1872 (108 Briefe)

183. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 2 Jan. 72.

Mein lieber Freund,

Du hast jetzt wohl das Buch empfangen? — Willst Du an Zarncke eine kurze Notiz schicken, daß Du die Anzeige übernehmen würdest?

Wenn Dir übrigens der entfesselte Prometheus auf dem Titelblatte ebensogut gefällt, wie er etwa Jacob Burckhardt gefällt: so erweise dem Künstler die Ehre und nenne ihn: Leopold Rau in Berlin.

Es war für mich ein ergreifender Augenblick, als heute die ersten Exemplare bei mir eintrafen. Ich habe immer die Worte auf den Lippen: Schaff, das Tagwerk meiner Hände, großer Geist, daß ich’s vollende!

Unsre Briefe haben sich gekreuzt. Ach, mein lieber Freund, was danke ich Alles Deiner treuen Freundschaft! Du beschämst mich durch Deine Liebe. Jeder Deiner Briefe erweckt mir die gleiche Empfindung.

Ich bin in Eile und sage nur noch: ein tapferes Neujahr! Uns beiden!

Dein getreuer
Friedr Nietzsche

184. An Richard Wagner in Tribschen (Entwurf)

<Basel, vermutlich 2. Januar 1872>

Vor Ihnen mein verehrter Freund und Meister will ich am wenigsten das Geständniß zurückhalten daß Alles was ich hier über die Geburt der griechischen Tragödie zu sagen habe, von Ihnen schöner deutlicher und überzeugender gesagt worden wäre: denn

weshalb ich meine Aufgabe mit der vergleichen möchte welche die ungeschriebenen Dogmen Plato’s

denn hier ist Ihr Bereich. Dagegen fühle ich eben so deutlich daß nur Ihnen gegenüber ich das Vorhandensein dieser Schrift zu entschuldigen habe, vor Vielen

falls Sie jemals zu dieser historischen Arbeit heruntergestiegen wären. Denn Vor Ihnen muß ich das Vorhandensein dieser Schrift entschuldigen denn was möchte ich Ihnen erzählen können, was Sie, gerade auf diesem Gebiet der aesthetischen Forschung nicht längst errathen hätten? während ich andrerseits fürchte, daß Sie in vielen Punkten mich unsicheren Tastens und irrend finden werden, wo Sie mit einem Wort die entscheidende Auskunft in Bereitschaft haben.

185. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 2 Januar 1872.

Verehrtester Meister,

endlich kommt mein Neujahrswunsch und meine Weihnachtsgabe: freilich sehr spät, doch ohne Fritzschens und meine Schuld. Die mitunter unberechenbare Post gehört aber zu „des Geschickes Mächten“, mit denen kein ewger Bund zu flechten ist. Am 29 Dec. ist bereits das Paket von Leipzig abgegangen, und stündlich habe ich bisjetzt auf seine Ankunft gewartet, um Ihnen mit ihm zusammen meine Glück- und Segenswünsche zuschicken zu können.

Möge meine Schrift wenigstens in irgend einem Grade der Theilnahme entsprechen, die Sie ihrer Genesis bisjetzt, wirklich zu meiner Beschämung, zugewandt haben. Und wenn ich selbst meine, in der Hauptsache Recht zu haben, so heisst das nur so viel, dass Sie mit Ihrer Kunst in Ewigkeit Recht haben müssen. Auf jeder Seite werden Sie finden, dass ich Ihnen nur zu danken suche, für Alles das, was Sie mir gegeben haben: und nur der Zweifel beschleicht mich, ob ich immer recht empfangen habe, was Sie mir gaben. Vielleicht werde ich manches später einmal besser machen können: und „später“ nenne ich hier die Zeit der „Erfüllung“, die Baireuther Culturperiode. Inzwischen fühle ich mit Stolz dass ich jetzt gekennzeichnet bin und dass man mich jetzt immer in einer Beziehung zu Ihnen nennen wird. Meinen Philologen gnade Gott, wenn sie jetzt nichts lernen wollen.

Ich werde beglückt sein, verehrtester Meister, wenn Sie diese Schrift, am Beginn des neuen Jahres, als ein gutes und freundliches Wahrzeichen entgegen nehmen wollen.

In kurzer Zeit werde ich für Sie und Ihre Frau Gemahlin gebundene Exemplare nachschicken.

Unter Segenswünschen für Sie und Ihr Haus und mit heissem Danke für Ihre Liebe bin ich, der ich war und sein werde

Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche

186. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 10. Januar 1872>

Für Alles, mein treuer lieber Freund, was Du mir schreibst, herzlichen Dank. Heute erzähle ich Dir ganz kurz das Erfreulichste, nämlich den Eindruck, den das Buch in Tribschen gemacht hat. Wagner schrieb mir: „Schöneres als Ihr Buch habe ich noch nichts gelesen! Alles ist herrlich! Nun schreibe ich Ihnen schnell, weil die Lektüre mich übermäßig aufregt und ich erst Vernunft abwarten muß, um es ordentlich zu lesen.“ Darauf noch einiges so Rührende, daß ich es nicht wiedergeben kann.

Das wird Dich baß erfreuen, nicht wahr? Bitte schreibe mir doch die genaue Adresse der Frau von Schleinitz auf, auch die Anrede, deren man sich im Briefe an sie zu bedienen hätte. (In diesen Tagen schreibe ich, auf W’s ganz besondere Bitte, an den König von Baiern einen längeren Brief: es muß jeder von uns zusehen, wie er dem großen Baireuther Unternehmen am besten dient)

Ich selbst bin unwohl, muß mediziniren, hungern etc. Man erlebt so viel! Jeder Tag bringt etwas Ungewöhnliches!

Treu gesinnt
Dein alter Freund
FN.

Schöne Grüße an Rau und Krüger.

187. An Hans von Bülow in Leipzig

<Basel,> Januar 1872.

Ausgezeichneter Herr,

nehmen Sie von einem Unbekannten, der Sie verehrt, dieses Buch an. Vielleicht macht es Ihnen Freude. — Ich vermuthe so etwas, nach der Theilnahme, die meine Tribschener Freunde diesem Buche geschenkt haben.

Aber ich bitte Sie, es zu lesen.

Mein Verleger Fritzsch ist beauftragt, Ihnen das Exemplar in meinem Namen zu überreichen.

Hochachtungsvoll
Dr Friedr Nietzsche
Prof. o. p. in Basel.

188. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 16 Jan 72.

Sehr geehrter Herr Verleger,

zu erst danke ich Ihnen für die Übersendung der Exemplare und des Geldes. Ich bin nach jeder Seite hin zufriedengestellt und habe nur den Wunsch, daß die Schrift Ihnen und unserer großen Sache einen rechten Nutzen bringt.

Ich will Ihnen nicht verschweigen, daß der Eindruck der Schrift auf meine Tribschener Freunde ein außerordentlicher und geradezu erschütternder gewesen ist. Das wird Sie freuen.

In diesen Tagen wird wohl Bülow in Leipzig concertiren. Ich bitte Sie den Brief an ihn, der mit Ihrer Adresse bei Ihnen heute einläuft, abzugeben und ein Exemplar meiner Schrift in meinem Namen mit zu überreichen. Es versteht sich von selbst, daß Sie dies Exemplar auf meine Rechnung setzen.

Auf der Rückseite dieses Briefes steht eine Ausfertigung über Ihr Verlagsrecht: genügt dieselbe?

Übrigens bin ich seit Neujahr Abonent Ihres „Wochenblattes“ und freue mich der trefflichen Leitung.

Seien Sie bestens gegrüßt
von Ihrem ergebenen
Dr Friedr Nietzsche
Prof.

Ich bitte Sie, wiederum auf meine Rechnung, noch ein Exemplar an Franz Liszt, Pest, Palatingasse 20 abgehen zu lassen. Ich schreibe an ihn in diesen Tagen. — Endlich noch an

Herrn Dr. Paul Deussen, Gymnasiallehrer in Marburg.

Drittens: Herrn Max von Baligand, Kammerjunker Sr. Maj. des Königs von Baiern, München

[Beilage]

Ich bezeuge hiermit, daß ich das Verlagsrecht der Schrift „die Geburt der Tragödie“ an Herrn E. W. Fritzsch, Verlagshändler in Leipzig, übergeben habe, sodann daß ich 100 Thaler, sage hundert Thaler für eine auf 1000 Exemplare berechnete Auflage empfangen habe

Dr Friedrich Nietzsche
Professor o. der Philologie in Basel.

Basel 17 Januar 1872.

188a. An Franz Liszt in Pest

Basel in der Schweiz, 17 Januar 1872.

Verehrter Meister,

mein Verleger E W Fritzsch in Leipzig ist beauftragt, Ihnen ein Exemplar meiner Schrift „die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“ zu übersenden.

Ich bitte Sie darum, dieser Schrift gewogen sein zu wollen und finde eine hoffnungsvolle Ermuthigung zu dieser Bitte in dem freundlichen Verlangen Ihrer Frau Tochter in Tribschen, dass ich Ihnen, gerade Ihnen, hochverehrter Meister, dieselbe so bald als möglich schicken möge — ein Verlangen, das meinem innersten Wunsche entsprach.

Denn wenn ich mich nach den Wenigen umsehe, die das von mir beschriebene Phänomen, das ich „das dionysische“ nenne, wahrhaft instinctiv erfasst haben — so haftet immer wieder mein Blick vor Allem bei Ihnen: Sie gerade müssen mit den entfremdetsten Mysterien jenes Phänomens in einem Grade vertraut sein, dass ich Sie immer wieder als eine der merkwürdigsten Exemplificationen mit dem höchsten theoretischen Interesse betrachtet habe.

Ich bitte Sie, lesen Sie das Buch.

Mit dem Ausdrucke verehrungsvoller Ergebenheit
Dr. Friedr Nietzsche, ord. Professor in Basel

189. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel Mittwoch. <24. Januar 1872>

Mein guter Freund,

ich sende Dir nur einen flüchtigen Gruss, um Dich mit ihm zu bitten, diesen beifolgenden Brief unserem Meister zu übergeben.

Du wirst verwundert sein, ihn so plötzlich bei Dir zu sehn. Ich beschwöre Dich, alles zu thun, zu sehn, zu empfinden, was ihm in einem so wichtigen Moment von Werth sein kann. Ich übertrage auf Dich für diese Tage alles das, was ich für ihn empfinde und bitte Dich, so zu handeln als ob Du ich wärst.

Sonderbare Bitten, nicht wahr? Und doch weiss ich nichts anderes Dir zu sagen, mein guter Freund.

Treugesinnt Dein
Friedrich Nietzsche.

190. An Richard Wagner in Berlin

Basel Mittwoch. <24. Januar 1872>

Mein verehrter Meister,

soeben habe ich einen Brief an Ihre Frau Gemahlin abgesandt; es ist kaum eine Stunde nach Ihrer Abreise von Basel, so dass ich hoffen kann, wie schon morgen früh die gute Nachricht in Tribschen ist.

Es scheint jetzt der Moment zu sein, in dem der Bogen endlich gespannt wird — nachdem er lange mit schlaffen Sehnen da hieng. Dass Sie es aber auch sein müssen, der dies thut! Dass doch alles zuletzt auf Sie zurückgeht! Ich empfinde meine jetzige Existenz als einen Vorwurf und frage Sie aufrichtig an, ob Sie mich brauchen können. Ausser dieser Anfrage wüsste ich augenblicklich nichts zu berichten — aber viel, sehr viel zu wünschen, zu hoffen, mein verehrter Meister!

In Treue Ihr
Friedrich Nietzsche

191. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Mittwoch <24. Januar 1872>

Meine liebe Mutter und Schwester,

ich habe länger geschwiegen als ich wünschte. Das neue Jahr hat so mancherlei Abhaltungen und Thätigkeiten an mich herangebracht, daß ich heute förmlich ein Register machen muß, um nicht den Faden zu verlieren. Hast Du denn, liebe Lisbeth, das Register zum rheinischen Museum von Ritschl zugeschickt bekommen — unsre Hundearbeit von dazumalen? Was für Zeug habe ich doch schon gemacht! Und daß so etwas gerade zugleich mit meiner „Geburt der Trag.“ erscheinen muß — wie skurril und wie nachdenklich!

In Betreff meines Buches steht alles auf dem Kopf, glücklicherweise die meisten, von denen ich höre, vor Entzücken, andre vor Wuth. — Ja man muß einen Sohn und einen Bruder haben, die solche Sachen schreiben — dann lohnt sich’s, dächte ich, einen Bruder und einen Sohn zu haben. Nun, ich scherze — aber wie soll ich ernst von einem solchen Ereignisse reden, das durchaus nur mit Erschütterung begriffen werden kann!

Ich war in den ersten Wochen des neuen Jahres demnach und aus vielen Gründen erstaunlich angegriffen und hatte Angst vor einer Rückkehr des vorjährigen Zustandes. Ich wurde krank, mußte mediziniren und hatte Immermann als Arzt. Aber es ist alles überwunden. Die Weihnachtswoche war recht hübsch: einen sehr angenehmen Abend habe ich am Sylvester bei den alten Vischers verlebt. Erst war der allgemeine Akt der Bescheerung; ich bekam auch etwas, eine Copie von einem der schönen Gefäße des Hildesheimer Silberfundes (bei Bachofens bekam ich eine Tasse) Nachher habe ich mit der jungen Prof Vischer meine „Sylvesternachtklänge“ vorgespielt. Dem alten Vischer geht es recht gut, und er ist sehr heiter. Beim Souper haben wir übrigens auch Deiner, liebe Lisbeth, gedacht und Dich leben lassen.

Nun kamen andre Erlebnisse zB. ein großer Ball von 80 Personen bei Banquier Stähelin-Buckner. Dann mein erster Vortrag über die Zukunft der Bildungsanstalten mit außerordentl. Erfolg. Nächsten Dienstag spreche ich wieder, es wird voraussichtlich übervoll sein. Übrigens kommt für diesen nächsten Vortrag Richard Wagner mit seiner Frau nach Basel herüber. Ich war in den letzten Tagen wieder einmal in Tribschen — nun, Ihr würdet staunen, wenn Ihr wüßtet, wie freundschaftlich ich dort behandelt werde und was ich dort für ein Ansehn habe. Als ich von dort zurückkam, empfingen mich Deputationen, um mir anzukündigen daß die Studentenschaft mir die Ehre eines Fackelzuges erweisen wolle: ich hatte Mühe, diese Ehre abzulehnen. Ich habe nämlich einen Ruf an eine norddeutsche Universität gehabt (Greifswald) und sofort, ohne alle Verhandlungen schon nach der ersten Anfrage abgelehnt. Ihr könnt Euch die Freude des Vischerschen Hauses denken. Und Burckhardts. Übrigens hat man mir, ohne mein geringstes Dazuthun — denn in diesem Punkte bin ich recht kitzlich — meinen Gehalt zu erhöhen versprochen: ich habe jetzt 4000 frs.

Anbei sende ich ein ganz dummes Referat über meinen ersten Vortrag aus der Grenzpost — alles, alles ist falsch verstanden — das ist das Amüsante daran. Dann schickt Dir, liebe Lisbeth, der junge Prof. Vischer das Basler Neujahrsblatt, von ihm verfaßt. Morgen ist die Hochzeit bei Vischers: die Hochzeitsreise geht nach Rom usw. Dann folgt ein Exemplar meines Buches für Gustav Krug. Endlich ein schön gebundenes, welches Ihr mit einem hübschen Begleitbrief durch die Grimmenstein an die Großfürstin Constantin schicken sollt. Ich habe die fürstliche Briefstellerei satt; (das versteht unsre Mutter) ich hatte die schwere Aufgabe, mich mit dem König von Baiern zu befassen. Aber um eins bitte ich — sprecht mir in Eurem Briefe von meinem Buche mindestens mit dem gleichen Respekt, mit dem Ihr etwa von der fürstlichen Person selbst redet. Sonst bin ich wild. Es ist keine Devotion hier nöthig. Also Hurrah! Ich bitte Euch, macht’s schön!

Euer alter Fritz.

192. An Erwin Rohde in Kiel

Basel, Sonntag, <28.> Jan. 72.

Mein guter lieber Freund,

neulich habe ich einmal eine vorläufige Anfrage, ob ich eine Professur in Greifswald annehmen würde; durch Susemihl bekommen, aber sofort, zu Deinen Gunsten und Dich empfehlend, abgelehnt. Ist die Sache in einem weiteren Stadium? Ich habe an Ribbeck verwiesen. — Hier war die Sache doch bekannt geworden und hat mir eine große Sympathie bei den guten Baselern erweckt. Obwohl ich protestirte, daß es kein Ruf sei, sondern nur eine ganz vorläufige Anfrage, hat mir doch die Studentenschaft einen Fackelzug beschlossen, und zwar mit der Motivation, daß sie damit ausdrücken wolle, wie sehr sie meine bisherige Thätigkeit in Basel schätze und ehre. Übrigens habe ich den Fackelzug abgelehnt. — Hier halte ich jetzt Vorträge „über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ und habe es bis zur „Sensation“, hier und da zum Enthusiasmus gebracht. Warum leben wir nicht beieinander! Denn was ich jetzt alles auf dem Herzen trage und für die Zukunft vorbereite, ist in Briefen auch nicht einmal zu berühren. — Ich habe mit Wagner eine Alliance geschlossen. Du kannst Dir gar nicht denken, wie nah wir uns jetzt stehen und wie unsre Pläne sich berühren. — Was ich über mein Buch habe hören müssen, ist ganz unglaubwürdig: weshalb ich auch darüber nichts schreibe — Was denkst Du darüber? Ein ungeheurer Ernst erfaßt mich bei allem, was ich darüber vernehme, weil ich in solchen Stimmen die Zukunft dessen, was ich vorhabe, errathe. Dieses Leben wird noch sehr schwer.

In Leipzig soll wieder Erbitterung herrschen. Niemand schreibt mir von dort ein Wörtchen. Auch Ritschl nicht — Mein guter Freund, irgendwann müssen wir wieder mit einander leben; es ist heilige Nothwendigkeit. Ich lebe seit einiger Zeit in einem großen Strome: fast jeder Tag bringt etwas Erstaunliches; wie auch meine Ziele und Absichten sich erheben. — Ich kündige Dir, ganz verschwiegen und zur Verschwiegenheit auffordernd an, daß ich unter Anderem ein Promemoria über die Straßburger Universität, als Interpellation bei dem Reichsrath, zu Händen Bismark’s vorbereite: worin ich zeigen will, wie schmählich man einen ungeheuren Moment versäumt hat, um eine wirkliche deutsche Bildungsanstalt, zur Regeneration des deutschen Geistes und zur Vernichtung der bisher, sog. „Cultur“, zu gründen. — Kampf auf’s Messer! Oder auf Kanonen!

Der reitende Artillerist, mit
schwerstem Geschütz.

193. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> Montag. <29. Januar 1872>

Meine liebe Lisbeth,

was hast Du denn für den Geburtstag unserer Mutter, am 2 Febr. beschlossen? Ich muß Dich durchaus bitten, etwas Hübsches auch für mich auszudenken; mir fehlt es an allen Einfällen. Auch habe ich soviel zu thun. — Mein Brief zu diesem Tage soll am Mittwoch abgehn, um am Freitag einzutreffen.

Habt Ihr denn meine Sendung bekommen? Und das Buch weiter addressirt? — Versuche nur immer wieder, Dich in das Buch hinein zu leben: wenn es gelingt, so hast Du etwas Unvergleichliches davon. — Gustav hat nun auch das Exemplar? — Ich habe nur noch eins für mich; das kann ich nun nicht mehr fortgeben. Unter den guten Bekannten, die Exemplare von mir bekommen haben und, wie ich höre, für die Verbreitung des Buches emsige Sorge tragen, ist Frau von Moukhanoff, dann die Ministerin von Schleinitz in Berlin, Franz Liszt in Pest, Hr v. Bülow, Gersdorff und der treffliche Leopold Rau, der die Vignette gemacht hat, Hr v. Treitzschke, Ritschl, Frau Brockhaus, hier Overbeck, Jacob Burckhardt (ganz begeistert) der alte Vischer, die junge Frau Vischer, dann natürlich Romundt, Rohde, auch Deussen (der wieder dummes Zeug gemacht hat!) usw.

Gestern war ich in unserm Casinoconcert und habe Frau Bachofen begleitet, deren Mann krank ist. Morgens bekam ich den Besuch von Binding aus Freiburg (der nun nach Straßburg übersiedelt) und von Liebermeister aus Tübingen.

Vorgestern Abend waren wir bei Hoffmanns — Herrengesellschaft. Eben erhalte ich eine Einladung zu Burckhardt-Heusslers. — Hartmann geht Ostern fort nach Freiburg, Schulz im Herbst nach Straßburg. — Habe ich schon geschrieben, daß, wie ich neulich nach Tribschen reiste, ich mit dem auch Dir gut bekannten Fräulein Brüstlein fuhr, die jetzt Frau Brüstlein ist, verheirathet mit einem Vetter in Lyon. Es war das erste Stück ihrer Hochzeitreise: sie erkundigte sich sehr nach Dir. — Das junge Vischersche Ehepaar ist auf dem Wege nach Rom.

Nun da hast Du wieder einen Klatschbasenbrief! Herzliche Grüße an unsre liebe Mutter und Vertretung, wie gesagt, am Geburtstage. Sorge doch recht für Hyacinthen.

Dein Bruder
FN.

194. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 30 Jan. 72.

Verehrtester Herr Geheimrath,

Sie werden mir mein Erstaunen nicht verargen, dass ich von Ihnen auch kein Wörtchen über mein jüngst erschienenes Buch zu hören bekomme, und hoffentlich auch meine Offenheit nicht, mit der ich Ihnen dies Erstaunen ausdrücke. Denn dieses Buch ist doch etwas von der Art eines Manifestes und fordert doch am wenigsten zum Schweigen auf. Vielleicht wundern Sie Sich, wenn ich Ihnen sage, welchen Eindruck ich etwa bei Ihnen, mein verehrter Lehrer, voraussetzte: ich dachte, wenn Ihnen irgend etwas Hoffnungsvolles in Ihrem Leben begegnet sei, so möchte es dieses Buch sein, hoffnungsvoll für unsere Altertumswissenschaft, hoffnungsvoll für das deutsche Wesen, wenn auch eine Anzahl Individuen daran zu Grunde gehen sollte. Denn die practische Consequenz meiner Ansichten werde ich wenigstens nicht schuldig bleiben, und Sie errathen etwas davon, wenn ich Ihnen mittheile, dass ich hier öffentliche Vorträge „über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ halte. Von persönlichen Absichten und Vorsichten fühle ich mich — wie Sie mir glauben werden, so ziemlich frei, und weil ich nichts für mich suche, hoffe ich etwas für Andere zu leisten. Mir liegt vor allem daran, mich der jüngeren Generation der Philologen zu bemächtigen und ich hielte es für ein schmähliches Zeichen, wenn mir dies nicht gelänge. — Nun beunruhigt mich etwas Ihr Schweigen. Nicht als ob ich einen Augenblick an Ihrer Teilnahme für mich gezweifelt hätte; von der bin ich ein für alle Mal überzeugt — wohl aber könnte ich mir gerade von dieser Theilnahme aus eine gleichsam persönliche Besorgniss um mich erklären. Diese zu zerstreuen schreibe ich Ihnen. —

Das Register zum rhein. Mus. habe ich bekommen. Haben Sie vielleicht meiner Schwester ein Exemplar geschickt?

Eine Anfrage, ob ich einen event. Ruf nach Greifswald annehmen würde, habe ich ohne einen Augenblick des Zögerns verneinend beantwortet.

Bleiben Sie mir, mein verehrter Herr Geheimrath, zusammen mit Ihrer Frau Gemahlin gewogen und seien Sie herzlich gegrüsst von

Ihrem
Friedr Nietzsche.

195. An Franziska Nietzsche in Naumburg

30. 1. 72

Heute, mein<e> liebe Mutter, nur ein ganz kleines Geburtstagsbriefchen, unverhältnißmäßig klein bei den guten vielen und starken Wünschen, die ich heute für Dein Wohl und unsere Gemeinsamkeit empfinde. Der Himmel scheint Dir zu Deinem Festtage zu lachen: und schöne Frühlingsblumen wird man Dir auf den Tisch gestellt haben. Nun, so wollen wir denn hoffen, daß das Jahr Gutes für uns alle, heiteren Himmel über uns, und schöne Blumen um uns, auf den Tisch Deines Daseins legen möge: und da wir in unserer Familie bei unseren persönlichen Wünschen bescheiden zu sein pflegen, und uns über Kleines schon sehr zu freuen vermögen, ist es doch wohl wahrscheinlich, daß das Jahr Dich und uns befriedigen wird. Nicht wahr?

Es fehlt mir augenblicklich an Zeit, auszurechnen, der wie vielte Geburtstag es eigentlich ist, den Du feierst. Ist es eine mäßige Annahme, wenn ich mir einbilde, daß Du bald an die Mitte Deines Lebens kommen wirst, oder wie scheint es Dir?

Was wollen wir denn für dieses Jahr über unser Wiedersehn verabreden? Ich weiß nicht recht, was Euch zu der Annahme bringt, daß ich Ostern nach Naumburg kommen würde. Habe ich das irgendwann gesagt? Ich frage nur. Denn im Grunde habe ich wenig einzuwenden, höchstens etwa einmal im Gegentheil anzufragen, ob Ihr nicht auch an eine Schweizerreise bereits gedacht habt. Darüber sagen Eure Briefe nichts, und ich weiß nicht, was Ihr darüber denkt oder wünscht. Liegt Euch vielleicht an einer eklatanten Einladung von meiner Seite? — Ich frage nur. Oder soll ich Euch von Naumburg abholen? Gewiß habt Ihr irgend etwas schon im Stillen ausgebrütet, nur wollt Ihr mich erst langsam auf den Einfall kommen lassen, damit ich mir nachher vorstellen soll, ich habe Euch veranlaßt! Ist es nicht so? Ich frage nur. Mit Greifswald habe ich, scheint es mir, bei Euch Glück gemacht dh. mit Nicht-Greifswald. Ach, seht nicht zu viel in einer solchen Entschließung, und jedenfalls keine Sorge für meine Bequemlichkeit! Die wahren Gründe, wenn ich sie einmal erzählte, würden Euch vielleicht gar nicht gefallen. Ich bin nach dieser Seite der „akademischen Carrière“ so wenig ehrgeizig: und wenn ich irgendwo ehrgeizig wäre, so wäre es in Dingen, die vielleicht nur Hohn, Gelächter und gar kein Geld einbringen. So steht es bei mir: Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie wenig ich bei solchen Entschließungen an mein Behagen oder Fortkommen oder Lebensglück oder an gute Collegen usw. denke. Man muß nur wissen, was ein Ort überhaupt geben kann: einen befreundeten Menschen und ein ehrenhaftes Ansehn. Wer beides hat, der wird nicht gerne in den Glückstopf greifen: denn der Nieten sind zu viele. Und so halte ich es in Basel aus — mehr sage ich nicht. In mehreren ähnlichen Fällen würde ich ganz ebenso handeln — und nur in sehr wenigen, sehr unwahrscheinlichen anders. Wenn Ihr daraus den Schluß ziehn wollt, daß Basel für eine längere Zeit wohl noch mein Domicil sein wird, so thut Ihr recht. Aber die Ursache ist nicht ein allgemeines Wohlbefinden, sondern die Weisheit der Resignation in unwesentlichen Dingen, wenn man wesentliche im Auge hat. Diese Wesentlichen sind aber einstweilen bei mir vom Ortswechsel unabhängig.

Nochmals, meine liebe Mutter, meine Glücks und Segenswünsche!

In herzlicher Liebe
Dein Sohn.

196. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Basel, Februar 1872.

Hochgeachteter Herr Präsident!
Verehrte Herren!

Das mir von Ihrer Seite zugegangne Schreiben verpflichtet mich Ihnen, sowohl durch die in ihm ausgedrückte Gesinnung als durch die am Schlüsse angekündigte Gehaltserhöhung, zu wärmstem Danke, den auch schriftlich auszusprechen ich nicht umhin kann. Wenn ich aus Ihren Worten eine lebhafte Billigung meiner hiesigen Bestrebungen und Thätigkeiten zu meiner Freude entnehmen darf, so mag es mir auch erlaubt sein, darauf hinzuweisen, wie sehr und wie ernsthaft ich mich vom Beginn meines hiesigen Wirkens an bestreben mußte, um nur einigermaßen jenem seltenen und auszeichnenden Vertrauen zu entsprechen, mit dem Sie mich, hochzuverehrende Herren, als einen Unbekannten-Unbenannten in meine jetzige Stellung an Hochschule und Pädagogium berufen haben. In diesem Bestreben bin ich auf das Angenehmste ebenso durch den wahrhaft collegialischen und wohlwollenden Geist unterstützt worden, den ich im Kreise der mit mir verbundenen Lehrer vorgefunden habe, als durch den eifrigen, auf Bildung und gute Sitte gerichteten Sinn unserer Jugend: so daß meine hier erworbenen Lehrererfahrungen bis jetzt fast nur an guten und tröstlichen Erinnerungen reich sind.

Indem ich Ihnen nochmals meinen besten Willen kundgebe, auch fürderhin zum Wohle unserer Anstalten zu arbeiten, und auch gern das Versprechen hinzufüge, mich nicht ohne die ernsthaftesten Erwägungen und jedenfalls nie aus egoistischen Rücksichten von dem hier anvertrauten Amte abwendig machen zu lassen, habe ich die Ehre,

hochgeachtete Herren,
mich zu bezeichnen als
Ihren ergebensten
Dr Friedrich Nietzsche
ordentl. Prof. der klass. Philologie.

197. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel,> Sonntag 4 Febr. 72.

Mein lieber Freund

wieder nur ein paar Zeilen, voll des herzlichsten Dankes für Deine Mittheilungen, die mich aus schweren Besorgnissen befreiten oder wenigstens fast befreiten. Inzwischen habe ich auch ein Telegramm gelesen „der Alexandriner Gersdorff ist unentbehrlich geworden“, das ich mir nicht ganz, aber doch fast ganz deuten kann. “Was Du auch thun magst — denke daran dass wir beide mit berufen sind, an einer Culturbewegung unter den Ersten zu kämpfen und zu arbeiten, welche vielleicht in der nächsten Generation, vielleicht noch später der grössern Masse sich mittheilt. Dies sei unser Stolz, dies ermuthige uns: im Übrigen habe ich den Glauben, dass wir nicht geboren sind glücklich zu sein, sondern unsere Pflicht zu thun; und wir wollen uns segnen, wenn wir wissen, wo unsere Pflicht ist.

Meinem Buche wird es doch schwer, sich zu verbreiten: eine ausgezeichnete Anzeige, die Rohde für das litterarische Centralblatt gemacht hatte, ist von der Redaction zurückgewiesen worden. Das war die letzte Möglichkeit, dass eine ernste Stimme in einem wissenschaftlichen Blatte sich für mein Buch erklärte: jetzt erwarte ich nichts — oder Bosheiten oder Albernheiten. . Aber ich rechne auf einen stillen langsamen Gang — durch die Jahrhunderte, wie ich Dir mit der grössten Überzeugung ausspreche. Denn gewisse ewige Dinge sind hier zum ersten Male ausgesprochen: das muss weiterklingen. Um mich selbst bin ich unbesorgt: denn ich will nichts für mich, am wenigsten eine Carrière zu machen. Jetzt arbeite ich heiter an meinen pädagogischen Problemen. Für die Osterferien bin ich sehr gebeten, mit einem Professor im benachbarten Freiburg (Baden) nach Athen, Naxos und Creta zu reisen: was sagst Du dazu! Besonders wenn Du hörst, wer es ist — der Sohn von Felix Mendelsohn-Bartholdi — Nun, ich werde Nein! sagen. Ich erlebe immer etwas Curioses. Den ersten Brief eines Philologen (Professor an der Universität Bern) über mein Buch, den ich fast nicht kenne, lege ich bei: gelegentlich schickst Du mir den Brief zurück.

An Deinen verehrungswürdigen Vater die besten Empfehlungen und den Ausdruck meiner Freude über seine Theilnahme.

Behalt mich lieb und habe Dank! Dank!

Dein Friedr Nietzsche

198. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> 4 Febr. 72

Deine Anzeige, mein lieber Freund, ist ein wahres Meisterstück einer verkürzten und verjüngten Wiederspiegelung des Originals, und ich fühle mich Deiner wieder einmal im allertiefsten Grunde versichert. Ich bin geradezu erstaunt (und mit mir Overbeck, dem ich sie vorgelesen), wie schön und neu, wie stilvoll Dir diese so schwierige Aufgabe gelungen ist, und weiß nicht, wie ich Dir dafür danken soll als durch das offenste Geständniß, daß ich so etwas wie diese Anzeige nicht zum zweiten Mal erleben werde. Heute schicke ich sie noch nach Tribschen, damit meine Freunde sich mit mir Deiner erfreuen. Ärgere Dich nur nicht über den Zarncke; es ist ja Prostitution, mit dem Schreiber solcher Briefe zu verkehren. Also fahre er dahin; sein Sündenmaß ist voll, denn die Unverschämtheit, an die Ranke-anzeige etwas angeflickt zu haben, dürfen wir ihm nicht verzeihn. Übrigens folgt er, in Betreff meines Buches, nicht sowohl eigenen Impulsen als denen seiner Freunde Curtius und Overbeck etc.: denn die indianische Wuth gegen mich herrscht in diesem Kreise. Welche Frechheit, von einem „Freundschaftsdienste“ bei einer solchen Anzeige zu reden! die kein Zweiter machen könnte! Am wenigsten der alberne Herbartianer Zimmermann (der Schopenhauers Ästhetik „vernichtet“ hat und höchster Bewunderer von Hanslick ist!) oder auch der gute Lehrs, der „mit Musik und Alterthum“ nicht „ausreichend vertraut ist“, „um der Anzeige gewachsen zu sein.“ Wir wollen uns nur gewöhnen, das Allerdümmste jetzt in dieser Sache zu erfahren. Von der Art, wie so ein Buch entsteht, von der Mühe und Qual, gegen die von allen Seiten andringenden anderen Vorstellungen sich bis zu diesem Grade rein zu halten, von dem Muth der Conception und der Ehrlichkeit der Ausführung hat ja niemand einen Begriff: am allerwenigsten vielleicht von der enormen Aufgabe, die ich Wagner gegenüber hatte und die wahrlich in meinem Innern viele und schwere Contristationen verursacht hat — die Aufgabe, selbst hier selbständig zu sein, eine gleichsam entfremdete Position einzunehmen; und daß dies mir, selbst bei dem allerhöchsten am Tristan dargestellten Problem zu ihrer Erschütterung gelungen ist, gerade das bezeugen mir meine Tribschener Freunde. Das darf ich Dir sagen, mein geliebter Freund — gerade an diesem Punkte fühle ich mich stolz und glücklich und bin überzeugt, daß mein Buch nicht untergehn wird. — Der dumme Zarncke glaubt, daß es Dir darauf ankomme, mir zu nützen! Als ob nicht alles vielmehr darauf ankäme, anderen durch eine solche Anzeige zu nützen! Nun, lassen wir die Todten ihre Todten begraben!

Ich will einen Versuch wagen, Deine Anzeige an die Augsburgerin zu schicken: ob ich gleich von vorn herein das größte Mißtrauen habe. — Im Betreff des Centralbl.’s hatte ich die sichere Empfindung, daß es nichts würde und stieß ein Triumphgeschrei aus als ich Deinen Brief heute bekam. Nun, auch unsere Zeit kommt! Und wir müssen zur rechten Zeit wissen, daß alle Compromisse nur schädlich sind: Kampf auf die Kanone!

Schreibe doch an Wagner’s: Du wirst das allerrührendste Entgegenkommen finden. Denn man liebt Dich dort: und wir mögen Pläne machen, welche wir wollen, Du bist immer dabei bedacht.

In herzlicher Dankbarkeit
Dein
Friedrich Nietzsche

Du hast doch meine Notiz über Greifswald bekommen?

199. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 7 Febr. <1872>

Sehr geehrter Herr,

heute schreibe ich Ihnen im Auftrage Richard Wagner’s, der Sie bittet, folgende Exemplare an Baireuther Herren auf seine Rechnung schicken zu wollen.

1 „deutsche Kunst und deutsche Politik“ an Herrn Consistorialrath Krausse

1 dito: an Herrn Professor Fries

1 „Geburt der Tragödie“ an Herrn Rector Grossmann

dito: an Herrn Dekan Dittmar

Alle diese Herrn sind in Baireuth. — Kommen Sie vielleicht zu dem 22 Mai nach Baireuth?

Ergebenst Ihr
Prof. Friedr Nietzsche.

200. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> Mittwoch. 14 Febr. 72.

Meine liebe Mutter und Schwester, herzlichen Dank für Eure guten Nachrichten. Ich bin sehr erfreut, daß mir also doch die Ehre Eures Besuches für diesen Sommer zu Theil wird und denke öfterst über die dazu nöthigen Maßregeln nach. In Betreff der Zeit empfehle ich Folgendes. Zu Pfingsten bin ich in Baireuth, bei der dreifachen Festlichkeit an Wagners Geburtstag (22 Mai) dh. bei der Grundsteinlegung von W.’s Theater, von W’s Haus und bei der glänzendsten Aufführung der 9ten Symphonie am Abend. Wie wäre es nun, liebe Lisbeth, wenn Du dorthin kämst und mit mir etwa am Donnerstag nach Pfingsten, will sagen den 23 Mai nach Basel abführest. Der Vorschlag ist raffinirt genug. Wagner’s siedeln Anfang Mai nach Baireuth über, zunächst in ihre Sommerwohnung auf der Fantaisie. Zu dem verabredeten Tage treffen alle die guten Freunde in Baireuth ein, Gersdorff, Frau v. Schleinitz, Frau Muchanoff usw. Die Reise nach Baireuth wäre über Leipzig, Plauen ohne Umweg zu bewerkstelligen, über Augsburg Lindau geht es dann, auf nicht mehr ungewohnte Weise, nach Basel.

Eine große Calamität ist nun hier die Wohnungsfrage. Es wird mir von allen Seiten abgerathen, meine Wohnung aufzugeben, weil der Mangel ganz außerordentlich ist und fortwährend, bes. durch die Einwanderung der Elsasser, wächst. Ich sah mir ein Logis mit 4 Zimmern 2 Stock, Äschengraben, an, das den Räumlichkeiten nach für uns Beide gerade gepaßt hätte: der Preis wurde als sehr mäßig angesehn, 800 frs., freilich unmeublirt. Aber es war eben schon vermiethet. Brockhaus, der schon seine 4te Wohnung hat, wohnt schlechter als ich und zahlt monatlich 65 frs. Kurz, die Frage ist recht verzweifelt. An Hartmann’s sehr geringe Wohnung ist nicht zu denken. Nun, ich will mich schon bemühen: auch Frau Merian-Burckhardt bemüth sich. — Hier baut alles Häuser, auch Vischer-Heuslers haben’s beschlossen. Der vortreffliche College Immermann, dessen Frau sich sehr auf Deine Bekanntschaft freut, hat sich in meiner Nähe ein hübsches Haus für 40,000 frs. gekauft.

Was die Osterferien anbetrifft, so habe ich mich noch nicht entschieden. Eine meiner Absichten ist, in der französ. Schweiz französisch zu sprechen: das scheint mir recht vernünftig und nöthig. Doch zieht es mich auch sehr, zu Euch zu kommen.

Sehr unbequem ist mir, was Ihr in Betreff meines Buches verlangt. Wenn Ihr nur zwei Exemplare verschenken könnt, so rathe ich durchaus, keins zu verschenken. Denn es ist ganz unmöglich, ein gleiches Exemplar (wie an die Großfürstin) herzustellen: Ihr werdet bemerken, daß es ein Prachtexemplar mit allerstärkstem Papier ist: ich habe keins mehr: und es giebt keins mehr. Auch hatte ich nur an die Großfürstin gedacht, weil sie Wagner-enthousiastin ist. Ohne diesen Hintergrund hätte ich gar nicht an sie gedacht. Auch müßt Ihr wissen, daß das Verschicken und das Einbinden in Gold und Leder mich schon gegen 40 Thaler gekostet hat. Also würde ich Euch bitten, das Exemplar für Euch zu behalten und das Widmungsblatt ausschneiden und durch ein reines Blatt ersetzen zu lassen: gern will ich dann für Euch eine neue Widmung darauf schreiben. —

Für den Fall daß ich Ostern zu Euch käme, wäre es mir vielleicht möglich, der guten Therese ein anderes Exemplar (mit geringerem Papier und schön gebunden) persönlich zu überbringen: worauf man vielleicht vertrösten könnte. Im Übrigen bedenkt nur immer, ob das Buch, falls es wirklich gelesen wird, bei solchen unvorbereiteten Seelen vielleicht einen für Euch ganz unerwünschten Effekt hervorbringt.

In Rücksicht auf unsere Verwandtschaft bin ich am letzten ängstlich: diese müssen wissen, was ich will, und wenn sich zB. der Pastor Schenkel das Buch nicht anschaffen mag, so schickt es ihm in meinem Namen mit einem schönen Gruße zu. Um dasselbe bitte ich bei dem Vormund Dächsel. Laßt nur von Domrich zwei Exemplare holen: oder, noch besser, schreibe, liebe Lisbeth, an Herrn E. W. Fritzsch Verlagshandlung in Leipzig und bitte ihn, auf meine Rechnung und in meinem Namen 1 Exemplar an Schenkel, 1 an Dächsel zu schicken — und gieb genau die Addressen an, die ich nicht weiß.

Hier habe ich Einladungen bekommen und angenommen von Burckhardt-Heusler, Vischer-Sarasins, Thurneysens: gestern war der Ball bei Frau Bischoff-Fürstenberger: ich bin nicht hingegangen, wegen allzu großem Catarrh und Schnupfen.

Für den Monat März und April hatte ich eine sehr dringende und freundliche Einladung nach Griechenland (Athen, Creta Naxos) von einem Bekannten der sehr reich ist und gerne mit mir Zusammensein mochte. Ich habe ausgeschlagen, weil ich immer noch meine Vorträge bis Ende März „über die Bildungsanstalten“ zu halten habe: mit denen es mir Ernst ist. Vielleicht lacht Ihr darüber, wenn ich Euch sage, daß dieser Bekannte der Sohn von Felix Mendelsohn ist.

Hier ist mir mehrfach die Freude darüber bezeugt worden, daß Ihr wieder nach Basel kommen wollt. Diese nun auch meinerseits bezeugend

bin ich Euer Fritz.

201. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, Mitte Februar 1872>

Schnell, mein lieber treuer Freund, will ich Dir noch ein Paar Zeilchen schreiben. Mit der Augsburgerin ist es nichts, wir wollen uns mit diesem Blatte nicht einlassen, weil es gegen W<agner> infame Geschichten auf dem Gewissen hat. Die Norddeutsche stünde uns zu Gebote — aber kommt es Dir nicht lächerlich vor? Mir wenigstens. Denke außerdem, daß ich mit Dir über die Taktik einer Anzeige meines Buches in sofern nicht einverstanden bin, daß ich alles Metaphysische, alles Deducirende fern gehalten haben möchte: denn gerade dies wirkt, in einem Hohlspiegel zusammengedrängt, schlechterdings nicht anreizend zum Lesen, sondern umgekehrt. Glaubst Du nicht selbst, daß so ein Zarnckischer Leser, wenn er Deine Anzeige liest und vom Buche sonst nichts weiß, sich der Last, es zu lesen, enthoben fühlen darf — während gerade das Umgekehrte der gewünschte Erfolg sein muß, daß alle, die sich mit dem Alterthum befassen, es pflichtmäßig erst lesen müssen. Wir wollen es doch ja nicht den guten Philologen so leicht machen, daß wir sie selbst fortjagen — sie sollen sich daran erkennen. Außerdem ist es durchaus nicht nöthig, daß dies Buch rein metaphysisch und gewissermaßen „transmundan“ wirke: da ist mir Jakob Burkhardt ein lebendiger Beweis: er der sich alles Philosophische und vor allem alle Kunstphilosophie, also auch meine, höchst energisch vom Leibe hält, ist von den Entdeckungen des Buches für die Erkenntniß des griechischen Wesens so fascinirt, daß er Tag und Nacht darüber nachdenkt und mir das Beispiel der fruchtbarsten historischen Benutzung an tausend Einzelheiten giebt: so daß ich in seinem Sommercolleg über griech. Culturgeschichte viel! zu lernen haben werde, um so mehr als ich dann weiß, wie vertraut und heimisch der Boden ist, auf dem dies gewachsen. Du und er — Ihr Beide zusammen gebt wirklich das Ideal des rechten Lesers ab: während Du von einer „Kosmodicee“ sprichst, erzählt er mir, daß er jetzt erst den Athenäus recht verstünde usw. Da nun aber eine gewisse „Notorietät“, wie Burkhardt sagt, für ein Buch erst erreicht sein muß, ehe es ernst genommen wird, so ist die Taktik einer Anzeige etwas der Überlegung Werthes. Deine Anzeige findet übrigens Wg. „vortrefflich“: auch Frau W. findet daß sie viel, viel zu gut sei für die Augsburgerin; doch wünscht letztere, Du hättest lieber auf die That als auf das Werk aufmerksam machen mögen. Damit bin ich nun wieder nicht ganz einverstanden: denn worin die That besteht, ist nicht so leicht, ohne die größte Beleidigung des lesenden Publikums, auszudrücken: und eine That soll man an ihren Erfolgen ermessen — vielleicht sind diese hier sehr gering, vielleicht läuft es auf einen elektrischen Schlag in’s Wasser hinaus — kurz, ich mag nicht, daß man von mir redet. Sodann muß man, wenn man „Thaten“ abschätzen will, auktoritativ reden können.

Also, mein lieber Freund — ich sage Dir alles ganz offen, wie ich’s fühle. Ich danke Dir für Deine edele Bemühung und werde Deine Anzeige brieflich unter Freunden herumschicken — aber laß uns ferne bleiben von dem Glauben, daß wir jetzt mit solchen Anzeigen etwas ausrichten. Die erwünschte „Notorietät“ wird vielleicht durch skandalöse Beurtheilungen und Beschimpfungen auch erreicht — ich empfehle Dir, nichts für mich zu schreiben, wie ich es mit Bestimmtheit weder von Wagner noch von Burkhardt erwarte: wir Alle wollen warten und uns privatim freuen oder ärgern.

Soeben werde ich durch einen Brief Ritschl’s sehr überrascht und im Grunde recht angenehm: er hat gegen mich nichts von seiner freundschaftlichen Milde verloren und schreibt ohne jede Gereiztheit: was ich ihm hoch anrechne. Ich schicke Dir seinen Brief, mit der gleichen Bitte, wie früher — mir die Dokumente einmal gelegentlich sicher zuzustellen. Du erfährst aus dem Briefe auch etwas in Betreff Dorpat’s.

Hier bin ich in voller Gedanken-thätigkeit über die Zukunft unserer Bildungsanstalten: und es wird Tag für Tag „organisirt“ und „regenerirt“, allerdings zunächst nur im Kopfe, doch mit der bestimmtesten praktischen „Tendenz“. Ich drücke mich heute infam aus: rechne meine stilistische Noth auf einen ewig fließenden Schnupfen und allgemeines Mißbehagen durch κατάρρους mit βράγχος. Hast Du denn nach Tribschen geschrieben? Ich erzähle Dir zum Schluß von dem 22 Mai dh. Wagner’s Geburtstag, Grundsteinlegung vom Theater in Baireuth, desgleichen vom Wagnerschen Haus, endlich klassische Aufführung der 9ten Symphonie — also „Alle nach Konnewitz!“ Wirklich treffen wir alle für die Pfingstwoche in Baireuth ein. Lieber Freund, es ist fast nothwendig, auch für Dich, dort zu sein. Ich meine dies so ernst als möglich und denke mir, daß es Dir auch so scheinen wird. Fünfzig Jahre später würden wir es für unverzeihlich, für verrückt halten, nicht dabei gewesen zu sein — also überwinden wir die bewußten Unbequemlichkeiten — Basel und Kiel wird wohl in Baireuth seine Mitte haben. Ich beschwöre Dich wirklich bei unserm Allerheiligsten, der Kunst — komme dorthin! Wir müssen dies zusammen erleben, ebenso wie nächstes Jahr die „Bühnenfestspiele“. Schreib mir recht bald, mein lieber treuer guter Freund und denke an mich wie an Einen, der mit einem ungeheuren Schallrohr Dir zuruft: Baireuth!!

F N.

202. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Freitag. <15. März 1872>

Endlich liebster Freund kommt wieder ein Brief von mir. Wundere Dich nicht: es gab viel und giebt viel zu überdenken. Mitten in der Berufsnoth und zwar in der doppelten hatte ich noch meine 6 Vorträge über die Bildungsschulen auszuarbeiten. Dies wird also meine zweite Schrift werden, und hoffentlich hast Du sie bis Mitte des Jahres oder früher in den Händen. Sie ist durchaus exhortativ und im Vergleich mit der „Geburt“ populär oder exoterisch zu nennen. Ich will mir das Vergnügen machen, sie mit einer starken Einleitung an den „philologischen Verein“ in Leipzig zu addressiren. Du verstehst sicherlich diese Maßregel nach allen ihren Seiten hin. ... Mit der hier erzielten Wirkung bin ich außerordentlich zufrieden, ich habe die ernsthaftesten und ergebensten Zuhörer, Männlein und Weiblein und so ziemlich die ganze Studentenschaft besseren Schlags. Wenn ich an meine Hoffnungen und Pläne denke, so bist Du mir immer gegenwärtig, so daß ich neulich sogar einmal ärgerlich wurde und mir sagte: „immer nur Rohde und Niemand Anderes! Das hole der Teufel!“ Mein lieber und treuer Kamerad, wir müssen nun eben versuchen, mit einander uns so weiter durchzukämpfen. Wenn ich nur auch wieder mit meinen Bildungsanstaltgedanken so unbedingt Deine Theilnahme und Zustimmung finde, die mir bei der Taufe des Erstlings so erquickend war! Es ist traurig, daß ich Dir erst alle diese Dinge gedruckt vorlegen kann: während im Grunde zwischen uns alles, Wort für Wort, durchsprochen, durchdacht, durchlebt sein müßte. Nun es kommt auch einmal ein Tag, wo es anders wird: daran glaube ich.

Was habe ich nun erlebt? Sehr gute Briefe und mindestens sehr merkwürdige über mein Buch zB. von Romundt; freilich sehr metaphysisch: er schreibt jetzt an einer Abhandlung — nun worüber doch! natürlich über das „Ding an sich“ und wird sie mir widmen. Dann von Franz Liszt (höchst überraschend!), von Hans von Bülow, von Hauptmann von Baligand, von Gustav Krug, von Dr Hagen aus Bern, dann habe ich mehrere Berichte durch die Tribschener Freu<n>de, woraus ich weiß, daß das Buch von Moskau bis Florenz sich ausgebreitet hat und überall sehr ernst und begeistert verstanden wird. Kurz, es bildet sich für dasselbe eine kleine Gemeinde — nur von den wackeren Philologen höre ich nichts — stumpf — dumpf — Mum! Mum! wie es in den Shakesspearübersetzungen heißt.

Übrigens verstehe ich alles, was Du in Deinem Briefe zuletzt mir sagst, und ich frage Dich deshalb nochmals, ob Du Lust hast zu einem größeren Artikel in der Norddeutschen Allgem. (Sonntagsbeiblatt) oder zu einem Brief an den Redakteur des Rheinischen Museums, zum Abdruck für dasselbe. Beides scheinen mir überlegenswerthe Möglichkeiten. Die Anstößigkeit dürfen wir vor Philologen nicht scheuen, und ich gehe jetzt darauf aus, alles möglichst an die rechte Adresse zu bringen. Noch ein anderer Einfall: es wäre möglich, den Brief über mein Buch an den Berliner Wagnerverein zu richten, natürlich zum Druck für die Nordd. Allgem. Sodann könnte ich Dir noch vorschlagen, einen Vortrag für die diesjährige Philologenvers, anzukündigen. Alle diese Vorschläge sind ziemlich gleichmäßig skandaleus. Aber wozu die Verschämtheit, wenn man was Rechtes zu sagen hat?

Das Beste übrigens wäre vielleicht ein offener Brief über das Buch, an Richard Wagner addressirt, von ungefähr 40 Seiten und schön gedruckt bei E W Fritzsch. Dabei wäre es nöthig, Dich als Philologen zu geriren und als Lehrer: vielleicht könnte dies eine kleine Widmung zu dem Gründungsfesttag in Baireuth sein. An Publicität für ein solches bei solcher Gelegenheit abgelegtes Zeugniß würde Dir es nicht fehlen.

Das ist wohl der erträglichste Einfall. Schreib mir doch ein Wörtchen darüber. Und nun leb wohl, mein lieber Kriegs und Friedenskamerad!

Dein getreuer, jetzt zum
Mittagsessen sich rüstender Freund
FN.

203. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Dienstag. <19. März 1872>

Meine liebe Mutter und Schwester,

ich schwieg wirklich zu lange, aber am Ende jedes Winterhalbjahrs tritt ein Zustand der Erschöpfung ein, der Einem selbst die leichte Pflicht des Brief Schreibens recht schwer macht. Zwar habe ich auch jetzt noch jenes Halbjahr nicht abgethan: denn eine Woche Vorlesungen, 3 Wochen Pädagogium und 2 öffentl. Vorträge sind immer noch zu überwinden. Aber ich athme doch schon die Luft der Befreiung und des herankommenden Frühjahrs. Mit meinen Osterferien freilich kann ich dies mal nichts anfangen, — weil ich so gut wie keine habe. Also weder Naumburg noch französische Schweiz, sondern Basel. Ich habe Stunden bis zum grünen Donnerstag und dann wieder vom Osterdienstag an zu geben, und zwar dann noch drei Wochen. Am 29 April fängt unser Sommersemester an.

Dagegen verwende ich die Pfingstwoche, wie schon angekündigt, zu dem Baireuther Feste, und ich hoffe bald von Dir, liebe Lisbeth, etwas Entscheidendes und Entschiedenes zu hören. Übrigens darf ich mir jetzt Aussichten machen, daß ich für Dich ganz in meiner Nähe Wohnung finde, zwei Häuser entfernt von den jungen Vischers, in einem jener kleinen Häuser, wo nur ein paar Frauen wohnen.

Von meinen Erlebnissen nur so viel, daß ich mehrere mal nicht wohl war, im Ganzen aber den Winter tapfer überstanden habe. Viele erfreuliche Briefe laufen ein z.B. auch einer von Gustav Krug, dem ich zu sagen bitte, daß ich ihn um Pfingsten in Baireuth zu sehen wünschte. Sehr liebenswürdig hat die Ministerin Schleinitz, sehr großartig Franz Liszt geschrieben. Und so weiter. Hier gab es mannichfache Geselligkeit. Sehr werden Dir die vortrefflichen Prof. Immermanns gefallen. Neuerliche Einladungen zu Stähelin-Brunners, zu Bachofens, zu Präsident Thurneysens. Und so weiter.

Ist es denn nun Thatsache geworden, daß Oskar jene Naumburger Stelle bekommen hat? Das habt Ihr mir ja schon früher geschrieben und damit erklärt, weshalb unsere liebe Mutter den Sommer nicht in Basel verleben könne: daß sie dagegen Lisbeth abholen würde, das ist doch wohl alles schon früher abgemacht, weshalb ich in meinem letzten Briefe mich einfach an dies Arrangement hielt.

Vorgestern wurde mir von einem Briefe erzählt, der von Dir, liebe Lisbeth, bei Vischers eingetroffen sei. Das junge Vischer-Sarasinsche Ehepaar ist von der Reise zurück. Hartmann verläßt jetzt nun Basel. An seine Stelle tritt ein Professor Eisele, bis jetzt Abgeordneter in Berlin und Kreisrichter in Hechingen: man sagt von ihm daß er eine Naumburgerin zur Frau habe. Wer ist das? Hoffentlich Niemand aus der Schillingschen Sphäre.

Nun lebt wohl und seid herzlich gegrüßt von Eurem geplagten und

doch ferienlosen
F.

204. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 22 März. <1872>

Hochgeachteter Herr,

in diesem Winter habe ich hier in Basel, im Auftrage der „akademischen Gesellschaft“, 6 öffentliche Vorträge gehalten, über dieses Thema: „über die Zunkunft unserer Bildungs-anstalten“. Ich hatte jedesmal ungefähr 300 Zuhörer: von den verschiedensten Seiten bin ich aufgefordert worden, diese Reden drucken zu lassen. Mir selbst aber liegt viel daran, daß sie gut und schön gedruckt werden.

“Wenn ich Ihnen dies Alles mittheile, so errathen Sie den Sinn meines Briefes. Nun weiß ich zwar, daß das Thema dieser meiner Vorträge noch etwas mehr von der Sphäre Ihres Verlags abliegt als „die Geburt der Tragödie.“ Jedenfalls möchte ich Ihnen zuallererst einen Vorschlag machen: und ich würde sehr erfreut sein, wenn Sie ihn annehmen könnten.

Mein Vorschlag geht auf ganz gleiche Ausstattung und gleiche Bedingungen, wie bei der „Geburt“. Bis zum 22 Mai müßten aber, aus doppelten Gründen, die Exemplare zum Versenden bereit sein. Was in diesem Tag in Baireuth vor sich geht, wissen wir: außerdem beginnt an diesem Tage die allgemeine deutsche Philologen- und Lehrerversammlung in Leipzig. Dieser letzteren den Sinn des ersteren Ereignisses nahe zu bringen und die Kulturbedeutung unserer Musikbewegung gerade den Lehrern ans Herz zu legen ist Absicht und Inbegriff meiner Vorträge.

Aber, wie schon angedeutet, verehrter Herr — für Sie giebt es nach keiner Seite hin eine Verbindlichkeit: wenn Sie mir schreiben, ohne Gründe: „es geht nicht“, so verstehe ich Sie vollkommen und betrachte diesen Brief als erledigt.

Immerhin durfte ich mich an Niemand Anderes zuerst wenden, gerade weil ich, bei meinem letzten Buche, eine so angenehme und schätzenswerthe Erfahrung gemacht habe.

Geben Sie mir bald eine kurze Notiz und nehmen Sie den Brief, so wie er geschrieben ist: aufrichtig!

Ihr ergebenster
Fr Nietzsche.

205. An Wilhelm Pinder in Naumburg

Basel <25. März 1872>

Mein lieber Wilhelm,

Hier kommt noch ein Gratulant, der spätesten einer, der es schmerzlich bedauert, nicht zeitiger von der „vollendeten Thatsache“ unterrichtet worden zu sein, zu der er Dir erst heute seine Glückwünsche bringt. Wie oft habe ich im Januar und Februar dieses Jahres Deiner gedacht, in der Annahme, daß Du während dieser Zeit durch jenes bureaukratische Purgatorium hindurchmüßtest, von dessen Fegefeuer ich auch nicht einen Tropfen bis jetzt gespürt habe — das Einzige, was mir an mir selber mitunter „mythisch“ vorkommt.

Wenn Deine neue würdevolle Stellung ihren Namen vom „Sitzen“ führt, so rathe ich Dir doch allen Ernstes, dies ja nicht zu wörtlich zu nehmen: vielmehr mindestens Dein Amt als „Stellung“ und noch besser als „Wanderung“ zu betrachten: einmal Wanderung von einer Ehrenstaffel zur anderen, sodann als Wanderung zu Deinen Freunden und nach dem Süden. Nach dem Purgatorium mußt Du Dich an Dante wenden, um nun über den weiteren Weg belehrt zu werden: und diese Reise zu Dante führt Dich z. B. auch an mir vorbei.

Komme doch, mein alter Freund und gedenke Deines Versprechens, das Du Deinen Eltern und mir gegeben hast. Hänge jetzt nun einmal ordentlich Deinen Körper in der Sonne Italiens auf, nachdem Du Deinen Geist an der Sonne eines kaiserl. preußischen Ministeriums erlabt hast. Sei jetzt ein „Beisitzer“ der Schneeberge und wirf einmal Deine gesammelte Aktenstoß-vergangenheit in irgend ein wildes Gewässer; schick Dich jetzt an zum „Römerzug“ und genieße in Italien die Emolumente jener Preußen- und Deutschenverehrung, welche Lohengrin und Prinz Friedrich Karl dort verbreitet haben. Laß Dich an der Sonne bräunen und nachdem Du als bummelnder Lazzaroni Dir selbst ordentlich „beigestanden hast“ und „beigegangen“ bist, magst Du dann hinterdrein auch wieder „beisitzen“.

Beherzige diese Variation über das Thema „sitzen, stehen, gehen“ und höre den kategorischen Imperativ!

mille mille mille passus meabis!

Ich selbst bin nicht so „frei“ wie Du und muß die ganze Osternzeit als „verschrumpftes Schulmeisterlein“ in Basel bleiben. Wie gern hätte ich Euch, meine guten Naumburger Freunde wiedergesehen! Wie gern hätte ich Gustav für einen schönen Brief persönlich gedankt! Ach! Der Berg kommt nicht zu Muhamed! Also verehrtester Muhamed, komme zum Berge! Sela!

Dein
FN.

206. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 6 April 1872

Verehrtester Herr Geheimerath,

ich entsende heute vier bisherige Schüler und Zuhörer nach Leipzig und möchte ihnen etwas mit auf den Weg geben, das sie in Ihre Nähe führte: damit sie später, gereift in Ihrer Zucht und durch Ihren Zuspruch angespornt, als tüchtige „alte Studenten“ nach Basel zurückkehren. Denn daran muß mir vor Allem liegen, daß unsere hiesige philologische Unterweisung sich nicht gar zu ausschließlich an Studenten der ersten Semester zu wenden hat; ein Sommersemester mit voraussichtlich wenigen Studenten, wie das nächste, ist in so fern mir werthvoller, als manches reichere, weil ich weiß, daß inzwischen die tüchtigen Basler anderwärts — und zwar bei Ihnen — reifen und weiser werden.

Beachten Sie doch, verehrter Herr Geheimrath, diese Vier. Da ist Herr Von der Mühl, der Bruder Ihres Leipziger Privatdozenten, ein zuverlässiger und bewährter Student, der zuletzt Senior unseres Seminars war. Dann Hr. Achermann, früher katholischer Theolog in Luzern, ein denkender Kopf und strenger Charakter, dann Hr. Hotz, lernbegierig und gute Hoffnungen erweckend, endlich Hr. Boos, mit Neigung für Bücher und Polyhistorie und vielleicht an der Bibliothek zu verwenden. Möchte damit diese kleine Schaar Ihnen empfohlen sein.

Indem ich diesen Brief schreibe und mich auf das Datum besinne, fällt mir ein, daß es gerade Ihr Geburtstag sein muß, an dem ich mich brieflich an Sie wende. Dies Zusammentreffen bin ich geneigt, als ein günstiges Omen für meine Basler auszulegen: welche demnach vor Ihnen als eine nachträgliche achtbeinige leibhafte Gratulation erscheinen mögen, um Sie auch an den entfernten und doch sich nahe wissenden Schüler und Anhänger zu erinnern, — der Pfingsten nicht nach Leipzig kommen wird und vielleicht erst im Herbst wieder Sie persönlich begrüßen kann.

Für den schönen und ausführlichen Brief, den Sie mir über mein Buch geschrieben haben, bin ich Ihnen rechten Dank schuldig, um so mehr als ich ihn im Grunde durch ungebärdiges Drängen provozirt habe. Aber ich wollte durchaus wissen, wie Sie Sich zu meinem Buche verhalten würden. Nun weiß ich es und bin beruhigt: zwar nicht vollständig. Doch darüber will ich nicht schreiben. Später wird Ihnen das, was ich will, deutlicher und einleuchtender sein, wenn meine Schrift „über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ veröffentlicht sein wird. Inzwischen spreche ich die Überzeugung aus, daß es für Philologen einige Jahrzehnte Zeit hat, ehe sie ein so esoterisches und im höchsten Sinne wissenschaftliches Buch verstehen können. Übrigens wird sehr bald eine zweite Auflage erscheinen.

Behalten Sie mich in gutem Angedenken und sagen Sie Ihrer verehrungswürdigen Frau Gemahlin das Beste von Ihrem

ergebenen
Friedrich Nietzsche

207. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> Donnerstag, <11. April 1872 oder kurz danach>

Liebster Freund, um Deine Stimmung durch das Zauberspiel der Hoffnung etwas aufzuheitern, erzähle ich Dir, als Antwort auf Deinen Brief, zuerst, in welche Combination ich neuerdings, allerdings erst in Gedanken, Dich und Deinen Beruf, alias Lebensunterhalt gebracht habe. Ich denke nämlich darüber nach, wie Du um Michaeli in alle Ehren und Emolumente meiner Basler Professur, als mein vollständiger Nachfolger, eintreten kannst. Ich selbst nämlich will den nächsten Winter herumziehn im deutschen Vaterland dh. eingeladen von den Wagnervereinen der größeren Städte, um Vorträge über die Nibelungen-bühnenfestspiele zu halten — es muß eben Jeder thun, was seine Pflicht ist und, im Collisionsfalle, was seine Pflicht mehr ist. Habe ich aber auf diese Art einen Winter mich von der Universität getrennt, so benutze ich gewiß das einmal eingetretene Vacuum, um 2 Jahre lang nach dem Süden zu gehen. Zum Zwecke dieses Unternehmens lege ich meine Stellung hier nieder, so daß Du dann in jeder Beziehung mein Nachfolger wirst; wenn die Universität mir aber wohl will, so denke ich, wird sie mir den Titel und die Würde eines ordentl. Professors unbeschadet der davon gänzlich unabhängigen, Dir zugedachten Professur belassen, natürlich nicht den Gehalt. Bist Du geneigt, Dich mit dieser Combination vertraut zu machen? — Wie gesagt, betrachte es als einen Entwurf, über den wir uns verständigen wollen. Ich selbst denke mit dem letzten Reste meines Vermögens, vielleicht 2000 Thaler noch 2½ Jahr existiren zu können — und was nachher wird, das weiß Gott, geht mich auch zunächst nichts an. Himmlisches Wohlgefühl, nicht als Stipendiat nach dem Süden zu wandern, die Augen rückwärts gedreht nach einem kaiserl. Ministerium! Aber vor Allem muß ich wissen, ob Du nöthigenfalls bereit bist. Die Entscheidung müßte Ende Mai getroffen werden. —

Herzliche und große Freude hast Du mir gemacht, als Du an Wagner den Brief abschicktest. Wir haben nun einmal für das Beste und Edelste, was wir wollen, keinen anderen Patronus: weshalb ihm von Rechtswegen alles als Opfergabe zukommt, was auf unserem eignen Ackerlande wächst. Wenn ich etwas schwer vermisse, so ist es gerade deshalb Deine Nähe: wir sollten immer zusammen uns an ihm erbauen und in der Erkenntniß seiner Werke fortschreiten. Das Nibelungenwerk taucht immer mehr vor meinen erstaunten Blicken auf — als etwas Unglaublich-Gigantisches und Vollendetes, und ohne Gleichen. Aber es ist schwer, solchen Werken sich zu nähern: weshalb der, der viel davon empfunden und verstanden zu haben glaubt, davon auch reden muß — daher mein Winterplan.

Zu Deinem Sendschreiben an W. wünsche ich Dir frohes und glückliches Gelingen. Denke, ich bitte Dich, daran, in welcher Zeit Du W. das erweist: später kann ich Dir einmal deutlich machen, in wie fern es einer der complizirtesten und aufregendsten Momente war, in dem jedes wahre Zeichen von Verständniß und Theilnahme lindernder Balsam ist.

Ich lege eine Anzahl von Briefen bei, von Romundt, von v. Baligand (Kammerherr des K<önigs> v B<ayern>) von Franz Liszt, von Gustav Krug, von Prof. Hagen in Bern, von Schuré in Florenz, von der Gräfin Krokow, von Fr. Mathilde M<aier>. Dann könnte ich noch erzählen von einem sehr liebenswürdigen Briefe der Ministerin von Schleinitz aus Berlin, von Fr. von Meysenbuch in Florenz usw. Hans von Bülow, den ich noch gar nicht kannte, hat mich hier besucht und bei mir angefragt, ob er mir seine Übersetzung von Leopardi (das Resultat seiner italiänischen Mußestunden) widmen dürfe. Der ist so begeistert von meinem Buche, daß er mit zahlreichen Exemplaren davon herumreist, um sie zu verschenken. Es giebt bald eine zweite Auflage. Übrigens giebt es noch keine öffentliche Anzeige, nicht einmal eine Buchhändleranzeige — es ist ein Erfolg im Schooß der Familie. Dohm, der Redakteur des Kladderadatsch ist auch ein „Begeisterter“ und wird darüber schreiben — vielleicht als der Erste: was sich rührend und ridikül ausnehmen würde. — Nur unsere verrückten Philologen schweigen — der Brief von Ritschl war doch sehr wenig aufrichtig und dazu recht unbedeutend.

Windisch hat sich in Leipzig mit Roscher’s Tochter verlobt — ei welch eine schöne Adscendenz!

Gersdorff ist treu, thätig und gut wie immer und ist jetzt in der nützlichsten und anhaltenden Correspondenz mit Tribschen. — Übrigens, mein lieber guter Freund, ist Baireuth am 22 Mai für uns nicht zu umgehen, nach Schicksalsschluß! Und im Herbst wirst Du ja, wenn meine Combination gelingt, Pfründner! Also komme, vorher aber schreibe mir. Zu allem, was Du unternimmst, nimm den Segen Deines Freundes, der Dich liebt und Dir herzlich zugethan ist.

Frd Nietzsche.

208. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, kurz nach dem 15. April 1872>

Meine liebe Mutter und Schwester

schon lange bin ich Euch den herzlichsten Dank schuldig, für schöne ausführliche und theilnehmende Briefe und zuletzt noch durch die mich angenehm überraschende Sendung jenes photographischen Gruppenbildes. Letzteres scheint mir gut gelungen, freilich muß ich eine tüchtige Anzahl von Physionomien mit in den Kauf nehmen, um das Ganze als ein Bildniß unserer Lisbeth betrachten zu dürfen: außerdem sieht sie, durch ihre Stellung im Hintergrunde, noch kleiner aus als sie ist. Aber immerhin, im Gegensatz zu dem Luganeser Kunstwerk — ist es doch ein Fortschritt zum Besseren: weshalb ich mich sehr darüber freue. Ob man aber ein Lexikon mit photographieren darf oder, im Nothfall, nicht eben so gut ein anderes Buch, darüber wäre nachzudenken. Übrigens ist dieser Tage bei mir ein Exemplar des Index vom Rhein. Mus. für Dich, liebe Lisbeth, eingelaufen: was ich mir als Überraschung für Deinen Geburtstage verspare.

Mir ist es nicht gerade zum Besten in der letzten Zeit gegangen. Noch immer laborire ich an einem kräftigen Schnupfen. Derselbe verhinderte mich neulich einen Abend bei Laroche-Burckhardts zuzubringen. Heute dagegen bin ich bei Geizers zu Tisch und will es wagen. Die Ostertage selbst habe ich, wie Ihr richtig vermuthet habt, in Tribschen zugebracht: wo wir Ostereier versteckt haben usw. Am Mittwoch vor dem grünen Donnerstag hat mich Dr Hans von Bülow hier besucht, im höchsten Grade begeistert von meinem Buche: er hat mir die Dedikation eines von ihm in Italien verfaßten Buches angekündigt. Ich höre daß eine zweite Auflage meines Buches bald nöthig sein wird. Mein Verleger E. W. Fritzsch hat mir neulich Grüße von Reils aus Halle überschickt: wer ist das? — und mir zugleich eröffnet, daß er im engsten Sinne mein Landsmann ist, ein geborener Lützener. — Prof. Immermann, mein Nachbar (der Nachfolger von Liebermeister) war gefährlich an der Kopfrose erkrankt: jetzt geht es ihm besser. Vielleicht verreisen wir eine kurze Zeit mit einander, um uns Beide zu erholen: denn der Winter war für mich sehr wichtig und angreifend. Mein Buch, meine Vorträge, viele Berufsarbeiten viele Geselligkeit und zwei Compositionen zu 4 Händen — und alle möglichen Erlebnisse, Pläne und Entwürfe! Der Erfolg meiner Vorträge war übrigens außerordentlich — Ergriffenheit, Begeisterung und Haß — schön gepaart.

Prof. Schulz ist in den Ferien nach Rom gereist und liegt dort erkrankt an Gelenkrheumatismus. Mit Prof. Neumanns war ich neulich auf der Frohburg — und wir sahen wirklich die Alpenkette. Dann habe ich bei Stähelin-Vischers einen Abend verlebt. Auch bei Burckhardt-Heuslers. Andreas Heusler ist mit seiner Frau jetzt in Gersau, nach seinen Berichten geht alles recht gut. Vischer-Heuslers bauen sich nun auch ein Haus. Romundt ist in Rom. Er hat mir die Dedikation seines nächsten Buches angekündigt. Die Familie Vischer geht jetzt in den Ferien nach Baden in der Schweiz. — Hier herrscht unerhörte Wohnungsnoth.

Nun, heute habe ich doch einmal recht erzählt — da fällt mir aber noch ein, daß ich an Dich, liebe Lisbeth noch eine Bestellung zu machen habe. Du sollst mir nämlich ein paar bei Haverkamp verfertigte Kleidungsstücke mitbringen, (schon nach Bayreuth!) Erstens, meine liebe Mutter, bestelle mir doch bei dem ehrenwerthen Schneider einen Frack, einen rechten Musterfrack. Mein jetziger ist ganz verbraucht — Anstrengungen dieses Winters! Sodann noch eine helle graue elegante Hose für den Sommer.

mit der ich verbleibe
Euer getreuer Sohn,
„beziehentlich“ Bruder
Fritz.

Grüßt doch die Tante Riekchen, recht herzlich von mir. — An Wilhelm Pinder habe ich vor längerer Zeit gratulirend geschrieben. Sagt doch Gustav, daß ich eine 4 händige Composition eben vollendet habe, mit der ich recht zufrieden bin, eine Umarbeitung der ersten Seite meiner „Sylvesternacht“, und freilich auf 7 Seiten angewachsen. —

Dann noch eine schwarze, am besten sammtne Weste; zum Frack. Oder eine seidene. Die Maaße muß ja der Schneider noch haben. — Herr Gott, es fehlt mir auch an einem Sommerüberzieher, mein jetziger ist im 4 ten Sommer! und hat sich somit tapfer bewährt! Aber sieht jetzt elend aus!

209. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Vernex, zweite Aprilhälfte 1872>

Hochgeachteter Herr,

vom Genfersee aus bekommen Sie endlich von mir eine Antwort, die ich Ihnen nur deshalb so spät zustelle, weil ich inzwischen eine ernste und wichtige Entscheidung zu treffen hatte. Dieselbe berührt unsere Angelegenheit insofern, als sie sich jedenfalls verzögert. Meine Vorträge sollen noch vollständig umgearbeitet und in eine andre Form gegossen werden; wozu ich vor allem Zeit brauche. Dafür bekommen Sie auch, wenn ich fertig bin, einen echten und rechten „Verlagsartikel“ das heißt einen solchen, dessen Wirksamkeit uns überdauern soll. Vertrauen Sie nur immer etwas meiner „Litteratur“; ich werde nie viel schreiben; aber das Wenige werde ich Ihnen immer zuerst anbieten, vorausgesetzt daß es einen allgemeineren Charakter hat und nicht zu speziell philologisch ist. Über dieses Wenige dürfen wir uns schon einige Hoffnungen machen. Es lebt und wird leben. Was für merkwürdige Briefe habe ich bereits über mein letztes Buch bekommen! Meine philologischen Fachgenossen sind freilich noch sehr zurück — aber warten Sie nur etwas. Diese werden es lesen müssen und immer wieder lesen müssen. Und wir erleben eine dritte Auflage eben so gewiß wie eine zweite.

Heute bitte ich Sie, noch ein paar Exemplare auf meine Rechnung und in meinem Namen zu versenden. Die Adressen weiß ich nicht, doch müssen dieselben in Leipzig leicht zu erfahren sein. Nämlich ein Exemplar an den Musikhistoriker Ambros, der jetzt, glaube ich, in Wien lebt. (Diese Zusendung hat mir Bülow angerathen, ich wäre nie auf diesen Einfall gekommen) Dann an den Verfasser der „Philosophie des Unbewußten“ E. von Hartmann. Dann zuletzt an den Redakteur des Kladderadatsch Dohm, der wie ich höre ein Enthusiast ist.

Nächstens wird etwas bei Ihnen eintreffen, was bestimmt ist, Sie etwas zu überraschen, vielleicht auch zu belustigen.

Auf Wiedersehn in Baireuth! Sie werden wissen, daß R. W. direkt von Wien sich nach Baireuth begiebt. Vielleicht wird die „Götterdämmerung“ in dieser Woche fertig, wenngleich nur in erster Skizze. Dies erzähle ich aber nicht dem Redakteur des musikal. Wochenblattes.

Sehen Sie doch ja zu, daß Sie alles Verstimmende Betrübende Aufregende von W. in dieser Zeit fern halten. Ich bitte Sie persönlich darum, da ich in den Ostertagen Zeuge der Wirkung war, die ein J. J. Weber zu schreibender Brief auf W. ausübte. Auch Frau W. läßt Ihnen, verehrter Herr, durch mich den gleichen Wunsch aussprechen. Es lastet so viel auf diesem einen Manne, daß wir alle gleichmäßig so gut wie möglich helfen müssen, das Unvermeidliche mit ihm und für ihn zu tragen.

Leben Sie wohl, werther Herr Landsmann! Ich freue mich Sie im Mai zu sehen!

Ihr ergebenster
Friedr Nietzsche.

Pension Lorius in Vernex bei Montreux.

210. An Franz Overbeck in Basel

<Vernex, zweite Aprilhälfte 1872>

O Hercole! Ga-

nz vortrefflich ist bis jetzt alles abgelaufen, bis auf die Thatsache eines heute recht unmuthigen Wetters. Wir wohnen aber nicht in Pension Ketterer, sondern in Pension Lorius bei Vernex: wohin ich nun Sie bitten möchte, den Freund Pinder zu adressiren. Er soll doch sofort an mich telegraphiren, wenn er in Basel angekommen ist, falls er in der gleichen, bis jetzt etwa von Menschen angefüllten Pension leben will.

Wir lassen Sie beide auf das Herzlichste grüßen und bedauerten gemeinsam schon mehrmals Ihre Nicht-Anwesenheit!

Bitte, schicken Sie mir doch auch die einlaufenden Briefe unter gleicher Adresse zu

Ihr sehr affektionirter Freund
und Bruder ἐν θεῷ
F. N.

211. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

(Mit Tribschen ist es nun, seit heute, aus!)<Basel,> Montag 29 April 1872.

Hochgeachteter Herr,

hier kommt die von mir neulich angekündigte Überraschung — eine vierhändige Composition meines Freundes George Chatham, zum Beweise dienend, wie stark schon in England das Walten des Wagnerschen Genius nachempfunden wird. —

Sagen Sie mir doch gefälligst bei unserem Wiedersehen in Baireuth, was Sie von dieser Musik halten. —

Die erste Anzeige der Geburt der Tragödie ist übrigens erschienen — aber wo! In der italienischen Rivista Europea, Aprilheft, zugleich mit einer empfehlenden Bemerkung über Ihre Musikzeitung. — Können Sie mir nicht die Publikation des Berliner akademischen Wagnervereins zukommen lassen?

Ihr ergebenster
Dr Friedr Nietzsche.

212. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 30 April 72.

Mein guter lieber Freund, das ist ja ein wahres Glückstelegramm, nach allen Seiten hin Licht Luft Wärme und Wohlgefallen bei Gott und den Menschen verbreitend! Denke Dir daß ich gerade in diesen Tagen eine derartige schnelle Wendung recht von Herzen ersehnte, weil ich plötzlich die Angst bekam, es möchte Dir vielleicht meine Freundschaft schlecht bekommen und bei der Kameraderie übel angerechnet werden. Ich wollte Dich eben brieflich, aber inständig angehen, ja nichts zu unternehmen, was auf einen sehr nahen Umgang mit mir oder gar mit Wagner deuten ließe; denn schon jetzt, fürchte ich, ist unsre Centralblattangelegenheit mit einer gewissen komischen Färbung weit genug herumgetragen worden, um möglicherweise Den und Jenen gegen Dich aufzureizen. Jetzt aber, wo wir wie zwei Gewappnete mitten in der akademischen Zunft als treue Waffengefährten stehen, und die „Lebensnoth“ einmal ihr Antlitz verhüllt hat, dürfen wir auch wieder Mancherlei mehr wagen, um die Leute zu erschrecken — nach dem Sprüchwort: „Was ist schrecklicher als eine Flöte? — Zwei Flöten!“

Tribschen ist mit dem heutigen Tage zu Ende! Wie unter lauter Ruinen verlebte ich dort noch ein paar Tage, schwermuthsvolle Tage. Wir sprachen viel von Dir, auch von Deinem „tiefen, bedeutenden und ergreifenden Briefe“ wurde mir erzählt: sobald ein wenig Ruhe hergestellt sein wird, wird W. Dir schreiben. Inzwischen läßt er Dir durch mich sagen, wie sehr er Dir danke und bittet Dich seiner Einladung nach Baireuth zum 22 Mai ja zu folgen. Du bist verstanden worden und bist für immer in diesem Kreise der herzlichsten Theilnahme gewiß. Ach, welch ein ungeheures Leben regt sich jetzt von diesem Centrum aus! Und wie einzig glücklich sind wir, nicht außerhalb stehen zu müssen!

Die erste Anzeige meines Buches ist auch erschienen und sehr gut ausgefallen — aber wo! In der italiänischen Rivista Europea! Das ist hübsch und symbolisch!

Ich habe dagegen Anzeigen davon, daß ich den eigentlichen Fachgenossen jetzt bereits lächerlich vorkomme, lächerlich und unmöglich, weshalb mir zB. brieflich nicht mehr die übliche Höflichkeit angethan wird. Jetzt ist ja auch der Index des rhein. Mus. erschienen — denke Dir daß weder Ritschl noch Klette mir ein Wörtchen des Dankes für diese Gratis- und Hundearbeit gesagt haben! Schon mein Homeraufsatz (obschon nicht publiziert) hat die Äußerung hervorgerufen — „noch so ein Schritt und er ist ruinirt!“ Da geziemt es sich freilich, dem allmählich immer frecher werdenden Völkchen die Zähne zu zeigen und sie sänfliglich mit der Nase auf die Dinge zu stoßen, die sie mit ihren blöden Augen nicht sehen mögen. Doch werden meine 6 Vorträge jetzt noch nicht gedruckt, sondern erst im nächsten Winter, nach einer vollständigen Umarbeitung. — Ach, wie freue ich mich, mein Freund, daß wir nun Beide innerhalb der akademischen Verschanzung stehen, die Feuerbrände in den Händen — Dein letzter Brief erregte in mir die dankbarste Empfindung: wie unendlich einsam ich mich fühlen würde, wenn ich, bei allen Absichten und Hoffnungen, nicht an Dich denken dürfte, kann ich mir gar nicht ohne Schauder vorstellen. Deine Liebe gilt mir eine Million, sagt Falstaff. In Baireuth wollen wir alles mit einander besprechen, was ich heute nicht schreiben kann, ohne viel zu schreiben. Nur dies: es ist wahrscheinlich, daß ich für die nächsten Semester es noch innerhalb der Universität aushalte und mir die segensreiche Flucht in den Süden für den Zeitpunkt vorbehalte, wenn meine Stellung unerträglich und ekelhaft wird. Das ist sie bisjetzt noch nicht. Ja, seit Deiner heutigen Ernennung, bin ich auch glänzender und üppiger gestimmt als lange und fühle mich etwas von den Strahlen der kaiserlich-ministeriellen Gnadensonne vergoldet, die heute über Dir und Deinem Hause aufgegangen ist. Ora pro nobis! Dazu hat heute der Herausgeber der „philosophischen Monatshefte“ eine Biographie von mir eingefordert, wodurch ich mich gewissermaßen unter die „Philosophieprofessoren“ aufgenommen fühle. Drittens glaube ich von Straßburg her das gläubige und patriotische Jauchzen zu vernehmen und und den Festgesang pereat diabolus atque irrisores! Ein allgemeines akademisches Hochgefühl schwellt den Busen, mit dem ich, an ihn geworfen, nämlich an den Deinigen, zu bleiben gedenke,

hochgeachteter Herr Professor,
Euer wohlaffektionirter
irrisor academicus.

213. An Theodor Muncker in Bayreuth

Basel, 1. Mai. <1872>

Hochverehrter Herr Oberbürgermeister,

durch meinen großen Freund Richard Wagner bin ich eingeladen worden, sammt meiner Schwester der Festfeier des 22. Mai beizuwohnen. Ich muß mir daher erlauben, mich mit einer doppelten Bitte an Sie zu wenden, einmal mir zwei Plätze zu reserviren und sodann eine Verfügung in Betreff einer Wohnung zu treffen. Ich selbst gedenke am Samstag vor Pfingsten in Baireuth einzutreffen: meine Schwester wird am Dienstag mir nachkommen.

Verzeihen Sie mir die in diesen Bitten liegende Belästigung und seien Sie meiner Hochachtung wie meines Dankes in gleicher Weise versichert.

Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche,
Prof. ord. der Universität
Basel.

214. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel 1. Mai <1872>.

Mein lieber guter Freund,

verarge mir es nur nicht, wenn ich hier und da einmal eine Pause mit Fermate in meinem Briefverkehr mache: es hat sicherlich Gründe, aber äußerliche, die für unsere Freundschaft ohne Beziehung sind. Es gab viel zu thun, und ich war auch einige Zeit recht angegriffen und unwohl. Der Winter wollte überstanden sein, und mancherlei wichtige Entscheidungen mußten getroffen werden, von denen ich Dich nicht unterhalte, weil ich Dich einmal mündlich darüber sprechen werde. Nämlich in Baireuth! Dort werde ich am Sonnabend vor Pfingsten eintreffen: ich bitte Dich, es doch ähnlich einzurichten. Heute habe ich, der Wohnung wegen, an den Oberbürgermeister Muncker geschrieben. Ich höre daß Frau von Muchanoff, Gräfin Krakow und Fr. von Meysenbug sich auch schon angemeldet haben: ebenfalls Frau von Schleinitz. Diese hat mir einen sehr liebenswürdigen Brief geschrieben, für den Du, lieber Freund, gelegentlich einmal recht schön danken kannst.

Auch Rohde kommt hin, der mir gestern aus Kiel telegraphirte, er sei Professor dort geworden. Kannst Du ihm vielleicht ein Zeilchen der Gratulation schicken? Er hat Schönes vor, was Wagner und mich zugleich betrifft — es ist aber noch nicht zu verrathen. Die erste Anzeige meines Buches ist nun auch erschienen aber wo! In der italiänischen Rivista Europea! An Dohm habe ich neulich noch ein Exemplar geschickt. Habe ich Dir schon von Bülows Enthusiasmus erzählt? Und daß er mir die Dedikation eines Buches angekündigt hat? Auch daß er mir erzählte, es werde sehr bald eine zweite Auflage nöthig sein? — Sehr schön sollen ja, nach Tribschener Unheil, die Publikationen des studentischen Wagnervereins sein. Ich halte den Gedanken für äußerst glücklich, daß er die „geistige Agitation“ vor allem übernehmen will, die Aufklärung über die Bedeutung dieser bevorstehenden Feste. Mache doch dem Vorsitzenden Hr Coerper einen Besuch und deute ihm an, er möge an mich und an Rohde, dh. an die einzigen Wagnerschen Professoren die gedruckten Publikationen schicken. Vielleicht auch an E. von Hartmann (dessen Adresse ich haben möchte)

Was Du mir über Deinen Herrn Vater schreibst, hat mich sehr ergriffen: in solchen Anzeichen verehre ich den wundervollen deutschen, ja wie ich lieber sagen möchte preußischen Ernst, von dem nun einmal Alles zu erhoffen ist, während ich gegen die oben auf schwimmende „deutsche Cultur“ jetzt im höchsten Grade bedenklich bin.

Wie geht es Deinen künstlerischen Freunden? Kommt einer von ihnen nach Baireuth? Wie sehr ich das wünsche!

Vorigen Sonnabend war trauriger und tiefbewegter Abschied von Tribschen. Tribschen hat nun aufgehört: wie unter lauter Trümmern gingen wir herum, die Rührung lag überall, in der Luft, in den Wolken, der Hund fraß nicht, die Dienerfamilie war, wenn man mit ihr redete, in beständigem Schluchzen. Wir packten die Manuscripte, Briefe und Bücher zusammen — ach es war so trostlos! Diese drei Jahre, die ich in der Nähe von Tribschen verbrachte, in denen ich 23 Besuche dort gemacht habe — was bedeuten sie für mich! Fehlten sie mir, was wäre ich! Ich bin glücklich, in meinem Buche mir selbst jene Tribschener Welt petrificirt zu haben.

Wir beginnen hier das Sommersemester — heute ist der Einweihungstag von Straßburgs — Universität: ich denke an diese Feier mit den gemischtesten Empfindungen.

Das Sommerkolleg von Burckhardt wird etwas Einziges: es entgeht Dir viel, daß Du es nicht erleben kannst. Hast Du gehört, daß B. in den letzten Wochen einen sehr ernsthaften Ruf nach Berlin hatte. Er schlug ihn aus.

Mein lieber Freund, wie schön ist es doch, daß wir uns so bald wiedersehen. Noch schöner aber daß wir uns, seit Jahresfrist, so recht wieder zusammengefunden haben. Unsre schönsten Hoffnungen und Pläne laufen nun in einer Bahn. Ich höre mit herzlicher Freude daß Du an den Klavierauszügen Dich erbaust: wir müssen unsre Nibelungenstudien jetzt höchst ernsthaft beginnen, um uns für so unerhörte Dinge würdig zu machen.

Schreib mir doch vor Baireuth noch ein Wort der Vereinbarung über unser Wiedersehen.

In herzlicher Liebe
Dein
FN.

215. An Gustav Krug in Naumburg

<Basel,> 2 Mai 72.

Mein lieber guter Freund,

es ist der Anfang des Semesters, die Arbeitsnoth ist groß, die Zeit fliegt wie Spinnweben im Herbst, also nimm mit ein paar geschäftlichen Zeilen fürlieb und betrachte mich einmal als Basler Handelsmann. Natürlich vertrösten wir uns auf Baireuth, natürlich erwarte ich Dich dort: und es stehen wirklich keine Schwierigkeiten im Wege. Ich bitte Dich nur, sofort an Hr. E. W. Fritzsch nach Leipzig zu schreiben und ihm einfach zu melden, daß Du die Baireuther Festfeier miterleben wolltest, als Mitglied seines Wagnervereins. Füge noch hinzu daß ich, Dein Freund, Hr. Fritzsch auch darum bäte, daß er für ein Logis in Baireuth Sorge trage.

Sollte irgend etwas mißlingen, so telegraphire nur an mich. Laß Dich aber keinesfalls abhalten zu kommen.

Wie danke ich Dir, mein Freund, für Deine Composition, die ich wirklich mit Staunen, als ein edles Kunstprodukt, studirt habe. Du hast eine Reinheit und Freiheit der Stimmenführung und ein sanft erregtes Pathos erreicht. Ich freue mich mit Dir darüber sprechen zu können. Von mir ist ein Gegenstück dazu fertig geworden, ein vierhändiges Stück des düstersten Pathos, lauter Beschwörungsformeln.

Sei herzlich gegrüßt!
Dein
Friedrich N.

216. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 2. Mai 1872>

Meine liebe Lisbeth,

die Zeit unseres Wiedersehens rückt heran; deshalb muß ich Dir heute über die Baireuther Dinge etwas Definitives schreiben. Gestern habe ich mich brieflich an den Oberbürgermeister von Baireuth gewendet, für Wohnung und Plätze, natürlich auch gemeldet daß Du mit mir seist. Ich selbst treffe am Sonnabend vor Pfingstsonntag dort ein und erbitte mir nun von Dir eine genaue Bestimmung über Deine Ankunft. Der Festtag (Mittwoch) enthält zwei große Akte, Mittags die Grundsteinlegung mit Wagner’s Festrede, Abends die neunte Symphonie. Wie es scheint, ist etwas große Toilette nöthig. Es wird ein hübsches Zusammentreffen der nächsten Freunde des Wagnerschen Hauses. Ich denke wir werden wohl mit folgenden Freunden im gleichen Hôtel wohnen: Minister von Schleinitz und Frau, Frau von Muchanoff, Gräfin Krokow, Fr. von Meysenbug. Gersdorff und Rohde (der Professor geworden ist) kommen auch.

Du hast wohl gehört daß ich mit Wilhelm Pinder ein paar Tage am Genfersee zusammen war? Ich war mit Prof. Immermann hingereist und habe mich jetzt wieder etwas erholt. — Neulich Abschied von Tribschen. Das ist nun vorbei. —

Unsere liebe Mutter hat mir durch Wilhelm einen Brief überschickt, für den ich herzlich danke. Inzwischen werdet Ihr wohl meinen Brief längst in den Händen haben. Pinder brachte mir eine von Gustav Krug mir dedizirte Composition mit, die ich sehr schätze. Windisch hat sich mit der Tochter des Nationalökonomen Röscher in Leipzig verlobt. Hier war viel Krankheit und immer etwas typhös. Die Bäteli von Vischers, dann die junge Frau Vischer-Sarasin, ein Kind von Immermann’s, die alte Frau Vischer etc. Jetzt ist der junge Prof. Vischer in Straßburg, der alte in Baden.

Die erste Anzeige meines Buches ist auch erschienen, hübsch und gut — aber wo? In einer italienischen Zeitschrift Rivista Europea.

Habt Ihr denn meine Kleider besorgt? Die bringst Du mir mit nach Baireuth. Auch das Geld, von dem Du mir schreibst.

Nein, was Du nicht Alles erlebst! So eine Baireuther Affaire! Du wirst Dir selbst immer merkwürdiger vorkommen, meine gute Schwester. Bringe nur Heiterkeit, gute Laune mit, auch Liebe zu Basel und zu Deinem

Bruder
F.

217. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 4 Mai. <1872>

Mein lieber Freund,

ein zweiter Brief auf den Fersen des ersten. Periculum in mora. Ich verzweifle fast an der Möglichkeit, Dir einen Zuhörerplatz zu erwirken. Das Haus, mit 700 Plätzen, ist voll. Meine Freunde in der Fantaisie gaben mir eben Nachricht.

Schreibe also sofort an Riedel Prof. in Leipzig, noch besser, suche ihn auf und biete Dich, mit Überredungskünsten, als Sänger an. Das scheint mir der einzige Weg. Sage Riedel ich ließe ihn herzlich darum bitten und sei Bürge für Deine höchste musikalische Intelligenz und Fakultät.

In Treue Dein
F. N.

218. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 4 Mai. <1872>

Mein lieber Freund, gieb mir, ich bitte Dich, recht schnelle und entschiedene Antwort auf meine Anfrage, ob Du nach Baireuth kommst. Ich nämlich rechne mit vertrauender Hoffnung darauf, und nicht allein ich sondern auch meine Freunde in der Fantaisie. Heute bekam ich von dort Nachricht: die Plätze des Theaters sind übermäßig beansprucht, während dieser schöne Rokokobau nur 700 Zuhörerplätze hat. „Doch hat Wagner für Sie und Dr. Rohde, den er durchaus als zu sich gehörend betrachtet, auf das Bestimmteste zwei Plätze reserviren lassen“. Wörtlich.

Die zwei „Wagnerischen“ Professoren dürfen nicht fehlen.

Ich reise Freitag vor Pfingsten ab und bin Sonnabend mit dem Frühesten in Baireuth. Wir erleben die Proben, das ist nöthig. Gieb eilig Nachricht Deinem

harrenden Freunde
FN.

219. An Gustav Krug in Naumburg

Basel, Himmelfahrtstag. <9. Mai 1872>

Mein lieber Freund, ich habe Deine schwermüthige Epistel bekommen und doch noch nicht allen Muth verloren, ob ich gleich weiß, daß die Plätzenoth die allergrößte ist. Zuletzt bleibt einer der Angemeldeten aus und flugs! bist Du an seiner Stelle. Brieflich und mündlich habe ich Dein Anliegen meinen Freunden in der Fantaisie an’s Herz gelegt. Nur daß sie in dieser Sache auch nicht zaubern können. Doch wollen wir immer noch etwas warten. Hat Fritzsch noch nicht geschrieben? Dann hat er sich jedenfalls ernsthaft bemüht. Kannst Du nicht einen Dir befreundeten Patron vertreten? — Kommt sehr spät noch ein günstiger Bescheid, so telegraphire ich

Amicissime Dein
F. N.

220. An Erwin Rohde in Kiel

Sonntag Basel. <12. Mai 1872>

Mein lieber Freund, nun Gott sei Dank, daß Du kommen willst. Bei der außerordentlichen Noth in Betreff der Plätze, des Logis usw. war es durchaus nöthig, schnell zu wissen ob Du kommen würdest. Das ist jetzt nun längst weiter gemeldet, nach der Fantaisie, wo jetzt meine Freunde hausen.

So sehen wir uns also wieder! Unsre Zusammenkünfte werden immer großartiger, immer historischer, nicht wahr?

Ich höre, daß die erste Probe am 19 t. sein wird, die zweite Montag, die dritte Dienstag.

Zwar bin ich etwas krank, im Besitz einer „Gürtelrose“ am Nacken: ich hoffe aber daß zwischen Hautaffektion und Gehirnfunktion zur rechten Zeit Friede geschlossen wird: denn ich muß nach Baireuth, trotz cingulum.

In den kurzen Osterruhemomenten ist auch eine pathetische vierhändige Musik entstanden: so daß jetzt zwei χορικὰ gleichsam das ἐπεισόδιον dieses Winters einrahmen. — Ich will Dir übrigens meine Wintervorträge mitbringen, durch die ich hier eine unverhältnißmäßige Erregung und Begeisterung, bes. bei den Studenten, hervorgerufen habe. Gedruckt werden sie nicht. Jetzt lese ich an der Universität Choephoren vor 6, vorplatonische Philosophen vor 10 Zuhörern. Es ist kläglich! Unsre werthen Fachgenossen sind recht still, in Betreff meiner Schrift: sie mucksen nicht einmal. Inzwischen brüte ich an ganz neuen Dingen, von denen Du hören sollst.

Wann willst Du in Baireuth eintreffen? Ich, wie schon gesagt, bin von Sonnabend morgen dort.

Ach, es ist wirklich unglaublich, was wir erleben! Und zusammen! Wenn ich mir dächte, daß wir in so wesentlichen Dingen uns nicht verstünden! Was würde mir fehlen! Wir wollen wieder dem Genius unserer Freundschaft opfern.

Adieu! Lieber Freund
FN.

Großer Tag! Wagnerconcert in Wien! Und — Tag der riforma federale in der Schweiz! Für selbige entweder Anfang vom Ende oder Ende vom Anfang.

221. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 12. Mai 1872>

Meine liebe Lisbeth, ich schreibe sofort, zunächst um Dir zu danken, daß Du mir durch Deinen entsagenden Brief eine peinliche Bemühung erspart hast. Denke Dir nämlich, daß ich seit ein paar Tagen von Baireuth aus benachrichtigt bin, daß es auch für Dich keinen Platz giebt; und daß ich selbst einen nur durch das energische Einschreiten W’s und seine Erklärung, daß ich zu ihm gehöre, erlangt habe. Du mußt nämlich wissen, daß ich der einzige Mensch im ganzen Baireuther Unternehmen bin, der bis jetzt gar kein Recht hat. Denn ich bin nicht Patron, ja nicht einmal Mitglied eines Wagnervereins. Meine Tribschener Freunde wissen ganz genau, was wir beide mit einander verabredet hatten, und ich bin überzeugt daß Frau W. sich um einen Platz für Dich bemüht hat: umsonst. Kurz, dies Dir auseinanderzusetzen war nicht gerade angenehm: dazu haben wir kein Logis in B. bekommen, denn der Oberbürgermeister läßt mich ohne Nachricht, und meine Freunde in der Fantaisie zweifeln an einem Erfolg.

Hätte ich ein paar Tage früher geschrieben, so hätte ich Dir die Möglichkeit genommen, einen so rührend-entsagenden Brief zu schreiben: kurz, ich finde alles schicklich geordnet und danke Dir herzlich. Dazu bin ich etwas unwohl, habe die ganze Nacht nicht geschlafen und trage mich selbst mit der Furcht, vielleicht selbst nicht nach B. reisen zu können.

Also, meine liebe Lisbeth, einstweilen bleibt es bei der Verabredung, daß wir am Donnerstag nach Pfingsten uns in Culmbach treffen und mitsammen nach Basel reisen. Leider hat Deine Resignation, wie Du jetzt siehst, noch gar kein Resultat für den armen Gustav K<rug> erzielt.

Verarge mir die Kürze meines Briefes nicht, grüße unsre liebe Mutter herzlich und behalte

bei alledem
lieb
Deinen Bruder F.

Freitag vor Pfingsten reise ich hier ab. — Rohde ist Professor in Kiel geworden und kommt nach B.

222. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 24. Mai 1872>

Meine liebe Mutter, meine liebe Schwester, hier bin ich wieder in Basel und denke sofort daran, Euch dies anzuzeigen, um so schnell wie möglich nun die Freude der Ankunft meiner Schwester zu haben. Zugleich danke ich herzlich für die schöne Benachrichtigung, daß, auch Du, meine liebe Mutter, auf einige Zeit in diesem Jahre unser lieber Gast sein willst.

Überhaupt habt Ihr mir durch die trefflichen Besorgungen und den ausführlichen nach Bayreuth geschickten Brief vielerlei Gutes und Liebes erzeigt. Alles ist recht. Vielleicht erzählt Euch Gustav K<rug> etwas von mir: Ich selbst bin einstweilen noch stumm, über das Erlebte! — Schon ist ein Brief mit einer Einladung eingelaufen, die auch Dir bereits, liebe Lisbeth, gilt. Zu Turneysens Gemuseus, die Du noch nicht kennst.

Wenn mein Eifer, schnell zu schreiben macht daß Ihr gar nichts lesen könnt, so ist dies schon recht. Denn nur meinen Eifer sollt Ihr spüren, sonst habe ich eben nichts zu sagen als

auf Wiedersehn!
Fritz

Bringe mir das schön gebundene Exemplar der Geburt der Tragödie mit.

223. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 27 Mai 72.

Freund, Freund, Freund, was hast Du gemacht! So ein E. R. ist nicht zum zweiten Male zu erleben. Ich tauchte, ohne diese Buchstaben zu sehen, langsam, immer erstaunter lesend, in den Bayreuther Empfindungsabgrund und endlich höre ich, dass die Stimme die so feierlich und tief tönt, die des Freundes ist. Ach liebster Freund, das hast Du mir gethan!

Ich schreibe nächtlings und eilig, um Dich zu bitten, dass ich mir von dieser Deiner herrlichen! Anzeige einen Abdruck machen darf, schön und üppig, Du sollst zufrieden sein, Papier und Druck wie bei meiner Schrift. Dann darf ich doch wohl Exemplare nach Belieben an unsere Freunde versenden, wie ich es früher (bei „Socrates und Tragödie“) gethan habe? Wie geht Dirs? Unglaublich, nicht wahr?

Ich zerschmelze. Kampf, Kampf Kampf! Ich brauche den Krieg.

Lebwohl, mein Freund!
Mein Freund!
Friedrich N.

224. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 27 Mai 72.

Geehrtester Herr,

Sie werden wohl schon die herrliche und ganz ausgedehnte Anzeige unseres Buches in dem letzten Sonntagsbeiblatt der Norddeutschen Allgem. gesehn haben. Sie ist von Professor Dr. Rohde in Kiel.

Ich bitte Sie nun, mir auf meine Rechnung, etwa fünfzig Abzüge dieser Recension machen zu lassen, sobald als möglich und zwar: in Format Papier und Lettern ganz entsprechend meinem Buche. Ich denke, es wird ein halber Bogen voll werden. Die Correctur ist an Rohde, unter angegebner Adresse, zu schicken. — Bitte, helfen Sie mir, daß es schnell und gut geht. Ich bin wie immer

Ihr ergebenster
Dr Fr. Nietzsche.

225. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

<Basel, 31.Mai 1872> Freitag Morgen.

Verehrtester Herr Rathsherr,

Hier empfangen Sie die erste ausführliche Recension, die meine Schrift über die Geburt der Tragödie bisjetzt erfahren hat. Sie ist von Prof. Rohde in Kiel und wird seinetwegen Ihnen vielleicht lesenswerth erscheinen. Die allererste, aber kürzere Anzeige brachte die italiänische Rivista Europea.

Sie haben wohl die Güte, mir das Blatt einmal gelegentlich wieder zurückzugeben.

Meine Schwester kommt Morgen (Samstag) Abend in Basel an; worüber ich so eben, zu meiner Freude benachrichtigt wurde.

In steter Hochachtung
der Ihrige
Friedrich Nietzsche.

226. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 3. Juni 1872> Montag.

Mein lieber Freund

habe nur keine Besorgniß meinet wegen: das Sichervorauszusehende findet mich gerüstet. Nie werde ich mich in eine Polemik einlassen. Es ist Schade daß es gerade Willamowitz ist. Du weißt vielleicht daß er mich noch im vorigen Herbst freundlicher Weise besuchte. Ich dachte mir damals, der sollte nur in richtiger Umgebung und unter gutem Einflusse stehen, dann würde er, bei seiner Begabung, bei seinem reinen Eifer, auch vielleicht für den Bildungsgrad reif werden, den nun allerdings mein Buch voraussetzt, und den es jetzt bei ihm nicht antrifft.

Ich bitte Dich mir das Schriftchen recht schnell zuzuschicken: unsre Buchhändler sind zu langsam.

Auch Dich, mein lieber Freund, bedauere ich bei dieser unerwarteten Episode: warum mußte es nur gerade Willamowitz sein?

Alles Andre aber, was Du mir schreibst ist ja außerordentlich schön und anmuthend. Dein Wartburgerlebniß kann Dir in der Erinnerung wirklich wie ein Eisenbahntraum erscheinen.

Ach, mein Freund, wir wissen, was wir erlebt haben. Diese heilig ernsten Erinnerungen wird uns Niemand rauben können. Durch sie gefeit und für sie kämpfend müssen wir nun durchs Leben gehen und vor Allem bestrebt sein, in allen unsern Hauptschritten so ernst und kräftig als möglich zu sein, um uns jener großen Erlebnisse und Auszeichnungen würdig zu erweisen.

Wie glücklich war ich Dich und Rohde dort zu haben! Das wird uns immer fester zusammenbinden.

Lebe wohl und ertrage!
Mein lieber Freund!
In Treue, aber
eilig
Dein
F N.

227. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 8. Juni 1872>

Siehst Du, mein lieber lieber Freund, wie anstößig wir sind! Wir werden auch bald erfahren, wie einsam wir sind. Nun müssen wir ehrsam auf unserem Posten stehen bleiben. Wenn Du mir gerade jetzt zur Seite trittst, als kräftigster speerschwingender Waffengefährte, so erinnere ich Dich freilich daran, daß κελαινοῦ κύματος πικρὸν μένος sich schnell auch gegen Dich wenden wird. Doch darüber müssen wir uns gemeinsam trösten. Alles, was Du thun willst, sei von meiner Liebe gesegnet! Wir wollen treulich mit einander aushalten, lieber Freund, in ernsteren Calamitäten als der gegenwärtigen. Denn dies ist nur ein unverschämtes Vorspiel, von ungeübter knabenhafter Hand gespielt — wir ahnen erst die „Weise“, die uns aus dem Kreise der „Höheren“ einmal entgegenklingen wird — ἐπὶ δὲ τῷ τεθυμένῳ τόδε μέλος παρακοπὰ παραφορά —

Gersdorff benachrichtigte mich über den ungefähren Inhalt jenes Pamphlets: so nur halb belehrt und über die Form unsicher, war auch ich etwas nervös erregt; seit gestern habe ich die Schrift in den Händen und bin ganz ruhig. Ich bin weder so unwissend, wie mich der Verfasser darstellt, noch so bar der Wahrheitsliebe: die ärmliche Gelehrsamkeit, die er prunkend aufzeigt, muß man freilich etwas an den Schuhen abgelaufen haben, ehe man über solche Probleme mitreden darf. Nur durch die frechsten Interpretationen erreicht er, was er will. Dabei hat er mich schlecht gelesen, denn er versteht mich weder im Ganzen noch im Einzelnen. Er muß noch sehr unreif sein — offenbar hat man ihn benutzt, stimulirt, aufgehetzt — alles athmet Berlin. Denke Dir, daß er mich im vorigen Herbst besuchte, in Naumburg, in der Form der Verehrung, und daß ich selbst ihm gerathen habe, meine demnächst erscheinende Schrift ernst zu nehmen. Das hat er, in seiner Art, gethan. Es hilft nichts, man muß ihn schlachten, obwohl das Bürschchen gewiß nur verführt ist. Aber es ist wegen des bösen Beispiels und wegen des voraussichtlich enormen Einflusses einer solchen Lug- und Trugbroschüre nöthig. Zum Dank dafür, daß Du ihn schlachtest, wird er dann irgendwo eine Professur bekommen und glücklich sein.

Vor allem aber, lieber Freund, wollen wir die Sache hoch und ernst nehmen, in unserer Weise; und den kritischen Gesellen auch nur als einen Typus in Betracht ziehn: in diesem Sinne bin ich herzlich erfreut, daß Du den Gedanken eines Sendschreibens an Wagner festgehalten hast. Daß Du hierin zu mir stehst, das wird allerdings ein unerhörtes Aufsehn unter dem philologischen Bienenstock machen; ich danke Dir von Herzen für diese Absicht. Fritzsch muß seine Sache schnell und schön machen, des bin ich überzeugt.

Nun Lebwohl, mein lieber treuer Freund! Wir dürfen muthig und erhaben sein! Wir dürfen es!

Adieu! Geliebter Zukunftsphilolog!
Dein F N.

228. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 10. Juni 1872>

Mein lieber Freund,

damit Du ganz über mich beruhigt bist und nicht etwa glaubst, daß ich in irgend welcher Erregung meinen Tag verbringe, schreibe ich Dir, daß ich das Pamphlet gelesen habe und sofort gänzlich beruhigt war. Da trifft mich ja kein Wörtchen! Alles ist, bis ins Kleinste hinein, Verdrehung, Unverstand und Bosheit. Freilich verdient das Bürschchen eine Züchtigung, und in welcher Form sie erfolgen wird, soll Dir der mitfolgende Rohdesche Brief sagen.

Mir thut es herzlich leid um den jungen bethörten Menschen, und ich empfinde wie Du ein wahres Leidwesen, wenn ich an seinen guten Namen denke. Es hilft nichts! Er muß öffentlich bestraft werden: wir unter uns wollen aber nicht vergessen, daß das die Früchte der jetzigen Jugenderziehung und der jetzigen Philologie ist: und wenn Wilamowitz bis an sein Ende ein Brandmal davon trägt, so soll ihn das immer daran erinnern, wie schmählich er mißleitet, verführt, aufgereizt, wie schlecht er unterrichtet worden ist.

Ich denke, mein lieber Freund, daß ich nun eine Erfahrung mehr habe, eine typische Erfahrung; nun weiß ich auch, was ich bis jetzt nicht wußte, wie ich so etwas ertragen kann. Gerüsteter und muthiger als je blicke ich in die Zukunft, und die Entwürfe einer neuen Schrift (noch nicht der pädagogischen) wachsen in mir. Ruhe und Contemplation und einfache Zufriedenheit sind wieder zurückgekehrt, sobald ich die Schrift gelesen hatte.

Also betrübe Dich nicht und denke an unsre Bayreuther Gemeinsamkeiten! Wir Freunde haben Alles jetzt gemein!

In herzlicher Liebe
Dein F.

229. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 11. Juni 1872> Dienstag.

Heute schreibe ich Dir nur, mein lieber Freund, daß Du gänzlich unbesorgt um mich seist; ich befinde mich wirklich in der von Dir angewünschten μελιτόεσσα εὐδία, ja sogar in einer gewissen übermüthigen Spannung. Ich habe das Vergnügen, meine Schwester zu Besuch bei mir zu haben und verlebe mit ihr das harmloseste Dasein, während mich in einsamern Stunden die Bilder besuchen, die ich in meiner nächsten Schrift zu bannen suchen werde. Dazu habe ich ein Wohlgefallen an meinen Collegien, zumal an dem über vorplatonische Philosophen; diese großen Wesen erscheinen mir lebendiger als je und nur zum Spott kann ich des ehrsamen Zeller langgesponnene Berichte lesen. Beiläufig, daß ich Dir in Betreff der chronologischen Frage bei Pythagoras mit Wonne und Lob gefolgt bin: überhaupt sauge ich Deinen Aufsatz jetzt ordentlich aus. Findest Du das billigenswerth, daß ich, ungefähr nach Aristoteles Manier, aber sonst ganz wider die Sitte, die Pythagoreische Philosophie erst hinter der Atomistik und vor Plato behandele: die eigentliche Ausbildung muß doch da hinein fallen. Daß Pythagoras selbst schon alle Keime jener Philosophie gefunden habe, wie das Zeller noch annimmt, glaube ich nicht, und sehr schwach scheint alles, woraus er das Bekanntsein der pythagorischen Principien bei Parmenides usw. erschließen will. Die ganze Zahlenphilosophie erscheint mir umgekehrt als ein neuer Weg, zu dem das sichtbare oder scheinbare Mißlingen des Eleatischen, des Anaxagoras, des Leucipp ermuthigte — bitte, sage mir doch Deine Meinung über diese Dinge, ganz kurz, mit einem Worte.

Dann habe ich eine besondere Bedeutung des Anaximander entdeckt. — Zu den Zeitbestimmungen des Apollodor habe ich principiell Zutrauen: er hat schon das ganze willkürliche Wesen der älteren διαδοχαί entdeckt und durch seine Zahlen vernichtet. — Ich behandele als Hauptkerle Anaximander Heraklit Parmenides — in dieser Reihenfolge: dann Anaxagoras Empedocles Democrit. Thales nehme ich als Vorläufer zu Anaximander, Xenophanes als Vorläufer zu Parmenides, Anaximenes als Vorläufer des Anaxagoras Empedocles Democrit (weil er zuerst eine feste Theorie über das Wie! des Weltprozesses, μάνωσις πύκνωσις aufstellt). Leucipp ist auch Vorläufer. Außerdem giebt es Nachläufer, Zeno etc. Das ist doch eine schöne Kategorientafel, Hauptkerl, Vorläufer und Nachläufer!

Jetzt muß ich aber zu Mittag essen. Mein lieber Freund, ich denke Deiner immer mit der größten Liebe und Beruhigung: auch mit der Empfindung, als ob wir einer großen Gefahr entgangen seien, nämlich der Gefahr, nicht zusammen in Bayreuth gewesen zu sein. Verdient das nicht eine besondere Libation? Diese sofort zu bringen begebe ich mich zu Tische.

Ich grüße Dich von ganzem Herzen und bitte Dich um ein Paar Briefzeilen

Dein Fr. N.

230. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 18. Juni 1872>

Mein lieber Freund

ich habe an den Folgen eines Darm- und Magenleidens ein Paar Tage im Bette gelegen und bin auch heute recht matt — erwarte also nichts sonderlich Vernünftiges, wenn ich jetzt Deinen Brief, nach mannichfaltigen sich kreuzenden Überlegungen und Berechnungen, beantworte. Ach, mein lieber Freund, in solchen Fällen ist das, was das „Klügste“ heißt, gar nicht durch Schlauheit zu errathen: aber hinterdrein merkt man, ob man es ergriffen hat oder nicht. Denn der Fall ist absonderlich und ich wüßte nicht nach welchen Analogien zu entscheiden. Ich für meinen Theil lege außerordentlichen Werth darauf daß die Philologen in ein heilsames Erstaunen gerathen, wenn Du plötzlich, als Philolog, an meine Seite trittst. Was W<agner> in seiner Liebe für mich geschrieben hat, weiß ich nicht: bei der jetzigen Roheit unsrer Zunftbrüder wird es jedenfalls anders wirken als er erwartet. Bei solchen Gelegenheiten wird die unsichtbare Verschwörung gegen den „Geist“ sichtbar. Das ist aber das Unverhoffteste, ja das eigentlich Schreckliche, daß ein Philologe, in Würden, es wagt, mir zur Seite zu stehen: daß das nie geschehen würde, das eben hat den grenzenlos frechen Ton jenes Berliner Jungen möglich gemacht. Übrigens nehme ich des Bestimmtesten an, daß er nur das Echo seiner inspirirenden „Höheren“ ist, zu seiner Entschuldigung. Zu heilsamer Warnung und damit man nicht bei jedem neuen Produkt mit diesen ekelhaften Berliner Gesundbrünnlern zu thun hat, würdest Du, auch nach W’s Brief, etwas höchst Ersprießliches thun, wenn Du unsre Position, dem Alterthum gegenüber, in ihrer ganzen Ernsthaftigkeit und Strenge den Philologen schildertest und vor allem betontest, daß hier das Mitreden nicht jedem beliebigen Dr phil. freisteht, geschweige denn gar das Recensiren. Lieber Freund, ich denke mir Deine Schrift vor allem ausgehend von allgemeineren Beobachtungen über unser philologisches Treiben: je allgemeiner und ernster diese Betrachtungen sind, um so leichter ist es, das Ganze doch an die W.sche Adresse zu richten. Du könntest etwa im Anfang erklären, warum Du Dich gerade an W. wendest, warum nicht zB. an eine Philologenversammlung: daß es uns jetzt ganz an einem höchsten Forum für die idealsten Wirkungen unserer Alterthumsstudien fehlt. Dann könntest Du von unsern Bayreuther Erfahrungen und Hoffnungen reden und daher die Berechtigung entnehmen, auch unsre Alterthumsbestrebungen mit diesem „Wachet auf! Es nahet gen den Tag“ zu verknüpfen. Dann auf mein Buch kommend — usw. ach, lieber Freund, es ist so lächerlich von mir, in meiner matten Stimmung, das so hinzuschreiben. Aber die Hauptsache scheint mir: die Anrede an W. muß bleiben, weil gerade die direkte Beziehung zu W. die Philologen am meisten erschreckt und zum Nachdenken zwingt. Ebenso muß aber die Hinrichtung jenes Willamowitz rein philologisch vorgenommen werden. Vielleicht könntest Du, nach einer längern an W. gerichteten Einleitung allgemeinen Inhalts, einen Strich machen und nun, mit einer entschuldigenden Wendung die Abschlachtung vornehmen. Jedenfalls aber müßte am Ende der Abhandlung der Ton wieder so allgemein und ernst werden, daß man Wilamowitz vergißt und nur noch die Bemerkenswerthe Thatsache als Leser im Gedächtniß behält, daß mit uns nicht zu spaßen ist; womit bei Philologen sehr viel erreicht ist. Denn bis jetzt gelte ich ihnen als „Spaßphilolog“ oder wie ich neulich hörte als „Musiklitterat“.

Da die Schrift jedenfalls von Nichtphilologen gelesen wird, so sei doch, lieber Freund, gerade im Citiren nicht zu „vornehm“, damit die nichtphilolog. Freunde des Alterthums erfahren, wo sie etwas lernen können. Leider verbot der Ton meiner Schrift jede Belehrung dieser Art. Wenn es geht, suche den Eindruck zu verwischen, als ob sie von Wesen aus dem Monde, aber nicht von den Griechen erzähle. — Wird das Sendschreiben vielleicht die Länge von 30—40 Seiten bekommen? Und ist es Dir recht, wenn es Fritzsch verlegt? Oder soll es Teubner nehmen? Das würde mir wohl Ritschl auswirken (R. ist fabelhaft liebenswürdig und wohlgesinnt gegen mich) — Verzeih mir, mein l<ieber> F<reund> diesen dummen Brief und mach’ es ganz nach Deiner Neigung. Aber sei überzeugt daß ich sehr großen Werth darauf lege, wenn Du es thust. Mich kann man, in meiner jetzigen Vereinzelung, als Phantasten oder Dummkopf, übersehn: stehn wir beide neben einander, beide mit der Liebe zu W., so muß es eine tolle skandaleuse Aufmerksamkeit unter unseren philolog. Biedermännern und Schuften geben. In herzlicher Liebe und Treue Dein

F N.

231. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel,> 24 Juni <1872>

Dein Brief, mein lieber Freund, ist immer noch eher in meine Hände gekommen als die Nord. Allgem. mit ihrer Sonntagsfreude. Ich danke Dir von Herzen für die mir bewiesene warme Theilnahme und Liebe: die ganze Angelegenheit ist ja allmählich aus einer Schande eine Ehre geworden, und Niemand dürfte zufriedner sein als der gute Fritzsch. Wenn nun noch Rohde als philologischer Würgeengel sich des „Wilamowitzschen Wisches“ gegen „Fritz Nietzschens Fritzsch-Witz“ annimmt (— zur Übung im Sprechen anempfohlen! —) so werden wir heil und gesund, ja mit Blumen und Bändern geschmückt, den Kampfplatz verlassen. Heute ist gerade:

„Johannistag, Johannistag!

Blumen und Bänder, so viel man mag!

Mein lieber Freund, ich melde Dir hiermit feierlich, daß ich zur Aufführung des Tristan nach München kommen werde! Also sehen wir uns wieder, es ist herrlich! Nur daß ich gar nichts weiß, wann die Generalprobe, wann die erste Aufführung ist. Das musik. Wochenblatt sagt, am 28 werde der Tristan aufgeführt.

Ich will gleich an Bülow telegraphieren.

In Eile und Treue
immer der
Deine.
F N

232. An Hans von Bülow in München

Basel, Johannistag, 24 Juni 72.

Sehr verehrter Freund,

der Überbringer dieser Zeilen, den Ihnen vorzustellen ich mir hiermit erlaube, ist Herr Carl von Gersdorff, Ritter des eisernen Kreuzes, Verehrer des Tristan: er kommt zu dem gleichen Zwecke von Berlin nach München, der mich von Basel dorthin führen wird, sobald ich einen Wink von Ihnen erhalte, dass es Zeit ist.

Sei Ihnen hiermit mein Freund Gersdorff auf das Herzlichste anempfohlen!

Wir dürsten alle nach Tristan! — Haben Sie W<agner>s Brief an mich in der Sonntagsbeilage der Nordd. Allg. gelesen?

Seien Sie herzlich gegrüsst von
Ihrem
ergebensten Diener
Dr. Friedrich Nietzsche.

233. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel.> Am 24 Juni 1872

Johannistag! Johannistag!

Blumen und Bänder, so viel man mag!

Ja geliebter Meister, mit wahrem Wohlgefühle scheide ich von diesem Johannistage, der mir Ihren herrlichen und lange in mir fortklingenden Brief gebracht hat. Wie glänzend habe ich einen solchen Tag in meinem Leben zu verzeichnen, der mich an seinem Schlusse nur mahnt dankbar um mich zu blicken, mich nicht einsam zu wissen und mit frohem Gefühle das zu bewundern, was mir das günstigste Geschick zu erleben gab: das unverdiente reine Wohlwollen und die kräftig schirmende Liebe des mächtigsten Geistes.

Sie geben mir Zeit, meiner Aufgabe entgegen zu reifen; ja Sie reuten mit gütiger Hand selbst das zähere widerborstige Unkraut aus meinem Wege. Allem diesem gegenüber bin ich nichts als Zukunft — an diese zu glauben ist mir nur selten so rein erlaubt wie an diesem Tage, an dem Ihre Hoffnungen mir selbst eine solche Zukunft, wie wir sie wünschen, zu verbürgen scheinen.

Alles was Sie mir schreiben, wird hier von meinen Freunden auf das Höchste für wahr gehalten; ja ich glaube dass Basel vorbereiteter ist als manche Stadt gerade diese Ihre Worte zu verstehen, ja dass nicht Wenige sich an der öffentlichen Ehre, die mir erwiesen wird, mit erfreuen.

Vielleicht habe ich Ihnen noch nicht erzählt dass Dr. Romundt von Nizza hier eingetroffen ist, um sich hier als Privatdozent für Philosophie zu habilitiren; er hat eine Schrift fertig, des Titels: „Kant und Empedocles.“

Mir selbst ist es eigentlich leiblich schlecht gegangen; ich musste wieder zu Bett liegen und habe heute zum ersten Male das Gefühl der wirklichen Gesundheit. Es ist mir verdriesslich, wie leicht und wie oft ich gänzlich umgeworfen werde, aber ich hoffe von nun an immer gesünder zu sein, und mein Arzt glaubt das auch.

Ach verehrtester Meister ich bin heute so glücklich. Einer grossen Gefahr bin ich in meinem Leben entgangen, Ihnen niemals nahe zu treten und weder Tribschen noch Bayreuth geschaut zu haben. Seit ich die Festempfindung jener Grundsteinlegung mit mir herumtrage, fühle ich mich so beruhigt: das folgende Lebensloos ist gleichgültiger.

Ein eben von München eintreffendes Telegramm Bülows giebt mir nun auch noch die Hoffnung, in dieser Woche den Tristan zu hören! Es ist nicht möglich, einen reicheren und volleren Sommer zu erleben — und Alles durch Sie! Wie könnte ich Ihnen danken!

In treuer Liebe
Ihr
Friedrich Nietzsche.

234. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 25. Juni 1872>

Schnell, schnell, mein lieber Freund! Reise sofort ab! Am Freitag Abend erste Aufführung des Tristan, am Sonntag zweite Aufführung. Wir müssen das Werk 2 mal hören!

Ich reise Donnerstag Morgen ab, ich bitte Dich komme! Sonntag Nacht muß ich wieder zurück fahren. Bülow telegraphirte sehr erfreut über mein Kommen.

Dein getreuer, in schönster Hoffnung schwebender
Freund F. N.

Ich will Hôtel Marienbad wohnen: ich bitte Dich auch dahin zu kommen. Barerstr. 4 in der Nähe des Obelisk’s.

235. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 26 Juni 72.

Verehrtester Herr Geheimrath,

von Herzen danke ich Ihnen für die Übersendung des schönen und stattlichen Catalogs, vornehmlich auch, weil Sie gütig genug waren, mich auf der Adresse als „Ehrenmitglied d<er> L<eipziger> S<ocietät>“ zu bezeichnen, ein Ausdruck, der mich an dem Tag, an dem Ihre Sendung eintraf, zum Lachen brachte, weil ich glaubte vielmehr als „Schandemitglied“ angeredet werden zu müssen. Denn ich hatte mich eben in dem von Herrn Wilamowitz vorgehaltenen Spiegel beschaut und war mir der ganzen Scheußlichkeit meiner Physiognomie bewußt geworden.

Das geht nun seinen Lauf, und ich wüßte nicht, weshalb ich die Sache ernsthaft nehmen sollte — vorausgesetzt, daß Sie und die Wenigen Anderen, die mich kennen an mir noch nicht gerade verzweifeln. Den Berlinern habe ich aber jedenfalls einen Wuthschrei entlockt — das ist auch etwas. Denn nur so verstehe ich das Pamphlet: aus ihm redet weniger W. zu mir als andere „Höhergestellte“.

Nun werden Sie inzwischen in gleicher Weise wie ich durch Wagners offenen Brief an mich (Sonntagsbeil. der Norddeutsch. Allg) überrascht und wie ich hoffe erfreut worden sein. Da giebt es in Berlin einen zweiten Wuthschrei. Das thut mir ganz wohl — denn das dortige freche Gesindel hasse ich und halte es für schädlich und verderblich in allen Fasern unseres Lebens und unserer Bildung.

Nun kommt aber das Dritte und Stärkste. Die ganze Perfidie, Verdrehungslust und Beschimpfungsfrechheit jenes W. hat ja nur den festen Glauben zum Hintergrund, daß kein Philologe vom Fache für meine Ansichten eintreten werde: man dachte mich gänzlich isolirt. Nun schreibt mir Freund Rohde, daß er eine Schrift unter den Händen habe, rein philologischer Natur, in der Form eines Sendschreibens an R. Wagner. Darin wird der juvenile Bursche auf ehrliche philologische Manier und zum warnenden Exempel abgethan.

Nun habe ich eine Bitte an Sie, verehrtester Herr Geheimrath und vertraue dabei auf Ihre Liebe zu mir. Ich möchte gern daß die Rohdesche Schrift (c. 40 Seiten — wie gesagt unter dem Titel eines Sendschr. an R. W.) gerade bei Teubner erschiene und dadurch von vornherein auf den großen philologischen Markt gebracht würde. Das heißt — ich möchte nicht, daß wir wieder unsre Zuflucht zu einem Musikverleger (wie Fritzsch) nehmen müßten. Das große Aufsehn, das Rohde’s Schritt hervorrufen wird, mag Teubner’s den Muth zu diesem Verlage geben. — Wäre es Ihnen möglich, mich in diesem Wunsche etwas zu unterstützen? Eine gewisse Genugthuung vor den Leipzigern ist man mir ja schuldig; glauben Sie nicht auch, daß der von uns ausgehende Gegenschritt so stattlich und festlich wie möglich gethan werden müsse? —

Dies, wie gesagt, ist meine Bitte — sagen Sie mir Ja! oder Nein!, ich werde zufrieden sein. Denn ich gehöre in der ganzen Sache nicht zu den „Aufgeregten“.

Meine Schwester ist bei mir. Sie hat mir viel von Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin erzählt, viel und doch noch lange nicht genug; Sie glauben gar nicht, wie sehr ich mich darüber freute daß ich bei Ihnen und in Ihrem Hause noch ein so gutes und warmes Angedenken habe; denn wenn man solches „sonderbares Zeug“ macht wie ich, fürchtet man alle Gunst und Liebe der Befreundetsten verscherzt zu haben. Das ist aber eine falsche Furcht, das weiß ich: denn gerade in jenen Momenten bewährt sich jene treue Liebe, deren immer auf das dankbarste eingedenk ist

Ihr ergebenster Schüler
Friedrich Nietzsche.

236. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 7. Juli 1872> Sonntag.

Mein lieber Freund,

inzwischen habe ich einen Versuch gemacht, für Dein Sendschreiben die Teubnersche Officin zu gewinnen — durch Ritschl, dessen aufrichtiger Neigung ich, bei aller Spannung der Situation, sicher bin. Ich bin aber abgefallen und schicke Dir den Brief R.’s zu, als einen Beweis, wie principiell bereits alle unsre Schritte gedeutet werden. Obwohl ich in einem ziemlich geschützten Exil lebe, dringen doch von Zeit zu Zeit Stimmen der allerfrechsten philologischen Überhebung und Mißachtung an mich heran; von der Zunft bin ich, wie es scheint, zum Tode verurtheilt. Ob sie aber stark genug ist, wirklich zu tödten — das bezweifle ich.

Neulich wollten wir (Gersdorff und ich) Dir von München aus telegraphiren. Der „Tristan“! Aber wir dachten, daß der Ausdruck unserer begeisterten Freude vielleicht in einer sehr schmerzlichen Wendung zu Dir gelangen werde und unterließen es. Ach, mein lieber lieber Freund! Vom „Tristan“ ist nicht zu sprechen! — In der ersten Hälfte des August ist eine Wiederholung, sodann, zum Jubiläum der Universität, Lohengrin und — vielleicht noch Meistersinger.

Hast Du denn ein paar Abzüge Deiner herrlichen Anzeige erhalten? Sie ist sehr verbreitet worden — auch die „Bösen“ habe ich, aus Hohn, damit bedacht. Niemand weiß daß die Versendung von mir ausgeht; denn Gersdorff hat alles, von Tegernsee aus, besorgt. Haupt, Curtius, Zarncke etc. — alle φίλτατοι sind bedacht! Gott segne sie!

Freund Romundt ist, seit mehreren Wochen hier eingetroffen — als unser definitiver Privatdozent für Philosophie! Sehr freundliche Aufnahme ist ihm zu Theil geworden. Im nächsten Semester wird er über „Materialismus“ lesen und ein Repetitorium über Gesch. der Philos. einrichten. Man unterstützt ihn und er ist recht zufrieden. Seine Schrift „Kant und Empedocles“ erscheint hier bei Georg im Verlag.

In München berichtete mir Bülow von einer französ. Übersetzung meines Buches. Eine begeisterte Dame, die früher Schumanns Schriften ins Franz. übersetzt hat, Mad. Diodati (Villa Diodati bei Genf, Byrons Villa) ist in voller Thätigkeit.

Ich habe einen ganzen Kreis von Florentiner Freunden kennen gelernt.

Da ich einmal beim Briefeschicken bin, will ich, als Gegengift gegen Ritschl’s Brief, doch Wagner’s letzten Brief beilegen. Lies ihn! Es wird Einem seltsam dabei ums Herz.

Wie geht Dirs, liebster Freund? Bist Du gesund und mäßig vergnügt?

Ich bin immer so glücklich, wenn ich an Dich denke. Wir wollen recht ruhig sein und uns von den Wellen nicht gar zu heftig bespritzen lassen. Das, was wir wollen, ist gut — und geht es Dir nicht auch so? Mitten in diesem „Wollen“ darin, in der Conception und dem Ausbau unserer Welt, ist mirs als ob es, außer uns (im Sinne des Wagnerschen „Wir“) gar Niemanden gäbe. Die stumpfe philologische Rasselbande zieht dann an mir wie eine Schaar Bleisoldaten vorbei.

Lebewohl, mein guter lieber Freund. Ich möchte gerne wissen, was Du treibst und ob Du guter Dinge bist.

Sei herzlich gegrüßt von
Deinem
Friedr Nietzsche

Lieber Freund, jetzt nehmen wir Fritzsch. Nicht wahr? Aber glaube nur dies: es hat gar keine solche Eile mit dem bewußten Sendschreiben! Mach Dirs behaglich — aber behandle die Philologen nur im hohen, höchsten Stile!!

237. An Paul Deussen in Marburg

Basel, am Montag.<vermutlich 8. Juli 1872>

Nun, Du „bedeutend Erleichterter“! So komm doch! Bald! Auch ich habe, wenigstens vom nächsten Sonnabend ab, Ferien. Du sollst herzlich und gut empfangen sein und wirst Mancherlei von hier mit fort-tragen, was nie den Weg des Briefes gehn wird. So sehen wir uns also wieder, mein Freund! Nach 7 Jahren!

Dein Friedr N.

238. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, kurz vor dem 13. Juli 1872>

Mein lieber Freund,

es kommt mir eben ein Einfall. Ich bemerke nämlich daß kein Mensch den Brief Wagner’s gelesen hat: und ich wünsche bei Gott, daß er nicht umsonst geschrieben ist, sintemalen er schön und wahr ist.

Könnten wir W’s Brief und Dein Sendschreiben zusammen in einer Broschüre bei Fritzsch erscheinen lassen? Ich sollte denken, es müßte dem beiderseitigen Gelesenwerden zu Statten kommen. Titel beliebig: etwa: Zwei Briefe über die Geburt der Tragödie. Dann ein zweiter spezificirter Titel!

Scheint Dir der Vorschlag etwas für sich zu haben, so schreib mir recht, recht sehr schnell! Dann will ich sofort mit W. darüber verhandeln.

Mit Geschwindigkeit und Liebe
Dein F N.

239. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 16. Juli 1872>

Hier, mein lieber guter Freund, ist der Titel, die mit Jubel und Hohngeschrei begrüßte Erfindung meines Hausgenossen Prof. Overbeck.

*Die Afterphilologie
des Dr U. v. Wilamowitz-Möllendorf.
Sendschreiben
eines Philologen*

an

Richard Wagner.

Deinen Namen setzest Du dann erst unter den Brief dh. am Schluß (aber vollständig mit allen Ehren!) Im Schlußwort kannst Du mit Wohlgefallen Wilamowitz einigemale noch als „Afterphilologen“ anreden. Er gilt uns als Vertreter einer „falschen“ Philologie und der Erfolg Deiner Schrift soll sein, daß er auch den andern Philologen so erscheine. An Ritschl will ich noch recht ernst und eindringlich schreiben, daß er doch den unbegreiflichen Einfall aufgeben möge als hätten wir es auf einen Angriff auf die Altertumswissenschaft (oder die Geschichte! abgesehen. Ich hatte ihm nur geschrieben, daß Du in einfacher philolog. Manier den dreisten Burschen abthun wolltest. Nun hat ihn aber der Brief W<agner>s so erschreckt, daß er vor uns allen zusammen Angst bekommen hat. Dazu die Sorge für die „Teubnersche Philologie“! Ich empfehle Dir dies als Schlagwort innerhalb der Vier Wände.

In Betreff der Wil.-Behauptung über Aristarch und Titanen kann ich nichts auffinden, worauf er sich wohl beziehn möchte. Über das Vorhomerische der Titanenkämpfe hat am ausdrücklichsten Welcker geredet Mythologie I 262. Daß ich nur nicht immer wieder die weichliche Behauptung von der homerischen Welt als der jugendlichen, dem Frühling des Volkes usw. hörte! In dem Sinne, wie sie ausgesprochen ist, ist sie falsch. Daß ein ungeheures, wildes Ringen, aus finsterer Rohheit und Grausamkeit heraus, vorhergeht, daß Homer als Sieger am Schluß dieser langen trostlosen Periode steht, ist mir eine meiner sichersten Überzeugungen. Die Griechen sind viel älter als man denkt. Von Frühling mag man reden, wenn man vor den Frühling noch den Winter setzt: aber vom Himmel gefallen ist diese Welt der Reinheit und Schönheit nicht.

Meine Satyr-auffassung gilt mir als etwas sehr Wichtiges in diesem Umkreis von Untersuchungen: und ist etwas wesentlich Neues, nicht wahr? — Sehr anstößig ist daß ich die Satyrn, in ihrer ältesten Vorstellung, bocksbeinig genannt habe: es ist aber gar zu dumm, sich dagegen einfach nur auf Archäologie usw. zu berufen. Denn die Archaeologie kennt nur den veredelten Typus aus dem Satyrspiel: vorher liegt die Vorstellung von den Böcken als den Dienern des Dionysus und von den Bockssprüngen seiner Verehrer. Die Bocksbeine sind das eigentl. Charakteristische der ältesten Vorstellung: und ohne allen archäolog. Beweis möchte ich behaupten daß die οὐτιδανοί καὶ ἀμηχανόεργοι des Hesiod bocksbeinig waren, also capripedes wie Horaz sagt od. 2, 2. und andre Dichter (auch griechische). σάτυροι erkläre ich, wie auch τίτυροι als Reduplikationen der Wurzel τερ (wie Σίσυφος zu σοφός sich verhält.) τορός durchdringend hell, σάτυροι die „durchdringend schreienden“, als Beiwort der Böcke, wie μηκάδες der Ziegen. Ich denke, das ist eine famose Gleichung τορός zu τίτυρος = σοφός zu σίσυφος. Gefällt’s Dir, so führe es doch mit an. — Natürlich verwechsle ich Satyrn und Pane nicht, wie Wil. mir Schuld giebt. Ich sage p. 8: „Apollo der das Medusenhaupt keiner gefährlicheren Macht entgegenhalten konnte“; Wil. sagt dafür „schwingen“ 9 und 18 wo er mich sogar mit Anführungsstrichen falsch citirt. Ich begreife jetzt noch nicht, woran W. Anstoß nimmt: vorausgesetzt daß er weiß, was die Aegis ist. — Daß ich nur eine Scene fingire, wie etwa für den Apoll von Belvedere, ist ja doch klar. — Für Archilochus kommt bes. in Betracht Westphal Geschichte der alten und mittelalterl. Musik von p. 115 an: davon hat der Bursche gar keine Ahnung. — Zu adnot. p. 26 Natürlich heißt der Orakelvers Σοφοκλῆς σοφὸς, σοφότερος δ᾽Εὐριπίδης. — „Die ewig heitre Liebenswürdigkeit des Sophokles“ hat mir, als Gesammtprädikat, viel Spaß gemacht. — p. 29 die obersten Zeilen, steht ein himmlisches Beispiel für die gedankenlose Flachheit des lesenden Wil. Überhaupt ist die ganze Seite lustig. — p. 18 verdienen die skandalösen zotigen Witze in der Mitte der Seite eine Züchtigung: ich bitte Dich nachzuschlagen, was ich auf Seite 19 eigentlich gesagt habe. Auch das Motto ist scheußlich gemein. — Die Verwechslung der Elegie mit der Lyrik ist auch hübsch. Auch mag sich der αὐλητὴς Mimnermus über das freuen, was p. 17 steht. — Daß Aeschylus den Höhepunkt der antiken Musik bezeichne, nebst Simonides Pindar Phrynichos Pratinas, müssen wir doch einfach dem Aristoxenus glauben. (Wil. p. 21) Dessen Gesammtempfindung unterwerfe ich mich auch in Betreff der neueren Dithyrambiker. Über die „Stimulanzmusik“ redet ja Aristophanes deutlich: für das Mimetische weiß ich leider nichts mehr anzuführen. Ich „schmähe“ nicht. Für den Geist der neuen Nomen- und Dithyrambenmusik müssen wir uns den Euripides zu Nutze machen, dessen σκηνικὴ μουσικὴ jener Musik innerlich verwandt war: und dazu die Aristophanische Parodie. — Über die Stellung des Socrates zur tragischen Kunst ist eine höchst merkwürdige Stelle Arist. Ran. 1491 χαρίεν οὖν μὴ Σωκράτει | παρακαθήμενον λαλεῖν | ἀποβαλόντα μουσικὴν | τά τε μέγιστα παραλιπόντα τῆς τραγῳδικῆς τέχνης usw. — Du weißt daß ich bei den „Musen mit Dionysus in der Mitte“ an das bei Wagner in Tribschen hängende Aquarell Genelli’s gedacht habe. — Sage es doch noch einmal den Philologen, daß mein Sokrates Hand und Fuß hat: ich fühle so stark den Contrast meiner Schilderung im Gegensatz zu den anderen: die mir alle so todt und verwest vorkommen. — Die Moira als ewige Gerechtigkeit gehandhabt in den Händen Zeus’ ist die wesentlich aeschyleische Vorstellung. Die vorletzte Seite des Wil. ist recht gemein, durch Unterschiebungen usw. Die Beziehung des Aesch. zu den Mysterien deutet doch auch Aristophanes an. — Mein lieber Freund, verzweifle nicht und ärgere Dich nicht — Du hast eine greuliche Arbeit unter den Händen: und wenn ich mir denke, daß Du Dich dabei so heillos befindest, so schäme ich mich und bereue schmerzlich, überhaupt von Dir ein solches Opfer angenommen zu haben. Ich empfehle Dir etwas Hohngelächter und einige diabolische Freuden als Würze des Daseins. In einer ruhigen Zwischenpause sollst Du dann von mir mancherlei über den Tristan hören so wie über ein ungeheures, Bayreuth betreffendes Unternehmen, das ich in München gezeugt habe und das eine große Verantwortlichkeit in sich schließt. Ich bin Dir immer nahe, lieber Fr<eund>!

F. N.

An Fritzsch schreibe ich heute. Also 2 Bogen?

[auf dem Umschlag]

Schicke mir doch die Vorträge! Bitte!

240. An Hans von Bülow in München

Basel 20 Juli 1872.

Verehrter Herr,

wie gerne möchte ich Ihnen noch einmal aussprechen, mit welcher Bewunderung und Dankbarkeit ich Ihrer immer eingedenk bin. Sie haben mir den Zugang zu dem erhabensten Kunsteindruck meines Lebens erschlossen; und wenn ich außer Stande war Ihnen sofort nach den beiden Aufführungen zu danken, so rechnen Sie dies auf den Zustand gänzlicher Erschütterung, in dem der Mensch nicht spricht, nicht dankt, sondern sich verkriecht. Wir Alle sind aber mit dem tiefsten Gefühle persönlicher Verpflichtung von Ihnen und von München geschieden; und außer Stande Ihnen dies deutlicher und beredter auszudrücken gerieth ich auf den Einfall, Ihnen durch Übersendung einer Composition, in der freilich dürftigen, aber nothwendigen Form einer Widmung intra parietes, meinen Wunsch zu verrathen, Ihnen recht dankbar mich erweisen zu können. Ein so guter Wunsch! Und eine so zweifelhafte Musik! Lachen Sie mich aus, ich verdiene es.

Nun höre ich, aus den Zeitungen, daß Sie noch einmal, am 8 t. August, den Tristan aufführen werden. Wahrscheinlich bin ich wieder zugegen. Auch mein Freund Gersdorff will wieder zur rechten Zeit in München sein. — Von Hr von Senger wurde ich in diesen Tagen durch einen Brief erfreut. Haben Sie R W<agner>’s Sendschreiben über klassische Philologie gelesen? Meine Fachgenossen sind in einer angenehmen Erbitterung. Ein Berliner Pamphlet gegen meine Schrift — unter dem Titel „Zukunftsphilologie!“ — befleißigt sich, mich zu vernichten, und eine wie ich höre, bald erscheinende Gegenschrift des Prof. Rohde in Kiel hat wiederum die Absicht, den Pamphletisten zu vernichten. Ich selbst bin mit der Conception einer neuen, leider wieder „zukunftsphilologischen“ Schrift beschäftigt und wünsche jedem Pamphletisten eine ähnliche Beschäftigung. Mitten darin, möchte ich aber wieder die heilende Kraft des Tristan erfahren: dann kehre ich, erneuert und gereinigt, zu den Griechen zurück. Dadurch aber, daß Sie über dies Zaubermittel verfügen, sind Sie mein Arzt: und wenn Sie finden werden, daß Ihr Patient entsetzliche Musik macht, so wissen Sie das pythagoreische Kunstgeheimniß, ihn durch „gute“ Musik zu kuriren. Damit aber retten Sie ihn der Philologie: während er, ohne gute Musik, sich selbst überlassen, mitunter musikalisch zu stöhnen beginnt, wie die Kater auf den Dächern.

Bleiben Sie, verehrter Herr, von meiner Neigung und Ergebenheit überzeugt!

Friedrich Nietzsche.

241. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 20./21. Juli 1872>

Mein lieber Freund,

da hast Du mir wieder einmal schöne Dinge geschrieben, in der That! Deine Rückreisen werden immer bedeutungsvoller. An dieses letzte Erlebniß anknüpfend berichte ich zuerst, was ich heute aus Zeitungen erfahre, daß Bülow wahrscheinlich Generalintendant in München wird — wohingegen Hr v Perfall die Stelle eines Oberceremonienmeisters erhalten soll: Nachrichten glücklichster Natur, deren Kommentar Du Dir selbst geben wirst — falls sie nur wahr sind. Wir müssen also unsren Jubel noch etwas zurückhalten. Wären sie wahr — was von unsern Hoffnungen hienge nicht mit diesen Ereignissen zusammen!

Nun aber, lieber Freund! Vor allem erinnere ich Dich an Deine schöne freiwillige und mir damals wahrhaft erstaunliche Verheißung, daß Du im August wieder in München sein würdest. Vernimm nun: daß auch ich nicht wiederstehen kann!

Wir müssen wieder zusammen die Festwoche Lohengrin Holländer Tristan erleben und wollen diesmal, mit Weisheit uns auch den bildenden Künsten überlassen! Dies ist mein Plan.

Die Universität München feiert ja ihr Jubiläum; ich werde wohl, als einer der Vertreter von Basel, dabei erscheinen.

Ich bitte Dich recht von Herzen: Komm! Für die gütige Besorgung der beschwerlichen Versendung der Anzeigen herzlichen Dank, lieber Freund! Inzwischen reift Rohde’s Gegenschrift: ihr wahrscheinlicher Titel, den ich aber geheim zu halten bitte, ist

Die Afterphilologie des

Dr U<lrich> v. W<ilamowitz-> M<öllendorff>

Sendschreiben eines Philologen

an Richard Wagner.

Es sind 2 Bogen im Druck, bei Fritzsch.

Morgen will ich an Frl von Meysenbugk in Schwalbach schreiben. Meine Zeit verstreicht unter der Conception von schönen griechischen und zukunftsphilologischen Gedanken — das macht glücklich.

Empfiehl mich, ich bitte Dich, Deinen verehrten Angehörigen und verzeih, wenn ich heute kürzer bin. Um so länger will ich in München sein — ich denke wirklich mit Entzücken an das dritte Mal, den Tristan zu schlürfen! Es ist der gesündeste Trank, den ich kenne — ich kam so glücklich-heiter in Basel an, wie ein Bräutigam.

Auf Wiedersehn, theurer, lieber Freund!
F N.

Basel c. 20 Juli, es kann aber auch später sein. Ich bin aber so „unhistorisch“

242. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 24 Juli 1872.

Mein lieber Gustav, diesmal trenne ich mich wirklich recht schwer von Deiner Musik, wie von etwas, was mir täglich lieber und sympathischer wurde und das man endlich nur mit Widerwillen der Post zum Lange-Nichtwiedersehen-Hören anvertraut. Verliebt habe ich mich in Deine Musik: nur möchte ich mehr Musiker sein, um sie noch unbehinderter schlürfen zu können. Mindestens wünschte ich mir ein recht schönes 4 händiges Arrangement, von einem Meister des Klaviers und der jetzigen Technik gemacht. Deine Musik trieft um biblisch zu reden, vom Oele der Anmuth und Wehmuth; wie komme ich mir dann immer vor mit meinen plumpen Geschichten und täppischen fortissimi’s mit tremoli’s, wenn ich Deine Stimmenführungen sehe, wie schöngeschuppte graziöse Schlangen, und Deine Contrapunktik studire! Wirklich mein lieber Freund, aus Dir braucht nichts zu werden: denn Du bist was geworden: ein tüchtiger Musiker, während unser eins sich mit „Dionysisch“ und „Apollinisch“ lächerlich macht. Wie unvergleichlich ist, gegen jedes Theoretisiren gehalten, jedes wirkliche Produziren! Sei aber zufrieden, bei der innerlichen Art Deiner Musik, daß Du einen sogenannten Beruf hast, der gar nichts „Dionysisches“ in sich trägt: denn es ist schädlich, so musikalisch schwermuthsvoll auf dem Bauche zu liegen, wie ein Bär auf seiner Bärenhaut, „alle sechs Tagewerke im Busen fühlen“, wie Faust sagt — ich wenigstens habe wieder einmal für 6 Jahre das Musikmachen verschworen. „Der Ozean warf mich wieder einmal an’s Land“, im vorigen Winter, nämlich auf die Sandbank der Dir bekannten Compositionen. Damit soll’s aber genug sein. Ich gerathe, wie diese Compos. beweisen, in wahrhaft skandaleuser Weise in’s Phantastisch-Häßliche, ins Ungeziemend-Ausschweifende. Und ich erwartete von Deiner Seite, einigen Schimpf und Schmach davon zu tragen. Solltest Du aber für Manfred eine wirkliche Art von Neigung haben, wie Dein Brief gütig genug war zu versichern, so warne ich Dich ganz ernsthaft, lieber Freund, vor Dieser meiner schlechten Musik. Laß keinen falschen Tropfen in Deine Musikempfindung kommen, am wenigsten aus der barbarisirenden Sphäre meiner Musik. Ich bin ohne Illusionen — jetzt wenigstens.

Verlange nur von mir nichts Kritisches — ich habe keinen guten Geschmack und bin, in meinen musikal. Kenntnissen, recht heruntergekommen, kann auch wie Du gesehn hast, gar nicht mehr orthographisch schreiben. — Ich bin jetzt nur soviel Musiker, als zu meinem philosophischen Hausgebrauche eben nöthig ist.

Die Rohdesche Anzeige ist Dir und Wilhelm von Tegernsee aus durch Gersdorff geschickt worden. In Bälde erscheint eine Gegenschrift gegen das philologische Pamphlet; hast Du den Wilamo-Wisch (oder Wilam Ohne witz?) gelesen? Welch übermüthig-jüdisch angekränkeltes Bürschchen! Es bekommt aber Prügelchen! Ist nicht zu hindern!

Natürlich habe ich mit dieser Züchtigung nichts zu thun. Denn ich muß nur durch Eins das schimpfende unzufriedene Pack widerlegen, ärgern und erzürnen — durch den wohlgemuthen Weitermarsch auf der vor mir erschlossenen Bahn. d. h. ich bin wieder produktiv gestimmt wie die Kater im Lenz.

Im Herbst komme ich wahrscheinlich nach Naumburg.

Ich wünsche Dir von Herzen Glück zu Deinen juristischen Absichten: so chaotisch mir wird, wenn ich an Euren Gesetzeswust denke, so siegreich tauche aus diesem Strudel empor — laufe Deine Bahn, lieber Freund, „freudig wie ein Held zum Siege“ (Bayreuther Angedenkens!)

Lebwohl! Lebwohl! Da fällt mir ein, Dir noch nicht gesagt zu haben, daß der Tristan nothwendig von Dir gehört werden muß. Es ist ein grenzenlos großartiges Werk und verleiht dem Menschen das höchste Glück, die höchste Erhabenheit, die höchste Reinheit. Mündlich mehr. Dein

F. N.

243. An Malwida von Meysenbug in Bad Schwalbach

Basel 24 Juli 1872.

Gnädiges und verehrungswürdiges Fräulein,

in der nächsten Woche will ich wieder nach München reisen, zunächst als Vertreter der Universität bei dem Jubiläum; im Grunde aber benutze ich dies Jubiläum vor mir selbst als Vorwand, es treibt mich die herrliche Erinnerung an meinen letzten Münchener Aufenthalt; und wenn ich es, bei dieser Wiederholung, nur halb so gut erlebe, wie damals, so bin ich sehr glücklich. Gersdorff wird wahrscheinlich auch wieder kommen, den Tristan werden wir wahrscheinlich auch wieder hören — aber das Eine fürchte ich um so mehr: daß ich Sie, verehrtestes Fräulein, und mit Ihnen die heimisch-wohlthuende und erquickende Atmosphäre unseres damaligen Zusammenseins nicht wieder finden werde. Hier muß also die dankbare Erinnerung helfen; und ich verspreche Ihnen hiermit, daß sogleich das erste Glas, welches ich zusammen mit Gersdorff in München trinken werde, Ihnen und jener schönen Erinnerung geweiht sein soll.

Inzwischen habe ich durch die Zeitungen etwas aus München gehört, was — wenn es wahr sein sollte — für die Bayreuther Dinge ebensowohl als für uns Alle von aufregender Bedeutung ist: daß nämlich Hr von Bülow zum Generalintendanten ernannt, Perfall aber gestürzt sei dh. das inzwischen frei gewordne Amt eines Oberceremonienmeisters erlangt habe. Ich würde aus einer solchen Thatsache auf die günstigsten Möglichkeiten schließen: damit wäre vielleicht die Brücke zu mehrfachen Aussöhnungen — Verständigungen gefunden; und hoffentlich ist es dann auch möglich, die ausgezeichneten Münchener Künstler (ich meine besonders das Orchester) nicht länger in dieser peinlichen Entfernung von Bayreuth halten zu müssen. Auch für die persönlichen Dinge Hr v B.’s wäre damit eine Bahn geöffnet. Übrigens ist Gersdorff, auf seiner Rückreise von Bayreuth, eine größere Strecke zusammen mit den Masetti’s gefahren, in der lebhaftesten Unterhaltung: man hatte ihn an der Lektüre des Tristanbuches als Münchener Festgast erkannt: Gersdorff schreibt, er habe besonders Gelegenheit gehabt, kräftig für Frau W<agner> einzutreten und freue sich, gerade das gekonnt zu haben.

Der Plan — Sie wissen, gnädigstes Fräulein, welcher Plan — hat die Billigung von Frau W. gefunden und ist als „praktisch“ anerkannt worden — ein seltner Stolz für mich unpraktischen Gesellen. Leider ist jetzt alle Welt in aller Welt zerstreut: und so hat G. bis jetzt nur brieflich sich an Frau v. Schleinitz wenden können. Frau W. will Feustel für die geschäftliche Leitung des Unternehmen’s gewinnen. Der nächste Winter muß die Sache fertig machen: wenn Sie aber, verehrtes Fräulein, die eventuelle Zustimmung der Ihnen befreundeten Personen schon jetzt gewinnen könnten, so thun Sie es doch ja, ich bitte Sie recht sehr darum. Bei meinem nächsten Münchener Aufenthalte will ich versuchen, recht thätig zu sein. —

Nächstens erscheint eine Schrift meines Freundes Rohde, als „Sendschreiben eines Philologen an R. W.“, in der der Pamphletist gezüchtigt wird. Dagegen bin ich mit dem ersten Entwurfe einer neuen Schrift beschäftigt — der Zustand erster Conceptionen hat etwas Sehr-Beglückendes und Einsam-machendes; — trotzdem bin ich aber überzeugt, bei manchen Freunden meines früheren Buches einen tüchtigen Mißerfolg zu erleben. Denn es geht darin gar nicht „dionysisch“ zu, aber es ist sehr viel von Haß Streit und Neid die Rede, das gefällt nicht. Denn so sind die meisten Leser — sie construiren sich nach einem Buche den Autor, und wehe, wenn er in einem nächsten Buche ihrer Construktion nicht entspricht!

Nun schreibe ich Ihnen noch ein paar Gedichtchen ab, ungedruckte Gedichtchen von Goethe, als „Reisesegen“ der künstlerisch und menschlich sehr befähigten Gräfin E<gloffstein> zugesandt. Sie wurden mir in diesen Tagen von Frl. Kästner (der letzten noch lebenden Tochter Lotte’s) vorrecitirt, und ich citire sie wieder aus dem Gedächtniß — Ihnen, gnädigstes Fräulein, und Keinem Menschen weiter; denn die anderen Menschen lassen sie drucken.

Reisesegen.

Sey die Zierde des Geschlechts!

Blicke weder links noch rechts!

Schaue von den Gegenständen

In Dein Innerstes zurück!

Sicher traue Deinen Händen!

Eignes fördre — Freundesglück!

Reisesegen (bei einer Reise nach Dresden)

Ein guter Geist ist schon genug:

Du gehst zu hundert Geistern!

Vorüber wallt ein ganzer Zug

Von großen, größern Meistern.

Sie grüßen Alle Dich fortan

Als ihren Junggesellen;

Sie winken freundlich Dir heran

Zu ihnen Dich zu stellen.

Du stehst und schweigst am heilgen Ort

Und möchtest gern sie fragen. —

Am Ende ist’s ein einzig Wort,

Was sie Dir alle sagen.

Dies Wort ist „Wahrheit“. —

Damit nehme ich heute von Ihnen Abschied. Wenn Sie es mir gestatten wollten, so gebe ich Ihnen von Zeit zu Zeit von mir Nachricht, um bei jeder Gelegenheit Ihnen sagen zu können, wie sehr ich Sie, verehrungswürdiges Fräulein, liebe und wie dankbar ich immer an Sie denke.

Mich Ihnen und Fräulein Olga H<erzen> recht von Herzen anempfehlend grüße ich Sie als

Ihr ergebenster
Diener
Prof Dr Friedrich Nietzsche.

244. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 25. Juli 1872> Donnerstag.

Nun, mein Freund, des Fritzschii wegen sey unbesorgt! Er hat mir sofort eine günstige Antwort zurückgeschrieben und ersucht Dich baldigst ihm das Manuscript zu übersenden. Im Anfange des Herbst will er dann eine Anzeige „im ausgedehntesten Maaße“ von unsern beiden Schriften veranstalten. In Betreff der Ausstattung habe ich ihm nichts geschrieben; vertrauen wir hierin seiner splendiden Anständigkeit; ich würde auch an Deiner Stelle diesen Punkt ganz unerwähnt lassen. — Was denkst Du über den Titel?

Wie gefallen Dir, beiläufig gefragt, meine „gebildeten“ Vorträge? Ich habe sie, Dank Dir, wieder bekommen und gebe sie jetzt an Romundt. Den sechsten und siebenten Vortrag will ich Anfangs Winters hier halten und damit diese ganz populäre Vorstudie abschließen. Romundt der Dir herzliche Grüße sendet, druckt an seiner Schrift: ein hiesiger Verleger hat sie genommen, macht es uns aber nicht recht, weil er in Druck und Ausstattung ganz ruppig ist.

Ich habe einen Entwurf zur nächsten Schrift unter den Händen, genannt „Homers Wettkampf“. Du magst nur immer lachen über die Unermüdlichkeit meiner agonalen Betrachtungen; diesmal kommt etwas heraus. —

Was ich Dir das letzte Mal über die Wilamowitzelei schrieb, waren rechte Lumpereien und gar nichts Principielleres. Aber — Gott sei Dank, wenn Du fertig bist; dann fällt von mir eine wahre Last — nämlich Dich mit jenem Wilamo-Wisch beschäftigt zu wissen! Ach, liebster Freund! Es soll nicht wieder vorkommen. Ich begreife nicht, wie ich Dich in einer solchen Sache noch bestärken konnte — wenn ich nicht immer dabei an unsre seltsame Stellung zu W<agner> gedacht hätte. Als Sendschreiber an W. werden wir Beide eine eigne Rubrik bilden: darüber freue ich mich, mit Dir zusammen genannt zu werden. Und zu einer schicklichen Publicität wollen wir es diesmal schon bringen, sei es auch nur, um die Teubners Lügen zu strafen: diese nämlich wetten, im Briefe an Ritschl, zehn gegen eins daß nicht hundert Exemplare verkauft werden. Ich hätte Lust Ritschl zu schreiben daß ich die Wette aufnehme. Ich habe das Teubner-Pack ein für alle Mal verschworen, nachdem ich ihren perfid-kaufmännischen Brief gelesen habe.

Doch hatte mich die Sicherheit jener Behauptung von 10:1 doch so erschreckt, daß ich auch von Fritzsch ein Nein! erwartete.

Nächsten Dienstag reise ich, zum Jubiläum nach München. Beiläufig giebt es, innerhalb von 9 Tagen Lohengrin Holländer Tristan — Gersdorff kommt wahrscheinlich auch. — Habt ihr schon Ferien? Ich wage nicht mehr zu sagen.

Der heutige Morgen geht darauf, Goethe-Inedita zu lesen: ich bin, ad hoc, von der noch einzig übrig gebliebenen Tochter von Charl. Kästner, eingeladen und habe schon neulich zwei schöne Gedichtchen „Reisesegen an Gräfin E<gloffstein>“ zu hören bekommen.

Ich möchte Du hörtest den Tristan — es ist das Ungeheuerste Reinste und Unerwartetste, was ich kenne. Man schwimmt in Erhabenheit und Glück.

Höre ich bald etwas von Dir, lieber

treuer Freund? Lebwohl!
Dein F.

245. An Hugo von Senger in Diablerets

Basel 25 Juli 72.

Verehrter Freund,

von Herzen danke ich Ihnen; ich hoffe, wie Sie, daß unsere, unter dem Zeichen des Tristan, erfolgte Annäherung etwas von dem Charakter jenes Sternbildes an sich tragen möge: nämlich Ernst, Tiefe, Dauer und Glück!

Heute übersende ich Ihnen eine Anzeige meiner Schrift von Prof. Dr Rohde (an der Universität Kiel). Sie ist mir überraschend werthvoll, weil sie klingt wie eine freie und schöne Variation zu meinem Thema — und nicht wie eine Recension!

Ich lege ein zweites Exemplar bei und würde mich sehr geehrt fühlen, wenn Sie mit demselben an Mad. Diodati meine angelegentliche Empfehlung machen wollten.

Denken Sie daß ich nächsten Dienstag wieder nach München reise, zunächst um bei dem Jubiläum der Universität als einer der Vertreter von Basel zugegen zu sein — sodann um Lohengrin Holländer und Tristan zu hören. Sie wissen daß ich Tristan zwei Mal hörte — aber die beiden anderen Werke nie! Nie! Ist es glaublich! Und ich habe bis jetzt in Europa gelebt!

Haben Sie gute Nachrichten von Hr v Bülow? Die Zeitungen erzählen so Schönes und Hoffnungsvolles, daß ich, vorläufig, mich beschränke zu hoffen, aber nicht zu glauben!

Ich grüße Sie von Herzen. Vielleicht daß ich bald einmal wieder etwas von Ihnen höre? Oder daß ich Sie sehe? — Zuletzt sind wir Beide in der Schweiz; ist es nöthig, erst nach München zu gehen, um sich im Café Maximilian zu begegnen?

Ihr freundschaftlich
ergebener
Dr. Friedrich Nietzsche
P. o. p.

246. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, 25. Juli 1872>

Geliebter Meister

nächste Woche gehe ich wieder nach München; ich gebrauche vor mir selbst den Vorwand, es geschehe, um bei dem Jubiläum der Universität unser Basel mit zwei anderen Collegen zu vertreten. Im Grunde bin ich mir völlig klar, dass ich den Tristan zum dritten Male haben will: dazu kommt dass ich nie eine Aufführung des fliegenden Holländer, nie den Lohengrin erlebt habe — nie den Lohengrin! Deshalb maskire ich mich mit der Miene eines Universitäts-Vertreters und reise — obwohl ich genug Gründe hätte nicht zu reisen. Es ist fast zum Lachen — aber ich glaube, Gersdorff wird auch wieder da sein! Vielleicht sogar Rohde! Auch schleppe ich von hier aus meinen Freund Romundt, unseren Privatdocenten der Philosophie, mit. Er ist zwar unmusikalisch, als ursprünglicher Friese, nach dem Satze „Frisia non cantat“, aber ich lasse die Entschuldigung nicht mehr gelten. Am Ende weiss Keiner genau, wo bei ihm die Musik sitzt. Also er muss mit! Und so wird es wieder ein Freundes-Zauberkreis — Sie aber, geliebter Meister, sind „mitten unter uns“, wie es in der Bibel heisst.

Das „Sendschreiben eines Philologen“ ist, wie ich aus Rohdes Briefen höre, bald fertig, und Fritzsch wird es verlegen. Es ist wirklich unglaublich, wie weit der Begriff des „Musikverlags“ geht. Dass aber jenes Sendschreiben doch in diesem Verlage gut aufgehoben ist, glaube ich, nachdem die eigentlich philologische Generalfirma Teubner in Leipzig in wirklich unverschämter Weise den Verlag jener Schrift von sich abgewiesen hat. Sie wettet nämlich Zehn gegen Eins, dass nicht hundert Exemplare davon verkauft werden. Nun! Geschäftserfahrung gegen meinen guten Glauben an die „Menschheit“! Ich wette hundert gegen eins, dass wir mehr als dreihundert Exemplare absetzen. (So dass wenigstens Fritzsch keinen Verlust, und einen kleinen Vortheil hat!) Ich schätze die Bekanntschaft eines so anständigen und braven Verlegers, wie Fritzsch sich gezeigt hat in dem Grade, dass mir der Gedanke höchst peinlich wäre, ihm zu einem schlechten Geschäft gerathen zu haben.

In diesen Tagen schickte er mir den fünften Band Ihrer ges. Schriften, von dem mir drei Viertel ganz neu war! In einem ganz besonderen Verhältnisse befand ich mich zu dem „Brief an M<arie> W<ittgenstein> über Liszts symphon. Dichtungen“, besonders wenn ich mich der Bemerkung Ihrer Frau Gemahlin erinnerte, dass sie die Vollendung dessen, was ihr Vater unter symph. D. verstanden habe, in dem „Tribschener Idyll“ (seligen Angedenkens!) erkenne.

Ich glaube, ich werde es bald einmal zu büssen haben, dass ich mich mit solchen Terminis wie „das Apollinische“ und das „Dionysische“ bekannt gemacht und eingeführt habe: denn unwillkürlich scheint nun der ehrsame Leser (wohlverstanden der geneigte, der sozusagen begeisterte Leser!) zu verlangen, dass ich nun in der gleichen Tonart fortfahre. Das merke ich schon jetzt, wo ich mit den Vorstudien und ersten Linien von „Homers Wettkampf“ gut beschäftigt bin: darin ist freilich vom „Dionysischen“ auch nicht eine Spur! In Folge dessen grosses Missbehagen der „Freunde“, die mich nur metaphysisch zu kennen scheinen.

Im Anfange des nächsten Winters halte ich noch meinen Baselern den sechsten und siebenten Vortrag „über die Zukunft der Bildungsanstalten“. Ich will wenigstens fertig werden, selbst in der herabgestimmten und niederen Form, in der ich bis jetzt jenes Thema behandelt habe. Für die höhere Behandlung muss ich eben „reifer“ werden und mich selbst zu bilden suchen — ach, eine so gute Absicht! Aber was kann ich, so allein erreichen! Irgendwann muss ich nach Bayreuth flüchten, zu Ihrer Nähe, als der wahren „Bildungsanstalt“. Leben Sie bis dahin wohl, geliebter Meister!

Ihr treuer
Friedrich Nietzsche.

247. An Malwida von Meysenbug in Bad Schwalbach

<Basel, 2. August 1872>

Empfangen Sie, gnädigstes Fräulein, herzlichen Dank und Gruß als Antwort auf einen so liebevollen Brief. Vor allem aber möchte ich selbst etwas von Ihren Rückreise-projekten profitiren; wenn Sie also die Schweiz nicht umgehen können, so dürfte ich fast hoffen, auch selber nicht umgangen zu werden? Es wäre in der That herrlich, wenn wir uns noch einmal zusammenfinden könnten; ich habe jetzt den Besuch meiner Schwester und wäre mit ihr gerne bereit, wenigstens für ein paar Tage mich von hier loszumachen. Meine Herbstferien freilich fangen erst am 20 September an; dagegen steht noch die nächste Woche zu meiner Verfügung. Ich bin übrigens doch nicht nach München gereist: mein Entschluß wurde wankend, als mir Gersdorff schrieb, daß er nicht kommen könne. Er ist leider durch ein Ohrübel recht geplagt und selbst verhindert, in seine Heimat zu reisen. Es ist so unerträglich, als Einzelner einer ernsten und tiefen Kunst gegenüber zu stehen — kurz ich blieb lieber in Basel.

Hier war es, bis gestern, grenzenlos heiß und, für einen Gelehrten, eigentlich unmöglich. Heute wiederum würde eine höher gelegene Gegend der Schweiz uns in Nebel und Frost hüllen. Für den Fall aber daß das Wetter wieder schön wird, und Sie Ihre Abreise beschließen, geben Sie mir doch ja einige Aufträge. Ich werde so vergnügt und glücklich sein, verehrtestes Fräulein, für Sie etwas thun zu können.

Kennen Sie die Frohburg, einen von hier aus sehr gern besuchten und geschätzten Luftkurort inmitten des Jura? Die Frohburg liegt in der Nähe von Ölten (Knotenpunkt der schweizerischen Eisenbahnen), bequem zugänglich, mäßig hoch, mit schöner Alpenaussicht und reich an Spaziergängen, rings von der Phantastik der Juraformation umgeben. Sie hat Telegraphenverbindung.

Das ist mein Vorschlag, der aber sofort ins Nichts verschwindet, wenn Sie bereits etwas Sich ausgedacht haben. Nur bitte ich Sie, mir zu sagen, was Sie beschlossen haben: damit ich wenigstens Sie an der Eisenbahn in Basel empfangen kann.

Ich möchte ja nichts versäumen und bin deshalb heute kurz und eilig. Grüßen Sie Fräulein Olga recht von mir und sagen Sie ihr, daß ich die Memoiren ihres Vaters lese.

Bleiben Sie, gnädigstes Fräulein, überzeugt von der Verehrung und Liebe

Ihres ergebensten
Dieners
Friedrich Nietzsche.

248. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 2. August 1872>

Mein lieber, armer Freund, wie geht es denn jetzt? Das ist ja eine ganz abscheuliche Geschichte: denke nur daran, was wir noch alles hören müssen in unserem Leben (mehr als andere Menschen) Also ich bitte Dich herzlich, befleißige Dich Deiner Genesung — „ach eine recht dumme Bitte“, wirst Du sagen.

Im Übrigen bin ich nicht in München. Ich will nicht leugnen, daß ich fast augenblicklich die Lust verlor, als ich von Dir die Schmerzenskunde vernahm. So ist’s besser. Entweder zusammen — oder gar nicht.

Eben habe ich zum zweiten Male an Frl. von Meysenbug geschrieben (Schwalbach, Hôtel Stadt Mainz) Sie kommt wahrscheinlich in nächster Zeit nach der Schweiz und wir wollen in irgend einem schönen höheren Punkte uns begegnen. Es ist ein so liebevolles und ausgezeichnetes Wesen — wie heimisch waren wir doch bei ihr in München! Übrigens empfehle ich Dir dringend zu lesen „Aus den Memoiren eines Russen“ von Alexander Herzen. Höchst lehrreich und schrecklich!

Deussen war hier, ein paar Tage. Ach, das ist ein eignes Kapitel. Er hat mich eigentlich bis zur Erschöpfung gequält — das Resultat ist, wie er mir heute schreibt — die volle Emancipation. Ich bin ernsthaft besorgt — sage es Niemanden — besorgt für seinen Verstand. Ein gänzlich unbefriedigter Ehrgeiz verzehrt ihn.

Die Rohdesche Schrift ist fertig und, so viel ich weiß, bereits bei Fritzsch.

Ich selbst arbeite meine Bildungsvorträge um.

Die Proklamation habe ich noch nicht gemacht. Bis jetzt fehlen mir alle Gedanken dafür — Gott weiß, wo sie stecken. Aber ich kann mich nicht zwingen. Dazu war es grenzenlos heiß in Basel.

Von Frl. Kestner (der Tochter Lotte’s) habe ich Goethesche Briefe (originaliter) geschenkt bekommen.

Romundt läßt seine philosophische Schrift hier drucken. Wir bilden einen angenehmen Kreis, der treffliche Overbeck als dritter — Brockhaus übrigens geht im Herbst nach Kiel, verläßt unseren Kopf also.

Ich esse jetzt, seit Anwesenheit meiner Schwester, mit ihr in den drei Königen.

Nun, mein lieber Freund, mag es Dir recht gut und immer besser gehn! Im Herbst komme ich nach Norddeutschland. Sehen wir uns? Ich denke doch? Zuletzt müßten wir wirklich noch Rundreisebillets im Interesse unsrer Freundschaft haben.

Verzage nicht: ich kenne auch das Quälende der Ohrleiden und weiß auch wie gefährlich sie sind. Ich bin nicht eher ruhig bis ich von Deiner totalen Genesung höre.

Dein getreuer
Friedrich N.

249. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 2. August 1872>

Also fertig bist Du, mein liebster Freund? Dann vermuthe ich Dein Manuscript auch schon in den Händen des braven Fritzschii. Mit ihm ist alles aufs Beste abgemacht: von der Ausstattung und dem Honorario habe ich kein Wörtchen gesagt, ich denke wir vertrauen ihm und sagen gar nichts darüber.

Der Titel und sein Problem ist herzhaft hin und her erwogen worden, und alle, Overbeck, Romundt und ich, bleiben bei seiner völligen Unverfänglichkeit. Wir haben doch die so populäre Bildung Afterkunst usw. Wenn der zotiacus Wilamowitz noch eine aristophan. Interpretation, aus Schuldbewußtsein, herausspüren sollte, was gehen uns seine Würmer an? Doch bitte ich Dich, um Allem vorzubeugen, vielleicht schon auf der ersten Seite eine kurze Definition und Umschreibung des Wortes Afterphilologie zu geben; damit beruhigen wir die scabreusen Gewissen.

Nach München bin ich nicht gereist — Gersdorff konnte nicht kommen, er leidet sehr an einem Ohrübel. Allein mich unter dem Pack herumzudrehen, unter lauter leichtflüssiger Schmelzbutterbegeisterung — ist nicht recht schicklich — kurz — ich blieb hier und freue mich dessen.

Ich bin im Begriff die Bildungsvorträge umzuarbeiten. Sage mir doch ein Wörtchen darüber — denn Du mußt wissen daß ich gar kein Unheil über sie habe und mich gern belehren lasse.

Über meine letzte Composition, die ich in Bayreuth Euch vorspielte, habe ich mich endlich wahrhaft belehren lassen; der Brief Bülows ist für mich unschätzbar in seiner Ehrlichkeit, lies ihn, lache mich aus und glaube mir daß ich vor mir selbst in einen solchen Schrecken gerathen bin, um seitdem kein Klavier anrühren zu können.

Frl. von Meysenbug wird wahrscheinlich in nächster Zeit in die Schweiz kommen, und wir wollen etwas zusammen leben, an irgend einem hübschen Winkel. Es ist so ein mütterlich-liebevolles Wesen. Wir waren in München fast fortwährend mit ihr zusammen. Ich empfehle Dir zu lesen „Aus den Memoiren eines Russen“ von Alexander Herzen (dem Vater von Frl. Olga H.)

Deussen ist hier, ein paar Tage, gewesen. Sonderbar unangenehme Nachwirkung hinter sich lassend.

Brockhaus ist vom Herbst an Dein Collega in Kiel. Ein durch und durch ehrenwerther Mensch und sehr zu achten. — Von Freiburg weiß ich nichts, gar nichts. Wie würde ich die Combination Deiner Versetzung dorthin preisen! Aber ich kann gar nichts thun — Brambach wird wohl im Finstern schleichen. Ich habe Deinen Namen meinen Freiburger Bekannten oft und stark ins Gedächtniß gerufen. Aber — schicke doch Deine Wilamowitzschrift an Prof. Schönberg und Prof. Mendelsohn — ich bitte Dich.

Und nun, alter lieber Freund! Ich gratulire Dir zu den Ferien und wünsche nicht hinzufügen zu müssen, daß unsere zweite Hälfte des Sommersemesters noch bevorsteht.

Romundt grüßt Dich von Herzen. Ich habe ein paar Goethesche Briefe geschenkt bekommen, von dem 86jähr. Frl. Kestner (Lottens Tochter)

Ich lebe hier mit meiner Schwester guter Dinge und wünsche daß es Dir noch besser geht.

Dein getreuer
Fr. N.

250. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 12 Aug. 72.

Verehrter Herr Geheimerath,

hier schicke ich Ihnen die Fortsetzung meiner Abhandlung über das Certamen. Freilich möchte dieselbe c. 35 Druckseiten für sich in Anspruch nehmen; deshalb weiß ich nicht, ob ich auf einen baldigen Abdruck im Rhein. Mus. hoffen darf. Denn voraussichtlich ist der Platz für die nächsten Hefte schon vergeben.

Deshalb habe ich an folgende Möglichkeit gedacht. Wahrscheinlich geben Sie bald einmal wieder einen fasciculus der Acta heraus: für denselben würde Ihnen meine Abhandlung zu Diensten sein, falls Sie sie brauchen können. Nur möchte ich, in diesem Falle, um Eins bitten. Im Rh. M. Bd. 25 ist bereits ein kleiner Anfang der Abhandlung (c. 12 Seiten) abgedruckt, an den nun mein heute eingeschicktes Manuscript sich anschließt. Ich möchte nun sehr wünschen, daß, im besagten Falle, die ganze Abhandlung (dh. 12 + 35 Seiten) in den Acta zusammen erschiene. Dann ist Text und Abhandlung Eigenthum der Acta.

Falls Sie, verehrter Herr Geheimrath, weder so, noch so meinem etwas länglichen Aufsatz zum baldigen Druck verhelfen können, so bitte ich um eine gefällige Rücksendung. In Form eines Programm’s etc. werde ich ihn jedenfalls noch einmal los.

Für Ihre Bemühung bei Teubners sage ich Ihnen meinen herzlichen Dank. Es thut mir leid, daß nichts daraus geworden ist; doch wird nun Rohde’s Aufsatz bald genug erscheinen, und Sie sollen nun sehen, ob es auf einen „Kampf gegen die Philologie“ oder gegen die „Geschichte“ abgesehn ist: ich begreife nicht, woher die Teubner’s solche sonderbare Befürchtungen haben. Im Gegentheil: ich, als Philologe, wehre mich meiner Haut: mich will man nicht als Philologen gelten lassen; und deshalb vertritt Rohde mich, den Philologen. —

Im Herbst komme ich vielleicht wieder nach Leipzig: dort hoffe ich Sie und Ihre verehrungswürdige Frau Gemahlin begrüßen zu können. — Wissen Sie daß Romundt sich hier in Basel für Philosophie habilitiert? Wenn ich nun noch meinen Freund Rohde etwas mehr in der Nähe hätte, so wäre ich, nach der Seite der Freundschaft hin, in Basel wohl gebettet.

Mit den wärmsten Wünschen
für Sie, verehrter Lehrer
Ihr ergebenster
Friedr Nietzsche.

251. An Oscar Oehler und Auguste Forst in Wiesbaden (Visitenkarte)

<Basel, kurz vor dem 22. August 1872>

Ich wünsche das verehrliche hochzeitliche Paar meiner herzlichen und warmen Theilnahme zu versichern; leider kann ich dies gerade jetzt unmöglich mündlich thun. Wir werden den Festtag auch in der Ferne feiern.

Von Herzen grüsst als Neffe und Freund
Dr. Friedrich Nietzsche
ordentl. Professor an der
Universität
Basel.

252. An Erwin Rohde in Hersbruck

<Basel, 26. August 1872>

Warum, liebster Freund, höre ich seit bereits drei Wochen, nichts mehr von Dir? Ist Dir mein letzter Brief (mit der Bülowschen Einlage) nicht zugegangen? Oder hat die Post einen Frevel auf dem Gewissen? Oder bist Du gar, was der Dämon verhüte, krank? Am liebsten nehme ich an, daß Du Dich bequem am Seestrande gelagert hast und etwas den Gebrauch der Feder verlernt hast? Sollte aber die Schwinge Dir wieder wachsen, so benutze sie, ich bitte Dich, um zu mir zu fliegen i. e. metaphorice — ohne Metapher: schreib mir doch einmal, mein lieber Getreuer!

Hier ist inzwischen Romundt’s Schrift im Druck fertig geworden, unter dem Titel „das Wesen der Dinge und die menschliche Erkenntniß“: wobei mir einfiel, das langweilige „Ding an sich“ wieder mit einem neuen Namen zu benamsen, nämlich so „das Derdiedas“: äußerst abstrakte Artikelbenutzung zur Bezeichnung des rein-inhaltlich-Unbestimmbaren!

Romundt’s Habilitation führt mich auf Freiburg, wohin wir Alle Dich gewünscht haben — das wäre eine herrliche Dreieinigkeit geworden! Aber Brambächlein hat im Stillen gerauscht und geraschelt, ohne daß Jemand etwas ahnte. Nun hat Biedermann Horaz-Keller die Stelle.

Ich habe übrigens endlich an’s rheinische Museum die Fortsetzung meines Artikels über’s „Certamen“ eingeschickt: worauf mir Ritschl eine verdammt-gutmüthige Postkarte zuschickte, die ich Deiner Bewunderung anempfehle. Mit was für dummem Mißverstehen-wollen hat man zu kämpfen! Übrigens ist’s mir recht, wenn es ihm wohlgeht und er sich bei dem Glauben beruhigt, daß ich wieder in’s „alte vertraute sympathische Fahrwasser eingelenkt“ bin; er will mir aufrichtig wohl und ich bin ihm ebenso aufrichtig dankbar. Aber freilich! „Nur eingelenkt, nur eingelenkt!“ ruft er jetzt mir zu: und ich antworte: „man darf nicht sagen, was man denkt!“ Denn es ist doch haarsträubend daß er meint, weil ich einen Aufsatz über das Certamen schicke, habe ich aufgehört „Tragödiengeburtsphilolog“ zu sein!

Wie steht es denn mit Deinem Fritzschianum? Von Bayreuth aus werde ich angelegentlich darnach gefragt, und ich selbst habe herzlichen Appetit darnach. Bist Du mit dem braven F. zufrieden? Wir wollen uns doch bemühen, diese gute Firma etwas für uns festzuhalten. Sobald Du etwas Größeres zu drucken hast, so denke doch an ihn; denn ich habe alle die Teubner, Engelmänner usw. verschworen. In mir drängen sich jetzt die Entwürfe etwas durcheinander: doch fühle ich mich immer auf einer Bahn — es giebt keine Verwirrung, und wenn man mir nur Zeit läßt bringe ich’s an’s Tageslicht. Besonders fruchtbar ist meine Sommerbeschäftigung mit den vorplatonischen Philosophen geworden.

Im jubilirenden München bin ich nicht gewesen, das habe ich Dir wohl geschrieben. Wie steht es nun mit dem Herbst? Ich bin noch nicht ganz entschieden, ob ich nach Norddeutschland komme.

Es ist so wohlgemuthes Spätsommerwetter, daß man recht glücklich sein müßte, wenn man zusammen wäre! Ich habe immer nur einen Wunsch, nicht hastig zu werden — und solche Witterung predigt diese Lehre anschaulich, blau und goldgefärbt.

Ich preise Basel, weil es mir erlaubt ruhig, wie auf einem Landgütchen, zu existieren. Dagegen ist mir schon der Klang eines Berliner Organs verhaßt, wie die Dampfmaschine. Kürzlich besuchte uns hier so ein Berliner deus ex machina, der Redakteur der Spenerschen, Wehrenpfennig — ich hatte Honigseim im Bauche, als er wieder abreiste.

Nun, lieber guter treuer alter Kamerad, sei gesund und — ein bischen selig, nämlich schreibselig, im Hinblick auf Deinen schweizerisch-vereinsamten, in der Tonne lebenden

Διογενὴς Λαερτιάδης.

253. An Malwida von Meysenbug in Heidelberg

<Basel, 27. August 1872>Schützengraben 45.

Gnädigstes Fräulein, also mit Sonnabend ist alles in Ordnung: es kommt ein Zeilchen von Ihnen imperativisch bei mir an, und ich fliege auf den Bahnhof. Vielleicht darf ich auch im Verlaufe des Nachmittags ein paar Wege für Sie machen. Geben Sie mir doch, ich bitte Sie, einmal irgend eine Gelegenheit, etwas nützlich zu sein, nützlich im allernächsten und realsten Sinne!

Meine Schwester darf ich Ihnen doch aufzeigen? Sie bittet mich wenigstens sehr darum und möchte auch Fräulein Olga kennen lernen. Das Buch des Herrn Gabr. Monod ist mir übrigens gerade in diesen Tagen zu Gesicht gekommen; auch habe ich mehrfach darüber sprechen hören. Ich werde mich herzlich freuen, einen so unparteiisch gesinnten Mann persönlich zu sehen, der noch überdies den Vorzug hat, als Verlobter von Frl. Herzen auf das Schönste empfohlen zu sein.

Dass Sie die Übersetzerin von Herzen’s Memoiren sind, war mir ganz neu; ich bedaure Ihnen nicht schon, bevor ich dies wusste, meine Empfindung über den Werth dieser Übersetzung ausgedrückt zu haben. Ich war erstaunt über die Geschicklichkeit und Kraft des Ausdrucks und, geneigt bei Herzen jedes auszeichnende Talent vorauszusetzen hatte ich stillschweigend angenommen, er habe seine Memoiren selbst aus dem Russischen ins Deutsche übertragen. Meine Freunde sind von mir auf dies Werk aufmerksam gemacht; ich habe aus ihm gelernt, über eine Menge negativer Tendenzen viel sympathischer zu denken als ich bisjetzt vermochte: und selbst negativ sollte ich sie nicht nennen. Denn eine so edel-feurige und ausharrende Seele hätte sich nicht allein vom Verneinen und Hassen ernähren können.

Über Manches Andere hoffe ich jetzt mit Ihnen baldigst sprechen zu können: deshalb gestatte ich mir heute kurz zu schließen und mich Ihrer gütigen Theilnahme wiederholt anzuempfehlen.

Ihr treuergebener
Friedr Nietzsche.

254. An Hugo von Senger in Genf

Basel am 23 Sept. 1872.

Mein verehrter Freund,

welche Überraschungen haben Sie Sich ausgedacht! Wahrhaft typische Überraschungen! Das Nie-Erwartete so plötzlich heranbringend, dass ich selbst noch zweifelte, als ich den ausgezeichneten und für mich höchst nützlichen Atlas, sammt Ihren liebevollen Begleit-Zeilen, in den Händen hielt! Um Ihnen aber zu zeigen, dass ich recht von Herzen den Sinn Ihres Geschenkes erfasse, erzähle ich Ihnen etwas.

Denken Sie, dass mir in den letzten Jahren die Hoffnung auf eine griechische Reise mehrmals verlockend nahe getreten ist. Noch in diesem Frühjahr wurde ich von einem Professor der Universität Freiburg im Breisgau recht dringend zu einer solchen Fahrt in das Land der Sehnsucht eingeladen. Der Einladende war der Sohn von Felix Mendelsohn-Bartholdi. Ich will Ihnen nun erklären, dass dasselbe Buch, das mir Ihre Neigung erworben hat, mich damals zwang, ein solches Anerbieten auszuschlagen. Denn seit jenem Buche ist es mir unmöglich geworden, das, was wir unser Hellas nennen, und Mendelsohnsche Antigone-Erinnerungen neben einander zu ertragen: während ich gerade darin den tiefen Sinn Ihres Geschenkes verstehe, dass jetzt jenes Hellas unser Hellas geworden ist, zu dem uns in unserer Musik ein wahrhaft göttlicher Führer gegeben wurde. Nehmen Sie also, mein verehrter Freund, Dank und Glückwunsch dafür, dass Sie einen so schönen Gedanken gedacht und ausgedrückt haben, der mir mehr als alles Bürge dafür ist, wie tief und wie von innen heraus Sie an meinen Bestrebungen Antheil nehmen.

Was Sie mir von der rüstig fortschreitenden Übersetzung sagen, hat für mich etwas Rührendes. Mir zu denken, dass ein mit so zweifelhaften Hoffnungen ausgestreutes Wort in der Ferne Wurzel fasst und durch die Liebe ausgezeichneter Menschen gehegt und zur Blüthe gebracht wird — das ist für mich so neu und so beglückend! Sagen Sie dies auch Frau Diodati und geben Sie mir Nachricht, ob ich durch irgend etwas der verehrten Frau meine Ergebenheit und Dienstbarkeit auszudrücken vermag.

Seien Sie überzeugt von der herzlichen Liebe

Ihres
Friedrich Nietzsche

255. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel Freitag Mitte des Tags.<27. September 1872>

Meine liebe gute Mutter,

nun ja! er kommt, nämlich der Unterzeichnete! Aber das Lama nicht mitbringend, welches nach Wiesbaden reist, aber wahrscheinlich nicht auf den Westerwald, als wo es grua - grua gruselich kalt ist.

Sonntag Abend ist er bei Dir, nämlich: derselbe Unterzeichnete, insofern er Sonnabend Abend in Basel abreist

Alles Andre einem gefälligen und anmuthigen Zusammensein aufbewahrend und mit dem Zuruf:

„für’s schlotternde Gebein

heiz’ nur den Ofen ein!“

Dein alter Sohn!

256. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden (Telegramm)

<Baden in der Schweiz, 28. September 1872>

Innigsten Gruss zuvor. Heute reinste Herbstschoenheit Nun fort ins Erhabene — Dein Bruder

257. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Splügen, 1. Oktober 1872>

Meine liebe gute Mutter,

diesmal wirst Du lachen: denn es kommt ein langer Brief, mit Reisebeschreibung und allen möglichen Vergnüglichkeiten. Halb widerwillig entschloß ich mich nach Italien abzureisen; es lag mir schwer auf dem Gewissen, bereits an Dich einen Zusagebrief fortgeschickt zu haben. Aber wer widersteht dem launenhafter Weise plötzlich umgekehrten schönsten reinsten Herbst- und Fußreisewetter! Oder um noch mehr die Wahrheit zu sagen: ich empfand den brennendsten Drang, einmal mit meinen Gedanken eine kurze Zeit ganz allein zu sein. Wie mir das über Erwarten gelungen ist, kannst Du vielleicht schon aus der obenauf gedruckten Hôtel-Adresse errathen.

Die gute Lisbeth mag Dir erzählen, wie sonderbar die Abreise von Basel ausfiel: ich hatte diesmal die halbe Minute zuviel, die Du an jenem Sonntag zu wenig hattest, kurz ich kam, Dank dieser halben Minute gerade noch mit. Ich fuhr zuerst mit einem Baseler Ehepaar, das ich nicht kannte, aber zu kennen scheinen mußte — bekannte Situation, doch nicht ohne Gefahren. Von Baden (Schweiz) telegraphirte ich an Lisbeth: da es keinen Aufenthalt gab, so übernahm ein aussteigender Herr (Hr. Haller aus Bern) mit großer Gefälligkeit die Besorgung der Depesche. In Zürich fast angelangt, entdeckte ich als Wagongenossen einen mir gut bekannten und noch besser empfohlenen Musiker Goetz (Schüler v Bülows), der mir von seiner durch Kirchners Weggang bedeutend vermehrten Musikthätigkeit in Zürich erzählt: am meisten aber war er durch die nahe Aussicht erregt, daß seine Oper im Theater zu Hannover angenommen und zum ersten Male aufgeführt werde. Von Zürich an wurde mir im Wagon allmählich, trotz guter und bescheidener Gesellschaft, so frostig und angegriffen, daß ich den Muth verlor, bis Chur durch zu fahren. Mit Mühe dh. unter Kopfschmerzen erreichte ich Weesen am Wallenstädter See, in dunkler Nacht. Ich finde den Wagen des Hôtel „Schwert“ und fahre mit ihm: so kam ich in ein hübsch behagliches, doch ganz leeres Gasthaus. Unter Kopfschmerzen stand ich am andern Morgen auf. Mein Fenster führte auf den Wallensee, den Du Dir ähnlich wie den Vierwaldstätter See vorstellen magst, doch in größerer Simplicität und ohne dessen Erhabenheit. Dann fahre ich nach Chur, leider mit immer wachsendem Unbehagen, das mich fast theilnahmlos an Ragaz usw vorübergleiten ließ: ich war glücklich in Chur aussteigen zu können, refüsirte die Anfrage der Postbeamten, ob ich mit fahren wolle — was doch der Plan war — und lege mich, im Hôtel Lukmanier einkehrend, geschwind zu Bett. Es war Morgens 10 Uhr. Bis 2 habe ich wohl geschlafen, fühlte mich besser und aß etwas. Ein tüchtiger und kenntnißreicher Kellner empfiehlt mir den Spaziergang nach Pasugg: das mir bereits durch ein Bild der Illust. Zeitung im Gedächtniß war. In Stadt Chur ist Sonntagsruhe und Nachmittagsstimmung. Ich steige ganz bequem die Landstraße empor: alles liegt, wie am Tag vorher in goldiger Herbstverklärung vor mir. Herrliche Rückblicke, fortwährend wechselnde und sich erweiternde Umblicke. Nach einer halben Stunde ein kleiner Seitenpfad, der mich in schönen Schatten bringt — denn es war bis dahin ziemlich warm. Hier kam ich nun in die Schlucht durch die die Rabiusa braust: ich kann sie nicht genug preisen. Auf Brücken und schmalen am Felsgehäng sich hinziehenden Wegen dringe ich, eine halbe Stunde etwa, vor und finde nun, durch eine Flagge angezeigt, das Bad Pasugg. Zunächst enttäuschte es mich: denn ich erwartete ein Pensionshaus und fand nur eine mäßige Wirthschaft, doch mit Sonntagsgästen aus Chur angefüllt, mit bequem schmausenden und vielen Kaffee schlürfenden Familien. Zuerst trinke ich an der Salz-Soda Quelle drei Gläser: dann erlaubt es bald mein veränderter Kopf, auch noch eine Flasche weißen Asti spumante — Du erinnerst Dich? — nebst weichstem Ziegenkäse hinzuzufügen. Ein Mann mit chinesischen Augen, der an meinem Tische sitzt, bekommt auch vom Asti zu trinken; er dankt und trinkt mit geschmeichelten Empfindungen. Dann händigt mir die Wirthin eine ganze Masse Analysen der Wasser usw ein; zum Schluß führt mich der Besitzer des Bades Sprecher, ein exaltirter Mensch, auf seinem ganzen Besitzthum herum, dessen unglaublich phantastische Lage ich anerkennen muß. Ich trinke nochmals und in guten Quantitäten von den 3 ganz verschiedenen Quellen: der Besitzer verheißt noch neue Hauptquellen und bietet mir, mein Interesse gewahrend, Genossenschaft zur Gründung eines Hôtels usw an — Hohn! Das Thal ist äußerst reizvoll, für einen Geologen von unergründlicher Manigfaltigkeit ja Launenhaftigkeit. Es zeigten sich Graffitadern, aber auch Quarz mit Ocker und der Besitzer phantasirte gar von Goldlagern. Man sieht die verschiedensten Steingänge und Steinarten gebogen, abgelenkt, zerknickt, wie etwa am Axenstein im Vierwaldstättersee, nur viel kleiner und wilder. — Spat, gen Sonnenuntergang, gehe ich zurück, mit rechter Freude an diesem Nachmittag — obwohl ich öfters an den Naumburger Empfang oder Nichtempfang denken mußte. Ein kleines Kind mit blassen Haaren sucht sich Haselnüsse und ist drollig. Endlich holt mich ein altes Paar ein, Vater und Tochter, mich anredend und somit auch Gegenrede empfangend. Er, ein hochbejahrter Graukopf, Tischlermeister, war vor 52 Jahren auch in Naumburg, auf seiner Wanderschaft und erinnerte sich eines sehr heißen Tages. Sein Sohn ist Missionair in Indien, seit 1858 und wird für nächstes Jahr in Chur erwartet, um seinen Vater noch einmal zu sehen. Die Tochter war mehreremal in Ägypten gewesen und sprach von Basel als einer unangenehm schwülen und heißen Stadt. Ich begleitete die guten Humpelleute noch etwas. Dann esse ich in meinem Hôtel, wo ich bereits einige Gefährten für die morgende Splügentour vorfinde: leider darunter einen Juden. Montags um 4 stand ich auf, nach 5 ging die Post. Vorher mußten wir in einem übelriechenden Wartezimmer sitzen, unter Graubündner und Tessiner Bauern: überhaupt ist um diese frühe Stunde der Mensch ein widerwärtiges Geschöpf. Die Abfahrt erlöste mich: denn ich hatte mich mit dem Conducteur verständigt, daß ich seinen Sitz, hoch auf dem Wagen einnehmen konnte. Da war ich allein: es wurde die schönste Postfahrt, die ich je erlebt habe. Ich schreibe nichts von den ungeheuren Großartigkeiten der Via mala: mir ist es als ob ich die Schweiz noch gar nicht gekannt habe. Das ist meine Natur, und als wir in die Nähe des Splügen kamen, überkam mich der Wunsch, hier zu bleiben. Ich fand ein gutes Hôtel, und ein rührend einfaches Zimmerchen. Doch läuft ein Balkon an ihm vorbei, mit schönster Aussicht. Diese<s> hochalpine Thal (c. 5000 F.) ist ganz meine Lust: da sind reine starke Lüfte, Hügel und Felsblöcke von allen Formen, rings herum gestellt mächtige Schneeberge: aber am meisten gefallen mir die herrlichen Chausseen, in denen ich stundenweit gehe, theils nach dem Bernhardino zu, theils auf die Paßhöhe des Splügen, ohne daß ich auf den Weg Acht zu geben habe: so oft ich aber mich umsehe, ist gewiß etwas Großartiges und Ungeahntes zu sehen. Morgen wird es wohl schneien: worauf ich mich von Herzen freue. Ich esse Mittags, wenn die Posten kommen, zusammen mit den Fremden. Ich brauche gar nicht zu sprechen, kein Mensch kennt mich, ich bin völlig einsam und könnte hier wochenlang sitzen und spazierengehen. Auf meinem Zimmerchen arbeite ich mit frischer Kraft dh. ich notire und sammle einzelne Einfälle zu meinem jetzigen Hauptthema „Zukunft der Bildungsanstalten“.

Du glaubst gar nicht, wie sehr es mir gefällt. Die Schweiz hat, seit dem ich diesen Ort kenne einen ganz neuen Reiz für mich; jetzt weiß ich doch einen Winkel, wo ich, mich kräftigend und in frischer Thätigkeit, aber ohne jede Gesellschaft leben kann. Die Menschen sind Einem hier wie Schattenbilder.

Nun habe ich Dir alles geschildert, die nächsten Tage verlaufen nun wie der erste. Es fehlt Gott sei Dank! die verfluchte Abwechslung und Zerstreuung. Hier bin ich und außerdem noch Feder Tinte und Papier — wir grüßen Dich allesammt von Herzen.

Dein getreuer Sohn
Friedrich Nietzsche.

Bitte, erzähle Lisbeth von mir: sie wird sich freuen. Grüsse meine Naumburger Freunde recht schön.

258. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Splügen, 5. Oktober 1872>

Mein lieber Freund, ich bitte Dich mir zu verzeihen, daß ich so lange geschwiegen habe: das Sommerhalbjahr ist für mich erst seit vorigem Sonnabend zu Ende, bis dahin aber war ich gleichmäßig für Choephoren und vorplatonische Philosophen Tag für Tag in Thätigkeit, hatte aber außerdem noch den Besuch von Mutter und Schwester, so daß augenblicklich ich alle nur möglichen Briefschulden habe. Hierher, an die Paßgrenze der Schweiz und Italiens habe ich mich zurückgezogen und bin über meine Wahl, bis auf Tinte und Feder (wie Du merkst), sehr zufrieden, sehr glücklich! Wunderbare reiche Einsamkeit, mit den herrlichsten Straßen, auf denen ich stundenlang gehen kann, in meine Gedanken versunken, ohne in einen Abgrund zu fallen: so bald ich aber um mich sehe, ist etwas Neues und Großes zu sehen. Die Menschen kommen nur mit den Posten hier durch, ich esse mit ihnen zu Tisch — meine ganze Berührung mit ihnen! — sie sind wie die Platonischen Schatten vor meiner Höhle.

Wenn Du diesen Brief herausconjicierst, so bist Du ein ordentlicher Philologe.

Wenn ich dann einmal weiter reise, so werde ich Brescia in’s Auge fassen, um auch dort wieder auszuruhen dh. wahrhaft zu reisen, wahrhaft zur Erholung zu reisen! Dort will ich die Bilder eines großen Venetianers studiren, des Moretto, und nur diese: so werde ich mir nicht den Magen, die Augen und die Ferien verderben.

Leider also werden wir uns in diesem Herbst nicht sehen; mein Plan für Norddeutschland war schon im Geiste fertig gedacht, und Du kamst recht ausdrücklich in diesem Plane vor — da verführte mich das herrlichste Wanderwetter zum Wandern.

Übrigens hatte ich mir vorgenommen, bei dieser norddeutschen Reise, auf ein-zwei Tage selbst Berlin zu berühren. Ich wollte nämlich das Atelier Deiner künstlerischen Freunde einmal mit Augen sehen. Besonders begierig bin ich, einmal etwas von dem Goethedenkmal durch Dich zu hören. Ich las eine sehr feindselige Beurtheilung von einem Dr Meyer (in dem Lützow’schen Kunstblatt), aber doch in einem Tone geschrieben, der der ungeheuchelte Ausdruck der Bewunderung ist, der Bewunderung einer großen Begabung. Da wurde eine Nebenfigur, ein bärtiger Mann, als Repräsentant der Tragödie auf’s Höchste hervorgehoben — wäre es Dir nicht möglich, liebster Freund, meinem Wunsche nach Anschauung gerade dieser Figur irgendwie zu Hülfe zu kommen, durch Zeichnung oder Photographie?

Nun habe ich Dir noch von ein paar herrlichen Tagen zu berichten, in denen Deiner so oft, auch mit Gläserklingen gedacht wurde. Ja, wir vermißten Dich unter uns — Frl von Meysenbug, Olga Herzen und ihr Bräutigam Dr Monod aus Paris. Welch ausgezeichnet gute und nicht genug zu schätzende Menschen! Auch Hr. Monod, den Du noch nicht kennst, paßt außerordentlich gut in diesen Kreis, er ist Historiker, in Deutschland gebildet und, obschon echter Franzose, von dem edelsten Wunsche beseelt, nicht gegen das deutsche Wesen die Unparteilichkeit zu verlieren. Kennst Du von ihm die vielgelesene Schrift Français et Allemands, Schilderung seiner Kriegserlebnisse? Bei dieser Gelegenheit empfehle ich Dir die 8 Artikel über die Franzosen in der Augsburger Allgem. nachzulesen, welche sie in den letzten zwei Monaten aus der Feder des Prof. Hillebrand in Florenz hatte, höchst merkwürdige Artikel, die zu schreiben wenig Deutsche befähigt gewesen wären.

Endlich — weißt Du daß es von der guten Frl von Meysenbug eine Selbstbiographie giebt? Sie überraschte mich damit — denn ich wußte nichts davon — indem sie mir eines Tages ein in Basel erschienenes Buch Mémoires d’une Idéaliste schenkte. Sehr lehrreich und rührend! Lies es ja!

Meine französische Übersetzerin bei Genf arbeitet tüchtig: und Hr von Senger übersandte mir seitdem herzliche und tief empfundene Zeichen seiner Neigung. Neulich erschien in prachtvoller Ausstattung der neue große Kiepertsche Atlas von Hellas von 1872, als Geschenk. — Romundt hat eine Schrift drucken lassen: sobald ich nach Basel zurück komme, schicke ich Dir ein sehr schönes Exemplar davon, mit der Bitte, es in meinem Namen Frau von Schleinitz zu überreichen.

Inzwischen, alter lieber Freund, denke an mich wie ich immer mit herzlicher Liebe mich Deiner erinnere. Lebe wohl!

Dein Friedr Nietzsche

Bitte schreibe aber nur nach Basel.

259. An Gustav Krug in Naumburg

<Chiavenna, 5. Oktober 1872>

Mein lieber Freund

auf merkwürdige Weise nach Chiavenna verschleudert und gerade noch eine Poststunde angenehm durch Briefschreiben ausfüllen wollend, gedenke ich Deiner, mit der Empfindung, etwas Schwer-verzeihliches noch auf dem Herzen zu haben. Ist es glaublich dass zu Hause, auf meinem Piano, zum Absenden bereit, nie abgesandt Deine schöne Quartett Musik ruht! Nein es ist nicht glaublich! —

Doch jetzt muß ich erst, auf Anrathen des Kellners, Suppe essen

Neugestärkt, erkläre ich noch einmal, dass es nicht glaublich ist. Aber es ist wahr!

Ich muss mich nochmals stärken. —

Nun dachte ich, harmloser Weise, im October, Dich zu sehen, Dich zu hören und im gemeinsamen Genüsse Deiner Musik mich zu reinigen — Da aber wurde ich nach Chiavenna verschlagen, wo ich nun schwermüthig überdenke, was zu Haus Deine Compositum auf meinem verstimmten Pianino liegend macht? Ob sie weich liegt? Ich zweifle. Ob sie sich selbst spielt? Nicht aufzuwerfende Frage. Aber das ahne ich dass Du Dich nach ihr sehnst und mich verwünschest.

Ach, jetzt ahne ich auch die Quelle alles jenes sonderbaren Wetterunfugs, der, mich begleitend, von Station zu Station die Tristanfrage in mir lebendig macht:

„Warum mir diese Pein!“

Jetzt weiss ich es. Der ewige Südwind ist ein verkappter Norddeutscher, über den Nordpol weggeschickt und so von unten herum kommend, eine Art von Föhn, erzeugt in Naumburg, foenum Numburgense, species extraordinaria.

Diese Nacht fahre ich an dem Comersee entlang. Ob Mondschein im Calender steht? Morgen früh bin ich, zu mehrtägigem Aufenthalt, in Bergamo. Ein Paar Tage weiter, in Brescia — dann geht die Melodie, in Form eines Kanons, rückwärts, Bergamo Lekko Chiavenna Splügen Chur Zürich Basel.

Zwei edle italiänische Städte, mit herrlichen venetianischen Schildereien und deshalb von mir ausgewählt, Bergamo und Brescia, Brescia und Bergamo!

Inzwischen wird bei Genf mit rührender Wuth meine „Tragödiengeburt“ ins Französische übersetzt. Meine Übersetzerin, Gräfin Diodati, hat früher einmal die Schriften Schumann’s in’s Französische übertragen und damit sich hinreichend für eine so schwierige Arbeit vorbereitet. Auch die italiänische Übersetzung wird in Florenz vorbereitet.

An den Übersetzungen hoffe ich die geehrten Sprachen selbst zu lernen. Denn mit meinem Italiänisch steht es böse.

Mit meinem letzten italiänischen Seufzer schliesse ich

Addio amico!
Federigo.

260. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, 15. Oktober 1872>

Verehrter und geliebter Meister,

es ist heute für mich der erste Tag eines neuen Lebensjahres; da verstehen Sie gewiss meine herzliche Sehnsucht, ein paar Worte an Sie zu entsenden und damit den neuen Zeitraum zu beginnen. Ich weiss es, Sie werden für mich auch im neuen Jahre bleiben, was Sie im alten für mich waren — der feste Anker, der mich hält und der es verhindert, dass ich in die schlimme Strömung der Zeit gerathe: das Symbol des tapfersten ausharrenden Muthes. Wenn ich an Sie denke, so empfinde ich immer den stärksten Antrieb zum Besser-Reifer-Ruhigerwerden; ich weiss nicht, woher ich diesen Antrieb nehmen sollte, wenn ich Sie nicht hätte. Denn alles Andere mahnt zur Hast und zum raschen Erfolg. Nun aber habe ich es auf das Bestimmteste erfahren, dass alles, was mich dazu drängt und treibt, mich von mir selbst abführt, mich beklemmt und verwirrt, und dass ich unzufrieden, unproductiv und wenig nütze bin, so lange noch so ein moderner Stachelstab über mir schwebt. Dagegen werde ich glücklich und heiter gestimmt, wenn ich mir vorstelle, durch irgend welche Production einmal Ihren Beifall zu gewinnen — bei solchem Gedanken kommt mir aber dann immer das zuletzt Gemachte sehr zweifelhaft und embryonisch vor, und ich sage mir wieder „Lass dir nur Zeit und gerathe nicht in Unruhe“. Mit anderen Worten, geliebter Meister: Sie müssen noch recht warten, ehe ich etwas Leidliches zu Stande bringe und Ihnen eine Freude machen kann. Inzwischen bleibt es leider dabei, dass ich, als Werdender, Ihnen wie Sie sagen „nur Sorgen“ und nichts als Sorgen mache.

Doch geht es mir jetzt gut; vom Hochgebirge aus habe ich Ihrer verehrtesten Frau Gemahlin geschrieben, wie wohl und gesund ich dort mich fühlte. Die Einsamkeit ist für mich etwas sehr Erträgliches, ja Beglückendes, in einem früheren Jahrhundert wäre ich so etwas Einsiedlerhaftes geworden. Hier in Basel bin ich augenblicklich wieder recht allein; meine Schwester hat mich seit 14 Tagen verlassen, meine guten Kameraden sind alle noch verreist. Nur das Pädagogium zwingt mich so bald wieder am Ort zu sein. Ich fand, zurückkehrend, den sechsten Band Ihrer Schriften vor und gerieth so zufällig auf die wundervolle Schlussstrophe der Brünnhilde, die mir ganz neu war; sofort habe ich sie Rohde zugeschickt, damit auch er sich erbaue an dem „wunsch- und wahnlos heiligstem Wahlland“ und an „Trauernder Liebe tiefstes Leiden schloss die Augen mir auf: enden sah ich die Welt“. Es schmerzt mich recht, sie nicht componirt zu wissen, so sehr ich auch begreife, weshalb sie innerhalb der musikalisch-mythischen Tragödie nicht componirt werden musste. Es wäre so ein Vers für das Sanctuarium der allerprivatesten Hausandacht: für die ich übrigens auch den herrlichen Männerchor aus dem letzten Stück des Tannhäuser (vor „Heilige Elisabeth, bitte für mich!“) verwende, den ich ganz neuerdings erst entdeckt habe. Dann habe ich mit nicht endendem Entzücken den letzten Act des Siegfried wieder und wieder vorgenommen. Habe ich Ihnen schon erzählt, dass ich die Stelle wiedergefunden habe, die Sie damals componirten, als ich 1869 im Mai meinen ersten Besuch bei Ihnen in Tribschen machte? Es war ein schwüler brütender und üppiger Maien-Pfingstsonnabend; alles wuchs rings und duftete. Ich wagte lange nicht ins Haus zu gehen, sondern wartete etwas versteckt unter den Bäumen, gerade vor den Fenstern, aus denen mit größter Eindringlichkeit oft wiederholte Accordfolgen ertönten. Ich will schwören, es sei die Stelle gewesen

„Verwundet hat mich, der mich erweckt!“

die Klänge sind mit Erz mir ins Gedächtniss geschrieben, und lange spielte und sang ich sie mir vor, bevor ich den Siegfried in die Hände bekam; sie schienen mir so viel zu sagen.

Rohdes Sendschreiben an Sie soll nun endlich fertig gedruckt sein: ich weiss noch gar nichts davon, wir werden überrascht sein. Die französische Übersetzung meines Buches durch Gräfin Diodati ist tüchtig, bis über die Hälfte, fortgeschritten, wie man mir schreibt. Nun, meinen Lohn habe ich dahin, denn die Nationalzeitung soll mich neulich einmal als den einzigen aus dem „Tross Ihrer litterarischen Lakaien“ bezeichnet haben, der einen akademischen Lehrstuhl inne hat. Mit diesem neuen harmlosen Titel versehen nehme ich heute, geliebter Meister, von Ihnen Abschied. Wann sehe ich Sie wieder? —

Ihr treuer und
herzlicher Zuneigung Ihr Nietzsche.

261. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 16 Oct. 72.

Endlich, endlich, guter Freund, kommt Deine Musik zu Dir zurück, von „günstigen Winden“ heimgetragen. Zunächst bitte ich Dich bei aller Noth ja einen gewissen 4ten und letzten Satz nicht zu vergessen: auch die beschwerlichste Zeit hat ihre Interims. Ich wünsche Dir zur Erholung recht bald einmal ein kurzes Interregnum der Königin Ars. Heute noch habe ich Dein Quartett durchgespielt und durchgelesen — nur mit einem Wunsche: Du mögest mir, wenn der bewußte 4te Satz zu Deiner Zufriedenheit fertig ist, erlauben, mich nach einem Verleger für Dein Werk umzuthun. Willst Du? —

Dein Geburtstagsbrief ist von mir mit Erinnerung an unser vorjähriges Zusammensein gelesen worden, ich danke Dir von Herzen. Siehst Du, lieber Freund, eins erlebst Du nicht wieder — daß ich nämlich wieder componire; im vorigen Herbst hat Dein Vorbild zum letzten Male bei mir ein musikalisches Schmiede-Hammer-Funken-Sprühen hervorgebracht; — nun ist es vorbei!

Durch diese Erinnerung wird mir unsre vorige Herbst Zusammenkunft immer merkwürdig bleiben; meine Musik, gleichsam ein Opfer auf dem Altar unserer Jugendträume, hat es leider nur bis zur Darstellung der „Neujahrsnacht eines Unglücklichen“ gebracht. Das ist nun vorbei. Es war auch hohe Zeit, eine so wild gewachsene Ranke abzuschneiden.

Nun kommt es mir so vor, als wiederspiegele mir Dein Quartett mein damaliges Sinnen und Trachten, Leid und Lust der ganzen jugendlich schwermüthigen Seele — und das macht mir Deine Musik so vertraut und ergreifend. So waren wir: sind wir’s noch? Ich höre unsre Vergangenheit, ein ertönendes Tagebuch — geht’s Dir auch so?

Nochmals, mein lieber Gustav; ich danke Dir sehr für Deine so lang bei mir beherbergte Composition. Bin ich nie mehr im Stande Dir von mir aus etwas Ähnliches zu schicken, so halte Dich zunächst an mein Buch; vielleicht hast Du beim Lesen desselben hier und da eine ähnliche Empfindung wie ich bei Deiner guten Musik.

Leb wohl und bleib mir treu!
Dein F.

262. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel 16 Oct 72.

Meine liebe gute Mutter,

nun ist der Geburtstag vorbei, das neue Jahr begonnen — sehen wir zu, daß wir es rechtschaffen beschließen. Ich danke Dir von Herzen für alles Gute, das Du mir gewünscht und das Du mir geschenkt hast. Die Wohlthat der warmbequemen Strümpfe genieße ich in diesem Augenblick, eine Wohlthat für „das schlotternde Gebein“. Der Naumburger Wein und der Baseler vereinige<n> sich gut in demselben Magen: dasselbe hoffe ich von dem Thee. Mein Theeservice nimmt sich jetzt bereits ganz stattlich aus; Lisbeth hat mich mit einer tüchtig-brauchbaren und bereits gebrauchten Theemaschine beschenkt — nun, man rüstet sich auf den Winter, der diesmal schneller kommt. Mit Mühe dh. um einige Stunden bin ich auf meiner Reise dem Eingeschneitwerden entgangen. Dein erster Brief, rührend durch die Schilderung der Erwartung, und tragisch durch das katastrophenartige Erscheinen des Briefträgers, traf mich bereits in Basel — oder vielmehr — er wanderte auf den eingeschneiten Splügen und von da wieder zurück nach Basel, wo ich bereits am Freitag voriger Woche eintraf. Mein Geburtstag hat mir Briefe aus Bayreuth gebracht; dann von Romundt, dann von Gustav Krug, dann von Gersdorff, der um Januar nach Italien geht und nächsten Sommer in Basel zubringen wird (um Chemie und „Cultur“ wie er schreibt, zu studiren) Endlich von unserer Lisbeth, die von Dreifelden aus, sehr zufrieden und ausführlich, noch Ausführlicheres versprechend, sich vernehmen läßt. Von Rohde wird heute noch die Schrift gegen Wilamowitz eintreffen; ich bin recht gespannt darauf — Rohde’s wegen, denn mich persönlich interessirt diese Polemik wenig. Aber die Aufgabe war für Rohde schwierig und reizvoll: nämlich in einem Sendschreiben an Wagner, das jedenfalls einen hohen und großen Ton verlangt, ein so nichtsnutziges Bürschchen mit abzuthun. Er wird es schon recht gemacht haben: und jedenfalls besser als wenn ich’s selbst gemacht hätte.

Überallher gute Nachricht — damit fieng das Jahr an.

Hier bin ich noch ganz allein. Denn Overbeck ist in Dresden. Romundt bei Bremen. Von dem Geschenk, das mir ein Verehrer meines Buches in Genf gemacht hat, habe ich Dir wohl erzählt. Auch daß meine französische Übersetzerin Gräfin Diodati über die Hälfte fertig ist. Nun wünsche ich mir nur für diesen Winter gute und zufriedenstellende Arbeit. — Mit unseren Studenten hapert’s diesmal.

Mit herzlichem Gruß und Dank
Dein alter Sohn
der vielleicht doch Weihnachten kommt.

263. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 18. Oktober 1872>

Meine liebe Lisbeth,

nun Du weißt, was Bergluft ist — man ist darin heiter und voller Menschenliebe, öfters aber sogar großartig und verwegen gestimmt.

Was ich eigentlich Dir damit sagen will, habe ich bereits wieder vergessen — vielleicht nur, daß ich nicht in Bergluft schreibe, aber daß Du das Ebenen-erzeugniß mit Bergluft-Empfindung empfangen und verklären magst. Sela.

Dein Geburtstagsgeschenk empfieng mich am 11ten Oktober Abends bei meiner Rückkehr aus den Bergen und hat sich seitdem schon hinreichend legitimiert — als ein ehrsames Gefäß ohne Neigung umzufallen und mich zu verbrühen! Dem Himmel und Dir sei Dank dafür! Insgleichen für Deinen Geburtstagsbrief — es kam diesmal alles wie getröpfelt, langsam — aber schwere Tropfen, eine Art Honigregen. Auch Dein Brief gehörte zu den dicken Tropfen. Einer wird immer noch erwartet, meine Zunge ist bereit (wie die des Lällenkönigs) ihn zu empfangen — Rohde’s Schrift, die fertig, aber noch nicht in meinen Händen ist. Dagegen habe ich die Correkturbogen des Rheinischen Museums. — Wie schön hattest Du sämmtliche 25 Bände desselben geordnet und überhaupt — es stand ziemlich viel beieinander, was zusammen gehörte, kurz, es war ziemlich schön! Lob und Preis!

Meine Reise war, im allerweltsmännlichen Sinne, sehr verunglückt, in meinem männlichen Sinne unvergleichlich geglückt. Zu erzählen ist nichts — Höhenluft! Hochalpenluft! Centralhochalpenluft! — Ein Versuch nach Italien zu reisen mißlang — ekelhafte weichliche Luft, keine Beleuchtungen! Ich kam bis Bergamo (Mitte bis Venedig), und reiste von dort spornstreichs, Hals über Kopf, zurück nach dem Splügen. Denke Dir, von drei Tagen zwei, sammt ihren Nächten, verreist, den einen hin, den dritten zurück nach dem Splügen, das ist doch energisch, kurzgefaßt — und theuer! Am letzten Tage der Gesammtreise habe ich einen himmlischen Herbsttag (den einzig guten der ganzen Zeit) in Ragaz zugebracht.

Vorgestern hatte ich den Besuch — Deussens. Es gieng vorüber, doch gab es gestern und heute Kopfweh. Ich war übrigens sehr vergnügt, er auch, sein „Glück“ ist gemacht, er hat jetzt die Stelle bei der Russin — freie üppige Station und jährlich außerdem 5000 frcs. — Willst Du nicht einmal Oberdreis ansehn?

Nun grüße Deine glücklichen Mitmenschen, und seid alle zusammen, ihr dreifältigen Dreifeldner, guter Dinge wie

Euer
Fritz.

264. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 18. Oktober 1872>

Mein lieber guter Freund,

schön, sehr schön! Herrliche Nachrichten das! Nun siehst Du, Dein Lebensschiff kommt ganz allmählich immer mehr in’s allein gemäße, allerbeste Fahrwasser: ein ganzes tüchtiges Leben hast Du jetzt zu Deiner Bildung vor Dir, kein sogenanntes „Amt“ verzehrt Deine guten Stunden und Deine Heiterkeit, sondern im guten alten römischen Stile gehst Du, ohne politische Begierden, auf’s Land, um dort Dir selbst, Deinen edlen Zielen und Deinen Freunden zu leben. Man hat schwer und ohne Ende zu thun, ehe man von sich sagen kann, was Aeschylus vom Orest sagt

ἔξω κομίζων ὀλεθρίου πηλοῦ πόδα.

denn „der verderbliche Schlamm“ der Gegenwart ist übermäßig groß und droht jeden zu ersticken.

Inzwischen nun ist die Hauptaufgabe, Dich für Deine italiänische Reise gut vorzubereiten. Ich war ja jetzt eben etwas in Italien (einen Tag, nämlich in Bergamo), gestehe Dir aber, daß es ohne bequeme Handhabung der Sprache rein unausstehlich dort ist. Also vor allem sprechen können und geschwind sprechen. Dann scheint es mir als ob man mit der Lektüre von Burckhardt’s Cicerone aufstehen und schlafen gehen müßte: es giebt wenig Bücher, die so die Phantasie stimuliren und der künstlerischen Conception vorarbeiten. Freilich hast Du die allerschönste und unmittelbarste Vorbereitung im Umgang mit Deinen trefflichen Bildhauer-Freunden. Sage Ihnen doch von mir etwas Herzliches: was Du mir über sie schriebst, erfüllt mich mit der größten Begierde, einmal mehr von ihnen zu hören und zu sehen. Wie glücklich bist Du, sie um Dich zu haben! Mitten in dem entsetzlichen ekelhaften Berlin! Du hättest es gewiß dort nicht so lange ausgehalten.

Die Rohdesche Gegenschrift ist immer noch nicht in meine Hände gelangt: die Romundtsche Erstlingsleistung verspricht Gutes, ob sie schon noch etwas sehr „Erstling“ ist. Doch gefällt sie mir sehr durch den spezifisch philosophischen Zug, der recht unmodern und namentlich „unhistorisch“ den Leser anweht. Ich bin bei dem ruhig, zumal ich ihn jetzt in der Nähe habe. Du wirst an ihm einen reinen braven und ernstsinnigen Menschen haben, der sich in unserem Kreise wohl und heimisch fühlt, ob er gleich unmusikalisch ist — immerhin, er ist nicht ohne alles „Dionysische“ um mich meiner Schulsprache zu bedienen.

Lieber Freund, der Sommer im nächsten Jahre wird ja über alle Erwartung reich und fruchtbar für uns werden — Du bringst Deine frischen Italien-Eindrücke zu uns — zusammen bereiten wir uns durch das Studium des Nibelungenwerkes vor. Burckhardt, Romundt Overbeck und ich — wir begrüßen Dich mit Jauchzen, wenn Du Deinen Fuß nach Basel setzen wirst. In Florenz triffst Du die guten Frauen noch, wenn Du nur vor Ostern dort eintriffst — lies nur die Memoiren! Du wirst Dich wundern.

Aus Bayreuth hat mir Frau W<agner> zum Geburtstag geschrieben, sie war krank und hat zu Bett gelegen. Eine Halsentzündung überfiel sie, nach den Beschwerden des Umzugs in’s zweite Provisorium. Anfang November beginnt die Rundreise an allen Theaterstationen. Haus und Stadt behagen wohl, man erwartet den Besuch Liszt’s. Der Schlund wird festgemauert, Conferenzen finden statt usw.

Frau W. hat in den Tagen der Genesung wieder mein Buch vorgenommen und schreibt „sie müsse immer von Neuem über die Meisterschaft Ihrer Darstellung staunen; besseres, geehrter Freund, werden Sie nie schreiben, ich halte eine größere Vollendung, als sie in diesem Buche herrscht, für unmöglich; aber anderes und gleich Gutes werden Sie uns geben, und auf anderen Gebieten.“ — Wie wird Einem da zu Muthe! So übermüthig und beschämt zugleich! Vor allem aber fühle ich dann daß ich, um mich selbst jetzt mit einer Produktion zu befriedigen, nach großen kühnen und sehr idealen Zielen zu ringen habe. Du hast von „Einfachheit und Größe“ gesprochen: das ist ein Klang aus meiner Seele, dort liegen auch meine Ideale.

Wir wollen uns auch fürderhin freund und nahe bleiben, nicht wahr, mein alter guter Gersdorff?

Treulichst Dein F. N.

265. An Erwin Rohde in Kiel

Basel den 25 Oktober 1872.

Endlich, liebster Freund, ist die erste Erregung überwunden, die mir beinahe eine Unverdaulichkeit zugezogen hätte — es wäre doch Schade gewesen, wenn ich an dieser herrlichen Weinbeere erstickt wäre, nicht wahr? Nun sitze ich recht behaglich-nachmittaglich in meinem warmen Zimmer und freue mich wie ein Kind über die Bescheerung, immer von Neuem wieder an ihr herumschnuppernd und -knuppernd. Was Du mir heute erwiesen hast, weiß ich nicht in Worten zu schildern, ich wäre so völlig unfähig gewesen, es mir selbst zu erweisen und weiß daß es keinen zweiten Menschen giebt, von dem ich ein solches Freundschaftsgeschenk erhoffen könnte. Was hast Du Dich überwinden müssen, armer lieber Freund, mit jenem Burschen so lange umzugehen! Ich begreife nachträglich das Ekelhafte und Peinliche jenes Angriffs am stärksten, indem ich fühle, was Du unter ihm gelitten hast. Nun aber strömt Deine Schrift in’s Weite und schleppt den ersäuften Burschen hinter sich drein in das Weite. Welche Wirkungen Du davon erwarten kannst, entnimm aus folgenden Mittheilungen, die an mich gekommen sind, ohne daß ich, wahrhaftig!, nach ihnen gesucht hätte. In Leipzig ist eine Stimme über meine Schrift: wie sie lautet, hat der brave und von mir sehr geachtete Usener in Bonn, vor seinen Studenten, die ihn gefragt haben, verrathen „es sei der baare Unsinn, mit dem rein gar nichts anzufangen sei: jemand, der so etwas geschrieben habe, sei wissenschaftlich todt.“ Es ist als ob ich ein Verbrechen begangen hätte; man hat 10 Monate jetzt geschwiegen, weil wirklich alles glaubt, so gänzlich über meine Schrift hinaus zu sein, daß kein Wort darüber zu verlieren ist. So schildert mir Overbeck den Eindruck aus Leipzig. Alle Parteien sind darin eins: damit aber die barocke Ausnahme nicht fehlt, erschien vorgestern ein Brief von E. Leutsch im „Altweiberton“ und verräth Neigungen! Die ganze Erfahrung hat etwas Blödsinniges! (Beiläufig, der alte Knabe schickte ein dickes Volumen, vielleicht 10-15 Abhandlungen, Programme usw. und zwar seine Theognisberichte altmodisch-zierlich eingebunden! Es ist zum Todtlachen!) Halb und halb hält man mich wohl sogar für übergeschnappt, denn diesen Trost haben unsre „Gesunden“, wenn sonst kein Trost verfangen will.

Nun Deine Schrift, in ihrer Großherzigkeit und kühnen Kriegsgenossenschaft, mitten in das gackernde Völkchen hineinfallend — welches Schauspiel! Romundt und Overbeck, die einzigen, denen ich bisjetzt sie vorlesen konnte, sind außer sich vor Freude über Dein glücklichstes Gelingen! — sie werden nicht müde, einzelnes und Allgemeines preisend hervorzuheben, sie nennen die Polemik „Lessingisch“ — nun Du weißt, was gute Deutsche mit diesem Prädikate wollen. Mir gefällt vor allem, immer den tiefen dröhnend<en> Grundton, wie bei einem starken Wasserfall, mit zu hören, durch den eine jede Polemik erst geweiht wird und den Eindruck der Größe macht, jener Grundton, in dem Liebe, Vertrauen, Muth, Kraft Schmerz, Sieg und Hoffnung zusammenklingen. Lieber Freund, ich war ganz erschüttert — und als Du von den „Freunden“ sprachst, vermochte ich lange nicht weiter zu lesen. Welche herrlichen Erfahrungen habe ich doch in diesem Jahre gemacht! Und wie zerstiebt an ihnen alles etwa von anderswoher auf mich losstürzende Ungemach! Auch aus Wagners Seele heraus bin ich stolz und glücklich — denn Deine Schrift bezeichnet einen merkwürdigen Wendepunkt in seiner Stellung zu den wissenschaftlichen Kreisen Deutschlands. Kürzlich soll die Nationalzeitung so frech gewesen sein, mich unter die „litterarischen Lakaien W’s“ einzurechnen; welches Erstaunen, wenn auch Du Dich zu ihm bekennst! Das ist wohl etwas wichtiger noch, als daß Du an meine Seite trittst? Nicht wahr, alter Freund? Und das, gerade das, macht den heutigen Tag mir zu dem glücklichsten, den ich lange erlebt, ich sehe, was Du, in Deiner Freundesthat für mich, für Wagner gethan hast! Wenn Gersdorff Deine Schrift liest, so bin ich überzeugt, daß er zwei- bis dreimal sich auf den Kopf stellen wird, aus Freude und Glück! Und wie schön und „fürnehm“ hat wieder der brave Fritzschius seine Sache gemacht! Wenn er nur nun auch den Vertrieb eben so gut besorgt — und etwas schneller, als das Erscheinen; ich wußte in der letzten Zeit gar nicht mehr, was ich denken sollte und war fast willens, an ihn zu schreiben. Du kennst doch W’s neueste Schrift „über Schauspieler und Sänger“? Ein ganz neu entdecktes Bereich der Aesthetik! Und wie fruchtbar gewendet erscheint mancher Gedanke aus der Geb. der Tragoedie. Ich unterhalte mich mit dieser neuen Schrift, als ob ich mit W. zusammen wäre, dessen Nähe ich jetzt nun, so lange schon, entbehre.

Wir wollen muthig sein, mein lieber lieber Freund! Ich glaube jetzt immer nur an das Besser-werden, an unser Besserwerden, an unser Wachsen in guten Absichten, guten Mitteln, an unser Wettlaufen nach immer edleren und ferneren Zielen! Oh wir erreichen sie, und nach jedem Siege ist uns das Ziel weiter gesteckt und wir laufen muthiger vorwärts. Soll es uns sehr kümmern, daß es nicht viel, ja sehr wenige Zuschauer giebt, die Augen haben zu sehen, welchen Wettlauf wir laufen? Kümmert uns dies, wenn wir nur wissen, daß diese wenigen Zuschauer auch für uns die einzigen Kampfesrichter sind? Ich für mein Theil gebe für einen solchen Zuschauer, wie Wagner ist, alle Ehrenkränze, die die Gegenwart spenden könnte, Preis; und ihn zu befriedigen reizt mich mehr und höher als irgend eine andre Macht. Denn es ist schwer — und er sagt alles, ob es ihm gefällt oder nicht, und ist für mich wie ein gutes Gewissen, strafend und belohnend.

Nun mögen alle guten Geister mit uns sein, liebster Freund! Jetzt gehen wir mit einander, eines Glaubens und eines Hoffens! Was Du erlebst, erlebe ich und es giebt nichts mehr, was einer von uns noch für sich wäre, nichts Gutes und Rechtes!

Ich danke Dir, mein Freund, ich danke Dir!

Dein
Friedrich.

266. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 26. Oktober 1872>

Meine liebe Lisbeth,

nicht wahr, nun hast Du meinen Brief, der inzwischen, unnöthiger Weise, in die einsame Höhe des Westerwaldes hinaufgeklettert war. Herzlichen Dank für Deine reichlichen Mittheilungen, die ja erfreulichster und heiterer Natur sind. Auch ich habe heute Gutes zu melden, nämlich das Erscheinen von Rohdes herrlicher Schrift gegen den Wilamo-Wisch. Ich kann sie nicht schicken, Ihr müßt sie euch schon käuflich zulegen, aber ebenso Gustav und Volkmann etc. denn mir kommt diesmal darauf an, daß Jeder sie kauft. Vergnügen, ja Erbauung verspreche ich Dir davon. Sorge mir nur dafür, daß sie recht gekauft wird, im Stile jenes plötzlichen Begeisterungskaufs in Wiesbaden, von dem Du mir erzähltest. Ich bin sehr glücklich über dieselbe, sie ist so groß und frei, wie wir sie irgendwie wünschen konnten und sagt den Philologen viele Wahrheiten.

Kennst Du schon die neue Schrift von Wagner „über Schauspieler und Sänger“ (auch bei Fritzsch) Er schrieb mir heute einen herrlichen außerordentlich langen Brief und kündigt mir für die dritte Woche des November seinen und seiner Frau Besuch in Basel für 8 Tage an. Nichtwahr, das sind schöne Nachrichten!

Von Gersdorff habe ich geschrieben? Daß er im Dezember über Basel nach Italien geht und den Sommer in Basel studiren wird?

Liszt hat in Bayreuth meine Sylvesternachtsmusik vorgenommen und sehr günstig darüber geurtheilt. (Ich erzählte Dir von Bülow?)

Romundt und Overbeck sind wieder da, gestern führte ich ihm den ganzen Theeapparat vor, sammt der trefflichen Wurst. Durch Madoerin habe ich gegen 20 Pfund prächtiger Weintrauben gekauft.

Immermann’s habe ich gestern besucht: große Freude, spaßhafteste Rückerinnerungen an den letzten Schöne-Abenteuer-Tag.

Auch die jungen Vischers habe ich besucht: der Alte ist sehr griesgrämig, es geht nicht gut. Die Correkturbogen des Rhein. Museum<s> sind endlich angelangt, mir zum Ekel; denn es ist sehr viel zu corrigiren.

Einen sehr entgegenkommenden Brief, mit einem ganzen Bündel von Schriften und Dissertationen, erhielt ich vom alten Prof. v Leutsch in Göttingen — er kündigt mir an, er habe eine geeignete Persönlichkeit für die „Berichterstattung“ über mein Buch gefunden — sonderbar! Nicht?

Was macht denn unsere liebe gute Mutter? Strümpfchen? Hemdchen? Was weiß ich! Seid Ihr vergnügt zusammen? Wenn nicht, nun so lest Rohde’s Schrift

Titel:

Afterphilologie.

Zur Beleuchtung des von dem

Dr. phil. Ulrich von Wilamowitz Möllendorf

herausgegebenen Pamphlets „Zukunftsphilologie!“

Sendschreiben eines Philologen

an

Richard Wagner

(Leipzig Fritzsch) 48 Seiten

Lebt recht schön wohl und schreibt bald einmal an Euren

FRITZ

267. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 27. Oktober 1872> Sonntag.

Hier, mein lieber Freund, schicke ich Dir einen herrlichen Brief W<agner>’s: er schrieb ihn mir, noch bevor er Dein Sendschreiben in den Händen hatte. Ich will von allem Guten, was mir zu Theil wird, Dich als Mit-Theilnehmer — und in diesem Falle, bei Wagnerschen Briefen, Dich ganz allein! Denn einen solchen Brief, wie den heutigen, zeige ich selbst Romundt und Overbeck nicht, so sehr ich sie liebe und ehre. Du wirst Muth und Kraft aus solchem Briefe athmen, mir geht es so.

Höchst originell und fast spaßhaft ist die allgemeine Perplexität in den Kreisen der musikalischen Meister über mich als Componisten: Bülows Brief kennst Du ja — nun kommt Liszt! und nennt Bülow’s Unheil „sehr desperat“.

Ich lese Deine „Apologie des Nicht-Sokrates“ immer noch als Morgenimbiß und Abendbrod; ein Exemplar lasse ich mir zusammen mit Deiner Anzeige in der Nordd. Allg. für meinen Prunktisch herrichten, recht üppig in Leder und Gold.

Daß nur Fritzsch die Schrift ordentlich anzeigt! Ich will, daß er im litterarischen Centralblatt sie inserirt: „Freunden zum Trost, Feinden jedoch zu ewigem Neide!“ Schreib ihm doch ein paar Worte über Centralblatt und Rhein. Mus. etwa, auch Hermes? Jedenfalls Augsburgerin! Dann möge er ein Exemplar an Leutsch schicken.

Machen wir uns auf einen lärmenden Skandal gefaßt und stecken wir Watte in unsere Ohren, aber die Watte der guten Denkungsart und des „guten Ruhekissens“, welches das gute Gewissen sich nennt.

Ich sehe mich immer staunend nach einem ähnlichen Vorfall um und finde keinen. Giebt es noch andre derartige „Freunde“, wie Du einer bist? Die „kritische“ Nachwelt wird behaupten, Du habest selbst die Geb. der Trag, geschrieben und mich nur als πρόφασις genommen, um nachher noch solche Anzeigen und Apologien zu schreiben! Aus dem Innersten heraus! Aber eben so aus dem Äußersten! Ich scheine Dir nur das Wort aus dem Munde genommen zu haben, und Du bist Freund genug, mir darüber nicht böse zu sein?

Kurz, es ist etwas Mirakelhaftes dabei: sehen wir zu, was unsere „Kritiker“ zu diesem „Monismus des Dualismus“ sagen werden.

In herzlicher Liebe
Dein F.

268. An Hans von Bülow in München (Entwurf)

<Basel, 29. Oktober oder kurz vorher>

Nun Gott sei Dank daß ich das und gerade das von Ihnen hören muß. Ich weiß schon einen wie unbehaglichen Moment ich Ihnen gemacht habe dafür sage ich Ihnen, wie sehr Sie mir genützt haben. Denken Sie daß mir, in meiner musikal. Selbstzucht, allmählich jede Zucht abhanden gekommen ist, daß ich nie von einem Musiker ein Urtheil über meine Musik hörte und daß ich wahrhaft glücklich, auf eine so einfache Art über das Wesen meiner allerletzten Compositionsperiode aufgeklärt zu werden. Denn leider muß ich es gestehn — mache ich Musik eigner Fabrik von Kindheit an, besitze die Theorie durch Studium Albrechtberger’s, habe Fugen en masse geschrieben und bin des reinen Stils — bis zu einem gewissen Grad der Reinheit fähig. Dagegen überkam mich mitunter ein so barbarisch-excessives Gelüst, eine Mischung von Trotz und Ironie daß ich ebenso wenig wie Sie scharf empfinden kann, was in der letzten Musik als Ernst als Karikatur als Hohn gemeint. Meinem nächsten Hausgenossen (o der Arme!) habe ich es als Pamphlet auf die Programmmusik zum Besten gegeben. Und die ursprüngliche Charakterbezeichnung der Stimmung war cannibalido. Dabei ist mir nun leider klar, daß das Ganze sammt dieser Mischung von Pathos und Bosheit, einer wirklichen Stimmung absolut entsprach und daß ich an der Niederschrift ein Vergnügen empfand, wie bei nichts Früherem. Es steht demnach recht traurig um meine Musik und noch mehr um meine Stimmungen. Wie bezeichnet man einen Zustand, in dem Lust Verachtung Übermuth Erhabenheit durch einander gerathen sind? — Hier und da verfalle ich in dies gefährliche mondsüchtige Gebiet. — Dabei bin ich — das glauben Sie mir — unendlich weit entfernt, von dieser halb psychiatrischen Musikerregung aus, Wagnersche Musik zu beurtheilen und zu verehren. Von meiner Musik weiß ich nur eins daß ich damit Herr über eine Stimmung werde, die, ungestillt, vielleicht schädlicher ist. An jener verehre ich gerade diese höchste Nothwendigkeit — und wo ich sie als mangelhafter Musiker nicht begreife setze ich sie gläubig voraus. Was mir aber an der letzten Musik besonders vergnüglich war, das war gerade, bei dem tollsten Überschwang eine gewisse Karikatur jener Nothwendigkeit. Und gerade diese verzweifelte Contrapunktik muß mein Gefühl in dem Grade verwirrt haben daß ich absolut urtheilslos geworden war. Und in dieser Noth dachte ich mitunter selbst besser von dieser Musik — ein höchst bedauerlicher Zustand, aus dem Sie mich jetzt gerettet haben. Haben Sie Dank! Das ist also keine Musik? Da bin ich recht glücklich daran, da brauche ich mich gar nicht mehr mit dieser Art des otium cum odio, mit dieser recht odiosen Art meines Zeitvertreibs abzugeben. Mir liegt an der Wahrheit: Sie wissen es ist angenehmer sie zu hören als sie zu sagen. Da bin ich also doppelt wieder in Ihrer Schuld. — Aber ich bitte Sie nur um eins, machen Sie für meine Sünde nicht den Tristan verantwortlich. Nach dem Anhören des Tristan hätte ich gewiß solche Musik nicht mehr concipirt — er heilt mich für lange Zeit von meiner Musik. Daß ich ihn wieder hören könnte!

Dann will ich aber doch einen Versuch machen, eine musikal. Gesundcur vorzunehmen: und viell. bleibe ich wenn ich in Ihrer Ausgabe Beethoven Sonaten studiere, unter ihrer geistigen Aufsicht und Leitung. Im Übrigen ist mir das Ganze eine höchst belehrende Erfahrung — die Erziehungsfrage, die mich auf anderen Gebieten beschäftigt, wird für mich einmal, im Bereich der Kunst, mit bes<onderer> Stärke aufgeworfen. Welchen gräßlichen Verirrungen ist jetzt der Vereinzelte ausgesetzt!

269. An Hans von Bülow in München

Basel den 29 Okt. 1872

Verehrter Herr,

nicht wahr, ich habe mir Zeit gelassen, die Mahnungen Ihres Schreibens zu beherzigen und Ihnen für dieselben zu danken? Seien Sie überzeugt, daß ich nie gewagt haben würde, auch nur im Scherze, Sie um die Durchsicht meiner „Musik“ zu ersuchen, wenn ich nur eine Ahnung von deren absolutem Unwerthe gehabt hätte! Leider hat mich bis jetzt Niemand aus meiner harmlosen Einbildung aufgerüttelt, aus der Einbildung, eine recht laienhaft groteske, aber für mich höchst „natürliche“ Musik machen zu können — nun erkenne ich erst, wenn auch von Ferne, von Ihrem Briefe auf mein Notenpapier zurückblickend, welchen Gefahren der Unnatur ich mich durch dies Gewährenlassen ausgesetzt habe. Dabei glaube ich auch jetzt noch, daß Sie um einen Grad günstiger — um einen geringen Grad natürlich — geurtheilt haben würden, wenn ich Ihnen jene Unmusik in meiner Art, schlecht doch ausdrucksvoll, vorgespielt hätte: mancherlei ist wahrscheinlich durch technisches Ungeschick so querbeinig auf’s Papier gekommen, daß jedes Anstands- und Reinlichkeitsgefühl eines wahren Musikers dadurch beleidigt sein muß.

Denken Sie, daß ich bis jetzt, seit meiner frühsten Jugend, somit in der tollsten Illusion gelebt und sehr viel Freude an meiner Musik gehabt habe! Sie sehen, wie es mit der „Erleuchtung meines Verstandes“ steht, von dem Sie eine so gute Meinung zu haben scheinen. Ein Problem blieb es mir immer, woher diese Freude stamme? Sie hatte so etwas Irrationelles an sich, ich konnte in dieser Beziehung weder rechts noch links sehen, die Freude blieb. Gerade bei dieser Manfredmusik hatte ich eine so grimmig, ja höhnisch pathetische Empfindung, es war ein Vergnügen, wie bei einer teuflischen Ironie! Meine andre „Musik“ ist, was Sie mir glauben müssen, menschlicher, sanfter und auch reinlicher. Selbst der Titel war ironisch — denn ich vermag mir bei dem Byronschen Manfred, den ich als Knabe fast als Lieblingsgedicht anstaunte, kaum mehr etwas Anderes zu denken, als daß es ein toll-formloses und monotones Unding sei. —

Nun aber schweige ich davon und weiß, daß ich, seit ich das Bessere, durch Sie weiß, thun werde was sich geziemt. Sie haben mir sehr geholfen — es ist ein Geständniß, das ich immer noch mit einigem Schmerze mache. —

Macht Ihnen vielleicht die mitfolgende Schrift des Prof. Rohde einiges Vergnügen? Der Begriff des „Wagnerschen Philologen“ ist doch neu — Sie sehen, es sind ihrer nun schon zwei.

Gedenken Sie meiner, verehrtester Herr, freundlich und vergessen Sie, zu meinen Gunsten, die musikalische und menschliche Qual, die ich Ihnen durch meine unbesonnene Zusendung bereitet habe: während ich Ihren Brief und Ihre Rathschläge gewiß nie vergessen werde. Ich sage, wie die Kinder sagen, wenn sie etwas Dummes gemacht haben „ich will’s gewiß nicht wieder thun“ und verharre in der Ihnen bekannten Neigung und Hochschätzung

als Ihr stets ergebener
Friedrich Nietzsche.

270. An Malwida von Meysenbug in Florenz

7 Nov. 72. Basel.

Verehrtestes Fräulein,

endlich ist mein Bündelchen für Sie bereit und endlich hören Sie wieder etwas von mir, nachdem ich in ein wahres Grabesschweigen versunken scheinen mußte. Denken Sie, daß ich inzwischen bereits einmal ziemlich in ihrer Nähe war — nämlich in Bergamo und daß nur ein vollendeter plötzlich ausbrechender Widerwille gegen Italien (namentlich Gemälde!) mich schnell wieder zurücktrieb. — Sonst hätten wir uns in diesem Jahre zum vierten Male gesehen und wieder ein solches Wiedersehn feiern können wie das Basler Concil, das ich in herzlichem Angedenken und mit stetem Dank gegen Sie und das liebenswerthe Brautpaar in Erinnerung trage. Zum vierten Male! Vielleicht einmal mehr als gut ist, nach dem Sprüchwort daß aller guten Dinge drei sind — kurz, der Dämon trieb mich wieder zurück und setzte mich auf den Splügen, wo ich in der größten Abgeschiedenheit von Menschen und Gesellschaft ein beruhigtes und nachdenkliches Leben führte, in kräftiger, ja schneidender Luft (während die italiänische Atmosphäre auf mich einwirkte wie der Dunst einer Badestube — abscheulich und weichlich!)

Übrigens wird Freund Gersdorff im nächsten Januar über die Alpen steigen und hat bereits bei mir angefragt, ob er Sie noch in Florenz anzutreffen die Hoffnung hegen könne. Er ist sehr glücklich, da sein Lebensloos jetzt einmal tüchtig umgeschüttelt wird — dadurch daß er die juristische Laufbahn im December aufgeben darf. Er wird nun etwas reisen und dann Landwirthschaft, mit den dazu nöthigen wissenschaftlichen Vorbedingungen, studiren. Den nächsten Sommer denkt er vielleicht in Basel mit Chemie und „Kultur“ wie er schreibt, zu verbringen — was jedenfalls nicht Agrikultur sondern wirkliche Menschheitskultur zu bedeuten hat.

Für die dritte Woche des November und zwar für 8 Tage ist mir ein herrlicher Besuch angekündigt — hier in Basel! Der „Besuch an sich“, Wagner mit Frau. Sie sind auf der großen Rundreise, auf der sie alle wesentlichen Theater Deutschlands berühren wollen, bei Gelegenheit aber auch den berühmten Basler Zahnarzt, dem ich also sehr viel Dank schulde! Die neueste Schrift Wagners „über Schauspieler und Sänger“ kennen Sie schon? Dagegen gewiß noch nicht die Apologie von Prof. Rohde in Kiel, die er, ebenso mit dem Schwert als der Feder, und mit großer Überlegenheit über seinen Gegner geschrieben hat. Ich habe es nämlich durch meine Geburt der Tragödie dazu gebracht der anstößigste Philologe des Tages zu sein, für den einzutreten ein wahres Wunderwerk der Kühnheit sein mag, da alles einmüthig ist über mich den Stab zu brechen. Abgesehn von der Polemik, mit der ich Sie nicht belästigen würde, enthält aber die Rohdesche Schrift vielerlei Gutes über die philologischen Fundamente meines Buches und wird dadurch bei Ihnen einige Theilnahme finden können. Wenn ich nur nicht fürchten müßte, daß der großmüthige Schritt Rohdes ihn in ein wahres Nest von Mißgunst und Bosheit hineinführen wird! Jetzt sind wir Beide zusammen auf dem Index!

Im Grunde ist es ja eine Verwechslung; ich habe nicht für Philologen geschrieben, obwohl diese — wenn sie nur könnten — mancherlei selbst Rein-Philologisches aus meiner Schrift zu lernen vermöchten. Nun wenden sie sich erbittert an mich, und es scheint, sie meinen, ich habe ein Verbrechen begangen, weil ich nicht zuerst an sie und ihr Verständniß gedacht habe. Auch Rohde’s That wird erfolglos bleiben, denn nichts vermag die ungeheure Kluft zu überbrücken. Nun ziehe ich ruhig weiter auf meiner Bahn und hüte mich den Ekel zu empfinden, zu dem man sonst auf Schritt und Tritt Veranlassung fände.

Verehrtestes Fräulein, Sie haben ja Schwereres doch Analoges erlebt und wer weiß wie weit mein Leben noch dem Ihrigen ähnlich zu werden vermag. Denn bis jetzt habe ich eben nur gerade angefangen mich etwas auszusprechen; ich brauche noch viel guten Muth und kräftige Freundesliebe, vor allem gute und edle Beispiele, um nicht mitten im Sprechen den Athem zu verlieren. Ja, gute Beispiele! Und da denke ich an Sie und freue mich recht von Herzen, mit Ihnen, verehrtestes Fräulein, als mit einer einsamen Kämpferin für das Rechte, zusammen getroffen zu sein. Glauben Sie ein- für allemal, daß ich Ihnen das unbedingte Vertrauen geschenkt habe, das ich, in dieser Welt des Mißtrauens, nur unter meinen nächsten Freunden empfinden darf, und daß ich so gegen Sie, vom ersten Augenblicke unseres Bekanntwerdens, gesinnt gewesen bin. Ebenfalls möge Fräulein Olga überzeugt sein, daß sie auf mich, in jeder Lage des Lebens, rechnen darf. Ich bin Ihnen Beiden von Herzen gut und erhoffe Gelegenheiten es zeigen zu können. —

Da kommt Ihr freundlicher Brief aus Florenz und erinnert mich zunächst daran, daß es, bei meinem abscheulichen Stillschweigen, eigentlich ganz anders erscheinen mußte als ich vorhin, im liegen gebliebenen und unvollendeten Brief, versichern konnte: warum schrieb ich nur nicht, in so langer Zeit! So frage ich mich selbst ganz erstaunt, ohne rechte Gründe oder gar Entschuldigungen zu finden. Aber ich habe es schon erlebt daß ich mich oft am schwersten entschließe, denen zu schreiben, an die ich am meisten denke. Aber ich verstehe es nicht. Deuten Sie es nur so gütig wie möglich und lassen Sie es dann vergessen sein. Es giebt so viel Irrationelles, gegen das man sich nur durch Vergessen hilft.

Mit diesem dunkeln Spruche will ich heute schließen. Sie empfangen mit diesem Briefe das Bild, die Rohdesche Schrift und meine fünf Vorträge über die Zukunft unserer Bildungsanstalten. Diese lesen Sie ja mit Vergegenwärtigung eines ganz bestimmten und zwar Baslerischen Publikums; es würde mir jetzt unmöglich erscheinen, so etwas drucken zu lassen, denn es geht nicht genug in die Tiefe und ist in eine farce eingekleidet, deren Erfindung recht gering ist.

Von Herzen Ihr
getreuer
Dr Friedrich Nietzsche

Ich richte noch die herzlichen Empfehlungen meiner Schwester aus; sie ist nicht mehr hier, will mich aber im Sommer wieder besuchen.

271. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> 7 Nov. 72.

Liebe Lisbeth,

Prof. His wohnt in Leipzig Ecke der Salomon- und Dresdener Straße, in einem großen neuen Hause: genaueres weiß ich nicht, aber dies reicht doch aus, nicht wahr?

Herzlichen Dank für alle Mittheilungen und Übereinstimmung meinerseits, auch in Bezug auf (Musikalienhandlung von Herrn K. Ferd. Heckel in Mannheim) Also die Rohdesche Schrift macht Aufsehen? Ich glaub’s. Er läßt Dir übrigens schönstens für die Beendigung des Briefes vor der Reise danken.

Die Übersetzerin Gräfin D<iodati> hat wieder etwas verlauten lassen, ich will ihr nächstens mein Bild schicken. Man will Ritschl in Leipzig ein Album machen, also muß ich mich photographiren lassen. Auch unsre gute Mutter soll ein Bild bekommen.

Morgen wird Romundt seine Antrittsrede halten. Er hat auch für alle drei von ihm angekündigten Vorlesungen Studenten.

In der dritten Woche des November bekomme ich auf 8 Tage den Besuch Wagners und Frau.

Vorigen Dienstag war ich bei Frau Sarasin Brunner in hübscher Abendgesellschaft, allgemeine Erkundigung nach Dir und Hoffnung Deines Wiederkommens.

Frau Margreth läßt schönstens grüßen, sie schickte neulich Deine Hinterlassenschaften, auch der kleine Junge kam mit, um Grüße an Dich aufzutragen. Er rufe sehr oft zu Hause nach „Fräulein N.“

Sonntag bin ich Mittags bei Bachofens, die außerordentlich herzlich sich bezeigen. Dann bin ich zu einem Ball bei La Roche Burckhardt’s eingeladen dh. nicht zu den La Roches die Du kennst sondern zu den andern.

Auch Frl. Kästner hat mich zu einer Mittagsgesellschaft altmodisch-zierlich invitiert.

Über die 4 von Dir gekauften Exemplare habe ich mich sehr gefreut — ein treffliches Beispiel! In Schulpforte mag die Schrift nun auch ihre Wirkung thun. Gersdorff schrieb „freudetaumelnd“; er kommt Ende Dezember hierher.

Hoffen wir auf Weihnachten! Ich will mich bemühen, daß ziemlich 2 Wochen herauskommen. Aber es ist nicht leicht.

Grüße unsere liebe Mutter herzlich und nimm selbst den besten Dank für Brief und Wünsche.

Dein Bruder

Der arme Gustav, den ich sträflich lang warten ließ, erhält heute seine Noten. Entschuldige und beschwichtige — Übrigens ist er ein ausgezeichneter Musiker.

272. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 11. oder 12. November 1872>

Lieber guter Freund, wir werden’s schon ertragen. Hier ist das nächste, mich etwas bedrückende Faktum, daß an unserer Universität die Philologen ausgeblieben sind, für dies Wintersemester: ein ganz einziges Phänomen, das Du Dir wohl eben so deuten wirst wie ich. In einem speziellen Fall weiß ich sogar, daß ein Student, der hier Philologie studiren wollte, in Bonn zurückgehalten ist und beglückt an Verwandte geschrieben hat, er danke Gott nicht an einer Universität zu sein, wo ich Lehrer sei. — Kurz die Vehme hat ihre Schuldigkeit gethan, aber wir dürfen’s uns nicht merken lassen. Daß die kleine Universität nun gar noch durch mich leiden soll, ist recht schwer zu ertragen. Wir sind um 20 Mann hinter dem Bestande des letzten Semesters zurück geblieben. Mit äußerster Noth habe ich ein Colleg über Rhetorik d<er> G<riechen> und R<ömer> zu Stande gebracht, mit 2 Zuhörern dh. einem Germanisten und einem Juristen.

Jacob Burckh. und der Rathsherr Vischer haben sich außerordentlich über Deine Schrift gefreut. Beiden habe ich von den schönen mir übersandten Exemplaren mitgetheilt, ebenso Overbeck und Ritschl, sodann den Florentinern Olga Herzen und Frl v Meysenbug. Nun habe ich 2 Prunkexemplare: vielleicht sieht das hier Gefertigte so aus wie Du es im Traume gesehn hast. Es trägt die Aufschrift E Rohde zur Geburt der Tragoedie und vereinigt Deine beiden Abhandlungen. Diese sind für mich ein Schatz, um den mich jeder Autor alter und neuer Zeit beneiden muß: Freund Immermann hier am Ort meint immer, Deine Sachen seien mindestens so schön wie die meinigen. Kurz, man bemerkt unser Orest- und Pyladesthum χαλεποῖσιν ἐνὶ ξείνοισι und erfreut sich dran — was ich nur erwähne weil wir beide nicht bezweifeln daß viel mehr sich daran ärgern.

Von Auswärtigen hat noch Niemand einen Mucks gethan. Natürlich die Unsrigen abgerechnet. Das weißt Du, daß Wagner und Frau in wenig Wochen hierher, auf 8 Tage kommen? Romundt hat seine Antrittsrede gehalten und ist glücklich für alle drei von ihm angekündigten Collegien Zuhörer zu haben. Gersdorff kommt im Januar, auf der Durchreise nach Italien, hierher. Er war über Deine Schrift „freudetaumelnd!“

Hast Du von dem Zöllnerskandalon in Leipzig gehört? Sieh Dir ja einmal sein Buch über die Natur der Kometen an; es ist erstaunlich viel für uns darin. Dieser ehrliche Mensch ist, seit dieser That, in der schnödesten Weise in der gesammten Gelehrtenrepublik wie excommunicirt, seine nächsten Freunde sagen sich von ihm los und er wird in aller Welt als „verrückt“ verschrien! Ganz ernsthaft als „geisteskrank“, weil er nicht in das Trara-Horn der Kameraderie bläst! Das ist der Geist der Leipziger Gelehrten-Ochlokratie!

Daß ein Irrenarzt in „edler Sprache“ nachgewiesen hat, daß Wagner irrsinnig sei, daß dasselbe, durch einen andern Irrenarzt, für Schopenhauer geleistet worden ist, weißt Du wohl schon? Du siehst, wie sich die „Gesunden“ helfen: sie dekretiren für die unbequemen ingenia zwar kein Schaffot; aber jene schleichende böswilligste Verdächtigung nützt ihnen noch mehr als eine plötzliche Beseitigung, sie untergräbt das Vertrauen der kommenden Generation. Diesen Kunstgriff hat Schopenhauer vergessen! Er ist der Gemeinheit des gemeinsten Zeitalters wunderbar gemäß!

Jetzt aber muß ich in’s Colleg, will aber doch nicht mehr warten, Dir meinen Gruß zu schicken. Ich denke wir schicken uns diesen Winter so oft es geht Blättchen und Briefchen, aber auch ehrlich lange Episteln? Nicht wahr? Mein liebster Freund, sei nur guter Dinge, das Gute siegt schon dadurch daß man das Böse vergißt. Vergessen wir die Hunde!

Von ganzem Herzen
Dein F.

273. An Hugo von Senger in Genf

<Basel, Anfang November 1872>

Ihr großes Vertrauen zu mir, werthester Freund, spricht sich in Ihrem Schreiben so offen aus, daß ich heute, mit gleicher Offenheit, Ihnen zu entgegnen genöthigt bin: erstens: daß ich Philologe und etwas, wenn Sie wollen, Philosoph bin, dazu hart bestrittener (doch wie Sie aus beifolgender Schrift ersehen, gut vertheidigter) Philolog. Zweitens daß ich weder Musiker noch Dichter bin und somit auch bedauerlicher Weise Ihnen in diesem Falle weder zu rathen noch sonst zu nützen im Stande bin. Dazu habe ich, wenn Sie gütigst erlauben in meiner Eigenschaft als Philosoph, der die gegenwärtige Musikentwicklung im Zusammenhang mit einer zu erstrebenden Kultur betrachtet — einige eigne Gedanken über das gegenwärtige Componiren im großen dramatischen Musikstile. Ich weiß recht wohl, daß in den musikalischen Fachzeitschriften die Bedeutung Wagner’s gerade dorthin verlegt wird, daß er die alten Formen Sonate Symphonie Quartett usw zertrümmert habe, ja daß überhaupt das Ende der reinen Instrumentalmusik mit ihm gekommen sei. Wenn nun daraus gefolgert wird, daß der Komponist jetzt nothwendigerweise zur theatralischen Musik übergehen müsse so bin ich immer sehr besorgt und vermuthe dabei eine Verwechslung. Jeder hat in der Art zu sprechen, die ihm geziemt: und wenn der Titan mit Donner und Erdbeben redet, so hat der Sterblichgeborne doch gewiß noch nicht das Recht, diese Sprachform nachzumachen, noch weniger die Pflicht! Wenn die höhere Kunstform erfunden ist, so sind, nach meiner Empfindung, die kleineren erst recht nöthig, bis zur kleinsten hinab, damit schon die Künstler nach ihrer verschiedenen Art sich aussprechen können, ohne fortwährend überdonnert zu werden. Die reinste Verehrung für W. zeigt sich gewiß darin, daß man als schaffender Künstler ihm in seinem Bereiche ausweicht und in seinem Geiste, ich meine, mit der unnachsichtlichen Strenge gegen sich selbst, mit der Energie, in jedem Augenblick das Höchste zu geben, was man vermag eine andre kleinere, ja die kleinste Form belebt und beseelt. Ich freue mich deshalb, daß Sie den Muth haben, die neuerdings so scheel angesehene Kantatenform ernst zu nehmen. und wenn Sie zB. bei diesem Ernstnehmen im Wagnerschen Sinne eine bessere Musik zu der Goetheschen Walburgisnacht zu machen vermöchten als Mendelsohn, so wäre das etwas Ordentliches und eines tüchtigen Wettkämpfers würdig; zudem würde Ihnen Niemand einen schöneren und — wie soll ich sagen? mehr reformatorischen Text bieten können.

Ich bitte Sie lieber Freund mit dieser Auslassung heute fürlieb zu nehmen und dieselbe so günstig und wohlwollend wie möglich zu deuten.

In Treue Ihr
Fr Nietzsche.

274. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, kurz vor dem 9. November 1872>

Geliebter Meister,

nach Allem, was mir in der letzten Zeit wiederfahren ist, habe ich wahrhaftig am allerwenigsten ein Recht, irgendwie missmuthig zu sein, denn ich lebe wirklich inmitten eines Sonnensystems von Freundesliebe, trostvollem Zuspruch und erquickenden Hoffnungen. Doch giebt es einen Punkt, der mich augenblicklich sehr beunruhigt: unser Wintersemester hat begonnen und ich habe gar keine Studenten! Unsre Philologen sind ausgeblieben! Es ist eigentlich ein Pudendum und ängstlich vor aller Welt zu verschweigen. Ihnen, geliebter Meister, erzähle ich es, weil Sie alles wissen sollen. Das Factum ist nämlich so leicht zu erklären — ich bin unter meiner Fachgenossenschaft plötzlich so verrufen geworden, dass unsre kleine Universität Schaden leidet! Das quält mich sehr, weil ich wirklich derselben sehr ergeben und dankbar bin und am allerwenigsten ihr schaden möchte; jetzt aber feiern meine philologischen Collegen, auch der Rathsherr Vischer, etwas, was er in seiner ganzen akademischen Laufbahn noch nicht erlebt hat. Bis zum letzten Halbjahr war die Philologenzahl immer im Wachsen — jetzt plötzlich wie weggeblasen! Doch entspricht es dem, was mir aus andern Universitätsstädten zu Ohren kommt. Leipzig natürlich blüht wieder in Scheelsucht und Dünkel, alles verurtheilt mich und selbst diejenigen „die mich kennen“ kommen nicht über den Standpunct hinaus, mich wegen dieser „Absurdität“ zu bemitleiden. Ein von mir sehr geachteter Philologieprofessor in Bonn hat seine Studenten einfach damit beschieden, mein Buch sei „baarer Unsinn“ mit dem man rein nichts anfangen könne; jemand, der so etwas schreibe, sei wissenschaftlich todt“. So ist mir denn auch von einem Studenten berichtet worden, der erst nach Basel kommen wollte, dann in Bonn zurückgehalten wurde und nun an einen Baseler Verwandten schrieb, er danke Gott nicht an eine Universität gegangen zu sein, wo ich Lehrer sei. Glauben Sie nun, dass Rohde’s edelmüthige That etwas anderes erzeugen wird als Hass und Missgunst zu verdoppeln und gegen uns zwei zu richten? Das nämlich erwarten wir, Rohde und ich, mit der grössten Bestimmtheit. Das wäre aber allenfalls noch zu ertragen, aber der einer kleinen Universität von mir erwiesene Schaden, einer Universität, die mir viel Vertrauen geschenkt hat, schmerzt mich sehr und dürfte auf die Dauer mich zu Entschlüssen drängen, die bei mir schon aus andern Rücksichten immer von Zeit zu Zeit einmal auftauchen. — Übrigens kann ich dieses Winterhalbjahr gut benutzen, da ich jetzt nur noch, als einfacher Schulmeister, auf das Pädagogium angewiesen bin.

Das also war der „dunkle Punkt“, sonst nämlich ist alles Licht und Hoffnung. Ich müsste ein sehr moroser Maulwurf sein, wenn ich nicht durch solche Briefe, wie Sie sie mir schicken, zum Freudesprung begeistert würde. Also Sie kommen! Ich preise mein Glück und den Zahnarzt, denn diese Überraschung hätte ich nie zu träumen gewagt. Wollen Sie es diesmal vielleicht mit den „drei Königen“ versuchen? Ich halte sie für besser als Euler, in diesem Sommer habe ich mit meiner Schwester dort gegessen und einen sehr vergnügten Tag mit Fräulein von Meysenbug und dem Brautpaar Herzen-Monod verlebt.

Ihre herrliche Schrift über Schauspieler und Sänger hat bei mir wieder die Sehnsucht erregt, es möge jemand einmal aus Ihren aesthetischen Forschungen und Feststellungen einen zusammenfassenden Bericht machen, um zu zeigen dass inzwischen sich die ganze Kunstbetrachtung so verändert, vertieft und bestimmt hat, dass von der traditionellen „Aesthetik“ im Grunde nichts mehr übrig bleibt. Ich hatte auf dem Splügen gerade auch über die chorographische Bestimmtheit der griechischen Tragödie nachgedacht, über den Zusammenhang der Plastik mit der Mimik und Gruppenbildung der Schauspieler: gerade auch dies glaubte ich erkannt zu haben, wie genau Aeschylus selbst jenes Beispiel gegeben hat, von dem Sie reden: so dass selbst in unsren Texten durch wundersame Zahlensymmetrien sich Symmetrien der Bewegung errathen lassen; und ich knüpfte an Ihre Tragoedien die herrliche Hoffnung, dass von hier aus Mass Ziel und Regel für einen deutschen Stil der Bewegung, der plastischen Wirklichkeit sich finden müsse. Mit diesen vorbereitenden Gedanken las ich Ihre Schrift wie eine Offenbarung. —

Nun kam Rohde’s Schrift: nicht wahr, ich hatte ein Recht zu behaupten, nach dem Erscheinen des Pamphlets, dass ich selbst im kleinsten Nebenpuncte Recht habe? Es ist doch immer hübsch, wenn man dies dann durch einen zweiten bewiesen liest. Denn mitunter wird man gegen sich selbst misstrauisch, wenn die ganze Fachgenossenschaft so einmüthig in feindseligem Widerspruche ist. Was hat aber der arme Freund leiden müssen, um sich so lange mit einem solchen „Trossbuben“ herumzuschlagen! Wenn er es ausgehalten hat, so hat ihm der Hinblick auf Sie, geliebter Meister, den Muth und die Kraft gegeben. Wir sind nun Beide so glücklich, ein Vorbild zu haben — und wie beneidenswerth stehe ich da, einen solchen Freund wie Rohde zu besitzen, nicht wahr?

Als Curiosum erzähle ich noch, dass ich neulich von einem Musiker über einen Operntext zu Rathe gezogen wurde, im Grunde mit dem Wunsche, ich möge ihn selbst machen. Ich habe ihm eine weise Epistel geschrieben und sehr abgerathen: dagegen solle er eine gute Cantate componiren, nämlich die „Walburgisnacht“ Goethes noch einmal, nur besser als Mendelsohn! Ob er wohl folgen wird? — Das Ganze ist aber doch sehr spasshaft. —

In der Hoffnung dass Sie, bei Ihrer Wanderung im lieben niederträchtigen Deutschland, den bewährten Bayreuther Glücksgriff haben und mit dem Wunsche, recht bald eine Weisung zu erhalten, was etwa für Ihren hiesigen Aufenthalt vorzubereiten wäre, sage ich Ihnen heute von ganzem Herzen Lebewohl! und auf Wiedersehn!

Ihr alter Getreuer
F. N.

275. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 15 Nov. 72.

Mein lieber Gustav

Ein paar Zeilen Dir zu senden will ich am wenigsten versäumen, so mannichfaltig auch die Arbeits- und Gedankennoth des Augenblicks ist. Ich verspreche Dir, am morgendlichen Festtage Deiner in Wein und Bier und anderen geistigen Getränken glückwünschend zu gedenken und dabei das Geburtstagscarmen abzusingen, dessen trotzige Weise Du immer noch nicht kennst, so oft ich sie Dir schon mitzutheilen versprochen habe.

Also verlebe auch das nächste Jahr „Freunden zum Trost, Feinden jedoch zu ewigem Neide!“ Tauche gesund und mit einem Schwanenlied auf der Lippe aus den sumpfigen Untiefen des Examens wieder an’s Licht — ἀγαθῇ τύχῃ, alter Freund!

Deine Noten wirst Du nun hoffentlich wieder in Deinen Händen haben — es dauerte unverzeihlich und eigentlich unbegreiflich lange; ja, kürzlich fieng ich wieder an, sträflicher Weise, die Absendung recht zu bedauern, da ich in kurzer Zeit den achttägigen Besuch R. W<agner>’s und seiner Gemahlin in Basel empfange; bei welcher Gelegenheit gewiß auch das Quartett des Freundes erwähnt und angesehn worden wäre. — Jetzt hat sich Meister Liszt über meine „Musik“ hergemacht — das ist doch ein rechtes Curiosum!

Du hast doch wohl Rohdes Schrift gelesen? Und für ihre Verbreitung gewirkt? Ich will, daß mein guter Verleger wirklich einige Exemplare absetzt. Er ist so honnet, ich wünsche daß er auch davon etwas hat. —

Rohde zeigt sich so, wie ich es allen meinen Freunden wünsche, stolz und gut.

Gersdorff kommt im Januar hierher und geht dann nach Italien.

Der Freund Romundt hat sich hier mit viel Glück habilitirt und liest in diesem Winter drei verschiedene Collegien, darunter eins mit 20 Zuhörern.

Deussen hat bei einer reichen russischen Familie in Genf ein gutes Nest gefunden, in glänzender Situation (und beiläufig 5000 frcs Gehalt)

Kurz, es geht den Freunden gut und deshalb hoffe ich auch Deinerseits auf üppige Examenerfolge.

Weihnachten uns wieder zu sehen ist jedenfalls ein schöner Gedanke — und doch keine volle Unmöglichkeit. Ich sage vorläufig nicht mehr.

Also, bester Freund, gehen wir hoffnungsvoll vorwärts und treulich vereint, wie ehedem

Von Herzen Dein
Friedrich Nietzsche.

Was macht unser Wilhelm?

276. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 20. und 21. November 1872>

Herzlich geliebter Freund, hier sende ich Dir das Curiosum des Ritter Schaf von Leutsch. Übrigens hat er mir auf meinen ebenfalls sehr zuvorkommenden Brief ebenfalls nicht geantwortet, vielleicht ebenfalls deshalb, weil ich mein Erstaunen über seinen Heldenmuth gar zu naiv ausgedrückt habe und am Schlusse ihn feierlich auf Dich und Deine „Afterphilologie“ verwies. Laß fahren dahin, das alte Schaf hat davon doch keinen Gewinn — und wir erst recht nicht! —

Für Freitag Abend ist mir der Besuch Wagners und Frau hier angekündigt, etwa auf eine Woche: inzwischen telegraphisches unaufhörliches Wetterleuchten zwischen Basel Mannheim und Darmstadt. Da soll es hoch hergehen und Deiner soll, in Lust und Leid, immer treulich von uns Dreien gedacht werden! Mach Dich auf ein tüchtiges Gläser- und Ohrenklingen gefaßt!

Heute Abend ist hier ein üppiges Ballfest und da es für mich mit einer gewissen fluchwürdigen Romantik verknüpft ist, so mache ich es, wie das alte Pferd Ibykus ἦ μὰν τρομέω νιν ἐπερχόμενον.

Daß Ihr in Kiel nicht allein durch das Köchinnengesuch des Ehrenblaß heimgesucht seid, hoffe ich Dir durch mitfolgenden rein unglaublichen Brief zu beweisen. Ein ehrbares Hochzeitsgelüst ist, in einfacher Kutscherdeutlichkeit, darin ausgedrückt.

Was meinst Du aber dazu daß neulich ein ehrsamer Anderer, ein ganz tüchtiger Musikus mich um einen Operntext (mit karthagischer Musik, nach Salambô), zugleich um einen Cantatentext für altkatholische Reformzwecke in unbedingtestem Vertrauen angieng und zwar — wie er ganz ruhig explizirte — weil ihn sein Freund „der Dichter Lingg“ (ich nenne ihn „den Dichterling“) in Stich gelassen habe! Das gehört doch auch zu den „scheensten besten Kindern“, auch ich habe „sulliche“!

— Ich schreibe morgen’s, nach jenem Ballfest, von dem ich mich gegen 3 Uhr trennte, weiter: der Tag ist grau und regnerisch schmutzig, mir aber geht es vortrefflich „doch Gedanken stehn so fern“ heißt es bei Tiek und bei mir. — Also Du spielst in Kiel Komödie? —

Inzwischen traf eine Karte von Ritschl ein, die ich, zur Erbauung und andern Nebengedanken, beilege. Leider auch ein Telegramm, welches den Besuch W’s in Basel abmeldet, aber mich zu einem Zusammentreffen in Straßburg auffordert: dorthin werde ich auch morgen abreisen, um von Freitag bis Sonntag beglückte Atmosphäre zu schlürfen.

Ich denke jetzt, wenn ich kann und an jedem Ort, darüber nach, durch welche Schläue ich Dich und mich zusammenbringe, besonders um Dich aus Deiner erratischen Block-Einsamkeit zu erlösen. Hier läßt sichs bereits leben, weil man so viel demokratischen Takt hat, um den „Narren auf eigne Faust“, die Existenz zu gönnen. Aber schwierig ist’s, Dich da irgendwo hinein zu denken: denn überall stehen Candidaten, selbst am Katheder des noch keineswegs lebensmüden Gerlachii.

Deine Prophezeiungen mögen wohl zutreffend sein, mein lieber Freund; mich juckt der Daumen, wenn ich an sie denke, was ja sowohl ein wahrsagerisches als Händel — von der besten Sorte verkündendes — Phänomen ist. Ich litt sehr an der schwarzen Gallsucht, als ich Deinen Brief las und lief gleich darauf spazieren, um einen vernünftigen Einfall zu haben, wie ein materielles Fundament und Postament für Dich zu erbauen sei. Bis jetzt „oede das Meer“, kein Schiff zu sehn! In Straßburg will ich mit Wagner über den Begriff einer klassischen Professur in Bologna verhandeln: auch Frl. von Meysenbug wird etwas Auskunft geben können. Was meinst Du, unter anderem, zum Rektorat in Bayreuth? Aber das sind bis jetzt alles ganz dumme Gedanken. Ein Redakteurgehalt mit c. 2000 Thl. könnte vielleicht ermittelt werden, wenn die von W. und mir längst geplante periodische Zeitschrift gegründet ist, in der, praktisch, durch Beispiel, die Möglichkeit einer hochgesinnten und durchaus fürnehmen, wahrhaft belehrenden Kulturzeitung bewiesen werden soll. Freilich erst vom Jahre 1874 an. Übrigens denke ich darüber nach, meine nächste Schrift als Festschrift für das Jahr 1874 und Bayreuth einzurichten, vielleicht wird sie den Titel haben — „der letzte Philosoph“. Ich baue daran pyramidum altius. — Ich dachte mir, daß wir auf irgend eine Weise kundzugeben hätten, wie jenes Jahr und jenes Fest zu ehren sei. —

Zuletzt bleibt immer für mich die Auskunft, Dir meine Professur feierlich zu cediren, mit der ich jetzt ohngefähr eine Einnahme von 4500 frs. genieße. Nun weiß ich zwar auch nicht recht, wo ich später unterkriechen soll, doch geht jetzt und eigentlich immer mein Schicksal so unerwartet, daß ich vielleicht schneller als man denkt darauf eine Antwort habe. Unter allen Umständen sollst Du nicht lange mehr in der trüben Materienstimmung und melancholischen Frage δός μοι ποῦ στῶ; Dich befinden; inzwischen spiele nur Komödie, liebster Freund. Wie auch ich gar nicht geneigt bin, die Miene „fröhlich pfeifender Nichtachtung“ abzulegen. Wir wollen schon, als Dioskuren, unsre Lebensrosse bändigen.

Adieu, alter Freund!
Hurra hoch! Du sollst leben!
Dein F N

276a. An die Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag

<Basel, November/Dezember 1872>

Geehrte Herren

es ist mir ein Vergnügen, Ihnen durch Übersendung meines Buches einen Wunsch zu erfüllen; wenn ich Ihnen aber mein Handexemplar sende, so bitte ich hierin zunächst nur meine Verlegenheit zu erkennen; ich kann kein neues Exemplar mehr von meinem Verleger erhalten, weil er keins mehr hat. —

Zugleich empfehle ich Ihnen eine ausgezeichnete Streitschrift, die durch mein Buch hervorgerufen ist „Afterphilologie. Sendschreiben eines Philologen (Prof Dr. Rohde an der Universität Kiel) an Richard Wagner. Leipzig E. W. Fritzsch. Von einer separat gedruckten eingehenden Anzeige meines Buches, die zuerst in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung erschienen ist, lege ich vier Exemplare bei.

Endlich mache ich Sie noch auf einen offenen Brief Richard Wagner’s an mich aufmerksam, ebenfalls in der Norddeutsch. Allg. Z., vom 23. Juni dieses Jahres, zu finden.

Eine französische Übersetzung wird bald erscheinen. —

Es wird zuletzt erlaubt sein, meine geehrten Herren, den Wunsch recht von Herzen auszusprechen, daß mein Buch auch bei Ihnen dahin wirken möge, die Begeisterung für wahrhaft deutsche Bestrebungen, in Kunst und Wissenschaft, zu mehren und zu stärken.

Mit Hochachtung
der Ihrige
Dr Fr Nietzsche
Prof o. in Basel.

277. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 7. Dezember 1872>

Liebster Freund, wie geht’s? Nächstens hoffe ich Dir ein größeres photographisches Conterfei von mir schicken zu können, heute nur ein paar gute Grüße. Nicht wahr, inzwischen hast Du von Frau Wagner einen guten Brief erhalten? Ich habe gesehn, wie sie ihn vollendete — in Straßburg, wo wir nebeneinander, im Hotel ville de Paris, wohnten und wieder ordentlich nachgeholt haben, was man bei dem Auseinanderleben alles einbüßt. Von Dir war immer so die Rede als ob Du unter uns wärest, und die größte Offenheit war, in Hinsicht auf Dich, unter uns Regel und Nothwendigkeit. Soeben fragt sie bei mir brieflich an „Hören Sie von Prof. Rohde Gutes oder mindestens Erträgliches? Seit wir gemeinschaftlich sein Schicksal besprachen, geht mir das Brüten über Möglichkeiten nicht aus — die ewige Ohnmacht bei lebhafter Theilnahme ist ein schwer zu schleppendes Geschick!“ Eigentlich soll ich Dir Vieles noch erzählen, besonders über den außerordentlichen Eindruck, den W. und Frau von Deiner Schrift hatten (ebenso wie die Gräfin Muchanoff), wie Beide meinten, mit einem solchen polemischen Meisterstück könne man in Frankreich berühmt mit einem Schlage werden: die Deutschen seien dafür zu wenig „fein“. Doch ich weiß nicht, was Frau W. Dir bereits alles geschrieben hat. Wir haben mit einander manche ganz annehmbare Möglichkeit für Dein äußeres Geschick in’s Auge gefaßt zB. die Stellung eines Bibliothekars bei der italiänischen (und Wagnerschen) Kronprinzessin. Irgend wann kommt etwas von dem heraus, was wir als Nummer in die Lebenslotterie, zu Deinem Besten, gesetzt haben.

Theilnehmende Briefbemerkungen habe ich über Deine Schrift neuerdings von Frl von Meysenbug, von Gustav Krug, von meiner Mutter und besonders mehrfache von meiner Schwester erhalten. Mein hiesiger Buchhändler sagte, sie wäre stark begehrt und verkauft. Mein Buch ist thatsächlich in Leipzig vergriffen. Das Neueste ist daß Jacob Bernays erklärt hat, es seien seine Anschauungen, nur stark übertrieben. Ich finde das göttlich frech von diesem gebildeten und klugen Juden, zugleich aber als ein lustiges Zeichen, daß die „Schlauen im Lande“ doch bereits etwas Witterung haben. Die Juden sind überall und auch hier voran, während der gute teutsche Usener gutgehörnt dahinten, im Nebel bleibt.

In der florentinischen Gesellschaft liest man jetzt meine Bildungsvorträge — es scheint dort jetzt gerade eine große Regsamkeit in Reform-Plänen der Anstalten zu sein, und es ergötzt mich sehr zu denken daß mein Stimmchen mit unter dem italiänischen Chorus gehört wird. — Die gute Gräfin Diodati übersetzt kräftig darauf los, Gott und der französische Sprachgenius möge sie in Schutz nehmen, daß ich mich nicht gar zu solökisch ausnehme.

„Der Philosoph“ dh. mein ganz unausgebrütetes Gedanken-ei liegt jetzt mir einzig in den Sinnen, so bunt und suchenswerth wie ein schönes Osterei für gute Kinder. — Gersdorff giebt im December seine juristische Laufbahn auf und kommt, nach Italien durchreisend, im Januar nach Basel. Krug hat ein sehr schönes Quartett gemacht und mir übersandt: es ist schönste „Erinnerungsmusik“ nämlich wie ein Tag aus unserem gemeinsamen Knabentraumleben, sehr abendwolkenhaft. Weihnachten will ich nach Naumburg und dort mit Krug etwas Musik machen, auch die Sylvesternachtsklänge sollen ihren Affektionswerth behalten: was kann ich dafür daß die Musik schlecht ist! Manfred ist übrigens noch „töller“, und ich denke nie ohne Gelächter an die absurde Trommeleiscene in Bayreuth im Hause des bestürzt bewundernden und überfallenen Buchhändlers.

Kann man Dich denn nicht nach Heidelberg berufen? Ribbeck Windisch sind Dir doch sicher — und Köchly hat nicht allzu viel zu sagen. Ich kenne dort nur einen Menschen und das ist ein Weib, aber ein sehr gutes, die Mutter des Malers Feuerbach. Ich werde, da ich ihr eben zu schreiben habe (in Sachen eines von mir protegirten Jesuitenzöglings, der hier in Basel Medezin studiren soll) Deine Schrift mitschicken.

Laß Dir’s gut gehn, theuerster und lieber Freund, und sei muthig, wie ich es bin. Wagner’s haben mich so gesund und „resolut“ im Goethe-Mazzinischen Sinne gefunden und sich darüber sehr gefreut. Bringen wir’s erst dahin, einmal wieder zusammenleben zu können, so soll’s ein Heidenleben geben! Inzwischen lies doch des Grillparzeri vorletzten Band (der Gesammtausgabe), die Aesthetika betreffend: er ist fast immer einer der Unserigen!

In herzlichem Gedenken
Dein F N.

278. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 9. Dezember 1872>Montag.

Hier, meine liebe Mutter, mein<en> besten Dank für Deinen Brief, insgleichen für die Einlage von Lisbeth. Es ist alles in Ordnung und recht so: wenn ich gleich noch nicht bestimmt weiß, ob ich Weihnachten reisen kann. Doch hoffe ich darauf.

Ist eine ceinture und eine Schärpe dasselbe? Dies habe ich angenommen. Denn ich kann mir gar nichts bei einer „Schärpe“ denken. Oder soll es „Schürze“ heißen?

Hier folgt das Bild von Olga Herzen mit der Bitte an Lisbeth, ihre Photographie als Gegengabe, dem Versprechen gemäß, nach Florenz zu schicken. Aber sie hat jetzt keine Photographien, nicht wahr? Sehr schönen Brief von Frl. v. Meysenbug, nebst ihrer Photographie an mich — ich schicke sie auch mit, aber sie gehört mir. Nein, ich schicke sie nicht mit, der Brief wird zu schwer. Eben habe ich mein Bild gesehn — wilder denn je! Wenig ergötzlich. Aber sehr kräftig.

Mit Wagners habe ich herrliche Tage in Straßburg verlebt, wo wir zu einem rendezvous zusammengekommen waren, von Freitag bis Sonntag. Wir wohnten zusammen in Hotel ville de Paris.

Hier habe ich einen Ball bei La roche’s mitgemacht und Einladungen von Vischers im blauen Hause, Turneysens Gemuseus, Immermann’s, Burckhardt-Heuslers gehabt.

Gustav Krug hatte die schöne Gefälligkeit und Gewogenheit, mir sein Quartett in trefflicher Abschrift zuzuschicken. Ich habe es Wagner’s übermittelt: wenn sie, in der Weihnachtszeit, nach Bayreuth zurückkommen, soll es vorgenommen werden, wie sie mir schreiben.

Nun adieu für heute, es ist ein flüchtiges Briefchen, aber belastet von sehr guten und handfesten Grüßen — alles zusammen doch recht schwer, der Photographie mit eingerechnet.

Herzlichst Euer oder
Dein
Fritz.

279. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel Donnerstag 12 Dez. 1872.

Herzlich geliebter Freund

das ist nun auch vorbei, und das gemischte Gefühl, das jeder Todesfall in uns erzeugen muß, ist hier besonders stark. Er hat es überstanden, dieses Dasein — wir müssen’s eben noch überstehen und zu dem Schwersten, was wir zu überstehen haben, gehört gewiß die sicher eintretende immer größere Vereinsamung — Geschwister Eltern Freunde — alle gehen davon, allmählich wird alles Vergangenheit, und wir uns selbst.

Nun lebst Du Deinen Eltern noch mehr als sonst; und wir alle, Deine Freunde, müssen wünschen und von Herzen dazu thun, daß auf Dir als auf einem kräftigen guten und schönen Fundamente die Hoffnung Deines Geschlechtes ruhe. Du siehst gewiß jetzt muthiger in die Zukunft als vor ein paar Jahren und wirst es selbst genug empfinden, welches Heil für den Sterblichen in einem ernsten, bewußten und alle Tiefen unserer Natur erregenden Streben liegt. Allmählich läuft alles Rechte und Tüchtige, dessen wir fähig sind, auf einer Bahn, nach einem Ziele; wir erstarken in dieser Empfindung und werden von den heftigen Schlägen des Schicksals nicht mehr zertrümmert.

Ich bin glücklich Dich bald wieder zu sehen und mich Deiner Tapferkeit erfreuen zu können. Es ist ja eine ernste Bildungsreise, die Du unternimmst; und wenn Du, vor ihrem Beginne, noch einmal das schreckliche Bild der Natur, mit Sarg und Begräbniß gesehen hast, so wirst Du Dir immer bewußt bleiben, auf welchen Schrecken auch das schönste Dasein und die befreiendste Kunst ruht, aber ebenso, wie wir das Himmelreich, sei es nun das der Religion oder der Kunst oder des reinen Erkennens, immer brauchen, um das Erdenreich oder die Erdenluft ertragen zu können. —

Für mehrere Briefe habe ich Dir zu danken, lieber Freund, und wenn ich so schwer zum Antworten kam, so hieng es diesmal an einer kleinen Erwartung: ich wollte Dir gerne meine Photographie mitschicken und es dauerte längere Zeit, ehe ich mich zum Photographirtwerden entschließen konnte und ehe der Photograph fertig wurde. Hier bekommst Du das erste Bild, das er mir sendet. Die Nacht bevor es aufgenommen wurde, wurde ich durch ein großes Feuer erschreckt, auch habe ich ein paar Stunden durch Wassertragen usw mit geholfen, kurz, es wird wohl an der Photographie etwas zu merken sein, daß ich die Nacht vorher nicht geschlafen hatte. Sie hat etwas Wildes und Bojarenhaftes.

Frl. von Meysenbug (Florenz via Alfieri 16) schreibt mir daß es ihr eine sehr große Freude sein würde, Dich wiederzusehen. Sie hat mir ihr Bild geschickt und erzählt von dem Eindrucke, den meine Vorträge über Bildungsanstalten auf sie und die anderen Zuhörer machen. Es ist jetzt gerade ein sehr günstiger Augenblick, daß diese nach Florenz gelangt sind, da man dort mit der Reform des Erziehungswesen’s und der Lehranstalten fast ausschließlich beschäftigt ist.

Was macht denn der arme Wilamowitz? Ich weiß nicht, woher ich hörte daß er auch nach Italien reise; wobei nur zu wünschen wäre, daß Ihr nicht zusammentrefft.

Ein paar beglückte reine Tage habe ich mit Wagners in Straßburg zusammen verlebt und mich der unbedingten Zugehörigkeit zu diesen Beiden auf das Schönste versichert. Sie freuten sich recht über meine Gesundheit und über mein „Resolut“ sein, im Goethe-Mazzinischen Sinne. Dessen bedarf es aber auch, denn ich erlebe mancherlei, was man nur sehr gepanzert erträgt.

Ich habe jenen Spruch auf das Bild geschrieben und meine, es sollte auch für Deine Italienreise ein schönes Motto abgeben.

Weihnachten werde ich mit den Meinigen in Naumburg zusammen sein, aber mit den ersten Tagen des Januar bin ich wieder in Basel und erwarte Dich.

Ich drücke Dir, Du lieber Freund, die Hand und wünsche Dir stillen und ertragenden Muth in so schweren Zeiten.

Von Herzen der Deinige
Friedrich Nietzsche

280. An Erwin Rohde in Kiel (Rückseite einer Photographie)

<Basel, Mitte Dezember 1872>

Hier, liebwerthester Freund, die Photographie! Ich schaue böse drein, die gefälligen Mienen musst Du Dir suppliren.

Im Übrigen — decussatio epistolarum!

Wo Wagners jetzt sind, weiss ich auch nicht; kommen sie aber nach Hamburg, so wollen sie Dir telegraphiren. Das ist ausgemacht.

Gersdorffs letzter Bruder ist gestorben — im Irrenhause.

Die zwei Weihnachtswochen bin ich in Naumburg, Sonnabend reise ich ab. —

Als Motto des Bildes empfehle ich die Selbstanrede

„in otio tumultuaris, in tumultu es otiosus“

Wo stehts? Bei Cornificius.

Leb recht schön wohl, alter Freund.

281. An Hugo von Senger in Genf (Rückseite einer Photographie)

<Basel, Mitte Dezember 1872>

Hier, mein werthgeschätzter Freund, meine Photographie, die sehr viel freundlichere Mienen machen müsste, wenn sie ein treues Bild meiner Gesinnung gegen Sie sein sollte.

Treulich
Ihr
Friedrich Nietzsche.

281a. An Unbekannt

<Basel, vermutlich kurz vor dem 20. Dezember 1872>

Geehrter Herr,

daß ich der freundlichen Einladung zu Ihrem Feste nicht entsprechen kann, da ich für Samstag und die nächsten Tage zu einer Reise genöthigt bin, bedaure ich um so mehr, als Ihr Verein ein eigentlicher Altersgenosse von mir ist und ich wohl Verlangen getragen hatte, mir ihn einmal, noch dazu bei so festlichem Anlasse, aus der Nähe anzusehen. Sie feiern da eine stattliche Reihe von Jahren, welche dem Verein Ehre macht und Vertrauen erweckt. Doch vertraue ich eigentlich mehr noch dem Geiste der Jugend, der in ihm wohnt und der, wie mir scheint, noch mehr die Aufgabe hat, das neue Gute zu beginnen, als das alte Gute zu bewahren. Sie dürfen glauben, dass ich einem Vereine, der von diesem Geiste der Jugend beseelt ist, immer eine aufrichtige Neigung schenken werde. Das Losungswort der Jugend hat aber Goethe gesprochen, als er ihr unablässig zu streben rieth

„uns vom Halben zu entwöhnen

und im Ganzen, Guten, Schönen

resolut zu leben.“

Ich bitte Sie, geehrter Herr, Ihren Verbindungsgenossen mein Bedauern über meine Absage ebensowohl als meine Wünsche für das glückliche Fortbestehen Ihres Vereins auszudrücken.

Ergebenst der Ihrige
Dr. Friedrich Nietzsche

282. An Malwida von Meysenbug in Florenz

Basel 20 Dec. 72.

Verehrtestes Fräulein,

Sie haben mir eine große Freude gemacht, für die ich Ihnen auf der Stelle gedankt hätte, wenn es nicht nöthig gewesen wäre, eine Photographie von mir beizulegen. Nun gab es aber keine — und wie Sie sehen — giebt es jetzt zwar welche, doch wieder vom alten Seeräuberstil, so daß ich zu der metaphysischen Annahme gedrängt werde, es möge das, was die Photographen so und immer wieder so darstellen, mein „intellegibler“ Charakter sein; denn mein intellektueller ist es so wenig daß ich Bedenken trug, Ihnen dies Conterfei meiner schlechteren Hälfte anzubieten. Kurz, ich wollte sagen, es gab erst einen Zeitverlust, weil ich keine Photographie, und dann wieder einen, weil ich eine hatte — aber eben eine solche! Ich erkläre dies ausdrücklich, weil ich Ihre Photographie für unbegreiflich gut halte: wie sich auch meine Schwester über das Bild von Fräulein Olga eben so dankbar als erfreut zu äußern allen Grund hat. Ich reise jetzt für zwei Wochen nach Naumburg um dort Weihnachten zu feiern: während dieser Zeit will ich meine Schwester dazu bringen, sich photographisch hinrichten zu lassen: wenigstens bezeichnet dieser Ausdruck meine Empfindung, wenn der einäugige Cyklop als deus ex machina vor mir steht. Während ich mich dann bemühe, dem Verderben Trotz zu bieten, geschieht bereits das Unvermeidliche — und ich bin von Neuem als Seeräuber oder erster Tenor oder Bojar et hoc genus omne aeternisirt.

Nun werden Sie die Vorträge gelesen haben und erschreckt worden sein, wie die Geschichte plötzlich abbricht, nachdem so lange präludirt war und in lauter negativis und manchen Weitschweifigkeiten der Durst nach den wirklichen neuen Gedanken und Vorschlägen immer stärker sich eingestellt hatte. Man bekommt einen trocknen Hals bei dieser Lektüre und zuletzt nichts zu trinken! Genau genommen paßte das, was ich mir für den letzten Vortrag erdacht hatte — eine sehr tolle und bunte Nachtbeleuchtungsscene — nicht vor mein Baseler Publikum, und es war gewiß ganz gut, daß mir das Wort im Munde stecken blieb. Im Übrigen werde ich recht um die Fortsetzung gequält: da ich aber das Nachdenken über das ganze Gebiet etwas vertagt habe, etwa auf ein Triennium — was mir, bei meinem Alter, leicht wird — so wird der letzte Vortrag gewiß nie ausgearbeitet werden. — Die ganze Rheinscenerie, so wie alles Biographisch-Scheinende ist erschrecklich erlogen. Ich werde mich hüten die Baseler mit den Wahrheiten meines Lebens zu unterhalten oder nicht zu unterhalten: aber selbst die Umgebung von Rolandseck ist mir in bedenklicher Weise undeutlich in der Erinnerung. Doch schreibt mir auch Frau Wagner, daß sie sich, am Rheine reisend, meiner Schilderung entsonnen habe.

Unser Zusammentreffen hat stattgefunden, in beglückendster Weise, aber nicht hier in Basel, sondern in Straßburg: nach langem telegraphischen Wetterleuchten zwischen hier und mehreren süddeutschen Städten wurde endlich der Baseler Aufenthalt als unmöglich erkannt, und so reiste ich denn eines Freitags nach Straßburg, wo wir mit- und beieinander zwei und einen halben Tag verlebten, ohne alle sonstigen Geschäfte, sondern erzählend und spazierengehend und Pläne machend und der herzlichsten Zueinandergehörigkeit uns gemeinsam erfreuend. Wagner war mit seiner Reise recht zufrieden, er hatte tüchtige Stimmen und Menschen gefunden und war heiter und zu allem Unvermeidlichen gerüstet. Der ganze Winter geht drauf, denn nach Weihnachten geht es nach dem östlichen Norden Deutschlands, besonders nach Berlin, wo auf drei Wochen etwa Halt gemacht werden soll. Es ist nicht gewiß, aber möglich, daß er nach Mailand, zur Scala-Aufführung kommt.

Gersdorff trifft in der ersten Hälfte des Januar hier ein, um dann unverzüglich weiter, nach Florenz und Rom zu reisen. Im Februar will er mit seinem Vater in Rom zusammentreffen. Er bedarf jetzt, ebenso wie sein Vater, doppelt dieser längst vorbereiteten Reise, da in der allerletzten Zeit sein einziger Bruder, nach dreijährigem leidensvollen Aufenthalte im Irrenhause (Illenau), gestorben ist. Er ist nun die einzige Hoffnung seines Geschlechtes; seine Eltern sind ganz vereinsamt, da auch die letzte und jüngste Schwester, die bisher mit den Eltern zusammen lebte, sich jetzt verheirathet hat, mit einem Gr<afen> Rothkirch-Trach. Übrigens hat Gersdorff mir neulich ganz begeistert ebenso über Ihre als die Herzenschen Memoiren geschrieben: woraus Sie wenigstens das entnehmen können, daß er bei seiner Vorbereitung auf Italien, sich doch besonders auch auf Florenz gut vorbereitet.

Beiläufig: was sind denn das für philologische Fragen, vereintestes Fräulein, die Sie wie Sie schreiben auf dem Herzen haben? Machen Sie doch mit mir einen Versuch — falls Ihnen nicht etwa Wilamowitz den Glauben an meine Philologie erschüttert hat. Für diesen Fall stehe ich aber immer noch zu Diensten, da ich dann Freund Rohde heranziehen würde, an dessen Philologie zu zweifeln ich Niemandem erlaube.

Was haben Sie denn für den nächsten Sommer, nach der sehr schmerzlichen Trennung von Fräulein Olga, beschlossen? Und auf welchen Termin ist die Vermählung angesetzt? Und soll sie in Paris gefeiert werden? Oder bei Ihnen in Florenz?

Das Buch des Hr Monod über Gregor von Tours ist in den deutschen gelehrten Zeitschriften sehr rühmend besprochen und als das Beste und Werthvollste, gerade vom Standpunkte strenger historischer Schule aus, bezeichnet worden, was bis jetzt über Gregor geschrieben ist.

Heute Abend will ich abreisen. Ich sende Ihnen und Fräulein Olga einen herzlichen Weihnachts- und Neujahrsgruß zu. Es lebe dieses Jahr, aus manchen andern Gründen, aber namentlich weil es so schöne und hoffnungsreiche Gemeinsamkeiten geschaffen hat. Es läuft alles auf einer Bahn, und dem Tapferen muß das Gute und das Schlimme gleich recht sein.

Verehrungsvoll Ihr
getreuer
Fr Nietzsche

283. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 20. Dezember 1872>Freitag.

Meine liebe Mutter und Schwester,

diesmal wird’s Ernst mit meinem Kommen, falls nicht etwa ein Eisenbahnunglück meine guten Absichten vereitelt. Am Sonnabend Abend reise ich ab, am Sonntag Nachmittag bin ich bei Euch. Ich will auch gleich des Bestimmtesten mittheilen, wie lange ich bei Euch bleiben kann, nämlich 14 Tage dh. am Sonnabend nach Neujahr muß ich von Naumburg abreisen.

Das Wetter ist hier ganz mäßig, sodaß ich nicht erfrieren werde.

Adieu! Adieu! Kocht mir Kaffeu!
Euer F.

284. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Naumburg 23 Dec. 72.

Mein theurer Freund,

heute begrüße ich Dich zu Deinem Geburtstage und wiederhole Dir alle jene herzlichen und besonders lebhaften Wünsche, die heute und in den letzten Zeiten alle die Dir Zugehörigen, seien sie verwandt oder befreundet, Dir ausgesprochen haben. Wir wollen alle von Herzen Dein Bestes, wie wir uns freuen, Deinem Lebenslauf in aufsteigender Linie mit theilnehmenden Blicken und zu unserer steten Genugthuung folgen zu können. Wenn ich mich erinnre, wie näher und immer näher sich die Lebenspfade und Lebensziele von uns Beiden verschlungen haben — oder um genauer zu reden, wie sie sich immer mehr genähert haben und endlich in Eins zusammengeflossen sind, wie zwei Bäche, die in einen Strom und zu einem Meere hin zusammen zu fließen den kaum bewußten Willen haben — wenn ich mir das vorhalte, Pforte Universitätszeit Leipzig Kriegsjahre Tribschen so weiß ich daß das letzte Jahr auf diesen Freundschaftsbund Siegel auf Siegel gedrückt hat und daß von nun an unsre Zueinander-Gehörigkeit als wohl verbrieft und versiegelt unsern Lebensrest durchdauern wird.

Also lieber alter Freund, freuen wir uns heute auch unserer Freundschaft; ich wünsche mir heute das Beste, wenn ich es Dir wünsche.

Das Buch, das ich Dir hiermit überreiche, ist das mir von Romundt gewidmete und überhaupt somit das Erste, das mir gewidmet ist — also ein Freundschafts-Denkmal! Weshalb ich wünsche daß es auch in Deiner Bibliothek sei.

Nun zum Schlüsse eine Anfrage in Betreff Deiner Reise. Ich schreibe also von Naumburg aus, wo ich gestern Abend eingetroffen bin; meine Absicht ist, spätestens Sonnabend Abend nach Neujahr von hier zurückzureisen, so daß ich Sonntag Abend in Basel bin. Wäre es nun nicht möglich daß wir einen Theil zusammenreisten, etwa gar mit einer kleinen Variation über Bayreuth? Ich frage an bei Dir und bitte um Vorschläge.

Meine Angehörigen tragen mir herzliche Grüße auf: auch bitte ich Dich, mich Deinen verehrtesten Eltern von Neuem wieder anzuempfehlen.

Jetzt schreibe ich noch an Frau Wagner: dieselbe bekommt von mir ein Manuscript mit folgendem Titel und Inhalt:

Fünf Vorreden zu fünf ungeschriebenen
und nicht zu schreibenden Büchern.

1. 

Über das Pathos der Wahrheit.

2. 

Der griechische Staat.

3. 

Über die Zukunft unserer Bildungsanstalten (die ganz neue Vorrede kennst Du auch noch nicht)

4. 

Der Wettkampf.

5. 

Über das Verhältniss der Schopenhauerischen Philosophie zu der deutschen Cultur.

Diese fünf Vorreden, die Dir alle noch fremd sind (wie auch Wagners), wirst Du möglicherweise in Bayreuth lesen.

Leb wohl lieber Freund und behalte mich lieb.

Treulichst
Dein F. N.

284a. An Cosima Wagner in Bayreuth (Briefdisposition)

<Naumburg, 23. Dezember 1872>

Photogr<aphie>. Vorreden. Gersdorff. Pohl. Von neuen Arbeiten. J. Burckhardt. Bernays. Remittenten. Math<ilde> Maier. Componirabschluß.

285. An August von Loën in Weimar (Entwurf)

<Naumburg, 25. Dezember 1872>

Ich gehöre zu den Wenigen, die nie den Lohengrin gehört haben und höre dass er morgen den 26ten gegeben wird. Bitte sagen Sie mir doch ob dies wahr ist. Dann werde ich kommen und mich freuen Sie wiederzusehen.

286. An Therese von Sachsen-Altenburg (Entwurf)

<vermutlich Naumburg, nach Weihnachten 1872>

Wenn ich mir hiermit erlaube Ihnen allergnädigste Prinzeß mein Bild zu übersenden, so hätte ich mindestens zu wünschen daß die Miene desselben weniger gestreng und finster wäre, um etwas mehr die ebenso ehrerbietige als verehrend dankbare Empfindung auszudrücken in der ich allezeit gegen Eu<re> Königl. Hoheit verharre und verharren werde. Ich hoffe gewiß nicht umsonst, irgendwann einmal diese Gesinnung persönlich aussprechen zu dürfen: inzwischen bitte ich überzeugt zu sein daß wir der liebenswürdigsten Theilnahme an unsrem Weihnachtsfest — gleich mir persönlich — uns von Herzen erfreut haben und jeder von uns der freundlichen und verehrungswürdigen Geberin eingedenken und dies heute brieflich auszusprechen wünschen muß.

Indem ich damit die Bitte aussprechen will das übersandte Bild freundlich anzunehmen, werde ich nie aufhören mich zu bezeichnen

als den allerergebensten Diener

1872 (108 Briefe)

183. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 2 Jan. 72.

Мой дорогой друг,

Ты, должно быть, уже получил книгу? — Хочешь ли ты отправить Царнке короткую записку о том, что ты возьмешься за рецензию?

Если, кстати, прикованный Прометей на титульном листе нравится тебе так же, как, скажем, Якобу Буркхардту, то окажи художнику честь и назови его: Леопольд Рау в Берлине.

Для меня это был волнующий момент, когда сегодня прибыли первые экземпляры. У меня всегда на устах слова: «Твори, о великий дух, дело рук моих, чтобы я завершил его!»

Наши письма разминулись. Ах, мой дорогой друг, всем ли я обязан твоей верной дружбе! Ты смущаешь меня своей любовью. Каждое твое письмо вызывает во мне те же чувства.

Я спешу и скажу лишь: отважного Нового года! Нам обоим!

Твой верный
Фридр. Ницше

184. An Richard Wagner in Tribschen (Entwurf)

<Basel, vermutlich 2. Januar 1872>

Перед Вами, мой глубокоуважаемый друг и учитель, я менее всего хочу скрывать признание в том, что всё, что я здесь имею сказать о рождении греческой трагедии, было бы сказано Вами прекраснее, яснее и убедительнее: ибо

почему я хотел бы сравнить свою задачу с той, которую неписаные догмы Платона

ибо здесь Ваша область. Напротив, я столь же ясно чувствую, что только перед Вами я должен оправдывать существование этого сочинения, перед многими

если бы Вы когда-нибудь снизошли до этой исторической работы. Ибо перед Вами я должен оправдывать существование этого сочинения, ибо что я мог бы рассказать Вам такого, чего Вы, именно в этой области эстетических исследований, давно бы не угадали? в то время как, с другой стороны, я опасаюсь, что во многих пунктах Вы найдете меня неуверенно ощупью ищущим и заблуждающимся там, где у Вас наготове решающий ответ одним словом.

185. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 2 Januar 1872.

Глубокоуважаемый маэстро,

наконец-то дошли мои новогодние пожелания и рождественский дар: конечно, очень поздно, но не по моей и не по Фрицхена вине. Порой непредсказуемая почта относится к числу тех «сил судьбы», с которыми невозможно заключить вечный союз. Еще 29 декабря посылка была отправлена из Лейпцига, и до сего часа я ежечасно ждал ее прибытия, чтобы вместе с ней отправить Вам свои пожелания счастья и благословения.

Пусть мое сочинение хотя бы в некоторой степени соответствует тому участию, которое Вы до сих пор, право, к моему стыду, проявляли к его созданию. И если я сам полагаю, что в главном я прав, то это означает лишь то, что Вы со своим искусством должны быть правы в вечности. На каждой странице Вы найдете, что я лишь пытаюсь поблагодарить Вас за все то, что Вы мне дали: и лишь сомнение одолевает меня, всегда ли я правильно принимал то, что Вы мне давали. Возможно, когда-нибудь позже я смогу сделать многое лучше: и под «позже» я здесь подразумеваю время «исполнения», байрейтский культурный период. Тем временем я с гордостью чувствую, что теперь я отмечен и что отныне меня всегда будут называть в связи с Вами. Да помилует Бог моих филологов, если они теперь не захотят ничему учиться.

Я буду счастлив, глубокоуважаемый маэстро, если Вы примете это сочинение в начале нового года как добрый и дружеский знак.

В скором времени я пришлю Вам и Вашей супруге экземпляры в переплете.

С пожеланиями благословения Вам и Вашему дому и с горячей благодарностью за Вашу любовь, я — тот, кем был и буду

Ваш верный
Фридрих Ницше

186. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 10. Januar 1872>

За всё, мой верный дорогой друг, что ты мне пишешь, сердечно благодарю. Сегодня я расскажу тебе совсем коротко о самом радостном, а именно о том впечатлении, которое книга произвела в Трибшене. Вагнер писал мне: «Ничего прекраснее вашей книги я еще не читал! Всё восхитительно! Сейчас я пишу вам быстро, потому что чтение меня чрезмерно волнует, и я должен дождаться, пока приду в себя, чтобы прочесть её как следует». А после этого еще кое-что настолько трогательное, что я не могу передать.

Это тебя весьма обрадует, не так ли? Пожалуйста, напиши мне точный адрес госпожи фон Шлейниц, а также обращение, которое следует использовать в письме к ней. (В эти дни я пишу, по особой просьбе В., королю Баварии длинное письмо: каждый из нас должен смотреть, как лучше всего послужить великому байрейтскому делу)

Я сам нездоров, должен лечиться, голодать и т. д. Столько всего переживаешь! Каждый день приносит что-то необычное!

Преданный тебе
Твой старый друг
Ф.Н.

Сердечный привет Рау и Крюгеру.

187. An Hans von Bülow in Leipzig

<Basel,> Januar 1872.

Достопочтенный господин,

примите от незнакомца, который Вас почитает, эту книгу. Возможно, она доставит Вам радость. — Я предполагаю нечто подобное, судя по тому участию, которое мои трибшенские друзья проявили к этой книге.

Но я прошу Вас прочесть её.

Моему издателю Фричу поручено вручить Вам этот экземпляр от моего имени.

С глубоким почтением
Д-р Фридр. Ницше
Ординарный профессор в Базеле.

188. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 16 Jan 72.

Глубокоуважаемый господин издатель,

прежде всего благодарю Вас за присылку экземпляров и денег. Я удовлетворен каждой страницей и имею лишь одно желание, чтобы это сочинение принесло Вам и нашему великому делу настоящую пользу.

Не стану скрывать от Вас, что впечатление, произведенное этим сочинением на моих трибшенских друзей, было необычайным и прямо-таки потрясающим. Это Вас обрадует.

В эти дни Бюлов, вероятно, будет давать концерт в Лейпциге. Я прошу Вас передать ему письмо, которое придет к Вам сегодня с Вашим адресом, и вручить от моего имени экземпляр моего сочинения. Само собой разумеется, что Вы запишете этот экземпляр на мой счет.

На обороте этого письма находится оформление Вашего издательского права: достаточно ли его?

Кстати, с Нового года я являюсь подписчиком Вашего «Еженедельника» и радуюсь его превосходному ведению.

Примите наилучшие пожелания
от Вашего покорного
д-ра Фридриха Ницше
проф.

Я прошу Вас, опять же на мой счет, отправить еще один экземпляр Францу Листу, Пешт, Палатингассе 20. Я напишу ему в эти дни. — Наконец, еще

господину д-ру Паулю Дойссену, гимназическому учителю в Марбурге.

В-третьих: господину Максу фон Балиганду, камер-юнкеру Его Величества короля Баварии, Мюнхен

[Приложение]

Настоящим свидетельствую, что я передал издательское право на сочинение «Рождение трагедии» господину Э. В. Фричу, издателю в Лейпциге, а также что я получил 100 талеров, скажем сто талеров, за тираж, рассчитанный на 1000 экземпляров

Д-р Фридрих Ницше
Ординарный профессор филологии в Базеле.

Базель, 17 января 1872 г.

188a. An Franz Liszt in Pest

Basel in der Schweiz, 17 Januar 1872.

Глубокоуважаемый маэстро,

мой издатель Э. В. Фрич в Лейпциге получил поручение переслать Вам экземпляр моего сочинения «Рождение трагедии из духа музыки».

Я прошу Вас благосклонно отнестись к этому сочинению, и я нахожу обнадеживающее ободрение для этой просьбы в любезном пожелании Вашей дочери в Трибшене, чтобы я Вам, именно Вам, высокочтимый маэстро, прислал его как можно скорее — пожелание, которое отвечало моему сокровеннейшему желанию.

Ибо когда я оглядываюсь на тех немногих, кто поистине инстинктивно постиг описанный мною феномен, который я называю «дионисийским», — мой взгляд снова и снова останавливается прежде всего на Вас: именно Вы должны быть знакомы с самыми сокровенными тайнами этого феномена в такой степени, что я снова и снова рассматривал Вас как одну из самых примечательных его экспликаций с высочайшим теоретическим интересом.

Я прошу Вас, прочтите эту книгу.

С выражением почтительной преданности
Д-р Фридрих Ницше, ординарный профессор в Базеле

189. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel Mittwoch. <24. Januar 1872>

Мой добрый друг,

я посылаю тебе лишь беглый привет, чтобы вместе с ним попросить тебя передать этот прилагаемый здесь же письмо нашему учителю.

Ты удивишься, увидев его у себя так внезапно. Я заклинаю тебя сделать, увидеть и прочувствовать всё, что может быть для него ценным в такой важный момент. Я перелагаю на тебя на эти дни всё то, что я чувствую к нему, и прошу тебя действовать так, как если бы ты был мной.

Странные просьбы, не правда ли? И всё же я не знаю, что ещё сказать тебе, мой добрый друг.

Преданный тебе
Фридрих Ницше.

190. An Richard Wagner in Berlin

Basel Mittwoch. <24. Januar 1872>

Мой глубокоуважаемый учитель,

только что я отправил письмо Вашей супруге; прошло едва ли больше часа после Вашего отъезда из Базеля, так что я могу надеяться, что уже завтра утром добрая весть будет в Трибшене.

Кажется, настал тот момент, когда лук наконец натянут — после того как он долго висел с ослабленной тетивой. Но что именно Вы должны быть тем, кто это делает! Что всё в конечном счете сводится к Вам! Я воспринимаю свое нынешнее существование как упрек и искренне спрашиваю Вас, могу ли я Вам пригодиться. Кроме этого вопроса, мне в данный момент нечего сообщить — но очень, очень многое хочется пожелать, на что хочется надеяться, мой глубокоуважаемый учитель!

Преданный Вам
Фридрих Ницше

191. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Mittwoch <24. Januar 1872>

Мои дорогие мама и сестра,

я молчал дольше, чем мне хотелось бы. Новый год принес с собой столько дел и забот, что сегодня мне буквально приходится составлять список, чтобы не потерять нить. Получила ли ты, дорогая Лизбет, указатель к Рейнскому музею Ричля — нашу каторжную работу тех времен? Каких только вещей я не делал! И что нечто подобное должно появиться одновременно с моим «Рождением трагедии» — как это причудливо и как заставляет задуматься!

Что касается моей книги, то всё перевернулось с ног на голову, к счастью, большинство из тех, о ком я слышу, — в восторге, другие — в ярости. — Да, нужно иметь сына и брата, которые пишут такие вещи, — тогда, я думаю, стоит иметь брата и сына. Ну, я шучу — но как мне серьезно говорить о таком событии, которое можно постичь только с потрясением!

В первые недели нового года я был, соответственно, по многим причинам поразительно подавлен и боялся возвращения прошлогоднего состояния. Я заболел, пришлось лечиться, и моим врачом был Иммерман. Но всё уже позади. Рождественская неделя прошла довольно мило: очень приятный вечер я провел в канун Нового года у старых Фишеров. Сначала был общий акт дарения подарков; я тоже кое-что получил, копию одного из прекрасных сосудов Хильдесхаймского клада (у Бахофенов я получил чашку). Позже я исполнил со своим молодым профессором Фишером мои «Новогодние звуки». Старый Фишер чувствует себя очень хорошо, и он очень весел. За ужином мы, кстати, вспоминали и о тебе, дорогая Лизбет, и пили за твое здоровье.

Затем последовали другие события, например, большой бал на 80 человек у банкира Штехелин-Бюкнера. Затем мой первый доклад о будущем образовательных учреждений с необычайным успехом. В следующий вторник я выступаю снова, ожидается, что будет переполнено. Кстати, на этот следующий доклад Рихард Вагнер приедет со своей женой в Базель. Я был в последние дни снова в Трибшене — ну, вы бы удивились, если бы знали, как дружелюбно меня там принимают и каким авторитетом я там пользуюсь. Когда я вернулся оттуда, меня встретили делегации, чтобы сообщить, что студенчество хочет оказать мне честь факельным шествием: мне стоило труда отказаться от этой чести. Дело в том, что я получил приглашение в северогерманский университет (Грайфсвальд) и сразу же, без всяких переговоров, отклонил его после первого же запроса. Вы можете себе представить радость в доме Фишеров. И у Буркхардтов. Кстати, мне, без малейшего моего участия — ибо в этом пункте я очень щепетилен — пообещали повысить жалованье: теперь у меня 4000 франков.

Прилагаю совершенно глупый отчет о моем первом докладе из «Grenzpost» — всё, абсолютно всё понято неверно — в этом-то и заключается забавность. Затем молодой профессор Фишер посылает тебе, дорогая Лизбет, Базельский новогодний листок, написанный им. Завтра свадьба у Фишеров: свадебное путешествие в Рим и т. д. Затем следует экземпляр моей книги для Густава Круга. Наконец, красиво переплетенный, который вы должны отправить с милым сопроводительным письмом через Гримменштейн великой княгине Константин. Мне надоела княжеская переписка; (наша мама это поймет) у меня была тяжелая задача — иметь дело с королем Баварии. Но об одном прошу — говорите со мной в своем письме о моей книге по крайней мере с таким же уважением, с каким вы говорите, скажем, о самой княжеской особе. Иначе я буду в ярости. Здесь не нужна никакая преданность. Итак, ура! Прошу вас, сделайте всё красиво!

Ваш старый Фриц.

192. An Erwin Rohde in Kiel

Basel, Sonntag, <28.> Jan. 72.

Мой добрый дорогой друг,

недавно я получил предварительный запрос о том, принял бы я профессуру в Грайфсвальде; получил через Зуземиля, но немедленно отклонил в твою пользу, рекомендуя тебя. Находится ли дело в дальнейшей стадии? Я отослал к Риббеку. — Здесь это дело всё же стало известным и вызвало ко мне большую симпатию у добрых базельцев. Хотя я протестовал, что это не вызов, а лишь самый предварительный запрос, студенчество всё же постановило устроить мне факельное шествие, причём с мотивацией, что они хотят этим выразить, как сильно ценят и чтут мою до сих пор деятельность в Базеле. Впрочем, я отказался от факельного шествия. — Здесь я сейчас читаю лекции «о будущем наших образовательных учреждений» и довел дело до «сенсации», кое-где до энтузиазма. Почему мы не живем вместе! Ибо то, что я сейчас ношу на сердце и готовлю для будущего, в письмах даже не затронуть. — Я заключил союз с Вагнером. Ты даже не можешь себе представить, как близки мы теперь друг другу и как наши планы соприкасаются. — То, что мне пришлось услышать о моей книге, совершенно невероятно: поэтому я и не пишу об этом ничего — Что ты об этом думаешь? Огромная серьезность охватывает меня при всем, что я об этом слышу, потому что в таких голосах я угадываю будущее того, что я задумал. Эта жизнь будет еще очень тяжелой.

В Лейпциге, говорят, снова царит озлобление. Никто не пишет мне оттуда ни словечка. Даже Ричль — Мой добрый друг, когда-нибудь мы должны снова жить вместе; это священная необходимость. Я живу уже некоторое время в большом потоке: почти каждый день приносит что-то поразительное; как и мои цели и намерения возвышаются. — Я объявляю тебе, совершенно конфиденциально и призывая к секретности, что я, среди прочего, готовлю меморандум о Страсбургском университете, в качестве интерпелляции в Рейхсрат, в руки Бисмарка: в котором я хочу показать, как позорно был упущен огромный момент для основания настоящего немецкого образовательного учреждения, для возрождения немецкого духа и для уничтожения так называемой до сих пор «культуры». — Борьба не на жизнь, а на смерть! Или на пушках!

Конный артиллерист, с
тяжелейшим орудием.

193. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> Montag. <29. Januar 1872>

Моя дорогая Лизбет,

что же ты решила насчет дня рождения нашей матери 2 февраля? Я должен тебя очень попросить придумать что-нибудь милое и для меня; у меня совсем нет никаких идей. К тому же у меня так много дел. — Мое письмо к этому дню должно уйти в среду, чтобы прибыть в пятницу.

Вы получили мою посылку? И переслали ли книгу по адресу? — Старайся снова и снова вникнуть в эту книгу: если получится, то ты получишь от нее нечто несравненное. — У Густава теперь тоже есть экземпляр? — У меня остался только один для себя; его я теперь больше не могу отдать. Среди добрых знакомых, которые получили от меня экземпляры и, как я слышу, усердно заботятся о распространении книги, — госпожа фон Муханова, затем министр фон Шлейниц в Берлине, Ференц Лист в Пеште, г-н фон Бюлов, Герсдорф и превосходный Леопольд Рау, который сделал виньетку, г-н фон Трейчке, Ричль, госпожа Брокгауз, здесь Овербек, Якоб Буркхардт (в полном восторге), старый Фишер, молодая госпожа Фишер, ну и, конечно, Ромундт, Роде, также Дойссен (который опять наделал глупостей!) и т. д.

Вчера я был на нашем концерте в казино и аккомпанировал госпоже Бахофен, чей муж болен. Утром ко мне заходили Биндинг из Фрайбурга (который теперь переезжает в Страсбург) и Либермейстер из Тюбингена.

Позавчера вечером мы были у Гофманов — мужская компания. Только что получил приглашение к Буркхардт-Хойслерам. — Хартман уезжает на Пасху во Фрайбург, Шульц осенью в Страсбург. — Писал ли я уже, что, когда я недавно ездил в Трибшен, я ехал вместе с хорошо тебе знакомой фрейлейн Брюстляйн, которая теперь госпожа Брюстляйн, замужем за кузеном в Лионе. Это была первая часть их свадебного путешествия: она очень интересовалась тобой. — Молодая чета Фишеров направляется в Рим.

Ну вот, опять у тебя письмо со сплетнями! Сердечный привет нашей дорогой матери и, как я уже сказал, выручай меня в день рождения. Позаботься, пожалуйста, как следует о гиацинтах.

Твой брат
Ф.Н.

194. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 30 Jan. 72.

Глубокоуважаемый господин тайный советник,

Вы не поставите мне в упрек мое изумление тем, что я не получил от Вас ни словечка о моей недавно вышедшей книге, и, надеюсь, не осудите ту откровенность, с которой я выражаю Вам это изумление. Ведь эта книга — нечто вроде манифеста и уж во всяком случае меньше всего располагает к молчанию. Быть может, Вы удивитесь, если я скажу, какое впечатление я предполагал у Вас, мой глубокоуважаемый учитель: я думал, что если в Вашей жизни и встретилось что-то обнадеживающее, то это должна быть данная книга, обнадеживающая для нашей античной филологии, обнадеживающая для немецкого духа, даже если ради этого придется пожертвовать рядом индивидов. Ибо практические последствия моих взглядов я, по крайней мере, не заставлю себя ждать, и Вы догадаетесь о чем-то подобном, если я сообщу Вам, что читаю здесь публичные лекции «о будущем наших образовательных учреждений». От личных намерений и предосторожностей я — как Вы мне поверите — чувствую себя довольно свободным, и поскольку я не ищу ничего для себя, я надеюсь сделать что-то для других. Для меня прежде всего важно овладеть умами молодого поколения филологов, и я счел бы постыдным знаком, если бы мне это не удалось. — Теперь меня несколько тревожит Ваше молчание. Не то чтобы я хоть на мгновение усомнился в Вашем участии ко мне; в нем я убежден раз и навсегда — но я мог бы объяснить себе именно из этого участия своего рода личную обеспокоенность за меня. Чтобы развеять ее, я и пишу Вам. —

Указатель к Рейнскому музею я получил. Не отправили ли Вы, быть может, экземпляр моей сестре?

На запрос о том, принял ли бы я возможное приглашение в Грайфсвальд, я ответил отказом, не колеблясь ни мгновения.

Оставайтесь, мой глубокоуважаемый господин тайный советник, вместе с Вашей супругой ко мне благосклонны, и примите сердечный привет от

Вашего
Фридр. Ницше.

195. An Franziska Nietzsche in Naumburg

30. 1. 72

Сегодня, моя<e> дорогая мама, лишь совсем маленькое поздравительное письмо, несоразмерно малое по сравнению с теми добрыми, многочисленными и сильными пожеланиями, которые я сегодня испытываю ради твоего благополучия и нашего единения. Кажется, небо улыбается тебе в твой праздничный день: и наверняка на твой стол уже поставили прекрасные весенние цветы. Что ж, будем надеяться, что этот год принесет нам всем много доброго, подарит ясное небо над головой и прекрасные цветы вокруг, украсив ими стол твоей жизни: а поскольку в нашей семье мы привыкли быть скромными в своих личных желаниях и умеем радоваться даже малому, весьма вероятно, что этот год принесет удовлетворение и тебе, и нам. Не так ли?

У меня сейчас нет времени подсчитывать, какой именно по счету день рождения ты празднуешь. Будет ли верным предположение, если я воображу, что ты скоро достигнешь середины своей жизни, или как тебе кажется?

Что же мы решим в этом году насчет нашей встречи? Я не совсем понимаю, что наводит вас на мысль, будто я приеду в Наумбург на Пасху. Я когда-нибудь это говорил? Я просто спрашиваю. Ведь, по сути, я мало что имею против, разве что могу в ответ поинтересоваться, не задумывались ли вы уже о поездке в Швейцарию. Ваши письма об этом умалчивают, и я не знаю, что вы об этом думаете или чего желаете. Вам, быть может, нужно от меня официальное приглашение? — Я просто спрашиваю. Или мне забрать вас из Наумбурга? Вы наверняка уже что-то замышляете втайне, просто хотите, чтобы я сам постепенно пришел к этой мысли, а потом вообразил, будто я вас к этому подтолкнул! Разве не так? Я просто спрашиваю. С Грайфсвальдом, как мне кажется, мне повезло в ваших глазах, то есть с «не-Грайфсвальдом». О, не ищите слишком многого в таком решении, и уж во всяком случае не беспокойтесь о моем комфорте! Истинные причины, если бы я их когда-нибудь рассказал, вам, возможно, вовсе бы не понравились. Я так мало амбициозен в отношении этой «академической карьеры»: а если бы я где-то и был амбициозен, то в вещах, которые, быть может, приносят лишь насмешки, хохот и никакой прибыли. Вот как обстоят дела у меня: вы не можете себе представить, как мало я думаю при таких решениях о своем удобстве, продвижении, жизненном счастье или хороших коллегах и т. д. Нужно просто знать, что место может дать в принципе: дружески расположенного человека и достойную репутацию. Тот, у кого есть и то, и другое, не станет охотно испытывать судьбу: ведь пустых билетов слишком много. И поэтому я остаюсь в Базеле — больше ничего не скажу. В подобных случаях я поступил бы точно так же — и лишь в очень немногих, крайне маловероятных случаях иначе. Если вы хотите сделать из этого вывод, что Базель еще долго будет моим местом жительства, то вы правы. Но причина не в общем благополучии, а в мудрости смирения в несущественных вещах, когда перед глазами существенные. Эти существенные вещи пока что для меня не зависят от смены места.

Еще раз, моя дорогая мама, мои пожелания счастья и благословения!

С сердечной любовью
Твой сын.

196. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Basel, Februar 1872.

Глубокоуважаемый господин Президент!
Почтенные господа!

Полученное мною от Вас письмо обязывает меня принести Вам самую искреннюю благодарность как за выраженное в нем отношение, так и за объявленное в конце повышение жалованья, не выразить которую письменно я не могу. Если я могу с радостью усмотреть в Ваших словах живое одобрение моих здешних стремлений и деятельности, то позвольте мне также указать на то, как сильно и как серьезно я должен был стараться с самого начала моей работы здесь, чтобы хоть в какой-то мере соответствовать тому редкому и почетному доверию, с которым Вы, глубокоуважаемые господа, призвали меня, неизвестного, на мою нынешнюю должность в высшей школе и педагогиуме. В этом стремлении меня самым приятным образом поддерживал как истинно коллегиальный и доброжелательный дух, который я встретил в кругу моих коллег-преподавателей, так и усердное, направленное на образование и хорошие нравы стремление нашей молодежи: так что мой преподавательский опыт, приобретенный здесь, до сих пор богат почти исключительно добрыми и утешительными воспоминаниями.

Еще раз заверяя Вас в моем искреннем желании и впредь трудиться на благо наших учреждений, а также охотно добавляя обещание не оставлять вверенную мне здесь должность без самых серьезных размышлений и во всяком случае никогда не руководствоваться эгоистическими соображениями, имею честь,

глубокоуважаемые господа,
назваться
Вашим покорнейшим
д-ром Фридрихом Ницше
орд. проф. классической филологии.

197. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel,> Sonntag 4 Febr. 72.

Мой дорогой друг

снова лишь несколько строк, полных сердечнейшей благодарности за твои сообщения, которые избавили меня от тяжелых опасений или, по крайней мере, почти избавили. Тем временем я также прочел телеграмму «Александринец Герсдорф стал незаменимым», которую я не вполне, но все же почти могу истолковать. «Что бы ты ни делал — помни, что мы оба призваны бороться и трудиться в числе первых в культурном движении, которое, быть может, в следующем поколении, а может, и позже, передастся широким массам. Пусть это будет нашей гордостью, пусть это нас ободряет: в остальном же я верю, что мы рождены не для того, чтобы быть счастливыми, а для того, чтобы исполнять свой долг; и мы будем благословлять себя, когда будем знать, где наш долг.

Моей книге все же трудно распространяться: превосходная рецензия, которую Роде написал для «Литературного центрального листка», была отклонена редакцией. Это была последняя возможность того, чтобы серьезный голос в научном издании высказался в пользу моей книги: теперь я не жду ничего — либо злобы, либо глупостей. Но я рассчитываю на тихий, медленный ход — сквозь столетия, как я заявляю тебе с величайшим убеждением. Ибо некоторые вечные вещи здесь впервые высказаны: это должно звучать дальше. О себе я не беспокоюсь: ибо я ничего не хочу для себя, меньше всего — делать карьеру. Сейчас я бодро работаю над своими педагогическими проблемами. На пасхальные каникулы меня очень просят поехать с одним профессором из соседнего Фрайбурга (Баден) в Афины, на Наксос и Крит: что ты на это скажешь! Особенно если ты услышишь, кто это — сын Феликса Мендельсона-Бартольди — Ну, я скажу «Нет!». Со мной всегда случается что-то любопытное. Первое письмо от филолога (профессора Бернского университета) о моей книге, которого я почти не знаю, я прилагаю: при случае вернешь мне это письмо.

Твоему достопочтенному отцу наилучшие пожелания и выражение моей радости по поводу его участия.

Люби меня и прими благодарность! Благодарность!

Твой Фридр. Ницше

198. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> 4 Febr. 72

Твое объявление, мой дорогой друг, — истинный шедевр сокращенного и обновленного отражения оригинала, и я в очередной раз чувствую себя в самом глубоком смысле уверенным в тебе. Я просто поражен (как и Овербек, которому я его зачитал), насколько красиво и по-новому, насколько стильно тебе удалась эта столь сложная задача, и не знаю, как отблагодарить тебя за это, кроме как самым откровенным признанием, что ничего подобного этому объявлению мне больше не доведется испытать. Сегодня же я отправлю его в Трибшен, чтобы мои друзья могли порадоваться вместе со мной. Только не зрясь на Царнке; ведь это проституция — общаться с автором подобных писем. Пусть себе катится; мера его грехов полна, ибо дерзость приписать что-то к объявлению о Ранке мы ему простить не можем. Впрочем, в отношении моей книги он следует не столько собственным импульсам, сколько импульсам своих друзей Курциуса, Овербека и прочих: ибо индейская ярость против меня царит в этом кругу. Какая наглость — говорить о «дружеской услуге» при таком объявлении! Которого никто другой сделать не смог бы! Меньше всего глупый гербартианец Циммерман (который «уничтожил» эстетику Шопенгауэра и является величайшим поклонником Ганслика!) или даже добрый Лерс, который «недостаточно знаком с музыкой и античностью», «чтобы быть на высоте этого объявления». Нам остается лишь привыкнуть к тому, что в этом деле мы теперь будем узнавать самое глупое. О том, как создается такая книга, о труде и муках, о том, чтобы до такой степени сохранить чистоту вопреки со всех сторон напирающим чужим представлениям, о мужестве замысла и честности исполнения никто ведь не имеет понятия: меньше всего, пожалуй, об огромной задаче, которая стояла передо мной по отношению к Вагнеру и которая, по правде говоря, вызвала в моей душе много тяжелых огорчений — задача быть самостоятельным даже здесь, занять своего рода отчужденную позицию; и то, что мне это удалось, даже при самом высоком уровне проблемы, представленной в «Тристане», для их потрясения — именно это подтверждают мне мои трибшенские друзья. Это я могу тебе сказать, мой возлюбленный друг — именно в этом пункте я чувствую себя гордым и счастливым и убежден, что моя книга не погибнет. — Глупый Царнке полагает, что тебе важно принести пользу мне! Как будто не важнее всего принести пользу другим с помощью такого объявления! Ну что ж, позволим мертвецам хоронить своих мертвецов!

Я хочу рискнуть отправить твое объявление в «Аугсбургскую газету»: хотя заранее питаю величайшее недоверие. — Что касается «Центрального листка», у меня было твердое предчувствие, что ничего не выйдет, и я издал торжествующий крик, когда сегодня получил твое письмо. Ну что ж, придет и наше время! И мы должны вовремя понять, что любые компромиссы только вредят: бой до пушек!

Напиши же Вагнерам: ты встретишь самое трогательное расположение. Ибо тебя там любят: и какие бы планы мы ни строили, ты всегда в них учтен.

С сердечной благодарностью
Твой
Фридрих Ницше

Ты ведь получил мою заметку о Грайфсвальде?

199. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 7 Febr. <1872>

Многоуважаемый господин,

сегодня я пишу Вам по поручению Рихарда Вагнера, который просит Вас отправить следующие экземпляры байрейтским господам за его счет.

1 «Немецкое искусство и немецкая политика» господину консисториальному советнику Крауссе

1 то же: господину профессору Фризу

1 «Рождение трагедии» господину ректору Гроссману

то же: господину декану Диттмару

Все эти господа находятся в Байрейте. — Не собираетесь ли Вы в Байрейт к 22 мая?

Преданный Вам
проф. Фридр. Ницше.

200. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> Mittwoch. 14 Febr. 72.

Мои дорогие мать и сестра, сердечно благодарю вас за ваши добрые вести. Я очень рад, что мне всё же выпадет честь принять ваш визит этим летом, и часто размышляю о необходимых для этого мерах. Что касается времени, я предлагаю следующее. На Пятидесятницу я буду в Байройте на тройном торжестве по случаю дня рождения Вагнера (22 мая), то есть на закладке фундамента театра Вагнера, дома Вагнера и на блестящем исполнении 9-й симфонии вечером. Как насчет того, дорогая Лизбет, если бы ты приехала туда и мы вместе отправились бы в Базель, скажем, в четверг после Пятидесятницы, то есть 23 мая? Предложение достаточно хитроумное. Вагнеры переезжают в Байройт в начале мая, сначала в свою летнюю резиденцию «Фантазия». К назначенному дню в Байройт прибывают все добрые друзья: Герсдорф, фрау фон Шлейниц, фрау Муханов и т. д. Поездку в Байройт можно совершить через Лейпциг и Плауэн без лишних крюков, а через Аугсбург и Линдау путь лежит, уже привычным образом, в Базель.

Большая беда здесь сейчас — квартирный вопрос. Со всех сторон мне советуют не отказываться от своей квартиры, потому что дефицит жилья чрезвычайно велик и постоянно растет, особенно из-за притока эльзасцев. Я осматривал жилье из 4 комнат на 2-м этаже на Эшенграбен, которое по площади нам обоим как раз подошло бы: цена была сочтена очень умеренной, 800 франков, правда, без мебели. Но оно уже было сдано. Брокхаус, у которого уже 4-я квартира, живет хуже меня и платит 65 франков в месяц. Короче говоря, вопрос довольно отчаянный. О крошечной квартире Хартмана нечего и думать. Ну, я буду стараться: фрау Мериан-Буркхардт тоже старается. — Здесь все строят дома, даже Фишер-Хойслеры решили это сделать. Превосходный коллега Иммерман, чья жена очень ждет знакомства с тобой, купил себе неподалеку симпатичный дом за 40 000 франков.

Что касается пасхальных каникул, я еще не решил. Одно из моих намерений — говорить по-французски во французской Швейцарии: это кажется мне весьма разумным и необходимым. Но меня также очень тянет приехать к вам.

Мне очень неудобно то, что вы просите насчет моей книги. Если вы можете подарить только два экземпляра, то я настоятельно советую не дарить ни одного. Ибо совершенно невозможно изготовить такой же экземпляр (как для великой княгини): вы заметите, что это роскошный экземпляр на самой плотной бумаге: у меня больше нет ни одного, и их больше не существует. К тому же я думал только о великой княгине, потому что она энтузиастка Вагнера. Без этого фона я бы о ней даже не подумал. Вы также должны знать, что пересылка и переплет в золото и кожу обошлись мне уже почти в 40 талеров. Поэтому я бы попросил вас оставить экземпляр себе, а лист с посвящением вырезать и заменить чистым листом: я с радостью напишу для вас новое посвящение на нем. —

В том случае, если я приеду к вам на Пасху, мне, возможно, удастся лично передать доброй Терезе другой экземпляр (на бумаге попроще и в красивом переплете): на что, возможно, можно было бы сослаться. В остальном же всегда думайте о том, не произведет ли книга, если ее действительно прочитают, эффект, совершенно нежелательный для вас, на такие неподготовленные души.

Что касается наших родственников, то я больше всего беспокоюсь о последнем: они должны знать, чего я хочу, и если, например, пастор Шенкель не захочет приобрести книгу, то пошлите ее ему от моего имени с добрыми пожеланиями. О том же прошу в отношении опекуна Дехзеля. Просто возьмите два экземпляра у Домриха: или, еще лучше, напиши, дорогая Лизбет, господину Э. В. Фричу в издательство в Лейпциге и попроси его за мой счет и от моего имени отправить 1 экземпляр Шенкелю, 1 — Дехзелю — и укажи точные адреса, которых я не знаю.

Здесь я получил и принял приглашения от Буркхардт-Хойслеров, Фишер-Саразинов, Турнейзенов: вчера был бал у фрау Бишофф-Фюрстенбергер: я не пошел из-за сильного катара и насморка.

На март и апрель у меня было очень настойчивое и любезное приглашение в Грецию (Афины, Крит, Наксос) от одного знакомого, который очень богат и хотел бы провести со мной время. Я отказался, потому что мне все еще нужно читать свои лекции до конца марта «Об образовательных учреждениях»: к которым я отношусь серьезно. Возможно, вы посмеетесь, когда я скажу вам, что этот знакомый — сын Феликса Мендельсона.

Здесь мне неоднократно выражали радость по поводу того, что вы снова хотите приехать в Базель. Выражая это теперь и со своей стороны,

остаюсь ваш Фриц.

201. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, Mitte Februar 1872>

Быстро, мой дорогой верный друг, хочу я написать тебе еще пару строк. С «Аугсбургской газетой» ничего не выйдет, мы не хотим связываться с этим листком, потому что на его совести гнусные истории против В<агнера>. «Норддойче» была бы в нашем распоряжении — но не кажется ли тебе это смешным? Мне, по крайней мере. Подумай также о том, что я не согласен с тобой относительно тактики рецензирования моей книги в том смысле, что я хотел бы держать подальше всё метафизическое, всё дедуктивное: ибо именно это, сжатое в кривом зеркале, действует совершенно не побуждающе к чтению, а наоборот. Неужели ты сам не думаешь, что такой читатель в духе Царнке, прочитав твою рецензию и ничего больше не зная о книге, может почувствовать себя избавленным от бремени ее читать — в то время как желаемым результатом должно быть как раз обратное: чтобы все, кто занимается античностью, были обязаны ее прочитать. Мы ведь не хотим облегчать задачу добрым филологам настолько, чтобы самим их отпугнуть — они должны узнать в ней себя. Кроме того, вовсе не обязательно, чтобы эта книга действовала чисто метафизически и в некотором роде «трансцендентно»: здесь Якоб Буркхардт для меня живое доказательство: он, который держится как можно дальше от всего философского и, прежде всего, от всей философии искусства, а значит, и от моей, настолько очарован открытиями книги для познания греческого духа, что думает об этом день и ночь и дает мне пример плодотворнейшего исторического использования на тысячах деталей: так что мне предстоит многому научиться на его летнем курсе по истории греческой культуры, тем более что я тогда буду знать, насколько знакома и близка почва, на которой это выросло. Ты и он — вы оба вместе действительно представляете идеал настоящего читателя: в то время как ты говоришь о «космодицее», он рассказывает мне, что только теперь по-настоящему понял Афинея и т. д. Но так как для книги, как говорит Буркхардт, сначала должна быть достигнута определенная «известность», прежде чем ее начнут воспринимать всерьез, то тактика рецензирования — вещь, заслуживающая размышления. Твою рецензию, кстати, В. находит «превосходной»: госпожа В. также считает, что она слишком, слишком хороша для «Аугсбургской газеты»; однако последняя желает, чтобы ты лучше обратил внимание на поступок, чем на произведение. С этим я опять-таки не совсем согласен: ибо в чем заключается поступок, выразить не так легко, не нанеся величайшего оскорбления читающей публике: а поступок следует оценивать по его результатам — возможно, они здесь очень незначительны, возможно, всё сведется к удару током в воду — короче, я не хочу, чтобы обо мне говорили. Затем, если хочешь оценивать «поступки», нужно уметь говорить авторитетно.

Итак, мой дорогой друг — я говорю тебе всё совершенно открыто, как чувствую. Я благодарю тебя за твои благородные усилия и буду рассылать твою рецензию в письмах среди друзей — но давай оставим веру в то, что мы сейчас чего-то добьемся такими рецензиями. Желанная «известность», возможно, будет достигнута и скандальными суждениями и оскорблениями — я советую тебе ничего не писать обо мне, как я определенно не ожидаю этого ни от Вагнера, ни от Буркхардта: мы все хотим подождать и радоваться или огорчаться в частном порядке.

Только что я был очень удивлен письмом Ричля и, в сущности, весьма приятно: он не утратил ко мне ничего из своей дружеской мягкости и пишет без всякого раздражения: что я ставлю ему в большую заслугу. Я посылаю тебе его письмо с той же просьбой, что и раньше — при случае надежно переслать мне документы. Из письма ты также узнаешь кое-что относительно Дерпта.

Здесь я в полной мыслительной деятельности о будущем наших учебных заведений: и день за днем идет «организация» и «регенерация», правда, пока только в голове, но с самой определенной практической «тенденцией». Я сегодня выражаюсь гнусно: списывай мою стилистическую нужду на вечно текущий насморк и общее недомогание из-за κατάρρους с βράγχος. Ты писал в Трибшен? В заключение я расскажу тебе о 22 мая, т. е. дне рождения Вагнера, закладке фундамента театра в Байройте, равно как и вагнеровского дома, наконец, классическом исполнении 9-й симфонии — так что «Все в Конневиц!» Действительно, мы все встречаемся на Троицкой неделе в Байройте. Дорогой друг, это почти необходимо, и для тебя тоже, быть там. Я говорю это так серьезно, как только возможно, и думаю, что тебе это тоже так покажется. Пятьдесят лет спустя мы сочли бы непростительным, безумным не быть там — так что преодолеем осознанные неудобства — Базель и Киль, вероятно, будут иметь в Байройте свой центр. Я действительно заклинаю тебя нашей святая святых, искусством — приезжай туда! Мы должны пережить это вместе, так же как в следующем году «сценические фестивали». Пиши мне поскорее, мой дорогой верный добрый друг, и думай обо мне как о том, кто через огромный рупор кричит тебе: Байройт!!

Ф. Н.

202. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Freitag. <15. März 1872>

Наконец, дорогой друг, от меня снова письмо. Не удивляйся: было и есть о чем подумать. Посреди профессиональных трудностей, причем двойных, мне еще нужно было подготовить 6 лекций об образовательных школах. Это станет моим вторым трудом, и, надеюсь, к середине года или раньше ты получишь его в руки. Он носит вполне увещевательный характер и по сравнению с «Рождением» его можно назвать популярным или экзотерическим. Я хочу доставить себе удовольствие адресовать его с сильным предисловием «филологическому обществу» в Лейпциге. Ты, конечно, понимаешь эту меру со всех сторон. ... Достигнутым здесь эффектом я чрезвычайно доволен, у меня самые серьезные и преданные слушатели, мужчины и женщины, и почти все студенчество лучшего толка. Когда я думаю о своих надеждах и планах, ты всегда присутствуешь в моих мыслях, так что недавно я даже рассердился и сказал себе: «все только Роде и никто другой! Черт возьми!» Мой дорогой и верный товарищ, нам просто нужно попытаться и дальше пробиваться вместе. Если бы я только мог снова найти в своих мыслях об образовательных учреждениях твое безусловное участие и одобрение, которые были так отрадны мне при крещении первенца! Печально, что я могу представить тебе все эти вещи только в печатном виде: в то время как, по сути, между нами все должно быть обсуждено, продумано и прожито слово за словом. Ну, придет когда-нибудь день, когда все будет иначе: я в это верю.

Что же я пережил? Очень хорошие письма и, по крайней мере, весьма примечательные о моей книге, например, от Ромундта; правда, очень метафизические: он сейчас пишет трактат — ну о чем же! конечно, о «вещи в себе» и посвятит его мне. Затем от Ференца Листа (крайне удивительно!), от Ганса фон Бюлова, от гауптмана фон Балиганда, от Густава Круга, от доктора Хагена из Берна, затем я получил несколько сообщений через трибшенских дру<з>ей, из которых знаю, что книга распространилась от Москвы до Флоренции и везде ее понимают очень серьезно и восторженно. Короче говоря, вокруг нее формируется небольшая община — только от бравых филологов я ничего не слышу — тупо — глухо — молчок! Молчок! как говорится в переводах Шекспира.

Впрочем, я понимаю все, что ты говоришь мне в конце своего письма, и поэтому еще раз спрашиваю тебя, есть ли у тебя желание написать большую статью в «Norddeutsche Allgem.» (воскресное приложение) или письмо редактору «Rheinische Museum» для публикации в нем. Оба варианта кажутся мне заслуживающими внимания. Нам не следует бояться скандальности перед филологами, и я сейчас стремлюсь к тому, чтобы все попало по нужному адресу. Еще одна идея: возможно, адресовать письмо о моей книге Берлинскому обществу Вагнера, конечно, для печати в «Nordd. Allgem.». Затем я мог бы предложить тебе анонсировать доклад для предстоящего в этом году съезда филологов. Все эти предложения довольно одинаково скандальны. Но к чему застенчивость, если есть что сказать дельное?

Лучшим, впрочем, было бы, пожалуй, открытое письмо о книге, адресованное Рихарду Вагнеру, страниц на 40, красиво напечатанное у Э. В. Фрича. При этом было бы необходимо выступить в качестве филолога и учителя: возможно, это могло бы стать небольшим посвящением к дню основания в Байройте. В гласности для такого свидетельства, представленного по такому случаю, у тебя недостатка бы не было.

Это, пожалуй, самая приемлемая идея. Напиши мне хоть словечко об этом. А теперь прощай, мой дорогой товарищ по войне и миру!

Твой верный, сейчас к
обеду готовящийся друг
Ф.Н.

203. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Dienstag. <19. März 1872>

Мои дорогие мама и сестра,

я действительно слишком долго молчал, но в конце каждого зимнего полугодия наступает состояние истощения, которое делает даже легкую обязанность написания писем довольно трудной. Правда, я и сейчас еще не закончил это полугодие: ведь нужно преодолеть еще неделю лекций, 3 недели в педагогиуме и 2 публичные лекции. Но я уже вдыхаю воздух освобождения и приближающейся весны. Конечно, со своими пасхальными каникулами я в этот раз ничего не могу поделать, — потому что у меня их почти нет. Так что ни Наумбург, ни французская Швейцария, а Базель. У меня занятия до Чистого четверга, а затем снова со вторника после Пасхи, и притом еще три недели. 29 апреля начинается наш летний семестр.

Зато я использую неделю на Троицу, как уже объявлял, для поездки на Байройтский фестиваль, и надеюсь вскоре услышать от тебя, дорогая Лизбет, что-то решающее и определенное. Кстати, теперь у меня есть надежда, что я смогу найти для тебя жилье совсем рядом со мной, в двух домах от молодых Фишеров, в одном из тех маленьких домиков, где живут всего несколько женщин.

О моих переживаниях лишь то, что я несколько раз был нездоров, но в целом мужественно пережил зиму. Приходит много приятных писем, например, одно от Густава Круга, которого я прошу передать, что хотел бы видеть его на Троицу в Байройте. Очень любезно написала министр Шлейниц, очень великолепно — Ференц Лист. И так далее. Здесь было много общения. Тебе очень понравятся замечательные профессора Иммерманы. Недавние приглашения к Штехелин-Бруннерам, к Бахофенам, к президенту Турнейзену. И так далее.

Стало ли теперь фактом, что Оскар получил ту должность в Наумбурге? Вы ведь уже писали мне об этом раньше и тем самым объяснили, почему наша дорогая мама не может провести лето в Базеле: что она вместо этого заберет Лизбет, это ведь все уже было решено раньше, поэтому в своем последнем письме я просто придерживался этой договоренности.

Позавчера мне рассказали о письме, которое от тебя, дорогая Лизбет, пришло к Фишерам. Молодая супружеская пара Фишер-Сарасин вернулась из поездки. Хартманн теперь покидает Базель. На его место приходит профессор Айзеле, до сих пор депутат в Берлине и окружной судья в Хехингене: говорят, что его жена родом из Наумбурга. Кто это? Надеюсь, никто из круга Шиллингов.

Ну, живите хорошо, сердечно вас приветствует ваш измученный и

все же оставшийся без каникул
Ф.

204. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 22 März. <1872>

Глубокоуважаемый господин,

этой зимой я здесь, в Базеле, по поручению «академического общества» прочел 6 публичных лекций на следующую тему: «О будущем наших образовательных учреждений». Каждый раз у меня было около 300 слушателей: с самых разных сторон меня призывали опубликовать эти речи. Однако для меня самого очень важно, чтобы они были напечатаны хорошо и красиво.

«Если я сообщаю Вам все это, то Вы догадываетесь о смысле моего письма. Конечно, я знаю, что тема этих моих лекций еще дальше отстоит от сферы Вашего издательства, чем «Рождение трагедии». Во всяком случае, я хотел бы прежде всего сделать Вам предложение: и я был бы очень рад, если бы Вы могли его принять.

Мое предложение касается точно такого же оформления и таких же условий, как и в случае с «Рождением». Однако к 22 мая, по двойным причинам, экземпляры должны быть готовы к отправке. Что в этот день происходит в Байройте, мы знаем: кроме того, в этот день начинается всеобщая немецкая встреча филологов и учителей в Лейпциге. Донести до последних смысл первого события и положить на сердце учителям культурное значение нашего музыкального движения — вот намерение и суть моих лекций.

Но, как уже было намекнуто, уважаемый господин — для Вас ни с какой стороны нет никаких обязательств: если Вы напишете мне без объяснения причин: «это невозможно», то я Вас полностью пойму и буду считать это письмо исчерпанным.

Во всяком случае, я не мог обратиться сначала ни к кому другому, именно потому, что с моей последней книгой у меня был такой приятный и ценный опыт.

Дайте мне вскоре краткий ответ и примите это письмо таким, как оно написано: искренне!

Ваш покорнейший
Фр. Ницше.

205. An Wilhelm Pinder in Naumburg

Basel <25. März 1872>

Мой дорогой Вильгельм,

Вот еще один поздравляющий, самый запоздалый, который горько сожалеет о том, что не был своевременно извещен о «свершившемся факте», с которым он только сегодня приносит тебе свои поздравления. Как часто я вспоминал о тебе в январе и феврале этого года, полагая, что в это время тебе пришлось пройти через то бюрократическое чистилище, от огня которого я до сих пор не ощутил ни капли — единственное, что порой кажется мне в самом себе «мифическим».

Если твоя новая достойная должность берет свое название от «сидения», то я все же со всей серьезностью советую тебе не воспринимать это слишком буквально: напротив, рассматривай свою должность по меньшей мере как «положение», а еще лучше как «странствие»: во-первых, странствие от одной ступени почета к другой, а во-вторых, как странствие к своим друзьям и на юг. После чистилища ты должен обратиться к Данте, чтобы получить наставления о дальнейшем пути: и это путешествие к Данте приведет тебя, например, и мимо меня.

Приезжай же, мой старый друг, и вспомни свое обещание, которое ты дал своим родителям и мне. Теперь хорошенько погрей свое тело на солнце Италии, после того как ты усладил свой дух солнцем императорского прусского министерства. Будь теперь «заседателем» снежных гор и выбрось однажды свое накопленное прошлое в виде стопок актов в какой-нибудь бурный поток; готовься теперь к «походу на Рим» и наслаждайся в Италии плодами того почитания пруссаков и немцев, которое распространили там Лоэнгрин и принц Фридрих Карл. Позволь солнцу подрумянить тебя, и после того, как ты, словно бездельничающий лаццарони, как следует «постоял за себя» и «приложил руку» к делу, ты можешь потом снова «посидеть».

Прими к сердцу эту вариацию на тему «сидеть, стоять, идти» и внемли категорическому императиву!

mille mille mille passus meabis!

Я сам не так «свободен», как ты, и должен провести всю пасхальную неделю в Базеле как «сморщенный школьный учитель». Как бы я хотел снова увидеть вас, моих добрых наумбургских друзей! Как бы я хотел лично поблагодарить Густава за прекрасное письмо! Ах! Гора не идет к Мухаммеду! Итак, почтеннейший Мухаммед, иди к горе! Села!

Твой
Ф. Н.

206. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 6 April 1872

Глубокоуважаемый господин тайный советник,

я отправляю сегодня в Лейпциг четырех своих бывших учеников и слушателей и хотел бы дать им с собой нечто, что привело бы их к Вам: чтобы они позже, возмужав под Вашим началом и вдохновленные Вашим участием, вернулись в Базель как дельные «старые студенты». Ибо для меня прежде всего важно, чтобы наше здешнее филологическое преподавание не было обращено исключительно к студентам первых семестров; летний семестр с предположительно малым числом студентов, как предстоящий, ценен для меня в том отношении больше, чем иной более богатый, ибо я знаю, что тем временем способные базельцы созревают и становятся мудрее в другом месте — а именно у Вас.

Прошу Вас, глубокоуважаемый господин тайный советник, обратить внимание на этих четверых. Это господин Фон дер Мюль, брат Вашего лейпцигского приват-доцента, надежный и проверенный студент, который до последнего времени был старшиной нашего семинара. Затем г-н Ахерманн, бывший католический теолог из Люцерна, мыслящая голова и строгий характер, затем г-н Хотц, жаждущий знаний и подающий большие надежды, наконец, г-н Боос, со склонностью к книгам и полигистории, которого, возможно, можно будет использовать в библиотеке. Пусть эта маленькая группа будет Вам рекомендована.

Пиша это письмо и вспоминая дату, я соображаю, что это должен быть как раз Ваш день рождения, когда я обращаюсь к Вам письменно. Это совпадение я склонен истолковать как благоприятное предзнаменование для моих базельцев: которые, таким образом, могут предстать перед Вами как запоздалое восьминогое во плоти поздравление, чтобы напомнить Вам также об отдаленном, но знающем себя близким ученике и последователе, — который не приедет в Лейпциг на Троицу и, возможно, сможет лично приветствовать Вас снова только осенью.

За прекрасное и подробное письмо, которое Вы написали мне о моей книге, я приношу Вам искреннюю благодарность, тем более что я, по сути, спровоцировал его своим настойчивым домогательством. Но я непременно хотел знать, как Вы отнесетесь к моей книге. Теперь я знаю это и спокоен: правда, не полностью. Но об этом я не хочу писать. Позже то, чего я хочу, станет для Вас более ясным и очевидным, когда будет опубликовано мое сочинение «О будущем наших образовательных учреждений». Между тем я высказываю убеждение, что филологам потребуется несколько десятилетий, прежде чем они смогут понять столь эзотерическую и в высшем смысле научную книгу. Впрочем, очень скоро выйдет второе издание.

Сохраните обо мне добрую память и передайте Вашей достопочтенной супруге наилучшие пожелания от Вашего

преданного
Фридриха Ницше

207. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> Donnerstag, <11. April 1872 oder kurz danach>

Любимый друг, чтобы немного поднять тебе настроение волшебной игрой надежды, я сначала расскажу тебе в ответ на твое письмо, к какой комбинации я недавно пришел — правда, пока только в мыслях — относительно тебя и твоего призвания, или, иначе говоря, средств к существованию. Я размышляю о том, как ты к Михайлову дню мог бы со всеми почестями и доходами занять мою Базельскую профессуру в качестве моего полноценного преемника. Сам же я хочу следующей зимой попутешествовать по немецкому отечеству, то есть, будучи приглашенным вагнеровскими обществами крупных городов, читать лекции о Нибелунговых сценических фестивалях — каждый должен делать то, что является его долгом, а в случае столкновения — то, что является его долгом больше. Если же я таким образом на одну зиму отделюсь от университета, то непременно воспользуюсь возникшим вакуумом, чтобы на 2 года отправиться на юг. Ради этой цели я слагаю с себя здешнюю должность, так что ты тогда во всяком отношении станешь моим преемником; если же университет будет ко мне благосклонен, то я думаю, он оставит за мной титул и достоинство ординарного профессора, не затрагивая при этом совершенно независимую от них, предназначенную тебе профессуру, конечно, без жалованья. Склонен ли ты ознакомиться с этой комбинацией? — Как я уже сказал, рассматривай это как проект, о котором мы должны договориться. Сам я думаю, что с последними остатками своего состояния, возможно, 2000 талеров, смогу просуществовать еще 2,5 года — а что будет потом, знает Бог, и меня это пока не касается. Небесное блаженство — странствовать на юг не в качестве стипендиата, с глазами, обращенными назад, к императорскому министерству! Но прежде всего я должен знать, готов ли ты в случае необходимости. Решение должно быть принято в конце мая. —

Ты доставил мне сердечную и огромную радость, когда отправил письмо Вагнеру. У нас ведь нет другого покровителя для того лучшего и благороднейшего, к чему мы стремимся: поэтому по праву ему как жертвенный дар причитается все, что растет на нашей собственной ниве. Если я чего-то сильно недостаю, так это именно твоей близости: мы должны были бы всегда вместе вдохновляться им и продвигаться в познании его произведений. Нибелунгово творение все больше предстает перед моими изумленными взорами — как нечто невероятно гигантское, завершенное и не имеющее равных. Но трудно приближаться к таким произведениям: поэтому тот, кто считает, что многое из этого прочувствовал и понял, должен об этом говорить — отсюда мой зимний план.

Желаю тебе радостного и счастливого успеха в твоем послании к В. Подумай, я прошу тебя, о том, в какое время ты оказываешь это В.: позже я смогу тебе ясно объяснить, насколько это был один из самых сложных и волнующих моментов, в который любой истинный знак понимания и участия является облегчающим бальзамом.

Я прилагаю ряд писем: от Ромундта, от фон Балиганда (камергера короля Баварского), от Ференца Листа, от Густава Круга, от профессора Хагена из Берна, от Шюре из Флоренции, от графини Кроков, от фрейлейн Матильды Майер. Затем я мог бы еще рассказать об очень любезном письме министра фон Шлейниц из Берлина, от фрейлейн фон Мейзенбух из Флоренции и т.д. Ганс фон Бюлов, которого я еще совсем не знал, посетил меня здесь и спросил, может ли он посвятить мне свой перевод Леопарди (результат его итальянских часов досуга). Он настолько в восторге от моей книги, что ездит повсюду с многочисленными экземплярами, чтобы их дарить. Скоро будет второе издание. Впрочем, еще нет никакого публичного объявления, даже объявления книготорговца — это успех в кругу семьи. Дом, редактор «Кладдерадач», тоже «восторженный» и напишет об этом — возможно, первым: что выглядело бы трогательно и нелепо. — Только наши сумасшедшие филологи молчат — письмо от Ричля было все же очень неискренним и к тому же весьма незначительным.

Виндиш обручился в Лейпциге с дочерью Рошера — о, какая прекрасная родословная!

Герсдорф верен, деятелен и хорош, как всегда, и сейчас находится в самой полезной и постоянной переписке с Трибшеном. — Впрочем, мой дорогой добрый друг, Байройт 22 мая для нас неизбежен, по велению судьбы! А осенью ты ведь, если моя комбинация удастся, станешь бенефициарием! Так что приезжай, но прежде напиши мне. На все, что ты предпримешь, прими благословение твоего друга, который любит тебя и сердечно тебе предан.

Фридрих Ницше.

208. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, kurz nach dem 15. April 1872>

Мои дорогие мать и сестра

уже давно я в долгу перед вами за сердечнейшую благодарность за прекрасные, подробные и полные участия письма, а в последнее время — за приятно удивившую меня посылку с той групповой фотографией. Последняя, как мне кажется, удалась, хотя мне и приходится принять в придачу изрядное количество физиономий, чтобы иметь право рассматривать всё это как портрет нашей Лизбет: к тому же из-за своего положения на заднем плане она выглядит ещё меньше, чем есть на самом деле. Но всё же, в отличие от луганского произведения искусства, это шаг вперёд к лучшему: чему я очень рад. Однако стоит подумать, можно ли фотографировать вместе с лексиконом или, в крайнем случае, не лучше ли взять другую книгу. Кстати, на днях я получил экземпляр указателя к «Rhein. Mus.» для тебя, дорогая Лизбет: который я приберегу как сюрприз к твоему дню рождения.

В последнее время дела у меня шли не лучшим образом. Я всё ещё страдаю от сильного насморка. Он помешал мне на днях провести вечер у Ларош-Буркхардов. Сегодня же я приглашён на обед к Гейзерам и хочу рискнуть. Сами пасхальные дни я, как вы правильно догадались, провёл в Трибшене: где мы прятали пасхальные яйца и т. д. В среду перед Чистым четвергом меня посетил здесь доктор Ганс фон Бюлов, в высшей степени восхищённый моей книгой: он анонсировал мне посвящение книги, написанной им в Италии. Я слышал, что скоро потребуется второе издание моей книги. Мой издатель Э. В. Фрич недавно передал мне приветы от Рейлса из Галле: кто это? — и одновременно сообщил, что он в самом узком смысле мой земляк, уроженец Лютцена. — Профессор Иммерман, мой сосед (преемник Либермайстера), был опасно болен рожей: сейчас ему лучше. Возможно, мы ненадолго поедем вместе, чтобы оба поправились: ведь зима была для меня очень важной и утомительной. Моя книга, мои лекции, много профессиональной работы, много общения и две композиции в 4 руки — и всевозможные события, планы и наброски! Успех моих лекций, кстати, был необычайным — потрясение, восторг и ненависть — прекрасно сочетались.

Профессор Шульц во время каникул отправился в Рим и лежит там, страдая от суставного ревматизма. С профессором Нейманом я недавно был на Фробурге — и мы действительно видели цепь Альп. Затем я провёл вечер у Штехелин-Вишеров. Также у Буркхардт-Хойслеров. Андреас Хойслер сейчас со своей женой в Герзау, по его сообщениям, всё идёт очень хорошо. Вишер-Хойслеры теперь тоже строят себе дом. Ромундт в Риме. Он анонсировал мне посвящение своей следующей книги. Семья Вишер сейчас на каникулах едет в Баден в Швейцарии. — Здесь царит неслыханная нехватка жилья.

Ну, сегодня я действительно много рассказал — но тут мне приходит в голову, что у меня есть к тебе, дорогая Лизбет, ещё одно поручение. Ты должна привезти мне несколько предметов одежды, изготовленных у Хаверкампа, (уже в Байройт!) Во-первых, моя дорогая мать, закажи мне, пожалуйста, у почтенного портного фрак, настоящий образцовый фрак. Мой нынешний совсем износился — усилия этой зимы! Затем ещё светлые серые элегантные брюки на лето.

с которыми я остаюсь
Ваш верный сын,
«соответственно» брат
Фриц.

Передавайте тёте Рикхен сердечный привет от меня. — Вильгельму Пиндеру я довольно давно написал поздравительное письмо. Скажите Густаву, что я только что закончил композицию в 4 руки, которой очень доволен, переработку первой страницы моей «Новогодней ночи», и она, конечно, выросла до 7 страниц. —

Затем ещё чёрный, лучше всего бархатный жилет; к фраку. Или шёлковый. Мерки ведь должны остаться у портного. — Господи боже, мне ещё не хватает летнего пальто, моё нынешнее служит уже 4-е лето! и поэтому отлично себя зарекомендовало! Но выглядит теперь жалко!

209. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Vernex, zweite Aprilhälfte 1872>

Глубокоуважаемый господин,

наконец-то Вы получаете от меня ответ с Женевского озера, который я задерживаю лишь потому, что мне пришлось принять серьезное и важное решение. Оно касается нашего дела в той мере, что в любом случае его задерживает. Мои лекции должны быть полностью переработаны и облечены в иную форму, на что мне прежде всего нужно время. Зато, когда я закончу, Вы получите настоящий, добротный «издательский продукт», то есть такой, чья значимость должна пережить нас. Доверяйте хоть немного моей «литературе»; я никогда не буду писать много, но то немногое, что я напишу, я всегда буду предлагать Вам в первую очередь, при условии, что оно носит более общий характер и не является слишком узкофилологическим. Насчет этого немногого мы уже можем питать некоторые надежды. Оно живет и будет жить. Какие странные письма я уже получил по поводу моей последней книги! Мои коллеги-филологи, конечно, еще очень отстают, но подождите немного. Им придется читать ее и перечитывать снова и снова. И мы увидим третье издание так же верно, как и второе.

Сегодня я прошу Вас разослать еще несколько экземпляров за мой счет и от моего имени. Адресов я не знаю, но их должно быть легко узнать в Лейпциге. А именно: один экземпляр музыкальному историку Амбросу, который, кажется, сейчас живет в Вене. (Эту посылку мне посоветовал Бюлов, сам бы я до этого не додумался). Затем автору «Философии бессознательного» Э. фон Гартману. И, наконец, редактору «Kladderadatsch» Дому, который, как я слышу, является энтузиастом.

В скором времени к Вам придет нечто, что должно Вас немного удивить, а может быть, и позабавить.

До встречи в Байройте! Вы будете знать, что Р. В. направляется прямо из Вены в Байройт. Возможно, «Гибель богов» будет закончена на этой неделе, пусть даже только в первом наброске. Но об этом я не рассказываю редактору музыкального еженедельника.

Постарайтесь же непременно оградить В. в это время от всего раздражающего, огорчительного и волнующего. Я лично прошу Вас об этом, так как на Пасху был свидетелем того, какое воздействие на В. оказало письмо, которое должен был написать И. И. Вебер. Госпожа В. также просит меня передать Вам, уважаемый господин, ту же просьбу. На этом одном человеке лежит так много, что мы все должны сообща помогать ему, насколько это возможно, нести неизбежное вместе с ним и ради него.

Будьте здоровы, дорогой господин земляк! Я рад буду видеть Вас в мае!

Ваш покорнейший
Фридр. Ницше.

Пансион Лориус в Верне, близ Монтрё.

210. An Franz Overbeck in Basel

<Vernex, zweite Aprilhälfte 1872>

О Геркулес! Вс-

ё до сих пор прошло превосходно, за исключением факта весьма унылой погоды сегодня. Однако мы живем не в пансионе Кеттерер, а в пансионе Лориус близ Верне: куда я теперь хотел бы попросить Вас адресовать друга Пиндера. Пусть он немедленно телеграфирует мне, как только прибудет в Базель, если хочет жить в том же, до сих пор, пожалуй, переполненном людьми пансионе.

Мы оба шлем Вам сердечнейшие приветы и уже несколько раз вместе сожалели о Вашем отсутствии!

Пожалуйста, пересылайте мне также приходящие письма по тому же адресу

Ваш глубоко привязанный друг
и брат ἐν θεῷ
Ф. Н.

211. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

(Mit Tribschen ist es nun, seit heute, aus!)<Basel,> Montag 29 April 1872.

Глубокоуважаемый господин,

вот обещанный мною недавно сюрприз — сочинение для фортепиано в четыре руки моего друга Джорджа Чатема, служащее доказательством того, насколько сильно уже в Англии ощущается влияние вагнеровского гения. —

Будьте добры, скажите мне при нашей встрече в Байройте, что Вы думаете об этой музыке. —

Первое объявление о выходе «Рождения трагедии», кстати, появилось — но где! В итальянском журнале Rivista Europea, в апрельском выпуске, одновременно с рекомендательным замечанием о Вашей музыкальной газете. — Не могли бы Вы прислать мне публикацию берлинского академического Вагнеровского общества?

Ваш покорнейший
Д-р Фридр. Ницше.

212. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 30 April 72.

Мой добрый дорогой друг, это же настоящая телеграмма счастья, распространяющая во все стороны свет, воздух, тепло и благоволение у Бога и людей! Подумай только, что именно в эти дни я от всего сердца жаждал такого быстрого поворота событий, потому что внезапно испугался, что моя дружба может плохо сказаться на тебе и быть дурно истолкована в кругу товарищей. Я как раз собирался письменно, но настойчиво просить тебя не предпринимать ничего, что могло бы указывать на очень близкие отношения со мной или даже с Вагнером; ибо я боюсь, что наше дело с «Centralblatt» уже было достаточно разнесено с определенным комическим оттенком, чтобы, возможно, настроить того или иного человека против тебя. Но теперь, когда мы стоим как два воина посреди академической гильдии в качестве верных соратников, и «жизненная нужда» наконец скрыла свой лик, мы снова можем позволить себе рискнуть многим, чтобы напугать людей — по пословице: «Что ужаснее флейты? — Две флейты!»

Трибшен с сегодняшнего дня закончен! Как среди сплошных руин я провел там еще несколько дней, полных меланхолии. Мы много говорили о тебе, мне также рассказали о твоем «глубоком, значительном и волнующем письме»: как только установится хоть немного покоя, В. напишет тебе. Тем временем он просит передать тебе через меня, как сильно он благодарит тебя, и просит непременно принять его приглашение в Байройт на 22 мая. Ты был понят и навсегда обеспечен сердечнейшим участием в этом кругу. Ах, какая огромная жизнь бурлит теперь из этого центра! И как же мы исключительно счастливы, что нам не нужно стоять в стороне!

Первая рецензия на мою книгу тоже вышла и оказалась очень хорошей — но где! В итальянском журнале Rivista Europea! Это мило и символично!

У меня же есть признаки того, что я уже сейчас кажусь настоящим коллегам по специальности смешным, смешным и невозможным, из-за чего, например, в письмах мне больше не выказывают обычной вежливости. Теперь ведь вышел и указатель rhein. Mus. — подумай только, что ни Ричль, ни Клетте не сказали мне ни словечка благодарности за эту бесплатную и собачью работу! Уже моя статья о Гомере (хотя она и не была опубликована) вызвала высказывание: «еще один такой шаг, и он погублен!» Тут, конечно, подобает показать зубы постепенно становящемуся все более наглым народцу и мягко ткнуть их носом в вещи, которые они своими глупыми глазами видеть не желают. Однако мои 6 лекций пока не будут напечатаны, а только следующей зимой, после полной переработки. — Ах, как я радуюсь, мой друг, что мы теперь оба стоим внутри академических укреплений, с огненными факелами в руках — твое последнее письмо вызвало во мне самое благодарное чувство: как бесконечно одиноким я бы себя чувствовал, если бы, при всех намерениях и надеждах, я не мог думать о тебе, я не могу представить себе без содрогания. Твоя любовь для меня стоит миллион, говорит Фальстаф. В Байройте мы обсудим все вместе, о чем я сегодня не могу написать, не написав слишком много. Только это: вероятно, что я продержусь в университете еще несколько семестров и приберегу благословенное бегство на юг до того момента, когда мое положение станет невыносимым и отвратительным. Пока что это не так. Да, с момента твоего сегодняшнего назначения я тоже настроен более блестяще и пышно, чем давно, и чувствую себя немного позолоченным лучами императорско-министерского солнца милости, которое сегодня взошло над тобой и твоим домом. Ora pro nobis! К тому же сегодня редактор «философских ежемесячников» затребовал мою биографию, благодаря чему я в некотором роде чувствую себя принятым в число «профессоров философии». В-третьих, мне кажется, что я слышу из Страсбурга верующее и патриотическое ликование и праздничную песнь pereat diabolus atque irrisores! Общее академическое воодушевление переполняет грудь, с которым я, бросившись к ней, а именно к твоей, намерен остаться,

высокопочтенный господин профессор,
Ваш преданный
irrisor academicus.

213. An Theodor Muncker in Bayreuth

Basel, 1. Mai. <1872>

Глубокоуважаемый господин обер-бургомистр,

Мой великий друг Рихард Вагнер пригласил меня вместе с сестрой присутствовать на торжествах 22 мая. Поэтому я вынужден обратиться к Вам с двойной просьбой: во-первых, зарезервировать для меня два места, а во-вторых, распорядиться насчет жилья. Я сам намерен прибыть в Байройт в субботу перед Пятидесятницей: моя сестра приедет вслед за мной во вторник.

Прошу простить меня за беспокойство, которое причиняют эти просьбы, и примите заверения в моем глубоком уважении и признательности.

Ваш покорный слуга
Д-р Ницше,
Ординарный профессор университета
Базеля.

214. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel 1. Mai <1872>.

Мой дорогой добрый друг,

не взыщи с меня, если я время от времени делаю паузу с ферматой в нашей переписке: для этого, конечно, есть причины, но внешние, которые никак не касаются нашей дружбы. Было много дел, да и я сам некоторое время был довольно подавлен и нездоров. Зиму нужно было пережить, и пришлось принять немало важных решений, о которых я тебе не рассказываю, потому что однажды расскажу при встрече. А именно в Байройте! Я прибуду туда в субботу перед Троицей: прошу тебя, устройся так же. Сегодня я написал обер-бургомистру Мункеру по поводу жилья. Я слышал, что фрау фон Муханов, графиня Краков и фрейлейн фон Мейзенбуг тоже уже заявили о своем приезде: так же, как и фрау фон Шлейниц. Она написала мне очень любезное письмо, за которое ты, дорогой друг, при случае можешь ее очень красиво поблагодарить.

Роде тоже приедет, он вчера телеграфировал мне из Киля, что стал там профессором. Можешь ли ты послать ему хоть строчку поздравления? У него есть прекрасные планы, которые касаются Вагнера и меня одновременно — но об этом пока нельзя говорить. Первая рецензия на мою книгу тоже уже появилась, но где! В итальянской «Rivista Europea»! Недавно я послал экземпляр Дому. Я уже рассказывал тебе об энтузиазме фон Бюлова? И о том, что он анонсировал мне посвящение книги? А также о том, что он сказал мне, что очень скоро потребуется второе издание? — Говорят, публикации студенческого Вагнеровского общества после трибшенских бедствий должны быть очень хорошими. Я считаю крайне удачной мысль о том, что он хочет взять на себя прежде всего «духовную агитацию», разъяснение значения этих предстоящих торжеств. Нанеси визит председателю г-ну Кёрперу и намекни ему, чтобы он прислал печатные издания мне и Роде, т.е. единственным вагнеровским профессорам. Возможно, также Э. фон Хартману (адрес которого я хотел бы получить)

То, что ты пишешь мне о своем господине отце, глубоко тронуло меня: в таких проявлениях я почитаю чудесную немецкую, или, как я предпочел бы сказать, прусскую серьезность, от которой теперь можно ожидать всего, в то время как к плавающей наверху «немецкой культуре» я сейчас отношусь с величайшим сомнением.

Как поживают твои друзья-художники? Приедет ли кто-нибудь из них в Байройт? Как же я этого желаю!

В прошлую субботу было печальное и глубоко волнующее прощание с Трибшеном. Трибшен теперь перестал существовать: мы ходили вокруг, как среди сплошных руин, волнение было повсюду — в воздухе, в облаках, собака не ела, семья слуг, если с ними заговаривали, постоянно всхлипывала. Мы упаковывали рукописи, письма и книги — ах, это было так безрадостно! Эти три года, которые я провел рядом с Трибшеном, за которые я совершил туда 23 визита — что они значат для меня! Если бы их не было, что бы я из себя представлял! Я счастлив, что в своей книге я увековечил для самого себя тот трибшенский мир.

Мы начинаем здесь летний семестр — сегодня день инаугурации Страсбургского университета: я думаю об этом празднике с самыми смешанными чувствами.

Летний курс Буркхардта будет чем-то уникальным: ты многое теряешь, что не можешь его посетить. Слышал ли ты, что Б. в последние недели получил очень серьезное приглашение в Берлин? Он отказался.

Мой дорогой друг, как же прекрасно, что мы так скоро увидимся снова. Но еще прекраснее то, что мы, спустя год, снова по-настоящему нашли друг друга. Наши самые прекрасные надежды и планы теперь идут по одному пути. Я с сердечной радостью слышу, что ты находишь утешение в клавираусах: мы должны начать наши нибелунговские штудии теперь со всей серьезностью, чтобы стать достойными таких неслыханных вещей.

Напиши мне до Байройта хоть слово о договоренности насчет нашей встречи.

С сердечной любовью
Твой
Ф.Н.

215. An Gustav Krug in Naumburg

<Basel,> 2 Mai 72.

Мой дорогой добрый друг,

начало семестра, работы невпроворот, время летит, как паутина осенью, поэтому довольствуйся парой деловых строк и представь меня на миг базельским купцом. Конечно, мы утешаем себя Байройтом, конечно, я жду тебя там: и действительно, никаких препятствий нет. Я лишь прошу тебя немедленно написать г-ну Э. В. Фричу в Лейпциг и просто сообщить ему, что ты хотел бы принять участие в Байройтских торжествах как член его Вагнеровского общества. Добавь еще, что я, твой друг, также прошу г-на Фрича позаботиться о жилье для тебя в Байройте.

Если что-то не получится, просто телеграфируй мне. Но ни в коем случае не отказывайся от приезда.

Как я благодарен тебе, мой друг, за твою композицию, которую я действительно изучил с изумлением как благородное произведение искусства. Ты достиг чистоты и свободы голосоведения и мягко взволнованного пафоса. Я с нетерпением жду возможности поговорить с тобой об этом. У меня готово нечто подобное, пьеса в четыре руки, исполненная мрачнейшего пафоса, сплошные заклинания.

Сердечно тебя приветствую!
Твой
Фридрих Н.

216. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 2. Mai 1872>

Моя дорогая Лизбет,

время нашей встречи приближается; поэтому я должен сегодня написать тебе кое-что определенное о байройтских делах. Вчера я письменно обратился к обер-бургомистру Байройта по поводу жилья и мест, конечно, также сообщил, что ты будешь со мной. Сам я прибываю туда в субботу перед Троицыным воскресеньем и теперь прошу тебя точно определить время твоего приезда. Праздничный день (среда) включает два больших акта: днем — закладка фундамента с торжественной речью Вагнера, вечером — Девятая симфония. По-видимому, потребуется парадный туалет. Это будет приятная встреча ближайших друзей дома Вагнера. Думаю, мы будем жить в одном отеле со следующими друзьями: министром фон Шлейницем с супругой, госпожой фон Муханов, графиней Кроков, фрейлейн фон Мейзенбуг. Герсдорф и Роде (который стал профессором) тоже приедут.

Ты, должно быть, слышала, что я провел несколько дней с Вильгельмом Пиндером на Женевском озере? Я ездил туда с профессором Иммерманом и теперь немного оправился. — Недавно прощание с Трибшеном. Это теперь позади. —

Наша дорогая мама передала мне через Вильгельма письмо, за которое я сердечно благодарю. Тем временем вы, вероятно, уже давно получили мое письмо. Пиндер привез мне сочинение, посвященное мне Густавом Кругом, которое я очень ценю. Виндиш обручился с дочерью национального экономиста Рёшера в Лейпциге. Здесь было много болезней, и всё время что-то вроде тифа. Бетели Фишеров, затем молодая госпожа Фишер-Саразин, ребенок Иммерманов, старая госпожа Фишер и т. д. Сейчас молодой профессор Фишер в Страсбурге, старый — в Бадене.

Первая рецензия на мою книгу тоже вышла, красивая и хорошая — но где? В итальянском журнале Rivista Europea.

Вы позаботились о моей одежде? Ты привезешь ее мне в Байройт. А также деньги, о которых ты мне пишешь.

Нет, чего только ты не переживаешь! Такая байройтская история! Ты сама себе будешь казаться всё более странной, моя добрая сестра. Привези с собой только бодрость, хорошее настроение, а также любовь к Базелю и к твоему

брату
Ф.

217. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 4 Mai. <1872>

Мой дорогой друг,

второе письмо по пятам за первым. Periculum in mora. Я почти отчаиваюсь в возможности добиться для тебя места слушателя. Зал на 700 мест переполнен. Мои друзья из «Фантазии» только что дали мне знать.

Поэтому немедленно напиши профессору Риделю в Лейпциг, а еще лучше — разыщи его и предложи себя, используя всё свое красноречие, в качестве певца. Это кажется мне единственным выходом. Скажи Риделю, что я сердечно прошу его об этом и ручаюсь за твою высочайшую музыкальную одаренность и способности.

Преданный тебе
Ф. Н.

218. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 4 Mai. <1872>

Мой дорогой друг, дай мне, я прошу тебя, как можно скорее и решительнее ответ на мой запрос, приедешь ли ты в Байройт. Я ведь рассчитываю на это с доверительной надеждой, и не только я, но и мои друзья в Фантази. Сегодня я получил оттуда известие: места в театре переполнены, в то время как это прекрасное здание в стиле рококо вмещает всего 700 зрителей. «Однако Вагнер для Вас и доктора Роде, которых он безусловно считает своими, самым решительным образом зарезервировал два места». Дословно.

Два «вагнеровских» профессора не должны отсутствовать.

Я уезжаю в пятницу перед Троицей и буду в субботу с самого утра в Байройте. Мы увидим репетиции, это необходимо. Дай поскорее знать своему

ожидающему другу
Ф.Н.

219. An Gustav Krug in Naumburg

Basel, Himmelfahrtstag. <9. Mai 1872>

Мой дорогой друг, я получил твое меланхоличное послание и все же еще не потерял всей надежды, хотя и знаю, что нехватка мест — величайшая. В конце концов, кто-то из записавшихся не придет, и — раз! — ты на его месте. Письменно и устно я горячо рекомендовал твою просьбу своим друзьям в «Фантазии». Только вот они в этом деле тоже не могут творить чудеса. Но все же давайте еще немного подождем. Фрич еще не писал? Значит, он во всяком случае серьезно старался. Не можешь ли ты заменить какого-нибудь дружественного тебе патрона? — Если благоприятный ответ придет очень поздно, я дам телеграмму.

Amicissime твой
Ф. Н.

220. An Erwin Rohde in Kiel

Sonntag Basel. <12. Mai 1872>

Мой дорогой друг, слава Богу, что ты хочешь приехать. Учитывая чрезвычайную нехватку мест, жилья и т. д., было совершенно необходимо быстро узнать, приедешь ли ты. Об этом уже давно сообщено в «Фантазию», где сейчас живут мои друзья.

Итак, мы снова увидимся! Наши встречи становятся всё грандиознее, всё историчнее, не так ли?

Я слышал, что первая репетиция будет 19-го числа, вторая — в понедельник, третья — во вторник.

Правда, я немного болен, у меня «опоясывающий лишай» на шее: но я надеюсь, что между кожным заболеванием и функцией мозга вовремя будет заключен мир: ибо я должен быть в Байройте, несмотря на cingulum.

В короткие моменты пасхального отдыха возникла также патетическая музыка для фортепиано в четыре руки: так что теперь два χορικὰ как бы обрамляют ἐπεισόδιον этой зимы. — Кстати, я хочу привезти тебе свои зимние лекции, которые вызвали здесь непропорционально большое волнение и энтузиазм, особенно среди студентов. Печататься они не будут. Сейчас я читаю в университете «Хоэфор» для 6 слушателей, доплатоновских философов — для 10. Это прискорбно! Наши уважаемые коллеги-специалисты хранят полное молчание по поводу моего сочинения: они даже не пикнут. Тем временем я вынашиваю совершенно новые вещи, о которых ты услышишь.

Когда ты собираешься прибыть в Байройт? Я, как уже сказал, буду там с субботы утра.

Ах, это действительно невероятно, что мы переживаем! И вместе! Если бы я подумал, что мы не понимаем друг друга в таких существенных вещах! Чего бы мне не хватало! Мы снова принесем жертву гению нашей дружбы.

Прощай! Дорогой друг
Ф. Н.

Великий день! Концерт Вагнера в Вене! И — день riforma federale в Швейцарии! Для неё это либо начало конца, либо конец начала.

221. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 12. Mai 1872>

Моя дорогая Лизбет, я пишу немедленно, прежде всего, чтобы поблагодарить тебя за то, что своим полным самоотречения письмом ты избавила меня от неловких усилий. Представь себе, что несколько дней назад я получил из Байройта известие, что даже для тебя нет места; и что я сам получил его только благодаря энергичному вмешательству В. и его заявлению, что я принадлежу к его кругу. Ты должна знать, что я единственный человек во всем байройтском предприятии, у которого до сих пор нет никакого права. Ведь я не патрон и даже не член вагнеровского общества. Мои трибшенские друзья прекрасно знают, о чем мы с тобой договаривались, и я убежден, что госпожа В. пыталась найти для тебя место: тщетно. Короче говоря, объяснять тебе это было не очень приятно: к тому же мы не получили жилья в Б., так как обер-бургомистр не дает мне ответа, а мои друзья в Фантази сомневаются в успехе.

Если бы я написал на пару дней раньше, я бы лишил тебя возможности написать такое трогательно-самоотверженное письмо: короче, я нахожу, что все устроилось как нельзя лучше, и сердечно благодарю тебя. К тому же я немного нездоров, всю ночь не спал и сам терзаюсь страхом, что, возможно, и сам не смогу поехать в Б.

Итак, моя дорогая Лизбет, пока что остается в силе договоренность о том, что в четверг после Троицы мы встретимся в Кульмбахе и вместе поедем в Базель. К сожалению, твое смирение, как ты теперь видишь, еще не принесло никакого результата для бедного Густава К<rug>.

Не взыщи за краткость моего письма, сердечно приветствуй нашу дорогую матушку и оставайся

при всем том
любящим
твоим братом Ф.

В пятницу перед Троицей я уезжаю отсюда. — Роде стал профессором в Киле и приезжает в Б.

222. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 24. Mai 1872>

Моя дорогая мама, моя дорогая сестра, вот я снова в Базеле и сразу же думаю о том, чтобы сообщить вам об этом, дабы как можно скорее испытать радость от приезда моей сестры. В то же время я сердечно благодарю за прекрасное известие о том, что и ты, моя дорогая мама, хочешь некоторое время в этом году быть нашей дорогой гостьей.

Вообще, вы оказали мне много добра и любви своими прекрасными хлопотами и подробным письмом, отправленным в Байройт. Всё хорошо. Возможно, Густав К<rug> расскажет вам что-нибудь обо мне: сам я пока еще безмолвствую о пережитом! — Уже пришло письмо с приглашением, которое касается и тебя, дорогая Лизбет. К Турнейзенам в Гемюзеус, которых ты еще не знаешь.

Если моё рвение писать быстро приводит к тому, что вы ничего не можете прочесть, то так тому и быть. Ведь вы должны почувствовать только моё рвение, больше мне пока нечего сказать, кроме как

до свидания!
Фриц

Привези мне красиво переплетенный экземпляр «Рождения трагедии».

223. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 27 Mai 72.

Друг, друг, друг, что же ты наделал! Такое Э. Р. не пережить второй раз. Я погружался, не видя этих букв, медленно, всё более изумленно читая, в байройтскую бездну чувств, и наконец слышу, что голос, который звучит так торжественно и глубоко, — это голос друга. Ах, любезнейший друг, это ты со мной сотворил!

Я пишу ночью и в спешке, чтобы попросить тебя позволить мне сделать оттиск с этого твоего великолепного! объявления, красивый и роскошный, ты останешься доволен, бумага и печать как у моего сочинения. Тогда я ведь могу по своему усмотрению рассылать экземпляры нашим друзьям, как я делал это раньше (с «Сократом и трагедией»)? Как ты? Невероятно, не правда ли?

Я таю. Борьба, борьба, борьба! Мне нужна война.

Прощай, мой друг!
Мой друг!
Фридрих Н.

224. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 27 Mai 72.

Глубокоуважаемый господин,

Вы, вероятно, уже видели великолепную и весьма пространную рецензию на нашу книгу в последнем воскресном приложении «Norddeutsche Allgemeine». Она написана профессором доктором Роде из Киля.

Я прошу Вас теперь заказать за мой счет около пятидесяти оттисков этой рецензии, как можно скорее, а именно: в формате бумаги и шрифтом, полностью соответствующими моей книге. Я думаю, это составит пол-листа. Корректуру следует отправить Роде по указанному адресу. — Пожалуйста, помогите мне, чтобы всё прошло быстро и хорошо. Я, как всегда,

Ваш покорнейший
Д-р Фр. Ницше.

225. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

<Basel, 31.Mai 1872> Freitag Morgen.

Глубокоуважаемый господин советник,

Здесь Вы получаете первую подробную рецензию, которую до сих пор получила моя работа о рождении трагедии. Она написана профессором Роде из Киля, и, возможно, покажется Вам заслуживающей внимания из-за него самого. Самую первую, но более краткую заметку опубликовал итальянский журнал «Rivista Europea».

Будьте добры, верните мне этот листок при случае.

Моя сестра прибывает в Базель завтра (в субботу) вечером; о чем я только что, к своей радости, был извещен.

С неизменным почтением
Ваш
Фридрих Ницше.

226. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 3. Juni 1872> Montag.

Мой дорогой друг

не беспокойся ради меня: то, что можно было предвидеть, застает меня во всеоружии. Я никогда не ввяжусь в полемику. Жаль, что это именно Виламовиц. Ты, может быть, знаешь, что еще прошлой осенью он любезно навещал меня. Я тогда подумал: ему бы только оказаться в правильном окружении и под хорошим влиянием, тогда он, при его даровании, при его чистом рвении, быть может, созрел бы и для того уровня образования, который теперь, конечно, предполагает моя книга и которого у него сейчас нет.

Прошу тебя прислать мне эту брошюру как можно скорее: наши книготорговцы слишком медлительны.

Тебя, мой дорогой друг, я тоже жалею в связи с этим неожиданным эпизодом: почему это должен был быть именно Виламовиц?

Все остальное же, что ты мне пишешь, необычайно прекрасно и привлекательно. Твое переживание в Вартбурге действительно может казаться тебе в воспоминаниях каким-то железнодорожным сном.

Ах, мой друг, мы знаем, что мы пережили. Эти свято чтимые воспоминания никто не сможет у нас отнять. Защищенные ими и борясь за них, мы должны теперь идти по жизни и прежде всего стремиться быть во всех наших главных шагах как можно более серьезными и сильными, чтобы оказаться достойными тех великих переживаний и отличий.

Как я был счастлив, что ты и Роде были там! Это будет связывать нас все крепче.

Прощай и терпи!
Мой дорогой друг!
С верностью, но
спешно
Твой
Ф. Н.

227. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 8. Juni 1872>

Видишь ли, мой дорогой, дорогой друг, как мы вызывающе себя ведем! Мы также скоро узнаем, как мы одиноки. Теперь мы должны честно оставаться на своем посту. Если ты сейчас встанешь рядом со мной, как самый сильный копьеносец-соратник, то я, конечно, напомню тебе, что κελαινοῦ κύματος πικρὸν μένος быстро обернется и против тебя. Но об этом мы должны утешиться вместе. Все, что ты хочешь сделать, да будет благословлено моей любовью! Мы хотим верно держаться друг друга, дорогой друг, в более серьезных бедствиях, чем нынешнее. Ибо это лишь наглая прелюдия, сыгранная неопытной мальчишеской рукой — мы лишь предчувствуем ту «мелодию», которая однажды зазвучит нам из круга «высших» — ἐπὶ δὲ τῷ τεθυμένῳ τόδε μέλος παρακοπὰ παραφορά —

Герсдорф сообщил мне о примерном содержании того памфлета: будучи лишь наполовину просвещенным и не уверенным в форме, я тоже был несколько нервно возбужден; со вчерашнего дня я держу сочинение в руках и совершенно спокоен. Я не настолько невежествен, как представляет меня автор, и не настолько лишен любви к истине: скудную ученость, которую он выставляет напоказ, нужно, конечно, немного стоптать в подошвах, прежде чем можно будет рассуждать о таких проблемах. Только с помощью самых наглых интерпретаций он достигает того, чего хочет. При этом он плохо меня читал, ибо не понимает меня ни в целом, ни в деталях. Он должен быть еще очень незрелым — очевидно, его использовали, стимулировали, подстрекали — все дышит Берлином. Представь себе, что он посетил меня прошлой осенью в Наумбурге в образе почитания, и что я сам посоветовал ему серьезно отнестись к моему готовящемуся к выходу сочинению. Это он, на свой манер, и сделал. Ничего не поделаешь, его нужно зарезать, хотя мальчишка, безусловно, лишь соблазнен. Но это необходимо из-за дурного примера и из-за предполагаемого огромного влияния такой брошюры, полной лжи и обмана. В благодарность за то, что ты его зарежешь, он потом где-нибудь получит профессорскую должность и будет счастлив.

Прежде всего, однако, дорогой друг, мы хотим отнестись к делу высоко и серьезно, на наш манер; и рассматривать этого критического малого лишь как тип: в этом смысле я искренне рад, что ты удержался за мысль о послании к Вагнеру. То, что ты в этом стоишь на моей стороне, безусловно, вызовет неслыханный переполох в филологическом улье; я от всего сердца благодарю тебя за это намерение. Фрич должен сделать свое дело быстро и красиво, в этом я убежден.

А теперь прощай, мой дорогой верный друг! Мы можем быть мужественными и возвышенными! Мы можем это!

Адью! Возлюбленный филолог будущего!
Твой Ф. Н.

228. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 10. Juni 1872>

Мой дорогой друг,

чтобы ты был совершенно спокоен за меня и не думал, будто я провожу свой день в каком-то волнении, пишу тебе, что я прочел памфлет и сразу же полностью успокоился. Ведь меня там ни словечко не задевает! Все до мельчайших деталей — искажение, непонимание и злоба. Конечно, этот юнец заслуживает наказания, и в какой форме оно последует, тебе скажет прилагаемое письмо Роде.

Мне искренне жаль этого молодого, сбитого с толку человека, и я, как и ты, испытываю подлинное огорчение, когда думаю о его добром имени. Но ничего не поделаешь! Он должен быть публично наказан: однако мы между собой не будем забывать, что это плоды нынешнего воспитания молодежи и нынешней филологии: и если Виламовиц до конца своих дней будет нести на себе это клеймо, то пусть оно всегда напоминает ему, как позорно он был введен в заблуждение, соблазнен, подстрекнут и как плохо он был обучен.

Я думаю, мой дорогой друг, что теперь у меня есть еще один опыт, типичный опыт; теперь я знаю и то, чего до сих пор не знал, — как я могу переносить подобные вещи. Более подготовленным и смелым, чем когда-либо, я смотрю в будущее, и замыслы нового сочинения (еще не педагогического) растут во мне. Покой, созерцание и простое удовлетворение вернулись ко мне, как только я прочел этот опус.

Так что не огорчайся и думай о нашей байройтской общности! У нас, друзей, теперь все общее!

С сердечной любовью
Твой Ф.

229. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 11. Juni 1872> Dienstag.

Сегодня я пишу тебе лишь для того, мой дорогой друг, чтобы ты был совершенно спокоен за меня; я действительно нахожусь в желанном для тебя μελιτόεσσα εὐδία, и даже в некотором приподнятом настроении. У меня в гостях сестра, и я провожу с ней самое безобидное существование, тогда как в более уединённые часы меня посещают образы, которые я постараюсь укротить в своём следующем сочинении. Я с удовольствием читаю свои лекции, особенно о досократовских философах; эти великие существа кажутся мне живее, чем когда-либо, и я могу читать почтенные пространные отчёты Целлера только с насмешкой. Кстати, что я с радостью и одобрением последовал за тобой в хронологическом вопросе о Пифагоре: вообще я сейчас как следует впитываю твою статью. Считаешь ли ты уместным, что я, примерно по манере Аристотеля, но вопреки обычаю, рассматриваю пифагорейскую философию уже после атомизма и перед Платоном: собственно развитие должно же туда попасть. Что сам Пифагор уже нашёл все зародыши этой философии, как ещё полагает Целлер, я не верю, и очень слабо всё то, из чего он хочет вывести знакомство с пифагорейскими принципами у Парменида и др. Вся философия чисел представляется мне, напротив, как новый путь, к которому подбодрило видимое или кажущееся неудачей элеатское учение, Анаксагора, Левкиппа — скажи, пожалуйста, своё мнение об этом вкратце, одним словом.

Затем я открыл особое значение Анаксимандра. — К временным определениям Аполлодора я в принципе отношусь с доверием: он уже раскрыл всё произвольное в старых διαδοχαί и уничтожил их своими числами. — В качестве главных фигур я рассматриваю Анаксимандра, Гераклита, Парменида — в таком порядке: затем Анаксагора, Эмпедокла, Демокрита. Фалеса я беру как предшественника Анаксимандра, Ксенофана — как предшественника Парменида, Анаксимена — как предшественника Анаксагора, Эмпедокла, Демокрита (потому что он первым выдвинул твёрдую теорию о том, как! идёт мировой процесс, μάνωσις πύκνωσις). Левкипп тоже предшественник. Кроме того, есть последователи, Зенон и т. д. Вот уж красивая таблица категорий: главная фигура, предшественник и последователь!

Теперь же мне нужно обедать. Мой дорогой друг, я всегда думаю о тебе с величайшей любовью и успокоением: и с ощущением, что мы избежали большой опасности, а именно опасности не побывать вместе в Байройте. Не заслуживает ли это особой возлиянии? Чтобы немедленно её совершить, я отправляюсь к столу.

Я приветствую тебя от всего сердца и прошу тебя о нескольких строчках письма

Твой Фр. Н.

230. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 18. Juni 1872>

Мой дорогой друг

я пролежал пару дней в постели из-за последствий желудочно-кишечного заболевания и даже сегодня чувствую себя довольно разбитым — так что не жди ничего особенно разумного, когда я сейчас, после многообразных перекрестных размышлений и расчетов, отвечаю на твое письмо. Ах, мой дорогой друг, в таких случаях то, что называют «самым умным», вовсе не угадывается хитростью: но потом замечаешь, удалось ли тебе это или нет. Ибо случай необычный, и я не знаю, по каким аналогиям судить. Я со своей стороны придаю исключительное значение тому, чтобы филологи пришли в благотворное изумление, когда ты внезапно, как филолог, встанешь на мою сторону. Что В<агнер> написал в своей любви ко мне, я не знаю: при нынешней грубости наших собратьев по цеху это в любом случае подействует иначе, чем он ожидает. В таких случаях становится видимым невидимый заговор против «духа». Но самое неожиданное, даже по-настоящему ужасное, это то, что филолог, облеченный достоинством, осмеливается встать на мою сторону: то, что этого никогда бы не случилось, именно это сделало возможным безгранично наглый тон того берлинского мальчишки. Впрочем, я самым решительным образом полагаю, что он лишь эхо своих вдохновляющих «высших», в качестве его оправдания. В качестве благотворного предостережения и чтобы не приходилось иметь дело с этими отвратительными берлинскими «здоровыми источниками» при каждом новом продукте, ты бы, даже после письма В., сделал нечто весьма полезное, если бы изобразил филологам нашу позицию по отношению к древности во всей ее серьезности и строгости и прежде всего подчеркнул, что здесь право голоса есть не у любого произвольного доктора философии, не говоря уже о праве на рецензирование. Дорогой друг, я представляю себе твое сочинение прежде всего исходящим из более общих наблюдений о нашей филологической деятельности: чем общнее и серьезнее эти рассуждения, тем легче все же адресовать это В. Ты мог бы, например, в начале объяснить, почему ты обращаешься именно к В., почему не, скажем, к собранию филологов: что нам сейчас совершенно не хватает высшего форума для идеальнейшего воздействия наших античных исследований. Затем ты мог бы рассказать о нашем байрейтском опыте и надеждах и отсюда вывести право связать и наши античные стремления с этим «Проснитесь! Ибо близится день». Затем, переходя к моей книге — и т. д. Ах, дорогой друг, так смешно с моей стороны, в моем вялом настроении, записывать это. Но главное, как мне кажется: обращение к В. должно остаться, потому что именно прямая связь с В. больше всего пугает филологов и заставляет их задуматься. Так же, однако, казнь того Виламовица должна быть совершена чисто филологически. Возможно, ты мог бы, после более длинного введения общего содержания, адресованного В., провести черту и теперь, с извиняющимся оборотом, совершить «заклание». В любом случае, однако, в конце трактата тон должен снова стать настолько общим и серьезным, чтобы о Виламовице забыли и в памяти читателя остался лишь примечательный факт, что с нами шутки плохи; чего у филологов достичь очень многого. Ибо до сих пор я слыву у них «шуточным филологом» или, как я недавно слышал, «музыкальным литератором».

Поскольку сочинение в любом случае будут читать нефилологи, то будь же, дорогой друг, в цитировании не слишком «благородным», чтобы нефилологические друзья древности узнали, где они могут чему-то научиться. К сожалению, тон моего сочинения запрещал любое поучение такого рода. Если возможно, постарайся стереть впечатление, будто она рассказывает о существах с Луны, а не о греках. — Получится ли у этого послания объем страниц в 30—40? И устраивает ли тебя, если его издаст Фрич? Или должен взять Тойбнер? Это мне, вероятно, устроил бы Ричль (Р. невероятно любезен и благосклонен ко мне) — Прости мне, мой д<орогой> д<руг>, это глупое письмо и сделай все по своему усмотрению. Но будь уверен, что я придаю очень большое значение тому, если ты это сделаешь. Меня, в моем нынешнем одиночестве, можно не заметить, посчитать фантазером или дураком: если мы оба встанем рядом, оба с любовью к В., то это должно вызвать безумное скандальное внимание среди наших филологических обывателей и негодяев. В сердечной любви и верности твой

Ф. Н.

231. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel,> 24 Juni <1872>

Твое письмо, мой дорогой друг, все же попало в мои руки раньше, чем «Nord. Allgem.» с ее воскресной радостью. Я от всего сердца благодарю тебя за проявленное ко мне теплое участие и любовь: все это дело постепенно превратилось из позора в честь, и никто не должен быть доволен больше, чем добрый Фрич. Если теперь еще Роде в качестве филологического ангела-истребителя возьмется за «Виламовицевский пасквиль» против «Фрица Ницшева Фрич-остроумия» (— рекомендуется для упражнения в произношении! —), то мы целыми и невредимыми, да еще и украшенные цветами и лентами, покинем поле битвы. Сегодня как раз:

«Иванов день, Иванов день!

Цветов и лент, сколько хочешь!

Мой дорогой друг, я торжественно сообщаю тебе, что приеду в Мюнхен на постановку «Тристана»! Значит, мы снова увидимся, это чудесно! Только я совсем не знаю, когда генеральная репетиция, когда первое представление. «Musik. Wochenblatt» говорит, что 28-го будет поставлен «Тристан».

Я сейчас же дам телеграмму Бюлову.

В спешке и с преданностью
всегда твой
Твой.
Ф Н

232. An Hans von Bülow in München

Basel, Johannistag, 24 Juni 72.

Глубокоуважаемый друг,

податель сего письма, которого я имею честь вам представить, — господин Карл фон Герсдорф, кавалер Железного креста, почитатель «Тристана»: он едет из Берлина в Мюнхен с той же целью, что приведет туда и меня из Базеля, как только я получу от вас знак, что пришло время.

Настоящим горячо рекомендую вам моего друга Герсдорфа!

Мы все жаждем «Тристана»! — Читали ли вы письмо В<агнера> ко мне в воскресном приложении к «Nordd. Allg.»?

Сердечно приветствую вас,
Ваш
покорнейший слуга
д-р Фридрих Ницше.

233. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel.> Am 24 Juni 1872

Иванов день! Иванов день!

Цветов и лент, сколько душе угодно!

Да, возлюбленный учитель, с истинным удовольствием расстаюсь я с этим Ивановым днем, который принес мне ваше чудесное и долго звучащее во мне письмо. Как блестяще могу я отметить такой день в своей жизни, который в конце своем лишь напоминает мне с благодарностью оглянуться вокруг, не чувствовать себя одиноким и с радостным чувством восхищаться тем, что выпало мне пережить благодаря самой благоприятной судьбе: незаслуженное чистое благоволение и мощно оберегающую любовь величайшего духа.

Вы даете мне время созреть для моей задачи; да, вы сами доброй рукой вырываете даже самые упорные и строптивые сорняки с моего пути. Перед лицом всего этого я — не что иное, как будущее, и верить в него мне редко дозволялось так чисто, как в этот день, когда ваши надежды, кажется, гарантируют мне именно такое будущее, какого мы желаем.

Все, что вы мне пишете, здесь, моими друзьями, принимается за чистую правду; да, я верю, что Базель более подготовлен, чем многие другие города, чтобы понять именно эти ваши слова, и что немало людей радуются вместе со мной той публичной чести, которая мне оказывается.

Возможно, я еще не рассказывал вам, что доктор Ромундт прибыл сюда из Ниццы, чтобы хабилитироваться здесь в качестве приват-доцента философии; у него готова работа под названием: «Кант и Эмпедокл».

Мне самому физически было довольно плохо; я снова должен был лежать в постели и сегодня впервые ощущаю настоящее здоровье. Мне досадно, как легко и как часто я бываю совершенно выбит из колеи, но я надеюсь отныне быть все здоровее, и мой врач тоже в это верит.

Ах, глубокочтимый учитель, я сегодня так счастлив. Я избежал великой опасности в своей жизни — никогда не приблизиться к вам и не увидеть ни Трибшена, ни Байройта. С тех пор как я ношу в себе праздничное ощущение той закладки фундамента, я чувствую себя таким спокойным: дальнейшая судьба уже не так важна.

Только что пришедшая из Мюнхена телеграмма Бюлова дает мне теперь еще и надежду на этой неделе услышать «Тристана»! Невозможно пережить более богатое и полное лето — и все благодаря вам! Как я мог бы вас отблагодарить!

В верной любви
Ваш
Фридрих Ницше.

234. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 25. Juni 1872>

Скорее, скорее, мой дорогой друг! Отправляйся немедленно! В пятницу вечером первое представление «Тристана», в воскресенье второе представление. Мы должны услышать это произведение 2 раза!

Я уезжаю в четверг утром, я прошу тебя, приезжай! В воскресенье ночью я должен буду уехать обратно. Бюлов телеграфировал, что очень рад моему приезду.

Твой верный, пребывающий в прекраснейших надеждах
друг Ф. Н.

Я хочу остановиться в отеле «Мариенбад»: я прошу тебя также приехать туда. Барерштрассе, 4, недалеко от обелиска.

235. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 26 Juni 72.

Глубокоуважаемый господин тайный советник,

от всего сердца благодарю Вас за присылку прекрасного и внушительного каталога, прежде всего потому, что Вы были столь любезны обозначить меня в адресе как «почетного члена Л<ейпцигского> о<бщества>», — выражение, которое заставило меня рассмеяться в тот день, когда пришло Ваше отправление, ибо я полагал, что меня скорее следовало бы назвать «позорным членом». Ведь я как раз только что посмотрел в зеркало, подставленное господином Виламовицем, и осознал всю чудовищность своей физиономии.

Дела идут своим чередом, и я не знаю, почему должен воспринимать это всерьез — при условии, что Вы и те немногие другие, кто знает меня, еще не совсем отчаялись во мне. Во всяком случае, я исторг яростный вопль из берлинцев — это тоже кое-что. Ибо только так я и понимаю этот памфлет: из него ко мне говорит меньше В., чем другие «вышестоящие».

Теперь Вы, должно быть, были удивлены и, надеюсь, обрадованы, так же как и я, открытым письмом Вагнера ко мне (воскресное приложение к Norddeutsche Allgemeine Zeitung). В Берлине раздается второй яростный вопль. Это мне вполне по душе — ибо тамошний наглый сброд я ненавижу и считаю вредным и пагубным для всех основ нашей жизни и нашего образования.

Но теперь наступает третье и самое сильное. Вся вероломность, склонность к извращению фактов и наглость в оскорблениях того самого В. имеют своим фоном твердую веру в то, что ни один филолог-профессионал не вступится за мои взгляды: меня считали полностью изолированным. Теперь друг Роде пишет мне, что у него в руках находится сочинение чисто филологического характера в форме послания к Р. Вагнеру. В нем этот юный юнец будет отделан честным филологическим образом и в качестве предостерегающего примера.

Теперь у меня есть просьба к Вам, глубокоуважаемый господин тайный советник, и я полагаюсь при этом на Вашу любовь ко мне. Я хотел бы, чтобы сочинение Роде (около 40 страниц — как я уже сказал, под названием «Послание к Р. В.») вышло именно у Тойбнера и тем самым с самого начала попало на большой филологический рынок. Это значит — я не хотел бы, чтобы мы снова были вынуждены прибегать к музыкальному издателю (как Фрич). Тот большой резонанс, который вызовет шаг Роде, может придать Тойбнеру смелости для этого издания. — Было бы для Вас возможно как-то поддержать меня в этом желании? Ведь определенное удовлетворение перед лейпцигцами мне все же должны; не считаете ли Вы также, что ответный шаг, исходящий от нас, должен быть сделан как можно более внушительно и торжественно? —

Это, как я уже сказал, моя просьба — скажите мне «да» или «нет», я буду доволен. Ибо во всем этом деле я не принадлежу к числу «взволнованных».

Моя сестра у меня. Она много рассказывала мне о Вас и Вашей супруге, много, но все же далеко не достаточно; Вы даже не представляете, как я был рад тому, что у Вас и в Вашем доме обо мне сохранилась такая добрая и теплая память; ибо когда делаешь такие «странные вещи», как я, боишься растерять всю благосклонность и любовь самых близких друзей. Но это ложный страх, я знаю: ибо именно в такие моменты доказывается та верная любовь, о которой всегда с величайшей благодарностью помнит

Ваш преданнейший ученик
Фридрих Ницше.

236. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 7. Juli 1872> Sonntag.

Мой дорогой друг,

тем временем я предпринял попытку привлечь типографию Teubner для Вашего послания — через Ричля, в искренней привязанности которого я, несмотря на всю напряженность ситуации, уверен. Однако я отступился и посылаю Вам письмо Р. в качестве доказательства того, как принципиально уже истолковываются все наши шаги. Хотя я живу в довольно защищенном изгнании, время от времени до меня доносятся голоса самого наглого филологического высокомерия и пренебрежения; цех, по-видимому, приговорил меня к смерти. Но достаточно ли он силен, чтобы действительно убить — в этом я сомневаюсь.

Недавно мы (Герсдорф и я) хотели послать Вам телеграмму из Мюнхена. «Тристан»! Но мы подумали, что выражение нашей восторженной радости может дойти до Вас в очень болезненный момент, и воздержались. Ах, мой дорогой, дорогой друг! О «Тристане» невозможно говорить! — В первой половине августа будет повторение, затем, к юбилею университета, «Лоэнгрин» и — возможно, еще «Мейстерзингеры».

Получили ли Вы несколько оттисков Вашей великолепной рецензии? Она получила широкое распространение — я, издеваясь, одарил ею даже «злых». Никто не знает, что рассылка исходит от меня; ведь Герсдорф все устроил из Тегернзе. Гаупт, Курциус, Царнке и т. д. — все φίλτατοι (любезнейшие) получили ее! Да благословит их Бог!

Друг Ромундт прибыл сюда несколько недель назад — в качестве нашего штатного приват-доцента философии! Его приняли очень дружелюбно. В следующем семестре он будет читать лекции по «Материализму» и организует репетиторий по истории философии. Его поддерживают, и он вполне доволен. Его работа «Кант и Эмпедокл» выходит здесь в издательстве Георга.

В Мюнхене Бюлов сообщил мне о французском переводе моей книги. Одна восторженная дама, которая ранее переводила сочинения Шумана на французский, мадам Диодати (вилла Диодати близ Женевы, вилла Байрона), работает в полную силу.

Я познакомился с целым кругом флорентийских друзей.

Раз уж я занялся отправкой писем, я все же хочу, в качестве противоядия к письму Ричля, приложить последнее письмо Вагнера. Прочтите его! На душе становится странно от него.

Как дела у Вас, любезнейший друг? Здоровы ли Вы и умеренно ли довольны?

Я всегда так счастлив, когда думаю о Вас. Мы должны быть совершенно спокойны и не позволять волнам слишком сильно брызгать на нас. То, чего мы хотим, — хорошо, разве Вы не чувствуете того же? Посреди этого «хотения», в замысле и построении нашего мира, мне кажется, будто, кроме нас (в смысле вагнеровского «Мы»), никого вовсе нет. Тупая филологическая орава проносится мимо меня, как стая оловянных солдатиков.

Прощайте, мой добрый дорогой друг. Я хотел бы знать, чем Вы занимаетесь и в хорошем ли Вы расположении духа.

Сердечно приветствую Вас,
Ваш
Фридр. Ницше

Дорогой друг, теперь мы берем Фрича. Не так ли? Но поверьте только в одно: с этим самым посланием совсем нет такой спешки! Устраивайтесь поудобнее — но обращайтесь с филологами только в высоком, высочайшем стиле!!

237. An Paul Deussen in Marburg

Basel, am Montag.<vermutlich 8. Juli 1872>

Ну что, «значительно облегченный»! Так приходи же! Скорее! У меня тоже, по крайней мере со следующей субботы, каникулы. Тебя ждет сердечный и добрый прием, и ты унесешь отсюда многое такое, что никогда не будет доверено письму. Итак, мы снова увидимся, мой друг! Спустя 7 лет!

Твой Фридр. Н.

238. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, kurz vor dem 13. Juli 1872>

Мой дорогой друг,

мне только что пришла в голову мысль. Я замечаю, что никто не читал письмо Вагнера: и я клянусь Богом, что оно написано не зря, ибо оно прекрасно и правдиво.

Не могли бы мы издать письмо В. и твое послание вместе в одной брошюре у Фрича? Я полагаю, это поспособствовало бы тому, чтобы их прочитали оба. Название на твое усмотрение: например: Два письма о рождении трагедии. Затем второе, более конкретное название!

Если тебе кажется, что в этом предложении что-то есть, напиши мне как можно, как можно скорее! Тогда я немедленно переговорю об этом с В.

С поспешностью и любовью
Твой Ф. Н.

239. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 16. Juli 1872>

Вот, мой дорогой добрый друг, заглавие изобретения моего сожителя проф. Овербека, встреченного ликованием и насмешливыми криками.

*Афтерфилология
доктора У. ф. Виламовиц-Мёллендорфа.
Послание
филолога*

к

Рихарду Вагнеру.

Свое имя ты поставишь тогда лишь под письмом, т.е. в конце (но полностью, со всеми почестями!). В заключительном слове ты можешь с удовольствием еще несколько раз назвать Виламовица «афтерфилологом». Он слывет у нас представителем «ложной» филологии, и успех твоего сочинения должен состоять в том, чтобы он таким же предстал и другим филологам. Ричлю я хочу написать еще вполне серьезно и настоятельно, чтобы он все же оставил свою непостижимую выдумку, будто мы замышляли нападение на классическую филологию (или историю!). Я лишь писал ему, что ты в простой филологической манере хотел разделаться с наглым малым. Но письмо В<агнера> так его напугало, что он испугался за всех нас вместе взятых. К тому же забота о «тойбнеровской филологии»! Я рекомендую тебе это как лозунг в пределах четырех стен.

Что касается утверждения Виламовица об Аристархе и титанах, я не могу найти ничего, к чему бы он мог относиться. О догомеровском периоде битв титанов наиболее выразительно говорил Велькер в «Мифологии» I 262. Если бы я только не слышал постоянно эту слащавую претензию на гомеровский мир как на юношеский, на весну народа и т. д.! В том смысле, в каком она высказана, она ложна. То, что огромная, дикая борьба, исходящая из мрачной грубости и жестокости, предшествует этому, что Гомер стоит победителем в конце этого долгого безрадостного периода, — одно из моих самых твердых убеждений. Греки гораздо старше, чем думают. О весне можно говорить, если перед весной поставить зиму: но с неба эта чистота и красота не упали.

Моя концепция сатиров кажется мне чем-то очень важным в этом кругу исследований: и это нечто существенно новое, не так ли? — Очень предосудительно, что я назвал сатиров в их древнейшем представлении козлоногими: но ведь слишком глупо ссылаться против этого просто на археологию и т. д. Ибо археология знает только облагороженный тип из сатировской драмы: прежде лежит представление о козлах как служителях Диониса и о козлиных прыжках его почитателей. Козлиные ноги — это собственно характерная черта древнейшего представления: и без всякого археологического доказательства я хотел бы утверждать, что οὐτιδανοί καὶ ἀμηχανόεργοι Гесиода были козлоногими, то есть capripedes, как говорит Гораций (од. 2, 2) и другие поэты (в том числе греческие). σάτυροι я объясняю, как и τίτυροι, как редупликации корня τερ (как Σίσυφος относится к σοφός). τορός — пронзительно ясный, σάτυροι — «пронзительно кричащие», как эпитет козлов, подобно μηκάδες у коз. Я думаю, это знаменитое уравнение: τορός к τίτυρος = σοφός к σίσυφος. Если тебе нравится, то приведи это. — Конечно, я не путаю сатиров и панов, как обвиняет меня Вил. Я говорю на стр. 8: «Аполлон, который не мог противопоставить голове Медузы никакой более опасной силы»; Вил. говорит вместо этого «колебать» 9 и 18, где он даже цитирует меня неверно, с кавычками. Я до сих пор не понимаю, в чем В. видит препятствие: при условии, что он знает, что такое эгида. — Что я лишь выдумываю сцену, как, например, для Аполлона Бельведерского, ведь это ясно. — Для Архилоха особенно принимается во внимание Вестфаль, «История древней и средневековой музыки», со стр. 115: об этом у малого нет никакого понятия. — К прим. на стр. 26: конечно, оракульный стих звучит Σοφοκλῆς σοφὸς, σοφότερος δ᾽Εὐριπίδης. — «Вечно ясная любезность Софокла» доставила мне, как общее определение, много удовольствия. — На стр. 29, в верхних строках, стоит небесный пример бездумной плоскости читающего Вила. Вообще вся страница забавна. — На стр. 18 скандальные сальные шутки в середине страницы заслуживают наказания: я прошу тебя заглянуть, что я на самом деле сказал на странице 19. Также и девиз ужасно пошлый. — Смешение элегии с лирикой тоже мило. Также пусть радуется αὐλητὴς Мимнерм тому, что стоит на стр. 17. — Что Эсхил обозначает кульминацию античной музыки, наряду с Симонидом, Пиндаром, Фринихом, Пратином, мы должны просто верить Аристоксену. (Вил. стр. 21). Его общему ощущению я подчиняюсь также в отношении новых дифирамбиков. О «стимулирующей музыке» Аристофан говорит ясно: для миметического я, к сожалению, не могу привести ничего больше. Я не «хулю». Для духа новой музыки номов и дифирамбов мы должны использовать Еврипида, чья σκηνικὴ μουσικὴ была внутренне родственна той музыке: и к этому аристофановскую пародию. — О положении Сократа по отношению к трагическому искусству есть в высшей степени примечательное место у Аристофана, «Лягушки» 1491: χαρίεν οὖν μὴ Σωκράτει | παρακαθήμενον λαλεῖν | ἀποβαλόντα μουσικὴν | τά τε μέγιστα παραλιπόντα τῆς τραγῳδικῆς τέχνης и т. д. — Ты знаешь, что под «Музами с Дионисом в центре» я имел в виду висящую у Вагнера в Трибшене акварель Дженелли. — Скажи еще раз филологам, что мой Сократ имеет руки и ноги: я так сильно чувствую контраст моего описания по сравнению с другими: которые все кажутся мне такими мертвыми и истлевшими. — Мойра как вечная справедливость, управляемая руками Зевса, — это существенно эсхиловское представление. Предпоследняя страница Вила довольно подлая, с подлогами и т. д. Отношение Эсхила к мистериям ведь указывает и Аристофан. — Мой дорогой друг, не отчаивайся и не сердись — у тебя в руках ужасная работа: и когда я думаю, что ты при этом так безнадежно себя чувствуешь, я стыжусь и горько раскаиваюсь, что вообще принял от тебя такую жертву. Я рекомендую тебе немного насмешливого смеха и несколько дьявольских радостей в качестве приправы к существованию. В спокойном промежутке ты услышишь от меня многое о «Тристане», а также об огромном предприятии, касающемся Байройта, которое я зачал в Мюнхене и которое влечет за собой большую ответственность. Я всегда рядом с тобой, дорогой др<уг>!

Ф. Н.

Фричу я пишу сегодня. Итак, 2 листа?

[на конверте]

Пришли мне доклады! Прошу!

240. An Hans von Bülow in München

Basel 20 Juli 1872.

Глубокоуважаемый господин,

как же мне хочется еще раз выразить Вам, с каким восхищением и благодарностью я всегда помню о Вас. Вы открыли мне доступ к самому возвышенному художественному впечатлению в моей жизни; и если я был не в состоянии поблагодарить Вас сразу после обоих представлений, то припишите это состоянию полнейшего потрясения, в котором человек не говорит, не благодарит, а прячется. Все мы, однако, расстались с Вами и с Мюнхеном с глубочайшим чувством личной признательности; и, будучи не в силах выразить это Вам яснее и красноречивее, я пришел к мысли выдать Вам свое желание — суметь проявить себя по отношению к Вам по-настоящему благодарным — путем посылки сочинения, в конечном счете в скудной, но необходимой форме посвящения intra parietes. Такое благое желание! И такая сомнительная музыка! Высмейте меня, я это заслужил.

Теперь я слышу из газет, что Вы еще раз, 8 августа, будете исполнять «Тристана». Вероятно, я снова буду присутствовать. Мой друг Герсдорф также хочет снова быть в Мюнхене в нужное время. — На днях меня порадовало письмо от господина фон Зенгера. Читали ли Вы послание Р. В<агнера> о классической филологии? Мои коллеги пребывают в приятном раздражении. Берлинский памфлет против моей работы — под названием «Филология будущего!» — старается уничтожить меня, а готовящийся к выходу, как я слышу, ответный труд профессора Роде из Киля, в свою очередь, имеет намерение уничтожить памфлетиста. Я сам занят концепцией новой, к сожалению, опять «филологически-будущной» работы и желаю каждому памфлетисту подобного занятия. Посреди этого я хотел бы снова испытать целительную силу «Тристана»: тогда я вернусь, обновленный и очищенный, к грекам. Но поскольку Вы располагаете этим волшебным средством, Вы — мой врач: и если Вы обнаружите, что Ваш пациент сочиняет ужасную музыку, то Вы знаете пифагорейский секрет искусства — вылечить его «хорошей» музыкой. Этим Вы спасете его для филологии: в то время как он, без хорошей музыки, предоставленный самому себе, порой начинает музыкально стонать, как коты на крышах.

Оставайтесь, глубокоуважаемый господин, убежденным в моей привязанности и преданности!

Фридрих Ницше.

241. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 20./21. Juli 1872>

Мой дорогой друг,

ты снова написал мне прекрасные вещи, в самом деле! Твои возвращения становятся всё более значимыми. В продолжение этого последнего события сообщаю прежде всего то, что я сегодня узнал из газет: Бюлов, вероятно, станет генеральным интендантом в Мюнхене, тогда как господин фон Перфалль должен получить должность обер-церемониймейстера: известия счастливейшего свойства, комментарий к которым ты дашь себе сам — если только они правдивы. Нам, следовательно, следует пока попридержать наш восторг. Если бы они были правдой — что из наших надежд не было бы связано с этими событиями!

Но теперь, дорогой друг! Прежде всего я напоминаю тебе о твоем прекрасном добровольном и тогда поистине поразившем меня обещании, что ты снова будешь в Мюнхене в августе. Внемли же: я тоже не могу устоять!

Мы должны снова вместе пережить праздничную неделю «Лоэнгрина», «Летучего голландца», «Тристана» и хотим на этот раз с мудростью предаться также и изобразительным искусствам! Таков мой план.

Мюнхенский университет ведь празднует свой юбилей; я, вероятно, появлюсь там как один из представителей Базеля.

Я прошу тебя от всего сердца: приезжай! За любезное выполнение хлопотной рассылки объявлений сердечное спасибо, дорогой друг! Тем временем созревает ответная статья Роде: её вероятное название, которое, однако, прошу держать в секрете, —

«Лжефилология

доктора У<льриха> ф. В<иламовица-> М<ёллендорфа>

Послание филолога

Рихарду Вагнеру».

В печати у Фрича находятся 2 листа.

Завтра я хочу написать фрейлейн фон Майзенбуг в Швальбах. Мое время проходит в обдумывании прекрасных греческих и футуристически-филологических мыслей — это делает счастливым.

Передавай мой поклон, я прошу тебя, твоим почтенным родным и прости, если я сегодня краток. Зато тем дольше я хочу быть в Мюнхене — я действительно с восторгом думаю о третьем разе, когда буду вкушать «Тристана»! Это самый целебный напиток, который я знаю — я прибыл в Базель таким счастливо-безмятежным, как жених.

До свидания, дорогой, милый друг!
Ф. Н.

Базель, ок. 20 июля, но может быть и позже. Я ведь такой «неисторичный»

242. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 24 Juli 1872.

Мой дорогой Густав, на сей раз я расстаюсь с твоей музыкой действительно с большим трудом, как с чем-то, что с каждым днем становилось мне все дороже и симпатичнее и что наконец доверяешь почте лишь с неохотой, зная, что долго не услышишь вновь. Я влюбился в твою музыку: мне лишь хотелось бы быть большим музыкантом, чтобы иметь возможность еще беспрепятственнее упиваться ею. По меньшей мере, я желал бы иметь весьма хорошее переложение для 4 рук, сделанное мастером фортепиано и современной техники. Твоя музыка, говоря по-библейски, источает елей грации и меланхолии; как же неловко я себя чувствую со своими неуклюжими историями и нескладными fortissimi с tremoli, когда вижу твое голосоведение, подобное красиво чешуйчатым грациозным змеям, и изучаю твою контрапунктику! Право, мой дорогой друг, тебе не нужно никем становиться: ибо ты уже стал тем, кто нужен — дельным музыкантом, в то время как такие, как мы, выставляют себя на посмешище своими «дионисийским» и «аполлоническим». Как несравненно любое подлинное творчество по сравнению с любым теоретизированием! Но будь доволен, при внутренней природе твоей музыки, тем, что у тебя есть так называемая профессия, в которой нет ничего «дионисийского»: ибо вредно так музыкально-меланхолично лежать на брюхе, как медведь на своей шкуре, «все шесть дней творения чувствовать в груди», как говорит Фауст — я, по крайней мере, снова на 6 лет зарекся заниматься музыкой. «Океан снова выбросил меня на берег», прошлой зимой, а именно на песчаную отмель известных тебе сочинений. Но довольно об этом. Я впадаю, как доказывают эти соч., воистину скандальным образом в фантастически-безобразное, в непристойно-распущенное. И я ожидал с твоей стороны получить за это некоторую брань и позор. Если же у тебя есть подлинная склонность к «Манфреду», как твое письмо было достаточно любезно заверить, то я со всей серьезностью предостерегаю тебя, дорогой друг, от этой моей плохой музыки. Не позволяй ни одной фальшивой капле проникнуть в твое музыкальное восприятие, меньше всего из варваризирующей сферы моей музыки. Я лишен иллюзий — по крайней мере, сейчас.

Только не требуй от меня ничего критического — у меня нет хорошего вкуса, и я, в своих музык. познаниях, весьма опустился, к тому же, как ты видел, больше не могу писать без орфографических ошибок. — Я сейчас лишь настолько музыкант, насколько это необходимо для моих философских домашних нужд.

Родевское объявление было отправлено тебе и Вильгельму из Тегернзе через Герсдорфа. Вскоре выйдет ответное сочинение на филологический памфлет; читал ли ты виламовскую мазню (или Вилам-без-ума?)? Какой же это заносчивый, зараженный еврейством мальчишка! Но он получит по заслугам! Этого не избежать!

Конечно, я не имею никакого отношения к этой порке. Ибо я должен лишь одним способом опровергнуть, раздосадовать и разозлить эту бранящуюся недовольную свору — своим бодрым дальнейшим маршем по открытому передо мной пути. т. е. я снова настроен продуктивно, как коты весной.

Осенью я, вероятно, приеду в Наумбург.

Я от всего сердца желаю тебе удачи в твоих юридических намерениях: как бы хаотично мне ни становилось, когда я думаю о вашей путанице законов, я победоносно выныриваю из этого водоворота — иди своим путем, дорогой друг, «радостно, как герой к победе» (памяти Байройта!)

Прощай! Прощай! Тут мне приходит на ум, что я еще не сказал тебе, что «Тристана» ты непременно должен услышать. Это безгранично грандиозное произведение, дарующее человеку высшее счастье, высшее величие, высшую чистоту. Устно — больше. Твой

Ф. Н.

243. An Malwida von Meysenbug in Bad Schwalbach

Basel 24 Juli 1872.

Милостивая и достопочтенная барышня,

на следующей неделе я снова собираюсь в Мюнхен, прежде всего как представитель университета на юбилее; в сущности же я использую этот юбилей как предлог перед самим собой, меня влечет чудесное воспоминание о моем последнем пребывании в Мюнхене; и если я при этом повторении переживу хотя бы половину того, что тогда, то буду очень счастлив. Герсдорф, вероятно, тоже приедет, «Тристана» мы, вероятно, тоже снова услышим — но одного я боюсь тем сильнее: что я Вас, глубокоуважаемая барышня, а вместе с Вами и ту родную, благодатную и живительную атмосферу нашего тогдашнего общения не найду вновь. Здесь, значит, должно помочь благодарное воспоминание; и я обещаю Вам здесь, что первый же бокал, который я выпью вместе с Герсдорфом в Мюнхене, будет посвящен Вам и тому прекрасному воспоминанию.

Тем временем я услышал из газет кое-что из Мюнхена, что — если это правда — имеет волнующее значение как для байройтских дел, так и для всех нас: а именно, что г-н фон Бюлов назначен генеральным интендантом, а Перфаль смещен, т.е. получил освободившуюся тем временем должность обер-церемониймейстера. Я бы сделал из такого факта вывод о самых благоприятных возможностях: этим, возможно, был бы найден мост к многократным примирениям — соглашениям; и, надеюсь, тогда также станет возможным не держать дольше выдающихся мюнхенских артистов (я имею в виду особенно оркестр) на этом тягостном расстоянии от Байройта. Также и для личных дел г-на фон Б. тем самым был бы открыт путь. Впрочем, Герсдорф на обратном пути из Байройта проехал значительное расстояние вместе с Мазетти в оживленной беседе: его узнали по чтению книги о «Тристане» как мюнхенского гостя на празднествах: Герсдорф пишет, что у него была особая возможность решительно вступиться за фрау В<агнер> и он рад, что смог это сделать.

План — Вы знаете, милостивая барышня, какой план — нашел одобрение у фрау В. и был признан «практичным» — редкая гордость для меня, непрактичного малого. К сожалению, сейчас весь мир рассеян по всему свету: и поэтому Г. до сих пор мог обратиться к фрау фон Шлейниц только письменно. Фрау В. хочет привлечь Фейстеля для делового руководства предприятием. Следующая зима должна завершить дело: если же Вы, уважаемая барышня, могли бы уже сейчас заручиться согласием близких Вам людей, то сделайте это, я очень Вас об этом прошу. Во время моего следующего пребывания в Мюнхене я постараюсь быть весьма деятельным. —

Вскоре выходит сочинение моего друга Роде под названием «Послание филолога к Р. В.», в котором памфлетист будет наказан. Сам же я занят первым наброском нового сочинения — состояние первых концепций имеет в себе нечто весьма отрадное и уединенное; — несмотря на это, я убежден, что у многих друзей моей прежней книги меня ждет основательный неуспех. Ибо в ней все происходит вовсе не «дионисийски», но очень много говорится о ненависти, спорах и зависти, это не нравится. Ведь таково большинство читателей — они конструируют автора по одной книге, и горе, если в следующей книге он не соответствует их конструкции!

Теперь я перепишу Вам еще несколько стихотворений, неопубликованных стихотворений Гёте, посланных в качестве «дорожного благословения» художественно и человечески весьма одаренной графине Э<глофштейн>. Они были продекламированы мне на днях фрейлейн Кестнер (последней еще живущей дочерью Лотты), и я цитирую их снова по памяти — Вам, милостивая барышня, и никому больше; ибо другие люди отдадут их в печать.

Дорожное благословение.

Будь украшением своего пола!

Не смотри ни влево, ни вправо!

Взгляни от внешних предметов

В свою глубину!

Верь уверенно своим рукам!

Содействуй своему — и дружескому счастью!

Дорожное благословение (в поездке в Дрезден)

Один добрый дух — уже достаточно:

Ты идешь к сотне духов!

Мимо шествует целая процессия

Великих, величайших мастеров.

Они приветствуют тебя отныне

Как своего юного собрата;

Они дружески манят тебя к себе,

Чтобы ты встал в их ряды.

Ты стоишь и молчишь в святом месте

И хотел бы спросить их. —

В конце концов, это одно слово,

Которое они все тебе говорят.

Это слово — «Истина». —

Этим я сегодня прощаюсь с Вами. Если бы Вы позволили мне, я буду время от времени давать Вам о себе знать, чтобы при каждой возможности говорить Вам, как сильно я Вас, достопочтенная барышня, люблю и как благодарно я всегда о Вас думаю.

Поручая себя Вам и фрейлейн Ольге Г<ерцен> от всего сердца, приветствую Вас как

Ваш покорнейший
слуга
проф. д-р Фридрих Ницше.

244. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 25. Juli 1872> Donnerstag.

Что ж, мой друг, насчет Фрича не беспокойся! Он сразу же ответил мне согласием и просит тебя как можно скорее прислать ему рукопись. В начале осени он собирается опубликовать «самое пространное» объявление о наших обоих сочинениях. Относительно оформления я ему ничего не писал; доверимся здесь его блестящей порядочности; я бы на твоем месте тоже оставил этот пункт без внимания. — Что ты думаешь о названии?

Как тебе, кстати, мои «образованные» лекции? Благодаря тебе я получил их обратно и теперь передаю Ромунду. Шестую и седьмую лекции я хочу прочитать здесь в начале зимы и тем самым завершить этот вполне популярный предварительный очерк. Ромунд, который шлет тебе сердечные приветы, печатает свою работу: здешний издатель взялся за нее, но нас это не устраивает, так как в плане печати и оформления он ведет себя весьма грубо.

У меня в работе набросок следующего сочинения под названием «Состязание Гомера». Можешь сколько угодно смеяться над неутомимостью моих агональных размышлений; на этот раз выйдет что-то стоящее. —

То, что я писал тебе в прошлый раз о «виламовицельстве», было сущим пустяком и вовсе не чем-то принципиальным. Но — слава Богу, когда ты закончишь; тогда с меня спадет настоящее бремя — знать, что ты занят той писаниной Виламовица! Ах, любезнейший друг! Этого больше не повторится. Я не понимаю, как я мог еще подстрекать тебя к такому делу — если бы я при этом не думал постоянно о нашем странном положении по отношению к В<агнеру>. Как авторы посланий к В. мы оба составим особую рубрику: я рад, что буду упомянут вместе с тобой. И на этот раз мы добьемся подобающей публичности, хотя бы только для того, чтобы уличить Тойбнеров во лжи: они ведь в письме к Ричлю держат пари десять к одному, что не будет продано и ста экземпляров. У меня есть желание написать Ричлю, что я принимаю пари. Я раз и навсегда поклялся не иметь дела с этой шайкой Тойбнера, прочитав их вероломно-коммерческое письмо.

Все же уверенность того утверждения 10:1 так напугала меня, что я ожидал «нет!» и от Фрича.

В следующий вторник я еду в Мюнхен на юбилей. Между прочим, в течение 9 дней там будут «Лоэнгрин», «Летучий голландец», «Тристан» — Герсдорф, вероятно, тоже приедет. — У вас уже каникулы? Я больше не смею ничего говорить.

Сегодняшнее утро уходит на чтение неопубликованного Гёте: я был приглашен ad hoc единственной оставшейся в живых дочерью Шарлотты Кестнер и уже недавно услышал два прекрасных стихотворения «Благословение в дорогу графине Э<глоффштайн>».

Я хотел бы, чтобы ты услышал «Тристана» — это самое чудовищное, чистое и неожиданное из всего, что я знаю. Ты словно плывешь в величии и счастье.

Услышу ли я скоро что-нибудь от тебя, дорогой

верный друг? Прощай!
Твой Ф.

245. An Hugo von Senger in Diablerets

Basel 25 Juli 72.

Дорогой друг,

от всего сердца благодарю Вас; я надеюсь, как и Вы, что наше сближение, произошедшее под знаком Тристана, будет нести в себе нечто от характера этого созвездия: а именно серьезность, глубину, постоянство и счастье!

Сегодня я посылаю Вам отзыв о моем сочинении, написанный профессором, доктором Роде (из Кильского университета). Он для меня удивительно ценен, потому что звучит как свободная и прекрасная вариация на мою тему — а не как рецензия!

Я прилагаю второй экземпляр и счел бы за большую честь, если бы Вы с его помощью передали мадам Диодати мою настоятельную рекомендацию.

Подумайте только, в следующий вторник я снова еду в Мюнхен, прежде всего, чтобы присутствовать на юбилее университета в качестве одного из представителей Базеля, а затем — чтобы послушать «Лоэнгрина», «Летучего голландца» и «Тристана». Вы знаете, что я слушал «Тристана» дважды, — но два других произведения никогда! Никогда! Разве это возможно! А ведь я до сих пор жил в Европе!

Есть ли у Вас хорошие новости от г-на фон Бюлова? Газеты сообщают столько прекрасного и обнадеживающего, что я пока ограничиваюсь надеждой, но не верю!

Сердечно Вас приветствую. Может быть, я скоро снова услышу что-нибудь от Вас? Или увижу Вас? — В конце концов, мы оба в Швейцарии; неужели обязательно ехать в Мюнхен, чтобы встретиться в кафе «Максимилиан»?

Ваш дружески
преданный
Д-р Фридрих Ницше
P. o. p.

246. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, 25. Juli 1872>

Возлюбленный Мастер

на следующей неделе я снова еду в Мюнхен; я придумываю для самого себя предлог, будто это происходит для того, чтобы на юбилее университета представить наш Базель вместе с двумя другими коллегами. В сущности, мне совершенно ясно, что я хочу в третий раз увидеть «Тристана»: к тому же я никогда не видел постановки «Летучего голландца», никогда не видел «Лоэнгрина» — никогда «Лоэнгрина»! Поэтому я маскируюсь под представителя университета и еду — хотя у меня было достаточно причин не ехать. Это почти смешно — но я думаю, Герсдорф тоже будет там! Возможно, даже Роде! Также я тащу отсюда своего друга Ромундта, нашего приват-доцента философии. Он, правда, немузыкален, как истинный фриз, согласно поговорке «Frisia non cantat», но я больше не принимаю это оправдание. В конце концов, никто точно не знает, где у него скрыта музыка. Так что он должен ехать! И таким образом снова возникнет магический круг друзей — Вы же, возлюбленный Мастер, будете «посреди нас», как говорится в Библии.

«Послание филолога», как я слышу из писем Роде, скоро будет готово, и Фрич его издаст. Это действительно невероятно, как далеко заходит понятие «музыкального издательства». Но что то послание все же в этом издательстве в надежных руках, я верю после того, как собственно филологическая генеральная фирма Тойбнера в Лейпциге в поистине наглом тоне отказалась от публикации этого сочинения. Она, видите ли, держит пари десять к одному, что не будет продано и ста экземпляров. Ну что ж! Деловой опыт против моей веры в «человечество»! Я держу пари сто к одному, что мы сбудем более трехсот экземпляров. (Так что, по крайней мере, Фрич не понесет убытков и получит небольшую выгоду!) Я ценю знакомство с таким порядочным и честным издателем, каким показал себя Фрич, до такой степени, что мне была бы крайне неприятна мысль о том, что я подтолкнул его к плохой сделке.

На днях он прислал мне пятый том Ваших собр. соч., из которого три четверти были для меня совершенно новыми! В совершенно особом отношении я находился к «Письму к М<ари> В<итгенштейн> о симфонических поэмах Листа», особенно когда я вспоминал замечание Вашей супруги о том, что она признает завершение того, что ее отец понимал под симф. п., в «Трибшенской идиллии» (блаженной памяти!).

Я думаю, мне скоро придется поплатиться за то, что я познакомился с такими терминами, как «аполлоническое» и «дионисийское», и ввел их: ибо невольно теперь почтенный читатель (разумеется, благосклонный, так сказать, восторженный читатель!) требует, чтобы я теперь продолжал в том же тоне. Я замечаю это уже сейчас, когда я хорошо занят предварительными штудиями и первыми набросками «Состязания Гомера»: в них, конечно, от «дионисийского» нет ни следа! Вследствие этого большое недовольство «друзей», которые, кажется, знают меня только метафизически.

В начале следующей зимы я прочту своим базельцам еще шестую и седьмую лекции «о будущем наших образовательных учреждений». Я хочу, по крайней мере, закончить, пусть даже в той сниженной и низкой форме, в которой я до сих пор рассматривал эту тему. Для высшего рассмотрения я должен просто «созреть» и пытаться образовывать самого себя — ах, такое благое намерение! Но чего я могу достичь, будучи таким одиноким! Когда-нибудь я должен буду бежать в Байройт, к Вашей близости, как к истинному «образовательному учреждению». Живите до тех пор благополучно, возлюбленный Мастер!

Ваш верный
Фридрих Ницше.

247. An Malwida von Meysenbug in Bad Schwalbach

<Basel, 2. August 1872>

Примите, милостивейшая барышня, сердечную благодарность и привет в ответ на столь любезное письмо. Прежде всего, я хотел бы сам извлечь некоторую пользу из Ваших планов на обратный путь; если уж Вы не можете миновать Швейцарию, то смею ли я надеяться, что и меня Вы не обойдете стороной? Было бы поистине чудесно, если бы мы могли еще раз встретиться; сейчас у меня гостит сестра, и я был бы рад вместе с ней вырваться отсюда хотя бы на несколько дней. Мои осенние каникулы, правда, начинаются только 20 сентября; зато следующая неделя еще в моем распоряжении. Впрочем, я все же не поехал в Мюнхен: мое решение пошатнулось, когда Герсдорф написал мне, что не сможет приехать. К несчастью, он сильно страдает от болезни уха и сам лишен возможности поехать на родину. Так невыносимо оставаться одному перед лицом серьезного и глубокого искусства — короче говоря, я предпочел остаться в Базеле.

Здесь до вчерашнего дня было невыносимо жарко и, для ученого человека, попросту невозможно. Сегодня же, напротив, более возвышенная местность Швейцарии окутала бы нас туманом и холодом. Но на случай, если погода снова наладится и Вы решите отправиться в путь, непременно дайте мне какие-нибудь поручения. Я буду так рад и счастлив, глубокоуважаемая барышня, сделать что-нибудь для Вас.

Знаете ли Вы Фробург, очень любимый и ценимый здесь горноклиматический курорт посреди Юры? Фробург находится недалеко от Ольтена (узловая станция швейцарских железных дорог), легко доступен, умеренно высок, с прекрасным видом на Альпы и богат прогулочными тропами, окружен фантастическими ландшафтами Юрских гор. Там есть телеграфная связь.

Это мое предложение, которое, однако, тотчас же исчезнет в небытии, если Вы уже что-то придумали. Только прошу Вас, скажите мне, что Вы решили: чтобы я мог хотя бы встретить Вас на железной дороге в Базеле.

Я не хотел бы ничего упустить и потому сегодня краток и спешу. Передавайте сердечный привет барышне Ольге и скажите ей, что я читаю мемуары ее отца.

Оставайтесь, милостивейшая барышня, в уверенности в моем почтении и любви

Вашего покорнейшего
слуги
Фридриха Ницше.

248. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 2. August 1872>

Мой дорогой, бедный друг, как ты теперь? Это ведь совершенно отвратительная история: только подумай, что нам еще предстоит услышать в нашей жизни (больше, чем другим людям). Поэтому я сердечно прошу тебя, позаботься о своем выздоровлении — «ах, какая глупая просьба», скажешь ты.

Впрочем, я не в Мюнхене. Не стану отрицать, что почти мгновенно потерял желание, как только услышал от тебя печальное известие. Так лучше. Либо вместе — либо никак.

Только что я во второй раз написал фрейлейн фон Мейзенбуг (Швальбах, отель «Штадт Майнц»). Она, вероятно, в ближайшее время приедет в Швейцарию, и мы хотим встретиться в каком-нибудь красивом высокогорном месте. Это такое любящее и замечательное существо — как же по-домашнему нам было у нее в Мюнхене! Кстати, настоятельно рекомендую тебе прочитать «Из записок одного русского» Александра Герцена. Крайне поучительно и ужасно!

Дойссен был здесь, несколько дней. Ах, это особая глава. Он, по правде говоря, измучил меня до изнеможения — результат, как он пишет мне сегодня, — полная эмансипация. Я серьезно обеспокоен — не говори никому — обеспокоен за его рассудок. Совершенно неудовлетворенное честолюбие пожирает его.

Сочинение Роде готово и, насколько я знаю, уже у Фрича.

Я сам перерабатываю свои лекции об образовании.

Прокламацию я еще не составил. До сих пор у меня нет для нее никаких мыслей — Бог знает, где они прячутся. Но я не могу себя заставить. К тому же в Базеле было невыносимо жарко.

От фрейлейн Кестнер (дочери Лотты) я получил в подарок гётевские письма (в оригинале).

Ромундт печатает здесь свое философское сочинение. Мы образуем приятный круг, замечательный Овербек — третий; Брокгауз, кстати, осенью уезжает в Киль, покидает, значит, нашу компанию.

Я теперь, с тех пор как приехала моя сестра, обедаю с ней в «Трех королях».

Ну, мой дорогой друг, пусть у тебя все будет хорошо и с каждым разом все лучше! Осенью я приеду в Северную Германию. Увидимся? Я ведь надеюсь? В конце концов, нам действительно пришлось бы завести круговые билеты в интересах нашей дружбы.

Не падай духом: я тоже знаю, как мучительны болезни ушей, и знаю, насколько они опасны. Я не успокоюсь, пока не услышу о твоем полном выздоровлении.

Твой верный
Фридрих Н.

249. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 2. August 1872>

Итак, ты закончил, мой дорогой друг? Тогда я полагаю, что твоя рукопись уже в руках доброго Фрича. С ним всё улажено наилучшим образом: об оформлении и гонораре я не сказал ни словечка, думаю, мы доверимся ему и не будем говорить об этом вовсе.

Название и его проблема были тщательно обдуманы со всех сторон, и все мы — Овербек, Ромундт и я — остаемся при мнении о его полной безобидности. У нас ведь есть столь популярное образование «псевдоискусство» и т. д. Если этот зодиакальный Виламовиц из чувства вины решит вынюхать еще одну аристофановскую интерпретацию, то какое нам дело до его червей? Но я прошу тебя, чтобы предупредить всё, возможно, уже на первой странице дать краткое определение и описание слова «псевдофилология»; этим мы успокоим щекотливую совесть.

В Мюнхен я не поехал — Герсдорф не смог приехать, он сильно страдает от ушной болезни. Одному крутиться среди этой толпы, среди сплошного легкомысленного восторга, подобного плавленому маслу, — не совсем прилично, короче — я остался здесь и радуюсь этому.

Я собираюсь переработать лекции об образовании. Скажи мне хоть словечко об этом — ведь ты должен знать, что я совсем не имею о них дурного мнения и охотно позволяю себя наставлять.

Насчет моей последней композиции, которую я играл вам в Байройте, я наконец получил по-настоящему поучительный отзыв; письмо Бюлова для меня бесценно в своей честности, прочти его, посмейся надо мной и поверь, что я пришел в такой ужас от самого себя, что с тех пор не могу прикоснуться к фортепиано.

Фрейлейн фон Мейзенбуг, вероятно, в ближайшее время приедет в Швейцарию, и мы хотим немного пожить вместе, в каком-нибудь красивом уголке. Она такое матерински-любящее существо. Мы были в Мюнхене почти постоянно вместе с ней. Я рекомендую тебе прочитать «Из записок одного русского» Александра Герцена (отца фрейлейн Ольги Г.).

Дойссен был здесь несколько дней. Оставил после себя странное неприятное послевкусие.

Брокгауз с осени станет твоим коллегой в Киле. Человек глубоко порядочный и весьма достойный уважения. — О Фрайбурге я ничего не знаю, совсем ничего. Как бы я восхвалял комбинацию твоего перевода туда! Но я ничего не могу сделать — Брамбах, вероятно, будет действовать в потемках. Я часто и настойчиво напоминал о твоем имени своим фрайбургским знакомым. Но — пришли же свою работу о Виламовице профессору Шёнбергу и профессору Мендельсону — я прошу тебя.

А теперь, старый дорогой друг! Поздравляю тебя с каникулами и желаю, чтобы мне не пришлось добавлять, что вторая половина нашего летнего семестра еще впереди.

Ромундт сердечно тебя приветствует. Мне подарили несколько писем Гёте от 86-летней фрейлейн Кестнер (дочери Лотты).

Я живу здесь со своей сестрой в добром здравии и желаю, чтобы у тебя дела шли еще лучше.

Твой верный
Фр. Н.

250. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 12 Aug. 72.

Глубокоуважаемый господин тайный советник,

посылаю Вам продолжение моего трактата о Certamen. Конечно, он займет около 35 печатных страниц; поэтому я не знаю, могу ли надеяться на скорую публикацию в Rhein. Mus. Ведь, по всей вероятности, место для ближайших выпусков уже распределено.

В связи с этим я подумал о следующей возможности. Вероятно, Вы вскоре снова будете выпускать fasciculus Acta: для него мой трактат был бы к Вашим услугам, если он Вам пригодится. Только в этом случае я хотел бы попросить об одном. В Rh. M. Bd. 25 уже напечатано небольшое начало трактата (около 12 страниц), к которому теперь примыкает присланная мною сегодня рукопись. Я бы очень хотел, чтобы в указанном случае весь трактат (т.е. 12 + 35 страниц) появился в Acta целиком. Тогда текст и трактат станут собственностью Acta.

Если же Вы, глубокоуважаемый господин тайный советник, не сможете ни так, ни этак помочь моему несколько длинноватому сочинению увидеть свет в ближайшее время, то прошу Вас о любезном возврате рукописи. В форме программы и т. д. я в любом случае куда-нибудь её пристрою.

Приношу Вам сердечную благодарность за Ваши хлопоты у Тойбнера. Мне жаль, что из этого ничего не вышло; впрочем, сочинение Роде скоро появится, и Вы сами увидите, направлено ли оно на «борьбу против филологии» или против «истории»: я не понимаю, откуда у Тойбнеров такие странные опасения. Напротив: я, как филолог, защищаю свою шкуру: меня не хотят признавать филологом; и поэтому Роде выступает за меня, филолога. —

Осенью я, возможно, снова приеду в Лейпциг: там я надеюсь поприветствовать Вас и Вашу глубокоуважаемую супругу. — Знаете ли Вы, что Ромундт здесь, в Базеле, габилитируется по философии? Если бы у меня теперь еще и мой друг Роде был поблизости, то я был бы, в плане дружбы, в Базеле хорошо устроен.

С самыми теплыми пожеланиями
Вам, глубокоуважаемый учитель
Ваш покорнейший
Фридр. Ницше.

251. An Oscar Oehler und Auguste Forst in Wiesbaden (Visitenkarte)

<Basel, kurz vor dem 22. August 1872>

Я желаю уверить почтенную брачующуюся пару в моем сердечном и теплом участии; к сожалению, я не могу сделать это устно именно сейчас. Мы будем праздновать этот торжественный день, даже находясь вдали.

От всего сердца приветствую как племянник и друг
Д-р Фридрих Ницше
ординарный профессор в
Университете
Базеля.

252. An Erwin Rohde in Hersbruck

<Basel, 26. August 1872>

Почему, любезнейший друг, я уже три недели ничего не слышу от тебя? Не дошло ли до тебя мое последнее письмо (с вложением Бюлова)? Или почта совершила какое-то злодеяние? Или ты, упаси боже, болен? Больше всего мне хочется думать, что ты удобно расположился на морском берегу и немного отвык от пера? Но если крылья у тебя снова отрастут, используй их, я прошу тебя, чтобы прилететь ко мне, i. e. metaphorice — без метафор: напиши мне хоть раз, мой дорогой верный друг!

Тем временем здесь вышла из печати работа Ромундта под названием «Сущность вещей и человеческое познание»: при этом мне пришло в голову снова окрестить скучную «вещь в себе» новым именем, а именно так: «das Derdiedas» («артикль-артикль-артикль»): крайне абстрактное использование артиклей для обозначения чисто содержательно-неопределимого!

Хабилитация Ромундта наводит меня на мысли о Фрайбурге, куда мы все хотели тебя заполучить — это была бы великолепная троица! Но ручеек Брамбах тихо журчал и шуршал, и никто ничего не подозревал. Теперь место у Бидермана Горация-Келлера.

Кстати, я наконец отправил в Рейнский музей продолжение своей статьи о «Состязании»: на что Ричль прислал мне чертовски добродушную открытку, которую я рекомендую твоему вниманию. С каким глупым нежеланием понимать приходится бороться! Впрочем, я рад, если у него все хорошо и он успокаивается на мысли, что я снова «вернулся в старое, знакомое, симпатичное русло»; он искренне желает мне добра, и я ему так же искренне благодарен. Но, конечно! «Только вернулся, только вернулся!» — кричит он мне теперь: а я отвечаю: «нельзя говорить то, что думаешь!» Ведь это же волосы дыбом встают, что он думает, будто раз я прислал статью о «Состязании», я перестал быть «филологом рождения трагедии»!

Как дела с твоим «Фричрианумом»? Из Байройта меня настойчиво спрашивают о нем, да и у самого меня есть сердечный аппетит к нему. Доволен ли ты славным Ф.? Мы ведь хотим постараться удержать эту хорошую фирму для нас. Как только у тебя будет что-то крупное для печати, подумай о нем; ибо я поклялся не иметь дела со всеми этими Тойбнерами, Энгельманами и т. д. Во мне сейчас теснятся наброски, перемешиваясь: но я всегда чувствую себя на одном пути — путаницы нет, и если мне только дадут время, я выведу это на свет божий. Особенно плодотворным стало мое летнее занятие доплатоновскими философами.

В ликующем Мюнхене я не был, я, должно быть, писал тебе об этом. Как теперь насчет осени? Я еще не совсем решил, поеду ли в Северную Германию.

Стоит такая бодрая погода позднего лета, что можно было бы быть совершенно счастливым, если бы мы были вместе! У меня всегда только одно желание — не торопиться, и такая погода наглядно проповедует это учение, синяя и золотая.

Я хвалю Базель за то, что он позволяет мне жить спокойно, как в загородном поместье. Напротив, мне уже ненавистен звук берлинского органа, как паровая машина. Недавно нас здесь посетил такой берлинский deus ex machina, редактор «Spenersche», Веренпфенниг — у меня был мед на душе, когда он уехал.

Ну, дорогой, хороший, верный старый товарищ, будь здоров и — немного счастлив, а именно «писательски счастлив», с надеждой на твоего швейцарско-одинокого, живущего в бочке

Διογενὴς Λαερτιάδης.

253. An Malwida von Meysenbug in Heidelberg

<Basel, 27. August 1872>Schützengraben 45.

Милостивая барышня, значит, с субботой всё в порядке: от Вас ко мне приходит повелительная строчка, и я лечу на вокзал. Возможно, мне также удастся в течение дня выполнить для Вас несколько поручений. Дайте же мне, я Вас прошу, хоть какой-нибудь случай быть полезным, полезным в самом ближайшем и реальном смысле!

Могу ли я представить Вам свою сестру? Она, по крайней мере, очень меня об этом просит и хотела бы также познакомиться с фрейлейн Ольгой. Книга господина Габр. Моно, кстати, как раз на днях попалась мне на глаза; я также неоднократно слышал разговоры о ней. Я буду искренне рад лично увидеть столь беспристрастно настроенного человека, который к тому же имеет преимущество быть наилучшим образом рекомендованным как жених фрейлейн Герцен.

То, что Вы являетесь переводчицей мемуаров Герцена, было для меня совершенно новым; я сожалею, что не выразил Вам своего мнения о ценности этого перевода еще до того, как узнал об этом. Я был поражен мастерством и силой выражения и, будучи склонным приписывать Герцену всякий выдающийся талант, молчаливо предположил, что он сам перевел свои мемуары с русского на немецкий. Я обратил внимание своих друзей на это произведение; я научился из него думать о множестве негативных тенденций гораздо более сочувственно, чем был способен до сих пор: да и негативными я бы их не назвал. Ибо столь благородно-пламенная и стойкая душа не могла бы питаться одним лишь отрицанием и ненавистью.

О многом другом я надеюсь теперь в самом скором времени поговорить с Вами: поэтому позволяю себе сегодня закончить кратко и вновь вверить себя Вашему любезному вниманию.

Ваш преданный
Фридр. Ницше.

254. An Hugo von Senger in Genf

Basel am 23 Sept. 1872.

Мой глубокоуважаемый друг,

какие сюрпризы Вы для меня приготовили! Поистине типичные сюрпризы! Столь внезапно преподнести нежданное, что я сам еще сомневался, даже когда держал в руках превосходный и в высшей степени полезный для меня атлас вместе с Вашими любезными сопроводительными строками! Но чтобы показать Вам, что я от всего сердца постигаю смысл Вашего подарка, я расскажу Вам кое-что.

Представьте себе, что в последние годы надежда на путешествие в Грецию неоднократно манила меня. Еще этой весной один профессор Фрайбургского университета в Брейсгау весьма настойчиво приглашал меня в такую поездку в страну моих стремлений. Приглашавшим был сын Феликса Мендельсона-Бартольди. Я хочу теперь объяснить Вам, что та самая книга, которая снискала мне Вашу симпатию, тогда заставила меня отклонить подобное предложение. Ибо с той поры мне стало невозможно терпеть рядом то, что мы называем нашей Элладой, и мендельсоновские воспоминания об «Антигоне»: в то время как именно в этом я вижу глубокий смысл Вашего подарка, что теперь та Эллада стала нашей Элладой, для которой нам в нашей музыке был дан поистине божественный проводник. Примите же, мой глубокоуважаемый друг, благодарность и поздравление за то, что Вы задумали и выразили столь прекрасную мысль, которая для меня более всего служит залогом того, как глубоко и как искренне Вы принимаете участие в моих стремлениях.

То, что Вы говорите мне о бодро продвигающемся переводе, трогает меня до глубины души. Мысль о том, что слово, посеянное с такими сомнительными надеждами, пускает корни вдали и благодаря любви выдающихся людей взращивается и расцветает — это для меня так ново и так отрадно! Передайте это также госпоже Диодати и дайте мне знать, могу ли я чем-либо выразить свою преданность и готовность служить этой глубокоуважаемой даме.

Будьте уверены в сердечной любви

Вашего
Фридриха Ницше

255. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel Freitag Mitte des Tags.<27. September 1872>

Моя дорогая добрая матушка,

ну что ж! он едет, а именно нижеподписавшийся! Но не привозя с собой ламу, которая едет в Висбаден, но, вероятно, не в Вестервальд, где ужасно — ужасно жутко холодно.

В воскресенье вечером он будет у тебя, а именно: тот же самый нижеподписавшийся, если он выедет в субботу вечером из Базеля

Оставляя всё остальное для приятного и милого времяпрепровождения и с возгласом:

«для дрожащих костей

печь поскорей разогрей!»

Твой старый сын!

256. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden (Telegramm)

<Baden in der Schweiz, 28. September 1872>

Сердечнейший привет. Сегодня чистейшая осенняя красота. Теперь прочь к возвышенному — Твой брат

257. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Splügen, 1. Oktober 1872>

Моя милая добрая матушка,

на сей раз ты посмеешься: ибо приходит длинное письмо с описанием путешествия и всякими удовольствиями. Я решился отправиться в Италию полунеохотно; у меня на совести лежало тяжким грузом то, что я уже отправил тебе письмо с согласием. Но кто устоит перед капризно и внезапно переменившейся прекраснейшей чистейшей осенней погодой, располагающей к пешим прогулкам! Или, чтобы сказать еще правдивее: я ощутил жгучее желание побыть некоторое время со своими мыслями в полном одиночестве. Как мне это удалось сверх всяких ожиданий, ты, возможно, уже можешь догадаться по напечатанному наверху адресу отеля.

Добрая Лизбет пусть расскажет тебе, как странно вышло с отъездом из Базеля: в этот раз у меня была та самая лишняя половина минуты, которой тебе не хватило в то воскресенье, короче говоря, благодаря этой половине минуты я как раз успел. Сначала я ехал с одной базельской супружеской парой, которую не знал, но должен был казаться знакомым — известная ситуация, однако не без опасностей. Из Бадена (Швейцария) я телеграфировал Лизбет: так как остановки не было, то выходящий господин (г-н Халлер из Берна) с большой любезностью взял на себя отправку депеши. Почти доехав до Цюриха, я обнаружил в качестве попутчика по вагону хорошо мне знакомого и еще лучше рекомендованного музыканта Гётца (ученика фон Бюлова), который рассказал мне о своей значительно возросшей из-за ухода Кирхнера музыкальной деятельности в Цюрихе: но больше всего он был взволнован близкой перспективой того, что его опера будет принята в театре Ганновера и впервые поставлена. От Цюриха в вагоне мне постепенно, несмотря на хорошую и скромную компанию, стало так зябко и нехорошо, что я потерял мужество ехать до Кура. С трудом, т.е. с головной болью, я достиг Везена на Валензее в темную ночь. Я нахожу экипаж отеля «Шверт» и еду на нем: так я попал в симпатичную уютную, но совершенно пустую гостиницу. С головной болью я встал на следующее утро. Мое окно выходило на Валензее, который ты можешь представить себе похожим на Фирвальдштетское озеро, но в большей простоте и без его величия. Затем я еду в Кур, к сожалению, со все возрастающим недомоганием, из-за которого я почти безучастно проезжал мимо Рагаца и т.д.: я был счастлив выйти в Куре, отказался от вопроса почтовых служащих, хочу ли я ехать дальше — что, собственно, и было планом — и, остановившись в отеле «Лукманиер», поспешно ложусь в постель. Было 10 часов утра. До 2 часов я, вероятно, проспал, почувствовал себя лучше и немного поел. Дельный и знающий официант рекомендует мне прогулку в Пасугг: который уже был у меня в памяти благодаря картинке в «Иллюстрированной газете». В городе Кур воскресный покой и послеобеденное настроение. Я совершенно спокойно поднимаюсь по шоссе: все лежит передо мной, как и накануне, в золотом осеннем преображении. Великолепные виды назад, постоянно меняющиеся и расширяющиеся виды вокруг. Через полчаса небольшая боковая тропинка, которая приводит меня в приятную тень — ведь до этого было довольно тепло. Здесь я попал в ущелье, по которому бурлит Рабиуза: я не могу нахвалиться им. По мостикам и узким дорожкам, тянущимся по склонам скал, я продвигаюсь около получаса и нахожу теперь, обозначенное флагом, купальное место Пасугг. Сначала оно меня разочаровало: ведь я ожидал пансион, а нашел лишь скромный трактир, однако заполненный воскресными гостями из Кура, удобно пирующими и попивающими кофе семьями. Сначала я выпиваю у соляно-содового источника три стакана: затем мой изменившийся головной настрой вскоре позволяет добавить еще бутылку белого Асти спуманте — ты помнишь? — вместе с нежнейшим козьим сыром. Человек с китайскими глазами, сидящий за моим столом, тоже получает выпить Асти; он благодарит и пьет с польщенными чувствами. Затем хозяйка вручает мне целую массу анализов воды и т.д.; в конце концов владелец купальни Шпрехер, экзальтированный человек, водит меня по всему своему владению, невероятно фантастическое расположение которого я должен признать. Я пью еще раз и в хороших количествах из 3 совершенно разных источников: владелец обещает еще новые главные источники и, замечая мой интерес, предлагает мне товарищество для основания отеля и т.д. — насмешка! Долина чрезвычайно прелестна, для геолога с непостижимым разнообразием, даже капризностью. Показались графитовые жилы, но также кварц с охрой, и владелец фантазировал даже о золотых залежах. Видны самые разные каменные пласты и породы, изогнутые, отклоненные, скомканные, как, например, на Аксенштайне на Фирвальдштетском озере, только гораздо меньше и дичее. — Поздно, ближе к закату, я возвращаюсь назад, с истинной радостью от этого дня — хотя мне часто приходилось думать о Наумбургском приеме или неприеме. Маленький ребенок с бледными волосами ищет лесные орехи и забавен. Наконец меня догоняет старая пара, отец и дочь, заговаривая со мной и тем самым получая ответ. Он, глубокий старик, седовласый мастер-столяр, был 52 года назад тоже в Наумбурге, во время своих странствий, и помнил один очень жаркий день. Его сын — миссионер в Индии с 1858 года, и его ждут в следующем году в Куре, чтобы еще раз увидеть отца. Дочь была несколько раз в Египте и говорила о Базеле как о неприятно душном и жарком городе. Я проводил добрых хромающих людей еще немного. Затем я ужинаю в своем отеле, где уже нахожу несколько попутчиков для завтрашнего тура через Шплюген: к сожалению, среди них один еврей. В понедельник в 4 часа я встал, после 5 ушла почта. До этого нам пришлось сидеть в дурно пахнущем зале ожидания среди граубюнденских и тичинских крестьян: вообще в этот ранний час человек — отвратительное создание. Отъезд избавил меня: ибо я договорился с кондуктором, что могу занять его место, высоко на повозке. Там я был один: это была самая прекрасная почтовая поездка, которую я когда-либо переживал. Я ничего не пишу об огромном величии Виа Мала: мне кажется, будто я еще совсем не знал Швейцарии. Это моя природа, и когда мы приблизились к Шплюгену, меня охватило желание остаться здесь. Я нашел хороший отель и трогательно простую комнатку. Но мимо нее проходит балкон с прекраснейшим видом. Эта высокогорная долина (ок. 5000 футов) — мое полное удовольствие: здесь чистый сильный воздух, холмы и скалы всех форм, вокруг расставлены могучие снежные горы: но больше всего мне нравятся великолепные шоссе, по которым я часами хожу, отчасти в сторону Бернардино, отчасти на перевал Шплюген, не заботясь о дороге: но как часто я ни оглядываюсь, непременно есть что-то грандиозное и неожиданное. Завтра, вероятно, пойдет снег: чему я от всего сердца радуюсь. Я обедаю, когда приходит почта, вместе с приезжими. Мне совсем не нужно говорить, никто меня не знает, я совершенно одинок и мог бы здесь неделями сидеть и гулять. В своей комнатке я работаю со свежими силами, т.е. записываю и собираю отдельные мысли к моей нынешней главной теме «Будущее образовательных учреждений».

Ты даже не представляешь, как мне здесь нравится. Швейцария с тех пор, как я знаю это место, имеет для меня совершенно новую прелесть; теперь я знаю уголок, где я могу жить, укрепляясь и в свежей деятельности, но без всякого общества. Люди здесь для меня как тени.

Теперь я тебе все описал, следующие дни пройдут так же, как первый. Отсутствует, слава Богу! проклятая смена впечатлений и развлечения. Здесь я, а кроме того еще перо, чернила и бумага — мы все сердечно приветствуем тебя.

Твой верный сын
Фридрих Ницше.

Пожалуйста, расскажи Лизбет обо мне: она обрадуется. Передавай мой самый теплый привет моим наумбургским друзьям.

258. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Splügen, 5. Oktober 1872>

Мой дорогой друг, прошу тебя простить меня за то, что я так долго молчал: летнее полугодие для меня закончилось только в прошлую субботу, а до тех пор я изо дня в день был всецело занят «Хоэфорами» и доплатоновскими философами, к тому же меня навещали мать и сестра, так что в данный момент у меня накопились все возможные долги по переписке. Я уединился здесь, на пограничном перевале между Швейцарией и Италией, и своим выбором, если не считать чернил и пера (как ты замечаешь), я очень доволен, очень счастлив! Чудесное, богатое одиночество с великолепными дорогами, по которым я могу часами ходить, погруженный в свои мысли, не рискуя упасть в пропасть: но как только я оглядываюсь вокруг, я вижу нечто новое и великое. Люди проезжают здесь только с почтой, я обедаю с ними за одним столом — вот и всё моё общение с ними! — они словно платоновские тени перед моей пещерой.

Если ты расшифруешь это письмо, значит, ты настоящий филолог.

Когда я отправлюсь дальше, я намерен заехать в Брешию, чтобы и там отдохнуть, то есть по-настоящему путешествовать, по-настоящему путешествовать ради отдыха! Там я хочу изучить картины великого венецианца Моретто, и только их: так я не испорчу себе ни желудок, ни глаза, ни отпуск.

К сожалению, мы не увидимся этой осенью; мой план поездки в Северную Германию был уже готов в моих мыслях, и ты в этом плане присутствовал совершенно определенно — но тут чудеснейшая погода для прогулок соблазнила меня странствовать.

Кстати, я собирался во время этой северогерманской поездки заехать на день-два в сам Берлин. Я хотел своими глазами увидеть ателье твоих друзей-художников. Особенно мне не терпится услышать от тебя что-нибудь о памятнике Гёте. Я читал очень враждебную рецензию некоего доктора Мейера (в «Художественном листке» Лютцова), но написанную в тоне, который является неподдельным выражением восхищения, восхищения великим дарованием. Там одна второстепенная фигура, бородатый мужчина, была особо выделена как олицетворение трагедии — не мог бы ты, любезнейший друг, как-нибудь помочь мне удовлетворить желание увидеть именно эту фигуру, прислав рисунок или фотографию?

Теперь я должен рассказать тебе о нескольких чудесных днях, в которые мы часто вспоминали тебя, даже чокаясь бокалами. Да, нам не хватало тебя — фрейлейн фон Майзенбуг, Ольга Герцен и её жених доктор Моно из Парижа. Какие замечательные, добрые и бесценные люди! Господин Моно, которого ты ещё не знаешь, тоже прекрасно вписывается в этот круг; он историк, получивший образование в Германии и, будучи истинным французом, проникнут благороднейшим желанием не терять беспристрастности по отношению к немецкому духу. Знаешь ли ты его широко читаемую работу «Français et Allemands» («Французы и немцы»), описание его военных впечатлений? По этому случаю рекомендую тебе прочитать 8 статей о французах в «Augsburger Allgemeine», которые за последние два месяца вышли из-под пера профессора Гильдебранда из Флоренции — весьма примечательные статьи, написать которые мало кто из немцев был бы способен.

Наконец, знаешь ли ты, что существует автобиография доброй фрейлейн фон Майзенбуг? Она удивила меня этим — ведь я ничего об этом не знал, — подарив мне однажды книгу «Mémoires d’une Idéaliste» («Воспоминания идеалистки»), изданную в Базеле. Очень поучительно и трогательно! Обязательно прочти!

Моя французская переводчица под Женевой усердно работает: а господин фон Зенгер с тех пор присылал мне сердечные и глубоко прочувствованные знаки своего расположения. Недавно в великолепном оформлении вышел новый большой атлас Эллады Киперта 1872 года в качестве подарка. — Ромундт отдал в печать сочинение: как только я вернусь в Базель, я пришлю тебе очень хороший экземпляр с просьбой вручить его от моего имени фрау фон Шлейниц.

А пока, старый добрый друг, думай обо мне так же, как я всегда с сердечной любовью вспоминаю о тебе. Прощай!

Твой Фридрих Ницше

Пожалуйста, пиши только в Базель.

259. An Gustav Krug in Naumburg

<Chiavenna, 5. Oktober 1872>

Мой дорогой друг

странным образом заброшенный в Кьявенну и желая заполнить приятным письмом как раз оставшийся почтовый час, я вспоминаю о тебе с чувством, что на сердце у меня лежит нечто труднопростимое. Верится ли, что дома, на моем пианино, готовая к отправке, так и не отправленная, покоится твоя прекрасная квартетная музыка! Нет, в это невозможно поверить! —

Но сейчас я должен сначала, по совету официанта, поесть супу

Подкрепившись, я еще раз заявляю, что в это невозможно поверить. Но это правда!

Я должен еще раз подкрепиться. —

Вот я думал, по наивности, в октябре увидеть тебя, услышать тебя и в совместном наслаждении твоей музыкой очиститься — Но тут меня занесло в Кьявенну, где я теперь меланхолично размышляю: что делает дома твое сочинение, лежащее на моем расстроенном пианино? Мягко ли ему там? Сомневаюсь. Играет ли оно само себя? Вопрос, не заслуживающий обсуждения. Но я предчувствую, что ты тоскуешь по нему и проклинаешь меня.

Ах, теперь я догадываюсь и об источнике всей той странной погодной неразберихи, которая, сопровождая меня от станции к станции, оживляет во мне тристановский вопрос:

«За что мне эта мука!»

Теперь я знаю. Вечный южный ветер — это переодетый северогерманец, посланный через Северный полюс и пришедший таким образом снизу, своего рода фён, порожденный в Наумбурге, foenum Numburgense, species extraordinaria.

Этой ночью я еду вдоль озера Комо. Есть ли в календаре лунный свет? Завтра утром я буду в Бергамо, где пробуду несколько дней. Еще пара дней — в Брешиа, а затем мелодия в форме канона пойдет в обратном направлении: Бергамо, Лекко, Кьявенна, Шплюген, Кур, Цюрих, Базель.

Два благородных итальянских города с великолепными венецианскими картинами и потому выбранные мною: Бергамо и Брешиа, Брешиа и Бергамо!

Тем временем в Женеве с трогательным неистовством переводят на французский мое «Рождение трагедии». Моя переводчица, графиня Диодати, ранее уже переводила сочинения Шумана на французский и тем самым достаточно подготовилась к столь трудной работе. Также во Флоренции готовится итальянский перевод.

Надеюсь, с помощью переводов я сам выучу эти почтенные языки. Ибо с моим итальянским дело обстоит плохо.

Своим последним итальянским вздохом я заканчиваю

Addio amico!
Федериго.

260. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, 15. Oktober 1872>

Почтенный и любимый Мастер,

сегодня для меня первый день нового года жизни; поэтому вы, конечно, поймете мое сердечное стремление послать вам несколько слов и тем самым начать новый период. Я знаю, вы останетесь для меня и в новом году тем же, чем были в старом — прочным якорем, который удерживает меня и не дает попасть в дурное течение времени: символом храбрейшего, стойкого мужества. Когда я думаю о вас, я всегда чувствую сильнейший стимул становиться лучше, зрелее, спокойнее; я не знаю, откуда бы я черпал этот стимул, если бы не вы. Ведь все остальное призывает к спешке и быстрому успеху. Но теперь я самым определенным образом узнал, что все, что подталкивает и гонит меня к этому, уводит меня от самого себя, стесняет и сбивает с толку, и что я недоволен, непродуктивен и малополезен, пока надо мной висит такая современная погонялка. Напротив, я становлюсь счастливым и бодрым, когда представляю себе, что когда-нибудь завоюю ваше одобрение каким-либо произведением — но при такой мысли сделанное мною в последнее время всегда кажется мне очень сомнительным и эмбриональным, и я снова говорю себе: «Дай себе время и не впадай в беспокойство». Другими словами, любимый Мастер: вам придется еще подождать, прежде чем я создам что-то сносное и смогу доставить вам радость. Тем временем, к сожалению, остается так, что я, как становящийся, доставляю вам, как вы говорите, «только заботы» и ничего, кроме забот.

Но сейчас у меня все хорошо; из высокогорья я писал вашей глубокоуважаемой супруге, как хорошо и здорово я там себя чувствовал. Одиночество для меня нечто весьма терпимое, даже приносящее счастье, в более раннем столетии я стал бы кем-то вроде отшельника. Здесь, в Базеле, я в данный момент снова совсем один; моя сестра покинула меня 14 дней назад, мои добрые товарищи все еще в разъездах. Только педагогиум заставляет меня так скоро снова быть на месте. Вернувшись, я обнаружил шестой том ваших сочинений и случайно наткнулся на чудесную заключительную строфу Брунгильды, которая была для меня совершенно новой; я немедленно отослал ее Роде, чтобы и он мог назидаться «святейшей страной желаний и грез, свободной от них» и «скорбящей любви глубочайшее страдание открыло мне глаза: я видела, как мир кончается». Мне очень больно, что она не положена на музыку, как бы я ни понимал, почему она не должна была быть положена на музыку в рамках музыкально-мифической трагедии. Это был бы стих для святилища самого частного домашнего богослужения: для которого я, кстати, использую также великолепный мужской хор из последней части «Тангейзера» (перед «Святая Елизавета, молись за меня!»), который я открыл совсем недавно. Затем я с бесконечным восторгом снова и снова брался за последний акт «Зигфрида». Рассказывал ли я вам уже, что нашел то место, которое вы сочиняли тогда, когда я в мае 1869 года нанес свой первый визит вам в Трибшен? Это была душная, знойная и пышная суббота перед Пятидесятницей; все вокруг росло и благоухало. Я долго не решался войти в дом, а ждал, немного спрятавшись под деревьями, прямо перед окнами, из которых с величайшей проникновенностью часто доносились повторяющиеся аккордовые последовательности. Я готов поклясться, что это было то самое место

«Ранил меня тот, кто меня пробудил!»

эти звуки врезались мне в память, как медью, и я долго играл и напевал их себе, прежде чем получил в руки «Зигфрида»; они казались мне такими многозначительными.

Послание Роде к вам должно быть наконец напечатано: я еще ничего об этом не знаю, мы будем удивлены. Французский перевод моей книги графиней Диодати продвинулся основательно, более чем наполовину, как мне пишут. Ну, свою награду я получил, ибо «Nationalzeitung» недавно назвала меня единственным из «обоза ваших литературных лакеев», кто занимает академическую кафедру. С этим новым безобидным титулом я сегодня, любимый Мастер, прощаюсь с вами. Когда я снова увижу вас? —

Ваш верный и
с сердечной привязанностью ваш Ницше.

261. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 16 Oct. 72.

Наконец, наконец, добрый друг, твоя музыка возвращается к тебе, принесенная «попутным ветром». Прежде всего, я прошу тебя, несмотря на все трудности, не забывать о некой 4-й и последней части: даже у самого тяжелого времени бывают свои интермедии. Я желаю тебе для отдыха в скором времени короткого междуцарствия королевы Искусства. Сегодня я снова проиграл и прочел твой квартет — лишь с одним желанием: чтобы ты, когда упомянутая 4-я часть будет готова к твоему удовлетворению, позволил мне поискать издателя для твоего произведения. Хочешь? —

Твое письмо на день рождения было прочитано мною с воспоминанием о нашей прошлогодней встрече, благодарю тебя от всего сердца. Видишь ли, дорогой друг, одного ты больше не увидишь — того, что я снова сочиняю; прошлой осенью твой пример в последний раз вызвал у меня искры музыкального кузнечного молота; — теперь с этим покончено!

Благодаря этому воспоминанию наша прошлая осенняя встреча навсегда останется для меня примечательной; моя музыка, словно жертва на алтаре наших юношеских грез, к сожалению, дошла лишь до изображения «Новогодней ночи несчастного». Теперь это в прошлом. Давно пора было срезать так дико разросшуюся лозу.

Теперь мне кажется, будто твой квартет отражает мои тогдашние думы и стремления, горе и радость всей юношески меланхоличной души — и это делает твою музыку такой близкой и волнующей. Такими мы были: остались ли мы такими? Я слышу наше прошлое, звучащий дневник — у тебя тоже так?

Еще раз, мой дорогой Густав; я очень благодарен тебе за твое сочинение, так долго хранившееся у меня. Если я больше не в состоянии прислать тебе что-то подобное от себя, то обратись пока к моей книге; возможно, при ее чтении у тебя возникнет такое же чувство, как у меня при прослушивании твоей прекрасной музыки.

Прощай и оставайся мне верен!
Твой Ф.

262. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel 16 Oct 72.

Моя дорогая добрая матушка,

вот и день рождения прошел, начался новый год — будем же стараться завершить его достойно. Я от всего сердца благодарю тебя за все доброе, что ты мне пожелала и что ты мне подарила. Блаженство от теплых удобных чулок я вкушаю в это самое мгновение, настоящее благо для «дрожащих костей». Наумбургское вино и базельское хорошо сочетаются<n> в одном желудке: того же жду и от чая. Мой чайный сервиз теперь выглядит уже весьма внушительно; Лизбет одарила меня добротной и уже бывшей в употреблении чайной машиной — что ж, готовимся к зиме, которая в этот раз наступает быстрее. С трудом, то есть с опозданием на несколько часов, я избежал того, чтобы оказаться занесенным снегом в пути. Твое первое письмо, трогательное описанием ожидания и трагичное из-за катастрофического появления почтальона, застало меня уже в Базеле — вернее, оно блуждало по занесенному снегом перевалу Шплюген, а оттуда вернулось обратно в Базель, куда я прибыл еще в пятницу на прошлой неделе. Мой день рождения принес мне письма из Байройта; затем от Ромундта, затем от Густава Круга, затем от Герсдорфа, который в январе едет в Италию, а следующее лето проведет в Базеле (чтобы изучать химию и «культуру», как он пишет). Наконец, от нашей Лизбет, которая из Драйфельдена, очень довольная и обстоятельная, обещая еще более подробные вести, дает о себе знать. От Роде сегодня еще придет сочинение против Виламовица; я очень жду его — ради самого Роде, ибо лично меня эта полемика мало интересует. Но задача для Роде была трудной и заманчивой: а именно, в послании к Вагнеру, которое в любом случае требует высокого и значительного тона, разделаться с таким никчемным мальчишкой. Он наверняка сделал это как надо: и во всяком случае лучше, чем если бы я сделал это сам.

Отовсюду добрые вести — так начался год.

Здесь я пока совсем один. Ибо Овербек в Дрездене. Ромундт под Бременом. О подарке, который сделал мне почитатель моей книги в Женеве, я тебе, должно быть, рассказывал. А также о том, что моя французская переводчица графиня Диодати закончила уже больше половины. Теперь я желаю себе на эту зиму только хорошей и плодотворной работы. — С нашими студентами в этот раз туго.

С сердечным приветом и благодарностью
Твой старый сын
который возможно все же приедет на Рождество.

263. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 18. Oktober 1872>

Моя дорогая Лизбет,

теперь ты знаешь, что такое горный воздух — в нем становишься бодрым и полным человеколюбия, а зачастую даже настроенным величественно и дерзко.

Что я, собственно, хотел тебе этим сказать, я уже снова забыл — может быть, только то, что я пишу не в горном воздухе, но что ты можешь принять и преобразить это произведение равнин с ощущением горного воздуха. Села.

Твой подарок на день рождения встретил меня 11 октября вечером по возвращении с гор и с тех пор уже достаточно себя оправдал — как почтенный сосуд, не склонный опрокидываться и обжигать меня! Хвала небу и тебе за это! Равно как и за твое письмо на день рождения — в этот раз все приходило словно по капле, медленно, но тяжелые капли, своего рода медовый дождь. Твое письмо тоже относилось к числу этих густых капель. Одна все еще ожидается, мой язык готов (как у Лэлленкёнига) принять его — сочинение Роде, которое готово, но еще не в моих руках. Зато у меня есть корректурные листы Рейнского музея. — Как прекрасно ты упорядочила все 25 томов этого издания, и вообще — там стояло довольно много того, что принадлежало друг другу, короче говоря, это было довольно красиво! Хвала и слава!

Мое путешествие было, в обывательском смысле, очень неудачным, в моем мужском смысле — несравненно удачным. Рассказывать нечего — горный воздух! Воздух высокогорья! Воздух центральных высокогорий! — Попытка поехать в Италию не удалась — отвратительный мягкий воздух, никакого освещения! Я доехал до Бергамо (на полпути к Венеции) и оттуда помчался сломя голову обратно к перевалу Шплюген. Только представь: из трех дней два, вместе с ночами, в дороге, один — туда, третий — обратно к Шплюгену, это ведь энергично, кратко — и дорого! В последний день всей поездки я провел небесный осенний день (единственный хороший за все время) в Рагаце.

Позавчера у меня был гость — Дойссен. Все прошло, но вчера и сегодня была головная боль. Впрочем, я был очень доволен, он тоже, его «счастье» устроено, он получил теперь место у русской — свободное роскошное содержание и ежегодно сверх того 5000 франков. — Не хочешь ли ты как-нибудь взглянуть на Обердрайс?

А теперь приветствуй своих счастливых ближних, и будьте все вместе, вы, тройственные Драйфельднеры, в добром духе, как

Ваш
Фриц.

264. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 18. Oktober 1872>

Мой дорогой добрый друг,

прекрасно, очень прекрасно! Великолепные новости! Ну вот видишь, твой жизненный корабль постепенно входит в единственно подобающее, самое лучшее русло: у тебя теперь впереди целая достойная жизнь для твоего образования, никакая так называемая «служба» не поглощает твои добрые часы и твою безмятежность, но в добром старом римском стиле ты отправляешься, без политических амбиций, в деревню, чтобы там жить для самого себя, для своих благородных целей и для своих друзей. Приходится много и бесконечно трудиться, прежде чем можно будет сказать о себе то, что Эсхил говорит об Оресте:

ἔξω κομίζων ὀλεθρίου πηλοῦ πόδα.

ибо «пагубная тина» современности чрезмерно велика и грозит каждого задушить.

Тем временем главная задача — хорошо подготовиться к твоей итальянской поездке. Я ведь только что был немного в Италии (один день, а именно в Бергамо), но признаюсь тебе, что без свободного владения языком там просто невыносимо. Итак, прежде всего нужно уметь говорить и говорить бегло. Затем мне кажется, что с чтением «Чичероне» Буркхардта нужно вставать и ложиться спать: мало книг, которые так стимулируют фантазию и подготавливают почву для художественной концепции. Конечно, у тебя есть самая прекрасная и непосредственная подготовка в общении с твоими превосходными друзьями-скульпторами. Передай им от меня что-нибудь сердечное: то, что ты писал мне о них, наполняет меня величайшим желанием когда-нибудь услышать и увидеть их больше. Как ты счастлив, что они рядом с тобой! Посреди этого ужасного отвратительного Берлина! Ты бы, конечно, не выдержал там так долго.

Ответная статья Роде всё ещё не попала мне в руки: первенец Ромундта обещает многое, хотя он ещё очень «первенец». Но он мне очень нравится своим специфически философским направлением, которое веет на читателя чем-то совсем несовременным и, в частности, «неисторическим». Я спокоен за него, тем более что теперь он рядом. Ты найдешь в нем чистого, достойного и серьезного человека, который чувствует себя в нашем кругу хорошо и как дома, хотя он и немузыкален — всё же он не лишен совсем «дионисийского», если пользоваться моим школьным языком.

Дорогой друг, лето в следующем году будет для нас богатым и плодотворным сверх всяких ожиданий — ты привезешь нам свои свежие итальянские впечатления — вместе мы подготовимся через изучение произведения о Нибелунгах. Буркхардт, Ромундт, Овебек и я — мы встретим тебя с ликованием, когда ты ступишь на землю Базеля. Во Флоренции ты еще застанешь добрых дам, если приедешь туда до Пасхи — только читай мемуары! Ты удивишься.

Из Байройта мне написала госпожа В<агнер> по случаю дня рождения, она была больна и лежала в постели. Её сразило воспаление горла после тягот переезда во второе временное жилище. В начале ноября начинается турне по всем театральным станциям. Дом и город нравятся, ожидают приезда Листа. Зев замуровывается, проходят конференции и т. д.

Госпожа В. в дни выздоровления снова взялась за мою книгу и пишет, что «она не перестает изумляться мастерству вашего изложения; лучшего, почтенный друг, вы никогда не напишете, я считаю большее совершенство, чем то, что царит в этой книге, невозможным; но другое и столь же хорошее вы нам дадите, и в других областях». — Как становится при этом на душе! Так самонадеянно и стыдно одновременно! Но прежде всего я чувствую тогда, что для того, чтобы самому теперь удовлетвориться произведением, я должен стремиться к великим, смелым и очень идеальным целям. Ты говорил о «простоте и величии»: это звук из моей души, там лежат и мои идеалы.

Мы хотим и впредь оставаться друзьями и быть близкими, не так ли, мой старый добрый Герсдорф?

Искренне твой Ф. Н.

265. An Erwin Rohde in Kiel

Basel den 25 Oktober 1872.

Наконец, дорогой друг, первое волнение преодолено, которое едва не вызвало у меня несварение желудка — было бы жаль, если бы я подавился этой чудесной виноградиной, не правда ли? Теперь я сижу вполне уютно, по-полуденному, в своей теплой комнате и радуюсь, как ребенок, подарку, снова и снова принюхиваясь и прикусывая его. То, что ты сегодня для меня сделал, я не могу выразить словами, я был бы совершенно неспособен сделать это для самого себя и знаю, что нет второго человека, от которого я мог бы ожидать такого дружеского дара. Как же тебе пришлось пересилить себя, бедный дорогой друг, чтобы так долго иметь дело с тем парнем! Я задним числом осознаю всю отвратительность и тягостность того нападения, чувствуя, что ты под ним выстрадал. Но теперь твое сочинение устремляется вширь и тащит утопленного парня за собой в эту даль. Какие последствия ты можешь от него ожидать, узнай из следующих сообщений, которые дошли до меня, хотя я, право слово!, их не искал. В Лейпциге один голос о моем сочинении: как он звучит, выдал достойный и очень уважаемый мною Узенер в Бонне перед своими студентами, которые его спрашивали: «это сущий вздор, с которым совершенно нечего делать: тот, кто написал нечто подобное, научно мертв». Это так, словно я совершил преступление; вот уже 10 месяцев молчат, потому что действительно все верят, что настолько превзошли мое сочинение, что о нем не стоит и слова терять. Так описывает мне Овербек впечатление из Лейпцига. Все партии в этом едины: но чтобы не отсутствовало барочное исключение, позавчера появилось письмо Э. Лейча в «старушечьем тоне», выдающее симпатии! Весь этот опыт имеет в себе что-то бестолковое! (К слову, старик прислал толстый том, может быть, 10-15 трактатов, программ и т. д., причем свои отчеты о Феогниде старомодно-изящно переплетенными! Это просто умора!) Наполовину меня, вероятно, даже считают свихнувшимся, ведь это утешение для наших «здоровых», когда никакое другое утешение не помогает.

А теперь твое сочинение, в своем великодушии и дерзком боевом соратничестве, падающее прямо в гущу этого кудахчущего народца — какое зрелище! Ромундт и Овербек, единственные, кому я до сих пор мог его прочитать, вне себя от радости по поводу твоего счастливейшего успеха! — они не устают, восхваляя, выделять частное и общее, они называют полемику «лессинговской» — ну, ты знаешь, что добрые немцы хотят сказать этим предикатом. Мне больше всего нравится постоянно слышать глубокий гудящ<ий> основной тон, как у сильного водопада, которым освящается любая полемика и который производит впечатление величия, тот основной тон, в котором сливаются любовь, доверие, мужество, сила, боль, победа и надежда. Дорогой друг, я был совершенно потрясен — и когда ты заговорил о «друзьях», я долго не мог читать дальше. Какие чудесные переживания выпали мне в этом году! И как рассеиваются от них все невзгоды, налетающие на меня откуда-то еще! Также и из души Вагнера я горд и счастлив — ведь твое сочинение знаменует собой удивительный поворотный пункт в его положении в научных кругах Германии. Недавно «Национальная газета» была настолько дерзка, что причислила меня к «литературным лакеям В.»; какое изумление, если и ты признаешься в принадлежности к нему! Это, пожалуй, даже важнее, чем то, что ты встаешь на мою сторону? Не правда ли, старый друг? И именно это, именно это делает сегодняшний день для меня самым счастливым из тех, что я давно пережил, я вижу, что ты, в своем дружеском поступке для меня, сделал для Вагнера! Когда Герсдорф прочтет твое сочинение, я убежден, что он два-три раза встанет на голову от радости и счастья! И как красиво и «благородно» снова сделал свое дело достойный Фрич! Если бы он только теперь еще и сбыт обеспечил так же хорошо — и немного быстрее, чем появление; я в последнее время совсем не знал, что и думать, и был почти готов написать ему. Ты ведь знаешь новейшее сочинение В. «Об актерах и певцах»? Совершенно новая открытая область эстетики! И как плодотворно повернута каждая мысль из «Рождения трагедии». Я беседую с этим новым сочинением, как будто я вместе с В., чьей близости я теперь, так долго уже, лишен.

Мы хотим быть мужественными, мой дорогой, дорогой друг! Я теперь верю только в улучшение, в наше улучшение, в наш рост в добрых намерениях, добрых средствах, в наш бег наперегонки к все более благородным и далеким целям! О, мы достигнем их, и после каждой победы цель для нас отодвигается дальше, и мы бежим мужественнее вперед. Должно ли нас сильно заботить, что нет многих, да что есть лишь очень немногие зрители, у которых есть глаза, чтобы видеть, какой забег мы совершаем? Заботит ли нас это, если мы только знаем, что эти немногие зрители — единственные для нас судьи в борьбе? Я со своей стороны отдам за такого зрителя, как Вагнер, все лавровые венки, которые могло бы даровать настоящее; и удовлетворить его влечет меня больше и выше, чем любая другая сила. Ведь это трудно — и он говорит все, нравится ему это или нет, и он для меня как добрая совесть, карающая и вознаграждающая.

Теперь пусть все добрые духи будут с нами, дорогой друг! Теперь мы идем вместе, одной веры и одной надежды! То, что переживаешь ты, переживаю я, и нет больше ничего, что было бы для одного из нас отдельно, ничего доброго и правильного!

Я благодарю тебя, мой друг, я благодарю тебя!

Твой
Фридрих.

266. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 26. Oktober 1872>

Моя дорогая Лизбет,

ну что же, теперь у тебя есть мое письмо, которое тем временем, совершенно излишне, забралось на одинокие высоты Вестервальда. Сердечно благодарю за твои подробные сообщения, которые носят самый отрадный и радостный характер. У меня сегодня тоже есть хорошие новости, а именно — выход в свет великолепного сочинения Роде против писанины Виламо. Я не могу его прислать, вам придется приобрести его самим, как и Густаву, Фолькману и другим, ибо мне важно, чтобы каждый его купил. Обещаю тебе удовольствие и даже духовное назидание от него. Позаботься только о том, чтобы его хорошо покупали, в стиле той внезапной покупки из восторга в Висбадене, о которой ты мне рассказывала. Я очень счастлив из-за него, оно такое великое и свободное, как мы только могли пожелать, и говорит филологам много истин.

Знаешь ли ты уже новую работу Вагнера «Об актерах и певцах» (тоже у Фрича)? Он написал мне сегодня замечательное, необычайно длинное письмо и анонсирует свой и своей жены визит в Базель на 8 дней в третью неделю ноября. Правда ведь, это прекрасные новости!

Я писал о Герсдорфе? О том, что он в декабре едет через Базель в Италию и будет учиться в Базеле летом?

Лист в Байройте взялся за мою «Новогоднюю музыку» и отозвался о ней очень благоприятно. (Я рассказывал тебе о Бюлове?)

Ромундт и Овербек снова здесь, вчера я демонстрировал ему весь чайный аппарат, вместе с превосходной колбасой. Через Мадоэрена я купил около 20 фунтов великолепного винограда.

Вчера я навестил Иммерманов: большая радость, самые забавные воспоминания о последнем дне приключений Шёне.

Также я навестил молодых Фишеров: старик очень угрюм, дела идут неважно. Корректурные листы «Рейнского музея»<s> наконец прибыли, к моему отвращению; ибо исправлять нужно очень много.

Очень любезное письмо, с целой пачкой сочинений и диссертаций, я получил от старого профессора фон Лейча из Гёттингена — он сообщает мне, что нашел подходящую личность для «рецензирования» моей книги — странно! Не так ли?

Что же делает наша дорогая добрая матушка? Носочки? Рубашечки? Да мало ли что! Весело ли вам вместе? Если нет, ну так читайте сочинение Роде

Название:

Afterphilologie (Лжефилология).

К освещению

доктора философии Ульриха фон Виламовица-Мёллендорфа

изданного памфлета «Филология будущего!»

Послание филолога

к

Рихарду Вагнеру

(Лейпциг, Фрич) 48 страниц

Живите очень хорошо и пишите поскорее своему

ФРИЦУ

267. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 27. Oktober 1872> Sonntag.

Вот, мой дорогой друг, посылаю тебе великолепное письмо В<агнера>: он написал его мне еще до того, как получил твое послание. Я хочу, чтобы ты был соучастником всего доброго, что мне достается, — а в данном случае, когда речь идет о письмах Вагнера, — только ты один! Ибо такое письмо, как сегодняшнее, я не покажу даже Ромунду и Овербеку, как бы сильно я их ни любил и ни почитал. Ты почерпнешь мужество и силу из такого письма, со мной происходит то же самое.

Крайне оригинально и почти забавно всеобщее недоумение в кругах музыкальных мастеров по поводу меня как композитора: письмо Бюлова ты ведь знаешь — теперь пришел Лист! и называет беду Бюлова «весьма отчаянной».

Я все еще читаю твою «Апологию не-Сократа» как утреннюю закуску и вечерний хлеб; один экземпляр я велю оформить вместе с твоим объявлением в Nordd. Allg. для моего парадного стола, весьма роскошно, в коже и золоте.

Лишь бы Фрич как следует прорекламировал сочинение! Я хочу, чтобы он разместил его в litterarischen Centralblatt: «Друзьям на утешение, врагам же — на вечную зависть!» Напиши ему все же пару слов о Centralblatt и Rhein. Mus., может быть, также о Hermes? В любом случае об Augsburgerin! Затем пусть он пошлет экземпляр Лейчу.

Приготовимся к шумному скандалу и заткнем уши ватой, но ватой доброго образа мыслей и той «хорошей подушкой для отдыха», которую называют чистой совестью.

Я всегда с изумлением оглядываюсь в поисках подобного случая и не нахожу его. Есть ли еще другие такие «друзья», как ты? «Критическое» потомство будет утверждать, что ты сам написал «Рожд. траг.» и взял меня лишь в качестве πρόφασις, чтобы потом написать еще такие объявления и апологии! Из самой глубины! Но точно так же и из самого внешнего! Кажется, я лишь снял слово у тебя с языка, и ты достаточно хороший друг, чтобы не сердиться на меня за это?

Короче говоря, здесь есть нечто чудесное: посмотрим, что наши «критики» скажут об этом «монизме дуализма».

С сердечной любовью
Твой Ф.

268. An Hans von Bülow in München (Entwurf)

<Basel, 29. Oktober oder kurz vorher>

Слава Богу, что я должен услышать это, и именно это, от Вас. Я уже знаю, какой неловкий момент я Вам доставил, и за это говорю Вам, как сильно Вы мне помогли. Подумайте о том, что в моей музыкальной самодисциплине я постепенно утратил всякую дисциплину, что я никогда не слышал от музыканта суждения о моей музыке и что я поистине счастлив получить столь простое разъяснение о сущности моего самого последнего композиторского периода. Ибо, к сожалению, должен признаться — я сочиняю музыку собственного производства с детства, владею теорией благодаря изучению Альбрехтсбергера, написал фуги en masse и способен на чистый стиль — до известной степени чистоты. Напротив, временами меня охватывало столь варварски-чрезмерное желание, смесь вызова и иронии, что я, как и Вы, не могу остро чувствовать, что в этой последней музыке задумано как серьезность, как карикатура, как насмешка. Своему ближайшему сожителю (о, бедняга!) я преподнес это как памфлет на программную музыку. И первоначальное обозначение характера настроения было cannibalido. При этом мне теперь, к сожалению, ясно, что всё это, вместе с этой смесью пафоса и злобы, абсолютно соответствовало реальному настроению и что при записи я испытывал удовольствие, какого не было ни при чем прежнем. Стало быть, дело с моей музыкой обстоит весьма печально, а с моими настроениями — еще печальнее. Как назвать состояние, в котором смешались наслаждение, презрение, озорство, возвышенность? — Кое-где я впадаю в эту опасную лунатическую область. — При этом я — поверьте мне — бесконечно далек от того, чтобы, исходя из этого полупсихиатрического музыкального возбуждения, судить о вагнеровской музыке и почитать ее. О своей музыке я знаю только одно: что с ее помощью я становлюсь господином над настроением, которое, будучи неутоленным, возможно, более вредоносно. В той же я почитаю именно эту высшую необходимость — и там, где я, как несовершенный музыкант, ее не постигаю, я принимаю ее на веру. Но что мне было особенно приятно в этой последней музыке, так это именно, при самом безумном излишестве, некая карикатура на эту необходимость. И именно эта отчаянная контрапунктика должна была смутить мое чувство до такой степени, что я стал абсолютно лишенным суждения. И в этой нужде я временами даже думал лучше об этой музыке — весьма прискорбное состояние, из которого Вы меня теперь спасли. Благодарю Вас! Значит, это не музыка? Я очень счастлив этому, мне больше не нужно заниматься этим видом otium cum odio, этим весьма ненавистным способом моего времяпрепровождения. Мне важна истина: Вы знаете, приятнее ее слышать, чем говорить. Так что я снова вдвойне у Вас в долгу. — Но я прошу Вас только об одном: не делайте «Тристана» ответственным за мой грех. После прослушивания «Тристана» я бы, конечно, больше не сочинил такой музыки — он исцеляет меня на долгое время от моей музыки. Если бы я мог услышать его снова!

Тогда я все же хочу сделать попытку предпринять музыкальный курс оздоровления: и, возможно, я останусь, если буду изучать сонаты Бетховена в Вашем издании, под Вашим духовным надзором и руководством. В остальном для меня всё это — весьма поучительный опыт; вопрос воспитания, который занимает меня в других областях, однажды с особой силой встает передо мной в сфере искусства. Каким ужасным заблуждениям подвержен сейчас одиночка!

269. An Hans von Bülow in München

Basel den 29 Okt. 1872

Милостивый государь,

не правда ли, я не спешил внять предостережениям Вашего письма и поблагодарить Вас за них? Будьте уверены, что я никогда не осмелился бы, даже в шутку, просить Вас просмотреть мою «музыку», если бы хоть немного подозревал о её абсолютной никчёмности! К сожалению, до сих пор никто не вывел меня из этого невинного заблуждения, из иллюзии, что я могу сочинять музыку — пусть весьма дилетантскую и гротескную, но для меня в высшей степени «естественную». Теперь же, оглядываясь с Вашего письма на свои нотные листы, я начинаю осознавать, каким опасностям неестественности я подвергал себя, предаваясь этому занятию. При этом я до сих пор полагаю, что Вы судили бы о ней несколько благосклоннее — разумеется, лишь в незначительной степени, — если бы я исполнил Вам эту немузыку по-своему, пусть плохо, но выразительно: многое, вероятно, из-за технической неумелости легло на бумагу столь коряво, что это должно оскорблять чувство приличия и чистоты любого истинного музыканта.

Подумайте только, что до сих пор, с самой ранней юности, я жил в безумнейшей иллюзии и получал очень много радости от своей музыки! Вы видите, как обстоят дела с «просветлением моего разума», о котором Вы, по-видимому, столь высокого мнения. Для меня всегда оставалось загадкой: откуда эта радость? В ней было что-то иррациональное, я не мог видеть в этом отношении ни вправо, ни влево, но радость оставалась. Именно при сочинении этой музыки к «Манфреду» я испытывал такое мрачное, даже насмешливо-патетическое чувство, это было наслаждение, сродни дьявольской иронии! Моя другая «музыка», поверьте мне, человечнее, мягче и чище. Даже само название было ироничным — ибо в байроновском «Манфреде», которым я в юности восхищался чуть ли не как любимым стихотворением, я теперь едва ли могу видеть что-то иное, кроме как безумно бесформенную и монотонную нелепицу. —

Но теперь я умолкаю об этом и знаю, что, узнав от Вас о лучшем, буду поступать так, как подобает. Вы мне очень помогли — это признание, которое я до сих пор делаю с некоторой болью. —

Доставит ли Вам, быть может, некоторое удовольствие прилагаемое сочинение профессора Роде? Понятие «вагнерианского филолога» ведь ново — Вы видите, теперь их уже двое.

Вспоминайте меня, глубокоуважаемый господин, по-доброму и забудьте, ради меня, те музыкальные и человеческие муки, которые я причинил Вам своей опрометчивой посылкой: я же, в свою очередь, конечно, никогда не забуду Вашего письма и Ваших советов. Я скажу, как говорят дети, когда совершат глупость: «я больше так не буду», и остаюсь в преданности и глубоком уважении к Вам,

как Ваш неизменно покорный
Фридрих Ницше.

270. An Malwida von Meysenbug in Florenz

7 Nov. 72. Basel.

Глубокоуважаемая барышня,

наконец-то мой сверточек для Вас готов, и наконец-то Вы снова услышите что-то от меня, после того как я, должно быть, казался погруженным в поистине гробовое молчание. Подумайте только, ведь я тем временем уже был совсем недалеко от Вас — а именно в Бергамо, и лишь внезапно вспыхнувшее совершенное отвращение к Италии (особенно к картинам!) быстро погнало меня обратно. — Иначе мы бы увиделись в этом году в четвертый раз и смогли бы снова отпраздновать такую встречу, как Базельский собор, который я храню в сердечной памяти и с постоянной благодарностью к Вам и любезной новобрачной паре. В четвертый раз! Возможно, это больше, чем хорошо, согласно пословице, что бог троицу любит — короче говоря, демон погнал меня обратно и усадил на перевале Шплюген, где я в величайшем уединении от людей и общества вел спокойную и задумчивую жизнь, в бодрящем, даже пронизывающем воздухе (в то время как итальянская атмосфера действовала на меня, как пар в бане — отвратительно и изнеженно!)

Кстати, друг Герсдорф в следующем январе перейдет через Альпы и уже спрашивал меня, может ли он питать надежду застать Вас еще во Флоренции. Он очень счастлив, так как его жизненный путь сейчас основательно перетряхивается — благодаря тому, что он может оставить юридическую карьеру в декабре. Теперь он немного попутешествует, а затем будет изучать сельское хозяйство с необходимыми для этого научными предпосылками. Следующее лето он, возможно, думает провести в Базеле с химией и «культурой», как он пишет, — что в любом случае означает не агрикультуру, а подлинную культуру человечества.

На третью неделю ноября, а именно на 8 дней, мне анонсирован чудесный визит — здесь, в Базеле! «Визит как таковой», Вагнер с женой. Они в большом турне, во время которого хотят посетить все значимые театры Германии, а заодно и знаменитого базельского зубного врача, которому я, таким образом, очень многим обязан! Новейшее сочинение Вагнера «Об актерах и певцах» Вы уже знаете? А вот апологию профессора Роде из Киля, которую он написал, одинаково владея как мечом, так и пером, и с большим превосходством над своим противником, — наверняка еще нет. Ведь благодаря моему «Рождению трагедии» я стал самым скандальным филологом дня, заступиться за которого может быть настоящим чудом смелости, поскольку все единодушно готовы сломать на мне палку. Если не считать полемики, которой я не стал бы Вас утруждать, сочинение Роде содержит много хорошего о филологических основах моей книги и поэтому может найти у Вас некоторое сочувствие. Если бы только мне не пришлось опасаться, что великодушный шаг Роде приведет его в настоящее гнездо недоброжелательства и злобы! Теперь мы оба вместе в черном списке!

В сущности, это ведь недоразумение; я писал не для филологов, хотя они — если бы только могли — могли бы многому, даже чисто филологическому, научиться из моего сочинения. Теперь они ожесточенно набрасываются на меня, и кажется, они думают, что я совершил преступление, потому что не подумал сначала о них и их понимании. И поступок Роде останется безрезультатным, ибо ничто не способно преодолеть эту чудовищную пропасть. Теперь я спокойно продолжаю свой путь и остерегаюсь испытывать отвращение, повод для которого иначе находился бы на каждом шагу.

Глубокоуважаемая барышня, Вы ведь пережили более тяжелое, но аналогичное, и кто знает, насколько моя жизнь еще может стать похожей на Вашу. Ведь до сих пор я только начал немного высказываться; мне нужно еще много мужества и крепкой дружеской любви, прежде всего хороших и благородных примеров, чтобы не потерять дыхание посреди речи. Да, хорошие примеры! И тут я думаю о Вас и радуюсь от всего сердца тому, что встретился с Вами, глубокоуважаемая барышня, как с одиноким борцом за правое дело. Верьте раз и навсегда, что я проникся к Вам тем безусловным доверием, которое в этом мире недоверия могу чувствовать только среди своих ближайших друзей, и что я был так настроен по отношению к Вам с первого момента нашего знакомства. Также пусть барышня Ольга будет убеждена, что она может рассчитывать на меня в любой жизненной ситуации. Я искренне расположен к Вам обеим и надеюсь на возможность это показать. —

Вот приходит Ваше любезное письмо из Флоренции и напоминает мне прежде всего о том, что при моем отвратительном молчании все должно было казаться совсем иначе, чем я мог заверить ранее, в залежавшемся и незаконченном письме: почему я только не писал так долго! Так я спрашиваю себя самого, совершенно изумленный, не находя настоящих причин или даже оправданий. Но я уже испытал, что мне часто труднее всего решиться написать тем, о ком я больше всего думаю. Но я этого не понимаю. Истолкуйте это как можно добрее и позвольте этому быть забытым. Существует так много иррационального, против чего помогают только забвением.

Этим темным изречением я хочу сегодня закончить. Вместе с этим письмом Вы получите фотографию, сочинение Роде и мои пять лекций о будущем наших образовательных учреждений. Вы ведь читаете их, представляя себе совершенно определенную, а именно базельскую публику; мне сейчас казалось бы невозможным отдать такое в печать, ибо оно недостаточно глубоко и облечено в фарс, выдумка которого весьма слаба.

От всего сердца Ваш
верный
д-р Фридрих Ницше

Я еще передаю сердечные приветы от моей сестры; она больше не здесь, но хочет навестить меня летом снова.

271. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel,> 7 Nov. 72.

Дорогая Лизбет,

Проф. Хис живет в Лейпциге на углу улиц Саломонштрассе и Дрезденерштрассе, в большом новом доме: точнее я не знаю, но этого ведь достаточно, не так ли?

Сердечно благодарю за все сообщения и выражаю свое согласие, в том числе относительно (музыкального магазина господина К. Ферд. Хеккеля в Мангейме). Значит, сочинение Роде производит фурор? Охотно верю. Кстати, он просит передать тебе огромную благодарность за завершение письма перед отъездом.

Переводчица графиня Д<iodati> снова дала о себе знать, я хочу на днях послать ей свой портрет. Для Ричля в Лейпциге хотят сделать альбом, так что мне придется сфотографироваться. Наша добрая матушка тоже должна получить снимок.

Завтра Ромундт произнесет свою вступительную речь. У него есть студенты на все три заявленные им лекции.

На третьей неделе ноября ко мне на 8 дней приедут Вагнер с супругой.

В прошлый вторник я был у фрау Сарасин-Бруннер в приятном обществе, все справлялись о тебе и надеются на твое возвращение.

Фрау Маргрет передает наилучшие пожелания, она недавно прислала оставленные тобой вещи, маленький мальчик тоже приходил, чтобы передать тебе привет. Он очень часто зовет дома «фройляйн Н.»

В воскресенье я обедаю у Бахофенов, которые проявляют ко мне необычайную сердечность. Затем я приглашен на бал к Ла Рош-Буркхардтам, т.е. не к тем Ла Рошам, которых ты знаешь, а к другим.

Фройляйн Кестнер также пригласила меня на обед в старомодно-изысканной манере.

Я очень обрадовался четырем купленным тобой экземплярам — прекрасный пример! В Шульпфорте сочинение теперь тоже должно возыметь свое действие. Герсдорф писал «в восторге»; он приедет сюда в конце декабря.

Будем надеяться на Рождество! Я постараюсь, чтобы вышло около двух недель. Но это непросто.

Сердечно приветствуй нашу дорогую матушку, а сама прими мою глубочайшую благодарность за письмо и пожелания.

Твой брат

Бедный Густав, которого я заставил преступно долго ждать, сегодня получит свои ноты. Извинись и успокой его — кстати, он выдающийся музыкант.

272. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 11. oder 12. November 1872>

Милый добрый друг, мы это как-нибудь перенесем. Вот следующий, несколько угнетающий меня факт: в нашем университете на этот зимний семестр не явились филологи — совершенно уникальное явление, которое ты, вероятно, истолкуешь так же, как и я. В одном частном случае я даже знаю, что студент, который хотел изучать здесь филологию, был удержан в Бонне и с восторгом писал родственникам, что благодарит Бога за то, что не находится в университете, где я являюсь преподавателем. — Короче говоря, Фема сделала свое дело, но мы не должны подавать виду. То, что маленький университет должен страдать еще и из-за меня, перенести довольно тяжело. Мы отстаем на 20 человек от показателей прошлого семестра. С превеликим трудом я организовал один курс по риторике г<реков> и р<имлян>, с 2 слушателями, т.е. одним германистом и одним юристом.

Якоб Буркхардт и советник Фишер были необычайно рады твоему сочинению. Обоим я передал экземпляры из тех прекрасных, что были мне присланы, так же как Овербеку и Ричлю, а затем флорентийцам Ольге Герцен и фрейлейн фон Майзенбуг. Теперь у меня есть 2 роскошных экземпляра: возможно, сделанное здесь выглядит так, как ты видел во сне. На нем надпись «Э. Роде — к рождению трагедии», и оно объединяет оба твоих трактата. Они для меня — сокровище, которому позавидует любой автор древности и современности: друг Иммерман здесь, на месте, постоянно считает, что твои вещи как минимум так же хороши, как мои. Короче говоря, люди замечают наше оресто-пиладовство χαλεποῖσιν ἐνὶ ξείνοισι и радуются ему — что я упоминаю лишь потому, что мы оба не сомневаемся, что гораздо больше людей это раздражает.

Из посторонних еще никто не подал ни звука. Конечно, не считая наших. Ты знаешь, что Вагнер с женой через несколько недель приедут сюда на 8 дней? Ромундт прочитал свою вступительную лекцию и счастлив, что на все три заявленных им курса есть слушатели. Герсдорф приедет сюда в январе, проездом в Италию. Он был «в восторженном экстазе» от твоего сочинения!

Ты слышал о скандале с Цёлльнером в Лейпциге? Обязательно взгляни на его книгу о природе комет; в ней удивительно много для нас. Этот честный человек после этого поступка был самым подлым образом отлучен от всей ученой республики, его ближайшие друзья отрекаются от него, и по всему миру его клеймят «сумасшедшим»! Совершенно серьезно называют «душевнобольным» только потому, что он не дует в рог товарищества! Таков дух лейпцигской ученой охлократии!

Ты, конечно, уже знаешь, что психиатр «благородным языком» доказал, что Вагнер безумен, и что то же самое было проделано другим психиатром в отношении Шопенгауэра? Ты видишь, как помогают себе «здоровые»: они, конечно, не декретируют эшафот для неудобных гениев, но эта ползучая, злонамереннейшая клевета приносит им еще больше пользы, чем внезапное устранение, она подрывает доверие грядущего поколения. Этот прием Шопенгауэр упустил! Он удивительно соответствует подлости самого подлого века!

Но теперь мне пора на лекцию, однако я не хочу больше ждать, чтобы послать тебе свой привет. Думаю, мы будем посылать друг другу этой зимой листочки и письмеца так часто, как сможем, но ведь и честно длинные послания тоже? Не так ли? Мой милейший друг, будь только в хорошем настроении, добро побеждает уже тем, что зло забывают. Забудем же собак!

От всего сердца
Твой Ф.

273. An Hugo von Senger in Genf

<Basel, Anfang November 1872>

Ваше огромное доверие ко мне, дражайший друг, так открыто выражается в Вашем письме, что я сегодня вынужден ответить Вам с такой же откровенностью: во-первых, что я филолог и, если хотите, немного философ, к тому же филолог, подвергающийся жестким нападкам (но, как Вы можете убедиться из прилагаемого сочинения, хорошо защищающийся). Во-вторых, что я ни музыкант, ни поэт, а потому, к сожалению, в данном случае не в состоянии ни дать Вам совет, ни чем-либо иным помочь. При этом у меня, если позволите, в моем качестве философа, рассматривающего современное развитие музыки в связи с культурой, к которой следует стремиться, есть некоторые собственные мысли о современном сочинительстве в большом драматическом музыкальном стиле. Я прекрасно знаю, что в музыкальных специализированных журналах значение Вагнера связывают именно с тем, что он разрушил старые формы — сонату, симфонию, квартет и т. д., и что с ним вообще пришел конец чистой инструментальной музыке. Если же из этого делается вывод, что композитор теперь обязательно должен перейти к театральной музыке, то я всегда очень обеспокоен и подозреваю здесь подмену понятий. Каждый должен говорить на том языке, который ему подобает: и если титан говорит громом и землетрясением, то смертнорожденный, конечно, еще не имеет права подражать этой форме речи, а тем более — обязанности! Если изобретена высшая форма искусства, то, по моему ощущению, тем более необходимы меньшие, вплоть до самой малой, чтобы художники могли высказываться в соответствии со своей природой, не будучи постоянно заглушаемыми громом. Чистейшее почитание В. проявляется, конечно, в том, что творческий художник уступает ему в его области и в его духе — я имею в виду, с беспощадной строгостью к самому себе, с энергией в каждый момент отдавать всё лучшее, на что способен, — оживляет и одухотворяет другую, меньшую, даже самую малую форму. Поэтому я рад, что у Вас хватает мужества всерьез отнестись к форме кантаты, на которую в последнее время смотрят так косо. И если бы Вы, например, при этом серьезном отношении в вагнеровском духе смогли создать лучшую музыку к гётевской «Вальпургиевой ночи», чем Мендельсон, это было бы нечто достойное и подобающее сильному сопернику; к тому же никто не смог бы предложить Вам более прекрасный и — как бы сказать? — более реформаторский текст.

Прошу Вас, дорогой друг, довольствоваться сегодня этим высказыванием и истолковать его как можно более благоприятно и благосклонно.

Преданный Вам
Фр. Ницше.

274. An Richard Wagner in Bayreuth

<Basel, kurz vor dem 9. November 1872>

Возлюбленный учитель,

после всего, что со мной в последнее время произошло, я поистине меньше всего имею право быть хоть сколько-нибудь унылым, ибо я действительно живу посреди целой солнечной системы дружеской любви, утешительного ободрения и воодушевляющих надежд. Однако есть один момент, который меня сейчас очень тревожит: наш зимний семестр начался, а у меня совсем нет студентов! Наши филологи не явились! Это, по правде говоря, позор, и об этом следует со страхом молчать перед всем миром. Вам, возлюбленный учитель, я рассказываю об этом, потому что вы должны знать всё. Факт же объясняется очень просто — я внезапно стал настолько одиозным среди своих коллег по специальности, что наш маленький университет терпит ущерб! Это меня очень мучает, потому что я действительно очень предан ему и благодарен, и меньше всего хотел бы ему навредить; теперь же мои филологические коллеги, в том числе советник Фишер, празднуют нечто такое, чего еще не случалось за всю его академическую карьеру. До последнего полугодия число филологов всегда росло — а теперь вдруг как ветром сдуло! Впрочем, это соответствует тому, что доходит до моих ушей из других университетских городов. Лейпциг, конечно, снова процветает в зависти и спеси, все осуждают меня, и даже те, «кто меня знает», не могут подняться выше того, чтобы жалеть меня из-за этой «нелепости». Один весьма уважаемый мною профессор филологии в Бонне просто ответил своим студентам, что моя книга — «чистейший вздор», с которым совершенно нечего делать; тот, кто пишет подобное, «научно мертв». Так мне сообщили об одном студенте, который сначала хотел приехать в Базель, потом был удержан в Бонне и теперь написал базельскому родственнику, что благодарит Бога за то, что не пошел в университет, где я являюсь преподавателем. Верите ли вы теперь, что благородный поступок Роде породит что-то иное, кроме как удвоит ненависть и недоброжелательство и направит их против нас двоих? Именно этого мы, Роде и я, ожидаем с величайшей уверенностью. Это было бы еще терпимо, но ущерб, нанесенный мною маленькому университету, университету, который оказал мне большое доверие, очень меня огорчает и со временем может подтолкнуть к решениям, которые у меня и по другим соображениям время от времени возникают. — Впрочем, я могу хорошо использовать это зимнее полугодие, так как теперь я, как простой школьный учитель, завишу только от педагогиума.

Это был «темный момент», в остальном же всё — свет и надежда. Я должен был бы быть очень угрюмым кротом, если бы не приходил в восторг от таких писем, какие вы мне присылаете. Значит, вы едете! Я славлю свою удачу и зубного врача, ибо о таком сюрпризе я не смел и мечтать. Не хотите ли вы на этот раз попробовать остановиться в «Трех королях»? Я считаю их лучше, чем «Эйлер», этим летом я обедал там со своей сестрой и провел очень приятный день с фрейлейн фон Майзенбуг и молодоженами Герцен-Моно.

Ваше великолепное сочинение об актерах и певцах вновь пробудило во мне тоску по тому, чтобы кто-нибудь однажды составил обобщающий отчет на основе ваших эстетических исследований и выводов, чтобы показать, что тем временем всё понимание искусства настолько изменилось, углубилось и определилось, что от традиционной «эстетики» в сущности ничего не осталось. На перевале Шплюген я как раз размышлял о хорографической определенности греческой трагедии, о связи пластики с мимикой и группировкой актеров: именно это я, кажется, распознал, как точно Эсхил сам дал тот пример, о котором вы говорите: так что даже в наших текстах через чудесные числовые симметрии можно угадать симметрии движения; и я связывал с вашими трагедиями великолепную надежду, что отсюда должны найтись мера, цель и правило для немецкого стиля движения, для пластической реальности. С этими подготовительными мыслями я читал ваше сочинение как откровение. —

Теперь пришло сочинение Роде: не правда ли, я имел право утверждать после выхода памфлета, что я прав даже в мельчайших деталях? Всегда приятно, когда читаешь доказательство этого вторым лицом. Ведь порой начинаешь сомневаться в себе, когда всё профессиональное сообщество так единодушно в своем враждебном противоречии. Но сколько же пришлось выстрадать бедному другу, чтобы так долго возиться с таким «обозным слугой»! Если он выдержал это, то взгляд на вас, возлюбленный учитель, придал ему мужества и сил. Мы теперь оба так счастливы иметь один образец — и как же я завидно стою, обладая таким другом, как Роде, не правда ли?

В качестве курьеза расскажу еще, что недавно один музыкант советовался со мной по поводу оперного текста, в сущности, с пожеланием, чтобы я сам его написал. Я написал ему мудрое послание и очень отговаривал: вместо этого ему следовало бы сочинить хорошую кантату, а именно «Вальпургиеву ночь» Гёте еще раз, только лучше, чем Мендельсон! Последует ли он совету? — Всё это, однако, очень забавно. —

В надежде, что вы во время своего странствия по милой подлой Германии совершите удачную байройтскую находку, и с пожеланием как можно скорее получить указание, что следует подготовить к вашему пребыванию здесь, я говорю вам сегодня от всего сердца прощайте! и до свидания!

Ваш старый верный друг
Ф. Н.

275. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 15 Nov. 72.

Мой дорогой Густав

Я меньше всего хочу упустить возможность послать тебе несколько строк, как бы ни были многообразны рабочие и мыслительные тяготы текущего момента. Я обещаю тебе, что в утренний праздничный день буду поздравлять тебя с бокалом вина, пива и других спиртных напитков, распевая при этом именинный гимн, чью дерзкую мелодию ты до сих пор не знаешь, как бы часто я ни обещал тебе её сообщить.

Итак, проведи и следующий год «на утешение друзьям, но на вечную зависть врагам!» Выныривай здоровым и с лебединой песней на устах из болотистых глубин экзамена обратно на свет — ἀγαθῇ τύχῃ, старый друг!

Твои ноты, надеюсь, теперь снова у тебя в руках — это длилось непростительно и, собственно, непостижимо долго; да, недавно я снова начал, по преступной небрежности, жалеть об отправке, так как в скором времени принимаю в Базеле восьмидневный визит Р. В<агнера> и его супруги; по каковому случаю, безусловно, квартет друга был бы упомянут и просмотрен. — Теперь мастер Лист взялся за мою «музыку» — это ведь настоящий курьез!

Ты ведь, надеюсь, читал сочинение Роде? И содействовал его распространению? Я хочу, чтобы мой хороший издатель действительно продал несколько экземпляров. Он такой порядочный человек, я желаю, чтобы он тоже что-то от этого получил. —

Роде проявляет себя так, как я желаю всем своим друзьям: гордым и добрым.

Герсдорф приедет сюда в январе, а затем отправится в Италию.

Друг Ромундт с большим успехом хабилитировался здесь и читает этой зимой три различных курса, в том числе один с 20 слушателями.

Дойссен нашел хорошее гнездо у богатой русской семьи в Женеве, в блестящем положении (и, кстати, с жалованьем в 5000 франков).

Короче говоря, у друзей всё хорошо, и поэтому я надеюсь и на твои блестящие успехи на экзаменах.

Увидеться снова на Рождество — в любом случае прекрасная мысль, и всё же не полная невозможность. Пока я больше ничего не скажу.

Итак, лучший друг, пойдем вперед с надеждой и верно, как прежде.

От всего сердца твой
Фридрих Ницше.

Что делает наш Вильгельм?

276. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 20. und 21. November 1872>

Сердечно любимый друг, посылаю тебе курьез от рыцаря Шафа фон Лейча. Впрочем, на мое столь же весьма любезное письмо он также не ответил, возможно, еще и потому, что я слишком наивно выразил свое изумление его геройством, а в конце торжественно отослал его к тебе и твоей «афтерфилологии». Бог с ним, старому барану от этого все равно никакой выгоды — а нам и подавно! —

На вечер пятницы мне анонсирован визит Вагнера с супругой, примерно на неделю: тем временем телеграфные непрекращающиеся зарницы между Базелем, Мангеймом и Дармштадтом. Там должно быть жарко, и о тебе, в радости и горе, всегда будут верно помнить мы трое! Готовься к основательному звону бокалов и ушей!

Сегодня вечером здесь пышный бал, и поскольку для меня он связан с определенной проклятой романтикой, я поступаю как старый конь Ивик: ἦ μὰν τρομέω νιν ἐπερχόμενον.

Надеюсь доказать тебе прилагаемым совершенно невероятным письмом, что в Киле вы страдаете не только от прошений кухарки Эренбласа. В нем, с прямотой кучера, выражено честное желание вступить в брак.

А что ты скажешь на то, что недавно один почтенный другой, весьма толковый музыкант, обратился ко мне с просьбой написать оперное либретто (с карфагенской музыкой, по «Саламбо»), а заодно и текст кантаты для старокатолических реформаторских целей, с самым безусловным доверием, и притом — как он совершенно спокойно объяснил — потому что его друг, «поэт Лингг» (я называю его «поэтишкой»), бросил его на произвол судьбы! Это ведь тоже относится к «прекраснейшим лучшим детям», у меня тоже есть «такие»!

— Я пишу завтра утром, после того бала, с которого я ушел около 3 часов, продолжение: день серый и дождливо-грязный, но у меня все отлично, «но мысли стоят так далеко», как говорится у Тика, да и у меня тоже. — Итак, ты играешь в Киле комедию? —

Тем временем пришла открытка от Ричля, которую я прилагаю для назидания и прочих побочных мыслей. К сожалению, также телеграмма, отменяющая визит Вагнера в Базель, но приглашающая меня на встречу в Страсбург: туда я и отправлюсь завтра, чтобы с пятницы по воскресенье впитывать счастливую атмосферу.

Я теперь думаю, если могу и где бы то ни было, о том, какой хитростью свести тебя и меня вместе, особенно чтобы избавить тебя от твоего одиночества в «эрратическом блоке». Здесь уже можно жить, потому что хватает демократического такта, чтобы позволить «чудаку на свой лад» существовать. Но трудно представить тебя где-то там: ведь повсюду стоят кандидаты, даже на кафедре еще отнюдь не уставшего от жизни Герлаха.

Твои пророчества, вероятно, верны, мой дорогой друг; у меня чешется большой палец, когда я думаю о них, что является как прорицательским, так и предвещающим ссоры — самого лучшего сорта — феноменом. Я сильно страдал от черной желчи, когда читал твое письмо, и сразу после этого пошел гулять, чтобы найти разумную мысль о том, как построить для тебя материальный фундамент и постамент. Пока что «пустынно море», ни одного корабля на горизонте! В Страсбурге я хочу обсудить с Вагнером понятие классической профессуры в Болонье: также фрейлейн фон Майзенбуг сможет дать некоторую информацию. Что ты думаешь, среди прочего, о ректорстве в Байройте? Но это пока все очень глупые мысли. Жалованье редактора в размере около 2000 талеров, возможно, можно было бы обеспечить, когда будет основан давно планируемый Вагнером и мной периодический журнал, в котором на практике, личным примером, будет доказана возможность высокодумного и вполне благородного, истинно просветительского культурного издания. Разумеется, только с 1874 года. Впрочем, я подумываю о том, чтобы оформить свое следующее сочинение как праздничное издание к 1874 году и Байройту, возможно, оно будет называться — «Последний философ». Я строю это pyramidum altius. — Я думал, что мы должны каким-то образом возвестить, как следует чтить тот год и тот праздник. —

Наконец, для меня всегда остается выход торжественно уступить тебе свою профессуру, с которой я сейчас получаю доход около 4500 франков. Теперь я, правда, тоже не совсем знаю, куда мне потом приткнуться, но моя судьба складывается сейчас, да и вообще всегда, так неожиданно, что, возможно, у меня будет ответ на это быстрее, чем можно подумать. В любом случае, тебе не следует больше долго пребывать в мрачном настроении материи и меланхолическом вопросе δός μοι ποῦ στῶ; пока что просто играй комедию, милейший друг. Как и я вовсе не склонен отбрасывать выражение «весело насвистывающего пренебрежения». Мы уж как-нибудь, как Диоскуры, укротим наших жизненных коней.

Прощай, старый друг!
Ура! Ты должен жить!
Твой Ф. Н.

276a. An die Lese- und Redehalle der deutschen Studenten in Prag

<Basel, November/Dezember 1872>

Милостивые государи

мне доставляет удовольствие исполнить ваше желание, прислав вам свою книгу; однако, посылая вам свой личный экземпляр, я прошу видеть в этом прежде всего лишь мое затруднительное положение; я больше не могу получить новый экземпляр у своего издателя, потому что у него их больше нет. —

Одновременно я рекомендую вам превосходный полемический труд, вызванный моей книгой: «Послефилология. Послание филолога (проф. д-ра Роде из Кильского университета) Рихарду Вагнеру. Лейпциг, Э. В. Фрич». К этому я прилагаю четыре экземпляра отдельно напечатанной подробной рецензии на мою книгу, которая впервые появилась в «Norddeutsche Allgemeine Zeitung».

Наконец, я обращаю ваше внимание на открытое письмо Рихарда Вагнера ко мне, которое также можно найти в «Norddeutsche Allgemeine Zeitung» от 23 июня сего года.

Вскоре выйдет французский перевод. —

В заключение позвольте мне, милостивые государи, от всего сердца выразить пожелание, чтобы моя книга и у вас способствовала приумножению и укреплению энтузиазма к истинно немецким стремлениям в искусстве и науке.

С глубоким уважением
ваш
д-р Фр. Ницше
ординарный профессор в Базеле.

277. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, 7. Dezember 1872>

Любезный друг, как дела? В ближайшее время надеюсь послать тебе свой портрет покрупнее, а сегодня — лишь несколько добрых приветствий. Ведь ты уже получил хорошее письмо от фрау Вагнер, не так ли? Я видел, как она заканчивала его — в Страсбурге, где мы жили рядом, в отеле «ville de Paris», и снова как следует наверстали то, что теряется при долгой разлуке. О тебе всегда говорили так, будто ты был среди нас, и величайшая откровенность в отношении тебя была у нас правилом и необходимостью. Только что она спрашивает меня в письме: «Слышите ли Вы что-нибудь хорошее или хотя бы сносное о профессоре Роде? С тех пор как мы вместе обсуждали его судьбу, я не перестаю размышлять о возможных путях — вечное бессилие при живом сочувствии — это тяжкий жребий!» На самом деле мне нужно рассказать тебе еще многое, особенно об исключительном впечатлении, которое твое сочинение произвело на Вагнера и его жену (так же, как и на графиню Муханову), как оба они считали, что с таким полемическим шедевром можно в один миг стать знаменитым во Франции: немцы для этого слишком мало «утонченны». Но я не знаю, что фрау Вагнер тебе уже написала. Мы вместе рассмотрели несколько вполне приемлемых возможностей для твоего внешнего устройства, например, должность библиотекаря у итальянской (и Вагнеровской) кронпринцессы. Когда-нибудь что-то из того, что мы вложили в лотерею жизни ради твоего блага, да выйдет.

Недавно я получил сочувственные отзывы о твоем сочинении от фрейлейн фон Майзенбуг, Густава Круга, моей матери и, особенно, несколько от моей сестры. Мой здешний книготорговец сказал, что оно пользуется большим спросом и хорошо продается. Моя книга в Лейпциге фактически распродана. Самое новое — это то, что Якоб Бернайс заявил, будто это его взгляды, только сильно преувеличенные. Я нахожу это божественно дерзким со стороны этого образованного и умного еврея, но в то же время — забавным признаком того, что «хитрецы в стране» уже почуяли неладное. Евреи повсюду, и здесь тоже впереди, в то время как добрый тевтонец Узенер, рогатый, плетется позади, оставаясь в тумане.

Во флорентийском обществе сейчас читают мои лекции об образовании — кажется, там сейчас как раз большое оживление в планах реформ учебных заведений, и меня очень забавляет мысль, что мой голосок слышен в итальянском хоре. — Добрая графиня Диодати усердно переводит, да хранят ее Бог и французский языковой гений, чтобы я не выглядел слишком уж по-солекически.

«Философ», то есть мое совсем еще не высиженное яйцо мыслей, сейчас занимает меня одного, такое яркое и желанное, как красивое пасхальное яйцо для хороших детей. — Герсдорф в декабре оставляет свою юридическую карьеру и, проезжая через Италию, в январе приедет в Базель. Круг написал очень красивый квартет и прислал мне: это прекраснейшая «музыка воспоминаний», словно день из нашей общей мальчишеской жизни, очень похожая на вечерние облака. На Рождество я хочу поехать в Наумбург и там немного помузицировать с Кругом, пусть и звуки новогодней ночи сохранят свою эмоциональную ценность: что я могу поделать, если музыка плоха! Манфред, кстати, еще «безумнее», и я никогда без смеха не вспоминаю абсурдную сцену с барабаном в Байройте, в доме ошеломленного, восхищенного и застигнутого врасплох книготорговца.

Разве нельзя тебя пригласить в Гейдельберг? Риббек и Виндиш наверняка за тебя, а Кёхли не имеет слишком большого веса. Я знаю там только одного человека, и это женщина, но очень хорошая, мать художника Фейербаха. Поскольку мне как раз нужно ей написать (по делу одного протежируемого мною воспитанника иезуитов, который должен изучать здесь в Базеле медицину), я вложу твое сочинение.

Будь здоров, дражайший и милый друг, и будь мужественен, как я. Вагнеры нашли меня таким здоровым и «решительным» в духе Гёте-Мадзини и очень этому обрадовались. Давай добьемся того, чтобы снова жить вместе, тогда начнется настоящая жизнь! А пока почитай предпоследний том Грильпарцера (из собрания сочинений), касающийся эстетики: он почти всегда один из наших!

С сердечным приветом
Твой Ф. Н.

278. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 9. Dezember 1872>Montag.

Вот, моя дорогая мама, прими мою лучшую благодарность за твое письмо, а также за вложение от Лизбет. Всё в порядке и так хорошо: хотя я пока ещё точно не знаю, смогу ли поехать на Рождество. Но я на это надеюсь.

Являются ли «ceinture» и «Schärpe» одним и тем же? Я так полагал. Ибо я совсем не могу представить, что такое «Schärpe». Или это должно быть «Schürze»?

Здесь прилагается фотография Ольги Герцен с просьбой к Лизбет, согласно обещанию, прислать свою фотографию в ответ во Флоренцию. Но у неё сейчас нет фотографий, не так ли? Очень милое письмо от фрейлейн фон Мейзенбуг вместе с её фотографией мне — я посылаю её тоже, но она принадлежит мне. Нет, я не посылаю её, письмо получится слишком тяжелым. Только что видел свой снимок — дикий, как никогда! Малоприятный. Но очень выразительный.

С Вагнерами я провел чудесные дни в Страсбурге, где мы встретились на рандеву с пятницы по воскресенье. Мы жили вместе в отеле «Ville de Paris».

Здесь я побывал на балу у Ла Рошей и получил приглашения от Вишеров из «Голубого дома», Тюрнейзенов, Гемузеусов, Иммерманов, Буркхардт-Хойслеров.

Густав Круг проявил любезность и благосклонность, прислав мне свой квартет в отличной копии. Я передал его Вагнерам: когда они вернутся в Байройт в рождественское время, его исполнят, как они мне пишут.

Ну, адьё на сегодня, это короткое письмецо, но оно нагружено очень добрыми и весомыми приветами — всё вместе довольно тяжело, если считать с фотографией.

Сердечно ваш или
твой
Фриц.

279. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Basel Donnerstag 12 Dez. 1872.

Сердечно любимый друг

вот и это прошло, и смешанное чувство, которое неизбежно вызывает в нас любая смерть, здесь особенно сильно. Он преодолел это, это бытие — нам же еще предстоит его преодолеть, и к самому тяжелому, что нам приходится преодолевать, безусловно, относится неизбежно наступающее все большее одиночество — братья, сестры, родители, друзья — все уходят, постепенно все становится прошлым, как и мы сами.

Теперь ты живешь для своих родителей еще больше, чем обычно; и все мы, твои друзья, должны желать и от всего сердца способствовать тому, чтобы на тебе, как на крепком, добром и прекрасном фундаменте, покоилась надежда твоего рода. Ты, конечно, теперь смотришь в будущее смелее, чем пару лет назад, и сам достаточно ощутишь, какое спасение для смертного заключается в серьезном, осознанном и затрагивающем все глубины нашей природы стремлении. Постепенно все правильное и достойное, на что мы способны, устремляется по одной стезе, к одной цели; мы укрепляемся в этом ощущении и нас больше не сокрушают яростные удары судьбы.

Я счастлив, что скоро снова увижу тебя и смогу порадоваться твоему мужеству. Ведь это серьезное образовательное путешествие, которое ты предпринимаешь; и если ты перед его началом еще раз увидел страшный образ природы с гробом и погребением, то ты всегда будешь помнить, на каком ужасе покоится даже самое прекрасное бытие и самое освобождающее искусство, но также и то, как нам всегда нужно Царство Небесное, будь то царство религии, искусства или чистого познания, чтобы иметь возможность выносить земное царство или земной воздух. —

Я должен поблагодарить тебя за несколько писем, дорогой друг, и если мне было так трудно отвечать, то на этот раз дело было в небольшом ожидании: я хотел прислать тебе свою фотографию, и потребовалось немало времени, прежде чем я решился пойти фотографироваться и прежде чем фотограф закончил работу. Вот тебе первый снимок, который он мне прислал. В ночь перед тем, как он был сделан, я был напуган большим пожаром, к тому же я несколько часов помогал носить воду и т. д., короче говоря, на фотографии, вероятно, будет заметно, что я не спал накануне ночью. В ней есть что-то дикое и боярское.

Фрейлейн фон Мейзенбуг (Флоренция, виа Альфьери, 16) пишет мне, что для нее было бы огромной радостью снова увидеть тебя. Она прислала мне свой портрет и рассказывает о впечатлении, которое мои лекции об учебных заведениях произвели на нее и других слушателей. Сейчас как раз очень благоприятный момент для того, чтобы они попали во Флоренцию, так как там почти исключительно заняты реформой системы образования и учебных заведений.

Что же поделывает бедный Виламовиц? Не знаю, откуда я услышал, что он тоже едет в Италию; при этом остается лишь пожелать, чтобы вы не встретились.

Я провел несколько счастливых, чистых дней вместе с Вагнерами в Страсбурге и самым прекрасным образом убедился в своей безусловной принадлежности к этим двоим. Они искренне радовались моему здоровью и тому, что я «решителен» в духе Гёте и Мадзини. Но в этом и есть необходимость, ибо я переживаю многое, что можно вынести, только будучи очень хорошо защищенным броней.

Я написал ту фразу на снимке и полагаю, что она могла бы стать прекрасным девизом и для твоего путешествия в Италию.

Рождество я проведу со своими в Наумбурге, но в первых числах января я снова буду в Базеле и буду ждать тебя.

Я жму тебе руку, дорогой друг, и желаю тебе спокойного и стойкого мужества в столь тяжелые времена.

От всего сердца твой
Фридрих Ницше

280. An Erwin Rohde in Kiel (Rückseite einer Photographie)

<Basel, Mitte Dezember 1872>

Вот, любезнейший друг, фотография! Я выгляжу сердитым, любезное выражение лица тебе придется домыслить самому.

В остальном — decussatio epistolarum!

Где сейчас Вагнеры, я тоже не знаю; но если они приедут в Гамбург, то телеграфируют тебе. Это решено.

Умер последний брат Герсдорфа — в сумасшедшем доме.

Две рождественские недели я буду в Наумбурге, в субботу уезжаю. —

В качестве девиза к снимку рекомендую самообращение

„in otio tumultuaris, in tumultu es otiosus“

Где это написано? У Корнифиция.

Будь здоров, старый друг.

281. An Hugo von Senger in Genf (Rückseite einer Photographie)

<Basel, Mitte Dezember 1872>

Вот, мой глубокоуважаемый друг, моя фотография, которая должна была бы иметь гораздо более дружелюбное выражение лица, если бы она должна была быть верным отражением моего расположения к Вам.

Преданный Вам
Ваш
Фридрих Ницше.

281a. An Unbekannt

<Basel, vermutlich kurz vor dem 20. Dezember 1872>

Уважаемый господин,

то, что я не могу принять любезное приглашение на Ваш праздник, поскольку вынужден отправиться в поездку на субботу и последующие дни, я сожалею тем более, что Ваш союз является моим настоящим ровесником, и я, конечно, желал бы взглянуть на него поближе, тем более по столь торжественному случаю. Вы празднуете внушительный ряд лет, который делает честь союзу и внушает доверие. Однако я доверяю, собственно, еще больше духу юности, который в нем живет и который, как мне кажется, еще больше призван к тому, чтобы начинать новое доброе, нежели сохранять старое доброе. Вы можете верить, что я всегда буду питать искреннюю симпатию к союзу, одушевленному этим духом юности. Но девиз юности провозгласил Гёте, когда он неустанно советовал ей стремиться

«отвыкать от половинчатого

и в Цельном, Добром, Прекрасном

решительно жить».»

Я прошу Вас, уважаемый господин, передать Вашим товарищам по союзу мое сожаление по поводу моего отказа, равно как и мои пожелания счастливого дальнейшего существования Вашего союза.

Преданный Вам
Д-р Фридрих Ницше

282. An Malwida von Meysenbug in Florenz

Basel 20 Dec. 72.

Глубокоуважаемая барышня,

Вы доставили мне огромную радость, за которую я поблагодарил бы Вас немедленно, если бы не было необходимости приложить свою фотографию. Но тогда их не было — и, как Вы видите, — сейчас они есть, но снова в старом стиле морского разбойника, так что я вынужден прийти к метафизическому предположению, что то, что фотографы изображают именно так и постоянно, и есть мой «интеллигибельный» характер; ибо мой интеллектуальный характер настолько мало похож на это, что я опасался предлагать Вам этот портрет моей худшей половины. Короче говоря, я хотел сказать, что сначала была потеря времени, потому что у меня не было фотографии, а потом снова потеря, потому что она у меня появилась — но именно такая! Я заявляю об этом прямо, потому что считаю Вашу фотографию непостижимо хорошей: как и у моей сестры есть все основания отзываться о снимке барышни Ольги с такой же благодарностью и радостью. Я уезжаю сейчас на две недели в Наумбург, чтобы отпраздновать там Рождество: за это время я хочу заставить свою сестру позволить себя сфотографировать; по крайней мере, это выражение лучше всего описывает мои чувства, когда одноглазый циклоп стоит передо мной как deus ex machina. Пока я стараюсь противостоять гибели, неизбежное уже свершается — и я снова увековечен как морской разбойник, или первый тенор, или боярин, et hoc genus omne.

Теперь Вы, должно быть, прочитали лекции и были поражены тем, как внезапно обрывается повествование после столь долгой прелюдии, когда после сплошных отрицаний и многих многословий жажда настоящих новых мыслей и предложений становилась всё сильнее. При таком чтении пересыхает в горле, а в конце — нечего пить! Строго говоря, то, что я придумал для последней лекции — очень безумная и яркая сцена ночного освещения — не подходило для моей базельской публики, и было, конечно, очень хорошо, что слова застряли у меня в горле. Впрочем, меня очень мучают просьбами о продолжении: но так как я отложил размышления обо всей этой области на некоторое время, скажем, на три года — что мне, в моем возрасте, легко сделать — то последняя лекция, конечно, никогда не будет доработана. — Вся рейнская сцена, как и всё биографически кажущееся, ужасно выдумана. Я буду остерегаться развлекать или не развлекать базельцев правдой моей жизни: но даже окрестности Роландсека смутно сохранились в моей памяти. Однако и госпожа Вагнер пишет мне, что, путешествуя по Рейну, она вспомнила мое описание.

Наша встреча состоялась, самым радостным образом, но не здесь, в Базеле, а в Страсбурге: после долгой телеграфной «зарницы» между этим городом и несколькими южногерманскими городами пребывание в Базеле было наконец признано невозможным, и поэтому в одну из пятниц я отправился в Страсбург, где мы провели вместе два с половиной дня, без всяких иных дел, а беседуя, гуляя, строя планы и радуясь нашей сердечной близости. Вагнер был вполне доволен своей поездкой, он нашел способных певцов и людей и был бодр и готов ко всему неизбежному. Вся зима уходит на это, ведь после Рождества предстоит поездка на восток севера Германии, особенно в Берлин, где планируется остановка примерно на три недели. Не точно, но возможно, что он приедет в Милан на постановку в Ла Скала.

Герсдорф прибудет сюда в первой половине января, чтобы затем немедленно отправиться дальше, во Флоренцию и Рим. В феврале он хочет встретиться со своим отцом в Риме. Он, как и его отец, вдвойне нуждается в этой давно подготовленной поездке, так как совсем недавно его единственный брат скончался после трехлетнего мучительного пребывания в сумасшедшем доме (Илленау). Теперь он — единственная надежда своего рода; его родители совершенно одиноки, так как и последняя, младшая сестра, которая до сих пор жила с родителями, теперь вышла замуж за гр<афа> Роткирх-Траха. Кстати, Герсдорф недавно писал мне с большим восторгом как о Ваших мемуарах, так и о мемуарах Герц: из чего Вы можете, по крайней мере, сделать вывод, что, готовясь к Италии, он особенно хорошо подготовился и к Флоренции.

Кстати: что это за филологические вопросы, глубокоуважаемая барышня, которые, как Вы пишете, у Вас на сердце? Попробуйте обсудить их со мной — если только Виламовиц не поколебал Вашу веру в мою филологию. В этом случае я всё еще к Вашим услугам, так как тогда я привлек бы друга Роде, в чьей филологии я никому не позволяю сомневаться.

Что Вы решили на следующее лето, после весьма болезненного расставания с барышней Ольгой? И на какой срок назначено бракосочетание? И должно ли оно состояться в Париже? Или у Вас во Флоренции?

Книга господина Моно о Григории Турском была очень хвалебно встречена в немецких ученых журналах и названа лучшим и ценнейшим трудом, написанным о Григории до сих пор, именно с точки зрения строгой исторической школы.

Сегодня вечером я уезжаю. Посылаю Вам и барышне Ольге сердечный рождественский и новогодний привет. Да здравствует этот год, по многим другим причинам, но прежде всего потому, что он создал такие прекрасные и полные надежд общности. Всё движется по своему пути, и для храброго человека и хорошее, и плохое должно быть одинаково приемлемым.

С почтением Ваш
верный
Фр. Ницше

283. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 20. Dezember 1872>Freitag.

Мои дорогие мама и сестра,

в этот раз мой приезд становится серьезным делом, если только какое-нибудь железнодорожное происшествие не расстроит мои добрые намерения. В субботу вечером я выезжаю, а в воскресенье днем буду у вас. Я хочу сразу же со всей определенностью сообщить, как долго смогу у вас оставаться, а именно 14 дней, то есть в субботу после Нового года я должен буду уехать из Наумбурга.

Погода здесь вполне умеренная, так что я не замерзну.

Адью! Адью! Сварите мне кофе!
Ваш Ф.

284. An Carl von Gersdorff in Ostrichen

Naumburg 23 Dec. 72.

Мой дорогой друг,

сегодня я приветствую тебя в день твоего рождения и повторяю все те сердечные и особенно живые пожелания, которые сегодня и в последнее время высказывали тебе все близкие тебе люди, будь то родственники или друзья. Мы все от чистого сердца желаем тебе всего самого лучшего, как мы радуемся тому, что можем с сочувствующим взором и к нашему постоянному удовлетворению следить за твоим жизненным путем, идущим в гору. Когда я вспоминаю, как все ближе и ближе переплетались жизненные пути и цели нас обоих — или, точнее говоря, как они все больше сближались и наконец слились воедино, подобно двум ручьям, которые имеют едва осознанное стремление слиться в один поток и в одно море, — когда я представляю себе это, Pforte Universitätszeit Leipzig Kriegsjahre Tribschen, то знаю, что последний год поставил печать за печатью на этом союзе дружбы и что отныне наша принадлежность друг другу, как нечто заверенное и скрепленное печатью, будет длиться до конца наших дней.

Итак, дорогой старый друг, порадуемся же сегодня и нашей дружбе; я желаю себе сегодня самого лучшего, когда желаю этого тебе.

Книга, которую я вручаю тебе вместе с этим письмом, — это та, что посвящена мне Ромундтом, и, таким образом, вообще первая, посвященная мне, — стало быть, памятник дружбы! Поэтому я и хочу, чтобы она была и в твоей библиотеке.

Теперь к концу, вопрос касательно твоего путешествия. Я пишу из Наумбурга, куда прибыл вчера вечером; мое намерение — вернуться отсюда не позднее вечера субботы после Нового года, так что в воскресенье вечером я буду в Базеле. Не было бы возможно, чтобы мы проехали часть пути вместе, может быть, даже с небольшой вариацией через Байройт? Я спрашиваю тебя и прошу предложений.

Мои родные просили передать тебе сердечные приветы: также прошу тебя снова засвидетельствовать мое почтение твоим глубокоуважаемым родителям.

Сейчас я еще пишу госпоже Вагнер: она получит от меня рукопись со следующим названием и содержанием:

Пять предисловий к пяти ненаписанным
и не подлежащим написанию книгам.

1.

О пафосе истины.

2.

Греческое государство.

3.

О будущем наших образовательных учреждений (совершенно новое предисловие ты тоже еще не знаешь)

4.

Состязание.

5.

Об отношении философии Шопенгауэра к немецкой культуре.

Эти пять предисловий, которые тебе еще не знакомы (как и Вагнерам), ты, возможно, прочтешь в Байройте.

Прощай, дорогой друг, и сохрани ко мне любовь.

Искренне твой
Ф. Н.

284a. An Cosima Wagner in Bayreuth (Briefdisposition)

<Naumburg, 23. Dezember 1872>

Фотогр<афия>. Предисловия. Герсдорф. Поль. О новых работах. Я. Буркхардт. Бернайс. Возвраты. Мат<ильда> Майер. Завершение композиции.

285. An August von Loën in Weimar (Entwurf)

<Naumburg, 25. Dezember 1872>

Я принадлежу к числу тех немногих, кто никогда не слышал «Лоэнгрина», и слышал, что его будут давать завтра, 26-го числа. Пожалуйста, скажите мне, правда ли это. Тогда я приду и буду рад снова вас увидеть.

286. An Therese von Sachsen-Altenburg (Entwurf)

<vermutlich Naumburg, nach Weihnachten 1872>

Если я позволяю себе сим препроводить Вам, всемилостивейшая принцесса, свой портрет, то мне бы хотелось, по меньшей мере, чтобы выражение его было менее суровым и мрачным, дабы хоть немного более выразить то чувство, столь же почтительное, сколь и благоговейно-благодарное, в котором я всегда пребываю и буду пребывать по отношению к Вашему Королевскому Высочеству. Я надеюсь, конечно, не напрасно, когда-нибудь лично засвидетельствовать эти чувства: тем временем прошу быть уверенной, что мы — как и я лично — от всего сердца порадовались любезнейшему участию в нашем празднике Рождества, и каждый из нас должен помнить о любезной и достойной почитания дарительнице и желает сегодня выразить это в письме.

Выражая при этом просьбу милостиво принять присланный портрет, я никогда не перестану именовать себя

Вашим покорнейшим слугой

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