1880 (74 Briefe)

1. An Otto Eiser in Frankfurt

Naumburg. <Anfang Januar 1880>

Lieber Herr Doctor,

Herzlichen Dank! Gerade Tage dachte ich Ihrer, es verlangte mich mit Ihnen einmal wieder zu reden; es giebt Niemanden vertrauenswürdigeres als Sie. Aber um einen Brief zu wagen muß ich durchschnittlich 4 Wochen warten, bis die erträgliche Stunde kommt — und hintendrein habe ichs noch zu büßen! Deshalb Verzeihung, wenn alles auf meiner Seite beim alten bleibt — — schweigend, aber in Liebe.

Meine Existenz ist eine fürchterliche Last: ich hätte sie längst von mir abgeworfen, wenn ich nicht die lehrreichsten Proben und Experimente auf geistig-sittlichem Gebiete gerade in diesem Zustande des Leidens und der fast absoluten Entsagung machte — diese erkenntnißdurstige Freudigkeit bringt mich auf Höhen, wo ich über alle Marter und alle Hoffnungslosigkeit siege. Im Ganzen bin ich glücklicher als je in meinem Leben: und doch! Beständiger Schmerz, mehrere Stunden des Tages ein der Seekrankheit eng verwandtes Gefühl einer Halb-Lähmung, wo mir das Reden schwer wird, zur Abwechslung wüthende Anfälle (der letzte nöthigte mich 3 Tage und Nächte lang zu erbrechen, ich dürstete nach dem Tode). Nicht lesen können! Sehr selten schreiben! Nicht verkehren mit Menschen! Keine Musik hören können! Allein sein und spazieren gehen, Bergluft, Milch- und Eier-Diät. Alle inneren Mittel zur Milderung haben sich nutzlos erwiesen, ich brauche nichts mehr. Die Kälte ist mir sehr schädlich.

Ich will in den nächsten Wochen südwärts, um die Spaziergehe-Existenz zu beginnen.

Mein Trost sind meine Gedanken und Perspektiven. Ich kritzele auf meinen Wegen hier und da etwas auf ein Blatt, ich schreibe nichts am Schreibtisch, Freunde entziffern meine Kritzeleien. Das letzte, womit meine Freunde fertig geworden sind, folgt nebenbei, nehmen Sie es gütig auf, auch wenn es vielleicht Ihrer eignen Denkungsart weniger willkommen ist. (Ich selber suche keine „Anhänger“ — glauben Sie es mir? — ich genieße meine Freiheit und wünsche diese Freude allen zur geistigen Freiheit Berechtigten)

Ihre liebe Frau steht vor mir als eine edle und starke Seele, welche mir wohl will. Ich bin und bleibe Ihr

getreuer F. Nietzsche

Ich habe schon einigemal längere Bewußtlosigkeiten gehabt. Im letzten Frühjahr hatte man mich in Basel aufgegeben

Nach der letzten Untersuchung hat die Sehkraft wieder erheblich abgenommen.

2. An Malwida von Meysenbug in Rom

Naumburg den 14 Jan 1880.

Obwohl Schreiben für mich zu den verbotensten Früchten gehört, so müssen Sie, die ich wie eine ältere Schwester liebe und verehre, doch noch einen Brief von mir haben — es wird doch wohl der letzte sein! Denn die furchtbare und fast unablässige Marter meines Lebens läßt mich nach dem Ende dürsten, und nach einigen Anzeichen ist mir der erlösende Hirnschlag nahe genug, um hoffen zu dürfen. Was Qual und Entsagung betrifft, so darf sich das Leben meiner letzten Jahre mit dem jedes Asketen irgend einer Zeit messen; trotzdem habe ich diesen Jahren viel zur Läuterung und Glättung der Seele abgewonnen — und brauche weder Religion noch Kunst mehr dazu. (Sie merken, daß ich darauf stolz bin; in der That, die völlige Verlassenheit hat mich erst meine eignen Hülfsquellen entdecken lassen) Ich glaube mein Lebenswerk gethan zu haben, freilich wie einer, dem keine Zeit gelassen war. Aber ich weiß, daß ich einen Tropfen guten Oeles für Viele ausgegossen habe und daß ich Vielen zur Selbst-Erhebung, Friedfertigkeit und gerechtem Sinne einen Wink gegeben habe. Dies schreibe ich Ihnen nachträglich, es sollte eigentlich bei der Vollendung meiner „Menschlichkeit“ ausgesprochen werden. Kein Schmerz hat vermocht und soll vermögen, mich zu einem falschen Zeugniß über das Leben, wie ich es erkenne, zu verführen.

Zu wem dürfte ich dies Alles sagen, wenn nicht zu Ihnen? Ich glaube — aber es ist unbescheiden es zu sagen? — daß unser Charakter viele Ähnlichkeiten hat. Z. B.: wir sind Beide muthig, und weder Noth noch Geringschätzung kann uns von der Bahn, die wir als die rechte erkennen abdrängen. Auch haben wir Beide in uns und vor uns Manches erlebt, dessen Leuchten Wenige der Gegenwärtigen gesehen haben — wir hoffen für die Menschheit und bringen uns selber als bescheidenes Opfer, nicht wahr? — —

Hören sie Gutes von Wagner’s? Es sind drei Jahre, daß ich nichts von ihnen erfahre: die haben mich auch verlassen, und ich wußte es längst, daß W<agner> vom Augenblicke an, wo er die Kluft unserer Bestrebungen merken würde, auch nicht mehr zu mir halten werde. Man hat mir erzählt, daß er gegen mich schreibe. Möge er damit fortfahren: es muß die Wahrheit auf jede Art an’s Licht kommen! Ich denke in einer dauernden Dankbarkeit an ihn, denn ihm verdanke ich einige der kräftigsten Anregungen zur geistigen Selbstständigkeit. Frau W<agner>, Sie wissen es, ist die sympathischste Frau, der ich im Leben begegnet bin. — Aber zu allem Verkehren und gar zu einem Wiederanknüpfen bin ich ganz untauglich. Es ist zu spät.

Ihnen, meine liebe schwesterlich verehrte Freundin der Gruß eines jungen Alten, der dem Leben nicht gram ist, ob er gleich nach dem Ende verlangen muß.

Friedrich Nietzsche.

3. An Otto Eiser in Frankfurt

<Naumburg, Mitte Januar 1880>

Welche Überraschung! Welcher Frühling! Wie gute Menschen wohnen in der Hirschgasse! —

Nein, lieber guter Herr Doctor, ich machte Ihnen die Schilderung meines Zustandes nach dem Durchschnitt des letzten Jahres, nicht nach der Ausnahme. Statistisch: ich hatte 118 schwere Anfallstage; die leichteren habe ich nicht gezählt. Könnte ich Ihnen das Fortwährende beschreiben, den beständigen Schmerz und Druck im Kopf, auf den Augen, und jenes lähmungsartige Gesammtgefühl von Kopfe bis in die Fußspitzen! — Meine Schwester sah mich unter den günstigsten Umständen, ich selber war zum Hoffen verführt.

Ihnen treu zugethan
F N.

4. An Franz Overbeck in Basel

<Naumburg, Ende Januar 1880>

Es gieng schlecht, ich konnte nicht diese Paar Zeilen schreiben, konnte auch nicht abreisen.

Bitte lege das Geld nach Deinem Gutdünken an, und recht bald. Willst Du auch die beifolgende Dettloffsche Rechnung bezahlen? (sie ist mir sehr fragwürdig — aber ich kann nichts machen)

Dr Rée war auf 5 Tage bei mir, mit beruhigenderem Zustande der Gesundheit und zu großer Herz-Erquickung für mich.

Dir und Deiner lieben Frau herzlich ergeben und eingedenk

Dein Freund

Oh dieser Winter! (Im letzten Jahre hatte ich 118 schwere Anfallstage)

5. An Paul Rée in Stibbe

<Naumburg, Ende Januar 1880>

Wie viel Freude haben Sie mir gemacht, mein lieber, außerordentlich lieber Freund! Also ich habe Sie noch einmal gesehen und so gefunden, wie mein Herz mir die Erinnerung bewahrt hatte; wie ein beständiger angenehmer Rausch war’s, diese 6 Tage hindurch. Ich gestehe Ihnen, ich hoffe nicht mehr auf ein Wiedersehen, die Erschütterung meiner Gesundheit ist zu tief, die Qual zu anhaltend; was nützt mir alle Selbstüberwindung und Geduld! Ja, in Sorrentiner Zeiten gab es noch zu hoffen, aber das ist vorbei.

So preise ich denn, Sie gehabt zu haben, mein herzlich geliebter Freund!

Ihren verehrten Eltern Dank und Gruß.

F.N.

6. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)

<Riva, 14. Februar 1880>

Geliebte Schwester

gestern in Riva angelangt. In Bozen 2 Tage krank gelegen. Heute trübe. Ich wohne in einem immergrünen Garten, der an den See stösst, abseits von der Stadt.

Adr.: Hôtel du lac

Riva, Südtirol

Die besten Grüsse den Insassen des gastfreundlichen Hauses.

Dir selber alles Schöne und Gute.

F N.

7. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Riva, 14. Februar 1880>

So bin ich in Riva, Wetter bisher trübe, heute Regen. Garten. Der Felsenweg entspricht meiner Erwartung.

Immer nicht wohl. — Sende sofort bitte, den dünnen Überrock und die graue Hose und ein Nachthemd. Koffer nicht senden! Die warme Decke behalte zurück. Sehr gut geheizt. In meiner kleinen Einrichtung machen mir die Augen sehr viel Schwierigkeit. An Lisb<eth> geschrieben. Bozen war nicht viel anders als Naumb<urg>. Ich reiste noch krank ab.

Deiner Pflege dankbar eingedenk
meine gute Mutter!

Adr: Riva (Südtirol) Hôtel du lac

8. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)

<Riva, Mitte Februar 1880>

Köselitz, Venezia

S. Canciano, calle nuova

5256

Hôtel du lac à Riva

Nietzsche

9. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Riva, 16. Februar 1880>

Hier bin ich, Freund, Riva (Südtirol) Hôtel du lac. Am 13 ten März reise ich nach Venedig.

Ihnen näher und immer
sehr nah F.N.

Können Sie hierher kommen? Oder wollen wir warten?

10. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)

<Riva, 24. Februar 1880>

Nur ein Wort, herzliebe Schwester. Seit gestern Abend ist Köselitz bei mir. Befinden abwechselnd. Die Natur erheitert mich wieder.

Nur kann ich nicht schreiben, die Augen wollen’s durchaus nicht. Sage dies auch Fr. Ov<erbeck>’s mit den herzlichsten Grüßen. und empfiehl mich Hrn und Frl. Rohr angelegentlich.

In Treue Dein
Bruder.

Bitte kaufe für mich 2 Zahnbürsten, die härtesten bei Chr<istoph> Burckhardt (abgerundet)

11. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Riva, 28. Februar 1880>

Meine gute Mutter, Dein Brief war eine schöne Sonntags-Freude. Heute wurde der Naumburger Zucker aufgebraucht. Auch der Thee hat bis jetzt gereicht. Ein Bildchen, das einen Olivenwald-Spaziergang darstellt, folgt nächstens. Köselitz grüßt auf das Beste, er ist ganz unübertrefflich. — Ich bin mit meinem Zustande recht unzufrieden und brauche Geduld

In herzlicher Liebe D<ein> S<ohn>.

12. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Riva, 5. März 1880>

Endlich, meine gute Mutter! Aber es gab 4 böse Tage und ich mußte warten, bis ich Dir danken konnte, für Briefe und Sendung. Sehr erfreut über die wie neuen Hosen. Wetter im Ganzen gut, schöne Spaziergänge. Weite Oelwälder, auch ein grünes Eichengehölz, sehr milde Luft. Nicht mehr einheizen. Hr Busse bringt mich mit langem Schreiben in Verlegenheit. Köselitz sehr angenehm und nützlich.

Herzlich grüßend und im Geiste
umarmend Dein
Sohn.

13. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)

<Riva, 9. März 1880>

Allerschönsten Dank, meine liebe Schwester, ich freue mich mit Dir, daß Du jetzt in einen so angenehmen und friedlichen Hafen eingelaufen bist. Ich habe gerade etwas überwunden (4 böse Tage hinter mir) und bin freudiger gestimmt. Danke dem liebwerthen Overbecke auch für die Geldversorgung in meinem Namen, Schreiben wird mir zu schwer. Die Albert’s werden wenn sie eintreffen, sehr bereite Geister finden; sage ihnen das. Köselitz ist um mich. Schöne Olivenwälder und Schatten, so viel ich haben will, giebt es hier.

Dein treuer
F.

13a. An Otto Busse in Charlottenburg (Entwurf von Köselitz’ Hand)

Riva, Ende Februar 1880

An Busse in Charlottenburg

Geehrter Herr!

Durch das Zusammentreffen mit einem meiner ehemaligen Universitätszuhörer wird es mir möglich, Ihnen wenigstens durch einige dictirte Worte den Empfang ihrer werthen Zusendung zu bestätigen.

Leider verbietet mir der Zustand meiner Augen und meines ganzen Befindens Ihr Hauptschreiben jetzt zu lesen; und ich glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich es mir sowohl in Rücksicht auf Sie als auch auf mich, nicht vorlesen lasse.

Verstehe ich einige Wendungen aus Ihrem späteren, im Ganzen mir räthselhaften Begleitschreiben recht, so sprechen Sie als Versöhnter, nachdem Sie sich durch mich verletzt gefühlt hatten, wahrscheinlich weil Sie über meine schriftstellerischen Absichten sich eine irrige Meinung bildeten.

Ich bitte Sie hingegen überzeugt zu sein, dass es mir bei meinen Drucksachen ausschließlich um philosphisch ganz sachliche Belehrung zu thun ist, nicht aber, wie Sie zu meinem Bedauern annehmen, um ein grausames Spiel mit den Personen meiner Freunde: dass mir also bei der Conception meiner Schriften Nichts ferner lag, als der Gedanke an Ihre Person, oder an Zusendungen von Ihnen oder von meinen Näherstehenden Freunden.

Da ich nun weiss, wie ernst Sie der Billigkeit und Wahrheit die Ehre zu geben gelobten, so hoffe ich auch, durch diese Erklärung zu Ihrer Beruhigung und zur Verhütung fernerer Missverständnisse beizutragen, und spreche noch aus, dass es mich stets erfreuen wird, Sie zu meinen Lesern rechnen zu dürfen, — vor Allem, wenn ich darüber gewiss sein kann, dass Sie als solcher von Rechtswegen, sowohl Ihre als auch meine Person ausser Betracht lassen, dass Sie also bei Ihren Vermutungen über die Anlässe zu meinen Aufzeichnungen nicht in der Weise das Richtige verfehlen, wie ich aus jenem Begleitschreiben entnehmen muss.

Mit ergebenem Gruss

14. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Riva, 12. März 1880>

Theurer liebster Freund morgen reisen wir nach Venedig ab.

Ich bin recht unzufrieden, mein Befinden ist in den 3 Wochen zurückgegangen, und der Schmerz fortwährend sehr peinigend. Nun also der vielerwogene Versuch mit Venedig, gegen den ich das Mißtrauen nicht los werde. Das Herzlichste und Dankbarste Dir und Deiner lieben Frau

15. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Lichtbild)

13 März 1880

zum Abschiede von Riva.

Euer Fritz.
mit den innigsten Grüssen.

16. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 15. März 1880>

Vorgestern Abend kam ich in Venedig an, die letzte Woche in Riva war ich sehr leidend. Hier wohne ich gut, ruhig, habe eben den warmen Ofen; der Markusplatz ist in der Nähe. Gestern schön, aber kalt, doch konnte ich Nachmittags im Freien Cafe trinken, bei Musik, alles war mit Fahnen geschmückt, und die Tauben von St. Marcus flogen friedlich umher. Lauter schattige Sträßchen mit hartem ganz glatten Pflaster. Wohnung nur provisorisch einstweilen, schreibt an Köselitz’ Adresse.

In herzlicher Liebe

Euer Fritz

17. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 22. März 1880>

Meine geliebte Schwester, schönsten Dank für Deinen Vorschlag, Verzeihung aber, daß ich noch kein rechtes Ohr dafür habe. Einstweilen hat die schreckliche Reiserei ein Ende! und ich mache das sehr nöthige Experiment, ob ein entschieden „deprimirendes“ Clima (medizinisch gesprochen) meinem Kopfe nicht wohlthätiger ist als das bisher allein angewendete excitirende. Venedig übt auf viele Kopfleidende günstigen Einfluß. Individuelle Diät und Hautkultur rechne ich sehr hoch und leiste mir in Beidem zur Genüge; mein Magen ist nicht leidend, wenn ich selber sorgen kann, ich habe über mich mehr Beobachtungen als ein Arzt nach monatelangem Zusammensein hätte. Herzlich dankbar! Über Kiste und Bücher nächstens. Den innigsten Gruß unsrer lieben Mutter.

18. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 27. März 1880>

Heute beziehe ich die neue Wohnung, so gelegen, daß ich einen langen schattigen Spaziergang (c. 20 Minuten) am Ufer habe und vom Fenster frei aufs Meer blicke (in der Stadt war mir’s zu bedrückt). Mein Zimmer ist 22 Fuß hoch, 22 Fuß breit und 23 Fuß lang, mit schönem Marmor, eine Prachttreppe führt hin, dabei die sonderbarste Dürftigkeit. Es ist mein Fund. Sendet mir gleich den Koffer und legt folg<ende> Bücher hinein Spencer (Thats<achen> der Ethik); Baumann (Ethik), Martensen (Ethik) dann Stendhal, 2 Bd., Gsell Fels Südfrankreich, das Büchlein über die griechischen Inseln, liebe Lisbeth, dann den dicken Band über Byron (in den Köselitziana, die ich in Basel ließ; sende mir doch das Verzeichniß davon) Handschuhe, Handtücher, ein Glas und Tellerchen und Eierbecher usw.) Von einem bösen Anfalle noch nicht erholt. — Lido besichtigt wegen der Meerbäder im Sommer: gut! Herzlichsten Dank für Brief.

F.

Bitte! eine Büchse voll gemahlenem Caffe.! und Maizena. Tag vor Ostern. — Köselitz’ Adresse.

19. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 17. März 1880>

Liebster Freund, ich weiß noch nicht, wie Venedig thut, vielleicht besser als ich erwartete. Einstweilen erst ein sehr böser Anfall. — Heute beziehe ich ein von mir gefundenes Logis, nach meinen Bedürfnissen nicht in den engen Lagunen gelegen, sondern frei wie am Meere, mit dem Blick auf die Todteninsel. V<enedig> hat das beste Straßenpflaster und Schatten wie ein Wald: dabei keinen Staub. Das Wetter hell. Der Lido hat sich auch legitimirt. Möge Dir und Deiner lieben Frau Alles gut gehen!

Denkt meiner in Liebe! Euer F. N.

Immer noch die Adresse von Köselitz.

20. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 2. April 1880>

Meine Lieben, es ist der erste Regentag in V<enedig> und ich spüre ihn etwas — aber im Ganzen thut mir der Ort viel wohler als Riva. Die Lebensweise ist sehr gut eingerichtet, ich werde wohl den Sommer hier bleiben. Kös<elitz> liest mir vor, er kommt 1/4 nach 2 Uhr und Abends halb acht, jedesmal auf 1 bis 1 1/2 Stunde. Die hohen Räume und die Stille kommen meinem Schlafe zu Gute, auch habe ich die Meerluft aus erster Hand, noch nicht durch Venedig verdorben. — Mein Koffer trifft wohl nun bald ein? — Versteht diese Karte nicht falsch und erhebt kein Triumphgeschrei, im Einzelnen geht es von Tag zu Tage wie immer, aber ich spüre eine calmirende Wirkung.

Von Herzen Euer F.

21. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 2. April 1880>

Lieber fürsorglicher Freund, ich empfehle nach K<öselitz>’s reichlicher Erfahrung: sende das Geld in einem gewöhnlichen rekommandirten Briefe (an Kös<elitz>’s Adresse) ohne jede Geldangabe darauf, nur 500 frs., in einer französ. oder eidgenössischen Banknote (ja nicht Basler Bank). Die andern 250 frs. lege auf die Handwerkerbank. — Daß ich Dich so bemühe!! — Mein Zimmer ist 22 Fuß hoch, die Meerluft habe ich aus erster Hand, ich spüre die calmirende Wirkung des Ortes. Ich habe noch kein Bild gesehen und mache mir aus Kirchen nicht genug. Sehr viel mehr aus Kirchengeschichte! und darum meine herzliche Gratulation zu deren neuester Förderung. Dir und der Deinen in herzlicher Freundschaft ergeben

F. N.

22. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 11. April 1880>Sonntag.

Meine Lieben, der Koffer ist noch nicht da, unsre Briefe haben sich gekreuzt, und die Euren waren mir eine große Freude. Das Wetter war inzwischen fortdauernd scheußlich, Scirocco, Regen: demnach kann ich nichts Gutes melden.

Meine Wohnung hat sich aber bisher als gut gewählt erwiesen.

Mit dankbaren Grüßen Euer
F.

23. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 11. April 1880>

Der Werthbrief kam glücklich und billigst <10 ct.> in meine Hände, schönsten Dank! Lieber Freund, wir hatten wochenlanges Regenwetter und Scirocco. — Meine Wohnung ist 22 Fuß hoch und ruhig, wie am Ende der Welt. Ich denke mit großem Vergnügen an den deutsch werdenden St. B<euve> (Wollt Ihr eine komische Travestie seiner Art, so lest Balzac, les caprices de Claudine) Weißt Du vielleicht, wo meine Bände Stendhal sind? Du schriebst mir einmal von einem Bücherverzeichniß. Bitte, abonnire für mich in der Buchhandlung Festersens auf das wöchentl<ich> erscheinende Verzeichniß neuer Bücher, das man mir früher zusandte. Doch will ich es immer vierteljährlich haben, den ersten Band von diesem Jahre also jetzt. Kös<elitz>’s Adresse>. K<öselitz> empfiehlt sich, er hat viel zu thun, wir sehen uns erst den Abend, er liest Stifter vor.

Dein Fr N.

24. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 21. April 1880>

Schönsten Dank für Eure Briefe, ich hoffe daß Du, liebe Lisbeth Dich wieder ganz der Gesundheit erfreust und daß Deine Reise, meine liebe Mutter, glücklich gelingt. Hier ist das Wetter ganz unbeständig; es fängt an warm zu werden, auch die Mücken kommen. Jetzt muß sich meine Wohnungs-Wahl bewähren. Das Wasser ist besser hier als in Naumburg. Von Dr Rée erträgliche Nachrichten. Von den Bayreuther Bl<ättern> will ich nichts hören, ich lese sie nicht mehr seit Juli 1877. Wenn Du, meine liebe Schwester, beim Lesen der Revue des deux mondes ein Buch sehr empfohlen findest (historisch oder philosophisch), so schreib es mir, ich werde sehr dankbar sein. Meine und Köselitzens herzlichste Empfehlungen.

25. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte).

<Venedig, 28. April 1880>

Der richtige Titel des neulich genannten Buchs v<on> Balzac ist un prince de la Bohême. Sehr Beachtenswerthes über St. Beuve finde ich bei George Sand, histoire de ma vie, 6tes Capitel des letzten Theils <cinquième partie>

Alles Buchhändlerische ist angekommen. Allerbesten Dank.

Scirocco sempre.

Ich hätte gern den Catalog der Bücher, welchen die socialistische Buchhandlung in Zürich vertreibt. Wie ist deren genauere Adresse?

Das Herzlichste für Dich und Deine liebe Frau.

F. N

26. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 3. Mai 1880>

Willst Du mir, meine geliebte Schwester, die Overbecksche Bücherliste gelegentl<ich> übersenden? Und mir die 200 M., von denen Du schriebst, in zweckdienl<icher> Art anlegen? (doch so, daß ein Rest für Geburtst<ags>geschenke bleibt, es ist unsinnig, aus dieser Fern<e> und bei diesen Zollschwierigkeiten etwas zu schicken.) Es wird Dich viell<eicht> freuen zu hören, daß ich vornehml<ich> von Reis und Kalbfleisch lebe. Mein Magen hat seit meiner Abreise nicht die geringste Schwierigkeit gemacht. Dagegen ist die geistige Diät ein unglaublich schwieriges Ding für einen produktiven Menschen, und jeden Verstoß (dessen ich mich oft zu spät bewußt werde) muß ich mit einem Anfall büßen. Darin sind die Ärzte ganz ohnmächtig, nur eigne Vernunft kann helfen und hat bei mir schon viel geholfen. (Rechne, ich bitte, Maizena, Café, Hemden usw. auf mein Conto) Ich lebe sehr sparsam, es ist hier nicht schlimm

In Liebe Dein Br<uder>

27. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 3. Mai 1880>

Meine liebe Mutter, der Koffer ist doch noch gekommen, fast wäre er als unbestellbar zurückgegangen, die Hausnummer war falsch, die Post hat 8 Tage nach Hrn. Kös<elitz> gesucht. Er kostete mich 10 frs. und einen Tag Herumlaufens und Herumstehens. Ich danke für alles, was darin ist! Die Hemden sind etwas zu prachtvoll für mein Auftreten, aber wozu weiße Handtücher? Darf ich sie verkaufen? Ich muß sehr Platz sparen. Die Rundtheilchen sind das erste Zuckergebäck, das ich hier esse. Maizena gebrauche ich zur Abendsuppe. Die Filtrirmaschine war auch unnöthig. Meine Wohnung bewährt sich fort und fort, bei dem abscheulichsten Wetter. Ich schlafe besser als irgendwo. Meine Zimmerthür ist 9 Fuß. Eine 8 theilige grüne spanische Wand macht das ungeheure Zimmer wohnlicher. Immer Regen und Sturm.

In herzlicher Liebe

De<in> Sohn.

28. An Ida Overbeck in Basel

<Venedig,> den 24 Mai 1880

Liebe verehrte Frau Professor, ich danke Ihnen auf das Allerherzlichste — aber einen kleinen Gewissensbiss habe ich doch gehabt: es schien mir, dass ich einen solchen Act Ihrer Güte hätte auf jede Weise verhindern müssen, und ich habe nichts gethan!

Der Aufsatz ist nicht so „aus der Sache“ gewachsen, wie andere des gleichen Verfassers, aber ich bin jedem dankbar, der Sache auch nur streift. Zu wissen, wie sich höhere Culturzeiten, als die unsere ist, mit den bittersten Schmerzen abgefunden haben — das ist doch sehr wichtig, und man dürfte wohl sehr viel mehr Kraft und Wissen hierfür aufwenden, als Ms. A<lbert> sich diesmal zu Gebote stellte. Auch soll man nicht alle solche Dinge allzuviel mit christlichen Dingen zusammenstellen, man bekommt sonst falsche Farben.

Die Einwände gegen Seneca’s Art zu trösten — wie wenn er gerade sie hätte hervorrufen wollen? Er mochte nicht das Wort aussprechen, auf welches es ihm ankam; er meinte, eine solche Trauer sei für eine Frau dieses Ranges (in jedem Sinne) nicht mehr anständig — was rieth er denn? Das, worüber er sein ganzes Leben meditirt hat, was der allzeit gegenwärtige Gedanke in seinen Schriften ist, auch wenn kein Wort davon dasteht — den Selbstmord. Nur bei diesem Worte verschwinden die Einwände; und jene vornehme Seele sollte es selber finden! Ms. A<lbert> hat statt dessen Lorbe<e>rn für das Christenthum pflücken wollen. — Vielleicht thue ich mit der Hypothese Beiden Unrecht. —

Meinem Freunde sagen Sie insbesondere für Alles Dank, was er mir neulich durch Hr. Köselitz sagen liess; es erquickt so, sich in der Ferne und doch in solcher Nähe der Empfindung mit einander zu wissen. Z. B. haben wir Beide kein Wort mehr nöthig — zur Verständigung über Juden und Judengenossen. Ich gestehe, alle Nachrichten aus Deutschland werden mir lästig und fremd, und meine Gesundheit zwingt mich fast, der Conservirung halber mich zu verlöthen, wie eine Büchse.

Leben Sie wohl!
Innig dankbar
und ergeben
F Nietzsche

Aus Venedig, der Stadt des Regen’s, der Winde und der dunkeln Gässchen.

Glauben Sie der George Sand nichts über Venedig (das Beste daran ist Stille und schönes Pflaster)

29. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 28. Mai 1880>

Deinem Briefe, der mir recht wohl that, meine liebe Schwester, antworte ich mit einer kleinen Liste jetziger Preise von Venedig.

Kirschen ein Pfund

15 Pfennige

Feigen (ganz leidliche) Pfund

24 Pfennige

Graham-Brot 1 1/2 Pfund

28 Pfennige

Beefsteak

45 Pfennige

Risotto

38—45

Maccaroni

24 Pfennige

Kalbsbraten in Citronensauce

38 Pfennige

Eier          2 Stück

10 Pfennige

Zucker, bester, gestoßen, das Pfund 68

ein großer Schwamm 24 Pfennige

alles auf Euer Geld reduzirt, mit Rücksicht auf den gegenwärtigen Curs. — Dabei klagt man noch, wie theuer alles geworden sei. — Ich werde die Meerbäder in diesen Tagen anfangen.

Denkt meiner, Ihr Lieben es geht so, so, ich mag nicht mehr die Einzelheiten schreiben. Euer F.

30. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)

<Venedig, 28. Mai 1880>

Ach liebster Freund, daß gerade Ihnen solche Wunden geschlagen werden! Ihnen, dem ich, — ich kann gar nicht sagen, wie sehr — eine gleichmäßige warme friedliche Sonne wünsche, vom Morgen bis zum Abend des Lebens, damit die ganze Fülle edler Früchte ohne Schärfen und Säuren reif und vollkommen werde. Aber der Gott der Kannibalen und Asketen hat Freude, wenn gerade solche Menschen, wie Sie sind, leiden, es ist die reine Grausamkeit. — Und dabei denken Sie noch an mich und geben mir wieder einen Trunk der besten Milch! — Das ist und bleibt für mich W. Scott und und ich danke Ihnen sehr dafür.

In herzlicher Liebe Ihr
F.N.

31. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 15. Juni 1880>

Herzlichen Dank für Deinen lieben Brief. Inzwischen Regen und Wind unausgesetzt Tag für Tag, die 2 letzten ausgenommen. In den dunkeln Gäßchen zu gehen thut meinen Augen wohl, es giebt wenig Orte, die für mich passen. Auch habe ich nichts geschrieben außer den Karten an Euch und Overbeck (an Euch von Venedig aus 10 Karten, diese mitgerechnet) Frau Overbeck hat eine große französ<ische> Abhandl<ung> (von P. Albert) ins Deutsche für mich übersetzt. Dr. Rée hat seine Pflegeschwester (27 Jahr alt) verloren. Der Caffé ist wohlschmeckend, aber nicht gerade stark. Die neuen Hemden kneifen am Halse, etwas zu eng. Ich habe die Zahnbürsten nicht gefunden und mir welche gekauft. Meine Lebensweise ist sehr zweckmäßig, aber für jeden Anderen „unausstehlich“. Das hilft nichts! Denkt meiner, Ihr Lieben.

Von Herzen F N

32. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 15. Juni 1880>

Wenn ich Briefe schreiben könnte, wie Deine liebe Frau sie schreibt, so würde ich ihr antworten (trotz aller Augen); so aber schäme ich mich und ziehe vor, ihr durch Dich, liebster Freund, meinen allerherzlichsten Dank auszusprechen. Nachträglich muß ich dies auch noch für den Katalog ihrer Handschrift thun, der mir jetzt von Naumb<urg> geschickt wird und mir nützlich ist. — Das Buch von Siebenlist ist ein Stück Schopenhauer-Philologie, gegen das nichts (oder alles!) einzuwenden wäre. — Drei Seebäder genommen. Ich denke bald abzureisen und würde es am liebsten sehen, wenn ich das Geld vorher hier empfienge (250 + 750, bitte ganz wie das letzte Mal, 2 franz. Scheine à 500, keine Werthbezeichnung, Adresse aber an Köselitz, nicht an mich, ich habe solche Schwierigkeit mich zu legitimiren) Wären für den Augenblick viell<eicht> nur 500 frs. zu schicken da, so möge das Andre zurückbleiben. Die Abreise drängt, es ist sehr warm.

Dein Freund.

33. An Franz Overbeck in Basel (zwei Postkarten)

<Venedig, 22. Juni 1880>

Liebster Freund, das Geld ist angekommen, schnell zum Erstaunen. Ich wußte noch nicht bestimmt, wohin reisen; auch heute weiß ich es noch nicht, wahrsch<einlich> nicht weit weg, in Wälder, deren Schatten man mir garantirt <im Krainischen> Genaues baldigst! nebst der neuen Adresse. Wäre es Dir möglich, 2 theolog<ische> Bücher auf 4 Wochen zu entbehren? nämlich Lüdemann’s Anthrop<ologie> des Paulus und das Buch über Justinus, welches Du mir öfter genannt hast. Dann möchte ich Wackernagels gedruckten Aufsatz über die Bramanen und seinen andern (ungedruckten?) über den Buddhismus. Siehst Du ihn gelegentlich? — Ich habe Deine „Christlichkeit“ wieder durchgelesen, mit sehr viel Freude an dem erstaunlich reichen Inhalte und der vorzüglichen Disposition, ich bin dieser Lektüre etwas würdiger geworden, denn ich habe inzwischen über mancherlei nachgedacht und zwar rechts und links.

Ich freue mich sehr, daß J. Bur<c>khardt meiner noch gedenkt.

(Fortsetzung.) Als Du das Buch schriebst, habe ich wie ich jetzt mit Beschämung merke, neun Zehntel nur zu verstehen geglaubt. Es sind so viele feine Linien darin, daß man recht genau zusehen muß, um alle Freude zu haben. — Von meinen Schriften höre ich kein Wort; glaube ja nicht, daß ich damit unzufrieden bin! — Schm<eitzner>’s neuestes Unternehmen von dem Du schreibst, widert mich an; ich bin ungehalten, daß er nicht ein Wort gegen mich davon gesagt hat. — Meine Gesundheit hat in Venedig sich besser befunden als in Naumburg und Riva, mein Aussehen ist gut. Im Übrigen noch sehr beim Alten. — Von Dr. Rée beunruhigende Nachrichten. — Dir und Deiner lieben Frau die herzlichsten und dankbarsten Grüße sendend

Dein Freund.

34. An Louis Kelterborn in Basel (Postkarte)

<Venedig, 27. Juni 1880>

Das waren gute und erfreuliche Worte, die Sie an mich richteten, lieber Herr Doktor, und die Stimmung Ihres Briefes gieng auf mich über und ließ mich Ihrer und Basels sehr herzlich und dankbar gedenken. Gar zu gern möchte ich Ihnen das gewünschte musikal<ische> Unthier (welches unverdientermaßen Ihre Mitempfindung erregt hat) senden, aber ich weiß gar nicht, in welchem Walde es jetzt haust, mein Abschied von Basel hat mein Hab und Gut für mich ganz unhablich gemacht; dies ist in Zürich und jenes in Naumburg, und in Kisten vernagelt, die nicht von mir gepackt sind, so daß ich nicht weiß, was drin ist. Später also, lieber Freund! — Inzwischen bleiben Sie, was Sie waren, in gutem Muthe und im Vorwärtsstreben sich selber treu. —

Der Antheil des ausgezeichneten Malers Hr. Br<ünner> ehrt mich sehr: ihm und ebenso Hrn. Huber meinen ergebensten Gruß.

Dr F.N.

35. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Marienbad, 5. Juli 1880>

So bin ich denn, lieber Freund, endlich in eine Art Nothhafen eingelaufen, nach der unangenehmsten Irrfahrt, die ich bisher gemacht habe. Alles, was ich mir in Krain Kärnten Tirol angesehn habe, paßte nicht für mich; vielmehr, es war Alles unmöglich. Jetzt also Marienbad in Böhmen — aber 2 Tage Regenwetter bisher. Die Reise hat meiner Gesundheit sehr geschadet, ich war ein paar Mal fast in Verzweiflung. Die Bergwelt erschien mir unbedeutend und „blödsinnig“ (ich habe in Bezug auf Gebirge zu viel Calame’ische Ansprüche — dies wurde mir auf der Reise zur Calamität) Verlassen Sie das gute Venedig nicht so leicht, die Menschen sind hier so häßlich, das Beefsteak kostet 80 Kreuzer, man ist wie in einer schlechtern Welt. Möge Ihnen oft die Stunde der Erhebung und Schönheit kommen! und sagen Sie es mir, wenn es Ihnen so geht: niemand kann daran mehr Freude haben als

Ihr Freund
F.N.

|| Marienbad Böhmen, „Ermitage.“ ||

36. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 5. Juli 1880>

Meine Lieben, ich habe eine sehr schlechte Reise gemacht, um Wald und Berg zu suchen: alles enttäuschte mich oder vielmehr: es war für meine Augen unmöglich. So habe ich mich denn nach Marienbad in Böhmen zurückgezogen, mein Wohnhaus heißt Ermitage. Bisher aber Regen, Regen und Schmutz. Gräßlich theuer, das Beefsteak 80 Kreutzer. Kein Bissen schmeckt mir, und so gieng es auf der ganzen Reise. Ich finde nicht, was mir recht ist, und wie ich’s in V<enedig> hatte. Dort wurde es aber zu heiß. Selbst die Wälder sind mir noch nicht tief genug. Meine Gesundheit war während der ganzen Reise so schlecht wie möglich, bis zum Verzweifeln, ich schlief keine Nacht vor Schmerz. — Da bin ich Euch nun wieder recht schön nah. Länger als 4 Wochen halte ich hier nicht aus, dann geht es in den Thüringer W<ald> wo er am tiefsten ist.

In herzlicher Liebe Euer F.

37. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Marienbad, 7. Juli 1880>

Lieber Freund, nach einer sehr unangenehmen und enttäuschenden Reise bin ich endlich hier, in Marienbad (in Böhmen) gelandet, meine Augen brachten mich an allen den angeblichen „Waldorten“ die ich inzwischen sah, fast zur Verzweiflung. Hier geht es besser. Ich wohne im Wald: „Eremitage“ heißt es. Ich träume davon, daß wir uns viell<eicht> diesen Sommer wiedersehen? — Im Fall Du die Bücher, von denen ich neulich schrieb, entbehren kannst, sende sie, ich bitte; ich habe inzwischen so oft über „christliche Moralität“ nachgedacht, daß ich förmlich heißhungrig nach einigem Stoff für meine Hypothesen bin.

Dir und Deiner verehrtesten lieben Gefährtin die guten Wünsche eines Wassertrinkers und Waldläufers.

38. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Marienbad, 7. Juli 1880>

Meine geliebte Schwester, ich hätte Dir wohl etwas zu senden, um auch meinerseits unter den Feiernden Deines Geburtstages geziemend vertreten zu sein: heute aber, wo ich mir die Sache genau überlege, sehe ich nicht ein, wie ich den angedeuteten Gegenstand (+), eine Erinnerung an Venedig, unzerbrochen in Deine Hände befördere; hier habe ich anjetzo Niemanden, der mir in solchen Dingen zu Rathe ist, und so scheint mir das Rathsamste, bis auf unser Wiedersehen zu warten — was mir freilich sehr leid thut. So mögen denn meine allerherzlichsten Glückwünsche ihren Weg allein zu Dir laufen: und vielleicht dauert es nicht zu lange, da feiern wir den 10 Juli noch einmal — in diesem Jahre, wo alle Monatstemperaturen durch einander laufen und jetzt zB. ein ganz artiges Spät-Oktober Wetter herrscht, muß alles erlaubt sein. — Ich habe Kopfschmerz und darf nicht mehr schreiben. Das ist freilich nichts, meine liebe Lisbeth, aber mit mir ist überhaupt nichts mehr, leider, leider. Genug, daß ich Marienbader Wasser und Wälder gebrauche und in beiden Dein Fest zu feiern versuchen werde

In Liebe Dein Bruder.

(+) etwas blaue Seide und etwas Silber ist dran, Venediger Arbeit, sieht hübsch aus und ist unnütz, wie alles Hübsche.

39. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Marienbad, 10. Juli 1880>

Meine liebe Mutter, ich freue mich, daß Ihr heute einen schönen Tag habt: für uns hier ist es der erste. Ich leide an Müdigkeit und bösem Humor und nehme an, daß es die Wirkung des Wassers ist. Kopfschmerzen habe ich so viel wie voriges Jahr, das bleibt sich für St. Moritz Venedig Naumburg und Marienbad fast gleich, trotzdem glaube ich einen Fortschritt gemacht zu haben, denn die Schmerzen sind nicht so intensiv mehr. Die Wälder sind sehr schön hier — und doch für meine Augen noch nicht ausreichend. Anfang August will ich nach Ruhla (oder anderswohin?), dort kann man, denke ich, gute Wellenbäder haben? Und ist der Wald wirklich unmittelbar dabei? Heute Eurer in besonderer Herzlichkeit gedenkend

Euer F.

Adresse: „Eremitage“! Marienbad in Böhmen.

40. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Marienbad, 18. Juli 1880>

Mein lieber Freund, noch immer denke ich täglich einigemal an die angenehme Venediger Verwöhnung und an den noch angenehmeren Verwöhner und sage nur, daß man’s eben nicht lange so gut haben darf und daß es ganz recht ist, jetzt wieder Eremit zu sein und zehn Stunden des Tages als solcher spazieren zu gehen, fatale Wässerchen zu trinken und ihre Wirkung abzuwarten. Dabei grabe ich mit Eifer in meinem moralischen Bergwerke und komme mir dabei mitunter ganz unterirdisch vor — es scheint mir jetzt so als ob ich inzwischen den leitenden Gang und Ausweg gefunden hätte, indessen will so etwas hundertmal geglaubt und verworfen sein. Hin und wieder tönt ein Echo Chopinscher Musik in mir, und das haben Sie nun erreicht, daß ich dabei immer an Sie denke und mich in Sinnen über Möglichkeiten verliere. Mein Vertrauen ist sehr groß geworden, Sie sind viel fester gebaut als ich vermuthete, und abgesehn von dem schädlichen Einfluß, den gelegentl<ich> Hr. Nietzsche auf Sie geübt hat, sind Sie von allen Seiten gut bedingt. Ceterum censeo Berge und Wälder seien besser als Städte, und Paris besser als Wien. Darauf kommt aber nichts an.

Unterwegs kam ich mit einem höheren Geistlichen in Verkehr, welcher zu den ersten Förderern alter kathol<ischer> Musik zu gehören schien, er war jeder Detailfrage gewachsen. Ich fand ihn sehr eingenommen für Wagner’s Arbeit an Palestrina; er sagte, das dramatische Recitativ (in der Liturgie) sei der Keim der Kirchenmusik, und wollte darnach auch den Vortrag so dramatisch wie möglich. Regensburg sei jetzt die einzige Stadt auf Erden, wo man die alte Musik studiren, vor allem aber hören könne (namentlich in der Passionszeit)

Haben Sie von dem Brande von Mommsen’s Hause gelesen? Und daß seine Excerpten vernichtet sind, die mächtigsten Vorarbeiten, die viell<eicht> ein jetzt lebender Gelehrter gemacht hat? Er soll immer wieder in die Flamme hineingestürzt sein, und man mußte endlich gegen ihn, den mit Brandwunden bedeckten, Gewalt anwenden. Solche Unternehmungen wie die M<ommsen>’s müssen sehr selten sein, weil ein ungeheures Gedächtniß und ein entsprechender Scharfsinn in der Kritik und Ordnung eines solchen Materials selten zusammen kommen, vielmehr gegen einander zu arbeiten pflegen. — Als ich die Geschichte hörte, drehte sich mir das Herz im Leibe um, und noch jetzt leide ich physisch, wenn ich dran denke. Ist das Mitleid? Aber was geht mich M<ommsen> an? Ich bin ihm gar nicht gewogen. —

Hier in der allein im Walde gelegen<en> Eremitage, deren Eremit ich bin, ist seit gestern große Noth: ich weiß eigentlich nicht, was geschehen ist, aber der Schatten eines Verbrechens liegt auf dem Haus. Man hat etwas vergraben, Andre haben es entdeckt, man hörte schrecklich jammern, viele Gensdarmen waren da, Haussuchung fand statt, und nachts hörte ich im Zimmer neben mir jemand schwer gequält seufzen, so daß mich der Schlaf floh. Auch schien in der tiefsten Nacht wieder im Walde gegraben zu werden, aber es fand eine Überraschung statt, und es gab wieder Thränen und Geschrei. Ein Beamter sagte mir, es sei eine „Banknotengeschichte“ — ich bin nicht neugierig genug, um so viel zu wissen, wie viel wahrsch<einlich> alle Welt um mich weiß. Genug, die Waldeinsamkeit ist unheimlich.

Ich las eine Novelle von Mérimée, in der H. Beyle’s Charakter geschildert sein soll: „die etrurische Vase“; es wäre, falls dies wahr ist, jener St. Clair. Das Ganze ist spöttisch, vornehm und tief schwermüthig.

Zuletzt eine Reflexion: man hört auf, sich selber recht zu lieben, wenn man aufhört sich in der Liebe zu Andern zu üben: weshalb dies letztere (das Aufhören) sehr zu widerrathen ist. (Aus meiner Erfahrung.) Leben Sie wohl mein geliebter und sehr werthgehaltener Freund, gehe es Ihnen gut bei Tag und Nacht.

Treulich Ihr F.N.

In Ihrem Verhalten zum Deserteur würde Schopenhauer einen Beweis für die Unveränderlichkeit des Charakters sehen — und Unrecht dabei haben, wie fast immer.

41. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Marienbad, 19. Juli 1880>

Mein lieber Freund, Deine Sendung und Überraschung thut die angenehmste Wirkung. Deine eignen Abhandl<ungen> sind sehr feine Sachen, es weht eine so gut-philologische Luft darin, daß mir ordentlich schwer zu Muthe wird. Nach der Geschmeidigkeit des Stils zu schließen, möchte ich glauben, Du habest Lust dabei gehabt. — Aber was ist Engelhart für ein greulicher Typus! Da er alles so viel besser weiß als Justin, so versteht er wahrscheinl<ich> denselben doch nicht, aus Hochmuth schon. Dagegen ist Lüdemann’s Arbeit ein Meisterstück auf einem sehr schwierigen Felde: leider ist er kein Schriftsteller. (Wackern<agel> will ich ein Wort des Dankes schreiben.) Mit meinen Augen steht es freilich sehr schlimm, ich kann sie nicht mehr schonen als ich sie schone, und doch vertragen sie eigentlich weder Lesen noch Schreiben mehr; gelegentlich eine Viertelstunde zu finden ist das Kunststück. — Herrlicher Gedanke: Wiedersehn in Naumburg. Deiner lieben Frau und den hochverehrten Verwandten in Zürich meine herzlichsten Grüße.

F.N.

42. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 19. Juli 1880>

Meine gute liebe Schwester, Dein vergnügter blauer Brief ist mir ordentlich gut bekommen: Tags darauf hatte ich den besten Tag bisher. Jetzt haben wir im Hause Trübsal, der Besitzer ist plötzlich ins Gefängniß geschafft worden, Gensdarmen kamen und gruben eine Druckmaschine für falsche Banknoten aus, Haussuchung und viel Jammer hinterdrein. Die arme Frau ist seit 3 Tagen in der vollsten und tiefsten Verzweiflung. Wie ich gesagt habe: im nächsten Monat will ich nach Ruhla, hoffentlich sind die Wälder dort so gut als hier. Aber hier zu bleiben auf die Dauer — für mich geht es nicht. Für einen Gulden kann ich mich hier nicht satt essen. Alles ist 3—5 mal so theuer als in Venedig. Der Sommer ist, merke ich, doch meine beste Zeit. In Ruhla sehen wir uns? Die herzlichsten Grüße unsrer guten Mutter

43. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 27. Juli 1880>

Vielleicht, meine Lieben, sind meine letzten Karten nicht in Eure Hände gekommen, das Letzte, was ich von Euch bekam, war der liebe und mir herzlich wohlthuende Brief: vom 12t. d. M. Wenn nicht „Eremitage“ darauf steht, kommt kein Brief in meine Hände, die Menge der ab- und zuströmenden Fremden ist zu groß. (Es sind übrigens drei Viertel Juden) Gestern und heute Regenwetter; ich war nicht am Brunnen, was mich ärgert. Nächste Woche will ich fort, aber der Thüringer W<ald> ist, wie ich erst jetzt aus den Karten sehe, entsetzlich weit von hier, und Nordböhmen soll so schöne Waldorte haben. Ich denke eine moderirte Kaltwasserkur zu gebrauchen und glaube dann den Sommer gut angewendet zu haben.

In herzlicher Gesinnung Euer F.

Warum schreibt denn unsre gute Mutter kein Wörtchen mehr?

44. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Marienbad, 2. August 1880>

Hier, lieber Freund, eine Zeile Dankes für Ihren letzten mannichfach mich bewegenden, auch beunruhigenden Brief; auch bitte ich Sie dringend, das Wort „nachsichtig“ zu streichen; Sie wissen immer noch nicht, wie ich von Ihnen denke, weder vorsichtig, noch nachsichtig — Sie haben mein Vertrauen, und ich wünschte in diesem Punkte wenigstens das Ihre zu haben. Aber es ist seltsam zu beobachten: wer vom herkömml<ichen> Allerweltsweg frühzeitig abweicht, um seinen rechten Weg zu gehen, hat immer das halbe oder ganze Gefühl eines Exilirten, eines von den Menschen Verurtheilten und Entflohenen: diese Art schlechten Gewissens ist das Leiden der selbständig Guten. Das Heilmittel ist — was meinen Sie? — ein großer Erfolg bei eben denen, welchen man aus dem Wege gegangen ist. — Bitte, lassen Sie sich 3 Aufsätze Ihrer freien Presse nicht entgehen: (vor 4 Wochen) George Sand und A. de Musset. (vor 8 Tagen Stifter als Landschaftsmaler, und Hekt. Berlioz in seinen Briefen. — Die letzte Zeit immer in einer unbändig gehobenen Stimmung! Morgen Abreise — Sehr getreu Ihr Freund F. N.

45. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Marienbad, Anfang August 1880>

Bitte, bitte! Auch mir eins der ersten Exemplare! Und so rasch wie möglich! Zusammen mit dem für P<rofessor> Overbeck.

46. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Marienbad, 2. August 1880>

Morgen will ich, meine Lieben, von hier abreisen. Ich kann nicht bestimmt sagen, wohin? Es giebt so wenig Orte, wo ich es aushalte. Leider ist es regnerisch, seit 2 oder 4 Tagen schon. — Deinen Brief, meine liebe Mutter, bekam ich doch noch, nach 6 Tagen! (es fehlte die genaue Adresse — aber warum?) es stehen lauter heitere Sachen darin: möge Eurem Kirschfest gutes Wetter bescheert sein. Overbecks werden vom 12t. August ab in Dresden sein, ihr Rückweg führt nicht über Naumburg; dagegen würden sie, nach dem letzten Briefe, Anfang September nach Naumburg kommen, wenn ich dann schon dort sei. Sehr möglich, daß ich die Heimreise über Dresden mache (je nach der Wahl meines Kurortes) Mein Befinden ist nicht unbefriedigend, und nichts kann regelmäßiger sein als meine Lebensweise! Ich bin mindestens 8 Stunden täglich unterwegs: so halte ich das Leben aus. Ich denke an Dich und unsre liebe Lisbeth mit dem herzl<ichen> Wunsche des Wiedersehens.

F.

47. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 12. August 1880>

Immer noch bin ich, meine Lieben, in Marienbad, das Wetter ist Tag für Tag und Wochenlang abscheulich, ewiger Regen und grauer Himmel. Mein Befinden hat sich langsam dabei verschlimmert, es gab wieder heftige Anfälle mit Erbrechen usw. — Doch will ich ja diese Misère nicht mehr schreiben. Wie lange entbehre ich schon das, was mir so merklich wohl thut, reine Luft und Sonne! Ich werde wohl nun bis zu Ende des Monates hier bleiben, ich bin zu mißtrauisch gegen Ortswechsel und finde so selten etwas für mich Geeignetes. Hier habe ich doch den Wald und die guten Wege darin, die ich oft unter Regen gehe. Anfang September komme ich zu Euch und denke da ein stilles wohlthuendes Herbstleben zu finden. Mitte Oktober aber führt es mich wieder südwärts, es hilft nichts — bis jetzt vertrage ich Deutschland noch nicht. Ich denke in vieler Liebe an Euch.

F N.

48. An Ida Overbeck in Dresden

<Marienbad, 18. August 1880>Mittwoch früh.

Vor einer Stunde, liebe Frau Professor erhielt ich die „Menschen des 18. Jahrhunderts“, ich blätterte darin und sah dies und jenes gute Wort und hinter jedem guten Wort so viel, viel mehr! Es entzückte mich, und zugleich ergriff mich das Gefühl einer tiefen unaussprechlichen Entbehrung. Ich glaube, ich habe geweint, und es müßte sonderbar zugehen, wenn dieses kleine gute Buch nicht manchem Anderen die Empfindung dergestalt erregte. —

Warum ich nicht schrieb? Weil ich seit 3 Wochen mit den Flügeln flattere, um von Marienbad fortzukommen — und weil drei Wochen beständigen Regenwetters mich festhielten, meiner Gesundheit nachtheilig waren und mich, durch den unaufhörlichen Wechsel von Erwartung und Enttäuschung fast um alle Entschlußfähigkeit brachten. Jetzt will ich geduldig noch bis Ende des Monats aushalten, und einen mittleren Grad von Wohlbefinden wieder zu erreichen suchen, den ich dem Walde, der Sonne, dem heitern Himmel und dem fatalen Trink-Wässerchen in den ersten Wochen meines hiesigen Aufenthaltes verdankte. Wäre es dabei geblieben, so würde ich meinen August in der Nähe Dresdens verbracht haben — so war mein Projekt, und ich schrieb nicht, um etwas Bestimmtes über die Zeit der Ankunft zu schreiben.

Aber immerhin! Es bleibt die schöne Hoffnung auf das Naumburger Wiedersehen! nicht wahr? — und die soll nicht zu Wasser werden! —

Heute feiert man hier den Geburtstag des Kaisers, aber ich kann mir inmitten der schwarzen und gelben Farben immer nur etwas Schreckliches, etwa den Geburtstag der Pest, denken. — Ich blickte noch einmal in Sainte Beuve. Er hat sehr feine Sachen gesehen: p. 19 redet er von der Ungezwungenheit des Ausdrucks (Font<enelle>’s) welche sich — wie eine heimliche List gegen die Großartigkeit der Dinge ausnimmt“ Das ist in der Art Pascal’s empfunden.

Meinem lieben Freunde und dem gesammten verehrten Kreise die ergebensten Grüße

Ihres dankbaren
sehr dankbaren
Friedrich Nietzsche.

49. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Marienbad, 20. August 1880>

Freund Köselitz, in meine Ernte- ja Erntefest-Stimmung klingt Ihr Brief hinein, zwar etwas düster, aber so gut und kräftig, daß ich auch heute wieder wie jedesmal mein Nachdenken über Sie mit dem Chorale zu Ende und zur Ruhe bringe

„Was K. thut, das ist wohlgethan,

Es bleibt gerecht sein Wille!“

Amen.

Sie sind aus stärkerem Stoffe als ich und dürfen sich schon höhere Ideale bilden. Ich für meinen Theil leide abscheulich, wenn ich der Sympathie entbehre; und durch nichts kann es mir z. B. ausgeglichen werden, daß ich in den letzten Jahren der Sympathie Wagners verlustig gegangen bin. Wie oft träume ich von ihm, und immer im Stile unsres damaligen vertraulichen Zusammenseins! Es ist nie zwischen uns ein böses Wort gesprochen worden, auch in meinen Träumen nicht, aber sehr viele ermuthigende und heitere, und mit niemanden habe ich vielleicht so viel zusammen gelacht. Das ist nun vorbei — und was nützt es, in manchen Stücken gegen ihn Recht zu haben! Als ob damit diese verlorne Sympathie aus dem Gedächtniß gewischt werden könnte! — Und Ähnliches habe ich schon vorher erlebt, und werde es vermuthlich wieder erleben. Es sind die härtesten Opfer, die mein Gang im Leben und Denken von mir verlangt hat — noch jetzt schwankt nach einer Stunde sympathischer Unterhaltung mit wildfremden Menschen meine ganze Philosophie, es scheint mir so thöricht, Recht haben zu wollen um den Preis von Liebe, und sein Werthvollstes nicht mittheilen zu können, um nicht die Sympathie aufzuheben. Hinc meae Iacrimae. —

Ich bin noch in Marienbad: das „österreichische Wetter“ hielt mich fest! Denken Sie, daß es seit dem 24. Juli jeden Tag geregnet hat, und oft tagelang. Regenhimmel, Regenluft, aber gute Wege im Walde. Meine Gesundheit gieng dabei wieder rückwärts; in summa bin ich aber mit Venedig und Marienbad zufrieden. Es ist gewiß hier seit Goethe noch nicht so viel gedacht worden, und auch Goethe wird nicht so principielle Dinge sich haben durch den Kopf gehen lassen — ich war über mich selber weit hinaus. Einmal, im Walde, fixirte mich ein Herr, der an mir vorübergieng, sehr scharf: ich empfand in diesem Augenblicke, daß ich den Ausdruck strahlenden Glücks im Gesichte haben müsse und daß ich schon 2 Stunden mit ihm herumlaufe. Ich lebe incognito, wie der bescheidenste aller Kurgäste, in der Fremdenliste stehe ich als „Herr Lehrer Nietzsche“. Es giebt viel Polen hier und diese — es ist wunderlich — halten mich durchaus für einen Polen, kommen mit polnischen Grüßen auf mich zu und — glauben es mir nicht, wenn ich mich als Schweizer zu erkennen gebe. „Es ist die polnische Rasse, aber das Herz ist Gott weiß wohin gewandert“ — damit verabschiedete sich einer von mir, ganz betrübt.

Anfang September bin ich in Naumburg. Dorthin kommen auch Overbecks. Auch Frau von Wöhrmann (sie löst ihren Haushalt in N<aumburg> auf und geht nach Venedig zurück) Der Sohn von Frau von W<öhrmann> und ebenso sein Freund Graf Werthern, die das Naumburger Gymnasium besuchen, kommen zu uns in’s Haus. Haben Sie die „Menschen des 18. Jahrhunderts“ von St. Beuve? Es sind herrliche Gemälde von Menschen und St. B<euve> ist ein großer Maler. Aber ich sehe über jeder Gestalt noch eine Bogenlinie, die er nicht sieht, und diesen Vorsprung gibt mir meine Philosophie. Meine Philosophie? Hole mich der Teufel! Und Sie möge der liebe Gott holen — er hat Freude an allen Köselitzen.

Treulich der Ihre

FN.

50. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 21. August 1880>

Meine Lieben, allerbesten Dank für Eure Nachrichten. Aber das Lama! Wie es über die Welt triumphirt, unter berühmten Thieren wandelt! Schließlich ist ihr der Bruder, der „der Welt entsagt“ und immer noch im Walde herumläuft, ein zu geringes und unansehnliches Thierlein geworden! Trotz alledem! er wird Ende August oder am 1 Sept. oder 2 Sept. nach Naumburg kommen. — Bis heute hat es jeden Tag, seit meinem letzten Briefe an Euch, geregnet. — Ist das herrliche gute Buch „Menschen des 18. Jahrhunderts“ in Euren Händen? Das ist die Art von Menschen, von deren Existenz ich ohne Rührung gar nicht hören kann, ich vermisse sie und finde an der Gegenwart nichts zum Ersatz. — Mein Befinden, in Folge der wunderbarsten Klugheit meiner Lebensweise, hat sich wieder etwas verbessert.

In herzlicher Liebe

Euer F.

Eben habe ich im Walde ein neugebornes Reh gefunden.

Falls Berbig mein Maaß hat, soll er mir sofort ein Paar Stiefeln machen.

51. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 23. August 1880>

Meine geliebte Schwester, ich antworte sofort: Overbecks Adresse ist Dresden, Sidonienstr. 7. III. Ich selber denke Mittwoch, spätestens Donnerstag im Anfange des September zu kommen. Die Nummer der „Gegenwart“ ist bisher nicht in meine Hände gelangt; was liegt auch an dieser Berliner Weisheit! — Zu den neuen Pensionären wünsche ich Glück, mehr Glück als vom alten zu erlangen war. So ist der Wunsch freilich sehr bescheiden: um so eher wird er in Erfüllung gehen. — Sind die Stiefeln in Arbeit? — In herzlicher Erwartung unsres Wiedersehens (eines sehr stillen Zusammenseins ohne andre Menschen)

Euer F.

Die „Gegenwart“ kam: hast Du sie gelesen? Es ist nichts draus zu lernen, aber Schmeitzner’s wegen mag sie gelobt sein!

52. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Stresa 14. Oktober 1880>

Meine Lieben, bisher war es die schlechteste aller Reisen, die Einzelheiten sind abscheulich. In Frankfurt ging das Erbrechen los, in Heidelberg legte ich mich zu Bett. Wieder auf der Mitte des Gotthard kam der Anfall, und ich war 3 Tage in Locarno krank. Jetzt habe ich mich hier in Stresa nolens volens (um meine Koffer abzuwarten) auf einen Monat eingemiethet, fortwährend melancholisch oder verstimmt (was durchaus nicht dasselbe ist) Das Wetter bringt mir überall Landregen und Scirocco. Ich bin erstaunt, wie wenig südlich dieser See ist (gar nicht zu vergleichen mit dem Gardasee!). Es ist noch recht schweizerisch hier, übrigens giebt es für den Nachmittag einen Schattenweg, für den Vormittag absolut nichts derart (keine hohen Mauern wie in Sorrent). Bis jetzt giebt es keine Speise die ich ertrage. Heute Versuch mit Tapioca. Adr. Stresa, Lago maggiore (Italia) poste restante. Es dankt Euch innig Euer

F.

53. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Stresa 14. Oktober 1880>

Inzwischen gieng es betrüblich, liebe Freunde! Immer krank, von der Mitte der Gotthardfahrt an, und verfolgt von Landregen. In Locarno blieb ich gezwungen 3 Tage, im übelsten Zustande. Was mir hier in Stresa zu Theil werden soll, wo ich einen Monat bleiben will (um meine Koffer abzuwarten), sehe ich nicht ab — Der See ist mir nicht südlich genug, man spürt schon den Anhauch des Winters. Dringend und umgehend erwünscht wäre mir die Sendung eines französisch-deutschen Wörterbuchs (klein, mit achtbarem Druck.) Adr.: Stresa, Lago Maggiore (Italia) poste restante. — Die Basler Stunden waren so erquicklich! Dankbar und innig grüßend

F. N.

54. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Stresa, 20. Oktober 1880>

Lieber lieber wunderlicher Freund, ich bin der Bösewicht, der sich rechtfertigen müßte, aber nicht kann: es sei denn, daß Sie den tiefen erbärmlichen Verfall meiner Gesundheit gelten lassen. Ich habe seit jenem Augustbriefe (den ich immer noch bei mir trage — er wiegt schwer) die Feder nicht in Tinte getaucht: so ekelhaft war, so gedulderheischend ist noch mein Zustand. Wirklich, ich hatte bei nichts Freude, außer wenn ich Ihrer gedachte und Das was Sie mir jetzt melden, in Betreff von „Sch<erz>, L<ist> und R<ache>“ hat mich gestern ganz umgeworfen, und ich lief einige Stunden in glücklicher Trunkenheit herum. So müssen sich die guten Künstler selber helfen, und den beengenden Druck aller Art in den Wind schlagen! Denken Sie, auch ich dachte mitunter, es sei Ihnen wohler zu Muthe, wenn ich wieder ferne sei — aber trotzdem, es verlangt mich doch sehr nach Ihnen, denn ich liebe Sie so als ich Sie ehre und schonen möchte. — Im November nach Neapel. Stresa, lago maggiore, poste restante.

In Treue und Vertrauen

55. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Stresa, 20. Oktober 1880>

Das sind heitere und gut gelungene Dinge, von denen Du schreibst, ich wünsche, daß alles so fort gehe. Bei mir immer noch Zustand der Erbärmlichkeit. Doch habe ich vorgestern einen Spaziergang voller Ruhe gemacht, ohne Freude, aber ohne Schmerzen — das war der Fortschritt, den ich sehr empfand. Die kleine Maschine bewährt sich herrlich, danke schön, meine liebe Schwester! Es ist kühl und nebelig. Meinen Geburtstag hatte ich vergessen, zum ersten Male. Bitte, geh zum Spediteur, wir müssen das Reiseziel des Gepäcks verändern, da ich die Seereise von Genua nicht machen werde (ich halte sie nicht aus, so wie es steht) Er soll einen Laufzettel nachsenden und nun so addressiren: Castellamare (presso di Napoli) Italia. Pensione Weiss.

Ich werde zu Lande reisen, in kleineren Stücken und 2. Klasse. Hier bleibe ich bis zum 10 November. Viel Geduld. Helft mir mit der Spediteur-Sache! Und denkt meiner in Liebe, wie ich in Dankbarkeit bin

Euer Sohn und Bruder

56. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Stresa, 27. Oktober 1880>

Ja, senden Sie mir etwas, lieber Freund! Sie haben mich so streng in Bezug auf Ihre Musik gemacht, daß es mir gar nicht in den Sinn gekommen ist, Sie um etwas zu bitten: ich freute mich auf Treu und Glauben hin, ohne „den Finger erst auf die Nägelmale zu legen“ — ich meine, diese christliche Tugend sollten Sie belohnen? Bin ich je in Hinsicht auf Sie auch nur einen Augenblick ein „ungläubiger Thomas“ gewesen? Ich frage mich und prüfe mein Gedächtniß. — Aber keine Partitur! — Im Stillen zehre ich immer noch an einigen Takten Chopin’s, die mir aus Ihrem Zimmer her geblieben sind: es gab dort für mich einen Hauch Sommerluft, den ich nicht wieder fand.

F N.

57. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Stresa, 31. Oktober 1880>

Wenn ich nur, meine liebe, liebe Lisbeth, Dir was zu melden hätte, was Dir Freude machte, wie Dein Brief mir Freude machte! Ich denke so oft an Dich — „aber so ein Bruder ist zu nichts nütze in der Welt“ ist immer mein Schlußvers. —

Es geht melancholisch-geduldig weiter, böse Tage und bessere eingestreut. Immer ist es mir zu kalt, mir graut vor dem Winter mehr denn je. Gestern bei starkem Weststurm und reinem Himmel war der See wirklich südlich (wie der Gardasee im Februar) aber nicht in der Wärme. Danke herzlich für die kleine Verführung an die Riviera! Diese Woche sei der Koffer-Misère geweiht! (Ein Wort an Krugs, daß Gustav’s Wunsch nach der Partitur der Meistersinger unerfüllbar ist) In vieler Liebe

Euer F.

58. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Stresa, 31. Oktober 1880>

Meine lieben Freunde, meinen Geburtstag hatte ich diesmal vergessen, zum ersten Male — woran lag dies? Wahrscheinlich habe ich den Kopf zu voll von anderen Gedanken, und diese bringen es mit sich, daß ich mir zehnmal jedes Tags zurufe „was liegt an mir!“ (Dies ist die Art, mir Muth zu machen.) Ich weiß nämlich sehr oft nicht, wie ich meine Schwäche (an Geist und Gesundheit und andern Dingen) und Stärke (im Schauen von Aussichten und Aufgaben) mit einander ertragen könne. Meine Einsamkeit, nicht nur in Stresa, sondern in Gedanken ist außerordentlich. Um so erquicklicher ist jedes Wort und jede That der wahren Freunde, ach, ein wahres Bedürfniß!

Von Herzen dankbar Euer
F.N.

59. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte).

<Stresa, 31. Oktober 1880>

Vielleicht, liebster Freund, sind Sie wieder heimgekehrt und haben sich und Ihre Philosophie vor den Gefahren des Meeres und des Amerikanerthums gerettet. Ich denke mit wahrer Sehnsucht an Sie, ohne irgend eine Aussicht zu haben, dieselbe zu befriedigen; denn ich mußte mich wieder nach dem Süden zurückziehn und diesmal, wie ich mir gelobt habe, auf länger. Als Recept sowohl wie als natürliche Passion erscheint bei mir immer deutlicher die Einsamkeit und zwar die vollkommne — und den Zustand, in dem wir unser Bestes schaffen können, muß man herstellen und viele Opfer dafür bringen können. Für einen solchen Einsamen ist aber „der Freund“ ein köstlicherer Gedanke als hier die Vielsamen. — Meine Verehrung Ihren Eltern.

60. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Stresa, 7. November 1880>

Theurer, Lieber! Immer krank, viel zu Bett, vom Winter überfallen, täglich 200 Male sagend „was liegt an mir!“ — nun das ist ein Mensch, der Ihnen etwas anderes sagen soll als „ich vertraue!“? Mitunter fühle ich, durch Ihre Musik hindurch, wovon Sie sich losgerissen haben und losreißen. Dann wieder kommt mir ein Ideal komischer Musik in den Sinn, welches mich fast drängen möchte, nach Venedig zu kommen, um mit Ihnen davon zu reden. Drittens: ich habe kein Klavier, viertens ich habe in meinem Leben noch keine Singstimme gehört, welche nicht die gute Musik geschändet hätte — so daß ich gar nicht mehr an Stimmen denken mag, sondern immer nur an komische Musik so denke, als ob usw. usw. Erbarmen und Geduld! Freund!

Von morgen an: Genova, poste restante.

61. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Stresa, 7. November 1880>

Inzwischen, meine Lieben, hat es Trauer und Sorgen bei Euch gegeben. Leider vermag ich auch nichts Aufhellendes hinzuzubringen, denn es ging und geht erbärmlich. Der plötzliche Eintritt des Winters — auch hier! brachte mich plötzlich in jenen Zustand vom Naumburger Januar. Ich lag viel zu Bett. Ich wollte fort, aber die Koffer! Endlich — heute! habe ich sie, ich komme soeben von Intra mit Barke zurück, es blieb nichts übrig als Jagd darauf zu machen. In summa hat mich diese Sendung c. 40 frs. gekostet, ich bedaure die Thorheit. Morgen früh um 4 will ich nach Genua weiter (Adresse: Genova, Italia, poste restante) An Dr. Rée hatte ich kürzlich geschrieben. Hat Schmeitzner sein Blatt zurück? — Für das Salz mußte ich an der Steuer Strafe zahlen, und es wurde in den See geschüttet. Intra ist viel angenehmer als das eisige Stresa. Es grüßt und umarmt Euch

Euer F.

Das gute Lama hat so viel Mühe gehabt! Danke, Danke!

62. An Gustav Krug in Köln

<Genua, 16. November 1880>

Hier in Genua, mein lieber Gustav, finde ich Deine Trauerkunde, ich schreibe schnell ein paar Zeilen, unvorbereitet, wie es auf der Reise zugeht und mehr ein Zeichen meines Mitgefühls als ein Ausdruck desselben. Dazu ist es, wie mich eben der Kalender belehrt, Dein Geburtstag — Du wirst mit einer besondren Wehmuth heute auf Dein Leben zurückblicken! Wir werden älter und damit einsamer: gerade jene Liebe verläßt uns, die uns wie eine unbewußte Nothwendigkeit liebte, nicht wegen unsrer besondren Eigenschaften, sondern oft trotz derselben. Unsere Vergangenheit zieht sich zu, wenn die Mutter stirbt: da erst wird unsere Kindheit und Jugend ganz Erinnerung. Und dann geht es weiter, es sterben die Jugendfreunde, die Lehrer, die Ideale jener Zeiten — immer mehr Einsamkeit, immer kältere Winde umblasen uns. Du hast gut gethan, einen Garten der Liebe wieder um Dich zu pflanzen, lieber Freund! Ich glaube, daß Du heute Deinem Schicksal besonders dankbar sein wirst. Sodann bist Du Deiner Kunst treu geblieben, ich höre alles, was Du davon, mir meldest, mit einer innigen Befriedigung, und vielleicht kommt ein Alter, meinem Leibe günstiger als die jetzigen Zeitläufte, wo wir wieder zusammen sitzen und Vergangenes aus Deinen Tönen heraus wieder auferstehen sehen, so wie wir wohl in unserer jugendlichen Musik Beide zusammen von unsrer Zukunft geträumt haben.

Mehr darf ich nicht sagen, mein Leiden (das immer noch, nach wie vor, jeden Tag seine eigne Geschichte hat) legt seine gebieterische Hand auf mich. Du darfst glauben, wenn Du an mich denkst (wie Du es zu meinem Geburtstag gethan hast, den ich selber diesmal vergessen hatte) daß ich nicht des Muthes und der Geduld ermangele und hohen, sehr hohen Zielen auch so, wie es nun einmal steht und geht, nachstrebe —

Du darfst ebenso bestimmt glauben, daß ich Dein Freund bin und bleibe

In herzlicher Liebe mit Dir verbunden

Friedrich Nietzsche.

(Genova)

63. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 16. November 1880>

Endlich meine Lieben ein Wort! Inzwischen war alles Elend auf mich losgelassen, und ein solcher Wirrwarr von Anfällen und Unfällen eines Unberechenbaren, daß ich kaum schlimmere Zeiten je durchgemacht habe. Keine Einzelheiten, wozu Euch quälen! Ich bitte aller Welt zu sagen, ich sei in San Remo: in Wahrheit bin ich in Genua und will hier bleiben (Beweis: ich habe gestern schon die vierte Wohnung hier bezogen) Sagt es Niemandem. Ich bin wieder muthiger. Genova, poste restante

Italia

Letzte Carte aus Stresa Tags vor der Abreise.

64. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 17. November 1880>

Ihr Brief kam zur rechten Zeit: eben war der erste lichte und ruhige Moment erschienen, nach einer äußerst qualvollen unbegreiflichen Zeit, wo alle Übel des Leibes und der Seele über mich herfielen. O der tiefen Melancholie in Stresa! Ich sang und pfiff mir Ihre Melodien, um mir Muth zu machen: so werden sie mir im Gedächtniß bleiben! Und wahrlich, alles Gute der Musik muß sich pfeifen lassen, aber die Deutschen haben nie singen gekonnt und schleppen sich mit ihren Klavieren: daher die Brunst für die Harmonie. — Verrathen Sie Niemandem, daß ich in Genua bin und bleiben werde, sagen Sie, ich bitte, gelegentlich, ich sei in San Remo. Ich will mir die unbekannteste Dachstuben-Existenz gründen (ich habe jetzt das vierte Logis schon) Bleiben Sie muthig und so freudig-freundlich wie Ihr letzter Brief! Genova poste restante

65. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 17. November 1880>

Theurer Freund, ich gebe nur Nachricht, daß ich endlich die Ligurische Küste erreicht habe und zunächst nicht allzuweit von Genua leben werde. Seit unserm letzten Brief- und Karten-Austausch stürzten alle Übel und Unzuträglichkeiten so über mich her, daß ich mich kaum einer schlimmeren Zeit erinnere, ich habe gelitten wie ein Bär in der Klemme, und auch der Kleinmuth und die Bitterkeit nisteten im Herzen — höchst frühwinterlich, wie die Natur. Inzwischen denke ich der Asche und des Phönix: aufwärts! Denkt meiner in Liebe!

Euer Freund.

(Unter allen Umständen: Genova poste restante.)

66. An Franz Overbeck in Basel

<Genua, zweite Hälfte November 1880.>

Du wirst in tiefer Arbeit sein, lieber Freund, aber ein paar Worte von mir werden Dich nicht stören. Es thut mir immer so wohl, Dich in Deiner Arbeit zu denken, es ist wie als ob eine gesunde Naturgewalt gleichsam blindlings durch Dich wirkte, und doch ist es eine Vernunft, die im feinsten und häkelichsten Stoffe arbeitet und an der wir es wohl ertragen müßten, wenn sie sich ungeduldig und zweifelnd und gelegentlich verzweifelnd gebärdete. Ich verdanke Dir so viel, theurer Freund, daß ich dem Schauspiel Deines Lebens so in der Nähe zusehen durfte: in der That, Basel hat mir Dein Bild und das Jakob Burckhardts gegeben; ich meine, nicht nur mit der Erkenntniß einen großen Nutzen aus diesen Bildern gezogen zu haben. Die Würde und die Anmuth einer eigenen und wesentlich einsiedlerischen Richtung im Leben und Erkennen: dies Schauspiel wurde mir durch die nicht genug zu verehrende Gunst meines Schicksals „ins Haus geschenkt“ — und folglich verließ ich dies Haus anders als ich es betrat.

Jetzt ist mein ganzes Dichten und Trachten darauf aus, eine idealische Dachstuben-Einsamkeit zu verwirklichen, bei der alle jene nothwendigen und einfachsten Anforderungen meiner Natur, wie viele, viele Schmerzen sie mich gelehrt haben, zu ihrem Rechte kommen. Und vielleicht gelingt es mir! Der tägliche Kampf gegen mein Kopfübel und die lächerliche Mannigfaltigkeit meiner Nothzustände erfordert eine solche Aufmerksamkeit, daß ich Gefahr laufe, dabei kleinlich zu werden — nun, es ist das Gegengewicht gegen sehr allgemeine, sehr hochfliegende Triebe, die mich so beherrschen, daß ich ohne große Gegengewichte zum Narren werden müßte. Eben habe ich mich von einem sehr bitterbösen Anfalle erhoben, und kaum ist die Noth zweier Tage abgeschüttelt, so läuft meine Narrheit schon wieder ganz unglaublichen Dingen nach, vom frühsten Erwachen an, und ich glaube nicht, daß irgendwelchen Dachstubenbewohnern die Morgenröthe lieblichere und wünschbarere Dinge beleuchtet hat. Hilf mir diese Verborgenheit festzuhalten, verleugne meine Existenz in Genua, — für eine gute Spanne Zeit muß ich ohne Menschen und inmitten einer Stadt, deren Sprache ich nicht kenne, leben, muß ich — ich wiederhole es; fürchte nichts für mich! Ich lebe, wie als ob die Jahrhunderte ein Nichts wären und gehe meinen Gedanken nach, ohne an das Datum und die Zeitungen zu denken.

Ich will auch mit den Bestrebungen des jetzigen „Idealismus“, zumal des deutschen, nichts mehr zu thun haben — Thun wir Alle unsre Arbeit, die Nachwelt mag dann uns so und so in Ordnung stellen, oder sie mag es auch nicht thun: nur will ich mich frei fühlen und nicht Ja! und nicht Nein! sagen müssen, z. B. zu solchem echt-idealistischen Büchlein, wie das ist, welches ich Dir mitsende. Es ist das Letzte, was ich vom jetzigen „deutschen Geiste“ kennen lernen will — ebenso rührend als anmaaßend als unsäglich geschmacklos: lies es nur einmal, mit Deiner Frau zusammen, versteht sich! Und dann verbrennt es und lest zur Reinigung von diesem deutschen Schwulste Plutarchs Leben des Brutus und des Dion. — Lebe wohl, lieber Freund! Habe ich Dir denn zu Deinem Geburtstag gratulirt? Nein. Aber mir habe ich dazu gratulirt. In Liebe der Deine.

Genova, poste restante.

67. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 24. November 1880>

Lieber Freund, ich lasse ein Kärtchen zu Ihnen fliegen, bloß um Ihnen zu sagen, was ich eben stark empfinde: ich glaube, Sie und ich, wir sind auf dem rechten Wege! Einsamkeit, und Strenge gegen uns vor unserm eignen Richterstuhl, kein Hinhorchen mehr nach Anderen, Mustern und Meistern! Ein Leben, das unserm innersten Wunsche gemäß ist und wird, eine Thätigkeit ohne Hast, kein fremdes Gewissen über uns und unserm Thun! So versuche ich’s nun wieder einmal, mir herzurichten: und Genova scheint mir der rechte Ort, drei Mal jedes Tages ist mir hier das Herz übergegangen, bei dieser in die Ferne weisenden Größe und unternehmenden Mächtigkeit. Hier habe ich Gewühl und Ruhe und hohe Bergpfade und das, was schöner ist als mein Traum davon, das campo santo.

In Liebe und Treue der Ihre
F.N.

68. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 24. November 1880>

Meine Lieben, ich mache wieder den Versuch, ein Leben zu finden, das mit mir selber harmonisch ist, und glaube, es sei auch der Weg zur Gesundheit; mindestens habe ich auf allen andern Wegen bisher meine Gesundheit nur eingebüßt. Ich will mein eigner Arzt sein, und dazu gehört bei mir, daß ich mir selber im Tiefsten treu bin und auf nichts Fremdes mehr hinhöre. Ich kann nicht sagen, wie sehr die Einsamkeit mir wohl thut! Glaubt ja nicht, daß es meine Liebe zu Euch verringere! Helft mir vielmehr, meine Einsiedelei verborgen zu halten: nur so kann ich mich selber in jedem Sinne fördern (und zuletzt vielleicht auch Andern nützlich werden) Hier, die große bewegte Meerstadt, an der jährlich über 10,000 Schiffe anlanden — die giebt mir Ruhe und Für-mich-sein. Dazu eine Dachstube mit ausgezeichnetem Bett: einfache gesunde Kost (alles habe ich vereinfacht) Meerluft, unentbehrlich für meinen Kopf; Wege mit herrlicher Pflasterung, und für November eine allerliebste Wärme! (Viel Regen leider)

Für den schönen Brief den herzlichsten Dank. In Liebe Euer F.

Genova poste restante

69. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1880>

Meine liebe Lisbeth, unsre Nachrichten haben sich gekreuzt, ich gehe alle Wochen einmal zur Post. Gehen! Ja gegangen wird viel! Auch gestiegen! Denn ich habe, um in mein Dachstübchen zu kommen, im Hause 164 Stufen zu steigen, und das Haus selber liegt sehr hoch, in einer steilen Pallast-Straße, die wegen ihrer Steilheit und weil sie auf eine große Treppe ausläuft, sehr still ist und etwas Gras zwischen den Steinen hat. — Meine Gesundheit ist in einer abscheulichen Unordnung, auch der Magen. Aber die Luft des Meeres thut mir unsäglich wohl. Verrathet meine Einsiedelei nicht. Geduld! Wie oft denke ich an Eure Güte vom Herbste! Euer F.

70. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1880.>

Genova poste restante.

Theurer Freund, so geht es, wenn man so selten zur Post geht, wie ich! Da finde ich Deinen gütigen aufmunternden Freundesbrief vor, und hätte ihn haben können, bevor ich meinen an Dich absandte — aus ihm wirst Du wenigstens ersehen haben, daß immer noch etwas Kapital von Muth und Geduld da ist, um verbraucht zu werden. Übrigens geht es mir übel — doch preise ich die Meeresluft und die guten Wege in und um Genova. — Mit dem Geld und Schmeitznern bleibt es bei der Verabredung, er ist benachrichtigt. Mit dem herzlichsten Gruße an Deine liebe Frau.

F.N.

71. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 15. Dezember 1880>

Meine Lieben, was für hübsche Bilder gebt Ihr von Eurem Leben! Es thut mit ordentlich wohl, daß mein peinlicher Zustand nichts daran verdirbt; ich meine, daß ich diesen Winter nicht in Naumburg bin. Erzählt mir vom Wetter recht genau. Ich habe noch nicht daran gedacht einzuheizen (und leider! könnte es auch nicht, es giebt keinen Ofen) Die Luft, hell und mild, thut mir wohl. Aber trotzdem: täglich Kampf der Gesundheit, keine Diät will anschlagen, ewige Magenleiden, alle zwei Tage krank u.s.w. Seit Marienbad geht es so! In Venedig war es besser geworden. — „Schöne Gedanken“ habe ich nicht, es ist nicht meine Jahreszeit dafür. Was kosten 5 Stearinkerzen gewöhnl<icher> Länge bei Euch? Und ein Pfund Zucker? — Um Alles!! ich bitte nichts zu senden! Denkt aber gütigst etwas für Euch aus und gebt es Euch in meinem Namen (nehmt, ich bitte, 10 Thaler: so viel habe ich doch noch?)

Mit den allerherzlichsten Wünschen Euer dankbarer

F.

72. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 22. Dezember 1880>

Lieber Freund, von Keinem hätte ich lieber etwas über meinen guten alten Gersdorff gehört als von Ihnen. Er scheint also noch derselbe zu sein: was mir wohlthut, denn ich fürchtete, er wäre unter das ihm mögliche Maaß von Wohlbefinden hinabgesunken. — Und Sie, Freund? Was haben Sie für ein November- und Dezember-Wetter gehabt? Hier war es unvergleichlich — so daß ich sehr mißtrauisch für den Rest des Winters bin. Es fehlt mir der Ofen, wie Ihnen. Aber bis jetzt konnte man Tag und Nacht im Freien sitzen (und liegen — ich komme eben von der einsamen Felsenküste) Meine Gesundheit war in Venedig viel besser, aber ich habe meine Jahreszeiten im Leiden: nach dem Sommer zu bin ich gesünder, von da sinkt es. Schreiben Sie recht viele solche Takte, wie die am Schluß von „Arm und elend muß ich sein“ (scherzando): sie gehören zur guten alten, sehr guten und stets guten Zeit: wohin wir Alle gehören möchten!

Treulich F.

73. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Genua,> 25 December 1880.

Heute, meine innig Geliebten, ist Weihnachten, folglich ist Neujahr vor der Thür — so muß denn doch ein Briefchen geschrieben werden, was auch die Herren Augen sagen! —

Gestern lag ich auf meinem Bette und dachte über das Leben nach und kam zum Schlusse, daß doch sehr Vieles unvollkommen ist, und man die Zähne oft übereinander beißen muß: daher solle man sich etwas Gutes sagen und thun, so oft es angeht, der Eine dem Anderen, damit doch etwas bei dem ganzen Leben herauskomme! (dabei fiel mir ein, daß ich die Tante Cäcilie niemals besucht habe, ebenfalls daß ich Euch den vorigen Herbst verdorben habe, durch meine Ungeduld und mürrisches Wesen) Und plötzlich merkte ich, daß es fünf Uhr sei und also die Stunde, wo bei Euch und allenthalben Bescheerung ist. —

In der Stadt war es etwas regnerisch, aber milde, wie ich mir nie einen 24. Dezember bisher vorgestellt habe. Ich bin doch sehr damit zufrieden, im Süden und am Meere sein zu können — mein Kopf hat ganz gewiß eine Wohlthat davon. Sonst geht es immer noch drunter und drüber, hin und her; ich will immer durch strenge Regelmäßigkeit und Gleichheit für einen wie den anderen Tag es zwingen — aber meine Natur scheint gerade das Umgekehrte zu wollen: dasselbe was ihr gestern gut that, thut es heute nicht, es bedarf einer lächerlichen Aufsicht, und doch ist alle Augenblicke etwas versehen und wieder mit Mühe und Noth gut zu machen. Ich bin sehr viel krank, aber unvergleichlich besserer Stimmung als andere Jahre zur gleichen Zeit. Das ist etwas! —

In Venedig (das zehnmal weniger für mich paßt als Genua) ist jetzt Gersdorff, er verkehrt viel mit Köselitz. Er malt, aber, nach Köselitzens Urtheil, mit viel Übertreibung, alle Köpfe zu heftig, roth, aufgeblähte Nüstern u.s.w. Kann mir’s recht gut denken! —

Gehen wir also friedlich in’s neue Jahr, meine Lieben! Ich weiß nicht, was aus ihm wird, glaube überhaupt nicht so recht mehr an wesentliche Veränderung meines Zustandes, er will eben abgewartet und ertragen sein, ohne daß man deshalb allen Lebensmuth verlieren müßte. Dagegen: bei Euch soll noch Gutes kommen, das nicht da ist, und alles Gute bleiben, das da ist: das wünsche ich in herzlicher Liebe!

Lebt wohl! Euer F.

NB. Ich war die letzte Woche desperat über Lärm im Hause und wollte zum vierten Male ausziehn, dachte mir eine Zornrede aus — und brachte es doch nur zu einer sehr verbindlichen Ansprache. Hinterher bilde ich mir gar noch ein, dieselbe habe die selbe Wirkung gethan, wie jene gethan haben würde. — So geht es.

Ich habe nicht für die guten Briefe dem Lama gedankt.

1880 (74 Briefe)

1. An Otto Eiser in Frankfurt

Naumburg. <Anfang Januar 1880>

Дорогой господин доктор,

Сердечная благодарность! Несколько дней назад я думал о Вас, мне хотелось снова поговорить с Вами; нет никого более достойного доверия, чем Вы. Но чтобы решиться на письмо, мне обычно приходится ждать в среднем 4 недели, пока не наступит терпимый час — и потом мне ещё приходится расплачиваться за это! Поэтому простите, если всё с моей стороны останется по-прежнему — — молчаливо, но с любовью.

Моё существование — это ужасное бремя: я давно бы сбросил его с себя, если бы не самые поучительные пробы и эксперименты в духовно-нравственной сфере, которые я провожу именно в этом состоянии страдания и почти полного отказа — это жаждущее познания веселье возносит меня на высоты, где я побеждаю все муки и всякую безнадёжность. В целом я счастливее, чем когда-либо в своей жизни: и всё же! Постоянная боль, несколько часов в день чувство, близкое к морской болезни, полупаралич, при котором мне трудно говорить, в перерывах — яростные приступы (последний заставил меня рвать три дня и три ночи, я жаждал смерти). Не могу читать! Очень редко могу писать! Не могу общаться с людьми! Не могу слушать музыку! Одинокие прогулки, горный воздух, молочно-яичная диета. Все внутренние средства для облегчения оказались бесполезными, мне больше ничего не нужно.

Холод мне очень вреден.

В ближайшие недели я отправлюсь на юг, чтобы начать существование прогулок.

Моё утешение — мои мысли и перспективы. Я калякаю здесь и там что-то на листе бумаги, я ничего не пишу за письменным столом, друзья расшифровывают мои каракули. Последнее, с чем справились мои друзья, следует ниже, примите это доброжелательно, даже если это, возможно, менее приветствуется вашим собственным образом мышления. (Я сам не ищу «последователей» — поверите ли вы мне? — я наслаждаюсь своей свободой и желаю этой радости всем, кто имеет право на духовную свободу)

Ваша дорогая жена стоит передо мной как благородная и сильная душа, которая желает мне добра. Я есть и остаюсь вашим

преданным Ф. Ницше

У меня уже несколько раз были длительные потери сознания. Прошлой весной меня в Базеле уже считали потерянным.

После последнего обследования зрение снова значительно ухудшилось.

2. An Malwida von Meysenbug in Rom

Naumburg den 14 Jan 1880.

Хотя письмо для меня — один из самых запретных плодов, вы, которую я люблю и почитаю как старшую сестру, всё же должны получить от меня ещё одно письмо — и, вероятно, это будет последнее! Ибо невыносимая и почти непрерывная мука моей жизни заставляет меня жаждать конца, и по некоторым признакам освобождающий удар близок настолько, что я могу на это надеяться. Что касается страданий и отречения, то жизнь моих последних лет может соперничать с жизнью любого аскета в любое время; тем не менее я многое приобрёл в эти годы для очищения и сглаживания души — и мне больше не нужны ни религия, ни искусство для этого.

(Вы замечаете, что я этим горжусь; действительно, полное одиночество заставило меня открыть свои собственные ресурсы) Я верю, что выполнил дело своей жизни, конечно, как тот, кому не оставляли времени. Но я знаю, что пролил каплю доброго масла для многих и что я дал многим знак к самоусовершенствованию, миролюбию и справедливому чувству. Это я пишу вам дополнительно, это должно было быть сказано при завершении моей „Человечности“. Никакая боль не смогла и не должна смочь соблазнить меня на ложное свидетельство о жизни, как я её познаю.

Кому ещё я мог бы сказать всё это, если не вам? Я верю — но это нескромно говорить?

— что наш характер имеет много сходств. Например: мы оба смелы, и ни нужда, ни презрение не могут сбить нас с пути, который мы признаём правильным. Также мы оба пережили многое в себе и перед собой, чей свет видели немногие из современников — мы надеемся на человечество и приносим себя в скромную жертву, не так ли? — —

Слышали ли вы что-нибудь хорошее о Вагнере? Прошло три года, как я ничего о нём не знаю: они тоже покинули меня, и я давно знал, что Вагнер, с того момента, как заметит пропасть между нашими стремлениями, больше не будет на моей стороне. Мне рассказывали, что он пишет против меня. Пусть он продолжает: истина должна выйти на свет любым способом! Я думаю о нём с постоянной благодарностью, ибо ему я обязан некоторыми из самых сильных побуждений к духовной самостоятельности. Фрау Вагнер, вы знаете, — самая симпатичная женщина, которую я встретил в жизни. — Но ко всякому общению, и тем более к возобновлению отношений, я совершенно неспособен. Уже слишком поздно.

Вам, моя дорогая, по-сестрински уважаемая подруга, привет от молодого старца, который не в обиде на жизнь, хотя и должен стремиться к концу.

Фридрих Ницше.

3. An Otto Eiser in Frankfurt

<Naumburg, Mitte Januar 1880>

Какой сюрприз! Какая весна! Какие хорошие люди живут на Хиршгассе! —

Нет, дорогой добрый господин доктор, я описал вам своё состояние по среднему за последний год, а не по исключению. Статистически: у меня было 118 тяжёлых дней приступов; более лёгкие я не считал. Если бы я мог описать вам постоянное, постоянную боль и давление в голове, на глазах, и это парализующее общее чувство от головы до кончиков пальцев ног! — Моя сестра видела меня в самых благоприятных обстоятельствах, я сам был склонен к надежде.

Преданный вам
Ф. Н.

4. An Franz Overbeck in Basel

<Naumburg, Ende Januar 1880>

Дела шли плохо, я не мог написать эти несколько строк, не мог и уехать.

Пожалуйста, распорядись деньгами по своему усмотрению и как можно скорее. Не хочешь ли ты также оплатить прилагаемый счёт Деттлофа? (он мне очень сомнителен — но я ничего не могу поделать)

Доктор Рée был у меня 5 дней, в более спокойном состоянии здоровья и к большому утешению для моего сердца.

Преданный тебе и твоей дорогой жене и помнящий

Твой друг

О, эта зима! (В прошлом году у меня было 118 тяжёлых дней приступов)

5. An Paul Rée in Stibbe

<Naumburg, Ende Januar 1880>

Как много радости вы мне доставили, мой дорогой, необыкновенно дорогой друг! Итак, я увидел вас снова и нашел вас такими, какими сохранила память в моем сердце; как постоянное приятное опьянение было это на протяжении этих 6 дней. Признаюсь вам, я больше не надеюсь на встречу, потрясение моего здоровья слишком глубоко, мучение слишком продолжительно; что мне поможет все самопреодоление и терпение! Да, в соррентские времена еще было на что надеяться, но это прошло.

Так что я благодарю за то, что имел вас, мой сердечно любимый друг!

Вашим уважаемым родителям благодарность и привет.

Ф.Н.

6. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)

<Riva, 14. Februar 1880>

Любимая сестра

вчера прибыл в Риву. В Больцано пролежал больным 2 дня. Сегодня пасмурно. Живу в вечнозелёном саду, который граничит с озером, вдали от города.

Адр.: Отель дю Лак

Рива, Южный Тироль

Лучшие пожелания обитателям гостеприимного дома.

Тебе самой всего прекрасного и хорошего.

Ф. Н.

7. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Riva, 14. Februar 1880>

Так я в Риве, погода пока пасмурная, сегодня дождь. Сад. Каменистая дорога соответствует моим ожиданиям.

По-прежнему нездоров. — Пожалуйста, немедленно пришлите тонкое пальто, серые брюки и одну ночную рубашку. Чемодан не отправляйте! Тёплое одеяло оставьте себе. Очень хорошо отапливается. В моём маленьком жилище глаза доставляют мне много хлопот. Написал Лизб<ет>. Бозен не сильно отличался от Наумб<урга>. Я уехал ещё больным.

С благодарностью вспоминая вашу заботу
ваш добрый сын!

Адр: Рива (Южный Тироль) Отель дю Лак

8. An Heinrich Köselitz in Venedig (Telegramm)

<Riva, Mitte Februar 1880>

Кёселиц, Венеция

С. Канчиано, калле нуова

5256

Отель дю лак в Риве

Ницше

9. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Riva, 16. Februar 1880>

Здесь я, друг, Рива (Южный Тироль) Отель дю лак. 13 марта я еду в Венецию.

Вам ближе и всегда
очень близко Ф.Н.

Можете ли вы приехать сюда? Или мы будем ждать?

10. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)

<Riva, 24. Februar 1880>

Только одно слово, дорогая сестра. С вчерашнего вечера Кёзелиц со мной. Самочувствие переменчивое. Природа снова радует меня.

Только не могу писать, глаза никак не хотят. Передай это также г-же Овербек с самыми сердечными приветствиями. и рекомендуй меня г-ну и г-же Рор.

Верно твой
Брат.

Пожалуйста, купи для меня 2 зубные щётки, самые жёсткие у Кристофа Буркхардта (закруглённые)

11. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Riva, 28. Februar 1880>

Моя дорогая мать, твоё письмо было прекрасным воскресным удовольствием. Сегодня закончился наумбургский сахар. Чай тоже пока хватало. Небольшая картина, изображающая прогулку по оливковой роще, будет отправлена в ближайшее время. Кёзелиц передаёт наилучшие пожелания, он просто неподражаем. — Я очень недоволен своим состоянием и нуждаюсь в терпении

С сердечной любовью Д<еин> С<ын>.

12. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Riva, 5. März 1880>

Наконец, моя дорогая мама! Но было 4 плохих дня, и я должен был ждать, пока смогу поблагодарить тебя за письма и посылку. Очень доволен, как новые штаны. Погода в целом хорошая, прекрасные прогулки. Обширные оливковые леса, также зеленый дубовый лесок, очень мягкий воздух. Больше не топить. Г-н Буссе ставит меня в затруднительное положение длинным письмом. Кёзелиц очень приятен и полезен.

Сердечно приветствую и обнимаю в душе
твой
сын.

13. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)

<Riva, 9. März 1880>

Большое спасибо, моя дорогая сестра, я радуюсь вместе с тобой, что ты теперь вошла в такую приятную и мирную гавань. Я только что преодолел (4 плохих дня позади) и настроен более радостно. Благодарю дорогого Овербека также за финансовую поддержку от моего имени, писать мне слишком тяжело. Альберты, когда приедут, найдут очень готовые умы; скажи им это. Кёзелиц со мной. Здесь прекрасные оливковые рощи и тень, сколько я захочу.

Твой преданный
Ф.

13a. An Otto Busse in Charlottenburg (Entwurf von Köselitz’ Hand)

Riva, Ende Februar 1880

В Шарлоттенбург

Уважаемый господин!

Благодаря встрече с одним из моих бывших университетских слушателей, я могу, по крайней мере, несколькими продиктованными словами подтвердить получение вашего ценного послания.

К сожалению, состояние моих глаз и общее самочувствие не позволяют мне сейчас прочитать ваше основное письмо; и я считаю, что действую в ваших интересах, если не буду просить, чтобы его зачитали мне, как в отношении вас, так и в отношении меня.

Если я правильно понимаю некоторые выражения из вашего более позднего, в целом загадочного сопроводительного письма, то вы говорите как примирившийся, после того как чувствовали себя обиженным мной, вероятно, потому что у вас сложилось ошибочное мнение о моих литературных намерениях.

Я же, напротив, прошу вас быть убежденным, что в моих печатных работах меня интересует исключительно философское, чисто предметное просвещение, а не жестокие игры с личностями моих друзей, как вы, к моему сожалению, предполагаете. Таким образом, при создании моих сочинений мне было абсолютно чуждо думать о вашей персоне, или о посланиях от вас или от моих близких друзей.

Так как я знаю, как серьезно вы обещали чтить справедливость и истину, то я надеюсь, что этим объяснением я способствую вашему успокоению и предотвращению дальнейших

Способствовать недопониманию, и я ещё раз заявляю, что меня всегда будет радовать, если я смогу причислить вас к своим читателям, — прежде всего, если я могу быть уверен, что вы, как таковой, по праву, оставите вне рассмотрения как вашу, так и мою личность, то есть, что в своих предположениях о поводах для моих записей вы не будете ошибаться так, как я должен заключить из того сопроводительного письма.

С глубоким уважением

14. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Riva, 12. März 1880>

Дорогой любимый друг, завтра мы отправляемся в Венецию.

Я очень недоволен, моё состояние ухудшилось за эти 3 недели, и боль постоянно очень мучительна. Теперь, значит, многообсуждаемая попытка с Венецией, от которой я не могу избавиться от недоверия. Самое сердечное и благодарное тебе и твоей дорогой жене

15. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Lichtbild)

13 марта 1880

на прощание из Ривы.

Ваш Фриц.
с самыми сердечными приветствиями.

16. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 15. März 1880>

Позавчера вечером я прибыл в Венецию, последнюю неделю в Риве я был очень болен. Здесь я живу хорошо, спокойно, у меня есть теплый камин; площадь Сан-Марко рядом. Вчера было красиво, но холодно, однако днем я мог пить кофе на открытом воздухе, под музыку, все было украшено флагами, а голуби Сан-Марко мирно летали вокруг. Улочки тенистые, с твердым, совершенно гладким мостовой. Жилье пока временное, пишите по адресу Кёселица.

С сердечной любовью

Ваш Фриц

17. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 22. März 1880>

Моя любимая сестра, большое спасибо за твое предложение, прости, но я еще не готов его воспринять. Пока что ужасные путешествия закончились! и я провожу очень необходимое испытание, не окажет ли решительно „депрессивный“ климат (медицински говоря) более благотворное влияние на мою голову, чем единственный применявшийся до сих пор возбуждающий. Венеция оказывает благоприятное воздействие на многих страдающих головными болями. Индивидуальную диету и уход за кожей я очень ценю и обеспечиваю себя в обоих случаях в достаточной мере; мой желудок не страдает, если я сам могу о себе позаботиться, у меня больше наблюдений за собой, чем у врача после многомесячного общения. Сердечно благодарен! О ящике и книгах в следующий раз. Самые теплые приветы нашей дорогой матери.

18. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 27. März 1880>

Сегодня я переезжаю в новую квартиру, расположенную так, что у меня есть длинная тенистая прогулка (ок. 20 минут) по берегу, и из окна свободно видно море (в городе мне было слишком тесно). Моя комната 22 фута в высоту, 22 фута в ширину и 23 фута в длину, с красивым мрамором, великолепная лестница ведет к ней, при этом странная скудость. Это моя находка. Пришлите мне сразу чемодан и положите в него следующие книги: Спенсер (Факты этики); Бауманн (Этика), Мартенсен (Этика), затем Стендаль, 2 тома, Гселль Фельс Южная Франция, книжечку о греческих островах, дорогая Лизбет, затем толстый том о Байроне (в Köselitziana, которые я оставил в Базеле; пришлите мне, пожалуйста, список их) перчатки, полотенца, стакан и тарелочку и подстаканник для яиц и т.д.) Еще не оправился от плохого приступа. — Осмотрел Лидо из-за морских ванн летом: хорошо! Сердечнейшая благодарность за письмо.

Ф.

Пожалуйста! банку молотого кофе.! и маизены. За день до Пасхи. — Адрес Кёселица.

19. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 17. März 1880>

Дорогой друг, я ещё не знаю, как Венеция действует на меня, возможно, лучше, чем я ожидал. Пока что только очень плохой приступ. — Сегодня я переезжаю в найденное мной жильё, расположенное не в тесных лагунах, а свободно, как у моря, с видом на остров мёртвых. В<енеция> имеет лучшую мостовую и тень, как в лесу: при этом нет пыли. Погода ясная. Лидо тоже себя оправдал. Пусть вам и вашей дорогой жене всё будет хорошо!

Думайте обо мне с любовью! Ваш Ф. Н.

Адрес всё ещё у Кёзелица.

20. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 2. April 1880>

Мои дорогие, это первый дождливый день в Венеции, и я чувствую его немного — но в целом это место мне нравится гораздо больше, чем Рива. Образ жизни здесь очень хорошо организован, я, вероятно, останусь здесь на лето. Кёселиц читает мне вслух, он приходит в четверть третьего и вечером в половине восьмого, каждый раз на 1–1,5 часа. Высокие комнаты и тишина благоприятствуют моему сну, кроме того, я получаю морской воздух из первых рук, ещё не испорченный Венецией. — Мой чемодан, вероятно, скоро прибудет? — Не понимайте эту открытку неправильно и не поднимайте победные крики, в деталях всё идёт день за днём как обычно, но я чувствую успокаивающее воздействие.

От всего сердца ваш Ф.

21. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 2. April 1880>

Дорогой заботливый друг, я рекомендую, следуя богатому опыту Кёселица: отправь деньги в обычном рекомендованном письме (на адрес Кёселица) без каких-либо указаний о деньгах, только 500 франков, в французской или швейцарской банкноте (ни в коем случае не Базельского банка). Остальные 250 франков положи на счет в банке для ремесленников. — Как я тебя утомляю!! — Моя комната 22 фута в высоту, морской воздух я получаю из первых рук, я чувствую успокаивающее воздействие этого места. Я еще не видел ни одной картины и не придаю достаточно значения церквям. Гораздо больше — истории церкви! И поэтому мои сердечные поздравления с ее новым продвижением. С сердечной дружбой к тебе и твоим близким

Ф. Н.

22. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 11. April 1880>Sonntag.

Мои дорогие, чемодан ещё не прибыл, наши письма пересеклись, и ваши были для меня большой радостью. Погода тем временем была постоянно отвратительной, сирокко, дождь: следовательно, я не могу сообщить ничего хорошего.

Моё жильё, однако, до сих пор оказалось хорошо выбрано.

С благодарными приветствиями Ваш
Ф.

23. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 11. April 1880>

Письмо с ценным содержимым прибыло счастливо и по самой низкой цене <10 ct.> в мои руки, большое спасибо! Дорогой друг, у нас были недели дождливой погоды и сирокко. — Моё жильё 22 фута в высоту и тихо, как на краю света. Я с большим удовольствием думаю о становящемся немецким Сент-Б<ёве> (Хотите комическую травестию его стиля, читайте Бальзака, «Капризы Клодины»). Ты не знаешь, где мои тома Стендаля? Ты когда-то писал мне о каталоге книг. Пожалуйста, оформи для меня в книжном магазине Фестерсена подписку на еженедельно выходящий каталог новых книг, который мне раньше присылали. Однако я хочу получать его всегда раз в квартал, первый том этого года, значит, сейчас. Адрес Кё<зелица>. Кё<зелиц> передаёт привет, у него много дел, мы видимся только вечером, он читает Штифтера.

Твой Фр Н.

24. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 21. April 1880>

Прекрасную благодарность за ваши письма, я надеюсь, что ты, дорогая Лизбет, снова полностью наслаждаешься здоровьем, и что твоё путешествие, моя дорогая мать, проходит удачно. Здесь погода совсем непостоянная; начинает теплеть, также появляются комары. Теперь должна оправдаться моя выбор жилья. Вода здесь лучше, чем в Наумбурге. От доктора Рее приходят терпимые новости. О Байройтских листах я ничего не хочу слышать, я их не читаю с июля 1877 года. Если ты, моя дорогая сестра, при чтении Revue des deux mondes найдёшь очень рекомендуемую книгу (историческую или философскую), то напиши мне, я буду очень благодарен. Мои и Кёзелица самые сердечные рекомендации.

25. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte).

<Venedig, 28. April 1880>

Правильное название недавно упомянутой книги Бальзака — «Un prince de la Bohême». Очень замечательные вещи о Сент-Бёве я нахожу у Жорж Санд, «Histoire de ma vie», 6-я глава последней части cinquième partie.

Все книжные дела прибыли. Огромное спасибо.

Scirocco sempre.

Я бы хотел получить каталог книг, которые распространяет социалистическое издательство в Цюрихе. Как их точный адрес?

Сердечнейшее для Вас и Вашей дорогой жены.

Ф. Н.

26. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 3. Mai 1880>

Хочешь ли ты, моя любимая сестра, прислать мне список книг Овербека? И вложить 200 марок, о которых ты писала, в подходящем виде? (но так, чтобы осталось на подарки ко дню рождения, отправлять что-то отсюда и с этими таможенными трудностями бессмысленно.) Тебя, возможно, обрадует узнать, что я живу в основном на рисе и телятине. Мой желудок с момента отъезда не доставлял ни малейших проблем. Зато умственная диета — невероятно сложная вещь для продуктивного человека, и за каждый проступок (о котором я часто осознаю слишком поздно) приходится расплачиваться приступом. В этом врачи совершенно бессильны, только собственный разум может помочь и помог мне уже много. (Пожалуйста, отнеси на мой счёт маицену, кофе, рубашки и т.д.) Я живу очень экономно, здесь это не сложно

С любовью, твой брат

27. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 3. Mai 1880>

Моя дорогая мама, чемодан всё же пришёл, чуть не вернулся как невостребованный, номер дома был неправильный, почта 8 дней искала господина Кёселица. Он стоил мне 10 франков и день беготни и стояния. Благодарю за всё, что в нём! Рубашки слишком роскошны для моего облика, но зачем белые полотенца? Можно их продать? Мне нужно очень экономить место. Круглые конфеты — первое сахарное печенье, которое я здесь ем. Маизену использую для вечернего супа. Фильтровальная машина тоже была ненужной. Моё жильё продолжает оправдывать себя, несмотря на отвратительную погоду. Я сплю лучше, чем где бы то ни было. Моя дверь в комнату — 9 футов. Зеленая испанская стена из 8 частей делает огромную комнату уютнее. Вечно дождь и буря.

С сердечной любовью

Твой сын.

28. An Ida Overbeck in Basel

<Venedig,> den 24 Mai 1880

Дорогая уважаемая госпожа профессор, я благодарю Вас от всего сердца — но всё же у меня был небольшой укор совести: мне казалось, что я должен был бы любыми способами предотвратить такой поступок Вашей доброты, а я ничего не сделал!

Эссе не выросло «из сути» так, как другие работы того же автора, но я благодарен каждому, кто хотя бы затрагивает дело. Знать, как высшие культурные эпохи, нежели наша, мирились с самыми горькими страданиями — это очень важно, и, пожалуй, можно было бы потратить гораздо больше сил и знаний на это, чем г-н А смог предложить на этот раз.

Также не следует слишком много сопоставлять такие вещи с христианскими, иначе можно получить ложные краски.

Возражения против способа Сенеки утешать — как будто он хотел бы их вызвать? Он не хотел произнести слово, на которое ему было важно; он считал, что такая скорбь для женщины такого ранга (во всех смыслах) уже не прилична — что же он советовал? То, над чем размышлял всю свою жизнь, что является всегда присутствующей мыслью в его сочинениях, даже если ни слова об этом не сказано — самоубийство. Только при этом слове исчезают возражения; и та благородная душа должна была найти его сама! Ms. A<lbert> вместо этого захотела собрать лавры для христианства.— Возможно, я несправедлив к обеим гипотезам. —

Мой друг, передайте ему особую благодарность за всё, что он недавно передал мне через г-на Кёзелица; так освежает знать, что, находясь вдали, мы всё же так близки в чувствах. Например, нам с вами больше не нужны слова — для взаимопонимания по поводу евреев и их соратников. Признаюсь, все новости из Германии становятся мне тягостными и чужими, и моё здоровье почти вынуждает меня, ради сохранения, запечататься, как банка.

Живите хорошо!
Искренне благодарный
и преданный
Ф. Ницше

Из Венеции, города дождей, ветров и тёмных улочек.

Не верьте Джордж Санд насчёт Венеции (лучшее в ней — тишина и красивая мощёная дорога)

29. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 28. Mai 1880>

Твоему письму, которое мне очень понравилось, моя дорогая сестра, я отвечаю небольшим списком текущих цен в Венеции.

Вишня фунт

15 пфеннигов

Инжир (довольно приличный) фунт

24 пфеннига

Хлеб Грэма 1 1/2 фунта

28 пфеннигов

Бифштекс

45 пфеннигов

Ризотто

38—45

Макароны

24 пфеннига

Телятина в лимонном соусе

38 пфеннигов

Яйца          2 штуки

10 пфеннигов

Сахар, лучший, молотый, фунт 68

большая губка 24 пфеннига

всё на ваши деньги, с учётом текущего курса. — При этом ещё жалуются, как всё подорожало. — Я начну морские ванны в эти дни.

Думайте обо мне, дорогие, всё идёт так себе, не хочу больше писать подробности. Ваш Ф.

30. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)

<Venedig, 28. Mai 1880>

Ах, дорогой друг, что именно вам наносятся такие раны! Вам, кому я — я даже не могу выразить, как сильно — желаю ровного тёплого мирного солнца, от утра до вечера жизни, чтобы вся полнота благородных плодов созрела и стала совершенной без горечи и кислоты. Но бог каннибалов и аскетов радуется, когда страдают именно такие люди, как вы, это чистая жестокость. — И при этом вы ещё думаете обо мне и даёте мне снова глоток лучшего молока! — Это для меня и остаётся В. Скоттом, и я очень благодарю вас за это.

С сердечной любовью Ваш
Ф.Н.

31. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Venedig, 15. Juni 1880>

Сердечная благодарность за твоё милое письмо. Тем временем дождь и ветер не прекращаются день за днём, за исключением последних двух. Ходить по тёмным улочкам полезно для моих глаз, есть мало мест, которые мне подходят. Также я ничего не написал, кроме открыток вам и Овербеку (вам из Венеции 10 открыток, включая эту). Фрау Овербек перевела для меня на немецкий большой французский трактат (П. Альберта). Доктор Рее потерял свою сиделку (27 лет). Кофе вкусный, но не особенно крепкий. Новые рубашки жмут в горле, немного тесноваты. Я не нашёл зубные щётки и купил себе новые. Мой образ жизни очень целесообразен, но для каждого другого «невыносим». Ничего не поделаешь! Помните обо мне, дорогие.

От всего сердца Ф. Н.

32. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Venedig, 15. Juni 1880>

Если бы я мог писать письма, как пишет их ваша дорогая жена, то ответил бы ей (несмотря на все глаза); но я стыжусь и предпочитаю выразить ей через тебя, дорогой друг, свою самую сердечную благодарность. Заодно я должен сделать это и за каталог её рукописей, который мне сейчас прислали из Наумбурга и который мне полезен. — Книга Зибенлиста — это кусок шопенгауэровской филологии, против которого нечего (или всё!) возразить. — Принял три морских ванны. Я думаю скоро уехать и был бы рад, если бы деньги пришли сюда заранее (250 + 750, пожалуйста, точно как в прошлый раз, 2 французских купюры по 500, без указания номинала, но адрес на Кёзелица, не на меня, у меня такие трудности с легитимацией) Если на данный момент можно было бы отправить только 500 франков, то пусть остальное останется. Отъезд торопит, очень жарко.

Твой друг.

33. An Franz Overbeck in Basel (zwei Postkarten)

<Venedig, 22. Juni 1880>

Дорогой друг, деньги пришли, быстро, к удивлению. Я ещё не решил точно, куда поеду; и сегодня ещё не знаю, вероятно, не далеко, в леса, тень которых мне гарантируют в Крайне. Точные детали вскоре! вместе с новым адресом. Было бы возможно для тебя обойтись без 2 теологических книг на 4 недели? а именно, антропологию Павла Лüdemann’а и книгу о Юстине, которую ты мне часто называл. Тогда я хотел бы напечатанную статью Вакернагеля о брахманах и его другую (неопубликованную?) о буддизме. Ты его иногда видишь?

— Я снова перечитал твою «Христианство», с большим удовольствием от удивительно богатого содержания и превосходной композиции, я стал немного достойнее этой книги, ибо с тех пор я размышлял о многом, и притом в разных направлениях.

Я очень рад, что Я. Буркхардт ещё помнит обо мне.

(Продолжение.) Когда ты писал эту книгу, я, как теперь смущённо замечаю, думал, что понял лишь девять десятых. В ней так много тонких линий, что нужно очень внимательно вглядываться, чтобы испытать всю радость. — О моих сочинениях я не слышу ни слова; не думай, что я этим недоволен! — Последнее предприятие Шмица, о котором ты пишешь, отвратительно для меня; я недоволен, что он не сказал мне об этом ни слова. — Моё здоровье в Венеции было лучше, чем в Наумбурге и Риве, мой вид хорош. В остальном всё по-прежнему. — О докторе Рее тревожные новости. — Шлю тебе и твоей дорогой жене самые сердечные и благодарные приветы

Твой друг.

34. An Louis Kelterborn in Basel (Postkarte)

<Venedig, 27. Juni 1880>

Это были хорошие и радостные слова, которые вы обратили ко мне, дорогой господин доктор, и настроение вашего письма передалось мне и заставило меня с большой теплотой и благодарностью вспомнить о вас и Базеле. Очень охотно я хотел бы отправить вам желаемое музыкальное чудовище (которое, к сожалению, вызвало ваше сочувствие), но я совсем не знаю, в каком лесу оно теперь обитает; мой отъезд из Базеля сделал моё имущество для меня совершенно непригодным; это в Цюрихе, а то в Наумбурге, и заколото в ящиках, которые не упакованы мной, так что я не знаю, что внутри. Позже, дорогой друг! — А пока оставайтесь тем, кем вы были, с хорошим настроением и в стремлении вперёд, верные себе. —

Участие выдающегося художника г-на Брюннера очень меня почетно: ему и также г-ну Хуберу мой почтительнейший привет.

Др Ф.Н.

35. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Marienbad, 5. Juli 1880>

Так вот, дорогой друг, я наконец-то причалил в некий подобие гавани, после самого неприятного путешествия, которое я когда-либо совершал. Всё, что я видел в Крайне, Каринтии и Тироле, мне не подходило; более того, всё было невозможно. Теперь же Мариенбад в Богемии — но пока что два дня дождливой погоды. Путешествие сильно подорвало моё здоровье, я несколько раз был на грани отчаяния. Горный мир показался мне незначительным и „глупым“ (у меня слишком высокие требования к горам, как у Каламе — это стало для меня настоящим бедствием во время путешествия). Не покидайте так легко прекрасный Венецию, люди здесь такие уродливые, бифштекс стоит 80 крейцеров, кажется, будто находишься в худшем из миров. Пусть вам часто выпадают часы возвышения и красоты! И скажите мне, если с вами так происходит: никто не сможет радоваться этому больше, чем

Ваш друг
Ф.Н.

|| Мариенбад, Богемия, „Эрмитаж“. ||

36. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 5. Juli 1880>

Мои дорогие, я совершил очень плохое путешествие, чтобы найти лес и горы: всё разочаровало меня или, скорее: это было невозможно для моих глаз. Так что я удалился в Мариенбад в Богемии, мой дом называется Эрмитаж. Но пока только дождь, дождь и грязь. Ужасно дорого, бифштекс 80 крейцеров. Ни кусочка не вкусно, и так было всё путешествие. Я не нахожу того, что мне подходит, и как это было в В<енеции>. Там, однако, стало слишком жарко. Даже леса мне ещё не достаточно глубоки. Моё здоровье во время всего путешествия было как можно хуже, до отчаяния, я не спал ни одной ночи от боли. — Вот я снова близко к вам. Дольше 4 недель я здесь не выдержу, затем отправлюсь в Тюрингенский Л<ес>, где он самый глубокий.

С сердечной любовью Ваш Ф.

37. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Marienbad, 7. Juli 1880>

Дорогой друг, после очень неприятного и разочаровывающего путешествия я наконец-то оказался здесь, в Мариенбаде (в Богемии), мои глаза почти довели меня до отчаяния во всех этих так называемых «лесных местах», которые я видел по пути. Здесь лучше. Я живу в лесу: «Эремитаж» — так оно называется. Я мечтаю о том, что, возможно, мы увидимся снова этим летом? — Если ты можешь обойтись без книг, о которых я недавно писал, пришли их, пожалуйста; я так часто размышлял о «христианской» морали, что буквально испытываю голод по какому-нибудь материалу для своих гипотез.

Тебе и твоей уважаемой дорогой спутнице — добрые пожелания от пьющего воду и лесного бродяги.

38. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Marienbad, 7. Juli 1880>

Моя любимая сестра, я, конечно, мог бы тебе что-то послать, чтобы и с моей стороны достойно представиться среди празднующих твой день рождения: но сегодня, когда я внимательно обдумываю это дело, я не вижу, как я могу доставить в твои руки указанный предмет (+), воспоминание о Венеции, не разбив его; здесь у меня сейчас нет никого, кто мог бы мне посоветовать в таких делах, и поэтому, мне кажется, самое разумное — подождать до нашей встречи — что, конечно, очень меня огорчает. Пусть же мои самые сердечные поздравления найдут к тебе свой путь: и, возможно, это не продлится слишком долго, и мы отпразднуем 10 июля еще раз — в этом году, когда все месячные температуры перепутались и сейчас, например, стоит совсем милое поздне-октябрьское время, все должно быть позволено. — У меня болит голова, и я не могу больше писать. Это, конечно, пустяк, моя дорогая Лизбет, но со мной вообще больше ничего нет, к сожалению, к сожалению. Достаточно того, что я использую Марианские воды и леса и постараюсь отпраздновать твой праздник в обоих.

С любовью, твой брат.

(+) там есть немного синего шелка и немного серебра, венецианская работа, выглядит красиво и бесполезно, как все красивое.

39. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Marienbad, 10. Juli 1880>

Моя дорогая мать, я рад, что у вас сегодня хороший день: для нас здесь это первый. Я страдаю от усталости и плохого настроения и предполагаю, что это действие воды. Головные боли у меня такие же, как в прошлом году, это почти одинаково для Санкт-Морица, Венеции, Наумбурга и Мариенбада, тем не менее я считаю, что сделал прогресс, потому что боли уже не такие интенсивные. Леса здесь очень красивые — и все же для моих глаз этого еще недостаточно. В начале августа я хочу поехать в Рулу (или куда-то еще?), там, я думаю, можно принять хорошие волновые ванны? И лес действительно рядом? Сегодня, с особой теплотой, вспоминая о вас

Ваш Ф.

Адрес: «Эремитаж»! Мариенбад в Богемии.

40. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Marienbad, 18. Juli 1880>

Мой дорогой друг, я до сих пор несколько раз в день думаю о приятной венецианской роскоши и о ещё более приятном её создателе и говорю только, что так хорошо жить нельзя долго и что совершенно правильно теперь снова быть отшельником и десять часов в день гулять как таковой, пить роковые водички и ждать их действия. При этом я с усердием копаюсь в своём моральном руднике и иногда чувствую себя совсем подземным — мне кажется, что я, кажется, нашёл теперь ведущую жилу и выход, однако такое должно быть сто раз повериться и отвергнуто.

Hin und wieder tönt ein Echo Chopinscher Musik in mir, und das haben Sie nun erreicht, daß ich dabei immer an Sie denke und mich in Sinnen über Möglichkeiten verliere. Mein Vertrauen ist sehr groß geworden, Sie sind viel fester gebaut als ich vermuthete, und abgesehn von dem schädlichen Einfluß, den gelegentl<ich> Hr. Nietzsche auf Sie geübt hat, sind Sie von allen Seiten хорошо обусловлены. Ceterum censeo Berge und Wälder seien besser als Städte, und Paris besser als Wien. Darauf kommt aber nichts an.

Unterwegs kam ich mit einem höheren Geistlichen in Verkehr, welcher zu den ersten Förderern alter kathol<ischer> Musik zu gehören schien, er war jeder Detailfrage gewachsen.Я нашёл его очень увлечённым работой Вагнера над Палестриной; он говорил, что драматический речитатив (в литургии) — это зародыш церковной музыки, и хотел, чтобы исполнение было как можно более драматичным. Регенсбург — теперь единственный город на земле, где можно изучать старую музыку, а главное — слушать её (особенно в страстную неделю)

Вы читали о пожаре в доме Моммзена? И о том, что его выписки уничтожены, самые мощные подготовки, которые, возможно, сделал живущий сейчас учёный? Говорят, он снова и снова бросался в пламя, и в конце концов пришлось применить силу против него, покрытого ожогами.

Такие предприятия, как у Моммзена, должны быть очень редкими, потому что огромная память и соответствующая проницательность в критике и упорядочении такого материала редко сочетаются, а чаще работают друг против друга. — Когда я услышал эту историю, у меня перевернулось сердце, и до сих пор я физически страдаю, когда думаю об этом. Это сострадание? Но что мне до Моммзена? Я к нему не расположен. —

Здесь, в одиноко стоящей в лесу пустыни, пустыннике которой я являюсь, с вчерашнего дня большая беда: я, собственно, не знаю, что произошло, но на доме лежит тень преступления.

Что-то закопали, другие это нашли, слышались ужасные стоны, было много жандармов, проводился обыск, а ночью я слышал, как в соседней комнате кто-то тяжело и мучительно вздыхал, так что сон бежал от меня. Также казалось, что глубокой ночью в лесу снова копают, но произошла неожиданность, и снова были слёзы и крики. Один чиновник сказал мне, что это «история с банкнотами» — я недостаточно любопытен, чтобы знать столько, сколько, вероятно, знает весь мир вокруг меня. Достаточно, что лесное уединение жуткое.

Я читал новеллу Мериме, в которой, как говорят, описан характер Г. Бейля: «этрусская ваза»; если это правда, то это тот самый Сен-Клер. Всё это насмешливо, благородно и глубоко меланхолично.

Наконец, размышление: перестаёшь по-настоящему любить себя, когда перестаёшь упражняться в любви к другим: поэтому последнее (прекращение) очень не рекомендуется. (Из моего опыта.) Живите хорошо, мой любимый и очень уважаемый друг, пусть вам будет хорошо днём и ночью.

Преданный вам Ф.Н.

В вашем отношении к дезертиру Шопенгауэр увидел бы доказательство неизменности характера — и, как почти всегда, был бы неправ.

41. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Marienbad, 19. Juli 1880>

Мой дорогой друг, твоя посылка и сюрприз производят самое приятное впечатление. Твои собственные трактаты — очень тонкие вещи, в них веет такой хорошо-филологический дух, что мне становится по-настоящему тяжело на сердце. Судя по гибкости стиля, я бы подумал, что ты получал удовольствие, работая над ними. — Но какой же отвратительный тип этот Энгельхард! Раз он всё знает так намного лучше, чем Юстин, то, вероятно, не понимает его, уже из одного высокомерия. В отличие от этого работа Людемана — шедевр на очень сложном поприще: к сожалению, он не писатель. (Вакернагелю я хочу написать слово благодарности.) С моими глазами, конечно, дело обстоит очень плохо, я не могу беречь их больше, чем берегу, и всё же они на самом деле не выносят ни чтения, ни письма; иногда найти четверть часа — это настоящее искусство. — Прекрасная мысль: встретиться в Наумбурге. Мои сердечнейшие приветы твоей дорогой жене и уважаемым родственникам в Цюрихе.

Ф.Н.

42. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 19. Juli 1880>

Моя добрая милая сестра, твоё весёлое голубое письмо мне очень понравилось: на следующий день у меня был лучший день до сих пор. Сейчас в доме горе, хозяин внезапно был отправлен в тюрьму, жандармы пришли и выкопали печатный станок для фальшивых банкнот, обыск и много горя вслед за этим. Бедная женщина уже 3 дня в полной и глубокой отчаянности. Как я сказал: в следующем месяце я поеду в Рулу, надеюсь, леса там так же хороши, как и здесь. Но оставаться здесь надолго — для меня это невозможно. За один гульден я здесь не могу наесться. Всё в 3—5 раз дороже, чем в Венеции. Лето, замечаю я, всё же моё лучшее время. В Руле увидимся? Сердечные приветы нашей доброй матери

43. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 27. Juli 1880>

Возможно, мои дорогие, мои последние письма не дошли до вас, последнее, что я получил от вас, было милое и искренне радующее меня письмо от 12-го числа этого месяца. Если на нём не написано «Эрмитаж», ни одно письмо не попадает в мои руки, слишком велико количество приезжающих и уезжающих чужаков. (Кстати, три четверти из них — евреи.) Вчера и сегодня дождливая погода; я не был у источника, что меня огорчает. На следующей неделе я хочу уехать, но, как я только сейчас понял по картам, Тюрингенский лес ужасно далеко отсюда, а Северная Богемия, говорят, имеет такие прекрасные лесные места. Я думаю пройти умеренный курс холодной воды и верю, что тогда хорошо проведу лето.

С сердечным расположением Ваш Ф.

Почему же наша добрая мать больше не пишет нам ни слова?

44. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Marienbad, 2. August 1880>

Здесь, дорогой друг, несколько строк благодарности за ваше последнее письмо, которое меня многократно тронуло и взволновало; также я настоятельно прошу вас вычеркнуть слово «снисходительно»; вы всё ещё не знаете, как я о вас думаю, ни осторожно, ни снисходительно — вы заслуживаете моего доверия, и я хотел бы, по крайней мере в этом пункте, иметь и ваше. Но странно наблюдать: тот, кто рано отклоняется от привычного общего пути, чтобы идти своим истинным путём, всегда испытывает полу- или полное чувство изгнанника, осуждённого и беглеца от людей: это род плохой совести — страдание самостоятельно добрых. Лекарство — что вы думаете? — большой успех у тех самых, от кого ты ушёл. — Пожалуйста, не пропустите 3 статьи в вашей свободной прессе: (4 недели назад) Жорж Санд и А. де Мюссе. (8 дней назад Штифтер как пейзажист, и Гектор Берлиоз в своих письмах. — Последнее время всегда в неукротимо приподнятом настроении! Завтра отъезд — Преданный вам друг Ф. Н.

45. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)

<Marienbad, Anfang August 1880>

Пожалуйста, пожалуйста! И мне один из первых экземпляров! И как можно скорее! Вместе с тем, что для профессора Овербека.

46. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Marienbad, 2. August 1880>

Завтра, мои дорогие, я собираюсь уехать отсюда. Не могу точно сказать, куда? Есть так мало мест, где я могу выдержать. К сожалению, уже 2 или 4 дня идет дождь. — Твое письмо, дорогая мама, я все же получил, через 6 дней! (не хватало точного адреса — но почему?) в нем сплошные радостные вещи: пусть вашему вишневому празднику будет дарована хорошая погода. Овербеки будут в Дрездене с 12 августа, их обратный путь не пролегает через Наумбург; зато, согласно последнему письму, они в начале сентября приедут в Наумбург, если я к тому времени уже буду там. Очень возможно, что я совершу обратный путь через Дрезден (в зависимости от выбора моего курорта). Мое самочувствие не неудовлетворительное, и ничего не может быть более регулярным, чем мой образ жизни! Я нахожусь в пути не менее 8 часов в день: так я переношу жизнь. Я думаю о тебе и нашей дорогой Лизбет с сердечным желанием встречи.

Ф.

47. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 12. August 1880>

Я всё ещё, мои дорогие, в Мариенбаде, погода день за днём и неделями отвратительная, вечный дождь и серое небо. Моё самочувствие медленно ухудшилось, снова были сильные приступы с рвотой и т.д. — Но я не хочу больше писать об этой муке. Как давно я лишён того, что так заметно мне помогает, чистого воздуха и солнца! Я, вероятно, останусь здесь до конца месяца, я слишком недоверчив к смене мест и так редко нахожу что-то подходящее для себя. Здесь у меня есть лес и хорошие дороги в нём, по которым я часто хожу под дождём. В начале сентября я приеду к вам и надеюсь найти там тихую, благотворную осеннюю жизнь. Но в середине октября меня снова потянет на юг, ничего не поделаешь — пока я ещё не переношу Германию. Я думаю о вас с большой любовью.

Ф. Н.

48. An Ida Overbeck in Dresden

<Marienbad, 18. August 1880>Mittwoch früh.

Час назад, дорогая госпожа профессор, я получил «Людей XVIII века», пролистал его и увидел то одно, то другое хорошее слово, а за каждым хорошим словом — столько, столько больше! Это восхитило меня, и одновременно меня охватило чувство глубокой невыразимой потери. Думаю, я заплакал, и было бы странно, если бы эта маленькая хорошая книга не вызвала у многих других подобного чувства. —

Почему я не писал? Потому что уже три недели машу крыльями, пытаясь уехать из Мариенбада, — и потому что три недели непрерывной дождливой погоды удерживали меня здесь, вредили моему здоровью и почти лишили меня всякой способности принимать решения из-за постоянной смены ожиданий и разочарований.

Теперь я намерен терпеливо продержаться до конца месяца и постараюсь снова достичь умеренной степени благополучия, которой я обязан лесу, солнцу, ясному небу и роковой питьевой водичке в первые недели моего пребывания здесь. Если бы всё осталось так, я провел бы свой август в окрестностях Дрездена — таков был мой план, и я не писал, чтобы сообщить что-то определенное о времени прибытия.

Но в любом случае! Остается прекрасная надежда на наумбургскую встречу! не так ли? — и она не должна рухнуть! —

Сегодня здесь празднуют день рождения кайзера, но среди черных и желтых цветов я могу представить себе только что-то ужасное, например, день рождения чумы. — Я еще раз заглянул в Сент-Бёва. Он увидел очень тонкие вещи: на стр. 19 он говорит о непринужденности выражения (Фонтенеля), которая кажется — как тайная хитрость против величия вещей. Это воспринято в духе Паскаля.

Моему дорогому другу и всему уважаемому кругу — преданнейшие приветы

Вашего благодарного
очень благодарного
Фридриха Ницше.

49. An Heinrich Köselitz in Venedig

<Marienbad, 20. August 1880>

Друг Кёзелиц, в моё настроение урожая и праздника урожая врывается ваше письмо, хотя и несколько мрачное, но такое доброе и сильное, что и сегодня, как и всегда, я завершаю и успокаиваю свои размышления о вас хоралом

„Что К. делает, то хорошо сделано,

Его воля остаётся справедливой!“

Аминь.

Вы из более крепкого материала, чем я, и можете себе позволить более высокие идеалы. Я же, со своей стороны, ужасно страдаю, когда лишён симпатии; и ничто, например, не может мне компенсировать то, что в последние годы я потерял симпатию Вагнера. Как часто я мечтаю о нём, и всегда в стиле нашего тогдашнего доверительного общения!

Между нами никогда не было сказано ни одного дурного слова, даже во сне, но очень много ободряющих и весёлых, и, возможно, ни с кем я не смеялся так много вместе. Теперь это кончилось — и что толку иметь в некоторых вещах право против него! Как будто этим можно стереть из памяти эту потерянную симпатию! — И подобное я уже переживал раньше и, вероятно, переживу снова. Это самые тяжёлые жертвы, которые потребовал от меня мой путь в жизни и мышлении — даже сейчас после часа симпатичной беседы с совершенно незнакомыми людьми вся моя философия колеблется, мне кажется таким глупым хотеть быть правым ценой любви и не иметь возможности передать самое ценное, чтобы не нарушить симпатию. Hinc meae Iacrimae. —

Я всё ещё в Мариенбаде: «австрийская погода» удерживает меня! Представьте, что с 24 июля каждый день шёл дождь, и часто по несколько дней подряд. Дождливое небо, дождливый воздух, но хорошие дороги в лесу. Моё здоровье снова ухудшилось; в общем, я доволен Венецией и Мариенбадом. Здесь, безусловно, со времён Гёте ещё не думали так много, и даже Гёте не позволял себе столь принципиальные мысли — я далеко превзошёл самого себя.

Однажды в лесу меня очень пристально разглядывал проходящий мимо господин: в этот момент я почувствовал, что у меня на лице должно быть выражение сияющего счастья и что я уже два часа хожу с ним. Я живу инкогнито, как самый скромный из курортных гостей, в списке постояльцев я значиюсь как «Господин учитель Ницше». Здесь много поляков, и эти — странно — считают меня безусловно поляком, подходят ко мне с польскими приветствиями и — не верят мне, когда я представляюсь швейцарцем. «Это польская раса, но сердце, Бог знает куда, обращено» — с этими словами один из них простился со мной, совсем опечаленный.

В начале сентября я буду в Наумбурге. Туда же приедут и Овербеки.

Также госпожа фон Вёрманн (она распускает свой дом в Н<аумбурге> и возвращается в Венецию) Сын госпожи фон В<ёрманн> и его друг граф Вертерн, которые учатся в Наумбургской гимназии, приходят к нам в дом. У вас есть «Люди XVIII века» Сент-Бёва? Это великолепные портреты людей, и Сент-Б<ёв> — великий художник. Но над каждой фигурой я вижу ещё одну дугу, которую он не видит, и это преимущество даёт мне моя философия. Моя философия? Чтоб меня чёрт побрал! А вас пусть возьмёт милый Бог — он радуется всем Кёселицам.

Преданный вам

ФН.

50. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 21. August 1880>

Мои дорогие, огромное спасибо за ваши письма. Но лама! Как она торжествует над миром, бродит среди знаменитых животных! В конце концов, её брат, который «отрёкся от мира» и всё ещё скитается по лесу, стал слишком ничтожным и невзрачным зверьком! Несмотря на всё! он приедет в Наумбург в конце августа или 1 сентября, или 2 сентября. — До сегодняшнего дня каждый день, с момента моего последнего письма к вам, шёл дождь. — У вас в руках прекрасная хорошая книга «Люди XVIII века»? Это те люди, о существовании которых я не могу слышать без волнения, я скучаю по ним и не нахожу в настоящем ничего, что могло бы их заменить. — Моё самочувствие, благодаря удивительной мудрости моего образа жизни, снова немного улучшилось.

С сердечной любовью

Ваш Ф.

Только что в лесу я нашёл новорождённого оленёнка.

Если у Бербига есть моя мера, пусть он немедленно сделает мне пару сапог.

51. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Marienbad, 23. August 1880>

Моя любимая сестра, я отвечаю сразу: адрес Овербека — Дрезден, Сидониенштрассе, 7. III. Я сам думаю приехать в среду, самое позднее в четверг в начале сентября. Номер «Gegenwart» до сих пор не попал мне в руки; что толку в этой берлинской мудрости! — Новым пансионерам желаю удачи, больше удачи, чем удалось получить от старого. Желание, конечно, очень скромное: тем скорее оно исполнится. — Сапоги в работе? — В предвкушении нашей встречи (тихого совместного времяпрепровождения без других людей)

Ваш Ф.

«Gegenwart» пришла: ты её читала? Из неё нечего узнать, но ради Шмейцнера она достойна похвалы!

52. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Stresa 14. Oktober 1880>

Мои дорогие, до сих пор это было худшее из всех путешествий, подробности отвратительны. Во Франкфурте началась рвота, в Гейдельберге я лёг в постель. Снова на середине Готтарда случился приступ, и я был болен 3 дня в Локарно. Теперь я здесь, в Стрезе, ноленс воленс (чтобы дождаться своих чемоданов) снял комнату на месяц, постоянно меланхоличен или расстроен (что совсем не одно и то же). Погода приносит мне везде затяжные дожди и сирокко. Я удивлён, как мало южного в этом озере (совсем не сравнимо с Гарда!). Здесь всё ещё довольно по-швейцарски, впрочем, днём есть тенистая дорожка, а утром абсолютно ничего подобного (нет высоких стен, как в Сорренто). Пока нет еды, которую я могу переносить. Сегодня пробую тапиоку. Адрес: Stresa, Lago maggiore (Italia) poste restante. Искренне благодарен вам ваш

Ф.

53. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Stresa 14. Oktober 1880>

Тем временем всё шло печально, дорогие друзья! Постоянно болен, с середины пути через Готтард, и преследуемый проливными дождями. В Локарно я был вынужден остаться на 3 дня в самом плохом состоянии. Что меня здесь, в Стрезе, ожидает, где я хочу пробыть месяц (чтобы дождаться своих чемоданов), я не предвижу — Озеро мне не кажется достаточно южным, уже чувствуется дыхание зимы. Мне срочно и немедленно нужно, чтобы вы прислали французско-немецкий словарь (маленький, с приличным шрифтом). Адрес: Stresa, Lago Maggiore (Italia) poste restante. — Базельские часы были так освежающи! С благодарностью и сердечным приветом

Ф. Н.

54. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Stresa, 20. Oktober 1880>

Дорогой, дорогой, удивительный друг, я — злодей, который должен бы оправдаться, но не может: разве что вы примете во внимание глубокое и жалкое ухудшение моего здоровья. С того августовского письма (которое я всё ещё ношу с собой — оно тяжёлое) я не макал перо в чернила: настолько отвратительно, настолько требующе терпения моё состояние. Честно говоря, я не испытывал радости ни от чего, кроме как от мыслей о вас, и то, что вы мне теперь сообщаете, относительно «Шутки, Хитрости и Мести», вчера совершенно сразило меня, и я несколько часов бродил в счастливом опьянении. Так должны помогать себе хорошие художники и сбрасывать со счетов все виды стесняющего давления! Подумайте, и я иногда думал, что вам будет спокойнее на душе, если я снова буду далеко — но, тем не менее, мне очень хочется быть с вами, ибо я люблю вас так, как чту и хотел бы беречь. — В ноябре в Неаполь. Стреза, Лаго-Маджоре, до востребования.

В верности и доверии

55. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte).

<Stresa, 20. Oktober 1880>

Это весёлые и хорошо получившиеся вещи, о которых ты пишешь, я желаю, чтобы всё так и продолжалось. У меня всё ещё состояние нищеты. Однако позавчера я совершил прогулку полную покоя, без радости, но и без боли — это был прогресс, который я очень ощутил. Маленькая машинка прекрасно себя зарекомендовала, большое спасибо, моя дорогая сестра! Здесь прохладно и туманно. Мой день рождения я забыл, впервые. Пожалуйста, сходи к экспедитору, нам нужно изменить маршрут багажа, так как я не буду совершать морское путешествие из Генуи (я не выдержу его в таком состоянии). Пусть он отправит сопроводительный лист и теперь адресует так: Кастелламаре (presso di Napoli) Italia. Пенсионе Вайс.

Я поеду по суше, небольшими этапами и во втором классе. Здесь я останусь до 10 ноября. Много терпения. Помогите мне с экспедитором! И помните обо мне с любовью, как я в благодарности

Ваш сын и брат

56. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Stresa, 27. Oktober 1880>

Да, пришлите мне что-нибудь, дорогой друг! Вы так строго отнеслись ко мне в отношении вашей музыки, что мне даже в голову не приходило просить вас о чем-либо: я радовался с верой и уверенностью, не «кладя палец на раны» — я имею в виду, что эту христианскую добродетель стоит вознаградить? Разве я хоть на мгновение был «неверующим Фомой» по отношению к вам? Я спрашиваю себя и проверяю свою память. — Но только не партитуру! — В тишине я все еще питаюсь несколькими тактами Шопена, которые остались у меня из вашей комнаты: там для меня был отблеск летнего воздуха, который я больше не нашел.

Ф. Н.

57. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Stresa, 31. Oktober 1880>

Если бы я только, моя дорогая, дорогая Лизабет, мог сообщить тебе что-то, что доставило бы тебе радость, как твое письмо доставило радость мне! Я так часто думаю о тебе — «но такой брат ни на что не годен в этом мире» — всегда мой заключительный стих. —

Все идет меланхолично-терпеливо, с плохими днями и лучшими, вперемешку. Мне всегда холодно, я боюсь зимы больше, чем когда-либо. Вчера при сильном западном ветре и чистом небе озеро действительно выглядело южным (как Гарда в феврале), но не в тепле. Сердечно благодарю за маленькое искушение на Ривьеру! Эта неделя посвящена кошмару с чемоданом! (Слово Кругу, что желание Густава получить партитуру «Нюрнбергских мейстерзингеров» невыполнимо) С большой любовью

Ваш Ф.

58. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Stresa, 31. Oktober 1880>

Мои дорогие друзья, на этот раз я забыл о своём дне рождения — впервые. В чём причина? Вероятно, моя голова слишком заполнена другими мыслями, и эти мысли приводят к тому, что я десять раз в день повторяю себе: «что со мной?» (Так я подбадриваю себя.) Ведь я очень часто не знаю, как мне вынести свою слабость (в духе, здоровье и прочем) и силу (в видении перспектив и задач) вместе. Моё одиночество — не только в Стрезе, но и в мыслях — чрезвычайно велико. Тем освежающе действует каждое слово и каждый поступок истинных друзей, ах, это настоящая необходимость!

От всего сердца благодарный Вам
Ф.Н.

59. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte).

<Stresa, 31. Oktober 1880>

Возможно, дорогой друг, вы снова вернулись домой и спасли себя и свою философию от опасностей моря и американского образа жизни. Я думаю о вас с истинной тоской, не имея никакой надежды удовлетворить её; ибо я снова должен был уехать на юг и на этот раз, как я себе пообещал, надолго. Как рецепт, так и естественная страсть, всё яснее проявляется во мне одиночество, и притом совершенное — и состояние, в котором мы можем творить своё лучшее, нужно создавать и приносить для этого многие жертвы. Для такого одинокого человека «друг» — более драгоценная мысль, чем здесь многие. — Моё почтение вашим родителям.

60. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Stresa, 7. November 1880>

Дорогой, любимый! Всегда болен, много лежу в постели, застигнут зимой, ежедневно повторяя 200 раз «что со мной?» — ну разве это человек, который должен сказать вам что-то иное, кроме «я верю!»? Иногда я чувствую через вашу музыку, от чего вы оторвались и отрываетесь. Затем мне приходит в голову идеал комической музыки, которая почти заставляет меня захотеть приехать в Венецию, чтобы поговорить с вами об этом. Третье: у меня нет пианино, четвертое: в моей жизни я еще не слышал пения, которое не оскверняло бы хорошую музыку — так что я больше не хочу думать о голосах, а только о комической музыке, как будто и так далее. Помилуйте и наберитесь терпения! Друг!

С завтрашнего дня: Генуя, до востребования.

61. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Stresa, 7. November 1880>

Тем временем, мои дорогие, у вас были печаль и заботы. К сожалению, я тоже не могу принести ничего ободряющего, ибо всё было и остаётся жалким. Внезапное наступление зимы — и здесь! — внезапно ввергло меня в то состояние наумбургского января. Я много лежал в постели. Я хотел уехать, но чемоданы! Наконец — сегодня! — я их получил, я только что вернулся из Интры на лодке, ничего не оставалось, кроме как охотиться за ними. В итоге эта посылка обошлась мне примерно в 40 фр., я сожалею о глупости. Завтра утром в 4 я отправляюсь дальше в Геную (адрес: Genova, Italia, poste restante). Доктору Рée я недавно писал. Шмейцнер вернул свой лист? — За соль пришлось заплатить штраф на таможне, и её выбросили в озеро. Интра намного приятнее, чем ледяное Стреза. Приветствую и обнимаю вас

Ваш Ф.

Доброе лама так много трудилось! Спасибо, спасибо!

62. An Gustav Krug in Köln

<Genua, 16. November 1880>

Здесь, в Генуе, мой дорогой Густав, я получаю твоё известие о трауре, пишу быстро несколько строк, неподготовленно, как это бывает в пути, и скорее как знак моего сочувствия, чем его выражение. К тому же, как меня только что известил календарь, сегодня твой день рождения — ты будешь с особой грустью оглядываться на свою жизнь! Мы становимся старше и, следовательно, одинокими: именно та любовь покидает нас, которая любила нас как неосознанную необходимость, не из-за наших особых качеств, а часто вопреки им. Наше прошлое сжимается, когда умирает мать: только тогда наше детство и юность становятся полностью воспоминанием.

И затем всё продолжается, умирают друзья юности, учителя, идеалы тех времён — всё больше одиночества, всё холоднее ветры обдувают нас. Ты хорошо сделал, что снова посадил вокруг себя сад любви, дорогой друг! Я верю, что сегодня ты будешь особенно благодарен своей судьбе. Кроме того, ты остался верен своему искусству, и я слушаю всё, что ты мне сообщаешь об этом, с глубоким удовлетворением, и, возможно, наступит время, более благоприятное для моего тела, чем нынешние обстоятельства, когда мы снова сможем сидеть вместе и видеть, как прошлое из твоих звуков воскресает, как мы оба в нашей юношеской музыке мечтали о нашем будущем.

Больше я не могу сказать, мои страдания (которые, как и прежде, каждый день имеют свою собственную историю) накладывают на меня свою властную руку. Ты можешь верить, что, когда думаешь обо мне (как ты сделал это в мой день рождения, который я сам на этот раз забыл), я не лишён мужества и терпения и стремлюсь к высоким, очень высоким целям, как бы то ни было —

Ты можешь быть так же уверен, что я твой друг и остаюсь им

Сердечно преданный тебе

Фридрих Ницше.

(Генуя)

63. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 16. November 1880>

Наконец, мои дорогие, слово! Тем временем на меня обрушилось всё несчастье, и такая путаница нападений и несчастных случаев непредсказуемого, что я едва ли переживал худшие времена. Без подробностей, зачем вас мучить! Прошу всех сказать, что я в Сан-Ремо: на самом деле я в Генуе и хочу здесь остаться (доказательство: вчера я уже снял здесь четвёртую квартиру). Не говорите никому. Я снова смелее. Генуя, до востребования

Италия

Последняя открытка из Стрезы за день до отъезда.

64. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 17. November 1880>

Ваше письмо пришло вовремя: только что появился первый светлый и спокойный момент после крайне мучительного и непостижимого времени, когда все беды тела и души обрушились на меня. О, глубокая меланхолия в Стрезе! Я пел и насвистывал ваши мелодии, чтобы ободрить себя: так они останутся в моей памяти! И, поистине, всё хорошее в музыке должно быть пригодно для свиста, но немцы никогда не умели петь и тащатся со своими пианино: отсюда страсть к гармонии. — Не выдавайте никому, что я в Генуе и останусь здесь, скажите, пожалуйста, при случае, что я в Сан-Ремо. Я хочу устроить себе самое неизвестное существование под крышей (основать его) (у меня уже четвёртое жильё). Оставайтесь мужественными и такими же радостно-доброжелательными, как в вашем последнем письме! Genova poste restante

65. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 17. November 1880>

Дорогой друг, я сообщаю только, что наконец достиг Лигурийского побережья и пока буду жить не слишком далеко от Генуи. С тех пор, как мы обменялись последними письмами и открытками, на меня обрушились все беды и невзгоды, так что я едва ли помню худшее время, я страдал как медведь в капкане, и даже малодушие и горечь гнездились в сердце — весьма по-раннезимнему, как и природа. Тем временем я думаю о пепле и фениксе: вверх! Помните обо мне с любовью!

Ваш друг.

(При любых обстоятельствах: Genova poste restante.)

66. An Franz Overbeck in Basel

<Genua, zweite Hälfte November 1880.>

Ты будешь погружён в глубокую работу, дорогой друг, но несколько слов от меня не побеспокоят тебя. Мне всегда так хорошо думать о тебе в твоей работе, это как если бы здоровая природная сила действовала через тебя, как бы вслепую, и всё же это разум, который работает с самым тонким и хрупким материалом, и мы должны были бы смириться с тем, что он иногда проявляет нетерпение, сомнение и даже отчаяние. Я обязан тебе так многим, дорогой друг, что смог так близко наблюдать за спектаклем твоей жизни: действительно, Базель подарил мне твой образ и образ Якоба Буркхардта; я имею в виду, что получил от этих образов не только познание, но и большую пользу.

Достоинство и изящество собственного и по сути отшельнического пути в жизни и познании: это зрелище было мне подарено неоценимой милостью моей судьбы — и, следовательно, я покинул этот дом иным, чем вошёл в него.

Теперь всё моё творчество и стремление направлены на то, чтобы воплотить идеальное уединение на чердаке, при котором все те необходимые и простейшие требования моей природы, сколько бы боли они ни причинили мне, получают своё право. И, возможно, мне это удастся!

Ежедневная борьба с моей головной болью и смехотворным разнообразием моих бедственных состояний требует такого внимания, что я рискую стать мелочным — ну, это противовес очень общим, очень высокопарным стремлениям, которые так владеют мной, что без больших противовесов я должен был бы сойти с ума. Только что я поднялся после очень горького и злого приступа, и едва сбросил бремя двух дней, как мое безумие уже снова гоняется за совершенно невероятными вещами, с самого раннего пробуждения, и я не думаю, что когда-либо обитателям чердаков утренняя заря освещала более прекрасные и желанные вещи.

Помоги мне сохранить эту тайну, отрицай моё существование в Генуе, — на какое-то время я должен жить без людей и посреди города, языка которого я не знаю, должен я — повторяю это; не бойся за меня! Я живу, как будто века — ничто, и следую своим мыслям, не думая о датах и газетах.

Я также не хочу иметь ничего общего с устремлениями нынешнего „идеализма“, особенно немецкого, — пусть каждый из нас делает свою работу, потомство может расставить нас так или иначе, или не делать этого: я лишь хочу чувствовать себя свободным и не должен говорить ни Да! ни Нет!, например, по поводу такой подлинно-идеалистической книжечки, как та, которую я тебе посылаю. Это последнее, что я хочу узнать о нынешнем „немецком духе“ — столь же трогательное, сколь и самонадеянное, сколь и невыразимо безвкусное: прочти её хоть раз, вместе с твоей женой, разумеется! А затем сожги её и для очищения от этого немецкого пафоса прочтите жизнь Брута и Диона у Плутарха. — Будь здоров, дорогой друг! Разве я поздравил тебя с днём рождения? Нет. Но я поздравил с этим себя. С любовью, твой.

Генуя, до востребования.

67. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 24. November 1880>

Дорогой друг, я посылаю вам открытку, лишь чтобы сказать, что я сейчас сильно чувствую: я верю, что вы и я, мы на правильном пути! Одиночество и строгость к себе перед собственным судом, больше не прислушиваться к другим, образцам и учителям! Жизнь, которая соответствует нашему глубочайшему желанию и становится ею, деятельность без спешки, никакой чужой совести над нами и нашими делами! Так я пытаюсь снова устроить это для себя: и Генуя кажется мне подходящим местом, трижды в день здесь мое сердце переполняется при виде этой устремленной вдаль величественности и предпринимающей мощи. Здесь у меня есть суета и покой, высокие горные тропы и то, что прекраснее моего сна об этом, — campo santo.

С любовью и преданностью ваш
Ф.Н.

68. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 24. November 1880>

Мои дорогие, я снова пытаюсь найти жизнь, которая была бы в гармонии со мной самим, и верю, что это также путь к здоровью; по крайней мере, на всех других путях я до сих пор только терял своё здоровье. Я хочу быть своим собственным врачом, и для этого мне необходимо быть верным себе в глубине души и не слушать ничего чужого. Я не могу сказать, как сильно одиночество мне идет на пользу! Только не думайте, что это уменьшает мою любовь к вам! Помогите мне лучше скрыть моё уединение: только так я смогу развиваться во всех смыслах (и, возможно, в конце концов стать полезным для других). Здесь, в этом большом оживлённом морском городе, где ежегодно причаливают более 10 000 кораблей, — он даёт мне покой и возможность быть наедине с собой. К тому же мансарда с отличной кроватью: простая здоровая пища (я всё упростил), морской воздух, необходимый для моей головы; дороги с великолепным мощёным покрытием, и в ноябре — прелестное тепло! (К сожалению, много дождя)

За прекрасное письмо — сердечная благодарность. С любовью, ваш Ф.

Дженоа, до востребования

69. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1880>

Моя дорогая Лизбет, наши письма пересеклись, я хожу на почту раз в неделю. Ходить! Да, много ходят! И поднимаются! Ведь чтобы добраться до своей мансарды, мне приходится подниматься по 164 ступенькам в доме, а сам дом стоит очень высоко, на крутой улице Паласт, которая из-за своей крутизны и потому, что выходит на большую лестницу, очень тихая и местами поросла травой между камнями. — Моё здоровье в отвратительном беспорядке, как и желудок. Но морской воздух невероятно благотворно на меня действует. Не выдавайте моё уединение. Терпение! Как часто я вспоминаю вашу доброту осенью! Ваш Ф.

70. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)

<Genua, 5. Dezember 1880.>

Генуя, до востребования.

Дорогой друг, так и бывает, когда ходишь на почту так редко, как я! Вот нахожу твое доброе, ободряющее письмо, и мог бы получить его раньше, чем отправил свое тебе — из него ты хотя бы увидишь, что еще остался какой-то капитал мужества и терпения здесь, чтобы быть потраченным. Впрочем, мне плохо — но я хвалю морской воздух и хорошие дороги в Генуе и вокруг. — С деньгами и Шмейцнерами остается по договоренности, он уведомлен. С самым сердечным приветом твоей дорогой жене.

Ф.Н.

71. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)

<Genua, 15. Dezember 1880>

Мои дорогие, какие прекрасные картины вы рисуете своей жизнью! Мне очень приятно, что моё тяжёлое состояние ничуть не портит их; я имею в виду, что этой зимой я не в Наумбурге. Расскажите мне поподробнее о погоде. Я ещё не думал о том, чтобы топить (и, увы! не мог бы этого сделать, здесь нет печи). Воздух, светлый и мягкий, идёт мне на пользу. Но тем не менее: ежедневная борьба за здоровье, никакая диета не помогает, вечные проблемы с желудком, каждые два дня болен и так далее. Так было с Марианских Лоз! В Венеции стало лучше. — «Прекрасных мыслей» у меня нет, это не моё время года для них. Сколько стоят 5 стеариновых свечей обычной длины у вас? И один фунт сахара? — Ради всего! я прошу ничего не присылать! Но, пожалуйста, придумайте что-нибудь для себя и подарите себе от моего имени (возьмите, пожалуйста, 10 талеров: у меня ещё есть столько?)

С самыми сердечными пожеланиями ваш благодарный

Ф.

72. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)

<Genua, 22. Dezember 1880>

Дорогой друг, от кого бы я с большим удовольствием услышал что-нибудь о моем добром старом Герсдорфе, чем от Вас. Значит, он все еще остается тем же: это меня радует, ибо я боялся, что он опустился ниже того возможного для него уровня благополучия. — А Вы, друг? Какая у Вас была погода в ноябре и декабре? Здесь она была несравненной — так что я очень недоверчиво отношусь к остатку зимы. Мне не хватает печи, как и Вам. Но до сих пор можно было сидеть (и лежать — я только что с одинокой скалистой береговой линии) на открытом воздухе днем и ночью. Мое здоровье в Венеции было намного лучше, но у меня есть свои сезоны в страданиях: после лета я становлюсь здоровее, а затем оно ухудшается. Пишите как можно больше таких тактов, как в конце "Беден и несчастен я должен быть" (scherzando): они принадлежат доброму старому, очень доброму и всегда доброму времени: куда бы мы все хотели принадлежать!

Преданный Вам Ф.

73. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Genua,> 25 December 1880.

Сегодня, мои горячо любимые, Рождество, следовательно, Новый год у дверей — так что, конечно, нужно написать маленькое письмецо, что бы ни говорили господа глаза! —

Вчера я лежал на своей кровати и размышлял о жизни и пришёл к выводу, что очень многое несовершенно, и часто приходится стискивать зубы: поэтому нужно говорить и делать что-то хорошее, как можно чаще, один другому, чтобы хоть что-то получилось из всей этой жизни! (при этом я вспомнил, что никогда не навещал тётю Цецилию, а также что я испортил вам прошлую осень своим нетерпением и угрюмым характером) И вдруг я заметил, что уже пять часов, а значит, время, когда у вас и повсюду раздают подарки.

В городе было немного дождливо, но мягко, как я никогда раньше не представлял себе 24 декабря. Я очень доволен тем, что могу быть на юге и у моря — моя голова определенно получает от этого пользу. В остальном всё идет вверх тормашками, туда-сюда; я всегда пытаюсь заставить это строгой регулярностью и однообразием для одного дня, как и для другого — но моя природа, кажется, хочет именно противоположного: то, что вчера было ей полезно, сегодня не помогает, требуется смешной надзор, и всё же каждую минуту что-то упускается и снова с трудом и с трудом исправляется. Я часто болен, но настроение у меня несравненно лучше, чем в другие годы в это же время. Это что-то!

В Венеции (которая мне подходит в десять раз меньше, чем Генуя) сейчас Герсдорф, он много общается с Кёзелицем. Он рисует, но, по мнению Кёзелица, с большим преувеличением, все головы слишком резкие, красные, раздутые ноздри и т.д. Я вполне могу это себе представить! —

Так давайте же спокойно войдем в новый год, мои дорогие! Я не знаю, что из него получится, вообще-то я уже не очень верю в существенное изменение моего состояния, оно просто требует ожидания и терпения, без того, чтобы из-за этого терять всю жизненную силу. Напротив: у вас должно появиться еще что-то хорошее, чего нет, и все хорошее, что есть, должно остаться: этого я желаю с сердечной любовью!

Будьте здоровы! Ваш Ф.

NB. На прошлой неделе я был в отчаянии из-за шума в доме и хотел в четвертый раз съехать, придумал себе гневную речь — и все же смог произнести только очень любезное обращение. Впоследствии я воображаю себе, что оно произвело такой же эффект, как и та речь. — Так и бывает.

Я не поблагодарил Ламу за хорошие письма.

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