажется, будто я слышу старые путешественные приключения, которые забыл. Постараемся так для себя монumenтализировать всю нашу жизнь — мне совершенно безразлично и пустой звук в ушах, если такое желание называют «тщеславием».

Будем же тщеславны к себе и как можно больше!

Недостаток моих глаз велик, сейчас, например, после работы этой зимой я должен пропустить много дней, не прочитав и не написав ни слова; и я едва понимаю, как я справился с этой рукописью. Полный потребностей что-то узнать и очень хорошо зная, где находится то, что именно мне нужно изучить, я должен так проживать жизнь — как требуют мои жалкие органы, голова и глаза! И речь не идет о выздоровлении!Всё становится всё более жалким, и темнота увеличивается!

Итак, дорогой добрый друг, создайте Венецианскую памятную книгу, издайте её анонимно (или под новым именем) и подумайте, как нам такая книга такого содержания освежила бы душу, если бы она попала к нам, скрытым юношам, в наши немецкие уголки, когда нам было 20 лет!

Теперь ещё слово о наших заботах! Господин Отто Буссе доставляет своим родственникам и друзьям величайшую тревогу (— полный мании величия, (в отношении себя и меня!)) и они теперь обращаются ко мне! — думая, что я что-то вбил ему в голову! Это я теперь должен оттуда вытащить!

Он считает себя реформатором немцев, а меня — «авторитетом авторитетов» — короче: Мухаммед и Аллах! Он утверждает, что «научные труды» находятся в моих руках! для которых немцы еще не созрели! и т.д. Все под семью печатями доверено Вам!

Затем: господин Шмейцнер обращается со мной невежливо. Пять недель назад он прислал мне открытку (с чересчур саксонским оборотом «Естественно, я издаю Вашу книгу!») С тех пор — глубокое молчание, несмотря на то, что я отправил 2 письма и 2 открытки!

Что ему окажется честью, если он сможет издать эту книгу, он даже не представляет.

Теперь я бы с удовольствием поехал куда-нибудь, чтобы развлечь голову и много гулять — это очень необходимо, чтобы меня не съели мои сомнения! (Проклятая меланхолия!) Но корректуры! У меня почти есть желание вырвать всю эту историю с печатью из рук господина Шмейцнера: я только жду, чтобы он дал мне повод. Возможно, я окажу ему тем самым большую услугу: ведь кто захочет представлять такое издание в качестве издателя!

Фрау фон Вёрманн вызвала своих сыновей — значит, дело плохо! — —

Шаррон — превосходная мысль! Это воспитательная книга старого французского дворянства! — Да здравствует наш Стендаль! Да, иерархия умов ещё не установлена! — Проспер Мериме — теперь самый оскорбляемый француз среди французов всех партий! их первый великий рассказчик этого века!

Продолжим наш путь! Встречаем на нём много хорошего! —

От всего сердца Ваш Ф. Н.

98. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 6. April 1881>

Вы делаете мне так хорошо, дорогой друг, многим, и особенно своими письмами — и сейчас мне очень нужно это благотворное влияние! Мне совсем нехорошо. Как охотно я приехал бы к вам, особенно если теперь могу думать, что это не совсем против вашего желания! Но Венеция еще слишком полна, я не могу снова возобновить общение, как любил его когда-то, каждая беседа теперь, после полугодового молчания, для меня — серьезное дело. — Когда уезжает Г<ерсдорфф>? — Но вот бедная госпожа фон В<ёрман>, так близкая нашей семье и мне лично (она снова и снова обещала «как сестра» заботиться обо мне). Ее оба сына тоже в В<енеции>. Ваша Венеция лежит на большой дороге для всех хороших людей. Плохо для меня! Я приехал бы очень охотно.

Преданный вам Ф. Н.

Молчание Шмайцнера на все письма и открытки противоречит «хорошему тону» —

99. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 6. April 1881>

Мои дорогие, простите, что отвечаю так поздно! Я долго ждал хорошего дня. Эти переходные месяцы в Генуе мне не на пользу, я почти всегда болен, непостоянство погоды слишком велико. Множество облаков и южные ветры давят на настроение и голову, уже 6 недель я совсем ничего не делал. Ну, это нужно пережить и в другой раз учитывать (с зимними месяцами я здесь согласен). Также солнце теперь слишком яркое для меня, когда светит — и мои прогулки больше не получаются, хотя из всех моих мер по здоровью это самое важное. — Генуэзская кухня создана для меня. Поверите ли вы, что я уже 5 месяцев почти каждый день ел потроха? Это самое легкоусвояемое и лёгкое мясо, и дешевле; также рыбки всех видов из народных кухонь идут мне на пользу. Но совсем никакого ризотто, никаких макарон пока! Так изменчива диета в зависимости от места и климата! — С сердечной и благодарной любовью

Ваш Ф.

100. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 6. April 1881>

Странно! За день до твоего письма, мой дорогой друг, я наконец отправил письмо Роде; мне было очень приятно услышать, что он у вас — это как поездка на курорт для него. Если бы только ты был так же близко! Мне очень нужен был бы совет и успокаивающая близость доверия. Последние месяцы здесь были для меня неблагоприятными, на будущие годы я запомню это (непогода слишком велика — но с зимними месяцами в Г<енуе> я согласен). — То, что я писал, что моя рукопись в работе в Х<емнице>, я должен, к сожалению, отозвать. Г-н Шм<ейтцнер> уже 6 недель погрузился в глубокое молчание и не отвечает ни на что: даже то, что моя рукопись вообще у него, я не могу узнать никаким образом. Совершенно непонятно! — Тебе и твоей дорогой жене самый сердечный и благодарный привет.

101. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 10. April 1881> Sonntag früh.

Когда я вчера читал Ваше письмо, «сердце моё забилось», как говорит церковный гимн, — совсем невозможно было сообщить мне сейчас две более приятные вещи! (Книга, к которой во мне постепенно возник немалый голод, вероятно, сегодня попадёт в мои руки) Итак: так и быть! Мы с Вами ещё раз встретимся на этой многообещающей грани жизни и вместе посмотрим вперёд и назад, и при этом подадим друг другу руку в знак того, что у нас много хорошего общего, больше, чем мы можем выразить словами.

Вы едва ли можете представить, как освежает меня мысль об этом единстве — ведь один со своими мыслями считается глупцом, и часто сам себя таковым считает: но с двумя начинаются «мудрость», уверенность, смелость и духовное здоровье. — — — — — —

Итак, Рекоаро! Я снимаю комнату только до конца этого месяца и в любом случае планировал уехать первого мая: ну, если вам удобно, то я отправлюсь в этот день в Виченцу (оттуда четыре часа езды — это на следующий день). Постарайтесь узнать подробности о ценах на комнаты и т.д.; я понял, что знание цен — это половина самой бережливости.(Hier habe ich monatlich, всё вместе, 80 лир потратил — так дёшево можно жить только в больших приморских городах!)

Продолжая читать Венецианские тетради, желание, которое я вам выразил, становилось всё сильнее. Действительно, содержание этой тетради не входит в мою новую книгу — но это как хорошее соседство с ней. Два момента привлекли моё внимание: во-первых, вы так много пережили, и во-вторых, вы больше, чем кто-либо из моих знакомых, упражнялись на протяжении многих лет в том, чтобы выражаться ясно, хорошо и по-настоящему: слова теперь текут к вам, правильные слова. Вы можете немного довериться мне в этом — у меня есть нюх на такие вещи и даже некоторые знания.

И чтобы вы не подумали, что я хочу вас сейчас похвалить, я сразу добавлю: вы не умеете ругаться и не владеете злобой как писатель — и знать это совсем не плохо. Есть люди, чей характер всегда достигает своего пика именно тогда, когда их интеллект на высоте: мне кажется, вы относитесь к таким. В этом есть и некоторые мелкие ограничения, которые, как уже сказано, нужно знать, чтобы не требовать от себя невозможного.

Вчера, под руководством моей хозяйки, я приготовил генуэзское блюдо, основными ингредиентами которого были артишоки и яйца.

Я уже настолько освоился здесь, что все, к кому я обращаюсь по жизненным нуждам, встречают меня с добрым лицом и словом. Более того, я сталкивался с примерами более чем вежливого, «бескорыстного» отношения ко мне.

В ответ господин Шм<ейтцнер> упорно молчит, что не дружелюбно и не вежливо: 7 недель назад он обещал письмо, через ту открытку, — но письмо не пришло. Я просил его 4 недели назад прислать мне несколько книг — но книги не пришли. Он вынуждает меня теперь тоже молчать.

Титульный лист выглядел ужасно!

— Я внес существенное изменение — «Утренняя заря» и не «Одна У.». Заголовок должен прежде всего цитироваться — до сих пор этого не было. К тому же в этом «Одна» было что-то претенциозное.

Желаю вам всего наилучшего! Самую искреннюю благодарность!

Ваш друг Ф. Н.

Скажите Герсдорффу, что начавшаяся война в Тунисе отодвигает все планы поездок на неопределенный срок, и что неразумно в этом году осенью и зимой прибывать туда как иностранцу — против себя будут недоверие и худшее. — Досадное стечение обстоятельств!

102. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 10. April 1881>

Моя дорогая, дорогая Лизабет, на такое хорошее письмо я должен ответить чем-то хорошим. Итак: новая, большая книга от меня! С рукописью я уже два месяца ничего не делаю, печать займёт добрую часть лета и потребует совместной работы с г-ном Кёселицем необходимо сделать <но не в Венеции!> Это решающая книга, я не могу думать о ней без большого волнения. — И ещё что-то весёлое: вчера я приготовил на своей машине генуэзское блюдо под руководством моей хозяйки, и, смотри, оно было превосходным! Основные ингредиенты — артишоки и яйца (артишок стоит 7—8 пфеннигов)

Будьте здоровы и сохраняйте ко мне любовь! Погода и здоровье molto variabile.

Ф.Н.

103. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 16. April 1881>

В таких великолепных простых и радостных книгах, как у Майера, слышна гармония сфер: музыка, предназначенная только для научного человека. — Что такое слава! Шаррон, автор «О мудрости», возможно, был самым читаемым автором двух веков после Монтеня. А теперь! — Он был священником и прославился своими проповедями против Реформации; жил рядом и общался со старым Монтенем — больше моя память о нём не сохранила. Должно быть, есть прекрасное новое издание примерно пятидесятых годов. Сильный, красивый старый французский! — Не забудьте взять с собой купальные трусы в Рекоаро!

Простите за это непристойное беспорядок!

С сердечным приветом Ваш друг

Ф.Н.

(«Об освобождении» для меня самое существенное и полезное в книге)

104. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Genua, 16. April 1881>

Но, уважаемый господин издатель, при таких обстоятельствах Вы должны были поступить иначе со мной! Я очень недоволен: моё главное условие было быстрота изготовления и быстрая работа> с типографией (быть готовым к 1 мая полностью). Должен ли я из-за этих проклятых корректурных листов потерять всё лето? Мой дух как раз для этого времени должен был иметь покой и свободу от проблем, о которых идут речь в этих листах. — Свободу для чего-то другого! А теперь эти листы приходят, как капля за каплей, с позорным упорством — каждый неделю по одному! Почему Вы не написали мне 7 недель, после того как объявили о письме! — Сегодня, 16 апреля, готовы 2 листа!!! Ф.Н.

105. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Genua, 19. April 1881>

Уважаемый господин издатель,

только что пришедшее письмо господина Б. Г. Тойбнера, в котором он обещает мне еженедельно 4 листа, несколько успокаивает меня — я пишу Вам сразу, чтобы Вы не подумали, что я желчен.

Я просил Вас, четыре недели назад, прислать 3 книги: не попала ли открытка в Ваши руки? Я верю [+ +], что за 7 недель Вашего молчания исполнение моей просьбы не относилось к «непостижимостям». [+ + +]

106. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 26. April 1881>

Итак, дорогой друг, в следующее воскресенье я отправляюсь к вам и надеюсь в половине шестого вечера найти вас в Виченце; на случай, если мы там не встретимся, я бы хотел узнать от вас название гостиницы, где мы проведем ночь и куда я сразу же отправлюсь с вокзала.

Тойбнер уведомлен о нашей смене места.

Вы же берете с собой свою музыку? И, возможно, Шопена?

Я не могу выразить, как я рад, что мы все-таки встретимся! Кто знает, куда нас потом понесут наши ветры и бури! К сожалению, слишком много направлений (и не только небесных-!)

От всего сердца ваш верный друг

Ф.Н.

107. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 28. April 1881>

Мои дорогие, я в полном сборе, ибо в воскресенье я покидаю на несколько месяцев Геную, чтобы вместе с господином Кёзелицем исправить мою книгу и насладиться лесом, горами и дружбой. Это итальянский летний отдых „Recoaro (presso di Vicenza) Italia“ — это адрес на будущее и poste restante. Мои чемоданы я оставляю здесь, упакованными, и также я уже обеспечил себе жильё в Генуе на возвращение. Это не то же самое, что раньше, потому что моя хозяйка переехала в Специю. — Моё самочувствие было совсем нехорошим всё последнее время: также было 2 очень сильных приступа старого рода (с рвотой и т.д.). Однако я примерно знаю причины. — Прекраснейшая благодарность за письмо с тюрингенским воздухом и другим добром. В этом году я не приеду в Германию, из экономии и т.д. О вас думает с любовью

Ваш Ф.

Пакет, который я отправляю, можно открывать только 10 июля! Простите!!

107a. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Disposition)

Genua, um den 28. April 1881

Наумбург из-за Даниэля Штерна

108. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 28. April 1881>

Дорогой дорогой друг, в воскресенье я покидаю Геную на несколько месяцев и еду в Рекоаро (presso di Vicenza), итальянский летний курорт, куда также приезжает г-н Кёзелиц. Не хочешь ли ты отправить мне туда новый «Зелёный Генрих»? Каждый год читать хорошую книгу — это, конечно, не излишество (в прошлом году мы читали «Позднее лето»). — Друг Роде написал длинное письмо о себе, но две вещи почти ранили меня: 1) такая бездумность в отношении направления жизни у такого человека! и 2.) масса дурного вкуса в словах и оборотах (возможно, на немецких университетах это называют «остроумием» — небо убереги нас от этого!) Тебе и твоей дорогой уважаемой жене хорошего лета и ясного неба! (от неба зависит у меня почти всё, так что мне не было хорошо!)

109. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 18. Mai 1881>

Мои дорогие, мне кажется, что я очень давно не получал от вас вестей. — С момента моего отъезда я чувствую себя так же, как в прошлом году после отъезда из Венеции: плохо, очень плохо — поэтому я не писал. Упомянутую посылку из Генуи мне пришлось отменить, возникли трудности, которые я не смог преодолеть из-за незнания языка: простите! — К числу моих самых прекрасных и удивительных переживаний относится открытие, которое я здесь сделал, познакомившись с комической оперой моего друга Кёселица: он музыкант первого ранга, и никто из живущих не может повторить то, что он умеет. При этом я наслаждаюсь еще и чем-то личным: это именно та музыка, которая принадлежит моей философии. — К сожалению, мое здоровье требует от меня величайшей воздержанности в этом наслаждении. Мой адрес у вас: Рекоаро, presso di Vicenza, Italia, poste restante.

С сердечной любовью, помня о вас

Ф. Н.

110. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Recoaro, 18. Mai 1881>

Только слово благодарности, мой дорогой друг, за доставку „зелёного Генриха“, он должен стать мне настоящим летним удовольствием. Если ты отправишь мою следующую квартальную зарплату Шмейтцнеру, пожалуйста, учти эту книгу в расчётах. — Моё самочувствие плохое. Давление, возможно, будет тянуться ещё 2 месяца. — Но теперь ещё одна радостная, очень радостная весть: наш друг Кёселиц — музыкант первого ранга, его произведение обладает новым и особенным очарованием красоты, в котором ни один из живущих не может с ним сравниться. Весёлость, грация, искренность, большой диапазон чувств — от безобидной весёлости до невинного величия: при этом техническое совершенство и тонкость требований к себе, которые мне, в этом грубом веке, кажутся невыразимо освежающими. Ко всему прочему: существует родство между этой музыкой и моей философией: последняя нашла самый звучный голос в свою защиту! —

111. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Recoaro, 31. Mai 1881>

Дорогой друг, только что господин Кёселиц готовится к отъезду и возвращению. Это так необходимо — для нас обоих. Моё здоровье, несмотря на всю осторожность, больше не выдерживает такого совместного пребывания, были приступы в худшей базельской манере. — Я остаюсь здесь из-за корректурных листов (яркое летнее солнце и кажущаяся невозможность найти место, которое одинаково заботилось бы о моих бедных глазах и о длинных ровных хороших прогулках, которые нужны моей голове, иногда доводят меня почти до отчаяния; в прошлом году, тщательно выбирая, казалось бы, подходящие места, я восемь раз испытывал разочарование, и этим летом всё начинается так же!) Вероятно, я останусь до середины июня. Продолжение «Зелёного Генриха» прошу прислать мне позже (примерно в августе).

Преданный вам и вашей дорогой жене от всего сердца

Ф.Н.

112. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Recoaro, 5. Juni 1881>

Дорогой друг, дела идут совсем не хорошо, — но чувство укрепления сердца осталось у меня от нашего общения, и я не хотел бы его терять! Я очень благодарен вам за то, что вы преодолели себя и приехали в Рекоаро, и так долго здесь продержались. Еще никогда не было для меня такого мая, каким был этот! Так многое стало очевидным, и что еще всего от старого доброго Кёселитциуса абскондитуса хочет выйти на свет, этого уже не предвидеть! — Я мечтаю об этом в пути. Каждый день после полудня я поднимался на три четверти высоты Шпица. Изменил диету: все минестроне, ризотто, макароны, поленты отменены! Дневной распорядок, прожитый по минутам! Но ужасные головные боли, несмотря на все, день за днем грозы или грозовые облака! Не могли бы вы узнать из какого-нибудь путеводителя (Амтора «Тироль» или «Немецкие Альпы I») или откуда-нибудь еще что-нибудь о Брентонико? Оно высоко?

С сердечной любовью и дружбой Ваш

Ф.Н.

113. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 5. Juni 1881>

Мои дорогие, я хотел бы сообщить вам что-то лучшее в благодарность за все доброе, что вы мне пишете и желаете, — но мое самочувствие по-прежнему плачевно. Друг Кёселиц уже несколько дней покинул меня, это больше не выдерживалось, один мне полезнее (и как мало мы на самом деле были вместе! У него была работа с утра до ночи). Ну, я должен проявить терпение и рассудительность! Приступы имели базельский и наумбургский характер, и от головной боли определенной степени я совсем не избавлюсь. Возможно, я скоро снова поеду к морю. Но я, безусловно, останусь здесь до 15 июня.

С любовью, ваш Ф.

114. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 11. Juni 1881>

Мои дорогие, через пару недель моя книга дойдет до вас. Посмотрите на нее доброжелательно снаружи: так выглядит существо, которое сделает наше не слишком красивое имя бессмертным! Но я прошу вас от всего сердца, не читать ее и никому не давать. Остается ли это так? — Господин художник Раскович в большой нужде! Друг Кёселиц (у которого самого так мало, и в прошлом году он потратил несколько сотен франков, чтобы спасти господина Р<асковича> от голода) пишет мне сегодня, что госпожа фон Вёрманн все еще задолжала пять месяцев гонорара за уроки рисования, которые ее дочка получает у господина Р<асковича>. Наш художник принадлежит к деликатным натурам, которые скорее погибнут, чем предъявят счет. Придумайте же тонкое средство, и как можно скорее, чтобы освежить память дорогой госпоже фон В<ёрманн> в этом вопросе. — Мое самочувствие по-прежнему ужасное, но корректура держит меня. С любовью

Ф.

115. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Recoaro, 17. Juni 1881>

Мои поздравления с вашим Finalissimo! И также с завершением нашей невыносимой корректуры! (Рукопись последнего листа была мне отправлена.) А вот обложка — это ваше дело — как я написал Теубнеру; я вообще не хочу её видеть. Экземпляр для фрау фон Вёрманн отправляется на ваш адрес; Шмицнеру сообщено. — Тем временем я устал от жизни; прекрасное Рекоаро стало для меня адом, я всегда болен и не знаю места, которое так пагубно влияло бы на меня своими постоянными переменами погоды. Брентонико у Мори (мы ведь проезжали мимо) слишком низко, а Монте-Бальдо к тому же — погодная гора, как Пилат: всегда облака! Я ломаю голову и не нахожу ничего, кроме как повторить попытку с Энгадином: что должно произойти примерно за 4 дня. Я замученное животное и жажду хоть какой-то свободы от боли. С сердечной дружбой

ФН.

Псевдонимность и скрытность невозможны для вас! Изменение имени достаточно, например, Коселли.

116. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Recoaro, 19. Juni 1881>

Ах, моя дорогая сестра, ты думаешь, что это книга? Ты тоже всё ещё считаешь меня писателем! Мой час настал. — Я хотел бы сберечь тебя от стольких вещей, ты не можешь нести мою ношу (это уже достаточное проклятие — быть так близко связанным со мной). Я хотел бы, чтобы ты могла сказать каждому с чистой совестью: «Я не знаю новых взглядов моего брата». (Тебе уже дадут понять, что они «аморальны» и «бесстыдны».) — А пока: мужества и храбрости, каждому за свою часть, и доброй старой любви! —

Мой адрес: Санкт-Мориц в Граубюндене (Швейцария), до востребования. Это снова последняя попытка. С февраля я страдал необычайно, и лишь очень немногие места мне подходят. — Прекраснейшая благодарность за услугу в отношении господина художника Р<асковича>.

117. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Recoaro, 19. Juni 1881>

<Уважаемый> господин издатель,

<вот мой> адрес <Санкт-Мориц (>Граубюнден) <Швейцария>, до востребования. — Корректура завершена; или что ещё нужно сделать, касается только господина Кёселица. —

Я предполагаю, что Вы тайно поклялись, что это должно быть последнее произведение, которое Вы издаёте от меня. В самом деле, я больше не вписываюсь в Вашу вагнеровско-шопенгауэровско-дюринговскую и прочую партийную литературу. — Но из-за этого нам не нужно ссориться! Я остаюсь с сердечными пожеланиями всегда Ваш

Ф.Н.

118. An Ernst Schmeitzner in Bautzen

<Recoaro, 21. Juni 1881>

Ру, борьба частей в организме

(W. Engelmann, Лейпциг)

Шюсслер, сокращённая терапия, 7-е изд.

(Schulze, Ольденбург)

Кальтбруннер, наблюдатель (выпущенные части)

(Wurster, Цюрих)

Кунце, компендиум практической медицины

(F. Emke, Штутгарт)

Джонстон, химия повседневной жизни (выпущенные части)

(Krabbe, Штутгарт)

Фостер, учебник физиологии

(C. Winter, Гейдельберг или Лейпциг)

Хорнеман, гигиенические трактаты

(Vieweg, Брауншвейг)

Катшер, картины из китайской жизни

(C. F. Winter, Лейпциг)

Каспари, связь вещей

(Trewendt, Бреслау)

Пост, строительные блоки для общей юриспруденции

(Schulze, Ольденбург)

Бакль, эссе

(C. F. Winter, Лейпциг)

Не сочтите за труд, уважаемый господин издатель, заказать мне эти книги в срочном порядке? И отправить их в деревянном ящике все вместе в Санкт-Мориц (Граубюнден)? Буду очень признателен

Проф. д-р Ницше.

119. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Recoaro, 23. Juni 1881>

Мой дорогой друг, вот новости — хорошие новости от доктора Ре.

Моя сестра написала мне позавчера о господине Расковиче, каким изобретательным и деликатным образом она освежила память госпоже фон Вёрманн в этом вопросе. Ни я, ни она не потратили ни минуты времени в этом деле — и всё же, похоже, было слишком поздно.

Когда экземпляр «Утренней зари» попадёт в ваши руки, окажите мне ещё одну честь: возьмите его с собой на день на Лидо, прочитайте целиком и попытайтесь сделать из него нечто целое — а именно страстное состояние. Если вы этого не сделаете, то никто не сделает.

Те сто франков, мой дорогой старый Забывчивый, Вы давно уже вернули мне в виде бесчисленных почтовых расходов, затрат на бумагу и всего остального, что было необходимо для создания моих сочинений. Простите, что напоминаю об этом! —

Все же я остаюсь при Энгадине — ведь из моих многочисленных попыток в Швейцарии (возможно, 20—30) энгадинская — единственная более или менее удавшаяся. Это трудно для моей натуры — найти правильное в высоте и глубине, в сущности, это поиск, здесь есть факторы, которые нельзя строго ухватить (например,электричество тянущихся облаков и воздействие ветров: я убеждён, что восемьдесят раз из ста я обязан этим влияниям своими мучениями.) Где та страна с обильной тенью, вечно чистым небом, равномерным сильным морским ветром с утра до вечера, без перемен погоды? Туда, туда — хочу — уехать! Пусть даже за пределы Европы!

Рекоаро, как пейзаж, — одно из моих прекраснейших впечатлений, я действительно гонялся за его красотой и потратил много усилий и рвения. Красота природы, как и любая другая, очень ревнива и требует, чтобы служили только ей.

Но время от времени между этим звучала Ваша музыка, как лучший сон, который я видел за долгое время.

Преданный Вам друг Н.

Адрес: Санкт-Мориц в Граубюндене (Швейцария) до востребования.

120. An Erwin Rohde in Tübingen (Postkarte)

<Sils-Maria> d. 4. Juli 1881.

Ну, старый верный друг, вот и я, твой alter ego, и ты можешь говорить со мной, ссориться, ворчать, быть счастливым и смотреть за все облака. Было бы плохо, если бы это не было именно книгой для тебя — иначе я не знал бы, как еще на земле доставить кому-то радость. В ней все мои ингредиенты; отложи в сторону то, что причиняет тебе боль, и возьми все вместе, что дает тебе, именно тебе, мужество. Иначе я не знаю, как быть благодарным за твое богатое и благородное письмо — я должен использовать каждую четверть часа, которую мне дают голова и глаза, на службе великой задачи, и я мечтаю в душе о том, чтобы так же лучше всего служить своим друзьям. Оставайся ко мне добр!

Твой Ф. Н.

Сильс-Мария (Энгадин) Швейцария poste restante.

121. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, 7. Juli 1881>

Так я снова спасся через Энгадин, и моё первое письмо отсюда должно быть к тебе, моя дорогая сестра, чтобы передать тебе мои поздравления с днём рождения и сердечные пожелания. Очень хотел бы быть представлен на твоём подарке — и для этого прошу тебя самой позаботиться об этом, по твоему вкусу и от моего имени. Но что тебе пожелать? — я не очень знаю и вообще с каждым годом всё больше понимаю, что нужно использовать и максимально использовать то, что у тебя есть (даже плохое, как плохое здоровье), и лучше воздерживаться от желаний: вещи, которые так желаешь, в конце концов, когда получаешь их, не оправдывают того, что обещали.

Всё это, конечно, теории, которые больше подходят к моему телу и жизни, чем к твоей; так что спокойно отбрось их, если они тебе не нравятся. Я со своей стороны ничего больше не желаю: ведь я едва знаю, как справиться с тем, что у меня есть. Это сказано туманно, но не подумано туманно. —

Это было злое и опасное время, я едва выжил в Рекоаро. Приступы приходили каждый день, все злые осложнения проявлялись (рвота и т.д.) — и тем не менее казалось, что всё было устроено как можно более благоприятно (диета, движение, покой, прекрасная и возвышенная горная природа, одиночество и т.д.).

w.) Но с местами у меня сейчас чистый эксперимент, в большинстве из них я погибаю — вступают в силу условия, которые именно для моей природы так решающи. (атмосферное электричество); на этом основании я должен испытывать места. Базель, Наумбург, Женева, Баден-Баден, почти все горные места, которые я знаю, Мариенбад, итальянские озера и т. д. — это места, где можно погибнуть. Зима у моря переносима, весна (Сорренто и Генуя) — постоянные страдания (из-за переменной облачности). Как только я вспоминаю, как ужасно и тяжело я провел последние 2 года, даже если это происходило с полным терпением, я не могу сдержать здесь слезы.

Здесь, в Энгадине, мне намного лучше, чем где-либо на земле: хотя приступы случаются и здесь, как и везде, но они намного мягче и человечнее. Я испытываю постоянное успокоение и не чувствую давления, как везде в других местах; волнение здесь для меня прекращается. Я хотел бы попросить всех людей: «сохраните мне только 3, 4 месяца энгадинского лета, иначе я действительно не смогу дольше выносить жизнь». Как неразумно было прошлым летом ехать в Мариенбад, портить себе желудок и получать общее ослабление (из-за очищающего действия этих вод). Будто бы я мог позволить себе терять силы и на этом пути!

Извините!

Во время путешествия со мной приключилась беда: поезд опоздал на стыковку; все мои планы пришли в замешательство, как и мое здоровье, путешествие в итоге длилось вдвое дольше и стоило вдвое дороже. Санкт-Мориц оттолкнул меня с силой, я пробыл там всего 3 часа, а затем сел на почтовую карету. Все страдания, которые я там перенес, встали перед моими глазами, все было как будто окутано моей болью. Тем не менее: это место, которому я обязан тем, что еще жив. Цены не стали ниже, за простую комнату везде просили 90—180 франков в месяц.

Вечером первого дня я боялся, что придется покинуть Энгадин.

На следующий день пришла помощь; молодой энгадинец, с которым я путешествовал одну ночь, бескорыстно позаботился обо мне и нашел для меня тихое местечко, где я бы с удовольствием остался сидеть до конца: но энгадинское лето так коротко, и в конце сентября я снова хочу вернуться в Геную. У меня еще никогда не было так спокойно, и дороги, леса, озера, луга как будто созданы для меня; и цены не выходят за рамки моих возможностей. Молодой человек приехал из Неаполя, чтобы летом управлять своим отелем, у него я обедаю (конечно, один). Место называется Зильс-Мария; пожалуйста, держите это название в секрете от моих друзей и знакомых, я не желаю визитов. Прошу отправлять мне письма по этому адресу: «Сильваплана (Энгадин) Швейцария, до востребования».

А нашей доброй матери я еще даже не поблагодарил за ее прекрасное путешественное письмо! —

Пришли мне, дорогая сестра, 2 книги из шкафа, каждая в переплете крест-накрест. 1) Дюринг, Курс философии (это для меня смешно) и 2) Кэри, Политическая экономия (непереплетенная, толстая)

И теперь смело вперед, моя дорогая Лизбет — как это делает и твой брат. Будь неустрашима!

Ф.Н.

122. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 8. Juli 1881>

Дорогой друг, это было опасное время; едва я уехал из Р<екоаро>! — Во время поездки один поезд опоздал на стыковку: удвоение времени и стоимости поездки стало результатом. Ваше письмо было первым приветом в Энгадине! Санкт-Мориц резко оттолкнул меня, он предстал передо мной в кристаллизации моих страданий, которые я испытывал там 2 года назад. Через 3 часа я покинул его, вечером я даже хотел уехать из Э<нгадина>! В конце концов, благодаря серьезному и любезному швейцарцу, с которым я путешествовал всю ночь и который возвращался из Неаполя на родину, я был размещен в самом прекрасном уголке земли: я никогда не имел такого покоя, и все 50 условий моей бедной жизни, кажется, здесь выполнены. Я принимаю эту находку как неожиданный и незаслуженный подарок, как и вашу великолепную музыку, которая здесь, в этой вечной героической идиллии, еще красивее проникает в сердце, чем там, внизу. — Я только что оправился от трехдневного приступа (гроза). Верно

Ваш друг ФН.

Зильс-Мария (Энгадин)Швейцария poste restante.

123. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 8. Juli 1881>

Мой дорогой друг, я снова в Энгадине. Все последнее время было крайне болезненным и опасным, я не думал, что останусь жив, уезжая из Р<екоаро>. Энгадин удержал меня в жизни 2 года назад и сделает это и на этот раз, мне нигде не было лучше. — Я бы хотел несколько книг из библиотеки или читательского общества, а именно два тома Хелльвальда: 1) Культурная история, 2) Земля и её жители. (Он знаком с новейшей литературой по истории, путешествиям и т.д.) Затем том Куно Фишера о Спинозе. — Шмейцнер (который сообщил мне о получении денег) должен был отправить тебе мою книгу; прости, не удалось послать 2 экземпляра, как я хотел. К тому же, к сожалению, должен добавить, что это отнюдь не книга для чтения вслух, а, в превосходной степени, книга для одиночества. — Как меня радует известие о прогрессе твоей «христианской» литературной генезиса! Сколько у меня к этому вопросов! — Зелёный Генрих для моего (в сущности, патетического) состояния немного слишком миниатюрен и пестр: но это вершина поэзии и плутовства, а может быть, и серьёзности.

Твой преданный друг
Ф.Н.

124. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)

<Sils-Maria, 8. Juli 1881>

Так давайте же продолжим! В конце концов, мой дорогой храбрый друг, мы всё же пара отличных пловцов. Весь мир уже считает нас утонувшими, но мы всё время всплываем и даже приносим с глубины что-то, что, как нам кажется, имеет ценность и, возможно, когда-нибудь обретёт для других блеск. Я только что пережил опасное время и снова оказался в Энгадине, своём старом спасении: «ещё не избавившись от тела», а что касается души, то прочитайте книгу, которую наш издатель вам пришлёт. Мне порой кажется, что я смотрю на вещи и людей как давно умерший — они волнуют, пугают и восхищают меня, но я им совершенно чужд. Навеки потерянный и всё же

так близкий вам: —
Верный вам Ф.Н.

125. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, um den 9. Juli 1881>

Моя дорогая мать,

я очень огорчён твоей и нашей потерей! Это был такой кроткий и добрый человек, наш Теобальд, строгий к себе и всё же не фанатик; я считал его лучшим среди Олерсов. Кто знает, не виновата ли в его нервном заболевании, больше, чем его теология, шарлатанство его тестя! Он предпочёл смерть сумасшедшему дому и, вероятно, поступил мудро. Мы всегда будем вспоминать его с волнением.

Теперь ещё слово от меня, для успокоения. Я упрекаю себя за свою глупость, что посылаю вам свои короткие открытки о здоровье и ничего больше: — так вы должны получить ложное впечатление обо мне.

Никогда не было человека, к которому слово «угнетённый» подходило бы меньше. Мои друзья, которые больше знают о моей жизненной задаче и её неуклонном продвижении, считают, что я, если не самый счастливый, то, во всяком случае, самый мужественный из людей. На мне лежит более тяжкое бремя, чем моё здоровье, и я справляюсь с тем, чтобы нести и это. Внешне я, кстати, превосходен, моя мускулатура благодаря постоянным маршам почти как у солдата, желудок и кишечник в порядке. Моя нервная система, учитывая колоссальную работу, которую ей приходится выполнять, великолепна и является предметом моего удивления, очень тонкая и очень сильная: даже долгие тяжёлые страдания, неподходящая профессия и самое ошибочное лечение не нанесли ей существенного вреда, более того, в прошлом году она стала сильнее, и, благодаря ей, я создал одну из самых мужественных, возвышенных и рассудительных книг, которые когда-либо рождались из человеческого мозга и сердца. Даже если бы я покончил с собой в Рекоаро, то умер бы один из самых несгибаемых и рассудительных людей, а не отчаивающийся. Моё заболевание мозга очень трудно оценить, что касается научного материала, необходимого для этого, то я превосхожу любого врача.

Да, это оскорбляет мою научную гордость, когда вы, со своей стороны, предлагаете мне новые методы лечения и даже считаете, что я «пускаю свою болезнь на самотёк». Доверьтесь мне хотя бы немного и в этом! Пока что я занимаюсь своим лечением всего 2 года, и если я допустил ошибки, то только потому, что в конце концов уступил настойчивым убеждениям других и пробовал разные методы. Сюда относится пребывание в Наумбурге, Марианских Водах и т.д. Кстати, каждый разумный врач обещал мне выздоровление только через долгие годы, и прежде всего я должен постараться избавиться от тяжёлых последствий всех тех ошибочных методов, которыми меня так долго лечили.

Не сердитесь на меня, если я, кажется, отвергаю вашу любовь и участие в этом вопросе. Но я хочу быть теперь исключительно своим собственным врачом, и пусть люди скажут обо мне, что я был хорошим врачом — и не только для себя одного. — Впрочем, мне ещё предстоят многие, многие времена страданий; не теряйте из-за этого терпения, умоляю вас от всего сердца! Это делает меня нетерпеливее, чем мои собственные страдания, потому что показывает, что мои ближайшие родственники так мало верят в меня.

На сегодня и на всегда! Уже слишком много для моих глаз!

Тот, кто мог бы в тайне наблюдать, как я умею сочетать заботу о своём выздоровлении с продвижением своих великих задач, оказал бы мне немалую честь. Я живу не только очень смело, но и в высшей степени разумно, опираясь на богатые медицинские знания и непрерывные наблюдения и исследования.

От всего сердца и с просьбой
не истолковывать ничего дурного
Ваш сын и брат.

Пишите мне хорошие вещи сюда, где я вынашиваю будущее человечества, и оставим в стороне все эти мелкие личные страдания и заботы. К хорошим вещам относилась бы и чрезвычайно деликатная колбаса.

126. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 13. Juli 1881>

Самую сердечную благодарность, моя дорогая добрая мама, за твое письмо! Оно доставило мне большое удовольствие! Да, так звучит правдоподобнее: бедный Теобальд в состоянии душевного волнения захотел принять ванну (чтобы успокоиться), и его поразил удар. Это случается часто, очень часто! — Надеюсь, что мое письмо хотя бы утешило тебя, что твой старый сын все еще довольно смело идет по жизни. —

Два двухдневных приступа до сих пор в Энгадине.

Если колбаса прибудет в конце следующей недели, то это будет самое лучшее время! Тогда прошу 1) 1 пару шерстяных носков, 2) одну варежку (вязаную) для мытья (как хорошая Лама обычно делает их для меня) (я имею в виду для моего утреннего купания) и 3) наконец, пару черных вязаных очень длинных перчаток с большим пальцем. Пожалуйста, пожалуйста!

Фр.

127. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 13. Juli 1881>

Извини, мой дорогой добрый друг! Да, варварство моего почерка, который никто больше не может прочитать, даже я! (Почему я печатаю свои мысли? чтобы они стали мне читабельны. Извини и за это!) — Итак:

Сильс (Энгадин) до востребования.

Дело в том, что в Граубюндене есть ещё один Сильс.

Только что очнувшись от сильного двухдневного приступа к свету и снова веря в жизнь

Преданный тебе и вам
Ф.Н.

128. An Marie Bautngartner in Lörrach

<Sils-Maria, 15. Juli 1881>

Дорогая уважаемая госпожа Баумгартнер, вот снова несколько написанных слов от меня к вам, и как предвестник или спутник напечатанного слова, за которое я прошу всего вашего участия: — Лучшего и более личного у меня нет, что сообщить, и старую песню о моих телесных невзгодах я, право, не хочу больше петь перед вами. Каждый должен нести: давайте не забудем, неся и сражаясь, также и взлетать и смотреть далеко вперед! Это не так уж плохо сочетается друг с другом! Есть много способов стать сильным и обрести крепкие крылья для полета: лишения и боли к этому относятся, это средства в хозяйстве мудрости. Над всякой скорбью снова и снова песня радости — не так ли, это и есть жизнь! Она может быть такой! Преданно

Ф.Н.

Я думаю о вас и ваших близких, особенно о вашем ученом, с самой сердечной благодарностью.

129. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 19. Juli 1881>

Моя дорогая мать и сестра, на все ваши добрые письма теперь следует и хорошая колбаса, к сожалению, разбитая и немного высушенная от сильной жары (я бы предложил упаковывать такие длинные вещи между двумя гладкими досками). Остальные желаемые вещи пока не присылайте — позже, когда, возможно, снова будет что-то хорошее прислать вместе с колбасой (и также, в запас, на 5 грошей «слабительные пилюли» из аптеки Тухенше (Херренштрассе); итальянские мне не так хорошо помогают; здесь мне это не нужно или только после приступов).

На данный момент 4 двух- или трехдневных приступа (с длительной рвотой: каждый раз с грозой или грозовыми облаками), сегодня я очень слаб, но рад — четвертый приступ только что прошел.

По энгадинским меркам невыносимо жарко. Где же заказанные книги? Как выглядит моя книга? Мой издатель, тактичный и небрежный ко мне — я устал от него, и он, возможно, от меня — не удостаивает меня экземпляром. От всего сердца помня о вас

Ф.

Адрес теперь: Зильс (Энгадин, Швейцария)

130. An Ferdinand Laban in Pressburg

Sils <Engadin, Schweiz> 19 Juli 1881

Ваша песня, дорогой господин, так близка мне и приносит столько радости, что я теряю всякое право её хвалить. Тем более, что я предполагаю, вы уподобляетесь тем старым музыкантам, которые начинали свою светлую, искрящуюся жизнью симфонию серьёзным, меланхоличным аккордом, как бы предваряя рассвет: — они были плутами. И, возможно, вы тоже хотели дать нам лишь прелюдию, чтобы немного сбить с толку? Ведь в конце концов, дорогой господин, мы оба, вероятно, едины в одном: что и сейчас ещё можно так сильно натянуть лук жизни, чтобы тетива желания запела и засвистела? Что и сейчас ещё можно жить так гордо и возвышенно, как тот великолепный римский император, в почитании которого мы оба единодушны (прочитайте в доказательство мою недавно вышедшую «Утреннюю зарю» — к сожалению, я не могу её вам прислать). Благодарный вам

Ф.Н.

131. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Sils-Maria, Mitte Juli 1881>

Моя дорогая сестра

Ты права во многих вещах обо мне, и я от всего сердца желаю, чтобы ты всегда была права и в отношении себя самой и принимала бы наиболее благоприятные для тебя решения. Я думаю, ты преодолеешь заблуждение многих девушек, которые надеются удовлетворить свою тягу к уединению и независимости через брак; результат обычно оказывается совершенно противоположным, за редкими исключениями. Мне очень нравится твоя жизнь в Пфорте. Только внимательно посмотри вокруг, где место, люди и деятельность (не забывая о климате) кажутся созданными специально для тебя. Так думаю и я, и мне самому, возможно, пришлось бы покинуть Европу.

Ибо всё, что мы страдаем, должны нести не только мы, но и весь остальной мир — так что постараемся страдать как можно меньше.

Я вряд ли смогу удержать тебя от чтения моей «Утренней зари»; поэтому я подумал о способе, как и это обратить в пользу для тебя и для меня. Прочитай же книгу, если я могу попросить, с точки зрения, которую я не рекомендовал бы всем другим читателям, с совершенно личного угла зрения (сёстры в конце концов тоже имеют привилегии). Ищи всё, что раскрывает тебе, что в глубине души больше всего нужно твоему брату, что ему больше всего необходимо, что он хочет и чего не хочет. Прочитай особенно пятую книгу, где многое написано между строк.

Куда всё во мне ещё стремится, не скажешь одним словом — и если бы у меня было это слово, я бы его не произнёс. Всё зависит от благоприятных, но совершенно непредсказуемых обстоятельств. Мои добрые друзья (и все остальные) на самом деле ничего обо мне не знают и, вероятно, ещё не задумывались; я сам всегда был очень молчалив обо всех своих главных делах, хотя это и не казалось таким.

Обеспечь меня, моё дорогое Лама, красивыми записными книжками и устрой к ним мастерскую — мне нужно не менее 4 в год; тончайшая, очень прочная бумага (белая), примерно 100 листов в каждой книге. Если услышишь о людях, которые хотят сделать мне что-то приятное — вели им делать записные книжки. Состояние, в котором я нахожусь в этом отношении, позорно. Прилагаю формат. Только не больше!

С сердечной любовью и наилучшими пожеланиями нашей матери. Колбаса всё же очень хороша.

Твой брат.

132. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. Juli 1881>

Мне пришло в голову, дорогой друг, что постоянное внутреннее противостояние с христианством в моей книге должно быть вам чуждо, даже неприятно; но это всё же лучшая часть идеальной жизни, которую я действительно узнал, с детства я следовал за ним, в многие уголки, и я верю, что никогда в своём сердце не был к нему враждебен. В конце концов, я — потомок целых поколений христианских священников — простите мне эту ограниченность! —

Фрау Лукка: очень хорошая мысль! Она может говорить и шутить. Она и меня однажды очаровала, 18 лет назад. Достаточно ли она молода? —

При виде того, как вы создаёте свою партитуру, я полон тихого уважения к вам и смотрю, как смотрю на хорошего ювелира. Не обманывайтесь насчёт моего чувства!

Здесь, и здесь мне приходится страдать; до сих пор 4 тяжёлых двух- или трёхдневных приступа. Лето для энгадинцев слишком жаркое; я даже не осмеливаюсь думать о венецианском лете.

Г-н Шмейцнер забыл мне мою книгу; я им сыт. (Но у него все мои сбережения!)

С верной памятью о вас

Ф. Н. в Сильсе.

133. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 23. Juli 1881>

Меня очень радует, мой дорогой друг, что и в этом деле наша дружба выдерживает испытание, более того, вновь утверждается — я порой с тревогой думаю обо всех огненных и ледяных испытаниях, которым подвергаются мои любимые люди из-за моей «прямоты». Что касается христианства, то ты, надеюсь, поверишь мне в одном: в своём сердце я никогда не был к нему враждебен и с детства много размышлял о его идеалах, хотя в итоге всегда приходил к выводу о чистой невозможности. — И здесь мне приходится много страдать, лето в этот раз жарче и насыщеннее электричеством, чем обычно, к моему ущербу. Тем не менее, я не знаю ничего более соответствующего моей природе, чем этот кусок верхней земли. — Фрау Баумгартнер написала мне очень хорошо и сердечно. — Я сам ещё не получил свою книгу. — Хелльвальд получил с благодарностью; это компендиум одного рода мнений.

Преданный тебе и твоей дорогой жене от всего сердца

Ф.Н.

Я абсолютно не знаю, какими взглядами я ещё делаю добро, а какими — причиняю боль.

134. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 30. Juli 1881>

Этот неожиданный ящик доставил мне большое удовольствие, моя дорогая мать и сестра! Как раз этих вещей мне очень хотелось; моя еда, которая должна растягиваться на долгий срок, здесь очень хорошая, но в основном мясная. Мне не хватало хорошо приправленных сладких вещей. Перчатка уже в употреблении.

Однако моё самочувствие остаётся плохим: эта ужасная непостоянность неба, эти облака даже в Энгадине! Уже перенёс 3 тяжёлых приступа! И между ними всегда что-то жалкое. Здесь исключительная погода.

Книга Шмейцнера теперь тоже в моих руках.

Колбаса такая мягкая и чистая на вкус. Но не присылайте груши, моя дорогая мать, благодарю Вас!

Ваш сын и брат.

135. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Sils-Maria, 30. Juli 1881>

Я совершенно изумлён, совершенно восхищён! У меня есть предшественник — и какой! Я почти не знал Спинозу: то, что меня сейчас потянуло к нему, было «инстинктивным действием». Не только то, что его общая тенденция совпадает с моей — сделать познание самой могущественной страстью — в пяти главных пунктах его учения я узнаю себя, этот самый аномальный и одинокий мыслитель ближе всего мне именно в этих вещах: он отрицает свободу воли —; цели —; моральный мировой порядок —; бескорыстие —; зло —; хотя, конечно, различия огромны, они лежат скорее в различии времени, культуры, науки. В итоге: моё одиночество, которое, как на самых высоких горах, часто, часто вызывало у меня одышку и заставляло кровь приливать, теперь, по крайней мере, стало двое. — Странно! В остальном моё самочувствие совсем не соответствует моим надеждам. Исключительная погода и здесь! Вечное изменение атмосферных условий! — это ещё выгонит меня из Европы! Мне нужен чистый небосвод на месяцы, иначе я не сдвинусь с места. Уже 6 тяжёлых, двух-трёхдневных приступов!! — С сердечной любовью

Ваш друг.

136. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria den 14 August 1881.

Ну, мой дорогой добрый друг! Августовское солнце над нами, год уходит, становится тише и спокойнее в горах и лесах. На моем горизонте возникли мысли, подобных которым я еще не видел — о них я не хочу ничего говорить и сохранять себя в непоколебимом спокойствии. Мне, вероятно, придется прожить еще несколько лет! Ах, друг, иногда меня посещает предчувствие, что я веду чрезвычайно опасную жизнь, ибо я отношусь к машинам, которые могут разорваться! Интенсивность моих чувств заставляет меня содрогаться и смеяться — уже несколько раз я не мог покинуть комнату по смешной причине: мои глаза были воспалены — от чего?

Каждый раз накануне я слишком много плакал во время своих странствий, и не сентиментальными слезами, а слезами ликования; при этом я пел и нес чепуху, исполненный нового взгляда, который я опережаю перед всеми людьми.

В конце концов — если бы я не мог черпать силу из себя самого, если бы мне пришлось ждать ободрений, утешений извне, где бы я был! что бы я был! Были действительно моменты и целые периоды моей жизни (например, 1878 год), когда я воспринял бы ободряющее слово, одобрительное рукопожатие как бальзам всех бальзамов — и именно тогда все, на кого я думал, что могу положиться и кто мог бы оказать мне эту благодетель, могли бы меня подвести.

Теперь я этого не ожидаю и испытываю лишь некоторое мрачное удивление, когда, например, думаю о письмах, которые получаю сейчас — всё так незначительно, никто не пережил ничего через меня, никто не подумал о мне — то, что мне говорят, достойно и благожелательно, но далеко, далеко, далеко. Даже наш дорогой Якоб Буркхардт написал такое робкое, унылое письмецо.

Вместо этого я воспринимаю как награду то, что в этом году мне открылось две вещи, которые принадлежат мне и близки мне — это Ваша музыка и этот пейзаж.

Это не Швейцария, не Рекоаро, что-то совсем другое, во всяком случае, что-то гораздо более южное, — мне пришлось бы отправиться на высокогорья Мексики у Тихого океана, чтобы найти что-то похожее (например, Оахака), и там, конечно, с тропической растительностью. Ну, это Зильс-Мария я хочу сохранить для себя. И точно так же я чувствую к вашей музыке, но не знаю, как её достать! Чтение нот и игра на фортепиано я должен был раз и навсегда исключить из своих занятий. Приобретение пишущей машинки крутится у меня в голове, я на связи с её изобретателем, датчанином из Копенгагена.

Что вы делаете следующей зимой? Я предполагаю, что вы будете в Вене?

Но на следующую зиму мы придумаем встречу, пусть даже короткую — ведь я теперь хорошо знаю, что не подхожу для вашего общества и что вам становится свободнее и плодотворнее на душе, когда я снова улечу. С другой стороны, мне невероятно важно, чтобы ваше чувство становилось всё более свободным и чтобы вы обрели глубокое и гордое чувство дома, в общем, чтобы вы творили и созревали счастливо, счастливее всего. Я никогда не испытывал к вам никаких неприятных чувств, верьте мне, дорогой друг!

Скажите мне, кстати, как сейчас продать немецкие марки в Италии (на итальянские лиры), я имею в виду, какой курс.

Адрес фрейлейн фон Мейзенбуг я тоже не помню; теперь она, вероятно, сидит где-то с Монодами, я имею в виду, господин Шмеитцнер может отправить экземпляр в Париж. — С господином Шмеитцнером всё улажено с максимальной деликатностью; я решил не заставлять его страдать за то, что на основе поспешных выводов я ожидал от него того, что не в его природе.

С сердечной дружбой и благодарностью

Ваш Ф. Н.

(Я много болел.)

137. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1881>

Моя дорогая матушка, с тех пор как я получил столь приятную посылку, за которую сразу же поблагодарил, я ничего не слышал от тебя, даже наше Лама тогда получила от меня письмо, но не ответила. Вообще, уже месяц ни одна живая душа не написала мне. Часто болел, сегодня только что встал после приступа. Очень беспокойная погода. Как я скучаю в этом снежном воздухе по теплым перчаткам! Колбасу больше не присылай, у меня на обед мясо, и я не хочу есть еще мяса. Но, пожалуйста, пришли фитиль для спиртовой лампы, расчесочку (с щеткой) для кармана, немного старого льна для ран, затем нитки и иглы. И очень ценю здесь, на высоте, все сладкое, например, хорошие пряники (единственное достойное, что я знаю в Наумбурге). Да! И прочную тетрадь для письма, обычного кварт-формата, хорошую бумагу и линейки (на таком расстоянии Прости!

С сердечной любовью
Ф.

138. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. August 1881>

Моя дорогая Лиза, я не могу заставить себя послать телеграмму господину доктору Рее: хотя я считаю каждого, кто прерывает мой энгадинский рабочий летний сезон, то есть продвижение моей задачи, моего „Одно необходимо“, прерывает, своим врагом. Человек, вторгающийся в ткань моих мыслей, растущую со всех сторон, — это ужасная вещь; и если я не смогу и дальше обеспечивать своё одиночество, то покину Европу на многие годы, клянусь! У меня нет времени терять, и я уже потерял слишком много; если я не буду беречь свои хорошие четверти часа, у меня будет плохая совесть. Ты не можешь знать, чего я ещё требую от себя. Достаточно, это должен быть последний случай такого рода, у меня есть обязательство перед доктором Ре, которое запрещает мне сказать „нет“: как у меня было перед господином Кёселицем; я должен был поехать в Рекоаро, когда он попросил меня приехать (речь шла не обо мне, а о нём и его жизненном решении). О моём здоровье и о том, как оно обычно бывает, я даже не говорю. — Я позаботился о том, чтобы в соседнем доме, в отеле „Эдельвейс“, была готова комната для моего друга.

С сердечной любовью и искренностью

Твой брат.

139. An Franz Overbeck in Zürich

<Sils-Maria, 20./21. August 1881>

Дорогой друг, между нами всё хорошо; и что касается воздействия моей книги, то я говорю, в шутку и всерьёз, «она принадлежит к самым крепким духовным напиткам», по крайней мере, судя по тому эффекту, который я сам от неё испытываю, когда чувствую себя усталым и унылым. Наконец: это начало моих начал — что ещё впереди! на мне! Когда-нибудь я буду вынужден на пару лет буквально исчезнуть из мира — чтобы выбросить из головы всё своё прошлое и человеческие связи, и настоящее, друзей, родственников, всё, всё.

Тогда придётся быть храбрым, и ты, мой любимый друг, должен будешь сохранить свою старую большую верность, свою храбрость в верности мне, на самом высоком испытании! Я на долгое время — надоедливый товарищ, не так ли? Ну, друг Ромундт думает иначе, ему по крайней мере я не наложил бремени — он пишет бодро и весело, что «восстанавливает учение Канта о Боге — душе — свободе — и бессмертии». Это действительно меня развеселило! Кажется, я всё же не оказал «вредного и аморального» влияния (скорее — совсем никакого влияния!) — Будьте добры! Ведь мы свободные, а не «дети служанки!» — Теперь просьбы за просьбами! Простите!— В следующий раз я хотел бы получить деньги сам; я уезжаю отсюда 27 сентября, возможно ли получить их к тому времени? Когда ты вернёшься в Базель? Отправлять их в Геную затруднительно, так как у меня там нет удостоверяющих документов (у меня нет паспорта, да и не нужен он мне).

Шмейцнеру больше не следует получать мои сбережения, есть причины быть немного настороже, он безрассуден и делает многое, не спрашивая разрешения. Ну, дорогой друг, я очень хотел бы, чтобы всё, что ещё можно сэкономить из базельской пенсии, собиралось тобой, и проценты к процентам, так чтобы по истечении 6 лет я мог ещё какое-то время жить на это (скажи мне: когда последний срок выплаты этих 6 пенсионных лет?) Я на „вершине“ жизни, то есть своих задач, которые жизнь постепенно поставила передо мной, и должен, где только возможно, посвятить эти следующие четыре года без всяких и любых внешних помех именно этим задачам и не думать ни о чём другом, помоги мне в этом, Вернейший из верных!

Нет, книгу Литтре я, конечно, не буду читать, и так же мало я доберусь до „Зелёного Генриха“ Келлера: мои глаза не позволяют мне такие „роскошные траты зрительной силы“.По секрету скажу: немногое, что я могу делать глазами, теперь почти исключительно посвящено физиологическим и медицинским исследованиям (я так плохо образован! — и должен действительно знать так много!) Пожалуйста, отправь второй том „Зелёного Генриха“ нашему „зелёному Генриху“ в Венецию, который только что закончил свою великолепную партитуру — филигранную работу и как таковую. — Я обменялся письмами с изобретателем пишущей машинки г-ном Маллинг-Хансеном в Копенгагене — такой инструмент, при котором глаза после недели упражнений совсем не нужно использовать, был бы для меня бесценен, но это не для меня „бедного человека“ — с коробкой и „упакованным для отправки“, то есть без транспортировки, стоит 375 рейхсмарок. Весит 6 фунтов и 8 дюймов в длину. Прилагаю образец текста.

Я хотел бы заказать через тебя у книготорговца несколько книг:

1. О. Либманн, Анализ реальности.

2. О. Каспари, гипотеза Томсона (Штутгарт 1874, Хорстер.)

3. А. Фик, „Причина и следствие“.

4. Й. Г. Фогт, сила. Лейпциг, Хаупт & Тишлер 1878.

5. О.Либман, Кант и эпигоны.

Затем мне очень нужно одно из моих книг из цюрихских ящиков: Спир, «Мысль и действительность» — она не в переплёте, значит, находится в ящике с непереплетёнными книгами и состоит из 2 томов.

Есть ли в Цюрихском читательском обществе (или библиотеке) «Философские ежемесячные журналы»? Мне нужны том 9 за 1873 год и том за 1875 год. Также журнал «Космос», том 1.

Есть ли полное собрание речей Дюбуа-Реймона?

Наконец, наконец! Я хотел бы отправить тебя и в аптеку, речь идёт о пополнении моей личной аптечки. Прошу о

1. феррум фосфорикум

2. фосфорнокислый калий

3. натрий сернокислый

4. натрий хлористый

каждого по 10 грамм в порошковой форме. Очень хорошо упакованные. Не сердись на меня и не торопись, делай всё как можно более неспешно. Я уже так надоел твоей уважаемой тёще своими назойливыми просьбами и хотел бы всё же остаться в хорошей памяти у неё, у тебя, у твоей дорогой жены и у всех твоих ценных родственников в Цюрихе!

Ф.Н.

140. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. August 1881>

Дорогой друг, я поручил Овербеку отправить вам 2-й том «Зелёного Генриха» Келлера и прошу вас принять это целиком как освежающий напиток после тяжёлой работы из моих рук. Я ликую вместе с вами, когда думаю о вашей филигранной партитуре.

Овербек написал мне недавно в порыве, который для него редок; характерной мне показалась эта фраза: «Твоя книга наполняет высшим жизненным мужеством, потому что она так основательно и честно проникнута тем, что утешать вовсе не призвание истины, и сокрушает всякое санчо-пансово желание, с которым обычно подходят к науке». — А добрый Рее, в ответ, самым любящим образом осведомился у моей сестры, разрешено ли переехать из Штиббе в Зильс-Мария. Наконец: друг Ромундт, хабилитировавшийся в Лейпциге, сообщает мне, что его следующая работа «восстановит» учение Канта о Боге, душе и бессмертии — как мне сообщают, она будет посвящена Бисмарку — — !

В Париже выставка электричества: я, собственно, должен был бы быть там как экспонат, возможно, в этом отношении я восприимчив более, чем кто-либо, к моему несчастью!

Преданный и благодарный вам Ф. Н.

141. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. August 1881>

Моя дорогая сестра, ужас от того, что моё одиночество не уважается как святыня, сделал меня больным на 4 дня, казалось, что все добрые духи покинули меня и вся духовная работа лета пропала. Ну, я уже разберусь с этим, и в любом случае друг Ре должен быть принят ещё лучше. Уже сейчас у меня есть соображения, по которым встреча — сейчас с ним — кажется мне очень важной. — Я совсем забыл поблагодарить тебя за твоё первое письмо, которое так меня развеселило; мне вспомнилось слово моей генуэзской хозяйки о женщинах: „tutte le donne sono furbe“ (примерно: „все женщины — плутовки“). — Г-н Маллинг-Хансен из Копенгагена, изобретатель знаменитой пишущей машинки, написал мне уже дважды — но это дело для богатых людей. С транспортировкой это будет стоить не менее 500 франков. Машинка 8 дюймов в длину, весит 6 фунтов и находится в махагоновом ящике. Точная цена за машинку, ящик и „упакованную для отправки“ (то есть без транспортировки) — 375 рейхсмарок. — Мне так холодно: носки! Много носков!

С сердечным приветом и благодарностью.

142. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 24. August 1881>

Да, моя дорогая мать, здесь, на высоте 6000 футов выше, чем Генуя, где таяние снегов длится до июня, а в июле и августе выпадает снег, у человека появляются желания, которые внизу, в долине, могут показаться несколько безумными. Я смотрю на термометр в комнате: 8 градусов Реомюра. При этом режущие ветры и самая непостоянная погода, которая неприятна и вредна даже для энгадинцев: к сожалению (для меня мучительно!) очень много гроз. Напиши мне, какие разные ощущения от грозы испытывали Ницше.

— С едой я очень доволен: в полдень (12:30) каждый раз мясо с макаронами, утром (7:30) сырой желток, чай и анисовый сухарь (деревенский, питательный), вечером (7:30) 2 сырых желтка, кусок поленты (как едят все пастухи и крестьяне), чай (второй настой) и анисовый сухарь. В Генуе я живу ещё более «народно», как местные рабочие. Каждое утро в 5 часов холодное обмывание всего тела, ежедневно 5—7 часов движения. С 7 до 9 вечера сижу тихо в темноте (так же и в Генуе, где я без исключения каждый вечер с 6 часов был дома: никогда театр, концерт и т.д. Вы не можете представить, как бережно, даже скупо я должен обращаться со своими душевными силами и временем, чтобы такое страдающее и несовершенное существо всё же принесло зрелые плоды: не берите в обиду мою тяжёлую манеру жизни, я должен быть строг к себе самому ежедневно, ежечасно. С любовью

Ваш Ф.

143. An Heinrich Köselitz in Venedig

Sils-Maria Ende August 1881.

Но это же прекрасные новости, мой дорогой, дорогой друг! Прежде всего, что вы закончили! При одной мысли об этом первом большом завершении в вашей жизни мне становится невыразимо хорошо и торжественно на душе, я запомню 24 августа 1881 года! Как это только происходит! Но меня охватывает, как только я вспоминаю о вашем труде, чувство удовлетворения и некоторое волнение, которого я не знаю по отношению к своим собственным «произведениям». В них есть что-то, что всегда и всегда оскорбляет мою стыдливость: они — отражения страдающего, неполноценного существа, едва владеющего необходимыми органами, — я сам в целом часто кажется мне калякой-малякой, которую неизвестная сила водит по бумаге, чтобы испытать новое перо.

(Наш Шмейтцнер довольно хорошо понял, как задеть меня в этом пункте, подчеркивая в каждом из своих последних писем, что „мои читатели больше не хотят читать мои афоризмы“.)

Ну что ж, вы, дорогой друг, не должны быть таким человеком-афоризмом, ваша цель выше: вы не только, как я, даете угадать связь и потребность в связи — ваша задача — снова сделать очевидными в вашем искусстве высшие законы стиля, устранение которых почти возвело в принцип слабость новых художников: ваша задача — снова показать ваше искусство завершенным!

Я чувствую это, когда думаю о вас, и наслаждаюсь в этом видении завершением собственной природы, как в образе. Это наслаждение дали мне вы одни, и только с тех пор, как я знаю вашу музыку, между нами стоит так.

И затем вторая новость: что Вена приходит в Венецию, а гора к Магомету! Какое волнение это снимает с меня! Теперь я вижу ход событий, ваше первое торжественное введение — я предполагаю, вы, непосредственно в успехе, будете иметь мужество, чтобы через пару красноречивых документов объявить миру о вашем эстетическом новом волеизъявлении и тем самым устранить путаницу относительно единственно допустимой интерпретации вашего произведения. Признайтесь без стеснения в высших намерениях!

Люди, подобные вам, должны бросать свои слова вперед и уметь догонять их своими делами (даже я до сих пор позволял себе жить по этой практике). Используйте все свободы, которые еще предоставляются только художнику, и помните: наша задача — во всех обстоятельствах подталкивать, туда гнать — почти безразлично, доберемся ли мы сами туда! (Косвенное поощрение, к удивлению, часто встречается в моей последней книге, например, в разделе § 542 «Философ и старость» — прямое наставление и побуждение, напротив, имеет что-то такое старомудрое.)

На сегодня достаточно — совсем не обязательно отвечать на это, дорогой друг. Когда мы снова встретимся, сыграйте мне свою музыку в ответ (она проникла мне в сердце за эти месяцы, и, честно! — я теперь не знаю ничего, что хотел бы больше услышать —)

Мне было настоящим удовольствием снова узнать почерк моего старого доброго Герсдорфа (к сожалению, в несколько бледных чернилах), свидетельствующий об интересе, который все еще редок и который показывает его мне очень близким к моим потребностям и радостям.

Живите хорошо и помните обо мне как о человеке, глубоко счастливом благодаря вашему последнему письму.

Ваш друг Ницше.

144. An Paul Rée in Stibbe

Sils-Maria Ende August 1881

Мой дорогой, дорогой друг, лишь дважды мне довелось наблюдать за самым прекрасным зрелищем — как внезапно раскрывается самостоятельная интеллектуальная натура, у вас и у нашего друга Кёзелица. Последний, после чудесного глубокого преобразования своего «вкуса», недавно создал произведение, которое демонстрирует ясную радость и высоту, так что я должен плыть в нём, как в лучшей воде, и во время плавания на этой новой волне восторженно ликовать: это его комическая опера «Шутка, хитрость и месть». И если он снова и снова даёт мне понять, что моя философия и образ мышления помогли ему в этом преобразовании и что они начинают звучать здесь в тонах, то я, как старый неудавшийся музыкант и как новый невозможный, неполный, афористический философ, слишком высоко почтен, чтобы не чувствовать себя пристыженным.

И в этом же году, когда это произведение увидело свет, должно появиться и другое произведение, в котором я могу забыть свою бедную, кусочную философию в образе связи и золотой цепи! Какой великолепный 1881 год!

Я испытываю к Вам, мой дорогой друг и завершитель, совершенно безграничное благожелательство и хотел бы, как, возможно, уже десять раз говорил Вам, создать собственное солнце, которое сияло бы только над Вами и ростом Вашего сада. Как бы я иначе выдержал, не видя время от времени свою собственную природу как бы в очищенном металле и в возвышенной форме — я, который сам являюсь обломком и блуждающим несчастьем и через редкие, редкие «хорошие минуты» взираю в лучшую страну, где бродят целые и совершенные натуры.

Мне всегда жаль слышать, что вы страдаете, что вам чего-то не хватает, что вы кого-то потеряли: в то время как для меня страдания и лишения естественны и не являются, как у вас, ненужными и неразумными в этом существовании.

Теперь немного об этом неразумии! Дорогой друг, если вы сейчас хотите путешествовать, то делайте это не ради встречи со мной (которая, судя по последнему опыту, будет очень короткой!), а ради вашего здоровья и здоровья вашей уважаемой матери! Но не будет ли Энгадин в этом отношении неподходящим? Здесь холодно и ветрено, недавно у нас был полный снежный зимний день. 26 сентября.

я возвращаюсь в Геную, я должен быть там в это время, и в ближайшие годы вообще хочу путешествовать только между Генуей и Зильс-Марией. (Я не переношу путешествий, у меня нет денег на смену мест и тому подобное, и мне нужна безусловное одиночество не как прихоть, а как условие, при котором я, возможно, еще несколько лет выдержу жизнь (— дело в том, что, по секрету, идет очень плохо). Так что я решил отказаться от встречи с вами и настоятельно прошу вас позаботиться о собственном благополучии и благополучии ближайшей и родственной души при составлении плана путешествия. Ах, мой дорогой друг Рее, давайте останемся вместе на высотах мужественного настроения, ясного видения, летим вместе через прошлое и будущее и будем, в благоприятном чувстве этой общности, не слишком суровы к судьбе, если она держит нас врозь — как, кажется, снова происходит сейчас! —

С сердечной любовью и преданностью
Ваш друг
Ницше

145. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 2. September 1881>

Самую прекрасную благодарность, мои дорогие — но это был мой подарок на день рождения! Поскольку вы написали, что хотите что-то прислать, я вам в ответ отправил свой список желаний. Всё правильно и частично уже в использовании и потреблении. Теперь ещё около 3 недель, и 26-го этого месяца я снова уеду отсюда, отправляясь в Геную. Погода в целом была самым горьким разочарованием, которое могло подарить мне Энгадин — и крайне вредна для меня. С момента последней открытки моё состояние вызывало у меня тревогу, головная боль постоянная, вся еда невозможна. На улице глубокая снежная зима, или бури, грозы, дождливые дни — всё дико перемешано.

Теперь я пытаюсь пройти курс молока (хороший совет доброго Ламы пришёл как раз вовремя, когда я начал пить молоко) Рее написал, что он и его мать будут готовы к путешествию «через несколько недель» — честно говоря, с моим здоровьем я мало приспособлен для приёма гостей. Иначе — мои «мысли» сейчас не будут больше нарушаться! — у меня их больше нет! Это упадок. — Недавно я вспомнил о жене пастора Харсейм, в детстве я приписывал ей «героическое поведение», она была первой женщиной этого рода, которую я узнал. Я радуюсь её радости. — Пишите мне хорошее и успокаивающее о здоровье — достаточно, что один из нас беспокоится!

С любовью Ф.

146. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 5. September 1881>

Дорогой друг, и бедный друг! — Ибо я думаю со стыдом о навязчивости моих нужд! — давайте отложим денежный перевод на октябрь. Рекомендованное письмо, Женева, до востребования, но без указания, что внутри, уже попадает в мои руки. Что касается банка ремесленников и вообще любого вложения денег в Базеле, то мне было бы нежелательно упоминание моего имени. Если же моё имя необходимо, то я бы предпочёл цюрихское вложение.

Я пережил тяжёлые времена, под воздействием прямо-таки злобного и безумного климата наступила всеобщая декаданс. Надежда на Энгадин на этот раз рухнула, но и в другом месте мне было бы не лучше, по крайней мере в этом взбудораженном Европе, которая от страсти к новшествам перемешивает даже времена года. Здесь у нас были глубокие снежные зимы, осенние бури, летние грозы и мартовские оттепели, всё в диком беспорядке.

Твой благодарный друг

Ф.Н.

147. An Ida Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 5. September 1881>

Дорогая госпожа профессор, если я сегодня обращаюсь к Вам с просьбой, то это, вероятно, будет выглядеть как плохая совесть — ведь я осознаю, что уже слишком много хлопот доставил своими просьбами и Вашей уважаемой матери, и моему другу! Я хотел бы получить от Вас информацию о научном кухонном приборе, так называемом Папинианском горшке (также Digestor Papinianus, хорошо известном физиологам). Есть ли такие в Цюрихе? И по какой цене? Предполагая небольшой размер (примерно для приготовления от половины до целого фунта мяса). Или Вы найдете в наличии герметично закрывающиеся бульонные горшки Умбаха?

В случае, если Вы обнаружите что-то подобное, что подошло бы для моей генуэзской кухни и соответствовало бы моим финансовым возможностям, пришлите это мне в Энгадин.

И Вы же не будете на меня за это сердиться? Сердечно

Преданный Вам и благодарный
ФН

148. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 6. September 1881>

Подарки из пещеры Баумана.

Мудрость говорит: там, где не хватает мыслей,

Туда чай вовремя их приносит,

Бог, ещё неизвестный греческим душам,

„Машинный бог“: — давайте быть мудрыми!

(Так сказал однажды один пещерный медведь другому, когда учился у него пить чай.)

149. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 18. September 1881>

Благодарю твоей милой жене за её столь же добрую, сколь и точную информацию. Нет, такой горшок не подходит для моего хозяйства: оно должно быть мимолётным и транспортабельным, как и я сам (так же, как и упомянутая пишущая машинка). Оставь журналы! Искомые статьи есть и в «Analysis» Либмана. Ceterum, missis his jocis, dicam quod tacere velim, sed non jam tacere possum. Я на грани отчаяния. Боль побеждает жизнь и волю. О, какие месяцы, какое лето я пережил! Столько телесных мук я испытал, сколько перемен видел на небе. В каждом облаке есть нечто, подобное молнии, что внезапно касается меня руками и полностью уничтожает несчастного. Пять раз я призывал смерть к врачу, и вчерашний день надеялся, что он будет последним — тщетно надеялся. Где на земле то небо вечного спокойствия, то моё небо? Прощай, друг.

150. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Sils-Maria, 20. September 1881>

Дорогой друг, деньги также прибыли, равно как и изысканные кондитерские изделия, за которые прошу выразить глубокую благодарность уважаемой отправительнице. Через неделю я уезжаю. Работа Фика мне больше не нужна. Пожалуйста, будь добр, привести в порядок мои многочисленные расходы, на которые повлияли мои телесные и духовные потребности этим летом, у тебя и твоих в доме Фалькенштайн! Ведь скоро у тебя снова будут деньги для меня, которые помогут в этом. — Ты, случайно, не отправил Кёселицу второй том «Зелёного Генриха»? — Представь, что друг Роде оставил без ответа книгу и письмо, отправленные ему 3 месяца назад! Что его снова мучает! — Терпение для выдержки приходится собирать по пфеннигам. Поверь мне, у меня ещё есть причины терпеть. —

Твой друг.

151. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. September 1881>

Мой дорогой Лама, не так-то просто доставить мне больше удовольствия подарком, чем ты сделал с этими книжечками; каждый раз, когда я ими пользуюсь, я буду с благодарностью вспоминать тебя, так же часто, как раньше я раздражался, что в этом отношении должен был довольствоваться, как первый встречный школьник. (Иначе, собственно, любой более-менее уважаемый автор или художник тонет в роскоши подарков, касающихся его инструментов — и это лучшее доказательство того, что я иду своим путем совершенно без признания (с тех пор, как я сбросил с шеи "партии" -ианцев), если я констатирую, что после 10 лет работы я работаю как новичок с самыми скромными средствами, которые не имеют ничего общего с моими мыслями. Это увеличивает мою гордость, что я обязан этими красивыми и изобретательно украшенными книжечками своей семье, а не каким-то "почитателям".) Карандаш № 2 подходит, но впредь давайте откажемся от Faber. Книга Ромундта, очень личная и раздутая, кажется мне очень освежающей и достойной для него высокой чести; я немного знаю внутренние сопротивления, которые ему пришлось преодолеть; как кроваво-тяжел каждый шаг к самостоятельности! — С самой сердечной благодарностью

Твой брат.

152. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Sils-Maria, 21. September 1881>

Моя дорогая мать, вчера у меня был лучший день этого года — это был совершенный сентябрь, дух и тело у меня были свободны, в полдень пришли подарки, и весь день я бегал счастливый и благодарный вокруг голубых озёр. Носки — это настоящий клад, я уже вижу себя снова сидящим долгими тихими вечерами в двойных носках в холоде. Часы я теперь ещё меньше хочу потерять из-за цепочки, я думаю носить их оба как можно дольше. Перчатки пришли очень кстати, хотя и немного запоздало, потому что у меня уже один пальчик отморожен. Ну, генуэзская зима ещё впереди, возможно, она будет суровее. Что касается галльских пряников, я полон похвал, это моя «телесная» конфета, которая всегда мне идёт на пользу — и меня радует, как я уже однажды писал, что у вас в Наумбурге есть хотя бы что-то, что дешёвое. Во вторник отправляюсь в Геную, к сожалению, очень неудобно, с ночными поездками и ночным прибытием (почти 3 дня в пути!) Затем наступает нужда найти жильё: ох, эти ближайшие недели — большое волнение, и я, вероятно, буду часто болеть! Адрес снова: Genova (Italia) poste restante. Имя Ницше подчёркнуто, N очень чётко.

153. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Sils-Maria, 22. September 1881>

Вот последняя открытка из Энгадина, отныне снова: Genova poste restante. Это были опасные времена, смерть заглядывала мне через плечо, я ужасно страдал всё лето: куда мне податься! Теперь я понимаю, что небо с многомесячной чистотой стало для меня условием жизни: долго я не смогу выдерживать этой вечной переменчивости, этому набеганию облаков! И какую энергию терпения я бесполезно трачу в борьбе с неразумным элементом! Представьте, в сумме здесь, на вершине, у меня было 10 терпимых дней, а в плохие дни состояния были столь ужасны, как те, что я пережил в Базеле. — Большая часть тех, кому я послал свою книгу, за 3 месяца не сказала мне ни слова благодарности. Ну, это может сделать меня гордым: ох, друг, мне нужно ещё немного жизни, ибо у меня есть, что с ней сделать! Пусть люди не доставляют мне радости: так я доставлю её себе сам! Но ваша музыка должна окружать меня, это мне необходимо, понимаю я теперь.

Преданный вам Ф.Н.

154. An Hermann Pachnicke in Berlin (Postkarte)

<Sils-Maria, 24. September 1881>

Мой дорогой господин Пахнике, Ваша преданность мне приятна, и почти кажется, что со временем из этого должна возникнуть некая похожесть. Хорошенько обдумайте внутренне то, что я сказал в «Утренней заре» — чьи афишные листы должны быть подарком для Вас. В филологических вопросах обращайтесь к моему другу, профессору доктору Роде в Тюбингенском университете — я сам живу вдали и без книг и не могу писать письма. Желаю Вам мужества и высоких помыслов

Ваш Ф.Н. (Генуя (Италия)
до востребования.

155. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 4. Oktober 1881>

Мои дорогие, я снова обосновался в старом Генуе, посреди лабиринта улочек и в полном контрасте с элегантностью больных в Ницце. (Тем временем многое пыталось убедить меня в пользу Ниццы, но я сопротивляюсь) Уставший и как бы оглушённый, я прибыл сюда, моё состояние стало неописуемым, и само путешествие было возможно только благодаря спазму энергии. Почти боюсь признаться себе, что Рекоаро и Энгадин являются окончательными опровержениями моего пребывания в горах (из-за большей близости облаков) То, что доктор Рее навестит меня здесь, очень тонко и практически для меня придумано. — Мне несколько раз удалось своими медицинскими навыками остановить решительный приступ — к моему великому удивлению! — Записные книжки великолепны, но — в них ещё ничего не написано. Genova poste rest<ante>

156. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 4. Oktober 1881>

Три слова, дорогой друг, снова из Генуи! И снова это вы первым приветствовали меня здесь — вы не представляете, как я восприимчив к таким знакам души. — Я путешествовал почти с энергией безумца, ибо смена моих состояний и мучения, в которых виновата моя полуслепота в пути, превысили всякую меру, и с «терпением» уже ничего не поделаешь.

Оставайтесь при своём проекте Matrim<onio> segr<eto! Ещё нет оперы, от которой северянину становилось бы совершенно южно на душе, — это остаётся вам!

Преданный вам Ф.Н.

157. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 8. Oktober 1881>

Мои дорогие! Как бы мне ни было трудно в этом признаться — я могу жить только у моря. Мученичество с 1 мая по 1 октября было ужасным и таило в себе все и худшие опасности для меня. Здесь я тоже много страдаю, как вы знаете, но это всё же по-человечески возможно, чтобы жить, тогда как в Энгадине, Мариенбаде, Наумбурге и Базеле жизнь для меня превращалась в истязание. — Друг Рée должен оказать мне большую услугу, а именно привезти два тома моих собственных сочинений, которые у вас в Наумбурге (хорошо упакованные в картон, с шёлковой бумагой). Они мне нужны — и, кроме того, доставляют мне удовольствие. Если я их не читаю, кто же их будет читать! —

С сердечной любовью (при сирокко)

Ваш Ф.

158. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 14. Oktober 1881>

Ну, старый дорогой друг, так я снова в своём городе Генуе, самом несовременном, который я знаю, и который в то же время полон жизненной силы — это нечто совершенно неромантичное и всё же чрезвычайно необычное: так я и хочу жить дальше под покровительством моих местных святых покровителей Колумба, Паганини и Мадзини, которые вместе очень хорошо представляют свой город. От тебя и от твоей уважаемой тёщи я получил единственные слова ободрения в Энгадине — я пережил ужасную череду состояний, и мой отъезд и путешествие стали возможны лишь благодаря некоторой безумной энергии.

Ф.Н.

159. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 21. Oktober 1881>

Я пишу в кафе, в моей комнате недостаточно света для чтения и письма (но 25-го этого месяца я снова меняю — третье жильё!) Ах, мои дорогие, дела идут и шли неважно! Я не хочу вдаваться в подробности. Это постоянная борьба, день за днём. Пусть ваши добрые пожелания наконец-то «сработают»! Пока же остаётся быть храбрым! — У нас, собственно, зима, ледяные дожди со штормом, меня пугает то, что грядёт, возможно, суровая зима — и я снова без печки. Но здесь их просто нет. Ужасное пребывание в Энгадине подготовило меня. — Представьте, что к неприятностям этого месяца относилось то, что вечером с 8 до 12 я был вне своей комнаты (из-за ужасной музыки по соседству). Хватит, снова нужна терпение. Будьте терпеливы и со мной!

С любовью и благодарностью.

160. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 21. Oktober 1881>

Ледяной дождь, сильные ветры, короткая зима, это сурово и заставляет опасаться худшего. Я. Буркхардт прав, но для почти слепого теперь все новые попытки с городами и все путешествия вообще стали невыносимыми мучениями; этот город (и это население) подходит моему характеру и удерживает меня в мужестве и стремлении. Ах, друг, как всё обернулось! Каждый день — борьба — сумма энергии, терпения, осознанности и изобретательности, которую я ежедневно трачу, поистине не мала, но так как никто об этом не знает, никто и не засчитает её мне — и в конце концов мою жизнь назовут праздной. — Положи деньги всё же на 6-месячное уведомление. — Я думаю о тебе и твоих близких с сердечной и постоянной благодарностью, дорогой хороший друг!

Ф.Н.

161. An Erwin Rohde in Tübingen (Postkarte)

<Genua, 21. Oktober 1881>

Дорогой старый друг, так как ты мне пока не написал, я предполагаю, что у тебя есть какие-то трудности с этим. Поэтому сегодня я выражаю искреннюю просьбу и делаю это без всяких неприятных для тебя подтекстов: не пиши мне сейчас! От этого ничего не изменится между нами, но мне невыносимо чувство, что, по-видимому, отправкой книги я оказал на друга своего рода давление. Что значит книга! У меня есть дела поважнее — и без них я не знал бы, зачем жить. Потому что мне тяжело, я много страдаю.

С любовью
Твой Ф. Н.

162. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 27. Oktober 1881>

Это было ужасное время для меня, и мне понадобилась вся моя генуэзская смелость, чтобы его пережить. Я веду ежедневную борьбу, о которой никто не имеет представления, приступы моей боли настолько разнообразны и требуют от меня столько, столько энергии, терпения, размышлений и изобретательности — да, это почти смешно: изобретательности! — — — —

Ваше письмо снова было лучшим, что показало мне существование за последние недели — я был счастлив снова думать о Вас как о творящем, и ещё больше меня ободрило услышать, что Вы намерены вложить в свою жизнь величественный долгий план — с этой Вашей практикой Вы почти угадываете излишества моих новейших теорий.

С преданной привязанностью Ваш друг
Ф.Н.

163. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 28. Oktober 1881>

Хочешь ли ты, дорогой друг, отправить мне следующую книгу в переплёте с крестом (через твоего лейпцигского книготорговца, с которым, возможно, ты договоришься, что я смогу обращаться к нему непосредственно со своими заказами на книги, и что оплата будет производиться ежегодно вместе с твоими собственными платежами?)

Фуассак, Метеорология, немецкий перевод Эмсмана.

Лейпциг 1859.

(Это из-за ужасных влияний атмосферного электричества на меня — они ещё будут гонять меня по земле, должны быть лучшие условия жизни для моей природы. Например, на высокогорьях Мексики, на стороне Тихого океана (швейцарская колония «Новый Берн»). Очень, очень, очень мучительно, день за днём.

Твой Фр.

164. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 29. Oktober 1881>

Это были снова ужасные времена! Каждый день — мучение и борьба! Невероятная погода! Я думал, что здесь будет мягче, чем летом в Энгадине, — но боли те же самые. — Со вчерашнего дня я в новой квартире, которая, кажется, даёт мне прекрасный покой. Хорошо, что друг Рée не видел меня здесь в последние недели — я опустился на самую низкую ступень своих требований. Теперь я уже могу «показываться» — мне стоило много размышлений, чтобы найти этот дом. Адрес: Genova, salita delle Battistine 8 (interno 6), но только для Рée и не для писем.

С любовью Ваш Филоктет.

165. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 6. November 1881>

Я только что поднялся после последнего поражения. Но оставим здоровье (и ogni speranza)! Здесь, в Генуе, я так богат, так горд, так совершенно принц Дориа и не желаю ничего, кроме вас, дорогой друг — я предлагаю вам все блага этого моего мира, чтобы заманить вас, возможно, на месяц, в Геную, вместе с вашей новой и старой музыкой! Я был — скажу со всей серьёзностью ради васв театре и слушал «Семирамиду» Россини и «Джульетту и Ромео» Беллини (это 4 раза).

Этот месяц здесь очень красивый; по вечерам я сижу в винограднике, с морем, горами и виллами под собой, да, я принимаю морские ванны в моей гроте утренней зари. Если лотерея будет нам благоприятна, вы приедете? Круговой билет на 40 дней стоит 44 лиры (комната за 15—20) и всё остальное очень дёшево.

Ваш друг Н.

166. An Paul Rée in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 6. November 1881>

Мой дорогой друг, только что письмо от моей сестры дало мне представление о вас, достаточно и слишком много для моего нетерпения и моего — отсчёта дней: — я думал, что начало ноября соберёт нас вместе! Пожалуйста, придерживайтесь встречи в Генуе — это место принадлежит мне, я хочу представить его вам и представиться сам, совсем как принц Дориа, если хотите. — Сегодня только одна просьба: принесите мне два химиката, которые я не могу найти здесь: 1) Magnesia phosphorica 2) Kali phosphoricum; каждого по 50 грамм, в порошке и каждый хорошо закрыт в стекле (из-за лёгкой растворимости). Не могли бы вы быть так добры?

От всего сердца ваш друг Ницше.

167. An Franz Overbeck in Basel

<Genua, 14. November 1881.>

Мой дорогой друг, что такое наша жизнь? Лодка, плывущая по морю, о которой можно сказать с уверенностью только то, что однажды она перевернётся. Вот и мы — две старые добрые лодки, которые верно держались рядом, и особенно твоя рука честно помогала мне избежать этого «переворота»! Так давайте же продолжим наше плавание и ради друг друга очень долго! очень долго! — как же мы будем скучать друг без друга! Более или менее гладкое море, хорошие ветры и, прежде всего, солнце — чего я желаю себе, того же желаю и тебе; и грустно, что моя благодарность может выразиться лишь в таком желании и что она совсем не властна над ветром и погодой!

Фуассак прибыл, быстро и дёшево доставленный твоим книготорговцем: эта медицинская метеорология, хотя и увенчанная Академией, к сожалению, наука в детском возрасте и для моей личной нужды — лишь дюжина дополнительных вопросительных знаков. Возможно, сейчас знают больше — мне следовало быть в Париже на выставке электричества, частично чтобы узнать новое, частично как объект выставки: ибо как предсказатель электрических изменений и так называемый метеоролог я могу поспорить с обезьянами и, вероятно, являюсь «специальностью».

Может ли Хагенбах сказать, какой одеждой (или цепями, кольцами и т.д.) лучше всего защититься от этих слишком сильных влияний? Я же не могу постоянно висеть в шёлковом гамаке! Лучше совсем повеситься! И очень радикально!

Когда будет готов Готтардский тоннель? Когда по нему можно будет ездить? Он должен доставить меня к тебе и к врачам (включая офтальмологов и стоматологов); я задумал долгую консультацию. (Этот тоннель построен прямо перед дверью генуэзцев, они чрезвычайно благодарны, да, теперь они из-за этого вежливы с каждым швейцарцем.)

Мои глаза всё больше отказывают — необычайная болезненность после самого короткого использования буквально отдаляет меня от науки (не говоря уже о сильной близорукости). Давно я не мог читать!! Книгу Ромундта я не читал — но после беглого взгляда я думаю, это крадущееся по запретным, нам запретным путям — это не нравится мне! —

Шедевр Паэзиелло — «Тайный брак»: пришёл Чимароза и сочинил тот же текст ещё раз, и смотри! это стало его шедевром.

И вот приходит Кёзелиц и — это самое новое — он сочинил это в третий раз и в основном закончил. Текст заслуживает этого — риск и смелость мысли заставили меня задуматься. Как я знаю Кёзелица, я радуюсь этой черте характера: высокомерие и наглость ему очень чужды. — — «Ночь о прекрасная» могла подействовать на тебя иначе, чем на меня, судя по твоим словам — и это естественно. Достаточно сказать, что оба раза это было впечатление, которое принесло честь композитору. —

С просьбой передать мои самые сердечные пожелания твоей дорогой жене, остаюсь твоим другом

Фридрих Ницше.

168. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 18. November I88I>

Дорогой друг, возможно, именно интерес к вашему творчеству приносит временное принуждение к покою или энергичному отвлечению: я этого не знаю — но приходите, когда должны, по предварительной записи или без: вас я всегда жду! О «деньгах» скажу только одно: я всегда откладываю немного: почему бы мне не вложить это на случай вашего визита в ваше будущее, вместо будущего господина Шмейцнера? Что надежнее? Скажите сами! (— Я говорю совсем по-генуэзски! —) Друг, для вас великая находка! Я дважды слушал совсем юную певицу в роли Сомнамбулы: Эмму Неваду. Дважды она погружала меня в нежное опьянение (чего не удавалось добиться ни одному голосу надо мной) Теперь вокруг меня всегда витает «Навзикая», идиллия с танцами и всей южной роскошью тех, кто живет у моря, музыка и поэзия моего друга Кёзелица; Навзикая в исполнении Эммы Невады. Мои генуэзцы были вне себя, они обращались с ней как с ангелом с небес.

Ваш Ф.Н.

Была ли когда-нибудь такая прекрасная погода? —

169. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 18. November 1881>

Моя дорогая сестра, о смерти госпожи фон Вёрманн я сразу же узнал от Кёзелица, писать не могу, хотя очень бы хотел. Ах, глаза — я уже не знаю, что с ними делать, они буквально силой удерживают меня от науки — и что у меня ещё есть! Ну, уши! — можно сказать. — У нас была прекрасная погода, и в целом я никогда не жил лучше. Каждый день после обеда я сижу у моря. Из-за отсутствия облаков моя голова свободна, и я полон хороших мыслей и намерений — но, как уже сказал, глаза! они не выдерживают и четверти часа чтения без боли. Мне достаточно, если иногда какое-то словцо попадёт в твой великолепный блокнот — мне должно быть достаточно! Всегда с благодарностью помнящий о вас — с любовью Ф. Н.

170. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 27. November 1881>

Мой дорогой друг, было бы нескромно возвращаться к моему «приглашению к танцу» путешествия, но я всё же хочу рассказать, что первая страница вашего письма заставила меня смеяться от радостного ожидания. Я был в своём саду, то есть в саду Виллетты Негро, рядом с которой я живу (Стендаль однажды называет её «одним из самых живописных мест Италии»); и думал о вас с большой любовью. —

Прелестная певчая птица улетела (теперь она поёт «Миньон» во Флоренции). — Золотой человечек из Милана прошёл мимо меня — и мимо вас, как я боюсь? — Доктор Рее пишет из Герсдорфа в Лейпциге, и что он там долго не продержится, «от тоски по Венеции и Кёселицу». Охиме! Вы вздыхаете! —

Верный вам друг Ф. Н.

171. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 27. November 1881>

Дорогой, хороший друг, я и всё «моё» нуждаюсь в вас! Этот господин Буссе! Но в его письме было несколько таких деликатных чувств, что я был тронут — тронут и полон насмешек над своей судьбой! Никто (если я исключу одного человека —) не оказывал мне такой чести, как этот бедный господин Буссе. Присылайте только его послания, я даже отвечу ему —: он — всё моё «публичное лицо». —

«Журналы» — нечто мне совершенно чуждое: зачем! я не знаю времени, беру время и не нуждаюсь в публичности: если бы я в ней нуждался, то не стал бы думать о журнале, который должен читать сам себя, чтобы иметь читателей. (Или спекулируют на антисемитах?) Будьте терпеливы!!!

Мне вернуть письма вам?

172. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 28. November 1881>

Ура! Друг! Снова узнал что-то хорошее, оперу Франсуа Бизе (кто это?): Кармен. Звучала как новелла Мериме, остроумно, сильно, местами потрясающе. Истинный французский талант комической оперы, совсем не дезориентированный Вагнером, напротив, настоящий ученик Гектора Берлиоза. Что-то подобное я не считал возможным! Кажется, французы на лучшем пути в драматической музыке; и они имеют большое преимущество перед немцами в одном главном пункте: страсть у них не так надумана (как, например, все страсти у Вагнера).

Сегодня немного болен из-за плохой погоды, не из-за музыки: возможно, я был бы намного больнее, если бы не услышал её. Хорошее — моё лекарство! Поэтому моя любовь к вам!!

173. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 4. Dezember 1881>

Это было слово кстати, моя дорогая Лизбет! Да, пишущая машинка мне незаменима (странно! я совсем о ней забыл, хотя так страдаю глазами! они при каждом приступе очень вовлечены!) Итак: я хочу купить машинкупри условии, что друг Рée привезёт её мне (чтобы её не пришлось отправлять!) Также я не хотел бы именно тот экземпляр, на котором играл каждый. Во второй половине декабря я пришлю тебе ещё необходимые деньги — сколько? — ты писала мне, что могла бы распоряжаться за меня 200 марками с октября.

Недавно на своей открытке я даже не поблагодарил друга Рée за его прекрасное письмо!

Нет! Как кстати пришло твоё письмо! Я поднялся после тяжёлого приступа и совсем не знал, что делать. Мне так много нужно написать. С любовью помня о вас!

174. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1881>

Дорогой хороший друг, время от времени (как это получается?) мне как будто необходимо услышать что-то более общее и безусловное о Вагнере, и лучше всего от вас! Также чувствовать Шамфора одинаково должно быть делом чести для нас обоих, он был человек из породы Мирабо, по характеру, сердцу и великому уму — сам Мирабо так судил о своем друге.

Что Бизе мертв, нанесло мне глубокую рану. Я слушал Кармен во второй раз — и снова у меня было впечатление новеллы первого ранга, как, например, у Мериме. Такая страстная и очаровательная душа! Для меня это произведение стоит путешествия в Испанию — чрезвычайно южное произведение! — Не смейтесь, старый друг, я не ошибаюсь со своим «вкусом» так легко и полностью. — С сердечной благодарностью

Довольно болен тем временем, но, возможно, благодаря Кармен - - -

175. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1881>

Моя дорогая сестра, я хорошо знаю машину Хансена, г-н Хансен писал мне дважды и присылал образцы, изображения и отзывы копенгагенских профессоров о ней. Поэтому эту я хочу (не американскую, она слишком тяжелая.)

Дом Фалькенштейн продан, Ротплетцены переезжают не позднее 1 апреля в Мюнхен. Спрашивают о моих книгах; я бы хотел вместе перевезти их в Мюнхен — это университетский город с великолепным высоким лесом поблизости — возможно, я там какое-то время поработаю или посещу лекции. Напиши мне об этом. Сердечные приветы нашей доброй матери

176. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 6. Dezember 1881>

Дорогой друг, прости, что у меня есть только одно слово благодарности за твое хорошее письмо — глаза больше не позволяют мне никакой «щедрости в письме». По поводу ящиков с книгами прошу еще немного времени на размышление. Когда будет выплачено содержание, пришли мне снова 500 франков, до востребования и заказным, но без указания денежной суммы, как письмо. Мой старый паспорт 1876 года все еще действует на почте. — Твоему книготорговцу я должен 3 марки 90 пфеннигов. — В Лейпциге теперь вместе едят Рée, Герсдорф и Ромундт, там часто вспоминают о нас. — Пишущая машинка стала необходимостью, я дал заказ на нее, моя сестра была по этому поводу в Лейпциге и видела там такую в работе. — Несколько плохих приступов. Погода в целом очень здоровая.

Сердечно приветствую
Н.

177. An Heinrich Köselitz in Genua (Postkarte)

<Genua, 8. Dezember 1881>

Очень поздно моя память (которая порой засыпана) вспоминает, что действительно существует новелла Мериме «Кармен», и что схема, мысль и даже трагическое следствие этого художника живут в опере. (Либретто, кстати, восхитительно хорошо) Я близок к тому, чтобы думать, что «Кармен» — лучшая опера, которая существует; и пока мы живем, она будет в репертуарах всей Европы.

Господин О. Буссе обещает опубликовать свои мысли о «Размножении человека» (о я несчастный! —) пока же в своем послании он рекомендует оставлять детей, как у спартанцев. Я не нахожу слов и чувств, чтобы ответить ему.

Латинское сочинение об Эпикуре хочет быть посвящено мне: браво!

Я живу странно, как на гребнях волн бытия — нечто вроде летающей рыбы. Вы всегда со мной, мой дорогой друг!

Ф.Н.

178. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 12. Dezember 1881>

Дорогой друг, благодарю тебя за твое сообщение и заботу! Сегодня я узнал от доктора Ре, что господин Шмейцнер для своего нового журнала вербует сотрудников, утверждая, что ты и я уже твердо согласились! Наглость! На самом деле он еще даже не обращался ко мне с просьбой, и я невероятно далек от того, чтобы участвовать в этом журнале! — Таким образом он привлек господина доктора фон Штейна (приват-доцента в Галле). — Я не вижу ни принципа, ни большого имени, ни какой-либо необходимости — зачем этот журнал? И господина Видеманна я считаю крайне неподходящим для роли редактора. —

В следующем месяце я надеюсь на визит доктора Ре, чья книга «Совесть» активно продвигается. С прежней любовью и благодарностью

Ф.Н.

179. An Carl von Gersdorff in Leipzig

<Genua,> 18 Dezember 1881.

Мой дорогой старый друг,

это я называю грандиозным способом положить конец затмению нашей дружбы и создать свет! Я был вне себя от радости, когда прочитал твою открытку — я шел по улицам Генуи с таким счастливым лицом, что люди удивленно смотрели на меня; в конце концов, я прикрыл лицо платком. Ну! Поверь мне, я действительно все еще твой старый друг, да я думаю, что смогу быть тебе лучшим другом, чем был раньше — это плод последних тяжелых, странных, решающих лет!

Много непогоды и бурь пронеслось над нашими головами (и над сердцами), кое-какая кора должна была треснуть — но, несмотря на всё, мы оба, как добрые старые деревья, выросли ввысь — кто знает, как высоко! Сегодня я не знаю ничего лучшего, чем последовать за более достойным любви существом, чем я сам, и дать тебе обещание. Да, мой старый друг, я буду до конца своих дней стремиться дарить тебе радость и мужество; твоя вера в жизнь и в себя самого должна всегда расти, и великие, благородные и свободные мысли должны идти перед тобой —: во всём этом я хочу поддерживать спутницу твоей жизни, которая, как я с глубокой благодарностью чувствую, угадала твою храбрую и великодушную сущность и с доверием положила свою руку в твою.

И теперь ни слова больше — есть многое, о чём не следует говорить между нами, и есть одно, что я хочу исправить (я однажды причинил тебе больэто я никогда не забуду, и ты должен извлечь из этого выгоду!)

Верный тебе
Друг Ницше.

180. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 18. Dezember 1881>

В духе я отправил вам столько открыток по разным поводам, что сразу хочу сказать о самой последней новости — прошлое пусть останется в прошлом! Герсдорф положил конец нашему несоответствию великолепным образом! — Эта семья с моей фамилией (без "e") известна мне с детства, я однажды провел летние каникулы на их прекрасном имении (существует отдаленное родство). Прекрасные девушки!

Пожелайте мне удачи и хорошей погоды! Я беру перо, чтобы завершить последнюю рукопись (пишущая машинка прибудет только через три месяца). Речь идет о продолжении „Утренней зари“ (6–10 книги). Пора действовать, иначе я забуду свои переживания (или „мысли“)!

Любой „журнал“, который вы решитесь написать, будет мне дорог и ценен!

Преданный вам
Ф.Н.

181. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Genua, 21. Dezember 1881>

Мои дорогие, хотя бы на Рождество моё маленькое письмо должно попасть в ваши руки — в остальном я предполагаю (и прошу об этом!) что я буду представлен на вашем праздничном столе — как в прошлое Рождество, и что вы подарите себе от меня что-то, что доставит вам удовольствие или будет полезно.

Последняя новость — это помолвка моего старого друга Герсдорфа — но что я могу рассказать вам нового! (Его невеста, фрейлейн Марта Ницше (Голис, Лейпциг) — кто это? Знаете ли вы её?) Он великолепным образом восстановил нашу дружбу.

Мои ящики с книгами в Цюрихе меня раздражают.

Я хотел бы вообще избавиться от книг (за редкими исключениями) и думал их продать (а на часть вырученных денег обменять на другие, более полезные). Теперь предстоит дорогая перевозка в Наумбург, которая почти съест те деньги, что я мог бы получить за них в Лейпциге!

Мои глаза стремительно ухудшаются, я не могу этого скрывать. Теперь я чаще что-то роняю, бью или спотыкаюсь. Где я найду другой город, который так великолепно вымощен широкими плитами, как Генуя, где я могу далеко гулять по окрестностям и всегда идти по гладкому твердому камню (с бороздками там, где подъем или спуск)?

В общем, Генуя — действительно мой самый удачный выбор в плане здоровья и душевного покоя.

У меня очень светлая, очень высокая комната — это хорошо влияет на мое настроение. Совсем рядом — очаровательный сад, открытый для посещения, с могучими лесоподобными зелеными насаждениями (даже зимой), водопадами, дикими животными и птицами и великолепными видами на море и горы — все на очень маленьком пространстве.

Сейчас генуэзцы поглощают свое рождественское печенье, их pane dolce di Genova, в огромных количествах и отправляют его по всему миру. Это точно наша штолле, или, вернее, наша штолле — это немецкая имитация pane dolce di Genova.

Печенье с миндалём, изюмом и цукатами не может быть чисто немецким изобретением — это очевидно.

И теперь глаза не хотят больше — и, возможно, вы не можете прочитать эту писанину?

После пишущей машинки чтец-машина была бы очень хорошим изобретением. Каждый чтец-человек — помеха для думающего и чувствительного существа, каким являюсь я.

Прощайте! мои дорогие, которые написали мне такие прекрасные длинные письма! Счастливо добегите до конца старого года — кто знает, что принесёт новый, доброе и новое! В этом ведь и есть лучшее в жизни — le long espoir et les vastes pensées, по Лафонтену.

С сердечной любовью
Ваш Фриц.

Среда утром.

182. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Genua, 28. Dezember 1881>

Дайте вам, мой дорогой друг, в новом году что-то новое, какой-нибудь очень красивый подарок — я не знаю что — и подумайте, не могу ли я исполнить для вас какое-нибудь желание; у меня есть такое желание услышать от вас желание!

Сейчас я в плохом состоянии, я не могу прийти в себя, последний приступ был слишком тяжелым (23 декабря). На Рождество я лежал в постели и думал, что не должен больше «думать».

Мне отправить вам клавирный выписку из Кармен? Или это будет помехой? — Этой ночью моя душа бродила между вашими мелодиями из Шутки, Хитрости и Мести и была очень счастлива! Когда я снова переживу это и тайный брак к этому!! Давайте составим планы!

Верный ваш друг.

183. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 28. Dezember 1881>

Мои дорогие, с 23-го я болен, был один из самых сильных приступов, который заставил меня задуматься — и теперь я совсем не могу прийти в себя и ложусь спать каждое послеобеденное время, несмотря на всю хорошую погоду. — Простите! Последнее письмо, как я слишком поздно заметил, я не оплатил, по крайней мере, я нахожу предназначенную для этого почтовую марку в своём кошельке. — Здесь я тоже смог сделать пару подарков. Сыну моей хозяйки, который находится в сумасшедшем доме, я отправил красительную столу (Pane dolce). — Дорогая Лизбет, напиши, пожалуйста, слово госпоже Ротплец по поводу переезда книг в Наумбург. — Смело вперёд в новый год, в доверии ко всему старому доброму!

Ф.

184. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)

<Genua, 28. Dezember 1881>

Я хотел написать тебе и также госпоже Ротплец на Рождество — и вот я заболел и, хотя уже встал, поправляюсь плохо и должен снова ложиться в постель каждый день после обеда. Так что прости это письмецо и попроси также уважаемую госпожу простить меня: пусть новый год сделает многое лучше, чем старый, и также немного исправит меня! Так что книги — прочь в Наумбург! (почти сказал бы: прочь к чёрту! Зачем мне, полуслепому животному, ещё книги! Это только обременение, и особенно когда я думаю, кому всё это обременение!) Деньги хорошо дошли, старый паспорт подействовал как самый новый. — То, что господин Шмейтцнер отрицает, рассказал господин доктор фон Штейн (в разговоре с Рее). — Герсдорф великолепным образом восстановил свою дружбу со мной. — В верности Твой

Ф.Н.

×