1876 (90 Briefe)
496. An Carl Burckhardt in Basel
Hochverehrter Herr Präsident,
der schlechte Zustand meiner Gesundheit nöthigt mich um eine zeitweilige Erleichterung meiner Lehrer-Verpflichtung, nämlich um Befreiung von den Stunden des Pädagogiums für den Rest des Semesters nachzusuchen. Heftige periodisch wiederkehrende Kopf- und Augenschmerzen haben in der letzten Zeit einen solchen Grad erreicht, daß mir eine derartige Erleichterung zum dringenden Bedürfnisse geworden ist, und ich nur mit der erbetenen Begünstigung hoffen kann, meine Vorlesungen an der Universität zu Ende zu bringen. Indem ich noch mittheile, daß ich mit Herrn Rektor Burckhardt über eventuelle Vertretung vorläufig Rücksprache genommen habe, ersuche ich Sie, hochverehrter Herr Präsident, um geneigte Berücksichtigung meiner Bitte.
Hochachtungsvoll
Ihr
ergebener
Prof Dr. F. Nietzsche
Lehrer am Pädagogium.
497. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Nehmen Sie, hochverehrter Herr Geheimrath, die beiliegende kurze Abhandlung mit Wohlwollen auf! Ich habe ihrem Verfasser, Herrn Dr. Jakob Wackernagel, einem unserer trefflichsten Zöglinge, Muth zu der Hoffnung gemacht, dass er mit derselben vielleicht im Rheinischen Museum auftreten könnte. Ich meine, es wächst in ihm ein tüchtiger Philologe auf und sicherlich hat er viel von den Tugenden seines Vaters geerbt.
Von mir möchte ich heute nichts sagen, da ich zu viel zu sagen hätte und mein Befinden gerade nicht gut genug ist, um mir dies augenblicklich zu erlauben. Nur glauben Sie ja, dass ich zu Ihnen und Ihrer verehrungswürdigen Frau Gemahlin stehe wie ehemals, in derselben Liebe und Dankbarkeit, auch wenn ich schweige.
Die Grüsse meiner Schwester hinzufügend (welche seit August zu mir übergesiedelt ist und meinen Haushalt führt) bin ich, der ich war,
Ihr getreuer
Dr F. Nietzsche
(Die Addresse des Dr. Jakob Wackernagel ist: Basel, Brunngasse 11.)
498. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Mein geliebter Freund, habe Dank für Deine guten Nachrichten, ich erwartete sie mit Sehnsucht, jetzt kann ich doch mit Dir hoffen und weiss, dass einem von uns etwas Gutes zu Theil werden soll — so wie es dieser Eine auch verdient und nöthig hat. Es scheint mir, dass alles so gut eingeleitet ist, dass wir mit Fassung nun zu Ende warten dürfen. Das Ende kommt doch wohl Ostern?
Es macht mir Mühe zu schreiben, ich will drum kurz sein. Liebster Freund, ich habe das schlimmste schmerzhafteste und unheimlichste Weihnachten hinter mir, das ich erlebt habe! Am ersten Weihnachtstage gab es, nach manchen immer häufiger kommenden Ankündigungen, einen förmlichen Zusammenbruch, ich durfte nicht mehr zweifeln, dass ich an einem ernsthaften Gehirnleiden mich zu quälen habe, und dass Magen und Augen nur durch diese Centralwirkung so zu leiden hatten. Mein Vater starb 36 Jahr an Gehirnentzündung, es ist möglich, dass es bei mir noch schneller geht. Nun werden mehrstündige Eiskappen, Ubergiessungen auf den Kopf früh morgens, auf Immermanns Rath, angewendet, und es geht, nach einer Woche von gänzlicher Erschlaffung und schmerzhafter Zerquältheit, wieder etwas besser. Doch ist es nicht einmal Reconvaleszenz, der unheimliche Zustand ist nicht gehoben, alle Augenblicke werde ich an ihn erinnert. Man hat mir bis Ostern das Pädagogium abgenommen, an der Universität unterrichte ich wieder. Ich bin geduldig, aber voller Zweifel, was werden soll. Ich lebe fast ganz von Milch, die mir gut thut, auch schlafe ich ordentlich, Milch und Schlaf sind die besten Dinge, die ich jetzt habe. Wenn nur wenigstens die fürchterlichen tagelangen Anfälle ausbleiben wollen! Ohne sie kann man sich doch wenigstens aus einem Tag in den andern schleppen.
Meine Schwester liest mir viel vor, weil mir Lesen und Schreiben schwer fällt. Walter Scott hätte ich neben Milch und Schlaf nennen sollen. Etwa den 19 März will ich wo möglich an den Genfersee gehen, bis dahin ist der Winter noch zu rauh, und Spazierengehen in der Kälte ist mir eher schädlich als nützlich. Meine Mutter wird in Kürze hier eintreffen.
Bitte behalte den Inhalt des Briefes für Dich, wir wollen die Bayreuther nicht beunruhigen! Ach Bayreuth! Entweder ich darf nicht hin oder ich kann nicht hin — so schwebt es mir jetzt vor der Seele. Aber es soll noch eine dritte Möglichkeit geben, und wenn ich denke, was ich alles schon durchgemacht habe, so muss ich wohl glauben, auch noch über diesen Winter hinwegzukommen.
Lebe Du wenigstens wohl, ich muss mein Glück immer mehr im Glück meiner Freunde suchen. Alle meinen eignen Pläne sind ja wie Rauch; ich sehe sie noch vor mir und möchte sie fassen. Denn es ist traurig, ohne sie zu leben, ja kaum möglich. — Kannst Du Ostern etwas mit mir zusammen gehn, also etwa an den Genfersee? Eine ganz vorläufige Anfrage.
Schreibe doch an Frl. v Meysenbug, sie frägt theilnehmend nach Dir.
In alter Treue
der Deinige
F N.
Bald sollst Du Besseres aus Basel hören, ich verspreche Dir’s
499. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Liebster Freund, die Addresse von Frl. von Meysenbug ist genau diese:
132 Monte Caprino
Campidoglio, Roma.
Bis jetzt kein neuer Anfall, aber Fortdauer des Zustandes selbst, der mir Bedenken einflösst. Ich gebe aber meine Stunden an der Universität, lebe mit der grössten Vorsicht und Regelmässigkeit. So wird es wohl besser werden müssen. Gänzliches Ausspannen, wie Du anräthst, ist nicht so leicht durchzuführen, mir scheint ein mässiges Fortleben in der hergebrachten Weise, doch eben mit aller Vorsicht, einstweilen ausführbarer, selbst heilsamer.
Und dann hilft die Nähe meiner Schwester, Overbecks, zumal des glücklichen Overbecks — was sollte ich in der Ferne! Ich wünschte jetzt nichts lieberes zu hören als zu hören, dass Du Ostern nach Berlin müsstest, müsstest, weil sie zog, nach Goethe, im Gedichte Um Mitternacht. Das gäbe dann Neuigkeiten, bei denen einem Freunde einmal von Herzen wohl werden müsste. Wohl und gesund!
Nun gedenke meiner, ohne Sorge, ich bitte Dich und vor allem — gedenke Deiner, in der Overbeckschen Weise.
Dein Freund
500. An Paul Widemann in Basel (Visitenkarte)
Ihnen, lieber Herr Widemann, und durch Sie Herrn Köselitz die Mittheilung, dass ich jetzt mich nun doch dazu veranlasst sehe, meine Vorlesungen vorläufig auf unbestimmte Zeit einzustellen. Hoffentlich geht es in zwei Wochen besser: aber dann habe ich Sie nicht mehr? —
Dr. Friedrich Nietzsche
o. ö. Professor der Philologie
Basel.
501. An Erwin Rohde in Kiel
Geliebter Freund, dem Himmel sei Dank, dass Dir endlich einmal etwas nach Wunsch geht! Vielleicht hat es nun ausgestürmt, und der Sonnenschein kommt wieder über Dich, um zu trösten und gut zu machen, da wo niemand Dir zu helfen wusste. Ach, die Ohnmacht Deiner Freunde! Und dass wir immer zum leidenden Mitleiden verurtheilt waren! Und dass ich selber noch dazu zum Verstummen gebracht worden bin, selbst jetzt noch, wo nun endlich einmal die Mitfreude zum Wort kommen könnte! — Mein Kopf ist immer noch schlimm daran, ich kann nicht lesen und schreiben und habe jetzt alle Vorlesungen aufgegeben, seit voriger Woche. Eine hübsche Thierquälerei! Im März will ich mit Gersdorff an den Genfersee.
Leb wohl, es giebt nicht mehr her!
Dein wahrer Freund.
Meiner Schwester Glückwünsche.
Ebenso Overbecks, des Unvermuthet-Glücklichen.
502. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Mein geliebter Freund
wenn Dir mein Plan zusagt, so wollen wir es so machen: komme am ersten Tage Deiner Ferien nach Basel, wir ziehen dann sofort (etwa am 5 oder 6ten) weiter und suchen uns einen bescheidenen Aufenthalt am Genfersee. Wir wollen zusammen die eben angelangten 3 bändigen Memoiren einer Idealistin lesen, ich scheue mich ordentlich vor einem unbedachtsamen Einschlürfen eines so herrlichen reinen Getränkes.
Ich freue mich von ganzem Herzen auf unsere stillen Wanderungen und Gespräche. Durch Einsamkeit und Leiden bin ich ganz vollgepfropft worden.
Ich kann endlich sagen, dass es jetzt zum Besseren geht, nach einem sehr langen peinlichen Gleichmasse des schlechten Befindens. Doch habe ich endlich alle meine Vorlesungen einstellen müssen; erst seitdem spüre ich den Fortschritt.
Overbeck lässt Dich herzlich grüssen und Dir sagen, dass er am 5t. März nach Zürich zu seiner Braut reise, und sich sehr freuen würde, wenn er am 4t. Dich sehen könnte. Geht es nicht, und kannst Du, was sehr zu bedauern wäre, erst am 5t. ankommen, so bietet er Dir seine Wohnung zum Nachtquartier an. Bitte schreibe nächstens noch ein Wort über Deine definitive Entschliessung.
Deine Andeutungen über Berlin usw. schmerzen mich, es scheint mir so überflüssig und ungerecht, dass Du noch die Schule von dergleichen Schwierigkeiten durchmachen müsstest. Doch muss man manche Beschwerde selbst dankbar als eine Abschlagszahlung an den bösen Character des Daseins hinnehmen, das wissen wir ja; wir sind ja alle von grossen und plötzlichen Übeln umlauert, denke nur an Rohde.
Wie ich mich sehne, Dich wieder zu haben!
Dein F Nietzsche.
503. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Nun höre einmal, liebster Freund, mich an! Der Brief von Frau W<agner> verändert die Lage und glücklicherweise nimmt meine Gesundheit täglich zu, so daß ich jetzt Dir einen zweiten Vorschlag mache. Immermann nämlich ist meiner Absicht entgegen, mich an einem Winkel des Genfersee’s niederzulassen und räth mir Zerstreuung und Bewegung von Ort zu Ort an. Was ich mir nun diese Nacht ausdachte, hat auch die Zustimmung meiner Schwester erlangt, ist also meinem jetzigen Befinden nicht mehr widersprechend (was es noch vor 14 Tagen gewesen sein würde) Also: ich hole Dich am 28 Febr. in Hohenheim ab und wir fahren zusammen gen Wien. Ich nehme an, daß Du dort der Gast Deines Freundes sein wirst und denke, daß ich durch seinen Rath ein bescheidenes Unterkommen in einem benachbarten Gasthofe finden werde. Wir nehmen ein Rundreisebillet für 30 Tage von Stuttgart aus (über Ulm Augsburg München Salzburg Linz Wien Linz Passau Regensburg Nürnberg Nördlingen Stuttgart) II Kl. 39 Gulden süddeutsch. W<ährung>.
Es steht nun ganz bei Dir, zwischen den Vorschlägen zu wählen oder etwas Drittes vorzuschlagen. Nur bitte ich Dich so herzlich wie möglich, wenn Dir aus irgend einem Grunde das Alleinreisen und die Trennung unsrer Ferienprojekte erwünscht ist, mir dies zu sagen. Wir sind ja so glücklich, offen sein zu dürfen, ja uns nicht einmal unter uns entschuldigen zu müssen.
Also gebrauche das Vorrecht der Freiheit der Gesinnung.
Schreibe mir schnell eine Antwort, auch darüber ob es vielleicht bequemer ist, in Stuttgart zusammenzutreffen und mit welchem Zuge. Nach Bayreuth verrathe von meinem Kommen nichts, ich freue mich diesmal angenehm zu überraschen.
Der Deinige.
504. An Eugen Kretzer in Godesberg
Dieses Lebenszeichen, lieber und werther Hr Doctor, soll Ihnen nur sagen, dass es sich schlecht lebt: sonst würde ich Ihren bedeutenden Brief nicht unbeantwortet lassen: was ich leider muss, Krankheits halber. Inzwischen empfehle ich Ihnen dringend das eben erschienene Buch einer alten Freundin „Memoiren einer Idealistin“ Stuttgart, Verlag von Auerbach. Das ist etwas für Sie!
F. N.
505. An Paul Rée in Stibbe
Mein lieber neugewonnener Freund,
keine Antwort, sondern nur das Symbol einer solchen, denn es geht mir eher schlechter als besser; wie einer, der sich unter der doppelten Tyrannei des Schmerzes und der Langeweile befindet, es erwarten muss. Gersdorff kommt nächsten Montag — erst Montag! ich bin ungeduldig.
Ihr Besuch hat mir das aufrichtige Bedauern hinterlassen, nun wieder etwas zu kennen, was mir in Basel fehlt, einen Menschen, mit dem man über „den Menschen“ sprechen kann. Wollen wir dieses, ich denke gemeinsame Bedürfniss als die Basis einer Freundschaft nehmen und die Hoffnung öfteren Zusammenseins darauf gründen? Es wäre mir eine hohe Freude und ein grosser Gewinn, wenn Sie hierzu Ja! sagen wollten. Sehen wir dann zu, wie viel persönliche Offenheit eine so fundirte Freundschaft vertragen kann! Ich mache es mir nicht so leicht, Ihnen dieselbe einfach zu versprechen — wer kennt sich genug, um ein solches Versprechen immer halten zu können. Aber wohl wünschte ich von Herzen, eine jede Offenheit Ihrerseits zu verdienen, wo immer Sie Lust haben sollten, mir sie zu schenken. — Es bedarf zu Allem noch der Gewohnheit und Sie als der Freiere müssen den guten Willen haben, wieder einmal in Basel länger vor Anker zu liegen. Von Ende August an bin ich wieder hier.
Leben Sie wohl, mein lieber Freund und nehmen Sie meinen und meiner Angehörigen herzlichen Dank für Ihren Besuch!
F. N
506. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Liebster Freund,
Du siehst wie es steht — denn ich kann selber nicht schreiben und muß, bildlich gesprochen, zur Feder und Hand meiner Schwester greifen. Es war Thorheit, für mich an Wien zu denken, eine entschuldbare Thorheit für Einen, der sich möglichst weit von der Monotonie eines leidenden Zustandes hinwegsehnt. Aber schon vor der Ankunft Deines Briefes war ich durch eine Verschlechterung meines Befindens hinreichend darüber belehrt, daß ich mir nichts dergleichen zutrauen dürfe, nur hatte ich gewünscht gerade für den Fall, daß ich nicht mitreiste, daß mein zweiter Vorschlag für Dich die Veranlassung zu genußreicheren Ferien würde als Du Dir jetzt in Begleitung eines Kranken versprechen darfst. Wie die Dinge nun gegangen sind habe ich diese Absicht freilich nicht erreicht, was ich herzlich bedaure zumal ich denken muß, daß mein letzter Brief Dich nur verwirrt und gequält hat. Wir lassen es also jetzt wie schon mein Telegramm besagte beim Alten und der sechste dieses Monates soll also vorläufig der Termin Deiner Ankunft sein vorausgesetzt, daß die Wünsche Deiner Eltern diesem Entwurfe nicht zuwider laufen.
Die Baumannshöhle steht bereit Dich in ihren Schlund aufzunehmen, und von der Höhle soll es dann weiter zu See, Wald und Fels gehen. Den genaueren Plan wollen wir dann erst hier gemeinschaftlich miteinander ausdenken. — Ich lese schon seit ein Paar Wochen keine Collegien mehr und bin die Beute von Schmerz und Langeweile zugleich. Es verlangt mich nach Gesundheit ebenso sehr als nach Veränderung!
Mit den herzlichen Grüssen meiner Mutter und Schwester bin ich
der Deinige
F N.
507. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Basel
Meine liebe Mutter und Schwester
nur einen ganz kurzen Bericht. Die Gesundheit hat so ziemlich Stand gehalten, zu meinem Erstaunen. Wetter gestern sehr ungleich, aber mit himmlischen Beleuchtungen. Heute ganz finster. Sehr kalt! Wir sind die alleinigen Bewohner der Printannière, haben Chillon in der Nähe, als Seiten-Vordergrund aller Aussichten. Wir strecken die Beine nach dem Kamine. Es ist gut hier, der Wirth ein Badenser.
Pensionspreis 5 frs., alles einbegriffen.
Ich schlief ordentlich, doch wachte ich mit Kopfschmerzen auf. Wollen sehen, wie’s heute geht. Die Luft ist kräftig, auf der ganzen Reise fühlte ich ihre erneuende Kraft.
Denkt nur ohne Sorge an mich, ich glaube, es wird besser werden. Als ich gestern das Vertrauen dazu recht emphatisch aussprach, blitzte es und ich nahm es als bejahendes Zeichen.
In herzlicher Liebe der Eurige.
Es ist aber Winter, es hilft nichts, vorhin schneite es mich an. Lass Dirs nur noch etwas in der warmen Stube gefallen, meine gute Mutter.
508. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Vielen Dank für Briefe, gelbe H. und dergl. Hier haben wir das abscheulichste Wetter, Tag für Tag. Seit gestern Morgen Landregen. Donnerstag hatte ich den halben Tag lang Kopfschmerz, und lag dann den ganzen Freitag zu Bett: böser Tag! Seitdem geht es besser. Wir sind immer die einzigen Gäste des Hotels. Die Zusendung der gelben H. erfüllte einen Seelenwunsch. Trotzallem sind wir viel unterwegs und schlampen durch den Dreck. Im Ganzen doch sehr froh, hier zu sein. Dem Offizier geantwortet. Kraker ist in der Nähe, noch nicht gesehn. Sonst niemand. Wir lesen Manzoni’s Verlobte und bedaure das ganz herrliche Werk nicht von Dir gehört zu haben, es ist unschuldig wie das Lämmlein. Über Fr. Burckhardts Mittheilung verdrieße ich mich sehr. Die herzlichsten Grüße an Dich und unsre liebe Mutter.
509. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Ist meine letzte Meldung per Karte eingetroffen? Ich hoffe. Inzwischen ist es besser gegangen. Gestern der erste schöne Tag, wir waren in Glion. Heute starker Wind, stürmische See. Die Natur im Ganzen um 3 Wochen, gegen frühere Jahre, zurück. — Manzoni ausgelesen. Viel unterwegs, guter Schlaf. Doch habe ich noch kein rechtes Vertrauen zur Besserung. Die schlechte Einrichtung mit dem Pädag. geht mir immer durch den Kopf. — Gersdorff bleibt den Monat bis zu Ende.
Verlebt noch gute herzliche Tage mit einander, meine gute Mutter und Schwester und gedenkt tröstlich Eures F.
Der treue Overbeck hat geschrieben.
510. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Briefe bekommen, schönsten Dank.
Voller Winter! Seit zwei Tagen eingeschneit. Heute heller schöner kalter Tag.
Der „älteste Einwohner“ usw.!
Wir sind immer noch zu Zweien. Die Krankenpensionen in Montreux reizen uns nicht.
Heute wird es ein schlimmer Tag, fürchte ich. Gar nicht geschlafen.
Wir sind hier ganz gut besorgt und verbrennen viel Holz in den Kaminen. Gehen spazieren, bei gutem und schlechtem Wetter. Der See ist und bleibt etwas Herrliches. Ich grüsse Euch von ganzem Herzen.
511. An Franziska Nietzsche in Basel (Postkarte)
Vielleicht mein letzter Gruss an Dich vor Deiner Abreise? Leider hast Du den winterlichsten aller Baseler Winter erlebt, und wenig Erfreuliches dazu! Ein andermal soll’s besser werden. Inzwischen nimm den herzlichsten Dank für Besuch, Hülfe, Besorgniss und Bemühung aller Art! — Mir geht es im Ganzen besser, das schlechte Wetter treibt in’s Zimmer, das kalte Zimmer treibt in’s Freie, so dass ich täglich doch 5—6 Stunden spazierengehe. Völliger Winter oder Regen mit Koth ist der einzige Wechsel. Ich bleibe aber, so lange es geht; es bekommt mir gut. In Basel ist 1) mein Bett zu warm; 2) ich vermisse sehr den Besitz eines grossen Plaids. 3) hast Du Frau Baumgartner besucht? 4) ich freue mich, wenn die Universität verlegt wird. 5) sind die Bücher an die Buchhändler besorgt? (Strauss will ich nicht) Sendet mir doch noch die dicke alte Hose. Mit den besten Wünschen und für die Briefe dankend.
Euer F.
512. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Meine liebe Lisbeth, morgen (Mittwoch) reist Freund Gersdorff ab und wird Donnerstag gegen 11 Uhr Vormittags bei Dir erscheinen, um Dir von mir zu erzählen.
Gestern waren wir in Bex, das uns sehr gefiel, nur ist es für mich viel zu theuer (der Tag kommt auf 12 frs. in allem)
Heute nur den herzlichsten Gruss!
Dein F.
513. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Bitte meine liebe gute Elisabeth sende mir die Addresse von Fr v. Meysenbug. Ich bin immer noch hier, die letzten Tage seit Gersdorff’s Abreise sind schön, ich laufe den ganzen Tag.
Vielleicht aber komme ich doch nächsten Mittwoch zu Dir. Es geht mir ganz gut. Nun wollen wir sehen, wie es in Basel wird. Der Übergang in’s Semester soll doch kein Übersprung werden.
Ich freue mich sehr darauf Dich wieder zu sprechen. Sage, kann ich mich nun in Betreff des Pädagogium’s auf die gewünschte Anordnung verlassen?
F N.
Bitte schicke die Addresse sogleich an mich ab.
514. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Meine liebe Schwester, ich habe wieder einen schlechten Tag gehabt und ziehe vor, deshalb noch einige Tage hier zu warten und spazieren zu gehen. Eigentlich ist es erst seit Gersdorffs Abreise hier schön geworden, namentlich etwas wärmer.
Heute morgen dachte ich die Addresse von Frl. v. Meysenbug zu bekommen, um die ich bat? Aber die Post hatte nichts für mich. Ich will heute morgen Krakern einen Besuch machen.
Ich bin immer noch der einzige Gast hier.
Mit lauter innigen Grüssen Dein
Bruder.
515. An Franz Overbeck in Basel
Ich mache mir Vorwürfe, Dir nicht geschrieben zu haben, lieber guter Freund, der Du mich zur Strafe mit einem zweiten Briefe beschenkt hast! Ich sehe es, in was für einer verzeihlichen Stimmung Du bist und wie Du genug von Glücke hast, um noch davon abgeben zu können. Hier sitze ich nun, ich einsamer Mann immer noch: sitzen freilich ganz uneigentlich zu verstehen, denn ich steige auf und nieder von früh bis Abend und bringe es zu Stunden wahren Glücksgefühls, mitten unter vielem Unbehagen — Du weisst es ja, wie meine körperlichen Leiden häufig genug den „moralischen“ zum verwechseln ähnlich sehen; und jenes Glücksgefühl ist daher auch immer etwas mehr als Abwesenheit von Kopfschmerz. Mir ist es, als ob ich in sehr vielen Dingen in die Klemme getrieben worden sei — Gesundheit heisst für mich, daraus zu kommen. Dieses Glück anticipire ich mitunter beim Herumschweifen auf den Bergen, ich weiss nichts Besseres („Traurig genug!“ wirst Du sagen und mit Recht!)
Morgen gehe ich nach Genf. Ich fürchte mich vor einer neuen Stadt wie vor einem wilden Thiere; ein Besuch in Lausanne hatte einen ganz Bergamasken Character, mir war übel und wehe und ich war wie erlöst als ich wieder den Mond über Schloss Chillon erblickte und die Schneeberge Savoyens in mildkalter klarer Nacht leuchteten. Ich habe an Herrn von Senger geschrieben; misslingt mir’s beim ersten Anlaufe, so komme ich spornstreichs nach Basel.
Mehr erlauben mir die Augen nicht zu schreiben. Dass die alma mater in die Kaserne marschiren soll, unter Deinem Vortritt, entzückt mich. Lebe wohl
In Treue der Deinige
Die freundlichsten Grüsse an Frau Baumann!
516. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Seit Donnerstag Nachmittag in Genf. Es geht mir gut; nur musste ich den Freitag ganz still zu Hause bleiben. Von Senger ein überaus trefflicher Mensch und Freund; den Donnerstag Abend brachte ich in der Familie Köckert zu. Frau Diodati ist im Irrenhause. Heute Concert; morgen auch, Senger lässt auf meinen Wunsch die Benvenuto Cellini-Ouvertüre von Berlioz und einiges Andre machen. Die Schönheit von Genf versetzt mich in ein seliges Staunen, hier möchte ich sterben, wenn nicht leben. Meine erste Verehrung galt Voltaire, dessen Haus in Fernex ich aufsuchte. — Montag Abend bin ich bei Dir!
517. An Mathilde Trampedach in Genf
Mein Fräulein
Sie schreiben heute Abend etwas für mich, ich will auch etwas für Sie schreiben. —
Nehmen Sie allen Muth Ihres Herzens zusammen, um vor der Frage nicht zu erschrecken, die ich hiermit an Sie richte: Wollen Sie meine Frau werden? Ich liebe Sie und mir ist es als ob Sie schon zu mir gehörten. Kein Wort über das Plötzliche meiner Neigung! Wenigstens ist keine Schuld dabei, es braucht also auch nichts entschuldigt zu werden. Aber was ich wissen möchte, ist ob Sie ebenso empfinden wie ich — dass wir uns überhaupt nicht fremd gewesen sind, keinen Augenblick! Glauben Sie nicht auch daran, dass in einer Verbindung jeder von uns freier und besser werde als er es vereinzelt werden könnte, also excelsior? Wollen Sie es wagen mit mir zusammen zu gehen, als mit einem, der recht herzlich nach Befreiung und Besserwerden strebt? Auf alle Pfade des Lebens und des Denkens?
Nun seien Sie freimüthig und halten Sie nichts zurück. Um diesen Brief und meine Anfrage weiss niemand als unser gemeinsamer Freund Herr von Senger. Ich reise morgen um 11 Uhr mit dem Schnellzuge nach Basel zurück, ich muss zurück; meine Addresse für Basel lege ich bei. Können Sie auf meine Frage Ja! sagen, so werde ich sofort Ihrer Frau Mutter schreiben, um deren Addresse ich Sie dann bitten würde. Gewinnen Sie es über sich, sich schnell zu entschliessen, mit Ja! oder Nein — so trifft mich ein briefliches Wort von Ihnen bis morgen um 10 Uhr Hôtel garni de la Poste.
Alles Gute und Segensvolle für immerdar Ihnen wünschend
Friedrich Nietzsche
518. An Malwida von Meysenbug in Rom
Hochverehrtes Fräulein
es gab vor 14 Tagen ungefähr einen Sonntag den ich allein am Genfersee und ganz und gar in Ihrer Nähe verbrachte, von früh bis zu dem mondglänzenden Abend: ich las mit wiederhergestellten Sinnen Ihr Buch zu Ende und sagte mir immer wieder, dass ich nie einen weihevolleren Sonntag erlebt habe; die Stimmung der Reinheit und Liebe verliess mich nicht und die Natur war an diesem Tage nichts als das Spiegelbild dieser Stimmung. Sie gingen vor mir her als ein höheres Selbst, als ein viel höheres —, aber doch noch mehr ermuthigend als beschämend: so schwebten Sie in meiner Vorstellung und ich maass mein Leben an Ihrem Vorbilde und fragte mich nach dem Vielen, was mir fehlt. Ich danke Ihnen für sehr viel mehr als für ein Buch. Ich war krank und zweifelte an meinen Kräften und Zielen; nach Weihnachten glaubte ich von allem lassen zu müssen und fürchtete nichts mehr als die Langwierigkeit des Lebens, das mit Aufgebung der höheren Ziele nur wie eine ungeheure Last drückt. Ich bin jetzt gesünder und freier, und die zu erfüllenden Aufgaben stehen wieder vor meinen Blicken, ohne mich zu quälen. Wie oft habe ich Sie in meine Nähe gewünscht, um Sie etwas zu fragen, worauf nur eine höhere Moralität und Wesenheit als ich bin Antwort geben kann! Aus Ihrem Buche entnehme ich mir jetzt Antworten auf sehr bestimmte mich betreffende Fragen; ich glaube mit meinem Verhalten nicht eher zufrieden sein zu dürfen als bis ich Ihre Zustimmung habe. Ihr Buch ist für mich aber ein strengerer Richter als Sie es vielleicht persönlich sein würden. Was muss ein Mann thun, um bei dem Bilde Ihres Lebens sich nicht der Unmännlichkeit zeihen zu müssen? — das frage ich mich oft. Er muss das alles thun, was Sie thaten und durchaus nichts mehr! Aber er wird es höchst wahrscheinlich nicht vermögen, es fehlt ihm der sicher leitende Instinkt der allzeit hülfbereiten Liebe. Eins der höchsten Motive, welches ich durch Sie erst geahnt habe, ist das der Mutterliebe ohne das physische Band von Mutter und Kind, es ist eine der herrlichsten Offenbarungen der caritas. Schenken Sie mir etwas von dieser Liebe, meine hochverehrte Freundin und sehen Sie in mir einen, der als Sohn einer solchen Mutter bedarf, ach so sehr bedarf!
Wir wollen uns viel in Bayreuth sagen: denn jetzt darf ich wieder darauf hoffen, dorthin gehen zu können: während ich ein paar Monate auch den Gedanken daran aufgeben musste. Wenn ich jetzt nur, als der Gesündere, Ihnen etwas erweisen könnte! Und warum lebe ich nicht in Ihrer Nähe!
Leben Sie wohl, ich bin und
bleibe der Ihrige in
Wahrheit
Friedrich Nietzsche.
Ich bin sehr dankbar für den Brief Mazzini’s —
519. An Erwin Rohde in Jena
Mein geliebter Freund, ich bin seit vorgestern wieder hier, habe 4 Wochen am Genfersee, bei dem Schlosse Chillon, gelebt und die letzte Woche in Genf bei befreundeten Menschen. Ich bin viel gesünder und recht innerlich befreiter, hoffnungsvoller, meinen Plänen und Zielen wiedergegeben — nach einer schweren fast unausstehlichen Zeit, wo ich an allem verzweifelte. In Genf habe ich einen wahren Freund hinzuerworben, eine Bereicherung für uns Alle, Du sollst ihn in Bayreuth kennen lernen — es ist der Generaldirektor des Genfer Orchesters Hugo von Senger. Das ist mein großer Ertrag dieser Reise. Ich muß mir schon selber treu bleiben, um Euch meinen wahren Freunden treu bleiben zu können, aber es fraß die Skepsis und das Mißtrauen an mir. Ebenso verpflichtet mich das heimliche Weiterleben meiner Schriften, immer von neuem höre ich, daß hier und dort ein Kreis von Menschen sitzt, die auf mich hören und die erwarten, daß man noch höher steigt, freier wird, um selber dabei freier zu werden. Kennst Du Longfellow’s Gedicht „Excelsior“? Und hast Du die jetzt eben erschienenen 3 Bände „Memoiren einer Idealistin“ gelesen? Ich bitte Dich sehr darum, es zu thun. Es ist das Leben unsrer herrlichen Freundin Frl v Meysenbug, ein Spiegel für jeden tüchtigen Menschen, in den man ebenso beschämt als ermuthigt blickt, ich las lange Zeit nichts, was mich so innerlich umdrehte und der Gesundheit näher brachte. Wir haben ja Verschiedenes diesen Winter zu tragen gehabt, aber was mir so wohlthat, wird auch Dir wohlthun, bei aller Verschiedenheit der Naturen und der Leiden. Overbeck hat es seiner Braut vorgelesen, nach jeder Sitzung, erzählte er, seien sie in neue Begeisterung und Ergriffenheit ausgebrochen. Es ist etwas von der höchsten caritas darin. —
Wie geht es Dir, Geliebter? Ich quälte mich öfters in dem Gedanken, Dich durch nichts erreichen, Dir in nichts jetzt etwas sein zu können. Es war nicht nur die Entfernung. Leben wir ein besseres Leben, darin wollen wir uns ewig nahe fühlen. Ich bin der Deine, glaub es mir heute.
F N.
520. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Liebster Freund, am Abend vor dem grünen Donnerstag bin ich von Genf wieder zurückgekommen und habe dort 6 Tage zugebracht, sehr reiche Tage mit mancherlei Erfahrungen. Die Woche vorher, welche ich nach Deiner Abreise noch als einziger Gast in der Printanière aushielt, benutzte ich namentlich zu einer innerlichen Sammlung und Säuberung und wurde über vieles Kränkliche und Grillenhafte und Verzagte wieder Herr, namentlich aber hielt ich meine Ziele mit neuer Begierde mir vor Augen und verlor den Hang (mit dem ich auch Dich gequält habe!) gegen mich selbst ungerecht zu sein. Ich fand das „gute Gewissen“ wieder, bis jetzt zu meiner Befreiung soviel gethan zu haben als ich konnte und damit auch andern Menschen einen wahren Dienst gethan zu haben. Auf dieser Bahn gehe ich wieder vorwärts und lasse mich auf desperate Rückblicke und Vorblicke nicht mehr ein. Ich verdanke sehr viel dem Buche unsrer herrlichen Freundin Meysenbug und werde den einen Sonntag, den ich in der höchsten moralischen Nachbarschaft mit ihr verbrachte, von früh bis Nachts im Freien, nicht vergessen.
Der Genfer Aufenthalt kam gerade im rechten Augenblick, als eine Art Bestätigung und Verstärkung des einsam-Beschlossnen. Vor allem habe ich, zur Bereicherung von uns Allen, einen wahren Freund hinzugefunden, in Hr von Senger. Ich wüßte in wenig Worten gar nicht zu sagen, wie viel ich dabei gewonnen habe. Du wirst ihn kennen lernen, einstweilen sage ich nichts.
Wenn wir uns wiedersehn, will ich Dir von Ferney dem Sitze Voltaires (dem ich meine echten Huldigungen brachte) erzählen, von dem glänzenden und doch wunderbar gebirgsnahen und freiheit-athmenden Genf, von Villa Diodati, von einzelnen Menschen, von dem besten Schuster in Genf (einem berühmten Communard), von dem Concert populaire, in dem meinetwegen die Benvenuto Cellini Ouvert. v. Berlioz gemacht wurde, von der Frau Sengers, einer höchst charaktervollen Engländerin und seinen merkwürdigen Kindern Leila und Agenor, von Mad. de Saussure, Banquier Köckert (ehemal. Virtuos), von zwei liebenswürdigen Russinnen in einer englischen Pension, von Ausflügen in’s Savoyische, von der Entdeckung, daß ich ein großer Klavierspieler sein soll, von zahlreichen moralistischen Gesprächen, von Hr. Jansen und dem Makler usw. usw. In der Hauptsache habe ich aber soviel erkannt: das einzige, was die Menschen aller Art wahrhaft anerkennen und dem sie sich beugen, ist die hochsinnige That. Um alles in der Welt keinen Schritt zur Akkommodation! Man kann den großen Erfolg nur haben, wenn man sich selbst treu bleibt. Ich erfahre es, welchen Einfluß ich jetzt schon habe und würde mich selbst nicht nur, sondern viele mit mir wachsende Menschen schädigen oder vernichten, wenn ich schwächer und skeptisch werden wollte.
Mit einer Nutzanwendung für Dich, mein geliebter Freund: ich bitte Dich inständig, mancherlei nicht zu berücksichtigen, was ich Dir in schwächeren Stunden in Betreff Deiner Verehelichung sagte. Um keinen Preis eine Conventionsehe! (wie es alle mir bis jetzt von Dir genannten und Dir von Andern proponirten Ehen sind) Wir wollen in diesem Punkte der Reinheit des Charakters ja nicht wankend werden! Zehntausendmal lieber immer allein bleiben — das ist jetzt meine Losung in dieser Sache.
Nochmals danke ich Dir von ganzem Herzen für die Aufopferung Deiner Ferien und Deine treuen Freundesdienste, über deren Werth für mich Du Dir auch keinen Augenblick einen quälenden Gedanken darfst beikommen lassen. Ein anderes Mal soll es heiterer und muthiger zugehen, diesmal war ich im Ganzen doch krank und namentlich auch moralisch krank; über die Bosheit der Welt sollte nicht so viel geredet werden, aber über das Durchsetzen und Vollbringen des Guten und Rechten; dabei flieht jede Morosität und jede Muskel spannt sich straffer.
In dankbarer Liebe
der Deinige
F Nietzsche
Meine Schwester und der Rektor Overbeck grüßen herzlich.
521. An Heinrich Romundt in Oldenburg
Endlich mein lieber Freund, sollst Du etwas von mir auf geradem Wege hören! Die Wellen giengen inzwischen über mein Haupt und der Winter nahm einen wahrhaft unheimlichen und schrecklichen Charakter für mich an. Nun bin ich aber vier Wochen am Genfersee, in der Nähe des Schlosses Chillon, bei Schnee Regen Sturm und Sonnenschein herumgelaufen und habe mich selbst dabei wieder gefunden. Das heißt nämlich das Vertrauen auf meine Ziele, das Verpflichtetsein auf meine Aufgaben und den Muth der Gesundheit. Schwimmen wir also weiter gegen den Strom; mitunter wird die Seele matt und da wirft wohl die Welle einen bei Seite und der ganze Körper kracht. Ich weiß nie, wo ich eigentlich mehr krank bin, wenn ich einmal krank bin, ob als Maschine oder als Maschinist.
Zuletzt war ich eine Woche in Genf, entdeckte dort einen wahren Freund in der schweren Bedeutung des Wortes (Hugo von Senger Generaldirektor des Genfer Orchesters) und machte bedeutende Erfahrungen. Ich fand zurückkehrend Dein Programm und ersah daraus den umfänglichen Charakter Deiner Thätigkeit und die angesehene Lehrerstellung, welche Du dort einnimmst. Dies ist Dein Chillon und Dein Genf, das sehe ich wohl ein, ich hoffe von Herzen, daß Du als höchsten Gewinn die Gesundheit der Seele davontragen mögest.
Ich verehre, sobald ich mir wiedergegeben bin, nur Eins stündlich und täglich, die moralische Befreiung und Insubordination und hasse alles Matt- und Skeptischwerden. Durch die tägliche Noth sich und andre höher heben, mit der Idee der Reinheit vor den Augen, immer als ein excelsior — so wünsche ich mein und meiner Freunde Leben.
In herzlicher Liebe der
Deine
F Nietzsche
522. An Mathilde Trampedach in Genf
Hochverehrtes Fräulein
Sie sind grossmüthig genug, mir zu verzeihen, ich fühle es aus der Milde Ihres Briefe heraus, die ich wahrhaftig nicht verdient hatte. Ich habe so viel im Gedenken an meine grausame gewaltsame Handlungsweise gelitten, dass ich für diese Milde Ihnen nicht genug dankbar sein kann. Ich will nichts erklären und weiss mich nicht zu rechtfertigen. Nur hätte ich den letzten Wunsch auszusprechen, dass Sie, wenn Sie einmal meinen Namen lesen oder mich selber wiedersehen sollten, nicht nur an den Schrecken denken möchten, den ich Ihnen eingeflösst habe; ich bitte Sie unter allen Umständen daran zu glauben, dass ich gerne gut machen möchte, was ich böse gemacht habe.
In Verehrung der Ihrige
Friedrich Nietzsche
523. An Malwida von Meysenbug in Rom
Verehrteste Freundin, ich weiss wirklich nicht, wie ich Ihnen für das in Ihrem Briefe Ausgesprochne und Angebotne danken soll; später will ich Ihnen sagen, wie zur rechten Zeit dies Wort von Ihnen gesprochen wurde und wie gefährlich mein Zustand ohne dieses Wort geworden sein würde: heute melde ich Ihnen nur: dass ich kommen werde, um in Fano mit Ihnen zusammen ein Jahr zu leben. Ich sprach mit dem Präsidenten der hiesigen Universitäts-Curatel über die Möglichkeit eines Urlaubs vom October 1876—7; die definitive Beantwortung meiner Anfrage kann erst in 14 Tagen gegeben werden, aber dass man mir die volle Freiheit dazu geben wird, steht völlig sicher: darauf dürfen Sie sich verlassen!
Wahrhaftig, mit Niemandem möchte ich jetzt so gern ein Jahr als mit Ihnen zubringen — das dürfen Sie im wörtlichsten Sinne nehmen! Wollte ich es Ihnen genauer sagen warum — so würden Sie sehen, wie hoch ich Sie liebe und ehre!
Unserem Freunde Brenner weiss ich gar kein besseres Loos zu wünschen als in den Schutz Ihrer Mutterliebe zu kommen. Ich will mich bemühen, ihm auch meinerseits ein wenig von Nutzen zu sein, ich habe mancherlei erfahren und manches Gute vor mir; vielleicht dass er aus Rückblick und Vorblick etwas für sich selber entnehmen kann. Übrigens will ich gern ihm philologische Anleitung geben, falls er sie wünschen sollte.
Ich dachte diese Tage fast immer an „Fanum Fortunae“: für mich soll es ein „Glückstempel“ sein!
Mein Glück wird sein, das zu thun, wozu mich eine innere Stimme treibt; sonst will ich nichts. Es ist aber freilich sehr viel, und vielleicht der unbescheidenste Anspruch auf Glück. — Sie werden einen sehr unvollkommnen Menschen in mir kennen lernen. <In Dankbarkeit und Verehrung Ihnen ergeben
Ihr Friedrich Nietzsche.>
Ihr Buch wird von mir überall hin verbreitet, Freund Overbeck las es als erstes Werk zusammen mit seiner Braut. Ich schenkte es einer Engländerin, der Frau des Hr v. Senger in Genf, meines neuen Freundes. — In diesem Buche leben Sie fort und hören nicht auf, den Menschen wahrhaft Gutes zu thun.
524. An Carl Fuchs in Hirschberg
Wenn ich, mein lieber Herr Doktor, Ihnen erzählen müsste, was ich seit Weihnachten alles durchzumachen hatte und wie dünn das Lebensfädchen geworden war und wie ich es fast aufgegeben hatte, überhaupt noch diesen Bayreuther Sommer zu erleben — so würde ich Ihnen keine Freude und mir selbst eine unangenehme Erinnerung schaffen. Genug, es geht wieder besser, das heisst bei mir immer, hoffnungsreicher; mit der Hoffnung kommen alle alten Pläne und Vorhaben wieder, denen ich unlieber entsagen möchte als dem Leben: und mit den Plänen erscheinen dann auch die alten Genossen und Gleichgesinnten mir vor der Seele. Von Ihnen las ich neulich in Fritzschens Blatte: eine erfolgreiche Concertreise wurde berichtet, die Betheiligung an dem Altenburger Feste angezeigt. Nun glaube ich auch, dass wir uns in Bayreuth wiedersehen werden, denn ich dachte bei jener Concertreise an irgend einen Zusammenhang mit Bayreuth und werde mich wohl nicht getäuscht haben. Meine Schwester bot Ihnen eine Gelegenheit für die dritte Serie der Aufführungen, Sie nahmen nicht bestimmt an und deuteten auf Hoffnungen hin, die freilich umfänglicher waren als dass wir nicht von Herzen die Erfüllung derselben wünschen mussten. Dürften wir Sie jetzt bitten, uns einen Wink darüber zukommen zu lassen, wie es jetzt mit jenen Hoffnungen steht? Steht es gut mit ihnen, so wüssten wir schon eine passende Verwendung für das Ihnen angebotene Anrecht: namentlich würde ich gern meinem Freunde Overbeck auf diese Weise Zugang zu Bayreuth verschaffen.
Ich denke, wir dürfen über diesen Punct mit aller Freiheit zusammen reden? Also bitte, nur ein Wort, damit alles im Klaren ist!
Meine und meiner Schwester ergebenste Grüsse und Wünsche.
Mit freundschaftlichem Händedruck
der Ihrige
F Nietzsche
525. An Erwin Rohde in Jena
Wie gerne hörte ich etwas von Dir lieber Freund! Aber ich kann mir auch denken, daß Du jetzt gar keine Lust zu Briefen hast. Es beunruhigt mich ein wenig, Deinen „Roman“ noch nicht angekündigt zu sehen, hoffentlich ist kein neuer Kobold Dir in den Weg getreten. Von mir selbst wirst Du ein paar Zeilen erhalten, haben, die ich nach meiner Rückkehr vom Genfersee an Dich schrieb (mit der Addresse nach Jena) Es geht mir recht erträglich, nur wollen die Augen ihren Dienst nicht thun. Aber Kopf und Magen sind in Ordnung, ich strenge mich aber auch nicht an und habe ein paar alte fromme Pferdchen meinen Studenten vorgeführt, die ich halb im Schlafe reiten kann. — Meine Arbeit, für die ich alle Kräfte sammle ist der Monat in Bayreuth. Um Weihnachten glaubte ich nicht daß ich ihn erleben würde. —
Ein junger Musiker, der meinetwegen auf ein paar Jahr nach Basel gekommen ist und den ich seines Talentes und seiner Seelengüte halber sehr schätze, ist mir in allen Stücken hülfreich. Nun möchte ich ihm gern in Einer Sache auch hülfreich sein: ich frage mich, wie ich es ermögliche, ihn nach Bayreuth zu bringen. Durch Wagner ist es leider, wie ich bestimmt weiß, unmöglich. Hast Du vielleicht noch über einen Cyclus von 4 Abenden zu verfügen? Ich höre, daß Du stolzer Inhaber von 2 Patronatsscheinen bist. Würdest Du vielleicht auf meine Fürsprache jenem Musiker das Anrecht darauf geben? Er heißt Köselitz und ist ein Instrumentalcomponist, der als ein Würdiger und wahrhaft Lernender unter dem Chaos der Bayreuther Festgäste sitzen würde.
Bitte nur ein Wort über diese Anfrage, mein treuer geliebter Freund.
Ich bin der Deinige
F N.
526. An Carl Burckhardt in Basel
Hochgeachteter Herr Präsident,
als ich Ostern 1869 in mein hiesiges Universitäts- und Schulamt eintrat, that ich es in der Erwartung, daß ich irgendwann einmal das nachholen werde, was ich, bei dem plötzlichen Übergang von Lern- in Lehrjahre, mir hatte versagen müssen — nämlich eine größere Reise nach dem Süden zu Zwecken einer freieren wissenschaftlichen Ausbildung zu machen. Verschiedne persönliche Gründe bestimmen mich, den Wunsch auszusprechen, daß mir gerade in diesem Jahre (von Mitte Oktober an) die Erlaubniß zu dieser Reise ertheilt werde; ich hebe von diesen Gründen nur den Einen hervor, daß ich in den letzten 7 Jahren zunehmend kränklicher geworden bin, daß ich manche schwere Zeiten durchzumachen hatte und mich namentlich letzten Winter in einem, wie mir scheint, gefährlichen Gesundheitszustande befunden habe.
Ich bitte Sie nun, hochgeehrter Herr Präsident, einer löblichen Curatel meine Bitte zur Erwägung vorzulegen
es möge mir von Herbst 1876 an ein längerer, mindestens einjähriger Urlaub gewährt werden.
Für die Zeit meiner Abwesenheit verzichte ich, wie sich dies von selbst versteht, völlig auf den mir bisher zukommenden Gehalt.
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Dr Friedrich Nietzsche
Prof. o. p.
527. An Richard Wagner in Bayreuth
An einem solchen Tage, wie Ihr Geburtstag ist, höchst verehrter Mann, hat eigentlich nur die allerpersönlichste Äußerung ein Recht; denn jeder hat etwas durch Sie erlebt, das ihn ganz allein, in seinem tiefsten Innern, angeht. Solche Erlebnisse kann man nicht addiren, und der Glückwunsch im Namen vieler würde heute weniger sein als das bescheidenste Wort des Einzelnen.
Es sind ziemlich genau sieben Jahre her, daß ich Ihnen in Tribschen meinen ersten Besuch machte, und ich weiß Ihnen zu Ihrem Geburtstage nicht mehr zu sagen, als daß ich auch, seit jener Zeit, im Mai jedes Jahres meinen geistigen Geburtstag feiere. Denn seitdem leben Sie in mir und wirken unaufhörlich als ein ganz neuer Tropfen Bluthes, den ich früher gewiß nicht in mir hatte. Dieses Element, das aus Ihnen seinen Ursprung hat, treibt, beschämt, ermuthigt, stachelt mich und hat mir keine Ruhe mehr gelassen, sodaß ich beinahe Lust haben könnte, Ihnen wegen dieser ewigen Beunruhigung zu zürnen, wenn ich nicht ganz bestimmt fühlte, daß diese Unruhe mich gerade zum Freier- und Besserwerden unaufhörlich antreibt. So muß ich dem, welcher Sie erregte, mit dem allertiefsten Gefühle des Dankes dankbar sein; und meine schönsten Hoffnungen, die ich auf die Ereignisse dieses Sommers setze, sind die, daß viele in einer ähnlichen Weise durch Sie und Ihr Werk in jene Unruhe versetzt werden und dadurch an der Größe Ihres Wesens und Lebensganges einen Antheil bekommen.
Daß dies geschehen möge, das ist heute mein einziger Glückwunsch für Sie (wo gebe es sonst das Glück, das man Ihnen wünschen könnte?) nehmen Sie ihn freundlich an aus dem Munde
Ihres wahrhaft getreuen
Friedrich Nietzsche.
527a. Cosima Wagner in Bayreuth (Disposition)
Fr<au> Wagner
Buch Meysenbug
Schilling Hr v Senger.
Manzoni Sterne
Mainländer.
Gr<äfin> Agoult!
Köselitz.
Ehrlich
Miss Zimmern.
Baumgartner-Übersetzung.
Rohde’s Roman.
528. An Erwin Rohde in Jena
Da wollen wir uns denn herzlich mit einander freuen, daß Dein Werk fertig ist, mein geliebter Freund; ich hatte immer meine Besorgnisse, denn ich ahnte daß es ein μέγα βιβλίον werde und wußte, daß es bisher schon in mancher Beziehung ein μέγα κακὸν gewesen war. Nun ist es da, überdies in ein schönes Fellchen gehüllt und prangt und ergötzt mich. Es enttäuschte mich gleich in einer sehr angenehmen Weise, denn ich hatte mich ein wenig davor gefürchtet, als ob meine geringe philologische Weisheit auf diesem entlegenen Gebiete sich als völlige Thorheit entpuppen werde. Nun merke ich schon so viel, daß ich sehr viel Nutzen von Deinen Ergebnissen (den allgemeinen, wie den gelegentlichen) haben werde und daß ich auch im Zusammenhang über die Griechen genug gedacht habe, um dieses Buch gar nicht mehr entbehren zu können. Ebenso wird es J. Burckhardt gehen, dem ich davon erzählte (ich bin jetzt täglich mit ihm zusammen, im vertrautesten Verkehre) Ich hebe von dem, was ich bis jetzt gelesen, ein paar Sachen hervor, die mir gleich so gut „wie Baumöl“ eingingen, z. B. wie sich Roman und Novelle gegen einander abheben. Dann S. 56f. über die charakterologischen Studien der Peripatetiker, dann S. 18 (mit der morale di solitari) Ein sehr belehrender Abschnitt 4 auf p. 22 ss; dann p. 67 weibliche Leser p. 121 über die Art von wirklicher Popularität der alexandrinischen Dichter, dann p. 142 (mit Anmerk.) sehr schön über die elegische Erzählungskunst. Aufgefallen ist mir, daß Du von den päderastischen Verhältnissen so wenig sagst: und doch ist das Idealisiren des Eros und das reinere und sehnsüchtigere Empfinden der Liebespassion bei den Griechen zuerst auf diesem Boden gewachsen und wie mir scheint, von da aus auf die geschlechtliche Liebe erst übertragen worden, während es ihre (der geschlechtl<ichen> Liebe) zartere und höhere Entwicklung früher geradezu hinderte. Daß die Griechen der älteren Zeit die Männererziehung auf jene Passion gegründet haben und so lange sie diese ältere Erziehung hatten, von der Geschlechtsliebe im Ganzen mißgünstig gedacht haben, ist toll genug, scheint mir aber wahr zu sein. Auf Seite 70 und 71, glaubte ich, Du würdest an diese Dinge erinnern müssen. Der Eros, als πάθος der καλῶς σχολάζοντες, in der besten Zeit ist der päderastische: Die Meinung über den Eros, die Du „einigermaßen verstiegen“ nennst, nach der das Aphrodisische am Eros nicht wesentlich, sondern nur gelegentlich und accidentiell ist, die Hauptsache eben φιλία ist, kommt mir nicht so ungriechisch vor. — Aber es scheint mir daß Du mit Absicht die ganze Region gemieden hast; auch J. Burckhardt redet im Colleg nie davon. — Vielleicht übrigens finde ich beim Weiterlesen Deines Buches auch hierüber Winke, ich bin noch nicht weit gekommen: meine Augen sind so schlimm. Du hast viel Sorgfalt auf die Darstellung verwendet; aber ich möchte Dich, den eigentlichen Rohde noch mehr durchhören, selbst mit der Einbuße, daß der Stil nicht so gefeilt wäre; wie ich an dem Overbeckschen Stil meine persönliche Freude habe, trotz allem „Obwohl“. Etwas Schweres, beiläufig gesagt, liegt in der von Dir häufig gebrauchten Zusammenstellung längerer Adjektiva mit Participien zb. „sprudelnd fruchtbares Talent“ „künstlich vermittelndes Verfahren“ „leichtfertig gewandte Arbeit“ „mühsam sorgfältiges Verfahren“ (p. 127)
Doch sollte ich über solche Dinge den Mund halten. Aber eine große Verwunderung, mit Maulaufsperren verknüpft, muß ich noch los werden: was bist Du doch für ein sonderbarer Mensch! In diesen letzten Jahren, so wie sie für Dich leider waren, gerade dies Buch auszuarbeiten — das geht ganz eigentlich über meine Fassungskraft! (beiläufig, auch über mein Talent, zu jeder Zeit: so etwas könnte ich nicht, wenn ich es auch können wollte) Der philologische Dämon steckt Dir so im Leibe, daß ich mitunter vor seinem Wüthen (in Scharfsinn und unbändiger Gelehrsamkeit) ordentlich schaudere. Ich weiß keinen Menschen, dem ich so etwas zutraute: und daß dieser Erzphilolog dabei noch ein Erzmensch und zwar mein Erzfreund ist, das ist wahrlich ein αἴνιγμα δύσλυπου, aber davon abgesehn „eine gute Gabe Gottes!“
Lebe wohl mein getreuer Freund.
Mit dem Musico Köselitz wollen wir’s auf eine andre Weise noch durchsetzen. Overbeck schreibt in diesen Tagen.
529. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Für alle Deine Nachrichten, geliebter Freund, den besten Dank; sie haben mich bei gutem Befinden angetroffen, es scheint wirklich, dass die Unheimlichkeit des winterlichen Zustandes wie ein Gespenst vorübergegangen ist, es ist jetzt wieder heimlich bei mir.
Das Wort, mit seinem Doppelsinn, erinnert mich daran, dass ich etwas ausplaudern kann, das im übrigen noch Geheimniss ist (und einstweilen bleiben soll): dass ich vorhabe, von October an auf ein Jahr nach Italien zu gehen, einer Einladung der besten Freundin der Welt, Frl v. Meysenbug folgend. Noch habe ich nicht die definitive Erlaubniss der Behörden dazu, aber sie wird mir wahrscheinlich zu Theil werden, zumal ich aus freien Stücken (um ein so kleines Gemeinwesen nicht zu belasten) auf meinen ganzen Gehalt für diese Zeitdauer verzichtet habe. Freiheit! Du glaubst nicht, wie voll ich immer die Lungen nehme, wenn ich daran denke! Wir werden in grösster Einfachheit in Fano (am adriat. Meere) leben. Das ist meine Neuigkeit. — Alle meine Hoffnungen und Pläne zur endlichen geistigen Befreiung und zum unermüdlichen Weitergehen sind wieder in Blüthe; das Zutrauen zu mir selber, ich meine zu meinem besseren Selbst, erfüllt mich mit Muth. Selbst der Zustand meiner Augen ändert nichts daran (Schiess findet sie noch schlechter als damals, ich brauche einen Schreiber, das ist die Thatsache) Collegien sind sehr gut besucht, in einem c. 20, in dem andern c. 10 und ebenso im Seminar. — Geheirathet wird nicht, zuletzt hasse ich die Beschränkung und die Einflechtung in die ganze „civilisirte“ Ordnung der Dinge so sehr, dass schwerlich irgend ein Weib freisinnig genug ist, um mir zu folgen. — Immer mehr kommen mir die griechischen Philosophen, als Vorbilder der zu erreichenden Lebensweise, vor die Augen. Ich lese die Memorabilien des Xenophon mit tiefstem persönlichen Interesse. — Die Philologen finden sie tödtlich langweilig, Du siehst, wie wenig ich Philologe bin. —
Rohde’s „Roman“ ist da — sehr lesenswerth auch für Dich, übrigens ein Zeugniss der tollsten Art für die guten und seltnen Eigenschaften des Autors. Gestern schrieb mir Wagner einen längeren Brief, zum Stolz- und Glücklichmachen, so weit er mich betrifft.
Der arme arme Rau! — Wir sollen alle an den Unwerth des Lebens bei Zeiten glauben lernen, jeder bekommt seine Art von tödtlicher Wunde. Ich sinne, wie ich ihm eine kleine Freude machen kann, zum Zeichen meines grossen Mitleides.
Ich höre mit Bedauern, dass Overbeck gerade um die zweite Serie der Festspiele Dich gebeten hat. Das passte schwerlich in Deine Absichten hinein. Aber in irgend welchen Dingen ist man immer zuletzt unfrei und muss sich damit trösten, das Vernünftige gewollt zu haben. — Meine Schwester hat Dr. Fuchs für die dritte Serie eingeladen, schon vor lange; er wäre richtig, wie sich jetzt ergiebt, ohne diese Beihülfe, gar nicht hingekommen. —
Der neue Emerson ist etwas alt geworden, kommt es Dir nicht auch so vor? Die früheren Essays sind viel reicher, jetzt wiederholt er sich, und schliesslich ist er mir gar zu sehr in das Leben verliebt. —
Lebe wohl, behalte mich lieb,
ich bin Dein
alter Getreuer
F N.
nebst Overbecks und meiner Schwester herzlichen Grüssen.
Geht es an, so vergiss den trefflichen Musicum Köselitz nicht.
530. An Heinrich Köselitz in Basel (Visitenkarte)
Herrn H. Köselitz
grüsst
Dr. Friedrich Nietzsche
o. ö. Professor der Philologie
Basel.
Können Sie, werthester Herr, ein wenig zu mir kommen? Ich bin unwohl.
531. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Geehrtester Herr Verleger
die schnelle Förderung des Druckes verdient allen meinen Dank: es soll nun auch an mir nicht fehlen, soweit die Besorgung der Correctur in meiner Hand liegt. Heute Abend ist der erste Correcturbogen an Naumann nach Leipzig abgegangen.
Gegen Ihre geehrten Vorschläge habe ich nichts oder wenig einzuwenden. Wenn Sie Ihren Vortheil bei dem zweiten Vorschlage (1500 Ex.) finden, so bin ich gerne bereit, zu ihm meine Zustimmung zu geben.
Das Honorar anbelangend, so will ich nicht verschweigen, dass ich ein höheres Anerbieten erwartet hatte; doch sind das geschäftliche Dinge, von denen man in solcher Entfernung nicht reden soll und kann. Für spätere Fälle behalte ich mir eine persönliche Verständigung vor. Diesmal soll es bei dem Vorschlage verbleiben, doch füge ich noch zwei kleine Bedingungen hinzu, mit denen ich, wie ich meine, Sie nicht wesentlich beschwere
-
es werden fünf von den mir zukommenden Freiexemplaren auf besonders schönem und starkem Papiere hergestellt (als Festexemplare)
-
Sie übernehmen die Besorgung der Freiexemplare an ihre Addressen welche ich Ihnen mittheilen werde, und zwar unter Kreuzband und franco.
Sind Sie mit mir zufrieden?
Ich bin
Ihr ergebenster
Prof. Fr Nietzsche.
532. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz (Postkarte)
Geehrtester Herr, ich schicke heute an Naumann die Fortsetzung des Manuscriptes. Eine gute Stimmung gab mir den Muth ein, den ursprünglichen Plan zu Ende durchzuführen.
Ergebenst der Ihrige
F.N.
533. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Geehrtester Herr Verleger
meine Schrift wird, ziemlich genauen Berechnungen zufolge, c. 96 Seiten lang werden: der letzte Correcturbogen kann, wie ich meine, Dienstag schon bei mir sein, und so sind denn alle Vorbereitungen zur Geburt getroffen. —
Auf der letzten Seite soll die Bemerkung über das Übersetzungsrecht ihre Stelle finden, also auf S. 96 oder 98. —
Heute bekommen Sie die Addressen; in der nächsten Woche werde ich Ihnen noch einen Brief an R. Wagner übersenden, welcher zugleich mit seinem Exemplare (mit ihm zusammengepackt) nach Bayreuth abgehen soll.
Nun habe ich noch ein Anliegen: ich will Herrn Professor Overbeck ein kleines Geschenk machen, und dies soll in den Lisztschen Bearbeitungen der Beethovenschen Symphonien bestehen: diese sind bei Breitkopf und Härtel erschienen, leider aber greulich theuer. Können Sie mir dieselben vielleicht zu einem billigeren Preise beschaffen? Ich würde Ihnen für diese Gefälligkeit aufrichtigen Dank wissen. Der genaue Titel ist:
Symphonies de Beethoven.
Partition de Piano
par
F. Liszt.
1—9. Leipzig Breitkopf & Härtel.
Sie können die Kosten sofort von meinem Honorare abziehn. (Ein musikal. Antiquar in Heilbronn offerirt sie für 12 Thaler: können Sie einen ähnlichen Preis erhalten?)
Kommen Sie nicht nach Bayreuth? Ich hatte darauf gehofft. — Was lohnt denn diess Leben, wenn man sich solche Dinge entgehen lässt? —
Leben Sie wohl, werthester Herr.
Ich bin der Ihrige
F. Nietzsche.
1
Herrn Richard Wagner
}
Bayreuth zwei Fest-
exemplare
2
Frau Cosima Wagner
3
Hr. Baron von Gersdorff
Landwirtschaftliche Academie Hohenheim bei Stuttgart
4
Hr. Bildhauer Rau
per addr. Hr. Baron v. Gersdorff in Hohenheim bei Stuttgart
5
Hr. Professor Dr. Erwin Rohde
in Jena
6
Hr. Dr. Paul Rée in
Stibbe bei Tütz Rgb.
Marienwerder
Westpreußen
7
Fräulein M. von Meysenbug
}
Beide in ein Packet
an Frl. v. M.
8
Madame Olga Monod
addresirt per addr. Frau Cosima Wagner Bayreuth
9
Hr. Dr. Heinrich Romundt
Lehrer am Gymnasium Oldenburg Großherzogthum Oldenburg
10
Fräulein Mathilde Maier
Mainz Karthäuserstraße
11
Hr. Dr. Kretzer in Godesberg bei Bonn
12
Frau Pastor Nietzsche in Naumburg an der Saale Weingarten 355
13
Hr. Dr. Fuchs in Hirschberg Provinz Schlesien
14
Frau Geheimräthin Ritschl
Leipzig Lehmanns Garten N. 4
15
Hr. Assessor Gustav Krug
Königliche Eisenbahncommission Düsseldorf
16
Mr. Hugo de Senger, Directeur générale de l’orchestre de la ville de Genêve / à Genêve
17
Mr. Edouard Schuré 704 rue d’Assas à Paris
18
Mr. le professeur Dr. Charles Hillebrand Firenze
Lung’ Areo Nuovo. 36.
19
Frau Marie Baumgartner
}
Beide Bü-
cher in ein
20
Hr. Adolf Baumgartner stud. phil.
Packet an Fr. M. B. addressirt Lörrach Großherzog-
thum Baden
21
Hr. Hofrath Professor Dr. Oswald Marbach
in Leipzig.
Oben auf dem Titelblatt von jedem dieser Exempl. der Name des Addressaten und die Bemerkung, daß ich das Buch schicke. —
Für mich (resp. für meine Baseler Bedürfnisse) erbitte ich dann noch 9 Exemplare, darunter die drei übrigen Festexemplare.
Die Sendung an mich und ebenso die an R. W. nach Bayreuth kann natürlich nicht per Kreuzband gemacht werden: wohl aber alle übrigen Sendungen.
534. An Erwin Rohde in Jena
Geliebter Freund, ich beantworte Deinen mich herzlich erfreuenden und bewegenden Brief mit einigen Zeilen praktischer Angelegenheiten: denn es geht mir wieder, seit 3—4 Wochen miserabel, und ich muss sehen, mich bis und vor allem durch Bayreuth durchzuschlagen. — Von October an gehe ich nach Italien, man gab mir, anständigst und achtungsvoll, einen Urlaub auf Ein Jahr. —
Nach Wagner’s Erklärung im musik. Wochenblatt ist der Zutritt zu den Proben Niemandem vergönnt. Die Zeitungen bringen dazu die Erklärung, dass der König von Baiern sich die Generalprobe vorbehalten habe, als einziger Gast derselben. — Ich komme den 10 August nach Bayreuth und muss die letzten Tage desselben Monats wieder nach Basel, des Pädagogiums wegen. — Es ist nur nöthig, seinen Patronatsschein zur Auswechslung gegen 12 Karten an Banquier Feustel zu schicken: aber sofort nöthig! — Für Köselitz ist gesorgt. — Auch mein trefflicher Schüler Brenner kommt hin. —
In einer Woche wirst Du meine Schrift bekommen. Sie sollte Euch guten Freunde überraschen: aber die voreiligen Buchhändler verderben einem jede kleine Freude.
Zur Schrift selber kein Wort, höchstens ein Aufathmen. — Es ging in diesem Jahre Deinem Freunde gar zu elend. Mein Glück ist gross, dass ich doch den Himmel einigemale blau gesehn habe.
Bleiben wir nur tapfer.
Immer der Deine
F N.
Meine Schwester und Overbeck
grüssen herzlich.
535. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)
Mein Verl<eger> Hr. Schm<eitzner> hat den Auftrag Ihnen und dem Meister die zwei Festexemplare meiner neuesten Schrift zu überreichen. Sie werden aus ihr ersehen daß ich es nicht aushielt, mich so einsam aus der Ferne her auf das Große, Ungeheure dieses Sommers vorzubereiten; daß ich meine Freude mittheilen mußte. Wenn ich nur hoffen dürfte, hier und da einen Klang Ihrer Freude errathen und mit ausgedrückt zu haben! Ich wüßte nichts Schöneres mir zu wünschen.
Möchte es mir gelungen sein, in dieser Schrift hier und da etwas zu sagen, was Ihnen und mir gemeinsam ist.
Sie wissen es sicherlich, mit welcher Gesinnung alle Bayreuther Freunde jetzt an Sie denken: wer von uns muß nicht wünschen, Ihnen in diesem Sommer auf irgend welche Weise seine allergrößte Dankbarkeit zu erkennen <zu> geben? Nehmen Sie von meiner Seite deshalb gütig den Versuch auf, den ich heute wage Ihnen eine kleine Freude zu machen dadurch daß ich Ihnen nun die zwei Festexemplare meiner neuesten Schrift übersende. Zum Lesen derselben werden Sie die unendlich Sorgende und Beschäftigte aber wohl erst nach diesem Sommer Zeit und Lust haben: das setze ich voraus und danke Ihnen, wenn Sie dieser meiner Voraussetzung glauben.
536. An Richard und Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)
Mein Verleger hat den Auftrag, Ihnen und Ihrer Frau Gem<ahlin> die zwei Festexemplare meiner neuesten Schrift zu überreichen. Mir fällt gar nichts ein, was ich hier, bevorwortend und befürwortend, zu Gunsten derselben sagen soll. Denn immer überkommt mich ein Schauder, wenn ich bedenke, was ich gewagt habe: es ist als ob ich wieder einmal mich selber aufs Spiel gesetzt hätte. Ich bitte Sie auf das Herzlichste: lassen Sie geschehen sein was geschehen ist und gewähren Sie einem, der sich nicht geschont hat, Ihr Mitleid und Ihr Schweigen.
Diesmal bleibt mir nichts übrig als Sie zu bitten: lesen Sie diese Schrift als ob sie nicht von Ihnen handelte und als ob sie nicht von mir wäre. Eigentlich ist über die Schrift in der von mir gewagten Art unter Lebenden nicht gut zu reden: es ist etwas für die Unterwelt.
Wenn ich auf ein im Ganzen gequältes Jahr zurücksehe, so kommt es mir so vor als ob ich wirklich alle guten Stunden desselben auf das Ausdenken und Ausarbeiten dieser Schrift gewendet hätte: heute ist es mein Stolz, auch diesem Zeitraume noch eine Frucht abgewonnen zu haben. Viell<eicht> wäre das trotz allem guten Willen nicht möglich gewesen, wenn ich nicht seit meinem 14t Lebensjahre die Dinge mit mir herumgetragen hätte von denen ich diesmal zu reden gewagt habe.
Denke ich an das zurück, was ich diesmal gewagt habe, so schließe ich die Augen und ein Grausen überkommt mich hinterdrein. Es ist fast als ob ich mich selber aufs Spiel gesetzt hätte.
So bin ich denn mit einer Schrift fertig geworden, welche Ihren Namen trägt: denke ich daran zurück, was ich diesmal gewagt habe, so möchte ich am liebsten die Augen zu machen; ein Schauder überkommt mich hinterdrein. Ich weiß gar nicht, worum ich Sie bitten soll: nur lassen Sie geschehen sein, was geschehen ist.
Sie müssen in dieser Sache Einiges über sich ergehen lassen, ohne zu zucken: darunter auch das, was hiermit geschieht:
537. An Richard Wagner in Bayreuth (Entwurf)
Hier, geliebtester Meister, ist eine Art von Bayreuther Festpredigt. Ich habe den Mund nicht halten können und Mehreres heraussagen müssen. Denen, welche sich jetzt freuen, werde ich die Freude gewiß vermehrt haben — das ist heute mein Stolz und mein Vertrauen. Wie Sie selber diese Bekenntnisse aufnehmen werden, kann ich diesmal gar nicht errathen.
Meine Schriftstellerei bringt für mich die unangenehme Folge mit sich daß jedesmal, wenn ich eine Schrift veröffentlicht habe irgend etwas in meinen persönlichen Verhältnissen in Frage gestellt wird und erst wieder, mit einem Aufwand von Humanität, eingerenkt werden muß. In wiefern ich dies heute ganz besonders empfinde, mag ich gar nicht deutlicher aussprechen. Überlege ich, was ich diesmal gewagt habe, so wird mir hinterdrein schwindlig und befangen zu Muthe und es will mir wie dem Reiter auf dem Bodensee ergehen.
Wenn ich nur um ein weniges anders über Sie dächte, so würde <ich> diese Schrift nicht veröffentlicht haben. Aber Sie haben mir einmal, in Ihrem allerersten Briefe an mich, etwas vom Glauben an die deutsche Freiheit gesagt: an diesen Glauben wende ich mich heute: wie ich auch nur aus ihm den Muth finden konnte, das zu thun was ich gethan habe.
Mit ganzem, vollen Herzen Ihnen zugehörig
Fr. N.
538. An Cosima Wagner in Bayreuth
Hochverehrte Frau!
Sie wissen es sicherlich, mit welcher Gesinnung alle Bayreuther Freunde an Sie denken. Wer von uns muß nicht wünschen, Ihnen in diesem Sommer auf irgend welche Weise seine allergrößte Dankbarkeit zu erkennen zu geben! Nehmen Sie deshalb gütig von meiner Seite den Versuch auf, den ich heute wage, Ihnen eine Freude zu machen: dadurch daß ich Ihnen eins der zwei Festexemplare meiner neuesten Schrift übersende. Sie werden aus ihr ersehen, daß ich es nicht aushielt, mich so einsam, aus der Ferne, auf das Große Ungeheure dieses Sommers vorzubereiten, daß ich meine Freude mittheilen mußte. — Wenn ich nur hoffen dürfte, hier und da einen Klang Ihrer Freude errathen und mit ausgedrückt zu haben! — Ich wüßte nichts Schöneres mir zu wünschen.
Treu und tief ergeben
der Ihrige
Friedrich Nietzsche
539. An Marie Baumgartner in Lörrach
Verehrte Frau
mein Verleger hat den Auftrag Ihnen ein Exemplar meiner neuesten Schrift zu überreichen: was, wie ich annehme, heute oder morgen geschieht.
Sie haben an meinem vorletzten Erzeugniss einen so liebevollen andauernden und aufopfernden Antheil genommen, dass Sie sich gewiss heute mit mir von Herzen freuen werden. So ist denn auch dem Baume dieses im Ganzen so bösen Jahres eine Frucht abgeschüttelt worden!
Treu ergeben Ihr
Dr F. Nietzsche
540. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Hochgeschätzter Herr Verleger,
haben Sie vielen Dank! — Alles ist bei mir angelangt, und Alles hat mir eine herzliche Freude gemacht.
Die Ausstattung der Festexemplare ist verschwenderisch schön. Auch die zierliche Aufsteckung der Gold-garnitur soll nicht vergessen sein.
Die Ausgabe der Beethov. Symph. ist dieselbe, welche ich suchte: nur hatte ich einen drei mal höheren Preis im Sinne.
Der Druck ist correct und sauber und macht Hrn Naumann alle Ehre. —
Mein Befinden ist wieder seit Wochen schlecht. Im Herbst gehe ich auf ein Jahr nach dem Süden: ich nehme meine Pläne dahin mit und bringe hoffentlich die Gesundheit zu ihrer überschwierigen Durchführung mit von dort zurück.
Inzwischen, geehrtester
Herr, leben Sie wohl!
Mit Hochachtung
der Ihrige
Dr F. Nietzsche
Am Dienstag kam bereits ein Telegramm aus Bayreuth an.
541. An Eugen Kretzer in Godesberg
Lieber Herr Doctor,
schönste Grüße von mir und nichts Weiteres! Denn Sie werden mich jedenfalls in Bayreuth finden, zu welchem der drei Cyclen Sie auch kommen wollen. Vielleicht findet sich dort auch die Stunde zu einer persönlicheren Besprechung. Sie sehen, ich drücke mich vorsichtig aus, denn ich bin dort nicht so sehr mein eigner Herr als anderswo. Alle meine Freunde der nächsten Art kommen dorthin, und viele der entfernteren. An Anknüpfungen zur „Gesellenschaft“ wird es Ihnen also nicht fehlen.
Es ist schön und recht, daß Sie kommen!
Ihr ergebenster
Dr. F. Nietzsche.
542. An Erwin Rohde in Jena
Sei es zum Guten, lieber getreuer Freund, was Du mir da meldest, zum wahrhaft Guten: das wünsche ich Dir aus ganzem vollen Herzen. So willst Du denn im Jahre des Heils 1876 Dein Nest bauen, wie unser Overbeck, und ich meine, Ihr werdet mir dadurch dass Ihr glücklicher werdet, nicht abhanden kommen. Ja, ich werde ruhiger an Dich denken können: wenn ich Dir auch in diesem Schritte vielleicht nicht folgen sollte. Denn Du hattest die ganz vertrauende Seele so nöthig und hast sie und damit Dich selbst auf einer höheren Stufe gefunden. Mir geht es anders, der Himmel weiss es oder weiss es nicht. Mir scheint das alles nicht so nöthig — seltne Tage ausgenommen. —
Vielleicht habe ich da eine böse Lücke in mir. Mein Verlangen und meine Noth ist anders: ich weiss kaum es zu sagen und zu erklären.
Diese Nacht fiel’s mir ein einen Vers daraus zu machen; ich bin kein Dichter, aber Du wirst mich schon verstehen.
Es geht ein Wandrer durch die Nacht
Mit gutem Schritt;
Und krummes Thal und lange Höhn —
Er nimmt sie mit.
Die Nacht ist schön —
Er schreitet zu und steht nicht still,
Weiß nicht, wohin sein Weg noch will.
Da singt ein Vogel durch die Nacht. —
— „Ach Vogel, was hast Du gemacht?
Was hemmst Du meinen Sinn und Fuß
Und gießest süßen Herz-verdruß
Auf mich, daß ich nun stehen muß
Und lauschen muß,
Zu deuten Deinen Ton und Gruß?“
Der gute Vogel schweigt und spricht:
„Nein, Wandrer, nein! Dich grüß ich nicht
Mit dem Getön!
Ich singe, weil die Nacht so schön:
Doch Du sollst immer weiter gehn
Und nimmermehr mein Lied verstehn!
Geh nur von dann’ —
Und klingt Dein Schritt von fern nur an,
Heb’ ich mein Nachtlied wieder an,
So gut ich kann.
Leb wohl, Du armer Wandersmann!“
So geredet zu mir, Nachts nach der Ankunft Deines Briefs.
F N.
Nebst den allerherzlichsten Glückwünschen meiner Schwester.
543. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Liebster guter Freund, Du hast mich sehr ergriffen durch Deinen Brief, ich danke Dir von ganzem Herzen. Du weisst wirklich besser als irgend einer, wie mir zu Muthe ist. — Das Buch hat sich legitimirt, ich denke mit grosser Ruhe daran. W<agner> schrieb „Freund! Ihr Buch ist ungeheuer! Wo haben Sie nur die Erfahrung von mir her? usw“. Auch Frau Wagner und Jakob Burckhardt haben Zeugniss abgelegt. —
Und Rohde’s Verlobung? Ja es giebt Wunderbares zwischen Himmel und Erde! „Das Gute siege“, sagt Aeschylus. —
Unverschämte Bedingungen von Bayreuth aus haben mich genöthigt, meine Wohnung dort zu kündigen. Kann ich die eine Woche, wo Du ein Zimmer frei hast, bei Dir wohnen?
Ich gratulire Dir zum Overbeckschen Kunstwerk, an dem ich eine Freude gehabt habe, wie ich sie mir kaum zutraute. Durch Geist, Witz und Zartheit des Gedankens hast Du alles, was Overbeck sonst bekommen hat, aus dem Felde geschlagen, davon bin ich überzeugt. Es ist eine ganz vornehme Schenkung, eine Art Adelsdiplom der Freundschaft.
Lebe wohl, Getreuester!
F N.
Gesundheit von Tag zu Tag jammervoll! Was soll’s nur werden! — Sonst wunschlos, wahnlos! —
544. An Elisabeth Nietzsche in Basel
Liebe gute Schwester,
fast habe ich’s bereut! Denn bis jetzt war’s jämmerlich. Von Sonntag Mittag bis Montag Nacht Kopfschmerzen, heute Abspannung, ich kann die Feder gar nicht führen.
Montag war ich in der Probe, es gefiel mir gar nicht und ich mußte hinaus. Mit Giessel’s ist alles geordnet. Ich bin eingezogen, verlebe aber den Tag bei Frl. v. Meysenbug, die einen schönen kühlen Garten hat. Da esse ich auch zu Mittag, bis Du kommst und unsre Haushaltung einrichtest. Die Tochter der Katharine ist bereit.
Hier ist es unsinnig schwül. Eben ein Gewitter. — Anbei der Brief. Der gute Feustel ist höchst achtbar — anständig.
Nie war ich auf einer Reise schöner besorgt als diesmal, die Lebensmittel musterhaft. Nachts in Heidelberg, es ging nicht weiter.
Sende mir die Briefe mit der Adresse von Frl. v Meysenbug.
Herzliche Grüße von Olga und Frl. v. Meysenbug. Alle erwarten Dich sehr.
Tummle Dich, tummle Dich
gut<es> Lama!
Dein F.
545. An Elisabeth Nietzsche in Basel
Meine gute liebe Schwester, nun geht es besser, seit drei Tagen habe ich an meinem Befinden nichts mehr auszusetzen: dafür lebe ich auch bei Frl. v Meysenbug, bin von früh an im Garten, trinke Milch, bade im Fluss und esse so wie es mir wohlthut. Inzwischen habe ich die ganze Götterdämmerung gesehn und gehört, es ist gut sich daran zu gewöhnen, jetzt bin ich in meinem Elemente.
Meine Sachen liegen ausgepackt in der Giesselschen Wohnung. In einigen Tagen will ich in diese übersiedeln.
Beiläufig (aber nicht mittheilbar!): für den zweiten Cyclus sind noch nicht die Hälfte, für den dritten kaum ein Drittel der Plätze verkauft. Du siehst, wozu ich mich also nicht entschliessen werde.
Heute Abend kommt der König. Er hat über meine Schrift telegraphirt, dass sie ihn entzückt habe. — Ebenfalls kommen heute Schuré’s. Wagner’s und die Kinder haben sehr nach Dir gefragt.
Mit der italiän. Reise richtet sich alles so ein, dass es schöner als meine Wünsche werden könnte. Meer und Wald und bei Neapel — vielleicht läuft es darauf hinaus. Man muss nur hoffen. Meine Gesundheit nimmt einen so guten Anlauf, ich bin viel heiterer.
Halten wir ja an Arlesheim fest, es ist der einzige Ausweg, um fürderhin in Basel leben zu können.
Gestern fuhren wir zusammen nach Fantaisie. Bébé Monod trank schrecklich viel Milch.
Gesehen habe ich ausser den Verwaltungsräthen Frau von Schleinitz, Porges, Baligand, Lallas, Heckel, Richter. Ich muss mich aber sehr zusammennehmen und weise alle Einladungen, auch bei W<agner>’s zurück. W<agner> fand dass ich mich rar machte.
Der Eintritt in die Generalprobe ist immer noch nicht sicher. Aber richte Dich nur darauf ein.
Brenner geht es recht ordentlich, er gefällt mir.
Wollen Baumgartner’s nicht kommen?
Lebe wohl meine gute Lisbeth tummle dich, fein’s Lama!
Ist seit jenem ungarischen Brief nichts bei mir eingetroffen?
Dein F N.
Die Hausgenossen grüssen herzlich und denken Deiner oft.
546. An Elisabeth Nietzsche in Basel
Meine liebe Schwester,
es geht nicht mit mir, das sehe ich ein! Fortwährender Kopfschmerz, obwohl noch nicht von der schlimmsten Art, und Mattigkeit. Gestern habe ich die Walküre nur in einem dunkeln Raume mit anhören können; alles Sehen unmöglich! Ich sehne mich weg, es ist zu unsinnig wenn ich bleibe. Mir graut vor jedem dieser langen Kunst-Abende; und doch bleibe ich nicht weg.
In dieser Noth schlage ich Dir vor: besprich Dich mit Baumgartners! Biete Mutter und Sohn 8 Billete zum zweiten Aufführung’s Cyclus, alles zu 100 Thaler, an (ich kann ja meine Billete zur dritten Serie für Baumgartn. auf die zweite umschreiben lassen.) In der Giesselschen Wohnung könnt Ihr zusammen wohnen; sie ist so, wie wir sie haben, die billigste Wohnung in Bayreuth! Du solltest die sonstigen Preise hören.
Du musst diesmal auch für mich mithören und -sehen!
Eine Verständigung mit Baumgartners über die Wohnung (resp. Zahlung eines Theils der Kosten) wird leicht sein.
Ich habe es ganz satt.
Auch zur ersten Vorstellung will ich nicht da sein. Sondern irgendwo, nur nicht hier, wo es mir nichts als Qual ist.
Vielleicht schreibst Du auch ein Paar Worte an Schmeitzner und bietest ihm für die erste Vorstellung meinen Platz an. Oder jemandem anders, wem du willst. Z. B. Frau Bachofen.
Verzeih mir alle Mühe, die Du wieder mit mir hast! Ich will fort in’s Fichtelgebirge oder sonst wohin
Dein Fritz.
Telegraphire nur über Deine Ankunft an Frl. v Meysenbug
Natürlich hast Du Eintritt zur Generalprobe, das ist abgemacht.
547. An Elisabeth Nietzsche in Bayreuth
Liebste Schwester, hoffentlich bist Du in Bayreuth und findest dort gute Menschen die für Dich sorgen, nachdem ich von dort verschwunden bin.
Ich weiss ganz genau, dass ich es dort nicht aushalten kann, ja eigentlich hätten wir es vorher wissen sollen! Denke nur wie vorsichtig ich bisher leben musste, die letzten Jahre. Ich fühle mich von dem kurzen Aufenthalte dort so ermüdet und erschöpft, ich komme gar nicht wieder recht zu mir. Einen schlimmen Tag hier gehabt, zu Bette gelegen; aber immerfort Schmerzen im Kopf, wie in gewissen Baseler Zeiten. Der Ort ist sehr gut, tiefe Waldung und Höhenluft, wie im Jura. Hier will ich bleiben, 10 Tage vielleicht, aber nicht wieder über Bayreuth zurückkehren; denn dazu wird es an Geld fehlen.
Ich ängstige mich darum, was Du nun mit der Wohnung anfängst (die ich übrigens gräßlich für mich, ja geradezu unmöglich fand, so schwül und unbequem ist sie) Ich habe Dir 100 Mark zurück gelassen und muß Dir, wenn ich nach Basel komme mehr Geld schicken; aber vielleicht ist der Plan mit Baumgartner’s gelungen. Diese mögen dann die Wohnung zahlen; und sie sollen dann die Patronatsscheine ganz umsonst haben. Thue dies alles, so wie es Dir gut scheint. Krug hat einen Schein für 100 Thl. gekauft, das erzählte mir Heckel aus Mannheim.
Also sehen wir uns in diesem Jahre vielleicht nicht wieder! Wie doch die Dinge laufen! Ich muß alle Fassung zusammen nehmen, um die grenzenlose Enttäuschung dieses Sommers zu ertragen. Auch meine Freunde werde ich nicht sehen; es ist alles jetzt für mich Gift und Schaden.
Ich bitte Dich ernstlich, Basel und Arlesheim nicht so leicht in Gedanken aufzugeben. Mir erscheint es als das einzig Mögliche.
Ich freue mich, Dich bei Frl. v. Meysenbug und ihrer Familie zu wissen. Es sind zu gute Menschen: danke ihnen in meinem Namen auf das Herzlichste. — Ich denke
Deiner mit Liebe als Dein
Bruder.
Eine Diarrhöe quält mich zu alledem.
Adresse: Klingenbrunn bei Regen, im baierischen Walde
Gasthaus zum Ludwigsstein.
548. An Elisabeth Nietzsche in Bayreuth (Postkarte)
Rückreise mit Schuré’s und Rée zusammen sehr angenehm. Ich war erkältet, Montag schlecht, Kopfschmerzen. R<ée> wohnt in der Nähe und isst mit mir zu Mittag und Abend, in meiner Wohnung. Alles recht gut bis jetzt geordnet. Baumg<artner> war Nachmittags da, sein Vater war der gegen Bayreuth eingenommene. Nicolas Köchlin eben gestorben.
Ich denke an Dich mit vielem vielem Danke.
Die Augen! — Das Herzlichste an Dich und an die Freunde.
Du hast doch Hr. Senger gesehn? —
549. An Louise Ott in Paris
Meine liebe Frau Ott,
es wurde dunkel um mich, als Sie Bayreuth verliessen, es war mir als ob jemand das Licht mir weggenommen hätte. Ich musste mich erst wiederfinden, aber das habe ich gethan, und Sie können ohne Besorgniss diesen Brief in Ihre Hand nehmen.
Wir wollen an der Reinheit des Geistes festhalten, der uns zusammenführte, wir wollen in allem Guten uns gegenseitig treu bleiben.
Ich denke mit einer solchen brüderlichen Herzlichkeit an Sie, dass ich Ihren Gemahl lieben könnte, weil er Ihr Gemahl ist; und werden Sie es glauben, dass Ihr kleiner Marcel mir zehnmal des Tages in den Sinn gekommen ist?
Wollen Sie meine ersten drei Unzeitgemässen Betrachtungen von mir haben? Sie sollen doch wissen, woran ich glaube, wofür ich lebe.
Bleiben Sie mir gut und helfen Sie mir in dem, was meine Aufgabe ist.
In reiner Gesinnung
der Ihrige
Friedrich Nietzsche.
550. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Kann nicht schreiben! Atropin-cur der Augen! Viele Schmerzen.
Vielen Dank dem guten L. A. M. A. für den langen kurzweiligen Brief aus B<ayreuth>.
Frau Baumg<artner> hat meine Schrift über W<agner> schon zur Hälfte übersetzt. Schreib ihr doch, liebe Lisbeth.
Rée’s Anwesenheit sehr erwünscht. Es grüsst Euch Beide schönstens
Euer Fr.
551. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Herzlichsten Dank, namentlich auch für das wetterfeste Plaid, welches ausreichen wird „bis in mein kühles Grab“. Es ist immer noch dunkel um mich. Rée liest mir viel vor, er und ich haben grosse Freude an einander. Ich kann der Augen wegen noch immer keine Besuche machen. Fatale Atropinkur! Vorigen Dienstag mit heftigen Schmerzen und vielem Erbrechen zu Bett. Schiess hat den ganz hohen Grad der Kurzsichtigkeit festgestellt. Gersdorff schreibt hoffnungsreiche Briefe. Ich höre sonst nichts. Dem Zahnarzt für Dich 8 frs. gezahlt. Overbeck (von Dr. Fuchs belästigt) hat geschrieben. Er kommt nächsten Sonntag. Lebt wohl meine liebe gute Mutter und Schwester.
552. An Louise Ott in Paris
Liebe gute Freundin,
erst konnte ich nicht schreiben, denn man machte mit mir eine Augenkur — und jetzt soll ich nicht schreiben, auf lange lange Zeit hinaus! Trotzdem — ich las Ihre zwei Briefe immer wieder, ich glaube fast, ich habe sie zu viel gelesen, aber diese neue Freundschaft ist wie neuer Wein, sehr angenehm, aber ein wenig gefährlich vielleicht.
Für mich jedenfalls. —
Aber auch für Sie, wenn ich denke an was für einen Freigeist Sie da gerathen sind! An einen Menschen, der nichts mehr wünscht als täglich irgend einen beruhigenden Glauben zu verlieren, der in dieser täglich grösseren Befreiung des Geistes sein Glück sucht und findet. Vielleicht dass ich sogar noch mehr Freigeist sein will als ich es sein kann!
Was sollen wir nun machen? Eine „Entführung aus dem Serail“ des Glaubens, ohne Mozartische Musik?
Kennen Sie die Lebensgeschichte Fräulein’s von Meysenbug, unter dem Titel „Memoiren einer Idealistin“?
Was macht der arme kleine Marcel mit seinen Zähnchen? Wir müssen alle leiden, bevor wir ordentlich beissen lernen, physisch und moralisch. — Beissen um uns zu nähren, versteht sich, nicht beissen, um zu beissen! —
Giebt es nicht von einem gewissen schönen blonden Weibchen ein gutes Bild? —
Ich reise Sonntag über 8 Tage fort nach Italien, auf lange Zeit. Von dort bekommen Sie Nachricht. Ein Brief an meine Adresse in Basel (Schützengraben 45) erreicht mich jedenfalls.
Von ganzem Herzen
brüderlich der
Ihre
Dr. Friedr. Nietzsche.
553. An Erwin Rohde in Jena
Wie meine Augen immer dazwischen kommen, wenn ich recht herzlich mich gedrängt fühle, länger an Dich zu schreiben! Man macht jetzt eine Atropin-Kur mit diesen Augen, und Kopfschmerzen habe ich auszustehn gehabt seit meiner Rückkehr, dass all dies Leiden wirklich einer besseren Sache würdig wäre. So ist es: Du hast auf Deine Art, und ich auf diese und manche andre Art das Dasein abzubüssen.
Übrigens ist Dein gegenwärtiger Zustand zu beseitigen; so viel ich weiss, verstehn das die Frauen, sie haben den Instinkt dafür. Denn Dein Leiden ist nicht ganz selten, zumal bei einem Bräutigam. Nach allen schweren Passionen bleibt ein dunkles Bedürfniss zurück; mit der Geissel und den Flammenspitzen der Leidenschaft geschlagen und gequält zu sein muss doch irgend eine Lust höherer Art in sich haben. Da wirft man wohl hinterdrein ein sich darbietendes ruhigeres sonnigeres Glück weg an diesen Dämon der Erinnerung und thut sich von neuem sehr wehe damit: worauf es vielleicht ankommt — denn so wunderlich ist der Mensch.
Aber ich bitte und beschwöre Dich liebster Freund, zu warten und lange zu warten und recht den guten Willen zu haben, das Dir geschenkte Glück einer jungen liebenden Seele zu fühlen! — Hast Du diesen guten Willen nicht, so sollte man Dich eifersüchtig machen.
Man erzählt mir dass diese Familie Nachkommen des Grafen Ankerström sind: da wird es an einer im Grunde lebenden tiefen Leidenschaftlichkeit nicht fehlen, und Du darfst Dich in Acht nehmen.
Lebe wohl und glaube an meine innig besorgte Freundschaft, um diesen vielleicht absurden Brief zu entschuldigen. — Gersdorff wird von Nerina geliebt, es ist kein Zweifel, alles geht vorwärts.
Sonntag über 8 Tage reise ich von hier ab.
Lebwohl geliebter
Freund
Der allertrefflichste Rée geht mit nach Sorrento.
554. An Reinhart von Seydlitz in Berlin
Lieber und werther Herr, nach einem solchen Briefe, einem so ergreifenden Zeugnisse Ihrer Seele und Ihres Geistes kann ich nichts sagen: als allein dies — bleiben wir uns nahe, sehen wir zu dass wir uns nicht wieder verlieren, nachdem wir uns gefunden haben! Ich sehe die schöne Gewissheit vor mir, einen wahren Freund mehr zu gewinnen. Und wenn Sie wüssten, was dies für mich bedeutet! Bin ich doch immer auf Menschenraub aus, wie nur irgend ein Corsar; aber nicht um diese Menschen in der Sclaverei, sondern um mich mit ihnen in die Freiheit zu verkaufen.
Nun wünschte ich, dass wir eine Zeit einmal zusammen leben möchten: denn meine Augen (welche man noch dazu mit einer Atropinkur behandelt) verbieten mir eine briefliche Verständigung, selbst wenn eine solche möglich wäre; woran ich aber zweifle.
Sie gehen am 1 October nach Davos, und ich, am gleichen Tage, nach Italien, um in Sorrent meine Gesundheit wieder zu finden, im Zusammenleben mit meiner verehrten Freundin Fräulein von Meysenbug (kennen Sie deren „Memoiren einer Idealistin“? Stuttgart 1875) ebenfalls begleiten mich ein Freund und ein Schüler dahin — wir alle haben ein Haus zusammen und alle höheren Interessen überdies gemeinsam: es wird eine Art Kloster für freiere Geister. Von dem erwähnten Freunde will ich nicht verschweigen, dass er der Verfasser eines anonymen sehr merkwürdigen Buches ist „psychologische Beobachtungen“ (Berlin Carl Duncker 1875)
Warum erzähle ich dies Ihnen? O Sie errathen meine stille Hoffnung: — wir bleiben ungefähr ein Jahr in Sorrent. Dann kehre ich nach Basel zurück, es sei denn dass ich irgendwo mein Kloster, ich meine „die Schule der Erzieher“ (wo diese sich selbst erziehen) in höherem Style aufbaue.
Von ganzem Herzen Ihnen
ergeben Friedr. Nietzsche
555. An Malwida von Meysenbug in Schwalbach
Liebes, verehrtestes Fräulein!
Ich hatte Freund Brenner gebeten, Ihnen von mir Nachricht zu geben, zumal ich ungefähr 3 Wochen durch eine Atropin-Cur der Augen im wörtlichen Sinne am Schreiben verhindert war; aber der junge Dichter hält es, wie es scheint, mit Versprechungen wie alte Dichter. Mir geht es seit meiner Heimkehr schlecht; ich dictire diesen Brief unter abscheulichen Kopfschmerzen vom Bette aus.
Ungefähr alle acht Tage habe ich meinem Leiden ein dreißigstündiges Opfer zu bringen; desshalb vertröste ich mich ganz und gar auf das Zusammensein mit Ihnen im Golf von Neapel. Wir wollen dort schon die Gesundheit erzwingen! An dieser Hoffnung hat mich bisher Nichts irre gemacht. Wissen Sie, dass Dr. Rée mich begleiten will, im Vertrauen darauf, dass es Ihnen so recht ist? Ich habe an seinem überaus klaren Kopfe eben so wie an seiner rücksichtsvollen, wahrhaft freundschaftlichen Seele die größte Freude. Es kommt nicht darauf an, dass er mit uns beisammen wohnt. Ihre Pläne sollen natürlich, wenn dieß nicht angeht, in keiner Weise gestört werden, aber darauf dürfen Sie rechnen, dass wir Drei zusammen, Rée, Brenner und ich, um die Mitte October in Castellamare oder Sorrent je nach Ihrer Mittheilung eintreffen werden. Eine Nachricht unter meiner hiesigen Adresse kommt jedenfalls in meine Hände (Schützengraben 45).
Ich fühlte es die ganze Zeit, dass es der armen guten Olga schlimmer ergehe und war immer in meinen Gedanken besorgt. Sie erfreuen mich sehr durch die Mittheilung, dass ihre Genesung fortschreitet. Sagen Sie ihr meine innigsten Grüße und Wünsche.
Wagner telegraphirte mir von Venedig aus. Von morgen ab ist seine Adresse: Bologna, Hôtel de l’Italia.
In treuester Freundschaft
und Verehrung
Ihnen ergeben
Friedrich Nietzsche
556. An Richard Wagner in Bologna
Hochverehrter Freund!
Sie haben mir durch den kleinen Auftrag, welchen Sie mir erteilten, Freude gemacht: es erinnert mich an die Tribschener Zeiten. Ich habe jetzt Zeit, an Vergangenes, Fernes wie Nahes, zu denken, denn ich sitze viel im dunkelen Zimmer, einer Atropin-Kur der Augen wegen, welche man nach meiner Heimkehr für nötig fand. Der Herbst, nach diesem Sommer ist für mich, und wohl nicht für mich allein, mehr Herbst als ein früherer. Hinter dem grossen Ereignisse liegt ein Streifen schwärzester Melancholie, aus dem man sich gewiß nicht schnell genug nach Italien oder ins Schaffen oder in beides retten kann. Wenn ich Sie mir in Italien denke, so vergegenwärtige ich mir, daß Ihnen dort die Inspiration zum Anfange der Rheingold-Musik kam. Möge es für Sie immer das Land der Anfänge bleiben! Sodann werden Sie die Deutschen eine Zeit lang los, und es scheint dies hie und da nötig zu sein, um etwas Ordentliches für sie tun zu können.
Sie wissen vielleicht, daß ich auch im nächsten Monat nach Italien gehe, aber nicht, wie ich meine, als in ein Land der Anfänge, sondern des Endes meiner Leiden. Diese sind wieder auf einem Höhepunkte; es ist wirklich die höchste Zeit: meine Behörden wissen, was sie tun, wenn sie mir ein ganzes Jahr Urlaub geben, obgleich dieses Opfer für ein so kleines Gemeinwesen unverhältnismäßig groß ist; sie würden mich nämlich auf eine oder die andere Weise verlieren, wenn sie mir nicht diesen Ausweg eröffneten; ich habe in den letzten Jahren, dank der Langmütigkeit meines Temperamentes, Schmerzen über Schmerzen eingeschluckt, wie als ob ich dazu und zu nichts Weiterem geboren wäre. Der Philosophie, welche dies etwa lehrt, habe ich praktisch meinen Tribut in reichem Maße gezahlt. Diese Neuralgie geht so gründlich, so wissenschaftlich zu Werke, sie sondiert förmlich, bis zu welcher Grenze ich den Schmerz aushalten kann, und nimmt sich zu dieser Untersuchung jedesmal dreißig Stunden Zeit. Alle vier bis acht Tage muß ich auf eine Wiederholung dieses Studiums rechnen: Sie sehen, es ist die Krankheit eines Gelehrten; — aber nun habe ich es satt, und ich will gesund leben oder nicht mehr leben. Völlige Ruhe, milde Luft, Spaziergänge, dunkele Zimmer — das erwarte ich von Italien; mir graut davor, dort etwas sehen oder hören zu müssen. Glauben Sie nicht, daß ich morose bin; nicht die Krankheiten, nur die Menschen vermögen mich zu verstimmen, und ich habe immer die hilfbereitesten, rücksichtsvollsten Freunde um mich. Zuerst nach meiner Rückkehr den Moralisten Dr. Rée, jetzt den Musiker Köselitz, denselben, der diesen Brief schreibt; auch Frau Baumgartner will ich unter den guten Freunden nennen; vielleicht freut es Sie zu hören, daß die französische Übersetzung meiner letzten Schrift (R<ichard> W<agner> i<n> B<ayreuth>) von der Hand dieser Frau im nächsten Monat gedruckt wird.
Käme der „Geist“ über mich, so würde ich Ihnen einen Reisesegen dichten; aber dieser Storch hat sein Nest neuerdings nicht auf mir gebaut: was ihm zu verzeihen ist. So nehmen Sie denn mit den herzlichsten Wünschen fürlieb, die Ihnen als gute Begleiter folgen mögen: Ihnen und Ihrer verehrten Frau Gemahlin, meiner „edelsten Freundin“ um dem Juden Bernays einen seiner unerlaubtesten Germanismen zu entwenden.
Treulich, wie immer
der Ihrige
Friedrich Nietzsche.
557. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Meine liebe Mutter und Schwester, den herzlichsten Dank für Eure Briefe. Ich habe immer schlechtere Wochen durchgemacht, lag seit dem 3 verschiedne Tage zu Bett, jedesmal mit 30 stündigem Kopfschmerz, ohne Schlaf, es ist nicht mehr zum Aushalten. Nächsten Sonntag reise ich ab, treffe in Montreux mit Rée zusammen, dann werden wir 2 Wochen in Bex sein, wo es schattige Spaziergänge usw. giebt. Mitte October trifft Brenner in Genf mit uns zusammen und es geht südlich. — Herrlicher Brief von Seydlitz. — Gersdorff hat Glück. — Olga geht es besser. — Wagner telegraph. mir von Venedig aus. Ich gebe Euch von Bex Nachricht und Adresse. Ich habe es sehr, sehr satt.
Lebt wohl und denkt meiner.
(Köselitz als ständiger Secretär nach Arlesheim von Herbst 1877 an engagirt.)
558. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Ich bin seit 8 Tagen in Bex und genieße des schönsten Herbstes, zusammen mit Rée, dem Unvergleichlichen. Doch mußte ich wieder 1½ Tag zu Bett liegen, mit den heftigsten Schmerzen (Montag Mittag bis Dienstag Nacht dauerten sie, mehr als 30 Stunden) Vorgestern und gestern fiengen die Vorstadien eines neuen Anfalls an, den ich für morgen erwarte. Ort und Aufenthalt im Hôtel (wo R<ée> und ich allein in einer Dépendence wohnen) ist außerordentlich schön: von 7—8 morgens (vor Sonnenaufgang) gehe ich spazieren. (ebenso von ½5—7 nach Sonnenuntergang: am Tage sitze ich auf der Terrasse vor unsern Zimmern.
Den 18 Oct. Reise nach dem Süden.
Herzlich
Euer F. N.
559. An Adolf Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Schönsten Dank für Ihre Sendung, werther Freund. Sie haben mir noch eine Sendung in Aussicht gestellt — zu meiner Freude: da will ich auch gleich noch um etwas bitten. Ein Buch liniirtes Papier von Mem<m>el-Tripet, mit dieser am Rande angegebnen Entfernung der Linien. Bitte brechen Sie es mir in Quartformat. Ich habe auch hier 1½ Tage zu Bett gelegen, aber seitdem geht es ein wenig besser. Ihrer verehrten Frau Mutter meine und meines Freundes Rée herzlichste Grüsse. Ich reise am 18 October und wohne bis dahin Bex Hotel du Crochet.
560. An Franziska Nietzsche in Merseburg (Postkarte)
Ich danke von Herzen für Brief Grüsse Wünsche und Gaben und möchte es gern ausführlicher thun: nur ist mir Briefschreiben geradezu unmöglich: so angegriffen sind meine Augen. Sage das auch meiner lieben Grossmutter, sammt den herzlichsten Wünschen für ihre Wiederherstellung; ihre gute Natur ist etwas Erstaunliches, ich wünschte, ich hätte davon etwas in mir, so könnte ich sicherer auf Genesung hoffen. Es geht mir immer nicht gut. Der Aufenthalt ist sehr geeignet und vielleicht ist das ein Erfolg, dass seit 12 Tagen der Hauptanfall ausgeblieben ist. Donnerstag reise ich, mit Dr Rée und Brenner, nach dem Süden. Einstweilen, bis ich von Neapel meine Adresse schicke, schreibe nicht.
Dankbar Dein Sohn F. N.
die Flasche dient zu Thee
561. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Liebe und Verehrte, nur eine Karte als Antwort auf einen so reichen Brief, meine Augen wollen es nicht anders. Morgen reise ich südwärts; vorgestern haben wir uns an der Zusendung Ihres Sohnes gelabt, es ist eine sehr glückliche Nachbildung und macht ihm als einem Gereifteren alle Ehre. Die Schmeitzner-Angelegenheit nimmt einen raschen Verlauf, ich gratulire. Adressen: Dr. Romundt: Oldenburg, im Grossherzogth. Petersstr. 17. Gersdorff, Herrnhut (Schlesien) im Gasthof. Ich bitte in meinem Namen zu senden: Madame Louise Ott, Paris, rue Constantinople 6. | Mad. la Comtesse Diodati Genève. Ich bitte noch für Prinz Me<t>schersky, den Marchese Guerrieri, Gräfin Dönhof, deren Adressen ich Ihnen schicke. Auch Schuré und Liszt. Herzlichste Grüsse
562. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Geliebte Schwester, es ist der Tag vor der Abreise, der Föhn bläst sehr südlich. Ich glaube kaum, dass ich es im Süden so gut haben werde wie in Bex, die Wahl war vorzüglich! Zwar ist keine erhebliche Besserung da, doch war der letzte Anfall (vorgestern) nicht so lang (vielleicht Dank einer Stirnsalbe, die Schiess verordnet hat) Auch schnupfe ich un peu. Herzlichsten Dank für alles Gute, was Du mir gewünscht hast. Übrigens ist die V Unzeitgemässe fertig, ich brauche nur einen zum Dictiren (in Basel hatte ich Köselitz Tag für Tag dazu) Gersdorff ist mit N<erina> in Baden. — Das Bild machte mich sentimental. Gefiel es Dir? — Schreibe doch an Frau Baumgartner.
Rée grüsst herzlich, schreib ihm nur.
Vorläufige Adresse: Napoli (Italia) 23 Chiatamone Pension allemande
563. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Von Bex schlimme Abreise, in Genf etwas besser, zu Mittag im Hôtel Post gegessen. Brenner kam dorthin. Nachtreise durch Mont Cenis, am andern Tag Nachmittag Ankunft in Genua mit heftigstem Kopfschmerz: sofort zu Bett, Erbrechen und Dauer des Zustandes 44 Stunden. Heute Sonntag besser; eben von einer Fahrt im Hafen und in’s Meer hinaus, zurück. Schönste Abendruhe und -Farbe. Morgen (Montag) Abend Abfahrt mit Dampfschiff nach Neapel, wir drei Freunde zusammen haben uns zur Seereise entschlossen. Herzlichste Grüße an Euch
564. An Claudine von Brevern in Genua
Verzeihung, gnädige Frau, dass ich Sie in Stich liess und dass ich mein Versprechen (oder eigentlich meinen Wunsch) nicht erfüllen konnte, Verzeihung einem Halb-Kranken! Auf dem Wege zur Eisenbahn, wohin ich mit Dr. Rée gieng, fühlte ich mich plötzlich so schwach und angegriffen, dass ich obschon etwas beschämt und widerstrebend Kehrt machen musste wie nur je eine besiegte Armee. Trotzdem kann ich es mir vor meiner Abreise nicht versagen, meine Freude über ein Zusammentreffen schriftlich auszusprechen, welches mich das doppelte Schauspiel sehen liess: eine hohe erreichte Cultur und ein hohes Streben nach Cultur.
Ihnen und Fräulein von der Pahlen meine ergebensten Wünsche und Grüsse zum Abschied.
Dr Friedrich Nietzsche
565. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Da sind wir, in Sorrent! Die ganze Reise von Bex bis hierher nahm 8 Tage in Anspruch; in Genua lag ich krank, von dort brauchten wir 3 Tage Meerfahrt ungefähr und siehe, wir entgiengen der Seekrankheit, ich ziehe diese Art zu reisen der mir ganz schrecklichen Eisenbahnfahrerei auch vor. Wir fanden Frl von M<eysenbug> in einem Hotel in Neapel und reisten gestern zusammen in die neue Heimat Villa Rubinacci, Sorrent près de Nâples. Ich habe ein ganz großes hohes Zimmer, vor ihm eine Terrasse. Ich komme vom ersten Meerbad zurück, das Wasser war wärmer, nach Rée, als die Nordsee im Juli. Gestern Abend waren wir bei Wagner’s, welche 5 Minuten von uns, im Hôtel Victoria wohnen und noch den Monat November bleiben.
Sorrent und Neapel sind schön, man übertreibt nicht. Die Luft ist hier eine Mischung von Berg- und Seeluft. Für die Augen ist es sehr wohlthätig; vor meiner Terrasse habe ich unter mir zunächst einen großen grünen Baumgarten (der auch im Winter grün bleibt), dahinter das sehr dunkle Meer, dahinter den Vesuv.
Hoffen wir.
In aller Liebe und Treue
Euer F.
566. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
In Genua war ich krank, heftiger Anfall. Von dort bis Neapel Seereise, ohne Krankheit. Unsre schöne Wohnung hat diese Adresse: Sorrent près de Nâples, Villa Rubinacci. Wagners wohnen 5 Minuten von uns, Hôtel Victoria. Ich nahm heute Morgen ein Bad im Meer. Adressen für die Exemplare: Baronesse Isabelle de Pahlen, Roma poste restante. | Mad. la Marquise Guerrieri-Gonzaga, Modena per Gonzaga | Prince Alexandre Me<t>schersky, Firenze Villa Herzen.
Die herzlichsten Grüße Ihres F. N.
567. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe gute Mutter, wie unerwartet kam diese schmerzliche Nachricht! Ich war ganz davon betroffen und habe es nun zweimal in Einer Woche erlebt, dass ich mehr an die Gesundheit und Ausdauer ganz alter Personen geglaubt hatte als an die eigene Gesundheit — und mich dabei irrte. Mir fiel ein dass in einem der letzten Tage in Basel der alte Gerlach mich besuchte, so sehr als der Gesunde Rüstige, dass ich mich meiner ewigen Kränklichkeit schämte; und ebenso dachte ich: ja wenn du selber die Rippe gebrochen hättest und nicht deine gute alte Grossmutter — mit mir wäre es gewiss vorbei, mit ihr aber gewiss nicht. Nun ist es anders gekommen und Du meine liebe Mutter hast es in der Nähe mit erlebt und hast helfen und zusprechen können; um so mehr wirst Du Dich jetzt verlassen und beraubt fühlen. Da ist es mir ein wahrer Trost, unsere Lisbeth diesen Winter bei Dir zu wissen; so dass aus meinem Kranksein sich doch wenigstens dieser Vortheil für Dich ergeben hat; während Du sonst nur Sorge und Entbehrung davon hast. Nun wird sie mit Dir trauern und Dich erheitern; und ich will versuchen, Dir aus der Ferne her die Freude zu machen, dass meine Gesundheit vorwärts schreitet. Mehr kann ich jetzt nicht, selbst nicht einmal längere Briefe schreiben, das weisst Du ja.
Mit der letzten Woche bin ich sehr viel mehr zufrieden als mit irgend einer früheren. Dr. Rée hat Genaueres über mein Befinden an Lisbeth geschrieben, ich bat ihn darum. Ich werde ausgezeichnet besorgt, Trina ist als Krankenwärterin wie sonst sehr tüchtig. Ein heisses Fussbad mit Senf und Asche hat mir bis jetzt den wesentlichsten Dienst bei einem heftigen Anfall gethan; sodann die Spaziergänge in der Gebirgs- und Meerluft. Die Bäder habe ich aufgeben müssen. Mir graut jetzt etwas vor den Gesundheitsverhältnissen in Basel, welche jedenfalls ungünstig für mich sind. Namentlich habe ich meine Augen viel zu sehr anstrengen müssen. Trotzdem beschäftige ich <mich> mit dem Gedanken an das Gerlachsche Haus; mir fällt es immer wieder ein.
So viel für heute. In der herzlichsten Theilnahme, mit Dir trauernd und Dich und die liebe Elisabeth auf das Innigste grüssend Dein Sohn.
568. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Tausendmal Gutes und Erwünschtes dem Freunde zum Geburtstage, und uns Beiden ein ersehntes Wiedersehen. Ich danke für Deinen Brief und antworte leider wie ich muss, mit einer Karte. Denn im Ganzen geht es mir nicht besser als im vorigen Jahre um dieselbe Zeit. In Genua lag ich krank und in Sorrent habe ich schon 4 mal den heftigen Anfall gehabt. Wagner’s sind seit einigen Tagen fort nach Rom. Meine Grossmutter ist gestorben. Der gute alte Gerlach und die arme Baseler Philologie! Hagen aus Bern hat um Auskünfte gebeten, die ich ihm nicht geben kann. — Brenner erzählte von Deiner Rede. Hätte ich sie doch! Dir und Deiner Treuen das Herzlichste.
569. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Lieber Freund Köselitz, meine schönsten Grüsse, der Tag ist blau und warm, und Nachmittags wollen wir mit dem Kahne an allen möglichen schönen Grotten der Küste vorbeifahren. — Haben Sie durch Frau Schwende die rothen Partituren empfangen, wie ich es aufgetragen habe? — Overbeck schrieb mir dass die beiden Freunde wieder beisammen sind, ich gratulire dazu. — Ich lebe ganz abseits von der „Welt“: so ist es recht, für uns Alle, nicht wahr? —
570. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrteste Frau, hier ist Wagner’s römische Adresse:
Hôtel
79 via
d’Amerique
Babuino
Roma
Das Exemplar an Frl. Natalie Herzen, um das ich bat, kann nach Florenz abgehen, wo sie jetzt ist — also gleiche Adresse wie Metschersky. — Ich athme und spüre die kommende Gesundheit, es fängt an wesentlich besser zu werden. Verschiedene Hausmittelchen helfen mit. — In einer Woche meldete man den Tod meiner Großmutter, Gerlachs und — des besten Lehrers Ritschl.
Mit den herzlichsten Empfehlungen von uns Allen.
571. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Seit den Trauerbotschaften habe ich keine Nachricht. Nachträglich herzlichen Dank für Deine langen schönen Briefe. Es wird geschnupft. Mein Befinden war eine Woche recht hoffnungsreich, die letzte Woche taugte aber nichts, ich war Dienstag, Mittwoch und Freitag, mit den alten Schmerzen zu Bett, auch die andern Tage, von Sonntag an, waren schlecht. — Ritschls Tod hat mich sehr betrübt. Ich vermag aber keine Briefe zu schreiben, oder ganz selten. An Frau Gerlach schreibe doch!
Wir Alle grüssen Dich und die liebe Mutter.
572. An Hans Paul von Wolzogen
Werther und lieber Herr
Ja, aber die Gesundheit! Ich bin auf ein Jahr nach dem Süden verbannt: nichts lesen, nichts schreiben, womöglich nichts denken — das sind die ärztlichen Weisungen. Es versteht sich von selbst, dass ich, sobald es angeht, meine Theilnahme an Ihrem Unternehmen thätlich beweisen werde; aber einstweilen bin ich mir selber ein Fragezeichen und muss es deshalb leider auch Ihnen sein.
Mit herzlichem Gruss und bedauernd
F. Nietzsche.
573. An Franz Overbeck in Basel
Lieber getreuer Freund, es ist mir, nach einem Aufblitzen eines besseren Zustandes, wieder so schlecht, so anhaltend schlecht ergangen, dass ich noch gar nicht zu hoffen wage. Die äusseren Bedingungen zum Gesundwerden sind alle bei einander, und es muss dabei etwas heraus kommen nicht wahr? Aber Geduld ist nöthig. Ich danke Dir herzlich für Deine Briefe, so wenig ich auch darauf antworten kann. Wolzogen habe ich eine durch meine Gesundheit bedingte Zusicherung gemacht, dass er einmal etwas bekommt. Aber der Sinn seines Unterfangens ist nicht der unserige; wir dürfen uns wahrlich nicht mit den Herren Plüddemann und Consorten verwechseln und vermengen. —
Die Familie Finocchietti ist mit Gersdorff’s Werbung einverstanden. — Geld erbitte ich mir in der besprochnen Form einer Posteinzahlung. Ich weiss nicht, wie viel ich bekomme; sende mir zunächst 1000 fr davon.
Den Kaufmannschen Courszettel will ich nicht. — Was sagt man über Gerlach’s Nachfolge?
Wir haben viel Voltaire gelesen: jetzt ist Mainländer an der Reihe.
Dir und Deiner lieben Frau
die herzlichsten Grüsse der Freundschaft.
F N.
574. An Ferdinand Schürmann in Bonn
Nun, lieber Herr Schürmann, sehen Sie zu, dass wir uns nicht wieder verlieren, nachdem wir uns gefunden haben; dies steht mehr bei Ihnen als bei mir. Ihr Brief hat mir Freude und Hoffnung gemacht: wie wäre es, wenn Sie eine zeitweilige Übersiedelung nach Basel in’s Auge fassten? Womöglich von Herbst 1877 an: denn bis dahin bin ich selber, durch eine sehr erschütterte Gesundheit, von Basel verbannt — nach dem Süden. Es ist sehr anzurathen, nicht am Studium des Alterthums zu verzweifeln; darüber möchte ich Ihnen viel sagen, aber nicht schreiben.
Mit herzlichem Grusse
der Ihrige
Dr Friedr Nietzsche
575. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Manche sehr schlechte Tage hinter mir, die mich fast desperat machten. Jetzt geht es wieder etwas besser. Die Witterung ist sehr mild, Rée hat gestern im Meer gebadet. Ich gehe viel spazieren, Magen und Schlaf immer sehr gut. Weihnachten wollen wir diesmal uns nichts schicken, die Unsicherheit der italiän. Post und das grosse Porto nöthigen dazu. — Ich rathe sehr zu dem Gerlachschen Hause; an Stelle des Spazierengehens will ich den Turnsaal am Münsterplatz benutzen. Briefe mit herzlichem Danke empfangen, wir Alle grüssen Euch.
576. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Herzlichen Dank für Eure Nachrichten. Einen ganz bösen Tag eben überstanden. Sonst ging es etwas besser. Ich sandte ein Röllchen Photographien zum Aufkleben: es ist Gegend und Menschheit, in der ich lebe. Ja nichts schicken! Die Kosten sind gar zu gross. Ich gehe sehr viel spazieren. Völlig alles Arbeiten aufgegeben, auch alles Dictiren und Disputiren. Was soll werden! Euer FN.
577. An Louise Ott in Paris
Sie sind mir hoffentlich, meine verehrte Freundin, gut geblieben, ob ich Ihnen schon so lange Zeit jede Auskunft über meinen Aufenthalt und mein Ergehen schuldig blieb. Aber allen meinen Freunden ging es so wie Ihnen, ich konnte und durfte nicht anders — meine unerträglichen Kopfschmerzen, gegen welche ich kein Mittel bewährt gefunden habe, zwingen mich zu einer stillschweigenden Entsagung im freundschaftlichen Verkehre. Auch heute mache ich nur eine Ausnahme von der Regel und fürchte auch selbst dafür büssen zu müssen. Aber ich möchte gar zu gerne etwas von Ihnen hören, und vielleicht etwas Ausführliches — machen Sie mir dieses Weihnacht-Vergnügen. Es wird die französische Übersetzung meiner Schrift über R. Wagner unterwegs sein und hoffentlich zu Weihnachten bei Ihnen eintreffen — eine neue kleine Zudringlichkeit wie dieser Brief, um ein paar Zeilen — nein, mehrere Paar Zeilen von Ihnen zu erobern.
In unserem kleinen Kreise ist viel Nachdenken, Freundschaft, Aussinnen, Hoffen, kurz ein ganzes Theil Glück beisammen; dies empfinde ich trotz der vielen Schmerzen und der schlimmen Perspective meiner Gesundheit. Es ist vielleicht noch ein bischen Glück mehr in der Welt, aber einstweilen wünsche ich von Herzen allen Menschen, dass es ihnen ergehen möge wie uns, wie mir: sie dürfen dann schon zufrieden sein.
Neulich fiel mir ein, Sie, meine Freundin, möchten einen kleinen Roman schreiben und ihn mir zu lesen geben: man übersieht so schön, was man hat und was man vom Leben wünscht und wird gewiss dabei nicht unglücklicher — das ist die Wirkung der Kunst. Jedenfalls wird man weiser dabei. — Vielleicht ist es ein thörichter Rath: dann sagen Sie mir, dass Sie über mich gelacht haben; es macht mir Vergnügen dies zu hören.
Herzlich grüßend Ihr
Freund
F.N.
578. An Reinhart von Seydlitz in Davos
Nichts weiter, lieber Freund als ein Zeichen, dass ich Ihrer herzlich und namentlich mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit eingedenk bin: auch dass ich noch nicht alle Hoffnung aufgegeben habe, Sie hier in der schöneren Jahreszeit als einen unserer kleinen Sorrentiner Gemeinde zu begrüssen. Wir haben so mildes Wetter, dass einer meiner Freunde fast täglich im Meere baden geht; und ich steige auf die Berge und suche meinem Kopfschmerz zu entlaufen — bis jetzt freilich ohne wirklichen Erfolg.
Wenn man krank sein muss, so sei es wenigstens in solcher Gegend und unter solchen Freunden, wie ich sie habe: voran unsere ausgezeichnete mütterlich wohlthätige Frl von Meysenbug, von der ich Ihnen als von einer wahrhaft schönen Seele schon schrieb. Wagner’s waren vierzehn Tage mit uns zusammen. Es ist nicht unmöglich, dass sie ihre Schritte im nächsten Jahre wieder gegen Süden wenden, vorausgesetzt — was wie ich fürchte vorausgesetzt werden muss — dass die Bayreuther Sommerfeste im nächsten Jahre ausfallen: die Wolken sind gar zu schwarz und unheimlich gefärbt als dass die Kunst wieder ihr Zelt aufschlagen könnte. In diesem Falle werden wir Wagner wiedersehen, ohne auch nur einen Schritt weit zu gehen.
Ich möchte so gerne, lieber Freund, mit Ihnen erst ein Stück Leben gemein haben; wer weiss was sich alles auf solch einem Fundamente aufbauen lässt?
Inzwischen bleiben Sie mir gut und sagen Sie Ihrer Frau Gemahlin meine ehrerbietigsten Empfehlungen.
Treulich
der Ihre
Dr Friedrich Nietzsche
579. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Verehrte Frau, ich wünsche Ihnen ein gutes Weihnachtsfest. Mein Zustand ist wieder recht schlecht gewesen; hoffen wir auf das neue Jahr! Inzwischen haben alle Adressen beinahe sich verändert; Wagners sind in Bayreuth wieder, Frl. Natalie Herzen ist in Paris (Monod’s Adresse) usw. Wir aber sind und bleiben hier, und das Buch wird mit Spannung erwartet. Ihnen und Ihrem Herrn Gemahl die herzlichsten Grüsse von Frl. v. M<eysenbug> und mir.
F. N.
580. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Meine besten Wünsche, lieber Herr Verleger, voran, für Weihnachten und Neujahr!
Heute möchte ich Ihnen erstens mittheilen, dass mein Freund Dr Rée nahe dabei ist, Ihnen sein Manuscript zuzusenden. Sie bekommen, wie ich aus bester Überzeugung sagen muss, etwas höchst Werthvolles in Ihren Verlag, eine Schrift, welche über den Ursprung der moralischen Empfindungen in einer so durchaus neuen und strengen Methode handelt, dass sie wahrscheinlich in der Geschichte der Moral-Philosophie einen entscheidenden Wendepunct bilden wird.
Zweitens habe ich die Bitte auszusprechen, Sie möchten ein Exemplar meiner 2t und 3t Betrachtung an die Adresse einer römischen Freundin schicken:
Baronin
Claudine von Brevern
Roma, Corso 499, 4tro piano.
Ebenfalls ein Exemplar der 1t und 4t unter gleicher Wohnungsadresse an
Baronesse Isabella de Pahlen
Es versteht sich, dass Sie diese Exemplare mir in Anrechnung bringen.
Drittens wünschte ich Ihnen zu sagen, dass es mir besser gehe: leider ist dies aber nicht der Fall oder fast nicht. Die grösste Schonung fortwährend geboten: viele unerträgliche Kopfschmerzen.
Für Ihren nach Basel gesandten Brief mit so freundlichen Anerbietungen sage ich Ihnen herzlichen Dank. —
Was macht die französische Übersetzung? —
Ich freue mich, dass Ihre beiden trefflichen Freunde wieder zusammen in Basel sind. —
Hochachtungsvoll
ergeben Dr F. Nietzsche
581. An Cosima Wagner in Bayreuth
Verehrteste Frau!
Ihr Geburtstag ist da und ich weiß kein Wort, mit dem ich denken könnte, Ihrer Empfindung dabei zu begegnen. Wünschen? Glück wünschen? — ich verstehe diese Worte kaum mehr, wenn ich an Sie denke; hat man erst gelernt, das Leben groß zu nehmen, so fällt der Unterschied von Glück und Unglück hinweg, und gar über das „Wünschen“ kommt man hinaus. Alles das, woran Ihr Leben jetzt hängt, hat kommen müssen, wie es kam, und namentlich das gegenwärtige ganze Nach-Bayreuth ist nicht anders vorzustellen als es ist, denn es entspricht dem ganzen Vor-Bayreuth; was vorher elend und trostlos war, ist es auch jetzt noch, und was groß war, ist es geblieben, ja ist es jetzt erst recht. Wir können solche Tage wie den Ihrigen nur feiern, nicht beglückwünschen. Von Jahr zu Jahr wird man stiller und zuletzt sagt man über Persönliches kein ernstes Wort mehr.
Der Abstand meiner jetzigen, durch Kranksein erzwungenen Lebensweise ist so groß, daß die letzten 8 Jahre mir fast aus dem Kopfe kommen und die früheren Lebenszeiten, an welche ich in der gleichartigen Mühsal dieser Jahre gar nicht gedacht hatte, sich mit Gewalt hinzudrängen. Fast alle Nächte verkehre ich im Traume mit längstvergessenen Menschen, ja vornehmlich mit Todten. Kindheit Knaben- und Schulzeit sind mir ganz gegenwärtig; mir ist bei Betrachtung früherer Ziele und des thatsächlich Erreichten aufgefallen, daß ich in allem, was ich thatsächlich erreicht habe, bei Weitem über die Hoffnungen und allgemeinen Wünsche der Jugend hinausgekommen bin; daß ich dagegen von allem, was ich mir absichtlich vorgenommen habe, durchschnittlich immer nur den dritten Theil zu erreichen vermochte. So wird es wahrscheinlich auch fernerhin bleiben. Wenn ich völlig gesund wäre — wer weiß, ob ich nicht meine Aufgaben mir in’s Abenteuerliche weit steckte? Inzwischen bin ich gezwungen, die Segel etwas einzuziehen. Für die nächsten Baseler Jahre habe ich mir die Vollendung einiger philologischer Arbeiten vorgenommen, und Freund Köselitz hat sich bereit erklärt, mir als Sekretär, vorlesend und nachschreibend, hülfreich zu sein (denn mit meinen Augen ist es so gut wie vorbei) Bin ich mit den Philologica wieder in Ordnung, so erwartet mich Schwereres: werden Sie sich wundern, wenn ich Ihnen eine allmählich entstandene, mir fast plötzlich in’s Bewußtsein getretene Differenz mit Schopenhauer’s Lehre eingestehe? Ich stehe fast in allen allgemeinen Sätzen nicht auf seiner Seite; schon als ich über Sch. schrieb, merkte ich, daß ich über alles Dogmatische daran hinweg sei; mir lag alles am Menschen. In der Zwischenzeit ist meine „Vernunft“ sehr thätig gewesen — damit ist denn das Leben wieder um einen Grad schwieriger, die Last größer geworden! Wie wird man’s nur am Ende aushalten?
Wissen Sie, daß mein Lehrer Ritschl gestorben ist? Ich bekam die Nachricht fast zugleich mit der Meldung vom Tode meiner Großmutter und meines nächsten Baseler philolog. Collegen Gerlach. Ich habe noch in diesem Jahre durch einen Brief Ritschl’s den rührenden Eindruck bestätigt erhalten, den ich aus seinem früheren Verkehre mit mir hatte: er war gegen mich herzlich vertrauensvoll und treu geblieben, ob er schon eine zeitweilige Schwierigkeit des Verkehrs, ja eine rücksichtsvolle Trennung als nothwendig begriff. Ihm verdanke ich die einzige wesentliche Wohlthat meines Lebens, meine Baseler Stellung als Professor der Philologie: ich verdanke sie seiner Freisinnigkeit, seiner Scharfsichtigkeit und Hülfbereitschaft für junge Menschen. In ihm starb der letzte grosse Philologe; er hinterläßt gegen 2000 Schüler, die sich nach ihm nennen, darunter etwa 30 Universitätsprofessoren.
Indem ich meinen Brief enden muß (ich darf nicht schreiben), fällt mir ein, daß Frau Marie Baumgartner die ergebne Bitte um Zurücksendung der französischen Schopenhauer-Übersetzung durch mich aussprechen läßt; ihre Adresse ist: Lörrach, Großherzogth. Baden.
In treuer Verehrung
Ihr
Friedrich Nietzsche
Sorrento
Villa Rubinacci.
Ich vergaß die Empfehlungen von Dr. Rée.
582. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Alles Gute, Liebe, Erwünschte zum neuen Jahre für Euch Beide. Mir geht es ein wenig besser. Habt Ihr die Photogr. bekommen? Das von Wien, wovon Ihr schriebt, ist bis jetzt nicht eingetroffen. Aus Basel höre ich, dass Gerlach’s Stelle nicht besetzt wird. Ich zahle hier monatl. 200 frs. Pension. Sorrent ist wie gemacht, um gesund zu werden. Ich bin viel kräftiger geworden; noch keine einzige Indisposition des Magens. Aber jede Woche ein Tag heftiger Kopfschmerz; dabei bleibt es. Wir zusammen senden herzlichste Weihnachts- und Neujahrsgrüsse.
F. N.
583. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Tausend Dank für die Weihnachtsbriefe! Auch für das Kalenderchen, das gut zum Gebrauch ist. Wir hatten unvermuthet am Abend eine kleine Bescheerung, ich bekam einen Fächer und einen türkischen Fez (ich muss den Kopf Tag und Nacht warm halten) Heute giebt es eine kleine Ausgrabung von Antiken. Die französ. Übersetzung ist noch nicht fertig im Druck. Wagner’s sind wieder in Bayreuth. Gersdorff’s Angelegenheit immer noch nicht in Ordnung. Von Wien ist nichts angekommen, wie steht das? Rée’s Schrift über den Ursprung der moral. Empfindung ist fast fertig. Mir geht es etwas besser.
Von uns Allen herzliche Grüsse.
584. An Erwin Rohde in Jena (Postkarte)
Meine herzlichsten Neujahrswünsche voraus, alter lieber Freund! Ich möchte so gern etwas Tröstliches und Beglücktes von Dir hören, aber es scheint, wir schieben jeder unseren Karren. Meine Gesundheit will auch hier nicht recht von der Stelle, Schmerzen, Schmerzen! Könnte ich davon absehn, so wäre mein Zustand hier des Neides der Götter werth. Rée ist mit einer Schrift eben fertig, Brenner schreibt Novellen, Fl. v. M<eysenbug> einen Roman, man liest mir vor, denn ich darf nicht lesen und schreiben. Kann ich nicht Deinen Aufsatz über die Novelle bekommen? Dein
treuer F. N.
Villa Rubinacci, Sorrent près de Naples.
1876 (90 Briefe)
496. An Carl Burckhardt in Basel
Глубокоуважаемый господин президент,
плохое состояние моего здоровья вынуждает меня просить о временном облегчении моих преподавательских обязанностей, а именно об освобождении от занятий в педагогиуме на оставшуюся часть семестра. Сильные периодически повторяющиеся головные и глазные боли в последнее время достигли такой степени, что подобное облегчение стало для меня настоятельной необходимостью, и только с этой испрашиваемой милостью я могу надеяться завершить свои лекции в университете. Сообщая также, что я предварительно проконсультировался с господином ректором Буркхардтом по поводу возможной замены, я прошу Вас, глубокоуважаемый господин президент, о благосклонном рассмотрении моей просьбы.
С глубоким уважением
Ваш
покорный
проф. д-р Ф. Ницше
преподаватель педагогиума.
497. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Примите, глубокоуважаемый господин тайный советник, прилагаемый краткий трактат с благосклонностью! Я внушил его автору, господину доктору Якобу Вакернагелю, одному из наших самых выдающихся воспитанников, надежду на то, что он, возможно, мог бы выступить с ним в Рейнском музее. Я полагаю, что из него вырастает способный филолог, и, безусловно, он унаследовал многое от добродетелей своего отца.
О себе я сегодня ничего не хочу говорить, так как мне пришлось бы сказать слишком много, а мое самочувствие сейчас недостаточно хорошее, чтобы позволить мне это в данный момент. Только верьте, что я отношусь к Вам и Вашей достопочтенной супруге так же, как и прежде, с той же любовью и благодарностью, даже если я молчу.
Добавляя приветствия от моей сестры (которая с августа переехала ко мне и ведет мое хозяйство), я остаюсь тем, кем был,
Ваш преданный
Д-р Ф. Ницше
(Адрес доктора Якоба Вакернагеля: Базель, Бруннгассе 11.)
498. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Мой возлюбленный друг, благодарю тебя за твои добрые вести, я ждал их с нетерпением, теперь я могу вместе с тобой надеяться и знаю, что одному из нас должно достаться нечто хорошее — так же, как этот один того заслуживает и в том нуждается. Мне кажется, что всё так хорошо устроено, что мы можем теперь со спокойствием дождаться конца. Конец ведь наступит к Пасхе?
Мне трудно писать, поэтому я буду краток. Любимый друг, позади у меня самое ужасное, самое мучительное и жуткое Рождество, которое я когда-либо переживал! В первый день Рождества, после многих всё чаще повторявшихся предвестий, случился настоящий срыв, я больше не мог сомневаться в том, что страдаю от серьезного заболевания мозга и что желудок и глаза так сильно страдали лишь из-за этого центрального воздействия. Мой отец умер в 36 лет от воспаления мозга, возможно, что у меня всё идет еще быстрее. Теперь, по совету Иммермана, применяются многочасовые ледяные компрессы, обливания головы рано утром, и после недели полной слабости и мучительных страданий мне стало немного лучше. Однако это еще даже не выздоровление, жуткое состояние не устранено, каждую минуту я вспоминаю о нем. С меня сняли обязанности в педагогиуме до Пасхи, в университете я снова преподаю. Я терпелив, но полон сомнений в том, что будет дальше. Я живу почти исключительно на молоке, которое идет мне на пользу, также я нормально сплю, молоко и сон — лучшие вещи, которые у меня сейчас есть. Если бы только хотя бы эти ужасные многодневные приступы не повторялись! Без них можно, по крайней мере, влачить существование изо дня в день.
Моя сестра много читает мне вслух, потому что мне трудно читать и писать. Вальтера Скотта я должен был упомянуть наряду с молоком и сном. Примерно 19 марта я хочу, если возможно, отправиться на Женевское озеро, до тех пор зима еще слишком сурова, а прогулки на холоде для меня скорее вредны, чем полезны. Моя мать вскоре прибудет сюда.
Пожалуйста, сохрани содержание этого письма в тайне, мы не хотим тревожить байройтцев! Ах, Байройт! Либо я не смею туда ехать, либо я не могу туда поехать — так это сейчас предстает перед моей душой. Но должна существовать еще и третья возможность, и когда я думаю о том, через что мне уже пришлось пройти, я должен верить, что смогу пережить и эту зиму.
Живи хотя бы ты хорошо, я должен всё больше искать свое счастье в счастье моих друзей. Все мои собственные планы — словно дым; я всё еще вижу их перед собой и хотел бы ухватиться за них. Ибо грустно жить без них, да едва ли возможно. — Можешь ли ты на Пасху поехать куда-нибудь вместе со мной, например, на Женевское озеро? Совершенно предварительный запрос.
Напиши фрейлейн фон Мейзенбуг, она участливо спрашивает о тебе.
В старой верности
Твой
Ф. Н.
Скоро ты услышишь лучшее из Базеля, я обещаю тебе это.
499. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Дорогой друг, адрес фрейлейн фон Мейзенбуг именно такой:
132 Monte Caprino
Campidoglio, Roma.
Пока что новых приступов нет, но само состояние продолжается, что внушает мне опасения. Однако я провожу свои занятия в университете, живу с величайшей осторожностью и регулярностью. Так, вероятно, должно стать лучше. Полностью расслабиться, как ты советуешь, не так легко осуществить; мне кажется, умеренное продолжение жизни привычным образом, но именно со всей осторожностью, пока что более выполнимо, даже более целительно.
А еще помогает близость моей сестры, Овербеков, особенно счастливого Овербека — что бы я делал вдали! Я сейчас не желал бы ничего больше, чем услышать, что ты должен поехать на Пасху в Берлин, должен, потому что она влекла, по Гёте, в стихотворении «В полночь». Это принесло бы новости, от которых другу должно было бы стать по-настоящему хорошо. Хорошо и здорово!
А теперь вспоминай обо мне, без тревоги, я прошу тебя, и прежде всего — вспоминай о себе, в манере Овербеков.
Твой друг
500. An Paul Widemann in Basel (Visitenkarte)
Вам, дорогой господин Видеман, и через Вас господину Кёзелицу сообщаю, что я теперь всё же вынужден приостановить свои лекции на неопределенный срок. Надеюсь, через две недели станет лучше: но тогда у меня уже не будет Вас? —
Д-р Фридрих Ницше
ординарный профессор филологии
Базель.
501. An Erwin Rohde in Kiel
Возлюбленный друг, слава небесам, что у тебя наконец-то всё складывается по желанию! Быть может, буря улеглась, и солнечный свет снова озарит тебя, чтобы утешить и исправить то, в чём никто не знал, как тебе помочь. Ах, бессилие твоих друзей! И то, что мы всегда были обречены лишь на страдальческое сострадание! И что я сам к тому же был принужден к молчанию, даже сейчас, когда наконец-то могла бы прозвучать сорадость! — Моя голова всё ещё в плохом состоянии, я не могу читать и писать и с прошлой недели бросил все лекции. Красивое мучение животных! В марте я хочу поехать с Герсдорфом на Женевское озеро.
Прощай, больше ничего не выходит!
Твой верный друг.
Поздравления от моей сестры.
Также от Овербеков, неожиданно счастливых.
502. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Мой возлюбленный друг
если мой план тебе по душе, давай поступим так: приезжай в Базель в первый день своих каникул, мы сразу же (примерно 5-го или 6-го числа) отправимся дальше и подыщем себе скромное пристанище на Женевском озере. Мы вместе прочтем только что вышедшие трехтомные «Мемуары идеалистки», я очень боюсь необдуманно залпом проглотить столь восхитительный чистый напиток.
Я от всего сердца радуюсь нашим тихим прогулкам и беседам. Одиночество и страдания переполнили меня до краев.
Наконец-то я могу сказать, что дело идет на поправку после очень долгого, мучительного однообразия плохого самочувствия. Однако мне пришлось окончательно прекратить все свои лекции; только с тех пор я чувствую прогресс.
Овербек шлет тебе сердечный привет и просит передать, что 5 марта он уезжает в Цюрих к своей невесте и был бы очень рад, если бы смог увидеться с тобой 4-го числа. Если не получится, и ты, что было бы весьма прискорбно, сможешь приехать только 5-го, он предлагает тебе свою квартиру для ночлега. Пожалуйста, напиши в ближайшее время хоть слово о своем окончательном решении.
Твои намеки насчет Берлина и прочего причиняют мне боль, мне кажется столь излишним и несправедливым, что тебе еще приходится проходить школу подобных трудностей. Но приходится принимать некоторые невзгоды с благодарностью, как частичный платеж за дурной характер бытия, мы ведь это знаем; мы все окружены великими и внезапными бедами, вспомни хотя бы Роде.
Как же я жажду снова быть с тобой!
Твой Ф. Ницше.
503. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
А теперь послушай меня, дорогой друг! Письмо от госпожи В<агнер> меняет положение дел, и, к счастью, мое здоровье улучшается с каждым днем, так что теперь я делаю тебе второе предложение. Иммерман, вопреки моему намерению поселиться в каком-нибудь уголке Женевского озера, советует мне развлечения и перемещения с места на место. То, что я придумал этой ночью, также получило одобрение моей сестры, а значит, больше не противоречит моему нынешнему состоянию (что было бы еще 14 дней назад). Итак: я заберу тебя 28 февраля в Хоэнхайме, и мы вместе поедем в Вену. Я полагаю, что ты там будешь гостем своего друга, и думаю, что по его совету я найду скромное жилье в соседней гостинице. Мы возьмем круговой билет на 30 дней из Штутгарта (через Ульм, Аугсбург, Мюнхен, Зальцбург, Линц, Вену, Линц, Пассау, Регенсбург, Нюрнберг, Нёрдлинген, Штутгарт) II класса за 39 южногерманских гульденов В<алюта>.
Теперь все зависит только от тебя: выбрать между этими предложениями или предложить что-то третье. Только я прошу тебя как можно сердечнее: если по какой-либо причине тебе предпочтительнее путешествовать в одиночку и разделить наши планы на отпуск, скажи мне об этом. Мы ведь так счастливы, что можем быть откровенными и нам даже не нужно оправдываться друг перед другом.
Так что воспользуйся привилегией свободы мнений.
Напиши мне скорее ответ, в том числе о том, не удобнее ли будет встретиться в Штутгарте и на каком поезде. В Байройт ничего не сообщай о моем приезде, я хочу в этот раз сделать приятный сюрприз.
Твой.
504. An Eugen Kretzer in Godesberg
Этот знак жизни, дорогой и почтенный господин доктор, должен лишь сказать Вам, что живется мне плохо: иначе я не оставил бы Ваше значительное письмо без ответа: что я, к сожалению, вынужден делать по причине болезни. Тем временем я настоятельно рекомендую Вам только что вышедшую книгу старой подруги «Воспоминания идеалистки», Штутгарт, издательство Ауэрбаха. Это как раз для Вас!
Ф. Н.
505. An Paul Rée in Stibbe
Мой дорогой новообретенный друг,
не ответ, а лишь символ такового, ибо мне скорее хуже, чем лучше; как и должно ожидать тому, кто находится под двойной тиранией боли и скуки. Герсдорф приедет в следующий понедельник — только в понедельник! я нетерпелив.
Ваш визит оставил во мне искреннее сожаление о том, что я снова узнал нечто, чего мне не хватает в Базеле, — человека, с которым можно говорить о «человеке». Хотим ли мы взять эту, я думаю, общую потребность за основу дружбы и основать на ней надежду на более частые встречи? Для меня было бы огромной радостью и большим приобретением, если бы вы захотели сказать на это «Да!». Посмотрим тогда, сколько личной откровенности может выдержать такая обоснованная дружба! Я не берусь так легко просто обещать вам её — кто знает себя достаточно хорошо, чтобы всегда быть в состоянии сдержать такое обещание. Но я от всего сердца желаю заслужить любую вашу откровенность, когда бы у вас ни возникло желание подарить её мне. — Для всего этого еще нужна привычка, и вы, как более свободный, должны иметь добрую волю снова когда-нибудь бросить якорь в Базеле на подольше. С конца августа я снова буду здесь.
Будьте здоровы, мой дорогой друг, и примите мою и моих близких сердечную благодарность за ваш визит!
Ф. Н.
506. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Дорогой друг,
Ты видишь, как обстоят дела — ведь я сам не могу писать и вынужден, образно говоря, прибегнуть к перу и руке моей сестры. Было безумием думать о Вене для меня, простительным безумием для того, кто стремится как можно дальше уйти от монотонности страдальческого состояния. Но еще до получения твоего письма я был достаточно осведомлен об ухудшении своего самочувствия, чтобы понять, что не должен рассчитывать ни на что подобное, только я желал, как раз на тот случай, если я не поеду, чтобы мое второе предложение послужило для тебя поводом к более приятным каникулам, чем те, на которые ты можешь рассчитывать сейчас в компании больного. Поскольку дела сложились так, как сложились, я, конечно, не достиг этого намерения, о чем искренне сожалею, особенно учитывая, что мое последнее письмо лишь смутило и измучило тебя. Поэтому мы оставляем всё, как уже было сказано в моей телеграмме, по-старому, и шестое число этого месяца должно, таким образом, предварительно стать датой твоего прибытия, при условии, что пожелания твоих родителей не противоречат этому плану.
Бауманская пещера готова принять тебя в свою пасть, а от пещеры путь пойдет дальше к озеру, лесу и скалам. Более точный план мы придумаем вместе уже здесь. — Я уже пару недель не читаю лекций и являюсь добычей боли и скуки одновременно. Я жажду здоровья так же сильно, как и перемен!
С сердечными приветами от моей матери и сестры, я
твой
Ф. Н.
507. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Basel
Мои дорогие мама и сестра
лишь краткое сообщение. Здоровье, к моему удивлению, довольно хорошо выдержало. Погода вчера была очень переменчивой, но с божественным освещением. Сегодня совсем пасмурно. Очень холодно! Мы — единственные обитатели Пританньер, рядом с нами Шильон, как боковой передний план всех видов. Мы вытягиваем ноги к камину. Здесь хорошо, хозяин — баденец.
Пансион стоит 5 франков, всё включено.
Я спал прилично, но проснулся с головной болью. Посмотрим, как пойдет сегодня. Воздух здесь бодрящий, на протяжении всей поездки я чувствовал его обновляющую силу.
Думайте обо мне без тревоги, я верю, что станет лучше. Когда я вчера довольно решительно выразил уверенность в этом, сверкнула молния, и я принял это как утвердительный знак.
С сердечной любовью, ваш.
Но сейчас зима, ничего не поделаешь, только что меня засыпало снегом. Позволь себе еще немного насладиться теплом комнаты, моя добрая мама.
508. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Большое спасибо за письма, желтые «Н.» и тому подобное. Здесь у нас отвратительнейшая погода, день за днем. Со вчерашнего утра идет обложной дождь. В четверг у меня полдня болела голова, а весь пятничный день я пролежал в постели: скверный день! С тех пор стало лучше. Мы по-прежнему единственные постояльцы отеля. Присылка желтых «Н.» исполнила заветное желание. Несмотря ни на что, мы много гуляем и бродим по грязи. В целом, все же очень рад быть здесь. Офицеру ответил. Кракер поблизости, еще не виделись. Больше никого. Мы читаем «Обрученных» Мандзони, и я жалею, что не слышал от тебя об этом совершенно замечательном произведении, оно невинно, как агнец. По поводу сообщения г-жи Буркхардт я очень огорчен. Самые сердечные приветы тебе и нашей дорогой матери.
509. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Дошло ли мое последнее сообщение, отправленное открыткой? Надеюсь. Тем временем мне стало лучше. Вчера был первый погожий день, мы были в Глионе. Сегодня сильный ветер, штормовое море. Природа в целом отстает на 3 недели по сравнению с прошлыми годами. — Мандзони дочитал. Много гуляю, хороший сон. Однако у меня еще нет полной уверенности в выздоровлении. Плохая организация с педагогом все время не выходит у меня из головы. — Герсдорф остается до конца месяца.
Проведите еще несколько добрых, сердечных дней вместе, мои хорошие мать и сестра, и вспоминайте с утешением своего Ф.
Верный Овербек написал.
510. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Письма получил, сердечно благодарю.
Настоящая зима! Два дня как занесло снегом. Сегодня светлый, прекрасный, холодный день.
«Старейший житель» и так далее!
Мы всё ещё вдвоём. Пансионаты для больных в Монтрё нас не привлекают.
Боюсь, сегодня будет тяжёлый день. Совсем не спал.
Мы здесь неплохо устроились и сжигаем много дров в каминах. Гуляем в любую погоду, хорошую и плохую. Озеро есть и остаётся чем-то великолепным. Приветствую вас от всего сердца.
511. An Franziska Nietzsche in Basel (Postkarte)
Может быть, мой последний привет тебе перед твоим отъездом? К сожалению, ты застал самую зимнюю из всех базельских зим, да еще и мало приятного в придачу! В другой раз будет лучше. А пока прими сердечнейшую благодарность за визит, помощь, заботу и всяческие старания! — В целом мне лучше, плохая погода загоняет в комнату, а холодная комната выгоняет на улицу, так что я все же гуляю ежедневно по 5—6 часов. Сплошная зима или дождь с грязью — вот и вся перемена. Но я остаюсь, пока это возможно; мне это идет на пользу. В Базеле: 1) моя постель слишком теплая; 2) мне очень не хватает большого пледа. 3) ты навестил фрау Баумгартнер? 4) я буду рад, если университет перенесут. 5) книги отправлены книготорговцам? (Штрауса я не хочу) Пришлите мне все-таки еще те толстые старые брюки. С наилучшими пожеланиями и благодарностью за письма.
Ваш Ф.
512. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Моя дорогая Лизбет, завтра (в среду) уезжает друг Герсдорф и в четверг около 11 часов утра появится у тебя, чтобы рассказать тебе обо мне.
Вчера мы были в Бексе, который нам очень понравился, только для меня это слишком дорого (день обходится в 12 франков всего).
Сегодня только самый сердечный привет!
Твой Ф.
513. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Пожалуйста, моя дорогая добрая Элизабет, пришли мне адрес фрау фон Мейзенбуг. Я все еще здесь, последние дни после отъезда Герсдорфа прекрасны, я гуляю весь день.
Возможно, однако, я приеду к тебе в следующую среду. У меня все довольно хорошо. Теперь посмотрим, как будет в Базеле. Переход к семестру не должен стать прыжком.
Я очень жду возможности снова поговорить с тобой. Скажи, могу ли я теперь рассчитывать на желаемое устройство в отношении педагогиума?
Ф. Н.
Пожалуйста, отправь мне адрес немедленно.
514. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
Моя дорогая сестра, у меня снова был плохой день, и я предпочитаю поэтому подождать здесь еще несколько дней и погулять. На самом деле здесь стало хорошо только после отъезда Герсдорфа, в частности, немного потеплело.
Сегодня утром я думал получить адрес фрейлейн фон Мейзенбуг, о котором я просил? Но на почте для меня ничего не было. Сегодня утром я хочу нанести визит Кракеру.
Я по-прежнему единственный гость здесь.
Со всеми сердечными приветами, твой
брат.
515. An Franz Overbeck in Basel
Я упрекаю себя за то, что не написал тебе, дорогой мой друг, за что ты в наказание одарил меня вторым письмом! Я вижу, в каком снисходительном настроении ты пребываешь и как у тебя достаточно счастья, чтобы еще и делиться им. Вот я и сижу здесь, одинокий человек, все еще: сижу, конечно, в самом несобственном смысле, ибо я расхаживаю взад и вперед с раннего утра до вечера и достигаю часов истинного чувства счастья, посреди многих неудобств — ты ведь знаешь, как мои телесные страдания часто до смешного похожи на «нравственные»; и то чувство счастья поэтому всегда нечто большее, чем отсутствие головной боли. Мне кажется, будто во многих вещах меня загнали в тупик — здоровье для меня означает выбраться оттуда. Это счастье я порой предвкушаю, бродя по горам, я не знаю ничего лучшего («Довольно печально!» — скажешь ты, и будешь прав!)
Завтра я еду в Женеву. Я боюсь нового города, как дикого зверя; визит в Лозанну носил совершенно бергамасский характер, мне было дурно и больно, и я словно избавился от оков, когда снова увидел луну над замком Шильон, а снежные горы Савойи сияли в мягкой холодной ясной ночи. Я написал господину фон Зенгеру; если мне не удастся с первой попытки, я немедленно приеду в Базель.
Больше глаза не позволяют мне писать. То, что alma mater должна маршировать в казарму под твоим предводительством, приводит меня в восторг. Прощай
В верности твой
Самые дружеские приветы фрау Бауман!
516. An Elisabeth Nietzsche in Basel (Postkarte)
С четверга после обеда в Женеве. Со мной все хорошо; только в пятницу пришлось просидеть весь день дома. Фон Зенгер — необычайно замечательный человек и друг; вечер четверга я провел в семье Кёкерт. Госпожа Диодати в сумасшедшем доме. Сегодня концерт; завтра тоже, Зенгер по моей просьбе исполнит увертюру «Бенвенуто Челлини» Берлиоза и кое-что другое. Красота Женевы приводит меня в блаженное изумление, здесь я хотел бы умереть, если не жить. Мое первое почтение было отдано Вольтеру, чей дом в Фернее я посетил. — В понедельник вечером я буду у тебя!
517. An Mathilde Trampedach in Genf
Милостивая государыня
Вы сегодня вечером пишете что-то для меня, я тоже хочу написать что-то для Вас. —
Наберитесь всей смелости Вашего сердца, чтобы не испугаться вопроса, с которым я сим обращаюсь к Вам: хотите ли Вы стать моей женой? Я люблю Вас, и мне кажется, будто Вы уже принадлежали мне. Ни слова о внезапности моей склонности! По крайней мере, здесь нет никакой вины, а значит, и не нужно ничего оправдывать. Но что я хотел бы знать, так это чувствуете ли Вы то же самое, что и я — что мы вовсе не были чужими друг другу, ни единого мгновения! Не верите ли Вы также в то, что в союзе каждый из нас станет свободнее и лучше, чем он мог бы стать в одиночестве, то есть excelsior? Хотите ли Вы рискнуть пойти вместе со мной, с тем, кто от всего сердца стремится к освобождению и совершенствованию? На всех путях жизни и мысли?
А теперь будьте откровенны и ничего не скрывайте. Об этом письме и моей просьбе не знает никто, кроме нашего общего друга господина фон Зенгера. Я уезжаю завтра в 11 часов скорым поездом обратно в Базель, я должен вернуться; мой адрес в Базеле прилагаю. Если Вы можете сказать «Да!» на мой вопрос, то я немедленно напишу Вашей матушке, адрес которой я тогда попросил бы Вас сообщить. Найдите в себе силы быстро решиться, «Да!» или «Нет» — так Ваше письменное слово застанет меня до 10 часов утра в Hôtel garni de la Poste.
Желая Вам всего доброго и благословенного навеки
Фридрих Ницше
518. An Malwida von Meysenbug in Rom
Глубокоуважаемая барышня
примерно 14 дней назад было воскресенье, которое я провел в одиночестве на Женевском озере и целиком и полностью рядом с Вами, с раннего утра до залитого лунным светом вечера: я с обновленными чувствами дочитал Вашу книгу и снова и снова говорил себе, что никогда не переживал более священного воскресенья; настроение чистоты и любви не покидало меня, и природа в тот день была лишь зеркальным отражением этого настроения. Вы шли передо мной как высшее «я», как гораздо более высокое — но все же скорее ободряющее, чем пристыжающее: так Вы витали в моем воображении, и я соизмерял свою жизнь с Вашим примером и спрашивал себя о многом, чего мне недостает. Я благодарю Вас за гораздо большее, чем просто за книгу. Я был болен и сомневался в своих силах и целях; после Рождества я полагал, что должен оставить всё, и боялся лишь одного — затянутости жизни, которая при отказе от высших целей давит лишь как огромное бремя. Сейчас я здоровее и свободнее, и задачи, которые предстоит выполнить, снова стоят перед моими глазами, не мучая меня. Как часто я желал Вашего присутствия, чтобы спросить Вас о чем-то, на что может ответить лишь более высокая мораль и сущность, чем моя! Из Вашей книги я теперь черпаю ответы на вполне определенные вопросы, касающиеся меня; я полагаю, что не вправе быть довольным своим поведением, пока не получу Вашего одобрения. Ваша книга для меня — более строгий судья, чем Вы могли бы быть лично. Что должен делать мужчина, чтобы, глядя на образ Вашей жизни, не быть вынужденным обвинять себя в немужественности? — я часто спрашиваю себя об этом. Он должен делать всё то, что делали Вы, и ни в коем случае не больше! Но он, скорее всего, не сможет этого, ему не хватает верно направляющего инстинкта всегда готовой помочь любви. Один из высочайших мотивов, который я лишь благодаря Вам предчувствовал, — это материнская любовь без физической связи матери и ребенка, это одно из прекраснейших откровений caritas. Подарите мне немного этой любви, моя глубокоуважаемая подруга, и увидьте во мне того, кто как сын нуждается в такой матери, ах, как сильно нуждается!
Мы многое скажем друг другу в Байройте: ибо теперь я снова могу надеяться, что смогу поехать туда: в то время как несколько месяцев мне приходилось отказываться даже от мысли об этом. Если бы я теперь, будучи более здоровым, мог Вам что-то доказать! И почему я не живу рядом с Вами!
Будьте здоровы, я есть и
остаюсь Вашим по
правде
Фридрих Ницше.
Я очень благодарен за письмо Мадзини —
519. An Erwin Rohde in Jena
Мой возлюбленный друг, я снова здесь с позавчерашнего дня, прожил 4 недели на Женевском озере, у замка Шильон, и последнюю неделю в Женеве у друзей. Я стал гораздо здоровее и внутренне свободнее, полнее надежд, вернулся к своим планам и целям — после тяжелого, почти невыносимого времени, когда я отчаялся во всем. В Женеве я обрел настоящего друга, обогащение для всех нас, ты должен познакомиться с ним в Байройте — это генеральный директор Женевского оркестра Гуго фон Зенгер. Это мой главный итог этой поездки. Я должен оставаться верным самому себе, чтобы иметь возможность оставаться верным вам, моим настоящим друзьям, но скепсис и недоверие съедали меня. Также меня обязывает тайная жизнь моих сочинений, я постоянно слышу, что здесь и там сидит круг людей, которые прислушиваются ко мне и ожидают, что человек поднимется еще выше, станет свободнее, чтобы самим при этом стать свободнее. Знаешь ли ты стихотворение Лонгфелло «Excelsior»? И читал ли ты только что вышедшие 3 тома «Мемуаров идеалистки»? Я очень прошу тебя сделать это. Это жизнь нашей замечательной подруги фрейлейн фон Мейзенбуг, зеркало для каждого достойного человека, в которое смотришь с таким же стыдом, как и с воодушевлением; я долгое время не читал ничего, что так перевернуло бы меня изнутри и приблизило к здоровью. Нам обоим пришлось многое пережить этой зимой, но то, что так благотворно подействовало на меня, подействует и на тебя, при всем различии наших натур и страданий. Овербек читал это своей невесте, после каждого чтения, рассказывал он, они приходили в новый восторг и волнение. В этом есть нечто от высшей caritas. —
Как ты, возлюбленный? Я часто мучился мыслью, что не могу никак связаться с тобой, не могу сейчас быть тебе ни в чем полезен. Дело было не только в расстоянии. Будем жить лучшей жизнью, в ней мы хотим чувствовать себя вечно близкими. Я твой, поверь мне сегодня.
Ф. Н.
520. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Любимый друг, в вечер перед Чистым четвергом я вернулся из Женевы, где провел 6 дней — очень насыщенных дней, полных всякого рода впечатлений. Неделю до этого, которую я после твоего отъезда провел в «Printanière» в качестве единственного гостя, я использовал прежде всего для внутреннего сосредоточения и очищения; я вновь одолел многое болезненное, причудливое и унылое, а главное — вновь поставил перед собой свои цели с новой жаждой и избавился от склонности (которой я мучил и тебя!) быть несправедливым к самому себе. Я вновь обрел «чистую совесть» от того, что до сих пор сделал для своего освобождения все, что мог, и тем самым оказал истинную услугу другим людям. На этом пути я снова иду вперед и больше не ввязываюсь в отчаянные оглядки назад или вперед. Я многим обязан книге нашей замечательной подруги Мейзенбуг и никогда не забуду то воскресенье, которое я провел в ее высочайшем моральном соседстве, с раннего утра до ночи на свежем воздухе.
Пребывание в Женеве пришлось как раз на нужный момент, как своего рода подтверждение и укрепление того, что было решено в одиночестве. Прежде всего, к обогащению всех нас, я обрел истинного друга в лице господина фон Зенгера. Я не смог бы в немногих словах выразить, как много я при этом выиграл. Ты познакомишься с ним, пока я ничего не скажу.
Когда мы снова увидимся, я расскажу тебе о Ферне, резиденции Вольтера (которому я принес свои искренние почести), о блестящей, и все же удивительно близкой к горам и дышащей свободой Женеве, о вилле Диодати, об отдельных людях, о лучшем сапожнике в Женеве (знаменитом коммунаре), о «Concert populaire», где ради меня исполнили увертюру «Бенвенуто Челлини» Берлиоза, о жене Зенгера, в высшей степени характерной англичанке, и его удивительных детях Лейле и Агеноре, о мадам де Соссюр, банкире Кёкерте (бывшем виртуозе), о двух любезных русских дамах в английском пансионе, о поездках в Савойю, об открытии, что я должен быть великим пианистом, о многочисленных моралистических беседах, о господине Янсене, маклере и т. д. и т. д. Но в главном я понял вот что: единственное, что люди всех сортов по-настоящему признают и чему они склоняются, — это благородный поступок. Ни за что на свете ни шагу к приспособленчеству! Можно добиться большого успеха, только если остаешься верен самому себе. Я ощущаю, какое влияние имею уже сейчас, и не только себе, но и многим растущим вместе со мной людям навредил бы или погубил их, если бы захотел стать слабее и скептичнее.
С практическим применением для тебя, мой любимый друг: я настоятельно прошу тебя не принимать во внимание многое из того, что я говорил тебе в минуты слабости по поводу твоей женитьбы. Ни за что на свете не заключай брак по расчету! (каковыми являются все названные мне тобой до сих пор и предложенные тебе другими браки). Мы ведь не хотим поколебаться в этом пункте чистоты характера! Десять тысяч раз лучше всегда оставаться одному — таков теперь мой девиз в этом деле.
Еще раз благодарю тебя от всего сердца за жертву твоими каникулами и твою верную дружескую службу, о ценности которой для меня ты не должен позволять себе ни на мгновение терзаться мыслями. В другой раз все будет веселее и бодрее, в этот раз я в целом был болен, и, в частности, морально болен; не стоит так много говорить о злобе мира, а скорее о достижении и свершении доброго и правого; при этом исчезает всякая угрюмость, и каждая мышца напрягается сильнее.
В благодарной любви
Твой
Ф. Ницше
Моя сестра и ректор Овербек шлют сердечный привет.
521. An Heinrich Romundt in Oldenburg
Наконец, мой дорогой друг, ты должен услышать что-то от меня напрямую! Волны тем временем проходили над моей головой, и зима приняла для меня поистине жуткий и страшный характер. Но вот уже четыре недели я брожу по Женевскому озеру, недалеко от Шильонского замка, под снегом, дождем, бурей и солнцем, и вновь обрел себя. А именно: веру в свои цели, чувство долга перед своими задачами и мужество здоровья. Итак, будем плыть дальше против течения; порой душа утомляется, и тогда волна может отбросить тебя в сторону, и все тело содрогается. Я никогда не знаю, где я на самом деле больнее, когда я болен: как машина или как машинист.
Недавно я неделю был в Женеве, открыл там настоящего друга в глубоком смысле этого слова (Уго фон Зенгер, генеральный директор Женевского оркестра) и приобрел значительный опыт. Вернувшись, я нашел твою программу и увидел из нее обширный характер твоей деятельности и уважаемую преподавательскую должность, которую ты там занимаешь. Это твой Шильон и твоя Женева, я это прекрасно понимаю, и от всего сердца надеюсь, что ты сможешь вынести из этого как высшее достижение здоровье души.
Я почитаю, как только вновь обретаю себя, лишь одно ежечасно и ежедневно: моральное освобождение и непокорность, и ненавижу всякую вялость и скептицизм. Через ежедневную нужду поднимать себя и других выше, с идеей чистоты перед глазами, всегда как «excelsior» — так я желаю жизни себе и своим друзьям.
С сердечной любовью,
Твой
Ф. Ницше
522. An Mathilde Trampedach in Genf
Глубокоуважаемая барышня
Вы достаточно великодушны, чтобы простить меня, я чувствую это по мягкости Вашего письма, которой я, по правде говоря, не заслужил. Я так много страдал, вспоминая о своем жестоком насильственном поступке, что не могу выразить Вам всей своей благодарности за эту мягкость. Я не хочу ничего объяснять и не знаю, как оправдаться. У меня есть лишь одно последнее пожелание: чтобы Вы, если когда-нибудь прочтете мое имя или снова увидите меня, вспоминали не только об ужасе, который я Вам внушил; я прошу Вас при любых обстоятельствах верить в то, что я искренне хочу исправить то зло, которое причинил.
С почтением, Ваш
Фридрих Ницше
523. An Malwida von Meysenbug in Rom
Глубокоуважаемая подруга, я право не знаю, как благодарить Вас за то, что было высказано и предложено в Вашем письме; позже я скажу Вам, насколько своевременно прозвучало это Ваше слово и насколько опасным стало бы мое состояние без него: сегодня же я сообщаю Вам лишь то, что я приеду, чтобы прожить с Вами год в Фано. Я говорил с президентом местного попечительского совета университета о возможности отпуска с октября 1876 по 1877 год; окончательный ответ на мой запрос может быть дан только через 14 дней, но то, что мне дадут полную свободу для этого, совершенно точно: на это Вы можете положиться!
Истинно, ни с кем я сейчас не хотел бы провести год так, как с Вами, — это Вы можете понимать в самом буквальном смысле! Если бы я захотел сказать Вам точнее, почему, — Вы бы увидели, как высоко я Вас люблю и почитаю!
Нашему другу Бреннеру я не могу пожелать лучшей доли, чем оказаться под защитой Вашей материнской любви. Я постараюсь со своей стороны быть ему хоть немного полезным, я многое узнал и многое доброе ждет меня впереди; возможно, из оглядки назад и взгляда вперед он сможет извлечь что-то для себя. Впрочем, я охотно дам ему филологические наставления, если он того пожелает.
Я в эти дни почти постоянно думал о «Fanum Fortunae»: для меня он должен стать «храмом счастья»!
Моим счастьем будет делать то, к чему меня побуждает внутренний голос; большего я не хочу. Но это, конечно, очень много, и, возможно, самое нескромное притязание на счастье. — Вы узнаете во мне очень несовершенного человека. <С благодарностью и почтением, преданный Вам
Ваш Фридрих Ницше.>
Ваша книга распространяется мною повсюду, друг Овербек читал ее как первое произведение вместе со своей невестой. Я подарил ее англичанке, жене г-на фон Зенгера в Женеве, моего нового друга. — В этой книге Вы продолжаете жить и не перестаете творить людям истинное добро.
524. An Carl Fuchs in Hirschberg
Если бы мне, мой дорогой господин доктор, пришлось рассказывать вам, через что мне пришлось пройти с Рождества и как истончилась нить жизни, и как я почти оставил надежду вообще дожить до этого байройтского лета — то я не доставил бы вам радости, а себе создал бы неприятное воспоминание. Довольно того, что мне снова лучше, что у меня всегда означает — больше надежды; с надеждой возвращаются все старые планы и замыслы, от которых мне было бы труднее отказаться, чем от самой жизни: и вместе с планами перед моей душой возникают старые товарищи и единомышленники. Недавно я читал о вас в листке Фрича: сообщалось об успешном концертном турне, упоминалось об участии в Альтенбургском фестивале. Теперь я тоже верю, что мы увидимся в Байройте, ибо при мысли о том концертном турне я думал о какой-то связи с Байройтом и, вероятно, не ошибся. Моя сестра предложила вам возможность на третью серию представлений, вы не дали определенного согласия и намекнули на надежды, которые, конечно, были более обширными, чем те, исполнение которых мы не могли бы желать от всего сердца. Можем ли мы теперь попросить вас дать нам знать, как обстоят дела с теми надеждами? Если с ними все хорошо, то мы бы уже нашли подходящее применение предложенному вам праву: в частности, я бы охотно предоставил таким образом доступ в Байройт моему другу Овербеку.
Я думаю, мы можем говорить об этом пункте со всей свободой? Итак, прошу вас, всего одно слово, чтобы все прояснилось!
Мои и моей сестры покорнейшие приветы и пожелания.
С дружеским рукопожатием
Ваш
Ф. Ницше
525. An Erwin Rohde in Jena
Как бы мне хотелось получить от тебя весточку, дорогой друг! Но я могу себе представить, что у тебя сейчас совсем нет желания писать письма. Меня немного беспокоит, что я до сих пор не вижу анонса твоего «романа», надеюсь, никакой новый черт не встал у тебя на пути. От меня самого ты должен был получить несколько строк, которые я написал тебе после своего возвращения с Женевского озера (с адресом в Йену). У меня всё довольно сносно, только глаза не хотят служить. Но голова и желудок в порядке, однако я и не перенапрягаюсь, и представил своим студентам несколько старых благочестивых кляч, на которых могу ездить полусонным. — Моя работа, для которой я собираю все силы, — это месяц в Байройте. Под Рождество я не думал, что доживу до него. —
Один молодой музыкант, который приехал в Базель на пару лет ради меня и которого я очень ценю за его талант и душевную доброту, во всём мне помогает. Теперь я хотел бы в одном деле помочь и ему: я спрашиваю себя, как мне устроить, чтобы он попал в Байройт. Через Вагнера это, к сожалению, как я точно знаю, невозможно. Есть ли у тебя, может быть, еще в распоряжении один цикл из 4 вечеров? Я слышал, что ты гордый обладатель 2 патронатных билетов. Не мог бы ты по моей просьбе предоставить право на них тому музыканту? Его зовут Кёзелиц, и он инструментальный композитор, который сидел бы как достойный и истинно учащийся среди хаоса байройтских гостей фестиваля.
Пожалуйста, только слово об этой просьбе, мой верный любимый друг.
Я твой
Ф. Н.
526. An Carl Burckhardt in Basel
Глубокоуважаемый господин президент,
когда на Пасху 1869 года я вступил в свою здешнюю университетскую и школьную должность, я сделал это в ожидании, что когда-нибудь наверстаю то, в чем мне пришлось себе отказать при внезапном переходе от ученических лет к преподавательским, — а именно совершить большую поездку на юг с целью более свободного научного образования. Различные личные причины побуждают меня выразить пожелание, чтобы именно в этом году (начиная с середины октября) мне было дано разрешение на эту поездку; из этих причин я выделю лишь одну: за последние 7 лет я стал все более болезненным, мне пришлось пережить немало тяжелых времен, и, в частности, прошлой зимой я находился, как мне кажется, в опасном состоянии здоровья.
Я прошу Вас теперь, глубокоуважаемый господин президент, представить мою просьбу на рассмотрение достопочтенному попечительскому совету
чтобы мне был предоставлен длительный, по меньшей мере годовой отпуск, начиная с осени 1876 года.
На время моего отсутствия я, разумеется, полностью отказываюсь от причитающегося мне до сих пор жалованья.
С глубочайшим почтением
Д-р Фридрих Ницше
Ординарный профессор
527. An Richard Wagner in Bayreuth
В такой день, как день Вашего рождения, глубокоуважаемый человек, право на существование имеет, собственно, лишь самое личное высказывание; ибо каждый пережил благодаря Вам нечто такое, что касается его совершенно одного, в его глубочайшем внутреннем мире. Такие переживания нельзя суммировать, и поздравление от имени многих было бы сегодня меньшим, чем самое скромное слово отдельного человека.
Прошло почти ровно семь лет с тех пор, как я впервые навестил Вас в Трибшене, и в день Вашего рождения я не могу сказать Вам ничего иного, кроме того, что с тех пор я каждый год в мае праздную свой духовный день рождения. Ибо с тех пор Вы живете во мне и непрестанно действуете как совершенно новая капля крови, которой у меня раньше, безусловно, не было. Этот элемент, берущий свое начало от Вас, движет, стыдит, ободряет, подстегивает меня и больше не дает мне покоя, так что у меня почти могло бы возникнуть желание сердиться на Вас из-за этого вечного беспокойства, если бы я не чувствовал совершенно определенно, что это беспокойство как раз и побуждает меня непрестанно становиться свободнее и лучше. Поэтому я должен быть благодарен тому, кто вызвал Вас, с глубочайшим чувством благодарности; и мои прекраснейшие надежды, которые я возлагаю на события этого лета, заключаются в том, что многие подобным же образом будут приведены Вами и Вашим творчеством в такое беспокойство и благодаря этому приобщатся к величию Вашего существа и жизненного пути.
Чтобы это свершилось — вот сегодня мое единственное пожелание счастья для Вас (где еще нашлось бы то счастье, которого можно было бы Вам пожелать?), примите его благосклонно из уст
Вашего истинно преданного
Фридриха Ницше.
527a. Cosima Wagner in Bayreuth (Disposition)
Г-<au> Вагнер
Книга Мейзенбуг
Шиллинг Г-н фон Зенгер.
Мандзони Стерн
Майнлендер.
Гр<эфиня> д’Агу!
Кёзелиц.
Эрлих
Мисс Циммерн.
Перевод Баумгартнера.
Роман Роде.
528. An Erwin Rohde in Jena
Давай же от всего сердца порадуемся вместе, что Твой труд готов, мой возлюбленный друг; у меня всегда были опасения, ибо я предчувствовал, что это будет μέγα βιβλίον, и знал, что до сих пор это во многих отношениях было μέγα κακὸν. Теперь он готов, к тому же облачен в прекрасную обложку, красуется и радует меня. Он сразу же приятно удивил меня, ибо я немного опасался, что моя скромная филологическая мудрость в этой отдаленной области окажется полнейшей глупостью. Теперь я уже вижу, что извлеку огромную пользу из Твоих результатов (как общих, так и частных) и что я и сам достаточно размышлял о греках в их взаимосвязи, чтобы уже не мочь обойтись без этой книги. Так же будет и с Я. Буркхардтом, которому я о ней рассказывал (я сейчас ежедневно с ним вместе, в самом тесном общении). Из того, что я прочитал до сих пор, я выделю несколько вещей, которые сразу же пошли мне «как по маслу», например, как противопоставляются друг другу роман и новелла. Затем стр. 56 сл. о характерологических исследованиях перипатетиков, затем стр. 18 (с morale di solitari). Очень поучительный раздел 4 на стр. 22 сл.; затем стр. 67 о женщинах-читательницах, стр. 121 о роде подлинной популярности александрийских поэтов, затем стр. 142 (с прим.) очень красиво об элегическом искусстве повествования. Меня поразило, что Ты так мало говоришь о педерастических отношениях: а ведь идеализация Эроса и более чистое и томительное чувство любовной страсти у греков впервые выросли именно на этой почве и, как мне кажется, оттуда были перенесены на половую любовь, в то время как ее (половой любви) более нежному и высокому развитию это раньше прямо-таки препятствовало. То, что греки древности основывали воспитание мужчин на этой страсти и, пока придерживались этого старого воспитания, в целом относились к половой любви неприязненно, — это достаточно безумно, но, кажется, верно. На страницах 70 и 71 я полагал, что Тебе придется напомнить об этих вещах. Эрос как πάθος у καλῶς σχολάζοντες в лучшие времена — это педерастический Эрос: мнение об Эросе, которое Ты называешь «несколько надуманным», согласно которому афродизийское в Эросе не существенно, а лишь случайно и акцидентально, а главное — это именно φιλία, не кажется мне таким уж негреческим. — Но мне кажется, что Ты намеренно избегал всей этой области; даже Я. Буркхардт в лекциях никогда об этом не говорит. — Впрочем, возможно, при дальнейшем чтении Твоей книги я найду и здесь намеки, я еще не далеко продвинулся: у меня такие плохие глаза. Ты уделил много внимания изложению; но мне хотелось бы слышать Тебя, настоящего Роде, еще больше, даже ценой того, что стиль был бы не таким отшлифованным; как я получаю личное удовольствие от стиля Овербека, несмотря на все «хотя». Что-то тяжеловесное, к слову сказать, есть в часто используемом Тобою сочетании длинных прилагательных с причастиями, например, «sprudelnd fruchtbares Talent» («бурно плодотворный талант»), «künstlich vermittelndes Verfahren» («искусственно опосредующий метод»), «leichtfertig gewandte Arbeit» («легкомысленно ловкая работа»), «mühsam sorgfältiges Verfahren» («трудоемко тщательный метод») (стр. 127)
Впрочем, мне следовало бы прикусить язык насчет таких вещей. Но я должен высказать еще одно огромное изумление, сопряженное с отвисшей челюстью: какой же Ты странный человек! В эти последние годы, какими бы они, к сожалению, ни были для Тебя, проработать именно эту книгу — это совершенно выше моего понимания! (к слову, и выше моего таланта в любое время: я бы так не смог, даже если бы захотел). Филологический демон сидит в Тебе так глубоко, что я порой содрогаюсь перед его неистовством (в проницательности и необузданной учености). Я не знаю человека, от которого ожидал бы подобного: и то, что этот архифилолог при этом еще и архичеловек, и к тому же мой архидруг, — это поистине αἴνιγμα δύσλυπου, но, если отвлечься от этого, «добрый дар Божий!»
Прощай, мой верный друг.
С музыкантом Кёзелицем мы попробуем добиться своего другим путем. Овербек пишет в эти дни.
529. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
За все твои письма, возлюбленный друг, приношу величайшую благодарность; они застали меня в добром здравии, кажется, действительно, что жуткость зимнего состояния, словно призрак, прошла, теперь у меня снова уютно.
Это слово, с его двойным смыслом, напоминает мне о том, что я могу проболтаться о том, что в остальном еще является тайной (и пока должно ею оставаться): что я собираюсь с октября на один год поехать в Италию, приняв приглашение лучшей подруги на свете, фрейлейн фон Майзенбуг. У меня еще нет окончательного разрешения властей на это, но оно, вероятно, будет мне дано, тем более что я добровольно (чтобы не обременять столь маленькое сообщество) отказался от всего своего жалованья на этот срок. Свобода! Ты не поверишь, как полной грудью я дышу, когда думаю об этом! Мы будем жить в величайшей простоте в Фано (на Адриатическом море). Это моя новость. — Все мои надежды и планы на окончательное духовное освобождение и неустанное движение вперед снова расцвели; доверие к самому себе, я имею в виду к моему лучшему «я», наполняет меня мужеством. Даже состояние моих глаз ничего в этом не меняет (Шисс находит их еще хуже, чем тогда, мне нужен писец, вот в чем факт). Лекции посещаются очень хорошо, на одной около 20 человек, на другой около 10, так же и на семинаре. — Жениться я не собираюсь, в конечном счете я ненавижу ограничения и включенность во весь «цивилизованный» порядок вещей настолько, что вряд ли найдется женщина, достаточно свободомыслящая, чтобы последовать за мной. — Все чаще греческие философы предстают передо мной как образцы образа жизни, к которому следует стремиться. Я читаю «Воспоминания» Ксенофонта с глубочайшим личным интересом. — Филологи находят их смертельно скучными, ты видишь, как мало я филолог. —
«Роман» Роде здесь — очень стоит прочесть и тебе, кстати, свидетельство самого безумного рода о хороших и редких качествах автора. Вчера Вагнер написал мне длинное письмо, чтобы возгордиться и обрадоваться, насколько это касается меня.
Бедный, бедный Рау! — Мы все должны вовремя научиться верить в никчемность жизни, каждый получает свой вид смертельной раны. Я размышляю, как доставить ему маленькую радость в знак моего глубокого сострадания.
Я с сожалением слышу, что Овербек попросил тебя именно о второй серии фестиваля. Это вряд ли вписывалось в твои намерения. Но в каких-то вещах человек всегда в конечном счете несвободен и должен утешать себя тем, что хотел разумного. — Моя сестра пригласила доктора Фукса на третью серию еще давно; он бы, как теперь выясняется, без этой помощи вовсе не приехал.
Новый Эмерсон стал немного старым, тебе не кажется так же? Ранние эссе гораздо богаче, теперь он повторяется, и, в конце концов, он мне уж слишком влюблен в жизнь. —
Прощай, люби меня,
я твой
старый верный
Ф. Н.
вместе с сердечными приветами от Овербека и моей сестры.
Если возможно, то не забудь о превосходном музыканте Кёзелице.
530. An Heinrich Köselitz in Basel (Visitenkarte)
Г-ну Г. Кёзелицу
с приветом
Д-р Фридрих Ницше
ординарный профессор филологии
Базель.
Не могли бы Вы, глубокоуважаемый господин, зайти ко мне на минутку? Я нездоров.
531. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель
быстрое содействие печати заслуживает всей моей благодарности: теперь дело не станет за мной, насколько исправление корректуры находится в моих руках. Сегодня вечером первый корректурный лист был отправлен Науману в Лейпциг.
Против Ваших уважаемых предложений я не имею ничего или почти ничего против. Если Вы находите свою выгоду во втором предложении (1500 экз.), то я охотно готов дать на него свое согласие.
Что касается гонорара, то не стану скрывать, что ожидал более высокого предложения; однако это деловые вопросы, о которых на таком расстоянии не следует и невозможно говорить. На будущее я оставляю за собой право на личное обсуждение. В этот раз пусть останется при предложенном, однако я добавлю еще два небольших условия, которыми, как я полагаю, я Вас существенно не обременю
-
будет изготовлено пять из причитающихся мне бесплатных экземпляров на особо красивой и плотной бумаге (в качестве подарочных экземпляров)
-
Вы берете на себя отправку бесплатных экземпляров по адресам, которые я Вам сообщу, а именно бандеролью и франко.
Довольны ли Вы мной?
Я Ваш
покорнейший
проф. Фр. Ницше.
532. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz (Postkarte)
Глубокоуважаемый господин, сегодня я отправляю Науману продолжение рукописи. Хорошее настроение придало мне мужества довести первоначальный план до конца.
Преданный Вам
Ф.Н.
533. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель
моя рукопись, согласно довольно точным расчетам, составит ок. 96 страниц: последний корректурный лист, как я полагаю, может быть у меня уже во вторник, и таким образом все приготовления к рождению завершены. —
На последней странице должно найти свое место примечание о праве на перевод, то есть на стр. 96 или 98. —
Сегодня Вы получите адреса; на следующей неделе я перешлю Вам еще одно письмо к Р. Вагнеру, которое должно отправиться в Байройт одновременно с его экземпляром (упакованным вместе с ним).
Теперь у меня еще одна просьба: я хочу сделать господину профессору Овербеку небольшой подарок, и он должен состоять из листовских переложений симфоний Бетховена: они вышли в издательстве Breitkopf und Härtel, но, к сожалению, ужасно дорогие. Не могли бы Вы достать их для меня, быть может, по более дешевой цене? Я был бы Вам искренне признателен за эту любезность. Точное название:
Symphonies de Beethoven.
Partition de Piano
par
F. Liszt.
1—9. Leipzig Breitkopf & Härtel.
Вы можете сразу вычесть расходы из моего гонорара. (Один музыкальный букинист в Хайльбронне предлагает их за 12 талеров: можете ли Вы получить похожую цену?)
Вы не приедете в Байройт? Я на это надеялся. — Что же стоит эта жизнь, если упускать такие вещи? —
Всего Вам доброго, глубокоуважаемый господин.
Преданный Вам
Ф. Ницше.
1
Господину Рихарду Вагнеру
}
Байройт два подарочных
экземпляра
2
Госпоже Козиме Вагнер
3
Г-ну барону фон Герсдорфу
Сельскохозяйственная академия Хоэнхайм близ Штутгарта
4
Г-ну скульптору Рау
адресовано: г-ну барону ф. Герсдорфу в Хоэнхайм близ Штутгарта
5
Г-ну профессору д-ру Эрвину Роде
в Йене
6
Г-ну д-ру Паулю Ре в
Стиббе близ Тюца, округ
Мариенвердер
Западная Пруссия
7
Фрейлейн М. фон Майзенбуг
}
Обе в одном пакете
на имя фрл. ф. М.
8
Мадам Ольге Моно
адресовано: на имя госпожи Козимы Вагнер Байройт
9
Г-ну д-ру Генриху Ромунду
учителю гимназии Ольденбург, Великое герцогство Ольденбург
10
Фрейлейн Матильде Майер
Майнц, Картхойзерштрассе
11
Г-ну д-ру Кретцеру в Годесберг близ Бонна
12
Госпоже пасторше Ницше в Наумбург-на-Заале, Вайнгартен 355
13
Г-ну д-ру Фуксу в Хиршберг, провинция Силезия
14
Госпоже тайной советнице Ритчль
Лейпциг, Леманс Гартен № 4
15
Г-ну асессору Густаву Кругу
Королевская железнодорожная комиссия Дюссельдорф
16
Г-ну Юго де Зенгеру, генеральному директору городского оркестра Женевы / в Женеву
17
Г-ну Эдуару Шюре, ул. д'Ассас, 704, в Париж
18
Г-ну профессору д-ру Шарлю Хиллебранду Флоренция
Лунгано Нуово, 36.
19
Госпоже Мари Баумгартнер
}
Обе кни-
ги в один
20
Г-ну Адольфу Баумгартнеру, студ. фил.
пакет на имя г-жи М. Б., адресовано Лёррах, Великое герцог-
ство Баден
21
Г-ну гофрату профессору д-ру Освальду Марбаху
в Лейпциге.
Сверху на титульном листе каждого из этих экземпляров имя адресата и примечание, что я посылаю книгу. —
Для себя (соотв. для моих базельских нужд) я прошу еще 9 экземпляров, включая три оставшихся подарочных экземпляра.
Отправка мне, а также Р. В. в Байройт, разумеется, не может быть осуществлена бандеролью: однако все остальные отправления — могут.
534. An Erwin Rohde in Jena
Возлюбленный друг, я отвечаю на твое сердечно порадовавшее и тронувшее меня письмо несколькими строками о практических делах: ибо мне снова, вот уже 3—4 недели, скверно, и я должен постараться продержаться до и, прежде всего, во время Байройта. — С октября я отправляюсь в Италию, мне предоставили, весьма пристойно и уважительно, отпуск на один год. —
Согласно заявлению Вагнера в «Музыкальном еженедельнике», доступ на репетиции никому не дозволен. Газеты при этом сообщают, что король Баварский оставил генеральную репетицию за собой, как единственный её гость. — Я прибуду в Байройт 10 августа и должен буду в последние дни того же месяца вернуться в Базель из-за педагогического училища. — Нужно лишь отправить свой патронатный билет банкиру Фойстелю для обмена на 12 билетов: но немедленно нужно! — О Кёзелице позаботились. — Мой превосходный ученик Бреннер тоже туда приедет. —
Через неделю ты получишь моё сочинение. Оно должно было удивить вас, добрых друзей: но поспешные книготорговцы портят всякую маленькую радость.
О самом сочинении ни слова, разве что вздох облегчения. — В этом году твоему другу жилось совсем уж худо. Моё счастье велико, что я всё же несколько раз видел небо синим.
Будем же храбры.
Всегда твой
Ф. Н.
Моя сестра и Овербек
сердечно приветствуют.
535. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)
Мой издатель<eger> г-н Шм<eitzner> получил поручение вручить Вам и мастеру два подарочных экземпляра моего новейшего сочинения. Вы увидите из него, что я не выдержал, готовясь в таком одиночестве, издалека, к великому, чудовищному событию этого лета; что я должен был поделиться своей радостью. Если бы я только мог надеяться, что здесь и там угадал и выразил отголосок Вашей радости! Я не мог бы пожелать себе ничего лучшего.
Хотелось бы верить, что мне удалось в этом сочинении сказать кое-что, что является общим для Вас и для меня.
Вы, конечно, знаете, с каким чувством все байройтские друзья сейчас думают о Вас: кто из нас не желает выразить Вам этим летом каким-либо образом свою величайшую благодарность <zu> дать? Поэтому примите, пожалуйста, с моей стороны попытку, на которую я сегодня отваживаюсь, доставить Вам небольшую радость тем, что я посылаю Вам два подарочных экземпляра моего новейшего сочинения. Для чтения оных у Вас, бесконечно заботливой и занятой, вероятно, найдется время и желание только после этого лета: я исхожу из этого и буду благодарен, если Вы поверите этому моему предположению.
536. An Richard und Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)
Мой издатель получил поручение вручить Вам и Вашей супруге Gem<ahlin> два авторских экземпляра моего новейшего сочинения. Мне не приходит в голову ничего, что я мог бы сказать здесь в качестве предисловия или рекомендации в пользу этого труда. Ибо меня всегда охватывает трепет, когда я думаю о том, на что я решился: как будто я снова поставил на кон самого себя. Я сердечно прошу Вас: пусть свершившееся останется свершившимся, и окажите тому, кто себя не щадил, свое сострадание и свое молчание.
На этот раз мне не остается ничего иного, как просить Вас: читайте это сочинение так, будто оно не о Вас и будто оно не от меня. На самом деле, о сочинении такого рода, на который я отважился, среди живых говорить не стоит: это нечто для подземного мира.
Когда я оглядываюсь на в целом мучительный год, мне кажется, что я действительно потратил все свои лучшие часы на обдумывание и проработку этого сочинения: сегодня моя гордость в том, что я сумел извлечь плод даже из этого периода времени. Возмож<но>, это было бы невозможно, несмотря на всю добрую волю, если бы я не носил в себе с 14-летнего возраста те вещи, о которых на этот раз осмелился рассказать.
Когда я думаю о том, на что я на этот раз решился, я закрываю глаза, и меня охватывает ужас задним числом. Это почти как если бы я поставил на кон самого себя.
Итак, я закончил сочинение, которое носит Ваше имя: когда я вспоминаю, на что я на этот раз решился, мне больше всего хочется закрыть глаза; меня охватывает трепет задним числом. Я даже не знаю, о чем Вас просить: просто пусть свершившееся останется свершившимся.
В этом деле Вам придется многое вынести, не дрогнув: в том числе и то, что происходит сейчас:
537. An Richard Wagner in Bayreuth (Entwurf)
Вот, возлюбленнейший учитель, своего рода байрейтская праздничная проповедь. Я не смог удержаться и должен был высказать многое. Тем, кто сейчас радуется, я, конечно, приумножил радость — это сегодня моя гордость и моя уверенность. Как вы сами воспримете эти признания, я на сей раз совсем не могу предугадать.
Мое писательство влечет для меня неприятное последствие: всякий раз, когда я публикую сочинение, что-то в моих личных отношениях ставится под вопрос и должно быть снова, ценой человечности, улажено. Насколько я это сегодня особенно остро чувствую, я даже не хочу выражать яснее. Если я обдумываю, на что я на сей раз отважился, то мне потом становится дурно и не по себе, и со мной едва не случается то же, что с всадником на Боденском озере.
Если бы я хоть немного иначе думал о вас, то я <бы> не опубликовал это сочинение. Но вы однажды, в своем самом первом письме ко мне, сказали мне нечто о вере в немецкую свободу: к этой вере я обращаюсь сегодня, как я и смог найти в ней одной мужество сделать то, что я сделал.
Всем сердцем, всецело принадлежащий вам
Фр. Н.
538. An Cosima Wagner in Bayreuth
Глубокоуважаемая госпожа!
Вы, конечно, знаете, с каким чувством все байрейтские друзья думают о Вас. Кто из нас не желал бы выразить Вам этим летом каким-либо образом свою величайшую признательность! Примите же, пожалуйста, благосклонно с моей стороны попытку, на которую я сегодня отваживаюсь, чтобы доставить Вам радость: я посылаю Вам один из двух подарочных экземпляров моего новейшего сочинения. Вы увидите из него, что я не мог вынести того, чтобы готовиться к великому и чудовищному событию этого лета в таком одиночестве, издалека, что я должен был поделиться своей радостью. — Если бы я только мог надеяться, что здесь и там угадал и выразил отголосок Вашей радости! — Я не мог бы пожелать себе ничего прекраснее.
Верный и глубоко преданный Вам
Ваш
Фридрих Ницше
539. An Marie Baumgartner in Lörrach
Глубокоуважаемая госпожа
мой издатель получил поручение вручить Вам экземпляр моего новейшего сочинения: что, как я полагаю, произойдет сегодня или завтра.
Вы приняли такое любящее, постоянное и самоотверженное участие в моем предпоследнем произведении, что, несомненно, сегодня от всего сердца порадуетесь вместе со мной. Так что и с древа этого, в целом столь злого года, был стряхнут плод!
Преданный Вам
Д-р Ф. Ницше
540. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Глубокоуважаемый господин издатель,
примите мою искреннюю благодарность! — Всё до меня дошло, и всё доставило мне сердечную радость.
Оформление подарочных экземпляров расточительно прекрасно. Также не следует забывать об изящном золотом тиснении.
Издание симфоний Бетховена — именно то, что я искал: только я рассчитывал на цену в три раза выше.
Печать корректна и чиста, и делает честь господину Науману. —
Мое самочувствие снова уже несколько недель плохое. Осенью я уезжаю на год на юг: я беру с собой свои планы и надеюсь привезти оттуда здоровье для их сверхтрудного осуществления.
А пока, глубокоуважаемый
господин, будьте здоровы!
С почтением
Ваш
Д-р Ф. Ницше
Во вторник уже пришла телеграмма из Байройта.
541. An Eugen Kretzer in Godesberg
Дорогой господин доктор,
шлю Вам наилучшие пожелания и ничего более! Ибо Вы в любом случае найдете меня в Байройте, на какой бы из трех циклов Вы ни решили приехать. Возможно, там найдется и время для более личной беседы. Вы видите, я выражаюсь осторожно, так как там я не столь волен распоряжаться собой, как в других местах. Все мои близкие друзья приедут туда, а также многие из тех, с кем я общаюсь реже. Так что недостатка в связях для «общества» у Вас не будет.
Это прекрасно и справедливо, что Вы приедете!
Ваш покорный слуга
Д-р Ф. Ницше.
542. An Erwin Rohde in Jena
Пусть это будет к лучшему, дорогой верный друг, то, что ты мне сообщаешь, к истинному благу: я желаю тебе этого от всего сердца. Итак, ты хочешь в год спасения 1876 свить свое гнездо, как наш Овербек, и я думаю, что от того, что вы станете счастливее, вы не исчезнете из моей жизни. Да, я смогу спокойнее думать о тебе: даже если я, возможно, и не последую за тобой в этом шаге. Ведь тебе была так необходима полностью доверяющая душа, и ты нашел ее, а вместе с ней и себя на более высокой ступени. Мне же живется иначе, знает ли это небо или нет. Мне все это кажется не столь необходимым — за исключением редких дней. —
Возможно, у меня есть в этом дурной пробел. Мое стремление и моя нужда иные: я едва ли могу это выразить и объяснить.
Этой ночью мне пришло в голову сложить из этого стих; я не поэт, но ты меня поймешь.
Идет путник сквозь ночь
Бодрым шагом;
И извилистую долину, и долгие высоты —
Он берет их с собой.
Ночь прекрасна —
Он идет вперед и не стоит на месте,
Не зная, куда еще лежит его путь.
Тут поет птица сквозь ночь. —
— «Ах, птица, что ты наделала?
Зачем ты сдерживаешь мой разум и шаг
И изливаешь сладкую сердечную досаду
На меня, так что я теперь должен стоять
И должен слушать,
Чтобы истолковать твой звук и привет?»
Добрая птица молчит и говорит:
«Нет, путник, нет! Тебя я не приветствую
Этим звуком!
Я пою, потому что ночь так прекрасна:
Но ты должен всегда идти дальше
И никогда не понимать мою песню!
Уходи же прочь —
И если твой шаг зазвучит лишь издалека,
Я снова начну свою ночную песню,
Как только смогу.
Прощай, бедный странник!»
Так сказано мне, ночью после получения твоего письма.
Ф. Н.
Вместе с самыми сердечными поздравлениями от моей сестры.
543. An Carl von Gersdorff in Hohenheim
Любезнейший добрый друг, Ты меня очень тронул своим письмом, я благодарю Тебя от всего сердца. Ты действительно знаешь лучше, чем кто-либо другой, каково у меня на душе. — Книга легитимировала себя, я думаю о ней с большим спокойствием. В<агнер> писал: «Друг! Ваша книга чудовищна! Откуда Вы только взяли опыт обо мне? и т. д.». Также госпожа Вагнер и Якоб Буркхардт засвидетельствовали свое мнение. —
А помолвка Роде? Да, есть чудеса между небом и землей! «Пусть победит добро», — говорит Эсхил. —
Наглые условия со стороны Байройта вынудили меня отказаться от моего жилья там. Могу ли я пожить у Тебя ту одну неделю, когда у Тебя есть свободная комната?
Я поздравляю Тебя с произведением искусства Овербека, которое доставило мне такую радость, какой я от себя едва ли ожидал. Умом, остроумием и тонкостью мысли Ты превзошел все, что Овербек получал до сих пор, я в этом убежден. Это совершенно благородный дар, своего рода дворянская грамота дружбы.
Прощай, вернейший!
Ф. Н.
Здоровье день ото дня плачевное! Что же будет дальше! — В остальном без желаний, без иллюзий! —
544. An Elisabeth Nietzsche in Basel
Милая добрая сестра,
я почти пожалел об этом! Ибо до сих пор было жалко. С полудня воскресенья до ночи понедельника головные боли, сегодня упадок сил, я даже перо держать не могу.
В понедельник я был на репетиции, мне совсем не понравилось, и я должен был выйти. С Гисселями всё улажено. Я въехал, но провожу день у фрейлейн фон Мейзенбуг, у которой есть прекрасный прохладный сад. Там я и обедаю, пока не приедешь ты и не устроишь наше хозяйство. Дочь Катарины готова.
Здесь невыносимо душно. Только что была гроза. — Прилагаю письмо. Добрый Фойстель весьма почтенный — порядочный.
Никогда я не был в поездке окружен лучшей заботой, чем в этот раз, провизия образцовая. Ночью в Гейдельберге, дальше ехать было нельзя.
Пришли мне письма с адресом фрейлейн фон Мейзенбуг.
Сердечные приветы от Ольги и фрейлейн фон Мейзенбуг. Все очень ждут тебя.
Торопись, торопись
хоро<ее> лама!
Твой Ф.
545. An Elisabeth Nietzsche in Basel
Моя добрая милая сестра, теперь мне лучше, вот уже три дня я не могу пожаловаться на свое самочувствие: зато я и живу у фрейлейн фон Мейзенбуг, с самого утра в саду, пью молоко, купаюсь в реке и ем так, как мне полезно. Тем временем я посмотрел и послушал всю «Гибель богов», хорошо к этому привыкнуть, теперь я в своей стихии.
Мои вещи лежат распакованными в квартире Гисселя. Через несколько дней я хочу переехать туда.
К слову (но не для разглашения!): на второй цикл продано еще не половины, на третий едва ли треть мест. Ты видишь, на что я, следовательно, не решусь.
Сегодня вечером приедет король. Он телеграфировал по поводу моего сочинения, что оно привело его в восторг. — Также сегодня приедут Шюре. Вагнеры и дети очень спрашивали о тебе.
С итальянской поездкой все складывается так, что может выйти даже лучше, чем я желал. Море и лес, и под Неаполем — возможно, к этому все и сведется. Нужно только надеяться. Мое здоровье идет на такой хороший лад, я стал гораздо бодрее.
Давай же держаться за Арлесхайм, это единственный выход, чтобы в дальнейшем иметь возможность жить в Базеле.
Вчера мы вместе ездили в Фантази. Бебе Моно выпил ужасно много молока.
Помимо членов правления, я видел фрау фон Шлейниц, Поргеса, Балигана, Лалласа, Хеккеля, Рихтера. Но я должен очень сдерживаться и отклоняю все приглашения, даже к В<агнеру>ам. В<агнер> счел, что я стал редко появляться.
Вход на генеральную репетицию все еще не гарантирован. Но ты все же настраивайся на это.
У Бреннера дела идут вполне сносно, он мне нравится.
Разве Баумгартнеры не хотят приехать?
Прощай, моя добрая Лизбет, поторапливайся, милая лама!
Не приходило ли мне чего-нибудь после того венгерского письма?
Твой Ф. Н.
Домочадцы сердечно приветствуют и часто вспоминают о тебе.
546. An Elisabeth Nietzsche in Basel
Моя дорогая сестра,
со мной ничего не выходит, я это понимаю! Постоянная головная боль, хотя еще и не самого худшего вида, и слабость. Вчера я смог слушать «Валькирию» только в темном помещении; видеть что-либо было невозможно! Я стремлюсь уехать, оставаться здесь просто бессмысленно. Я с ужасом думаю о каждом из этих долгих вечеров искусства; и все же я не могу не пойти.
В этой беде я предлагаю тебе: посоветуйся с Баумгартнерами! Предложи матери и сыну 8 билетов на второй цикл представлений, все за 100 талеров (я ведь могу переоформить свои билеты на третью серию для Баумгартнеров на вторую). В квартире Гиссель вы можете жить вместе; она такая, как мы ее имеем, — самая дешевая квартира в Байройте! Ты бы слышала другие цены.
В этот раз ты должна слушать и смотреть и за меня!
Договориться с Баумгартнерами о квартире (или об оплате части расходов) будет легко.
С меня довольно.
Я не хочу быть здесь даже на первом представлении. Лучше где-нибудь еще, только не здесь, где для меня всё — лишь мучение.
Может быть, ты напишешь пару слов Шмайцнеру и предложишь ему мое место на первое представление. Или кому-нибудь другому, кому захочешь. Например, фрау Бахофен.
Прости меня за все хлопоты, которые я снова тебе доставляю! Я хочу уехать в Фихтельгебирге или еще куда-нибудь.
Твой Фриц.
Телеграфируй о своем приезде только фройлен фон Майзенбуг.
Конечно, у тебя есть вход на генеральную репетицию, это решено.
547. An Elisabeth Nietzsche in Bayreuth
Милая сестра, надеюсь, ты в Байройте и находишь там добрых людей, которые позаботятся о тебе после того, как я оттуда исчез.
Я точно знаю, что не могу там выдержать, да нам, собственно, следовало знать это заранее! Подумай только, как осторожно мне приходилось жить до сих пор, последние годы. Я чувствую себя таким утомленным и истощенным от короткого пребывания там, что никак не могу прийти в себя. Был скверный день здесь, лежал в постели; но постоянно боли в голове, как в определенные базельские времена. Место очень хорошее, густой лес и горный воздух, как в Юре. Здесь я хочу остаться, может быть, на 10 дней, но не возвращаться снова через Байройт; ибо на это не хватит денег.
Я беспокоюсь о том, что ты теперь будешь делать с квартирой (которую я, кстати, находил ужасной для себя, да просто невозможной, такая она душная и неудобная). Я оставил тебе 100 марок и должен буду прислать тебе больше денег, когда приеду в Базель; но, возможно, план с Баумгартнерами удался. Пусть они тогда платят за квартиру; и они должны получить патронатные свидетельства совершенно бесплатно. Сделай все так, как считаешь нужным. Круг купил свидетельство на 100 талеров, это рассказал мне Хеккель из Мангейма.
Значит, мы, возможно, не увидимся в этом году! Как же все складывается! Я должен собрать все свое самообладание, чтобы вынести безграничное разочарование этого лета. Своих друзей я тоже не увижу; сейчас для меня все это — яд и вред.
Я серьезно прошу тебя не отказываться так легко от мыслей о Базеле и Арлесхайме. Мне это кажется единственно возможным.
Я рад знать, что ты у фрейлейн фон Мейзенбуг и ее семьи. Это слишком хорошие люди: поблагодари их от моего имени самым сердечным образом. — Я думаю
О тебе с любовью, как твой
брат.
Ко всему прочему меня мучает диарея.
Адрес: Клингенбрунн близ Регена, в Баварском лесу
Гостиница «У Людвигсштайна».
548. An Elisabeth Nietzsche in Bayreuth (Postkarte)
Обратный путь вместе с Шюре и Ре был очень приятным. Я простудился, в понедельник чувствовал себя плохо, болела голова. Р<е> живет неподалеку и обедает и ужинает со мной, у меня в квартире. Пока все довольно хорошо устроено. Баумг<артнер> был днем, его отец был тем, кто был настроен против Байройта. Николя Кёхлин только что скончался.
Я думаю о тебе с большой, большой благодарностью.
Глаза! — Самые сердечные приветы тебе и друзьям.
Ты ведь видел г-на Зенгера? —
549. An Louise Ott in Paris
Моя дорогая фрау Отт,
вокруг меня стало темно, когда Вы покинули Байройт, мне казалось, будто кто-то отнял у меня свет. Мне пришлось сначала прийти в себя, но я это сделал, и Вы можете без опасений взять это письмо в свои руки.
Мы хотим держаться чистоты духа, который нас свел, мы хотим во всем добром оставаться верными друг другу.
Я думаю о Вас с такой братской сердечностью, что мог бы полюбить Вашего супруга, потому что он — Ваш супруг; и поверите ли Вы, что Ваш маленький Марсель приходил мне на ум десять раз на дню?
Хотите ли Вы получить от меня мои первые три «Несвоевременные размышления»? Вы ведь должны знать, во что я верю, ради чего я живу.
Оставайтесь ко мне добры и помогайте мне в том, что является моей задачей.
С чистыми помыслами
Ваш
Фридрих Ницше.
550. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Не могу писать! Атропиновая кура глаз! Много боли.
Большое спасибо доброму Л. А. М. А. за длинное занимательное письмо из Б<айройта>.
Фрау Баумг<артнер> уже наполовину перевела мою статью о В<агнере>. Напиши ей, дорогая Лизбет.
Присутствие Ре очень желательно. Шлю вам обоим наилучшие пожелания
Ваш Фр.
551. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Сердечнейшая благодарность, в особенности за непромокаемый плед, которого хватит «до моей прохладной могилы». Вокруг меня всё ещё темно. Ре читает мне много вслух, он и я получаем большое удовольствие друг от друга. Из-за глаз я всё ещё не могу наносить визиты. Фатальный курс атропина! В прошлый вторник с сильными болями и частой рвотой слёг в постель. Шисс установил очень высокую степень близорукости. Герсдорф пишет полные надежды письма. Больше я ничего не слышу. Заплатил стоматологу за тебя 8 франков. Овербек (которого донимал доктор Фукс) написал. Он приедет в следующее воскресенье. Прощайте, мои милые, добрые мама и сестра.
552. An Louise Ott in Paris
Дорогая добрая подруга,
сначала я не мог писать, так как проходил курс лечения глаз — а теперь мне не следует писать, на долгое, долгое время! Тем не менее — я перечитывал Ваши два письма снова и снова, я почти верю, что перечитал их слишком много раз, но эта новая дружба — как молодое вино, очень приятное, но, возможно, немного опасное.
Во всяком случае, для меня. —
Но также и для Вас, если я подумаю, на какого вольнодумца Вы наткнулись! На человека, который не желает ничего больше, чем ежедневно терять какую-нибудь успокоительную веру, который ищет и находит свое счастье в этом ежедневно растущем освобождении духа. Возможно, я даже хочу быть еще большим вольнодумцем, чем могу им быть!
Что же нам теперь делать? «Похищение из сераля» веры, без музыки Моцарта?
Знаете ли Вы историю жизни фрейлейн фон Мейзенбуг под названием «Мемуары идеалистки»?
Что делает бедный маленький Марсель со своими зубками? Мы все должны страдать, прежде чем научимся как следует кусаться, физически и морально. — Кусаться, чтобы питаться, разумеется, а не кусаться, чтобы кусаться! —
Разве нет хорошей фотографии одной прекрасной белокурой женщины?
Я уезжаю в воскресенье через 8 дней в Италию, на долгое время. Оттуда Вы получите известие. Письмо на мой адрес в Базеле (Schützengraben 45) в любом случае дойдет до меня.
От всего сердца
братски Ваш
Ваш
Д-р Фридр. Ницше.
553. An Erwin Rohde in Jena
Как же мои глаза вечно мешают, когда я от всей души чувствую потребность писать тебе дольше! Сейчас мне проводят курс атропина для этих глаз, и с момента моего возвращения мне пришлось вынести такие головные боли, что все эти страдания были бы достойны лучшего дела. Так оно и есть: ты по-своему, а я этим и многими другими способами должен искупать свое существование.
Впрочем, твое нынешнее состояние нужно устранить; насколько я знаю, женщины это понимают, у них есть на то инстинкт. Ведь твое страдание не такая уж редкость, особенно у жениха. После всех тяжелых страстей остается темная потребность; быть битым и терзаемым бичом и языками пламени страсти должно же содержать в себе какое-то удовольствие высшего рода. И тогда человек запросто отбрасывает подвернувшееся более спокойное, более солнечное счастье ради этого демона воспоминаний и снова причиняет себе сильную боль: возможно, в этом-то всё и дело — ведь человек так странен.
Но я прошу и заклинаю тебя, любезнейший друг, подождать, подождать долго и иметь по-настоящему добрую волю почувствовать подаренное тебе счастье молодой любящей души! — Если у тебя нет этой доброй воли, то тебя следовало бы заставить ревновать.
Мне рассказывают, что эта семья — потомки графа Анкерстрёма: значит, в них не будет недостатка в глубокой, по сути своей живой страстности, и тебе стоит быть начеку.
Прощай и верь в мою искренне заботливую дружбу, чтобы извинить это, быть может, абсурдное письмо. — Герсдорф любим Нериной, в этом нет сомнений, всё движется вперед.
Через восемь дней, в воскресенье, я уезжаю отсюда.
Прощай, любимый
друг
Совершеннейший Ре едет вместе в Сорренто.
554. An Reinhart von Seydlitz in Berlin
Любезный и достойный господин, после такого письма, столь трогательного свидетельства Вашей души и Вашего духа, я не могу сказать ничего, кроме одного — останемся же близки друг другу, постараемся не потерять друг друга снова, раз уж мы нашлись! Я вижу перед собой прекрасную уверенность в том, что обретаю еще одного истинного друга. И если бы Вы знали, что это для меня значит! Ведь я всегда занимаюсь похищением людей, как какой-нибудь корсар; но не для того, чтобы продать этих людей в рабство, а чтобы вместе с ними продать себя в свободу.
Теперь я хотел бы, чтобы мы когда-нибудь пожили вместе: ибо мои глаза (которые к тому же лечат курсом атропина) запрещают мне письменное общение, даже если бы оно было возможно; в чем я, однако, сомневаюсь.
Вы отправляетесь 1 октября в Давос, а я в тот же день — в Италию, чтобы в Сорренто восстановить свое здоровье, в сожительстве с моей глубокоуважаемой подругой фрейлейн фон Мейзенбуг (знаете ли Вы ее «Мемуары идеалистки»? Штутгарт, 1875); также меня сопровождают туда друг и ученик — мы все живем в одном доме и, сверх того, разделяем все высшие интересы: это будет своего рода монастырь для более свободных умов. Об упомянутом друге не могу умолчать, что он является автором анонимной весьма примечательной книги «Психологические наблюдения» (Берлин, Карл Дункер, 1875).
Почему я рассказываю Вам это? О, Вы угадываете мою тайную надежду: — мы останемся примерно на год в Сорренто. Затем я вернусь в Базель, если только где-нибудь не построю свой монастырь, я имею в виду «школу воспитателей» (где они воспитывают самих себя) в более высоком стиле.
От всего сердца Ваш
преданный Фридрих Ницше
555. An Malwida von Meysenbug in Schwalbach
Милая, глубокоуважаемая барышня!
Я просил друга Бреннера передать Вам весточку от меня, тем более что около 3 недель я был буквально лишен возможности писать из-за атропинового лечения глаз; но молодой поэт, по-видимому, относится к обещаниям так же, как старые поэты. Со времени моего возвращения домой я чувствую себя плохо; я диктую это письмо, лежа в постели с ужасной головной болью.
Примерно раз в неделю мне приходится приносить тридцатичасовую жертву своему недугу; поэтому я всецело утешаюсь мыслью о встрече с Вами в Неаполитанском заливе. Уж там-то мы добьемся здоровья! Ничто до сих пор не поколебало меня в этой надежде. Знаете ли Вы, что доктор Ре хочет сопровождать меня, в надежде, что это будет Вам угодно? Я нахожу величайшую радость как в его необычайно ясном уме, так и в его чуткой, по-настоящему дружеской душе. Совсем не обязательно, чтобы он жил вместе с нами. Ваши планы, конечно, ни в коем случае не должны быть нарушены, если это не подходит, но Вы можете рассчитывать на то, что мы втроем — Ре, Бреннер и я — прибудем в Кастелламаре или Сорренто, в зависимости от Вашего сообщения, к середине октября. Письмо по моему здешнему адресу в любом случае попадет ко мне в руки (Schützengraben 45).
Я все это время чувствовал, что бедной доброй Ольге становится хуже, и постоянно беспокоился о ней в своих мыслях. Вы очень обрадовали меня сообщением о том, что ее выздоровление продвигается. Передайте ей мои самые искренние приветы и пожелания.
Вагнер телеграфировал мне из Венеции. С завтрашнего дня его адрес: Болонья, Hôtel de l’Italia.
В самой верной дружбе
и почтении
преданный Вам
Фридрих Ницше
556. An Richard Wagner in Bologna
Глубокоуважаемый друг!
Вы доставили мне радость тем небольшим поручением, которое мне дали: оно напоминает мне о трибшенских временах. У меня теперь есть время думать о прошлом, далеком и близком, ибо я много сижу в темной комнате из-за курса атропина для глаз, который сочли необходимым после моего возвращения домой. Осень после этого лета для меня, и, вероятно, не только для меня, более осенняя, чем любая прежняя. За великим событием лежит полоса чернейшей меланхолии, от которой, конечно, нельзя достаточно быстро спастись в Италию, в творчество или в то и другое вместе. Когда я представляю Вас в Италии, я вспоминаю, что именно там к Вам пришло вдохновение для начала музыки «Золота Рейна». Пусть она всегда остается для Вас страной начал! К тому же Вы на время избавитесь от немцев, а это, по-видимому, необходимо время от времени, чтобы иметь возможность сделать для них что-то стоящее.
Вы, возможно, знаете, что в следующем месяце я тоже еду в Италию, но, как я полагаю, не как в страну начал, а как в страну конца моих страданий. Они снова достигли апогея; действительно, самое время: мое начальство знает, что делает, предоставляя мне отпуск на целый год, хотя эта жертва для столь маленького сообщества несоразмерно велика; они бы, собственно, потеряли меня тем или иным способом, если бы не открыли мне этот путь; в последние годы, благодаря долготерпению моего темперамента, я проглатывал боль за болью, как будто был рожден только для этого и ни для чего более. Философии, которая учит чему-то подобному, я практически сполна отдал свою дань. Эта невралгия действует так основательно, так научно, она буквально зондирует, до какого предела я могу выносить боль, и каждый раз тратит на это исследование тридцать часов. Каждые четыре-восемь дней я должен рассчитывать на повторение этого изучения: видите, это болезнь ученого; — но теперь с меня хватит, и я хочу жить здоровым или не жить вовсе. Полный покой, мягкий воздух, прогулки, темные комнаты — вот чего я жду от Италии; меня страшит необходимость видеть или слышать там что-либо. Не думайте, что я угрюм; не болезни, а только люди способны вывести меня из равновесия, и меня всегда окружают самые отзывчивые, самые внимательные друзья. Сначала после моего возвращения моралист д-р Ре, теперь музыкант Кёзелиц, тот самый, который пишет это письмо; также хочу назвать среди добрых друзей госпожу Баумгартнер; возможно, Вам будет приятно услышать, что французский перевод моего последнего сочинения (R<ichard> W<agner> i<n> B<ayreuth>) рукой этой дамы будет напечатан в следующем месяце.
Если бы на меня снизошел «дух», я бы сочинил для Вас благословение в дорогу; но этот аист в последнее время не свил гнезда на мне: что ему простительно. Так что довольствуйтесь самыми сердечными пожеланиями, которые пусть последуют за Вами как добрые спутники: Вам и Вашей глубокоуважаемой супруге, моей «благороднейшей подруге», если позаимствовать у еврея Бернайса один из его самых недопустимых германизмов.
Преданный, как всегда
Ваш
Фридрих Ницше.
557. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Мои дорогие мама и сестра, примите сердечнейшую благодарность за ваши письма. Я пережил еще более тяжелые недели, с 3-го числа трижды лежал в постели, каждый раз с 30-часовой головной болью, без сна, это больше невозможно выносить. В следующее воскресенье я уезжаю, встречусь в Монтрё с Ре, затем мы проведем 2 недели в Бексе, где есть тенистые прогулочные аллеи и тому подобное. В середине октября Бреннер встретится с нами в Женеве, и мы отправимся на юг. — Чудесное письмо от Зейдлица. — Герсдорфу везет. — Ольге лучше. — Вагнер телеграфирует мне из Венеции. Я сообщу вам из Бекса новости и адрес. Я очень, очень от этого устал.
Прощайте и вспоминайте обо мне.
(Кёзелиц нанят в качестве постоянного секретаря в Арлесхайм с осени 1877 года.)
558. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Я нахожусь в Бексе уже 8 дней и наслаждаюсь прекраснейшей осенью вместе с Ре, несравненным. Однако мне снова пришлось пролежать в постели 1½ дня с жесточайшими болями (они длились с полудня понедельника до ночи вторника, более 30 часов). Позавчера и вчера начались предвестники нового приступа, который я ожидаю завтра. Место и пребывание в отеле (где мы с Ре<ée> живем одни в отдельном флигеле) необычайно красивы: с 7 до 8 утра (перед восходом солнца) я гуляю (так же с ½5 до 7 после заката); днем я сижу на террасе перед нашими комнатами.
18 октября. Поездка на юг.
Сердечно
Ваш Ф. Н.
559. An Adolf Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Сердечно благодарю за вашу посылку, дорогой друг. Вы обещали мне еще одну посылку — к моей радости: поэтому я сразу же хочу попросить еще об одном. Книгу линованной бумаги от Mem<m>el-Tripet, с указанным на полях расстоянием между линиями. Пожалуйста, разрежьте ее для меня в формат кварто. Я тоже пролежал здесь 1½ дня в постели, но с тех пор стало немного лучше. Вашей глубокоуважаемой матушке мои и моего друга Ре самые сердечные приветы. Я уезжаю 18 октября и до тех пор живу в Bex Hotel du Crochet.
560. An Franziska Nietzsche in Merseburg (Postkarte)
Я от всего сердца благодарю за письма, приветы, пожелания и подарки и хотел бы сделать это более подробно: но писать письма мне сейчас просто невозможно: так сильно утомлены мои глаза. Скажи об этом и моей дорогой бабушке, вместе с самыми сердечными пожеланиями её выздоровления; её добрая натура — это нечто поразительное, я хотел бы, чтобы во мне было хоть немного этого, тогда я мог бы с большей уверенностью надеяться на исцеление. Мне по-прежнему нехорошо. Это место очень подходит, и, возможно, это успех, что уже 12 дней не было основного приступа. В четверг я уезжаю с доктором Рее и Бреннером на юг. Пока, до тех пор, пока я не пришлю свой адрес из Неаполя, не пиши.
Благодарный твой сын Ф. Н.
бутылка предназначена для чая
561. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Дорогие и глубокоуважаемые, лишь открытка в ответ на столь содержательное письмо, мои глаза не позволяют иначе. Завтра я отправляюсь на юг; позавчера мы наслаждались присланным вами портретом вашего сына, это очень удачное сходство, делающее честь ему как человеку более зрелому. Дело Шмайцнера быстро продвигается, поздравляю. Адреса: д-р Ромундт: Ольденбург, в Великом герцогстве, Петерсштрассе, 17. Герсдорф, Гернхут (Силезия), в гостинице. Прошу от моего имени отправить: мадам Луизе Отт, Париж, улица Константинополь, 6. | Графине Диодати, Женева. Прошу также за князя Ме<t>щерского, маркиза Гверрьери, графиню Дёнхофф, чьи адреса я вам пришлю. Также Шюре и Листу. Сердечнейшие приветы
562. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Возлюбленная сестра, это день перед отъездом, фён дует с юга. Едва ли мне будет на юге так же хорошо, как в Бе, выбор был превосходный! Хотя значительного улучшения нет, последний приступ (позавчера) был не таким долгим (возможно, благодаря мази для лба, которую прописал Шисс). Также у меня немного насморк. Сердечнейшее спасибо за все добрые пожелания. Кстати, пятая «Несвоевременная» готова, мне нужен только кто-то для диктовки (в Базеле у меня был Кёзелиц день за днем для этого). Герсдорф с Н<ериной> в Бадене. — Эта фотография сделала меня сентиментальным. Понравилась ли она тебе? — Напиши же фрау Баумгартнер.
Ре шлет сердечный привет, обязательно напиши ему.
Временный адрес: Napoli (Italia) 23 Chiatamone Pension allemande
563. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Тяжелый отъезд из Бекса, в Женеве немного лучше, обедали в отеле «Post». Туда пришел Бреннер. Ночное путешествие через Мон-Сени, на следующий день после обеда прибытие в Геную с сильнейшей головной болью: немедленно в постель, рвота и состояние длилось 44 часа. Сегодня, в воскресенье, лучше; только что вернулись с прогулки по гавани и в открытое море. Прекраснейший вечерний покой и краски. Завтра (в понедельник) вечером отплытие на пароходе в Неаполь, мы, трое друзей, решили отправиться в морское путешествие. Сердечнейшие приветы вам
564. An Claudine von Brevern in Genua
Прошу прощения, милостивая государыня, что я оставил Вас и что я не смог выполнить свое обещание (или, собственно, свое желание), прошу прощения у полубольного! По пути на железную дорогу, куда я направлялся с доктором Ре, я внезапно почувствовал себя настолько слабым и немощным, что, хотя и несколько пристыженный и сопротивляющийся, я был вынужден повернуть назад, как никогда не приходилось побежденной армии. Тем не менее, перед отъездом я не могу отказать себе в удовольствии письменно выразить свою радость по поводу нашей встречи, которая позволила мне увидеть двойное зрелище: высокую достигнутую культуру и высокое стремление к культуре.
Вам и фрейлейн фон дер Пален мои самые покорные пожелания и приветствия на прощание.
Д-р Фридрих Ницше
565. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Вот мы и в Сорренто! Весь путь от Бе до сюда занял 8 дней; в Генуе я лежал больной, оттуда нам потребовалось около 3 дней морского пути, и вот, мы избежали морской болезни, я предпочитаю этот способ путешествия совершенно ужасной для меня езде по железной дороге. Мы нашли фрейлейн фон М<eysenbug> в отеле в Неаполе и вчера вместе отправились в новый дом, на виллу Рубиначчи, Сорренто, близ Неаполя. У меня очень большая высокая комната, перед ней терраса. Я возвращаюсь после первого морского купания, вода была теплее, по сравнению с Ре, чем Северное море в июле. Вчера вечером мы были у Вагнеров, которые живут в 5 минутах от нас, в отеле «Виктория», и останутся еще на ноябрь месяц.
Сорренто и Неаполь прекрасны, это не преувеличение. Воздух здесь — смесь горного и морского. Для глаз это очень благотворно; перед моей террасой подо мной сначала большой зеленый фруктовый сад (который остается зеленым даже зимой), за ним очень темное море, за ним Везувий.
Будем надеяться.
Со всей любовью и преданностью
Ваш Ф.
566. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
В Генуе я был болен, сильный приступ. Оттуда до Неаполя морское путешествие, без болезни. Наша прекрасная квартира имеет такой адрес: Сорренто близ Неаполя, Вилла Рубиначчи. Вагнеры живут в 5 минутах от нас, Отель Виктория. Сегодня утром я искупался в море. Адреса для экземпляров: Баронесса Изабель де Пален, Рим до востребования. | Мадам маркиза Геррьери-Гонзага, Модена через Гонзага | Князь Александр Ме<t>щерский, Флоренция Вилла Герцен.
Сердечнейшие приветы, Ваш Ф. Н.
567. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая добрая мама, как неожиданно пришло это горестное известие! Я был совершенно потрясен им и уже дважды за неделю убедился, что больше верил в здоровье и выносливость совсем пожилых людей, чем в собственное здоровье, — и при этом ошибался. Мне вспомнилось, как в один из последних дней в Базеле старый Герлах навещал меня, выглядя настолько здоровым и бодрым, что я стыдился своей вечной болезненности; и точно так же я думал: да, если бы ты сам сломал ребро, а не твоя добрая старая бабушка, — со мной было бы наверняка покончено, а с ней — конечно, нет. Теперь все вышло иначе, и ты, моя дорогая мама, пережила это вблизи и смогла помочь и утешить; тем более одинокой и обездоленной ты будешь себя чувствовать сейчас. Для меня истинное утешение знать, что наша Лизбет этой зимой с тобой; так что из моей болезни для тебя извлечена хотя бы эта польза, в то время как обычно ты имеешь от нее только заботы и лишения. Теперь она будет скорбеть вместе с тобой и утешать тебя; а я постараюсь издалека порадовать тебя тем, что мое здоровье идет на поправку. Большего я сейчас не могу, даже писать длинные письма, ты ведь знаешь.
Последней неделей я доволен гораздо больше, чем любой из предыдущих. Доктор Ре написал Лизбет более подробно о моем состоянии, я его об этом просил. Обо мне отлично заботятся, Трина в качестве сиделки, как и всегда, очень способна. Горячая ножная ванна с горчицей и золой до сих пор оказывала мне самую существенную помощь при сильном приступе; затем прогулки на горном и морском воздухе. От ванн мне пришлось отказаться. Меня теперь немного пугают условия для здоровья в Базеле, которые в любом случае неблагоприятны для меня. В частности, мне приходилось слишком сильно напрягать глаза. Несмотря на это, я занимаю <себя> мыслями о доме Герлаха; это постоянно приходит мне на ум.
На сегодня все. С глубочайшим сочувствием, скорбя вместе с тобой и нежно обнимая тебя и дорогую Элизабет, твой сын.
568. An Franz Overbeck in Basel (Postkarte)
Тысячу раз всего доброго и желанного другу в день рождения, а нам обоим — долгожданной встречи. Благодарю за твое письмо и, к сожалению, отвечаю так, как вынужден — открыткой. Ибо в целом мне не лучше, чем в прошлом году в это же время. В Генуе я лежал больной, а в Сорренто у меня уже 4 раза был сильный приступ. Вагнеры несколько дней назад уехали в Рим. Моя бабушка умерла. Добрый старый Герлах и бедная базельская филология! Хаген из Берна просил сведений, которых я не могу ему дать. — Бреннер рассказывал о твоей речи. Если бы она у меня была! Тебе и твоей верной подруге — самые сердечные пожелания.
569. An Heinrich Köselitz in Basel (Postkarte)
Дорогой друг Кёзелиц, шлю свои самые теплые приветы, день стоит синий и теплый, и после обеда мы хотим на лодке проплыть мимо всех возможных красивых гротов побережья. — Получили ли Вы через фрау Швенде красные партитуры, как я поручил? — Овербек писал мне, что оба друга снова вместе, я поздравляю с этим. — Я живу совсем в стороне от «мира»: так оно и правильно, для всех нас, не правда ли? —
570. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Глубокоуважаемая госпожа, вот римский адрес Вагнера:
Hôtel
79 via
d’Amerique
Babuino
Roma
Экземпляр для фрейлейн Натали Герцен, о котором я просил, может быть отправлен во Флоренцию, где она сейчас находится — то есть по тому же адресу, что и Мещерский. — Я дышу и чувствую приближение здоровья, становится значительно лучше. Различные домашние средства помогают. — За одну неделю сообщили о смерти моей бабушки, Герлаха и — лучшего учителя Ричля.
С самыми сердечными приветствиями от всех нас.
571. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
С момента получения известий о кончине я не получал никаких сообщений. Запоздало приношу сердечную благодарность за твои длинные прекрасные письма. Нюхают табак. Мое самочувствие неделю было довольно обнадеживающим, но последняя неделя никуда не годилась: во вторник, среду и пятницу я лежал в постели со старыми болями, да и другие дни, начиная с воскресенья, были плохими. — Смерть Ричля меня очень опечалила. Но я не в силах писать письма, или делаю это крайне редко. Напиши же госпоже Герлах!
Мы все шлем приветы тебе и дорогой матушке.
572. An Hans Paul von Wolzogen
Дорогой и любезный господин
Да, но здоровье! Я сослан на год на юг: ничего не читать, ничего не писать, по возможности ни о чем не думать — таковы предписания врачей. Само собой разумеется, что я, как только это станет возможным, на деле докажу свое участие в вашем предприятии; но пока что я сам для себя — вопросительный знак, и потому, к сожалению, должен быть им и для вас.
С сердечным приветом и сожалением
Ф. Ницше.
573. An Franz Overbeck in Basel
Дорогой верный друг, после вспышки лучшего состояния мне снова стало так плохо, так продолжительно плохо, что я еще даже не смею надеяться. Внешние условия для выздоровления все налицо, и ведь должно же из этого что-то выйти, не правда ли? Но нужно терпение. Я сердечно благодарю тебя за твои письма, как бы мало я ни мог на них отвечать. Вольцогену я дал обусловленное моим здоровьем заверение, что он когда-нибудь что-то получит. Но смысл его начинания не наш; мы не должны, право, путать и смешивать себя с господами Плюддеманами и им подобными. —
Семья Финоккьетти согласна на сватовство Герсдорфа. — Денег прошу прислать в оговоренной форме почтового перевода. Я не знаю, сколько получу; пришли мне для начала 1000 франков из них.
Биржевой бюллетень Кауфмана мне не нужен. — Что говорят о преемнике Герлаха?
Мы много читали Вольтера: теперь на очереди Майнлендер.
Тебе и твоей дорогой жене
сердечнейшие приветы дружбы.
Ф. Н.
574. An Ferdinand Schürmann in Bonn
Что ж, дорогой господин Шюрман, постарайтесь, чтобы мы снова не потеряли друг друга, раз уж мы нашлись; это в большей степени зависит от вас, чем от меня. Ваше письмо доставило мне радость и подарило надежду: как насчет того, чтобы вы обдумали временный переезд в Базель? Возможно, с осени 1877 года: ибо до тех пор я сам, из-за сильно пошатнувшегося здоровья, изгнан из Базеля — на юг. Очень советую не отчаиваться в изучении древности; об этом я хотел бы многое вам сказать, но не писать.
С сердечным приветом
Ваш
Д-р Фридр. Ницше
575. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
У меня были очень плохие дни, которые почти довели меня до отчаяния. Сейчас мне снова немного лучше. Погода очень мягкая, Ре вчера купалась в море. Я много гуляю, желудок и сон всегда очень хорошие. На Рождество мы решили в этот раз ничего не посылать друг другу, к этому вынуждает ненадежность итальянской почты и высокая стоимость пересылки. — Я очень советую дом Герлаха; вместо прогулок я буду пользоваться гимнастическим залом на Мюнстерплац. Письма с сердечной благодарностью получил, мы все шлем вам приветы.
576. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Сердечно благодарю за ваши сообщения. Только что пережил очень скверный день. В остальном было немного лучше. Я послал рулончик фотографий для наклеивания: это местность и люди, среди которых я живу. Ничего не присылайте! Расходы слишком велики. Я очень много гуляю. Полностью бросил всякую работу, а также всякую диктовку и споры. Что будет дальше! Ваш Ф.Н.
577. An Louise Ott in Paris
Надеюсь, вы остались ко мне благосклонны, моя глубокоуважаемая подруга, несмотря на то, что я так долго оставался в долгу перед вами, не давая никаких сведений о своем местопребывании и самочувствии. Но так было со всеми моими друзьями, я не мог и не смел поступить иначе — мои невыносимые головные боли, против которых я не нашел ни одного действенного средства, вынуждают меня к молчаливому отказу от дружеского общения. И сегодня я делаю лишь исключение из правила и сам опасаюсь, что мне придется за это поплатиться. Но мне так хочется услышать что-нибудь от вас, и, возможно, что-то подробное — доставьте мне это рождественское удовольствие. Французский перевод моего сочинения о Р. Вагнере должен быть в пути и, надеюсь, к Рождеству прибудет к вам — еще одна маленькая назойливость, подобная этому письму, чтобы вырвать у вас несколько строк — нет, несколько пар строк.
В нашем маленьком кругу много раздумий, дружбы, замыслов, надежд, словом, собрана целая часть счастья; я чувствую это, несмотря на многие боли и печальные перспективы моего здоровья. Возможно, в мире есть еще немного больше счастья, но пока я от всего сердца желаю всем людям, чтобы им жилось так, как нам, как мне: тогда они уже могут быть довольны.
Недавно мне пришло в голову, что вы, моя подруга, могли бы написать небольшой роман и дать мне его почитать: так прекрасно видишь со стороны, что имеешь и чего желаешь от жизни, и, конечно, не становишься от этого несчастнее — таков эффект искусства. Во всяком случае, становишься при этом мудрее. — Возможно, это глупый совет: тогда скажите мне, что вы посмеялись надо мной; мне доставит удовольствие это услышать.
Сердечно приветствующий вас ваш
друг
Ф.Н.
578. An Reinhart von Seydlitz in Davos
Ничего больше, дорогой друг, кроме знака того, что я сердечно помню о Вас и, в частности, с наилучшими пожеланиями Вашего здоровья: а также того, что я еще не оставил всякой надежды приветствовать Вас здесь, в более прекрасное время года, как одного из членов нашей маленькой соррентийской общины. У нас стоит такая мягкая погода, что один из моих друзей почти ежедневно купается в море; а я поднимаюсь в горы и пытаюсь убежать от своей головной боли — до сих пор, конечно, без реального успеха.
Если уж приходится болеть, то пусть это будет хотя бы в такой местности и среди таких друзей, какие есть у меня: прежде всего, наша выдающаяся, по-матерински благодетельная фрейлейн фон Мейзенбуг, о которой я Вам уже писал как о поистине прекрасной душе. Вагнеры были с нами две недели. Не исключено, что в следующем году они снова направят свои стопы на юг, при условии — что, как я опасаюсь, должно быть условием, — что байройтские летние празднества в следующем году не состоятся: тучи слишком черны и зловещи, чтобы искусство могло снова раскинуть свой шатер. В этом случае мы снова увидим Вагнера, даже не сделав ни шагу.
Мне так хотелось бы, дорогой друг, сначала разделить с Вами часть жизни; кто знает, что все можно построить на таком фундаменте?
А пока оставайтесь ко мне добры и передайте Вашей супруге мои почтительнейшие приветствия.
Преданно
Ваш
Д-р Фридрих Ницше
579. An Marie Baumgartner in Lörrach (Postkarte)
Уважаемая сударыня, желаю Вам счастливого Рождества. Мое состояние снова было довольно плохим; будем надеяться на новый год! Тем временем почти все адреса изменились; Вагнеры снова в Байройте, фрейлейн Натали Герцен в Париже (адрес Моно) и т. д. Мы же остаемся здесь, и книгу ждут с нетерпением. Вам и Вашему супругу сердечнейшие приветы от фрейлейн фон М<ейзенбуг> и от меня.
Ф. Н.
580. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz
Мои наилучшие пожелания, дорогой господин издатель, прежде всего, на Рождество и Новый год!
Сегодня я хотел бы, во-первых, сообщить Вам, что мой друг доктор Ре уже близок к тому, чтобы прислать Вам свою рукопись. Вы получите, как я могу сказать с полным убеждением, нечто в высшей степени ценное для Вашего издательства, сочинение, которое рассматривает происхождение моральных чувств столь совершенно новым и строгим методом, что оно, вероятно, образует решающий поворотный пункт в истории моральной философии.
Во-вторых, у меня есть просьба: не могли бы Вы отправить экземпляр моего 2-го и 3-го «Несвоевременного размышления» по адресу одной римской подруги:
Баронессе
Клодин фон Бреверн
Рим, Корсо 499, 4-й этаж.
Также экземпляр 1-го и 4-го по тому же адресу проживания для
Баронессы Изабеллы де Пален
Само собой разумеется, что Вы запишете эти экземпляры на мой счет.
В-третьих, я хотел бы сказать Вам, что мне становится лучше: к сожалению, это не так, или почти не так. Постоянно требуется величайшая осторожность: много невыносимых головных болей.
За Ваше письмо, отправленное в Базель с такими любезными предложениями, приношу Вам сердечную благодарность. —
Что слышно о французском переводе? —
Я рад, что Ваши оба замечательных друга снова вместе в Базеле. —
С глубоким уважением
преданный д-р Ф. Ницше
581. An Cosima Wagner in Bayreuth
Глубокоуважаемая госпожа!
Ваш день рождения настал, и я не нахожу слов, которыми мог бы выразить свои мысли, чтобы соответствовать Вашим чувствам по этому поводу. Пожелания? Желать счастья? — я едва ли понимаю эти слова, когда думаю о Вас; если человек однажды научился воспринимать жизнь во всей её полноте, то разница между счастьем и несчастьем исчезает, и даже само «желание» отходит на второй план. Всё то, от чего сейчас зависит Ваша жизнь, должно было прийти так, как оно пришло, и, в частности, весь нынешний период «после Байройта» невозможно представить иначе, чем он есть, ибо он соответствует всему периоду «до Байройта»; то, что прежде было жалким и безрадостным, остается таким и сейчас, а то, что было великим, таковым и осталось, более того — теперь оно стало еще значительнее. Такие дни, как Ваш, мы можем только праздновать, а не поздравлять с ними. С каждым годом становишься всё тише, и в конце концов перестаешь произносить серьезные слова о личном.
Дистанция моего нынешнего образа жизни, вынужденного болезнью, столь велика, что последние 8 лет почти выветрились у меня из головы, а прежние времена, о которых я в однообразных тяготах этих лет совсем не думал, настойчиво пробиваются наружу. Почти каждую ночь я общаюсь во сне с давно забытыми людьми, да и, прежде всего, с умершими. Детство, отрочество и школьные годы стоят перед моими глазами; размышляя о прежних целях и о том, что было фактически достигнуто, я заметил, что во всём, чего я действительно достиг, я далеко вышел за пределы надежд и общих желаний юности; напротив, из всего, что я намеренно планировал, мне удавалось достичь в среднем лишь третью часть. Вероятно, так будет и впредь. Если бы я был совершенно здоров — кто знает, не поставил бы я перед собой задачи более авантюрные? Тем временем я вынужден немного убрать паруса. На ближайшие базельские годы я наметил завершение нескольких филологических работ, и друг Кёзелиц согласился быть мне полезным в качестве секретаря, читая вслух и записывая под диктовку (ибо с моими глазами дело обстоит почти безнадежно). Когда я приведу в порядок филологические труды, меня ждет нечто более трудное: удивитесь ли Вы, если я признаюсь Вам в постепенно возникшем, почти внезапно осознанном мною расхождении с учением Шопенгауэра? Я почти во всех общих положениях не на его стороне; еще когда я писал о Шопенгауэре, я заметил, что перерос всё догматическое в нём; для меня всё заключалось в человеке. Тем временем мой «разум» был очень активен — и от этого жизнь стала еще на одну степень сложнее, а бремя — тяжелее! Как же это вынести в конце концов?
Знаете ли Вы, что мой учитель Ричль скончался? Я получил это известие почти одновременно с сообщением о смерти моей бабушки и моего ближайшего базельского коллеги-филолога Герлаха. Еще в этом году я получил через письмо Ричля подтверждение того трогательного впечатления, которое у меня осталось от нашего прежнего общения: он остался ко мне сердечно доверчивым и верным, хотя и понимал необходимость временного затруднения в общении, да и тактичного отдаления. Ему я обязан единственным существенным благом в моей жизни — моим базельским положением профессора филологии: я обязан им его свободомыслию, его проницательности и готовности помогать молодым людям. В нём умер последний великий филолог; он оставляет после себя около 2000 учеников, которые называют себя его последователями, среди них около 30 университетских профессоров.
Поскольку я должен закончить своё письмо (мне нельзя писать), мне приходит на ум, что госпожа Мари Баумгартнер просит меня передать её покорную просьбу о возврате французского перевода Шопенгауэра; её адрес: Лёррах, Великое герцогство Баден.
С неизменным почтением
Ваш
Фридрих Ницше
Сорренто
Вилла Рубиначчи.
Я забыл передать приветы от доктора Ре.
582. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Всего самого доброго, любимого и желанного в новом году вам обоим. Мне немного лучше. Вы получили фотографии? То, что из Вены, о котором вы писали, до сих пор не пришло. Из Базеля я слышу, что место Герлаха не будет занято. Я плачу здесь ежемесячно 200 франков за пансион. Сорренто словно создан для того, чтобы поправиться. Я стал намного крепче; еще ни одного недомогания желудка. Но каждую неделю один день сильной головной боли; на этом пока всё. Мы вместе шлем самые сердечные рождественские и новогодние поздравления.
Ф. Н.
583. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Postkarte)
Тысяча благодарностей за рождественские письма! А также за календарик, который очень пригодится. У нас вечером неожиданно был небольшой праздник, я получил веер и турецкую феску (мне нужно держать голову в тепле день и ночь). Сегодня будут небольшие раскопки древностей. Французский перевод еще не готов к печати. Вагнеры снова в Байройте. Дело Герсдорфа все еще не улажено. Из Вены ничего не пришло, как там дела? Сочинение Ре о происхождении морального чувства почти готово. Мне немного лучше.
От всех нас сердечные приветы.
584. An Erwin Rohde in Jena (Postkarte)
Прими мои самые сердечные новогодние пожелания, дорогой старый друг! Я так хотел бы услышать от тебя что-нибудь утешительное и радостное, но, кажется, каждый из нас тянет свою лямку. Мое здоровье и здесь не идет на поправку, боли, боли! Если бы я мог не обращать на них внимания, то мое положение здесь было бы достойно зависти богов. Ре как раз закончил сочинение, Бреннер пишет новеллы, Фл. фон М<ейзенбуг> — роман, мне читают вслух, ибо мне нельзя ни читать, ни писать. Не могу ли я получить твою статью о новелле? Твой
верный Ф. Н.
Вилла Рубиначчи, Сорренто близ Неаполя.