1878 (119 Briefe)
675. An Heinrich Köselitz in Basel (Widmung)
Diese Partitur wird fruchtbringender in Ihren Händen sein, mein lieber Freund Köselitz, als in den meinen: sie sehnt sich gewiss längst nach einem würdigeren Besitzer und Jünger der Kunst als ich es bin, im Fall etwas von der Seele des grossen Mannes, der sie mir gab, daran hängen geblieben ist. Was ich von Ihnen wünsche, wird wohl in der Hauptsache dasselbe sein, was Sie von Sich wünschen; genug dass ich Sie mir öfter Goethe-Faustisch also redend denke:
„— dieser Erdenkreis
„Gewährt noch Raum zu grossen Thaten.
„Erstaunenswürdiges soll gerathen,
„Ich fühle Kraft zu kühnem Fleiss.“
Neujahr 1878
Treugesinnt
Ihr Freund und Lehrer
Friedrich Nietzsche
675a. An Paul Widemann in Basel (Widmung auf der Partitur der „Meistersinger von Nürnberg“)
Dieses Werk, ursprünglich ein Geschenk Richard Wagner’s welches ich in Tribschen empfing, als ich 1869 dort mit ihm zum ersten Mal Weihnachten feierte, lege ich heute in die Hände des Herrn Paul Widemann, ebensowohl um ihm ein Zeichen meiner warmen und tiefen Hochschätzung zu geben, als um ein Unterpfand seiner Erinnerung an mich in seinem Besitz zu wissen. Möge der treffliche Freund sich dessen immer bewußt sein, daß ich treu in der Hoffnung auf sein Können und seine Kunst, treu im Glauben an seine große Kraft, Erfindungsgabe und Ausdauer bleiben werde. Ja, einst kommt der Tag, wo alles Erhoffte und Geglaubte sich erfüllt hat!
Friedrich Nietzsche
676. An Richard und Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)
R<ichard> W<agner> und Fr<au>
Indem ich — übersende, lege ich mein Geheimniß vertrauensvoll in Ihre und Ihrer edlen Gem<ahlin> Hände und nehme an daß es nunmehr auch Ihr Geh<eimnis> sei. Dies Buch ist von mir: ich habe meine innerste Empfind<ung> über menschliche Dinge darin ans Licht gebracht und zum ersten Male die Peripherie meines eigenen Denkens umlaufen. In Zeiten, welche voller Parox<ismus> und Qualen waren, war dies Buch mein Trostmittel, welches nicht versagte, wo alle anderen Trostm<ittel> versagten. Vielleicht lebe ich noch, weil ich seiner fähig war.
Es mußte <ein> Pseudon<ym> gewählt werden, einmal weil ich die Wirkung meiner früheren Schriften nicht stören mochte, sodann weil die öffentl<iche> und private Beschmutzung der Würde meiner Person damit verhindert werden soll (weil meine Gesundheit dergleichen nicht mehr aushält) endlich und namentlich, weil ich eine sachliche Diskussion möglich machen wollte, an der auch meine so intelligenten Freunde aller Art theilnehmen können, ohne daß ein Zartgefühl ihnen wie bisher dabei im Wege stand. Niemand will gegen meinen Namen schreiben und reden. Aber ich weiß keinen von ihnen, der die Ansichten dieses Buches hätte, bin aber sehr lernbegierig in Bezug auf die Gegengründe, welche in diesem Falle vorzubringen sind.
Mir ist zu Muthe wie einem Offizier der eine Schanze gestürmt hat. Zwar verwundet — aber er ist oben und — entrollt nun seine Fahne. Mehr Glück, viel mehr als Leid, so furchtbar das Schauspiel rings herum ist.
Obschon ich wie gesagt niemanden kenne, der jetzt noch mein Gesinnungsgenosse ist, habe ich doch die Einbildung, nicht als Individuum sondern als Collektivum gedacht zu haben — das sonderbarste Gefühl von Einsamkeit und Vielsamkeit. — Herold vorangeritten, <der> nicht genau weiss, ob die Ritterschaft ihm nachkommt oder ob sie noch existirt.
677. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Bitte, lieber Herr Schmeitzner, bringen Sie dies auf dem Manuskript in Ordnung, ich finde die Stelle nicht in meinen Papieren
678. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg
Sie sind so gut, lieber, lieber Freund, mit Ihren Wünschen und Verheißungen und ich bin jetzt so arm. Jeder Ihrer Briefe ist ein schönes Stück Lebensfreude für mich, aber ich kann Ihnen Nichts, gar Nichts dagegen geben. Wieder sind, während der Weihnachtsferien, böse, böse Tage, ja Wochen an mir vorbeigezogen: nun wollen wir sehen, was das neue Jahr kann. Uns zusammenbringen? Ich halte daran fest.
Gestern kam, von Wagner gesandt, der Parsifal in mein Haus. Eindruck des ersten Lesens: mehr Liszt, als Wagner, Geist der Gegenreformation; mir, der ich zu sehr an das Griechische, menschlich Allgemeine gewöhnt bin, ist Alles zu christlich zeitlich beschränkt; lauter phantastische Psychologie; kein Fleisch und viel zu viel Blut (namentlich beim Abendmahl geht es mir zu vollblütig her), dann mag ich hysterische Frauenzimmer nicht; Vieles, was für das innere Auge erträglich ist, wird bei der Aufführung kaum auszuhalten sein: denken Sie Sich unsere Schauspieler betend, zitternd und mit verzückten Hälsen. Auch das Innere der Gralsburg kann auf der Bühne nicht wirkungsvoll sein, ebensowenig der verwundete Schwan. Alle diese schönen Erfindungen gehören in’s Epos und, wie gesagt, für’s innere Auge. Die Sprache klingt wie eine Übersetzung aus einer fremden Zunge. Aber die Situationen und ihre Aufeinanderfolge — ist das nicht von der höchsten Poesie? Ist es nicht eine letzte Herausforderung der Musik?
Soviel für heute, nehmen Sie fürlieb. Ihnen und Ihrer lieben Frau Gemahlin
treu ergeben
Ihr Freund Nietzsche.
P. S. Lipiner ist, nach seinem Brief an mich, ein guter Wagnerianer; beiläufig sollte man es fast wünschen, er möchte den Parsifal noch einmal überdichten.
679. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Hochgeehrter Herr Verleger!
Heute nur so viel, dass ich gerne bereit bin, Ihren Vorstellungen nachzugeben, denn es handelt sich hier um Ihren Vortheil, über den Sie natürlich ein besserer Richter sein müssen, als ich es sein kann. Umsomehr bitte ich um die schon erwähnte Verschwiegenheit während der Herstellung des Buches und um die möglichste Beschleunigung derselben (ich erwarte die verheissenen 5 Bogen wöchentlich).
Mit herzlichem Gruss und Danke
der Ihrige
Prof Dr Friedrich Nietzsche.
(dictirt.)
Der 1. Correcturbogen mit dem Manuscript von Titel und Vorrede geht zu gleicher Zeit an Sie ab.
680. An Carl Burckhardt in Basel
Hochgeehrter Herr Präsident,
Bei dem anhaltend erschütterten Zustand meiner Gesundheit hatte ich selbst neuerdings die Absicht gefasst, Ihnen ein Gesuch um Entlassung von meiner Stellung als Lehrer an den hiesigen höheren Lehranstalten überhaupt einzureichen. Doch hat mich der Rath meines Arztes und seine Meinung, dass an einer Wiederherstellung nicht zu verzweifeln sei, welche mich wieder in den Stand setzte, wenigstens meiner Aufgabe an der Universität zu genügen, bewogen mein Gesuch für jetzt auf eine endgültige Entbindung von meinen Verpflichtungen am hiesigen Pädagogium zu beschränken. Das Gutachten des Herrn Prof. Dr. Massini, welches es begründet, lege ich bei. Indem ich Sie, hochgeehrter Herr Präsident, demgemäss ersuche, meine Entlassung als Lehrer des Pädagogiums bei einer hohen Erziehungsbehörde zu befürworten und dabei meinem persönlichen Bedauern Ausdruck zu geben, dass ich von einer Anstalt scheiden muss, an der ich gern gewirkt habe, hoffe ich mit dieser abermaligen Anrufung des Wohlwollens einer hohen Behörde, je mehr ich mich zu dessen dankbarer Anerkennung schon verpflichtet fühle, sein Maass nicht zu überschreiten.
Mit vollkommener Hochachtung
Ihr ergebenster Prof. Dr F. Nietzsche
681. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Bitte, corrigiren Sie auf Seite 142 Zeile 6 und 5 von unten: statt: die höchsten Efflorescenzen der Welt muss es heissen:
die absonderlichsten Ausnahmen in der Welt
Ergebenst
F. N.
682. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Hôtel Stadt Paris
Sophienstrasse
Baden-Baden
683. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Ziemlich angegriffen. Bei Dr. Berton. Er wohnt gerade gegenüber. — In Geroldsau: herrlich! Welche Labung!
Hôtel
Stadt Paris
Sophienstrasse
Warum ist der Winter-Fahrplan mitgeschickt? —
Herzlich der Deine
684. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Adresse:
Hôtel
Stadt Paris
Sophienstrasse
Baden-Baden
685. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Bis jetzt nicht gut. Schlaflosigkeit Erbrechen Erschöpfung. Doch vertraue ich Ort und Bad (Badehaus und Einrichtung über alles Lob hinaus schön!) Auch das Hôtel ist gut, ordentlich, still; ausser mir nur 3 dauernde Gäste, nach meinem Wunsche. Dank für Karte. — Frage Freifr<au> von der Pahlen, ob sie und Fr. v. Brevern meine an ihre römische Adresse gesandten 4 Schriften seinerzeit empfangen habe. — Bitte um die Adresse Lipiners. — Bogen 11 sende mir gleich.
Treulich Dein Bruder.
686. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Donnerstag ganz böser Tag: immer zu Bett. Nacht vorher und nachher schlaflos mit viel viel Schmerzen. Schlechtes Wetter. — Danke sehr für Nachrichten und Bogen. —
Fritzsch ist banquerott. Bitte suche sofort mit Köselitz den Brief F.s, worin er um Stundung bittet. Wahrscheinlich ist alles verloren; aber Schmeitzner will sein möglichstes thun. Sende mir den Brief. — Die grauen Hosen und der Fächer fehlten, nimm sie mit nach Naumburg.
Dein Dich herzlich liebender
Bruder.
Freitag./ Das tägl<iche> Leben und die Kost passt für mich, man nimmt alle Rücksichten auf Verdaulichkeit usw. Die schlimmen Tage Tapiocabouill<on>, The-Milch, engl. Bisquits, tout comme chez nous!
687. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Helfen Sie mir, meine Gesundheit verbietet mir alles eigene Handeln in der gemeldeten übeln Angelegenheit. Sie schreiben: „treten Sie die Forderung an die zweite Auflage an mich ab“; bitte schreiben Sie mir den Wortlaut vor, in dem ich das thun kann; in geschäftl<ichen> Dingen bin ich ein Narr. — Fritzsch hat für die erste Aufl<age> Thl. 100 bezahlt; für die zweite hatte ich eben so viel gefordert. Er bat um Stundung und verpflichtete sich brieflich, kein Exemplar zu verkaufen, bevor er mir nicht bezahlt habe. Ich war so artig, ihn 4 Jahre nicht zu mahnen, während er mir damals (Ostern 1874 oder 73?) das nächste Weihnachten in Aussicht stellte. — Im April will ich mit Ihnen in Leipzig zusammentreffen
Ergebenst F. N.
688. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Warnen Sie Herrn Kipke und drohen Sie mit gerichtlichem Einschreiten meinerseits wegen betrügerischen Verkaufs: kein Exemplar darf verkauft werden, bevor das Honorar bezahlt ist — so ist es zwischen mir und F<ritzsch> schriftlich abgemacht. — Ich selber schreibe an Fritzsch. — Nichtwahr, Sie haben der Druckerei gesagt, dass ein Bogen an mich nach Baden, der andre wie bisher an Hr Köselitz nach Basel abgeht? Ich wundre mich, wie langsam und unregelmässig das Alles geht. — Herzlich grüssend
Ihr sehr leidender
F. N.
689. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Danke herzlich. Das Wetter wird schön. Mein Befinden mittelmässig seit letztem Anfalle. Ja wenn ich hier ein Jahr leben könnte! Da könnte man schon gesund werden! — Danke unsrer Mutter für Brief, ich antworte nicht, kann nicht. —
Ich bin ganz wüthend, dass die Correcturbogen nicht an mich kommen; ist es denn eine Spielerei!! Ich muss ja vor Köselitzens und Widemann’s Correcturen selber lesen; deshalb ist es ja eingerichtet. Alle Welt ist verrückt!
690. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Lieber Freund, in N° 237, p. 201 gegen Schluss, fehlt ein Satz: schreiben Sie ihn aus dem Manuscr<ipt> auf eine Postkarte und senden Sie diese sofort an Hr. Schmeitzner, ich habe ihn benachrichtigt. Es heisst im Druck „um seine Neuerung gegen den Papst als Werkzeug zu benutzen.“ Darauf folgt wenn ich mich recht erinnere, ein ganzer Satz, der im Druck fehlt. Dann geht es im Druck weiter „Ohne diese Absichten wäre Luther us.w.
In den ersten 9 Aushängebogen habe ich nicht wenige Druckfehler wahrgenommen, doch nicht eigentlich sinnentstellende.
Sie haben mit mir eine grässliche Mühe!!
Halten Sie Ihr Versprechen und kommen Sie auf einige Tage nach Baden!
Von Herzen Ihr F. N.
691. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Geben Sie den Correcturbogen 13, der hier folgt, nicht eher in die Druckerei, als bis eine Karte von Freund Köselitz bei Ihnen eingetroffen ist. Er hat etwas vergessen aus dem Manuscripte nachzutragen, was der Setzer vergessen hat zu setzen — einen Satz auf p. 201. —
Was die Stelle betrifft, wo ich mich selbst citire, so wird bei der Correctur eine kleine Änderung gemacht werden.
Also 1 Bogen immer an mich nach Baden, der andre nach Basel an Hr. Köselitz. Ich bin sehr pünktlich. Wäre es nur auch die Druckerei! Wie viel Bogen giebt es? — An E W Fr<itzsch> habe ich geschrieben, bin neugierig
Mit ergebenstem Grusse
692. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Bitte, verschaffen und senden Sie mir hierher:
Grisebach,
die deutsche Litteratur von 1770 an
IIte Auflage. Stuttgart, Kröner.
Sodann: können Sie mir recht billig die jetzt erscheinende deutsche Übersetzung von
Taine, Geschichte der englischen Litteratur erwerben?
Heute morgen schickte ich Bogen 13 an Sie ab.
Mit herzlichem Grusse Ihr
F N.
693. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Eigentlich wüthete ich gar nicht gegen Dich, Du bekamst es nur zu hören, daß ich gegen die ganze Welt wüthete: ein bischen wegen der Druckerei-Bummelei in Chemnitz, ein bischen wegen Fritzsch. (An den ich einen langen Brief schreiben mußte!) Die Gesundheit kommt auch nicht von der Stelle. Seit gestern ist das Wetter scheußlich, vor meinen Fenstern ein Patsch-Matsch-Jahrmarkt. Trotzdem — es geht besser als in Basel, ich esse auch mehr und es bekommt mir. Der Arzt — Fragezeichen?? Das Bad gut und sehr harmlos. Wege herrlich, aber seit gestern keine Möglichkeit zu Gehen. Schicke Hauseggern hierher und schreib ihm ein Paar Worte über mein Befinden zur Entschuldigung. An Overbeck’s herzl<iche> Grüße. Sei nicht böse auf Deinen
F.
694. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
die ganze Stelle p. 201 Zeile 8 von oben lautet:
denn der Kaiser schützte ihn, um seine Neuerung gegen den Papst als Werkzeug des Druckes zu verwenden, und ebenfalls begünstigte ihn im Stillen der Papst, um die protestantischen Reichsfürsten als Gegengewicht gegen den Kaiser zu benutzen. Ohne diess seltsame Zusammenspiel der Absichten wäre Luther verbrannt worden u.s.w.
p. 207 heißt es: Trostrede eines desperaten Fortschritts. —
Heute morgen erwartete ich Bogen 14, vergebens!
Leben Sie wohl, schönsten Dank
Ihres ergebenen Dr F N.
695. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Aber, werthester Herr Verleger, Sie erinnern sich unseres Vertrags: Geheimhaltung bis 1 Mai! Davon kann ich nicht mehr nachlassen als diess: vom Augenblicke der Versendung der Freiexempl<are> an dürfen Sie im buchhändl<erischen> Börsenblatte, in den Bayr<euther> Bl<ättern> usw. inseriren, aber nicht eher. Treiben Sie den Buchdrucker echt an, heute kam wieder kein Bogen. —
Ich sende eben Bogen 14. Die Karte mit dem eingeschobenen Satze, dessentwegen ich vorher an Sie (und an Köselitz) schrieb, ist doch in Ihren Händen? —
Fritzsch hat sein Verhältniss zu Hr. K<ipke> befriedigend erklärt. Er schreibt: „Selbstverständlich ist der zukünftige Besitzer von Hr. Kipke zur Zahlung des Honorar’s an Sie verpflichtet worden“. Ich frage Sie: war wirklich Hr. K<ipke> davon unterrichtet, dass F<ritzsch> das Honorar noch nicht gezahlt hat? Oder erfuhr er es erst von Ihnen? — Der Sache nach gleichgültig. —
Mir geht es schlecht, schlecht. Wäre nur diese Drucklegung erst vorbei! Ich soll und kann ja eigentlich nicht lesen und schreiben. Also, helfen Sie, lieber Hr. Verleger. Im April sehen wir uns.
Ihr F. N.
696. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Wann willst Du abreisen? — Also nicht nach Naumburg? Nun dann wird es eine curiose Existenz für mich abgeben; aber in der That, für Dich ist Wiesbaden wahrscheinlich angenehmer und ruhiger — und drei Wochen später kommen wir doch wieder zusammen! — Bitte, entschliesse Dich ganz nach Deiner Neigung. — Wetter winterlich, sehr! aber schön, und meinem Befinden nicht ungünstig. Ich gehe viel im schneeigen Tannenwalde spazieren; viele gute Wege. — Sende dem armen Br<enner> doch in meinem Namen wieder einige Orangen von der kleinen süssen Sorte, es ist Fieberkranken erlaubt zu essen. Ich weiss nicht recht, was ich wünschen soll — so wie ich ihn kenne. Nur kein lebenslängl<iches> Siechthum für ihn, wie er ist. An Kösel<itz> und Widem<ann> herzl<iche> Grüsse: ich hätte die kleinen Bleistiftvorschläge auf den letzten Bogen vermisst: sie sollten ja kein Bedenken zurückhalten, ich bin so dankbar dafür. — Overbeck’s das Beste.
In herzlicher Liebe und Treue der Deine.
697. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Also: Freitag 1,48 am Bahnhof, nachher essen wir zu Mittag. Viel erzählen? Bitte, bringe die Adressen mit, der Bücher wegen. Ebenfalls das Notizbuch, welches Mutter zu Weihnachten mir schenkte, es lag auf dem Schreibtisch oben. Auch ein Pfund guter frischer Chocolade (c. 3 frs.) Sage, dass Köselitz doch bestimmt am Sonntage komme (ich habe ihn nöthig!). Hier Regenwetter; mir geht es nicht ganz gut deshalb, doch seit 13 Tagen keinen Anfall. Bei meiner Karte und Entschliessung bleibt es: von Herzen bitte ich Dich, mit Deiner Klugheit und Liebe darüber hinweg zu kommen. Kündige also getrost. Ich darf sagen, dass nur Gesichtspuncte der höheren Art und nichts Kleinliches mich dabei bestimmen. — Du wirst mit Liebe erwartet und findest das Zimmer neben dem meinen.
Treulich
Der Deine.
Kös<elitz> soll um 5 Uhr Morgens von Basel abfahren! — Bitte frage von Frl. von M<eysenbug> die genaue Adresse G. Monod’s.
698. An Franziska Nietzsche in Heckholzhausen (Postkarte)
Ich komme bestimmt in der ersten Woche des April nach Naumburg. Mit den herzlichsten Grüssen Deines Sohnes.
Friedrich Nietzsche
699. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden (Postkarte)
Sehr erschreckt und betrübt!! Eingabe an Bahn-Direction eben gemacht. Bei der Abreise hatte ich ein Gefühl von einem Unglück. — Mein Befinden ist seitdem immer schlecht gewesen. Auch böses “Wetter. Der treffl<iche> Köselitz half und nützte in allen Stücken.
Schreib, was Deine Gesundheit macht (Vielleicht war es der Dampfkessel der Medea — „Regenerationskur“ der „Verjüngung“
F.
700. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Lieber Herr Schmeitzner!
Sie dürfen die Anzeigen inwendig im Buche machen; wie Sie sagten: Aufhören des Textes auf der 3. letzten Seite, vorletzte Seite leer, letzte Seite Anzeige wie folgt, genau so:
Von demselben Verfasser, Herrn Prof. Dr Friedrich Nietzsche an der Universität Basel (Schweiz) sind bisher bei mir erschienen oder in meinen Verlag übergegangen:
—
—
—
—
die Titel
—
Sodann erschien bei mir:
Dr Paul Rée, Verfasser der „Psychologischen Beobachtungen“ (Berlin, Carl Duncker.)
Der Urspr<ung> d<er> m<oralischen> Empf<indungen> dann Overbeck u.s.w.
Hochgeehrter Herr Verleger, können Sie mir vielleicht diese Woche hierher mit Postanweisung einen Theil des Honorar’s senden, vielleicht Mark 300? Das Übrige übergeben Sie mir bei der persönl<ichen> Begegnung in Leipzig?
Sehr ergeben
Dr F Nietzsche
Baden-Baden, 26 März 1878.
701. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Was Sie bis Mittwoch Abend von Basel absenden (zuletzt also Nachtzug 9 Uhr Mittwoch) kommt in meine Hände in Baden, (von wo ich Donnerstag Vormittag fortreise)
Wie gut und schön von Ihnen, dass Sie bei mir waren!
Treulich Ihr
F.N.
702. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Bitte, als Schluss-aphorism das 8 Hauptstück (Staat) hinzuzufügen, falls Platz da ist:
Und nochmals gesagt. — Öffentliche Meinungen — private Faulheiten.
Damit ist das Manuscr<ipt> geschlossen. Ich wollte nächsten Donnerstag früh reisen? Können Sie viell<eicht> bis dahin die erbetene Sendung möglich machen? — Und wäre es nicht auch von Seiten der Druckerei zu bewerkstelligen, daß bis zu diesem Termin alle Correkt<ur>bogen in meinen Händen sind? (so daß Dienstag Abend der letzte nach Baden von Chemnitz abgienge) Sonst Adresse: Naumburg a. d. Saale per adr. Frau Pastor Nietzsche. Mit ergebensten Grüßen
der Ihrige F N.
703. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Also, meine liebe gute Mutter, auf Wiedersehen am Freitag Nachmittag! Donnerstag früh will ich hier fort, die Nacht in Frankfurt verbringen.
Ich komme sehr als Patient, die Verbesserung der Gesundheit hat in den letzten Wochen nicht Schritt gehalten, das Wetter ist immer schlechter geworden.
Lass mich nur echt still für mich weg leben und beunruhige Dich in keiner Beziehung!
Im Voraus Dich herzlich
umarmend Dein Sohn
Friedrich Nietzsche.
704. An Elisabeth Nietzsche in Heckholzhausen (Postkarte)
Liebe gute Schwester, Donnerstag werde ich reisen, Freitag Nachmittag in Naumburg sein. Mit der Gesundheit bin ich wieder sehr unzufrieden, das Wetter ist auch gar zu schlecht. — Wegen F<ritzsch> in Leipzig habe ich einen Advocaten nehmen müssen. — Herzlichen Dank für alle Nachrichten, ich fürchte ein wenig die Eisersche Calderon-Angelegenheit: dass sie nur nicht zu einem bösen Steinchen im Schuh wird! Fr. v. M<eysenbugs> und Seydl<itzens> Nachrichten ärgern mich durch die Posaunenstösse über mein Besserbefinden und die angebl<iche> „Kaltwasserkur“: all einsein ist die Kur, kalt Wasser thut’s freilich nicht. Und Jahrelang muss ich diese elende Kränklichkeit noch fortschleppen, das weiss ich auch.
Druck in Chemnitz will nicht von der Stelle! Lebwohl geliebte Schwester.
Grüsse die lieben Verwandten, schönstens glückwünschend.
705. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Soeben meldet Hr. Köselitz einen greulichen Druckfehler: um Alles sehen Sie schnell zu ihn zu beseitigen!
p. 290 Zeile 5 v.
oben (in Nr. 431)
Meere statt Menon
In der Angelegenh<eit> Fritzsch scheint mir jetzt am klügsten, seinem Briefe zu trauen und nichts zu thun (es sei denn eine Anfrage an Hr Kipke, ob F<ritzsch> dem Brief gemäß ihm die auf der 2t. Auflage lastende Verpflichtung erklärt habe und ob er sie anerkenne — aber auch dies kann unterbleiben
706. An Franz Overbeck in Basel
Liebster Freund
morgen reise ich nach Naumburg ab. Die Kur ist im Ganzen viel zu kurz gewesen, das kalte Wasser war übrigens Nebensache, alleinsein und spazierengehen das Wirksame, worauf mich immer wieder der Instinkt hinweist. Immerhin — hier hielt ich es doch aus, während der Baseler Winter wie ein Alp auf mir lag — und in der Erinnerung noch liegt.
Darf ich Dich bitten den 12 13 oder 15 April meine Einkommens- und Erwerbssteuer zu erledigen? Dazu sende ich frs. 35 mit Postanweisung und das Blatt, welches Du gefälligst versiegeln wirst. In herzlicher Liebe Deiner immer gedenkend und mit den besten Wünschen für Dich und Deine liebe treffliche Frau
Dein Friedrich Nietzsche
707. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ihre Abschrift entzückt mich, durch Ihre Hand scheint die Musik erst in meine „Musik“ gekommen zu sein. —
Bei Ihrem Abschiedsbriefe, den Ihre Güte nach Baden mir zusandte, fiel mir ein, ob nicht auch Sie zu den guten Geistern gehören, welche, durch Kunst und Leben, die „Philosophie des Vormittages“ suchen? —
Bleiben wir Beiden unserm Selbst nur treu, so bleiben wir es auch einander: daran glaube ich.
Leben Sie wohl, lieber Freund
Friedrich Nietzsche
708. An Andreas Heusler in Basel
Ach mein armer armer Freund, mit dem tiefsten herzlichsten Bedauern habe ich von Ihrer Vereinsamung gehört, das glauben Sie mir gewiß.
In Liebe Ihr
Friedrich Nietzsche
709. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Hier, geehrtester Herr Verleger, die letzten Blätter, an denen noch Mancherlei zu thun ist! Bitte, überwachen Sie ja den Correktor der Druckerei, der mir bei weitem nicht sorgsam genug erscheint. Das Wichtigste ist, daß die beiden Stücke 628 und 638 ihren Platz vertauschen müssen — eine sehr wesentliche Änderung!
Der Titel (nur Eine Farbe, schwarz) mag jetzt passiren. Irgendworan hängt es noch, aber wir wollen uns zufrieden geben. Daß das Wort Allzumenschliches stärker gedruckt ist als Menschl<iches> ist aus Gründen der Schönheit rathsam, aus Gründen der Vernunft mir nicht sehr gefällig.
Briefe zu den Freiexempl<aren> kann ich nicht schreiben — hol der Teufel jedes Wort, das ich schreiben muß! — Kein Druckfehlerverzeichniß! Es ist ja kein Buch für Esel. Aber Meere muß in der von Ihnen vorgeschlagenen Weise eingeklebt werden.
Nächsten Dienstag Nachmittag und den darauf folgenden Mittwoch werde ich in Leipzig sein (also übermorgen), aus verschiedenen Gründen. Herr Dr. Rée wird auch dahin kommen. Wollen Sie mich sehen, so werde ich mich herzlich freuen. Aber Eins muß ich Ihnen, wie meinem Freunde Rée voraussagen: meine Gesundheit verlangt erstens daß ich fast immer allein sein muß und daß eine freundschaftliche Besprechung nicht viel länger als eine halbe Stunde dauert — sonst muß ich es büßen.
Warum haben Sie einen Patienten zum Autor!
Übrigens macht mir das fertig werdende Buch viel Freude.
Ich wohne Leipzig Stadt Rom; dies Haus wird doch noch existiren?
Also Ostersonntag kann ich das erste Exemplar hier haben? Das Namenverzeichniß für die Freiexemplare bringe ich mit nach Leipzig oder schicke es Ihnen.
Mit ergebenstem Gruße
Ihr
Dr Friedrich Nietzsche
710. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Nichtwahr, absolutes Stillschweigen gegen Dr Rée über unsere Unternehmung? Ich bitte sehr darum
F. N.
Ich möchte die Antiquariatskataloge von Brockhaus über englische und französische Litteratur, namentlich über deutsche Übersetzungen aus dem Französischen und Englischen.
711. An Karl Hillebrand in Florenz
Hochverehrter Herr
nach einem Winter schwerer Erkrankung genieße ich jetzt im Wiedererwachen der Gesundheit Ihre vier Bände „Völker Zeiten und Menschen“ und freue mich darüber wie als ob es Milch und Honig wäre. O Bücher, aus denen eine europäische Luft weht, und nicht der liebe nationale Stickstoff! Wie das den Lungen wohlthut! Und dann: ich möchte den Autor sehen, der Ihnen an Unbefangenheit und wohlwollendem Gerechtigkeits-Sinne gleichkäme — oder vielmehr: ich will mich bemühen, alle Autoren — wie wenige werden es aber sein! — kennen zu lernen, die Ihnen in Betreff jener hohen Tugenden nahe kommen. —
Wie danke ich Ihnen, daß Sie diese Aufsätze gesammelt haben! Sie wären mir sonst fast ganz entgangen, da ich weder Zeitungen noch Zeitschriften lese und überhaupt, der Nähe der Erblindung wegen, sehr wenig lese (und schreibe)
Dies erinnert mich daran, daß Sie auch über meine Schriften gesprochen haben: es ist bei weitem das Einzige, was mir von dem, was mir von Urtheilen über dieselben bekannt geworden ist, wirklich Freude gemacht hat. Denn hier urtheilt ersichtlich die Überlegenheit (in Erfahrung und Geschmack und einigen andren Dingen —), da ergreift der Beurtheilte, wenn er kein Narr ist, mit Vergnügen gegen sich selber Partei. Und wie gerne man von Ihnen lernt!
Von Herzen dankbar und ergeben
Dr. Friedrich Nietzsche,
Universität Basel (Schweiz).
Verargen Sie dem Philologen eine Pedanterie nicht: es heißt „das Sophisma“, nicht „der Sophismus“ — ich bitte um Verzeihung! —
712. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Hr. Widemann
Hr. Köselitz
}
geb. Exemplare
1
Herrn Professor Dr. Erwin Rohde
Jena
2
Herrn Dr. Paul Rée
(Berlin
(2 Mauerstr.)
Stibbe bei Tütz
Kreis Marienwerder
3
Herrn Baron Karl von Gersdorff
Berlin
4
2 Hedemannstraße
5
Herrn Baron von Seydlitz
Salzburg
Mönchsberg N. 8
6
Madame de Meysenbug
3° via della Polveriera
Roma
Italia
7
Herrn Siegfried Lipiner
Wien
Praterstraße N. 48
8
Herrn Dr. Heinrich Romundt
Gymnasiallehrer am Gymnasium in
Osnabrück
9
Fräulein Mathilde Maier
Mainz
Karthäuserstraße N. 13
10
Frau Marie Baumgartner
Lörrach
Thumringer Str.
(Gr.herzth. Baden)
11
Herrn Baron Emmerich Dumont
Graz Oesterreich
Göthestraße N. 6
12
Herrn Dr. Karl Fuchs
Hirschberg
Provinz Schlesien
13
Monsieur le professeur Dr.
Charles Hillebrand
Firenze
Lungo d’Arno
Italia
14
Mr. G. Croom Robertson
Professor in University College
London
6 Lorton Terrace; Ladbroke Road. W.
15
Der Bibliothek in Basel, zu geehrten Händen des Herrn
Bibliothekars Dr. Sieber.
16
Herrn Dr. O. Eiser
Frankfurt am Main
Gr. Hirschengraben N. 25
17
Herrn Professor Hofrath Dr. Heinze
in
Leipzig
Grimmaische Straße
18
Hr Dr. Paul Deussen
Privatdocent am Polytechnicum
in
Aachen.
19
Herrn Hans Baron von Bülow
K. K. Kapellmeister in
Hannover
20
Herrn Richard Wagner in
Bayreuth
21
Frau Richard Wagner
geb. Liszt in
Bayreuth
22
Professor Dr. Jacob Burckhardt
Basel
23
Prof. Dr. Overbeck
Basel
Eulerstr.
24
Prof. Dr. Massini
Basel
Elisabethenstr.
25
Prof Dr. Schiess
Basel
26
Herrn Georg Fürstenberger-Vischer
Basel
27
Frau Rothpletz, Haus Falkenstein in Zürich (Schweiz)
28
M. le prof. Gabriel Monod (révue historique) Paris
76 rue d’Assas.
m<einer> Schwester / Bis wann?
713. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Monod’s Adresse:
M. le professeur Gabriel Monod
76 rue d’Assas
Paris
Die letzten Aushängebogen bitte ich mir recht schnell noch hierher aus. Abreise Mittwoch früh nach Ostern.
Platon’s Apologie ist eingetroffen, ich danke schön. — Aber was sah ich im buchhändl<erischen> Börsenblatte! O Herr Verleger! —
Meine Leipziger Reise muss ich schwer durch einen zweitägigen Anfall büssen. — Ihr ergebenster
F. N.
714. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Ich ersuche um die umgehende Zusendung
der rückständigen Aushängebogen.
715. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Morgen geht es rückwärts, nach Basel, in allen anderen Beziehungen aber vorwärts, hoffentlich! — Leipzig habe ich allerdings büssen müssen, aber Sie haben mich büssen müssen (mein Patiententhum u.s.w.), das war schwerer, und wie gütig haben Sie es ertragen! Ich denke Ihrer in herzlicher Dankbarkeit, ebenso wie meine Mutter.
Es wird Ihnen in meinem Auftrage etwas zugesandt, nächster Tage, weil ich bemerkte, dass Sie zweimal darin vorkommen p. 43 und p. 45. — Ist’s recht? Ihr
Freund F N.
716. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Lieber Herr Verleger, danke schön für Brief und Wünsche. Morgen Abend geht es nach Basel. — Es ist mir doch sehr lieb, nun zu wissen, wie Sie aussehen. Ich hoffe, es bleibt zwischen uns beim Alten — und Guten. —
F. N.
Noch ein paar Bücherwünsche.
Rénan,
philosophische Dialoge. In’s Deutsche übersetzt (1878 erschienen.)
Taine,
die Entstehung des modernen Frankreich Bd. I Leipzig, Günther.
(Mit Titelblatt zufrieden)
717. An Paul Rée in Stibbe
Liebster Freund, stundenlang gehe ich mit Ihnen im Geiste lustwandeln; wir beiden flugmüden Vögelchen wissen nichts besseres zu thun als auf Einem Baumzweige mit einander zu zwitschern. So scheint es mir. Alle Sonne, die ich genieße, mag auch Ihnen wohl und willkommen sein — und nun machen Sie mit dem übersandten Büchelchen, was Sie wollen. Ihnen gehörts, — den Andern wird’s geschenkt.
F N
Wo gehen Sie im Sommer hin? Vielleicht Etredat in der Normandie? Oder? — Gesundheit unbeschreiblich schlecht.
718. An Isabella von der Pahlen in Reval (Entwurf)
Es war auf dem Bahnh<of> in Turin dass ich Ihnen etwas versprach in dunkl<en> Ausdrücken (denn ich habe eine Scheu von Kindern zu reden die nicht geboren sind) Kurz: was ich damals meinte war dies Buch. Bitte nehmen Sie es wie mich selbst als gelegentl<ichen> Reisegefährten und seien Sie gewogen
Fr v d Pahlen
719. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Sagen Sie doch, geehrtester Herr Verleger, wie ist es möglich, dass heute am 6t Mai der Autor noch kein fertiges Exemplar seines Buches gesehen hat? — Bitte, senden Sie ein gebund<enes> Exempl<ar> an Herrn Köselitz direct nach seinem jetzigen Wohnort, ich habe seine Adresse nicht und möchte nicht mehr verzögern.
— Eine Woche Vorlesungen hinter mir, die zweite angefangen — schwer! schwer! aber es soll gehen!
Ihnen den allerbesten Erfolg wünschend
ergebenst
F N.
720. An Paul Rée in Stibbe
Nun, das wäre ja herrlich, wenn ich Ihnen, mein geliebter Freund, zu einer Freude durch mein Buch verholfen hätte — denn sonst* habe ich Verdruß Mißverständniß Entfremdung hervorgerufen, so scheint es, nach allen Brief-Erfahrungen. Ich aber fühle mich wie verjüngt, einem Gebirgsvogel gleich, der recht hoch oben, beim Eise, sitzt und auf die Welt hinuntersieht.
Halten wir gut zusammen, so hält auch manches Andere gut zusammen, und am Hause der Wissenschaft wird tüchtige Zimmermanns-Arbeit verrichtet, daß man uns Beide doch einmal deshalb loben wird.
Ich bin in voller akademischer Thätigkeit. Die Gesundheit schwankend und gefährlich, aber — fast hätte ich gesagt, „was geht mich meine Gesundheit an!“
Und was macht die Ihrige? Alles Heil- und Segenvolle dem Freunde anwünschend
immer Ihr
Friedrich Nietzsche
(sammt den Wünschen und Grüßen
meiner Schwester)
721. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg
Lieber Freund,
seit drei Wochen bin ich wieder in voller akademischer Sommer-Thätigkeit — sehr zufrieden darüber! Wenig Zeit übrig! — Heute nur einen Wink, den ein Freund verstehen wird.
Können Sie mir jenes Gefühl — das unvergleichbare — nachfühlen, zum ersten Male öffentlich ein Ideal und sein Ziel bekannt zu haben, das Keiner sonst hat, das fast Niemand verstehen kann und dem nun ein armes Menschenleben genügen soll — so werden Sie mir auch nachfühlen, warum ich in diesem Jahre, sobald mein Beruf mich frei giebt, Einsamkeit brauche. Keinen Freund — Niemanden will ich dann, es ist so nöthig. Nehmen Sie dies, bitte, ohne Erörterung hin. —
Einige Worte Ihres Briefes haben mich fast erschreckt. Sind Sie wirklich je in Ihren Gedanken auch den furchtbaren Weg mit seinen Via-mala-Consequenzen gegangen — gehen Sie ihn nicht wieder! Ich wußte davon nichts. So weit ich Sie kennen lernte, würde ich aber mir zu sagen erlauben: Ihr Temperament und Ihre Lebensstellung sind dafür nicht geeignet: Unzufriedenheit und Qual wäre Ihr Loos, und Niemand hätte den Nutzen davon.
Gerne hätte ich von Ihnen etwas über Lipiners Eindruck auf Sie gehört. Bei mir hat er sich eigentlich durch seine wiederholten Versuche aus der Ferne her über mein Leben zu disponiren und durch Rath und That in dasselbe einzugreifen unmöglich gemacht. So etwas verabscheue ich: keiner meiner ältesten Freunde würde wagen, mir solche dreiste Dinge zu proponiren. Mangel an Scham — das ist es. Von so Einem muß ich ganz ferne sein, dann gelingt es mir ganz gut, selbst sein Freund zu werden — aber in partibus.
— Meine Schwester, welche diesmal mir es überlassen hat, dem trefflichen und edel gesinnten Briefschreiber zu danken, liest jetzt mein neues Buch, ist aber ferne davon, darüber ein böses Gesicht zu machen. Ich glaube, sie hält die Partien, auf welche Sie anspielen (Freigeist und Ehe) für richtig. Mit ihnen haben die abnormen Umstände, unter denen wir Geschwister uns entschlossen, eine Zeitlang zusammen zu leben und die Niemand näher zu kennen braucht, nichts zu thun. — Ich glaubte, daß alle Frauen sich beim Lesen solcher Dinge Glück wünschen würden, keine Freigeister zu Männern zu haben: und so meinte ich das eheliche Glück im Allgemeinen gefördert zu haben.
Nichts liegt mir entfernter als Proselyten zu machen: Niemand hat so wie ich vor dem Gefährlichen des Freien Geistes gewarnt und zurückgeschreckt.
Bleiben Sie mir gut, mein lieber Freund. Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin
treulich zugethan
Friedrich Nietzsche.
721a. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg (Entwurf)
Können Sie mir jenes Gefühl — das unvergleichbare — nachfühlen, zum ersten Male öffentlich ein Ziel bekannt zu haben, das Keiner sonst hat, das fast niemand verstehen kann und dem nun ein armes Menschenleben genügen soll? — So werden Sie es verstehn, wenn ich in diesem Jahre Einsamkeit brauche — sobald mein Beruf (und das Sommersemester der Universität mich frei giebt.) Kein Freund — niemanden will ich dann — es ist nöthig. Nehmen Sie es, bitte, ohne Erörterung hin.
Ein Wort Ihres guten Briefes hat mich fast erschreckt. Sind Sie wirklich je in Ihren Gedanken den furchtbaren Weg mit seinen via mala-consequenzen gegangen — gehen Sie ihn nicht wieder! So gut ich Sie kenne — aber vielleicht kenne ich Sie viel zu wenig — möchte ich mir zu sagen erlauben: Ihre Lebensstellg., u. Ihr Temperament sind dafür nicht gemacht: Unzufriedenheit u. Qual wäre Ihr Loos u. — niemand hätte den Nutzen davon.
Der gute Lipiner — Eigentlich hat er sich durch seine wiederholten Versuche aus der Ferne her über mein Leben zu disponiren und durch Rath und That in dasselbe einzugreifen, bei mir unmöglich gemacht. Solche Menschen verabscheue ich, soweit ich dieser Empfindung fähig bin. Mangel an Scham — das ist es. Von so einem möcht ich sehr fern sein, ich verstehe es dann ganz gut, sein Freund zu werden, aber in partibus.
Meine gute Schwester liest jetzt das Buch, ist aber fern davon, ein böses Gesicht zu machen. Sie hält die Partien, auf welche Sie anspielen, für richtig. Die abnormen Bedingungen, unter den<en> wir Beide uns entschlossen, eine zeitlang zusammen zu leben, haben mit ihnen gar nichts zu thun.
Wir haben sehr darüber gelacht, daß Sie so etwas vermeint haben. Ich glaube daß alle Frauen sich beim Lesen solcher Dinge Glück wünschen würden, keine Freigeister zu Männern zu haben — und so meinte ich das eheliche Glück im Allgem. gefördert zu haben. — Nichts liegt mir entfernter als Proselyten zu machen; niemand hat so wie ich vor dem Freigeiste gewarnt und zurückgeschreckt.
722. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Also die Sendung an Hr. Köselitz übernehmen Sie, geehrtester Herr. Die 3 Exempl<are> kamen gestern in meine Hände. Bei so schöner Ausstattung bedauere ich die lüderliche Ungleichmässigkeit in der Breite des Randes (auch beim Einbinden nicht gut zu machen!) — Ergebensten Dank für Ihr Schreiben: es enthielt nichts Unerwartetes, mit Ausnahme Ihrer eignen Pläne und Andeutungen, die ich nicht ganz verstehe: weshalb ich der „Pistole“ mit Spannung entgegensehe. — Aber wahren Sie auch in Ihren Plänen den Gedanken meiner „Souverainität“ und Unabhängigkeit, nicht wahr? Mit Parteiblättern irgend welcher Art habe ich nie etwas zu thun. — Soviel. Inmitten meiner vollen akademischen Thätigkeit und sehr glücklich, sie wieder ganz auszuüben. Denken Sie, ich sei ein „Schriftsteller“? — Mit herzlichem Grusse
F. N.
723. An Heinrich Köselitz in Venedig
Lieber Freund, am Tage Voltaire’s kam zweierlei zu mir; rührend und ergreifend war beides: Ihr Brief und dann eine anonyme Sendung aus Paris, die Büste Voltaire’s, mit einer Karte, auf der sich nur die Worte befanden „l’âme de Voltaire fait ses compliments à Frédéric Nietzsche.“
Nehme ich zu Ihnen die Beiden noch hinzu, welche sich wirklich über mein Buch erfreut gezeigt haben, Rée und Burckhardt (der es wiederholt „das souveräne Buch“ genannt hat), so habe ich einen Wink darüber, wie die Menschen beschaffen sein müßten, wenn mein Buch eine schnelle Wirkung thun sollte. Aber das wird und kann es nicht, so leid es mir des trefflichen Schmeitzner wegen thut. Von Bayreuth aus ist es in eine Art von Bann gethan: und zwar scheint die große Excommunikation über seinen Autor zugleich verhängt. Nur versucht man, meine Freunde doch noch festzuhalten, während man mich verliert — und so höre ich denn von Manchem, was hinter meinem Rücken geschieht und geplant wird. — Wagner hat eine große Gelegenheit, Größe des Charakters zu zeigen, unbenutzt gelassen. Mich darf es nicht beirren, weder in meiner Meinung über ihn, noch über mich.
Ja, wenn man soviel eindringenden Ernstes und auch soviel Zeit einem solchen Erzeugniß weihen wollte wie Ihre Güte gethan, so käme wohl etwas dabei heraus: nämlich Neues an Gedanken und Gefühlen und eine kräftigere Stimmung, wie als ob man in leichter gewordene Luft der Höhe gerathen sei. Rée sagt, er habe eigentlich nur Einmal durch ein Buch eine gleiche Stimmung produktiven Genießens erfahren, durch Eckermann’s Gespräche; ganze Hefte von Reflexionen seien schon entstanden.
Das eben ist das Beste, was ich erhoffte — die Erregung der Produktivität Anderer und die „Vermehrung der Unabhängigkeit in der Welt“ (wie J.Burckhardt sagte).
Meine Gesundheit bessert sich, ich bin unermüdlich im Spazierengehen und einsamen Für-mich-hin-Denken. Ich freue mich des Frühlings und bin ruhig, wie einer, der nicht mehr so leicht aus dem Geleise zu bringen ist. — Könnte ich doch bis an’s Ende so weiter leben! —
Dies alles handelt von mir, weil Sie gern etwas von mir hören wollen. Vieles möchte ich verschweigen, den Tod und die letzten gequälten Zeiten Brenner’s, die seltsame Entfremdung vieler Bekannter und Freunde. —
Bleiben Sie mir gut, in aller Freiheit. — Wie verstehe ich Ihr „unstät und flüchtig“, wie ähnlich sind Sie mir darin! — Nun wachsen Sie fort und fort! In dieser Hoffnung bin ich immerdar
Ihr Freund F. N.
724. An Louis Kelterborn in Basel
Mein lieber armer Herr Doctor,
seien Sie überzeugt, daß ich und ebenso meine Schwester mit dem herzlichsten Antheile in diesen Tagen Ihrer gedenken, und daß ich ein Mittel zu haben wünschte, um Ihnen nach einem solchen Verluste und in die schmerzliche Vereinsamung hinein doch das Leben tröstlich und lebenswerth erscheinen zu lassen.
Ihre kürzlich mir zugesandten Briefe haben mich gerührt: wirklich, Sie stehen mir sehr nahe, wenn Sie so empfinden können. Bleiben Sie mir gut.
In Trauer mit Ihnen
Friedrich Nietzsche.
725. An Malwida von Meysenbug in Rom (Postkarte)
Wer hat denn am 30t. Mai an mich gedacht? Es kamen zwei sehr schöne Briefe (von Köselitz und Rée) — und dann noch etwas Schöneres: ich war ganz ergriffen — — das Schicksal des Mannes, über den es auch nach 100 Jahren nur Partei-Urtheile giebt, stand mir als furchtbares Symbol vor Augen: gegen die Befreier des Geistes sind die Menschen am unversöhnlichs<t>en im Haß, am ungerechtesten in Liebe. Trotzdem: ich will stille meinen Weg gehen und auf alles verzichten, was mich daran hindern könnte. Die Krisis des Lebens ist da: hätte ich nicht das Gefühl der übergroßen Fruchtbarkeit meiner neuen Philosophie, so könnte mir wohl schauerlich einsam zu Muthe werden. Aber ich bin mit mir einig. — Mit Sorrent ist nun für uns das Bild des guten A<lbert> Br<enner> für immer verknüpft; rührend und melancholisch — das Grab des Jungen-Alten in dieser ewig jugendlichen heiteren Welt. — Von ganzem Herzen Ihnen gut und zugethan
F. N.
726. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg (Postkarte)
Mir ist es sehr lieb und erwünscht, daß einer meiner Freunde W<agner>n Gutes und Freundliches erweist: denn ich bin immer weniger im Stande, ihm (so wie er nun einmal ist — ein alter unveränderlicher Mann) Freude zu machen. Seine und meine Bestrebungen laufen ganz aus einander. Dies thut mir wehe genug — aber im Dienste der Wahrheit muß man zu jedem Opfer bereit sein. Wüßte er übrigens, was ich alles gegen seine Kunst und seine Ziele auf dem Herzen habe, er hielte mich für einen seiner ärgsten Feinde — was ich bekanntlich nicht bin. — Mein letzter Brief war wohl sehr undeutlich? Mit Via-Mala-Consequenzen bezog ich mich auf meine Ansichten über Moral und Kunst (die das Härteste sind, was mir der Wahrheitssinn bis jetzt abgerungen hat!) — In 14 Tagen haben wir große Auflösung unsres Haushalts: meine liebe Schwester geht nun für immer wieder zu meiner Mutter zurück. — Ergebensten Dank für das Hamdelied: wer ist die Übersetzerin? —
Ihnen Beiden von Herzen zugethan
F.N und L.N.
727. An Erwin Rohde in Jena
So ist’s recht und schön, liebster Freund: wir zusammen stehen doch noch nicht auf einem thönernen Gestell, das ein Buch gleich umwerfen möchte.
Ich warte diesmal in Ruhe ab, wie die Wellen, in denen meine armen Freunde herum plätschern, sich allmählich legen: habe ich sie in diese Wellen hineingestossen — lebensgefährlich ist’s nicht, das weiss ich aus Erfahrung; und wenn’s freundschaftsgefährlich hier und da sein sollte — nun, so wollen wir der Wahrheit dienen und sagen: „wir liebten bisher aneinander eine Wolke“.
Vieles wäre zu sagen, noch mehr Unsägliches dabei zu denken: im Scherz sei nur der Vergleich gewagt, dass ich einem Manne gleiche, der eine grosse Mahlzeit veranstaltet und dem Angesichts aller guten Speisen die Gäste davon laufen. Wenn da Einer oder der Andre wenigstens einige Bissen sich schmecken lässt (wie Du Lieber Guter den Graecis die Ehre anthust) so ist besagter Mann darüber schon sehr erbaut.
Grüble nicht über die Entstehung eines solchen Buches nach, sondern fahre fort, dies und jenes Dir herauszulangen. Vielleicht kommt dann auch einmal die Stunde, wo Du mit Deiner schönen constructiven Phantasie das Ganze als Ganzes schaust und an dem grössten Glücke, das ich bisher genoss, theilnehmen kannst.
Beiläufig: suche nur immer mich in meinem Buche und nicht Freund Rée. Ich bin stolz darauf, dessen herrliche Eigenschaften und Ziele entdeckt zu haben, aber auf die Conception meiner „Philosophia in nuce“ hat er nicht den allergeringsten Einfluss gehabt: diese war fertig und zu einem guten Theile dem Papier anvertraut als ich im Herbste 1876 seine nähere Bekanntschaft machte. Wir fanden einander auf gleicher Stufe vor: der Genuss unserer Gespräche war grenzenlos, der Vortheil gewiss sehr gross, auf beiden Seiten (so dass R<ée> mit liebevoller Übertreibung mir in sein Buch (Urspr<ung> d<er> mor<alischen> Empf<indungen>) schrieb „dem Vater dieser Schrift dankbarst dessen Mutter“
Dadurch erscheine ich Dir vielleicht noch fremdartiger, unbegreiflicher? Fühltest Du nur, was ich jetzt fühle, seitdem ich mein Lebensideal endlich aufgestellt habe — die frische reine Höhenluft, die milde Wärme um mich — Du würdest Dich sehr, sehr Deines Freundes freuen können. Und es kommt auch der Tag.
Von ganzem Herzen
Dein F.
Meine liebe Schwester grüsst von Herzen. Weisst Du schon, dass sie in 2 Wochen nach Naumb<urg> zurückkehrt?
728. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Geehrtester Herr Verleger,
Muth habe ich Ihnen gewiss nicht zuzusprechen; Ihre Erfahrungen sind bitter, aber nicht wahr, wir Beide wollen ehrlich darnach streben, dabei selber „süss“ zu bleiben, als gute Früchte, denen böse Nächte nicht allzu sehr zusetzen dürfen? Die Sonne wird schon wieder scheinen — wenn auch nicht die Bayreuther Sonne. Wer kann jetzt sagen, wo Aufgang, wo Niedergang ist und dürfte sich vor Irrthum sicher fühlen? Verhehlen will ich aber nicht, dass ich von ganzem Herzen das Erscheinen meines freigeisterischen Licht-Buches in einem Augenblicke segne, wo die Wolken sich schwarz über Europa’s Culturhimmel sammeln und die Verdunkelungs-Absicht fast als Moralität angerechnet wird.
Mit „Homer“ geht es nicht, ich bedaure sehr.
Anbei den Wunsch, die Fortsetzung von Taine’s „Frankreich“ zu erhalten, sodann
Klassisches Liederbuch von E. Geibel
(Berlin, Hertz)
Mit ergebenstem Grusse
Ihr
F. N.
729. An Carl Fuchs in Hirschberg
Sie sind einer der Allerersten, lieber und werther Herr Doktor, welche mein Buch praktisch nehmen: darüber freue ich mich sehr, denn es beweist mir, daß die Wohlthat, welche ich mir selber damit erwies — auch noch übertragbar ist. Fühlen Sie jetzt, hinterdrein, nicht etwas von Höhenluft —; es ist etwas kälter um uns, aber um wie viel freier und reiner als im Dunst des Thals! Ich wenigstens fühle mich rüstiger und zu allem Guten entschlossener als je — auch zehnmal milder gegen Menschen, als in der Zeit meines früheren Schriftthums. In summa und im kleinsten Einzelnen: jetzt wage ich es, der Weisheit selber nachzugehen und selber Philosoph zu sein; früher verehrte ich die Philosophen. Manches Schwärmerische und Beglückende schwand: aber viel Besseres habe ich eingetauscht. Mit der metaphysischen Verdrehung ging es mir zuletzt so, daß ich einen Druck um den Hals fühlte, als ob ich ersticken müßte.
Bei Ihnen muß sich vieles innerlich ereignet haben, was mir eine gewisse Wahrscheinlichkeit gab, daß wir, gerade auf der neuen Basis, gut freund werden müßten. Sie segeln jetzt in ein unbekanntes neues Meer; es thut mir gar zu wohl, zu denken, daß ich Ihnen dabei den Muth nicht verdorben, daß Sie es verstanden haben, meine Freigeisterei, τὸ ἐμὸν πνεῦμα, selbst als Fahrwind zu benutzen.
Und nicht wahr? mein Gesicht bleibt Ihnen doch wieder Nietzschisch und nicht mehr Bülowisch? —
Das Orchester in Ihren Händen und unter Ihrem Geiste — ist mir eine höchst angenehme Vorstellung. Dahin mußte es kommen, im ganzen Plane Ihres Lebens: „am Ende ist der Sinn“, entsprechend Ihrem „im Anfang war der Unsinn“: was ich ganz glorios gesagt finde.
Bleiben Sie mir gut!
Immer Ihnen zugethan, obschon meine Augen mich zwingen, Ihren reichen Briefen das undankbarste Stillschweigen entgegenzusetzen. Aber Sie verstehen auch dies recht — nachdem wir überhaupt uns verstehen.
F. N.
730. An Unbekannt (Entwurf)
Freitag den 28 Juni habe ich einen Eisenbahnwagen mit Möbeln von hier nach Naumburg a/Saale an Frau Pastor Nietzsche abgesandt, mit 4 tägiger Lieferungszeit (150 Mark
731. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Werthester Herr Verleger, ich bestellte das classische (nicht das spanische) Liederbuch v<on> Geibel. Schreibe ich denn so diabolisch undeutlich, dass Antikes und Romantisches in Eins zusammenfliessen?
Mit Bedauern und herzlichem
Grusse Ihr F. N.
732. An Elisabeth Nietzsche auf der Frohburg
Also meine geliebte Schwester! Heute nur einen Gruß aus der Tiefe zur Höhe und die Mittheilung, daß ich den Heimatsschein habe, daß ich einen Brief an Dich absandte (von Dr. Eiser muthmaßlich) daß heute die Stühle an M. und Sch. befördert werden, daß die Mange bei Immerm<anns> großes Vergnügen (laut Brief) gemacht hat. Endlich: ich komme Samstag womöglich zum Mittagessen, und wir reisen zusammen Montag früh zurück: 8 Uhr 41 von Läufelfingen ab, Ankunft in Basel 9,38, so daß ich zur Zeit in’s Colleg komme.
Wetter ungünstig, doch kräftig — ich bin zufrieden. Gesundheit, wie zu erwarten — schwierig.
Gestern ein Halbstündchen bei Overbecks.
Lebewohl, in herzlicher Gesinnung
Dein
Bruder
733. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter, laß Dir doch sofort vom Naumburger Bürgermeister einen Schein ausstellen, daß die Möbel Umzugsgut sind (vor 3 Jahren von Dir an mich in die Schweiz geschickt und jetzt an Dich wieder zurück) und sende den Schein dann nach Erfurt. Du bekommst die Sachen dann ohne alle Umstände. Sehr bedauernd, daß diese Schwierigkeiten Dich belästigen
Dein Sohn
Die Steuerbehörde der hiesigen Elsässischen (deutschen) Bahn hat sie steuerfrei als Umzugsgut angenommen und einen Schein ausgestellt.
733a. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Widmung)
Meiner geliebten Schwester
zum Abschied von Basel
am 10. Juli 1878
in herzlicher und steter Dankbarkeit.
F. N.
734. An Mathilde Maier in Mainz
Verehrtestes Fräulein,
es ist nicht zu ändern: ich muß allen meinen Freunden Noth machen — eben dadurch daß ich endlich ausspreche, wodurch ich mir selber aus der Noth geholfen habe. Jene metaphysische Vernebelung alles Wahren und Einfachen, der Kampf mit der Vernunft gegen die Verunft, welcher in Allem und Jedem ein Wunder und Unding sehen will — dazu eine ganz entsprechende Barockkunst der Überspannung und der verherrlichten Maßlosigkeit — ich meine die Kunst Wagner’s — dies Beides war es, was mich endlich krank und kränker machte und mich fast meinem guten Temperamente und meiner Begabung entfremdet hätte. Könnten Sie mir nachfühlen, in welcher reinen Höhenluft, in welcher milden Stimmung gegen die Menschen die noch im Dunst der Thäler wohnen ich jetzt hinlebe, mehr als je entschlossen zu allem Guten und Tüchtigen, den Griechen um hundert Schritt näher als vordem: wie ich jetzt selber, bis in’s Kleinste, nach Weisheit strebend lebe, während ich früher nur die Weisen verehrte und anschwärmte — kurz wenn Sie diese Wandelung und Krisis mir nachempfinden können, oh so müßten Sie wünschen, etwas Ähnliches zu erleben!
Im Bayreuther Sommer wurde ich mir dessen völlig bewußt: ich flüchtete nach den ersten Aufführungen denen ich beiwohnte, fort in’s Gebirge, und dort, in einem kleinen Walddorfe, entstand die erste Skizze, ungefähr ein Drittel meines Buches, damals unter dem Titel „die Pflugschaar“. Dann kehrte ich, dem Wunsche meiner Schwester folgend, nach Bayreuth zurück und hatte jetzt die innere Fassung, um das Schwer-Erträgliche doch zu ertragen — und schweigend, vor Jedermann! — Jetzt schüttele ich ab, was nicht zu mir gehört, Menschen, als Freunde und Feinde, Gewohnheiten Bequemlichkeiten Bücher; ich lebe in Einsamkeit auf Jahre hinaus, bis ich wieder, als Philosoph des Lebens, ausgereift und fertig verkehren darf (und dann wahrscheinlich muß)
Wollen Sie mir, trotz alledem, so gut bleiben, wie Sie mir waren oder vielmehr, werden Sie es können? Sie sehen, ich bin auf einen Grad der Ehrlichkeit angelangt, wo ich nur die allerreinlichsten menschlichen Beziehungen ertrage. Halben Freundschaften und gar Parteischaften weiche ich aus, Anhänger will ich nicht. Möge Jeder (und Jede) nur sein eigner wirklicher Anhänger sein!
Ihnen von Herzen
dankbar zugethan F. N.
735. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Gratulire dem feuer- und eisenbahnfesten Lama, obgleich ich wünsche, daß es nun mit diesen abgelegten Proben sein Bewenden habe. — Der Gedanke vom Hausbesitz geht mir im Kopf herum, ich glaube, es ist Vernunft in der Sache. — Ich erwarte sehnlichst den Tag meiner Abreise, es ist sehr heiß geworden. Augen sehr schlimm daran. — Ich denke mir Euch sehr angenehm bei einander — Pläne machen ist das Allerbeste im Leben. Behaltet lieb und denkt Eures
F.
(Es hagelt Rechnungen — aber, es wird sich austoben)
736. An Carl Fuchs in Hirschberg
Also auch Sie, lieber Herr Doktor, sind in Betreff W<agner>’s in die Krisis gerathen! Nun, so werden wir wohl die Ersten sein; in meinem Buche habe ich in dieser Hinsicht die größte Schonung geübt, obwohl über zwanzig Punkte zum Entsetzen aller Wagnerianer in mir die Wahrheit feststeht. Irgend wann wird sie auch an’s Licht müssen — aber dringend bitte ich Sie, ja nichts zu übereilen und alle Gährung erst verbrausen zu lassen, daß es auch in diesen Dingen einen edlen hellen Wein gäbe: Schreiben Sie jetzt nicht über Wagner! Was werden Sie noch alles entdecken! Sie sind ja in der günstigsten Unabhängigkeit von Bayreuth und den andren „Richtungen“; was Wagner und Frau Wagner von Ihnen denken, muß Ihnen ganz gleichgültig sein. W<agner> selbst ist alt und hat keinen Frühling mehr zu erwarten, die Wahrheit aber altert nicht und muß in diesen Dingen ihren Frühling erst noch erleben. — Eine einzige Combination von Fähigkeiten und Kenntnissen berechtigt Sie dazu, das Charakteristische des Stils bei jedem der großen Meister zu beschreiben — zum ersten Male, wie ich meine. Thun Sie dies doch zuerst einmal thesenhaft, aphoristisch, in der knappsten Form und mit haarscharfem Ausdruck. Ein halbes Tausend musikalischer Einzelsätze und Beobachtungen von Ihnen, die Quintessenzen Ihrer Erfahrungen — das giebt Ihnen Namen und Stellung.
Nur nichts Periodisches und Kleines (seien es „Briefe“ oder Aufsätze für Zeitschriften), bevor Sie Sich nicht erst als Ganzes gezeigt haben! — Verzeihung, wenn mein Wunsch, Sie endlich in der Achtung der Achtung-Verleihenden befestigt zu sehen, mich in meinen Rathschlägen zudringlich erscheinen läßt. — (Mein Plan, ein „Jahrbuch der Freunde“ herauszugeben, kann vor 2 und mehr Jahren nicht in Ausführung gebracht werden: Schmeitzner’s Ungeduld soll mich nicht zum Thoren machen. Dies privatissime.) Nichts liegt mir ferner als eine Concurrenz mit so erbarmenswürdigem Zeug, wie die „Bayreuther Blätter“ sind; und überhaupt — eine Orientirung nach irgend einem Bayreuther Sehwinkel. Auch Sie sprechen noch von einer „Spaltung im eignen Lager“. Was geht mich jetzt ein „Lager“ an !!!!! Gar noch gegen Wolzogen! schreiben! wie konnte Ihnen das in den Sinn kommen, lieber verehrter Herr Doktor! Ich weiß mitunter nicht, wie Sie Sich eigentlich taxiren. — Nochmals Verzeihung!
Meinen Bekannten mißfällt Ihr Stil in den gedruckten Sachen. Die Gründe sind 1) die Sätze sind 4mal zu lang 2) Sie affektiren Gelehrtenhaftigkeit, recht künstlerhaft, aber eine schreckliche Geschmacksverirrung (fremde wissenschaftl<iche> Worte und Begriffe im Überfluß) 3) die Hauptsachen kommen nicht stark und stämmig heraus, die Neben-Einfälle überwuchern sie, Sie schneiden nicht genug weg und arbeiten nicht genug um 4) Ihr Geist liebt es spitz zu werden, es ist das Geheimniß der guten Schriftsteller, nie für die subtilen und spitzen Leser zu schreiben.
Nicht wahr, Sie verargen mir diese epistula didactica nicht! — Womit sollte ich auch eine solche ehrliche Mittheilung als Ihre letzte war, vergelten als mit Ehrlichkeit?
Ganz Ihnen ergeben F N.
737. An Paul Rée in Stibbe
Ach, lieber lieber Freund,
heute bin ich Ihnen einmal wieder lästig. Aber an wen mich wenden, da ein direkter Verkehr zwischen mir und meinem alten Freunde Gersdorff einstweilen auf dessen Wunsch unterbleiben muß? Ich habe nämlich von ihm damals als ich meinen eignen Haushalt einrichtete, 100 Thl. entliehen, also vor 2½ Jahr ungefähr. Jetzt ist besagter Haushalt völlig aufgelöst, meine liebe Schwester wieder zu unsrer Mutter definitiv heimgekehrt, mein Einsiedler-Thun neu, vernünftig und idyllisch eingerichtet: da will ich jene Schuld beseitigen und bedarf dazu Ihrer Vermittlung, Sie Armer! Nämlich: Sie werden ersucht, die 2 mitfolgenden Werthpapiere in Geld verwandeln zu lassen, von dem, was Sie dafür erhalten, 112½ Thaler an Gersdorff zu geben (nämlich 12½ als Zinsen nach Verabredung) und den Rest meiner Schwester zu schicken. —
Das ist so viel auf einmal verlangt, daß es mir grenzenlos unbescheiden vorkommt. Kommt es Ihnen auch so vor, so sagen Sie es, ich will’s wahrhaftig nicht wieder thun. Aber Sie sind gegenwärtig immer noch meine einzige Zugbrücke zum guten Gersdorff (dem armen Nerina-Närrchen und Nerino-schäfchen — Pardon!) In wenigen Tagen ziehe ich mich in die allerhöchste Einsamkeit und Verborgenheit zurück, der Sommer ist überstanden, schwer genug.
Ihr letzter Brief, wie alle Ihre Briefe thaten meinem Herzen wohl und erweckten wieder manche Hoffnungen. Bei allem Guten, was Sie thun und vorhaben, wird auch für mich der Tisch gedeckt, und mein Appetit ist sehr lebendig nach Réealismus, das wissen Sie.
Meine sonstigen Bekannten und Freunde (mit ganz wenigen Ausnahmen) befinden sich, als ob ich ihnen den Milchtopf umgestoßen hätte. Gott helfe ihnen — ich kann nicht anders.
Treu, obwohl heute sehr
unbequem (wie die Sommerfliege auf
meiner Hand)
Ihr Freund F Nietzsche
738. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrteste Frau, nun muss ich mich doch auf ein paar geschriebene Abschiedsworte beschränken, so gerne ich noch einmal einen Abschieds-Nachmittag bei Ihnen zugebracht hätte. Aber das „Schicksal“ wollte es nicht: Sie wissen, worin mein Schicksal liegt, dem ich mich geduldig beugen muss. Jetzt fort in die Berge, in die höchste Einsamkeit, fort, fast möchte ich sagen: zu mir. Aber auch da werde ich immer dankbar und herzlich Ihrer gedenken
Dr F. Nietzsche.
739. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Elisabeth
vor meiner Abreise an Dich noch eine Zeile. Es ging und geht mir miserabel, bei der unausstehlichen Basler Hitze, die alle Gesunden krank macht. Nun noch ein paar Tage! — Samstag und Sonntag war ich auf der Frohburg — ach wie heiß auch dort! Aber immerhin menschenmöglich. Zu Mittag 90 Personen am Tisch; ich aß weder zur Mittags- noch Abendtafel mit, aus den bekannten Gründen, froh daß mein Magen Milch und rohe Eier nicht verschmähte. — Hohenemsers sehr freundlich und erfreut. Die Frl. Kopp und die Andern senden Dir (heute auch noch einmal brieflich an mich) die „ergebensten Empfehlungen.“
Die verlangte Berechnung folgt anbei.
Das Hauskauf-Drama möge gut ablaufen, weder als Komödie noch als Tragödie. Aus der Ferne sieht es wie ein „bürgerliches Rührstück“ aus.
Von Dr Fuchs lange, sehr intelligente Briefe.
Rohde kommt definitiv nach Tübingen.
Die angenehmen Strümpfe sollen gleich mit in’s Gebirge. Ich danke allerschönstens, ebenso für die Plätzchen.
Unserer guten lieben Mutter herzliche Grüße. Ich gebe nächste Woche eine Notiz von meiner Reise
F. N. In Liebe
740. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Dir und unsrer lieben Elisabeth die Mittheilung, daß ich auf einem schönen Berge des Berner Oberlands gegenwärtig wohne, anderthalb Stunde von der Scheidegg entfernt, die Ihr ja beide kennt. Gienge es nur meiner Gesundheit besser!, die zuletzt doch entscheiden muß, ob ich hier längere Zeit bleiben kann — was ich sehr wünsche. Seit gestern ist das Wetter günstig.
In herzlicher Liebe F. N.
Adresse: Prof. F. N per adr. Herrn Bohren-Ritschard in Grindelwald, Berner Oberland.
das Gasthaus ist 6600 Fuß hoch gelegen
741. An Mathilde Maier in Mainz (Postkarte. Fragment)
[+ + +] Wagner<s> Größe können Wenige so sicher überzeugt sein, wie ich: weil Wenige so viel davon wissen. Trotzdem bin ich aus einem unbedingten Anhänger ein bedingter geworden: wie wir ja zu allen Größen der Vergangenheit stehen; ja wie es mir mit meiner eigenen 10jährigen letzten Phase geht — ich billige sie durchaus, kenne aber einen höheren Standpunkt. In Betreff W<agner>’s hatte ich eben das Höhere, sein Ideal geschaut — damit kam ich nach B<ayreuth> — daher meine Enttäuschung. — Zuletzt eine These: die eigentlichen Wagnerianer sind gute, sehr gute Menschen, aber gar keine Musikanten (wie Sie!) und alle mehr oder weniger Obskuranten (ich denke an Ihren vorletzten Brief.) Nun lachen Sie einmal und bleiben Sie gut
Ihrem
F. N.
(Um’s Himmels willen) lesen Sie über Barockstil J. Burckhardts Cicerone!!!
742. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Nun, geehrtester Herr Verleger, da haben Sie ja die große Handschrift des großen Mannes. Trotz dem daß er so artig dankt, glaube ich, im Vertrauen gesagt, er wirft, wenn er wirklich im Buche liest, es an die Wand. Dies gilt aber dann mir, nicht Ihnen. —
Aus der höchsten Gebirgs-Einöde Ihnen einen Gruß zurufend
F. N.
743. An Paul Rée in Stibbe
Können Sie, geliebter Freund, wenn Sie einmal fortreisen, nicht nach der Schweiz kommen und zu mir hinauf, auf einen Berg bei Grindelwald (6—7000 Fuß), wo ich, inmitten unglaublicher Naturruhe und -Größe, bequem (obgleich bei schlechter Gesundheit) throne. Oder wollen wir Mitte September in Bex zusammen kommen? Oder in Baden-Baden? — Oder geht es alles nicht! — Auch für mich kann ich nicht bürgen. — Herzlichen Dank für das leidige Geschäft — es soll nicht wieder geschehen. — Alle meine Freunde sind jetzt einmüthig, daß mein Buch von Ihnen geschrieben sei und herstamme: weshalb ich zu dieser neuen Autorschaft gratulire (falls Ihre gute Meinung sich nicht verändert hat) heute ein ungeheurer Brief Lipiners, ganz gegen Sie gerichtet. Es lebe der Réealismus und mein guter Freund!
F. N.
Verrathen Sie mich Niemand! Ich brauche unbedingte Ruhe und Einsamkeit.
Adr.: P. N. per adr. Herrn Bohren-Ritschard in Grindelwald (Schweiz)
744. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Mit großer Freude habe ich die Geschichte von der Haus- und Heimat-begründung gehört: wer weiß, ob da nicht auch für meine alten Tage das Plätzchen gefunden, das Tischchen gedeckt ist! — Mir geht es nicht gut, ich bin fast mißtrauisch gegen die hohe Höhenluft: oder ist es das schlechte Wetter fortwährend? Kopf und Magen machen sehr zu schaffen: kaum Eine vergnügte Stunde erlebt. Umgebung das Herrlichste, was ich sah: aber mir fehlt die Stimmung. Höhe des Hotels gegen 7000 Fuß, ich bin der erste und höchste Pensionär der ganzen Schweiz, unbestreitbar. — Von Lipiner ein Brief, lang, bedeutend für ihn sprechend, aber von unglaublicher Impertinenz gegen mich. Den „Verehrer“ und seinen Kreis bin ich nun los — ich athme dabei auf. Mir liegt sein Werden sehr am Herzen, ich verwechsele ihn nicht mit seinen jüdischen Eigenschaften, für die er nicht kann. Euch Beiden herzlich dankbar
F.
Gersdorff hat mir seines Vaters Tod angezeigt. —
745. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte. Fragment)
Alle Ihre letzten Nachrichten [+ + +] möge das, was Sie vornehmen, [+ + +] so beweisen! Dies wünsche ich von [+ + +] Exemplar der IItn Aufl. erbitte ich mir umgehend an meine Adresse: „Interlaken, Hôtel Unterseen.“ — Wissen Sie die Adr<esse> von Hr. Köselitz? — Daß W<agner> gegen mich Einwendungen öffentlich macht, ist mir sehr erwünscht, ich hasse alle Dunkelei und Munkelei der Gegnerschaft; anderseits wünsche ich um Alles nicht mit den Tendenzen der B<ayreuther> Bl<ätter> verwechselt zu werden. Sie auch nicht, lieber Herr Verleger!
F N.
746. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Nicht wahr, Ihr habt mir nur einmal bis jetzt in den Ferien geschrieben? Aber doch meine 2te Karte erhalten? — Mir ist es so schlecht gegangen und geht so schlecht. Ganz erschöpft durch Krankheit verließ ich den Berg und gieng nach Interlaken. Hier versuche ich, nach Art meiner Badener Lebensweise, mit Bädern und Spazierengehen gesund zu werden: bis jetzt gieng es nicht vorwärts. Fast denke ich daran, mich dem guten Dr. Wiel (Ütliberg bei Zürich) wieder in die Arme zu werfen. Der Magen ist gar zu schlecht — der Kopf dazu! Übrigens läßt sich für Interlaken sehr viel sagen. Adresse: Interlaken, Hôtel Unterseen. — Es geht Euch doch gut? Ich freue mich Eures häuslichen Glücks gedenkend.
Herzlich gesinnt
F N.
747. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Mein geliebter Freund, bis jetzt ist’s mir wenig geglückt. Ich war auf einem hohen Berge, dem Männlichen bei Grindelwald, verließ ihn nach drei Wochen, weil meine Gesundheit immer schlechter wurde. Jetzt habe ich meine Hoffnung auf Interlaken gesetzt, wo ich mir ein Leben wie das von Baden im März des Jahres eingerichtet habe: es will aber nicht vorwärts. Vielleicht daß ich zuletzt dem Dr. Wiel auf Eurem Ütli mich wieder in die Arme werfe. — Meine Adresse ist hier: Hôtel Unterseen. Aber verrathe sie nicht! Ruhe ist mir nöthig, wie dem Schiffer auf stürmischer See: vergleiche Horazen’s Ode „otium etc. In herzlicher Liebe immer an Dich denkend und ein gutes Wiedersehn hoffend
F N.
Ergebenste Grüße Deinen verehrten Zürichern und namentli<ch> Deiner Frau.
748. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Geehrtester Herr Verleger, heute bitte ich Sie, mir
Schreber,
Heilgymnastik
neueste Auflage
hierher zu senden. Interlaken, Hôtel Unterseen.
Sie haben doch meine letzte Karte und meinen Dank erhalten? — Gesundheit erbärmlich; aber es soll vorwärts!
Ganz der Ihrige
Dr F N.
749. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Es macht mir immer Freude, an Sie zu denken: könnte ich es Ihnen nur recht zeigen! Aber über Nicht-Briefschreiben entschuldige ich mich nicht, bei Ihnen allein nicht, mein lieber hülfreicher Hausgenius. Über Ihren langen und reichen Brief hatte ich eine rechte Herzensfreude, denn aus ihm klang das Glück des Gelingens, des Gebärens und Geborenhabens heraus. — Andre thun mir wehe mit Briefen, Sie glauben nicht, was für Zeug ich erlebe, nicht vernünftig genug, um eine Sentenz draus zu machen. — Auch W<agner> ’s Polemik rechne ich unter das „Allzumenschliche.“ — Freund Widemann hat mir seine sinn- und kraftvolle Musik geschickt, ich ehre seine Verborgenheit und sende ihm durch Sie innigsten Gruß und Wunsch. Das Gute möge immerdar siegen!
F. N
750. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Endlich geht es vorwärts, die Kraft zum Spazierengehen, Appetit, Schlaf, alles nimmt zu. Nun heißt es Geduld und Consequenz, um nichts wieder zu verderben. Bis Ende September will ich also hier bleiben. Nun habe ich alle Eure Briefe beisammen, mit herzlichstem Danke; ich folge mit aller Theilnahme dem Hauswesen und seiner Umwandelung und Ein-Nietzschung. Aber vor Weihnachten seht Ihr mich nicht, so leid es mir thut. Meer ist meiner Augen wegen schlimm, es macht mir übel. Die Broschüre „non volumus“ ist wohl von Reuter? —
In Liebe
Euer <F.>
751. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Titelblatt und Vorrede ganz in Ordnung, bis auf Firma. Natürlich müssen die übr<igen> Exempl<are> von Auflage 1 dieselben Titel und Vorrede bekommen wie Aufl. 2. — Gestern las ich W<agner>’s bitterböse, fast rachsüchtige Seiten gegen mich. Himmel, wie ungeschickte Polemik! — Meine Bitte um Schreber, Heilgymnastik haben Sie erhalten? — Ich bin Bismarck’s Meinung, so lange die deutschen Zeitungen wie bisher gedruckt werden. Für gewisse Bücher sind latein<ische> Lettern gut, weil sie dem allzuschnellen Lesen entgegen sind. Näheres über die ganze Frage zu Weihnachten, wo ich Sie zu sehen hoffe.
Ihr ganz ergebener Dr F. N.
Und den besten Dank für Ihren Brief!
752. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Es geht vorwärts, aufwärts, nach langem Versuchen und Besinnen: Jetzt heißt es nur, mit Geduld und Consequenz bis Ende September fortfahren. Freilich muß ich dabei auf Zürich, auf Dich verzichten. Vor wem, liebster Freund, möchte ich mich jetzt lieber aussprechen als vor Dir, vor wem könnte ich es! Es geht Vieles in mir um. Das von Außen Kommende habe ich fast nur abzuwehren. Abscheuliche Briefe. W<agner>’s bitterböse unglückliche Polemik gegen mich im Augustheft der Bayr<euther> Bl<ätter> habe ich nun auch gelesen: es that mir wehe, aber nicht an der Stelle, wo W. wollte. — Gestern machte ich einen Rechnungsabschluß über die letzten Jahre und war glücklich dabei — ich habe in fünf, sechs wesentlichen Punkten mir Freiheit und Unabhängigkeit erobert, mit großen Opfern freilich. Nun muß die Gesundheit vorwärts, dann kommt auch wieder mehr Freude. Herzlich Dir und den Deinigen ergeben.
F.
753. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrte Frau, in tiefem Gefühle der Dankbarkeit und des persönlichsten Zutrauens habe ich Ihren Brief gelesen: oh wenn Sie wüßten, was für eine Ausnahme derselbe war, unter allen Briefen, die ich seit Monaten bekommen habe! (Die meisten verleugnen mich in Einem Athem dreimal und krähen dabei selber wie Hähne.) So wollen wir denn ruhig in Geduld wachsen und zusehen, was, bei aller Buntheit der Meinungen und Bestrebungen, unverlierbar, einig, einfarbig, treu und gut bleibt. Im nächsten Winter will ich es schon machen, daß Lörrach wieder näher an Bachlettenstraße liegt. Anfang Oktober komme ich zu Ihnen
Inzwischen den herzlichsten Gruß.
754. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte. Fragment)
Heilgymnastik eingetroffen und schon eifrig b<enutzt. Dank> für Ihre guten Wünsche, da sehr viel b<ei meinem Zu>stande zu wünschen übrig bleibt. — Heute (nur noch eine) Bitte: senden Sie mir die Bayreuth<er Blätter nicht> allmonatlich, sondern geben Sie mir, was <von ihnen im Laufe eines> Jahres erschienen ist, dann zusammen. Wozu sollte ich mich verpflichten, Monatsdosen Wagner’schen Ärger-Geifer’s einzunehmen! Ich möchte auch fürderhin über ihn und seine Größe rein und klar empfinden: da muß ich mir sein Allzumenschliches etwas vom Leibe halten. — Dies verstehen Sie wohl und gut, recht aus dem Vertrauen heraus, welches wir, wie ich denke, zu einander haben.
Ergebenst
F. N.
755. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrte Frau, ich komme auf Einen Tag nach Basel und möchte Ihnen einen Besuch machen, nämlich nächsten Mittwoch Nachmittag, falls es meine Gesundheit irgend erlaubt. Darf der Patient um eine Tasse Thee und einen Zwieback bitten? — Gesundheit sehr unangenehm. — Dienstag reise ich von hier ab: bis dahin Interlaken, Hôtel Unterseen.
Die herzlichsten Grüße! Sie bekamen doch meine Karte?
Ihr ergebenster
Prof. Dr F Nietzsche
756. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Nun, meine Lieben, was werdet Ihr sagen? Ich will zu Euch kommen, es geht mir so schlecht, daß ich mir nicht zu helfen weiß — und das Winterhalbjahr rückt heran, mir zum Grauen. Es war nur ein Aufflackern, von dem ich Euch schrieb. Nächsten Freitag Nachmittag will ich bei Euch sein, Dienstag von hier fort nach Basel. Könnt Ihr schnellstens hierher noch schreiben? — Oder meint Ihr, ich solle zu Wiel nach Zürich, — Rothpletz-Overbecks haben mich so eingeladen. Aber wo habe ich die Ruhe und Pflege wie in Naumburg, so scheint es mir. Doch, wie gesagt, schreibt was Ihr denkt, ob es Euch paßt. Ich könnte bis Mitte Oktober bleiben.
Euer F.
in herzlicher Liebe
757. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Lieber Freund, wenn die verehrte Hausgebieterin von Falkenstein damit zufrieden ist, so komme ich auf ein paar Tage. Seit ich die letzte Karte schickte, ist es mir so schlecht ergangen, daß ich wie auf der Flucht bin und kaum weiß, wo ich mein Haupt niederlegen soll. Ich habe mich für den Rest der Ferien bei meiner Mutter in N<aumburg> angemeldet: vorher möchte ich aber gerne Euch sehen. Heute reise ich nach Basel. Donnerstag (Mittag ungefähr) werde ich, falls ich keinen Gegenwink erhalte, in Zürich ankommen, also wie voriges Jahr. (Welch’ Jahr liegt dazwischen! Schauder und Graus!)
In Treue der Deine
F. N.
758. An Unbekannt in Zürich
Herzlichstes von Ihrem Freunde, welcher hier in Zürich wohnt, bei Frau Rothpletz „Haus Falkenstein“
759. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Von hier aus (Haus Falkenstein) meine Herzenslieben, die Mittheilung, daß ich, Eurem Vorschlage gemäß, Dienstag in Naumburg eintreffen will (falls die böse Gesundheit mir keinen Streich spielt!) Also gegen Mittag, von Leipzig her kommend, da ich von Zürich über Lindau reise. (Abreise Montag früh, gegen 10 Uhr)
Man ist hier sehr gut, und hegt und pflegt mich, wie ich’s nicht verdiene.
Eben habe ich Zimmergymnastik gemacht. — Die herzlichsten Grüße voraussendend
Euer F.
760. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Also, geehrtester Herr, es gab eine Verwechselung. Ich bitte Sie um Zusendung von
Die Entstehung des modernen Frankreich
Zweiter Band, erste Abtheilung
von H. Taine. Deutsch.
soeben erschienen. bei Günther, Leipzig.
Eben im Begriff abzureisen, nach sehr schlechten Wochen, recht leidend.
Morgen in Basel.
Gehe es Ihnen gut
F. N
761. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Hier sitze ich, den Kopf voll Schmerzen. Die Reise wie ein böser Traum hinter mir. Ich brachte Regenwetter mit nach Basel. Wie gut waren die Brödchen! Auch habe ich schon ausgepackt. Viele Zeichen Eurer Liebe sind um mich, an Anderes mir Erwiesene denke ich fortwährend. Verzeiht, wenn ich öfter mürrisch war — das Joch der Krankheit drückt mich zu schwer. Auch der arme Rée ist krank, eine Art Nervenfieber. — Ich kaufte sofort van Houten und mußte 4 frs. 50 für Pfund zahlen! —
Wie wird’s nun gehen! — Bei Euch war ich noch nie mit so herzlicher Empfindung und habe es Euch gar nicht merken lassen. Meine Lieben und Guten, ich bin Euch sehr dankbar.
Euer
F.
Der Zug kam erst um 7 Uhr Abends nach Basel!!!
762. An Paul Rée in Stibbe
Ach, liebster guter Freund, mit dem schmerzlichsten Bedauern lese ich, eben von der Reise heimgekehrt, die Nachricht Ihres Krankseins. Was soll aus uns werden, wenn wir in unsern „besten Jahren“ so elend dahinwelken (denn auch ich habe elende Monate hinter mir und beginne den Winter mit trüberen Aussichten als je! Will uns das Schicksal ein schönes Greisenalter aufsparen, weil vielleicht unsre Denkweise diesem am natürlichsten, wie eine gesunde Haut, anliegt? Aber müßten wir da nicht zu lange warten! Die Gefahr wäre, daß wir die Geduld verlören. — Mir fällt gar nichts tröstliches ein, denn daß Sie sich durchschlagen und mit Ihrer Kraft auch ein Stückchen von meinen Bestrebungen, meinen Hoffnungen verwirklichen würden, das war bis jetzt bei mir Glaubens-Artikel. Muß ich jetzt nicht fürchten, daß auch Sie wieder nach einem Andern ausschauen lernen, der Ihnen die Aufgabe abnimmt? Ach, wie elend ist es, nach Erben zu suchen, nicht für unser Thun, sondern für unser Thunwollen. Sie hören, ich rede in ganz jämmerlichem Egoismus und verwünsche Ihr Kranksein, weil mein bestes Hoffen und Wünschen zugleich dabei krank wird.
Sie sind besser als ich, das habe ich immer geglaubt; und daß Sie sich vom Krankenbette aus meines Geburtstages erinnerten und mir schrieben, werde ich als Psychologe ebenso wenig wie als Freund vergessen.
Von ganzem Herzen der Ihrige
F Nietzsche
763. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Nun seit 9 Tagen ununterbrochen Kopfschmerz. Sonnabend Nachmittag gieng ein Anfall los wie Donnerstag, vor Schmerz <konnte ich in der> Nacht nicht schlafen. — Heute erstes Colleg gehalten. Sehr übles Baslerisches Wetter, matt, feucht. — Gestern Dr Förster bei Overbecks gegrüsst, bot ihm mein Concertbillet an. —
Wenn Ihr einmal an Frau Schwenk schicken müsst, so bitte ich noch, auf mein Conto, um eine grössere Partie Zwiebäcke (doppelt geröstete) und Plätzchen, von Jedem für Eine Mark. Geht das? — Ich bin noch 15 Gr. schuldig geblieben, das rechneten wir auf dem Bahnhofe aus: dann für Frau Dr Eiser wieviel? bitte. — Meine allerbesten Wünsche und Dankesgrüsse an Euch, mir ist es noch als ob ich halb und halb in Naumburg wäre, wenn ich in lauter Naumburger Erinnerungen krame.
Lebt recht wohl. Euer F.
764. An Marie Baumgartner in Lörrach
Hochverehrte Frau,
da bin ich wieder, nach den elendesten Wochen, trotz Heimat!
Nächsten Samstag Nachmittag mache ich den Versuch, Sie zu Hause zu treffen (ich habe nur diesen Tag frei) Ist es Ihnen genehm, so bedarf es keiner Zeile: aber seien Sie nicht böse, wenn meine Kränklichkeit mir vielleicht im letzten Augenblick einen Streich spielt.
Mit herzlichstem Gruß und
Wunsch der Ihre
F Nietzsche
765. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Ach, verehrte Frau, es kam so, wie <ich> dachte: ein bitterböser Sonntag der Schmerzen nach unsrem guten Nachmittag, welchen Ihre große Güte mir schenkte und meine Gesundheit erlaubte. — Nachträglich will ich doch eingestehen, daß es nach meinem September-Besuch genau dieselbe Sache war: ich mußte meine Ankunft in Zürich abtelegraphiren und lag zu Bette. Sie sehen, wie jämmerlich Ihr Freund daran ist, wie unfrei sein Leib, und warum er so nach Freiheit des Geistes dürsten muß! — Ich sende Ihnen den ergebensten Ausdruck meines Dankes und meiner Pietät.
Beiläufig: (ich bin neulich etwas erschrocken, daß Ihr lieber Sohn von dem litterar<ischen> Plane etwas erfahren hat. Legen Sie ihm Stillschweigen auf, bitte, bitte, bitte!!)
In Verehrung der Ihre
F N.
766. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Die erste Collegien-Woche tapfer durchgesetzt. Dafür lag ich gestern, Sonntag, wo die Karte kam, krank zu Bette, die alte Geschichte. — Das Wetter bisher ungünstig, immer Föhn oder Regen, zuletzt gegen 40 Stunden Landregen: — Alles, Arbeit, Kost, Schlaf, Gehen ist so genau darauf eingerichtet, daß ich das Kolleg lesen kann. — Eine sehr dicke wollne Decke, welche zweimal über das Bett gelegt werden kann gekauft (für 6 frs., im Ausverkauf) — Nun geht die Woche wieder los, Muth, Muth! — Mit dem Schinken bin ich noch nicht fertig, die Wurst noch nicht angefangen. Sendet mir ja nichts von solchen Dingen wieder, bevor ich darum bitte — damit es nicht zuviel vom Schweine werde. — Das Kistchen ist noch nicht da. Mit den allerherzlichsten Grüßen. Sorgt Euch nicht. Geht es nicht, so geht es nicht.
Euer F.
Die Postkarten werden im Hause gelesen, Vorsicht!
767. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Hier, meine Lieben, den Wochenbericht. Gestern mußte ich, mit bitterem Gefühle, zum ersten Male das Colleg aussetzen, denn von Donnerstag Abend an gieng es böse. Heute (Samstag) habe ich wieder gelesen. Kalt ist es, unter Null; seit vorgestern heize ich. Holz sehr theuer. — Dienstag kam die gute Kiste, etwas lädirt; mit vielem Dank Briefe und Inhalt empfangen. Ich frühstücke immer noch wie in Naumburg, zu gleicher Zeit und im Bette. — Den Magen habe ich mir seit der Rückkehr noch nicht verdorben. Das Braunschweiger Fleisch ist mir alles zu sehr gesalzen, Schinken ebenso wie Wurst. — Heute zersprang meine Brille.
Nun meine herzlichsten Grüße
Euer Fr
768. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester,
heute ist Sonnabend, wilder Föhnsturm, eiskalt mit Regen, seit gestern Abend; die ganze Nacht durch schlaflos. Das Colleg eben gehalten, die Woche ist überstanden. — Den vorigen Sonntag kam plötzlich ein sehr heftiger Anfall, so wie am Tage der Abreise: es sind jetzt 10 Sonntage hinter einander. (Also trotz dem Freitag vorher!)
Overbecks hatten mir ein wunderschönes gebratenes Huhn südfranzös<ischer> Abkunft gebracht, ich habe 4 mal davon gegessen, Frau O<verbeck> hatte es selber gebraten.
Donnerstag war die gute Frau Baumgartner auf eine 1/4 Stunde bei mir. Abends Vortrag Burckhardt’s über Talleyrand. —
Die Naumburger Backsachen bewähren sich sehr, namentlich die Zuckerbrödchen; ich verglich sie mit den berühmten Biscuits de Reims, die hier auf der Messe zu haben sind: aber mir gefallen sie viel mehr, auch viel billiger sind sie. — Die Braunschweiger Wurst hat jetzt auch meine Sympathie. — Für Tapioca und Äpfelchen habe ich, glaube ich gar, noch gar nicht mich bedankt! —
So gehen meine Tage fort, höchst regelmäßig — höchst vorsichtig!!
Eurer Liebe von Herzen eingedenk
F.
2 Stere Holz, alles inbegriffen = 42 frs. 70 ct
Ich bitte recht schnell um Gustav Krug’s Adresse!
769. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Bitte, geehrtester Herr, umgehend um Zusendung von
- Thukydides ed. Stahl
Leipz. Tauchnitz 1873 und 1875
- Thukydides lib. I und II ed. Schöne
Berlin Weidmann 1874
- Tillmanns, Commentar zu Thukyd<ides>
Teubner 1876.
Wie geht’s? Bin in voller Arbeit. — Siegfr<ied> Lip<iner> ist sehr an Breitkopf und Härtel gebunden, die ihm für Dichtungen im Umfange des Prometheus 3—400 Thaler zahlen sollen. —
Mit ergebenstem Gruß und Wunsch immer der Ihrige
N.
770. An Gustav Krug in Bonn
Dein herzlicher Geburtstags-Gruß, mein lieber Gustav — er traf mich im Krankenbette — wird hiermit von mir erwiedert, so gut es geht (und es geht mir nicht gut —) Alles, was Du schriebst, kam wie von einer guten Insel thätiger zufriedner hoffender Menschen, es that mir recht wohl, dies zu hören. Bei mir ist es anders; wie als ob ich durch eine gefährliche Meerenge in diesen Jahren hindurchschwimmen müßte (und nicht nur hinsichtlich meiner Gesundheit.) Es ist weit „von Sestos nach Abydos“. Aber mein Muth ist ungebrochen. —
Bleibe mir gut und im Herzen nahe, was auch komme. Laß Dich namentlich nicht durch mein Schweigen und meine nur allzu nothwendige Brief-Unseligkeit beirren. Auch heute bin ich sehr kurz, muß es sein.
Dein Haus- Kindes- und Eheglück möge von guten Geistern fürderhin bewahrt sein.
Ich grüße Dich in alter Liebe
Dein
Friedrich Nietzsche
771. An Marie Baumgartner in Lörrach
Verehrte liebe Frau Baumgartner, nur ein paar Worte!
Über Ihre Dichtungen als Gedichte nur eine Meinung zu haben wäre ganz und gar von mir unbescheiden. Genug, Sie scheinen mir im Elemente Ihrer Sprache und der kunstvollen Form sich heimisch zu fühlen; im Übrigen weiß wohl ein Gedankendichter wie Herr Prudhomme zu rathen.
Ihre Dichtungen aber als Wahrheiten betrachtet, die Sie sich und mir sagen: ja — da bedauere ich Sie ebenso sehr als ich mich beglückwünsche. Denn Sie haben an mir viel, viel weniger gefunden als Sie erwarteten, und ich weiß jetzt, daß ich unendlich mehr empfangen habe und besitze, als ich verdiene — nämlich eine zuverlässige treue Seele, welche überdies den Ehrgeiz hat, die Treue auf Erden mir gegen alle skeptischen Einflüsterungen zu beweisen.
So empfinde ich es: thut es Ihnen wehe? — Ich hoffe nicht. —
Die letzten Bissen des Manuscriptes, die ich Ihnen gestern gab, sind am schwersten zu kauen, es beschämt mich, Sie so <zu> bemühen. Fangen Sie mit den letzten Seiten an und endigen Sie mit den vordersten. Oder wie Sie wollen.
Ganz und gar ergeben
und dankerfüllt
F N.
Wissen Sie, daß es seit lange meine Empfindung ist „ich verdiene alles das nicht, was ich an Freundschaft und Liebe erfahren habe“, daß ich mitunter gegen meine Freunde voll Verdruß bin, weil ich Ihnen nicht wiedergeben kann. So ist es: geben ist seliger schon als wiedergeben, aber immer nur nehmen, nehmen müssen — das kann einen unselig machen. Zu ändern ist es nicht, hier steht das Fatum vor uns.
772. An Reinhart von Seydlitz in München
Seien und bleiben Sie mir, mein geliebter Freund, mit Ihrer herzlichen guten Seele gesegnet! So, wie ich es hier sage, denke ich immer an Sie. Briefe schreiben geht nicht mehr, meine ältesten wie meine letzten Freunde dürfen es nicht mehr von mir erwarten. Ich habe meinem Amte und meiner Aufgabe zu leben — einem Herrn und einer Geliebten und Göttin zugleich: viel zu viel für meine schwache Kraft und tief erschütterte Gesundheit. Äußerlich gesehen, ist es ein Leben wie das eines Greises und Einsiedlers: völlige Enthaltung von Umgang, auch dem der Freunde, gehört dazu. Trotzdem bin ich muthig, vorwärts, excelsior! —
— Über Wagner empfinde ich ganz frei. Dieser ganze Vorgang mußte so kommen, er ist wohlthätig und ich verwende meine Emancipation von ihm reichlich zu geistiger Förderung. — Jemand sagte mir „der Karikaturenzeichner von Bayreuth ist ein Undankbarer und ein Narr“ — ich antwortete: „Menschen von so hoher Bestimmung muß man in Bezug auf die bürgerliche Tugend der Dankbarkeit nach dem Maaße ihrer Bestimmung messen.“ — Übrigens bin ich vielleicht nicht „dankbarer“ als W<agner>. — und was die Narrheit betrifft —
Aber vielleicht habe ich schon zu viel gesagt, der „Wagnerianer“ regt sich in Ihnen und sucht nach Steinen...
Nein, lieber Freund, Sie werfen nicht nach mir, das weiß ich. Aber thun Sie mir auch die Ehre an, mich nie zu vertheidigen. Meine Position ist dafür zu stolz, Verzeihung! — Ich denke, meine Freunde soll<en> mit mir zusammen auch stolz sein.
Der lieben Frau meines Freundes erwiedere ich treulich alles Gute und Herzliche, was sie mir durch meine Schwester sagen ließ.
Ich bin und bleibe
der Ihrige
Friedrich Nietzsche
773. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ach, meine Lieben, zwei Anfälle in Einer Woche, (Sonntag Abend und Montag) und dann wieder Donnerstag Abend und Freitag: Sonntag hatte ich zum ersten Male versucht, in’s Conzert zu gehen, mußte aber nach wenigen Stücken hinaus, der Kopfschmerz war da. Am Donnerstag war die gute Frau Baumg<artner> da, mit Blumen Trauben Zwiebäcken mich beschenkend, aber es schadete mir doch. — Ich habe Euch doch mit der kleinen Randbemerkung meiner letzten Karte nicht beleidigt? Ich sehe es überall, man muß mit einander geduldig sein, jeder sagt irgendwann etwas Dummes und Übereiltes. Also verzeiht. Overbecks hatten Montag Gesellschaft und brachten mir etwas Rehbraten.
Adieu, meine liebe M<utter> und Schw<ester>
774. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte. Fragment)
[+ + +] Alles eingetroffen. [+ + +] <Fr>age: können wir — wie [ + + + ] — bei dem „Anhange:: <Vermischte Mei>nungen und Sprüche (so [+ + +] Haupttitel M<enschliches> Allzum<enschliches> E<in> B<uch> f<ür> f<reie> G<eister> die Seitenzahl und Nummernzahl des Hauptbuches fortsetzen? also daß die erste Seite als p. 379, das erste Stück als 639 erscheint? — Der Umfang des Ganzen 8 Druckbogen oder etwas Weniger. —
Das litterarische Centralblatt Zarncke’s (das erste Gelehrtenblatt D<eutschland>’s.) soll ja sehr anständig von M. A. geredet haben. In Edeling’s Litteraturz<ei>t<ung> über G<eburt> d<er> Tr<agödie> und „Strauß“. Ich sehe nichts davon und will’s nicht. Ich liebe die Trommel nicht, aber ich verstehe auch, daß Sie nichts gegen Janitscharenmusik hätten? Seien Sie guten Muthes!
Herzlich ergeben Ihr F N.
<Ich habe meinen Bei>trag für B<ayreuther> Bl<ätter> schon bezahlt, an Overbeck.)
775. An Marie Baumgartner Lörrach
Herzlichen Dank, verehrte Frau, ich lebe unter lauter Erinnerungszeichen (von Ihnen und an Sie), Blumen, Trauben, Zwiebäcken, Abschriften — „und siehe! es war alles sehr gut“ — heißt es in der Bibel.
Donnerstag Abend konnte ich Sie nicht wieder begrüßen — ein heftiger Anfall, der mir auch den Freitag raubte, kam heran. Seitdem habe ich immer gekränkelt und mit Mühe meine Collegien durchgesetzt. Meine Angehörigen verlangen: Aufhören! Aufgeben! — — — —
Ich selber warte und warte und bin immer noch geduldig wie ein Esel, weil immer noch voll ein wenig Hoffnung — was am Ende erst recht eine Eselei ist. —
Darf ich mir bei Ihrem Bäcker für einen Franken oder mehr solche Zwiebäcke bestellen, klein, ganz durchröstet und braun? So sind sie mir am zuträglichsten.
Meine Schwester fragte brieflich bei mir an, ob es jetzt nicht auch in Frankreich Dichter gebe, wie Hr’n Lipiner in Deutschland, nämlich einen gewissen M Prudhomme? — Ganz zufällig.
Ich grüße Sie von Herzen
als Ihr dankbarer
F. Nietzsche.
(Und was soll aus Ihren guten Gedichten werden?)
776. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Wie gut Sie für mich gesorgt haben, verehrte Frau — und wie beschämend-schnell! (meine Bitte erscheint mir wie eine rechte Unbescheidenheit — aber gut ist der Zwieback; und die Pflaumen „mischen das Angenehme mit dem Nützlichen“ nach Horaz.
Mir gieng es inzwischen abscheulich. Ach, Geduld! Und woher Geduld? Und wozu Geduld! — Genug, ich habe sie noch.
Herzlich ergeben
F N.
Die Blumen zieren und erfreuen immer noch. —
777. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ach, es gieng inzwischen so schlecht. Alle drei Tage starke Anfälle. Jedes gelungene Colleg, jeder plötzliche Temperaturwechsel wirft mich nieder (das Basler Wetter ist sehr ungünstig, mit seinem ewigen feuchten Gedusel) Weihnachten will ich nach Baden-Baden. Die Zürcher wünschen mich, aber es geht nicht, ich muß Gespräche fliehen. — Nur der Magen ist immer in Ordnung gewesen und der Appetit, aber ich weiß jetzt auch, was mir frommt. (Die 3 Trauben der Frau B<aumgartner> waren nicht schuld, ich aß sie, als der Anfall vorbei war) Ich bekomme aus Lörrach ganz treffliche kleine Zwiebäcke und überhaupt wird mir manches besorgt. — Frau Leupold und Frau Overbeck waren, auf Anregung des guten Dr Förster, meinetwegen in Correspondenz über Sestri di Ponente: es ist aber zu aufregend und erst nach längerer Zeit wohlthuend — aber Ostern fehlt es mir an längerer Zeit. Zu Weihnachten möchte ich eine haltbare Cervelatwurst haben, nach Baden zu schicken — wenn einmal Wünsche erlaubt sind. Und was will Mutterchen und Lamchen? Sagt’s mir doch! — Ach, wüßtet Ihr, welche Wohlthat bei alledem meine Vorlesungen für mich sind!!
Euer F.
778. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
So trifft es sich schön: heute Morgen kamen Eure guten Worte und Wünsche, und nun mache ich den Bericht der Woche. Dienstag und Mittwoch waren es diesmal: sehr böse! — Dazu hatte ich einen schlimmen Finger seit 2 Wochen, (wie Deiner im Herbst, meine gute Mutter); bei Glatteis bin ich nun noch auf ihn gefallen, und muß deshalb täglich in’s Hospital, wo ein Verband angelegt wird (Es kann immer noch einige Wochen dauern. Viel Schmerz.) — Jetzt ist Kälte. Meine Wohnung ist gut warm. Vorlesungen nach wie vor meine geistige Ressource. Sonntag Nachmittag hat mir Overbeck vorgelesen. Mit Baden ist es noch nicht sicher, es graut mir fortzugehen. Der ganze Train ist nun einmal im Gange und doch besser als den letzten Winter (in Bezug auf Gesundheit, scheint mir.)
Wollt Ihr noch einen Bücherwunsch hören? „Doehler, Geschichte der römischen Kaiser nach Domitian (die vor Domitian habe ich schon) (es geht mit Hadrian los) Halle, Waisenhaus-buchhandl<ung> (aus dem Französischen.)“ ungebunden wegen des Band I
Herzlichsten Gruß und Dank, auch für die Plätzchen
Euer F.
Von Rée seit Geburtstag keine Nachricht.
779. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Liebste Schwester, nach einer Besprechung mit Dettloff scheint mir mein Bücherwunsch unerfüllbar — also laß alle Schritte. Ich weiß eben die Titel nicht genau anzugeben. Ich besitze aber schon alle 4 Hefte der römischen Kaiser von Beulé (übersetzt von Doehler), also von Augustus bis „Titus und seine Dynastie“. Nun hat ein andrer Franzose eine Fortsetzung gemacht „Hadrians Zeit usw.“, aber ich weiß nicht, wer es übersetzt und wo es erschienen ist.
Mein Finger entscheidet über die Ferien, ich muß hier bleiben (der Nagel geht ab — es ist langwierig, aber ungefährlich.
In herzlicher Liebe Dir und unsrer
guten Mutter zugethan
F.
780. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine Herzenslieben, es geht mir nicht gut, Dienstag wieder ein sehr schmerzhafter 30stünd. Anfall, und seit gestern werde ich einen leichteren Kopfschmerz nicht los. Der Finger nöthigt mich täglich ins Hospital. Wir haben strengen Winter. Herzl<ichen> Dank für Eure Briefe. Mein Bücherwunsch war eine Dummheit, es giebt dies Buch gar nicht. Also — Verzeihung! — So wenig als möglich! Bitte! Und hierher senden! Nur keine Äpfel! Die vertrage ich nicht recht.
Noch Eine Woche Collegien vor mir. —
Es ist doch jammerschade, daß ich nicht bei Euch sein kann! —
Welch schöne Plätzchen ich vom guten Lama bekommen habe!
Könnt Ihr mir ein paar Handschuhe aus schwarzer gröbster Wolle stricken, bloß Ein Daum und dann ein Sack für die übrigen Finger. Abends zu tragen, recht warm.
In herzlicher Liebe Euer Fr.
781. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Was macht denn mein armer lieber lieber Freund Rée? Ich fürchte, er quält sich von einem Tag zum andern durch (so geht es nämlich mir wieder einmal) Dazu ihn im rauhsten Norden zu wissen Und woher käme das Erfreuliche! Ach, könnte ich doch Tauben mit Oel-Friedens- und Gesundheitszweigen ihm zu Weihnachten senden! — Zehnmal täglich wünsche ich bei Ihnen, mit Ihnen zu sein. Aber immer heißt es: „Ertrage! Entsage“! Ach, man bekommt die Geduld auch satt. Wir haben die Geduld zur Geduld nöthig. —
Und lieb und gut bleiben wir uns.
F.N.
782. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Hier, meine herzlich Geliebten, ein kleiner Beitrag zu Eurem Weihnachts-Tisch, zum Zeichen, daß ich Eurer gedacht habe und am Bescheerungs-Abende Eurer recht sehr gedenken werde.
Mit den Taschentüchern soll, wie ich mit Vergnügen hörte, meiner guten Mutter doch eine Freude gemacht werden können, ob sie schon behauptet, durchaus nichts nöthig zu haben. Nun, sieh zu, ob dieselben Dir Recht sind. Die Spiritus-Maschine wird Dir, wenn sie sich so gut bewährt, wie bei mir, gewiß einleuchten: sie arbeitet sehr feurig. Es ist das beliebteste System der Construktion. —
In Betreff meiner Gaben für das liebe Lama habe ich kein Glück gehabt. Am sichersten bin ich noch wegen der Handschuhe vom Tyroler, die ihr immer gefallen haben. Aber über die Weltausstellung ein Buch — ja ich wußte gar nicht, worüber sie sich belehren lassen will (ob über die Maschinen, oder die Kunst oder die Eßwaaren oder Seidenindustrie auf der Ausstellung — es giebt so viele Spezialschriften; und ich erfuhr auch von diesem Wunsche zu spät) Vielleicht nimmt sie das „Buch der Erfindungen usw.“ (mit den guten Illustrationen von Architektur) als eine Art erbärmlichen Ersatzes. Und nun gar mit dem Seidentuch! Das Gewünschte existirte nicht mehr bei Von der Mühls, traurig, traurig!
Ich versuche das arme Lama zu entschädigen, indem ich etwas nahm, was „viel eleganter“ sein soll: bin aber nicht überzeugt, daß es ihr so gut gefällt, wie das einfachere.
Könnte ich bei Euch sein! — Frau Schwenk ist bei mir und packt ein (sie ist sehr dankbar gestimmt und wird, so bald ihre viele Arbeit es irgend gestattet, schreiben. Ich gab ihr die vorgeschrieben<en> Gelder.)
Nun wollen wir das alte Jahr noch ablaufen lassen, in größter Stille; und mit einigem Muthe und noch mehr Geduld dem neuen entgegengehen, vor allem aber mit Liebe und Herzlichkeit unter einander.
Euer Fr.
783. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Nicht wahr, meine verehrte Frau Baumgartner, Sie sagen es mir durch eine Karte voraus, an welchem Tage ich den Besuch Ihres mir so werthen Sohnes (den ich ja nicht verfehlen möchte!) zu erwarten habe? Hoffentlich richtet sich meine Krankheit vernüftig darnach ein. — Inzwischen haben die Karlsruher Zwiebäcke sich eingestellt, die Quitten sind köstlich befunden worden: kurz, der Himmel behüte mich, daß ich nicht durch Ihre mannichfaltige Güte zum verwöhnten Kinde werde.
Bald mehr von Ihrem ergebensten Nietzsche
784. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Tiefer anhaltender Schnee-Winter um mich: wie ich ihn noch nie in Basel erlebte. Die St. Margarethen-Landschaft herrlich. Die Bäume brechen fast vor Schnee. Scheint mir gesund zu sein: die Woche ohne Anfall, alle Collegien gehalten, heute das letzte vor Weihnachten. — Frau Overbeck hat mir Quitten geschenkt, die Gute! — Mein Finger scheint, nach heutiger ärztlicher Besichtigung und Verbindung im Hospital, doch sich bessern zu wollen (zum ersten Male sah er besser aus) — Dienstag habe ich mit Frau Schwenck mein bescheidnes Kistchen an Euch erledigt. — Morgen gehen Overbecks fort. — Durch den Schnee werden viel Brief- und Paket-Verspätungen eintreten: also wartet nicht zu sehr auf Nachricht von mir. — Der Frau Bessiger gebe ich das Tuch, dem Manne Cigarren, dem Mädchen eine sehr hübsche Capouchon, dem Knaben einen halbseidnen Shawl und dann Zuckerdüten. (Die von N<aumburg> mitgebrachten Sachen verschenkte ich gleich damals) Nun, das Allerherzlichste an Euch meine Lieben!
Es denkt stets Eurer F. N.
785. An Adolf Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Ich finde, Abends heim kommend, etwas auf meinem Tische vor, etwas in Kern und Schale Schönes und Ernstes: es thut mir sehr wohl. — Kommt es von Ihnen? Meinen allerschönsten Dank. — Aber Mittwoch bin ich vergeben und versprochen. Vielleicht kommen Sie Donnerstag oder Freitag? Ich werde an beiden Tagen jedenfalls von 2—4 Uhr Ihrer gewärtig sein: eine vorauslaufende Meldung ist unnöthig, falls Sie, wie gesagt, einen dieser Tage wählen wollen. — Inzwischen Ihnen und der o verehrten Frau Mutter den englischen Gruss: „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen aneinander!“
F. N.
786. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Endlich hat die Post auch mich bedacht, und Eure lieben Gaben sind in meinen Händen. (Das Buch, das mich äußerst angenehm überraschte, kam viel früher) Aber es war gut so, denn bis jetzt gieng es mir ganz elend, von Sonntag an bis jetzt Anfall über Anfall.
Ihr seht, ich kann nicht schreiben, kaum mich bedanken. Später über das Einzelne der Gaben. Die Handschuhe für Nacht und Tag sehr erwünscht. Würste scheinen nach der ersten Probe (von der runden) herrlich, wie die hier so theuren Gothaer lange es nicht sind.
Ihr habt doch Montag meine Karte bekommen? Eure Freude über meine Sachen hat mich gerührt. — Baumgartn<ers> schenkten mir „Leopardi übersetzt von Heyse“, schön gebunden.
Ich habe Adolf, ebenso seine Mutter, und dann Frau Overbeck noch beschenkt. Den Kindern hier im Hause außerdem, was ich schrieb, einen magnetischen Blechfisch und ein dreiklingiges Taschenmesser.
Die neuen Strümpfe habe ich an. — Um Johnson, mein liebes Lama, bemühe Dich nicht zu sehr, und gieb vor allem nicht viel dafür aus (2—3 Franken, nicht mehr) Auf eigne Rechnung bitte ich, mir noch den ersten Band von Doehler’s Antoninen zu beschaffen und zu fragen, wann der dritte erscheint: aber es hat gar keine Eile. Sende das Buch, wenn einmal etwas Anderes zu senden ist.
Nehmt mit dem einzigen Wort „ich danke Euch von Herzen“ fürlieb. Es wird mir so schwer heute, zu schreiben.
Nur fort mit dem alten Jahr.
Euer F.
787. An Marie Baumgartner in Lörrach
Was für Ferien habe ich, verehrte Frau! Vor Schmerz und Erschöpfung halbtodt; die ganze Woche ein Anfall nach dem andern, eine Art von nachträglicher Abzahlung an die erste Hälfte des akademischen Semesters. —
Nun soll’s aber besser gehen, und morgen (Montag) erwarte ich unter günstigeren Bedingungen Ihren lieben Sohn zu sehen. —
Leopardi steht da in ernster Pracht, aufgespart für gute Sommertage im Gebirge. — Sie wissen doch, daß ich kein „Pessimist“ bin, wie er und das „Düstere“, wo ich es finde, nur constatire, nicht bejammere. Freilich kommen dabei keine so herrlichen Gedichte zum Vorschein.
Mein armseliges „Epigramm“ galt übrigens nicht den Dichtern, sondern dem Dichter (Lipiner) — Dank Ihren Trauben ist es mir möglich, Horaz einmal wörtlich und thätlich zu interpretiren, heute Mittag „pensilis uva secundas et nux ornavit mensas cum duplice ficu“
Ihnen Beiden das Herzlichste.
F N.
788. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Nun, meine Lieben, voran in’s neue Jahr guten Muths und mit Geduld, so sage ich Euch und mir „schon Schlimme<re>s hat man überstanden“. In summa: ich halte es immer noch aus, so haltet es auch treulich mit mir aus: denn ein Kranker macht wenig Freude und viel Noth. —
Das Ritschl-Buch ist nicht eingetroffen. — Gestern war Ad<olf> Baumgartner bei mir, er pries jenen schönen Naumburger Tag ganz außerordentlich. — Wir haben Thauwetter. Mein Befinden immer noch schwankend. Morgen erwarte ich wieder den Anfall.
Die „Plätzchen“ sind wieder sehr gut. Und die Wurst bewundernswerth.
Freund Rée schrieb, es geht immer schlecht. Die galvanische Kur ohne Erfolg bei seinem Nerven-Unterleibsleiden. Auch Rohde schrieb gut und zufrieden. — Verreisen kann ich nicht.
Freitag geht es wieder los. — Die Geschichte mit Ernst betrübt mich (er soll mit einem ältern vertrauensvollen Arzte sprechen: in seinem Alter sehr nöthig.
Denkt meiner in Liebe, wie ich Eurer gedenke F N.
789. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Hier kommt, als Neujahrsgruß, das Manuscript. Um des Himmels Willen, geben Sie sofort Nachricht, wenn es in Ihren Händen ist! Ich lebe in Angst und Bangen bis dahin. —
Ende Januar kann der Druck fertig sein, nicht wahr? 8 Bogen und Alles wie beim Hauptbuch, auch unsre Bedingungen. — Packen Sie sorgfältig aus, es ist ein Zettel-Manuscript.
Alles Gute Ihnen von Herzen wünschend
Ihr
F N.
789a. An Louise Ott in Paris (Widmung)
Frau Louise Ott
mit den ergebensten Grüssen und Wünschen ihres Dieners
Friedr. Nietzsche
(Krank, schweigsam, allein, doch muthig, mitunter glücklich, fast immer ruhig — es geht schon! es geht schon! — und trotzdem, liebes Schicksal! ein klein wenig mehr Sonnenschein! bitte! bitte! —)
1878 (119 Briefe)
675. An Heinrich Köselitz in Basel (Widmung)
Эта партитура будет более плодотворной в Ваших руках, мой дорогой друг Кёзелиц, чем в моих: она, безусловно, давно тоскует по более достойному владельцу и последователю искусства, чем я, если только в ней сохранилось хоть что-то от души великого человека, который мне её передал. То, чего я желаю от Вас, в основном будет тем же, чего Вы желаете от себя; довольно того, что я чаще представляю Вас говорящим в духе гётевского Фауста:
«— сей круг земной
«Дает простор для дел великих.
«Свершится дивное, и в миг
«Я чувствую прилив отваги.»
Новый год 1878
Преданный Вам
Ваш друг и учитель
Фридрих Ницше
675a. An Paul Widemann in Basel (Widmung auf der Partitur der „Meistersinger von Nürnberg“)
Это произведение, первоначально подарок Рихарда Вагнера, который я получил в Трибшене, когда впервые праздновал там с ним Рождество в 1869 году, я сегодня вкладываю в руки господина Пауля Видемана, как для того, чтобы дать ему знак моего теплого и глубокого уважения, так и для того, чтобы знать, что у него в собственности находится залог его памяти обо мне. Пусть этот достойный друг всегда помнит о том, что я останусь верен в надежде на его мастерство и его искусство, верен в вере в его великую силу, изобретательность и выносливость. Да, однажды настанет день, когда все надежды и чаяния исполнятся!
Фридрих Ницше
676. An Richard und Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)
R<ichard> В<агнер> и суп<руга>
Направляя вам — , я доверительно вверяю свою тайну в ваши руки и руки вашей благородной суп<руги> и полагаю, что отныне она станет и вашей тай<ной>. Эта книга — моя: я вынес в ней на свет свои сокровеннейшие чувст<ва> о человеческих вещах и впервые обошел периферию собственного мышления. Во времена, полные парокс<измов> и мучений, эта книга была моим утешением, которое не подводило там, где отказывали все другие средст<ва> утешения. Возможно, я еще жив лишь потому, что был способен на нее.
Пришлось выбрать псевдон<им>, во-первых, потому, что я не хотел мешать восприятию моих прежних сочинений, во-вторых, чтобы предотвратить публич<ное> и частное очернение моего достоинства (поскольку мое здоровье больше не выдерживает подобного), и, наконец, в особенности потому, что я хотел сделать возможной предметную дискуссию, в которой могли бы участвовать и мои столь интеллигентные друзья всех мастей, без того чтобы деликатность, как прежде, стояла у них на пути. Никто не хочет писать и говорить против моего имени. Но я не знаю никого из них, кто разделял бы взгляды этой книги, однако я очень жажду узнать контраргументы, которые могут быть выдвинуты в данном случае.
Я чувствую себя как офицер, взявший штурмом редут. Пусть ранен — но он наверху и — разворачивает теперь свое знамя. Больше счастья, гораздо больше, чем страданий, как бы ужасно ни было зрелище вокруг.
Хотя, как я уже сказал, я не знаю никого, кто был бы сейчас моим единомышленником, у меня все же есть воображение, что я мыслил не как индивид, а как коллектив — самое странное чувство одиночества и многоликости. — Герольд, скачущий впереди, <который> не знает точно, последует ли за ним рыцарство или существует ли оно еще.
677. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Пожалуйста, дорогой господин Шмайцнер, приведите это в порядок в рукописи, я не могу найти это место в своих бумагах
678. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg
Вы так добры, мой дорогой, дорогой друг, со своими пожеланиями и обещаниями, а я сейчас так беден. Каждое Ваше письмо — это прекрасный кусочек радости жизни для меня, но я не могу дать Вам ничего, совсем ничего взамен. Снова, во время рождественских каникул, злые, злые дни, да что там, недели прошли мимо меня: теперь посмотрим, на что способен новый год. Свести нас вместе? Я держусь за это.
Вчера, присланный Вагнером, «Парсифаль» пришел в мой дом. Впечатление от первого прочтения: больше Листа, чем Вагнера, дух Контрреформации; для меня, слишком привыкшего к греческому, человечески всеобщему, всё это слишком по-христиански ограничено во времени; сплошная фантастическая психология; никакой плоти и слишком много крови (особенно во время Тайной вечери всё кажется мне слишком полнокровным), к тому же я не люблю истеричных женщин; многое, что терпимо для внутреннего взора, вряд ли будет выносимо при исполнении: представьте себе наших актеров молящимися, дрожащими и с экстатически вытянутыми шеями. Также внутреннее убранство замка Грааля не может быть эффектным на сцене, как и раненый лебедь. Все эти прекрасные выдумки принадлежат эпосу и, как я уже сказал, внутреннему взору. Язык звучит как перевод с чужого наречия. Но ситуации и их последовательность — разве это не высочайшая поэзия? Разве это не последний вызов музыке?
На сегодня достаточно, примите это как есть. Вам и Вашей дорогой супруге
преданный
Ваш друг Ницше.
P. S. Липинер, судя по его письму ко мне, хороший вагнерианец; между прочим, стоило бы почти пожелать, чтобы он еще раз переписал «Парсифаля».
679. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель!
Сегодня лишь сообщу, что я готов уступить Вашим соображениям, ибо речь здесь идет о Вашей выгоде, в чем Вы, разумеется, должны быть лучшим судьей, нежели я. Тем настоятельнее прошу о вышеупомянутой скрытности во время изготовления книги и о возможном ускорении оного (я ожидаю обещанные 5 печатных листов еженедельно).
С сердечным приветом и благодарностью
Ваш
Проф. д-р Фридрих Ницше.
(продиктовано.)
Первый корректурный лист с рукописью титула и предисловия отправляется Вам одновременно.
680. An Carl Burckhardt in Basel
Глубокоуважаемый господин президент,
Ввиду продолжающегося расстроенного состояния моего здоровья я сам недавно вознамерился подать Вам прошение об освобождении меня от должности преподавателя в здешних высших учебных заведениях вообще. Однако совет моего врача и его мнение, что не стоит отчаиваться в выздоровлении, которое вновь позволит мне по крайней мере справляться с моими задачами в университете, побудили меня ограничить мое прошение на данный момент окончательным освобождением от моих обязательств в здешнем педагогиуме. Заключение господина профессора доктора Массини, которое обосновывает это, я прилагаю. Покорнейше прошу Вас, глубокоуважаемый господин президент, ходатайствовать перед высоким органом народного просвещения о моем увольнении с должности преподавателя педагогиума и при этом выразить мое личное сожаление о том, что я вынужден покинуть заведение, в котором я работал с удовольствием; надеюсь, что этим новым обращением к благосклонности высокого ведомства, за которую я и так уже чувствую себя обязанным выразить благодарность, я не превышу ее меры.
С совершенным почтением
Ваш покорнейший проф. д-р Ф. Ницше
681. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Пожалуйста, исправьте на странице 142 в строках 6 и 5 снизу: вместо: die höchsten Efflorescenzen der Welt должно быть:
die absonderlichsten Ausnahmen in der Welt
С глубочайшим почтением
Ф. Н.
682. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Отель Stadt Paris
Софиенштрассе
Баден-Баден
683. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Довольно измотан. У доктора Бертона. Он живет прямо напротив. — В Герольдзау: чудесно! Какое освежение!
Отель
Штадт Париж
Софиенштрассе
Почему прислали зимнее расписание? —
Сердечно твой
684. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Адрес:
Отель
Город Париж
Софиенштрассе
Баден-Баден
685. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Пока не хорошо. Бессонница, рвота, истощение. Но я доверяю месту и купальне (купальня и заведение прекрасны выше всяких похвал!) Также отель хорош, опрятен, тих; кроме меня, только 3 постоянных гостя, как я и хотел. Спасибо за открытку. — Спроси баронессу фон дер Пален, получили ли она и госпожа фон Бреверн в свое время 4 моих сочинения, отправленные по их римскому адресу. — Прошу адрес Липинера. — Лист 11 пришли мне сразу.
Преданный тебе брат.
686. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Четверг совсем злой день: постоянно в постели. Ночь до и после бессонная, с очень, очень сильными болями. Плохая погода. — Большое спасибо за известия и письмо. —
Фрич банкрот. Пожалуйста, поищи немедленно вместе с Кёзелицем письмо Ф., в котором он просит об отсрочке. Вероятно, всё потеряно; но Шмайцнер хочет сделать всё возможное. Пришли мне это письмо. — Серых брюк и веера не было, возьми их с собой в Наумбург.
Твой горячо любящий
Брат.
Пятница./ Повседневная жизнь и еда мне подходят, учитывают всё, что касается усвояемости и т. д. В плохие дни тапиоковый буль<он>, чай с молоком, англ. бисквиты, tout comme chez nous!
687. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Помогите мне, мое здоровье запрещает мне любые самостоятельные действия в этом неприятном деле, о котором я сообщил. Вы пишете: «переуступите мне требование по второму изданию»; пожалуйста, продиктуйте мне формулировку, в которой я могу это сделать; в деловых вопросах я глупец. — Фрич заплатил 100 талеров за первое издание; за второе я требовал столько же. Он просил об отсрочке и письменно обязался не продавать ни одного экземпляра, пока не расплатится со мной. Я был настолько любезен, что не напоминал ему об этом 4 года, хотя тогда (на Пасху 1874 или 73 года?) он обещал мне выплату к ближайшему Рождеству. — В апреле я хочу встретиться с Вами в Лейпциге
Искренне Ваш Ф. Н.
688. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Предупредите господина Кипке и пригрозите ему судебным разбирательством с моей стороны из-за мошеннической продажи: ни один экземпляр не должен быть продан, пока не выплачен гонорар — так письменно условлено между мной и Ф<ричем>. — Я сам пишу Фричу. — Ведь вы сказали в типографии, что один авторский лист должен отправляться мне в Баден, а другой, как и прежде, господину Кёзелицу в Базель? Я удивляюсь, как медленно и нерегулярно всё это движется. — Сердечно приветствую
Ваш глубоко страдающий
Ф. Н.
689. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Сердечно благодарю. Погода будет хорошая. Мое самочувствие среднее с последнего приступа. Да, если бы я мог прожить здесь год! Тогда можно было бы поправиться! — Спасибо нашей матери за письмо, я не отвечаю, не могу. —
Я в полном бешенстве, что корректурные листы не доходят до меня; неужели это шутки!! Я ведь должен до корректур Кёзелица и Видемана сам читать; для этого ведь так и устроено. Весь мир сошел с ума!
690. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Дорогой друг, в № 237, стр. 201 ближе к концу, отсутствует предложение: выпишите его из рукописи на почтовую открытку и отправьте её немедленно г-ну Шмейцнеру, я его уведомил. В печати сказано: «чтобы использовать его нововведение против Папы в качестве инструмента». За этим следует, если я правильно помню, целое предложение, которое в печати отсутствует. Затем в печати продолжается: «Без этих намерений Лютер и т.д.
В первых 9 корректурных листах я заметил немало опечаток, но, собственно, не искажающих смысл.
Вы со мной намучаетесь!!
Сдержите свое обещание и приезжайте на несколько дней в Баден!
От всего сердца Ваш Ф. Н.
691. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Не отдавайте корректурный лист 13, который следует здесь, в типографию до тех пор, пока к Вам не придет письмо от друга Кёзелица. Он забыл внести кое-что из рукописи, что наборщик забыл набрать — одну фразу на стр. 201. —
Что касается места, где я цитирую самого себя, то при корректуре будет внесено небольшое изменение.
Итак, 1 лист всегда мне в Баден, другой в Базель г-ну Кёзелицу. Я очень пунктуален. Если бы только такой же была типография! Сколько всего листов? — Э. В. Фричу я написал, мне любопытно
С покорнейшим приветом
692. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Пожалуйста, достаньте и пришлите мне сюда:
Grisebach,
die deutsche Litteratur von 1770 an
IIte Auflage. Stuttgart, Kröner.
Затем: можете ли вы приобрести для меня по сходной цене выходящий сейчас немецкий перевод
Taine, Geschichte der englischen Litteratur?
Сегодня утром я отправил вам 13-й печатный лист.
С сердечным приветом, ваш
F N.
693. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
На самом деле я вовсе не свирепствовал против тебя, тебе просто довелось услышать, что я свирепствую против всего мира: немного из-за проволочек в типографии в Хемнице, немного из-за Фрича. (Которому я должен был написать длинное письмо!) Со здоровьем тоже дело не движется. Со вчерашнего дня погода отвратительная, за моими окнами ярмарка в слякоти. Тем не менее — дела идут лучше, чем в Базеле, я и ем больше, и мне это идет на пользу. Врач — вопросительный знак?? Ванны хорошие и очень безобидные. Дороги чудесные, но со вчерашнего дня нет возможности гулять. Пошли Хаузеггера сюда и напиши ему пару слов в оправдание моего состояния. Овербекам сердечные<iche> приветы. Не сердись на своего
Ф.
694. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
вся цитата на стр. 201, строка 8 сверху, гласит:
ибо император защищал его, чтобы использовать его нововведение против папы как инструмент давления, и точно так же папа втайне покровительствовал ему, чтобы использовать протестантских имперских князей в качестве противовеса императору. Без этого странного взаимодействия намерений Лютер был бы сожжен и т. д.
на стр. 207 сказано: Утешительная речь отчаявшегося прогресса. —
Сегодня утром я ожидал 14-й авторский лист, тщетно!
Будьте здоровы, сердечное спасибо
Ваш преданный д-р Ф. Н.
695. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Но, глубокоуважаемый господин издатель, вы помните наш договор: конфиденциальность до 1 мая! Я не могу отступить от этого ни на йоту, кроме как в следующем: с момента отправки бесплатных экземпл<яров> вы можете давать объявления в книготорговом «Börsenblatt», в «Bayr<euther> Bl<ättern>» и т. д., но не раньше. Поторапливайте печатника, сегодня опять не пришло ни одного листа. —
Я как раз отправляю 14-й лист. Открытка со вставленной фразой, из-за которой я писал вам (и Кёзелицу) ранее, ведь у вас в руках? —
Фрич удовлетворительно объяснил свои отношения с г-ном К<ипке>. Он пишет: «Разумеется, будущий владелец был обязан г-ном Кипке выплатить вам гонорар». Я спрашиваю вас: был ли действительно г-н К<ипке> проинформирован о том, что Ф<рич> еще не выплатил гонорар? Или он узнал об этом только от вас? — По сути, это не имеет значения. —
Мне плохо, очень плохо. Если бы только эта печать уже закончилась! Я ведь на самом деле не должен и не могу читать и писать. Итак, помогите, дорогой господин издатель. В апреле увидимся.
Ваш Ф. Н.
696. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Когда ты хочешь уехать? — Значит, не в Наумбург? Ну что ж, для меня это будет странное существование; но, в самом деле, для тебя Висбаден, вероятно, приятнее и спокойнее — а три недели спустя мы ведь снова будем вместе! — Пожалуйста, решай полностью по своему усмотрению. — Погода зимняя, очень! но прекрасная, и моему самочувствию не вредит. Я много гуляю по заснеженному еловому лесу; много хороших дорог. — Пошли бедному Бр<еннеру> от моего имени снова несколько апельсинов того маленького сладкого сорта, лихорадочным больным разрешено их есть. Я не совсем знаю, чего желать — зная его. Только бы не пожизненная<я> немощь для него, в его состоянии. Кёзель<ицу> и Видеман<ну> сердечн<ые> приветы: я бы скучал по маленьким карандашным предложениям на последнем листе: они ведь не должны были сдерживать сомнения, я так благодарен за них. — Овербеки — лучшие.
С сердечной любовью и преданностью, твой.
697. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Также: в пятницу в 1:48 на вокзале, после этого мы пообедаем. Много рассказывать? Пожалуйста, принеси адреса, ради книг. Также записную книжку, которую мать подарила мне на Рождество, она лежала на письменном столе наверху. Также фунт хорошего свежего шоколада (ок. 3 франков). Скажи, что Кёзелиц ведь непременно приедет в воскресенье (он мне нужен!). Здесь дождливая погода; из-за этого я чувствую себя не совсем хорошо, но уже 13 дней нет приступов. При моей карте и решении остается: от всего сердца прошу тебя, с твоей мудростью и любовью преодолеть это. Так что смело увольняйся. Я могу сказать, что только соображения высшего порядка, а не что-то мелочное, определяют меня в этом. — Тебя ждут с любовью, и ты найдешь комнату рядом с моей.
Преданно твой
Твой.
Кёс<елиц> должен выехать из Базеля в 5 часов утра! — Пожалуйста, спроси у фрейлейн фон М<ейзенбуг> точный адрес Г. Моно.
698. An Franziska Nietzsche in Heckholzhausen (Postkarte)
Я обязательно приеду в Наумбург в первую неделю апреля. С самыми сердечными приветами, твой сын.
Фридрих Ницше
699. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden (Postkarte)
Очень напуган и опечален!! Только что подал заявление в дирекцию железной дороги. При отъезде у меня было предчувствие несчастья. — С тех пор мое самочувствие было неизменно плохим. К тому же дурная погода. Превосходный Кёзелиц помогал и был полезен во всех отношениях.
Напиши, как твое здоровье (Возможно, это был паровой котел Медеи — «регенерационный курс» «омоложения»
Ф.
700. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Дорогой господин Шмайцнер!
Вы можете разместить объявления внутри книги; как Вы и сказали: окончание текста на 3-й странице с конца, предпоследняя страница пустая, последняя страница — объявление, точно так же:
Того же автора, господина проф. д-ра Фридриха Ницше из Базельского университета (Швейцария), у меня до сих пор вышли или перешли в моё издательство:
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названия
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Затем у меня вышло:
Д-р Пауль Ре, автор «Психологических наблюдений» (Берлин, Карл Дункер.)
Происхожд<ение> нра<вственных> чув<ствований> затем Овербек и т. д.
Глубокоуважаемый господин издатель, не могли бы Вы, быть может, на этой неделе прислать мне сюда почтовым переводом часть гонорара, возможно, 300 марок? Остальное передадите мне при личн<ой> встрече в Лейпциге?
Преданный Вам
Д-р Ф. Ницше
Баден-Баден, 26 марта 1878 г.
701. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Всё, что Вы отправите из Базеля до вечера среды (последний срок — ночной поезд в 9 часов вечера в среду), попадет ко мне в руки в Бадене (откуда я уезжаю в четверг до полудня)
Как хорошо и мило с Вашей стороны, что Вы были у меня!
Преданный Вам
Ф.Н.
702. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Пожалуйста, в качестве заключительного афоризма добавьте 8-ю главную часть (Государство), если есть место:
И еще раз сказано. — Общественные мнения — частные лености.
На этом рукоп<ись> завершена. Я хотел уехать в следующий четверг утром? Не могли бы Вы, мож<ет> быть, к тому времени сделать возможной запрошенную отправку? — И нельзя ли со стороны типографии устроить так, чтобы к этому сроку все коррект<урные> листы были у меня в руках? (чтобы во вторник вечером последний ушел из Хемница в Баден) В противном случае адрес: Наумбург-на-Заале, на имя госпожи пастора Ницше. С покорнейшим приветом
Ваш Ф. Н.
703. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Итак, моя дорогая добрая матушка, до свидания в пятницу после обеда! В четверг рано утром я хочу уехать отсюда, чтобы провести ночь во Франкфурте.
Я приезжаю в значительной степени как пациент, улучшение здоровья в последние недели не продвинулось, погода становилась всё хуже.
Позволь мне просто жить тихо и уединённо, и ни в коем случае не беспокойся!
Заранее сердечно
обнимающий тебя, твой сын
Фридрих Ницше.
704. An Elisabeth Nietzsche in Heckholzhausen (Postkarte)
Милая добрая сестра, в четверг я отправлюсь в путь, в пятницу после обеда буду в Наумбурге. Своим здоровьем я снова очень недоволен, да и погода уж слишком плохая. — Из-за Ф<рича> в Лейпциге мне пришлось нанять адвоката. — Сердечно благодарю за все известия, я немного опасаюсь дела Эйзера с Кальдероном: лишь бы оно не стало злым камешком в ботинке! Известия от г-жи фон М<ейзенбуг> и Зейдл<ицев> раздражают меня своими фанфарами по поводу моего улучшения и мнимого «лечения холодной водой»: одиночество — вот лечение, одной холодной водой, конечно, не обойтись. И еще долгие годы мне придется влачить эту жалкую болезненность, это я тоже знаю.
Печать в Хемнице не двигается с места! Прощай, любимая сестра.
Приветствуй милых родственников, с наилучшими пожеланиями.
705. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Только что г-н Кёзелиц сообщил об ужасной опечатке: ради всего святого, поспешите её исправить!
стр. 290 строка 5 с
верху (в № 431)
Meere вместо Menon
В деле Фрича мне теперь кажется самым разумным довериться его письму и ничего не предпринимать (разве что навести справки у г-на Кипке, объяснил ли Ф<рич> ему в соответствии с письмом обязательство, лежащее на 2-м издании, и признает ли он его — но и это можно оставить без внимания
706. An Franz Overbeck in Basel
Любезный друг
завтра я уезжаю в Наумбург. Лечение в целом было слишком коротким, холодная вода, впрочем, была второстепенным делом, одиночество и прогулки — вот что было действительно эффективно, на что мне постоянно указывает инстинкт. Во всяком случае — здесь я всё же выдержал, в то время как базельская зима лежала на мне, как кошмар, — и в воспоминаниях лежит до сих пор.
Могу ли я попросить тебя 12, 13 или 15 апреля уладить мои дела с подоходным налогом и налогом на промысел? Для этого я высылаю 35 франков почтовым переводом и лист, который ты, будь добр, запечатаешь. С сердечной любовью, всегда помня о тебе и с наилучшими пожеланиями тебе и твоей милой, замечательной жене
Твой Фридрих Ницше
707. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Ваша копия восхищает меня, кажется, что именно благодаря Вашей руке музыка впервые вошла в мою «музыку». —
Читая Ваше прощальное письмо, которое Вы по своей доброте прислали мне в Баден, я задумался, не принадлежите ли и Вы к тем добрым духам, которые через искусство и жизнь ищут «философию утра»? —
Если мы оба останемся верны самим себе, то останемся верны и друг другу: я в это верю.
Будьте здоровы, дорогой друг
Фридрих Ницше
708. An Andreas Heusler in Basel
О мой бедный, бедный друг, с глубочайшим и искреннейшим сожалением я услышал о вашем одиночестве, поверьте мне, это несомненно так.
С любовью, ваш
Фридрих Ницше
709. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Вот, глубокоуважаемый господин издатель, последние листы, над которыми еще многое предстоит сделать! Пожалуйста, проследите за корректором типографии, который кажется мне далеко не достаточно внимательным. Самое важное — это то, что два фрагмента 628 и 638 должны поменяться местами — это очень существенное изменение!
Заголовок (только один цвет, черный) теперь может сойти. Что-то еще не так, но мы будем довольствоваться тем, что есть. То, что слово «Слишком человеческое» напечатано жирнее, чем «Человеч<еское>», из соображений красоты целесообразно, но из соображений здравого смысла мне не очень нравится.
Письма к авторским экземплярам<ам> я писать не могу — черт возьми каждое слово, которое я должен писать! — Никакого списка опечаток! Это ведь книга не для ослов. Но «Моря» должны быть вклеены так, как вы предложили.
В следующий вторник после обеда и в последующую среду я буду в Лейпциге (то есть послезавтра) по разным причинам. Господин доктор Ре также приедет туда. Если вы хотите меня видеть, я буду искренне рад. Но одно я должен предсказать вам, как и моему другу Ре: мое здоровье требует, во-первых, чтобы я почти всегда был один, и чтобы дружеская беседа длилась не дольше получаса — иначе мне придется за это расплачиваться.
Почему у вас автор — пациент!
Впрочем, готовая книга доставляет мне большую радость.
Я остановлюсь в Лейпциге в отеле «Stadt Rom»; этот дом ведь еще существует?
Значит, в пасхальное воскресенье я могу получить первый экземпляр здесь? Именной указатель для авторских экземпляров я привезу с собой в Лейпциг или пришлю вам.
С глубочайшим почтением
Ваш
Д-р Фридрих Ницше
710. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Не правда ли, полное молчание перед доктором Ре о нашем предприятии? Я очень прошу об этом.
Ф. Н.
Я хотел бы получить антикварные каталоги Brockhaus по английской и французской литературе, в частности, по немецким переводам с французского и английского языков.
711. An Karl Hillebrand in Florenz
Глубокоуважаемый господин
после зимы тяжелой болезни я теперь, в пору пробуждения здоровья, наслаждаюсь четырьмя томами Ваших «Народов, времен и людей» и радуюсь им так, словно это молоко и мед. О книги, от которых веет европейским воздухом, а не милым национальным азотом! Как это благотворно для легких! И затем: я хотел бы видеть автора, который сравнился бы с Вами в непредвзятости и благожелательном чувстве справедливости — или, вернее: я постараюсь познакомиться со всеми авторами — как мало их, однако, будет! — которые приближаются к Вам в отношении тех высоких добродетелей близко. —
Как я благодарен Вам за то, что Вы собрали эти очерки! Иначе они почти совсем ускользнули бы от меня, так как я не читаю ни газет, ни журналов и вообще, из-за близости слепоты, очень мало читаю (и пишу)
Это напоминает мне о том, что Вы говорили и о моих сочинениях: это, безусловно, единственное из того, что мне стало известно из суждений о них, что доставило мне подлинную радость. Ибо здесь судит, очевидно, превосходство (в опыте, вкусе и некоторых других вещах —), и тогда тот, кого судят, если он не дурак, с удовольствием принимает сторону против самого себя. И как охотно учишься у Вас!
Сердечно благодарный и преданный Вам
Д-р Фридрих Ницше,
Базельский университет (Швейцария).
Не ставьте в вину филологу педантизм: правильно «das Sophisma», а не «der Sophismus» — прошу прощения! —
712. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Г-н Видеман
Г-н Кёзелиц
}
экз. в переплете
1
Господину профессору д-ру Эрвину Роде
Йена
2
Господину д-ру Паулю Ре
(Берлин
(Мауэрштрассе, 2)
Стиббе близ Тюца
Мариенвердерский округ
3
Господину барону Карлу фон Герсдорфу
Берлин
4
Хедеманштрассе, 2
5
Господину барону фон Зейдлицу
Зальцбург
Мёнхсберг, № 8
6
Мадам де Мейзенбуг
Виа делла Польвериера, 3
Рим
Италия
7
Господину Зигфриду Липинеру
Вена
Пратерштрассе, № 48
8
Господину д-ру Генриху Ромунду
учителю гимназии в
Оснабрюке
9
Фрейлейн Матильде Майер
Майнц
Картхойзерштрассе, № 13
10
Госпоже Мари Баумгартнер
Лёррах
Тумрингер-штрассе
(Великое герцогство Баден)
11
Господину барону Эммериху Дюмону
Грац, Австрия
Гётештрассе, № 6
12
Господину д-ру Карлу Фуксу
Гиршберг
провинция Силезия
13
Господину профессору д-ру
Чарльзу Хиллебранду
Флоренция
Лунго д’Арно
Италия
14
Г-ну Дж. Круму Робертсону
профессору Университетского колледжа
Лондон
Лортон-террас, 6; Ладброк-роуд. З.
15
Библиотеке в Базеле, в любезные руки господина
библиотекаря д-ра Зибера.
16
Господину д-ру О. Айзеру
Франкфурт-на-Майне
Гроссер-Хиршенграбен, № 25
17
Господину профессору, гофрату д-ру Хайнце
в
Лейпциге
Гриммайше-штрассе
18
Г-ну д-ру Паулю Дейссену
приват-доценту Политехникума
в
Ахене.
19
Господину Гансу барону фон Бюлову
королевскому капельмейстеру в
Ганновере
20
Господину Рихарду Вагнеру в
Байройте
21
Госпоже Рихард Вагнер
урожд. Лист в
Байройте
22
Профессору д-ру Якобу Буркхардту
Базель
23
Проф. д-ру Овербеку
Базель
Эйлерштрассе
24
Проф. д-ру Массини
Базель
Элизабетенштрассе
25
Проф. д-ру Шису
Базель
26
Господину Георгу Фюрстенбергеру-Фишеру
Базель
27
Госпоже Ротплец, дом Фалькенштайн в Цюрихе (Швейцария)
28
Г-ну проф. Габриэлю Моно (исторический журнал) Париж
рю д’Ассас, 76.
м<оей> сестре / До каких пор?
713. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Адрес Моно:
M. le professeur Gabriel Monod
76 rue d’Assas
Paris
Прошу прислать мне последние корректурные листы как можно скорее сюда. Отъезд в среду рано утром после Пасхи.
«Апология» Платона получена, премного благодарен. — Но что я увидел в книготорговом «Börsenblatt»! О, господин издатель! —
Свою поездку в Лейпциг я вынужден тяжело искупать двухдневным приступом. — Ваш покорнейший
Ф. Н.
714. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Я прошу о незамедлительной отправке
задержанных сигнальных экземпляров.
715. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Завтра путь лежит назад, в Базель, но во всех остальных отношениях — вперед, надеюсь! — За Лейпциг мне, конечно, пришлось поплатиться, но вам пришлось поплатиться мною (моим терпением и т. д.), это было тяжелее, и как же великодушно вы это перенесли! Я вспоминаю о вас с сердечной благодарностью, как и моя мать.
В ближайшие дни вам по моему поручению кое-что пришлют, так как я заметил, что вы дважды упоминаетесь там, на стр. 43 и стр. 45. — Вы не против? Ваш
друг Ф. Н.
716. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Дорогой господин издатель, благодарю за письмо и пожелания. Завтра вечером отправляюсь в Базель. — Мне очень приятно теперь знать, как Вы выглядите. Надеюсь, между нами всё останется по-старому — и по-доброму. —
Ф. Н.
Ещё несколько книжных пожеланий.
Ренан,
философские диалоги. Переведены на немецкий язык (изданы в 1878 г.)
Тэн,
происхождение современной Франции, том I, Лейпциг, Гюнтер.
(Титульным листом доволен)
717. An Paul Rée in Stibbe
Милый друг, часами я мысленно прогуливаюсь с Вами; мы, две утомленные полетом птички, не знаем ничего лучшего, как щебетать друг с другом, сидя на одной ветке. Так мне кажется. Все солнце, которым я наслаждаюсь, пусть будет приятно и Вам — а теперь делайте с присланной книжечкой, что хотите. Она принадлежит Вам, — другим она дарится.
Ф Н
Куда Вы собираетесь летом? Может быть, в Этрета в Нормандии? Или? — Здоровье невыразимо плохое.
718. An Isabella von der Pahlen in Reval (Entwurf)
Именно на вокз<але> в Турине я дал вам обещание в тум<анных> выражениях (ибо я испытываю робость, говоря о детях, которые еще не родились). Короче говоря: то, что я тогда имел в виду, — это книга. Пожалуйста, примите ее, как и меня самого, в качестве случайного попут<чика> и будьте благосклонны.
Фр. в. д. Пален
719. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Скажите, многоуважаемый господин издатель, как же это возможно, что сегодня, 6 мая, автор еще не видел ни одного готового экземпляра своей книги? — Пожалуйста, отправьте переплетён<ный> экземпл<яр> господину Кёзелицу напрямую по его нынешнему месту жительства, у меня нет его адреса, и я не хочу больше задерживать.
— Неделя лекций позади, вторая началась — тяжело! тяжело! но должно получиться!
Желаю Вам самого большого успеха
преданный Вам
Ф. Н.
720. An Paul Rée in Stibbe
Что ж, было бы просто чудесно, если бы я, мой возлюбленный друг, доставил Вам радость своей книгой — ведь иначе* я вызывал лишь досаду, недопонимание и отчуждение, как кажется, судя по всему опыту переписки. Я же чувствую себя помолодевшим, подобно горной птице, которая сидит высоко наверху, у самых льдов, и смотрит вниз на мир.
Если мы будем крепко держаться друг друга, то и многое другое будет держаться крепко, и в доме науки будет проделана добротная плотницкая работа, за которую нас обоих когда-нибудь похвалят.
Я в полной академической деятельности. Здоровье шаткое и опасное, но — я чуть было не сказал: «какое мне дело до моего здоровья!»
А как Ваше? Желая всего самого целительного и благословенного другу,
всегда Ваш
Фридрих Ницше
(вместе с пожеланиями и приветами
моей сестры)
721. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg
Дорогой друг,
уже три недели я снова в полной академической летней деятельности — очень доволен этим! Мало свободного времени! — Сегодня лишь намек, который поймет друг.
Если вы можете прочувствовать то чувство — несравненное — впервые публично объявить об идеале и своей цели, которой нет ни у кого другого, которую почти никто не может понять и которой теперь должна быть посвящена бедная человеческая жизнь, — то вы также поймете, почему в этом году, как только моя профессия меня освободит, мне нужно одиночество. Никакого друга — никого я тогда не хочу, это так необходимо. Примите это, пожалуйста, без обсуждений. —
Некоторые слова вашего письма меня почти испугали. Неужели вы действительно когда-либо в своих мыслях тоже прошли этот страшный путь с его последствиями Via mala — не ходите по нему снова! Я ничего об этом не знал. Насколько я успел вас узнать, я позволил бы себе сказать: ваш темперамент и ваше положение в жизни для этого не подходят: неудовлетворенность и мучения были бы вашей долей, и никто не извлек бы из этого пользы.
Я бы охотно услышал от вас что-нибудь о впечатлении, которое произвел на вас Липинер. Что касается меня, то он сделал себя невозможным своими неоднократными попытками издалека распоряжаться моей жизнью и вмешиваться в нее советами и действиями. Такое я презираю: никто из моих старейших друзей не осмелился бы предлагать мне такие дерзкие вещи. Отсутствие стыда — вот что это. От такого человека я должен быть совсем в стороне, тогда мне вполне удается самому стать его другом — но in partibus.
— Моя сестра, которая в этот раз предоставила мне поблагодарить превосходного и благородно мыслящего автора письма, сейчас читает мою новую книгу, но далека от того, чтобы делать из-за этого недовольное лицо. Я думаю, она считает части, на которые вы намекаете (свободный дух и брак), правильными. С ними не имеют ничего общего ненормальные обстоятельства, при которых мы, брат и сестра, решили некоторое время жить вместе и которые никому не нужно знать ближе. — Я полагал, что все женщины при чтении таких вещей желали бы себе счастья не иметь в мужьях свободных духом: и так я думал, что содействовал супружескому счастью в целом.
Ничто не дальше от меня, чем делать прозелитов: никто, как я, не предостерегал и не отпугивал от опасности свободного духа.
Оставайтесь ко мне добры, мой дорогой друг. Вам и вашей глубокоуважаемой супруге
преданный вам
Фридрих Ницше.
721a. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg (Entwurf)
Можете ли вы прочувствовать то самое чувство — несравненное — впервые публично объявить о цели, которой нет ни у кого другого, которую почти никто не может понять и которой теперь должна быть посвящена бедная человеческая жизнь? — Так вы поймете, если в этом году мне понадобится одиночество — как только моя профессия (и летний семестр университета) освободит меня. Никаких друзей — никого я тогда не хочу — это необходимо. Примите это, пожалуйста, без обсуждений.
Одно слово из вашего доброго письма меня почти испугало. Неужели вы действительно когда-либо в своих мыслях проходили этот страшный путь с его via mala-последствиями — не ходите по нему снова! Насколько я вас знаю — но, возможно, я знаю вас слишком мало — я хотел бы позволить себе сказать: ваше положение в жизни и ваш темперамент для этого не созданы: неудовлетворенность и мучения были бы вашей долей, и — никто не извлек бы из этого пользы.
Добрый Липинер — на самом деле он сделал себя невозможным для меня своими неоднократными попытками распоряжаться моей жизнью издалека и вмешиваться в нее советами и делами. Таких людей я презираю, насколько способен на это чувство. Отсутствие стыда — вот что это такое. От такого человека я хотел бы быть очень далеко, я тогда вполне понимаю, как стать его другом, но in partibus.
Моя добрая сестра сейчас читает книгу, но она далека от того, чтобы делать недовольное лицо. Она считает части, на которые вы намекаете, правильными. Анормальные условия, при которых мы оба решили некоторое время пожить вместе, не имеют к ним никакого отношения.
Мы очень смеялись над тем, что вы могли такое подумать. Я верю, что все женщины при чтении подобных вещей пожелали бы себе счастья — не иметь в мужьях вольнодумцев — и именно так я полагал, что способствую супружескому счастью в целом. — Ничто не чуждо мне более, чем обращение в свою веру; никто так, как я, не предостерегал от вольнодумца и не отшатывался от него.
722. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Итак, отправку г-ну Кёзелицу берете на себя, почтеннейший сударь. 3 экземп<ляра> попали мне в руки вчера. При столь прекрасном оформлении я сожалею о небрежной неравномерности ширины полей (даже при переплете это не исправить!) — Покорнейше благодарю за Ваше письмо: оно не содержало ничего неожиданного, за исключением Ваших собственных планов и намеков, которые я не совсем понимаю: отчего я с напряжением ожидаю «пистолета». — Но сохраняйте и в своих планах мысль о моей «суверенности» и независимости, хорошо? С партийными листками какого бы то ни было рода я никогда не имею ничего общего. — Вот и все. Посреди моей полной академической деятельности и очень счастлив, что снова могу заниматься ею в полной мере. Вы думаете, я «писатель»? — С сердечным приветом
Ф. Н.
723. An Heinrich Köselitz in Venedig
Дорогой друг, в день Вольтера ко мне пришло две вещи; и то, и другое было трогательно и волнующе: Ваше письмо, а затем анонимная посылка из Парижа, бюст Вольтера с карточкой, на которой были только слова «l’âme de Voltaire fait ses compliments à Frédéric Nietzsche».
Если я прибавлю к Вам тех двоих, кто действительно порадовался моей книге, Ре и Буркхардта (который неоднократно называл её «суверенной книгой»), то получу намёк на то, какими должны быть люди, чтобы моя книга могла произвести быстрый эффект. Но она этого не сделает и не может, как бы мне ни было жаль превосходного Шмайцнера. Из Байройта на неё наложено своего рода заклятие: и, по-видимому, великая отлучка от церкви наложена одновременно и на её автора. Только вот пытаются всё же удержать моих друзей, в то время как теряют меня — и так я узнаю о многом, что происходит и планируется у меня за спиной. — Вагнер упустил великую возможность проявить величие характера. Меня это не должно смущать ни в моём мнении о нём, ни в мнении о себе.
Да, если бы кто-то захотел посвятить такому произведению столько же глубокой серьёзности и времени, сколько это сделала Ваша доброта, то из этого наверняка вышло бы что-то стоящее: а именно новые мысли и чувства, а также более бодрое настроение, словно человек попал в ставший более лёгким горный воздух. Ре говорит, что он, по сути, лишь однажды испытал такое же настроение продуктивного наслаждения от книги — от «Разговоров» Эккермана; у него уже возникли целые тетради размышлений.
Это как раз то лучшее, на что я надеялся — пробуждение продуктивности других и «приумножение независимости в мире» (как сказал Я. Буркхардт).
Моё здоровье улучшается, я неутомим в прогулках и одиноких раздумьях. Я радуюсь весне и спокоен, как тот, кого уже не так легко сбить с пути. — Если бы я мог так жить до самого конца! —
Всё это о себе, потому что Вы хотите услышать что-то обо мне. О многом я хотел бы умолчать: о смерти и последних мучительных временах Бреннера, о странном отчуждении многих знакомых и друзей.
Оставайтесь ко мне добры, во всей свободе. — Как я понимаю Ваше «непостоянный и беглый», как же Вы похожи на меня в этом! — А теперь растите всё дальше и дальше! В этой надежде я всегда
Ваш друг Ф. Н.
724. An Louis Kelterborn in Basel
Мой дорогой бедный господин доктор,
будьте уверены, что я, как и моя сестра, с самым сердечным участием вспоминаем о Вас в эти дни, и что я желал бы найти средство, чтобы после такой утраты и в Вашем болезненном одиночестве сделать жизнь для Вас утешительной и достойной того, чтобы жить.
Присланные мне недавно Ваши письма тронули меня: право, Вы мне очень близки, если способны так чувствовать. Оставайтесь ко мне добры.
Скорбя вместе с Вами
Фридрих Ницше.
725. An Malwida von Meysenbug in Rom (Postkarte)
Кто же вспомнил обо мне 30-го мая? Пришли два очень хороших письма (от Кёзелица и Ре) — а затем еще кое-что более прекрасное: я был совершенно потрясен — — судьба человека, о котором даже спустя 100 лет существуют лишь партийные суждения, предстала передо мной как страшный символ: по отношению к освободителям духа люди наиболее непримиримы<t> в ненависти, наиболее несправедливы в любви. Тем не менее: я хочу тихо идти своим путем и отказаться от всего, что могло бы мне в этом помешать. Кризис жизни настал: если бы у меня не было ощущения чрезмерной плодотворности моей новой философии, мне, пожалуй, стало бы ужасно одиноко. Но я в согласии с самим собой. — С Сорренто теперь для нас навсегда связан образ доброго А<льберта> Бр<еннера>; трогательно и меланхолично — могила юного старика в этом вечно юном безмятежном мире. — От всего сердца преданный Вам
Ф. Н.
726. An Reinhart von Seydlitz in Salzburg (Postkarte)
Мне очень приятно и желательно, чтобы кто-то из моих друзей оказывал В<агне>ру добро и дружелюбие: ибо я все менее способен доставить ему (такому, какой он есть — старый неизменный человек) радость. Его и мои стремления совершенно расходятся. Это причиняет мне достаточно боли — но на службе у истины нужно быть готовым к любой жертве. Знай он, кстати, все, что у меня лежит на сердце против его искусства и его целей, он счел бы меня одним из своих злейших врагов — чем я, как известно, не являюсь. — Мое последнее письмо было, вероятно, очень неясным? Под последствиями Via Mala я имел в виду свои взгляды на мораль и искусство (которые являются самым тяжелым, что чувство истины вырвало у меня до сих пор!) — Через 14 дней у нас большое расформирование нашего хозяйства: моя дорогая сестра теперь навсегда возвращается к моей матери. — Покорнейше благодарю за песню Хамде: кто переводчица? —
Вам обоим от всего сердца преданный
Ф.Н и Л.Н.
727. An Erwin Rohde in Jena
Так оно правильно и хорошо, любезнейший друг: мы с тобой все же не стоим на глиняном постаменте, который может опрокинуть одна лишь книга.
На сей раз я спокойно жду, как волны, в которых плещутся мои бедные друзья, постепенно улягутся: если я и столкнул их в эти волны — жизни это не угрожает, я знаю это по опыту; а если где-то здесь и есть угроза дружбе — что ж, будем служить истине и скажем: «до сих пор мы любили друг в друге лишь облако».
Многое можно было бы сказать, еще больше невыразимого при этом подумать: в шутку осмелюсь лишь на сравнение, что я подобен человеку, который устроил большой пир, а гости разбежались, едва взглянув на все эти яства. Если же кто-то один или другой хотя бы немного отведает кушаний (как ты, дорогой мой, оказываешь честь грекам), то упомянутый человек уже весьма этим доволен.
Не размышляй над возникновением такой книги, а продолжай выуживать из нее то одно, то другое. Быть может, настанет час, когда ты со своей прекрасной конструктивной фантазией увидишь целое как целое и сможешь разделить величайшее счастье, которое я до сих пор испытывал.
К слову: ищи всегда только меня в моей книге, а не друга Ре. Я горжусь тем, что открыл его великолепные качества и цели, но на концепцию моей «Philosophia in nuce» он не оказал ни малейшего влияния: она была готова и в значительной мере доверена бумаге, когда осенью 1876 года я познакомился с ним ближе. Мы встретились на одной ступени: наслаждение нашими беседами было безграничным, польза, безусловно, очень велика для обеих сторон (так что Р<е> с любящим преувеличением написал мне в своей книге (Происх<ождение> нра<вственных> чув<ств>) «отцу этого сочинения с глубочайшей благодарностью — его мать»)
От этого я кажусь тебе, быть может, еще более странным, непостижимым? Если бы ты только чувствовал то, что чувствую я теперь, с тех пор как наконец определил свой жизненный идеал — свежий, чистый горный воздух, мягкое тепло вокруг меня — ты смог бы очень, очень порадоваться за своего друга. И этот день настанет.
От всего сердца
Твой Ф.
Моя дорогая сестра шлет сердечный привет. Знаешь ли ты уже, что через 2 недели она возвращается в Наумб<ург>?
728. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель,
Мужества мне вам, конечно, внушать не приходится; ваш опыт горек, но разве не правда, что мы оба хотим честно стремиться к тому, чтобы при этом самим оставаться «сладкими», как добрые плоды, которым злые ночи не должны слишком сильно вредить? Солнце еще будет светить — пусть даже не байройтское солнце. Кто может сейчас сказать, где восход, где закат, и кто посмеет чувствовать себя застрахованным от заблуждений? Однако не стану скрывать, что я от всего сердца благословляю появление моей свободомыслящей светоносной книги в тот момент, когда тучи сгущаются над культурным небосводом Европы и намерение погрузить всё во тьму почти вменяется в мораль.
С «Гомером» не выходит, я очень сожалею.
Прилагаю пожелание получить продолжение «Франции» Тэна, а затем
Классический песенник Э. Гейбеля
(Берлин, Герц)
С покорнейшим приветом
Ваш
Ф. Н.
729. An Carl Fuchs in Hirschberg
Вы один из самых первых, дорогой и почтенный господин доктор, кто воспринимает мою книгу практически: я очень этому рад, ибо это доказывает мне, что благо, которое я тем самым оказал самому себе, — также передаваемо. Не чувствуете ли вы теперь, оглядываясь назад, нечто вроде горного воздуха —; вокруг нас стало несколько холоднее, но насколько свободнее и чище, чем в тумане долины! Я, по крайней мере, чувствую себя бодрее и решительнее ко всему доброму, чем когда-либо, — и в десять раз мягче к людям, чем во времена моих прежних сочинений. В сумме и в мельчайших деталях: теперь я осмеливаюсь следовать за самой мудростью и быть философом самому; раньше я почитал философов. Кое-что восторженное и приносящее счастье исчезло: но я выменял это на нечто гораздо лучшее. С метафизическим вывертом у меня под конец стало так, что я почувствовал давление в горле, как будто должен задохнуться.
У вас внутри должно было произойти многое, что давало мне некоторую вероятность того, что мы, именно на новой основе, должны стать добрыми друзьями. Вы плывете теперь в неизвестное новое море; мне доставляет огромное удовольствие думать, что я не испортил вам при этом мужества, что вы поняли, как использовать мое свободомыслие, τὸ ἐμὸν πνεῦμα, даже как попутный ветер.
И ведь правда? Мое лицо остается для вас все же снова ницшеанским, а не более бюловским? —
Оркестр в ваших руках и под вашим духом — для меня в высшей степени приятное представление. К этому должно было прийти в общем плане вашей жизни: «в конце — смысл», в соответствии с вашим «в начале был бессмыслица»: что я нахожу сказанным совершенно великолепно.
Оставайтесь ко мне добры!
Всегда преданный вам, хотя мои глаза вынуждают меня отвечать на ваши богатые письма неблагодарнейшим молчанием. Но вы понимаете и это правильно — раз уж мы вообще понимаем друг друга.
Ф. Н.
730. An Unbekannt (Entwurf)
В пятницу, 28 июня, я отправил железнодорожный вагон с мебелью отсюда в Наумбург-на-Заале госпоже пасторше Ницше со сроком доставки 4 дня (150 марок
731. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин издатель, я заказывал классический (не испанский) песенник о<т> Гейбеля. Неужели я пишу настолько дьявольски неразборчиво, что античное и романтическое сливаются воедино?
С сожалением и сердечным
приветом, Ваш Ф. Н.
732. An Elisabeth Nietzsche auf der Frohburg
Итак, моя любимая сестра! Сегодня лишь привет из глубины к высоте и сообщение, что у меня есть свидетельство о праве на жительство, что я отправил тебе письмо (вероятно, от доктора Айзера), что сегодня стулья будут отправлены М. и Ш., что гладильный пресс у Иммерманнов доставил большое удовольствие (согласно письму). Наконец: я приеду в субботу, возможно, к обеду, и мы вернемся вместе в понедельник рано утром: отправление из Лойфельфингена в 8:41, прибытие в Базель в 9:38, так что я вовремя успею на лекцию.
Погода неблагоприятная, но бодрящая — я доволен. Здоровье, как и следовало ожидать — сложное.
Вчера полчасика у Овербеков.
Прощай, с сердечным расположением
Твой
Брат
733. An Franziska Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Моя дорогая мама, пусть тебе немедленно бургомистр Наумбурга выдаст справку о том, что мебель является имуществом при переезде (3 года назад отправлена тобой мне в Швейцарию, а теперь возвращается обратно к тебе), и пришли эту справку в Эрфурт. Ты получишь вещи без всяких хлопот. Очень жаль, что эти трудности тебя беспокоят.
Твой сын
Налоговое управление местной эльзасской (немецкой) железной дороги приняло их как имущество при переезде без уплаты пошлин и выдало справку.
733a. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Widmung)
Моей любимой сестре
на прощание с Базелем
10 июля 1878 года
в сердечной и неизменной благодарности.
Ф. Н.
734. An Mathilde Maier in Mainz
Глубокоуважаемая барышня,
ничего не поделаешь: я вынужден причинять беспокойство всем своим друзьям — именно тем, что наконец высказываю, каким образом я сам из этой беды выбрался. Та метафизическая туманность всего истинного и простого, борьба с разумом против разума, которая во всем и вся хочет видеть чудо и нелепость — а к тому же совершенно соответствующее ей барочное искусство преувеличения и прославленной безмерности — я имею в виду искусство Вагнера, — всё это вместе взятое делало меня всё более больным и почти отчуждало меня от моего доброго темперамента и моих способностей. Могли бы вы прочувствовать, в каком чистом горном воздухе, в каком мягком настроении по отношению к людям, которые всё ещё живут в тумане долин, я теперь живу, более чем когда-либо решившись на всё доброе и дельное, став к грекам на сто шагов ближе, чем прежде: как я теперь сам, вплоть до мелочей, живу, стремясь к мудрости, тогда как раньше лишь почитал мудрецов и восторгался ими — короче, если вы сможете прочувствовать эту перемену и кризис вместе со мной, о, тогда вы должны были бы пожелать пережить нечто подобное!
В байройтское лето я осознал это в полной мере: после первых же представлений, на которых я присутствовал, я бежал в горы, и там, в маленькой лесной деревушке, возник первый набросок, примерно треть моей книги, тогда под названием «Плуг». Затем я, последовав желанию моей сестры, вернулся в Байройт и обрёл теперь внутреннюю стойкость, чтобы всё же вынести трудновыносимое — и молча, перед всеми! — Теперь я стряхиваю с себя то, что не принадлежит мне: людей, как друзей и врагов, привычки, удобства, книги; я буду жить в одиночестве долгие годы, пока снова, как философ жизни, не созрею и не смогу (а затем, вероятно, и буду обязан) общаться с людьми.
Хотите ли вы, несмотря на всё это, остаться ко мне столь же доброй, как были, или, вернее, сможете ли вы? Вы видите, я достиг той степени честности, при которой выношу только самые чистосердечные человеческие отношения. Половинчатых дружеских связей и тем более партийности я избегаю, сторонников мне не нужно. Пусть каждый (и каждая) будет лишь своим собственным настоящим сторонником!
Сердечно
преданный Вам Ф. Н.
735. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Поздравляю огне- и железнодорожностойкую Ламу, хотя я и желаю, чтобы на этих сданных пробах всё и закончилось. — Мысль о владении домом не выходит у меня из головы, я думаю, в этом есть здравый смысл. — Я с нетерпением жду дня своего отъезда, стало очень жарко. Глаза в очень плохом состоянии. — Я представляю вас очень приятно проводящими время вместе — строить планы — это самое лучшее в жизни. Любите и помните своего
Ф.
(Счета сыплются градом — но это пройдёт)
736. An Carl Fuchs in Hirschberg
Значит, и Вы, дорогой доктор, попали в кризис относительно Вагнера! Ну что ж, видимо, мы будем первыми; в своей книге я проявил в этом отношении величайшую осторожность, хотя более двадцати пунктов, к ужасу всех вагнерианцев, для меня несомненно истинны. Когда-нибудь они должны будут выйти наружу — но я настоятельно прошу Вас ни в коем случае не торопиться и дать всему брожению улечься, чтобы и в этих делах получилось благородное светлое вино: не пишите сейчас о Вагнере! Сколько еще Вам предстоит открыть! Вы ведь находитесь в самой благоприятной независимости от Байройта и прочих «направлений»; то, что думают о Вас Вагнер и фрау Вагнер, должно быть Вам совершенно безразлично. Сам В<agner> стар и не может ожидать новой весны, но истина не стареет и в этих вещах должна еще только пережить свою весну. — Единственное сочетание способностей и знаний дает Вам право описать характерные черты стиля каждого из великих мастеров — в первый раз, как я полагаю. Сделайте же это сначала тезисно, афористично, в кратчайшей форме и с предельно точным выражением. Полтысячи отдельных музыкальных фраз и наблюдений Вас, квинтэссенция Вашего опыта — это даст Вам имя и положение.
Только ничего периодического и мелкого (будь то «письма» или статьи для журналов), прежде чем Вы не проявили себя как целое! — Прошу прощения, если мое желание наконец увидеть Вас утвержденным в уважении тех, кто раздает уважение, заставляет меня казаться навязчивым в моих советах. — (Мой план издать «Ежегодник друзей» не может быть осуществлен ранее чем через 2 года или более: нетерпение Шмайцнера не должно делать из меня дурака. Это приватно.) Ничто не может быть мне более чуждым, чем конкуренция с таким жалким материалом, как «Байройтские листки»; и вообще — ориентация на какой-либо байройтский угол зрения. Вы тоже еще говорите о «расколе в собственном лагере». Какое мне теперь дело до «лагеря» !!!!! Да еще писать против Вольцогена! Как это могло прийти Вам в голову, дорогой уважаемый доктор! Я порой не знаю, как Вы сами себя оцениваете. — Еще раз прошу прощения!
Моим знакомым не нравится Ваш стиль в печатных работах. Причины: 1) предложения в 4 раза длиннее, чем нужно, 2) Вы аффектируете ученость, довольно артистично, но это ужасное извращение вкуса (изобилие иностранных научных<iche> слов и понятий), 3) главные вещи не выступают сильно и крепко, побочные мысли заглушают их, Вы недостаточно отсекаете лишнее и недостаточно работаете над переработкой, 4) Ваш ум любит становиться острым, секрет хороших писателей в том, чтобы никогда не писать для тонких и острых читателей.
Ведь правда, Вы не будете сердиться на меня за эту epistula didactica! — Чем же еще я мог бы отплатить на такое честное сообщение, каким было Ваше последнее, как не честностью?
Весь Ваш, Ф. Н.
737. An Paul Rée in Stibbe
Ах, дорогой, дорогой друг,
сегодня я снова обременяю Вас. Но к кому мне обратиться, раз прямое общение между мной и моим старым другом Герсдорфом по его же желанию пока должно прекратиться? Дело в том, что я тогда, когда обустраивал собственное хозяйство, одолжил у него 100 талеров, то есть примерно 2½ года назад. Теперь упомянутое хозяйство полностью распущено, моя дорогая сестра окончательно вернулась к нашей матери, мой отшельнический быт устроен по-новому, разумно и идиллически: вот я и хочу погасить тот долг и нуждаюсь для этого в Вашем посредничестве, бедняга! А именно: Вас просят обменять два прилагаемых ценных бумаги на деньги, из того, что Вы за них получите, отдать 112½ талера Герсдорфу (а именно 12½ в качестве процентов по договоренности), а остаток отправить моей сестре. —
Это так много сразу, что мне кажется безгранично нескромным. Если Вам это тоже так кажется, то скажите мне, я, право, больше не буду. Но Вы в настоящее время все еще мой единственный разводной мост к доброму Герсдорфу (бедному маленькому дурачку Нерине и овечке Нерино — пардон!) Через несколько дней я удаляюсь в высочайшее одиночество и уединение, лето пережито, достаточно тяжело.
Ваше последнее письмо, как и все Ваши письма, согрело мое сердце и вновь пробудило некоторые надежды. При всем хорошем, что Вы делаете и планируете, стол накрыт и для меня, а мой аппетит к реальному очень жив, Вы это знаете.
Мои остальные знакомые и друзья (за очень редким исключением) ведут себя так, будто я опрокинул их горшок с молоком. Бог им в помощь — я не могу иначе.
Преданный, хотя сегодня очень
неудобный (как летняя муха на
моей руке)
Ваш друг Ф. Ницше
738. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Глубокоуважаемая госпожа, теперь я вынужден ограничиться лишь несколькими прощальными строками, хотя мне так хотелось бы провести с Вами еще один прощальный вечер. Но «судьба» распорядилась иначе: Вы знаете, в чем заключается моя судьба, которой я должен терпеливо покоряться. Теперь — прочь в горы, в глубочайшее уединение, прочь, я почти готов сказать: к самому себе. Но и там я всегда буду с благодарностью и теплотой вспоминать о Вас.
Д-р Ф. Ницше.
739. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая Элизабет
перед моим отъездом еще пара строк тебе. Мне было и остается очень плохо из-за невыносимой базельской жары, от которой даже здоровые люди заболевают. Еще несколько дней — и всё! — В субботу и воскресенье я был во Фробурге — ах, как же жарко было и там! Но, по крайней мере, терпимо. За обедом 90 человек; я не ел ни за обеденным, ни за вечерним столом по известным причинам, радуясь, что мой желудок не отвергал молоко и сырые яйца. — Хоэнемсеры очень дружелюбны и рады. Фрейлейн Копп и другие передают тебе (сегодня еще раз письменно мне) свои «покорнейшие приветы».
Запрошенный расчет прилагается.
Пусть драма с покупкой дома закончится хорошо, не как комедия и не как трагедия. Издалека это выглядит как «мещанская слезливая пьеса».
От доктора Фукса длинные, очень умные письма.
Роде определенно едет в Тюбинген.
Приятные чулки сразу же отправятся со мной в горы. Благодарю сердечнейшим образом, так же как и за печенье.
Нашей доброй любимой матери сердечные приветы. На следующей неделе я дам знать о своей поездке
Ф. Н. С любовью
740. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Тебе и нашей дорогой Элизабет сообщаю, что в настоящее время я живу на красивой горе в Бернских Альпах, в полутора часах пути от Шайдегга, который вы оба, конечно, знаете. Если бы только мое здоровье было лучше!, ведь именно оно в конечном итоге должно решить, смогу ли я остаться здесь на более долгий срок — чего я очень желаю. Со вчерашнего дня погода благоприятная.
С сердечной любовью, Ф. Н.
Адрес: Проф. Ф. Н. через адрес господина Борена-Ритшарда в Гриндельвальде, Бернские Альпы.
гостиница расположена на высоте 6600 футов
741. An Mathilde Maier in Mainz (Postkarte. Fragment)
[+ + +] В величии Вагнера<s> мало кто может быть уверен так же твердо, как я: потому что мало кто знает о нем так много. Тем не менее, из безусловного сторонника я стал условным: как мы, собственно, и относимся ко всем великим людям прошлого; да как обстоят дела и с моим собственным последним 10-летним периодом — я его вполне одобряю, но знаю более высокую точку зрения. Что касается В<агнера>’а, я как раз увидел нечто более высокое, его идеал — с этим я приехал в Б<айройт> — отсюда мое разочарование. — Напоследок тезис: настоящие вагнерианцы — люди хорошие, очень хорошие, но совсем не музыканты (как Вы!) и все более или менее обскуранты (я думаю о Вашем предпоследнем письме). А теперь посмейтесь и оставайтесь в добром здравии
Ваш
Ф. Н.
(Ради всего святого) прочтите о стиле барокко «Чичероне» Я. Буркхардта!!!
742. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz
Ну что ж, почтеннейший господин издатель, вот вам и крупный почерк великого человека. Несмотря на то, что он так любезно благодарит, я, по секрету говоря, полагаю, что, когда он действительно читает книгу, он швыряет её об стену. Но это относится тогда ко мне, а не к вам. —
Шлю вам привет из самой высокогорной глуши
Ф. Н.
743. An Paul Rée in Stibbe
Можете ли вы, возлюбленный друг, когда будете уезжать, не приехать в Швейцарию и ко мне, на гору близ Гриндельвальда (6—7000 футов), где я, посреди невероятного природного покоя и величия, удобно (хотя и при плохом здоровье) восседаю. Или мы встретимся в середине сентября в Бе? Или в Баден-Бадене? — Или всё это невозможно! — И за себя я не могу ручаться. — Сердечное спасибо за досадное дело — этого больше не повторится. — Все мои друзья теперь единодушны в том, что моя книга написана вами и исходит от вас: с чем я и поздравляю это новое авторство (если ваше доброе мнение не изменилось), сегодня пришло огромное письмо Липинера, направленное целиком против вас. Да здравствует реализм и мой добрый друг!
Ф. Н.
Не выдавайте меня никому! Мне нужны безусловный покой и одиночество.
Адр.: П. Н. через адр. господина Борена-Ритшарда в Гриндельвальде (Швейцария)
744. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
С большой радостью я услышал историю об основании дома и родины: кто знает, не нашлось ли там и для моих преклонных лет местечка, не накрыт ли там столик! — Мне нехорошо, я почти с недоверием отношусь к высокому горному воздуху: или это постоянная плохая погода? Голова и желудок доставляют много хлопот: едва ли выдался хоть один радостный час. Окрестности — самое великолепное, что я видел: но мне не хватает настроения. Высота отеля около 7000 футов, я — первый и высочайший пенсионер во всей Швейцарии, бесспорно. — От Липинера письмо, длинное, значительно говорящее в его пользу, но с невероятной дерзостью по отношению ко мне. Этого «почитателя» и его круг я теперь сбросил — я вздыхаю при этом с облегчением. Его становление очень близко моему сердцу, я не путаю его с его еврейскими качествами, в которых он не виноват. Сердечно благодарен вам обоим
Ф.
Герсдорф сообщил мне о смерти своего отца. —
745. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte. Fragment)
Все Ваши последние сообщения [+ + +] пусть то, что Вы предпринимаете, [+ + +] так и докажет! Этого я желаю от [+ + +] экземпляр II-го изд. прошу меня незамедлительно выслать по моему адресу: «Интерлакен, отель Унтерзеен». — Знаете ли Вы адрес господина Кёзелица? — То, что В<агнер> выдвигает против меня возражения публично, мне очень желательно, я ненавижу всякую неясность и шушуканье оппозиции; с другой стороны, я ни за что не хочу, чтобы меня путали с тенденциями Б<айрейтских> л<истков>. И Вы тоже, дорогой господин издатель!
Ф. Н.
746. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Правда ведь, вы мне написали за все каникулы только один раз? Но ведь мою вторую открытку вы получили? — Мне было так плохо, и сейчас так плохо. Совершенно изнуренный болезнью, я покинул гору и отправился в Интерлакен. Здесь я пытаюсь, на манер моего баденского образа жизни, поправиться с помощью ванн и прогулок: пока что дело не движется вперед. Почти подумываю о том, чтобы снова броситься в объятия доброго доктора Виля (Ютлиберг близ Цюриха). Желудок совсем плох — а в придачу и голова! Впрочем, в пользу Интерлакена можно сказать очень многое. Адрес: Интерлакен, отель «Унтерзеен». — У вас ведь все хорошо? Я радуюсь, вспоминая о вашем домашнем счастье.
Сердечно ваш
Ф. Н.
747. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Мой возлюбленный друг, до сих пор мне мало что удалось. Я был на высокой горе, Мэннлихен близ Гриндельвальда, покинул её через три недели, потому что моё здоровье становилось всё хуже. Теперь я возложил свои надежды на Интерлакен, где я устроил себе жизнь, подобную той, что была в Бадене в марте этого года: но дело не движется вперёд. Возможно, в конце концов я снова брошусь в объятия доктора Виля на вашем Ютли. — Мой адрес здесь: Hôtel Unterseen. Но не выдавай его! Покой мне необходим, как моряку в бурном море: сравни оду Горация «otium» и т.д. С сердечной любовью, всегда думая о тебе и надеясь на скорую добрую встречу
Ф. Н.
Покорнейшие приветы твоим почтенным цюрихцам и в частн<о>сти твоей жене.
748. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин издатель, сегодня я прошу Вас
Шребера,
Лечебная гимнастика
новейшее издание
прислать сюда. Интерлакен, отель «Унтерзеен».
Вы ведь получили мою последнюю открытку и мою благодарность? — Здоровье жалкое; но дело должно двигаться вперед!
Весь Ваш
Д-р Ф. Н.
749. An Heinrich Köselitz in Venedig (Postkarte)
Мне всегда приятно думать о Вас: если бы я только мог показать Вам это как следует! Но за не-написание писем я не извиняюсь, только перед Вами, мой дорогой, отзывчивый домашний гений. Вашему длинному и содержательному письму я искренне обрадовался, ибо в нем звучало счастье успеха, созидания и свершения. — Другие причиняют мне боль своими письмами, Вы не поверите, что за вещи мне приходится переживать, недостаточно разумные, чтобы извлечь из них хоть какое-то суждение. — Полемику В<агнера> я также отношу к «слишком человеческому». — Друг Видеман прислал мне свою глубокую и сильную музыку, я чту его скрытность и передаю ему через Вас сердечнейший привет и пожелания. Пусть добро всегда побеждает!
Ф. Н.
750. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Наконец-то дело движется вперед: силы для прогулок, аппетит, сон — все улучшается. Теперь нужны терпение и последовательность, чтобы ничего не испортить. Так что я намерен остаться здесь до конца сентября. Теперь я собрал все ваши письма, сердечно благодарю; я с полным участием слежу за домашним хозяйством и его преобразованием и «о-ницше-ванием». Но до Рождества вы меня не увидите, как бы мне ни было жаль. Море для моих глаз вредно, от него мне дурно. Брошюра «non volumus», вероятно, принадлежит Рейтеру? —
С любовью
Ваш <Ф.>
751. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Титульный лист и предисловие вполне в порядке, за исключением фирмы. Конечно, остальные<r> экземпля<ры> 1-го издания должны получить те же титулы и предисловие, что и 2-е изд. — Вчера я читал горькие, почти мстительные страницы В<агнера> против меня. Боже, какая неуклюжая полемика! — Вы получили мою просьбу о Шребере, лечебной гимнастике? — Я придерживаюсь мнения Бисмарка, пока долго немецкие газеты будут печататься так, как сейчас. Для определенных книг латин<ские> буквы хороши, потому что они препятствуют слишком быстрому чтению. Подробнее обо всем этом вопросе на Рождество, когда я надеюсь вас увидеть.
Ваш глубоко преданный д-р Ф. Н.
И большое спасибо за ваше письмо!
752. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Дело движется вперед, вверх, после долгих попыток и раздумий: теперь остается только с терпением и последовательностью продолжать до конца сентября. Конечно, мне при этом приходится отказаться от Цюриха, от тебя отказаться. Перед кем, любезнейший друг, хотел бы я сейчас излиться скорее, чем перед тобой, перед кем я мог бы это сделать! Многое во мне происходит. То, что приходит извне, мне приходится почти только отражать. Отвратительные письма. Я прочел теперь и горько-злую, несчастную полемику В<агнера> против меня в августовском выпуске Байр<ейтских> лист<ов>: мне было больно, но не в том месте, где хотел В. — Вчера я подвел итоги последних лет и был счастлив при этом — я завоевал себе свободу и независимость в пяти-шести существенных пунктах, правда, ценой больших жертв. Теперь нужно поправить здоровье, тогда вернется и больше радости. Сердечно преданный тебе и твоим.
Ф.
753. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Глубокоуважаемая сударыня, с чувством глубокой признательности и личного доверия я прочел Ваше письмо: о, если бы Вы знали, каким исключением оно было среди всех писем, полученных мною за последние месяцы! (Большинство из них отрекаются от меня трижды на одном дыхании, сами при этом кукарекая, словно петухи.) Итак, будем же спокойно расти в терпении и наблюдать, что, при всем разнообразии мнений и стремлений, остается незыблемым, единым, цельным, верным и добрым. Следующей зимой я устрою так, чтобы Лёррах снова оказался ближе к Бахлеттенштрассе. В начале октября я приеду к Вам.
А пока — сердечный привет.
754. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte. Fragment)
Лечебная гимнастика прибыла и уже усердно ис<пользуется. Благодарю> за Ваши добрые пожелания, так как очень многое в мо<ем сос>тоянии оставляет желать лучшего. — Сегодня (еще одна) просьба: присылайте мне «Байрейт<ские листки» не> ежемесячно, а давайте мне то, что <от них в течение года> вышло, потом вместе. К чему мне обязывать себя принимать месячные дозы вагнеровской желчи и злобы! Я хочу и впредь чувствовать его и его величие чисто и ясно: для этого я должен держать его «слишком человеческое» несколько на расстоянии. — Вы поймете это хорошо и правильно, исходя из того доверия, которое, как я думаю, у нас есть друг к другу.
Преданный Вам
Ф. Н.
755. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Уважаемая госпожа, я приезжаю на один день в Базель и хотел бы нанести Вам визит, а именно в следующую среду после обеда, если позволит здоровье. Может ли пациент попросить чашку чая и сухарик? — Здоровье очень беспокоит. — Во вторник я уезжаю отсюда: до тех пор Интерлакен, отель «Унтерзеен».
Сердечнейший привет! Вы ведь получили мою открытку?
Ваш покорнейший
Проф. д-р Ф. Ницше
756. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ну что, мои дорогие, что вы скажете? Я хочу приехать к вам, мне так плохо, что я не знаю, как себе помочь, — а зимнее полугодие приближается, внушая мне ужас. Это была лишь вспышка, о которой я вам писал. В следующую пятницу после обеда я хочу быть у вас, во вторник отсюда отправлюсь в Базель. Можете ли вы как можно скорее написать сюда? — Или вы считаете, что мне следует поехать к Вилю в Цюрих, — Ротплец-Овербеки меня так приглашали. Но где я найду такой покой и уход, как в Наумбурге, так мне кажется. Впрочем, как я уже сказал, напишите, что вы думаете, подходит ли вам это. Я мог бы остаться до середины октября.
Ваш Ф.
с сердечной любовью
757. An Franz Overbeck in Zürich (Postkarte)
Дорогой друг, если уважаемая хозяйка дома в Фалькенштейне довольна этим, то я приеду на пару дней. С тех пор как я отправил последнюю открытку, мне пришлось так плохо, что я словно в бегах и едва знаю, где преклонить голову. Я записался к матери в Н<aumburg> на остаток каникул: но прежде я хотел бы увидеть вас. Сегодня я еду в Базель. В четверг (примерно в полдень), если не получу иного знака, я прибуду в Цюрих, как и в прошлом году. (Какой год прошел между ними! Ужас и трепет!)
Преданный тебе
Ф. Н.
758. An Unbekannt in Zürich
Сердечнейший привет от Вашего друга, который живет здесь, в Цюрихе, у госпожи Ротплетц в «Доме Фалькенштайн»
759. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Отсюда (дом Фалькенштайн), мои сердечно любимые, сообщаю, что, согласно вашему предложению, я намерен прибыть в Наумбург во вторник (если только плохое здоровье не сыграет со мной злую шутку!). Итак, около полудня, прибывая со стороны Лейпцига, так как я еду из Цюриха через Линдау. (Отъезд в понедельник утром, около 10 часов)
Здесь мне очень хорошо, меня холят и лелеют так, как я того не заслуживаю.
Только что занимался комнатной гимнастикой. — Посылаю сердечнейшие приветы
Ваш Ф.
760. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Итак, глубокоуважаемый господин, произошла путаница. Прошу Вас прислать
Происхождение современной Франции
Второй том, первая часть
Г. Тэна. На немецком.
только что вышло. у Гюнтера, Лейпциг.
Собираюсь в отъезд, после очень плохих недель, чувствую себя довольно болезненно.
Завтра в Базеле.
Желаю Вам всего хорошего
Ф. Н.
761. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Сижу я здесь, голова полна боли. Путешествие позади, словно дурной сон. Я привез дождливую погоду в Базель. Какими же вкусными были булочки! Я уже успел распаковать вещи. Множество знаков вашей любви окружают меня, и я постоянно думаю о том, что вы для меня сделали. Простите, если я часто был угрюм — бремя болезни давит на меня слишком тяжело. Бедный Ре тоже болен, какая-то нервная лихорадка. — Я сразу же купил ван Хаутен и должен был заплатить 4 франка 50 сантимов за фунт! —
Как же теперь всё сложится! — Никогда еще я не был у вас с таким сердечным чувством и совсем не дал вам этого заметить. Мои дорогие и хорошие, я вам очень благодарен.
Ваш
Ф.
Поезд прибыл в Базель только в 7 часов вечера!!!
762. An Paul Rée in Stibbe
Ах, любезнейший добрый друг, с глубочайшим прискорбием читаю я, едва вернувшись из поездки, известие о Вашей болезни. Что же с нами будет, если в наши «лучшие годы» мы так жалко увядаем (ибо и я провел ужасные месяцы и начинаю зиму с более мрачными перспективами, чем когда-либо! Неужели судьба хочет приберечь для нас прекрасную старость, потому что, быть может, наш образ мыслей прилегает к ней естественнее всего, как здоровая кожа? Но не пришлось бы нам тогда слишком долго ждать! Опасность в том, что мы могли бы потерять терпение. — Мне не приходит на ум ничего утешительного, ибо то, что Вы пробьетесь и своей силой осуществите также частицу моих стремлений, моих надежд, — это до сих пор было для меня символом веры. Не должен ли я теперь опасаться, что и Вы снова научитесь искать другого, кто возьмет на себя Вашу задачу? Ах, как жалко искать наследников не для наших дел, а для нашего желания действовать. Вы слышите, я говорю в самом жалком эгоизме и проклинаю Вашу болезнь, потому что вместе с ней заболевает и моя лучшая надежда и желание.
Вы лучше меня, я всегда в это верил; и то, что Вы с больничной койки вспомнили о моем дне рождения и написали мне, я как психолог забуду так же мало, как и как друг.
От всего сердца Ваш
Ф. Ницше
763. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Вот уже 9 дней непрерывная головная боль. В субботу после обеда начался приступ, как в четверг, от боли <я не мог в> ночь не спать. — Сегодня провел первую лекцию. Очень скверная базельская погода, пасмурно, сыро. — Вчера поздоровался с доктором Фёрстером у Овербеков, предложил ему свой билет на концерт. —
Если вам когда-нибудь придется отправлять что-то фрау Швенк, то прошу вас, за мой счет, прислать большую партию сухарей (двойной обжарки) и печенья, каждого на одну марку. Возможно ли это? — Я остался должен еще 15 грошей, мы подсчитали это на вокзале: затем, сколько для фрау доктора Айзер? пожалуйста. — Мои самые наилучшие пожелания и слова благодарности вам, мне до сих пор кажется, что я наполовину в Наумбурге, когда я копаюсь в сплошных наумбургских воспоминаниях.
Всего вам доброго. Ваш Ф.
764. An Marie Baumgartner in Lörrach
Глубокоуважаемая госпожа,
вот и я снова здесь, после самых жалких недель, несмотря на то, что я на родине!
В следующую субботу после обеда я предприму попытку застать Вас дома (у меня свободен только этот день). Если Вам это удобно, то не нужно ни строчки: но не сердитесь, если мое нездоровье, быть может, в последний момент сыграет со мной злую шутку.
С сердечнейшим приветом и
пожеланием, Ваш
Ф. Ницше
765. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
О, почтенная сударыня, всё вышло так, как <я> и думал: горько-злое воскресенье страданий после нашего доброго полудня, который подарила мне Ваша великая доброта и который позволило мне моё здоровье. — С опозданием хочу всё же признаться, что после моего сентябрьского визита было точно то же самое: я должен был телеграфировать о своём прибытии в Цюрих и лежал в постели. Вы видите, как жалок Ваш друг, как несвободно его тело и почему он так должен жаждать свободы духа! — Я посылаю Вам покорнейшее выражение моей благодарности и моего благоговения.
К слову: (я недавно был несколько испуган тем, что Ваш дорогой сын узнал что-то о литератур<ном> замысле. Наложите на него обет молчания, пожалуйста, пожалуйста, пожалуйста!!)
В благоговении Ваш
Ф. Н.
766. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Первая неделя лекций мужественно преодолена. Из-за этого вчера, в воскресенье, когда пришла открытка, я лежал больной в постели, старая история. — Погода до сих пор неблагоприятная, всё время фён или дождь, в последнее время около 40 часов обложной дождь: — Всё, работа, еда, сон, прогулки устроены так точно, чтобы я мог читать лекции. — Куплено очень толстое шерстяное одеяло, которое можно дважды положить на кровать (за 6 франков, на распродаже) — Теперь неделя начинается снова, мужества, мужества! — С ветчиной я ещё не закончил, колбасу ещё не начинал. Не присылайте мне больше ничего подобного, пока я не попрошу — чтобы не было слишком много свинины. — Ящичек ещё не пришёл. С самыми сердечными приветами. Не беспокойтесь. Если не получается, значит не получается.
Ваш Ф.
Открытки читают в доме, осторожно!
767. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Вот, мои дорогие, еженедельный отчет. Вчера мне пришлось, с горьким чувством, впервые пропустить лекцию, ибо с вечера четверга дело пошло худо. Сегодня (в субботу) я снова читал. Холодно, ниже нуля; с позавчерашнего дня топлю. Дрова очень дороги. — Во вторник пришел добрый ящик, немного поврежденный; с большой благодарностью письма и содержимое получил. Я все еще завтракаю, как в Наумбурге, в то же самое время и в постели. — Желудок я себе с момента возвращения еще не испортил. Брауншвейгское мясо для меня слишком соленое, ветчина так же, как и колбаса. — Сегодня у меня треснули очки.
А теперь мои сердечнейшие приветы
Ваш Фр
768. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мать и сестра,
сегодня суббота, неистовый фён, ледяной холод с дождем, с самого вчерашнего вечера; всю ночь без сна. Лекцию только что провел, неделя позади. — В прошлое воскресенье внезапно случился очень сильный приступ, такой же, как в день отъезда: теперь это уже 10 воскресений подряд. (Значит, несмотря на пятницу до этого!)
Овербеки принесли мне чудесного жареного цыпленка южнофранцуз<ского> происхождения, я ел его 4 раза, фрау О<вербек> сама его жарила.
В четверг добрая фрау Баумгартнер заходила ко мне на 1/4 часа. Вечером лекция Буркхардта о Талейране. —
Наумбургская выпечка очень хороша, особенно сахарные печенья; я сравнил их со знаменитыми реймсскими бисквитами, которые здесь продаются на ярмарке: но мне они нравятся гораздо больше, к тому же они намного дешевле. — Брауншвейгская колбаса теперь тоже пользуется моей симпатией. — За тапиоку и яблочки я, кажется, даже еще не поблагодарил!
Так проходят мои дни, крайне размеренно — крайне осторожно!!
Сердечно помня о вашей любви
Ф.
2 стере дров, всё включено = 42 франка 70 сантимов
Прошу, как можно скорее, адрес Густава Круга!
769. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Прошу, глубокоуважаемый господин, незамедлительно прислать
- Фукидид, изд. Шталь
Лейпциг, Таухниц, 1873 и 1875 гг.
- Фукидид, кн. I и II, изд. Шёне
Берлин, Вайдман, 1874 г.
- Тилльманс, Комментарий к Фукид<иду>
Тейбнер, 1876 г.
Как дела? Я в полной работе. — Зигфр<ид> Лип<инер> очень связан с Брейткопфом и Хертелем, которые должны заплатить ему за поэтические произведения в объеме «Прометея» 3—400 талеров. —
С глубочайшим почтением и наилучшими пожеланиями, всегда Ваш
Н.
770. An Gustav Krug in Bonn
Твое сердечное поздравление с днем рождения, мой дорогой Густав, — оно застало меня на больничной койке, — я возвращаю тебе с благодарностью, насколько это возможно (а мне сейчас нехорошо —). Все, что ты написал, пришло словно с доброго острова деятельных, довольных, полных надежд людей, мне было очень приятно это слышать. У меня же все иначе; словно мне приходится в эти годы переплывать опасный пролив (и не только в отношении моего здоровья). Это далеко «от Сеста до Абидоса». Но мой дух не сломлен. —
Оставайся ко мне добр и близок сердцем, что бы ни случилось. И, главное, пусть тебя не смущает мое молчание и мое, увы, неизбежное неумение писать письма. И сегодня я буду очень краток, вынужден быть таким.
Пусть твое семейное, детское и супружеское счастье и впредь будет хранимо добрыми духами.
Приветствую тебя в старой любви
Твой
Фридрих Ницше
771. An Marie Baumgartner in Lörrach
Глубокоуважаемая госпожа Баумгартнер, всего несколько слов!
Иметь лишь одно мнение о Ваших произведениях как о стихотворениях было бы с моей стороны совершенно нескромно. Достаточно того, что Вы, по-видимому, чувствуете себя как дома в стихии своего языка и искусной формы; в остальном же поэт мысли, подобный господину Прюдому, наверняка сумеет дать совет.
Но если рассматривать Ваши произведения как истины, которые Вы высказываете себе и мне: да — тогда я сочувствую Вам так же сильно, как поздравляю себя. Ибо Вы нашли во мне гораздо, гораздо меньше, чем ожидали, а я теперь знаю, что получил и обладаю бесконечно большим, чем заслуживаю — а именно надежной, верной душой, которая к тому же имеет амбицию доказать мне верность на земле вопреки всем скептическим нашептываниям.
Так я это чувствую: причиняет ли это Вам боль? — Надеюсь, что нет. —
Последние куски рукописи, которые я дал Вам вчера, труднее всего пережевать, мне стыдно так <Вас> утруждать. Начните с последних страниц и закончите первыми. Или как хотите.
Всецело преданный
и исполненный благодарности
Ф. Н.
Знаете ли Вы, что уже давно я чувствую: «я не заслуживаю всего того, что испытал в дружбе и любви», что порой я полон досады на своих друзей, потому что не могу им отплатить. Так оно и есть: давать блаженнее, чем отдавать, но постоянно только брать, быть вынужденным брать — это может сделать человека несчастным. Этого не изменить, здесь перед нами стоит рок.
772. An Reinhart von Seydlitz in München
Будьте и оставайтесь, мой возлюбленный друг, благословенны вашей сердечной доброй душой! Так, как я говорю это здесь, я всегда думаю о вас. Писать письма больше не получается, ни мои старейшие, ни мои последние друзья не должны больше ждать этого от меня. Я должен жить ради своего долга и своей задачи — господина и возлюбленной, и богини одновременно: слишком много для моих слабых сил и глубоко подорванного здоровья. Внешне это жизнь старца и отшельника: полное воздержание от общения, даже с друзьями, является её частью. Тем не менее я мужественен, вперёд, excelsior! —
— О Вагнере я сужу совершенно свободно. Весь этот процесс должен был произойти именно так, он благотворен, и я обильно использую своё освобождение от него для духовного развития. — Кто-то сказал мне: «карикатурист из Байройта — неблагодарный и дурак» — я ответил: «людей столь высокого предназначения нужно измерять в отношении гражданской добродетели благодарности по мере их предназначения». — Впрочем, я, возможно, не «благодарнее», чем В<агнер>. — а что касается глупости —
Но, возможно, я уже сказал слишком много, «вагнерианец» в вас просыпается и ищет камни...
Нет, дорогой друг, вы не будете бросать в меня камни, я это знаю. Но окажите мне честь и никогда не защищайте меня. Моя позиция слишком горда для этого, прошу прощения! — Я думаю, мои друзья должны быть горды вместе со мной.
Милой супруге моего друга я верно отвечаю всем добрым и сердечным, что она просила передать мне через мою сестру.
Я есть и остаюсь
Ваш
Фридрих Ницше
773. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ах, мои дорогие, два приступа за одну неделю (вечером в воскресенье и в понедельник), а затем снова вечером в четверг и в пятницу: в воскресенье я впервые попытался пойти на концерт, но после нескольких пьес пришлось выйти, головная боль была тут как тут. В четверг приходила добрая фрау Баумг<artner>, одарив меня цветами, виноградом и сухарями, но мне это всё же повредило. — Я ведь не обидел вас той маленькой припиской на моей последней открытке? Я вижу это повсюду: нужно быть терпеливыми друг к другу, каждый когда-нибудь говорит что-то глупое и поспешное. Так что простите. У Овербеков в понедельник были гости, и они принесли мне немного жаркого из косули.
Прощайте, мои дорогие М<атенька> и сестр<а>
774. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte. Fragment)
[+ + +] Всё получено. [+ + +] <Во>прос: можем ли мы — как [ + + + ] — в «Приложе:: <Смешанные мне>ния и изречения (так [+ + +] заглавие М<еловеческое> слишком м<еловеческое> К<нига> д<ля> с<вободных> у<мов> продолжить нумерацию страниц и параграфов основной книги далее? то есть чтобы первая страница шла как стр. 379, а первый фрагмент как 639? — Объём всего 8 печатных листов или немного меньше. —
«Литературный центральный листок» Царнке (первый учёный листок Г<ермании>.) должен был, говорят, очень пристойно отозваться о «Ч. С.». В «Литературной г<а>з<ете>» Эделинга о «Р<ождении> т<рагедии>» и «Штраусе». Я ничего об этом не вижу и не хочу. Я не люблю барабанный бой, но я также понимаю, что Вы ничего не имели бы против янычарской музыки? Будьте бодры!
Сердечно преданный Вам Ф. Н.
<Я уже оплатил свой вз>нос для «Б<айрейтских> л<истков>», Овербеку.)
775. An Marie Baumgartner Lörrach
Сердечно благодарю, глубокоуважаемая госпожа, я живу среди множества памятных знаков (от Вас и о Вас), цветов, винограда, сухарей, копий — «и вот, всё было весьма хорошо» — говорится в Библии.
В четверг вечером я не смог снова Вас поприветствовать — нагрянул сильный приступ, который отнял у меня и пятницу. С тех пор я постоянно хворал и с трудом проводил свои лекции. Мои близкие требуют: прекратить! Бросить! — — — —
Я же сам жду и жду, и всё ещё терпелив, как осёл, потому что всё ещё полон крошечной надежды — что в конечном счёте является лишь ещё большей глупостью. —
Могу ли я заказать у Вашего пекаря за франк или больше таких сухарей, маленьких, хорошо прожаренных и коричневых? В таком виде они для меня наиболее полезны.
Моя сестра в письме спрашивала меня, нет ли теперь и во Франции поэтов, подобных г-ну Липинеру в Германии, а именно некоего г-на Прюдома? — Совершенно случайно.
Сердечно Вас приветствую
как Ваш благодарный
Ф. Ницше.
(А что должно стать с Вашими хорошими стихами?)
776. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Как хорошо вы обо мне позаботились, уважаемая госпожа — и как постыдно быстро! (моя просьба кажется мне настоящей нескромностью — но хороши сухари; а сливы «смешивают приятное с полезным», по Горацию).
Мне же тем временем было отвратительно. Ах, терпение! И откуда взять терпение? И к чему терпение! — Довольно, я еще им обладаю.
Сердечно преданный
Ф. Н.
Цветы все еще украшают и радуют. —
777. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ах, мне в последнее время было так плохо. Каждые три дня сильные приступы. Каждая удачная лекция, каждая внезапная перемена температуры сваливают меня с ног (базельская погода очень неблагоприятна с её вечной влажной моросью). На Рождество я хочу в Баден-Баден. Цюрихцы зовут меня к себе, но это невозможно, я должен избегать разговоров. — Только желудок всегда был в порядке, и аппетит, но я теперь знаю, что мне полезно. (3 виноградины фрау Б<aumgartner> были не виноваты, я съел их, когда приступ прошел). Я получаю из Лёрраха отличные маленькие сухари, да и вообще мне многое присылают. — Фрау Леупольд и фрау Овербек по совету доброго доктора Фёрстера переписывались по поводу Сестри-ди-Поненте: но это слишком волнительно и приносит пользу только спустя долгое время, — а на Пасху у меня нет долгого времени. К Рождеству я хотел бы получить добротную сервелатную колбасу, чтобы отправить её в Баден, — если уж можно высказывать пожелания. А чего хотят матушка и Ламхен? Скажите же мне! — Ах, если бы вы знали, какое благо при всём этом для меня мои лекции!!
Ваш Ф.
778. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Как удачно всё сложилось: сегодня утром пришли ваши добрые слова и пожелания, а теперь я составляю отчет за неделю. Вторник и среда на этот раз были очень тяжелыми! — К тому же у меня уже 2 недели болит палец (как у тебя осенью, моя добрая матушка); а тут я еще упал на него на гололеде, и поэтому должен ежедневно ходить в больницу, где мне делают перевязки (это может занять еще несколько недель. Много боли.) — Сейчас холода. В моей квартире тепло. Лекции по-прежнему мой духовный ресурс. В воскресенье после обеда Овербек читал мне вслух. С поездкой в Баден пока нет определенности, мне страшно уезжать. Весь этот поезд уже в пути, и всё же это лучше, чем прошлая зима (в отношении здоровья, как мне кажется.)
Хотите услышать еще одну просьбу о книге? «Дёлер, История римских императоров после Домициана (те, что до Домициана, у меня уже есть) (начинается с Адриана) Галле, книжный магазин при приюте<ung> (с французского.)» непереплетенная, из-за I тома
Сердечный привет и благодарность, также за печенье
Ваш Ф.
От Рее со дня рождения никаких известий.
779. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Милая сестра, после разговора с Деттлоффом мне кажется, что мое желание относительно книг невыполнимо — так что оставь все попытки. Я просто не знаю, как точно указать названия. Но у меня уже есть все 4 выпуска о римских императорах Бёле (в переводе Дёлера), то есть от Августа до «Тита и его династии». Теперь какой-то другой француз написал продолжение «Время Адриана и т. д.», но я не знаю, кто его перевел и где оно вышло.
Мой палец решает вопрос с отпуском, я должен остаться здесь (ноготь сходит — это затяжной процесс, но неопасный).
С сердечной любовью к тебе и нашей
дорогой матери,
Ф.
780. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Мои сердечно любимые, мне нехорошо, во вторник снова был очень болезненный 30-часовой приступ, и со вчерашнего дня я не могу избавиться от легкой головной боли. Палец вынуждает меня ежедневно ходить в больницу. У нас суровая зима. Сердеч<ichen> благодарю за Ваши письма. Мое пожелание книги было глупостью, этой книги вообще не существует. Итак — прошу прощения! — Как можно меньше! Пожалуйста! И присылайте сюда! Только никаких яблок! Я их не очень хорошо переношу.
Еще одна неделя лекций передо мной. —
Все-таки ужасно жаль, что я не могу быть с Вами! —
Какие чудесные печенья я получил от доброго Ламы!
Можете ли Вы связать мне пару варежек из черной грубейшей шерсти, связать, только один большой палец, а затем мешочек для остальных пальцев. Чтобы носить по вечерам, очень теплые.
С сердечной любовью, Ваш Фр.
781. An Paul Rée in Stibbe (Postkarte)
Что же делает мой бедный, милый, милый друг Ре? Боюсь, он мучается изо дня в день (так же, как и я в очередной раз). К тому же знать, что он на суровом севере... И откуда взяться радости! Ах, если бы я мог послать ему на Рождество голубей с оливковыми ветвями мира и здоровья! — Десять раз на дню я желаю быть у вас, быть с вами. Но всегда одно: «Терпи! Отрекайся!» Ах, от терпения тоже устаешь. Нам нужно терпение, чтобы терпеть. —
И мы останемся милыми и добрыми друг к другу.
Ф.Н.
782. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Вот, мои сердечно любимые, небольшой вклад к Вашему рождественскому столу, в знак того, что я помнил о Вас и в вечер раздачи подарков буду вспоминать Вас очень часто.
С носовыми платками, как я с удовольствием услышал, всё же удастся порадовать мою добрую матушку, хотя она и утверждает, что ей совершенно ничего не нужно. Ну, посмотри, придутся ли они Тебе по душе. Спиртовая горелка, если она зарекомендует себя у Тебя так же хорошо, как у меня, Тебе, безусловно, понравится: она работает очень горячо. Это самая популярная система конструкции. —
Что касается моих подарков для дорогой Ламы, то мне не повезло. Самый надежный вариант — это перчатки от тирольца, которые ей всегда нравились. Но книга о Всемирной выставке — да я даже не знал, о чем именно она хочет узнать (о машинах, или об искусстве, или о съестных припасах, или о шелковой промышленности на выставке — существует так много специальных изданий; да и об этом желании я узнал слишком поздно). Возможно, она примет «Книгу изобретений и т. д.» (с хорошими иллюстрациями архитектуры) в качестве своего рода жалкого заменителя. А уж с шелковым платком и вовсе беда! Желаемого больше не было у Фон дер Мюлей, грустно, грустно!
Я пытаюсь компенсировать это бедной Ламе, взяв то, что должно быть «гораздо элегантнее»: но я не убежден, что это понравится ей так же сильно, как более простая вещь.
Если бы я мог быть с Вами! — Фрау Швенк у меня и упаковывает вещи (она очень благодарна и напишет, как только её многочисленная работа позволит это сделать. Я передал ей предписанные деньги.)
А теперь давайте проводим старый год в величайшей тишине; и с некоторой смелостью и еще большим терпением встретим новый, а прежде всего — с любовью и сердечностью друг к другу.
Ваш Фр.
783. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Не правда ли, моя почтенная фрау Баумгартнер, вы сообщите мне открыткой, в какой день мне ожидать визита вашего столь дорогого мне сына (которого я ни в коем случае не хотел бы пропустить!)? Надеюсь, моя болезнь благоразумно подстроится под это. — Тем временем прибыли карлсруэские сухари, айва оказалась восхитительной: короче говоря, упаси меня небо от того, чтобы из-за вашей многогранной доброты я не стал избалованным ребенком.
Скоро напишу еще, ваш покорнейший Ницше
784. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Глубокая затяжная снежная зима вокруг меня: какой я еще никогда не видел в Базеле. Пейзаж Санкт-Маргаретен восхитителен. Деревья почти ломаются под тяжестью снега. Кажется, это полезно для меня: неделя без приступа, все лекции прочитаны, сегодня последняя перед Рождеством. — Фрау Овербек подарила мне айву, добрая душа! — Мой палец, после сегодняшнего осмотра врачом и перевязки в госпитале, все же, кажется, хочет зажить (впервые он выглядел лучше) — Во вторник я с фрау Швенк закончил собирать мой скромный ящичек для вас. — Завтра Овербеки уезжают. — Из-за снега будет много задержек писем и посылок: так что не слишком ждите от меня вестей. — Фрау Бессигер я даю платок, мужу сигары, девочке очень красивый капюшон, мальчику полушелковый шарф, а затем кульки со сладостями. (Вещи, привезенные из Н<аумбурга>, я раздарил еще тогда) Ну, самого сердечного вам, мои дорогие!
Всегда думающий о вас Ф. Н.
785. An Adolf Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Возвращаясь вечером домой, я нахожу на своем столе нечто, прекрасное и серьезное в самой своей сути: это доставляет мне огромное удовольствие. — От вас ли это? Примите мою глубочайшую благодарность. — Но в среду я уже занят и дал обещание. Может быть, вы придете в четверг или пятницу? В любом случае, в оба эти дня я буду ждать вас с 2 до 4 часов: предварительное уведомление не требуется, если вы, как я уже сказал, решите выбрать один из этих дней. — А пока вам и глубокоуважаемой госпоже матери мой английский привет: «Мир на земле и в людях благоволение!»
Ф. Н.
786. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Наконец-то почта вспомнила и обо мне, и ваши милые дары у меня в руках. (Книга, которая чрезвычайно приятно меня удивила, пришла гораздо раньше). Но это было хорошо, потому что до сих пор мне было совсем худо, с воскресенья и по сей час приступ за приступом.
Вы видите, я не могу писать, едва могу поблагодарить. Позже — о деталях подарков. Перчатки для ночи и дня очень желанны. Колбасы, судя по первой пробе (от круглой), восхитительны, какими здесь такие дорогие готские давно уже не бывают.
Вы ведь получили в понедельник мою открытку? Ваша радость по поводу моих вещей меня тронула. — Баумгартн<ers> подарили мне «Леопарди в переводе Хейзе», в красивом переплете.
Я одарил Адольфа, равно как и его мать, а затем еще фрау Овеербек. Детям здесь в доме, кроме того, о чем я писал, — магнитную жестяную рыбку и трехлезвийный перочинный нож.
Новые чулки я надел. — О Джонсоне, мое милое лама, не беспокойся слишком сильно, и прежде всего не трать на него много (2—3 франка, не больше). За свой счет прошу тебя приобрести мне еще первый том «Антонинов» Дёлера и спросить, когда выйдет третий: но это совсем не к спеху. Пришли книгу, когда нужно будет отправить что-нибудь другое.
Удовлетворитесь единственным словом «я благодарю вас от всего сердца». Мне сегодня так тяжело писать.
Только прочь со старым годом.
Ваш Ф.
787. An Marie Baumgartner in Lörrach
Что за каникулы у меня, почтенная сударыня! Полумертвый от боли и истощения; всю неделю приступ за приступом, своего рода запоздалая расплата за первую половину академического семестра. —
Теперь же должно стать лучше, и завтра (в понедельник) я надеюсь при более благоприятных обстоятельствах увидеть вашего дорогого сына. —
Леопарди стоит там в суровом величии, прибереженный для хороших летних дней в горах. — Вы ведь знаете, что я не «пессимист», как он, и «мрачное», где бы я его ни находил, лишь констатирую, а не оплакиваю. Конечно, при этом не рождаются столь великолепные стихи.
Моя жалкая «эпиграмма», впрочем, относилась не к поэтам, а к тому самому поэту (Липинеру) — благодаря вашему винограду мне удалось однажды буквально и на деле истолковать Горация, сегодня в полдень «pensilis uva secundas et nux ornavit mensas cum duplice ficu»
Вам обоим сердечнейший привет.
Ф. Н.
788. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ну что ж, мои дорогие, вперед в новый год с бодростью и терпением, так говорю я вам и себе: «и худшее переживали». В общем: я все еще держусь, так и вы верно держитесь со мной: ибо больной приносит мало радости и много забот. —
Книга Ритчля не прибыла. — Вчера у меня был А<дольф> Баумгартнер, он необычайно хвалил тот прекрасный день в Наумбурге. — У нас оттепель. Мое самочувствие все еще нестабильно. Завтра снова жду приступа.
«Печенье» снова очень хорошее. А колбаса достойна восхищения.
Друг Ре писал, что дела идут все так же плохо. Гальванический курс лечения не принес успеха при его нервно-абдоминальном недуге. Роде тоже писал, что у него все хорошо и он доволен. — Уехать я не могу.
В пятницу все начнется снова. — История с Эрнстом меня огорчает (ему следует поговорить со старшим доверенным врачом: в его возрасте это очень нужно).
Вспоминайте меня с любовью, как я вспоминаю вас Ф. Н.
789. An Ernst Schmeitzner in Chemnitz (Postkarte)
Вот, в качестве новогоднего поздравления, рукопись. Ради всего святого, дайте знать немедленно, как только она окажется у Вас в руках! Я живу в страхе и тревоге до тех пор. —
В конце января может быть готова печать, не так ли? 8 листов и всё как в главной книге, включая наши условия. — Распаковывайте осторожно, это листовая рукопись.
От всего сердца желаю Вам всего наилучшего
Ваш
Ф. Н.
789a. An Louise Ott in Paris (Widmung)
Госпоже Луизе Отт
с покорнейшим приветом и наилучшими пожеланиями от её слуги
Фридриха Ницше
(Болен, молчалив, одинок, но бодр, порой счастлив, почти всегда спокоен — ничего, пойдет! пойдет! — и всё же, милая судьба! хоть чуточку больше солнечного света! прошу! прошу! —)