1871 (67 Briefe)
118. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel
Verehrtester Herr Rathsherr,
für die nachfolgende Combination brauche ich in besonderem Maße Ihren wohlwollenden Rath und Ihre mir schon mehrfach bewährte wahre Theilnahme. Sie werden sehen, daß ich das Wohl der Universität ernsthaft in’s Auge gefaßt habe, und daß deren wirkliches Interesse mich zu der folgenden, etwas ausführlichen Auseinandersetzung nöthigt.
Es wird Ihnen von meinen Ärzten mitgetheilt worden sein, in welchem Grade ich wieder leidend bin und daß an diesen unerträglichen Zuständen Überanstrengung Schuld sei. Nun habe ich mich wiederholt gefragt, woraus dieser sich in der Mitte fast jeden Semesters einstellende Zustand der Überanstrengung zu erklären sei; und ich mußte mir sogar überlegen, ob ich nicht meine Universitätsthätigkeit überhaupt abzubrechen habe, als eine für meine Natur ungeeignete Lebensweise. Schließlich bin ich aber in dieser Beziehung zu einer anderen Auffassung gelangt, die ich Ihnen jetzt vortragen möchte.
Ich lebe hier in einem eigenthümlichen Konflikt, und der ist es, der mich so erschöpft und selbst körperlich aufreibt. Von Natur auf das Stärkste dazu gedrängt, etwas Einheitliches philosophisch durchzudenken und in langen Gedankenzügen andauernd und ungestört bei einem Problem zu verharren, fühle ich mich immer durch den täglichen mehrfachen Beruf und dessen Art hin und her geworfen und aus der Bahn abgelenkt. Dieses Nebeneinander von Pädagogium und Universität halte ich kaum auf die Länge aus, weil ich fühle, daß meine eigentliche Aufgabe, der ich im Nothfalle jeden Beruf opfern müßte, meine philosophische, dadurch leidet, ja zu einer Nebenthätigkeit erniedrigt wird. Ich glaube daß diese Schilderung auf das Schärfste das bezeichnet, was mich hier so aufreibt und mich zu keiner gleichmäßig-heiteren Berufserfüllung kommen läßt, was andernseits meinen Körper erschöpft und bis zu solchen Leiden anwächst, wie die jetzigen sind: die, wenn sie öfter wiederkehren sollten, mich rein physisch zwingen würden, jeden philologischen Beruf aufzugeben.
In diesem Sinne erlaube ich mir, mich bei Ihnen um die durch Teichmüllers Weggang erledigte philosophische Professur zu bewerben.
Was meine persönliche Berechtigung, den philosophischen Lehrstuhl zu ambitionieren, betrifft: so muß ich allerdings mein eignes Zeugniß voranstellen, daß ich dazu Potenz und Kenntnisse zu besitzen glaube und mich sogar, Alles in Allem, für jenes Amt befähigter fühle als für ein rein philologisches. Wer mich von meinen Schul- und Studentenjahren kennt, ist nie über die Prävalenz der philosophischen Neigungen im Zweifel gewesen; und auch in den philologischen Studien hat mich vorzugsweise das angezogen, was entweder für die Geschichte der Philosophie oder für die ethischen und aesthetischen Probleme mir bedeutsam erschien. Sodann stimme ich völlig Ihrem Urtheile bei und mache es für mich geltend, daß bei der augenblicklichen etwas schwierigen Lage der Universitätsphilosophie und bei der geringen Zahl der wirklich geeigneten Bewerber derjenige einiges Anrecht mehr hat, der eine solide philologische Bildung aufzuweisen hat und bei den Studierenden die Theilnahme für eine sorgfältige Interpretation des Aristoteles und Plato wecken kann. Ich erinnere daran, daß ich bereits zwei Collegien angekündigt habe, die in diesem Sinne philosophischer Natur waren „die vorplatonischen Philosophen mit Interpretation ausgewählter Fragmente“ und „über die platonische Frage.“ So lange ich Philologie studiere, bin ich nie müde geworden, mich mit der Philosophie in enger Berührung zu erhalten; ja meine Haupttheilnahme war immer auf Seiten der philosophischen Fragen, wie mir mancher bezeugen kann, der mit mir umgegangen ist. Von hiesigen Collegen möchte zB. Overbeck darüber einigen Aufschluß geben können, von Auswärtigen Keiner mehr als mein Freund Dr. Rohde Privatdozent in Kiel. Es ist eigentlich nur dem Zufall zuzuschreiben, daß ich nicht von vornherein für Philosophie meine Universitätspläne gemacht habe: dem Zufall, der mir einen bedeutenden und wahrhaft anregenden philosophischen Lehrer versagte: worüber man bei der jetzigen Constellation der philosophischen Zustände an Universitäten sich gewiß nicht wundern darf. Gewiß aber würde hierin einer meiner wärmsten Wünsche erfüllt, wenn ich auch hier der Stimme meiner Natur folgen dürfte: und ich glaube hoffen zu können, daß nach Beseitigung jenes vorhin erwähnten Conflikts auch mein körperliches Befinden ein bei weitem regelmäßigeres sein wird. Als befähigt für eine philosophische Lehrstelle werde ich mich bald genug öffentlich ausweisen können: meine gedruckten Arbeiten über Laert. Diog. sind jedenfalls auch für meine philosophisch-historischen Bestrebungen geltend zu machen. Für pädagogische Fragen und Untersuchungen habe ich immer Theilnahme gehabt: darüber lesen zu dürfen wird mir eine Freude sein. Von neueren Philosophen habe ich mit besonderer Vorliebe Kant und Schopenhauer studiert. Sie haben aus den letzten 2 Jahren gewiß von mir den guten Glauben gewonnen, daß ich das Unpassende und Anstößige zu vermeiden verstehe und daß ich unterscheiden könne, was sich im Vortrag vor Studierenden schickt, was nicht.
Wenn ich Ihnen nun meine Kombination völlig darstellen darf, so hatte ich geglaubt, daß Sie in Rohde einen überaus geeigneten Nachfolger für meine philologische Professur und Stelle am Pädagogium finden würden. R., mir seit 4 Jahren auf das Genaueste bekannt, ist von allen jüngeren Philologen, die mir vorgekommen sind, der allerbefähigste und für jede Universität, die ihn erwirbt, ein wahrer Schmuck; zudem ist er wirklich noch zu haben, während ich höre, daß man in Kiel damit umgeht, durch Gründung einer neuen philolog. außerordentl. Professur ihn dauernd dort festzuhalten. Ich kann nicht genug aussprechen, wie sehr mir das Dasein hier in Basel durch die Nähe meines besten Freundes erleichtert würde. — Die ganze Konversion der Dinge könnte sofort mit dem Beginn des neuen Sommersemesters beginnen, so daß also keinerlei Lücken in der Besetzung der Stellen eintrete. Ich meinerseits wäre sofort bereit, Ihnen die Ankündigung meiner philosoph. Vorlesungen zu machen und würde durch eine regelmäßige Antrittsvorlesung im Anfange des Sommers meine neue Stellung inaugurieren.
Lassen Sie sich, verehrtester Herr Rathsherr, von der Sonderbarkeit der vorgeschlagnen Combination nicht erschrecken und würdigen Sie dieselbe einer Erwägung.
Um Ihre Nachsicht, Ihren Rath, Ihre Theilnahme bittend
bin ich in hochachtungsvoller
Ergebenheit der Ihrige
Dr. Fr. Nietzsche
Prof. o. p. der klass. Philol.
119. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester,
so will ich denn sogleich antworten, mich zu entschuldigen so gut es geht. Wirklich ist meine Gesundheit in der letzten Zeit nicht gut gewesen, und ich lechze nach Erholung und besserer Luft, vor allem nach weniger Berufsarbeit. Gelegentlich habe ich die ganze Professorenthätigkeit satt. Man kommt nicht recht zu seiner eigentlichen Aufgabe und verzehrt sich in der besten Zeit seines Lebens durch übermäßiges Schulmeistern — Zeter!
Schlechter Magen, schlechter Schlaf, zu wenig Bewegung, große Angegriffenheit, und unleidliches Wetter!
Beiläufig — um das Letzterwähnte Deines Briefes nicht zu vergessen — seitens meines Herrn Onkels ist bis jetzt noch keine Zeile, geschweige denn ein Pfennig eingelaufen.
Der gute Bergmann hat mich auf seiner Reise hier besucht und mit Zeichen seiner Liebe wahrhaft überhäuft. Ich wußte es, daß er nicht zurückkommen würde und nahm mit diesem Bewußtsein von ihm Abschied. Er war sehr leidend.
Meinem trefflichen Vetter Rudolf wünsche ich immer das Allerbeste, denn er verdient es. Schickt ihm doch beifolgende Karte von mir zur Gratulation.
Wie stehen eigentlich meine Vermögensverhältnisse? Ich habe gar keinen Überblick mehr. —
Prof. Fritz Brockhaus, der Bruder von Clemens (der Euch recht grüßen läßt) hat sichere Aussicht, hierher nach Basel berufen zu werden. Ich habe einen kleinen Antheil an dieser Berufung. —
Heute ist Samstag. Ich will tüchtig spazieren laufen, nur ist es sehr schmutzig. Die Nacht habe ich keinen Augenblick geschlafen. Ich bin froh daß die Woche zu Ende ist.
Nun nochmals schönen Dank für Eure Briefe. Entschuldigt meine Nachlässigkeit und denkt meiner freundlich.
Fritz.
120. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Ich habe Dir, liebe Lisbeth, noch nicht in Betreff des Geburtstages geschrieben. Natürlich habe ich darauf gerechnet, daß Du den Schirm in meinem Namen besorgst — einen guten Schirm. Dann kannst Du noch eine recht schöne Torte bestellen, auch für mich. Und Beides dann überreichen.
Wir haben einen argen Winter, und meine Gesundheit war recht bedenken-erregend in den letzten Wochen. Ostern muß ich jedenfalls etwas in südlichere Luft, vielleicht nach Glion. Was meinst Du, wenn ich Dich aufforderte, mit zu kommen?
Den beiliegenden Brief übergieb am Geburtstage, recht ziemlich.
Es grüßt Dich herzlich
Fridericus.
Wie steht es mit den Finanzen für Ostern?
121. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Wie alt, geehrteste Geburtstäglerin, bist Du denn eigentlich geworden? So viel ich mich erinnere gehst Du ungefähr mit dem Jahrhundert und ich freue mich Dir somit zu Deinem einundsiebzigsten Geburtstage gratulieren zu können: mit welchem Lebensalter doch schon etwas erreicht ist.
Wenn Du auf Deine letzten vierzig Jahre zurückdenkst, so muß es Dir doch ziemlich wohl zu Muthe sein; denn sie sind sehr schnell vergangen: was ein Beweis dafür ist, daß sie glücklich verlebt sind.
Unsereiner wünschte nichts mehr als mit gleicher, ja noch größerer Schnelligkeit hinter Dir drein zu fahren und Dich einzuholen; doch sagt man mir, daß das schwerer ist als man denkt und daß dies nur denjenigen passiere, die am 2 Febr. geboren sind.
Dies rasche Altern der Mütter soll nun das Gegentheil bei den Kindern hervorrufen — und wir haben ja das Beispiel, daß unsre Tochter nicht über die Siebzehn hinauskommt, so sehr sie sich auch seit 8 Jahren bemüht. Da müssen wir Beide also uns mit einander trösten: ich, immer noch wie Du, recht behaglich, nur mitunter etwas mehr als Du an Altersschwäche leidend feire dies Jahr meinen 87ten Geburtstag und darf mich vielleicht dabei pensionieren lassen. In Ehren und nicht ohne einen silbernen Pokal, aus dem Du recht ordentlich nippen sollst.
Für die nächsten fünfzig Jahre Deines Daseins bringe ich Dir heute einen so lange aushaltenden Regenschirm, nebst einer Torte, deren Dauerhaftigkeit mir aber nicht garantiert wurde. Genieße die eine unter dem anderen, wenn Du es Deiner Gesundheit für zuträglich erachtest —
mit welcher Dich herzlich grüßt
Dein
Fridericus.
122. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester,
mein Befinden hat sich sehr verschlechtert, schreckliche Schlaflosigkeiten, Hämorhoidalleiden, große Angegriffenheit usw. — Liebermeister und Hoffmann behandeln mich; es sei eine Magen- und Darmentzündung, hervorgerufen durch Überanstrengung. Ich habe die Baseler Professur recht satt. Ich muß eine Karlsbader Wasser-Kur gebrauchen, aber es bessert sich nicht. Die Ärzte verlangen jetzt, daß ich bis Ostern Basel verlasse, und in einer südlicheren Luft, ohne irgend etwas zu thun, mich wieder stärke. Wer von Euch hat nun Lust, mich zu begleiten? Denn für uns drei würde die Sache wohl zu theuer. Mir sind die norditalienischen Seen angerathen. Nöthigenfalls kann ich auch allein reisen. Mein Zustand ist, wie mir noch gestern Hoffmann erklärte, gänzlich unbedenklich, wenn jetzt gleich Abhülfe geschafft wird.
Hier ist nun der rascheste Entschluß der Beste. Jedenfalls bitte ich um sofortige Antwort.
Wie gesagt, unbedingt nöthig ist es keineswegs, daß Ihr kommt. Etwas Anderes ist es, wenn ich Euch bitten würde, den Sommer in Basel zu verleben: worauf Ihr Euch nur einrichten mögt.
Aber anfragen wollte ich doch, ob jemand mich jetzt begleiten will. Italienisch kann ich nicht, aber mit Französisch kommt man dort überall ungefähr durch.
Man wird doch als deutscher Dozent in Basel unverantwortlich ausgenutzt: bei sehr schlechtem Gehalt! Wenn es irgend eine Gelegenheit giebt, mich von hier zu entfernen, so benutze ich sie.
Wie steht es nun mit den Geld Verhältnissen? Was habe ich Ostern für Zinsen zu erwarten? —
Ich bitte mir also über Eure Gedanken die allerschnellste Mittheilung aus, da jeder Tag, den ich jetzt länger in Basel verweile, meiner Genesung im Wege steht.
Ich telegraphiere heute: wenn dieser Brief ankommt, habe ich bereits die Rückantwort und Euer Entschluß ist schon so gefaßt, daß wir etwa Donnerstag von Basel aus abreisen können.
So ordnet es Liebermeister an, der mich eben besuchte und mir Lugano empfiehlt. Wenn der Entschluß so schnell nicht gefaßt sein könne, so dürfe ich nicht warten.
Und nun mit den herzlichsten
Wünschen
Euer Fr.
123. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegrammentwurf)
Elisabeth Nietzsche Naumburg an Saale
Erwarte Dich bis Donnerstag hier, zusammen nach Lugano, ich unwohl. Wenn nicht, abtelegraphieren.
Fritz.
124. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegramm)
Elisabeth Nietzsche Naumburg an Saale.
Sehr verstimmt über Telegramme Arzt wünscht dich herbei ich erwarte noch Ankunft morgen.
Fritz.
125. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
Große, noch nie dagewesene Transaktion, Transfiguration, Transsubstantiation!!
Wir haben vielleicht Aussicht, nächstes Semester zusammen zu verleben. Du als mein Nachfolger und ich — als Universitätsphilosoph!!
Teichmüller verläßt jetzt Basel, um nach Dorpat zu gehen, und ich habe mich gemeldet und um seinen Lehrstuhl beworben: mit der bestimmten Erklärung, daß Du als mein Nachfolger nach Basel in meine jetzige Stellung berufen wirst.
Sehen wir zu, wie die Götter unser Schifflein führen! Mir soll man nachsagen, daß ich zum Besten der Freundschaft die schlausten Einfälle gehabt habe. Wie habe ich gesonnen, uns zu vereinigen! Eine Möglichkeit winkt!
Dann müßtest Du schon Mitte April hier eintreffen.
Mehr schreibe ich nicht. Hoffen wir das Beste, aber schweigen wir!
Meine Gesundheit ist so schlecht, daß die Ärzte mich nach dem Süden schicken und ich übermorgen nach Lugano abreise. Magen- und Darm-entzündung! Scheußliche Schlaflosigkeit! Bis Ostern bleibe ich fort und kehre als Philosoph wieder, wenn mein Plan gelingt. Von mir also bekommst Du über die Baseler Dinge nichts mehr zu hören. Wenn aber erst Vischer schreibt, dann tritt die Sache in ein günstiges Stadium. Geduld und Hoffnung! Und Schweigen!
Dieser Brief ist gegen jedermann zu cachieren, auch gegen Vischer.
Freude, schöner Götterfunken!
Amicus.
Briefe nach Basel zu address<ieren.> — Ich schreibe eiligst.
126. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Lisbeth,
nur wenig Worte. Komm doch ja noch. Also Montag Abend mit Schnellzug (so daß Du Sonntag um Mitternacht von Naumburg fort mußt) Am Bahnhof wird Dich Minna empfangen. Und bei mir wirst Du die Nacht wohnen, während ich allerdings schon Sonnabend von hier fortreise und nach Tribschen. Ich will dann um 2 Uhr Nachmittag am Dienstag an Eisenbahn und am Dampfschiff in Luzern sein: Du müßtest also am Dienstag 10½ Uhr von Basel abreisen. Diesen Dienstag geht es dann noch bis Andermatt, wo wir übernachten. Mittwoch bis Bellinzona, wo wir übernachten, Donnerstag Mittag kommen wir in Lugano an. Wir reisen also langsam: so ist es mir gerathen. Richte Dich auf große Kälte ein. Doch werden Dir auch Siebers alles an Decken usw. geben, was Du brauchst.
Die Zusagebriefe kamen Mittwoch früh: das Absagetelegramm einige Stunden später: Scherze, die ich jetzt schlecht vertrage: ich zitterte und mußte mich erbrechen. Mein Brief war geschrieben, um Euch zu beruhigen: dabei ist er über’s Ziel hinausgeschossen. Es geht mir nicht gut.
Herzliche Grüße
F.
127. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Heute sollst Du auch von mir ein paar Zeilen bekommen, zum Beweise, daß es mir doch schon viel besser geht. Zwar das Hauptleiden, die Schlaflosigkeit, ist bis jetzt noch nicht gehoben. Selbst wenn ich die stärksten Touren mache, oder den ganzen Tag im Freien bin, so hat dies keinen Einfluß auf den Schlaf. Dagegen geht es mit den Hämorhoiden schon recht gut: und wenn erst der Darm wieder ganz gesund ist, wird auch, wie ich hoffe, der Schlaf wieder kommen. Zeitweilig bin ich recht hoffnungslos: aber ich muß doch zugeben, daß seitdem ich aus Basel fort bin, der Zustand doch wieder erträglich geworden ist, während er in Basel einfach unerträglich war.
Daß Du Lisbeth fortgelassen hast, war mir eine große Erleichterung, und Du wirst wohl aus ihren Briefen wissen, daß es ihr bis jetzt gutgegangen ist, und daß sie gute Bekannte sich gemacht hat. In mancher Beziehung haben wir es gut getroffen.
Wenn ich nur bis Ostern wieder recht hergestellt bin, um in Basel wieder die alten Pflichten zu übernehmen!
Inzwischen halte ich mir alles Aufregende fern. Mitunter wirst Du Dich jetzt recht allein fühlen, nicht wahr?
Aber solche Freuden, wie die „hochihrigen Geschenke“, trösten dann wieder. Nicht wahr? Schönsten Dank für den ausführlichen Brief, den ich „den hochihren Brief“ getauft habe.
Und so bin ich in herzlicher Liebe
der hochihrige
Sohn Fr.
127a. An Wilhelm Vischer-Bilfinger
Verehrter Herr Rathsherr,
wir haben heute in Lugano den ersten Regentag, deshalb bleibe ich ohne Gewissensbisse zu Hause und schreibe eine Anzahl Briefe, von denen Sie sofort den ersten erhalten. Die letzte Nacht habe ich gut geschlafen; ich bin jetzt auf dem Standpunkt, daß im Ganzen auf jede schlechte Nacht eine gute und auf jede gute eine schlechte folgt, also immer noch ein sehr mittelmäßiges Wohlbefinden! Dabei mache ich mir viele und regelmäßige Ermüdungen, fast jeder Tag führt mich zu einem neuen schönen Aussichtspunkte, ja gestern haben wir eine größere halbtägige Seefahrt glücklich überstanden und die „Fischerschlucht“ und Tropfsteinhöhlen besucht. Die Gesellschaft ist eine recht gute und einmüthige, so daß wir gestern zu neun Personen bei der Excursion waren. Auch verdient das Hôtel du Parc jedes Lob. Nur war das Klima im Ganzen noch recht winterlich, und immer noch sind die benachbarten Berge mit Schnee bedeckt. Der heutige Regen wird aber als Grenzscheide zwischen Winter und Frühling betrachtet.
Über die Anwesenheit meiner Schwester bin ich sehr froh; wir haben beide zusammen in drei Tagen den Weg von Basel nach Lugano zurückgelegt, den größten Theil der Gotthardstr. mit Schlitten, bei allerschönstem Wetter und in der interessanten Begleitung von Mazzini. Unter unseren hiesigen Bekannten ist die treffliche Familie von Moltke’s Bruder, der die letzten Tage recht leidend war. Auch der General wurde lange Zeit erwartet, doch hören wir jetzt, daß er direkt, und ohne alle Ferien, von Versailles zum Reichstag nach Berlin abreist. Um die andre mit uns verbundne Gesellschaft zu nennen, so giebt es jetzt hier außer zwei preußischen verwundeten Offizieren einen schlesischen Grafen Pfeil mit einer sehr heiteren jungen Gattin, Fräulein von Jordan mit einer Fr. Müller als Begleiterin, Herrn v. Kraker, Mrs. Stuart und mehrere gute Engländer und eine Russin, nicht zu rechnen die kürzre Zeit hier verweilenden Fremden.
Ich schicke Ihnen, damit Sie Sich von meinem verbesserten Aussehen eine Vorstellung machen, eine eben fertig gewordene Photographie.
Jedenfalls bleibe ich noch einige Wochen; denn ich habe jetzt noch nicht die geringste Bürgschaft, daß ich nicht bei dem ersten Tage regelmäßiger Berufsarbeit völlig wieder in den alten Zustand zurückfalle. In den schlaflosen Nächten bin ich mit unter ganz trostlos. Das Höchste, was ich bis jetzt erreicht habe — und auch dies nicht ohne kleine Hilfsmittel — ist leidlicher Schlaf in drei aufeinanderfolgenden Nächten: in summa habe ich seit meiner Abreise ungefähr 10 Nächte geschlafen.
Sie werden mir einen großen Gefallen erweisen, verehrter Herr Rathsherr, wenn Sie mir einiges Geld, vielleicht 2-300 frs. übersenden wollten: ich muß mich auf einige Wochen noch einrichten, und Geldsendungen aus Naumburg bis hierher sind gar zu unbequem. Ich hoffe daß Sie mir die Freiheit dieser Bitte verzeihn.
Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin wünsche ich — samt meiner Schwester bestens empfohlen zu sein und zu bleiben. Ihr ergebenster
Dr Friedrich Nietzsche.
128. An Franz Overbeck in Dresden
Mein lieber Freund und College, wundern Sie Sich nicht über den Exceß meiner Schreibunseligkeit? Ihnen so lange nicht zu schreiben! Ich wundere mich sehr darüber! Glauben Sie mir wenigstens, wie getreulich ich Ihrer gedacht und wie dankbar ich mich an viele Züge Ihrer mitleidigen Krankenpflege erinnert habe. Dank Ihnen, Dank Ihrem Pelz bin ich diesmal noch so leidlich weggekommen — in jeder Bedeutung des Wortes. Es war gewiß die höchste Zeit; denn mir kommt es jetzt, beim Nachdenken über den Baseler Januar, so vor, als ob ich in fortwährender traumhafter Überspanntheit aller Nerven herum gelaufen sei und Ihnen in diesem Zustande gewiß nicht sehr bequem gefallen sei. Und Sie haben mich damals ausgehalten und sind mit mir spazieren gegangen etc. etc. Zum Lohne dafür sollten Sie plötzlich an diesen blauen See versetzt werden — nur um Gottes Willen heute nicht, bei abscheulicher norddeutscher Regenluft und dickem pelzartigen Nebel! Aber vielleicht morgen oder übermorgen! Dann würden wir zusammen nach den ersten Blumen des Frühjahrs suchen und sie vielleicht auch eben so sicher hier finden wie in Dresden, das wie ich glaube Sie in diesen Ferien besuchen werden. Wenn wir eine warme Stelle am See finden sollten, so würden wir uns dort, unter kleinen Schlangen und Eidechsen, niederlassen: obwohl ich meine daß der Plauensche Grund auch diese Genüsse zu schaffen vermag. Wenn uns sehr wohl zu Muthe wäre, könnten wir uns sogar auf einen Kahn setzen und uns auf dem See herumfahren lassen, freilich nicht ohne Fußsack und mit der Wahrscheinlichkeit eines Schnupfens. Sie sehen, daß wir hier auch einige norddeutsche Anwandelungen haben, vielleicht mehr als in der Nordschweiz, die, in Folge des dort constatirten „Deutschenhasses“, auch wohl republikanische, durch ein Referendum zu erzielende und jedenfalls nicht norddeutsche Witterungsverhältnisse hat. Hier neigt man zu Preußen: ja wir haben, ohne jeden Mord, neulich eine Geburtstagsfeier Kaiser Wilhelms uns gestatten können und „lebende“ Bilder gestellt, ohne fürchten zu müssen, daß man auf dieselben schießt. Ja es giebt hier harmlose Deutsche, die sogar die Zither zu spielen wagen, ja es muß sogar bekannt werden, daß hier zwei, seit gestern 4 verkappte preußische Offiziere leben, die ohne jede Waffe am See spazieren und an Feiertagen sogar ihre Uniform tragen. Alles zusammen constatirt ein Wohlbefinden in Lugano, welches sicherlich das in Basel übertrifft und vielleicht nur noch vom Wohlbefinden in jeder deutschen Stadt, jedenfalls in Dresden, übertroffen wird. Es wäre also ein schlechter Lohn, wenn Sie für Ihre an mir bewiesene Mildthätigkeit aus Dresden hierher verzaubert würden: weshalb ich daran denke, Ihnen auf eine andre Art meine Dankbarkeit auszudrücken. Hier ist erstens meine Photographie, die nur zum geringsten Theil zeigt, daß ich mich gebessert habe, gerade aber die wichtigsten Veränderungen im Ganglien- und Saugadersystem nicht wiedergiebt, sondern den Mantel über dieselben gedeckt hat.
Mit diesem, so wie mit Ihrem Pelz verbleibe ich der ich war, frierend und fröstelnd und Ihrer herzlich gedenkend
Ihr dankbarer Freund,
Kamerad und College, ja Mitmensch
Friedr. Nietzsche
129. An Julius Piccard in Basel
Lieber und werter Herr Kollege,
Sie haben mich durch Ihren Brief wahrhaft überrascht: wie selten habe ich ein so reines Zeichen der Teilnahme erhalten! Der ganze Tag nahm ein freundliches Gesicht an, der mit dem Empfang dieses Briefes begonnen war. Seien Sie überzeugt, daß ich so einen Zug wie diesen, nie vergessen kann. — Zugleich war es der erste Tag, den ich mit dem trefflichen Heusler zusammen in Lugano verlebte. Durch ihn bin ich wieder über die Baseler Zustände unterrichtet, ja wir bekommen jetzt täglich die Baseler Zeitung hierher. Ich hoffe in der Mitte des nächsten Monats wieder dort einzutreffen und mit Beginn des Mai in die alte berufsmäßige Tätigkeit einzutreten. Daß Sie selbst dieses ganze lange Winterhalbjahr ohne längere Störungen ausgehalten haben, dazu in einem, wie mir scheint, nicht ganz ungefährlichen Klima — hat mich sehr gefreut und gibt mir die besten Hoffnungen für die völlige Wiederherstellung Ihrer Gesundheit. Der Sommer ist in Basel recht erträglich und warm; ich kann heute das Wort „Wärme“ nicht ohne Sehnsucht schreiben. Denn der schöne See ist ganz mit kaltem dichtem Nebel überhängt, und graues Mißvergnügen breitet sich über das Hotel und seine sehr vom Wetter abhängigen Bewohner [+ + +]
130. An Erwin Rohde in Kiel
Ja, mein lieber Freund, den Bann lösen! Das ist nicht leicht und mir zur Zeit gänzlich unmöglich. Denn ich weiß von der Fortentwicklung der Sache nichts, gar nichts. Vischer hat mir zwar einmal hierher (nach Lugano) geschrieben, aber in seinem Briefe war kein Wort über unser gemeinsames Anliegen. Dagegen erlebte ich noch in Basel vor meiner Abreise und nachdem ich Dir geschrieben, einige Anzeichen, daß der „Philosoph“ Steffensen keinen guten Willen für das Projekt hat. Denke Dir, wie sehr man mich in der Hand hat, wenn man sich auf meine nie verschwiegene Schopenhauerei berufen kann! Zudem muß ich doch auch mich philosophisch etwas ausweisen und legitimieren: eine kleine Schrift „Ursprung und Ziel der Tragödie“ ist dazu fertig gemacht worden, fertig bis auf einige Pinselstriche. Somit glaube ich, daß wir mindestens etwas noch warten müssen, nämlich bis Michaelis, wo sich die Sache, besten Falls, für uns entscheidet. Freilich ist damit der traurige Zustand der Aufregung und Unzufriedenheit, als unser perpetuum mobile, noch recht in die Länge gezogen, und wir haben gute Zeit, unsere philosophische Kaltblütigkeit an einer nicht sehr hoffnungsreichen Erwartung zu erproben! — Das ist nun die Kehrseite meines Einfalls: gelang er schnell und unerwartet, Glorie!, verzögerte er sich, Miserabilität! Wir haben das längere Theil erwählt, das diesmal auch das kürzere ist.
Mein Befinden ist leider noch nicht das Beste; immer noch verbringe ich von zwei Nächten die eine schlaflos. Obwohl ich viel heiterer und ruhiger bin und im Ganzen mich wohl fühle, darf ich doch noch nicht an Reisepläne denken; von Italien erhasche ich den Zipfel und lasse ihn bald wieder fallen. Ich habe noch nicht einmal den Comersee und den Langensee kennen gelernt und bin bereits mehr als 6 Wochen in Lugano. Das Wetter ist im Ganzen wenig italiänisch; von einem Frühling, der mehr wäre als unser deutscher Frühling, habe ich noch nichts gespürt — Selbst die niederen Berge rings herum haben noch Schnee, und bis vor zwei Wochen hatten wir ihn noch im Garten des übrigens guten Hôtels. Abnorm! sagt man mir, ein leidiger Trost, an den ich mich seit meinem Aufenthalte in der Schweiz, bereits gewöhnt habe.
Unter vielen niedergedrückten und halben Stimmungen habe ich auch einige recht erhobene gehabt und davon in dem genannten Schriftchen Einiges merken lassen. Von der Philologie lebe ich in einer übermüthigen Entfremdung, die sich schlimmer gar nicht denken läßt. Lob und Tadel, ja alle höchsten Glorien auf dieser Seite machen mich schaudern. So lebe ich mich allmählich in mein Philosophenthum hinein und glaube bereits an mich; ja wenn ich noch zum Dichter werden sollte, so bin ich selbst hierauf gefaßt. Einen Kompaß der Erkenntniß, wozu ich bestimmt sei, besitze ich ganz und gar nicht: und doch sieht mir, in der Recapitulation, alles so wohl zusammenstimmend aus als ob ich einem guten Dämon bis jetzt gefolgt sei. Daß sich jemand, in dieser Unklarheit der Ziele, ja ohne jenes höchste Streben auf eine Staatsbeamtung hin, doch so klar und ruhig fühlen könne, wie ich mich im Ganzen fühle, habe ich nie geglaubt. Welche Empfindung, seine eigne Welt, einen hübschen Ball, vor sich rund und voll werden zu sehn! Bald sehe ich ein Stück neuer Metaphysik, bald eine neue Aesthetik wachsen: dann wieder beschäftigt mich ein neues Erziehungsprincip, mit völliger Verwerfung unserer Gymnasien und Universitäten. Ich lerne bereits nichts mehr, was nicht sofort in irgend einem Winkel des Vorhandenen einen guten Platz vorfindet. Und am meisten empfinde ich das Wachsen dieser eignen Welt, wenn ich, nicht mit Kühle, aber mit Ruhe, alle die sogenannte Weltgeschichte der letzten zehn Monate betrachte und sie nur als Mittel für meine gute<n> Absichten, ohne jede übertriebene Ehrfurcht vor diesem Mittel, verwende. Stolz und Verrücktheit sind wirklich zu schwache Worte für meine geistige „Schlaflosigkeit“. Dieser Zustand macht es mir möglich, auf die ganze Universitätsstellung als etwas Nebensächliches, ja oft nur Peinliches hinzusehn, und selbst jene philosophische Professur reizt mich eigentlich vornehmlich Deinetwegen, da ich ja auch diese Professur nur als etwas Provisorisches betrachte.
Ach, wie sehr verlange ich nach Gesundheit! Man habe nur erst etwas vor, was etwas länger dauern soll als man selber — dann dankt man für jede gute Nacht, für jeden warmen Sonnenstrahl, ja für geregelte Verdauung! Bei mir sind aber irgend welche inneren Organe des Unterleibes in Zerrüttung. Daher Nerven und Schlaflosigkeit, Hämorrhoiden und Blutgeschmack etc. Sei nur so freundlich, nicht etwa auch jenen vorhin geschilderten Geisteszustand auf das Gangliensystem zurückzuführen! Mir würde sonst um meine Unsterblichkeit bange. Denn ich habe noch nicht gehört, daß Blähungen philosophische Zustände erregen.
Mit diesen — mit diesen Zuständen — mich Dir empfehlend bitte ich Dich recht von Herzen, die Hoffnung noch nicht völlig aufzugeben: ich weiß, wie gern Vischer die Sache betreiben wird. Meine Briefsäumnisse mag ich nicht entschuldigen: aber Du weißt, je mehr man die Freunde braucht, um so weniger pflegt man zu schreiben. Es ist ganz gut — aber doch nicht recht! Darum bekommst Du bald wieder von mir einen Brief. Inzwischen denke meiner wie ich Deiner stets gedenke, lieber Freund!
F.N.
131. An Elisabeth Nietzsche in Lugano
Motto:
Silentium! Silentium!
Macht kein Reden und Gesumm!
(R. Wagner)
Reise-ordre.
Heute Abreise mit der Gotthardtpost,
in Wäggisam Vierwaldstätter See
einwöchentlicher Aufenthalt
zur Nach-Kur.
Abreise heute, so viel ich weiss, um 6 Uhr.
132. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund
ich bin nach Basel zurückgekommen und beeile mich, meinem Versprechen getreu, Dir einen zweiten Brief zu schreiben, damit ich endlich aus der Verdammniß der Briefunseligkeit erlöst werde. Übrigens bin ich auch seit heute Nachmittag im Stande, das gewünschte Zauberwort zu sprechen, das Wort „es ist nichts!“
Lieber Freund, ich leide an dem bittern Gefühl, Dir Hoffnungen erregt zu haben, um sie jetzt vernichten zu müssen. In meiner Abwesenheit hat man einen jungen talentvollen Aristoteliker entdeckt, mit der Fackel Trendelenburgs in der Hand; und somit sitze ich wieder als bescheidener philologus auf dem Katheder, und alle philosophischen Träume, seit 6 Wochen genährt und mit Deinen Hoffnungen getränkt, gehen zum Teufel der Lüge und des Schwindels.
Nun hast Du einmal einen Grund, mir ernstlich böse zu sein. Was für Dummheiten habe ich gemacht! Und wie sicher war ich in meinen Combinationen! Kaum darf ich mich hinter den Bettschirm meiner krankhaften Zustände verstecken; freilich war es ein in schlafloser Fiebernacht erzeugter Gedanke, und ich dachte da ein Heilmittel gegen Krankheit und Nerven gefunden zu haben — das Zusammensein mit Dir, mein lieber Freund!, das nun jetzt wieder in die graueste Ferne gerückt wird.
Und es giebt so gar nichts Erfreuliches, was uns dabei trösten könnte! Bei mir herrscht der philologische Ekel!
Ich war die letzten Tage in Tribschen, wo man Deiner herzlich gedenkt und sich mit mir an der Hoffnung erfreute, daß unser Plan gelingen werde. Dort hat man wieder die größten Dinge vor; dort ist Lebensluft für uns.
Ich kann nicht mehr schreiben. Deinetwegen erscheint mir dieser Tag so trostlos. Zwei schlaflose Nächte seit meiner Rückkehr, und ich glaubte gesund zu sein! Und nun kommt noch das bittere Gefühl, den besten Freund unwissend getäuscht zu haben!
Auch fühle ich mich recht unwohl.
Verzeih mir, lieber getreuer Freund, es war alles gut gemeint, aber was können wir gegen die Dämonen?
FN.
133. An Wilhelm Engelmann in Leipzig (Entwurf)
Sie haben Sich mir einmal in gefälligster Weise zum Verleger angeboten: nun lassen Sie uns sehen, ob Ihnen nicht das gefällt, was ich Ihnen heute anbieten möchte Ich habe eine etwa 90 Druckseiten füllende Broschüre ausgearbeitet, die den Titel haben soll: „Musik und Tragödie“; von ihr schicke ich Ihnen den Anfang im Manuscript. Wie Sie ersehen werden, suche ich auf eine völlig neue Weise die griechische Tragödie zu erklären, indem ich einstweilen von jeder philologischen Behandlung der Frage völlig absehe und nur das aesthetische Problem im Auge behalte. Die eigentliche Aufgabe ist aber dann, Richard Wagner, das sonderbare Räthsel unsrer Gegenwart in seinem Verhältniß zu der griech. Tragödie zu beleuchten. Ich glaube versichern zu können, daß der ganze letzte Theil für unsre musikal. Öffentlichkeit von aufregender Bedeutung sein muß: vergleiche ich wenigstens das, was über das gleiche Problem etwa von Hanslick und Andern neuerdings gesagt worden ist und schließe ich nach den Wirkungen, die einzeln vorgelesene Stücke meiner Arbeit auf meine Freunde gemacht haben: so kann ich nicht anders glauben als daß das allerweiteste denkende Publikum sich für diese Schrift interessiren muß. Um diesen mich verständlich zu machen, habe ich auf die stilistische Darstellung und Deutlichkeit besonderen Fleiß gewandt.
Ich wünsche aber, daß diese Schrift durchaus als schönwissenschaftliche Broschüre behandelt werde und bitte Sie deshalb, im Falle daß sie von Ihnen acceptirt werden sollte, selbige diesem Wunsch gemäß auszustatten. Um Einiges zu nennen, so ziehe ich zu diesem Betracht deutsche Lettern und zwar große deutsche Lettern vor, großes Oktavformat, mit keinesfalls mehr als 28—32 Zeilen und vor allem — schönes Papier. Falls Sie mit mir einverstanden sind, so schicken Sie mir recht bald eine Satz- und Papierprobe: und zugleich auch einen Vorschlag im Betreff des H<onorars>.
Wir könnten sofort mit dem Drucke beginnen.
134. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel
Verehrter Herr Rathsherr,
ich muss mich sehr entschuldigen, dass ich gestern die Sitzung der Conferenz des Paedagogiums versäumt habe; durch einen Zufall ist mir die Einladung dazu erst eine Stunde nachher, als es bereits zu spät war, zu Gesicht gekommen. —
Die Nachrichten der letzten Tage waren so schrecklich, dass ich gar nicht mehr zu einer auch nur erträglichen Stimmung komme. Was ist man, solchen Erdbeben der Cultur gegenüber, als Gelehrter! Wie atomistisch fühlt man sich! Sein ganzes Leben und seine beste Kraft benutzt man, eine Periode der Cultur besser zu verstehen und besser zu erklären; wie erscheint dieser Beruf, wenn ein einziger unseliger Tag die kostbarsten Documente solcher Perioden zu Asche verbrennt! Es ist der schlimmste Tag meines Lebens. —
Meine Absicht war, Pfingsten zu verreisen: aber ich fühle mich nicht wohl und bleibe hier. Am Mittwoch hatte ich mit Wagner, der mich begleitete, gehofft, Sie vielleicht auf dem Bahnhofe in Luzern zu sehen.
Übrigens, hat mir der Wirth in unserem Hôtel bei meiner Abreise, die etwas eilig war, die Rechnung nicht gebracht; ich darf Sie wohl bitten, dass Sie mir die halbe Summe Ihrer Rechnung gelegentlich einmal angeben.
Ich komme in diesen Tagen zu Ihnen, um mich nach dem Resultat der Luzerner Candidatur zu erkundigen.
Ihr sehr ergebener
Friedr Nietzsche.
135. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber, um so getreuerer Freund,
als ich durch mein sträfliches Nichtschreiben wirklich die schwärzesten Gedanken bei Dir erwecken könnte; und sie doch, wie Deine Briefe bezeugen, bei Dir nicht wachsen wollen. Im Grunde würde mir auch Unrecht geschehn, wenn Du mich nach dem Thermometer der Briefe bemessen wolltest. Nach Deinem vorletzten, mich wahrhaft ergreifenden Briefe war ich gänzlich unvermögend, zu schreiben; ich freute mich innerlich und täglich unseres Einvernehmens und unseres gemeinsamen, trotz der Entfernung ungestörten und unisonen Fortschreitens auf gleichen Bahnen, für welches Deine Bemerkungen über das Dionysische geradezu ominös sind, wie früher einmal unsre unbewußt gleichzeitigen Studien der Romantiker.
Wie schwer ich das Loos nehme, von Dir jetzt getrennt zu sein, wissen am stärksten die Tribschener Freunde, die von Dir die allerbesten Meinungen und Hoffnungen haben.
Könnten wir nun nicht ein Mittel finden, Dich etwa nach Zürich zu bringen, welches Benndorf im Herbst verlassen wird? Ich will mich einmal nach den dazu nöthigen Schritten erkundigen, auch in diesen Tagen einmal an Ritschl schreiben.
Im Herbst komme ich, aus den bewußten Gründen, nicht nach Leipzig. Um so nöthiger ist es, unsre Sommerpläne festzuhalten.
Mir ist nun, bei häufiger Angegriffenheit und Schlaflosigkeit, sehr gerathen, hohe Alpenluft aufzusuchen: und ich habe mich schon in einer kleinen Pension im Berner Oberland mit meiner Schwester angemeldet. Ich gehe dorthin am 15 Juli und bleibe bis 14 August: dann giebt es Sommersemester, zweite Hälfte, bis Ende September. Es fehlt mir dies Jahr an Geld, wegen meines Frühlingsaufenthaltes in Lugano; und ich muß mich deshalb im Sommer sparsam einrichten. In jener Pension zahle ich für Alles 4 frs.
Mir erscheint es nun höchst wichtig, mit Dir mich einmal ernsthaft und anhaltend über mehrere Pläne zu verständigen. Brieflich kann ich nichts sagen. Ich rechne bei allen meinen Absichten, besonders im Punkte des Erziehungswesens, vor Allen auf Dich und zuerst immer allein auf Dich. Dann fällt mir mitunter ein, daß für solche Dinge nichts wichtiger ist, als uns gemeinsam hineinzuleben: während ich bis jetzt Dich noch nicht einmal oberflächlich benachrichtigt habe. Dann aber klingt mir aus jedem Deiner Briefe, so auch wieder aus dem letzten, eine so verwandte, innerlich vertraute „Melodei“ entgegen, daß ich immer meine, auch unsre Pläne müßten, auch ohne gegenseitige Verständigung, dieselben sein.
Mein Büchlein, dessen Geburt ich Dir von Lugano aus mit rechtem Gegacker — so ich mich recht erinnere, ankündigte, ist bis jetzt an der Verlegernoth verkümmert. Ein Aufsätzchen habe ich ausgeschält und es auf meine Kosten in Basel drucken lassen: es ist die Umarbeitung jenes früheren Vortrags „Sokrates und die Tragoedie“. Ein anderes Stück „über das Dionysische und Apollinische“ wird wohl in den „Preußischen Jahrbüchern“ erscheinen; falls man es annimmt, woran ich zweifle. Schließlich läuft bei mir alles auf das theure Vergnügen hinaus, eine Bibliothek lauter unedirter, doch zierlich gedruckter Schriftchen zu besitzen. — Meine Homerrede hast Du doch? Ich freue mich auch auf eine Homerunterhaltung mit Dir. Jetzt lese ich „Einleitung und Encyclopädie“, zum Staunen meiner Zuhörer, die sich schwerlich in dem Bilde wiedererkennen, das ich von dem idealen Philologen entwerfe.
Vorgestern habe ich Kinkel junior, sehnsüchtigen Privatdozenten in Zürich (doch ohne Perspektiven) wieder gesehn, nach fünf Jahren. Ein anderer Züricher Dozent, der zu unserer Zeit in Leipzig studirte und uns — natürlich — kannte, versetzte mich lebhaft in jene schöne Epoche. Er hatte eine so treue Erinnerung von unserem Wesen und Reden, citirte zB. Ansichten von mir, die ich im Colleg zu meinen Bekannten — doch wohl überlaut — geäußert haben muß, kurz bewies mir, wie anerkannt unsere Situation war. Er hieß Dr. Gröber. Von Wölflin habe ich das Allerbeste über die „Acta“, speziell Andresens Aufsatz gehört, desgleichen von Hagen, über Jungmann, und beide, listiger Weise, zu einer Recension „gesteigert.“
Die Absicht der Berliner Reise Wg’s war, den akademischen Vortrag zu halten und seine Baireuther Pläne zu sichern: dahingegen einer drohenden Berufung als Generalmusikdirektor auf jede Weise vorzubeugen. Alles ist gelungen, und in 2 Jahren erleben wir die Aufführung des „Nibelungenringes.“ — Wie schön und richtig hast Du die Meistersinger empfunden! — Ich habe mit Wagner die vorläufige Idee eines Reformations-journals besprochen, wobei wir auch Deiner vor Allem gedachten. Kurz, Vieles ist im Werk: wir wollen uns in Allem treu bleiben. Lebwohl, liebster Freund.
136. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
mit dem herzlichsten Danke für Ihren Brief, der mich nach jeder Seite hin beruhigt und aufgeklärt hat, verbinde ich heute die Anzeige, dass ich im Herbste nicht nach Leipzig zur Philologenversammlung kommen werde und meinen vorjährigen Antrag, einen Vortrag zu halten, zurückziehen muss. Nachdem ich weiss, dass Sie nicht präsidiren, versteht sich dies Alles von selbst. Im gleichen Sinne schrieb mir auch dieser Tage Freund Rohde aus Kiel. — Dabei ist es aber nicht unmöglich, dass ich dieses Jahr irgend wann einmal nach Leipzig komme, um Sie zu besuchen: eine Aussicht, die ich mir durch den oben gemeldeten Entschluss nicht rauben lassen möchte.
In Betreff Rohde’s möchte ich mir die Anfrage erlauben, ob Sie nicht ein Mittel wissen, wie man ihn in Zürich, an Benndorfs Stelle, zum Vorschlag bringen könnte. Mir liegt erstaunlich viel daran, ihn in meine Nähe zu bekommen. Und dass er jene Stellung mindestens so gut verdient als etwa Dilthey (von dem ich neulich munkeln hörte), ist ja keine Frage. Ich halte ihn, ohne alle freundschaftlichen Übertreibungen, für eine der reichsten philologischen Kräfte und Begabungen, die wir für die Zukunft zu wünschen haben.
Kürzlich sprach sich Wölflin sehr lobend über Andresen’s Aufsatz in den „Acta“ aus, desgleichen Hagen in Bern über Jungmanns Fulgentius. Ich habe beide zu einer Recension zu gewinnen gesucht.
Sich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin (der ich nächstens einen geheimen Aufsatz von mir senden werde) bestens empfehlend, auch Namens meiner Schwester, die mich, bei meinen ungleichen Gesundheitsverhältnissen, hegt und pflegt,
bin ich
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche
in Basel.
137. An Wilhelm Engelmann in Leipzig
Sehr geehrter Herr
da ich, im Fall einer Annahme des Manuscriptes, um eine baldige Antwort gebeten hatte, so bin ich jetzt gewiß zu dem Glauben berechtigt, daß das Manuscript, aus irgendwelchen Gründen, nicht Ihre Zustimmung erlangt habe: weshalb ich mir gestatten dürfte, bereits in anderer Weise über dasselbe zu disponiren.
Ich bitte Sie daher dasselbe jenem Herrn Dr. Romundt einhändigen zu wollen, der schon einmal den Auftrag hatte, es von Ihnen abzuholen.
Mit der angelegentlichen Bitte, daß dies bald geschehe, zeichne ich als Ihr
ergebenster
Prof. Nietzsche in
Basel
Dr. Romundt wohnt Schützenstr. 8, 3 Treppen
138. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
hier, zunächst dem herzlichen Bedauern über das Befinden Ihrer Fräulein Tochter, nur etwas Vorläufiges: von Tag zu Tag bekommen Sie mehr von mir zu hören. Heute habe ich nur wenig direkt ermitteln können, aber verschiedene Fäden angeknüpft, um schon morgen im Besitze genauerer Details zu sein.
Die mir am besten bekannten Familien sind zufällig nicht in Ragaz gewesen oder in einer Zeit, die über den jetzigen Zustand keine Schlüsse zuläßt. Die eigentlich „Kranken“ sind zudem meistens in dem — übrigens melancholisch düsteren — Pfäffers gewesen.
Ragaz gilt als „warm“ (doch nicht im Sinne eines Leipziger Sommers), hat weniger trübe und regnerige Tage als die hohen Kurorte und gestattet, bei seiner freien Lage, Spaziergänge in der Ebene: der schönste Weg, fast eben, nach dem genannten Pfäffers, ist schattig und schön. — Sind nicht die Naumburger Wachsmuths einmal im Sommer und auch neuerdings dort gewesen? — Frau Vischer hat mir aus dem Kreise ihrer Verwandten baldige und spezielle Nachrichten versprochen: desgleichen ihr Schwiegersohn, Hr. G. Fürstenberger, der einen mehrere Jahre in Ragaz thätig gewesenen und daher genau unterrichteten Baseler Architekten (oder Ingenieur?) Frey kennt. Dabei kam eine Pension zur Sprache, die ein ehemals in Basel studirender Pfarrer Steiger besitzt und die etwa 10 Minuten von Ragaz entfernt ist. R. hat übrigens den Ruf eines unterhaltenden aber theuren Bades; es giebt sehr schöne neue Hotels und vortreffliche Bäder. (Ärztlich—Genaues bei Meyer-Ahrens, „die Heilquellen der Schweiz“, das Ihre Universitätsbibliothek besitzen muß.) Ein ausführliches Buch über Ragaz wird diese Tage bei Ihnen eintreffen. Pensionseinrichtungen sind überall, wohl mit Ausnahme des allerersten Hotels; die Preise etwas höher als in Interlaken. Über diesen Punkt verspreche ich noch genaue Informationen.
Von den 15 Personen, die ich heute über R. ausgefragt habe, ist bald etwas zu erwarten: worauf ich Sie heute vertrösten muß. Auch werde ich in Erfahrung bringen, wer von den Baselern diesen Sommer nach R. geht. Die Quellen gelten als sehr heilkräftig, trotz ihres totalen Mangels nachweisbarer Grundelemente. —
„Schwyzerwirthschaften“, im angedeuteten Sinne, sind dort gar nicht mehr anzutreffen. „Gute Gesellschaft“ ist viel wahrscheinlicher als das Gegentheil: so daß man gewiß auch auf „gute Geselligkeit“ rechnen darf.
Mit der Bitte, heute mit diesem Prooemium fürlieb zu nehmen, verheißt Ausführliches
Ihr getreuer
F Nietzsche.
139. An Auguste Forst in Wiesbaden
Mein verehrtes Fräulein,
wir haben neuerdings in unserer Familie kein angenehmeres Ereigniß erlebt als jenes allerneuste, durch das Sie mit uns verwandt geworden sind. Habe ich gleich bis jetzt noch nicht die Freude genossen, Sie persönlich zu sehen und zu sprechen, so weiß ich doch jenes Ereigniß nach seinem vollen Werth zu ermessen, Dank meiner Schwester, die mir schon oft und immer sehr eingehend von den ausgezeichneten Qualitäten ihrer Freundin zu berichten wußte. In diesem Sinne glaube ich vor allem auch meinem trefflichen Onkel Oskar Glückwünsche schuldig zu sein, welche Sie an ihn in meinem Namen und Auftrag gewiß schöner ausrichten werden, als mir dies selbst, einem in Verlobungsfreuden Unerfahrenen, gelingen dürfte. Dabei vergesse ich nicht, welch eine bevorzugende Liebenswürdigkeit in der freudigen Eile beider Verlobten lag, das Glück des Tages sofort und ungesäumt nach Basel zu melden. Dafür mich herzlich bedankend und nach allen Seiten hin das Glück wünschend, dessen Sie in so hohem Maaße würdig sind, verspreche ich Ihnen von jetzt ab zu sein, was ich bis jetzt nicht sein konnte
Ihr Sie verehrender Neffe
Dr. Friedrich Nietzsche
Prof. o. p. in Basel.
140. An Carl von Gersdorff in Marienbad
Mein lieber, theurer Freund,
So bist Du mir denn glücklich erhalten und integer aus den ungeheuren Gefährlichkeiten heimgekehrt. Endlich wieder darfst Du an friedliche Beschäftigungen und Aufgaben denken und jene furchtbare kriegerische Episode als einen ernsten, doch vorübergeflohenen Traum Deines Lebens betrachten. Nun winken neue Pflichten: und wenn Eins uns auch im Frieden bleiben mag aus jenem wilden Kriegsspiel, so ist es der heldenmüthige und zugleich besonnene Geist, den ich zu meiner Überraschung, gleichsam als eine schöne unerwartete Entdeckung, in unsrem Heere frisch und kräftig, in alter germanischer Gesundheit gefunden habe. Darauf läßt sich bauen: wir dürfen wieder hoffen! Unsre deutsche Mission ist noch nicht vorbei! Ich bin muthiger als je: denn noch nicht Alles ist unter französisch-jüdischer Verflachung und „Eleganz“ und unter dem gierigen Treiben der „Jetztzeit“ zu Grunde gegangen. Es giebt doch noch Tapferkeit und zwar deutsche Tapferkeit, die etwas innerlich Anderes ist als der élan unserer bedauerungswerthen Nachbarn.
Über den Kampf der Nationen hinaus hat uns jener internationale Hydrakopf erschreckt, der plötzlich so furchtbar zum Vorschein kam, als Anzeiger ganz anderer Zukunftskämpfe. Wenn wir uns einmal persönlich aussprechen könnten, so würden wir übereinkommen, wie gerade in jener Erscheinung unser modernes Leben, ja eigentlich das ganze alte christliche Europa und sein Staat, vor allem aber die jetzt überall herrschende romanische „Civilisation“ den ungeheuren Schaden verräth, der unserer Welt anhaftet: wie wir Alle, mit aller unserer Vergangenheit, schuld sind an solchen zu Tage tretenden Schrecken: so daß wir ferne davon sein müssen, mit hohem Selbstgefühl das Verbrechen eines Kampfes gegen die Cultur nur jenen Unglücklichen zu imputiren. Ich weiß, was es sagen will: der Kampf gegen die Cultur. Als ich von dem Pariser Brande vernahm, so war ich für einige Tage völlig vernichtet und aufgelöst in Thränen und Zweifeln: die ganze wissenschaftliche und philosophisch-künstlerische Existenz erschien mir als eine Absurdität, wenn ein einzelner Tag die herrlichsten Kunstwerke, ja ganze Perioden der Kunst austilgen konnte; ich klammerte mich mit ernster Überzeugung an den metaphysischen Werth der Kunst, die der armen Menschen wegen nicht da sein kann, sondern höhere Missionen zu erfüllen hat. Aber auch bei meinem höchsten Schmerz war ich nicht im Stande, einen Stein auf jene Frevler zu werfen, die mir nur Träger einer allgemeinen Schuld waren, über die viel zu denken ist! —
Hier folgt eine Abhandlung, die von meinem philosoph. Treiben etwas mehr verräth als es der Titel andeutet. Lies sie mit Wohlwollen; ich habe noch Vielerlei vor und bereite mich auch auf einen Kampf vor, an dem, wie ich weiß, meine Freunde starken Antheil haben werden. Wie viel wäre mündlich zu besprechen, mein theurer Freund! Und wann darf ich einmal auf Deinen Besuch hoffen?
Über Wagner wirst Du durch die Norddeutsche Allg. vielerlei und wie ich denke, nur Gutes gehört haben: auch über die großen Baireuther Pläne. Es ist Alles im schönsten Gange. — In Tribschen hat man Dich in gutem Gedächtniß: ich habe erzählt, daß Du mir Deinen Besuch für den Sommer versprochen hättest.
Mein Befinden ist diesen Sommer besser. Die Witterung ist übrigens höchst wechselvoll. Heute haben wir Sturm und kalten Regen. Im Sommer, vom 15 Juli bis 13 August bin ich in Gimmelwald, bei Mürren, im Berner Oberlande, zusammen mit meiner Schwester. Wir sind dort in einer kleinen, wundervoll gelegnen Pension bereits angemeldet.
Bist Du denn Zeuge des Berliner Einzugs gewesen? —
Nochmals, mein lieber Freund; ich bin glücklich im Gedanken an Deinen baldigen Besuch. Der Rathsherr Vischer (der als Student öfters im Hause Deines Großvaters in Weimar war) freut sich auch auf Dein Hiersein. Denn alle meine Bekannten wissen von Deinen Schicksalen.
Lebe recht wohl und immer besser: Du hast es verdient.
Ich bitte darum, Deinen verehrten Eltern empfohlen zu werden und bin, was ich war,
Dein treuer Freund
Friedrich Nietzsche.
141. An Wilhelm Engelmann in Leipzig
Geehrtester Herr
mich für Ihre Anerbietung bestens <bedankend> und mit den Bedingungen einverstanden, muß ich doch, zu meinem Bedauern wiederholen, was ich schon in meinem letzten Briefe Ihnen schrieb: daß ich bereits von Neuem über mein Manuscript disponirt habe und Verhandlungen eingegangen bin, die wieder abzubrechen ich jetzt nicht mehr in meiner Hand habe. Sollten diese doch noch sich zerschlagen, so will ich Ihnen gern davon Notiz geben.
Inzwischen aber brauche ich, unter allen Umständen, mein Manuscript, an dem einige Veränderungen zu machen sind und bitte nochmals dasselbe Hrn. Dr. Romundt in Leipzig (Schützenstr. 8, 3 Treppen) gefälligst zusenden zu wollen.
Ihr ergebenster
Dr. Nietzsche
Prof. in Basel
142. An Paul Deussen in Marburg
Mein lieber Freund,
ich habe von Deinen Plänen gehört und über sie nachgedacht. In dieser Doppelheit der Stellung, theils als Gymnasiallehrer, theils als Universitätsdocent liegt zunächst etwas sehr Werthvolles. Ich würde Dich jedenfalls bitten, Deine Schulstellung ja nicht aus Überdruß an sogenannter „Schulmeistern“ preiszugeben. Es ist unsre hoffnungsreichste Position: und wer, wie ich, an die durchgreifendsten Reformen des Erziehungswesens gedacht hat, weiß diese Praxis, die reiche Empirie einer Gymnasiallehrerstellung hoch zu schätzen. Denn dort müssen wir anfangen, unsre ernsthaftere Weltbetrachtung zum Ausdruck zu bringen. Die Universität ist schwerlich der fruchtbringendste Boden dazu. — Über Universitäten müssen wir uns einmal mündlich verständigen. Wann wirst Du mir einmal mittheilen, daß wir uns sehen, wiedersehen wollen? Was sind Briefe!
Hier ein Aufsatz, das zweite Stück eines größeren, der langsam zum Druck kommt. Lies ihn so, wie er verfaßt ist, und laß Dich nicht abschrecken, wenn einige Kunstausdrücke kommen, die im ersten, vorangehenden Theile des Aufsatzes ausführlich motiviert sind. Es ist dies nur ein Druck für meine Freunde (wie früher der „Homer“) Also keine Publikation! Schreibe mir bald und ausführlich Deine Empfindungen darüber: es wird mir das über Deine philosophische Entwicklung am lehrreichsten sein.
Mein guter Freund, ich wiederhole, wann sehen wir uns?
In alter Treue
F Nietzsche.
143. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Recht lange, meine liebe Mutter, hast Du von mir keinen Brief bekommen. Das kommt davon, wenn Lisbeth bei mir lebt, da wird sofort die Correspondenz einbeinig. Gestern haben wir ihren Geburtstag gefeiert, wie? wird sie Dir selbst erzählen. Leider war sie den Tag über nicht ganz wohl. Wir sind hier in der Periode der fortwährenden Gewitter: gestern hatten wir in einem Tag ungefähr sieben. Dazwischen — wie augenblicklich <—> ist die Hitze und Schwüle unerträglich, wir sind wie in einem Dampfbade und sehnen uns sehr nach einem kühlen Aufenthalt. — Meine Gesundheit hat das letzte Vierteljahr Stand gehalten, nur einige kürzer vorübergehende Leidenszustände ungerechnet. Im Ganzen bin ich recht zufrieden, doch merke ich schon wieder, daß ich 10 Wochen hintereinander unterrichtet habe. Das ist doch recht angreifend.
Du hast in Naumburg jetzt bekümmerte Tage der armen Laubscher’s wegen erlebt und ich denke mir, daß Du recht trübgemuth zu Hause sitzen wirst. Lisbeth sagt mir gar, daß Du Dich Deines Auskommens halber sorgst. Ich mache Dir selbst folgendes Anerbieten, das Du einfach annimmst, ohne Lisbeth oder andern Menschen etwas davon zu sagen. Erstens bitte ich Dich, die kleine Summe, die Du von meinen Zinsen für Dich abgezogen hast, (wie mir Lisbeth heute sagt) als ein kleines Geschenk von mir anzunehmen. Sodann betrachte die Zinsen der 200 Thl., die Oskar mir seit Ostern schuldet, als die deinigen: so lange jetzt Oskar mir das Geld schuldet, gehören die Zinsen Dir. Nur bitte ich Dich, Oskar nichts davon zu sagen. Drittens bitte ich Dich, von meinen Eisenbahnpapieren Dir eins auszuwählen, nach Deinem Ermessen, welches Du haben willst: verwerthe es, wie Du Lust hast: ich meine, versilbere es und benutze es zu Deinen Bedürfnissen! Damit wird ja Deiner augenblicklichen Sorge wohl etwas abgeholfen sein. Ich selbst gestatte mir diesen Scherz als eine Nachfeier von Lisbeths Geburtstag und bitte nur darum, daß der Scherz verschwiegen bleibt und zweitens, daß Du ihn sans façon annimmst. Ich nehme einen Dank Deinerseits dafür gar nicht an.
Jetzt schlägt meine Stunde zum Mittagessen. Ich wünsche Dir guten Appetit und Heiterkeit,
Dein alter Sohn.
144. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
entschließe Dich kurz zu einer Bewerbung um die eben ausgeschriebene Professur der Philologie in Zürich. Ich bitte und beschwöre Dich, thue es sofort!
Die Professur lautet zunächst auf die Realfächer der klassischen Philologie und antike Kunstgeschichte.
Beginn der Professur: das Sommersemester 1872.
Die Anmeldung muß bis 31 Juli gemacht sein.
Addressiere:
Herrn Sieber, Director des hohen Erziehungswesens
in Zürich.
Anrede im Brief: „An eine hohe Erziehungsdirektion.“
Lege alle Deine Schriften und Aufsätze bei, schildere Deinen Bildungsgang recht ausführlich und überzeugend und berufe Dich so stark als möglich auf Ritschl’s Urtheil und das Urtheil Deiner Kieler Collegen, auch — si placet — auf mich und Vischer. Schreibe doch darüber an Ritschl und bitte ihn um ein testimonium. Ich bitte Dich dringend, thue alles, damit wir in die Nähe kommen. Sodann schreibe doch auch einen recht freundlichen Privatbrief nach Zürich, an Professor jur. Osenbrüggen, der mich gut kennt und gern hat und dem ich schon von Dir erzählt habe, theile ihm mit, was Du gethan hast und frage ihn was etwa noch für Dich zu thun sei.
Wir müssen alle energischen Mittel anwenden.
Ich schreibe in größter Eile, damit Du keine Zeit zu verlieren hast.
Die Bewerbung wird stark sein.
Ich reise am Samstag in die Ferien.
Addresse: Gimmelwald bei Lauterbrunnen im Berner Oberland, Hôtel Schilthorn.
Dein treuer Freund.
145. An Richard Meister in Leipzig
Lieber Herr Meister,
Sie haben mich durch Ihren Brief sehr erfreut und keinesfalls, wie Sie dies in aller Bescheidenheit vermutheten, gelangweilt. Ich bitte Sie, wie sollten mich Nachrichten vom Vereine langweilen, nachdem es mir viel Langeweile gemacht hatte, so lange Zeit gar nichts von ihm zu hören, so daß seine Existenz für mich nicht über alle Zweifel sicher stand. Nun weiß ich daß er noch lebt: und es wäre, im Vertrauen gesagt, bei dem numerisch glänzenden Aufschwunge der Leipziger Philologenschaft, recht schmählich, wenn er nicht mehr lebte. Sorgen Sie jetzt dafür, daß er mit Ehren wächst und das bleibt, was er in den Jahren 65—67 dh. in den Jahren meiner Erinnerung, war, nämlich der Mittelpunkt und gemeinsame Herd aller wirklich produktiven und ernsthaft gesinnten Philologen. Ich bedauere es oftmals, daß ich nicht mehr den bequemen Zugang zu diesem Vereine habe, wie früher; gerade einer solchen Zuhörerschaft, wie ich sie jetzt unter Ihrem Präsidium voraussetze, hätte ich so mancherlei persönlich zu sagen, zur Kräftigung und Förderung aller der Pläne, die ich auf dem Herzen trage und die recht eigentlich das Herz der klassischen Philologie berühren. Wir dürfen noch auf eine Wiedererweckung des hellenischen Alterthums hoffen, von der unsre Väter nichts geträumt haben. Glauben Sie nur das nicht, daß wir mit einer abgegrasten und verkümmerten Wiese, als dürres Weidevieh, uns zu begnügen hätten! —
In diesem Sinne grüßen Sie den Verein von mir, der überzeugt sein darf, daß ich für ihn thun werde, was man von mir verlangt und wozu mich übrigens meine eigne Dankbarkeit jederzeit treibt.
Mit freundlichen Grüßen
bin ich
Ihr
Dr Friedr. Nietzsche
P. o. p. in Basel.
146. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
nochmals einen herzlichen Gruß, als Begleitschein meiner Litteratur.
F. N.
— Mein früher erwähntes Büchlein hat keinen Verleger gefunden, ich bringe es jetzt stückweise zur Welt: welche Tortur für die Gebärende! —
— Ich habe wegen Zürich an Ritschl geschrieben. Er recognoszirt bereits. —
147. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
in der erhabensten Gebirgseinöde habe ich soeben Deinen Brief empfangen und antworte ungesäumt, obschon ich nichts zu schreiben habe als: „Traurig! Es geht wieder einmal nicht! Welch’ sonderbare Constellation!“
In derselben Viertelstunde, in der ich an Dich meine exhortativen Zeilen richtete, schrieb ich mit ähnlicher Dringlichkeit an Romundt — und mit ähnlichem Effekt! Unglückliche Viertelstunde, in der ich unser Dreier Loos an einen Faden zu ketten hoffte! Ich bot Romundt eine stattliche Lehrerstellung in Bern an (mit 3—4000 frs. Gehalt und mäßiger Stundenzahl an einem höhern Gymnasium) Mit Deinem Brief zugleich bekomme ich seine Antwort: er ist mit der Proposition zufrieden, kann sie aber nicht annehmen, weil er eben eine Hauslehrerstelle in Nizza angenommen hat!
— Ich hoffe nun sicherlich, schon des Parallelismus wegen, daß Du auch in Kürze, trotz Forchhammer, Dein Nizza erreichst.
Übrigens ist es miserabel vom Schicksal, uns zu trennen. Schließlich zwingt mich dasselbe noch zu viel extremeren Maßregeln.—. Ich will ja wahrhaftig nichts meinetwegen, aber es ist nöthig, daß wir zusammen sind, wie Dir sofort deutlich sein würde, wenn wir wieder ein Paar Tage zusammen gelebt haben werden, nöthig unserer beiderseitigen Bestimmung halber, deren vorgezeichnete Bahn ich schon deutlicher zu erkennen glaube.
Lassen wir uns durch das Schicksal nicht verdrießlich machen, sondern nur muthiger und radikaler! —
Es fällt mir ein, daß ich Dir neulich ein Exemplar meines „Sokrates“, sammt einem zweiten für Ribbeck, durch die Post als Paket zugeschickt habe. Ich ärgere mich sehr, wenn es, wie es scheint, nicht angekommen ist. — In Leipzig habe ich diese Abhandlung durch Romundt im philologischen Verein vorlesen lassen und auch sonst bekannt gemacht, mit einiger „Sensation“, wie mir Romundt schreibt.
Hier, in der Wildniß, hoffe ich wieder wie Danae, auf einen Regen, wenigstens auf ein Tröpfeln von guten Einfällen, denn ich habe mir eine schwierige Aufgabe gestellt, die in der Ebene zu lösen ich verzweifle.
Und nun, lieber Freund, denke an mich als an Einen, der kein Mittel unversucht läßt, Dich in seine Nähe zu bringen, der auch bisjetzt die Hoffnung keineswegs für alle Zeiten aufgiebt.
Für Zürich, höre ich, haben Dilthey in Bonn und Matz einige Aussichten. Ich verdanke diese Notiz dem ekelhaften Lucian Müller, der von Petersburg aus nach der Schweiz kommt und mich — mich! — mich!! belästigt hat.
Mit mir zusammen ist der Ritter des eiser. Kreuzes Carl von Gersdorff, mein alter, trefflich sich bewährender Freund.
In steter Treue
Dein Freund F N.
Gleiche Adresse (Gimmelwald) wie bei dem letzten Brief.
Man will nicht in Zürich „vor allem einen Archäologen“; auch schätzest Du Deine Capacität für griech. Kunst zu gering. Man will einen Vertreter der Alterthümer und dann zweitens einen Sprachphilologen und drittens endlich einen, der einige allgemeinere archäolog. Collegien liest! — Aber freilich! Die sonderbare, in der Luft schwebende Professur verpflichtet Dich leider Gottes zum passiven Zuschauen und Geschehenlassen. Mir scheint die sich zankende Fakultät sammt dem in der Höhe thronenden Ministerium eines tüchtigen Trittes, Steißtrittes werth! Es ekelt mich — gerade wenn ich denke daß Du das Streitobjekt bist.
148. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
durch eine kleine Reise in die Berge ist es mir etwas später als ich wünschen möchte, möglich geworden, die Büchersendung an Sie zu effektuiren. Ich denke aber, daß Hr. Opitz noch nicht in die Ferien abgereist sein wird und daß somit die Bücher gerade noch zur rechten Zeit in seine Hände kommen. Es scheint mir daß er finden wird, was er wünscht — ein ziemlich reiches und bisher unverwerthetes Material. —
Ich habe in den letzten Wochen einen Versuch gemacht, etwas für Rohde in Betreff der Züricher Professur zu erwirken — ohne Erfolg. Ich wußte nämlich gar nicht, daß die Regierung die entscheidenden Vorschlagsrechte in die Hände einer Commission von 3 Professoren gelegt hat, Benndorf an der Spitze: ich hatte mich aber mit meinen Empfehlungen und der Aufforderung, man möge sich bei Ihnen und Ribbeck nach Rohde erkundigen, an die Regierung gewendet. Benndorf nun scheint in seiner nervösen Art die Umgehung seiner Person übel genommen zu haben, während in der That Niemand von vorn herein gerade auf ihn rathen konnte, bei dem anerkannt mißlichen und für die Regierung feindseligen Schritte seiner Amtsniederlegung. Kurz — ich habe mich umsonst bemüht und muß auf eine bessere Gelegenheit warten, Rohde zu nützen. —
Ich weiß nicht, wer mir erzählt hat o<de>r ob ich es geträumt habe, daß die Leipziger Philologenversammlung nicht zu Stande kommt. Das thut mir leid: schlecht — wäre besser. —
Weiß man etwas über den Nachfolger von Falkenstein im Cultusminist<erium>? Ich habe auf Gerber gerathen. —
Was Sie mir gütigst mittheilten — daß nämlich Mommsen jene Briefe an Wehrenpfennig, in Treitzschkes Abwesenheit zum Abdruck übergeben habe — hat sich mir noch von einer anderen Seite aus bestätigt (Treitzschke hat den Hergang in gleicher Weise erzählt).
Haben Sie gute Nachrichten aus Ragaz von Ihrer Fräulein Tochter? Und wie überstehen Sie selbst diesen absurden Sommer? Die Statistik der Leipziger Universität zeigt ja enorme Progressionen für dies Semester. Der Ringkampf mit Berlin ist bereits für Leipzig entschieden.
Mich Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin herzlich empfehlend und für die Zusendung Ihres plautinischen Aufsatzes bestens dankend
bin ich in steter Treue
Ihr ergebener Schüler
Friedrich Nietzsche.
149. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
ich antwortete nicht auf Deinen zweiten Brief, weil ich erst sehen wollte, was ich in unserer Sache für Dich thun könnte. Daß ich nicht faul gewesen bin, nachdem Du mir die Aktion überlassen hast, könnte ich Dir durch einen Briefwechsel von 10 Briefen beweisen. Dich mit dem ganzen Gange der Angelegenheit jetzt noch zu incommodiren wäre nur langweilig — da das Resultat feststeht — leider feststeht — ich habe nichts für uns durchsetzen können, so gut der Anschein war, den die Sache in den früheren Stadien hatte. Benndorf hat mir gestern, etwas gereizt, die Lage klar gemacht, er scheint seinen Matz oder Dilthey warm zu halten, und meine Maßregeln, die sonderbarer Weise die Unterstützung der einflußreichsten Züricherischen Politiker fanden, tüchtig übelgenommen zu haben. Da er aber in der Commission eine wichtige Stimme hat und Dich durchaus nicht als Archäologen gelten lassen will, so ist es eben vorbei, und ich lauere wieder auf eine neue Gelegenheit. Du hast Recht — die Götter müssen etwas Seltsames mit uns vorhaben, daß sie bisjetzt uns so hartnäckig ein Bein stellen. Dieses Jahr habe ich nun schon zwei Experimente gemacht — nun, hoffen wir auf das dritte. —
Ich bin sehr glücklich, daß Du einen guten Eindruck von meinem „Sokrates“ bekommen hast und danke Dir sehr für Deine Theilnahme. Vieles aus dieser „purpurnen Dunkelheit“ wird noch deutlicher werden, wenn die ganze Schrift zusammenhängend vorliegt.
In der That glaube ich viel aus dem Gegensatze des Dionysischen und Apollinischen ableiten zu können. — Dein Ribbeck mit dem Wunsche nach Zeugniß und Beweis hat mir Freude eigner Art gemacht, wie sollte denn wohl das Zeugniß ungefähr lauten? Man bemüht sich der Entstehung der räthselhaftesten Dinge nahe zu kommen — und jetzt verlangt der geehrte Leser, daß das ganze Problem durch ein Zeugniß abgethan werde, wahrscheinlich aus dem Munde des Apollo selbst: oder würde eine Stelle bei Athenaeus dieselben Dienste thun? Für gewisse Leute sogar noch bessere. Denn dem wahrsagenden Apollo würde man jetzt, wie dem Ochsen der da drischet, das Maul verbinden. —
Übrigens zweifle ich nicht, daß ich irgendwann einmal dieselben Dinge noch besser und durchsichtiger darzulegen lernen werde. Inzwischen bitte ich Dich, Dich mit dem mystischen Dampfe der ersten Conception zu begnügen. Ich habe mich wahrhaftig im Punkte des Stils und der Ableitung durch strenge Anforderungen im Zaume gehalten, aber eine gewisse ἀλογία wird man bei solchen Dingen nicht los. Das Studium Schopenhauers wirst Du überall bemerkt haben, auch in der Stilistik: aber eine sonderbare Metaphysik der Kunst, die den Hintergrund macht, ist so ziemlich mein Eigenthum, nämlich Grundbesitz, aber noch nicht mobiles, kursives, gemünztes Eigenthum. Daher die „purpurne Dunkelheit“: als welcher Ausdruck mir unbeschreiblich gefallen hat. —
Im Herbst wird Richard Wagner wahrscheinlich in Mannheim ein großes Concert geben. Dies ist für uns ein Signal zusammenzukommen. Mannheim ist wirklich etwa die Mitte zwischen uns. Alles Nähere theile ich Dir mit, so bald irgend etwas darüber feststeht. Gieb mir doch eine Notiz ob Dir meine Combination gefällt. Eine Zusammenkunft unter den Weiheklängen Wagnerscher Musik — eine zauberisch schöne Vorstellung! Opfern wir schnell den Dämonen, daß sie nicht auch diesen Wunsch mir zu nichte machen!
Lebe wohl! Mein lieber guter treuer Freund und betrübe Dich nicht! Wir kommen zusammen! Und dann Eia popeia!
Friedr. Nietzsche.
150. An Franziska Nietzsche in Altendammbach
Hier, meine liebe Mutter, sind Nachrichten von mir, mit eigner Hand geschrieben, nachdem die bisherige Führerin meiner Correspondenz mit Dir mich verlassen hat. Auch weiß ich bereits aus einem eben empfangenen Brief Lisbeth’s, daß sie ohne Unfall Wiesbaden erreicht hat und dort alle Behaglichkeiten eines guten Hauses und einer zärtlichen Freundin zu genießen hat. Basel hat ihr wohl gefallen, ja, nach meinem Unheil, zu gut. Doch findet sie es bald an jedem Orte erträglich, vorausgesetzt, daß man ihr von Zeit zu Zeit etwas Angenehmes sagt. Das haben, scheint es, meine ehrlichen Baseler etwas reichlich gethan: weshalb sie ungern diese Stadt verließ.
Ich lese Deine Briefe sehr gern: Du erzählst einem doch etwas, und aus der Menge der kleinen Züge macht sich mir dann ein anschauliches Bild: während unsereins nichts Rechtes schreibt, sondern immer auf persönliches Wiedersehen vertröstet, dann aber gewöhnlich erst recht nichts zu erzählen hat. Dieses persönliche Wiedersehn scheint auch jetzt wieder uns recht nahe bevorzustehn: wenn anders etwas aus meinem Plane wird, am 1 Oktober in Naumburg zu dreiwöchentlichem Aufenthalte einzutreffen. Jedenfalls gebe ich Dir bald genauere und bestimmte Nachricht. Zugleich soll damit ein Zusammentreffen mit Rohde in Leipzig verbunden werden etc.
Lisbeth hat diese Combination mit großem Beifall begrüßt. Zuerst war davon die Rede, daß ich Weihnachten nach Naumburg käme. So sehr das wünschenswerth wäre, so unbequem ist die Winterreise: vor allem aber hätte ich nur eine Woche Zeit. Deshalb habe ich mich für den Herbst entschieden, den ich nun einmal besonders in Thüringer Luft gern habe. Ich freue mich auf das Saalthal und, die vielen Leipziger Erinnerungsstätten und möchte fast wähnen, ich lebte im Exile, weil ich diesen Gegenden so ferne bin. Mit meiner Gesundheit bin ich immer noch nicht zufrieden, und ich glaube mehr als je, daß mir die Baseler Luft nicht bekommt. Es dauert recht lange, ehe ich die unwillkürliche Abneigung gegen die ganze schweizerische Existenz überwinde: bis jetzt bin ich noch nicht einmal auf dem Gefrierpunkt der Gleichgültigkeit.
Von Gersdorff’s Besuch wird Dir wohl Lisbeth geschrieben haben. Er hat mir ebenso gut als Wagner’s gefallen, als ein echter und kräftiger Repräsentant aller tüchtigen Eigenschaften des norddeutschen Wesen’s. Romundt erwarte ich täglich zu sehen, da er auf seiner Reise nach Nizza, wo er den Winter verlebt, über Basel kommen muß. Deussen hat mich dringend gebeten ihn zu besuchen: und ich will dies ausführen, wahrscheinlich auf meiner Heimreise von Naumburg nach Basel. Er ist jetzt in Marburg an der Universität Dozent. Windisch ist aus England zurückgekehrt und in Leipzig zum professor extraord. gemacht worden. Rohde ist augenblicklich in einem Seebade in Holstein und hat sich verschworen, mit mir dieses Jahr zusammenzutreffen, nachdem verschiedne Versuche von mir, ihn dauernd in meine Nähe zu bringen mißlungen sind.
Es dürfte also sein, daß ich Dich durch meine Ankunft Deinem bisherigen schönen Aufenthalte „im Wald und auf der Haide“ entzöge: weshalb ich den lieben Onkel Theobald recht um Verzeihung bitten muß. Grüße ihn recht von mir: irgend wann werde ich ihn doch einmal wiedersehen, sammt seiner vortrefflichen Frau und den mir noch ganz unbekannten Kindern. Ich höre daß um diese Zeit sein Geburtstag ist: er lebe hoch!
Und Du auch!
Dein Fritz.
151. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
es hatte seine Gründe, daß ich nicht schrieb. Ich wußte nämlich nicht — und in Tribschen wußte man auch noch nichts — ob und was die Mannheimer Concertgeschichte würde. Jetzt, nachdem ich mehrfach mit meinen Tribschener Freunden darüber verhandelt habe, steht so viel sicher daß wir nicht darauf rechnen können. Vielleicht kommt im Oktober die Sache zu Stande. Es scheint eine Geldsache zu sein, die hier entscheidet. Du weißt ja wohl, daß es ein Wagnerverein zum Zwecke der Baireuther Unternehmungen ist, zu dessen Gunsten jener Concertplan ausgedacht ist. Ich habe in Tribschen genau meine Absichten vorgelegt und davon gesprochen daß ich im Herbst nach Norddeutschl. verreisen würde, falls nicht das Mannheimer Concert mich festhielte. Frau Wagner scheint nicht recht an dasselbe zu glauben, weil Wagner, lange durch unaufhörlich andringenden Besuch gestört, jetzt endlich wieder zu componiren fortfährt und sich schwerlich unterbrechen lassen wird.
So wäre denn diese unsre Hoffnung wieder einmal, nach einer grausamen Analogie, zerstört.
Jedoch, Jedoch — wir wollen! Wir wollen dies Jahr etwas wider der Sterne Lauf durchsetzen, nämlich —
Du hast bereits gehört daß ich nach dem Norden reisen will dh. nach Naumburg und Leipzig. Was meinst Du? Willst Du nicht nach Leipzig kommen? Ich habe jetzt bei dem mildkühlen Herbstwetter eine ordentliche Sehnsucht mit Dir in Leipzig herumzuwandern, auf den Grabmälern unsrer Vergangenheiten.
Ich reise nach Naumburg am 1 Oktober von hier ab. Für Leipzig würde ich etwa die Zeit vom 10t. des Oktober an berechnen. Am 20 muß ich wieder zurück.
Denke Dir daß gestern Abend Romundt bei mir eingetroffen ist, auf seiner Durchreise nach Nizza, wohin er sich auf 9 Monate vermiethet hat.
Wir dürfen ja dies Jahr Leipzig besuchen, da der Philologencongreß dort keine Orgien zu feiern gedenkt. Ach, was haben wir uns zu erzählen! Romundt hat mir recht zum Bewußtsein gebracht, wie einsam ich stehe und wie ich mich an meinen liebsten Freunden anhalten muß, um nicht allen Muth zu verlieren. . —
Bitte schreib mir bald ein Wörtchen der Entschließung! Ich mag Dir nichts mehr schreiben, nachdem ich wieder — wieder! — die Hoffnung habe, Dich zu sehen! — Liebster Dämon, beschere uns guten Kindern doch auch einmal etwas Erfreuliches und laß die alten Freunde zusammen kommen!
F W.
152. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden
Hier, meine liebe Lisbeth, ist ein Brief unserer guten Mutter, die noch ganz ohne Nachrichten ist. Ich muß wirklich befürchten, daß ich die Adresse nicht recht gemerkt habe, ich habe geschrieben Altendammbach bei Schleusingen in Thüringen. Ist das nicht Recht? Schreibe doch gleich dorthin und melde meinen Plan, am 1 Oktober in Naumburg einzutreffen. Ich glaube jetzt auch, daß unsre Mutter mit Vergnügen wieder nach Naumburg zurückkehrt.
Für Deinen Brief herzlichen Dank. Ich freue mich, daß Du die Gefahren der Reise überstanden hast und in Wiesbaden bereits wieder in die nöthige Temperatur gerathen bist, die diesmal gewiß ihre besonderen Vortheile hat. Basel steht noch, die Wagen rasseln noch prestissimo über den Münsterplatz — kurz es ist das alte Basel, nur daß wir jetzt mehr schwitzen als in den Sommermonaten.
Romundt ist bei mir zu Besuch. Gestern waren wir in Grenzach.
Du kennst ja meine Wünsche in Betreff einer großen Reise. Es giebt sonderbare Zufälle. Ich bekam von Tribschen aus eine Anfrage, die was damit zu thun hat. Ich raune Dir nur in’s Ohr, daß einer der Tribschener Freunde (ein deutscher junger Fürst, der den Krieg mitgemacht und übrigens Referendar ist, auch Majoratsherr) für eine Reise nach Italien Griechenland Orient usw. einen einsichtigen und gebildeten Begleiter sucht und daß man bei mir angefragt hat, ob ich Jemanden vorzuschlagen hätte.... Ich weiß nicht .....
Dies sind die neuesten Scherze, mit denen ich, unter den Siegeln der Diskretion, und mit den üblichen Empfehlungen an das Gustchen etc verbleibe
Dein Bundesbruder
F N.
Organisire nur die Naumburger Rückkehr zur rechten Zeit, damit ich nicht in die Verwilderung gerathe.
153. An Paul Deussen in Marburg
Mein lieber Freund, nicht wahr, Du bist noch Willens, Dich einmal für Philosophie zu habilitieren?
Seitdem ich dies weiß, denke ich immer daran, wie Deine Lage etwas zu erleichtern sei: und heute fällt mir eine Proposition zu, die Dir vielleicht nützen könnte. Man fragt bei mir an, ob ich jemanden wüßte, der sich für 4 Jahre unter folgenden Bedingungen zu einer Erzieherstelle verpflichten würde.
Es gilt in einer russischen Familie zu leben und zwar für den Winter in Florenz. Ein begabter, doch etwas verwöhnter Knabe von 13 Jahren ist zu unterrichten und zwar in Englisch, Lateinisch und Deutsch. In der Familie wird französisch gesprochen. Dieses Sprachenaggregat macht ja Dir keine Schwierigkeiten. Der Gehalt ist hoch., 3000—4000 frs. also c. 1000 Thaler. Natürlich völlig freie Station.
Dadurch würdest Du nun für 4 Jahre der Vorbereitung ein fast freier Mann und könntest fast ganz Deinen philosophischen Vorbereitungen leben. Du könntest fast die ganze Summe Dir, bei Deinen außerordentlich mäßigen Lebensansprüchen, ersparen, um Deine Privatdozentenlaufbahn, so kurz sie auch sein wird, als Rentier zu beginnen. Kurz, Du gewinnst Zeit und Geld, nicht zu reden von dem Werthe eines Aufenthaltes in Italien, Schweiz usw.
Schreibe mir, nach kaltblütiger Überlegung aber so rasch als möglich eine Antwort. Denn die eine Bedingung wäre, daß Du diesen Winter bereits antrittst. Dazu müßtest Du Deine Schulmanncarrière mit rascher Faust abschließen.
Also werther und lieber Freund! Schnell! Ja! oder Nein!
Ich selbst habe beschlossen Dich in diesem Herbst zu sehn. Ich reise nach Norddeutschland und werde etwa am 20 Oktober über Marburg nach Basel zurückkehren.
Ich freue mich herzlich Dich wieder zu sehen. —
Richte meine besten Grüße an Deine ausgezeichnete Familie aus. —
Noch anderthalb Wochen bin ich in Basel. Während dieser Zeit, ja in den nächsten Tagen muß Deine Antwort dasein. — Nimm die Sache nur nicht feierlich. Es soll kein Entschluß, aber ein lustiges Wagniß sein.
Si nihil est, lusisse videmur.
Die Kunde von Deinem theologischen Examen hat mich in Erstaunen versetzt. Mehr sage ich erst, nachdem ich Dich wieder gesehn habe.
Hast Du den „Sokrates“ noch einmal gelesen?
Auf Wiedersehn, lieber,
alter Freund und Ka-
merad!
Friedr Nietzsche.
154. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden
Nun, meine liebe Lisbeth, sollst Du das Schema meiner Reise zu Euch kennen lernen. Ich habe gesucht, so viel Tage zusammen zu scharren als nur irgend möglich ist. Durch Vertauschen von Pädagogiumsstunden ist es mir jetzt gelungen, noch einige Tage früher abreisen zu können. Während ich nämlich, nach unserer früheren Verabredung am Sonnabend Abend Basel verlassen wollte, thue ich dies jetzt schon Mittwoch vorher und benutze natürlich den durchgehenden Nachtzug, der mich Donnerstag früh bereits nach Frankfurt bringt: wo ich mit Dir zusammentreffe.
Also mußt Du drei Tage früher abreisen als Du früher beschlossen hattest: was Dir hoffentlich nicht allzu schwer fallen wird. Nun aber muß auch unser Naumburger Dasein etwas frühzeitiger in Stand gesetzt werden: weshalb ich sogleich an unsere Mutter schreibe. Bist Du zufrieden? —
Dein Hurrah!geschrei wegen des mitgetheilten Projektes ist unglaublich verfrüht: ich stehe noch in dem Stadium der vorläufigsten Erkundigungen und lebe weiter als ob es nichts wäre und nichts würde.
Gestern Abend war ich bei den alten Vischers. Schöne Grüße. Auch erfuhr ich von einem Briefe, den Du an Frau Vischer-Sohn geschrieben hast.
Ungefähr mit meiner Abreise zu Euch gleichzeitig ist hier die Hochzeit meiner Wirthin. Ich flüchte vor diesem Ereigniß. Overbeck und ich machen natürlich ein Geschenk.
Romundt war drei Tage bei mir: es hat ihm sehr in Basel gefallen.
Frau Wagner hat geschrieben daß ich dich von ihr recht grüßen möchte: sie bedauere, Dich so wenig in Tribschen gesehn zu haben.
Das Semester wird einem recht sauer. Wehe dem Hund, der Leder gefressen hat! sagt der Lateiner.
Schreibe mir doch noch ein paar Worte — daß Du nämlich meinen Brief bekommen hast und zur rechten Zeit abreisen willst.
Ich grüße das Schönste und das Bedeutendste Wesen der beiden Familien
(Reminiscenz Deines Briefes!)
Addio!
Friedrich N. als Bruder.
Also meine Abreise Mittwoch den 27 Sept.
155. An Franziska Nietzsche in Altendammbach
Hier, meine liebe Mutter, folgen die versprochnen Genauigkeiten über meine Abreise.
Mittwoch den 27 Sept. Abends verlasse ich Basel und bin demnach etwa um 5 Uhr Nachmittags am Donnerstag in Naumburg, zusammen mit Lisbeth, mit der ich in Frankfurt zusammentreffe. Also müßtest Du doch ein paar Tage eher unser Naumburger Heimwesen aufsuchen, nicht wahr?
Habe besten Dank für Deinen ausführlichen Brief, aus dem ich auch entnehme, wie gern Du wieder nach Naumburg zurückkehren wirst. Inzwischen wirst Du jedenfalls unsre beiderseitigen Briefe, aus Wiesbaden und Basel, empfangen haben und von Deinen Beunruhigungen befreit sein. Der Postverkehr nach Altendammbach scheint nicht sehr pünktlich und rasch zu sein.
Für die Reise werde ich mich so warm wie möglich einrichten. Die Nächte sind schon recht kalt.
Frau Vischer hat sich über den Empfang Deines Briefes außerordentlich gefreut: ich war gestern Abend bei ihr.
Inzwischen ist Romundt bei mir zu Besuch gewesen. Es hat ihm sehr in Basel gefallen, wie allen meinen Gästen.
Ich denke alle meine Freunde in einer Reihenfolge zu sehen. Falls nur Rohde nach Leipzig kommt!
Nun lebe recht, recht wohl! Wie freue ich mich auf unser Wiedersehen!
Grüße unsre Verwandten herzlich von mir!
Dein alter Sohn.
156. An Carl von Gersdorff in Berlin
Mein lieber Freund,
meinen herzlichsten Gruß zuvor!
Ich bin immer so zufrieden, wenn ich an Dich denke; denn es kommt mir so vor als ob wir auch nach 5 jährigem Intermezzo noch recht gut zusammenpassen. Unsere Wege sind doch, im letzten Grunde, nicht auseinandergegangen, und so haben wir uns wiedergefunden und so werden wir uns in aller Zukunft wiederfinden. Wie wenig Menschen haben, nach solchen Zwischenräumen der Trennung, solch ein Glück mit ihren Freunden!
Ich danke Dir noch einmal für Deinen Besuch; es hätte mir in diesem Sommer nichts Angenehmeres und Tröstlicheres passieren können. Wir haben das Netz der Cultur wieder einmal gemeinsam über unsern Köpfen zusammengezogen, und es wird schwer halten, uns in dieser Gemeinsamkeit unsrer besten Absichten zu stören.
Du bist überall im besten Andenken. Frau Wagner hat mir über Dich geschrieben, sehr erfreut und dankbar: Burckhardt und Vischer senden Dir ihre besten Grüße. Kurz — mein Basel lob’ ich mir; meine Freunde sind mit Basel und Basel ist mit meinen Freunden zufrieden.
Deine letzten Mittheilungen haben mancherlei Schmerzliches. Dein armer Bruder!
Jene Auseinandersetzung über Religion und Philosophie, von der Du mir erzählst, gehört gewiß zu den traurigsten Nothwendigkeiten des Lebens: ist man einmal dazu getrieben, so wappne man sich mit Weisheit und Milde. Es ist so überaus schwer, bei solchen Anfechtungen, von aller Bitterkeit sich frei zu halten: während doch, bei der großen Dunkelheit des Daseins, hier das eigentliche Bereich des Mitleidens ist. Betone nur immer durch die That Deine innerste Übereinstimmung mit dem Dogma der Liebe und des Mitleidens — das ist die feste Brücke, die auch über solche Klüfte geschlagen werden kann. —
Auch ist es eine edle Kunst, in solchen Dingen zur rechten Zeit zu schweigen. Das Wort ist ein gefährliches Ding und selten bei derartigen Anlässen das rechte. Wie Vieles darf man nicht aussprechen! Und gerade religiöse und philosophische Grundanschauungen gehören zu den pudendis. Es sind die Wurzeln unseres Denkens und Wollens: deshalb sollen sie nicht an’s grelle Licht gezogen werden. —
Im Herbst werden wir uns wiedersehen können: zwar schwerlich in Mannheim: denn W<agner> ist jetzt in voller schaffender Thätigkeit und deshalb wohl nur mit großer Mühe zu solchen zerstreuenden Öffentlichkeiten zu bewegen.
Aber ich komme wahrscheinlich nach Leipzig, wo ich eine Zusammenkunft mit Rohde verabredet habe. Genaueres melde ich Dir noch. Denke Dir, daß ich vielleicht das Glück habe, alle meine Freunde in diesem Sommer und Herbst in einer Reihenfolge wiederzusehen.
Du hast dieses Glück inaugurirt. Dann kam Romundt auf wenig Tage, aber doch zu unsrer großen beiderseitigen Ergötzung. Er war auf dem Wege nach Nizza und ist nun entschlossen, im nächsten Jahre sich für Philosophie zu habilitiren.
In Naumburg werde ich Pinder und Krug treffen, in Leipzig Windisch, Ritschl’s Brockhausens und — Rohde. Auf meiner Rückkehr über Marburg will ich Deussen wiedersehn.
— Und könntest Du nicht Mushacke mit nach Leipzig bringen, ungefähr am 10 Oktober? So wäre der Kreislauf vollständig. —
Nun noch eine Bitte. Kennst Du den jungen Fürsten Hatzfeld, den Bruder der Frau v. Schleinitz? Er ist Referendar und Majoratserbe. Ich wäre Dir sehr dankbar, wenn Du mir etwas Genaues über seinen Charakter und seine Bildungsabsichten etc. mittheilen könntest. Den Grund zu dieser, mir sehr wichtigen Anfrage will ich Dir später mittheilen. Wenn Du ihn nicht kennst — mindestens wirst Du leicht etwas über ihn hören können.
Und nun, mein lieber treuer Freund, lebe wohl! Lebe Dich hinein in Wagnersche Kunst, wie Du Dich in Schopenhauer hineingelebt hast. Grüße mir Deine künstlerischen Freunde und denke gern
an Deinen Gebirgskame-
raden Friedr Nietzsche.
157. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Mein verehrtester Herr Geheimrath,
ich kündige Ihnen hiermit an, daß ich, meinem gegebnen Versprechen gemäß, im Herbst einmal bei Ihnen erscheinen werde. Das ist nun beschlossen. Da wollen wir uns mancherlei erzählen, ich bin sehr zum Erzählen aufgelegt und weiß, daß Sie und Ihre Frau Gemahlin an mir den alten Antheil nehmen. Das hat mir der Miethling Romundt verrathen, der sich über Basel zu seinem Herrendienst nach Nizza begab.
Mit diesen Ankündigungszeilen geht zugleich eine Abhandlung ab, die sich Hoffnung macht — und wie ich denke, sich machen darf — im rheinischen Museum gedruckt zu werden. Sie ist verfaßt von dem begabten Dr. Geizer (dem Sohne des bekannten Professors und Fürstendieners), der hier Gymnasiallehrer ist und auch bei mir ein Colleg gehört hat. Augenblicklich ist er mit seinem Lehrer E. Curtius in Kleinasien, der Glückliche! und gräbt vielleicht nach den Gebeinen des Hektor — was weiß ich! Ich denke mir, er wird irgendwann einmal auf den Einfall gerathen oder gebracht werden — sich zu habilitieren. Machen Sie ihm und mir das Vergnügen, das Baseler Elaborat über Lykurgus im rhein. Museum gedruckt zu sehn.
Meine Schwester hat mich seit einiger Zeit verlassen. Wir sind hier in den letzten Athemzügen des Sommersemesters — wir haben hier einen langen Athem, nicht wahr?
Also auf Wiedersehen, verehrtester
Lehrer!
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche
158. An Auguste Forst in Wiesbaden
Sie verstehen zu bitten, Signorina, und zu fordern! Wie grausam, kalt und unempfindlich muß ich Ihnen jetzt erscheinen, wenn ich trotzdem — Nein sage.
Ich kann von meinen Ferien nichts, gar nichts mehr abgeben, nachdem bereits nur zu viel von mir für diese Zeit verabredet ist. Ich habe einer Zusammenkunft von Freunden in Leipzig bereits eine Woche concedirt — nicht sowohl der Freundschaft wegen — sondern ziemlich langwieriger Verabredungen halber, die für mich den Charakter von Pflichten und Aufgaben haben. Zu diesen muß ich mich sofort, wenn ich in unserer Naumburger Heimlichkeit und Stille angelangt bin, vorbereiten: weshalb es vor allem meine Aufgabe ist, nicht inzwischen den Kopf zu verlieren — Auch auf meiner Rückreise giebt es noch einen Verlust von zwei Tagen, zu einem ähnlichen Zweck.
Ja, Sie denken an den herrlichen Begriff einer Ferienreise! Ich kenne nur noch Gesundheits- und Geschäftsreisen.
Lassen Sie also, ich bitte, zur rechten Zeit meine Schwester los und fangen Sie nur ebenfalls zur rechten Zeit an, für mich ein Schuldbuch anzulegen.
Verzeichnen Sie in demselben auf Seite 1 als erstes Verbrechen:
„verweigerter Besuch trotz einem der schönsten Briefe seiner Zeit und meiner Hand“
Mit bestem Danke und freundlichster, doch unerbittlicher Gesinnung
der Ihrige
Dr Friedr Nietzsche
159. An Paul Deussen in Oberdreis
So ist’s recht, mein lieber Freund! Schnell und entschieden!
Auch mir wirst Du kein Zögern vorwerfen, wenn Du sofort einen Empfehlungsbrief bekommst. Du wirst daraus ersehen, wer die Mutter Deines künftigen Zöglings ist, und durch welche Kanäle meine Pläne für Dich hindurchfließen mußten. Noch heute ist ein Brief in derselben Angelegenheit an die Fürstin Trubetzkoi nach Heiden abgegangen. Nun, ich wünsche, daß alles zu Deinem Besten ausschlägt.
Schreibe also sogleich und schicke Deinen ausführlichen Bewerbungsbrief mit dem Empfehlungsschreiben zusammen ab. Rasch! Denn es fehlt nicht an Bewerbern.
Natürlich schreibst Du französisch. Die Anrede ist, wie Du weißt, nur Madame,
Ich setze voraus, daß Du mir alles mittheilst, schon damit wir unser Zusammentreffen im Oktober gehörig vereinbaren können. Jetzt kann ich nicht nach Oberdreis kommen; ich nehme meine Schwester in Wiesbaden in Empfang, und dann reisen wir zusammen nach Naumburg. Es ist alles verabredet, und eine Änderung unserer Pläne unmöglich.
Inzwischen rechne ich auf das angekündigte Zusammensein in Marburg und freue mich herzlich darauf.
Zu Deinem Vorhaben glückwünschend
Dein treuer
Friedr Nietzsche
160. An Paul Deussen in Marburg
Da müssen wir, mein lieber Freund, es doch anders einrichten und unser Wiedersehen, so leid mir dies thut, wieder einmal verschieben.
Denn bis zum 20 d. M. kann ich nicht nach Marburg kommen. Dagegen glaube ich, daß wir mit mehr Muße und Gemächlichkeit nach Deiner Vorstellung in Vevey uns genießen können — nämlich in Basel: wo ich am 23 d M. wieder eintreffen werde. Meine Wohnung ist Schützengraben 45: und hier wohnt ebenfalls Overbeck.
Für Deine Reise wünsche ich Dir von Herzen Glück, danke Dir auch bestens dafür, daß Du an meinen Geburtstag gedacht hast. Ich verlebte ihn unter dem freundschaftlichen Beistande von Rohde, v Gersdorff, Krug und Pinder, mit einer ungewöhnlichen Solennität. Es war der letzte Tag eines Wiedersehn’s mit den genannten Freunden: wir haben die vorhergehende Woche in Leipzig verbracht, in seliger Erinnerungsfeier. Dort habe ich meine Schrift „die Geburt der Tragoedie aus dem Geiste der Musik“ einem Verleger übergeben.
Doch wozu dies alles Dir schreiben! Es giebt ja jetzt unvermeidlich Wiedersehn auf Wiedersehn!
Darauf hin sich vertröstend bin ich
der alte Freund F N.
161. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel
Verehrter Herr Rathsherr,
so bald ich auch selbst, hinter diesem Briefe her, nach Basel aufbrechen werde, so will ich doch noch gern ein Paar Zeilen voraussenden, die Sie versichern sollen, wie herzlich ich mich, sammt meinen Angehörigen, über das jüngste, uns gütigst gemeldete Ereigniß in Ihrer Familie gefreut habe und wie sehr ich dem ausgezeichneten Brautpaare auch meinerseits Glück und Heil! entgegenrufe. —
Am nächsten Sonntage werde ich in Basel eintreffen, um zunächst am mündlichen Examen des Pädagogiums theilnehmen zu können. Ich will noch hinzufügen, daß es, wie natürlich, bei dem Ihnen vor meiner Abreise angedeuteten Entschluß, ein Anerbieten ablehnend zu beantworten, geblieben ist. —
Mit herzlichem Gruße an Sie und Ihre Frau Gemahlin bin ich, wie immer
Ihr ergebener
Dr Fr. Nietzsche Prof
162. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
heute sende ich Dir nur ein Wörtchen zur Begleitung der Meßphotographie, die Hennig zu meiner Ergetzung vorgestern abgeliefert hat. Besagter Photograph will von uns noch 1 Thaler, wodurch für Jeden von uns noch die Ausgabe von 10 Srg. erwächst. Inzwischen habe ich bezahlt. Wir stehen auf dieser Photographie etwas verschoben und ich vornehmlich „unschön gekrümmt“, mit einem stumpfen Blicke, aus dem die ganze Dummheit der Messe, sammt ihren Spirituosen, redet. Im Übrigen — senza frivolita — wir waren doch die glücklichsten Meßjuden in Leipzig, ja wir dürften die Rollen aus dem Lumpacivagabundus unter uns vertheilen, wobei ich auf den Schuster Anspruch erhebe, von wegen des delirium tremens clemens demens.
Der verloren gegangene „Faust“ ist inzwischen von mir und Gustav Krug wieder auf dem Knabenberg, an einer Stelle, wo Gersdorff gerastet hatte, aufgefunden worden: was ich als ein herrliches omen preise. Die erste Stelle, die ich in dem Buche aufschlug, war: Altmayer: „Nun sag mir eins, man soll kein Wunder glauben“. Wodurch ich an unser Meßwunder und das Adventmirakel unsrer Existenz in Leipzig lebhaft erinnert wurde.
„Mein! Sollte wohl der Wein noch fließen?“
Ich glaube es fast, mein lieber Freund, es war keine Taschenspielerei, unsre Geisterscheinung in Leipzig. Wir waren dort und werden dort sein: was der Jude mit dem Worte Jehova ausdrücken soll. Herr, gedenke der rohden Stube!
Es segne Dich der heiige Pythagoras, mich der heilge Frit<z>sch und uns alle das Ding an sich!
Morgen reise ich nach Basel zurück, mich vom Mahle meiner Ferienfreuden wie ein satter Zecher erhebend. So solenn und üppig habe ich sie nie verlebt und ich weiß, was ich meinen Freunden zu danken habe. Noch mehr aber allen Dämonen, denen wir in einer Stunde nächstens ein gemeinsames Dankopfer bringen wollen: wodurch wir die Idealität von Zeit und Raum einmal glänzend bestätigen wollen. Nächsten Montag Abends um 10 Uhr erhebe ein Jeder von uns ein Glas mit dunklem rothen Wein und gieße die Hälfte davon in die schwarze Nacht hinaus, mit den Worten χαίρετε δαίμονες, die andre Hälfte trinke er aus. Probatum est. Gesegn’ es Samiel! Uhu! — An Gersdorrf mache ich die Meldung.
Habe Dank, mein lieber lieber Freund!
FN.
163. An Carl von Gersdorff in Berlin
Hier, mein lieber Freund, empfange den „glücklich erstandenen“ Faust zurück, den wir am Mittwoch an einer Stelle, wo Du gerastet hattest, wiedergefunden haben. Wir haben sehr darüber gelacht, und im Stillen dachte ich mir, daß es kaum eine freundlichere Gunst der Dämonen geben kann. Darum wollen wir diesen Dämonen, die bei unsrer Zusammenkunft sichtlich auf das Wohlwollendste sich bemüht haben, ein gemeinsames Dankopfer bringen, über das ich an Rohde soeben das Nöthige berichtet habe. Am nächsten Montag Abend um 10 Uhr wollen wir es so einrichten, daß ein Jeder von uns ein Glas dunklen rothen Weins erhebt und die Hälfte davon in die schwarze Nacht hinaus gießt, mit den Worten χαίρετε δαίμονες, die andre Hälfte aber trinkt.
Zugleich bekommst Du die Meßphotographie, auf der Du wie ein Pascha thronst: für die übrigens jeder noch 10 Sg. zu zahlen hat: als welche Summe ich einstweilen erlegt habe.
Morgen reise ich nach Basel. Inzwischen empfange meinen herzlichsten Gruß und Dank. Es waren herrliche Tage. Es lebe unsre Freundschaft!
Dein getreuer Freund
Friedr Nietzsche
164. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester, endlich komme ich dazu, Euch über meine Reise Nachricht zu geben und mich herzlich unseres Zusammenlebens in der Erinnerung zu erfreuen. Es ist alles glücklich von Statten gegangen, ohne Eisenbahnunglück: nur war das Wetter recht trostlos, feucht und kalt. Wirklich haben wir in Naumburg den letzten schönen Nachmittag für unsre Masseneinladung erloost. Nachts, wie ich über den oeden Markt fuhr, gab es bereits einen Regentropfen. Lange mußte ich mit schwindsuchtskranken Personen, die nach Montreux wollten, zusammenreisen, mir zum Ekel: bis endlich der Tag mich erlöste, und ich den letzten Theil der Reise von Bruchsal an allein in meinem Coupé sitzen konnte. Unser Zug kam natürlich um eine Stunde verspätet an. Ich legte mich zeitig schlafen und wachte erst gegen ½9 am Montag Morgen auf. Die drei Tage sind nun unter Examennöthen, Versetzungsconferenzen hingegangen. Ich fand eine Einladung von Turneysen-Merian vor und habe gestern eine Einladung zu Vischers in der Rittergasse zu Sonntag angenommen. Im „Kopf“ sind wieder die drei Stammgäste beisammen, und es schmeckt uns auch wieder — leidlich. — Nach dieser Papelei scheint es als ob ich ganz zum alten Weibe geworden sei. Wetter und guter Schlaf und Kost ist nun besprochen. Sela! —
Ich habe eine sehr angenehme Empfindung, wenn ich an unsere Naumburger Zeit denke. Es arbeitet sich im „Cabinettchen“ so gut als es sich dort schläft und ißt. Dazu waren diesmal die Herren Menschen etwas freundschaftlicher als sonst. Und welche Solennität und Üppigkeit an meinem Geburtstage! Und überhaupt wie behaglich habt Ihr meine Existenz dort eingerichtet. Wehe Euch, wenn Ihr mich so verwöhnt! Ich komme dann alle Ferien nach Naumburg: und Lisbeth käme nie wieder nach Basel! Wehe! Frau Vischer-Heusler fragte mich, ob sie noch immer „Heimweh“ nach Basel habe. Da hört doch Alles auf.
Montag fängt unsre Schule wieder an, Donnerstag ist das Rektoratsfest und das akademische Zunftessen. Frau Heusler ist nach Davos abgereist. Die drei neuen Collegen sind eingetroffen, alle (bis auf Immermann) in Wohnungsjammer. Neumann wohnt mit seiner Frau immer noch in den drei Königen. Er hat, da gar kein passendes Logis für 2 Leute frei werden wollte, endlich die Hiss’sche Etage am Petersplatz gemiethet, für 1800 frs., kann sie aber jetzt noch nicht beziehn. Eycken wohnt in einer schlauchartigen Wohnung, in dem kleinen Häuschen am selben Platz. E. hat seine Mutter mit, eine Postmeisterswittib. Bei Vischers ist er durch das Dienstmädchen angemeldet worden „Herr Professor Postmeister“, zur Erinnerung an Liebermeister.
Im Hause selbst ist alles scheinbar ungestört. Das Problem der Portière ist von mir noch nicht gelöst. Es ist weder kalt noch warm bei mir. —
Nun lebt recht, recht wohl und habt schönsten Dank für Eure Liebe und Güte.
Fritz.
Mein Klavier klingt wieder herrlich.
165. An Gustav Krug in Naumburg
Diesen Gruß,
lieber Freund,
zum Angebinde:
daß Dich nicht
Aergernuß
nage und schinde,
sondern daß
Frohgemüth
Dich führe und leite,
Freunden zum Trost,
Feinden jedoch
zu ewigem Neide!
Dieses Carmen ist nach einer eignen barbarischen Weise abzusingen, die ich auch zu Deinen Ehren erfunden habe. Bei unserer nächsten Zusammenkunft will ich sie mündlich weiter fortpflanzen. Auf Papier geschrieben verdorrt sie.
Welche angenehme Erinnerung habe ich von meinen Naumburger Herbsttagen mit genommen! Seit langer Zeit habe ich nicht so im Genüsse der Freundschaft, der Heimat, der Vergangenheit und Gegenwart geschwelgt, und ich bin meinen werthen Freunden herzlichen Dank schuldig. In einer ganz seltnen Weise hat sich das Wohlgefühl über jene hellen und warmen Herbsttage bei mir noch hinterdrein manifestirt, in einer Weise, die Deine Theilnahme erwecken wird, mein lieber Freund. Du weißt daß ich seit 6 Jahren nichts mehr componirt habe (seit jenem Kyrie habe ich nicht mehr die Feder zu einem Notenkopfe gespitzt) und siehe! oder höre!
Inzwischen ist ein sonderbares Opus fertig geworden, gleichsam aus der Luft gefallen. Das erste Motiv war nur, etwas von meinen früheren Sachen vierhändig zuzurichten, so daß ich es mit meinem Collegen Overbeck zu spielen vermöchte. Ich verfiel auf jene „Silvesternacht“: aber kaum hatte ich das Notenpapier gekauft, so verwandelte sich alles unter meinen Händen, und von dem ersten Takte an ist es etwas völlig Neues geworden. Der lange Titel dieses 4 händigen Satzes, dessen Ausführung 20 Minuten dauert, lautet:
„Nachklang einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke.“ —
Du weißt, wie erstaunt ich war, Dich noch bei frischer Componirstimmung anzutreffen, und ich kam mir wer weiß wie verwelkt oder auch „weise“ vor, daß ich darin mich seit 6 Jahren resignirt hatte. Und nun hinterdrein! Du siehst, was Dein Beispiel an mir gefruchtet hat! Im Übrigen bin ich jetzt, wo ich das Werk hinter mir habe, fast auf dem früheren Punkte und denke nicht daran weiter zu componiren: weshalb ich sagte, diese Composition sei aus der Luft gefallen. Jedenfalls klingt sie gut: sie hat etwas Populäres, geräth nie in’s Tragische, wenn auch in’s Ernste und Wehmüthige. Mitunter ist sie triumphirend, ja auch schmerzlich ausgelassen, kurz — wenn Du Dich unserer Ferienstimmungen erinnern willst, der Spaziergänge über den Knabenberg, bis auf „das Ding an sich“, so wirst Du eine Exemplifikation dieser „dionysischen Manifestation“ haben. Das Ganze ist auf wenig Themen aufgebaut, in der Tonfarbe freilich orchestral, ja förmlich gierig nach Orchestration, aber Du weißt — hier kann ich nicht mehr mit. Die Geburtstage sind der 1te bis 7 November: es ist ein so reinliches Manuscript, daß ich mit Overbeck es immer aus der ersten Niederschrift bis jetzt gespielt habe. Jetzt schreibe ich es nochmal ab, um meiner ausgezeichneten und verehrten Freundin, Frau Cosima W., ein Geburtstagsgeschenk machen zu können.
Jetzt macht das neue Semester seine Ansprüche: meine Interessen sind auf Plato und auf lateinische Epigraphik gerichtet. Da höre ich die Muse der Tonkunst nur noch aus weiter Ferne —
Ich sinne darüber nach, wie ich Dir einmal einen Eindruck von meiner Comp, verschaffe. Jedenfalls bei unserem nächsten Zusammensein. Denn schließlich bist Du der Einzige, der etwas Theilnahme für solche Extravaganzen haben wird: bei anderen Menschen setze ich nur ein gewisses Mißtrauen in diesem Punkte voraus. Was thut es und wem schadet es, wenn ich mich alle 6 Jahr einmal durch eine dionysische Weise von dem Banne der Musik freikaufe! Denn so betrachte ich diesen musikalischen Exceß, als einen Freibrief. Es ist ein Nachklang, auch für meine musikalische Lebenszeit, ein Sylvesternachklang aus einem Musikjahre. — Jetzt hoffe ich, daß durch meinen rapiden Verlauf auch wiederum Dein Quartett gefördert wird: daß wir wieder einmal, nach alter Germania-Gewohnheit, eine „Synode“ halten und dieselbe mit einem „Concert eigner Compos.“ schließen können. — Möge Dich und unsern lieben gemeinsamen Freund Wilhelm ein guter Genius, auch auf allen juristischen Bahnen, führen und leiten,
Freunden zum Trost,
Feinden jedoch
zu ewigem Neide!
F W Nietzsche.
166. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Endlich, liebe Mutter und Schwester, bekommt Ihr den gebührenden Dank für Eure mich herzlich erfreuenden Briefe, so wie meinerseits neue Mittheilungen. Doch was ist inzwischen passirt, was für Euch von Interesse sein könnte? Von gestern angefangen: daß ich bei Bachofens zu Mittag eingeladen war, wo mehrfaches Bedauern über Deine Nicht-anwesenheit ausgesprochen wurde, liebe Lisbeth. Dann ist der alte Vischer seit 2 Wochen bettlägerig, an schwerem Rheumatismus und Muskelentzündungen. Es geht noch nicht gut. Dann habe ich nun wieder alle Collegien seit Anfang voriger Woche im Gange, 9 Studenten in dem einen, 6 in dem andern. Ich lese ein dreistündiges, ein einstündiges und halte außerdem die Seminarübungen und meine Pädagogiumstunden. Also wöchentlich 11 Stunden, womit ich zufrieden bin. — Deussen hatte sein Wiedersehn so unglaublich eingerichtet, daß ich ihn nur Nachts von 12—2 Uhr zu sehen bekam, und er mir wie ein „Fandom“ in der Erinnerung geblieben ist. — Die jungen Vischers haben mir neulich einmal Weintrauben herüber gebracht. — Zwei Tage habe ich bei Wagners verlebt, wo ich mit der allerwärmsten Herzlichkeit empfangen wurde. Dort habe ich die anziehende Bekannschaft von Frau von Muchanoff (Gräfin Nesselrode) gemacht. Auf dem Bahnhof rief mir noch Wagner Grüße an das „niedliche Schwesterchen“ nach und ob Du nicht bald einmal wieder kämst. Was ich auch den Kindern versprochen habe. — Gersdorff schreibt oft und hübsch aus Berlin. Er hat die Mazziniverse „und im Ganzen, Vollen, Schönen resolut zu leben“ endlich bei Goethe, unter den „geselligen Liedern“ wiedergefunden. Der eine seiner künstlerischen Freunde ist daran, für mich eine Vignette zu erfinden. — Von Frit<z>sch in Leipzig kein Wörtchen; großes Erstaunen meinerseits. — Die Ferientage waren so erwärmend für mich, daß ich hinterdrein noch zum Componisten geworden bin und in großer Schnelligkeit eine lange vierhändige Composition vollendet habe, die ich mit Overbeck spiele: „Nachklang einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke“: ein sehr hübscher Scherz! An Gustav habe ich heute geschrieben: ich wollte ihm gerne noch ein Exemplar des „Socrates“ mitsenden. Schließlich bemerke ich, daß ich gar keine eingebundenen Exemplare mehr habe: weshalb ich Gustav auf Weihnachten vertrösten muß.
Mir geht es gut: aber Grausen! Gestern haben wir ungeheuren Schnee bekommen. Dieser ekelhafte „weiße Koth“! Ich begrüßte ihn mit Empörung. Zum Colleg zu rutschen, nicht mehr zu gehen, in dieser winkeligen Hügelstadt, ist eine große Misère, trostlos, trostlos!
Mit herzlichen Grüßen von Eurem
Fritz.
167. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Geehrtester Herr,
Sie hatten mich wirklich durch Ihr Schweigen in den Zustand des Erstaunens versetzt; ich wußte nicht, was ich denken sollte und was ich zu thun hätte und sah deshalb mit lebhafter Theilnahme dem Tag entgegen, wo sich aufklären würde, was mir unverständlich war. Um so mehr freute ich mich über den heute bei mir angelangten Brief, der alle meine Beunruhigungen zerstreut und mich nur an eins mahnt, an die größte Eile. Ich sende deshalb heute noch, was ich druckfertig von meiner Schrift besitze und verspreche den fehlenden Rest und die Vorrede baldigst nachzuliefern. Inzwischen müssen wir alles daran setzen, um bis Weihnachten fertig zu sein. Wenn sich nur einigermaßen erfüllt, was ich mit meinen Freunden von dieser Schrift hoffe, so sollen auch Sie ihre Freude und Ihren Dank daran haben, ihr zur Öffentlichkeit verholfen zu haben.
In allen sonstigen Beziehungen werden wir uns, wie ich denke, mit Hülfe Rich. Wagner’s ebenso leicht als zur beiderseitigen Zufriedenheit verständigen.
Inzwischen hoffe ich auf die baldige Zusendung von Correkturbogen: wir waren übereingekommen, daß ich selbst die letzte Revision übernehme.
Nun habe ich nur zu wünschen, daß unsere Namen sich unter einem guten Sterne zusammengefunden haben: und wenn die Namen sich reimen, sollten es die Menschen doch auch können.
Ihr ergebener
Dr Fr. Nietzsche
168. An Carl von Gersdorff in Berlin
Verzeihe mir, mein lieber Freund, daß ich Dir nicht früher für Deine Briefe gedankt habe, von denen ein Jeder mich an Dein kräftiges Culturleben erinnert, als ob Du im Grunde noch Soldat seist und Deine militärische Gesinnung jetzt im Bereiche der Philosophie und Kunst zu erweisen trachtetest. Und so ist es recht; nur noch als Kämpfer haben wir gerade in unserer Zeit ein Recht zu existieren, als Vorkämpfer für ein kommendes Saeculum, dessen Formation wir an uns, an unsern besten Stunden nämlich, etwa ahnen können: da diese besten Stunden uns doch offenbar dem Geiste unserer Zeit entfremden, aber doch irgendwo eine Heimat haben müssen; weshalb ich glaube, wir haben in diesen Stunden so eine dumpfe Witterung des Kommenden. Haben wir nicht auch aus unserer letzten gemeinsamen Leipziger Erinnerung noch das Gedächtniß an solche entfremdete Momente, die in ein anderes saeculum gehören? — Also — es bleibt dabei: und im Ganzen, Vollen, Schönen resolut zu leben! Aber es gehört eine kräftige Resolution dazu und ist nichts für Jedermann!
Heute wurde ich recht an unser Leipziger Dasein gemahnt, und in einem gewissen Sinne kann ich sagen: ich knüpfe an’s fröhliche Ende den fröhlichen Anfang nun an, wie das lustige Lied heißt. Heute nämlich, erst heute! antwortete Fritzsch, der treffliche Verleger, auf meinen damaligen Besuch: weshalb ich Dir auch gerade heute Nachricht geben muß. Denn Du und Rohde, Ihr wart es, die mich zu dem trefflichen Fritzsch moralisch und körperlich brachten: was ich bis jetzt noch zu preisen habe. Er konnte nichts dafür, daß seine Antwort sich so lange verschob. Er hatte das Manuscript sofort einem Fachmann zur Beurtheilung übersandt, und dieser hat bis zum 16 Nov. getrödelt. Du weißt doch noch, daß das Lied „Lieber Freund, diesen Gruß zum Angebinde“ für den 16 Nov. bestimmt war, nämlich zu Krug’s Geburtstag. An diesem gleichen Tage schrieb der gute Fritzsch „daß mich nicht Ärgernuß nag’ und schinde“ und verspricht sogar noch bis Weihnachten fertig zu werden. Also die Ausstattung genau nach dem Muster von Wagners „Bestimmung der Oper“ ist beschlossen: freue Dich mit mir! Für eine schöne Vignette wird somit ein herrlicher Platz sein: sage dies Deinem künstlerischen Freunde, zugleich mit meinen teilnehmendsten Grüßen. Nimm Dir einmal die Wagnersche Broschüre vor, schlage den Titel auf und berechne Dir die Größe, die wir dem bildnerischen Kunstwerk geben können. Es kommt nur auf den Titel:
Die
Geburt der Tragoedie
aus dem Geiste der Musik.
von
Dr. Friedrich Nietzsche
Prof. o. p. der klass. Philologie
Leipzig Fritzsch.
Ich habe bis jetzt das allerbeste Zutraun: die Schrift wird mächtig gekauft werden und auf ein Stückchen Unsterblichkeit mag sich der Herr Vignettenbildner nur gefaßt machen.
Nun noch etwas Neues. Denke Dir, mein lieber Freund, in welch seltsamer Weise jene erwärmenden Tage meiner Ferienzusammenkunft in mir hinterdrein wieder zum Vorschein gekommen sind. Nämlich in Form einer größeren vierhändigen Composition, in der alles wiederklingt von einem schönen sonnenwarmen Herbste. Genannt ist das Opus, weil es anknüpft an eine Jugenderinnerung „Nachhall einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke“. Das ist doch ein lustiger Titel: man hätte ebenso gut zu viel noch erwarten dürfen „mit Punschbowle und Neujahrsgratulationen“. Overbeck und ich spielen sie, es ist jetzt unser Specificum, das wir vor allen vierhändigen Menschen voraushaben. Weihnachten wird Frau Wagner mit dieser Musik beschenkt und überrascht. Auch an dieser Comp, seid ihr, meine lieben Freunde, die unbewußten dei ex machina! Seit 6 Jahren hatte ich nichts mehr componirt, und dieser Herbst hat mich wieder stimulirt! Gut ausgeführt, dauert die Musik 20 Minuten.
Im Übrigen bin ich wieder in philolog. Thätigkeit, lese „Einleitung in das Studium Plato’s“ und „latein. Epigraphik“ und bereite für die Zeit nach Neujahr 6 öffentl. Vorträge vor „ueber die Zukunft unserer Bildungsanstalten“.
Nächsten Dienstag hält unser neuer Philosoph seine Antrittsrede, über das „selbstverständliche“ Thema: „die Bedeutung des Aristoteles für die Gegenwart“. — —
Hier bist Du im guten Angedenken. Die Dämonenweihe habe ich bei Jacob Burkhardt, in seiner Stube gefeiert: er hat sich meinem Weiheakte angeschlossen und wir haben reichlich zwei Biergläser guten Rhôneweines auf die Straße geschüttet. In früheren Jahrhunderten wären wir der Zauberei verdächtig. — Als ich damals ½12 Nachts nach Hause kam, ziemlich dämonisch, fand ich erstaunter Weise Freund Deussen vor, mit dem ich noch bis gegen 2 Uhr auf der Straße herumzog. Mit dem allerfrühsten Zuge reiste er ab. Ich habe eine fast gespenstische Erinnerung an ihn, da ich ihn nur bei mattem Lampenund Mondeslichte gesehn habe.
Laß bald etwas von Dir hören, mein wackerer werther Freund! Du weißt jetzt, daß es mit der Vign<ette> höchste Zeit ist.
Sei herzlich gegrüßt von Deinem Friedr N.
169. An Richard Wagner in Tribschen
Verehrtester Meister,
heute endlich hat mir unser Fritzsch aus Leipzig Nachricht gegeben, nachdem ich lange in gänzlicher Befremdung über sein Schweigen dahin gelebt habe, ohne recht zu wissen, was ich zu thun hätte. Jetzt erfahre ich, dass er mein Manuscript sofort, noch bevor Ihre empfehlenden Zeilen eingetroffen waren, an einen Mitarbeiter seines Blattes zur kritischen Einsicht übersandt hatte: als welcher Bummler dasselbe bis zum 16 November zurückgehalten hat. Jetzt soll nun schnell losgedruckt werden; in welcher Beziehung Fritzsch vortreffliche Versprechungen macht. Dann kommt ein Passus, den Sie mir vielleicht mit einem Worte erklären können. Fritzsch schreibt mir: „über die Honorarfrage werden Sie unterdess selbst nachgedacht haben, vielleicht dass Ihnen in dieser Hinsicht Herr Wagner einige Andeutungen gemacht hat.“
Hier würden Sie mich gänzlich in ungeheure Inschriftenwerke versteckt finden, aus denen ich für meine Studenten eine lateinische Epigraphik zusammenbraue oder von Hunderten von platonischen Schriften umringt, mit deren Hülfe ich meine Zuhörer in das Studium Plato’s einführe. Hebe ich das Ohr einmal aus diesem Bücherhaufen empor, so höre ich sofort etwas, was in Bologna vorgeht oder in der Stadtverordnetenversammlung von Baireuth berathen ist, oder die „Academy“ präsentirt sich mir, mit einem neuen Aufsatz von Franz Hüffer, dem verkappten Engländer, oder auch ein erstaunliches Inserat mit dem Namen meines Freundes Gersdorff oder eine Besprechung von Fuchs Präliminarien der Tonkunst etc. Kurz, auch nur ein massiges Hinhorchen genügt jetzt, um über die grossen äusseren Züge Ihrer Existenz unterrichtet zu bleiben.
Von meinem letzten Tribschener Besuche habe ich die wärmste und herzlichste Erinnerung und weiss, was ich meinen Dämonen schuldig bin: denen ich neulich ein Dankopfer brachte, mit einer Spende rothen Weines und den gesprochnen Worten Χαίρετε Δαίμονες: eine Feierlichkeit, die zugleich in Basel, Berlin und Kiel stattfand und bei deren Vollziehung wohl jeder von uns auch Ihrer gedacht hat: denn was bitten wir von den Dämonen, was danken wir ihnen, was nicht mit Ihnen auf das Innigste und Nächste zusammenhängt?
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche.
170. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
eben hatte ich mich etwas ermüdet auf das Sopha gelegt und die Hände über die Augen gelegt, als ich plötzlich an Dich denkend aufspringe, die Feder ergreife und somit wie Du siehst, an Dich schreibe. Mir fiel ein, daß Du lange von mir nichts gehört hast und vielleicht auch in speziellen Beziehungen wissen möchtest, wie es mir inzwischen, etwa rücksichtlich des Fritzsche-Nietzsche-Büchleins, ergangen ist. Hast Du denn irgend so etwas Passendes aus der Gemmen-region aufgespürt? Denn dann wäre es hohe Zeit, dem edlen Verleger Mittheilung zu machen. Oder wir schickten es dem Freunde Mosengel, der seiner Zeit mir erzählte, wie er zu den wenigen Malern gehöre, die auch „Radirer“ wären. Ich weiß nicht, ob die Technik des Radirens gerade die in diesem Falle rechte ist, wie stehts damit? —
Erst seit vorigem Sonntag habe ich Bescheid von dem guten Fritzsch. Obwohl die Sache inzwischen mich beunruhigt hatte — that ich doch nichts, weder für, noch gegen, sondern wartete still, was meine Dämonen beschlossen hätten. Endlich kommt die Aufklärung: Fritzsch hatte mein Manuscript an einen Mitarbeiter seines Blattes zu kritischer Beurtheilung abgesandt, und dieser Bummler hatte so lange gebummelt! Jetzt scheint nun alles in Ordnung zu sein. Ausstattung, wie in Wagners „Bestimmung der Oper“ ist garantirt und ich glaube daß noch nie ein Erstlingswerk so üppig eingehüllt, wie ein Prinzenkind, aus der Taufe gehoben worden ist.
Einen recht schönen Nachklang hatte ich noch von unserer Zusammenkunft, die mich innerlich und äußerlich, bei den mildwarmen Herbstsonnenwirkungen, so erquickt hatte, daß ich hinterdrein wieder einmal, nach 6 Jahren Pause, zum Componisten geworden bin. Eine längere vierhändige Composition, in der Dauer von 20 Minuten, ist in kurzer Zeit, gleich nach meiner Rückkehr nach Basel, fertig geworden, mit der ich recht zufrieden bin. Sie heißt, im Anschluß an eine Jugenderinnerung, so:
„Nachklang einer Sylvesternacht, mit Prozessionslied, Bauerntanz und Mitternachtsglocke.“
So etwas danke ich Euch, meine lieben Freunde und Du wirst es spüren, wenn Du dieselbe einmal hörst.
Die Dämonenweihe habe ich mit Burkhardt zusammen gefeiert: er hatte sich dem Opfer angeschlossen, und um 10 Uhr flössen zwei Gläser rothen dunkeln Weines in die Nacht hinab. — Am andern Tag hatte ich dämonischen Kater. —
Ich lese mit Vergnügen Plato und latein. Epigraphik. Da fällt mir wieder etwas ein. Sage, lieber Freund, hast Du vielleicht einmal daran gedacht, selbst auch etwas über mein Tragödienbüchlein öffentlich verlauten zu lassen? Ich fürchte immer, daß die Philologen es der Musik wegen, die Musiker der Philologie wegen, die Philosophen der Musik und Philologie wegen nicht lesen wollen und bekomme dann für meinen guten Fritzsch Angst und Mitleid. Vielleicht könntest Du die Philologen coram nehmen, etwa in einem Briefe an den Redakteur des rhein. Museums oder in einer Zuschrift an mich. Kurz, es fehlt mir die „höhere Reklame“. Du weißt, wie sehr die Philologen auf alles gestoßen werden müssen, was nicht bei Teubner und ohne den Zubehör kritischer Noten erscheint. Stoße sie! Ich bitte Dich.—
Ein sehr schöner Brief Wagners über die Bolognaaufführung steht in dem letzten Sonntagbeiblatt der norddeutschen Allgemeinen. Hast Du denn mit Wagner brieflich angeknüpft? Deine Abhandlung ist ernsthaft gelesen worden. Der zweite Akt der Götterdämmerung ist vor 3 Tagen fertig geworden.
Erfreue mich bald durch einen Brief, mein lieber, lieber Freund.
Treulich
ὁ μουσικός.
Das Geld habe ich bekommen, aber c. 2 frs. zu viel. Was soll ich damit anstiften? Oder war es auf meine Bereicherung abgesehn? —
Ich denke eben daran, daß Du ja das Centralblatt „beherrschest“: dann aber müssen wir möglicherweise auf einen ernstlichen Widerstand der Redaktion bedacht sein? Oder nicht? Jedenfalls nimm Dir dann etwas Raum. — Du bekommst eins der ersten Exemplare zugeschickt. Etwa um Neujahr herum.
171. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
hier empfangen Sie für unsre Schrift eine Titelvignette, welche ein trefflicher Künstler gearbeitet und mir heute zugeschickt hat. Es ist der von seinen Fesseln befreite Prometheus. Jetzt bitte ich Sie, schleunig einen guten und im besten Sinne bewährten Holzschneider mit der Ausführung dieser Vignette zu betrauen.
Jedenfalls muß der Schöpfer dieser Vignette den Holzstock noch zu einer etwaigen Correktur überschickt bekommen. Benutzen Sie dazu folgende Adresse: Herrn Carl von Gersdorff, Ritter des eisernen Kreuzes, Berlin, Alexandrinenstr. 121 (hunderteinundzwanzig) II Treppen. Dieser Herr ist zwar nicht der Verfertiger der Vignette, aber ein ganz naher Freund des Künstlers, dessen eigne Adresse ich zufällig nicht besitze.
Natürlich sind alle die genannten Menschen eifrige Wagnerianer. Gelegentlich frage ich jetzt bei Ihnen an ob Sie mir als Honorar für den Druckbogen drei Louisdor’s geben wollen. Warum machen Sie mir keinen Vorschlag? Nun muß ich Ihnen einen machen. Wagner beschwert sich, daß bei solchen Dingen es jedesmal so zugienge als ob noch nie ein Buch gedruckt worden wäre. Sagen Sie mir, ob Sie mit meinem Vorschlage einverstanden sein können. —
Ich erwarte täglich Druckbogen: wie weit sind wir?
Mit freundlichstem Gruße bin ich
Ihr ergebener
Dr Fr Nietzsche
Prof.
NB. Meinen Rest von Manuscript bekommen Sie bald. — Die Vignette denken Sie Sich hineingestellt zwischen unsere Namen auf dem Titelblatt: Es ist ein kleines Meisterstück und sagt auf einfache Weise Vieles und Ernstes.
172. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester,
Herzlichen Dank für den letztens erhaltenen Brief. Ich höre mit Vergnügen, daß es Euch in Naumburg wohlgefällt. Weihnachten werden wir aber nicht beisammen sein können, ich habe meine 6 Vorträge „über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ nach Neujahr zu halten und bis jetzt noch kaum an dieselben denken können, so sehr beschäftigen mich meine Collegien. (eins mit 10, das andre mit 7 Zuhörern) Dazu kommt daß ich jetzt daran denken muß, mein Büchlein über die Tragödie abzuschließen. Denn mit Fritzsch ist alles in Ordnung. Es wird gedrucht, und ich erwarte täglich Correkturbogen. Die Ausstattung wird sehr schön (gleich der von Wagners „Bestimmung der Oper“) Aber es giebt sehr viel zu denken, und viel Alleinsein ist nöthig. — Am 20 d. M. ist das große Conzert Wagner’s in Mannheim. Ich habe kaum irgendwelche Aussicht hinzukommen, weil wir hier in dem Collegienfleiß erstaunlich gewissenhaft sind, und ich mich auch am Pädagogium nicht vertreten lassen kann. So entgeht mir auch dies Concert, wie mir das Berliner entgangen ist — und was nicht sonst? Wenn ich aber nur mit Baireuth durchkomme!
Dem alten Vischer geht es wieder gut. Er ist bereits aufgestanden vom Bett, und ich bin öfters bei ihm. Frau Vischer hat mir von einem Brief nach Naumburg erzählt, den sie geschrieben habe. — Bei Heyne’s war neulich eine große Gesellschaft, vornehmlich zu Ehren der neuen Professoren und Frauen. Es wurde die Kindersymphonie aufgeführt und nachher getanzt — bis Mitternacht. Montags bin ich zu einer Gelzer’schen Gesellschaft eingeladen, der alte Geizer schrieb mir eigens, daß er bedauere Dich, liebe Lisbeth nicht mit einladen zu können. Zugleich mit Deinem letzten Brief lief eine Einladungskarte bei mir ein, zu einem großen Diner, welches Georg Fürstenberger veranstaltete, zu Ehren des neuen Brautpaars. Das haben wir denn Gestern mit Gott bestanden. Es war die ganze Erste Etage von Hôtel Euler und der große Speisesaal im Parterre zu unserer Disposition, und es war eine Üppigkeit, die mir wenigstens unbekannt in Basel war. Wir waren gegen 6o Eingeladne, aber nur Jugend, ohne Mütter und Väter (weder die alte Frau Vischer noch die alte Frau Sarasin war zugegen, wohl aber Frau Vischer-Sarasin und Vischer-Heusler.) Hauptsächlich aber die Freundinnen von <der> Braut und die Freunde vom Bräutigam. Man spürte an allem die hier vertretenen Millionen der Gäste, und für Euch wäre es gewiß sehr unterhaltend gewesen, die ganze vornehmste Baseler Aristocratie beisammen zu sehn. Wir waren von 1 Uhr bis 8 Uhr zusammen und haben schließlich noch ein paar Stunden getanzt. Ich war der einzige Deutsche der Gesellschaft. Man hat mir noch ein paar Bälle angekündigt. Ich übersende zu Eurem Spaß das Menü mit der Tischkarte und entschuldige mich, so viel von solchen Dingen erzählt zu haben. Übrigens war es „luschtig“.
Mit herzlichem Gruße
Euer Fritz.
Schreibt mir doch etwas über Eure Weihnachtswünsche.
173. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr Verleger,
mit Ihren Honorar-propositionen bin ich nach allen Seiten hin einverstanden und betrachte damit diesen Punkt als erledigt und abgethan. Nur möchte ich mir noch eine Anzahl Freiexemplare ausbitten, nämlich 25, von denen 5 auf Velin (nämlich auf solchem Velin wie in Wagners „Beethoven“) abzuziehen wären. Werden Sie mir dies noch concediren können?
In Betreff des Papiers, denke ich, bleibt es bei der ersten Vereinbarung, das heißt bei dem Papier von W’s „Bestimmung der Oper.“
Der Druck und die Correktheit desselben haben mich befriedigt. Der Druck kann so schnell wie möglich vor sich gehen. Ich will nicht auf mich warten lassen.
Mit besten Grüßen
Ihr ergebener
Prof Nietzsche.
NB. Es fällt mir ein, daß wir Frau Wagner eine rechte Freude machen würden, wenn wir ein Exemplar auf dem gelben Papier herstellten, das sie sehr liebt. Wie ich Sie im Herbst in Leipzig besuchte, zeigten Sie mir solches Papier, nicht wahr?
174. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter,
hier eine kurze Weihnachtsnotiz für Lisbeth. Bitte besorge für mich das Photographienalbum. Ich selbst werde an Deine Adresse schicken 1) die Kunstgeschichte, 2) den Hebel.
Mit herzlichem Gruß und der Bitte, den beifolgenden Zettel nicht zu lesen. Er ist für Lisbeth bestimmt.
Herzlichen Dank für Deinen gemüthlichen Brief.
Sehr in Eile
Dein Fritz.
175. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Lisbeth,
heute nichts mehr als diese kurze weihnachtliche Notiz. Ich überlasse Dir nothgedrungen den Weihnachten für unsere liebe Mutter ganz allein: das heißt, ich bitte Dich 1) die Gardinen in meinem Namen zu bestellen und zu überreichen. 2) ein paar geschnitzte Löffel Messer und Gabeln. Das Letztere könnte ich auch hier bekommen, fürchte aber zu zerbrechen.
Ich bin in großer Arbeit und sehr eilig.
Dein Bruder.
176. An Carl von Gersdorff in Berlin
Mein lieber Freund,
neulich habe ich etwas vergessen, nämlich den Text zum Kaisermarsch: was Du, bei meiner großen Verwirrung aller möglicher Geschäfte, einmal entschuldigen magst. Am Dienstag habe ich nun etwas Luft bekommen: dadurch daß ich wenigstens auch den Rest vom Manuscript und die Vorrede an Fritzsch abgeschickt habe. Nach Mannheim kann ich — leider! leider! — nicht reisen, denn das Amt des Schreibers in der Regenz und eine längere Krankheit des Prof Gerlach verhindern mich, Urlaub zu nehmen.
Für die Vignette habe ich Dir bereits gedankt: Fritzsch hat mir einen bewährten Holzschneider zugesichert. Er hat durch mich Deine Adresse bekommen, damit an Dich der Holzstock, zu Händen des geehrten Künstlers, eingesandt werde.
Nun der Text:
Volksgesang.
Heil, Heil dem Kaiser!
König Wilhelm!
Aller Deutschen Hort und Freiheitswehr!
Höchste der Kronen,
Wie ziert dein Haupt sie hehr!
Ruhmreich gewonnen
Soll Frieden dir lohnen!
Der neu ergrünten Eiche gleich,
Erstand durch dich das deutsche Reich:
Heil seinen Ahnen,
seinen Fahnen,
die dich führten, die wir trugen,
als mit dir wir Frankreich schlugen!
Feind zum Trutz,
Freund zum Schutz,
allem Volk das deutsche Reich zu Heil und Nutz!
/: Die letzte Zeile wiederholt :/
Mit herzlichem Gruße,
mein lieber Freund!
Dein
FN.
Wo bist Du Weihnachten? —
177. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber, lieber Freund,
einen herzlichen Weihnachtsgruß zuvor!
Ich hoffte Dir um diese Zeit bereits meine Schrift zuschicken zu können: es sind aber einige Verzögerungen eingetreten, nicht durch meine Schuld, so daß meine Weihnachtsgabe diesmal etwas zu spät kommen wird. Die Vignette des Titelblattes hat einige Störungen gemacht: die Zeichnung, von Gersdorffs Freunde Rau entworfen, hat unsern höchsten Beifall, aber der „bewährte“ Holzschneider, den Fritzsch dafür ausgesucht hatte, hat eine stümperhafte Leistung gemacht, so daß sein Holzstock ganz unbrauchbar und incorrigibel ist, und wir das Werk von Neuem einem der besten Holzschneider, dem akademischen Künstler Vogel in Berlin, übertragen mußten. Gersdorff ist mir treu zur Seite und zeichnet sich durch zuverlässigste Hülfbereitschaft in allen Dingen aus (Hast Du ihm nicht einmal ein kleines Briefchen geschrieben? Ich glaube Du würdest ihn sehr erfreuen. Er gehört zum Vorstande des Berliner Wagnervereins: willst Du Dich nicht bei ihm zu einem Loose anmelden? Alexandrinenstr. 121 II Treppen)
Der Druck ist bedeutend compresser als in der „Bestimmung der Oper“, daher wird die Schrift wenig umfangreich, etwa 140 Seiten. Acht Bogen sind nach jeder Seite hin fertig, und ich habe nur einen kleinen Rest und die Vorrede zu corrigieren. Der ganze letzte Dir noch unbekannte Theil wird Dich gewiß in Erstaunen setzen, ich habe viel gewagt und darf mir aber in einem ganz enormen Sinne zurufen: animam salvavi: weshalb ich mit großer Befriedigung der Schrift gedenke und mich nicht beunruhige, ob sie gleich so anstößig wie möglich ausgefallen ist, und von einigen Seiten geradezu ein „Schrei der Entrüstung“, bei ihrer Publikation, laut werden wird.
Übrigens fühle ich mich in meinen Erkenntnissen der Musik wunderbar befestigt und von deren Richtigkeit überzeugt — durch das, was ich diese Woche in Mannheim, mit Wagner zusammen, erlebte. Ach, mein Freund! Daß Du nicht dabei sein konntest! Was sind alle sonstigen künstlerischen Erinnerungen und Erfahrungen, gemessen an diesen allerletzten! Mir gieng <es> wie einem, dem eine Ahnung sich endlich erfüllt. Denn genau das ist Musik und nichts sonst! Und genau das meine ich mit dem Wort „Musik“, wenn ich das Dionysische schildere, und nichts sonst! Wenn ich mir aber denke, daß nur einige hunderte Menschen aus der nächsten Generation das von der Musik haben, was ich von ihr habe, so erwarte ich eine völlig neue Cultur! Alles was übrig bleibt und sich gar nicht mit Musikrelationen erfassen lassen will, erzeugt bei mir freilich mitunter geradezu Ekel und Abscheu. Und wie ich vom Mannheimer Concert zurückkam, hatte ich wirklich das sonderbar gesteigerte übernächtige Grauen vor der Tages Wirklichkeit: weil sie mir gar nicht mehr wirklich erschien, sondern gespenstisch.
Diese Weihnachten verlebe ich einsam in Basel und habe die Tribschener herzlichen Einladungen ausgeschlagen. Ich brauche Zeit und Einsamkeit, um über meine 6 Vorträge (Zukunft der Bildungsanstalten) einiges nachzudenken und mich zu sammeln. Frau W. deren Geburtstag am 25 Dec. ist (und der ich, an Deiner Stelle schreiben würde!) habe ich meine „Sylvesternacht“ gewidmet und bin gespannt, was ich über meine musikalische Arbeit von dort aus zu hören bekomme, da ich noch nie etwas Competentes zu hören bekam. Wenn ich dieselbe Dir einmal zum Vortrag bringe, wirst Du, wie ich glaube, mit Rührung den warmen, beschaulichen und glücklichen Ton heraushören, der durch das Ganze hindurchklingt und für mich eine verklärte Erinnerung an das Glücksgefühl meiner Herbstferien zu bedeuten hat.
Mit Jakob Burkhardt habe ich einige schöne Tage erlebt, und unter uns wird viel über das Hellenische conferirt. Ich glaube, man kann jetzt in dieser Hinsicht Einiges in Basel lernen. Deinen Pythagorischen Aufsatz hat er mit großer Betheiligung gelesen und sich zu seinen Zwecken excerpirt, und das, was Du über die ganze Entwicklung der Pythagorasvorstellung sagst, ist gewiß das Beste, was über ein so ernstes Capitel bisjetzt gesagt worden ist. Inzwischen habe ich über Plato eine Anzahl Grundeinsichten gewonnen, und ich meine, wir Beide dürften einmal die bisher so schäbige und mumienhafte Geschichte griechischer Philosophen tüchtig und innerlich erwärmen und erleuchten. — Alles, was Du Allgemeines zu sagen hast, übergieb nur nicht den verfluchten philologischen Zeitschriften: warte nur etwas auf die Baireuther Blätter! — Über Deine zugesagte Zarnkische Anzeige bin ich sehr glücklich und von vornherein sehr dankbar. Mein lieber Freund, wir haben noch ein großes Stück Leben mit einander auszumessen: wir wollen treu sein.
FN.
178. An Carl von Gersdorff in Berlin
Zunächst, mein lieber und werther Freund, denke ich an die Feier Deines Geburtstages und bin beglückt, wenn ich mir vergegenwärtige, wie dieses Jahr uns wieder im allerwünschbarsten Sinne zusammengeführt hat: so daß wir mehr als je wieder uns unserer Freundschaft freuen dürfen. Unsere besten Triebe, unsre eigentlich ernst gemeinten Absichten, unsre edelsten Hoffnungen — alles hat sich wieder in dem letzten Jahre zusammen verschlungen: nachdem Dein Lebensdämon Dich glücklich durch die schrecklichsten Gefahren hindurch gerettet hat. Und so werde ich heute ein Hoch auf Dein Wohl ausbringen, in dem Glauben, daß es auch zugleich dem Aufblühen unserer Friedenskultur gelte. Von jetzt an haben wir alle ernsten Kämpfe gemeinsam: also Hoch unsre Kriegskameradschaft im Frieden!
Leider bin ich noch nicht im Stande, Dir heute ein Exemplar meines Buches dediciren zu können. Aber empfange dafür heute das Versprechen, daß Du und die Tribschener die Ersten sein werden, die die Schrift zugeschickt bekommen. Fritzsch hat in letzter Zeit viel langsamer das Werk gefördert und doch bin ich damit recht zufrieden, seitdem ich durch Dich erfahren habe, welcher abscheulichen Gefahr meine Schrift im Falle einer Überstürzung ausgesetzt gewesen wäre. In der That danke ich Dir sehr für Deinen treuen Beistand in der Vignettenangelegenheit: Fritzsch hat weniger Schuld, weil er so etwas nicht verstehen wird und viele Stücke von seinem übrigens trefflichen „musikal. Wochenblatt“ und somit auch von dem Holzschneider desselben hält. Es wäre nichtswürdig gewesen, die schöne Leistung von unserem Rau so schmählich entstellt auf dem Titel wiederzufinden: und daß eine solche Stümperei auch meiner Schrift und des von mir gedachten Leserkreises nicht würdig sei, hast Du mit großem Rechte Fritzsch auseinandergesetzt; und ich danke Dir besonders dafür, weil mein Verleger auf diese Weise doch einmal aufmerksam gemacht worden ist, daß er es mit dieser Schrift so ernst wie möglich zu nehmen hat.
Der Druck ist übrigens viel compresser als in der „Bestimmung der Oper“ und damit ist auch meine Schrift weniger umfänglich geworden. Sie wird 140 Seiten haben. Acht Bogen sind fertig corrigirt.
Dein Gedanke von einer weihevollen Taufhandlung hat mir sehr gefallen, und ich werde im Stillen einmal über einen modus nachdenken. Um Dir übrigens einige Namen zu nennen, denen ich die Schrift zuschicke und die ich nöthigenfalls um Übernahme der Pathenstelle bei meinem Erstgebornen bitten könnte, so nenne ich noch Jacob Burkhardt, Rohde (der für das litterarische Centralblatt von Zarnke eine Anzeige vorbereitet) Gustav Krug Romundt Frau von Muchanoff, Liszt, Bülow, Makart: auch Frau von Schleinitz wird ein Exemplar bekommen. Auch die Großfürstin Constantin. Kennst Du vielleicht den baierischen Hauptmann M. von Baligand, dienstthuenden Kammerherrn des Königs? Er ist einer der thätigsten und begeisterten Mitglieder des Münchener Wagnervereins und hat bedeutende Beziehungen in England, wo er im nächsten Sommer bei seinem Freunde Lord Ellerton einen engl. Wagnerverein gründen will. Mit ihm bin ich neulich Nachts von Mannheim zurück gefahren.
Denn ich war in Mannheim. Und ich kann Dir sagen: unsre größten Ahnungen über das Wesen der Musik bestätigen sich in überschwänglichem Maße! Das habe ich in Mannheim erfahren. Ich kenne keine höheren und erhabeneren Zustände als die dort erlebten und bin glücklich, mich aus zahlreichen Fesseln und Zurückhaltungen für diese Tage herausgerissen zu haben.
Von den Baireuther Dingen hast Du wohl gehört, von der herrlichen Lage des Bauortes, von der Umtaufung des „Stuckbergs“ in „Richardshöhe“, von den großen Hoffnungen, die sich bei den Baireuthern bereits in der Petition einer neuen Eisenbahn geäußert haben usw. Wagner war sehr glücklich, wie er seine „Geschäfte“ abgemacht habe.
Ich habe in Mannheim meine Weihnachtsfeier anticipirt und kann diesmal nicht nach Tribschen, weil ich Zeit und Einsamkeit brauche, um meine Vorträge „über die Zukunft unserer Bildungsanstalten“ auszudenken.
Nun, mein lieber Freund, lebe wohl! Sage Deinen verehrten Angehörigen meine ehrerbietigsten Empfehlungen und bewahre mir, für das Neujahr und alle Zukunft, die herzliche Gesinnung, von der ich so oft durch die schönsten Dokumente überzeugt werde.
In alter Treue und unter
den besten Glückwünschen
Dein Friedrich Nietzsche.
179. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester,
von Herzen wünsche ich daß Ihr an meinen kleinen Weihnachtsgeschenken einige Freude haben mögt. Zur Erklärung derselben beginne ich mit dem, was Euch Beiden gemeinsam gewidmet ist: die Composition mit dem Titel „Nachklang einer Sylvesternacht“ müßt Ihr Euch recht bald einmal wirklich vortragen lassen; wozu ich Euch die bereitwillige Hülfe von Gustav Krug empfehle, dem ich deswegen noch einen Brief schreiben will. Sie wurde kurze Zeit nach meiner Rückkehr aus den letzten Ferien gemacht und ist für mich ein Zeichen, wie erwärmend und wohlthuend für mich diese Ferien gewesen sein müssen. Denn nach 6 Jahren Unterbrechung ist es der erste Versuch dieser Art, und wenn ich mich nicht täusche, ein wohlgelungener Versuch. Ich habe für Euch eine schöne Abschrift besorgen lassen und möchte gerne auch die Mühe, die deren Herstellung kostete, mit unter die Geschenke gerechnet wissen. Durchaus aber muß ich bald von Euch erfahren, wie Euch diese Musik gefallen hat. Ihr werdet schon einige Mitempfindung haben: denn diesmal ist meine Widmung nicht so unsinnig wie bei meinen früheren Compositionen, von denen der ungarische Reitermarsch dem Onkel Theobald und das Liebeslied der Tante Rosalie dargebracht wurden.
Dir nun, meine liebe Mutter, fallen die Gardinen anheim, deren Effekt uns beide erfreuen soll, wenn ich einmal nach Naumburg komme. Sodann wurde mir mitgetheilt, daß mit den geschnitzten Salatgeräthschaften Dir ein Gefallen geschehn werde. Nimm die Geschenke wohlwollend auf, darum bitte ich.
Dir, liebe Lisbeth, schenke ich die Kunstgeschichte von Lübke, aus der Du viel lernen kannst und gelernt haben wirst, wenn ich einmal etwas examinire. Es ist eine ganz neue Auflage: Du wirst mit dem Buche mehr zufrieden sein können als mit dem gewünschten Springerschen (wie kannst Du mir aber zumuthen, ein Buch aus einem skandaleusen jüdischen Antiquariat zu bestellen!!) Dann wird Dir unsre liebe Mutter in meinem Auftrage ein gutes Album übergeben haben. Auch der kleine Hebel wird Dir gefallen.
Soviel über meine Geschenke. Daß mein Buch über die Tragödie nicht dabei ist, hat seinen einfachen Grund darin, daß es noch nicht ganz fertig ist. Aber im neuen Jahre und vielleicht schon zu Neujahr wird es in Eure Hände kommen. Es ist beim Druck etwas gebummelt worden. Eigentlich sollte es mein Weihnachtsgeschenk für Richard Wagner sein, aber nun kommt es zu spät.
Ich feiere Weihnachten diesmal nicht in Tribschen, trotz den herzlichsten Einladungen, weil ich Zeit für mich brauche, um meine Vorträge, die im neuen Jahr beginnen, ausarbeiten zu können. (— die Vorträge über die Zukunft unserer Bildungsschulen —) Dazu habe ich mein Weihnachten bei Wagners schon antecipirt, dadurch daß ich die letzte Woche mit ihnen in Mannheim war und die unbeschreiblichen Genüsse eines Wagnerschen Conzertes in nächster Nähe mit erlebt habe. Wir hatten die erste Etage im „Europäischen Hof“, und es fiel von den vielen Ehren, die W. erwiesen wurden, auch auf mich als seinen nächsten Vertrauten noch ein Theil ab. Übrigens hat mich die ganze Reise verhältnißmäßig wenig gekostet, ob ich gleich von Montag bis Donnerstag fort war. Über meine dortigen künstlerischen Erfahrungen, den höchsten meines Lebens, die in gewissem Sinne die Erfüllung einer tiefen Ahnung waren, will ich brieflich nicht reden.
Nun lebt wohl, meine Lieben, und denkt in diesen Weihnachtstagen recht an mich.
Euer Fritz.
In alter Liebe.
NB. Der Geburtstag von Frau W. ist der 25te Dec. Es ist recht von Dir, liebe Lisbeth, wenn Du schreibst. Vergiß es nicht.
180. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Werthester Herr,
heute will ich Ihnen nur danken, daß wenigstens ich selbst bis zu Weihnachten noch die Freude hatte, die Correktur der ganzen Schrift beendigen zu können. Daß durch meine Schuld eine Verzögerung entstanden ist, werden Sie verzeihen: theils hatte ich selbst keine rechte Vorstellung, wie schnell mehrere Setzer zu gleicher Zeit den Druck fördern können, theils gab es hier in Basel verschiedenartige Berufsnöthe und Pflichten, die ich nicht von mir abweisen konnte.
Sehen wir also zu, daß wir in Tribschen eine rechte Neujahrsfreude machen können. Heute soll auch von Berlin aus der neugearbeitete Holzstock für die Vignette abgehen.
Nun habe ich, in Betreff der Versendung der ersten Exemplare, einige Bitten. Die Prachtexemplare schicken Sie gefälligst an mich. Von den anderen Freiexemplaren müssen wir eins so schnell wie möglich an
Herrn Dr. Rohde,
Privatdozent an der
Universität Kiel,
schicken, der eine längere Anzeige der Schrift für Zarncke’s litterar. Centralblatt machen wird. (Demnach braucht Zarncke oder Avenarius kein Exemplar zu bekommen)
In Leipzig bitte ich folgende Addressate<n> mit Zusendungen zu bedenken:
Frau Professor Brockhaus
Herrn Geheimrath
Prof. Dr. Ritschl
(Lehmann’s Garten)
Dann muß meine Schwester durch Ihre Vermittlung ein Exemplar bekommen:
Fräulein Elisabeth Nietzsche
in Naumburg
an der Saale.
Sodann an Hr. von Gersdorff zwei Exemplare (eins davon an den Zeichner der Vignette Hr. Leopold Rau)
Alle diese Zusendungen sind mit den Worten zu bezeichnen „mit herzlichen Neujahrswünschen vom Verfasser.“
Die Transportkosten bitte ich mir anrechnen zu wollen. Alle Pakete sind zu frankiren.
Nun leben Sie recht wohl und schließen Sie dieses Jahr glücklich und zufrieden ab.
Ihr ergebenster
Dr. Friedr Nietzsche
NB. Ich war in Mannheim.
181. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester,
endlich, das heißt seit einer Stunde bin ich im Besitz Eurer herrlichen Weihnachtsgeschenke und sofort drängt es mich Euch auf das Herzlichste dafür zu danken. Wie lange hat aber die Post gezögert? Heute ist Mittwoch. Schon hatte mir der vorausgeschickte Brief etwas verrathen, im Grunde aber doch recht wenig: denn ich wurde beim Auspacken in jeder Hinsicht überrascht. Der Tapezierer hat mir geholfen, und ohne allen Anstoß ist das wunderschöne Bild in seiner prachtvollen Umrahmung herausgekommen, nach einiger Mühe: denn es war sehr gründlich verpackt und vernagelt. Auch hatten wir wieder, wie das mir jedesmal zu gehen pflegt, die falsche Seite des Kastens zuerst abgenagelt. Auch wunderte ich mich über die theure Rechnung der Post, die für den Transport ich glaube gegen 18 frs. verlangte. Es ist doch sehr theuer, so fern von einander zu wohnen. Heute Nachmittag werden die Bilder in meiner Stube umgehängt, natürlich kommt die Madonna über das Sopha, über das Pianino kommt ein Bild von Holbein, nämlich der große Erasmus, den mir die jungen Vischers am Weihnachtsabende bei der Bescheerung geschenkt haben. Daraus erfahrt Ihr, wo ich an jenem Abend war: heute bin ich zur Bescheerung zu Bachofens und für den Sylvesterabend zur Bescheerung zu den alten Vischers eingeladen: so daß ich dreimal den Weihnachtsbaum erlebe. Für den Freitag Mittag hat mich der alte Stähelin nach Liestal engagirt.
Dies ist mein Festprogramm: nun fahre ich fort, Eure Geschenke zu preisen. Die Madonna della Sedia ist ein herrliches Bild: meine Stube wächst und steigert sich immer mehr. Ich zweifle bereits ob meine kleinen eiförmigen schwarzen Studentenbilder einer solchen Stube noch würdig sind. Diese werden jetzt, mit Papa Ritschl und mit Schopenhauer, über dem Büchertisch neben den Ofen gruppirt. Also — das Bild hat einen großen Effekt bei mir gemacht und ich danke Dir recht von Herzen, liebe Lisbeth. Auch scheint es mir als ob solch ein Bild unwillkürlich nach Italien zöge — und fast meine ich, Du hast es mir als ein Lockmittel dazu geschenkt. Ich kann auf diesen apollinischen Effekt gar nicht anders antworten als durch meinen dionysischen dh. die Sylvesternacht und sodann durch den apollinisch-dionys. Doppeleffekt meines Buches, das um Neujahr erscheint und das Du von Fritzsch direkt aus Leipzig bekommen wirst. Er hat schon seit 3 Tagen diesen Auftrag.
Nun gehe ich weiter und erzähle die Wirkung, die die schönen rosa-Paketchen von meiner lieben Mutter auf mich gemacht haben. Bei dem schönen Juchtenleder dachte ich mir, daß Ihr mich doch sehr verwöhnt: wo soll das noch, bei so aristokratischen Tendenzen, hinaus! Übrigens war mir eine solche Schreibmappe sehr nöthig, und der erste Brief, den ich auf ihr schreibe, gilt Dir, meine liebe Mutter. Ebenso nützlich und erfreulich war der gute Kamm die Haarbürste, die Kleiderbürste (die nur etwas zu weich ist) die angenehmen Strümpfe und die große Menge schmackhafter Leb- und Pfefferkuchen, alles gleichmäßig schön und festlich verpackt. Nicht zu vergessen die Hosenträger! Es war zu der Fatalität erst gestern gekommen, daß beide anderen alten Hosenträger endgültig zerrissen, so daß ich ohne dieselben ausgehen mußte. Also kommen die neuen im rechten Augenblick: „wenn die Noth am größten, sind die Hosenträger am nächsten“ dachte ich mir, als ich sie auspackte. Für Alles zusammen empfange meinen herzlichsten Dank; ich habe mich sehr gefreut und freue mich noch, wenn das Parfüm meiner Unterlage zu meiner Nase dringt. Deutlicher als durch diesen Geruch kann man nicht an ein Geschenk erinnern: wie oft werde ich also noch erinnert werden!
Nun sind wir also an der Grenze des Jahres. Ich denke mit Beruhigung daran und scheide dankbar von diesem Jahre. Ihr sollt es noch erleben, wie es für mich in einem gewissen Sinne Epoche macht. Meine Schrift erscheint nächstens: mit ihr beginne ich das neue Jahr und jetzt wird man wissen, was ich will, wonach ich mit aller Kraft strebe: meine Thätigkeit beginnt. Es waren schöne Stunden, in denen diese Schrift entstand: es war ein gutes Jahr, trotz seines bedenklichen Anfangs. Bald kam die Gesundheit wieder: und was für schöne erwärmte Zeiten aus Lugano und Basel und Naumburg und Leipzig treten mir jetzt vor das Auge!
Allen, die mir wohlwollend gesinnt sind — und wem mehr als Euch? — danke ich von Herzen an einer solchen Jahresgrenze und wünsche Euch und mir ein glückliches Neujahr in alter Kraft, in alter Liebe, meine liebe Mutter, liebe Schwester!
Euer Fritz.
182. An Gustav Krug in Naumburg
Mein lieber Freund,
herzlichen Dank bin ich Dir schuldig, ebenso für Deinen eingehenden und wohlwollenden Brief als für die Übersendung eines sehr anziehenden Compositionsfragmentes. Um mit Letzterem zu beginnen, so freute ich mich der contrapunktischen Sicherheit in diesem kanonischen Experiment: das ist ja unsere moderne Art, die unerhörtesten Kunststücke nur noch scherzoso vorzuführen, etwa wie Wagner in der Prügelscene. Andererseits hat Dein Scherzo für meine Empfindung einen düsteren melancholischen Beigeschmack: wenn ich mir den Klang der Saiteninstrumente hinzudenke, so bekomme ich den Eindruck einer fieberhaften Erregung: rasche wilde Entschlüsse wechseln in unheimlicher Schnelle, und verlangend sehen wir aus nach einem erlösenden Mittelsatz:
Er führet die Freude durch’s offene Thor,
Es glänzen die Wolken, es theilt sich der Flor,
Da scheint uns ein Bildchen, ein göttliches, vor —
wie wir im Goetheschen Ergo bibamus sangen. Also, lieber Freund, ein göttliches Bildchen! Die Traurigkeit ist nicht für den Menschen gemacht, sondern für die Thiere, sagt Sancho Pansa. Wenn ihr aber der Mensch all zu sehr nachhängt, wird er darüber zum Thier. — Ich vermeide jetzt, so sehr es geht, dieses „Thierische“ in der Musik. Auch der Schmerz muß von einer solchen Glorie dithyrambischen Entzückens umflossen sein, daß er darin gewissermaßen ertrinkt: wie ich dies am allergrößten Beispiele, am dritten Akt des Tristan empfinde. Lache so viel Du willst über meinen absurden Rath und Wunsch: ich wünsche und rathe Dir etwas mehr Glück — auch in der Musik,und das soll meine Neujahrsgratulation sein.
Ach, wir wissen es Beide, mein lieber Freund, wie dumm solch ein Wunsch ist: dieses innere ruhig beseligte Glück, aus dem die Kunst herausströmt, steht nicht in unserer Macht, folgt nicht unseren Wünschen — sondern fällt unerwartet hier und da einmal vom Himmel in unseren Schooß. Möge Dir im neuen Jahr dieses „Hier und da“ recht oft zu Theil werden! Und möge in specie das ganze Quartett ein Wiederklang solcher Momente sein, ohne allen „thierischen“ Beigeschmack oder mit einer so zarten und edlen Dosis, wie sie etwa Dein originelles Fragment in sich trägt. Wenn ich wieder nach Naumburg komme, rechne ich unter meine ersten Freuden, Dein Quartett wirklich einmal zu hören: bis dahin wird es Dir wohl geglückt sein, eine Quartettgesellschaft zusammen zu bringen. Man lernt übrigens bei der Ausführung eigner Compositionen durch Andere, was das „Dirigiren“ heißen will. Man bekommt bei dieser eignen Erfahrung erst einen Begriff wie viel Fehler in der Vortragsweise der einfachsten Musik zu machen sind. In so fern ist es sehr instruktiv, aber auch sehr peinlich und quälend, wie ich es jüngst öfters an meiner vierhändigen Compos. zu spüren hatte, die mir Niemand zu Danke spielen kann.
Um so mehr habe ich die Hoffnung, daß Dir gerade, mein lieber Freund, als dem allein in meine Musikentwicklung wirklich Eingeweihten, ein völliges Verständniß jener Composition möglich ist, die Du wohl in diesen Tagen kennen lernen wirst. Ich möchte Dich nämlich bitten, meiner Mutter und Schwester, denen ich sie zu “Weihnachten gewidmet habe, eine Vorstellung davon zu verschaffen und denke dabei keine Fehlbitte zu thun. Nimm diese Musik möglichst anspruchslos auf; es waren schöne Tage, wie ich sie machte — für mich, aber ich weiß nicht, in wie weit für Andere. Oder vielmehr — ich weiß es, nach hiesigen Erfahrungen. Aber es ist nicht sehr glorreich, davon zu reden. Es ist sonderbar, daß die eigne Empfindung sich so schwer übertragen läßt, und was man dann noch an einer solchen Musik pereipirt, ohne diese meine Empfindung, das weiß Gott. Es muß was Seltsames sein, und ich kann mich schlechterdings nicht hineindenken.
Meine Schrift erscheint um Neujahr bei Fritzsch. Dir als einem rechten Melomanen, wird sie natürlich zugeschickt. O! Sie ist böse und anstößig. Lies sie verstohlen in Deinem Kämmerlein.
Unserem lieben Freunde Wilhelm folge ich mit theilnehmendster Empfindung und denke in kurzer Zeit Victoria! über ein neu erlegtes Examenungethüm rufen zu hören. Inzwischen Muth! und Tapferkeit! Und Gesundheit! Und ein kräftiges Schlachtschwert und Schlachtroß für solche Gefährlichkeiten!
Empfiehl mich mit den besten Neujahrswünschen Deinen verehrten Eltern und sei versichert der alten Treue Deines
Freundes Friedr Nietzsche.
182a. An Emil Heckel in Mannheim
Gerücht ganz unbegründet; beste Nachrichten aus Tribschen. Herzlichste Neujahrsgrüße an Wagnerverein.
Professor Nietzsche.
1871 (67 Briefe)
118. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel
Глубокоуважаемый господин советник,
для нижеследующей комбинации мне в особенности нужны Ваш благосклонный совет и Ваше, уже неоднократно проявленное, искреннее участие. Вы увидите, что я серьезно озабочен благом университета и что его подлинный интерес вынуждает меня к следующему, несколько пространному изложению.
Вам, вероятно, сообщили мои врачи, в какой степени я снова страдаю и что причиной этих невыносимых состояний является переутомление. Я неоднократно спрашивал себя, чем объясняется это состояние переутомления, возникающее почти в середине каждого семестра; и мне даже приходилось размышлять, не следует ли мне вообще оставить свою университетскую деятельность как образ жизни, неподходящий для моей натуры. В конце концов, однако, я пришел в этом отношении к иному взгляду, который и хотел бы Вам сейчас изложить.
Я живу здесь в состоянии своеобразного конфликта, и именно он так изматывает меня и подтачивает даже физически. Будучи от природы сильно побуждаем к тому, чтобы философски продумать нечто целостное и в долгих ходах мысли постоянно и невозмутимо пребывать в одной проблеме, я чувствую, что меня постоянно бросает из стороны в сторону и сбивает с пути повседневная многообразная служба и ее характер. Это сосуществование педагогиума и университета я едва ли выношу в долгосрочной перспективе, потому что чувствую, что моя подлинная задача, ради которой я в случае необходимости должен был бы пожертвовать любой профессией, — моя философская задача — от этого страдает, более того, низводится до второстепенного занятия. Я полагаю, что это описание острейшим образом обозначает то, что так изматывает меня здесь и не дает прийти к равномерно-радостному исполнению служебных обязанностей, что, с другой стороны, истощает мой организм и доходит до таких недугов, как нынешние: которые, если бы они повторялись чаще, принудили бы меня чисто физически отказаться от любой филологической профессии.
В этом смысле я позволяю себе просить Вас о предоставлении мне философской профессуры, освободившейся после ухода Тайхмюллера.
Что касается моего личного права претендовать на философскую кафедру: я, безусловно, должен прежде всего засвидетельствовать сам, что верю в наличие у меня для этого потенциала и знаний, и даже, в конечном счете, чувствую себя более способным к этой должности, чем к чисто филологической. Кто знает меня со школьных и студенческих лет, никогда не сомневался в преобладании философских склонностей; да и в филологических штудиях меня преимущественно привлекало то, что казалось мне значимым либо для истории философии, либо для этических и эстетических проблем. Затем, я полностью присоединяюсь к Вашему суждению и применяю его к себе, что при нынешнем несколько затруднительном положении университетской философии и при малом числе действительно подходящих кандидатов, некоторым преимуществом обладает тот, кто может предъявить солидное филологическое образование и способен пробудить у студентов интерес к тщательному истолкованию Аристотеля и Платона. Напоминаю, что я уже анонсировал два курса, которые в этом смысле были философского характера: «Доплатоновские философы с интерпретацией избранных фрагментов» и «О платоновском вопросе». С тех пор как я изучаю филологию, я никогда не уставал поддерживать тесную связь с философией; более того, мое главное участие всегда было на стороне философских вопросов, что может засвидетельствовать всякий, кто со мной общался. Из здешних коллег, например, Овербек мог бы дать об этом некоторое разъяснение, а из иногородних — никто лучше, чем мой друг д-р Роде, приват-доцент в Киле. Собственно, лишь случаю следует приписать то, что я не с самого начала строил свои университетские планы на философии: случаю, который отказал мне в значительном и по-настоящему вдохновляющем философском учителе, чему при нынешней констелляции философских условий в университетах, конечно, не стоит удивляться. Но, безусловно, одно из моих самых горячих желаний исполнилось бы, если бы я и здесь мог следовать голосу своей природы: и я полагаю, что могу надеяться, что после устранения того, упомянутого ранее конфликта, и мое физическое состояние станет гораздо более регулярным. В качестве способного к философской преподавательской должности я вскоре смогу публично себя проявить: мои печатные работы о Лаэртии Диогене во всяком случае могут быть приняты в расчет и для моих философско-исторических стремлений. К педагогическим вопросам и исследованиям я всегда имел интерес: читать о них будет для меня радостью. Из новых философов я с особым пристрастием изучал Канта и Шопенгауэра. Вы, несомненно, за последние 2 года составили обо мне твердое убеждение, что я умею избегать неуместного и предосудительного и что могу различать, что подобает в лекции перед студентами, а что нет.
Если я теперь могу полностью представить Вам свою комбинацию, то я полагал, что Вы нашли бы в Роде чрезвычайно подходящего преемника на мою филологическую профессуру и должность в педагогиуме. Р., известный мне до мельчайших подробностей на протяжении 4 лет, является самым способным из всех молодых филологов, которые мне встречались, и для любого университета, который его приобретет, — истинным украшением; к тому же он действительно еще свободен, в то время как я слышу, что в Киле намереваются путем основания новой филологической экстраординарной профессуры удержать его там надолго. Я не могу выразить, насколько облегчилось бы мое существование здесь, в Базеле, благодаря близости моего лучшего друга. — Вся эта конверсия вещей могла бы начаться сразу с началом нового летнего семестра, так что не возникло бы никаких пробелов в замещении должностей. Я со своей стороны был бы немедленно готов сделать Вам объявление о моих философских лекциях и инаугурировал бы свою новую должность регулярной вступительной лекцией в начале лета.
Пусть Вас, глубокоуважаемый господин советник, не пугает странность предложенной комбинации, и удостойте ее рассмотрения.
Прося о Вашем снисхождении, Вашем совете, Вашем участии,
пребываю в глубочайшем
почтении, Ваш
д-р Фр. Ницше
ординарный профессор классической филологии.
119. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра,
отвечаю вам тотчас же, чтобы извиниться, насколько это возможно. В последнее время мое здоровье действительно было неважным, и я жажду отдыха и лучшего воздуха, а прежде всего — меньше профессиональной работы. Порой мне претит вся эта профессорская деятельность. Не удается по-настоящему заняться своим истинным делом, и лучшие годы жизни уходят на чрезмерное учительство — ужас!
Плохой желудок, плохой сон, слишком мало движения, сильное переутомление и невыносимая погода!
Кстати — чтобы не забыть о последнем пункте Вашего письма — от моего господина дяди до сих пор не пришло ни строчки, не говоря уже о гроше.
Добрый Бергман навестил меня здесь во время своей поездки и поистине осыпал знаками своей любви. Я знал, что он не вернется, и прощался с ним с этим осознанием. Он очень страдал.
Моему замечательному кузену Рудольфу я всегда желаю всего самого лучшего, ибо он этого заслуживает. Пошлите ему, пожалуйста, прилагаемую открытку от меня с поздравлением.
Как, собственно, обстоят дела с моим имуществом? У меня совсем нет больше представления об этом. —
Проф. Фриц Брокгауз, брат Клеменса (который передает вам большой привет), имеет верные перспективы быть приглашенным сюда, в Базель. Я принял небольшое участие в этом приглашении. —
Сегодня суббота. Я хочу как следует погулять, только на улице очень грязно. Ночью я не спал ни минуты. Я рад, что неделя закончилась.
Еще раз большое спасибо за ваши письма. Простите мою небрежность и вспоминайте обо мне по-доброму.
Фриц.
120. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Я еще не писал тебе, дорогая Лизбет, по поводу дня рождения. Конечно, я рассчитывал, что ты купишь зонт от моего имени — хороший зонт. Затем ты можешь заказать еще довольно красивый торт, тоже для меня. И вручить и то, и другое.
У нас суровая зима, и мое здоровье в последние недели вызывало серьезные опасения. На Пасху я обязан отправиться в более южные края, возможно, в Глион. Что ты скажешь, если я предложу тебе поехать со мной?
Прилагаемое письмо вручи в день рождения, как следует.
Сердечно приветствую тебя,
Фридерикус.
Как обстоят дела с финансами на Пасху?
121. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Сколько же лет тебе исполнилось, почтеннейшая именинница? Насколько я помню, ты ровесница века, и я рад поздравить тебя с семьдесят первым днем рождения: в этом возрасте уже немало достигнуто.
Когда ты оглядываешься на последние сорок лет, на душе у тебя должно быть довольно легко; ведь они пролетели очень быстро: а это доказательство того, что прожиты они счастливо.
Нам бы хотелось не больше, чем с такой же, а то и с большей скоростью последовать за тобой и догнать тебя; но мне говорят, что это труднее, чем кажется, и что это удается лишь тем, кто родился 2 февраля.
Это быстрое старение матерей должно, напротив, вызывать обратный эффект у детей — и у нас есть пример того, что наша дочь никак не перешагнет через семнадцать лет, как бы она ни старалась последние 8 лет. Так что нам обоим остается утешать друг друга: я, все еще, как и ты, вполне благополучно, лишь порой страдая от старческой немощи чуть больше, чем ты, праздную в этом году свой 87-й день рождения и, возможно, смогу уйти на пенсию. С почестями и не без серебряного кубка, из которого тебе надлежит как следует отпить.
На следующие пятьдесят лет твоего существования я приношу тебе сегодня такой долговечный зонтик, а также торт, долговечность которого, однако, мне не гарантировали. Наслаждайся одним под другим, если сочтешь это полезным для своего здоровья —
с которым тебя сердечно приветствует
Твой
Фридерикус.
122. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра,
мое самочувствие сильно ухудшилось: ужасная бессонница, геморрой, сильное истощение и т. д. — Либермейстер и Хоффманн лечат меня; говорят, это воспаление желудка и кишечника, вызванное переутомлением. Мне порядком надоела профессура в Базеле. Мне нужно пройти курс лечения водами в Карлсбаде, но лучше не становится. Врачи теперь требуют, чтобы я до Пасхи покинул Базель и в более южном климате, не делая абсолютно ничего, восстановил свои силы. Кто из вас хочет меня сопровождать? Ведь для нас троих это выйдет, пожалуй, слишком дорого. Мне посоветовали озера Северной Италии. В крайнем случае, я могу поехать и один. Мое состояние, как объяснил мне еще вчера Хоффманн, совершенно не вызывает опасений, если сейчас же принять меры.
Здесь самое быстрое решение — лучшее. В любом случае прошу об немедленном ответе.
Как я уже сказал, совершенно не обязательно, чтобы вы приезжали. Другое дело, если бы я попросил вас провести лето в Базеле: к чему вы можете подготовиться.
Но я все же хотел спросить, хочет ли кто-нибудь сопровождать меня сейчас. По-итальянски я не говорю, но с французским там можно более-менее везде объясниться.
Все-таки немецкого преподавателя в Базеле безответственно эксплуатируют: при очень плохой зарплате! Если представится хоть какая-то возможность уехать отсюда, я ею воспользуюсь.
Как теперь обстоят дела с деньгами? На какие проценты мне рассчитывать к Пасхе? —
Поэтому прошу вас как можно скорее сообщить мне о ваших мыслях, так как каждый день, который я теперь дольше задерживаюсь в Базеле, мешает моему выздоровлению.
Я телеграфирую сегодня: когда придет это письмо, у меня уже будет ответ, и ваше решение будет принято так, чтобы мы могли выехать, скажем, в четверг из Базеля.
Так распорядился Либермейстер, который только что навещал меня и рекомендует мне Лугано. Если решение не может быть принято так быстро, то мне нельзя ждать.
А теперь с самыми сердечными
пожеланиями
Ваш Фр.
123. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegrammentwurf)
Элизабет Ницше, Наумбург-на-Заале
Жду тебя здесь до четверга, чтобы вместе поехать в Лугано, я нездоров. Если не приедешь, дай знать телеграммой.
Фриц.
124. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg (Telegramm)
Элизабет Ницше, Наумбург-на-Заале.
Очень расстроен телеграммами, врач желает твоего приезда, я всё ещё жду прибытия завтра.
Фриц.
125. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
Великая, никогда ранее не виданная транзакция, трансфигурация, транссубстанциация!!
У нас возможно есть перспектива провести следующий семестр вместе. Ты как мой преемник, а я — как университетский философ!!
Тейхмюллер покидает сейчас Базель, чтобы отправиться в Дерпт, и я заявил о себе и подал прошение на его кафедру: с твердым заявлением, что ты будешь призван в Базель на мое нынешнее место в качестве моего преемника.
Посмотрим, как боги поведут наш кораблик! Пусть обо мне скажут, что ради блага дружбы я придумал самые хитроумные планы. Как я размышлял, чтобы соединить нас! Брезжит возможность!
Тогда тебе пришлось бы прибыть сюда уже в середине апреля.
Больше я ничего не пишу. Будем надеяться на лучшее, но будем молчать!
Мое здоровье настолько плохо, что врачи отправляют меня на юг, и послезавтра я уезжаю в Лугано. Воспаление желудка и кишечника! Ужасная бессонница! До Пасхи я останусь в отъезде и вернусь философом, если мой план удастся. От меня, следовательно, ты больше ничего не услышишь о базельских делах. Но если только Фишер напишет, тогда дело вступит в благоприятную стадию. Терпение и надежда! И молчание!
Это письмо следует скрывать от всех, даже от Фишера.
Радость, искра божья!
Amicus.
Письма адресовать в Базель.<r> — Пишу в величайшей спешке.
126. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогая Лизбет,
лишь несколько слов. Обязательно приезжай. Итак, в понедельник вечером скорым поездом (так, чтобы тебе пришлось выехать из Наумбурга в воскресенье в полночь). На вокзале тебя встретит Минна. И у меня ты проведешь ночь, хотя я сам уезжаю отсюда уже в субботу в Трибшен. Я хочу быть во вторник в 2 часа дня на железной дороге и на пароходе в Люцерне: значит, тебе нужно выехать из Базеля во вторник в 10:30. В этот вторник мы доберемся до Андерматта, где заночуем. В среду — до Беллинцоны, где заночуем, в четверг днем прибудем в Лугано. Мы едем медленно: так мне посоветовали. Приготовься к сильному холоду. Впрочем, Зиберы дадут тебе все одеяла и прочее, что тебе понадобится.
Письма с согласием пришли в среду утром: телеграмма с отказом — несколькими часами позже: шутки, которые я сейчас плохо переношу: меня трясло, и меня вырвало. Мое письмо было написано, чтобы успокоить вас: при этом оно перешло все границы. Мне нехорошо.
Сердечные приветы
Ф.
127. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Сегодня и от меня ты получишь несколько строк, в доказательство того, что мне всё же стало намного лучше. Правда, главный недуг, бессонница, до сих пор ещё не прошёл. Даже если я совершаю самые длинные прогулки или весь день провожу на свежем воздухе, это никак не влияет на сон. Зато с геморроем дела обстоят уже довольно неплохо: и когда кишечник снова станет совсем здоровым, я надеюсь, вернётся и сон. Временами я впадаю в полное отчаяние, но должен признать, что с тех пор, как я уехал из Базеля, моё состояние стало вполне сносным, тогда как в Базеле оно было просто невыносимым.
То, что ты не взяла с собой Лизбет, стало для меня большим облегчением, и ты, вероятно, знаешь из её писем, что до сих пор у неё всё было хорошо и что она завела себе хороших знакомых. В некотором отношении нам повезло.
Если бы я только к Пасхе снова поправился, чтобы вернуться в Базель и приступить к прежним обязанностям!
Тем временем я держусь подальше от всего, что может меня взволновать. Порой ты, наверное, чувствуешь себя совсем одинокой, не так ли?
Но такие радости, как «высокоуважаемые подарки», утешают. Не правда ли? Большое спасибо за подробное письмо, которое я окрестил «высокоуважаемым письмом».
И так я, с сердечной любовью,
высокоуважаемый
сын Фр.
127a. An Wilhelm Vischer-Bilfinger
Глубокоуважаемый господин советник,
сегодня у нас в Лугано первый дождливый день, поэтому я без угрызений совести остаюсь дома и пишу несколько писем, первое из которых вы получите немедленно. Прошлую ночь я хорошо спал; я теперь придерживаюсь той точки зрения, что в целом за каждой плохой ночью следует хорошая, а за каждой хорошей — плохая, так что мое самочувствие все еще весьма посредственное! При этом я подвергаю себя частым и регулярным нагрузкам, почти каждый день приводит меня к новому прекрасному обзорному пункту, да и вчера мы благополучно совершили большую полудневную прогулку по озеру и посетили «Рыбачье ущелье» и сталактитовые пещеры. Компания подобралась довольно хорошая и единодушная, так что вчера на экскурсии нас было девять человек. Также отель «Hôtel du Parc» заслуживает всяческих похвал. Только климат в целом был еще довольно зимним, и соседние горы до сих пор покрыты снегом. Однако сегодняшний дождь рассматривается как рубеж между зимой и весной.
Я очень рад присутствию моей сестры; мы вместе преодолели путь от Базеля до Лугано за три дня, большую часть Готардской дороги — на санях, при прекраснейшей погоде и в интересной компании Мадзини. Среди наших здешних знакомых — замечательная семья брата Мольтке, который в последние дни был довольно болен. Генерала также долго ждали, но теперь мы слышим, что он отправляется прямо из Версаля в Берлин на рейхстаг, без всяких каникул. Чтобы назвать другую связанную с нами компанию, то здесь сейчас, помимо двух раненых прусских офицеров, есть силезский граф Пфайль с очень веселой молодой супругой, фрейлейн фон Йордан с госпожой Мюллер в качестве компаньонки, господин фон Кракер, миссис Стюарт и несколько приятных англичан и одна русская, не считая иностранцев, пребывающих здесь недолгое время.
Я посылаю вам только что готовую фотографию, чтобы вы могли составить представление о моем улучшившемся внешнем виде.
В любом случае я останусь еще на несколько недель; ибо у меня сейчас еще нет ни малейшей гарантии, что я не вернусь полностью в прежнее состояние при первом же дне регулярной профессиональной работы. В бессонные ночи я порой бываю совершенно безутешен. Максимум, чего я достиг до сих пор — и то не без небольших вспомогательных средств, — это сносный сон в течение трех ночей подряд: в сумме я с момента своего отъезда проспал около 10 ночей.
Вы окажете мне большую услугу, глубокоуважаемый господин советник, если бы вы захотели прислать мне немного денег, возможно, 200–300 франков: мне нужно обустроиться еще на несколько недель, а денежные переводы из Наумбурга сюда слишком неудобны. Я надеюсь, что вы простите мне свободу этой просьбы.
Вам и вашей супруге желаю всего наилучшего — равно как и от имени моей сестры, которая просила передать вам свои наилучшие пожелания. Ваш покорнейший
Д-р Фридрих Ницше.
128. An Franz Overbeck in Dresden
Мой дорогой друг и коллега, не удивляйтесь ли вы чрезмерности моей неспособности писать? Столько времени вам не писать! Я сам очень этому удивляюсь! Поверьте мне хотя бы в том, как верно я о вас думал и с какой благодарностью вспоминал многие проявления вашего сострадательного ухода за больным. Благодаря вам, благодаря вашей шубе я в этот раз еще сносно отделался — во всех смыслах этого слова. Это было, безусловно, самое время; ибо мне теперь, при размышлении о базельском январе, кажется, будто я ходил в постоянном призрачном перенапряжении всех нервов и в этом состоянии, конечно, был вам не очень приятен. А вы тогда терпели меня и гуляли со мной и т. д. и т. п. В награду за это вас следовало бы внезапно перенести на это синее озеро — только ради Бога не сегодня, при отвратительном северогерманском дождливом воздухе и густом, как мех, тумане! Но, может быть, завтра или послезавтра! Тогда мы вместе искали бы первые весенние цветы и, возможно, нашли бы их здесь так же верно, как в Дрездене, который, как я полагаю, вы посетите в эти каникулы. Если бы мы нашли теплое местечко у озера, мы бы устроились там, среди маленьких змей и ящериц: хотя я и думаю, что Плауэнский грунт также способен доставить эти удовольствия. Если бы нам было очень хорошо на душе, мы могли бы даже сесть в лодку и позволить покатать себя по озеру, правда, не без грелки для ног и с вероятностью насморка. Вы видите, что у нас здесь тоже есть некоторые северогерманские повадки, возможно, больше, чем в Северной Швейцарии, которая, вследствие констатированной там «ненависти к немцам», вероятно, имеет также республиканские, достижимые путем референдума и во всяком случае не северогерманские погодные условия. Здесь склоняются к Пруссии: да, мы, без всякого убийства, недавно смогли позволить себе празднование дня рождения кайзера Вильгельма и устроили «живые» картины, не опасаясь, что по ним будут стрелять. Да, здесь есть безобидные немцы, которые даже осмеливаются играть на цитре, да, должно даже стать известным, что здесь живут двое, а со вчерашнего дня 4 переодетых прусских офицера, которые гуляют у озера без всякого оружия и в праздничные дни даже носят свою форму. Все вместе констатирует благополучие в Лугано, которое, безусловно, превосходит таковое в Базеле и, возможно, превосходится только благополучием в любом немецком городе, во всяком случае в Дрездене. Это была бы плохая награда, если бы вас за вашу проявленную ко мне милость заколдовали сюда из Дрездена: поэтому я подумываю о том, чтобы выразить вам свою благодарность иным способом. Вот, во-первых, моя фотография, которая лишь в самой малой степени показывает, что мне стало лучше, но как раз самые важные изменения в ганглиозной и лимфатической системе не передает, а набросила на них покров.
С этим, как и с вашей шубой, остаюсь тем, кем был, мерзнущим и зябнущим, и сердечно вас вспоминающим
Ваш благодарный друг,
товарищ и коллега, да сочеловек
Фридр. Ницше
129. An Julius Piccard in Basel
Дорогой и уважаемый коллега,
Вы поистине удивили меня своим письмом: как редко я получал столь чистое проявление участия! Весь день, начавшийся с получения этого письма, принял приветливый облик. Будьте уверены, что такой поступок, как этот, я никогда не смогу забыть. — В то же время это был первый день, который я провел в Лугано вместе с превосходным Хойслером. Благодаря ему я снова осведомлен о положении дел в Базеле, более того, мы теперь ежедневно получаем сюда «Базельскую газету». Я надеюсь прибыть туда снова в середине следующего месяца и с началом мая приступить к прежней профессиональной деятельности. То, что Вы сами выдержали всё это долгое зимнее полугодие без длительных недомоганий, к тому же в климате, который, как мне кажется, не совсем безопасен, — очень обрадовало меня и вселяет в меня лучшие надежды на полное восстановление Вашего здоровья. Лето в Базеле довольно сносное и теплое; я не могу сегодня написать слово «тепло» без тоски. Ибо прекрасное озеро полностью окутано холодным густым туманом, и серое недовольство распространяется по отелю и его обитателям, сильно зависящим от погоды [+ + +]
130. An Erwin Rohde in Kiel
Да, мой дорогой друг, снять заклятие! Это нелегко и в настоящее время для меня совершенно невозможно. Ибо я ничего не знаю о дальнейшем развитии дела, ровным счетом ничего. Фишер, правда, однажды написал мне сюда (в Лугано), но в его письме не было ни слова о нашем общем деле. Напротив, еще в Базеле, перед моим отъездом и после того, как я написал тебе, я столкнулся с некоторыми признаками того, что «философ» Стеффенсен не питает доброй воли к этому проекту. Подумай, насколько сильно меня держат в руках, если могут сослаться на мое никогда не скрываемое шопенгауэрство! К тому же я должен хоть немного проявить и легитимировать себя философски: для этого была подготовлена небольшая работа «Происхождение и цель трагедии», законченная, если не считать нескольких штрихов. Таким образом, я полагаю, что нам придется подождать по крайней мере до Михайлова дня, когда дело, в лучшем случае, решится в нашу пользу. Конечно, этим печальное состояние возбуждения и неудовлетворенности, как наше perpetuum mobile, еще изрядно затягивается, и у нас есть достаточно времени, чтобы испытать наше философское хладнокровие на не очень обнадеживающем ожидании! — Такова оборотная сторона моей идеи: если бы она удалась быстро и неожиданно — слава!, если она затянулась — нищета! Мы выбрали более длинную часть, которая на этот раз оказалась и более короткой.
Мое самочувствие, к сожалению, все еще не самое лучшее; я по-прежнему провожу одну из двух ночей без сна. Хотя я гораздо бодрее и спокойнее и в целом чувствую себя хорошо, я все еще не могу думать о планах на путешествие; я лишь ухватываю краешек Италии и тут же его выпускаю. Я еще даже не познакомился с озером Комо и озером Маджоре, а уже больше 6 недель нахожусь в Лугано. Погода в целом мало похожа на итальянскую; от весны, которая была бы чем-то большим, чем наша немецкая весна, я еще ничего не почувствовал — даже невысокие горы вокруг все еще в снегу, а еще две недели назад он лежал у нас в саду при, впрочем, хорошем отеле. Аномально! — говорят мне, жалкое утешение, к которому я уже привык со времени своего пребывания в Швейцарии.
Среди многих подавленных и половинчатых настроений у меня были и весьма возвышенные, и я позволил заметить кое-что из этого в упомянутом сочинении. В филологии я живу в некой дерзкой отчужденности, которую невозможно представить себе хуже. Похвала и порицание, да и все высочайшие славы на этой стороне заставляют меня содрогаться. Так я постепенно вживаюсь в свое философствование и уже верю в себя; да, если мне еще суждено стать поэтом, то я готов даже к этому. У меня совершенно нет компаса познания, к чему я предназначен: и все же в рекапитуляции все выглядит настолько гармонично, как будто я до сих пор следовал за добрым демоном. Я никогда не верил, что кто-то в этой неясности целей, даже без того высшего стремления к государственной службе, может чувствовать себя так ясно и спокойно, как я чувствую себя в целом. Какое чувство — видеть, как твой собственный мир, красивый шар, становится перед тобой круглым и полным! То я вижу, как растет кусок новой метафизики, то новая эстетика: затем меня снова занимает новый принцип воспитания, с полным отвержением наших гимназий и университетов. Я уже не учу ничего такого, что не находит сразу же хорошего места в каком-нибудь уголке существующего. И больше всего я чувствую рост этого собственного мира, когда я, не с хладнокровием, но со спокойствием, рассматриваю всю так называемую мировую историю последних десяти месяцев и использую ее лишь как средство для моих благих<n> намерений, без всякого преувеличенного почтения к этому средству. Гордость и безумие — действительно слишком слабые слова для моей духовной «бессонницы». Это состояние позволяет мне смотреть на всю университетскую должность как на нечто второстепенное, а часто и просто тягостное, и даже та философская профессура привлекает меня главным образом из-за тебя, так как я рассматриваю эту должность лишь как нечто временное.
Ах, как сильно я жажду здоровья! Нужно лишь иметь перед собой что-то, что должно длиться дольше, чем ты сам — тогда благодаришь за каждую добрую ночь, за каждый теплый луч солнца, да и за нормальное пищеварение! У меня же какие-то внутренние органы брюшной полости в расстройстве. Отсюда нервы и бессонница, геморрой, привкус крови и т. д. Будь только так любезен, не приписывай и то описанное ранее состояние духа ганглиозной системе! Иначе я испугаюсь за свое бессмертие. Ведь я еще не слышал, чтобы метеоризм вызывал философские состояния.
Рекомендуя себя тебе с этими — с этими состояниями — я прошу тебя от всего сердца еще не терять надежды: я знаю, как охотно Фишер будет продвигать это дело. Я не хочу извиняться за свои задержки с письмами: но ты знаешь, чем больше нуждаешься в друзьях, тем реже обычно пишешь. Это совсем нехорошо — но и не совсем правильно! Поэтому ты скоро снова получишь от меня письмо. А пока думай обо мне, как я постоянно думаю о тебе, дорогой друг!
Ф.Н.
131. An Elisabeth Nietzsche in Lugano
Девиз:
Silentium! Silentium!
Никаких разговоров и гула!
(Р. Вагнер)
Приказ о поездке.
Сегодня отъезд на почтовой карете через Сен-Готард,
в Веггисе на Фирвальдштетском озере
недельное пребывание
для постлечебного отдыха.
Отъезд сегодня, насколько я знаю, в 6 часов.
132. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг
я вернулся в Базель и спешу, верный своему обещанию, написать тебе второе письмо, чтобы я наконец был избавлен от проклятия неспособности писать письма. Впрочем, с сегодняшнего дня после обеда я также в состоянии произнести желанное волшебное слово, слово «ничего не поделаешь!»
Дорогой друг, я страдаю от горького чувства, что подал тебе надежды, чтобы теперь их разрушить. В мое отсутствие обнаружили молодого талантливого аристотелика с факелом Тренделенбурга в руках; и вот я снова сижу как скромный филолог на кафедре, и все философские мечты, которые я лелеял 6 недель и питал твоими надеждами, отправляются к черту лжи и обмана.
Теперь у тебя есть причина всерьез сердиться на меня. Каких глупостей я наделал! И как я был уверен в своих комбинациях! Едва ли я могу спрятаться за ширмой своих болезненных состояний; конечно, это была мысль, порожденная бессонной лихорадочной ночью, и я думал, что нашел средство против болезни и нервов — совместную жизнь с тобой, мой дорогой друг!, которая теперь снова отодвигается в самую серую даль.
И нет совсем ничего утешительного, что могло бы нас утешить в этом! У меня царит филологическое отвращение!
Я был последние дни в Трибшене, где тебя сердечно вспоминают и радовались вместе со мной надежде, что наш план удастся. Там снова замышляют величайшие вещи; там для нас воздух жизни.
Я больше не могу писать. Ради тебя этот день кажется мне таким безрадостным. Две бессонные ночи после моего возвращения, а я думал, что здоров! И теперь еще это горькое чувство, что я невольно обманул лучшего друга!
К тому же я чувствую себя очень неважно.
Прости меня, дорогой верный друг, все было задумано из лучших побуждений, но что мы можем поделать против демонов?
Ф.Н.
133. An Wilhelm Engelmann in Leipzig (Entwurf)
Вы однажды самым любезным образом предложили мне свои услуги в качестве издателя: теперь давайте посмотрим, не понравится ли вам то, что я хотел бы предложить вам сегодня. Я подготовил брошюру объемом около 90 печатных страниц, которая должна называться: «Музыка и трагедия»; начало её я посылаю вам в рукописи. Как вы увидите, я пытаюсь объяснить греческую трагедию совершенно новым способом, пока что полностью воздерживаясь от любого филологического рассмотрения вопроса и имея в виду только эстетическую проблему. Однако настоящая задача состоит в том, чтобы осветить Рихарда Вагнера, эту странную загадку нашего времени, в его отношении к греческой трагедии. Я полагаю, что могу заверить вас в том, что вся последняя часть должна иметь волнующее значение для нашей музыкальной общественности: по крайней мере, если я сравню то, что было сказано по той же проблеме Гансликом и другими в последнее время, и если я сделаю выводы из того впечатления, которое отдельные зачитанные мною отрывки моей работы произвели на моих друзей, то я не могу не верить, что самая широкая мыслящая публика должна заинтересоваться этим сочинением. Чтобы сделать это понятным для них, я приложил особое старание к стилистическому изложению и ясности.
Я желаю, однако, чтобы это сочинение рассматривалось исключительно как художественная брошюра, и поэтому прошу вас, в случае если оно будет вами принято, оформить его в соответствии с этим пожеланием. Называя некоторые детали, я предпочитаю для этой цели немецкий шрифт, а именно крупный немецкий шрифт, большой формат октаво, с количеством строк не более 28—32 и, прежде всего, — красивую бумагу. Если вы согласны со мной, то пришлите мне как можно скорее образец набора и бумаги, а также предложение относительно гонорара<honorar>.
Мы могли бы немедленно приступить к печати.
134. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel
Глубокоуважаемый господин советник,
я должен принести свои глубочайшие извинения за то, что вчера пропустил заседание конференции педагогического совета; по чистой случайности приглашение на него попалось мне на глаза лишь час спустя, когда было уже слишком поздно. —
Новости последних дней были настолько ужасны, что я никак не могу прийти в хоть сколько-нибудь сносное расположение духа. Что значит человек перед лицом таких землетрясений культуры, будучи ученым! Как атомарно себя чувствуешь! Всю свою жизнь и лучшие силы тратишь на то, чтобы лучше понять и лучше объяснить период культуры; как ничтожна кажется эта профессия, когда единственный злосчастный день превращает в пепел драгоценнейшие документы таких периодов! Это худший день в моей жизни. —
У меня было намерение уехать на Пятидесятницу, но я чувствую себя неважно и остаюсь здесь. В среду я надеялся вместе с Вагнером, который меня сопровождал, возможно, увидеть Вас на вокзале в Люцерне.
Кстати, хозяин нашего отеля при моем отъезде, который был несколько поспешным, не принес мне счет; смею ли я просить Вас при случае сообщить мне половину суммы Вашего счета.
Я зайду к Вам в ближайшие дни, чтобы узнать о результатах люцернской кандидатуры.
Ваш глубоко преданный
Фридр. Ницше.
135. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой и тем более верный друг,
поскольку своим преступным молчанием я мог бы действительно пробудить в тебе самые мрачные мысли; и все же, как свидетельствуют твои письма, они не хотят у тебя расти. В сущности, со мной поступили бы несправедливо, если бы ты хотел измерять меня по термометру писем. После твоего предпоследнего, по-настоящему тронувшего меня письма я был совершенно не в состоянии писать; я внутренне и ежедневно радовался нашему согласию и нашему общему, несмотря на расстояние, невозмутимому и унисонному продвижению по одним и тем же путям, для которого твои замечания о дионисийском прямо-таки зловещи, как когда-то наши бессознательно одновременные штудии романтиков.
Как тяжело я воспринимаю участь быть сейчас разлученным с тобой, лучше всего знают трибшенские друзья, которые питают к тебе самые лучшие мнения и надежды.
Не могли бы мы теперь найти способ перевезти тебя, скажем, в Цюрих, который Бенндорф покинет осенью? Я хочу как-нибудь разузнать о необходимых для этого шагах, а также на днях написать Ричлю.
Осенью я, по известным причинам, не приеду в Лейпциг. Тем важнее придерживаться наших летних планов.
Мне теперь, при частых недомоганиях и бессоннице, очень советуют поискать высокогорного альпийского воздуха: и я уже записался вместе с сестрой в небольшой пансион в Бернских Альпах. Я отправляюсь туда 15 июля и остаюсь до 14 августа: затем будет летний семестр, вторая половина, до конца сентября. В этом году у меня не хватает денег из-за моего весеннего пребывания в Лугано; и поэтому летом мне приходится устраиваться экономно. В том пансионе я плачу за все 4 франка.
Мне теперь кажется крайне важным серьезно и обстоятельно договориться с тобой о нескольких планах. Письменно я ничего не могу сказать. Во всех своих намерениях, особенно в вопросах системы образования, я рассчитываю прежде всего на тебя и всегда в первую очередь только на тебя. Затем мне порой приходит в голову, что для таких вещей нет ничего важнее, чем совместно вжиться в них: в то время как я до сих пор даже поверхностно не уведомил тебя. Но затем из каждого твоего письма, как и из последнего, мне навстречу звучит такая родная, внутренне близкая «мелодия», что я всегда думаю, будто и наши планы должны быть одинаковыми даже без взаимного согласования.
Моя книжечка, о рождении которой я, помнится, возвестил тебе из Лугано с настоящим кудахтаньем, до сих пор чахнет из-за нехватки издателей. Я выделил одну статейку и напечатал ее за свой счет в Базеле: это переработка того раннего доклада «Сократ и трагедия». Другой фрагмент «о дионисийском и аполлоническом», вероятно, появится в «Прусских ежегодниках»; если его примут, в чем я сомневаюсь. В конечном счете, все сводится к дорогому удовольствию владеть библиотекой из одних лишь неизданных, но изящно напечатанных брошюр. — Моя речь о Гомере у тебя ведь есть? Я также предвкушаю беседу о Гомере с тобой. Сейчас я читаю «Введение и энциклопедию» к изумлению моих слушателей, которые с трудом узнают себя в образе, который я рисую идеального филолога.
Позавчера я снова видел Кинкеля-младшего, тоскующего приват-доцента в Цюрихе (но без перспектив), спустя пять лет. Другой цюрихский доцент, который учился в Лейпциге в наше время и — конечно — знал нас, живо перенес меня в ту прекрасную эпоху. У него сохранились такие верные воспоминания о нашем характере и речах, он цитировал, например, мои взгляды, которые я, должно быть, высказывал своим знакомым на лекциях — хотя, вероятно, слишком громко, — короче говоря, доказал мне, насколько признанным было наше положение. Его звали доктор Гребер. От Вёльфлина я слышал самое лучшее об «Acta», особенно о статье Андресена, то же самое от Хагена о Юнгмане, и обоих, хитроумно, «подтолкнул» к рецензии.
Целью берлинской поездки Вагнера было прочитать академический доклад и обеспечить свои байройтские планы: вопреки этому, всячески предотвратить угрожающее назначение на пост генерального музыкального директора. Все удалось, и через 2 года мы увидим постановку «Кольца нибелунга». — Как прекрасно и верно ты прочувствовал «Мейстерзингеров»! — Я обсудил с Вагнером предварительную идею журнала о реформации, при этом мы думали прежде всего о тебе. Короче говоря, многое в работе: мы хотим во всем оставаться верными себе. Прощай, дорогой друг.
136. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
с сердечнейшей благодарностью за Ваше письмо, которое во всех отношениях меня успокоило и прояснило ситуацию, сообщаю сегодня, что осенью я не приеду в Лейпциг на собрание филологов и вынужден отозвать свое прошлогоднее предложение выступить с докладом. После того как я узнал, что Вы не председательствуете, все это разумеется само собой. В том же духе писал мне на днях и друг Роде из Киля. — При этом не исключено, что в этом году я когда-нибудь приеду в Лейпциг, чтобы навестить Вас: перспектива, которой я не хотел бы лишиться из-за вышеупомянутого решения.
Что касается Роде, позвольте мне спросить, не знаете ли Вы способа, как можно было бы предложить его кандидатуру в Цюрихе, на место Бенндорфа. Мне невероятно важно заполучить его поближе к себе. И что он заслуживает этой должности по меньшей мере не меньше, чем, скажем, Дильтей (о котором я недавно слышал слухи), — это вне всякого сомнения. Я считаю его, без всяких дружеских преувеличений, одной из самых богатых филологических сил и дарований, которые мы можем пожелать для будущего.
Недавно Вёльфлин очень лестно отозвался о статье Андресена в «Acta», так же как и Хаген в Берне о «Фульгенции» Юнгмана. Я пытался привлечь обоих к написанию рецензии.
Наилучшим образом рекомендуя себя Вам и Вашей супруге (которой я в скором времени пришлю один свой тайный очерк), а также от имени моей сестры, которая, учитывая мое переменчивое состояние здоровья, холит и лелеет меня,
остаюсь
Ваш преданный
Фридрих Ницше
в Базеле.
137. An Wilhelm Engelmann in Leipzig
Глубокоуважаемый господин
так как я, в случае принятия рукописи, просил о скорейшем ответе, то теперь я, безусловно, вправе полагать, что рукопись по каким-либо причинам не получила Вашего одобрения: в связи с чем позволю себе распорядиться ею иным образом.
Поэтому я прошу Вас передать её тому господину доктору Ромунду, которому уже было поручено забрать её у Вас.
С настоятельной просьбой, чтобы это произошло в скором времени, подписываюсь как Ваш
покорнейший
проф. Ницше в
Базеле
Доктор Ромунд проживает по адресу: Шютценштрассе, 8, 3-й этаж
138. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
здесь, прежде всего, выражая сердечное сочувствие по поводу состояния здоровья Вашей дочери, лишь предварительные сведения: с каждым днем Вы будете получать от меня всё больше известий. Сегодня мне удалось выяснить немногое напрямую, но я завязал различные связи, чтобы уже завтра располагать более точными деталями.
Семьи, которые я знаю лучше всего, по случайности не были в Рагаце или же находились там в такое время, которое не позволяет сделать выводы о нынешнем положении дел. К тому же, по-настоящему «больные» чаще всего бывали в — к слову, меланхолично мрачном — Пфеферсе.
Рагац считается «теплым» (но не в смысле лейпцигского лета), в нем меньше пасмурных и дождливых дней, чем на высокогорных курортах, и благодаря своему открытому расположению он позволяет совершать прогулки по равнине: самая красивая дорога, почти ровная, к упомянутому Пфеферсу, тениста и прекрасна. — Не бывали ли наумбургские Ваксмуты там когда-то летом, а также в последнее время? — Госпожа Фишер обещала мне в скором времени предоставить специальные сведения из круга своих родственников: то же самое обещал и ее зять, г-н Г. Фюрстенбергер, который знаком с базельским архитектором (или инженером?) Фреем, работавшим в Рагаце несколько лет и потому хорошо осведомленным. При этом зашла речь о пансионе, которым владеет пастор Штайгер, некогда учившийся в Базеле, и который находится примерно в 10 минутах от Рагаца. Р., кстати, имеет репутацию приятного, но дорогого курорта; там есть очень красивые новые отели и превосходные купальни. (Медицинские подробности — у Мейера-Аренса, «Целебные источники Швейцарии», книга, которая должна быть в Вашей университетской библиотеке.) Подробная книга о Рагаце прибудет к Вам на днях. Пансионы есть повсюду, за исключением, пожалуй, самого первоклассного отеля; цены несколько выше, чем в Интерлакене. По этому пункту я обещаю еще предоставить точную информацию.
От 15 человек, которых я сегодня расспрашивал о Р., вскоре стоит ожидать вестей: на что мне и приходится сегодня Вас просить надеяться. Также я выясню, кто из базельцев собирается в Р. этим летом. Источники считаются очень целебными, несмотря на полное отсутствие в них обнаруживаемых основных элементов. —
«Швицервиртшафтен» (швейцарские трактиры) в подразумеваемом смысле там уже совсем не встречаются. «Хорошее общество» гораздо вероятнее, чем обратное: так что можно с уверенностью рассчитывать и на «хорошее общение».
С просьбой довольствоваться сегодня этим вступлением, обещает подробности
Ваш преданный
Ф. Ницше.
139. An Auguste Forst in Wiesbaden
Милостивая государыня,
в последнее время в нашей семье не было более приятного события, чем то самое недавнее, благодаря которому Вы стали нашей родственницей. Хотя мне до сих пор не довелось иметь удовольствие видеть Вас лично и беседовать с Вами, я всё же умею оценить это событие по достоинству, благодаря моей сестре, которая часто и всегда очень подробно рассказывала мне о превосходных качествах своей подруги. В этом смысле я считаю, что прежде всего обязан принести поздравления моему достопочтенному дяде Оскару, которые Вы, несомненно, передадите ему от моего имени и по моему поручению гораздо лучше, чем это удалось бы мне самому, человеку, не искушенному в радостях помолвки. При этом я не забываю, какая особая любезность заключалась в радостной поспешности обоих жениха и невесты сообщить о счастье этого дня немедленно и без промедления в Базель. Сердечно благодаря за это и желая счастья во всех отношениях, которого Вы в столь высокой степени достойны, я обещаю Вам отныне быть тем, кем до сих пор быть не мог
Ваш преданный племянник
Д-р Фридрих Ницше
Ординарный профессор в Базеле.
140. An Carl von Gersdorff in Marienbad
Мой дорогой, дражайший друг,
Итак, ты благополучно вернулся ко мне, невредимый после тех чудовищных опасностей. Наконец-то ты можешь вновь думать о мирных занятиях и задачах и рассматривать тот страшный военный эпизод как серьезный, но промелькнувший сон твоей жизни. Теперь манят новые обязанности: и если что-то одно и может остаться у нас в мирное время от той дикой игры войны, так это героический и в то же время рассудительный дух, который я, к своему удивлению, обнаружил в нашей армии свежим и крепким, в старом германском здравии, словно прекрасное неожиданное открытие. На этом можно строить: мы снова можем надеяться! Наша немецкая миссия еще не окончена! Я мужественнее, чем когда-либо: ибо еще не все погибло под французско-еврейским опошлением и «элегантностью», и под алчной суетой «современности». Все же существует доблесть, а именно немецкая доблесть, которая внутренне есть нечто иное, чем élan наших достойных сожаления соседей.
Помимо борьбы наций, нас испугала та международная гидра, которая внезапно так страшно проявилась, как предвестник совсем иных будущих битв. Если бы мы могли однажды лично объясниться, мы бы сошлись в том, как именно в этом явлении наша современная жизнь, да, собственно, вся старая христианская Европа и ее государство, а прежде всего господствующая повсюду романская «цивилизация», выдает чудовищный изъян, присущий нашему миру: как все мы, со всем нашим прошлым, виновны в таких проявляющихся ужасах: так что мы должны быть далеки от того, чтобы с высоким самомнением вменять преступление борьбы против культуры лишь тем несчастным. Я знаю, что значит: борьба против культуры. Когда я узнал о парижском пожаре, я был на несколько дней совершенно уничтожен и растворен в слезах и сомнениях: все научное и философско-художественное существование казалось мне абсурдом, если один-единственный день мог уничтожить прекраснейшие произведения искусства, да что там — целые периоды искусства; я цеплялся с серьезным убеждением за метафизическую ценность искусства, которое не может существовать ради бедных людей, а призвано выполнять более высокие миссии. Но даже при моей величайшей боли я не был в состоянии бросить камень в тех злодеев, которые для меня были лишь носителями общей вины, о которой стоит много размышлять! —
Здесь следует трактат, который выдает о моих философских занятиях немного больше, чем намекает заглавие. Прочти его с благосклонностью; у меня еще многое в планах, и я готовлюсь к борьбе, в которой, как я знаю, мои друзья примут активное участие. Как много нужно было бы обсудить устно, мой дорогой друг! И когда я могу надеяться на твой визит?
О Вагнере ты через «Norddeutsche Allg.» наверняка слышал многое, и, как я думаю, только хорошее: также и о больших байройтских планах. Все идет наилучшим образом. — В Трибшене тебя помнят: я рассказывал, что ты обещал мне свой визит летом.
Мое самочувствие этим летом лучше. Погода, впрочем, крайне переменчива. Сегодня у нас шторм и холодный дождь. Летом, с 15 июля по 13 августа, я буду в Гиммельвальде, близ Мюррена, в Бернском Оберланде, вместе с сестрой. Мы уже записаны там в небольшой, чудесно расположенной гостинице.
Был ли ты свидетелем берлинского парада? —
Еще раз, мой дорогой друг; я счастлив при мысли о твоем скором визите. Советник Фишер (который студентом часто бывал в доме твоего деда в Веймаре) тоже радуется твоему приезду. Ибо все мои знакомые знают о твоих судьбах.
Живи хорошо и с каждым днем лучше: ты это заслужил.
Прошу передать поклон твоим почтенным родителям, и я остаюсь тем, кем был,
Твой верный друг
Фридрих Ницше.
141. An Wilhelm Engelmann in Leipzig
Глубокоуважаемый господин
сердечно <благодаря> Вас за Ваше предложение и соглашаясь с условиями, я, к моему сожалению, вынужден повторить то, что уже писал Вам в своем последнем письме: что я уже распорядился своей рукописью по-новому и вступил в переговоры, прервать которые теперь уже не в моих силах. Если же они все-таки сорвутся, я с готовностью сообщу Вам об этом.
Тем временем, однако, мне при любых обстоятельствах нужна моя рукопись, в которую необходимо внести некоторые изменения, и я еще раз прошу Вас любезно переслать ее г-ну д-ру Ромундту в Лейпциг (Schützenstr. 8, 3-й этаж).
Ваш покорнейший
Д-р Ницше
Профессор в Базеле
142. An Paul Deussen in Marburg
Мой дорогой друг,
я услышал о твоих планах и обдумал их. В этой двойственности положения, отчасти как гимназического учителя, отчасти как университетского доцента, заключается прежде всего нечто очень ценное. Я бы во всяком случае просил тебя ни в коем случае не оставлять свою школьную должность из-за пресыщения так называемым «педантством». Это наша самая многообещающая позиция: и тот, кто, подобно мне, помышлял о самых радикальных реформах системы образования, знает, как высоко ценить эту практику, богатый эмпирический опыт должности гимназического учителя. Ибо именно там мы должны начать выражать наше более серьезное мировоззрение. Университет едва ли является для этого самой плодотворной почвой. — Об университетах нам нужно будет однажды поговорить устно. Когда ты сообщишь мне, что мы хотим увидеться, вновь увидеться? Что такое письма!
Вот эссе, вторая часть более крупной работы, которая медленно готовится к печати. Читай его так, как оно написано, и пусть тебя не отпугивают некоторые термины, которые подробно обоснованы в первой, предшествующей части эссе. Это лишь оттиск для моих друзей (как раньше «Гомер»). Итак, никакой публикации! Напиши мне скорее и подробно о своих впечатлениях: для меня это будет самым поучительным свидетельством о твоем философском развитии.
Мой добрый друг, я повторяю, когда мы увидимся?
В старой верности
Ф. Ницше.
143. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Довольно долго, моя дорогая мама, ты не получала от меня писем. Так бывает, когда Лизбет живет у меня, переписка сразу становится однобокой. Вчера мы отпраздновали ее день рождения, как? она расскажет тебе сама. К сожалению, весь день она чувствовала себя не очень хорошо. Мы здесь переживаем период непрекращающихся гроз: вчера у нас их было около семи за день. В промежутках — как сейчас <—> жара и духота невыносимы, мы словно в паровой бане и очень мечтаем о прохладе. — Мое здоровье в последнюю четверть года держалось, если не считать нескольких коротких недомоганий. В целом я вполне доволен, но уже снова чувствую, что преподавал 10 недель подряд. Это все-таки довольно утомительно.
Ты пережила в Наумбурге тяжелые дни из-за бедных Лаубшеров, и я думаю, что ты сидишь дома в довольно мрачном настроении. Лизбет даже говорит мне, что ты беспокоишься о своем достатке. Я делаю тебе следующее предложение, которое ты просто примешь, не говоря об этом Лизбет или другим людям. Во-первых, я прошу тебя принять небольшую сумму, которую ты вычла для себя из моих процентов (как сказала мне сегодня Лизбет), как мой маленький подарок. Затем считай проценты с 200 талеров, которые Оскар должен мне с Пасхи, своими: пока Оскар должен мне деньги, проценты принадлежат тебе. Только прошу тебя, ничего не говори об этом Оскару. В-третьих, я прошу тебя выбрать из моих железнодорожных бумаг одну, по твоему усмотрению, какую захочешь: распорядись ею, как пожелаешь: я имею в виду, продай ее и используй для своих нужд! Этим твое сиюминутное беспокойство, вероятно, будет несколько облегчено. Я позволяю себе эту шутку как продолжение празднования дня рождения Лизбет и прошу только о том, чтобы эта шутка осталась в тайне, и во-вторых, чтобы ты приняла ее без лишних церемоний. Благодарности с твоей стороны я вовсе не принимаю.
Сейчас пробил мой час обедать. Желаю тебе приятного аппетита и бодрости,
Твой старый сын.
144. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
решись поскорее подать заявление на только что объявленную вакансию профессора филологии в Цюрихе. Я прошу и заклинаю тебя, сделай это немедленно!
Профессура первоначально предполагает преподавание реальных дисциплин классической филологии и античной истории искусств.
Начало работы в должности: летний семестр 1872 года.
Заявка должна быть подана до 31 июля.
Адресуй:
Господину Зиберу, директору департамента образования
в Цюрихе.
Обращение в письме: «В высокое управление образования».
Приложи все свои сочинения и статьи, опиши свой образовательный путь как можно более подробно и убедительно и сошлися как можно сильнее на суждение Ричля и суждение твоих кильских коллег, а также — si placet — на меня и Фишера. Напиши же об этом Ричлю и попроси его о testimonium. Я настоятельно прошу тебя, сделай всё, чтобы мы оказались рядом. Затем напиши также весьма дружелюбное частное письмо в Цюрих профессору права Озенбрюггену, который хорошо меня знает и любит, и которому я уже рассказывал о тебе; сообщи ему, что ты сделал, и спроси его, что ещё, возможно, тебе следует предпринять.
Мы должны использовать все энергичные средства.
Я пишу в величайшей спешке, чтобы ты не терял времени.
Конкуренция будет сильной.
Я уезжаю в субботу на каникулы.
Адрес: Гиммельвальд близ Лаутербруннена в Бернском нагорье, отель «Шильтхорн».
Твой верный друг.
145. An Richard Meister in Leipzig
Дорогой господин Майстер,
Ваше письмо доставило мне огромную радость и ни в коем случае, как Вы по своей скромности предполагали, не утомило меня. Прошу Вас, как могли бы меня утомлять известия от общества, после того как мне доставило столько скуки так долго ничего о нем не слышать, так что его существование для меня не было вне всяких сомнений. Теперь я знаю, что оно еще живо: и было бы, по секрету говоря, при численно блестящем подъеме лейпцигского филологического сообщества весьма постыдно, если бы оно больше не существовало. Позаботьтесь Вы теперь о том, чтобы оно росло с честью и оставалось тем, чем оно было в 65—67 годах, т.е. в годы моей памяти, а именно — центром и общим очагом всех по-настоящему продуктивных и серьезно настроенных филологов. Я часто сожалею, что у меня больше нет такого удобного доступа к этому обществу, как раньше; именно такой аудитории, какую я предполагаю сейчас под Вашим председательством, я мог бы многое сказать лично для укрепления и продвижения всех тех планов, которые я ношу в сердце и которые самым непосредственным образом затрагивают сердце классической филологии. Мы можем еще надеяться на возрождение эллинской древности, о котором наши отцы и не мечтали. Только не верьте, что мы должны довольствоваться, как тощий скот, вытоптанным и захиревшим лугом! —
В этом духе передайте привет обществу от меня, которое может быть уверено, что я сделаю для него все, чего от меня потребуют и к чему меня, впрочем, всегда побуждает моя собственная благодарность.
С дружеским приветом
остаюсь
Ваш
Д-р Фридр. Ницше
P. o. p. в Базеле.
146. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
ещё раз сердечный привет в качестве сопроводительного письма к моей литературе.
Ф. Н.
— Моя упомянутая ранее книжица не нашла издателя, я выпускаю её теперь по частям в свет: какая пытка для роженицы! —
— Я написал Ричлю по поводу Цюриха. Он уже даёт своё согласие. —
147. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
в самой возвышенной горной глуши я только что получил Твое письмо и отвечаю без промедления, хотя мне нечего написать, кроме: «Печально! Опять ничего не выходит! Какая странная констелляция!»
В ту же четверть часа, когда я писал Тебе свои увещевательные строки, я с такой же срочностью писал Ромунду — и с таким же эффектом! Несчастная четверть часа, в которую я надеялся приковать судьбу нас троих к одной нити! Я предложил Ромунду солидную преподавательскую должность в Берне (с жалованием в 3—4000 франков и умеренной нагрузкой в высшей гимназии). Вместе с Твоим письмом я получаю его ответ: он доволен предложением, но не может его принять, так как только что согласился на место домашнего учителя в Ницце!
— Я теперь, конечно, уже хотя бы ради параллелизма надеюсь, что и Ты в скором времени, вопреки Форххаммеру, достигнешь своей Ниццы.
Впрочем, это скверно со стороны судьбы — разлучать нас. В конечном счете, она вынуждает меня к еще более радикальным мерам.—. Я ведь поистине ничего не хочу ради себя, но необходимо, чтобы мы были вместе, как Тебе сразу стало бы ясно, если бы мы снова пожили вместе пару дней, необходимо ради нашего общего предназначения, чей предначертанный путь я, кажется, уже начинаю видеть отчетливее.
Не будем позволять судьбе делать нас раздражительными, но лишь более мужественными и радикальными! —
Мне пришло на ум, что я недавно отправил Тебе по почте бандеролью экземпляр моего «Сократа» вместе со вторым экземпляром для Риббека. Я очень расстроюсь, если он, по-видимому, не дошел. — В Лейпциге я через Ромунда зачитал этот трактат в филологическом обществе и сделал его известным и иначе, с некоторой «сенсацией», как пишет мне Ромунд.
Здесь, в глуши, я снова надеюсь, как Даная, на дождь, по крайней мере на капли хороших идей, ибо я поставил перед собой сложную задачу, решить которую на равнине я отчаиваюсь.
А теперь, дорогой друг, думай обо мне как о том, кто не оставляет ни одного средства неиспробованным, чтобы приблизить Тебя к себе, кто и до сих пор отнюдь не теряет надежды навсегда.
Для Цюриха, как я слышу, у Дильтея в Бонне и Матца есть некоторые шансы. Я обязан этим известием отвратительному Лукиану Мюллеру, который едет из Петербурга в Швейцарию и меня — меня! — меня!! побеспокоил.
Со мной вместе рыцарь Железного креста Карл фон Герсдорф, мой старый, прекрасно себя проявляющий друг.
В неизменной верности
Твой друг Ф. Н.
Тот же адрес (Гиммельвальд), что и у последнего письма.
В Цюрихе не хотят «прежде всего археолога»; к тому же Ты слишком низко оцениваешь свои способности в области греческого искусства. Там хотят представителя древностей, затем, во-вторых, филолога-лингвиста и, в-третьих, наконец, того, кто будет читать несколько более общих археологических курсов! — Но, конечно! Странная, висящая в воздухе профессура обязывает Тебя, к сожалению, к пассивному наблюдению и попустительству. Мне кажется, что грызущийся факультет вместе с восседающим на высоте министерством заслуживают хорошего пинка, пинка под зад! Мне противно — особенно когда я думаю, что Ты — объект спора.
148. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
из-за небольшой поездки в горы мне удалось отправить Вам книги несколько позже, чем хотелось бы. Однако я полагаю, что господин Опиц еще не уехал на каникулы, и, таким образом, книги попадут к нему в руки как раз вовремя. Мне кажется, он найдет то, что ищет — довольно богатый и до сих пор не использованный материал. —
В последние недели я предпринял попытку добиться чего-то для Роде в отношении цюрихской профессуры — без успеха. Я ведь вовсе не знал, что правительство передало решающие права на выдвижение кандидатур комиссии из 3 профессоров во главе с Бенндорфом: я же обратился к правительству со своими рекомендациями и призывом навести справки о Роде у Вас и Риббека. Бенндорф же, по-видимому, в своей нервной манере принял за обиду то, что его обошли, хотя, по правде говоря, никто заранее не мог рассчитывать именно на него, учитывая признанно досадный и враждебный правительству шаг с его отставкой. Короче говоря — я старался напрасно и должен ждать лучшего случая, чтобы помочь Роде. —
Не знаю, кто мне рассказывал или<de> приснилось ли мне, что Лейпцигское собрание филологов не состоится. Мне жаль: плохо — было бы лучше. —
Известно ли что-нибудь о преемнике Фалькенштейна в министерстве культ<erium>ов? Я советовал Гербера. —
То, что Вы мне любезно сообщили — а именно, что Моммзен передал те письма Веренпфеннигу для публикации в отсутствие Трейчке — подтвердилось мне еще с другой стороны (Трейчке рассказывал о ходе событий точно так же).
Есть ли у Вас хорошие новости из Рагаца от Вашей дочери? И как Вы сами переносите это абсурдное лето? Статистика Лейпцигского университета показывает огромный рост в этом семестре. Борьба с Берлином уже решена в пользу Лейпцига.
Сердечно рекомендуя себя Вам и Вашей супруге и премного благодаря за присылку Вашей статьи о Плавте,
остаюсь в неизменной преданности
Ваш покорный ученик
Фридрих Ницше.
149. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
я не ответил на твое второе письмо, потому что хотел сначала увидеть, что я могу сделать для тебя в нашем деле. То, что я не бездельничал после того, как ты доверил мне это мероприятие, я мог бы доказать тебе перепиской из 10 писем. Утомлять тебя сейчас всем ходом дела было бы только скучно — так как результат определен — к сожалению, определен — я ничего не смог добиться для нас, как бы хорошо ни выглядело дело на ранних стадиях. Бенндорф вчера, несколько раздраженно, прояснил мне ситуацию; он, по-видимому, придерживает своего Матца или Дильтея и принял в штыки мои меры, которые, как ни странно, нашли поддержку у самых влиятельных цюрихских политиков. Но так как он имеет важный голос в комиссии и решительно не хочет признавать тебя археологом, то с этим покончено, и я снова выжидаю новую возможность. Ты прав — боги, должно быть, затеяли с нами что-то странное, раз они до сих пор так упорно ставят нам палки в колеса. В этом году я уже сделал два эксперимента — ну что ж, будем надеяться на третий. —
Я очень счастлив, что у тебя сложилось хорошее впечатление от моего «Сократа», и очень благодарю тебя за твое участие. Многое из этой «пурпурной тьмы» станет еще яснее, когда все сочинение будет представлено целиком.
В самом деле, я верю, что многое можно вывести из противопоставления дионисийского и аполлонического. — Твой Риббек с его желанием получить свидетельство и доказательство доставил мне радость особого рода; как же, по-твоему, должно было бы звучать это свидетельство? Человек старается приблизиться к возникновению самых загадочных вещей — а теперь почтенный читатель требует, чтобы вся проблема была решена свидетельством, вероятно, из уст самого Аполлона: или место у Афинея сослужило бы ту же службу? Для определенных людей даже лучшую. Ибо прорицающему Аполлону теперь, как волу, который молотит, заткнули бы рот. —
Впрочем, я не сомневаюсь, что когда-нибудь научусь излагать те же вещи еще лучше и прозрачнее. А пока прошу тебя довольствоваться мистическим туманом первой концепции. Я действительно держал себя в узде в вопросах стиля и вывода благодаря строгим требованиям, но от определенной ἀλογία (неразумности) в таких вещах не избавиться. Изучение Шопенгауэра ты заметил повсюду, в том числе и в стилистике: но странная метафизика искусства, которая составляет фон, — это в значительной степени моя собственность, а именно недвижимость, но еще не движимая, ходовая, разменная собственность. Отсюда и «пурпурная тьма»: выражение, которое мне невыразимо понравилось. —
Осенью Рихард Вагнер, вероятно, даст большой концерт в Мангейме. Это для нас сигнал встретиться. Мангейм действительно примерно посередине между нами. Все подробности я сообщу тебе, как только что-то прояснится. Дай мне знать, нравится ли тебе моя комбинация. Встреча под священные звуки вагнеровской музыки — волшебно прекрасное представление! Принесем же скорее жертву демонам, чтобы они не разрушили и это мое желание!
Прощай! Мой дорогой добрый верный друг, и не печалься! Мы встретимся! А потом — эйя-попейя!
Фридр. Ницше.
150. An Franziska Nietzsche in Altendammbach
Вот, моя дорогая матушка, известия от меня, написанные собственной рукой, после того как прежняя устроительница моей переписки с тобой покинула меня. Также я уже знаю из только что полученного письма Лизбет, что она без происшествий добралась до Висбадена и там наслаждается всеми удобствами хорошего дома и заботливой подруги. Базель ей очень понравился, даже, к моему несчастью, слишком сильно. Впрочем, ей везде скоро становится сносно, при условии, что ей время от времени говорят что-нибудь приятное. Мои честные базельцы, по-видимому, делали это с избытком, поэтому она неохотно покинула этот город.
Я очень люблю читать твои письма: ты ведь рассказываешь что-то, и из множества мелких черточек у меня складывается наглядная картина, в то время как такие, как я, не пишут ничего дельного, а лишь постоянно утешают обещанием личной встречи, но потом обычно не имеют что рассказать. Эта личная встреча, кажется, и сейчас снова предстоит нам довольно скоро: если только что-то выйдет из моего плана прибыть 1 октября в Наумбург на трехнедельное пребывание. В любом случае, я скоро дам тебе более точные и определенные известия. Вместе с тем с этим должна быть связана встреча с Роде в Лейпциге и т. д.
Лизбет встретила эту комбинацию с большим одобрением. Сначала речь шла о том, чтобы я приехал в Наумбург на Рождество. Как бы это ни было желательно, зимнее путешествие неудобно, а главное, у меня было бы всего одна неделя. Поэтому я выбрал осень, которую я почему-то особенно люблю в тюрингском воздухе. Я радуюсь долине Заале и многим лейпцигским памятным местам и почти готов вообразить, что живу в изгнании, потому что я так далек от этих мест. Своим здоровьем я все еще не доволен, и я верю больше, чем когда-либо, что базельский воздух мне не подходит. Проходит довольно много времени, прежде чем я преодолеваю невольную неприязнь ко всему швейцарскому существованию: до сих пор я еще даже не достиг точки замерзания равнодушия.
О визите Герсдорфа тебе, вероятно, написала Лизбет. Он понравился мне так же хорошо, как и Вагнер, как подлинный и сильный представитель всех достойных качеств северогерманского характера. Ромундта я ожидаю увидеть со дня на день, так как в своем путешествии в Ниццу, где он проводит зиму, он должен проезжать через Базель. Дойссен настоятельно просил меня навестить его, и я хочу это осуществить, вероятно, на обратном пути из Наумбурга в Базель. Он сейчас доцент в Марбургском университете. Виндиш вернулся из Англии и был назначен экстраординарным профессором в Лейпциге. Роде в данный момент находится на морском курорте в Гольштейне и поклялся встретиться со мной в этом году, после того как различные мои попытки привлечь его постоянно к себе не удались.
Таким образом, может случиться, что своим приездом я отвлеку тебя от твоего нынешнего прекрасного пребывания «в лесу и на пустоши», за что я должен просить дорогого дядю Теобальда о прощении. Передавай ему от меня большой привет: когда-нибудь я все же увижу его снова, вместе с его превосходной женой и еще совсем неизвестными мне детьми. Я слышал, что в это время у него день рождения: да здравствует он!
И ты тоже!
Твой Фриц.
151. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
были свои причины, по которым я не писал. А именно: я не знал — да и в Трибшене тоже еще ничего не знали — состоится ли и что будет с мангеймским концертным делом вообще. Теперь, после того как я неоднократно обсуждал это со своими трибшенскими друзьями, стало ясно, что мы не можем на это рассчитывать. Возможно, в октябре дело и выгорит. Похоже, всё упирается в деньги. Ты ведь, конечно, знаешь, что это вагнеровское общество, созданное для байройтских начинаний, в пользу которого и был задуман тот концертный план. Я в Трибшене точно изложил свои намерения и говорил о том, что осенью отправлюсь в Северную Германию, если только мангеймский концерт не удержит меня. Госпожа Вагнер, кажется, не очень-то верит в него, потому что Вагнер, долгое время отвлекаемый непрекращающимися визитами, наконец-то снова продолжает сочинять и вряд ли позволит себя прервать.
Так что эта наша надежда снова, по жестокой аналогии, разрушена.
Однако, однако — мы хотим! Мы хотим в этом году добиться чего-то вопреки ходу звезд, а именно —
Ты уже слышал, что я хочу поехать на север, т.е. в Наумбург и Лейпциг. Что ты думаешь? Не хочешь ли ты приехать в Лейпциг? У меня сейчас, в эту мягкую прохладную осеннюю погоду, возникло настоящее желание побродить с тобой по Лейпцигу, по могилам нашего прошлого.
Я уезжаю в Наумбург отсюда 1 октября. На Лейпциг я бы отвел время примерно с 10 октября. 20-го я должен быть уже обратно.
Представь себе, что вчера вечером ко мне заехал Ромундт, проездом в Ниццу, куда он нанялся на 9 месяцев.
Нам ведь можно в этом году посетить Лейпциг, так как съезд филологов не собирается устраивать там оргий. Ах, сколько нам нужно друг другу рассказать! Ромундт заставил меня по-настоящему осознать, как я одинок и как я должен держаться за своих самых близких друзей, чтобы не потерять всякое мужество. . —
Пожалуйста, напиши мне скорее словечко о своем решении! Я больше не хочу тебе ничего писать, раз у меня снова — снова! — появилась надежда тебя увидеть! — Любимый демон, подари же и нам, хорошим детям, хоть раз что-нибудь приятное и позволь старым друзьям встретиться!
Ф. В.
152. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden
Вот, моя дорогая Лизбет, письмо от нашей доброй матушки, у которой до сих пор нет никаких известий. Я действительно должен опасаться, что неверно запомнил адрес, я написал: Альтендаммбах близ Шлойзингена в Тюрингии. Разве это не верно? Напиши же скорее туда и сообщи о моем плане прибыть в Наумбург 1 октября. Я теперь тоже думаю, что наша матушка с удовольствием вернется в Наумбург.
Сердечно благодарю за твое письмо. Я рад, что ты благополучно перенесла опасности путешествия и в Висбадене уже снова вошла в необходимую температуру, которая на этот раз, безусловно, имеет свои особые преимущества. Базель все еще стоит, экипажи все еще грохочут prestissimo по Мюнстерплац — короче, это старый Базель, только сейчас мы потеем больше, чем в летние месяцы.
Ромундт у меня в гостях. Вчера мы были в Гренцахе.
Ты ведь знаешь мои желания относительно большого путешествия. Бывают странные совпадения. Я получил из Трибшена запрос, который имеет к этому отношение. Шепну тебе на ухо, что один из трибшенских друзей (немецкий молодой князь, который участвовал в войне и, кстати, является референдаром, а также майоратным господином) ищет для путешествия в Италию, Грецию, на Восток и т. д. проницательного и образованного спутника, и что у меня спрашивали, не могу ли я кого-нибудь предложить.... Я не знаю .....
Таковы последние шутки, с которыми я, под печатью секретности и с обычными поклонами Густхен и прочим, остаюсь
Твой брат по союзу
Ф. Н.
Только организуй возвращение в Наумбург вовремя, чтобы я не пришел в запустение.
153. An Paul Deussen in Marburg
Мой дорогой друг, не правда ли, ты все еще намерен хабилитироваться по философии?
С тех пор как я узнал об этом, я постоянно думаю о том, как можно было бы облегчить твое положение: и сегодня мне пришло на ум предложение, которое, возможно, могло бы тебе пригодиться. У меня спрашивают, не знаю ли я кого-нибудь, кто согласился бы на 4 года взять на себя обязанности воспитателя на следующих условиях.
Нужно жить в русской семье, причем на зиму — во Флоренции. Необходимо обучать одаренного, но несколько избалованного мальчика 13 лет английскому, латыни и немецкому языкам. В семье говорят по-французски. Этот набор языков для тебя, конечно, не составит труда. Жалованье высокое: 3000—4000 франков, то есть около 1000 талеров. Разумеется, полное содержание.
Благодаря этому ты на 4 года подготовки стал бы почти свободным человеком и мог бы почти полностью посвятить себя своим философским занятиям. При твоих необычайно скромных жизненных запросах ты мог бы сберечь почти всю сумму, чтобы начать свою карьеру приват-доцента, какой бы короткой она ни была, в качестве рантье. Короче говоря, ты выигрываешь время и деньги, не говоря уже о ценности пребывания в Италии, Швейцарии и т. д.
Напиши мне, но после хладнокровного размышления как можно скорее ответ. Ибо одно из условий состоит в том, что ты должен приступить к обязанностям уже этой зимой. Для этого тебе пришлось бы быстро покончить со своей карьерой школьного учителя.
Итак, достойный и дорогой друг! Быстро! Да! или Нет!
Я сам решил увидеться с тобой этой осенью. Я еду в Северную Германию и примерно 20 октября вернусь в Базель через Марбург.
Я сердечно рад буду снова тебя увидеть. —
Передай мои наилучшие пожелания твоему замечательному семейству. —
Я буду в Базеле еще полторы недели. За это время, да что там, в ближайшие дни должен прийти твой ответ. — Только не относись к этому делу слишком торжественно. Это не должно быть судьбоносным решением, а лишь забавной авантюрой.
Si nihil est, lusisse videmur.
Известие о твоем богословском экзамене привело меня в изумление. Больше я скажу лишь после того, как снова увижу тебя.
Ты еще раз перечитывал «Сократа»?
До свидания, дорогой,
старый друг и то-
варищ!
Фридр. Ницше.
154. An Elisabeth Nietzsche in Wiesbaden
Ну что ж, моя дорогая Лизбет, теперь ты узнаешь план моей поездки к вам. Я старался наскрести как можно больше дней. Благодаря обмену уроками в педагогиуме мне удалось освободиться на несколько дней раньше. Если по нашей прежней договоренности я собирался покинуть Базель в субботу вечером, то теперь я сделаю это уже в среду перед этим и, конечно, воспользуюсь прямым ночным поездом, который доставит меня во Франкфурт уже в четверг утром: там я и встречусь с тобой.
Значит, тебе придется выехать на три дня раньше, чем ты планировала: надеюсь, это не составит для тебя большого труда. Но теперь и наше пребывание в Наумбурге нужно подготовить немного раньше: поэтому я немедленно пишу нашей матери. Ты довольна? —
Твои восторженные крики «Ура!» по поводу сообщенного проекта невероятно преждевременны: я все еще нахожусь на стадии самых предварительных расспросов и продолжаю жить так, будто ничего не происходит и ничего не будет.
Вчера вечером я был у старых Вишеров. Передают привет. Также я узнал о письме, которое ты написала госпоже Вишер-Зон.
Примерно в то же время, когда я уеду к вам, здесь состоится свадьба моей хозяйки. Я бегу от этого события. Овербек и я, конечно, сделаем подарок.
Ромундт был у меня три дня: ему очень понравилось в Базеле.
Госпожа Вагнер написала, чтобы я передал тебе от нее сердечный привет: она сожалеет, что так мало видела тебя в Трибшене.
Семестр дается нелегко. Горе собаке, которая наелась кожи! — говорит латинянин.
Напиши мне хоть пару слов — о том, что ты получила мое письмо и собираешься выехать вовремя.
Я приветствую самое прекрасное и самое значительное существо из обеих семей
(Реминисценция твоего письма!)
Addio!
Фридрих Н. как брат.
Итак, мой отъезд в среду, 27 сентября.
155. An Franziska Nietzsche in Altendammbach
Вот, моя дорогая мама, следуют обещанные подробности о моем отъезде.
В среду, 27 сентября, вечером я покидаю Базель и, следовательно, буду в Наумбурге в четверг около 5 часов вечера вместе с Лизбет, с которой я встречусь во Франкфурте. Значит, тебе все-таки следовало бы навестить наш наумбургский дом на несколько дней раньше, не так ли?
Прими мою искреннюю благодарность за твое подробное письмо, из которого я также узнал, как сильно ты хочешь вернуться в Наумбург. Тем временем ты, во всяком случае, уже должна была получить наши письма из Висбадена и Базеля и избавиться от своих тревог. Почтовое сообщение с Альтендамбахом, по-видимому, не очень пунктуально и быстро.
Для поездки я постараюсь одеться как можно теплее. Ночи уже довольно холодные.
Фрау Фишер была чрезвычайно рада получению твоего письма: я был у нее вчера вечером.
Тем временем Ромундт навещал меня. Ему очень понравилось в Базеле, как и всем моим гостям.
Я думаю увидеть всех своих друзей по очереди. Лишь бы только Роде приехал в Лейпциг!
А теперь живи очень, очень хорошо! Как же я радуюсь нашей встрече!
Сердечно приветствуй от меня наших родственников!
Твой старый сын.
156. An Carl von Gersdorff in Berlin
Мой дорогой друг,
прими мой сердечнейший привет!
Я всегда так доволен, когда думаю о тебе; ибо мне кажется, что даже после пятилетнего интермеццо мы всё ещё очень хорошо подходим друг другу. Наши пути, в конечном счете, не разошлись, и так мы вновь обрели друг друга, и так мы будем обретать друг друга в будущем. Как мало людей имеют, после таких промежутков разлуки, такое счастье со своими друзьями!
Я благодарю тебя ещё раз за твой визит; ничего более приятного и утешительного не могло случиться со мной этим летом. Мы снова вместе натянули сеть культуры над нашими головами, и будет трудно помешать нам в этой общности наших лучших намерений.
Тебя повсюду вспоминают самым добрым словом. Фрау Вагнер писала мне о тебе, очень радостно и благодарно: Буркхардт и Вишер шлют тебе свои наилучшие пожелания. Короче — я хвалю свой Базель; мои друзья довольны Базелем, а Базель доволен моими друзьями.
Твои последние сообщения содержат много болезненного. Твой бедный брат!
Та дискуссия о религии и философии, о которой ты мне рассказываешь, безусловно, относится к самым печальным необходимостям жизни: если уж человек вынужден к ней, пусть вооружится мудростью и кротостью. Так чрезвычайно трудно при таких испытаниях удержаться от всякой горечи: в то время как, при великой тьме бытия, именно здесь — область сострадания. Подчеркивай всегда делом свое глубочайшее согласие с догматом любви и сострадания — это прочный мост, который может быть перекинут даже через такие пропасти. —
Также это благородное искусство — в таких вещах в нужное время молчать. Слово — опасная вещь и редко бывает верным в подобных случаях. Как многого нельзя высказывать! И именно религиозные и философские основные воззрения относятся к pudendis. Это корни нашего мышления и воления: поэтому их не следует вытаскивать на яркий свет. —
Осенью мы сможем увидеться снова: правда, вряд ли в Мангейме: ибо В<агнер> сейчас в полной творческой деятельности и поэтому его вряд ли можно с большим трудом склонить к таким отвлекающим публичным мероприятиям.
Но я, вероятно, приеду в Лейпциг, где я договорился о встрече с Роде. Более точные сведения сообщу тебе позже. Подумай только, что, возможно, мне посчастливится увидеть всех моих друзей этим летом и осенью по порядку.
Ты положил начало этому счастью. Затем приехал Ромундт на несколько дней, но к нашему обоюдному большому удовольствию. Он был по пути в Ниццу и теперь решил в следующем году хабилитироваться по философии.
В Наумбурге я встречу Пиндера и Круга, в Лейпциге Виндиша, Брокгаузенов Ричля и — Роде. На обратном пути через Марбург я хочу снова увидеть Дойссена.
— И не мог бы ты привезти Мушаке в Лейпциг, примерно 10 октября? Так круг был бы полным. —
Теперь ещё одна просьба. Знаешь ли ты молодого князя Хацфельда, брата фрау фон Шлейниц? Он референдарий и наследник майората. Я был бы тебе очень благодарен, если бы ты мог сообщить мне что-то точное о его характере, его образовательных намерениях и т. д. Причину этого, очень важного для меня запроса, я сообщу тебе позже. Если ты его не знаешь — по крайней мере, ты легко сможешь что-то о нем услышать.
А теперь, мой дорогой верный друг, прощай! Живи искусством Вагнера, как ты жил Шопенгауэром. Приветствуй от меня своих друзей-художников и вспоминай с любовью
своего горного това-
рища Фридриха Ницше.
157. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Мой глубокоуважаемый господин тайный советник,
сим извещаю Вас, что, согласно данному мною обещанию, осенью я непременно навещу Вас. Это уже решено. Мы о многом поговорим, я весьма расположен к беседам и знаю, что Вы и Ваша супруга по-прежнему относитесь ко мне с прежним участием. Об этом мне проговорился квартирант Ромундт, который через Базель отправился к месту своей службы в Ниццу.
Вместе с этими строками я отправляю трактат, который надеется — и, как мне кажется, имеет на то право — быть напечатанным в Рейнском музее. Он написан одаренным доктором Гейцером (сыном известного профессора и придворного служащего), который здесь является преподавателем гимназии и также посещал мои лекции. В данный момент он со своим учителем Э. Курциусом в Малой Азии, счастливчик! и, быть может, раскапывает кости Гектора — кто знает! Я полагаю, что когда-нибудь ему придет в голову — или его натолкнут на мысль — пройти процедуру хабилитации. Доставьте ему и мне удовольствие увидеть базельскую работу о Ликурге напечатанной в Рейнском музее.
Моя сестра некоторое время назад покинула меня. Мы здесь на последнем издыхании летнего семестра — у нас здесь длинное дыхание, не правда ли?
Итак, до свидания, глубокоуважаемый
учитель!
Ваш преданный
Фридрих Ницше
158. An Auguste Forst in Wiesbaden
Вы умеете просить, синьорина, и требовать! Каким жестоким, холодным и бесчувственным я должен казаться вам сейчас, когда я, несмотря на это, говорю — нет.
Я больше ничего, совершенно ничего не могу уделить из своего отпуска, так как на это время у меня уже запланировано слишком много дел. Я уже выделил неделю на встречу с друзьями в Лейпциге — не столько ради дружбы, сколько из-за довольно утомительных договоренностей, которые для меня носят характер обязанностей и задач. К ним я должен подготовиться сразу же, как только прибуду в наше Наумбургское уединение и тишину: поэтому моя главная задача — не потерять голову тем временем. Также на обратном пути у меня теряется еще два дня на подобные цели.
Да, вы думаете о прекрасном понятии отпускного путешествия! Я же знаю только поездки по состоянию здоровья и по делам.
Поэтому, прошу вас, отпустите вовремя мою сестру и начните также вовремя заводить для меня долговую книгу.
Запишите в ней на странице 1 в качестве первого преступления:
«отказанный визит, несмотря на одно из прекраснейших писем своего времени и мою руку»
С лучшей благодарностью и дружелюбнейшим, но непреклонным расположением
ваш
Д-р Фридр. Ницше
159. An Paul Deussen in Oberdreis
Так-то лучше, мой дорогой друг! Быстро и решительно!
И мне ты не сможешь упрекнуть в промедлении, если немедленно получишь рекомендательное письмо. Из него ты узнаешь, кто мать твоего будущего воспитанника и по каким каналам должны были пройти мои планы относительно тебя. Еще сегодня письмо по тому же делу было отправлено княгине Трубецкой в Хайден. Что ж, я желаю, чтобы все сложилось для тебя наилучшим образом.
Пиши же немедленно и отправляй свое подробное сопроводительное письмо вместе с рекомендацией. Скорее! Ибо недостатка в претендентах нет.
Разумеется, ты пишешь по-французски. Обращение, как ты знаешь, только Madame,
Я исхожу из того, что ты сообщишь мне обо всем, хотя бы для того, чтобы мы могли должным образом договориться о нашей встрече в октябре. Сейчас я не могу приехать в Обердрайс; я встречаю свою сестру в Висбадене, а затем мы вместе едем в Наумбург. Все уже оговорено, и изменение наших планов невозможно.
Тем временем я рассчитываю на обещанную встречу в Марбурге и сердечно радуюсь ей.
Поздравляя с твоим начинанием
Твой верный
Фридр. Ницше
160. An Paul Deussen in Marburg
Тут нам, мой дорогой друг, придется все устроить иначе и, как мне ни жаль, снова отложить нашу встречу.
Ибо до 20-го числа текущего месяца я не могу приехать в Марбург. Зато я полагаю, что мы сможем насладиться обществом друг друга с большим досугом и неспешностью, как ты и представлял себе в Веве, — а именно в Базеле: куда я снова прибуду 23-го числа. Мой адрес: Schützengraben 45; здесь же живет Овербек.
От всего сердца желаю тебе удачи в путешествии и премного благодарю за то, что ты не забыл о моем дне рождения. Я провел его при дружеской поддержке Роде, фон Герсдорфа, Круга и Пиндера с необычайной торжественностью. Это был последний день встречи с упомянутыми друзьями: предыдущую неделю мы провели в Лейпциге, в блаженных воспоминаниях. Там я передал издателю свою работу «Рождение трагедии из духа музыки».
Но к чему все это тебе писать! Ведь теперь нас неизбежно ждут встречи за встречами!
Утешаясь этим, остаюсь
твой старый друг Ф. Н.
161. An Wilhelm Vischer (-Bilfinger) in Basel
Глубокоуважаемый господин советник,
как бы скоро я сам, вслед за этим письмом, ни отправился в Базель, я все же охотно хочу послать вперед пару строк, которые должны заверить Вас в том, как сердечно я, вместе с моими близкими, порадовался последнему, любезно сообщенному нам событию в Вашей семье, и как сильно я также со своей стороны восклицаю замечательной паре новобрачных: счастья и благополучия! —
В следующее воскресенье я прибуду в Базель, чтобы прежде всего иметь возможность принять участие в устном экзамене в педагогиуме. Я хочу еще добавить, что, как и следовало ожидать, я остался при решении, намеченном Вам перед моим отъездом, — ответить отказом на одно предложение. —
С сердечным приветом Вам и Вашей супруге, остаюсь, как всегда,
Ваш покорный
Д-р Фр. Ницше, проф.
162. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
сегодня я посылаю тебе лишь словечко в сопровождение ярмарочной фотографии, которую Хенниг к моему удовольствию доставил позавчера. Упомянутый фотограф хочет получить с нас еще 1 талер, из-за чего на каждого из нас ложатся расходы в 10 серебряных грошей. Тем временем я уже заплатил. На этой фотографии мы стоим несколько смещенно, а я, прежде всего, «некрасиво сгорбившись», с тупым взглядом, из которого говорит вся глупость ярмарки вместе с ее спиртными напитками. В остальном — senza frivolita — мы все же были самыми счастливыми ярмарочными евреями в Лейпциге, да, мы могли бы распределить между собой роли из «Лумпацивагабундуса», причем я претендую на роль сапожника из-за delirium tremens clemens demens.
Потерянный «Фауст» был тем временем найден мной и Густавом Кругом снова на Кнабенберге, в том месте, где отдыхал Герсдорф: что я расцениваю как чудесное omen. Первое место, которое я открыл в книге, было: Альтмайер: «Ну скажи мне, разве можно верить в чудеса». Что живо напомнило мне о нашем ярмарочном чуде и адвентском чуде нашего существования в Лейпциге.
«Мой! Неужели вино еще течет?»
Я почти верю в это, мой дорогой друг, это не было фокусом, наше призрачное явление в Лейпциге. Мы были там и будем там: что еврей должен выразить словом Иегова. Господи, вспомни о грубой комнате!
Пусть благословит тебя святой Пифагор, меня — святой Фриц<z>ш, а всех нас — вещь в себе!
Завтра я возвращаюсь в Базель, поднимаясь из-за трапезы моих праздничных радостей, как сытый гуляка. Столь торжественно и роскошно я их никогда не проводил, и я знаю, кого мне благодарить — моих друзей. Но еще больше всех демонов, которым мы в один час в ближайшем будущем хотим принести общую благодарственную жертву: тем самым мы хотим блестяще подтвердить идеальность времени и пространства. В следующий понедельник вечером в 10 часов пусть каждый из нас поднимет бокал с темным красным вином и выльет половину его в черную ночь со словами χαίρετε δαίμονες, а вторую половину выпьет. Probatum est. Благослови это Самиэль! Уху! — Герсдорфу я сообщу.
Прими благодарность, мой дорогой, дорогой друг!
П.С.
163. An Carl von Gersdorff in Berlin
Вот, мой дорогой друг, получи обратно «счастливо обретенного» Фауста, которого мы в среду нашли в том месте, где ты отдыхал. Мы от души посмеялись над этим, и втайне я подумал, что вряд ли может быть более дружелюбная милость демонов. Поэтому мы хотим принести этим демонам, которые во время нашей встречи явно старались изо всех сил, общую благодарственную жертву, о чем я только что сообщил Роде все необходимое. В следующий понедельник вечером в 10 часов мы устроим так, чтобы каждый из нас поднял бокал темного красного вина и вылил половину его в черную ночь со словами χαίρετε δαίμονες, а вторую половину выпил.
Вместе с этим ты получаешь ярмарочную фотографию, на которой ты восседаешь как паша: за которую, кстати, каждый должен заплатить еще 10 серебряных грошей: эту сумму я пока внес за тебя.
Завтра я уезжаю в Базель. Тем временем прими мой самый сердечный привет и благодарность. Это были чудесные дни. Да здравствует наша дружба!
Твой верный друг
Фридр. Ницше
164. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мама и сестра, наконец-то я могу сообщить вам о своем путешествии и с теплотой вспомнить время, проведенное вместе. Все прошло благополучно, без железнодорожных происшествий: только погода была довольно безрадостной, сырой и холодной. В Наумбурге нам действительно удалось выгадать последний погожий день для нашего массового приглашения. Ночью, когда я проезжал через пустынную рыночную площадь, уже начал накрапывать дождь. Мне пришлось долго ехать вместе с чахоточными больными, направлявшимися в Монтрё, что было мне противно: пока наконец день не избавил меня от них, и я смог провести последнюю часть пути от Брухзаля в одиночестве в своем купе. Наш поезд, конечно, прибыл с опозданием на час. Я лег спать пораньше и проснулся только около половины девятого утра в понедельник. Эти три дня прошли в экзаменационных хлопотах и совещаниях по переводу в следующий класс. Я нашел приглашение от Турнайзена-Мериана, а вчера принял приглашение к Фишерам на Риттергассе на воскресенье. В «Копфе» снова собрались трое завсегдатаев, и еда нам снова по вкусу — вполне сносно. — После этой болтовни кажется, что я совсем стал старой бабой. Погода, хороший сон и еда теперь обсуждены. Села! —
У меня очень приятное чувство, когда я думаю о нашем времени в Наумбурге. В «кабинетчике» работается так же хорошо, как там спится и естся. К тому же в этот раз люди были немного дружелюбнее, чем обычно. А какая торжественность и роскошь были в мой день рождения! И вообще, как уютно вы устроили там мое существование. Горе вам, если вы будете так меня баловать! Я тогда буду приезжать на все каникулы в Наумбург: и Лизбет никогда больше не вернется в Базель! Горе! Фрау Фишер-Хойслер спросила меня, есть ли у нее все еще «тоска по дому» по Базелю. Тут уж всему конец.
В понедельник у нас снова начинается школа, в четверг — праздник ректората и академический обед гильдии. Фрау Хойслер уехала в Давос. Трое новых коллег прибыли, все (кроме Иммермана) в жилищной беде. Нойманн с женой все еще живет в «Трех королях». Поскольку подходящего жилья на двоих никак не находилось, он наконец снял этаж у Хисса на Петерсплац за 1800 франков, но пока не может туда въехать. Эйкен живет в узкой, как шланг, квартире в маленьком домике на той же площади. Э. привез с собой мать, вдову почтмейстера. У Фишеров его представили через горничную как «господина профессора Почтмейстера», в память о Либермейстере.
В самом доме все, по-видимому, спокойно. Проблема с портье мной еще не решена. У меня ни холодно, ни тепло. —
А теперь живите очень, очень хорошо, и примите мою глубочайшую благодарность за вашу любовь и доброту.
Фриц.
Мое пианино снова звучит великолепно.
165. An Gustav Krug in Naumburg
Этот привет,
дорогой друг,
в качестве подарка:
чтобы тебя не
огорчение
грызло и терзало,
а чтобы
веселое настроение
вело тебя и направляло,
друзьям на утешение,
врагам же
на вечную зависть!
Эту песню следует исполнять на особый варварский манер, который я также изобрел в твою честь. При нашей следующей встрече я передам её устно. Написанная на бумаге, она увядает.
Какое приятное воспоминание я унес с собой из своих осенних дней в Наумбурге! Давно я так не наслаждался дружбой, родиной, прошлым и настоящим, и я в неоплатном долгу перед моими дорогими друзьями. Совершенно необычным образом чувство благополучия от тех светлых и теплых осенних дней проявилось во мне даже спустя время, таким образом, который вызовет твое сочувствие, мой дорогой друг. Ты знаешь, что я уже 6 лет ничего не сочинял (с того самого «Kyrie» я больше не брался за перо, чтобы начертить нотную головку), и вот — или слушай!
Тем временем появилось странное произведение, словно упавшее с неба. Первоначальным мотивом было лишь переложить что-то из моих прежних вещей для игры в четыре руки, чтобы я мог исполнить это со своим коллегой Овербеком. Я наткнулся на ту «Новогоднюю ночь»: но едва я купил нотную бумагу, как всё преобразилось под моими руками, и с самого первого такта это стало чем-то совершенно новым. Длинное название этой пьесы в четыре руки, исполнение которой длится 20 минут, гласит:
«Отзвук новогодней ночи, с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом». —
Ты знаешь, как я был удивлен, застав тебя еще в свежем творческом настроении, и я чувствовал себя, кто знает, насколько увядшим или даже «мудрым», что я смирился с этим на 6 лет. И теперь, спустя время! Ты видишь, какой плод принес мне твой пример! В остальном, теперь, когда работа позади, я почти на прежней точке и не помышляю о том, чтобы дальше сочинять: поэтому я и сказал, что эта композиция упала с неба. Во всяком случае, она звучит хорошо: в ней есть что-то популярное, она никогда не переходит в трагическое, пусть даже в серьезное и меланхоличное. Порой она торжествующая, да и болезненно-неистовая, короче — если ты хочешь вспомнить наши праздничные настроения, прогулки по Кнабенбергу, вплоть до «вещи в себе», то у тебя будет пример этой «дионисийской манифестации». Всё построено на немногих темах, по тембру, конечно, оркестровое, даже формально жаждущее оркестровки, но ты знаешь — здесь я больше не помощник. Дни рождения приходятся на 1–7 ноября: это настолько чистая рукопись, что мы с Овербеком до сих пор играли её по первому черновику. Сейчас я переписываю её снова, чтобы сделать подарок на день рождения моей выдающейся и почитаемой подруге, фрау Козиме В.
Теперь новый семестр предъявляет свои требования: мои интересы направлены на Платона и латинскую эпиграфику. Так что музу музыкального искусства я слышу лишь издалека —
Я размышляю о том, как мне однажды дать тебе составить впечатление о моей комп. Во всяком случае, при нашей следующей встрече. Ведь в конце концов ты единственный, кто проявит хоть какое-то сочувствие к таким экстравагантностям: от других людей я ожидаю лишь определенного недоверия в этом пункте. Что с того и кому вредит, если я раз в 6 лет выкупаю себя из плена музыки дионисийским способом! Ибо именно так я рассматриваю этот музыкальный эксцесс — как охранную грамоту. Это отзвук, в том числе и для моего музыкального времени жизни, новогодний отзвук из музыкального года. — Теперь я надеюсь, что благодаря моему стремительному ходу продвинется и твой квартет: что мы снова, по старой привычке «Germania», проведем «синод» и сможем завершить его «концертом собственных сочинений». — Пусть тебя и нашего дорогого общего друга Вильгельма ведет и направляет добрый гений, даже на всех юридических путях,
друзьям на утешение,
врагам же
на вечную зависть!
Ф. В. Ницше.
166. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Наконец, дорогая мама и сестра, вы получаете заслуженную благодарность за ваши сердечно порадовавшие меня письма, а также с моей стороны новые сообщения. Но что произошло тем временем, что могло бы быть для вас интересно? Начиная со вчерашнего дня: я был приглашен на обед к Бахофенам, где было выражено неоднократное сожаление по поводу твоего отсутствия, дорогая Лизбет. Затем старый Фишер уже 2 недели прикован к постели из-за тяжелого ревматизма и мышечных воспалений. Дела идут пока неважно. Затем у меня снова идут все лекции с начала прошлой недели: 9 студентов на одной, 6 на другой. Я читаю трехчасовой курс, одночасовой и, кроме того, провожу семинарские занятия и свои уроки в педагогиуме. Итого 11 часов в неделю, чем я доволен. — Дойссен устроил свое свидание так невероятно, что я смог увидеть его только ночью с 12 до 2 часов, и он остался в моей памяти как «фантом». — Молодые Фишеры на днях принесли мне виноград. — Два дня я провел у Вагнеров, где был принят с самой теплой сердечностью. Там я познакомился с привлекательной госпожой фон Муханов (графиней Нессельроде). На вокзале Вагнер еще крикнул мне вслед приветы «милой сестренке» и спросил, не приедешь ли ты скоро снова. Что я и пообещал детям. — Герсдорф часто и красиво пишет из Берлина. Он наконец нашел у Гёте, среди «общественных песен», стихи Мадзини «и в целом, полном, прекрасном решительно жить». Один из его друзей-художников собирается придумать для меня виньетку. — От Фри<т>ша в Лейпциге ни словечка; моему удивлению нет предела. — Праздничные дни были для меня такими согревающими, что я после этого стал композитором и с большой скоростью завершил длинную композицию для четырех рук, которую играю с Овербеком: «Отзвук новогодней ночи, с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом»: очень милая шутка! Густаву я сегодня написал: я хотел бы еще прислать ему экземпляр «Сократа». В конце концов, я замечаю, что у меня совсем не осталось переплетенных экземпляров: поэтому мне приходится утешить Густава обещанием на Рождество.
У меня все хорошо: но какой ужас! Вчера у нас выпал огромный снег. Эта отвратительная «белая грязь»! Я встретил его с возмущением. Скользить, а не ходить на лекции в этом угловатом холмистом городе — это большая беда, безнадежно, безнадежно!
С сердечными приветами от вашего
Фрица.
167. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Глубокоуважаемый господин,
Вы действительно привели меня в состояние изумления своим молчанием; я не знал, что думать и что делать, и потому с живым участием ожидал того дня, когда прояснится то, что было мне непонятно. Тем больше я обрадовался полученному сегодня от Вас письму, которое рассеяло все мои тревоги и напоминает мне лишь об одном — о величайшей спешке. Поэтому я посылаю сегодня же то, что у меня готово к печати из моего сочинения, и обещаю как можно скорее прислать недостающую часть и предисловие. Тем временем мы должны сделать всё возможное, чтобы закончить к Рождеству. Если хотя бы отчасти сбудется то, на что я надеюсь в связи с этим сочинением вместе с моими друзьями, то и Вы получите радость и благодарность за то, что помогли ему выйти в свет.
Во всех остальных отношениях мы, как я полагаю, с помощью Рих. Вагнера договоримся так же легко, как и к обоюдному удовлетворению.
Тем временем я надеюсь на скорейшую присылку корректурных листов: мы условились, что я сам возьму на себя последнюю ревизию.
Теперь мне остается лишь пожелать, чтобы наши имена сошлись под счастливой звездой: и если имена рифмуются, то и люди должны быть на это способны.
Ваш преданный
Д-р Фр. Ницше
168. An Carl von Gersdorff in Berlin
Прости меня, мой дорогой друг, что я не поблагодарил тебя раньше за твои письма, каждое из которых напоминает мне о твоей деятельной культурной жизни, словно ты в сущности всё ещё солдат и стремишься проявить свой военный дух теперь в области философии и искусства. И это правильно; только как борцы мы имеем право на существование именно в наше время, как передовые бойцы за грядущий век, формирование которого мы можем предчувствовать в себе, а именно в наши лучшие часы: ведь эти лучшие часы всё же явно отчуждают нас от духа нашего времени, но всё же должны где-то иметь родину; поэтому я верю, что в эти часы мы имеем некое смутное предчувствие грядущего. Разве у нас не осталось от нашего последнего совместного лейпцигского воспоминания памяти о таких отчужденных моментах, которые принадлежат другому веку? — Итак — остается при своем: жить решительно в целом, полном, прекрасном! Но для этого нужна твердая решимость, и это не для каждого!
Сегодня я живо вспомнил наше лейпцигское существование, и в известном смысле могу сказать: я связываю теперь радостное начало с радостным концом, как поется в веселой песне. Сегодня, именно сегодня! Фрич, этот превосходный издатель, ответил на мой тогдашний визит: поэтому я и должен сообщить тебе именно сегодня. Ведь ты и Роде были теми, кто привел меня к замечательному Фричу морально и физически: что я до сих пор должен превозносить. Он не был виноват в том, что его ответ так задержался. Он сразу же отправил рукопись специалисту на оценку, и тот провозился до 16 ноября. Ты ведь еще помнишь, что песня «Дорогой друг, этот привет в подарок» предназначалась на 16 ноября, а именно ко дню рождения Круга. В этот же день добрый Фрич написал, «чтобы меня не грызла и не мучила досада», и даже обещает управиться к Рождеству. Итак, оформление точно по образцу вагнеровской «Назначения оперы» решено: радуйся вместе со мной! Для красивой виньетки, таким образом, будет великолепное место: передай это своему другу-художнику вместе с моими самыми сочувственными приветствиями. Возьми как-нибудь вагнеровскую брошюру, открой титульный лист и рассчитай размер, который мы можем дать художественному произведению. Всё дело только в титуле:
Рождение
трагедии
из духа музыки.
от
Д-ра Фридриха Ницше
ординарного профессора классической филологии
Лейпциг Фрич.
У меня до сих пор самое лучшее доверие: сочинение будет мощно раскупаться, и господину автору виньеток стоит лишь приготовиться к кусочку бессмертия.
А теперь еще кое-что новое. Представь себе, мой дорогой друг, каким странным образом те согревающие дни моей каникулярной встречи снова проявились во мне впоследствии. А именно в форме более крупной композиции в четыре руки, в которой всё звучит отголосками прекрасной, согретой солнцем осени. Опус назван так, потому что он связан с детским воспоминанием: «Отзвук новогодней ночи, с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом». Это ведь забавное название: можно было бы с таким же успехом ожидать еще большего, «с чашей пунша и новогодними поздравлениями». Овербек и я играем её, это теперь наш спецификум, который у нас есть перед всеми людьми, играющими в четыре руки. На Рождество фрау Вагнер будет одарена и удивлена этой музыкой. И в этой комп. вы, мои дорогие друзья, являетесь бессознательными dei ex machina! С 6 лет я больше ничего не сочинял, и эта осень снова стимулировала меня! Хорошо исполненная, музыка длится 20 минут.
В остальном я снова в филологической деятельности, читаю «Введение в изучение Платона» и «латинскую эпиграфику» и готовлю на время после Нового года 6 публичных лекций «о будущем наших образовательных учреждений».
В следующий вторник наш новый философ читает свою вступительную лекцию на «само собой разумеющуюся» тему: «значение Аристотеля для современности». — —
Здесь тебя добрым словом поминают. Освящение демонов я отпраздновал у Якоба Буркхардта, в его комнате: он присоединился к моему акту освящения, и мы выплеснули на улицу добрых два бокала хорошего ронского вина. В прежние века нас заподозрили бы в колдовстве. — Когда я тогда в половине двенадцатого ночи пришел домой, довольно демонический, я к своему удивлению обнаружил друга Дойссена, с которым еще до двух часов бродил по улице. Самым ранним поездом он уехал. У меня почти призрачное воспоминание о нем, так как я видел его только при тусклом свете лампы и луны.
Дай о себе знать в ближайшее время, мой доблестный достойный друг! Ты теперь знаешь, что с винь<еткой> самое время.
Сердечно приветствую тебя, твой Фридр. Н.
169. An Richard Wagner in Tribschen
Глубокоуважаемый маэстро,
сегодня наконец наш Фрич из Лейпцига прислал мне известие, после того как я долго жил в полном недоумении относительно его молчания, не зная толком, что мне делать. Теперь я узнаю, что он отослал мою рукопись сразу же, еще до того, как прибыли ваши рекомендательные строки, одному из сотрудников своей газеты для критического ознакомления: этот бездельник удерживал ее до 16 ноября. Теперь же дело должно быстро пойти в печать; в отношении чего Фрич дает превосходные обещания. Затем следует пассаж, который вы, возможно, сможете объяснить мне одним словом. Фрич пишет мне: «над вопросом о гонораре вы, вероятно, размышляли сами, возможно, господин Вагнер сделал вам в этом отношении некоторые намеки».
Здесь вы застали бы меня полностью скрытым за огромными трудами по эпиграфике, из которых я стряпаю латинскую эпиграфику для своих студентов, или окруженным сотнями платоновских сочинений, с помощью которых я ввожу своих слушателей в изучение Платона. Стоит мне хоть раз поднять ухо из этой груды книг, как я тут же слышу что-то о том, что происходит в Болонье или что обсуждается в городском собрании Байройта, или же передо мной предстает «Academy» с новой статьей Франца Хюффера, этого переодетого англичанина, или же поразительное объявление с именем моего друга Герсдорфа, или рецензия на «Прелиминарии к теории музыкального искусства» Фукса и т. д. Короче говоря, даже беглого прислушивания теперь достаточно, чтобы оставаться в курсе основных внешних черт вашего существования.
От моего последнего посещения Трибшена у меня остались самые теплые и сердечные воспоминания, и я знаю, чем я обязан своим демонам: которым я недавно принес благодарственную жертву, с подношением красного вина и произнесенными словами Χαίρετε Δαίμονες: торжество, которое одновременно состоялось в Базеле, Берлине и Киле, и при совершении которого каждый из нас, конечно, думал и о вас: ибо о чем мы просим демонов, за что мы их благодарим, что не было бы самым тесным и неразрывным образом связано с вами?
Ваш верный
Фридрих Ницше.
170. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
я только что прилег отдохнуть на диван и закрыл глаза руками, как вдруг, думая о тебе, вскочил, схватил перо и, как видишь, пишу тебе. Мне пришло в голову, что ты давно ничего не слышал обо мне и, возможно, хотел бы узнать в подробностях, как у меня идут дела, в частности, с книжечкой Фриче-Ницше. Нашел ли ты что-нибудь подходящее из области гемм? Ведь тогда было бы самое время сообщить об этом благородному издателю. Или мы могли бы отправить это нашему другу Мозенгелю, который в свое время рассказывал мне, что принадлежит к числу немногих художников, которые также являются «граверами». Я не знаю, является ли техника гравирования подходящей в данном случае, как с этим обстоят дела? —
Только с прошлого воскресенья у меня есть известия от доброго Фрича. Хотя это дело меня беспокоило, я ничего не предпринимал — ни за, ни против, а тихо ждал, что решат мои демоны. Наконец пришло разъяснение: Фрич отправил мою рукопись сотруднику своей газеты для критической оценки, а этот бездельник так долго тянул! Теперь, кажется, все в порядке. Оформление, как в «Назначении оперы» Вагнера, гарантировано, и я думаю, что еще ни одно первое произведение не было так роскошно «одето» и не было «крещено», как дитя принца.
У меня осталось очень приятное воспоминание о нашей встрече, которая внутренне и внешне, под воздействием мягкого теплого осеннего солнца, так меня взбодрила, что я после этого, спустя 6 лет перерыва, снова стал композитором. Длинное сочинение в четыре руки, продолжительностью 20 минут, было закончено в короткий срок, сразу после моего возвращения в Базель, и я им очень доволен. Оно называется, в память о юности, так:
«Отзвук новогодней ночи, с процессионной песней, крестьянским танцем и полуночным колоколом».
Этим я обязан вам, мои дорогие друзья, и ты почувствуешь это, когда однажды услышишь его.
Демоническое посвящение я отпраздновал вместе с Буркхардом: он присоединился к жертве, и в 10 часов вечера два бокала красного темного вина потекли в ночь. — На следующий день у меня было демоническое похмелье. —
Я с удовольствием читаю Платона и латинскую эпиграфику. И тут мне снова кое-что пришло в голову. Скажи, дорогой друг, не думал ли ты когда-нибудь сам публично высказаться о моей книжечке о трагедии? Я всегда боюсь, что филологи не захотят читать ее из-за музыки, музыканты — из-за филологии, а философы — из-за музыки и филологии, и тогда мне становится страшно и жалко моего доброго Фрича. Может быть, ты мог бы взять филологов «на прицел», например, в письме к редактору Рейнского музея или в письме ко мне. Короче говоря, мне не хватает «высшей рекламы». Ты знаешь, как сильно нужно подталкивать филологов ко всему, что выходит не у Тойбнера и без приложения критических примечаний. Подтолкни их! Я прошу тебя.—
Очень хорошее письмо Вагнера о постановке в Болонье было в последнем воскресном приложении «Norddeutsche Allgemeine». Ты уже связался с Вагнером письменно? Твой трактат был прочитан со всей серьезностью. Второй акт «Гибели богов» был закончен 3 дня назад.
Порадуй меня поскорее письмом, мой дорогой, дорогой друг.
Искренне твой
ὁ μουσικός.
Деньги я получил, но примерно на 2 франка больше. Что мне с ними делать? Или это было рассчитано на мое обогащение? —
Я как раз думаю о том, что ты ведь «властвуешь» над «Centralblatt»: но не должны ли мы тогда опасаться серьезного сопротивления со стороны редакции? Или нет? В любом случае, выдели тогда немного места. — Ты получишь один из первых экземпляров. Примерно к Новому году.
171. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Достопочтенный господин издатель,
получите здесь для нашего сочинения виньетку для титульного листа, которую выполнил превосходный художник и сегодня прислал мне. Это Прометей, освобожденный от своих оков. Теперь я прошу Вас безотлагательно поручить исполнение этой виньетки хорошему и в лучшем смысле слова проверенному ксилографу.
В любом случае создатель этой виньетки должен получить деревянную форму для возможной корректуры. Используйте для этого следующий адрес: господину Карлу фон Герсдорфу, кавалеру Железного креста, Берлин, Александриненштрассе, 121 (сто двадцать один), 2-й этаж. Этот господин, правда, не является изготовителем виньетки, но он очень близкий друг художника, чей собственный адрес я случайно не имею.
Разумеется, все упомянутые люди — ревностные вагнерианцы. Пользуясь случаем, спрашиваю Вас теперь, не хотите ли Вы дать мне в качестве гонорара за печатный лист три луидора? Почему Вы не делаете мне предложения? Теперь я должен сделать его Вам. Вагнер жалуется, что в таких делах каждый раз всё происходит так, будто никогда еще не печаталось ни одной книги. Скажите мне, можете ли Вы согласиться с моим предложением. —
Я ежедневно жду печатные листы: как далеко мы продвинулись?
С дружеским приветом, Ваш
преданный
д-р Фр. Ницше
проф.
P.S. Остаток моей рукописи Вы скоро получите. — Виньетку представьте себе помещенной между нашими именами на титульном листе: это маленький шедевр, который простым способом говорит о многом и серьезном.
172. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мама и сестра,
Сердечно благодарю за недавно полученное письмо. С удовольствием узнал, что вам хорошо живётся в Наумбурге. Однако на Рождество мы не сможем быть вместе: мне предстоит прочитать 6 лекций «О будущем наших образовательных учреждений» после Нового года, а я до сих пор едва мог о них подумать, так сильно меня занимают мои курсы (один с 10, другой с 7 слушателями). К тому же мне теперь нужно думать о завершении моей книжки о трагедии. Ведь с Фричем всё в порядке. Она печатается, и я ежедневно жду корректурные листы. Оформление будет очень красивым (подобно оформлению «Назначения оперы» Вагнера). Но нужно о многом подумать, и необходимо много времени проводить в одиночестве. — 20-го числа этого месяца состоится большой концерт Вагнера в Мангейме. У меня почти нет шансов туда попасть, потому что мы здесь удивительно добросовестны в плане посещения лекций, да и в Педагогиуме меня никто не может подменить. Так что этот концерт пройдёт мимо меня, как и берлинский — да и что только не проходит мимо? Лишь бы мне справиться с Байройтом!
Старый Фишер снова чувствует себя хорошо. Он уже встал с постели, и я часто бываю у него. Фрау Фишер рассказала мне о письме в Наумбург, которое она написала. — У Хайне недавно был большой приём, главным образом в честь новых профессоров и их жён. Исполняли «Детскую симфонию», а потом танцевали — до полуночи. В понедельник я приглашён на приём к Гельцеру, старый Гельцер специально написал мне, что сожалеет, что не может пригласить тебя, дорогая Лизбет. Одновременно с твоим последним письмом я получил пригласительный билет на большой обед, который устраивал Георг Фюрстенбергер в честь новобрачных. Мы вчера с Божьей помощью его пережили. В нашем распоряжении был весь второй этаж отеля «Эйлер» и большой обеденный зал на первом этаже, и это была роскошь, по крайней мере, невиданная мною в Базеле. Нас было около 60 приглашённых, но только молодёжь, без матерей и отцов (ни старая фрау Фишер, ни старая фрау Сарасин не присутствовали, зато были фрау Фишер-Сарасин и Фишер-Хойслер). В основном же — подруги невесты и друзья жениха. Во всём чувствовались миллионы гостей, и вам, безусловно, было бы очень интересно увидеть всю самую знатную базельскую аристократию вместе. Мы были вместе с часу дня до восьми вечера и в конце ещё пару часов танцевали. Я был единственным немцем в этой компании. Мне анонсировали ещё несколько балов. Посылаю вам для забавы меню с карточкой рассадки и прошу прощения за то, что так много рассказал о подобных вещах. Впрочем, было «весело».
С сердечным приветом
Ваш Фриц.
Напишите мне что-нибудь о ваших рождественских пожеланиях.
173. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Глубокоуважаемый господин издатель,
с Вашими предложениями по гонорару я во всех отношениях согласен и считаю этот пункт решенным и закрытым. Однако я хотел бы попросить еще некоторое количество авторских экземпляров, а именно 25, из которых 5 должны быть на веленевой бумаге (именно на такой веленевой бумаге, как в «Бетховене» Вагнера). Сможете ли Вы мне это предоставить?
Что касается бумаги, я думаю, остается в силе первая договоренность, то есть бумага из «Назначения оперы» Вагнера.
Печать и ее корректность меня удовлетворили. Печать может продолжаться как можно скорее. Я не заставлю себя ждать.
С наилучшими пожеланиями
Ваш покорный
Проф. Ницше.
P.S. Мне пришло в голову, что мы доставили бы госпоже Вагнер большую радость, если бы изготовили один экземпляр на желтой бумаге, которую она очень любит. Когда я навещал Вас осенью в Лейпциге, Вы показывали мне такую бумагу, не так ли?
174. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая мама,
вот короткая рождественская записка для Лизбет. Пожалуйста, купи для меня фотоальбом. Я сам отправлю на твой адрес: 1) историю искусств, 2) Хебеля.
С сердечным приветом и просьбой не читать прилагаемую записку. Она предназначена для Лизбет.
Сердечно благодарю за твое уютное письмо.
Очень спешу
Твой Фриц.
175. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Моя дорогая Лизбет,
сегодня ничего, кроме этой короткой рождественской записки. Я вынужден оставить тебя одну заниматься Рождеством для нашей дорогой матушки: а именно, я прошу тебя 1) заказать и вручить от моего имени занавески. 2) несколько резных ложек, ножей и вилок. Последнее я мог бы достать и здесь, но боюсь, что они сломаются.
Я очень занят работой и очень спешу.
Твой брат.
176. An Carl von Gersdorff in Berlin
Мой дорогой друг,
недавно я кое-что забыл, а именно текст к «Имперскому маршу»: что ты, при моей великой путанице во всех возможных делах, однажды, быть может, извинишь. Во вторник у меня наконец появилось немного свободного времени: благодаря тому, что я отправил Фричу хотя бы остаток рукописи и предисловие. В Мангейм я — увы! увы! — поехать не могу, так как должность писца в регентстве и затянувшаяся болезнь профессора Герлаха не позволяют мне взять отпуск.
За виньетку я тебя уже поблагодарил: Фрич заверил меня, что нашел проверенного ксилографа. Он получил через меня твой адрес, чтобы деревянная форма была отправлена тебе, в руки уважаемого художника.
А теперь текст:
Народная песня.
Славься, славься, Кайзер!
Король Вильгельм!
Оплот всех немцев и страж свободы!
Высшая из корон,
Как украшает она твою главу!
Славно добытый,
Мир да вознаградит тебя!
Подобно вновь зазеленевшему дубу,
Восстала благодаря тебе Германская империя:
Слава её предкам,
её знамёнам,
что вели тебя, что мы несли,
когда вместе с тобой мы разбили Францию!
Врагу на отпор,
Другу на защиту,
всему народу Германская империя на благо и пользу!
/: Последняя строка повторяется :/
С сердечным приветом,
мой дорогой друг!
Твой
Ф.Н.
Где ты будешь на Рождество? —
177. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой, дорогой друг,
прими прежде всего сердечное рождественское поздравление!
Я надеялся, что к этому времени уже смогу отослать тебе свое сочинение: однако возникли некоторые задержки, не по моей вине, так что мой рождественский подарок в этот раз придет немного с опозданием. Виньетка на титульном листе доставила немало хлопот: рисунок, выполненный другом Герсдорфа Рау, вызвал наш величайший восторг, но «проверенный» ксилограф, которого для этого выбрал Фрич, выполнил работу по-дилетантски, так что его деревянная доска оказалась совершенно непригодной и неисправимой, и нам пришлось передать работу заново одному из лучших ксилографов, академическому художнику Фогелю в Берлине. Герсдорф верно стоит на моей стороне и отличается самой надежной готовностью помочь во всем (Ты не писал ему хоть разок маленькое письмецо? Думаю, ты бы его очень порадовал. Он входит в правление Берлинского вагнеровского общества: не хочешь ли ты записаться к нему на лотерейный билет? Alexandrinenstr. 121 II этаж)
Печать идет значительно плотнее, чем в «Рождении трагедии», поэтому сочинение будет небольшим по объему, около 140 страниц. Восемь листов готовы со всех сторон, и мне осталось исправить лишь небольшой остаток и предисловие. Вся последняя, еще неизвестная тебе часть, несомненно, приведет тебя в изумление, я многим рискнул, но могу в самом огромном смысле воскликнуть: animam salvavi: отчего я с большим удовлетворением вспоминаю о сочинении и не беспокоюсь, хотя оно получилось настолько вызывающим, насколько это возможно, и с некоторых сторон при его публикации раздастся прямо-таки «крик негодования».
Впрочем, я чувствую себя удивительно укрепившимся в своих познаниях о музыке и убежденным в их правильности — благодаря тому, что я пережил на этой неделе в Мангейме вместе с Вагнером. Ах, мой друг! Что тебя там не было! Что значат все прочие художественные воспоминания и опыты по сравнению с этими самыми последними! Со мной было как с тем, кому наконец исполнилось предчувствие. Ибо именно это и есть музыка, и ничто иное! И именно это я имею в виду под словом «музыка», когда описываю дионисийское, и ничто иное! Но если я подумаю, что лишь несколько сотен людей из следующего поколения получат от музыки то, что получаю от нее я, то я ожидаю совершенно новой культуры! Все, что остается и вовсе не хочет охватываться музыкальными отношениями, вызывает у меня, конечно, порой прямо-таки отвращение и ужас. И когда я вернулся с мангеймского концерта, у меня действительно был странно усиленный бессонный ужас перед действительностью дня: потому что она мне больше не казалась действительной, а призрачной.
Это Рождество я провожу в одиночестве в Базеле и отклонил сердечные приглашения из Трибшена. Мне нужны время и одиночество, чтобы обдумать кое-что о моих 6 лекциях (Будущее наших образовательных учреждений) и собраться с мыслями. Госпоже В., чей день рождения 25 декабря (и которой я бы на твоем месте написал!), я посвятил свою «Новогоднюю ночь» и с нетерпением жду, что я услышу оттуда о своей музыкальной работе, так как я еще никогда не слышал ничего компетентного. Когда я однажды представлю ее тебе для прочтения, ты, как я полагаю, с волнением услышишь тот теплый, созерцательный и счастливый тон, который звучит сквозь все произведение и для меня означает просветленное воспоминание о чувстве счастья моих осенних каникул.
С Якобом Буркхардтом я провел несколько прекрасных дней, и между нами много велись беседы об эллинстве. Я думаю, сейчас в этом отношении можно кое-чему научиться в Базеле. Твое пифагорейское эссе он прочитал с большим интересом и сделал выписки для своих целей, и то, что ты говоришь обо всем развитии представления о Пифагоре, безусловно, лучшее, что было сказано до сих пор по столь серьезному разделу. Тем временем я получил ряд фундаментальных идей о Платоне, и я думаю, мы оба могли бы однажды основательно и внутренне согреть и осветить доселе столь жалкую и мумиеподобную историю греческих философов. — Все, что у тебя есть сказать общего, только не отдавай в проклятые филологические журналы: подожди немного «Байрейтских листков»! — По поводу твоей обещанной рецензии на Царнке я очень счастлив и заранее очень благодарен. Мой дорогой друг, нам предстоит прожить вместе еще большой кусок жизни: мы будем верны.
Ф.Н.
178. An Carl von Gersdorff in Berlin
Прежде всего, мой дорогой и почтенный друг, я думаю о праздновании Твоего дня рождения и счастлив, когда представляю себе, как этот год снова свел нас вместе в самом желанном смысле: так что мы можем радоваться нашей дружбе больше, чем когда-либо. Наши лучшие стремления, наши по-настоящему серьезные намерения, наши благороднейшие надежды — все это снова переплелось в минувшем году: после того как Твой жизненный демон счастливо спас Тебя от ужаснейших опасностей. И поэтому сегодня я подниму бокал за Твое здоровье, веря, что это одновременно послужит и процветанию нашей культуры мира. Отныне все серьезные битвы у нас общие: так да здравствует наше боевое товарищество в мирное время!
К сожалению, я еще не в состоянии посвятить Тебе сегодня экземпляр моей книги. Но прими взамен обещание, что Ты и жители Трибшена будете первыми, кто получит это сочинение. Фрич в последнее время гораздо медленнее продвигал работу, и все же я вполне доволен этим, с тех пор как узнал от Тебя, какой ужасной опасности подверглось бы мое сочинение в случае поспешности. В самом деле, я очень благодарен Тебе за Твою верную поддержку в деле с виньеткой: Фрич меньше виноват, потому что он не может понять таких вещей и держится за многие материалы из своего, впрочем, превосходного «Музыкального еженедельника», а значит, и за его ксилографа. Было бы низостью увидеть прекрасную работу нашего Рау так позорно искаженной на титульном листе: и то, что подобная халтура недостойна ни моего сочинения, ни круга читателей, на который я рассчитываю, Ты с полным правом разъяснил Фричу; и я особенно благодарен Тебе за это, потому что мой издатель таким образом все же был предупрежден, что он должен относиться к этому сочинению как можно серьезнее.
Печать, кстати, гораздо плотнее, чем в «Назначении оперы», и поэтому мой текст стал менее объемным. В нем будет 140 страниц. Восемь листов уже выверены.
Твоя мысль о торжественном обряде крещения мне очень понравилась, и я в тишине как-нибудь обдумаю modus. Кстати, чтобы назвать Тебе несколько имен, которым я рассылаю сочинение и которых в случае необходимости мог бы попросить стать крестными моего первенца, назову еще Якоба Буркхардта, Роде (который готовит рецензию для «Литературного центрального листка» Царнке), Густава Круга, Ромундта, госпожу фон Муханов, Листа, Бюлова, Макарта: экземпляр получит и госпожа фон Шлейниц. Также великая княгиня Константиновна. Знаешь ли Ты, быть может, баварского капитана М. фон Балиганда, дежурного камергера короля? Он один из самых деятельных и восторженных членов Мюнхенского вагнеровского общества и имеет значительные связи в Англии, где следующим летом собирается основать английское вагнеровское общество у своего друга лорда Эллертона. С ним я недавно возвращался ночью из Мангейма.
Ибо я был в Мангейме. И могу сказать Тебе: наши величайшие предчувствия о сущности музыки подтверждаются в преизбыточной мере! Это я узнал в Мангейме. Я не знаю более высоких и возвышенных состояний, чем те, что я там пережил, и счастлив, что вырвался из многочисленных оков и сдержанностей на эти дни.
О байройтских делах Ты, вероятно, слышал: о великолепном расположении места строительства, о переименовании «Штукберга» в «Рихардсхёэ», о больших надеждах, которые уже выразились у байройтцев в петиции о новой железной дороге и т. д. Вагнер был очень доволен тем, как он уладил свои «дела».
Я отпраздновал свое Рождество в Мангейме и в этот раз не могу поехать в Трибшен, потому что мне нужны время и одиночество, чтобы обдумать свои лекции «О будущем наших образовательных учреждений».
Ну что ж, мой дорогой друг, прощай! Передай мои почтительнейшие приветствия Твоим почтенным близким и сохрани ко мне, на Новый год и на все будущее, то сердечное расположение, в котором я так часто убеждаюсь благодаря прекраснейшим свидетельствам.
В старой верности и с
наилучшими пожеланиями
Твой Фридрих Ницше.
179. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мама и сестра,
от всего сердца желаю, чтобы мои маленькие рождественские подарки доставили вам радость. В качестве пояснения к ним я начну с того, что посвящено вам обеим: композицию под названием «Отзвук новогодней ночи» вам непременно нужно будет как можно скорее исполнить; для чего я рекомендую вам воспользоваться любезной помощью Густава Круга, которому я по этому поводу еще напишу письмо. Она была создана вскоре после моего возвращения с последних каникул и является для меня знаком того, насколько согревающими и благотворными они для меня были. Ведь после 6-летнего перерыва это первая попытка такого рода, и, если я не ошибаюсь, попытка весьма удачная. Я распорядился сделать для вас красивую копию и хотел бы, чтобы труд, затраченный на ее изготовление, также был включен в число подарков. Но я непременно должен буду вскоре узнать от вас, понравилась ли вам эта музыка. У вас наверняка возникнет некоторое сопереживание: ведь на этот раз мое посвящение не такое бессмысленное, как в моих прежних композициях, из которых венгерский марш был преподнесен дяде Теобальду, а любовная песня — тете Розали.
Тебе же, моя дорогая мама, достаются занавески, эффект от которых должен порадовать нас обоих, когда я в следующий раз приеду в Наумбург. Затем мне сообщили, что резные приборы для салата придутся тебе по душе. Прими эти подарки благосклонно, об этом я прошу.
Тебе, дорогая Лизбет, я дарю «Историю искусств» Любке, из которой ты сможешь многому научиться и, надеюсь, уже научишься, когда я буду тебя экзаменовать. Это совершенно новое издание: ты будешь довольна этой книгой больше, чем той, что просила у Шпрингера (как ты могла ожидать, что я закажу книгу в скандальном еврейском букинистическом магазине!!). Затем наша дорогая мама по моему поручению передаст тебе хороший альбом. Маленький Хебель тебе тоже понравится.
Вот и все о моих подарках. То, что моей книги о трагедии среди них нет, объясняется простой причиной: она еще не совсем готова. Но в новом году, а может быть, уже к Новому году, она попадет к вам в руки. С печатью немного затянули. Вообще-то она должна была стать моим рождественским подарком Рихарду Вагнеру, но теперь она придет слишком поздно.
В этот раз я не праздную Рождество в Трибшене, несмотря на самые сердечные приглашения, потому что мне нужно время для себя, чтобы подготовить свои лекции, которые начнутся в новом году. (— лекции о будущем наших образовательных учреждений —) Свое Рождество у Вагнеров я уже предвосхитил тем, что провел с ними последнюю неделю в Мангейме и испытал непередаваемое наслаждение от вагнеровского концерта в непосредственной близости. Мы занимали второй этаж в отеле «Европейский двор», и часть тех многих почестей, которые оказывали Вагнеру, досталась и мне как его ближайшему доверенному лицу. Впрочем, вся поездка обошлась мне сравнительно недорого, хотя я и отсутствовал с понедельника по четверг. О своих тамошних художественных впечатлениях, самых сильных в моей жизни, которые в некотором смысле стали исполнением глубокого предчувствия, я не хочу писать в письме.
А теперь прощайте, мои любимые, и вспоминайте обо мне в эти рождественские дни.
Ваш Фриц.
С прежней любовью.
P.S. День рождения фрау Вагнер — 25 декабря. Будет очень хорошо, дорогая Лизбет, если ты напишешь. Не забудь об этом.
180. An Ernst Wilhelm Fritzsch in Leipzig
Глубокоуважаемый господин,
сегодня я хочу лишь поблагодарить Вас за то, что, по крайней мере, я сам до Рождества имел радость закончить корректуру всего сочинения. Вы простите мне то, что по моей вине возникла задержка: отчасти у меня самого не было верного представления о том, как быстро несколько наборщиков могут одновременно ускорить печать, отчасти здесь, в Базеле, возникли различные профессиональные нужды и обязанности, от которых я не мог отказаться.
Посмотрим же, сможем ли мы в Трибшене устроить настоящую новогоднюю радость. Сегодня из Берлина должен быть отправлен заново изготовленный деревянный блок для виньетки.
Теперь у меня есть несколько просьб относительно рассылки первых экземпляров. Подарочные экземпляры, пожалуйста, пришлите мне. Из остальных бесплатных экземпляров мы должны как можно скорее отправить один
господину доктору Роде,
приват-доценту
Кильского университета,
который напишет более подробный отзыв о сочинении для «Литературного центрального листка» Царнке. (Следовательно, Царнке или Авенариусу экземпляр получать не нужно)
В Лейпциге прошу уделить внимание следующими адресатами:
госпоже профессору Брокгауз
господину тайному советнику
профессору доктору Ритчлю
(Леманс Гартен)
Затем моя сестра должна получить экземпляр при Вашем посредничестве:
фрейлейн Элизабет Ницше
в Наумбурге
на Заале.
Затем господину фон Герсдорфу два экземпляра (один из них — художнику, автору виньетки, господину Леопольду Рау)
Все эти отправления должны быть снабжены надписью: «С сердечными новогодними пожеланиями от автора».
Прошу включить транспортные расходы в мой счет. Все посылки должны быть оплачены.
А теперь всего Вам доброго, завершите этот год счастливо и благополучно.
Ваш покорнейший
д-р Фридр. Ницше
NB. Я был в Мангейме.
181. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мама и сестра,
наконец-то, то есть уже час как, я стал обладателем ваших чудесных рождественских подарков, и мне не терпится от всего сердца поблагодарить вас за них. Но как же долго задержала их почта? Сегодня среда. Предварительное письмо уже кое-что мне подсказало, но, по правде говоря, совсем немного: ведь при распаковке я был удивлен во всех отношениях. Обойщик помог мне, и после некоторых усилий прекрасная картина в своей великолепной раме была извлечена без всяких повреждений: ведь она была очень тщательно упакована и заколочена. К тому же мы, как это со мной случается каждый раз, сначала отколотили не ту сторону ящика. Я также удивился дорогому счету почты, которая за перевозку, кажется, потребовала около 18 франков. Все-таки очень дорого жить так далеко друг от друга. Сегодня после обеда картины в моей комнате будут перевешены, конечно, Мадонна займет место над диваном, а над пианино будет висеть картина Гольбейна, а именно большой Эразм, которого мне подарили молодые Фишеры на рождественский вечер во время раздачи подарков. Из этого вы узнаете, где я был в тот вечер: сегодня я приглашен на раздачу подарков к Бахофенам, а на канун Нового года — к старым Фишерам: так что я трижды переживу рождественскую елку. На пятницу в полдень старый Штехелин пригласил меня в Листаль.
Такова моя праздничная программа: теперь я продолжаю восхвалять ваши подарки. «Мадонна в кресле» — чудесная картина: моя комната растет и становится все лучше. Я уже сомневаюсь, достойны ли такой комнаты мои маленькие овальные черные студенческие картинки. Они теперь, вместе с папой Ричлем и Шопенгауэром, будут сгруппированы над книжным столом рядом с печью. Итак, картина произвела на меня большое впечатление, и я благодарю тебя от всего сердца, дорогая Лизбет. Мне также кажется, что такая картина невольно влечет в Италию — и я почти думаю, что ты подарила ее мне как приманку для этого. Я не могу ответить на этот аполлонический эффект иначе, как своим дионисийским, то есть новогодней ночью, а затем аполлоническо-дионисийским двойным эффектом моей книги, которая выйдет к Новому году и которую вы получите от Фрича прямо из Лейпцига. Он уже 3 дня как получил этот заказ.
Теперь я иду дальше и рассказываю о впечатлении, которое произвели на меня красивые розовые свертки от моей дорогой мамы. Глядя на прекрасную юфть, я подумал, что вы меня очень балуете: куда это приведет при таких аристократических наклонностях! Впрочем, такая папка для писем была мне очень нужна, и первое письмо, которое я на ней пишу, адресовано тебе, моя дорогая мама. Столь же полезными и приятными были хорошая расческа, щетка для волос, щетка для одежды (которая только немного мягковата), приятные чулки и большое количество вкусных пряников и коврижек, все одинаково красиво и празднично упаковано. Не забыть и подтяжки! Дошло до того, что только вчера обе пары старых подтяжек окончательно порвались, так что мне пришлось выходить без них. Так что новые пришлись как нельзя кстати: «когда нужда велика, подтяжки ближе всего», — подумал я, распаковывая их. За все вместе примите мою сердечнейшую благодарность; я был очень рад и радуюсь до сих пор, когда аромат моей подкладки доносится до моего носа. Нельзя напомнить о подарке яснее, чем этим запахом: как часто мне будут напоминать о вас!
Итак, мы на рубеже года. Я думаю об этом со спокойствием и благодарно прощаюсь с этим годом. Вы еще увидите, как он в определенном смысле станет для меня эпохальным. Мое сочинение скоро выйдет: с ним я начинаю новый год, и теперь узнают, чего я хочу, к чему стремлюсь со всей силой: моя деятельность начинается. Это были прекрасные часы, в которые создавалось это сочинение: это был хороший год, несмотря на его тревожное начало. Вскоре вернулось здоровье: и какие прекрасные согретые времена из Лугано, Базеля, Наумбурга и Лейпцига предстают теперь перед моими глазами!
Всем, кто ко мне благосклонен — а кто больше, чем вы? — я сердечно благодарен на таком рубеже года и желаю вам и себе счастливого Нового года в прежней силе, в прежней любви, моя дорогая мама, дорогая сестра!
Ваш Фриц.
182. An Gustav Krug in Naumburg
Мой дорогой друг,
я в долгу перед Вами за глубокое и доброжелательное письмо, а также за присланный весьма притягательный фрагмент композиции. Начав с последнего, я порадовался контрапунктической уверенности в этом каноническом эксперименте: ведь это наш современный способ преподносить самые неслыханные художественные трюки лишь в шутливой манере, примерно как Вагнер в сцене драки. С другой стороны, Ваше скерцо оставляет у меня ощущение мрачного меланхолического привкуса: если я мысленно добавляю звучание струнных инструментов, то возникает впечатление лихорадочного возбуждения: быстрые дикие решения сменяются с пугающей скоростью, и мы с тоской ожидаем избавляющей средней части:
Он радость ведет через двери открыты,
Блестят облака, и покровы разбиты,
И образ божественный светит нам скрыто —
как мы пели в гётевском Ergo bibamus. Итак, дорогой друг, божественный образ! Печаль создана не для человека, а для животных, говорит Санчо Панса. Но если человек слишком предается ей, он сам становится животным. — Я теперь избегаю, насколько это возможно, этой «животности» в музыке. Даже боль должна быть овеяна такой славой дифирамбического восторга, чтобы она в ней в некотором роде утопала: как я это чувствую на величайшем примере, в третьем акте «Тристана». Смейтесь сколько угодно над моим абсурдным советом и пожеланием: я желаю и советую Вам немного больше счастья — в том числе и в музыке, и пусть это будет моим новогодним поздравлением.
Ах, мы оба знаем, мой дорогой друг, как глупо такое пожелание: это внутреннее, безмятежно блаженное счастье, из которого проистекает искусство, не в нашей власти, оно не следует нашим желаниям, а падает неожиданно, то здесь, то там, с неба нам в руки. Пусть в новом году это «то здесь, то там» будет выпадать Вам как можно чаще! И пусть в особенности весь квартет будет отзвуком таких моментов, без всякого «животного» привкуса или с такой нежной и благородной дозой, какую несет в себе Ваш оригинальный фрагмент. Когда я снова приеду в Наумбург, я буду считать одной из своих первых радостей возможность действительно услышать Ваш квартет: к тому времени Вам, вероятно, удастся собрать квартетный ансамбль. Кстати, при исполнении собственных сочинений другими учишься тому, что значит «дирижировать». Только на собственном опыте начинаешь понимать, сколько ошибок можно допустить в манере исполнения простейшей музыки. В этом отношении это очень поучительно, но также очень мучительно и тягостно, как я недавно часто ощущал со своей композицией в четыре руки, которую никто не может сыграть так, как мне бы хотелось.
Тем больше у меня надежды, что именно Вам, мой дорогой друг, как единственному, кто действительно посвящен в развитие моей музыки, будет доступно полное понимание того сочинения, с которым Вы, вероятно, познакомитесь в эти дни. Я хотел бы попросить Вас дать представление о нем моей матери и сестре, которым я посвятил его на Рождество, и думаю, что не получу отказа. Примите эту музыку как можно проще; это были прекрасные дни, когда я ее создавал — для меня, но я не знаю, в какой мере для других. Или, вернее, я знаю это по здешнему опыту. Но говорить об этом не очень славно. Странно, что собственное чувство так трудно передать, и что тогда воспринимают в такой музыке без этого моего чувства — знает Бог. Это должно быть что-то странное, и я решительно не могу себе этого представить.
Мое сочинение выходит к Новому году у Фрича. Вам, как истинному меломану, оно, конечно, будет выслано. О! Оно злое и вызывающее. Читайте его украдкой в своей каморке.
Я слежу за нашим дорогим другом Вильгельмом с самым сочувственным вниманием и надеюсь в скором времени услышать «Виктория!» по поводу поверженного экзаменационного чудовища. А пока — мужества! И храбрости! И здоровья! И крепкого боевого меча и боевого коня для таких опасностей!
Передавайте мои наилучшие новогодние пожелания Вашим почтенным родителям и будьте уверены в неизменной преданности Вашего
друга Фридриха Ницше.
182a. An Emil Heckel in Mannheim
Слух совершенно беспочвенный; лучшие новости из Трибшена. Сердечнейшие новогодние поздравления Вагнеровскому обществу.
Профессор Ницше.