1873 (55 Briefe)

287. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Naumburg (oder Basel), erste Januarhälfte 1873>

Können Sie dies, geehrtester Herr, für Ihre Rubrik „musikalische Kannegießerei“ gebrauchen?

Mit den besten
Grüßen
der Ihrige
F. N.

288. An Erwin Rohde in Hamburg

Naumburg. 4 Jan. 1873

Herzlichen Dank, geliebter Freund, für Deinen weihnachtlich vergnügten Gruß und Brief. Inzwischen wirst Du wohl mein Photogramm bekommen haben: heute will ich, als am letzten Naumburger Ferientage, nur ein Wörtchen schreiben, denn heute Abend fahre ich schon wieder retrorsum. Oft ist Deiner gedacht worden, von Gustav und mir, wenn je musicirt wurde, und noch öfter bei mir zu Hause. Ich habe an Frau Wagner ein dickliches Manuscript geschickt mit folgendem Titel: Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen (und nicht zu schreibenden) Büchern. 1. Über das Pathos der Wahrheit. 2. Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. 3. Der griechische Staat. 4. Über das Verhältniss der Schopenhauerischen Philosophie zu einer deutschen Cultur. 5. Der Wettkampf. Davon kennst Du höchstens Nr. 3; alles Andre ist ganz neu.

W<agner> lud mich zum Neujahrstag ein, zur Geburtstagsfeier von Frau Cosima; ich konnte nicht kommen. Im Januar denke ich wirst Du Beide in Hamburg zum großen Concert begrüßen und wahrsch<einlich> während dieser Zeit der cavaliere von Fr<au> W<agner> sein.

Am zweiten Feiertag war ich in Weimar, um den Lohengrin zu hören: ich hatte dem Intendanten telegraphirt daß ich ihn noch nie gehört habe und war in seiner Loge. Auch in Leipzig war ich einen Nachmittag: mein Verleger hatte brieflich die Erlaubniß zur zweiten Auflage eingeholt und ich gab mündlich die vergnügte Zustimmung. Nun bitte ich Dich mir unumwundenst zu sagen, was Du etwa an Worten verändert und vertauscht wünschest. Du bist der beste Kenner und Beurtheiler des Buches, auch seines Details, bitte sage mir, was Du meinst. Ich schicke ein Blatt mit, worauf ich notirt habe, was mir aufgefallen ist. Was denkst Du zur Einführung der griechischen Endungen Dionysos? Mit Ritschl war ich auch zusammen, er hat mir über die Kieler Professur alles Einzelnste mitgetheilt: er meint, daß Schöll nicht annehmen werde. Von Dir meinte er, es könne Dir nicht fehlen, einmal eine gute ordentl. Stellung zu bekommen, auch seist Du schon mehrfach genannt worden, bei anderen Gelegenheiten. Von Freiburg schwieg er. Übrigens weiß ich, daß die Freiburger unglücklich über ihren absoluten Fehlgriff (Keller) sind. — Von mir wußte Ritschl manches Unangenehme zu vermelden zB. daß ich ein schlechter Dozent sein solle (er drückte es nicht so stark aus, aber er meinte es) Ich habe ihn gebeten mir dies schriftlich zu geben und werde Dir das Documentum zuschicken. Ich sei nicht populär genug etc. Da nun die augenblickliche Zahl von 2 Zuhörern dafür spricht, und alle Welt aus meinem Buche sich eine verrückte Vorstellung über meinen Vortrag macht, so begreife ich, bei der herrschenden Mißgunst gegen mich, jenes Urtheil — an das aber jetzt, mit Schlauheit, meine akademische Unmöglichkeit und Unbeförderbarkeit angeknüpft werden wird. Übrigens glaube ich, ohne alle Bescheidenheit, daß ich ein ganz leidlicher Dozent bin, und auch in Basel glaubt man dies. —

Lebewohl mein lieber Freund und lebe immer besser im neuen Jahre. Sei überzeugt von meinem guten Muthe und daß wir endlich triumphiren werden. Amen.

F. N.

289. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 6. Januar 1873>

Seht Ihr’s, ich bin gut hier wieder angekommen und melde Euch dies auf diesem zierlichen Bögelchen. Nachtreise ziemlich verschlafen: in Basel gut geschmuggelt. Am Naumburger Bahnhof war wirklich Gustav Krug, um mir das Geleit zu geben — höchst freundschaftige Bemühung um mitternächtige Stunde!

Bin nun wieder in aller Arbeit darin und fand gute Briefe vor. Erstens eine Neujahrsgratulation von St. Gotthard in Luzern. Dann ein Schreiben von Seiten des „allgemeinen deutschen Musikvereins“, der mich zum Preisrichter für eine ausgeschriebene Preisarbeit ernennt und mich einladet einen dritten Preisrichter vorzuschlagen, der Germanist sein muß. Wir werden also unser drei sein — außer mir Geh. Rath Müller in Gotha und der Germanist (ich werde wohl Heyne vorschlagen.)

Dann fand ich wieder so eine französische Balleinladung vor, von Ringwald’s, für den 16ten Januar.

Endlich ein höchst befriedigter, obschon mich nicht befriedigender Brief von Deussen aus seiner fürstlichen Üppigkeit heraus.

Gersdorff wird nun auch von mir erwartet. —

Minna läßt schönstens danken. Sie hat mir gesagt daß ein neuer Bettüberzug ein sehr wünschbarer Zuwachs meiner Wäsche sein würde, da die alten eben alt sind.

Der Teppich, auf den der Steuerbeamte sich schnell stürzte, um sich eben so schnell zurückzuziehen, soll morgen ausgebreitet werden.

Overbeck und Romundt und ich haben Sonntag Abend nach meiner Ankunft zusammen gespeist. Der Theekasten prangt und die neuen Hemden sind in die Wäsche.

Mein Brief ist wie der Brief einer Köchin. Mein drittes Wort ist Wäsche oder etwas zu Verschmausendes. Die Wurst ist angeschnitten, wie es die Stolle war, und die Homeriden auf Chios, von denen der alte General sprach, gratuliren mir zum Neujahr. „Wundeerschön“ ausgedrückt!

Nun seid herzlich gegrüßt und habt allen den Dank, den ich Euch für diese vortrefflichen Weihnachtstage schulde.

Von Herzen
Euer F.

289a. An Charlotte Kestner in Basel.

<Basel, 20. Januar 1873>

Verehrtes Fräulein

es geht, wie ich Ihnen mit herzlichem Dank für Ihre Frage melden muss, besser, wenn auch nicht so gut als es bei schönem Wetter gehen würde. Ein tüchtige, aber ganz trivial-gemeine Erkältung sitzt in meinen Gliedern und weicht langweilig langsam, auch den Kopf umschleiernd und mich zur Unthätigkeit verurtheilend.

Kann ich erst wieder in’s Freie, so springe ich auch zu Ihnen, um Ihnen wieder die Verehrung zu bezeugen, die, gesund oder krank, für Sie empfindet.

Ihr
ergebenster Diener
Friedrich Nietzsche

290. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 27. Januar 1873>Montag.

Meine liebe Mutter und Schwester

ich schwieg so lange als ich schweigen mußte, denn ich war nicht wohl und lag, in Folge einer Erkältung, zu Bette. Nun geht es so matt hin, in’s Freie darf ich heute noch nicht, denn es ist stürmisch-regnerisch, obschon lauwarm. Ich weiß gar nicht mehr, was ich essen soll, denn zu nichts habe ich Appetit. Und der Husten ist noch immer heftig, doch gelöster. Immermann erscheint täglich, als getreuer Freund und Arzt. Eben nehme ich mir vor einen ganzen Ballen von Briefen zu beantworten: als da sind: Einladungen (zu Vischer-Sarasin, Turneysen-Merian, J. J. Merian, dann zu einem großen Balle bei La Roche Burkhardts, die Du kennst, liebe Lisbeth; Ringwald’s, beiläufig, ist Dalbe). Dann Erkundigungen nach meinem Befinden: Frl. Kestner. Dann lange Freundesbriefe: Deussen (aus üppigen Verhältnissen heraus, ist zufrieden, doch brieflich der Narr wie früher), Frl. von Meysenbug, rührender Neujahrsbrief, Rohde, dann Dr Fuchs (Brief von 20 ganz großen Seiten „die Naumburger Stunden gestalten sich in der Erinnerung wie ein liebliches Mährchen“) Dann offizieller Briefverkehr: Prof. Riedel in Leipzig, Preisfragen-Einzelheiten. Es schwindelt mir! Dann Prof. Giliéron, der hier Doktor werden will und mir ein Manuscript von 160 lateinisch geschrieben Bogenseiten eingeschickt hat!

Ich hatte den Besuch des ausgezeichneten Gersdorff, zu aller meiner hiesigen Freunde Frohgenuß, von Freitag bis Montag. Viel Gutes besprochen. Er mußte dann über den Splügen reisen und wird wohl in Florenz eingetroffen sein.

Am Abende seiner telegraphisch angekündigten Ankunft (Donnerstag) konnte ich ihn nicht empfangen, denn ich war im blauen Hause, das in allem Glanze des Patriziers strahlte.

Nun Ihr habt einen schönen Verlobungsjubel angestimmt. Wer sind denn eigentlich die zunächst Betroffenen? (Ich meine Ent-Erb-Onkelten?)

Meine Stube bekommt jetzt von Allen, die sie sehn, das Prädikat, daß sie sehr traulich und behaglich aussehe.

Nun verzeiht, wenn ich heute schon schließe. Ich bin so matt.

Eurer herzlich gedenkend
der alte F N.

Anbei das Pindersche Hemd.

291. An Carl Riedel in Leipzig (Entwurf)

<Basel, nach dem 27. Januar 1873>

Ich habe über verschiedene Schwierigkeiten bei unserem Unternehmen nachzudenken Zeit gehabt, denn ich lag mehrere Tage krank zu Bette, und beeile mich heute, in Antwort auf Ihren geehrten letzten Brief Ihnen meine Ansichten zu geneigter Prüfung vorzulegen. Mit dem dritten Preisrichter wollen wir doch ja recht streng und vorsichtig sein: Simrock bekommen Sie schwerlich, er ist steinalt. Ich bin entschieden eingenommen (wie ich Ihnen auf das offenste erkläre, lieber Herr Prof) gegen Dr Fr. Stade als Preisrichter: ich sage dies Ihnen privatissime, aber muß es sagen. Sie wissen daß ich ihn als Menschen gern mag. Aber seine neuere Schriftstellerei ist höchst bedenklich, und hat so vielfachen Anstoß (selbst zu ausgelassenem Gelächter) gegeben, daß wir unserer Sache nicht dienen, wenn wir gerade ihn mit hinzuziehen. Wollen Sie meinerseits einen Vorschlag gütigst hören, so würde ich Herrn Hans von Bülow nennen, von dessen unbedingt gültigem Urtheil, von dessen kritischer Strenge ich die allergünstigste Meinung und Erfahrung habe. Es kommt sehr darauf an daß wir einen recht klingenden ebenso anspornenden als abschreckenden Namen finden — und das ist der Name Bülows.

Sind wir darin einer Ansicht? —

Nun kommt das Wichtigere: Lieber Herr Prof. ich finde die Preissumme äußerst gering und in Anbetracht des überaus wichtigen Themas und Anlasses weit zu gering. Wir müssen es durchaus wenigstens mit den Preissummen einer deutschen Akademie aufnehmen können, dies allein scheint mir eines so großen Vereines und eines so einzigen Anlasses würdig. Andrerseits betrachte ich jede größere Geldausgabe von unserer Seite, so lange es mit der pekuniären Unterstützung von Bayreuth so schlecht steht, als eine strafwürdige Verschwendung, so edel sonst die Zwecke sein mögen.

Beide Sorgen und Beängstigungen haben in mir folgenden Gedanken geweckt, den ich Ihnen recht herzlich zur Erwägung anempfehle.

Der Verein verspricht als Preis einen ganzen Patronatsschein. Die Mittel dafür bringen wir auf folgende Weise auf. Hundert Thaler sind also bereit, dann verkaufen wir die gekrönte Preisschrift an einen tüchtigen Verleger etwa zu hundert Thalern (etwa 8 Bogen, Auflage 1000, also c. 13 Thaler für den Bogen, mäßig und anständig bezahlt — das können wir, für eine gute Schrift immer bekommen.) So haben wir 200 Thaler: 50 Thl. will ich persönlich noch hinzulegen, in dem Falle daß sich noch einer findet, der 30 Thl. schenkt. (Vielleicht der Verein selbst?) Der Wettbewerb um einen ganzen Patronatsschein wird, das kann ich Sie versichern, ein sehr lebhafter sein. Wir müssen durchaus an die allerbesten Kräfte unter den deutschen Schriftstellern appelliren, und bedenken daß wir eine große öffentliche Verantwortung haben. Ich will sagen, es muß bei dieser ganzen Preisangelegenheit, durchaus vornehm und würdig zugehn.

292. An Carl Fuchs in Berlin

Basel, 29. Jan. 1873.

Lieber Herr Doktor,

ich war krank und lag zu Bett. Auch jetzt bin ich noch nicht wohl. Machen Sie mir also keine Vorwürfe, wenn ich heute Ihre guten Briefe mit einem Billet beantworte.

Den Brief an R<ichard> W<agner> nebst den Beilagen unter Kreuzband schicken Sie doch sofort an W.s Adresse, die ich nicht weiß. (Ich wußte die ganze Zeit nicht, wo er war).

Im Briefe ist fast nur von Ihnen die Rede: warten wir den Erfolg ab. —

Bald hören Sie mehr von mir: inzwischen schönsten Dank und gute Wünsche!

Treulich der Ihrige
Fr. Nietzsche.

293. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Basel, 31. Januar 1873>Freitag.

Meine liebe Mutter

schnell will ich Dir einen Geburtstagsbrief abfassen, damit Du ihn übermorgen früh in Händen hast und nicht zu warten hast auf die guten Wünsche, die ich Dir aus der Ferne, mit herzlicher Theilnahme zusende. Ich wünschte etwas gesunder zu sein, um frohmüthiger gratuliren zu können: denn ob ich schon diese Woche alle meine Berufsgeschäfte erfüllt habe, ist es doch mit dem krippenartigen Zustand nicht besser geworden, zumal wir jetzt Kälte, Ostwind und Schneefall haben. Fataler Schnupfen und Husten und Mattigkeit, in summa etwas höchst Triviales, doch gerade genug, um das Gefühl hervorzubringen, daß man krank sei. Dieses Gefühl möge Dir im neuen Jahre möglichst erspart bleiben und die bekannte Rüstigkeit möge Dir und uns zu Nutze kommen. Das neue Jahr wird hoffentlich für uns zusammen auch wieder so vergnügte und behagliche Tage in Bereitschaft haben, wie wir sie letztes Weihnachten zusammen verlebten. Es ist noch gar nicht so lange her daß wir zusammen saßen, und das inzwischen verlebte Zeitstück ist nicht der Rede werth und hat wenig für sich, wenigstens was mich betrifft. Lisbeth wird Dir aber berichtet haben, daß man mich zum Preisrichter gemacht hat: die zwei anderen sind Prof. Simrock in Bonn und Prof. Heyne hier. Der Preis beträgt 300 Thaler. Gersdorff schrieb eben aus Florenz, sehr bezaubert: er wohnt herrlich, so nahe den Gallerien daß er keinen Regenschirm braucht und ist alle Abend bei Frl. von Meysenbug. Apropos: wo bleibt denn mein Bild, das ja der Photograph (Schulz) Henning längst fertig haben muß! Sobald Du ein Exemplar hast — sechs sind bestellt, so sende es eiligst nach Leipzig unter dieser Adresse:

Hr. stud. philol. Götz

Leipzig

Markt 3,

III

im Hofe.

Mir selbst sende ein Paar! der Photographien. Die übrigen 3 stehen zu Eurer Disposition für Verwandte. —

Die Correkturen für die zweite Auflage sind fertig, und das Exemplar schon in Leipzig. Rohde war jetzt in Hamburg mit Wagners zusammen; nach einem großen Concert telegraphirten sie mir. Fuchs hat wieder geschrieben und ich habe geantwortet. Ich will sehen ob ich ihm eine Zusammenkunft mit W<agner> verschaffen kann, ich habe gethan, was ich konnte. Er wollte auch hier ein paar Concerte geben: das steht nicht in meiner Macht.

Verschiedne Einladungen, die ich bekam, habe ich ausschlagen müssen: innerhalb der letzten drei Wochen war ich zu nichts derart zu gebrauchen. Dem alten Vischer geht es besser, und er thut alle seine Geschäfte wieder. Romundt ist wie immer vergnügt und mit Eifer hinter seinen Studenten und Vorlesungen her. Mit Overbeck lebe ich in gewohnter angenehmer und beiderseits ersprießlicher Weise: wir alle drei wünschen sehr daß keine Störenfriede dazwischen kommen. Rohde schreibt auch über den guten Brockhaus in Kiel, er mag ihn nicht. In Leipzig ist immer noch großer Zorn auf mich: Frau W<agner> hat mit dem alten Brockhaus ein ganz heftiges Gefecht über mich gehabt, in dem unbegreifliche Dinge zu Tage gekommen sind. Siehst Du, so lebt unsereins: wenn er nicht ein paar Freunde hätte, man wäre gleich preisgegeben und zu Boden getreten. So aber geht es mit Tapferkeit vorwärts. Wäre ich nur etwas wohler, und das Wetter reiner! Nun ich hoffe auf Lichtmeß: sorge nur schönstens dafür daß der Himmel ein freundlich Gesicht macht: wie wir es, Dir zu Ehren, alle machen werden. Dein getreuer Sohn Fritz.

Ich danke der lieben Elisabeth herzlich für Brief und gute Wünsche und hoffe daß sie in meinem Namen ein kleines Geburtstagsgeschenk nach Verabredung überreicht. Nimm fürlieb! —

294. An Erwin Rohde in Kiel

Basel. 31 Jan. 73

Herzlich geliebter Freund

ich war krank und lag zu Bett, als Dein erster Brief kam, und bin noch nicht wohl, jetzt wie Dein zweiter Brief eintrifft. Das ist schön, daß Du Dich durch mein Stillschweigen nicht hast abschrecken lassen. Ich habe mit größtem Dank Deine reichliche Blüthenlese aus der ersten Auflage angenommen und ausnahmelos benutzt: möge ich es Dir in allem Recht gemacht haben. Eine kleine Umgestaltung der ersten drei Seiten war alles Umfänglichere, zu dem ich mich, bei der Correktur, verstehen konnte: sonst habe ich mancherlei in einzelnen Worten noch nachgebessert. Keine neue Vorrede, sondern alles, wie es war. — Inzwischen bin ich Preisrichter geworden: der allg. deutsche Musikverein hat einen Preis von 300 Thl. auf eine 5 Bogen Schrift populärer Natur über Wagner’s Nibelungendichtung ausgesetzt: Prof. Heyne Prof. Simrock und ich sind die Richter, ersterer auf meinen Vorschlag. Das ist doch ein anständiges Collegium. Den Preis habe ich, von ursprünglich 100 Thl. auf 300 emporgeschraubt und freue mich des gelungenen Werkes. — Ich denke über Organisation eines schweizerischen Wagnervereins nach. Beiläufig: liest Du das musikal. Wochenblatt? Von Wagner waren herrliche Reiseberichte darin: von mir ein furioser Angriff auf Alfred Dove. Kannst Du nicht in irgend einer Ostern-Mußezeit, einen kleinen Aufsatz für dies Wochenblatt machen, ich meine von unserem Laienstandpunkte aus: etwas über unsre Bayreuther Hoffnungen, etwa anknüpfend an unsre dort verlebten Pfingsttage. Es ist das einzige Blatt, wo wir von der Leber und zu den Unserigen reden können. Gestern schrieb der Italiener Gersdorff, Florenz-berauscht. Du kommst auch im Briefe vor, folgendermaßen: „Rohdes Stellung und unsre Wünsche für ihn habe ich mit Frl von M<eysenbug> besprochen und unseren Freund ihrer Fürsorge empfohlen. Wenn sie Gelegenheit findet ihn allein zu sehen, so wird sie Herrn Villari die Sache vortragen. Dieser ausgezeichnete Mensch, den ich neulich kennen lernte, wird sicherlich alles thun, was in seiner Kraft steht. Er hat sehr großen Einfluß; aber freilich auch die Feinde, die Pfaffen und Jesuiten, sind mächtig und rühren sich wie die Maulwürfe“

Meine Bildungsvorträge übersetzt Fr. v M<eysenbug> in’s Italiänische und wird sie dann in italiänischen Zeitschriften erscheinen lassen: sie werden noch naiver klingen, es ist himmlisch. — Ich bin sehr vergnügt daß Frau Wagner einige Freude an meinen „Vorreden“ hat. Du kennst sie nicht? Ein Hauptstück ist drin, das erste „über das Pathos der Wahrheit.“

Ich klage eigentlich gar nicht mehr, außer wenn ich an Dich denke, mein geliebter Freund. Warum mußt Du dort oben wie ein Eisbär einsam hausen? Was macht denn die Universitätsgeschichte? Noch nicht fertig? — In Freiburg empfindet man, nach neuen Berichten, sehr stark die Dummheit, die man mit Keller begangen hat.

Eine kleine höchst auffallende Schrift, die 50 Dinge falsch, aber 50 Dinge wahr und richtig sagt, also eine sehr gute Schrift — versäume nicht zu lesen: der Titel würde unsereinen nicht anziehn, darum rathe ich sie Dir eigens an. Paul de Lagarde, über das Verhältniss des deutschen Staates zu Theologie Kirche und Religion. Göttingen 1873 Dieterichsche Verlagshdl.

Sodann lese ich Hamann und bin sehre erbaut: man sieht in die Gebärzustände unsrer Deutschen Dichter- und Denker-Kultur. Sehr tief und innig, aber nichtswürdig unkünstlerisch.

Ich schreibe übrigens wieder über die alten griechischen Philosophen: und irgendwann kommt ein Manuscript, zur Probe, an Dich. — Hast Du denn das Programm des Prof Overbeck, an dem Du einen treuen freundschaftlich gesinnten Menschen hast, bekommen? Er schickte es gerade während der Sturmfluthen. Wir fürchteten, es möchte zu Grunde gegangen sein.

Über Brockhaus schreibst Du, was wir Alle wissen, empfinden und bedauern. Er ist ein durchaus anständiger Mensch, das ist wahr und im vollen Maße bewährt. Im Übrigen hole ihn der Teufel! — Was hat denn der alte Brockhaus zu Frau W<agner> über mich gesagt?

Ich habe recht an Dich und Euch gedacht, in der Zeit der Concerte. Also im Sommer Bayreuther Concil! Wir als die Bischöfe und Würdenträger der neuen Kirche! Ich möchte so gern noch etwas litterarisch zur Förderung unsrer Sache thun und weiß nicht wie. Alles, was ich projektire, ist so verletzend, aufreizend und der Förderung zunächst entgegenwirkend. Daß man selbst mein schwärmerisch gemüthliches Buch so übel genommen hat! Sonderbare Menschen! Was soll unsereins nur machen! Ausrufezeichen und Fragezeichen. Es lebe die Freundschaft und der treueste Freund Erwin Rohde.

295. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 15. Februar 1873> Sonnabend.

Meine liebe Mutter und Schwester,

habt herzlichen Dank, diesmal feire ich <den> zweiten Februar auch noch hinterdrein, obwohl ich nicht verschweigen will, daß wir drei, Overbeck Romundt und ich, am Tage selbst auf Dein Wohl festlich in Rheinwein angestoßen haben. Die Schinkenwurst ist wirklich excellent, und ich selbst bin auch wieder in der Verfassung eben dies beurtheilen zu können. Das heißt, Geschmack und Appetit ist vorhanden, allerdings immer zugleich noch Husten und Schnupfen. Bei gegenwärtiger Witterung habe ich kaum Hoffnung davon frei zu werden. Übrigens habe ich die letzten Wochen meine Vorlesungen Abends, um nicht der Abendluft mich auszusetzen, in meiner Stube gehalten. Und gestern war ich überhaupt, seit vier Wochen, einmal wieder in Gesellschaft, bei Immermanns. Diese lassen Dich und Dich bestens grüßen, sie haben jetzt die alte Mutter und eine junge Cousine bei sich. Übrigens hat Frau Immermann, die eine Zeitlang in Göttingen und anderwärts war, eifrig für mich und oftmals zu kämpfen Anlaß gehabt. Es scheint daß man in Universitätsstädten viel über und gegen mich schwätzt.

Übrigens bin ich thätig gewesen, und wenn es Gesundheit und die Ostertage gestatten, so werde ich noch vor Anfang des Sommers mit einem neuen Buche fertig. Es heißt wahrscheinlich „die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen.“ Doch brauche ich vor dem Abschluß noch einige Erholung, gute Luft und gesunderes Clima. Vielleicht gehe ich Ostern auf eine Woche (mehr Zeit giebt es nicht) nach Gersau oder Montreux. Wie schön ist es doch, daß ich so etwas so nah habe! Nicht wahr?

Habt Ihr denn das Preisausschreiben gelesen, wo Prof. Simrock in Bonn, Heyne und ich als Richter genannt sind? Der Preis ist ein ganzer Patronatsschein oder (nach Wahl) 300 Thl.

Von Frau Wagner bekam ich gestern einen langen Brief, übrigens auch mit Empfehlungen und Neujahrsgratulationen für Euch Beide. Sie spricht ihre große Freude und Rührung über meine „Vorreden“ aus: bis jetzt war sie, in der stürmischen Rundreise-Noth, noch nicht dazu gekommen, mir zu schreiben. Jetzt ist aber eine kleine Pause: sie schreibt mir aus Bayreuth. Von ein paar Concerten in Hamburg und Berlin haben sie 12000 Thl. für das Bayreuther Unternehmen mitgebracht. Rohde haben sie in Hamburg, Dr Fuchs in Berlin gesprochen. Frl von Meysenbug soll jetzt nach Bayreuth, um dort Erziehungsanstalten, Kindergärten usw zu errichten.

Giebt es denn hier nichts Neues? Also Frau Heyne geht es recht gut, neulich konnte sie wieder bei einem Diner mit ihrem Gatten erscheinen: was ihr auch gut bekommen ist. Kurz, das ist nun überwunden und in Ordnung. Frau Sieber ist dagegen immer nicht gut daran; und Sieber selbst war krank. Frau Prof. Vischer-Heusler habe ich vorgestern besucht, um ihr von Weihnachten zu erzählen. Der Bruder von Sally Vischer hat sich verlobt, mit einer Frl. Bachofen aus dem weißen Hause. (Doch nicht mit der, von der Du gehört hast, und die die Villa hat, es sind drei Brüder, der Prof. und zwei) Andreas Heusler ist wieder in diesen Tagen nach Davos abgereist, zu seiner Frau. Dem alten Vischer geht es recht ordentlich.

Übrigens war die Torte sehr gut und ließ mich glauben, daß diese Bäckerei bei Euch besser sei als hier.

Nun nochmals meinen herzlichen Dank. Euch rechtes Wohlergehn anwünschend

bin ich in alter Liebe
Euer F.

296. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 21. Februar 1873>

Geliebter Freund, ich höre nichts von Dir und will von Herzen wünschen, daß nicht ein Übelbefinden die Ursache davon ist. Denn es ist ein Kunststück in dieser Jahreszeit nicht krank zu sein; ich selbst schleppe mich mit einem grippenartigen Zustande von Woche zu Woche, doch in aller Heiterkeit des Gemüths, wenn gleich arg verschnupft. Jetzt ist übrigens das Wetter wonnevoll, und zu Fastnachten will ich einen Versuch machen, den Vierwaldstätter See für ein paar Tage heimzusuchen: wärest Du dabei! Man hat hier das Schöne doch in beneidenswerther Nähe: und wenn ich Dir sage, daß ich Ostern, nach mehrjähriger Gewohnheit, auf eine Woche nach Montreux gehe, so ist es doch ein rechtes Glück, so etwas ohne viel Aufhebens jederzeit ausführen zu können. — Inzwischen bin ich leidlich thätig gewesen und habe an meinen alten griechischen Philosophen gearbeitet, über welche nach den Osterferien ein opusculum erscheinen zu lassen eine angenehme Hoffnung ist. Bis dahin wünsche mir Ruhe Gesundheit und Freiheit von Unterbrechungen verstimmender Art: denn die Unterbrechungen an sich sind mir sehr lieb und nothwendig, vorausgesetzt daß sie mich nicht krank und besorgt machen. Die Philosophie ist eine Person, die ich wechselweise mit Liebe und Haß verfolge: mitunter flüchte ich sogar aus Ekel oder Wuth. Dann sind mir Unterhaltungen anderer Art Bedürfniß; so habe ich in den letzten Tagen ein Hochzeitsgeschenk für Frl. Olga Herzen gemacht, die sich im März mit Hr. Monod verheirathet: eine vierhändige Composition, für das Ehepaar bestimmt, und mit dem Titel „Une Monodie à deux.“ Sie ist gut gerathen und würde mir keine Bülowschen Briefe zuziehen.

Aus Bayreuth habe ich einen langen Brief von Frau W<agner>. Von dem Hamburger und dem Berliner Conzert haben sie 12000 Thl. mitgebracht. Über die Hamburger Auszeichnungen schrieb Frau W. besonders beglückt: Deine Vaterstadt hat den besten Takt von der Welt bewiesen. — Liesest Du das „musikalische Wochenblatt“? Der Dr Fuchs hat sich Lotze und Gervinus als aestheticos vorgenommen und prügelt und haut tapfer darauf los. Neulich habe ich in einem „evangelischen Anzeiger“ über mich Einiges gelesen, was mir auf Wochen hinaus Heiterkeit verschafft, ich wurde „der ins Musikalische Übersetzte Darwinismus“ genannt, meine Theorie sei der „Developpismus des Urschleims“ usw: kurz die vollendete Tollheit! — Ein Buchhändler hat mir angezeigt, im Börsenblatte (im buchhändl.) sei ein neuer Artikel des Dr. W.-Möllend. gegen mich (oder uns) angekündigt — wieder bei Gebrüder Bornträger. Ich habe aber verboten mir dergleichen zuzusenden, kenne auch keinen Menschen, der es gelesen hat, hoffe übrigens daß Du ebenso verfährst.

Nun muß ich zu Mittag essen, doch werde ich auf Dich mit Overbeck und Romundt anstoßen, die ebenso wie ich Deiner immer mit Betrübniß gedenken, mit Betrübniß daß Du nicht hier bist! Ach, der Teufel! Warum nicht!

Dein
F. N.

297. An Malwida von Meysenbug in Florenz

<Basel, gegen Ende Februar 1873>

Verehrtestes Fräulein, es ist mir seit der Abreise meines Freundes Gersdorff nicht gut gegangen, ich bin aus einem zwar sehr trivialen, aber um so lästigeren grippenartigen Zustande nicht herausgekommen und habe den Winter recht nachdrücklich an mir abgebüßt. So kam es, daß ein kleines Hochzeitsgeschenk, welches ich mir für Fräulein Olga ausgedacht hatte, erst in diesen Tagen fertig wurde und daß ich wieder einmal, Ihnen gegenüber, als ein sündig-säumiger Briefschreiber erscheine. Nehmen wir, um nicht allen Glauben an die Gerechtigkeit zu verlieren an, daß die langwierige Unannehmlichkeit von Husten Heiserkeiten usw. meine Strafe ist: womit ich zugleich die Hoffnung ausspreche, daß der heutige Brief auch eine Wendung meines Gesundheitsstandes mit sich bringen werde.

Vor allem aber, und ganz abgesehn von meinen ganz gleichgültigen Misèren, — wie geht es jetzt mit Ihrem Befinden, verehrtestes Fräulein? Ist der böse Stoß mit seinen Folgen überwunden und können Sie wieder ordentlich ins Freie gehen? Ich wünsche es von Herzen. Denn Sie brauchen jetzt vor allem eine recht tapfere Gesundheit, um die verschiedenen nächsten Ereignisse, Trennungen, Entscheidungen wenn nicht „frohmüthig“ wie man hier sagt, so doch muthig zu überstehen. Übrigens hat mir Frau Wagner einige Andeutungen gemacht, die sich gerade auf jene wichtigen Entscheidungen beziehen. Ich denke immer noch, irgendwann einmal sitzen wir alle in Bayreuth zusammen und begreifen gar nicht mehr, wie man es anderswo aushalten konnte.

Nun spreche ich Ihnen über das kleine Geschenk, welches durch Ihre Hand Fräulein Olga angeboten werden soll: es ist eine vierhändige Composition von mir, zum Ersatz jener bei dem Baseler Concil ausgefallenen Musikviertelstunde. Zu Grunde liegt ein Thema aus meinem fünfzehnten Jahre, das meine Schwester dieses Weihnachten unter alten Manuscripten von mir aufgefunden und das ich in den letzten Wochen etwas ausgeführt habe. Ich weiß das Datum der Vermählung nicht; sagen Sie deshalb, verehrtestes Fräulein, dem ausgezeichneten Paare das Herzlichste in meinem Namen und bitten Sie darum, daß meine schlechte Musik wenigstens als ein Symbol freundlich angenommen werden möge, als das Symbol einer guten „monodischen“ Ehe; und wir wissen ja Alle, daß die besten Dinge oft gerade durch geringe und niedrige Symbole charakterisirt werden. Übrigens könnte es meiner Musik nichts schaden, wenn sie etwas besser wäre. Das steht aber leider nicht in meinen Kräften. —

Ich begehre jetzt recht nach Sonnenschein und einiger Fröhlichkeit: besonders auch, um ein Manuscript zu Ende zu bringen, das von philosophischen Dingen handelt und an dem ich mit rechter Liebe gearbeitet habe. Alle die großen Philosophen, die während des tragischen Zeitalters der Griechen, das soll heißen während des sechsten und fünften Jahrhunderts gelebt haben, kommen darin vor: es ist höchst merkwürdig, daß die Griechen überhaupt in jenem Zeitraume philosophirt haben — und nun gar, wie!

Wünschen Sie mir etwas Heiteres und Erfreuliches, damit ich besonders während der Osterzeit, in der ich ein paar freie Tage habe, Lust und Muth zu dieser Arbeit und ihrer Vollendung finde. Ich komme mit dieser Schrift wieder in ein höchst praktisches Culturproblem, es wird mir mit unter angst und bange. —

Ich bin erstaunt und erfreut, verehrtestes Fräulein, daß meine Vorträge so sehr Ihre Theilnahme, ja Ihren Beifall gefunden haben; Sie müssen mir aber, auf mein ehrliches Gesicht, glauben, daß ich alles in ein paar Jahren besser machen kann und besser machen will. Einstweilen haben diese Vorträge für mich selbst eine exhortative Bedeutung: sie mahnen mich an eine Schuld, oder an eine Aufgabe, die gerade mir zugefallen ist, besonders nachdem nun gar der Meister sie feierlich öffentlich auf meine Schultern gelegt hat. Es ist aber keine Aufgabe für so junge Leute, wie ich bin, man muß mir gestatten wenn nicht zu wachsen doch älter oder alt zu werden. Jene Vorträge sind primitiv und dazu etwas improvisirt, glauben Sie mir es nur. Ich halte nicht viel davon, besonders auch der Einkleidung wegen. Fritzsch war bereit sie zu drucken, ich habe aber geschworen, kein Buch erscheinen zu lassen, bei dem ich nicht ein Gewissen, so rein wie ein Seraphim besitze. So stehts aber nicht mit diesen Vorträgen: sie dürften und könnten besser sein, es ist anders als bei meiner Musik, die gerade so ist, wie sie sein kann — das heißt in diesem Falle leider „schlecht genug.“

Über Ihre philologisch-pädagogische Frage habe ich oft nachgedacht, die Entscheidung dünkt mich allgemeinhin nicht wohl möglich. Es kommt so sehr darauf an, welche gerade die Muttersprache ist. Leider fehlt es mir sehr an Erfahrungen, aber ich sollte zB. meinen, es sei für ein deutsches Kind ein wahres Glück zuerst in einer regelrechten strengen Cultursprache, Französisch oder Latein, erzogen zu werden, damit sich ein kräftiges Stilgefühl entwickle, das nachher auch der später gelernten, etwas barbarischen Muttersprache zu Gute käme. Dagegen war es bei den Griechen und ist es bei den Franzosen freilich unnütz, eine zweite Sprache überhaupt zu lernen; solche Völker, die ein eignes Stilgefühl in so hohem Grade besitzen, dürfen sich bei ihrer eignen Sprache zufrieden geben. Alle anderen müssen lernen und lernen. (Ich spreche hier natürlich nicht von dem Werth, den das Erlernen einer fremden Sprache für Kenntniß fremder Litteraturen und Wissenschaften hat, sondern nur vom Sprachgefühl und Stilgefühl)

Warum schreibt denn Schopenhauer so vortrefflich? Weil er viele Jugendjahre hindurch fast nur französisch oder englisch oder spanisch gesprochen hat. Dann hat er, wie er selbst sagt, außerordentlich den Seneca, zu diesem Zwecke, studirt und nachgeahmt. Aber wie ein Deutscher, durch deutsche Lektüre, zu einem Stil kommen soll oder gar durch deutsche Unterhaltung und Geselligkeit, begreife ich nicht. Das Schwankende soll sich am Festen bilden: aber in Deutschland, im Lande der wüstesten Buch- und Zeitungsmacherei (im Jahre 1872 allein 12000 deutsche Bücher!) da sollte Jemand im Sprechen und Schreiben Stil lernen? Ich glaube es nicht, bin aber gerne bereit zu lernen. Denn wie gesagt, ich weiß nichts, habe nichts erfahren und bin kein Fachmann. —

Bleiben Sie mir, vereintestes Fräulein wohl geneigt und grüßen Sie Herrn Schuré von mir. Ihnen und Fräulein Olga alles Gute anwünschend verbleibe ich

Ihr
hochachtungsvoll ergebener
Friedrich Nietzsche.

NB. Ich danke Ihnen sehr für die Zusendung der Abhandlung des Herrn Villari, die ich ernsthaft lesen will — Gerne wünschte ich zu erfahren, ob Sie die Adresse meines trefflichen Freundes Gersdorff wissen und mir sagen können. Er schreibt so glücklich über Florenz und ist Ihnen so dankbar.

Was sagen Sie zu der mitfolgenden Preisaufgabe? Und den Preisrichtern? —

298. An Carl von Gersdorff in Rom

<Gersau, 2. März 1873>

Mein lieber Freund, in Basel trommelt man während der drei Fastnacht-tage so entsetzlich, daß ich mich hierher, nach Gersau, am Vierwaldstätter See, auf diese Zeit geflüchtet habe: als wo ich in Nebel und Regen, ohne die Möglichkeit spazieren zu gehen, mäßig mißvergnügt, aber doch wenigstens in Ruhe sitze. Hier endlich will ich Dir meinen längst geschuldeten Brief schreiben und hoffe, daß die Florentiner Freundin ihn Dir „übermittelt“ (wie Tischendorf in Leipzig immer zu sagen pflegte) Ich will gleich mit der Hauptsache beginnen: neulich Abends habe ich ein Fest gefeiert, eigentlich nur zu Deinen und Deiner Freunde Ehren: es müssen Dir, bei dem wiederholten Gläserklingen und dem fortwährenden Herbeiwünschen, die Ohren kräftiglich geklungen haben. Ich setze voraus, daß Du das Resultat des Tegethoff-Preisausschreibens weißt und daß Du wie ich, in einen wahren Entzückens-Taumel gerathen bist: also Rau hat den zweiten Preis (mit 2000 Gulden) und Otto den dritten (mit 1000 Gulden), den ersten hat der Baseler Bildhauer Schlöth in Rom, doch ist unter Kunstkennern kein Zweifel, daß Rau den ersten und zwar bei weitem den ersten verdient hat und daß nur durch einen herbeigezogenen Laien die letzte Entscheidung so absurd ausfiel. Ich las und las immer wieder über die Entwürfe Lissa II und fortes fortuna juvat und vor allem über den ersteren, alle Zeugnisse waren voller Enthusiasmus: das sei nicht von Michel Angelo entlehntes Räuspern, sondern eine gewaltige Urkraft, die sich hier in die Erscheinung dränge usw. Kurz ich vermuthete Rau und war außer mir vor Vergnügen, als ich endlich die Entscheidung hörte. Den Ottoschen Entwurf hat übrigens die Wiener Kunstkritik für ein Werk von Begas gehalten und sich also in einer für Otto höchst schmeichelhaften Weise geirrt. Die Namen der Sieger gehen durch alle Zeitungen, es waren 22 Entwürfe eingesandt. Ich will an Rau schreiben, weiß aber kein Mittel ihn zu erreichen als etwa durch einen per adr. von Begas bezeichneten Brief. Ich habe mich seit lange über nichts mehr gefreut und habe, an diesem wichtigen Grenzpunkte im Schicksale Deines Rau, wirklich das ganze Herz voll Segenswünschen — daß er ja auf der guten großen Bahn bleibt. —

Übrigens finde ich, daß Du selbst mit Deinem Geschmack an beiden Künstlern glänzend legitimirt dastehst. Ich gratulire, mein lieber Freund und wünsche Dir nochmals für Deine italiänischen Erfahrungen den gleichen auslesenden deutschen Geschmack und Ernst, den Du dort erwiesen hast.

Denke Dir, daß ich, seit Deiner Abreise lange Zeit unwohl war, zu Bett liegen mußte und bis heut zu Tage mich nicht völlig erholt habe. Ein langwieriger Grippenzustand mit unerschöpflichem Schnupfen. Inzwischen ist das Preisausschreiben des Allg. Deutschen Musikverein’s publicirt worden: ich habe durchgesetzt, was ich wollte, nämlich bedeutende Erhöhung des Preises (auf 300 Thaler statt 100 oder 50, wie ursprünglich beabsichtigt war) und Zahlung desselben als Patronatsschein. Die Preisrichter sind außer mir Prof. Heyne in Basel und Prof. Simrock in Bonn. — Von dem Meister und Frau Wagner habe ich herrliche Briefe, es kam zu Tage, was ich gar nicht wußte, daß Wagner über mein Nichtkommen zu Neujahr sehr gekränkt gewesen ist — Das hast Du gewußt, liebster Freund, aber mir verschwiegen. Aber alle Wolken sind verscheucht und es ist ganz gut, daß ich nichts wußte, denn mancherlei kann man nicht besser, sondern höchstens noch schlechter machen. Gott weiß übrigens, wie oft ich dem Meister Anstoß gebe: ich wundere mich jedes mal von Neuem und kann gar nicht recht dahinter kommen, woran es eigentlich liegt. Um so glücklicher bin ich, daß jetzt wieder Frieden geschlossen ist. Kennst Du die wundervolle Schrift Wagner’s, die jetzt eben zum ersten Male gedruckt ist „über Staat und Religion“, vom Jahre 1864, zuerst als privatestes Mémoire an den bayrischen König verfaßt? Sie gehört zu dem Tiefsten aller seiner litterarischen Produkte und ist im edelsten Sinne „erbaulich“. — Sage mir doch Deine Ansicht über das wiederholte Anstoßgeben. Ich kann mir gar nicht denken, wie man Wagner in allen Hauptsachen mehr Treue halten könne und tiefer ergeben sein könne als ich es bin: wenn ich es mir denken könnte, würde ich’s noch mehr sein. Aber in kleinen untergeordneten Nebenpunkten und in einer gewissen für mich nothwendigen beinahe „sanitarisch“ zu nennenden Enthaltung von häufigerem persönlichen Zusammenleben muß ich mir eine Freiheit wahren, wirklich nur um jene Treue in einem höheren Sinne halten zu können. Darüber ist natürlich kein Wort zu sagen, aber es fühlt sich doch — und es ist dann verzweifelt, wenn es gar Verdrießlichkeiten Mißtrauen und Schweigen nach sich zieht. Ich hatte diesmal keinen Augenblick daran gedacht, solchen heftigen Anstoß gegeben zu haben; und ich fürchte immer durch solche Erlebnisse noch ängstlicher zu werden als ich es schon bin. — Bitte, liebster Freund, Deine offene Ansicht! —

Meine Schrift wächst und gestaltet sich zu einem Seitenstück zur „Geburt“. Der Titel wird vielleicht „der Philosoph als Arzt der Cultur“. Ich will eigentlich Wagner zu seinem nächsten Geburtstag damit überraschen. —

Zur Vermählungsfeier von Frl. Olga habe ich eine eigene vierhändige Musik nach Florenz geschickt, mit dem Titel „Une Monodie à deux“: der als Prognostikon einer guten Ehe aufgefaßt werden möge. Der Spieler rechts ist Madame Monod, der Spieler links Monsieur Monod.

Und nun herzlich geliebter Freund und „im Irrgarten der Liebe taumelnder Cavalier“, (so nennt Dich Wagner) habe herzlichen Dank für Deinen reichen und glücklichen Brief und denke gern Deines

Fr. Nietzsche

299. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 9. März 1873>Sonntag.

Meine liebe Mutter und Schwester,

mein Stillschweigen ist wirklich sträflich da ich nichts als mein fortwährend einseitig festgehaltenes und abgezogenes Denken und Arbeiten vorschützen kann, und wie Ihr wißt, doch manche Minute kommt, in der man einen Brief schreiben kann und sollte. Im Übrigen bin ich jetzt auch allen Freunden, ohne Ausnahme, Briefe schuldig, den Bayreuthern sowohl wie den Florenzern, oder Rohde oder Gersdorff oder Fuchs oder usw. Kurz, niemand weiß etwas von mir, weil ich ziemlich fleißig bin. Dazu gieng es mir eine Zeitlang mit der Gesundheit und in Folge dessen mit der Arbeit nicht recht, und ich schrieb nicht, weil ich verdrießlich war. Seit den letzten Tagen erfreue ich mich aber einer rechten guten Gesundheit, und es hätte keiner erneuten Mahnung bedurft — heute hätte ich doch geschrieben. Übrigens danke ich Dir, liebe Lisbeth, sehr für Deine Briefe: Deine Freude über das werdende Buch und Dein Versprechen, im Sommer zu kommen, haben in gleicher Weise einen vollen Anspruch auf meine Dankbarkeit, und ich freue mich auf Pfingsten, wo Du eintreffen wirst und wo hoffentlich auch mein Buch im Ganzen und Großen fertig sein wird. Es wäre ja sehr angenehm, wenn Du die vortreffliche Wohnung vom vorigen Sommer wieder haben könntest: sonst hatte sich Frl. Kestner, die alles bedenkt, nach einer Wohnung in Kleinbasel in Deinem Interesse umgethan. Doch glaube ich unbedingt, daß es so, wie im vorigen Sommer für uns besser und bequemer ist.

Hier hat es mehrere Festlichkeiten gegeben, an denen ich zum Theil theilgenommen habe. ZB. bei alten Vischers, zur Feier von zwei Verlobungen (des Gelzerschen Brautpaars und des Dr. Speiser); dann war bei Vischer-Bischoff’s ein Ball, hundert Personen waren da, vorher führten Sally, Frau Walter und einige Herren eine Operette auf. Dann war ich einen Abend bei den guten Siebers, mit Socin und Jakob Burckhardt. In Florenz ist die Hochzeit des Hr. Monod gewesen, ich habe zur rechten Zeit ein Geschenk geschickt, nämlich eine vierhändige Composition, betitelt „Une Monodie à deux“: wenn Du weißt, was eine Monodie ist, so verstehst Du auch die für eine Ehe ganz symbolische Wendung. Übrigens hat den linken Part Monsieur Monod, den rechten Part Madame Monod zu spielen. Auch haben mir beide schon brieflich gedankt.

Ungeheure Freude hat uns allen eine Nachricht gemacht, die beiden Bildhauer die Freunde und Protegé’s von Gersdorff Rau und Otto haben beide, bei einer Bewerbung in Wien,um das Tegetthof Denkmal Preise bekommen, der eine mit 2000 östr. Gulden, der andre mit 1000 und gehen nun nach Italien. Das Werk von Rau (der den Prometheus in meinem Buche gemacht hat) wird als Werk gewaltigster und originaler Schöpferkraft bezeichnet. Gersdorff war in Florenz, als die Nachricht kam: Frl v Meysenbug sagte, er sei vor Jubel fast wie ein Bacchant auf der Straße herumgelaufen. Übrigens ist die gute Meysenbug sehr betrübt und schreibt mir die schwermüthigsten langen Briefe.

Für die Intervention bei der Ritschl-photographie danke ich bestens: ich habe auch an den stud. Götz eine Photogr. geschickt, wahrsch. ist sie nicht angekommen.

Frl. Olga Herzen erinnert Dich, liebe Lisbeth, an die Photographie, die bewußte, versprochne, ebenso hier Clara Turneysen.

Gersdorff hat in Florenz noch etwas ganz besonders Rührendes gemacht, er hat, nach den großen Anstrengungen des Tags und nachdem er alle Abende bei Frl Meysenbug verbracht hat, doch noch während der Nacht — abgeschrieben und was? meine Vorträge über die Zukunft der Bildungsanstalten; jetzt schreibt er mir glücklich, daß er sie nun ganz besitze, „weil sie zu schön seien, als daß ihre Existenz auf einem einzigen, allen Gefahren ausgesetzten Exemplare beruhen dürfe.“

Seht Ihr, das sind Freunde! Herr Je! In Rom hat Gersdorff Wilamowitz den Schäker gesehen, ist aber geflüchtet, hinter den breiten Rücken eines antiken Herakles. Übrigens hat besagter W. wieder ein Pamphlet veröffentlicht, gegen Rohde, doch wir haben gelacht, es ist doch vorbei.

Nun, meine liebe Mutter und Schwester speist vergnügt zu Mittag, wenn Ihr es noch nicht gethan habt. Ich werde es jetzt thun und empfehle mich Euch

bestens als
Euer Fritz.

300. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Mitte März. Nein! circa am 22 März. <1873>

Geliebter Freund, gestern gieng auch dies Semester, das achte meiner Erfahrung, zum Teufel oder wohin Du willst, und heute giebt es die Möglichkeit etwas aufzuathmen. Aber es will nichts Rechtes mit dem Aufathmen werden, wenn ich nicht erst mit meinen Freunden Friede schließe: denn diese werden mir zürnen, wie selten ich Briefe schreibe und wie undankbar ich mich gegen ihre briefschreibende Liebe benehme. Neulich bekam ich, in den Fastnachtstagen, bei tiefer Verstimmung, Deine Zeilen, geliebter Freund und verwünschte wieder den Dämon, der uns trennt oder, um ganz direkt zu reden, das dumme Benehmen der Freiburger, die Dich haben konnten, oder, noch direkter, die gemüthliche Perfidie meines „Freundes“ Ritschl, der sie daran verhindert hat. Nun sitzen wir auf unsern Stühlchen und kommen nicht zusammen! Jeden Brief möchte man fluchend beginnen und schließen, ja ich empfehle Dir, für unseren Gebrauch, das neue Wort „ich brieffluche, Du brieffluchst“ usw.

Übrigens bin ich, wie ich recht empfinde, viel besser daran als Du. Overbeck und Romundt, meine Tisch- Haus- und Gedankenfreunde, sind der trefflichste Umgang von der Welt: so daß ich, nach dieser Seite, das Ächzen und das Krächzen ganz abgethan habe. Romundt hat gestern sein erstes Semester, als Akademiker, geschlossen und hat einen großen kathedralen furor in sich von diesem ersten Versuche davon getragen. Er hat das Interesse der Studenten wirklich erregt und wird ganz gewiß in seinem Elemente sein, wenn er Academicus bleibt. Overbeck ist der ernsteste freimüthigste und persönlich liebenswürdig-einfachste Mensch und Forscher, den man sich zum Freunde wünschen kann. Dabei von jenem Radikalismus, ohne den ich nun schon gar nicht mehr mit Jemandem umgehen kann. In den Osterferien wird er ein Dokument dieses Radikalismus, ein öffentliches Sendschreiben an Paul de Lagarde machen. Was im Verlauf eines Jahres von uns zusammen an wichtigen und eingreifenden Dingen besprochen wird, ist der Masse nach sehr groß, und ich empfinde fortwährend dabei, was man entbehrt, wenn man Dich entbehrt. Unser Leben soll noch lang genug sich hinspinnen, um zu sorgen, daß vieles Gewollte zur That wird; aber für uns Beide ist es irgendwann einmal necessitas, zusammenzuleben, eben dieser „Thaten“ halber.

Ich hoffe bald so weit zu sein, Dir ein größeres Stück meines ganz langsam sich gebärenden Buches über griechische Philosophie zur vorläufigen Einsicht zu übersenden. Über den Titel steht nichts fest: wenn er aber lauten könnte „der Philosoph als Arzt der Cultur“, so siehst Du, daß ich mit einem schönen allgemeinen und nicht nur historischen Problem zu thun habe.

In Leipzig ist die Setzer-Angelegenheit noch nicht geordnet, daher große Verzögerung der zweiten Auflage. Wilamowitz’ zweites Stück habe ich gelesen, man schickte es mir in’s Haus, und ich fand es lustig genug und ganz und gar sich selbst abthuend. Gersdorff hat den Schäker in Rom gesehen, ich schicke Dir seinen Glücksbrief, damit Du mit mir an dem Glück des „taumelnden Cavaliers“ Deine Freude hast.

Jüngst war die Verheirathung von Frl. Olga Herzen mit Hr. Monod aus Paris. Ich erschien mit einer Hochzeitscomposition, vierhändig, folgenden Titels, der als Symbol einer guten Ehe gedeutet werden soll

Une Monodie à deux.

Frl. von Meysenbug ist tief unglücklich und sehr bedauernswürdig, sie bat mich, ich möge jetzt Ostern zu ihr nach Florenz kommen, um sie etwas zu trösten. Leider habe ich keine oder so gut wie keine Ferien, Dank dem ehrenwerthen Pädagogium.

R. W<agner> hat mir seine bisher noch ungedruckte Schrift von 1864 „Staat und Religion“ zugesandt, ursprünglich für den König von Baiern verfaßt: ich bin tief erbaut. So schreibt jetzt kein Mensch mehr über Religion und Staat, besonders nicht an Könige. — Beiläufig: welche Skandalgeschichte meint denn Wilamowitz mit der Bemerkung über den „philologischen Anzeiger“ c. S. 3 seiner PamphletAnmerkung. Der alte Leutsch ist doch nicht auch doppelzüngig?

Ich habe immer vergessen, den Aufsatz über das Certamen Dir zuzuschicken, der nun schon ganz abgelagert ist und doch nicht besser geworden. Nimm sie freundlich an, sagte das Kind zum Vater an seinem Geburtstage und ließ die Torte in den Dreck fallen.

Wenn wir nur noch eine andre Kunst gelernt hätten, theuerster Freund, um zusammen durch die Welt zu ziehen! Denn als Conjekturen-Dachshund hat man wahrlich kein ehrliches Gewerbe. Orgeldrehen ist besser. In diesem Semester hatte ich es zu zwei Zuhörern gebracht, der eine war Germanist, der andre Jurist, beiden trug ich Rhetorik vor! Es kommt mir so unglaublich verdreht vor, besonders wenn ich bedenke, daß der Eine ein persönlicher Enthusiast von mir ist und ebenso gut für mich Stiefeln wichsen als von mir Rhetorik hören würde! Nächstes Semester wird es etwas besser stehen: das Pädagogium wirft ein paar gute Philologen ab, mit denen doch zu verkehren ist.

Die Abundantia-Bilder sind heute hier angekommen, und ich gedenke unsrer vergnügten Leipziger-Naumburger Herbsttage! Das wollen wir doch bestens wiederholen, dieses Jahr, nicht wahr, bester Freund? Im Sommer besucht mich meine Schwester. Aber im Oktober ziehe ich Dir entgegen, nach dem guten Thüringen. Oder wollen wir in Dresden zusammenkommen? Nur ja nicht wieder in dem gottverdammten Leipzig!

Ich wünsche Dir reinen Himmel, heitres Gemüth und empfehle, als mein Stärkungsmittel, Dir den Marcus Antoninus; man wird so ruhig dabei.

Treu und Deiner stets gedenkend
Fridericus

Im Gersdorffschen Briefe kommt was Rührendes vor, Du wirst es finden, meine Vorträge betreffend. Das ist ein Freund.

301. An Carl von Gersdorff in Rom

<Basel, 5. April 1873>

Theuerster Freund,

die Telegraphen haben zu thun und fliegen bald nach Heidelberg bald Nürnberg bald Bayreuth. Denn denke Dir, morgen reise ich auf acht Tage fort, treffe übermorgen mit Rohde zusammen — und wo? natürlich in Bayreuth. Ich begreife selbst noch nicht, wie schnell und plötzlich sich alles dies gemacht hat. Vor 8 Tagen dachte Keiner von uns an so etwas. Schon jetzt wandelt mich Rührung und Ergriffenheit an, wenn ich mir denke, wie wir selbander auf dem Bahnhofe dieses Ortes ankommen und nun jeder Schritt Erinnerung wird. Ich glaube doch, es waren die glücklichsten Tage, die ich gehabt habe. Es lag etwas in der Luft, das ich nirgends sonst spürte, etwas ganz Unsagbares, aber Hoffnungreichstes. Was werden wir dort zusammen denken, Dich immer natürlich mit einschließend! Meine Freude ist heute eine ganz unsinnige, denn es scheint mir, daß alles wieder so schön zu Stande kommt, wie ein Gott es sich nicht besser wünschen könnte. Ich hoffe, daß mein Besuch wieder gut macht, was mein weihnachtliches Nichtkommen schlecht gemacht hat und danke Dir recht von Herzen für Deinen einfachen und kräftigen Zuspruch, der mir wieder die Augen rein machte und die dummen „fliegenden Mücken“ verscheuchte, an denen ich zuweilen laborire.

Überhaupt, mein Freund, es giebt so Vieles in Deinen Briefen, dessentwegen ich immer das Glück preise, einen solchen Freund zu haben; und ich genieße schon eine eigne Freude, die kräftig geschwungenen und freien Züge Deiner Handschrift zu sehen, denn sie verrathen mir schon alles, wie es jetzt mit Dir steht. Daß Du übrigens meine Vorträge über die Zukunft der Bildungsanstalten abgeschrieben hast, das ist eine ganz eigne Geschichte nach eigner Melodie zu singen und nie zu vergessen. Ich habe mir dabei meine Gedanken gemacht und mache sie mir noch, so oft mir diese Geschichte einfällt. Sie fällt mir oft genug ein. Zuletzt mache ich noch einmal den sechsten Vortrag, nur damit Du etwas Fertiges von mir in den Händen hast.

Nach Bayreuth bringe ich ein Manuscript „die Philosophie im tragischen Zeitalter der Griechen“ mit, zum Vorlesen. Von der buchmäßigen Form ist aber das Ganze noch sehr entfernt, ich werde immer strenger gegen mich, und muß noch viel Zeit vergehen lassen, um eine nochmalige Darstellung (die vierte desselben Thema’s) zu wagen. Auch war ich genöthigt, die sonderbarsten Studien zu jenem Zwecke zu treiben, selbst die Mathematik trat in die Nähe, ohne Furcht einzuflößen, dann Mechanik, chemische Atomenlehre usw. Ich habe mich wieder auf das herrlichste überzeugt, was die Griechen sind und waren. Der Weg von Thales bis Sokrates ist etwas Ungeheures.

— Sehr hübsch ist Deine Begegnung mit Wilamowitz und Deine Rettung, die wohl ein Trankopfer werth war. Weißt Du, daß der Schäker ein zweites Heft unter gleichem Namen hat drucken lassen, mit Schimpfereien und Sophistereien und eine Widerlegung nicht werth. Besonders gegen Rohde gerichtet wendet sich zum Schluß die Schrift in’s Allgemeine, weg von den zwei „verrotteten Gehirnen“; die Worte Davids Strauss gegen Schopenhauer werden wörtlich auf mich angewendet, und so kommt ein Bild von mir heraus als ob ich Herostrat, Tempelschänder usw sei. Das Schriftstück ist von Rom aus datirt. Neulich wurde ich in einem Blatt als der „in das Musikalische übersetzte Darwinismus und Materialismus“ bezeichnet, das Ureine wurde mit „Darwin’s Urzelle“ verglichen: ich lehre den „Developpismus des Urschleims“! Ich finde, daß die geehrten Gegner verrückt zu werden anfangen. Irgend ein Bonus Meyer ließ neulich über Wagner’s Bayreuther Werk seine Meinung laut werden, daß selbst die „brutale Bauwuth der Römer“ so etwas nicht gewagt habe. Der Haß scheint in hellen Flammen zu sein.

Das habe ich Dir erzählt, daß ich zu Frl. Olga Herzens Verheirathung eine Musik gemacht habe. Sie und ihr Monod haben mir darauf geschrieben, letzterer aber sehr als Franzose und politischer Mensch, was mir bei einer so privaten Sache nicht am Platze schien. Muß man denn sofort gleich von les tristes événements des dernières années reden? Mir wird sofort übel dabei. Ich bedaure die arme Florentinische Freundin sehr und weiß gar nicht zu helfen. Sie hatte mich eingeladen, Ostern zu ihr zu kommen; mir fehlt es aber an zusammenhängenden Ferien. Ich habe nur 8 Tage und nach einer Examenunterbrechung, die mich hier zu sein zwingt, noch einmal 8-12 Tage: nichts mehr! Da kann ich nicht nach Florenz.

Unter mir, ich meine im ersten Stock des Hauses arbeitet Prof. Overbeck, unser werthgeschätzter Freund und Gesinnungsgenosse, an einer Brandschrift „die Christlichkeit unserer jetzigen Theologie.“ Unser Haus wird einmal berüchtigt werden.

Romundt hat sehr viel Glück als Academiker: die Studenten haben ihm mehrfach die größte Theilnahme verrathen. Er ist in dem rechten Fahrwasser und es kommt mir so vor als ob wir Alle es wären. Allein mein armer Rohde wandelt einsam dort oben herum. Da muß nachgeholfen werden.

In diesen Tagen ist der junge Prof. Vischer-Heusler in Rom eingetroffen: ich habe ihm Deine Adresse gegeben.

Deinem Herrn Vater sage meine Empfehlungen. Wann kommt denn Rau nach Rom? Und was für eine Adresse hat er? (nämlich bisher in Berlin). Nun nochmals, geliebter Freund, herzlichen Dank für Deine zwei Briefe, ich wollte ich wäre bei Dir. Übermorgen aber tauschen wir die Rollen; dann sitze ich bei W<agner>s und meine, Du säßest gerne dabei.

Getreulich
Dein Fried. Nietzsche

302. An Malwida von Meysenbug in Florenz

Basel 5 <6.> Apr. 1873

Verehrtestes Fräulein, wie gerne möchte ich diese Ostern bei Ihnen verbringen und wie dankbar habe ich Ihre Einladung empfangen. Wenn ich auch nicht helfen könnte Sie zu trösten, so wäre es mir doch hier und da gelungen Sie zu zerstreuen und Ihr Nachdenken irgendwohin abzulenken. Nun muß ich leider so festgebunden sein, daß ich nur für die allerkürzesten Termine (von 8-12 Tagen) um Ostern herum etwas Freiheit habe: das hängt davon ab, daß ich außer meiner Universitätsstellung noch das Amt eines griechischen Lehrers in der obersten Klasse des Pädagogiums inne habe und somit den langweiligen Quälereien schriftlicher und mündlicher Schulexamina usw. ausgesetzt bin. Die freie Zeit ist also zu kurz, um nach Florenz reisen zu können: wie oft habe ich das beseufzt! Denn ich habe wirklich das herzlichste Bedürfniß, Sie jetzt zu sehen und zu sprechen und würde jedenfalls nur Ihretwegen (und nicht irgendwelcher Malereien halber) nach Florenz gekommen sein.

Wenn ich mir besonders noch denke, daß Ihre Gesundheit noch nicht wiederhergestellt ist und daß Sie zu der Fülle von Seelenschmerzen und Beunruhigungen höchst überflüssiger Weise auch noch leiblich gequält werden, so fühle ich in mir so recht die Ohnmacht des Helfenwollens aber nicht -könnens! Hoffentlich schreibt Ihnen Frau Olga M<onod> das Beste und Beruhigendste, vor allem recht oft und ausführlich.

Heute Abend reise ich ab, rathen Sie wohin? — Sie haben es errathen. Und zwar treffe ich dort, um das Glücksmaß voll zu machen, mit dem Besten der Freunde, mit Rohde zusammen; morgen Nachmittag halb vier sitze ich im Hause an der Dammallée und bin ganz glücklich. Wir werden viel von Ihnen sprechen. Dann von Gersdorff, dem „taumelnden Cavalier“, wie ihn W<agner> nennt. Was Sie mir erzählen von einer Abschrift, die sich Gersdorff von meinen Vorträgen gemacht hat, ist geradezu rührend und gar nicht zu vergessen. Was ich für gute Freunde habe! Es ist ordentlich beschämend. In Bayreuth hoffe ich wieder Muth und Heiterkeit mir zu holen und mich wieder in allen Rechten zu befestigen. Mir träumte diese Nacht, ich ließe mir den Gradus ad Parnassum neu und schön einbinden; diese buchbinderische Symbolik ist doch verständlich, wenn auch recht abgeschmackt. Aber es ist eine Wahrheit! Von Zeit zu Zeit muß man sich, durch den Umgang mit guten und kräftigeren Menschen gewissermaßen neu einbinden lassen, sonst verliert man einzelne Blätter und fällt muthlos immer mehr auseinander. Und daß unser Leben ein gradus ad Parnassum sein soll, ist auch eine Wahrheit, die man sich öfters einmal sagen muß. Mein Parnassus der Zukunft ist, wenn ich mich sehr anstrenge und einiges Glück, sowie viel Zeit habe — vielleicht ein mäßiger Schriftsteller zu werden, vor allem aber immer mehr „mäßig im Schriftstellern“. Ich habe von Zeit zu Zeit eine kindliche Abneigung gegen bedrucktes Papier, das mir dann nur wie beschmutztes Papier gilt. Und ich kann mir wohl eine Zeit denken, in der man es vorzieht wenig zu lesen, noch weniger zu schreiben, aber viel zu denken und noch viel mehr zu thun. Denn alles wartet jetzt auf den handelnden Menschen, der jahrtausendalte Gewohnheiten von sich und anderen abstreift und es besser vormacht, zum Nachmachen. In meinem Hause entsteht eben etwas voraussichtlich sehr Rühmliches, eine Charakteristik unserer jetzigen Theologie, hinsichtlich ihrer „Christlichkeit“: mein Freund und Gesinnungsbruder Prof. Overbeck, der freieste Theolog, der jetzt nach meinem Wissen lebt und jedenfalls einer der größten Kenner der Kirchengeschichte, arbeitet jetzt an dieser Charakteristik und wird, nach allem, was ich weiß und worin wir einmüthig sind, einige erschreckende Wahrheiten bekannt machen. Allmählich dürfte Basel ein Bedenken erregender Ort werden. — Nun wird es dunkel, ich muß an die Abreise und das Einpacken denken und Sie verlassen, verehrteste und innig bedauerte Freundin. Wäre es doch wenigstens zur Abreise nach Florenz!

In Treue
der Ihrige
Friedrich Nietzsche

303. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Basel, April 1873>

Verehrteste Frau, Sie haben mir die Ehre erwiesen die Widmung dieses Buches ohne Bedenken und sofort anzunehmen. Darf ich diese Unbedenklichkeit aus dem Vertrauen ableiten, welches Ihnen meine Abhandlung die Geburt <der Tragödie> über mich als Autor eingeflößt hat, so will ich Ihnen hier bekennen welche neuerliche Erfahrung mich selbst beinahe gegen das Buch eingenommen hätte.

Wir haben unter uns, eine schlimme Meinung über alles das was in dieser schlechten Zeit sofortigen Erfolg und Eingang findet: und das Buch von David Strauss, das in wenig Monaten vier Auflagen erlebte, müßte schon nach diesem Kanon sehr schlecht sein. Deshalb hätte mich fast die nach abgelaufenem Jahre nöthig gewordene zweite Auflage eines Buches mißtrauisch gegen dasselbe stimmen können, wüßte ich nicht zu seiner Rechtfertigung, daß an diesem sofort<igen> Erfolge jene schlechte Welt, mit ihren krähenden und kreischenden Zeitungen und Litteraturblättern als Herolden keinen Antheil hat, daß vielmehr von dieser Seite aus eine behutsame Stille für gut befunden worden ist. Ich halte mich, nach dieser Erfahrung hin, und allen andren für den beglücktesten Autor: denn gerade jene Windstille ist für die Fahrt meiner Schiffe das beste Anzeichen. Warum leben Sie nicht in der gleichen Windstille?

fast alle musikal. Berichterstatter die gegen Sie schreiben, leben von Ihnen — dies erklärt den ungebührlichen Lärm, es handelt sich um die Nothdurft der Herrn Hanslick Gumbrecht oder wie die Burschen heißen, deren Namen ich nicht merken will.

304. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel den 18 April 1873.

Verehrtester Meister

ich lebe in fortwährendem Angedenken an die Bayreuther Tage dahin, und das viele in kürzester Zeit neu Gelernte und Erfahrene breitet sich in immer grösserer Fülle vor mir aus. Wenn Sie nicht zufrieden mit mir bei meiner Anwesenheit schienen, so begreife ich es nur zu gut, ohne etwas daran ändern zu können, denn ich lerne und percipire sehr langsam und erlebe dann in jedem Moment bei Ihnen etwas, woran ich nie gedacht habe und was mir einzuprägen mein Wunsch ist. Ich weiß es recht wohl, theuerster Meister, dass Ihnen ein solcher Besuch keine Erholung sein kann, ja mitunter unerträglich sein muß. Ich wünschte mir so oft wenigstens den Anschein einer grösseren Freiheit und Selbständigkeit, aber vergebens. Genug, ich bitte Sie, nehmen Sie mich nur als Schüler, womöglich mit der Feder in der Hand und dem Hefte vor sich, dazu als Schüler mit einem sehr langsamen und gar nicht versatilen Ingenium. Es ist wahr, ich werde täglich melancholischer, wenn ich so recht fühle, wie gern ich Ihnen irgendwie helfen, nützen möchte und wie ganz und gar unfähig ich dazu bin, so dass ich nicht einmal etwas zu Ihrer Zerstreuung und Erheiterung beitragen kann.

Oder vielleicht doch einmal, wenn ich das ausgeführt habe, was ich jetzt unter den Händen habe, nämlich ein Schriftstück gegen den berühmten Schriftsteller David Strauss. Ich habe dessen „alten und neuen Glauben“ jetzt durchgelesen und mich ebenso über die Stumpfheit und Gemeinheit des Autors wie des Denkers verwundert. Eine schöne Sammlung von Stilproben der abscheulichsten Art soll öffentlich einmal zeigen, wie es mit diesem angeblichen „Classiker“ steht.

In meiner Abwesenheit ist die Schrift meines Hausgenossen Overbeck „über die Christlichkeit unserer Theologie“ tüchtig vorgerückt, sie hat einen so offensiven Character gegen alle Parteien, und ist andererseits so unwiderlegbar und so ehrlich, dass auch er, nach ihrer Veröffentlichung, verfehmt sein wird, als einer, nach Prof. Brockhausens Ausdrucke, der „seine Carrière ruinirt hat.“ Basel wird allmählich recht anstössig.

Vom Freunde Rohde habe ich mich in Lichtenfels getrennt (in dessen Bahnhofrestauration Ihre Büste stand) Wir machten am Ostersonntag noch einen Morgenspaziergang miteinander, nach Vierzehnheiligen, das eine Stunde von Lichtenfels entfernt ist. Nicht wahr, ich habe doch vortreffliche Freunde?

Der verehrungswürdigsten Frau Gemahlin schicke ich heute, mit den besten Grüssen den Paulus von Rénan; die versprochene Schrift von Paul de Lagarde werde ich zusammen mit der Overbeckschen, wenn diese fertig ist, ankommen lassen.

Es thut mir so leid, dass wir den Dekan nicht noch einmal gesehen haben.

Leben Sie wohl! Leben Sie wohl, theuerster Meister, mit Ihrem ganzen Hause.

Ihr getreuer Friedrich Nietzsche

305. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel Freitag. <26. April 1873>

Verehrtester Meister

ich habe eine kleine Bitte, und diese bezieht sich auf den Verleger Fritzsch. Wir sprachen über die Art, wie der Verlag desselben sich allmählich erweitern werde und dürfe, und schon heute habe ich das merkwürdigste Beispiel, was für Schriften und Autoren sich an den bisherigen ersten Ring ansetzen möchten. Mein Freund Overbeck ist mit seiner Schrift „über die Christlichkeit unserer heutigen Theologie“ fertig und hat, auf mein Anrathen, bei Fritzsch einen Antrag gemacht, nachdem sein bisheriger Verleger Hirzel sich geweigert hat, aus Rücksicht auf David Strauss, der in Overbeck’s Schrift auch behandelt und nicht mit Sympathie behandelt ist. Ich halte Overbeck’s Characteristik der gegenwärtigen theologischen Parteien für ein Meisterstück und wünsche von Herzen, dass Fritzsch sich überwinden möge, mit dem Worte „Verlagsbuchhändler“ bis dahin Ernst zu machen, dass er auch diese ganz unmusikalische Schrift annimmt. Wir haben uns vergebens nach einem anderen geachteten Verleger für eine so offen-ehrliche und kühne Schrift umgesehen und finden jedesmal, dass die bekannteren Verleger selbst schon theologische Parteimänner sind und zuviel dem „Protestantenvereine“ angehören: so dass für sie diese Schrift unwillkommen genug sein würde. „So muss denn doch die Hexe dran“ wirklich die Noth treibt zu Fritzsch! Es ist recht zum Verwundern!

Meine Bitte geht nun dahin, dass Sie, verehrtester Meister, in dem Falle, dass Fritzsch sich bei Ihnen Raths erholt, ihm einen kurzen Rath und Bescheid geben möchten. Denn ich kann mir wohl denken, in welcher Herkules-Verlegenheit sich der redliche Fritzsch befinden mag, wenn er plötzlich einen theologischen Antrag erhält.

Ich wünsche von Herzen, dass Sie meine Bitte nicht unbescheiden finden mögen. Aus Cöln werden Sie wohl sich gerettet haben; ich denke mir Sie in Ihrer Bibliothek und bei den schönen Einbänden stehen und verspreche Ihnen in der Fritzsch-Overbeckschen Schrift einen stattlichen Zuwachs.

Ihnen und der verehrtesten Frau Gemahlin meine herzlichsten Wünsche!

Ihr Friedrich Nietzsche

Overbeck ist durch eine Reihe streng gelehrter Arbeiten wohl bekannt und sehr angesehen: sein Hauptwerk ist ein Commentar zur Apostelgeschichte. Die neue Schrift hat etwa den Umfang von 6 Bogen.

306. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Dienstag. <29. April 1873>

Meine liebe Mutter und Schwester,

ja, es ist wirklich ein Skandal, wie lange ich nicht geschrieben habe. Meine Ferien sind dazu bald wieder zu Ende und nächste Woche geht die Sommerarbeit los. Ich hätte doch Zeit gehabt, nicht wahr? Nun wollen wir einmal sehen, was ich inzwischen gemacht habe, daß ich so schnell und fast ohne es zu merken, wie viel Zeit vergangen ist, über die Ferien hinweggekommen bin. Also zuerst schrieb ich noch an meinen griechischen Philosophen: das Buch ist aber gar nicht fertig und es kann noch viel Zeit vergehen, ehe ich zu einem Abschluß komme. Dann bekam ich zur höchsten Überraschung von Rohde die Mittheilung, daß er nach Süddeutschland käme und mit mir eine Zeit zusammen sein wolle. Wo? sollte ich bestimmen. Nun, ich bestimmte Bayreuth, und war also dort mit Rohde zusammen von Palmsonntag bis Ostersonntag. Das war doch schön ausgedacht. Gleich nach Ostern hatten wir hier Examina, anderthalb Wochen. Jetzt kaue ich am letzten Ferienknochen und benutze ihn, um eine polemische Abhandlung gegen David Strauss zu machen. Also Beschäftigung und Zerstreuung genug. Deinen Brief, meine liebe Mutter, erhielt ich nach Bayreuth nachgeschickt und danke bestens dafür. Viel Briefe habe ich sonst nicht bekommen, weil ich fast gar keine mehr geschrieben habe. Doch trotzdem — Gersdorff und Frl von Meysenbug halten aus und lassen immer wieder von sich, in rechter Freundschaft, hören. Ersterer ist jetzt in Sicilien mit seinem Vater und kommt im Sommer wahrscheinlich nach Basel. Seine Freunde Rau und Otto sind jetzt in Rom und bewohnen Gersdorff’s Quartier. Overbeck hat eine ausgezeichnete Schrift vollendet und sie Fritzsch zum Verlag angeboten. Wir sind begierig auf die Antwort. Picard hat sich in diesen Wochen in Genf verheirathet. Daß Sally Vischer Braut ist, wißt Ihr ja wohl, mit einem Herrn Allioth in Arlesheim. Andre Neuigkeiten weiß ich jetzt nicht.

Also, liebe Lisbeth, Dein Kommen steht bevor! Ich freue mich von Herzen darauf. Mit der Wohnung hat es sich trefflich gemacht, der Hr Blomberg, der bis jetzt dort wohnte, ist mein Tischnachbar im Kopf. Ich denke, es bleibt bei der Verabredung mit Straßburg. Du weißt aber daß ich nur von Sonnabend vor bis Montag Abend nach Pfingsten Zeit habe. Das ist aber gerade die rechte Zeit für Straßburg.

Ich bin unterbrochen worden, meine Schüler vom Pädagogium kommen truppenweise, um sich zu bedanken, sie sind jetzt zur Universität abgegangen.

Der Rathsherr Vischer ist in Baden, der Prof. Vischer in Rom, das weißt Du wohl? Vom fliegenden Holländer in Weimar hat mir Frau Prof. V<ischer> erzählt. Einen Abend waren wir bei ihrem Vater, Romundt und Overbeck auch.

Der Kopf schwirrt mir ein Bischen, es fällt mir gar nichts Neues mehr ein, als daß ich wohl bin, nur öfter einmal an Augenschmerzen laborire. Für den Sommer müssen wir uns gute Bergluft mit grünen Matten verschaffen. Mir schwebt immer die Engst<l>enalp vor, oder noch einmal das Maderanerthal. Die Entscheidung muß Ende Mai spätestens gemacht sein, denn die Schweiz rüstet sich, wegen der Wiener Weltausstellung, auf sehr viel Fremdenbesuch.

Nun laßt es Euch recht gut gehn und nehmt die herzlichsten Grüße an von

Eurem
F.

307. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 5 Mai.

Theuerster Freund,

bist Du wieder in der Semesterthätigkeit darin? Wir fangen so nachgerade in diesen Tagen an. Was Glänzendes wird es wieder nicht, doch auch nicht so lumpig und so durchaus verächtlich, wie im vorigen Winter. Gersdorff schrieb heute Morgen aus Sicilien. Overbeck ist mit seiner Schrift (wir nennen sie „Zukunftstheologie“) fertig, auch der Verleger ist gefunden — und wer? Fritzschius! Natürlich in so schönem Gewände, wie die Geburt der Trag. auftretend, wird sie nicht verfehlen alle theologischen Parteien zur Entrüstung zu bringen. Gersdorff hat Recht, wenn er schreibt, Basel sei vulcanisch geworden. Auch ich habe wieder etwas Lava gespieen: eine Schrift gegen David Strauss ist ziemlich fertig, wenigstens in der ersten Skizze — aber ich bitte Dich um Grabes-Nacht-Stillschweigen, denn es wird eine große Mystifikation in Scene gesetzt. Ich kam von Bayreuth in einer solchen anhaltenden Melancholie zurück, daß ich mich endlich nirgends anderswohin retten konnte als in die heilige Wuth.

Für die Zusendung Deiner Schrift über Aelius Promotus (bis dahin mir schändlich unbekannter Herr!) danke ich Dir bestens, habe sie mit schuldigstem Respekte gelesen und bekenne nicht ohne Desperation, durchaus verächtlicher Lump zu sein gegen Dich philologum. Dafür kannst Du aber auch keinen Hymnus auf die Freundschaft machen, noch den Papst durch die Monodie herauslocken (herauslitzen vulg.)

Weißt Du, daß unser überaus festlicher Abschiedstrunk in Lichtenfels mich berauscht gemacht hatte? Nämlich es trat das Phänomen ein, daß ich wähnte, ich würde in einem großen Rade mit herumgedreht: dabei wurde mir schwindlicht, ich schlief ein wachte in Bamberg auf, trank Kaffee: und war Mensch wie zuvor. Verlebte dann den Nachmittag in Nürnberg, sowie den zweiten Ostertag und befand mich körperlich ebenso wohl als höchst, höchst schwermüthig! Dabei waren alle Leute geputzt und liefen im Freien herum, und die Sonne so herbstlich mild. Nachts sauste ich nach Lindau ab, fuhr, im Kampf von Nacht- und Tagesgestirn, früh um 5 Uhr über den Bodensee, kam noch zeitig am Rheinfall bei Schaffhausen an, machte dort Mittag. Neue Schwermuth, dann Heimreise; an Lauffenburg vorbeikommend sah ich, daß die Stadt mächtig brannte.

Hier ist, für den ganzen Sommer, ein Freund Romundt’s eingetroffen, ein sehr nachdenkender und begabter Mensch, Schopenhauerianer, Namens Rée. — Ritschl hat Wilamowitzium angezapft und schickte mir die betreffenden Seiten des Rhein. Mus.’s zu. Geht mich gar nichts an.

Übrigens haben wir uns, wie mir vorkommt, gar nicht recht gesprochen, doch haben wir zusammen viel gelernt und erfahren — und diese Gemeinsamkeit ist doch wichtiger.

Den Barbier habe ich nicht bezahlt; was mich arg kränkt. Der Hausknecht, der von mir fürstlich belohnte, war, wie mir eingefallen ist, wahrscheinlich derselbe, den ich damals beinahe die Treppe hinuntergeworfen habe. Alle Schuld rächt sich auf Erden. In Scharfhausen habe ich ein vortreffliches Tintenfaß gekauft, mit einem Gutta percha Einsatz: die Tinte zeigt gar keine Oberfläche, und die Feder des Schreibenden drückt erst jenen Einsatz etwas nieder: so wird die Tinte nicht staubig und die Feder nicht übermäßig voll: und darum schreibe ich heute so schön, daß Du nichts lesen kannst, nicht wahr?

Nun, so wollen wir denn unser Dasein weiterschleppen und den Vers meines Freundschaftshymnus singen, welcher anfängt „Freunde, Freunde! haltet fest zusammen!“ Weiter habe ich das Gedicht doch noch nicht: doch der Hymnus selbst ist fertig — und dies ist das metrische Schema:

„Freunde Freunde haltet fest zusammen“

Preisausschreiben an alle meine Freunde, darauf einen Vers zu dichten oder zwei!

Ich dachte, es würden während des Briefschreibens einige Herrn Studenten kommen, um zu meinem Collegio sich anzumelden. Denn es war meine Stunde; aber es ist keiner gekommen. Wehe! Wehe!

Adieu, mein lieber guter Freund! Und denke meiner freundlich.

Dein Fr. N.

308. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 11. Mai 1873> Sonntag.

Liebe Mutter und Schwester,

heute nur ein Geschäftsbriefchen. Ich möchte die Gelegenheit Deiner Reise, liebe Lisbeth, wahrnehmen, um etwas von Naumburger Schustern und Schneidern zu erhalten. Erstens soll mir der Haverkamp einen ganzen Anzug machen, Rock Hose Weste, (helle Hose, dunkleren Rock vielleicht wieder rothbraun, und vielleicht schwarzsammtne Weste) Mein Maaß hat er ja, gewachsen oder dicker geworden bin ich nicht. Sodann wünsche ich von Walter ein paar gute ordentliche Stiefeln, nach meinem Fuße gemacht, ja nicht schwer, sondern leicht.

Dies sind meine Bitten, nicht wahr, Ihr gebt gelegentlich die Aufträge, und seht Euch die Stoffe an? —

Hier sind wir wieder im Semester angelangt, und es geht leidlich. Gestern haben wir das Vischer-Heuslersche neue Haus gerichtet. Das wißt Ihr wohl schon, daß der Herr Blomberg, der bisherige Insasse Deiner Zimmer, liebe Lisbeth sich mit Frl. Geehring verlobt hat; ich habe neulich einen Gratulationsbesuch gemacht. Er hat eine Musikdirektorstelle bekommen (in Mühlhausen) und ist ein ganz liebenswürdiger und sehr junger Künstler. Es herrscht allseitiges Vergnügen.

Der Druck der zweiten Auflage war bis jetzt, wie so vieles Andere, durch die beharrlichen Setzer-Strikes in Leipzig verhindert. Prof Overbeck’s neueste Schrift erscheint auch bei Fritzsch.

Weiter giebt es heute nichts zu melden: vielleicht bekomme ich über Deine Ankunft nähere Nachricht? Und es bleibt doch bei Strassburg?

Heute hatte ich mich wieder einmal dem Studium von Baedecker und Berlepsch überlassen, natürlich zu dem bewußten Sommer-Aufenthalts-Zweck.

Adieu, Adieu. Und beste Grüße
Euer F.

309. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel 20 Mai 1873

Geliebter Meister,

nun sind es wirklich zwei Menschenalter, daß die Deutschen Sie haben — und gewiß giebt es viele, die, wie ich sammt meinen Freunden, den nächsten Himmelfahrtstag als den Tag Ihrer Erdenfahrt feiern, zugleich sich sagend, welches das Loos eines jeden zur Erde fahrenden Genius sein wird, ein Loos, das wahrlich noch mehr an eine Höllenfahrt erinnert. Ein solcher Tag sollte aber nicht von Vielen, sondern von Allen gefeiert werden, und das ist wirklich immer das Schmerzlichste, daß die Menschen sich so unglaublich langsam zur Dankbarkeit anschicken, und daß erst nach zwei Generationen eine blasse Ahnung dieser höchsten Dankbarkeits-Verpflichtung gefühlt wird. Was wären wir denn, wenn wir Sie nicht haben dürften, und was wäre ich zum Beispiel anderes (wie ich jeden Augenblick empfinde) als ein todtgebornes Wesen! Mich schaudert immer bei dem Gedanken, ich könnte vielleicht abseits von Ihnen liegen geblieben sein: und dann lohnte sich wahrlich nicht zu leben, und ich wüßte gar nicht, was ich mit der nächsten Stunde beginnen sollte. Jetzt lernte ich doch Eins: daß irgendwann die Deutschen anfangen müssen, für Sie ein „Publikum“ zu bilden: und ich wünsche sammt meinen Freunden zu diesem Publikum gerechnet zu werden. Freilich gehören wir mehr zur dritten als zur zweiten Generation und kommen somit spät genug. Das wieder gut zu machen, müssen wir’s recht Ernst nehmen mit unsrer Aufgabe, Publikum zu sein: damit wir von der dumpfen Ahnung zur Klarheit kommen, zu begreifen, weshalb Ihr Genius gerade zu den Deutschen gekommen ist.

Hier in Basel werden wir dies feiern, denn hier haben Sie wirklich eine kleine Schule. Da giebt es meinen Freund Gersdorff (seit vorgestern hier) Overbeck Romundt, dann des letzteren Freund Rée, der auch diesen Sommer hier bleibt, dann ein paar Studenten, die gläubig auf mich hören, wenn ich von Ihnen erzähle. Daß Overbeck jetzt mit der Fritzschischen Signatur auftritt, ist himmlisch, und ich danke Ihnen von Herzen, dies möglich gemacht zu haben. Ich wollte Ihnen aber eigentlich mit der Zusendung meines Anti-Strauss danken, der seit Wochen in der ersten Niederschrift fertig ist. Aber jetzt, in der ersten Noth des neuen Semesters, geht es mit der Umarbeitung langsam, zumal ich sehr an plötzlicher und schmerzhafter Augenschwäche leide und besorgt genug bin. Ich hatte gehofft, Ihnen zum Geburtstag mein Manuscript schicken zu können, aber es gieng nicht, und ich bitte Sie, mir noch ein Weilchen Zeit zu geben. Inzwischen sende ich Ihnen und der verehrtesten Frau Gemahlin meine herzlichsten Grüße; und wenn das ganze Haus Sie feiert und die guten Kinder gratuliren, so denken Sie, daß wir hier in der Ferne neunte Symphonie und Kaisermarsch spielen und mit feiern und mit gratulieren.

Ihr treulich ergebener
Gratulant
Friedrich Nietzsche

310. An Elisabeth Nietzsche in Novolles

<Flims, Ende Juli 1873>

Bitte meine liebe Lisbeth, mache auch in meinem Namen die Gratulationen, ich kann noch nicht schreiben —

es geht aber recht gut.
Schönste Grüsse, auch an Vischers.
Dein Fritz

311. An Elisabeth Nietzsche in Novolles

<Flims, erste Augusthälfte 1873>

Meine liebe Lisbeth,

Schön, alles in Ordnung und so, wie ich erwartet. Ich bitte Dich nun auf folgenden Vorschlag zu hören. Fahre nächsten Donnerstag früh fort, so dass Du Mittag in Olten bist und gegen 7 Uhr in Chur anlangst. Dort erwarte ich Dich, bleibe mit Dir die Nacht dort, und früh morgens am Freitag geht es mit der Post nach Flims.

Telegraphire mir ja, ob Du damit einverstanden bist, und so bald als möglich. Du bekommst das Zimmer neben mir, das bis jetzt Romundt hatte: der verreist am Donnerstag oder spätestens Freitag früh.

In Treue und fröhlicher
Erwartung Dein
F.

Herzliche Grüsse an Laubschers. Hier sind gute Familien und lauter freundliche Menschen.

312. An Carl von Gersdorff in Basel (Widmung)

Basel am 25 August 1873.

Freundschaft schrieb dies Buch,

und wenn es Feindschaft macht,

Sei zum Trost der Freundschaft, die es schrieb,

gedacht!

313. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel> Freitag den 18 Sept. 1873.

Geliebter Meister,

zuerst melde ich mit der einem Patrone zukommenden Würde, dass ich am 31 Oct. in Bayreuth eintreffen werde, um zugleich die Rechte von drei anderen Patronen (Gersdorff Rohde und meine Schwester) stellvertretend auszuüben. Zwar beginnen wir um dieselbe Zeit unser Winterhalbjahr: aber von zwei Dingen, die nöthig sind, ist eins immer nöthiger als das andre; und zumal in diesem Falle, wo es sich nicht um ein „mehr oder weniger nöthig“ sondern um eine Noth handelt. Ich wollte, ich könnte heute versprechen einen Sack Goldes mitzubringen; das steht freilich nicht in meiner Macht. Aber einen Sack voll guter Hoffnungen von dort mit fortzuschleppen, hoffe ich heute schon von Herzen, weil jene Noth mir bis an den Hals geht und rein gar nichts mehr übrig bleibt als auf die Hoffnung selbst zu hoffen. Ihr Sendschreiben an die Patrone warf mich in jene Stimmung zurück, mit der ich Ostern Bayreuth verliess: gegen die es gar keine Rettung giebt als etwas zu produciren und von Zeit zu Zeit einmal den Kaisermarsch, damit wir doch wenigstens noch „ein Symbol haben“, uns zu erinnern, wie alles noch einmal „gut werden kann“ — da Eins doch gut geworden ist, der deutsche Soldat.

In der That, meine erträglichsten Empfindungen sind jetzt militärische Empfindungen; und wenn ich schon zumeist von Schlachten und belagerten Städten träume, so geht mein waches Denken erst recht auf Angriff und Streit aus. Das ist auch ein Mittel, zur Ruhe zu kommen, wenn der faule Frieden ringsum einem nur Unruhe schafft.

Gersdorff, der treueste Freund — der mir, so lange er um mich war, meine rechte Hand und mein linkes Auge war — hat mich seit vorigem Montag verlassen und weilt mit Rohde zusammen in Genua. Wir, nämlich ich mit Overbeck und Romundt, haben eine wahre Nänie bei seinem Abschiede gesungen; ein unwiederbringlich schöner und seltsamer Sommer nahm mit ihm für immer von uns Abschied.

Jetzt eben schreibe ich meinen ersten längeren Brief wieder, nach einem ganzen halben Jahre, während dem Gersdorff alles Briefliche mit rührender Aufopferung besorgt hat. Meine Augen erlauben mir das Lesen wieder und auch ungefähr das Schreiben: obschon mich dies immer noch schnell erschöpft und mir Schmerzen macht. Mein Arzt ist aber voll der besten Hoffnungen. Nur über die Entbehrung wirklicher Musik bin ich mitunter geradezu ausser mir; wenn man nichts Rechtes mehr sieht, weder an den Menschen noch an den bildenden Künsten und gar nichts Tröstliches erfährt, so genügt es dann freilich nicht immer, sich seine eigene Musik vorzumachen; auf die aber und nur auf die bin ich reducirt, da ich nicht mehr Noten lesen darf oder kann. Vor dem Winter fürchte ich mich etwas, da mir bei Lichte zu lesen oder Collegien zu halten verboten ist. In summa bleibt nichts übrig als nachzudenken: und zwar denke ich über meine zweite „Zeitungemässheit“ nach. Auf zwölfe ist es abgesehen, und der Plan dazu entworfen. Mein erstes Heft hat hier eine unbeschreibliche Wirkung gethan; eine toll-feindselige Zeitungslitteratur ist gegen mich entstanden, aber gelesen hat es Jedermann.

Ihrer verehrtesten Frau Gemahlin schicke ich heute mit den herzlichsten Grüssen nur das Versprechen, ihr nächstens brieflich für die grosse und unschätzbare Theilnahme zu danken, die sie mir in der Zeit der „Verfinsterung“ bewiesen hat; ebenfalls Fräulein Meysenbug, deren letzter Brief an Gersdorff leider nach dessen Abreise eintraf und ihm nachgeschickt werden musste.

Auf Wiedersehen, geliebtester Meister,
am Reformationstage.

Der Basler Genesende.
Erasmus (oder auch Anselmus,
geisterinselhaften Angedenkens)

314. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 21 Sept. 1873.

Nun, mein geliebter Freund, das nenne ich hinter Wolken verschwinden und mit dem Vollmondsglanze des Glücks wieder hervorkommen! In der That dachte ich oft genug mit einer zagenden Empfindung an Dich, nichts hörend und in der begreiflichen Entsagung, an die Ihr armen Examen-Menschen Eure Freunde gewöhnt. Nun ist Noth, Stillschweigen, Entsagung auf beiden Seiten vorüber, und glückwünschenden Herzens sende ich Dir heute ein Lebenszeichen. Vielleicht aber dass der schneidige Klingen-Klang (lies beim Zeus nur nicht „Klingklang“, das wäre etwas Anderes) meiner eben veröffentlichten Straussiade nicht zu Deiner festlich-blühenden Empfindung passen will — dann wirf nur das Buch einstweilen bei Seite.

Weihnachten komme ich nach Naumburg, Dich einmal auf Deine Weise holländerisch sprechen zu hören. Gesegnet sei der Thüringer Wald, das Schumannfest und all die mächtigen Alliirten einer werdenden und werbenden Minne.

Erlaube mir heute noch kurz zu sein; so bleibst Du davor behütet, mich langweilig finden zu müssen. Und welchem Liebenden dürfte man Zeit rauben und Langeweile schaffen! Dann gebieten mir meine Augen (die widerspenstigen! gefährlichen und gefährdeten!), jetzt bereits aufzuhören, während mein Herz gerade im Schusse war, Dir einen recht gemüthlichen Brief im „trägen Junggesellenton“ zu fabriciren.

Adieu! und liebt euch!

Auf Wiedersehn, getreuer guter Freund!

F N.

315. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel 21 Sept 73.

Meine liebe gute Mutter, so ist denn unsre gute Tante dahin, und wir sind wieder einsamer. Alt werden und einsam werden scheint dasselbe, und ganz zuletzt ist man wieder nur mit sich zusammen und macht Andre durch unsern Tod einsamer.

Gerade weil ich wenig von meinem Vater weiss und ihn mir mehr aus gelegentlichen Erzählungen errathen muss, waren mir seine nächsten Anverwandten mehr als sonst Tanten zu sein pflegen. Ich freue mich, wenn ich an Tante Riekchen, wie an die Plauenschen usw. denke, dass sie alle eine sonderliche Natur bis in ein hohes Alter festhielten und in sich Halt hatten, um weniger von aussen her und von dem so zweifelhaften Wohlwollen der Menschen abzuhängen: ich freue mich dessen, weil ich darin die Raçeeigenschaft derer, die Nietzsche heissen, finde und sie selbst habe.

Deshalb war die gute Tante mir immer auf das Freundlichste gewogen, weil sie es fühlte, wie wir in Einer Hauptsache verwandt waren, nämlich eben in der Nietzsche’schen Hauptsache. Und so ehre ich denn ihr Angedenken, indem ich von Herzen begehre, wenn ich alt werden sollte, wenigstens nicht von mir selber, das heisst von dem Geiste meiner Väter abzufallen.

Erwarte jetzt, meine liebe vielgeplagte weil viel helfende Mutter, nichts mehr von mir und denke gerne

an Deinen Sohn
Friedrich Nietzsche

316. An Carl von Gersdorff in Siena

Basel Samstag. <27. September 1873>

Nun, mein geliebter Freund! Heute giebt es endlich bei mir Ferien, das neunte akademisch-pädagogische Semester ist abgethan! Schnell also mag ein Gruss von mir hin zu Dir eilen, um Dir noch einmal zu sagen, was Du weisst — dass dieses neunte Semester Dein Werk ist. Was wäre da alles zu sagen, wenn es unter uns darauf ankäme, durch Worte zu danken! Genug, ich habe viel verloren, als ich mit dem zu Ende eilenden Semester auch Dich verlor, und hier und da beschleicht mich das Gefühl der Einsamkeit, das ich aber kräftig unterdrücke, um mir recht klar zu machen, was mir an den übrig gebliebenen Freunden eigentlich übrig geblieben ist. Nur dass auch diese, wenn ich mit ihnen zusammen bin, über Deinen Verlust klagen: so dass uns, um das allgemeine Beraubtsein zu ertragen, die Klage endlich immer in Dein Loblied umschlägt. Dann preisen wir uns, Dich als Freund zu haben und erleichtern es uns, dass wir Dich recht entbehren.

Das zwölftel Last, das jeder von uns mehr zu tragen hat, ist viel zu gering taxirt: und — da es auch einiges Erfreuliche inzwischen gab — so fehlte uns bei der Freude ein ganzer voller Mensch, nämlich Du.

Von R<ichard> W<agner> traf ein herrlich-heiterer Brief ein, in Betreff der Strussiade schrieb er „ich habe wieder darin gelesen und schwöre Ihnen zu Gott zu, dass ich Sie für den Einzigen halte, der weiss, was ich will!“

Daran wollen wir uns doch genügen lassen, nicht wahr, lieber Freund?

Übrigens ist der Zeitungs-Spuk gross und fast unerträglich gewesen! Alle Baseler Zeitungen haben Artikel, zum Theil verschiedenartige, gebracht, darunter auch einen begeisterten: in summa 5 Artikel. Dann Karl Hillebrand in der Augsburgerin — höchst merkwürdig, doch so dass für mich fundamentale Differenzen übrig geblieben sind, und ich im Ganzen Frau W. zustimme, wenn sie sagt „K. H. kennt die Franzosen besser als irgend ein Franzose, aber er kennt die Deutschen nicht mehr.“

Die Gesundheit ist wandelbar gewesen, doch hoffe ich alles von der nächsten, ruhig-produktiven Ferienzeit. Denn nur wenn ich etwas hervorbringe, bin ich wirklich gesund und fühle mich wohl. Alles Übrige ist schlechte Zwischenaktsmusik.

Fuchs hat die angemeldeten Compositionen geschickt — sie sind recht schön. Baumgartner brachte zwei herrlich gebundene (Juchten — Gold) Exemplare meiner Schriften, in die ich mich einschreiben musste. Leutsch hat hier seinen Besuch angemeldet — er soll einige Wahrheiten zu hören bekommen. Ritschl schweigt. Fritzsch schweigt — doch schreibe ich vielleicht noch heute.

Ein Brief von Frl. von Meysenbug traf kurz nach Deiner Abreise ein, ich lege ihn bei.

Heute ist alles blauer Himmel, und ich vermuthe dass Du sehr glücklich sein wirst.

Lebe wohl, mein lieber getreuer
Freund, mehr darf ich nicht
schreiben.
Dein
Friedrich Nietzsche.

Herzliche Grüsse und Wünsche von Overbeck Romundt, meiner Schwester und Vischers.

317. An Carl Fuchs in Berlin

Basel 30 Sept. 1873

Lieber Herr Doctor!

Hier kommt ein Lebenszeichen, aber auch nichts mehr, nicht einmal ein Zeichen wieder hergestellter Sehkraft: denn auch jetzt noch bediene ich mich der nachschreibenden Gefälligkeit eines vertrauten Freundes. Ja, ich nehme mir nicht einmal vor, Ihnen auf so zahl- und inhaltsreiche Briefe zu antworten, da ich im Respondieren und Correspondieren nie etwas getaugt habe und jetzt aus einer früheren Untugend eine Pflicht zu machen fast gezwungen bin. Verzeihen Sie es mir also, wenn ich dies Mal in Bausch und Bogen für alle Ihre Briefe nur danke und nichts als danke. — Und wundern Sie sich nicht, wenn mit diesem Gedankenstrich auch der Dank schon vorüber ist und wir nun sofort auf lauter Neues übergehen. Das Neueste aber ist die Zusendung Ihrer Arrangier-meisterstücke. Ich fühle das, was Sie hierin geleistet haben, fast wie eine Befriedigung meiner Finger, so ungeschickt dieselben auch sein mögen und so sehr auch diese nur ahnen können, was andere Finger wahrscheinlich wissen werden. Drücken Sie doch ja dem Herrn Riemenschneider meine Sympathie und meine Überraschung über seine musikalischen Nächte aus. Ihnen selbst aber als dem Freunde des Componisten darf ich wohl etwas Genaueres über den Grad meiner Sympathie sagen. Mit der Julinacht nämlich bin ich nicht ganz einverstanden und zwar gerade in Betreff ihrer Herzgegend: „langsam, innig“. Wenn der Componist uns zu verstehen geben will, daß der Julinachtsänger sich an irgend ein inniges Glück erinnert, so brauchte doch dies nicht durch eine Melodie ausgedrückt zu werden, die wie eine Reminiscenz an innige und glückliche Melodien klingt, aber eben nur wie eine Reminiscenz. Dasselbe scheint mir von der Resignationsmelodie auf der vorletzten Seite zu gelten. Ja, ich möchte glauben, daß die ganze Composition nur nachempfunden, nicht eigentlich vorempfunden ist, was doch jedes Gute sein soll. Aber ein großes Illustrationstalent zeigt sich gerade auch in dieser mehr abgenöthigten als nothwendigen Production, wobei ich besonders an die erste Seite denke. Viel selbständiger, viel erlebter dünkt mich die Nachtfahrt, Einleitung und der sehr zarte Mittelsatz geradezu meisterhaft charakteristisch. Die auf Seite 4 eintretende Hauptmelodie ist mir zwar nicht ganz sympathisch, obwohl ich auch hier wie überhaupt bei der ganzen Composition eine zauberische Orchestralwirkung zu errathen glaube.

— — Nun Thema 2: Dr. Fuchs der Symptomatiker! ich hatte in diesem Sommer Zeit, über schriftstellerische Musiker nachzudenken und zwar gerade in Hinsicht auf ein von Musik handelndes Wochenblatt. Ein solches ist, wie wir alle wissen, fast ausschließlich auf lesende Musiker angelegt; deren Bedürfnisse bestimmen den Charakter des Blattes und diese sind, Gott sei Dank, bis jetzt fast noch gar nicht litterarisch, sondern, so weit sie ein Wochenblatt brauchen, nur geschäftlich. Der und der sucht eine Stellung, der will seine Musik aufgeführt haben — das ist glücklicher Weise noch der naive Sinn eines solchen Blattes. Zu welchem Tragelaphen aber wird dasselbe, wenn hinten nur das Geschäft und vorne Wolzogen, Stade und Sie, geehrtester Herr Doctor, zu Worte kommen; ich meinerseits wage es nicht, Ihre drei Namen unter den Begriff des Vergnügens des Gegensatzes halber zu fassen; Belehrung wäre auch nicht das rechte Wort; denn ich wüßte nicht, was Stade einem über 9te Symphonie oder Cornelius zu lehren hätte; und ob Wolzogen etwas zu lehren hat, wäre erst zu erkennen, wenn er erst einmal deutlich schreiben lernen wollte. Sie aber, werther Herr Doctor, denken ganz und gar nicht an den geschäftlichen Musiker vom hintern Theil des Blattes, an den glücklicher Weise so ungebildeten deutschen Musiker. Vielleicht denken Sie dabei an mich und da haben Sie wirklich einen, der sich gern von Ihnen belehren läßt und von wenigen Musikern so gern als von Ihnen. Leider liegt nur eben demselben das Wohl jenes Fritzscheschen Wochenblattes so am Herzen, daß er viel mehr als an seine „Belehrung“ und sein „Vergnügen“ daran denkt, wie wir die Existenz des Blattes schützen und mindestens bis zu den Bayreuther Festspielen verbürgen möchten, ich schwöre es Ihnen aber zu, daß ich keinen kenne, der Ihre Symptome gelesen hat; das liegt aber nicht an den Symptomen, sondern am Orte. An diesem Orte sind sie nicht nur unmöglich, sondern sie machen beinahe auch den Ort unmöglich. Dagegen könnte ich mir ein gewisses wohl ausgeführtes, breit angelegtes historisches Gemälde denken, in dem neben der Entwicklung ernst gemeinter philosophischer Lehrsätze über Musik auch die absurden Herren Lotze und Gervinus einen Platz oder wenigstens eine Armensünderbank hätten; ich kenne nur einen, der dies Gemälde malen könnte: aber was soll aus dem Maler werden, wenn Herr Georg Riemenschneider so viel Orchesterstücke componiert, und nun auch etwa Todtentanz und Donna Diana auf das Ciavier übertragen werden wollen!

Um aber auf das Wochenblatt zurückzukommen, so erinnere ich mich, keine Recensionen so gern gelesen und so an ihrem Platze gefunden zu haben als die Ihrigen, lieber Herr Doctor.

Das war nun freilich keine Antwort, sondern beinahe ein Straussisches Bekenntniß und vielleicht werden Sie dasselbe gar recht philisterhaft und mindestens sehr laienhaft finden. Wenn Sie es zeitgemäß finden sollten, mit einer brieflichen Betrachtung zu antworten, so seien Sie nur im Voraus überzeugt, in Basel allezeit das freundlichste Gehör und die wärmste Theilnahme für Ihr Wohl und Wehe zu finden.

Treulich Ihr ergebener
Friedrich Nietzsche.

318. An Carl von Gersdorff in Bologna

<Basel,> 18 Oct. 1873

Der beifolgende Brief L. Rau’s will gleich befördert sein, deshalb nur sechs Worte. Herzlichen Dank für Deinen Geburtstagsbrief: am Tage selbst gieng mir’s schlecht genug, wie überhaupt seit Deiner Abreise, aber ich schlage mich durch, besonders jetzt, wo es wieder einmal noth thut, gesund zu sein. Man verlangt von mir einen „Aufruf an die deutsche Nation“ zu Gunsten Bayreuth’s; „wird besorgt“, wie Tausig sagte. — Von Fritzsch, trotz wiederholtem Brief und Rohde’s Besuch keine Nachricht: dagegen bin ich hinter eine ganz und gar unheimliche Machination gekommen, die meine schleunige persönliche Intervention in Leipzig verlangt. Ich will brieflich nichts Genaueres sagen, weil ich mich fürchte, darüber dem Papier etwas anzuvertrauen. Genug dass eine ganz unvermuthete grässliche Gefahr dem Bayreuther Unternehmen droht und dass es an mir liegt, die Gegenminen zu Stande zu bringen. Overbeck und ich sagen immer „wir leben Samaroff“. Gespenst R<osalie> N<ielsen> natürlich betheiligt. — —

Mitten in aller Noth und Aktion ist ein Stück der neuen Unzeitgemässheit (2 Capitel) geschrieben, das Ganze entworfen.

Die Straussiade hat in Basel in summa 9 Zeitungsartikel erlebt. Zuletzt hat mich sogar der Volksfreund feurig in Schutz genommen. —

Lebewohl, treuer glücklicher Freund, Alle grüssen von Herzen. Verzeih die unausstehliche Krakelei.

6 Preisarbeiten angelangt und wie ich glaube, verurtheilt.

Lebewohl! Alle
guten Geister mit Dir
und uns.
F.N.

319. An Erwin Rohde in Hamburg

Von der Schweizer Grenze <Basel>18/10 73.

Liebster Freund!

Obenstehende Hôtelanzeige besagt nur, daß ich im vorigen Jahr auf dem Splügen war und daß ich augenblicklich kein anderes Briefpapier habe. Der aber, welcher diesen Brief und diese schlechte Hand schreibt ist Romundt genannt.

Seit Deiner Abreise habe ich mich mühsam durchgeschleppt, mußte alle drei Tage zu Bett liegen und war außer Stande, Deinen Geburtstag, wie sichs gebührt, durch Briefe und Weinspenden zu feiern. In Betreff des meinigen habe ich mir vorgenommen, immer nur das Vorübersein eines Jahres zu feiern und die Zukunft mit einiger Resignation herankommen zu sehn. Wenn die Götter sehr gnädig sind, so erhalten sie mir im neuen Jahre das, was ich im alten hatte; nämlich: meine Freunde und die Lust etwas Rechtes zu machen.

Alles Neue nämlich ist fürchterlich; wie ich schon in den ersten Tagen des neuen Jahres zu erfahren Gelegenheit hatte. Neu ist z.Bsp. die Aufforderung, die mir heute zukommt, zu Gunsten des Bayreuther Werkes und im Auftrage eines Patronenausschusses einen Aufruf an das deutsche Volk (mit Züchten zu reden) zu machen. Fürchterlich ist diese Aufforderung auch: denn ich habe selbst einmal aus freien Stücken etwas Ähnliches versucht, ohne damit fertig zu werden. Deshalb geht meine dringende und herzliche Bitte an Dich, lieber Freund, mir dabei zu helfen, um zu sehn, ob wir vielleicht gemeinsam das Unthier bewältigen. Der Sinn der Proclamation, um deren Entwurf ich Dich bitte, läuft darauf hinaus, daß Groß und Klein, so weit die deutsche Zunge klingt, bei seinem Musikalienhändler Geld bezahlt; zu welcher Handlung man etwa durch folgende Motivierung anreizen könnte: (nach einer, wie es scheint, von Wagner stammenden von Heckel mitgetheilten Angabe) 1. Bedeutung des Unternehmens, Bedeutung des Unternehmers 2. Schande für die Nation, in welcher eine solche Unternehmung, bei welcher jeder Theilnehmer uneigennützig und persönlich aufopfernd ist, als das Unternehmen eines Charlatans kann dargestellt und angegriffen werden. 3. Vergleich mit andern Nationen: wenn in Frankreich, England und Italien ein Mann, nachdem er gegen alle Mächte der Öffentlichkeit fünf Werke den Theatern gegeben hätte, die von Norden bis Süden gegeben und bejubelt werden, wenn ein Solcher ausriefe: die bestehenden Theater entsprechen nicht dem Geiste der Nation, sie sind als öffentliche Kunst eine Schande, helft mir eine Stätte dem nationalen Geiste bereiten, würde ihm nicht alles zu Hülfe kommen, wenn auch nur aus Ehrgefühl? u.s.w. u.s.w. Am Schluß wäre darauf hinzuweisen, daß bei sämmtlichen (3946) deutschen Buch- Kunst- und Musikalienhändlern, welche jede gewünschte Auskunft geben können, Listen ausliegen zur Einzeichnung etc. Laß Dich’s nicht verdrießen, liebster Freund, und gehe daran; ich wills auch thun, kann aber bei meinen gräulichen Herz und Bauchzuständen für gar nichts einstehn. Übrigens drängt die Sache. Darf ich also bald auf ein Blatt im napoleonischen Stile rechnen?

Inzwischen ist eine andre Sache ins Gigantische und recht eigentlich über unsere Köpfe gewachsen. Auch brieflich ist es nur erlaubt, von ihr zu munkeln, nicht deutlich zu reden. Es besteht, wie Overbeck und ich des Festesten überzeugt sind, eine unheimliche Machination, um den - - - Leipz. Verlag in die Hände der Internationalen zu bringen. F<ritzsch> ist, wie wir fürchten, bereits compromittiert und hat wahrscheinlich schon Geld bekommen. Unsre Sache, auf die wir hoffen, ist in dem Augenblick vernichtet, wo nur ein Wörtchen davon in der Öffentlichkeit laut wird. Heute Abend wollte ich eigentlich zu einer schleunigen persönlichen Intervention nach Leipzig abreisen. Eine unerwartete Verpflichtung meines Amtes hält mich ab und so werde ich erst von Bayreuth aus nach Leipzig reisen. Dem scharfsinnigen Kritiker E. R. liegt nicht der ganze Apparatus criticus vor. (nämlich Briefe und Aussagen des weiblichen Gespenstes R<osalie> N<ielsen>). Aus dem, was wir wissen, ist es auch minder geübten Krütükern möglich, zu einem schrecklich bestimmten Resultat zu kommen, besonders wenn sie sich der berühmten speculativen Sälenleere R<omundt>’s bedienen. Bitte, theile uns doch noch mit, ob F<ritzsch> aus freien Stücken auf die Erwähnung jenes Testamentes kam, in welchem Tone er das Gespenst erwähnte und ob er angelegentlich von seiner Gesundheit sprach. Übrigens bist Du ernstlich von Dictator und Schreiber gebeten, diesen Brief sofort zu verbrennen.

Pocht das starke Männerherz wider die Rippen?

Nach solchen Vorkommnissen wage ich nicht mehr, meinen Namen unter diesen Brief zu setzen. Wir leben Samarow, denken nur Minen und Gegenminen, unterzeichnen nur pseudonym und tragen falsche Bärte.

Hui! Hui! Wie saust der Wind!

Im Namen der Mitverschworenen
Hugo mit der dumpfen Geisterstimme.

Herzliche Grüße fügt hinzu

der Schreiber

Alles ist gefährdet; auch bei Overbeck wühlts im Bauche, er fühlt sich vergiftet; er läßt grüßen. —

320. An Emil Heckel in Mannheim

<Basel, 19. Oktober 1873>Sonntag

Geehrtester Herr Heckel,

das, was Sie von mir verlangen, wird besorgt.

Ihr Entwurf für die Buchhändler scheint mir vortrefflich, wie überhaupt der ganze Plan wieder für seinen Urheber spricht. Lassen Sie mir den Entwurf zu näherer Prüfung noch ein paar Tage; vielleicht kann ich dann den meinigen mit schicken. Ich komme, falls meine Gesundheit irgend wie es zulässt, am 30. d. M. nach Bayreuth. Von meinem Entwurfe will ich hier eine Anzahl gedruckte Abzüge machen lassen: er ist dann besser zu übersehen und nöthigenfalls zu revidiren.

Treulich Ihr
Nietzsche

Nein: ich schicke ihn gleich und habe ihn bereits durchgesehen

321. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel Montag. <20. Oktober 1873>

Meine liebe Mutter, ich komme so spät dazu Dir für Deine guten Wünsche und schönen Geschenke, mit denen Du meinen Geburtstag bedacht hast, zu danken: so spät, weil ich längere Zeit und zumal auch an dem genannten Tage selbst unwohl war, und jetzt jede Art von Erkrankung sich auch durch größere Reizbarkeit der Augen bemerkbar macht. Das hindert mich dann zu arbeiten zu lesen und zu schreiben, es hindert mich auch Briefe zu schreiben und hat es verzögert, meinen Dank an Dich schriftlich abzufassen. Von den Weintrauben habe ich nur kosten dürfen: aber Alle, die davon gegessen zumal meine Freunde wußten sie sehr zu loben; von der Stolle, als dem halt- und dauerbareren Gegenstande, muß ich selbst nach meiner Erfahrung rühmen, noch nicht eine so schmackhafte genossen zu haben. Verschen Portemonaie und all die kleinen sonderbaren Gegenstände haben den gebührenden Effekt gemacht; im Übrigen wollen wir froh sein, daß ein Jahr ungefähr wieder leidlich überstanden ist: darüber könnte ich selber wohl schnarren und trompeten, nicht aber über das neue herankommende, von dem man so gar nicht wissen kann, was es bringt und das mir eher Furcht als Vertrauen einflößt. —

Morgen reist nun unsre Lisbeth ab, die mir treulich in diesem Sommer das Leben erleichtert und erheitert hat. Sie bringt von mir einige alte Kleider mit. Vielleicht gelingt es mir diese Weihnachten wieder wie im vorigen Jahr, mit Euch Beiden zusammen zu sein: zuletzt bleibt es doch die beste Zeit für unsre Zusammenkunft, ob sie gleich so kurz ist. Über alles, was mich betrifft, wirst Du nun durch Lisbeth mancherlei Ausführliches hören. Ich erlebe immer viel, aber es bleibt, als kurze Briefnotiz, unverständlich oder mißverständlich.

Die Erklärung in Betreff des Testaments habe ich neulich ausgestellt und wird wohl in Deinen Händen sein. Briefe zum Geburtstage bekam ich von Wilhelm, von Gustav, von Gersdorff aus Italien, von Deussen aus Genf und von Rohde, sowie aus Bayreuth. Mit dem Deinigen also sieben Stück. Auch Dr. Fuchs aus Berlin gab neuerdings wieder sehr ausführliche Nachricht und läßt Dich grüßen. Gersdorff kommt im December wieder hierher.

Nun gehab Dich recht wohl und denke meiner freundlich und wohlgemuth als

Deines Sohnes
Friedrich Nietzsche.

322. An Erwin Rohde in Kiel

Basel, 25./26. Oktober 1873

Mittwoch früh gemacht und Sonnabend Abend fertig aus der Druckerei — alles im Geschwindmarsch.

Schreibe mir doch schnell Dein Urtheil, nach Bayreuth, theurer Freund. Zugleich mit Deiner Erklärung, ob Du gewillt bist, Deinen Namen zur Unterschrift, in Gemeinschaft mit anderen guten Namen, herzugeben.

Meine „Tendenz“ war, die Bösen zu erzürnen und die Guten, durch diesen Zorn, zu sammeln und anzufeuern.

Bis Mittwoch war Frau Gesundheit widerspänstig, jetzt parirt sie. —

Ein Brief von Fritzsch hat alle Befürchtungen zerstört. Er kommt übrigens nach Bayreuth.

Lies doch die Grenzboten und den neuen Artikel „Herr Friedrich Nietzsche und die deutsche Kultur.“

Fritzsch schreibt, dass wenn der Verkauf so fortginge, wie in den letzten Wochen, er noch in diesem Jahre eine zweite Auflage machen müsse.

Guter treuer Freund, ich werde Dich recht in Bayreuth vermissen! Wir sind so wenige.

Lebe wohl und behalte mich lieb. R<omundt> und
O<verbeck> sowie meine Schwester grüssen.

323. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, 25. oder 26. Oktober 1873>

Hier, geliebter Meister, ist mein Entwurf. Eigentlich war es mein Wunsch, Ihnen denselben recht pathetisch vorlesen zu können; aber es scheint mir heute besser, daß er möglichst bald in Ihre Hände kommt. Entspricht er ungefähr seinem Zweck (die Bösen zu erzürnen und die Guten durch diesen Zorn zu sammeln und anzufeuern), so läge mir viel an der schnellen Anfertigung einer französischen, italiänischen und auch wohl englischen Übersetzung, aus ersichtlichen Gründen. Zur Unterschrift geeignet scheint mir weniger ein Patronats-Ausschuß als vielmehr eine von uns auszuwählende kleinere Schaar von Männern aus den verschiedensten Klassen und Ständen (Adel, Beamte, Politiker, Priester, Gelehrte, Geschäftsleute, Künstler). An jeden der ausgewählten wäre ein Exemplar dieses Aufrufs zu versenden, mit der Anfrage, ob er seine Unterschrift hergeben wolle. Ich bringe genug Exemplare mit, um dies zu ermöglichen. Sobald die Antworten zurückgekommen sind, ist dann der definitive Druck so schnell wie möglich vorzunehmen. Ein kurzer geschäftlich-praktischer Nachsatz müßte dem Aufruf, unterhalb des Striches und der Namen beigefügt werden; wie dies Alles am Freitag zu besprechen ist. Ich komme Donnerstag Nachmittag.

In Treue und Liebe
Ihr
F. N.

324. An Carl von Gersdorff in Venedig

Basel Montag. <27. Oktober 1873>

Mein lieber Freund, sofort schreibe ich wieder, weil ich aus Deinem Schreiben ersehe, dass ein Brief von mir nicht an Dich gelangt ist: nun wäre daran nichts gelegen, wenn nicht gerade in diesem Briefe als Einlage ein Brief von Rau gelegen hätte, den Rau selber als sehr wichtig bezeichnet und um dessen Bestellung er mich bat, weil er Deine Adresse nicht hatte. Wende Dich also an die Post in Bologna: dort muss sich poste restante mein Brief sammt der Einlage vorfinden. Du hattest mir früher geschrieben, dass Du 10 Tage in Bologna bleiben würdest: auf diese Notiz hin konnte ich es verantworten, wenn ich dorthin adressirte. Hoffentlich giebt es kein Malheur.

Mittwoch reise ich nach Bayreuth ab: wirst Du Dich wundern zu erfahren, dass die nöthige Anzahl von Vertretern des Patronats nicht zusammengekommen ist, so dass die Vereinigung am 31 d. M. vielmehr einen privaten als einen offiziellen Character haben wird. Man hat von mir einen „Aufruf an die Deutschen“ verlangt: ich habe ihn an einem Vormittag (nämlich vorigen Mittwoch) gemacht, und bereits am Sonnabend Abend bekam ich ihn fertig aus der Druckerei. Ich sende ein Exemplar an Dich mit der Bitte einer Beurtheilung: natürlich hat er jetzt noch nicht die ihm erst in Bayreuth zu ertheilende Gültigkeit: weshalb ich bitte, Dein Exemplar vorläufig geheim zu halten. Ich denke an eine Art der Unterzeichnung, wie wir sie damals in München ausgedacht haben: so dass die einzelnen Stände und Gesellschaftsklassen vertreten sind. Bist Du eventuell bereit, Deinen Namen mit darunter zu setzen? Du wirst an Rohde und Overbeck Kameraden haben.

Grosse Befürchtungen, die ich in meinem Bologna-Briefe an Dich andeutete, sind fast ganz gehoben: denn Fritzsch hat endlich geschrieben und sehr artig und warm. Er bittet um das Manuscript der Nr. 2 der U. B.; und versichert, dass er noch in diesem Jahre zu einer 2ten Auflage der Nr. 1 schreiten müsse, wenn der Verkauf in der Weise der letzten Wochen fortgehe. Honorar-Bedingungen acceptirt. Für die neue Auflage der „Geburt“ ist der Januar fixirt. Gespenst Nielsen ist bei den Russen.

Die grünen Hefte der „Grenzboten“ haben neulich ein Non plus ultra gebracht unter dem Titel „Herr Friedrich Nietzsche und die deutsche Kultur.“ Alle Gewalten sind gegen mich angerufen, Polizei Behörden Collegen, ausdrückliche Erklärung, dass ich an jeder deutschen Universität in Verschiss gethan würde, Erwartung dass man das Gleiche in Basel thut. Mittheilung, dass ich durch ein Kunststück Ritschl’s und die Dummheit der Basler aus einem Studiosus zum ord. Prof. geworden sei usw. Schmähungen auf Basel als „Winkeluniversität“, ich selbst werde als Feind des deutschen Reiches denuncirt, den Internationalen zugesellt usw. Kurz ein wohl zu empfehlendes heiteres Documentum. Schade, dass ich Dir’s nicht zusenden kann. Selbst Fritzsch bekommt einen Tritt: es wird schmählich befunden, dass ein deutscher Verleger mich genommen habe. Also, liebster Freund, unsre Nr. 1 hat, um mich à la Fritzsch auszudrücken, „Eingang bei dem Publikum gefunden.“

Neun Basler Zeitungsblätter haben nun über mich gesprochen, in allen Tonarten, und in summa höchst ernsthaft in Vergleich zu dem Grenzboten-Wütherich und Frevler.

Mit Rohde habe ich gute Vorsätze ausgetauscht: für nächsten Herbst ist eine Zusammenkunft aller Freunde verabredet: wobei wir natürlich auf Dich wie auf uns selber rechnen. Da soll schon etwas herauskommen. Versammlungsgegend ist vorläufig der Genfer-See. Indessen darüber wollen wir später berathen.

Das Rüsselgespenst ist wieder da, aber nicht im Kopf!

Alle Freunde grüssen von ganzem Herzen.

Der ich bin und verharre als Euer
Liebden Getreuer
F. N.

325. An Carl von Gersdorff in Mailand

<Basel, 7. November 1873>

Liebster Freund,

Erkenne die Schriftzüge des Goi. — Also ich war von Mittwoch Abend bis Montag Morgen auf der Reise, hinwärts allein, rückwärts mit Heckel zusammen. In Bayreuth war etwa ein Dutzend Menschen zusammen gekommen, lauter Delegierte der Vereine und ich der einzige Patron an sich. Von Bekannten nenne ich Dir den Börsenkourier Davidson, das würdige Paar Batz und Voltz, dann Balligand und, um gleich die Besten zu nennen: Stern aus Dresden und Graf Dumoulin aus Regensburg.

Wer fehlte aber trotz aller Versprechungen? — Fritzsch, der sich wieder hinter Wolken verbirgt und dessen Beruhigungsbriefe uns jetzt nur noch mehr beunruhigen. Der eigentliche Festtag hatte jenes von dem Stiftungsfeste her dir wohlbekannte Sauwetter, so dass wieder einmal bei dem Besuch unserer Bundeshütte der stattlich geschmückte Patron einen neuen Hut zum Opfer bringen musste. Wohlgemerkt: das Wetter am Tage vorher und nachher war wundervoll hell und blau. Nach der Besichtigung in Dreck, Nebel und Dunkelheit war die Hauptsitzung im Rathaussaal, in der mein Mahnruf von Seiten der Delegirten artig, aber bestimmt abgelehnt wurde; ich selbst protestierte gegen eine Umarbeitung und empfahl Prof. Stern für die schnelle Anfertigung eines neuen Fabrikats. Dagegen wurde Heckels vortrefflicher Vorschlag, bei sämmtlichen deutschen Buchhändlern Sammelstätten zu errichten, approbiert. Die ganze Sitzung war ein wunderlicher Akt, halb erhaben, halb sehr realistisch, aber doch in seiner Gesammtwirkung stark genug, um alle die Lotterieprojekte u. dgl., die im Grunde der Versammlung waren, verstummen zu machen. Den Abend beschloss ein sehr gelungenes, behagliches und harmloses Bankett in der Sonne, an dem auch Frau Wagner und Frl. v. Meysenbug als die einzigen Frauen theilnahmen. Ich hatte den Ehrenplatz zwischen beiden und bekam desshalb nach einer italienischen Oper den Namen Sargino, der Zögling der Liebe. Batz hielt eine Tischrede auf Frau Wagner und verband darin unbegreiflicher Weise ihr Lob mit den Begriffen Schnupftabakdose und Nachdruck. Sonnabend früh war Schlusssitzung bei Feust<e>l, in der der Entwurf Sterns acceptiert wurde. Du wirst ihn lesen, denn er wird eine grosse Publicität erlangen. Mein Mahnruf, von Wagners sehr gut geheissen, wird von stattlichen Namen unterzeichnet noch einmal Bedeutung bekommen, falls nämlich der Zweck des gegenwärtigen, optimistisch gefärbten Aufrufs nicht erreicht werden sollte. Nachmittags sahen wir uns bei schönster Abendsonne noch einmal das Theater an; die Kinder waren auch dabei; ich kletterte nach der Mitte der Fürstenloge. Der Bau sieht viel schöner und proportionierter aus als wir etwa nach den Plänen vermuthen. Es ist nicht möglich, ihn ohne Bewegung an einem klaren Herbsttage zu sehen. Nun haben wir ein Haus und das ist jetzt unser Wahrzeichen.

Dein Brief traf zur rechten Zeit bei Wagners ein. Hier fangen wir das Wintersemester an; ich lese mein Kolleg über Plato und wälze das andere, zu dem sich auch Theilnehmer gefunden haben, zu Gunsten meiner Augen ab. Overbeck ist nun auch vom Protestantenverein in die grosse Fehme gethan durch die Hand seines Spritzenmeisters Daniel Schenkel und Alfred Dove hat seine Theologie umdüstert bis zur Selbsterwürgung genannt, worin wir den Vorspuk der Puschmannerei sehen.

Wir alle werden uns von Herzen freuen, dich wieder unter uns zu sehen. Die Abende sind so traulich lang und der Kopf wieder gereinigt.

Lebe wohl alter lieber Freund
und herzlichen Dank für Deine guten Briefe. Sorge Dich nur nicht!

Dein Fr. N.

Herzliche Grüsse senden Overbeck und der Fabrikant dieses Lapidarstils.

325a. An Charlotte Kestner in Basel

<Basel,> Mittwoch <12. November 1873>

Hochverehrtes Fräulein,

es wird mir ein Vergnügen und eine Ehre sein, Ihrer gütigen Einladung für Donnerstag Mittag zu folgen.

Hochachtungsvoll
Ihr
ergebener Diener
Dr. Friedrich Nietzsche

326. An Gustav Krug in Bonn (Rückseite einer Photographie)

Basel am 14 Nov. 1873.

Mein lieber Freund, nimm auch heute wieder fürlieb, wenn ich sehr kurz bin, nämlich so kurz als diese Photographie ist; die Dich nur erinnern soll, dass ich heute als an meinem Namenstage Deines Geburtstages von Übermorgen herzlich gedenke. Ich empfehle Dich der Hut des Gottes Amor, der neun Musen, der drei Grazien und allen anmuthigen Teufelchen des Alterthums und der neuen Zeit. Vor Allem aber, geliebter Freund, nimm zu und wachse in Gnade und Wohlgefallen bei Deiner Holländischen Herrin, Königin und Göttin: während wir Freunde schon zufrieden sein müssen, von den Brosamen zu leben, die von dem reichen Tische der Liebe abfallen. Aber die Freundschaft darf auch von sich sagen „sie blähet sich nicht“ — und so wollen wir, obschon überflügelt durch die Liebe, doch neidlos, unsern Freundeschor anstimmen:

„dass Frohgemüth

„Dich führe und leite,

Freunden zum Trost, Feinden jedoch

<zu ewigem Neide!“>

Friedrich der Unzeitgemässe

327. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, an meinem Namenstage.<14. November 1873>

Meine liebe Lisbeth

Schnell schnell ein paar Krakelzeilchen, die wie ich fast fürchten muss, mehr zu Orakelzeilchen werden. Schönsten Dank für Deinen Brief: schauen’s, wir haben’s wieder einmal „einen ganzen Sommer lang“ zusammen ausgehalten, ohne uns zu beissen und zu kratzen, sondern hingegen — vielmehro „fein einträchtiglich.“ Also — wenn wir’s Lied nicht weiter können, so fangen wir’s wieder von vorne an, nämlich so zu sagen im nächsten Jahre. —

Mein Mahnruf ist in Bayreuth nicht acceptirt worden; deshalb bitte ich um die grösste Discretion. Es war übrigens ganz herrlich und auferbauend in jenen drei Tagen, und mit Schmerz ging’s wieder zurück. Die verfluchten Nachtfahrten habe ich freilich verschwören gelernt. Mit der Gesundheit geht es jetzt einigermaassen, doch war vorgestern wieder ein Tag im Stile Deines Abschied-Tages. Lampenschirm vortrefflich. Gestern war ich bei Fräulein Kestner, die Dich sehr lobte und grüssen lässt. Es war eine kleine Mittagsgesellschaft, Henriette und Schwester zugegen. Ebenfalls ein Türke. Am Zunftessen, beim Beginn unsres Winterhalbjahrs, war’s recht angenehm, Schiess (mit dem ich jetzt Du sage) und Socin meine Nachbarn, rings herum lauter gute Bekannte. Nächsten Sonntag ist Overbecks Geburtstag. An Gustav habe ich des gleichen Tages wegen geschrieben. Fritzsch war nicht in Bayreuth, hat auch nichts geschickt — sehr bedenklich! Der Kopf ist frei, insofern das Rüsselgespenst weggeblieben ist: sonst essen ein Anatom und zwei Theologen, gute Gesellen, mit uns. Gersdorff trifft bald hier ein, dann soll’s wieder unzeitgemäss zugehen. Hier gab’s noch einige Zeitungsartikel, zB. im Volksfreund ganz stattlich über die Geburt der Trag<ödie>. Es ist gar zu absurd! Brockhausens haben sich mit Wagner’s meinetwegen greulich überworfen. Discretion!

Sage unsrer lieben Mutter einen herzlichen Gruss und ich wünschte schönen Erfolg bei der Auction. Sind die Papiere der Tante auf das Kotzebue-Stück hin durchsucht?

Denkt an mich und lebt recht,
recht wohl und gut mit ein-
ander, und auf Wiedersehen.
Euer Fr.

328. An Eugen Kretzer in Godesberg

Basel 20 Nov. 1873.

Lieber Herr Doctor,

das war recht schön von Ihnen gedacht und gethan, mir gerade jetzt einmal zu schreiben. Zwar merke ich von einem „Kreuzzuge“ gar nichts, und Niemand kann heiterer und ruhiger seinen Tag hinleben als ich es hier mit Overbeck zusammen thue. Aber ich merke schon, dass es anderswo anders steht — ärgern Sie Sich nur nicht darüber und gewöhnen Sie Sich nur immerhin solche Sachen wie etwa den Grenzboten-Artikel als ἀδιάφορα zu lesen. Ernst bei Seite, mein Verleger freute sich sehr über den Artikel. Wahrscheinlich giebt es im alten Jahre noch eine zweite Auflage und bald im neuen Jahre eine Nummer 2 der Zeitungemässheit.

Leider geht es meinen Augen noch nicht so gut dass ich sie vergessen dürfte — sie zwingen mich Ihnen heute nicht mehr als diese Seite und einen recht herzlichen Dank zu schreiben. —

Und bitte noch Eins: lesen Sie doch Overbeck’s Schrift noch öfter, sie wird und muss Ihnen immer mehr sagen.

So mögen Sie allen guten Geistern und Ihrem eignen trefflichen Bestreben auch fürderhin übergeben sein!

Treulich Ihr
Friedrich Nietzsche.

329. An Hugo von Senger in Genf

Basel 20 Nov. 1873

Lieber und werther Freund,

Seien Sie nur ja nicht böse: alle meine Freunde hätten zwar seit Ostern allen Grund es zu sein, denn ich schreibe ihnen nicht — aber nur weil ich ihnen nicht schreiben darf — denn ich leide an den Augen.

Die Schrift, die Ihnen so gut gefallen hat, wurde diktirt; so musste ich mich durchhelfen. Doch geht es immer besser. Vielleicht haben Sie in nicht zu langer Zeit die zweite Nummer meiner Zeitungemässheit zu erwarten. Ich freue mich von Herzen, dass muthige und künstlerische Menschen sich an solchen Schriften erfreuen.

Und damit verstumme ich schon wieder, mit der herzlichen Erklärung, dass ich Ihnen auch in der schweigenden Periode nicht fremder geworden bin.

Seien Sie recht treulich gegrüsst von
Ihrem
Dr Friedrich Nietzsche.

330. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 21. November 1873>

Theurer lieber Freund, Absolution für’s lange Stillschweigen und für das heute nur kurze Nichtschweigen — denn ich darf wirklich noch nicht recht daran mit meinen Augen und habe das Bischen Lichtzeit wacker für Vorlesungen, Pädagogiumsstunden und meine eigenen Hausdinge auszulitzen. Was letz<t>ere angeht, so komme ich vorwärts mit der Nr 2 der Zeitungemässheit; wünsche mir für die nächsten Wochen Heiterkeit und die Stimmung, die ich jetzt habe, so bin ich fertig. — Willst Du eine Correctur davon übernehmen? Es soll keine lange Sache sein, sondern die einmal beliebten 100 Seiten. Fällt’s Dir schwer, so sage einfach Nein.

Fritzsch kam nicht nach Bayreuth, hat mir kein Geld geschickt und schweigt. Da steht er der Arme, Gott helfe ihm, er kann wahrscheinlich nicht anders. Amen.

Der Mahnruf ist verworfen worden, Du hast die richtige Empfindung gehabt. Hab rechten Dank für Dein Freundschaftswort nach Bayreuth. Dort war’s herzlich und warm, recht stärkend; der von Prof. Stern verfasste Aufruf läuft jetzt durch alle Zeitungen. Die Sammelstätten bei den deutschen Buchhändlern allerorts mögen Schatzkammern werden — diesen Wunsch wünsche ich Tag und Nacht. — Offen gestanden, Wagner Frau Wagner und ich sind mehr von der Wirkung meines Mahnruf’s überzeugt, es scheint uns nur eine Sache der Zeit zu sein, wann er absolut allein übrig und nöthig sein wird.

Hier sind wir heiter beisammen, wie Leute, die etwas Gutes im Schilde führen. Ach warum kannst Du nicht bei uns sein!

Wir denken Deiner immer mit stiller und lauter Trauer.

Wie gehts mit dem griechischen Roman? — Aber warte, wir schlagen uns durch, es wird noch alles gut und nicht ewig werden wir so einsam sein.

Ich möchte doch, dass Du einmal den Grenzbotenartikel lesest, als erheiterndes Curiosum: so was brauchen wir jetzt mitunter. Der Stier und der rothe Lappen. Dr. Fuchs wollte eine Gegenschrift schreiben, Rathsherr Vischer öffentlich protestiren, es war Mühe nöthig die Menschen zu beschwichtigen. Basel als „Winkeluniversität“ ist seitdem hier zum Hohne sprichwörtlich geworden und war das Schlagwort der Tischreden bei der Rektoratsfeier.

Ritschl hat mir einen jüdisch-römischen Aufsatz zugeschickt.

Adieu. Der gute Geist, Liebe und
Freundschaft sei um Dich.
Dein Getreuer in
Basel.

331. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 22. November 1873>Samstag.

Aber lieber guter Freund, welcher Brief und welche Gedanken! Ai herrjeses! Gar nichts richtig, auch nicht die Spur! Gesinnung unerschütterlich, in Ewigkeit, Amen. Freundschafts-hymnus zu Ende componirt und immer in mir fortklingend.

Über die Bayreuther Dinge dachte ich, müsstest Du durch alle Zeitungen seit 2 Wochen Nachricht haben. Hierbei folgt der Aufruf (von dem ich mir leider nicht viel verspreche —) Noch etwas, was mir heute ich weiss nicht woher zugeschickt wird und worin ich erfahre dass mein Mahnruf eine Kapuzinerpredigt ist.

Und nun sei doch nicht mehr böse! Liebster Freund!

In aller Eile, sehr consternirt und unschuldig wie ein junges Kalb

Dein Freund.

Nein, was man nicht erlebt!

332. An Emil Heckel in Mannheim

Basel <27. November 1873>

Wenn ich Ihnen, geehrtester Herr Heckel, auf Ihre gütige Uebersendung des Patronatscheines nicht antwortete, so entschuldigen Sie mich wohl und nehmen nichts desto weniger an, daß er glücklich in meine Hände gelangt ist.

Heute bitte ich Sie nun um eine wenn möglich umgehende Uebersendung von ein Paar Exemplaren Ihrer Vereins-Statuten. Ich denke über die Möglichkeit einer Gründung eines „schweizerischen Wagner-Vereins“ nach, wie ich Ihnen privatissime mittheile, um hoffentlich, nach günstigen Erfahrungen, recht bald offiziell darüber Mittheilung zu machen.

Empfangen Sie meine angelegentlichen Grüße.

Der Ihrige
Professor Friedr Nietzsche

333. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Dezember 1873>

Liebe Lisbeth, war die Höhe vom Kinn bis zur Haarwurzel oder bis zur Höhe des Haars gemeint? Bitte um schnelle Antwort; ebenfalls möchte ich gerne wissen, womit ich Dir ein Weihnachtsvergnügen machen kann (welches Buch z. B. wünschest Du Dir?)

Herzlichen Dank für Deinen Brief und für den unsrer lieben Mutter. Von den Freunden Wilhelm und Gustav ist das getroffne Arrangement sehr hübsch und achtungswerth, ausgedacht und ausgeführt. Hier ging es wieder nicht gut mit Gesundheit und Augen: Jedoch heute ist es besser. Gersdorff kommt übermorgen.

In aller Eile Dein Fritz.

334. An Wilhelm Pinder in Delitzsch bei Halle

Basel Samstag13 Dez. 1873.

Nur ein paar Zeilchen, herzlich geliebter Freund, um Dir anzukündigen, dass ich eine Woche später Dir mündlich gratuliren werde, da meine Augenschwäche ein schriftliches Gratuliren nur im beschränkten Maasse zulässt. Also: wir sehen uns bald in Naumburg wieder, und in wie verändertem Zustande! Ich bin ganz ohne Erfahrung in Betreff der Psychologie eines Bräutigams und werde deshalb Deine jetzige Existenz mit einigem Erstaunen, vielleicht gar mit etwas Neid studiren.

Mit dem ich bin und zu
verbleiben gedenke
Dein alter Getreuer
Friedrich Nietzsche

335. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

<Naumburg, 26. Dezember 1873>

Herzlich geliebter Freund,

ich war krank, lag zu Bett — hier in der Heimat; die alte Litanei! So komme ich denn zu spät für Deinen Geburtstag, ebenso wie für den der Frau Wagner. Nun Ihr werdet mir Beide nicht so böse sein, wenn Ihr die Ursache meines Säumens kennt.

Deinen Brief aus Bayreuth habe ich noch nicht gelesen: er ist nach Basel von hier abgeschickt worden, ich hoffe von Herzen, dass gute Nachrichten darin stehen: Rohde hat gestern an mich geschrieben, Overbeck vorgestern. Fritzsch druckt also bereits an der Unzeitgemässheit (2), wenn ich recht berichtet bin; ich habe einen Contrakt aufgesetzt, nach dem der Druck bis Ende Januar beschlossen sein muss, während ich versprochen habe, bis zum 7t. Januar mein Manuscript fertig abgeliefert zu haben. Fritzsch besitzt Vorrede Cap. I II III IV V VI VII.; heute habe ich hier das Capitel X angefangen.

Dies meine Thätigkeit: nun gleich eine herrliche Neuigkeit! Schaffe Dir doch gleich aus Görlitz an „Zwölf Briefe eines ästhetischen Ketzers“ Berlin Verlag von Robert Oppenheim 1874. Du wirst eine unbändige Freude haben, ich überlasse Dir zu errathen, wer der Autor ist. Es giebt immer wieder neue Hoffnungen, und unsre „Gesellschaft der Hoffenden“ wächst heran.

Heute Nachmittag spazierte ich mit Wilhelm Pinder und seiner Braut und empfand die ganze gutmüthige Ironie, die dieser doppelschlächtige Zustand auf unser Einen (der an der „Idee“ hängt) machen muss: ohne dass wir etwa diesem Zustand dauernd entgehen könnten.

Man hat mir hübsche Geschenke gemacht, zB. einen vergüldeten Korb als Mappe für grosse Photographien, wie die Deinigen sind, schöne Holzschnitzerei mit Blumen von meiner Schwester, als Local und Ansammlungsstätte für Briefe; auch die Prinzess Therese von Altenburg hat mich mit üppigen Juchtensachen bedacht. Dann noch einige grosse Rafaels.

Mein guter Freund, ich denke mit herzlicher Empfindung, ja Rührung an alles das, was ich Dir in diesem Jahre verdanke, wie viel Trost Hülfe und That, und werde am Sylvestertage Dich mit einem besonderen Glase feiern. Nicht wahr, wir gehören zusammen und bleiben uns treu, mögen nun hunderte von Meilensteinen oder auch Weiber dazwischen treten. Es wird Dir wohl manchmal etwas einsam sein und Du wirst unsrer Theeabende in Basel gedenken; dann berühren sich gewiss unsre entgegenkommenden Wünsche und Hoffnungen, die Hoffnungen auf das nächste Jahr, 1874! Möge es tapfer überstanden werden

„Freunden zum Trost,

„Feinden jedoch

„Zu ewigem Neide!

Dein Getreuer
F. N.

Deinen verehrten Eltern meine Empfehlungen, ebenfalls an Dich die herzlichen Grüsse der Meinigen.

336. An Wilhelm Pinder in Naumburg (Visitenkarte)

<Naumburg, vermutlich 28. Dezember 1873>

Kannst Du lieber Wilhelm heute mit mir und bei mir zu Abend essen? Sage doch ja, wenn’s möglich ist, denn morgen muss ich wieder etwas verreisen.

Von Herzen
F. N.

337. An Franz Overbeck in Basel

<Naumburg, 31. Dezember 1873>

Lieber getreuer Freund, nur ein paar Worte aus dem alten Jahr für den ersten Tag Deines neuen Jahres. Denn ich bin Dir so viel Dank schuldig, dass ich recht verschuldet in’s neue Jahr komme und wenigstens am Sylvestertage noch meine alte Schuld bekennen muss.

Nicht wahr, wir wollen uns gut und treu bleiben, Wunsch- Waffen- und Wandnachbarn, seltsame Käuze meinetwegen im Baseler „Uhlenhorst“, aber recht friedfertige brave Uhlen. Nämlich für uns: nach aussen hin greuliches Mord- und Raubgethier, brüllende Tiger und ähnlicher Wüstenkönige Genossen.

Wirklich, ich rede bereits jüdisch-biblisch, psalmenhaft. Gott sei Dank, dass Gustav Binder nicht zuhört, (der, wie man mir erzählt, in 4 Nummern endlich fertig geworden ist und dessen Artikel ziemlich die Länge meiner Brochüre haben; zuletzt empfiehlt er mir, künftig auf Eisenblech drucken zu lassen).

Gestern war ich bei Fritzsch; Samstag erhalte ich wohl den ersten Correcturbogen. Erlebnisse mit Ritschl’s mündlich.

Gesundheit schlecht, ich lag zu Bette, und kann nicht nach Bayreuth kommen, will vielmehr in einem Zuge so schnell wie möglich nach Basel zurück.

Herzliche Grüsse der Meinigen; und nun, alter guter Kamerad Overbeck, auf Wiedersehn! Und: es lebe die Gesellschaft der Hoffenden!

Dein Friedrich Nietzsche.

Schönsten Dank für Deinen Brief.

338. An Erwin Rohde in Hamburg

Naumburg am Sylvestertage 1873-74.

Lieber guter Freund, wie hast Du mich durch Deinen Brief erquickt, zumal ich zu Bette lag, erkrankt von der Reise und dem Leben etwas gram. Wirklich, wenn ich nicht meine Freunde hätte, ich möchte wissen, ob ich mich nicht selbst für verdreht halten müsste; so aber halte ich durch Euch mich selbst, und wenn wir uns uns gegenseitig Gewähr leisten (sieh einmal welches schöne „uns-uns“), so muss am Ende doch etwas bei unserer Art zu denken herauskommen: woran bis jetzt alle Welt zweifelt.

Zum Beispiel auch Ritschl’s, denen ich einen kurzen Besuch machte und die in einer halben Stunde ein schnell gesprochnes Wort-Feuer gegen mich los liessen, bei dem ich sehre unverwundet blieb und mich auch so fühlte; am Schluss blieb man dabei, ich sei hochmüthig und verachtete sie. Gesammteindruck war hoffnungslos: der alte Ritschl fing einmal rasend über Wagner als Dichter zu schimpfen an, dann wieder einmal über die Franzosen (ich gelte als Bewunderer der Franzosen), endlich schimpfte er, nach Hörensagen, aber in der gräulichsten Weise über Overbeck’s Buch. Ich erfuhr, dass Deutschland in den „Flegeljahren“ sei: weshalb ich mir auch das Recht nahm, etwas Flegel sein zu dürfen (nämlich meine Maasslosigkeit und Rohheit gegen Strauss wurde gerügt) Dagegen ist Strauss als klassischer Prosaschreiber wirklich vernichtet: denn Papachen und Mamachen Ritschl sagen es und fanden auch schon den „Voltaire“ greulich stylisirt. —

Bei Fritzsch wohnte ich und habe wirklich herzliche Freude an diesem guten Menschen gehabt. Es geht ihm ganz gut, auch mit der Gesundheit. Meine zweite Ungemässheit (oder Unmässigkeit) ist im Druck: in den nächsten Tagen wirst Du den ersten Druckbogen erhalten: denn, liebster Freund, ich nehme Deine bereitwillige Güte in Anspruch und bitte Dich sogar darum, mir an der und jener Stelle meiner Schrift mit Deinem Rathe und Deiner moralisch-intellectuellen Correctur zu Hülfe zu kommen. Übrigens haben wir keine Zeit zu verlieren: es wird schnell gedruckt, und Ende Januar muss alles fertig sein.

Also, lieber Guter, sende immer recht schnell Deine Correctur nach Basel; denn freilich ist es etwas umständlich bei den grossen Entfernungen, und wir müssen zusehen, dass in der Druckerei keine Stockung eintritt.

Ausstattung wie bei Nr. 1. Wenn dieser Druck vorüber ist, beginnt der Neudruck von „Geburt der Tragödie“.

Ich höre mit grosser Freude, dass der „Roman“ sich bewegt und hebt und an der einschliessenden Eierrinde knappert. — Wen hast Du als Verleger im Auge, den Kieler Bekannten?

Gersdorff hat wieder das Manuscript der Nr. 2 geschrieben, er ist ein ganz und gar rührender und unschätzbarer Freund. Ich habe in diesen Tagen mein Schlusscapitelchen zu machen und möchte gerne heute und morgen fertig werden. Gesundheit schwankend und mittelmässig: vom Neujahr an soll es wirklich besser werden. Denn wenn man keine Gesundheit hat, soll man sich eine anschaffen.

Unbändige Freude hatte ich über Karl Hillebrand’s anonym erschienene „zwölf Briefe eines ästhetischen Ketzers“ (Berlin Oppenheim 1874); welches Labsal! Lies staune, es ist einer der Unsrigen, einer von der „Gesellschaft der Hoffenden“.

Möge diese Gesellschaft im neuen Jahre blühen, mögen wir gute Gesellen bleiben. Ach, mein Getreuer, es bleibt Einem gar nicht die Wahl: man muss Hoffender sein oder Verzweifelter. Ich habe mich ein- für allemal für das Hoffen entschieden.

Über die greulichen vorsichtigen akademischen Confratres in Kiel habe ich mich recht geärgert; diese Angst vor der „Jugend“!

Nun ich habe Rache genommen und der Jugend im Schluss meiner Nr 2 ein Lied gesungen, das dieser Art von knicklichkricklichen Greueln recht elend wehe thun wird.

Grüsse Deine verehrte Mutter; die Meinigen sagen Dir auch Viel Glück zum neuen Jahre!

Und so mögen wir uns gut und treu bleiben
1874 und so weiter bis an der
Tage letzten.
Dein Friedrich N

338a. Vermutlich an August Beck in Basel (Visitenkarte)

<Basel 1873/74>

Herrn Cand. Beck

Wollen Sie, geehrtester Herr, mir die Freude machen, nächsten Mittwoch bei mir zu Abend zu essen? Wir finden da endlich einmal Gelegenheit über mancherlei zu reden und zusammen zu denken, was uns am Herzen liegen muss.

Ihr
P FW N.

1873 (55 Briefe)

287. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Naumburg (oder Basel), erste Januarhälfte 1873>

Можете ли вы, почтеннейший сударь, использовать это для вашей рубрики «музыкальные домыслы»?

С наилучшими
приветами
ваш
Ф. Н.

288. An Erwin Rohde in Hamburg

Naumburg. 4 Jan. 1873

Сердечно благодарю, возлюбленный друг, за твое рождественское веселое приветствие и письмо. К этому времени ты, вероятно, уже получил мою фотограмму: сегодня, в последний день каникул в Наумбурге, я хочу написать лишь словечко, ибо сегодня вечером я уже снова уезжаю retrorsum. Часто вспоминали о тебе, Густав и я, когда бы мы ни музицировали, и еще чаще у меня дома. Я отправил фрау Вагнер увесистую рукопись со следующим заглавием: Пять предисловий к пяти ненаписанным (и не подлежащим написанию) книгам. 1. О пафосе истины. 2. О будущем наших образовательных учреждений. 3. Греческое государство. 4. Об отношении философии Шопенгауэра к немецкой культуре. 5. Состязание. Из этого ты знаешь самое большее № 3; все остальное совершенно новое.

В<агнер> пригласил меня на Новый год, на празднование дня рождения фрау Козимы; я не смог приехать. В январе, я думаю, ты поприветствуешь их обоих в Гамбурге на большом концерте и, вероятно, в это время будешь кавалером фрау В<агнер>.

На второй день праздника я был в Веймаре, чтобы послушать «Лоэнгрина»: я телеграфировал интенданту, что никогда его не слышал, и был в его ложе. Также я был один день в Лейпциге: мой издатель письменно запросил разрешение на второе издание, и я устно дал свое радостное согласие. Теперь я прошу тебя сказать мне прямо, что бы ты хотел изменить или заменить в словах. Ты лучший знаток и судья этой книги, даже ее деталей, пожалуйста, скажи мне, что ты думаешь. Я прилагаю лист, на котором отметил то, что мне бросилось в глаза. Что ты думаешь о введении греческих окончаний Дионис? Я также виделся с Ричлем, он сообщил мне все подробности о Кильской профессуре: он считает, что Шёлль не примет предложение. О тебе он сказал, что ты непременно получишь хорошую ординарную должность, к тому же тебя уже неоднократно упоминали по другим поводам. О Фрайбурге он молчал. Впрочем, я знаю, что фрайбургцы несчастны из-за своей абсолютной ошибки (Келлер). — Обо мне Ричль знал немало неприятного, например, что я якобы плохой лектор (он не выразил это так резко, но имел в виду именно это). Я попросил его дать мне это в письменном виде и пришлю тебе этот документ. Что я недостаточно популярен и т. д. Поскольку нынешнее число из 2 слушателей говорит в пользу этого, и весь мир составляет себе безумное представление о моих лекциях на основе моей книги, то я понимаю, при господствующей недоброжелательности ко мне, это суждение — к которому теперь, с хитростью, будет привязана моя академическая невозможность и непродвигаемость. Впрочем, я считаю, без всякой скромности, что я вполне сносный лектор, и в Базеле тоже так считают. —

Прощай, мой дорогой друг, и живи все лучше в новом году. Будь уверен в моем бодром духе и в том, что мы в конце концов победим. Аминь.

Ф. Н.

289. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 6. Januar 1873>

Видите, я благополучно добрался сюда и сообщаю вам об этом на этом изящном листочке. Ночное путешествие проспал: в Базеле хорошо проскочил. На вокзале в Наумбурге действительно был Густав Круг, чтобы проводить меня — в высшей степени дружеское усилие в полночный час!

Теперь я снова погружен в работу и нашел хорошие письма. Во-первых, новогоднее поздравление с Сен-Готарда в Люцерне. Затем письмо от «Всеобщего немецкого музыкального союза», который назначает меня судьей для объявленного конкурсного сочинения и приглашает предложить третьего судью, который должен быть германистом. Таким образом, нас будет трое — кроме меня, тайный советник Мюллер в Готе и германист (я, пожалуй, предложу Хайне).

Затем я снова нашел приглашение на французский бал от Рингвальдов на 16 января.

Наконец, в высшей степени удовлетворенное, хотя и не удовлетворяющее меня письмо от Дойссена из его княжеской роскоши.

Теперь я жду и Герсдорфа. —

Минна шлет сердечную благодарность. Она сказала мне, что новый пододеяльник был бы весьма желательным дополнением к моему белью, так как старые уже старые.

Ковер, на который налоговый инспектор быстро набросился, чтобы так же быстро отступить, должен быть расстелен завтра.

Овербек, Ромундт и я ужинали вместе в воскресенье вечером после моего приезда. Чайная шкатулка красуется, а новые рубашки отправлены в стирку.

Мое письмо похоже на письмо кухарки. Каждое третье мое слово — о белье или о чем-то съедобном. Колбаса разрезана, как и штоллен, а гомериды на Хиосе, о которых говорил старый генерал, поздравляют меня с Новым годом. «Чудеснейше» выражено!

А теперь примите сердечные приветы и примите всю ту благодарность, которую я должен вам за эти превосходные рождественские дни.

От всего сердца
Ваш Ф.

289a. An Charlotte Kestner in Basel.

<Basel, 20. Januar 1873>

Почтенная барышня

дела мои, как я должен сообщить Вам с сердечной благодарностью за Ваш вопрос, идут лучше, хотя и не так хорошо, как шли бы при хорошей погоде. Крепкая, но совершенно банально-обыденная простуда засела в моих членах и отступает скучно медленно, к тому же затуманивая голову и обрекая меня на бездействие.

Как только я смогу снова выйти на свежий воздух, я тотчас прибегу к Вам, чтобы вновь засвидетельствовать Вам то почтение, которое, здоровый или больной, питаю к Вам.

Ваш
покорнейший слуга
Фридрих Ницше

290. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 27. Januar 1873>Montag.

Мои дорогие мама и сестра

я молчал так долго, как только должен был молчать, ибо я был нездоров и лежал в постели из-за простуды. Сейчас мне немного лучше, но на улицу мне сегодня еще нельзя, так как погода штормовая и дождливая, хотя и теплая. Я даже не знаю, что мне есть, ибо ни к чему нет аппетита. И кашель все еще сильный, хотя и стал мягче. Иммерманн приходит ежедневно как верный друг и врач. Сейчас я собираюсь ответить на целую кипу писем: а именно: приглашения (к Фишер-Саразину, Турнейзен-Мериану, И. И. Мериану, затем на большой бал к Ла Рош Буркхардтам, которых ты знаешь, дорогая Лизбет; Рингвальды, кстати, живут в Дальбе). Затем запросы о моем самочувствии: фрейлейн Кестнер. Затем длинные письма от друзей: Дойссен (пишет из роскошных условий, доволен, но в письмах такой же дурак, как и раньше), фрейлейн фон Мейзенбуг, трогательное новогоднее письмо, Роде, затем д-р Фукс (письмо на 20 огромных страницах: «Наумбургские часы складываются в воспоминаниях как прекрасная сказка»). Затем официальная переписка: проф. Ридель в Лейпциге, подробности конкурсных вопросов. У меня голова идет кругом! Затем проф. Жилиерон, который хочет здесь стать доктором и прислал мне рукопись из 160 страниц, написанных на латыни!

У меня гостил замечательный Герсдорф, на радость всем моим здешним друзьям, с пятницы по понедельник. Много хорошего обсудили. Ему пришлось ехать через Шплюген, и он, вероятно, уже прибыл во Флоренцию.

В вечер его телеграфно объявленного приезда (в четверг) я не смог его встретить, так как был в «голубом доме», который сиял во всем блеске патрицианского великолепия.

Ну, вы устроили прекрасный шум по поводу помолвки. Кто же на самом деле те, кого это касается в первую очередь? (Я имею в виду тех, кто лишился наследства?)

Моя комната теперь получает от всех, кто ее видит, характеристику, что она выглядит очень уютной и приятной.

А теперь простите, что я заканчиваю уже сегодня. Я так утомлен.

Сердечно помнящий о вас
старый Ф. Н.

Прилагаю рубашку Пиндера.

291. An Carl Riedel in Leipzig (Entwurf)

<Basel, nach dem 27. Januar 1873>

У меня было время поразмыслить над различными трудностями в нашем деле, так как я несколько дней пролежал больным в постели, и сегодня спешу в ответ на Ваше последнее почтенное письмо представить Вам свои соображения на предмет Вашего благосклонного рассмотрения. С третьим судьей нам следует быть очень строгими и осторожными: Симрока Вы вряд ли получите, он совсем старый. Я решительно настроен (как я Вам со всей откровенностью заявляю, дорогой господин профессор) против доктора Фр. Штаде в качестве судьи: я говорю это Вам privatissime, но должен сказать. Вы знаете, что я симпатизирую ему как человеку. Но его недавние сочинения вызывают большие сомнения и дали такой многократный повод к нареканиям (вплоть до неудержимого смеха), что мы не поможем нашему делу, если привлечем именно его. Если Вы любезно хотите услышать предложение с моей стороны, то я бы назвал господина Ганса фон Бюлова, о чьем безусловно авторитетном суждении, о чьей критической строгости я имею самое благоприятное мнение и опыт. Очень важно, чтобы мы нашли имя, которое звучит достаточно весомо, как побуждая, так и отпугивая — и это имя Бюлова.

Мы с Вами едины в этом мнении? —

Теперь о более важном: дорогой господин профессор, я нахожу призовую сумму крайне незначительной и, учитывая чрезвычайно важную тему и повод, слишком малой. Мы должны во что бы то ни стало сравняться хотя бы с призовыми суммами немецкой академии, это одно, на мой взгляд, достойно столь крупного общества и столь исключительного повода. С другой стороны, я считаю любую крупную трату денег с нашей стороны, пока дела с денежной поддержкой Байройта обстоят так плохо, преступным расточительством, какими бы благородными ни были цели.

Обе эти заботы и опасения пробудили во мне следующую мысль, которую я сердечно рекомендую Вам к рассмотрению.

Общество обещает в качестве приза целый патронатный сертификат. Средства на это мы соберем следующим образом. Сто талеров уже готовы, затем мы продадим удостоенное премии сочинение толковому издателю примерно за сто талеров (около 8 печатных листов, тираж 1000 экземпляров, то есть около 13 талеров за лист, умеренно и прилично оплачено — это мы всегда можем получить за хорошее сочинение). Таким образом, у нас есть 200 талеров: 50 талеров я лично готов добавить еще в том случае, если найдется кто-то еще, кто пожертвует 30 талеров. (Может быть, само общество?) Конкурс за целый патронатный сертификат, уверяю Вас, будет очень оживленным. Мы должны во что бы то ни стало обратиться к самым лучшим силам среди немецких писателей и помнить, что несем большую общественную ответственность. Я хочу сказать, что во всем этом призовом деле все должно происходить исключительно благородно и достойно.

292. An Carl Fuchs in Berlin

Basel, 29. Jan. 1873.

Дорогой господин доктор,

я был болен и лежал в постели. Даже сейчас я еще не чувствую себя хорошо. Поэтому не упрекайте меня, если сегодня я отвечаю на Ваши добрые письма лишь короткой запиской.

Письмо к Р<ихарду> В<агнеру> вместе с приложениями бандеролью отправьте, пожалуйста, немедленно по адресу В., которого я не знаю. (Я всё это время не знал, где он был).

В письме речь идет почти только о Вас: подождем результата. —

Скоро Вы услышите от меня больше: а пока примите мою глубочайшую благодарность и наилучшие пожелания!

Преданный Вам
Фр. Ницше.

293. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Basel, 31. Januar 1873>Freitag.

Моя дорогая мама

Я хочу быстро написать тебе письмо ко дню рождения, чтобы ты получила его послезавтра утром и не ждала добрых пожеланий, которые я посылаю тебе издалека с сердечным участием. Я хотел бы быть немного здоровее, чтобы поздравлять более радостно: ведь хотя я и выполнил все свои профессиональные дела на этой неделе, мое болезненное состояние не улучшилось, особенно сейчас, когда у нас холод, восточный ветер и снегопад. Ужасный насморк, кашель и слабость — в общем, нечто крайне банальное, но вполне достаточное, чтобы вызвать ощущение болезни. Пусть это чувство как можно реже посещает тебя в новом году, а твоя известная бодрость послужит на пользу тебе и нам. Надеюсь, в новом году нас снова ждут такие же приятные и уютные дни, как те, что мы провели вместе на прошлое Рождество. Прошло совсем немного времени с тех пор, как мы сидели вместе, и прошедший с тех пор отрезок времени не стоит упоминания и мало что значит, по крайней мере, для меня. Лизбет, должно быть, уже сообщила тебе, что меня назначили судьей: двое других — профессор Симрок в Бонне и профессор Хейне здесь. Приз составляет 300 талеров. Герсдорф только что написал из Флоренции, он очарован: живет великолепно, так близко к галереям, что ему не нужен зонтик, и каждый вечер проводит у фройляйн фон Мейзенбуг. Кстати: где же мой портрет, который фотограф (Шульц) Хеннинг уже давно должен был закончить! Как только у тебя будет экземпляр — заказано шесть штук, — отправь его срочно в Лейпциг по этому адресу:

Г-ну студ. филол. Гётцу

Лейпциг

Маркт 3,

III

во дворе.

Мне самому пришли пару! фотографий. Остальные 3 остаются в вашем распоряжении для родственников. —

Корректуры для второго издания готовы, и экземпляр уже в Лейпциге. Роде был сейчас в Гамбурге вместе с Вагнерами; после большого концерта они прислали мне телеграмму. Фукс снова писал, и я ответил. Я посмотрю, смогу ли устроить ему встречу с В<агнером>, я сделал все, что мог. Он хотел дать здесь несколько концертов: это не в моей власти.

Различные приглашения, которые я получил, мне пришлось отклонить: в течение последних трех недель я ни на что подобное не был способен. Старому Фишеру лучше, и он снова занимается всеми своими делами. Ромундт, как всегда, весел и с усердием занимается своими студентами и лекциями. С Овербеком я живу в привычной приятной и обоюдно полезной манере: мы все трое очень хотим, чтобы никакие возмутители спокойствия не вмешивались. Роде также пишет о добром Брокгаузе в Киле, он ему не нравится. В Лейпциге на меня все еще очень злы: фрау В<агнер> имела с старым Брокгаузом очень бурную стычку обо мне, в ходе которой всплыли невообразимые вещи. Видишь, так живут такие, как мы: если бы не было пары друзей, нас бы сразу выдали и втоптали в грязь. Но так мы идем вперед с отвагой. Если бы я только был немного здоровее, а погода чище! Ну, я надеюсь на Сретение: позаботься как следует о том, чтобы небо сделало приветливое лицо, как мы все сделаем это в твою честь. Твой верный сын Фриц.

Я сердечно благодарю дорогую Элизабет за письмо и добрые пожелания и надеюсь, что она от моего имени вручит небольшой подарок ко дню рождения по договоренности. Не обессудь! —

294. An Erwin Rohde in Kiel

Basel. 31 Jan. 73

Сердечно любимый друг

я был болен и лежал в постели, когда пришло Твое первое письмо, и до сих пор не поправился, теперь, когда прибыло Твое второе письмо. Это прекрасно, что Ты не позволил моему молчанию отпугнуть себя. Я с величайшей благодарностью принял Твою богатую подборку из первого издания и использовал её без исключений: надеюсь, я во всём угодил Тебе. Небольшая переработка первых трёх страниц была всем тем более значительным, на что я мог решиться при корректуре: в остальном я лишь кое-что подправил в отдельных словах. Никакого нового предисловия, всё осталось как было. — Тем временем я стал судьёй: Всеобщий немецкий музыкальный союз назначил премию в 300 талеров за сочинение объёмом в 5 листов популярного характера о «Кольце нибелунга» Вагнера: профессор Хайне, профессор Симрок и я — судьи, первый — по моему предложению. Это всё-таки достойная коллегия. Премию я поднял с первоначальных 100 талеров до 300 и радуюсь успешному делу. — Я размышляю об организации швейцарского Вагнеровского общества. Кстати: читаешь ли Ты музыкальный еженедельник? Там были замечательные путевые заметки Вагнера: от меня — яростная атака на Альфреда Дау. Не мог бы Ты в какое-нибудь пасхальное свободное время написать небольшую статью для этого еженедельника, я имею в виду, с нашей дилетантской точки зрения: что-нибудь о наших байройтских надеждах, возможно, привязав это к проведённым там дням Пятидесятницы. Это единственное издание, где мы можем говорить откровенно и для своих. Вчера писал итальянец Герсдорф, опьянённый Флоренцией. Ты тоже упоминаешься в письме, следующим образом: «О положении Роде и наших пожеланиях для него я говорила с фрейлейн фон М<ейзенбуг> и рекомендовала нашего друга её заботам. Если она найдёт возможность увидеть его наедине, то изложит дело господину Виллари. Этот выдающийся человек, с которым я недавно познакомилась, несомненно сделает всё, что в его силах. Он имеет очень большое влияние; но, конечно, и враги, попы и иезуиты, могущественны и шевелятся, как кроты»

Мои лекции по образованию переводит на итальянский фр. ф. М<ейзенбуг>, а затем опубликует их в итальянских журналах: они будут звучать ещё наивнее, это божественно. — Я очень рад, что фрау Вагнер нашла некоторую радость в моих «Предисловиях». Ты их не знаешь? Там есть главная часть, первая — «О пафосе истины».

Я, собственно, больше совсем не жалуюсь, кроме тех моментов, когда думаю о Тебе, мой любимый друг. Почему Ты должен жить там наверху в одиночестве, как белый медведь? Что с университетской историей? Ещё не закончена? — Во Фрайбурге, согласно новым сообщениям, очень остро чувствуют глупость, которую совершили с Келлером.

Небольшое, крайне примечательное сочинение, которое говорит 50 вещей неправильно, но 50 вещей верно и правильно, — в общем, очень хорошая книга — не упусти прочитать: название не привлекло бы таких, как мы, поэтому я советую её Тебе особо. Пауль де Лагард, «Об отношении немецкого государства к теологии, церкви и религии». Гёттинген 1873, издательство Дитериха.

Затем я читаю Гамана и очень воодушевлён: видишь состояние зарождения нашей немецкой культуры поэтов и мыслителей. Очень глубоко и искренне, но никчёмно и нехудожественно.

Кстати, я снова пишу о древнегреческих философах: и когда-нибудь пришлю Тебе рукопись на пробу. — Получил ли Ты программу профессора Овербека, в лице которого у Тебя есть верный, дружески настроенный человек? Он прислал её как раз во время штормовых приливов. Мы боялись, что она могла погибнуть.

О Брокгаузе Ты пишешь то, что мы все знаем, чувствуем и сожалеем. Он вполне порядочный человек, это правда, и в полной мере доказано. В остальном — пусть его заберёт чёрт! — Что же старый Брокгауз сказал фрау В<агнер> обо мне?

Я много думал о Тебе и о вас во время концертов. Итак, летом байройтский собор! Мы — епископы и сановники новой церкви! Я бы так хотел ещё что-то сделать в литературном плане для продвижения нашего дела, но не знаю как. Всё, что я проектирую, так задевает, раздражает и поначалу противодействует продвижению. То, что даже мою восторженно-уютную книгу восприняли так плохо! Странные люди! Что же нам делать! Восклицательный знак и вопросительный знак. Да здравствует дружба и самый верный друг Эрвин Роде.

295. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 15. Februar 1873> Sonnabend.

Мои дорогие мама и сестра,

примите мою сердечную благодарность, в этот раз я праздную <den> второе февраля с опозданием, хотя не стану скрывать, что мы втроем, Овербек, Ромундт и я, в самый день праздника торжественно подняли бокалы рейнского вина за Ваше здоровье. Ветчина действительно превосходна, и я сам снова в состоянии оценить это по достоинству. То есть вкус и аппетит присутствуют, хотя одновременно все еще сохраняются кашель и насморк. При нынешней погоде у меня почти нет надежды избавиться от них. Впрочем, последние недели я читал свои лекции по вечерам у себя в комнате, чтобы не подвергать себя воздействию вечернего воздуха. А вчера я впервые за четыре недели выбрался в общество, к Иммерманам. Они передают Вам обоим наилучшие пожелания, сейчас у них гостит старая мать и молодая кузина. Кстати, фрау Иммерман, которая некоторое время была в Гёттингене и других местах, имела повод усердно бороться за меня и часто. Похоже, что в университетских городах много болтают обо мне и против меня.

Впрочем, я был деятелен, и если здоровье и пасхальные дни позволят, то еще до начала лета я закончу новую книгу. Она, вероятно, будет называться «Философия в трагическую эпоху греков». Однако перед завершением мне требуется немного отдыха, свежий воздух и более здоровый климат. Возможно, на Пасху я поеду на неделю (больше времени нет) в Герзау или Монтрё. Как же прекрасно, что у меня есть такая возможность так близко! Не правда ли?

Читали ли Вы объявление о конкурсе, где профессор Симрок в Бонне, Хейне и я названы судьями? Приз — целый патронатный билет или (по выбору) 300 талеров.

От фрау Вагнер я вчера получил длинное письмо, кстати, также с рекомендациями и новогодними поздравлениями для Вас обеих. Она выражает свою огромную радость и тронутость по поводу моих «Предисловий»: до сих пор она в своей бурной гастрольной суматохе еще не успела мне написать. Сейчас, однако, небольшая пауза: она пишет мне из Байройта. С нескольких концертов в Гамбурге и Берлине они привезли 12000 талеров для байройтского предприятия. Роде они встретили в Гамбурге, доктора Фукса — в Берлине. Фрейлейн фон Майзенбуг должна теперь отправиться в Байройт, чтобы основать там воспитательные учреждения, детские сады и т. д.

А здесь нет ли чего нового? Итак, у фрау Хейне дела идут довольно хорошо, недавно она снова смогла появиться на обеде вместе со своим супругом: что пошло ей на пользу. Короче говоря, это теперь преодолено и в порядке. Фрау Зибер, напротив, все еще нездорова; да и сам Зибер болел. Позавчера я навестил фрау профессора Фишер-Хойслер, чтобы рассказать ей о Рождестве. Брат Салли Фишера обручился с фрейлейн Бахофен из белого дома. (Только не с той, о которой ты слышала и у которой есть вилла, там три брата, профессор и двое). Андреас Хойслер на днях снова уехал в Давос, к своей жене. У старого Фишера дела идут вполне сносно.

Кстати, торт был очень хорош и заставил меня поверить, что эта пекарня у Вас лучше, чем здесь.

Еще раз примите мою сердечную благодарность. Желая Вам всяческого благополучия,

остаюсь с прежней любовью
Ваш Ф.

296. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 21. Februar 1873>

Возлюбленный друг, я ничего не слышу от тебя и от всего сердца желаю, чтобы причиной тому было не нездоровье. Ибо в это время года не заболеть — настоящее искусство; я сам вот уже неделю за неделей влачусь с гриппоподобным состоянием, впрочем, сохраняя бодрость духа, хотя и сильно простужен. Впрочем, сейчас погода восхитительная, и на масленицу я хочу попытаться на несколько дней навестить Фирвальдштетское озеро: если бы ты был со мной! Все же здесь прекрасное находится в завидной близости: и когда я говорю тебе, что на Пасху, по многолетней привычке, еду на неделю в Монтрё, то это ведь настоящее счастье — иметь возможность в любой момент осуществить подобное без лишнего шума. — Тем временем я был довольно деятелен и работал над моими старыми греческими философами, относительно которых есть приятная надежда выпустить opusculum после пасхальных каникул. До тех пор пожелай мне покоя, здоровья и свободы от прерываний досадного рода: ибо сами по себе прерывания мне очень дороги и необходимы, при условии, что они не делают меня больным и встревоженным. Философия — это особа, которую я преследую попеременно с любовью и ненавистью: порой я даже бегу от нее из отвращения или ярости. Тогда мне становятся необходимы беседы иного рода; так, в последние дни я сделал свадебный подарок фрейлейн Ольге Герцен, которая в марте выходит замуж за господина Моно: композицию в четыре руки, предназначенную для супружеской пары, под названием «Une Monodie à deux». Она удалась, и мне не грозят из-за нее письма в духе Бюлова.

Из Байройта я получил длинное письмо от фрау В<агнер>. С гамбургского и берлинского концертов они привезли 12000 талеров. О гамбургских знаках внимания фрау В. писала с особой радостью: твой родной город проявил лучший такт в мире. — Читаешь ли ты «Музыкальный еженедельник»? Доктор Фукс взялся за Лотце и Гервинуса как за эстетиков и храбро их колотит и бьет. Недавно я прочел в одном «Евангелическом вестнике» кое-что о себе, что доставило мне веселье на недели вперед: меня назвали «переведенным на язык музыки дарвинизмом», моя теория — это «девелоппизм первородной слизи» и т. д.: короче, полнейшее безумие! — Один книготорговец сообщил мне, что в «Биржевом листке» (книготорговом) анонсирована новая статья доктора В.-Мёллендорфа против меня (или нас) — снова у братьев Борнтрегер. Но я запретил присылать мне подобное, не знаю ни одного человека, который бы это читал, и, кстати, надеюсь, что ты поступаешь так же.

Теперь мне пора обедать, но я выпью за тебя с Овербеком и Ромундтом, которые, как и я, всегда вспоминают о тебе с грустью, с грустью оттого, что тебя здесь нет! Ах, черт возьми! Почему нет!

Твой
Ф. Н.

297. An Malwida von Meysenbug in Florenz

<Basel, gegen Ende Februar 1873>

Глубокоуважаемая барышня, с момента отъезда моего друга Герсдорфа мне нездоровилось; я не мог выбраться из состояния, похожего на грипп, — пусть и весьма тривиального, но оттого не менее тягостного, — и зима довольно ощутимо на мне отыгралась. Так вышло, что небольшой свадебный подарок, который я придумал для фрейлейн Ольги, был готов только на днях, и я снова предстаю перед Вами в образе грешно-нерадивого корреспондента. Давайте, чтобы не терять всякую веру в справедливость, предположим, что затяжные неприятности с кашлем, охриплостью и тому подобным — это мое наказание: при этом я выражаю надежду, что сегодняшнее письмо принесет с собой и поворот к лучшему в состоянии моего здоровья.

Но прежде всего, и совершенно отвлекаясь от моих весьма безразличных невзгод, — как теперь Ваше самочувствие, глубокоуважаемая барышня? Преодолен ли тот злой удар и его последствия, и можете ли Вы снова нормально выходить на свежий воздух? Я желаю этого от всего сердца. Ведь Вам сейчас прежде всего нужна весьма крепкая выдержка, чтобы пережить различные грядущие события, расставания, решения, если не «радостно», как здесь говорят, то хотя бы мужественно. Впрочем, фрау Вагнер сделала мне несколько намеков, которые касаются именно тех важных решений. Я все еще думаю, что когда-нибудь мы все будем сидеть вместе в Байройте и даже не сможем понять, как можно было выносить что-то другое где-то еще.

Теперь я расскажу Вам о небольшом подарке, который должен быть предложен фрейлейн Ольге Вашими руками: это сочинение для фортепиано в четыре руки, написанное мною взамен той музыкальной четверти часа, которая сорвалась на Базельском соборе. В его основе лежит тема из моего пятнадцатого года, которую моя сестра обнаружила в это Рождество среди моих старых рукописей и которую я в последние недели немного доработал. Я не знаю даты бракосочетания; поэтому передайте, глубокоуважаемая барышня, от моего имени самые сердечные пожелания этой замечательной паре и попросите их о том, чтобы моя плохая музыка была принята хотя бы как дружеский символ, как символ доброго «монодического» брака; а мы ведь все знаем, что лучшие вещи часто характеризуются именно малыми и низкими символами. Впрочем, моей музыке не повредило бы, будь она немного лучше. Но, к сожалению, это не в моих силах. —

Я сейчас очень жажду солнечного света и некоторой веселости: особенно для того, чтобы закончить рукопись, которая повествует о философских вещах и над которой я работал с истинной любовью. Все великие философы, жившие в трагическую эпоху греков, то есть в шестом и пятом веках, фигурируют в ней: в высшей степени удивительно, что греки вообще философствовали в тот период — а уж тем более как!

Пожелайте мне чего-нибудь светлого и приятного, чтобы я, особенно во время пасхальных праздников, когда у меня есть пара свободных дней, нашел желание и мужество для этой работы и ее завершения. С этим сочинением я снова подхожу к в высшей степени практической культурной проблеме, порой мне становится страшно и тревожно. —

Я удивлен и обрадован, глубокоуважаемая барышня, что мои лекции нашли такой отклик, да что там — такое одобрение с Вашей стороны; но Вы должны поверить мне на честное слово, что через пару лет я смогу сделать все лучше и хочу сделать лучше. Пока же эти лекции имеют для меня самого экзортативное значение: они напоминают мне о долге или о задаче, которая выпала именно мне, особенно после того, как сам Мастер торжественно и публично возложил их на мои плечи. Но это не задача для таких молодых людей, как я, мне нужно позволить, если не расти, то хотя бы становиться старше или старым. Те лекции примитивны и к тому же немного импровизированы, поверьте мне на слово. Я невысокого мнения о них, особенно из-за формы изложения. Фрич был готов их напечатать, но я поклялся не выпускать ни одной книги, при которой у меня не было бы совести, чистой, как у серафима. Но с этими лекциями дело обстоит не так: они могли бы и должны были быть лучше, это не то что с моей музыкой, которая именно такова, какой может быть, — то есть в данном случае, к сожалению, «достаточно плохая».

Я часто размышлял над Вашим филолого-педагогическим вопросом, решение мне в общем и целом не кажется возможным. Слишком многое зависит от того, какой язык является родным. К сожалению, мне очень не хватает опыта, но я бы, например, полагал, что для немецкого ребенка — истинное счастье воспитываться сначала на правильном, строгом языке культуры, французском или латыни, чтобы развилось сильное чувство стиля, которое впоследствии пошло бы на пользу и позже выученному, несколько варварскому родному языку. Напротив, для греков было, а для французов есть, конечно, бесполезным учить второй язык вообще; такие народы, которые обладают собственным чувством стиля в столь высокой степени, могут довольствоваться своим собственным языком. Все остальные должны учиться и учиться. (Я говорю здесь, конечно, не о той ценности, которую изучение иностранного языка имеет для знания чужих литератур и наук, а только о языковом чутье и чувстве стиля)

Почему же Шопенгауэр пишет так превосходно? Потому что он многие годы юности говорил почти только по-французски, или по-английски, или по-испански. Затем он, как сам говорит, необычайно усердно изучал и подражал Сенеке для этой цели. Но как немец может прийти к стилю через немецкое чтение или даже через немецкую беседу и общение — я не постигаю. Зыбкое должно формироваться на твердом: но в Германии, в стране самого дикого книго- и газетного производства (в одном только 1872 году 12000 немецких книг!), там кто-то должен учиться стилю в речи и письме? Я в это не верю, но охотно готов учиться. Ибо, как я уже сказал, я ничего не знаю, ничего не испытал и не являюсь специалистом. —

Оставайтесь, глубокоуважаемая барышня, ко мне благосклонны и передавайте привет господину Шуре от меня. Желая Вам и фрейлейн Ольге всего наилучшего, остаюсь

Ваш
глубокоуважаемый и преданный
Фридрих Ницше.

NB. Я очень благодарен Вам за присылку трактата господина Виллари, который я намерен серьезно прочесть — Я охотно хотел бы узнать, знаете ли Вы адрес моего превосходного друга Герсдорфа и можете ли мне его сообщить. Он так счастливо пишет о Флоренции и так Вам благодарен.

Что Вы скажете о прилагаемом конкурсном задании? И о членах жюри? —

298. An Carl von Gersdorff in Rom

<Gersau, 2. März 1873>

Мой дорогой друг, в Базеле во время трех дней Фастнахта барабанят так ужасно, что я сбежал отсюда, в Герзау, на Фирвальдштетское озеро, на это время: здесь я сижу в тумане и дожде, без возможности прогуляться, умеренно недовольный, но, по крайней мере, в покое. Здесь я наконец хочу написать тебе свое давно обещанное письмо и надеюсь, что флорентийская подруга «передаст» его тебе (как всегда говаривал Тишендорф в Лейпциге). Я хочу сразу начать с главного: недавно вечером я устроил праздник, собственно, только в честь тебя и твоих друзей: у тебя, должно быть, сильно звенело в ушах от постоянного звона бокалов и непрерывных пожеланий. Я исхожу из того, что ты знаешь результат конкурса на премию Тегетхоффа и что ты, как и я, пришел в настоящий восторг: так вот, Рау получил вторую премию (2000 гульденов), а Отто — третью (1000 гульденов), первую получил базельский скульптор Шлет в Риме, однако среди знатоков искусства нет сомнений, что Рау заслужил первую, и притом с большим отрывом, и что только из-за привлеченного дилетанта последнее решение оказалось таким абсурдным. Я читал и перечитывал отзывы об эскизах «Lissa II» и «fortes fortuna juvat», и прежде всего о первом, все отзывы были полны энтузиазма: это не заимствованное у Микеланджело покашливание, а мощная первобытная сила, которая здесь прорывается наружу и т. д. Короче, я догадывался, что это Рау, и был вне себя от радости, когда наконец услышал решение. Эскиз Отто, кстати, венская художественная критика приняла за работу Бегаса и, таким образом, ошиблась самым лестным для Отто образом. Имена победителей обходят все газеты, было прислано 22 эскиза. Я хочу написать Рау, но не знаю иного способа связаться с ним, кроме как через письмо, адресованное на имя Бегаса. Я давно ничему так не радовался и, на этом важном рубеже в судьбе твоего Рау, действительно полон благословений — чтобы он только оставался на верном большом пути. —

Впрочем, я нахожу, что ты сам со своим вкусом к обоим художникам выглядишь блестяще оправданным. Поздравляю, мой дорогой друг, и желаю тебе еще раз для твоего итальянского опыта того же избирательного немецкого вкуса и серьезности, которые ты там проявил.

Представь себе, что я с момента твоего отъезда долгое время был нездоров, должен был лежать в постели и до сегодняшнего дня не полностью оправился. Затяжной гриппозный синдром с неиссякаемым насморком. Тем временем был опубликован конкурс Всеобщего немецкого музыкального союза: я добился того, чего хотел, а именно значительного повышения премии (до 300 талеров вместо 100 или 50, как предполагалось изначально) и выплаты ее в виде патронатного свидетельства. Судьи, помимо меня, — профессор Гейне в Базеле и профессор Симрок в Бонне. — От мастера и фрау Вагнер у меня чудесные письма, выяснилось то, чего я совсем не знал, что Вагнер был очень обижен моим неприездом на Новый год — Ты это знал, любимый друг, но скрыл от меня. Но все тучи развеяны, и очень хорошо, что я ничего не знал, ибо многое нельзя сделать лучше, а самое большее — еще хуже. Бог знает, кстати, как часто я даю мастеру повод для недовольства: я каждый раз удивляюсь заново и никак не могу понять, в чем собственно дело. Тем счастливее я, что теперь снова заключен мир. Знаешь ли ты чудесное сочинение Вагнера, которое только что впервые напечатано, «О государстве и религии», 1864 года, написанное сначала как сугубо частный меморандум баварскому королю? Оно принадлежит к числу глубочайших из всех его литературных произведений и является в благороднейшем смысле «назидательным». — Скажи же мне свое мнение о повторяющихся поводах для недовольства. Я никак не могу представить, как можно быть более верным Вагнеру во всех главных вопросах и более преданным, чем я: если бы я мог это представить, я был бы еще более преданным. Но в малых, второстепенных пунктах и в некотором, необходимом для меня, почти «санитарном» воздержании от частого личного общения я должен сохранить за собой свободу, действительно лишь для того, чтобы сохранить ту верность в высшем смысле. Об этом, конечно, не стоит говорить, но это все же чувствуется — и тогда становится отчаянно, если это влечет за собой досаду, недоверие и молчание. Я в этот раз ни на мгновение не думал, что дал такой сильный повод для недовольства; и я всегда боюсь, что из-за таких переживаний стану еще более боязливым, чем я уже есть. — Прошу, любимый друг, твое откровенное мнение! —

Мое сочинение растет и оформляется как дополнение к «Рождению». Название, возможно, будет «Философ как врач культуры». Я, собственно, хочу удивить этим Вагнера к его следующему дню рождения. —

К празднованию свадьбы фрейлейн Ольги я отправил во Флоренцию собственную музыку для фортепиано в четыре руки под названием «Une Monodie à deux»: пусть она будет воспринята как прогностикон счастливого брака. Исполнитель справа — мадам Моно, исполнитель слева — месье Моно.

А теперь, сердечно любимый друг и «кавалер, блуждающий в лабиринте любви» (так называет тебя Вагнер), прими сердечную благодарность за твое богатое и счастливое письмо и с любовью вспоминай своего

Фр. Ницше

299. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 9. März 1873>Sonntag.

Мои дорогие мама и сестра,

мое молчание поистине преступно, так как я не могу оправдаться ничем, кроме своего постоянно односторонне направленного и сосредоточенного мышления и работы, и, как вы знаете, все же наступает та минута, когда можно и должно написать письмо. Впрочем, я сейчас в долгу перед всеми друзьями без исключения, как перед байройтцами, так и перед флорентийцами, или Роде, или Герсдорфом, или Фуксом, или и так далее. Короче говоря, никто ничего не знает обо мне, потому что я довольно усердно работаю. К тому же некоторое время у меня были проблемы со здоровьем, а вследствие этого и с работой, и я не писал, потому что был в дурном настроении. Но последние дни я наслаждаюсь вполне добрым здоровьем, и не потребовалось бы никакого нового напоминания — сегодня я бы все равно написал. Кстати, благодарю тебя, дорогая Лизбет, очень за твои письма: твоя радость по поводу готовящейся книги и твое обещание приехать летом в равной степени имеют полное право на мою благодарность, и я с нетерпением жду Пятидесятницы, когда ты приедешь и когда, надеюсь, моя книга в общих чертах будет готова. Было бы очень приятно, если бы ты смогла снова получить ту превосходную квартиру с прошлого лета: в противном случае фрейлейн Кестнер, которая обо всем заботится, уже подыскала для тебя квартиру в Кляйнбазеле. Но я твердо убежден, что так, как прошлым летом, для нас лучше и удобнее.

Здесь было несколько празднеств, в которых я отчасти принимал участие. Например, у старых Фишеров, по случаю празднования двух помолвок (пары Гельцера и доктора Шпайзера); затем у Фишер-Бишоф был бал, присутствовало сто человек, перед этим Салли, фрау Вальтер и несколько господ исполнили оперетту. Потом я был один вечер у добрых Зиберов, с Социном и Якобом Буркхардтом. Во Флоренции состоялась свадьба господина Моно, я вовремя отправил подарок, а именно сочинение в четыре руки под названием «Une Monodie à deux»: если ты знаешь, что такое монодия, то поймешь и этот вполне символичный для брака оборот. Кстати, левую партию должен играть господин Моно, правую — мадам Моно. Оба они уже поблагодарили меня письменно.

Огромную радость нам всем доставило одно известие: оба скульптора, друзья и протеже Герсдорфа, Рау и Отто, оба получили премии на конкурсе в Вене за памятник Тегеттгофу, один — 2000 австрийских гульденов, другой — 1000, и теперь едут в Италию. Работа Рау (который создал «Прометея» в моей книге) характеризуется как произведение мощнейшей и оригинальной творческой силы. Герсдорф был во Флоренции, когда пришло известие: фрейлейн фон Майзенбуг сказала, что он от восторга чуть ли не бегал по улице, как вакхант. Впрочем, добрая Майзенбуг очень опечалена и пишет мне самые меланхоличные длинные письма.

За содействие с фотографией Ричля премного благодарю: я также отправил фотографию студенту Гётцу, вероятно, она не дошла.

Фрейлейн Ольга Герцен напоминает тебе, дорогая Лизбет, о фотографии, той самой, обещанной, так же как и Клара Турнейзен здесь.

Герсдорф сделал во Флоренции еще кое-что совершенно трогательное: после больших дневных усилий и после того, как он проводил все вечера у фрейлейн Майзенбуг, он все же ночью — переписал, и что же? мои лекции о будущем образовательных учреждений; теперь он радостно пишет мне, что теперь они у него полностью есть, «потому что они слишком прекрасны, чтобы их существование зависело от единственного, подверженного всем опасностям экземпляра».

Видите, вот это друзья! Господи помилуй! В Риме Герсдорф видел Виламовица-шутника, но сбежал, спрятавшись за широкую спину античного Геракла. Впрочем, вышеупомянутый В. снова опубликовал памфлет против Роде, но мы посмеялись, это уже в прошлом.

Ну, мои дорогие мама и сестра, обедайте с удовольствием, если вы еще этого не сделали. Я сейчас сделаю это и рекомендую себя вам

наилучшим образом как
Ваш Фриц.

300. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Mitte März. Nein! circa am 22 März. <1873>

Возлюбленный друг, вчера и этот семестр, восьмой в моем опыте, отправился к черту или куда ты хочешь, и сегодня есть возможность немного перевести дух. Но с этим передыхом ничего путного не выходит, если я сначала не помирюсь со своими друзьями: ибо они будут сердиться на меня за то, как редко я пишу письма и как неблагодарно веду себя по отношению к их эпистолярной любви. Недавно, в дни масленицы, в состоянии глубокой подавленности, я получил твои строки, возлюбленный друг, и снова проклял демона, который нас разлучает, или, говоря прямо, глупое поведение фрайбуржцев, которые могли бы тебя заполучить, или, еще прямее, добродушное вероломство моего «друга» Ричля, который им помешал. Теперь мы сидим на своих стульчиках и не можем встретиться! Каждое письмо хочется начинать и заканчивать проклятиями, да, я рекомендую тебе для нашего употребления новое слово «я письмокляну, ты письмоклянешь» и так далее.

Впрочем, я, как мне кажется, в гораздо лучшем положении, чем ты. Овербек и Ромундт, мои друзья по столу, дому и мыслям, — самое прекрасное общество в мире: так что в этом отношении я совершенно избавился от стонов и кряхтения. Ромундт вчера закончил свой первый семестр в качестве академика и вынес из этого первого опыта огромный соборный фурор. Он действительно пробудил интерес студентов и, безусловно, будет в своей стихии, если останется академиком. Овербек — самый серьезный, чистосердечный и личностно любезно-простой человек и исследователь, которого только можно пожелать в друзья. При этом он обладает тем радикализмом, без которого я уже совсем не могу общаться с людьми. На пасхальных каникулах он создаст документ этого радикализма — публичное послание к Паулю де Лагарду. То, что мы обсуждаем вместе в течение года по поводу важных и глубоких вещей, по объему очень велико, и я постоянно чувствую при этом, чего лишаешься, когда лишаешься тебя. Наша жизнь должна продлиться достаточно долго, чтобы позаботиться о том, чтобы многое задуманное стало делом; но для нас обоих когда-нибудь станет necessitas жить вместе, именно ради этих «дел».

Надеюсь вскоре быть в состоянии переслать тебе для предварительного ознакомления большую часть моей очень медленно рождающейся книги о греческой философии. О названии еще ничего не решено: но если бы оно могло звучать как «Философ как врач культуры», то ты увидишь, что я имею дело с прекрасной общей, а не только исторической проблемой.

В Лейпциге дело с наборщиком еще не улажено, отсюда большая задержка второго издания. Вторую пьесу Виламовица я прочитал, мне прислали ее на дом, и я нашел ее достаточно забавной и совершенно никчемной. Герсдорф видел шутника в Риме, я посылаю тебе его письмо с радостной вестью, чтобы ты разделил со мной радость за счастье этого «шатающегося кавалера».

Недавно состоялась свадьба фрейлейн Ольги Герцен с господином Моно из Парижа. Я явился со свадебной композицией для фортепиано в четыре руки, следующего названия, которое должно толковаться как символ хорошего брака:

Une Monodie à deux.

Фрейлейн фон Мейзенбуг глубоко несчастна и вызывает большое сочувствие, она просила меня приехать к ней на Пасху во Флоренцию, чтобы немного утешить ее. К сожалению, у меня нет или почти нет каникул, спасибо достопочтенному педагогиуму.

Р. В<агнер> прислал мне свое до сих пор не напечатанное сочинение 1864 года «Государство и религия», первоначально написанное для короля Баварии: я глубоко впечатлен. Так сейчас никто больше не пишет о религии и государстве, особенно королям. — Кстати: какую скандальную историю имеет в виду Виламовиц своим замечанием о «филологическом вестнике» на стр. 3 своего примечания к памфлету. Неужели старый Лейч тоже двуличен?

Я все время забывал прислать тебе эссе о Certamen, которое уже совсем залежалось и от этого не стало лучше. Прими его любезно, сказал ребенок отцу в день его рождения и уронил торт в грязь.

Если бы мы только выучили еще какое-нибудь другое искусство, дорогой друг, чтобы вместе странствовать по миру! Ибо быть «таксой по поиску конъектур» — это, право, не честное ремесло. Шарманку крутить лучше. В этом семестре у меня было два слушателя, один германист, другой юрист, обоим я читал риторику! Мне это кажется таким невероятно нелепым, особенно когда я думаю, что один из них — мой личный энтузиаст и с таким же успехом мог бы чистить мне сапоги, как и слушать мою риторику! В следующем семестре будет немного лучше: педагогиум выпускает пару хороших филологов, с которыми можно иметь дело.

Картины «Изобилие» прибыли сегодня, и я вспоминаю наши веселые осенние дни в Лейпциге и Наумбурге! Мы ведь повторим это в лучшем виде в этом году, не так ли, лучший друг? Летом меня навестит сестра. Но в октябре я поеду навстречу тебе, в добрую Тюрингию. Или встретимся в Дрездене? Только, ради всего святого, не снова в этом богопроклятом Лейпциге!

Желаю тебе чистого неба, бодрого духа и рекомендую в качестве моего укрепляющего средства Марка Аврелия; от него становишься таким спокойным.

Верный и всегда помнящий о тебе
Фридерикус

В письме Герсдорфа есть кое-что трогательное, ты найдешь это, касательно моих лекций. Вот это друг.

301. An Carl von Gersdorff in Rom

<Basel, 5. April 1873>

Дорогой друг,

телеграфы работают без устали и летают то в Байройт, то в Нюрнберг, то в Гейдельберг. Ведь представь себе, завтра я уезжаю на восемь дней, послезавтра встречаюсь с Роде — и где? конечно, в Байройте. Я сам еще не понимаю, как быстро и внезапно все это произошло. Еще 8 дней назад никто из нас не помышлял о подобном. Уже сейчас меня охватывает волнение и трепет, когда я думаю о том, как мы вдвоем прибудем на вокзал этого города и каждый шаг станет воспоминанием. Я все же верю, что это были самые счастливые дни, которые у меня когда-либо были. В воздухе было что-то такое, чего я больше нигде не чувствовал, нечто совершенно невыразимое, но исполненное надежды. О чем мы будем там думать вместе, всегда, конечно, включая и тебя! Моя радость сегодня совершенно безумна, ибо мне кажется, что все складывается вновь так прекрасно, как лучше и пожелать нельзя. Надеюсь, что мой визит исправит то, что испортил мой не-приезд на Рождество, и благодарю тебя от всего сердца за твою простую и сильную поддержку, которая вновь прояснила мне глаза и разогнала глупых «летающих мушек», от которых я порой страдаю.

Вообще, мой друг, в твоих письмах так много такого, за что я всегда восхваляю судьбу, подарившую мне такого друга; и я уже испытываю особую радость, видя энергичные и свободные росчерки твоего почерка, ибо они уже выдают мне все, как у тебя сейчас дела. А то, что ты переписал мои лекции о будущем образовательных учреждений, — это совсем особая история, которую нужно петь на свой лад и никогда не забывать. Я размышлял об этом и размышляю до сих пор, всякий раз, когда эта история приходит мне на ум. А приходит она мне довольно часто. Напоследок я еще раз напишу шестую лекцию, только чтобы у тебя в руках было что-то законченное от меня.

В Байройт я привезу рукопись «Философия в трагическую эпоху греков» для чтения вслух. Но до книжной формы всему этому еще очень далеко, я становлюсь все строже к себе и должен дать пройти еще немалому времени, чтобы осмелиться на еще одну редакцию (четвертую по той же теме). Также я был вынужден проводить самые странные исследования для этой цели, даже математика оказалась рядом, не внушая страха, затем механика, химическая атомистика и т. д. Я вновь самым чудесным образом убедился в том, что такое греки и чем они были. Путь от Фалеса до Сократа — это нечто грандиозное.

— Очень мила твоя встреча с Виламовицем и твое спасение, которое, вероятно, стоило возлияния. Знаешь ли ты, что этот шутник напечатал второй выпуск под тем же названием, с ругательствами и софизмами, не стоящими опровержения. В конце сочинение направлено особенно против Роде и переходит к общему, прочь от двух «сгнивших мозгов»; слова Давида Штрауса против Шопенгауэра дословно применяются ко мне, и в итоге получается образ меня, будто я Герострат, осквернитель храмов и т. д. Документ датирован Римом. Недавно в одной газете меня назвали «переведенным на язык музыки дарвинизмом и материализмом», первосущее сравнили с «первичной клеткой Дарвина»: я учу «девелоппизму первичной слизи»! Я нахожу, что почтенные противники начинают сходить с ума. Некий Бонус Мейер недавно высказал свое мнение о байройтском произведении Вагнера, что даже «брутальная страсть к строительству римлян» не осмелилась бы на подобное. Ненависть, кажется, пылает ярким пламенем.

Я рассказывал тебе, что написал музыку к свадьбе фрейлейн Ольги Герцен. Она и ее Моно написали мне в ответ, последний, однако, очень по-французски и как политический человек, что в столь частном деле показалось мне неуместным. Неужели нужно сразу же говорить о les tristes événements des dernières années? Мне от этого сразу становится дурно. Я очень сочувствую бедной флорентийской подруге и совсем не знаю, как помочь. Она приглашала меня приехать к ней на Пасху; но мне не хватает непрерывных каникул. У меня есть только 8 дней, а после перерыва на экзамены, который вынуждает меня быть здесь, еще 8-12 дней: больше ничего! Так что я не могу поехать во Флоренцию.

Подо мной, я имею в виду на втором этаже дома, работает профессор Овербек, наш глубокоуважаемый друг и единомышленник, над памфлетом «Христианство нашей нынешней теологии». Наш дом когда-нибудь станет печально известным.

Ромундту очень везет как академику: студенты неоднократно выказывали ему величайшее участие. Он в нужном фарватере, и мне кажется, что все мы в нем. Только мой бедный Роде бродит там в одиночестве. Там нужно помочь.

На днях в Рим прибыл молодой профессор Фишер-Хойслер: я дал ему твой адрес.

Передай мои поклоны твоему господину отцу. Когда же Рау приедет в Рим? И какой у него адрес? (а именно, до сих пор в Берлине). Ну еще раз, возлюбленный друг, сердечное спасибо за твои два письма, хотел бы я быть с тобой. Послезавтра, однако, мы поменяемся ролями; тогда я буду сидеть у Вагнера, и мне будет казаться, что ты охотно сидишь рядом.

Преданный тебе
Твой Фрид. Ницше

302. An Malwida von Meysenbug in Florenz

Basel 5 <6.> Apr. 1873

Глубокоуважаемая барышня, как же мне хотелось бы провести эту Пасху у Вас, и с какой благодарностью я принял Ваше приглашение. Даже если бы я не смог помочь Вам утешиться, мне бы наверняка удалось здесь или там отвлечь Вас и переключить Ваши мысли на что-то другое. Теперь же я, к сожалению, настолько связан обязательствами, что располагаю свободой лишь на кратчайшие сроки (от 8 до 12 дней) вокруг Пасхи: это зависит от того, что, помимо моей университетской должности, я занимаю пост учителя греческого языка в старшем классе педагогиума и, таким образом, подвержен скучным мучениям письменных и устных школьных экзаменов и т. д. Свободного времени, стало быть, слишком мало, чтобы отправиться во Флоренцию: как часто я об этом вздыхал! Ведь я действительно испытываю самое искреннее желание увидеть Вас сейчас и поговорить, и в любом случае приехал бы во Флоренцию только ради Вас (а не ради каких-либо картин).

Когда я особенно думаю о том, что Ваше здоровье еще не восстановилось и что к обилию душевных страданий и тревог Вас совершенно излишне мучают еще и телесно, я чувствую в себе всю беспомощность желания помочь, но невозможности это сделать! Надеюсь, госпожа Ольга М<onod> пишет Вам самое лучшее и успокаивающее, прежде всего — почаще и поподробнее.

Сегодня вечером я уезжаю, угадайте куда? — Вы угадали. И там, чтобы сделать счастье полным, я встречусь с лучшим из друзей, с Роде; завтра после обеда в половине четвертого я буду сидеть в доме на Даммаллее и буду совершенно счастлив. Мы будем много говорить о Вас. Затем о Герсдорфе, «шатающемся кавалере», как называет его В<агнер>. То, что Вы рассказываете мне о копии, которую Герсдорф сделал с моих лекций, просто трогательно и совсем не забывается. Какие у меня хорошие друзья! Это даже стыдно. В Байройте я надеюсь снова обрести мужество и бодрость и укрепиться во всех своих правах. Мне приснилось этой ночью, что я заново и красиво переплетаю «Gradus ad Parnassum»; эта переплетная символика понятна, пусть и довольно пошловата. Но это истина! Время от времени нужно позволять себе, через общение с хорошими и более сильными людьми, в некотором роде переплестись заново, иначе теряешь отдельные листы и, падая духом, все больше распадаешься. И то, что наша жизнь должна быть «gradus ad Parnassum», — это тоже истина, которую нужно почаще себе напоминать. Мой Парнас будущего — это, если я очень постараюсь и мне немного повезет, а также будет много времени, — возможно, стать умеренным писателем, но прежде всего — все больше «умеренным в писательстве». У меня время от времени возникает детская неприязнь к печатной бумаге, которая тогда кажется мне лишь испачканной бумагой. И я вполне могу представить себе время, когда предпочтут меньше читать, еще меньше писать, но много думать и еще больше делать. Ибо все сейчас ждет действующего человека, который сбрасывает с себя и других тысячелетние привычки и показывает, как лучше делать, чтобы подражать. В моем доме сейчас создается нечто, по всей вероятности, весьма достославное — характеристика нашей нынешней теологии в отношении ее «христианства»: мой друг и единомышленник профессор Овербек, самый свободный теолог, который сейчас живет, насколько мне известно, и, во всяком случае, один из величайших знатоков церковной истории, работает сейчас над этой характеристикой и, судя по всему, что я знаю и в чем мы единодушны, обнародует несколько пугающих истин. Постепенно Базель может стать местом, вызывающим опасения. — Теперь темнеет, я должен думать об отъезде и сборах и оставить Вас, глубокоуважаемая и искренне жалеемая мною подруга. Если бы это был хотя бы отъезд во Флоренцию!

С преданностью
Ваш
Фридрих Ницше

303. An Cosima Wagner in Bayreuth (Entwurf)

<Basel, April 1873>

Глубокоуважаемая госпожа, Вы оказали мне честь, без колебаний и немедленно приняв посвящение этой книги. Если я могу вывести эту уверенность из того доверия, которое внушило Вам мое сочинение «Рождение трагедии» ко мне как к автору, то я хочу признаться Вам здесь, какой недавний опыт заставил меня самого почти предубедиться против этой книги.

Мы придерживаемся дурного мнения обо всем, что в наше скверное время находит немедленный успех и признание: и книга Давида Штрауса, которая за несколько месяцев выдержала четыре издания, уже по этому канону должна была бы быть очень плохой. Поэтому второе издание книги, ставшее необходимым по прошествии года, почти могло бы вызвать у меня недоверие к ней, если бы я не знал в ее оправдание, что в этом немедленном<ном> успехе тот дурной мир с его крикливыми и визгливыми газетами и литературными листками в качестве глашатаев не принимает никакого участия, что, напротив, с этой стороны была сочтена благоразумной осторожная тишина. После этого опыта, как и после всех прочих, я считаю себя счастливейшим автором: ибо именно это безветрие — лучший признак для плавания моих кораблей. Почему Вы не живете в таком же безветрии?

почти все музыкальные обозреватели, которые пишут против Вас, живут за Ваш счет — это объясняет непристойный шум, речь идет о насущной нужде господ Ганслика, Гумбрехта или как там еще зовут этих молодчиков, чьи имена я не хочу запоминать.

304. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel den 18 April 1873.

Глубокоуважаемый Мастер

я живу в постоянных воспоминаниях о байройтских днях, и многое из того, что я узнал и испытал за столь короткое время, разворачивается передо мной во все большей полноте. Если во время моего пребывания Вы казались недовольны мною, то я понимаю это слишком хорошо, не имея возможности что-либо изменить, ибо я учусь и воспринимаю очень медленно, и в каждый момент рядом с Вами переживаю то, о чем никогда не думал и что стремлюсь запечатлеть в памяти. Я прекрасно знаю, дражайший Мастер, что такой визит не может быть для Вас отдыхом, а порой должен быть даже невыносим. Я так часто желал себе хотя бы видимости большей свободы и самостоятельности, но тщетно. Довольно, я прошу Вас, принимайте меня лишь как ученика, по возможности с пером в руке и тетрадью перед собой, к тому же как ученика с очень медленным и совсем не гибким умом. Это правда, я становлюсь с каждым днем все меланхоличнее, когда по-настоящему чувствую, как сильно я хотел бы хоть чем-то помочь Вам, быть полезным, и насколько я совершенно неспособен к этому, так что я не могу даже внести вклад в Ваше развлечение и поднятие настроения.

Или, быть может, все же однажды, когда я закончу то, что сейчас у меня в работе, а именно сочинение против знаменитого писателя Давида Штрауса. Я прочел его «Старую и новую веру» и был поражен как тупостью и пошлостью автора, так и мыслителя. Прекрасное собрание образцов стиля отвратительнейшего рода должно однажды публично показать, чего стоит этот мнимый «классик».

В мое отсутствие работа моего сожителя Овербека «О христианском характере нашей теологии» значительно продвинулась, она носит столь наступательный характер по отношению ко всем партиям и, с другой стороны, столь неопровержима и честна, что и он, после ее публикации, будет изгнан, как тот, кто, по выражению профессора Брокхаузена, «разрушил свою карьеру». Базель постепенно становится весьма скандальным местом.

С другом Роде я расстался в Лихтенфельсе (в вокзальном ресторане которого стоял Ваш бюст). В пасхальное воскресенье мы совершили еще одну утреннюю прогулку вместе, в Фирценхайлиген, что в часе пути от Лихтенфельса. Правда ведь, у меня превосходные друзья?

Глубокочтимой супруге я посылаю сегодня с наилучшими пожеланиями «Павла» Ренана; обещанное сочинение Пауля де Лагарда я пришлю вместе с работой Овербека, когда та будет готова.

Мне так жаль, что мы не увидели декана еще раз.

Живите долго! Живите долго, дражайший Мастер, вместе со всем Вашим домом.

Ваш верный Фридрих Ницше

305. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel Freitag. <26. April 1873>

Глубокоуважаемый маэстро

у меня есть небольшая просьба, и касается она издателя Фрича. Мы говорили о том, как его издательство постепенно будет и должно расширяться, и уже сегодня у меня есть самый примечательный пример того, какие сочинения и авторы хотели бы примкнуть к прежнему первому кругу. Мой друг Овербек закончил свою работу «О христианстве нашей современной теологии» и, по моему совету, обратился с предложением к Фричу, после того как его прежний издатель Хирцель отказался из уважения к Давиду Штраусу, который также рассматривается в работе Овербека и рассматривается без симпатии. Я считаю характеристику современных теологических партий, данную Овербеком, шедевром и от всего сердца желаю, чтобы Фрич смог преодолеть себя и отнестись к слову «издатель» настолько серьезно, чтобы принять и это совершенно немузыкальное сочинение. Мы тщетно искали другого уважаемого издателя для столь открыто-честного и смелого сочинения и каждый раз обнаруживаем, что более известные издатели сами являются теологическими партийцами и слишком принадлежат к «Протестантскому союзу»: так что для них это сочинение было бы достаточно нежеланным. «Так что же, придется ведьме взяться за дело» — действительно, нужда гонит к Фричу! Это прямо-таки удивительно!

Моя просьба теперь заключается в том, чтобы Вы, глубокоуважаемый маэстро, в том случае, если Фрич обратится к Вам за советом, дали ему краткий совет и ответ. Ибо я вполне могу себе представить, в каком геркулесовом затруднении может оказаться честный Фрич, когда он внезапно получает теологическое предложение.

Я от всего сердца желаю, чтобы Вы не сочли мою просьбу нескромной. Из Кёльна Вы, вероятно, уже выбрались; я представляю Вас стоящим в Вашей библиотеке у прекрасных переплетов и обещаю Вам в сочинении Фрича-Овербека солидное пополнение.

Вам и глубокоуважаемой супруге мои самые сердечные пожелания!

Ваш Фридрих Ницше

Овербек хорошо известен рядом строго научных работ и очень уважаем: его главный труд — комментарий к Деяниям апостолов. Новое сочинение имеет объем около 6 печатных листов.

306. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Dienstag. <29. April 1873>

Мои дорогие мама и сестра,

да, это действительно скандал, как долго я не писал. Мои каникулы скоро закончатся, и на следующей неделе начнется летняя работа. У меня ведь было время, не так ли? Ну, давайте посмотрим, что я сделал за это время, что так быстро и почти не заметив, как много времени прошло, я провел каникулы. Итак, сначала я все еще писал своего греческого философа: но книга совсем не готова, и может пройти еще много времени, прежде чем я приду к завершению. Затем я получил к величайшему удивлению от Роде сообщение, что он приедет в Южную Германию и хочет провести со мной некоторое время. Где? Должен был определить я. Ну, я определил Байройт, и, таким образом, был там вместе с Роде с Вербного воскресенья до Пасхального воскресенья. Это было хорошо придумано. Сразу после Пасхи у нас здесь были экзамены, полторы недели. Сейчас я грызу последнюю кость каникул и использую её, чтобы написать полемический трактат против Давида Штрауса. Так что занятий и развлечений достаточно. Твое письмо, моя дорогая мама, я получил пересланным в Байройт и сердечно благодарю за него. Много писем я иначе не получал, потому что почти совсем перестал писать. Но все же — Герсдорф и фрейлейн фон Мейзенбуг держатся и постоянно дают о себе знать, в истинной дружбе. Первый сейчас на Сицилии со своим отцом и летом, вероятно, приедет в Базель. Его друзья Рау и Отто сейчас в Риме и занимают квартиру Герсдорфа. Овербек завершил отличную работу и предложил её Фричу для публикации. Мы с нетерпением ждем ответа. Пикар женился на этих неделях в Женеве. То, что Салли Фишер невеста, вы, конечно, знаете, с неким господином Аллиотом в Арлесхайме. Других новостей я сейчас не знаю.

Итак, дорогая Лизбет, твой приезд близится! Я от всего сердца радуюсь этому. С квартирой все устроилось отлично, господин Бломберг, который до сих пор там жил, мой сосед по столу в университете. Я думаю, что договоренность со Страсбургом остается в силе. Но ты знаешь, что у меня есть время только с субботы перед до вечера понедельника после Пятидесятницы. Но это как раз подходящее время для Страсбурга.

Меня прервали, мои ученики из педагогического училища приходят группами, чтобы попрощаться, они теперь ушли в университет.

Советник Фишер в Бадене, профессор Фишер в Риме, ты ведь это знаешь? О «Летучем голландце» в Веймаре мне рассказывала госпожа профессор В<ишер>. Один вечер мы были у её отца, Ромундт и Овербек тоже.

Голова немного кружится, мне больше ничего нового не приходит в голову, кроме того, что я здоров, только чаще страдаю от болей в глазах. На лето нам нужно обеспечить себе хороший горный воздух с зелеными лугами. Мне все время представляется Энгст<л>енальп или еще раз Мадеранер-таль. Решение должно быть принято не позднее конца мая, потому что Швейцария готовится к большому наплыву иностранцев из-за Венской всемирной выставки.

Ну, пусть у вас все будет хорошо, и примите самые сердечные приветы от

Вашего
Ф.

307. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 5 Mai.

Дорогой друг,

ты снова погрузился в семестровые хлопоты? Мы вот-вот начинаем в эти дни. Ничего блестящего снова не предвидится, но и не так убого и столь совершенно презренно, как прошлой зимой. Герсдорф писал сегодня утром из Сицилии. Овербек закончил свой труд (мы называем его «Богословие будущего»), издатель тоже найден — и кто бы вы думали? Фрич! Конечно, в таком же прекрасном облачении, как и «Рождение трагедии», он не преминет вызвать негодование у всех богословских партий. Герсдорф прав, когда пишет, что Базель стал вулканическим. Я тоже снова изверг немного лавы: сочинение против Давида Штрауса почти готово, по крайней мере в первом наброске — но я прошу тебя о гробовом молчании, ибо затевается большая мистификация. Я вернулся из Байройта в такой затяжной меланхолии, что наконец не мог спастись нигде, кроме как в священной ярости.

За присылку твоего сочинения об Элии Промоте (до того момента мне постыдно неизвестном господине!) благодарю тебя покорнейше, прочел его с глубочайшим почтением и признаюсь, не без отчаяния, что я совершенно презренный ничтожество по сравнению с тобой, филологом. Зато ты не можешь сочинить гимн дружбе или выманить папу монодией (выманить, vulg.).

Знаешь ли ты, что наш чрезвычайно праздничный прощальный кубок в Лихтенфельсе привел меня в состояние опьянения? А именно, возник феномен: мне казалось, что меня вращают в большом колесе; при этом у меня закружилась голова, я уснул, проснулся в Бамберге, выпил кофе: и стал человеком, как прежде. Затем провел вторую половину дня в Нюрнберге, а также второй день Пасхи, и чувствовал себя физически столь же хорошо, сколь и крайне, крайне меланхолично! При этом все люди были нарядно одеты и гуляли на свежем воздухе, а солнце было таким осенне-мягким. Ночью я умчался в Линдау, ехал, в борьбе ночного и дневного светил, рано в 5 часов утра через Боденское озеро, прибыл еще вовремя к Рейнскому водопаду у Шаффхаузена, там пообедал. Новая меланхолия, затем путь домой; проезжая мимо Лауфенбурга, я увидел, что город сильно горит.

Сюда на все лето прибыл друг Ромундта, очень вдумчивый и одаренный человек, шопенгауэрианец по имени Ре. — Ричль подцепил Виламовица и прислал мне соответствующие страницы Rhein. Mus. Это меня совершенно не касается.

Впрочем, мы, как мне кажется, совсем не поговорили как следует, но мы вместе многому научились и узнали — а эта общность все же важнее.

Я не заплатил цирюльнику; что меня сильно огорчает. Посыльный, которого я тогда щедро вознаградил, был, как мне пришло в голову, вероятно, тот самый, которого я тогда чуть не сбросил с лестницы. Всякая вина мстится на земле. В Шаффхаузене я купил превосходную чернильницу со вставкой из гуттаперчи: чернила совсем не имеют поверхности, и перо пишущего сначала слегка вдавливает эту вставку: так чернила не пылятся, а перо не переполняется: и поэтому я сегодня пишу так красиво, что ты ничего не можешь прочесть, не правда ли?

Ну что ж, будем влачить наше существование дальше и петь стих моего гимна дружбе, который начинается: «Друзья, друзья! держитесь крепче вместе!» Дальше стихотворения у меня пока нет: но сам гимн готов — и вот его метрическая схема:

«Друзья друзья держитесь крепче вместе»

Конкурс для всех моих друзей: сочинить на это стих или два!

Я думал, что во время написания письма придут несколько господ студентов, чтобы записаться на мой курс. Ведь это был мой час; но никто не пришел. Увы! Увы!

Прощай, мой дорогой добрый друг! И вспоминай меня по-доброму.

Твой Фр. Н.

308. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 11. Mai 1873> Sonntag.

Дорогие мама и сестра,

сегодня лишь короткое деловое письмо. Я хочу воспользоваться случаем твоей поездки, дорогая Лизбет, чтобы получить кое-что от Наумбургских сапожников и портных. Во-первых, пусть Хаверкамп сошьет мне целый костюм: пиджак, брюки, жилет (светлые брюки, пиджак потемнее, возможно, снова красно-коричневый, и, может быть, черный бархатный жилет). Мои мерки у него есть, я не вырос и не поправился. Затем я хотел бы заказать у Вальтера пару хороших добротных сапог, сделанных по моей ноге, только не тяжелых, а легких.

Вот мои просьбы, хорошо? Вы при случае передадите заказы и посмотрите ткани?

Мы снова вернулись к семестру, и дела идут сносно. Вчера мы справили новоселье в новом доме Фишера-Хойслера. Вы, вероятно, уже знаете, что господин Бломберг, прежний жилец твоих комнат, дорогая Лизбет, обручился с фройляйн Геринг; я недавно нанес им поздравительный визит. Он получил место музыкального директора (в Мюльхаузене) и является весьма любезным и очень молодым артистом. Всеобщее довольство царит повсюду.

Печать второго издания до сих пор, как и многое другое, задерживалась из-за упорных забастовок наборщиков в Лейпциге. Новейшее сочинение профессора Овербека также выходит у Фрича.

Больше сегодня сообщить нечего: может быть, я получу более подробные известия о твоем прибытии? И все остается в силе насчет Страсбурга?

Сегодня я снова предавался изучению Бедекера и Берлепша, конечно, с той самой целью выбора места для летнего отдыха.

Адью, адью. И наилучшие пожелания
Ваш Ф.

309. An Richard Wagner in Bayreuth

Basel 20 Mai 1873

Возлюбленный Мастер,

вот уже действительно два поколения, как немцы имеют Вас — и, конечно, есть многие, кто, подобно мне и моим друзьям, празднует ближайший день Вознесения как день Вашего земного пути, одновременно говоря себе, какова будет участь каждого сходящего на землю гения, участь, которая, поистине, напоминает скорее нисхождение в ад. Однако такой день должен праздноваться не многими, а всеми, и всегда больнее всего то, что люди так невероятно медленно приходят к благодарности и что лишь спустя два поколения возникает смутное предчувствие этого высочайшего долга благодарности. Кем бы мы были, если бы не могли иметь Вас, и чем был бы я, например (как я чувствую каждое мгновение), иным, нежели мертворожденным существом! Меня всегда бросает в дрожь при мысли, что я мог бы остаться в стороне от Вас: тогда поистине не стоило бы жить, и я вовсе не знал бы, что мне делать со следующим часом. Теперь я всё же усвоил одно: что когда-нибудь немцы должны начать формировать для Вас «публику»: и я вместе с моими друзьями желаю быть причисленным к этой публике. Конечно, мы принадлежим скорее к третьему, чем ко второму поколению, и потому приходим достаточно поздно. Чтобы исправить это, мы должны со всей серьезностью отнестись к нашей задаче — быть публикой: чтобы мы от смутного предчувствия перешли к ясности, к пониманию того, почему Ваш гений пришел именно к немцам.

Здесь, в Базеле, мы будем праздновать это, ибо здесь у Вас действительно есть маленькая школа. Здесь есть мой друг Герсдорф (с позавчерашнего дня здесь), Овербек, Ромундт, затем друг последнего Ре, который также остается здесь на это лето, затем несколько студентов, которые с верой слушают меня, когда я рассказываю о Вас. То, что Овербек теперь выступает с подписью Фрича, — божественно, и я от всего сердца благодарю Вас за то, что Вы сделали это возможным. Но я хотел собственно поблагодарить Вас посылкой моего «Анти-Штрауса», который уже несколько недель как готов в первом наброске. Но сейчас, в первой нужде нового семестра, с переработкой идет медленно, тем более что я очень страдаю от внезапной и болезненной слабости глаз и достаточно обеспокоен. Я надеялся, что смогу прислать Вам свою рукопись к дню рождения, но не вышло, и я прошу Вас дать мне еще немного времени. Тем временем посылаю Вам и глубокоуважаемой супруге мои сердечнейшие приветствия; и когда весь дом будет чествовать Вас и добрые дети будут поздравлять, знайте, что мы здесь, вдали, играем Девятую симфонию и «Имперский марш», празднуя и поздравляя вместе с Вами.

Ваш преданно верный
Поздравляющий
Фридрих Ницше

310. An Elisabeth Nietzsche in Novolles

<Flims, Ende Juli 1873>

Пожалуйста, моя дорогая Лизбет, передай поздравления и от моего имени, я еще не могу писать —

но дела идут довольно хорошо.
Наилучшие пожелания, также Вишерам.
Твой Фриц

311. An Elisabeth Nietzsche in Novolles

<Flims, erste Augusthälfte 1873>

Моя дорогая Лизбет,

Прекрасно, всё в порядке и так, как я ожидал. Прошу тебя теперь выслушать следующее предложение. Выезжай в следующий четверг рано утром, чтобы к полудню быть в Ольтене, а около 7 часов вечера прибыть в Кур. Там я буду ждать тебя, останусь с тобой на ночь, а рано утром в пятницу мы отправимся почтовой каретой во Флимс.

Обязательно телеграфируй мне, согласна ли ты, и как можно скорее. Ты получишь комнату рядом со мной, которую до сих пор занимал Ромундт: он уезжает в четверг или, самое позднее, в пятницу утром.

В верности и радостном
ожидании твой
Ф.

Сердечный привет Лаубшерам. Здесь хорошие семьи и сплошь дружелюбные люди.

312. An Carl von Gersdorff in Basel (Widmung)

Basel am 25 August 1873.

Дружба написала эту книгу,

и если она порождает вражду,

будь в утешение дружбе, которая её написала,

подумай!

313. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel> Freitag den 18 Sept. 1873.

Возлюбленный Маэстро,

прежде всего, с достоинством, подобающим патрону, сообщаю, что 31 октября я прибуду в Байройт, чтобы одновременно представлять права трех других патронов (Герсдорфа, Роде и моей сестры). Хотя в это же время у нас начинается зимний семестр, из двух необходимых вещей одна всегда нужнее другой; особенно в данном случае, когда речь идет не о «более или менее необходимом», а о нужде. Я хотел бы пообещать сегодня привезти с собой мешок золота; это, конечно, не в моей власти. Но я от всего сердца надеюсь привезти оттуда мешок, полный добрых надежд, потому что эта нужда стоит у меня поперек горла, и не остается ничего иного, как надеяться на саму надежду. Ваше послание патронам вернуло меня в то настроение, с которым я покидал Байройт на Пасху: против которого нет иного спасения, кроме как что-то создавать и время от времени исполнять «Имперский марш», чтобы у нас хотя бы оставался «символ», напоминающий о том, как все еще может «стать хорошо» — ведь одно-то стало хорошо: немецкий солдат.

В самом деле, мои самые сносные чувства сейчас — это военные чувства; и если я по большей части вижу во сне сражения и осажденные города, то мое бодрствующее мышление тем более устремлено к атаке и борьбе. Это тоже способ обрести покой, когда ленивый мир вокруг приносит лишь беспокойство.

Герсдорф, самый верный друг — который, пока был рядом, служил мне правой рукой и левым глазом, — покинул меня в прошлый понедельник и сейчас находится вместе с Роде в Генуе. Мы, то есть я с Овербеком и Ромундтом, спели настоящую погребальную песнь при его отъезде; невозвратимо прекрасное и странное лето навсегда попрощалось с нами вместе с ним.

Только сейчас я снова пишу свое первое длинное письмо после целого полугода, в течение которого Герсдорф с трогательной самоотверженностью брал на себя всю переписку. Мои глаза снова позволяют мне читать и даже кое-как писать, хотя это все еще быстро утомляет меня и причиняет боль. Но мой врач полон самых лучших надежд. Только из-за отсутствия настоящей музыки я порой бываю просто вне себя; когда больше не видишь ничего стоящего ни в людях, ни в изобразительном искусстве и не узнаешь ничего утешительного, то, конечно, не всегда достаточно сочинять музыку самому; но я сведен именно к этому, и только к этому, поскольку мне больше нельзя или я не могу читать ноты. Зимы я немного опасаюсь, так как мне запрещено читать при свете или читать лекции. В итоге остается только размышлять: и я размышляю о своей второй «Несвоевременной статье». Задумано двенадцать, и план к ним составлен. Мой первый выпуск произвел здесь невообразимый эффект; возникла безумно враждебная газетная литература против меня, но прочитал его каждый.

Вашей глубокоуважаемой супруге я сегодня с самыми сердечными приветствиями посылаю лишь обещание в ближайшее время поблагодарить ее письменно за огромное и неоценимое участие, которое она проявила ко мне во время моего «затмения»; также фрейлейн Мейзенбуг, чье последнее письмо к Герсдорфу, к сожалению, прибыло после его отъезда и должно было быть переслано ему.

До свидания, возлюбленнейший Маэстро,
в день Реформации.

Базельский выздоравливающий.
Эразм (или также Ансельм,
призрачно-островной памяти)

314. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 21 Sept. 1873.

Ну что ж, мой возлюбленный друг, это я называю исчезнуть за облаками и вновь появиться в сиянии полнолуния счастья! В самом деле, я довольно часто с трепетным чувством думал о тебе, ничего не слыша и пребывая в понятном самоотречении, к которому вы, бедные экзаменационные люди, приучаете своих друзей. Теперь нужда, молчание, самоотречение с обеих сторон позади, и с поздравляющим сердцем я посылаю тебе сегодня признак жизни. Но, возможно, резкий звон клинков (читай, ради Зевса, только не «дзынь-бряк», это было бы нечто иное) моей только что опубликованной «Штрауссиады» не вяжется с твоим празднично-цветущим настроением — тогда просто отложи пока книгу в сторону.

На Рождество я приеду в Наумбург, чтобы услышать, как ты по-своему говоришь по-голландски. Благословенны будьте, Тюрингенский лес, фестиваль Шумана и все могучие союзники зарождающейся и влекущей любви.

Позволь мне сегодня быть кратким; так ты будешь избавлен от необходимости считать меня скучным. Да и у кого из влюбленных можно красть время и наводить скуку! К тому же мои глаза (эти строптивые! опасные и находящиеся в опасности!) велят мне уже сейчас остановиться, в то время как мое сердце было как раз в ударе, чтобы сочинить тебе весьма уютное письмо в «ленивом тоне холостяка».

Адью! И любите друг друга!

До свидания, верный добрый друг!

Ф. Н.

315. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel 21 Sept 73.

Моя дорогая добрая матушка, вот и не стало нашей доброй тетушки, и мы стали еще более одиноки. Стареть и становиться одиноким — это, по-видимому, одно и то же, и в самом конце человек снова остается лишь наедине с самим собой и своей смертью делает других более одинокими.

Именно потому, что я мало знаю о своем отце и вынужден угадывать его образ скорее по случайным рассказам, его ближайшие родственники значили для меня больше, чем обычно значат тетушки. Я радуюсь, когда думаю о тетушке Рикхен, как и о Плауэнских и других, что все они сохраняли своеобразную натуру до глубокой старости и имели внутреннюю опору, чтобы меньше зависеть от внешнего мира и от столь сомнительного человеческого благоволения: я радуюсь этому, потому что нахожу в этом родовую черту тех, кто носит фамилию Ницше, и обладаю ею сам.

Поэтому добрая тетушка всегда была ко мне очень расположена, ибо чувствовала, как мы были родственны в одном главном деле, а именно в том самом ницшеанском главном деле. И посему я чту ее память, от всего сердца желая, если мне суждено состариться, по крайней мере не отступиться от самого себя, то есть от духа моих предков.

Не жди теперь, моя дорогая, многострадальная, ибо много помогающая матушка, от меня ничего больше и вспоминай с любовью

своего сына
Фридриха Ницше

316. An Carl von Gersdorff in Siena

Basel Samstag. <27. September 1873>

Ну что же, мой возлюбленный друг! Сегодня у меня наконец-то начались каникулы, девятый академическо-педагогический семестр завершен! Пусть же скорее привет от меня поспешит к тебе, чтобы еще раз сказать тебе то, что ты и так знаешь — что этот девятый семестр есть твое творение. О, сколько всего можно было бы сказать, если бы нам пришлось благодарить друг друга словами! Довольно, я многое потерял, когда вместе с завершающимся семестром потерял и тебя, и порой меня охватывает чувство одиночества, которое я, однако, решительно подавляю, чтобы ясно осознать, что же на самом деле осталось у меня от оставшихся друзей. Только и они, когда я бываю с ними, сетуют на твою утрату: так что, чтобы перенести общую обездоленность, жалоба в конце концов всегда переходит в хвалебную песнь тебе. Тогда мы превозносим себя за то, что имеем тебя как друга, и облегчаем себе то, что вынуждены тебя терпеть в разлуке.

Двенадцатая часть бремени, которое каждый из нас вынужден нести сверх того, оценена слишком низко: и — поскольку тем временем случалось и кое-что приятное — нам при этой радости не хватало целого, полноценного человека, а именно тебя.

От Р<ихарда> В<агнера> пришло чудесно-веселое письмо, касательно «Струссиады» он писал: «я снова читал ее и клянусь вам Богом, что считаю вас единственным человеком, который знает, чего я хочу!»

Этим мы и удовлетворимся, не так ли, дорогой друг?

Впрочем, газетный призрак был велик и почти невыносим! Все базельские газеты опубликовали статьи, отчасти разного рода, в том числе одну восторженную: в сумме 5 статей. Затем Карл Гиллебранд в «Аугсбургской» — весьма примечательно, но так, что для меня остались фундаментальные разногласия, и я в целом согласен с госпожой В., когда она говорит: «К. Г. знает французов лучше, чем любой француз, но он больше не знает немцев».

Здоровье было переменчивым, но я надеюсь на все лучшее от предстоящего спокойного и продуктивного времени каникул. Ибо только когда я что-то создаю, я по-настоящему здоров и чувствую себя хорошо. Все остальное — плохая антрактная музыка.

Фукс прислал заявленные сочинения — они весьма хороши. Баумгартнер принес два великолепно переплетенных (юфть — золото) экземпляра моих трудов, в которые я должен был вписать посвящение. Лейч объявил о своем визите сюда — он должен будет услышать несколько истин. Ритчль молчит. Фрич молчит — но, возможно, я напишу еще сегодня.

Письмо от фрейлейн фон Мейзенбуг пришло вскоре после твоего отъезда, я прилагаю его.

Сегодня повсюду синее небо, и я полагаю, что ты будешь очень счастлив.

Прощай, мой дорогой верный
друг, больше я не смею
писать.
Твой
Фридрих Ницше.

Сердечные приветы и пожелания от Овербека, Ромундта, моей сестры и Фишеров.

317. An Carl Fuchs in Berlin

Basel 30 Sept. 1873

Дорогой господин доктор!

Вот вам весточка, но не более того, даже не признак восстановления зрения: ведь и сейчас я пользуюсь любезностью верного друга, записывающего под мою диктовку. Да, я даже не берусь отвечать вам на столь многочисленные и содержательные письма, поскольку никогда не был силен в переписке и ответах, а теперь почти вынужден превратить прежнюю неспособность в обязанность. Простите же меня, если в этот раз я благодарю вас скопом за все ваши письма — просто благодарю, и ничего больше. — И не удивляйтесь, если с этим тире благодарность уже закончится, и мы сразу перейдем к новому. А самое новое — это присланные вами мастерские переложения. Я чувствую то, чего вы здесь достигли, почти как удовлетворение собственных пальцев, сколь бы неуклюжими они ни были и сколь бы мало они могли предчувствовать то, что, вероятно, знают другие пальцы. Обязательно передайте господину Рименшнейдеру мое сочувствие и мое удивление по поводу его «Музыкальных ночей». Вам же самому, как другу композитора, я, пожалуй, могу сказать нечто более точное о степени моей симпатии. С «Июльской ночью», а именно в отношении её сердечной части — «медленно, задушевно» — я не совсем согласен. Если композитор хочет дать нам понять, что певец июльской ночи вспоминает о каком-то сокровенном счастье, то это вовсе не обязательно выражать мелодией, которая звучит как реминисценция на сокровенные и счастливые мелодии, но именно только как реминисценция. То же самое, как мне кажется, относится и к мелодии смирения на предпоследней странице. Да, я склонен полагать, что вся композиция лишь воспроизведена, а не по-настоящему предчувствована, чем, собственно, должно быть всё хорошее. Но большой талант иллюстратора проявляется как раз в этой скорее вымученной, чем необходимой продукции, при этом я особенно думаю о первой странице. Гораздо более самостоятельной, гораздо более прочувствованной кажется мне «Ночная поездка», вступление и очень нежная средняя часть — прямо-таки мастерски характерны. Главная мелодия, вступающая на 4-й странице, мне, правда, не совсем симпатична, хотя и здесь, как и во всей композиции, я полагаю, можно угадать волшебный оркестровый эффект.

— — Теперь тема 2: доктор Фукс, симптоматолог! Этим летом у меня было время поразмышлять о пишущих музыкантах, и именно в отношении еженедельника, посвященного музыке. Таковой, как мы все знаем, почти исключительно рассчитан на читающих музыкантов; их потребности определяют характер издания, и они, слава Богу, до сих пор почти вовсе не литературные, а, насколько им нужен еженедельник, только деловые. Тот или иной ищет место, этот хочет, чтобы исполнили его музыку — это, к счастью, еще наивный смысл такого листка. Но в какого трагелафа он превращается, когда сзади только дела, а спереди выступают Вольцоген, Штаде и вы, почтеннейший господин доктор; я со своей стороны не осмеливаюсь объединить ваши три имени под понятием удовольствия ради контраста; «назидание» тоже было бы не самым подходящим словом; ибо я не знаю, чему Штаде мог бы научить в отношении 9-й симфонии или Корнелиуса; а есть ли чему учить у Вольцогена — это можно было бы понять лишь в том случае, если бы он сначала научился писать внятно. Вы же, дорогой господин доктор, совсем не думаете о деловом музыканте из задней части листка, о, к счастью, столь необразованном немецком музыканте. Возможно, вы при этом думаете обо мне, и тогда у вас действительно есть тот, кто охотно позволяет себя поучать, и от немногих музыкантов так охотно, как от вас. К сожалению, именно у этого человека благо того самого еженедельника Фриче так лежит на сердце, что он гораздо больше, чем о своем «назидании» и «удовольствии», думает о том, как бы нам защитить существование листка и гарантировать его хотя бы до Байройтских фестивалей; но я клянусь вам, что не знаю никого, кто читал бы ваши симптомы; но дело не в симптомах, а в месте. В этом месте они не только невозможны, но и почти делают невозможным само место. Напротив, я мог бы представить себе некое хорошо исполненное, широко задуманное историческое полотно, в котором, наряду с развитием серьезно задуманных философских положений о музыке, нашлось бы место или, по крайней мере, скамья для грешников и для абсурдных господ Лотце и Гервинуса; я знаю только одного, кто мог бы написать это полотно: но что станет с художником, если господин Георг Рименшнейдер сочиняет так много оркестровых пьес, а теперь еще, скажем, «Пляску смерти» и «Донну Диану» хотят переложить для фортепиано!

Но возвращаясь к еженедельнику, я вспоминаю, что не читал ничьих рецензий с таким удовольствием и не находил их столь уместными, как ваши, дорогой господин доктор.

Это, конечно, был не ответ, а почти что штраусовское признание, и, возможно, вы сочтете его совсем уж филистерским и, по меньшей мере, очень дилетантским. Если вы сочтете своевременным ответить письмом, то будьте заранее уверены, что в Базеле всегда найдете самый дружеский прием и самое теплое участие в ваших радостях и горестях.

Искренне ваш преданный
Фридрих Ницше.

318. An Carl von Gersdorff in Bologna

<Basel,> 18 Oct. 1873

Прилагаемое письмо Л. Рау должно быть отправлено немедленно, поэтому только шесть слов. Сердечно благодарю за твое поздравительное письмо: в сам день рождения мне было достаточно плохо, как, впрочем, и с момента твоего отъезда, но я держусь, особенно сейчас, когда снова необходимо быть здоровым. От меня требуют «Воззвание к немецкой нации» в пользу Байройта; «будет исполнено», как говорил Таузиг. — От Фрича, несмотря на повторное письмо и визит Роде, никаких известий: зато я раскрыл совершенно зловещую махинацию, которая требует моего срочного личного вмешательства в Лейпциге. Я не хочу писать подробности, потому что боюсь доверять это бумаге. Достаточно того, что байройтскому предприятию грозит совершенно неожиданная ужасная опасность и что именно от меня зависит, удастся ли подготовить контрмеры. Овербек и я постоянно говорим: «мы живем Самарофф». Призрак Р<озали> Н<ильсен> конечно же замешан. — —

Посреди всех невзгод и действий написана часть новой «Несвоевременной мысли» (2 главы), всё целое набросано.

Штрауссиада в Базеле пережила в общей сложности 9 газетных статей. Напоследок меня даже «Volksfreund» яростно взял под защиту. —

Прощай, верный счастливый друг, все сердечно приветствуют. Прости за невыносимую каракули.

Прибыло 6 конкурсных работ, и, как я полагаю, они обречены.

Прощай! Все
добрые духи с тобой
и с нами.
Ф.Н.

319. An Erwin Rohde in Hamburg

Von der Schweizer Grenze <Basel>18/10 73.

Любезнейший друг!

Вышеупомянутое объявление отеля означает лишь то, что в прошлом году я был на перевале Шплюген и что в данный момент у меня нет другой почтовой бумаги. Тот же, кто пишет это письмо и этой скверной рукой, зовется Ромундт.

С момента твоего отъезда я с трудом влачил свое существование, каждые три дня был вынужден лежать в постели и был не в состоянии отпраздновать твой день рождения, как подобает, письмами и винными дарами. Что касается моего собственного, я решил праздновать лишь уход прошедшего года, а на будущее взирать с некоторой покорностью. Если боги будут весьма милостивы, они сохранят мне в новом году то, что я имел в старом; а именно: моих друзей и желание совершить что-то стоящее.

Всё новое, впрочем, ужасно; в чем я имел случай убедиться уже в первые дни нового года. Новым является, например, требование, поступившее мне сегодня, в пользу Байройтского дела и по поручению комитета патронов составить воззвание к немецкому народу (выражаясь пристойно). Ужасно это требование еще и потому, что я сам однажды по доброй воле пытался сделать нечто подобное, не сумев довести дело до конца. Поэтому моя настоятельная и сердечная просьба к тебе, дорогой друг, помочь мне в этом, чтобы увидеть, сможем ли мы, быть может, сообща одолеть это чудовище. Смысл прокламации, черновик которой я прошу тебя составить, сводится к тому, чтобы стар и млад, насколько слышна немецкая речь, платили деньги своему торговцу нотами; к каковому действию можно было бы побудить примерно следующей мотивацией: (согласно указанию, как кажется, исходящему от Вагнера и переданному Хеккелем) 1. Значение предприятия, значение предпринимателя. 2. Позор для нации, в которой подобное предприятие, где каждый участник бескорыстен и лично жертвует собой, может быть представлено и атаковано как дело шарлатана. 3. Сравнение с другими нациями: если бы во Франции, Англии или Италии человек, после того как он представил театрам пять произведений, которые ставят и приветствуют от севера до юга, воскликнул: существующие театры не соответствуют духу нации, они как общественное искусство — позор, помогите мне подготовить место для национального духа, разве не пришел бы ему на помощь каждый, хотя бы из чувства чести? и т.д. и т.п. В заключение следовало бы указать на то, что у всех (3946) немецких книготорговцев, торговцев произведениями искусства и нотами, которые могут дать любую желаемую справку, лежат списки для записи и т.д. Не сочти за труд, любезнейший друг, и приступай; я тоже хочу это сделать, но при моих ужасных состояниях сердца и живота ни за что не могу ручаться. Впрочем, дело не терпит отлагательств. Могу ли я вскоре рассчитывать на листок в наполеоновском стиле?

Тем временем другое дело приняло гигантские размеры и буквально выросло над нашими головами. Даже в письмах позволено лишь намекать на него, а не говорить прямо. Существует, в чем Овербек и я убеждены твердо, зловещая махинация, чтобы передать Лейпцигское издательство в руки Интернационала. Ф<рич>, как мы опасаемся, уже скомпрометирован и, вероятно, уже получил деньги. Наше дело, на которое мы надеемся, будет уничтожено в тот же миг, как только хоть словечко об этом просочится в общественность. Сегодня вечером я собирался отправиться в Лейпциг для срочного личного вмешательства. Неожиданная служебная обязанность удерживает меня, и поэтому я поеду в Лейпциг только из Байройта. Проницательному критику Э. Р. не представлен весь критический аппарат (а именно письма и показания женского призрака Р<озалии> Н<ильсен>). Из того, что мы знаем, даже менее опытным критикам возможно прийти к ужасно определенному результату, особенно если они воспользуются знаменитой спекулятивной пустотой души Р<омундта>. Пожалуйста, сообщи нам еще, перешел ли Ф<рич> по своей воле к упоминанию того завещания, в каком тоне он упоминал призрак и говорил ли он настойчиво о своем здоровье. Впрочем, ты серьезно просишь диктатора и писца немедленно сжечь это письмо.

Бьется ли сильное мужское сердце о ребра?

После таких событий я больше не осмеливаюсь ставить свое имя под этим письмом. Мы живем как Самаров, думаем только о минах и контрминах, подписываемся только псевдонимами и носим накладные бороды.

Уй! Уй! Как свистит ветер!

От имени заговорщиков
Гуго с глухим призрачным голосом.

Сердечный привет добавляет

писец

Всё под угрозой; у Овербека тоже бурлит в животе, он чувствует себя отравленным; он передает привет. —

320. An Emil Heckel in Mannheim

<Basel, 19. Oktober 1873>Sonntag

Глубокоуважаемый господин Хеккель,

то, что Вы от меня требуете, будет исполнено.

Ваш проект для книготорговцев кажется мне превосходным, как, впрочем, и весь план в целом, который вновь говорит в пользу его автора. Оставьте мне проект для более тщательного изучения еще на несколько дней; возможно, тогда я смогу прислать и свой. Я приеду, если здоровье хоть как-то позволит, 30-го числа сего месяца в Байройт. Со своего проекта я хочу сделать здесь несколько печатных оттисков: так его будет легче обозреть и, при необходимости, отредактировать.

Преданный Вам
Ницше

Нет: я посылаю его сразу же и уже просмотрел его

321. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel Montag. <20. Oktober 1873>

Моя дорогая мама, я так поздно собрался поблагодарить тебя за твои добрые пожелания и прекрасные подарки, которыми ты отметила мой день рождения: так поздно, потому что я долгое время, и особенно в сам упомянутый день, был нездоров, а теперь любое недомогание проявляется еще и повышенной чувствительностью глаз. Это мешает мне работать, читать и писать, мешает писать письма и задержало выражение моей благодарности тебе в письменном виде. Винограда я смог только попробовать: но все, кто его ел, особенно мои друзья, очень его хвалили; что касается штоллена, как предмета более стойкого и долговечного, должен по собственному опыту признать, что еще не пробовал столь вкусного. Твой кошелек и все маленькие необычные предметы произвели должный эффект; в остальном будем рады, что год снова более-менее сносно пережит: об этом я сам мог бы ворчать и трубить, но не о новом приближающемся, о котором совсем не знаешь, что оно принесет, и которое внушает мне скорее страх, чем доверие. —

Завтра уезжает наша Лизбет, которая верно облегчала и скрашивала мою жизнь этим летом. Она везет от меня несколько старых платьев. Возможно, мне удастся на это Рождество снова, как в прошлом году, быть вместе с вами обеими: в конечном счете, это все же лучшее время для нашей встречи, пусть она и такая короткая. Обо всем, что меня касается, ты теперь услышишь от Лизбет много подробностей. Я всегда переживаю многое, но в короткой записке это остается непонятным или двусмысленным.

Заявление относительно завещания я недавно составил, и оно, вероятно, уже у тебя в руках. Письма ко дню рождения я получил от Вильгельма, от Густава, от Герсдорфа из Италии, от Дойссена из Женевы и от Роде, а также из Байройта. С твоим, значит, семь штук. Также доктор Фукс из Берлина недавно снова прислал очень подробное сообщение и передает тебе привет. Герсдорф приедет сюда снова в декабре.

А теперь будь здорова, думай обо мне по-доброму и бодро, как о

Твоем сыне
Фридрихе Ницше.

322. An Erwin Rohde in Kiel

Basel, 25./26. Oktober 1873

Сделано в среду утром и готово из типографии в субботу вечером — всё в ускоренном темпе.

Напиши мне поскорее своё суждение, в Байройт, дорогой друг. Вместе с твоим объяснением, готов ли ты предоставить своё имя для подписи, в содружестве с другими добрыми именами.

Моя «тенденция» заключалась в том, чтобы разозлить злых и, через этот гнев, собрать и воодушевить добрых.

До среды госпожа Здоровье была строптива, теперь она слушается. —

Письмо от Фрича развеяло все опасения. Кстати, он приедет в Байройт.

Прочти же «Grenzboten» и новую статью «Господин Фридрих Ницше и немецкая культура».

Фрич пишет, что если продажи будут идти так же, как в последние недели, ему придётся сделать второе издание ещё в этом году.

Добрый верный друг, мне будет очень не хватать тебя в Байройте! Нас так мало.

Прощай и люби меня. Р<омундт> и
О<вербек>, а также моя сестра шлют приветы.

323. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, 25. oder 26. Oktober 1873>

Вот, возлюбленный Учитель, мой черновик. На самом деле, мне хотелось прочитать его Вам лично, достаточно патетично; но сегодня мне кажется, что лучше, если он как можно скорее попадет к Вам в руки. Если он примерно соответствует своей цели (разозлить злых и собрать и воодушевить добрых через этот гнев), то мне было бы важно как можно скорее подготовить французский, итальянский, а возможно, и английский перевод, по очевидным причинам. Для подписи мне кажется менее подходящим попечительский комитет, нежели выбранная нами небольшая группа людей из самых разных классов и сословий (дворянство, чиновники, политики, священники, ученые, деловые люди, деятели искусства). Каждому из выбранных следовало бы отправить экземпляр этого воззвания с вопросом, готов ли он поставить свою подпись. Я принесу достаточно экземпляров, чтобы это стало возможным. Как только ответы будут получены, следует как можно скорее приступить к окончательной печати. Краткое деловое практическое дополнение должно быть приложено к воззванию под чертой и именами; как всё это обсудить в пятницу. Я приеду в четверг после обеда.

В верности и любви
Ваш
Ф. Н.

324. An Carl von Gersdorff in Venedig

Basel Montag. <27. Oktober 1873>

Мой дорогой друг, я немедленно пишу снова, потому что из твоего письма вижу, что одно из моих писем до тебя не дошло: ну, это было бы не беда, если бы именно в этом письме не лежало вложение — письмо от Рау, которое сам Рау назвал очень важным и о доставке которого он меня просил, так как у него не было твоего адреса. Обратись, пожалуйста, на почту в Болонье: там должно находиться мое письмо до востребования вместе с вложением. Ты писал мне ранее, что пробудешь в Болонье 10 дней: опираясь на это замечание, я мог взять на себя ответственность адресовать письмо туда. Надеюсь, не случилось никакой беды.

В среду я уезжаю в Байройт: удивишься ли ты, узнав, что необходимое число представителей патроната не собралось, так что собрание 31-го числа текущего месяца будет носить скорее частный, чем официальный характер. От меня потребовали «Воззвание к немцам»: я составил его за одно утро (а именно в прошлую среду), и уже в субботу вечером получил готовым из типографии. Я посылаю тебе экземпляр с просьбой оценить его: конечно, он еще не имеет той силы, которую обретет только в Байройте, поэтому прошу тебя пока держать свой экземпляр в секрете. Я думаю о таком способе подписания, какой мы тогда придумали в Мюнхене: чтобы были представлены отдельные сословия и общественные классы. Готов ли ты, возможно, поставить под ним свое имя? У тебя будут товарищи в лице Роде и Овербека.

Большие опасения, на которые я намекал в своем письме к тебе из Болоньи, почти полностью развеяны: ведь Фрич наконец написал, причем очень любезно и тепло. Он просит рукопись № 2 «Несвоевременных размышлений» и заверяет, что еще в этом году должен будет приступить ко 2-му изданию № 1, если продажи будут идти так же, как в последние недели. Условия гонорара приняты. На январь назначено новое издание «Рождения». Призрак Нильсен у русских.

Зеленые тетради «Grenzboten» недавно выдали нечто из ряда вон выходящее под заголовком «Господин Фридрих Ницше и немецкая культура». Все силы призваны против меня: полиция, власти, коллеги, прямое заявление о том, что меня следует изгнать из любого немецкого университета, ожидание, что то же самое сделают в Базеле. Сообщение о том, что я благодаря трюку Ричля и глупости базельцев превратился из студента в ординарного профессора и т. д. Оскорбления в адрес Базеля как «захолустного университета», меня самого клеймят как врага Германской империи, причисляют к Интернационалу и т. д. Короче говоря, весьма рекомендуемый веселый документ. Жаль, что я не могу тебе его прислать. Даже Фрич получает пинок: считается позорным, что немецкий издатель взялся за меня. Итак, любезнейший друг, наш № 1, выражаясь à la Фрич, «нашел отклик у публики».

Девять базельских газет уже высказались обо мне, во всех тонах, и в сумме весьма серьезно по сравнению с неистовствующим и кощунственным «Grenzboten».

С Роде я обменялся добрыми намерениями: на следующую осень назначена встреча всех друзей, на которой мы, конечно, рассчитываем на тебя, как на самих себя. Что-то из этого должно выйти. Место встречи пока — Женевское озеро. Впрочем, об этом мы посоветуемся позже.

Хоботный призрак снова здесь, но не в голове!

Все друзья шлют сердечный привет.

Тот, кто есть и остается Вашим
Преданным другом
Ф. Н.

325. An Carl von Gersdorff in Mailand

<Basel, 7. November 1873>

Любезный друг,

Распознай почерк Гоя. — Итак, я был в поездке с вечера среды до утра понедельника, туда ехал один, обратно вместе с Хеккелем. В Байройте собралось около дюжины человек, сплошь делегаты обществ, и я — единственный патрон как таковой. Из знакомых назову тебе биржевого курьера Дэвидсона, достойную пару Батца и Фольца, затем Баллигана и, чтобы сразу назвать лучших: Штерна из Дрездена и графа Дюмулена из Регенсбурга.

Но кто отсутствовал, несмотря на все обещания? — Фрич, который снова скрывается за облаками и чьи успокоительные письма теперь лишь еще больше нас тревожат. В сам праздничный день стояла та самая, хорошо известная тебе по празднованию основания, скверная погода, так что в очередной раз при посещении нашей «хижины союза» статно украшенному патрону пришлось пожертвовать новой шляпой. Заметь: погода накануне и на следующий день была чудесно ясной и голубой. После осмотра в грязи, тумане и темноте состоялось главное заседание в ратуше, на котором мой призыв был вежливо, но решительно отклонен делегатами; я сам протестовал против переработки и рекомендовал профессора Штерна для быстрого изготовления нового изделия. Зато было одобрено превосходное предложение Хеккеля об учреждении пунктов сбора у всех немецких книготорговцев. Все заседание было странным актом, наполовину возвышенным, наполовину весьма реалистичным, но по своему общему воздействию достаточно сильным, чтобы заставить замолчать все те лотерейные проекты и тому подобное, что лежало в основе собрания. Вечер завершился очень удачным, уютным и безобидным банкетом в «Зонне», в котором также участвовали фрау Вагнер и фрейлейн фон Мейзенбуг как единственные женщины. У меня было почетное место между ними, и поэтому после итальянской оперы я получил имя Сарджино, воспитанник любви. Батц произнес застольную речь в честь фрау Вагнер и непостижимым образом соединил в ней похвалу ей с понятиями «табакерка» и «перепечатка». В субботу утром состоялось заключительное заседание у Фойст<е>ля, на котором был принят проект Штерна. Ты его прочтешь, ибо он получит широкую огласку. Мой призыв, одобренный Вагнерами, обретет значение, будучи подписанным внушительными именами, в том случае, если цель нынешнего, оптимистично окрашенного воззвания не будет достигнута. После обеда мы еще раз осмотрели театр при прекрасном вечернем солнце; дети тоже были с нами; я забрался в центр княжеской ложи. Здание выглядит гораздо красивее и пропорциональнее, чем мы могли предполагать по планам. Невозможно смотреть на него без волнения в ясный осенний день. Теперь у нас есть дом, и это наш символ.

Твое письмо прибыло к Вагнерам вовремя. Здесь мы начинаем зимний семестр; я читаю свой курс по Платону, а другой, на который тоже нашлись слушатели, перекладываю на других ради своих глаз. Овербек теперь тоже предан «большому судилищу» протестантского союза рукой его брандмейстера Даниэля Шенкеля, а Альфред Дове назвал его теологию «омраченной до самозадушения», в чем мы видим предвестие пушмановщины.

Мы все будем от души рады снова видеть тебя среди нас. Вечера такие уютно длинные, а голова снова очистилась.

Прощай, старый любезный друг
и сердечное спасибо за твои добрые письма. Только не беспокойся!

Твой Фр. Н.

Сердечные приветы шлют Овербек и фабрикант этого лапидарного стиля.

325a. An Charlotte Kestner in Basel

<Basel,> Mittwoch <12. November 1873>

Глубокоуважаемая барышня,

для меня будет удовольствием и честью принять Ваше любезное приглашение на четверг в полдень.

С глубоким почтением
Ваш
покорный слуга
д-р Фридрих Ницше

326. An Gustav Krug in Bonn (Rückseite einer Photographie)

Basel am 14 Nov. 1873.

Мой дорогой друг, прими и сегодня, пожалуйста, то, что я буду очень краток, а именно настолько краток, насколько коротка эта фотография; она должна лишь напомнить тебе, что сегодня, в день моих именин, я сердечно вспоминаю о твоем дне рождения, который будет послезавтра. Я вверяю тебя под защиту бога Амура, девяти муз, трех граций и всех прелестных чертенят древности и нового времени. Но прежде всего, возлюбленный друг, расти и преуспевай в милости и благоволении у своей голландской госпожи, королевы и богини: в то время как мы, друзья, должны довольствоваться тем, чтобы жить крохами, падающими с богатого стола любви. Но и дружба может сказать о себе, что она «не кичится» — и поэтому мы, хотя и превзойденные любовью, все же без зависти хотим запеть наш дружеский хор:

«пусть бодрость духа

«тебя ведет и направляет,

друзьям на утешение, а врагам

<на вечную зависть!»>

Фридрих Несвоевременный

327. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, an meinem Namenstage.<14. November 1873>

Моя дорогая Лизбет

Быстро-быстро несколько каракулей, которые, боюсь, скорее станут пророческими строками. Премного благодарен за твое письмо: посмотри, мы снова «целое лето» продержались вместе, не кусаясь и не царапаясь, а напротив — «весьма согласно». Итак, если мы не знаем песню дальше, начнем ее сначала, то есть, скажем так, в следующем году. —

Мой призыв в Байройте не был принят; поэтому прошу о величайшей осмотрительности. Впрочем, те три дня были совершенно чудесными и вдохновляющими, и с болью пришлось возвращаться обратно. Проклятые ночные поездки я, конечно, поклялся больше не совершать. Со здоровьем сейчас более-менее, хотя позавчера снова был день в стиле твоего дня прощания. Абажур превосходный. Вчера я был у фрейлейн Кестнер, которая очень хвалила тебя и передавала привет. Это был небольшой обед, присутствовали Генриетта и сестра. Также один турок. На цеховом обеде, в начале нашего зимнего полугодия, было довольно приятно, Шис (с которым я теперь на «ты») и Социн — мои соседи, вокруг сплошь хорошие знакомые. В следующее воскресенье день рождения Овербека. Густаву я написал по тому же поводу. Фрич не был в Байройте, ничего не прислал — очень подозрительно! Голова свободна, поскольку хоботное привидение исчезло: в остальном с нами едят анатом и два теолога, добрые молодцы. Герсдорф скоро прибудет сюда, тогда снова пойдет не по времени. Здесь было еще несколько газетных статей, например, в «Volksfreund» весьма солидно о рождении траг<едии>. Это же до крайности абсурдно! Брокгаузы из-за меня ужасно поссорились с Вагнером. Осмотрительность!

Передай нашей дорогой матери сердечный привет, и я желаю большого успеха на аукционе. Проверены ли бумаги тети на предмет пьесы Коцебу?

Думайте обо мне и живите очень,
очень хорошо и дружно друг с дру-
гом, и до свидания.
Ваш Фр.

328. An Eugen Kretzer in Godesberg

Basel 20 Nov. 1873.

Дорогой господин доктор,

это было очень мило с Вашей стороны — подумать обо мне и написать мне именно сейчас. Правда, я ничего не замечаю ни о каком «крестовом походе», и никто не может проводить свои дни беззаботнее и спокойнее, чем я здесь вместе с Овербеком. Но я уже вижу, что в других местах дела обстоят иначе — только не сердитесь из-за этого и привыкайте читать такие вещи, как, например, статью в «Grenzboten», как ἀδιάφορα. Отбросив шутки, мой издатель был очень рад этой статье. Вероятно, еще до конца старого года выйдет второе издание, а в начале нового года — второй номер «газетной злободневности».

К сожалению, мои глаза еще не настолько здоровы, чтобы я мог о них забыть — они вынуждают меня написать Вам сегодня не более этой страницы и выразить самую сердечную благодарность. —

И еще одна просьба: читайте сочинение Овербека почаще, оно будет и должно говорить Вам всё больше и больше.

Пусть же Вы и впредь будете вверены всем добрым духам и Вашим собственным превосходным стремлениям!

Искренне Ваш
Фридрих Ницше.

329. An Hugo von Senger in Genf

Basel 20 Nov. 1873

Дорогой и почтенный друг,

Только, пожалуйста, не сердитесь: у всех моих друзей с самой Пасхи были бы все основания на это, ибо я им не пишу — но лишь потому, что я не смею им писать — так как я страдаю глазами.

Текст, который Вам так понравился, был продиктован; так мне приходилось выкручиваться. Однако дело идет все лучше. Возможно, в не столь отдаленном будущем Вам стоит ожидать второй номер моей «Несвоевременности». Я от всего сердца радуюсь, что мужественные и творческие люди находят радость в таких сочинениях.

И на этом я снова умолкаю, с сердечным заверением, что даже в этот период молчания я не стал Вам чужим.

Примите самые искренние приветствия от
Вашего
д-ра Фридриха Ницше.

330. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 21. November 1873>

Дорогой мой друг, прошу отпущения грехов за долгое молчание и за сегодняшнее лишь краткое «не-молчание» — ибо я действительно еще не могу как следует пользоваться глазами и вынужден был использовать этот крошечный запас дневного света для лекций, занятий в педагогиуме и собственных домашних дел. Что касается последних, то я продвигаюсь со вторым номером «Газетной современности»; если мне хватит бодрости и нынешнего настроения на ближайшие недели, то я закончу. — Хочешь ли ты взять на себя корректуру? Это не должно быть длинным делом, а лишь привычными 100 страницами. Если тебе это в тягость, просто скажи «нет».

Фрич не приехал в Байройт, не прислал мне денег и молчит. Вот он, бедняга, да поможет ему Бог, он, вероятно, не может иначе. Аминь.

Призыв был отвергнут, у тебя было верное предчувствие. Прими мою искреннюю благодарность за твои дружеские слова после Байройта. Там было сердечно и тепло, весьма воодушевляюще; воззвание, составленное профессором Штерном, сейчас расходится по всем газетам. Пусть пункты сбора у немецких книготорговцев повсюду станут сокровищницами — этого я желаю день и ночь. — Откровенно говоря, Вагнер, фрау Вагнер и я более чем убеждены в действенности моего призыва, нам кажется, что это лишь вопрос времени, когда он останется единственно верным и необходимым.

Здесь мы весело проводим время вместе, как люди, замышляющие что-то доброе. Ах, почему ты не можешь быть с нами!

Мы всегда думаем о тебе с тихой и громкой печалью.

Как дела с греческим романом? — Но подожди, мы прорвемся, все еще будет хорошо, и не вечно нам быть такими одинокими.

Я все же хотел бы, чтобы ты однажды прочел статью в «Гренцботен» как забавный курьез: такие вещи нам сейчас порой нужны. Бык и красная тряпка. Доктор Фукс хотел написать ответную статью, советник Фишер — публично протестовать, стоило немалых усилий успокоить людей. Базель как «захолустный университет» с тех пор стал здесь насмешливой поговоркой и был главной темой застольных речей на праздновании ректората.

Ричль прислал мне еврейско-римское эссе.

Прощай. Добрый дух, любовь и
дружба да пребудут с тобой.
Твой верный в
Базеле.

331. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 22. November 1873>Samstag.

Но, дорогой мой друг, что за письмо и что за мысли! О господи! Всё совсем не так, ни на йоту! Убеждения непоколебимы, во веки веков, аминь. Гимн дружбы закончен и продолжает звучать во мне.

Что касается байройтских дел, я думал, что ты уже две недели как получаешь новости из всех газет. Прилагаю воззвание (от которого я, к сожалению, не жду многого —). Ещё кое-что, что сегодня прислали мне, не знаю откуда, и из чего я узнаю, что мой призыв — это глас вопиющего в пустыне.

А теперь, пожалуйста, не сердись больше! Любимый друг!

В большой спешке, крайне сконфуженный и невинный, как телёнок

Твой друг.

Нет, чего только не бывает!

332. An Emil Heckel in Mannheim

Basel <27. November 1873>

Если я не ответил Вам, глубокоуважаемый господин Хекель, на Вашу любезную присылку патронатного свидетельства, то, надеюсь, Вы меня извините и тем не менее примете к сведению, что оно благополучно попало мне в руки.

Сегодня же я прошу Вас, если возможно, о незамедлительной присылке пары экземпляров Вашего устава общества. Я размышляю о возможности основания «швейцарского Вагнеровского общества», о чем сообщаю Вам конфиденциально, чтобы, надеюсь, после благоприятного опыта, довольно скоро сообщить об этом официально.

Примите мои искренние приветствия.

Ваш
Профессор Фридр. Ницше

333. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Dezember 1873>

Дорогая Лизбет, имелась ли в виду высота от подбородка до корней волос или до линии роста волос? Прошу быстрого ответа; также я хотел бы знать, чем я могу доставить тебе рождественское удовольствие (какую книгу, например, ты бы хотела получить?)

Сердечно благодарю за твое письмо и за письмо нашей дорогой матери. Договоренность, достигнутая друзьями Вильгельмом и Густавом, очень мила и достойна уважения, как в замысле, так и в исполнении. Здесь опять было неважно со здоровьем и глазами: однако сегодня лучше. Герсдорф приедет послезавтра.

В большой спешке, твой Фриц.

334. An Wilhelm Pinder in Delitzsch bei Halle

Basel Samstag13 Dez. 1873.

Всего несколько строк, сердечно любимый друг, чтобы сообщить тебе, что я поздравлю тебя устно неделей позже, так как слабость глаз позволяет мне поздравлять письменно лишь в ограниченной мере. Итак: скоро увидимся в Наумбурге, и в каком же изменившемся состоянии! Я совершенно не имею опыта в том, что касается психологии жениха, и потому буду изучать твое нынешнее существование с некоторым изумлением, а может, даже с некоторой завистью.

С тем, кем я есть и
пребывать намерен,
Твой старый верный друг
Фридрих Ницше

335. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

<Naumburg, 26. Dezember 1873>

Сердечно любимый друг,

я был болен, лежал в постели — здесь, на родине; старая литания! Вот я и опоздал к твоему дню рождения, так же как и ко дню рождения фрау Вагнер. Но вы оба не будете на меня сердиться, если узнаете причину моего промедления.

Твое письмо из Байройта я еще не читал: оно было отправлено отсюда в Базель, я от всего сердца надеюсь, что в нем добрые вести: Роде писал мне вчера, Овербек — позавчера. Значит, Фрич уже печатает «Несвоевременные размышления» (2), если я правильно осведомлен; я составил контракт, согласно которому печать должна быть завершена к концу января, в то время как я обещал сдать свою рукопись к 7 января. У Фрича есть предисловие, главы I, II, III, IV, V, VI, VII; сегодня я начал здесь главу X.

Это о моей деятельности: а теперь сразу прекрасная новость! Достань себе поскорее из Гёрлица «Двенадцать писем эстетического еретика», Берлин, издательство Роберта Оппенгейма, 1874. Ты получишь безудержную радость, я предоставляю тебе самому угадать, кто автор. Всегда появляются новые надежды, и наше «Общество надеющихся» растет.

Сегодня после обеда я гулял с Вильгельмом Пиндером и его невестой и ощутил всю добродушную иронию, которую это двойственное состояние должно производить на нас (тех, кто привязан к «идее»): при том, что мы не можем постоянно избегать этого состояния.

Мне сделали приятные подарки, например, позолоченную корзину как папку для больших фотографий, подобных твоим, красивую резьбу по дереву с цветами от моей сестры, как место для хранения и сбора писем; также принцесса Тереза Альтенбургская одарила меня роскошными вещами из юфти. Затем еще несколько больших Рафаэлей.

Мой добрый друг, я с сердечным чувством, даже с волнением думаю обо всем том, чем я обязан тебе в этом году, о стольких утешениях, помощи и делах, и в канун Нового года я подниму за тебя особый бокал. Ведь правда, мы принадлежим друг другу и останемся верны, пусть даже между нами встанут сотни верст или даже женщины. Тебе, должно быть, иногда бывает немного одиноко, и ты будешь вспоминать наши чаепития в Базеле; тогда, несомненно, соприкоснутся наши встречные желания и надежды, надежды на следующий год, 1874! Пусть он будет мужественно преодолен

«Друзьям на утешение,

«Врагам же

«На вечную зависть!»

Твой верный
Ф. Н.

Мои поклоны твоим почтенным родителям, а также тебе сердечные приветы от моих родных.

336. An Wilhelm Pinder in Naumburg (Visitenkarte)

<Naumburg, vermutlich 28. Dezember 1873>

Можешь ли ты, дорогой Вильгельм, сегодня поужинать со мной у меня дома? Скажи «да», если это возможно, так как завтра мне снова нужно уехать.

От всего сердца
Ф. Н.

337. An Franz Overbeck in Basel

<Naumburg, 31. Dezember 1873>

Дорогой верный друг, всего несколько слов из старого года для первого дня Твоего нового года. Ибо я так многим Тебе обязан, что вхожу в новый год с немалым долгом и хотя бы в канун Нового года должен признать свой старый долг.

Ведь правда, мы останемся добрыми и верными друг другу, соседями по желаниям, оружию и стенам, пусть даже странными чудаками в базельском «Уленхорсте», но вполне мирными и славными совами. А именно для нас: снаружи — ужасными хищниками и разбойниками, рычащими тиграми и сородичами подобных царей пустыни.

Право, я уже говорю по-иудейски, по-библейски, псалмически. Слава Богу, что Густав Биндер не слышит (который, как мне рассказывали, наконец закончил в 4 номерах, и чья статья по длине почти равна моей брошюре; напоследок он советует мне в будущем печатать на листовом железе).

Вчера я был у Фрича; в субботу, вероятно, получу первый корректурный лист. О впечатлениях от Ричля — при встрече.

Здоровье плохое, я лежал в постели и не могу приехать в Байройт, хочу, напротив, одним махом как можно скорее вернуться в Базель.

Сердечные приветы от моих; а теперь, старый добрый товарищ Овербек, до свидания! И: да здравствует общество надеющихся!

Твой Фридрих Ницше.

Премного благодарен за Твое письмо.

338. An Erwin Rohde in Hamburg

Naumburg am Sylvestertage 1873-74.

Милый добрый друг, как же ты обрадовал меня своим письмом, особенно когда я лежал в постели, больной после путешествия и немного опечаленный жизнью. Право, если бы у меня не было друзей, я хотел бы знать, не пришлось бы мне считать себя сумасшедшим; но так я держусь благодаря вам, и если мы взаимно ручаемся друг за друга (посмотри, какое прекрасное «друг за друга»), то в конце концов из нашего образа мыслей должно что-то выйти: то, в чем до сих пор весь мир сомневается.

Например, также и Ричли, которых я навестил с коротким визитом и которые за полчаса обрушили на меня поток быстро произнесенных слов, при этом я остался совершенно невредим и чувствовал себя так же; в конце концов, они остались при мнении, что я высокомерен и презираю их. Общее впечатление было безнадежным: старый Ричль начал неистово ругать Вагнера как поэта, затем снова французов (я слыву поклонником французов), наконец, он ругал, по слухам, но самым ужасным образом, книгу Овербека. Я узнал, что Германия находится в «годах ученичества»: поэтому я взял на себя право быть немного дерзким (а именно, моя несдержанность и грубость по отношению к Штраусу были осуждены). Напротив, Штраус как классический прозаик действительно уничтожен: ибо папаши и мамаши Ричли говорят это и уже нашли «Вольтера» ужасно стилизованным. —

Я жил у Фрича и испытал поистине сердечную радость от этого доброго человека. У него все хорошо, в том числе и со здоровьем. Моя вторая несдержанность (или неумеренность) в печати: в ближайшие дни ты получишь первый печатный лист: ибо, любезнейший друг, я прибегаю к твоей готовности помочь и даже прошу тебя об этом, чтобы ты помог мне в том или ином месте моего сочинения своим советом и своей морально-интеллектуальной корректурой. Впрочем, у нас нет времени терять: печатается быстро, и к концу января все должно быть готово.

Итак, милый друг, присылай свою корректуру как можно скорее в Базель; ибо, конечно, это несколько хлопотно из-за больших расстояний, и мы должны следить за тем, чтобы в типографии не возникло задержек.

Оформление как у № 1. Когда эта печать закончится, начнется переиздание «Рождения трагедии».

Я с большой радостью слышу, что «роман» движется и поднимается, и грызет окружающую яичную скорлупу. — Кого ты имеешь в виду в качестве издателя, того знакомого из Киля?

Герсдорф снова переписал рукопись № 2, он совершенно трогательный и бесценный друг. В эти дни я должен закончить свою маленькую заключительную главу и хотел бы закончить сегодня и завтра. Здоровье шаткое и среднее: с Нового года должно стать действительно лучше. Ибо если у человека нет здоровья, он должен его приобрести.

Необузданную радость я испытал от анонимно вышедших «двенадцати писем эстетического еретика» Карла Хильдебранда (Берлин, Оппенгейм, 1874); какое утешение! Читай, изумляйся, это один из наших, один из «Общества надеющихся».

Пусть это общество процветает в новом году, пусть мы останемся добрыми товарищами. Ах, мой верный, у человека совсем нет выбора: нужно быть надеющимся или отчаявшимся. Я раз и навсегда решил надеяться.

Я очень разозлился на ужасных осторожных академических собратьев в Киле; этот страх перед «молодежью»!

Ну, я отомстил и в конце своего № 2 спел молодежи песню, которая причинит этой разновидности мелочных ужасов очень сильную боль.

Приветствуй свою почтенную мать; мои тоже передают тебе много счастья в новом году!

И так давай останемся добрыми и верными друг другу
1874 и так далее до
последних дней.
Твой Фридрих Н

338a. Vermutlich an August Beck in Basel (Visitenkarte)

<Basel 1873/74>

Г-ну канд. Беку

Не доставите ли Вы мне, глубокоуважаемый сударь, удовольствие поужинать у меня в следующую среду? Мы наконец-то найдем случай поговорить о многом и вместе поразмыслить над тем, что должно быть нам обоим близко к сердцу.

Ваш
П ФВ Н.

×