1870 (64 Briefe)

55. An Kassian Knaus in Basel

<Basel, vermutlich Januar 1870>

Geehrter Herr,

hier folgt das Siegel noch einmal in deutlicherem Abdruck: Sie sehen, dass das Wappen 7 Sterne (das „Siebengestirn“) enthält.

Was die Grösse betrifft, so soll es gerade noch einmal so gross werden als das von Ihnen gezeichnete Wappen.

Mit der Bitte um baldigste
Erledigung dieser Arbeit

Professor Dr Nietzsche
Schützengraben 45.

56. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Januar 1870>

Hier, liebe Lisbeth, schicke ich Dir die Sachets von Guerlain: ein paar Confetti wußte ich auf keine Weise Dir zu schicken. Zwei Exemplare meines Vortrags habe ich beigelegt, falls Du sie vielleicht verschenken willst. Doch thue dies mit Vorsicht und jedenfalls nicht in meinem Namen.

Vor allem aber gieb Nachricht wegen des 2ten Februar: ich habe gerade sehr viel zu thun. Das Beste ist Du besorgst etwas für mich.

Die allerbesten Grüße!
F.

57. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, Ende Januar 1870

Liebe Lisbeth, besten Dank für Brief und Nachrichten. Inzwischen wirst Du von mir ein Lebenszeichen bekommen haben. Heute lege ich einen Brief der guten Grimmenstein bei, der Euch vielleicht noch mehr erfreut als mich. Die Hauptsache aber ist eine Besprechung wegen des 2ten Febr. Weißt Du, ich kaufe solche Dinge wie Albums so erschrecklich viel theurer als Du z. B. Dazu käme noch der Transport, so daß ich überzeugt bin, für halb so Gutes doppelt so viel zu bezahlen. Übernimm Du also diesen Einkauf, und kaufe nicht unter 4—5 Thaler. Es ist ein Zeichen der Wohlanständigkeit des Hauses, ein ordentliches Album zu haben, jetzt wo jedes Dienstmädchen eins besitzt. Geld von meinen Zinsen wirst Du ja wohl noch haben. Dann lege noch einige kleinere Sachen hinzu, nach Deinem Geschmack und unserer Mutter Wohlgefallen. Mein Brief an sie soll am ersten d. Febr. eintreffen. — Nun wirst Du ja auch „praktisch“ wissen, was Sachets von Guerlain sind. — Viel Glück zu den „philosophischen“ Ballvergnügungen — wär’ nicht meine Passion! brrrr — r!

— Neulich habe ich einen öffentlichen Vortrag gehalten: am 2ten Febr. kommt der zweite. — Ich freue mich auf Ostern, nur daß wir eine ganz verrückte Ferienordnung haben! Es muß Rath geschafft werden! — Es giebt viele Arbeit. Ich gehe damit um, mir einen Hund — dänische Dogge — anzuschaffen. brr — — — — r! usw.

Also es bleibt bei der
Versprechung
F.

58. An Erwin Rohde in Rom

<Basel, Ende Januar und 15. Februar 1870>

Mein lieber Freund,

neulich überkam mich die Sorge, wie es Dir wohl in Rom ergehen möge, und wie abseits von der Welt und wie verlassen Du vielleicht dort lebst. Es wäre ja selbst möglich, dass Du krank wärest, ohne rechte Pflege und ohne freundschaftliche Unterstützung. Beruhige mich und nimm mir meine pessimistischen Grillen. Mir kommt das Rom des Concils so unheimlich giftig vor — nein ich will nicht mehr schreiben, denn das Briefgeheimniss ist für alle kirchlich-jesuitischen Dinge mir nicht sicher genug: man möchte wittern, was im Briefe stünde und Dir’s entgelten lassen. — Du studirst das Alterthum und lebst das Mittelalter. —

Nun will ich eins Dir recht eindringlich sagen. Denke daran, auf Deiner Rückreise einige Zeit bei mir zu wohnen: weisst Du, es möchte vielleicht für lange Zeit das letzte Mal sein. Ich vermisse Dich ganz unglaublich: mache mir also das Labsal Deiner Gegenwart und sorge dafür dass sie nicht so kurz ist. Das ist mir nämlich doch eine neue Empfindung, auch so gar niemanden an Ort und Stelle zu haben, dem man das Beste und Schwerste des Lebens sagen könnte. Dazu nicht einmal einen wirklich sympathischen Berufsgenossen. Meine Freundschaft bekommt unter so einsiedlerischen Umständen, so jungen und schweren Jahren, wirklich etwas Pathologisches: ich bitte Dich wie ein Kranker bittet: „komm nach Basel!“

Mein wahres und nicht genug zu preisendes Refugium bleibt hier für mich Tribschen bei Luzern: nur dass es doch nur selten aufzusuchen ist. Die Weihnachtsferien habe ich dort verlebt: schönste und erhebendste Erinnerung! Es ist durchaus nöthig dass Du auch in diese Magie eingeweiht wirst. Bist Du erst mein Gast, so reisen wir auch zusammen zu Freund Wagner. Kannst Du mir nichts über Franz Liszt schreiben? Wenn Du vielleicht Deine Rückreise über den Laco di Como machen könntest, so wäre eine schöne Gelegenheit, uns allen eine Freude zu machen. Wir d.h. wir Tribschener haben ein Auge auf eine Villa am See, bei Fiume latte, Namens: ,Villa Capuana‘, zwei Häuser. Kannst Du diese Villa nicht einer Musterung und Kritik unterwerfen?

Von Wackernagels Tod hast Du wohl gelesen. Es ist im Plane, dass Scherer in Wien ihn ersetzen soll. Auch ein neuer Theologe ist im Anzüge, Overbeck aus Jena. Romundt ist Erzieher bei Prof Czermak und wohl situirt, Dank Ritschl. Röscher, der mir über seine wärmste Verehrung für Dich geschrieben hat, ist als „bedeutender“ Pädagog in Bautzen. Bücheier soll nach Bonn gerufen sein. Das rhein. Museum hat jetzt lateinische Lettern. Ich habe einen Vortrag vor gemischtem Publikum gehalten über „das antike Musikdrama“ und halte am 1 Februar einen zweiten über „Socrates und die Tragödie.“ Ich gewinne immer mehr Liebe für das Hellenenthum: man hat kein besseres Mittel sich ihm zu nähern als durch unermüdliche Fortbildung seines eigenen Persönchens. Der Grad, den ich jetzt erreicht habe, ist das allerbeschämendste Eingeständniss meiner Unwissenheit. Die Philologenexistenz in irgend einer kritischen Bestrebung, aber 1000 Meilen abseits vom Griechenthum wird mir immer unmöglicher. Auch zweifle ich, ob ich noch je ein rechter Philologe werden könne: wenn ich es nicht nebenbei, so zufällig erreiche, dann geht es nicht. Das Malheur nämlich ist: ich habe kein Muster und bin in der Gefahr des Narren auf eigne Hand. Mein nächster Plan ist, vier Jahre Culturarbeit an mir, dann eine jahrelange Reise — mit Dir vielleicht. Wir haben wirklich ein recht schweres Leben, die holde Unwissenheit an der Hand von Lehrern und Traditionen war so glücklich-sicher.

Übrigens bist Du klug, wenn Du nicht so eine kleine Universität als Wohnsitz wählst. Man vereinsamt selbst in seiner Wissenschaft. Was gäbe ich darum, wenn wir zusammen leben könnten! Ich verlerne ganz zu sprechen. Das Lästigste aber ist mir, daß ich immer repräsentieren muss, den Lehrer, den Philologen, den Menschen und dass ich mich allen, mit denen ich umgehe, erst beweisen muss. Das aber kann ich so sehr schlecht und verlerne es immer mehr. Ich verstumme oder sage bereits absichtlich nur soviel, wieviel man als höflicher Weltmensch zu sagen pflegt. Kurz ich bin mit mir mehr unzufrieden als mit der Welt und deshalb um so zugethaner dem theuersten.

Mitte Februar. Ich habe jetzt die stärkste Besorgniss, dass mich Deine Briefe und Dich die meinigen nicht erreichen: seit November habe ich nichts gehört. Meine verehrte Freundin Cosima rieth mir, durch ihren Vater (Franz Liszt) mir Auskunft über Dich zu verschaffen. Dies werde ich auch nächstens thun, heute probiere ich es nochmals mit einem Brief. — Über das Concil sind wir gut durch die „römischen“ Briefe in der Augsburger unterrichtet: Kennst Du den Verfasser? Lass es Dir dann ja nicht merken: es wird schrecklich auf ihn gefahndet. — Ich habe hier einen Vortrag über Socrates und die Tragödie gehalten, der Schrecken und Missverständnisse erregt hat. Dagegen hat sich durch ihn das Band mit meinen Tribschener Freunden noch enger geknüpft. Ich werde noch zur wandelnden Hoffnung: auch Richard Wagner hat mir in der rührendsten Weise zu erkennen gegeben, welche Bestimmung er mir vorgezeichnet sieht. Dies ist alles sehr beängstigend. Du weisst wohl, wie sich Ritschl über mich geäussert hat. Doch will ich mich nicht anfechten lassen: litterarischen Ehrgeiz habe ich eigentlich gar nicht, an eine herrschende Schablone mich anzuschliessen brauche ich nicht, weil ich keine glänzenden und berühmten Stellungen erstrebe. Dagegen will ich mich, wenn es Zeit ist, so ernst und freimüthig äussern, wie nur möglich. Wissenschaft Kunst und Philosophie wachsen jetzt so sehr in mir zusammen, dass ich jedenfalls einmal Centauren gebären werde.

Mein alter Kamerad Deussen ist mit Leib und Seele zu Schopenhauer übergegangen, als der letzte und älteste meiner Freunde. Windisch ist auf ein Jahr nach England, im Dienste der East-Indien-Office, um Sanskrithdschr. zu vergleichen. Romundt hat einen Schopenhauer-verein ins Leben gerufen. — Soeben ist eine skandaleuse Schrift gegen Ritschl erschienen (gegen seine Plautuskritik und das auslautende D): von Bergk, zur Schmach des deutschen Gelehrtenthums.

Nochmals schönsten und herzlichsten Gruss. Ich freue mich auf das Frühjahr, weil es Dich durch Basel führt: nur theile mir mit, wann das geschieht: in den Osterferien bin ich mit den Meinigen am Genfersee.

Lebwohl! Lebwohl!

59. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Basel, 1.Februar 1870>

Hier, liebe Geburtstägerin und Mutter ein sehr schnell zu schreibender Geburtstagsbrief! Denn das Handwerk drängt, die Schule; noch mehr aber ein öffentlicher Vortrag, der heute Abend zu halten ist und mit dem ich noch sehr im Rückstande bin. Dies thut nun aber der Herzlichkeit meiner Wünsche keinen Eintrag: und morgen will ich, auf unsre altgewohnte Weise, den Tag selbst feiern, indem ich mir eine Hyacynthe kommen lasse — nicht wahr, so heißt doch Deine Geburtstagsblume? Ich bin mit der Botanik in der „Bredouille“ (sächsisches Französisch) Dann werde ich mir Pfannkuchen kommen lassen (auch habe ich einen Bäcker entdeckt, den einzigen in Basel, der Weihnachtsstollen zu backen versteht) Und Mittags werde ich zwei Gläser auf den Tisch stellen und durch gegenseitiges Zusammenstoßen einen großen Geburtstagslärm machen. Dies meine projektirte Feierlichkeit, in Begleitung der allerschönsten Wünsche für Dein und Deiner Kinder Wohl.

(1ter Kanonenschuß! Bum!)

Zu erzählen habe ich wenig. Die Einladungen nach Weihnachten sind recht häufig und ich nehme sie mit Pflichtbewußtsein an, um hier meinen guten Willen kundzugeben

Sonntag haben wir bei Direktor Gerkrath Geburtstag gefeiert. Von Tribschen bekomme ich immer die rührendsten Aufmerksamkeiten: an allen Tagen, wo ich etwas Besonderes vor habe, ist auch gewiß ein Brief da: es sind die besten Menschen von der Welt.

Windisch hat bestimmte Aussicht im Auftrag der East-Indien-Office (Verzeih dies jedenfalls scheußliche Englisch!) ein Jahr in London zuzubringen (mit c. 1600 Thaler) um Sanskrithandschr. zu catalogisiren. Deussen schrieb mir heute einen langen Brief: er hat sich vollständig zum Schopenhauer bekehrt und lobt meinen Homer-aufsatz überschwänglich, was Lisbeth mehr freuen wird als mich.

Meine Zeit ist vorbei: lösen wir schnell noch zweimal als alter Artillerist das Geschütz

Bum!

Bum!

rufen hurrah! und empfehlen

uns glückwünschend
Fr.

60. An Paul Deussen in Minden

Basel, Schützengraben 45. <Februar 1870>

Mein lieber Freund,

es ist unglaublich, wie verschiedenartig Dein letzter Brief aussah, gegen alle Deine frühere Brieflitteratur gehalten. Jetzt endlich ist eine lang andauernde Entfremdung zwischen uns gewichen, nachdem wir nun Beide dieselbe Sprache reden und nicht mehr bei denselben Worten Verschiedenes empfinden. Vielleicht wäre Dir der etwas mühsame und nicht ganz ebene und direkte Weg zu dem jetzigen Höhegrad Deiner Bildung erspart gewesen und durch einen natürlicheren und gelinderen Pfad ersetzt worden, wenn wir immer zusammen geblieben wären. Wenigstens bist Du von allen meinen Freunden der letzte, der den Weg zur Weisheit gefunden hat. Jetzt endlich habe ich auch für Dich noch die besten Hoffnungen: viele Nebel werden vor Deinen Augen sinken. Freilich wirst Du Dich dann einsamer fühlen als je: wie es mir ergeht. Auch sind viele glänzende und in die Augen fallende Stellungen im Leben uns nicht mehr erreichbar, dafür auch nicht mehr erstrebenswerth. Die geistige Einsiedelei und gelegentlich ein Gespräch mit Gleichgesinnten sind unser Loos: wir brauchen mehr als andre Wesen die Tröstungen der Kunst. Auch wollen wir niemanden bekehren, weil wir die Kluft empfinden als eine von der Natur gesetzte. Mitleid wird uns eine wahrhaft vertraute Empfindung. Wir verstummen mehr und mehr — es giebt Tage und sehr viele, an denen ich nur im Dienste des Amtes rede, sonst nicht. Freilich habe ich das unschätzbare Glück, den wahren Geistesbruder Schopenhauers, der sich zu ihm wie Schiller zu Kant verhält, als wirklichen Freund zu besitzen, einen Genius, der dasselbe furchtbar erhabene Loos empfangen hat, ein Jahrhundert früher zu kommen als er verstanden werden kann.. Ich sehe deshalb tiefer in die Abgründe jener idealistischen Weltanschauung: auch merke ich, wie mein philosophisches moralisches und wissenschaftliches Streben einem Ziele zustrebt und daß ich — vielleicht der erste aller Philologen — zu einer Ganzheit werde. Wie wunderbar neu und verwandelt sieht mir die Geschichte aus, vornehmlich das Hellenenthum! Ich möchte Dir bald einmal meine zuletzt gehaltenen Vorträge schicken, von denen der letzte (Socrates und die Tragödie) hier wie eine Kette von Paradoxien aufgefaßt worden ist und zum Theil Haß und Wuth erregt hat. Es muß Anstoß kommen. Ich habe bereits das Rücksichtnehmen in der Hauptsache verlernt: dem einzelnen Menschen gegenüber seien wir mitleidig und nachgebend, im Aussprechen unsrer Weltanschauung starr wie die alte Römertugend.

Nun wirst Du mir wohl öfter schreiben: denn Dir selbst muß eine Sehnsucht kommen, Dein Neu-Erlebtes jemandem auszuschütten. Auch wirst Du schwerlich einen finden, der so viele Bekehrungen erlebt und das begeisterte Neophytenthum so oft an anderen geliebt hat.

Treulichst
F W Nietzsche

61. An Paul Deussen in Minden

Basel Mittwoch im Febr. 1870.

Mein lieber Freund,

ich habe ganz vergessen, auf Deinen letzten Brief zu antworten: um so mehr hat er mich beschäftigt und jedenfalls war die Absicht, Dir die schönsten und besten Dinge zu schreiben, öfters bei mir sehr stark vorhanden. Denn jetzt bist Du einer der Unsrigen geworden, ja ich würde wagen, Dich im persönlichsten Sinne als den „Meinen“ zu bezeichnen, wenn nicht jenes von Dir angedeutete „Gebilde“ (aus Himmels Höhen oder Elberfelds Tiefen?) Einspruch erhoben hätte — oder erheben würde. Denn noch weiß ich nichts Genaueres: doch hoffe ich eins ganz bestimmt, daß ich bald über jenes noch ganz neutrale Wesen „das Gebilde“, so ins Klare gesetzt werde, wie es für Dich ein Genuß sein muß. Denn irgend jemandem wirst Du doch wohl Dich etwas ausschütten wollen: und ich bin in der Übung, erotische Briefe (von verliebten, sich aussprechen wollenden Freunden nämlich) zu empfangen. Daß hier die Philosophie nichts mitzureden hat, billige ich vollkommen: um so mehr aber die wahre Theilnahme der Freunde und die eigne Klugheit.

Inzwischen ist mir eingefallen, daß ich neulich doch wohl schon an Dich geschrieben habe: wie dem nun sei, ich erinnere mich nicht, mit Dir schon über „das Gebilde“ gesprochen zu haben.

Es ist traurig, aber für die unsäglich dürftige deutsche Geselligkeit charakteristisch, daß Du Vergnügen am Umgange mit Schauspielern hast. Mir ist es auch so gegangen. Der Heiligenschein der freien Kunst fällt auch auf ihre unwürdigsten Diener. Im Übrigen idealisiren wir diese Schicht der Gesellschaft: und mitunter redet auch der kleine Dämon mit, dem Sophokles sich mit Wonne entflohen fühlte. Im Allgemeinen kann der ernstere Mensch sicher sein, in diesen Kreisen ausgenützt und ausgelacht zu werden. Doch merkt man dies sehr spät, und deshalb ist es ein hübscher Zeitvertreib. Mir ist dies Wesen augenblicklich fatal.

Wie erträgst Du die Einsamkeit? — Das Leben hat mit der Philosophie ganz und gar nichts zu thun: aber man wird wahrscheinlich die Philosophie wählen und Heben, die uns unsre Natur am meisten erklärt. Eine Umwandelung des Wesens durch Erkenntniß ist der gemeine Irrthum des Rationalismus, mit Sokrates an der Spitze.

Leb wohl lieber Freund und schreibe Dich einmal aus. Warum machst Du immer so schöne Perioden und Worte? Wir verstehen uns besser ohne jenen umhüllenden und verhüllenden Mantel der Rhetorik.

Der von Dir empfohlene Herr Reinhard ist ein angenehmer und verständiger Mensch, bis jetzt noch Theolog. Man sagt mir, daß er Kant liest, ja er fragte mich, ob er Schopenhauer lesen sollte. Doch habe ich ihm zunächst abgerathen. Ich bin vorsichtig.

In alter Treue und
Freundschaft
Dein
FN.

62. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 13. Februar 1870>

Dieser Brief ist nur für Dich

Liebe Lisbeth,

Ich theile Dir folgendes unter höchster Diskretion mit.

Oskar in Halle bittet mich soeben brieflich darum, ihm auf ein Jahr 200 Thaler (pro 5) zu leihen und ich beeile mich, da er das Geld, wie es scheint bald braucht, Dir meine Einwilligung kundzuthun. Die Hauptsache ist, daß kein Mensch, auch unsre Mutter nicht, eine Silbe davon erfährt (wegen der lästigen Familiengeschwätzigkeit und überhaupt!) Bitte, richte die Sache so geschickt wie nur möglich ein und besorge sie sogleich. Ich werde heute Oskar schreiben, daß Du die einzige Mitwisserin bist und ihm übermorgen das Geld schicken wirst. Wohnung: Halle Steinweg Nr. 24. Schreibe kein Wort dazu: es ist so anständiger. Aber hebe die Postanweisung auf.

Auch danke ich Dir schönstens für die Geburtstagsbesorgungen. Auch habe ich mit Staunen von Deinen Ballerfolgen gehört: es war doch besser, daß Du den Winter nicht in Basel zugebracht hast. Es ist übrigens schrecklich winterlich: ich komme soeben aus der Tribschener Einsamkeit zurück, ganz eingewickelt in Wagnersche Tücher und Decken. Unsere Freundschaft ist größer denn je. — Von Rohde habe ich gar keine Nachricht und seit lange nicht: was mir in der unheimlichen Athmosphaere von Rom sehr bedenklich ist: daß seine Briefe, weil sie Nachrichten vom Concil enthielten, unterschlagen sind, ist meine geringste Sorge. Ich will morgen an Franz Liszt schreiben, daß er mir über ihn Nachricht geben soll.

Sehr in Eile, aber deshalb
doch mit Herzlichkeit
Dein Bruder.

Schönste Grüße an die mittelalterliche (44?) Mutter.

63. An Oscar Oehler in Halle

Basel, Schützengraben 45. <vermutlich 13. Februar 1870>

Lieber Oskar,

das ist ja sehr schön, dass der rekommandirte Brief nichts Unangenehmes enthält, wie ich zuerst befürchtete: noch schöner, dass ich endlich einmal in der Lage bin, Dir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen. Nur in einer Beziehung musst Du mich entschuldigen: da ich nämlich hier am Ort mein Geld nicht habe, so musste ich die Sache meiner Kassenverwalterin kundthun, die übrigens die verschwiegenste Person von der Welt sein kann: meine Schwester. Diese wird Dir so schleunig als möglich die Summe zuschicken.

Gern hätte ich aus Deinem Briefe noch etwas über Dein Befinden, Deine Absichten usw. gehört. Ich denke noch mit Vergnügen an unsre Zusammenkünfte in Wittekind: obwohl für mich eine grosse Kluft zwischen damals und jetzt liegt. Es scheint mein Loos zu sein, etwas schnell zu leben. Was macht das „edle“ Ross, welches ich damals ritt? Und der tüchtige Arzt Volkmann, den ich seit der Zeit einmal wieder getroffen habe, ohne ihn anzureden, weil er phantastisch-geschmacklos wie ein theatralischer Jude gekleidet war. Und was ist aus dem freundlichen Herrn Volk geworden? Und aus der üppigen, doch etwas verkommenen Kefersteinschen Familie, mit der ich so schöne Ananasbowlen geschlürft habe?

Doch um meinen Brief nicht zum Fragezeichen zu machen, setze ich einen Punkt unter die ganze Geschichte, nachdem ich Dich bestens gegrüsst habe

als treuer und
— in unserm Falle — verschwiegener
Neffe
F Nietzsche Dr.

64. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 7. März 1870>

Zuerst, liebe Lisbeth, schönen Dank in der Oskarschen Angelegenheit. Auch ich habe keine Zeile Antwort von ihm. — Heute zweierlei: habt Ihr noch eine Photographie von mir? Man sammelt für ein Koberstein-album. Schicke doch eine Photographie und 2 Thaler in meinem Namen ab: die Addr. freilich suche doch von Volkmann zu erfahren: es ist ein Herr in Berlin, der an der Spitze des Comités steht. Wenn Du die Addr. weißt, so lege doch einen Briefbogen bei und schreibe darauf: | Dr. Friedrich Wilhelm Nietzsche, Professor der klassischen Philologie in Basel (Schulpförtner von Michael. 1858 bis Mich. 1864) | Dies aber muß bald geschehen Schließlich noch eine Geldangelegenheit. Ich will hier einen größeren Transport Bücher kaufen zum Werthe von ungefähr 70 (siebenzig) Thaler. Dazu mußt Du mir einen Staatsschuldschein einwechseln: zahle ihn dann auf der Post ein, in Franken und auf meine Addresse und thue dies doch sobald als möglich. Entschuldige daß ich Dir wiederholt solche Unbequemlichkeiten mache. Schönen Dank für Deinen letzten Brief mit den Ballherrlichkeiten. Hier ist Fastnacht: d. h. man trommelt von früh um 4 an. Von Rohde Brief.

Treulichst dein
Bruder

65. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 11. März 1870>

Mein lieber Freund,

längst hätte ich Dir geschrieben, wenn ich nicht in einem wunderlichen Glauben gelebt hätte: nämlich Deine Addresse, ja Deinen Wohnort nicht zu kennen. Ich bildete mir ein, daß Dein neuer juristischer Beruf in alle Verhältnisse eine Veränderung gebracht habe, und war schon im Begriff, mich an das Berliner Kobersteincomité zu wenden und um Auskunft über Dich zu bitten. So ist es denn gekommen, daß Du mir zwei Briefe hintereinander geschrieben hast: und beide haben auf mich einen starken Eindruck gemacht und den sehnlichen Wunsch erweckt, Dich einmal wieder zu sehen. Was denkst Du über eine Schweizerreise in diesem Sommer, etwa im Monat Juli?

Daß wir nun auch über Richard Wagner einig sind, ist mir ein überaus schätzenswerther Beweis unseres Zusammengehörens. Denn es ist nicht leicht und erfordert einen tüchtigen Mannesmuth, um hier nicht bei dem fürchterlichen Geschrei irre zu werden. Auch trifft man mitunter sehr wackere und intelligente Leute in der Gegenpartei. Schopenhauer muß uns über diesen Konflikt theoretisch hinweg heben: wie es Wagner praktisch, als Künstler, thut. Zweierlei halte ich mir immer vor: der unglaubliche Ernst und die deutsche Vertiefung in der Welt- und Kunstanschauung Wagners, wie sie aus jedem Tone quillt, ist den meisten Menschen unsrer „Jetztzeit“ ein Greuel, wie Schopenhauer’s Askesis und Verneinung des Willens. Unsern „Juden“ — und Du weißt, wie weit der Begriff reicht — ist vornehmlich verhaßt die idealistische Art Wagners, in der er mit Schiller am stärksten verwandt ist: dies glühende hochherzige Kämpfen, auf das der „Tag der Edlen“ endlich komme, kurz das Ritterliche, was unserm plebejisch politischen Tageslärm möglichst widerstrebend ist. Schließlich finde ich auch bei vortrefflichen Naturen oftmals eine Anschauung der Indolenz, als ob eine eigne Bemühung, ein ernstes eingehendes Studium, um einen solchen Künstler und solche Kunstwerke zu verstehn, gar nicht nöthig sei. Wie habe ich mich gefreut, daß Du „Oper und Drama“ so angelegentlich studirst! Ich habe es sogleich meinen Tribschener Freunden berichtet. Überhaupt sind ihnen meine Freunde keine Fremdlinge: und wenn Du etwa nach der ersten Meistersinger-aufführung einen ausführlichen Brief an R. W. schreiben willst, so wird dies große Freude erregen und man wird bereits des Genauem wissen, wer der Schreiber des Briefes ist. Auch versteht es sich, daß wir, wenn Du mich einmal besuchst, nach Tribschen reisen. Es ist eine unendliche Bereicherung des Lebens, einen solchen Genius wirklich nahe kennen zu lernen. Für mich knüpft sich alles Beste und Schönste an die Namen Schopenhauer und Wagner, und ich bin stolz und glücklich, hierin mit meinen nächsten Freunden gleichgestimmt zu sein. — Kennst Du schon „Kunst und Politik“? Auch kündige ich Dir das Erscheinen einer kleinen Schrift von R. W. an „über das Dirigieren“ die am besten mit dem „Philosophieprofessoren“-aufsatz Sch.’s zu vergleichen ist.

Sehr betrübt hat mich das Schicksal Deines guten Bruders. Wir haben in Leipzig, auch nach Deinem Fortgange, uns nicht selten getroffen, und ich habe ihn immer geschätzt. Hoffentlich wird hier noch alles gut werden. So elend ist aber unser Leben: von allen Seiten gähnt das Verderbliche und Schreckliche. Es gehört viel dazu, sich einen muthigen Sinn zu bewahren. — Ach und wie sehr braucht man das Bewußtsein wahrer Freunde! Die Einsamkeit ist mitunter gar zu trostlos. Treulich Dein F. N.

Addr. an R. W: Hr Richard Wagner in

Tribschen

bei

Luzern.

66. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel. Donnerstag. <17. März 1870> Anbei der längst versprochene Aufsatz (für Dich, privatissime)

Mein lieber Freund,

in aller Eile ein paar Worte, noch dazu erfreulicher Art!

Es wird Dir gewiß Vergnügen machen, von Richard Wagner selbst zur ersten Meistersingeraufführung eingeladen zu sein. Der Meister hat dem Kapellmeister Eckert (Schönebergerufer) geschrieben, er möge für Dich in seinem Namen einen Platz reservieren, für den Tag der ersten Aufführung. Also bitte, mache dem Herrn Eckert einen Besuch und hole Dir Dein Billet.

Die ganze Sache geht von R.W. und Frau von Bülow aus: Du siehst, wie man meine Freunde kennt und ehrt. Von Herzen

Dein Fr.
Nietzsche.

67. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Ende März 1870>

Schönsten Gruß zuvor!

An der Universität habe ich gestern das Semester geschlossen: wobei mir zum Bewußtsein kam, daß ich nun bereits ein Jahr lang in dieser Thätigkeit bin. Auch waren neulich meine sämmtlichen Zuhörer bei mir zu Gaste; es machte sich ganz heiter, und die Bewirthung (in 5 Gängen) war recht stattlich. — Die nächste Zeit soll nun dem Osterprogramm gewidmet sein — und dem Pädagogium. Abfassung des Programms und der Druck soll noch vor Eurer Ankunft in Ordnung sein. — Unser Wetter ist noch ganz winterlich: es schneit wieder, alles ist weiß. Ein solcher Winter ist etwas ganz Unerhörtes hier in Basel: auch habe ich in Norddeutschland nie einen ähnlichen erlebt. Ich bin, wie es bei dem ewigen Temperaturwechsel natürlich ist, nicht recht gesund gewesen: auch Zahnschmerzen belästigten oft. Alles harrt sehr auf den Frühling. Und wir — als Reisegefährten — harren ganz besonders.

Ich erkundige mich hier nach guten Pensionen am Genfersee: im Ganzen werden sie sehr gerühmt, nur solle man nicht die zu kleinen wählen. Wenn Ihr herkommt, könnt Ihr vielleicht doch in meinem Hause wohnen: was natürlich für uns viel bequemer wäre. Es kommt nämlich darauf an, ob und auf wie lange der eine Herr verreist. — Bei Haverkamp bitte ich noch um eine Bestellung und Ihr bringt mir die Sachen dann mit. Nämlich Rock und Weste, von dunklerem Stoff (nicht schwarz, nicht grün, aber vielleicht braun); er wird ja mein Maß noch haben. Hier kann ich nicht ohne Schaden arbeiten lassen: ein Überzieher, den ich mir habe machen lassen, mißfällt mir sehr. Die Weste fast gar nicht ausgeschnitten: alles möglichst „nobel“ wie der Berliner sagt. Denn es soll ein Gesellschaftsrock sein. —

Von Gersdorff, der in Berlin als Referendar arbeitet, habe ich Nachricht: sein einziger Bruder, der Ostrichen als Pächter übernommen hatte, zeigte alsbald Spuren voller körperlicher und geistiger Verstimmung und mußte in eine süddeutsche Irrenanstalt gebracht werden. Dies ist jetzt das große Leidwesen der Familie. Auf diese Weise ist nun doch unser Gersdorff noch zum Majoratsherr geworden. — Er hat sich in Berlin sehr für Wagner begeistert: und dies hatte ich kaum nach Tribschen gelegentlich gemeldet, als mir mitgetheilt wurde, daß R.W. Gersdorff zur ersten Meistersingerauff. in Berlin eingeladen habe: womit ihm einer der Ehrenplätze reserviert ist.

D. Romundt hat sein Staatsexamen glücklich gemacht und ist jetzt Erzieher des jungen Czermack. Windisch, wie ich Euch schrieb, geht auf ein Jahr nach London — oder ist schon fort.

Meine beiden Vorträge „über die griechische Tragödie“ haben lebhaftes Interesse erregt; jetzt wandern sie wieder im Manuscr. überall herum.

Der index ist seit ein paar Monaten in Bonn, soll aber erst nach Ostern gedruckt werden.

Zum Schluß danke ich Euch bestens für Briefe und Besorgungen; ich habe die Franken richtig ausgezahlt bekommen. Von Oskar hätte ich ein paar Zeilen erwartet: indessen nothwendig war’s nicht.

Mit der Hoffnung auf recht ausführliche Nachrichten

Euer Fr.

68. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel, 28. März 1870>

Verehrtester und lieber Herr Geheimrath,

natürlich dürfen Sie auf mich rechnen. Eine solche Unternehmung war ja schon längst der geheime Wunsch aller braven Leipziger Commilitonen; allmählich aber scheint sie mir nothwendig geworden zu sein. Daß Sie mich aber der Ehre einer ersten Position würdigen, nehme ich mir wohl zu Herzen.

Augenblicklich habe ich das Programm des hiesigen Pädagogiums zu schreiben: was mich jedoch nicht zu lange beanspruchen darf. Für die Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis mache ich Ihnen nun folgenden Vorschlag:

Eine ganze Kette von Untersuchungen über Homer und Hesiod im gegenseitigen Verhältniß, angeknüpft an die kleine sogenannte Schrift ,certamen Hesiodi et Homeri‘ ist hinreichend vorbereitet und ausgedacht, um endlich niedergeschrieben werden zu können. Mein Plan war es, bis zum Herbst ein Büchlein von 12—14 Bogen über diese Materie fertig zu machen. Dies gebe ich nun mit Vergnügen auf und bestimme den ersten Theil sofort für die ,meletemata‘. Dieser Theil giebt eine neue Ausgabe (auf c. 12 Seiten) des certamen, die erste handschriftliche seit Henricus Stephanus (bei der auch wirklich etwas herauskommt), dann Untersuchungen über die Quellen der Schrift: zusammen vielleicht 3 Bogen oder mehr. Sind Sie damit zufrieden?

Sie erlauben mir doch, auch meinen Freund und Ihren treuen Schüler E. Rohde zu dem Unternehmen einzuladen? Wenn es sein muß, so bringe ich ihn noch zu einem Beitrag zum ersten Heft.

Mich freut es übrigens, wieder einmal eine Nöthigung zum Lateinschreiben zu haben, um durch Übung meinen bald fadenscheinigen bald fetten, immer ungesunden Stil etwas zu bessern. Auch habe ich vor, meine Laertiana buchmäßig zusammen zu schreiben.

Ich bin jetzt im Ganzen recht hoffnungsschwanger in Betreff meiner Philologie. Natürlich nicht jener genannten kleinen Arbeiten wegen, sondern weil ich überall in Grundanschauungen usw ein Wachsen spüre, das mir eine gute Frucht verkündet. Nur muß ich mir zu einer Hauptleistung Zeit lassen.

Jetzt habe ich nun ein Jahr im akademischen Berufe ausgehalten. Es geht, es geht! Doch nimmt das Pädagogium viel Zeit und Energie weg. Im Herbst komme ich zu Ihnen nach Leipzig (auch darf ich vielleicht einen Vortrag halten?) — Ihnen und Ihren verehrten Angehörigen die

schönsten
Grüße von Fried. Nietzsche

69. An Erwin Rohde in Rom

<Basel, 28. März 1870>

Zuerst, liebster Freund, ein schrecklicher Argwohn! Ich habe in diesem Winter 3 Briefe nach Rom und neuerdings einen nach Florenz geschickt (poste restante den letzteren: ein Dämon rieth mir, den ἀγὼν nicht beizulegen) Aber die ungöttliche Komödie in Rom scheint den Briefverkehr in ganz Italien unsicher zu machen; und ich schreibe deshalb auch heute schüchtern wie ein junges Mädchen. Alles hoffe ich bei unserem Wiedersehen in Basel Dir zu erzählen, was ich jenen Briefen anvertraut hatte. — Heute nimm meinen herzlichsten Dank für Deinen liebereichen Brief; was thut mir eine solche Stimme wohl, hier, wo ich das einsame Spazierengehen bis zur Virtuosität treibe. Ich erwarte Dich also in der ersten Woche des Mai; unser Semester fängt mit dem 3t.d.M. an. Du mußt aber eine Zeitlang bei mir wohnen. Das wird Dir nicht geschenkt, bevor uns das Schicksal wieder wie die beiden Beine des rhodischen Kolosses auseinanderreißt und Dich nach Kiel setzt, mich in Basel zurückbleiben läßt.

Jetzt kommt ein Vorschlag von mir und Ritschl, allerneuesten Datums. Du kennst die „grammatischen Studien“, die Curtius herausgiebt: R. schreibt mir heute sehr ausführlich, welche Nachtheile dieses Institut mit sich bringt. Curtius sagt jedem jungen Doktoranden: „Wenn Sie etwas Grammatisches schreiben wollen, so sollen Sie den Druck umsonst haben.“ Zuerst kam der locus de dialectis, jetzt ist der de praepositionum in l<inguae> g<raecae> usu an der Tagesordnung usw. Alle Folgerungen wirst Du selbst ziehen. R. will jetzt (auf Teubner’s Vorschlag) ,Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis‘ herausgeben und bittet mich um einen größeren Aufsatz für das erste Heft. Ich habe ihm quasi versprochen, von Dir auch etwas Derartiges herauszulocken. Der dritte im Bunde ist Andresen (mit einem Theile seiner Emend. des Dialogus), dann Stürenburg mit Lucretianis. Kurz, wenn wir nur wollen, so ist der Anfang ganz schicklich gemacht. Ich fühle persönlich die allerstärkste Verpflichtung und habe — ob es mich gleich augenblicklich etwas derangirt — unbedingt und sofort zugesagt. Das erste Heft muß von uns Beiträge haben; sonst will R. die ganze Sache fahren lassen. Das scheint mir der Hintergrund zu sein. Du weißt, wie neugierig, auch mißgünstig von vielen Seiten so ein erstes Heft angesehn wird. Also muß es gut sein. Ich habe mir gelobt, dem Unternehmen treu zur Seite zu stehen. — Gieb mir eine Antwort. — Du weißt doch, daß Bücheler nach Bonn, Studemund nach Greifswald versetzt ist? Ist Dein Vorsatz in Betreff Kiel’s so sicher? Warum nicht Leipzig? Fürchte Dich nur nicht vor einer zu langen Carriere des priv. docens. Ich bin noch gar nicht sicher, daß Du überhaupt in sie hinein kommst. Denke Dir, nun habe ich bereits ein ganzes Jahr in der akadem. Thätigkeit überwunden. Sehr hat mir die Nähe meiner Tribschener geholfen: die Weihnachtsferien dort verlebt, eine Zusammenkunft alle 2 bis 3 Wochen, fortwährender Briefverkehr — das hat mich erstaunlich erquickt. Wenn Du zu mir kommst, wirst Du die neueste Broschüre von R.W. lesen, auch reisen wir zusammen nach Tribschen. Die Villa am Comersee heißt villa Capuana in der Nähe nördlich von Fiume latte, dicht am See, mit 2 Häusern. — 2 Vorträge, die ich hier gehalten habe (1 über das griechische Musikdrama 2 über Socrates und die Tragödie) sind für manche sehr anstößig gewesen. Du bekommst sie auch, ebenso wie die gedruckte Antrittsvorlesung. — Ich habe jetzt die besten Hoffnungen für meine Philologie: nur muß ich viele Jahre Zeit mir lassen. Ich nähere mich einer Gesammtanschauung des griechischen Alterthums, Schritt für Schritt und zaghafterstaunt. — Windisch ist nach England auf ein Jahr, im Dienste der East-Indien-Office. Romundt hat glücklich das Staatsexamen gemacht und ist Hauslehrer bei Prof. Czermak in Leipzig. Im April reise ich mit Mutter und Schwester an den Genfersee und wohne vom 15—30 April in einer villa bei Montreux. Leb wohl! Glückliches Wiedersehn!

Dein treuer Freund F. N.

70. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Ende März—Anfang April 1870>

Nun will ich Euch endlich genauere Nachricht wegen der Osterferien geben. Ich hätte es eher thun mögen, war aber die letzte Zeit, bei dem starken Wechsel der Witterung, unwohl und habe an der Grippe laborirt. — Die Hauptsache ist nun, daß wir die kurze Ferienzeit zusammen nehmen und sie wirklich am Genfersee und nicht anderwärts zubringen. Das heißt, wir reisen am grünen Donnerstag (am ersten Ferientag) von Basel ab. Dann können wir 16 Tage am See bleiben. Mit Anfang Mai muß ich wieder zurück, zum Anfang des Sommersemesters. — Die Tage vor dem grünen Donnerstag sind für mich sehr arbeitsam: Examina, Versetzungs- und Abiturientenprüfungen usw., dann habe ich das Programm für Ostern zu schreiben. Wenn ich alles recht überlege, so scheint es mir wünschenswerth, ja nöthig, daß Ihr am Montag Abend, spätestens am Dienstag Abend (vor dem grünen Donnerstag) in Basel eintrefft: jedenfalls nicht erst am Mittwoch. — Nehmt Euch zur Herreise ordentlich Zeit und berathschlagt mit Hülfe des neuesten Coursbuchs und des Bädekers (für Süddeutschland), wie Ihr bequem und genußreich von Naumburg bis Basel reist. Keinesfalls mit Nachtfahrten: was in dieser Jahreszeit sehr bedenklich und gefährlich ist. Also etwa

Sonnabend: Abreise von Naumburg 7 Uhr, 29 Min.
Vormitt. bis Frankfurt (Abends 8 Uhr)

Palmsonntag Frankfurt bis Heidelberg.

Montag Heidelberg bis Basel (Schnellzug) Ankunft Abends um 7.

Dienstag

Mittwoch

}

Basel.

Donnerstag Abreise usw.

Charfreitag usw.

Was Hotels betrifft, so wählen einzelne Frauen immer die besten, also die, welche bei Bädeker zuerst genannt sind. In Heidelberg müßt Ihr etwas Zeit haben: denn es ist sehr schön. — Übrigens ist die Reise, wie ich sie angedeutet habe, sehr angreifend.

Wenn Ihr die Reise etwas studirt habt, (mit Karte, Bädeker und Coursbuch) dann werdet Ihr nach allen möglichen Einzelheiten zu fragen haben: und ich erwarte daher recht eingehende Briefe. Leider ist in meinem Hause kein leeres Zimmer.

Den Baedeker der Schweiz besitze ich. Doch muß ich schließen: gebt bald ausführliche Nachricht und denkt in der Hoffnung des Wiedersehens an Euren

F.

71. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel. Sonnabend <9. April 1870>

Ein Wörtchen!

Ich bin heute hier zum Professor ordinarius ernannt worden. Dies zur Verbreitung für meine Freunde.

Also Mittwoch Abends um 7 Uhr am Badischen Bahnhofe Wiedersehen!

Euer Fr.

72. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel Sonnabend. <9. April 1870>

Verehrtester Herr Geheimrath,

seit Ihrem letzten Briefe lebe ich in steter Unruhe und gönne mir keine Musse mehr. Vernehmen Sie, in welcher Constellation ich lebe. Das Pädagogiumsprogramm ist gestern glücklich fertig geworden und ich bin sofort zur neuen Arbeit übergegangen. Aber auf wie lange! Denken Sie dass nächste Woche meine Angehörigen kommen und dass wir zusammen an den Genfersee reisen. Bis dahin giebt es noch die Nöthe der Examina und Versetzungscommissionen. Mit andern Worten: ich weiss gar nicht mehr, wie fertig werden und wenn Sie mir zurufen „periculum in mora!“ so muss ich zurückrufen „mora in periculo“ was hier einmal ausnahmsweise soviel bedeuten soll „meine Erholungszeit geht zum Teufel!“ Denn Sie kennen das Loos von Arbeiten, die man mit in die Pensionswirthschaften in schönen Gegenden nimmt. Gesetzt sie werden fertig — so ärgert man sich hinterdrein, sowohl die Arbeit als die Ferien verpfuscht zu haben.

Schliesslich gebietet doch, soviel ich sehe, nichts anders diese grausame Eile als Freund Jungmann’s Situation. Hören Sie nun meinen Einfall. Geben Sie seine Arbeit sofort zu Teubner in Druck und lassen Sie gefälligst Teubner sagen, er möge die Rechnung später an mich gelangen lassen. Ich mache mir dies Vergnügen — mit Vergnügen. Nur darf Fr. Jungmann gar nichts davon erfahren; und mein Name muss gar nicht genannt werden. Vielleicht darf ich Sie um eine wohlgemeinte Lüge ersuchen und verspreche meinerseits, die Last dieser Sünde tragen zu wollen.

Ich sehe nämlich nicht ein, warum Jungmanns Dissertation sofort in das erste Heft der Meletemata kommen müsste.

Wenn nun dieser Grund zur höchsten Eile wegfällt, so bleiben gewiss noch, wie ich gar nicht unterschätze, auch noch andre Gründe, die Meletemata möglichst bald von Stapel laufen zu lassen. Ist es Ihnen denn zu spät, wenn ich das Manuscript druckfertig in der zweiten Hälfte des Mai sende? Nämlich es liegt mir etwas an dieser Arbeit und ich möchte sie nicht in zu grosser Bedrängtheit nieder schreiben: ich habe für den ganzen Stoff ein stilles tendre, wie Sie (und ich) für Freiburg.

Die Jungmann-frage betrachte ich als beantwortet.

Heute hat man mich auch zum Ordinarius gemacht.

Ihrer Frau Gemahlin sagen Sie doch, dass sie mir ja nicht böse sein soll. Man habe mitunter, ja gewöhnlich zum Besten keine Zeit, eben weil es das Beste ist.

Eiligst
Ihr getreuer
Friedr Nietzsche

73. An Friedrich Zarncke in Leipzig

Basel Sonnabend. <9. April 1870>

Verehrtester Herr College.

zwei Mit<t>heilungen und dies eiligst, für das C<entral> B<latt>.

Erstens ist heute die Berufung von Moritz Heyne seitens des Rathes bestätigt.

Zweitens hat man mich zum Ordinarius gemacht.

Schliesslich lässt sich Rathsherr Vischer wärmstens Ihnen empfehlen: er ist ganz glücklich über Ihren Brief und versichert, noch niemals ein so werthvolles und eingehendes Zeugniss über Jemanden empfangen zu haben.

Ich sende Ihnen die besten Wünsche und Grüsse

als
Ihr ergebendster
Friedr Nietzsche.

74. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Clarens au Basset, zweite Aprilhälfte 1870>

Verehrtester Herr Geheimrath,

auch so bin ich zufrieden.

Dies ist die eine Zeile, die Sie verlangen.

Hier ist alles blau blau blau warm warm warm, von früh bis Abends. Tinte und Feder aber versagen den Dienst. Ich habe schon oft gewünscht, dass Sie hier sein möchten, hier wo es nur eine Pflicht giebt, wie ein Murmelthier in der Sonne zu liegen.

Faul, aber treugesinnt
Friedr Nietzsche.

Pension Ketterer au Basset (Clarens)
Die Meinigen grüssen schönstens.

75. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel <Ende April 1870>

Verehrtester Herr Geheimrath,

ich antworte Ihnen bereits wieder aus Basel; die Meinigen habe ich am Genfersee zurückgelassen. Es war nämlich nöthig zurückzukehren, weil der Druck meines Programms (für das Pädagogium) ins Stocken gerieth und weil die Universität dem alten Gerlach zu Ehren etwas veranstalten wollte. Gestern habe ich im Auftrage des Senats an jenen eine lateinische Adresse gemacht. Es war nicht leicht. —

Der Titel dürfte vielleicht so lauten: Certamen quod dicitur Hesiodi et Homeri e codice Florentino post Henricum Stephanum denuo edidit Fridericus N.— Wenn Sie aber ändern wollen, so ist Ihnen im Voraus dafür gedankt. Rohde den ich für Ihr Unternehmen zu gewinnen suchte, sagt mir brieflich aus Venedig seine Betheiligung zu (um, wie er sich ausdrückt, „R. als Lehrer und Philolog, hämischen Anfällen gegenüber, meinen Verehrungszoll darzubringen.“) Er verspricht die Publikation einer von ihm in einem römischen cod. gefundenen kleinen Sammlung von Paradoxa, die wahrscheinlich dem Isigonus zuzuschreiben sind. Eine kleine gedrängte Vorrede und dann der Text, zu dem nichts zu thun ist als, wo sie vorhanden sind, die Parallelstellen hinzu zu setzen. — Er spricht davon, Ende Mai nach Basel zu kommen. Seine ,Paradoxa‘ bezeichnet er „noch reichlich so gut als die meisten Anecdota neuesten Datums.“

Teubner kann auch diesen Beitrag sofort ankündigen; damit hätte ja das erste Heft, zusammen mit Andresens coniectanea, gewiß den nöthigen Umfang.

Mit herzlichem Gruß Ihr
getreuer Nietzsche

76. An Erwin Rohde in Venedig

<Basel, 30. April 1870>

Theuerster Freund, wie dankbar bin ich Dir, daß Du mir auf meine im Grunde unbescheidne Anfrage einen so erwünschten Bescheid giebst. Dein Anecdoton ist unter allen Umständen für das erste Heft ein Köder und eine Lockstimme; denn wenn das neue Unternehmen auch solche Dinge bringt, so ist ja der buchhändlerische Erfolg gesichert. Ich denke mir, daß jenes erste Heft Deine und meine Beiträge und einen Theil der vortrefflichen Andresenschen coniectanea (zum dialogus) enthalten wird. Ich habe versprochen das Ms. in der zweiten Hälfte des Mai einzusenden, habe übrigens noch gar kein lateinisches Wort niedergeschrieben, da ich viel beschäftigt war. Erstens hatte ich das Programm für das Pädagogium zu schreiben übernehmen müssen (handelt über Laertius; Du bekommst es, ebenso die im letzten Heft des rhein. Mus. gedruckten Analecta Laertiana und meine gedruckte Antrittsrede) Sodann war ich eine Woche lang mit den Meinigen am Genfersee, mit südlichen Vorempfindungen und vielem Gedenken an Dich. In den letzten Tagen quälte mich der akademische Senat noch mit dem Auftrag, eine lateinische Adresse an den alten Gerlach abzufassen, der sein 50jähriges Lehrerjubiläum feiert. Auch dies sonderbare Aktenstück bekommst Du, wenn Du mich besuchst.

Nicht wahr, es sind merkwürdige Leimruthen, die ich Dir, dem aus dem Süden nach Norden flatternden Vogel, stelle, um Dich hier fest zu halten?

Einige statistische Neuigkeiten: M.Heyne ist an Wackernagels Stelle hierher berufen, Studemund nach Greifswald, Leskien nach Leipzig. Auch will ich nicht vergessen, daß man mich im vorigen Monat zum ordentlichen P. gemacht hat. „Und ein Jahr hat er’s getragen!“ Es ist mir ganz erstaunlich. Diesen Sommer lese ich zwei Interpretatoria, Oedipus rex und Hesiod’s Erga, dazu im Seminar Cicero’s Academika. Unser Philologenbestand hat eine gewisse Höhe erreicht, die hier sehr anerkannt wird, 14 Mann! Welche Misère!

Nun habe ich auch die erste Klasse des Pädagogiums zur Universität befördert. Die guten Jungen zeigen sich recht dankbar und hatten sich wirklich an mich angeschlossen. Auch habe ich ihnen Einiges mehr gesagt, als man sonst auf Schulen zu hören bekommt. Im Grunde hat man in einer sympathischen Klasse mehr Wohlgefühl als auf der kühlen Höhe des akademischen Katheders. Drei von den 12 Schülern wollen Philologie studieren — Du kannst mir aber glauben, daß ich mich von der Sünde frei fühle, jemanden hierzu verführt zu haben.

Wenn ich jetzt noch einige kleine Abhandlungelchen fertig habe (über alte Materien) will ich mich zu einem Buche sammeln, zu dem mir immer neue Einfälle kommen. Ich fürchte daß es keinen philologischen Eindruck machen wird; aber wer kann wider seine Natur? Es beginnt nun für mich die Periode des Anstoßes, nachdem ich eine Zeit lang leidliches Wohlgefallen erregt habe, weil ich die alten wohlbekannten Pantoffeln an hatte. Thema und Titel des Zukunft-buches: „Socrates und der Instinct.“

In dieser Woche habe ich dreimal die Matthäuspassion des göttlichen Bach gehört, jedesmal mit demselben Gefühl der unermeßlichen Verwunderung. Wer das Christenthum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium; es ist dies die Musik der Verneinung des Willens, ohne die Erinnerung an die Askesis.

Im Sommer feiern wir das Beethoven-Jubiläum: unter anderem durch Aufführung der missa sollennis. Auch hat man mich angegangen, die Festrede zu halten. — Wenn Du zu mir kommst, lernst Du auch die neueste Schrift R. W. kennen: „über das Dirigiren“ eine ausführliche Kritik unserer jetzigen Kapellmeister und die allerschönsten Bemerkungen aus seiner Dirigentenpraxis. Mir sagte dieser Tage Kirchner, einer der besten Schüler Schumanns, er habe nie und nirgends gute Aufführungen erlebt als unter Wagner. Also liebster Freund, auf Wiedersehen!! Aber vorher schickst Du noch die Paradoxa? Oder bringst Du sie mit?

Dein getreuer Freund.

77. An Erwin Rohde in Venedig

<Basel, 6. Mai 1870>

Mein lieber Freund, es ist ja zum Verzweifeln, was ich Dir für Nöthe mache, zusammen mit den pestilentiarischen Postanstalten Italiens. Mein Brief an Dich ist wieder einmal verloren gegangen — oder viel zu spät in Deine Hände gelangt. Frage nur noch einmal — in ersterem Falle — in der libreria Münster nach, vielleicht ist er bloß verlegt oder verwechselt. Ich wiederhole also meinen wärmsten Dank für Deine Bereitwilligkeit auch in Ritschl’s Namen, der eine große Freude daran hat. Nach seinem Arrangement soll Dein Paradoxen-beitrag (mit lateinischer Einleitung) das zweite Heft der Acta societatis L. beginnen, nach der Theorie der „fetten Bissen“; denn für dies Unternehmen ist jedes Anecdoton ein fetter Bissen. Das zweite Heft soll sofort im Anschluß an das erste gedruckt werden. Ich habe für das erste meinen Beitrag bis zur zweiten Hälfte des Mai versprochen. Du hast also vollständig Zeit; wenn Du mir aber die Paradoxa bald zuschicken willst, um damit fertig zu sein, so bin ich Dir im Voraus recht dankbar.

Für mich giebt es jetzt heillos viel zu thun, da ich für dies Semester eine Vertretung des Hr Mähly am Pädagogium übernommen habe. 4 Stunden Lateinisch und 2 Stunden griechisch: so daß ich jetzt wöchentlich gegen 20 Stunden habe — ich armer Schulmeisteresel!

Verzeihe mir die Kürze dieses Briefes: nur noch eins. Es hat mich gerührt, daß Du noch an das Dürersche Blatt gedacht hast. Willst Du die Copie für mich erwerben? Ich bitte Dich darum. Doch möchte ich sie dann bald zugeschickt erhalten, da es ein Geburtstagsgeschenk sein soll.

Ich hoffe sehr auf Deine Gegenwart

Adieu theuerster Freund!
FN.

78. An Wilhelm Brambach in Freiburg (Fragment)

<Basel, 18. Mai 1870>

Werthester Herr College,

Ich bedanke mich zunächst bestens für Ihre letzte musikalisch-metrische Zusendung. Sie gefiel mir so gut und schien mir so beifallswürdig, daß ich sie sofort weiter adressirt habe, nämlich an Richard Wagner, der sich gern über die neuesten Standpunkte griechischer Metrik unterrichten möchte. Manches habe ich ihm schon erzählt, aber nie ist es mir gelungen, die Sachlage so durchsichtig darzustellen, wie es in Ihren „Streifzügen“ geschehen ist.

Anbei bekommen Sie mein Programm und als Einlage und Curiosität — eine von mir abgefasste Adresse auf Gerlach. Es war ein peinliches Stück Arbeit.

Schönstens dankend und
grüssend
Fr. Nietzsche.

79. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 21 Mai 1870.

Pater Seraphice,

wie es mir voriges Jahr nicht beschieden war, Augenzeuge Ihrer Geburtstagsfeier zu sein, so hält mich auch jetzt wieder eine ungünstige Constellation davon ab; die Feder drängt sich mir heute widerwillig in die Hand, während ich gehofft hatte eine Maienfahrt zu Ihnen machen zu können.

Gestatten Sie mir, dass ich den Kreis meiner Wünsche heute so eng und persönlich wie nur möglich fasse. Andere mögen im Namen der heiligen Kunst, im Namen der schönsten deutschen Hoffnungen, im Namen Ihrer eigensten Wünsche ihre Gratulationen zu bringen wagen; mir genüge der subjectiveste aller Wünsche: mögen Sie mir bleiben, was Sie mir im letzten Jahre gewesen sind, mein Mystagog in den Geheimlehren der Kunst und des Lebens. Mag ich auch zeitweilig durch die grauen Nebel der Philologie hindurch Ihnen etwas entfernt erscheinen, ich bin es nie, meine Gedanken sind immer um Sie herum. Wenn es wahr ist, was Sie einmal — zu meinem Stolze — geschrieben haben, dass die Musik mich dirigiere, so sind Sie jedenfalls der Dirigent dieser meiner Musik; und Sie haben es mir selbst gesagt, dass auch etwas Mittelmässiges, gut dirigirt, einen befriedigenden Eindruck machen könne. In diesem Sinne bringe ich den seltensten aller Wünsche: es mag so bleiben, der Augenblick verharre: er ist so schön! Ich verlange nur dies vom nächsten Jahre, dass ich mich selbst Ihrer unschätzbaren Theilnahme und Ihres tapferen Zuspruchs nicht unwürdig erweisen möge. Nehmen Sie diesen Wunsch mit unter die Wünsche auf, mit denen Sie das neue Jahr beginnen!

Einer „der seligen Knaben.“

80. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel, Anfang Juni 1870>

Verehrtester Herr Geheimrath,

besten Dank für jenen neulichen Wink; es war eine gar zu dumme Dummheit. Ein Karton ist gedruckt; die Herstellung der Stelle ist sehr leicht.

Mein certamen bekommen Sie definitiv in nächster Woche. Diese leider nur zu nothwendige Verzögerung drückt mich sehr, da ich’s anders versprochen habe. Doch wer konnte als ich das Versprechen gab, voraussehen, wie schwer mir dies Sommersemester gemacht werden sollte! Ich hätte billiger Weise Ihnen keine Zeile versprechen dürfen. Inzwischen habe ich durch plötzlichen Dispens J. Mähly’s am Pädagogium 6 Stunden mehr und in summa wöchentlich 20 Stunden. Das giebt, bei lauter neuen Vorlesungen, eine totale Aufzehrung aller disponiblen Kräfte; wer jetzt in meiner Nähe wohnt, wird beurtheilen können, daß die kleine Gabe, die ich für Ihre acta bestimmt habe, mir ungewöhnlich schwer gefallen ist.

Nun bitte ich Sie sehr darum, folgender Combination Ihren Beifall zu zollen. Obwohl Teubner schon den Inhalt des ersten Heftes angekündigt hat, möchte ich aus dringenden Motiven folgende Anordnung vorschlagen

1) 

E. Rohde Paradoxa (c. 16 Druckseiten)

Certamen (c. 25 Druckseiten)

Jungmann

Andresen

Machen Sie mir die Concession, mit meinem Freunde R. zusammen das Heft eröffnen zu dürfen.

Dafür biete ich Ihnen Ersatz für das zweite Heft: auf mein Anfragen hat Dr. Wilhelm Roscher in Bautzen sofort einen Beitrag versprochen; und das Manuscript (eine decas von griech. Conjecturen) wird in 3 Wochen bei Ihnen sein. Damit habe ich doch nichts Unerwünschtes angezettelt? —

Es ist so ein freundlicher und dienstbereiter Mensch, unser Röscher.

Über das Programm hat Zeller in Heidelberg sehr angenehm an mich geschrieben. Gedruckt ist abscheulich inkorrekt; dafür hat einer meiner Studenten die Correktur besorgt. Schlecht genug. —

Also

Rohde Andresen und ich

In einem Heft — sonst nich-t

nämlich

sonst bleibt es beim Alten: was nicht wünscht

Ihr ergebenster
F Nietzsche

R. hat auch ein Fragment des Splenius zugleich edirt.

81. An Cosima von Bülow in Tribschen

Basel Sonntag. <19. Juni 1870>

Verehrteste Frau Baronin,

wir haben Ihnen zwei herrliche Tage zu danken, ich sogar im Grunde vier, weil ich alles was meinen Freund Rohde berührt mitempfinde und somit diesmal doppelt geniessen konnte. R. der am Tage darauf von Basel abreiste, gestand mir den Höhepunct seiner ganzen fünfzehnmonatlichen Reise ins „Blaue“ in Tribschen erlebt zu haben; er hat eine Verehrung und Bewunderung der ganzen gesammten dortigen Existenz mit davon getragen, die durchaus etwas Religiöses hat. Ich verstehe, wie die Athener ihrem Aeschylus und Sophocles Opferstätten errichten konnten, wie sie dem Sophocles den Heroennamen „Dexion“ gaben, weil er die Götter in seinem Hause aufgenommen und bewirthet habe. Dies Dasein der Götter im Hause des Genius erweckt jene religiöse Stimmung, von der ich berichtete. —

Hier sind die beiden Aufsätze, recht spät: aber der Abschreiber hat etwas gebummelt und der Buchbinder sich nicht beeilt. —

Meine Arbeitsnoth ist noch etwas gesteigert worden. Wenn nur meine Wünsche in Erfüllung gehen, und ich meinen Freund Rohde als Collegen in die Nähe bekomme (nach Freiburg) —

In Sachen Baireuths habe ich mir überlegt, dass es für mich das Beste sein dürfte, wenn ich auf ein Paar Jahre meine Professoren-thätigkeit einstelle und auch mit ins Fichtelgebirge wallfahre. Das sind so Hoffnungen, denen ich mich gern hingebe. —

Über Fidi habe ich mich sehr gefreut: es war das erste Mal, dass ich ihn in der rechten Umgebung und Beleuchtung der freien Natur sah, und wie gesund und hoffnungsreich erschien er mir da!

— — Ich muss schnell schliessen: man kommt, wohl irgend ein „Scholar.“

In treulichem Gedenken
Ihr ergebenster
F. N.

82. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel 2 Juli 70. Basel, Schützengraben 45.

Theurer Freund,

ich rechne auf Deine Freundschaft: wenn ich auf die nicht rechnen könnte, so wüsste ich mich bei meinem langen brieflichen Stillschweigen gar nicht zu entschuldigen.

Ich habe dies Semester in übermässiger Weise arbeiten müssen; wöchentlich 20 Stunden Collegien und Schulstunden, das giebt eine alltägliche grosse Erschöpfung: man wird müde und nachlässig gegen sich — und seine Freunde.

Seit anderthalb Wochen liege ich zu Bett, mit einem verrenkten Fusse; das Schreiben wird mir schwer, und Du wirst es verzeihen müssen, dass auch heute mein Brief kurz ausfällt.

Besten Dank für Deine Mittheilungen aus Berlin. Es gehört eine grosse Festigkeit des Besserwissens dazu, um in einem solchen Sturme der Meinungen, wie sie Wagnersche Werke erregen, nicht irre zu werden. Das „Besserwissen“ aber ist nichts Leichtes, das Einem in den Schoos fällt, vielmehr das Product eines energischen Kampfes gegen die Zeitverflachung und einer immer ernsteren Vertiefung in die Kunstwelt der wirklich Grossen, deren Zahl gewiss nicht Legion ist. Wenn wir mehr zusammen lebten, könnte Dir vielleicht manche peinliche und qualvolle Zwischenstufe des Erkennens erspart bleiben.

Eine Photographie W’s wird Dir zugeschickt, sobald wieder neue Bilder in W’s Besitz sind.

Hr. Wieseke sage einstweilen meinen schönsten Dank; diese Aufmerksamkeit gegen einen so entfernten Gesinnungsgenossen hat etwas Ergreifendes.

In diesem Sommer also werden wir uns sehen? Ich bin vom 15ten August bis 25 September in Basel. Vorher, vom 15 Juli— 15 August bin ich verreist, noch weiss ich nicht genau, wohin; doch sollst Du es jedenfalls erfahren. Vielleicht hätten wir in den Alpen uns eine gemeinsame Zufluchtsstätte aussuchen können: doch bin ich jetzt, meines Beines wegen, ein schlechter Reisegefährte und wage nicht Dir einen Vorschlag dieser Art zu machen.

Dass ich „ordentlicher“ Professor seit März bin, habe ich Dir doch wohl geschrieben.

Also alter lieber Freund!
Auf Wiedersehen!
In Treue
Friedr Nietzsche

83. An Paul Deussen in Minden

<Basel, Juli 1870>

Lieber Freund,

nicht zürnen! Ich schreibe sehr spät und auch heute nur wenig. Ja ich schreibe nur, um geschrieben zu haben. Denn es greift mich an, und etwas Wesentliches Dir zu melden wüßte ich nicht.

Ich liege nämlich schon ziemlich zwei Wochen zu Bett in Folge einer Fuß Verrenkung.

Wenn wir nun wieder einmal zusammen treffen, wie wird’s da werden? Verstehen wir uns noch? Vielleicht erst jetzt? Wer weiß?

Mein Freund Rohde, der nach 15 monatlichem Aufenthalt in Italien mich 14 Tage in Basel besuchte, hat in glänzender Weise die Freundschaftsprobe der Entfernung (c. 3 Jahre) bestanden.

Hierzu hilft selbst ein so zauberkräftiger Name wie der Schopenhauers nicht: es kommt darauf an, eins oder wenigstens einmüthig zu sein. Ob jeder dieselbe Formel findet sich auszudrücken, ist nicht das Wichtigste.

Wir glauben uns durch Aufnehmen eines großen Genius zu erweitern. In Wahrheit verengern wir den Genius, daß er in uns hinein kann.

In allen ernsthaften Dingen ist jeder Mensch sein eigen μέτρον. Was ist Freundschaft? Zwei Menschen und ein μέτρον.

Willst Du mich nicht einmal besuchen?

Treugesinnt Dein alter
Freund
Fr. N.

(Daß ich seit März Ordinarius bin, hast Du wohl gelesen?)

84. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel,> 12 Juli 70. Temperatur: 29 Grad R.

Verehrtester Herr Geheimrath,

so will ich denn nur fortschicken, was ich habe, nichts mehr und nichts weniger als die editio des Certamen (etwa 25 Druckseiten)

Es war wirklich ein arg gequältes halbes Jahr, zuletzt noch mit wahrhaft tropischem und wochenlang gleichmässigem Sonnenbrande. Dazu musste ich 2 Wochen zu Bette liegen und bin jetzt an meinem linken Fusse noch etwas leidend.

In diesen Tagen bekommt Klette einen Aufsatz von mir, den ersten, der sich mit dem Certamen befasst

Ihre Frau Gemahlin hat mir für übermorgen ihre Ankunft angekündigt: wie freue ich mich, sie in der Schweiz begrüssen zu können.

Mein mir ganz unschätzbarer Freund Rohde hat mich in Basel auf einige Zeit besucht: inzwischen wird er wohl auch bei Ihnen gewesen sein. Er will die erste Correctur des Ἀγών übernehmen; haben Sie seine Hamburger Adresse?

Und nun verzeihen Sie, dass ich schon wieder verstumme: unsere Stimmung ist nachgerade eine ganz unmögliche.

Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche.

85. An Friedrich Zarncke in Leipzig

Basel 14 Juli 70.

Hier, verehrtester Herr College, haben Sie wenigstens eine Anzeige für das C<entral> B<latt>. Niemals war ich so beschäftigt wie in diesem Halbjahr (wöchentlich 20 Stunden); entschuldigen Sie also, wenn ich diesmal sehr spät antworte.

Sollte es nöthig sein, den Ton der Schlußbemerkung der Recension etwas zu ermäßigen — was ich nicht glaube — so steht dies natürlich bei Ihnen. Wer ist denn nur dieser unglaubliche Schwätzer in philosophisch klingen sollendem Jargon Byk?

— Ich denke immer an Sie mit den herzlichsten Wünschen als Ihr

ergebenster
Friedr Nietzsche.

86. An Erwin Rohde in Hamburg

<Basel, 19. Juli 1870>

Endlich, liebster Freund, komme ich auch wieder zu Wort. Denke Dir, daß ich inzwischen einige Wochen zu Bett gelegen habe, einer Fußverrenkung wegen, offenbar weil ich dem Asclepios keinen Hahn geopfert habe, sondern die „Hahnen“ (denke an Köbi!) immer selbst auffresse (denke an Goethe).

Nach diesen gelehrten Citaten fühle ich mich bewogen, eine Stelle aus einem der letzten Bülow-briefe wörtlich zu citieren. „Uns sind diese Tage in sehr guter Erinnerung geblieben; der Meister hat an Ihrem Freund grosses Wohlgefallen, sein männlicher Ernst, seine bedeutende Theilnahme, und die wirkliche Freundlichkeit, die seine strengen Züge bisweilen durchleuchtete, war ihm durchaus sympathisch. Wird er nach Freiburg befördert, so kommen Sie immer zu Zweien auf Tribschen, denn „zwei einig geht der Mensch zu best“ sagt unsre Auctorität.“

Hier ein furchtbarer Donnerschlag: der französisch-deutsche Krieg ist erklärt, und unsre ganze fadenscheinige Kultur stürzt dem entsetzlichsten Dämon an die Brust. Was werden wir erleben! Freund, liebster Freund, wir sahen uns noch einmal in der Abendröthe des Friedens. Wie danke ich Dir! Wird Dir das Dasein jetzt unerträglich, so komme wieder zu mir zurück. Was sind alle unsre Ziele!

Wir können bereits am Anfang vom Ende sein! Welche Wüstenei! Wir werden wieder Klöster brauchen. Und wir werden die ersten fratres sein.

Der treue Schweizer.

87. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

<Basel, 19. (eigentl. 16.) Juli 1870>

Nun noch einige Worte von mir, geehrteste, uns zugehörige Mutter! Alle unsre schönen Anlagen und Auflagen im Gesicht usw. scheinen nun jetzt wieder zum + zu gehen! Bei Dir durch unablässiges Plagen und Schaffen, bei mir durch die schreckliche Noth, in die uns der heutige Tag mit seiner französischen Kriegserklärung gestürzt hat.

Nun habe ich noch die Sorge, Lisbeth wieder glücklich in Deine Arme zu befördern.

Wir haben so heiter noch in der Abendröthe des Friedens gelebt. Nun bricht das gräßlichste Ungewitter aus.

(Endlich auch bin ich betrübten Muthes, Schweizer zu sein! Es gilt unsrer Kultur! Und da giebt es kein Opfer, das groß genug wäre! Dieser fluchwürdige französische Tiger!)

Lebt recht wohl: Das Wort hat jetzt mehr Sinn, da alles alles zweifelhaft wird. Sage der lieben Tante meine wärmsten Wünsche. Dir selbst schönsten Dank für Deine Schweizer Reise! Es hat Dir doch gefallen? Nicht? —

F.

88. An Sophie Ritschl in Rigi-Scheideck

Axenstein bei Brunnen <um den 20. Juli 1870>

Verehrteste Frau Geheimräthin,

Sehr spät und auf Umwegen — weil ich inzwischen abgereist war — kam Ihr freundlicher Brief in meine Hände, zugleich mit einigen Zeilen Ihres Herrn Gemahls, datiert vom Sonntag Abend, der nach schleunigen Nachrichten über Sie verlangt und an mich und Vischer gleichzeitig Briefe abgesendet hat. — Telegraphische Privatdepeschen werden in Leipzig nicht mehr expediert. Eine Notiz, die wahrscheinlich für Sie berechnet ist: „Löffler, jetzt Director, ist mit seiner vor 10 Tagen angetrauten jungen Frau nothgedrungen hier liegen geblieben, statt nach Würtemberg und der Schweiz zu reisen“. Ich wenigstens weiss nicht, wer Löffler ist.

Meine tägliche Sorge ist nun, wie ich meine Schwester glücklich wieder in ihre Heimath expediere; dabei habe ich mich gefragt, ob Sie nicht vielleicht, unter dem Druck der entsetzlichsten Atmosphaere, Ihre Rückreise beschleunigen. In diesem Falle wäre meiner Schwester, die inzwischen hier mit mir lebt, eine kleine Notiz sehr erwünscht.

Hier bin ich, vom Standpuncte meines Fusses aus, sehr zufriedengestellt. Doch wage ich mich einstweilen noch nicht auf die Höhen; falls Sie aber noch etwas länger bleiben, so möchte ich wagen, Ihnen einen Besuch in diesem unvergleichlichen Theile des Vierwaldstätter-Seegebiets zu proponieren. Warm ist es freilich: aber vielleicht sehnen Sie Sich in Ihren Höhen etwas nach Wärme, was weiss ich. Wie empfehlenswerth unser Hôtel ist, das zeigt die Thatsache, dass es hier immer gleichmässig voll bleibt (110—120 Personen), trotz der beängstigenden Situation, die ja schlimmer gar nicht gedacht werden kann.

Welche beschämende Empfindung, jetzt ruhig bleiben zu müssen, jetzt, wo sogar für meine feldartilleristischen Studien die geeignetste Zeit gekommen wäre!

Mein Trost ist, dass für die neue Culturperiode doch wenigstens Einige der alten Elemente übrigbleiben müssen: und wie weit, durch einen solchen nationalen Erbitterungskrieg, selbst die Traditionen der Kultur vernichtet werden können, das kann man aus traurigen Analogien der Geschichte sich vergegenwärtigen.

Für schlimme Fälle habe ich mir natürlich noch einen kräftigen Entschluss vorbehalten.

Denken Sie, dass die Kieler Studenten einmüthig unter die Waffen treten! —

Also auf Wiedersehen? Meine Schwester macht Ihnen und Ihrer Fräulein Tochter ihre Empfehlung.

Ihr ergebener Friedrich
Nietzsche.

89. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Maderanerthal Montag 8 Aug. 1870.

Verehrtester Herr Rathsherr,

in der gegenwärtigen Lage Deutschlands darf Ihnen mein Entschluss nicht unerwartet sein, dass auch ich meinen Pflichten gegen das Vaterland zu genügen suche. In dieser Absicht wende ich mich an Sie, um mir — durch Ihre Fürsprache bei dem wohllöbl. Erziehungscollegium — Urlaub für den letzten Theil des Sommersemesters zu erbitten. Mein Befinden ist jetzt derart gekräftigt, dass ich ohne jede Bedenklichkeit als Soldat oder als Krankenpfleger mich nützlich machen kann. Dass ich aber auch das geringe Scherflein meiner persönlichen Leistungsfähigkeit in den Opferkasten des Vaterlandes werfen muss, das wird niemand so natürlich und billigenswerth finden als gerade eine schweizerische Erziehungsbehörde. Wenn ich auch mir wohl bewusst bin, welcher Kreis von Pflichten in Basel von mir auszufüllen ist, so könnte ich mich — bei dem ungeheuren Rufe Deutschlands, dass Jeder seine deutsche Pflicht thue — doch nur mit peinlichem Zwange und ohne wirklichen Nutzen in ihrem Banne festhalten lassen.

So viel ich vor drei Wochen gehört habe, ist Herr Mähly im Stande und gern bereit, seine Stunden im Pädagogium wieder zu übernehmen, und vielleicht wird Herr Hagenbach oder Herr Geizer bestimmt werden können, in diesem ausserordentlichen Falle den griechischen Unterricht der dritten Klasse in diesem Semester zu Ende zu führen; jedenfalls werde ich persönlich, falls Sie mir die Erlaubniss dazu geben, diese Herren um Unterstützung bitten.

Ich komme sofort nach Basel, um die Entscheidung einer wohllöbl. Erziehungsbehörde zu vernehmen und noch einige Anordnungen zu treffen. Bis dahin empfehle ich mich Ihrer Gewogenheit, die mir hoffentlich auch in diesem Falle zur Seite stehen wird.

Mit ehrerbietigem Grusse
Ihr
ergebenster
Dr. Friedr Nietzsche
Prof. o. p.

90. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

<vermutlich Basel, Mitte August 1870>

Verehrtester Herr Rathsherr,

ich möchte gern Ihnen und den hochgeachteten Mitgliedern des Erziehungscollegiums noch schriftlich meinen Dank für die rasche und wohlwollende Beantwortung meiner Anfrage aussprechen.

Herrn Mähly habe ich heute Nachmittag geschrieben, Herr Geizer ist noch verreist.

Mit dankbaren und ergebenen
Empfindungen
Ihr
Friedr Nietzsche
Professor.

91. An Erwin Rohde in Hamburg

<vermutlich Basel 12. August 1870>

Liebster Freund

ich treffe Sonntag den 15 Aug. in Leipzig ein und lasse mich von dort durch die sanitärischen Vorstände dorthin senden, wo ich Verwundeten hülfreich sein kann, vor allem in der Schlacht selbst. Mit mir zusammen ist ein Hamburger, der Maler Mosengel.

Du erfährst gewiss in Naumburg an der Saale, wo ich bin: dorthin sende nur alle Briefe, (per adr. Frau Pastor Nietzsche)

Oder kommst Du mit?

Friedr Nietzsche

92. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)

<Erlangen, 20. August 1870>

Liebe Lisbeth, wir sind immer noch in Erlangen, aber Montag geht es definitiv nach den Schlachtfeldern der letzten Tage. Ich war doch neulich etwas beunruhigt Dich allein abreisen zu lassen, wir machten noch einen Versuch bei der Abreise auf dem Bahnhof zugegen zu sein. Aber siehe da! Der Zug pfiff vor uns ab, nicht einmal vor unserer Nase.

Das Geld ist — Dank der bereitwilligen Hülfsbereitschaft und Schnelligkeit unseres lieben Vetters, den ich recht herzlich zu grüssen bitte, am Donnerstage angekommen. Es ist jetzt nicht unwahrscheinlich, dass wir der siegreichen Armee bis Paris folgen.

Wenn Du mir schreibst, so adressiere nur immer nach Erlangen (per adr. Professor Dr. Plitt) Die Briefe werden mir, soweit dies möglich, nachgeschickt. Von mir bekommst Du bald Nachrichten, zuerst wohl von Pont à mousson. Wundere Dich aber nicht, wenn die Briefe jetzt mehr Zeit brauchen.

Wir wohnen immer noch im Wallfisch. Zwei der verwundeten Preussen sind gestern und heute gestorben. Wir reisen mit Ziemsen und einigen Ärzten. — In alter Treue

Dein Bruder.

Mosengel grüsst bestens.

93. An Friedrich Ritschl in Leipzig (Fragment)

<Erlangen, 20. August 1870>

[+ + +] Ihrer Frau Gemahlin habe ich angeboten, sie sorgsamst nach Leipzig zu geleiten. Aber sie hat ganz recht, den Gedanken zur Rückreise bei der jetzigen Lage zu verschieben. [+ + +]

94. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

Erlangen (in Bayern) mein „Hauptquartier“. <vermutlich 20. August 1870>

Den wärmsten Gruß zuvor!

Ein Paar Worte, damit Du keine Beunruhigung hast. Wir sind noch in Erlangen und werden durch unsre fortwährende Thätigkeit am Hospital ganz zu Wundärzten und Chirurgen. Ein Turco und ein Preuße werden von mir behandelt. Am Montage gehen wir mit meinem Collegen Ziemsen, dem Direktor der hiesigen Klinik und einigen Ärzten nach Metz und Verdun ab, auf die Schlachtfelder der letzten Tage. Wahrscheinlich folgen wir dann der deutschen Armee bis nach Paris, wenigstens wenn es nach unserm Wunsche geht. Wir erwarten ein ungeheures Arbeitsfeld und viel Beschwerde. — Briefe schicke nur nach Erlangen, per adr. Herrn Professor Dr. Plitt, unter meiner vollen Adresse. Es wird vielleicht hier und da einmal unmöglich sein, Briefe direkt an mich zu befördern, weil unser Aufenthaltsort schnell wechselt. Doch werde ich und Plitt alles so praktisch wie möglich verabreden. Die bayrischen Feldpostbriefe gehen sehr langsam und unregelmäßig. Dies schreibe ich nur, damit Du bei ausbleibenden Nachrichten von mir nicht gleich Angst bekommst, zu der wirklich gar kein Grund vorhanden ist.

Mit den besten Wünschen für Dich und mich und den schönsten Grüßen an Onkel und Tante

Dein Fritz N.

Auf welche Weise hat Rudolf sich jetzt bethätigt? Ich erwarte alle meine Freunde im Felde.

95. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

Sulz bei Weissenburg, in der Nähe von Wörth <29. August 1870>

Herzlichen Gruss zuvor!

Wir sind seit 5 Tagen auf der Reise von Erlangen fort: es geht langsamer als man irgend denken kann, obwohl wir alle Mittel der Beförderung beanspruchen und zB. in Frankreich, auf Bremsen sitzend, auf einem unendlichen Proviantzuge hineinfuhren. Gestern haben wir in 11-stündigem Tagesmarsch unsere Aufträge in Gersdorf und Langensulzbach und dem Schlachtfelde von Wörth abgemacht. Ein Andenken an das furchtbar verwüstete, mit zahllosentraurigen Überresten übersäte und stark nach Leichen riechende Schlachtfeld folgt mit diesem Briefe. Heute wollen wir nach Hagenau, morgen nach Nancy usw., der Südarmee nach. Wir reisen allein, Mosengel und ich; erst in Pont à mousson treffen wir mit dem Erlanger Collegen Ziemsen wieder zusammen.

Briefe von Euch können mich in den nächsten Wochen nicht erreichen, da wir fortwährend unsern Aufenthalt wechseln und die Briefpost überaus langsam geht. Von den militärischen Fortschritten erfährt man hier gar nichts mehr, das Zeitungswesen hat ganz aufgehört. Die feindliche Bevölkerung scheint sich hier an den neuen Zustand der Dinge zu gewöhnen. Dafür ist sie auch, bei den geringsten Vergehungen, mit der Todesstrafe bedroht.

In allen Dörfern, durch die wir kommen ist Lazareth an Lazareth.

Du bekommst bald wieder Nachricht, sei nur ganz unbesorgt.

Dein Fritz.

Vielleicht schickst Du diesen Brief an Lisbeth; man kann nicht oft und bequem schreiben.

96. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Montag 29 Aug. Nachts um 2. 2 Uhr Nachts Viehwagen

bei ganz verkältetem Fussgestell trotz Flammensäule von Strassburg. Freies Feld zwischen Station Hagenau und Bischweiler. Neunstündiger Aufenthalt unter Pferden und Kavalleristen, bei feindlicher Bevölkerung.

Dies bereits gewohnte Art zu reisen. Morgen Nancy, dann Hauptquartier und weiter.

Ein Erinnerungszeichen an entsetzliches Schlachtfeld von Wörth folgt mit.

Elendes Oellicht hindert mehr zu schreiben.

Ihr getreuer
Nietzsche.

97. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)

<Nancy,> 2 Sept. 1870.

Nancy, seit gestern hier, in einer Stunde weiter nach Ars sur Moselle (bei Metz) Befinden vortrefflich

98. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

Erlangen, Hôtel Wallfisch, Sonntag. <11. September 1870>

Nun denke Dir, liebste Mutter, daß ich bis jetzt von Dir noch gar keine Nachricht habe, daß ich aber bereits meinen Feldzug glücklich vollendet habe. Glücklich zwar nicht ganz: denn ich liege hier erkrankt an der bösen Ruhr: aber die schlimmsten Zustände sind vorüber, ja ich werde Dienstag oder Mittwoch abreisen können, um mich in Naumburg weiter zu pflegen. Zu diesem Behufe nun bitte ich Dich, mit Lisbeth doch, wenn es irgend geht, nach Naumburg zurückzukehren. Ich möchte jetzt, bei meiner Sehnsucht nach Ruhe und einer großen Erschöpftheit nirgends wo anders hin. Ich bin bis in die Nähe von Metz vorgedrungen und habe von dort einen Verwundetenzug nach Carlsruhe geleitet. Hierbei, bei dem fürchterlichen Zustand aller meiner Kranken, dem fortwährenden Verbinden ihrer zum Theil brandigen Wunden, bei dem Schlafen in Viehwägen, in denen 6 Schwerverwundete auf Stroh lagen, habe ich den Keim der Ruhr in mich aufgenommen; zugleich hat auch der Arzt an mir noch Rachen-Diphtheritis entdeckt, die aus derselben Thätigkeit stammt. Auch dieses Übel wird höchst energisch von uns bekämpft.

Trotz alledem bin ich froh, wenigstens etwas mit bei der unglaublichen Noth geholfen zu haben. Und ich wäre sofort noch ein zweites Mal ausgezogen, wenn nicht die Krankheit es mir unmöglich gemacht hätte.

Bitte telegraphiere an Lisbeth, sie möge sofort nach Hause abreisen.

Mit den herzlichsten Grüßen und Wünschen

Dein Sohn.

99. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Erlangen, Hôtel Wallfisch Sonntag <11. September 1870>

Verehrter Herr Rathsherr,

endlich — nach vier Wochen — komme ich zu einer Art Abschluss und fühle mich gedrängt Ihnen Bericht zu erstatten. Mein ursprünglicher Plan nach Leipzig zu gehen wurde schon auf der Reise aufgegeben, aus den besten Gründen: dagegen zog es uns — meinen Freund Mosengel und mich — nach Erlangen, wo ein rüstiger Verein für ähnliche Zwecke blüht, als die unsrigen waren, der bis jetzt schon 80 „Felddiakonen“ ausgeschickt hat. Alles gelang: wir kamen mit einem Verwundetentransport in Erlangen an und waren bereits am Sonntage — heute vor 4 Wochen, in Thätigkeit. Wir nahmen einen Cursus in der Verbandlehre und waren bei allen Visiten eines Assistenzarztes im Hospital zugegen. Bald durften wir auch Hand anlegen: an den vielen verwundeten Preussen Franzosen Turcos war viel zu lernen und viel zu nützen. Nach 10 Tagen wurde wieder ein Zug von 15 jungen Leuten (meistens Studenten) nach dem Kriegsschauplatz ausgesandt: der eine Theil unter der Leitung von Prof. Ziemsen gieng über Saarbrücken: der andere aus mir und meinem Freunde bestehend über Weissenburg. Wir hatten eine Menge Einzelaufträge und Vertrauenssachen zu besorgen, mit mancherlei Strapatzen. Auf dem Schlachtfelde von Wörth galt es, das Grab eines bairischen höheren Offiziers ausfindig zu machen: dies glückte uns. Ich bringe Ihnen ein Andenken an dieses fürchterliche Schlachtfeld mit, einige Chassepotkugeln. Wir drangen bis Ars sur Moselle (unmittelbar bei Metz) vor und bekamen dort Verwundete zu verpflegen. Eine besondere Freude war es mir, plötzlich den Collegen Hoffmann zu sehen, der einen Verwundetentransport nach Carlsruhe zu geleiten hatte. Ich schloss mich ihm, gleich Mosengel, an und jeder von uns übernahm die Sorge für einen mit Verwundeten gefüllten Wagen. Wir brauchten zwei Tage und zwei Nächte zu unserer Reise, während welcher Zeit wir unsere Kranken nicht verliessen. Ich hatte einen engen kleinen Viehwagen, mit Stroh bedeckt: darauf lagen 6 Schwerverwundete, ich mitten drin. Hier gab es viel zu thun: zu verbinden zu speisen usw. Die Atmosphaere in dieser Höhle war fürchterlich. In Carlsruhe lieferte ich unsere Kranken ab: Tags darauf kehrten wir nach Erlangen zurück, um hier Bericht zu erstatten. Schon auf dieser Reise erfasste mich heftiges Unwohlsein: der Arzt, den ich hier in Erlangen kommen Hess, constatierte erstens starke Ruhr und zweitens Rachendiphtheritis. Mit diesen beiden Hospitalseuchen habe ich also zugleich Bekanntschaft machen müssen. Die schlimmsten und gefährlichsten Zustände sind schon vorüber: der Arzt ist mit der fortschreitenden Besserung sehr zufrieden. Aber recht matt und erschöpft bin ich. Wir haben gegen beide Übel höchst energisch gekämpft. Mosengel ist mein getreuer Krankenwärter.

So weit mein Bericht, den ich im Bette machen muss.

Trotz diesem bösen Nachspiel fühle ich mich sehr beruhigt, wenigstens etwas, und wenn auch nur ein Tüttelchen an der grossen Sache der allgemeinen Krankenpflege geholfen zu haben. Der Verein, meistens aus hiesigen Professoren bestehend, ist mit unserer Thätigkeit sehr zufrieden: dies ist mehr als wir zu erreichen hoffen konnten.

Ihre Frau Gemahlin habe ich in treuem Angedenken und wünsche ihr recht herzlich empfohlen zu sein. Ihnen selbst nochmaligen Dank, dass mir in gegenwärtiger Zeit Urlaub zu Theil geworden ist. Man muss etwas mit thuen, um nicht als Zuschauer von innerer Unruhe und Selbstpeinigung aufgezehrt zu werden. Mehrere meiner Freunde sind unter den Todten. —

In der Hoffnung auf ein glückliches Wiedersehen
Ihr ergebener und getreuer
Friedrich Nietzsche
Prof. o.p.

100. An Richard Wagner in Tribschen

Erlangen, Sonntag <11. September 1870>

Lieber und verehrter Meister.

so ist denn, mitten im Ungewitter, Ihr Haus fertig geworden und fest begründet. Ich habe auch in der Ferne dieses Ereignisses immer unter Segenswünschen gedacht und bin sehr beglückt, aus den Zeilen Ihrer von mir so geliebten Frau Gemahlin zu ersehen, dass die Möglichkeit, diese Feste zu begehen, schließlich doch noch schneller kam als vielleicht — bei unserem letzten Zusammensein — zu argwöhnen war.

Sie wissen, welcher Strom mich aus Ihrer Nähe fortgerissen hat, so dass ich nicht Augenzeuge so heiliger und ersehnter Handlungen sein konnte. Meine Hülfsthätigkeit hat einen einstweiligen Abschluss gefunden, leider durch Krankheit. Meine mannichfache<n> Aufträge und Verpflichtungen führten mich bis in die Nähe von Metz; es wurde mir und meinem — sehr bewährten — Freunde Mosengel möglich, den grössten Theil unserer Aufgaben mit Glück zu erledigen. In Ars sur Moselle übernahmen wir die Pflege von Verwundeten und kehrten dann mit diesen nach Deutschland zurück. Dieses dreitägige und dreinächtige Zusammensein mit Schwerverwundeten war der Höhepunkt unserer Anstrengungen. Ich hatte einen elenden Viehwagen, in dem 6 Schwerleidende lagen, allein während jener Zeit zu besorgen, zu verbinden zu verpflegen usw. Alle mit zerschossenen Knochen, mehere mit 4 Wunden; dazu constatierte ich bei Zweien noch Wunddiphtheritis. Dass ich es in diesen Pestdünsten aushielt, selbst zu schlafen und zu essen vermochte, erscheint mir jetzt wie ein Zauberwerk. Kaum aber hatte ich meinen Transport an ein Karlsruher Lazareth abgeliefert, stellten sich auch bei mir ernstliche Zeichen von Unwohlsein ein. Mit Mühe kam ich nach Erlangen, um meinem Vereine über Verschiedenes Bericht zu erstatten. Dann legte ich mich zu Bett und liege bis jetzt. Ein tüchtiger Arzt erkannte als mein Leiden einmal eine sehr starke Ruhr und sodann Rachen-diphtheritis. Wir sind aber mit der grössten Energie gegen beide ansteckende Übel vorgegangen, und es ist heute gute Hoffnung zu melden. Mit zwei jener berüchtigten Lazarethseuchen habe ich also auf eins Bekanntschaft gemacht; sie haben so schwächend und entkräftigend auf mich in kurzer Zeit gewirkt, dass ich zunächst alle meine Hülfsthätigkeitspläne aufgeben muss und an meine Gesundheit allein zu denken veranlasst werde. So bin ich nach einem kurzen Anlauf von 4 Wochen, ins Allgemeinere zu wirken, bereits auf mich selbst wieder zurückgeworfen — recht elend!

Über die deutschen Siege möchte ich kein Wort sagen: das sind Feuerzeichen an der Wand, allen Völkern verständlich.

Heute darf ich nicht mehr schreiben; mein nächster Brief gilt Ihrer verehrten Frau Gemahlin, der ich meine innigsten Glückwünsche zu Füssen lege. Dem Täufling ein fröhliches Glückauf! Glückauf dem ganzen Tribschener Haus!

Ihr getreuer
Friedr Nietzsche

101. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Naumburg 21 Sept. 70.

Verehrtester Herr Geheimrath,

wer weiß ob Sie meine letzten Briefe bekommen haben! Dies ist der stille Zweifel, der einen in solchen Zeiten bei allem Briefschreiben überschleicht. Darum will ich Ihnen noch einmal erzählen, daß ich von Erlangen aus im Dienste der freiwilligen Krankenpflege mich nach dem Kriegsschauplatze begeben habe — bis nach Ars sur Moselle (ganz in der Nähe von Metz) und daß ich von dort einen Verwundetentransport nach Carlsruhe gebracht habe. Die Anstrengungen der ganzen Unternehmung waren bedeutend; mit den Bildern jener Wochen und einem unaufhörlich sich mir vernehmbar machenden Klageton habe ich jetzt noch zu ringen. Ich verfiel bei meiner Rückkehr zugleich in zwei Krankheiten, gefährlicher Art, die ich beide in der Tag und Nacht unausgesetzten Pflege von Schwerverwundeten durch Ansteckung bekommen habe — Rachendiphtheritis und rothe Ruhr — eheu!

(      nobile par fratrum!      )

Doch sind beide Übel in der Hauptsache überwunden; vor einigen Tagen bin ich hier in Naumburg angekommen, um mich recht zu erholen und durch stille Arbeit wieder von den Erregungen jener Zeit zu heilen. Daß Einem immer, bei den besten Absichten für das Allgemeine, die lumpige Persönlichkeit mit all ihren Quengeleien und Schwächlichkeiten zwischen die Beine kommt! Nochmals eheu!

Von meinen Erlebnissen hoffe ich Ihnen nächstens persönlich erzählen zu können; auch bringe ich Ihnen ein Paar Chassepotkugeln von den Schlachtfeldern mit. Alle meine militärischen Leidenschaften sind wieder erwacht, und ich konnte sie gar nicht befriedigen! Wäre ich bei meiner Batterie gewesen, so hätte ich die Tage von Rezonville Sedan und — Laon praktisch und vielleicht auch passiv erlebt. Nun aber hat mir meine Schweizerische Neutralität die Hände gebunden. —

Ich habe gehört, daß Ihre verehrten Angehörigen wieder bei Ihnen angelangt sind. Habe ich recht gehört? Dann hoffe ich sie in nächster Woche zu sehn. Meine Schwester läßt sich bestens empfehlen. Ich freue mich darauf wieder etwas philologische Luft zu athmen; mehr aber als das: Ich freue mich nach Jahresfrist Sie wieder zu sehen. Es war für mich persönlich ein recht Wechselund mühevolles Jahr!

Wann aber wäre man je auf stolzeren Füßen gegangen als jetzt? Und welcher Deutsche, wenn er einen Deutschen wiedersieht, darf jetzt nicht nur weinen, sondern auch — wie zwei Augurn — lachen?

Und das wollen wir nächste Woche zusammen thun.

Auf Wiedersehn!
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche.

102. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Naumburg a/S. 19 Oct. 1870.

Verehrter Herr Rathsherr,

übermorgen will ich abreisen, aber ich möchte gerne vorher noch einen brieflichen Grass an Sie absenden, zugleich mit einem kleinen Druckstück, das eben fertig geworden ist. Mit meinem Befinden kann ich jetzt wieder zufriedener sein; die Diphtheritis hat mich ziemlich lange noch incommodirt. Vor all den schrecklichen Bildern, die mir meine Reise gezeigt hat, habe ich Schutz bei der Wissenschaft gesucht. Rhythmische und metrische Fragen, wie sie die Vorbereitung für das Wintersemester mir wieder näher brachte, lassen mir jetzt keine Ruhe; ich freue mich diesmal recht auf meine Collegien-thätigkeit. Ritschl habe ich wohl und in altgewohnter Jugendlichkeit angetroffen; er sagt Ihnen seine besten Empfehlungen. Ist Ihnen ein juristischer Professor Brockhaus in Jena bekannt, Sohn des Orientalisten? Ich lernte ihn bei seinen Eltern kennen. Zarncke war verreist, wie man erzählte, nach Strassburg, um sich nach dem Schicksale der Bibliothek zu erkundigen. Die Besetzung der Klotz’schen Professur in Leipzig macht viel Unruhe; ich glaube dass Bursian die besten Aussichten hat. — In Erlangen erzählte man mir, dass man Binding dorthin berufen wolle.

Mein Wunsch, noch einmal auf dem Kriegsschauplatz zu erscheinen, ist nicht in Erfüllung gegangen; ich war allzusehr angegriffen und leide noch jetzt häufig an Nervenaufregung und plötzlicher Schwäche, Zustände, die mir alle ausserordentlichen Beschäftigungen verbieten und ein gewisses Gleichmass und grosse Ruhe zur Pflicht machen. Beides werde ich in der Thätigkeit des Winters finden.

Für alle Mittheilungen, die mir Ihr geehrter Brief brachte, sage ich Ihnen meinen besten Dank, noch mehr für das Wohlwollen, welches derselbe auch für meine letzten Schicksale zu erkennen gab. Meine Mutter und Schwester wünschen Ihnen und Ihren verehrten Angehörigen gleich mir angelegentlich empfohlen zu sein.

Und so verbleibe ich denn in der Hoffnung auf ein giückliches Wiedersehn

Ihr immerdar ergebener
Friedr Nietzsche.
Prof. o. p.

103. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)

20 Oct. 1870. Naumburg

Mein lieber Freund,

dieser Morgen brachte mir die freudigste Überraschung und Befreiung von viel Unruhe und Beängstigung — Deinen Brief. Noch vorgestern wurde ich auf das ärgste erschreckt, als ich in Pforta Deinen Namen mit zweifelnder Stimme aussprechen hörte, Du weißt, was jetzt dieser zweifelnde Ton zu bedeuten pflegt. Sofort requirirte ich vom Rektor eine Liste der gefallenen Pförtner, die gestern Abend bei mir eintraf. Sie beruhigte mich in einem Hauptpunkte. Sonst gab sie viel Trauriges. Außer den Namen, die Du schon genannt hast, lese ich hier an erster Stelle Stöckert, dann v. Oertzen (doch mit einem Fragezeichen) dann v. Riedesel usw. in summa 16. — Alles was Du mir schreibst, hat mich auf das Stärkste ergriffen, vor allem der treue ernste Ton, mit dem Du von dieser Feuerprobe der uns gemeinsamen Weltanschauung sprichst. Auch ich habe eine gleiche Erfahrung gemacht, auch für mich bedeuten diese Monate eine Zeit, in der jene Grundlehren sich als festgewurzelt bewährten: man kann mit ihnen sterben; das ist mehr als wenn man von ihnen sagen wollte: man kann mit ihnen leben. Ich war nämlich doch nicht in so unbedingter Sicherheit und Entrücktheit von den Gefahren dieses Krieges. Ich hatte bei meinen Behörden sofort den Antrag gestellt, mir Urlaub zu geben, um als Soldat meine deutsche Pflicht zu thun. Man gab mir Urlaub, aber verpflichtete mich auf Grund der schweizerischen Neutralität, keine Waffen zu tragen (Ich habe seit 69 kein preußisches Heimatsrecht mehr) Sofort reiste ich nun mit einem vortrefflichen Freunde ab, um freiwillige Krankenpflegerdienste zu thun. Dieser Freund mit dem ich durch 7 Wochen alles gemeinsam gehabt habe, ist der Maler Mosengel aus Hamburg, mit dem ich Dich in Friedenszeiten bekannt machen muß. Ohne seinen gemüthvollen Beistand hätte ich schwerlich die Ereignisse der nun kommenden Zeit überstanden. In Erlangen ließ ich mich von dortigen Universitätscollegen medizinisch und chirurgisch ausbilden; wir hatten dort 200 Verwundete. Nach wenigen Tagen wurden mir 2 Preußen und 2 Turko’s zur speziellen Behandlung übertragen. Zwei von diesen bekamen bald die Wunddiphtheritis und ich hatte viel zu pinseln. Nach 14 Tagen wurden wir beide, Mosengel und ich, von einem dortigen Hülfsvereine ausgeschickt. Wir hatten eine Menge Privataufträge, auch erhebliche Geldsummen zur Besorgung an 80 früher ausgesandte Felddiakonen. Unser Plan war, in Pont à Mousson mit meinem Collegen Ziemsen zusammenzutreffen und uns dessen Zug von 15 jungen Männern anzuschließen. Das ist nun freilich nicht in Erfüllung gegangen. Die Erledigung unsrer Aufträge war sehr schwer, wir mußten, da wir gar keine Adressen hatten, persönlich in anstrengenden Märschen nach sehr unbestimmten Andeutungen hin die Lazarethe bei Weißenburg, auf dem Wörther Schlachtfelde, in Hagenau, Luneville Nanzig bis Metz durchsuchen. In Ars sur Moselle wurden uns Verwundete zur Verpflegung übergeben. Mit diesen sind wir, da sie nach Carlsruhe transportirt wurden, wieder zurückgekehrt. Ich hatte 6 Schwerverwundete 3 Tag und 3 Nächte lang ganz allein zu verpflegen, Mosengel 5; es war schlechtes Wetter, unsre Güterwagen mußten fast geschlossen werden, damit die armen Kranken nicht durchnäßt würden. Der Dunstkreis solcher Wagen war fürchterlich; dazu hatten meine Leute die Ruhr, zwei die Diphtheritis, kurz ich hatte unglaublich zu thun und verband Vormittag 3 Stunden und Abends ebenso lange. Dazu Nachts nie Ruhe, bei den menschlichen Bedürfnissen der Leidenden. Als ich meine Kranke<n> in ein ausgezeichnetes Lazareth abgeliefert hatte, wurde ich schwer krank: sehr gefährliche Brechruhr und Rachendiphtheritis stellten sich sogleich ein. Mit Mühe kam ich bis Erlangen. Dort blieb ich liegen. Mosengel besaß die Aufopferung, mich hier zu pflegen. Und das war nichts Kleines, bei dem Charakter jener Übel. Nachdem ich mehrere Tage mit Opium- und Tanninklystiren, und Höllensteinmixturen meinem Leibe zugesetzt hatte, war die erste Gefahr beseitigt. Nach einer Woche konnte ich nach Naumburg abreisen, bin aber bis jetzt noch nicht wieder gesund. Dazu hatte sich die Atmosphäre der Erlebnisse wie ein düsterer Nebel um mich gebreitet: eine Zeitlang hörte ich einen nie endenwollenden Klagelaut. Meine Absicht, wieder auf den Kriegsschauplatz abzugehen, wurde deshalb unmöglich gemacht. Ich muß mich jetzt begnügen, aus der Ferne zuzusehn und mit zu leiden.

Ach, mein lieber Freund, welche Segenswünsche soll ich Dir zurufen! Wir wissen beide, was wir vom Leben zu halten haben. Aber wir müssen leben, nicht für uns. Also lebe, lebe liebster Freund! und Lebe wohl! Ich kenne Deine heldenmüthige Natur. Ach daß Du mir erhalten bliebest! Treulich

Friedrich Nietzsche
(von morgen an in Basel)

Heute habe ich nicht mehr zum Schreiben Zeit, da meine Abreise bevorsteht. Von Basel aus erfährst Du mehr von mir. Ich bin glücklich, endlich Deine Adresse zu haben. Meine Angehörigen begleiten Dich mit ihren besten Wünschen.

104. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 23./24. Oktober 1870>

Liebe Mutter und Schwester,

es ist immer noch ziemlich ungemüthlich hier, deshalb wird es Euch nicht wunder nehmen, wenn ich in Unterhaltung mit Euch mich in die verlebten letzten Wochen zurückversetze. Es hat mir nämlich diesmal recht gut in Naumburg gefallen — das ist Euch gewiß nicht unangenehm zu hören, und Basel hat bis jetzt noch nichts gethan, um mir es nur annähernd so erträglich zu machen wie es mir bei Euch ergangen ist. Freilich kam ich nicht in bester Stimmung an. Denn ich hatte den ganzen zweiten Reisetag mit Erbrechen zu kämpfen. Am ersten Tage war ich gegen 12 Uhr Nachts ganz durchfroren in Frankfurt angekommen. Am zweiten, Abends um 8 war ich in meiner Wohnung und bestellte sofort Lindenblüthenthee. Auch heute geht es mir noch nicht gut. — Bei Frau Vogler und Minna habt Ihr starke Dankesgefühle erregt und wirkliche Freude gemacht. Beide lassen durch mich ihre Empfindungen ausdrücken — was denn hiermit geschehn sein soll. Sehr freundlich war der Empfang bei Vischers. Die Frau V. läßt Dir, liebe Lisbeth, sehr für den Brief danken und sie bediente sich dabei für den Brief schmeichelhafter Ausdrücke. Sie wäre bis jetzt zu beschäftigt gewesen, um antworten zu können. Fast hätte sie geglaubt, daß Du wieder mitkommen würdest.

Sogleich von heute ab habe ich das Vergnügen!, das Examen am Pädagogium mit zu erleben. Vischer schien sehr an meinem Eintreffen zu liegen.

Jetzt ein Auftrag, der in fliegender Eile erledigt werden muß. Ich bekam eben einen Brief von Ritschl (40 cents. weil von Naumburg bis Basel nicht frei gemacht) Er verlangt die Correcturbogen des Certamen: diese aber habe ich in Naumburg zurückgelassen. Sie müssen ihm sofort, ohne Brief, zugeschickt werden. Adr. Herrn Geheimerath Prof Dr. Ritschl Leipzig Lehmanns Garten.

Gestern als die Mittagzeit kam und ich hungerte, gieng ich in die drei Könige und aß dort ohne befriedigt zu sein. Monatlich wollen sie dort im Abonnement 75 frc. Das ist mir zu viel: allerdings ist eine halbe Flasche Rothwein eingerechnet.

Heute habe ich zu Hause gegessen, Minna’s Kochkunst. Es war auch Nichts. — Das Fatalste in den 3 Königen war mir übrigens die durchherrschende französische Gesinnung und Sprache an der großen Tafel.

In der Kiste ist alles gut angekommen. Alle Packträger schimpften über sie, sie hat sie alle weiß gemacht.

Nun seid herzlich gegrüßt und bedankt
von Eurem Fr.

Es ist doch eine mächtige Reise. Und theuer, man mag’s machen, wie man will.

105. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel Sonnabend 29 Oct. 70.

Verehrtester Herr Geheimrath,

leider waren die Correkturbogen nicht mehr in meinen Händen; ich hatte sie bei meiner Abreise in Naumburg zurückgelassen. Sofort habe ich dahin geschrieben — mit welchem Erfolg, weiß ich nicht. Inzwischen habe ich das Certamen noch einmal durchgesehn; was vielleicht noch hinzuzufügen wäre, wenn dazu noch Zeit ist — will ich auf der letzten Seite des Briefes notieren.

Die Correktur Rohdes ist mir an einigen Stellen besonders merkwürdig, wo er bei Citaten Worte streicht oder auch das Citat für falsch erklärt; nachträgliches Nachschlagen hat mich belehrt, daß ich von Anfang an das Rechte hatte. — Aber wie die Sache ohne Ihre Hülfe zu Stande gekommen wäre, sehe ich gar nicht ab. —

Hier haben wir Examinationsnöthe am Pädagogium. — Die politische Atmosphäre ist geradezu scheußlich, es giebt Leute, die offen ihren Enthusiasmus für die Verrätherei von Laon bekunden. Auch mit ruhigen und im Ganzen deutschgesinnten Baselern kann man sich nicht mehr verständigen. Der Deutschenhaß ist hier instinktiv und die Lust an den französischen Siegesberichten groß. Heute allgemeine Trauer wegen Metz. —

Mein Befinden ist immer noch nicht zu rühmen. Die Ruhr verdirbt auf lange hinaus die Eingeweide. Ich stecke bis über den Kopf in metrischen Fragen, der Winter wird wohl dabei draufgehen.

Sich Ihnen getreulich anempfehlend
Ihr ergebenster
Friedrich Nietzsche.

106. An Wilhelmine Oehler in Merseburg

<Basel,> 4 Nov. 1870.

Meine liebe Großmama

Du hast mich zu meinem Geburtstage so freundlich und mit so reichen Gaben bedacht, daß ich sehr wünschen mußte, Dir persönlich meinen Dank auszudrücken. Aber meine Zeit war schon abgelaufen; ja ein früher gemachter, auf die Feier Deines Geburtstags berechneter Plan, nach Merseburg zu kommen, mißlang im letzten Moment. So bleibt mir denn nur übrig, von hier aus Dich brieflich von meinen dankbaren Empfindungen zu benachrichtigen.

Bei meiner Rückkehr nach Basel fand ich sofort eine Fülle von Geschäften vor, die sich während meiner langen Abwesenheit aufgehäuft hatten und nun auf mich warteten. Meine Gesundheit ist dabei leider immer noch nicht so gut, wie ich es bei dem bevorstehenden Arbeit-reichen Winterhalbjahr wünschen möchte. Es scheint daß die Ruhr auf lange hinaus den Körper erschöpft und die Regelmäßigkeit seiner Funktionen stört. Sonst ist gerade jetzt mein Bedürfniß nach Berufstätigkeit groß, nachdem ich durch die Kriegsereignisse mehrere Monate lang von ihr ferne gehalten wurde. Auf den Besuch unserer Universität übt der Krieg keinen Einfluß aus. Eine ziemliche Anzahl von Katholiken haben wir bekommen, die ehemals sich bestimmt hatten Geistliche zu werden, jetzt aber bei den großen katholischen Kirchenspaltungen ihren Entschluß geändert haben und nun Philologie oder Naturwissenschaften studieren. Auch habe ich diesmal einen alten Schulpförtner zum Schüler — es ist glaube ich, der erste Fall, daß ein Zögling der Pforte nach Basel geht, um dort philologische Studien zu treiben.

Soviel von meinem Leben. Von dem Deinigen habe ich fast nur Erfreuliches gehört, und wir dürfen ja wohl hoffen und wünschen, daß Du mit Deiner gewohnten Rüstigkeit noch so manches Jahr glücklich zurücklegst.

Bewahre mir die treue Theilnahme und Liebe, mit der Du mich bisher ausgezeichnet und geehrt hast und sei herzlich gegrüßt von Deinem

dankbaren Enkel
Dr Friedrich Nietzsche
ord. Prof. der klass. Philol.
in Basel.

107. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)

Basel 7 Nov. 70. <und kurz davor>

Mein lieber Freund,

hoffentlich erreicht Dich auch dieser Brief bei gutem tapferen Befinden und leidlicher Stimmung. Woher diese zwar kommen soll, ist mir fast unbegreiflich — es sei denn, daß man wisse, was das Dasein ist und zu bedeuten hat. Wenn sich einmal wie jetzt die schrecklichen Untergründe des Seins aufschließen, der ganze unendliche Reichthum des Wehes sich ausschüttet, dann haben wir das Recht, als die Wissenden mitten hindurchzuschreiten. Dies giebt eine muthig resignirte Stimmung, man hält’s damit aus und wird nicht zur Salzsäule.

Ich habe mich mit wahrer Begierde in die Wissenschaften gestürzt; jetzt hat nun auch wieder die regelmäßige Berufsthätigkeit begonnen. Ich wünschte nur gesünder zu sein. Aber mein Organismus hat unter dem Anstürme der Ruhr sehr gelitten und noch lange nicht ersetzt, was ihm genommen wurde. Man hat mich hier in Basel mit großer Freundlichkeit wieder bewillkommt. Auch von Tribschen habe ich gute Nachrichten. Wagner und Frau sagen Dir die besten Grüße und Wünsche. (Du weißt doch daß im August die Hochzeit stattgefunden hat? Ich war als Zeuge eingeladen, konnte aber nicht erscheinen, weil ich gerade damals in Frankreich war) W. hat mir vor ein paar Tagen ein wundervolles Manuscript zugeschickt „Beethoven“ betitelt. Hier haben wir eine überaus tiefe Philosophie der Musik im strengen Anschluß an Schopenhauer. Diese Abhandlung erscheint zu Ehren Beethovens — als die höchste Ehre, die ihm die Nation erweisen kann. —

Mein Brief ist einige Tage zu meinem Leidwesen liegen geblieben. Das neue Semester begann wie gewöhnlich mit einem kräftigen Anstürme, so daß einem Hören und Sehen verging. Ich lese dieses Semester zwei neue Collegien, griechische Metrik und Rhythmik (nach einem eignen System) und Hesiod. Sodann die Seminarübungen. Dann die griechischen Stunden am Pädagogium, in denen ich die Oresteia des Aeschylos vornehme. Dazu kommen Regenz- Fakultäts- und Bibliothekssitzungen, nebst manchen Einladungen geselliger Art.

Gestern Abend hatte ich einen Genuß, den ich Dir vor allem gegönnt hätte. Jacob Burckhardt hielt eine freie Rede über „historische Größe“, und zwar völlig aus unserm Denk- und Gefühlskreise heraus. Dieser ältere, höchst eigenartige Mann ist zwar nicht zu Verfälschungen, aber wohl zu Verschweigungen der Wahrheit geneigt, aber in vertrauten Spaziergängen nennt er Schopenhauer „unseren Philosophen“. Ich höre bei ihm ein wöchentlich einstündiges Colleg über das Studium der Geschichte und glaube der Einzige seiner 60 Zuhörer zu sein, der die tiefen Gedankengänge mit ihren seltsamen Brechungen und Umbiegungen, wo die Sache an das Bedenkliche streift, begreift. Zum ersten Male habe ich ein Vergnügen an einer Vorlesung, dafür ist sie auch derart, daß ich sie, wenn ich älter wäre, halten könnte. In seiner heutigen Vorlesung nahm er Hegels Philosophie der Geschichte vor, in einer des Jubiläums durchaus würdigen Weise.

In diesem Sommer habe ich einen Aufsatz geschrieben „über die dionysische Weltanschauung“, der das griechische Alterthum von einer Seite betrachtet, wo wir ihm, Dank unserm Philosophen, jetzt näher kommen können. Das sind aber Studien, die zunächst nur für mich berechnet sind. Ich wünsche nichts mehr, als daß mir die Zeit gelassen wird, ordentlich auszureifen und dann etwas aus dem Vollen produziren zu können.

Vor dem bevorstehenden Culturzustande habe ich die größten Besorgnisse. Wenn wir nur nicht die ungeheuren nationalen Erfolge zu theuer in einer Region bezahlen müssen, wo ich wenigstens mich zu keinerlei Einbuße verstehen mag. Im Vertrauen: ich halte das jetzige Preußen für eine der Cultur höchst gefährliche Macht. Das Schulwesen will ich einmal später öffentlich bloßlegen, mit den religiösen Umtrieben, wie sie jetzt wieder von Berlin aus zu Gunsten der katholischen Kirchengewalt im Gange sind, mag’s ein Anderer versuchen. — Es ist mitunter recht schwer, aber wir müssen Philosophen genug sein, um in dem allgemeinen Rausch besonnen zu bleiben — damit nicht der Dieb komme und uns stehle oder verringere, was für mich mit den größten militärischen Thaten, ja selbst mit allen nationalen Erhebungen nicht in Vergleichung kommen darf.

Für die kommende Culturperiode sind die Kämpfer von Nöthen: für diese müssen wir uns erhalten. Lieber Freund, mit den größten Besorgnissen denke ich immer an Dich — möge Dich der Genius der Zukunft, in dem Sinne wie wir sie erhoffen, geleiten und schützen!

Dein treuer Freund Fr. Nietzsche

108. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 10. Nov. am Luthertage. <1870>

Verehrtester Meister,

in dem ersten Anstürme des neuen Semesters, der diesmal, nach meiner langen Abwesenheit, besonders heftig ist, konnte mir nichts Erquicklicheres geschehen als die Übersendung Ihres „Beethoven“. Wie viel mir daran liegen musste, Ihre Philosophie der Musik — und das heisst doch wohl: die Philosophie der Musik kennen zu lernen, könnte ich Ihnen besonders an einem Aufsatze deutlich machen, den ich für mich in diesem Sommer schrieb, betitelt „die dionysische Weltanschauung“. In der That habe ich durch dies Vorstudium erreicht, dass ich die Notwendigkeit Ihrer Beweisführung vollständig und mit tiefstem Genüsse einsehe, so entlegen der Gedankenkreis, so überraschend und in Staunen versetzend alles und namentlich die Ausführung über Beethovens eigentliche That ist. Doch fürchte ich, dass Sie den Aesthetikern dieser Tage als ein Nachtwandler erscheinen werden, dem zu folgen nicht räthlich, ja gefährlich, vor allem unmöglich gelten muss. Selbst die Kenner Schopenhauerischer Philosophie werden der grössten Zahl nach ausser Stande sein, den tiefen Einklang zwischen Ihren Gedanken und denen ihres Meisters sich in Begriffe und Gefühle zu übersetzen. Und so ist Ihre Schrift, wie es Aristoteles von seinen esoterischen Schriften sagt „zugleich herausgegeben und nicht herausgegeben.“ Ich möchte glauben, dass Ihnen dem Denker zu folgen in diesem Falle nur für den möglich ist, dem der „Tristan“ vornehmlich sich entsiegelt hat.

Deshalb betrachte ich die wirkliche Erkenntniss Ihrer Tonphilosophie als ein kostbares Ordens-besitzthum, das einstweilen nur sehr Wenigen zu Gute kommt. —

In dem Manuscript sind gelegentlich einige doppelt zu setzenden Buchstaben nur einfach geschrieben zb. in „appellieren, Apperception, supplieren“, was für den Setzer zu bemerken wäre. —

[+ + +]

Ihr dankbarer und
getreuer
Friedrich Nietzsche

109. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

11 Nov. 70. Basel.

Liebe Mutter und Schwester,

Aber, meine Werthen, warum gar keine Zeile? Oder sind Briefe verloren gegangen? Ich habe sofort geschrieben, am 2ten Tage meines Baseler Aufenthaltes.

Inzwischen nun bin ich wieder in voller Thätigkeit. Gesundheit immer noch schwankend. Es dauert, wie meine Collegen versichern, lange, ehe der Körper ersetzt, was er durch die Ruhr verlor. — Briefe habe ich bekommen 1) von Clemens Brockhaus, der sich Euch sehr empfehlen läßt und mit sehr anerkennenden Ausdrücken von seinem Besuch in Naumburg redet. 2) von Pastor Kletzschke, der seine Verlobung ankündigt mit Marie Weilepp. 3) von Tribschen, zugleich mit einem großen Manuscript, einer Beethovenrede W.s, 4) von Mosengel, ganz wie er ist, der Dich, liebe Lisbeth grüßen läßt, 5) von Rohde ein paar Worte, Verwunderung daß ich nicht schreibe 6) von Gersdorff, dem es ganz erträglich geht 7) vom Rathsherrn Vischer, zugleich mit 8 Flaschen vortrefflichen Weines Hermitage, zur Stärkung meiner Gesundheit. Sonntag war ich bei Siebers zu Tisch eingeladen. Sie haben mir viele Grüße an Euch aufgetragen, ebenso wie Hagenbachs und Vischers.

So viel heute. Nun aber seid Ihr an der Reihe. Es war doch ganz angenehm in Naumburg.

Euer F.

110. An Erwin Rohde in Hamburg

Basel Mittwoch circa den 27 Nov. <23. November 1870>

Absolution! Mein lieber Freund! Solche Jahre kommen sobald nicht wieder vor, und somit soll es sobald nicht wieder vorkommen, daß ich so lange Zeit über mich wie ein Grab schweige. Einmal lebe ich noch — den Schlingen der Ruhr und der Diphtherie bin ich zwar nicht entgangen und sie haben mich sattsam ruinirt, aber im Ganzen bin ich jetzt wieder ein Mensch unter Menschen. Von meinen Kriegserlebnissen mag ich Dir nichts erzählen — warum hast Du sie nicht mitgemacht? Ich habe beiläufig nie eine Zeile von Deinen Briefen zu sehen bekommen, sie sind alle „im Felde“ verschwunden! Ich hatte einen sehr wackern Reisegefährten, dem ich von Dir mancherlei erzählt habe, in dem Wunsche, daß er Dich kennen lernt. Suche dies doch zu ermöglichen, Du wirst Dich freuen. Er heißt Mosengel, ist Maler und wohnt Hamburg, Catharinenstr. 41. Es ist einer der besten Menschen, die mir vorgekommen sind und ein mir wohlthuender Landschaftenmaler. Er hat viel Verdienste um mich, zuletzt hat er mich noch in meiner Krankheit gepflegt.

Jetzt bin ich wieder in voller Thätigkeit, und lese zwei Collegien, Hesiod und Metrik, sodann Academika im Seminar und Agamemnon im Pädagogium. Wie steht es denn mit Dir? Bist Du auch bereits im akademischen Joche? Wenn — nun dann Glückauf zur fröhlichen Jagd! Und zur Wanderung mit der Diogeneslaterne!

Ich recapituliere kurz, daß mir manches Freudige widerfahren ist. Erstens giebt es von Wagner einen großen Aufsatz über Beethoven, der eine Philosophie in Schopenhauers Geist und Wagners Kraft enthält. Er wird bald gedruckt sein. Frau Wagner fragte bei mir brieflich an, ob Du auch mit im Felde seist und wie es Dir gienge. — Zweite Freude: Jakob Burkhardt liest jetzt allwöchentlich über das Studium der Geschichte, in Schopenhauers Geist — ein schöner aber seltner Refrain! Ich höre ihn. Dritte Freude: an meinem Geburtstag hatte ich den besten philologischen Einfall, den ich bis jetzt gehabt habe — nun, das klingt freilich nicht stolz, soll’s auch nicht sein! Jetzt arbeite ich an ihm herum. Wenn Du mir es glauben willst, so kann ich Dir erzählen, daß es eine neue Metrik giebt, die ich entdeckt habe, der gegenüber die ganze neuere Entwicklung der Metrik von G.Hermann bis Westphal oder Schmidt eine Verirrung ist. Lache oder höhne, wie Du willst — mir selber ist die Sache sehr erstaunlich. Es giebt sehr viel zu arbeiten, aber ich schlucke Staub mit Lust, weil ich diesmal die schönste Zuversicht habe und dem Grundgedanken eine immer größere Tiefe geben kann. — Im Sommer habe ich einen größeren Aufsatz für mich geschrieben „über dionysische Weltanschauung“, um mich bei dem einbrechenden Ungewitter zu beruhigen.

Jetzt weißt Du, wie es mir geht. Nimm noch dazu, daß ich die größte Besorgniß vor der herankommenden Zukunft habe (in der ich ein verkapptes Mittelalter zu erkennen wähne), auch daß meine Gesundheit schlecht ist — außer wenn ich Briefe von Freunden oder so schöne Abhandlungen bekomme, wie die Deinige aus dem rhein. Mus. Es fällt mir ein, daß Vischer sich höchst interessirt und Dir sehr dankbar darüber aussprach.

Auch hast Du ja Dich um meinen ἀγών so verdient gemacht, habe herzlichen Dank dafür. Ritschl behauptet, Du seist kein Correktor, ich habe mir nie angemaßt, mich dafür zu halten. So sind wir wenigstens in gleicher Verdammniß. — Sieh doch zu daß Du aus dem fatalen kulturwidrigen Preußen herauskommst! wo die Knechte und die Pfaffen wie Pilze hervorschießen und bald mit ihrem Dunst uns ganz Deutschland verfinstern werden. — Nicht wahr, wir verstehen uns? Nicht? Und Du nimmst mir nichts krumm? Es wäre weiß Gott Schade.

Adieu theurer Freund
F. N.

Meinen festlichen Geburtstagsgruß noch zu vermelden, ich wünsche Gesundheit, eine Professur und si placet — eine Frau.

111. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)

Basel 12 Dez. <1870>

Mein lieber Freund,

was will ich glücklich sein, wenn Du die großen Ausfälle der letzten Wochen ohne jedes Leidwesen überstanden hast! Man darf nicht mehr an diese entsetzlichen Dinge denken, wenn man nicht allen Muth verlieren will.

Jetzt aber will ich Dir schreiben, in der Hoffnung, ja in der Voraussetzung, daß Du auch diesen fürchterlichen Gefahren entronnen bist, tapfer und glücklich, als ein Liebling des Kriegsgottes — doch ohne ihn wieder zu lieben!

Wann nun wird Dich dieser Brief erreichen! Vielleicht zu Deinem Geburtstag; und wenn Du ihn diesmal heil und gesund erlebst, so mache es ja wie Polycrates und opfere den Dämonen!

Von mir empfange die neueste Schrift Wagners über „Beethoven“, als ein Symbol unserer innigen Gemeinsamkeit unseres Strebens und Denkens unter einer Fahne, unter derselben, auf welche als auf die allein zum Ziele führende Wagner in dieser Schrift hinweist. Ich habe sie in erhobener und ehrfürchtiger Stimmung gelesen. Es sind tiefe Geheimnisse darin, schön und schrecklich, wie die Musik selbst in ihren höchsten Äußerungen sich offenbart.

Von Tribschen habe ich Dir die Photographie Wagner’s zu übersenden, zugleich mit herzlichen Grüßen. Frau Wagner schrieb mir „Hier für den philosophischen Kämpfenden die versprochene Photographie; Keinem hätte sie Wagner lieber geschickt als demjenigen, der seine Pflicht muthig erfüllend zugleich über das Wesen der Dinge nachzudenken nicht verschmäht.“

Nun noch etwas Erfreuliches. Du warst so gütig, mich aus Deinem Kriegslager auf eine Schrift aufmerksam zu machen, die für die Verbreitung des Schopenhauerischen Gedankenkreises auch in Frankreich bürgt. Einen großen Triumpf erlebte ich jüngst, als ich in den Berichten der Wiener Akademie der Wissenschaften einen Aufsatz des Prof. Czermak fand über Schopenhauers Farbenlehre. Dieser constatirt, daß Sch. selbständig und auf originellem Wege zu der Erkenntniß gekommen ist, die man jetzt als die Young-Helmholtzsche Farbentheorie bezeichnet: zwischen ihr und der Schopenhauerschen ist die wunderbarste, bis in die Bruchzahlen genaue Übereinstimmung. Der ganze Ausgangspunkt, daß die Farbe zunächst ein physiologisches Erzeugniß des Auges ist, sei zu allererst von Sch. dargelegt worden. Sehr bedauert wird, daß Sch. sich nicht von dem „wissenschaftlich unsinnigen“ Goetheschen Theorem und seinem furor Anti-Newtonianus habe losmachen können. Übrigens nennt Czermak (kein Anhänger unseres Philosophen) Schopenhauer „den gewaltigsten Philosophen seit Kant“ Und damit müssen wir wohl zufrieden sein.

Diese Abhandlung und Wagners Zustimmung zur Schopenh. Lehre sind auch in ihrer Art Beiträge zum Hegeldenkmal. Eigentlich polemischer Artikel bedarf es kaum mehr. Selbst das verdient für den Umschwung angeführt zu werden, daß Hartmann’s Philos. des Unbewussten — ein Buch, in dem jedenfalls die Probleme in Schopenhauerischen Sinne gestellt sind — jetzt bereits eine zweite Auflage erlebt hat. Laß nun mir noch ein Paar Jahre Zeit, dann sollst Du auch eine neue Einwirkung auf die Alterthumskunde spüren und damit hoffentlich verbunden auch einen neuen Geist in der wissenschaftlichen und ethischen Erziehung unsrer Nation.

Aber welche Feinde erwachsen jetzt auf dem blutigen Boden dieses Krieges für unsren Glauben! Ich bin hierin auf das Schlimmste gefaßt, zugleich in der Zuversicht, daß unter dem Übermaß von Leid und Schrecken hier und dort die Nachtblume der Erkenntniß aufgeht. Unser Kampf steht noch bevor — darum müssen wir leben! Darum habe ich auch das gute Zutrauen, daß Du gefeit bist; die Kugeln, die uns tödtlich treffen sollen, werden nicht aus Gewehren und Kanonen geschossen! Und damit Leb wohl! Lieber Freund!

In alter Treue Dein
Friedrich Nietzsche.

Inzwischen habe ich Deine Zeilen erhalten und bin herzlich erfreut, daß meine Voraussetzung die rechte war. Gebe der Dämon weiteres Glück! — Den „Beethoven“ Dir jetzt zu schicken, erlaubt die Post nicht. Du bekommst ihn erst im Januar.

112. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Montag Vormittag, Basel. <12. Dezember 1870>

Liebe Mutter und Schwester

schönsten Dank für Eure angenehmen Briefe. Ich war als ich sie empfing, froh, noch einen Tag mit Briefschreiben gewartet zu haben; sonst wäre wieder eine Kreuzung entstanden. Auch bekam ich in Betreff der wesentlichen Frage (nämlich in Betreff Weihnachtens) soviel Aufschlüsse in Euren Briefen als ich brauche. Ich erinnre nur, daß man in diesem Jahre sehr viel Zeit bei allen Sendungen braucht. Darum werde ich mich beeilen, das was ich etwa zu schicken haben sollte, Euch bald zu schicken. An Gersdorff habe ich heute geschrieben, in der Voraussetzung, daß er den Brief ungefähr um Weihnachten erhalten wird, (falls er lebt!) Ich verlebe die Ferien in Tribschen, wo man es gar nicht verstehen würde, wenn ich fehlte. Auch werden dort schöne Musikvorbereitungen gemacht. Wagner hat eine Tribschener Symphonie componirt zur Geburtstagsfeier seiner Frau (am ersten Feiertage). Von Wagner ist jetzt seine Schrift über Beethoven erschienen. Ich habe sie Gersdorff zugesandt (als Geburtstagsgeschenk, auch für den ersten Feiertag) Mit Weihnachtsgeschenken bin ich in Verlegenheit. W. will ich eine geschriebene Abhandlung schenken (Du kennst sie zum Theil, liebe Lisbeth, sie wurde im Maderanerthal geschrieben) Aber für Frau W. habe ich gar nichts. Habt Ihr einen Einfall, so schreibt mir auf das Schnellste!

Diese Woche haben wir die Beethovenfeier gehabt. In der letzten Sitzung des akademischen Senats hat man Freund Heusler zum Rector der Universität, mich zum Sekretär gemacht. Neue Beschwerden! Der junge Vischer legt seine Bibliothekarstellung nieder und Sieber wird wahrscheinlich Bibliothekar. Frau Bischoff hat mich zu Weihnachten eingeladen, aber nachdem ich bereits mich nach Tribschen versprochen hatte. Sonst mehrfache Einladungen, bei Vischers, Hoffmann, Gerlach, Bernoulli usw.

Mit der Gesundheit geht es besser. Aber ich muß mich mit dem Hals sehr vorsehen und bin noch mehrere male von Hoffmann gepinselt worden. Auch trage ich einen Respirator und schätze diese Erfindung sehr.

Ich esse immer noch zu Hause. Mit Hartmann und Schwendener zusammen zu essen hat sich nicht gemacht — an mir hat’s nicht gelegen.

Es giebt viel zu thun: 6 Stunden Pädagogium, 8 Universität. Dazu die Sitzungen der Regenz, Fakultät, Bibliothekscommission und Pädagogiumsconferenz!

Für den jetzigen deutschen Eroberungskrieg nehmen meine Sympathien allmählich ab. Die Zukunft unsrer deutschen Cultur scheint mir mehr als je gefährdet.

Mit den herzlichsten Grüßen Euer
Fritz.

NB. Ich reise am Freitag vor dem Feste nach Tribschen ab.

— Unser Philosoph Teichmüller hat einen Ruf nach Dorpat; wenn Wenkel eine wissenschaftliche philosoph. Abhandlung geschrieben hätte, so könnte man ihn zum Vorschlag bringen.

113. An Erwin Rohde in Hamburg

<Basel, 15. Dezember 1870>

Mein lieber Freund,

keine Minute ist seit dem Lesen Deines Briefes verflossen, und schon schreibe ich. Ich wollte Dir nämlich nur sagen, daß ich ganz gleich fühle wie Du und es für eine Schmach halte, wenn wir nicht einmal aus diesem sehnsüchtigen Schmachten durch eine kräftige That herauskommen. Nun höre, was ich in meinem Gemüthe mit mir herum wälze. Schleppen wir uns noch ein Paar Jahre durch diese Universitätsexistenz, nehmen wir sie wie ein lehrreiches Leidwesen, das man ernsthaft und mit Erstaunen zu tragen hat. Es soll dies unter anderem eine Lernzeit für das Lehren sein, auf das mich auszubilden mir als meine Aufgabe gilt. Nur habe ich mir das Ziel etwas höher gesteckt.

Auf die Dauer nämlich sehe auch ich ein, was es mit der Schopenhauerischen Lehre von der Universitätsweisheit auf sich hat. Es ist ein ganz radikales Wahrheitswesen hier nicht möglich. Insbesondre wird etwas wahrhaft Umwälzendes von hier aus nicht seinen Ausgang nehmen können.

Sodann können wir nur dadurch zu wirklichen Lehrern werden, daß wir uns selbst mit allen Hebeln aus dieser Zeitluft herausheben und daß wir nicht nur weisere, sondern vor allem bessere Menschen sind. Auch hier spüre ich vor allem das Bedürfniß, wahr sein zu müssen. Und wiederum ertrage ich deshalb die Luft der Akademien nicht mehr zu lange.

Also wir werfen einmal dieses Joch ab, das steht für mich ganz fest. Und dann bilden wir eine neue griechische Akademie, Romundt gehört gewiß zu uns. Du kennst wohl auch aus Deinem Besuche in Tribschen den Baireuther Plan Wagners. Ich habe mir ganz im Stillen überlegt, ob nicht hiermit zugleich unsererseits ein Bruch mit der bisherigen Philologie und ihrer Bildungsperspektive geschehen sollte. Ich bereite eine große adhortatio an alle noch nicht völlig erstickten und in der Jetztzeit verschlungenen Naturen vor. Wie kläglich ist es doch, daß ich Dir darüber schreiben muß, und daß nicht jeder Einzelgedanke mit Dir bereits längst durchsprochen ist! Und weil Du diesen ganzen vorhandenen Apparat nicht kennst, wird Dir vielleicht gar mein Plan wie eine excentrische Laune erscheinen. Das ist er nicht, er ist eine Noth.

Ein eben erschienenes Buch von Wagner über Beethoven wird Dir Vieles andeuten können, was ich jetzt von der Zukunft will. Lies es, es ist eine Offenbarung des Geistes, in dem wir — wir! — in der Zukunft leben werden.

Sei es nun auch, daß wir wenig Gesinnungsgenossen bekommen, so glaube ich doch, daß wir uns selbst so ziemlich — freilich mit einigen Einbußen — aus diesem Strome herausreißen können und daß wir eine kleine Insel erreichen werden, auf der wir uns nicht mehr Wachs in die Ohren zu stopfen brauchen. Wir sind dann unsere gegenseitigen Lehrer, unsre Bücher sind nur noch Angelhaken, um jemand wieder für unsre klösterlich-künstlerische Genossenschaft zu gewinnen. Wir leben, arbeiten, genießen für einander — vielleicht daß dies die einzige Art ist, wie wir für das Ganze arbeiten sollen.

Um Dir zu zeigen, wie ernsthaft ich das meine, so habe ich bereits angefangen, meine Bedürfnisse einzuschränken, um einen kleinen Rest von Vermögen mir noch zu bewahren. Auch wollen wir in Lotterien unser „Glück“ versuchen, wenn wir Bücher schreiben, so verlange ich für die nächste Zeit die höchsten Honorare. Kurz jedes nicht unerlaubte Mittel wird benutzt, um uns äußerlich in die Möglichkeit zu versetzen, unser Kloster zu gründen. — Wir haben also auch für die nächsten Paar Jahre unsre Aufgabe.

Möge Dir dieser Plan vor allem würdig erscheinen, überdacht zu werden! Daß es vor allem Zeit sei, ihn Dir vorzulegen, dafür giebt mir Dein eben empfangener, wirklich ergreifender Brief Zeugniß.

Sollten wir nicht im Stande sein, eine neue Form der Akademie in die Welt zu setzen

„und sollt ich nicht, sehnsüchtigster Gewalt,

„Ins Leben ziehn die einzigste Gestalt?“

wie Faust von der Helena sagt.

Von diesem Vorhaben weiß Niemand etwas, und von Dir soll es nun abhängen, ob wir jetzt auch Romundt eine vorbereitende Mittheilung machen.

Unsre Philosophenschule ist doch gewiß keine historische Reminiscenz oder eine willkürliche Laune — treibt uns nicht eine Noth auf diese Bahn hin? — Es scheint daß unser Studentenplan, unsre gemeinsame Reise, in einer neuen, symbolisch größeren Form wiederkehrt. Ich will nicht der sein, der Dich wiederum, wie damals, im Stiche läßt; es wurmt mich immer noch.

Mit den besten Hoffnungen Dein
getreuer Frater Fridericus.

Vom 23 Dez. bis 1 Januar bin ich in Tribschen bei Luzern. — Von Romundt weiß ich nichts.

113a. An Gustav Schönberg

Basel Freitag. <15. Dezember 1870>

Lieber Freund,

ich bedaure sehr, daß wir uns seit unsrer Trennung noch gar nicht wieder gesehen haben. Und was ist an uns inzwischen vorübergegangen! Auch weiß ich, daß Du etwas besonders Schmerzliches erlebt hast. Ach wer ist in diesem Jahre nicht in irgend einer Weise ein Trauernder!

Heute schreibe ich, um von Dir mir etwas Näheres über Deinen Freund und - so viel ich weiß oder hoffe - meinen Gesinnungsgenossen Hr. Jonas zu erbitten. Das soll heißen: ein Verzeichniß dessen, was er geschrieben hat, Schilderung seiner augenblicklichen Stellung, etwaige Lehrer oder bekannte philosophische Freunde, an die man sich wenden könnte, um von ihnen ein offizielles Zeugniß zu bekommen, schließlich noch Deine Meinung, ob er überhaupt auf einen philosophischen Lehrstuhl aspirirt. Mit solchen Dokumenten versehn möchte ich wohl einen Versuch wagen.

Mit herzlichen Wünschen für Dein Wohl, und auch für diesen uns gemeinsamen Plan

Dein Freund
Friedr Nietzsche.

An Bindings richte doch meine Grüße aus. Ich denke in einem der ersten Sonntage des neuen Jahres meine werthen Freiburger Freunde zu besuchen.

114. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 17. Dezember 1870>

Schönsten Gruß zum
Weihnachtsfest,

dies Jahr giebt nicht viel her. Seien wir froh, daß es balde zu Ende ist: ohne daß es uns selbst verschlungen hat. Schließlich ist dies immer noch das beste Geschenk, was wir uns machen können.

Nehmt fürlieb, mit dem, was ich Euch hier schicke. Die Berzeliuslampe soll einem längst gefühlten Bedürfnisse entgegenkommen, außerdem an Euren Baseler Besuch erinnern. Die bunten Lichter und die Chokoladenschachtel sollen das Allzuhausbackne dieses Lampen-geschenks ein wenig verdecken. Ob mit Erfolg, bezweifle ich.

Dir, liebe Lisbeth, ein Band Schumannscher Lied<er> — es sind viel mehr darin als Du Dir gewünscht hast, was hoffentlich nicht übel vermerkt wird — die obligaten Handschuh und ein Schachbrett. Wenn Du nicht zufrieden bist, so sag’s nur, ich nehm’ es diesmal gar nicht übel.

Voila tout! „Siehe hier ist alles“ sagt der Deutsche. —

Allgemeines Erstaunen. Man hatte doch mehr erwartet. So ruppig ist noch kein Weihnachten ausgefallen, Hohn und Gelächter begleiten die Eröffnung des Baseler Weihnachtskistchens.

Ich verschwinde verschämt im Hintergrunde

FN.

NB. Abgesendet am Samstag vorher, so daß die Post eine Woche Zeit hat.

115. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 23. Dezember 1870> Freitag Abend 5 Uhr.

Meine liebe Mutter und Schwester,

noch habe ich gerade ein Stündchen frei, um Euch recht angelegentlich zu danken: und ich hoffe daß mein Dankebrief am ersten Feiertag eintrifft, so daß Ihr an diesem Tage doch wenigstens ein Lebenszeichen von mir bekommt. — Je kärglicher meine Bescheerung für Euch ausgefallen ist, um so reichlicher die Eure für mich — nach der Lehre daß Einer immer besser wegkommt als zwei. Alles, was Ihr mir zu mäßigem Gebrauche dichterisch angerathen habt, ist glücklich in meine Hände gelangt, auch der Senker der Ampelpflanze. Nur der Kamm ist bis jetzt unsichtbar. Der Teppich hat mir viel Freude gemacht. Vor dem Bett wollte er sich nicht recht machen; er contrastirt mit der einfachen Schlafkammer zu sehr. Jetzt ist er in die Stube gelegt und zwar gleich an die Thür. Hier habe ich einen der alten Teppichstreifen weggenommen und ihn unter den Schreibtisch gelegt — wo ein Teppich für meine Füße nöthig war.

Freilich überstrahlt der neue Teppich alle vorhandenen Farben: nun, die Zeit wird das Ihre thun, diese Pracht zu mäßigen — nach dem Satze

„Übe immer Maß und Ziel,

Teppich! prange nicht zu viel!“

Die Königlichen Büsten zieren das Zimmer, wenn mir gleich diese blutgetränkten Herrlichkeiten auf die Dauer entsetzlich vorkommen. Nun, in Gyps erträgt man diese Herren, in natura weniger. Genug, daß ihre Standbilder bereits zur Seite der Lampe glänzen.

Die Ampel, wie Ihr Euch wohl auch vorgestellt habt, ist mir etwas recht Angenehmes, besonders wenn erst so ein lebendes Wesen, wie die Ampelpflanze darin sitzt und eifrig die schlechten Dünste des Zimmers aufsaugt.

Die frommen Wünsche für das Porte-monais sind so gut als es selber. Ich habe es sofort in Dienst genommen und heute bereits 500frs.aus ihm ausgegeben (heute ist Rechnungstag, Schneider und die Buchhandlungen usw sind bezahlt)

In Summa: auch alles Übrige war gut gewählt und „luschtig“, wie man hier sagt — nur die Absenz des Kammes bekümmert mich.

Die letzte Zeit war recht angreifend. Auch durch Geselligkeiten. Ich hatte zwei Abende Herrengesellschaft. Heute Abend bin ich bei Gerkrats, und Schönberg kommt von Freiburg dahin.

Morgen gehts nach Tribschen. So eben bekomme ich noch ein Telegramm von Wagner: er ladet mich zur Probe der Musikaufführung ein, die morgen, gleich nach meiner Ankunft in Luzern, im Hôtel du lac, ohne jedes Wissen der Frau Wagner, stattfinden wird.

Meine Geschenke sind diese: für Wagner habe ich ein von ihm längst gewünschtes Lieblingsblatt von Albr. Dürer „Ritter, Tod und Teufel“ das mir durch glücklichen Zufall in die Hände gekommen. Für Frau Wagner den bezeichneten Aufsatz, den ich selbst schön abgeschrieben habe. Für Herrn Richter eine Cigarrentasche in grünem Safian. Für die Kinder kleines Spielzeug aller Art.

Alles kommt mir recht schicklich vor. Ich freue mich sehr auf diese nächste Woche.

Ich lese wieder von einem neuen Ausfall in Paris und zwar gegen die Garden: was wieder Besorgnisse macht. Neulich habe ich an Gersdorff geschrieben und Wagners Photographie nebst Autograph beigelegt.

Rohde hat mir in schönster Weise von sich Nachricht gegeben: er ist in Kiel Privatdozent und hat 5 Zuhörer. (Es giebt nämlich nur 6 Philologen dort)

Nun wünsche ich Euch einen guten Abend, nochmals dankend und meinerseits um so mehr, als mir meine Sendung gar zu ärmlich vorgekommen ist. Aber es hilft nicht. Wir sind nun einmal nur Professor, ohne Aussicht, Millionär zu werden, ja ohne auch nur es zu wollen.

Von Tribschen aus schreibe ich Euch wieder.

Mit herzlichen Grüßen und der
Bitte fürlieb zu nehmen Euer
Fritz.

116. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Freitag, Tribschen im Unheilsjahre 1870. <30. Dezember>

Meine liebe Mutter und Schwester,

zum Jahreswechsel empfangt meine Wünsche, die diesmal besonders lebhaft sind weil wir alle die stillen und lauten Befürchtungen haben, daß wir einer noch schlimmeren Zeit entgegengehn als die gegenwärtige ist. Die Nachwirkungen des Krieges sind mehr zu fürchten als der Krieg selbst mit seinen ungeheuren Verlusten. —

Gestern habe ich von Dir, liebe Lisbeth, Geld und Brief bekommen, ich ersah aus der Schlußbemerkung, daß mein Weihnachtskistchen richtig angekommen ist.

Hier geht es mir so gut als ich nur irgendwie wünschen konnte, und wir haben ein sehr schönes Weihnachten gefeiert. Die Feier des 25 t. als des Geburtstages der Frau W. war vollendet und einer ausführlichen Erzählung werth. Das „Tribschener Idyll“, wie der von W. componirte wunderschöne Symphoniesatz genannt ist, gehört zu dem Allerschönsten was es giebt. Die Musiker waren, wie wir, ganz begeistert. Vielleicht bekomme ich bald einen vierhändigen Klavierauszug: was Gustav Krug sehr interessiren wird.

Zu Weihnachten bekam ich ein prachtvolles Exemplar des „Beethoven“, dann eine stattliche Ausgabe des ganzen Montaigne (den ich sehr verehre) und — etwas ganz Einziges — das erste Exemplar vom Klavierauszuge des „Siegfried“ erster Act, eben fertig geworden, während noch ein Jahr vergehen kann, ehe der Klavierauszug dieses Werkes in die Öffentlichkeit kommt.

Heute kam von Gersdorff ein Brief an Wagner an. Somit lebt er noch.

Bevor ich abreiste, war ich noch den Abend bei Gerkrats zum Ausputzen des Weihnachtsbaumes: auch Schönberg war zugegen und ebenfalls der vortreffliche Overbeck.

Von Doris Brockhaus Verheiratung werdet Ihr auch unterrichtet sein. Am 4 Januar ist die Hochzeit.

Am Neujahrstage fahre ich wieder nach Basel zurück. Es giebt immer noch eine lange Hälfte des Wintersemesters.

Wir haben tiefen Schnee und rings um Tribschen herum große Einöde.

Nun lebt wohl, so gut es gehen mag und betretet das neue Jahr mit den alten Empfindungen. Die gute Tante grüßt herzlich von mir. Es fehlt mir die Lust, ihr zu schreiben, auch die Zeit. Ich bemerke, daß ich der Großmama längst geschrieben habe, nämlich in der ersten Woche, die ich wieder in Basel verlebte: wie ich doch versprochen hatte.

Grüßt die mir wohlwollenden Menschen
und denkt auch im neuen Jahre
gern an Euren
F.

NB. nebst den Grüßen von meinen Gastfreunden, die Dir, liebe Lisbeth, sehr freundlich gesinnt sind.

117. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Freitag vor Jahresschluß. <Tribschen, 30. Dezember 1870>

Verehrtester Herr Geheimrath,

auch ich wünsche Ihnen zum Jahreswechsel auszudrücken, daß ich Sie immer in dankbarster Erinnerung halte und über nichts mehr erfreut sein kann, als wenn ich von Ihrem rüstigen Wohlbefinden und Ihrem Wohlwollen gegen mich höre. Möge uns allen das neue Jahr eine leidliche und erträgliche Antwort auf die vielen Fragezeichen geben, zu denen uns die Gegenwart zwingt, möge vor allem die staatliche Machtentfaltung Deutschlands nicht mit zu erheblichen Opfern der Kultur erkauft werden! Einiges werden wir jedenfalls einbüßen und hoffentliche auch dies nur in Hoffnung auf eine spätere reichliche und vielfältige Wiedererstattung

Um Ihen etwas von meinen Studien zu berichten — so bin auch ich recht ordentlich in die Netze der Rhythmik und Metrik gerathen, bekenne Ihnen übrigens meine Überzeugung, daß je mehr wir von der modernen Musik zum Verständniß der Metrik hinzugewonnen haben, wir um so weiter uns auch von der wirklichen Metrik des Alterthums entfernt haben; wenn ich auch glaube daß dieser ganze Prozeß von G. Hermann bis H. Schmidt einmal durchgemacht werden mußte. Mit Westphal bin ich fast in allen wesentlichen Punkten nicht mehr einverstanden. Sehr freue ich mich darauf, in dem angekündigten Buche von Brambach auch Ihre Lehren (so viel ich weiß, in der Vorrede) vorzufinden; wenn Brambach selbst noch im Sinne seiner „Sophokleischen Studien“ dies neue Buch verfaßt hat, so fürchte ich auch ihn auf einem Irrpfade anzutreffen. Hier thut einmal ein völliger Radikalismus noth, eine wirkliche Rückkehr zum Alterthum, selbst auf die Gefahr hin, daß man in wichtigen Punkten den Alten nicht mehr nachfühlen könnte und daß man dies gestehn müßte. —

Von der Berufung des Prof. Lange nach Leipzig habe ich in diesen Tagen gelesen. Ich habe mir den Mechanismus dieser Berufung nicht klar machen können, weil ich seit dem Oktober nichts mehr von Leipzig gehört habe. Jedenfalls spüre ich, daß Bursian nicht durchgebracht worden ist: vielleicht ist Lange das Resultat eines Compromisses. —

Mit meinen Baseler Verhältnissen bin ich zufrieden. Jetzt wird ein philosophischer Lehrstuhl frei, da Teichmüller nach Dorpat berufen ist. Ich lese jetzt Hesiod und Metrik, im Seminar Cicero’s Academica. Wir haben 12 Zuhörer. Der alte Gerlach ist von unverwüstlicher Natur und — jedenfalls für das Pädagogium ein sehr guter Lehrer. Was mir hier fehlt, ist eins: Zeit.

Ich komme zum Schluß und wiederhole meine Wünsche für Ihr Wohlergehen. Zugleich bitte ich Ihrer Frau Gemahlin meine herzliche Gratulation aussprechen zu dürfen.

In steter Treue und Dankbarkeit
Ihr Friedrich Nietzsche

1870 (64 Briefe)

55. An Kassian Knaus in Basel

<Basel, vermutlich Januar 1870>

Уважаемый господин,

вот печать ещё раз в более чётком оттиске: вы видите, что герб содержит 7 звёзд («Плеяды»).

Что касается размера, то он должен быть ровно в два раза больше, чем нарисованный вами герб.

С просьбой о скорейшем
выполнении этой работы

Профессор доктор Ницше
Шютценграбен 45.

56. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Januar 1870>

Здесь, дорогая Лизбет, я отправляю тебе саше от Guerlain: несколько конфетти я никак не смог тебе отправить. Два экземпляра моей лекции я приложил, на случай, если ты захочешь их подарить. Но делай это с осторожностью и ни в коем случае не от моего имени.

Прежде всего, дай знать о 2 февраля: у меня сейчас очень много дел. Лучше всего, если ты что-нибудь организуешь для меня.

Самые лучшие пожелания!
Ф.

57. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel, Ende Januar 1870

Дорогая Лиза, большое спасибо за письмо и новости. Тем временем ты, должно быть, получила от меня знак жизни. Сегодня я прилагаю письмо доброй Гримменштайн, которое, возможно, доставит вам больше радости, чем мне. Главное же — обсуждение по поводу 2 февраля. Знаешь, я покупаю такие вещи, как альбомы, ужасно дороже, чем ты, например. К тому же добавляется транспортировка, так что я уверен, что плачу в два раза больше за половину качества. Поэтому возьми на себя эту покупку и не покупай дешевле 4—5 талеров. Это знак благосостояния дома — иметь приличный альбом, особенно когда у каждой служанки он есть. Деньги с моих процентов у тебя, надеюсь, еще остались.

Тогда добавь ещё несколько мелких вещей, по твоему вкусу и на усмотрение нашей матери. Моё письмо к ней должно прибыть первого февраля. — Теперь ты, конечно, будешь знать «практически», что такое саше от Guerlain. — Удачи на «философских» бальных увеселениях — это не моя страсть! бррр — р!

— Недавно я прочёл один публичный доклад: второго февраля будет второй. — Я радуюсь Пасхе, только у нас совершенно безумный порядок каникул! Надо что-то предпринимать! — Много работы. Я думаю о том, чтобы завести собаку — датского дога. брр — — — — р! и т.д.

Итак, остаётся при
Обещании
Ф.

58. An Erwin Rohde in Rom

<Basel, Ende Januar und 15. Februar 1870>

Мой дорогой друг,

недавно меня охватила тревога о том, как ты там живешь в Риме, как далеко от мира и как заброшен, возможно, ты там. Ведь даже возможно, что ты болен, без надлежащего ухода и без дружеской поддержки. Успокой меня и развей мои пессимистические причуды. Мне Рим собора кажется таким зловеще ядовитым — нет, я не хочу больше писать, ибо тайна переписки для всех церковно-иезуитских дел мне не кажется достаточно надежной: могут учуять, что в письме стоит, и заставить тебя за это расплачиваться. — Ты изучаешь древность и живешь в средневековье. —

Теперь я хочу сказать тебе кое-что очень настойчиво.

Помни, на обратном пути провести некоторое время у меня: знаешь, это, возможно, будет последний раз надолго. Я скучаю по тебе невероятно: так подари мне утешение своего присутствия и позаботься о том, чтобы оно не было таким коротким. Это для меня действительно новое чувство — не иметь здесь совсем никого, кому можно было бы рассказать о самом лучшем и самом трудном в жизни. К тому же нет даже действительно симпатичного коллеги по профессии. Моя дружба в таких отшельнических обстоятельствах, в такие молодые и тяжёлые годы, действительно приобретает что-то патологическое: я прошу тебя, как просит больной: «приезжай в Базель!»

Моим истинным и недооценённым убежищем здесь для меня остаётся Трибшен под Люцерном: только вот его можно посещать так редко. Рождественские каникулы я провёл там: прекраснейшие и возвышеннейшие воспоминания! Абсолютно необходимо, чтобы и ты был посвящён в эту магию. Как только ты станешь моим гостем, мы вместе поедем к другу Вагнеру. Не можешь ли ты написать мне что-нибудь о Франце Листе? Если бы ты мог на обратном пути проехать через озеро Комо, это была бы прекрасная возможность доставить нам всем радость. Мы, то есть мы, трибшенцы, присмотрели виллу на озере, около Фьюме Латте, под названием: «Вилла Капуана», два дома.

Не можешь ли ты подвергнуть эту виллу осмотру и критике?

Ты, вероятно, читал о смерти Вакернагеля. В планах, что Шерер в Вене должен его заменить. Также новый теолог на подходе, Овербек из Йены. Ромундт — воспитатель у профессора Чермака и, благодаря Ричлю, хорошо устроен. Рёшер, который написал мне о своей самой горячей преданности тебе, является «значительным» педагогом в Баутцене. Бюхейер, говорят, вызван в Бонн. Рейнский музей теперь имеет латинские буквы. Я прочитал лекцию перед смешанной аудиторией об «античном музыкальном драме» и 1 февраля прочитаю вторую о «Сократе и трагедии». Я все больше приобретаю любовь к эллинизму: нет лучшего средства приблизиться к нему, чем через неустанное развитие собственной личности. Степень, которой я теперь достиг, — это самое унизительное признание моего невежества. Философское существование в каком-либо критическом стремлении, но в тысяче миль от греческого мира становится для меня все более невозможным. Также сомневаюсь, смогу ли я когда-нибудь стать настоящим филологом: если я не достигну этого случайно, по пути, то не получится. Беда в том, что у меня нет образца, и я рискую стать шарлатаном на собственном пути. Мой следующий план — четыре года культурной работы над собой, затем многолетнее путешествие — возможно, с тобой.

У нас действительно очень тяжёлая жизнь, милое неведение под руководством учителей и традиций было таким счастливым и безопасным.

Кстати, ты поступаешь мудро, если не выбираешь такой маленький университет в качестве места жительства. Человек становится одиноким даже в своей науке. Что бы я отдал за то, чтобы мы могли жить вместе! Я совсем разучаюсь говорить. Но самое неприятное для меня — это то, что я всегда должен представлять кого-то: учителя, филолога, человека, и что я должен доказывать себя всем, с кем общаюсь. А это у меня получается очень плохо, и я всё больше разучаюсь. Я замолкаю или уже намеренно говорю только столько, сколько принято говорить вежливому светскому человеку.

Короче, я более недоволен собой, чем миром, и поэтому еще более предан самому дорогому.

Середина февраля. У меня сейчас самая сильная тревога, что мои письма и твои не доходят до тебя: с ноября я ничего не слышал. Моя уважаемая подруга Козима посоветовала мне через своего отца (Франца Листа) получить о тебе сведения. Это я и сделаю в ближайшее время, сегодня я еще раз попробую с письмом. — О соборе мы хорошо осведомлены через «римские» письма в Augsburger: знаешь ли ты автора? Только не дай этого заметить: на него ужасно охотятся. — Я здесь прочитал лекцию о Сократе и трагедии, которая вызвала ужас и недопонимание.

Зато благодаря ему моя связь с друзьями из Трибшена стала ещё крепче. Я становлюсь ходячей надеждой: даже Ричард Вагнер самым трогательным образом дал мне понять, какое предназначение он видит для меня. Всё это очень тревожит. Ты, конечно, знаешь, что Ритчль говорил обо мне. Но я не хочу поддаваться сомнениям: литературных амбиций у меня на самом деле нет, приспосабливаться к господствующим шаблонам мне не нужно, потому что я не стремлюсь к блестящим и знаменитым позициям. Зато я хочу, когда придёт время, высказываться как можно более серьёзно и откровенно.

Наука, искусство и философия теперь так сильно срастаются во мне, что я, во всяком случае, однажды произведу на свет кентавров.

Мой старый товарищ Дойссен полностью перешёл на сторону Шопенгауэра, как последний и самый старший из моих друзей. Виндиш на год уехал в Англию, на службу в East-Indien-Office, чтобы сравнивать санскритские рукописи. Ромундт основал шопенгауэровское общество. — Только что появилось скандальное сочинение против Ричля (против его критики Плавта и конечного D): от Бергка, к позору немецкой учёности.

Ещё раз прекраснейший и сердечнейший привет. Я радуюсь весне, потому что она приведёт тебя через Базель: только сообщи мне, когда это произойдёт: на пасхальных каникулах я буду с моими близкими на Женевском озере.

Прощай! Прощай!

59. An Franziska Nietzsche in Naumburg

<Basel, 1.Februar 1870>

Здесь, дорогая именинница и мать, очень быстро написанное поздравление с днём рождения! Ведь работа торопит, школа; ещё больше — публичная лекция, которую нужно провести сегодня вечером, и с которой я сильно отстаю. Однако это не умаляет сердечности моих пожеланий: и завтра я, по нашему привычному обычаю, отпраздную сам день, заказав себе гиацинт — ведь так называется твой цветок ко дню рождения? Я в затруднении с ботаникой (саксонский французский). Затем я закажу себе блины (также я нашёл пекаря, единственного в Базеле, который умеет печь рождественский штоллен). А в полдень я поставлю на стол два стакана и, стукнув их друг о друга, устрою большой шум в честь дня рождения. Вот моё запланированное торжество, сопровождаемое самыми прекрасными пожеланиями для тебя и твоих детей.

(1-й пушечный выстрел! Бум!)

Рассказать мне особо нечего. Приглашения на Рождество довольно часты, и я принимаю их с чувством долга, чтобы показать здесь свою добрую волю.

В воскресенье мы праздновали день рождения у директора Геркрата.

Из Трибшена я всегда получаю самые трогательные знаки внимания: во все дни, когда у меня запланировано что-то особенное, обязательно приходит письмо: это лучшие люди на свете.

Виндиш имеет определённую перспективу по поручению Восточно-Индийского офиса (прости это ужасное английское!) провести год в Лондоне (с ок. 1600 талеров), чтобы каталогизировать санскритские рукописи. Дейссен написал мне сегодня длинное письмо: он полностью обратился к Шопенгауэру и восхваляет мой очерк о Гомере, что больше обрадует Лизбет, чем меня.

Моё время истекло: давайте быстро ещё дважды, как старый артиллерист, разрядим орудие

Бум!

Бум!

крикнем ура! и передадим

наши поздравления
Фр.

60. An Paul Deussen in Minden

Basel, Schützengraben 45. <Februar 1870>

Мой дорогой друг,

невероятно, насколько по-разному выглядело твое последнее письмо по сравнению со всей твоей прежней перепиской. Наконец-то долгая отчужденность между нами ушла, теперь мы оба говорим на одном языке и больше не чувствуем разного при одних и тех же словах. Возможно, тебе удалось бы избежать этого несколько утомительного и не совсем ровного и прямого пути к нынешней высоте твоего образования, и он был бы заменен более естественным и мягким путем, если бы мы всегда оставались вместе. По крайней мере, ты — последний из всех моих друзей, кто нашел путь к мудрости. Теперь, наконец, у меня есть лучшие надежды и на тебя: многие туманы опустятся перед твоими глазами.

Конечно, ты почувствуешь себя более одиноким, чем когда-либо: как это происходит со мной. Также многие блестящие и бросающиеся в глаза позиции в жизни нам больше недоступны, зато и нежелательны. Духовное уединение и время от времени разговор с единомышленниками — наша участь: нам нужны утешения искусства больше, чем другим существам. Также мы не хотим никого обращать, потому что чувствуем пропасть как установленную природой. Сострадание станет для нас поистине близким чувством. Мы все больше замолкаем — бывают дни, и очень многие, когда я говорю только на службе, а больше нигде.

Конечно, я обладаю неоценимым счастьем иметь настоящего друга, истинного духовного брата Шопенгауэра, который относится к нему, как Шиллер к Канту, — гения, получившего тот же ужасающе возвышенный удел: прийти на век раньше, чем его смогут понять... Поэтому я глубже вижу бездны этого идеалистического мировоззрения; я также замечаю, как мои философские, моральные и научные стремления устремляются к одной цели и что я — возможно, первый из всех филологов — становлюсь целостностью. Как чудесно по-новому и преображенно предстает перед мной история, особенно эллинизм!

Я хотел бы вскоре прислать тебе свои последние прочитанные лекции, из которых последняя (Сократ и трагедия) здесь была воспринята как цепь парадоксов и частично вызвала ненависть и ярость. Должно прийти соблазн. Я уже в основном разучился быть осмотрительным: по отношению к отдельному человеку мы должны быть сострадательны и уступчивы, но в выражении нашего мировоззрения — непоколебимы, как древняя римская добродетель.

Теперь ты, вероятно, будешь писать мне чаще: ведь тебе самому должна прийти тоска по тому, чтобы излить кому-то свои новые переживания. Вряд ли ты найдёшь того, кто пережил столько обращений и так часто любил в других восторженное неофитство.

Преданнейший
Ф. В. Ницше

61. An Paul Deussen in Minden

Basel Mittwoch im Febr. 1870.

Мой дорогой друг,

я совсем забыл ответить на твое последнее письмо: тем не менее оно меня занимало, и, во всяком случае, намерение написать тебе самые прекрасные и лучшие вещи часто было у меня очень сильным. Ибо теперь ты стал одним из наших, да, я бы осмелился назвать тебя в самом личном смысле "моим", если бы то "создание" (из небесных высот или глубин Эльберфельда?), на которое ты намекнул, не возразило бы — или не возразило бы. Ибо я еще ничего не знаю точнее: но я надеюсь на одно совершенно определенно, что скоро я буду так же ясно осведомлен об этом еще совершенно нейтральном существе "создании", как это должно быть для тебя удовольствием.

Ведь кому-то ты всё же захочешь излить душу: и я привык получать любовные письма (от влюблённых, желающих выразиться друзей, разумеется). Что здесь философия не имеет права голоса, я полностью признаю: тем более — истинное участие друзей и собственная мудрость.

Тем временем я вспомнил, что недавно, кажется, уже писал тебе: как бы то ни было, я не помню, чтобы мы уже говорили о «создании».

Это печально, но характерно для невыразимо скудного немецкого общения, что тебе нравится общаться с актёрами. Со мной было то же самое. Ореол свободного искусства падает и на его недостойнейших слуг.

В остальном мы идеализируем этот слой общества: и порой говорит и маленький демон, от которого Софокл с восторгом бежал. В общем, серьёзный человек может быть уверен, что в этих кругах его используют и высмеивают. Но замечаешь это очень поздно, и поэтому это милое времяпрепровождение. Мне это существо в данный момент фатально.

Как ты переносишь одиночество? — Жизнь не имеет ничего общего с философией: но, вероятно, выберешь и возьмёшь ту философию, которая больше всего объясняет нашу природу. Преобразование сущности через познание — это обычное заблуждение рационализма, во главе с Сократом.

Прощай, дорогой друг, и напиши мне однажды. Почему ты всегда делаешь такие красивые периоды и слова? Мы понимаем друг друга лучше без этого обволакивающего и скрывающего покрова риторики.

Рекомендованный тобой господин Рейнхард — приятный и разумный человек, пока ещё теолог. Мне говорят, что он читает Канта, да, он даже спрашивал меня, стоит ли ему читать Шопенгауэра. Но я пока отговорил его. Я осторожен.

В старой верности и
Дружбе
Твой
ФН.

62. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, vermutlich 13. Februar 1870>

Это письмо только для тебя

Дорогая Лизбет,

Я сообщаю тебе следующее под высшей дискрецией.

Оскар из Галле только что просит меня в письме одолжить ему на один год 200 талеров (по 5) и я спешу сообщить тебе о своём согласии, так как, по-видимому, деньги ему скоро понадобятся. Главное, чтобы ни один человек, даже наша мать, не узнал об этом ни слова (из-за надоедливой семейной болтовни и вообще!) Пожалуйста, устрой это дело как можно более ловко и сделай это немедленно. Я сегодня напишу Оскару, что ты единственная осведомлённая и завтра послезавтра отправишь ему деньги. Адрес: Галле, Штайнвег, № 24. Не пиши ни слова об этом: так приличнее.

Но сохраните почтовый перевод.

Также благодарю Вас за заботу о дне рождения. Также я с удивлением услышал о Ваших бальных успехах: всё же лучше, что Вы не провели зиму в Базеле. Кстати, ужасно зимняя погода: я только что вернулся из уединения Трибшена, весь закутанный в вагнеровские ткани и одеяла. Наша дружба больше, чем когда-либо. — От Роде я не получал никаких известий и давно: что меня очень тревожит в этой зловещей атмосфере Рима: что его письма, потому что они содержали новости от Конциля, были подавлены, — это моя наименьшая забота. Я завтра напишу Францу Листу, чтобы он дал мне о нём весточку.

Очень спешу, но поэтому
всё же с сердечностью
Твой брат.

Прекрасные приветы средневековой (44?) матери.

63. An Oscar Oehler in Halle

Basel, Schützengraben 45. <vermutlich 13. Februar 1870>

Дорогой Оскар,

это очень хорошо, что рекомендованное письмо не содержит ничего неприятного, как я сначала опасался: ещё лучше, что я наконец могу оказать тебе небольшую услугу. Только в одном отношении ты должен меня извинить: так как у меня здесь на месте нет денег, то я должен был сообщить об этом моей кассирше, которая, впрочем, может быть самой молчаливой особой на свете: моей сестре. Она как можно скорее вышлет тебе сумму.

С удовольствием я бы услышал из твоего письма ещё что-нибудь о твоём самочувствии, твоих намерениях и т.д. Я с удовольствием вспоминаю наши встречи в Виттекинде: хотя для меня лежит большая пропасть между тогда и сейчас.

Кажется, моя судьба — жить быстро. Что делает «благородный» конь, на котором я тогда ехал? И что с добрым доктором Фолькманом, которого я встретил однажды после того, как без слов прошёл мимо, потому что он был одет фантастически-безвкусно, как театральный еврей. И что стало с добрым господином Фольком? И с роскошной, но несколько упаднической семьёй Кеферштейнов, с которой я так вкусно пировал ананасовыми пуншами?

Но чтобы не превращать моё письмо в вопросительный знак, я ставлю точку во всей этой истории, поприветствовав тебя наилучшим образом

как верный и
— в нашем случае — молчаливый
племянник
Ф. Ницше, д-р.

64. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 7. März 1870>

Сначала, дорогая Лизбет, большое спасибо за дело Оскара. Я тоже не получил от него ни строчки ответа. — Сегодня два дела: у вас еще есть моя фотография? Собирают для альбома Коберштейна. Пришлите, пожалуйста, фотографию и 2 талера от моего имени: адрес, правда, узнайте у Фолькмана: это господин в Берлине, который стоит во главе комитета. Если ты знаешь адрес, то положи, пожалуйста, лист бумаги и напиши на нем: | Д-р Фридрих Вильгельм Ницше, профессор классической филологии в Базеле (школьный привратник с Михаэлиса 1858 по Михаэлиса 1864) | Но это должно произойти скоро. Наконец, еще одно денежное дело. Я хочу здесь купить большую партию книг на сумму примерно 70 (семьдесят) талеров. Для этого ты должна обменять для меня государственную облигацию: затем внеси ее на почте, во франках и на мой адрес, и сделай это как можно скорее. Извини, что я снова причиняю тебе такие неудобства. Большое спасибо за твое последнее письмо с бальными торжествами. Здесь карнавал: то есть барабанят с четырех часов утра. Письмо от Роде.

Преданный тебе
Брат

65. An Carl von Gersdorff in Berlin

<Basel, 11. März 1870>

Мой дорогой друг,

давно бы я написал тебе, если бы не жил в странном убеждении: а именно, что я не знаю твоего адреса, да и места жительства. Я вообразил, что твоя новая юридическая профессия принесла изменения во все отношения, и уже собирался обратиться в берлинский комитет Коберштейна и запросить о тебе сведения. Так получилось, что ты написал мне два письма подряд: и оба произвели на меня сильное впечатление и пробудили горячее желание снова тебя увидеть.

Что ты думаешь о поездке в Швейцарию этим летом, примерно в июле?

То, что мы теперь согласны и в отношении Ричарда Вагнера, для меня — чрезвычайно ценное доказательство нашей общности. Ибо это нелегко и требует настоящей мужской смелости, чтобы не сбиться с пути под страшный крик. В противоположном лагере тоже встречаются очень достойные и умные люди. Шопенгауэр должен помочь нам теоретически преодолеть этот конфликт, как Вагнер делает это практически, как художник. Два момента я всегда держу в уме: невероятная серьезность и немецкая глубина в мировоззрении и художественном видении Вагнера, которые пронизывают каждый звук, для большинства людей нашего «нынешнего времени» — мерзость, как и аскеза и отрицание воли у Шопенгауэра.

Нашим „евреям“ — и ты знаешь, как далеко простирается это понятие, — особенно ненавистна идеалистическая манера Вагнера, в которой он наиболее близок к Шиллеру: это пылающее великодушное сражение за то, чтобы наконец наступил „день благородных“, короче говоря, рыцарственность, которая максимально противоречит нашему плебейскому политическому дневному шуму. В конце концов, я часто нахожу даже у превосходных натур взгляд на индоленцию, как будто собственное усилие, серьёзное и глубокое изучение, чтобы понять такого художника и такие произведения искусства, вовсе не необходимо. Как я был рад, что ты так усердно изучаешь „Оперу и драму“! Я сразу же сообщил об этом своим трибшенским друзьям.

Впрочем, мои друзья для них не чужие: и если ты, например, после первого представления "Мейстерзингеров" захочешь написать подробное письмо Р. В., это вызовет большую радость, и уже точно будут знать, кто автор этого письма. Также само собой разумеется, что если ты когда-нибудь навестишь меня, мы поедем в Трибшен. Это бесконечное обогащение жизни — действительно близко познакомиться с таким гением. Для меня всё лучшее и прекрасное связано с именами Шопенгауэра и Вагнера, и я горжусь и счастлив, что в этом согласен со своими ближайшими друзьями. — Знаешь ли ты уже "Искусство и политику"? Также сообщаю тебе о появлении небольшого сочинения Р. В.an „О дирижировании“, которую лучше всего сравнивать с эссе „Профессора философии“ Ш.

Меня очень огорчило судьба твоего хорошего брата. Мы в Лейпциге, даже после твоего отъезда, часто встречались, и я всегда его ценил. Надеюсь, здесь всё ещё наладится. Но наша жизнь так ужасна: со всех сторон зияет гибель и ужас. Нужно многое, чтобы сохранить мужественный дух. — Ах, как сильно нуждаешься в сознании истинных друзей! Одиночество порой слишком безутешно. Преданный тебе Ф. Н.

Адрес Р. В.: Г-н Рихард Вагнер в

Трибшен

у

Люцерна.

66. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel. Donnerstag. <17. März 1870> Anbei der längst versprochene Aufsatz (für Dich, privatissime)

Мой дорогой друг,

в спешке несколько слов, притом радостного характера!

Тебе, несомненно, доставит удовольствие быть приглашённым самим Ричардом Вагнером на первое представление "Нюрнбергских мейстерзингеров". Маэстро написал капельмейстеру Эккерту (Шёнебергеруфер), чтобы тот от его имени зарезервировал для тебя место на день премьеры. Так что, пожалуйста, навести господина Эккерта и получи свой билет.

Всё это исходит от Р.В. и фрау фон Бюлов: ты видишь, как ценят и уважают моих друзей. От всего сердца

Твой Фр.
Ницше.

67. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Ende März 1870>

Прекраснейший привет заранее!

В университете я вчера закрыл семестр: при этом мне пришло в голову, что я уже год занимаюсь этой деятельностью. Недавно все мои слушатели были у меня в гостях; было очень весело, и угощение (в 5 блюдах) было довольно пышным. — Следующее время должно быть посвящено пасхальной программе — и педагогиуму. Написание программы и печать должны быть завершены до вашего приезда. — Наша погода все еще совсем зимняя: снова идет снег, все белое. Такая зима здесь в Базеле — что-то совершенно невиданное: и в Северной Германии я никогда не переживал ничего подобного.

Я, как это естественно при вечном колебании температуры, не был совсем здоров: также часто беспокоили зубные боли. Всё очень ждёт весны. А мы — как попутчики — ждём особенно.

Я здесь осведомляюсь о хороших пансионах на Женевском озере: в целом их очень хвалят, только не следует выбирать слишком маленькие. Если вы приедете, вы, возможно, всё же сможете жить в моём доме: что, конечно, было бы для нас намного удобнее. Дело в том, что зависит от того, уедет ли и на сколько один господин. — У Хаверкампа я ещё прошу сделать заказ, и вы привезёте мне вещи. А именно: пиджак и жилет из более тёмной ткани (не чёрный, не зелёный, но, возможно, коричневый); у него, вероятно, ещё есть мой размер.

Здесь я не могу работать без вреда: пальто, которое я заказал, мне очень не нравится. Жилет почти совсем не подогнан: всё как можно более «благородно», как говорит берлинец. Ведь это должен быть общественный сюртук. —

От Герсдорфа, который работает в Берлине референдарием, я получил известие: его единственный брат, взявший в аренду Острихен, вскоре проявил признаки полного физического и умственного расстройства и был помещён в южногерманскую психиатрическую лечебницу. Это теперь большое горе для семьи. Таким образом, наш Герсдорф всё же стал владельцем майората. — Он очень увлекается Вагнером в Берлине: и как только я случайно сообщил об этом в Трибшен, мне сообщили, что Р. В.

Герсдорф приглашён на первое представление "Мейстерзингеров" в Берлине, где для него зарезервировано одно из почётных мест.

Д. Ромундт успешно сдал государственный экзамен и теперь является воспитателем молодого Чермака. Виндиш, как я вам писал, уезжает на год в Лондон — или уже уехал.

Мои две лекции «о греческой трагедии» вызвали живой интерес; теперь они снова в рукописи кочуют повсюду.

Индекс находится в Бонне уже несколько месяцев, но будет напечатан только после Пасхи.

В заключение благодарю вас за письма и хлопоты; франки я получил правильно. От Оскара я ожидал пару строк: однако это не было необходимо.

С надеждой на более подробные новости

Ваш Фр.

68. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel, 28. März 1870>

Уважаемый и дорогой господин тайный советник,

конечно, Вы можете на меня рассчитывать. Такое предприятие давно было тайным желанием всех добрых лейпцигских сокурсников; но постепенно оно, кажется, стало для меня необходимым. То, что Вы удостаиваете меня чести первой позиции, я принимаю близко к сердцу.

В настоящее время я должен написать программу местного педагогиума: что, однако, не должно занимать меня слишком долго. Для Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis я предлагаю Вам следующее:

Целая серия исследований о Гомере и Гесиоде в их взаимосвязи, привязанная к маленькому так называемому сочинению "certamen Hesiodi et Homeri", достаточно подготовлена и продумана, чтобы наконец быть записанной. Мой план заключался в том, чтобы к осени завершить небольшую книгу в 12—14 листов по этой теме. Теперь я с удовольствием отказываюсь от этого и сразу же определяю первую часть для "meletemata". Эта часть представляет собой новое издание (около 12 страниц) "certamen", первое рукописье со времен Анри Этьена (при котором действительно что-то получается), затем исследования об источниках сочинения: вместе, возможно, 3 листа или более. Вы довольны этим?

Вы позволяете мне также представить моего друга и Вашего верного ученика Э.

Пригласить Роде к предприятию? Если нужно, я еще заставлю его внести вклад в первый выпуск.

Кстати, меня радует, что снова есть необходимость писать на латыни, чтобы через практику немного улучшить мой то тощий, то жирный, всегда нездоровый стиль. Также я собираюсь собрать свои Лаэртиана в книгу.

В целом я сейчас довольно полон надежд в отношении своей филологии. Конечно, не из-за этих мелких работ, а потому, что везде в основных взглядах и т.д. чувствую рост, который обещает хороший плод. Только я должен дать себе время для главного достижения.

Теперь я прожил год в академической профессии. Идет, идет! Но педагогика отнимает много времени и энергии. Осенью я приеду к вам в Лейпциг (может быть, я смогу прочитать лекцию?) — вам и вашим уважаемым родственникам

самые прекрасные
приветы от Фрид. Ницше

69. An Erwin Rohde in Rom

<Basel, 28. März 1870>

Сначала, дорогой друг, ужасное подозрение! Я отправил этой зимой 3 письма в Рим и недавно одно во Флоренцию (последнее — до востребования: демон посоветовал мне не прекращать ἀγὼν не прекращать) Но небожественная комедия в Риме, похоже, делает почтовую связь по всей Италии ненадёжной; и поэтому сегодня я пишу робко, как молодая девушка. Всё, что я доверил тем письмам, надеюсь рассказать тебе при нашей встрече в Базеле. — Сегодня прими мою сердечную благодарность за твоё любящее письмо; как хорошо мне слышать такой голос здесь, где я довел одинокие прогулки до виртуозности. Я жду тебя в первую неделю мая; наш семестр начинается 3-го числа.

Но ты должен какое-то время пожить у меня. Это не будет тебе подарено, пока судьба снова не разлучит нас, как две ноги родосского колосса, и не отправит тебя в Киль, а меня не оставит в Базеле.

Теперь у меня и Ричля есть предложение, самое свежее. Ты знаешь «грамматические исследования», которые издает Курциус: Р. пишет мне сегодня очень подробно о недостатках этого института. Курциус говорит каждому молодому докторанту: «Если вы хотите написать что-то грамматическое, то вы получите печать бесплатно». Сначала был locus de dialectis, теперь на повестке дня de praepositionum in l<inguae> g<raecae> usu и так далее. Все выводы ты сделаешь сам. Р.

Теперь (по предложению Тейбнера) я собираюсь издавать Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis и прошу тебя написать большую статью для первого выпуска. Я почти пообещал ему, что и ты предоставишь что-то подобное. Третьим в компании будет Андресен (с частью своих исправлений к Dialogus), затем Штюренбург с лукрецианскими исследованиями. Короче, если мы захотим, то начало будет вполне достойным. Я лично чувствую сильнейшее обязательство и — хотя это немного сбивает меня с толку — безоговорочно и немедленно согласился. Первый выпуск должен содержать наши статьи; иначе Р. откажется от всего дела. Мне кажется, это и есть суть.

Ты знаешь, как любопытно, даже с недоброжелательством, многие смотрят на первый выпуск. Поэтому он должен быть хорошим. Я обещал быть верным этому предприятию. — Дай мне ответ. — Ты же знаешь, что Бюхелер переведён в Бонн, а Штудемунд — в Грайфсвальд? Так ли твёрдо твоё решение относительно Киля? Почему не Лейпциг? Только не бойся слишком долгой карьеры приват-доцента. Я ещё не уверен, что ты вообще в неё вступишь. Представь, я уже целый год преодолеваю академическую деятельность. Мне очень помогла близость моих трибшенских: я провёл там рождественские каникулы, встречался каждые 2–3 недели, постоянная переписка — это удивительно освежило меня.

Когда ты приедешь ко мне, ты прочитаешь последнюю брошюру Р.В., также мы вместе поедем в Трибшен. Вилла на Комском озере называется вилла Капуана, недалеко к северу от Фиуме Латте, прямо у озера, с 2 домами. — 2 лекции, которые я здесь прочитал (1 о греческой музыкальной драме, 2 о Сократе и трагедии), оказались для многих очень оскорбительными. Ты тоже их получишь, как и напечатанную вступительную лекцию. — Сейчас у меня лучшие надежды на мою филологию: только я должен дать себе много лет времени. Я приближаюсь к общему взгляду на греческую древность, шаг за шагом и робко-удивлённо. — Виндиш уехал в Англию на год, на службу в Восточно-Индийское управление. Ромундт успешно сдал государственный экзамен и стал домашним учителем у профессора Чермака в Лейпциге. В апреле я еду с матерью и сестрой на Женевское озеро и живу с 15 по 30 апреля в вилле около Монтрё. Будь здоров! Счастливой встречи!

Твой верный друг Ф. Н.

70. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, Ende März—Anfang April 1870>

Теперь я наконец хочу дать вам более точную информацию о пасхальных каникулах. Я хотел бы сделать это раньше, но в последние дни, из-за резкой смены погоды, я чувствовал себя нездоровым и страдал от гриппа. — Главное теперь, чтобы мы провели короткое время каникул вместе и действительно на Женевском озере, а не где-либо еще. Это значит, мы уезжаем из Базеля в Зелёный четверг (в первый день каникул). Тогда мы сможем остаться на озере на 16 дней. В начале мая я должен вернуться, к началу летнего семестра. — Дни до Зелёного четверга для меня очень рабочие: экзамены, переводные и выпускные испытания и т.д., затем я должен написать программу на Пасху.

Если я всё правильно обдумаю, то мне кажется желательным, даже необходимым, чтобы вы прибыли в Базель в понедельник вечером, самое позднее во вторник вечером (до Зелёного четверга): ни в коем случае не в среду. — Возьмите достаточно времени на поездку и, с помощью последнего расписания и Бэдекера (для Южной Германии), обдумайте, как вам удобнее и приятнее всего добраться из Наумбурга в Базель. Ни в коем случае не ночными поездками: что в это время года очень рискованно и опасно. Итак, примерно

Суббота: Отправление из Наумбурга в 7 часов 29 минут
Утромдо Франкфурта (вечером 8 часов)

Вербное воскресенье Франкфурт — Гейдельберг.

Понедельник Гейдельберг — Базель (скорый поезд) прибытие вечером в 7.

Вторник

Среда

}

Базель.

Четверг отъезд и т.д.

Страстная пятница и т.д.

Что касается отелей, то некоторые женщины всегда выбирают лучшие, то есть те, которые в Бэдекере указаны первыми. В Гейдельберге у вас должно быть немного времени: ведь это очень красиво. — Впрочем, путешествие, как я его наметил, очень утомительно.

Если вы немного изучите путешествие (с картой, Бэдекером и расписанием), то у вас возникнут вопросы по всем возможным деталям: и я ожидаю поэтому очень подробных писем. К сожалению, в моем доме нет свободной комнаты.

Бэдекер по Швейцарии у меня есть. Но я должен закончить: пришлите скоро подробные известия и в надежде на встречу думайте о вашем

Ф.

71. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Basel. Sonnabend <9. April 1870>

Словечко!

Сегодня меня назначили профессором ordinarius. Это для распространения среди моих друзей.

Так что в среду вечером в 7 часов на Баденском вокзале — до встречи!

Ваш Фр.

72. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel Sonnabend. <9. April 1870>

Многоуважаемый господин тайный советник,

с Вашего последнего письма я живу в постоянном беспокойстве и не позволяю себе ни минуты отдыха. Узнайте, в каком положении я нахожусь. Программа педагогиума была благополучно завершена вчера, и я сразу же приступил к новой работе. Но на сколько времени! Подумайте, что на следующей неделе приедут мои родственники, и мы вместе поедем на Женевское озеро. До тех пор еще предстоят экзамены и заседания комиссий по переводу. Другими словами: я уже не знаю, как успеть, и если Вы крикнете мне: «periculum in mora!», то я должен ответить: «mora in periculo», что в данном случае означает: «мое время отдыха идет к черту!» Ведь Вы знаете судьбу работ, которые берут с собой в пансионы в красивых местах. Предположим, они будут закончены — потом досадно, что испортили и работу, и каникулы.

В конце концов, насколько я вижу, ничего другого не требует этой жестокой спешки, кроме ситуации друга Юнгманна. Выслушайте мою идею. Отдайте его работу сразу в печать Теубнеру и попросите Теубнера сказать, чтобы он прислал счет позже мне. Я доставлю себе это удовольствие — с удовольствием. Только господин Юнгманн не должен ничего об этом узнать; и мое имя не должно быть названо.

Возможно, я могу попросить вас о доброжелательной лжи и обещаю с моей стороны, что возьму на себя бремя этого греха.

Я не вижу, почему диссертация Юнгманна должна сразу попасть в первый выпуск Meletemata.

Если этот повод для высшей спешки отпадает, то, конечно, остаются и другие причины, которые я ни в коем случае не недооцениваю, чтобы как можно скорее запустить Meletemata. Не слишком ли поздно для вас, если я отправлю рукопись, готовую к печати, во второй половине мая? Дело в том, что мне небезразлична эта работа, и я не хотел бы писать её в слишком большой спешке: у меня к всему материалу тихое tendre, как у вас (и у меня) к Фрайбургу.

Вопрос о Юнгманне я считаю решённым.

Сегодня меня также сделали ординарным профессором.

Передайте вашей супруге, что она не должна на меня сердиться. У нас иногда, да и обычно, нет времени на лучшее, именно потому, что это лучшее.

Спешу
Ваш преданный
Фридр Ницше

73. An Friedrich Zarncke in Leipzig

Basel Sonnabend. <9. April 1870>

Уважаемый господин коллега.

два сообщения и это срочно, для Центрального бюллетеня.

Во-первых, сегодня совет подтвердил назначение Морица Хейне.

Во-вторых, меня сделали ординарным профессором.

Наконец, советник Вишер горячо рекомендует Вас: он очень доволен Вашим письмом и уверяет, что никогда не получал такого ценного и подробного отзыва о ком-либо.

Я шлю Вам лучшие пожелания и приветы

как
Ваш преданнейший
Фридрих Ницше.

74. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Clarens au Basset, zweite Aprilhälfte 1870>

Уважаемый господин тайный советник,

и так я доволен.

Это та единственная строка, которую Вы требуете.

Здесь всё синее синее синее тёплое тёплое тёплое, с утра до вечера. Чернила и перо, однако, отказывают в службе. Я уже часто желал, чтобы Вы были здесь, где есть только одна обязанность — лежать, как сурок на солнце.

Ленивый, но верный
Фридрих Ницше.

Пансион Кеттерер о Бассе (Кларенс)
Мои передают Вам прекрасные приветы.

75. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel <Ende April 1870>

Уважаемый господин тайный советник,

я уже снова отвечаю вам из Базеля; моих близких я оставил на Женевском озере. Дело в том, что пришлось вернуться, потому что печать моей программы (для педагогиума) застопорилась, и потому что университет хотел устроить что-то в честь старого Герлаха. Вчера я по поручению сената обратился к нему с латинским обращением. Это было нелегко. —

Заголовок, возможно, будет звучать так: Certamen quod dicitur Hesiodi et Homeri e codice Florentino post Henricum Stephanum denuo edidit Fridericus N.— Если вы хотите что-то изменить, то заранее благодарю вас за это. Роде, которого я пытался привлечь к вашему предприятию, пишет мне из Венеции о своём участии (чтобы, как он выражается, «R.

как учитель и филолог, по отношению к злобным нападкам, принести свою дань уважения.“) Он обещает публикацию небольшой коллекции Paradoxa, найденной им в римском кодексе, которая, вероятно, принадлежит Isigonus. Небольшое сжатое предисловие и затем текст, к которому остаётся только добавить, где они есть, параллельные места. — Он говорит о том, чтобы приехать в Базель в конце мая. Его „Paradoxa“ он называет „ещё достаточно хорошими, как и большинство новейших Anecdota“.

Teubner может сразу анонсировать и этот вклад; таким образом, первый выпуск, вместе с coniectanea Андресена, безусловно, получил бы необходимый объём.

С сердечным приветом Ваш
преданный Ницше

76. An Erwin Rohde in Venedig

<Basel, 30. April 1870>

Дорогой друг, как я благодарен тебе за то, что ты дал мне такой желанный ответ на мой, в сущности, нескромный запрос. Твой анекдот в любом случае станет приманкой и призывом для первого выпуска; ведь если новое предприятие принесет и такие вещи, то книготорговый успех обеспечен. Я представляю, что этот первый выпуск будет содержать твои и мои вкладки, а также часть превосходных конъектур Андресена (к диалогу). Я обещал отправить рукопись во второй половине мая, но, впрочем, еще не написал ни одного латинского слова, так как был очень занят.

Во-первых, мне пришлось взять на себя написание программы для педагогиума (речь идет о Лаэртии; ты получишь её, а также Analecta Laertiana, напечатанные в последнем выпуске рейнского музея, и мою напечатанную вступительную речь). Затем я неделю провел с семьей на Женевском озере, с южными предчувствиями и многими воспоминаниями о тебе. В последние дни академический сенат еще мучил меня поручением составить латинское обращение к старому Герлаху, который отмечает свой 50-летний юбилей преподавателя. Ты тоже получишь этот странный документ, когда навещаешь меня.

Не так ли, это странные клейкие стержни, которые я ставлю тебе, птице, порхающей с юга на север, чтобы удержать тебя здесь?

Несколько статистических новостей: М. Хейне назначен сюда на место Вакернагеля, Штудемунд — в Грайфсвальд, Лескин — в Лейпциг. Также не хочу забыть, что в прошлом месяце меня сделали ординарным профессором. «И он носил это год!» Это для меня совершенно удивительно. Этим летом я читаю два интерпретаторских курса, «Царь Эдип» и «Труды и дни» Гесиода, а также в семинаре — «Академики» Цицерона. Наш состав филологов достиг определенной высоты, которая здесь очень признается, 14 человек! Какая нищета!

Теперь я также перевел первый класс педагогиума в университет.

Хорошие мальчики проявляют настоящую благодарность и действительно привязались ко мне. Я также сказал им кое-что большее, чем обычно слышно в школах. В сущности, в симпатичном классе чувствуешь себя комфортнее, чем на холодных высотах академической кафедры. Трое из 12 учеников хотят изучать филологию — но можешь мне поверить, что я не чувствую за собой греха, будто кого-то к этому склонил.

Если я сейчас закончу несколько небольших работ (по старым темам), то соберусь с силами для книги, к которой у меня постоянно приходят новые идеи. Боюсь, что она не произведёт филологического впечатления; но кто может идти против своей природы?Теперь для меня начинается период скандала, после того как я некоторое время вызывал терпимое одобрение, потому что носил старые, хорошо знакомые тапочки. Тема и название будущей книги: «Сократ и инстинкт».

На этой неделе я трижды слушал «Страсти по Матфею» божественного Баха, каждый раз с тем же чувством безмерного изумления. Тот, кто полностью разучился христианству, слышит здесь его как настоящее Евангелие; это музыка отрицания воли, без воспоминаний об аскетизме.

Летом мы отмечаем юбилей Бетховена: среди прочего, исполнением missa solemnis. Также меня попросили произнести праздничную речь. — Если ты приедешь ко мне, ты также познакомишься с последней работой Р. В.: «О дирижировании» — подробная критика наших нынешних капельмейстеров и самые прекрасные замечания из его дирижёрской практики. Недавно Кирхнер, один из лучших учеников Шумана, сказал мне, что он никогда и нигде не слышал хороших исполнений, кроме как под Вагнера. Итак, дорогой друг, до встречи!! Но сначала ты пришлёшь парадоксы? Или привезёшь их с собой?

Твой преданный друг.

77. An Erwin Rohde in Venedig

<Basel, 6. Mai 1870>

Мой дорогой друг, это просто отчаяние, какие я тебе создаю трудности, вместе с этими проклятыми итальянскими почтовыми службами. Мое письмо к тебе снова потерялось — или попало к тебе слишком поздно. Спроси еще раз — в первом случае — в libreria Münster, возможно, оно просто затерялось или перепуталось. Поэтому я повторяю свою самую теплую благодарность за твою готовность и от имени Ричля, который очень рад этому. По его плану, твой вклад в "Парадоксы" (с латинским введением) должен открыть второй выпуск Acta societatis L., после теории "жирных кусков"; ибо для этого предприятия каждое анекдот — жирный кусок.Второе издание должно быть напечатано сразу после первого. Я обещал свой вклад для первого до второй половины мая. У тебя поэтому достаточно времени; но если ты хочешь прислать мне парадоксы поскорее, чтобы я мог с ними разделаться, я буду тебе заранее очень благодарен.

У меня сейчас ужасно много дел, так как я взял на себя замену г-на Мэли в педагогиуме на этот семестр. 4 часа латыни и 2 часа греческого: так что теперь у меня около 20 часов в неделю — я, бедный школьный осёл!

Прости мне краткость этого письма: ещё одно. Мне было приятно, что ты ещё подумал о дюреровском листе. Не хочешь ли ты приобрести для меня копию? Я прошу тебя об этом. Но я хотел бы получить её поскорее, так как это должен быть подарок на день рождения.

Я очень надеюсь на твоё присутствие

Прощай, дорогой друг!
Ф.Н.

78. An Wilhelm Brambach in Freiburg (Fragment)

<Basel, 18. Mai 1870>

Уважаемый господин коллега,

Сначала я искренне благодарю Вас за Ваше последнее музыкально-метрическое послание. Оно мне так понравилось и показалось настолько достойным одобрения, что я сразу же переслал его, а именно Ричарду Вагнеру, который с удовольствием узнает о новейших достижениях греческой метрики. Многое я ему уже рассказывал, но мне никогда не удавалось представить ситуацию так ясно, как это сделано в Ваших «Экскурсах».

Прилагаю мою программу и в качестве вложения и любопытства — составленное мной обращение к Герлаху. Это была мучительная работа.

С самой искренней благодарностью и
приветом
Фр. Ницше.

79. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 21 Mai 1870.

Отец Серафим,

как в прошлом году мне не было суждено быть свидетелем вашего празднования дня рождения, так и сейчас неблагоприятное стечение обстоятельств мешает мне это сделать; перо сегодня неохотно ложится в мою руку, тогда как я надеялся совершить майскую поездку к вам.

Позвольте мне сегодня ограничить круг моих пожеланий как можно более узко и лично. Пусть другие осмеливаются приносить свои поздравления от имени священного искусства, от имени самых прекрасных немецких надежд, от имени ваших собственных желаний; мне достаточно самого субъективного из всех пожеланий: оставайтесь для меня тем, кем вы были в прошлом году, — моим мистагогом в тайных учениях искусства и жизни.

Хотя временами я могу казаться вам несколько отдалённым сквозь серые туманы филологии, я никогда не отдаляюсь, мои мысли всегда кружатся вокруг вас. Если правда то, что вы однажды — к моей гордости — написали, что музыка мною дирижирует, то вы, безусловно, дирижёр этой моей музыки; и вы сами мне сказали, что даже нечто посредственное, хорошо дирижируемое, может произвести удовлетворительное впечатление. В этом смысле я выражаю редчайшее из желаний: пусть всё останется так, пусть момент продлится: он так прекрасен! Я требую от нового года только одного — чтобы я не оказался недостойным вашего бесценного участия и вашей отважной поддержки. Возьмите это желание с собой среди тех, с которыми вы начинаете новый год!

Один из „блаженных отроков“.

80. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel, Anfang Juni 1870>

Уважаемый господин тайный советник,

большое спасибо за недавний намёк; это была слишком глупая глупость. Картон напечатан; исправление места очень легко.

Мой certamen Вы получите окончательно на следующей неделе. Это, к сожалению, необходимое промедление очень угнетает меня, так как я обещал иначе. Но кто мог предвидеть, когда я давал обещание, как тяжело для меня окажется этот летний семестр! Я не имел права обещать Вам ни строчки. Тем временем, благодаря внезапному освобождению Я. Мэли в педагогиуме, у меня на 6 часов больше, а в сумме 20 часов в неделю.

Это, при множестве новых лекций, приводит к полному истощению всех доступных сил; тот, кто живёт рядом со мной, сможет судить, что небольшой вклад, который я предназначил для ваших acta, дался мне необычайно тяжело.

Теперь я очень прошу вас одобрить следующую комбинацию. Хотя Теубнер уже анонсировал содержание первого выпуска, я хотел бы по веским мотивам предложить следующий порядок:

1) 

Э. Роде Парадоксы (ок. 16 печатных страниц)

Certamen (ок. 25 печатных страниц)

Юнгманн

Андресен

Сделайте мне уступку с моим другом Р.вместе открыть журнал.

Для этого я предлагаю вам замену для второго выпуска: по моей просьбе доктор Вильгельм Рошер из Баутцена сразу же пообещал внести вклад; и рукопись (декада греческих конъектур) будет у вас через 3 недели. Я же не наделал ничего нежелательного? —

Он такой добрый и услужливый человек, наш Рёшер.

О программе Целлер из Гейдельберга написал мне очень приятно. Напечатано отвратительно некорректно; за это один из моих студентов занимался корректурой. Достаточно плохо. —

Итак

Роде, Андресен и я

В одном выпуске — иначе ни-че-го

а именно

иначе всё останется по-старому: чего не желает

Ваш преданный
Ф. Ницше

Р. также опубликовал фрагмент Splenius.

81. An Cosima von Bülow in Tribschen

Basel Sonntag. <19. Juni 1870>

Уважаемая госпожа баронесса,

мы должны благодарить Вас за два чудесных дня, я даже в сущности за четыре, потому что я сопереживаю всему, что касается моего друга Роде, и таким образом на этот раз мог наслаждаться вдвойне. Р., который на следующий день уехал из Базеля, признался мне, что пережил вершину всей своей пятнадцатимесячной поездки «в синее» в Трибшене; он унес с собой почитание и восхищение всей собранной там жизнью, которые имеют нечто религиозное. Я понимаю, как афиняне могли возводить жертвенники своему Эсхилу и Софоклу, как они дали Софоклу героическое имя «Дексион», потому что он принял и угостил богов в своем доме.

Это существование богов в доме гения пробуждает то религиозное настроение, о котором я сообщал. —

Вот две статьи, довольно поздно: но переписывающий немного задержался, а переплётчик не спешил. —

Моя рабочая нужда ещё немного усилилась. Если бы только мои желания исполнились, и я получил бы своего друга Роде в качестве коллеги поблизости (в Фрайбург) —

В делах Байройта я подумал, что для меня было бы лучше, если бы я на пару лет прекратил свою профессорскую деятельность и тоже отправился в паломничество в Фихтельгебирге. Это такие надежды, которым я охотно предаюсь. —

О Фиди я очень обрадовался: это был первый раз, когда я увидел его в правильной обстановке и освещении свободной природы, и как здоровым и полным надежд он мне показался!

— — Я должен быстро закончить: кто-то идёт, вероятно, какой-то «учёный».

С верной памятью
Ваш преданный
Ф. Н.

82. An Carl von Gersdorff in Berlin

Basel 2 Juli 70. Basel, Schützengraben 45.

Дорогой друг,

я рассчитываю на твою дружбу: если бы я не мог на неё рассчитывать, то не знал бы, как оправдаться за своё долгое молчание в переписке.

В этом семестре мне пришлось работать чрезмерно: еженедельно 20 часов лекций и школьных занятий — это вызывает ежедневное сильное истощение: устаёшь и становишься небрежным к себе — и к своим друзьям.

Уже полторы недели я лежу в постели с вывихнутой ногой; писать мне трудно, и ты должен будешь простить, что и сегодня моё письмо получается коротким.

Большое спасибо за твои сообщения из Берлина.

Требуется большая уверенность в собственном превосходстве, чтобы не потеряться в таком вихре мнений, какие вызывают произведения Вагнера. Однако это «превосходство» — нечто нелёгкое, не падающее с неба, а результат энергичной борьбы с уплощением времени и всё более глубокого погружения в художественный мир поистине великих, число которых, безусловно, не легион. Если бы мы чаще общались, возможно, тебе удалось бы избежать многих мучительных и болезненных промежуточных этапов познания.

Фотография В. будет тебе отправлена, как только у него появятся новые снимки.

Г-н.

Визеке, пока что передайте мой самый прекрасный благодарность; это внимание к такому далёкому единомышленнику имеет что-то захватывающее.

Так что этим летом мы увидимся? Я буду в Базеле с 15 августа по 25 сентября. До этого, с 15 июля по 15 августа, я буду в отъезде, ещё не знаю точно, куда; но ты, конечно, узнаешь. Возможно, мы могли бы выбрать в Альпах общее убежище: но я сейчас, из-за ноги, плохой попутчик и не решаюсь сделать тебе такое предложение.

Что я «полноценный» профессор с марта, я, кажется, тебе писал.

Так что, старый дорогой друг!
До свидания!
В верности
Фридр Ницше

83. An Paul Deussen in Minden

<Basel, Juli 1870>

Дорогой друг,

не сердись! Я пишу очень поздно и сегодня тоже немного. Да, я пишу только для того, чтобы написать. Ибо меня одолевает, и я не знаю, что существенного сообщить тебе.

Я уже около двух недель лежу в постели из-за вывиха ноги.

Когда мы снова встретимся, что тогда будет? Понимаем ли мы друг друга? Возможно, только теперь? Кто знает?

Мой друг Роде, который после 15-месячного пребывания в Италии навестил меня на 14 дней в Базеле, блестяще выдержал испытание дружбы на расстоянии (около 3 лет).

Даже такое волшебное имя, как Шопенгауэр, здесь не помогает: важно быть единым или хотя бы единодушным. Важно ли, что каждый находит одну и ту же формулу для самовыражения, — не самое главное.

Мы думаем, что расширяемся, принимая великого гения. На самом деле мы сужаем гения, чтобы он мог поместиться в нас.

Во всех серьёзных вещах каждый человек — свой собственный μέτρον. Что такое дружба? Два человека и одно μέτρον.

Не хочешь ли ты меня навестить?

Преданный тебе твой старый
Друг
Фр. Н.

(Ты, вероятно, читал, что с марта я ординарный профессор?)

84. An Friedrich Ritschl in Leipzig

<Basel,> 12 Juli 70. Temperatur: 29 Grad R.

Многоуважаемый господин тайный советник,

так я отправлю то, что у меня есть, не больше и не меньше, чем editio des Certamen (около 25 печатных страниц)

Это действительно было ужасно мучительное полугодие, в конце концов, с поистине тропическим и неделями равномерным солнечным ожогом. К тому же я должен был две недели пролежать в постели и сейчас еще немного страдаю от левой ноги.

В эти дни Клетте получает от меня статью, первую, которая занимается Certamen

Ваша супруга объявила мне о своем прибытии послезавтра: как я рад, что смогу приветствовать ее в Швейцарии.

Мой совершенно бесценный друг Роде навестил меня в Базеле на некоторое время: тем временем он, вероятно, был и у Вас. Он хочет взять на себя первую корректуру Ἀγών; у Вас есть его гамбургский адрес?

И теперь простите, что я снова замолкаю: наше настроение в конце концов совершенно невозможное.

Ваш преданный
Фридрих Ницше.

85. An Friedrich Zarncke in Leipzig

Basel 14 Juli 70.

Здесь, многоуважаемый господин коллега, у Вас есть хотя бы одно объявление для C<entral> B<latt>. Никогда я не был так занят, как в этом полугодии (еженедельно 20 часов); простите же, что на этот раз отвечаю так поздно.

Если потребуется несколько смягчить тон заключительного замечания рецензии — чего я не думаю — то это, разумеется, зависит от Вас. Кто же этот невероятный болтун, изъясняющийся философским жаргоном Байк?

— Я всегда думаю о Вас с самыми сердечными пожеланиями как Ваш

преданнейший
Фридр Ницше.

86. An Erwin Rohde in Hamburg

<Basel, 19. Juli 1870>

Наконец, дорогой друг, я снова могу выразиться. Представь, что я пролежал в постели несколько недель из-за вывиха ноги, очевидно, потому что не принес в жертву Асклепию петуха, а всегда сам съедал "петухов" (подумай о Кёби!).

После этих ученых цитат я чувствую себя обязанным процитировать отрывок из одного из последних писем Бюлова дословно. "Эти дни остались у нас в очень хорошей памяти; мастер был очень доволен вашим другом, его мужская серьезность, его значительное участие и настоящая доброжелательность, которая иногда озаряла его строгие черты, были ему совершенно симпатичны.

Если его переведут в Фрайбург, вы всегда будете вдвоём в Трибшене, ибо «два в согласии — лучший путь для человека», как говорит наша авторитет.

Вот страшный удар грома: франко-прусская война объявлена, и вся наша ничтожная культура бросается в объятия самого ужасного демона. Что нам предстоит пережить! Друг, дорогой друг, мы виделись ещё раз в закате мира. Как я благодарен тебе! Если жизнь станет для тебя невыносимой, вернись ко мне. Что значат все наши цели!

Мы можем уже быть в начале конца! Какая пустыня! Нам снова понадобятся монастыри. И мы станем первыми братьями.

Верный швейцарец.

87. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

<Basel, 19. (eigentl. 16.) Juli 1870>

Теперь ещё несколько слов от меня, уважаемая, близкая нам мать! Все наши прекрасные черты и особенности лица и т.д. кажется, теперь снова идут к +! У тебя — из-за непрерывных забот и трудов, у меня — из-за ужасной нужды, в которую нас бросил сегодняшний день со своим французским объявлением войны.

Теперь у меня ещё забота — снова счастливо доставить Лизбет в твои объятия.

Мы жили так радостно в вечернем сиянии мира. Теперь разрастается самая ужасная буря.

(Наконец, я и печален душой, будучи швейцарцем! Речь идёт о нашей культуре! И нет жертвы, которая была бы достаточно велика! Этот проклятый французский тигр!)

Живите хорошо: это слово теперь имеет больше смысла, когда всё становится сомнительным. Передай дорогой тёте мои самые тёплые пожелания. Тебе самой — прекрасную благодарность за твоё швейцарское путешествие! Тебе понравилось? Нет? —

Ф.

88. An Sophie Ritschl in Rigi-Scheideck

Axenstein bei Brunnen <um den 20. Juli 1870>

Уважаемая госпожа тайная советница,

Очень поздно и окольными путями — так как я тем временем уехал — Ваше любящее письмо попало в мои руки, вместе с несколькими строками Вашего супруга, датированными воскресным вечером, который требует срочных новостей о Вас и одновременно отправил письма мне и Вишеру. — Телеграфные частные депеши больше не отправляются из Лейпцига. Заметка, вероятно, предназначенная для Вас: «Лёффлер, теперь директор, вынужденно задержался здесь со своей молодой женой, на которой женился 10 дней назад, вместо того чтобы отправиться в Вюртемберг и Швейцарию».

Я, по крайней мере, не знаю, кто такой Лёффлер.

Моя ежедневная забота теперь — как отправить мою сестру счастливой обратно на родину; при этом я задался вопросом, не ускорите ли вы, под давлением ужасающей атмосферы, свой обратный путь. В этом случае моей сестре, которая сейчас живёт здесь со мной, была бы очень желательна небольшая записка.

Здесь я, с точки зрения моей ноги, очень доволен. Однако пока я ещё не решаюсь подниматься на высоты; но если вы останетесь ещё немного, то я осмелюсь предложить вам визит в эту неповторимую часть региона Четырёхлесного озера. Тепло здесь, конечно: но, возможно, вы на своих высотах немного тоскуете по теплу, кто знает.

Насколько рекомендуем наш отель, показывает тот факт, что здесь всегда одинаково полно (110—120 человек), несмотря на пугающую ситуацию, которая просто не может быть хуже.

Какое позорное чувство — оставаться спокойным сейчас, когда даже для моих полевых артиллерийских исследований наступило самое подходящее время!

Мое утешение в том, что для нового культурного периода все же должны остаться хотя бы некоторые из старых элементов: и насколько даже в такой национальной войне озлобления могут быть уничтожены традиции культуры, это можно представить себе по печальным историческим аналогиям.

На худой случай я, конечно, приберег для себя одно твердое решение.

Представляете, студенты из Киля единодушно встают под оружие! —

Так что до свидания? Моя сестра передает вам и вашей дочери свои рекомендации.

Преданный вам Фридрих
Ницше.

89. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Maderanerthal Montag 8 Aug. 1870.

Уважаемый господин советник,

в нынешнем положении Германии мой выбор не должен быть для Вас неожиданным: и я стремлюсь исполнить свой долг перед Отечеством. С этой целью обращаюсь к Вам с просьбой — через Ваше ходатайство перед достопочтенной образовательной коллегией — испросить отпуск на последнюю часть летнего семестра. Моё здоровье сейчас настолько окрепло, что я могу без всяких опасений быть полезным как солдат или как санитар. Но и то, что я должен бросить свою скромную лепту личных способностей в жертвенный котел Отечества, никто не найдет столь естественным и достойным одобрения, как именно швейцарские образовательные власти.

Хотя я и осознаю, какой круг обязанностей мне предстоит выполнять в Базеле, я мог бы удерживаться в их власти только с мучительным принуждением и без реальной пользы — при том огромном призыве Германии, чтобы каждый исполнял свою немецкую обязанность.

Насколько я слышал три недели назад, господин Мэли способен и готов снова взять на себя свои часы в педагогиуме, и, возможно, господин Хагенбах или господин Гейзер смогут быть назначены, чтобы в этом чрезвычайном случае завершить преподавание греческого языка в третьем классе в этом семестре; в любом случае я лично, если Вы дадите мне на это разрешение, попрошу этих господ о поддержке.

Я немедленно приеду в Базель, чтобы услышать решение почтенного образовательного ведомства и принять еще некоторые меры. До тех пор рекомендую себя Вашему расположению, которое, надеюсь, будет на моей стороне и в этом случае.

С глубоким уважением
Ваш
преданнейший
Др. Фридр Ницше
Проф. о. п.

90. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

<vermutlich Basel, Mitte August 1870>

Многоуважаемый господин советник,

я хотел бы выразить Вам и уважаемым членам образовательного комитета свою благодарность за быстрый и доброжелательный ответ на мой запрос.

Г-ну Мэли я написал сегодня днём, г-н Гейзер всё ещё в отъезде.

С благодарными и преданными
чувствами
Ваш
Фридрих Ницше
Профессор.

91. An Erwin Rohde in Hamburg

<vermutlich Basel 12. August 1870>

Дорогой друг

я прибываю в Лейпциг в воскресенье, 15 августа, и оттуда меня направят санитарные власти туда, где я смогу быть полезен раненым, особенно в самом бою. Со мной вместе гамбуржец, художник Мозенгель.

Ты, конечно, узнаешь в Наумбурге-на-Заале, где я нахожусь: отправляй все письма туда (по адресу: госпожа пастор Ницше)

Или ты приедешь со мной?

Фридрих Ницше

92. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)

<Erlangen, 20. August 1870>

Дорогая Лиза, мы всё ещё в Эрлангене, но в понедельник мы точно отправляемся на поля сражений последних дней. Я был немного обеспокоен тем, что ты уезжаешь одна, мы ещё раз попытались быть на вокзале при отъезде. Но вот! Поезд свистнул и ушёл от нас, даже не из-под нашего носа.

Деньги — благодаря готовности и быстроте нашего дорогого кузена, которого я прошу передать сердечный привет, — прибыли в четверг. Теперь не исключено, что мы будем следовать за победоносной армией до Парижа.

Если ты мне напишешь, адресуй всегда в Эрланген (через адрес профессора доктора Плитта). Письма будут мне пересылаться, насколько это возможно. От меня ты скоро получишь известия, сначала, вероятно, из Понт-а-Муссона. Но не удивляйся, если письма теперь будут идти дольше.

Мы всё ещё живём в «Вальфише». Два раненых пруссака умерли вчера и сегодня. Мы путешествуем с Цимсеном и несколькими врачами. — С прежней верностью

Твой брат.

Мозенгель шлёт лучшие приветы.

93. An Friedrich Ritschl in Leipzig (Fragment)

<Erlangen, 20. August 1870>

[+ + +] Вашей супруге я предложил с величайшей заботой сопроводить её в Лейпциг. Но она совершенно права, отложив мысль о возвращении при нынешних обстоятельствах. [+ + +]

94. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

Erlangen (in Bayern) mein „Hauptquartier“. <vermutlich 20. August 1870>

Самый тёплый привет заранее!

Пара слов, чтобы ты не беспокоился. Мы всё ещё в Эрлангене и благодаря нашей непрерывной деятельности в госпитале полностью превратились в хирургов. Один турок и один пруссак находятся под моим лечением. В понедельник мы с моим коллегой Цимсеном, директором местной клиники, и несколькими врачами отправляемся в Мец и Верден, на поля последних сражений. Вероятно, затем мы последуем за немецкой армией до Парижа, по крайней мере, если всё пойдёт по нашему желанию. Мы ожидаем огромное поле деятельности и много трудностей. — Письма отправляй только в Эрланген, по адресу господину профессору доктору Плитту, с моим полным адресом. Возможно, иногда будет невозможно доставить письма напрямую мне, так как место нашего пребывания быстро меняется. Но я и Плитт всё организуем как можно практичнее. Баварские полевые письма идут очень медленно и нерегулярно. Я пишу это только для того, чтобы ты не пугался, если от меня не будет новостей, для чего нет никаких оснований.

С наилучшими пожеланиями для тебя и для меня, а также с самыми красивыми приветствиями дяде и тёте

Твой Фриц Н.

Каким образом Рудольф проявил себя сейчас? Я ожидаю всех своих друзей на поле.

95. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

Sulz bei Weissenburg, in der Nähe von Wörth <29. August 1870>

Сердечный привет заранее!

Мы уже 5 дней в пути из Эрлангена: движемся медленнее, чем кто-либо мог бы подумать, хотя мы используем все средства передвижения и, например, во Франции ехали на тормозах, сидя на бесконечном обозе с провиантом. Вчера за 11-часовой дневной марш мы выполнили свои поручения в Герсдорфе, Лангенсульцбахе и на поле битвы при Вёрте. В память о ужасно опустошённом, усеянном бесчисленными печальными останками и сильно пахнущем трупами поле битвы следует это письмо. Сегодня мы направляемся в Хагенау, завтра в Нанси и так далее, следуя за Южной армией.

Мы путешествуем вдвоем, я и Мозенгель; только в Понт-а-Муссоне мы снова встретимся с эрлангенским коллегой Цимсеном.

Письма от вас не смогут до меня дойти в ближайшие недели, так как мы постоянно меняем место пребывания, а почта идет невероятно медленно. О военных успехах здесь ничего не слышно, пресса совсем прекратила работу. Враждебное население, кажется, привыкает к новому положению дел. Зато за малейшие проступки им грозит смертная казнь.

Во всех деревнях, через которые мы проезжаем, один лазарет за другим.

Ты скоро снова получишь весточку, не беспокойся.

Твой Фриц.

Может быть, ты отправишь это письмо Лизбет; писать часто и удобно не получается.

96. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Montag 29 Aug. Nachts um 2. 2 Uhr Nachts Viehwagen

при совершенно простуженной ноге, несмотря на пламенный столб Страсбурга. Открытое поле между станцией Хагенау и Бишвиллером. Девятичасовое пребывание среди лошадей и кавалеристов, среди враждебного населения.

Это уже привычный способ путешествовать. Завтра Нанси, затем штаб и дальше.

Напоминание об ужасном поле битвы при Вёрте следует.

Убогий свет масляной лампы мешает писать больше.

Ваш преданный
Ницше.

97. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)

<Nancy,> 2 Sept. 1870.

Нэнси, с вчерашнего дня здесь, через час дальше в Арс-сюр-Мозель (около Меца). Самочувствие превосходное.

98. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf

Erlangen, Hôtel Wallfisch, Sonntag. <11. September 1870>

Теперь представь, дорогая мама, что я до сих пор не получил от тебя никаких известий, но уже успешно завершил свой поход. Успешно, правда, не совсем: я лежу здесь, больной злой дизентерией: но худшие состояния позади, да, я смогу уехать во вторник или среду, чтобы продолжить лечение в Наумбурге. Для этого я прошу тебя, если возможно, вернуться с Лизбет в Наумбург. Я сейчас, при моей тоске по покою и сильной усталости, не хочу никуда больше. Я продвинулся почти до Меца и оттуда сопровождал поезд с ранеными в Карлсруэ.

При этом, в ужасном состоянии всех моих больных, при постоянной перевязке их частично гниющих ран, при сне в скотских вагонах, где на соломе лежали 6 тяжелораненых, я подхватил заразу дизентерии; кроме того, врач обнаружил у меня еще и дифтерит горла, возникший из той же деятельности. И это заболевание мы также боремся с максимальной энергией.

Несмотря на все это, я рад, что хотя бы немного помог в этой невероятной нужде. И я бы сразу же отправился во второй раз, если бы болезнь не сделала это невозможным.

Пожалуйста, телеграфируй Лизбет, чтобы она немедленно вернулась домой.

С самыми сердечными приветствиями и пожеланиями

Твой сын.

99. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Erlangen, Hôtel Wallfisch Sonntag <11. September 1870>

Уважаемый господин советник,

наконец — спустя четыре недели — я прихожу к некоторому завершению и чувствую необходимость доложить Вам. Мой первоначальный план поехать в Лейпциг был оставлен уже в пути, по веским причинам: вместо этого нас — меня и моего друга Мозенгеля — потянуло в Эрланген, где процветает энергичное общество со схожими целями, как и у нас, которое уже отправило 80 «полевых диаконов». Всё удалось: мы прибыли в Эрланген с транспортом раненых и уже в воскресенье — ровно четыре недели назад — приступили к работе. Мы прошли курс по перевязочной технике и присутствовали на всех обходах ассистента врача в госпитале.

Вскоре мы тоже смогли приступить к делу: у многих раненых пруссаков, французов и турок было чему поучиться и чему помочь. Через 10 дней был отправлен новый отряд из 15 молодых людей (в основном студентов) на театр военных действий: одна часть под руководством проф. Цимсена отправилась через Саарбрюккен, другая, состоящая из меня и моего друга, — через Вайсенбург. У нас было множество отдельных поручений и доверительных дел, связанных с различными трудностями. На поле битвы при Вёрте нужно было найти могилу баварского старшего офицера: это удалось нам. Я приношу вам на память об этом ужасном поле битвы несколько пуль от шасспо.

Мы продвинулись до Арс-сюр-Мозель (непосредственно у Меца) и получили там раненых для ухода. Особой радостью для меня было внезапно увидеть коллегу Хоффмана, который должен был сопровождать транспорт раненых в Карлсруэ. Я присоединился к нему, как Мозенгель, и каждый из нас взял на себя заботу об одном вагоне, заполненном ранеными. Нам потребовалось два дня и две ночи для нашего путешествия, в течение которых мы не покидали своих больных. У меня был тесный маленький вагон для скота, покрытый соломой: на нем лежали 6 тяжелораненых, а я — посреди них. Здесь было много дел: перевязывать, кормить и так далее. Атмосфера в этой норе была ужасной.

В Карлсруэ я сдал наших больных: на следующий день мы вернулись в Эрланген, чтобы здесь отчитаться. Уже во время этой поездки меня охватило сильное недомогание: врач, которого я здесь в Эрлангене вызвал, констатировал, во-первых, сильную дизентерию и, во-вторых, дифтерит горла. Таким образом, мне пришлось одновременно познакомиться с этими двумя госпитальными болезнями. Самые худшие и опасные состояния уже позади: врач очень доволен прогрессирующим улучшением. Но я очень слаб и истощён. Мы боролись с обоими недугами очень энергично.

Mosengel — мой верный сиделка.

Вот мой отчёт, который я должен сделать в постели.

Несмотря на это неприятное последствие, я чувствую себя очень успокоенным, хотя бы немного, и если даже только крошечку помог в большом деле общей медицинской помощи. Общество, состоящее в основном из местных профессоров, очень довольно нашей деятельностью: это больше, чем мы надеялись достичь.

Вашу супругу я хранил в верной памяти и искренне желаю ей быть рекомендованной. Ещё раз благодарю вас за то, что мне был предоставлен отпуск в настоящее время. Нужно делать что-то, чтобы не быть съеденным внутренним беспокойством и самобичеванием. Несколько моих друзей среди мёртвых. —

В надежде на счастливую встречу
Ваш преданный и верный
Фридрих Ницше
Проф. о.п.

100. An Richard Wagner in Tribschen

Erlangen, Sonntag <11. September 1870>

Дорогой и уважаемый Мастер.

так вот, посреди бури, Ваш дом завершён и прочно основан. Я даже издалека всегда думал об этом событии с благословениями и очень рад узнать из строк Вашей столь любимой мной супруги, что возможность отметить этот праздник наступила, в конце концов, быстрее, чем, возможно, — при нашей последней встрече — можно было предположить.

Вы знаете, какой поток унёс меня из Вашей близости, так что я не мог быть свидетелем столь священных и долгожданных действий. Моя помощь временно завершилась, к сожалению, из-за болезни.

Мои многочисленные поручения и обязательства привели меня в окрестности Меца; мне и моему — очень проверенному — другу Мозенгелю удалось успешно выполнить большую часть наших задач. В Арс-сюр-Мозель мы взяли на себя уход за ранеными и затем вернулись с ними в Германию. Это трёхдневное и трёхночное пребывание с тяжелоранеными стало вершиной наших усилий. Мне пришлось в одиночку ухаживать за жалким скотовозом, в котором лежали 6 тяжелобольных: перевязывать, кормить и т.д. Все с раздробленными костями, у нескольких — по 4 раны; кроме того, у двоих я обнаружил раневой дифтерит.

Что я смог выдержать в этих чумных испарениях, даже спать и есть, кажется мне теперь волшебством. Едва я доставил свой транспорт в Карлсруэский лазарет, как у меня появились серьезные признаки недомогания. С трудом я добрался до Эрлангена, чтобы доложить своему обществу о различных делах. Затем я лег в постель и лежу до сих пор. Хороший врач диагностировал у меня сильную дизентерию и дифтерию горла. Однако мы с наибольшей энергией боремся с обоими заразными недугами, и сегодня можно сообщить о хороших надеждах.

Таким образом, я познакомился с двумя из этих печально известных лазаретных эпидемий; они так ослабили и истощили меня за короткое время, что я вынужден отказаться от всех своих планов помощи и думать только о своём здоровье. После короткой попытки в течение 4 недель повлиять на общее дело, я снова брошен на самого себя — довольно жалко!

О немецких победах я не хочу говорить ни слова: это огненные знаки на стене, понятные всем народам.

Сегодня я не могу писать больше; моё следующее письмо предназначено Вашей уважаемой супруге, к ногам которой я кладу мои самые искренние поздравления. Крестнику — радостное счастье! Счастья всему Трибшенскому дому!

Ваш преданный
Фридрих Ницше

101. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Naumburg 21 Sept. 70.

Уважаемый господин тайный советник,

кто знает, получили ли Вы мои последние письма! Это тихое сомнение, которое охватывает человека в такие времена при любом написании писем. Поэтому я хочу еще раз рассказать Вам, что из Эрлангена я отправился на театр военных действий в качестве добровольного санитара — вплоть до Ар-сюр-Мозель (совсем недалеко от Меца) и что оттуда я сопровождал транспорт раненых в Карлсруэ. Нагрузки всего предприятия были значительными; с образами тех недель и непрерывно звучащим для меня стоном я все еще борюсь.

По возвращении я одновременно подхватил две опасные болезни, которыми заразился, ухаживая днём и ночью за тяжелоранеными, — дифтерит горла и красный дизентерийный понос — увы!

(      nobile par fratrum!      )

Однако обе болезни в основном преодолены; несколько дней назад я прибыл сюда, в Наумбург, чтобы как следует отдохнуть и с помощью тихой работы исцелиться от волнений того времени. Вот всегда так: при самых лучших намерениях на благо общего дела, эта ничтожная личность со всеми своими капризами и слабостями встаёт на пути!

Ещё раз увы!

О своих переживаниях надеюсь вскоре рассказать вам лично; также принесу вам пару пуль Шаспо с полей сражений. Все мои военные страсти снова пробудились, и я не мог их удовлетворить! Будь я при своей батарее, я бы пережил дни Резонвиля, Седана и — Лона на практике и, возможно, пассивно. Но моя швейцарская нейтральность связала мне руки. —

Я слышал, что ваши уважаемые родственники снова прибыли к вам. Я правильно услышал? Тогда надеюсь увидеть их на следующей неделе. Моя сестра передаёт вам наилучшие пожелания. Я с нетерпением жду возможности снова вдохнуть филологический воздух; но больше всего: я рад через год снова увидеть вас. Для меня лично это был очень переменчивый и тяжёлый год!

Но когда же мы ходили на более гордых ногах, чем сейчас? И какой немец, встретив другого немца, теперь не может не только плакать, но и — как два авгура — смеяться?

И это мы сделаем вместе на следующей неделе.

До свидания!
Ваш преданный
Фридрих Ницше.

102. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel

Naumburg a/S. 19 Oct. 1870.

Уважаемый господин советник,

послезавтра я собираюсь уехать, но хотел бы перед этим отправить вам письмо, а также небольшую печатную работу, которая только что была завершена. Сейчас я снова более доволен своим состоянием; дифтерит ещё долго причинял мне неудобства. От всех ужасных картин, которые показало мне моё путешествие, я искал защиты в науке. Вопросы ритма и метрики, которые снова приблизили меня к подготовке к зимнему семестру, теперь не дают мне покоя; на этот раз я действительно радуюсь своей преподавательской деятельности. Ричль я застал здоровым и в привычной молодости; он передаёт вам свои наилучшие пожелания.

Вам известен профессор юриспруденции Брокгауз в Йене, сын ориенталиста? Я познакомился с ним у его родителей. Зарнке, как рассказывали, уехал в Страсбург, чтобы узнать о судьбе библиотеки. Занятие кафедры Клотца в Лейпциге вызывает много волнений; я думаю, что у Бурсиана лучшие перспективы. — В Эрлангене мне рассказывали, что хотят пригласить туда Биндинга.

Моё желание снова появиться на театре военных действий не сбылось; я был слишком истощён и до сих пор часто страдаю от нервного возбуждения и внезапной слабости, состояния, которые запрещают мне все чрезмерные занятия и делают необходимыми определённую умеренность и большой покой. Оба этих условия я найду в зимней деятельности.

За все сообщения, которые принесло мне Ваше уважаемое письмо, я выражаю Вам свою лучшую благодарность, ещё больше за доброжелательность, которую оно проявило и к моим последним судьбам. Моя мать и сестра, как и я, хотят быть искренне рекомендованы Вам и Вашим уважаемым родственникам.

Итак, остаюсь в надежде на счастливую встречу

Всегда преданный Вам
Фридр Ницше.
Проф. о. п.

103. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)

20 Oct. 1870. Naumburg

Мой дорогой друг,

это утро принесло мне самую радостную неожиданность и освобождение от многих тревог и страхов — твое письмо. Еще позавчера я был ужасно напуган, когда в Пфорте услышал, как твое имя произнесли сомневающимся голосом. Ты знаешь, что сейчас означает этот сомневающийся тон. Я немедленно запросил у ректора список погибших пфортцев, который прибыл ко мне вчера вечером. Он успокоил меня в одном главном пункте. В остальном там было много печального. Помимо имен, которые ты уже назвал, я здесь читаю на первом месте Штёкерта, затем фон Эрцен (но с вопросительным знаком), затем фон Ридезель и так далее, всего 16.

— Всё, что ты мне пишешь, глубоко тронуло меня, особенно верный серьёзный тон, с которым ты говоришь об этом испытании огнём нашей общей мировоззренческой позиции. Я тоже пережил нечто подобное, и для меня эти месяцы стали временем, когда эти основополагающие учения доказали свою укоренённость: с ними можно умереть; это больше, чем если бы о них сказали: с ними можно жить. Дело в том, что я всё же не был в такой безусловной безопасности и отрешённости от опасностей этой войны. Я сразу же подал прошение в свои инстанции, чтобы мне дали отпуск и позволили исполнить свой немецкий долг как солдату.

Мне дали отпуск, но на основании швейцарского нейтралитета обязали не носить оружие (с 69 года я больше не имею прусского гражданства). Немедленно я отправился в путь с превосходным другом, чтобы добровольно служить в качестве санитара. Этот друг, с которым я делил всё на протяжении 7 недель, — художник Мозенгель из Гамбурга, с которым я должен познакомить тебя в мирное время. Без его душевной поддержки я вряд ли пережил бы события предстоящего времени. В Эрлангене я прошёл медицинскую и хирургическую подготовку у местных университетских коллег; у нас там было 200 раненых. Через несколько дней мне передали на особое лечение 2 пруссака и 2 турка.

Двое из них вскоре заболели дифтеритом ран, и мне пришлось много работать с кистью. Через 14 дней нас обоих, Мозенгеля и меня, отправил местный вспомогательный комитет. У нас было множество частных поручений, а также значительные суммы денег для передачи 80 ранее отправленным полевым диаконам. Наш план заключался в том, чтобы встретиться в Понт-а-Муссоне с моим коллегой Циемзеном и присоединиться к его отряду из 15 молодых людей. Однако этого, конечно, не произошло. Выполнение наших поручений было очень сложным: поскольку у нас не было адресов, нам пришлось лично, в изнурительных маршах, по очень неопределенным указаниям обыскивать лазареты в Вайсенбурге, на поле битвы при Вёрте, в Хагенау, Луневиле, Нанси и вплоть до Меца.

В Арс-сюр-Мозель нам передали раненых для ухода. С ними мы, так как их перевозили в Карлсруэ, вернулись обратно. Мне пришлось ухаживать за 6 тяжелоранеными в течение 3 дней и 3 ночей совершенно одному, Мозенгель — за 5; была плохая погода, наши товарные вагоны приходилось почти полностью закрывать, чтобы бедные больные не промокли. Атмосфера в таких вагонах была ужасной; к тому же мои люди болели дизентерией, двое — дифтеритом, короче, мне приходилось делать невероятные вещи, и я перевязывал по 3 часа утром и столько же вечером. К тому же ночью не было покоя из-за человеческих нужд страдающих.

Когда я доставил свою больную в отличный лазарет, я сам тяжело заболел: сразу же начались очень опасные дизентерия и дифтерит горла. С трудом я добрался до Эрлангена. Там я остался лежать. Мозенгель проявил самоотверженность, ухаживая за мной здесь. И это было не мало, учитывая характер этих недугов. После того как я несколько дней мучил свое тело опиумными и таниновыми клизмами, а также растворами ляписа, первая опасность миновала. Через неделю я смог отправиться в Наумбург, но до сих пор еще не поправился. К тому же атмосфера пережитых событий разостлалась вокруг меня, как мрачный туман: некоторое время я слышал нескончаемый стон.

Моё намерение снова отправиться на театр военных действий стало невозможным. Теперь я должен довольствоваться тем, чтобы наблюдать издалека и страдать вместе.

Ах, мой дорогой друг, какие благословения я должен послать тебе! Мы оба знаем, что думаем о жизни. Но мы должны жить, не для себя. Так что живи, живи, дорогой друг! и прощай! Я знаю твою героическую натуру. Ах, если бы ты остался со мной! Преданно

Фридрих Ницше
(завтра в Базеле)

Сегодня у меня нет времени писать, так как мне предстоит отъезд. Из Базеля ты узнаешь обо мне больше. Я счастлив, что наконец-то получил твой адрес. Мои родственники сопровождают тебя своими лучшими пожеланиями.

104. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 23./24. Oktober 1870>

Дорогая мать и сестра,

здесь всё ещё довольно неуютно, поэтому вас не удивит, если я в разговоре с вами перенесусь в прошедшие недели. Дело в том, что на этот раз мне очень понравилось в Наумбурге — вам, конечно, приятно это слышать, и Базель пока не сделал ничего, чтобы хоть немного приблизиться к тому, насколько комфортно мне было с вами. Правда, я прибыл не в лучшем настроении. Ведь весь второй день путешествия я боролся с рвотой. В первый день я приехал в Франкфурт около полуночи, совершенно замёрзший. На второй день, вечером в 8 часов, я был в своей квартире и сразу заказал липовый чай. И сегодня мне всё ещё нехорошо.

— У Фрау Фоглер и Минны вы вызвали сильные чувства благодарности и принесли настоящую радость. Обе просят меня выразить свои чувства — что и должно быть сделано. Очень дружелюбно был принят у Вишеров. Фрау В. благодарит тебя, дорогая Лизбет, за письмо и при этом использовала лестные выражения. Она была слишком занята, чтобы ответить. Почти поверила, что ты снова приедешь.

С сегодняшнего дня у меня удовольствие! присутствовать на экзамене в педагогиуме. Вишер, похоже, очень заинтересован в моем прибытии.

Теперь поручение, которое нужно выполнить в спешке. Я только что получил письмо от Ричля (40 центов.

потому что от Наумбурга до Базеля не освобождён) Он требует корректурные листы Certamen: но я оставил их в Наумбурге. Их нужно немедленно, без письма, отправить ему. Адрес: Господину Тайному советнику Проф. Д-р. Ричль Лейпциг Леманнов сад.

Вчера, когда наступило полдень и я проголодался, я пошёл в "Три короля" и поел там, не получив удовлетворения. Ежемесячно они там по подписке берут 75 франков. Это мне слишком много: правда, в эту сумму входит полбутылки красного вина.

Сегодня я ел дома, кулинарное искусство Минны. Это тоже было ничто. — Самым роковым в "Трёх королях" была, впрочем, господствующая французская настроенность и язык за большим столом.

Всё в ящике прибыло в целости. Все носильщики ругались на него, он всех заставил побледнеть.

Теперь сердечно приветствую и благодарю
ваш Фр.

Это всё же мощное путешествие. И дорогое, как ни крути.

105. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Basel Sonnabend 29 Oct. 70.

Уважаемый господин тайный советник,

к сожалению, корректурные листы больше не были в моих руках; я оставил их при отъезде в Наумбурге. Я сразу написал туда — с каким успехом, не знаю. Тем временем я еще раз просмотрел Certamen; что, возможно, еще можно добавить, если на это еще есть время — я отмечу на последней странице письма.

Корректура Роде в некоторых местах особенно удивительна, где он вычеркивает слова в цитатах или даже объявляет цитату неверной; последующая проверка научила меня, что с самого начала я был прав. — Но как бы дело обстояло без Вашей помощи, я совсем не представляю. —

Здесь у нас экзаменационные трудности в педагогиуме.

— Политическая атмосфера здесь просто отвратительна, есть люди, которые открыто выражают свой энтузиазм по поводу предательства в Лаоне. Даже с спокойными и в целом пронемецки настроенными базельцами уже невозможно найти общий язык. Ненависть к немцам здесь инстинктивна, а радость от французских победных реляций велика. Сегодня всеобщая скорбь из-за Меца. —

Моё самочувствие всё ещё не заслуживает похвалы. Дизентерия надолго портит внутренности. Я по уши в метрических вопросах, зима, вероятно, пройдёт за этим.

Преданно рекомендуя себя Вам
Ваш преданнейший
Фридрих Ницше.

106. An Wilhelmine Oehler in Merseburg

<Basel,> 4 Nov. 1870.

Моя дорогая бабушка

Ты так любезно и щедро поздравила меня с днём рождения, что я очень хотел лично выразить тебе свою благодарность. Но моё время уже истекло; да, ранее составленный план приехать в Мерзебург на твой день рождения не удался в последний момент. Таким образом, мне остаётся только сообщить тебе отсюда в письме о моих благодарных чувствах.

По возвращении в Базель я сразу же обнаружил множество дел, которые накопились за время моего долгого отсутствия и теперь ждали меня. К сожалению, моё здоровье всё ещё не так хорошо, как я хотел бы в преддверии предстоящей напряжённой зимней половины года.

Кажется, что дизентерия надолго истощает тело и нарушает регулярность его функций. В остальном именно сейчас моя потребность в профессиональной деятельности велика, после того как военные события несколько месяцев держали меня вдали от неё. На посещение нашего университета война не оказывает влияния. Мы получили довольно большое количество католиков, которые раньше собирались стать священниками, но теперь, из-за больших разногласий в католической церкви, изменили своё решение и теперь изучают филологию или естественные науки. Также в этот раз у меня есть старый школьный привратник в качестве ученика — я думаю, это первый случай, когда воспитанник привратника едет в Базель, чтобы заниматься там филологическими исследованиями.

Столько о моей жизни. О твоей жизни я слышал почти только хорошее, и мы можем надеяться и желать, чтобы ты с привычной бодростью ещё много счастливых лет прожил.

Сохрани мне верное участие и любовь, которыми ты меня до сих пор отличал и чтил, и будь сердечно приветствован от твоего

благодарного внука
Др Фридрих Ницше
орд. проф. классич. филол.
в Базеле.

107. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)

Basel 7 Nov. 70. <und kurz davor>

Мой дорогой друг,

надеюсь, это письмо застанет тебя в добром здравии и сносном настроении. Откуда оно может взяться, мне почти непостижимо — разве что знать, что такое существование и что оно означает. Когда, как сейчас, раскрываются ужасные основы бытия, когда изливается весь бесконечный богатство страдания, тогда у нас есть право идти сквозь это как знающие. Это дает мужественно смиренное настроение, с ним можно выдержать и не превратиться в соляной столб.

Я с истинным рвением погрузился в науки; теперь снова началась регулярная профессиональная деятельность. Жаль только, что я не здоров.

Но мой организм сильно пострадал от натиска дизентерии и ещё долго не восстановит то, что было у него отнято. Здесь, в Базеле, меня снова приняли с большой добротой. Также из Трибшена пришли хорошие новости. Вагнер и его жена передают тебе лучшие приветы и пожелания. (Ты ведь знаешь, что в августе состоялась свадьба? Я был приглашён в качестве свидетеля, но не смог приехать, так как как раз тогда был во Франции.) Несколько дней назад В. прислал мне замечательную рукопись под названием «Бетховен». Здесь представлена необычайно глубокая философия музыки, строго следующая Шопенгауэру. Это сочинение выходит в честь Бетховена — как высшая честь, которую нация может ему оказать.

Моё письмо, к моему сожалению, пролежало несколько дней. Новый семестр начался, как обычно, с мощного натиска, так что уши и глаза закладывало. В этом семестре я читаю два новых курса: греческую метрику и ритмику (по собственной системе) и Гесиода. Затем семинарские занятия. Затем греческие уроки в педагогиуме, где я разбираю «Орестею» Эсхила. К этому добавляются заседания регентства, факультета и библиотеки, а также множество приглашений на светские мероприятия.

Вчера вечером я получил удовольствие, которое я бы в первую очередь пожелал тебе. Якоб Буркхардт прочитал свободную речь о «исторической величии», причём полностью из нашего круга мыслей и чувств.

Этот пожилой, весьма своеобразный человек, хотя и не склонен к искажениям, но, вероятно, склонен к умалчиванию истины, но во время доверительных прогулок он называет Шопенгауэра «нашим философом». Я слушаю у него еженедельный часовый курс по изучению истории и, кажется, единственный из его 60 слушателей, кто понимает глубокие ходы мысли с их странными преломлениями и изгибами, где дело затрагивает тревожное. Впервые я получаю удовольствие от лекции, но она такова, что, если бы я был старше, я мог бы её читать.

В своей сегодняшней лекции он рассмотрел философию истории Гегеля, вполне достойным юбилея образом.

Этим летом я написал эссе «о дионисийском мировоззрении», которое рассматривает греческую древность с той стороны, где мы, благодаря нашему философу, теперь можем к ней приблизиться. Однако это исследования, которые пока предназначены только для меня. Я не желаю ничего больше, чем чтобы мне оставили время, чтобы как следует созреть и затем создать что-то из полноты.

Перед предстоящим культурным состоянием у меня самые большие опасения. Если бы только нам не пришлось слишком дорого платить за огромные национальные успехи в той области, где я по крайней мере не хочу терпеть никаких потерь.

По секрету: я считаю нынешнюю Пруссию силой, крайне опасной для культуры. Школьное дело я когда-нибудь позже разоблачу публично, а с религиозными интригами, которые сейчас снова идут из Берлина в пользу католической церковной власти, пусть разбирается кто-то другой. — Иногда это очень трудно, но мы должны быть достаточно философами, чтобы в общем опьянении оставаться трезвыми — чтобы вор не пришёл и не украл или не уменьшил то, что для меня не может сравниться даже с величайшими военными подвигами, да и с любыми национальными восстаниями.

Для грядущего культурного периода нужны борцы: ради них мы должны сохраниться. Дорогой друг, с величайшими опасениями я всегда думаю о тебе — пусть гений будущего, в том смысле, в каком мы его надеемся, ведёт и защищает тебя!

Твой верный друг Фр. Ницше

108. An Richard Wagner in Tribschen

Basel 10. Nov. am Luthertage. <1870>

Уважаемый Мастер,

в первом натиске нового семестра, который на этот раз, после моего долгого отсутствия, особенно силен, ничего не могло быть более освежающим, чем получение Вашего «Бетховена». Насколько мне было важно познакомиться с Вашей философией музыки — а это, пожалуй, означает: философией музыки, я мог бы особенно ясно показать Вам в одном эссе, которое я написал для себя этим летом, озаглавленном «Дионисийское мировоззрение». В самом деле, благодаря этому предварительному исследованию я достиг того, что полностью и с глубоким удовольствием понимаю необходимость Ваших доказательств, настолько отдален круг мыслей, настолько удивительно и поражающе все, и особенно исполнение об истинном деле Бетховена. Однако я боюсь, что эстетикам наших дней Вы покажетесь лунатиком, за которым не следует, да и опасно, и, прежде всего, невозможно идти. Даже знатоки философии Шопенгауэра в большинстве своем не смогут перевести глубокую гармонию между Вашими мыслями и мыслями их учителя в понятия и чувства.

Итак, Ваше сочинение, как говорит Аристотель о своих эзотерических трудах, «одновременно опубликовано и не опубликовано». Я хотел бы верить, что следовать за Вами, мыслителем, в этом случае возможно лишь для того, кому «Тристан» открылся в первую очередь.

Поэтому я рассматриваю истинное познание Вашей тональности как драгоценное орденское достояние, которое пока приносит пользу лишь очень немногим. —

В рукописи местами некоторые удвоенные буквы написаны одинарно, например, в «appellieren, Apperception, supplieren», на что следовало бы обратить внимание наборщику. —

[+ + +]

Ваш благодарный и
преданный
Фридрих Ницше

109. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

11 Nov. 70. Basel.

Дорогая мама и сестра,

Но, мои дорогие, почему ни строчки? Или письма потерялись? Я написал сразу, на второй день моего пребывания в Базеле.

Тем временем я снова в полной деятельности. Здоровье всё ещё нестабильное. Как уверяют мои коллеги, требуется много времени, чтобы организм восстановил то, что потерял из-за дизентерии. — Письма я получил: 1) от Клеменса Брокгауза, который очень рекомендует себя вам и говорит с очень одобрительными выражениями о своём визите в Наумбурге. 2) от пастора Клетчке, который сообщает о своей помолвке с Мари Вейлепп. 3) из Трибшена, вместе с большой рукописью, речью Вагнера о Бетховене, 4) от Мозенгеля, совсем как он есть, который приветствует тебя, дорогая Лизбет, 5) от Роде несколько слов, удивление, что я не пишу, 6) от Герсдорфа, у которого всё вполне сносно, 7) от советника Вишера, вместе с 8 бутылками превосходного вина Эрмитаж для укрепления моего здоровья. В воскресенье я был приглашён к обеду к Зиберсам. Они передали вам много приветов, как и Хагенбахи и Вишеры.

На сегодня всё. Теперь ваша очередь. В Наумбурге было совсем приятно.

Ваш Ф.

110. An Erwin Rohde in Hamburg

Basel Mittwoch circa den 27 Nov. <23. November 1870>

Прощение! Мой дорогой друг! Такие годы не скоро повторятся, и поэтому не скоро повторится, что я так долго молчу о себе, как могила. Я еще раз живу — петлям дизентерии и дифтерии я, правда, не избежал, и они меня основательно разорили, но в целом я снова человек среди людей. О своих военных переживаниях я не хочу тебе рассказывать — почему ты их не пережил? Я, кстати, никогда не получал ни строчки из твоих писем, они все «в поле» исчезли! У меня был очень храбрый попутчик, которому я многое о тебе рассказал, в надежде, что он тебя узнает. Постарайся это сделать возможным, ты будешь рад.

Его зовут Мозенгель, он художник и живёт в Гамбурге, на Катариненштрассе, 41. Это один из лучших людей, которых я встречал, и художник-пейзажист, который мне очень нравится. Он много сделал для меня, и недавно ещё ухаживал за мной во время моей болезни.

Теперь я снова в полной активности и читаю два курса, Гесиода и Метрику, а также Академику в семинаре и Агамемнона в педагогиуме. Как у тебя дела? Ты тоже уже под академическим ярмом? Если да — то удачи в весёлой охоте! И в странствиях с фонарём Диогена!

Кратко резюмирую, что со мной произошло много радостного. Во-первых, у Вагнера есть большое эссе о Бетховене, которое содержит философию в духе Шопенгауэра и силы Вагнера.

Он скоро будет напечатан. Фрау Вагнер спросила меня в письме, не находишься ли ты тоже в поле и как у тебя дела. — Вторая радость: Якоб Буркхардт теперь читает еженедельно лекции о изучении истории в духе Шопенгауэра — прекрасный, но редкий рефрен! Я слушаю его. Третья радость: в мой день рождения у меня была лучшая филологическая идея, которую я когда-либо имел — ну, это, конечно, звучит не гордо, и не должно быть! Теперь я работаю над ней. Если ты мне поверишь, то я могу рассказать тебе, что существует новая метрика, которую я открыл, по сравнению с которой всё новое развитие метрики от Г. Германна до Вестфаля или Шмидта — это заблуждение.

Смейся или насмехайся, как хочешь — для меня самого это дело очень удивительно. Есть очень много работы, но я с удовольствием глотаю пыль, потому что на этот раз у меня самая прекрасная уверенность, и я могу придать основной идее все большую глубину. — Летом я написал для себя большое эссе «О дионисийском мировоззрении», чтобы успокоиться во время надвигающейся бури.

Теперь ты знаешь, как у меня дела. Добавь к этому, что я испытываю величайшую тревогу перед надвигающимся будущим (в котором я подозреваю скрытое Средневековье), а также что мое здоровье плохо — кроме тех случаев, когда я получаю письма от друзей или такие прекрасные трактаты, как твой из рейнского музея.Мне приходит на ум, что Вишер был очень заинтересован и выразил тебе большую благодарность.

Ты также так много сделал для моего ἀγών, за что я искренне благодарен. Ричль утверждает, что ты не корректор, я никогда не претендовал на то, чтобы быть им. Так мы хотя бы в равном осуждении. — Постарайся выбраться из этого рокового, враждебного культуре Пруссии! где рабы и попы растут как грибы и скоро своим туманом затемнят всю Германию. — Не так ли, мы понимаем друг друга? Нет? И ты не держишь на меня зла? Боже мой, было бы жаль.

Прощай, дорогой друг
Ф. Н.

Еще хочу передать мой праздничный поздравление с днем рождения, желаю здоровья, профессорского звания и, если угодно, — жены.

111. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)

Basel 12 Dez. <1870>

Мой дорогой друг,

как я могу быть счастлив, если ты пережил ужасные потери последних недель без всякого горя! Нельзя больше думать об этих ужасных вещах, если не хочешь потерять всю свою смелость.

Теперь же я хочу написать тебе в надежде, даже в уверенности, что ты избежал и этих страшных опасностей, храбрый и счастливый, как любимец бога войны — но не любя его снова!

Когда же это письмо достигнет тебя! Возможно, к твоему дню рождения; и если ты в этот раз встретишь его здоровым и невредимым, то сделай, как Поликрат, и принеси жертву демонам!

От меня получи последнюю работу Вагнера о «Бетховене», как символ нашей глубокой общности в стремлениях и мыслях под одним знаменем, под тем же, на которое Вагнер указывает в этой работе как на единственное, ведущее к цели. Я читал её в возвышенном и благоговейном настроении. В ней скрыты глубокие тайны, прекрасные и ужасные, как сама музыка в своих высших проявлениях.

Из Трибшена я посылаю тебе фотографию Вагнера вместе с сердечными приветствиями.

Фрау Вагнер написала мне: «Вот обещанная фотография для философски борющегося; никому бы Вагнер не отправил её охотнее, чем тому, кто, мужественно исполняя свой долг, не пренебрегает размышлениями о сущности вещей».

Теперь ещё кое-что радостное. Ты был так добр, обратить моё внимание из своего военного лагеря на работу, которая гарантирует распространение круга идей Шопенгауэра и во Франции. Недавно я пережил большой триумф, когда в отчётах Венской академии наук нашёл статью проф. Чермака о цветовой теории Шопенгауэра. Тот констатирует, что Ш.самостоятельно и оригинальным путём пришёл к познанию, которое теперь называют теорией цвета Юнга-Гельмгольца: между ней и теорией Шопенгауэра существует удивительное, точное до дробей совпадение. Вся исходная точка, что цвет — это, прежде всего, физиологическое произведение глаза, была впервые изложена Ш. Очень сожалеют, что Ш. не смог освободиться от «научно бессмысленной» теории Гёте и его furor Anti-Newtonianus. Кстати, Чермак (не сторонник нашего философа) называет Шопенгауэра «величайшим философом со времён Канта». И этим мы, пожалуй, должны быть довольны.

Этот трактат и одобрение Вагнера к Шопенгауэру

Учения также в своём роде — вклад в памятник Гегелю. Собственно, полемнческих статей уже почти не требуется. Даже то, что заслуживает упоминания для перелома, что философия бессознательного Гартмана — книга, в которой проблемы, во всяком случае, поставлены в шопенгауэровском смысле — уже переживает второе издание. Дай мне ещё пару лет, и тогда ты почувствуешь и новое влияние на антиковедение, а с ним, надеюсь, и новый дух в научном и этическом воспитании нашей нации.

Но какие враги вырастают теперь на кровавой почве этой войны для нашей веры!Я готов к худшему, но в то же время уверен, что под избытком страданий и ужасов здесь и там расцветает ночной цветок познания. Наша борьба ещё впереди — поэтому мы должны жить! Поэтому я также твёрдо верю, что ты неуязвим; пули, которые должны нас убить, не будут выпущены из ружей и пушек! И с этим прощай! Дорогой друг!

С прежней верностью твой
Фридрих Ницше.

Тем временем я получил твои строки и искренне рад, что моё предположение было верным. Пусть демон дарует дальнейшее счастье! — Отправить тебе «Бетховена» сейчас не позволяет почта. Ты получишь его только в январе.

112. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Montag Vormittag, Basel. <12. Dezember 1870>

Дорогая мать и сестра

большое спасибо за ваши приятные письма. Я был рад, что подождал еще один день, чтобы написать ответ; иначе снова произошло бы пересечение. Также я получил в ваших письмах достаточно разъяснений по существенному вопросу (а именно по поводу Рождества), сколько мне нужно. Я только напоминаю, что в этом году на все отправления уходит очень много времени. Поэтому я потороплюсь и скоро отправлю вам то, что мне, возможно, нужно будет отправить. Герсдорфу я написал сегодня, предполагая, что он получит письмо примерно к Рождеству (если он жив!). Я проведу каникулы в Трибшене, где не поймут, если меня не будет.

Там также готовятся прекрасные музыкальные мероприятия. Вагнер сочинил Трибшенскую симфонию к празднику дня рождения своей жены (в первый праздничный день). У Вагнера недавно вышла его работа о Бетховене. Я отправил её Герсдорфу (в качестве подарка на день рождения, тоже на первый праздничный день). С рождественскими подарками я в затруднении. В. я хочу подарить написанное эссе (ты знаешь его частично, дорогая Лизбет, оно было написано в Мадеранертале). Но для госпожи В. у меня совсем ничего нет. Если у вас есть идеи, напишите мне как можно скорее!

На этой неделе у нас был праздник Бетховена. На последнем заседании академического сената друга Хойслера избрали ректором университета, а меня — секретарём. Новые хлопоты!

Молодой Вишер оставляет свою должность библиотекаря, и Зибер вероятно станет библиотекарем. Фрау Бишофф пригласила меня на Рождество, но я уже обещал быть в Трибшене. В остальном — несколько приглашений: от Вишеров, Гофманов, Герлаха, Бернулли и др.

Со здоровьем дела идут лучше. Но я должен очень беречь горло и ещё несколько раз был намазан Гофманом. Также ношу респиратор и очень ценю это изобретение.

Я всё ещё ем дома. Есть вместе с Хартманом и Швенденером не сложилось — не по моей вине.

Дела много: 6 часов в педагогиуме, 8 в университете. К тому же заседания регентства, факультета, библиотечной комиссии и конференции педагогиума!

К нынешней немецкой завоевательной войне мои симпатии постепенно угасают. Будущее нашей немецкой культуры кажется мне более чем когда-либо под угрозой.

С сердечными приветствиями Ваш
Фриц.

NB. Я уезжаю в пятницу перед праздником в Трибшен.

— Наш философ Тейхмюллер получил приглашение в Дерпт; если бы Венкель написал научную философскую работу, его можно было бы предложить.

113. An Erwin Rohde in Hamburg

<Basel, 15. Dezember 1870>

Мой дорогой друг,

не прошло и минуты с момента прочтения твоего письма, а я уже пишу. Я хотел лишь сказать тебе, что чувствую совершенно так же, как и ты, и считаю позором, если мы не вырвемся из этого томящегося страдания хотя бы одним решительным поступком. Теперь послушай, что я обдумываю в своём сердце. Давай ещё пару лет протянем эту университетскую жизнь, примем её как поучительное несчастье, которое нужно нести серьёзно и с удивлением. Среди прочего, это должно быть временем обучения для преподавания, на которое, как я считаю, моя задача — подготовиться.

Только я поставил перед собой цель немного выше.

В конце концов, я тоже понимаю, что кроется за шопенгауэровским учением о университетской мудрости. Здесь совершенно невозможно истинное бытие. В частности, отсюда не сможет исходить ничего по-настоящему революционного.

Кроме того, мы можем стать настоящими учителями только тогда, когда сами вырвемся из этого духа времени всеми возможными способами и станем не только мудрее, но прежде всего лучше. И здесь я прежде всего чувствую необходимость быть истинным.

И снова я не могу долго выносить воздух академий.

Так что давайте сбросим это ярмо, это для меня совершенно ясно. И затем мы создадим новую греческую академию, Ромундт, безусловно, принадлежит к нам. Ты, вероятно, знаешь из своего визита в Трибшен план Вагнера в Байройте. Я тихо размышлял, не следует ли нам также с нашей стороны порвать с прежней филологией и её образовательной перспективой. Я готовлю большое обращение ко всем ещё не полностью задушенным и поглощённым современностью натурам. Как печально, что я должен писать тебе об этом, и что каждая отдельная мысль не была уже давно обсуждена с тобой!

И поскольку ты не знаешь всего этого существующего механизма, мой план может показаться тебе эксцентричной прихотью. Он не таков, это необходимость.

Недавно вышедшая книга Вагнера о Бетховене может многое намекнуть о том, чего я хочу от будущего. Прочитай её, это откровение духа, в котором мы — мы! — будем жить в будущем.

Даже если у нас будет мало единомышленников, я всё же верю, что мы сможем — хотя и с некоторыми потерями — вырваться из этого потока и достичь маленького острова, где нам больше не придётся затыкать уши воском.

Тогда мы становимся взаимными учителями, наши книги — всего лишь крючки, чтобы снова привлечь кого-то в наше монашеско-художественное братство. Мы живём, работаем, наслаждаемся друг для друга — возможно, это единственный способ, которым мы должны работать на целое.

Чтобы показать тебе, насколько серьёзно я это воспринимаю, я уже начал ограничивать свои потребности, чтобы сохранить небольшой остаток состояния. Также мы хотим попробовать своё «счастье» в лотереях, и если мы пишем книги, то в ближайшее время я требую самых высоких гонораров. Короче, каждое дозволенное средство будет использовано, чтобы поставить нас внешне в положение, позволяющее основать наш монастырь.

— Таким образом, у нас есть наша задача и на ближайшие пару лет.

Пусть этот план, прежде всего, покажется тебе достойным обдумывания! То, что пришло время представить его тебе, подтверждает твое недавно полученное, поистине волнующее письмо.

Не должны ли мы быть в состоянии ввести в мир новую форму академии

„и не должен ли я, жаждущий власти,

„в жизнь ввести единственную форму?“

как говорит Фауст о Елене.

Никто ничего не знает об этом намерении, и теперь от тебя зависит, сообщим ли мы также Ромунду подготовительное уведомление.

Наша философская школа, безусловно, не историческая реминисценция и не произвольная прихоть — не гонит ли нас нужда на этот путь? — Кажется, что наш студенческий план, наше совместное путешествие, возвращаются в новой, символически более значимой форме. Я не хочу быть тем, кто снова, как тогда, подведет тебя; это до сих пор гложет меня.

С наилучшими надеждами твой
верный брат Фридерик.

С 23 декабря по 1 января я буду в Трибшене возле Люцерна. — О Ромунде я ничего не знаю.

113a. An Gustav Schönberg

Basel Freitag. <15. Dezember 1870>

Дорогой друг,

я очень сожалею, что мы с тех пор, как расстались, ещё ни разу не виделись. И сколько всего произошло с тех пор! Я также знаю, что ты пережил что-то особенно болезненное. Ах, кто в этом году не стал в каком-то смысле скорбящим!

Сегодня я пишу, чтобы попросить тебя рассказать мне подробнее о твоём друге и — насколько я знаю или надеюсь — моём единомышленнике г-не Йонасе. Это значит: список того, что он написал, описание его нынешнего положения, возможные учителя или известные философские друзья, к которым можно обратиться за официальной рекомендацией, и, наконец, твоё мнение, стремится ли он вообще к философской кафедре. Вооружившись такими документами, я бы рискнул сделать попытку.

С сердечными пожеланиями твоего благополучия и также для этого нашего общего плана

Твой друг
Фридрих Ницше.

Передай, пожалуйста, мои приветы Биндингсу. Я думаю в одно из первых воскресений нового года навестить моих дорогих фрайбургских друзей.

114. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 17. Dezember 1870>

Прекрасные поздравления с
Рождеством,

в этом году не так много поводов для радости. Давайте будем рады, что он скоро закончится: не поглотив нас самих. В конце концов, это всё ещё лучший подарок, который мы можем себе сделать.

Примите то, что я вам здесь отправляю. Лампа Берцелиуса должна удовлетворить давно ощущаемую потребность, а также напомнить о вашем визите в Базель. Цветные огни и коробка шоколада должны немного скрыть слишком домашний характер этого подарка-лампы. Удастся ли это, я сомневаюсь.

Тебе, дорогая Лизбет, том песен Шумана — их там намного больше, чем ты желала, что, надеюсь, не будет воспринято плохо — обязательные перчатки и шахматная доска. Если ты недовольна, просто скажи, на этот раз я не обижусь.

Voila tout! „Вот и всё“ говорит немец. —

Всеобщее удивление. Ожидали всё же большего. Так грубо ещё ни одно Рождество не обходилось, насмешки и смех сопровождают открытие базельской рождественской коробки.

Я смущённо исчезаю на заднем плане

Ф.Н.

NB. Отправлено в субботу накануне, так что у почты есть неделя времени.

115. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

<Basel, 23. Dezember 1870> Freitag Abend 5 Uhr.

Мои дорогие мать и сестра,

у меня как раз есть свободный часик, чтобы искренне поблагодарить вас: и я надеюсь, что мое благодарственное письмо прибудет в первый праздничный день, чтобы вы хотя бы в этот день получили от меня одно известие. — Чем скуднее оказались мои подарки вам, тем щедрее ваши ко мне — по учению, что один всегда выходит лучше, чем двое. Все, что вы мне посоветовали для умеренного поэтического использования, счастливо попало в мои руки, включая подставку для ампельного растения. Только расческа пока не видна. Ковер доставил мне много радости. Перед кроватью он не очень хорошо смотрелся; он слишком контрастирует с простой спальней.

Теперь его положили в комнату, прямо у двери. Здесь я убрал одну из старых ковровых полос и положил её под письменный стол — где ковёр был необходим для моих ног.

Конечно, новый ковёр затмевает все существующие цвета: ну, время сделает своё дело, чтобы смягчить это великолепие — по принципу

„Соблюдай всегда меру и цель,

ковёр! не блистай слишком сильно!“

Королевские бюсты украшают комнату, хотя эти окровавленные великолепия со временем кажутся мне ужасными. Ну, в гипсе этих господ можно терпеть, в натуре — меньше.

Достаточно того, что их статуи уже сияют рядом с лампой.

Ампель, как вы, вероятно, и представляли, для меня что-то очень приятное, особенно когда в ней сидит живое существо, как ампельное растение, и усердно впитывает плохие испарения комнаты.

Благочестивые пожелания для porte-monnaie так же хороши, как и он сам. Я сразу же пустил его в дело и сегодня уже потратил из него 500 франков (сегодня день расчетов, портной и книжные магазины и т.д. оплачены).

В общем: и все остальное было хорошо выбрано и „luschtig“, как здесь говорят — только отсутствие расчески огорчает меня.

Последнее время было довольно напряженным. Также из-за общения. У меня было два вечера в мужском обществе.

Сегодня вечером я у Геркратса, и Шёнберг приезжает из Фрайбурга.

Завтра едем в Трибшен. Только что получил телеграмму от Вагнера: он приглашает меня на репетицию музыкального представления, которое состоится завтра, сразу после моего прибытия в Люцерн, в отеле «Дю Лак», без ведома фрау Вагнер.

Мои подарки: для Вагнера — давно желаемое им любимое произведение Альбр. Дюрера «Рыцарь, Смерть и Дьявол», которое мне удалось раздобыть благодаря счастливому случаю. Для фрау Вагнер — указанное эссе, которое я сам красиво переписал. Для господина Рихтера — сигарный футляр из зелёного сафьяна. Для детей — разные маленькие игрушки.

Всё это кажется мне очень уместным.Я очень рад предстоящей неделе.

Я снова читаю о новом инциденте в Париже, а именно против Гарден: это снова вызывает беспокойство. Недавно я написал Герсдорфу и приложил фотографию Вагнера вместе с автографом.

Роде сообщил мне о себе самым прекрасным образом: он приват-доцент в Киле и имеет 5 слушателей. (Там, собственно, только 6 филологов)

Теперь желаю вам доброго вечера, еще раз благодарю и с моей стороны тем более, что моя посылка показалась мне слишком убогой. Но ничего не поделаешь. Мы всего лишь профессора, без надежды стать миллионерами, да и без желания.

Из Трибшена я снова напишу вам.

С сердечными приветствиями и
просьбой принять это ваш
Фриц.

116. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg

Freitag, Tribschen im Unheilsjahre 1870. <30. Dezember>

Моя дорогая мать и сестра,

накануне Нового года принимайте мои пожелания, которые на этот раз особенно искренни, потому что все мы, и в тишине, и вслух, опасаемся, что впереди нас ждет еще более тяжелое время, чем настоящее. Последствия войны страшнее, чем сама война со всеми своими ужасными потерями. —

Вчера я получил от тебя, дорогая Лизбет, деньги и письмо, из заключительного замечания я понял, что мой рождественский ящик прибыл в целости.

Здесь мне так хорошо, как только можно было пожелать, и мы отметили очень красивое Рождество. Празднование 25-го как дня рождения госпожи В. было великолепным и заслуживало подробного рассказа.

«Трибшенский идиллион», как называется прекраснейшая симфоническая часть, сочинённая В., принадлежит к самому прекрасному, что только есть. Музыканты, как и мы, были в полном восторге. Возможно, скоро я получу четырёхручное фортепианное переложение: это очень заинтересует Густава Круга.

На Рождество я получил великолепный экземпляр «Бетховена», затем солидное издание всего Монтеня (которого я очень почитаю) и — нечто совершенно уникальное — первый экземпляр фортепианного переложения «Зигфрида», первого акта, только что законченного, в то время как ещё может пройти год, прежде чем это переложение выйдет в свет.

Сегодня от Герсдорфа пришло письмо Вагнеру.

Таким образом, он еще жив.

Перед отъездом я еще вечером был у Геркратса, чтобы украсить рождественскую елку: там также присутствовали Шёнберг и превосходный Овербек.

О замужестве Дорис Брокхаус вы, вероятно, тоже осведомлены. Свадьба 4 января.

В Новый год я снова еду обратно в Базель. Остается еще длинная половина зимнего семестра.

У нас глубокий снег и вокруг Трибшена большая пустошь.

Ну, прощайте, насколько это возможно, и вступайте в новый год с прежними чувствами. Добрая тетя шлет вам сердечный привет. Мне не хватает желания писать ей, да и времени. Я замечаю, что давно уже написал бабушке, а именно в первую неделю, когда я снова жил в Базеле: как и обещал.

Приветствуйте людей, благосклонных ко мне,
и в новом году
часто вспоминайте
вашего
Ф.

NB. вместе с приветом от моих хозяев, которые очень доброжелательно настроены к тебе, дорогая Лизбет.

117. An Friedrich Ritschl in Leipzig

Freitag vor Jahresschluß. <Tribschen, 30. Dezember 1870>

Уважаемый господин тайный советник,

и я желаю выразить Вам накануне Нового года, что всегда храню о Вас благодарную память и не могу быть более рад, чем когда слышу о Вашем бодром здоровье и Вашем расположении ко мне. Пусть новый год даст нам всем более или менее терпимый и сносный ответ на многие вопросительные знаки, к которым нас вынуждает настоящее, пусть, прежде всего, государственное развертывание мощи Германии не будет куплено слишком значительными жертвами культуры! Нечто мы, во всяком случае, потеряем, и, надеюсь, лишь в надежде на более позднее щедрое и многообразное возмещение.

Чтобы сообщить Вам кое-что о моих занятиях — так и я попал в сети ритмики и метрики, признаюсь Вам, кстати, в моем убеждении, что чем больше мы приобрели от современной музыки для понимания метрики, тем дальше мы также отдалились от истинной метрики древности; хотя я и верю, что этот весь процесс от Г. Германа до Г. Шмидта когда-то должен был быть пройден. С Вестфалем я почти во всех существенных пунктах больше не согласен.

Очень рад, что в объявленной книге Брамбаха я найду также Ваши учения (насколько я знаю, во введении); если сам Брамбах написал эту новую книгу в духе своих «Софокловских исследований», то боюсь, что и он заблудился на ложном пути. Здесь необходим полный радикализм, настоящее возвращение к античности, даже с риском, что в важных вопросах мы больше не сможем сочувствовать древним и должны будем в этом признаться. —

О назначении проф. Ланге в Лейпциг я прочитал в эти дни. Я не смог понять механизм этого назначения, потому что с октября ничего не слышал о Лейпциге.В любом случае я чувствую, что Бурсиан не был уволен: возможно, Ланге — результат компромисса. —

Своими базельскими обстоятельствами я доволен. Сейчас освобождается философская кафедра, так как Тейхмюллер призван в Дерпт. Я сейчас читаю Гесиода и метрику, на семинаре — Цицерона "Академика". У нас 12 слушателей. Старый Герлах неистребимой натуры и — во всяком случае, для педагогиума очень хороший учитель. Чего мне здесь не хватает, так это одного: времени.

Я подхожу к концу и повторяю свои пожелания вашего благополучия. Одновременно прошу разрешения выразить вашей супруге мои сердечные поздравления.

В постоянной верности и благодарности
Ваш Фридрих Ницше

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