1874 (75 Briefe)

339. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 5. Januar 1874>Montag.

Meine liebe Mutter und Schwester,

so bin ich denn wieder hier, lebendig und mit leidlicher Gesundheit (zwar nicht ganz wohl, zumal etwas heiser) Schlag 4 Uhr Nachmittags war ich auf der Rheinbrücke; zu versteuern hatte ich nichts, auch gab es keine Unbequemlichkeit. Nachts war es kalt und ganz und gar uneingeheizt; ich fror an die Füsse und vermisste wärmere Fussbekleidung.

Ich ass mit Romundt zu Abend; seine Professur-Angelegenheit ist noch sehr im Unsichern, bestimmt ist nur Eins, dass er nicht der Nachfolger von Eucken wird; doch hoffe ich, dass er eine ausserord. Professur erhält. Die grösste Abneigung, einen Schopenhauerianer zu befördern, hat sich mehrfach kundgegeben, ja mit dem Rathe, Romundt möge doch anders wohin gehen. Alles dies ganz discret.—

Mein Sopha ist neu überzogen. Es sieht alles ganz ordentlich aus. Heute frühstücke ich um 11 Uhr. Overbeck ist noch nicht angekommen.

Und nun empfangt noch einmal meinen herzlichsten Dank; es waren ruhige und gute Tage und es scheint mir doch, dass ich mich etwas bei Euch erholt habe, besonders mit den Nerven. Eure schönen Weihnachtsgeschenke zieren mein Zimmer und Alles erinnert mich an Euch. Dass unser Zusammensein so kurz sein musste!

Lebt wohl und denkt
an mich. Euer F.

340. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 14. Januar 1874>Mittwoch

Meine liebe Mutter und Schwester, ich danke Euch sehr für Eure theilnehmenden Briefe und bitte nur darum, dass Ihr Euch ja nicht sorgen mögt. Es geht mir ganz gut, freilich habe ich meine Diät etwas verändert, insofern ich nicht mehr in den Kopf gehe, sondern um ½12 Uhr ein Frühstück nehme (Suppe und zwei Schinkenbrödchen) Meistens reicht mir das bis Abend aus, da ich ausserdem das Vegetarianer Brod im Zimmer habe. Mitunter aber esse ich Nachmittag noch etwas von Fleisch. Bis jetzt ist es mir gut bekommen und ich bin recht zufrieden.

Zwei Bogen meiner neuen Schrift sind corrigirt. Ich ruhe mich im Ganzen aus und gehe jeden Tag spazieren. Die Briefmappe hängt schön und gerade an der Wand. Mit Romundt’s Professur giebt es noch keine Entscheidung. Der alte Vischer ist immer noch nicht besser dran, Fürstenberger ist in Nizza und will dann zur Erholung nach Kairo, Frau Vischer-Heusler hat den Typhus (Nervenfieber) Doch ist es nicht besorgnisserregend. Frau Rosalie Vischer habe ich neulich im neuen Hause besucht. Samstag Mittag war ich bei Frl. Kestner, Sonntag Mittag bei Bachofens, nächsten Freitag Abend werde ich bei Burckhardt-Heuslers sein. — Der Herr Lauterburg bleibt soviel wir wissen, im Sommer hier. Kurz wir müssen uns noch etwas Neues ausdenken, Frau Baumann hat auch schon einige Anfragen in der Nähe gemacht.

Herzlich grüssend und dankend Euer Fritz

Bitte liebe Lisbeth, erledige doch die Sache mit Onkel Hermann möglichst schnell zu seinen Gunsten; ich komme mir in dieser Angelegenheit sonst ruppig vor. Bitte!!

Wir sind doch etwas wegen Frau Vischer besorgt; Burckhardt-Heuslers lassen eben, aus Beunruhigung, für nächsten Freitag Abend absagen.

Frau Baumann bekommt im Sommer auf 6 Wochen den Besuch ihrer Schwester aus St. Gallen.

Ein hübsches Anerbieten: zwei Häuser von mir entfernt wohnt Frau André, eine rechte Frau, Deutsche. Sie will mir ihr gutes Zimmer abgeben, für Dich: freilich fehlt ein eignes Schlafzimmer; sie bietet Dir an, ob Du mit in ihrem Schlafzimmer schlafen wolltest. Frau Baumann hat die Sache vermittelt. Von wann an soll ich miethen? Gefällige Antwort und bald.

Also zwei Häuser weit. Parterre. Sonst wohnt noch bei Frau André Dr. Binder mit einer netten deutschen Frau, Arzt im Kinderspital.

341. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel 18/1 74

Nun, alter lieber Freund, es geht im neuen Jahre recht ordentlich mit mir und Du kannst ohne alle Sorge an mich denken. Ich habe meine Lebensweise verändert und gehe nicht mehr in den Kopf, frühstücke vielmehr ½12 Uhr mit Suppe und esse eigentlich nur ausnahmsweise zu Mittag. Jedenfalls bekommt diese vereinfachte Esseinrichtung meinem Magen. Sodann habe ich bis Ostern vor, nichts Neues zu schreiben und dadurch mein Nervenunwesen auszuheilen. Also die Philosophen liegen wieder brach; aber Ostern geht die Thätigkeit wieder los und zwar ist es mein Wunsch, einen Schlag gegen den Einjährigen-Freiwilligen zu führen. Ich glaube, das ist das Schlimmste, was man den Bildungsphilistern augenblicklich anthun kann. Dazu befasst sich der Reichstag mit den Militärgesetzen; meine Vorschläge haben eine gewisse Art von politischer Möglichkeit und es wäre ganz gut, den Leuten zu demonstriren, dass wir nicht ewig in der Höhe und Ferne, unter Wolken und Sternen leben. Aber nun heran mit militärischer Litteratur, vornehmlich Geschichte des Heerwesens. Kannst Du mir irgendwie dabei helfen, getreuer Helfer und Freund?

Der Druck der Nr. 2 rückt von der Stelle. Zwei Bogen sind corrigirt und abgeschickt, heute oder morgen trifft der dritte ein, so dass bis Ende Januar ungefähr alles in Ordnung sein kann. Das letzte Capitel habe ich natürlich in Naumburg geschrieben und am Neujahrstag, zu dessen Inauguration, fertig gemacht. Mit wahrer Rührung empfieng ich Deine Abschrift und die sie begleitenden Zeilen und pries mich glücklich Dich als Freund zu haben. Denke nur ja daran, wie wir es im Herbst zu einer Zusammenkunft bringen können; und damit Du siehst, dass auch andre Leute diese Zusammenkunft wünschen, sende ich Dir etwas von Candrian. Rohde will auch kommen; man hat ihn übrigens in Kiel wieder einmal mit einer ordentl. Professur übergangen, es ist ein Skandal! Gegen Romundt hat sich denn auch hier die Furcht vor Schopenhauer geltend gemacht und es ist ganz unmöglich, dass er jetzt (ja wie ich glaube dass er jemals) hier die ordentl. Professur für Philosophie erhält. Wir wollen froh sein, wenn man ihn mit einer ausserord. Professur und vielleicht etwas Geld abfindet.

Mit Ritschl’s hatte ich in Leipzig einen Wortkampf, der nichts Peinliches, aber etwas Schmerzliches und Hoffnungsloses hatte. Bei Fritzsch dem Trefflichen und Neubewährten habe ich eine Nacht gewohnt und den Eindruck mitgenommen, dass noch alles auf vier Beinen steht. Das weibliche Gespenst hatte unsre Phantasie verdorben. Es wird doch noch eine Preisarbeit, nach gelungener Umarbeitung, gekrönt, die des Prof. Dr. Koch. Die evangelische Kirchenzeitung soll meine Straussiade gepriesen haben. Übrigens gehe ich seit dem neuen Jahre nicht mehr auf die Lesegesellschaft und fühle mich befreit, nicht mehr das Zeitungsgeschwister zu hören. Mit Ranke’s erstem Buch sind wir fast fertig. Von Deinen Übersetzungen hoffe ich später einmal etwas zu profitiren, nicht wahr das ist erlaubt zu hoffen? Dem alten Vischer geht es noch nicht gut. Frau Vischer-Heusler hat den Typhus, die Arme! An Bayreuth wage ich gar nicht mehr zu denken, denn sonst ist es mit aller Nervenerholung zu Ende.

Nun wir wollen tapfer bleiben.

Lebe wohl für heute, liebster Freund und verzeihe, wenn ich Dir keinen Brief, sondern nur ein Notizenbündel schicke. Overbeck und Romundt denken Deiner wie ich selbst, mit Treue und mit der Sehnsucht getrennt lebender Freunde. Muss es sein? Muss es sein? Nicht selten kommt mir das schmeichelnde Bild, dass ich, einige Jahre älter, mich einmal zu Dir, in Dein Asyl, flüchte und dass wir mit einander die Felder betrachten und die Sonne untergehen sehen.

Lebewohl!
F N.

Die zurückgelassenen Sachen folgen bald. Hug war nicht im Stande den Tannhäuser anzunehmen, besonders wegen des französischen Textes. Es macht mir übrigens rechtes Vergnügen, Dir mein Exemplar anzubieten; so dass ich Dich jetzt im Besitz von allen Wagneriana weiss; oder fehlt die herrliche Faustouvertüre?

Nun bist Du also auch wieder Onkel geworden. Bei Deiner Erzählung dachte ich mir verschiedenes Unsägliches.

Deinen verehrten Eltern meine besten Grüsse.

342. An Carl Fuchs in Berlin

<Basel, vermutlich Februar - März 1874>

Es ist Sonntag Morgen und ich dachte eben de tranquillitate animi nach — da brachte mir Herr Prof. Overbeck Ihren Brief, lieber Herr Doctor. Nein, Niemand kann Ihnen zu dem Schritte rathen, von dem Sie schreiben; es müsste ein heiliger Wahnsinn sein, der Sie vorwärts triebe, wider alle Vernunft — nun dann würden wir Anderen uns so gut wie möglich in’s Unvermeidliche schicken und Ihnen zu helfen suchen. Inzwischen müssen wir Ihnen nur so unzweideutig wie möglich sagen, dass Basel für Ihre Lehrer-Bestrebungen, für Ihre philosophische Kundgebung, für Ihr leidlich-leibliches Fortkommen ein ungeeigneter Boden ist: es sei denn dass Sie nicht als mönchischer Gelehrter fortleben wollen, der nichts anderes von einem Orte begehrt als Ruhe und Einsamkeit. Beides kann man hier haben — und im Verhältniss zu Ihrem zappeligen unruhigen Hatz-Berlin will das freilich viel sagen. Aber eigentlich kann man das überall haben, ich sollte meinen, selbst gerade in Berlin oder Paris; man muss nur wenig begehren und sich eine Aufgabe stellen, bei der man gar nicht mehr versucht ist, auf den unruhigen Bildungs-Juden-Pöbel und die ganze anerkannte Öffentlichkeit hinzusehen. Die wahre Einsamkeit liegt in einem grossen Werke. Vorlesungen und Akademien — das ist alles nichts oder wenig mehr als der äusserliche Rahmen unsrer Existenz. Sich dahinein zu flüchten begreifen wir — Overbeck und ich — nicht recht mehr, da wir oft an das Gegentheil gedacht haben, an das Hinausflüchten, zu völliger Unbeschränktheit, um an irgend einem Winkel der Welt, sei es in den einfachsten Verhältnissen, denkend und frei weiter zu leben. Deshalb sind wir wohl auch schwerlich die rechten Rathgeber. Für diesen Ort könnte Ihnen übrigens Niemand etwas garantiren; eine Professur für Musik haben wir nicht und bekämen wir nicht, denn zu mehr als 2 akademischen Zuhörern würden Sie es, in einer recht unmusikalischen Stadt, schwerlich bringen. Die bezahlten Professuren der Philosophie sind wie wir nach einem ganz bestimmten höchst belehrenden Falle urtheilen müssen, für einen Anhänger Schopenhauer’s ganz und gar unzugänglich: überhaupt herrscht grosse Ungeneigtheit gegen jede Förderung dieser „Richtung“. S. Bagge genügt den Baselern, ebenso der Director Reiter. Ich habe die Baseler gern und sage dies nicht mit Ironie, sondern nur um Ihnen über die hiesigen Schwächen und Beschränktheiten ein Licht aufzustecken. Man lebt hier theuer, ein Junggeselle mit sehr mässigen Ansprüchen nicht unter und wahrscheinlich über 3000 frc. (800 Thl.) Ja wer könnte Ihnen rathen, werther Herr Doctor! Ich vermuthe dass ich an Ihrer Stelle eine Musikdirectorstelle in einer kleineren Stadt oder noch besser eine einträgliche Organistenstelle begehren würde: dann liesse ich die Welt laufen und erlaubte nicht dass mich etwas noch hin und herzöge. Wir werden Alle ruinirt, wenn wir unruhig werden. — Das ist freilich alles sehr wenig und sehr schwach, leider aber schon viel zu viel für meine Augen. Und so seien Sie nicht böse dass ich hiermit schliesse. Overbeck wünscht ebenso herzlich wie ich, dass Sie einen guten Entschluss fassen mögen — aber, wie gesagt, rathen können wir Ihnen nichts. Wer könnte Ihnen rathen!

Mit warmen Wünschen
Ihr
Friedrich Nietzsche.

NB. Die Preisaufgabe wird von Seiten des A<llgemeinen> D<eutschen> Musikvereins nicht zum zweiten Male wieder gestellt werden.

343. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Basel,> 1 Febr. <1874>

Meine geliebte Mutter

eben wird mir gesagt dass heute schon der erste Februar sei, ich glaube es immer noch nicht recht, mache mich aber daran, sofort an Dich zu schreiben, damit ich noch einigermassen zur rechten Zeit mit meinen Geburt<s>tagswünschen in Naumburg eintreffe. Nun wollen wir einmal zusehen, was dieses Jahr bringt: hoffentlich für Dich und damit auch für uns Gutes oder Erträgliches. Ich schreibe heute bei schlechter Verdauung und Übelkeit; so denke ich denn zuerst an den Leib und wünsche von Herzen dass es Dir mit der Gesundheit so fort ergehen möge wie es Dir bis dahin gegangen ist und dass Du nicht etwa das absurde Beispiel Deines Herrn Sohnes nachahmest, der viel zu früh zu laboriren angefangen hat und der bereits wie ein altes Männchen sich über jeden Tag freut, wo er nicht an Unverdaulichkeit und Schmerzen erinnert wird. Im Übrigen hast Du es in Naumburg so ruhig und angenehm, wie ich mich wieder Weihnachten überzeugte, dass mir auch da kein andrer Wunsch einfällt als „es möge Alles auch fernerhin beim Alten bleiben.“

Es hat mir Weihnachten so gut bei Dir gefallen, dass ich wirklich bereits in meinem Gemüthe die Möglichkeit erwogen habe, ob ich nicht vielleicht Ostern wiederkomme; vielleicht gelingt es Dir dann, mich wieder zu kuriren, durch Süppchen Spazierengehen und ein Pferdchen vielleicht. Denke einmal darüber nach; oder meinst Du, es sei vernünftig eine gute Kaltwasser-anstalt in meiner Nähe zu besuchen? Ich muss jedenfalls etwas thun, die Schwäche nimmt zu sehr überhand. Auch eine Fusswanderung möchte sehr vernünftig sein. Es wird mir wohl möglich sein, von der Anwesenheit bei dem Osterexamen mich einmal ausnahmsweise dispensiren zu lassen: so dass ich ungefähr 4 Wochen Ferien hätte. Ach, ich hätte so gern ein kleines Landgut: da hinge ich auf einige Zeit meine Professur an den Nagel. Nun bin ich 5 Jahre Professor; ich dächte es wäre bald genug. Wirklich, ich möchte es wie Gersdorff machen und Stoppelhopser werden.

Übrigens ruhe ich mich aus — was man so ausruhen nennt, eigentlich merke ich nichts davon. Das heisst, ich schreibe augenblicklich kein Buch. Von dem neuerscheinenden sind 4 Bogen gedruckt, es geht langsam. Die Augen sind öfters angegriffen.

Für unsre Lisbeth habe ich eine sehr hübsche Wohnung in meiner nächsten Nähe entdeckt: bei den vortrefflichen Hegars. Die haben zwei Häuser, das hintere Haus liegt in der Strasse in der bis jetzt Vischer-Heuslers wohnten: es ist das nächste Haus von dem Fenster meiner guten Stube aus: darin wohnt der junge Hegar mit seiner jungen allerliebsten Frau, einer Französin, vortreffliche Leute und gut eingerichtet. Da also wird unsre Lisbeth wohnen und Frau Hegar freut sich schon darauf.

Anbei folgt etwas aus den Waldhäusern. — Neulich haben wir den alten Dr. Heitz begraben: schickt Lisbeth vielleicht ein Condolenz-Zeichen an die arme Frau Doctor?

Das Befinden von Frau V<ischer->Heusler ist recht befriedigend, auch die alte Frau Vischer erregt keine Besorgniss mehr, ihr Übel ist ein langwieriger Magenkatarrh.

Sonst weiss ich nichts Neues. Ich habe ein grosses Bedürfniss mich etwas auszuruhen und zu erholen, und dann denke ich immer an Euch. Auch noch ein neues Amt hängt mir auf dem Rücken: für dieses und das nächste Jahr bin ich Dekan meiner Facultät. Ich hab’s satt.

Im Hause bin ich wieder gesteigert worden, so dass ich jetzt monatlich 47 frs. zahle (früher 40)

Nochmals: ich bin bei Dir mit treulichem Gedenken und herzlichen Wünschen.

Dein alter Sohn.

343a. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Zettel)

<Basel, 9./10. Februar 1874>

Geehrter Herr, hier sind die letzten Correkturen; bitte beachten Sie, daß Seite 102 und 103 verschossen sind (so sagt man doch?) Eine Anzahl Zeilen auf S. 103, 104, 112 habe ich gestrichen. —

Es liegt mir sehr viel daran, möglichst bald in den Besitz einiger fertiger Exemplare zu kommen!

— Wie mir Hr. Fritzsch Weihnachten zugesagt hat, beginnt nun sofort der Neudruck der „Geburt der Tragödie“; das dem Druck zu Grunde zu liegende Exemplar ist, so viel ich weiß, bereits in Ihrer Druckerei.

Ergebenst
Dr. Fr. Nietzsche

344. An Malwida von Meysenbug in San Remo

Basel 11 Febr. 1874.

Verehrte Freundin!

Ich wußte gar nicht mehr, wo ich Sie mit meinen Gedanken suchen sollte; von Gersdorff erfuhr ich nur, daß Ihre Bayreuther Existenz ein Ende erreicht habe; nun höre ich, wo Sie sind, einsam und krank, so daß ich am liebsten gleich Ihnen nachgereist wäre, wenn es nur irgendwie mit meinem Amt, mit meinen Pflichten verträglich wäre. Dafür verspreche ich Ihnen einen Besuch in Rom. Oder wäre es nicht in Erwägung zu ziehen, ob Genf oder Lugano Ihrer Gesundheit wohlthut; zeitweilig habe ich selbst daran gedacht, Ihnen Basel vorzuschlagen, denn bis jetzt haben wir einen milden und sonnigen Winter gehabt, und erst seit gestern giebt es Schnee und wirkliche Kälte. Wenigstens weiß ich, daß der Unterschied unseres Klimas mit dem Bayreuther bedeutend ist, und daß wir das Blühen der Bäume fast vier Wochen früher haben. Sehen Sie in diesem Vorschlage nichts, als den herzlichsten Wunsch, Ihnen einmal wieder näher gerückt zu sein; denn ein Leiden haben wir mit einander gemeinsam, welches schwerlich andere Menschen so stark empfinden, das Leiden um Bayreuth. Denn, ach, unsere Hoffnungen waren zu groß! Ich versuchte erst, gar nicht mehr an die dortige Noth zu denken, und, da dies nicht angieng, habe ich in den letzten Wochen so viel als möglich daran gedacht und alle Gründe scharf geprüft, weshalb das Unternehmen stockt, ja weshalb es vielleicht scheitert. Vielleicht theile ich Ihnen später etwas von diesen Betrachtungen mit; zunächst, nämlich etwa in vierzehn Tagen, bekommen Sie etwas anderes von mir, die von Ihnen erwartete Numero 2 mit dem Titel „vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben.“ Die Numero 2 erinnert mich daran, daß man gestern in Ludwigsburg David Strauß begraben hat.

Und was macht Frau Monod, und ist es wahr, daß sie einen Knaben geboren hat?

Sie sehen, ich diktirte bis jetzt, also geht es meinen Augen nicht gut. Doch jedenfalls besser. Ach könnte ich Ihnen helfen! Oder irgendwie nützen! Ich denke mit Mitleiden an Sie Arme und bewundere, wie Sie das Leben zu ertragen wissen. Dagegen gerechnet bin ich ein Glücksprinz und muss mich schämen. Meine Wünsche sind um Sie!

Ihr Friedr. Nietzsche

345. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel 11 Febr. 1874

Lieber guter Freund, nur ein kleines Briefchen, um Dir zu melden, dass ich die Kiste (die seit einer Woche in meiner Stube steht) doch noch nicht fortschicken will, ich habe nämlich Aussicht, in spätestens 2 Wochen die Exemplare der zweiten Unzeitgemässheit; hineinzulegen, da will ich doch warten und setze voraus, dass es Dir ziemlich gleichgültig sein muss, ob die Sachen ein paar Wochen früher oder später kommen. Die letzten Correkturbogen sind vorgestern angekommen. Es ist alles schön von Statten gegangen; in summa sind es 7 Druckbogen (111 Seiten)

Ich habe mich seit Weihnachten aller litterarischen Thätigkeit enthalten und bin im Ganzen zufrieden. Dafür ist vielerlei im Kopfe durchgedacht worden, neuerdings viel Staatlich-Politisches: vorher „Richard Wagner in Bayreuth“, wiederum vorher „Cicero und der romanische Begriff der Cultur“; Alles dies wird zu seiner Zeit wieder lebendig werden. Karl Hillebrand hat mich eingeladen, an einer „italiänischen Revue“ theilzunehmen, deren Redacteur er sein wird; das Werk erscheint buchweise, die besten, auch Dir bekannten italiänischen Namen sind dabei, von Deutschen sind allein eingeladen Jakob Burckhardt, Gregorovius, Hermann Grimm, Paul Heyse; ich habe natürlich abgesagt, ebenso Burckhardt.

Weisst Du schon dass Heinze der Nachfolger von Eucken geworden ist? Er hat schon neulich hier einen Besuch gemacht.

Gestern hat man in Ludwigsburg David Strauss begraben. Ich hoffe sehr dass ich ihm die letzte Lebenszeit nicht erschwert habe und dass er ohne etwas von mir zu wissen gestorben ist. — Es greift mich etwas an. —

Für die Militaria Dir und Mende schönsten Dank. „Wird besorgt“ wie Tausig sagte. Baumgartner sitzt mir gegenüber und hat eben zwei Briefe geschrieben, die ich ihm diktirt habe, an die arme Meysenbug und an Hillebrand.

Also „vorwärts allezeit mit strengem Fechten.“

Voll guter Hoffnung
Dein
F.

346. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Mitte <15.> Februar. <1874>

Einen schönen Sonntagsgruss zuvor, liebster Freund! Lebst Du im grauen Norden? Wir haben so reine warme Tage und viel Sonnenschein, ja sogar schon tieffarbige Sonnenuntergänge. Der ganze Winter hat uns einen einzigen Schneetag gegeben. Seit Neujahr habe ich auch vernünftiger und sorgfältiger gelebt, so dass ich mein Befinden heute loben kann. Nur die Augen! Ein Schreiber thut mir noth! Zwar ist mir hier, seit einem halben Jahr ein äusserst sympathischer talentvoller Schüler erwachsen, der bereits recht zu uns Allen gehört: Baumgartner mit Namen, ein Elsasser, Sohn eines Mühlhausener Fabrikanten. Der kommt jeden Mittwoch Nachmittag und bleibt den Abend; da wird diktirt, vorgelesen, Briefe geschrieben. Kurz das ist ein rechter Gewinn für mich und, wie ich verspreche, einstmals für uns Alle. Ostern will ich wieder nach Naumburg, um dort noch einmal recht systematisch der Ruhe und der Gesundheit zu leben: so werde ich’s denn auf die Dauer schon aushalten. Seit Weihnachten habe ich vielerlei durchgedacht und musste in so entfernten Gegenden schweifen, dass ich, beim Eintreffen der Correcturbogen, öfters zweifelte, wann ich dies Zeug eigentlich geschrieben habe, ja ob das Alles von mir sei. Ich locke jetzt sehr stark wider den Stachel der politischen und Bürgertugend-Pflichten und habe gelegentlich selbst über das „Nationale“ hinausgeschwiffen — Gott bessere es und mich!

Du hast, bei aller Deiner Noth, nun auch noch die Correctur-Noth gehabt, guter treuer Freund. Jedes Winkchen ist dankbarlich benutzt („ausgelitzt“) worden, und mancher Flecken ist durch Deine Hand abgestreift worden. Eine Anzahl Sonderlichkeiten gingen übrigens nicht auf mich, sondern auf die Abschrift meines schwer leserlichen Manuscriptes zurück. Leider habe ich gerade für den letzten Bogen Deine Hülfe nicht mehr benutzen können. Ich glaubte, aus mehrern Gründen, man habe vergessen, Dir den letzten Bogen zuzusenden, und die Sache hatte Eile. Glücklicher Weise habe ich den ärgsten Anstoss selbst gehoben, auch durch Streichen von c. 1 Seite Text die Schlusspartien etwas erleichtert. Eine gewisse Allgemeinheit war übrigens geboten, weil ich Rücksichten auf speciellere Ausführungen in späteren Unzeitgemässheiten zu nehmen hatte. So mag denn das Unthier laufen — wem wird’s Freude machen? Wer wird’s auch nur lesen! Ich glaube, man wird auf eine ungeheure Dummheit bei mir schliessen — und man wird wirklich Recht haben! Nur halte ich es wirklich in der Gescheidtheit nicht mehr aus und ziehe mich auf mich selbst zurück. Ich kann wirklich nicht anders; aber nicht wahr, Du wirst mich deshalb nicht gleich verachten? Denn ich denke eigentlich, dass Du mich in diesen Dingen übersiehest — und ein Recht dazu hast, liebster Freund! An meine Mit-Philologen denkend fühle ich mitunter selbst so etwas wie Scham. Doch glaube ich nicht, dass man mich leicht aus der Bahn bringt — und erst will ich mich einmal ganz aussprechen, es giebt doch keine grössere Wohlthat, die man sich erweisen kann! Wenn Du Dein Exemplar hast (hoffentlich vor 2 Wochen), bitte ich Dich noch um Eins: sage mir doch mit Härte und Kürze Fehler Manieren und Gefahren meiner Darstellung — denn darin genüge ich mir nicht und erstrebe etwas ganz Anderes. Also hilf mir mit kurzen Winken, ich werde sehr dankbar sein.

Über Bayreuth giebt es etwas Neues und wenn nur Wahres! Eine ganz ausdrückliche Notiz des Mannheimer Journ. (dem Organon Heckels) bringt aus bester Quelle (d. h. Frau W<agner>) dass die Aufführungen jetzt endgültig gesichert sind. So wäre denn das Wunder geschehen! Hoffen wir! Es war ein trostloser Zustand, seit Neujahr, vor dem ich mich endlich nur auf die wunderlichste Weise retten konnte: ich begann mit der grössten Kälte der Betrachtung zu untersuchen, weshalb das Unternehmen misslungen sei: dabei habe ich viel gelernt und glaube jetzt Wagner viel besser zu verstehen als früher. Ist das „Wunder“ wahr, so wirft es das Resultat meiner Betrachtungen nicht um. Aber glücklich wollen wir sein und ein Pest feiern, wenn es wahr ist!

Hat man Dich denn nicht nach Greifswald berufen, an des Schöllii Stelle? Aber irgend was muss doch geschehen. Wie ich höre, geht Köchly nach Berlin, als Nachfolger von Haupt — wenigstens schwätzen die Zeitungen davon. Nun vielleicht die Heidelberger Professur! Das wäre etwas, nachdem Freiburg missglückt ist! Und wie steht es mit Deinem Roman? Das weisst Du noch nicht, dass wir Heinze als Philosophen bekommen haben; Romundt ist nicht acceptirt, die Angst vor Schopenhauer trat naiv auf (nicht bei Vischer, aber er ist nicht allmächtig) Man hat mich zu einer italiänischen Revue eingeladen, die in Buchform erscheinen wird; ich habe abgesagt. ebenso J. Burckhardt. Frl. v. Meysenbug ist wieder krank und in San Remo bei Nizza angelangt, von wo sie mir rührend schrieb. Olga Monod hat einen Knaben. Gersdorff der göttliche Landedelmann ist meiner Phantasie jetzt das Vorbild: wir sollten uns alle Landgüter erwerben und dann still und tapfer bis zu Ende leben. Aber so wie so: immer vorwärts mit strengem Fechten!

Adieu, geliebter Freund!
Dein
Friedrich N.

347. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Mittwoch. <18. Februar 1874>

Meine liebe Lisbeth, ich habe Dir für mehrere Briefe zu danken, vor allem auch für die mir sehr convenirende Erledigung der Erbschafts-Angelegenheit. Anläßlich der noch disponiblen 60 Thl. von denen Du schreibst, habe ich nun noch eine Bitte an Dich. Schicke doch 50 Thl. in meinem Namen an Professor Carl Riedel in Leipzig (Lindenstrasse 6) Ich bin meinem gegebnen Versprechen gemäß dies noch zu zahlen verpflichtet. — Daß ich von Fritzsch überhaupt noch Gelder bekommen werde, bezweifle ich im Stillen; genug, ich habe nichts bekommen und muß warten. In spätestens 2 Wochen wirst Du auch die Nr. 2 der Unzeitgemässen bekommen. Es sind 111 Seiten geworden.

Sehr kurios ist das Naumburger Erlebniß mit dem Professor Plüss, einem Basler. Ich finde es sehr artig in Rücksicht auf die beiden Städte. Übrigens hat man, im Vertrauen gesagt, wohl daran gedacht, diesen Herrn einmal als Nachfolger von Gerlach zu berufen. Ich kenne ihn übrigens gar nicht.

Über Bayreuth haben wir neulich eine noch unerklärte, aber sehr hoffnungsreiche Notiz bekommen. Wir warten auf Genaueres. Frl. v. Meysenbug schrieb aus San Remo bei Nizza und läßt Dich auch grüßen. Es geht ihr schlecht und sie hat viel zu leiden; dazu ist sie ganz einsam. Daß Hillebrand an mich geschrieben hat, habe ich schon erzählt?

Romundt hat gestern Abend einen öffentlichen Vortrag in der Aula gehalten. Heinze hat mich besucht; aber das habe ich auch schon erzählt.

Mein Befinden ist gut. Es ist kein Zweifel, daß ich jetzt die richtige Lebensweise gefunden habe. Geht es mir einmal schlecht, so hat es immer ganz nachweisbare Gründe. Ich glaube, Ihr werdet mich Ostern wohler finden als Weihnachten.

Mit den Augen freilich steht es wie ich schon sagte. Schonung fortgesetzt! Übrigens habe ich seit Weihnachten in keiner Beziehung mehr medizinirt; worüber sich unsre gute Mutter freuen wird.

Wenn ich aber Ostern kommen soll, müßt Ihr’s recht geheim halten; daß ich auch wirklich Ruhe und Behagen finde. Wir wollen ja keine Pläne machen.

Sage unsrer lieben Mutter den herzlichsten Dank für ihren Brief und seid insgesammt herzlich gegrüßt.

Euer Fritz.

348. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

<Basel, Ende Februar 1874>

Hier liebster Freund, hast Du Deine Kiste. Sie birgt zwei Exemplare der Nr. 2. Eins für Dich, das Andre für Deinen Herrn Vater.

Hoffen wir alles Gute. Ich erwarte bei einzelnen Menschen diesmal eine ergreifende Wirkung, bei denen welche sehr schon am historischen Übel gelitten haben. J. Burckhardt hat mir einen schönen Brief geschrieben.

Beiläufig: er hielt Dich für den Verfasser der ästhetischen Ketzerbriefe. Vielen Dank für Deine militärischen Zusendungen, ebenso für Videant consules. Nächstens mehr.

— Vivat sequens Nr. 3

Der Getreue.
(Gestern Abend feierten wir die 2.)

349. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

Basel Mittwoch. <4. März 1874>

Verehrter Herr Rathsherr,

ich habe Ihnen hier eine Bitte vorzutragen. Meine Gesundheit verlangt durchaus, dass ich Ostern längere Ferien mache; ich will nach Naumburg gehen und hoffe mit Hülfe einer Kur und kluger Diät meinen Magen wiederherzustellen; ebenso müssen meine Augen ausruhen. Meine Bitte geht nun dahin, dass einmal das mündliche griechische Examen der III Classe zu Gunsten eines anderen Faches ausfalle; bei dem schriftlichen Examen mich vertreten zu lassen ist ohne alle Schwierigkeit. —

Ich empfinde die Kürze der Ferien zwischen den Semestern und den Mangel der akademisch üblichen Feriendauer immer schwerer und vielleicht bald einmal so, dass ich mich entscheiden muss.

Mit der Bitte mir für den bezeichneten Examen-Mittwoch Urlaub zu gewähren

hochachtungsvoll
Dr. Fr. Nietzsche
Prof.

350. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

<Basel, 9. März 1874>Montag.

Verehrter Herr Rathsherr,

meine Ihnen mitgetheilte Bitte ziehe ich hiermit wieder zurück; denn es war mein Glaube, dabei nur um etwas ganz Geringes, ohne Mühe zu Bewerkstelligendes zu bitten, um eine Vertauschung oder etwas Ähnliches. Da ich nun eingesehen habe, mit welchen Veränderungen und Unbequemlichkeiten die Gewährung der Bitte verknüpft wäre, auch von einer Nothwendigkeit, weshalb ich gerade Ostern nach Naumburg reisen müsste, gar nicht die Rede sein kann (ich hatte nur das Nützlichere und Angenehmere, nicht das Nothwendige dabei im Auge) — so bitte ich jetzt diese Angelegenheit für erledigt zu halten; wobei ich nur zu bedauern habe, dass ich Sie überhaupt damit bemüht habe.

Mit dem Ausdruck der Ergebenheit
Ihr
Dr Friedrich Nietzsche

351. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Montag. <9. März 1874>

Meine liebe Mutter und Schwester, nun ist es leider entschieden, daß ich Ostern nicht kommen kann, festgehalten durch meine Examen-Pflichten, von denen loszukommen ich nicht zweifelte. Zuletzt als ich meinen Antrag auf Urlaub stellte, ergab es sich, daß es nur mit den größten Schwierigkeiten verbunden wäre (es hat nämlich schon einer von uns Lehrern für diese Zeit Urlaub) Kurz, ich mußte meinen Antrag zurückziehen und bedaure nun sehr, mir und Euch Hoffnung auf ein längeres Zusammensein gemacht zu haben.

Hier ist der Vater von Frau Vischer-Heusler gestorben und begraben. Ihr selbst geht es langsam besser. Recht leidend ist der alte Vischer. — Ich selbst bin mit meinem Befinden zufrieden.

Habt Ihr denn richtig die zugesendete Numero 2 meiner Unzeitgemäßen Betrachtungen erhalten?

Schönes Wetter seit längerer Zeit, Vorbote des Frühlings.

Seid herzlich gegrüßt von Eurem
Fritz.

352. An Mathilde Maier in Mainz

Basel, 11. März 1874

Verehrtes Fräulein!

Sie geben mir wieder einen Beweis von hochzuschätzender persönlicher Theilnahme; wie sehr muß ich gerade deshalb bedauern, Ihrem für mich so ehrenvollen Anliegen mit einem Nein zu entgegnen. Nein, das kann ich nicht! Im Namen der Frauen das Wort zu führen ist mir versagt; was ich Ihnen allerdings auf indirekte Weise sogar demonstriren kann. Lesen Sie den mitfolgenden Mahnruf an das deutsche Volk, den ich vorigen Herbst geschrieben habe. So und nicht anders empfinde ich in dieser Sache, so und so stark spreche ich, wenn ich einmal sprechen muß — freilich zu stark selbst für Männer, wie der Erfolg mich damals belehrt hat. Die Vertreter der Wagner-Vereine, die in Bayreuth zusammenkamen, wagten nicht, ihre Namen unter diesen Aufruf zu setzen. Milder über die Sache zu denken habe ich inzwischen nicht gelernt, und die schöne frauenhafte Milde, die Ihrem Geschlecht auch in harten und verzweifelten Lagen ansteht, ist dem meinigen versagt.

Also Verzeihung, wenn ich einfach sage „ich kann nicht“.

Übrigens freut es mich sehr, von dem Enthusiasmus der Frau Schott gerade aus Ihrem Munde zu hören. Denn ich zweifelte, offen gestanden, bis jetzt ein wenig an ihm, weil ich weiß, wie thätig, ja wie entscheidend dieser Enthusiasmus sich äußern könnte, und weil ich doch nichts von diesen Äußerungen bis jetzt gehört habe. Sie machen mir, verehrtes Fräulein, wieder Hoffnungen, dadurch, daß Sie mir diesen Enthusiasmus verbürgen.

Auf Ihren tiefen und nachdenklichen Brief über die Geburt der Tragödie schrieb ich Ihnen nicht, ich erwartete immer noch die Gelegenheit der zweiten Auflage jener Schrift, um Ihnen zu danken.

Meinen Augen geht es besser als im vorigen Sommer, doch nicht so befriedigend, als Sie mit Ihrer gütigen Theilnahme vielleicht wünschen möchten.

Ich dictierte bis jetzt, verehrtes Fräulein. Seien Sie nicht böse über das absolute Nein. Übrigens: glauben Sie an die sogenannte „deutsche Frau“, daß Sie es wagen würden, sich an sie zur Unterstützung unserer Bayreuther Wunderhoffnungen zu wenden? Glauben Sie? Ich glaube nur an einzelne Individuen, zweifle aber — sträflicher Weise — an allem, was in Zeitungen und Zeitromanen als „deutsches Weib“ glorificiert wird. Dies sage ich Ihnen, weil ich Sie sehr ehre.

Ihr ergebener
Dr. Friedrich Nietzsche.

353. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 19. März 1874>

Auch mein Semester kommt zum Schluss, morgen nämlich, obwohl natürlich nur an der Universität; das Pädagogium wirft mir in seiner kärglichen Manier überhaupt anderthalb Wochen Osterferien ab, nicht mehr. Darin bist Du, liebster Freund, besser dran, aber auch nur darin, denn Dein übriges Loos beklagen wir Verbrüderte, immerfort, einzeln und gemeinsam. Ich habe wieder einen schönen Plan geschmiedet, für späterhin, um uns dauerhaft zu vereinigen — aber ein paar Jahre müssen noch in’s Land gehen. Doch nicht wahr, die Versammlung im Herbst, das concilium Rhaeticum, das ist fest und dabei bleibt’s? — Nun Bayreuth! Wir wissen durch Frau W<agner> — und es soll das Geheimniss der Freunde sein — dass der König von B<ayern> in der Form von Vorschüssen bis zu 100 000 Thaler das Werk unterstützt, so dass die Arbeiten (Maschinen — Dekorationen) rüstig gefördert werden. Wagner selbst schreibt dass 1876 der Termin sei, er ist muthig und glaubt dass jetzt das Unternehmen im Reinen ist. Nun das walte Gott! Dies Warten und Bangen ist schwer zu verwinden, ich hatte wirklich zeitweilig die Hoffnung ganz aufgegeben.

Ich erwarte immer von Dir die Meldung einer ordentl. Professur zu bekommen? — Übrigens sind die Menschen schrecklich dumm in Beziehung auf akademische Beamtungen, ich war neulich in Freiburg und hörte über den unausstehlichen Pedanten und Nörgelfritzen Keller klagen. Ist Recht! dachte ich, klagt nur zu; auch erfuhr ich dass Ritschl die Ursache seiner Berufung sei. Dieser schweigt und ich ergötze mich bei der Vorstellung, wie wenig er beim Lesen meiner „Historie“ verstehen wird. Dies Nichtverstehen schützt ihn vor dem Ärger und das ist das Beste an der Sache.

Professor Plüss in Schulpforte, mir fremd, ein Historiker, hat meine Mutterstadt Naumburg durch eine begeisterte Rede über die Geb. der Tragödie und die erste Unzeitg. aufgeregt. Herr Bruno Meier hat über Dräseke’s Beitrag zur Wagnerfrage, bauchschütternden Angedenkens, eine lange schwere widerlegende Abhandlung geschrieben, worin ich als „Feind unserer Cultur“ feierlich denuncirt und übrigens als verschmitzter Betrüger unter Betrognen dargestellt werde. Er schickte mir seine Abhandlung persönlich, sogar mit Wohnungsangabe zu; ich will ihm die zwei Schriften des Wilamopses zuschicken. Das heisst doch christlich seinen Feinden wohlthun. Denn was dieser gute Meier sich freuen wird, über Wilamopsen, das ist gar nicht auszudrücken.

Dr. Fuchs hat im Wochenblatt wieder mich ekelhaft angelobt, ich hab’s nun satt mit dem. Doch was erzähle ich Dir von Lob und Tadel! Hier sind wir durch unsre Freundschaft vor Grillen und Verdriesslichkeiten ziemlich geschützt, und da ich wieder etwas unter dem Herzen trage, so geht mich Lob und Tadel gar nichts an. Dass ich es mit meinen Ergüssen ziemlich dilettantisch unreif treibe, weiss ich wohl, aber es liegt mir durchaus daran, erst einmal den ganzen polemisch-negativen Stoff in mir auszustossen; ich will unverdrossen erst die ganze Tonleiter meiner Feindseligkeiten absingen, auf und nieder, recht greulich, „dass das Gewölbe wiederhallt“. Später, fünf Jähre später, schmeisse ich alle Polemik hinter mich und sinne auf ein „gutes Werk“. Aber jetzt ist mir die Brust ordentlich verschleimt vor lauter Abneigung und Bedrängniss, da muss ich mich expectoriren, ziemlich oder unziemlich, wenn nur endgültig. Elf schöne Weisen habe ich noch abzusingen. — Unsern Overbeck habe ich zu meiner grossen geheimen Freude wieder so weit dass er Ostern auch wieder öffentlich loskämpft, in der Weise seiner Streit- und Friedensschrift Nr. 1. Siehst Du, hier geht’s muthig zu, wir hauen um uns herum. Immer vorwärts mit strengem Fechten! — Nur der gute treffliche Romundt macht uns einige Sorge, er wird zum unerfreulichen Mystiker. Klarheit war nie seine Sache, Welterfahrung auch nicht, jetzt bildet sich ein wunderlicher Hass gegen die Kultur überhaupt in ihm aus — nun wie gesagt, wir (Overbeck und ich) sorgen uns etwas. Er grübelt in unheimlicher Weise über den Anfang der Empfindung, synthetische Einheit der Apperception — dafür behüte uns unser Heiland Jesus Christ.

Gute Briefe habe ich, von vielen Seiten. Burckhardt, mein College, hat mir in einer Ergriffenheit über die Lecture der „Historie“ etwas recht Gutes und Characteristisches geschrieben. — Dem alten Vischer geht es recht schlecht, er hat sich vom grössten Theil seiner Geschäfte dispensiren lassen und sieht sehr grün weiss gelb-elend aus.

An der Geburt der Tragödie wird eifrig gedruckt — endlich!

Wann kannst Du denn im Herbste bei uns eintreffen? Ich möchte das genaueste jetzt schon wissen: damit die Freunde ihre Sommerpläne machen können.

Lebwohl herzlich geliebter Einsiedler und Romantiker des Nordens in Bezug auf den Süden.

Übrigens sind wir allesammt curiose Kerle, ich wundere mich sehr und immer sehrer.

Dein F N.

354. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 26. März 1874>

Meine liebe Mutter und liebe Schwester,

nun ist es also nichts mit unserer gemeinsam erhofften Osterfreude; eure letzten Briefe, die sich mit meinem Absagezettel gekreuzt haben, zeigten mir noch einmal recht deutlich, was ich damit verloren habe. Zwar ist mein Gesundheitszustand jetzt glücklicherweise nicht derart, dass ich eine Kur machen müsste, es geht, bei grosser Vorsicht und Regelmässigkeit, recht gut. Aber Ihr wisst, wie ich einer freundlichen und herzlichen Zerstreuung und Ableitung von meinen gewöhnlichen Gedanken bedürftig bin, wie ich dafür, und besonders für etwas Heiterkeit um mich herum, dankbar bin. Ich leide wirklich zu viel, und kann wirklich froh sein, wenn ich körperlich krank bin; denn dann kann ich einmal mir einbilden, es wäre mir zu helfen; was ich jetzt, wo ich nicht einmal die Krankheit als Vorwand habe, freilich für unmöglich halte. Aber es hilft nichts, man läuft seinen Lebensweg weiter, ich entlade mich durch gedruckte Verwünschungen und will jetzt wieder an die Nr. 3 meiner Unzeitgemässen gehen. — Am Ende versteht Ihr mich nicht? Also wie gesagt, es geht mir sehr gut, und ich habe seit Jahren keine so anhaltende Gesundheit gehabt, fast drei Monate schon.

Seit vorigem Sonntag habe ich schöne frische Blumen im Zimmer, und denkt! vom mittelländischen Meere. Die hat die gute Meysenbug geschickt. Einen ganz grossen Amethyst, fast wie meine Hand, habe ich geschenkt bekommen, von Baumgartner; nächsten Sonntag bin ich in Lörrach zu Tisch bei seinen Eltern, die wie man mir erzählt, den Deutschen sehr feind sein sollen (es ist eine Mühlhäuser Familie). Gestern Abend haben wir ein Abschiedsessen für College Eucken gehabt; ich freue mich auf Heinze’s Ankunft, denn ob ich schon nichts Förderliches in meinem Sinne von ihm erwarte, so weiss ich doch dass er ein guter tüchtiger und rücksichtsvoller Mensch ist. Wann kommt er denn? Wir haben hier himmlisches Frühjahrswetter; darf ich heute darum bitten, dass unsre Lisbeth sich recht bald entschliessen möge, zu mir zu kommen? Das ist vielleicht noch die einzige Manier, mir ein wenig Ferienerholung zu verschaffen.

Hier ist nichts passirt, was mitzutheilen wäre, ausser dass Frau Sieber das Scharlach hat. Doch geht es wieder besser. Herrliche Briefe an mich sind eingetroffen.

Wenn mir nur das Schreiben leichter würde.

Seid nicht böse dass ich schon schliesse
Herzliche Grüsse und Dank.
Euer Fritz.

355. An Friedrich Hegar in Zürich

<Basel, Anfang April 1874>

Hochgeehrter Herr Capellmeister,

eine kleine Bitte!

Ich gab Ihnen einmal ein Musikheft, mit dem Titel „Manfred-Meditation“; vielleicht finden Sie es noch wieder unter Ihren Papieren — in diesem Falle würden Sie mich recht verbinden, wenn Sie es mir nach Basel zusenden wollten.

Ich dachte Ihrer, als ich in den Zeitungen las, dass am 11ten d. M. in München wieder der „Tristan“ aufgeführt wird.

Zu Ihrem Züricher Musikfeste werde auch ich mich einstellen; ich freue mich besonders darauf, das Triumphlied endlich! zu hören.

Ihr ergebenster
Dr. Friedrich Nietzsche
Prof. in Basel.

356. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel erster April. 1874.

Lieber getreuer Freund, wenn Du nur nicht eine viel zu gute Meinung von mir hättest! Ich glaube fast, dass Du Dich einmal über mich etwas enttäuschen wirst; und will selbst anfangen dies zu thun, damit dass ich Dir, aus meiner besten Selbsterkenntniss heraus erkläre, dass ich von Deinen Lobsprüchen nichts verdiene. Könntest Du wissen, wie verzagt und melancholisch ich im Grunde von mir selbst, als producirendem Wesen, denke! Ich suche weiter nichts als etwas Freiheit, etwas wirkliche Luft des Lebens und wehre mich, empöre mich gegen das viele, unsäglich viele Unfreie, was mir anhaftet. Von einem wirklichen Produciren kann aber gar nicht geredet werden, so lange man noch so wenig aus der Unfreiheit, aus dem Leiden und Lastgefühl des Befangenseins heraus ist: werde ich’s je erreichen? Zweifel über Zweifel. Das Ziel ist zu weit, und hat man’s leidlich erreicht, so hat man meistens auch seine Kräfte im langen Suchen und Kämpfen verzehrt: man kommt zur Freiheit und ist matt wie eine Eintagsfliege am Abend. Das fürchte ich so sehr. Es ist ein Unglück sich seines Kampfes so bewusst zu werden, so zeitig! Ich kann ja nichts von Thaten entgegenstellen, wie es der Künstler oder der Ascet vermag. Wie elend und ekelhaft ist mir oft das rohrdommelhafte Klagen! — Ich hab’s augenblicklich etwas sehr satt und über.

Meine Gesundheit ist übrigens ausgezeichnet: sei ganz unbesorgt. Aber ich bin mit der Natur recht unzufrieden, die mir etwas mehr Verstand, nebst einem volleren Herzen, hätte geben sollen — es fehlt mir immer am Besten. Das zu wissen ist die grösste Menschenquälerei.

Die regelmässige Arbeit in einem Amte ist so gut weil sie eine gewisse Dumpfheit mit sich bringt, man leidet so weniger.

Im Herbst also — ach Du verstehst das „Also“ doch? müssen wir uns sehen, beim concilium subalpinum sive Rhaeticum. Wenn wir alle zusammen sind, kommt ein ganzer Kerl heraus, der keinen Grund hat sich zu betrüben. Gemeinsam und zusammen sind wir ein Wesen, welches „Freude trinken“ darf — an den Brüsten der Natur. Sage mir doch ganz genau, wann es Dir erlaubt ist hierher zu kommen? Rohde hat im letzten Briefe definitiv zugesagt. Overbeck auch, Romundt (seit gestern unser Hausgenosse) auch. Ich der ich die wenigsten Ferien habe denke doch die erste Hälfte des October zur Disposition zu sein. Kannst Du diese Zeit uns schenken? — Lieber theurer Freund! —

Hast Du zufällig gehört, dass Prof. Plüss in Schulpforte, Nachfolger Volkmann’s, in der Naumburger Litteraria einen „begeisterten“ Vortrag über Geburt der Trag. und die Straussiade gehalten hat? Sehr scherzhaft und unglaublich, nicht wahr? — Dr. Fuchs, im musikal. Wochenblatt, ist sehr dreist und hat es dadurch, wie durch manche Zudringlichkeit, mit Overbeck und mir verdorben. — Die gute Meysenbug schickte mir schöne frische Blumen, Frühlingsboten vom mittelländischen Meere.

Ich lege einen schönen und auch für Dich lehrreichen Brief Rohde’s bei; gelegentlich wieder zurückzugeben!

Herrliche Briefe der Bayreuther.

Dank für die Druckfehler: aber der wichtigste fehlt, Höderlin für Hölderlin. Aber nicht wahr, es sieht wunderschön aus? Aber es versteht kein Schwein.

Meine Schriften sollen so dunkel und unverständlich sein! Ich dachte, wenn man von der Noth redet, dass solche die in der Noth sind, einen verstehen werden. Das ist auch gewiss wahr: aber wo sind die, welche „in der Noth“ sind?

Erwarte jetzt nichts Litterarisches von mir. Ich habe für mein Sommercolleg viel vorzubereiten und thue es gern (über Rhetorik).

Übrigens ist viel seit Weihnachten durchdacht und ausgedacht worden.

Sei herzlich gegrüsst und grüsse Deine verehrten Eltern.

Ja wenn man keine Freunde hätte! Ob man’s noch aushielte? ausgehalten hätte? Dubito.

Fridericus.

357. An Malwida von Meysenbug in San Remo

Basel, Sonnabend vor Ostern. <4. April>1874.

Verehrteste Freundin

Was für rührende Überraschungen haben Sie mir bereitet! Noch Niemand hat mir je Blumen geschenkt, und ich glaube jetzt zu wissen dass eine eigne Beredsamkeit in dieser stummen Farbenfülle- und Belebtheit liegt. Diese Frühlingsboten blühten in meinem Zimmer wieder auf und fast eine Woche lang konnte ich mich ihrer erfreuen. Denn so grau ist unser Leben und so schmerzhaft dazu, dass Blumen gleichsam die Ausplauderer eines Geheimnisses der Natur sind; sie verrathen dass irgendwo Leben Hoffen Licht Farbe auf dieser Welt zu finden sein muss. Wie oft verliert man allen Glauben daran! Und da ist es ein schönes Glück, wenn die Kämpfer sich gegenseitig Muth zusprechen und sich durch die Übersendung von Symbolen, seien es Blumen, seien es Bücher, an ihren gemeinsamen Glauben erinnern.

Doch da denke ich an Ihre armen Augen, und bezweifle sehr, dass Sie diese schlechte Schrift lesen können, wenn Sie sie selbst lesen dürften.

Mein Befinden, um davon ein Wort zu sagen, ist seit Neujahr, in Folge einer veränderten Lebensweise, recht gut und ohne jedes Bedenken: nur dass ich mit den Augen vorsichtig sein muss. Sie wissen aber, es giebt einen Zustand körperlichen Leidens, der einem mitunter wie eine Wohlthat erscheint; denn man vergisst darüber, was man sonst leidet, oder vielmehr: man meint, es könne einem geholfen werden, wie dem Leib geholfen werden kann. Das ist meine Philosophie der Krankheit: sie giebt Hoffnung für die Seele. Und ist es nicht ein Kunststück, noch zu hoffen?

Nun wünschen Sie mir Kraft zu den noch übrigen elf unzeitgemässen Betrachtungen. Ich will wenigstens einmal alles aussprechen, was uns drückt; vielleicht fühlt man sich, nach dieser Generalbeichte, etwas befreiter.

Meine herzlichsten Wünsche begleiten Sie, verehrte und liebe Freundin.

Treulich Ihr
Friedrich Nietzsche.

358. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Sonntag. <12. April 1874>

Meine liebe Mutter und Schwester,

es geht mir ganz gut, ich bin nicht krank, habe Eure Briefe auch bekommen, konnte mich aber aus vielen kleinen Gründen nicht entschliessen, durch eine Antwort die Sache schnell zu entscheiden. Eigentlich wollte ich diese Ferien nicht verreisen, nachdem der Plan mit Naumburg sich zerschlagen hat. Zudem bin ich in Arbeiten, besonders für das Sommersemester, die in einer fremden Pension nicht gefördert werden könnten. Überdies graut mir geradezu vor dieser Pensions-Ungemüthlichkeit, für die ich doch nur 9 Tage hätte (nämlich Donnerstag den 23 April Abreise von hier, Sonntag den 3 Mai retour) Also: ehrlich gesagt, ich schlage Euch vor, den Gedanken einer Heidelberger Zusammenkunft aufzugeben. Dafür bitte ich unsre Lisbeth, ihre Ankunft hier doch ja für den 23—25 festzuhalten, damit wir noch ein paar Ferientage zusammen geniessen können.

Ihr seht, ich bin noch gar nicht in Ferienstimmung, bis gestern habe ich noch Stunden gegeben, die nächste anderthalb Woche ist dem Examen gewidmet.

Ihr seid mir doch nicht böse? — Nun noch eine Bitte in Betreff Haverkamp. Er soll mir einen hübschen Rock und einen guten Sommerüberzieher machen. Dazu eine Weste. Sucht nur die Stoffe und Farben aus.

Den Vortrag des Prof. Plüss aus Schulpforte wünsche ich nicht zu lesen, ich bin froh, wenn ich nicht dazu gezwungen werde. Also bringe mir ihn ja nicht mit, liebe Lisbeth.

Verzeiht mir heute das Billetchen, dazu meine absagende Antwort und denkt recht in Freundlichkeit

Eures Fritzen.

359. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 19./20. April 1874>

Meine liebe Mutter, sei nur ganz und gar unbesorgt und lass Lisbeth nach Basel ziehen. Immermann erwartet ihre Ankunft und lacht wie ich über die Nachwirkung seiner dem ängstlichen Familienvater Heinze gegebenen Vorschrift. Nöthig war es gar nicht, dass Heinze’s Familie erst hinter ihm drein kommt, aber wer die Ärzte ängstlich befragt, wird von ihnen so behandelt. Unsere Scharlachepidemie ist nämlich, seit wir Frühling haben, vorüber; ich habe natürlich überhaupt nichts davon erfahren, dass es eine solche Epidemie gab. Übrigens haben wir geradezu himmlisches Wetter, und Lisbeth und ich wohnen bekanntlich hier in Basel in der gesündesten Lage, dort wo die frischeste Luft weht.

Ich habe schon Hegar’s die bestimmte Mittheilung über Lisbeths Ankunft am 25t. d M. gemacht; es war dies nothwendig, weil Frau Hegar einen Reiseplan in diesem Monat darauf hin einrichten wollte und somit bestimmt wissen musste, wann die Ankunft erfolgt.

Also nicht wahr, Sonnabend Nachmittag um 3 Uhr ist die Ankunft? Ich will endlich einmal ordentlich und zur rechten Zeit auf der Eisenbahn sein. Mit den herzlichsten Grüssen

Euer Fritz.

An Heinze’s natürlich kein Wort über meine Bemerkungen.

360. An Carl Fuchs in Berlin

Basel 28 April 1874.

Ein längerer Brief, lieb und werther Herr Doctor, soll Ihnen ad oculos demonstriren, wie es mir mit meinen oculis geht, nach deren Befinden Sie Sich so theilnehmend erkundigen; und noch mehr scheint es mir endlich an der Zeit zu sein, Ihnen etwas ausführlicher und ausdrücklicher zu sagen, wie ich, in dem letzten Jahre Ihrer sehr viel, mit manchem Wechsel der Empfindungen, mit Hoffnung und Bangen bisweilen, gedacht habe, immer aber getreu des guten Glaubens und Vertrauens, dass Sie die seltne Kraft besitzen Sich selbst zu helfen: womit freilich auch gesagt ist, dass solchen Naturen auch gar nicht anders geholfen werden kann. Erwarten Sie also auch von Freunden nichts als ein theilnahmevolles Zuschauen Ihres „Ausringens und Emporringens“ (Straussisch zu reden), erwarten Sie ja nicht Rathschläge, Aufforderungen, Zurufe, mit denen Ihnen nicht genützt werden kann: so sehr man aus der Ferne einmal und öfter sich versucht fühlt, Ihnen die Hand recht herzlich hülfreich entgegenzustrecken. Neulich zum Beispiel fiel mir ein: warum räth denn Niemand dem Dr. Fuchs, seine mannichfaltigen kleineren Abhandlungen, die bis jetzt getrennt und dazu in Fetzen publicirt und, weil in Musikblättern, nicht einmal recht publicirt wurden, schnellstens zusammen zu drucken? Ich dachte mir, es müsste Sie erheitern den Leuten einmal eine vorläufige Probe Ihrer philosophischen, theologischen musikalischen, schriftstellerischen Begabungsfülle zu geben: ganz vorläufig, ohne sich mit der Redaktion irgend welche Mühe zu machen, ganz nebenbei, nur um einmal den Bann der Musikblätter zu durchbrechen und sich selbst eine kleine Ermuthigung zu machen. Ich dachte an Ihren Aufsatz über Lotze, für und gegen Schopenhauer, über Renan, zu Grillparzer, Schatzgräberversuche und kenne wahrscheinlich nicht Alles, was Sie bei dieser Gelegenheit mit in diese lanx satura aufnehmen können. Aber wie gesagt, was kann ich rathen! Wenn Sie sich nicht schon selbst diesen kleinen Aderlass verordnet haben und ich Sie vielleicht nur an einen eignen Gedanken erinnere? Fast möchte ich’s glauben.

Übrigens wäre ich für eine solche Sammlung Ihrer Arbeiten Ihnen sehr dankbar, denn ich lerne immer von Ihnen: während es mir Überwindung kostet, eine Musikzeitung wirklich zu lesen und ich immer mit Betrübniss Ihren Namen und Ihre Gedanken mitten unter den unbegreiflich ungeschickten und gedankenarmen Schriftgelehrten des musik. Wochenblatts finde. Wir wollen schon später, nach ein paar Jahren, daran denken, wie wir uns für unsere Art „Kulturkampf“ (wie der verfluchte Ausdruck lautet) ein öffentliches Theater gründen — später, wenn wir ein paar Namen mehr haben und nicht mehr so blutwenige sind, wie gegenwärtig. Bis dahin muss jeder von uns kräftiglich allein kämpfen: ich habe mir durch meine 13 Unzeitgemässen, die ich hinter einander herausgebe, eine gute Waffe geschmiedet, die ich den Leuten um die Köpfe schlage, bis dabei etwas herauskommt. Ich wollte, Sie machten es ebenso und schafften alles, was von Negativem, Polemischem, Hassendem in Ihrer Natur ist, auf diesem Wege aus sich heraus, um dann später Ruhe zu haben und sich durch gar nichts mehr „zum Widerspruch verleiten zu lassen“. So rechne ich und getröste mich einer Zeit, wo alles Kämpfen, Ächzen und Krächzen abgethan sein wird; inzwischen aber „vorwärts mit strengem Fechten“, wie irgend ein alter brandenburger Markgraf in der Reformationszeit gesagt hat. Denn zuletzt leiden wir alle so tief und schmerzlich, dass man es eben nur im rüstigsten Kämpfen aushält, das Schwert in der Hand. Und da wir nichts für uns wollen und mit einem freudigen und guten Gewissen uns in den härtesten Strauss begeben können, so wollen wir uns zurufen „der Soldat allein ist der freie Mann“ und wer ein freier Mann sein, bleiben oder werden will, hat gar keine Wahl: „vorwärts mit strengem Fechten.“

Und so leben Sie wohl und muthig, als Waffen- Kriegs- und Siegsgenosse und denken Sie gerne

Ihres getreuen
Friedrich Nietzsche.

361. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

8 Mai 1874 Basel.

Lieber treuer Freund, ich schrieb lange nicht und es kommt mir so vor, als ob Du Dich vielleicht darüber beunruhigen könntest. Dazu ist aber kein Anlass, es ist mir gut gegangen und jede Depression, Melancholia ferne und tief unter mir. Ich muss durch meinen letzten Brief einen falschen Eindruck hervorgebracht haben: weisst Du, ich wiederhole es, es war nicht die Sprache der Depression, höchstens einer gewissen noch nicht wunsch- und wahnlosen Resignation. Inzwischen habe ich meine dritte Unzeitgemässe so weit fertig, dass wenn Du da wärest, der Guss beginnen könnte; das Sommersemester nimmt mich aber jetzt in Anspruch und deshalb lege ich, da mich nichts drängt, diese Papiere etwas zurück. Titel: (aber zu verschweigen!) „Schopenhauer unter den Deutschen.“ Es wird schön, sage ich Dir. Zweitens habe ich fertig und bin „ganz erschröcklich zufrieden“ damit — den Hymnus an die Freundschaft, für 4 Hände und ebenso viele Freundesherzen. Ich habe noch nichts Besseres gemacht, es klingt aber auch „nich e Bischen“ deprimirt! Sondern vielmehro im Gegentheil!

Endlich wollte ich Dich fragen: hast Du eine Ahnung, an wen bei der Adresse zu denken ist:

E. Guerrieri-Gonzaga

Via del Pallone 1

Firenze

Ich bekam aus Florenz einen bedeutenden und warm empfindenden Brief und bin gebeten unter der angegebnen Adresse zu antworten. Frauenhand.

Der Druck der Geburt der Trag. ist fast vollendet.

Dr. Fuchs hat mehrfach und, ich kann nicht anders sagen als rührend, geschrieben; ich bin wieder geneigt, ihm zu helfen und zu nützen, so gut ich nur kann; auch hört er wirklich auf das, was ich ihm schreibe und vertraut mir in einer ganz und gar unbedingten Weise. Wir wollen ihn also, christlich zu reden „in unser Gebet aufnehmen.“

Freund Krug und Pinder machen in diesem Herbste Hochzeit.

Collega Heinze ist hier eingetroffen und gefällt mir sehr: ein guter und tüchtiger Mensch.

Meine Schwester ist bei mir zu Besuch, und Tag für Tag schmieden wir die schönsten Pläne idyllisch-arbeitsamen und einfachen Zukunfts-Lebens.

Nun lebe wohl, Getreuester! Und bleibe uns allen durch That und Gesinnung unser „absolutes Ideal“ wie Dich Wagner kürzlich in einem Briefe bezeichnete.

Dein
Friedrich N.

Kann man gelegentlich ein Stückchen Deiner Übersetzungen zu sehen bekommen? —

Romundt und Overbeck gedenken treulichst Deiner und freuen sich auf den Herbst.

Romeo und Julia von Hartmann folgt — ich kann Dir’s nicht ersparen — ein wahres Höllengelächter höre ich aus Deinem Munde bereits erschallen; später nachdem man gelacht hat, hat man aber allen Grund, sehr ernst zu werden —

362. An Emma Guerrieri-Gonzaga in Florenz

Basel den 10 Mai 1874.

Mitunter weiss ich gar nicht mehr, ob ich ein Recht habe, von allen möglichen Leiden unserer Zeitgenossen zu reden; denn ich sehe die Leidenden nicht, nur mich selbst ausgenommen und mache vergebens die Augen auf. Zumal wenn man unter Gelehrten lebt, wird einem leicht zu Muthe, als ob hier nicht einmal leidfähige Menschen wären; — nur dass sie auch nicht glücklich machen können! Das aber können wir, lieber Briefschreiber, unter einander thun — weil wir zusammen leiden, wissen wir auch uns zu beglücken; und das thaten Sie bei mir mit Ihren Zeilen. Denn ich weiss keine höhere Freude als wieder von einem Menschen zu hören, der ein Sehnender und ein Hoffender ist; ach, und mitunter bedarf ich recht herzlich und stark dieser Freude, um überhaupt noch ein Hoffender sein zu können!

Ich errathe aus Ihrem Briefe weit mehr Übereinstimmung zwischen uns als vier Seiten eigentlich verrathen könnten. Es scheint mir dass Sie eine tiefe Veränderung der Erziehung des Volkes für die wichtigste Sache von der Welt halten — und Sie werden dabei nicht erst auf meine Zustimmung warten! Ich kenne auch für mich kein höheres Ziel, als irgend wie einmal „Erzieher“ in einem grossen Sinne zu werden: nur dass ich sehr weit von diesem Ziele bin. Inzwischen muss ich erst alles Polemische Verneinende Hassende Quälende aus mir herausziehn; und ich glaube fast, wir müssen das Alle thun, um frei zu werden: die ganze schreckliche Summe alles dessen, was wir fliehen, fürchten und hassen, muss erst zusammen gerechnet sein — dann aber auch kein Blick mehr zurück in’s Negative und Unfruchtbare! Sondern nur noch pflanzen, bauen und schaffen!

Nicht wahr, das hiesse „sich selbst erziehn“! Doch wem gelingt dies recht und fortwährend! Und doch ist’s nothwendig und gar keine Hülfe anderswoher zu erwarten. Mag der Einzelne sich dabei trösten, wie und auf welchem Wege er kann: Natur, die göttliche Goethische Gottnatur, Kunst und Religion (gewesene oder zukünftige), alles was stärkt und die verderbliche aber für uns unvermeidliche Vereinsamung ertragen lehrt, vor allem der herzliche Zuruf der Mit-Leidenden, Mit-Liebenden und Mit-Hoffenden, alles alles sei gesegnet und verehrt: damit nur ja der also Strebende nicht schwach und persönlich werde, damit er sich von jeder Unzufriedenheit und Verdrossenheit des Ich’s frei halte, um nur die grosse allgemeine Noth auf seinem Rücken zu tragen! Und mehr noch ist nöthig: man muss sogar den Muth haben, mitsammt dieser Noth glücklich zu sein: mindestens so wie es der Krieger im Kampfe ist. Alles „Krächzen und Ächzen“ aber wollen wir mit Goethe weit von uns abthun.

Sie sehen, ich rede zu mir, während ich zu Ihnen reden sollte: und doch — was könnte ich Ihnen überhaupt sagen, wenn ich nicht zu Ihnen und zu Jedem wie zu mir sprechen darf? Als Mensch zu Mensch, wie Sie es selbst wollen?

Alles Gute sei um Sie!

Ihr
Friedrich Nietzsche

363. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 10. Mai 1874>

Liebster Freund, wir sind wohl beide wieder in Semester-Anfangs-Nöthen? Mein Ferienbissen von anderthalb Woche war schnell verschluckt; doch habe ich die letzten 6 Wochen gut angewendet, indem ich meinen Hymnum an die Freundschaft zu Ende componirt und schönstens für 4 Hände zu Papier gebracht habe. Dieses Lied ist für Euch Alle gesungen, und es klingt muthig und innig; ich glaube, wir halten’s mit dieser Stimmung noch eine tüchtige Weile auf der Welt aus. Sodann ist Nr. 3 meiner Unzeitgemässen soweit vorbereitet, dass ich nur auf einen warmen fruchtbaren Regen zu warten habe: dann ist’s plötzlich da wie ein Spargelgewächse.

In Bayreuth haben sie sich sehr über meine Melancholie betrübt und beunruhigt, die ich wohl durch einen Brief verrathen habe; aber wenigstens das weiss ich: es ist keine Verstimmung und Verdriesslichkeit. Sondern man geht eben auch so vorwärts. Gute Gesundheit! und gar keine Nerven!, glaub mir’s nur. Dich umarmend, guter Freund

Dein Friedrich N.

364. An Erwin Rohde in Kiel

c. 14 Mai 1874. Basel.

Hier, liebster armer Freund, einige Anti-Melancolica! die zunächst mir verordnet worden sind; Du wirst aus ihnen und aus Dir, durch Analogie, entnehmen, was mich quält: doch nicht so, dass ich vor Dir darüber klagen würde, weil ich weiss, wie sehr und wie viel mehr Du leidest. Ich denke öfters, es ist Dir tröstlicher, wenn Du von mir nur das Gute und Entschlossne hörst; aber sieh einmal die mitfolgenden Briefe an — ich gerathe mitunter in eine schreckliche Klagerei und bin immer mir einer tiefen Melancholie meines Daseins bewusst, bei aller Heiterkeit; da aber gar nichts zu ändern ist, lege ich es auf Fröhlichkeit an, suche das, worin mein Elend ein allgemeines ist und fliehe vor allem Persönlich-Werden. Mein Gott, ich rede so dunkel und ungeschickt, Du wirst mich doch verstehen.

Übrigens bin ich wieder stark im Plänemachen, um mich ganz und gar zu verselbständigen und von aller officiellen Beziehung zu Staat und Universität mich in die unverschämteste Singulärexistenz zurückzuziehn, miserabel-einfach, aber würdig.

Einstweilen habe ich Rothenburg ob der Tauber als meine Privatburg und Einsiedelei ausgesucht; im Sommer will ich’s besichtigen. Dort geht es wenigstens noch ganz altdeutsch zu; und ich hasse die characterlos gemischten Städte, die nichts mehr ganz sind. Dann mag’s billig sein. Dort kann man noch seine Gedanken ausdenken, hoffe ich, und Pläne für Jahrzehnte planen und zu Ende bringen.

Meine „Historie“ hat mir aus Florenz einen äusserst sympathischen Brief eingetragen: gänzlich fremde Adresse: E. Guerrieri-Gonzaga. Ein Weib, scheint’s.

Der junge Vischer-Heusler hat unserer Facultät (deren Dekan ich bin) 100,000 frcs geschenkt zur Gründung eines Lehrstuhl’s für Philologie und vergleichende Sprachwissenschaft. — Dem alten Vischer geht es sehr schlecht; greuliche Blasenleiden. — Heinze, mit mir recht gut bekannt, hält morgen seine Antrittsrede „über mechanische und teleologische Weltanschauung“.

Meine nächste Unzeitgemässe heisst „Schopenhauer unter den Deutschen“.

Dr. Fuchs ist mir wieder näher getreten, und ich habe ihm im Stillen alles verziehn, was mich bedenklich gemacht hat. Er laborirt sehr, am Leben, an sich selbst.

Heute soll man gen Himmel fahren — bei eiskaltem und nassem Wetter.

Sei nur ja nicht trostlos als ob Du einsam wärest — Schmerz und Liebe, alles bindet uns zusammen; und dann wollen wir doch einmal ernstlich darüber nachdenken, was zu einer dauernden Vereinigung alles Noth thut.

Wären wir nur ein wenig begüterter! —

Doch ist das Wenigste in diesem Falle schon ausserordentlich viel. Schreib mir doch Deine Gedanken darüber.

Ich wollte den Hymnus schicken; doch habe ich solches Malheur mit Abschreibenlassen, dass ich allen Muth verloren habe.

Nächste Woche ist Wagner’s Geburtstag.

Leb wohl, herzlich geliebter Freund.
Dein Friedrich N.

Die Gefährten, Overbeck und Romundt, tragen mir die besten Grüsse an Dich auf; ebenfalls meine Schwester, die seit zwei Wochen wieder mein Gast ist.

365. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel, den 20 Mai 1874.

Verehrtester Meister

fünf Jahre sind vorbei seit jenem Pfingstsonnabend, da ich zuerst bei Ihnen in Tribschen erschien, und das nennt man ein Lustrum. So will ich denn diesmal Ihren Geburtstag benutzen, um für mich eine neue Zeitrechnung zu gründen, nach Lustren; damit verbanden die Römer grosse Reinigungsopfer und feierten dies Fest als ein rechtes Frühlingsfest. So aber muss ich’s auch feiern, als ein Fest der Lustration und der Jugend; denn mir ist wirklich so als ob ich seit jenem Mai vor fünf Jahren immer jünger und freier geworden sei; übrigens sagen es mir auch die Menschen, dass ich alle Jahre gesunder wohler und heiterer und überhaupt jünger aussehe. Es ist ein unvergleichliches Glück für einen, welcher auf dunklen und fremden Wegen tappt und stolpert, allmählich in die Helle geführt zu werden, wie Sie es mit mir gemacht haben; weshalb ich Sie gar nicht anders als einen Vater verehren darf. So feiere ich Ihren Geburtstag auch zur Feier meiner Geburt; und wenn damit wenig gesagt ist, um Sie zu ehren, so ist es doch die einzige Art, wie gerade ich Ihnen heute meine Verehrung ausdrücken kann.

Nun möchte ich Ihnen so wenig als möglich Sorge machen; und deshalb verspreche ich Ihnen heute, dass für die nächsten zwei Jahre mein Leben gesichert und gegründet ist — zwar auf eine Hoffnung, aber eine solche, welche nie zu Schanden, sondern unter allen Umständen nur zum Heile werden lässt. Seit ich weiss, dass in Bayreuth der Berg überwunden ist — die ersten Monate dieses Jahres waren fürchterlich aus der Ferne mitzuerleben — ist die Mitternachtszeit- und -Sorge vorbei, und nun geht alles dem Lichte zu.

Das würde Sie doch wohl nicht beunruhigen, wenn ich es eines Tags an der Universität, in der sonderbaren gelehrten Luft, nicht mehr aushielte? Ich sinne immer wieder nach, Sommer für Sommer, über „Verselbständigung“ unter den bescheidensten Verhältnissen (unter denen leben zu können ich stolz bin). Hier und da kommt es einmal zum Missmuth, doch sehr selten, und im Ganzen habe ich mich selbst in der Gewalt und hielte es wahrscheinlich selbst unter viel ungünstigeren Sternen aus als die sind, welche mir jetzt leuchten: und welche Glückssterne sind. Übrigens lohnt sich selbst jener seltnere Missmuth — wenn er wenigstens durch ergötzliche Briefe wie der Bandwurm schriftlich beseitigt werden kann. Ich selbst stak damals, als der Brief eintraf, tief in der Musikerei darin, welche ich mir, nach dem modernen Princip der „Selbsthülfe“, verordnet hatte. Zwar nicht die „Oper“ war’s — auch nicht die Nachtigall (worüber bei meiner „Musik“ gar kein Zweifel bleibt), aber es war, mit Respect zu reden, meine Musik und gefiel mir ganz absonderlich wohl. Auch glaube ich wieder viel dabei gelernt zu haben, und habe niemals mir so in Betreff figurirter Choräle ein Genüge gethan. Der Hymnus an die Freundschaft ist nun fertig — ich wollte, meine Freunde hätten einen besseren Componisten zum Freunde als ich bin; denn sie hätten es verdient.

Jetzt geht es wieder philologisch-kritisch zu, das Semester hat wieder Gewalt über mich (auch glaube ich in der Vierheit meiner Zuhörer die schlechtesten Köpfe der Universität glücklich zusammen zu haben Sterbliche Menschen! Sterbliche Menschen, wie Falstaff sagen würde.) Aeschylus, den ich mit diesen Armen an Geist Körper und Schicklichkeit zu verhandeln habe, hat mich jetzt mit Oswald Marbach zusammengebracht; dieser schickte mir, mit einem Briefe über die Geburt der Tragödie, seine Übersetzung der Oresteia, sammt Commentar — und ich habe in beiden Hinsichten nichts Besseres bisher kennen gelernt, am wenigsten von Seiten der Philologen; so dass Oswald Marbach mir sehr viel Dank zu verdienen scheint. So sind im Commentar die tiefsten Bemerkungen. Er ist einer der ganz wenigen, welche mit einer natürlichen Noth und Liebe an der alten Tragödie hangen.

In diesem Sommer werde ich wahrscheinlich einmal, Ihrer herzlichen Mahnung nicht so wohl folgend als ausweichend, in Bayreuth erscheinen; es ist so absurd, sich zu Dingen mahnen zu lassen, nach denen man mit allen Fingern greifen möchte. Doch hänge ich jetzt ein klein wenig sehr von dem innern Fort- und Ausgange meiner Arbeiten ab und weiss nicht über 14 Tage voraus meine Zukunft. Ich habe ein ganzes Nest voll halbausgebrüteter Eier im Kopfe. Fruchtbarkeit verpflichtet, sagte die Katze als sie 13 Junge warf.

Und nun, geliebter Meister, mein Geburtstagswunsch! Behalten Sie nur, was Sie haben, dann geben Sie uns auch, was Sie haben und was wir so ohne Weiteres leider nicht haben! nämlich Siegesmuth und Unerschütterlichkeit und Jugend! Wir Anderen sind, Ihnen gegenüber, nun einmal nichts anderes als Greise, furchtsame, verschüchterte Greise. Und da dem „Ewig-Jungen“ selbst der Gott weicht, „in Wonne weicht“, so dürfen wir Alten wohl auch noch die erlösende That vom übernächsten Sommer zu erleben hoffen; und ein hoffender Alter wird dadurch selber jung.

Und so will ich denn das lustrum feiern, das Frühlings- und Hoffnungsfest.

In herzlicher Liebe
Ihr
Friedrich Nietzsche

366. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, vermutlich 25. Mai 1874>

Nur ein paar Worte, zum Zeichen meiner Liebe und meines Dankes. Ich schicke Dir heute Briefe zu und denke immer wie alles Gute, was ich erfahre, auch Dir gehören soll.

Zur Erheiterung anempfohlen: „E v. Hartmann über Romeo und Julia“ (er ist entweder ein Schelm oder ein Schaf, dabei bleibt’s!) Ich habe nicht geglaubt, so schnell wieder mit diesem Herrn vor diese Alternative gestellt zu sein.

Sind Dir die Briefe eines aesthetischen Ketzers schon bekannt? Befinden ausgezeichnet; heute Ferien.

Bald mehr.
Dein Fridericus.

367. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Basel,> 1 Juni 1874.

Mein liebster bester und allergutster Freund, eigentlich bin ich ein wenig böse, dass Ihr mir gar nicht glauben wollt, dass es mir gut, ordentlich und gebührend geht. Freilich nicht gerade „sehr gut“, Censur Nr. 1 — aber was will man auch hier unter dem wechselnden Mond? Vielleicht bringe ich es aber, aus Trotz gegen Euch, noch zur Nr. 1.

Also nur keine Besorgnisse.

Herzlichen Dank für Deine beiden Briefe und insbesondre über Deine Bayreuther Mittheilungen. Ich habe mich einen halben Tag an dem Gedanken berauscht, mit Dir dort zusammenzutreffen. Es ging aber nicht! — Bitte, schreibe doch einmal ein Wörtchen an den armen Rohde, der recht bedenklich schweigt, ich weiss dass es ihm dann übel geht — und neulich schrieb er einmal wirklich erschütternd traurig. Der verdient solche Briefe, wie Ihr sie mir schreibt — ich verdiene sie gar nicht!

Wirklich himmlisch ist der Gedanke, Dich und die Bayreuther in einer Heiraths-Überlegungs-Commission zusammen sitzend zu denken! Ja-a-a-aaber! muss ich da doch auch sagen, besonders wenn es auf den Rath hinausläuft, es gäbe viele Weiber, das rechte zu finden sei meine Sache. Soll ich denn wie ein Ritter einen Kreuzzug durch die Welt machen, um nach jenem von Dir so gelobten Lande zu kommen? Oder meinst Du dass die Weiber zu mir kämen, zur Musterung, ob sie die rechten wären? Ich finde dies Thema ein wenig unmöglich. Oder beweise das Gegentheil und mache einmal für Dich die Nutzanwendung. —

Im Sommer will ich also nach Bayreuth gehen: nur fürchte ich an der Hitze zu leiden. Wir haben hier eine in dieser Hinsicht ganz eindrucksvolle Witterung.

Leb wohl, leb wohl, Getreuer
Unbesorglich-sein Sollender!
Dein Fridericus.

368. An Erwin Rohde in Kiel

1 Juni 1874.Basel.

Liebster Freund,

ich erfahre so eben wieder durch Gersdorff und die Bayreuther, dass man sich sehr wieder um mich sorgt, dass man meine Stimmung gefährlich und galgenhumoral findet usw. Nun, ich kann mir nicht helfen, einige Menschen sehen aus der Ferne besser als ich aus der nächsten Nähe — und so mag wohl etwas an der Besorgniss daran sein. Nur dass mein Befinden, leiblich gesprochen, gut ist, Magen, Stuhlgang, Gesichtsfarbe, alles gesund, dazu bin ich wieder in leidlich productiver Seelenverfassung, also heiter, habe meine Schwester bei mir, kurz ich sehe einem Glücklichen so ähnlich als ich überhaupt weiss, was Glück ist — nämlich dass es etwas dergleichen giebt, ist kein Zweifel.

Nun lies den Gersdorffschen Brief und denke Dir Dein Theil dabei. — Wüsste ich nur, dass es Dir nicht schlimmer gienge als mir! Ich seufze, wenn ich an Dich denke.

Sage einmal, liebster Freund, willst Du nicht auch das Mittelchen gebrauchen, das ich selbst, ebenso Overbeck, gebrauchen? Man ritzt sich die Adern und lässt etwas Blut fliessen — unzeitgemäss wie die Andern schreien, die den Aderlass als ein überwundenes und antiquirtes Heilmittel betrachten. Ich meine: willst Du nicht auch einmal Dein und unser Elend etwas ausschütten und sagen, was Du leidest? Es liegt ganz gewiss etwas Befreiendes darin, den Leuten grob zu sagen, wie unser einer sich eigentlich unter ihnen befindet. Beseitigen wir den Bandwurm der Melancholie schriftlich — indem wir die Andern zwingen, unsre Schriften zu verschlucken.

Habt ihr auch so herrliche Mondabende? Man mag gar nicht in die Häuser zurück und mitunter glaube ich wirklich, dass die Luft singt. — Ich habe eben die Vorrede zu meiner dritten Unzeitgemässen geschrieben.

Einen schönen allerherzlichsten
Sonntagsgruss!
Dein Friedrich N.

369. An Oswald Marbach in Leipzig

Basel den 14 Juni 1874.

Hochverehrter Herr Hofrath,

Ich komme so spät dazu, Ihnen für die Übersendung Ihrer Oresteia und des Prometheus zu danken, thue dies aber mit umso mehr Überzeugung als gerade die Beschäftigung mit der Oresteia — ich lese im Colleg die Choephoren — einer der Gründe war, der mich vom Briefschreiben abhielt. Ich weiss kaum einen andern Menschen noch und gewiss keinen jetzt lebenden Philologen, der in einem so tiefen und natürlichen Verhältniss zur antiken Tragödie stünde wie Sie und der so sehr gehört zu werden verdiente, wenn er etwas von seinen inneren Erfahrungen mittheilt. Ich las mit dem grössten Wohlgefühl Ihre Übersetzung und glaube nichts Besseres gelesen zu haben, so dass ich mir sofort Ihre Sophocles-Übersetsetzungen kommen liess. Im Commentar zur Oresteia fand ich die tiefsten und nachdenklichsten Sachen; übrigens ist es eine Wohlthat dass Sie auf die wilde Conjecturalkritik unsrer modernsten Aeschylus-Gelehrten einfach keine Rücksicht genommen haben. Der Dr Keck, Herausgeber und Verstümmler des Agamemnon hat in anmasslicher Weise sich im Jenaer Litteraten-Blatt über Sie ausgelassen — diese Herren thun wirklich als ob einer Hühner gestohlen hätte, wenn jemand, der nicht Philologe ist, sich auf ihrem Pachthofe, dem Alterthumsgebiete, sehen lässt. Vom Theater versteht dies Völkchen übrigens nicht die Spur, und ihre Verse versteht kein ehrlicher Mensch. Ich las einmal meinen Schülern die Keckische Übersetzung des Agamemnon vor und bemühte mich sehr — aber endlich lachte ich selbst mit über das verschrobene schwülstige Deutsch, in dem diese kleinen Aeschylus-Äffchen sich so grossartig fühlen. Gott sei Dank, dass Sie uns von der kauderwelschen Rhythmik befreit haben, in der gewöhnlich griechische Chöre übersetzt werden und die gewiss nicht griechisch und deutsch ist.

Was Shakespeare angeht — kennen Sie das ekelhafte Pamphlet unsres Modephilosöphchen E. von Hartmann gegen Romeo und Julia?

Wir leben in einer wunderlichen Zeit; die deutsche Gesittung knarrt in ihren Angeln, und die Gefahr ist gross.

Verehrungsvoll
Ihr
Dr Friedrich Nietzsche

370. An Emma Guerrieri-Gonzaga in Florenz

Basel den 14 Juni 1874.

Da Sie, verehrte Freundin, in Ihrem letzten Briefe eine kleine Beichte gemacht haben, sollte ich eigentlich das Recht haben, ein klein wenig Beichtvater zu spielen, bin aber dazu nicht im Stande und zwar deshalb weil das, was Sie beichten, mir gar sehr gefällt und viel mehr als Sie glauben können! Nämlich — es ist sehr hübsch dass Ihnen die „Geburt der Tragödie“ befremdend und mein AntiStrauss empörend vorkam, da ich es nun endlich auch einmal erlebe, von Jemanden der nicht „Wagnerianer“ ist, gern gelesen zu werden. — So wollen wir denn auch kein Wörtchen über jene beiden Schriften mit einander sprechen und es ganz und gar der Zukunft überlassen, ob sie uns wieder an jene Schriften erinnert. Ich würde Ihnen ohne die „Beichte“ ein Exemplar der erstgenannten, die jetzt eben in zweiter Auflage erscheint, geschickt haben, thue es aber nun nicht und verspreche dafür die dritte Unzeitgemässe — in der Sie wohl meine Antwort auf Ihre Frage finden werden, ob ich auch mit Ihnen an eine „zukünftige Religion auf ganz philosophischer Grundlage“ glaube? Nun möchte ich Ihnen durchaus aber heute etwas schicken, zum sofortigen Beweis, wie sehr ich mich über Ihren Brief ergötzt habe — es verdriesst Sie doch nicht dass ich das Wort „ergötzt“ brauche? Glücklicher Weise haben ja die ernstesten Dinge mitunter einen Anflug von Heiterkeit — und ich habe einen so guten Glauben an meine Meinungen und ihren unterirdischen Zusammenhang, dass ich fast darauf schwören möchte, es komme sehr bald einmal ein Tag, wo wir uns über Griechen und deutsche Cultur, über Strauss und Tragödie ebenso gut verstehen, wie über tausend andre Dinge. Das ist lächerlich, ein so guter Glaube, nicht wahr? Nun lachen Sie mich nur aus, ich verdiene es.

Doch ich wollte sagen dass ich Ihnen heute durchaus etwas schicken möchte und dass ich nichts anderes hätte als ein Bild mit einer kleinen Inschrift darauf, von der ich wünsche, sie möge Ihnen das sagen, was sie mir sagt. Ich hörte einmal, bei einer Reise über den St. Gotthard, Mazzini diese Verse sprechen; er meinte, es seien die schönsten, welche Goethe gemacht habe.

Leben Sie recht wohl.

Ihr
Friedrich Nietzsche

371. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> Sonntag 14 Juni 1874.

Liebster Freund, es macht mir und uns Sorge, gar nichts von Dir zu hören: glückt die Arbeit? Bist Du ein wenig aus der Höhle Adulam heraus? Hier geht es recht und geziemend zu, es wird viel vom Herbst und unsrer Zusammenkunft gesprochen, bald will ich einmal über eine Art Programm nachdenken; zur Unterhaltung für die Abende habe ich bereits etwas Sehr Schönes, von dem Du und Ihr Alle noch nichts wisst.

In der letzten Zeit war Dein Landsmann Brahms hier, und ich habe viel von ihm gehört, vor allem sein Triumphlied, das er selbst dirigirte. Es war mir eine der schwersten aesthetischen Gewissens-Proben, mich mit Brahms auseinanderzusetzen; ich habe jetzt ein Meinungchen über diesen Mann. Doch noch sehr schüchtern.

Eben habe ich an meine neue Freundin in Florenz geschrieben; ich nannte sie dir? die Marchesa Guerrieri-Gonzaga? Hast Du vielleicht von der Faustübersetzung von Guerrieri gelesen oder gehört? Hillebrand hat sie sehr gepriesen; sie ist vom Bruder des Gemahls.

Übrigens höre ich dass Hillebrand in der Augsburgerin sich über meine Historie auslassen will. So schreibt Frl. von Meysenbug.

Wir hoffen (ganz leise gesprochen) für den hier neugegründeten Lehrstuhl für vergleichende Sprachforschung Windisch zu bekommen. Kurios! Nicht wahr?

Dem alten Vischer geht es recht schlimm, und die Befürchtung der Ärzte ist sehr gross; man glaubt kaum ihn noch durch dies Jahr zu bringen. — Unser alter Hagenbach ist gestorben.

Lebwohl lieber Getreuer.

Und willst Du nicht ein Wörtchen schreiben, nur damit wir wissen ob Du heiter und tapfer bist.

Wollen wir einmal in die Lotterie setzen?

Dein F N.

372. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Basel,> 4 Juli 1874.

Nun, liebster guter Freund, ich will dir bei aller Sommersonnengluth doch etwas erzählen. Erstens man sehnt sich nach Kühlung. Zweitens man schreibt tüchtig an der Unzeitgemässen, hoffte bis zu den Ferien fertig zu werden, kann es aber nicht, weil der Körper hinderlich ist und eine kleine Aufmunterung bedarf. Dagegen ist alles schon im schönen Zusammenhang, es wäre schade, wenn ich’s verdürbe oder vergässe. Wahrscheinlich gehe ich mit meiner Schwester etwas in’s Engadin. Mit Bayreuth bin ich über den guten Vorsatz nicht hinausgekommen; es scheint mir nämlich, dass sie dort ihr Haus und ihr Leben in Unruhe haben und dass gerade jetzt unser Besuch nicht passen würde. Ober mein Befinden sind sie übrigens beruhigt, Ihr habt alle euch in Schwarzseherei überboten. Endlich — ich kann jetzt nichts Anderes denken als das Fertigwerden und Gutwerden von Nr. 3. — Wie kamst Du übrigens, lieber Freund, auf den drolligen Einfall, meinen Bayreuther Besuch durch eine Drohung erzwingen zu wollen? Es sieht ja fast so aus, als ob ich freiwillig nicht hingehen möchte — und doch bin ich voriges Jahr zweimal, und vorvoriges Jahr zweimal mit den Bayreuthern zusammengetroffen — von Basel aus, und bei meinen erbärmlichen Ferienverhältnissen! — Wir wissen ja Beide, dass Wagners Natur sehr zum Misstrauen neigt — aber ich dachte nicht, dass es gut sei, dieses Misstrauen noch zu schüren. Und zu guterletzt — denke nur daran, dass ich gegen mich selbst Pflichten habe, die sehr schwer zu erfüllen sind, bei einer sehr gebrechlichen Gesundheit. Wirklich, es sollte mich niemand zu etwas zwingen.

Dies alles recht herzlich und menschlich aufzunehmen!

Denke Dir, dass der gute alte Vischer seit ein paar Tagen im Sterben liegt und die Familie um ihn versammelt ist. Du weisst, was ich an ihm verliere. —

Eben meldet man mir den Tod des Appellationsraths Krug, des Vaters meines Freundes. Mein Freund Pinder, ebenso wie Gustav Krug, machen im Herbst Hochzeit — und es blühn die Geschlechter weiter.

Für unsre Zusammenkunft habe ich etwas Sehr Schönes — ich bitte Dich aber, auch Deinerseits etwas mitzubringen. Vielleicht die italiänischen Übersetzungen!

Doch nur wenn du Zeit und Musse hast, Adieu, lieber getreuer Freund.

373. An Erwin Rohde in Kiel

Basel den 4 Juli 1874.

Liebster Freund, wir haben heisse Tage, die Sehnsucht nach den Ferien wird gross; ich wollte gern mit meiner Nr. 3 der Unzeitgem. vorher fertig werden, doch geht es durchaus nicht, aus körperlichen Gründen. Wenn es nur ganz so herauskommt, wie ich wünsche! Ich freue mich darauf, es Dir mitzutheilen. Denn ich denke mir eigentlich, es müsste uns Allen nützlich und kräftigend sein (da ich es selbst so fühle) Ich rede wirklich aus Erfahrung, wenn ich Dir sage: man kann sich manche Dinge vom Halse und von der Seele herunterschreiben — mindestens für eine gute Zeit. Das Wort „reif“ „unreif“ verstehe ich in dieser Hinsicht gar nicht mehr, man hilft sich eben wie man kann, um es eben gerade noch auszuhalten. Ich wünsche nie, dass solche Dinge rein litterarisch in Betracht genommen werden. Und wenn sie irgend einen Werth haben, so ist es ihr illitterater Character: Dinge, über welche Recensionen zu schreiben eine Dummheit ist. —

Unser guter alter Vischer ist sterbenskrank, die Familie ist um ihn versammelt und der Tod kann jeden Tag und jede Stunde eintreten, erhofftermaassen, zur Befreiung von schweren Schmerzen. Er ist unbedingt von allen Baselern der, welcher mir das bedeutendste und gründlichste Zutrauen geschenkt hat, auch in complicirten Verhältnissen. Kurz ich verliere dabei sehr, und die Universität wird mir um etwas gleichgültiger als sie es bereits ist. Wir, Overbeck und ich, sind doch jetzt in einer fast unheimlichen Vereinzelung, und es giebt hier und da Zeichen von furchtsamer Gesinnung gegen uns.

Für unsre Herbstzusammenkunft habe ich den Vorschlag gemacht, dass jeder von uns etwas dazu mitbringt, von seinem Eigensten.

Gott segne Dich und Deinen Roman und verleihe Dir kühle und reine Tage und wohl schlafende Nächte mit Mond- und Kometenscheine. Ich sehne mich nach kaltem Bergwasser wie eine wilde Sau.

Leb recht wohl.
Dein Fridericus.

374. An Gustav Krug in Naumburg

Basel den 6 Juli 1874.

Höre heute auch von mir, mein geliebter Freund, ein paar Worte herzlicher Betrübniss. Ich weiss freilich aus Erfahrung fast eben so wenig davon, was es heisst einen Vater zu verlieren als einen Vater zu besitzen. Dafür ist mir mein Jugendleben innerlich schwerer und bedrückender geworden als billig ist; und gerade aus meinem oft empfundenen Bedürfniss nach einem wahrhaft vertrauten und liebenden Berather wage ich es, auch heute den Grad und Umfang Deines Verlustes zu verstehen.

Sehe ich nun auf Dich, so treten wieder die räthselhaft verbundenen Worte: Tod und Hochzeit, so schnell hintereinander vor meine Augen, dass des Lebens und Blühens gar kein Ende abzusehen ist. In Dir selber lebt Dein Vater fort, und sein Bestes und Edelstes soll in Dir unverloren sein.

Und so soll auf jene wunderlich ungeheure Frage, die das Wort „Tod“ aufwirft, jenes Andere Wort eine Antwort geben. Eine Antwort: denn vielleicht giebt es mehrere. —

In alter getreuer Gesinnung
Dein F. N.

Grüsse Deine verehrten Angehörigen von mir und meiner Schwester, mit dem Ausdrucke des herzlichsten Beileides.

375. An Elisabeth Nietzsche auf der Frohburg

<Basel,> Den 6 Juli. <1874>

Meine liebe Lisbeth

wie geht’s? Schöner Morgen, nicht wahr? Und bereits ordentlicher Anschluss?

Hier eine Postkarte, welche die Naivität unserer Mutter in die Welt geschickt hat, damit wahrscheinlich erst 10 Menschen in Naumburg und 10 Menschen in Basel sie lesen, bevor wir sie in die Hände bekommen. —

Noch keine Nachricht über Vischers Befinden. — Das Hôtel in Bergün hat mir zugesagt.

Es geht mir leidlich. Der Tag ist schön.

Mittwoch hoffentlich auf Wiedersehn.

Dein F.

376. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

Basel den 9 Juli 1874.

Denke Dir, theurer Freund, vorgestern haben wir den Rathsherrn Vischer zu Grabe geleitet. Er starb auf die schmerzhafteste Weise, an Nieren- und Blasenleiden. Wir sind alle recht betrübt, ich zumal, der ich weiss, was ich an ihm verloren habe. — Sein Nachfolger wird voraussichtlich der Partei des „Volksfreundes“ angehören. —

Hier giebt es eine wahnsinnige Hitze, vom frühen Morgen an. Sonntag will ich in Zürich etwas Musik hören (unter Hegar’s Leitung)

Dr. Fuchs überschwemmt uns mit Briefen.

Etwas ganz Rührendes habe ich von Seiten des alten Oswald Marbach erlebt. Er hatte mir, obwohl wir uns nicht kennen, seine ausgezeichnete Übersetzung der Oresteia überschickt, als Dank für die ihm inzwischen bekannt gewordene „Geburt der Tragödie“, über die er sich aussprach. Ich antwortete ihm, wenngleich spät. Und nun hat er sich in einem neuen Briefe gegen mich ausgeschüttet, dass es ergreifend zu hören ist: wie er sich nur zweier Begegnungen in seinem Leben freuen könne; die eine sei die mit Wagner, die andre die — mit mir. — Nun das klingt wunderlich, aber als an einer subjectiven Thatsache darf man daran nicht rütteln und mäkeln.

Die Florentinerin heisst Marchesa Guerrieri; sie hat schon zwei Mal geschrieben.

In mir gährt jetzt sehr Vieles, und mitunter sehr Extremes und Gewagtes. Ich möchte wissen, bis wie weit ich solcherlei meinen besten Freunden mittheilen dürfte? — Brieflich natürlich überhaupt nicht. Und furchtsam dürft ihr auch nicht sein; ich meine, ihr solltet an einen ordentlichen Fatalismus in Betreff Eures Freundes glauben und damit aller Sorgen für seine Gesundheit usw. enthoben sein. Wenn er noch etwas erreichen soll, muss er es auch erreichen können. Die Macht über die Mittel gehört zum Handwerk.

Lebe wohl getreuer Lieber.
Dein
Fridericus.

377. An Elisabeth Nietzsche auf der Frohburg

<Basel,> 9 Juli 1874

Nun, meine gute Lisbeth, hier ist das elende Geburtstagsbriefchen, in Schweiss und Angst geschrieben, denn es ist unerträglich heiss, und Du hast wohl gethan, oben zu bleiben und Milch zu trinken und mit Füchslein spazieren zu gehen. (Beiläufig: besagte Milch wüthete in meinem Magen derart, dass ich nächtlings drei Mal spazieren gieng, doch ohne Füchslein, aber im Hemdlein) Ich kam drei Minuten eher an als der Zug und hatte einen herrlichen Abendweg gemacht. Doch schmerzten die Augen sehr. Eben höre ich dass Frau Vischer-Heusler heute morgen abgereist ist; Overbeck, der dort war, aber niemanden gesprochen hat, brachte die Nachricht. Wahrscheinlich weisst Du es schon. Wann willst Du nun herabkommen? — Wie gesagt, bedenke, es ist unsinnig schwül. Ein Brief von Frau Willett liegt bei, ebenfalls eine etwas affectirte Traueranzeige von Krugs.

Sonstige edle Gaben beizulegen trage ich Bedenken, da ich gar nichts zu verschenken habe, es sei denn eine Anzahl Briefmarken, woran Du eine bescheidne Freude haben magst.

Aber schöne Wünsche fallen mir ein: alle Jahre mögest Du etwas jünger werden, bis hinauf zum 40jährigen Backfisch, nach dem bekannten Familienvorbilde. Alle Jahre mögest Du etwas reicher werden, mindestens um fünf Procent: so wirst Du mit ach<t>zig Jahren Dir ein Häuschen kaufen können, um darin das zweite Jahrhundert zu verleben. Ja sogar ein Wägelein könnte im 150 ten Jahre angeschafft werden; doch freilich weder für den Sommer zu gebrauchen, noch für den Winter, weil kein Pferdlein davor und kein Knechtlein darauf ist; nachdem naheliegenden Beispiele.

Endlich: ich wünsche Dir von Herzen, dass Du nicht Dein ganzes Leben mit Füchslein spazieren gehest, sondern einmal nieder zu Deinem Bruder herunterkommst.

In Schweiss und Tiefsinn
bleibe ich
Dein neunundzwanzig jähriger
Bruder

378. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel den 15 Juli 1874.

Schön, geehrtester Herr, so wollen wir es denn einmal mit einander probiren. Noch im August denke ich Ihnen ein Manuscript zusenden zu können, ungefähr des Titels: „Arthur Schopenhauer“

Darf ich voraussetzen, dass Sie meine zuletzt veröffentlichten Schriften kennen, so werden Sie auch die Frage erlauben: Wären Sie eventuell im Stande, die Fortsetzung meines Cyclus von „Unzeitgemässen Betrachtungen“ zu übernehmen? — Persönliche Verhältnisse machen es meinem bisherigen Verleger Hr. Fritzsch in Leipzig, wie er mir schreibt, wünschenswerth, seine gesammte Verleger-Thätigkeit zu sistiren.

Meine Unzeitgemässen Betrachtungen sind sehr stark begehrt und gelesen; meine „Geburt der Tragödie“ erscheint so eben in zweiter Auflage.

Vielleicht ist Ihnen mein eventueller Vorschlag nicht unwillkommen?

Bitte, schreiben Sie mir ein Wort im Allgemeinen darüber. Und bald: da ich in die Ferien reisen will.

Inzwischen wünsche ich von Herzen, dass über dem Beginn unserer Bekanntschaft gute Geister wachen mögen.

Ihr ergebener
Dr Friedrich Nietzsche

379. An Franz Overbeck in Basel

<Bergün, 20. Juli 1874>

Herzlichsten Gruss von den 2 Berghühnern, als welche in ihrer Art die einzigen in diesem Hôtel sind. Gespräche über Universitätsphilosophie und Reinlichkeit des Körpers geführt. Heute, Montag soll die Arbeit losgehen.

Deine Getreuen.

Adr: Bergün Hôtel Piz d’Aela.

380. An Elisabeth Nietzsche in St. Romay

Bergün,Hôtel Piz Aela. Mittwoch. <22. Juli 1874>

Meine liebe Lisbeth,

hier leben wir nun, als die Einzigen ihrer Art, obwohl genug Fremde täglich durchkommen. Aber Pensionäre giebt es nicht, weshalb es mir fast scheint, als ob Bergün nichts für Dich gewesen wäre. Ich zahle mit Zimmer 6 frs. für die Pension. Die Gegend ist unmässig schön und viel grossartiger als Flims. Nur vermissen wir das Bad: zwar haben wir ein paar Stunden höher einen See, auch schwammen wir neulich drin herum, doch war es so kalt dass ich roth wie ein Krebs herauskam und mir die Haut etwas geschwollen ist. Die Reise lief gut ab, in Chur trafen wir die ganze Flimser Gesellschaft, Travers Rohrs Hindermanns, und ich hatte eine Art von aufrichtigem Bedauern, nicht mit nach Flims gehen zu können. In Hôtel Lukmanier logirten wir, der Bruder von Prof. Fritz Burckhardt sammt seiner Frau ebenfalls. Morgen<s> ging es um ¾ auf 5 weiter, herrliche Gegenden. Ein Holländer war mein Reisegenosse, gewöhnlich fuhren wir beide in einem Einspännerchen hinter den Posten her. Der Bergüner Stein und das ganze Thal ist wirklich das Schönste, was ich sah.

Viel und glücklich gearbeitet habe ich noch nicht, mich hindert eine kleine Verstopfung, hervorgebracht durch die guten Veltliner Weine. Heute bekam ich einen Brief von der Marchesa Guerrieri, sie kommt in 8 Tagen nach Stachelberg und bittet mich sie dort zu besuchen; was ich natürlich auch thun werde.

Hast Du denn an Frl. von Meysenbug geschrieben? Ich glaube, dies war ihre Adresse

Ischia, villa Micciola

Wie geht es denn mit der Erziehung der Kinder? Als Curiosum noch die Mittheilung, dass ich neulich Abends einmal fast entschlossen war, Fräulein Rohr zu heirathen; so gut hatte sie mir gefallen. Dr. Fuchs hat natürlich wieder geschrieben, 16 Seiten, sehr schön und eine grosse Musik geschickt „Todtentanz“ (nach Goethe) von G. Riemenschneider und arrangirt von ihm und meisterhaft. Auch Fritzsch hat geschrieben und giebt nach, dagegen erwarte ich immer noch des Schmeitzner Antwort.

So, meine geliebte gute Schwester, genug für diesmal. Romundt grüsst und ich wünsche Dir dass Du diesen Brief lesen und verstehen kannst, so wie auch alles sonstige Gute. Schreibe mir bald.

Treulich
Dein Bruder.

381. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Bergün, 26. Juli 1874>

Mein lieber Freund, herzlich habe ich mich über Deinen wohlgemuthen und vertrauensvollen Brief gefreut und kann Dir heute in einer gleichen Stimmung antworten. Voran die Mittheilung, dass ich doch noch einen Theil meiner Ferien in Bayreuth zubringen werde — nämlich von dem Tage an, wo meine Nr. 3 fertig sein wird: an ihr wird hier auf der Höhe rührig gearbeitet. In der Tiefe brachte ich nicht mehr eine Zeile fertig und hielt fast das ganze Thema für zu schwer für mich: hier oben aber ist mir Vertrauen und Kraft wieder gewachsen — obwohl mir auch jetzt noch vor einem gewissen Capitel graut. Nun gab es mancherlei Erlebnisse inzwischen: so ist leider der gute Fritzsch als Verleger für mich und Overbeck unmöglich geworden — weil er, aus zwingenden Gründen, seine Verlegerthätigkeit sistiren will. Zwar hatte er auch die Nr. 3 wieder angenommen, aber mit dem sauersten und verdriesslichsten Gesicht von der Welt: so dass ich bereits meinen Cyclus von Unzeitgemässen beschlossen und verpfuscht sah. Da passirte etwas Unerwartetes: ein Brief erschien von einem jungen Verleger und wie es scheint Verehrer, E. Schmeitzner aus Schlosschemnitz in Sachsen — und jetzt ist bereits alles in Ordnung gebracht: ich habe für alle Unzeitgemässen einen sehr bereitwilligen und voraussichtlich rührigen Verleger. So kann ich denn mein schweres Tagewerk fortsetzen — das Schicksal gab mir wahrlich ein günstiges Zeichen!

In einer Woche treffe ich mit der Marchesa Guerrieri in Stachelberg zusammen, wohin zu kommen sie mich gebeten hat. Es soll eine ausgezeichnete Frau sein, nach Frl. von Meysenbug’s Urtheil und nach ihren eignen Briefen zu schliessen.

Hier (in Bergün: vide Bädecker) bin ich mit Romundt in einer göttlichen Gegend. Wir sind die einzigen Pensionäre eines Hôtels, an dem täglich hundert Reisende vorbei passiren, auf dem Wege nach St. Moritz oder zurück. Einen See wie den Flimser haben wir freilich nicht: neulich suchten wir einen drei Stunden, auf der Höhe von 6000 Fuss, badeten und schwammen darin, aber erstarrten fast zu Eis und kamen feuerroth wieder heraus. Heute suchten wir eine Schwefelquelle auf, die noch nicht benutzt ist; auf dem Rückwege warf eine Ziege vor meinen Augen ein Zicklein, das erste lebendige Wesen, welches ich gebären sah. Das Junge war viel behender als ein kleines Kind und sah auch besser aus, die Mutter leckte es und benahm sich wie mir schien sehr vernünftig, während Romundt und ich furchtbar dumm dabei standen.

Heute Abend werden wir Risotto essen, sagt mir ebenderselbige Romundt und hat es bereits bestellt.

Als wir neulich in Chur ankamen, waren wir plötzlich inmitten der ganzen Flimser Gesellschaft, Travers, Rohrs Hindermanns; Fräulein Bertha sah wieder so vortrefflich aus, dass ich mich fast ärgerte, nach Bergün abzufahren. Nun wie wird’s im Herbste, bei der grossen Zusammenkunft der Verschworenen? Hoffentlich ist bis dahin meine Nr. 3 gedruckt und gelangt als eine Art Festgabe in Eure Hände.

Nun lebe wohl getreuester und lieber Freund und nimm meine und Romundts herzlichste Grüsse

F N.

Adresse immer nur Basel.

382. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Bergün, gegen Ende Juli 1874>

Meine liebe gute Mutter, ich sitze hier auf den Bergen und will einmal an Dich wieder ein Briefchen schreiben, da unsre Lisbeth fern von uns Beiden ist und nicht wie gewöhnlich im Sommer Dir von mir und mir von Dir erzählen kann. Grimmiges Regenwetter seit ein paar Tagen, und alle Menschen sehr ungeduldig — das ist der Zustand in dieser Einsamkeit, an dem nur ich nicht Theil habe, weil ich mit Nachdenken und Fertigmachen einer neuen Schrift beschäftigt bin. Da lebt man anderswo, wo einem der Regen nichts anhat. Übrigens geniesst man ohne dran zu denken die stärkende Luft der Alpen und ist aus dem Stadt- und Alltagsleben heraus, da fällt einem manches ein, was man in der Tiefe und in der Sommerschwüle der Städte nicht findet.

Sonst sind wir, nämlich Freund Romundt und ich, ziemlich Herren des Hôtels; nur kürzlich ist ein badischer Edelmann mit Familie und ein preussischer Beamter hinzugekommen. Sonst gehen bis zu hundert Menschen täglich hier mit Post vorüber und essen in diesem Hause, so dass wir mitunter zu zwei, aber dann auch zu 40 Personen zu Tisch sind. Der grösste Theil will nach St. Moritz, bleichsüchtiges und nervenschwaches Volk aus der ganzen Welt zusammengeführt durch die modische Berühmtheit jener Bäder.

Im Herbst ist bei mir in Basel Zusammenkunft meiner Freunde; Gersdorff und Rohde und wir drei die jetzt in einem Hause wohnen, Overbeck, Romundt und ich — alle kommen oder bleiben dazu da. Ich bin leider meiner Schule halber um diese Zeit nicht flügge oder höchstens auf 10 Tage, und auch dies erst im October.

Meine Freunde Krug und Pinder machen Hochzeit, und ich habe bereits mit Lisbeth über meine Geschenke an sie berathen. Ausser ihnen habe ich eine grössere 4 händige Composition, mit dem Titel „Hymnus an die Freundschaft“ gemacht, von der beide eine schöne Abschrift erhalten sollen.

Mein Leben verstreicht unter grossen Unternehmungen und ich bin an die dreissiger Jahre herangekommen und immer mehr giebt es der Mühe und der Arbeit. Mitunter ist mir, ich hätte genug erlebt für sechzig Jahre.

Gesundheit ist im Ganzen in Ordnung gewesen, seitdem ich meine Lebensweise verändert habe — Ärzte und Medicinen habe ich, was Dich freuen wird, seit Neujahr nicht mehr angewendet. Doch ist und bleibt der Magen schwach. Im Herbst werde ich Dich bitten, für mich einmal einen grossen Obstkauf zu machen ein paar Körbe guter Äpfel. Zu Mittag will ich wieder so einfach leben, wie ich es im ersten Vierteljahr gethan habe — und so wird’s gehen. Weisst Du noch, wie desperat es vorige Weihnachten um mich stand?

Es wird Abend und ganz grau, da will ich schliessen und einen herzlichen Gruss an Dich heimsenden, hoch von den Engadiner Alpen her.

Treulich Dein Sohn Fritz.

383. An Elisabeth Nietzsche in St. Romay

Bergün, Donnerstag. <30. Juli 1874>

Meine liebe Lisbeth

heute greuliches Regenwetter, Wolken ganz tief. Inzwischen bin ich fleissig gewesen und habe meine Arbeit rüstig gefördert, doch bin ich noch weit vom Schlusse, weil das was noch fehlt, zum Schwersten gehört. Doch ist beschlossen, am Sonntag abzureisen und am Bayreuther Plan festzuhalten: ich brauche Erholung und finde sie vielleicht dort, Erheiterung zumal. Sonntag Abend bin ich in Chur, Montag früh fahre ich nach Stachelberg, Dienstag von dort zurück und über Rorschach nach Bayreuth. Stachelberg liegt fast am Wege, deshalb passt es mir.

Unaufhaltsamer Regen. — Jetzt giebt es einige Pensionäre, eine würtembergische Adelsfamilie und etwas Schulmeisterhaftes aus Saarbrücken.

Es plätschert wie toll seit heute früh. — Vorhin lasen wir die Kurlisten aus Graubünden und Engadin; zahllose Bekannte darin. Von früh bis Abends durchströmende Fremde. Nichts „Romanhaftes“, wonach Du begehrst. Fritzsch hat concedirt, dass die Unzeitgemässen anderswo fort erscheinen (Geld hat er nicht geschickt!) Schmeitzner hat in der artigsten Weise alles angenommen, und somit geht es ruhig weiter in der Veröffentlichung der Unzeitgemässen.

Doch ist es etwas Schreckliches, so immer gegen den Strom zu schwimmen und mitunter habe ich das Leben recht satt.

Overbeck hat geschrieben, doch nicht gerade zum Glück stimmend. Was hört auch unsereiner, wenn er nach Deutschland kommt!

Meine Bemerkung über Fr. R<ohr> sollte Dich nicht aufregen, ich theilte sie als Curiosum mit. Übrigens sind Deine Bedenken meine Bedenken. Nur weisst Du, dass der Augenblick gewöhnlich mehr kann als eine ganze Kette von Nach- und Vorblicken.

So scheint es beinahe, dass wir uns die Ferien nicht wieder sehn? Und nach den Ferien auch nur so abschiedsweise? Wir haben’s doch recht verrückt eingerichtet. — Willst Du übrigens, dass ich nicht nach Bayreuth gehe, sondern mit Dir irgendwo zusammentreffe, so telegraphire nur, und auch wohin. Oder willst Du mit nach Bayreuth?

Lebe recht wohl, liebe Lisbeth und denke an
Deinen Bruder.

Sonntag, wie gesagt, bin ich Abends in Chur, Hôtel Lukmanier. Montag Abends Stachelberg bei Glarus.

Romundt grüsst schön.

Ich freute mich über Dein idyllisches Leben, grüsse Vischer von mir, auch die Knaben.

384. An Franz Overbeck in Dresden

Bergün, Donnerstag. <30. Juli 1874>

Liebster Freund und Waffengefährte, graues Wolkenmeer um uns und plätschernder Regen seit morgens früh. Dazu Betrachtungen über Reichthum und Ehre und wie unsereinem Beides entgeht und immer mehr entgeht. Trübsinn. Auch Romundts Nase hängt tief.

Trotz alledem sollst Du jetzt einen Brief von den Berghühnern bekommen, und ich will versuchen, alles das aufzuzählen, was uns Gutes und Erquickliches begegnet ist — ausser Deinem Briefe, für den wir recht von Herzen danken.

Erstens hat Schmeitzner in der artigsten Weise Ja! gesagt und freut sich die Unzeitgemässen zu bekommen, hält sie sogar für ein „rentables Unternehmen“. Zweitens hat Fritzsch geschrieben und ist ganz und ohne Sträuben darauf eingegangen, den Verlag der Unzeitgem. aus den Händen zu geben. Drittens bin ich fleissig gewesen und habe vielleicht 84 Druckseiten fertig und zum Absenden bereit gemacht. Allerdings graut mir vor dem, was noch fehlt, ein kleines Capitelchen in der Mitte, vom Schwersten! Schwerzusagendem!

Drittens treffe ich nächsten Montag mit meiner italiänischen Dame Guerrieri in Stachelberg zusammen. Sie schrieb an mich zum dritten Male.

Viertens will ich dann Dienstag nach Bayreuth und dort bis zum Schluss bleiben, Deiner wartend. Gott gebe mir einige Erheiterung, denn man trägt schwer am Leben und sorgt dafür dass es immer schwerer werde.

Fünftens: die Musik Riemenschneiders habe ich mit hierher genommen; wir werden zusammen an ihr unsre Freude haben. Sie ist für mich wieder ein Beweis, dass ich auch die complicirteste Musik mir vorstellen und vorstellend geniessen kann; obwohl etwas Abstractes dabei bleibt und die Sehnsucht nach dem Tone gross ist.

Hier leben wir nun, in einem trefflichen Hôtel, aufmerksam behandelt und nicht übertheuert. Jetzt sind einige Pensionäre hinzugekommen, Würtembergischer Adel, der sich die Frankfurter Zeitung nachschicken lässt. Wir haben bisher gesehen: einen Fels bei der Albulabrücke, zwei einsame Hochthäler trennend und überblickend, wohin ich mir einen Thurm zu bauen gedenke: eine Schwefelquelle in seinem Seitenthal, von uns in Flaschen mit nach Haus gebracht, um Obstruction (durch Veltliner Weine verursacht) zu heben: eine Ziege welche vor Romundts Augen gebar: einen Theateragenten mit zwei Theaterprinzessinnen: in Chur unsre vorjährige Flimser Gesellschaft, Fräulein Rohr dabei: im Hôtel Lukmanier den besten Kellner, der einmal mein Bedienter und Reisemarschall werden soll: in der Nähe des Albulapasses einen See, erschröcklich kalt, so dass ich es acht Tage fast zu büssen hatte, in ihm geschwommen zu haben: einen Schulmeister, der in Amerika war und jetzt etwas höher als Bergün lebt und ein reines Deutsch spricht, der sich aber auch nicht wäscht und badet wie alle Bergbewohner.

Heute wurde uns erzählt dass Auerbach in Tarasp folgende Beobachtung gemacht habe: „am ersten Tage guckt man mich an, am zweiten grüsst man mich, am dritten fragt man „Nun Herr Doctor, wie bekömmt die Kur?“ — Vielleicht antwortet er darauf „Wie mein Rothfuss sagt: man kann nicht nasser werden als nass.«

Gestern las Romundt aus Straussens neuem Glauben vor und wir bemerkten dass einige Sätze Auerbachs würdig sei<e>n.

Sonst wird von mir fast nichts gelesen, von Romundt Wilhelm Meister, über den er nach Tische wie Julian Schmidt zu reden gewohnt ist. Es scheint, die Mahlzeit bildet.

Fast möchte ich glauben, dass Du auch an einem guten Tranke braust, süss und bitter, Arznei und Gift, alles beides je nach der Person, für die er eingegossen wird; ich wenigstens habe einen ganzen Schirlingsbecher für die Philosophieprofessoren zu Stande gebracht — hoffentlich wird er Dir ein reines und süsses Getränk sein!

In herzlicher Gesinnung
Deine Freunde und Mit-gift-höhlenbären.

385. An Franz Overbeck in Dresden

<Bayreuth, vermutlich 7./8. August 1874>

Sieh doch zu, lieber Freund, dass Du ja nach Bayreuth kommst! Ich sage nichts, was da alles zu sehen und zu hören, überhaupt zu erleben ist — Komme nur: und richte es Dir bequem ein.

Ich meinerseits hatte ein starkes Magen- und Bauchübel von meiner Reise davongetragen und musste mich gleich bei der Ankunft zu Bette legen. Doch ist jetzt die Kolik ziemlich im Abzuge — hoffentlich.

Zwei Klaviervirtuosen Herr Klindworth und Herr Joseph Rubinstein sind hier; ersterer wohnt im Hause.

Ich will am Sonnabend Morgens gegen 11 Uhr von Bayreuth abreisen. Ach! und fürchte mich davor.

Herzlich vergnügtes Wiedersehn! Sammt den Grüssen und Einladungen Wagners — wir Alle erwarten Dich und freuen uns.

Dein Fridericus.

386. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

<Basel, 19. August 1874>

Es wird Ihnen, geehrtester Herr, wahrscheinlich am erwünschtesten sein, wenn ich Ihren letzten mir sehr willkommnen Brief einfach so beantworte, wie ich es thue: durch Zusendung des Manuscriptes. Dessen erste Hälfte folgt anbei: die zweite werde ich spätestens in 14 Tagen in Ihre Hände liefern.

Sie sehen, das, was Sie bekommen, ist das dritte Stück der „Unzeitgemässen Betrachtungen“.

Meine Bedingungen sind dieselben, unter denen sie Herr Fritzsch übernommen hat: ich erbitte mir, bei einer Auflage von 1000 Exemplaren, ein Honorar von 10 Thaler per Bogen. Die Länge jeder „Unzeitgem. Betrachtung“ beträgt c. 100 Seiten.

Wenn Ihnen dieser Vorschlag recht ist, so antworten Sie mir durch Übersendung des ersten Correcturbogens.

Alles Gute Ihnen anwünschend
ergebenst
Dr Friedrich Nietzsche.

387. An Gustav Krug in Düsseldorf

Basel 22 Aug. <1874>

Denke Dir liebster Freund dass Du mich um etwas Unmögliches bittest und dass ich schmerzlich bedauern muss, bei Deiner Hochzeit abwesend zu sein. Denn wir Baseler Professoren haben eine verruchte Ferieneinrichtung, nach der unser Semester strengstens bis zum Ende September fortgeführt wird. Dazu kommt, dass ich ebenfalls am andern Beine gefesselt bin, als Lehrer am Pädagogium: so dass der Monat September für mich ein harter Arbeitsmonat ist, der mich absolut festhält. Und so bleibt mir nichts übrig als in der Ferne auf irgend eine festliche Art den bezeichneten Tag zu begehen. —

Ich schreibe in grosser Eile; nächstens erfährst Du mehr von mir, heute nichts als ein betrübtes: „Muss es sein? — Es muss sein!“ Hol’s der Teufel!

Treulich Dein Friedrich
Nietzsche.

388. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel, Mittwoch. <9. September 1874>

Geehrtester Herr,

so eben schicke ich den Rest meines Manuscriptes nach Leipzig, direct an C. G. Naumann, damit keine Verzögerung eintritt.

Ich habe bereits zwei Bogen zur Correctur gehabt, und auch diese sind schon wieder zu Naumann zurückgewandert.

Den Umfang der Schrift berechne ich auf 100 Seiten.

So geht denn Alles des Schönsten und Schnellsten von Statten.

Mit freundlichem Grusse
Ihr ergebenster
Dr F. Nietzsche.

388a. An Sophie Vischer-Heussler

Basel Freitag den 10. Sept. 1874

Verehrteste Frau

wir werden allesammt auf Ihre freundliche Einladung hin kommen, und zwar zeitig und auch nicht feierlich.

Ergebenst
der
Ihrige
Dr. F. Nietzsche

Basel Freitag den 10. Sept. 1874

389. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel. <15. September 1874>Dienstag Morgen.

Geehrtester Herr,

das wäre freilich schlimm, wenn ich meine Bogen so schlecht corrigirte. Aber glücklicherweise liegt hier ein Mißverständniß zu Grunde. Denn ich hatte bis jetzt den Bogen noch gar nicht corrigirt, vielmehr ist das, was Sie vor sich gehabt haben, die erste Correktur, welche von Naumann besorgt wird; dagegen habe ich meine Correktur eben gestern Abend fortgeschickt — und in derselben sind alle die Dinge, an denen Sie Anstoß nehmen, beseitigt. Offenbar wird der Bogen nach der ersten Correktur Ihnen und mir zugleich zugesandt. — Ich hoffe, wie Sie, auf einen völlig fehlerfreien Druck. —

Nun habe ich Ihnen noch für Ihre neulichen brieflichen Mittheilungen bestens zu danken. Was Freiexemplare anbetrifft, so habe ich bisher von Herrn Fritzsch 25 bekommen; ist Ihnen diese Zahl recht und billig? — Ich bin ganz einverstanden, wenn Sie Sich der Anweisung auf Wechsel bedienen. — In Hinsicht einer möglichst vortheilhaften Bekanntmachung durch Inserate erlaube ich mir später einen Vorschlag; heute fehlt es mir an Zeit. Es kommt nicht sowohl auf viele Inserate, sondern auf eine recht überlegte Auswahl von Zeitschriften an; so scheint mir. Die Namen von solchen ein andermal, wie gesagt. Heute meine Empfehlung und den Wunsch, daß das Ziel bis zum ersten Oktober erreicht würde; an mir soll es nicht fehlen.

Ergebenst der
Ihrige
Dr F. Nietzsche.

390. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Basel, 24. September 1874>

Es war eine schwere Zeit, mein lieber Freund, dieser Schlusstheil unseres Sommerhalbjahres und ich athme tief auf, dass es nun vorüber ist. Ich musste nämlich, bei allen sonstigen Arbeiten, einen ziemlich langen Abschnitt meiner Nr. 3 noch ganz und gar umarbeiten, und die unvermeidliche Angegriffenheit und Seelenerschütterung, die ein solches Sinnen und Wühlen im Tiefsten mit sich bringt, warf mich oft beinahe um, und auch jetzt noch bin ich nicht völlig aus dem Kindbettfieber heraus. Doch ist bei alledem etwas Ordentliches zur Welt gebracht worden, und ich freue mich darauf, dass Du dich darüber freuen wirst. Der Druck, sehr beschleunigt und in Folge davon eine Last mehr, ist beinahe fertig, und wenn Du ankommst, wird wohl bereits ein Exemplar fix und fertig vorliegen. Es gab schwere Tage und überlästige Nächte — ach, und ich wünschte oft: wenn nur einmal etwas Heiteres und Gutes von aussen her käme, da man selber gar nichts Heiteres mehr aus sich heraus pumpen konnte! Und da weiss ich was ich eines Morgens, gerade mitten in der bedürftigsten Zeit, mich über Dein Geschenk gefreut habe, mein lieber getreuer Freund, der Du wahrhaftig eine Witterung davon gehabt haben musst, warum Du es Mitte September schicktest und nicht später. Es kam so zur rechten Zeit! und ich war auf das Glücklichste überrascht, und wenn Du später das fünfte Capitel lesen wirst, so erinnre Dich, dass ich während dem öfter aufstand, um das kunterbunte Kinkerlitzchen anzusehen und anzulachen. — Übrigens hat es Rohde und wer es sonst gesehen hat sehr gelobt.

Der arme Rohde war unser Genosse gerade während der gequältesten Zeit und wird schwerlich einen angenehmen Eindruck mit fortgenommen haben: denn auch Overbeck war in der gespannten Thätigkeit eines Menschen, der bis zu einem nahen Termine eine grosse Masse Manuscript druckfertig zu machen hatte; bis zum 5 October soll auch seine Schrift (der erste Band seiner Studien zur Kirchengeschichte) fertig sein, und fast jeden Tag kommt jetzt ein Correcturbogen. Rohde hat es schwer beklagt und gebüsst, dass aus unserer gemeinsamen Herbstzusammenkunft nichts geworden ist. Wir freuen uns nun sehr auf Deine Ankunft, geliebter Freund. Bringe uns Deinen Lebensmuth, Deine rührige Gesundheit und Energie mit; denn mitunter ist es hier, als ob wir verzagen müssten.

Mit dem Dr. Fuchs, den Du gesehen und gehört hast, giebt es jetzt eine starke Verstimmung, Du wirst hier hören, weshalb. Ich wundre mich ein wenig, dass er mir selbst nur ein Concertprogramm zuschickt. Was hat er denn auf Dich für einen persönlichen Eindruck gemacht? Aber, wie gesagt, davon mündlich.

Ich will jetzt Deinem Beispiele folgen und Walter Scott lesen; ich muss mich jetzt recht gründlich erholen, will noch eine Fusswanderung machen, ein Gewässerchen, meinem Magen zum Heile, trinken und versuchen guter Dinge zu sein. Auch Milch soll, gemäss Deinem Vorbilde, reichlich mir zugemolken werden.

Der treffliche Emerson, welchen ich mit in Bergün hatte, ist mir sammt meiner ganzen vollen Reisetasche gestohlen worden: das schöne Exemplar vom Ringe des Nibelungen (mit Wagners Widmung) war auch dabei. Moral: man soll seine Reisetasche auf Bahnhöfen nicht unbehütet liegen lassen, sonst ist gleich ein schändliches und tückisches Thier da, welches Reisetaschen auflauert.

Melde Du lieber Freund doch des Kürzesten, wann Du eintreffen willst.

Dich herzlich erwartend
Dein Fridericus.

391. An Erwin Rohde in Hamburg

<Basel, 26. September 1874>

Liebster Freund, die alte Wittib mahnt mich an aus ihrem Ofenwinkel, Du möchtest ihr doch den Hausschlüssel wiedergeben, welchen Du mit auf Reisen genommen hast.

Heute, endlich! giebt es die letzte Stunde vor den Ferien, und aus der Schule geht’s fort auf den Bahnhof, von da auf den Rigi, mit Romundt und Baumgartner zusammen — und dort soll eine Kur mit viel Aufwand von Milch und Bergluft versucht werden.

Ich schlief die Nacht wenig und käute einige Stunden lang eine ganz thörichte Sache in mir herum und konnte sie nicht los werden, ob ich gleich mich auslachte. Sterbliche Menschen! Einer meiner 4 Aeschylus-Krüppel hat sich hinterdrein entpuppt als Tapezierer, er ist 30 Jahr und hat das Griechische im 29 ten angefangen.

Der letzte Correcturbogen wird heute erwartet. Der arme Overbeck dagegen ist an die Scholle gebunden und kann nicht mit, weil es bis zum 5 ten October noch 8 Bogen zu corrigiren giebt. Sterbliche Menschen!

Hinterdrein haben wir Dich und uns bejammert, dass Kiel und Basel so sonderbar unter dem Zeichen des Scorpion zusammenkommen mussten. Wenn Du nur nicht ein allzu dunkles Bild mitgenommen hast! Die Temperatur ist in unserem Hause im Durchschnitt um einen Grad glücklicher; während wir diesmal so recht der verfluchten Fuchsischen Wendung nachlebten: gequält geniessend“.

Ach guter Freund, ich möchte gerne irgend wo hinaus und sei’s an den Wänden empor. Rechne ich jetzt meine Freunde noch hinweg, so wird mir unsäglich grau und grässlich zu Muthe. Gott sei Dank, dass ich Euch habe, und dich! liebster Freund! und dich!

Dein treuer
F. N.

392. An Franz Overbeck und Heinrich Romundt in Basel

<Luzern, 2. Oktober 1874>

Dies nämlich, lieben Freunde, ist mein Hauptquartier, seit Dienstag und soll es bleiben, bis nächsten Dienstag Abend. Dann ist nämlich ein Cyclus von Bädern zu Ende, auf die ich abonnirt bin, um doch etwas für die Gesundheit zu thun oder — mir selber zu thun scheinen. Heute Regentag und grosser Jahrmarkt, zu Ehren des heiligen Leodegar. Vor meinem Fenster spielt Kasperl, und fortwährende Musik: doch werde ich ebenso wenig wie Seneca davon verführt. Meine Nachbarn bei Tische und Mitpensionäre sind Bischof Reinkens und Prof. Knood; der Oberkellner hält mir Reden über die Bedeutung dieser Herrn für die Schweiz und führt den Erfolg der Revisionspartei auf sie zurück. Ich komme, so ganz in der Nähe, aus der ironischen Stimmung nicht heraus: doch sind’s gute Kerle und auch nicht die Spur Bischof, sondern Professoren, wie wir sie kennen. Doch entlockte ich dem guten Knood durch einige dumme Bemerkungen über Olten (Pfarrer Herzog ist auch hier) und russische Eisenbahnbüffets zwischen Petersburg und Moskau die gutmüthige Mittheilung, dass er letztere wohl im nächsten Jahre kennen lernen werde. Ha! dachte ich. — Übrigens lebe ich in göttlicher Harmlosigkeit, spazierengehend und immer bemüht, mir klar zu machen, dass ich 30 Jahre alt werde. Fortwährendes Spazierengehen oder -fahren oder -baden oder -lesen; denn in alledem ist die gleiche Stimmung, des animus spatiandi. Frau Baumann ist gebeten, mein Clavier zu stimmen, den Ofen einmal zur Probe heizen zu lassen und mir zum Dienstag Abend wieder das gute Grahambrod zu beschaffen. Sollte das Wetter wieder schön werden, so kommt vielleicht unser Freund Gersdorff noch ein paar Tage hierher, denn es ist ausserordentlich schön hier und meinen Thurm trage ich mit mir herum, um ihn bald hier bald da und jeden Nachmittag an einem neuen Orte aufzustellen.

Ich denke viel an Euch: wer 30 Jahre alt wird, zählt seinen Schatz auf und frägt sich, ob er es mit dem Leben aufnehmen kann. — Ja, scheint’s.

Und was machen die Correcturen? Und der Termin des 5 ten October? Und die zu erzeugenden neuen Werke, Eier der Baumannshöhlenvögel?

Rohrdommel, beiläufig, heisst eine Hauptperson in Klopstocks Gelehrtenrepublik.

Bitte an Frau Baumann: sie soll das Zimmer für Gersdorff sich einmal ansehen und es mit dem, was noch etwa noththut, Teppiche, Lampe, Blumen usw. versehn; und je mehr sie von meinen Sachen nimmt und hinüberstellt, um so besser.

Und nun lebt wohl, ihr Getreuen

Euer Freund und Bruder
St. Gotthard.

393. An Erwin Rohde in Hamburg

Basel den 7ten October 1874.

Gestern Abend, mein lieber Freund, kam ich aus den Bergen zurück und heute morgen soll das nun bevorstehende Winterleben mit einem Geburtstagsbriefe an Dich begonnen und eingesegnet werden. Es fehlt mir nicht an Muth und gutem Vertrauen: das habe ich aus der Stille der Berge und Seen mitgebracht, wo ich recht bald bemerkte, woran es einem fehlte oder vielmehr woran man ein Übermass hatte. Nämlich an Egoismus; und das kommt von dem ewigen Für sich-Fortbrüten und Fortleiden. Zuletzt fühlt man sich fortwährend, als ob man hundert Narben hätte und als ob jede Bewegung wehe thäte. Aber wahrhaftig, nun werde ich nächstens 30 Jahre, da muss es ein wenig anders werden, nämlich männlicher und gleichmässiger und nicht mehr so verdammt auf und nieder. Sein Werk fortsetzen und dabei so wenig als möglich an sich denken — das muss es wohl sein, was noth thut. Ich kam mir bei einiger Besinnung recht undankbar und albern vor, mit meiner quälerischen Verzagtheit: denn ich dachte daran, wie unvergleichlich ich eigentlich durch die letzten 7 Jahre hindurch beschenkt worden bin und wie ich nicht genug empfinden kann, was ich an meinen Freunden habe. Eigentlich lebe ich ja durch Euch, ich gehe vorwärts, indem ich mich auf Euch stütze; denn mit meinem Selbstgefühle steht es schwach und erbärmlich, und Ihr müsst mir immer wieder mich mir selber gewährleisten. Dazu seid Ihr mir die besten Vorbilder; denn sowohl Du als Overbeck, Ihr tragt das Lebensloos würdiger und mit weniger Klagen, obschon Du es in manchem Sinne schlechter und beschwerlicher hast als ich. Und am meisten empfinde ich es, wie ihr mich weit gerade durch liebevolle Gesinnung übertrefft und an Euch weniger denkt. Darüber habe ich viel in der letzten Zeit nachgesonnen; dies darf ich Dir bei Gelegenheit eines Geburtstagsbriefes schon sagen.

Ich war mit Romundt und Baumgartner ein paar Tage auf dem Rigi, dann eine gute Woche allein in Luzern. Meine Tischnachbarn waren der Bischof Reinkens und Professor Knood. Heute Abend ist die Taufe von Immermann’s Jüngstem; wir Drei assistiren dabei. Ich war mehreremal in Tribschen und vermisste viel, viel; mit der Gräfin Bassenheim in Luzern schüttete ich das Herz aus, auch sie fühlt sich durch Wagners Fortgang ganz und gar „enterbt“ und hatte offenbar eine grosse Freude etwas Neueres und Genaueres über Baireuth zu hören. Gersdorff kommt erst gegen den 12 October, Du siehst, wie unsere Herbstzusammenkunft ganz in Stücke zerfällt, denn er kommt wieder in eine Arbeitszeit hinein, da meine Stunden mit dem 10ten beginnen. Overbeck ist noch im Corrigiren drin, ich bin damit fertig und erwarte stündlich das Eintreffen der fertigen Exemplare, damit sogleich eins derselben an Dich abgehen könne. Inzwischen ist mir der Inhalt der Nr. 4 ungefähr aufgegangen: was mich sehr erfreut hat, da ich es wie ein Geschenk hinnehme. Romundt hat litterarische Absichten; privatim gründet er den Staat und die Religion. Dr. Fuchs hat durch Übersendung von Grüssen und Concertzettel ausgedrückt, dass es noch nicht aus ist; und Overbeck hat ihm einen guten ehrlichen Brief über alle unsere Beschwernisse geschrieben. Baumgartner hat mir ein grosses Bild von sich hinterlassen, das ganz ausgezeichnet gelungen ist. Krug und Pinder reisen mit ihren Ehegattinnen herum und treffen mit einander in Heidelberg zusammen; ich habe leider Krugen verfehlt, ebenfalls Deussen, der auch durch Basel reiste und mich sprechen wollte.

Geld und Schlüssel ist angekommen, ich danke schönstens. Gersdorff soll in das gleiche Logis, wir wollen zusammen recht viel Deiner denken. Wenn Dein Roman fertig ist, so telegraphire, ich bitte Dich, damit wir ein kleines Fest a tempo feiern können. Wenn ich nur wüsste, wie Du Dir etwas Musik schaffen könntest, Musik unserer Art!

Draussen ist der sonnigste Herbst und ich habe so schöne Trauben auf dem Tische, dass ich nur wünschte, Du könntest sie essen, und wir sässen beisammen, ich spielte Dir etwas vor; auch famose Cigaretten habe ich aus Luzern mitgebracht. Das ist nun Alles wieder vorüber.

Leb wohl, mein lieber theurer Freund und bleibe mir so zugethan, wie bisher — dann wollen wir’s schon noch eine Weile auf Erden aushalten.

Dein
getreuer
Friedrich Nietzsche

Da fällt mir ein, dass ich ja ein fertiges Exemplar der Nr. 3 besitze, freilich nur in Aushängebogen. Immerhin, es kommt zur rechten Zeit, wenn es gerade zum 9ten kommt.

394. An Cosima Wagner in Bayreuth (Disposition)

<Basel, um den 10. Oktober 1874>

Dank für Stuhl.

Gr<äfin> Bassenheim

Schopenhauer. Telegr.

Overbecks Schrift.

Fuchs.

30 Jahr.

Baumgartner

Rohde.

Bild

395. An Richard Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Basel, um den 10. Oktober 1874>

Der Sommer ist nun ganz und gar dahin, meine Herbstfreiheit auch; aus der Zusammenkunft meiner Freunde, wie ich sie gerade für diese Zeit vorgeschlagen hatte, ist nichts oder etwas anderes geworden, — Gersdorff wird von Tag zu Tag erwartet, kommt aber bereits in meine Schulnothzeit hinein, Rohde traf es noch unglücklicher, als er sich 2 Wochen bei uns niederließ: denn wir alle waren gerade in ziemlich unerträglicher Weise mit Arbeiten beschwert und konnten dem Freunde wenig sein. Krug ist mit seiner Gattin hier durchgekommen, Deussen auch, der junge Baumgartner hat mich verlassen, um in Bonn für ein Jahr lang Soldatendienste und zwar als Husar zu thun. Wir drei Freunde in der Baumannshöhle gehn viel mit einander spazieren, doch nicht ohne das Gefühl des Lächerlichen, das an einer isolirten Dreiheit haftet; und wie wir gegen Abend unsre drei langen Schatten neben uns herschreiten sehen, so lachen wir uns gewöhnlich todt; denn wir können nicht umhin, der drei gerechten Kammmacher zu gedenken. —

Die nächsten Tage, denke ich, überbringen Ihnen meine Nr. 3 welche ich Ihrer theilnehmenden Gewogenheit recht herzlich anempfehlen möchte. Die sonstigen Leser werden meinen, ich rede in derselben vom Mann im Monde. Zuletzt kommt es mir ja allein auf 6—7 Leser an. Das geht nun seinen Lauf und ich wüßte wenig noch dazu zu sagen. Inzwischen haben sich die Gedanken der vierten Nummer schon einigermaßen spüren lassen, aber die schwere Verpflichtung dieses Winters, griech. Litterat.geschichte zu lesen, macht es mir unwahrscheinlich, daß ich bald wieder Hand anlegen kann.

396. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel den 15 October 1874.

Geehrtester Herr,

ich war ein paar Wochen verreist, und deshalb kam Ihre Wechselsendung ein wenig später in meine Hände. Indem ich mich für dieselbe bestens bedanke, habe ich zugleich auszusprechen, dass ich mich über die vollendeten Exemplare meiner Schrift freue und dass ich Ihnen von Herzen einen guten Anfang und Fortgang in Ihrer Verleger-Laufbahn wünsche. Ein hiesiger Buchhändler hat bereits die Schrift und sendet sie herum; Sie würden mich deshalb verbinden, wenn Sie mir die Freiexemplare, welche Sie mir bestimmt haben, recht bald übersenden wollten. —

Anbei folgen meine Vorschläge in Betreff der Buchhändler-Anzeigen und der Recensions-Exemplare.

Mit vielen guten Wünschen
Ihr ergebener
Dr Friedrich Nietzsche

Anzeigen

Litterarisches Centralblatt von Zarncke

Augsburger Allgemeine

Kölnische Zeitung

Nationalzeitung

Rheinisches Museum für klassische Philologie

Jenaer Litteraturzeitung von Klette

Kladderadatsch?

u.s.w. /

Norddeutsche Allg. Zeitung.

Fritzsch musik. Wochenblatt.

Recensionsexemplare

unter anderem auch an

Demokratische Berliner Zeitung, Redacteur Lübeck

(etwa 2 Exemplare: er hat jüngst brieflich darum gebeten)

Revue critique in Paris,

Academy, London

wie bei Prof. Overbeck

Litterar. Centralblatt

Jenaer Litteraturzeitung

397. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 16. Oktober 1874>Freitag Vormittag.

Meine gute liebe Mutter und Schwester, ich schreibe gleich ein Paar Worte zum Zeichen meiner herzlichen Freude und meines Dankes für Eure Wünsche und Gaben. Die Kiste kam ganz und gar zur rechten Zeit, nämlich am Donnerstag früh, noch bevor ich aufgestanden war, die hübschen Verschen, die mir schon etwas verrathen hatten, den Tag zuvor. Wir erwarteten stündlich die Ankunft Gersdorffs, aber er erschien nicht, und bis diesen Augenblick wissen wir nichts von ihm, ganz wider seine brieflichen Verheißungen. Von Rohde und Gustav Krug bekam ich Briefe; letzteren habe ich leider in Basel nicht zu sehen bekommen, weil ich gerade in den Tagen, als er mit seiner Gattin durchkam, in Luzern war. Mittags aßen wir drei Freunde zusammen im Schützenhause; der vierte Platz war für Gersdorff bestellt. Anbei folgt meine jüngste Schrift. Brief an Frau Margreth und Rechnung an Höflinger ist besorgt. Vorigen Dienstag war ich Abends bei Geizers, heute werde ich bei Miaskowsky’s sein. Mittwoch vor 8 Tagen nahmen wir Theil an der Immermannschen Taufe. Bei Frau Heinze war ich vor Kurzem; sie war die letzte Zeit in großer Sorge um den einen Jungen gewesen, der eine Knieentzündung (an beiden Knien) hat. Doch ist sie jetzt beruhigt, es scheint die Nachwirkung von zu starkem anstrengenden Schwimmen im Rhein während des Sommers und vielleicht nur das Symptom schnellen Wachsthums. Der Junge ist dabei ganz wohl und heiter.

Das Köfferchen wird mir gute Dienste thun, die Schinkenwurst ist soeben angeschnitten worden. Portemonnaie, Schlüsseltasche, Zahncigarre, neue Taschentücher — Alles sehr angenehm und erwünscht. Inzwischen ist eine große Menge von Büchern eingebunden worden. Mein neuer Verleger hat auch die zwei ersten Nummern der Unzeitgem. B. an sich gekauft. Overbecks Buch wird ebenfalls baldig erscheinen.

Mit den Dreißiger Jahren ist es eine eigene Sache. Viel Mühe und Arbeit vor sich, manche Entscheidungen nöthig — da giebt es keinen Grund zur Heiterkeit, es sei denn, daß es immer Gründe zur Heiterkeit geben müsse.

Adieu, meine Lieben! Es grüßt Euch in herzlicher Dankbarkeit

Euer Fridericus

398. An Malwida von Meysenbug in Rom

Basel den 25 October 1874.

Endlich, verehrtestes Fräulein, komme ich wieder dazu, Ihnen etwas von mir zu erzählen, nämlich dadurch, dass ich Ihnen wieder etwas Neues von mir überreiche; aus dem Inhalte dieser letzten Schrift werden Sie genug von dem errathen, was ich inzwischen in mir erlebt habe. Auch dass es mit mir im Verlaufe des Jahres mitunter viel schlechter und bedenklicher stand als im Buche zu lesen steht. In summa aber doch dass es geht, vorwärts geht und dass es mir nur gar zu sehr am Sonnenscheine des Lebens fehlt; sonst würde ich sagen müssen dass es mir gar nicht besser gehen könnte als es geht. Denn es ist gewiss ein hohes Glück, mit seiner Aufgabe schrittweise vorwärts zu kommen — und jetzt habe ich drei von den 13 Betrachtungen fertig und die vierte spukt im Kopfe; wie wird mir zu Muthe sein, wenn ich erst alles Negative und Empörte, was in mir steckt, aus mir heraus gestellt habe, und doch darf ich hoffen, in 5 Jahren ungefähr diesem herrlichen Ziele nahe zu sein! Schon jetzt empfinde ich mit wahrem Dankgefühle, wie ich immer heller und schärfer sehen lerne — geistig! (leider nicht leiblich!) und wie ich mich immer bestimmter und verständlicher aussprechen kann. Wenn ich in meinem Laufe nicht völlig irre gemacht werde oder selber erlahme, so muss etwas bei alledem heraus kommen. Denken Sie sich nur eine Reihe von 50 solchen Schriften, wie meine bisherigen 4, alle aus der inneren Erfahrung heraus ans Licht gezwungen, — damit müsste man doch schon eine Wirkung thun, denn man hätte gewiss vielen Menschen die Zunge gelöst, und es wäre genug zur Sprache gebracht, was die Menschen nicht so bald wieder vergessen könnten und was gerade jetzt wie vergessen, wie gar nicht vorhanden erscheint. Und was sollte mich in meinem Laufe stören? Selbst feindselige Gegenwirkungen werden mir jetzt zu Nutzen und Glücks, denn sie klären mich oftmals schneller auf als die freundlichen Mitwirkungen: und ich begehre nichts mehr als über das ganze höchst verwickelte System von Antagonismen, aus denen die „moderne Welt“ besteht, aufgeklärt zu werden. Glücklicherweise fehlt es mir an jedem politischen und socialen Ehrgeize, so dass ich von da aus keine Gefahren zu befürchten habe, keine Abziehungen, keine Nöthigung zu Transaktionen und Rücksichten; kurz, ich darf heraussagen, was ich denke und ich will einmal erproben, bis zu welchem Grade unsre auf Gedankenfreiheit stolzen Mitmenschen freie Gedanken vertragen. Ich fordere vom Leben nicht zu viel und nichts Uberschwängliches; dafür bekommen wir Alle in den nächsten Jahren etwas zu erleben, worum uns alle Vor- und Nachwelt beneiden darf. Ebenfalls bin ich mit ausgezeichneten Freunden wider alles Verdienst beschenkt worden; nun wünsche ich mir, vertraulich gesprochen, noch recht bald ein gutes Weib, und dann denke ich meine Lebenswünsche für erfüllt anzusehen — Alles Übrige steht dann bei mir.

Nun habe ich genug von mir gesprochen verehrteste Freundin und noch gar nicht verrathen, mit welcher herzlichen Theilnahme ich immer an Sie und an Ihr schweres Lebensloos gedacht habe. Ermessen Sie es an dem Tone unbedingten Vertrauens, in dem ich vor Ihnen von mir spreche, wie nahe ich mich Ihnen allezeit gefühlt habe und wie sehr ich wünschte, Sie hier und da ein wenig trösten und unterhalten zu können. Nun leben Sie aber leider so schrecklich entfernt. Vielleicht aber mache ich mich doch einmal um die nächste Osternzeit auf, Sie in Italien zu besuchen, vorausgesetzt dass ich weiss, wo Sie da zu finden sind. Inzwischen meine innigsten Wünsche für Ihre Gesundheit und die alte Bitte, mir freundlich gewogen bleiben zu wollen.

Treulich
Ihr
ergebenster Diener
Friedrich Nietzsche

Ich bin kürzlich 30 Jahre alt geworden.

Anbei die Photographie meiner Schwester, die nicht mehr bei mir ist.

399. An Gustav Krug in Düsseldorf

Basel den 31 October. <1874>

Es ist wunderlich zugegangen, dass wir uns, mein lieber Freund, in diesem Jahre gerade gar nicht zu sehen bekommen haben. Nichts wollte passen; zuletzt muss ich gar noch gerade von Basel abwesend sein und Deinen Brief fast acht Tage zu spät bekommen. Und zwar war ich nicht in Deutschland; denn da, wahrhaftig, hätte ich Dir einen Besuch gemacht und wäre von Herzen gern Dein erster Hausgast gewesen. Inzwischen habe ich Dir meine jüngste Schrift zugeschickt; aber Gott weiss, ob sie gerade zu Deiner jetzigen Stimmung passt. Ich glaube nicht; lass sie also nur liegen. Aber ist es nicht wahr, nichts will jetzt zwischen uns mehr passen? — Und doch weiss ich keinen Schuldigen — es sei denn — Aber nein, ich sage kein Wort mehr.

Nun sage einmal: wirst Du es denn so einrichten können, dass wir im nächsten Sommer zusammen in Bayreuth sind, genau, von der Mitte Juli bis Mitte August? Ich werde dort mit meiner Schwester zusammen ein Logis haben; von meinen Freunden erscheinen Gersdorff, Rohde und Overbeck. Es wird die Zeit der grossen Instrumentalproben sein. Liszt ist auch dort, und wer nicht. Übrigens wird die Partitur der Götterdämmerung wohl in den nächsten Wochen fertig sein; nach den letzten Berichten jammert bereits die arme Gutrune. Klindworth ist in der zweiten Scene des dritten Actes; die beiden ersten Acte sind schon fertig gedruckt, im Sommer spielte sie Klindworth mir vor, denn ich war mit ihm zusammen in „Wahnfried“ ein paar Wochen zu Gaste.

Wie glücklich sind wir daran, gerade in der Zeit unserer besten Jugend, 30 Jahre alt, ἀκμάζοντες, wie die Griechen sagen, diese Bayreuther Dinge zu erleben! Und Du noch dazu zusammen mit der geliebten Frau! Du hast Dich, wie mir scheint, nach jeder Seite auf das Beste für jene Festtage eingerichtet und vorbereitet. „Dem Glücklichsten das Schönste!“ würden wiederum die Griechen sagen. ——

Ich selber lebe im Kampfe, aber doch, wie Du meinem Hymno angemerkt haben wirst, keineswegs desperat oder niedergedrückt; sondern muthig und voll guter Absichten und Hoffnungen, als einer, der sich strengstens vorgesetzt hat, noch 45 Jahre zu leben und nicht nachzugeben.

Dabei gedenke ich Deines bevorstehenden Geburtstages, zu welchem ich Dir diesmal wahrscheinlich als der Erste gratulire. Ich sage nun nicht mehr als dies: möge alles das, was Deine Frau für Dich und zu Deinem Besten wünscht, in Erfüllung gehen: dann werden auch Deine alten Freunde über Dich und Dein Glück sich freuen können.

Dank Dir, lieber alter Kamerad, für Deinen Brief, Dank insgleichen für die Grüsse der liebenswürdigen Genossin.

Und vergiss mich nicht. Nämlich Du merkst, dass Freunde auf Frauen immer ein wenig eifersüchtig sind. — Und mit Recht! wirst Du sagen?

Adieu mein lieber Freund.
Dein Fritz Nietzsche

400. An Emma Guerrieri-Gonzaga in Florenz

Basel Ende October 1874.

Verehrte Freundin,

Sie wissen vielleicht nicht, dass ich einen Versuch gemacht habe, Sie in Stachelberg zu begrüssen und dass er misslungen ist. Ich kam, ungefähr in den ersten Tagen des August nach Glarus, telegraphirte an den Besitzer des Hôtels in Stachelberg, um zu erfahren, dass Sie dort angekommen seien, bestellte mir sofortige Rückantwort, und wartete, wartete — bis zum Abend, umsonst! — so dass ich endlich betrübt und enttäuscht von dannen fuhr. Hinterdrein ist mir eingefallen, es könnte vielleicht eine Störung der Telegraphenleitung dabei im Spiele gewesen sein, denn es gab gerade gewaltiges Hochwasser und starke Gewitter. Damals aber nahm ich an, Sie seien wohl in Italien zurückgehalten worden und ich sei zu früh gekommen; ich betrübte mich bei der Vorstellung dass die Krankheit Ihres Kindes vielleicht Ihre Reise verzögert habe. — Von Glarus fuhr ich direkt nach Bayreuth, wo ich das Ende meiner Sommerferien verlebte.

Nun schreibe ich Ihnen heute, um Ihnen meine neueste Schrift ans Herz zu legen, denn ich wünsche recht sehr, Sie möchten sie recht persönlich nehmen, als ob ich Ihnen das Alles, was darin steht, vorerzählte.

Sodann will ich nur verrathen, dass ich eine neue Möglichkeit ins Auge fasse, Ihnen einen Besuch zu machen. Ich habe meiner hochgeschätzten Freundin Fräulein von Meysenbug einen Besuch für die nächste Osterzeit beinahe versprochen.

Leben Sie wohl, verehrte Frau und empfangen Sie die ergebensten Grüsse und Wünsche

Ihres Dieners
Friedrich Nietzsche
der ganz neuerdings 30 Jahre alt geworden ist.

401. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> 3 Nov. 1874.

Meine gute Lisbeth,

ich danke Dir recht herzlich für Deinen Brief. — Also einige Mittheilungen. Erstens: ich esse seit einem halben Monat wieder im Kopf und befinde mich bis jetzt ausgezeichnet dabei. Überhaupt ist mein Magen seit Jahren nicht so gut gewesen wie jetzt. Zweitens. Schmeitzner hat von Fritzsch die beiden ersten Unzeitgemäßen angekauft. Im Vertrauen, der buchhändlerische Erfolg, wie hierbei herausgekommen ist, war bis jetzt ein kläglicher: von der ersten sind c. 500, von der zweiten kaum 200 Exemplare verkauft, und auch von der Geburt der Trag. sollen noch ein paar hundert übrig sein: erst wenn die verkauft sind, erscheint die zweite Auflage. An alledem ist zum Theil die ungeschickte Geschäftsführung Fritzschens schuld, zum größten Theil natürlich etwas Anderes. Übrigens hat Fritzsch ungefähr die Hälfte der mir schuldigen Summe bezahlt; ich habe große Massen Bücher einbinden lassen, und so ist es bald wieder vorbei.

Mit Gersdorff haben wir eine merkwürdig glückliche und heitere Woche verlebt, er kam am 16 Oct. an. Der arme Baumgartner laborirt sehr als Soldat. Von Overbeck erscheint jetzt eben ein Buch Studien zur alten Kirchengeschichte. Neulich war ich Abends bei Frl. Kestner, welcher ich Dein Bild brachte, zusammen mit einer schnurrigen alten Lievländerin Baronin Güldenstubbe, die aus Aegypten kam. Zwei Winterconcerte habe ich schon überstanden, ich dorre für Basel immer mehr ab, wie Du Dir denken kannst. Ein großes Colleg wird mich diesen Winter festnageln — ein Versuch für meine Augen. Morgen ist Rektoratsfeier, mit großem Schmause. Viel Meßlärm in der Stadt.

Das Beste kommt noch in Gestalt von Briefen zu mir. So aus Bayreuth, von Rohde usw. — Wozu war denn der kleine Borstwisch bei meinen Geburtstagsgeschenken?

Hier giebt es viel Obst und immer noch Weintrauben.

Die Braut des Prof. Von der Mühl kenne ich nicht, es soll ganz normal-baslerisch zugegangen sein.

Sage unsrer lieben Mutter etwas Gutes von mir und behalte mich lieb

Dein Fritz

402. An Marie Baumgartner in Lörrach

Basel Donnerstag. <12. November 1874>

Verehrteste Frau

am nächsten Samstag Nachmittag werden wir, nämlich Hr. Prof. Overbeck und ich, uns erlauben, Ihnen einen Besuch zu machen. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen gerne sagen, in wie hohem Grade Sie mich durch Ihren Brief (den ersten, welchen ich über meine jüngste Schrift erhielt) ausgezeichnet und beglückt haben.

Die neuesten Nachrichten, die ich von Adolf erhalten habe, lauten ja sehr muthig und beruhigend; es wird Ihnen gewiss ein Stein vom Herzen gefallen sein, nun zu wissen, dass seine Gesundheit nicht mehr leidet.

Verehrungsvoll Ihr
ergebenster Diener
Dr Fr Nietzsche

403. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 15. November 1874>

Liebster Freund, ich bin so bis über die Ohren im Wintersemester drin, dass ich nach allem Guten in der Nähe und Ferne nur noch blinzeln darf d. h. in unserem Falle, ganz kleine Briefchen schreiben und wie ich fürchte nicht einmal oft. Erstens giebt es Litteraturgesch., sodann Rhetorik des Aristot., alles neu und schwer, dann Seminar, und Schule, kurz ich habe den Tag und die Woche in Stunden zerschnitten, und lebe nach diesem Stundenplane peinlichst, sonst wird nichts draus. — Mit den Augen erträgt es sich, zum Erstaunen, besser als ich dachte. Überhaupt emport Gesundheit. Dagegen giebt es diesen Winter keine neue Unzeitgemässe, es ist nicht zu erzwingen.

Ich habe mit meiner Nr. 3 in Bayreuth eine ganz unglaubliche Freude gemacht, und überhaupt scheint es, dass sie mit gutem Sterne im Lande herumwandelt. Schmeitzner ist nun auch Besitzer von Overbecks Christlichkeit und von meinen Nr. 1 und 2. Deren buchhändlerischer Erfolg war, wie sich dabei ergab, schlecht genug: von der Straussiade sind über 500 Exemplare, von der Historie nicht 200 verkauft. Welche Zukunft!

Romundt denkt nun endlich an Schulmeistereien von Ostern ab, es wird schlimm für den armen Freund sein, wegzukommen, schlimm auch anzukommen. Und doch halten wir’s in jeder Beziehung jetzt für nothwendig, dass er die akademische Philosophirerei aufgiebt; vor allem weil er sich doch persönlich schlecht dabei befindet und oft recht angegriffen und nervös ist.

Die geschuldeten Gelder sind eingetroffen, ganz unerwartet, dem Geschenke vergleichbar. Mit Deinem Briefe aber hast Du mich ganz und gar gerührt, wahrhaftig, meine Freunde denken zu gut von mir und zu wenig an sich, dabei bleibts.

Morgen ist Overbecks Geburtstag, er wird 37 Jahre. Was für ein treffliches Buch, ich kaue daran herum und immer schmeckt mirs. Es ist eine zähe Kraft in dieser Natur, von welcher ich die grösste Meinung habe; er ist selbständig, gut und fleissig und hat den Muth alles dreies Jahr aus Jahr ein zu sein. Sieben<und>dreissig Jahre! —

Baumgartner mein Erzschüler ist jetzt Husar in Bonn und schreibt so, dass man viel Freude haben kann.

Heute Abend war ich eine Viertelstunde ganz glücklich: ich hörte den Carneval romain von Berlioz. Wir wollen nur alle unsere Sachen recht ordentlich machen, es zieht dann alles auch so einen Schweif von Glück hinter sich drein.

Gersdorff ist in Hohenheim, wir haben zusammen eine ganz tolle vergnügte und gefrässige Woche verbracht; jeden Morgen von 11—12 Uhr Gespräche über Heirathen und dergleichen.

Adieu mein lieber guter Freund, ich bedaure immer, dass Du das letzte Mal die Baseler Wirthschaft so trübe und vernebelt gefunden hast. Es geht ganze Monate lang anders zu. Zum Beispiel jetzt. In allen Treuen Dein

Dich liebender Freund F. N.

404. An Carl von Gersdorff in Hohenheim

Basel den 16 Nov 1874.

Mein lieber Freund, aus meinem langen Schweigen wirst Du wohl schon entnommen haben, dass ich mich mit beiden Beinen in die Wintersemester-Noth hineingestürzt habe und dass ich jetzt tüchtig zu schwimmen habe. Mitunter vergeht einem Hören und Sehen, folglich auch alles Briefschreiben. Wenn Du einmal nach Bayreuth schreibst, so sage doch gelegentlich, ich hätte noch nie einen so arbeitsvollen Winter gehabt und müsste mit Hülfe eines Stundenplanes von Morgens 8 — Abends 11 oder 12 es zu erzwingen suchen: nämlich 7 Stunden Universität, 6 Pädagog., lauter neue Felder (darunter griech. Litteraturgeschichte, wie Du weisst) Es geht toll zu, aber bis jetzt bin ich wohl und heiter, besonders auch darüber dass Magen und Augen es ganz gut aushalten. An Unzeitgemässe Dinge ist lange nicht zu denken, das Amt reisst mich nach andren Seiten fort. Seufzen behalte ich mir vor, auf die Zeit, wo ich dazu Zeit haben werde.

Heute ist des muthigen Freundes und Bruders Overbeck Geburtstag; er ist 37 Jahre geworden. — Wie glücklich waren wir alle zusammen bei Deinem Hiersein! Es war die vergnügteste Woche des ganzen Jahres; ich zehre daran und muss bei einigen Erinnerungen immer lachen.

Anbei einiges Herrliche und Unglaubliche aus Bayreuth: wer freut sich so, wie Du darüber?

Den schönsten Dank für Deinen Brief und die Bitte, über die Brieffaulheit eines Fleissigen nicht böse zu sein. Adieu alter guter Freund.

405. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel 3 Dez 1874.

Meine liebe Mutter und Schwester

es geht so arbeitsam hier zu, dass eine Woche läuft und wieder eine Woche, und plötzlich merke ich, wie lange ich Euch nicht geschrieben habe. Also wirklich, es ist seit lange der schwerste Winter, was die Noth der täglichen Arbeit betrifft, und es wäre nicht auszuhalten, wäre es nicht sonst der beste, den ich seit Jahren verlebe; denn meine Gesundheit ist im guten Stande.

Weihnachten werde ich doch wohl nach Naumburg kommen. Es soll vergnügt zugehen. Hier lebe ich wie eine Ratte unter Büchern. Es passirt wenig, wofür ich dem Himmel dankbar bin; denn unter dem Vielen ist das Meiste nicht viel werth.

Vorgestern habe ich mit Heinze getanzt, bei Immermans, er, Miaskowski’s und wir.

Ausser Briefen wüsste ich gar nichts zu berichten. Ich sehe keinen Menschen und werde auch nicht eingeladen. Das heisst, doch, nächsten Sonntag zum alten Gerlach.

Auch Briefe bekomme ich nicht, man lässt mich schön in Ruhe. Frl. v Meysenbug freilich hat geschrieben, aus Rom, auch Baumgartner aus Bonn. In Lörrach war ich zweimal diesen Winter, es ist eine gute und wohlsorgende Frau und mir sehr dankbar, diese Frau Baumgartner, und jetzt übersetzt sie meine dritte Unzeitgemässe in’s Französische, ich glaube, es wird was sehr Gutes, denn sie weiss mehr vom Stil als ich.

Ich habe für 50 Jahre schöne Arbeiten vor mir — und nun muss ich so pferdemässig im Joche ziehn und kann kaum rechts noch links sehn. Ach!

(Seufzer!)

Der Winter ist im Ganzen kräftig gekommen, doch giebt es seit gestern schweinischen Koth.

Weihnachten wird es muthmaasslich kalt.

Ist es Euch recht, dass ich komme? — Ich freue mich so darauf, einmal unter Euch zu sein und diese verfluchte Universitätswirthschaft für 10 Tage hinter mir zu haben. Schenkt mir doch zu Weihnachten ein kleines Landhaus, wo ich den Rest meines Lebens ruhig sitzen kann und schöne Bücher schreiben — ach! (Seufzer!)

Mit herzlichem Grusse
Euer Fritz.

406. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 13. Dezember 1874>Sonntag.

Meine liebe Mutter und Schwester

da ich auf meinen letzten Brief keine Antwort erhalte, nehme ich beinahe an, dass er gar nicht angekommen ist; zu Weihnachtszeiten nichts Ungewöhnliches. Oder, falls er angekommen ist, so habt Ihr Euch vielleicht gewundert, dass ich nun doch noch zu Weihnachten kommen will, vielleicht passt es Euch jetzt nicht und Ihr habt irgend welche anderen Beschlüsse gefasst. Kurz, sagt es mir nur, wenn es diesmal nicht gut geht, dass ich komme. Macht Euch ja keine Bedenken, mir ein einfaches Nein! zu schreiben. Aber bitte, schreibt bald.

Gestern Abend war ich bei Siebers; es geht recht gut, alles war guter Dinge, man grüsst Dich liebe Lisbeth.

Traurige Neuigkeit! Grosser Bankerott von Burckhardt-Schrickel. Ebenfalls von Heussler und Comp. (Du erinnerst Dich aus den Drei Königen), dann ebenfalls von Bischoff. Es steht mit allen Seidenfabrikanten schlimm.

Heute Mittag bin ich mit Overbeck bei Bachofens.

Gestern schickte Rohde ein Kästchen mit Kieler Sprotten.

Sagt mir doch, was ich Euch noch aus Basel mitbringen könnte.

Ich würde Mittwoch Nachmittag in Naumburg vor dem Feste ankommen — wenn es überhaupt angeht.

Nun verzeiht die Eile meines Briefs und seid herzlich gegrüsst

von Eurem Fritz.

Tod und Begräbniss des alten Herrn Reisch wird Euch gemeldet sein. — Viele Grüsse von Bätely Burckhardt.

407. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 18. Dezember 1874>Freitag.

Meine Lieben, also wirklich, ich komme, und zwar freilich erst am Mittwoch Nachmittag: da ich hier am Diensttage noch zwei Stunden habe.

Ich wünsche Euch und mir ein recht geruhiges und vergnügtes Weihnachten.

Wäre nur erst die abscheuliche Nachtfahrt überwunden! Davor graust mir.

Das Wetter ist sehr schön hier.

Auf Wiedersehn!
Herzlich grüssend Euer F.

408. An Carl Fuchs in Berlin

<Basel,> 21 Dez. 1874.

Sie können Sich schwerlich vorstellen, wie sehr Sie mich durch Ihre letzten Mittheilungen erfreut haben. Wirklich, ich dachte vordem mit einem trüben Missmuth an Sie und fürchtete Schlimmes und Schlimmstes, ohne mir irgend welche Kraft beizumessen; um da etwas ändern zu können. Gott weiss wie ich Angesichts aller wirklichen Natur immer zum Fatalisten werde und es auch bei Ihnen wurde, heimlich zu mir sprechend: „dem ist nicht zu helfen.“ Schlimm! Schlimm! Gerade bei denen, wo man helfen könnte, lohnt sich’s nicht. Nun sagen Sie selbst, dass Sie eine gefährliche Crisis hinter sich haben; ich stelle diese mir als ein moralisches Kindbettfieber vor, wie es einzutreten pflegt, wenn man etwas Ordentliches gethan, sich rechtschaffen bezwungen hat und hinterdrein um so mehr zusammenknickt und eine Zeit lang etwas bettlägerig ist; in dieser Schwäche greift man dann leicht nach dem Falschen und erweckt Angst und Bangen. In seinen Hauptsachen muss sich nun der Mensch rein halten, ist meine stille Anforderung an Jedermann, während ich ziemlich tolerant, ja lax und nachlässig in den Nebensachen bin, bei mir und Anderen. Sie verzeihen es mir gewiss, wenn ich Ihnen es sage: es kam mich in diesem Spätsommer ein Schauer und Zweifel an; aus der Ferne lässt sich so etwas nicht leicht gut machen und durch offenherzige Briefe wird hier und da manches schlechter gemacht. Kurz, ich nahm mir vor etwas zu warten und zwar auf Handlungen und Thatsachen zu warten.

Darüber vernehme ich nun genug aus Ihrem letzten Briefe und nur Dinge von der tröstlichen und wiedergutmachendsten Art. Nun haben Sie die kleine Stadt entdeckt, wo Sie zum musikalischen Herren und Obersten heranwachsen können, wo es möglich ist pflanzen und ernten zu können und wo nicht der „böse Feind“ Ihnen die Saat verdirbt und die Freude der Arbeit nimmt. Wer möchte Ihnen nicht gerne längst dazu verholfen haben! Aber es nützte nichts, wenn Sie sich nicht dazu verhalfen und sich zu dieser Auffassung der Dinge hinab oder hinaufstimmten. (Beiläufig: als Sie mir die Mittheilung über die Mainzer Sache machten und das documentum illustre vorlegten, so habe ich in der nächsten Viertelstunde nach Bayreuth darüber geschrieben und angefragt ob etwas zu thun sei, schickte auch das documentum mit, hatte aber sofort das Gefühl bei dieser Sache und bei diesem Verfahren kein Glück zu haben und hatte auch keines). Ihre Künstler-Reiseabenteuer, Ihre Künstler-Rache an den Breslauern und überhaupt alles was Sie mittheilen und wie Sie es mittheilen hat etwas von Freiheit und Errettung an sich worüber ich mich immerfort freue; so konnten Sie sich nur selbst helfen. Mein Freund Gersdorff hat Sie in Bunzlau gehört, schickte das Programm und schrieb erbaut und ergriffen zumal über Ihren Vortrag Bach’s.

Wenn Sie die Preisschrift über den Ring des Nibelungen lesen, werden Sie merken, dass mit ihr Niemandem etwas weggenommen ist; während Sie wohl schon wissen, dass Ihnen Niemand etwas von dem wegnehmen kann, was wirklich das Ihrige ist und was Sie allein können. Kommen Sie im nächsten Sommer (1875) nach Bayreuth, zu den Proben? Ich bin dort von Mitte Juli bis Mitte August. Sehen Sie doch ja zu, dass Sie kommen. Ich meine, man muss dabei sein, sonst giebts gar kein „Muss“ mehr.

Und nun ein herzliches Lebe- und Reisewohl und alles Gute und Getreuliche dem Getreuen.

Ihr ergebenster
Fr. Nietzsche.

auch im Namen Overbecks, der bereits in die Ferien gereist ist.

409. An Theodor Opitz in Liestal

Basel den 21 Dezember 1874.

Nun schon zum zweiten Male habe ich von Ihnen, geehrtester Herr, ein Zeichen sympathischen Einverständnisses erhalten. Will ich versuchen Ihnen dafür zu danken, so müssen Sie mir auch freistellen, es auf meine Weise zu thun, ich meine hier nämlich, auf eine recht bescheiden-hochmüthige Art. Ich sehe von dem Persönlichen solcher Begegnungen ab und vergesse, daß Sie mich gelobt und geehrt haben, denke mir aber, daß Sie und ich über irgend etwas sehr Wesentliches Einer Meinung und daß wir Beide Recht haben. Darauf nämlich kommt es an, wirklich glauben zu können, daß man mehr Recht hat mit seinen unzeitgemäßen Meinungen als die ganze Zeit mit ihren zeitgemäßen: da steckt das Hochmüthige, von dem ich sprach, da aber auch das Bescheidene. Denn es ist gar kein Verdienst dabei von einer grünen Thür zu sagen sie sei grün und von der Wahrheit, sie sei wahr. Wir thun damit doch eben nur das Unvermeidliche und nehmen den Steinen die Mühe ab, die ja, wenn wir schweigen, schreien müßten. Denn, über Schopenhauer etwas zu sagen war fast schon zu spät: mir scheint es, hier haben schon die Steine geschrieen.

Mit aufrichtigem Danke
Ihr
ergebenster
Friedrich Nietzsche.

410. An Erwin Rohde in Kiel

den 21 Dez. 1874. Basel.

Morgen, mein liebster Freund, soll’s heimwärts gehen, und es giebt höllisch viel noch zu bedenken, einzukaufen, selbst noch ein paar Stunden zu geben, dann muss ich noch ein paar schöne Verschen machen, um sie in schön gebundene Bücher zu schreiben und soeben hatte ich den Besuch meines trefflichen Schülers Freundes und blauen Husaren Adolf Baumgartner, der mit einer ganzen Weihnachtsbescheerung bei mir antrat und selbst eine Bescheerung war; selbst noch ein Dichter meldete sich heute Abend, Hr Theodor Opitz, Übersetzer von Petöfi; er schickte ein Gedicht, mit der Überschrift „Schopenhauer als Erzieher“. Overbeck ist schon fortgeflogen in die Ferien und hat mir noch auf dem Bahnhofe aufgetragen, Dir seine Weihnachts- und Neujahrswünsche zu „übermitteln“ (wie der nunmehr selige Tischendorf zu sagen beliebte) Romundt der Unselige bleibt zurück wie ein Vogel auf seiner Stange: aber Ostern ist es aus mit seiner akademischen Nonsinecura, dann gehts hinaus; hier ist nichts für ihn günstig gestimmt. Dr. Fuchs ist ein gutes Vorbild, der hat sich eine neue Heimat gegründet, in Hirschberg in Schlesien, er schrieb nach langer etwas athemschwerer Pause vorgestern zum ersten Male wieder, gut und frei und mich völlig um- und einstimmend. Wagner ist am 21 November mit der Nibelungen-Partitur fertig geworden — Laus Deo! Krug und Pinder kommen mit ihren Weiberchen nach Naumburg, Gersdorff geht auch nach Hause und vielleicht zu den Grafen Einsiedels, auf Liebeswegen (m<ezza> v<oce>, ja selbst pp. im sanftesten decrescendo); ich selber schleppe meine Noten zusammen, um in diesen Erholenden Ferien das ganze musikalische Opferfest meiner Kindheit und Jugend noch einmal zu feiern und durch Abschreiben zu codificiren: wobei mir der einarmige Thürmer auf dem Naumburger Domthurme helfen soll. Der hymnus wird nun noch einmal umgeschrieben, für 2 Hände, aber für a bitzeli grosse Hände. Mit meiner Vorlesung über griech. Litteratur bin ich glücklich bis zu Tryphiodorum gekommen, resp. bei ihm stecken geblieben, will sagen, ich habe Epom abgehaspelt, verzeih mir die casuswidrige Wuth bei dieser Rückerinnerung — ich hoffe in drei Semestern mit meinem „Abriss“ fertig zu sein, aber es ist mehr eine καλὴ ἐλπίς.

In alle diese Bewegung und diese feuchten Schwingen fiel ein Kästlein Kieler Sprotten hinein, ich will nicht sagen wie ein Blitz bei heitrem Himmel, aber wohl wie ein Regen bei trockner Erde, wenn die Bäche klein sind und nur noch schleichen (Du siehst ich habe vom Epos die fürchterliche aber durchgehende Eigenschaft der unpassenden Gleichnisse angenommen) Kurz, sie haben trefflich geschmeckt, wir alle bezeugen es; in Betreff der Urheberschaft machte ich sofort folgende epigrammatische Dichtung

Dieser Sprott

Ist nicht von Gott,

meine, er kommt von Rott.

Soeben sehe ich nach der Uhr, schaudere, es ist gleich Eins (Nächtens!), Pflicht und Bett rufen und so bleibt mir nur noch eine Tinte voll Feder übrig — umgekehrt! um Dir zu sagen, dass ich jetzo und in kommenden Jahren Dein getreuer Freund und Bruder sein und bleiben will

Gute Nacht.
Dein
Fridericus.

411. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Naumburg den 24 Dez. 1874.

Mein lieber getreuer Freund, ich sitze hier zu Naumburg, in heimatlichster Stimmung, gestern kam ich an, schlief gut und heute morgen soll Deiner und der Frauen Wagner gedacht sein. Es gab in den letzten Wochen ein großes Drängen, so daß ich nicht zum Briefschreiben kam, doch ist es mit der Gesundheit gerade noch gegangen, und ich glaube auch, es wird gehen. Die Geschichte des griechischen Epos habe ich in meinem Colleg bis jetzt zu Ende erzählt, da aber die ganze Litteratur der Griechen heran soll, wird sich dies Colleg wohl über 3 Semester hinziehen. Diese Ferien will ich dafür mit aller Litteratur verschont sein, habe aber alle meine Jugendcompositionen um mich gehäuft, daraus soll etwas gebraut werden „dran sich der Lenz erkennen lässt“, ich meine zur Erinnerung, für das Alter. Viel ist mir in den letzten Monaten durch den Kopf gegangen, und ich bin mehrfach wieder unzeitgemäß befruchtet worden, doch wann werde ich wieder Zeit finden? Quaeritur. Am Tage meiner Abreise aus Basel erschien ein Gedicht, verfaßt von dem Übersetzer des Petöfi Th. Opitz; ich lege es gelegentlich einmal bei. Die darin ausgedrückte Wirkung scheint diesmal bei allen meinen ordentlichen Lesern eingetreten zu sein (nur Frau Guerrieri fand sich diesmal „deprimirt“, von der Größe der Aufgabe erschreckt, frauenzimmerlich-zimperlich!); der alte Präsident Turneysen schrieb mir sehr gut, und daß Frau Baumgartner eifrig und glücklich daran übersetzt (bis jetzt bis zu Cap. 5) habe ich Dir wohl erzählt, sie hat viel Übung und Geschmack, aber bei vielen ihrer Sprachbemerkungen danke ich doch dem Himmel ein Deutscher zu sein, ich möchte nichts mit einer so ausgelitzten Sprache wie die französische ist zu thun haben. Unser lieber junger Freund Baumgartner hat mich vorgestern auf die Bahn begleitet bei der Abreise, und zwar angethan mit der Paradepracht eines blauen Husaren, er sieht wohl und reichlicher aus als früher, und ist wirklich sehr gut aufgehoben in seiner Schwadron; der Offizier, der ihn und die Mit-Freiwilligen ausbildet ist Prinz Löwenstein, sein oberster Chef der regierende Reuß. Baumgartner schickt Dir seine besten Grüße, Dein Verwandter Gr<af> Rothkirch ist bei einer andren Schwadron. Mit dem Dr. Fuchs ist wieder Friede und Freundschaft eingetreten, das moralische Kindbettfieber überwunden; denke Dir, daß er sich in Hirschberg (Schlesien) eine neue Heimat gegründet hat; er schreibt kräftig, heiter und beruhigt, auch sehr dankbar — wofür eigentlich? Ich freue mich herzlich über diese Erfahrung. — Rohde schickte Kieler Sprotten nach Basel und einen sehr schönen Brief, er formt weiter an seinem „Roman“, der immer dicker wird wie ein Schneemann; schrieb auch einiges über Erotica und will bemerkt haben daß er „zu alt oder zu dumm oder zu verstudirt sei, als daß dergl. seine Gedanken ganz oder nur vorwiegend und namentlich auf einige Dauer fesseln könnten“. — Overbeck ist in Dresden, Romundt (dessen Geburtstag am 27 Dez. ist) in Basel, letzterer hat nun endgültig seine Universitätsdinge auf Nichts gestellt, ich will sagen, er geht Ostern ab und fort — und wohin? Wir wissens noch nicht, eine tüchtige Lehrerstellung soll herauskommen, nöthig ist es wahrhaftig, daß er die verfluchte Philosophirerei kalt stellt, er wurde recht tottig dabei und wird es täglich mehr, wie er selbst fühlt, und wir mit ihm fühlen. — Für Deinen letzten Brief und die Mittheilung des Bayreuther Briefes herzlichen Dank; wir wollen allesammt dem Himmel und der Unterwelt und wo sonst noch Götter sich aufhalten danken, daß das Nibelungenwerk gethan ist. Dem trefflichen Rau wünsche ich empfohlen zu werden und zu bleiben, das ist ein guter Mensch, und wie er seine Sachen ordentlich vorwärts führt, ist gut zu hören, auch zum Nachmachen. Krug und Pinder, beiläufig, werden mir in diesen Tagen ihre Weiberchen präsentiren, alles kommt zur Weihnacht.

Nun mein herzlieber Freund, Du weißt, daß wir über den Tag Deiner Geburt nicht klagen und fluchen; wie immer auch das Menschenloos im Ganzen sei, gewiß beklagens-, vielleicht fluchenswerth — aber gute Freunde ist eine sehr achtenswerthe Erfindung, derenthalben soll das Menschenloos gerühmt werden. Bis jetzt war es die einzige Art, wie wir mit unserm Besten etwas weiter wirkten und weiter lebten, über das Individuum hinaus; gelegentlich müssen wir auch nun unsere andre Schuldigkeit thun und für einen kräftigen geistig-leiblich ebenbürtigen Nachwuchs sorgen. Aber was auch geschehe, der Hymnus auf die Freundschaft soll immer fort erschallen; und dabei werde ich immer mit Lob und Dank an Dich gedenken, mein lieber treuer Gersdorff!

Empfiehl mich Deinen verehrten Eltern und sei selber herzlich gegrüßt von meiner Mutter und Schwester.

Und nun tapfer hinüber ins neue Jahr.

Dein
Friedrich Nietzsche.

1874 (75 Briefe)

339. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 5. Januar 1874>Montag.

Мои дорогие мама и сестра,

вот я и снова здесь, живой и в сносном здравии (хотя не совсем здоров, особенно немного охрип). Ровно в 4 часа пополудни я был на Рейнском мосту; декларировать мне было нечего, да и никаких неудобств не возникло. Ночью было холодно и совсем не натоплено; у меня замерзли ноги, и мне не хватало более теплой обуви.

Я ужинал с Ромундтом; вопрос с его профессорской должностью все еще очень неопределенный, точно известно лишь одно: он не станет преемником Ойкена; но я надеюсь, что он получит должность экстраординарного профессора. Величайшая неприязнь к продвижению шопенгауэрианца проявлялась неоднократно, вплоть до совета Ромундту уехать куда-нибудь в другое место. Все это совершенно конфиденциально.—

Мой диван перетянут заново. Все выглядит вполне пристойно. Сегодня я завтракаю в 11 часов. Овербек еще не приехал.

А теперь примите еще раз мою сердечнейшую благодарность; это были спокойные и хорошие дни, и мне все же кажется, что я немного отдохнул у вас, особенно нервами. Ваши прекрасные рождественские подарки украшают мою комнату, и все напоминает мне о вас. Как жаль, что наше пребывание вместе должно было быть таким коротким!

Живите хорошо и думайте
обо мне. Ваш Ф.

340. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 14. Januar 1874>Mittwoch

Мои дорогие мама и сестра, я очень благодарен вам за ваши полные участия письма и прошу лишь о том, чтобы вы ни в коем случае не беспокоились. У меня все хорошо, конечно, я немного изменил свою диету, в том смысле, что больше не хожу обедать, а завтракаю в половине двенадцатого (суп и два бутерброда с ветчиной). Обычно мне этого хватает до вечера, так как у меня к тому же есть в комнате вегетарианский хлеб. Иногда, впрочем, я ем днем еще немного мяса. Пока что это идет мне на пользу, и я вполне доволен.

Два листа моего нового сочинения исправлены. В целом я отдыхаю и каждый день гуляю. Папка для писем висит красиво и ровно на стене. С профессорской должностью Ромундта пока нет никакого решения. Старому Фишеру все еще не лучше, Фюрстенбергер в Ницце и хочет потом поехать на отдых в Каир, у фрау Фишер-Хойслер тиф (нервная горячка). Впрочем, это не вызывает опасений. Фрау Розали Фишер я недавно навещал в новом доме. В субботу днем я был у фрейлейн Кестнер, в воскресенье днем у Бахофенов, в следующую пятницу вечером буду у Буркхардт-Хойслеров. — Господин Лаутербург, насколько нам известно, остается летом здесь. Короче говоря, нам нужно придумать что-то новое, фрау Бауманн уже сделала несколько запросов поблизости.

Сердечно приветствую и благодарю, ваш Фриц

Пожалуйста, дорогая Лизбет, уладь дело с дядей Германом как можно скорее в его пользу; иначе я чувствую себя грубым в этом вопросе. Пожалуйста!!

Мы все же немного обеспокоены из-за фрау Фишер; Буркхардт-Хойслеры только что, из-за беспокойства, отменили встречу в следующую пятницу вечером.

К фрау Бауманн летом на 6 недель приедет ее сестра из Санкт-Галлена.

Хорошее предложение: в двух домах от меня живет фрау Андре, порядочная женщина, немка. Она хочет уступить мне свою хорошую комнату для тебя: правда, не хватает отдельной спальни; она предлагает тебе, не хотела бы ты спать вместе с ней в ее спальне. Фрау Бауманн выступила посредником в этом деле. С какого времени мне арендовать? Жду любезного ответа и поскорее.

Итак, в двух домах отсюда. Первый этаж. Кроме того, у фрау Андре живет доктор Биндер с милой немецкой женой, врач в детской больнице.

341. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel 18/1 74

Ну что же, дорогой мой друг, в новом году у меня всё идет довольно сносно, и ты можешь думать обо мне без всякого беспокойства. Я изменил свой образ жизни и больше не работаю по ночам, а завтракаю в половине двенадцатого супом и обедаю, по сути, лишь в исключительных случаях. Во всяком случае, такой упрощенный режим питания идет на пользу моему желудку. Далее, до Пасхи я намерен не писать ничего нового, чтобы тем самым исцелить свои расшатанные нервы. Итак, философы снова лежат без дела; но на Пасху работа закипит вновь, и я намерен нанести удар по вольноопределяющимся. Полагаю, это худшее, что сейчас можно сделать с филистерами от образования. К тому же рейхстаг занимается военными законами; мои предложения имеют некоторую долю политической вероятности, и было бы неплохо продемонстрировать людям, что мы не вечно живем в высях и далях, среди облаков и звезд. Но теперь — подавай сюда военную литературу, прежде всего историю военного дела. Можешь ли ты мне как-то помочь в этом, верный помощник и друг?

Печать № 2 продвигается. Два листа выверены и отправлены, сегодня или завтра придет третий, так что к концу января всё может быть в порядке. Последнюю главу я, конечно, написал в Наумбурге и закончил в день Нового года, к его инаугурации. С истинным волнением я получил твою копию и сопровождающие её строки и счел себя счастливым, имея тебя в друзьях. Только не забывай думать о том, как нам устроить встречу осенью; и чтобы ты видел, что и другие люди желают этой встречи, посылаю тебе кое-что от Кандриана. Роде тоже хочет приехать; его, кстати, в Киле снова обошли с ординарной профессурой, это скандал! Против Ромундта и здесь проявился страх перед Шопенгауэром, и совершенно невозможно, чтобы он сейчас (да и, как я полагаю, когда-либо) получил здесь ординарную профессуру по философии. Будем рады, если его удовлетворят экстраординарной профессурой и, возможно, какими-то деньгами.

С Ричлем у меня в Лейпциге был словесный поединок, в котором не было ничего неловкого, но было что-то болезненное и безнадежное. У Фрича, этого замечательного и проверенного человека, я переночевал и вынес впечатление, что всё еще стоит на своих местах. Женский призрак испортил нам воображение. Всё же одна конкурсная работа после успешной переработки будет удостоена премии — работа проф. д-ра Коха. Евангелическая церковная газета, говорят, хвалила мою «Штрауссиаду». Кстати, с нового года я больше не хожу в читательское общество и чувствую себя освобожденным от необходимости слушать газетную братию. С первой книгой Ранке мы почти закончили. Надеюсь, что позже смогу извлечь пользу из твоих переводов, ведь это позволительно надеяться, не так ли? Старому Фишеру всё еще нехорошо. У фрау Фишер-Хойслер тиф, бедняжка! О Байройте я уже даже не смею думать, иначе с восстановлением нервов будет покончено.

Ну что же, будем храбры.

Прощай на сегодня, любезнейший друг, и прости, что посылаю тебе не письмо, а лишь связку заметок. Овербек и Ромундт вспоминают о тебе, как и я сам, с верностью и тоской друзей, живущих в разлуке. Должно ли так быть? Должно ли так быть? Нередко мне приходит в голову лестный образ того, как я, став на несколько лет старше, однажды прибегу к тебе, в твое убежище, и мы будем вместе созерцать поля и смотреть, как заходит солнце.

Прощай!
Ф. Н.

Оставленные вещи скоро последуют. Хуг не смог принять «Тангейзера», особенно из-за французского текста. Мне, кстати, доставляет истинное удовольствие предложить тебе свой экземпляр; так что теперь я знаю, что ты владеешь всеми вагнерианами; или не хватает великолепной увертюры к «Фаусту»?

Итак, ты снова стал дядей. При твоем рассказе я подумал о многом невыразимом.

Твоим почтенным родителям мои наилучшие пожелания.

342. An Carl Fuchs in Berlin

<Basel, vermutlich Februar - März 1874>

Воскресное утро, и я как раз размышлял о de tranquillitate animi, когда господин профессор Овербек принес мне Ваше письмо, дорогой господин доктор. Нет, никто не может советовать Вам сделать тот шаг, о котором Вы пишете; это должно было бы быть священным безумием, которое гнало бы Вас вперед вопреки всякому разуму — ну что ж, тогда мы, остальные, постарались бы как можно лучше смириться с неизбежным и попытались бы Вам помочь. Тем временем мы должны лишь как можно яснее сказать Вам, что Базель — неподходящая почва для Ваших преподавательских стремлений, для Вашего философского самовыражения, для Вашего сносного материального существования: разве что Вы не хотите продолжать жить как ученый-монах, который не желает от места ничего, кроме покоя и уединения. И то, и другое здесь можно найти — и по сравнению с Вашим суетливым, беспокойным, загнанным Берлином это, конечно, немало значит. Но, по правде говоря, это можно найти везде, я полагаю, даже в самом Берлине или Париже; нужно лишь мало желать и поставить перед собой задачу, при которой уже не возникает искушения оглядываться на беспокойную образованную еврейскую чернь и всю эту признанную общественность. Истинное уединение заключается в великом труде. Лекции и академии — это все ничто или немногим больше, чем внешняя рамка нашего существования. Бежать туда — этого мы, Овербек и я, уже не совсем понимаем, так как часто думали об обратном, о бегстве вовне, к полной свободе, чтобы в каком-нибудь уголке мира, пусть даже в самых простых условиях, продолжать жить, размышляя и оставаясь свободными. Поэтому мы, вероятно, вряд ли являемся подходящими советчиками. Впрочем, относительно этого места никто не смог бы Вам ничего гарантировать; профессуры по музыке у нас нет и не будет, ибо вряд ли Вы набрали бы более двух академических слушателей в столь немузыкальном городе. Оплачиваемые кафедры философии, как мы должны судить по одному совершенно определенному, весьма поучительному случаю, для последователя Шопенгауэра совершенно недоступны: вообще здесь царит большая неприязнь к любому поощрению этого «направления». С. Багге вполне устраивает базельцев, как и директор Рейтер. Я люблю базельцев и говорю это не с иронией, а лишь для того, чтобы пролить свет на здешние слабости и ограниченность. Жизнь здесь дорогая, холостяк с весьма умеренными запросами не проживет меньше, чем на 3000 франков (800 талеров), а вероятно, и больше. Да кто мог бы Вам советовать, почтенный господин доктор! Я полагаю, что я на Вашем месте желал бы получить место музыкального директора в небольшом городе или, еще лучше, доходное место органиста: тогда я позволил бы миру идти своим чередом и не позволил бы ничему больше терзать себя. Мы все будем погублены, если станем беспокойными. — Это, конечно, все очень мало и очень слабо, но, к сожалению, уже слишком много для моих глаз. И поэтому не сердитесь, что я на этом заканчиваю. Овербек желает так же сердечно, как и я, чтобы Вы приняли верное решение — но, как я уже сказал, советовать мы Вам ничего не можем. Кто мог бы Вам советовать!

С теплыми пожеланиями
Ваш
Фридрих Ницше.

NB. Конкурсная задача со стороны А<llgemeiner> D<eutscher> Musikverein не будет выставлена во второй раз.

343. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Basel,> 1 Febr. <1874>

Моя любимая матушка

мне только что сказали, что сегодня уже первое февраля, я до сих пор не могу в это поверить, но сажусь немедленно писать Тебе, чтобы мои поздравления с днем рожд<е>ния успели вовремя дойти до Наумбурга. Ну что ж, посмотрим, что принесет этот год: надеюсь, для Тебя, а значит и для нас, что-то хорошее или хотя бы сносное. Я пишу сегодня, страдая от плохого пищеварения и тошноты; поэтому я прежде всего думаю о теле и от всего сердца желаю, чтобы Твое здоровье оставалось таким же, каким было до сих пор, и чтобы Ты не последовала абсурдному примеру своего сына, который начал болеть слишком рано и который уже радуется каждому дню, как старик, когда его не беспокоят несварение и боли. В остальном же, в Наумбурге у Тебя так спокойно и приятно, в чем я снова убедился на Рождество, что у меня нет иного желания, кроме как: «пусть и впредь все остается по-старому».

Мне так понравилось у Тебя на Рождество, что я всерьез обдумывал, не приехать ли мне снова на Пасху; может быть, Тебе удастся снова подлечить меня супчиками, прогулками и, возможно, лошадкой. Подумай об этом; или Ты считаешь, что разумнее посетить хорошую водолечебницу поблизости от меня? В любом случае, я должен что-то предпринять, слабость берет верх. Пешая прогулка тоже была бы очень разумна. Мне, вероятно, удастся в виде исключения освободиться от присутствия на пасхальных экзаменах, так что у меня будет около 4 недель отпуска. Ах, как бы я хотел иметь небольшое поместье: я бы на время повесил свою профессорскую должность на гвоздь. Вот уже 5 лет я профессор; думаю, этого скоро будет достаточно. Право, я хотел бы поступить как Герсдорф и стать фермером.

Впрочем, я отдыхаю — если это можно назвать отдыхом, на самом деле я ничего такого не чувствую. Это значит, что в данный момент я не пишу книгу. Из новой книги напечатано 4 листа, работа идет медленно. Глаза часто утомляются.

Для нашей Лизбет я нашел очень хорошую квартиру совсем рядом со мной: у замечательных Хегаров. У них два дома, задний дом выходит на улицу, где до сих пор жили Фишер-Хойслеры: это ближайший дом от окна моей гостиной: там живет молодой Хегар со своей молодой прелестной женой, француженкой, замечательные люди, и все хорошо устроено. Так что там будет жить наша Лизбет, и госпожа Хегар уже радуется этому.

Прилагаю кое-что из Вальдхаузена. — Недавно мы похоронили старого доктора Хайтца: может быть, Лизбет пошлет какой-нибудь знак соболезнования бедной фрау доктор?

Состояние здоровья фрау Ф<ишер->Хойслер вполне удовлетворительное, старая госпожа Фишер тоже больше не вызывает опасений, ее недуг — затяжной гастрит.

Больше ничего нового. У меня огромная потребность немного отдохнуть и восстановиться, и тогда я всегда думаю о вас. Еще одна новая обязанность висит у меня на плечах: на этот и следующий год я декан своего факультета. Я сыт этим по горло.

Плата за жилье для меня снова повысилась, так что теперь я плачу 47 франков в месяц (раньше 40).

Еще раз: я с Тобой, с верной памятью и сердечными пожеланиями.

Твой старый сын.

343a. An Constantin Georg Naumann in Leipzig (Zettel)

<Basel, 9./10. Februar 1874>

Уважаемый господин, вот последние исправления; пожалуйста, обратите внимание, что страницы 102 и 103 испорчены (так ведь говорят?) Ряд строк на стр. 103, 104, 112 я вычеркнул. —

Мне очень важно как можно скорее получить несколько готовых экземпляров!

— Как обещал мне г-н Фрич на Рождество, сейчас немедленно начинается перепечатка «Рождения трагедии»; экземпляр, который должен лечь в основу печати, насколько мне известно, уже находится в вашей типографии.

Покорнейше ваш
Д-р Фр. Ницше

344. An Malwida von Meysenbug in San Remo

Basel 11 Febr. 1874.

Дорогая подруга!

Я совсем не знал, где мне искать Вас со своими мыслями; от Герсдорфа я узнал лишь то, что Ваше байройтское существование подошло к концу; теперь я слышу, где Вы находитесь, одинокая и больная, так что я охотнее всего немедленно отправился бы вслед за Вами, если бы это было хоть как-то совместимо с моей должностью, с моими обязанностями. Зато я обещаю Вам визит в Рим. Или не стоит ли принять во внимание, не пойдет ли на пользу Вашему здоровью Женева или Лугано; временами я сам подумывал о том, чтобы предложить Вам Базель, ведь до сих пор у нас была мягкая и солнечная зима, и только со вчерашнего дня пошел снег и наступили настоящие холода. По крайней мере, я знаю, что разница нашего климата с байройтским значительна, и что цветение деревьев у нас наступает почти на четыре недели раньше. Не ищите в этом предложении ничего, кроме самого сердечного желания снова стать к Вам ближе; ведь у нас есть общее страдание, которое вряд ли другие люди чувствуют так сильно, — страдание из-за Байройта. Ибо, увы, наши надежды были слишком велики! Сначала я пытался вовсе не думать о тамошней нужде, а поскольку это не удавалось, я в последние недели думал об этом как можно больше и тщательно проверял все причины, почему предприятие буксует, да и почему оно, возможно, терпит крах. Может быть, позже я поделюсь с Вами некоторыми из этих соображений; прежде всего, примерно через две недели, Вы получите от меня кое-что другое, ожидаемый Вами номер 2 под названием «О пользе и вреде истории для жизни». Номер 2 напоминает мне о том, что вчера в Людвигсбурге похоронили Давида Штрауса.

А что поделывает госпожа Моно, и правда ли, что она родила мальчика?

Вы видите, я до сих пор диктовал, значит, с моими глазами не все хорошо. Но во всяком случае лучше. Ах, если бы я мог Вам помочь! Или хоть как-то быть полезным! Я с состраданием думаю о Вас, бедняжка, и восхищаюсь тем, как Вы умеете переносить жизнь. По сравнению с этим я — принц удачи и должен стыдиться. Мои пожелания с Вами!

Ваш Фридр. Ницше

345. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel 11 Febr. 1874

Дорогой добрый друг, лишь коротенькое письмецо, чтобы сообщить тебе, что я всё же не хочу пока отправлять ящик (который уже неделю стоит в моей комнате), ибо у меня есть перспектива вложить туда экземпляры второго «Несвоевременного размышления» самое позднее через 2 недели, так что я подожду и исхожу из того, что тебе должно быть довольно безразлично, придут ли вещи на пару недель раньше или позже. Последние корректурные листы пришли позавчера. Всё прошло благополучно; в сумме это 7 печатных листов (111 страниц).

С Рождества я воздерживался от всякой литературной деятельности и в целом доволен. Зато многое было обдумано в голове, в последнее время — многое государственно-политическое: до этого «Рихард Вагнер в Байройте», ещё раньше «Цицерон и романское понятие культуры»; всё это оживёт в своё время. Карл Хильдебранд пригласил меня принять участие в «Итальянском обозрении», редактором которого он будет; труд выходит отдельными книгами, лучшие, известные и тебе итальянские имена там присутствуют, из немцев приглашены только Якоб Буркхардт, Грегоровиус, Герман Гримм, Пауль Хейзе; я, конечно, отказался, как и Буркхардт.

Знаешь ли ты уже, что Хайнце стал преемником Ойкена? Он недавно уже наносил сюда визит.

Вчера в Людвигсбурге похоронили Давида Штрауса. Я очень надеюсь, что не осложнил ему последние дни жизни и что он умер, ничего не зная обо мне. — Это меня немного задевает. —

За «Militaria» тебе и Менде сердечное спасибо. «Будет исполнено», как говорил Таузиг. Баумгартнер сидит напротив меня и только что написал два письма, которые я ему продиктовал, бедной Мейзенбуг и Хильдебранду.

Итак, «вперёд всегда со строгим фехтованием».

Полный добрых надежд
Твой
Ф.

346. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Mitte <15.> Februar. <1874>

Примите прежде всего сердечный воскресный привет, дорогой друг! Живете ли Вы на сером севере? У нас стоят такие чистые теплые дни и много солнечного света, да что там — даже глубокие по цвету закаты. Вся зима подарила нам лишь один снежный день. С Нового года я стал жить разумнее и бережнее, так что сегодня могу похвалить свое самочувствие. Только глаза! Мне нужен переписчик! Правда, здесь у меня за полгода появился чрезвычайно симпатичный и талантливый ученик, который уже стал для всех нас своим: Баумгартнер по фамилии, эльзасец, сын мюльхаузенского фабриканта. Он приходит каждую среду после обеда и остается до вечера; тогда мы диктуем, читаем вслух, пишем письма. Короче говоря, это настоящее приобретение для меня и, как я надеюсь, когда-нибудь для всех нас. На Пасху я хочу снова поехать в Наумбург, чтобы там еще раз пожить в покое и заботе о здоровье: так я, пожалуй, выдержу в долгосрочной перспективе. С Рождества я многое обдумал и должен был блуждать в таких отдаленных краях, что, получая корректурные листы, часто сомневался, когда я вообще написал этот материал, да и мое ли это все. Я сейчас очень сильно иду против рожна политических и гражданских добродетелей и временами даже выходил за пределы «национального» — да исправит это Бог и меня!

У тебя, при всей твоей нужде, теперь была еще и корректурная нужда, добрый верный друг. Каждое малейшее указание было с благодарностью использовано («вычищено»), и многие пятна были стерты твоей рукой. Ряд странностей, впрочем, исходил не от меня, а от переписки моей трудночитаемой рукописи. К сожалению, именно для последнего листа я уже не смог воспользоваться твоей помощью. Я полагал, по ряду причин, что забыли прислать тебе последний лист, а дело не терпело отлагательств. К счастью, я сам устранил самые грубые огрехи, а также немного облегчил заключительные части, вычеркнув около 1 страницы текста. Некоторая обобщенность, впрочем, была необходима, поскольку мне приходилось учитывать более специфические выкладки в последующих «Несвоевременных размышлениях». Пусть же чудовище бежит — кому оно доставит радость? Кто его вообще прочтет! Я думаю, люди придут к выводу о моей невероятной глупости — и будут действительно правы! Только я сам уже не могу выносить эту «разумность» и замыкаюсь в себе. Я действительно не могу иначе; но ведь правда, ты не станешь из-за этого сразу презирать меня? Ведь я, собственно, думаю, что ты смотришь сквозь пальцы на эти мои вещи — и имеешь на это право, дорогой друг! Думая о своих коллегах-филологах, я порой сам испытываю нечто вроде стыда. Но я не верю, что меня легко сбить с пути — и сперва я хочу полностью высказаться, ведь нет большего благодеяния, которое можно оказать самому себе! Когда ты получишь свой экземпляр (надеюсь, за 2 недели до этого), я прошу тебя еще об одном: скажи мне с жесткостью и краткостью об ошибках, манерах и опасностях моего изложения — ибо в этом я собой не доволен и стремлюсь к чему-то совершенно иному. Итак, помоги мне краткими указаниями, я буду очень благодарен.

О Байройте есть кое-что новое, и если только это правда! Совершенно определенная заметка в «Mannheimer Journ.» (органе Хеккеля) сообщает из лучшего источника (т. е. от фрау В<агнер>), что представления теперь окончательно обеспечены. Так, значит, чудо свершилось! Будем надеяться! Это было безрадостное состояние с Нового года, от которого я наконец смог спастись лишь самым странным образом: я начал с величайшим хладнокровием исследовать, почему предприятие не удалось: при этом я многому научился и теперь, кажется, понимаю Вагнера гораздо лучше, чем раньше. Если «чудо» истинно, оно не опрокидывает результаты моих размышлений. Но будем счастливы и устроим пир, если это правда!

Разве тебя не пригласили в Грейфсвальд, на место Шёлли? Но что-то же должно произойти. Как я слышу, Кёхли переходит в Берлин, как преемник Хаупта — по крайней мере, газеты болтают об этом. Ну, может быть, Гейдельбергская профессура! Это было бы кое-что, после того как с Фрайбургом не вышло! А как дела с твоим романом? Ты еще не знаешь, что мы получили Хайнце в качестве философа; Ромундт не принят, страх перед Шопенгауэром проявился наивно (не у Фишера, но он не всемогущ). Меня пригласили в итальянское обозрение, которое выйдет в книжной форме; я отказался, так же как и Я. Буркхардт. Фрейлейн фон Майзенбуг снова больна и прибыла в Сан-Ремо близ Ниццы, откуда она трогательно мне писала. У Ольги Моно родился мальчик. Герсдорф, божественный сельский помещик, теперь для моего воображения — образец: нам всем следовало бы приобрести поместья и затем тихо и храбро жить до конца. Но так или иначе: всегда вперед, с суровым фехтованием!

Прощай, любимый друг!
Твой
Фридрих Н.

347. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Mittwoch. <18. Februar 1874>

Моя дорогая Лизбет, я должен поблагодарить тебя за несколько писем, особенно за очень удобное для меня урегулирование наследственного дела. По поводу оставшихся 60 талеров, о которых ты пишешь, у меня теперь есть к тебе еще одна просьба. Пожалуйста, отправь 50 талеров от моего имени профессору Карлу Риделю в Лейпциг (Линденштрассе 6). Я обязан выплатить это согласно данному мною обещанию. — Что я вообще получу еще какие-то деньги от Фрича, я втайне сомневаюсь; довольно того, что я ничего не получил и должен ждать. Максимум через 2 недели ты также получишь № 2 «Несвоевременных размышлений». В нем получилось 111 страниц.

Очень любопытен наумбургский случай с профессором Плюссом, базельцем. Я нахожу это очень милым по отношению к обоим городам. Впрочем, по секрету говоря, думали о том, чтобы однажды пригласить этого господина преемником Герлаха. Впрочем, я его совсем не знаю.

О Байройте мы недавно получили еще не объясненное, но очень обнадеживающее известие. Мы ждем подробностей. Фрейлейн фон Мейзенбуг писала из Сан-Ремо близ Ниццы и тоже передает тебе привет. Ей плохо, и она много страдает; к тому же она совсем одинока. Я уже рассказывал, что Хильдебранд написал мне?

Ромундт вчера вечером выступил с публичной лекцией в актовом зале. Хайнце навещал меня; но об этом я тоже уже рассказывал.

Мое самочувствие хорошее. Нет сомнений, что я теперь нашел правильный образ жизни. Если мне когда-нибудь бывает плохо, то на то всегда есть вполне доказуемые причины. Я думаю, вы найдете меня на Пасху более здоровым, чем на Рождество.

С глазами, конечно, обстоит так, как я уже говорил. Продолжаю беречься! Впрочем, с Рождества я больше ни в каком отношении не лечился; чему наша добрая матушка будет рада.

Но если я должен приехать на Пасху, вы должны держать это в строгом секрете, чтобы я действительно нашел покой и уют. Мы ведь не будем строить планов.

Передай нашей дорогой матушке сердечнейшую благодарность за ее письмо, и будьте все сердечно приветствуемы.

Ваш Фриц.

348. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

<Basel, Ende Februar 1874>

Вот, любезный друг, твоя посылка. В ней два экземпляра № 2. Один для тебя, другой для твоего господина отца.

Будем надеяться на лучшее. На сей раз я ожидаю глубокого воздействия на некоторых людей, особенно на тех, кто уже сильно пострадал от исторического зла. Якоб Буркхардт написал мне прекрасное письмо.

К слову: он принял тебя за автора «Эстетических писем еретика». Большое спасибо за твои военные материалы, равно как и за «Videant consules». Вскоре напишу больше.

— Vivat sequens № 3

Твой верный.
(Вчера вечером мы отпраздновали выход 2-го номера.)

349. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

Basel Mittwoch. <4. März 1874>

Глубокоуважаемый господин советник,

я обращаюсь к Вам с просьбой. Состояние моего здоровья настоятельно требует, чтобы на Пасху я взял более продолжительный отпуск; я хочу поехать в Наумбург и надеюсь с помощью лечения и разумной диеты восстановить свой желудок; кроме того, мои глаза нуждаются в отдыхе. Моя просьба заключается в том, чтобы устный экзамен по греческому языку в III классе был заменен другим предметом; найти замену на письменный экзамен не составит никакого труда. —

Я все острее ощущаю краткость каникул между семестрами и отсутствие академически принятой продолжительности отпусков, и, возможно, скоро мне придется принять решение.

С просьбой предоставить мне отпуск на указанную экзаменационную среду

с глубоким почтением
Д-р Фр. Ницше
Проф.

350. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

<Basel, 9. März 1874>Montag.

Глубокоуважаемый господин советник,

настоящим я отзываю свою просьбу, о которой Вам сообщал; ибо я полагал, что прошу лишь о чем-то совершенно незначительном, не требующем усилий, о какой-то замене или чем-то подобном. Поскольку же я теперь осознал, с какими изменениями и неудобствами было бы связано удовлетворение этой просьбы, а также что ни о какой необходимости, по которой я должен был бы отправиться в Наумбург именно на Пасху, не может быть и речи (я имел в виду лишь более полезное и приятное, а не необходимое) — то прошу теперь считать это дело закрытым; при этом мне остается лишь сожалеть, что я вообще побеспокоил Вас этим.

С выражением преданности
Ваш
Д-р Фридрих Ницше

351. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Montag. <9. März 1874>

Мои дорогие мама и сестра, к сожалению, решено, что на Пасху я не смогу приехать, так как меня удерживают экзаменационные обязанности, от которых, как я не сомневался, мне удастся освободиться. В последний раз, когда я подавал прошение об отпуске, выяснилось, что это сопряжено с огромными трудностями (ведь один из нас, учителей, уже взял отпуск на это время). Короче говоря, мне пришлось отозвать свое прошение, и я очень сожалею, что подал себе и вам надежду на долгое совместное времяпрепровождение.

Здесь скончался и был похоронен отец госпожи Вишер-Хойслер. Ей самой постепенно становится лучше. Старый Вишер чувствует себя довольно плохо. — Я сам своим самочувствием доволен.

Получили ли вы присланный мною второй номер моих «Несвоевременных размышлений»?

Уже долгое время стоит прекрасная погода, предвестник весны.

Сердечно вас приветствую, ваш
Фриц.

352. An Mathilde Maier in Mainz

Basel, 11. März 1874

Глубокоуважаемая барышня!

Вы вновь даете мне доказательство весьма ценимого мною личного участия; как же сильно я должен именно поэтому сожалеть, что вынужден ответить отказом на столь почетную для меня просьбу. Нет, я не могу этого сделать! Мне отказано в праве выступать от имени женщин; что я, впрочем, могу вам даже косвенно продемонстрировать. Прочтите прилагаемый призыв к немецкому народу, который я написал прошлой осенью. Так и никак иначе я чувствую в этом деле, так и столь сильно я говорю, когда мне приходится говорить — правда, слишком сильно даже для мужчин, как показал мне тогдашний успех. Представители вагнеровских обществ, собравшиеся в Байройте, не осмелились поставить свои имена под этим воззванием. Смягчить свое отношение к этому делу я с тех пор не научился, а прекрасная женственная мягкость, которая подобает вашему полу даже в трудных и отчаянных ситуациях, моему полу недоступна.

Поэтому прошу прощения, если я просто скажу: «я не могу».

Кстати, мне очень приятно слышать об энтузиазме фрау Шотт именно из ваших уст. Ибо я, признаться, до сих пор немного сомневался в нем, потому что знаю, насколько деятельно, даже решающе этот энтузиазм мог бы проявиться, и потому что я до сих пор ничего об этих проявлениях не слышал. Вы, глубокоуважаемая барышня, вновь вселяете в меня надежды тем, что ручаетесь за этот энтузиазм.

На ваше глубокое и вдумчивое письмо о «Рождении трагедии» я вам не ответил, я все еще ждал случая выхода второго издания этого сочинения, чтобы поблагодарить вас.

Моим глазам лучше, чем прошлым летом, но не так хорошо, как, возможно, хотелось бы вам с вашим добрым участием.

До сих пор я диктовал, глубокоуважаемая барышня. Не сердитесь на мой категорический отказ. Кстати: верите ли вы в так называемую «немецкую женщину», раз вы осмелились обратиться к ней за поддержкой наших байройтских чудесных надежд? Верите? Я верю только в отдельных индивидов, но сомневаюсь — преступным образом — во всем, что в газетах и современных романах превозносится как «немецкая женщина». Я говорю вам это, потому что очень вас уважаю.

Ваш преданный
Д-р Фридрих Ницше.

353. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 19. März 1874>

Мой семестр тоже подходит к концу, а именно завтра, хотя, конечно, только в университете; педагогический институт в своей скудной манере дает мне всего полторы недели пасхальных каникул, не больше. В этом ты, дорогой друг, в лучшем положении, но только в этом, ибо остальную твою долю мы, братья, оплакиваем постоянно, по отдельности и вместе. Я снова вынашиваю прекрасный план на будущее, чтобы мы могли воссоединиться навсегда, — но должно пройти еще несколько лет. Но ведь правда, собрание осенью, concilium Rhaeticum, это твердо, и так тому и быть? — А теперь Байройт! Мы знаем через госпожу В<agner> — и пусть это будет тайной друзей, — что король Б<ayern> поддерживает дело в форме авансов до 100 000 талеров, так что работы (машины — декорации) энергично продвигаются. Вагнер сам пишет, что срок — 1876 год, он полон мужества и верит, что теперь предприятие в порядке. Ну, на то воля Божья! Это ожидание и тревога труднопереносимы, я действительно временами совсем терял надежду.

Я все жду, когда ты сообщишь о получении ординарной профессуры? — Кстати, люди ужасно глупы в отношении академических должностей, я недавно был во Фрайбурге и слышал жалобы на невыносимого педанта и брюзгу Келлера. Так и надо! — подумал я, жалуйтесь дальше; также я узнал, что Ричль был причиной его назначения. Тот молчит, а я забавляюсь при мысли, как мало он поймет, читая мою «Историю». Это непонимание защищает его от досады, и это лучшее в данном деле.

Профессор Плюсс в Шульпфорте, незнакомый мне историк, взбудоражил мой родной город Наумбург восторженной речью о «Рождении трагедии» и первой «Несвоевременной». Господин Бруно Мейер написал длинный, тяжелый опровергающий трактат о вкладе Дрезеке в «вагнеровский вопрос», вызывающий смех до колик, в котором я торжественно денонсирован как «враг нашей культуры» и, кроме того, представлен как хитрый мошенник среди обманутых. Он прислал мне свой трактат лично, даже с указанием адреса; я хочу отослать ему два сочинения Виламопса. Это значит по-христиански делать добро своим врагам. Ибо то, как этот добрый Мейер будет радоваться Виламопсу, не выразить словами.

Доктор Фукс снова отвратительно хвалил меня в «Wochenblatt», с меня теперь хватит этого. Но что я рассказываю тебе о похвале и порицании! Здесь мы благодаря нашей дружбе довольно защищены от причуд и неприятностей, а так как я снова ношу что-то под сердцем, то похвала и порицание меня совсем не касаются. Что я занимаюсь своими излияниями довольно дилетантски и незрело, я хорошо знаю, но мне крайне важно сначала исторгнуть из себя весь полемически-негативный материал; я хочу неустанно пропеть всю гамму своих враждебностей, вверх и вниз, весьма ужасно, «чтобы своды отозвались». Позже, пять лет спустя, я отброшу всю полемику и задумаюсь о «хорошем произведении». Но сейчас у меня грудь основательно забита всякой неприязнью и стеснением, мне нужно экспекторироваться, прилично или неприлично, лишь бы окончательно. Одиннадцать прекрасных мелодий мне еще предстоит пропеть. — Нашего Овербека я к своей великой тайной радости снова довел до того, что на Пасху он снова публично вступит в бой, в манере своего первого сочинения о спорах и мире. Видишь, здесь все идет смело, мы рубимся вокруг себя. Только вперед со строгим фехтованием! — Только добрый, превосходный Ромундт доставляет нам некоторое беспокойство, он становится неприятным мистиком. Ясность никогда не была его сильной стороной, как и жизненный опыт, теперь в нем формируется странная ненависть к культуре вообще — ну, как я сказал, мы (Овербек и я) немного беспокоимся. Он размышляет жутким образом о начале ощущения, синтетическом единстве апперцепции — от этого да хранит нас наш Спаситель Иисус Христос.

У меня есть хорошие письма, со многих сторон. Буркхардт, мой коллега, написал мне нечто очень хорошее и характерное, будучи взволнованным после прочтения «Истории». — Старому Фишеру совсем плохо, он позволил освободить себя от большей части своих дел и выглядит очень зелено-бело-желто-жалким.

«Рождение трагедии» усердно печатается — наконец-то!

Когда же ты сможешь прибыть к нам осенью? Я хотел бы знать самое точное уже сейчас: чтобы друзья могли строить свои летние планы.

Прощай, сердечно любимый отшельник и романтик Севера по отношению к Югу.

Кстати, все мы — любопытные ребята, я удивляюсь очень и все больше.

Твой Ф. Н.

354. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 26. März 1874>

Моя дорогая мама и дорогая сестра,

ну вот, значит, ничего не вышло из нашей общей надежды на пасхальную радость; ваши последние письма, которые пересеклись с моей запиской об отказе, еще раз довольно ясно показали мне, что я этим потерял. Хотя состояние моего здоровья сейчас, к счастью, не таково, чтобы мне требовалось лечение, при большой осторожности и регулярности дела идут довольно хорошо. Но вы знаете, как я нуждаюсь в дружеском и сердечном отвлечении от моих обычных мыслей, как я благодарен за это и особенно за некоторую веселость вокруг меня. Я действительно слишком много страдаю и могу быть по-настоящему рад, когда я физически болен; ведь тогда я могу хотя бы вообразить, что мне можно помочь; что я сейчас, когда у меня нет даже болезни в качестве предлога, конечно, считаю невозможным. Но ничего не поделаешь, человек продолжает свой жизненный путь, я разряжаюсь через напечатанные проклятия и хочу теперь снова взяться за № 3 моих «Несвоевременных размышлений». — В конце концов, вы меня не понимаете? Итак, как я уже сказал, у меня все очень хорошо, и у меня уже много лет не было такого устойчивого здоровья, почти три месяца уже.

С прошлого воскресенья у меня в комнате стоят красивые свежие цветы, и только подумайте! со Средиземного моря. Их прислала добрая Мейзенбуг. Мне подарили очень большой аметист, почти с мою руку, от Баумгартнера; в следующее воскресенье я буду обедать в Лёррахе у его родителей, которые, как мне рассказывали, должны быть очень враждебны к немцам (это мюльхаузенская семья). Вчера вечером у нас был прощальный ужин для коллеги Ойкена; я с нетерпением жду приезда Хайнце, потому что, хотя я и не ожидаю от него ничего полезного в моем понимании, я все же знаю, что он хороший, способный и внимательный человек. Когда же он приедет? У нас здесь божественная весенняя погода; могу ли я сегодня попросить, чтобы наша Лизбет как можно скорее решилась приехать ко мне? Это, пожалуй, единственный способ доставить мне немного праздничного отдыха.

Здесь ничего не произошло, о чем стоило бы сообщить, кроме того, что у фрау Зибер скарлатина. Но ей уже лучше. Пришли замечательные письма ко мне.

Если бы только писать мне стало легче.

Не сердитесь, что я уже заканчиваю
Сердечные приветы и благодарность.
Ваш Фриц.

355. An Friedrich Hegar in Zürich

<Basel, Anfang April 1874>

Глубокоуважаемый господин капельмейстер,

одна маленькая просьба!

Я однажды передал Вам нотную тетрадь под названием «Манфред-медитация»; возможно, Вы найдете её среди своих бумаг — в таком случае Вы бы мне очень помогли, если бы прислали её мне в Базель.

Я вспоминал о Вас, когда читал в газетах, что 11-го числа текущего месяца в Мюнхене снова будет исполняться «Тристан».

На Ваш музыкальный фестиваль в Цюрихе я тоже приеду; я особенно радуюсь тому, что наконец! услышу «Триумфальную песнь».

Ваш покорный слуга
Д-р Фридрих Ницше
проф. в Базеле.

356. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel erster April. 1874.

Милый верный друг, если бы ты только не был обо мне такого слишком высокого мнения! Я почти уверен, что однажды ты во мне разочаруешься; и хочу сам начать это делать, объяснив тебе из глубины своего лучшего самопознания, что я ничего не заслуживаю из твоих похвал. Если бы ты знал, как робко и меланхолично я в глубине души думаю о себе как о творческом существе! Я не ищу ничего, кроме некоторой свободы, некоторого подлинного воздуха жизни, и сопротивляюсь, возмущаюсь против того огромного, невыразимо огромного количества несвободы, которое ко мне прилипло. О подлинном творчестве не может быть и речи, пока человек так мало вышел из несвободы, из страданий и чувства тяжести стесненности: достигну ли я этого когда-нибудь? Сомнения, одни сомнения. Цель слишком далека, а если ее кое-как достигаешь, то чаще всего уже растратил свои силы в долгих поисках и борьбе: приходишь к свободе и становишься вялым, как однодневка под вечер. Этого я так боюсь. Это несчастье — так осознать свою борьбу, так рано! Ведь я не могу противопоставить ей никаких деяний, как это может художник или аскет. Как жалки и отвратительны мне часто эти выпи подобные жалобы! — Мне сейчас все это очень надоело и опротивело.

Мое здоровье, кстати, отличное: будь совершенно спокоен. Но я очень недоволен природой, которая должна была дать мне немного больше ума, наряду с более полным сердцем — мне всегда не хватает самого лучшего. Знать это — величайшая человеческая мука.

Регулярная работа в должности хороша тем, что она приносит с собой некоторую тупость, так страдаешь меньше.

Итак, осенью — ах, ты ведь понимаешь это «Итак»? — мы должны увидеться на concilium subalpinum sive Rhaeticum. Когда мы все вместе, получается настоящий человек, у которого нет причин для печали. Вместе и сообща мы — существо, которое может «пить радость» — у груди природы. Скажи мне, пожалуйста, точно, когда тебе разрешено приехать сюда? Роде в последнем письме дал окончательное согласие. Овербек тоже, Ромундт (с вчерашнего дня наш сожитель) тоже. Я, у которого меньше всего каникул, все же думаю быть в распоряжении в первой половине октября. Можешь ли ты подарить нам это время? — Милый дорогой друг! —

Ты случайно не слышал, что профессор Плюсс в Шульпфорте, преемник Фолькмана, в Naumburger Litteraria выступил с «восторженным» докладом о «Рождении трагедии» и «Штраусиаде»? Очень шутливо и невероятно, не правда ли? — Д-р Фукс в musikal. Wochenblatt очень дерзок и из-за этого, как и из-за многих назойливостей, испортил отношения с Овербеком и со мной. — Добрая Мейзенбуг прислала мне прекрасные свежие цветы, вестники весны со Средиземного моря.

Прилагаю прекрасное и поучительное для тебя письмо Роде; при случае верни обратно!

Замечательные письма байройтцев.

Спасибо за опечатки: но самой важной не хватает, Höderlin вместо Hölderlin. Но ведь правда, выглядит прекрасно? Но никто ни черта не понимает.

Мои сочинения должны быть такими темными и непонятными! Я думал, если говорить о нужде, то те, кто в нужде, поймут меня. Это, конечно, правда: но где те, кто «в нужде»?

Не жди сейчас от меня ничего литературного. Мне нужно многое подготовить к моему летнему курсу, и я делаю это с удовольствием (по риторике).

Кстати, с Рождества многое было обдумано и придумано.

Сердечно приветствую тебя и передавай привет своим почтенным родителям.

Да, если бы не было друзей! Выдержал бы человек еще? выдержал бы? Dubito.

Фридерикус.

357. An Malwida von Meysenbug in San Remo

Basel, Sonnabend vor Ostern. <4. April>1874.

Глубокоуважаемая подруга

Какие трогательные сюрпризы Вы мне преподнесли! Еще никто никогда не дарил мне цветов, и теперь я, кажется, знаю, что в этом немом изобилии красок и оживленности заключено свое особое красноречие. Эти вестники весны расцвели в моей комнате вновь, и почти целую неделю я мог ими наслаждаться. Ибо наша жизнь настолько сера и к тому же болезненна, что цветы словно выдают тайну природы; они говорят о том, что где-то в этом мире должны существовать жизнь, надежда, свет и краски. Как часто теряешь всякую веру в это! И какое же это счастье, когда борцы подбадривают друг друга и напоминают о своей общей вере, посылая символы — будь то цветы или книги.

Но тут я вспоминаю о Ваших бедных глазах и сильно сомневаюсь, что Вы сможете разобрать этот скверный почерк, если бы Вам вообще довелось его читать.

Мое самочувствие, если сказать об этом пару слов, с Нового года, вследствие изменившегося образа жизни, вполне хорошее и не вызывает никаких опасений: лишь глазами приходится быть осторожным. Но Вы знаете, бывает такое состояние телесного страдания, которое порой кажется благодеянием; ведь забываешь о том, от чего страдаешь иначе, или, вернее, думаешь, что тебе можно помочь, как можно помочь телу. Такова моя философия болезни: она дарит надежду душе. А разве это не искусство — продолжать надеяться?

Теперь пожелайте мне сил для оставшихся одиннадцати «Несвоевременных размышлений». Я хочу хотя бы раз высказать всё, что нас гнетет; возможно, после этой генеральной исповеди почувствуешь себя немного свободнее.

Мои самые сердечные пожелания Вам, глубокоуважаемая и дорогая подруга.

Преданный Вам
Фридрих Ницше.

358. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Sonntag. <12. April 1874>

Мои дорогие мама и сестра,

У меня всё хорошо, я не болен, ваши письма тоже получил, но по многим мелким причинам не мог решиться быстро ответить. На самом деле я не хотел никуда уезжать в эти каникулы, после того как план с Наумбургом сорвался. К тому же я занят работой, особенно к летнему семестру, которую в чужом пансионе невозможно было бы продолжать. Более того, меня прямо-таки страшит эта пансионная неуютность, ради которой у меня было бы всего 9 дней (а именно: отъезд отсюда в четверг, 23 апреля, возвращение в воскресенье, 3 мая). Итак: честно говоря, я предлагаю вам отказаться от мысли о встрече в Гейдельберге. Вместо этого я прошу нашу Лизбет обязательно зафиксировать свой приезд сюда на 23—25 число, чтобы мы могли еще несколько дней каникул насладиться обществом друг друга.

Вы видите, я еще совсем не в настроении для каникул, до вчерашнего дня я еще давал уроки, следующие полторы недели посвящены экзамену.

Вы ведь не сердитесь на меня? — Теперь еще одна просьба насчет Хаверкампа. Пусть он сошьет мне красивый пиджак и хорошее летнее пальто. К этому еще жилет. Выберите только ткани и цвета.

Доклад профессора Плюсса из Шульпфорты я не желаю читать, я буду рад, если меня не будут к этому принуждать. Так что, пожалуйста, не привози его мне, дорогая Лизбет.

Простите мне сегодня эту короткую записку, а также мой отказ, и думайте обо мне с добротой.

Ваш Фриц.

359. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 19./20. April 1874>

Моя дорогая мама, будь совершенно спокойна и позволь Лизбет переехать в Базель. Иммерманн ждет её прибытия и, как и я, смеется над последствиями его предписания, данного боязливому отцу семейства Хайнце. Совершенно не было необходимости в том, чтобы семья Хайнце ехала следом за ним, но тот, кто со страхом расспрашивает врачей, получает от них соответствующее обращение. Наша эпидемия скарлатины, собственно, прошла, как только наступила весна; я, конечно, вообще ничего не знал о том, что такая эпидемия была. Впрочем, у нас просто божественная погода, и Лизбет и я, как известно, живем здесь, в Базеле, в самом здоровом месте, там, где веет самый свежий воздух.

Я уже сделал Хегарам определенное сообщение о прибытии Лизбет 25-го числа сего месяца; это было необходимо, потому что фрау Хегар хотела составить на этот месяц план поездок и поэтому должна была точно знать, когда произойдет прибытие.

Итак, не так ли, в субботу после обеда в 3 часа прибытие? Я хочу наконец-то быть на железной дороге как следует и вовремя. С самыми сердечными приветами

Твой Фриц.

Хайнце, конечно, ни слова о моих замечаниях.

360. An Carl Fuchs in Berlin

Basel 28 April 1874.

Более длинное письмо, любезный и достопочтенный господин доктор, должно ad oculos продемонстрировать Вам, как обстоят дела с моими oculis, о состоянии которых Вы так участливо справляетесь; и еще более, мне кажется, наконец настало время сказать Вам несколько подробнее и определеннее, как я в течение последнего года очень много думал о Вас, с разной сменой чувств, порой с надеждой и тревогой, но всегда храня веру и доверие в то, что Вы обладаете редкой силой помочь самому себе: чем, конечно, сказано и то, что таким натурам и вовсе иначе помочь нельзя. Поэтому не ждите от друзей ничего, кроме участливого наблюдения за Вашим «вырыванием и возвышением» (говоря по-штраусски), не ждите советов, призывов, окликов, которыми Вам нельзя помочь: как бы издалека ни хотелось порой протянуть Вам руку сердечно и участливо. Недавно, например, мне пришло в голову: почему же никто не посоветует доктору Фуксу как можно скорее собрать вместе свои многочисленные небольшие статьи, которые до сих пор публиковались отдельно и к тому же урывками, а поскольку они были в музыкальных листках, то даже толком и не были опубликованы? Я подумал, что Вас должно было бы позабавить дать людям предварительный образец Вашей философской, теологической, музыкальной, писательской полноты дарований: совсем предварительно, не утруждая себя никакой редакцией, совсем мимоходом, только чтобы однажды прорвать чары музыкальных листков и доставить самому себе небольшое ободрение. Я думал о Вашей статье о Лотце, за и против Шопенгауэра, о Ренане, к Грильпарцеру, попытках поиска сокровищ, и, вероятно, не знаю всего, что Вы можете включить по этому случаю в эту lanx satura. Но, как я уже сказал, что я могу советовать! Если Вы сами еще не предписали себе это небольшое кровопускание и я, быть может, лишь напоминаю Вам о Вашей собственной мысли? Почти готов в это поверить.

Впрочем, я был бы очень благодарен Вам за такое собрание Ваших работ, ибо я всегда учусь у Вас: в то время как мне стоит преодоления действительно читать музыкальную газету, и я всегда с огорчением нахожу Ваше имя и Ваши мысли среди невообразимо неуклюжих и бедных мыслями книжников музыкального еженедельника. Мы подумаем позже, через пару лет, о том, как основать общественный театр для нашего рода «культуркампфа» (как звучит это проклятое выражение) — позже, когда у нас будет на несколько имен больше и мы не будем такими малочисленными, как сейчас. До тех пор каждый из нас должен энергично сражаться в одиночку: я выковал себе хорошее оружие с помощью своих 13 «Несвоевременных размышлений», которые выпускаю одно за другим, и бью им людей по головам, пока из этого что-нибудь не выйдет. Я хотел бы, чтобы Вы сделали так же и избавились от всего отрицательного, полемического, ненавистного, что есть в Вашей натуре, этим путем, чтобы потом иметь покой и ничем больше «не позволять склонить себя к противоречию». Так я рассчитываю и утешаюсь временем, когда всякая борьба, стоны и хрипы будут закончены; пока же — «вперед со строгим фехтованием», как сказал какой-то старый бранденбургский маркграф во времена Реформации. Ибо в конце концов мы все страдаем так глубоко и мучительно, что это можно вынести только в самой бодрой борьбе, с мечом в руке. И так как мы не хотим ничего для себя и с радостной и чистой совестью можем вступить в самую жестокую схватку, то давайте воскликнем друг другу: «солдат — единственный свободный человек», и тот, кто хочет быть, оставаться или стать свободным человеком, не имеет никакого выбора: «вперед со строгим фехтованием».

А потому живите хорошо и мужественно, как соратник по оружию, войне и победе, и вспоминайте с любовью

Вашего верного
Фридриха Ницше.

361. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

8 Mai 1874 Basel.

Дорогой верный друг, я долго не писал, и мне кажется, что ты, возможно, мог бы об этом беспокоиться. Но для этого нет причин, у меня все было хорошо, и всякая депрессия, меланхолия — далеко и глубоко подо мной. Должно быть, своим последним письмом я произвел ложное впечатление: знаешь, повторяю, это был не язык депрессии, самое большее — некоторой еще не лишенной желаний и иллюзий покорности. Тем временем я подготовил свою третью «Несвоевременную» настолько, что, если бы ты был здесь, можно было бы начать отливку; но летний семестр теперь занимает меня, и поэтому, так как меня ничто не подгоняет, я откладываю эти бумаги в сторону. Название: (но умолчать!) «Шопенгауэр среди немцев». Это будет прекрасно, говорю я тебе. Во-вторых, я закончил и «совершенно ужасно доволен» этим — гимн дружбе, для 4 рук и стольких же дружеских сердец. Я еще не делал ничего лучше, и звучит это совсем «ни капельки» не депрессивно! А скорее, наоборот!

Наконец, я хотел спросить тебя: есть ли у тебя представление, о ком стоит думать по этому адресу:

E. Guerrieri-Gonzaga

Via del Pallone 1

Firenze

Я получил из Флоренции значительное и теплое письмо, и меня попросили ответить по указанному адресу. Женская рука.

Печать «Рождения трагедии» почти завершена.

Д-р Фукс писал неоднократно и, не могу сказать иначе, трогательно; я снова склонен помочь ему и быть полезным, насколько могу; к тому же он действительно прислушивается к тому, что я ему пишу, и доверяет мне совершенно безусловным образом. Итак, давайте, говоря по-христиански, «включим его в наши молитвы».

Друзья Круг и Пиндер этой осенью женятся.

Коллега Хайнце прибыл сюда, и он мне очень нравится: хороший и дельный человек.

Моя сестра гостит у меня, и день за днем мы строим прекраснейшие планы идиллической, трудовой и простой будущей жизни.

Ну, прощай, вернейший! И оставайся для всех нас делом и помыслами нашим «абсолютным идеалом», как недавно назвал тебя Вагнер в одном письме.

Твой
Фридрих Н.

Можно ли будет когда-нибудь взглянуть на кусочек твоих переводов? —

Ромундт и Овербек преданнейше вспоминают о тебе и радуются осени.

«Ромео и Джульетта» Гартмана следует — я не могу избавить тебя от этого — я уже слышу, как из твоих уст раздается настоящий адский хохот; но позже, посмеявшись, у тебя будет всякая причина стать очень серьезным —

362. An Emma Guerrieri-Gonzaga in Florenz

Basel den 10 Mai 1874.

Порой я даже не знаю, имею ли я право говорить о всевозможных страданиях наших современников; ибо я не вижу страдающих, за исключением самого себя, и напрасно открываю глаза. Особенно когда живешь среди ученых, легко может показаться, что здесь даже нет людей, способных страдать; — разве что они и осчастливить не могут! Но это мы, дорогой корреспондент, можем делать друг для друга — поскольку мы вместе страдаем, мы также знаем, как сделать друг друга счастливыми; и вы сделали это для меня своими строками. Ибо я не знаю большей радости, чем снова услышать о человеке, который тоскует и надеется; ах, и порой я очень сердечно и сильно нуждаюсь в этой радости, чтобы вообще еще быть способным надеяться!

Я угадываю из вашего письма гораздо больше согласия между нами, чем могли бы выдать четыре страницы. Мне кажется, что вы считаете глубокое изменение воспитания народа важнейшим делом в мире — и вы при этом не станете дожидаться моего согласия! Я также не знаю для себя более высокой цели, чем когда-нибудь стать «воспитателем» в великом смысле: только я очень далек от этой цели. Тем временем я должен сначала извлечь из себя все полемическое, отрицающее, ненавидящее, мучительное; и я почти верю, что мы все должны это сделать, чтобы стать свободными: вся ужасная сумма всего того, от чего мы бежим, чего боимся и что ненавидим, должна быть сначала подсчитана — но затем ни одного взгляда назад, в негативное и бесплодное! А только сажать, строить и созидать!

Не правда ли, это означало бы «воспитывать самого себя»! Но кому это удается правильно и постоянно! И все же это необходимо, и никакой помощи извне ожидать не приходится. Пусть каждый утешается при этом, как и каким путем может: природа, божественная гётевская богоприрода, искусство и религия (прошлые или будущие), все, что укрепляет и учит переносить пагубное, но неизбежное для нас одиночество, прежде всего сердечный призыв сострадающих, солюбящих и сонадеющихся, — все, все да будет благословенно и почитаемо: лишь бы только стремящийся таким образом не стал слабым и мелочным, чтобы он держал себя свободным от всякого недовольства и досады своего «я», чтобы нести на своей спине лишь великую общую нужду! И нужно еще больше: нужно даже иметь мужество быть счастливым вместе с этой нуждой: по крайней мере, так, как это делает воин в бою. Все «карканье и стоны» мы, однако, хотим вместе с Гёте отбросить далеко от себя.

Вы видите, я говорю с самим собой, в то время как должен был бы говорить с вами: и все же — что я мог бы вам вообще сказать, если бы не мог говорить с вами и с каждым, как с самим собой? Как человек с человеком, как вы сами того хотите?

Всего вам доброго!

Ваш
Фридрих Ницше

363. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 10. Mai 1874>

Любезный друг, мы, вероятно, оба снова в предсеместровых заботах? Мой полуторанедельный кусочек каникул был быстро проглочен; однако я хорошо использовал последние 6 недель, закончив сочинение моего «Гимна дружбе» и прекрасно переложив его для игры в 4 руки. Эта песня спета для всех вас, и она звучит мужественно и искренне; я верю, что с таким настроением мы еще изрядно продержимся на этом свете. Затем, № 3 моих «Несвоевременных размышлений» подготовлен настолько, что мне остается лишь ждать теплого плодородного дождя: тогда он появится внезапно, как спаржа.

В Байройте были очень опечалены и обеспокоены моей меланхолией, которую я, по-видимому, выдал в письме; но по крайней мере это я знаю: это не расстройство и не досада. Просто человек так продвигается вперед. Крепкого здоровья! И никаких нервов!, поверь мне. Обнимаю тебя, добрый друг

Твой Фридрих Н.

364. An Erwin Rohde in Kiel

c. 14 Mai 1874. Basel.

Вот, мой дорогой бедный друг, немного «антимеланхоликов», которые поначалу были прописаны мне; из них и из самого себя ты по аналогии поймешь, что меня мучает: но не так, чтобы я стал жаловаться тебе, ибо знаю, как сильно и как гораздо больше страдаешь ты. Я часто думаю, что тебе утешительнее слышать от меня только хорошее и решительное; но взгляни на прилагаемые письма — я порой впадаю в ужасное нытье и всегда осознаю глубокую меланхолию своего существования, при всей его безмятежности; но так как ничего нельзя изменить, я настраиваюсь на веселость, ищу то, в чем мое несчастье является общим, и бегу от всего, что становится личным. Боже мой, я говорю так туманно и неуклюже, но ты ведь поймешь меня.

Впрочем, я снова полон планов, чтобы полностью стать независимым и уйти от всяких официальных отношений с государством и университетом в самую бесстыдную одинокую жизнь, жалко-простую, но достойную.

Пока что я выбрал Ротенбург-об-дер-Таубер в качестве своей частной крепости и скита; летом хочу осмотреть его. Там, по крайней мере, все еще по-старонемецки; а я ненавижу лишенные характера смешанные города, которые больше не являются цельными. К тому же там, должно быть, дешево. Там можно еще додумать свои мысли, надеюсь, и планировать планы на десятилетия и доводить их до конца.

Моя «История» принесла мне из Флоренции чрезвычайно симпатичное письмо: совершенно незнакомый адрес: Э. Герриери-Гонзага. Женщина, кажется.

Молодой Фишер-Хойслер подарил нашему факультету (деканом которого я являюсь) 100 000 франков на основание кафедры филологии и сравнительного языкознания. — Старому Фишеру очень плохо; ужасные болезни мочевого пузыря. — Хайнце, с которым я довольно хорошо знаком, завтра произносит свою вступительную речь «о механическом и телеологическом мировоззрении».

Моя следующая «Несвоевременная медитация» называется «Шопенгауэр среди немцев».

Доктор Фукс снова стал ближе ко мне, и я втайне простил ему все, что вызывало у меня сомнения. Он очень мучается — жизнью, самим собой.

Сегодня день Вознесения — при ледяной и сырой погоде.

Только не будь безутешен, словно ты одинок — боль и любовь, все связывает нас вместе; и тогда мы должны будем однажды серьезно подумать о том, что нужно для постоянного союза.

Если бы мы были хоть немного состоятельнее! —

Но и самое малое в этом случае — уже необычайно много. Напиши мне свои мысли об этом.

Я хотел послать Гимн; но у меня такая неудача с переписыванием, что я потерял всякую смелость.

На следующей неделе день рождения Вагнера.

Прощай, сердечно любимый друг.
Твой Фридрих Н.

Товарищи, Овербек и Ромундт, передают тебе наилучшие пожелания; также моя сестра, которая уже две недели снова гостит у меня.

365. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel, den 20 Mai 1874.

Глубокоуважаемый Мастер

прошло пять лет с той субботы перед Пятидесятницей, когда я впервые появился у Вас в Трибшене, а это называют люструмом. Вот и я хочу воспользоваться Вашим днем рождения, чтобы основать для себя новое летоисчисление по люстрам; римляне связывали с этим великие очистительные жертвы и праздновали этот праздник как настоящий весенний праздник. Так и я должен праздновать его как праздник люстрации и юности; ибо мне действительно кажется, будто с того мая пять лет назад я становился всё моложе и свободнее; впрочем, и люди говорят мне, что с каждым годом я выгляжу здоровее, бодрее, веселее и вообще моложе. Это несравненное счастье для того, кто блуждает и спотыкается на темных и чужих путях, постепенно быть ведомым к свету, как Вы это сделали со мной; поэтому я не могу почитать Вас иначе, как отца. Так я праздную Ваш день рождения и как празднование своего рождения; и если этим мало сказано, чтобы почтить Вас, то это единственный способ, которым именно я могу сегодня выразить Вам свое почтение.

Теперь я хотел бы доставить Вам как можно меньше забот; и поэтому я обещаю Вам сегодня, что на ближайшие два года моя жизнь обеспечена и устроена — пусть и на надежде, но такой, которая никогда не приведет к позору, а при любых обстоятельствах обернется лишь во благо. С тех пор как я знаю, что в Байройте гора преодолена — первые месяцы этого года было ужасно переживать на расстоянии — полночное время и заботы прошли, и теперь всё движется к свету.

Вас ведь, вероятно, не обеспокоило бы, если бы я однажды не выдержал в университете, в этом странном ученом воздухе? Я всё размышляю, лето за летом, о «самостоятельности» при самых скромных обстоятельствах (при которых я горжусь тем, что могу жить). Кое-где дело доходит до уныния, но очень редко, и в целом я владею собой и, вероятно, выдержал бы это даже под гораздо менее благоприятными звездами, чем те, что светят мне сейчас: а они — звезды счастья. Впрочем, даже то редкое уныние окупается — если его хотя бы можно устранить письменно с помощью забавных писем, как того солитера. Сам я тогда, когда пришло письмо, был глубоко погружен в музыцирование, которое я прописал себе по современному принципу «самопомощи». Правда, это была не «опера» — и не соловей (насчет чего в моей «музыке» не остается никаких сомнений), но это была, с позволения сказать, моя музыка, и она мне очень даже нравилась. Также я верю, что снова многому научился при этом, и никогда еще не был так доволен собой в отношении фигурированных хоралов. Гимн дружбе теперь готов — я хотел бы, чтобы у моих друзей был лучший композитор в качестве друга, чем я; ибо они бы этого заслужили.

Теперь снова всё идет филологически-критически, семестр снова имеет власть надо мной (также я полагаю, что в четверке моих слушателей счастливо собрались худшие умы университета. Смертные люди! Смертные люди, как сказал бы Фальстаф.) Эсхил, которого мне приходится обсуждать с этими бедняками духом, телом и благопристойностью, свел меня теперь с Освальдом Марбахом; тот прислал мне, вместе с письмом о рождении трагедии, свой перевод «Орестеи» вместе с комментарием — и я до сих пор не встречал ничего лучшего в обоих отношениях, меньше всего со стороны филологов; так что Освальд Марбах, кажется, заслуживает большой благодарности. Так, в комментарии содержатся глубочайшие замечания. Он один из очень немногих, кто с естественной необходимостью и любовью привязан к античной трагедии.

Этим летом я, вероятно, однажды появлюсь в Байройте, не столько следуя Вашему сердечному призыву, сколько уклоняясь от него; так абсурдно позволять призывать себя к вещам, к которым хочется тянуться всеми пальцами. Но я сейчас немного слишком завишу от внутреннего хода и исхода моих работ и не знаю своего будущего дальше чем на 14 дней. У меня в голове целое гнездо полувысиженных яиц. Плодовитость обязывает, сказала кошка, когда родила 13 котят.

А теперь, любимый Мастер, мое пожелание на день рождения! Сохраняйте только то, что у Вас есть, тогда Вы дадите и нам то, что у Вас есть и чего у нас так просто к сожалению нет! а именно: дух победы, непоколебимость и юность! Мы, остальные, по сравнению с Вами, в конце концов, не что иное, как старцы, боязливые, запуганные старцы. И так как перед «вечно юным» отступает даже бог, «отступает в блаженстве», то мы, старики, пожалуй, можем надеяться дожить до искупительного деяния послеследующего лета; и надеющийся старик сам становится от этого молодым.

И так я хочу отпраздновать люструм, праздник весны и надежды.

С сердечной любовью
Ваш
Фридрих Ницше

366. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, vermutlich 25. Mai 1874>

Всего несколько слов в знак моей любви и благодарности. Я посылаю тебе сегодня письма и постоянно думаю о том, что всё хорошее, что я узнаю, должно принадлежать и тебе.

Для поднятия настроения рекомендую: «Э. ф. Хартман о Ромео и Джульетте» (он либо плут, либо баран, и на этом всё!). Я не думал, что так скоро снова окажусь перед такой альтернативой с этим господином.

Тебе уже знакомы «Письма эстетического еретика»? Чувствую себя отлично; сегодня каникулы.

Скоро напишу больше.
Твой Фридерикус.

367. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Basel,> 1 Juni 1874.

Мой самый любимый, лучший и добрейший друг, на самом деле я немного сержусь, что вы совсем не хотите мне верить, что у меня все хорошо, как следует и подобает. Конечно, не прямо «очень хорошо», цензура № 1 — но чего еще можно желать здесь под изменчивой луной? Возможно, однако, я еще дойду до № 1, назло вам.

Так что никаких беспокойств.

Сердечное спасибо за оба твои письма и особенно за твои байройтские сообщения. Я полдня упивался мыслью встретиться с тобой там. Но не вышло! — Пожалуйста, напиши хоть словечко бедному Роде, который хранит довольно тревожное молчание, я знаю, что ему тогда плохо — а недавно он написал действительно потрясающе грустно. Он заслуживает таких писем, какие вы пишете мне — я их совсем не заслуживаю!

Поистине божественна мысль представить тебя и байройтцев сидящими вместе в комиссии по рассмотрению вопросов о женитьбе! Да-а-а-а, но! — должен я и здесь сказать, особенно когда дело доходит до совета, что женщин много, а найти ту самую — мое дело. Должен ли я, как рыцарь, отправиться в крестовый поход по миру, чтобы попасть в ту, столь восхваляемую тобой землю? Или ты думаешь, что женщины сами придут ко мне на смотр, чтобы узнать, те ли они самые? Я нахожу эту тему немного невозможной. Или докажи обратное и примени это к себе. —

Летом я собираюсь поехать в Байройт: только боюсь страдать от жары. У нас здесь в этом отношении весьма впечатляющая погода.

Прощай, прощай, верный
Должный-быть-беззаботным!
Твой Фридерикус.

368. An Erwin Rohde in Kiel

1 Juni 1874.Basel.

Любимый друг,

Я только что снова узнал через Герсдорфа и байрейтцев, что обо мне опять очень беспокоятся, что мое настроение находят опасным, висельным юмором и т. д. Что ж, ничего не могу с собой поделать, некоторые люди видят издалека лучше, чем я вблизи, — и, возможно, в этом беспокойстве есть доля истины. Только вот мое самочувствие, телесно говоря, хорошее: желудок, стул, цвет лица — все здорово, к тому же я снова в сносном продуктивном душевном состоянии, то есть бодр, сестра со мной, короче, я выгляжу настолько счастливым, насколько вообще могу знать, что такое счастье, — а именно, что нечто подобное существует, сомнений нет.

Теперь прочти письмо Герсдорфа и подумай о своем. — Если бы я только знал, что тебе не хуже, чем мне! Я вздыхаю, когда думаю о тебе.

Скажи-ка, любимый друг, не хочешь ли ты тоже воспользоваться тем средством, которое использую я сам, а также Овербек? Нужно вскрыть вены и пустить немного крови — несовременно, как кричат другие, считающие кровопускание преодоленным и антикварным средством. Я имею в виду: не хочешь ли ты тоже однажды выплеснуть свое и наше горе и сказать, от чего ты страдаешь? В этом определенно есть нечто освобождающее — грубо сказать людям, как на самом деле чувствует себя такой, как мы, среди них. Давайте изгоним ленточного червя меланхолии письменно — заставив других проглотить наши сочинения.

У вас тоже такие чудесные лунные вечера? Совсем не хочется возвращаться в дома, и порой я действительно верю, что воздух поет. — Я только что написал предисловие к своей третьей «Несвоевременной».

Прекрасный, самый сердечный
воскресный привет!
Твой Фридрих Н.

369. An Oswald Marbach in Leipzig

Basel den 14 Juni 1874.

Глубокоуважаемый господин гофрат,

Я так поздно пишу Вам, чтобы поблагодарить за присылку Ваших «Орестеи» и «Прометея», но делаю это с тем большей убежденностью, что именно работа над «Орестеей» — я читаю на лекциях «Хоэфор» — была одной из причин, удерживавших меня от написания письма. Я едва ли знаю еще кого-либо, и уж точно ни одного из ныне живущих филологов, кто находился бы в столь глубоком и естественном отношении к античной трагедии, как Вы, и кто заслуживал бы того, чтобы его слушали, когда он делится своим внутренним опытом. Я с величайшим удовольствием читал Ваш перевод и полагаю, что не читал ничего лучшего, так что я немедленно заказал Ваши переводы Софокла. В комментариях к «Орестее» я нашел глубочайшие и заставляющие задуматься вещи; впрочем, это благодеяние, что Вы просто не приняли во внимание дикую конъектуральную критику наших современнейших эсхиловедов. Доктор Кек, издатель и изувер «Агамемнона», высокомерно высказался о Вас в Йенском литературном листке — эти господа ведут себя так, будто кто-то украл кур, если кто-то, не являющийся филологом, показывается на их арендованном участке, в области античности. В театре этот народец, впрочем, не смыслит ни черта, а их стихи не поймет ни один честный человек. Я однажды читал своим ученикам кековский перевод «Агамемнона» и очень старался — но в конце концов сам рассмеялся над тем вычурным, напыщенным немецким языком, в котором эти маленькие эсхиловские обезьянки чувствуют себя такими великими. Слава Богу, что Вы избавили нас от тарабарской ритмики, на которую обычно переводят греческие хоры и которая, конечно, не является ни греческой, ни немецкой.

Что касается Шекспира — знаете ли Вы отвратительный памфлет нашего модного философика Э. фон Гартмана против «Ромео и Джульетты»?

Мы живем в странное время; немецкая культура скрипит на своих петлях, и опасность велика.

С почтением
Ваш
Д-р Фридрих Ницше

370. An Emma Guerrieri-Gonzaga in Florenz

Basel den 14 Juni 1874.

Так как вы, дорогая подруга, в своем последнем письме сделали небольшое признание, я, по идее, имел бы право поиграть немного в духовника, но я не в состоянии этого сделать, и именно потому, что то, в чем вы признаетесь, мне очень нравится, гораздо больше, чем вы можете себе представить! А именно — очень мило, что «Рождение трагедии» показалось вам странным, а мой «Анти-Штраус» возмутительным, так как я наконец-то переживаю то, что меня с удовольствием читает кто-то, кто не является «вагнерианцем». — Так что давайте не будем говорить друг с другом ни словечка о тех двух сочинениях и полностью предоставим будущему решать, напомнит ли оно нам еще раз о тех трудах. Без вашего «признания» я бы послал вам экземпляр первого из них, которое как раз сейчас выходит вторым изданием, но теперь не сделаю этого, а вместо него обещаю третье «Несвоевременное размышление» — в котором вы, вероятно, найдете мой ответ на ваш вопрос, верю ли я вместе с вами в «будущую религию на чисто философской основе»? Теперь же я непременно хочу послать вам сегодня что-нибудь, в качестве немедленного доказательства того, как сильно я был восхищен вашим письмом — вас ведь не раздражает, что я использую слово «восхищен»? К счастью, даже самые серьезные вещи порой имеют оттенок веселья — и у меня такая твердая вера в мои мнения и их подземную связь, что я готов почти поклясться, что очень скоро настанет день, когда мы будем понимать друг друга в вопросах о греках и немецкой культуре, о Штраусе и трагедии так же хорошо, как и в тысяче других вещей. Это смешно, такая добрая вера, не правда ли? Ну, посмейтесь же надо мной, я это заслужил.

Но я хотел сказать, что сегодня непременно хочу вам что-то послать и что у меня нет ничего иного, кроме изображения с небольшой надписью на нем, о которой я желаю, чтобы она сказала вам то же, что говорит мне. Однажды, во время путешествия через Сен-Готард, я слышал, как Мадзини произносил эти стихи; он считал, что это самые прекрасные стихи, которые написал Гёте.

Всего вам доброго.

Ваш
Фридрих Ницше

371. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> Sonntag 14 Juni 1874.

Любезный друг, меня и нас беспокоит, что мы совсем ничего не слышим от тебя: удается ли работа? Выбрался ли ты хоть немного из пещеры Адулламской? Здесь все идет чинно и благородно, много говорят об осени и нашей встрече, скоро я хочу обдумать нечто вроде программы; для развлечения по вечерам у меня уже есть кое-что очень прекрасное, о чем ты и вы все еще ничего не знаете.

В последнее время здесь был твой соотечественник Брамс, и я много слышал его произведений, прежде всего его «Триумфальную песнь», которой он дирижировал сам. Для меня было одним из самых тяжелых эстетических испытаний совести — разобраться в Брамсе; теперь у меня есть маленькое мнение об этом человеке. Но пока еще очень робкое.

Только что я написал своей новой подруге во Флоренции; я называл тебе ее имя? Маркиза Гуэррьери-Гонзага? Читал ли ты или слышал, может быть, о переводе «Фауста», сделанном Гуэррьери? Хиллебранд очень хвалил его; он сделан братом ее мужа.

Кстати, я слышал, что Хиллебранд собирается высказаться о моей «Истории» в «Аугсбургской газете». Так пишет фрейлейн фон Мейзенбуг.

Мы надеемся (скажем совсем тихо) получить для вновь основанной здесь кафедры сравнительного языкознания Виндиша. Любопытно! Не правда ли?

Старому Фишеру совсем плохо, и опасения врачей очень велики; едва ли верят, что он дотянет до конца этого года. — Наш старый Хагенбах скончался.

Прощай, любезный верный друг.

И не хочешь ли ты написать хоть словечко, просто чтобы мы знали, бодр ли ты и мужественен.

Не сыграть ли нам однажды в лотерею?

Твой Ф. Н.

372. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Basel,> 4 Juli 1874.

Ну что ж, мой дорогой добрый друг, несмотря на летний зной, я хочу тебе кое-что рассказать. Во-первых, очень хочется прохлады. Во-вторых, я усердно пишу «Несвоевременные размышления», надеялся закончить к каникулам, но не могу, потому что тело мешает и требует небольшой подпитки. В остальном всё уже в прекрасной взаимосвязи, было бы жаль, если бы я всё испортил или забыл. Вероятно, я поеду с сестрой в Энгадин. С Байройтом я не продвинулся дальше доброго намерения; мне кажется, что у них там в доме и в жизни сейчас неспокойно и что наш визит был бы сейчас совсем некстати. О моем самочувствии, кстати, они спокойны, вы все превзошли друг друга в пессимизме. Наконец — я сейчас не могу думать ни о чем другом, кроме как о завершении и хорошем качестве № 3. — Как ты, кстати, дорогой друг, пришел к этой забавной мысли — попытаться принудить меня к визиту в Байройт угрозой? Это выглядит почти так, будто я добровольно не хочу туда ехать — а ведь я в прошлом году дважды, и в позапрошлом году дважды встречался с байройтцами — из Базеля, и при моих жалких отпускных обстоятельствах! — Мы оба знаем, что натура Вагнера очень склонна к недоверию — но я не думал, что хорошо еще больше разжигать это недоверие. И в довершение всего — подумай только о том, что у меня есть обязанности по отношению к самому себе, которые очень трудно выполнить при очень хрупком здоровье. Право, никто не должен меня к чему-либо принуждать.

Прими же всё это сердечно и по-человечески!

Представь себе, что добрый старый Фишер уже несколько дней при смерти, и вся семья собралась вокруг него. Ты знаешь, что я теряю в его лице. —

Только что мне сообщили о смерти апелляционного советника Круга, отца моего друга. Мой друг Пиндер, так же как и Густав Круг, осенью женятся — и поколения продолжают цвести.

Для нашей встречи у меня есть кое-что очень хорошее — но я прошу тебя также принести что-нибудь со своей стороны. Возможно, итальянские переводы!

Но только если у тебя будет время и досуг, прощай, дорогой верный друг.

373. An Erwin Rohde in Kiel

Basel den 4 Juli 1874.

Любезный друг, у нас стоят жаркие дни, тоска по каникулам становится сильной; я хотел бы закончить со своим № 3 «Несвоевременных размышлений» раньше, но это совершенно невозможно по физическим причинам. Если бы только всё вышло именно так, как я желаю! Я с нетерпением жду возможности сообщить это тебе. Ибо я действительно полагаю, что это должно быть полезно и укрепляюще для всех нас (поскольку я сам это так чувствую). Я действительно говорю по опыту, когда утверждаю: можно сбросить с плеч и с души многие вещи — по крайней мере, на доброе время. Слово «зрелый» или «незрелый» я в этом отношении больше вовсе не понимаю, человек просто помогает себе как может, чтобы хоть как-то продержаться. Я никогда не желаю, чтобы подобные вещи рассматривались чисто литературно. И если они имеют какую-либо ценность, то именно благодаря своему нелитературному характеру: вещи, о которых писать рецензии — глупость. —

Наш добрый старый Фишер смертельно болен, семья собралась вокруг него, и смерть может наступить в любой день и в любой час, как того и желают, для избавления от тяжких страданий. Он, безусловно, был тем из всех базельцев, кто питал ко мне самое значительное и глубокое доверие, даже в сложных обстоятельствах. Короче говоря, я многое теряю, и университет становится для меня еще более безразличным, чем был до сих пор. Мы, Овербек и я, теперь находимся в почти пугающей изоляции, и здесь и там появляются признаки боязливого отношения к нам.

Для нашей осенней встречи я предложил, чтобы каждый из нас принес что-то свое, самое сокровенное.

Да благословит Бог тебя и твой роман, и дарует тебе прохладные и ясные дни, и спокойные ночи при свете луны и комет. Я жажду холодной горной воды, как дикий вепрь.

Будь здоров.
Твой Фридерикус.

374. An Gustav Krug in Naumburg

Basel den 6 Juli 1874.

Услышь сегодня и от меня, мой возлюбленный друг, несколько слов сердечной скорби. Я, конечно, по опыту почти так же мало знаю о том, что значит потерять отца, как и о том, что значит его иметь. Зато моя юношеская жизнь внутренне стала для меня тяжелее и гнетущее, чем следовало бы; и именно из-за моей часто ощущаемой потребности в по-настоящему близком и любящем советчике я осмеливаюсь и сегодня понять степень и масштаб твоей утраты.

Если я теперь смотрю на тебя, то снова возникают загадочно связанные слова: смерть и свадьба, так быстро друг за другом перед моими глазами, что жизни и цветению не видно конца. В тебе самом продолжает жить твой отец, и лучшее и благороднейшее в нем должно остаться в тебе не утраченным.

И так на тот странно чудовищный вопрос, который ставит слово «смерть», пусть даст ответ то другое слово. Один ответ: ибо, возможно, их существует несколько. —

В старой верной преданности
Твой Ф. Н.

Приветствуй своих глубокоуважаемых родных от меня и моей сестры, с выражением сердечнейшего соболезнования.

375. An Elisabeth Nietzsche auf der Frohburg

<Basel,> Den 6 Juli. <1874>

Моя дорогая Лизбет

как дела? Прекрасное утро, не правда ли? И уже есть приличное сообщение?

Вот открытка, которую наивность нашей матери отправила в мир, чтобы ее, вероятно, прочитали сначала 10 человек в Наумбурге и 10 человек в Базеле, прежде чем она попадет к нам в руки. —

Пока никаких новостей о самочувствии Фишера. — Отель в Бергюне дал мне согласие.

Чувствую себя сносно. День прекрасный.

В среду, надеюсь, до свидания.

Твой Ф.

376. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

Basel den 9 Juli 1874.

Представь себе, дорогой друг, позавчера мы проводили в последний путь советника Фишера. Он скончался самым мучительным образом, от болезней почек и мочевого пузыря. Мы все очень опечалены, особенно я, зная, что я в нем потерял. — Его преемником, по всей вероятности, станет представитель партии «Друга народа». —

Здесь стоит невыносимая жара, с самого раннего утра. В воскресенье я хочу послушать немного музыки в Цюрихе (под управлением Хегара)

Д-р Фукс заваливает нас письмами.

Нечто совершенно трогательное я пережил со стороны старого Освальда Марбаха. Он, хотя мы и не знакомы, прислал мне свой превосходный перевод «Орестеи» в знак благодарности за ставшее ему тем временем известным «Рождение трагедии», о котором он высказался. Я ответил ему, хотя и с опозданием. И теперь он в новом письме излил мне душу так, что это трогательно слышать: как он может радоваться лишь двум встречам в своей жизни; одна из них — с Вагнером, другая — со мной. — Ну, это звучит странно, но как субъективный факт, в этом нельзя сомневаться и придираться.

Флорентийку зовут маркиза Гуэррьери; она уже дважды писала.

Во мне сейчас бродит очень многое, порой весьма экстремальное и дерзкое. Я хотел бы знать, до какой степени я мог бы сообщать о подобном своим лучшим друзьям? — Письменно, конечно, вовсе нет. И вы тоже не должны быть боязливыми; я имею в виду, что вам следует верить в настоящий фатализм в отношении вашего друга и тем самым быть избавленными от всех забот о его здоровье и т. д. Если ему суждено еще чего-то достичь, он должен быть в состоянии этого достичь. Власть над средствами относится к ремеслу.

Прощай, верный мой.
Твой
Фридерикус.

377. An Elisabeth Nietzsche auf der Frohburg

<Basel,> 9 Juli 1874

Ну что ж, моя добрая Лизбет, вот и жалкое письмецо ко дню рождения, написанное в поту и страхе, ибо стоит невыносимая жара, и ты поступила весьма благоразумно, оставшись наверху, чтобы пить молоко и гулять с лисичкой. (К слову: упомянутое молоко так бушевало в моем желудке, что я ночью трижды выходил на прогулку, правда, без лисички, зато в одной рубашонке). Я прибыл на три минуты раньше поезда и совершил чудесную вечернюю прогулку. Однако глаза сильно болели. Только что я услышал, что фрау Фишер-Хойслер уехала сегодня утром; Овербек, который был там, но ни с кем не говорил, принес эту весть. Вероятно, ты уже знаешь об этом. Когда же ты собираешься спуститься вниз? — Как я уже сказал, подумай, здесь невыносимо душно. Прилагаю письмо от фрау Уиллет, а также несколько жеманное извещение о смерти от Кругов.

Что касается других благородных даров, я сомневаюсь, стоит ли их прилагать, так как мне совершенно нечего дарить, разве что несколько почтовых марок, которые, возможно, доставят тебе скромную радость.

Но мне приходят на ум прекрасные пожелания: пусть с каждым годом ты становишься немного моложе, вплоть до сорокалетней барышни, по известному семейному образцу. Пусть с каждым годом ты становишься немного богаче, по крайней мере на пять процентов: так к восьмидесяти годам ты сможешь купить себе домик, чтобы прожить в нем второе столетие. Да даже экипажик можно было бы приобрести на 150-м году; правда, ни для лета, ни для зимы он не пригоден, потому что нет перед ним лошадки и нет на нем кучера; следуя очевидному примеру.

Наконец: я от всего сердца желаю тебе, чтобы ты не проводила всю свою жизнь, гуляя с лисичкой, а однажды спустилась вниз к своему брату.

В поту и глубокомыслии
остаюсь
Твой двадцатидевятилетний
брат

378. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel den 15 Juli 1874.

Прекрасно, глубокоуважаемый сударь, так давайте же попробуем. Еще в августе я надеюсь быть в состоянии прислать Вам рукопись, приблизительно под заглавием: «Артур Шопенгауэр»

Могу ли я предположить, что Вы знакомы с моими последними опубликованными сочинениями, и позволите ли Вы задать вопрос: были бы Вы в состоянии взять на себя продолжение моего цикла «Несвоевременных размышлений»? — Личные обстоятельства делают для моего прежнего издателя г-на Фрича в Лейпциге, как он мне пишет, желательным прекращение всей его издательской деятельности.

Мои «Несвоевременные размышления» пользуются большим спросом и читаются; мое «Рождение трагедии» выходит сейчас вторым изданием.

Быть может, мое возможное предложение не будет Вам неприятно?

Пожалуйста, напишите мне хоть слово по этому поводу. И поскорее: так как я собираюсь уехать на каникулы.

Тем временем я от всего сердца желаю, чтобы добрые духи покровительствовали началу нашего знакомства.

Ваш покорный
Д-р Фридрих Ницше

379. An Franz Overbeck in Basel

<Bergün, 20. Juli 1874>

Сердечнейший привет от 2 горных курочек, которые в своем роде единственные в этом отеле. Вели беседы об университетской философии и чистоте тела. Сегодня, в понедельник, должна начаться работа.

Твои верные.

Адр: Бергюн, отель Piz d’Aela.

380. An Elisabeth Nietzsche in St. Romay

Bergün,Hôtel Piz Aela. Mittwoch. <22. Juli 1874>

Моя дорогая Лизбет,

вот мы и живем здесь, единственные в своем роде, хотя чужие люди проходят здесь ежедневно. Но пансионеров нет, из-за чего мне почти кажется, что Бергюн тебе бы не подошел. Я плачу за пансион 6 франков вместе с комнатой. Местность здесь необычайно красивая и гораздо величественнее, чем Флимс. Только нам не хватает купания: правда, на несколько часов выше есть озеро, мы даже недавно плавали в нем, но вода была такой холодной, что я вышел красным, как рак, и кожа немного припухла. Путешествие прошло хорошо, в Куре мы встретили всю флимскую компанию, Траверсов, Роров, Хиндерманнов, и я испытал своего рода искреннее сожаление, что не смог поехать во Флимс. Мы остановились в отеле «Лукманиер», там же жил брат профессора Фрица Буркхардта вместе с женой. Утром в три четверти пятого мы отправились дальше, места чудесные. Моим попутчиком был голландец, обычно мы оба ехали в одноколке вслед за почтовыми каретами. Бергюнский камень и вся долина — это действительно самое красивое, что я видел.

Много и плодотворно поработать мне еще не удалось, мне мешает небольшой запор, вызванный хорошими вальтеллинскими винами. Сегодня я получил письмо от маркизы Геррьери, она через 8 дней приезжает в Штахельберг и просит меня навестить ее там; что я, конечно, и сделаю.

Ты написала фройляйн фон Майзенбуг? Кажется, это был ее адрес:

Искья, вилла Миччола

Как продвигается воспитание детей? В качестве курьеза сообщу, что недавно вечером я был почти решился жениться на фройляйн Рор; так сильно она мне понравилась. Доктор Фукс, конечно, снова написал, 16 страниц, очень красиво, и прислал большую музыкальную пьесу «Пляска смерти» (по Гёте) Г. Рименшнайдера в его аранжировке, и мастерски. Фрич тоже написал и уступает, а от Шмайцнера я все еще жду ответа.

Ну, моя любимая добрая сестра, на этот раз достаточно. Ромундт передает привет, и я желаю тебе, чтобы ты смогла прочитать и понять это письмо, как и всего остального доброго. Пиши мне скорее.

Преданно твой
Брат.

381. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Bergün, 26. Juli 1874>

Мой дорогой друг, я от всего сердца порадовался твоему бодрому и доверительному письму и могу сегодня ответить тебе в таком же настроении. Прежде всего сообщаю, что я все же проведу часть своих каникул в Байройте — а именно с того дня, когда будет готов мой № 3: над ним здесь, на высотах, усердно работают. В низине я не мог закончить ни строчки и почти считал всю тему слишком трудной для себя: здесь же, наверху, ко мне вернулись уверенность и силы — хотя меня и сейчас еще бросает в дрожь от одной определенной главы. Тем временем произошло немало событий: так, к сожалению, добрый Фрич стал невозможен в качестве издателя для меня и Овербека — потому что он по вынужденным причинам хочет прекратить свою издательскую деятельность. Правда, он снова принял № 3, но с самым кислым и недовольным видом на свете: так что я уже видел свой цикл «Несвоевременных размышлений» завершенным и испорченным. Но тут случилось неожиданное: появилось письмо от молодого издателя и, как кажется, почитателя, Э. Шмайцнера из Шлоссхемница в Саксонии — и теперь уже все улажено: у меня есть очень готовый к сотрудничеству и, по-видимому, деятельный издатель для всех «Несвоевременных размышлений». Так что я могу продолжать свой тяжелый дневной труд — судьба поистине подала мне благоприятный знак!

Через неделю я встречаюсь с маркизой Геррьери в Штахельберге, куда она просила меня приехать. Это должна быть выдающаяся женщина, если судить по мнению фрейлейн фон Майзенбуг и по ее собственным письмам.

Здесь (в Бергюне: см. Бедекер) я вместе с Ромундтом нахожусь в божественной местности. Мы единственные постояльцы отеля, мимо которого ежедневно проходят сотни путешественников, направляющихся в Санкт-Мориц или обратно. Озера, подобного Флимскому, у нас, конечно, нет: недавно мы искали одно три часа, на высоте 6000 футов, купались и плавали в нем, но почти превратились в лед и вышли оттуда огненно-красными. Сегодня мы искали серный источник, который еще не используется; на обратном пути коза на моих глазах родила козленка — первое живое существо, рождение которого я видел. Малыш был гораздо проворнее маленького ребенка и выглядел лучше, мать лизала его и вела себя, как мне показалось, очень разумно, в то время как мы с Ромундтом стояли рядом, выглядя ужасно глупо.

Сегодня вечером мы будем есть ризотто, говорит мне тот самый Ромундт, и уже заказал его.

Когда мы недавно прибыли в Кур, мы внезапно оказались посреди всей флимской компании: Траверс, Рор, Хиндерманны; фрейлейн Берта снова выглядела так превосходно, что я почти пожалел, что уезжаю в Бергюн. Ну, как будет осенью, на большой встрече заговорщиков? Надеюсь, к тому времени мой № 3 будет напечатан и попадет в ваши руки как своего рода праздничный дар.

А теперь прощай, самый верный и дорогой друг, и прими мои и Ромундта сердечнейшие приветы.

Ф. Н.

Адрес по-прежнему только Базель.

382. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Bergün, gegen Ende Juli 1874>

Моя дорогая добрая матушка, я сижу здесь, в горах, и хочу снова написать Тебе письмецо, поскольку наша Лизбет далеко от нас обоих и не может, как обычно летом, рассказывать Тебе обо мне, а мне о Тебе. Уже несколько дней стоит ужасная дождливая погода, и все люди очень нетерпеливы — таково состояние в этом уединении, в котором я один не участвую, потому что занят размышлениями и завершением нового сочинения. Там живешь иначе, где дождь тебе нипочем. Впрочем, здесь невольно наслаждаешься укрепляющим альпийским воздухом и вырываешься из городской и повседневной жизни, и тогда в голову приходит многое, чего не найдешь в низинах и в летнем зное городов.

В остальном мы, а именно друг Ромундт и я, довольно полноправные хозяева отеля; лишь недавно приехал баденский дворянин с семьей и прусский чиновник. А так до сотни человек ежедневно проходят здесь с почтой и обедают в этом доме, так что порой мы сидим за столом вдвоем, а порой и в сорокором. Большая часть направляется в Санкт-Мориц, бледнолицые и нервные люди со всего света, собранные вместе благодаря модной славе тех курортов.

Осенью у меня в Базеле будет встреча моих друзей; Герсдорф и Роде, и мы трое, кто сейчас живет в одном доме, Овербек, Ромундт и я — все приедут или останутся ради этого. Я, к сожалению, из-за своей школы в это время не свободен или, самое большее, на 10 дней, и то лишь в октябре.

Мои друзья Круг и Пиндер женятся, и я уже посоветовался с Лизбет насчет моих подарков им. Помимо них, я написал большое сочинение для фортепиано в четыре руки под названием «Гимн дружбе», копии которого оба должны получить.

Моя жизнь проходит в великих начинаниях, я приблизился к тридцати годам, и забот и работы становится все больше. Порой мне кажется, что я пережил достаточно для шестидесяти лет.

Здоровье в целом было в порядке с тех пор, как я изменил свой образ жизни — врачей и лекарств я, что Тебя порадует, с Нового года больше не применял. Но желудок остается слабым. Осенью я попрошу Тебя сделать для меня большую закупку фруктов — пару корзин хороших яблок. В обед я снова хочу питаться так же просто, как делал это в первой четверти года — и так оно и пойдет. Помнишь ли Ты, в каком отчаянном положении я был прошлое Рождество?

Вечереет и становится совсем серо, поэтому я хочу закончить и послать Тебе сердечный привет отсюда, с высоты Энгадинских Альп.

Верно Твой сын Фриц.

383. An Elisabeth Nietzsche in St. Romay

Bergün, Donnerstag. <30. Juli 1874>

Моя дорогая Лизбет

сегодня ужасная дождливая погода, облака совсем низко. Тем временем я был прилежен и бодро продвинул свою работу, но я еще далек от завершения, потому что то, что еще осталось, относится к самому трудному. Но решено уехать в воскресенье и придерживаться байройтского плана: мне нужен отдых, и я, возможно, найду его там, особенно развлечение. В воскресенье вечером я буду в Куре, в понедельник утром поеду в Штахельберг, во вторник оттуда обратно и через Роршах в Байройт. Штахельберг почти по пути, поэтому мне это подходит.

Непрекращающийся дождь. — Сейчас здесь есть несколько пансионеров, вюртембергская дворянская семья и что-то учительское из Саарбрюккена.

С самого утра льет как сумасшедший. — Только что мы читали списки отдыхающих из Граубюндена и Энгадина; бесчисленные знакомые в них. С утра до вечера поток приезжих. Ничего «романтического», чего ты жаждешь. Фрич согласился, что «Несвоевременные размышления» будут выходить в другом месте (денег он не прислал!) Шмайцнер самым любезным образом все принял, и таким образом публикация «Несвоевременных размышлений» спокойно продолжается.

Но это нечто ужасное — так всегда плыть против течения, и порой мне жизнь порядком надоедает.

Овербек написал, но не то чтобы очень радостно. Что еще слышит наш брат, когда приезжает в Германию!

Мое замечание о фр. Р<ор> не должно было тебя расстраивать, я поделился им как курьезом. Впрочем, твои опасения — это и мои опасения. Только ты знаешь, что мгновение обычно может больше, чем целая цепь взглядов назад и вперед.

Так неужели кажется, что мы не увидимся снова на каникулах? А после каникул тоже только на прощание? Мы ведь устроили все довольно безумно. — Кстати, хочешь ли ты, чтобы я не ехал в Байройт, а встретился с тобой где-нибудь, тогда просто телеграфируй, и куда именно. Или ты хочешь поехать со мной в Байройт?

Живи хорошо, дорогая Лизбет, и помни о
твоем брате.

В воскресенье, как я сказал, я буду вечером в Куре, отель «Лукманье». В понедельник вечером — в Штахельберге под Гларусом.

Ромундт шлет сердечный привет.

Я порадовался твоей идиллической жизни, передавай привет Фишеру от меня, а также мальчикам.

384. An Franz Overbeck in Dresden

Bergün, Donnerstag. <30. Juli 1874>

Любезный друг и соратник, вокруг нас серое море облаков и с раннего утра моросящий дождь. К тому же размышления о богатстве и чести, и о том, как и то, и другое ускользает от таких, как мы, и ускользает всё больше. Уныние. Нос Ромундта тоже повешен.

Несмотря на всё это, ты должен получить письмо от горных кур, и я попытаюсь перечислить всё то доброе и отрадное, что с нами приключилось — кроме твоего письма, за которое мы сердечно благодарим.

Во-первых, Шмейцнер самым любезным образом сказал «да!» и радуется получению «Несвоевременных размышлений», даже считает их «рентабельным предприятием». Во-вторых, Фрич написал и полностью, без всякого сопротивления согласился передать издание «Несвоевременных» из своих рук. В-третьих, я был прилежен и, возможно, подготовил 84 печатные страницы, готовые к отправке. Правда, меня страшит то, что еще не хватает маленькой главки в середине, о самом трудном! О том, что трудно выразить!

В-третьих, в следующий понедельник я встречаюсь со своей итальянской дамой Герриери в Штахельберге. Она писала мне уже в третий раз.

В-четвертых, во вторник я хочу отправиться в Байройт и остаться там до конца, ожидая тебя. Дай Бог мне некоторого развлечения, ибо жизнь нести тяжело, и мы заботимся о том, чтобы она становилась всё тяжелее.

В-пятых: музыку Рименшнайдера я взял с собой сюда; мы будем вместе получать от нее удовольствие. Для меня она вновь доказательство того, что я могу представить себе даже самую сложную музыку и наслаждаться ею, представляя; хотя нечто абстрактное в этом остается, и тоска по звуку велика.

Здесь мы теперь живем, в отличном отеле, где к нам внимательны и не берут лишнего. Сейчас приехали еще несколько постояльцев, вюртембергские дворяне, которые выписывают себе «Франкфуртскую газету». Мы до сих пор видели: скалу у Альбульского моста, разделяющую и обозревающую две одинокие горные долины, где я подумываю построить себе башню: серный источник в боковой долине, который мы привезли домой в бутылках, чтобы облегчить запор (вызванный винами Вальтеллины): козу, которая родила на глазах у Ромундта: театрального агента с двумя театральными принцессами: в Куре нашу прошлогоднюю компанию из Флимса, включая фрейлейн Рор: в отеле «Лукманиер» лучшего официанта, который однажды должен стать моим слугой и распорядителем в поездках: недалеко от перевала Альбула озеро, ужасно холодное, так что мне пришлось почти неделю расплачиваться за то, что я в нем искупался: школьного учителя, который был в Америке, а теперь живет немного выше Бергюна и говорит на чистом немецком, но который, как и все горцы, не моется и не купается.

Сегодня нам рассказывали, что Ауэрбах в Тарасп сделал следующее наблюдение: «в первый день на меня смотрят, во второй — здороваются, на третий спрашивают: „Ну, господин доктор, как помогает лечение?“» — Возможно, он отвечает на это: «Как говорит мой Ротфус: нельзя стать мокрее, чем мокрый».

Вчера Ромундт читал из новой веры Штрауса, и мы заметили, что некоторые предложения достойны Ауэрбах<е>н.

В остальном я почти ничего не читаю, а Ромундт читает «Вильгельма Мейстера», о котором он привык рассуждать после обеда, как Юлиан Шмидт. Похоже, трапеза просвещает.

Мне почти хочется верить, что ты тоже варишь доброе зелье, сладкое и горькое, лекарство и яд, и то, и другое в зависимости от того, для кого оно наливается; я, по крайней мере, приготовил целую чашу с цикутой для профессоров философии — надеюсь, для тебя это будет чистый и сладкий напиток!

С сердечным расположением
Твои друзья и со-ядовитые пещерные медведи.

385. An Franz Overbeck in Dresden

<Bayreuth, vermutlich 7./8. August 1874>

Постарайся же, дорогой друг, непременно приехать в Байройт! Я ничего не говорю о том, что там можно увидеть, услышать и вообще пережить — просто приезжай: и устройся там с комфортом.

Что касается меня, то я привез из своей поездки сильное расстройство желудка и живота и по прибытии был вынужден сразу лечь в постель. Но сейчас колика, надеюсь, уже почти проходит.

Здесь находятся два фортепианных виртуоза, господин Клиндворт и господин Йозеф Рубинштейн; первый живет в доме.

Я хочу уехать из Байройта в субботу утром около 11 часов. Ах! и боюсь этого.

Сердечно жду радостной встречи! Вместе с приветами и приглашениями Вагнера — мы все ждем тебя и радуемся.

Твой Фридерикус.

386. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

<Basel, 19. August 1874>

Вам, глубокоуважаемый господин, вероятно, будет наиболее желательно, если я отвечу на Ваше последнее, весьма желанное для меня письмо просто так, как я и делаю: пересылкой рукописи. Первая её половина прилагается: вторую я доставлю в Ваши руки самое позднее через 14 дней.

Вы видите, что то, что Вы получаете, — это третья часть «Несвоевременных размышлений».

Мои условия те же, на которых их принял господин Фрич: я прошу при тираже в 1000 экземпляров гонорар в 10 талеров за печатный лист. Объём каждого «Несвоевременного размышления» составляет около 100 страниц.

Если это предложение Вас устраивает, то ответьте мне пересылкой первого корректурного листа.

Желаю Вам всего наилучшего,
преданный Вам
д-р Фридрих Ницше.

387. An Gustav Krug in Düsseldorf

Basel 22 Aug. <1874>

Подумай, дорогой друг, что ты просишь меня о чем-то невозможном и что я с прискорбием вынужден буду отсутствовать на твоей свадьбе. Ибо у нас, базельских профессоров, существует скверный порядок каникул, согласно которому наш семестр строго продолжается до конца сентября. К тому же я прикован и другой ногой, как преподаватель в педагогиуме: так что сентябрь для меня — тяжелый рабочий месяц, который держит меня абсолютно крепко. И мне не остается ничего иного, как на расстоянии отпраздновать этот день каким-нибудь торжественным образом. —

Пишу в большой спешке; вскоре узнаешь от меня больше, сегодня же ничего, кроме печального: «Должно ли быть? — Должно быть!» Черт возьми!

Преданный тебе Фридрих
Ницше.

388. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel, Mittwoch. <9. September 1874>

Глубокоуважаемый господин,

только что я отправил остаток моей рукописи в Лейпциг, непосредственно К. Г. Науману, чтобы не возникло никакой задержки.

Я уже получил два листа на корректуру, и они также уже отправились обратно к Науману.

Объем сочинения я оцениваю в 100 страниц.

Таким образом, всё идет наилучшим и быстрейшим образом.

С дружеским приветом
Ваш покорнейший
Д-р Ф. Ницше.

388a. An Sophie Vischer-Heussler

Basel Freitag den 10. Sept. 1874

Глубокоуважаемая госпожа

мы все придем по Вашему любезному приглашению, причем заблаговременно и без всякой торжественности.

Покорнейше
Ваш
преданный
Д-р Ф. Ницше

Базель, пятница, 10 сент. 1874 г.

389. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel. <15. September 1874>Dienstag Morgen.

Глубокоуважаемый господин,

было бы, конечно, прискорбно, если бы я так плохо правил свои корректурные листы. Но, к счастью, здесь кроется недоразумение. Ибо я до сих пор еще вовсе не правил этот лист; напротив, то, что было у Вас перед глазами, — это первая корректура, которую выполняет Науман; я же свою корректуру отправил только вчера вечером — и в ней устранены все те моменты, которые вызвали у Вас нарекания. По-видимому, лист после первой корректуры высылается Вам и мне одновременно. — Я, как и Вы, надеюсь на совершенно безошибочное издание. —

Теперь я должен еще сердечно поблагодарить Вас за Ваши недавние письменные сообщения. Что касается бесплатных экземпляров, то я до сих пор получил от господина Фрича 25 штук; устраивает ли Вас это число? — Я полностью согласен, если Вы воспользуетесь указанием на вексель. — Что касается как можно более выгодного оповещения через объявления, я позволю себе внести предложение позже; сегодня у меня нет на это времени. Дело не столько в большом количестве объявлений, сколько в тщательно продуманном выборе журналов; так мне кажется. Названия таковых — в другой раз, как я уже сказал. Сегодня — мой поклон и пожелание, чтобы цель была достигнута к первому октября; с моей стороны задержки не будет.

Преданный Вам
Ваш
Д-р Ф. Ницше.

390. An Carl von Gersdorff in Gnadenberg

<Basel, 24. September 1874>

Это было тяжелое время, мой дорогой друг, эта заключительная часть нашего летнего полугодия, и я глубоко вздыхаю оттого, что оно теперь позади. Мне пришлось, помимо всех прочих работ, еще раз целиком и полностью переработать довольно длинный раздел моего № 3, и неизбежная подавленность и душевное потрясение, которые приносит с собой такое раздумье и копание в глубинах, часто почти сбивали меня с ног, и даже сейчас я еще не полностью оправился от этой «родильной горячки». Но при всем этом на свет появилось нечто достойное, и я радуюсь тому, что ты тоже будешь этому рад. Печать, очень ускоренная и, как следствие, еще одна обуза, почти закончена, и когда ты приедешь, экземпляр, вероятно, уже будет готов. Были тяжелые дни и утомительные ночи — ах, и я часто желал: если бы только хоть раз пришло что-то радостное и доброе извне, когда сам уже не мог выжать из себя ничего радостного! И я знаю, как я однажды утром, как раз в самый нужный момент, обрадовался твоему подарку, мой дорогой верный друг, ты ведь наверняка почувствовал, почему прислал его в середине сентября, а не позже. Он пришел так вовремя! И я был счастлив до крайности, и когда позже ты будешь читать пятую главу, вспомни, что я во время работы часто вставал, чтобы посмотреть на эту пеструю безделушку и посмеяться над ней. — Кстати, Роде и все, кто ее видел, очень хвалили ее.

Бедный Роде был нашим товарищем как раз в самое мучительное время и вряд ли унес с собой приятное впечатление: ведь и Овербек был в напряженной деятельности человека, которому к близкому сроку нужно было подготовить к печати большую массу рукописи; к 5 октября и его труд (первый том его «Исследований по истории церкви») должен быть готов, и почти каждый день сейчас приходят корректурные листы. Роде очень жалел и сокрушался, что из нашей совместной осенней встречи ничего не вышло. Мы теперь очень ждем твоего приезда, возлюбленный друг. Привези нам свой жизненный оптимизм, свое бодрое здоровье и энергию; ибо порой здесь кажется, что мы должны отчаяться.

С доктором Фуксом, которого ты видел и слышал, сейчас возникло сильное недопонимание, ты здесь услышишь, почему. Я немного удивлен, что он сам присылает мне только программу концерта. Какое же личное впечатление он произвел на тебя? Но, как я уже сказал, об этом устно.

Я хочу теперь последовать твоему примеру и почитать Вальтера Скотта; мне нужно сейчас основательно отдохнуть, хочу еще совершить пешую прогулку, попить водички для исцеления желудка и попытаться быть в хорошем настроении. Также, по твоему примеру, я буду вдоволь пить молоко.

Замечательный Эмерсон, которого я брал с собой в Бергюн, был украден у меня вместе со всей моей полной дорожной сумкой: прекрасный экземпляр «Кольца нибелунга» (с посвящением Вагнера) тоже был там. Мораль: не следует оставлять свою дорожную сумку на вокзалах без присмотра, иначе тут же найдется гнусная и коварная тварь, которая охотится за дорожными сумками.

Сообщи же, дорогой друг, хотя бы вкратце, когда ты собираешься прибыть.

Сердечно ожидая тебя
Твой Фридерикус.

391. An Erwin Rohde in Hamburg

<Basel, 26. September 1874>

Любезный друг, старая вдова напоминает мне из своего угла у печки, чтобы ты вернул ей ключ от дома, который ты взял с собой в путешествие.

Сегодня, наконец! последний урок перед каникулами, и из школы — сразу на вокзал, оттуда на Риги, вместе с Ромундом и Баумгартнером — и там предстоит попробовать лечение с большим потреблением молока и горного воздуха.

Я мало спал ночью и несколько часов пережевывал в себе одну совершенно глупую вещь и не мог от нее избавиться, хотя и посмеивался над собой. Смертные люди! Один из моих 4 «эсхиловских калек» впоследствии оказался обойщиком, ему 30 лет, и греческий он начал учить на 29-м году жизни.

Последний корректурный лист ожидается сегодня. Бедный Овербек, напротив, прикован к месту и не может поехать, потому что до 5 октября нужно исправить еще 8 листов. Смертные люди!

Впоследствии мы оплакивали тебя и нас, что Киль и Базель должны были так странно сойтись под знаком Скорпиона. Если бы ты только не увез с собой слишком мрачное впечатление! Температура в нашем доме в среднем на градус счастливее; в то время как мы в этот раз жили в точности по проклятому фуксовскому обороту: мучительно наслаждаясь.

Ах, добрый друг, я хотел бы куда-нибудь выбраться, пусть даже лезть на стены. Если я теперь отниму еще и моих друзей, то мне становится невыразимо серо и ужасно на душе. Слава Богу, что у меня есть вы, и ты! любезный друг! и ты!

Твой верный
Ф. Н.

392. An Franz Overbeck und Heinrich Romundt in Basel

<Luzern, 2. Oktober 1874>

Это, дорогие друзья, моя штаб-квартира со вторника, и так будет до вечера следующего вторника. Тогда как раз закончится цикл ванн, на которые я подписался, чтобы сделать хоть что-то для здоровья или — чтобы казалось, что я что-то для него делаю. Сегодня дождливый день и большая ярмарка в честь святого Леодегара. Под моим окном выступает Касперль, и непрерывная музыка: впрочем, я так же мало поддаюсь ей, как Сенека. Мои соседи за столом и сожители по пансиону — епископ Райнкенс и профессор Кноод; старший официант произносит мне речи о значении этих господ для Швейцарии и приписывает им успех ревизионистской партии. Находясь так совсем близко, я не могу выйти из ироничного настроения: впрочем, это хорошие ребята, и в них нет ни капли от епископа, а только профессора, какими мы их знаем. Однако я вытянул из доброго Кноода несколькими глупыми замечаниями об Ольтене (пастор Херцог тоже здесь) и русских железнодорожных буфетах между Петербургом и Москвой добродушное признание, что он, вероятно, познакомится с последними в следующем году. Ха! — подумал я. Впрочем, я живу в божественной безмятежности, гуляя и постоянно стараясь уяснить себе, что мне исполняется 30 лет. Постоянные прогулки, или поездки, или купания, или чтение; ибо во всем этом одно и то же настроение, animus spatiandi. Фрау Бауманн попросил настроить мое пианино, один раз для пробы протопить печь и к вечеру вторника снова достать мне хороший грэмов хлеб. Если погода снова станет хорошей, то, возможно, наш друг Герсдорф приедет сюда еще на пару дней, ибо здесь необычайно красиво, а свою башню я ношу с собой, чтобы устанавливать ее то здесь, то там, и каждый день после обеда в новом месте.

Я много думаю о вас: тот, кому исполняется 30 лет, пересчитывает свои сокровища и спрашивает себя, сможет ли он справиться с жизнью. — Да, кажется, сможет.

А что с корректурами? И со сроком 5 октября? И с новыми произведениями, которые предстоит создать, яйцами птиц из пещер Бауманна?

Выпь, кстати, — это одно из главных лиц в «Республике ученых» Клопштока.

Просьба к фрау Бауманн: пусть она осмотрит комнату для Герсдорфа и снабдит ее тем, что еще может понадобиться: коврами, лампой, цветами и т. д.; и чем больше она возьмет моих вещей и перенесет туда, тем лучше.

А теперь прощайте, верные мои.

Ваш друг и брат
Ст. Готтард.

393. An Erwin Rohde in Hamburg

Basel den 7ten October 1874.

Вчера вечером, мой дорогой друг, я вернулся из гор, и сегодня утром наступающая зимняя жизнь должна быть начата и благословлена поздравительным письмом к тебе. Мне не занимать мужества и доброй уверенности: я привез это из тишины гор и озер, где довольно скоро заметил, чего мне не хватало или, вернее, в чем у меня был избыток. А именно — эгоизма; и это происходит от вечного копания в себе и страданий в одиночестве. В конце концов чувствуешь себя постоянно так, словно у тебя сотня шрамов и каждое движение причиняет боль. Но, право, скоро мне исполнится 30 лет, и тут должно стать немного иначе, а именно — мужественнее, уравновешеннее и не так чертовски изменчиво. Продолжать свое дело и при этом как можно меньше думать о себе — вот, пожалуй, то, что необходимо. При некотором размышлении я показался себе довольно неблагодарным и глупым со своей мучительной робостью: ведь я думал о том, как несравненно я был одарен за последние 7 лет и как я не могу в достаточной мере выразить, что значат для меня мои друзья. По сути, я живу благодаря вам, я иду вперед, опираясь на вас; ибо с моим чувством собственного достоинства дело обстоит слабо и жалко, и вы должны постоянно подтверждать мне мое «я». В этом вы для меня лучшие примеры; ибо и ты, и Овербек несете жизненный жребий достойнее и с меньшими жалобами, хотя тебе во многих отношениях приходится хуже и тяжелее, чем мне. И больше всего я чувствую, как вы превосходите меня именно своей любящей душой и тем, что меньше думаете о себе. Об этом я много размышлял в последнее время; это я могу сказать тебе по случаю дня рождения.

Я был с Ромундтом и Баумгартнером несколько дней на Риги, затем добрую неделю один в Люцерне. Моими соседями по столу были епископ Рейкенс и профессор Кноод. Сегодня вечером крестины младшего ребенка Иммермана; мы втроем будем присутствовать. Я был несколько раз в Трибшене и много, очень многого не хватало; с графиней Бассенхайм в Люцерне я излил душу, она тоже чувствует себя из-за отъезда Вагнера совершенно «обездоленной» и явно была очень рада услышать что-то новое и более точное о Байройте. Герсдорф приедет только к 12 октября, ты видишь, как наша осенняя встреча распадается на куски, ведь он снова попадает в рабочее время, а мои занятия начинаются с 10-го. Овербек еще занят корректурой, я с этим закончил и ежечасно жду прибытия готовых экземпляров, чтобы один из них немедленно отправился к тебе. Тем временем содержание № 4 стало мне примерно понятно: что меня очень порадовало, так как я принимаю это как подарок. У Ромундта литературные намерения; приватно он основывает государство и религию. Доктор Фукс присылкой приветствий и концертных программ выразил, что еще не все кончено; и Овербек написал ему хорошее честное письмо обо всех наших трудностях. Баумгартнер оставил мне свой большой портрет, который получился просто отлично. Круг и Пиндер путешествуют со своими супругами и встречаются друг с другом в Гейдельберге; я, к сожалению, разминулся с Кругом, так же как и с Дейссеном, который тоже проезжал через Базель и хотел со мной поговорить.

Деньги и ключ получены, благодарю сердечно. Герсдорф должен поселиться в том же жилье, мы хотим вместе много думать о тебе. Когда твой роман будет готов, телеграфируй, я прошу тебя, чтобы мы могли отпраздновать маленький праздник a tempo. Если бы я только знал, как ты мог бы создать себе немного музыки, музыки нашего рода!

Снаружи самый солнечный октябрь, и у меня на столе такой прекрасный виноград, что я только желал бы, чтобы ты мог его поесть, и мы сидели бы вместе, я бы сыграл тебе что-нибудь; еще я привез из Люцерна отличные сигареты. Теперь все это снова позади.

Прощай, мой дорогой, драгоценный друг, и оставайся ко мне так же привязан, как и прежде — тогда мы еще некоторое время продержимся на земле.

Твой
верный
Фридрих Ницше

Тут мне приходит в голову, что у меня ведь есть готовый экземпляр № 3, правда, только в корректурных листах. Все же он придет вовремя, если попадет как раз к 9-му числу.

394. An Cosima Wagner in Bayreuth (Disposition)

<Basel, um den 10. Oktober 1874>

Спасибо за стул.

Гр<эфиня> Бассенхайм

Шопенгауэр. Телегр.

Сочинение Овербека.

Фукс.

30 лет.

Баумгартнер

Роде.

Картина

395. An Richard Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Basel, um den 10. Oktober 1874>

Лето теперь окончательно прошло, как и моя осенняя свобода; из встречи моих друзей, которую я как раз на это время предлагал, ничего не вышло или вышло что-то другое, — Герсдорфа ждут со дня на день, но он приедет уже как раз к началу моих школьных забот, Роде повезло еще меньше, когда он поселился у нас на 2 недели: ведь мы все были в это время довольно невыносимо загружены работой и мало чем могли быть полезны другу. Круг проезжал здесь со своей супругой, Дойссен тоже, молодой Баумгартнер покинул меня, чтобы на год отправиться на военную службу в Бонн, причем гусаром. Мы, трое друзей, много гуляем вместе в Бауманской пещере, но не без чувства нелепости, которое присуще изолированной троице; и когда мы видим, как к вечеру наши три длинные тени шагают рядом с нами, мы обычно умираем со смеху; ибо не можем не вспомнить трех праведных гребенщиков. —

В ближайшие дни, думаю, вам доставят мой № 3, который я хотел бы сердечно рекомендовать вашему благосклонному вниманию. Остальные читатели подумают, что я говорю в нем о человеке на Луне. В конечном счете, для меня важны только 6—7 читателей. Все идет своим чередом, и я мало что могу к этому добавить. Тем временем мысли для четвертого номера уже начали кое-как проявляться, но тяжелая обязанность этой зимы — читать историю греческой литературы — делает маловероятным, что я скоро смогу снова взяться за дело.

396. An Ernst Schmeitzner in Schloßchemnitz

Basel den 15 October 1874.

Глубокоуважаемый господин,

я был в отъезде несколько недель, и поэтому Ваша посылка с векселями попала ко мне в руки немного позже. Искренне благодаря Вас за неё, я одновременно хочу выразить свою радость по поводу готовых экземпляров моего сочинения и от всего сердца пожелать Вам успешного начала и продолжения Вашей издательской карьеры. Один местный книготорговец уже получил это сочинение и рассылает его; поэтому Вы бы меня очень обязали, если бы прислали мне предназначенные для меня авторские экземпляры как можно скорее. —

Прилагаю свои предложения относительно объявлений в книготорговых изданиях и экземпляров для рецензий.

С наилучшими пожеланиями
Ваш покорный
Д-р Фридрих Ницше

Объявления

Litterarisches Centralblatt под ред. Царнке

Augsburger Allgemeine

Kölnische Zeitung

Nationalzeitung

Rheinisches Museum für klassische Philologie

Jenaer Litteraturzeitung под ред. Клетте

Kladderadatsch?

и т.д. /

Norddeutsche Allg. Zeitung.

Fritzsch musik. Wochenblatt.

Экземпляры для рецензий

в том числе также в

Demokratische Berliner Zeitung, редактору Любеку

(около 2 экземпляров: он недавно просил об этом в письме)

Revue critique в Париже,

Academy, Лондон

как у проф. Овербека

Litterar. Centralblatt

Jenaer Litteraturzeitung

397. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 16. Oktober 1874>Freitag Vormittag.

Моя добрая любимая мама и сестра, я пишу сразу несколько слов в знак моей сердечной радости и благодарности за ваши пожелания и подарки. Ящик прибыл как раз вовремя, а именно в четверг утром, еще до того, как я встал, — милые стишки, которые уже кое-что мне подсказали, пришли днем ранее. Мы ежечасно ожидали прибытия Герсдорфа, но он не появился, и до сего момента мы ничего о нем не знаем, вопреки его письменным обещаниям. От Роде и Густава Круга я получил письма; последнего, к сожалению, мне не удалось увидеть в Базеле, потому что как раз в те дни, когда он проезжал со своей супругой, я был в Люцерне. В обед мы, трое друзей, ели вместе в Шютценхаузе; четвертое место было заказано для Герсдорфа. Прилагаю мое последнее сочинение. Письмо госпоже Маргрет и счет для Хёфлингера переданы. В прошлый вторник вечером я был у Гейзеров, сегодня буду у Мясковских. В среду, 8 дней назад, мы участвовали в крестинах у Иммерманов. У госпожи Хайнце я был недавно; последнее время она очень беспокоилась об одном из мальчиков, у которого воспаление коленей (на обоих коленях). Но сейчас она успокоилась, по-видимому, это последствия слишком сильного утомительного плавания в Рейне летом и, возможно, лишь симптом быстрого роста. Мальчик при этом чувствует себя вполне хорошо и бодр.

Чемоданчик сослужит мне хорошую службу, ветчинная колбаса только что была разрезана. Кошелек, ключница, футляр для зубной щетки, новые носовые платки — всё очень приятно и желанно. Тем временем было переплетено большое количество книг. Мой новый издатель также выкупил у меня два первых выпуска «Несвоевременных размышлений». Книга Овербека также скоро выйдет.

С тридцатилетием дело обстоит особо. Впереди много хлопот и работы, необходимы многие решения — тут нет причин для веселья, если только не считать, что всегда должны быть причины для веселья.

Прощайте, мои дорогие! Приветствую вас с сердечной благодарностью

Ваш Фридерикус

398. An Malwida von Meysenbug in Rom

Basel den 25 October 1874.

Наконец, глубокоуважаемая барышня, я снова нахожу время рассказать Вам что-то о себе, а именно тем, что вновь преподношу Вам нечто новое от себя; из содержания этого последнего сочинения Вы в достаточной мере догадаетесь о том, что я тем временем пережил внутри себя. А также о том, что в течение года со мной порой обстояло дело гораздо хуже и тревожнее, чем можно прочесть в книге. В общем же, однако, дело идет, идет вперед, и мне лишь слишком не хватает солнечного света жизни; иначе я должен был бы сказать, что мне не могло бы быть лучше, чем есть. Ибо это, безусловно, великое счастье — шаг за шагом продвигаться в своей задаче, — и сейчас у меня готовы три из 13 размышлений, а четвертое бродит в голове; как же мне будет на душе, когда я наконец выплесну из себя все негативное и возмущенное, что во мне сидит, и все же я смею надеяться, что лет через 5 буду близок к этой прекрасной цели! Уже сейчас я с истинным чувством благодарности ощущаю, как я учусь видеть все яснее и острее — духовно! (к сожалению, не телесно!) и как я могу выражаться все определеннее и понятнее. Если меня не собьют с пути или я сам не ослабею, то из всего этого должно что-то получиться. Только представьте себе ряд из 50 таких сочинений, как мои предыдущие 4, все вынужденно извлеченные на свет из внутреннего опыта, — этим ведь уже можно было бы произвести эффект, ибо у многих людей наверняка развязались бы языки, и было бы высказано достаточно того, что люди не скоро забудут и что именно сейчас кажется забытым, как будто вовсе не существующим. И что могло бы помешать мне на моем пути? Даже враждебные противодействия теперь идут мне на пользу и к счастью, ибо они зачастую проясняют мне ситуацию быстрее, чем дружеское содействие: и я не желаю ничего больше, как быть просвещенным относительно всей в высшей степени запутанной системы антагонизмов, из которых состоит «современный мир». К счастью, я лишен всяких политических и социальных амбиций, так что мне нечего опасаться с этой стороны, никаких отвлечений, никакого принуждения к сделкам и оглядкам; короче говоря, я могу высказывать то, что думаю, и я хочу однажды испытать, до какой степени наши гордящиеся свободой мысли сограждане выносят свободные мысли. Я не требую от жизни слишком многого и ничего чрезмерного; зато всем нам в ближайшие годы предстоит пережить нечто такое, чему нам могут позавидовать все предки и потомки. Также я был одарен превосходными друзьями сверх всякой заслуги; теперь же я желаю себе, говоря доверительно, еще очень скоро хорошую жену, и тогда я буду считать свои жизненные желания исполненными — все остальное тогда будет зависеть от меня.

Теперь я достаточно наговорил о себе, глубокоуважаемая подруга, и еще вовсе не поведал, с каким сердечным участием я всегда думал о Вас и о Вашей тяжелой жизненной доле. Судите по тону безусловного доверия, в котором я говорю перед Вами о себе, как близко я всегда чувствовал себя к Вам и как сильно я желал бы иметь возможность хоть немного утешить и развлечь Вас. Но Вы, к сожалению, живете так ужасно далеко. Возможно, однако, я все же соберусь к следующей Пасхе навестить Вас в Италии, при условии, что буду знать, где Вас там найти. А пока мои самые искренние пожелания Вашего здоровья и прежняя просьба — оставаться ко мне благосклонной.

Преданно
Ваш
покорнейший слуга
Фридрих Ницше

Мне недавно исполнилось 30 лет.

Прилагаю фотографию моей сестры, которая больше не со мной.

399. An Gustav Krug in Düsseldorf

Basel den 31 October. <1874>

Удивительно сложилось, что мы с тобой, мой дорогой друг, в этом году совсем не виделись. Никак не удавалось; в конце концов, мне пришлось даже отлучиться из Базеля, и я получил твое письмо почти на восемь дней позже. Причем я был не в Германии; ведь там, право, я бы навестил тебя и от всего сердца был бы рад стать твоим первым гостем. Тем временем я отправил тебе свое последнее сочинение; но Бог весть, подходит ли оно к твоему нынешнему настроению. Думаю, нет; так что пусть просто полежит. Но разве не правда, ничто теперь между нами больше не складывается? — И все же я не знаю виноватых — разве что — Но нет, я не скажу больше ни слова.

А теперь скажи: сможешь ли ты устроить так, чтобы следующим летом мы были вместе в Байройте, точно с середины июля до середины августа? У меня там будет жилье вместе с сестрой; из моих друзей приедут Герсдорф, Роде и Овербек. Это будет время больших инструментальных репетиций. Лист тоже там, да и кто только не там. Кстати, партитура «Гибели богов», вероятно, будет готова в ближайшие недели; по последним сообщениям, бедная Гутруна уже причитает. Клиндворт работает над второй сценой третьего акта; первые два акта уже напечатаны, летом Клиндворт играл их мне, ведь я гостил у него в «Ванфриде» несколько недель.

Как же нам повезло, именно в пору нашей лучшей молодости, в 30 лет, ἀκμάζοντες, как говорят греки, пережить эти байройтские события! И ты еще к тому же вместе с любимой женой! Ты, как мне кажется, со всех сторон наилучшим образом устроился и подготовился к тем праздничным дням. «Счастливейшему — прекраснейшее!» — сказали бы опять же греки. ——

Я сам живу в борьбе, но все же, как ты, должно быть, заметил по моему гимну, отнюдь не в отчаянии и не подавлен; напротив, бодр и полон добрых намерений и надежд, как тот, кто твердо решил прожить еще 45 лет и не сдаваться.

При этом я помню о твоем приближающемся дне рождения, с которым я, вероятно, поздравляю тебя на этот раз первым. Я не скажу сейчас ничего, кроме этого: пусть все то, чего желает для тебя и ради твоего блага твоя жена, исполнится: тогда и твои старые друзья смогут радоваться за тебя и твое счастье.

Спасибо тебе, дорогой старый товарищ, за твое письмо, спасибо также за приветы от любезной спутницы.

И не забывай меня. А именно, ты замечаешь, что друзья всегда немного ревнуют к женщинам. — И по праву! — скажешь ты?

Прощай, мой дорогой друг.
Твой Фриц Ницше

400. An Emma Guerrieri-Gonzaga in Florenz

Basel Ende October 1874.

Дорогая подруга,

Вы, быть может, не знаете, что я предпринял попытку поприветствовать Вас в Штахельберге и что она не удалась. Я приехал в Гларус примерно в первых числах августа, телеграфировал владельцу отеля в Штахельберге, чтобы узнать, прибыли ли Вы туда, заказал немедленный ответ и ждал, ждал — до самого вечера, тщетно! — так что в конце концов я опечаленный и разочарованный уехал оттуда. Впоследствии мне пришло в голову, что, возможно, здесь была замешана неисправность телеграфной линии, ибо как раз тогда были сильные наводнения и грозы. Но тогда я предположил, что Вас, вероятно, задержали в Италии и я приехал слишком рано; я огорчался при мысли, что болезнь Вашего ребенка, возможно, задержала Вашу поездку. — Из Гларус я поехал прямо в Байройт, где провел остаток своих летних каникул.

Теперь я пишу Вам сегодня, чтобы порекомендовать Вам мое новейшее сочинение, ибо я очень желаю, чтобы Вы восприняли его как можно более лично, как если бы я сам рассказал Вам все, что в нем написано.

Затем я хочу лишь открыть, что я рассматриваю новую возможность нанести Вам визит. Я почти пообещал своей высокочтимой подруге фрейлейн фон Мейзенбуг нанести визит в ближайшее пасхальное время.

Будьте здоровы, уважаемая госпожа, и примите самые преданные приветы и пожелания

Вашего слуги
Фридрих Ницше
который совсем недавно стал 30-летним.

401. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> 3 Nov. 1874.

Моя дорогая Лизбет,

я сердечно благодарю тебя за твое письмо. — Итак, несколько сообщений. Во-первых: я уже полмесяца снова питаюсь в «Копфе» и чувствую себя до сих пор превосходно. Вообще, мой желудок уже много лет не был в таком хорошем состоянии, как сейчас. Во-вторых. Шмайцнер выкупил у Фрича первые две «Несвоевременные размышления». По секрету: книготорговый успех, который из этого вышел, до сих пор был плачевным: от первой продано около 500 экземпляров, от второй едва ли 200, и даже от «Рождения трагедии» должно остаться еще несколько сотен: только когда они будут проданы, выйдет второе издание. Во всем этом отчасти виновато неумелое ведение дел Фричем, по большей части, конечно, нечто иное. Впрочем, Фрич выплатил примерно половину причитающейся мне суммы; я заказал переплет большого количества книг, и так она скоро снова закончится.

С Герсдорфом мы провели удивительно счастливую и безмятежную неделю, он приехал 16 октября. Бедный Баумгартнер очень мучается на службе. У Овербека как раз сейчас выходит книга «Исследования по древней церковной истории». Недавно я был вечером у фрейлейн Кестнер, которой принес твою фотографию, вместе с забавной старой лифляндкой баронессой Гюльденштуббе, приехавшей из Египта. Два зимних концерта я уже выдержал, я все больше чахну для Базеля, как ты можешь себе представить. Большой курс лекций прикует меня этой зимой — испытание для моих глаз. Завтра ректорский праздник, с большим пиршеством. В городе много ярмарочного шума.

Лучшее еще приходит ко мне в виде писем. Например, из Байройта, от Роде и т. д. — К чему же была маленькая кисточка среди моих подарков на день рождения?

Здесь много фруктов и до сих пор есть виноград.

Невесту профессора фон дер Мюля я не знаю, говорят, все прошло совершенно по-базельски.

Скажи нашей дорогой матери что-нибудь приятное от меня и люби меня

Твой Фриц

402. An Marie Baumgartner in Lörrach

Basel Donnerstag. <12. November 1874>

Глубокоуважаемая госпожа

в следующую субботу после обеда мы, а именно профессор Овербек и я, позволим себе нанести Вам визит. Пользуясь этим случаем, я хотел бы сказать Вам, в какой высокой степени Вы удостоили меня чести и осчастливили своим письмом (первым, которое я получил по поводу моего последнего сочинения).

Последние известия, которые я получил от Адольфа, звучат весьма бодро и успокаивающе; у Вас, конечно, камень с души свалился, когда Вы узнали, что его здоровье больше не страдает.

С глубоким почтением Ваш
покорнейший слуга
д-р Фр. Ницше

403. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 15. November 1874>

Любезный друг, я настолько по уши погружен в зимний семестр, что на все хорошее вблизи и вдали могу лишь изредка поглядывать, то есть в нашем случае — писать совсем короткие письмеца, и, боюсь, даже нечасто. Во-первых, история литературы, затем риторика Аристотеля, все новое и трудное, потом семинар и школа, короче говоря, я разрезал день и неделю на часы и живу по этому расписанию с величайшей точностью, иначе ничего не выйдет. — С глазами, на удивление, дело обстоит лучше, чем я думал. Вообще, здоровье на подъеме. Зато этой зимой не будет новых «Несвоевременных размышлений», их нельзя вымучить.

Я доставил своей № 3 в Байройте невероятную радость, и вообще кажется, что она ходит по стране под счастливой звездой. Шмайцнер теперь также владелец «Христианства» Овербека и моих № 1 и 2. Их книготорговый успех, как выяснилось, был довольно плохим: от «Штраусиады» продано более 500 экземпляров, от «Истории» — не более 200. Какое будущее!

Ромундт теперь наконец подумывает о школьном учительстве с Пасхи; бедному другу будет тяжело уезжать, тяжело и приезжать. И все же мы считаем это сейчас необходимым во всяком отношении, чтобы он оставил академическое философствование; прежде всего потому, что он сам чувствует себя при этом плохо и часто бывает очень подавленным и нервным.

Причитающиеся деньги поступили, совершенно неожиданно, подобно подарку. Твоим же письмом ты меня совершенно растрогал, право, мои друзья слишком хорошо думают обо мне и слишком мало о себе, так оно и остается.

Завтра день рождения Овербека, ему исполняется 37 лет. Какая превосходная книга, я все пережевываю ее, и она мне неизменно нравится. В этой натуре есть упорная сила, о которой я самого высокого мнения; он самостоятелен, добр и прилежен, и у него хватает мужества быть всем этим из года в год. Тридцать<семь> лет! —

Баумгартнер, мой главный ученик, теперь гусар в Бонне и пишет так, что можно получить большое удовольствие.

Сегодня вечером я был четверть часа совершенно счастлив: я слушал «Римский карнавал» Берлиоза. Нам нужно только делать все наши дела как следует, тогда за всем этим потянется и такой шлейф счастья.

Герсдорф в Гогенхайме, мы провели вместе совершенно потрясающую, веселую и сытную неделю; каждое утро с 11 до 12 часов разговоры о женитьбе и тому подобном.

Прощай, мой дорогой добрый друг, мне всегда жаль, что в прошлый раз ты нашел базельское житье таким мрачным и туманным. Целыми месяцами все бывает иначе. Например, сейчас. Во всей преданности Твой

Любящий тебя друг Ф. Н.

404. An Carl von Gersdorff in Hohenheim

Basel den 16 Nov 1874.

Мой дорогой друг, из моего долгого молчания ты, вероятно, уже понял, что я обеими ногами погрузился в зимние семестровые невзгоды и что теперь мне приходится изо всех сил держаться на плаву. Порой теряешь слух и зрение, а значит, и всякое желание писать письма. Если когда-нибудь будешь писать в Байройт, скажи при случае, что у меня еще никогда не было такой трудовой зимы и что мне приходится с помощью расписания с 8 утра до 11 или 12 ночи пытаться все успеть: а именно 7 часов в университете, 6 педагогических, сплошь новые области (в том числе история греческой литературы, как ты знаешь). Дела идут сумасшедшим образом, но до сих пор я здоров и бодр, особенно радует, что желудок и глаза держатся вполне неплоно. О несвоевременных вещах долго не приходится и думать, служба уносит меня в другие стороны. Вздохи я приберегу на то время, когда у меня будет для них время.

Сегодня день рождения мужественного друга и брата Овербека; ему исполнилось 37 лет. — Как счастливы мы были все вместе, когда ты был здесь! Это была самая приятная неделя за весь год; я живу этими воспоминаниями и всякий раз смеюсь, когда они приходят на ум.

Прилагаю кое-что великолепное и невероятное из Байройта: кто порадуется этому так же, как ты?

Прими мою глубочайшую благодарность за твое письмо и просьбу не сердиться на нерадивость в переписке трудоголика. Прощай, старый добрый друг.

405. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel 3 Dez 1874.

Мои дорогие мать и сестра

здесь такая напряженная работа, что неделя бежит за неделей, и вдруг я замечаю, как давно я вам не писал. И правда, это самая тяжелая зима за долгое время, что касается тягот повседневного труда, и ее было бы не вынести, если бы она не была в остальном лучшей из тех, что я прожил за многие годы; ибо мое здоровье в хорошем состоянии.

На Рождество я все же, вероятно, приеду в Наумбург. Должно быть весело. Здесь я живу как крыса среди книг. Происходит мало событий, за что я благодарен небесам; ибо из многого большая часть не стоит многого.

Позавчера я танцевал с Хайнце у Иммерманов, он, Миасковские и мы.

Кроме писем, я ничего не могу сообщить. Я никого не вижу, и меня тоже не приглашают. То есть, все же пригласили, в следующее воскресенье к старому Герлаху.

Писем я тоже не получаю, меня оставляют в покое, и это хорошо. Фрейлейн фон Мейзенбуг, конечно, писала из Рима, также Баумгартнер из Бонна. В Лёррахе я был дважды этой зимой, это хорошая и заботливая женщина, и она очень благодарна мне, эта фрау Баумгартнер, и сейчас она переводит мое третье «Несвоевременное размышление» на французский, я думаю, получится что-то очень хорошее, ибо она знает о стиле больше, чем я.

У меня впереди 50 лет прекрасной работы — а теперь я должен тянуть лямку, как лошадь, и едва могу смотреть ни направо, ни налево. Ах!

(Вздох!)

Зима в целом наступила суровая, но со вчерашнего дня повсюду свинская грязь.

На Рождество, по всей вероятности, будет холодно.

Вам удобно, что я приеду? — Я так радуюсь этому, побыть хоть раз среди вас и оставить эту проклятую университетскую суету на 10 дней позади. Подарите мне на Рождество маленький загородный дом, где я мог бы спокойно провести остаток своей жизни и писать прекрасные книги — ах! (Вздох!)

С сердечным приветом
Ваш Фриц.

406. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 13. Dezember 1874>Sonntag.

Мои дорогие мама и сестра

так как я не получаю ответа на свое последнее письмо, я почти полагаю, что оно вовсе не дошло; в рождественское время это не редкость. Или, если оно дошло, то вы, возможно, удивились, что я все-таки собираюсь приехать на Рождество, может быть, вам сейчас это не подходит, и вы приняли какие-то другие решения. Короче говоря, просто скажите мне, если в этот раз мой приезд некстати. Не стесняйтесь написать мне простое «нет!». Но, пожалуйста, напишите поскорее.

Вчера вечером я был у Зиберов; у них все довольно хорошо, все были в хорошем настроении, передают тебе привет, дорогая Лизбет.

Печальные новости! Крупное банкротство Буркхардт-Шрикеля. Также Хойслера и комп. (ты помнишь их по «Трем королям»), затем также Бишофа. У всех производителей шелка дела идут плохо.

Сегодня в полдень я с Овербеком у Бахофенов.

Вчера Роде прислал ящичек с кильскими шпротами.

Скажите же мне, что еще я мог бы привезти вам из Базеля.

Я бы прибыл в Наумбург в среду после обеда перед праздником — если это вообще возможно.

А теперь простите за спешность моего письма и примите сердечные приветы

от вашего Фрица.

О смерти и похоронах старого господина Райша вам, должно быть, сообщили. — Многие приветы от Бетели Буркхардт.

407. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 18. Dezember 1874>Freitag.

Мои дорогие, ну правда, я приеду, и, конечно, только в среду после обеда: так как у меня здесь во вторник еще два часа занятий.

Я желаю вам и себе очень спокойного и приятного Рождества.

Если бы только эта отвратительная ночная поездка была уже позади! Я ее ужасно боюсь.

Погода здесь очень хорошая.

До свидания!
Сердечно приветствую, ваш Ф.

408. An Carl Fuchs in Berlin

<Basel,> 21 Dez. 1874.

Вы с трудом можете себе представить, как сильно вы обрадовали меня своими последними сообщениями. Право, прежде я думал о вас с мрачным унынием и опасался худшего, не чувствуя в себе сил что-либо изменить. Бог знает, как перед лицом самой природы я всегда становлюсь фаталистом, и стал им в отношении вас, втайне говоря себе: «тут уже ничем не помочь». Плохо! Плохо! Как раз там, где можно было бы помочь, это не имеет смысла. Теперь вы сами говорите, что пережили опасный кризис; я представляю его себе как своего рода моральную родильную горячку, которая обычно наступает, когда человек совершил что-то стоящее, честно преодолел себя, а потом еще больше надломился и некоторое время остается прикованным к постели; в этой слабости легко потянуться к ложному и вызвать страх и тревогу. В главных вещах человек должен сохранять чистоту — это мое молчаливое требование к каждому, в то время как в мелочах я довольно терпим, даже ленив и небрежен, как к себе, так и к другим. Вы, конечно, простите меня, если я скажу вам: в конце этого лета меня охватила дрожь и сомнения; на расстоянии такие вещи нелегко исправить, а откровенные письма порой делают всё только хуже. Короче говоря, я решил немного подождать, а именно — подождать действий и фактов.

Об этом я теперь узнаю достаточно из вашего последнего письма, и всё это вещи самого утешительного и искупающего свойства. Теперь вы открыли тот маленький городок, где можете вырасти в музыкального господина и главу, где возможно сеять и пожинать, и где «злой враг» не портит вам посевы и не отнимает радость труда. Кто бы не хотел давно помочь вам в этом! Но это было бы бесполезно, если бы вы сами не помогли себе и не настроились — вниз или вверх — на такое понимание вещей. (К слову: когда вы сообщили мне о деле в Майнце и представили documentum illustre, я в ближайшие четверть часа написал об этом в Байройт и поинтересовался, можно ли что-то сделать, отправил также и сам документ, но сразу почувствовал, что в этом деле и при таком подходе удачи не будет, и её не было). Ваши приключения в артистических поездках, ваша артистическая месть бреславцам и вообще всё, что вы сообщаете, и то, как вы это сообщаете, имеет в себе нечто от свободы и избавления, чему я постоянно радуюсь; так могли помочь себе только вы сами. Мой друг Герсдорф слушал вас в Бунцлау, прислал программу и писал, что был воодушевлен и тронут, особенно вашим исполнением Баха.

Когда вы прочтете конкурсное сочинение о «Кольце нибелунга», вы заметите, что у него никто ничего не отнимает; в то время как вы, вероятно, уже знаете, что никто не может отнять у вас то, что действительно является вашим и что можете только вы. Приедете ли вы следующим летом (1875) в Байройт, на репетиции? Я буду там с середины июля до середины августа. Постарайтесь непременно приехать. Я считаю, что там нужно быть, иначе никакого «нужно» больше не существует.

А теперь сердечного вам прощания и доброго пути, всего самого лучшего и верного — верному.

Ваш преданнейший
Фр. Ницше.

также от имени Овербека, который уже уехал на каникулы.

409. An Theodor Opitz in Liestal

Basel den 21 Dezember 1874.

Уже во второй раз я получаю от Вас, глубокоуважаемый господин, знак симпатического согласия. Если я попытаюсь поблагодарить Вас за это, то Вы должны позволить мне сделать это по-своему, я имею в виду здесь, в весьма скромно-высокомерной манере. Я отвлекаюсь от личного характера таких встреч и забываю, что Вы хвалили и чествовали меня, но думаю, что Вы и я в чем-то очень существенном единодушны и что мы оба правы. Ведь именно в этом всё дело: действительно мочь верить, что ты более прав со своими несвоевременными мнениями, чем всё время со своими своевременными: в этом заключается то высокомерие, о котором я говорил, но в этом же и скромность. Ибо нет никакой заслуги в том, чтобы сказать о зеленой двери, что она зеленая, а об истине, что она истинна. Мы ведь делаем этим лишь неизбежное и избавляем камни от труда, которые, если бы мы молчали, должны были бы кричать. Ибо сказать что-то о Шопенгауэре было уже почти поздно: мне кажется, здесь уже кричали камни.

С искренней благодарностью
Ваш
преданнейший
Фридрих Ницше.

410. An Erwin Rohde in Kiel

den 21 Dez. 1874. Basel.

Завтра, мой любезнейший друг, предстоит путь домой, а еще чертовски много нужно обдумать, купить, даже дать еще несколько уроков, потом мне нужно сочинить еще несколько красивых стишков, чтобы вписать их в красиво переплетенные книги, и только что у меня был мой превосходный ученик, друг и синий гусар Адольф Баумгартнер, который явился ко мне с целым рождественским подарком и сам был подарком; даже еще один поэт объявился сегодня вечером, г-н Теодор Опиц, переводчик Петёфи; он прислал стихотворение под заголовком «Шопенгауэр как воспитатель». Овербек уже улетел на каникулы и еще на вокзале поручил мне «передать» тебе его рождественские и новогодние пожелания (как любил выражаться ныне покойный Тишендорф). Ромундт, несчастный, остается позади, как птица на своем насесте: но на Пасху с его академической Nonsinecura будет покончено, тогда он отправится в путь; здесь ничто не благоприятствует ему. Д-р Фукс — хороший пример, он основал себе новый дом в Гиршберге в Силезии, он написал после долгой, несколько тяжелой паузы позавчера впервые снова, хорошо и свободно, полностью переубедив и расположив меня к себе. Вагнер 21 ноября закончил партитуру «Нибелунгов» — Laus Deo! Круг и Пиндер приезжают со своими женушками в Наумбург, Герсдорф тоже едет домой и, возможно, к графам Эйнзиделям, по любовным делам (m<ezza> v<oce>, да даже pp. в самом нежном decrescendo); я сам собираю свои ноты, чтобы в эти восстанавливающие силы каникулы еще раз отпраздновать все музыкальное жертвенное пиршество моего детства и юности и кодифицировать его путем переписывания: в чем мне должен помочь однорукий звонарь на башне Наумбургского собора. Гимн теперь будет переписан еще раз, для 2 рук, но для чуточку больших рук. С моей лекцией о греческой литературе я счастливо дошел до Трифиодора, вернее, застрял на нем, хочу сказать, я отбарабанил эпос, прости мне эту противоречащую падежам ярость при этом воспоминании — я надеюсь через три семестра закончить свой «Очерк», но это скорее καλὴ ἐλπίς.

Во все это движение и эти влажные крылья упал ящичек кильских шпрот, я не хочу сказать, как молния при ясном небе, но скорее как дождь на сухую землю, когда ручьи малы и только еще ползут (ты видишь, я перенял от эпоса ужасное, но сквозное свойство неуместных сравнений). Короче, они были превосходны на вкус, мы все свидетельствуем об этом; относительно авторства я немедленно сочинил следующее эпиграмматическое стихотворение

Этот шпрот

Не от Бога,

думаю, он от Ротта.

Только что смотрю на часы, содрогаюсь, уже почти час (ночи!), долг и постель зовут, и так у меня остается только чернильница, полная пера — наоборот! — чтобы сказать тебе, что я сейчас и в грядущие годы хочу быть и оставаться твоим верным другом и братом.

Спокойной ночи.
Твой
Фридерикус.

411. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Naumburg den 24 Dez. 1874.

Мой дорогой верный друг, я сижу здесь, в Наумбурге, в самом что ни на есть домашнем настроении; вчера я приехал, спал хорошо, а сегодня утром должен был вспомнить о тебе и о фрау Вагнер. В последние недели была такая большая спешка, что я не мог писать письма, но со здоровьем дело обстояло еще терпимо, и я верю, что так будет и впредь. Историю греческого эпоса я в своем курсе лекций к настоящему моменту закончил, но так как должна быть охвачена вся литература греков, этот курс, вероятно, растянется на 3 семестра. Эти каникулы я хочу провести, не касаясь никакой литературы, но собрал вокруг себя все свои юношеские сочинения; из них должно быть что-то сварено, «по чему можно узнать весну», я имею в виду для воспоминаний, для старости. Многое прошло через мою голову за последние месяцы, и я неоднократно был «несовременно» оплодотворен, но когда я снова найду время? Quaeritur. В день моего отъезда из Базеля появилось стихотворение, написанное переводчиком Петефи Т. Опицем; я приложу его при случае. Выраженное в нем воздействие, по-видимому, на этот раз проявилось у всех моих постоянных читателей (только фрау Геррье на этот раз оказалась «подавленной», испуганной величиной задачи, по-женски жеманной!); старый президент Турнейзен написал мне очень хорошо, а о том, что фрау Баумгартнер усердно и счастливо переводит его (до сих пор до 5-й главы), я тебе, вероятно, рассказывал; у нее много практики и вкуса, но при многих ее языковых замечаниях я все же благодарю небо за то, что я немец, я не хотел бы иметь ничего общего с таким изношенным языком, как французский. Наш дорогой юный друг Баумгартнер позавчера проводил меня на вокзал при отъезде, причем облаченный в парадный блеск синего гусара; он выглядит здоровым и более дородным, чем раньше, и действительно очень хорошо устроен в своем эскадроне; офицер, который обучает его и других добровольцев, — принц Лёвенштейн, его высший начальник — правящий князь Рейсс. Баумгартнер шлет тебе свои наилучшие пожелания, твой родственник Гр<аф> Роткирх находится в другом эскадроне. С доктором Фуксом снова наступили мир и дружба, моральная родильная горячка преодолена; представь себе, что он основал себе новый дом в Гиршберге (Силезия); он пишет бодро, весело и спокойно, а также очень благодарен — за что, собственно? Я сердечно радуюсь этому опыту. — Роде отправил кильские шпроты в Базель и очень хорошее письмо, он продолжает лепить свой «роман», который становится все толще, как снеговик; писал также кое-что об эротике и хочет заметить, что он «слишком стар, или слишком глуп, или слишком заучился, чтобы подобное могло надолго или хотя бы преимущественно и в частности приковать его мысли». — Овербек в Дрездене, Ромундт (чей день рождения 27 декабря) в Базеле, последний теперь окончательно поставил свои университетские дела на ничто, я хочу сказать, он уходит на Пасху и уезжает — и куда? Мы еще не знаем, должна получиться достойная преподавательская должность, поистине необходимо, чтобы он притормозил свое проклятое философствование, он стал совсем вялым от этого и становится таким с каждым днем, как он сам чувствует, и мы чувствуем вместе с ним. — За твое последнее письмо и сообщение о байрейтском письме сердечное спасибо; мы все должны благодарить небо, преисподнюю и где еще обитают боги, что работа над «Нибелунгами» завершена. Отличному Рау желаю быть рекомендованным и оставаться таковым, это хороший человек, и приятно слышать, как он исправно продвигает свои дела, это стоит и подражания. Круг и Пиндер, кстати, в эти дни представят мне своих женушек, все приезжают к Рождеству.

Ну, мой сердечно любимый друг, ты знаешь, что мы не будем жаловаться и проклинать день твоего рождения; как бы ни была человеческая доля в целом, безусловно, достойной жалости, возможно, достойной проклятий — но хорошие друзья — это очень достойное внимания изобретение, ради которого человеческую долю следует восхвалять. До сих пор это был единственный способ, которым мы с нашим лучшим «я» действовали дальше и жили дальше, за пределами индивидуума; при случае мы должны также исполнить наш другой долг и позаботиться о сильном, духовно и физически равном потомстве. Но что бы ни случилось, гимн дружбе должен звучать всегда; и при этом я всегда буду вспоминать о тебе с похвалой и благодарностью, мой дорогой верный Герсдорф!

Кланяйся от меня своим почтенным родителям, и будь сам сердечно приветствуем от моей матери и сестры.

А теперь смело в новый год.

Твой
Фридрих Ницше.

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