1871 (67 Briefe)

118. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

<Basel, vermutlich Januar 1871>

Verehrtester Herr Rathsherr,

für die nachfolgende Combination brauche ich in besonderem Maße Ihren wohlwollenden Rath und Ihre mir schon mehrfach bewährte wahre Theilnahme. Sie werden sehen, daß ich das Wohl der Universität ernsthaft in’s Auge gefaßt habe, und daß deren wirkliches Interesse mich zu der folgenden, etwas ausführlichen Auseinandersetzung nöthigt.

Es wird Ihnen von meinen Ärzten mitgetheilt worden sein, in welchem Grade ich wieder leidend bin und daß an diesen unerträglichen Zuständen Überanstrengung Schuld sei. Nun habe ich mich wiederholt gefragt, woraus dieser sich in der Mitte fast jeden Semesters einstellende Zustand der Überanstrengung zu erklären sei; und ich mußte mir sogar überlegen, ob ich nicht meine Universitätsthätigkeit überhaupt abzubrechen habe, als eine für meine Natur ungeeignete Lebensweise. Schließlich bin ich aber in dieser Beziehung zu einer anderen Auffassung gelangt, die ich Ihnen jetzt vortragen möchte.

Ich lebe hier in einem eigenthümlichen Konflikt, und der ist es, der mich so erschöpft und selbst körperlich aufreibt. Von Natur auf das Stärkste dazu gedrängt, etwas Einheitliches philosophisch durchzudenken und in langen Gedankenzügen andauernd und ungestört bei einem Problem zu verharren, fühle ich mich immer durch den täglichen mehrfachen Beruf und dessen Art hin und her geworfen und aus der Bahn abgelenkt. Dieses Nebeneinander von Pädagogium und Universität halte ich kaum auf die Länge aus, weil ich fühle, daß meine eigentliche Aufgabe, der ich im Nothfalle jeden Beruf opfern müßte, meine philosophische, dadurch leidet, ja zu einer Nebenthätigkeit erniedrigt wird. Ich glaube daß diese Schilderung auf das Schärfste das bezeichnet, was mich hier so aufreibt und mich zu keiner gleichmäßig-heiteren Berufserfüllung kommen läßt, was andernseits meinen Körper erschöpft und bis zu solchen Leiden anwächst, wie die jetzigen sind: die, wenn sie öfter wiederkehren sollten, mich rein physisch zwingen würden, jeden philologischen Beruf aufzugeben.

In diesem Sinne erlaube ich mir, mich bei Ihnen um die durch Teichmüllers Weggang erledigte philosophische Professur zu bewerben.

Was meine persönliche Berechtigung, den philosophischen Lehrstuhl zu ambitionieren, betrifft: so muß ich allerdings mein eignes Zeugniß voranstellen, daß ich dazu Potenz und Kenntnisse zu besitzen glaube und mich sogar, Alles in Allem, für jenes Amt befähigter fühle als für ein rein philologisches. Wer mich von meinen Schul- und Studentenjahren kennt, ist nie über die Prävalenz der philosophischen Neigungen im Zweifel gewesen; und auch in den philologischen Studien hat mich vorzugsweise das angezogen, was entweder für die Geschichte der Philosophie oder für die ethischen und aesthetischen Probleme mir bedeutsam erschien. Sodann stimme ich völlig Ihrem Urtheile bei und mache es für mich geltend, daß bei der augenblicklichen etwas schwierigen Lage der Universitätsphilosophie und bei der geringen Zahl der wirklich geeigneten Bewerber derjenige einiges Anrecht mehr hat, der eine solide philologische Bildung aufzuweisen hat und bei den Studierenden die Theilnahme für eine sorgfältige Interpretation des Aristoteles und Plato wecken kann. Ich erinnere daran, daß ich bereits zwei Collegien angekündigt habe, die in diesem Sinne philosophischer Natur waren „die vorplatonischen Philosophen mit Interpretation ausgewählter Fragmente“ und „über die platonische Frage.“ So lange ich Philologie studiere, bin ich nie müde geworden, mich mit der Philosophie in enger Berührung zu erhalten; ja meine Haupttheilnahme war immer auf Seiten der philosophischen Fragen, wie mir mancher bezeugen kann, der mit mir umgegangen ist. Von hiesigen Collegen möchte zB. Overbeck darüber einigen Aufschluß geben können, von Auswärtigen Keiner mehr als mein Freund Dr. Rohde Privatdozent in Kiel. Es ist eigentlich nur dem Zufall zuzuschreiben, daß ich nicht von vornherein für Philosophie meine Universitätspläne gemacht habe: dem Zufall, der mir einen bedeutenden und wahrhaft anregenden philosophischen Lehrer versagte: worüber man bei der jetzigen Constellation der philosophischen Zustände an Universitäten sich gewiß nicht wundern darf. Gewiß aber würde hierin einer meiner wärmsten Wünsche erfüllt, wenn ich auch hier der Stimme meiner Natur folgen dürfte: und ich glaube hoffen zu können, daß nach Beseitigung jenes vorhin erwähnten Conflikts auch mein körperliches Befinden ein bei weitem regelmäßigeres sein wird. Als befähigt für eine philosophische Lehrstelle werde ich mich bald genug öffentlich ausweisen können: meine gedruckten Arbeiten über Laert. Diog. sind jedenfalls auch für meine philosophisch-historischen Bestrebungen geltend zu machen. Für pädagogische Fragen und Untersuchungen habe ich immer Theilnahme gehabt: darüber lesen zu dürfen wird mir eine Freude sein. Von neueren Philosophen habe ich mit besonderer Vorliebe Kant und Schopenhauer studiert. Sie haben aus den letzten 2 Jahren gewiß von mir den guten Glauben gewonnen, daß ich das Unpassende und Anstößige zu vermeiden verstehe und daß ich unterscheiden könne, was sich im Vortrag vor Studierenden schickt, was nicht.

Wenn ich Ihnen nun meine Kombination völlig darstellen darf, so hatte ich geglaubt, daß Sie in Rohde einen überaus geeigneten Nachfolger für meine philologische Professur und Stelle am Pädagogium finden würden. R., mir seit 4 Jahren auf das Genaueste bekannt, ist von allen jüngeren Philologen, die mir vorgekommen sind, der allerbefähigste und für jede Universität, die ihn erwirbt, ein wahrer Schmuck; zudem ist er wirklich noch zu haben, während ich höre, daß man in Kiel damit umgeht, durch Gründung einer neuen philolog. außerordentl. Professur ihn dauernd dort festzuhalten. Ich kann nicht genug aussprechen, wie sehr mir das Dasein hier in Basel durch die Nähe meines besten Freundes erleichtert würde. — Die ganze Konversion der Dinge könnte sofort mit dem Beginn des neuen Sommersemesters beginnen, so daß also keinerlei Lücken in der Besetzung der Stellen eintrete. Ich meinerseits wäre sofort bereit, Ihnen die Ankündigung meiner philosoph. Vorlesungen zu machen und würde durch eine regelmäßige Antrittsvorlesung im Anfange des Sommers meine neue Stellung inaugurieren.

Lassen Sie sich, verehrtester Herr Rathsherr, von der Sonderbarkeit der vorgeschlagnen Combination nicht erschrecken und würdigen Sie dieselbe einer Erwägung.

Um Ihre Nachsicht, Ihren Rath, Ihre Theilnahme bittend

bin ich in hochachtungsvoller
Ergebenheit der Ihrige
Dr. Fr. Nietzsche
Prof. o. p. der klass. Philol.

119. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, wahrsch. 21. Januar 1871>

Liebe Mutter und Schwester,

so will ich denn sogleich antworten, mich zu entschuldigen so gut es geht. Wirklich ist meine Gesundheit in der letzten Zeit nicht gut gewesen, und ich lechze nach Erholung und besserer Luft, vor allem nach weniger Berufsarbeit. Gelegentlich habe ich die ganze Professorenthätigkeit satt. Man kommt nicht recht zu seiner eigentlichen Aufgabe und verzehrt sich in der besten Zeit seines Lebens durch übermäßiges Schulmeistern — Zeter!

Schlechter Magen, schlechter Schlaf, zu wenig Bewegung, große Angegriffenheit, und unleidliches Wetter!

Beiläufig — um das Letzterwähnte Deines Briefes nicht zu vergessen — seitens meines Herrn Onkels ist bis jetzt noch keine Zeile, geschweige denn ein Pfennig eingelaufen.

Der gute Bergmann hat mich auf seiner Reise hier besucht und mit Zeichen seiner Liebe wahrhaft überhäuft. Ich wußte es, daß er nicht zurückkommen würde und nahm mit diesem Bewußtsein von ihm Abschied. Er war sehr leidend.

Meinem trefflichen Vetter Rudolf wünsche ich immer das Allerbeste, denn er verdient es. Schickt ihm doch beifolgende Karte von mir zur Gratulation.

Wie stehen eigentlich meine Vermögensverhältnisse? Ich habe gar keinen Überblick mehr. —

Prof. Fritz Brockhaus, der Bruder von Clemens (der Euch recht grüßen läßt) hat sichere Aussicht, hierher nach Basel berufen zu werden. Ich habe einen kleinen Antheil an dieser Berufung. —

Heute ist Samstag. Ich will tüchtig spazieren laufen, nur ist es sehr schmutzig. Die Nacht habe ich keinen Augenblick geschlafen. Ich bin froh daß die Woche zu Ende ist.

Nun nochmals schönen Dank für Eure Briefe. Entschuldigt meine Nachlässigkeit und denkt meiner freundlich.

Fritz.

120. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Freitag, Basel, 27 Jan. 71.

Ich habe Dir, liebe Lisbeth, noch nicht in Betreff des Geburtstages geschrieben. Natürlich habe ich darauf gerechnet, daß Du den Schirm in meinem Namen besorgst — einen guten Schirm. Dann kannst Du noch eine recht schöne Torte bestellen, auch für mich. Und Beides dann überreichen.

Wir haben einen argen Winter, und meine Gesundheit war recht bedenken-erregend in den letzten Wochen. Ostern muß ich jedenfalls etwas in südlichere Luft, vielleicht nach Glion. Was meinst Du, wenn ich Dich aufforderte, mit zu kommen?

Den beiliegenden Brief übergieb am Geburtstage, recht ziemlich.

Es grüßt Dich herzlich
Fridericus.

Wie steht es mit den Finanzen für Ostern?

121. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Für den 2ten Febr. 1871. <Basel, vermutlich 27. Januar>

Wie alt, geehrteste Geburtstäglerin, bist Du denn eigentlich geworden? So viel ich mich erinnere gehst Du ungefähr mit dem Jahrhundert und ich freue mich Dir somit zu Deinem einundsiebzigsten Geburtstage gratulieren zu können: mit welchem Lebensalter doch schon etwas erreicht ist.

Wenn Du auf Deine letzten vierzig Jahre zurückdenkst, so muß es Dir doch ziemlich wohl zu Muthe sein; denn sie sind sehr schnell vergangen: was ein Beweis dafür ist, daß sie glücklich verlebt sind.

Unsereiner wünschte nichts mehr als mit gleicher, ja noch größerer Schnelligkeit hinter Dir drein zu fahren und Dich einzuholen; doch sagt man mir, daß das schwerer ist als man denkt und daß dies nur denjenigen passiere, die am 2 Febr. geboren sind.

Dies rasche Altern der Mütter soll nun das Gegentheil bei den Kindern hervorrufen — und wir haben ja das Beispiel, daß unsre Tochter nicht über die Siebzehn hinauskommt, so sehr sie sich auch seit 8 Jahren bemüht. Da müssen wir Beide also uns mit einander trösten: ich, immer noch wie Du, recht behaglich, nur mitunter etwas mehr als Du an Altersschwäche leidend feire dies Jahr meinen 87ten Geburtstag und darf mich vielleicht dabei pensionieren lassen. In Ehren und nicht ohne einen silbernen Pokal, aus dem Du recht ordentlich nippen sollst.

Für die nächsten fünfzig Jahre Deines Daseins bringe ich Dir heute einen so lange aushaltenden Regenschirm, nebst einer Torte, deren Dauerhaftigkeit mir aber nicht garantiert wurde. Genieße die eine unter dem anderen, wenn Du es Deiner Gesundheit für zuträglich erachtest —

mit welcher Dich herzlich grüßt
Dein
Fridericus.

122. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 6. Februar 1871>

Liebe Mutter und Schwester,

mein Befinden hat sich sehr verschlechtert, schreckliche Schlaflosigkeiten, Hämorhoidalleiden, große Angegriffenheit usw. — Liebermeister und Hoffmann behandeln mich; es sei eine Magen- und Darmentzündung, hervorgerufen durch Überanstrengung. Ich habe die Baseler Professur recht satt. Ich muß eine Karlsbader Wasser-Kur gebrauchen, aber es bessert sich nicht. Die Ärzte verlangen jetzt, daß ich bis Ostern Basel verlasse, und in einer südlicheren Luft, ohne irgend etwas zu thun, mich wieder stärke. Wer von Euch hat nun Lust, mich zu begleiten? Denn für uns drei würde die Sache wohl zu theuer. Mir sind die norditalienischen Seen angerathen. Nöthigenfalls kann ich auch allein reisen. Mein Zustand ist, wie mir noch gestern Hoffmann erklärte, gänzlich unbedenklich, wenn jetzt gleich Abhülfe geschafft wird.

Hier ist nun der rascheste Entschluß der Beste. Jedenfalls bitte ich um sofortige Antwort.

Wie gesagt, unbedingt nöthig ist es keineswegs, daß Ihr kommt. Etwas Anderes ist es, wenn ich Euch bitten würde, den Sommer in Basel zu verleben: worauf Ihr Euch nur einrichten mögt.

Aber anfragen wollte ich doch, ob jemand mich jetzt begleiten will. Italienisch kann ich nicht, aber mit Französisch kommt man dort überall ungefähr durch.

Man wird doch als deutscher Dozent in Basel unverantwortlich ausgenutzt: bei sehr schlechtem Gehalt! Wenn es irgend eine Gelegenheit giebt, mich von hier zu entfernen, so benutze ich sie.

Wie steht es nun mit den Geld Verhältnissen? Was habe ich Ostern für Zinsen zu erwarten? —

Ich bitte mir also über Eure Gedanken die allerschnellste Mittheilung aus, da jeder Tag, den ich jetzt länger in Basel verweile, meiner Genesung im Wege steht.

Ich telegraphiere heute: wenn dieser Brief ankommt, habe ich bereits die Rückantwort und Euer Entschluß ist schon so gefaßt, daß wir etwa Donnerstag von Basel aus abreisen können.

So ordnet es Liebermeister an, der mich eben besuchte und mir Lugano empfiehlt. Wenn der Entschluß so schnell nicht gefaßt sein könne, so dürfe ich nicht warten.

Und nun mit den herzlichsten
Wünschen
Euer Fr.

123. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegrammentwurf)

<Basel, 6. Februar 1871>

Elisabeth Nietzsche Naumburg an Saale

Erwarte Dich bis Donnerstag hier, zusammen nach Lugano, ich unwohl. Wenn nicht, abtelegraphieren.

Fritz.

124. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegramm)

Naumburg de Bâle N° 1045, 19 W. 8/2 1871 12 Uhr 20 Min. N

Elisabeth Nietzsche Naumburg an Saale.

Sehr verstimmt über Telegramme Arzt wünscht dich herbei ich erwarte noch Ankunft morgen.

Fritz.

125. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Mittwoch. <8. Februar 1871>

Mein lieber Freund,

Große, noch nie dagewesene Transaktion, Transfiguration, Transsubstantiation!!

Wir haben vielleicht Aussicht, nächstes Semester zusammen zu verleben. Du als mein Nachfolger und ich — als Universitätsphilosoph!!

Teichmüller verläßt jetzt Basel, um nach Dorpat zu gehen, und ich habe mich gemeldet und um seinen Lehrstuhl beworben: mit der bestimmten Erklärung, daß Du als mein Nachfolger nach Basel in meine jetzige Stellung berufen wirst.

Sehen wir zu, wie die Götter unser Schifflein führen! Mir soll man nachsagen, daß ich zum Besten der Freundschaft die schlausten Einfälle gehabt habe. Wie habe ich gesonnen, uns zu vereinigen! Eine Möglichkeit winkt!

Dann müßtest Du schon Mitte April hier eintreffen.

Mehr schreibe ich nicht. Hoffen wir das Beste, aber schweigen wir!

Meine Gesundheit ist so schlecht, daß die Ärzte mich nach dem Süden schicken und ich übermorgen nach Lugano abreise. Magen- und Darm-entzündung! Scheußliche Schlaflosigkeit! Bis Ostern bleibe ich fort und kehre als Philosoph wieder, wenn mein Plan gelingt. Von mir also bekommst Du über die Baseler Dinge nichts mehr zu hören. Wenn aber erst Vischer schreibt, dann tritt die Sache in ein günstiges Stadium. Geduld und Hoffnung! Und Schweigen!

Dieser Brief ist gegen jedermann zu cachieren, auch gegen Vischer.

Freude, schöner Götterfunken!

Amicus.

Briefe nach Basel zu address<ieren.> — Ich schreibe eiligst.

126. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, kurz nach dem 8. Februar 1871>

Liebe Lisbeth,

nur wenig Worte. Komm doch ja noch. Also Montag Abend mit Schnellzug (so daß Du Sonntag um Mitternacht von Naumburg fort mußt) Am Bahnhof wird Dich Minna empfangen. Und bei mir wirst Du die Nacht wohnen, während ich allerdings schon Sonnabend von hier fortreise und nach Tribschen. Ich will dann um 2 Uhr Nachmittag am Dienstag an Eisenbahn und am Dampfschiff in Luzern sein: Du müßtest also am Dienstag 10½ Uhr von Basel abreisen. Diesen Dienstag geht es dann noch bis Andermatt, wo wir übernachten. Mittwoch bis Bellinzona, wo wir übernachten, Donnerstag Mittag kommen wir in Lugano an. Wir reisen also langsam: so ist es mir gerathen. Richte Dich auf große Kälte ein. Doch werden Dir auch Siebers alles an Decken usw. geben, was Du brauchst.

Die Zusagebriefe kamen Mittwoch früh: das Absagetelegramm einige Stunden später: Scherze, die ich jetzt schlecht vertrage: ich zitterte und mußte mich erbrechen. Mein Brief war geschrieben, um Euch zu beruhigen: dabei ist er über’s Ziel hinausgeschossen. Es geht mir nicht gut.

Herzliche Grüße
F.

127. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Lugano am Tag des Kaisereinzugs in Paris. <1. März 1871>

Heute sollst Du auch von mir ein paar Zeilen bekommen, zum Beweise, daß es mir doch schon viel besser geht. Zwar das Hauptleiden, die Schlaflosigkeit, ist bis jetzt noch nicht gehoben. Selbst wenn ich die stärksten Touren mache, oder den ganzen Tag im Freien bin, so hat dies keinen Einfluß auf den Schlaf. Dagegen geht es mit den Hämorhoiden schon recht gut: und wenn erst der Darm wieder ganz gesund ist, wird auch, wie ich hoffe, der Schlaf wieder kommen. Zeitweilig bin ich recht hoffnungslos: aber ich muß doch zugeben, daß seitdem ich aus Basel fort bin, der Zustand doch wieder erträglich geworden ist, während er in Basel einfach unerträglich war.

Daß Du Lisbeth fortgelassen hast, war mir eine große Erleichterung, und Du wirst wohl aus ihren Briefen wissen, daß es ihr bis jetzt gutgegangen ist, und daß sie gute Bekannte sich gemacht hat. In mancher Beziehung haben wir es gut getroffen.

Wenn ich nur bis Ostern wieder recht hergestellt bin, um in Basel wieder die alten Pflichten zu übernehmen!

Inzwischen halte ich mir alles Aufregende fern. Mitunter wirst Du Dich jetzt recht allein fühlen, nicht wahr?

Aber solche Freuden, wie die „hochihrigen Geschenke“, trösten dann wieder. Nicht wahr? Schönsten Dank für den ausführlichen Brief, den ich „den hochihren Brief“ getauft habe.

Und so bin ich in herzlicher Liebe
der hochihrige
Sohn Fr.

127a. An Wilhelm Vischer-Bilfinger

<Lugano, 15. März 1871>

Verehrter Herr Rathsherr,

wir haben heute in Lugano den ersten Regentag, deshalb bleibe ich ohne Gewissensbisse zu Hause und schreibe eine Anzahl Briefe, von denen Sie sofort den ersten erhalten. Die letzte Nacht habe ich gut geschlafen; ich bin jetzt auf dem Standpunkt, daß im Ganzen auf jede schlechte Nacht eine gute und auf jede gute eine schlechte folgt, also immer noch ein sehr mittelmäßiges Wohlbefinden! Dabei mache ich mir viele und regelmäßige Ermüdungen, fast jeder Tag führt mich zu einem neuen schönen Aussichtspunkte, ja gestern haben wir eine größere halbtägige Seefahrt glücklich überstanden und die „Fischerschlucht“ und Tropfsteinhöhlen besucht. Die Gesellschaft ist eine recht gute und einmüthige, so daß wir gestern zu neun Personen bei der Excursion waren. Auch verdient das Hôtel du Parc jedes Lob. Nur war das Klima im Ganzen noch recht winterlich, und immer noch sind die benachbarten Berge mit Schnee bedeckt. Der heutige Regen wird aber als Grenzscheide zwischen Winter und Frühling betrachtet.

Über die Anwesenheit meiner Schwester bin ich sehr froh; wir haben beide zusammen in drei Tagen den Weg von Basel nach Lugano zurückgelegt, den größten Theil der Gotthardstr. mit Schlitten, bei allerschönstem Wetter und in der interessanten Begleitung von Mazzini. Unter unseren hiesigen Bekannten ist die treffliche Familie von Moltke’s Bruder, der die letzten Tage recht leidend war. Auch der General wurde lange Zeit erwartet, doch hören wir jetzt, daß er direkt, und ohne alle Ferien, von Versailles zum Reichstag nach Berlin abreist. Um die andre mit uns verbundne Gesellschaft zu nennen, so giebt es jetzt hier außer zwei preußischen verwundeten Offizieren einen schlesischen Grafen Pfeil mit einer sehr heiteren jungen Gattin, Fräulein von Jordan mit einer Fr. Müller als Begleiterin, Herrn v. Kraker, Mrs. Stuart und mehrere gute Engländer und eine Russin, nicht zu rechnen die kürzre Zeit hier verweilenden Fremden.

Ich schicke Ihnen, damit Sie Sich von meinem verbesserten Aussehen eine Vorstellung machen, eine eben fertig gewordene Photographie.

Jedenfalls bleibe ich noch einige Wochen; denn ich habe jetzt noch nicht die geringste Bürgschaft, daß ich nicht bei dem ersten Tage regelmäßiger Berufsarbeit völlig wieder in den alten Zustand zurückfalle. In den schlaflosen Nächten bin ich mit unter ganz trostlos. Das Höchste, was ich bis jetzt erreicht habe — und auch dies nicht ohne kleine Hilfsmittel — ist leidlicher Schlaf in drei aufeinanderfolgenden Nächten: in summa habe ich seit meiner Abreise ungefähr 10 Nächte geschlafen.

Sie werden mir einen großen Gefallen erweisen, verehrter Herr Rathsherr, wenn Sie mir einiges Geld, vielleicht 2-300 frs. übersenden wollten: ich muß mich auf einige Wochen noch einrichten, und Geldsendungen aus Naumburg bis hierher sind gar zu unbequem. Ich hoffe daß Sie mir die Freiheit dieser Bitte verzeihn.

Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin wünsche ich — samt meiner Schwester bestens empfohlen zu sein und zu bleiben. Ihr ergebenster

Dr Friedrich Nietzsche.

128. An Franz Overbeck in Dresden

<Lugano, nach dem 22. März 1871>

Mein lieber Freund und College, wundern Sie Sich nicht über den Exceß meiner Schreibunseligkeit? Ihnen so lange nicht zu schreiben! Ich wundere mich sehr darüber! Glauben Sie mir wenigstens, wie getreulich ich Ihrer gedacht und wie dankbar ich mich an viele Züge Ihrer mitleidigen Krankenpflege erinnert habe. Dank Ihnen, Dank Ihrem Pelz bin ich diesmal noch so leidlich weggekommen — in jeder Bedeutung des Wortes. Es war gewiß die höchste Zeit; denn mir kommt es jetzt, beim Nachdenken über den Baseler Januar, so vor, als ob ich in fortwährender traumhafter Überspanntheit aller Nerven herum gelaufen sei und Ihnen in diesem Zustande gewiß nicht sehr bequem gefallen sei. Und Sie haben mich damals ausgehalten und sind mit mir spazieren gegangen etc. etc. Zum Lohne dafür sollten Sie plötzlich an diesen blauen See versetzt werden — nur um Gottes Willen heute nicht, bei abscheulicher norddeutscher Regenluft und dickem pelzartigen Nebel! Aber vielleicht morgen oder übermorgen! Dann würden wir zusammen nach den ersten Blumen des Frühjahrs suchen und sie vielleicht auch eben so sicher hier finden wie in Dresden, das wie ich glaube Sie in diesen Ferien besuchen werden. Wenn wir eine warme Stelle am See finden sollten, so würden wir uns dort, unter kleinen Schlangen und Eidechsen, niederlassen: obwohl ich meine daß der Plauensche Grund auch diese Genüsse zu schaffen vermag. Wenn uns sehr wohl zu Muthe wäre, könnten wir uns sogar auf einen Kahn setzen und uns auf dem See herumfahren lassen, freilich nicht ohne Fußsack und mit der Wahrscheinlichkeit eines Schnupfens. Sie sehen, daß wir hier auch einige norddeutsche Anwandelungen haben, vielleicht mehr als in der Nordschweiz, die, in Folge des dort constatirten „Deutschenhasses“, auch wohl republikanische, durch ein Referendum zu erzielende und jedenfalls nicht norddeutsche Witterungsverhältnisse hat. Hier neigt man zu Preußen: ja wir haben, ohne jeden Mord, neulich eine Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms uns gestatten können und „lebende“ Bilder gestellt, ohne fürchten zu müssen, daß man auf dieselben schießt. Ja es giebt hier harmlose Deutsche, die sogar die Zither zu spielen wagen, ja es muß sogar bekannt werden, daß hier zwei, seit gestern 4 verkappte preußische Offiziere leben, die ohne jede Waffe am See spazieren und an Feiertagen sogar ihre Uniform tragen. Alles zusammen constatirt ein Wohlbefinden in Lugano, welches sicherlich das in Basel übertrifft und vielleicht nur noch vom Wohlbefinden in jeder deutschen Stadt, jedenfalls in Dresden, übertroffen wird. Es wäre also ein schlechter Lohn, wenn Sie für Ihre an mir bewiesene Mildthätigkeit aus Dresden hierher verzaubert würden: weshalb ich daran denke, Ihnen auf eine andre Art meine Dankbarkeit auszudrücken. Hier ist erstens meine Photographie, die nur zum geringsten Theil zeigt, daß ich mich gebessert habe, gerade aber die wichtigsten Veränderungen im Ganglien- und Saugadersystem nicht wiedergiebt, sondern den Mantel über dieselben gedeckt hat.

Mit diesem, so wie mit Ihrem Pelz verbleibe ich der ich war, frierend und fröstelnd und Ihrer herzlich gedenkend

Ihr dankbarer Freund,
Kamerad und College, ja Mitmensch
Friedr. Nietzsche

129. An Julius Piccard in Basel

Lugano, 25. März 1871

Lieber und werter Herr Kollege,

Sie haben mich durch Ihren Brief wahrhaft überrascht: wie selten habe ich ein so reines Zeichen der Teilnahme erhalten! Der ganze Tag nahm ein freundliches Gesicht an, der mit dem Empfang dieses Briefes begonnen war. Seien Sie überzeugt, daß ich so einen Zug wie diesen, nie vergessen kann. — Zugleich war es der erste Tag, den ich mit dem trefflichen Heusler zusammen in Lugano verlebte. Durch ihn bin ich wieder über die Baseler Zustände unterrichtet, ja wir bekommen jetzt täglich die Baseler Zeitung hierher. Ich hoffe in der Mitte des nächsten Monats wieder dort einzutreffen und mit Beginn des Mai in die alte berufsmäßige Tätigkeit einzutreten. Daß Sie selbst dieses ganze lange Winterhalbjahr ohne längere Störungen ausgehalten haben, dazu in einem, wie mir scheint, nicht ganz ungefährlichen Klima — hat mich sehr gefreut und gibt mir die besten Hoffnungen für die völlige Wiederherstellung Ihrer Gesundheit. Der Sommer ist in Basel recht erträglich und warm; ich kann heute das Wort „Wärme“ nicht ohne Sehnsucht schreiben. Denn der schöne See ist ganz mit kaltem dichtem Nebel überhängt, und graues Mißvergnügen breitet sich über das Hotel und seine sehr vom Wetter abhängigen Bewohner [+ + +]

130. An Erwin Rohde in Kiel

Lugano, Hôtel du Parc (wird aber Ende der Woche verlassen.) <29. März 1871>

Ja, mein lieber Freund, den Bann lösen! Das ist nicht leicht und mir zur Zeit gänzlich unmöglich. Denn ich weiß von der Fortentwicklung der Sache nichts, gar nichts. Vischer hat mir zwar einmal hierher (nach Lugano) geschrieben, aber in seinem Briefe war kein Wort über unser gemeinsames Anliegen. Dagegen erlebte ich noch in Basel vor meiner Abreise und nachdem ich Dir geschrieben, einige Anzeichen, daß der „Philosoph“ Steffensen keinen guten Willen für das Projekt hat. Denke Dir, wie sehr man mich in der Hand hat, wenn man sich auf meine nie verschwiegene Schopenhauerei berufen kann! Zudem muß ich doch auch mich philosophisch etwas ausweisen und legitimieren: eine kleine Schrift „Ursprung und Ziel der Tragödie“ ist dazu fertig gemacht worden, fertig bis auf einige Pinselstriche. Somit glaube ich, daß wir mindestens etwas noch warten müssen, nämlich bis Michaelis, wo sich die Sache, besten Falls, für uns entscheidet. Freilich ist damit der traurige Zustand der Aufregung und Unzufriedenheit, als unser perpetuum mobile, noch recht in die Länge gezogen, und wir haben gute Zeit, unsere philosophische Kaltblütigkeit an einer nicht sehr hoffnungsreichen Erwartung zu erproben! — Das ist nun die Kehrseite meines Einfalls: gelang er schnell und unerwartet, Glorie!, verzögerte er sich, Miserabilität! Wir haben das längere Theil erwählt, das diesmal auch das kürzere ist.

Mein Befinden ist leider noch nicht das Beste; immer noch verbringe ich von zwei Nächten die eine schlaflos. Obwohl ich viel heiterer und ruhiger bin und im Ganzen mich wohl fühle, darf ich doch noch nicht an Reisepläne denken; von Italien erhasche ich den Zipfel und lasse ihn bald wieder fallen. Ich habe noch nicht einmal den Comersee und den Langensee kennen gelernt und bin bereits mehr als 6 Wochen in Lugano. Das Wetter ist im Ganzen wenig italiänisch; von einem Frühling, der mehr wäre als unser deutscher Frühling, habe ich noch nichts gespürt — Selbst die niederen Berge rings herum haben noch Schnee, und bis vor zwei Wochen hatten wir ihn noch im Garten des übrigens guten Hôtels. Abnorm! sagt man mir, ein leidiger Trost, an den ich mich seit meinem Aufenthalte in der Schweiz, bereits gewöhnt habe.

Unter vielen niedergedrückten und halben Stimmungen habe ich auch einige recht erhobene gehabt und davon in dem genannten Schriftchen Einiges merken lassen. Von der Philologie lebe ich in einer übermüthigen Entfremdung, die sich schlimmer gar nicht denken läßt. Lob und Tadel, ja alle höchsten Glorien auf dieser Seite machen mich schaudern. So lebe ich mich allmählich in mein Philosophenthum hinein und glaube bereits an mich; ja wenn ich noch zum Dichter werden sollte, so bin ich selbst hierauf gefaßt. Einen Kompaß der Erkenntniß, wozu ich bestimmt sei, besitze ich ganz und gar nicht: und doch sieht mir, in der Recapitulation, alles so wohl zusammenstimmend aus als ob ich einem guten Dämon bis jetzt gefolgt sei. Daß sich jemand, in dieser Unklarheit der Ziele, ja ohne jenes höchste Streben auf eine Staatsbeamtung hin, doch so klar und ruhig fühlen könne, wie ich mich im Ganzen fühle, habe ich nie geglaubt. Welche Empfindung, seine eigne Welt, einen hübschen Ball, vor sich rund und voll werden zu sehn! Bald sehe ich ein Stück neuer Metaphysik, bald eine neue Aesthetik wachsen: dann wieder beschäftigt mich ein neues Erziehungsprincip, mit völliger Verwerfung unserer Gymnasien und Universitäten. Ich lerne bereits nichts mehr, was nicht sofort in irgend einem Winkel des Vorhandenen einen guten Platz vorfindet. Und am meisten empfinde ich das Wachsen dieser eignen Welt, wenn ich, nicht mit Kühle, aber mit Ruhe, alle die sogenannte Weltgeschichte der letzten zehn Monate betrachte und sie nur als Mittel für meine gute<n> Absichten, ohne jede übertriebene Ehrfurcht vor diesem Mittel, verwende. Stolz und Verrücktheit sind wirklich zu schwache Worte für meine geistige „Schlaflosigkeit“. Dieser Zustand macht es mir möglich, auf die ganze Universitätsstellung als etwas Nebensächliches, ja oft nur Peinliches hinzusehn, und selbst jene philosophische Professur reizt mich eigentlich vornehmlich Deinetwegen, da ich ja auch diese Professur nur als etwas Provisorisches betrachte.

Ach, wie sehr verlange ich nach Gesundheit! Man habe nur erst etwas vor, was etwas länger dauern soll als man selber — dann dankt man für jede gute Nacht, für jeden warmen Sonnenstrahl, ja für geregelte Verdauung! Bei mir sind aber irgend welche inneren Organe des Unterleibes in Zerrüttung. Daher Nerven und Schlaflosigkeit, Hämorrhoiden und Blutgeschmack etc. Sei nur so freundlich, nicht etwa auch jenen vorhin geschilderten Geisteszustand auf das Gangliensystem zurückzuführen! Mir würde sonst um meine Unsterblichkeit bange. Denn ich habe noch nicht gehört, daß Blähungen philosophische Zustände erregen.

Mit diesen — mit diesen Zuständen — mich Dir empfehlend bitte ich Dich recht von Herzen, die Hoffnung noch nicht völlig aufzugeben: ich weiß, wie gern Vischer die Sache betreiben wird. Meine Briefsäumnisse mag ich nicht entschuldigen: aber Du weißt, je mehr man die Freunde braucht, um so weniger pflegt man zu schreiben. Es ist ganz gut — aber doch nicht recht! Darum bekommst Du bald wieder von mir einen Brief. Inzwischen denke meiner wie ich Deiner stets gedenke, lieber Freund!

F.N.

131. An Elisabeth Nietzsche in Lugano

<Lugano, 2. April 1871>

Motto:
Silentium! Silentium!
Macht kein Reden und Gesumm!

(R. Wagner)

Reise-ordre.

Heute Abreise mit der Gotthardtpost,

in Wäggisam Vierwaldstätter See

einwöchentlicher Aufenthalt
zur Nach-Kur.

Abreise heute, so viel ich weiss, um 6 Uhr.

132. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Ostermontag. <10. April 1871>

Mein lieber Freund

ich bin nach Basel zurückgekommen und beeile mich, meinem Versprechen getreu, Dir einen zweiten Brief zu schreiben, damit ich endlich aus der Verdammniß der Briefunseligkeit erlöst werde. Übrigens bin ich auch seit heute Nachmittag im Stande, das gewünschte Zauberwort zu sprechen, das Wort „es ist nichts!“

Lieber Freund, ich leide an dem bittern Gefühl, Dir Hoffnungen erregt zu haben, um sie jetzt vernichten zu müssen. In meiner Abwesenheit hat man einen jungen talentvollen Aristoteliker entdeckt, mit der Fackel Trendelenburgs in der Hand; und somit sitze ich wieder als bescheidener philologus auf dem Katheder, und alle philosophischen Träume, seit 6 Wochen genährt und mit Deinen Hoffnungen getränkt, gehen zum Teufel der Lüge und des Schwindels.

Nun hast Du einmal einen Grund, mir ernstlich böse zu sein. Was für Dummheiten habe ich gemacht! Und wie sicher war ich in meinen Combinationen! Kaum darf ich mich hinter den Bettschirm meiner krankhaften Zustände verstecken; freilich war es ein in schlafloser Fiebernacht erzeugter Gedanke, und ich dachte da ein Heilmittel gegen Krankheit und Nerven gefunden zu haben — das Zusammensein mit Dir, mein lieber Freund!, das nun jetzt wieder in die graueste Ferne gerückt wird.

Und es giebt so gar nichts Erfreuliches, was uns dabei trösten könnte! Bei mir herrscht der philologische Ekel!

Ich war die letzten Tage in Tribschen, wo man Deiner herzlich gedenkt und sich mit mir an der Hoffnung erfreute, daß unser Plan gelingen werde. Dort hat man wieder die größten Dinge vor; dort ist Lebensluft für uns.

Ich kann nicht mehr schreiben. Deinetwegen erscheint mir dieser Tag so trostlos. Zwei schlaflose Nächte seit meiner Rückkehr, und ich glaubte gesund zu sein! Und nun kommt noch das bittere Gefühl, den besten Freund unwissend getäuscht zu haben!

Auch fühle ich mich recht unwohl.

Verzeih mir, lieber getreuer Freund, es war alles gut gemeint, aber was können wir gegen die Dämonen?

FN.

133. An Wilhelm Engelmann in Leipzig (Entwurf)

<Basel, 20. April 1871>

Sie haben Sich mir einmal in gefälligster Weise zum Verleger angeboten: nun lassen Sie uns sehen, ob Ihnen nicht das gefällt, was ich Ihnen heute anbieten möchte Ich habe eine etwa 90 Druckseiten füllende Broschüre ausgearbeitet, die den Titel haben soll: „Musik und Tragödie“; von ihr schicke ich Ihnen den Anfang im Manuscript. Wie Sie ersehen werden, suche ich auf eine völlig neue Weise die griechische Tragödie zu erklären, indem ich einstweilen von jeder philologischen Behandlung der Frage völlig absehe und nur das aesthetische Problem im Auge behalte. Die eigentliche Aufgabe ist aber dann, Richard Wagner, das sonderbare Räthsel unsrer Gegenwart in seinem Verhältniß zu der griech. Tragödie zu beleuchten. Ich glaube versichern zu können, daß der ganze letzte Theil für unsre musikal. Öffentlichkeit von aufregender Bedeutung sein muß: vergleiche ich wenigstens das, was über das gleiche Problem etwa von Hanslick und Andern neuerdings gesagt worden ist und schließe ich nach den Wirkungen, die einzeln vorgelesene Stücke meiner Arbeit auf meine Freunde gemacht haben: so kann ich nicht anders glauben als daß das allerweiteste denkende Publikum sich für diese Schrift interessiren muß. Um diesen mich verständlich zu machen, habe ich auf die stilistische Darstellung und Deutlichkeit besonderen Fleiß gewandt.

Ich wünsche aber, daß diese Schrift durchaus als schönwissenschaftliche Broschüre behandelt werde und bitte Sie deshalb, im Falle daß sie von Ihnen acceptirt werden sollte, selbige diesem Wunsch gemäß auszustatten. Um Einiges zu nennen, so ziehe ich zu diesem Betracht deutsche Lettern und zwar große deutsche Lettern vor, großes Oktavformat, mit keinesfalls mehr als 28—32 Zeilen und vor allem — schönes Papier. Falls Sie mit mir einverstanden sind, so schicken Sie mir recht bald eine Satz- und Papierprobe: und zugleich auch einen Vorschlag im Betreff des H<onorars>.

Wir könnten sofort mit dem Drucke beginnen.

134. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

Basel Samstag. <27.Mai 1871>

Verehrter Herr Rathsherr,

ich muss mich sehr entschuldigen, dass ich gestern die Sitzung der Conferenz des Paedagogiums versäumt habe; durch einen Zufall ist mir die Einladung dazu erst eine Stunde nachher, als es bereits zu spät war, zu Gesicht gekommen. —

Die Nachrichten der letzten Tage waren so schrecklich, dass ich gar nicht mehr zu einer auch nur erträglichen Stimmung komme. Was ist man, solchen Erdbeben der Cultur gegenüber, als Gelehrter! Wie atomistisch fühlt man sich! Sein ganzes Leben und seine beste Kraft benutzt man, eine Periode der Cultur besser zu verstehen und besser zu erklären; wie erscheint dieser Beruf, wenn ein einziger unseliger Tag die kostbarsten Documente solcher Perioden zu Asche verbrennt! Es ist der schlimmste Tag meines Lebens. —

Meine Absicht war, Pfingsten zu verreisen: aber ich fühle mich nicht wohl und bleibe hier. Am Mittwoch hatte ich mit Wagner, der mich begleitete, gehofft, Sie vielleicht auf dem Bahnhofe in Luzern zu sehen.

Übrigens, hat mir der Wirth in unserem Hôtel bei meiner Abreise, die etwas eilig war, die Rechnung nicht gebracht; ich darf Sie wohl bitten, dass Sie mir die halbe Summe Ihrer Rechnung gelegentlich einmal angeben.

Ich komme in diesen Tagen zu Ihnen, um mich nach dem Resultat der Luzerner Candidatur zu erkundigen.

Ihr sehr ergebener
Friedr Nietzsche.

135. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel 7. Juni 1871>

Mein lieber, um so getreuerer Freund,

als ich durch mein sträfliches Nichtschreiben wirklich die schwärzesten Gedanken bei Dir erwecken könnte; und sie doch, wie Deine Briefe bezeugen, bei Dir nicht wachsen wollen. Im Grunde würde mir auch Unrecht geschehn, wenn Du mich nach dem Thermometer der Briefe bemessen wolltest. Nach Deinem vorletzten, mich wahrhaft ergreifenden Briefe war ich gänzlich unvermögend, zu schreiben; ich freute mich innerlich und täglich unseres Einvernehmens und unseres gemeinsamen, trotz der Entfernung ungestörten und unisonen Fortschreitens auf gleichen Bahnen, für welches Deine Bemerkungen über das Dionysische geradezu ominös sind, wie früher einmal unsre unbewußt gleichzeitigen Studien der Romantiker.

Wie schwer ich das Loos nehme, von Dir jetzt getrennt zu sein, wissen am stärksten die Tribschener Freunde, die von Dir die allerbesten Meinungen und Hoffnungen haben.

Könnten wir nun nicht ein Mittel finden, Dich etwa nach Zürich zu bringen, welches Benndorf im Herbst verlassen wird? Ich will mich einmal nach den dazu nöthigen Schritten erkundigen, auch in diesen Tagen einmal an Ritschl schreiben.

Im Herbst komme ich, aus den bewußten Gründen, nicht nach Leipzig. Um so nöthiger ist es, unsre Sommerpläne festzuhalten.

Mir ist nun, bei häufiger Angegriffenheit und Schlaflosigkeit, sehr gerathen, hohe Alpenluft aufzusuchen: und ich habe mich schon in einer kleinen Pension im Berner Oberland mit meiner Schwester angemeldet. Ich gehe dorthin am 15 Juli und bleibe bis 14 August: dann giebt es Sommersemester, zweite Hälfte, bis Ende September. Es fehlt mir dies Jahr an Geld, wegen meines Frühlingsaufenthaltes in Lugano; und ich muß mich deshalb im Sommer sparsam einrichten. In jener Pension zahle ich für Alles 4 frs.

Mir erscheint es nun höchst wichtig, mit Dir mich einmal ernsthaft und anhaltend über mehrere Pläne zu verständigen. Brieflich kann ich nichts sagen. Ich rechne bei allen meinen Absichten, besonders im Punkte des Erziehungswesens, vor Allen auf Dich und zuerst immer allein auf Dich. Dann fällt mir mitunter ein, daß für solche Dinge nichts wichtiger ist, als uns gemeinsam hineinzuleben: während ich bis jetzt Dich noch nicht einmal oberflächlich benachrichtigt habe. Dann aber klingt mir aus jedem Deiner Briefe, so auch wieder aus dem letzten, eine so verwandte, innerlich vertraute „Melodei“ entgegen, daß ich immer meine, auch unsre Pläne müßten, auch ohne gegenseitige Verständigung, dieselben sein.

Mein Büchlein, dessen Geburt ich Dir von Lugano aus mit rechtem Gegacker — so ich mich recht erinnere, ankündigte, ist bis jetzt an der Verlegernoth verkümmert. Ein Aufsätzchen habe ich ausgeschält und es auf meine Kosten in Basel drucken lassen: es ist die Umarbeitung jenes früheren Vortrags „Sokrates und die Tragoedie“. Ein anderes Stück „über das Dionysische und Apollinische“ wird wohl in den „Preußischen Jahrbüchern“ erscheinen; falls man es annimmt, woran ich zweifle. Schließlich läuft bei mir alles auf das theure Vergnügen hinaus, eine Bibliothek lauter unedirter, doch zierlich gedruckter Schriftchen zu besitzen. — Meine Homerrede hast Du doch? Ich freue mich auch auf eine Homerunterhaltung mit Dir. Jetzt lese ich „Einleitung und Encyclopädie“, zum Staunen meiner Zuhörer, die sich schwerlich in dem Bilde wiedererkennen, das ich von dem idealen Philologen entwerfe.

Vorgestern habe ich Kinkel junior, sehnsüchtigen Privatdozenten in Zürich (doch ohne Perspektiven) wieder gesehn, nach fünf Jahren. Ein anderer Züricher Dozent, der zu unserer Zeit in Leipzig studirte und uns — natürlich — kannte, versetzte mich lebhaft in jene schöne Epoche. Er hatte eine so treue Erinnerung von unserem Wesen und Reden, citirte zB. Ansichten von mir, die ich im Colleg zu meinen Bekannten — doch wohl überlaut — geäußert haben muß, kurz bewies mir, wie anerkannt unsere Situation war. Er hieß Dr. Gröber. Von Wölflin habe ich das Allerbeste über die „Acta“, speziell Andresens Aufsatz gehört, desgleichen von Hagen, über Jungmann, und beide, listiger Weise, zu einer Recension „gesteigert.“

Die Absicht der Berliner Reise Wg’s war, den akademischen Vortrag zu halten und seine Baireuther Pläne zu sichern: dahingegen einer drohenden Berufung als Generalmusikdirektor auf jede Weise vorzubeugen. Alles ist gelungen, und in 2 Jahren erleben wir die Aufführung des „Nibelungenringes.“ — Wie schön und richtig hast Du die Meistersinger empfunden! — Ich habe mit Wagner die vorläufige Idee eines Reformations-journals besprochen, wobei wir auch Deiner vor Allem gedachten. Kurz, Vieles ist im Werk: wir wollen uns in Allem treu bleiben. Lebwohl, liebster Freund.

136. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel,> 7 Juni 1871.

Verehrtester Herr Geheimrath,

mit dem herzlichsten Danke für Ihren Brief, der mich nach jeder Seite hin beruhigt und aufgeklärt hat, verbinde ich heute die Anzeige, dass ich im Herbste nicht nach Leipzig zur Philologenversammlung kommen werde und meinen vorjährigen Antrag, einen Vortrag zu halten, zurückziehen muss. Nachdem ich weiss, dass Sie nicht präsidiren, versteht sich dies Alles von selbst. Im gleichen Sinne schrieb mir auch dieser Tage Freund Rohde aus Kiel. — Dabei ist es aber nicht unmöglich, dass ich dieses Jahr irgend wann einmal nach Leipzig komme, um Sie zu besuchen: eine Aussicht, die ich mir durch den oben gemeldeten Entschluss nicht rauben lassen möchte.

In Betreff Rohde’s möchte ich mir die Anfrage erlauben, ob Sie nicht ein Mittel wissen, wie man ihn in Zürich, an Benndorfs Stelle, zum Vorschlag bringen könnte. Mir liegt erstaunlich viel daran, ihn in meine Nähe zu bekommen. Und dass er jene Stellung mindestens so gut verdient als etwa Dilthey (von dem ich neulich munkeln hörte), ist ja keine Frage. Ich halte ihn, ohne alle freundschaftlichen Übertreibungen, für eine der reichsten philologischen Kräfte und Begabungen, die wir für die Zukunft zu wünschen haben.

Kürzlich sprach sich Wölflin sehr lobend über Andresen’s Aufsatz in den „Acta“ aus, desgleichen Hagen in Bern über Jungmanns Fulgentius. Ich habe beide zu einer Recension zu gewinnen gesucht.

Sich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin (der ich nächstens einen geheimen Aufsatz von mir senden werde) bestens empfehlend, auch Namens meiner Schwester, die mich, bei meinen ungleichen Gesundheitsverhältnissen, hegt und pflegt,

bin ich
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche
in Basel.

137. An Wilhelm Engelmann in Leipzig

<Basel, Juni 1871>

Sehr geehrter Herr

da ich, im Fall einer Annahme des Manuscriptes, um eine baldige Antwort gebeten hatte, so bin ich jetzt gewiß zu dem Glauben berechtigt, daß das Manuscript, aus irgendwelchen Gründen, nicht Ihre Zustimmung erlangt habe: weshalb ich mir gestatten dürfte, bereits in anderer Weise über dasselbe zu disponiren.

Ich bitte Sie daher dasselbe jenem Herrn Dr. Romundt einhändigen zu wollen, der schon einmal den Auftrag hatte, es von Ihnen abzuholen.

Mit der angelegentlichen Bitte, daß dies bald geschehe, zeichne ich als Ihr

ergebenster
Prof. Nietzsche in
Basel

Dr. Romundt wohnt Schützenstr. 8, 3 Treppen

138. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Samstag Mittag. <Basel, 17. Juni 1871>

Verehrtester Herr Geheimrath,

hier, zunächst dem herzlichen Bedauern über das Befinden Ihrer Fräulein Tochter, nur etwas Vorläufiges: von Tag zu Tag bekommen Sie mehr von mir zu hören. Heute habe ich nur wenig direkt ermitteln können, aber verschiedene Fäden angeknüpft, um schon morgen im Besitze genauerer Details zu sein.

Die mir am besten bekannten Familien sind zufällig nicht in Ragaz gewesen oder in einer Zeit, die über den jetzigen Zustand keine Schlüsse zuläßt. Die eigentlich „Kranken“ sind zudem meistens in dem — übrigens melancholisch düsteren — Pfäffers gewesen.

Ragaz gilt als „warm“ (doch nicht im Sinne eines Leipziger Sommers), hat weniger trübe und regnerige Tage als die hohen Kurorte und gestattet, bei seiner freien Lage, Spaziergänge in der Ebene: der schönste Weg, fast eben, nach dem genannten Pfäffers, ist schattig und schön. — Sind nicht die Naumburger Wachsmuths einmal im Sommer und auch neuerdings dort gewesen? — Frau Vischer hat mir aus dem Kreise ihrer Verwandten baldige und spezielle Nachrichten versprochen: desgleichen ihr Schwiegersohn, Hr. G. Fürstenberger, der einen mehrere Jahre in Ragaz thätig gewesenen und daher genau unterrichteten Baseler Architekten (oder Ingenieur?) Frey kennt. Dabei kam eine Pension zur Sprache, die ein ehemals in Basel studirender Pfarrer Steiger besitzt und die etwa 10 Minuten von Ragaz entfernt ist. R. hat übrigens den Ruf eines unterhaltenden aber theuren Bades; es giebt sehr schöne neue Hotels und vortreffliche Bäder. (Ärztlich—Genaues bei Meyer-Ahrens, „die Heilquellen der Schweiz“, das Ihre Universitätsbibliothek besitzen muß.) Ein ausführliches Buch über Ragaz wird diese Tage bei Ihnen eintreffen. Pensionseinrichtungen sind überall, wohl mit Ausnahme des allerersten Hotels; die Preise etwas höher als in Interlaken. Über diesen Punkt verspreche ich noch genaue Informationen.

Von den 15 Personen, die ich heute über R. ausgefragt habe, ist bald etwas zu erwarten: worauf ich Sie heute vertrösten muß. Auch werde ich in Erfahrung bringen, wer von den Baselern diesen Sommer nach R. geht. Die Quellen gelten als sehr heilkräftig, trotz ihres totalen Mangels nachweisbarer Grundelemente. —

„Schwyzerwirthschaften“, im angedeuteten Sinne, sind dort gar nicht mehr anzutreffen. „Gute Gesellschaft“ ist viel wahrscheinlicher als das Gegentheil: so daß man gewiß auch auf „gute Geselligkeit“ rechnen darf.

Mit der Bitte, heute mit diesem Prooemium fürlieb zu nehmen, verheißt Ausführliches

Ihr getreuer
F Nietzsche.

139. An Auguste Forst in Wiesbaden

<Basel,> Am 21 Juni 71.

Mein verehrtes Fräulein,

wir haben neuerdings in unserer Familie kein angenehmeres Ereigniß erlebt als jenes allerneuste, durch das Sie mit uns verwandt geworden sind. Habe ich gleich bis jetzt noch nicht die Freude genossen, Sie persönlich zu sehen und zu sprechen, so weiß ich doch jenes Ereigniß nach seinem vollen Werth zu ermessen, Dank meiner Schwester, die mir schon oft und immer sehr eingehend von den ausgezeichneten Qualitäten ihrer Freundin zu berichten wußte. In diesem Sinne glaube ich vor allem auch meinem trefflichen Onkel Oskar Glückwünsche schuldig zu sein, welche Sie an ihn in meinem Namen und Auftrag gewiß schöner ausrichten werden, als mir dies selbst, einem in Verlobungsfreuden Unerfahrenen, gelingen dürfte. Dabei vergesse ich nicht, welch eine bevorzugende Liebenswürdigkeit in der freudigen Eile beider Verlobten lag, das Glück des Tages sofort und ungesäumt nach Basel zu melden. Dafür mich herzlich bedankend und nach allen Seiten hin das Glück wünschend, dessen Sie in so hohem Maaße würdig sind, verspreche ich Ihnen von jetzt ab zu sein, was ich bis jetzt nicht sein konnte

Ihr Sie verehrender Neffe
Dr. Friedrich Nietzsche
Prof. o. p. in Basel.

140. An Carl von Gersdorff in Marienbad

Basel 21 Juni 1871.

Mein lieber, theurer Freund,

So bist Du mir denn glücklich erhalten und integer aus den ungeheuren Gefährlichkeiten heimgekehrt. Endlich wieder darfst Du an friedliche Beschäftigungen und Aufgaben denken und jene furchtbare kriegerische Episode als einen ernsten, doch vorübergeflohenen Traum Deines Lebens betrachten. Nun winken neue Pflichten: und wenn Eins uns auch im Frieden bleiben mag aus jenem wilden Kriegsspiel, so ist es der heldenmüthige und zugleich besonnene Geist, den ich zu meiner Überraschung, gleichsam als eine schöne unerwartete Entdeckung, in unsrem Heere frisch und kräftig, in alter germanischer Gesundheit gefunden habe. Darauf läßt sich bauen: wir dürfen wieder hoffen! Unsre deutsche Mission ist noch nicht vorbei! Ich bin muthiger als je: denn noch nicht Alles ist unter französisch-jüdischer Verflachung und „Eleganz“ und unter dem gierigen Treiben der „Jetztzeit“ zu Grunde gegangen. Es giebt doch noch Tapferkeit und zwar deutsche Tapferkeit, die etwas innerlich Anderes ist als der élan unserer bedauerungswerthen Nachbarn.

Über den Kampf der Nationen hinaus hat uns jener internationale Hydrakopf erschreckt, der plötzlich so furchtbar zum Vorschein kam, als Anzeiger ganz anderer Zukunftskämpfe. Wenn wir uns einmal persönlich aussprechen könnten, so würden wir übereinkommen, wie gerade in jener Erscheinung unser modernes Leben, ja eigentlich das ganze alte christliche Europa und sein Staat, vor allem aber die jetzt überall herrschende romanische „Civilisation“ den ungeheuren Schaden verräth, der unserer Welt anhaftet: wie wir Alle, mit aller unserer Vergangenheit, schuld sind an solchen zu Tage tretenden Schrecken: so daß wir ferne davon sein müssen, mit hohem Selbstgefühl das Verbrechen eines Kampfes gegen die Cultur nur jenen Unglücklichen zu imputiren. Ich weiß, was es sagen will: der Kampf gegen die Cultur. Als ich von dem Pariser Brande vernahm, so war ich für einige Tage völlig vernichtet und aufgelöst in Thränen und Zweifeln: die ganze wissenschaftliche und philosophisch-künstlerische Existenz erschien mir als eine Absurdität, wenn ein einzelner Tag die herrlichsten Kunstwerke, ja ganze Perioden der Kunst austilgen konnte; ich klammerte mich mit ernster Überzeugung an den metaphysischen Werth der Kunst, die der armen Menschen wegen nicht da sein kann, sondern höhere Missionen zu erfüllen hat. Aber auch bei meinem höchsten Schmerz war ich nicht im Stande, einen Stein auf jene Frevler zu werfen, die mir nur Träger einer allgemeinen Schuld waren, über die viel zu denken ist! —

Hier folgt eine Abhandlung, die von meinem philosoph. Treiben etwas mehr verräth als es der Titel andeutet. Lies sie mit Wohlwollen; ich habe noch Vielerlei vor und bereite mich auch auf einen Kampf vor, an dem, wie ich weiß, meine Freunde starken Antheil haben werden. Wie viel wäre mündlich zu besprechen, mein theurer Freund! Und wann darf ich einmal auf Deinen Besuch hoffen?

Über Wagner wirst Du durch die Norddeutsche Allg. vielerlei und wie ich denke, nur Gutes gehört haben: auch über die großen Baireuther Pläne. Es ist Alles im schönsten Gange. — In Tribschen hat man Dich in gutem Gedächtniß: ich habe erzählt, daß Du mir Deinen Besuch für den Sommer versprochen hättest.

Mein Befinden ist diesen Sommer besser. Die Witterung ist übrigens höchst wechselvoll. Heute haben wir Sturm und kalten Regen. Im Sommer, vom 15 Juli bis 13 August bin ich in Gimmelwald, bei Mürren, im Berner Oberlande, zusammen mit meiner Schwester. Wir sind dort in einer kleinen, wundervoll gelegnen Pension bereits angemeldet.

Bist Du denn Zeuge des Berliner Einzugs gewesen? —

Nochmals, mein lieber Freund; ich bin glücklich im Gedanken an Deinen baldigen Besuch. Der Rathsherr Vischer (der als Student öfters im Hause Deines Großvaters in Weimar war) freut sich auch auf Dein Hiersein. Denn alle meine Bekannten wissen von Deinen Schicksalen.

Lebe recht wohl und immer besser: Du hast es verdient.

Ich bitte darum, Deinen verehrten Eltern empfohlen zu werden und bin, was ich war,

Dein treuer Freund
Friedrich Nietzsche.

141. An Wilhelm Engelmann in Leipzig

<Basel,> 28 Juni <1871>

Geehrtester Herr

mich für Ihre Anerbietung bestens <bedankend> und mit den Bedingungen einverstanden, muß ich doch, zu meinem Bedauern wiederholen, was ich schon in meinem letzten Briefe Ihnen schrieb: daß ich bereits von Neuem über mein Manuscript disponirt habe und Verhandlungen eingegangen bin, die wieder abzubrechen ich jetzt nicht mehr in meiner Hand habe. Sollten diese doch noch sich zerschlagen, so will ich Ihnen gern davon Notiz geben.

Inzwischen aber brauche ich, unter allen Umständen, mein Manuscript, an dem einige Veränderungen zu machen sind und bitte nochmals dasselbe Hrn. Dr. Romundt in Leipzig (Schützenstr. 8, 3 Treppen) gefälligst zusenden zu wollen.

Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche
Prof. in Basel

142. An Paul Deussen in Marburg

Basel 2 Juli 71.

Mein lieber Freund,

ich habe von Deinen Plänen gehört und über sie nachgedacht. In dieser Doppelheit der Stellung, theils als Gymnasiallehrer, theils als Universitätsdocent liegt zunächst etwas sehr Werthvolles. Ich würde Dich jedenfalls bitten, Deine Schulstellung ja nicht aus Überdruß an sogenannter „Schulmeistern“ preiszugeben. Es ist unsre hoffnungsreichste Position: und wer, wie ich, an die durchgreifendsten Reformen des Erziehungswesens gedacht hat, weiß diese Praxis, die reiche Empirie einer Gymnasiallehrerstellung hoch zu schätzen. Denn dort müssen wir anfangen, unsre ernsthaftere Weltbetrachtung zum Ausdruck zu bringen. Die Universität ist schwerlich der fruchtbringendste Boden dazu. — Über Universitäten müssen wir uns einmal mündlich verständigen. Wann wirst Du mir einmal mittheilen, daß wir uns sehen, wiedersehen wollen? Was sind Briefe!

Hier ein Aufsatz, das zweite Stück eines größeren, der langsam zum Druck kommt. Lies ihn so, wie er verfaßt ist, und laß Dich nicht abschrecken, wenn einige Kunstausdrücke kommen, die im ersten, vorangehenden Theile des Aufsatzes ausführlich motiviert sind. Es ist dies nur ein Druck für meine Freunde (wie früher der „Homer“) Also keine Publikation! Schreibe mir bald und ausführlich Deine Empfindungen darüber: es wird mir das über Deine philosophische Entwicklung am lehrreichsten sein.

Mein guter Freund, ich wiederhole, wann sehen wir uns?

In alter Treue
F Nietzsche.

143. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel 11 Juli 71.

Recht lange, meine liebe Mutter, hast Du von mir keinen Brief bekommen. Das kommt davon, wenn Lisbeth bei mir lebt, da wird sofort die Correspondenz einbeinig. Gestern haben wir ihren Geburtstag gefeiert, wie? wird sie Dir selbst erzählen. Leider war sie den Tag über nicht ganz wohl. Wir sind hier in der Periode der fortwährenden Gewitter: gestern hatten wir in einem Tag ungefähr sieben. Dazwischen — wie augenblicklich <—> ist die Hitze und Schwüle unerträglich, wir sind wie in einem Dampfbade und sehnen uns sehr nach einem kühlen Aufenthalt. — Meine Gesundheit hat das letzte Vierteljahr Stand gehalten, nur einige kürzer vorübergehende Leidenszustände ungerechnet. Im Ganzen bin ich recht zufrieden, doch merke ich schon wieder, daß ich 10 Wochen hintereinander unterrichtet habe. Das ist doch recht angreifend.

Du hast in Naumburg jetzt bekümmerte Tage der armen Laubscher’s wegen erlebt und ich denke mir, daß Du recht trübgemuth zu Hause sitzen wirst. Lisbeth sagt mir gar, daß Du Dich Deines Auskommens halber sorgst. Ich mache Dir selbst folgendes Anerbieten, das Du einfach annimmst, ohne Lisbeth oder andern Menschen etwas davon zu sagen. Erstens bitte ich Dich, die kleine Summe, die Du von meinen Zinsen für Dich abgezogen hast, (wie mir Lisbeth heute sagt) als ein kleines Geschenk von mir anzunehmen. Sodann betrachte die Zinsen der 200 Thl., die Oskar mir seit Ostern schuldet, als die deinigen: so lange jetzt Oskar mir das Geld schuldet, gehören die Zinsen Dir. Nur bitte ich Dich, Oskar nichts davon zu sagen. Drittens bitte ich Dich, von meinen Eisenbahnpapieren Dir eins auszuwählen, nach Deinem Ermessen, welches Du haben willst: verwerthe es, wie Du Lust hast: ich meine, versilbere es und benutze es zu Deinen Bedürfnissen! Damit wird ja Deiner augenblicklichen Sorge wohl etwas abgeholfen sein. Ich selbst gestatte mir diesen Scherz als eine Nachfeier von Lisbeths Geburtstag und bitte nur darum, daß der Scherz verschwiegen bleibt und zweitens, daß Du ihn sans façon annimmst. Ich nehme einen Dank Deinerseits dafür gar nicht an.

Jetzt schlägt meine Stunde zum Mittagessen. Ich wünsche Dir guten Appetit und Heiterkeit,

Dein alter Sohn.

144. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> 12 Juli 71.

Mein lieber Freund,

entschließe Dich kurz zu einer Bewerbung um die eben ausgeschriebene Professur der Philologie in Zürich. Ich bitte und beschwöre Dich, thue es sofort!

Die Professur lautet zunächst auf die Realfächer der klassischen Philologie und antike Kunstgeschichte.

Beginn der Professur: das Sommersemester 1872.

Die Anmeldung muß bis 31 Juli gemacht sein.

Addressiere:

Herrn Sieber, Director des hohen Erziehungswesens

in Zürich.

Anrede im Brief: „An eine hohe Erziehungsdirektion.“

Lege alle Deine Schriften und Aufsätze bei, schildere Deinen Bildungsgang recht ausführlich und überzeugend und berufe Dich so stark als möglich auf Ritschl’s Urtheil und das Urtheil Deiner Kieler Collegen, auch — si placet — auf mich und Vischer. Schreibe doch darüber an Ritschl und bitte ihn um ein testimonium. Ich bitte Dich dringend, thue alles, damit wir in die Nähe kommen. Sodann schreibe doch auch einen recht freundlichen Privatbrief nach Zürich, an Professor jur. Osenbrüggen, der mich gut kennt und gern hat und dem ich schon von Dir erzählt habe, theile ihm mit, was Du gethan hast und frage ihn was etwa noch für Dich zu thun sei.

Wir müssen alle energischen Mittel anwenden.

Ich schreibe in größter Eile, damit Du keine Zeit zu verlieren hast.

Die Bewerbung wird stark sein.

Ich reise am Samstag in die Ferien.

Addresse: Gimmelwald bei Lauterbrunnen im Berner Oberland, Hôtel Schilthorn.

Dein treuer Freund.

145. An Richard Meister in Leipzig

<Basel,> 14 Juli 1871.

Lieber Herr Meister,

Sie haben mich durch Ihren Brief sehr erfreut und keinesfalls, wie Sie dies in aller Bescheidenheit vermutheten, gelangweilt. Ich bitte Sie, wie sollten mich Nachrichten vom Vereine langweilen, nachdem es mir viel Langeweile gemacht hatte, so lange Zeit gar nichts von ihm zu hören, so daß seine Existenz für mich nicht über alle Zweifel sicher stand. Nun weiß ich daß er noch lebt: und es wäre, im Vertrauen gesagt, bei dem numerisch glänzenden Aufschwunge der Leipziger Philologenschaft, recht schmählich, wenn er nicht mehr lebte. Sorgen Sie jetzt dafür, daß er mit Ehren wächst und das bleibt, was er in den Jahren 65—67 dh. in den Jahren meiner Erinnerung, war, nämlich der Mittelpunkt und gemeinsame Herd aller wirklich produktiven und ernsthaft gesinnten Philologen. Ich bedauere es oftmals, daß ich nicht mehr den bequemen Zugang zu diesem Vereine habe, wie früher; gerade einer solchen Zuhörerschaft, wie ich sie jetzt unter Ihrem Präsidium voraussetze, hätte ich so mancherlei persönlich zu sagen, zur Kräftigung und Förderung aller der Pläne, die ich auf dem Herzen trage und die recht eigentlich das Herz der klassischen Philologie berühren. Wir dürfen noch auf eine Wiedererweckung des hellenischen Alterthums hoffen, von der unsre Väter nichts geträumt haben. Glauben Sie nur das nicht, daß wir mit einer abgegrasten und verkümmerten Wiese, als dürres Weidevieh, uns zu begnügen hätten! —

In diesem Sinne grüßen Sie den Verein von mir, der überzeugt sein darf, daß ich für ihn thun werde, was man von mir verlangt und wozu mich übrigens meine eigne Dankbarkeit jederzeit treibt.

Mit freundlichen Grüßen
bin ich
Ihr
Dr Friedr. Nietzsche
P. o. p. in Basel.

146. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, Mitte Juli 1871>

Mein lieber Freund,

nochmals einen herzlichen Gruß, als Begleitschein meiner Litteratur.

F. N.

— Mein früher erwähntes Büchlein hat keinen Verleger gefunden, ich bringe es jetzt stückweise zur Welt: welche Tortur für die Gebärende! —

— Ich habe wegen Zürich an Ritschl geschrieben. Er recognoszirt bereits. —

147. An Erwin Rohde in Kiel

<Gimmelwald bei Lauterbrunnen, 19. Juli 1871>

Mein lieber Freund,

in der erhabensten Gebirgseinöde habe ich soeben Deinen Brief empfangen und antworte ungesäumt, obschon ich nichts zu schreiben habe als: „Traurig! Es geht wieder einmal nicht! Welch’ sonderbare Constellation!“

In derselben Viertelstunde, in der ich an Dich meine exhortativen Zeilen richtete, schrieb ich mit ähnlicher Dringlichkeit an Romundt — und mit ähnlichem Effekt! Unglückliche Viertelstunde, in der ich unser Dreier Loos an einen Faden zu ketten hoffte! Ich bot Romundt eine stattliche Lehrerstellung in Bern an (mit 3—4000 frs. Gehalt und mäßiger Stundenzahl an einem höhern Gymnasium) Mit Deinem Brief zugleich bekomme ich seine Antwort: er ist mit der Proposition zufrieden, kann sie aber nicht annehmen, weil er eben eine Hauslehrerstelle in Nizza angenommen hat!

— Ich hoffe nun sicherlich, schon des Parallelismus wegen, daß Du auch in Kürze, trotz Forchhammer, Dein Nizza erreichst.

Übrigens ist es miserabel vom Schicksal, uns zu trennen. Schließlich zwingt mich dasselbe noch zu viel extremeren Maßregeln.—. Ich will ja wahrhaftig nichts meinetwegen, aber es ist nöthig, daß wir zusammen sind, wie Dir sofort deutlich sein würde, wenn wir wieder ein Paar Tage zusammen gelebt haben werden, nöthig unserer beiderseitigen Bestimmung halber, deren vorgezeichnete Bahn ich schon deutlicher zu erkennen glaube.

Lassen wir uns durch das Schicksal nicht verdrießlich machen, sondern nur muthiger und radikaler! —

Es fällt mir ein, daß ich Dir neulich ein Exemplar meines „Sokrates“, sammt einem zweiten für Ribbeck, durch die Post als Paket zugeschickt habe. Ich ärgere mich sehr, wenn es, wie es scheint, nicht angekommen ist. — In Leipzig habe ich diese Abhandlung durch Romundt im philologischen Verein vorlesen lassen und auch sonst bekannt gemacht, mit einiger „Sensation“, wie mir Romundt schreibt.

Hier, in der Wildniß, hoffe ich wieder wie Danae, auf einen Regen, wenigstens auf ein Tröpfeln von guten Einfällen, denn ich habe mir eine schwierige Aufgabe gestellt, die in der Ebene zu lösen ich verzweifle.

Und nun, lieber Freund, denke an mich als an Einen, der kein Mittel unversucht läßt, Dich in seine Nähe zu bringen, der auch bisjetzt die Hoffnung keineswegs für alle Zeiten aufgiebt.

Für Zürich, höre ich, haben Dilthey in Bonn und Matz einige Aussichten. Ich verdanke diese Notiz dem ekelhaften Lucian Müller, der von Petersburg aus nach der Schweiz kommt und mich — mich! — mich!! belästigt hat.

Mit mir zusammen ist der Ritter des eiser. Kreuzes Carl von Gersdorff, mein alter, trefflich sich bewährender Freund.

In steter Treue
Dein Freund F N.

Gleiche Adresse (Gimmelwald) wie bei dem letzten Brief.

Man will nicht in Zürich „vor allem einen Archäologen“; auch schätzest Du Deine Capacität für griech. Kunst zu gering. Man will einen Vertreter der Alterthümer und dann zweitens einen Sprachphilologen und drittens endlich einen, der einige allgemeinere archäolog. Collegien liest! — Aber freilich! Die sonderbare, in der Luft schwebende Professur verpflichtet Dich leider Gottes zum passiven Zuschauen und Geschehenlassen. Mir scheint die sich zankende Fakultät sammt dem in der Höhe thronenden Ministerium eines tüchtigen Trittes, Steißtrittes werth! Es ekelt mich — gerade wenn ich denke daß Du das Streitobjekt bist.

148. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 4 Aug. 71

Verehrtester Herr Geheimrath,

durch eine kleine Reise in die Berge ist es mir etwas später als ich wünschen möchte, möglich geworden, die Büchersendung an Sie zu effektuiren. Ich denke aber, daß Hr. Opitz noch nicht in die Ferien abgereist sein wird und daß somit die Bücher gerade noch zur rechten Zeit in seine Hände kommen. Es scheint mir daß er finden wird, was er wünscht — ein ziemlich reiches und bisher unverwerthetes Material. —

Ich habe in den letzten Wochen einen Versuch gemacht, etwas für Rohde in Betreff der Züricher Professur zu erwirken — ohne Erfolg. Ich wußte nämlich gar nicht, daß die Regierung die entscheidenden Vorschlagsrechte in die Hände einer Commission von 3 Professoren gelegt hat, Benndorf an der Spitze: ich hatte mich aber mit meinen Empfehlungen und der Aufforderung, man möge sich bei Ihnen und Ribbeck nach Rohde erkundigen, an die Regierung gewendet. Benndorf nun scheint in seiner nervösen Art die Umgehung seiner Person übel genommen zu haben, während in der That Niemand von vorn herein gerade auf ihn rathen konnte, bei dem anerkannt mißlichen und für die Regierung feindseligen Schritte seiner Amtsniederlegung. Kurz — ich habe mich umsonst bemüht und muß auf eine bessere Gelegenheit warten, Rohde zu nützen. —

Ich weiß nicht, wer mir erzählt hat o<de>r ob ich es geträumt habe, daß die Leipziger Philologenversammlung nicht zu Stande kommt. Das thut mir leid: schlecht — wäre besser. —

Weiß man etwas über den Nachfolger von Falkenstein im Cultusminist<erium>? Ich habe auf Gerber gerathen. —

Was Sie mir gütigst mittheilten — daß nämlich Mommsen jene Briefe an Wehrenpfennig, in Treitzschkes Abwesenheit zum Abdruck übergeben habe — hat sich mir noch von einer anderen Seite aus bestätigt (Treitzschke hat den Hergang in gleicher Weise erzählt).

Haben Sie gute Nachrichten aus Ragaz von Ihrer Fräulein Tochter? Und wie überstehen Sie selbst diesen absurden Sommer? Die Statistik der Leipziger Universität zeigt ja enorme Progressionen für dies Semester. Der Ringkampf mit Berlin ist bereits für Leipzig entschieden.

Mich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin herzlich empfehlend und für die Zusendung Ihres plautinischen Aufsatzes bestens dankend

bin ich in steter Treue
Ihr ergebener Schüler
Friedrich Nietzsche.

149. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 4 August 71.

Mein lieber Freund,

ich antwortete nicht auf Deinen zweiten Brief, weil ich erst sehen wollte, was ich in unserer Sache für Dich thun könnte. Daß ich nicht faul gewesen bin, nachdem Du mir die Aktion überlassen hast, könnte ich Dir durch einen Briefwechsel von 10 Briefen beweisen. Dich mit dem ganzen Gange der Angelegenheit jetzt noch zu incommodiren wäre nur langweilig — da das Resultat feststeht — leider feststeht — ich habe nichts für uns durchsetzen können, so gut der Anschein war, den die Sache in den früheren Stadien hatte. Benndorf hat mir gestern, etwas gereizt, die Lage klar gemacht, er scheint seinen Matz oder Dilthey warm zu halten, und meine Maßregeln, die sonderbarer Weise die Unterstützung der einflußreichsten Züricherischen Politiker fanden, tüchtig übelgenommen zu haben. Da er aber in der Commission eine wichtige Stimme hat und Dich durchaus nicht als Archäologen gelten lassen will, so ist es eben vorbei, und ich lauere wieder auf eine neue Gelegenheit. Du hast Recht — die Götter müssen etwas Seltsames mit uns vorhaben, daß sie bisjetzt uns so hartnäckig ein Bein stellen. Dieses Jahr habe ich nun schon zwei Experimente gemacht — nun, hoffen wir auf das dritte. —

Ich bin sehr glücklich, daß Du einen guten Eindruck von meinem „Sokrates“ bekommen hast und danke Dir sehr für Deine Theilnahme. Vieles aus dieser „purpurnen Dunkelheit“ wird noch deutlicher werden, wenn die ganze Schrift zusammenhängend vorliegt.

In der That glaube ich viel aus dem Gegensatze des Dionysischen und Apollinischen ableiten zu können. — Dein Ribbeck mit dem Wunsche nach Zeugniß und Beweis hat mir Freude eigner Art gemacht, wie sollte denn wohl das Zeugniß ungefähr lauten? Man bemüht sich der Entstehung der räthselhaftesten Dinge nahe zu kommen — und jetzt verlangt der geehrte Leser, daß das ganze Problem durch ein Zeugniß abgethan werde, wahrscheinlich aus dem Munde des Apollo selbst: oder würde eine Stelle bei Athenaeus dieselben Dienste thun? Für gewisse Leute sogar noch bessere. Denn dem wahrsagenden Apollo würde man jetzt, wie dem Ochsen der da drischet, das Maul verbinden. —

Übrigens zweifle ich nicht, daß ich irgendwann einmal dieselben Dinge noch besser und durchsichtiger darzulegen lernen werde. Inzwischen bitte ich Dich, Dich mit dem mystischen Dampfe der ersten Conception zu begnügen. Ich habe mich wahrhaftig im Punkte des Stils und der Ableitung durch strenge Anforderungen im Zaume gehalten, aber eine gewisse ἀλογία wird man bei solchen Dingen nicht los. Das Studium Schopenhauers wirst Du überall bemerkt haben, auch in der Stilistik: aber eine sonderbare Metaphysik der Kunst, die den Hintergrund macht, ist so ziemlich mein Eigenthum, nämlich Grundbesitz, aber noch nicht mobiles, kursives, gemünztes Eigenthum. Daher die „purpurne Dunkelheit“: als welcher Ausdruck mir unbeschreiblich gefallen hat. —

Im Herbst wird Richard Wagner wahrscheinlich in Mannheim ein großes Concert geben. Dies ist für uns ein Signal zusammenzukommen. Mannheim ist wirklich etwa die Mitte zwischen uns. Alles Nähere theile ich Dir mit, so bald irgend etwas darüber feststeht. Gieb mir doch eine Notiz ob Dir meine Combination gefällt. Eine Zusammenkunft unter den Weiheklängen Wagnerscher Musik — eine zauberisch schöne Vorstellung! Opfern wir schnell den Dämonen, daß sie nicht auch diesen Wunsch mir zu nichte machen!

Lebe wohl! Mein lieber guter treuer Freund und betrübe Dich nicht! Wir kommen zusammen! Und dann Eia popeia!

Friedr. Nietzsche.

150. An Franziska Nietzsche in Altendammbach

<Basel,> 2 Sept. 71.

Hier, meine liebe Mutter, sind Nachrichten von mir, mit eigner Hand geschrieben, nachdem die bisherige Führerin meiner Correspondenz mit Dir mich verlassen hat. Auch weiß ich bereits aus einem eben empfangenen Brief Lisbeth’s, daß sie ohne Unfall Wiesbaden erreicht hat und dort alle Behaglichkeiten eines guten Hauses und einer zärtlichen Freundin zu genießen hat. Basel hat ihr wohl gefallen, ja, nach meinem Unheil, zu gut. Doch findet sie es bald an jedem Orte erträglich, vorausgesetzt, daß man ihr von Zeit zu Zeit etwas Angenehmes sagt. Das haben, scheint es, meine ehrlichen Baseler etwas reichlich gethan: weshalb sie ungern diese Stadt verließ.

Ich lese Deine Briefe sehr gern: Du erzählst einem doch etwas, und aus der Menge der kleinen Züge macht sich mir dann ein anschauliches Bild: während unsereins nichts Rechtes schreibt, sondern immer auf persönliches Wiedersehen vertröstet, dann aber gewöhnlich erst recht nichts zu erzählen hat. Dieses persönliche Wiedersehn scheint auch jetzt wieder uns recht nahe bevorzustehn: wenn anders etwas aus meinem Plane wird, am 1 Oktober in Naumburg zu dreiwöchentlichem Aufenthalte einzutreffen. Jedenfalls gebe ich Dir bald genauere und bestimmte Nachricht. Zugleich soll damit ein Zusammentreffen mit Rohde in Leipzig verbunden werden etc.

Lisbeth hat diese Combination mit großem Beifall begrüßt. Zuerst war davon die Rede, daß ich Weihnachten nach Naumburg käme. So sehr das wünschenswerth wäre, so unbequem ist die Winterreise: vor allem aber hätte ich nur eine Woche Zeit. Deshalb habe ich mich für den Herbst entschieden, den ich nun einmal besonders in Thüringer Luft gern habe. Ich freue mich auf das Saalthal und, die vielen Leipziger Erinnerungsstätten und möchte fast wähnen, ich lebte im Exile, weil ich diesen Gegenden so ferne bin. Mit meiner Gesundheit bin ich immer noch nicht zufrieden, und ich glaube mehr als je, daß mir die Baseler Luft nicht bekommt. Es dauert recht lange, ehe ich die unwillkürliche Abneigung gegen die ganze schweizerische Existenz überwinde: bis jetzt bin ich noch nicht einmal auf dem Gefrierpunkt der Gleichgültigkeit.

Von Gersdorff’s Besuch wird Dir wohl Lisbeth geschrieben haben. Er hat mir ebenso gut als Wagner’s gefallen, als ein echter und kräftiger Repräsentant aller tüchtigen Eigenschaften des norddeutschen Wesen’s. Romundt erwarte ich täglich zu sehen, da er auf seiner Reise nach Nizza, wo er den Winter verlebt, über Basel kommen muß. Deussen hat mich dringend gebeten ihn zu besuchen: und ich will dies ausführen, wahrscheinlich auf meiner Heimreise von Naumburg nach Basel. Er ist jetzt in Marburg an der Universität Dozent. Windisch ist aus England zurückgekehrt und in Leipzig zum professor extraord. gemacht worden. Rohde ist augenblicklich in einem Seebade in Holstein und hat sich verschworen, mit mir dieses Jahr zusammenzutreffen, nachdem verschiedne Versuche von mir, ihn dauernd in meine Nähe zu bringen mißlungen sind.

Es dürfte also sein, daß ich Dich durch meine Ankunft Deinem bisherigen schönen Aufenthalte „im Wald und auf der Haide“ entzöge: weshalb ich den lieben Onkel Theobald recht um Verzeihung bitten muß. Grüße ihn recht von mir: irgend wann werde ich ihn doch einmal wiedersehen, sammt seiner vortrefflichen Frau und den mir noch ganz unbekannten Kindern. Ich höre daß um diese Zeit sein Geburtstag ist: er lebe hoch!

Und Du auch!

Dein Fritz.

151. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> 6 Sept. 71.

Mein lieber Freund,

es hatte seine Gründe, daß ich nicht schrieb. Ich wußte nämlich nicht — und in Tribschen wußte man auch noch nichts — ob und was die Mannheimer Concertgeschichte würde. Jetzt, nachdem ich mehrfach mit meinen Tribschener Freunden darüber verhandelt habe, steht so viel sicher daß wir nicht darauf rechnen können. Vielleicht kommt im Oktober die Sache zu Stande. Es scheint eine Geldsache zu sein, die hier entscheidet. Du weißt ja wohl, daß es ein Wagnerverein zum Zwecke der Baireuther Unternehmungen ist, zu dessen Gunsten jener Concertplan ausgedacht ist. Ich habe in Tribschen genau meine Absichten vorgelegt und davon gesprochen daß ich im Herbst nach Norddeutschl. verreisen würde, falls nicht das Mannheimer Concert mich festhielte. Frau Wagner scheint nicht recht an dasselbe zu glauben, weil Wagner, lange durch unaufhörlich andringenden Besuch gestört, jetzt endlich wieder zu componiren fortfährt und sich schwerlich unterbrechen lassen wird.

So wäre denn diese unsre Hoffnung wieder einmal, nach einer grausamen Analogie, zerstört.

Jedoch, Jedoch — wir wollen! Wir wollen dies Jahr etwas wider der Sterne Lauf durchsetzen, nämlich —

Du hast bereits gehört daß ich nach dem Norden reisen will dh. nach Naumburg und Leipzig. Was meinst Du? Willst Du nicht nach Leipzig kommen? Ich habe jetzt bei dem mildkühlen Herbstwetter eine ordentliche Sehnsucht mit Dir in Leipzig herumzuwandern, auf den Grabmälern unsrer Vergangenheiten.

Ich reise nach Naumburg am 1 Oktober von hier ab. Für Leipzig würde ich etwa die Zeit vom 10t. des Oktober an berechnen. Am 20 muß ich wieder zurück.

Denke Dir daß gestern Abend Romundt bei mir eingetroffen ist, auf seiner Durchreise nach Nizza, wohin er sich auf 9 Monate vermiethet hat.

Wir dürfen ja dies Jahr Leipzig besuchen, da der Philologencongreß dort keine Orgien zu feiern gedenkt. Ach, was haben wir uns zu erzählen! Romundt hat mir recht zum Bewußtsein gebracht, wie einsam ich stehe und wie ich mich an meinen liebsten Freunden anhalten muß, um nicht allen Muth zu verlieren. . —

Bitte schreib mir bald ein Wörtchen der Entschließung! Ich mag Dir nichts mehr schreiben, nachdem ich wieder — wieder! — die Hoffnung habe, Dich zu sehen! — Liebster Dämon, beschere uns guten Kindern doch auch einmal etwas Erfreuliches und laß die alten Freunde zusammen kommen!

F W.

152. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden

<Basel, 7./8. September 1871>

Hier, meine liebe Lisbeth, ist ein Brief unserer guten Mutter, die noch ganz ohne Nachrichten ist. Ich muß wirklich befürchten, daß ich die Adresse nicht recht gemerkt habe, ich habe geschrieben Altendammbach bei Schleusingen in Thüringen. Ist das nicht Recht? Schreibe doch gleich dorthin und melde meinen Plan, am 1 Oktober in Naumburg einzutreffen. Ich glaube jetzt auch, daß unsre Mutter mit Vergnügen wieder nach Naumburg zurückkehrt.

Für Deinen Brief herzlichen Dank. Ich freue mich, daß Du die Gefahren der Reise überstanden hast und in Wiesbaden bereits wieder in die nöthige Temperatur gerathen bist, die diesmal gewiß ihre besonderen Vortheile hat. Basel steht noch, die Wagen rasseln noch prestissimo über den Münsterplatz — kurz es ist das alte Basel, nur daß wir jetzt mehr schwitzen als in den Sommermonaten.

Romundt ist bei mir zu Besuch. Gestern waren wir in Grenzach.

Du kennst ja meine Wünsche in Betreff einer großen Reise. Es giebt sonderbare Zufälle. Ich bekam von Tribschen aus eine Anfrage, die was damit zu thun hat. Ich raune Dir nur in’s Ohr, daß einer der Tribschener Freunde (ein deutscher junger Fürst, der den Krieg mitgemacht und übrigens Referendar ist, auch Majoratsherr) für eine Reise nach Italien Griechenland Orient usw. einen einsichtigen und gebildeten Begleiter sucht und daß man bei mir angefragt hat, ob ich Jemanden vorzuschlagen hätte.... Ich weiß nicht .....

Dies sind die neuesten Scherze, mit denen ich, unter den Siegeln der Diskretion, und mit den üblichen Empfehlungen an das Gustchen etc verbleibe

Dein Bundesbruder
F N.

Organisire nur die Naumburger Rückkehr zur rechten Zeit, damit ich nicht in die Verwilderung gerathe.

153. An Paul Deussen in Marburg

Basel 12 Sept. 71.

Mein lieber Freund, nicht wahr, Du bist noch Willens, Dich einmal für Philosophie zu habilitieren?

Seitdem ich dies weiß, denke ich immer daran, wie Deine Lage etwas zu erleichtern sei: und heute fällt mir eine Proposition zu, die Dir vielleicht nützen könnte. Man fragt bei mir an, ob ich jemanden wüßte, der sich für 4 Jahre unter folgenden Bedingungen zu einer Erzieherstelle verpflichten würde.

Es gilt in einer russischen Familie zu leben und zwar für den Winter in Florenz. Ein begabter, doch etwas verwöhnter Knabe von 13 Jahren ist zu unterrichten und zwar in Englisch, Lateinisch und Deutsch. In der Familie wird französisch gesprochen. Dieses Sprachenaggregat macht ja Dir keine Schwierigkeiten. Der Gehalt ist hoch., 3000—4000 frs. also c. 1000 Thaler. Natürlich völlig freie Station.

Dadurch würdest Du nun für 4 Jahre der Vorbereitung ein fast freier Mann und könntest fast ganz Deinen philosophischen Vorbereitungen leben. Du könntest fast die ganze Summe Dir, bei Deinen außerordentlich mäßigen Lebensansprüchen, ersparen, um Deine Privatdozentenlaufbahn, so kurz sie auch sein wird, als Rentier zu beginnen. Kurz, Du gewinnst Zeit und Geld, nicht zu reden von dem Werthe eines Aufenthaltes in Italien, Schweiz usw.

Schreibe mir, nach kaltblütiger Überlegung aber so rasch als möglich eine Antwort. Denn die eine Bedingung wäre, daß Du diesen Winter bereits antrittst. Dazu müßtest Du Deine Schulmanncarrière mit rascher Faust abschließen.

Also werther und lieber Freund! Schnell! Ja! oder Nein!

Ich selbst habe beschlossen Dich in diesem Herbst zu sehn. Ich reise nach Norddeutschland und werde etwa am 20 Oktober über Marburg nach Basel zurückkehren.

Ich freue mich herzlich Dich wieder zu sehen. —

Richte meine besten Grüße an Deine ausgezeichnete Familie aus. —

Noch anderthalb Wochen bin ich in Basel. Während dieser Zeit, ja in den nächsten Tagen muß Deine Antwort dasein. — Nimm die Sache nur nicht feierlich. Es soll kein Entschluß, aber ein lustiges Wagniß sein.

Si nihil est, lusisse videmur.

Die Kunde von Deinem theologischen Examen hat mich in Erstaunen versetzt. Mehr sage ich erst, nachdem ich Dich wieder gesehn habe.

Hast Du den „Sokrates“ noch einmal gelesen?

Auf Wiedersehn, lieber,
alter Freund und Ka-
merad!
Friedr Nietzsche.

154. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden

Basel. <15. September 1871>

Nun, meine liebe Lisbeth, sollst Du das Schema meiner Reise zu Euch kennen lernen. Ich habe gesucht, so viel Tage zusammen zu scharren als nur irgend möglich ist. Durch Vertauschen von Pädagogiumsstunden ist es mir jetzt gelungen, noch einige Tage früher abreisen zu können. Während ich nämlich, nach unserer früheren Verabredung am Sonnabend Abend Basel verlassen wollte, thue ich dies jetzt schon Mittwoch vorher und benutze natürlich den durchgehenden Nachtzug, der mich Donnerstag früh bereits nach Frankfurt bringt: wo ich mit Dir zusammentreffe.

Also mußt Du drei Tage früher abreisen als Du früher beschlossen hattest: was Dir hoffentlich nicht allzu schwer fallen wird. Nun aber muß auch unser Naumburger Dasein etwas frühzeitiger in Stand gesetzt werden: weshalb ich sogleich an unsere Mutter schreibe. Bist Du zufrieden? —

Dein Hurrah!geschrei wegen des mitgetheilten Projektes ist unglaublich verfrüht: ich stehe noch in dem Stadium der vorläufigsten Erkundigungen und lebe weiter als ob es nichts wäre und nichts würde.

Gestern Abend war ich bei den alten Vischers. Schöne Grüße. Auch erfuhr ich von einem Briefe, den Du an Frau Vischer-Sohn geschrieben hast.

Ungefähr mit meiner Abreise zu Euch gleichzeitig ist hier die Hochzeit meiner Wirthin. Ich flüchte vor diesem Ereigniß. Overbeck und ich machen natürlich ein Geschenk.

Romundt war drei Tage bei mir: es hat ihm sehr in Basel gefallen.

Frau Wagner hat geschrieben daß ich dich von ihr recht grüßen möchte: sie bedauere, Dich so wenig in Tribschen gesehn zu haben.

Das Semester wird einem recht sauer. Wehe dem Hund, der Leder gefressen hat! sagt der Lateiner.

Schreibe mir doch noch ein paar Worte — daß Du nämlich meinen Brief bekommen hast und zur rechten Zeit abreisen willst.

Ich grüße das Schönste und das Bedeutendste Wesen der beiden Familien

(Reminiscenz Deines Briefes!)

Addio!

Friedrich N. als Bruder.

Also meine Abreise Mittwoch den 27 Sept.

155. An Franziska Nietzsche in Altendammbach

Basel 15 Sept. 71.

Hier, meine liebe Mutter, folgen die versprochnen Genauigkeiten über meine Abreise.

Mittwoch den 27 Sept. Abends verlasse ich Basel und bin demnach etwa um 5 Uhr Nachmittags am Donnerstag in Naumburg, zusammen mit Lisbeth, mit der ich in Frankfurt zusammentreffe. Also müßtest Du doch ein paar Tage eher unser Naumburger Heimwesen aufsuchen, nicht wahr?

Habe besten Dank für Deinen ausführlichen Brief, aus dem ich auch entnehme, wie gern Du wieder nach Naumburg zurückkehren wirst. Inzwischen wirst Du jedenfalls unsre beiderseitigen Briefe, aus Wiesbaden und Basel, empfangen haben und von Deinen Beunruhigungen befreit sein. Der Postverkehr nach Altendammbach scheint nicht sehr pünktlich und rasch zu sein.

Für die Reise werde ich mich so warm wie möglich einrichten. Die Nächte sind schon recht kalt.

Frau Vischer hat sich über den Empfang Deines Briefes außerordentlich gefreut: ich war gestern Abend bei ihr.

Inzwischen ist Romundt bei mir zu Besuch gewesen. Es hat ihm sehr in Basel gefallen, wie allen meinen Gästen.

Ich denke alle meine Freunde in einer Reihenfolge zu sehen. Falls nur Rohde nach Leipzig kommt!

Nun lebe recht, recht wohl! Wie freue ich mich auf unser Wiedersehen!

Grüße unsre Verwandten herzlich von mir!
Dein alter Sohn.

156. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel Montag c. 18 Sept.71.

Mein lieber Freund,
meinen herzlichsten Gruß zuvor!

Ich bin immer so zufrieden, wenn ich an Dich denke; denn es kommt mir so vor als ob wir auch nach 5 jährigem Intermezzo noch recht gut zusammenpassen. Unsere Wege sind doch, im letzten Grunde, nicht auseinandergegangen, und so haben wir uns wiedergefunden und so werden wir uns in aller Zukunft wiederfinden. Wie wenig Menschen haben, nach solchen Zwischenräumen der Trennung, solch ein Glück mit ihren Freunden!

Ich danke Dir noch einmal für Deinen Besuch; es hätte mir in diesem Sommer nichts Angenehmeres und Tröstlicheres passieren können. Wir haben das Netz der Cultur wieder einmal gemeinsam über unsern Köpfen zusammengezogen, und es wird schwer halten, uns in dieser Gemeinsamkeit unsrer besten Absichten zu stören.

Du bist überall im besten Andenken. Frau Wagner hat mir über Dich geschrieben, sehr erfreut und dankbar: Burckhardt und Vischer senden Dir ihre besten Grüße. Kurz — mein Basel lob’ ich mir; meine Freunde sind mit Basel und Basel ist mit meinen Freunden zufrieden.

Deine letzten Mittheilungen haben mancherlei Schmerzliches. Dein armer Bruder!

Jene Auseinandersetzung über Religion und Philosophie, von der Du mir erzählst, gehört gewiß zu den traurigsten Nothwendigkeiten des Lebens: ist man einmal dazu getrieben, so wappne man sich mit Weisheit und Milde. Es ist so überaus schwer, bei solchen Anfechtungen, von aller Bitterkeit sich frei zu halten: während doch, bei der großen Dunkelheit des Daseins, hier das eigentliche Bereich des Mitleidens ist. Betone nur immer durch die That Deine innerste Übereinstimmung mit dem Dogma der Liebe und des Mitleidens — das ist die feste Brücke, die auch über solche Klüfte geschlagen werden kann. —

Auch ist es eine edle Kunst, in solchen Dingen zur rechten Zeit zu schweigen. Das Wort ist ein gefährliches Ding und selten bei derartigen Anlässen das rechte. Wie Vieles darf man nicht aussprechen! Und gerade religiöse und philosophische Grundanschauungen gehören zu den pudendis. Es sind die Wurzeln unseres Denkens und Wollens: deshalb sollen sie nicht an’s grelle Licht gezogen werden. —

Im Herbst werden wir uns wiedersehen können: zwar schwerlich in Mannheim: denn W<agner> ist jetzt in voller schaffender Thätigkeit und deshalb wohl nur mit großer Mühe zu solchen zerstreuenden Öffentlichkeiten zu bewegen.

Aber ich komme wahrscheinlich nach Leipzig, wo ich eine Zusammenkunft mit Rohde verabredet habe. Genaueres melde ich Dir noch. Denke Dir, daß ich vielleicht das Glück habe, alle meine Freunde in diesem Sommer und Herbst in einer Reihenfolge wiederzusehen.

Du hast dieses Glück inaugurirt. Dann kam Romundt auf wenig Tage, aber doch zu unsrer großen beiderseitigen Ergötzung. Er war auf dem Wege nach Nizza und ist nun entschlossen, im nächsten Jahre sich für Philosophie zu habilitiren.

In Naumburg werde ich Pinder und Krug treffen, in Leipzig Windisch, Ritschl’s Brockhausens und — Rohde. Auf meiner Rückkehr über Marburg will ich Deussen wiedersehn.

— Und könntest Du nicht Mushacke mit nach Leipzig bringen, ungefähr am 10 Oktober? So wäre der Kreislauf vollständig. —

Nun noch eine Bitte. Kennst Du den jungen Fürsten Hatzfeld, den Bruder der Frau v. Schleinitz? Er ist Referendar und Majoratserbe. Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir etwas Genaues über seinen Charakter und seine Bildungsabsichten etc. mittheilen könntest. Den Grund zu dieser, mir sehr wichtigen Anfrage will ich Dir später mittheilen. Wenn Du ihn nicht kennst — mindestens wirst Du leicht etwas über ihn hören können.

Und nun, mein lieber treuer Freund, lebe wohl! Lebe Dich hinein in Wagnersche Kunst, wie Du Dich in Schopenhauer hineingelebt hast. Grüße mir Deine künstlerischen Freunde und denke gern

an Deinen Gebirgskame-
raden Friedr Nietzsche.

157. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 18 Sept. 71.

Mein verehrtester Herr Geheimrath,

ich kündige Ihnen hiermit an, daß ich, meinem gegebnen Versprechen gemäß, im Herbst einmal bei Ihnen erscheinen werde. Das ist nun beschlossen. Da wollen wir uns mancherlei erzählen, ich bin sehr zum Erzählen aufgelegt und weiß, daß Sie und Ihre Frau Gemahlin an mir den alten Antheil nehmen. Das hat mir der Miethling Romundt verrathen, der sich über Basel zu seinem Herrendienst nach Nizza begab.

Mit diesen Ankündigungszeilen geht zugleich eine Abhandlung ab, die sich Hoffnung macht — und wie ich denke, sich machen darf — im rheinischen Museum gedruckt zu werden. Sie ist verfaßt von dem begabten Dr. Geizer (dem Sohne des bekannten Professors und Fürstendieners), der hier Gymnasiallehrer ist und auch bei mir ein Colleg gehört hat. Augenblicklich ist er mit seinem Lehrer E. Curtius in Kleinasien, der Glückliche! und gräbt vielleicht nach den Gebeinen des Hektor — was weiß ich! Ich denke mir, er wird irgendwann einmal auf den Einfall gerathen oder gebracht werden — sich zu habilitieren. Machen Sie ihm und mir das Vergnügen, das Baseler Elaborat über Lykurgus im rhein. Museum gedruckt zu sehn.

Meine Schwester hat mich seit einiger Zeit verlassen. Wir sind hier in den letzten Athemzügen des Sommersemesters — wir haben hier einen langen Athem, nicht wahr?

Also auf Wiedersehen, verehrtester
Lehrer!
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche

158. An Auguste Forst in Wiesbaden

Basel 23 Sept. 71.

Sie verstehen zu bitten, Signorina, und zu fordern! Wie grausam, kalt und unempfindlich muß ich Ihnen jetzt erscheinen, wenn ich trotzdem — Nein sage.

Ich kann von meinen Ferien nichts, gar nichts mehr abgeben, nachdem bereits nur zu viel von mir für diese Zeit verabredet ist. Ich habe einer Zusammenkunft von Freunden in Leipzig bereits eine Woche concedirt — nicht sowohl der Freundschaft wegen — sondern ziemlich langwieriger Verabredungen halber, die für mich den Charakter von Pflichten und Aufgaben haben. Zu diesen muß ich mich sofort, wenn ich in unserer Naumburger Heimlichkeit und Stille angelangt bin, vorbereiten: weshalb es vor allem meine Aufgabe ist, nicht inzwischen den Kopf zu verlieren — Auch auf meiner Rückreise giebt es noch einen Verlust von zwei Tagen, zu einem ähnlichen Zweck.

Ja, Sie denken an den herrlichen Begriff einer Ferienreise! Ich kenne nur noch Gesundheits- und Geschäftsreisen.

Lassen Sie also, ich bitte, zur rechten Zeit meine Schwester los und fangen Sie nur ebenfalls zur rechten Zeit an, für mich ein Schuldbuch anzulegen.

Verzeichnen Sie in demselben auf Seite 1 als erstes Verbrechen:

„verweigerter Besuch trotz einem der schönsten Briefe seiner Zeit und meiner Hand“

Mit bestem Danke und freundlichster, doch unerbittlicher Gesinnung

der Ihrige
Dr Friedr Nietzsche

159. An Paul Deussen in Oberdreis

Basel 24 Sept. 71.

So ist’s recht, mein lieber Freund! Schnell und entschieden!

Auch mir wirst Du kein Zögern vorwerfen, wenn Du sofort einen Empfehlungsbrief bekommst. Du wirst daraus ersehen, wer die Mutter Deines künftigen Zöglings ist, und durch welche Kanäle meine Pläne für Dich hindurchfließen mußten. Noch heute ist ein Brief in derselben Angelegenheit an die Fürstin Trubetzkoi nach Heiden abgegangen. Nun, ich wünsche, daß alles zu Deinem Besten ausschlägt.

Schreibe also sogleich und schicke Deinen ausführlichen Bewerbungsbrief mit dem Empfehlungsschreiben zusammen ab. Rasch! Denn es fehlt nicht an Bewerbern.

Natürlich schreibst Du französisch. Die Anrede ist, wie Du weißt, nur Madame,

Ich setze voraus, daß Du mir alles mittheilst, schon damit wir unser Zusammentreffen im Oktober gehörig vereinbaren können. Jetzt kann ich nicht nach Oberdreis kommen; ich nehme meine Schwester in Wiesbaden in Empfang, und dann reisen wir zusammen nach Naumburg. Es ist alles verabredet, und eine Änderung unserer Pläne unmöglich.

Inzwischen rechne ich auf das angekündigte Zusammensein in Marburg und freue mich herzlich darauf.

Zu Deinem Vorhaben glückwünschend
Dein treuer
Friedr Nietzsche

160. An Paul Deussen in Marburg

Naumburg Montag 16 Oct. <1871>

Da müssen wir, mein lieber Freund, es doch anders einrichten und unser Wiedersehen, so leid mir dies thut, wieder einmal verschieben.

Denn bis zum 20 d. M. kann ich nicht nach Marburg kommen. Dagegen glaube ich, daß wir mit mehr Muße und Gemächlichkeit nach Deiner Vorstellung in Vevey uns genießen können — nämlich in Basel: wo ich am 23 d M. wieder eintreffen werde. Meine Wohnung ist Schützengraben 45: und hier wohnt ebenfalls Overbeck.

Für Deine Reise wünsche ich Dir von Herzen Glück, danke Dir auch bestens dafür, daß Du an meinen Geburtstag gedacht hast. Ich verlebte ihn unter dem freundschaftlichen Beistande von Rohde, v Gersdorff, Krug und Pinder, mit einer ungewöhnlichen Solennität. Es war der letzte Tag eines Wiedersehn’s mit den genannten Freunden: wir haben die vorhergehende Woche in Leipzig verbracht, in seliger Erinnerungsfeier. Dort habe ich meine Schrift „die Geburt der Tragoedie aus dem Geiste der Musik“ einem Verleger übergeben.

Doch wozu dies alles Dir schreiben! Es giebt ja jetzt unvermeidlich Wiedersehn auf Wiedersehn!

Darauf hin sich vertröstend bin ich
der alte Freund F N.

161. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

Naumburg 19 Oct. <1871>

Verehrter Herr Rathsherr,

so bald ich auch selbst, hinter diesem Briefe her, nach Basel aufbrechen werde, so will ich doch noch gern ein Paar Zeilen voraussenden, die Sie versichern sollen, wie herzlich ich mich, sammt meinen Angehörigen, über das jüngste, uns gütigst gemeldete Ereigniß in Ihrer Familie gefreut habe und wie sehr ich dem ausgezeichneten Brautpaare auch meinerseits Glück und Heil! entgegenrufe. —

Am nächsten Sonntage werde ich in Basel eintreffen, um zunächst am mündlichen Examen des Pädagogiums theilnehmen zu können. Ich will noch hinzufügen, daß es, wie natürlich, bei dem Ihnen vor meiner Abreise angedeuteten Entschluß, ein Anerbieten ablehnend zu beantworten, geblieben ist. —

Mit herzlichem Gruße an Sie und Ihre Frau Gemahlin bin ich, wie immer

Ihr ergebener
Dr Fr. Nietzsche Prof

162. An Erwin Rohde in Kiel

Naumburg Freitag Abend. <20. Oktober 1871>

Mein lieber Freund,

heute sende ich Dir nur ein Wörtchen zur Begleitung der Meßphotographie, die Hennig zu meiner Ergetzung vorgestern abgeliefert hat. Besagter Photograph will von uns noch 1 Thaler, wodurch für Jeden von uns noch die Ausgabe von 10 Srg. erwächst. Inzwischen habe ich bezahlt. Wir stehen auf dieser Photographie etwas verschoben und ich vornehmlich „unschön gekrümmt“, mit einem stumpfen Blicke, aus dem die ganze Dummheit der Messe, sammt ihren Spirituosen, redet. Im Übrigen — senza frivolita — wir waren doch die glücklichsten Meßjuden in Leipzig, ja wir dürften die Rollen aus dem Lumpacivagabundus unter uns vertheilen, wobei ich auf den Schuster Anspruch erhebe, von wegen des delirium tremens clemens demens.

Der verloren gegangene „Faust“ ist inzwischen von mir und Gustav Krug wieder auf dem Knabenberg, an einer Stelle, wo Gersdorff gerastet hatte, aufgefunden worden: was ich als ein herrliches omen preise. Die erste Stelle, die ich in dem Buche aufschlug, war: Altmayer: „Nun sag mir eins, man soll kein Wunder glauben“. Wodurch ich an unser Meßwunder und das Adventmirakel unsrer Existenz in Leipzig lebhaft erinnert wurde.

„Mein! Sollte wohl der Wein noch fließen?“

Ich glaube es fast, mein lieber Freund, es war keine Taschenspielerei, unsre Geisterscheinung in Leipzig. Wir waren dort und werden dort sein: was der Jude mit dem Worte Jehova ausdrücken soll. Herr, gedenke der rohden Stube!

Es segne Dich der heiige Pythagoras, mich der heilge Frit<z>sch und uns alle das Ding an sich!

Morgen reise ich nach Basel zurück, mich vom Mahle meiner Ferienfreuden wie ein satter Zecher erhebend. So solenn und üppig habe ich sie nie verlebt und ich weiß, was ich meinen Freunden zu danken habe. Noch mehr aber allen Dämonen, denen wir in einer Stunde nächstens ein gemeinsames Dankopfer bringen wollen: wodurch wir die Idealität von Zeit und Raum einmal glänzend bestätigen wollen. Nächsten Montag Abends um 10 Uhr erhebe ein Jeder von uns ein Glas mit dunklem rothen Wein und gieße die Hälfte davon in die schwarze Nacht hinaus, mit den Worten χαίρετε δαίμονες, die andre Hälfte trinke er aus. Probatum est. Gesegn’ es Samiel! Uhu! — An Gersdorrf mache ich die Meldung.

Habe Dank, mein lieber lieber Freund!

FN.

163. An Carl von Gersdorff in Berlin

Naumburg Freitag Abend <20. Oktober 1871>

Hier, mein lieber Freund, empfange den „glücklich erstandenen“ Faust zurück, den wir am Mittwoch an einer Stelle, wo Du gerastet hattest, wiedergefunden haben. Wir haben sehr darüber gelacht, und im Stillen dachte ich mir, daß es kaum eine freundlichere Gunst der Dämonen geben kann. Darum wollen wir diesen Dämonen, die bei unsrer Zusammenkunft sichtlich auf das Wohlwollendste sich bemüht haben, ein gemeinsames Dankopfer bringen, über das ich an Rohde soeben das Nöthige berichtet habe. Am nächsten Montag Abend um 10 Uhr wollen wir es so einrichten, daß ein Jeder von uns ein Glas dunklen rothen Weins erhebt und die Hälfte davon in die schwarze Nacht hinaus gießt, mit den Worten χαίρετε δαίμονες, die andre Hälfte aber trinkt.

Zugleich bekommst Du die Meßphotographie, auf der Du wie ein Pascha thronst: für die übrigens jeder noch 10 Sg. zu zahlen hat: als welche Summe ich einstweilen erlegt habe.

Morgen reise ich nach Basel. Inzwischen empfange meinen herzlichsten Gruß und Dank. Es waren herrliche Tage. Es lebe unsre Freundschaft!

Dein getreuer Freund
Friedr Nietzsche

164. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Donnerstag Mittag. <26. Oktober 1871>

Meine liebe Mutter und Schwester, endlich komme ich dazu, Euch über meine Reise Nachricht zu geben und mich herzlich unseres Zusammenlebens in der Erinnerung zu erfreuen. Es ist alles glücklich von Statten gegangen, ohne Eisenbahnunglück: nur war das Wetter recht trostlos, feucht und kalt. Wirklich haben wir in Naumburg den letzten schönen Nachmittag für unsre Masseneinladung erloost. Nachts, wie ich über den oeden Markt fuhr, gab es bereits einen Regentropfen. Lange mußte ich mit schwindsuchtskranken Personen, die nach Montreux wollten, zusammenreisen, mir zum Ekel: bis endlich der Tag mich erlöste, und ich den letzten Theil der Reise von Bruchsal an allein in meinem Coupé sitzen konnte. Unser Zug kam natürlich um eine Stunde verspätet an. Ich legte mich zeitig schlafen und wachte erst gegen ½9 am Montag Morgen auf. Die drei Tage sind nun unter Examennöthen, Versetzungsconferenzen hingegangen. Ich fand eine Einladung von Turneysen-Merian vor und habe gestern eine Einladung zu Vischers in der Rittergasse zu Sonntag angenommen. Im „Kopf“ sind wieder die drei Stammgäste beisammen, und es schmeckt uns auch wieder — leidlich. — Nach dieser Papelei scheint es als ob ich ganz zum alten Weibe geworden sei. Wetter und guter Schlaf und Kost ist nun besprochen. Sela! —

Ich habe eine sehr angenehme Empfindung, wenn ich an unsere Naumburger Zeit denke. Es arbeitet sich im „Cabinettchen“ so gut als es sich dort schläft und ißt. Dazu waren diesmal die Herren Menschen etwas freundschaftlicher als sonst. Und welche Solennität und Üppigkeit an meinem Geburtstage! Und überhaupt wie behaglich habt Ihr meine Existenz dort eingerichtet. Wehe Euch, wenn Ihr mich so verwöhnt! Ich komme dann alle Ferien nach Naumburg: und Lisbeth käme nie wieder nach Basel! Wehe! Frau Vischer-Heusler fragte mich, ob sie noch immer „Heimweh“ nach Basel habe. Da hört doch Alles auf.

Montag fängt unsre Schule wieder an, Donnerstag ist das Rektoratsfest und das akademische Zunftessen. Frau Heusler ist nach Davos abgereist. Die drei neuen Collegen sind eingetroffen, alle (bis auf Immermann) in Wohnungsjammer. Neumann wohnt mit seiner Frau immer noch in den drei Königen. Er hat, da gar kein passendes Logis für 2 Leute frei werden wollte, endlich die Hiss’sche Etage am Petersplatz gemiethet, für 1800 frs., kann sie aber jetzt noch nicht beziehn. Eycken wohnt in einer schlauchartigen Wohnung, in dem kleinen Häuschen am selben Platz. E. hat seine Mutter mit, eine Postmeisterswittib. Bei Vischers ist er durch das Dienstmädchen angemeldet worden „Herr Professor Postmeister“, zur Erinnerung an Liebermeister.

Im Hause selbst ist alles scheinbar ungestört. Das Problem der Portière ist von mir noch nicht gelöst. Es ist weder kalt noch warm bei mir. —

Nun lebt recht, recht wohl und habt schönsten Dank für Eure Liebe und Güte.

Fritz.

Mein Klavier klingt wieder herrlich.

165. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 13 Nov. 71.

Diesen Gruß,

lieber Freund,
zum Angebinde:

daß Dich nicht

Aergernuß
nage und schinde,

sondern daß

Frohgemüth
Dich führe und leite,

Freunden zum Trost,

Feinden jedoch
zu ewigem Neide!

Dieses Carmen ist nach einer eignen barbarischen Weise abzusingen, die ich auch zu Deinen Ehren erfunden habe. Bei unserer nächsten Zusammenkunft will ich sie mündlich weiter fortpflanzen. Auf Papier geschrieben verdorrt sie.

Welche angenehme Erinnerung habe ich von meinen Naumburger Herbsttagen mit genommen! Seit langer Zeit habe ich nicht so im Genüsse der Freundschaft, der Heimat, der Vergangenheit und Gegenwart geschwelgt, und ich bin meinen werthen Freunden herzlichen Dank schuldig. In einer ganz seltnen Weise hat sich das Wohlgefühl über jene hellen und warmen Herbsttage bei mir noch hinterdrein manifestirt, in einer Weise, die Deine Theilnahme erwecken wird, mein lieber Freund. Du weißt daß ich seit 6 Jahren nichts mehr componirt habe (seit jenem Kyrie habe ich nicht mehr die Feder zu einem Notenkopfe gespitzt) und siehe! oder höre!

Inzwischen ist ein sonderbares Opus fertig geworden, gleichsam aus der Luft gefallen. Das erste Motiv war nur, etwas von meinen früheren Sachen vierhändig zuzurichten, so daß ich es mit meinem Collegen Overbeck zu spielen vermöchte. Ich verfiel auf jene „Silvesternacht“: aber kaum hatte ich das Notenpapier gekauft, so verwandelte sich alles unter meinen Händen, und von dem ersten Takte an ist es etwas völlig Neues geworden. Der lange Titel dieses 4 händigen Satzes, dessen Ausführung 20 Minuten dauert, lautet:

„Nachklang einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke.“ —

Du weißt, wie erstaunt ich war, Dich noch bei frischer Componirstimmung anzutreffen, und ich kam mir wer weiß wie verwelkt oder auch „weise“ vor, daß ich darin mich seit 6 Jahren resignirt hatte. Und nun hinterdrein! Du siehst, was Dein Beispiel an mir gefruchtet hat! Im Übrigen bin ich jetzt, wo ich das Werk hinter mir habe, fast auf dem früheren Punkte und denke nicht daran weiter zu componiren: weshalb ich sagte, diese Composition sei aus der Luft gefallen. Jedenfalls klingt sie gut: sie hat etwas Populäres, geräth nie in’s Tragische, wenn auch in’s Ernste und Wehmüthige. Mitunter ist sie triumphirend, ja auch schmerzlich ausgelassen, kurz — wenn Du Dich unserer Ferienstimmungen erinnern willst, der Spaziergänge über den Knabenberg, bis auf „das Ding an sich“, so wirst Du eine Exemplifikation dieser „dionysischen Manifestation“ haben. Das Ganze ist auf wenig Themen aufgebaut, in der Tonfarbe freilich orchestral, ja förmlich gierig nach Orchestration, aber Du weißt — hier kann ich nicht mehr mit. Die Geburtstage sind der 1te bis 7 November: es ist ein so reinliches Manuscript, daß ich mit Overbeck es immer aus der ersten Niederschrift bis jetzt gespielt habe. Jetzt schreibe ich es nochmal ab, um meiner ausgezeichneten und verehrten Freundin, Frau Cosima W., ein Geburtstagsgeschenk machen zu können.

Jetzt macht das neue Semester seine Ansprüche: meine Interessen sind auf Plato und auf lateinische Epigraphik gerichtet. Da höre ich die Muse der Tonkunst nur noch aus weiter Ferne —

Ich sinne darüber nach, wie ich Dir einmal einen Eindruck von meiner Comp, verschaffe. Jedenfalls bei unserem nächsten Zusammensein. Denn schließlich bist Du der Einzige, der etwas Theilnahme für solche Extravaganzen haben wird: bei anderen Menschen setze ich nur ein gewisses Mißtrauen in diesem Punkte voraus. Was thut es und wem schadet es, wenn ich mich alle 6 Jahr einmal durch eine dionysische Weise von dem Banne der Musik freikaufe! Denn so betrachte ich diesen musikalischen Exceß, als einen Freibrief. Es ist ein Nachklang, auch für meine musikalische Lebenszeit, ein Sylvesternachklang aus einem Musikjahre. — Jetzt hoffe ich, daß durch meinen rapiden Verlauf auch wiederum Dein Quartett gefördert wird: daß wir wieder einmal, nach alter Germania-Gewohnheit, eine „Synode“ halten und dieselbe mit einem „Concert eigner Compos.“ schließen können. — Möge Dich und unsern lieben gemeinsamen Freund Wilhelm ein guter Genius, auch auf allen juristischen Bahnen, führen und leiten,

Freunden zum Trost,

Feinden jedoch
zu ewigem Neide!

F W Nietzsche.

166. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel 13 Nov. 71.

Endlich, liebe Mutter und Schwester, bekommt Ihr den gebührenden Dank für Eure mich herzlich erfreuenden Briefe, so wie meinerseits neue Mittheilungen. Doch was ist inzwischen passirt, was für Euch von Interesse sein könnte? Von gestern angefangen: daß ich bei Bachofens zu Mittag eingeladen war, wo mehrfaches Bedauern über Deine Nicht-anwesenheit ausgesprochen wurde, liebe Lisbeth. Dann ist der alte Vischer seit 2 Wochen bettlägerig, an schwerem Rheumatismus und Muskelentzündungen. Es geht noch nicht gut. Dann habe ich nun wieder alle Collegien seit Anfang voriger Woche im Gange, 9 Studenten in dem einen, 6 in dem andern. Ich lese ein dreistündiges, ein einstündiges und halte außerdem die Seminarübungen und meine Pädagogiumstunden. Also wöchentlich 11 Stunden, womit ich zufrieden bin. — Deussen hatte sein Wiedersehn so unglaublich eingerichtet, daß ich ihn nur Nachts von 12—2 Uhr zu sehen bekam, und er mir wie ein „Fandom“ in der Erinnerung geblieben ist. — Die jungen Vischers haben mir neulich einmal Weintrauben herüber gebracht. — Zwei Tage habe ich bei Wagners verlebt, wo ich mit der allerwärmsten Herzlichkeit empfangen wurde. Dort habe ich die anziehende Bekannschaft von Frau von Muchanoff (Gräfin Nesselrode) gemacht. Auf dem Bahnhof rief mir noch Wagner Grüße an das „niedliche Schwesterchen“ nach und ob Du nicht bald einmal wieder kämst. Was ich auch den Kindern versprochen habe. — Gersdorff schreibt oft und hübsch aus Berlin. Er hat die Mazziniverse „und im Ganzen, Vollen, Schönen resolut zu leben“ endlich bei Goethe, unter den „geselligen Liedern“ wiedergefunden. Der eine seiner künstlerischen Freunde ist daran, für mich eine Vignette zu erfinden. — Von Frit<z>sch in Leipzig kein Wörtchen; großes Erstaunen meinerseits. — Die Ferientage waren so erwärmend für mich, daß ich hinterdrein noch zum Componisten geworden bin und in großer Schnelligkeit eine lange vierhändige Composition vollendet habe, die ich mit Overbeck spiele: „Nachklang einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke“: ein sehr hübscher Scherz! An Gustav habe ich heute geschrieben: ich wollte ihm gerne noch ein Exemplar des „Socrates“ mitsenden. Schließlich bemerke ich, daß ich gar keine eingebundenen Exemplare mehr habe: weshalb ich Gustav auf Weihnachten vertrösten muß.

Mir geht es gut: aber Grausen! Gestern haben wir ungeheuren Schnee bekommen. Dieser ekelhafte „weiße Koth“! Ich begrüßte ihn mit Empörung. Zum Colleg zu rutschen, nicht mehr zu gehen, in dieser winkeligen Hügelstadt, ist eine große Misère, trostlos, trostlos!

Mit herzlichen Grüßen von Eurem
Fritz.

167. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 18 Nov. 71.

Geehrtester Herr,

Sie hatten mich wirklich durch Ihr Schweigen in den Zustand des Erstaunens versetzt; ich wußte nicht, was ich denken sollte und was ich zu thun hätte und sah deshalb mit lebhafter Theilnahme dem Tag entgegen, wo sich aufklären würde, was mir unverständlich war. Um so mehr freute ich mich über den heute bei mir angelangten Brief, der alle meine Beunruhigungen zerstreut und mich nur an eins mahnt, an die größte Eile. Ich sende deshalb heute noch, was ich druckfertig von meiner Schrift besitze und verspreche den fehlenden Rest und die Vorrede baldigst nachzuliefern. Inzwischen müssen wir alles daran setzen, um bis Weihnachten fertig zu sein. Wenn sich nur einigermaßen erfüllt, was ich mit meinen Freunden von dieser Schrift hoffe, so sollen auch Sie ihre Freude und Ihren Dank daran haben, ihr zur Öffentlichkeit verholfen zu haben.

In allen sonstigen Beziehungen werden wir uns, wie ich denke, mit Hülfe Rich. Wagner’s ebenso leicht als zur beiderseitigen Zufriedenheit verständigen.

Inzwischen hoffe ich auf die baldige Zusendung von Correkturbogen: wir waren übereingekommen, daß ich selbst die letzte Revision übernehme.

Nun habe ich nur zu wünschen, daß unsere Namen sich unter einem guten Sterne zusammengefunden haben: und wenn die Namen sich reimen, sollten es die Menschen doch auch können.

Ihr ergebener
Dr Fr. Nietzsche

168. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 18. November 1871>

Verzeihe mir, mein lieber Freund, daß ich Dir nicht früher für Deine Briefe gedankt habe, von denen ein Jeder mich an Dein kräftiges Culturleben erinnert, als ob Du im Grunde noch Soldat seist und Deine militärische Gesinnung jetzt im Bereiche der Philosophie und Kunst zu erweisen trachtetest. Und so ist es recht; nur noch als Kämpfer haben wir gerade in unserer Zeit ein Recht zu existieren, als Vorkämpfer für ein kommendes Saeculum, dessen Formation wir an uns, an unsern besten Stunden nämlich, etwa ahnen können: da diese besten Stunden uns doch offenbar dem Geiste unserer Zeit entfremden, aber doch irgendwo eine Heimat haben müssen; weshalb ich glaube, wir haben in diesen Stunden so eine dumpfe Witterung des Kommenden. Haben wir nicht auch aus unserer letzten gemeinsamen Leipziger Erinnerung noch das Gedächtniß an solche entfremdete Momente, die in ein anderes saeculum gehören? — Also — es bleibt dabei: und im Ganzen, Vollen, Schönen resolut zu leben! Aber es gehört eine kräftige Resolution dazu und ist nichts für Jedermann!

Heute wurde ich recht an unser Leipziger Dasein gemahnt, und in einem gewissen Sinne kann ich sagen: ich knüpfe an’s fröhliche Ende den fröhlichen Anfang nun an, wie das lustige Lied heißt. Heute nämlich, erst heute! antwortete Fritzsch, der treffliche Verleger, auf meinen damaligen Besuch: weshalb ich Dir auch gerade heute Nachricht geben muß. Denn Du und Rohde, Ihr wart es, die mich zu dem trefflichen Fritzsch moralisch und körperlich brachten: was ich bis jetzt noch zu preisen habe. Er konnte nichts dafür, daß seine Antwort sich so lange verschob. Er hatte das Manuscript sofort einem Fachmann zur Beurtheilung übersandt, und dieser hat bis zum 16 Nov. getrödelt. Du weißt doch noch, daß das Lied „Lieber Freund, diesen Gruß zum Angebinde“ für den 16 Nov. bestimmt war, nämlich zu Krug’s Geburtstag. An diesem gleichen Tage schrieb der gute Fritzsch „daß mich nicht Ärgernuß nag’ und schinde“ und verspricht sogar noch bis Weihnachten fertig zu werden. Also die Ausstattung genau nach dem Muster von Wagners „Bestimmung der Oper“ ist beschlossen: freue Dich mit mir! Für eine schöne Vignette wird somit ein herrlicher Platz sein: sage dies Deinem künstlerischen Freunde, zugleich mit meinen teilnehmendsten Grüßen. Nimm Dir einmal die Wagnersche Broschüre vor, schlage den Titel auf und berechne Dir die Größe, die wir dem bildnerischen Kunstwerk geben können. Es kommt nur auf den Titel:

Die
Geburt der Tragoedie
aus dem Geiste der Musik.

von

Dr. Friedrich Nietzsche

Prof. o. p. der klass. Philologie

Leipzig Fritzsch.

Ich habe bis jetzt das allerbeste Zutraun: die Schrift wird mächtig gekauft werden und auf ein Stückchen Unsterblichkeit mag sich der Herr Vignettenbildner nur gefaßt machen.

Nun noch etwas Neues. Denke Dir, mein lieber Freund, in welch seltsamer Weise jene erwärmenden Tage meiner Ferienzusammenkunft in mir hinterdrein wieder zum Vorschein gekommen sind. Nämlich in Form einer größeren vierhändigen Composition, in der alles wiederklingt von einem schönen sonnenwarmen Herbste. Genannt ist das Opus, weil es anknüpft an eine Jugenderinnerung „Nachhall einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke“. Das ist doch ein lustiger Titel: man hätte ebenso gut zu viel noch erwarten dürfen „mit Punschbowle und Neujahrsgratulationen“. Overbeck und ich spielen sie, es ist jetzt unser Specificum, das wir vor allen vierhändigen Menschen voraushaben. Weihnachten wird Frau Wagner mit dieser Musik beschenkt und überrascht. Auch an dieser Comp, seid ihr, meine lieben Freunde, die unbewußten dei ex machina! Seit 6 Jahren hatte ich nichts mehr componirt, und dieser Herbst hat mich wieder stimulirt! Gut ausgeführt, dauert die Musik 20 Minuten.

Im Übrigen bin ich wieder in philolog. Thätigkeit, lese „Einleitung in das Studium Plato’s“ und „latein. Epigraphik“ und bereite für die Zeit nach Neujahr 6 öffentl. Vorträge vor „ueber die Zukunft unserer Bildungsanstalten“.

Nächsten Dienstag hält unser neuer Philosoph seine Antrittsrede, über das „selbstverständliche“ Thema: „die Bedeutung des Aristoteles für die Gegenwart“. — —

Hier bist Du im guten Angedenken. Die Dämonenweihe habe ich bei Jacob Burkhardt, in seiner Stube gefeiert: er hat sich meinem Weiheakte angeschlossen und wir haben reichlich zwei Biergläser guten Rhôneweines auf die Straße geschüttet. In früheren Jahrhunderten wären wir der Zauberei verdächtig. — Als ich damals ½12 Nachts nach Hause kam, ziemlich dämonisch, fand ich erstaunter Weise Freund Deussen vor, mit dem ich noch bis gegen 2 Uhr auf der Straße herumzog. Mit dem allerfrühsten Zuge reiste er ab. Ich habe eine fast gespenstische Erinnerung an ihn, da ich ihn nur bei mattem Lampenund Mondeslichte gesehn habe.

Laß bald etwas von Dir hören, mein wackerer werther Freund! Du weißt jetzt, daß es mit der Vign<ette> höchste Zeit ist.

Sei herzlich gegrüßt von Deinem Friedr N.

169. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 18 Nov. 71.

Verehrtester Meister,

heute endlich hat mir unser Fritzsch aus Leipzig Nachricht gegeben, nachdem ich lange in gänzlicher Befremdung über sein Schweigen dahin gelebt habe, ohne recht zu wissen, was ich zu thun hätte. Jetzt erfahre ich, dass er mein Manuscript sofort, noch bevor Ihre empfehlenden Zeilen eingetroffen waren, an einen Mitarbeiter seines Blattes zur kritischen Einsicht übersandt hatte: als welcher Bummler dasselbe bis zum 16 November zurückgehalten hat. Jetzt soll nun schnell losgedruckt werden; in welcher Beziehung Fritzsch vortreffliche Versprechungen macht. Dann kommt ein Passus, den Sie mir vielleicht mit einem Worte erklären können. Fritzsch schreibt mir: „über die Honorarfrage werden Sie unterdess selbst nachgedacht haben, vielleicht dass Ihnen in dieser Hinsicht Herr Wagner einige Andeutungen gemacht hat.“

Hier würden Sie mich gänzlich in ungeheure Inschriftenwerke versteckt finden, aus denen ich für meine Studenten eine lateinische Epigraphik zusammenbraue oder von Hunderten von platonischen Schriften umringt, mit deren Hülfe ich meine Zuhörer in das Studium Plato’s einführe. Hebe ich das Ohr einmal aus diesem Bücherhaufen empor, so höre ich sofort etwas, was in Bologna vorgeht oder in der Stadtverordnetenversammlung von Baireuth berathen ist, oder die „Academy“ präsentirt sich mir, mit einem neuen Aufsatz von Franz Hüffer, dem verkappten Engländer, oder auch ein erstaunliches Inserat mit dem Namen meines Freundes Gersdorff oder eine Besprechung von Fuchs Präliminarien der Tonkunst etc. Kurz, auch nur ein massiges Hinhorchen genügt jetzt, um über die grossen äusseren Züge Ihrer Existenz unterrichtet zu bleiben.

Von meinem letzten Tribschener Besuche habe ich die wärmste und herzlichste Erinnerung und weiss, was ich meinen Dämonen schuldig bin: denen ich neulich ein Dankopfer brachte, mit einer Spende rothen Weines und den gesprochnen Worten Χαίρετε Δαίμονες: eine Feierlichkeit, die zugleich in Basel, Berlin und Kiel stattfand und bei deren Vollziehung wohl jeder von uns auch Ihrer gedacht hat: denn was bitten wir von den Dämonen, was danken wir ihnen, was nicht mit Ihnen auf das Innigste und Nächste zusammenhängt?

Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche.

170. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Donnerstag. <23. November 1871>

Mein lieber Freund,

eben hatte ich mich etwas ermüdet auf das Sopha gelegt und die Hände über die Augen gelegt, als ich plötzlich an Dich denkend aufspringe, die Feder ergreife und somit wie Du siehst, an Dich schreibe. Mir fiel ein, daß Du lange von mir nichts gehört hast und vielleicht auch in speziellen Beziehungen wissen möchtest, wie es mir inzwischen, etwa rücksichtlich des Fritzsche-Nietzsche-Büchleins, ergangen ist. Hast Du denn irgend so etwas Passendes aus der Gemmen-region aufgespürt? Denn dann wäre es hohe Zeit, dem edlen Verleger Mittheilung zu machen. Oder wir schickten es dem Freunde Mosengel, der seiner Zeit mir erzählte, wie er zu den wenigen Malern gehöre, die auch „Radirer“ wären. Ich weiß nicht, ob die Technik des Radirens gerade die in diesem Falle rechte ist, wie stehts damit? —

Erst seit vorigem Sonntag habe ich Bescheid von dem guten Fritzsch. Obwohl die Sache inzwischen mich beunruhigt hatte — that ich doch nichts, weder für, noch gegen, sondern wartete still, was meine Dämonen beschlossen hätten. Endlich kommt die Aufklärung: Fritzsch hatte mein Manuscript an einen Mitarbeiter seines Blattes zu kritischer Beurtheilung abgesandt, und dieser Bummler hatte so lange gebummelt! Jetzt scheint nun alles in Ordnung zu sein. Ausstattung, wie in Wagners „Bestimmung der Oper“ ist garantirt und ich glaube daß noch nie ein Erstlingswerk so üppig eingehüllt, wie ein Prinzenkind, aus der Taufe gehoben worden ist.

Einen recht schönen Nachklang hatte ich noch von unserer Zusammenkunft, die mich innerlich und äußerlich, bei den mildwarmen Herbstsonnenwirkungen, so erquickt hatte, daß ich hinterdrein wieder einmal, nach 6 Jahren Pause, zum Componisten geworden bin. Eine längere vierhändige Composition, in der Dauer von 20 Minuten, ist in kurzer Zeit, gleich nach meiner Rückkehr nach Basel, fertig geworden, mit der ich recht zufrieden bin. Sie heißt, im Anschluß an eine Jugenderinnerung, so:

„Nachklang einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke.“

So etwas danke ich Euch, meine lieben Freunde und Du wirst es spüren, wenn Du dieselbe einmal hörst.

Die Dämonenweihe habe ich mit Burkhardt zusammen gefeiert: er hatte sich dem Opfer angeschlossen, und um 10 Uhr flössen zwei Gläser rothen dunkeln Weines in die Nacht hinab. — Am andern Tag hatte ich dämonischen Kater. —

Ich lese mit Vergnügen Plato und latein. Epigraphik. Da fällt mir wieder etwas ein. Sage, lieber Freund, hast Du vielleicht einmal daran gedacht, selbst auch etwas über mein Tragödienbüchlein öffentlich verlauten zu lassen? Ich fürchte immer, daß die Philologen es der Musik wegen, die Musiker der Philologie wegen, die Philosophen der Musik und Philologie wegen nicht lesen wollen und bekomme dann für meinen guten Fritzsch Angst und Mitleid. Vielleicht könntest Du die Philologen coram nehmen, etwa in einem Briefe an den Redakteur des rhein. Museums oder in einer Zuschrift an mich. Kurz, es fehlt mir die „höhere Reklame“. Du weißt, wie sehr die Philologen auf alles gestoßen werden müssen, was nicht bei Teubner und ohne den Zubehör kritischer Noten erscheint. Stoße sie! Ich bitte Dich.—

Ein sehr schöner Brief Wagners über die Bolognaaufführung steht in dem letzten Sonntagbeiblatt der norddeutschen Allgemeinen. Hast Du denn mit Wagner brieflich angeknüpft? Deine Abhandlung ist ernsthaft gelesen worden. Der zweite Akt der Götterdämmerung ist vor 3 Tagen fertig geworden.

Erfreue mich bald durch einen Brief, mein lieber, lieber Freund.

Treulich
ὁ μουσικός.

Das Geld habe ich bekommen, aber c. 2 frs. zu viel. Was soll ich damit anstiften? Oder war es auf meine Bereicherung abgesehn? —

Ich denke eben daran, daß Du ja das Centralblatt „beherrschest“: dann aber müssen wir möglicherweise auf einen ernstlichen Widerstand der Redaktion bedacht sein? Oder nicht? Jedenfalls nimm Dir dann etwas Raum. — Du bekommst eins der ersten Exemplare zugeschickt. Etwa um Neujahr herum.

171. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel, Montag. <27. November 1871>

Werthester Herr Verleger,

hier empfangen Sie für unsre Schrift eine Titelvignette, welche ein trefflicher Künstler gearbeitet und mir heute zugeschickt hat. Es ist der von seinen Fesseln befreite Prometheus. Jetzt bitte ich Sie, schleunig einen guten und im besten Sinne bewährten Holzschneider mit der Ausführung dieser Vignette zu betrauen.

Jedenfalls muß der Schöpfer dieser Vignette den Holzstock noch zu einer etwaigen Correktur überschickt bekommen. Benutzen Sie dazu folgende Adresse: Herrn Carl von Gersdorff, Ritter des eisernen Kreuzes, Berlin, Alexandrinenstr. 121 (hunderteinundzwanzig) II Treppen. Dieser Herr ist zwar nicht der Verfertiger der Vignette, aber ein ganz naher Freund des Künstlers, dessen eigne Adresse ich zufällig nicht besitze.

Natürlich sind alle die genannten Menschen eifrige Wagnerianer. Gelegentlich frage ich jetzt bei Ihnen an ob Sie mir als Honorar für den Druckbogen drei Louisdor’s geben wollen. Warum machen Sie mir keinen Vorschlag? Nun muß ich Ihnen einen machen. Wagner beschwert sich, daß bei solchen Dingen es jedesmal so zugienge als ob noch nie ein Buch gedruckt worden wäre. Sagen Sie mir, ob Sie mit meinem Vorschlage einverstanden sein können. —

Ich erwarte täglich Druckbogen: wie weit sind wir?

Mit freundlichstem Gruße bin ich
Ihr ergebener
Dr Fr Nietzsche
Prof.

NB. Meinen Rest von Manuscript bekommen Sie bald. — Die Vignette denken Sie Sich hineingestellt zwischen unsere Namen auf dem Titelblatt: Es ist ein kleines Meisterstück und sagt auf einfache Weise Vieles und Ernstes.

172. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, Sonntag. 3 Dez. 71.

Meine liebe Mutter und Schwester,

Herzlichen Dank für den letztens erhaltenen Brief. Ich höre mit Vergnügen, daß es Euch in Naumburg wohlgefällt. Weihnachten werden wir aber nicht beisammen sein können, ich habe meine 6 Vorträge „über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ nach Neujahr zu halten und bis jetzt noch kaum an dieselben denken können, so sehr beschäftigen mich meine Collegien. (eins mit 10, das andre mit 7 Zuhörern) Dazu kommt daß ich jetzt daran denken muß, mein Büchlein über die Tragödie abzuschließen. Denn mit Fritzsch ist alles in Ordnung. Es wird gedrucht, und ich erwarte täglich Correkturbogen. Die Ausstattung wird sehr schön (gleich der von Wagners „Bestimmung der Oper“) Aber es giebt sehr viel zu denken, und viel Alleinsein ist nöthig. — Am 20 d. M. ist das große Conzert Wagner’s in Mannheim. Ich habe kaum irgendwelche Aussicht hinzukommen, weil wir hier in dem Collegienfleiß erstaunlich gewissenhaft sind, und ich mich auch am Pädagogium nicht vertreten lassen kann. So entgeht mir auch dies Concert, wie mir das Berliner entgangen ist — und was nicht sonst? Wenn ich aber nur mit Baireuth durchkomme!

Dem alten Vischer geht es wieder gut. Er ist bereits aufgestanden vom Bett, und ich bin öfters bei ihm. Frau Vischer hat mir von einem Brief nach Naumburg erzählt, den sie geschrieben habe. — Bei Heyne’s war neulich eine große Gesellschaft, vornehmlich zu Ehren der neuen Professoren und Frauen. Es wurde die Kindersymphonie aufgeführt und nachher getanzt — bis Mitternacht. Montags bin ich zu einer Gelzer’schen Gesellschaft eingeladen, der alte Geizer schrieb mir eigens, daß er bedauere Dich, liebe Lisbeth nicht mit einladen zu können. Zugleich mit Deinem letzten Brief lief eine Einladungskarte bei mir ein, zu einem großen Diner, welches Georg Fürstenberger veranstaltete, zu Ehren des neuen Brautpaars. Das haben wir denn Gestern mit Gott bestanden. Es war die ganze Erste Etage von Hôtel Euler und der große Speisesaal im Parterre zu unserer Disposition, und es war eine Üppigkeit, die mir wenigstens unbekannt in Basel war. Wir waren gegen 6o Eingeladne, aber nur Jugend, ohne Mütter und Väter (weder die alte Frau Vischer noch die alte Frau Sarasin war zugegen, wohl aber Frau Vischer-Sarasin und Vischer-Heusler.) Hauptsächlich aber die Freundinnen von <der> Braut und die Freunde vom Bräutigam. Man spürte an allem die hier vertretenen Millionen der Gäste, und für Euch wäre es gewiß sehr unterhaltend gewesen, die ganze vornehmste Baseler Aristocratie beisammen zu sehn. Wir waren von 1 Uhr bis 8 Uhr zusammen und haben schließlich noch ein paar Stunden getanzt. Ich war der einzige Deutsche der Gesellschaft. Man hat mir noch ein paar Bälle angekündigt. Ich übersende zu Eurem Spaß das Menü mit der Tischkarte und entschuldige mich, so viel von solchen Dingen erzählt zu haben. Übrigens war es „luschtig“.

Mit herzlichem Gruße
Euer Fritz.

Schreibt mir doch etwas über Eure Weihnachtswünsche.

173. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Basel, kurz nach dem 3. Dezember 1871>

Werthester Herr Verleger,

mit Ihren Honorar-propositionen bin ich nach allen Seiten hin einverstanden und betrachte damit diesen Punkt als erledigt und abgethan. Nur möchte ich mir noch eine Anzahl Freiexemplare ausbitten, nämlich 25, von denen 5 auf Velin (nämlich auf solchem Velin wie in Wagners „Beethoven“) abzuziehen wären. Werden Sie mir dies noch concediren können?

In Betreff des Papiers, denke ich, bleibt es bei der ersten Vereinbarung, das heißt bei dem Papier von W’s „Bestimmung der Oper.“

Der Druck und die Correktheit desselben haben mich befriedigt. Der Druck kann so schnell wie möglich vor sich gehen. Ich will nicht auf mich warten lassen.

Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Prof Nietzsche.

NB. Es fällt mir ein, daß wir Frau Wagner eine rechte Freude machen würden, wenn wir ein Exemplar auf dem gelben Papier herstellten, das sie sehr liebt. Wie ich Sie im Herbst in Leipzig besuchte, zeigten Sie mir solches Papier, nicht wahr?

174. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel Sonntag. <vermutlich 10. Dezember 1871>

Meine liebe Mutter,

hier eine kurze Weihnachtsnotiz für Lisbeth. Bitte besorge für mich das Photographienalbum. Ich selbst werde an Deine Adresse schicken 1) die Kunstgeschichte, 2) den Hebel.

Mit herzlichem Gruß und der Bitte, den beifolgenden Zettel nicht zu lesen. Er ist für Lisbeth bestimmt.

Herzlichen Dank für Deinen gemüthlichen Brief.

Sehr in Eile

Dein Fritz.

175. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 10. Dezember 1871>

Meine liebe Lisbeth,

heute nichts mehr als diese kurze weihnachtliche Notiz. Ich überlasse Dir nothgedrungen den Weihnachten für unsere liebe Mutter ganz allein: das heißt, ich bitte Dich 1) die Gardinen in meinem Namen zu bestellen und zu überreichen. 2) ein paar geschnitzte Löffel Messer und Gabeln. Das Letztere könnte ich auch hier bekommen, fürchte aber zu zerbrechen.

Ich bin in großer Arbeit und sehr eilig.

Dein Bruder.

176. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel, Donnerstag früh. <14. Dezember 1871>

Mein lieber Freund,

neulich habe ich etwas vergessen, nämlich den Text zum Kaisermarsch: was Du, bei meiner großen Verwirrung aller möglicher Geschäfte, einmal entschuldigen magst. Am Dienstag habe ich nun etwas Luft bekommen: dadurch daß ich wenigstens auch den Rest vom Manuscript und die Vorrede an Fritzsch abgeschickt habe. Nach Mannheim kann ich — leider! leider! — nicht reisen, denn das Amt des Schreibers in der Regenz und eine längere Krankheit des Prof Gerlach verhindern mich, Urlaub zu nehmen.

Für die Vignette habe ich Dir bereits gedankt: Fritzsch hat mir einen bewährten Holzschneider zugesichert. Er hat durch mich Deine Adresse bekommen, damit an Dich der Holzstock, zu Händen des geehrten Künstlers, eingesandt werde.

Nun der Text:

Volksgesang.

Heil, Heil dem Kaiser!
König Wilhelm!

Aller Deutschen Hort und Freiheitswehr!

Höchste der Kronen,

Wie ziert dein Haupt sie hehr!

Ruhmreich gewonnen

Soll Frieden dir lohnen!

Der neu ergrünten Eiche gleich,

Erstand durch dich das deutsche Reich:

Heil seinen Ahnen,
seinen Fahnen,

die dich führten, die wir trugen,

als mit dir wir Frankreich schlugen!
Feind zum Trutz,
Freund zum Schutz,

allem Volk das deutsche Reich zu Heil und Nutz!

/: Die letzte Zeile wiederholt :/

Mit herzlichem Gruße,
mein lieber Freund!
Dein
FN.

Wo bist Du Weihnachten? —

177. An Erwin Rohde in Kiel

Basel, nach dem 21. Dezember 1871

Mein lieber, lieber Freund,
einen herzlichen Weihnachtsgruß zuvor!

Ich hoffte Dir um diese Zeit bereits meine Schrift zuschicken zu können: es sind aber einige Verzögerungen eingetreten, nicht durch meine Schuld, so daß meine Weihnachtsgabe diesmal etwas zu spät kommen wird. Die Vignette des Titelblattes hat einige Störungen gemacht: die Zeichnung, von Gersdorffs Freunde Rau entworfen, hat unsern höchsten Beifall, aber der „bewährte“ Holzschneider, den Fritzsch dafür ausgesucht hatte, hat eine stümperhafte Leistung gemacht, so daß sein Holzstock ganz unbrauchbar und incorrigibel ist, und wir das Werk von Neuem einem der besten Holzschneider, dem akademischen Künstler Vogel in Berlin, übertragen mußten. Gersdorff ist mir treu zur Seite und zeichnet sich durch zuverlässigste Hülfbereitschaft in allen Dingen aus (Hast Du ihm nicht einmal ein kleines Briefchen geschrieben? Ich glaube Du würdest ihn sehr erfreuen. Er gehört zum Vorstande des Berliner Wagnervereins: willst Du Dich nicht bei ihm zu einem Loose anmelden? Alexandrinenstr. 121 II Treppen)

Der Druck ist bedeutend compresser als in der „Bestimmung der Oper“, daher wird die Schrift wenig umfangreich, etwa 140 Seiten. Acht Bogen sind nach jeder Seite hin fertig, und ich habe nur einen kleinen Rest und die Vorrede zu corrigieren. Der ganze letzte Dir noch unbekannte Theil wird Dich gewiß in Erstaunen setzen, ich habe viel gewagt und darf mir aber in einem ganz enormen Sinne zurufen: animam salvavi: weshalb ich mit großer Befriedigung der Schrift gedenke und mich nicht beunruhige, ob sie gleich so anstößig wie möglich ausgefallen ist, und von einigen Seiten geradezu ein „Schrei der Entrüstung“, bei ihrer Publikation, laut werden wird.

Übrigens fühle ich mich in meinen Erkenntnissen der Musik wunderbar befestigt und von deren Richtigkeit überzeugt — durch das, was ich diese Woche in Mannheim, mit Wagner zusammen, erlebte. Ach, mein Freund! Daß Du nicht dabei sein konntest! Was sind alle sonstigen künstlerischen Erinnerungen und Erfahrungen, gemessen an diesen allerletzten! Mir gieng <es> wie einem, dem eine Ahnung sich endlich erfüllt. Denn genau das ist Musik und nichts sonst! Und genau das meine ich mit dem Wort „Musik“, wenn ich das Dionysische schildere, und nichts sonst! Wenn ich mir aber denke, daß nur einige hunderte Menschen aus der nächsten Generation das von der Musik haben, was ich von ihr habe, so erwarte ich eine völlig neue Cultur! Alles was übrig bleibt und sich gar nicht mit Musikrelationen erfassen lassen will, erzeugt bei mir freilich mitunter geradezu Ekel und Abscheu. Und wie ich vom Mannheimer Concert zurückkam, hatte ich wirklich das sonderbar gesteigerte übernächtige Grauen vor der Tages Wirklichkeit: weil sie mir gar nicht mehr wirklich erschien, sondern gespenstisch.

Diese Weihnachten verlebe ich einsam in Basel und habe die Tribschener herzlichen Einladungen ausgeschlagen. Ich brauche Zeit und Einsamkeit, um über meine 6 Vorträge (Zukunft der Bildungsanstalten) einiges nachzudenken und mich zu sammeln. Frau W. deren Geburtstag am 25 Dec. ist (und der ich, an Deiner Stelle schreiben würde!) habe ich meine „Sylvesternacht“ gewidmet und bin gespannt, was ich über meine musikalische Arbeit von dort aus zu hören bekomme, da ich noch nie etwas Competentes zu hören bekam. Wenn ich dieselbe Dir einmal zum Vortrag bringe, wirst Du, wie ich glaube, mit Rührung den warmen, beschaulichen und glücklichen Ton heraushören, der durch das Ganze hindurchklingt und für mich eine verklärte Erinnerung an das Glücksgefühl meiner Herbstferien zu bedeuten hat.

Mit Jakob Burkhardt habe ich einige schöne Tage erlebt, und unter uns wird viel über das Hellenische conferirt. Ich glaube, man kann jetzt in dieser Hinsicht Einiges in Basel lernen. Deinen Pythagorischen Aufsatz hat er mit großer Betheiligung gelesen und sich zu seinen Zwecken excerpirt, und das, was Du über die ganze Entwicklung der Pythagorasvorstellung sagst, ist gewiß das Beste, was über ein so ernstes Capitel bisjetzt gesagt worden ist. Inzwischen habe ich über Plato eine Anzahl Grundeinsichten gewonnen, und ich meine, wir Beide dürften einmal die bisher so schäbige und mumienhafte Geschichte griechischer Philosophen tüchtig und innerlich erwärmen und erleuchten. — Alles, was Du Allgemeines zu sagen hast, übergieb nur nicht den verfluchten philologischen Zeitschriften: warte nur etwas auf die Baireuther Blätter! — Über Deine zugesagte Zarnkische Anzeige bin ich sehr glücklich und von vornherein sehr dankbar. Mein lieber Freund, wir haben noch ein großes Stück Leben mit einander auszumessen: wir wollen treu sein.

FN.

178. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 23. Dezember 1871>

Zunächst, mein lieber und werther Freund, denke ich an die Feier Deines Geburtstages und bin beglückt, wenn ich mir vergegenwärtige, wie dieses Jahr uns wieder im allerwünschbarsten Sinne zusammengeführt hat: so daß wir mehr als je wieder uns unserer Freundschaft freuen dürfen. Unsere besten Triebe, unsre eigentlich ernst gemeinten Absichten, unsre edelsten Hoffnungen — alles hat sich wieder in dem letzten Jahre zusammen verschlungen: nachdem Dein Lebensdämon Dich glücklich durch die schrecklichsten Gefahren hindurch gerettet hat. Und so werde ich heute ein Hoch auf Dein Wohl ausbringen, in dem Glauben, daß es auch zugleich dem Aufblühen unserer Friedenskultur gelte. Von jetzt an haben wir alle ernsten Kämpfe gemeinsam: also Hoch unsre Kriegskameradschaft im Frieden!

Leider bin ich noch nicht im Stande, Dir heute ein Exemplar meines Buches dediciren zu können. Aber empfange dafür heute das Versprechen, daß Du und die Tribschener die Ersten sein werden, die die Schrift zugeschickt bekommen. Fritzsch hat in letzter Zeit viel langsamer das Werk gefördert und doch bin ich damit recht zufrieden, seitdem ich durch Dich erfahren habe, welcher abscheulichen Gefahr meine Schrift im Falle einer Überstürzung ausgesetzt gewesen wäre. In der That danke ich Dir sehr für Deinen treuen Beistand in der Vignettenangelegenheit: Fritzsch hat weniger Schuld, weil er so etwas nicht verstehen wird und viele Stücke von seinem übrigens trefflichen „musikal. Wochenblatt“ und somit auch von dem Holzschneider desselben hält. Es wäre nichtswürdig gewesen, die schöne Leistung von unserem Rau so schmählich entstellt auf dem Titel wiederzufinden: und daß eine solche Stümperei auch meiner Schrift und des von mir gedachten Leserkreises nicht würdig sei, hast Du mit großem Rechte Fritzsch auseinandergesetzt; und ich danke Dir besonders dafür, weil mein Verleger auf diese Weise doch einmal aufmerksam gemacht worden ist, daß er es mit dieser Schrift so ernst wie möglich zu nehmen hat.

Der Druck ist übrigens viel compresser als in der „Bestimmung der Oper“ und damit ist auch meine Schrift weniger umfänglich geworden. Sie wird 140 Seiten haben. Acht Bogen sind fertig corrigirt.

Dein Gedanke von einer weihevollen Taufhandlung hat mir sehr gefallen, und ich werde im Stillen einmal über einen modus nachdenken. Um Dir übrigens einige Namen zu nennen, denen ich die Schrift zuschicke und die ich nöthigenfalls um Übernahme der Pathenstelle bei meinem Erstgebornen bitten könnte, so nenne ich noch Jacob Burkhardt, Rohde (der für das litterarische Centralblatt von Zarnke eine Anzeige vorbereitet) Gustav Krug Romundt Frau von Muchanoff, Liszt, Bülow, Makart: auch Frau von Schleinitz wird ein Exemplar bekommen. Auch die Großfürstin Constantin. Kennst Du vielleicht den baierischen Hauptmann M. von Baligand, dienstthuenden Kammerherrn des Königs? Er ist einer der thätigsten und begeisterten Mitglieder des Münchener Wagnervereins und hat bedeutende Beziehungen in England, wo er im nächsten Sommer bei seinem Freunde Lord Ellerton einen engl. Wagnerverein gründen will. Mit ihm bin ich neulich Nachts von Mannheim zurück gefahren.

Denn ich war in Mannheim. Und ich kann Dir sagen: unsre größten Ahnungen über das Wesen der Musik bestätigen sich in überschwänglichem Maße! Das habe ich in Mannheim erfahren. Ich kenne keine höheren und erhabeneren Zustände als die dort erlebten und bin glücklich, mich aus zahlreichen Fesseln und Zurückhaltungen für diese Tage herausgerissen zu haben.

Von den Baireuther Dingen hast Du wohl gehört, von der herrlichen Lage des Bauortes, von der Umtaufung des „Stuckbergs“ in „Richardshöhe“, von den großen Hoffnungen, die sich bei den Baireuthern bereits in der Petition einer neuen Eisenbahn geäußert haben usw. Wagner war sehr glücklich, wie er seine „Geschäfte“ abgemacht habe.

Ich habe in Mannheim meine Weihnachtsfeier anticipirt und kann diesmal nicht nach Tribschen, weil ich Zeit und Einsamkeit brauche, um meine Vorträge „über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ auszudenken.

Nun, mein lieber Freund, lebe wohl! Sage Deinen verehrten Angehörigen meine ehrerbietigsten Empfehlungen und bewahre mir, für das Neujahr und alle Zukunft, die herzliche Gesinnung, von der ich so oft durch die schönsten Dokumente überzeugt werde.

In alter Treue und unter
den besten Glückwünschen
Dein Friedrich Nietzsche.

179. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, Samstag. <23. Dezember 1871>

Meine liebe Mutter und Schwester,

von Herzen wünsche ich daß Ihr an meinen kleinen Weihnachtsgeschenken einige Freude haben mögt. Zur Erklärung derselben beginne ich mit dem, was Euch Beiden gemeinsam gewidmet ist: die Composition mit dem Titel „Nachklang einer Sylvesternacht“ müßt Ihr Euch recht bald einmal wirklich vortragen lassen; wozu ich Euch die bereitwillige Hülfe von Gustav Krug empfehle, dem ich deswegen noch einen Brief schreiben will. Sie wurde kurze Zeit nach meiner Rückkehr aus den letzten Ferien gemacht und ist für mich ein Zeichen, wie erwärmend und wohlthuend für mich diese Ferien gewesen sein müssen. Denn nach 6 Jahren Unterbrechung ist es der erste Versuch dieser Art, und wenn ich mich nicht täusche, ein wohlgelungener Versuch. Ich habe für Euch eine schöne Abschrift besorgen lassen und möchte gerne auch die Mühe, die deren Herstellung kostete, mit unter die Geschenke gerechnet wissen. Durchaus aber muß ich bald von Euch erfahren, wie Euch diese Musik gefallen hat. Ihr werdet schon einige Mitempfindung haben: denn diesmal ist meine Widmung nicht so unsinnig wie bei meinen früheren Compositionen, von denen der ungarische Reitermarsch dem Onkel Theobald und das Liebeslied der Tante Rosalie dargebracht wurden.

Dir nun, meine liebe Mutter, fallen die Gardinen anheim, deren Effekt uns beide erfreuen soll, wenn ich einmal nach Naumburg komme. Sodann wurde mir mitgetheilt, daß mit den geschnitzten Salatgeräthschaften Dir ein Gefallen geschehn werde. Nimm die Geschenke wohlwollend auf, darum bitte ich.

Dir, liebe Lisbeth, schenke ich die Kunstgeschichte von Lübke, aus der Du viel lernen kannst und gelernt haben wirst, wenn ich einmal etwas examinire. Es ist eine ganz neue Auflage: Du wirst mit dem Buche mehr zufrieden sein können als mit dem gewünschten Springerschen (wie kannst Du mir aber zumuthen, ein Buch aus einem skandaleusen jüdischen Antiquariat zu bestellen!!) Dann wird Dir unsre liebe Mutter in meinem Auftrage ein gutes Album übergeben haben. Auch der kleine Hebel wird Dir gefallen.

Soviel über meine Geschenke. Daß mein Buch über die Tragödie nicht dabei ist, hat seinen einfachen Grund darin, daß es noch nicht ganz fertig ist. Aber im neuen Jahre und vielleicht schon zu Neujahr wird es in Eure Hände kommen. Es ist beim Druck etwas gebummelt worden. Eigentlich sollte es mein Weihnachtsgeschenk für Richard Wagner sein, aber nun kommt es zu spät.

Ich feiere Weihnachten diesmal nicht in Tribschen, trotz den herzlichsten Einladungen, weil ich Zeit für mich brauche, um meine Vorträge, die im neuen Jahr beginnen, ausarbeiten zu können. (— die Vorträge über die Zukunft unserer Bildungsschulen —) Dazu habe ich mein Weihnachten bei Wagners schon antecipirt, dadurch daß ich die letzte Woche mit ihnen in Mannheim war und die unbeschreiblichen Genüsse eines Wagnerschen Conzertes in nächster Nähe mit erlebt habe. Wir hatten die erste Etage im „Europäischen Hof“, und es fiel von den vielen Ehren, die W. erwiesen wurden, auch auf mich als seinen nächsten Vertrauten noch ein Theil ab. Übrigens hat mich die ganze Reise verhältnißmäßig wenig gekostet, ob ich gleich von Montag bis Donnerstag fort war. Über meine dortigen künstlerischen Erfahrungen, den höchsten meines Lebens, die in gewissem Sinne die Erfüllung einer tiefen Ahnung waren, will ich brieflich nicht reden.

Nun lebt wohl, meine Lieben, und denkt in diesen Weihnachtstagen recht an mich.

Euer Fritz.
In alter Liebe.

NB. Der Geburtstag von Frau W. ist der 25te Dec. Es ist recht von Dir, liebe Lisbeth, wenn Du schreibst. Vergiß es nicht.

180. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Basel,> Am Tage der Bescherung, Weihnachten 1871.

Werthester Herr,

heute will ich Ihnen nur danken, daß wenigstens ich selbst bis zu Weihnachten noch die Freude hatte, die Correktur der ganzen Schrift beendigen zu können. Daß durch meine Schuld eine Verzögerung entstanden ist, werden Sie verzeihen: theils hatte ich selbst keine rechte Vorstellung, wie schnell mehrere Setzer zu gleicher Zeit den Druck fördern können, theils gab es hier in Basel verschiedenartige Berufsnöthe und Pflichten, die ich nicht von mir abweisen konnte.

Sehen wir also zu, daß wir in Tribschen eine rechte Neujahrsfreude machen können. Heute soll auch von Berlin aus der neugearbeitete Holzstock für die Vignette abgehen.

Nun habe ich, in Betreff der Versendung der ersten Exemplare, einige Bitten. Die Prachtexemplare schicken Sie gefälligst an mich. Von den anderen Freiexemplaren müssen wir eins so schnell wie möglich an

Herrn Dr. Rohde,

Privatdozent an der
Universität Kiel,

schicken, der eine längere Anzeige der Schrift für Zarncke’s litterar. Centralblatt machen wird. (Demnach braucht Zarncke oder Avenarius kein Exemplar zu bekommen)

In Leipzig bitte ich folgende Addressate<n> mit Zusendungen zu bedenken:

Frau Professor Brockhaus

Herrn Geheimrath

Prof. Dr. Ritschl

(Lehmann’s Garten)

Dann muß meine Schwester durch Ihre Vermittlung ein Exemplar bekommen:

Fräulein Elisabeth Nietzsche

in Naumburg
an der Saale.

Sodann an Hr. von Gersdorff zwei Exemplare (eins davon an den Zeichner der Vignette Hr. Leopold Rau)

Alle diese Zusendungen sind mit den Worten zu bezeichnen „mit herzlichen Neujahrswünschen vom Verfasser.“

Die Transportkosten bitte ich mir anrechnen zu wollen. Alle Pakete sind zu frankiren.

Nun leben Sie recht wohl und schließen Sie dieses Jahr glücklich und zufrieden ab.

Ihr ergebenster
Dr. Friedr Nietzsche

NB. Ich war in Mannheim.

181. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 27. Dezember 1871>

Meine liebe Mutter und Schwester,

endlich, das heißt seit einer Stunde bin ich im Besitz Eurer herrlichen Weihnachtsgeschenke und sofort drängt es mich Euch auf das Herzlichste dafür zu danken. Wie lange hat aber die Post gezögert? Heute ist Mittwoch. Schon hatte mir der vorausgeschickte Brief etwas verrathen, im Grunde aber doch recht wenig: denn ich wurde beim Auspacken in jeder Hinsicht überrascht. Der Tapezierer hat mir geholfen, und ohne allen Anstoß ist das wunderschöne Bild in seiner prachtvollen Umrahmung herausgekommen, nach einiger Mühe: denn es war sehr gründlich verpackt und vernagelt. Auch hatten wir wieder, wie das mir jedesmal zu gehen pflegt, die falsche Seite des Kastens zuerst abgenagelt. Auch wunderte ich mich über die theure Rechnung der Post, die für den Transport ich glaube gegen 18 frs. verlangte. Es ist doch sehr theuer, so fern von einander zu wohnen. Heute Nachmittag werden die Bilder in meiner Stube umgehängt, natürlich kommt die Madonna über das Sopha, über das Pianino kommt ein Bild von Holbein, nämlich der große Erasmus, den mir die jungen Vischers am Weihnachtsabende bei der Bescheerung geschenkt haben. Daraus erfahrt Ihr, wo ich an jenem Abend war: heute bin ich zur Bescheerung zu Bachofens und für den Sylvesterabend zur Bescheerung zu den alten Vischers eingeladen: so daß ich dreimal den Weihnachtsbaum erlebe. Für den Freitag Mittag hat mich der alte Stähelin nach Liestal engagirt.

Dies ist mein Festprogramm: nun fahre ich fort, Eure Geschenke zu preisen. Die Madonna della Sedia ist ein herrliches Bild: meine Stube wächst und steigert sich immer mehr. Ich zweifle bereits ob meine kleinen eiförmigen schwarzen Studentenbilder einer solchen Stube noch würdig sind. Diese werden jetzt, mit Papa Ritschl und mit Schopenhauer, über dem Büchertisch neben den Ofen gruppirt. Also — das Bild hat einen großen Effekt bei mir gemacht und ich danke Dir recht von Herzen, liebe Lisbeth. Auch scheint es mir als ob solch ein Bild unwillkürlich nach Italien zöge — und fast meine ich, Du hast es mir als ein Lockmittel dazu geschenkt. Ich kann auf diesen apollinischen Effekt gar nicht anders antworten als durch meinen dionysischen dh. die Sylvesternacht und sodann durch den apollinisch-dionys. Doppeleffekt meines Buches, das um Neujahr erscheint und das Du von Fritzsch direkt aus Leipzig bekommen wirst. Er hat schon seit 3 Tagen diesen Auftrag.

Nun gehe ich weiter und erzähle die Wirkung, die die schönen rosa-Paketchen von meiner lieben Mutter auf mich gemacht haben. Bei dem schönen Juchtenleder dachte ich mir, daß Ihr mich doch sehr verwöhnt: wo soll das noch, bei so aristokratischen Tendenzen, hinaus! Übrigens war mir eine solche Schreibmappe sehr nöthig, und der erste Brief, den ich auf ihr schreibe, gilt Dir, meine liebe Mutter. Ebenso nützlich und erfreulich war der gute Kamm die Haarbürste, die Kleiderbürste (die nur etwas zu weich ist) die angenehmen Strümpfe und die große Menge schmackhafter Leb- und Pfefferkuchen, alles gleichmäßig schön und festlich verpackt. Nicht zu vergessen die Hosenträger! Es war zu der Fatalität erst gestern gekommen, daß beide anderen alten Hosenträger endgültig zerrissen, so daß ich ohne dieselben ausgehen mußte. Also kommen die neuen im rechten Augenblick: „wenn die Noth am größten, sind die Hosenträger am nächsten“ dachte ich mir, als ich sie auspackte. Für Alles zusammen empfange meinen herzlichsten Dank; ich habe mich sehr gefreut und freue mich noch, wenn das Parfüm meiner Unterlage zu meiner Nase dringt. Deutlicher als durch diesen Geruch kann man nicht an ein Geschenk erinnern: wie oft werde ich also noch erinnert werden!

Nun sind wir also an der Grenze des Jahres. Ich denke mit Beruhigung daran und scheide dankbar von diesem Jahre. Ihr sollt es noch erleben, wie es für mich in einem gewissen Sinne Epoche macht. Meine Schrift erscheint nächstens: mit ihr beginne ich das neue Jahr und jetzt wird man wissen, was ich will, wonach ich mit aller Kraft strebe: meine Thätigkeit beginnt. Es waren schöne Stunden, in denen diese Schrift entstand: es war ein gutes Jahr, trotz seines bedenklichen Anfangs. Bald kam die Gesundheit wieder: und was für schöne erwärmte Zeiten aus Lugano und Basel und Naumburg und Leipzig treten mir jetzt vor das Auge!

Allen, die mir wohlwollend gesinnt sind — und wem mehr als Euch? — danke ich von Herzen an einer solchen Jahresgrenze und wünsche Euch und mir ein glückliches Neujahr in alter Kraft, in alter Liebe, meine liebe Mutter, liebe Schwester!

Euer Fritz.

182. An Gustav Krug in Naumburg

<Basel, 31. Dezember 1871>

Mein lieber Freund,

herzlichen Dank bin ich Dir schuldig, ebenso für Deinen eingehenden und wohlwollenden Brief als für die Übersendung eines sehr anziehenden Compositionsfragmentes. Um mit Letzterem zu beginnen, so freute ich mich der contrapunktischen Sicherheit in diesem kanonischen Experiment: das ist ja unsere moderne Art, die unerhörtesten Kunststücke nur noch scherzoso vorzuführen, etwa wie Wagner in der Prügelscene. Andererseits hat Dein Scherzo für meine Empfindung einen düsteren melancholischen Beigeschmack: wenn ich mir den Klang der Saiteninstrumente hinzudenke, so bekomme ich den Eindruck einer fieberhaften Erregung: rasche wilde Entschlüsse wechseln in unheimlicher Schnelle, und verlangend sehen wir aus nach einem erlösenden Mittelsatz:

Er führet die Freude durch’s offene Thor,

Es glänzen die Wolken, es theilt sich der Flor,

Da scheint uns ein Bildchen, ein göttliches, vor —

wie wir im Goetheschen Ergo bibamus sangen. Also, lieber Freund, ein göttliches Bildchen! Die Traurigkeit ist nicht für den Menschen gemacht, sondern für die Thiere, sagt Sancho Pansa. Wenn ihr aber der Mensch all zu sehr nachhängt, wird er darüber zum Thier. — Ich vermeide jetzt, so sehr es geht, dieses „Thierische“ in der Musik. Auch der Schmerz muß von einer solchen Glorie dithyrambischen Entzückens umflossen sein, daß er darin gewissermaßen ertrinkt: wie ich dies am allergrößten Beispiele, am dritten Akt des Tristan empfinde. Lache so viel Du willst über meinen absurden Rath und Wunsch: ich wünsche und rathe Dir etwas mehr Glück — auch in der Musik,und das soll meine Neujahrsgratulation sein.

Ach, wir wissen es Beide, mein lieber Freund, wie dumm solch ein Wunsch ist: dieses innere ruhig beseligte Glück, aus dem die Kunst herausströmt, steht nicht in unserer Macht, folgt nicht unseren Wünschen — sondern fällt unerwartet hier und da einmal vom Himmel in unseren Schooß. Möge Dir im neuen Jahr dieses „Hier und da“ recht oft zu Theil werden! Und möge in specie das ganze Quartett ein Wiederklang solcher Momente sein, ohne allen „thierischen“ Beigeschmack oder mit einer so zarten und edlen Dosis, wie sie etwa Dein originelles Fragment in sich trägt. Wenn ich wieder nach Naumburg komme, rechne ich unter meine ersten Freuden, Dein Quartett wirklich einmal zu hören: bis dahin wird es Dir wohl geglückt sein, eine Quartettgesellschaft zusammen zu bringen. Man lernt übrigens bei der Ausführung eigner Compositionen durch Andere, was das „Dirigiren“ heißen will. Man bekommt bei dieser eignen Erfahrung erst einen Begriff wie viel Fehler in der Vortragsweise der einfachsten Musik zu machen sind. In so fern ist es sehr instruktiv, aber auch sehr peinlich und quälend, wie ich es jüngst öfters an meiner vierhändigen Compos. zu spüren hatte, die mir Niemand zu Danke spielen kann.

Um so mehr habe ich die Hoffnung, daß Dir gerade, mein lieber Freund, als dem allein in meine Musikentwicklung wirklich Eingeweihten, ein völliges Verständniß jener Composition möglich ist, die Du wohl in diesen Tagen kennen lernen wirst. Ich möchte Dich nämlich bitten, meiner Mutter und Schwester, denen ich sie zu “Weihnachten gewidmet habe, eine Vorstellung davon zu verschaffen und denke dabei keine Fehlbitte zu thun. Nimm diese Musik möglichst anspruchslos auf; es waren schöne Tage, wie ich sie machte — für mich, aber ich weiß nicht, in wie weit für Andere. Oder vielmehr — ich weiß es, nach hiesigen Erfahrungen. Aber es ist nicht sehr glorreich, davon zu reden. Es ist sonderbar, daß die eigne Empfindung sich so schwer übertragen läßt, und was man dann noch an einer solchen Musik pereipirt, ohne diese meine Empfindung, das weiß Gott. Es muß was Seltsames sein, und ich kann mich schlechterdings nicht hineindenken.

Meine Schrift erscheint um Neujahr bei Fritzsch. Dir als einem rechten Melomanen, wird sie natürlich zugeschickt. O! Sie ist böse und anstößig. Lies sie verstohlen in Deinem Kämmerlein.

Unserem lieben Freunde Wilhelm folge ich mit theilnehmendster Empfindung und denke in kurzer Zeit Victoria! über ein neu erlegtes Examenungethüm rufen zu hören. Inzwischen Muth! und Tapferkeit! Und Gesundheit! Und ein kräftiges Schlachtschwert und Schlachtroß für solche Gefährlichkeiten!

Empfiehl mich mit den besten Neujahrswünschen Deinen verehrten Eltern und sei versichert der alten Treue Deines

Freundes Friedr Nietzsche.

182a. An Emil Heckel in Mannheim

<Basel, Ende Dezember 1871>

Gerücht ganz unbegründet; beste Nachrichten aus Tribschen. Herzlichste Neujahrsgrüße an Wagnerverein.

Professor Nietzsche.

1871 (67 Briefe)

118. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

<Basel, vermutlich Januar 1871>

Уважаемый господин советник,

для следующей комбинации мне особенно нужен ваш благожелательный совет и ваше уже неоднократно доказанное истинное участие. Вы увидите, что я серьезно принял во внимание благо университета, и что его подлинные интересы вынуждают меня к следующему, несколько подробному разъяснению.

Вам, вероятно, сообщили мои врачи, в какой степени я снова болен и что в этих невыносимых состояниях виновато перенапряжение. Теперь я неоднократно спрашивал себя, чем объясняется это состояние перенапряжения, возникающее почти в середине каждого семестра; и я даже задумывался, не следует ли мне вообще прекратить свою университетскую деятельность как образ жизни, не подходящий для моей натуры. В конце концов, однако, я пришел к другому пониманию, которое я хотел бы теперь изложить вам.

Я живу здесь в своеобразном конфликте, и именно он так истощает меня и даже физически изматывает.

По природе сильно склонный к тому, чтобы философски осмыслить что-то единое и в долгих размышлениях постоянно и неотвлекаемо оставаться при одной проблеме, я всегда чувствую, что ежедневные многочисленные обязанности и их характер бросают меня туда-сюда и сбивают с пути. Это сочетание педагогиума и университета я едва ли смогу выдержать долго, потому что чувствую, что моя истинная задача, ради которой я должен был бы пожертвовать любой профессией в случае необходимости, моя философская задача, страдает от этого, более того, принижается до второстепенной деятельности.

Я верю, что это описание наиболее точно обозначает то, что так изматывает меня здесь и не позволяет мне обрести равномерное и радостное исполнение моего призвания, что, с другой стороны, истощает мой организм и разрастается до таких страданий, как нынешние: те, которые, если они будут повторяться чаще, заставили бы меня чисто физически отказаться от любой филологической карьеры.

В этом смысле я позволяю себе обратиться к Вам с просьбой о вакантной профессорской должности по философии, освободившейся после ухода Тейхмюллера.

Что касается моего личного права претендовать на философскую кафедру: я должен, конечно, начать с собственного свидетельства, что верю в обладание для этого потенциалом и знаниями и даже чувствую себя, в целом, более способным к этой должности, чем к чисто филологической. Те, кто знает меня со школьных и студенческих лет, никогда не сомневались в преобладании философских склонностей; и даже в филологических исследованиях меня привлекало прежде всего то, что казалось мне значимым либо для истории философии, либо для этических и эстетических проблем.

Затем я полностью согласен с Вашим суждением и принимаю его для себя, что при нынешнем несколько затруднительном положении университетской философии и при малом числе действительно подходящих кандидатов тот имеет некоторое преимущественное право, кто может продемонстрировать солидное филологическое образование и способен пробудить у студентов интерес к тщательной интерпретации Аристотеля и Платона. Я напоминаю, что уже анонсировал два курса, которые в этом смысле были философской природы: «досократические философы с интерпретацией избранных фрагментов» и «о платоновском вопросе». Пока я изучал филологию, я никогда не уставал поддерживать тесную связь с философией; более того, мой главный интерес всегда был на стороне философских вопросов, как могут засвидетельствовать многие, кто общался со мной. Из местных коллег, например, Овербек мог бы дать некоторые разъяснения по этому поводу, а из посторонних — никто лучше, чем мой друг доктор Роде, приват-доцент в Киле.

На самом деле только случайности можно приписать то, что я изначально не сделал свои университетские планы для философии: случайности, которая лишила меня значительного и поистине вдохновляющего философского учителя: чему при нынешней констелляции философских состояний в университетах, конечно, не стоит удивляться. Однако здесь был бы исполнен один из моих самых горячих желаний, если бы я мог следовать здесь голосу своей природы: и я верю, что могу надеяться, что после устранения упомянутого выше конфликта мое физическое состояние будет гораздо более регулярным. Как способный на философскую преподавательскую должность, я смогу вскоре публично себя зарекомендовать: мои напечатанные работы о Лаэртии Диогене.

во всяком случае, также применимы к моим философско-историческим устремлениям. К педагогическим вопросам и исследованиям я всегда испытывал интерес: иметь возможность читать о них будет для меня радостью. Среди новых философов я с особой любовью изучал Канта и Шопенгауэра. Они, безусловно, за последние 2 года убедились в моей добросовестности, что я умею избегать неподходящего и оскорбительного и что я могу различать, что уместно в лекциях для студентов, а что нет.

Если теперь я могу полностью представить вам свою комбинацию, то я думал, что вы найдете в Роде чрезвычайно подходящего преемника для моей филологической профессуры и должности в Педагогиуме.

Р., известный мне в течение 4 лет с самой точной точностью, является самым способным из всех молодых филологов, которые мне встречались, и истинным украшением для любого университета, который его приобретёт; более того, он действительно ещё доступен, тогда как я слышу, что в Киле рассматривают возможность создания новой внештатной филологической профессуры, чтобы навсегда закрепить его там. Я не могу достаточно выразить, насколько моё существование здесь, в Базеле, облегчилось бы близостью моего лучшего друга. — Вся эта перестановка дел могла бы начаться сразу с началом нового летнего семестра, так что не возникло бы никаких пробелов в занятии должностей. С моей стороны, я был бы готов немедленно предоставить Вам объявление о моих философских лекциях и инаугурировал бы свою новую должность вступительной лекцией в начале лета.

Не пугайтесь, уважаемый господин советник, необычности предложенной комбинации и удостойте её рассмотрения.

Прося Вашего снисхождения, совета и участия

пребываю с глубоким уважением
преданный Вам
Др. Фр. Ницше
Проф. о. п. классической филологии.

119. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, wahrsch. 21. Januar 1871>

Дорогая мама и сестра,

так я сразу же отвечу, извиняясь как можно лучше. На самом деле, мое здоровье в последнее время было не очень хорошим, и я жажду отдыха и лучшего воздуха, прежде всего — меньше профессиональной работы. Иногда мне надоедает вся эта профессорская деятельность. Не получается как следует заниматься своим настоящим делом и тратишь лучшие годы жизни на чрезмерное школьное преподавание — ужас!

Плохой желудок, плохой сон, слишком мало движения, сильная усталость и невыносимая погода!

Между прочим — чтобы не забыть последнее, о чем ты писала — от моего дяди до сих пор не пришло ни строчки, не то что пенни.

Хороший Бергман навестил меня во время своего путешествия и действительно осыпал знаками своей любви. Я знал, что он не вернется, и прощался с ним, осознавая это. Он был очень болен.

Моему замечательному кузену Рудольфу я всегда желаю самого лучшего, потому что он этого заслуживает. Передайте ему, пожалуйста, прилагаемую открытку от меня с поздравлениями.

Кстати, как обстоят мои финансовые дела? У меня совсем нет обзора. —

Проф.Фриц Брокгауз, брат Клеменса (который передаёт вам сердечный привет), имеет уверенные перспективы быть приглашённым сюда в Базель. Я имел небольшое участие в этом приглашении. —

Сегодня суббота. Я собираюсь хорошо прогуляться, только очень грязно. Ночью я не спал ни минуты. Я рад, что неделя закончилась.

Ещё раз большое спасибо за ваши письма. Простите мою небрежность и вспоминайте обо мне с добром.

Фриц.

120. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Freitag, Basel, 27 Jan. 71.

Я ещё не написал тебе, дорогая Лизбет, по поводу дня рождения. Конечно, я рассчитывал, что ты купишь зонтик от моего имени — хороший зонтик. Тогда ты ещё можешь заказать очень красивый торт, и для меня тоже. И всё это вручить.

У нас суровая зима, и моё здоровье в последние недели было весьма тревожным. На Пасху я должен обязательно поехать в более южный климат, возможно, в Глион. Что ты скажешь, если я предложу тебе поехать со мной?

Приложенное письмо вручи в день рождения, как следует.

Сердечно приветствует тебя
Фридерикус.

Как обстоят дела с финансами на Пасху?

121. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Für den 2ten Febr. 1871. <Basel, vermutlich 27. Januar>

Сколько же лет, дорогая именинница, тебе на самом деле? Насколько я помню, ты примерно ровесница века, и я рад поздравить тебя с твоим семьдесят первым днём рождения: с таким возрастом уже достигнуто кое-что.

Когда ты оглядываешься на свои последние сорок лет, тебе, должно быть, довольно приятно на душе; ведь они пролетели очень быстро: что является доказательством того, что они были прожиты счастливо.

Нам бы только хотелось следовать за тобой с такой же, а то и большей скоростью и догнать тебя; но мне говорят, что это труднее, чем кажется, и что это удаётся только тем, кто родился 2 февраля.

рождены.

Это быстрое старение матерей должно теперь вызывать противоположное у детей — и у нас есть пример, что наша дочь не переживает семнадцати лет, как бы она ни старалась последние 8 лет. Так что мы оба должны утешать друг друга: я, все еще так же, как и ты, довольно уютно, только иногда страдаю от старческой слабости больше, чем ты, отмечаю в этом году свой 87-й день рождения и, возможно, могу позволить себе уйти на пенсию. С честью и не без серебряного кубка, из которого ты должна хорошенько отпить.

На следующие пятьдесят лет твоего существования я приношу тебе сегодня такой долговечный зонт, а также торт, чья долговечность, однако, мне не гарантирована. Наслаждайся одним под другим, если сочтешь это полезным для своего здоровья —

с которым тебя сердечно приветствует
Твой
Фридерикус.

122. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 6. Februar 1871>

Дорогая мать и сестра,

моё состояние сильно ухудшилось, ужасная бессонница, геморрой, сильная слабость и т.д. — Либермайстер и Хоффман лечат меня; говорят, это воспаление желудка и кишечника, вызванное переутомлением. Я сильно устал от базельской профессуры. Мне нужна карлсбадская водная кура, но это не помогает. Врачи теперь требуют, чтобы я покинул Базель до Пасхи и укрепил своё здоровье в более южном климате, ничего не делая. Кто из вас хочет сопровождать меня? Потому что для нас троих это будет слишком дорого. Мне советуют северные итальянские озёра. В крайнем случае я могу поехать и один.

Моё состояние, как мне ещё вчера объяснил Гофман, совершенно неопасно, если сейчас же будут приняты меры.

Здесь самое быстрое решение — лучшее. В любом случае прошу о немедленном ответе.

Как я уже сказал, совершенно не обязательно, чтобы вы приезжали. Другое дело, если бы я попросил вас провести лето в Базеле: на это вы можете только согласиться.

Но я всё же хотел бы спросить, не хочет ли кто-нибудь сопровождать меня сейчас. По-итальянски я не говорю, но на французском там везде более-менее можно объясниться.

Всё же как немецкого преподавателя в Базеле безответственно эксплуатируют: при очень плохой зарплате!

Если есть хоть малейшая возможность уехать отсюда, я ею воспользуюсь.

Как обстоят дела с денежными вопросами? Какие проценты я могу ожидать на Пасху? —

Прошу вас как можно скорее сообщить мне ваши мысли, так как каждый день, который я проведу в Базеле, мешает моему выздоровлению.

Я отправляю телеграмму сегодня: когда это письмо придет, я уже получу ответ, и ваше решение будет принято так, чтобы мы могли уехать из Базеля примерно в четверг.

Так распорядился Либермайстер, который только что навестил меня и рекомендовал Лугано. Если решение не может быть принято так быстро, мне не следует ждать.

И теперь с самыми сердечными
пожеланиями
Ваш Фр.

123. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegrammentwurf)

<Basel, 6. Februar 1871>

Элизабет Ницше Наумбург на Заале

Жду тебя здесь до четверга, вместе в Лугано, я нездоров. Если нет, телеграфируй.

Фриц.

124. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegramm)

Naumburg de Bâle N° 1045, 19 W. 8/2 1871 12 Uhr 20 Min. N

Элизабет Ницше Наумбург на Заале.

Очень расстроен из-за телеграмм. Врач желает, чтобы ты приехал. Я жду твоего прибытия завтра.

Фриц.

125. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Mittwoch. <8. Februar 1871>

Мой дорогой друг,

Великая, невиданная ранее транзакция, трансфигурация, транссубстанциация!!

У нас возможно есть перспектива провести вместе следующий семестр. Ты как мой преемник, а я — как университетский философ!!

Тейхмюллер теперь покидает Базель, чтобы отправиться в Дерпт, и я подал заявку и претендую на его кафедру: с определённым заявлением, что ты будешь назначен моим преемником в Базеле на мою нынешнюю должность.

Посмотрим, как боги поведут наше суденышко! Пусть говорят, что у меня были самые хитроумные идеи во благо дружбы. Как я задумал нас объединить!

Возможность маячит!

Тогда ты должен прибыть сюда уже к середине апреля.

Больше я ничего не пишу. Надеемся на лучшее, но помолчим!

Моё здоровье настолько плохо, что врачи отправляют меня на юг, и я завтра послезавтра уезжаю в Лугано. Воспаление желудка и кишечника! Ужасная бессонница! До Пасхи я буду в отъезде и вернусь философом, если мой план удастся. От меня ты больше не услышишь ничего о базельских делах. Но как только Вишер напишет, дело вступит в благоприятную стадию. Терпение и надежда! И молчание!

Это письмо следует скрывать от всех, даже от Вишера.

Радость, прекрасная искра богов!

Амикус.

Письма адресовать в Базель. — Пишу в спешке.

126. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, kurz nach dem 8. Februar 1871>

Дорогая Лизбет,

всего несколько слов. Приезжай же обязательно. Значит, в понедельник вечером на скором поезде (так что тебе нужно будет уехать из Наумбурга в воскресенье в полночь). На вокзале тебя встретит Минна. И у меня ты переночуешь, хотя я уже в субботу уезжаю отсюда и направляюсь в Трибшен. Я хочу быть во вторник в 2 часа дня на железной дороге и на пароходе в Люцерне: значит, тебе нужно будет уехать из Базеля во вторник в 10½ часов. В этот вторник мы поедем до Андерматта, где переночуем. В среду до Беллинцоны, где переночуем, в четверг в полдень прибудем в Лугано. Мы путешествуем медленно: так мне советовали. Готовься к большому холоду. Но Сиберс также даст тебе все одеяла и прочее, что тебе нужно.

Письма с подтверждением пришли в среду утром: телеграмма с отказом — несколькими часами позже: шутки, которые я сейчас плохо переношу: я дрожал и меня вырвало. Мое письмо было написано, чтобы успокоить вас: но оно перешло все границы. Мне нехорошо.

Сердечные приветы
Ф.

127. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Lugano am Tag des Kaisereinzugs in Paris. <1. März 1871>

Сегодня ты тоже должен получить от меня несколько строк в доказательство того, что мне уже намного лучше. Правда, главное страдание, бессонница, до сих пор не прошло. Даже если я совершаю самые длительные прогулки или провожу весь день на свежем воздухе, это не оказывает никакого влияния на сон. Зато с геморроем уже намного лучше: и когда кишечник снова станет совершенно здоровым, то, как я надеюсь, вернется и сон. Временами я бываю совершенно безнадежен: но я должен признать, что с тех пор, как я уехал из Базеля, состояние снова стало терпимым, тогда как в Базеле оно было просто невыносимым.

То, что ты оставила Лизбет, было для меня большим облегчением, и ты, вероятно, знаешь из ее писем, что до сих пор у нее все хорошо, и что она завела хороших знакомых. В некоторых отношениях нам повезло.

Если бы только к Пасхе я снова полностью поправился, чтобы снова взять на себя старые обязанности в Базеле!

Тем временем я держусь подальше от всего волнующего. Иногда ты, вероятно, чувствуешь себя сейчас очень одинокой, не так ли?

Но такие радости, как «высокопочтенные подарки», снова утешают. Не так ли?

Прекрасную благодарность за подробное письмо, которое я окрестил «высокоуважаемым письмом».

И так я в сердечной любви
высокоуважаемый
сын Фр.

127a. An Wilhelm Vischer-Bilfinger

<Lugano, 15. März 1871>

Уважаемый господин советник,

сегодня в Лугано у нас первый дождливый день, поэтому я остаюсь дома без угрызений совести и пишу несколько писем, первое из которых вы получаете сразу. Прошлой ночью я хорошо выспался; сейчас я придерживаюсь мнения, что в целом за каждой плохой ночью следует хорошая, а за каждой хорошей — плохая, так что всё ещё довольно посредственное самочувствие! При этом я много и регулярно утомляюсь, почти каждый день веду меня к новой красивой точке обзора, да вчера мы благополучно пережили большую полуденную морскую прогулку и посетили «Рыбацкое ущелье» и сталактитовые пещеры. Компания очень хорошая и дружная, так что вчера в экскурсии участвовало девять человек.

Отель дю Парк также заслуживает всяческих похвал. Только климат в целом был ещё довольно зимним, и соседние горы всё ещё покрыты снегом. Сегодняшний дождь, однако, рассматривается как граница между зимой и весной.

Я очень рад присутствию моей сестры; мы оба вместе за три дня преодолели путь из Базеля в Лугано, большую часть Готтардской дороги — на санях, при самой прекрасной погоде и в интересной компании Мадзини. Среди наших местных знакомых — замечательная семья брата Мольтке, который последние дни был очень болен. Также генерала долго ждали, но теперь мы слышим, что он прямо, без всяких каникул, из Версаля отправляется в Рейхстаг в Берлин.

Чтобы назвать другое общество, связанное с нами, здесь сейчас, помимо двух раненых прусских офицеров, находится шлезский граф Пфайль с очень веселой молодой супругой, фрейлейн фон Йордан с фрау Мюллер в качестве спутницы, господин фон Кракер, миссис Стюарт и несколько хороших англичан, а также одна русская, не считая иностранцев, которые проводят здесь короткое время.

Я отправляю вам, чтобы вы могли составить представление о моем улучшившемся внешнем виде, только что готовое фото.

В любом случае я останусь еще на несколько недель; ибо у меня пока нет ни малейшей гарантии, что я не вернусь в прежнее состояние при первом же дне регулярной профессиональной работы. В бессонные ночи я порой совершенно безутешен.

Высокое, чего я достиг до сих пор — и даже это не без небольшой помощи — это сносный сон в три ночи подряд: в сумме я проспал примерно 10 ночей с момента отъезда.

Вы окажете мне большую услугу, уважаемый господин советник, если пришлете мне немного денег, возможно, 2-300 франков: я должен устроиться еще на несколько недель, а денежные переводы из Наумбурга сюда крайне неудобны. Надеюсь, что вы простите мне свободу этой просьбы.

Вам и вашей супруге желаю — вместе с моей сестрой быть и оставаться в лучших рекомендациях. Ваш преданный

Др Фридрих Ницше.

128. An Franz Overbeck in Dresden

<Lugano, nach dem 22. März 1871>

Мой дорогой друг и коллега, не удивляйтесь ли вы избытку моей неписьменности? Так долго не писать вам! Я очень удивляюсь этому! Хотя бы поверьте, как верно я о вас думал и как благодарно вспоминаю многие черты вашего сострадательного ухода. Благодаря вам, благодаря вашему меху, я на этот раз еще более или менее отделался — во всех смыслах этого слова. Это, конечно, было самое время; ибо теперь, размышляя о базельском январе, мне кажется, что я ходил в постоянном сновидческом перенапряжении всех нервов и в этом состоянии, конечно, не очень вам нравился. И вы тогда меня терпели и ходили со мной гулять и т.д. и т.п.

В награду за это вы должны были бы внезапно оказаться на этом голубом озере — только ради Бога, не сегодня, при отвратительном северонемецком дожде и густом меховом тумане! Но, возможно, завтра или послезавтра! Тогда мы вместе стали бы искать первые цветы весны и, возможно, найдем их здесь так же уверенно, как и в Дрездене, который, как я думаю, вы посетите в эти каникулы. Если мы найдем теплое место у озера, то мы устроимся там, среди маленьких змей и ящериц: хотя я считаю, что Плауэнский грунт тоже способен доставить эти удовольствия.

Если бы нам было очень хорошо на душе, мы могли бы даже сесть в лодку и позволить себе покататься по озеру, конечно, не без мешка для ног и с вероятностью простуды. Вы видите, что у нас здесь тоже есть некоторые северонемецкие причуды, возможно, больше, чем в Северной Швейцарии, которая, вследствие там констатированной «немецконенависти», также имеет республиканские, достигаемые через референдум и, во всяком случае, не северонемецкие погодные условия. Здесь склоняются к Пруссии: да, мы недавно смогли позволить себе празднование дня рождения кайзера Вильгельма безо всякого убийства и поставили «живые» картины, не опасаясь, что в них будут стрелять.

Да, здесь есть безобидные немцы, которые даже осмеливаются играть на цитре, да, даже должно стать известно, что здесь живут двое, а с вчерашнего дня — четверо замаскированных прусских офицеров, которые гуляют у озера без всякого оружия и даже по праздникам носят свою форму. Всё вместе свидетельствует о благополучии в Лугано, которое, безусловно, превосходит базельское и, возможно, уступает лишь благополучию в любом немецком городе, во всяком случае в Дрездене. Поэтому было бы плохой наградой, если бы за проявленную ко мне милость вы были бы перенесены из Дрездена сюда: поэтому я думаю о том, чтобы выразить вам свою благодарность иным способом. Вот, во-первых, моя фотография, которая лишь в малой степени показывает, что я поправился, но не отражает важнейших изменений в ганглиозной и сосудистой системе, а, напротив, прикрыла их мантией.

С этим, как и с вашим мехом, остаюсь тем, кем был, дрожа и зябну, и с сердечной памятью о вас

Ваш благодарный друг,
Товарищ и коллега, да, сочеловек
Фридр. Ницше

129. An Julius Piccard in Basel

Lugano, 25. März 1871

Дорогой и уважаемый господин коллега,

Вы действительно удивили меня своим письмом: как редко я получал такой чистый знак участия! Весь день принял дружелюбное выражение, начавшийся с получения этого письма. Будьте уверены, что я никогда не забуду такой жест, как этот. — Вместе с тем это был первый день, который я провел вместе с превосходным Хойслером в Лугано. Благодаря ему я снова осведомлен о базельских делах, да, теперь мы получаем здесь базельскую газету ежедневно. Я надеюсь прибыть туда в середине следующего месяца и с начала мая приступить к старой профессиональной деятельности. То, что Вы сами провели это долгое зимнее полугодие без длительных перерывов, причем в климате, который, как мне кажется, не совсем безопасен, — очень меня обрадовало и дает мне лучшие надежды на полное восстановление Вашего здоровья. Лето в Базеле вполне сносно и тепло; сегодня я не могу писать слово «тепло» без тоски. Ибо прекрасное озеро полностью покрыто холодным густым туманом, и серая неудовлетворенность распространяется по отелю и его очень зависимым от погоды жителям [+ + +]

130. An Erwin Rohde in Kiel

Lugano, Hôtel du Parc (wird aber Ende der Woche verlassen.) <29. März 1871>

Да, мой дорогой друг, снять заклятие! Это нелегко, и в данный момент мне это совершенно невозможно. Ведь я ничего не знаю о развитии дела, абсолютно ничего. Вишер, правда, однажды написал мне сюда (в Лугано), но в его письме не было ни слова о нашем общем деле. Зато еще в Базеле, перед моим отъездом и после того, как я написал тебе, я заметил некоторые признаки того, что "философ" Стеффенсен не благоволит к проекту. Представь себе, как сильно меня держат в руках, если можно ссылаться на мою никогда не скрываемую шопенгауэрианство! К тому же я должен как-то философски себя проявить и легитимировать: небольшое сочинение "Происхождение и цель трагедии" было для этого подготовлено, готово за исключением нескольких штрихов.

Таким образом, я считаю, что нам, по крайней мере, придется еще немного подождать, а именно до Михайлова дня, когда, в лучшем случае, для нас все решится. Конечно, это еще больше продлевает печальное состояние волнения и неудовлетворенности, наше perpetuum mobile, и у нас есть достаточно времени, чтобы испытать наше философское хладнокровие на не очень обнадеживающем ожидании! — Вот обратная сторона моей идеи: если она осуществится быстро и неожиданно, слава!, если задержится, — убожество! Мы выбрали более длинную часть, которая на этот раз также является более короткой.

К сожалению, мое самочувствие все еще не самое лучшее; я все еще провожу одну из двух ночей без сна.

Хотя я гораздо веселее и спокойнее, и в целом чувствую себя хорошо, я всё же не могу ещё думать о планах на поездки; от Италии я хватаю лишь клочок и скоро снова его отпускаю. Я ещё не успел познакомиться даже с Комским озером и озером Ланго, а уже более 6 недель нахожусь в Лугано. Погода в целом мало похожа на итальянскую; о весне, которая была бы больше, чем наша немецкая весна, я ещё ничего не почувствовал — даже на низких горах вокруг ещё лежит снег, и до двух недель назад он был ещё в саду этого, впрочем, хорошего отеля. Аномально!

says one to me, a tedious consolation, to which I have already become accustomed since my stay in Switzerland.

Among many depressed and half moods, I have also had some quite elevated ones and have noted some of them in the aforementioned little book. From philology, I live in a defiant alienation that cannot be imagined worse. Praise and criticism, yes, all the highest glories on this side make me shudder. Thus, I gradually live my way into my philosophy and already believe in myself; yes, if I were to become a poet, I am even prepared for this.

Компаса познания, для чего я предназначен, у меня совсем нет: и все же, при подведении итогов, все выглядит так согласованно, как будто я до сих пор следовал доброму демону. Что кто-то, в этой неясности целей, да, без того высшего стремления к государственной службе, может чувствовать себя так ясно и спокойно, как я в целом себя чувствую, я никогда не верил. Какое чувство — видеть, как твоя собственная вселенная, милый шар, становится перед тобой круглой и полной! То я вижу, как растет кусок новой метафизики, то новая эстетика: то снова меня занимает новый принцип воспитания, с полным отвержением наших гимназий и университетов.

Я уже не учусь ничему, что не находит сразу хорошего места в каком-нибудь уголке существующего. И больше всего я ощущаю рост этого собственного мира, когда, не с холодностью, но с спокойствием, рассматриваю всю так называемую мировую историю последних десяти месяцев и использую её лишь как средство для моих добрых намерений, без всякого преувеличенного благоговения перед этим средством. Гордость и безумие — действительно слишком слабые слова для моей духовной «бессонницы». Это состояние позволяет мне смотреть на всё университетское положение как на что-то второстепенное, даже часто лишь неприятное, и даже та философская профессорская должность соблазняет меня, собственно, ради тебя, ибо и эту должность я рассматриваю лишь как нечто временное.

Ах, как я жажду здоровья! Пусть только у тебя будет что-то, что продлится дольше, чем ты сам — тогда ты будешь благодарен за каждый хороший сон, за каждый тёплый солнечный луч, да даже за регулярное пищеварение! У меня же какие-то внутренние органы брюшной полости в расстройстве. Отсюда — нервы и бессонница, геморрой и привкус крови и т.д. Будь только так добр, не сводить тот описанный выше душевный настрой к нервной системе! Иначе я стану бояться за своё бессмертие.

Ибо я ещё не слышал, чтобы газы вызывали философские состояния.

С этими — с этими состояниями — рекомендуя себя Тебе, прошу Тебя от всего сердца не терять надежду полностью: я знаю, как охотно Вишер будет продвигать это дело. Мои задержки с письмами я не хочу оправдывать: но Ты знаешь, чем больше нужны друзья, тем меньше принято писать. Это совсем хорошо — но всё же неверно! Поэтому Ты скоро снова получишь от меня письмо. Тем временем думай обо мне, как я всегда думаю о Тебе, дорогой друг!

Ф.Н.

131. An Elisabeth Nietzsche in Lugano

<Lugano, 2. April 1871>

Девиз:
Тишина! Тишина!
Не говорите и не жужжите!

(Р. Вагнер)

Путевой приказ.

Сегодня отъезд с почтой Готтарда,

в Вэггисе на озере Четырёх кантонов

недельное пребывание
для послекурортного лечения.

Отъезд сегодня, насколько я знаю, в 6 часов.

132. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Ostermontag. <10. April 1871>

Мой дорогой друг

я вернулся в Базель и спешу, верный своему обещанию, написать тебе второе письмо, чтобы наконец избавиться от проклятия безвестности в переписке. Кстати, с сегодняшнего дня я также способен произнести желанное волшебное слово, слово «это ничто!»

Дорогой друг, я страдаю от горького чувства, что вызвал в тебе надежды, чтобы теперь их разрушить. В моё отсутствие обнаружили молодого талантливого аристотелика с факелом Тренделенбурга в руках; и таким образом я снова сижу скромным филологом на кафедре, и все философские мечты, питавшиеся последние 6 недель и пропитанные твоими надеждами, идут к чёрту лжи и обмана.

Теперь у тебя есть причина серьёзно разозлиться на меня. Какие глупости я натворял! И как я был уверен в своих комбинациях! Едва ли могу спрятаться за ширмой своего болезненного состояния; конечно, это была мысль, рождённая в бессонной лихорадочной ночи, и я думал, что нашёл средство от болезни и нервов — общение с тобой, мой дорогой друг!, которое теперь снова отодвигается в самую серую даль.

И нет ничего радостного, что могло бы нас утешить!

У меня царит филологическая тошнота!

Последние дни я был в Трибшене, где о тебе тепло вспоминают и радуются вместе со мной надежде, что наш план удастся. Там снова задуманы величайшие дела; там есть воздух для жизни для нас.

Я не могу больше писать. Из-за тебя этот день кажется мне таким безутешным. Две бессонные ночи с момента моего возвращения, и я думал, что здоров! И теперь еще приходит горькое чувство, что я обманул лучшего друга, не ведая того!

Также я чувствую себя очень плохо.

Прости меня, дорогой верный друг, все было сделано с добрыми намерениями, но что мы можем поделать против демонов?

ФН.

133. An Wilhelm Engelmann in Leipzig (Entwurf)

<Basel, 20. April 1871>

Вы однажды любезно предложили мне свои услуги издателя: теперь давайте посмотрим, не понравится ли вам то, что я сегодня предлагаю. Я подготовил брошюру объемом около 90 страниц, которая должна называться: «Музыка и трагедия»; я отправляю вам начало в рукописи. Как вы увидите, я пытаюсь объяснить греческую трагедию совершенно новым способом, временно полностью отказываясь от филологического подхода к вопросу и сохраняя в виду только эстетическую проблему. Однако настоящая задача заключается в том, чтобы осветить Ричарда Вагнера, загадочную загадку нашего времени, в его отношении к греческой трагедии. Я могу заверить, что вся последняя часть будет интересна для нашего музыкального

Чтобы быть чем-то, имеющим захватывающее значение для публики: сравнивая хотя бы то, что было сказано о той же проблеме, например, Хансликом и другими в последнее время, и судя по эффекту, который произвели на моих друзей отдельно прочитанные отрывки моей работы, я не могу не верить, что самая широкая мыслящая публика должна заинтересоваться этим сочинением. Чтобы сделать себя понятным, я уделил особое внимание стилистическому изложению и ясности.

Я желаю, однако, чтобы это сочинение было обработано исключительно как красивонаучная брошюра, и поэтому прошу Вас, в случае, если оно будет Вами принято, оформить его в соответствии с этим желанием. Чтобы назвать кое-что, я предпочитаю для этого немецкие буквы и притом крупные немецкие буквы, большой октавный формат, с не более чем 28—32 строками и прежде всего — красивую бумагу. Если Вы со мной согласны, то пришлите мне как можно скорее пробу набора и бумаги: и одновременно также предложение относительно гонорара.

Мы могли бы сразу начать печать.

134. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

Basel Samstag. <27.Mai 1871>

Уважаемый господин советник,

я должен искренне извиниться за то, что вчера пропустил заседание конференции Педагогиума; по случайности приглашение на него попало мне в руки лишь час спустя, когда было уже слишком поздно. —

Новости последних дней были настолько ужасны, что я не могу прийти в хоть сколько-нибудь сносное настроение. Что значит быть учёным перед лицом таких культурных землетрясений! Как атомистически чувствуешь себя! Всю свою жизнь и лучшие силы тратишь на то, чтобы лучше понять и объяснить период культуры; как кажется это призвание, когда один несчастный день обращает в пепел драгоценнейшие документы таких периодов! Это худший день в моей жизни. —

Я собирался уехать на Троицу: но я плохо себя чувствую и остаюсь здесь. В среду я надеялся, что, возможно, увижу Вас на вокзале в Люцерне вместе с Вагнером, который меня сопровождал.

Кстати, хозяин нашего отеля при моём отъезде, который был несколько поспешным, не предъявил мне счёт; осмелюсь попросить Вас сообщить мне половину суммы Вашего счёта, когда будет удобно.

Я приду к Вам в эти дни, чтобы узнать о результате люцернской кандидатуры.

Ваш преданный
Фридрих Ницше.

135. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel 7. Juni 1871>

Мой дорогой, тем более верный друг,

поскольку моё преступное молчание действительно могло бы пробудить в тебе самые мрачные мысли; и они, как свидетельствуют твои письма, не хотят в тебе расти. В сущности, мне было бы несправедливо, если бы ты стал оценивать меня по термометру писем. После твоего предпоследнего, поистине волнующего письма я был совершенно неспособен писать; я радовался внутренне и ежедневно нашему взаимопониманию и нашему общему, несмотря на расстояние, не нарушенному и единодушному продвижению по одним и тем же путям, для которого твои замечания о дионисийском просто знаменательны, как когда-то наши неосознанно одновременные изучения романтиков.

Как тяжело я воспринимаю судьбу быть теперь разлученным с тобой, лучше всех знают трибшенские друзья, которые имеют о тебе самые лучшие мнения и надежды.

Не могли бы мы теперь найти способ привести тебя, например, в Цюрих, который Бендорф покидает осенью? Я хочу однажды осведомиться о необходимых для этого шагах, а также в эти дни написать Ричлю.

Осенью я, по известным причинам, не приеду в Лейпциг.

Тем более необходимо придерживаться наших летних планов.

Мне, при частой слабости и бессоннице, очень рекомендовано искать высокогорный альпийский воздух: и я уже зарегистрировался с сестрой в небольшом пансионе в Бернском Оберланде. Я еду туда 15 июля и остаюсь до 14 августа: затем идет летний семестр, вторая половина, до конца сентября. В этом году у меня не хватает денег из-за моего весеннего пребывания в Лугано; и поэтому летом я должен экономить. В том пансионе я плачу за все 4 франка.

Мне теперь кажется крайне важным серьезно и подробно обсудить с тобой несколько планов. В письме я ничего не могу сказать.

Во всех моих намерениях, особенно в вопросах образования, я прежде всего и всегда рассчитываю на тебя. Иногда мне приходит в голову, что для таких дел нет ничего важнее, чем совместно погрузиться в них: тогда как до сих пор я даже поверхностно не информировал тебя. Но в каждом твоем письме, как и в последнем, звучит такая родственная, внутренне знакомая «мелодия», что я всегда думаю, что и наши планы должны быть одинаковыми, даже без взаимного понимания.

Моя маленькая книга, о рождении которой я объявил тебе из Лугано с настоящим кудахтаньем — если я правильно помню, — до сих пор чахнет из-за отсутствия издателя.

Я написал небольшое эссе и напечатал его в Базеле за свой счёт: это переработка моей прежней лекции «Сократ и трагедия». Другая работа «О дионисийском и аполлоническом» возможно появится в «Прусских ежегодниках»; если её примут, в чём я сомневаюсь. В конечном счёте всё сводится к дорогому удовольствию — обладать библиотекой неопубликованных, но изящно напечатанных брошюр. — Ты же получил мою речь о Гомере? Я с нетерпением жду беседы с тобой о Гомере. Сейчас я читаю «Введение и энциклопедию», к удивлению моих слушателей, которые вряд ли узнают себя в образе идеального филолога, который я рисую.

Позавчера я снова увидел Кинкеля-младшего, тоскующего приват-доцента в Цюрихе (но без перспектив), спустя пять лет. Другой цюрихский доцент, который учился в Лейпциге в наше время и, конечно, знал нас, живо перенёс меня в ту прекрасную эпоху. У него сохранились такие верные воспоминания о нашем облике и разговорах, он, например, цитировал мои взгляды, которые я, должно быть, слишком громко высказывал в кругу знакомых на лекциях, — в общем, он доказал мне, насколько признанной была наша позиция. Его звали доктор Гребер.

От Вёльфлина я услышал самое лучшее об „Acta“, особенно об эссе Андресена, равно как и от Хагена о Юнгмане, и оба, хитрым образом, были „усилены“ до рецензии.

Цель берлинской поездки Вг. заключалась в том, чтобы прочитать академическую лекцию и обеспечить свои байрейтские планы: в то же время предотвратить любыми способами угрозу назначения генеральным музыкальным директором. Всё удалось, и через 2 года мы увидим постановку „Кольца нибелунга“. — Как прекрасно и верно ты понял „Нюрнбергских мейстерзингеров“! — Я обсудил с Вагнером предварительную идею журнала о Реформации, при этом мы в первую очередь думали о тебе. Короче, многое в работе: давайте останемся верными друг другу во всём. Прощай, дорогой друг.

136. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel,> 7 Juni 1871.

Многоуважаемый господин тайный советник,

с самой сердечной благодарностью за Ваше письмо, которое успокоило и прояснило для меня всё, я сегодня сообщаю, что осенью я не приеду в Лейпциг на собрание филологов и должен отозвать своё прошлогоднее предложение выступить с докладом. После того, как я узнал, что Вы не будете председательствовать, всё это само собой разумеется. В том же духе написал мне на днях и друг Роде из Киля. — При этом не исключено, что в этом году я когда-нибудь всё же приеду в Лейпциг, чтобы навестить Вас: перспектива, от которой я не хотел бы отказываться из-за вышеупомянутого решения.

Что касается Роде, то я хотел бы осведомиться, не знаете ли Вы способа, как можно было бы предложить его в Цюрихе на место Бенндорфа. Мне невероятно важно, чтобы он оказался рядом со мной. И что он заслуживает эту должность не меньше, чем, например, Дильтей (о котором я недавно слышал слухи), — это не вопрос.

Я считаю его, без всяких дружеских преувеличений, одной из самых богатых филологических сил и способностей, которые мы можем пожелать для будущего.

Недавно Вёльфлин очень лестно отозвался об эссе Андресена в „Acta“, так же как и Хаген в Берне о Фульгенции Юнгманна. Я пытался привлечь обоих к написанию рецензии.

Рекомендуя себя и Вашей супруге (которой я вскоре отправлю свой секретный очерк) наилучшим образом, а также от имени моей сестры, которая заботится обо мне и ухаживает за мной при моих неравных состояниях здоровья,

я
Ваш преданный
Фридрих Ницше
в Базеле.

137. An Wilhelm Engelmann in Leipzig

<Basel, Juni 1871>

Уважаемый господин

так как я, в случае принятия рукописи, просил о скором ответе, то теперь я, безусловно, вправе поверить, что рукопись, по каким-либо причинам, не получила Вашего одобрения: поэтому я позволю себе уже иным образом распорядиться ею.

Прошу Вас, следовательно, передать её тому же господину доктору Ромундту, который уже однажды имел поручение забрать её у Вас.

С настойчивой просьбой, чтобы это произошло вскоре, остаюсь Ваш

преданнейший
Проф. Ницше в
Базеле

Др. Ромундт проживает на Шютценштрассе 8, 3-й этаж

138. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Samstag Mittag. <Basel, 17. Juni 1871>

Многоуважаемый господин тайный советник,

прежде всего, искреннее соболезнование по поводу состояния Вашей дочери, но пока лишь предварительное: с каждым днём Вы будете получать от меня всё больше новостей. Сегодня мне удалось выяснить немного, но я завязал несколько нитей, чтобы уже завтра располагать более точными деталями.

Семьи, которые я знаю лучше всего, случайно не были в Рагаце или были там в такое время, которое не позволяет сделать выводы о нынешнем состоянии. К тому же «больные» обычно находятся в — кстати, меланхолично мрачном — Пфэфферсе.

Рагац считается «тёплым» (но не в смысле лейпцигского лета), здесь меньше пасмурных и дождливых дней, чем в высокогорных курортах, и благодаря своему свободному расположению позволяет совершать прогулки по равнине: самый красивый путь, почти ровный, к упомянутому Пфэфферсу, тенистый и прекрасный. — Разве Наумбургские Ваксмуты не бывали там однажды летом и не так давно? — Фрау Фишер обещала мне скоро и подробно сообщить из круга своих родственников; то же самое обещал её зять, господин Г. Фюрстенбергер, который знает базельского архитектора (или инженера?) Фрея, проработавшего в Рагаце несколько лет и потому хорошо осведомлённого.

При этом упоминалась пансион, которой принадлежит бывший базельский студент, священник Штейгер, и который находится примерно в 10 минутах от Рагаца. Кстати, Рагац имеет репутацию развлекательного, но дорогого курорта; там есть очень красивые новые отели и отличные бани. (Медицинские подробности у Мейера-Аренса, „Целебные источники Швейцарии“, которую должна иметь ваша университетская библиотека.) Подробная книга о Рагаце должна прибыть к вам в эти дни. Пансионы есть повсюду, за исключением, пожалуй, самого первого отеля; цены немного выше, чем в Интерлакене. По этому вопросу я обещаю предоставить точную информацию.

От 15 человек, которых я сегодня расспрашивал о Рагаце, скоро можно ожидать чего-то: на что я должен вас сегодня отложить. Также я выясню, кто из базельцев едет этим летом в Рагац. Источники считаются очень целебными, несмотря на полное отсутствие доказуемых основных элементов. —

„Швейцарские хозяйства“ в указанном смысле там больше не встречаются. „Хорошее общество“ гораздо более вероятно, чем противоположное: так что можно определенно рассчитывать и на „хорошее общение“.

С просьбой сегодня удовлетвориться этим прологом, обещает подробности

Ваш преданный
Ф. Ницше.

139. An Auguste Forst in Wiesbaden

<Basel,> Am 21 Juni 71.

Моя уважаемая фрейлейн,

в нашей семье в последнее время не было более приятного события, чем то самое новое, благодаря которому Вы стали нам родственницей. Хотя я пока ещё не имел удовольствия видеть и говорить с Вами лично, я всё же знаю, как оценить это событие по достоинству, благодаря моей сестре, которая уже не раз и всегда очень подробно рассказывала мне об выдающихся качествах своей подруги. В этом смысле я считаю, что в первую очередь должен поздравить моего замечательного дядю Оскара, и Вы, несомненно, передадите ему мои поздравления от моего имени и по моему поручению гораздо красивее, чем смог бы сделать я сам, неискушённый в радостях помолвки. При этом я не забываю, какая предпочтительная любезность заключалась в радостной поспешности обоих женихов, немедленно и без промедления сообщить о счастье этого дня в Базель. Сердечно благодарю Вас за это и желаю счастья со всех сторон, которого Вы достойны в такой высокой степени, и обещаю быть с этого момента тем, кем не мог быть до сих пор

Ваш, преклоняющийся перед Вами племянник
Д-р Фридрих Ницше
Проф. о. п. в Базеле.

140. An Carl von Gersdorff in Marienbad

Basel 21 Juni 1871.

Мой дорогой, драгоценный друг,

Так ты, значит, счастливо и невредимо вернулся из огромных опасностей. Наконец-то ты снова можешь думать о мирных занятиях и задачах и рассматривать этот ужасный военный эпизод как серьёзный, но миновавший сон твоей жизни. Теперь взывают новые обязанности: и если что-то одно и останется с нами в мире из этого дикого военного действа, то это героический и одновременно рассудительный дух, который я, к своему удивлению, как бы в качестве прекрасного неожиданного открытия, нашёл в нашей армии свежим и сильным, в старом германском здоровье. На этом можно строить: мы можем снова надеяться! Наша немецкая миссия ещё не закончена!

Я смелее, чем когда-либо: ибо еще не все погибло под французско-еврейским уплощением и «элегантностью» и под жадной суетой «нынешнего времени». Есть еще мужество, и притом немецкое мужество, которое внутренне отличается от элан наших достойных сожаления соседей.

За пределами борьбы наций нас напугал тот международный гидрокефал, который внезапно появился так ужасающе, как предвестник совсем других будущих битв. Если бы мы могли однажды высказаться лично, то пришли бы к соглашению, как именно в этом явлении наша современная жизнь, да и вообще все старое христианское Европа и ее государство, прежде всего же повсюду господствующая романская «цивилизация» выдают огромный ущерб, который присущ нашему миру: как мы все, со всей нашей прошлой жизнью, виновны в таких проявляющихся ужасах: так что мы должны быть далеки от того, чтобы с высоким самомнением приписывать преступление борьбы против культуры только этим несчастным. Я знаю, что это значит: борьба против культуры.

Когда я услышал о пожаре в Париже, я был полностью уничтожен и растворён в слезах и сомнениях на несколько дней: вся научная и философско-художественная жизнь казалась мне абсурдом, если один день мог уничтожить величайшие произведения искусства, целые периоды искусства; я цеплялся с серьёзной убеждённостью за метафизическую ценность искусства, которое не может существовать ради бедных людей, но должно выполнять более высокие миссии. Но даже в моей глубочайшей боли я не был способен бросить камень в тех нечестивцев, которые были для меня лишь носителями общей вины, о которой стоит много думать! —

Здесь следует трактат, который раскрывает немного больше о моей философской деятельности, чем предполагает его название.

Читай их с доброжелательностью; у меня ещё многое впереди, и я готовлюсь также к борьбе, в которой, как я знаю, мои друзья примут активное участие. Сколько всего можно было бы обсудить устно, мой дорогой друг! И когда я смогу надеяться на твой визит?

О Вагнере ты, вероятно, слышал многое и, как я думаю, только хорошее из Norddeutsche Allg.: также и о великих Байрейтских планах. Всё идёт прекрасно. — В Трибшене тебя помнят с добром: я рассказал, что ты обещал мне приехать летом.

Моё самочувствие этим летом лучше. Погода, впрочем, крайне переменчива. Сегодня у нас буря и холодный дождь.

Летом, с 15 июля по 13 августа, я буду в Гиммельвальде, возле Мюррена, в Бернском Оберланде, вместе с моей сестрой. Мы уже зарегистрированы в небольшом, чудесно расположенном пансионе.

Ты же был свидетелем вступления в Берлин? —

Ещё раз, мой дорогой друг; я счастлив при мысли о твоём скором визите. Советник Фишер (который, будучи студентом, часто бывал в доме твоего деда в Веймаре) также радуется твоему приезду. Ведь все мои знакомые знают о твоих судьбах.

Живи хорошо и всё лучше: ты этого заслуживаешь.

Прошу рекомендовать меня твоим уважаемым родителям и остаюсь тем, кем был,

Твой верный друг
Фридрих Ницше.

141. An Wilhelm Engelmann in Leipzig

<Basel,> 28 Juni <1871>

Уважаемый господин

благодарю Вас за Ваше предложение и согласен с условиями, но, к сожалению, должен повторить то, что уже писал Вам в своём последнем письме: я уже снова распорядился своей рукописью и вступил в переговоры, которые теперь не в моей власти прервать. Если же они всё-таки сорвутся, я с удовольствием сообщу Вам об этом.

Тем временем, при любых обстоятельствах, мне нужна моя рукопись, в которую необходимо внести некоторые изменения, и я ещё раз прошу Вас любязно отправить её господину доктору Ромунду в Лейпциг (Schützenstr. 8, 3 этажа).

Ваш преданный
Д-р Ницше
Проф. в Базеле

142. An Paul Deussen in Marburg

Basel 2 Juli 71.

Мой дорогой друг,

я слышал о твоих планах и размышлял над ними. В этой двойственности положения, частично как учитель гимназии, частично как университетский доцент, заключается прежде всего нечто очень ценное. Я бы в любом случае попросил тебя не отказываться от своей школьной должности из-за отвращения к так называемым «школьным учителям». Это наша самая многообещающая позиция: и тот, кто, как я, думал о самых радикальных реформах в системе образования, высоко ценит эту практику, богатый опыт работы в гимназии. Ибо именно там мы должны начинать выражать наше более серьезное мировоззрение. Университет вряд ли является самой плодородной почвой для этого. — Об университетах мы должны когда-нибудь поговорить лично.

Когда же ты наконец сообщишь мне, что мы хотим увидеться, встретиться снова? Что такое письма!

Вот эссе, вторая часть более крупного труда, который постепенно готовится к печати. Читай его так, как он написан, и не пугайся, если встретятся некоторые специальные термины, которые подробно объяснены в первой, предшествующей части эссе. Это издание только для моих друзей (как раньше «Гомер»). Значит, не для публикации! Напиши мне скоро и подробно о своих впечатлениях: это будет для меня наиболее поучительным в отношении твоего философского развития.

Мой добрый друг, я повторяю, когда мы увидимся?

С прежней верностью
Ф. Ницше.

143. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel 11 Juli 71.

Довольно долго, моя дорогая мама, ты не получала от меня писем. Это происходит, когда Лизбет живёт со мной, тогда переписка сразу становится хромой. Вчера мы отмечали её день рождения, как? она сама тебе расскажет. К сожалению, в этот день она чувствовала себя не совсем хорошо. Здесь у нас период постоянных гроз: вчера за один день их было примерно семь. Между ними — как сейчас <—> жара и духота невыносимы, мы как в паровой бане и очень жаждем прохладного места. — Моё здоровье в последние три месяца оставалось стабильным, если не считать некоторых кратковременных недомоганий. В целом я довольно доволен, но уже замечаю, что прошло 10 недель подряд, когда я преподавал.

Это, конечно, довольно обидно.

Ты пережил в Наумбурге тревожные дни из-за бедной Лаубшер и, я думаю, сидишь дома в унынии. Лиза говорит мне, что ты беспокоишься о своём пропитании. Я сам делаю тебе следующее предложение, которое ты просто принимаешь, не говоря об этом Лизе или другим людям. Во-первых, я прошу тебя принять небольшую сумму, которую ты вычел из моих процентов для себя, (как мне сегодня сказала Лиза) как небольшой подарок от меня. Затем считай проценты от 200 талеров, которые Оскар должен мне с Пасхи, своими: пока Оскар должен мне эти деньги, проценты принадлежат тебе. Только прошу тебя, не говори Оскару ничего об этом.

Во-третьих, прошу тебя выбрать из моих железнодорожных бумаг одну по своему усмотрению, которую ты хочешь: используй её, как тебе угодно: я имею в виду, продай её и используй для своих нужд! Таким образом, твои текущие заботы, вероятно, будут несколько облегчены. Я сам позволяю себе эту шутку как продолжение празднования дня рождения Лисбет и прошу только о том, чтобы шутка оставалась в тайне, и во-вторых, чтобы ты принял её без церемоний. Я не принимаю благодарности с твоей стороны.

Теперь пробил мой час обеда. Желаю тебе хорошего аппетита и веселья,

Твой старый сын.

144. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> 12 Juli 71.

Мой дорогой друг,

решись быстро подать заявку на недавно объявленную профессуру филологии в Цюрихе. Я прошу и умоляю тебя, сделай это немедленно!

Профессура изначально посвящена реальным дисциплинам классической филологии и древней истории искусства.

Начало профессуры: летний семестр 1872 года.

Заявка должна быть подана до 31 июля.

Адресуй:

Господину Зиберу, директору высшего образовательного учреждения

в Цюрихе.

Обращение в письме: «Высокому образовательному директору».

Приложи все свои работы и статьи, опиши свой образовательный путь как можно более подробно и убедительно и ссылайся как можно сильнее на мнение Ричля и мнение твоих кильских коллег, а также — si placet — на меня и Фишера. Напиши Ричлю и попроси его о рекомендательном письме. Я настоятельно прошу тебя, сделай всё, чтобы мы оказались рядом. Затем напиши также очень дружелюбное частное письмо в Цюрих, профессору юриспруденции

Озенбрюгген, который хорошо меня знает и любит и которому я уже рассказывал о тебе, сообщи ему, что ты сделал, и спроси, что еще можно сделать для тебя.

Мы должны применить все энергичные средства.

Я пишу в большой спешке, чтобы ты не терял времени.

Заявление будет сильным.

Я уезжаю в отпуск в субботу.

Адрес: Гиммельвальд близ Лаутербруннена в Бернском Оберланде, отель Шильтхорн.

Твой верный друг.

145. An Richard Meister in Leipzig

<Basel,> 14 Juli 1871.

Дорогой господин Магистр,

Вы очень обрадовали меня своим письмом и ни в коем случае, как Вы скромно предполагали, не наскучили мне. Прошу Вас, как могли бы мне наскучить новости от общества, после того как мне было очень скучно так долго не слышать о нём ничего, так что его существование для меня не было вне всяких сомнений. Теперь я знаю, что оно ещё живо: и, между нами говоря, при численно блестящем подъёме лейпцигской филологии было бы весьма позорно, если бы оно не жило. Вы теперь позаботьтесь о том, чтобы оно росло с честью и оставалось тем, чем оно было в 65—67 годах, то есть

в годы моей памяти, был, а именно центр и общий очаг всех действительно продуктивных и серьезно настроенных филологов. Я часто сожалею, что у меня больше нет удобного доступа к этому обществу, как раньше; именно такой аудитории, как та, которую я предполагаю под вашим председательством, я имел бы многое сказать лично, для укрепления и продвижения всех тех планов, которые я лелею и которые действительно затрагивают сердце классической филологии. Мы можем еще надеяться на возрождение греческой древности, о котором наши отцы и не мечтали. Только не верьте, что нам придется довольствоваться вытоптанным и чахлым лугом, как сухому скоту! —

В этом смысле приветствуйте общество от меня, которое может быть уверено, что я сделаю для него все, что от меня потребуют и к чему, впрочем, меня всегда побуждает моя собственная благодарность.

С дружескими приветствиями
я
Ваш
Др Фридр. Ницше
P. o. p. в Базеле.

146. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel, Mitte Juli 1871>

Мой дорогой друг,

ещё раз сердечный привет, как сопроводительный лист к моей литературе.

Ф. Н.

— Моя ранее упомянутая книжечка не нашла издателя, я теперь приношу её в мир по частям: какая мука для рождающей! —

— Я написал Ричлю по поводу Цюриха. Он уже ведёт разведку. —

147. An Erwin Rohde in Kiel

<Gimmelwald bei Lauterbrunnen, 19. Juli 1871>

Мой дорогой друг,

в самом возвышенном горном уединении я только что получил твое письмо и отвечаю без промедления, хотя мне нечего написать, кроме: „Печально! Опять не получилось! Какое странное стечение обстоятельств!“

В тот же четверть часа, когда я отправил тебе свои увещевательные строки, я написал с такой же срочностью Ромунду — и с таким же эффектом! Несчастный четверть часа, в который я надеялся связать нашу тройную судьбу одной нитью! Я предложил Ромунду солидное место преподавателя в Берне (с 3—4000 франков).

Содержание и умеренное количество часов в старшей гимназии) Вместе с твоим письмом я получаю его ответ: он доволен предложением, но не может его принять, так как только что принял должность домашнего учителя в Ницце!

— Теперь я, конечно, надеюсь, что и ты, несмотря на Форххаммера, скоро доберешься до своей Ниццы.

Впрочем, судьба поступает с нами ужасно, разлучая нас. В конце концов, она вынуждает меня к более крайним мерам.—. Я, право, ничего не хочу ради себя, но необходимо, чтобы мы были вместе, как тебе сразу станет ясно, если мы снова проведем несколько дней вместе, необходимо ради нашего общего предназначения, путь которого я уже начинаю яснее различать.

Не будем позволяться судьбе огорчать нас, а станем только смелее и радикальнее! —

Мне пришло в голову, что недавно я отправил тебе по почте пакетом экземпляр моего «Сократа», вместе с вторым для Риббека. Мне очень досадно, если, как кажется, он не дошел.

— В Лейпциге я заставил Ромундта прочитать это сочинение в филологическом обществе и также распространил его, с некоторой «сенсацией», как пишет мне Ромундт.

Здесь, в дикой местности, я надеюсь, как Даная, на дождь, по крайней мере на каплю хороших идей, ибо я поставил перед собой трудную задачу, решить которую на равнине я отчаиваюсь.

И теперь, дорогой друг, думай обо мне как о человеке, который не оставляет без попытки ни одного средства, чтобы приблизить тебя к себе, который до сих пор никоим образом не теряет надежды на все времена.

Для Цюриха, я слышал, у Дильтея в Бонне и Матца есть некоторые перспективы. Я обязан этой заметкой отвратительному Люциану Мюллеру, который из Петербурга едет в Швейцарию и меня — меня! — меня!!беспокоил.

Со мной вместе рыцарь Железного креста Карл фон Герсдорф, мой старый, отлично зарекомендовавший себя друг.

В постоянной верности
Твой друг Ф. Н.

Тот же адрес (Гиммельвальд), что и в последнем письме.

В Цюрихе не хотят "прежде всего археолога"; кроме того, ты недооцениваешь свои способности в греческом искусстве. Хотят представителя древностей, затем во-вторых филолога и в-третьих, наконец, того, кто читает несколько общих археологических курсов! — Но, конечно! Странная, висящая в воздухе профессура, к сожалению, обязывает тебя к пассивному наблюдению и бездействию. Мне кажется, что ссорящийся факультет вместе с восседающим на вершине министерством заслуживает хорошего пинка, пинка в зад! Мне тошнит — особенно когда я думаю, что ты — предмет спора.

148. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 4 Aug. 71

Уважаемый господин тайный советник,

из-за небольшой поездки в горы мне удалось отправить Вам книги немного позже, чем я хотел бы. Однако я думаю, что господин Опиц еще не уехал в отпуск и что книги попадут к нему как раз вовремя. Мне кажется, что он найдет то, что желает — довольно богатый и до сих пор неиспользованный материал. —

В последние недели я пытался сделать что-то для Роде в связи с цюрихской профессурой — безуспешно.

Я ведь совсем не знал, что правительство передало решающие права предложения в руки комиссии из 3 профессоров, во главе с Бенндорфом: я же обратился с своими рекомендациями и просьбой навести справки о Роде у Вас и Риббека к правительству. Бенндорф же, по-видимому, в своей нервной манере воспринял как оскорбление то, что его обошли, хотя на самом деле никто изначально не мог посоветовать именно его, учитывая признанную неудачность и враждебность правительству его шага с отставкой. Короче — я потрудился напрасно и должен ждать более подходящего случая, чтобы помочь Роде.

Я не знаю, кто мне рассказал или я это приснил, что собрание лейпцигских филологов не состоится. Мне это жаль: плохо — было бы лучше. —

Известно ли что-нибудь о преемнике Фалькенштейна в министерстве культуры? Я предположил, что это будет Гербер. —

То, что вы мне любезно сообщили — а именно, что Моммзен передал те письма Верепфеннигу для печати в отсутствие Трайчке — подтвердилось мне и с другой стороны (Трайчке рассказал о случившемся так же).

Есть ли у вас хорошие новости из Рагаца от вашей дочери? И как вы сами переносите этот абсурдный лето? Статистика Лейпцигского университета показывает огромный прогресс в этом семестре. Борьба с Берлином уже решена в пользу Лейпцига.

Сердечно рекомендуя себя вам и вашей супруге и искренне благодарю за присылку вашего плавтиновского очерка

остаюсь в постоянной преданности
ваш покорный ученик
Фридрих Ницше.

149. An Erwin Rohde in Kiel

Basel 4 August 71.

Мой дорогой друг,

я не ответил на твое второе письмо, потому что хотел сначала посмотреть, что я смогу сделать для тебя в нашем деле. Что я не был ленив, после того как ты передал мне это дело, я мог бы доказать тебе перепиской из 10 писем. Беспокоить тебя теперь всем ходом дела было бы только скучно — так как результат определен — к сожалению, определен — я не смог ничего добиться для нас, несмотря на то, что дело выглядело многообещающе на ранних стадиях. Бенндорф вчера, несколько раздраженный, прояснил мне ситуацию, он, похоже, поддерживает своего Матца или Дилтея, и мои меры, которые, к удивлению, нашли поддержку у самых влиятельных цюрихских политиков, вызвали у него сильное недовольство. Но так как он имеет важный голос в комиссии и не хочет признавать тебя археологом, то все кончено, и я снова выжидаю нового случая. Ты прав — боги, должно быть, имеют какие-то странные планы на нас, раз они до сих пор так упорно ставят нам палки в колеса. В этом году я уже провел два эксперимента — ну, будем надеяться на третий. —

Я очень рад, что ты получил хорошее впечатление от моего «Сократа» и благодарю тебя за твое участие.

Многое из этой «пурпурной темноты» станет еще яснее, когда весь текст будет представлен в связном виде.

В самом деле, я верю, что многое можно вывести из противоположности дионисийского и аполлонического. — Твой Риббек с желанием свидетельства и доказательства доставил мне удовольствие особого рода, как же примерно должно звучать это свидетельство? Стремятся приблизиться к происхождению самых загадочных вещей — и теперь уважаемый читатель требует, чтобы вся проблема была решена одним свидетельством, вероятно, из уст самого Аполлона: или отрывок у Афинея окажет те же услуги? Для некоторых людей даже лучшие. Ведь пророчествующему Аполлону теперь, как быку, который пашет, завяжут рот.

Впрочем, я не сомневаюсь, что когда-нибудь научусь излагать те же самые вещи ещё лучше и яснее. Пока же прошу тебя удовольствоваться мистическим туманом первого замысла. Я действительно сдерживал себя в вопросах стиля и изложения строгими требованиями, но от определённой ἀλογία при таких вещах не избавишься. Ты везде заметишь влияние изучения Шопенгауэра, даже в стилистике: но странная метафизика искусства, составляющая фон, — это почти моя собственность, а именно недвижимость, но ещё не подвижная, обращающаяся, чеканная собственность. Отсюда и „пурпурная темнота“: это выражение мне неописуемо нравится.

Осенью, вероятно, Ричард Вагнер даст большой концерт в Мангейме. Для нас это сигнал собраться вместе. Мангейм действительно находится примерно посередине между нами. Все подробности я сообщу тебе, как только что-то будет определено. Дай мне знать, нравится ли тебе моя идея. Встреча под звуки торжественной музыки Вагнера — волшебно прекрасное представление! Давайте быстро принесём жертву демонам, чтобы они не разрушили и это моё желание!

Прощай! Мой дорогой, добрый, верный друг, не печалься! Мы встретимся! И тогда Эйя попея!

Фридрих Ницше.

150. An Franziska Nietzsche in Altendammbach

<Basel,> 2 Sept. 71.

Здесь, моя дорогая мать, новости от меня, написанные собственной рукой, после того как прежняя руководительница моей переписки с тобой меня покинула. Я также уже знаю из только что полученного письма Лизбет, что она без происшествий добралась до Висбадена и там наслаждается всеми удобствами хорошего дома и нежной подруги. Базель ей понравился, да, после моего несчастья, слишком даже. Но она скоро находит любой уголок терпимым, при условии, что время от времени ей говорят что-то приятное. Мои честные базельцы, кажется, сделали это слишком щедро: поэтому она неохотно покинула этот город.

Я читаю твои письма с большим удовольствием: ты всё-таки рассказываешь что-то, и из множества мелких деталей складывается у меня наглядная картина: в то время как мы ничего толком не пишем, а только откладываем на личное свидание, но затем обычно и вовсе нечего рассказать. Это личное свидание, похоже, снова близко: если что-то получится из моего плана прибыть в Наумбург 1 октября на трёхнедельное пребывание. В любом случае я скоро дам тебе более точные и определённые известия. Вместе с этим должно быть связано свидание с Роде в Лейпциге и т.д.

Лизбет приветствовала эту комбинацию с большим одобрением.

Сначала шла речь о том, что я приеду в Наумбург на Рождество. Как бы это ни было желательно, зимняя поездка неудобна: но, прежде всего, у меня была бы только одна неделя времени. Поэтому я решил приехать осенью, которую особенно люблю проводить в тюрингенском воздухе. Я с нетерпением жду Зальталь и многие лейпцигские места, связанные с воспоминаниями, и почти готов думать, что живу в изгнании, потому что так далек от этих мест. Со своим здоровьем я все еще не доволен, и я больше, чем когда-либо, уверен, что базельский воздух мне не подходит.

Мне требуется довольно много времени, чтобы преодолеть непроизвольное отвращение ко всей швейцарской жизни: до сих пор я даже не достиг точки безразличия.

О визите Герсдорфа, вероятно, написала тебе Лизбет. Он мне понравился так же, как и Вагнер, как настоящий и сильный представитель всех достойных качеств северонемецкого характера. Ромундта я ожидаю увидеть ежедневно, так как он на пути в Ниццу, где проводит зиму, должен проезжать через Базель. Дойссен настоятельно просил меня навестить его: и я сделаю это, вероятно, на обратном пути из Наумбурга в Базель. Сейчас он преподает в Марбургском университете. Виндиш вернулся из Англии и в Лейпциге стал экстраординарным профессором.

было сделано. Роде сейчас находится на морском курорте в Гольштейне и поклялся встретиться со мной в этом году, после того как несколько моих попыток навсегда привести его в мою близость не увенчались успехом.

Таким образом, возможно, что моим приездом я лишу тебя твоего прекрасного пребывания «в лесу и на пустоши»: за что я должен попросить прощения у дорогого дяди Теобальда. Передай ему от меня привет: когда-нибудь я все же снова его увижу, вместе с его превосходной женой и детьми, которые мне еще совсем незнакомы. Я слышал, что в это время у него день рождения: да здравствует он!

И ты тоже!

Твой Фриц.

151. An Erwin Rohde in Kiel

<Basel,> 6 Sept. 71.

Мой дорогой друг,

были свои причины, почему я не писал. Я просто не знал — и в Трибшене тоже ещё ничего не знали — будет ли и что будет с мангеймской концертной историей будет. Теперь, после того как я несколько раз обсуждал это с моими трибшенскими друзьями, так много ясно, что мы не можем на это рассчитывать. Возможно, дело сдвинется с мёртвой точки в октябре. Похоже, здесь решает денежный вопрос. Ты, конечно, знаешь, что это вагнеровское общество с целью байрейтских предприятий, в пользу которого был придуман тот концертный план. Я в Трибшене точно изложил свои намерения и говорил о том, что осенью поеду в Северную Германию, если мангеймский концерт меня не удержит.

Фрау Вагнер, похоже, не совсем верит в то же самое, потому что Вагнер, долгое время отвлекавшийся от непрерывных визитов, наконец снова продолжает сочинять и вряд ли позволит себе прерваться.

Таким образом, наша надежда снова, по жестокой аналогии, разрушена.

Однако, Однако — мы хотим! В этом году мы хотим добиться чего-то вопреки ходу звёзд, а именно —

Ты уже слышал, что я собираюсь путешествовать на север, то есть в Наумбург и Лейпциг. Что ты думаешь? Не хочешь ли приехать в Лейпциг? Сейчас, в мягкую прохладную осеннюю погоду, у меня появилось сильное желание побродить с тобой по Лейпцигу, по надгробиям наших прошлых жизней.

Я отправляюсь в Наумбург 1 октября отсюда.

Для Лейпцига я рассчитываю примерно время с 10 октября. 20-го я должен вернуться.

Представь, что вчера вечером Ромундт прибыл ко мне, проездом в Ниццу, куда он нанялся на 9 месяцев.

В этом году мы можем посетить Лейпциг, так как конгресс филологов не собирается там устраивать оргии. Ах, сколько у нас есть, о чём поговорить! Ромундт действительно заставил меня осознать, как я одинок и как должен держаться за своих самых любимых друзей, чтобы не потерять всю надежду. . —

Пожалуйста, напиши мне скорее хоть слово о решении! Я не хочу больше ничего тебе писать, после того как снова — снова! — появилась надежда увидеть тебя! — Дорогой демон, подари нам, хорошим детям, хоть раз что-то радостное и позволь старым друзьям встретиться!

Ф. В.

152. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden

<Basel, 7./8. September 1871>

Здесь, моя дорогая Лизбет, письмо от нашей доброй матери, которая всё ещё не имеет никаких новостей. Я действительно боюсь, что не совсем правильно запомнил адрес, я написал Альтендаммбах около Шлайзингена в Тюрингии. Это неверно? Напиши сразу туда и сообщи о моём плане прибыть в Наумбург 1 октября. Я теперь тоже думаю, что наша мать с удовольствием вернётся обратно в Наумбург.

Сердечно благодарю за твоё письмо. Я рад, что ты преодолела опасности путешествия и в Висбадене уже снова пришла в необходимую температуру, которая на этот раз, несомненно, имеет свои особые преимущества.

Базель всё ещё стоит, повозки всё ещё мчатся престиссимо по Мюнстерплац — в общем, это старый Базель, только теперь мы потём больше, чем в летние месяцы.

Ромундт у меня в гостях. Вчера мы были в Гренцахе.

Ты знаешь мои желания относительно большого путешествия. Бывают странные совпадения. Я получил из Трибшена запрос, который имеет к этому отношение. Я шепну тебе на ухо, что один из трибшенских друзей (молодой немецкий принц, участвовавший в войне и, кстати, референдарий, а также майоратский господин) ищет для путешествия в Италию, Грецию, Восток и т.д. проницательного и образованного спутника и что у меня спросили, не могу ли я кого-нибудь предложить... Я не знаю...

Это последние шутки, с которыми я, под печатью секретности, и с обычными рекомендациями Густхен и т.д., остаюсь

Твой соратник
Ф. Н.

Только организуй возвращение в Наумбург вовремя, чтобы я не одичал.

153. An Paul Deussen in Marburg

Basel 12 Sept. 71.

Мой дорогой друг, не так ли, ты всё ещё намерен когда-нибудь получить квалификацию в философии?

С тех пор, как я это знаю, я всё время думаю о том, как облегчить твоё положение: и сегодня мне пришла в голову одна идея, которая, возможно, могла бы тебе помочь. У меня спрашивают, не знаю ли я кого-нибудь, кто согласился бы на 4 года взять на себя должность воспитателя на следующих условиях.

Речь идёт о жизни в русской семье, а именно о зиме во Флоренции. Нужно обучать одарённого, но несколько избалованного мальчика 13 лет, а именно по английскому, латыни и немецкому. В семье говорят по-французски. Этот набор языков, конечно, не вызовет у тебя трудностей. Зарплата высокая, 3000—4000 франков, то есть около 1000 талеров.

Конечно, совершенно свободная станция.

Таким образом, ты станешь почти свободным человеком на 4 года подготовки и сможешь почти полностью посвятить себя философским занятиям. Ты сможешь почти всю сумму, при своих чрезвычайно скромных жизненных запросах, сэкономить, чтобы начать свою карьеру приват-доцента, как бы коротка она ни была, в качестве рантье. Короче, ты выиграешь время и деньги, не говоря уже о ценности пребывания в Италии, Швейцарии и т.д.

Напиши мне, после хладнокровного размышления, но как можно быстрее ответ. Ибо одно условие заключается в том, что ты начнешь уже этой зимой. Для этого тебе нужно быстро завершить свою школьную карьеру.

Итак, дорогой и любимый друг! Быстро! Да!

или Нет!

Я сам решил увидеться с тобой этой осенью. Я еду в Северную Германию и вернусь в Базель через Марбург примерно 20 октября.

Я искренне радуюсь возможности снова тебя увидеть. —

Передай мои лучшие пожелания твоей замечательной семье. —

Ещё полторы недели я буду в Базеле. В это время, да, в ближайшие дни должен прийти твой ответ. — Не воспринимай это слишком серьёзно. Это не должно быть решением, а весёлым риском.

Si nihil est, lusisse videmur.

Известие о твоём теологическом экзамене поразило меня. Больше скажу, когда снова тебя увижу.

Ты перечитал «Сократа»?

До свидания, дорогой,
старый друг и Ка-
мерад!
Фридрих Ницше.

154. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden

Basel. <15. September 1871>

Ну что ж, моя дорогая Лизбет, ты должна узнать схему моего путешествия к вам. Я старался собрать вместе как можно больше дней. Благодаря замене уроков в педагогиуме мне удалось уехать на несколько дней раньше. Ведь согласно нашей прежней договоренности я хотел покинуть Базель в субботу вечером, но теперь я делаю это уже в предыдущую среду и, конечно же, пользуюсь прямым ночным поездом, который привезет меня в Франкфурт в четверг утром: где я встречусь с тобой.

Таким образом, ты должна уехать на три дня раньше, чем ты решила раньше: надеюсь, это не будет для тебя слишком сложно.

Теперь, однако, наше наумбургское существование должно быть приведено в порядок несколько раньше: поэтому я сразу пишу нашей матери. Ты доволен? —

Твои крики "Ура!" из-за сообщённого проекта невероятно преждевременны: я всё ещё нахожусь на стадии самых предварительных расспросов и живу дальше, как будто ничего нет и не будет.

Вчера вечером я был у старых Фишеров. Передавай привет. Также я узнал о письме, которое ты написал жене Фишера-сына.

Примерно в то же время, когда я уеду к вам, здесь состоится свадьба моей хозяйки. Я бегу от этого события. Овербек и я, конечно, делаем подарок.

Ромундт был у меня три дня: ему очень понравилось в Базеле.

Фрау Вагнер написала, что я должен передать тебе от неё привет: она сожалеет, что так мало видела тебя в Трибшене.

Семестр становится действительно тяжёлым. Горе собаке, которая съела кожу! — говорит латинист.

Напиши мне ещё пару слов — что ты получил моё письмо и собираешься уехать вовремя.

Я приветствую самое прекрасное и самое значительное существо обеих семей

(Воспоминание о твоём письме!)

Addio!

Фридрих Н. как брат.

Итак, мой отъезд в среду, 27 сентября.

155. An Franziska Nietzsche in Altendammbach

Basel 15 Sept. 71.

Здесь, моя дорогая мать, следуют обещанные подробности о моем отъезде.

В среду, 27 сентября, вечером я покидаю Базель и, следовательно, буду в Наумбурге примерно в 5 часов дня в четверг вместе с Лизбет, с которой я встречаюсь во Франкфурте. Значит, тебе следовало бы на несколько дней раньше посетить наш наумбургский дом, не так ли?

Большое спасибо за твое подробное письмо, из которого я также понимаю, как ты с удовольствием вернешься в Наумбург. Тем временем ты, безусловно, получила наши взаимные письма из Висбадена и Базеля и освободилась от своих тревог. Почтовая связь с Альтендаммбахом, похоже, не очень пунктуальна и быстра.

Для поездки я подготовлюсь как можно теплее. Ночи уже довольно холодные.

Фрау Фишер была необычайно рада получению твоего письма: я был у нее вчера вечером.

Тем временем Ромундт был у меня в гостях. Ему очень понравилось в Базеле, как и всем моим гостям.

Я думаю увидеть всех своих друзей по очереди. Если бы только Роде приехал в Лейпциг!

Ну, живи хорошо, очень хорошо! Как я радуюсь нашему воссоединению!

Сердечно приветствуй наших родственников от меня!
Твой старый сын.

156. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel Montag c. 18 Sept.71.

Мой дорогой друг,
мой самый сердечный привет тебе!

Я всегда так доволен, когда думаю о тебе; ведь мне кажется, что даже после пятилетнего перерыва мы всё ещё очень хорошо подходим друг другу. Наши пути, в конечном счёте, не разошлись, и так мы снова нашли друг друга, и так мы будем находить друг друга в будущем. Как мало людей имеют такое счастье с друзьями после таких периодов разлуки!

Я ещё раз благодарю тебя за твой визит; в этом лете со мной не могло произойти ничего более приятного и утешительного.

Мы снова вместе натянули над своими головами сеть культуры, и будет трудно помешать нам в этом единстве наших лучших намерений.

Тебя везде вспоминают с лучшими чувствами. Фрау Вагнер написала мне о тебе, очень довольная и благодарная: Буркхардт и Фишер передают тебе свои лучшие пожелания. Короче — я хвалю свой Базель; мои друзья довольны Базелем, и Базель доволен моими друзьями.

Твои последние сообщения содержат много печального. Твой бедный брат!

Тот разговор о религии и философии, о котором ты мне рассказываешь, безусловно, относится к самым печальным необходимостям жизни: если уж до этого дошло, то вооружись мудростью и мягкостью.

Так невероятно трудно, при таких искушениях, оставаться свободным от всякой горечи: ибо в великой темноте бытия здесь и лежит истинная область сострадания. Подчеркивай лишь своими делами глубочайшее единство с догматом любви и сострадания — это прочный мост, который может быть переброшен и через такие пропасти. —

Также это благородное искусство — в таких делах молчать в нужный момент. Слово — опасная вещь и редко бывает уместным в подобных случаях. Сколько всего нельзя произносить! И именно религиозные и философские основополагающие взгляды относятся к тем вещам, о которых не принято говорить. Это корни нашего мышления и желания: поэтому их не следует вытаскивать на яркий свет.—

Осенью мы сможем снова встретиться: правда, вряд ли в Мангейме: ведь В<агнер> сейчас в полной творческой активности и поэтому, вероятно, с большим трудом можно убедить его участвовать в таких отвлекающих публичных мероприятиях.

Но я, вероятно, приеду в Лейпциг, где я договорился о встрече с Роде. Более точные детали я сообщу тебе позже. Представь, что у меня, возможно, будет счастье снова увидеть всех своих друзей в этом лете и осенью подряд.

Ты начал это счастье. Затем приехал Ромундт на несколько дней, но всё же к нашему большому взаимному удовольствию.

Он был на пути в Ниццу и теперь решил в следующем году хабилитироваться по философии.

В Наумбурге я встречу Пиндера и Круга, в Лейпциге — Виндиша, Ритшля, Брокгаузенов и — Роде. По возвращении через Марбург я снова увижу Дойссена.

— А не мог бы ты привезти Мушаке с собой в Лейпциг, примерно 10 октября? Тогда круг замкнётся. —

Теперь ещё одна просьба. Знаешь ли ты молодого князя Хатцфельда, брата госпожи фон Шлейниц? Он референдарий и наследник майората. Я был бы тебе очень признателен, если бы ты мог сообщить мне что-то конкретное о его характере и образовательных намерениях и т.д. Причину этого, для меня очень важного, запроса я сообщу тебе позже. Если ты его не знаешь — по крайней мере, ты легко сможешь что-то о нём услышать.

И теперь, мой дорогой верный друг, прощай! Погрузись в вагнеровское искусство, как ты погрузился в Шопенгауэра. Поприветствуй от меня своих художественных друзей и думай с теплотой

о своём Горном товарище-
велосипедисте Фридрихе Ницше.

157. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel 18 Sept. 71.

Мой глубокоуважаемый господин тайный советник,

сообщаю Вам, что, согласно данному обещанию, осенью я навещу Вас. Это решено. Тогда мы многое обсудим, я очень расположен к разговорам и знаю, что Вы и Ваша супруга по-прежнему интересуетесь мной. Об этом мне сообщил слуга Ромундт, который через Базель отправился на службу к своему господину в Ниццу.

Вместе с этим письмом отправляется работа, которая надеется — и, как я думаю, имеет на это право — быть напечатана в Рейнском музее. Она написана талантливым доктором Гейзером (сыном известного профессора и служащего князя), который здесь преподает в гимназии и также посещал мои лекции.

Сейчас он со своим учителем Э. Курциусом в Малой Азии, счастливец! и, возможно, роет кости Гектора — кто его знает! Я думаю, что он когда-нибудь придет к мысли или его приведут к тому, чтобы хабилитироваться. Окажите ему и мне удовольствие, увидев базельский труд о Ликурге в рейнском музее напечатанным.

Моя сестра покинула меня некоторое время назад. Мы здесь на последних вздохах летнего семестра — у нас здесь длинное дыхание, не так ли?

Итак, до свидания, уважаемый
учитель!
Ваш преданный
Фридрих Ницше

158. An Auguste Forst in Wiesbaden

Basel 23 Sept. 71.

Вы умеете просить, синьорина, и требовать! Как жестоко, холодно и безразлично я должен вам сейчас показаться, если всё же говорю — Нет.

Я не могу уступить ни малейшей части своих каникул, после того как уже слишком многое было запланировано на это время. Я уже уступил неделю встрече с друзьями в Лейпциге — не столько ради дружбы, сколько из-за довольно долгих договорённостей, которые для меня имеют характер обязанностей и задач. К этим встречам я должен немедленно подготовиться, как только окажусь в нашей наумбургской уединённости и тишине: поэтому моя главная задача — не потерять голову в промежутке. Даже на обратном пути меня ждёт потеря ещё двух дней, с той же целью.

Да, вы думаете о прекрасном понятии каникулярного путешествия! Я знаю только путешествия ради здоровья и дел.

Позвольте же, прошу вас, вовремя отпустить мою сестру и начните также вовремя заводить для меня книгу долгов.

Запишите в ней на первой странице как первое преступление:

„отказанный визит, несмотря на одно из самых прекрасных писем своего времени и моей руки“

С наилучшей благодарностью и дружелюбнейшим, но непреклонным расположением

ваш
Др Фридрих Ницше

159. An Paul Deussen in Oberdreis

Basel 24 Sept. 71.

Так и должно быть, мой дорогой друг! Быстро и решительно!

И ты не упрекнёшь меня в колебаниях, если сразу получишь рекомендательное письмо. Из него ты узнаешь, кто мать твоего будущего воспитанника, и через какие каналы должны были пройти мои планы для тебя. Сегодня же было отправлено письмо по тому же делу княгине Трубецкой в Хайден. Ну, я желаю, чтобы всё сложилось к твоей пользе.

Напиши же сразу и отправь своё подробное заявление вместе с рекомендательным письмом. Быстро! Ведь не хватает претендентов.

Конечно, ты пишешь по-французски. Обращение, как ты знаешь, только Madame,

Я предполагаю, что ты сообщишь мне всё, уже для того, чтобы мы могли должным образом договориться о нашей встрече в октябре. Сейчас я не могу приехать в Обердрайс; я встречаю свою сестру в Висбадене, и затем мы вместе едем в Наумбург. Всё согласовано, и изменение наших планов невозможно.

Тем временем я рассчитываю на объявленную встречу в Марбурге и искренне радуюсь этому.

Поздравляя с твоим начинанием
Твой верный
Фридр Ницше

160. An Paul Deussen in Marburg

Naumburg Montag 16 Oct. <1871>

Тогда мы, мой дорогой друг, должны устроить это по-другому и снова отложить нашу встречу, как бы мне это ни было неприятно.

Ведь до 20-го числа этого месяца я не могу приехать в Марбург. Зато я думаю, что мы сможем насладиться друг другом с большим спокойствием и неторопливостью, как ты и представлял, в Веве — а именно в Базеле: куда я вернусь 23-го числа этого месяца. Мой адрес — Шютценграбен 45: здесь также живёт Овербек.

От всего сердца желаю тебе удачи в твоём путешествии, а также искренне благодарю за то, что ты вспомнил о моём дне рождения. Я провёл его в дружеской компании Роде, фон Герсдорфа, Круга и Пиндера, с необычайной торжественностью. Это был последний день встречи с названными друзьями: мы провели предыдущую неделю в Лейпциге, в блаженном праздновании воспоминаний. Там я передал издателю свою работу «Рождение трагедии из духа музыки».

Но зачем всё это тебе писать! Ведь теперь неизбежно одна встреча следует за другой!

В ожидании этого остаюсь
твой старый друг Ф. Н.

161. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel

Naumburg 19 Oct. <1871>

Уважаемый господин советник,

хотя я и сам вскоре, следом за этим письмом, отправлюсь в Базель, я всё же хотел бы заранее отправить пару строк, чтобы заверить Вас, как искренне я, вместе с моими близкими, радовался последнему, так любяще сообщённому нам событию в Вашей семье и как горячо я, со своей стороны, желаю выдающейся молодой паре счастья и благополучия! —

В ближайшее воскресенье я прибуду в Базель, чтобы принять участие в устном экзамене педагогиума. Я хотел бы добавить, что, как и следовало ожидать, осталось в силе моё решение, о котором я упоминал перед отъездом, — отклонить предложение. —

С сердечным приветом Вам и Вашей супруге, как всегда,

Ваш преданный
Др. Фр. Ницше, проф.

162. An Erwin Rohde in Kiel

Naumburg Freitag Abend. <20. Oktober 1871>

Мой дорогой друг,

сегодня я отправляю тебе лишь несколько слов в сопровождении к фотографии с ярмарки, которую Генниг доставил мне на радость позавчера. Упомянутый фотограф требует от нас ещё 1 талер, что обойдётся каждому из нас в дополнительные 10 грошей. Пока что заплатил я. На этой фотографии мы стоим немного смещёнными, а я в особенности «некрасиво согнутый», с тупым взглядом, из которого говорит вся глупость ярмарки, вместе с её спиртным. В остальном — senza frivolita — мы были всё же самыми счастливыми ярмарочными евреями в Лейпциге, да, мы могли бы распределить между собой роли из «Лумпцивагабундуса», при этом я претендую на роль сапожника, из-за delirium tremens clemens demens.

Утерянный «Фауст» был тем временем найден мной и Густавом Кругом на Кнабенберге, в том месте, где отдыхал Герсдорф: что я восхваляю как чудесное предзнаменование. Первое место, которое я открыл в книге, было: Альтмайер: «Ну скажи мне одно, не следует верить в чудеса». Что живо напомнило мне о нашем ярмарочном чуде и адвент-миракле нашего существования в Лейпциге.

«Мой! Неужели вино ещё потечёт?»

Я почти верю в это, мой дорогой друг, это было не фокусом, наше привидение в Лейпциге.

Мы были там и будем там: что еврей выражает словом Иегова. Господи, вспомни грубую комнату!

Да благословит тебя святой Пифагор, меня — святой Фриц, а всех нас — вещь в себе!

Завтра я возвращаюсь в Базель, поднимаясь от трапезы своих праздничных радостей, как сытный пиршественник. Так торжественно и роскошно я их никогда не проводил, и я знаю, чем обязан своим друзьям. Но еще больше — всем демонам, которым мы скоро в один час хотим принести совместную благодарственную жертву: чем мы хотим однажды блистательно подтвердить идеальность времени и пространства. В следующий понедельник вечером в 10 часов каждый из нас поднимет бокал с темным красным вином и выльет половину в черную ночь со словами χαίρετε δαίμονες, а другую половину выпьет. Probatum est. Да благословит это Самиэль! Уху! — Герсдорфу я доложу.

Спасибо, мой дорогой, дорогой друг!

ФН.

163. An Carl von Gersdorff in Berlin

Naumburg Freitag Abend <20. Oktober 1871>

Здесь, мой дорогой друг, принимай обратно «счастливо обретённого» Фауста, которого мы нашли в среду в том месте, где ты отдыхал. Мы очень смеялись над этим, и про себя я подумал, что едва ли может быть более дружелюбная милость демонов. Поэтому давай принесём этим демонам, которые, как видно, с наилучшими намерениями потрудились на нашей встрече, общее благодарственное жертвоприношение, о котором я только что сообщил Роде необходимое. В следующий понедельник вечером в 10 часов мы устроим так, чтобы каждый из нас поднял бокал тёмного красного вина и вылил половину в чёрную ночь со словами χαίρετε δαίμονες, а другую половину выпил.

Вместе с этим ты получаешь фотографию с измерениями, на которой ты восседаешь как паша: за которую, кстати, каждый должен заплатить ещё 10 шиллингов: эту сумму я пока что внес.

Завтра я еду в Базель. Тем временем принимай мои самые сердечные приветы и благодарность. Это были великолепные дни. Да здравствует наша дружба!

Твой преданный друг
Фридрих Ницше

164. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel Donnerstag Mittag. <26. Oktober 1871>

Мои дорогие мать и сестра, наконец я нахожу время сообщить вам о моем путешествии и с теплотой вспомнить наше совместное проживание. Все прошло благополучно, без железнодорожных катастроф: только погода была очень унылой, влажной и холодной. Действительно, в Наумбурге у нас был последний прекрасный день для нашего массового приглашения. Ночью, когда я ехал через пустой рынок, уже начал накрапывать дождь. Долго мне пришлось ехать вместе с чахоточными больными, которые направлялись в Монтрё, что вызывало у меня отвращение: пока, наконец, день не освободил меня, и я не смог сесть один в своем купе на последнем участке пути от Брухзаля. Наш поезд, конечно, прибыл с опозданием на час.

Я лег спать рано и проснулся только около ½9 в понедельник утром. Эти три дня прошли под экзаменационными заботами и конференциями по переводам. Я нашел приглашение от Турнейзена-Мериана и вчера принял приглашение к Вишеру на Риттергассе в воскресенье. В «Голове» снова собрались три постоянных гостя, и нам снова — сносно — нравится. — После этой бумажной работы кажется, что я совсем стал старухой. Погода, хороший сон и еда теперь обсуждены. Селла! —

У меня очень приятное чувство, когда я думаю о нашем наумбургском времени. В «Кабинете» работается так же хорошо, как там спится и ест. К тому же на этот раз господа были немного дружелюбнее, чем обычно.

И какое великолепие и роскошь в мой день рождения! И вообще, как уютно вы устроили моё существование там. Горе вам, если вы так меня балуете! Тогда я буду приезжать на все каникулы в Наумбург: и Лизбет никогда не вернётся в Базель! Горе! Фрау Фишер-Хойслер спросила меня, есть ли у неё до сих пор „тоска по дому“ по Базелю. Вот уж действительно, всё имеет предел.

В понедельник у нас снова начинается школа, в четверг — праздник ректората и академический гильдейский ужин. Фрау Хойслер уехала в Давос. Трое новых коллег прибыли, все (кроме Иммермана) в жилищной нужде. Нойманн всё ещё живёт с женой в „Трёх королях“. Поскольку не нашлось подходящего жилья для двоих, он наконец снял этаж у Хисса на Петерсплац за 1800 франков, но пока не может туда переехать. Эйкен живёт в квартире, похожей на шланг, в маленьком домике на той же площади. У Э. с ним мать, вдова почтмейстера. У Вишеров его анонсировала служанка как „господин профессор Почтмейстер“, в память о Либермейстере.

В самом доме, кажется, всё спокойно. Проблема портьеры мной ещё не решена. У меня ни холодно, ни жарко. —

Ну, живите хорошо, очень хорошо, и большое спасибо за вашу любовь и доброту.

Фриц.

Моё пианино снова звучит великолепно.

165. An Gustav Krug in Naumburg

Basel 13 Nov. 71.

Этот привет,

дорогой друг,
в подарок:

чтобы тебя не

досада
грызла и терзала,

а чтобы

радостное настроение
вело и направляло тебя,

другам на утешение,

врагам же
на вечную зависть!

Эту песню следует петь по особому варварскому способу, который я также изобрёл в твою честь. При нашей следующей встрече я хочу передать её устно. На бумаге она увядает.

Какие приятные воспоминания я унёс с собой из моих наумбургских осенних дней! Давно я не наслаждался так дружбой, родиной, прошлым и настоящим, и я глубоко благодарен моим дорогим друзьям.

В совершенно редкой манере чувство благополучия за те светлые и теплые осенние дни проявилось во мне еще позже, способом, который вызовет твое участие, мой дорогой друг. Ты знаешь, что я уже 6 лет ничего не сочинял (с того Кирие я не брал пера для нотного стана) и смотри! или слушай!

Тем временем завершилось странное произведение, как будто упавшее с неба. Первым мотивом было лишь переложить что-то из моих прежних вещей в четыре руки, чтобы я мог играть это с моим коллегой Овербеком. Я остановился на той «Сильвестровой ночи»: но едва я купил нотную бумагу, как все преобразилось под моими руками, и с первого такта это стало чем-то совершенно новым.

Длинное название этого 4-частного произведения, исполнение которого длится 20 минут, звучит так:

„Отзвук новогодней ночи, с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом.“ —

Ты знаешь, как я был удивлён, застав тебя ещё в свежем композиторском настроении, и я почувствовал себя невесть как увядшим или даже „мудрым“, что смирился с этим уже 6 лет назад. А теперь вот! Ты видишь, что принесло твой пример! В остальном я сейчас, когда работа позади, почти на прежней точке и не думаю продолжать сочинять: поэтому я сказал, что это произведение свалилось с неба. Во всяком случае, оно звучит хорошо: в нём есть что-то народное, никогда не переходит в трагическое, хотя и в серьёзное и печальное.

Иногда она торжествующая, даже болезненно восторженная, коротко — если ты хочешь вспомнить наше праздничное настроение, прогулки по Кнабенбергу, вплоть до «вещи в себе», то у тебя будет пример этой «дионисийской манифестации».

Всё построено на нескольких темах, в тональности, конечно, оркестровой, даже буквально жаждущей оркестровки, но ты знаешь — здесь я уже не могу следовать. Дни рождения — с 1 по 7 ноября: это такое чистое рукопись, что я с Овербеком всегда играл её с первого наброска до сих пор.

Теперь я переписываю это ещё раз, чтобы сделать подарок на день рождения моей замечательной и уважаемой подруге, госпоже Козиме В.

Теперь новый семестр предъявляет свои требования: мои интересы направлены на Платона и латинскую эпиграфику. Здесь я слышу музу музыкального искусства только издалека —

Я размышляю о том, как однажды дать тебе представление о моей композиции. Во всяком случае, при нашей следующей встрече. Ведь в конце концов ты единственный, кто проявит интерес к таким экстравагантным вещам: у других людей я предполагаю только определённое недоверие в этом вопросе. Что в этом такого и кому это вредит, если я раз в шесть лет освобождаюсь от оков музыки с помощью дионисийского способа!

Ибо я рассматриваю этот музыкальный эксцесс как своего рода индульгенцию. Это отзвук, также и для моего музыкального времени жизни, новогодний отзвук из музыкального года. — Теперь я надеюсь, что благодаря моему быстрому прогрессу снова будет способствовать и твой квартет: что мы снова, по старому германскому обычаю, устроим «синод» и завершим его «Концертом собственных композиций». — Пусть добрый гений ведёт и направляет тебя и нашего дорогого общего друга Вильгельма, также и на всех юридических путях,

Друзьям на утешение,

Врагам же
на вечную зависть!

Ф. В. Ницше.

166. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel 13 Nov. 71.

Наконец, дорогая мать и сестра, вы получаете заслуженную благодарность за ваши письма, которые искренне радуют меня, а также новые известия с моей стороны. Но что же произошло за это время, что могло бы быть вам интересно? Начнем с вчерашнего дня: я был приглашен на обед к Бахофену, где неоднократно выражалось сожаление о вашем отсутствии, дорогая Лиза. Затем старый Фишер уже две недели прикован к постели из-за тяжелого ревматизма и воспаления мышц. Ему все еще не лучше. А у меня снова начались все лекции с начала прошлой недели, 9 студентов на одной, 6 на другой. Я читаю трехчасовой и одночасовой курсы, а также провожу семинарские занятия и мои часы в педагогиуме.

Так что еженедельно 11 часов, чем я доволен. — Дойссен устроил нашу встречу так невероятно, что я мог видеть его только ночью с 12 до 2 часов, и он остался в моей памяти как «фантом». — Молодые Фишеры недавно принесли мне виноград. — Два дня я провел у Вагнера, где меня приняли с самой теплой сердечностью. Там я познакомился с очаровательной госпожой фон Мухановой (графиней Нессельроде). На вокзале Вагнер еще кричал мне приветы «милой сестричке» и спрашивал, не приедешь ли ты скоро снова. Что я и пообещал детям. — Герсдорф часто и мило пишет из Берлина.

Он наконец нашел у Гёте, среди «общественных песен», маццинистское «жить решительно в целом, полном, прекрасном». Один из его художественных друзей занят тем, что изобретает для меня виньетку. — От Фрица из Лейпцига ни слова; большое удивление с моей стороны. — Каникулярные дни были для меня настолько согревающими, что я потом еще и стал композитором и в большой быстроте завершил длинную композицию для четырех рук, которую играю с Овербеком: «Отзвук новогодней ночи, с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом»: очень милая шутка! Сегодня я написал Густаву: я бы с удовольствием послал ему еще один экземпляр «Сократа». В конце концов, я замечаю, что у меня больше нет переплетенных экземпляров: поэтому я должен отложить Густава до Рождества.

У меня все хорошо: но ужас! Вчера у нас выпал огромный снег. Эта отвратительная «белая грязь»! Я встретил его с возмущением. Скользить на лекции, а не идти, в этом угловатом холмистом городе, — это большая мизера, безутешно, безутешно!

С сердечными приветствиями от вашего
Фрица.

167. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel 18 Nov. 71.

Уважаемый господин,

Вы действительно привели меня в изумление своим молчанием; я не знал, что думать и что делать, и поэтому с живым участием ждал дня, когда прояснится то, что было мне непонятно. Тем более я обрадовался сегодняшнему письму, которое рассеяло все мои тревоги и напомнило мне только об одном — о максимальной спешке. Поэтому я сегодня же отправляю то, что у меня готово к печати из моего сочинения, и обещаю в ближайшее время дослать недостающую часть и предисловие. Тем временем мы должны приложить все усилия, чтобы успеть к Рождеству.

Если хотя бы отчасти исполнится то, на что я надеюсь с моими друзьями в отношении этого сочинения, то и вы должны испытать радость и благодарность за то, что помогли ему обрести публичность.

Во всех остальных отношениях, как я думаю, мы сможем, при помощи Рих. Вагнера, так же легко и к взаимному удовлетворению прийти к пониманию.

Тем временем я надеюсь на скорейшую отправку корректурных оттисков: мы договорились, что я сам возьму на себя окончательную ревизию.

Теперь мне остается только пожелать, чтобы наши имена сошлись под счастливой звездой: и если имена рифмуются, то и люди должны бы могли.

Преданный вам
Др. Фр. Ницше

168. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 18. November 1871>

Прости меня, мой дорогой друг, что я не поблагодарил тебя раньше за твои письма, каждое из которых напоминает мне о твоей сильной культурной жизни, как будто ты в глубине души все еще солдат и стремишься проявить свое военное мировоззрение теперь в области философии и искусства. И это правильно; только как борцы мы имеем право существовать в наше время, как предвестники грядущего века, формирование которого мы можем предчувствовать в себе, в наших лучших часах, а именно: поскольку эти лучшие часы, очевидно, отчуждают нас от духа нашего времени, но все же должны иметь какую-то родину; поэтому я верю, что в эти часы у нас есть такое смутное предчувствие грядущего.

Разве у нас нет также из нашего последнего общего лейпцигского воспоминания памяти о таких отчуждённых моментах, которые принадлежат другому веку? — Итак — остаётся так: и в целом, полном, прекрасном жить решительно! Но для этого нужна крепкая решимость, и это не для каждого!

Сегодня я был сильно напомнен о нашем лейпцигском существовании, и в определённом смысле могу сказать: я привязываю к весёлому концу весёлое начало, как гласит весёлая песня. Сегодня, именно сегодня! ответил Фрич, прекрасный издатель, на мой тогдашний визит: поэтому я должен сообщить тебе об этом именно сегодня.

Ибо ты и Роде, это вы привели меня к превосходному Фричу морально и физически: за что я до сих пор благодарен. Он не мог ничего поделать с тем, что его ответ так задержался. Он сразу же отправил рукопись специалисту для оценки, и тот тянул до 16 ноября. Ты ведь помнишь, что песня «Дорогой друг, этот привет к подарку» была предназначена на 16 ноября, а именно на день рождения Круга. В этот же день добрый Фрич написал «чтобы меня не грызла и не терзала досада» и даже обещает закончить к Рождеству. Таким образом, оформление точно по образцу вагнеровской «Определения оперы» решено: радуйся со мной!

Для прекрасной виньетки будет, таким образом, великолепное место: скажи это своему художественному другу, вместе с моими самыми искренними приветствиями. Возьми однажды брошюру Вагнера, открой заголовок и рассчитай размер, который мы можем дать произведению изобразительного искусства. Речь идет только о заголовке:

Рождение
трагедии
из духа музыки.

от

Др. Фридриха Ницше

Проф. о. п. классической филологии

Лейпциг Фрич.

У меня до сих пор самая лучшая уверенность: сочинение будет мощно покупаться, и на кусочек бессмертия господин создатель виньеток может только готовиться.

Теперь еще кое-что новое.

Представь себе, мой дорогой друг, каким странным образом те согревающие дни моего отпускного собрания снова проявились во мне. А именно в виде большой четырёхручной композиции, в которой всё отзывается прекрасной солнечной осенью. Названо это произведение, потому что оно связано с воспоминанием юности: «Отзвук новогодней ночи с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом». Это ведь забавное название: можно было бы ожидать ещё и «с пуншевой чашей и новогодними поздравлениями». Овербек и я играем её, это теперь наше специфическое преимущество перед всеми четырёхручными людьми. На Рождество госпожа Вагнер будет одарена и удивлена этой музыкой.

И здесь, мои дорогие друзья, вы — неосознанные dei ex machina! Уже 6 лет я ничего не сочинял, и этот осенний сезон снова вдохновил меня! Хорошо исполненная, музыка длится 20 минут.

В остальном я снова занялся филологической деятельностью, читаю «Введение в изучение Платона» и «Латинскую эпиграфику» и готовлю на время после Нового года 6 публичных лекций на тему «О будущем наших образовательных учреждений».

В следующий вторник наш новый философ прочитает свою вступительную речь на «само собой разумеющуюся» тему: «Значение Аристотеля для современности». — —

Здесь тебя помнят с добром.

Обряд посвящения в демоны я отметил у Якоба Буркхардта, в его комнате: он присоединился к моему обряду посвящения, и мы вылили на улицу два полных бокала хорошего рейнского вина. В прежние века нас бы заподозрили в колдовстве. — Когда я тогда в ½12 ночи вернулся домой, довольно демонический, я к своему удивлению нашёл перед собой друга Дойссена, с которым ещё до 2 часов ночи бродил по улицам. С самым ранним поездом он уехал. У меня осталось почти призрачное воспоминание о нём, так как я видел его только при тусклом свете лампы и луны.

Дай скорее о себе знать, мой храбрый, дорогой друг! Ты теперь знаешь, что с виньеткой наивысшая пора.

Сердечно приветствует тебя твой Фридрих Н.

169. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 18 Nov. 71.

Уважаемый Мастер,

сегодня, наконец, наш Фрич из Лейпцига прислал мне известие, после того как я долго жил в полном недоумении из-за его молчания, не зная, что мне делать. Теперь я узнаю, что он сразу же, еще до того, как Ваше рекомендательное письмо прибыло, отправил мою рукопись одному из сотрудников своего издания для критического рассмотрения: этот Буммлер удерживал её до 16 ноября. Теперь же должно быть быстро напечатано; в этом отношении Фрич даёт превосходные обещания. Затем следует отрывок, который Вы, возможно, сможете объяснить мне одним словом.

Фрич пишет мне: „о вопросе гонорара вы, вероятно, уже подумали сами, возможно, что в этом отношении господин Вагнер дал вам некоторые намёки.“

Здесь вы бы нашли меня полностью погружённым в огромные надписи, из которых я составляю для своих студентов латинскую эпиграфику, или окружённым сотнями платоновских сочинений, с помощью которых я ввожу своих слушателей в изучение Платона. Поднимаю ли я ухо из этой кучи книг, я сразу слышу что-то, что происходит в Болонье или обсуждается в городском собрании Байройта, или передо мной предстаёт „Академия“ с новой статьёй Франца Хюффера, замаскированного англичанина, или же поразительное объявление с именем моего друга Герсдорфа, или рецензия на „Предварительные сведения о музыкальном искусстве“ Фукса и т.д.Короче, даже простое внимательное слушание теперь достаточно, чтобы оставаться в курсе основных внешних черт вашего существования.

От моего последнего визита в Трибшен у меня остались самые тёплые и сердечные воспоминания, и я знаю, чем обязан своим демонам: которым недавно принёс благодарственную жертву, с подношением красного вина и произнесёнными словами Χαίρετε Δαίμονες: церемония, которая одновременно проходила в Базеле, Берлине и Киле, и во время которой, вероятно, каждый из нас думал и о вас: ибо что мы просим у демонов, за что благодарим их, если это не связано с вами самым тесным и близким образом?

Ваш преданный
Фридрих Ницше.

170. An Erwin Rohde in Kiel

Basel Donnerstag. <23. November 1871>

Мой дорогой друг,

только что я, немного устав, лёг на диван и закрыл глаза руками, как вдруг, подумав о тебе, вскочил, схватил перо и, как ты видишь, пишу тебе. Мне пришло в голову, что ты давно не получал от меня вестей и, возможно, хотел бы узнать, как у меня обстоят дела, особенно в связи с книжечкой Фриче-Ницше. Ты нашёл что-нибудь подходящее из области гемм? Тогда было бы время сообщить благородному издателю. Или мы отправили бы это другу Мозенгелю, который как-то рассказывал мне, как он принадлежит к немногим художникам, которые также являются „гравёрами“.

Я не знаю, правильна ли в данном случае техника стирания, как обстоят дела с этим? —

Только с прошлого воскресенья я получил известие от доброго Фрича. Хотя это дело меня беспокоило — я ничего не делал, ни за, ни против, а спокойно ждал, что решат мои демоны. Наконец пришло разъяснение: Фрич отправил мою рукопись одному из сотрудников своей газеты для критической оценки, и этот бездельник так долго бездельничал! Теперь, похоже, всё в порядке.

Оформление, как в вагнеровской «Определении оперы», гарантировано, и я верю, что еще никогда дебютное произведение не было так роскошно облачено, как принцесса, при крещении.

Очень красивый отзвук остался у меня от нашей встречи, которая так освежила меня внутренне и внешне, под действием мягкого осеннего солнца, что я, после шестилетнего перерыва, снова стал композитором. Длинная композиция для четырех рук, продолжительностью 20 минут, была закончена вскоре после моего возвращения в Базель, и я очень доволен ею.

Она называется, в связи с воспоминанием юности, так:

„Отзвук новогодней ночи, с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом.“

За это я благодарю вас, мои дорогие друзья, и вы почувствуете это, когда однажды услышите.

Посвящение демонам я отметил вместе с Буркхардом: он присоединился к жертвоприношению, и в 10 часов два бокала тёмного красного вина были выпиты в ночь. — На следующий день у меня был демонский похмелье. —

Я с удовольствием читаю Платона и латинскую эпиграфику. Тут мне пришло в голову. Скажи, дорогой друг, ты, возможно, когда-нибудь думал о том, чтобы публично высказаться о моей книжке о трагедии?

Я всегда боюсь, что филологи не захотят читать из-за музыки, музыканты — из-за филологии, философы — из-за музыки и филологии, и тогда я начинаю беспокоиться и жалеть моего доброго Фрича. Возможно, ты мог бы взяться за филологов, например, в письме редактору Рейнского музея или в послании ко мне. Короче, мне не хватает «высшей рекламы». Ты знаешь, как сильно филологов нужно подталкивать ко всему, что не издается у Тойбнера и без сопровождения критических примечаний. Подтолкни их! Я прошу тебя.—

Очень красивое письмо Вагнера о болонской постановке опубликовано в последнем воскресном приложении к «Norddeutsche Allgemeine». Ты ведь переписываешься с Вагнером?

Твоя работа была прочитана всерьёз. Второй акт «Гибели богов» был закончен 3 дня назад.

Скоро обрадуй меня письмом, мой дорогой, дорогой друг.

Преданно
ὁ μουσικός.

Деньги я получил, но примерно на 2 франка больше. Что мне с ними делать? Или это было сделано с целью обогатить меня? —

Я как раз думаю о том, что ты ведь «правишь» Центральным журналом: тогда, возможно, нам следует ожидать серьёзного сопротивления редакции? Или нет? В любом случае возьми тогда немного места. — Ты получишь один из первых экземпляров. Примерно к Новому году.

171. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

Basel, Montag. <27. November 1871>

Уважаемый господин издатель,

здесь вы получаете виньетку для нашего сочинения, которую выполнил отличный художник и прислал мне сегодня. Это Прометей, освобождённый от своих оков. Теперь я прошу вас как можно скорее поручить выполнение этой виньетки хорошему и проверенному в лучшем смысле гравёру по дереву.

В любом случае создатель этой виньетки должен получить деревянную форму для возможной корректуры. Используйте для этого следующий адрес: господину Карлу фон Герсдорфу, кавалеру Железного креста, Берлин, Александриненштрассе 121 (сто двадцать один) II этаж.

Этот господин, хотя и не является создателем виньетки, но очень близкий друг художника, чей собственный адрес я случайно не имею.

Конечно, все названные люди — пылкие вагнерианцы. Теперь я спрашиваю у Вас, не хотите ли Вы дать мне в качестве гонорара за печатный лист три луидора. Почему Вы не делаете мне предложения? Теперь я должен сделать его Вам. Вагнер жалуется, что при таких делах каждый раз происходит так, как будто еще никогда не печаталась книга. Скажите мне, можете ли Вы согласиться с моим предложением. —

Я ежедневно ожидаю печатных листов: как далеко мы продвинулись?

С наилучшими пожеланиями
Ваш преданный
Др. Фр. Ницше
Проф.

NB. Остаток моей рукописи Вы скоро получите. — Вставьте виньетку между нашими именами на титульном листе: это маленький шедевр, который простым образом говорит многое и серьезное.

172. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, Sonntag. 3 Dez. 71.

Моя дорогая мать и сестра,

Сердечная благодарность за последнее полученное письмо. С удовольствием слышу, что вам нравится в Наумбурге. На Рождество мы, однако, не сможем быть вместе, так как мне предстоит прочитать свои 6 лекций «О будущем наших образовательных учреждений» после Нового года, и до сих пор я почти не мог о них думать, настолько занимают меня мои коллегии. (одна с 10, другая с 7 слушателями) К тому же я теперь должен думать о завершении моей книжечки о трагедии. С Фричем всё в порядке. Она печатается, и я ежедневно ожидаю корректурных листов. Оформление будет очень красивым (как у вагнеровской «Определения оперы»). Но есть о чём подумать, и необходимо много уединения. — 20-го текущего месяца

это большое концертное выступление Вагнера в Мангейме. У меня почти нет шансов туда попасть, потому что мы здесь в колледже удивительно добросовестно занимаемся, и я не могу заменить себя в педагогиуме. Так я пропущу и этот концерт, как пропустил берлинский — и что еще? Если бы я только смог справиться с Байройтом!

Старый Вишер снова в порядке. Он уже встал с постели, и я часто бываю у него. Фрау Вишер рассказала мне о письме в Наумбург, которое она написала. — У Хейне недавно было большое собрание, главным образом в честь новых профессоров и их жен. Была исполнена детская симфония, а потом танцевали — до полуночи.

В понедельник я приглашён на вечеринку к Гелцеру, старый Гейзер лично написал мне, что сожалеет, что не может пригласить и тебя, дорогая Лизбет. Вместе с твоим последним письмом я получил пригласительную карточку на большой ужин, который устроил Георг Фюрстенбергер в честь новой пары молодожёнов. Вчера мы это пережили с Богом. Весь первый этаж отеля Эйлер и большой обеденный зал на первом этаже были в нашем распоряжении, и это было такое изобилие, которое мне, по крайней мере, было неизвестно в Базеле. Нас было около 60 приглашённых, но только молодёжь, без матерей и отцов (ни старая госпожа Фишер, ни старая госпожа Саразин не присутствовали, но были госпожа Фишер-Саразин и Фишер-Хойслер). В основном это были подруги невесты и друзья жениха. Во всём чувствовались миллионы, представленные здесь гостями, и для вас это, безусловно, было бы очень забавно увидеть всю базельскую аристократию вместе. Мы были вместе с 1 часа до 8 часов и, наконец, ещё несколько часов танцевали. Я был единственным немцем в компании. Мне ещё объявили о нескольких балах. Я отправляю вам для развлечения меню с карточкой стола и извиняюсь, что так много рассказал о таких вещах.

Кстати, было "весело".

С сердечным приветом
Ваш Фриц.

Напишите мне что-нибудь о ваших рождественских желаниях.

173. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Basel, kurz nach dem 3. Dezember 1871>

Уважаемый господин издатель,

с Вашими предложениями по гонорару я согласен во всех отношениях и считаю этот вопрос решённым и закрытым. Однако я хотел бы попросить ещё несколько бесплатных экземпляров, а именно 25, из которых 5 должны быть на велене (а именно на таком велене, как в вагнеровском «Бетховене»). Сможете ли Вы мне это ещё уступить?

Что касается бумаги, я думаю, остаётся первое соглашение, то есть бумага из «Определения оперы» В.

Печать и её корректность меня удовлетворили. Печать может идти как можно быстрее. Я не хочу заставлять себя ждать.

С наилучшими пожеланиями
Ваш преданный
Проф. Ницше.

NB. Мне пришло в голову, что мы доставили бы госпоже Вагнер настоящее удовольствие, если бы изготовили один экземпляр на жёлтой бумаге, которую она очень любит. Когда я посетил Вас осенью в Лейпциге, Вы показывали мне такую бумагу, не так ли?

174. An Franziska Nietzsche in Naumburg

Basel Sonntag. <vermutlich 10. Dezember 1871>

Моя дорогая мама,

вот короткая рождественская записка для Лизбет. Пожалуйста, купи для меня фотоальбом. Я сам отправлю на твой адрес 1) историю искусства, 2) Гебеля.

С сердечным приветом и просьбой не читать прилагаемую записку. Она предназначена для Лизбет.

Сердечная благодарность за твое душевное письмо.

Очень спешу

Твой Фриц.

175. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 10. Dezember 1871>

Моя дорогая Лизбет,

сегодня ничего, кроме этого короткого рождественского послания. Я вынужденно предоставляю тебе Рождество для нашей дорогой матери совсем одной: это значит, я прошу тебя 1) заказать и вручить шторы от моего имени. 2) несколько резных ложек, ножей и вилок. Последнее я мог бы получить и здесь, но боюсь сломать.

Я занят большой работой и очень спешу.

Твой брат.

176. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel, Donnerstag früh. <14. Dezember 1871>

Мой дорогой друг,

недавно я что-то забыл, а именно текст к "Кайзермаршу": что ты, учитывая мою большую путаницу во всех возможных делах, однажды, возможно, простишь. Во вторник я, наконец, немного передохнул: благодаря тому, что я, по крайней мере, отправил оставшуюся часть рукописи и предисловие Фричу. В Мангейм я, к сожалению! к сожалению! — не могу поехать, так как должность писца в регентстве и длительная болезнь профессора Герлаха мешают мне взять отпуск.

За виньетку я уже поблагодарил тебя: Фрич обещал мне опытного гравёра по дереву.

Он получил через меня твой адрес, чтобы к тебе, в руки почтенного художника, была отправлена деревянная палка.

Теперь текст:

Народная песня.

Слава, слава кайзеру!
Королю Вильгельму!

Опоры и защитники свободы всех немцев!

Высшая из корон,

Как украшает она твою голову!

Славно завоеванная,

Пусть мир будет тебе наградой!

Как вновь позеленевший дуб,

Восстала через тебя Германская империя:

Слава его предкам,
его знаменам,

которые вели тебя, которые мы несли,

когда с тобой мы разбили Францию!
Врагу на зло,
Другу на защиту,

всем народам Германская империя на благо и пользу!

/: Последняя строка повторяется :/

С сердечным приветом,
мой дорогой друг!
Твой
ФН.

Где ты будешь на Рождество? —

177. An Erwin Rohde in Kiel

Basel, nach dem 21. Dezember 1871

Мой дорогой, дорогой друг,
сердечный рождественский привет заранее!

Я надеялся уже к этому времени отправить тебе свою работу: но возникли некоторые задержки, не по моей вине, так что мой рождественский подарок на этот раз придет немного позже. Виньетка на титульном листе вызвала некоторые проблемы: рисунок, разработанный другом Герсдорфа Рау, получил наше высшее одобрение, но "проверенный" гравёр по дереву, которого выбрал Фрич, сделал неумелую работу, так что его деревянная форма оказалась совершенно непригодной и неисправимой, и нам пришлось заново поручить работу одному из лучших гравёров, академическому художнику Фогелю в Берлине.

Gersdorff верно стоит рядом со мной и отличается самой надежной готовностью помочь во всем (Ты ведь не написал ему маленького письмеца? Я думаю, Ты бы очень обрадовал его. Он входит в правление Берлинского общества Вагнера: не хочешь ли Ты записаться у него на одно лотерею? Alexandrinenstr. 121 II Treppen)

Печать значительно сжата по сравнению с „Определением оперы“, поэтому текст будет не очень объемным, примерно 140 страниц. Восемь листов готовы со всех сторон, и мне осталось только немного исправить и написать предисловие.

Вся последняя, ещё неизвестная тебе часть, непременно поразит тебя, я много рискнул и могу, однако, с огромным чувством воскликнуть: animam salvavi: поэтому я с большим удовлетворением вспоминаю о этой работе и не беспокоюсь, что она вышла настолько вызывающей, насколько это возможно, и что с некоторых сторон при её публикации раздастся прямо-таки „крик негодования“.

Впрочем, я чувствую, что мои познания в музыке чудесно укрепились, и я убеждён в их правильности — благодаря тому, что я пережил на этой неделе в Мангейме вместе с Вагнером. Ах, мой друг! Как жаль, что ты не мог быть там! Что значат все остальные художественные воспоминания и впечатления по сравнению с этими последними!

Мне было, как тому, у кого предчувствие наконец сбывается. Ибо именно это и есть музыка и ничего другого! И именно это я имею в виду под словом «музыка», когда описываю дионисийское, и ничего другого! Но если я подумаю, что лишь несколько сотен людей из следующего поколения будут иметь от музыки то же, что и я, то ожидаю совершенно новой культуры! Всё, что остаётся и не поддаётся пониманию через музыкальные отношения, вызывает у меня порой прямо-таки отвращение и омерзение. И когда я вернулся с мангеймского концерта, у меня действительно возникло это странно усиленное, ночное ужасное чувство перед дневной реальностью: потому что она мне больше не казалась реальной, а призрачной.

Эти Рождества я провожу в одиночестве в Базеле и отклонил сердечные приглашения из Трибшена. Мне нужно время и уединение, чтобы подумать над своими 6 лекциями (Будущее образовательных учреждений) и собраться с мыслями. Жене В., чей день рождения 25 декабря (и которой я, на твоём месте, написал бы!), я посвятил свою «Сильвестровскую ночь» и с нетерпением жду, что я услышу о своей музыкальной работе оттуда, так как я ещё никогда не слышал ничего компетентного.

Если я когда-нибудь принесу тебе это для выступления, ты, как я верю, с волнением услышишь тёплый, созерцательный и счастливый тон, который пронизывает всё произведение и для меня означает просветлённое воспоминание о счастье моих осенних каникул.

С Якобом Буркхардтом я пережил несколько прекрасных дней, и между нами много обсуждается эллинское. Я думаю, сейчас в этом отношении в Базеле можно многому научиться. Твой пифагорейский очерк он прочитал с большим интересом и сделал выписки для своих целей, и то, что ты говоришь о всей эволюции представления о Пифагоре, безусловно, лучшее, что было сказано по этому столь серьёзному вопросу. Тем временем я приобрёл несколько фундаментальных инсайтов о Платоне, и я считаю, что мы с тобой когда-нибудь сможем основательно и внутренне оживить и осветить до сих пор столь жалкую и мумифицированную историю греческих философов. — Всё, что ты хочешь сказать общего, не отдавай проклятым филологическим журналам: подожди немного байрейтских листов! — О твоём обещанном зарницком анонсе я очень счастлив и заранее очень благодарен. Мой дорогой друг, у нас ещё большой кусок жизни, который нужно пройти вместе: давайте будем верны.

ФН.

178. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 23. Dezember 1871>

Сначала, мой дорогой и уважаемый друг, я думаю о праздновании твоего дня рождения и радуюсь, когда представляю, как этот год снова соединил нас в самом желанном смысле: так, что мы можем радоваться нашей дружбе больше, чем когда-либо. Наши лучшие порывы, наши действительно серьезные намерения, наши благороднейшие надежды — все снова переплелось в прошлом году: после того, как твой жизненный демон счастливо провел тебя через самые ужасные опасности. И сегодня я подниму тост за твоё благополучие, веря, что это также послужит расцвету нашей культуры мира.

Отныне у нас все серьёзные битвы общие: так да здравствует наше боевое товарищество в мире!

К сожалению, я пока не в состоянии посвятить тебе сегодня экземпляр моей книги. Но прими вместо этого обещание, что ты и трибшенцы будете первыми, кому будет отправлена эта работа. Фрич в последнее время продвигает дело гораздо медленнее, но я вполне доволен этим, так как благодаря тебе узнал, какой отвратительной опасности подвергалась бы моя книга в случае поспешности. В самом деле, я очень благодарен тебе за верную поддержку в вопросе виньеток: Фрич менее виноват, так как он не поймёт этого и многие вещи из его, в остальном превосходного, «музыкального

В «Wochenblatt» и, следовательно, также от гравёра по дереву этого издания. Было бы недостойно снова найти на титуле такое прекрасное произведение нашего Рау столь позорно искажённым: и что такая убогость не достойна ни моего сочинения, ни круга читателей, которых я имел в виду, ты совершенно справедливо разъяснил Фричу; и я особенно благодарен тебе за это, потому что мой издатель таким образом всё же был предупреждён, что он должен относиться к этому сочинению как можно серьёзнее.

Кстати, печать гораздо более сжатая, чем в «Определении оперы», и поэтому моё сочинение стало менее объёмным. Оно будет иметь 140 страниц.

Восемь листов исправлены.

Твоя мысль о торжественном обряде крещения очень мне понравилась, и я в тишине подумаю над способом. Чтобы, кстати, назвать тебе несколько имен, которым я отправлю работу и которых, если понадобится, мог бы попросить стать крестными для моего первенца, я назову еще Якоба Буркхардта, Роде (который готовит объявление для литературного центрального бюллетеня Царнке), Густава Круга, Ромундта, фрау фон Муханов, Листа, Бюлова, Макарта: также фрау фон Шлейниц получит экземпляр. И великая княгиня Константина. Знаешь ли ты, возможно, баварского капитана М. фон Балиганда, действующего камергера короля?

Он один из самых активных и увлечённых членов Мюнхенского вагнеровского общества и имеет значительные связи в Англии, где следующим летом у своего друга лорда Эллертона он хочет основать английское вагнеровское общество. С ним я недавно ночью возвращался из Мангейма.

Ведь я был в Мангейме. И могу тебе сказать: наши величайшие предчувствия о сущности музыки подтверждаются в превосходной степени! Это я узнал в Мангейме. Я не знаю более высоких и возвышенных состояний, чем те, что я там пережил, и счастлив, что освободился от многочисленных уз и ограничений на эти дни.

О байрейтских делах ты, вероятно, слышал, о великолепном расположении строительной площадки, о переименовании «Штукберга» в «Рихардсхёэ», о больших надеждах, которые байрейтцы уже выразили в петиции о новой железной дороге и т.д. Вагнер был очень счастлив, как он уладил свои «дела».

Я в Мангейме предвосхитил своё рождественское празднество и на этот раз не могу приехать в Трибшен, потому что мне нужны время и уединение, чтобы обдумать свои лекции «о будущем наших образовательных учреждений».

Ну, мой дорогой друг, прощай!

Переведите, пожалуйста, следующий текст с немецкого на русский язык, сохраняя все HTML-теги:

Передайте Вашим уважаемым родственникам мои почтительнейшие рекомендации и сохраните для меня на Новый год и на все будущее сердечное расположение, в котором я так часто убеждаюсь благодаря прекраснейшим свидетельствам.

С прежней верностью и с
лучшими пожеланиями
Ваш Фридрих Ницше.

179. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, Samstag. <23. Dezember 1871>

Мои дорогие мать и сестра,

от всего сердца желаю, чтобы вы получили немного радости от моих маленьких рождественских подарков. Для объяснения их начну с того, что посвящено вам обеим: композицию под названием «Отзвук новогодней ночи» вы должны обязательно когда-нибудь исполнить; для этого я рекомендую вам готовую помощь Густава Круга, которому я еще напишу письмо по этому поводу. Она была написана вскоре после моего возвращения из последних каникул и для меня является знаком того, насколько согревающими и благотворными должны были быть для меня эти каникулы. Ведь после 6 лет перерыва это первая попытка такого рода, и, если я не ошибаюсь, удачная попытка.

Я позаботился о том, чтобы для вас была сделана красивая копия, и хотел бы, чтобы труд, затраченный на её изготовление, также был учтён среди подарков. Однако я должен вскоре узнать от вас, как вам понравилась эта музыка. У вас, вероятно, уже есть некоторое сопереживание: на этот раз моё посвящение не так бессмысленно, как в моих предыдущих композициях, из которых венгерский маршевый марш был подарен дяде Теобальду, а любовная песня — тёте Розалии.

Теперь же, моя дорогая мать, тебе достаются занавески, эффект от которых должен радовать нас обоих, когда я приеду в Наумбург. Кроме того, мне сообщили, что резные салатные приборы доставили тебе удовольствие.

Прими подарки благосклонно, об этом я прошу.

Тебе, дорогая Лизбет, я дарю историю искусства Лübке, из которой ты сможешь многое узнать и уже узнала, когда я однажды что-то экзаменую. Это совершенно новое издание: ты сможешь быть более довольна этой книгой, чем желаемым Springer (как ты можешь просить меня заказать книгу из скандального еврейского антикварного магазина!!) Затем наша дорогая мать по моему поручению передаст тебе хороший альбом. Тебе также понравится маленький Гебель.

Столько о моих подарках. То, что моя книга о трагедии не среди них, имеет простую причину: она еще не совсем готова. Но в новом году и, возможно, уже на Новый год она попадет в ваши руки.

При печати что-то задержалось. На самом деле это должно было быть моим рождественским подарком для Ричарда Вагнера, но теперь он приходит слишком поздно.

На этот раз я не праздную Рождество в Трибшене, несмотря на самые сердечные приглашения, потому что мне нужно время для себя, чтобы подготовить свои лекции, которые начнутся в новом году. (— лекции о будущем наших образовательных учреждений —) Для этого я уже предвосхитил свое Рождество у Вагнеров, проведя с ними последнюю неделю в Мангейме и пережив непередаваемые наслаждения вагнеровского концерта в ближайшей близости. У нас был первый этаж в «Европейском дворе», и из многих почестей, оказанных В., часть досталась и мне как его ближайшему доверенному лицу. Впрочем, вся поездка обошлась мне сравнительно недорого, хотя я отсутствовал с понедельника по четверг. О своих художественных впечатлениях там, самых высоких в моей жизни, которые в некотором смысле были исполнением глубокого предчувствия, я не хочу говорить в письме.

Ну, прощайте, мои дорогие, и думайте обо мне в эти рождественские дни.

Ваш Фриц.
С прежней любовью.

NB. День рождения госпожи В. — 25 декабря. Это очень мило с твоей стороны, дорогая Лизбет, что ты пишешь. Не забудь об этом.

180. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig

<Basel,> Am Tage der Bescherung, Weihnachten 1871.

Дорогой господин,

сегодня я хочу только поблагодарить вас за то, что хотя бы я сам смог завершить корректуру всего текста к Рождеству. Вы простите, что по моей вине возникла задержка: отчасти я сам не имел правильного представления о том, как быстро несколько наборщиков могут одновременно продвигать печать, отчасти здесь, в Базеле, были различные профессиональные трудности и обязанности, от которых я не мог отказаться.

Так что давайте постараемся устроить в Трибшене настоящую новогоднюю радость. Сегодня из Берлина также должен быть отправлен переработанный деревянный штамп для виньетки.

Теперь у меня есть несколько просьб относительно отправки первых экземпляров.

Экземпляры роскошного издания, пожалуйста, пришлите мне. Один из других бесплатных экземпляров мы должны как можно скорее отправить

Господину доктору Роде,

приват-доценту в
Кильском университете,

который напишет обширный обзор книги для литературного центрального журнала Царнке. (Следовательно, Царнке или Авенариусу не нужно отправлять экземпляр)

В Лейпциге прошу учесть следующих адресатов для отправки:

Госпоже профессору Брокгауз

Господину тайному советнику

Проф. доктору Ричлю

(Сад Лемана)

Затем моя сестра должна получить экземпляр через Ваше посредничество:

Фрейлейн Елизавете Ницше

в Наумбурге
на Заале.

Также господину фон Герсдорфу два экземпляра (один из них — художнику виньетки господину Леопольду Рау)

Все эти отправления должны быть помечены словами: «с сердечными новогодними пожеланиями от автора.»

Прошу учесть транспортные расходы. Все посылки должны быть оплачены.

Теперь живите хорошо и завершите этот год счастливо и довольны.

Ваш преданный
Д-р Фридрих Ницше

NB. Я был в Мангейме.

181. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 27. Dezember 1871>

Мои дорогие мать и сестра,

наконец, то есть уже час я владею вашими великолепными рождественскими подарками, и меня сразу же тянет поблагодарить вас за них от всего сердца. Но как долго задерживалась почта? Сегодня среда. Мне уже кое-что рассказало предварительное письмо, но в сущности очень мало: ибо, распаковывая, я был удивлен во всех отношениях. Обоечник помог мне, и без всяких затруднений прекрасная картина в своей великолепной раме вышла наружу, после некоторых усилий: ибо она была очень тщательно упакована и забита гвоздями. Также мы снова, как это обычно бывает со мной, сначала отбили не ту сторону ящика.

Также я удивился дорогому счёту почты, которая за пересылку, я думаю, потребовала около 18 франков. Очень дорого жить так далеко друг от друга. Сегодня днём в моей комнате будут перевешены картины, конечно, Мадонна будет над диваном, над пианино будет картина Гольбейна, а именно большой Эразм, который мне подарили молодые Фишеры на Рождество во время подарков. Из этого вы узнаете, где я был в тот вечер: сегодня я приглашён на подарки к Бахофенам, а на канун Нового года — на подарки к старым Фишерам: так что я трижды переживу рождественскую ёлку.

На пятницу в полдень меня пригласил старый Штеелин в Листаль.

Вот моя праздничная программа: теперь я продолжаю восхвалять ваши подарки. Мадонна делла Седия — великолепная картина: моя комната растет и становится все лучше. Я уже сомневаюсь, достойны ли мои маленькие овальные черные студенческие портреты такой комнаты. Теперь они, вместе с папой Ричлем и Шопенгауэром, сгруппированы над книжным столом рядом с печкой. Так что — картина произвела на меня большое впечатление, и я очень благодарен тебе от всего сердца, дорогая Лизбет. Мне также кажется, что такая картина невольно тянет в Италию — и я почти думаю, что ты подарила ее мне как приманку для этого.

Я не могу ответить на этот апполоновский эффект иначе, как своим дионисийским, то есть новогодней ночью, а затем апполоновско-дионисийским двойным эффектом моей книги, которая выйдет на Новый год и которую ты получишь напрямую от Фрича из Лейпцига. У него уже три дня есть это поручение.

Теперь я продолжаю и рассказываю о впечатлении, которое произвели на меня красивые розовые пакетики от моей дорогой матери. Глядя на красивую юфтевую кожу, я подумал, что вы меня очень балуете: к чему это приведет при таких аристократических тенденциях! Впрочем, такая папка для писем была мне очень нужна, и первое письмо, которое я на ней пишу, предназначено тебе, моя дорогая мать.

Также полезной и приятной была хорошая расчёска, щётка для волос, щётка для одежды (которая лишь немного мягковата), приятные носки и большое количество вкусных пряников и перцовых пряников, всё красиво и празднично упаковано. Не стоит забывать и о подтяжках! К несчастью, только вчера случилось так, что обе старые подтяжки окончательно порвались, и мне пришлось выходить без них. Так что новые пришли как раз вовремя: «когда беда велика, подтяжки близко», — подумал я, распаковывая их. За всё вместе принимаю мою сердечную благодарность; я очень обрадовался и радуюсь ещё больше, когда аромат моей подложки достигает моего носа.

Ярче, чем через этот запах, нельзя вспомнить о подарке: как часто же я еще буду вспоминать!

Теперь мы на границе года. Я думаю об этом с успокоением и с благодарностью прощаюсь с этим годом. Вы еще увидите, как он в определенном смысле делает эпоху для меня. Моя книга скоро выйдет: с ней я начинаю новый год, и теперь станет известно, чего я хочу, к чему стремлюсь всеми силами: моя деятельность начинается. Это были прекрасные часы, в которые создавалась эта книга: это был хороший год, несмотря на его тревожное начало. Вскоре здоровье вернулось: и какие прекрасные, теплые времена из Лугано, Базеля, Наумбурга и Лейпцига теперь встают перед моими глазами!

Всем, кто ко мне благосклонен — и кому больше, чем вам? — я от всего сердца благодарю на таком рубеже года и желаю вам и себе счастливого Нового года в прежней силе, в прежней любви, моя дорогая мать, дорогая сестра!

Ваш Фриц.

182. An Gustav Krug in Naumburg

<Basel, 31. Dezember 1871>

Мой дорогой друг,

я глубоко благодарен тебе, как за твое внимательное и доброжелательное письмо, так и за присланный очень привлекательный фрагмент композиции. Начну с последнего: я был рад контрапунктической уверенности в этом каноническом эксперименте: ведь это наш современный способ представлять самые невероятные трюки только шутливо, как, например, Вагнер в сцене избиения. С другой стороны, твое скерцо для моего восприятия имеет мрачный меланхоличный привкус: если я представляю себе звучание струнных инструментов, то у меня возникает впечатление лихорадочного возбуждения: быстрые дикие решения сменяются с пугающей быстротой, и мы с тоской ищем освобождающую среднюю часть:

Он ведет радость через открытые ворота,

Сверкают облака, расступается цвет,

Тогда нам является картинка, божественная, —

как мы пели в гётевском "Ergo bibamus". Итак, дорогой друг, божественная картинка! Печаль не для человека создана, а для животных, говорит Санчо Панса. Но если человек слишком увлекается ею, он становится из-за этого животным. — Я теперь, насколько это возможно, избегаю этого "животного" в музыке.

Даже боль должна быть охвачена такой славой дифирамбического восторга, чтобы она в ней, так сказать, утонула: как я это чувствую на величайшем примере, в третьем акте "Тристана". Смейся сколько угодно над моим абсурдным советом и желанием: я желаю и советую тебе больше счастья — и в музыке тоже, и это будет моим новогодним поздравлением.

Ах, мы оба знаем, мой дорогой друг, как глупо это желание: это внутреннее спокойное блаженство, из которого исходит искусство, не в нашей власти, не следует нашим желаниям — а падает неожиданно то здесь, то там с неба нам в руки. Пусть в новом году это "то здесь, то там" выпадает тебе как можно чаще!

И пусть в частности всё квартетное произведение станет отголоском таких моментов, без всякого «животного» привкуса или с такой нежной и благородной дозой, какую, например, несёт в себе твой оригинальный фрагмент. Когда я снова приеду в Наумбург, я отнесу к своим первым радостям возможность действительно однажды услышать твой квартет: к тому времени тебе, вероятно, удастся собрать квартетный ансамбль. Кстати, при исполнении собственных композиций другими людьми узнаёшь, что значит «дирижировать». Только на собственном опыте понимаешь, сколько ошибок можно допустить в исполнении даже самой простой музыки.

В этом смысле это очень поучительно, но также очень неловко и мучительно, как я недавно часто чувствовал на своей четырёхручной композиции, которую никто не может сыграть мне в благодарность.

Тем более я надеюсь, что именно ты, мой дорогой друг, как единственный, действительно посвящённый в моё музыкальное развитие, сможешь полностью понять эту композицию, с которой ты, вероятно, познакомишься в эти дни. Я хотел бы попросить тебя дать представление о ней моей матери и сестре, которым я посвятил её на “Рождество, и думаю, что не прошу ничего невозможного. Прими эту музыку как можно менее требовательно; это были прекрасные дни, когда я её создавал — для меня, но я не знаю, насколько для других.

Или, вернее, — я знаю это по местному опыту. Но не очень славно об этом говорить. Странно, что собственное чувство так трудно передать, и что еще можно воспринять в такой музыке, без этого моего чувства, — один Бог знает. Должно быть, это что-то странное, и я никак не могу в это вжиться.

Моя книга выходит к Новому году у Фрича. Тебе, как истинному меломану, она, конечно, будет выслана. О! Она злая и скандальная. Читай ее тайком в своей комнатке.

Нашего дорогого друга Вильгельма я сопровождаю с самым сочувственным чувством и надеюсь вскоре услышать его победное "Виктория!" над вновь сраженным экзаменационным чудовищем. А пока — мужества! и храбрости! И здоровья! И крепкого боевого меча и боевого коня для таких опасностей!

Передай мои лучшие новогодние пожелания твоим уважаемым родителям и будь уверен в старой верности твоего

друга Фридриха Ницше.

182a. An Emil Heckel in Mannheim

<Basel, Ende Dezember 1871>

Слух совершенно необоснованный; лучшие новости из Трибшена. Сердечнейшие новогодние поздравления Вагнеровскому обществу.

Профессор Ницше.

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