1879 (134 Briefe)
790. An Louis Kelterborn in Basel
Edel sei der Mensch, hilfreich und gut
wie der Doctor Kelterborn!
Nein, im Ernste, Sie haben mir die erste Freude ins neue Jahr gebracht, mit dem, was Sie für mich thaten, zu mir sagten und sandten. Ich selber lag mit heftigen Schmerzen krank und bedurfte des Erfreuenden.
Mehr sage ich nicht. Grüßen Sie mit den Worten des ergebensten Dankes Herrn Huber. (Sie wissen, daß er mir schon einmal in diesem Winter eine große Wohlthat erwiesen hat: seiner Musik danke ich die beste Viertelstunde im ganzen Vierteljahr).
Ihr
Fr Nietzsche
791. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Sylvester und Neujahr böse böse Tage für mich. Jetzt geht die Noth des Semesters wieder an, diese Woche bin ich sehr beschäftigt.
Manuscr<ipt> in Schmeitzner’s Händen. Köselitz besorgt wieder die Correctur, wie ich heute durch Schm<eitzner> erfahre (ich kann es mir nicht besser wünschen — und fühle mich erleichtert, Ihnen keine neue Last zumuthen zu müssen.) Sie, Arme Gute, haben schon viel zu viel an meiner Noth mitgetragen!
Treulich
F N.
792. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Ganz einverstanden, ja glücklich: Freund Köselitz macht es besser als irgend jemand! — Also zugleich immer einen Bogen an mich absenden und einen Bogen samt M<anu>s<cript> an K<öselitz> — Ein paar Fehler in der Zählung kommen vor; 2 Zettel haben dieselbe Zahl. Eine Zahl fehlt. — Hier folgen noch 7 Aphorismen: stellen Sie dieselben ungefähr nach 374 (ja nicht später, eher früher!) — So kommen wir in summa über die Zahl 400 hinaus. —
Glück und Heil auf den Weg! F N.
793. An Gustav Krug in Bonn
Du hast mich, mein lieber Freund, dies mal Deinen Geburtstag auf die schönste Weise feiern lassen: denn Deine Musik brachte mich in die Nähe Deiner Seele, wie wohl nichts es sonst vermöchte. Das ist die Meditation eines edlen Gemüths über alles, was ihm das Leben geschenkt hat — und die Arbeit eines vortrefflichen Musikers. Du setztest mich in Erstaunen! — Ich selbst lebe ziemlich ferne von der Musik überhaupt — und muß es wohl.
Behalte lieb Deinen dankbar gesinnten
Friedr. N.
794. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Eure guten Wünsche begrüßten mich schon am Sylvester, ich danke von ganzem Herzen. — Neujahrstag war ein sehr böser Eintritt in’s neue Jahr! Seitdem habe ich alle meine Vorlesungen gehalten: erwarte aber, nach bestimmten Anzeichen, von morgen nichts Gutes. Der Finger ist auch wieder schlimm geworden (Nagelentzündung) Es ist wieder Schneelandschaft und Kälte. — Wollt Ihr noch einmal etwas schicken, so bitte ich, natürlich auf meine Unkosten, um eine nochmalige Wurstsendung, ich bin gar zu sehr zufrieden. — Von Frau Rothpletz bekam ich ein kostbares gebratenes Huhn de Bresse geschickt. Dr Eiser hat sehr schön zu Neujahr gratulirt, ich habe geantwortet. Seydl<itz>’s Adresse ist München Kletzenstrasse 4, I (ich habe seit lange ihm dahin geschrieben) — Allen guten Wünschen und Absichten gute Erfüllung.
In herzlicher Liebe Euer Sohn und Bruder
795. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Geehrtester Herr Verleger,
der 12te Januar und noch kein Bogen? — Es wundert mich. — Sie wissen, daß Sie einen schwer Leidenden als Autor haben? daß ich Tag für Tag voraus die sorgfältigste Ökonomie über die wenigen verfügbaren — für Kopf und Augen verfügbaren Viertelstunden zu machen habe? daß ich jede Abweichung mit heftigen Anfällen meines Leidens zu zahlen habe? daß mir die Art des Drucks vom vorigen Jahre in peinlichster leidvollster Erinnerung ist? — Ich muß Tag und Stunde wissen, wann die Bogen eintreffen: bitte, sagen Sie dies in der Druckerei und machen Sie, wenn es Noth thut, Strafcontrakte.
Was Sie von Bayreuth schreiben, thut mir weh, Ihretwegen! — Bayreuth liegt unter der Tropen-Zone, scheint es; sehen Sie zu, daß Sie nicht gelb oder gar schwarz dabei werden.
Anbei ein Satz, der aus Versehen nicht abgeschrieben wurde: er gehört in den Abschnitt, der anfängt „das einzige Mittel, welches wir gegen den Socialismus noch in den Händen haben“; nach den Worten „eure lärmende Opern- und Musikbegeisterung:“ muß es heißen:
: endlich eure Frauen, geformt und gebildet, aber aus unedlem Metalle, vergoldet, aber ohne Goldklang, als Schaustücke von euch gewählt, als Schaustücke sich selber gebend: — usw
Dann bitte, fügen Sie noch irgendwo einen meiner „Sprüche“ ein, auf den ich mir etwas zu Gute thue
Was ist Genie?— Ein hohes Ziel und die Mittel dazu wollen.
Und nun möge es Ihnen gut gehen, besser, zehnmal besser als es mir geht, was die Schmerzhaftigkeit des Daseins betrifft, aber gleich gut, wie mir, in Hinsicht auf Ruhe und Sicherheit der Seele.
Ihr ergebener
Friedr. Nietzsche.
12 Jan.
12 Jan.
12 Jan.
796. An Franz Overbeck in Basel
Seit gestern Abend ein fortgesetzter wüthender Schmerz. Was soll werden! — Kein Colleg. —
F N.
797. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Schlimmste Winterwoche hinter mir! Montag schlecht, Dienstag der Anfall, Mittwoch schlecht, Donnerstag und Freitag neuer sehr heftiger, gar nicht enden wollender Anfall, heute caput und müde. Nun muß es wieder besser kommen, hoffe ich. Aber das Collegienaussetzen ist mir gar zu ärgerlich gewesen. — Wenn Ihr mir etwa nach 2 Wochen noch einmal ein Kistchen senden wollt, so legt doch ein paar große weiße Servietten hinein, ich habe nur 2 und brauche sie viel. — Das Ritschl-buch ist leider nicht viel werth: leer und ziemlich frech. — Die neueste Dichtung von Lipiner „Renatus“ ist greulich unsympathisch, eine Verirrung. — Schmeitzner giebt in einigen Wochen etwas von mir heraus, einen Nachtrag zum letzten Buch, von c. 150 Seiten; es wird eifrig gedruckt, Köselitz (in Florenz) corrigirt wieder. Und nun mit innigem Gruß und Dank: lebt wohl.
798. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Lieber Herr Schmeitzner, Ihr Brief ist sehr gut (wie Sie) und that mir wohl! — Nun treiben Sie die Druckerei an, es muß feurig zugehen! — Hier noch zwei Stücke: sie gehören vor jene Nummer, die den Titel führt: „Tragikomödie von Regensburg.“ —
Etwas ungeduldig, aber ganz der Ihre F N.
Verargen Sie mir auf Bogen 1 ein Paar Textveränderungen nicht! es kommt so viel auf diese principiellen Dinge an.
799. An Heinrich Köselitz in Florenz
Lieber lieber Freund, so geht es wieder hin und her, zwischen Ihnen und mir, zu meiner allergrößten Freude — die so groß ist, daß ich alle Augenblicke die Größe Ihrer Bemühung vergesse, welche Sie sich wieder meinetwegen auf den Hals geladen haben, Sie Guter! Wenigstens hoffe ich Sie mit meinen Einfällen zu unterhalten — ich glaube, was in diesem Anhange zusammensteht, ist nichts Schlechtes: es wurde größten Theils in einer Höhe von 7200 Fuß über dem Meeresspiegel erdacht und niedergeschrieben. Vielleicht ist es das einzige Buch der Welt, das eine so hohe Abkunft hat. — Nun dürfen Sie spotten! — — — —
Meine Gesundheit ist abscheulich — schmerzenreich, wie früher, mein Leben viel strenger und einsamer; ich selber im Ganzen lebe fast wie ein ganzer Heiliger, aber fast mit den Gesinnungen des ganzen ächten Epikur — sehr seelenruhig und geduldig und dem Leben doch mit Freude zusehend.
Ich weiß es, daß Leopardi in Betreff der Schmerzhaftigkeit es nicht schlimmer gehabt hat als ich es habe. Trotzdem! —
Aber Briefe darf, kann, will ich nicht mehr schreiben. Ich liebe und verehre alles, was von Ihnen kommt, mein trefflicher Freund — und Sie deuten mein Schweigen immer ins Gute. —
Also in Venedig, ungefähr den 22 März des Jahres — so hoffe ich — auf Wiedersehen.
Treulich
F N.
800. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Statt neun Zeilen werden es 21—22. Denken Sie sich Zeile 6—14 (auf Seite 63) gestrichen und dafür 21 Zeilen eingerückt. — Nur dies Wort, Verzeihung! ich bin in der schlimmsten Verfassung meiner Gesundheit und weiß nicht mehr, was noch werden soll.
Ihnen ergeben
F N.
Aber nun regelmäßige Sendung!
801. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe gute Schwester
Ich bin leider mit meinen Glückwünschen zu spät gekommen, hoffentlich nimmt es unsre gute Mutter nicht übel. Bitte beschwichtige wenn es nöthig sein sollte. Aber ein mehrtägiger Anfall hatte meine Absichten durchkreuzt. — Blühen und duften die Hyacinthen?
Overbeck hat mich bestimmt, die ganze nächste Woche die Collegien auszusetzen. Ich richte mich wirklich sonst zu Grunde. Die letzte Zeit war fürchterlich. Auch an guten Tagen verliere <ich> noch öfters zwei Stunden mit Unbehagen aller Art. Bitte die gute Mutter, daß sie nicht mit andern Menschen darüber redet, daß es mir schlecht geht. Bitte dringend!
Mein Buch hat nichts damit zu thun. Es entstand im August, 7200 Fuß über dem Meere und wurde im September von Frau Baumgartner fertig abgeschrieben. Die Correktur besorgt Köselitz.
Meine Seele ist bei Alledem geduldiger als je, das ist das Beste.
Herzlich der Deine
F.
802. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Gestern das Kistchen mit schätzenswerthestem Inhalte und eben jetzt der Brief vom guten Lama: da will ich gleich antworten, da es heute möglich ist. Drei Tage konnte ich nicht eine Zeile schreiben, wieder sehr schlimm, auch die ganze “Woche schlecht, obschon ich aussetzte. Nun, es muß wieder besser kommen. Das Colleg macht mir aber doch zuviel Nachdenkens nöthig, ich thue sonst rein nichts; nie habe ich einen Winter so ganz im Sinne des Gesundwerdens gelebt; er ist deshalb sehr belehrend für mich. Mit dem Magen ist es glänzend gelungen. Das Kopf leiden nimmt aber zu, die Krampf-erscheinungen (welche mich nöthigen das rechte Auge viele Stunden halb zu schließen) verbreiten sich an den Haupttagen über den ganzen Körper. — Mehr will ich nicht schreiben, ich muß alles abbüßen. Mit herzlicher Liebe und Danke für alles Gute das Ihr mir schreibt und thut, Euer F.
(Alleinsein ist das Allerschätzenswertheste meiner Curmethode, also betrübt Euch darüber nicht! Geht es im Sommer nicht besser, so verlasse ich die Universität)
803. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Ich war Ihnen böse, werthester Herr Verleger — nach Ihrem Briefe kann ich es nicht mehr sein. Ersparen Sie mir so viel Sie nur können; mein Dasein ist so schon seit Weihnachten in einem unbeschreiblichen Grade schmerzen reich. — In Betreff von Bayr<euth> halten Sie wacker Stand; ich thue es auch, wie Sie wohl sehen — ruhig und milde in der Form: was die Sache betrifft, so strebe ich nach Gerechtigkeit, wie sie auch laute und wie sie in fremde Ohren hineinklingen möge: da lasse ich mich keinen Schritt breit von dem abdrängen, was mir jetzt die Wahrheit über die große Erscheinung der W<agnerschen> Kunst scheint. — Mit Leibeskräften bemühe ich mich, es im Ausdruck zur Vollkommenheit zu bringen: ich elender Patient sinne und zersinne mich bei allen Schmerzen noch — über „Ausdrücke“! Der Mensch ist ein seltsam Ding!!
F N.
804. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Schlimme Woche. Ich verliere die Lust, es im Einzelnen zu erzählen. Wetter war sehr ungünstig. Magen in Ordnung, Lebensweise so besonnen wie möglich. Die Augen reichen aber nicht mehr zum Colleg aus, vom Kopf zu schweigen. (Ich hatte 6 Tage Kopfschmerz, außer wenn ich schlief.)
Wurst wieder vortrefflich. Schönsten Dank für das Hemd. Aber wo die Servietten? (Nämlich ganz alte weiche dicke Lumpen — neue kann ich mir auch hier anschaffen, kann sie aber nicht brauchen) — Auf der Rechnung von Socin steht „roth Flanelle 5 frs. 25 —“ ein Versehen?
Möge es Euch wenigstens recht gut gehen! Bei mir heißt es immer noch: Geduld! Und Geduld zur Geduld!“
In herzlicher Liebe
F N.
Das gute Lama ist gebeten, aus Doudan alle Urtheile über litterarische Dinge gut zu übersetzen. Bitte!
805. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine Lieben, seitdem habe ich unbeschreiblich gelitten. Ein 4tägiger und ein 6tägiger Anfall der allerhärtester Art — Erbrechen über Erbrechen dabei (woraus Ihr schließen mögt, wie furchtbar die Schmerzen waren) Ein einziges Colleg hatte ich gewagt — jetzt wieder unmöglich auf eine Woche. — Es thut mir wehe, Eurer schreibenden und spendenden Liebe nicht einmal ordentlich danksagen zu können. — Ich habe vom 22 März an knapp 4 Wochen Ferien. Genauestes über Rehme mir erbittend. Doch werde ich wohl eher nach dem Süden mich wenden. Lebt wohl, ich danke, danke Euch!
F N
806. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Das am Montag Ihnen zugesendete M<anu>s<cript> paßt, wie ich jetzt sehe, nicht in Gang und Stimmung der Schlußpartie des Buchs. Lassen’s wir also weg! Oder was denken Sie?
F N.
Sehr leidend.
807. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werthester Herr Verleger,
sobald der letzte Bogen gedruckt ist, lassen Sie, bitte!, 4 Exemplare schnellstens heften und senden dieselben an die 4 Nächstbetheiligten
Frau Baumgartner
Herrn Köselitz
Dr. Paul Rée (Stibbe bei Tütz, Westpreussen)
Prof. Dr. Overbeck in Basel.
Mir die fehlenden Aushängebogen so bald als irgend möglich! Ich habe unbeschreiblich wieder gelitten. — Hoffentlich haben Sie an dem Buche einige Freude, zur Entschädigung für manchen Verdruß und Kummer? Von Herzen wünscht das
Ihr ergebenster F N.
808. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrteste Frau, inzwischen habe ich unbeschreiblich gelitten; auch heute noch bin ich unfähig, mehr zu thun als es Ihnen zu sagen. Nicht einmal danken kann ich: und immer habe ich besondere Gründe, Ihnen danken zu mögen! — ganz abgerechnet, wie dankbar ich Ihnen überhaupt sein muss. Von Herzen Ihrer gedenkend und sich alles dessen freuend, was Sie freut Ihr
treu ergebener
F. N.
Können Sie mir die gelegentl<ichen> litterarischen Urtheile Mérimées aus den lettres à une inconnue übersetzen? —
809. An Heinrich Köselitz in Florenz
Nun, lieber guter hülfreicher Freund, bleibt Ihnen nur noch übrig, an mir selber die Correctur zu machen — in Venedig! Mein Zustand war wieder fürchterlich, hart an der Gränze des Ertragbaren. „Ob ich reisen kann?“ Die Frage war mir oft: ob ich da noch leben werde?
Vorläufiges Programm.
Dienstag den 25 März Abends 7 Uhr 45 komme ich in Venedig an und werde von Ihnen eingeschifft. Nicht wahr? Sie miethen mir eine Privatwohnung (Zimmer mit gutem warmen Bett): ruhig. Womöglich eine Altane oder ein flaches Dach bei Ihnen oder mir, wo wir zusammen sitzen und so weiter.
Ich will nichts sehen als zufällig. — Aber auf dem Markusplatz sitzen und Militärmusik hören, bei Sonnenschein. Alle Festtage höre ich die Messe in S. Marco. Die öffentl<ichen> Gärten will ich in aller Stille ablustwandeln.
Gute Feigen essen. Auch Austern. Ganz Ihnen folgen, dem Erfahrenen. Ich esse nicht im Hôtel. —
Größte Stille. Ein paar Bücher bringe ich mit. Warme Bäder bei Barbese (ich habe die Adresse). —
Sie bekommen das erste fertige Exemplar des Buches. Lesen Sie’s jetzt noch einmal im Ganzen: damit Sie sich als Verbesserer des Buches wiederfinden (und auch mich: zu guter letzt habe ich mir noch viel Mühe gegeben)
Lieber Himmel, vielleicht ist es mein letztes Produkt. — Es ist wie mir vorkommt, eine verwegene Ruhe darin.
Wüßten Sie nur, wie gut und dankbar ich immer von Ihnen denke und spreche! Und was ich alles von Ihnen erhoffe!
Jetzt seien Sie in Venedig mein guter Hirte und Arzt: aber mich quält’s zu denken, daß ich Ihnen wieder viel Mühe mache. Aber so wenig wie möglich Zeit will ich Ihnen nehmen, das verspreche ich.
Von Herzen dankbar
Ihr Freund Nietzsche
— Ich wünsche sehr, reisen zu können, aber glaube noch nicht daran. —
Wohnung für 4 Wochen (c. 30—40 frs.) Ich möchte Venedig daraufhin ansehn, ob ich dort längere Zeit leben könnte (auch sehr billig —), wenn ich doch mein Basler Amt aufgeben müßte.
Ich benutze Ihre Fußtapfen.
Ihr Freund N.
810. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Dann Exemplare an
meine Mutter und Schwester nach Naumburg
an Hr. Widemann
an Prof. Dr. Rohde in Tübingen
an Prof. Dr Jacob Burckhardt in
Basel
an die öffentl. Bibliothek in
Basel
die genauere Adresse von Prof. Hillebrand in Florenz weiß Herr Köselitz (Lungo d’Arno?)
Baron Seydlitz in München
Kletzenstr. 4. I.
Frl. v. Meysenbug in Roma
3 via della Polveriera
Herrn Herrigs Adresse ist zu erfahren durch die Redaktion der „Blätter für „Litteratur des Auslandes“
Herrn Assessor Gustav Krug
in Cassel
Königl. Eisenbahn-Commission
Herrn Dr. theol. und licent. Eugen Kretzer in
Godesberg bei Bonn
Frau Louise Rothpletz in
Zürich (Haus Falkenstein)
Herrn Dr. Romundt
Gymnasiallehrer in Osnabrück
Herrn Baron Emmerich Du-Mont in Graz.
Alle Adressen bitte ich mit artig-verbindlichen Worten und Anzeichen von des Verfasser’s Ergebenheit zu begleiten.
(N B. für den lieben Herrn Verleger!) man kann darin nicht leicht zu viel thun — — wenn man nämlich als Verleger im Namen des Autors schreibt.
Herzliche Grüße
F N.
Daß Sie mir wegen der „Hadesfahrt“ telegraphirten, werde ich Ihnen nie vergessen. Es ist ein Charakterzug —
Hoffentlich ist Ihnen Alles so recht, wie es jetzt am Schlusse des Buches auf einander folgt.
Ein guter sonniger Tag gab mir den Muth wieder, jene 10 Zeilen drucken zu lassen. Ihr Telegramm drückte das Siegel auf meinen Entschluß —
Für die Geld-Abrechnung und -Sendung meinen ergebensten Dank. —
Nach Venedig möchte ich, will ich — aber es ist verzweifelt unwahrscheinlich, daß ich kann.
Die mitfolgenden Briefbogen sind in die Exemplare einzulegen.
811. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrte Frau, morgen (Dienstag) Nachmittag will ich versuchen, wenn meine Gesundheit es irgend gestattet, zu Ihnen zu fahren. Eine Tasse Thee? darf ich bitten? (Essen darf ich nicht einen Bissen; dem Zwiebacke muss ich für eine Zeit abschwören)
Das Herzlichste der
guten Freundin.
F N.
812. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz (Postkarte)
Ein böser böser sinnentstellender Druckfehler (meine Schuld!) quält mich:
Seite 35, Z. 2 von unten muss es heissen:
Opferthier’s (statt: Opfersinns)
Was meinen Sie? Wollen wir „thiers“ darüber kleben oder die ganze Sache schlüpfen lassen? Oder?
Haben Sie das dicke Correctur-Paket bekommen? Und kann Sonntag früh schon ein Exemplar bei mir sein (oder doch Bogen 10)
813. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz (Postkarte)
Lieber Herr Verleger, es genügt vollständig, (in Betreff des Druckfehlers p. 35, Zeile 2 v. unten) wenn Sie auf den wesentlichsten Freiexemplaren mit Bleistift leicht das Rechte („Opferthiers“) an den Rand schreiben. Wollen Sie mir auch noch diesen Dienst erweisen?
F. N.
(IIte Karte)
814. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Jetzt Kaltwasserkur, daher eine Erleichterung des Zustandes. Es gab eine Nacht, welche ich nicht zu überleben meinte. Freitag über 8 Tage reise ich ab, über den Gotthard, nach einem warmen und ruhigen Ort: Köselitz der Treffliche, verläßt Florenz und kommt zu meiner Pflege. Für Eure Briefe von Herzen Dank! Ich erwartete täglich einige Bogen Doudan, mein liebes Lama! Verzeihung! Ich habe es nöthig; sage mir bestimmt, ob Du es machen kannst und willst (ich muß mich auf die Übersetzung verlassen können) — Schreibt mir doch über jede einzelne Hyacinthe, mit Namensangabe! Bitte! — Von den Würsten ist die Nr. 4 und 5 mir am liebsten: wie ist die genaue Bezeichnung auf dem Preiscourant? Über Rheme’s Heil-Einfluß auf Kopfleiden wußte auch Overbeck zu erzählen.
Lebt wohl, meine herzlich Geliebten, denkt nur, daß ich bei allem Leiden mich glücklicher fühle als je im Leben.
F N.
Schönstes Wetter.
815. Bescheinigung für Joseph Meyer in Basel
Daß Herr stud. phil. Joseph Meyer aus Aristau den Vorlesungen mit regelmäßigem und lobenswürdigem Fleiße beigewohnt hat, bezeugt
hiermit
Dr F Nietzsche
Prof. o. p.
Direktor des philologischen Seminars
816. An Heinrich Köselitz in Florenz (Postkarte)
Ein Wort der Liebe und des Dankes für Ihren Brief. Möge immer Gutes zwischen uns und aus uns Beiden wachsen! — Für mich ist Venedig immer noch keine ausgemachte Sache, oft scheint mir, es sei viel zu weit und ich müsse wieder eine eigene Kur mir für die 4 Wochen vorsetzen. — Trotzdem: es ist wahrscheinlich, daß ich komme. (In Betreff meiner Ernährung wünsche ich nichts mit Wirthsleuten zu thun zu haben: sorgen Sie um diesen Punkt gar nicht, lieber Freund!)
Eins der allerersten Exemplare ist unterwegs.
Ich freue mich von Herzen auf Sie!
F N.
817. An Malwida von Meysenbug in Rom
Dem lieben allerverehrtesten Fräulein Malvida von Meysenbug.
Friedrich der Schweigsame (der viel zu leiden hat, aber auch viel mehr von Ruhe und Glück zu genießen bekommt als Sterblichen gewöhnlich eingeschenkt wird. — Ich gehe vorwärts, aufwärts, vertrauen Sie mir immer weiter!)
818. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Geliebtes Lama, das Beste und Billigste ist dies: ganz dünne billige Enveloppes von der Größe eines Buches: offen lassen (nicht zukleben!) und darauf schreiben: Manuscript. Drucksache: groß und deutlich über der Adresse an mich. Eben ein dreitägiger Anfall, es geht heute nur wenig besser. Die verwünschten Vorlesungen! Jede wirft mich um. — Über Rehme bin ich sehr genau in allen Punkten (medizinisch wissenschaftlich) unterrichtet. — Ein Bad für mein Kopfleiden giebt es nicht. Aber ein Ausruhen von mindestens 5 Jahren wäre vielleicht noch zu versuchen (ich glaube an keine Genesung mehr; von der Erschütterung des Gehirns, dem Erlöschen der Augen könnt Ihr Euch keine Vorstellung machen. Weniger als 5 Jahre sei ein Unsinn, meint Overbeck). Freitag über 8 Tage (also heute über 8 Tage) reise ich ab. Herzlichste
Grüße an Euch!
819. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Herr Schmeitzner! Herr Schmeitzner! Aus meinen Briefen etwas abdrucken rechne ich zu den großen Vergehungen. Das thut mir so weh, wie wenig Anderes — es ist der gröbste Vertrauens-Mißbrauch. —
In Betreff des Anhangs zum „Anhang“ frage ich nur: anstößig bin ich den Leuten schon; liegt Ihnen als Verleger daran, daß ich ihnen auch noch lächerlich werde? — Mir selbst ist dies gleichgültig, wie jenes. Ich frage, ob Sie Ihren Vortheil dabei haben werden? Zwei unbegreifliche Fehler im Druck, trotz meiner ausdrücklichen Correktur: Der infame Sprachschnitzer „viel sichern“ (für sicherern) und das alberne wahrhaft (für nahrhaft), wodurch die Kraft der ganzen Stelle verdorben ist. — Da haben Sie meinen Kummer und meinen Ärger.
F. N.
820. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, es geht mir fürchterlich, ich weiss nicht wie ertragen.. — Keine Vorlesung.
F. N.
821. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Eben wieder von den Todten erstanden. — Ich kann also nicht nach Venedig: es geht zu schlecht. — Ein paar Tage habe ich mir alles Gute und Günstige vorgesagt, was ich von Ihnen weiß, um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Sie sind ein Mann der gewagten Maßregeln — das ist auch ein Charakterzug. Möge Ihnen alles günstig ausschlagen! — Für Verleger-Reklame, die einem Buche beigeheftet ist, macht alle Welt den Autor mitverantwortlich und lacht über seine Eitelkeit. So zB. bei E. v. Hartmann. Der Contrast ist bei meinem Buche sehr stark: ich habe nichts sehnlicher als Anonymität gewünscht. — Keine Druckfehlerverzeichnisse. —
Zur Strafe für Sie hören sie dies: Sie haben einen der häßlichsten Sätze, die ich je geschrieben, abgedruckt (ich war, wie ich mich genau erinnere, krank, als ich damals von Sorrent aus meinen Brief über Dr. Rée an Sie schrieb) — Aus dem „Anhange“ zum Anhange erfahre ich, was Sie über mich denken: und dabei habe ich meine Hintergedanken. (Die Inhaltsangaben sind gut gemacht) — Bitte, ein Exemplar hier nach Basel an Herrn Dr. juris Louis Kelterborn. — Große Freude über unsern Freund Widemann!
F. N.
In’s Exemplar von Hr. Widemann möchte ich etwas hineinschreiben.
822. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ach, mein lieber hülfereicher und wieder so hülfbereiter Kamerad, wir werden uns nicht sehen, ich kann nicht kommen! Es ist zu schlecht gegangen. Bergluft, Einsamkeit — das soll wieder etwas helfen (man glaubts und hofft’s; ich selber mache die Ferien wie einen Cursus der patienza durch und glaube und hoffe nichts —) Schreiben Sie nicht, bis ich Ihnen mittheile, wohin ich mich verschlagen habe, denn es ist eine Seefahrt, wo der Wind bläst, ich weiß nicht woher? wohin? Ich verliere so viel, Sie nicht zu haben!
Von Herzen Ihr Freund
F. N
823. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Noch ein schrecklicher Anfall (der zweite im Winter mit Erbrechen), der mich ganz zerknickt hat: ich mußte die Vorlesungen ganz abbrechen. Freitag früh reise ich ab. Wohin? ich weiß es noch nicht. Bis zum Montag oder Dienstag werdet Ihr wohl Nachricht darüber von mir haben. — Die Übersetzung macht mir große Freude, ich werde Nutzen von ihr haben, und ich glaube, nach einiger Zeit wird auch das geliebte Lama sagen, daß sie ihren Nutzen auch dabei finde. Inzwischen bitte ich dringend: vorwärts, vorwärts! — Alle drei Handschriften sind lesbar, am bequemsten die zweite, am wenigsten noch die dritte. Doch darauf kommt es nicht an. Es wird jedes mal ein Fest für mich sein, wenn die Sendung kommt. Unversiegelt mit der angegebnen Aufschrift ist es ganz billig (5 Pfennige, glaube ich)
Der Wurst und Hyacinthenbericht? — Euch Guten Lieben das herzlichste
von Eurem F.
823a. An Paul Widemann in Chemnitz (Widmung)
Fließe mir Quell
voll und rein
tief und hell:
so kommen zu Dir
alle guten Geister
zum Stelldichein.
Für Herrn Widemann seinen Freund, geschrieben von F. N. am 21ten März 1879.
824. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Eure guten Briefe trafen noch vor meiner Abreise ein. Ich bin hier gelandet, allein; ich wagte es nicht mehr, über die Berge zu gehen, es geht zu schlecht.
Auch hier. —
Meine Adresse ist:
Genève (Suisse)
Hôtel de la gare.
In herzlicher Liebe
F N.
825. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Geliebter Freund, es geht mir nicht gut. Meine Adresse ist:
Genève, Hôtel de la gare
Alles ist trüb und kalt. Die Einsamkeit schwer zu ertragen, der Magen schlecht, der Kopf immer voller Schmerzen.
Das Savoyische Gebirge sah wie ein beschneites Grab aus.
Ein Bad genommen.
Euch Beiden Guten
das Herzlichste von
Eurem Freunde
F N.
826. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Schreiben Sie mir jetzt etwas, Sie lieber Freund, hierher in meine leidende Einsamkeit.
Genève (Suisse)
Hôtel Riche-mont.
Ich lebe schlecht aber recht — dabei bleibt’s.
Eigentlich sollten wir doch zusammen leben. — Ich denke mir hier und da etwas aus — wenn ich nämlich noch den Muth habe, mir eine Zukunft für mich zu denken. Wo wollen wir den Garten Epicurs erneuern? Seien Sie guter Dinge und freuen Sie sich, der Frühling kommt, gewiss ist er schon in Venedig.
F. N.
827. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Schlimm! Es will nicht vorwärts!
Einer der härtesten Anfälle mit vielem Erbrechen. Der Magen immer zerstört.
Ich wohne von jetzt ab am See, nehme Bäder (Duschen)
Adresse: „Genève Hôtel Riche-mont.“
Von Herzen Euer
F.
Es freut sich wieder auf Doudan derselbe.
828. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Ich hob schon die Flügel, um heim zu kehren. Inzwischen habe ich das Hôtel gewechselt: ich wohne jetzt am See, „Hôtel Riche-mont“.
Ein Anfall der bittersten Art (mit vielem Erbrechen) — — Immer krank, ganz zerstörter Magen.
Nun, ich will aushalten.
Ich grüsse Euch, meine Freunde
von Herzen
FN.
vielleicht ist ein Brief von Schmeitzner an mich da?
829. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrte liebe Frau, es geht fort und fort schlimm — auch hier in Genf. Meine Adresse ist: Hôtel Riche-mont. (Eben sagt man mir, dass das Haus vom Maler Diday gebaut ist und dass ich in seinem Schlafzimmer wohne: See, Sonne und Stadt vor mir.)
Eine Stunde vor der Abreise machte ich das geforderte Brandopfer: es that mir wehe. —
Denken Sie meiner mit Ihrem guten Herzen; und vielleicht giebt es dann auch ein Augenblickchen, um an Mérimée zu denken? — Einiges Übersetzte, hierher gesandt, würde mir ein Fest sein.
Ich bedarf der Freude und der Feste, es ist schwer so zu leben. Es grüsst von Herzen
F N.
Genève Hôtel Riche-mont.
830. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Eure lieben Briefe und Wünsche erfreuten mich gestern Samstag um 4 Uhr. Ich wohne noch im gleichen Hotel (am See, sonnig — schöner und gesünder und heiterer als in Baden-Baden, das mir, wie jeder Ort, wo ich so trübselig gelitten habe, jetzt unzugänglich geworden ist.) Ich nehme Douchen; doch bin ich viel schlimmer daran als voriges Jahr zu gleicher Zeit. —
Bis jetzt mehr Tortur als Erholung. — Wäre ich nur erst des Magens wieder Meister! — Nehmt es nur recht wahr, wie gut es Euch geht! Und vergleicht mein Leben am Abgrunde und unter Dreiviertel Schmerz und ein Viertel Erschöpfung!
In herzlicher Liebe Euer
F.
Ich bleibe hier. Hôtel Riche-mont.
O wieder etwas Doudan, bitte!
831. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Ein paar Mal, lieber Freund, habe ich die Flügel wieder bewegt, um fort zu flattern: ich war aber selbst dazu zu müde. Vielleicht war’s gut so. Inzwischen habe ich doch meine Wohnung noch einmal gewechselt, wenn auch nur innerhalb des Hôtels. Ich wohne sehr hoch, (5 Stock); schön, gesund, in der alten Wohnung Diday’s, am See. — Mein Leben ist mehr Tortur als Erholung. — Giebt es Briefe von Dr. Rée oder Hr. Dr. Fuchs? Diese sende mir doch. — „Wäre ich blind!“ dieser alberne Wunsch wird mir jetzt eine Philosophie. Denn ich lese und soll’s nicht — wie ich auch nicht denken soll — und ich denke!
Dir und der Deinen das Herzlichste zurück wünschend
Ich bin nicht wenig bei Euren Lesestunden im Geiste zugegen!
F N.
Für mich Einsamen giebt es keine Genesung. — Fontenelle’s dialogues des morts sind mir wie blutsverwandt.
832. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Ja, lieber Freund, Du hast Recht, und ich würde sofort kommen, hätte ich nur nicht die Basileophobie, eine wahre Angst und Scheu vor dem schlechten Wasser, der schlechten Luft, dem ganzen gedrückten Wesen dieser unseligen Brütestätte meiner Leiden! So glaube ich doch, aushalten zu müssen, wo ich bin: ich habe alle Bedingungen des Badener Aufenthaltes mir allmählich hergestellt, ich lege alle Vernunft in diese Aufgabe, die Ferien zur Gesundheit zu benutzen. Nur darf ich nichts Unmögliches von mir fordern. — Eben von einem höchst schmerzhaften zweitägigen Krankenlager erstanden — Euch herzlich grüßend
833. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Mit Ihnen zusammen, mit Ihrer Hülfe möchte ich noch manche sittliche und geistige Stufe erklimmen. Einstweilen hier die Devise meiner Wünsche (sogar die landschaftlichen sind eingeschlossen) RGS das bedeutet Ruhe Grösse Sonnenlicht — Alles im Sittlichen und Geistigen, ach womöglich auch Leiblichen!
Ihre Bemerkung über den lago maggiore hat mich wunderbar berührt: Sie haben mich darin so schön errathen. Erwägen Sie mit feinem Herzen und Auge einen kleinen Ort Fariola, zwischen Pallanza und Stresa, dort wo die Simplonstraße an den See stößt.
Ich denke über den Stil nach. Bitte, schreiben Sie zu meinem Nutz und Frommen mir einige Thesen über meinen jetzigen Stil (Sie sind dessen einziger Kenner) — was ich kann und nicht kann, über die Gefahr von Manieren usw. Wir müssen uns helfen, besser zu werden und immer Besseres zu machen.
Ich habe sehr viel zu leiden. Genéve (Suisse) Hôtel Richemont.
In Freundschaft
F. N.
834. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Es geht nicht gut, meine Herzenslieben. — Ich lag 2 böse Tage zu Bett: Erbrechen dazu. Heute ist es schon wieder im Anzuge.
Das Lama macht im Stil Fortschritte, und mir sind die Übersetzungen wirklich nützlich. (Nimm es recht genau, um so größer ist auch Dein Vortheil.) — Ich lebe ganz ähnlich wie in Baden-Baden, aber bin schlimmer daran. —
Von Herzen der Eure. Ich bleibe bis zum 23ten d. Monats hier — wo möglich!
F N.
Den schönsten Dank für Briefe und Wünsche.
835. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Der Palmsonntag, den ich jedes Jahr mit Kinderempfindungen und einem Kinderverlangen nach neuer Freude verbringe und der folglich alle Jahre mehr ein Tag der Wehmuth wird, brachte mir Ihren Gruß und die Fortsetzung M<érimée>’s — ich bin sehr dankbar für Beides. M. ist ein Künstler ersten Ranges und als Mensch so gewillt, hell zu sein und hell zu sehen: er thut mir wohl. Und Sie haben „unter Schmerzen gemalt“, wie jener Maler in doloribus pinxi unter sein Gemälde schrieb, Sie Arme, Gute! — Nachmittags kam noch ein Brief von Jacob Burckhardt, ein wahrer Palmenzweig und beschämend für mich. Nehmen Sie an meinem Guten Theil, wie Sie es an meinem Schlimmen thun. Nicht wahr, als mitfreuende Freundin?
836. An einen Freund
Hier, Freund, sind zwei Briefe, die ich hochstelle und welche ich Ihnen versprochen habe — ich fand sie zufällig und schicke sie gleich fort: morgen würde ich sie zufällig wieder verloren haben.
F. N.
837. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, wir haben jetzt wieder einen Wunsch gemeinsam: dass Jemand das überreiche Philosophieren des Alterthums über Freundschaft zusammenfasse und wiedererwecke: es muss einen Klang wie von hundert verschiedenen Glocken geben. — An die Zürcher liebwerthe Gastfreundschaft hatte ich für Pfingsten gedacht (falls ich lebe). — Den Hamburger Brief hebe mir auf: er enthält das bestellte Loos, für das ich in Basel noch die Einzahlung gemacht habe. — Ein Brief des Hr. Fuchs wird den Poststempel „Danzig“, einer des Hr. Rée den „Tütz“ tragen. — Ceterum censeo Basileam esse derelinquendam. Ich habe Urtheile aller Stände aus den verschiedensten Gegenden der Schweiz: man stimmt überein, dass Basel eine schlechte drückende, zu Kopfleiden disponirende Luft habe. Ich habe dort nie, seit Jahren, einen ganz freien Kopf, wie ich ihn z. B. hier seit einigen Tagen habe. Sodann: ich vertrage Lesen und Schreiben nur bis zu 20 Minuten. Ergo: Academia derelinquenda est. Was sagst Du?
Von Herzen grüsst
Euer F. N.
Ich bleibe hier so lange ich irgend kann.
838. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Dankbar alles empfangen. Über Schmeitzners Worte machen Sie sich keine Scrupel! diese sollen anlocken, dass die Besitzer des deutschen Originals auch die Übersetzung kaufen: weiter ist es nichts.
Hoffentlich ist Ihre Gesundheit wieder gekommen. Auch ich habe von der guten Luft bessere Tage gehabt. Ich hasse Basel immer mehr und verlasse es, sobald ich kann, gänzlich.
Möge Ostern mit Sonnengruss und Frühlingsblumen zu Ihnen kommen! Ich bleibe noch ungefähr 10 Tage hier.
Treulich der Ihrige
N.
839. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Möge Ostern Euch warme Sonnenblicke und die ersten Blumen bescheeren! — wir haben heute Schneefall. Unsre Briefe und Karten haben sich gekreuzt, nicht wahr? — Die Nachricht von dem Tode G<ustav> K<nieling>’s überraschte mich: aber mehr weil ich ihn für zu schwach hielt, so zu enden. Menschen mit schwachem Character und dabei sehr begehrlich (wie er) leben ein allzu elendes Dasein: das Gefühl davon giebt ihnen zuletzt einmal den Muth zum Äussersten. — Ich erfahre nichts, weil ich mir die Zusendung von Briefen verbeten habe. Geht Ms. Doudan schön vorwärts? — Luft und Wasser und Bäder thun mir sehr wohl. Ach das schändliche schädliche Basel, wo ich meine Gesundheit verloren habe und mein Leben verlieren werde! Alle Welt sagt mir, wie ungeeignet es für Kopfleidende sei. Wer giebt mir das Gefühl wieder, mit völlig freiem Kopf mich des Tages zu freuen: (jetzt bin ich zufrieden, wenn er vorbei ist!) Von Herzen grüsst und dankt
Euer F.
(Ich bleibe noch 9 Tage)
840. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Danke schön, lieber Freund. Ach der arme Dr. Fuchs, mit seinen 36 Klavierstunden! — Sende mir nur den Münchner „Eventuellen“, ich will’s wagen. —
Ich sandte gestern eine Karte an Dich ab. —
Befinden heute nicht gut. Schlechtes Wetter. —
Treulich der Deine.
841. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Werthester Herr Schmeitzner, haben Sie mich selber auch mit ein paar Exemplaren bedacht? Ich denke sie in Basel bei meiner Rückkehr vorzufinden; das erste mir zugesendete wurde sofort, als ich es gesehen, verschenkt — es giebt so viele Geschenk-Pflichten. Seitdem habe ich mein Buch nicht gesehen. —
Über die bösen Druckfehler will ich nächstens Herrn Oschatz einige briefliche Wahrheiten sagen. —
Grüßen Sie unsern hochgeschätzten und lieben Freund Hr. Widemann von mir. — Es geht mir nicht gut. — Ich bleibe hier noch eine Woche. Ganz der Ihrige
F. N.
Genève (Suisse), Hôtel Richemont.
842. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Wenn es Ihnen nur gut geht, lieber lieber Freund! Mir geht es nicht gut, aber ich bin ein alter routinirter Leidtragender und werde meine Bürde weiter schleppen (aber nicht mehr lange — so hoffe ich!) Dafür sollen aber meine nächsten Freunde blühen, gedeihen, reif werden, goldne Früchte tragen: geschieht dies nicht, so wird mir das Leben schwer. Bitte, bitte, mein herzenslieber Freund, seien Sie gesund und siegreich! Und sagen Sie mir ein Wort davon, daß Sie Muth haben! Ich hörte so lange nichts von Ihnen (Eine kleine Sendung welche ich durch Hr. Schmeitzner an Sie besorgen ließ, war im Grunde nur die gleiche Anfrage: geht es Ihnen gut oder erträglich? Und können wir uns nicht zusammenfinden, unter irgend einem Laubdach und in milder Sonne? Für den Spätsommer habe ich an den Lago maggiore gedacht. Vielleicht daß ich die Universität verlassen muß, namentlich der Augen und des Kopfes wegen. Aber immer knüpfe ich im Geiste meine Zukunft mit der Ihrigen zusammen. Lieber, guter Freund, es grüßt Sie treulich
F. N.
Adresse: Basel.
843. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Darf ich Dich, lieber Freund, bitten, für mich den Anschlag am schwarzen Brett zu machen, genau nach dem Lektions-Katalog, doch mit den Schlußbemerkungen:
„Anmeldungen am Schlusse der ersten Vorlesungen. Anfang Samstag den 26 April, um 9 Uhr, in Auditorium III.“
Ich will nächsten Montag zurückkehren (ungefähr Nachmittags um 5, denke ich) Vielleicht sagst Du der Frau Bessiger ein Wort davon. — Das Wetter seit Samstag höchst ungünstig, sehr kalt, immer Regen. Ich war krank und lag ein Paar Tage zu Bett. — Der Brief aus München war vom guten Seydlitz. — J. Burckhardt schickte mir am Palmsonntag einen Brief, der ein wahrer Palmenzweig war. — Ich bin nun bald wieder der Eure (wäre es nur nicht in dem verfluchten Basel, vor dem ich eine wahre Gespensterfurcht habe!!)
Von Herzen Dein Freund.
844. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Liebster Freund, eine große Last ist durch Ihren Brief von mir gewälzt, und mehr als das: es hat in mir gejubelt bei der Nachricht von der „Kritik des Gewissens“: wir wunderlichen Halbtodten, die wir doch unsern Karren so vorwärts schieben! (der gute Dämon in uns ist mächtiger als die Krankheit und der Schmerz — wie er auch heißen möge, dieser „gute Dämon“!!)
Und nun, heimgekehrt, finde ich auch Ihren ersten Brief vor! Freund Overbeck hatte mir mehrermals bestimmt geschrieben, es sei nichts von Ihnen angekommen. Und ich hatte eine gräßliche Angst und Argwöhnung. —
Mein Zustand ist eine Thierquälerei und Vorhölle, ich kann’s nicht leugnen. Wahrscheinlich hört es mit meiner akademischen Thätigkeit auf, vielleicht mit der Thätigkeit überhaupt, möglicherweise mit — — usw: aber erst in diesem Falle mit der Freundschaft, liebster treuer Freund!
F N.
845. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Seit meiner letzten Karte ist es schlimm und schlimmer gegangen, in Genf sowohl wie in Basel, wohin ich am letzten Montag zurückkehrte. Anfälle über Anfälle, dort und hier. Bis jetzt außer Stande, Vorlesungen zu halten. — Schieß hat gestern von Neuem die erhebliche Abnahme meiner Sehkraft seit der letzten Untersuchung constatirt. —
Eure inhaltsvollen und wohlgemuthen Briefe trafen mich noch in Genf, ich danke von ganzem Herzen dafür.
F.
846. An Carl Burckhardt in Basel
Hochgeachteter Herr Präsident!
Der Zustand meiner Gesundheit, derentwegen ich schon mehrere Male mich mit einem Gesuche an Sie wenden musste, lässt mich heute den letzten Schritt thun und die Bitte aussprechen, aus meiner bisherigen Stellung als Lehrer an der Universität ausscheiden zu dürfen. Die inzwischen immer noch gewachsene äusserste Schmerzhaftigkeit meines Kopfes, die immer grösser gewordene Einbusse an Zeit, welche ich durch die zwei- bis sechstägigen Anfälle erleide, die von neuem (durch Hrn. Prof. Schiess) festgestellte erhebliche Abnahme meines Sehvermögens, welches mir kaum noch zwanzig Minuten erlaubt ohne Schmerzen zu lesen und zu schreiben — diess Alles zusammen drängt mich einzugestehen, dass ich meinen akademischen Pflichten nicht mehr genügen, ja ihnen überhaupt von nun an nicht nachkommen kann, nachdem ich schon in den letzten Jahren mir manche Unregelmässigkeit in der Erfüllung dieser Pflichten, jedes Mal zu meinem grossen Leidwesen nachsehen musste. Es würde zum Nachtheile unserer Universität und der philologischen Studien an ihr ausschlagen, wenn ich noch länger eine Stellung bekleiden müsste, der ich jetzt nicht mehr gewachsen bin; auch habe ich keine Aussicht mehr in kürzerer Zeit auf eine Besserung in dem chronisch gewordenen Zustande meines Kopfleidens rechnen zu dürfen, da ich nun seit Jahren Versuche über Versuche zu seiner Beseitigung gemacht und mein Leben auf das Strengste darnach geregelt habe, unter Entsagungen jeder Art — umsonst wie ich mir heute eingestehen muss, wo ich den Glauben nicht mehr habe meinen Leiden noch lange widerstehen zu können. So bleibt mir nur übrig, unter Hinweis auf § 20 des Universitätsgesetzes, mit tiefem Bedauern den Wunsch meiner Entlassung auszusprechen, zugleich mit dem Danke für die vielen Beweise wohlwollender Nachsicht, welche die hohe Behörde mir vom Tage meiner Berufung an bis heute gegeben hat.
Indem ich, hochgeachteter Herr Präsident, Sie bitte Fürsprecher meines Gesuchs zu sein, bin und verbleibe ich in vorzüglicher Verehrung
Ihr ganz ergebener
Dr Friedrich Nietzsche
Professor o. p.
(dictirt)
847. An Paul Widemann in Chemnitz (Postkarte)
Sagen Sie mir, lieber Freund, doch ein rasches Wort über Ihr Befinden und etwaige Pläne. —
Ich habe meine Professur niedergelegt und gehe in die Höhen — fast zur Verzweiflung gebracht und kaum noch hoffend. Die Leiden waren zu schwer, zu anhaltend. — Und wissen Sie die Adresse von Freund Köselitz? — Bitte, sagen Sie einen schönen Gruss und Dank an Herrn Schmeitzner, er sandte mir Bücher, Briefe und Geld: er mag verzeihen, dass der Halb-blinde nicht brieflich sich bedankt.
Meine Segenswünsche für Sie.
F. N.
848. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Wollen Sie, verehrte Freundin, dem Leidenden und Scheidenden noch ein halbes Stündchen geben, so kommen Sie morgen (Donnerstag) zu Ihrer Stunde. Ich habe schwer gelitten, alles ist zum Äußersten gekommen, die Professur ist niedergelegt. Ich verlasse in wenig Tagen Basel für immer. Mein Mobiliar ist zu verkaufen. Samstag kommt meine Schwester.
Von Herzen Ihr
F Nietzsche
849. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Es ist schön hier (Adr.: Wiesen, Graubünden, Hôtel Bellevue), aber Deinem Bruder geht es schlecht. — Föhn. Ich esse heute nicht zu Mittag. — Wald, wie wir ihn wünschen, giebt es auch hier nicht. Aber wo! — Seit unsrer Trennung war die arme Maschine in schlimmster Verwirrung. Der 70 stündige Anfall, unausstehlich, mit bösem Vor- und Nachtag. Vier Tage gar nicht geschlafen. Heute zum ersten Mal. — Um so schlimmer fühle ich mich heute. — Ein Herr ist außer mir im Hause. (In Zürich war Barometer 751: wir hatten in Bern doch 765. 751 war das Minimum in Europa, nach den Zeitungen) Die Matratze und die Decken verkaufe nicht, übergieb sie gerollt an O<verbeck> zur Aufbewahrung. Auch viell<eicht> mein Eßgeräth. — Ach, liebe Schwester, es muß eben gehen, aber schwer hab ichs. Ich denke an unser Bremgartner Schloßleben mit recht herzlicher Dankbarkeit.
Lebewohl, meine Liebe Gute! F N.
850. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Ich erhebe mich von einem äußerst schmerzhaften Anfalle. Im Bett bekam ich Deinen Brief, danke für alles von Herzen. — Jetzt aber keine Wurst schicken! Verpflegung hier sehr gut. — Ist von Bremgarten auch die Zahnbürste nachgeschickt worden? In den Koffer lege auch die gestrickten Unterjacken. — Bitte, an Frl. von Bleyleben ein Briefchen, recht herzlich und freundlich, erkläre ihr mit einigen starken Worten den Zustand meiner Gesundheit und meiner Augen, zur Entschuldigung, daß ich ihr eine offne Karte schrieb (ich glaubte schon ein Äußerstes zu thun!) und daß ich jetzt nicht mehr an sie schreibe. Ihr letzter Brief habe mir sehr wohl gethan: ihren Muth solle sie festhalten und die Heiterkeit womöglich dazu gewinnen. — Es ist ein sehr guter Ort: wenn nur erst der verfluchte Föhn aus den Thälern wäre! — Reise ja nicht eher, als bis Du Natalie’s sicher bist! — Danke dem Freunde Ov<erbeck>, sein Brief kam mit dem Deinigen. Der Herr, welcher schon 12 Wochen hier ist, heißt Hirzel (aus Zürich, eigentlich Palermo) Ich freue mich und bin beruhigt, Dich und Niemanden sonst unter meinem Krimskrams zu wissen.
F. N
851. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe gute Mutter, Du weißt nun von der Entschließung, zu der mein Zustand mich drängte. Das Wesentliche an ihm ist, daß der Kopfschmerz beständig geworden ist (nicht mehr wie früher nur periodisch auftritt), daß aber die Höhengrade desselben periodisch verschieden sind, mitunter fast zum Verzweifeln stark. Ebenso ist es mit den Augen wieder sehr abwärts gegangen. Erwarte also nur selten von mir zu hören, natürlich über alles Wesentliche im Schlimmer- oder Besserwerden. Jetzt bin ich wieder in der Höhe, in guter milder Wald- und Bergluft und habe treffliche Verpflegung. Meine Adresse ist: Wiesen bei Davos, Schweiz
In herzlicher Liebe Dein Sohn
Bitte sende mir jetzt nichts.
852. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Einstweilen, Lieber, Guter (dem ich ganz, auch in allen seinen Rathschlägen, vertraue) bin ich in den Fußtapfen Freund 5 Widemanns, nämlich in der Nähe von Spinabad. Höhen- und Waldluft (1450 Meter) — nur eine vorläufige Linderung meines gräßlich und grausam gewordenen Zustandes sollen diese mir geben. Gegen den lido haben nur meine Augen in ihrer jetzigen unglaublichen Reizbarkeit etwas einzuwenden: selbst hier suchen sie noch nach Dunkel. Gewiß, daß wir noch in V<enedig> zusammenleben werden, aber möglicherweise doch erst von Spätherbst an. Falls (Im Fall?) ich lebe — eine Formel die ich Grund habe, allen Plänen anzuhängen. Bis zu dieser letzten Gränze denke ich an Sie und liebe Sie.
F N
853. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
St. Aubin ist das Rechte: mir fiel es dieser Tage schwer aufs Herz, daß Groß-Paris sich für Dich in nächster Zeit ganz leeren würde. Also Klein-Klein-Paris muß erst heran. — Von neuem 2 Tage mit bitterbösem Anfalle zu Bett. Es geht schlimm! Denke, erst 2 erträgliche Tage auf der Höhe, von der Art der Bremgartner! Sonst ist alles wie geschaffen, um hier gesund zu werden. — Der Engadin ist mir durch den Überfluß von Deutschen und Baslern fast unbetretbar, das sehe ich jetzt ein (auch sehr theuer). — Koffer noch nicht zu senden, übergieb ihn an O<verbeck>’s. Aber wohl die neuen umgetauschten Stiefeln, bitte — Hr. Landerer ist ein schrecklich zudringlicher Halbverrückter: halte meine Adresse geheim; der Mensch verfolgt mich womöglich, er hat leer und unklar geschrieben. — Hr. Bessiger soll doch ja auf dem Lohnhof melden, „daß ich nicht mehr bei ihm wohne“. Grüße an ihn und seine Frau und Kinder — Nun, meine liebe Schwester, es muß gehen, bei Dir und bei mir!
F.
Das Herzlichste und Wärmste an die hülfreichsten Freunde, die es giebt, Eulerstr.
854. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, eigentlich geht es so schlecht als es nur gehen kann; aber die Moral: „in allen neuen Verhältnissen abzuwarten was draus wird“ hält mich in der Höhe fest. Ort, Haus, Zimmer, Bett, Kost, Pflege alles ist übrigens sehr gut und mir zusagend. (Immermann’s haben sich gestern angemeldet: kannst Du unter der Hand erfahren, wann die „Familie“ einrücken will? Und wer etwa sonst?) — Dein Wink über die regulating-Pillen ist Wasser auf meine Mühle der äußersten Vorsicht: hoffen wir auch hier auf die „Höhenluft“. Bedenke dabei zu Deiner Beruhigung, daß ich jetzt in diesen Dingen „Kenner“ bin, wie irgend ein Arzt und zehnmal behutsamer als z.B. unser treffl<icher> Ma<ssini> (den ich ja ausführlich genug darüber befragt habe!) — — — — — —
Schmerz, Einsamkeit, Spazierengehen, schlechtes Wetter — das ist mein Kreislauf. Keine Spur von Aufregung. Vielmehr eine Art gedankenlosen betäubten Übelbefindens —
Lebt wohl meine lieben Freunde! es denkt Eurer auf das Dankbarste
F. N
855. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Lieber Herr Schmeitzner, ich lebe — weh, eine Existenz der größten Schmerzhaftigkeit freilich. Dem Rathe von Freund Widemann folgend bin ich jetzt in Wiesen, beinahe in seinen Fußtapfen dh. in der Nähe von Spinabad. — Ich habe Ihnen noch nicht für die Geld- und Exemplarsendung gedankt! — Es giebt 2 deutsche Übersetzungen von Carey, Volkswirthschaftslehre: senden Sie mir, bitte, diejenige, welche den größten Druck hat. (Sind beide mit kleinen Lettern, so will ich das Buch nicht) — Ist von Taine’s englischer Litterat<ur> der Schluß noch nicht erschienen? —
Und Ihre Meßerfolge? — Gutes und Besseres Ihnen von Herzen wünschend
F N.
856. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Es thut mir wohl, Dich nun wieder in festen und reinlichen Verhältnissen zu wissen, meine liebe Schwester. Du hattest Schweres bei der Auflösung meines Haushaltes übernommen, bei der Schilderung der Einzelheiten hat’s mich gegraust. — Der Verehrer! Ach Gott, ich halte alle diese Herrn Verehrer für ein ganz klein wenig dumm und wünsche nichts Weiteres von ihnen. — Eigentlich ist es immer schlimmer gegangen, Du glaubst nicht, wie viel Anfälle, wie viel Zu-Bette-liegen. Freitag will ich nun nach dem Engadin. Adresse: „Campfèr im Oberengadin, poste restante“.
Kös<elitz> hat 2 Bildchen vom Lido geschickt. Er räth aber von einem Winteraufenthalt in V<enedig> ab. — Mit Fr. Baumgartner hast Du es gut gemacht, ich danke sehr. —
Was ist Rée’s Adresse in Nassau? —
Dankbar Dein Bruder.
857. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Der Zustand, lieber Freund, hat sich eher verschlimmert. Wie viel war ich zu Bett! usw. Freitag will ich nun nach dem Engadin: ich führe das Programm durch, freudlos und hoffnungsarm. Bitte, sende jetzt den Koffer ab, damit ich ihn vorfinde: „Campfér, Oberengadin, poste restante“
Der liebe K<öselitz> hat 2 eigenhändige Bildchen vom Lido geschickt, er verweist auf einen Brief an Dich, um sich nicht zu wiederholen. — Hr. Dr. Kretzer hat sich nun auch losgesagt, ziemlich gewunden, wie sich denken ließ. — Hr. Schmeitzner berichtet über einen abscheulichen Mißerfolg meines Hauptbuchs (M<enschliches> Allz<umenschliches>), nach der Ostermessen-Abrechnung. Es sind, statt 1000 Ex, wie er erwartet, nur 120 Ex. verkauft. (Er wird wohl daran zu Grunde gehen!) — Fr<eund> Rée, bei sehr schwacher und bedenkl<icher> Gesundheit, sendet doch den Capital-Entwurf seiner Historie des Gewissens.
Ihr habt meiner Schwester so hülfreich und gut beigestanden: sie schrieb jedesmal, daß erst bei Euch und durch Euch ihr Muth und Heiterkeit wiederkäme.
In herzlicher Liebe und Dankbarkeit F. N.
Bitte, bitte, bitte, nehmt den Notenständer aus meiner Hand an, ich bin so glücklich, wenn er Euch nicht mißfällt!
858. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe gute Mutter, nach 3 herzlich schlechten Wochen des Übergangs (in Wiesen) bin ich nun in meinem Sommerasyle angelangt. Die Adresse ist „St. Moritz in Graubünden, Schweiz.“ Bitte, verbirg meinen Aufenthalt vor Jedermann. Sonst muß ich den Ort, der mir so gefällt und bis jetzt wirklich wohl thut, sofort verlassen. Ich vertrage keinen Besuch. —
Deine Karte habe ich mit herzlichem Dank empfangen.
In Liebe Dein Sohn.
859. An Franz Overbeck in Basel
Nur Worte, lieber Freund! Die Gedanken wirst Du suppliren. Vieles Gute kommt und kam von Dir; die Art, wie ich entlassen und ersetzt worden bin, war mir eine rechte Freude. Alles habe ich empfangen. Die Vorschläge betr. das Geld führe aus poste rest. St. M<oritz>. Kannst Du die frs. 1000 viell<eicht> unter Deinem Namen der Handwerkerb<ank> übergeben? Bitte. — Rechnungen habe ich alle bezahlt, 2 ganz kleine ausgenommen (Memel und die goldne Apotheke — willst Du es abmachen?) Mit Hamburg (nach 35 ten Mißerfolg) alle Beziehung abgebrochen. —
Seit meiner letzten Karte die meiste Zeit zu Bett gelegen: dies ein Commentar, zu dem ich mir den Text ersparen darf.
Aber nun habe ich vom Engadin Besitz ergriffen und bin wie in meinem Element, ganz wundersam! Ich bin mit dieser Natur verwandt. Jetzt spüre ich die Erleichterung. Ach, wie ersehnt kommt sie!
Verbirg meinen Aufenthaltsort vor Jedermann, namentlich vor Jederfrau, Deine ausgenommen. (Dafür ist sie eben eine „Ausnahme“ in hundert Stücken)
Rohde hat nicht geschrieben. Was für Scrupel quälen ihn? Giebt es für ihn noch „Scrupel“!
Anbei der liebe Köselitz als Lidograph.
Lebwohl, lieber lieber Freund
F. N.
Von Zürich wirst Du noch Einiges hören. Es hängt so viel Gutes mit Dir zusammen
860. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Liebe liebe Schwester, vielleicht ist doch St. Moritz das Rechte. Mir ist es als wäre ich im Lande der Verheißung. Ein beständiger sonniger Oktober. Zum ersten Male Gefühl der Erleichterung. Ich wohne ganz für mich und esse im Zimmer (wie in Basel, auch fast dieselben Dinge (nur keine Feigen), fast kein Fleisch: aber viel Milch. Es thut gut. Hier will ich lange bleiben. Aber verbirg ängstlich meine Adresse, sonst muß ich fort.
St. Moritz in Graubünden
poste restante.
Bitte, bitte, schreib für mich an Frl. von Meys<enbug> — mir wirklich unmöglich!
In Wiesen fast immer zu Bett, die letzte Woche
(Die Zeitung an Sch<meitzner> zurück!!)
Schreckl<icher> Mißerfolg Schmeitz<ner>’s mit dem Hauptbuche! (Ich fürchte, er geht zu Grunde)
861. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ein ganzer Haufen guter und ernster Dinge liegt in meinem Kopfe bei einander, die alle mit Ihnen, lieber Freund besprochen werden sollten. Was liegt allein zwischen Ihrem Stilbrief, meiner Ostermorgenfreude in Genf — und Ihrer Lidographie! Wie viel Freude haben Sie mir gemacht — und doch sehe ich nicht ab, wann ich im Stande sein werde, mündlich meine Dank- und Gedanken-Rechnung vor Ihnen abzulegen. Einstweilen bin ich in die Höhe hinaufgetrieben und bereit, es mit diesem Versuche ernst zu nehmen. Wollen Sie mir etwas erzählen, so adressiren Sie: St. Moritz, Graubünden poste restante — aber geben Sie Niemandem einen Wink über diese Adresse, ich bitte! — Fast möchte ich fragen, ob Sie, für den Winter, vielleicht selber einmal an das Hochgebirge gedacht haben. — In Basel bin ich entlassen und ersetzt, recht nach meinem Herzen. —
Treulich Ihr F. N.
862. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin
Heute morgen wollte ich das Geburtstagsbriefchen schreiben — und siehe, da kommt das Kästchen, und ich bin’s, der zu Deinem Geburtstag beschenkt wird! Das ist sehr drollig! Ich denke es einmal wieder gut zu machen, laß mich nur erst etwas mehr hier zu Hause sein. Bis jetzt weiß ich gar nicht, was man hier haben kann — und ein Windchen von einem Wünschchen hätte ich gern von St. Aubin her! — Also heute nichts als sehr gute treue Wünsche und noch viel mehr Dank für Gegenwart Vergangenheit und Zukunft, meine liebe Schwester. Du hast mir geholfen, wie nur eine sehr brave Schwester helfen kann. — Und heute wieder, alles wie ausgesucht nach meinem Herzen, bis zu dem Waschlappen, da ich Dich um einen bitten wollte. Mir sind die brown college so gemüthlich, könnte man so etwas von Gerste nicht selber einmal backen? Hier sind alle Bäckersachen unbändig theuer: da habe ich mir in Wiesen 150 Zwiebäcke backen lassen. Überhaupt Höhenpreise! Auf meiner ersten Rechnung war jedes rohe Ei mit 20 ct. berechnet.
Trotzdem, St. M<oritz> ist das Rechte für mich. Ich bin viel krank, habe 4 Tage schon zu Bett gelegen, und jeder Tag hat seine Elends-Geschichte — und trotzdem! Ich halte es besser aus als irgendwo. Mir ist als hätte ich lange lange gesucht und endlich gefunden.
An Besserung denke ich gar nicht mehr, geschweige denn an Genesung. Aber aushalten-können ist sehr viel, Du weißt, was ich meine.
Ich wohne ganz allein in einem Hause, und ruhig. Gutes Bett.
Längst wollte ich Dir für den Koffer danken. Alles war recht: über die Manchettes, die ich selbst in Basel nie brauchte, habe ich gelacht.
Stiefeln habe ich hier machen lassen. 19½ frs.
Anbei die Abschrift von der Entlassungsurkunde, Du kannst sie, wenn Du es räthlich findest, auch unsrer Mutter schicken (die heute einen sehr heimatlichen angenehmen Brief schrieb, den ersten nach Bremgarten)
Die Regenz hat auch 1000 fr. jährlich für 6 Jahre bewilligt: also werde ich zusammen 2000 haben; nach welcher Decke ich mich strecken muß.
An Frau Leupold wird geschickt. Durch Frau Rothpletz beziehe ich Lebensmittel aus Zürich, namentl<ich> amerikan<ische> Zunge.
Soviel. Alles über St. Aubin gefällt mir. Ich wünsche von Herzen Dein Wohlergehen im ganzen nächsten Jahr.
Dein getreuer Fritz.
Kannst Du etwas Genaues über R. Wagner’s Winter-Reise nach Neapel erfahren, Zeit, Reiseroute usw — ich möchte jede Art Zusammentreffen verhüten. — Wem Du schreibst, gieb über meine Gesundheit sehr stark die Auskunft, es hätte lebensgefährlich mit mir gestanden und die rationellen Kurmethoden seien erschöpft gewesen. —
Hast Du die Adresse von Pachnike?
863. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe gute Mutter, ich höre mit Vergnügen durch Deinen gemüthlichen Brief, wie Dein Heimwesen sich hebt und verschönert, und zwar so, wie ich’s gern habe, durch die einfachsten Mittel und allmählich. Der alte Turm am Zwinger spukt mir immer noch im Kopfe, ob da nicht eine Stube für mich einzurichten sei: und dann frage ich, ob überhaupt nicht ein Gärtchen in der Nähe wäre, wo wir all unser Gemüse selber bauen könnten. So viel davon. — St. Moritz ist höher als Rigi-kulm, wo Du warst: Du wirst in der „Schweiz“ eine Abbildung davon gefunden haben, wohl auch von dem benachbarten Pontresina. Wälder, Seen, die besten Spazierwege, wie sie für mich Fast-Blinden hergerichtet sein müssen und die erquicklichste Luft — die beste in Europa — das macht mir den Ort lieb. Aber krank bin ich so viel wie überall, es geht mir so wie im Herbst in Naumburg, jeden zweiten Tag muß ich zu Bett zu bringen. Doch halte ich es hier besser aus, während ich anderwärts, namentlich in Basel, an der Grenze der Verzweiflung war.
An Genesung ist gar nicht zu denken, es ist sehr viel, wenn ich es erträglicher habe.
Ich wohne still, habe gute Milch und Eier.
Mit herzlichstem Gruße Dein F.
Einen Monat später werde ich vielleicht um eine Wurst-Proviant-sendung bitten, ja nicht eher.
St. Moritz/Graubünden, Schweiz
poste restante.
864. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieben Freunde, ich bin hier soviel krank wie überall und habe schon 8 Tage zusammen zu Bett gelegen. Dies ist die Litanei, mir zum Ekel und Euch auch! Trotzdem — St. M<oritz> ist das Rechte, es ist meinen Empfindungen und Sinnesorganen (Augen!) sehr angepaßt und für Patienten zugerichtet. Die Luft fast noch besser als die von Sorrent, auch voller Gerüche, wie ich’s gern habe. Meiner Tageseintheilung, Lebens- und Nahrungsweise brauchte sich kein Weiser des Alterthums zu schämen: alles sehr einfach und doch ein System von 50 oft sehr delikaten Rücksichten. Ich bin erstaunlich diesmal mit der Inscenirung zufrieden, aber das Stück taugt nichts — ich selber. — Die Kreuzbandsendung an Hr. Pachnike ist verloren gegangen. — Herzl<ichen> Dank für das Geld: ich hatte glücklicherweise einen Paß bei mir. — Ich wünschte, Du dächtest Dir für den Herbst einen Ausflug nach St. M<oritz> aus, zusammen mit Deiner lieben Frau; ich kann mir nämlich nicht denken, daß Ihre neulich so bestimmt erklärte Abneigung gegen St. M<oritz> unbesiegbar ist. Ich will nicht zu viel versprechen, weil wie gesagt, ich zu persönlich den Ort gern habe: aber ich glaube, eines Versuches ist er werth. — Das Allerherzlichste und Wünschenswertheste! Und Dank!
865. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Wenn ich einige Worte recht deute, so geht das Werk des Schweigsamen seinem Ende entgegen? Das macht mich ganz glücklich; für mich ist Venedig Ihre Brütestätte und deshalb von hundert guten Wünschen und Segnungen bedacht. Der Lido, an dem Goethe zum ersten Male das Meer sah (— in „Schopen<hauer> als Erz<ieher>“ habe ich Worte G<oethe>’s citirt, die eine Lido-Entzückung aussprechen —) scheint auch Ihnen Entzückungen gegeben zu haben. Inzwischen habe ich meine Art Natur gefunden, so daß ich erst merke, was ich seit Jahren entbehrt habe, wie arm ich auch darin war. — Ihre Gedanken über Männlichkeit beschäftigen mich. — Die „Gesundheit“ wie überall und immer! Aber St. M<oritz> ist das Rechte. Dieselbe Adresse
866. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Von meinen Winter-Projekten erfährt Niemand etwas, außer Dir. Am liebsten wäre mir Neapel’s Umgebung (sehr viel sonnige Tage, eine Hauptsache! und viel Spaziergänge: letztere fehlen in Venedig, und allein sein bringt mich mehr vorwärts als der Verkehr mit Kös<elitz> oder Rée, das sehe ich jetzt ein — nur muß ich sehr viel Gelegenheit zu abwechselnd<en> Spaziergängen haben, wie hier) aber gegen N<eapel> spricht W<agner>’s Anwesenheit. Unterrichte mich doch über Rimini, das J. Burckhardt mir empfohlen hat. Dann über Mentone (Spaziergänge; wie weit Monaco zu Fuß?) Die Orte müssen etwas zugerichtet sein für Kranke; billig zu leben lerne ich, da ich immer privatim lebe. Die Reise nach Neap<el> ist billiger von hier als bis Naumburg (Schiff v<on> Genua) Auch die ionischen Inseln tauchen auf. Es ist ein Jammer, daß es hier so langen und harten Winter giebt. (Es war sehr winterlich hier, doch nicht anders als in Sorrent, mit dessen Clima und Luft ich hier Ähnlichkeit finde.) Diese herrlichen Wälder! Ich bin 7—8 Stunden täglich im Freien. — Was kostet eine Kiste mit 3 Kilo Brown College? Und ebenso mit Diet? Es war sehr gut. Die Wurst mit Appetit verspeist. Am Ende schickst Du mir das Italien-buch? Mit dem herzlichsten Danke für Brief und Wünsche
Dein treuer F.
Gl <eiche> Adresse.
867. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe gute Mutter, eben wollte ich schreiben und Dich bitten, doch ja in Erfahrung zu bringen, wann der Termin abläuft. Da kommt, sehr zur guten Stunde, Dein lieber Brief. Also: ich verpflichte mich förmlich, auf 6 Jahre 17½ Thl. (oder, wenn der ganze Zwinger zu erhalten ist, das Doppelte) jährlich zu zahlen. Aber das Thurmzimmer muß ich haben. Der Gemüsebau entspricht ganz meinen Wünschen und ist auch eines zukünftigen „Weisen“ keineswegs unwürdig. Du weißt, daß ich zu einer einfachen und natürlichen Lebensweise hinneige, ich bestärke mich immer mehr darin, es giebt auch für meine Gesundheit kein anderes Heil. Eine wirkliche Arbeit, welche Zeit kostet und Mühe macht, ohne den Kopf anzustrengen, thut mir noth. Hat nicht mein Vater gemeint, ich würde einst wohl ein Gärtner werden? Freilich bin ich ganz unerfahren, doch sonst nicht dumm, und Du wirst mich zuerst etwas anstellen müssen.
St. Moritz ist der einzige Ort, der mir entschieden wohlthut — täglich, bei gutem und schlechtem Wetter, bin ich dieser Luft dankbar. Da wird nun noch manchmal die Reise hierher gemacht werden, das sehe ich voraus. Aber vor Mitte Juni ist es ganz unräthlich, zu kommen, und man bleibt sehr lange, wenn man bis Mitte September aushält. Wie vereinigt sich das mit den Gärtner-Pflichten! Was meinst Du? (Was für Obst giebt es im Zwinger?) Für die Gartenarbeit bliebe April Mai Juni bis zur Mitte und von Ende September bis November — das sind, wie mir scheint, die Monate der wichtigsten Arbeiten.
Karlsbad zu trinken ist irgendwann dringend nöthig, des Unterleibs wegen. Mit dem Magen bin ich jetzt, wo ich mich selber im Zimmer beköstige (Milch Eier Zunge Pflaumen (getrocknete) Brod und Zwieback) völlig in Ordnung. Ich war noch in keinem Hotel oder Restaurant. —
Die Augen machen mir große Sorge, sie allein machen keine Fortschritte (was ja leider, nach dem Urtheil der 3 Autoritäten auch gar nicht möglich ist). — Wird jemand in N<aumburg> zu finden sein, der mir zu einer bestimmten Stunde täglich vorliest oder nachschreibt?
Mit dem herzlichsten Danke
Dein Sohn.
(Mir graut vor dem nächsten Winter, nach den Erfahrungen der letzten.)
St. M 21 Juli (ich bin gerade einen Monat hier)
868. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin
Meine liebe liebe Schwester, sofort schreibe ich, denn ich habe eine gar zu große Freude an Deiner Mittheilung. So wie Du alles beschreibst, ist auch alles im höchsten Grade acceptabel, ja ein Glücksfund. Ich rathe aber, an andre Personen vorläufig nichts über die ganze Sache zu schreiben: im Herbst machst Du den Besuch in Chur und dann mag die Sache sich allmählich entwickeln. Der Winter in Chur hat viel mehr Sonne als man denkt. Der Ort ist schön, ich habe jedesmal die Rabiusaschlucht und Passug besucht. Zudem: Graubünden ist mir wirklich sehr lieb und St. M<oritz> der einzige Ort der Erde (so weit mir bekannt) der mir entschieden wohlthut, bei gutem und schlechtem Wetter. Ich komme wohl noch manchen Sommer hierher. Wind! Denke Dir, gehört zu den mir wohlthätigen Dingen. — Alle die berühmten „Winterkurorte“ sind auf Brustkranke berechnet: nichts für mich! Ich habe jetzt fast an Norddeutschland gedacht, um mit Rée zusammen zu leben und einiges zu lernen. Im Grunde meine ich, ich sei hier für einen Norddeutschen Winter sehr gut vorbereitet. (Berlin? und eine Vorlesung hören?) Sage Deine Meinung, bitte. (Venedig hat das mir feindseligste Clima, feuchtmild.
Für Frühjahr und Herbst habe ich mir Gärtnerei (Gemüsebau) in Naumburg ausgedacht. Von Oktober an trete ich in Pacht des Zwingers und die Thurmstube wird zum Wohnen für mich hergerichtet. (17½ Thaler jährlich)
Über meine Winterpläne Stillschweigen, bitte!
Der Betrugsschirm zerbrach. Tags darauf fiel die Riesenplombe aus dem Zahne, ich mußte zum Zahnarzt, die Noth war groß. Unter dessen Händen entdeckte ich, daß es van Marder in eigner Person war (jetzt in Florenz), sehr liebenswürdig und geschickt. — Was zahlte ich? Er sagte, das Loch sei 2½ mal so groß wie ein gewöhnliches. —
Soeben meldet Overbeck, daß die gute akadem<ische> Gesell<schaft> auch noch 1000 frs. auf 6 J<ahre> beschlossen hat. Also Summe der Pension 3000 frs. Das ist sehr schön.
Mit dem herzlichsten Gruße
Dein Bruder.
Nie, seit 30 Jahren nicht, hat es einen so schlechten verregneten und verschneiten Sommer in St. M<oritz> gegeben — und trotzdem: ich möchte nirgends lieber sein.
NB. Monod’s Schrift, sehr fein und unbefangen, giebt nach mehreren Seiten zu denken. Ich bedanke mich durch Dich schönstens.
869. An Paul Rée in Nassau
Mein geliebter Freund, Sie wissen wohl im Ganzen, wie es mit mir gestanden hat? Ein paar Mal den Pforten des Todes entwischt, aber fürchterlich gequält — so lebe ich von Tag zu Tage, jeder Tag hat seine Krankheits-Geschichte. Ich habe jetzt die beste und mächtigste Luft Europa’s zu athmen und liebe den Ort, an dem ich weile: St. Moritz in Graubünden. Seine Natur ist der meinigen verwandt, wir wundern uns nicht über einander, sondern sind vertraulich zusammen. Vielleicht thut’s gut so — immerhin, ich halte es ein wenig besser hier als anderswo aus.
Der September und der erste Theil des Oktober soll am schönsten hier sein — da steigen Wünsche nach dem sehr ersehnten Freunde auf, aber ich will nicht unbescheiden sein. Für unser Zusammensein — falls ich dieses Glück noch erleben sollte — ist Viel in mir präparirt. Auch ein Kistchen Bücher steht für jenen Augenblick bereit, Reealia betitelt, es sind gute Sachen darunter, über die Sie sich freuen werden.
Können Sie mir ein lehrreiches Buch womöglich englischer Herkunft, aber ins Deutsche übersetzt und mit gutem großen Druck zusenden? — Ich lebe ganz ohne Bücher, als Sieben-Achtel-Blinder, aber ich nehme gerne die verbotene Frucht aus Ihrer Hand.
Es lebe das Gewissen, weil es nun eine Historie haben wird, und mein Freund an ihm zum Historiker geworden ist. Glück und Heil auf Ihren Wegen!
Von Herzen Ihnen nahe
und das Allerförderlichste
Ihrer Gesundheit wünschend.
Sagen Sie mir ein Wort über Winterpläne.
Adr.: St. Moritz
Graubünden (Schweiz
poste restante
Friedrich Nietzsche, ehemals Professor
jetzt fugitivus errans.
870. An Franz Overbeck in Zürich
Lieber Freund, ich hätte schon eher Dir für die schöne Hoffnung des Wiedersehens gedankt: aber der Anfall und ein Tag zu Bett-Liegens kam dazwischen. Der Sommer ist eigentlich vorbei, der schlechteste, dessen sich die Engadiner erinnern, ganz verregnet und verschneit. Der Schnee hängt noch tief ins Thal. Trotzdem: es ist der beste Bergaufenthalt, den ich gemacht habe. Vielleicht giebt es einen guten Nachsommer.
Das Buch an stud. Pachnike ist doch angekommen: aber „der Sohn Hermann“ hat sich verlobt und darüber, wie billig, einiges vergessen. Die Eltern der Braut lassen ihn weiter studiren.
Die akad<emische> Gesellschaft hat mich auf das Artigste überrascht. Ich werde so gut behandelt, als ob ich’s verdiente. Darin bleibe ich aber ewig ὁ σκεπτικώτατος.
Mit Freuden höre ich, daß der deutsche Ste. Beuve wächst und gedeiht. Ein Stein fiel mir vom Herzen, als ich hörte, daß es mit der Abneigung Deiner lieben Frau gegen das Oberengadin nichts ist, denn ich bin in Dingen, die ich sehr liebe (wie besagtes Oberengadin) aus Erfahrung sehr mißtrauisch geworden und frage mich dann, ob ich mich nicht sehr irre. — Nun verspreche ich Dir, daß Dir’s gefallen soll.
Bringe mir, bitte, ein paar hundert frs. (womöglich in Gold) mit. Das Geld an der Handwerkerbank möchte ich als Nothpfennig für die Zukunft und Zufälligkeiten erhalten, so daß es vielleicht mit 6 monatl. Kündigung angelegt werden könnte. Dann giebt es einen höheren Zins. Übrigens: es steht dies in Deiner Hand, ich verstehe nichts davon —
Um etwas Festes auf der Erde zu haben, habe ich (für sehr wenig Geld) von der Stadt Naumburg auf 6 Jahre den sog. Zwinger in Pacht genommen, ein Stück der alten Stadtmauer, welches dem Hause meiner Mutter gegenüber liegt. Hier werde ich alle Frühlinge (März bis Mitte Juni) Gemüsebau* treiben. Ein Thurm ist darin, mit einem Zimmer, das mir meine Mutter zum Wohnen und Schlafen einrichtet. Ich regte die Sache an und hatte Glück damit.
Ein sonderbarer Bücherwunsch: kannst Du mir vielleicht (von der Bibliothek (oder Heusler) das letzte Buch Iherings „der Zweck im Recht“ schicken?
Lebewohl, mein lieber lieber Freund.
F N.
871. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Sehr niedergeschlagen seit lange, es will nicht vorwärts, ich bin zuviel krank. (Mein Sorrenter und Rosenlaui-befinden fällt mir immer ein, wahrlich nichts Gutes! aber wie hat’s sich seitdem verschlimmert!) Auch an Gastein mußte ich wieder denken. Morgen will ich auf ein paar Tage S<t.> M<oritz> verlassen. Ende Septemb<er> mache ich mich auf, den Winterort auszukundschaften. Der Apotheker aus Mentone, den ich sprach, sagte mir: „Die ganze Riviera hat keinen Schatten!“ Da ist es nichts, denn die Augen halten’s nicht aus!! (selbst hier muß ich, wenn ich schlechtere Tage habe, bis 4 warten, ehe ich eine schattige Straße habe — tödtlich langweilig obendrein: überdies ist es so wünschenswerth, gerade an solchen Tagen im Freien zu sein) Ich habe an Meran Bozen vor allem Riva am Gardasee gedacht (von hier alles ziemlich nah) Riva hat von ½2 Uhr an Schatten. Am liebsten gienge ich nach N<ord>deutschl<and> aber viell<eicht> ist es Thorheit. (Unsrer M<utter> habe ich noch kein Wort davon gesagt.) Allerschönsten Dank für Alles Alles. Frau Leupold (jetzt auf Frohburg) hat zurück geschrieben. Pachnike hat sich verlobt.
Treulich Dein B<ruder>
(Hoffend für die Plantage) und Genua!
Von Dr. Rée noch kein Wort.
Police habe ich.
872. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Lieber Freund, mein Zustand hat sich inzwischen verschlimmert. Wer weiß, wie es stünde, ohne dieses gute, beste Clima! Mitunter meine ich, der nächste Winter sei der letzte, und dann mache ich Pläne für Naumb<urg>, auch an Berlin habe ich gedacht, Dr Rée’s wegen, den ich gern noch einmal sehen möchte (es geht ihm auch schlechter, nach seiner Kur, er ist mit Mühe und langsam wieder in seine Heimat zurücktransportirt worden.) Es wäre also möglich, daß ich im Herbst über Zürich komme. Wollen wir aber ein wenig hoffen, so geht es südwärts. Ich habe mir längst gesagt, daß ich an Deinen Besuch nicht denken dürfe: ich überlegte mir einmal die unsinnigen Kosten und Post-reisebeschwerden, um in dies verflucht theure und ganz überfluthete Hochthal zu gelangen. Mitunter liegt freilich der Alp der Entsagung — der wirklich allseitigen Entsagung, die ich mir aufzwingen muß — ganz furchtbar auf mir, und dann denke ich Dich gern herbei. Und um ein ermuthigendes Wort, ein briefliches, bitte ich Dich wirklich, von Zeit zu Zeit! Ich wüßte es nicht zu entbehren. — (Ihering’s Buch ist keine Broschüre, sondern ein 1ster dicker Band) Allen Lieben Treuen Guten ringsum mich von Herzen empfehlend
Dein Freund
F N.
Ach die Augen!! Das erste Buch, das ich vornahm, ist französ<isch> (les Moralistes Romains, von Flotow) Pardon! von Martha.
873. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Von 11 Tagen, liebe Schwester 8 Anfallstage, 5 davon im Bett zugebracht — so steht es seitdem; Du kannst Dir alles dabei denken. Ein Anfall hinderte mich, abzureisen (Ausflug in’s Unterengadin). Als ich endlich reiste, mußte ich an der Station 1½ Stunde nach meiner Ankunft mich legen und blieb bis zum dritten Tag liegen! Dann reiste ich traurig, bei Regen, zurück — eine der schmerzhaftesten und theuersten Reisen. Dein Brief kam recht als Ermuthigung: ich bedarf sie sehr und weiß mitunter nicht, wie ich den Alpdruck der Existenz noch tragen soll. Heute habe ich die Trinkkur hier angefangen — um nicht thatlos zu sein (da ich rathlos bin). Gestern sandte ich etwas Nachträgliches und sehr Bescheidentliches!! zum Geburtstag an Dich ab. — Für Naumburg habe ich eigentlich abgeschrieben: geht es aber immer noch schlechter, so reise ich doch nordwärts. Wann würdest Du ungefähr in Genua sein? (Ich verlange so nach Dunkel, meine Augen vertragen die Spaziergänge nicht mehr. Lies im Italienbuche über Ariccia nach, viell<eicht>: Novemb<er> und Dezember? Stillschweigen über Winterprojekte!!!!
Ist denn in Zürich die Schreibmaschine? — Schreib getrost an Fr. Rothpl<etz>, ich weiß schon Dein Zimmer.
Overbeck kommt nicht. Es ist zu theuer!
874. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Der gute O<verbeck>, durch meine Berichte beunruhigt kommt doch! heute (Dienstag.) Es ist mir immerfort schlecht ergangen. Eben in diesen Tagen habe ich die Trinkkur und Badekur begonnen, ich vertrage das Wasser sehr schwer und darf nur die Hälfte des gewöhnl<ichen> Quantums trinken. Dafür muß ich länger trinken, mindestens 4 Wochen. Mit Thusis meine liebe Schwester geht es nicht, ich habe neulich wieder gesehen, daß Reisen für mich ein wahres Unglück ist: geht es nach dem Süden für den Winter, so habe ich nur noch 3 oder 4 Stunden bis an den Comersee und bin dann sehr schnell in Mailand. Geht es nach dem Norden, so besuche ich Dich jedenfalls, in Tamins oder Chur. Vor dem 20t. September reise ich keinesfalls hier ab, womöglich bleibe ich bis zum Oktober. — Ich danke Dir für Deine guten Worte und Gedanken! Die Schreibmaschine wäre mir für den Fall, daß ich nach Naumb<urg> gienge erwünscht: sonst noch nicht! Köselitz und Venedig behalten doch wohl das Übergewicht.
In herzlicher Liebe Dein Bruder
875. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Lieber lieber Freund, Dein Hiersein hat bisher mir einen tröstlichen Nachgeschmack hinterlassen. Es geht aber ganz so, wie Du es erlebt hast, von Tag zu Tag weiter!!! Doch habe ich ein paar Mal, Deiner gedenkend, auf der Meierei essen können. Ich ermuthige mich zum Aushalten der Kur. Du weißt, ich flöge gerne davon; aber das Fliegen (Reisen) macht mir Schrecken, und wo sollte ich mich niedersetzen! Rathlosigkeit, nach wie vor! — An Deiner Abhandl<ung> sind die fünf Fingerspitzen aller Deiner Tugenden zu sehen (ein Gleichniß à la Aubryet.) — Die beiden Briefschreiber sind eben spitzfindige Hunde: damals schrieb man aber, als bedeutender Mann, seinen Brief vor aller Welt, selbst die Ehrlichkeit hatte ihren Promenaden-Anzug dabei an. — Ich freue mich, Dich unter den Historikern zu sehen, vielleicht brauchst Du jetzt die schwarzen Zeitschriften nicht mehr.
In herzlicher Liebe Dich und die Deinen grüßend
F N.
876. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Liebe liebe Schwester, ich habe gestern so gelacht — eine große Seltenheit! Nicht wahr, der Apotheker will, ich soll diese schreckl<ichen> Pflaumen mit dem Faulthee zusammenkochen? Dann entsteht gewiß das, was Faust „die höllische Latwerge“ nennt! Und wenn die Wirkung zu stark sein sollte, soll ich dann die puritanischen Zwiebäcke essen? — Du hast mir den Preis der N. Würste nicht geschrieben. Gerade jetzt kann ich sie nicht essen, meine Kur hat allmählich meine Eß-Lebensweise ganz umgestaltet. — Also: der gute Freund war hier, es gieng aber schlimm, wie auch seitdem immer fort, und ich glaube nicht, daß er sehr tröstliche Eindrücke mitgenommen hat. Alle größeren Spaziergänge mußte er allein machen. Über den Winter sage ich nichts mehr; er soll, wie es scheint, nun einmal mein Verhängniß werden. O<verbeck> schreibt noch an Köselitz deswegen. Ich verlange mitunter so nach einem halbdunklen Orte und möchte nicht mehr spazierengehen. In herzlicher Liebe und Dankbarkeit
Dein Bruder.
Dein Brief kommt eben, es thut mir wehe dass Du Dich vertheidigst, kein Mensch denkt an „Vorwürfe“!! ich bin so glücklich über Dein La Planta-Arrangement. Quäl Dich nicht und einstweilen auch nichts von Riva.
F.
877. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Herzlich dankbar für Deinen eben empfangenen Brief, so wie für den vorherigen. Ich schrieb nicht, es gieng gar nicht gut! Der Freund Overbeck kam besorgt hinzu, er hat gewiß keinen tröstlichen Eindruck mit fortgenommen. Ich weiß noch nicht, was ich mit dem Winter anfange, ich bin aller Dinge so müde. Vielleicht daß ich doch noch im September zu Dir komme. Ich habe das viele Spazierengehen (ich bin 8 Stunden täglich im Freien!) so satt, meine Augen wollen Halbdunkel, und dann recht viel Vorlesen, damit ich nicht immer nachdenke — meine einzige Beschäftigung außer meinen ewigen Schmerzen. Lesen kann ich nicht, mit Menschen verkehren kann ich nicht, die Natur hier kenne ich auswendig, sie zieht mich nicht ab. Die Luft ist aber gar zu gut, mir graut davor, sie zu verlassen. Ich sage immer noch, was ich am 2tn Tage schrieb „nirgendswo spüre ich diese Erleichterung durch die Luft, selbst bei den heftigsten Schmerzen.“ — Woher hast Du „bessere Nachrichten“ über mein Befinden gehabt? Auch L<isbeth> schreibt davon — aber ich weiß nichts von „besseren“ Zeiten! —
In herzl<icher> Liebe
F.
Schmerzen, Schmerzen, Schmerzen.
878. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Seit Samstag unausstehl<ich> heftiger Anfall, Sonntag ganz zu Bett. — Mattei-Kur mir wohl bekannt. Schon zweimal angefangen, in Sorrent und dann in Genf, dieses Frühjahr, trage ein flacon noch im Porte-monnaie herum. Aber es ist eine Kur von Jahren, alle 15 Minuten den ganzen Tag über einen Löffel voll nehmen. Das Buch der C. M. las ich in Bex. — Man kann nicht in die Nähe des Genfersees kommen, ohne davon zu hören. Ach, liebe Lisbeth, Leute, die von Kopfschmerzen geheilt worden sind, giebt es Ungezählt-Viele, nach allen Kur-Methoden. Das beweist für mich nichts! —
Ich habe es so satt. Den 20 Sept<ember> wollte ich nach Naumburg abreisen. Es ist alles einerlei. Nicht mehr spazierengehen, von früh bis Abend vorlesen hören und keinen Augenblick mehr allein sein, aus zehnerlei Gründen.
Dein Bruder.
879. An Paul Rée in Stibbe
Daß es Ihnen nicht besser geht!
„Was soll aus der Welt denn noch werden?“
Vielleicht, vielleicht komme ich diesen Winter nach Norden dh. Naumburg: geschieht es, so ist es freilich kein gutes Zeichen, das gebe ich selber zu (es geht nämlich abscheulich, und meine Thierquälerei, wie ich sie jetzt fühle, läßt mich Sorrent und Bex als Zeiten des „verhältnißmäßigen“ Paradieses ansehen) Gehe ich aber nach Naumburg, so thue ich es in der bestimmten Hoffnung, mit dem so lange entbehrten Freunde ein Wiedersehens-fest (vielleicht einen Wiedersehens-Monat, Thür an Thür, in Berlin zb., Monat Januar) zu feiern. — Dies sind schöne Träume eines Kranken, der jetzt leider auch Siebenachtel-Blinder ist und nicht mehr lesen kann, außer mit Schmerzen für ein Viertelstündchen.
In Liebe der Ihrige F N.
Verzeihung, geliebter Freund! Hier sind zwei Epigramme, die mir eben einfallen:
Auf meine ersten fünf Büchlein.
Ehmals meint’ ich, A und O
Meiner Weisheit stünd’ darin;
Jetzo denk’ ich nicht mehr so:
Nur das ew’ge Ah! und Oh!
Meiner Jugend find’ ich drin.
X X X
Auf mein letztes Buch.
Schwermüthig stolz, wenn du nach rückwärts schaust,
Leichtsinnig kühn, wenn du der Zukunft traust:
O Vogel, rechn’ ich dich den Adlern zu?
Bist du Athene’s Eule Uhu-hu?
X X X
(Von Herzen grüßend, dankend und — sich
entschuldigend.
F. N.
880. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber lieber Freund, wenn Sie diese Zeilen lesen, ist mein Manuscript in Ihren Händen; es mag seine Bitte an Sie selber vortragen, ich habe nicht den Muth dazu. — Aber ein paar Augenblicke des Glücks sollen Sie auch mit mir theilen, die ich jetzt beim Gedanken an mein nunmehr vollendetes Werk habe. Ich bin am Ende des 35sten Lebensjahres; die „Mitte des Lebens“, sagte man anderthalb Jahrtausende lang von dieser Zeit; Dante hatte da seine Vision und spricht in den ersten Worten seines Gedichts davon. Nun bin ich in der Mitte des Lebens so „vom Tod umgeben“, daß er mich stündlich fassen kann; bei der Art meines Leidens muß ich an einen plötzlichen Tod, durch Krämpfe, denken (obwohl ich einen langsamen klarsinnigen, bei dem man noch mit seinen Freunden reden kann, hundertmal vorziehen würde, selbst wenn er schmerzhafter wäre) Insofern fühle ich mich jetzt dem ältesten Manne gleich; aber auch darin, daß ich mein Lebenswerk gethan habe. Ein guter Tropfen Oeles ist durch mich ausgegossen worden, das weiß ich, und man wird es mir nicht vergessen. Im Grunde habe ich die Probe zu meiner Betrachtung des Lebens schon gemacht: viele werden sie noch machen. Mein Gemüth ist durch die anhaltenden und peinlichen Leiden bis diesen Augenblick noch nicht niedergedrückt, mitunter scheint es mir sogar als ob ich heiterer und wohlwollender empfände als in meinem ganzen früheren Leben: wem habe ich diese stärkende und verbessernde Wirkung zuzumessen? Den Menschen nicht, denn, ganz Wenige ausgenommen, haben sich in den letzten Jahren Alle „an mir geärgert“ und sich auch nicht gescheut, es mir merken zu lassen. Lesen Sie, lieber Freund, dieses letzte Manuscript durch und fragen Sie sich dabei immer, ob Spuren des Leidens und des Druckes zu finden sind; ich glaube nicht daran, und schon dieser Glaube ist ein Zeichen, daß in diesen Ansichten Kräfte verborgen sein müssen und nicht Ohnmachten und Ermüdungen, nach denen die mir Abgeneigten suchen werden.
Nun werde ich nicht eher ruhig, als bis ich die Blätter, von der Hand des aufopferndsten Freundes geschrieben und durch mich revidirt, nach Chemnitz absenden kann. Ich selber werde nicht zu Ihnen kommen — so eifrig mir auch Overbeck’s und meine Schwester dazu zureden; es giebt einen Zustand, wo es mir schicklicher zu sein scheint, in die Nähe der Mutter, der Heimat und der Kindes-Erinnerungen sich zu begeben Doch nehmen Sie alles dies nicht als etwas Letztes und Unwiderrufliches. Je nachdem die Hoffnungen steigen oder fallen, muß ein Kranker seine Pläne machen und ändern dürfen. Mein Sommer-Programm ist ausgeführt: 3 Wochen Mittelhöhe (in Wiesen), 3 Monate Engadin, und der letzte Monat davon die eigentliche St. Moritzer Trink-kur, deren beste Wirkung man erst im Winter spüren soll. Dieses Durchführen eines Programms thut mir wohl: leicht war es nicht! Die Entsagung in Allem (— es fehlten Freunde und jeder Verkehr, ich konnte keine Bücher lesen; alle Kunst war ferne von mir; ein Kämmerchen mit Bett, die Speise eines Asketen (die übrigens mir gut gethan hat: keine Magenbeschwerden den ganzen Sommer!) — diese Entsagung war vollständig, bis auf Einen Punkt: ich hieng meinen Gedanken nach — was sollte ich auch thun! — Dies ist aber gewiß meinem Kopfe das Allerschädlichste — aber noch weiß ich nicht, wie ich’s hätte vermeiden können. Genug, für diesen Winter heißt das Programm: Erholung von mir selber, Ausruhen von meinen Gedanken — dies kenne ich seit Jahren nicht mehr. Vielleicht bringe ich in Naumb<urg> eine Tagesordnung zu Stande, bei der diese Ruhe mir zu Theil wird. — Aber erst der „Nachtrag“! „Der Wanderer und sein Schatten.“! —
Ihr letzter Gedanken-brief war Overbeck und mir eine solche Freude, daß ich ihm erlaubte, denselben mit nach Zürich zu nehmen, um ihn den Frauen dort vorzulesen. Verzeihung dafür!
Und Verzeihung für Größeres!
Ihr Freund N.
Adr.: St. Moritz-Dorf, poste restante
881. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Lieber Freund,
vorgestern Manuscript, gestern Brief, heute Karte: diese um einer Bitte willen! Bewahren Sie das Geheimniß des Manuscr<ipts> und meiner Winterpläne bis auf Weiteres vor Jedermann! Auch Prof. O<verbeck> weiß noch nichts.
Und fahren Sie fort, in Liebe zu gedenken Ihres
N.
der dasselbe thut, so oft ihm nur Venedig einfällt,
(dh. sehr oft!)
882. An Elisabeth Nietzsche in Tamins (Postkarte)
Liebe liebe Schwester, ich bringe es zuletzt doch nicht über’s Herz, an Dir bei meiner Reise nach Naumb<urg>, vorbeizuschlüpfen: erst wollte ichs, um allen Bewegungen des Gemüths zu entgehen. Zuletzt: wir wollen die Sache heiter nehmen: unvermeidlich ist sie, so wie mein Zustand ist. Die Correspondenz O<verbeck>’s mit unserm Köselitz hat mich bestimmt: ich sage Dir, inwiefern, mündlich. — Also: ich reise Mittwoch (übermorgen) nach Chur, wo ich gegen 4 Uhr Nachm. eintreffe. Dort, bitte, erwarte mich, wenn möglich; fahre eine Post früher von Reichenau nach Chur, gehe in’s weiße Kreuz, frage nach der Wirthin (einer Wittwe) und wähle zwei Zimmer für uns: wir bleiben dann Donnerstag und Freitag zusammen. Sonnabend früh reise ich (Rorschach—Lindau Leipzig) direkt nach N<aumburg>. — Dies mein Vorschlag: paßt er Dir nicht, so telegraphire oder erwarte mich in Reichenau bei meiner Durchfahrt. In der allerherzlichsten Liebe D<ein> B<ruder> (dem es sehr schlecht gieng.)
883. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
„Naumburg an der Saale per adr. Frau Pastorin Nietzsche“ so, mein lieber Freund, erreicht mich ein Brief für Herbst und Winter. Was Sie mir zuerst und nachher nach St. M<oritz> geschrieben haben, geht weit über alles hinaus, was mir zukommt, ich müßte mich schämen, neben Ihnen zu leben, wenn Sie mich mit den Augen solcher Güte und Hoffnung ansähen. Beim Abschreiben — Sie guter Hülfreicher! — werden Sie über viele „Allzumenschlichkeiten“ stolpern — eine Art Genugthuung für mich — Aber ich weiß, daß Sie mich lieb behalten werden. Sie haben Recht, wir sind einander verwandt.
F N.
884. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Von Naumburg aus, lieber Freund, die ersten Worte. Es ist die Winterstation diesmal; wenn Du die Abrechnung der Gründe zwischen Vened<ig> u<nd> N<aumburg> so vor Dir hättest, wie ich sie habe, müßte Dein Urtheil dem meinigen gleich ausfallen; aber alles was in Betracht kommt ist kaum möglich mitzutheilen. Genug daß der Hauptgedanke meines Winterkur-Programm’s — möglichste Ruhe vor meinen beständigen inneren Arbeiten, Erholung von mir selber, die ich seit Jahren nicht gehabt — mir in Vened<ig> undurchführbar erscheinen mußte. — Die klimat<ischen> Bedingungen sind hier natürlich günstiger als die jener Lagunen- und Scirroccostadt, in welche aus dem Engadin hinabzusteigen doch ein gefährliches Experiment der schlimmsten Art gewesen wäre. — Wie gesagt, ich zweifle nicht, auch Deine Vernunft („meine zweite und bessere Vernunft“ wie ich sie oft nenne — Verzeihung!) würde meinen Entschluß gutheißen: Deine Correspondenz mit K<öselitz>, für die ich von Herzen Dir danke, gab den Ausschlag.
Herzliche Grüße Deinen Lieben.
885. An Elisabeth Nietzsche in Tamins
Meine geliebte Schwester, seit unserm Wiedersehen und Auseinandergehen hat mich meine Krankheit ziemlich gnädig behandelt, so daß ich anfange, der St. Moritzer Kur mit Dankbarkeit zu gedenken. Das Naumburger Wetter ist nicht so hellherbstlich, wie ich es vom vorigen Jahre her im Gedächtniß hatte, und der große Abstand der Engadiner Höhenluft und der hiesigen feuchten Milde ist mir sehr bemerklich, doch nicht unangenehm; ich leide an Gedankenlosigkeit und bin im Grunde mit diesem Leiden zufrieden. Denke Dir, daß ich jetzt den Besuch des Dr Rée hätte haben können und daß die Vernunft die zu erwartenden Freuden der Vernunft widerrieth; mir als dem Freunde wurde der Entschluß sauer und bitter. — So viel von mir, der übrigens, wie Du vermuthen kannst, mit schönen Speischen und Spaziergängelchen und Novellchen verwöhnt wird — der Berg-Einsiedler vom Sommer. — In Betreff Deiner nicht uninteressanten, aber vielleicht nicht allzu ergötzlichen Lage (— für gefährlich sehe ich sie durchaus nicht an) glaube ich, obschon ganz unmaaßgeblich, daß wenn Ihr Beide miteinander in’s Plänemachen gerathet, auch die häßlichen Gemüths-Trübungen seltner werden dürften: man muß die Zukunft etwas gegen die Vergangenheit in den Kampf führen und die Freuden eines lernenden reisenden wohlthätigen Lebens mit der Phantasie vorwegzunehmen verstehen. Wahrscheinlich spreche ich von Dingen, die Du eben ausübst; aber das ist die beste Art von Rathschlägen, die zu spät kommt. An seinen (vermeintlichen) Feinden sich durch Wohlthaten und Artigkeiten rächen — dazu könntest Du vielleicht auch die Arme anreizen; Kranke wollen Recht behalten und in solchem Falle auch ihre Rache haben. — Gestern kam ein Spottgedicht eines österreichischen Dichters auf mich an, es war gut und nicht unartig. Wenn Du diesen weisen Brief erhältst, wirst Du vielleicht Lust haben daran fortzudichten — ich bin’s zufrieden und verdiene es.
In herzlicher Liebe Dein Bruder.
886. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, eine Woche Naumburg ist hinter mir: sehr gnädig im Vergleich zu dem abscheulichen Zustande der letzten St. M<oritzer> Wochen. Ich meine, die Kur beginnt zu wirken und freue mich der consequenten Durchführung des Sommerprogramms (90 Tage St. M<oritz>, die letzten 30 davon Kur). Um zu beweisen, wie das Winterprogramm durchgeführt werden soll: denke Dir, daß Freund Rée jetzt auf einige Wochen seinen Besuch hier anmeldete und daß ich es über mich gewann Nein zu sagen. Verzeihung, wenn ich auf diesen Grad von Entsagung etwas stolz bin! Nöthig ist es. — Ich wünsche Dir und Deiner lieben Frau einen guten sommerlichen hellen Herbst und fröhliches Gelingen in allen guten Dingen.
Dein F. N
887. An Heinrich Köselitz in Venedig
Die letzten Blätter aus dem Engadin sende ich als „Manuscript“ und „einge schrieben“: die billigste und zuverlässigste Versendungsart, wie mir Postbeamte sagten. — Hier in Naumburg will ich keine Gedanken haben und jedenfalls keine aufschreiben: letzteres wenigstens ist Sache des Willens. — Der Gesammteindruck des Neuesten, wie Sie, mein erster und letzter Leser bisher — das sind Sie ja unbedingt in Bezug auf M<enschliches> Allzum<enschliches> — ihn empfunden haben, entspricht so sehr meinem innersten Wunsche, daß ich vermuthe, unsre Seelen-Verwandtschaft sei dabei im Spiele. Lieber Freund, Sie wissen doch, daß Sie, je mehr Sie mit mir zusammenstimmen — und wünschen, auch an meiner Last zu tragen haben und daß Sie alles einmal gut und sehr gut machen müssen, was ich schlecht und versuchsweise gemacht habe? Sie haben viel Noth* mit mir — daran denke ich, so oft ich an Sie denke.
F. N.
Ich habe der Stadt Naumb<urg> ein kleines burgartiges Stück der mittelalterl<ichen> Stadtbefestigung abgepachtet, um hier Gemüse zu bauen — auf 6 Jahre (! — !), wie es Brauch ist. Alles ist grün und buschig umwachsen; in einem Thurme der Mauer wird ein langes Zimmer (sehr alterthümlich —) für mich zum Wohnen hergerichtet. Ich habe 10 Obstbäume, Rosen Lilien Nelken Erdbeeren Stachel- und Johannisbeeren. Im Frühjahr geht meine Arbeit an, auf 10 Gemüsebeeten. — Alles ist mein Gedanke, und ich habe Glück dabei gehabt. Bei diesen Zukunftsspinnereien spinne ich mitunter auch den lieben Freund in Venedig mit in mein Thurm-Netz hinein — sehr dreist, nicht wahr? —
Eben jetzt, Dienstag Morgens, kommt zu meiner großen Freude, Ihre Abschrift in meine Hände; augenblicklich bin ich ganz Dankbarkeit gegen Sie — und weiter nichts mehr! Auch die begleitenden Worte Ihrer Karte erquicken mich, ich habe ganz und völlig das Urtheil über meine Sachen eingebüßt, weil ich zu wenig mit Menschen verkehre und keine Bücher lese. Mitunter fürchte ich zu sagen, was alle Welt weiß. Sie machen mir Muth.
888. An Heinrich Köselitz in Venedig
Haben Sie meinen recommandirten Brief mit der Schluß-Manuscript-Einlage, lieber Freund? — Gestern (Freitag) kam Ihre Abschrift des Ganzen in meine Hände, ich begreife nicht, wie Sie diese schreckliche Arbeit in so kurzer Zeit bewältigen konnten, segne Sie aber für diese Unbegreiflichkeit der That! Mir ist jetzt so ruhig zu Muthe; Hrn. Schmeitzner will ich Ende des Monats das M<anu>s<cript> persönlich in Leipzig übergeben. — Ich hatte Vergnügen, Manches wieder zu lesen, warum soll ich es Ihnen nicht gestehen! Z.B. den Anfangs- und Schluß-Dialog, in denen gute Stimmung ist (und eine Masse psychologischer Kleinigkeiten; das Schattenmachen am Schluß des Ganzen zB. (Kränkung Bedauern Abschied Natur-Stimmung des Abends durcheinander gemischt) Diesmal kommt es, wie Sie wissen, mir auf ein paar ungeheure moralische Perspektiven an, derentwegen man mich einen Narren schelten wird. Aber ich hatte viel Glück sie zu sehen!
Wie geht es Ihnen, lieber lieber Freund? Ist das Wetter gut?
Ihr treuer
N.
889. An Heinrich Köselitz in Venedig
Gestern Vormittag lief meine Karte an Sie, lieber Freund, ab, und drei Stunden später hatte ich wieder neue Beweise Ihrer unermüdlichen Güte für mich in den Händen. Könnte ich nur nun auch Ihren Wünschen entsprechen! „Doch Gedanken stehn zu fern“, wie Tieck singt. Sie glauben nicht, wie getreu ich bis jetzt das Programm der Gedankenlosigkeit durchgeführt; und ich habe Gründe hier treu zu sein, denn „hinter dem Gedanken steht der Teufel“ eines wüthenden Schmerz-Anfalls. Das Manusc<ript>, welches Sie von St. M<oritz> aus bekamen, ist so theuer und schwer erkauft, daß vielleicht um diesen Preis niemand es geschrieben haben würde, der es hätte vermeiden können. Mir graut jetzt öfter beim Lesen, namentl<ich> der längeren Abschnitte, der häßlichen Erinnerung halber. Alles ist, wenige Zeilen ausgenommen, unterwegs erdacht und in 6 kleine Hefte mit Bleistift skizziert worden: das Umschreiben bekam mir fast jedesmal übel. Gegen 20 längere Gedankenketten, leider recht wesentliche, mußte ich schlüpfen lassen, weil ich nie Zeit genug fand, sie aus dem schrecklichsten Bleistiftgekritzel herauszuziehen: so wie es mir schon vorigen Sommer gegangen ist. Hinterher verliere ich den Zusammenhang der Gedanken aus dem Gedächtniß: ich habe eben die Minuten und Viertelstunden der „Energie des Gehirns“ von der Sie sprechen, zusammenzustehlen, einem leidenden Gehirne abzustehlen. Einstweilen scheint es mir als ob ich nie wieder es thun werde. Ich lese Ihre Abschrift, und es wird mir so schwer, mich selber zu verstehen — so müde ist mein Kopf.
Das Sorrentiner M<anu>sc<ript> hat der Teufel geholt; mein Umzug und endgültiges Verlassen Basel’s hat in manchen Dingen sehr gründlich aufgeräumt. — mir eine Wohlthat, denn solche alten M<anu>sc<ripte> sehen mich wie Schuldner an.
Lieber Freund, über Luther bin ich noch längere Zeit außer Stande, in ehrlicher Weise etwas Verehrendes zu sagen: die Nachwirkung einer mächtigen Materialsammlung über ihn, auf die mich J. Burckhardt aufmerksam machte. Ich meine Jans<s>en Gesch<ichte> des deutschen Volkes Bd. II. in diesem Jahre erst erschienen (ich besitze es) Hier redet einmal nicht die verfälschte protestant<ische> Geschichtsconstruktion, an welche wir zu glauben angelernt worden sind. Augenblicklich scheint es mir nichts mehr als Sache des nationalen Geschmacks in Norden und Süden, daß wir Luther als Menschen dem Ign<atius> Loyola vorziehen! Die gräßliche hochmüthige gallig-neidische Schimpfteufelei Luthers, dem gar nicht wohl wurde, wenn er nicht vor Wuth auf jemanden speien konnte, haben mich zu sehr angeekelt. Gewiß haben Sie Recht mit der „Förderung der europ<äischen> Demokratisirung durch L<uther>, aber gewiß war dieser rasende Bauern-Feind (der sie wie tolle Hunde todtschlagen hieß und eigens den Fürsten zurief, jetzt könne man mit Schlachten und Würgen von Bauernvieh sich das Himmelreich erwerben) einer der unfreiwilligsten Förderer derselben. — Übrigens sind Sie in der billigeren Stimmung gegen ihn. Geben Sie mir Zeit! — Für die anderen Hindeutungen auf Lücken meiner Gedankenreihen sage ich Ihnen ebenso Dank, nur einen ganz ohnmächtigen Dank! Ach, hier denke ich eben wieder an meine „Wünsche der Wünsche“. Nein, ich dachte mir neulich den Freund K<öselitz> nicht als eigentlichen Schriftsteller, es giebt so viele Arten von dem innern Zustande und Gesund- und Reifwerden Zeugniß abzulegen. Zunächst für Sie den Künstler! Hinter Aeschylus kam ein Sophokles! Deutlicher möchte ich’s nicht sagen, was ich hoffe. — Und um einmal auch über Sie als Kopf und Herz ein aufrichtiges Wort zu sagen: welchen Vorsprung haben Sie vor mir, die Jahre abgerechnet und was die Jahre mit sich bringen! Aufrichtig nochmals, ich halte Sie für besser und für begabter als ich bin und folglich auch für verpflichteter. — In Ihrem Lebensalter trieb ich mit größtem Eifer Untersuchung über die Entstehung eines Lexikons des 11 Jhdts. post Chr. und über die Quellen des Laertius Diogenes und hatte keinen Begriff von mir, als ob ich ein Recht hätte, eigne allgemeine Gedanken zu haben und gar vorzutragen. Noch jetzt überfällt mich das Gefühl der kläglichsten Neulingschaft; mein Alleinsein, mein Kranksein hat mich etwas an die „Unverschämtheit“ meiner Schriftstellerei gewöhnt. Aber, Andere müssen alles besser machen, mein Leben sowohl als mein Denken. — Antworten Sie nicht hierauf. In wahrhaft treuer Liebe
Ihr auf Sie hoffender Freund
N.
890. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werther Herr Verleger,
im Frühjahre fragten Sie bei mir an, ob es am Jahres-Ausgange 5 ein M<anu>sc<ript> geben werde: Sie fügten Fragezeichen und Ausrufezeichen hinzu — und heute thue ich dasselbe, wo ich Ihnen melde, daß es ein Msc. giebt —
? ! ich glaube es selber kaum.
Fragen Sie den einzig Mitwissenden und Mithelfenden, unsern Freund Köselitz, was er von dem Msc. hält; ich selber erzähle Ihnen mündlich, wie ein so schwer Lebender und unsäglich Gequälter als ich bin es zu Stande gebracht hat — vorausgesetzt, daß ich Sie Ende des Monates in Leipzig treffen kann. Dort übergebe ich Ihnen das druckfertige Msc. — falls Sie es haben wollen! Darüber ersuche ich Sie um ein paar briefliche Worte.
Der Titel ist (— und aus dem Titel erklärt sich alles, was ich als Bedingungen meinerseits auszumachen hätte)
Der Wanderer und sein Schatten.*
Zweiter und letzter Nachtrag
zu der früher
erschienenen Gedankensammlung
„Menschliches Allzumenschliches
Ein Buch für freie Geister“
Von
F N.
Mit ergebenstem Gruße Dr Nietzsche
Umfang des Buches gleich dem letztgedruckten „Anhange“.
Stillschweigen dringend erbeten!
891. An Elisabeth Nietzsche in Tamins (Postkarte)
Aber, meine geliebte Schwester diese Überhäufung meiner unwürdigen Person mit so süßen Artigkeiten und Engadiner sowie Genfer Erinnerungen ist ja ganz wider unsre Abrede! so daß ich meinen herzlichsten Dank nicht ohne Kopfschütteln der Verwunderung aussprechen kann. Glücklicherweise kann ich heute von meinem Befinden nicht unvortheilhaft reden; der Kopfschmerz, sehr häufig, kam bis jetzt noch nicht im großen Stile. Ich glaube, daß die Kur von St. M<oritz> ein guter Griff war. Immer noch bin ich froh, daß ich der Venediger Versuchung ausgewichen bin. — Morgen ziehn die Damen (unten im Hause) ab, zu allgemeiner Herstellung der Heiterkeit. Den Zwinger gebe ich womöglich wieder ab. Hoffentlich höre ich von Dir Gutes und Heiteres.
Von Herzen dankbar Dein B<ruder>.
892. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Für alles Gesagte und Gesandte, lieber und werther Herr Schmeitzner, vorläufig meinen aufrichtigen Dank, ich habe Freude davon gehabt. Können Sie nächsten Sonnabend (also diese Woche) nach Leipzig kommen? (ich fahre 9 Uhr 10 M. ab) Ich möchte Ihnen dort in „Stadt Rom“ (vielleicht Vormittags um 11, wenn es Ihnen recht ist?) das M<anu>s<cript> überreichen. Meine Gesundheit erfordert, wie Sie wissen, Vorsicht im Genusse des menschlichen Verkehrs. Daraus folgt daß wir nicht lange (aber vielleicht Nachmittags noch ½ Stündchen) zusammen sein können. Mit dem herzlichsten Wunsche, Sie wiederzusehen,
Ihr ganz ergebener F N. (heute ist mein Geburtstag.)
893. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Lieber Freund, ich brachte es nicht über mich, Ihren letzten Brief zu vernichten, es standen so gute Dinge darauf, daß ich schon darum bitten wollte, sie meinem Buche zu Gute kommen zu lassen: zuletzt denke ich, Sie benutzen den Brief einmal, wenn Sie zur Erholung ein Bändchen Gedanken sammeln: für diesen Zeitpunkt hebe ich ihn auf. — Sie sehen, bis jetzt hab ich noch nicht umgelernt, was meine hohe Meinung von Ihnen anlangt. Auch bin ich nicht der Einzige, der mit großen Hoffnungen Ihrer gedenkt. —
Letzter Tage sah ich in Leipzig Freund Widemann und Herrn Schmeitzner. Morgen soll der erste Druckbogen in meinen Händen sein.
Kann ich Ihnen nicht etwas senden, das Ihnen Freude macht — Lebensmittel des Geistes oder Leibes? Ich hätte großes Vergnügen an einem Auftrage.
Von Herzen der Ihrige
894. An Franz Overbeck in Basel
Lieber lieber Freund, von Dir dem Geber so vieles Guten nehme ich Wünsche anders an als von Anderen. Den ganzen Geburtstag habe ich Deiner gedacht und recht in Liebe versucht, die Summe der Wohlthaten zu ziehen, welche Du mir in dem letzten Jahre, also in media vita nach dem Kirchenglauben, erwiesen hast. Mitten im Leben war ich vom guten „Overbeck umgeben“ — vielleicht hätte sich sonst der andre Gefährte eingestellt — Mors.
Es geht erträglich und viel besser als im Sommer. Erst Ein heftiger Anfall (am Tag nach meinem Geburtstage), sonst das altgewohnte Kleingewehrfeuer meines Leidens — Tag für Tag. Seit ich das Engadin verlassen habe, ist keine Pille und kein Klysma mehr in den Leib gekommen, es war nicht mehr nöthig. Die Unfähigkeit etwas zu thun (Lesen Schreiben Denken) entspricht meinem Programme der Gedankenlosigkeit; dies ist jetzt mein Kurmittel. (In Venedig wäre es nicht möglich gewesen) Unser lieber Köselitz, voll von meinen und seinen Gedanken, würde mir eine zu starke Speise gewesen sein. —
In Leipzig sah ich letzter Tage Schmeitzner und Widemann (ich mußte die sehr angenehme Zusammenkunft Tags darauf büßen und verbrachte still einen Tag auf dem Sopha) —
Der Herbst ist sehr trübe, ja dunkel, wobei wenigstens meine Augen den Vortheil haben. — Danke für die Geldsendung, Du hast die bequemste und billigste Art, die ich mir nur denken kann, ermittelt, leider mit der Consequenz, Dir selber wieder die Mühe aufgeladen zu haben, welche ich dabei spare.
Danke ebenfalls für die Briefe, Deine eigenen voran, dann die nachgesandten (darunter war ein Spottgedicht auf mich, von einem österreichischen Dichter in Graz, es könnte selbst Hamerling sein)
Deiner lieben Frau meine herzlichsten Grüße, ebenso Deiner verehrten Frau Schwiegermutter in Zürich. — Mit Schmeitzner habe ich wegen der St. Beuve-Übersetzung ein paar Worte fallen lassen, die mit sehr großer Freude aufgenommen wurden. Ingleichen wegen der Wackernagelschen Buddhismus-Vorträge.
Schm<eitzner> verlegt etwas von Dühring, ist aber in vollem Entsetzen über den unangenehmen Charakter desselben. Dann giebt er Lasalle’s Briefe aus der allerletzten Zeit heraus — ich hoffe, dies ist einmal ein Verlagsartikel, wie wir ihm einen solchen gewünscht haben.
Freund Romundt’s Brief lege ich bei, ich verstehe ihn nicht ganz. Die Vermahnung zum Glauben verstehe ich sogar gar nicht — Glaube an was? frage ich <den> Tropf. Aber vielleicht meint er den Glauben an den Glauben. — Ein Butterbrod ist mir mehr werth als ein solch blasses Ding.
Von Herzen der Deine
F Nietzsche
Nicht zu vergessen die schon ein paarmal vergessenen dankbaren Grüße meiner Mutter!
Wann lebte der Bischof Ulfilas? Drittes Jahrhundert gegen Mitte?
895. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Wollen Sie, lieber Herr Schmeitzner, dies noch unter die Religiosa (III) einreihen?
Sonntag war ich in Leipzig krank, Montag früh reiste ich zurück. — Ich hatte und habe immer noch von unserer Zusammenkunft her einen angenehmen Nachgeschmack. Möge Alles gut gelingen! —
Herzliche Grüße an Freund Widemann.
F N.
896. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, noch ein Wort à propos des Gärtnerschurzes. Der Zwinger und der Thurm, beides malerischer und größer als ich vermuthete, ist trotzdem aus meinen Händen wieder bereits in andre übergegangen: ich sah hier ein, daß für die Gärtner-Thätigkeit meine Augen viel zu schwach sind und daß das Bücken für meinen Kopf sehr unzweckmäßig ist — in der nächsten Nähe gesehen ergab sich die Gemüsebauerei als eine Unmöglichkeit, leider, leider! So war ich ganz glücklich, meinen Pachtcontrakt (in dem mir verboten war Wäsche im Zwinger aufzuhängen und eine Schänkwirthschaft zu errichten) wieder loszuwerden. Das Beste an der ganzen Geschichte, die Erwartung habe ich gehabt; und zu diesem Glück des Gärtnerthums in spe gehört auch der Gärtnerschurz in spe: für den ich mich bei Deiner lieben Frau herzlichst bedanke.
Dein Freund
897. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werther Herr Schmeitzner,
es thut mir sehr wohl, Ihr Auge jetzt über meinen Ersparnissen wachend zu denken; diese ganze Sache ist so gut geordnet als ich es nur hoffen konnte. Freilich haben Sie die Mühe, und ich den Vortheil dabei. —
Die Vorrede (oder vielmehr der Dialog) stellt mich nicht zufrieden. Ich bitte sehr darum, dieselben Zwischenräume wie beim Texte herstellen zu lassen: so daß Dialog und Aphorismen ganz gleich gedruckt erscheinen. Ende des Dialogs auf Seite 6 unten: so ist mir’s recht. —
An Stelle eines Aphorismus, betitelt „Kurzer Sommer“ (den ich durchzustreichen bitte) stellen Sie Mitfolgendes.
Zwei lateinische Aphorismen bitte ich auch durchzustreichen.
Bis heute (Montag) sind 2 Bogen in meinen Händen.
Mein Befinden ist leidlich — freilich nach meinem Maaßstabe, der nicht nach Jedermanns Geschmack sein möchte.
Mit dem besten Danke
Ihnen ergeben
F Nietzsche
898. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, ich hatte noch etwas vergessen! Bitte, lege wie bisher, die kleine Summe für die Bayreuther Zwecke aus, ich wüßte keinen Grund, weshalb ich aufhören sollte sie zu zahlen. (Gelesen freilich habe ich seit Herbst 1877 nichts mehr von jenen Blättern.)
In herzlicher Liebe Dein
Freund
899. An Paul Rée in Stibbe
Lieber Freund, nur ein paar Zeilen der Ungeduld! Ich warte nämlich seit Wochen auf eine freie Stunde, um einmal länger an Sie zu schreiben — sie kommt nicht, und ich muß alles Erzwingen so hart büssen, daß ich nichts mehr erzwinge. Viele Wünsche habe ich aufgeben müssen, aber noch nie den, mit Ihnen zusammenzuleben — mein „Garten Epikurs“! Die Vernunft sagt auch jetzt immer noch, daß wir warten müssen; es wäre gar zu traurig, wenn „wir uns schlecht bekämen.“ Meine Mutter, heute nur von Herzen grüßend und das Beste wünschend, wird Ihnen bald des Genauern schreiben, ob, wann und wie unser Zusammensein möglich ist. Sie hat mir Lermontoff vorgelesen; ein mir sehr fremder Zustand, die westeuropäische Blasirtheit, ist allerliebst beschrieben, mit russischer Naivetät und halbwüchsiger Weltweltenweisheit — nicht wahr?
Ich danke Ihnen, lieber Freund für alles Gesagte Gesandte und Gewünschte, namentlich aber für die wundersame entzückende und wiederum erschreckende Meldung, daß Ihr Werk wächst, reift — unglaublich! — Ein paar Seiten Ihrer „Untersuchungen“, auf die ich neulich fiel, machten mir nach jenem Werke der Verheißung unbändigen Appetit. —
Mein Hauptgedanke ist jetzt, daß die Hauptursache der irdischen Gebrechlichkeit in kleinen Unwissenheiten besteht — Verzeihung, daß ich die Nutzanwendung auch auf unser Kranksein mache! Wir müssen durchaus gesund werden, sobald wir recht begriffen haben, wie wir krank wurden. Medizinische Gespräche sind nicht zu vermeiden, wenn wir uns wiedersehen.
Und mit dem unausgesprochenen Wunsche der Angst um Sie, lieber lieber Freund schließe ich
In herzlicher Liebe
Ihr
F Nietzsche
900. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Schönsten Dank, lieber Freund, für den Wink, ich wünsche den Anschein der Weiberverachtung nicht und habe den passus ganz gestrichen. Wahr ist es übrigens, daß urspr<ünglich> nur die Männer sich für Menschen gehalten haben, noch die Sprachen beweisen es; das Weib hat wirklich als Thier gegolten, die Anerkennung des Menschen in ihm ist ein<er> der größten moralischen Schritte. Meine oder unsre jetzige Ansicht vom „Weibe“ sollte mit dem Worte „Hausthier“ nicht berührt sein. — Ich urtheilte nach Huntley’s Beschreibung der Frauenlage bei wilden Völkerschaften. —
Sehr lieb ist mir zu hören, daß Sie den Nachsommer nicht kennen, ich verspreche Ihnen etwas Reines und Gutes. Ich selbst kenne ihn seit kurzem, Rée sagte mir einmal, in ihm stehe die schönste Liebesgeschichte, die er je gelesen, das fiel mir ein.
Fahren Sie fort, bei der Corr<ektur> zu winken und zu warnen. Der Boden des Mißverständnisses ist bei dieser Schrift so oft in der Nähe; die Kürze, der verwünschte Telegrammstil, zu dem mich Kopf und Auge nöthigt ist die Ursache.
Von Herzen F. N.
901. An Ida Overbeck in Basel (Postkarte)
Liebe verehrteste Frau Professor,
wäre es am Ende nicht das Beste, Herrn Chamfort wegzulassen? Ein Meisterstück war der betreffende Artikel wohl nicht; vielleicht erwägen Sie, ob Fontenelle in Ihre „Menschen des 18ten J<a>h<rhunder>t’s“ hineinpaßt? Sonst wäre ich dafür, sofort mit Hrn. Schmeitzner in Verbindung zu treten, oder deutlicher: Erlauben Sie mir, daß ich Schm<eitzner>’n einen Wink gebe; er wird sich brieflich an Sie wenden und Ihnen seine Vorschläge zu unterbreiten haben. — Bitten Sie meinen Freund, er möge Stifter’s Nachsommer aus meinen Büchern („Köselitziana“) nehmen und bei Memel einbinden lassen (grüne Leinwand, gerundete Ecken), ebenfalls Memel’n die Adresse an Hr. Köselitz geben (er soll das Buch gut verpackt und frankirt nach Venedig schicken) — Mein Befinden hat sich langsam, aber sicher verschlechtert: „erträglich“ immer noch, im verschärften Sinne.
Von Herzen ergeben mit den Grüßen meiner Mutter
Ihr F. Nietzsche.
902. An Elisabeth Nietzsche in Tamins (Postkarte)
Meine geliebte Schwester, heute endlich läuft das Geld ab, die lächerlichen Centimes sollen die Umwechselkosten ausgleichen. Meine Gesundheit hat sich entschieden verschlimmert, doch geht der Schmerz über eine gewisse Grenze des „Erträglichen“ noch nicht hinaus; immerhin ein elender Zustand! Wetter fort und fort schlecht, seit Wochen. Heute ziehe ich in ein neues Schlafzimmer (oben). Ich hatte noch keinen Tag, wo ich im Stande gewesen wäre, ein Colleg zu halten; aber sehr viele Tage, wo eine Karte zu schreiben unmöglich ist. Meine Stimmung immerfort sehr ruhig und entschlossen, ich widerstrebe jeder Veränderung. Deine drei letzten Briefe zeigten etwas Ähnliches; was mir sehr wohl that.
Ich denke Deiner in der herzlichsten Gesinnung als Dein Bruder.
903. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Werthester Herr Verleger, ich bitte, in dem Aphorismus „Natur als Doppelgängerin“ eine Zeile so umzuformen:
/ in dem gesammten anmuthig ernsten Hügel- Seen- und Wald-Charakter dieser Hochebene, welche sich ohne Furcht neben die Schrecknisse des ewigen Schnee’s hingelagert hat —/
Die zwei ersten Bogen sind vortrefflich gelungen. Ich danke für die Sendung Taine’s. Lebt der Dr. Dühring doch noch?
Ergebenst grüßend
F N.
nicht wahr, es geht langsam!
Mein Befinden hat sich verschlechtert.
904. An Franz Overbeck in Basel
Lieber lieber Freund, Dein Geburtstag ist ein Feiertag für mich, aber wünschen, wünschen — ich weiß gar nicht, was. Daß wir uns wiedersehen! — das versteht sich als ein habitueller Wunsch von selber. Auch daß im Winter Deine Abhandlung über die Entst<ehung> der chr<istlichen> Litt<eratur> fertig werden möge! Im Übrigen habe ich, wenn ich an Dich denke, nichts zu wünschen, sondern nur zu danken. —
Es geht nicht gut, die guten Einwirkungen des Sommers lassen nach, der unablässige Schmerz wird wieder recht lästig. Es ist ein Unglück, daß dies mal der Naumburger Herbst so trübe und naß ausgefallen ist, wie seit Menschengedenken nicht. Alle 8 Tage etwa einen Nachmittag die Sonne und den Himmel sehen — darauf läuft es hinaus. Geistige Ruhe ist mein Programm: die habe ich auch — aber das Wetter liegt schwer auf mir. Mein Muth ist trotzdem noch unerschüttert, und ich will den Winter hier aushalten.
Meine Mutter hat mir vorgelesen Gogol, Lermontoff, Bret Harte, M. Twain E. A. Poe. Wenn Du das letzterschienene Buch von Twain „die Abenteuer von Tom Sawyer“ noch nicht kennst, so wäre es mir ein Vergnügen, Dir damit ein kleines Geschenk zu machen.
Die Frage der Bücher-Versicherung wollen wir in graec<as> cal<endas> vertagen; in meinen Augen sind sie sehr gut versichert, insofern sie im Falkenstein wohnen dürfen.
Dir und Deiner lieben Frau
von ganzem Herzen gut
Dein Freund
F. Nietzsche
905. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Liebe verehrte Frau Baumgartner, so muß denn doch die Karte dran! Ich finde das, was zu einem Briefe gehört, seit Wochen, nicht zusammen; und ich fühle andererseits, daß ich auf einer Karte Ihnen nichts zu sagen habe! Wenn irgend ein Mensch, so sollten Sie hübsche lange und innerliche Briefe von mir erhalten, wie Sie mir solche schreiben (und viel besser als ich’s vermöchte) Nun geht es aber nicht, und darüber verstumme ich ganz. Ach, wie satt habe ich es, über mein Schlechtbefinden zu berichten! Ein kleiner Anflug von Milderung ist wieder verschwunden. Die „Stimmung“ dabei ist ziemlich kaltblütig, dürfte aber etwas sonniger sein. Ich will diesen Winter nicht denken, daher viel Langeweile. Von Herzen
Ihr N.
906. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Geehrtester Herr, die Sainte-Beuve-Übersetzung ist fertig: wollen Sie sich an Hr. Prof. Overbeck ihretwegen wenden? (Frau Prof. O<verbeck> wünscht dringend, vollständig aus dem Spiele zu bleiben, also bitte, stellen Sie Sich als wüßten Sie nichts von ihrer Mitbetheiligung) Titel vielleicht: „Sainte Beuve. Menschen des achtzehnten Jahrhunderts. Erste deutsche Übersetzung.“ (Es sind 8 Personen; es giebt einen kleinen netten Band zum Anbeißen) —
Wollen Sie, nach Beendigung unsres Drucks, die Güte haben, von dem Honorar-Reste die verschiedenen Auslagen, die Sie für mich machten, abzuziehn und den Rest des Restes dann mir hierher senden? —
Das üble trübe nasse Wetter setzt mir sehr zu. Ach, an jedem Abende, wenn ich mich zu Bette lege, preise ich den Tag, weil er vorüber ist; sonst habe ich nichts daran zu preisen. Geduld!
Mit herzlichem Gruße Ihr N.
Aber unser sehr freimüthiges Buch wird doch nicht verboten werden?
907. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Werthester Herr Schmeitzner,
Bogen 9 ist eben in meine Hände gelangt.
Also mein Buch macht Ihnen einige Freude? Ich höre dies mit Vergnügen. — Den Titel wollen wir unverändert lassen: etwas räthselhaft ist er, aber das schadet nichts; es ist manche Schelmerei im Buche, so mag auch noch eine auf ihm sein. — Der von mir geschätzte Logiker heißt: A. Spir, sein Buch: „Denken und Wirklichkeit“ (2 Bd. Leipzig) Übrigens kein Autor für Ihren Verlag! —
Kennen Sie etwas von dem englischen Philosophen Herbert Spencer? (hochberühmt in England Amerika Frankreich und Italien, höchst lehrreich für uns, weil er inmitten ungeheurer englischer Material-Sammlungen sitzt)
Von ihm erschien in diesem Jahre the data of ethics. — Wenn Sie einen Übersetzer wüßten, so würde es gewiß lohnend sein, dies Werk in Deutschland einzuführen (Es sind frühere Werke schon übersetzt erschienen zb. bei Brockhaus) Um die Autorisation des Original-Verlegers müßte man sich gewiß rasch bewerben. (Es wäre der beste Gegenschlag gegen Hrn von Hartmanns letzte Unverschämtheit „Prolegomena zu jeder zukünftigen Ethik“!!)
— Freiexemplare bitte ich in meinem Namen abzusenden an
Hr Prof. Overbeck und
Frau Overbeck
Frau Rothpletz in Zürich
Frau Baumgartner in Lörrach
Dr. Rée in Stibbe
Dr. Romundt in Osnabrück
Prof. Jakob Burckhardt in Basel
Bibliothek in Basel per adr.
Herrn Biblioth<ekar> Dr. Sieber
Prof. Heinze in Leipzig (mit dem Titel „Hofrath“ —)
Ms le professeur Gabriel Monod in Paris
Vielleicht fallen mir noch ein paar Personen ein. Hr. Widemann und Hr. Köselitz „verstehen sich von selber“. Die genaueren Adressen haben Sie wohl noch?
Ergebensten Gruß
Dr F Nietzsche.
908. An Elisabeth Nietzsche in Chur (Postkarte)
Meine liebe Schwester, ich bin sehr erfreut und dankbar für die Art, wie Du an Overbecks Geburtstag gedacht hast. Deine Briefe sind mir voller Interesse, bitte schreibe so ausführlich, wie bisher, auch wenn ich so einsilbig bleibe und bleiben muß, wie bisher. Die Augen vertragen gar nichts mehr (eine Kur dafür giebt es nach Gräfe’s sehr bestimmter Erklärung, nicht: nur Schonung, um den unvermeidlichen Prozeß möglichst in die Länge zu ziehn. Die Verdunkelung durch Blutzudrang ist etwas ganz Anderes und etwas sehr Heilbares, in Sorrent litt ich selber etwa 2 Monate stark daran) Ein paar helle kalte Nachmittage abgerechnet, war mein Kopf fortwährend schmerzhaft und mehreremale in hohem Grade. Geduld!?!
Von Herzen Dein Bruder.
909. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Wollen Sie etwas zur Anzeige von Dr. Rée’s Buch beifügen, so empfehle ich dafür die Worte aus der Jenaer Litteraturzeitung (von 1877 oder 78?), wo Rée als „junger Spinoza“ bezeichnet wird. Diese gelehrte Zeitschrift wird von der Universität Jena herausgegeben.
Heute sandte ich Ihnen den 8ten Bogen zu.
Herzliche Grüße.
F N.
Ein Citat aus der genannten Recension der Jenaer Litt<eratur>z<ei>t<u>ng ist das wirksamste, was Sie für jenen Zweck sich wünschen können.
910. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
(B<ogen> 9)
p. 135 muß es heißen:
um gute Bücher zu lesen und zu schreiben (usw. wie in der Correctur)
Dankbarsten und theilnehmendsten Gruß für den eben erhaltenen sehr interessanten Brief.
Der Ihrige F. N.
911. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Eine schreckliche Woche hinter mir, daher Verzögerung zu entschuldigen!
Das Geld dankbar erhalten.
Mit herzlichem Gruße
der Ihrige
F Nietzsche
912. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ich ängstige mich um Ihr Befinden in dieser Schnee-Welt. Mir selber geht es so schlecht, daß ich in 14 Tagen nach Riva (Gardasee) aufbrechen muß, um in meine einzige Existenzform, die des Spazierengehens zurückzufallen. — Morus’ Utopie mir unbekannt, J. Burckhardt sprach mir einmal begeistert davon, sie habe den Blick der Zukunft, während Macch<iavelli>’s principe nur den Bl<ick> der Vergangenh<eit> und Gegenwart habe. — Sobald ich Sie mir den Nachsommer lesend vorstelle, bin ich glücklich: eigentlich hatte ich’s mir auf unser Zusammensein aufsparen wollen; bestimmt für Sie war das Buch, seitdem ich es kenne. — Alles ist eingetroffen! Wie warm und gut gehegt fühle ich mich, wenn ich Ihre Correcturen und Winke lese! Ich empfand nie anders dabei! —
Treulich und dankbar
F N.
913. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Seit letzten Nachrichten immer krank, die Anfälle fürchterlich (mit Erbrechen usw), viele Tage zu Bett. In 2 Wochen werde ich nach dem Süden (nach Riva) abreisen, womöglich! Ich halte nur die Spaziergehe-Existenz aus, die jetzt bei diesem Schnee, dieser Kälte mir hier versagt ist. Kannst Du mir bis dahin noch 4 Hundert Markscheine zusenden? Nächste Woche trifft M. Twain bei Dir ein, ebenso eine Erinnerung an meinen St. Moritzer Aufenthalt. Hoffentlich hat Deine liebe Frau nun Linderung ihrer Augenleiden; ich konnte ihr noch nicht für ihren Brief danken! Schmeitzner ist zu totaler Verschwiegenheit in Betreff der St. Beuve Übersetzerin veranlaßt worden. Hast Du Schm<eitzner>’s „ersten Verlagsbericht“ gesehn? Meine Freude ist groß, daraus zu erfahren daß das 2te Heft Deiner „Studien“ in Jahresfrist versprochen ist. — Ich danke Dir von Herzen für Deine Briefe und wünsche ein gutes Weihnachten.
F. N.
mit seiner Mutter.
914. An Franz Overbeck in Basel
Schönsten Dank, lieber Freund, meine Karte gieng Vormittags ab und Dein Brief kam Abends —. Geduld — es ist viel zu tragen! — Meiner Schwester dagegen geht es ordentlich.
In herzlicher Liebe
Dein F. N.
Nun werde ich Dr. Rée doch nicht zu sehen bekommen!
Erdbebentag war auch für mich ein non!-plus!-ultra!-Tag des Leidens.
915. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Ein Wort des Dankes, werthester Herr Schmeitzner, zugleich mit meinen Wünschen zu Ihrem Geburtstage, der in diesen Tagen sein muß. Sie haben sich mit Ihrem „ersten Verlagsbericht“ ein schönes Geschenk gemacht: gute Saat, die hoffentlich eine gute Ernte bringt! Der Bericht ist vorzüglich geschrieben, sehr vornehm ((ich sehe augenblicklich davon ab, wie von mir darin geredet wird: möge es wahr werden! möchte es wahr sein! usw. usw.))
Ich leide außerordentlich und beständig, Anfälle über Anfälle. Ich denke an eine Flucht nach dem Süden — vielleicht nach dem Gardasee. Aber vielleicht giebt es keinen „Süden“ mehr.
Meine besten und herzlichsten Grüße an unsern gemeinsamen Freund Widemann.
Der vollendete „Wanderer“ ist mir fast etwas Unglaubliches — am 21 Juni kam ich nach St. Moritz — und heute — !
Die ganze „Menschlichkeit“ mit den 2 Anhängen ist aus der Zeit der bittersten und anhaltendsten Schmerzen — und scheint mir doch ein Ding voller Gesundheit. Dies ist mein Triumph.
Ihr Ihnen ganz ergebener
Dr. Nietzsche
Exemplare, bitte, noch zu senden an
Prof. Hillebrand in Florenz
Frl. v. Meysenbug in Rom
Prof. Rohde in Tübingen (Universität)
meine Schwester per adr. — Fräulein
Deta von Planta in Chur
(Graubünden)
916. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Der erste Wiederhall meiner Mittheilung an die Freunde kam von Ihnen, verehrte Frau: dankbar und Sie segnend las ich jedes Wort.
Mein Zustand ist so fürchterlich und unheimlich wie nur je. Daß ich die letzten 4 Wochen überlebte, begreife ich nicht.
Ihnen die herzlichsten Neujahrsgrüße sendend und Ihres lieben Sohnes Hoffnungen mit einschließend bin ich
Ihr getreuer
F. N.
917. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Lieber Freund, noch fehlen mir die Nachrichten aus Riva. Mein Zustand war inzwischen zum Entsetzen. Man will mich nicht fortlassen, indeß — meine Frage ist nur, ob ich fort kann. — Wir haben viel Gutes zwischen uns als Gemeingut, jeder Brief zeigt es mir, und wenn es mir ganz schlimm geht, erscheinen Sie mir immer als mein „Überlebender.“
Von Herzen der Ihre
F. N.
918. An Elisabeth Nietzsche in Chur (Postkarte)
Meine liebe liebe Schwester, es sind Zeiten so hart und furchtbar für mich, wie nur je welche. Der letzte Anfall mit dreitägigem Erbrechen, gestern eine Ohnmacht. Nie habe ich so das regelmäßige Schlimmerwerden so beobachtet wie in den letzten 3 Monaten. Kälte ist mir sehr schädlich. Ich will, sobald ich kann, mit Köselitz in Riva zusammentreffen, Nachrichten von dort erwarte ich noch. Dein Recept war leider ohne Wirkung, ebenso Eisbeutel. Senffußbäder kenne ich reichlich aus Sorrent, nutzlos! Ich freue mich auf Deine Geschenke, meine herzensliebe Schwester.
Dein Bruder
919. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Der Zustand war zum Entsetzen, der letzte Anfall von dreitägigem Erbrechen begleitet, gestern eine bedenklich lange Bewußtlosigkeit. Wenn ich nicht in bessere und wärmere Luft fortkann, kommt es zum Äußersten. Alle Deine Briefe und Sendungen sind da, theurer Freund, ich danke Dir für Deine Liebe. Rohde hat einen herrlichen Brief geschickt. Deinen Lieben im Falkenstein und Dir selber den herzlichsten Neujahrsgruß von Deinem Freunde.
920. An Erwin Rohde in Tübingen
Habe Dank, theurer Freund! Deine alte Liebe, neu besiegelt — das war das köstlichste Geschenk am Abende der Bescheerung. Selten ist mir’s so gut gegangen: gewöhnlich war das persönliche Schlußergebniß eines Buches für mich, daß ein Freund mich gekränkt verließ (wie es mein Schatten macht) Ich kenne das Gefühl der freundelosen Vereinsamung recht gut, das herrliche Zeugniß Deiner Treue hat mich ganz erschüttert. — Mein Zustand ist jetzt wieder zum Entsetzen, die Thierquälerei abscheulich — sustineo abstineo und wundere mich selber darüber.
Von Herzen Dein
F. N
921. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Können Sie mir die Überseztung von Spencer’s Data of Ethic’ verschaffen? Dann möchte ich wissen, was alles von Bagehot in’s Deutsche übersetzt ist.
Auch hätte ich gern aus einem Antiquariat eine deutsche Übersetzung von Labruyère. Ebenfalls von Milton (aber nur bei gutem Druck.)
Mein Zustand ist inzwischen fürchterlich und unheimlich gewesen.
Ein gutes Neujahr für Sie, lieber Herr Verleger.
922. An Elisabeth Nietzsche in Chur
Ein Wort und nicht mehr, meine geliebte Schwester. Ei wie schön hast Du mich beschenkt, nur ist der Koffer für den bescheidenen „kranken Lehrer“ zu stolz; vielleicht wird er mit mir nicht reisen wollen!
Es liegt eine schwere schwere Last auf mir.
Im letzten Jahre hatte ich 118 schwere Anfallstage. Schöne Statistik! —
In herzlicher Gesinnung
Dein Bruder.
1879 (134 Briefe)
790. An Louis Kelterborn in Basel
Благороден пусть будет человек, полезен и добр
как доктор Кельтерборн!
Нет, всерьёз, вы принесли мне первую радость в новый год тем, что сделали для меня, сказали и отправили. Я сам лежал больной с сильными болями и нуждался в радости.
Больше не скажу. Передайте слова глубокой благодарности господину Хуберу. (Вы знаете, что он уже однажды в эту зиму оказал мне большую услугу: его музыке я обязан лучшей четвертью часа за всю четверть года).
Ваш
Фр Ницше
791. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Сильвестр и Новый год плохие плохие дни для меня. Теперь снова начинаются трудности семестра, на этой неделе я очень занят.
Рукопись в руках Шмейцнера. Кёзелиц снова занимается корректурой, как я сегодня узнал от Шмейцнера (я не мог бы себе желать лучшего — и чувствую себя облегчённым, что не должен возлагать на вас новую ношу.) Вы, бедная добрая, и так уже слишком много понесли из-за моих трудностей!
Преданно
Ф. Н.
792. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Полностью согласен, даже счастлив: друг Кёзелиц делает это лучше, чем кто-либо! — Так что одновременно всегда отправляйте один экземпляр мне и один экземпляр вместе с М<ану>с<крипт> К<ёзелицу> — В нумерации встречаются несколько ошибок; у двух листов одинаковый номер. Один номер отсутствует. — Вот ещё 7 афоризмов: разместите их примерно после 374 (ни в коем случае не позже, лучше раньше!) — Так мы в сумме превысим число 400. —
Удачи и благополучия в пути! Ф. Н.
793. An Gustav Krug in Bonn
Ты позволил мне, мой дорогой друг, на этот раз отметить твой день рождения самым прекрасным образом: ибо твоя музыка привела меня в близость к твоей душе, как, пожалуй, ничто другое не смогло бы. Это размышление благородного ума обо всём, что подарила ему жизнь — и работа превосходного музыканта. Ты поразил меня! — Сам я живу довольно далеко от музыки вообще — и должен это делать.
Оставайся любящим своего благодарного
Фридрих Н.
794. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ваши добрые пожелания приветствовали меня уже в канун Нового года, я благодарю от всего сердца. — День Нового года был очень плохим началом нового года! С тех пор я провел все свои лекции: но, судя по определенным признакам, завтра не ожидаю ничего хорошего. Палец снова стал хуже (воспаление ногтя). Снова снежный пейзаж и холод. — Если вы еще что-то хотите отправить, я прошу, конечно, за мой счет, еще одну колбасную посылку, я очень доволен. — От госпожи Ротплец я получил драгоценную жареную курицу де Бресс. Доктор Эйзер очень красиво поздравил с Новым годом, я ответил. Адрес Зейдлица — Мюнхен, Клетценштрассе 4, I (я давно пишу ему туда) — Всем добрым пожеланиям и намерениям — хорошего исполнения.
С сердечной любовью, ваш сын и брат
795. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Уважаемый господин издатель,
12 января, а ни одного листа? — Это удивляет меня. — Вы знаете, что у вас автор, тяжело страдающий? что я должен заранее тщательно экономить те немногие доступные — доступные для головы и глаз четверти часа? что я каждое отклонение оплачиваю сильными приступами моей болезни? что способ печати прошлого года остался в моей памяти как крайне мучительный? — Я должен знать день и час, когда прибудут листы: пожалуйста, сообщите это в типографии и, если необходимо, заключите штрафные контракты.
То, что вы пишете о Байройте, причиняет мне боль, ради вас!
— Байройт лежит под тропической зоной, кажется; смотрите, чтобы не стать жёлтым или даже чёрным при этом.Прилагаю предложение, которое по ошибке не было переписано: оно относится к разделу, начинающемуся с «единственное средство, которое у нас ещё есть против социализма»; после слов «ваше шумное оперное и музыкальное увлечение»: должно быть:
: наконец, ваши женщины, сформированные и образованные, но из неблагородного металла, позолоченные, но без золотого звучания, выбранные вами как выставленные экспонаты, отдающие себя как выставленные экспонаты: — и так далее
Затем, пожалуйста, вставьте где-нибудь один из моих «афоризмов», которым я горжусь
Что такое гений? — Высокая цель и средства для её достижения.
И теперь пусть вам будет хорошо, лучше, в десять раз лучше, чем мне, что касается болезненности существования, но так же хорошо, как мне, в отношении покоя и уверенности души.
Ваш преданный
Фридрих Ницше.
12 янв.
12 янв.
12 янв.
796. An Franz Overbeck in Basel
С прошлого вечера непрекращающаяся неистовая боль. Что будет! — Нет лекций. —
Ф. Н.
797. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Худшая зимняя неделя позади! Понедельник плохой, вторник — приступ, среда плохая, четверг и пятница — новый, очень сильный, никак не заканчивающийся приступ, сегодня — измотан и уставший. Теперь, надеюсь, всё пойдёт на поправку. Но отмена лекций меня очень разозлила. — Если вы захотите через 2 недели снова прислать мне ящичек, положите, пожалуйста, несколько больших белых салфеток, у меня только 2, а они мне очень нужны. — Книга Ритчля, к сожалению, не стоит почти ничего: пустая и довольно наглая. — Последнее стихотворение Липинера «Ренатус» отвратительно и неприятно, заблуждение. — Шмейтцнер скоро издаст что-то моё, дополнение к последней книге, около 150 страниц; печатается усердно, Кёселиц (во Флоренции) снова корректирует. И теперь с глубоким приветом и благодарностью: прощайте.
798. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Дорогой господин Шмейтцнер, Ваше письмо очень хорошее (как и Вы) и доставило мне удовольствие! — Теперь подгоняйте типографию, должно идти огненно! — Вот ещё два отрывка: они должны стоять перед тем номером, который имеет заголовок: „Трагикомедия из Регенсбурга.“ —
Немного нетерпеливо, но полностью Ваш Ф. Н.
Не сердитесь на меня за пару текстовых изменений на листе 1! Эти принципиальные вещи так много значат.
799. An Heinrich Köselitz in Florenz
Дорогой дорогой друг, так снова туда и сюда, между вами и мной, к моей величайшей радости — которая так велика, что я каждый миг забываю о величии ваших усилий, которые вы снова взяли на себя ради меня, вы добрый! По крайней мере, я надеюсь развлечь вас своими идеями — я думаю, что то, что собрано в этом приложении, не плохо: оно было в основном придумано и написано на высоте 7200 футов над уровнем моря. Возможно, это единственная книга в мире, у которой такое высокое происхождение. — Теперь вы можете насмехаться!— — — —
Моё здоровье отвратительно — полно боли, как и раньше, моя жизнь намного строже и одиночнее; я сам в целом живу почти как настоящий святой, но почти с настроениями истинного Эпикура — очень спокойно и терпеливо, и всё же с радостью наблюдаю за жизнью.
Я знаю, что Леопарди в отношении боли не было хуже, чем у меня. Всё равно! —
Но писем не могу, не хочу, не буду больше писать. Я люблю и почитаю всё, что исходит от Вас, мой превосходный друг — и Вы всегда толкуете моё молчание в хорошую сторону. —
Итак, в Венеции, примерно 22 марта этого года — так надеюсь — до встречи.
Преданно
Ф. Н.
800. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Вместо девяти строк будет 21—22. Представьте, что строки 6—14 (на странице 63) зачёркнуты и вместо них вставлены 21 строка с отступом. — Только это слово, простите! Я в худшем состоянии здоровья и не знаю, что ещё будет.
Преданный Вам
Ф. Н.
Но теперь регулярная отправка!
801. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая добрая сестра
К сожалению, я опоздал с поздравлениями, надеюсь, наша добрая мать не обидится. Пожалуйста, успокой её, если это будет необходимо. Но многодневный приступ помешал моим планам. — Цветут и благоухают гиацинты?
Овербек убедил меня отменить все лекции на следующей неделе. Иначе я действительно себя разрушу. Последнее время было ужасным. Даже в хорошие дни я ещё часто теряю два часа из-за разного рода недомоганий. Попроси добрую мать, чтобы она не говорила с другими людьми о том, что мне плохо. Очень прошу!
Моя книга не имеет к этому никакого отношения. Она была написана в августе, на высоте 7200 футов над морем, и в сентябре была полностью переписана фрау Баумгартнер. Корректуру делает Кёселиц.
Моя душа при всём этом терпеливее, чем когда-либо, это лучшее.
Сердечно твой
Ф.
802. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Вчера ящичек с самым ценным содержимым и только что письмо от доброго Ламы: я сразу хочу ответить, так как сегодня это возможно. Три дня я не мог написать ни строчки, снова очень плохо, и вся неделя была плохой, хотя я и делал перерывы. Ну, должно снова стать лучше. Но лекции требуют от меня слишком много размышлений, я больше совсем ничего не делаю; никогда я не жил зимой так полностью в смысле выздоровления; поэтому она очень поучительна для меня. С желудком все отлично получилось. Но головные боли усиливаются, судорожные явления (которые заставляют меня закрывать правый глаз многие часы наполовину) распространяются в основные дни по всему телу. — Больше не хочу писать, я должен все искупить. С сердечной любовью и благодарностью за все доброе, что вы мне пишете и делаете, Ваш Ф.
(Одиночество — самое ценное в моем методе лечения, так что не огорчайтесь из-за этого! Если летом не станет лучше, я покину университет)
803. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Я был на вас сердит, уважаемый господин издатель — после вашего письма я не могу быть им больше. Избавьте меня от всего, что только возможно; моё существование с Рождества неописуемо богато страданиями. — Что касается Байр<ейта>, держитесь стойко; я тоже это делаю, как вы, вероятно, видите — спокойно и мягко по форме: что касается дела, то я стремлюсь к справедливости, какой бы она ни была и как бы ни звучала в чужих ушах: здесь я не отступлю ни на шаг от того, что мне теперь кажется истиной о великом явлении искусства В<агнера>. — Всеми силами души я стараюсь довести это до совершенства в выражении: я, несчастный больной, размышляю и переразмышляю среди всех страданий — об «выражениях»! Человек — странное существо!!
Ф. Н.
804. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Плохая неделя. Мне не хочется рассказывать подробности. Погода была очень неблагоприятной. Желудок в порядке, образ жизни как можно более разумный. Но глаз уже не хватает для лекций, не говоря уже о голове. (У меня была головная боль 6 дней, кроме тех моментов, когда я спал.)
Колбаса снова отличная. Большое спасибо за рубашку. Но где салфетки? (А именно совсем старые мягкие толстые тряпки — новые я могу купить и здесь, но не могу их использовать) — В счете от Сокина указано «красный фланель 5 франков 25» — ошибка?
Пусть хотя бы у вас всё будет хорошо! У меня всё ещё: Терпение! И терпение к терпению!“
С сердечной любовью
Ф. Н.
Доброе лама просят перевести из Дудана все суждения о литературных вещах хорошо. Пожалуйста!
805. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Мои дорогие, с тех пор я перенёс неописуемые страдания. Четырёхдневный и шестидневный приступы самой жестокой формы — рвота за рвотой (из чего вы можете заключить, как ужасны были боли). Единственную лекцию я осмелился провести — теперь снова невозможно на неделю. — Мне больно, что я не могу как следует поблагодарить за вашу пишущую и дарящую любовь. — С 22 марта у меня почти 4 недели каникул. Прошу самых точных сведений о Рейме. Однако, вероятно, я скорее направлюсь на юг. Прощайте, благодарю, благодарю вас!
Ф Н
806. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Присланная вам в понедельник М<ану>с<крипт> не подходит, как я теперь вижу, по ритму и настроению к заключительной части книги. Давайте же её уберём! Или что вы думаете?
Ф. Н.
Очень страдаю.
807. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Уважаемый господин издатель,
как только будет напечатан последний лист, пожалуйста, как можно скорее сшейте 4 экземпляра и отправьте их четырем ближайшим заинтересованным лицам:
Госпоже Баумгартнер
Господину Кёселицу
Доктору Паулю Ре (Штиббе близ Тюца, Западная Пруссия)
Профессору доктору Овербеку в Базеле.
Мне, пожалуйста, недостающие оттиски как можно скорее! Я снова перенёс неописуемые страдания. — Надеюсь, книга доставила Вам некоторое удовольствие в компенсацию за многие неприятности и горе? От всего сердца желает этого
Ваш преданный Ф. Н.
808. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Уважаемая госпожа, тем временем я перенёс неописуемые страдания; и сегодня я всё ещё не способен сделать что-либо, кроме как сказать Вам об этом. Я даже не могу поблагодарить: и всегда у меня есть особые причины, чтобы хотеть Вас благодарить! — не говоря уже о том, как благодарен я Вам вообще. С сердечным воспоминанием о Вас и радуясь всему, что радует Вас, Ваш
преданный
Ф. Н.
Можете ли Вы перевести для меня случайные литературные суждения Мериме из "писем к незнакомке"? —
809. An Heinrich Köselitz in Florenz
Ну, дорогой добрый помощник, вам остаётся только исправить корректуру на мне самом — в Венеции! Моё состояние снова было ужасным, на грани переносимого. «Могу ли я путешествовать ?» Вопрос часто звучал так: буду ли я ещё жить?
Предварительная программа.
Во вторник, 25 марта, вечером в 7:45 я прибуду в Венецию и буду погружен на корабль вами. Не так ли? Вы снимете мне частное жильё (комнату с хорошей тёплой кроватью): спокойное. По возможности — балкон или плоскую крышу у вас или у меня, где мы могли бы сидеть вместе и так далее.
Я не хочу ничего видеть, кроме случайного. — Но сидеть на площади Сан-Марко и слушать военную музыку под солнцем.
Все праздники я слушаю мессу в Сан-Марко. По общественным садам хочу прогуляться в полном молчании.
Есть хорошие инжир. И устрицы. Полностью следовать Вам, опытному. Я не ем в отеле. —
Наибольшая тишина. Несколько книг беру с собой. Тёплые ванны у Барбезе (у меня есть адрес). —
Вы получите первый готовый экземпляр книги. Прочитайте её теперь ещё раз целиком: чтобы Вы нашли себя как улучшителя книги (и также меня: в конце концов, я приложил ещё много усилий).
Дорогой небеса, возможно, это мой последний продукт. — В нём, как мне кажется, дерзкое спокойствие.
Если бы Вы только знали, как хорошо и благодарно я всегда о Вас думаю и говорю!
И что я всего от Вас ожидаю!Теперь будьте в Венеции моим добрым пастырем и врачом: но меня мучает мысль, что я снова доставлю Вам много хлопот. Но как мало времени я хочу у Вас отнимать, обещаю.
От всего сердца благодарный
Ваш друг Ницше
— Я очень хочу путешествовать, но верю в это пока не сильно. —
Жильё на 4 недели (ок. 30—40 франков). Я хотел бы посмотреть на Венецию с этой точки зрения, смогу ли я там дольше жить (также очень дёшево —), если мне всё же придётся оставить свою базельскую должность.
Я следую Вашим стопам.
Ваш друг Н.
810. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Затем экземпляры
моей матери и сестре в Наумбург
г-ну Видеманну
проф. д-ру Роде в Тюбинген
проф. д-ру Якобу Буркхардту в
Базель
в публичную библиотеку в
Базель
точный адрес проф. Хиллебранда во Флоренции знает г-н Кёзелиц (Лунго д’Арно?)
барону Зейдлицу в Мюнхене
Клетценштрассе 4. I.
фрейлейн фон Мейзенбуг в Риме
3 виа делла Польвериера
адрес г-на Херрига можно узнать через редакцию „Blätter für „Litteratur des Auslandes“
г-ну ассесору Густаву Кругу
в Кассель
Королевская железнодорожная комиссия
г-ну д-ру теол. и лиценциату
Евген Крецер вГодесберг под Бонном
Госпоже Луизе Ротплец в
Цюрих (дом Фалькенштайн)
Господину доктору Ромунду
Гимназиальному учителю в Оснабрюке
Господину барону Эммериху Ду-Мон в Граце.
Прошу сопровождать все адреса вежливыми-обязательными словами и знаками преданности автора.
(П.С. для дорогого господина издателя!) в этом трудно перестараться — — если, конечно, пишешь как издатель от имени автора.
Сердечные приветы
Ф. Н.
Что вы мне телеграфировали по поводу «Хадесфарта», я вам никогда не забуду. Это черта характера —
Надеюсь, вам всё нравится так, как теперь следует одно за другим в конце книги.
Хороший солнечный день вновь дал мне мужество напечатать те 10 строк. Ваша телеграмма скрепила мой решение —
За финансовый расчёт и перевод — моя глубокая благодарность. —
В Венецию я хочу, я стремлюсь — но это безнадёжно маловероятно, что я смогу.
Прилагаемые листки писчей бумаги следует вложить в экземпляры.
811. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Уважаемая госпожа, завтра (вторник) днём я попробую, если моё здоровье хоть как-то позволит, приехать к Вам. Чашечку чая? могу попросить? (Есть я не могу ни кусочка; от сухарей мне придётся на время отказаться)
Сердечнейшее от
хорошей подруги.
Ф. Н.
812. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz (Postkarte)
Злая, злая, искажающая смысл опечатка (моя вина!) мучает меня:
Страница 35, 2-я строка снизу должна быть:
Жертвенное животное (вместо: жертвенного смысла)
Что Вы думаете? Хотим ли мы наклеить "животное" сверху или оставить всё как есть? Или?
Вы получили толстый пакет с корректурой? И может ли в воскресенье утром быть у меня экземпляр (или хотя бы лист 10)?
813. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz (Postkarte)
Уважаемый господин издатель, этого достаточно полностью, (в отношении опечатки на стр. 35, строка 2 снизу) если Вы на наиболее важных бесплатных экземплярах слегка карандашом напишете правильное („Жертвенные животные“) на полях. Не окажете ли Вы мне и эту услугу?
Ф. Н.
(II-я карточка)
814. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Теперь холодные ванны, поэтому облегчение состояния. Была ночь, которую я не думал пережить. В пятницу через 8 дней я уезжаю через Готтард в тёплое и спокойное место: прекрасный Кёзелиц покидает Флоренцию и приезжает ухаживать за мной. От всего сердца благодарю за ваши письма! Я ежедневно ждал несколько страниц от Дудана, моё дорогое лама! Простите! Мне это необходимо; скажите точно, можете ли и хотите ли вы это сделать (я должен быть уверен в переводе) — Напишите мне, пожалуйста, о каждом отдельном гиацинте с указанием имени! Пожалуйста! — Из колбас мне больше всего нравятся № 4 и 5: как они точно обозначены в прейскуранте? О целебном влиянии Реме на головные боли рассказывал и Овербек.
Будьте здоровы, мои горячо любимые, подумайте только, что, несмотря на все страдания, я чувствую себя счастливее, чем когда-либо в жизни.
Ф. Н.
Прекрасная погода.
815. Bescheinigung für Joseph Meyer in Basel
То, что господин студ. фил. Йозеф Мейер из Аристау посещал лекции с регулярным и похвальным усердием, удостоверяет
этим
Др. Ф. Ницше
Проф. о. п.
Директор филологического семинара
816. An Heinrich Köselitz in Florenz (Postkarte)
Слово любви и благодарности за ваше письмо. Пусть всегда доброе между нами и из нас двоих растет! — Для меня Венеция все еще не решенный вопрос, часто мне кажется, что она слишком далеко, и я должен снова назначить себе собственное лечение на эти 4 недели. — Тем не менее: вероятно, что я приеду. (Что касается моего питания, я не хочу ничего иметь общего с хозяевами: не беспокойтесь об этом, дорогой друг!)
Один из самых первых экземпляров уже в пути.
Я от всего сердца радуюсь вам!
Ф. Н.
817. An Malwida von Meysenbug in Rom
Дорогой и глубокоуважаемой фрейлен Мальвиде фон Мейзенбуг.
Фридрих Молчаливый (который много страдает, но также гораздо больше наслаждается покоем и счастьем, чем обычно даруется смертным. — Я иду вперёд, вверх, продолжайте верить в меня!)
818. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Дорогое Лама, самое лучшее и дешёвое — это: очень тонкие дешёвые конверты размером с книгу: оставить открытыми (не заклеивать!) и написать на них: Рукопись. Печатное издание: крупно и чётко над адресом ко мне. Только что был трёхдневный приступ, сегодня немного лучше. Проклятые лекции! Каждая сбивает меня с ног. — О Реме я осведомлён очень точно во всех аспектах (медицинских и научных). — Лекарства от моей головной боли не существует. Но отдых не менее 5 лет, возможно, ещё стоит попробовать (я больше не верю в выздоровление; вы не можете представить себе потрясение мозга, угасание зрения. Меньше 5 лет — это бессмыслица, считает Овербек). В пятницу через 8 дней (то есть сегодня через 8 дней) я уезжаю. Сердечные
приветы вам!
819. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Господин Шмейтцнер! Господин Шмейтцнер! Печатать что-то из моих писем я считаю одним из величайших проступков. Это причиняет мне такую боль, как мало что другое — это самое грубое нарушение доверия. —
Что касается приложения к «Приложению», я спрашиваю только: я уже неприятен людям; хотите ли вы как издатель, чтобы я стал им еще и смешным? — Мне самому это безразлично, как и то. Я спрашиваю, будет ли вам от этого польза? Две непостижимые ошибки в печати, несмотря на мою явную корректуру: отвратительная языковая ошибка «viel sichern» (вместо sicherern) и глупое wahrhaft (вместо nahrhaft), что портит силу всего отрывка. — Вот вам моя печаль и мой гнев.
Ф. Н.
820. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, мне ужасно, не знаю, как вынести.. — Нет лекций.
Ф. Н.
821. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Только что воскрес из мертвых. — Я, следовательно, не могу поехать в Венецию: мне слишком плохо. — Несколько дней я повторял себе все хорошее и благоприятное, что знаю о вас, чтобы восстановить равновесие. Вы человек решительных мер — это тоже черта характера. Пусть все сложится для вас благополучно! — За рекламу издателя, приложенную к книге, весь мир считает автора соответственным и смеется над его тщеславием. Например, как у Э. фон Гартмана. Контраст в моей книге очень сильный: я желал анонимности больше всего на свете. — Никаких списков опечаток. —
В наказание вам услышите это: вы напечатали одно из самых уродливых предложений, которые я когда-либо писал (я, как точно помню, был болен, когда тогда из Сорренто писал вам письмо о д-ре Рее) — Из «Приложения» к приложению я узнаю, что вы обо мне думаете: и у меня есть свои задние мысли. (Оглавления сделаны хорошо) — Пожалуйста, один экземпляр сюда в Базель господину доктору юриспруденции Луи Кельтерборну. — Большая радость от нашего друга Видеманна!
Ф. Н.
В экземпляр г-на Видеманна я хотел бы что-нибудь вписать.
822. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ах, мой дорогой и снова такой готовый помочь товарищ, мы не увидимся, я не могу приехать! Всё идет слишком плохо. Горный воздух, одиночество — это должно снова немного помочь (так верят и надеются; я сам провожу каникулы как курс терпения и ничего не верю и не надеюсь —) Не пишите, пока я не сообщу, куда меня занесло, ибо это морское путешествие, где ветер дует, я не знаю откуда? куда? Я так много теряю, не имея Вас!
От всего сердца Ваш друг
Ф. Н
823. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ещё один ужасный приступ (второй зимой с рвотой), который совсем меня сломал: мне пришлось полностью прекратить лекции. В пятницу утром я уезжаю. Куда? я ещё не знаю. К понедельнику или вторнику вы, вероятно, получите от меня известие об этом. — Перевод доставляет мне большую радость, я извлеку из него пользу, и я верю, что через некоторое время дорогая Лама тоже скажет, что она тоже находит в этом свою пользу. Тем временем я настоятельно прошу: вперёд, вперёд! — Все три рукописи читаемы, удобнее всего вторая, менее всего — третья. Но это не важно. Каждый раз, когда приходит посылка, это будет для меня праздник. Незапечатанное с указанным адресом — это совсем дёшево (5 пфеннигов, кажется)
Отчёт о колбасе и гиацинтах? — Вам, дорогие, самое сердечное
от вашего Ф.
823a. An Paul Widemann in Chemnitz (Widmung)
Теки, источник
полный и чистый
глубокий и светлый:
так придут к тебе
все добрые духи
на свидание.
Для господина Видеманна, его друга, написано Ф. Н. 21 марта 1879 года.
824. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ваши добрые письма пришли ещё до моего отъезда. Я оказался здесь один; я больше не осмелился переходить через горы, идет слишком плохо.
И здесь. —
Мой адрес:
Женева (Швейцария)
Отель де ла гар.
С сердечной любовью
Ф. Н.
825. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, мне плохо. Мой адрес:
Женева, Отель де ла гар
Всё мрачно и холодно. Одиночество тяжело переносить, желудок плохой, голова всегда полна боли.
Савойские горы выглядели как заснеженная могила.
Принял ванну.
Вам обоим добрых
самых сердечных
от вашего друга
Ф. Н.
826. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Напишите мне теперь что-нибудь, дорогой друг, сюда, в моё страдающее одиночество.
Женева (Швейцария)
Отель Riche-mont.
Я живу плохо, но правильно — и так останется.
На самом деле мы должны были бы жить вместе. — Я кое-что придумываю — если у меня ещё хватает мужества думать о будущем для себя. Где мы хотим возродить сад Эпикура? Будьте добры и радуйтесь, весна идёт, наверняка она уже в Венеции.
Ф. Н.
827. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Плохо! Не идет вперед!
Один из самых тяжелых приступов с обильной рвотой. Желудок все время разрушен.
Сейчас я живу у озера, принимаю ванны (душ)
Адрес: „Женева, Отель Ришмон.“
От всего сердца Ваш
Ф.
Снова с нетерпением ждет Дудана тот же.
828. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Я уже расправил крылья, чтобы вернуться домой. Тем временем я сменил отель: теперь я живу у озера, „Отель Ришмон“.
Приступ самой горькой разновидности (со рвотой) — — Всегда болен, совсем разрушенный желудок.
Ну, я буду терпеть.
Приветствую вас, мои друзья
от всего сердца
ФН.
возможно, есть письмо от Шмейцнера ко мне?
829. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Уважаемая дорогая госпожа, всё идёт всё хуже и хуже — даже здесь, в Женеве. Мой адрес: Отель Ришмон. (Только что мне сказали, что дом построен художником Диде и что я живу в его спальне: озеро, солнце и город передо мной.)
За час до отъезда я принёс требуемую жертву: это было больно. —
Думайте обо мне с вашим добрым сердцем; и, возможно, найдётся минутка, чтобы подумать о Мериме? — Несколько переведённых строк, присланных сюда, стали бы для меня праздником.
Мне нужны радость и праздники, так жить трудно. Сердечно приветствует
Ф. Н.
Женева, Отель Ришмон.
830. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ваши милые письма и пожелания обрадовали меня вчера в субботу в 4 часа. Я всё ещё живу в том же отеле (у озера, солнечно — красивее и здоровее и веселее, чем в Баден-Бадене, который, как и любое место, где я так печально страдал, теперь стал для меня недоступен.) Я принимаю душ; но я в гораздо худшем состоянии, чем в прошлом году в это же время. —
Пока что больше пытки, чем отдыха. — Если бы я только снова стал хозяином своего желудка! — Только представьте, как хорошо вам живётся! И сравните мою жизнь на краю пропасти, под тремя четвертями боли и одной четвертью истощения!
С сердечной любовью Ваш
Ф.
Я остаюсь здесь. Отель Riche-mont.
О, пожалуйста, ещё немного Дудана!
831. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Несколько раз, дорогой друг, я снова шевелил крыльями, чтобы улететь: но сам был слишком уставшим для этого. Возможно, это было к лучшему. Тем временем я всё же снова сменил жильё, хотя и внутри отеля. Я живу очень высоко (5-й этаж); красиво, здорово, в старой квартире Дидэ, у озера. — Моя жизнь — больше пытка, чем отдых. — Есть ли письма от доктора Ре или господина доктора Фукса? Эти пришлите мне. — «Был бы я слеп!» — это глупое желание теперь становится для меня философией. Ибо я читаю и не должен — как и не должен думать — и я думаю!
Вам и вашим близким желаю всего сердечного
Я часто присутствую духом на ваших чтениях!
Ф. Н.
Для меня, одинокого, нет исцеления. — Диалоги мёртвых Фонтенеля мне как родные по крови.
832. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Да, дорогой друг, ты прав, и я бы сразу приехал, если бы не базилеофобия, настоящий страх и отвращение к плохой воде, плохому воздуху, всему угнетённому существу этого несчастного рассадника моих страданий! Так что я верю, что должен терпеть там, где нахожусь: я постепенно создал для себя все условия баденского пребывания, я вкладываю весь разум в эту задачу — использовать каникулы для здоровья. Только я не должен требовать от себя невозможного. — Только что встав с очень болезненной двухдневной постели — сердечно приветствую вас
833. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
С Вами вместе, с Вашей помощью я хотел бы еще подняться на многие нравственные и духовные ступени. Пока же вот девиз моих желаний (включая даже пейзажные) РГС — это означает Покой Величие Солнечный свет — Все в нравственном и духовном, ах, если возможно, и в телесном!
Ваше замечание о Лаго-Маджоре тронуло меня удивительным образом: Вы так прекрасно угадали меня. Обдумайте с тонким сердцем и глазом маленькое место Фариола, между Палланцей и Стрезой, там, где Симплонская дорога упирается в озеро.
Я размышляю о стиле. Пожалуйста, напишите мне на пользу и благо несколько тезисов о моем нынешнем стиле (Вы его единственный знаток) — что я могу и не могу, об опасности манер и т.д. Мы должны помогать друг другу становиться лучше и делать все лучше.
Мне очень много приходится страдать. Женева (Швейцария) Отель Ришемон.
В дружбе
Ф. Н.
834. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Дела идут неважно, мои дорогие. — Я пролежал 2 ужасных дня в постели: с рвотой. Сегодня это снова начинается.
Лама делает прогресс в стиле, и переводы действительно полезны для меня. (Будь точен, тем больше будет и твоя выгода.) — Я живу почти так же, как в Баден-Бадене, но чувствую себя хуже. —
От всего сердца ваш. Я остаюсь здесь до 23-го этого месяца — если возможно!
Ф. Н.
Самую искреннюю благодарность за письма и пожелания.
835. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Вербное воскресенье, которое я каждый год провожу с детскими чувствами и детским желанием новой радости, и которое, следовательно, из года в год становится всё более днём грусти, принесло мне ваше приветствие и продолжение Мериме — я очень благодарен за оба. М. — художник первого ранга, и как человек он так стремится быть светлым и видеть светло: он делает мне хорошо. А вы «писали в муках», как тот художник, который под своей картиной написал «in doloribus pinxi», вы бедная, добрая! — Днём пришло ещё письмо от Якоба Буркхардта, настоящая пальмовая ветвь и стыдящая меня. Примите участие в моей хорошей доле, как вы делаете это в моей плохой. Не так ли, как сорадующаяся подруга?
836. An einen Freund
Здесь, друг, два письма, которые я высоко ценю и которые я обещал вам — я нашёл их случайно и сразу отправляю: завтра я мог бы случайно снова их потерять.
Ф. Н.
837. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, у нас снова есть общая желание: чтобы кто-то собрал и возродил чрезмерно философские размышления древности о дружбе: это должно звучать как сто разных колоколов. — На Пасху я думал о гостеприимстве цюрихских друзей (если я буду жив). — Гамбургское письмо оставьте мне: оно содержит заказанный лот, за который я ещё в Базеле сделал взнос. — Письмо от г-на Фукса будет с почтовым штемпелем «Данциг», а от г-на Ре — «Тюц». — Ceterum censeo Basileam esse derelinquendam. У меня есть мнения всех сословий из разных уголков Швейцарии: все сходятся во мнении, что в Базеле плохой угнетающий воздух, располагающий к головным болям. У меня там никогда, уже годы, не было совершенно свободной головы, как, например, здесь уже несколько дней. Кроме того: я могу читать и писать только до 20 минут. Ergo: Academia derelinquenda est. Что ты скажешь?
От всего сердца приветствует
Ваш Ф. Н.
Я останусь здесь так долго, как только смогу.
838. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Благодарно всё принимаю. Не беспокойтесь о словах Шмайцнера! Они должны привлекать, чтобы владельцы немецкого оригинала покупали и перевод: больше в этом ничего нет.
Надеюсь, ваше здоровье вернулось. И я имел лучшие дни благодаря хорошему воздуху. Я всё больше ненавижу Базель и покину его как только смогу, полностью.
Пусть Пасха придёт к вам с солнечным приветом и весенними цветами! Я останусь здесь ещё примерно 10 дней.
Преданный вам
Н.
839. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Пусть Пасха принесёт вам тёплые солнечные мгновения и первые цветы! — у нас сегодня снегопад. Наши письма и открытки пересеклись, не так ли? — Известие о смерти Г
Ваш Ф.
(Я остаюсь ещё 9 дней)
840. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Спасибо большое, дорогой друг. Ах, бедный доктор Фукс с его 36 уроками фортепиано! — Пришли мне только мюнхенского „Eventuellen“, я рискну. —
Вчера отправил тебе открытку. —
Сегодня чувствую себя неважно. Плохая погода. —
Преданный тебе.
841. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Дорогой господин Шмейтцнер, не забыли ли вы и меня, прислав несколько экземпляров? Я надеюсь найти их в Базеле по возвращении; первый присланный мне экземпляр был сразу же подарен, как только я его увидел — столько обязательств по подаркам. С тех пор я не видел свою книгу. —
Насчёт дурных опечаток я вскоре напишу господину Ошацу несколько правдивых строк. —
Передайте привет от меня нашему высокоуважаемому и дорогому другу господину Видеману. — Мне нехорошо. — Я останусь здесь ещё на неделю. Всецело ваш
Ф. Н.
Женева (Швейцария), Отель Ришемон.
842. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Если Вам только хорошо, дорогой друг! Мне нехорошо, но я старый, опытный страдалец и буду тащить свою ношу дальше (но недолго — надеюсь!). Зато мои ближайшие друзья должны процветать, расти, созревать, приносить золотые плоды: если этого не произойдёт, жизнь станет для меня тяжёлой. Пожалуйста, пожалуйста, мой дорогой друг, будьте здоровы и победоносны! И скажите мне слово о том, что у Вас есть мужество! Я так долго не слышал от Вас (Небольшая посылка, которую я отправил Вам через г-на Шмейцнера, была в сущности тем же вопросом: хорошо ли Вам или терпимо? И не можем ли мы вместе встретиться под каким-нибудь лиственным навесом и в мягком солнце? На позднее лето я подумал о Лаго-Маджоре. Возможно, мне придётся покинуть университет, особенно из-за глаз и головы. Но я всегда связываю в мыслях своё будущее с Вашим. Дорогой, хороший друг, верно Вас приветствует
Ф. Н.
Адрес: Базель.
843. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Могу ли я попросить тебя, дорогой друг, разместить для меня объявление на доске, точно по каталогу лекций, но с заключительными замечаниями:
„Запись в конце первых лекций. Начало в субботу 26 апреля, в 9 часов, в аудитории III.“
Я хочу вернуться в следующий понедельник (примерно в 5 часов дня, думаю). Возможно, скажешь об этом госпоже Бессигер. — С субботы погода крайне неблагоприятная, очень холодно, все время дождь. Я болел и пролежал пару дней в постели. — Письмо из Мюнхена было от доброго Зейдлица. — Я. Буркхардт прислал мне в Вербное воскресенье письмо, которое было настоящей пальмовой ветвью. — Я скоро снова ваш (если бы только не в этом проклятом Базеле, перед которым у меня настоящий страх перед привидениями!!)
От всего сердца твой друг.
844. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Дорогой друг, большое бремя свалилось с меня благодаря вашему письму, и даже больше: я ликовал при известии о «Критике совести»: мы, странные полуживые, которые всё же так продвигаем свою телегу вперёд! (добрый демон в нас сильнее болезни и боли — как бы он ни назывался, этот «добрый демон»!!)
И теперь, вернувшись домой, я нахожу и ваше первое письмо! Друг Овербек несколько раз определённо писал мне, что от вас ничего не приходило. И у меня была ужасная тревога и подозрения. —
Моё состояние — это мучение и преддверие ада, я не могу этого отрицать. Вероятно, моя академическая деятельность закончится, возможно, деятельность вообще, возможно — — и так далее: но только в этом случае с дружбой, дорогой верный друг!
Ф. Н.
845. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
С момента моей последней открытки дела шли плохо и всё хуже, как в Женеве, так и в Базеле, куда я вернулся в прошлый понедельник. Приступы за приступами, там и здесь. Пока не в состоянии читать лекции. — Вчера Шисс снова подтвердил значительное ухудшение моего зрения с последнего осмотра. —
Ваши содержательные и доброжелательные письма застали меня ещё в Женеве, я благодарю за них от всего сердца.
Ф.
846. An Carl Burckhardt in Basel
Уважаемый господин президент!
Состояние моего здоровья, из-за которого я уже несколько раз обращался к вам с просьбой, заставляет меня сегодня сделать последний шаг и выразить просьбу об увольнении с моей нынешней должности преподавателя в университете. Усиливающаяся крайняя болезненность в голове, всё большая потеря времени, которую я терплю из-за приступов, длящихся от двух до шести дней, значительное ухудшение зрения, подтверждённое вновь (профессором Шиссом), которое едва позволяет мне читать и писать без боли в течение двадцати минут — всё это вместе вынуждает меня признать, что я больше не могу выполнять свои академические обязанности, более того, вообще не смогу их исполнять в будущем, после того как в последние годы мне приходилось мириться с множеством нарушений в их выполнении, каждый раз к моему большому огорчению.
Это было бы во вред нашему университету и филологическим исследованиям в нём, если бы я ещё дольше занимал должность, с которой теперь уже не могу справиться; кроме того, у меня больше нет надежды на скорое улучшение в хроническом состоянии моей головной боли, так как я уже много лет делал попытку за попыткой, чтобы избавиться от неё, и строго регулировал свою жизнь, отказываясь от всего — но, как я вынужден признать сегодня, всё было напрасно, и я больше не верю, что смогу долго сопротивляться своим страданиям. Таким образом, мне остаётся только, ссылаясь на § 20 университетского закона, с глубоким сожалением выразить желание об увольнении, одновременно выражая благодарность за многочисленные доказательства доброжелательного снисхождения, которые высшая власть оказывала мне с дня моего назначения и до сегодняшнего дня.
Уважаемый господин президент, прошу Вас быть заступником моей просьбы, остаюсь с глубоким уважением
Ваш преданный
Др Фридрих Ницше
Профессор о. п.
(диктовано)
847. An Paul Widemann in Chemnitz (Postkarte)
Скажите мне, дорогой друг, хотя бы быстрое слово о вашем самочувствии и возможных планах. —
Я оставил свою профессуру и ухожу в высоты — почти отчаявшись и едва ли еще надеясь. Страдания были слишком тяжёлыми, слишком продолжительными. — И знаете ли вы адрес друга Кёзелица? — Пожалуйста, передайте красивый привет и благодарность господину Шмейцнеру, он прислал мне книги, письма и деньги: пусть простит, что полуслепой не благодарит письменно.
Мои благословения вам.
Ф. Н.
848. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Хотите ли вы, уважаемая подруга, посвятить страдающему и уходящему ещё полчаса, тогда придите завтра (в четверг) в ваше время. Я тяжело страдал, всё дошло до крайности, профессорская должность оставлена. Я навсегда покидаю Базель через несколько дней. Моя мебель продаётся. В субботу приезжает моя сестра.
От всего сердца ваш
Ф. Ницше
849. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Здесь прекрасно (Адрес: Визен, Граубюнден, Отель Бельвю), но твоему брату плохо. — Фён. Сегодня я не обедаю. — Леса, как мы его хотим, здесь тоже нет. Но где! — С момента нашего расставания бедная машина была в ужасной путанице. 70-часовой приступ, невыносимый, с плохим пред- и послевкусием. Четыре дня совсем не спал. Сегодня впервые. — Тем хуже я себя чувствую сегодня. — Помимо меня в доме есть один господин. (В Цюрихе барометр показывал 751: у нас в Берне было 765. 751 было минимумом в Европе, по газетам) Матрас и одеяла не продавай, отдай их свёрнутыми Овербеку на хранение. Возможно, и мою посуду. — Ах, дорогая сестра, должно же быть так, но тяжело мне. Я вспоминаю нашу жизнь в Бремгартенском замке с искренней благодарностью.
Прощай, моя дорогая добрая! Ф. Н.
850. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Я встаю после крайне болезненного приступа. В постели получил твое письмо, благодарю от всего сердца. — Теперь только не присылай колбасу! Питание здесь очень хорошее. — Из Бремгартена также отправили зубную щетку? В чемодан положи и вязаные жилетки. — Пожалуйста, напиши записочку фрейлен фон Блейлебен, очень сердечно и дружелюбно, объясни ей несколькими сильными словами состояние моего здоровья и моих глаз, в оправдание, что я написал ей открытку (я думал, что уже делаю крайнее!) и что я больше не пишу ей. Ее последнее письмо доставило мне большую радость: она должна сохранить свой мужество и, по возможности, обрести бодрость. — Это очень хорошее место: если бы только проклятый фён ушел из долин! — Не уезжай раньше, чем не будешь уверен в Натали! — Поблагодари друга Овербека, его письмо пришло с твоим. Господин, который уже 12 недель здесь, зовется Хирцель (из Цюриха, собственно, из Палермо). Я радуюсь и успокоен, зная, что ты и никто другой не среди моего хлама.
Ф. Н
851. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая добрая мать, ты теперь знаешь о решении, к которому меня подтолкнуло моё состояние. Суть его в том, что головная боль стала постоянной (больше не возникает периодически, как раньше), но её степень периодически меняется, иногда доходя почти до отчаяния. Также с глазами снова стало очень плохо. Поэтому не жди от меня частых вестей, конечно, обо всём существенном в ухудшении или улучшении. Сейчас я снова в горах, в хорошем мягком лесном и горном воздухе, и у меня отличное питание. Мой адрес: Визен близ Давоса, Швейцария
С любовью, твой сын
Пожалуйста, не присылай мне ничего сейчас.
852. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Пока что, дорогой, хороший (которому я полностью, даже во всех его советах, доверяю), я нахожусь по стопам друга Видеманна, а именно вблизи Шпинабада. Горный и лесной воздух (1450 метров) — лишь временное облегчение моего ужасного и жестокого состояния должны мне дать. Против Лидо только мои глаза в их нынешней невероятной раздражительности имеют что-то возражать: даже здесь они все еще ищут темноту. Конечно, что мы еще будем жить вместе в Венеции, но, возможно, только с поздней осени. Если (В случае?) я буду жив — формула, которую я имею основание прикреплять ко всем планам. До этого последнего предела я думаю о вас и люблю вас.
Ф Н
853. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Сен-Обен — это правильно: в последние дни мне было тяжело на сердце, что Большой Париж совсем опустеет для тебя в ближайшее время. Значит, сначала должен подойти Маленький-Маленький-Паж. — Снова 2 дня в постели с горьким приступом. Дела идут плохо! Представь, только 2 терпимых дня на высоте, такого рода, как в Бремгартене! В остальном всё создано для того, чтобы здесь поправиться. — Энгадин для меня почти недоступен из-за изобилия немцев и базельцев, я это теперь понимаю (также очень дорого). — Чемодан пока не отправлять, передай его Овербекам. Но, пожалуйста, новые обменянные ботинки — Г-н Ландерер — ужасно навязчивый полусумасшедший: держи мой адрес в секрете; этот человек, возможно, преследует меня, он писал пусто и неясно. — Г-н Бессигер должен сообщить на Лонхоф, «что я больше не живу у него». Привет ему, его жене и детям — Ну, моя дорогая сестра, должно получиться, у тебя и у меня!
Ф.
Самое сердечное и теплое самым преданным друзьям, которые есть, на Ойлерштрассе.
854. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, на самом деле всё идёт так плохо, как только может; но мораль: „в любых новых обстоятельствах ждать, что из этого выйдет“ держит меня на высоте. Место, дом, комната, кровать, питание, уход — всё, впрочем, очень хорошо и мне подходит. (Вчера заявили о себе Иммерманы: не мог бы ты неофициально узнать, когда „семья“ собирается прибыть? И кто ещё?) — Твой намёк на регулирующие пилюли — вода на мою мельницу крайней осторожности: будем надеяться и здесь на „горный воздух“. Учти для своего успокоения, что я теперь в этих вопросах „знаток“, как любой врач, и в десять раз осторожнее, чем, например, наш превосходный Ма<сс>ини> (с которым я, конечно, достаточно подробно обсудил это!) — — — — — —
Боль, одиночество, прогулки, плохая погода — вот мой круговорот. Никакого возбуждения. Скорее, какое-то бездумное, оцепеневшее недомогание —
Прощайте, мои дорогие друзья! С самой глубокой благодарностью думает о вас
Ф. Н
855. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Дорогой господин Шмейтцнер, я живу — увы, существование, полное величайшей болезненности, конечно. Следуя совету друга Видеманна, я сейчас в Визене, почти по его стопам, то есть вблизи Шпинабада. — Я ещё не поблагодарил Вас за отправку денег и экземпляров! — Существует 2 немецких перевода Кэри, «Политическая экономия»: пришлите мне, пожалуйста, тот, который имеет наибольший формат. (Если оба набраны мелким шрифтом, то я не хочу эту книгу) — Не вышла ли ещё заключительная часть английской литературы Тэна? —
А Ваши успехи в измерениях? — От всего сердца желаю Вам добра и лучшего
Ф. Н.
856. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Мне приятно знать, что ты снова в устойчивых и чистых обстоятельствах, моя дорогая сестра. Ты взяла на себя тяжёлое бремя при расформировании моего хозяйства, и при описании деталей меня охватил ужас. — Поклонник! Ах, Боже, я считаю всех этих господ поклонников немного глупыми и не желаю от них ничего больше. — На самом деле всё всегда шло хуже, ты не поверишь, сколько приступов, сколько времени я провёл в постели. В пятницу я отправляюсь в Энгадин. Адрес: „Кампфер в Верхнем Энгадине, до востребования“.
Кёзелиц прислал 2 картинки с Лидо. Однако он не советует зимовать в Венеции. — Ты хорошо поступила с фр. Баумгартнер, я очень благодарен. —
Какой адрес у Ре в Нассау? —
С благодарностью, твой брат.
857. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Состояние, дорогой друг, скорее ухудшилось. Сколько я пролежал в постели! и т.д. В пятницу я отправляюсь в Энгадин: я выполняю программу, без радости и надежды. Пожалуйста, отправь сейчас чемодан, чтобы я его нашел: „Кампфер, Верхний Энгадин, до востребования“
Дорогой Кёзелиц прислал 2 собственноручных картинки с Лидо, он отсылает к письму к тебе, чтобы не повторяться. — Г-н доктор Крецер теперь тоже отрекся, довольно извилисто, как и следовало ожидать. — Г-н Шмайцнер сообщает об отвратительной неудаче моей главной книги (Человеческое, Слишком человеческое), по расчетам после Пасхи. Продано, вместо 1000 экземпляров, как он ожидал, только 120 экземпляров. (Он, вероятно, разорится!) — Друг Рее, при очень слабом и сомнительном здоровье, все же присылает проект Капитала своей Истории совести.
Вы так помогали и поддерживали мою сестру: она писала каждый раз, что только у вас и благодаря вам к ней возвращаются мужество и веселье.
С сердечной любовью и благодарностью Ф. Н.
Пожалуйста, пожалуйста, пожалуйста, примите пюпитр из моих рук, я так счастлив, если он вам не разонравится!
858. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая добрая мать, после 3 ужасных недель перехода (в Визене) я наконец прибыл в своё летнее убежище. Адрес: „Санкт-Мориц в Граубюндене, Швейцария.“ Пожалуйста, скрывай моё пребывание от всех. Иначе мне придётся немедленно покинуть это место, которое мне так нравится и которое действительно идет на пользу. Я не переношу никаких визитов. —
Твою открытку я получил с сердечной благодарностью.
С любовью, Твой сын.
859. An Franz Overbeck in Basel
Только слова, дорогой друг! Мысли ты дополнишь сам. Много хорошего пришло и приходит от тебя; способ, которым я был уволен и заменён, доставил мне настоящую радость. Всё я получил. Предложения относительно денег выполни через poste rest. St. M<oritz>. Можешь ли ты передать 1000 франков под твоим именем в Handwerkerb<ank>? Пожалуйста. — Счета я все оплатил, кроме двух совсем маленьких (Memel и золотой аптеки — не мог бы ты это уладить?) С Гамбургом (после 35-го неудачного опыта) все связи прерваны.—
С тех пор, как я отправил последнюю открытку, большую часть времени провёл в постели: это комментарий, к которому я могу позволить себе не добавлять текст.
Но теперь я овладел Энгадином и чувствую себя как в своей стихии, совершенно чудесно! Я родствен этой природе. Теперь я ощущаю облегчение. Ах, как же оно долгожданно!
Скрывай моё местонахождение от всех, особенно от всех женщин, кроме твоей. (Для этого она и есть «исключение» во всех отношениях)
Роде не написал. Какие сомнения его мучают? Разве для него ещё существуют «сомнения»!
Прилагаю милого Кёселица в качестве литографа.
Прощай, дорогой друг
Ф. Н.
Из Цюриха ты ещё услышишь кое-что. С тобой связано так много хорошего
860. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Дорогая, дорогая сестра, возможно, всё же Санкт-Мориц — это то, что нужно. Мне кажется, что я в земле обетованной. Постоянный солнечный октябрь. Впервые чувство облегчения. Я живу совсем один и ем в комнате (как в Базеле, почти те же блюда (только без инжира), почти без мяса: но много молока. Это идет на пользу. Здесь я хочу остаться надолго. Но тщательно скрывай мой адрес, иначе мне придется уехать.
Санкт-Мориц в Граубюндене
пост-рестанте.
Пожалуйста, пожалуйста, напиши за меня фрейлейн фон Мейзенбуг — мне действительно невозможно!
В Визене почти всегда в постели, на прошлой неделе
(Газету Шмейцнеру вернуть!!)
Ужасный провал Шмейцнера с главной книгой! (Боюсь, он погибает)
861. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Целая куча хороших и серьёзных вещей лежит в моей голове вместе, и все они должны быть обсуждены с вами, дорогой друг. Что лежит между вашим стильным письмом, моей пасхальной утренней радостью в Женеве — и вашей литографией! Сколько радости вы мне доставили — и всё же я не вижу, когда я смогу устно представить вам свой счёт благодарности и мыслей. Пока что я поднялся в высоту и готов отнестись к этому опыту серьёзно. Если вы хотите мне что-то рассказать, адресуйте: Санкт-Мориц, Граубюнден, до востребования — но, пожалуйста, не давайте никому намёка на этот адрес! — Почти хотел бы спросить, не думали ли вы сами, на зиму, возможно, о высокогорье. — В Базеле я уволен и заменён, как раз по моему сердцу. —
Преданный вам Ф. Н.
862. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin
Сегодня утром я хотел написать поздравительное письмо — и вот, приходит коробочка, и я оказываюсь тем, кто получает подарок на твой день рождения! Это очень забавно! Я подумаю, как это исправить, только дай мне сначала немного больше времени здесь, дома. Пока я совсем не знаю, что здесь можно иметь — и легкий ветерок от желания я бы с радостью принес из Сен-Обена! — Так что сегодня только очень хорошие, верные пожелания и еще больше благодарности за настоящее, прошлое и будущее, моя дорогая сестра. Ты помогла мне, как может помочь только очень хорошая сестра. — И сегодня снова все, как будто подобранное по моему сердцу, вплоть до мочалки, о которой я хотел тебя попросить.
Мне так уютно в brown college, нельзя ли самому испечь что-то подобное из ячменя? Здесь все пекарские изделия безумно дороги: я заказал в Визене 150 сухариков. Вообще, космические цены! В моём первом счёте каждое сырое яйцо было посчитано по 20 центов.
Тем не менее, Санкт-Мориц — это то самое для меня. Я часто болен, уже 4 дня пролежал в постели, и каждый день имеет свою историю несчастий — и всё же! Я переношу это лучше, чем где бы то ни было. Мне кажется, что я долго-долго искал и, наконец, нашёл.
О выздоровлении я даже не думаю, не говоря уже о выздоровлении.
Но выдерживать — это очень много, ты знаешь, что я имею в виду.Я живу совсем один в доме, и спокойно. Хорошая кровать.
Давно хотел поблагодарить тебя за чемодан. Всё было правильно: над манжетами, которые я сам в Базеле никогда не носил, я посмеялся.
Здесь я заказал сапоги. 19½ франков.
Прилагаю копию справки об увольнении, ты можешь, если сочтёшь нужным, отправить её и нашей матери (которая сегодня написала очень душевное приятное письмо, первое после Бремгартена)
Регентство также утвердило 1000 франков в год на 6 лет: значит, у меня будет в сумме 2000; по этому покрывалу я должен буду тянуться.
Отправлено госпоже Леупольд.
Через фрау Ротплец я получаю продукты из Цюриха, а именно американский язык.
Пока всё. Мне нравится всё, что связано со Сен-Обеном. Я искренне желаю тебе благополучия в следующем году.
Твой преданный Фриц.
Можешь ли ты узнать что-то точное о зимней поездке Р. Вагнера в Неаполь, время, маршрут и т.д. — я хотел бы любым способом избежать встречи. — Кому бы ты ни писал, дай очень сильные сведения о моём здоровье, что оно было в смертельной опасности и что рациональные методы лечения были исчерпаны. —
У тебя есть адрес Пахника?
863. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая добрая мама, я с удовольствием узнаю из твоего душевного письма, как твоя домашняя жизнь поднимается и украшается, и притом так, как я люблю, — простейшими средствами и постепенно. Старая башня у Цвингера всё ещё не выходит у меня из головы: не найти ли там комнату для меня? А ещё спрашиваю, нет ли поблизости садика, где мы могли бы сами выращивать все овощи. Пока достаточно об этом. — Сан-Мориц выше, чем Риги-Кульм, где ты была: ты найдёшь его изображение в «Швейцарии», а также соседней Понтрезины. Леса, озёра, лучшие прогулки, какие должны быть устроены для меня, почти слепого, и самый бодрящий воздух — лучший в Европе — делают это место мне дорогим. Но болен я здесь так же, как и везде, мне так же, как осенью в Наумбурге, каждый второй день приходится ложиться в постель. Однако я переношу это здесь лучше, тогда как в других местах, особенно в Базеле, я был на грани отчаяния.
О выздоровлении и речи быть не может, это очень много, если мне немного легче.
Живу тихо, у меня хорошее молоко и яйца.
С сердечным приветом твой Ф.
Через месяц, возможно, попрошу прислать колбасный провиант, но не раньше.
Сан-Мориц/Граубюнден, Швейцария
poste restante.
864. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогие друзья, я здесь так же болен, как и везде, и уже 8 дней пролежал в постели. Это литания, которая мне противна и вам тоже! Тем не менее — Сент-Мориц — это правильное место, оно очень подходит моим чувствам и органам чувств (глазам!) и предназначено для пациентов. Воздух почти еще лучше, чем в Сорренто, также полон ароматов, как я люблю. Моему распорядку дня, образу жизни и питанию не пришлось бы стыдиться ни одному мудрецу древности: всё очень просто и всё же система из 50 часто очень деликатных соображений. Я удивительно доволен на этот раз постановкой, но пьеса никуда не годится — я сам. — Посылка с крестовиной г-ну Пахнике потерялась. — Сердечная благодарность за деньги: у меня, к счастью, был с собой паспорт. — Я хотел бы, чтобы ты подумал о поездке в Сент-Мориц осенью вместе с твоей дорогой женой; я не могу себе представить, что её недавно так решительно выраженная неприязнь к Сент-Морицу непреодолима. Я не хочу слишком много обещать, потому что, как сказано, я слишком лично люблю это место: но я считаю, что оно стоит попытки. — Самое сердечное и желанное! И спасибо!
865. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Если я правильно истолкую несколько слов, то труд молчаливого подходит к концу? Это делает меня очень счастливым; для меня Венеция — это Ваш инкубатор, и поэтому я желаю ей сотни добрых пожеланий и благословений. Лидо, где Гёте впервые увидел море (— в «Шопенгауэр как воспитатель» я цитировал слова Гёте, выражающие восторг от Лидо —), кажется, тоже подарил Вам восторги. Тем временем я нашёл свою природу, так что только теперь понимаю, чего я лишался годами, как был в этом беден. — Ваши мысли о мужественности занимают меня. — «Здоровье», как везде и всегда! Но Сент-Мориц — это то, что нужно. Тот же адрес
866. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
О моих зимних проектах никто не узнает, кроме тебя. Больше всего мне понравилась бы окрестность Неаполя (очень много солнечных дней, это главное! и много прогулок: последних не хватает в Венеции, и одиночество продвигает меня вперед больше, чем общение с Кёселицем или Ре, я это теперь понимаю — только у меня должна быть очень много возможностей для разнообразных прогулок, как здесь), но против Неаполя говорит присутствие Вагнера. Расскажи мне о Римини, который мне рекомендовал Я. Буркхардт. Затем о Ментоне (прогулки; как далеко Монте-Карло пешком?) Места должны быть приспособлены для больных; жить дешево я учусь, так как всегда живу частным образом.
Поездка в Неаполь отсюда дешевле, чем до Наумбурга (корабль из Генуи). Также появляются Ионические острова. Жаль, что здесь такая долгая и суровая зима. (Здесь было очень зимне, но не иначе, чем в Сорренто, с климатом и воздухом которого я нахожу здесь сходство.) Эти великолепные леса! Я провожу 7—8 часов в день на открытом воздухе. — Сколько стоит ящик с 3 килограммами Brown College? И столько же с Diet? Это было очень хорошо. Колбаса съедена с аппетитом. В конце концов, ты пришлешь мне книгу об Италии? С сердечной благодарностью за письмо и пожеланияТвой верный Ф.
Гл. адрес.
867. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая добрая мать, я как раз хотел написать и попросить тебя всё-таки узнать, когда истекает срок. И вот, очень кстати, приходит твое милое письмо. Итак: я официально обязуюсь платить 17½ талеров в год на 6 лет (или, если можно сохранить весь двор, в два раза больше). Но башню я должен получить. Огород полностью соответствует моим желаниям и ничуть не унижает будущего «мудреца». Ты знаешь, что я склоняюсь к простой и естественной жизни, и всё больше укрепляюсь в этом убеждении — для моего здоровья нет другого спасения. Мне нужна настоящая работа, которая отнимает время и требует усилий, не напрягая при этом голову.
Разве мой отец не думал, что я когда-нибудь стану садовником? Конечно, я совершенно неопытен, но не глуп, и тебе придётся сначала чему-то меня научить.
Сан-Мориц — единственное место, которое мне определённо полезно — каждый день, в любую погоду, я благодарен этому воздуху. Так что, я предвижу, что ещё не раз сюда приеду. Но до середины июня приезжать совершенно неразумно, и остаются очень надолго, если выдерживают до середины сентября. Как это сочетается с обязанностями садовника? Что ты думаешь?
(Какие фрукты есть в вольере?) Для садовых работ остаются апрель, май, июнь до середины и с конца сентября до ноября — это, как мне кажется, месяцы самых важных работ.Пить в Карлсбаде когда-нибудь срочно необходимо, из-за кишечника. С желудком я сейчас, когда сам кормлюсь в комнате (молоко, яйца, язык, сливы (сушёные), хлеб и сухари), полностью в порядке. Я ещё не был ни в одном отеле или ресторане. —
Глаза доставляют мне большие беспокойства, они одни не делают прогресса (что, к сожалению, по мнению трёх авторитетов, и невозможно). — Найдётся ли в Наумбурге кто-нибудь, кто будет мне ежедневно в определённое время читать вслух или записывать?
С самым сердечным благодарением
Твой сын.
(Мне страшно предстоящей зимы, судя по опыту прошлых.)
Св. М 21 июля (я как раз месяц здесь)
868. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin
Моя дорогая дорогая сестра, немедленно пишу тебе, ибо твоё сообщение доставило мне огромную радость. Всё, как ты описываешь, в высшей степени приемлемо, даже можно сказать, удачная находка. Я советую, однако, пока никому другому не писать об этом деле: осенью ты совершишь визит в Кур, и тогда всё может постепенно развиваться. Зима в Куре намного солнечнее, чем думают. Место прекрасное, я каждый раз посещал ущелье Рабиуса и Пазуг. К тому же: Граубюнден мне действительно очень дорог, а Санкт-Мориц — единственное место на земле (насколько мне известно), которое мне определенно полезно, в любую погоду. Я, вероятно, ещё не раз приеду сюда летом. Ветер!
Представь себе, это относится к вещам, которые мне полезны. — Все эти знаменитые „зимние курорты“ рассчитаны на больных лёгкими: не для меня! Я подумал почти о Северной Германии, чтобы жить вместе с Рее и чему-то научиться. В сущности, я думаю, что я здесь для северогерманской зимы очень хорошо подготовлен. (Берлин? и послушать лекцию?) Скажи своё мнение, пожалуйста. (В Венеции самый враждебный для меня климат, влажно-мягкий.
На весну и осень я придумал садоводство (овощеводство) в Наумбурге. С октября я беру в аренду Цвингер, и башня будет приспособлена для моего проживания.(17½ талеров в год)
О моих зимних планах — молчание, пожалуйста!
Обманный зонт сломался. На следующий день выпала гигантская пломба из зуба, пришлось идти к зубному врачу, беда была велика. Под его руками я обнаружил, что это был сам ван Мардер (сейчас во Флоренции), очень любезный и умелый. — Сколько я заплатил? Он сказал, что дыра в 2½ раза больше обычной. —
Только что Овербек сообщает, что доброе академическое общество также решило выделить 1000 франков на 6 лет. Таким образом, общая сумма пенсии составляет 3000 франков. Это очень хорошо.
С самым сердечным приветом
Твой брат.
Никогда, за 30 лет, не было такого плохого дождливого и снежного лета в Санкт-Морице — и тем не менее: я не хотел бы быть нигде больше.
NB. Работа Монода, очень тонкая и беспристрастная, дает повод для размышлений с нескольких сторон. Я благодарю через тебя самым прекрасным образом.
869. An Paul Rée in Nassau
Мой любимый друг, вы, вероятно, в общем знаете, как обстояли мои дела? Несколько раз я избежал врат смерти, но был ужасно мучим — так я живу изо дня в день, каждый день имеет свою историю болезни. Сейчас я дышу лучшим и могущественнейшим воздухом Европы и люблю место, где нахожусь: Санкт-Мориц в Граубюндене. Его природа родственна моей, мы не удивляемся друг другу, а доверяем друг другу. Возможно, это хорошо — в любом случае, я чувствую себя немного лучше здесь, чем где-либо еще.
Сентябрь и первая часть октября должны быть здесь самыми красивыми — тогда возникают желания увидеть очень желанного друга, но я не хочу быть нескромным.
Для нашего совместного времяпрепровождения — если мне ещё суждено испытать это счастье — многое во мне подготовлено. Готов и ящичек книг под названием "Рееалиа", среди которых есть хорошие вещи, которые вас обрадуют.Не могли бы вы прислать мне поучительную книгу, желательно английского происхождения, но переведённую на немецкий и с хорошим крупным шрифтом? — Я живу совсем без книг, как семи-восьми-слепой, но с удовольствием приму запретный плод из ваших рук.
Да здравствует совесть, ибо теперь у неё будет история, а мой друг стал её историком. Счастья и благополучия на ваших путях!
От всего сердца близок вам
и желаю всего самого полезного
вашему здоровью.
Скажите мне слово о зимних планах.
Адр.: Санкт-Мориц
Граубюнден (Швейцария
пост-рестанте
Фридрих Ницше, бывший профессор
ныне fugitivus errans.
870. An Franz Overbeck in Zürich
Дорогой друг, я бы уже раньше поблагодарил тебя за прекрасную надежду на встречу: но приступ и день, проведённый в постели, помешали. Лето, собственно, прошло, худшее, какое помнят энгадинцы, всё в дождях и снегу. Снег всё ещё лежит глубоко в долине. Тем не менее: это лучшее пребывание в горах, которое у меня было. Возможно, будет хорошая поздняя осень.
Книга студенту Пахнике всё-таки дошла: но «сын Герман» обручился и, как это часто бывает, кое-что забыл. Родители невесты позволяют ему продолжать учёбу.
Академическое общество удивило меня самым приятным образом. Со мной обращаются так хорошо, как будто я этого заслуживаю.
В этом я остаюсь вечно ὁ σκεπτικώτατος.С радостью слышу, что немецкий Сент-Бёв растет и процветает. Камень свалился с моего сердца, когда я услышал, что отвращение твоей дорогой жены к Верхнему Энгадину — это пустяки, ибо в вещах, которые я очень люблю (как тот же Верхний Энгадин), я стал очень недоверчивым по опыту и спрашиваю себя, не ошибаюсь ли я очень сильно. — Ну, обещаю тебе, что тебе понравится.
Привези мне, пожалуйста, несколько сотен франков (по возможности в золоте). Деньги в банке ремесленников я хотел бы сохранить как запасной грош на будущее и на случайности, так что, возможно, их можно было бы разместить с шестимесячным уведомлением. Тогда будет более высокий процент.Кстати: это в твоих руках, я ничего в этом не понимаю —
Чтобы иметь что-то прочное на земле, я (за очень небольшие деньги) арендовал у города Наумбурга на 6 лет так называемый Цвингер, участок старой городской стены, который находится напротив дома моей матери. Здесь я буду заниматься овощеводством* каждую весну (с марта до середины июня). В нем есть башня с комнатой, которую моя мать оборудует для меня как жилое и спальное помещение. Я инициировал это дело и мне повезло.
Странное желание по книгам: не мог бы ты, возможно, (из библиотеки (или Хойслера) прислать мне последнюю книгу Иеринга «Цель в праве»?
Прощай, мой дорогой дорогой друг.
Ф. Н.
871. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Очень подавлен уже давно, не идет вперед, я слишком болен. (Моё состояние в Сорренто и Розенлауи всё время приходит на ум, поистине ничего хорошего! но как всё ухудшилось с тех пор!) Даже о Гастайне пришлось снова подумать. Завтра на несколько дней уеду из С<т.> М<ориц>. В конце сентябр<я> отправлюсь на поиски места для зимы. Аптекарь из Ментоны, с которым я говорил, сказал мне: «На всей Ривьере нет тени!» Тогда это не подходит, ведь глаза не выдерживают!!
(selbst здесь я, когда у меня плохие дни, должен ждать до 4 часов, прежде чем у меня будет тенистая улица — смертельно скучно к тому же: кроме того, так желательно в такие дни быть на свежем воздухе) Я думал о Меране, Бозене, но в первую очередь о Риве на Гарда (отсюда всё довольно близко) В Риве с ½2 часов тень. Больше всего я хотел бы поехать в Северную Германию, но, возможно, это глупость. (Нашей Матери я ещё не сказал ни слова.) Огромное спасибо за всё, всё. Фрау Леупольд (сейчас на Фробурге) ответила. Пахнике обручился.Преданный тебе Брат
(Надеясь на плантацию) и Геную!
От д-ра Рее ещё нет известий.
Полис у меня есть.
872. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Дорогой друг, моё состояние с тех пор ухудшилось. Кто знает, как бы обстояли дела без этого доброго, лучшего климата! Иногда я думаю, что следующая зима будет последней, и тогда я строю планы на Наумбург, также думал о Берлине, из-за доктора Рее, которого я бы хотел ещё раз увидеть (ему тоже стало хуже, после его лечения, его с трудом и медленно перевезли обратно на родину). Таким образом, возможно, что осенью я приеду через Цюрих. Но если мы хотим немного надеяться, то путь лежит на юг.
Я давно сказал себе, что не должен думать о твоем визите: я однажды обдумал безумные расходы и почтово-путевые неудобства, чтобы добраться до этого проклято дорогого и совершенно затопленного высокогорья. Порой, конечно, бремя отречения — действительно всестороннего отречения, которое я должен на себя наложить, — ложится на меня ужасно тяжело, и тогда я с удовольствием представляю тебя здесь. И о ободряющем слове, письменном, я действительно прошу тебя время от времени! Я не смог бы без этого обойтись. — (Книга Иеринга — не брошюра, а первый толстый том) Всем любящим, верным, добрым вокруг меня от всего сердца рекомендуяТвой друг
Ф. Н.
Ах, глаза!! Первая книга, которую я взял, — французская (les Moralistes Romains, от Флото) Простите! от Марты.
873. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
За последние 11 дней, дорогая сестра, 8 дней приступов, 5 из них проведённых в постели — так обстоят дела с тех пор; ты можешь себе всё представить. Один приступ помешал мне уехать (поездка в Нижний Энгадин). Когда я наконец отправился в путь, мне пришлось лечь через полтора часа после прибытия на станцию, и я пролежал до третьего дня! Затем я печально, под дождём, вернулся обратно — одно из самых мучительных и дорогих путешествий. Твоё письмо пришло как раз вовремя, чтобы ободрить: мне очень нужно поддержки, и иногда я не знаю, как ещё вынести кошмар существования. Сегодня я начал здесь курс питья вод — чтобы не оставаться бездейственным (поскольку я в растерянности). Вчера я отправил тебе что-то запоздалое и очень скромное!! на день рождения. — Для Наумбурга я, по сути, уже отказался: но если будет ещё хуже, то всё же поеду на север. Когда примерно ты будешь в Генуе? (Мне так хочется темноты, мои глаза больше не выносят прогулок. Почитай в итальянской книге об Аричче, возможно: ноябрь и декабрь? Молчание о зимних планах!!!!
Разве в Цюрихе есть пишущая машинка? — Смело пиши фр. Ротплец, я уже знаю твою комнату.
Овербек не приедет. Это слишком дорого!
874. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Дорогой Овербек, встревоженный моими сообщениями, приезжай же! сегодня (вторник). Мне всё время было плохо. Как раз в эти дни я начал питьевой курс и ванный курс, я очень плохо переношу воду и могу пить только половину обычного количества. Зато мне нужно пить дольше, не менее 4 недель. С Тузисом, моя дорогая сестра, дело обстоит не хорошо, недавно я снова убедился, что путешествия для меня — настоящее несчастье: если ехать на юг на зиму, то до Комского озера у меня остаётся всего 3 или 4 часа, и я быстро оказываюсь в Милане. Если ехать на север, то я обязательно навещу тебя в Таминсе или Куре. До 20 сентября я никуда не уеду, а возможно, останусь до октября. — Благодарю тебя за добрые слова и мысли! Пишущая машинка была бы мне желательна в случае, если бы я поехал в Наумбург: пока что нет! Кёселиц и Венеция, вероятно, сохраняют перевес.
С сердечной любовью, твой брат
875. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Дорогой дорогой друг, твоё присутствие здесь оставило мне утешительное послевкусие. Всё идёт так, как ты это пережил, день за днём!!! Но я несколько раз, вспоминая тебя, мог поесть на ферме. Я ободряю себя на выдержку курса. Ты знаешь, я охотно улетел бы; но полёт (путешествие) пугает меня, и где бы я ни приземлился! Безысходность, как и прежде! — В твоём трактате видны кончики всех пяти пальцев твоих добродетелей (сравнение в духе Обрие). — Оба переписывающихся — просто хитроумные псы: тогда, будучи значительным человеком, писали письмо перед всем миром, даже честность надевала свой променадный костюм. — Я рад видеть тебя среди историков, возможно, теперь тебе не нужны чёрные журналы.
С сердечной любовью приветствую тебя и твоих
Ф. Н.
876. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
Дорогая дорогая сестра, я вчера так смеялся — большая редкость! Не так ли, аптекарь хочет, чтобы я сварил эти ужасные сливы с испорченным чаем? Тогда, несомненно, получится то, что Фауст называет „адской пилюлей“! И если действие окажется слишком сильным, должен ли я тогда есть пуританские сухари? — Ты не написала мне цену Н. колбас. Как раз сейчас я не могу их есть, мое лечение постепенно полностью изменило мой режим питания. — Итак: хороший друг был здесь, но все шло плохо, как и с тех пор всегда, и я не думаю, что он унес с собой очень утешительные впечатления. Все большие прогулки ему приходилось совершать одному. О зиме я больше ничего не говорю; она, как кажется, должна стать моей судьбой. Овербек еще пишет Кёселицу по этому поводу. Иногда я так жажду полутемного места и не хочу больше гулять. С сердечной любовью и благодарностью
Твой брат.
Твое письмо только что пришло, мне больно, что ты защищаешься, никто не думает о „упреках“!! Я так счастлив по поводу твоего Ла-Планта-мероприятия. Не мучай себя и пока ничего о Риве.
Ф.
877. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Искренне благодарен за твое только что полученное письмо, как и за предыдущее. Я не писал, потому что было совсем нехорошо! Друг Овербек пришел, полный беспокойства, он, безусловно, не унес с собой утешительного впечатления. Я еще не знаю, что делать этой зимой, я так устал от всего. Возможно, я все же приеду к тебе в сентябре. Я так надоел себе этим постоянным хождением (я 8 часов в день на свежем воздухе!), моим глазам нужно полумрак, и затем много чтения вслух, чтобы я не думал постоянно — мое единственное занятие, кроме моих вечных болей. Читать не могу, общаться с людьми не могу, природу здесь знаю наизусть, она не отвлекает меня. Но воздух здесь слишком хорош, мне страшно его покинуть. Я все еще говорю то, что написал на второй день: «нигде я не чувствую этого облегчения от воздуха, даже при самых сильных болях». — Откуда у тебя «лучшие новости» о моем состоянии? Даже Лисбет пишет об этом — но я ничего не знаю о «лучших» временах! —
С сердечной любовью
Ф.
Боли, боли, боли.
878. An Elisabeth Nietzsche in St. Aubin (Postkarte)
С субботы невыносимый приступ, в воскресенье весь день в постели. — Курс Маттея мне хорошо знаком. Уже дважды начинался, в Сорренто и затем в Женеве, этой весной, ношу флакон еще в бумажнике. Но это курс на годы, каждые 15 минут весь день принимать ложку. Книгу К. М. читал в Бексе. — Нельзя приблизиться к Женевскому озеру, не услышав об этом. Ах, дорогая Лизбет, людей, которые были излечены от головной боли, неисчислимо много, по всем методам лечения. Для меня это ничего не доказывает! —
Мне это так надоело. 20 сентября я хотел уехать в Наумбург. Все равно. Больше не гулять, с утра до вечера слушать чтение и ни на минуту не оставаться одному, по десятку причин.
Твой брат.
879. An Paul Rée in Stibbe
Что Вам не лучше!
„Что же станет с миром?“
Возможно, возможно, я приеду этой зимой на север, то есть в Наумбург: если это произойдет, то, конечно, это не хороший знак, я сам это признаю (дело в том, что все ужасно, и мои мучения, как я их сейчас чувствую, заставляют меня видеть Сорренто и Бекс как времена „относительного“ рая) Но если я поеду в Наумбург, то сделаю это с определенной надеждой отпраздновать встречу с давно потерянным другом (возможно, месяц встреч, дверь в дверь, например, в Берлине, месяц январь).
— Это прекрасные сны больного, который, к сожалению, теперь также на семь восьмых слепой и не может больше читать, кроме как с болью в течение четверти часа.С любовью ваш Ф. Н.
Простите, дорогой друг! Вот два эпиграммы, которые только что пришли мне в голову:
На мои первые пять книжек.
Когда-то я думал, что А и О
Моей мудрости заключены в них;
Теперь я так не думаю:
Только вечное Ах! и Ох!
Моей юности нахожу в них.
X X X
На мою последнюю книгу.
Мрачно-гордый, когда оглядываешься назад,
Легкомысленно-смелый, когда веришь будущему:
О птица, причисляю ли я тебя к орлам?
Ты сова Афины Уху-ху?
X X X
(От всего сердца приветствую, благодарю и — извиняюсь.
Ф. Н.
880. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой дорогой друг, когда вы будете читать эти строки, моя рукопись будет в ваших руках; пусть она сама обратится к вам с просьбой, у меня нет на это смелости. — Но несколько мгновений счастья вы должны разделить со мной, которые я испытываю сейчас при мысли о своём теперь завершённом труде. Мне исполнилось тридцать пять лет; «середина жизни», говорили полтора тысячелетия об этом времени; Данте имел тогда своё видение и говорит об этом в первых словах своей поэмы. Теперь я в середине жизни так «окружён смертью», что она может схватить меня каждый час; при характере моих страданий я должен думать о внезапной смерти от судорог (хотя я в сто раз предпочёл бы медленную, ясную, при которой можно ещё поговорить с друзьями, даже если она была бы более мучительной). В этом отношении я чувствую себя теперь равным самому старому человеку; но и в том, что я сделал своё жизненное дело. Хорошая капля масла была пролита через меня, я это знаю, и этого не забудут. В сущности, я уже сделал пробу для своего рассмотрения жизни: многие ещё сделают её.
Мое настроение до сих пор не было подавлено постоянными и мучительными страданиями, порой мне даже кажется, что я чувствую себя более веселым и доброжелательным, чем за всю свою прежнюю жизнь: кому я обязан этим укрепляющим и улучшающим воздействием? Людям нет, ибо, за редким исключением, в последние годы все «раздражались на меня» и не стеснялись дать мне это понять. Прочитайте, дорогой друг, эту последнюю рукопись и спрашивайте себя при этом, можно ли найти в ней следы страданий и давления; я не верю в это, и уже эта вера является признаком того, что в этих взглядах должны быть скрыты силы, а не бессилие и усталость, которые будут искать те, кто мне недоброжелателен.
Теперь я не успокоюсь, пока не смогу отправить листы, написанные рукой самого преданного друга и отредактированные мной, в Хемниц. Я сам не приеду к вам — как бы ни убеждали меня в этом Овербек и моя сестра; есть состояние, когда мне кажется более уместным оказаться рядом с матерью, родиной и детскими воспоминаниями. Однако не воспринимайте все это как нечто окончательное и неотменимое.
В зависимости от того, растут или падают надежды, больной должен иметь возможность составлять и изменять свои планы. Моя летняя программа выполнена: 3 недели среднегорья (на лугах), 3 месяца в Энгадине, и последний месяц — настоящая курортная процедура в Санкт-Морице, чей лучший эффект, как говорят, чувствуется только зимой. Это выполнениепрограммы идет мне на пользу: легко это не было! Отречение во всем (— не хватало друзей и всякого общения, я не мог читать книги; все искусство было далеко от меня; крошечная комната с кроватью, пища аскета (которая, впрочем, пошла мне на пользу: никаких проблем с желудком все лето!) — это отречение было полным, за исключением одного пункта: я предавался своим мыслям — что же еще мне было делать!— Но это, конечно, самое вредное для моей головы — но я всё ещё не знаю, как бы я мог этого избежать. В общем, программа на эту зиму: отдых от самого себя, передышка от своих мыслей — этого я не знал уже много лет. Возможно, в Наумбурге я смогу установить такой распорядок дня, при котором мне достанется этот покой. — Но сначала «Дополнение»! «Странник и его тень»! —Ваше последнее письмо с мыслями доставило Овербеку и мне такую радость, что я позволил ему взять его с собой в Цюрих, чтобы прочитать его женщинам там. Простите за это!
И простите за нечто большее!
Ваш друг Н.
Адр.: Санкт-Мориц-Дорф, до востребования
881. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Дорогой друг,
позавчера рукопись, вчера письмо, сегодня открытка: всё это ради просьбы! Храните тайну рукописи и моих зимних планов пока что от всех! Даже проф. Овербек ещё ничего не знает.
И продолжайте с любовью вспоминать вашего
Н.
который делает то же самое, как только ему приходит в голову Венеция,
(т.е. очень часто!)
882. An Elisabeth Nietzsche in Tamins (Postkarte)
Дорогая дорогая сестра, я всё же не могу решиться проехать мимо тебя во время моей поездки в Наумбург: сначала я хотел этого, чтобы избежать всех волнений души. В конце концов: давай отнесёмся к этому весело: это неизбежно, учитывая моё состояние. Корреспонденция Овербека с нашим Кёселицем решила меня: я скажу тебе, в каком смысле, устно. — Итак: я еду в среду (послезавтра) в Кур, где прибуду около 4 часов дня. Там, пожалуйста, встреть меня, если возможно; выезжай на одну почту раньше из Райхенау в Кур, иди в белый крест, спроси хозяйку (вдову) и выбери две комнаты для нас: тогда мы останемся вместе в четверг и пятницу. В субботу утром я еду (Роршах—Линдау—Лейпциг) прямо в Наумбург. — Это моё предложение: если оно тебе не подходит, то телеграфируй или встречай меня в Райхенау во время моего проезда. С самой сердечной любовью Твой Брат (которому было очень плохо.)
883. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
„Наумбург-на-Заале, на адрес госпожи пасторши Ницше“ — так, мой дорогой друг, доходит до меня письмо на осень и зиму. То, что вы мне написали сначала и потом в Санкт-Мориц, далеко превосходит всё, на что я могу рассчитывать; мне пришлось бы стыдиться жить рядом с вами, если бы вы смотрели на меня с такой добротой и надеждой. При переписывании — вы добрый помощник! — вы наткнётесь на многие „Человеческие, слишком человеческие“ — своего рода удовлетворение для меня. Но я знаю, что вы останетесь мне верны. Вы правы, мы родственны друг другу.
Ф. Н.
884. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Из Наумбурга, дорогой друг, первые слова. Это зимняя станция на этот раз; если бы у тебя перед глазами была бы такая же сводка причин между Венецией и Наумбургом, как у меня, твое суждение должно было бы совпасть с моим; но все, что имеет значение, едва ли возможно передать. Достаточно того, что главная мысль моей зимней программы лечения — максимальный покой перед моими постоянными внутренними работами, отдых от самого себя, которого я не имел годами — должна была показаться мне невыполнимой в Венеции. — Климатические условия здесь, конечно, более благоприятны, чем в том лагунном и сирокко-городе, спуск в который из Энгадина был бы опасным экспериментом худшего рода. — Как сказано, я не сомневаюсь, что и твой разум («моя вторая и лучшая разумность», как я его часто называю — прости!) одобрил бы мое решение: твоя переписка с Кёселицем, за которую я от всего сердца благодарю тебя, стала решающей.
Сердечные приветы твоим близким.
885. An Elisabeth Nietzsche in Tamins
Моя любимая сестра, с нашей встречи и расставания моя болезнь обращалась со мной довольно милостиво, так что я начинаю вспоминать о курорте в Санкт-Морице с благодарностью. Наумбургская погода не так ярко осенняя, как я помнил её с прошлого года, и большое различие между высотным воздухом Энгодина и здешней влажной мягкостью очень заметно для меня, но не неприятно; я страдаю от отсутствия мыслей и в глубине души доволен этим недугом. Представь себе, что я мог бы сейчас принять визит доктора Ре, и что разум отговаривал от ожидаемых радостей разума; мне, как другу, это решение далось тяжело и горько.— Вот и всё обо мне, которого, как ты можешь предположить, балуют прекрасными блюдами, прогулками и новеллами — горный отшельник лета. — Что касается твоего небезынтересного, но, возможно, не слишком приятного положения (— я вовсе не считаю его опасным), то я, хотя и не имею права, думаю, что если вы оба начнёте вместе строить планы, то неприятные душевные потрясения станут реже: нужно вступить в борьбу с будущим против прошлого и научиться заранее воображать радости учебной, путешествующей, благотворительной жизни. Вероятно, я говорю о том, что ты как раз и делаешь; но это лучший вид советов — те, что приходят слишком поздно. Мстить (мнимым) врагам благодеяниями и любезностями — возможно, ты сможешь и её подтолкнуть к этому; больные хотят быть правыми и в таком случае тоже хотят мести. — Вчера я получил насмешливое стихотворение одного австрийского поэта, оно было хорошее и не грубое. Когда ты получишь это мудрое письмо, возможно, у тебя появится желание продолжить его — я доволен и заслуживаю этого.
С братской любовью твой брат.
886. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, неделя в Наумбурге позади: очень милостивая по сравнению с отвратительным состоянием последних недель в Санкт-Морице. Я думаю, что лечение начинает действовать, и радуюсь последовательному выполнению летней программы (90 дней в Санкт-Морице, последние 30 из них — лечение). Чтобы доказать, как должна выполняться зимняя программа: представь, что друг Рее сейчас объявил о своём визите сюда на несколько недель, и что я нашёл в себе силы сказать Нет. Прости, если я немного горжусь этой степенью самоотречения! Это необходимо. — Желаю тебе и твоей дорогой жене хорошей летней светлой осени и удачи во всех добрых делах.
Твой Ф. Н
887. An Heinrich Köselitz in Venedig
Последние листы из Энгадина я отправляю как „Манускрипт“ и „записанное“: самый дешёвый и надёжный способ отправки, как мне сказали почтовые служащие. — Здесь в Наумбурге я не хочу иметь никаких мыслей и уж тем более не хочу их записывать: последнее, по крайней мере, зависит от воли. — Общее впечатление от новейшего, как вы, мой первый и последний читатель до сих пор — ведь вы, безусловно, таковы в отношении к „Человеческому, слишком человеческому“ — его восприняли, настолько соответствует моему глубочайшему желанию, что я предполагаю, что здесь играет роль наше родство душ.
Дорогой друг, вы же знаете, что чем больше вы со мной согласны — и желаете также нести мою ношу, и что вам придётся однажды сделать хорошо и очень хорошо всё, что я сделал плохо и пробно? У вас много забот* со мной — об этом я думаю, всякий раз, когда думаю о вас.Ф. Н.
Я арендовал у города Наумбург небольшой участок средневековой городской крепости, похожий на замок, чтобы здесь выращивать овощи — на 6 лет (! — !), как это принято. Всё вокруг зелёное и заросшее кустами; в одной из башен стены для меня оборудуют длинную комнату (очень старинную —) для проживания. У меня 10 фруктовых деревьев, розы, лилии, гвоздики, клубника, крыжовник и смородина.
Весной начинается моя работа на 10 грядках. — Всё — моя мысль, и мне повезло с этим. Иногда, вплетая эти мечты о будущем, я довольно дерзко вплетаю и дорогого друга в Венеции в свою башню-сеть — не так ли?
Только что, во вторник утром, к моей большой радости, в мои руки попадает ваша копия; в этот момент я полон благодарности к вам — и больше ничего! Также слова, сопровождающие вашу открытку, радуют меня, я полностью утратил суждение о своих делах, потому что слишком мало общаюсь с людьми и не читаю книг. Иногда я боюсь сказать, что знает весь мир. Вы придаёте мне мужества.
888. An Heinrich Köselitz in Venedig
Получили ли вы моё рекомендованное письмо с заключительной рукописью, дорогой друг? — Вчера (в пятницу) ваша копия всего текста попала мне в руки, я не понимаю, как вы смогли справиться с этой ужасной работой за такое короткое время, но благословляю вас за это непостижимое дело! Теперь я чувствую себя так спокойно; г-ну Шмейтцнеру я лично передам рукопись в Лейпциге в конце месяца. — Мне было приятно перечитать кое-что, почему бы мне не признаться вам в этом! Например, начальный и заключительный диалоги, в которых есть хорошее настроение (и масса психологических мелочей; например, игра теней в конце всего (обида, сожаление, прощание, природное настроение вечера, перемешанные вместе). На этот раз, как вы знаете, мне важны несколько огромных моральных перспектив, из-за которых меня сочтут глупцом. Но мне повезло их увидеть!
Как вы поживаете, дорогой, дорогой друг? Хорошая ли погода?
Ваш преданный
Н.
889. An Heinrich Köselitz in Venedig
Вчера утром моё письмо к вам, дорогой друг, было отправлено, и три часа спустя я снова получил новые доказательства вашей неутомимой доброты ко мне. Если бы я только мог теперь соответствовать вашим желаниям! «Но мысли слишком далеки», как поёт Тик. Вы не поверите, как верно я до сих пор следовал программе безмыслия; и у меня есть причины быть верным здесь, ибо «за мыслью стоит дьявол» приступа яростной боли. Манускрипт, который вы получили из Сент-Морица, так дорого и тяжело достался, что, возможно, никто не написал бы его за такую цену, если бы мог этого избежать.
Меня теперь чаще охватывает ужас при чтении, особенно длинных отрывков, из-за отвратительных воспоминаний. Всё, за исключением нескольких строк, было в пути придумано и набросано карандашом в 6 маленьких тетрадях: переписывание почти всегда мне вредило. Около 20 длинных цепочек мыслей, к сожалению, весьма существенных, пришлось упустить, потому что я никогда не находил достаточно времени, чтобы извлечь их из ужаснейших карандашных каракулей: так же, как это было со мной прошлым летом. Потом я теряю связь мыслей из памяти: мне приходится красть минуты и четверти часа «энергии мозга», о которой вы говорите, у страдающего мозга.
Пока что мне кажется, что я никогда больше этого не сделаю. Я читаю вашу копию, и мне так трудно понять самого себя — так устала моя голова.
Соррентский м<ану>ск<рипт> забрал чёрт; мой переезд и окончательный отъезд из Базеля навели порядок во многих вещах. — для меня это благо, ибо такие старые м<ану>ск<рипты> смотрят на меня как на должника.
Дорогой друг, о Лютере я ещё долго не смогу сказать ничего уважающего честным образом: последствие мощной коллекции материалов о нём, на которую меня обратил внимание Я. Буркхардт. Я имею в виду Ян<s>сен Gesch<ichte> немецкого народа, том II.
в этом году только появилось (у меня есть) Здесь говорит не искажённая протестантская историческая конструкция, в которую нас научили верить. В данный момент мне кажется, что это не более чем вопрос национального вкуса на Севере и Юге, что мы предпочитаем Лютера как человека Игнатию Лойоле! Отвратительная высокомерная желчно-завистливая брань Лютера, которому не становилось лучше, если он не мог плюнуть на кого-то от ярости, слишком отвратила меня.
Конечно, вы правы насчет «содействия европейской демократизации Лютером», но, конечно, этот яростный враг крестьян (который призывал бить их, как бешеных собак, и специально кричал князьям, что теперь можно заработать царство небесное, сражаясь и душа крестьянскую скотину) был одним из самых непроизвольных ее сторонников. — Впрочем, вы относитесь к нему с большей снисходительностью. Дайте мне время! — За другие указания на пробелы в моих мыслях я благодарю вас так же, но только самой бессильной благодарностью! Ах, здесь я снова думаю о своих «желаниях желаний».
Нет, недавно я не представлял друга Кёселица как настоящего писателя, есть так много способов засвидетельствовать внутреннее состояние и процесс выздоровления и созревания. Прежде всего, для Вас, художник! После Эсхила пришёл Софокл! Яснее я не мог бы сказать, на что надеюсь. — И чтобы однажды высказать откровенное слово о Вас как о уме и сердце: какое преимущество у Вас перед мной, не считая лет и того, что они с собой приносят! Откровенно ещё раз, я считаю Вас лучше и одарённее, чем я, и, следовательно, более обязанным. — В Вашем возрасте я с величайшим рвением занимался исследованием происхождения лексикона XI века по Р.Х. и источников Диогена Лаэртского и не имел понятия о себе, как будто у меня было право иметь собственные общие мысли и тем более их высказывать. Даже сейчас меня охватывает чувство самого жалкого новичковства; моё одиночество, моя болезнь приучили меня к «наглости» моего писательства. Но другие должны всё делать лучше, как мою жизнь, так и моё мышление. — Не отвечайте на это. В истинно верной любви
Ваш надеющийся на Вас друг
Н.
890. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Уважаемый господин издатель,
весной Вы спрашивали у меня, будет ли в конце года M<anusc<ript>: Вы добавили вопросительные и восклицательные знаки — и сегодня я делаю то же самое, сообщая Вам, что рукопись есть —
? ! я сам едва верю.
Спросите единственного осведомлённого и помогающего, нашего друга Кёзелица, что он думает о рукописи; я сам расскажу Вам устно, как такой тяжело живущий и невыразимо мучимый человек, как я, смог это сделать — при условии, что я смогу встретиться с Вами в конце месяца в Лейпциге. Там я передам Вам готовый к печати манускрипт — если Вы его хотите! Об этом прошу Вас написать пару строк.
Название (— и из названия объясняется всё, что я должен был бы оговорить как условия с моей стороны)
Странник и его тень.*
Второе и последнее дополнение
к ранее
изданному сборнику мыслей
„Человеческое, слишком человеческое
Книга для свободных умов“
От
Ф. Н.
С глубоким уважением, доктор Ницше
Объём книги равен последнему напечатанному „Приложению“.
Строгое молчание настоятельно прошу!
891. An Elisabeth Nietzsche in Tamins (Postkarte)
Но, моя любимая сестра, это изобилие таких сладких любезностей и воспоминаний об Энгадине и Женеве, направленных на мою недостойную особу, совсем не соответствует нашей договоренности! Так что я могу выразить свою сердечнейшую благодарность только с покачиванием головы от удивления. К счастью, сегодня я могу говорить о своем самочувствии не без выгоды; головная боль, очень частая, пока еще не пришла в большом стиле. Я думаю, что лечение в Санкт-Морице было хорошим решением. Я все еще рад, что избежал венецианского искушения. — Завтра дамы (внизу в доме) уезжают, к всеобщему восстановлению веселья. Звингер я, возможно, снова сдам. Надеюсь, я услышу от тебя хорошие и веселые новости.
От всего сердца благодарный твой Б<рат>.
892. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
За всё сказанное и присланное, дорогой и уважаемый господин Шмейтцнер, пока что мою искреннюю благодарность, я получил от этого удовольствие. Можете ли вы приехать в Лейпциг в следующий субботу (то есть на этой неделе)? (я уезжаю в 9:10 утра) Я хотел бы вручить вам там в «Городе Риме» (возможно, утром в 11, если вам удобно?) манускрипт. Моё здоровье, как вы знаете, требует осторожности в наслаждении человеческим общением. Отсюда следует, что мы не сможем долго быть вместе (но, возможно, днём ещё полчасика). С самым сердечным желанием увидеть вас снова,
Ваш преданный Ф. Н. (сегодня мой день рождения.)
893. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Дорогой друг, я не смог заставить себя уничтожить ваше последнее письмо, в нём были такие хорошие вещи, что я уже хотел попросить позволить использовать их в моей книге: в конце концов, я думаю, вы когда-нибудь воспользуетесь этим письмом, если соберёте сборник мыслей для отдыха: до этого момента я его сохраню. — Вы видите, до сих пор я ещё не переучился в том, что касается моего высокого мнения о вас. К тому же я не единственный, кто с большими надеждами вспоминает о вас. —
Несколько дней назад я видел в Лейпциге друга Видеманна и господина Шмейцнера. Завтра первый оттиск должен оказаться в моих руках.
Не могу ли я вам что-нибудь послать, что доставит вам радость — пищу для ума или тела? Я получил бы большое удовольствие от поручения.
От всего сердца ваш
894. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой дорогой друг, от тебя, дарителя стольких благ, я принимаю пожелания иначе, чем от других. Весь день рождения я думал о тебе и с любовью пытался подвести итог благодеяний, которые ты оказал мне в прошлом году, то есть в середине жизни, согласно церковному учению. В середине жизни я был окружен добрым «Овербеком» — иначе, возможно, появился бы другой спутник — Морс.
Дела идут сносно и намного лучше, чем летом. Сначала сильный приступ (на день после моего дня рождения), а затем привычная мелкая перестрелка моего страдания — день за днем. С тех пор как я покинул Энгадин, ни одна пилюля и ни одна клизма не попали в тело, это больше не было необходимо.
Невозможность что-либо делать (читать, писать, думать) соответствует моей программе бездумности; это теперь моё лекарство. (В Венеции это было бы невозможно) Наш дорогой Кёзелиц, полный моих и его мыслей, оказался бы для меня слишком сильной пищей. —
В Лейпциге я недавно видел Шмейцнера и Видеманна (мне пришлось расплачиваться за эту очень приятную встречу на следующий день и провести тихо день на диване) —
Осень очень мрачная, даже тёмная, при этом хотя бы мои глаза получают пользу.
— Спасибо за денежный перевод, ты нашел самый удобный и дешевый способ, какой только можно себе представить, к сожалению, с последствием, что ты сам снова взял на себя хлопоты, которые я при этом экономлю.Спасибо также за письма, в первую очередь твои собственные, затем присланные (среди них было насмешливое стихотворение обо мне, от австрийского поэта из Граца, возможно, самого Хамерлинга)
Мои самые сердечные приветы твоей дорогой жене, а также твоей уважаемой теще в Цюрихе. — С Шмейтцнером я обмолвился парой слов о переводе Сен-Бёва, которые были приняты с большой радостью.
То же самое касается лекций Вакернагеля о буддизме.
Шмицнер издаёт что-то от Дюринга, но в полном ужасе от его неприятного характера. Затем он публикует письма Лассаля из самого последнего времени — я надеюсь, что это наконец издательский проект, какой мы ему желали.
Прилагаю письмо друга Ромундта, я не совсем его понимаю. Наставление о вере я вообще не понимаю — вера во что? спрашиваю я этого простака. Но, возможно, он имеет в виду веру в веру. — Бутерброд для меня ценнее, чем такая бледная вещь.
От всего сердца твой
Ф. Ницше
Не забыть уже несколько раз забытые благодарные приветы от моей матери!
Когда жил епископ Ульфила? Третье столетие, середина?
895. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Хотите ли вы, дорогой господин Шмейтцнер, включить это ещё в Religiosa (III)?
В воскресенье я был болен в Лейпциге, в понедельник утром вернулся. — У меня осталось и до сих пор сохраняется приятное послевкусие от нашей встречи. Пусть всё удастся! —
Сердечные приветы другу Видеманну.
Ф. Н.
896. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, ещё слово насчёт садового фартука. Вольер и башня, оба более живописные и большие, чем я предполагал, тем не менее уже перешли из моих рук в другие: я понял здесь, что для садоводческой деятельности мои глаза слишком слабы и что наклоняться для моей головы очень нецелесообразно — при ближайшем рассмотрении огородничество оказалось невозможным, к сожалению, к сожалению! Так что я был очень рад избавиться от своего арендного договора (в котором мне запрещалось развешивать бельё в вольере и открывать питейное заведение). Лучшее во всей этой истории — это ожидание, которое у меня было; и к этому счастью будущего садоводства относится и будущий садоводческий фартук: за который я сердечно благодарю твою милую жену.
Твой друг
897. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Уважаемый господин Шмейцнер,
мне очень приятно думать, что теперь ваш глаз бдит над моими сбережениями; всё это дело устроено так хорошо, как я только мог надеяться. Конечно, вы прилагаете усилия, а я получаю выгоду. —
Предисловие (или, скорее, диалог) меня не удовлетворяет. Я очень прошу оставить те же промежутки, что и в тексте: так, чтобы диалог и афоризмы выглядели напечатанными одинаково. Конец диалога на странице 6 внизу: так мне нравится. —
Вместо афоризма под названием «Короткое лето» (который я прошу вычеркнуть) поставьте следующее.
Два латинских афоризма я также прошу вычеркнуть.
На сегодняшний день (понедельник) в моих руках 2 листа.
Моё самочувствие терпимое — конечно, по моим меркам, которые могут не всем понравиться.
С наилучшей благодарностью
Преданный вам
Ф. Ницше
898. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, я ещё кое-что забыл! Пожалуйста, как и раньше, выдели небольшую сумму на байрейтские цели, я не знаю причины, по которой я должен прекратить её платить. (Читал я, правда, с осени 1877 года ничего из тех листов.)
С сердечной любовью Твой
Друг
899. An Paul Rée in Stibbe
Дорогой друг, всего несколько строк нетерпения! Я уже несколько недель жду свободного часа, чтобы написать вам длинное письмо — его всё нет, и я должен так сурово расплачиваться за всё, что насильно делаю, что больше ничего не заставляю. Мне пришлось отказаться от многих желаний, но никогда — от желания жить вместе с вами — мой «Эпикуров сад»! Разум и сейчас всё ещё говорит, что мы должны ждать; было бы слишком печально, если бы «мы не сошлись». Моя мать, сегодня лишь сердечно приветствующая и желающая всего наилучшего, скоро напишет вам подробнее, возможно ли, когда и как наше совместное пребывание.
Она читала мне Лермонтова; состояние, очень чуждое мне, западноевропейская изнеженность, описана прелестно, с русской наивностью и полувзрослой всемирной мудростью — не так ли?Благодарю Вас, дорогой друг, за всё сказанное, посланное и пожеланное, особенно же за чудесное, восхитительное и вновь пугающее известие, что Ваше произведение растёт, созревает — невероятно! — Несколько страниц Ваших «Исследований», на которые я недавно наткнулся, вызвали у меня после того произведения обещания неудержимый аппетит. —
Моя главная мысль сейчас в том, что главная причина земной немощи заключается в мелких незнаниях — простите, что я применяю это и к нашему болезненному состоянию! Мы непременно должны поправиться, как только правильно поймём, как мы заболели. Медицинские разговоры неизбежны, когда мы снова встретимся.
И с невысказанным желанием тревоги за Вас, дорогой, дорогой друг, заканчиваю
С сердечной любовью
Ваш
Ф. Ницше
900. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Прекраснейшую благодарность, дорогой друг, за намёк, я не желаю вида презрения к женщинам и совсем убрал этот пассаж. Верно, кстати, что изначально только мужчины считали себя людьми, даже языки это доказывают; женщина действительно считалась животным, признание в ней человека — один из величайших нравственных шагов. Моё или наше нынешнее представление о «женщине» не должно быть связано со словом «домашнее животное». — Я судил по описанию Хантли о положении женщин у диких племён. —
Очень приятно слышать, что вы не знаете «Позднего лета», обещаю вам что-то чистое и хорошее. Сам я познакомился с ним недавно, Рее как-то сказал мне, что в нём самая прекрасная любовная история, которую он когда-либо читал, это мне пришло в голову.
Продолжайте указывать и предупреждать при корректуре. Почва недопонимания в этом сочинении так часто близка; краткость, проклятый телеграфный стиль, к которому меня вынуждают голова и глаза, — вот причина.
От всего сердца Ф. Н.
901. An Ida Overbeck in Basel (Postkarte)
Уважаемая госпожа профессор,
не будет ли в итоге лучше исключить господина Шамфора? Соответствующая статья, вероятно, не была шедевром; возможно, вы подумаете, подходит ли Фонтенель в ваши «Люди XVIII века»? В противном случае я бы предложил немедленно связаться с господином Шмейцнером, или яснее: позвольте мне дать Шмейцнеру знак; он обратится к вам с письмом и представит свои предложения. — Попросите моего друга взять «Позднее лето» Штифтера из моих книг («Кёселициана») и переплести в Мемеле (зелёный холст, закруглённые углы), а также дать Мемелю адрес господину Кёселицу (он должен хорошо упаковать и отправить книгу с оплатой в Венецию) — Моё самочувствие медленно, но верно ухудшается: всё ещё «терпимо», в усиленном смысле.
От всего сердца преданный с приветом от моей матери
Ваш Ф. Ницше.
902. An Elisabeth Nietzsche in Tamins (Postkarte)
Моя любимая сестра, сегодня, наконец, заканчиваются деньги, эти смешные сантимы должны покрыть расходы на обмен. Мое здоровье значительно ухудшилось, но боль еще не перешла ту грань «терпимого»; в любом случае, жалкое состояние! Погода все время плохая, уже несколько недель. Сегодня я переезжаю в новую спальню (наверху). У меня не было ни одного дня, когда я был бы в состоянии провести лекцию; но очень много дней, когда невозможно было написать даже открытку. Мое настроение всегда очень спокойное и решительное, я сопротивляюсь любым изменениям. Твои последние три письма показали нечто похожее; что мне очень понравилось.
Я думаю о тебе с самой сердечной привязанностью, как твой брат.
903. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Уважаемый господин издатель, прошу изменить одну строку в афоризме «Природа как двойник»:
/ во всём очаровательно-серьёзном характере холмов, озёр и лесов этого плоскогорья, которое без страха расположилось рядом с ужасами вечного снега —/
Первые два листа получились превосходно. Благодарю за отправку Тэна. Доктор Дюринг ещё жив?
С глубоким уважением приветствую
Ф. Н.
не правда ли, всё идёт медленно!
Моё самочувствие ухудшилось.
904. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой дорогой друг, твой день рождения — это праздник для меня, но желать, желать — я даже не знаю, чего. Чтобы мы снова увиделись! — это само собой разумеется как привычное желание. Также чтобы зимой твоя работа об возникновении христианской литературы была завершена! В остальном, когда я думаю о тебе, мне нечего желать, а только благодарить. —
Дела идут неважно, благотворное влияние лета ослабевает, непрекращающаяся боль снова становится очень назойливой. Несчастье, что в этом году наумбургская осень выдалась такой мрачной и дождливой, как не бывало в памяти человеческой. Примерно раз в 8 дней одним послеобеденным временем увидеть солнце и небо — вот и всё, на что можно рассчитывать.
Душевное спокойствие — моя программа: его у меня тоже есть — но погода давит на меня. Мое мужество, тем не менее, остается непоколебимым, и я хочу пережить зиму здесь.Моя мать читала мне Гоголя, Лермонтова, Брета Гарта, М. Твена, Э. А. По. Если ты еще не знаком с последней книгой Твена «Приключения Тома Сойера», то мне было бы приятно сделать тебе небольшой подарок.
Вопрос о страховании книг мы отложим на греческие календы; на мой взгляд, они очень хорошо застрахованы, поскольку могут жить в Фалькенштайне.
Тебе и твоей дорогой жене
от всего сердца
Твой друг
Ф. Ницше
905. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Дорогая уважаемая госпожа Баумгартнер, значит, всё же придётся отправить открытку! Уже несколько недель я не могу собрать вместе то, что должно быть в письме; и с другой стороны, я чувствую, что на открытке мне нечего вам сказать! Если кому-то и следует получать от меня длинные и душевные письма, так это Вы, как и те, что пишете вы мне (и гораздо лучше, чем я способен). Но ничего не получается, и я совсем замолкаю. Ах, как я устал рассказывать о своём плохом самочувствии! Небольшое облегчение снова исчезло. Настроение при этом довольно хладнокровное, но могло бы быть и солнечнее. Я не хочу думать об этой зиме, поэтому много скуки. От всего сердца
Ваш Н.
906. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Уважаемый господин, перевод Сент-Бёва готов: не хотите ли Вы обратиться по этому поводу к господину профессору Овербеку? (Госпожа профессор Овербек настоятельно желает остаться полностью вне игры, поэтому, пожалуйста, делайте вид, что Вы ничего не знаете о её участии) Возможно, название: „Сент-Бёв. Люди восемнадцатого века. Первый немецкий перевод.“ (Это 8 персонажей; получается маленький милый том, который можно прочитать за один присест) —
Не хотите ли Вы, после завершения нашей печати, быть настолько любезны, чтобы вычесть из оставшегося гонорара различные расходы, которые Вы понесли за меня, и затем отправить мне сюда остаток от остатка? —
Плохая пасмурная сырая погода очень мне досаждает. Ах, каждый вечер, когда я ложусь в постель, я славлю день за то, что он прошёл; иначе у меня нет ничего, за что его славить. Терпение!
С сердечным приветом Ваш Н.
Но наша очень откровенная книга всё же не будет запрещена?
907. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Уважаемый господин Шмейтцнер,
Тетрадь 9 только что попала мне в руки.
Значит, моя книга доставляет вам некоторое удовольствие? Я слышу это с удовольствием. — Название оставим без изменений: оно несколько загадочно, но это не страшно; в книге есть некоторая плутовская хитрость, так что пусть она будет и на обложке. — Логика, которого я ценю, зовётся: А. Спир, его книга: «Мысль и реальность» (2 тома, Лейпциг). Кстати, не автор для вашего издательства! —
Знаете ли вы что-нибудь об английском философе Герберте Спенсере?
(широко известный в Англии, Америке, Франции и Италии, крайне поучительный для нас, поскольку он находится среди огромных английских сборников материалов)В этом году вышла его книга "The Data of Ethics". — Если бы вы знали переводчика, то, безусловно, стоило бы ввести это произведение в Германии (Ранее уже были переведены и опубликованы другие его работы, например, у Брокгауза). Следовало бы быстро запросить разрешение у оригинального издателя. (Это был бы лучший ответ на последнюю наглость г-на фон Гартмана "Пролегомены к любой будущей этике"!!)
— Прошу отправить бесплатные экземпляры от моего имени:
Г-ну проф. Овербеку и
Г-же Овербек
Г-же Ротплец в Цюрихе
Г-же Баумгартнер в Лёррахе
Д-ру Рее в Штиббе
Д-ру Ромундту в Оснабрюке
Проф. Якобу Буркхардту в Базеле
Библиотеке в Базеле по адресу
Г-ну библиотекарю д-ру Зиберу
Проф. Хайнце в Лейпциге (с титулом "Хофрат" —)
Мсье профессору Габриэлю Моноду в Париже
Возможно, я вспомню ещё несколько имён. Г-н Видеманн и г-н Кёзелиц "понятны сами собой". У вас, вероятно, ещё есть точные адреса?
С глубоким уважением
Д-р Ф. Ницше.
908. An Elisabeth Nietzsche in Chur (Postkarte)
Моя дорогая сестра, я очень рад и благодарен за то, как ты вспомнила о дне рождения Овербека. Твои письма полны интереса, пожалуйста, пиши так же подробно, как и раньше, даже если я остаюсь и должен оставаться таким же немногословным, как и раньше. Глаза больше не выносят ничего (по очень определенному объяснению Грэфе, лечения для этого нет: только щажение, чтобы как можно дольше затянуть неизбежный процесс. Помутнение из-за прилива крови — это нечто совершенно иное и нечто очень излечимое; в Сорренто я сам страдал от этого около 2 месяцев) За исключением нескольких светлых холодных послеобеденных часов, моя голова постоянно болела и несколько раз в сильной степени. Терпение!?!
От всего сердца Твой брат.
909. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Если вы хотите добавить что-то к объявлению о книге доктора Рее, я рекомендую использовать слова из Енской литературной газеты (1877 или 78?), где Рее назван «молодым Спинозой». Этот научный журнал издается Енским университетом.
Сегодня я отправил вам 8-й лист.
Сердечные приветы.
Ф. Н.
Цитата из упомянутой рецензии Енской литературной газеты — это самое действенное, что вы можете пожелать для этой цели.
910. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
(B<ogen> 9)
p. 135 должно быть:
чтобы читать и писать хорошие книги (и т.д. как в корректуре)
Самый благодарный и сочувствующий привет за только что полученное очень интересное письмо.
Ваш Ф. Н.
911. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Ужасная неделя позади, поэтому прошу прощения за задержку!
Деньги с благодарностью получены.
С сердечным приветом
Ваш
Ф. Ницше
912. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Я беспокоюсь о вашем самочувствии в этом снежном мире. Мне самому так плохо, что через 14 дней я должен отправиться в Риву (Гарда) чтобы вернуться к своей единственной форме существования — прогулкам. — Утопия Мора мне неизвестна, Я. Буркхардт однажды с воодушевлением говорил мне о ней, что она имеет взгляд в будущее, тогда как "Государь" Макиавелли имеет только взгляд в прошлое и настоящее. — Как только я представляю, как вы читаете "По ту сторону добра и зла", я счастлив: на самом деле я хотел оставить это на нашу встречу; книга была предназначена для вас с тех пор, как я её знаю. — Всё сбылось! Как тепло и хорошо я себя чувствую, когда читаю ваши правки и намёки! Я никогда не испытывал ничего другого! —
Преданно и благодарно
Ф. Н.
913. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
С последних новостей всё время болен, приступы ужасные (с рвотой и т.д.), много дней провёл в постели. Через 2 недели отправлюсь на юг (в Риву), если получится! Я выдерживаю только прогулки-существование, которое сейчас при этом снеге, этом холоде здесь мне недоступно. Можешь ли ты прислать мне до этого ещё 4 сотни марок? На следующей неделе М. Твен прибудет к тебе, а также напоминание о моём пребывании в Санкт-Морице. Надеюсь, твоя дорогая жена теперь получила облегчение от своих глазных страданий; я ещё не смог поблагодарить её за её письмо! Шмейтцнер был побуждён к полному молчанию относительно переводчицы Сен-Бёва. Ты видел «первый издательский отчёт» Шмейтцнера? Моя радость велика, узнав из него, что второй выпуск твоих «Исследований» обещан в течение года. — Я благодарю тебя от всего сердца за твои письма и желаю хорошего Рождества.
Ф. Н.
с матерью.
914. An Franz Overbeck in Basel
Прекрасную благодарность, дорогой друг, моя открытка была отправлена утром, а твое письмо пришло вечером —. Терпение — есть много того, что нужно вынести! — Моей же сестре, напротив, все в порядке.
С сердечной любовью
Твой Ф. Н.
Теперь я все же не смогу увидеть доктора Рée!
День землетрясения был для меня также днем страданий, превышающим все пределы!
915. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Слово благодарности, уважаемый господин Шмейтцнер, вместе с моими пожеланиями к вашему дню рождения, который должен быть в эти дни. Вы сделали себе прекрасный подарок с вашим «первым издательским отчетом»: хороший посев, который, надеюсь, принесет хороший урожай! Отчет написан превосходно, очень благородно ((я сейчас отвлекаюсь от того, как в нем говорится обо мне: пусть это станет правдой! пусть это будет правдой! и т.д. и т.п.))
Я страдаю чрезвычайно и постоянно, приступ за приступом. Я думаю о побеге на юг — возможно, на озеро Гарда.
Но, возможно, больше нет никакого „Юга“.Мои лучшие и сердечные приветы нашему общему другу Видеману.
Завершённый „Странник“ для меня почти нечто невероятное — 21 июня я прибыл в Санкт-Мориц — и сегодня — !
Вся „человечность“ с двумя приложениями написана в период самых горьких и непрерывных страданий — и всё же кажется мне вещью, полной здоровья. Это мой триумф.
Преданный Вам
Д-р Ницше
Экземпляры, пожалуйста, ещё отправить:
Проф. Хиллебранду во Флоренции
Фр. фон Мейзенбуг в Риме
Проф. Роде в Тюбингене (университет)
моей сестре по адресу — Фр. Дете фон Планта в Куре
(Граубюнден)
916. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Первый отклик на мое сообщение друзьям пришел от Вас, уважаемая госпожа: с благодарностью и благословляя Вас, я читал каждое слово.
Моё состояние так же ужасно и жутко, как только может быть. Я не понимаю, как я пережил последние 4 недели.
Посылая Вам самые сердечные новогодние поздравления и включая надежды Вашего дорогого сына, я
Ваш преданный
Ф. Н.
917. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Дорогой друг, я всё ещё не получил известий из Ривы. Моё состояние между тем было ужасающим. Мне не хотят позволить уехать, но — мой вопрос только в том, смогу ли я уехать. — У нас много хорошего как общее достояние, каждое письмо показывает мне это, и когда мне совсем плохо, вы всегда являетесь мне как мой «выживший».
От всего сердца ваш
Ф. Н.
918. An Elisabeth Nietzsche in Chur (Postkarte)
Моя дорогая, дорогая сестра, времена для меня такие тяжёлые и ужасные, как никогда раньше. Последний приступ с трёхдневной рвотой, вчера обморок. Никогда я так не наблюдал регулярное ухудшение, как в последние 3 месяца. Холод мне очень вреден. Я хочу, как только смогу, встретиться с Кёселицем в Риве, новости оттуда ещё жду. Твоё лекарство, к сожалению, не подействовало, как и ледяные компрессы. Горчичные ножные ванны я хорошо знаю по Сорренто, бесполезно! Я радуюсь твоим подаркам, моя любящая сестра.
Твой брат
919. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Состояние было ужасающим, последний приступ сопровождался трёхдневной рвотой, вчера была тревожно долгая потеря сознания. Если я не смогу уехать в более тёплый и лучший климат, всё может закончиться самым худшим. Все твои письма и посылки здесь, дорогой друг, благодарю тебя за твою любовь. Роде прислал великолепное письмо. Сердечнейшие новогодние поздравления твоим близким в Фалькенштайне и тебе самому от твоего друга.
920. An Erwin Rohde in Tübingen
Благодарю, дорогой друг! Твоя старая любовь, вновь скреплённая — это был самый драгоценный подарок в вечер подарков. Редко мне было так хорошо: обычно личный итог книги для меня заключался в том, что друг, обидевшись, покидал меня (как это делает моя тень). Я хорошо знаю чувство бездружной одиночества, великолепное свидетельство твоей верности потрясло меня до глубины души. — Моё состояние снова ужасно, мучение животных отвратительно — sustineo abstineo и удивляюсь сам себе.
От всего сердца твой
Ф. Н
921. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Можете ли вы достать мне перевод Данных этики Спенсера? Тогда я хотел бы узнать, что из Бейджхота переведено на немецкий.
Также я хотел бы получить из антикварного магазина немецкий перевод Лабрюйера. Также Мильтона (но только при хорошем качестве печати.)
Моё состояние было между тем ужасным и жутким.
Хорошего Нового года вам, дорогой господин издатель.
922. An Elisabeth Nietzsche in Chur
Одно слово и не более, моя любимая сестра. О, как прекрасно ты меня одарила, только чемодан слишком роскошен для скромного «больного учителя»; возможно, он не захочет путешествовать со мной!
На мне лежит тяжёлое тяжёлое бремя.
В прошлом году у меня было 118 тяжёлых дней приступов. Прекрасная статистика! —
С сердечным расположением
Твой брат.