1870 (64 Briefe)
55. An Kassian Knaus in Basel
Geehrter Herr,
hier folgt das Siegel noch einmal in deutlicherem Abdruck: Sie sehen, dass das Wappen 7 Sterne (das „Siebengestirn“) enthält.
Was die Grösse betrifft, so soll es gerade noch einmal so gross werden als das von Ihnen gezeichnete Wappen.
Mit der Bitte um baldigste
Erledigung dieser Arbeit
Professor Dr Nietzsche
Schützengraben 45.
56. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Hier, liebe Lisbeth, schicke ich Dir die Sachets von Guerlain: ein paar Confetti wußte ich auf keine Weise Dir zu schicken. Zwei Exemplare meines Vortrags habe ich beigelegt, falls Du sie vielleicht verschenken willst. Doch thue dies mit Vorsicht und jedenfalls nicht in meinem Namen.
Vor allem aber gieb Nachricht wegen des 2ten Februar: ich habe gerade sehr viel zu thun. Das Beste ist Du besorgst etwas für mich.
Die allerbesten Grüße!
F.
57. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Lisbeth, besten Dank für Brief und Nachrichten. Inzwischen wirst Du von mir ein Lebenszeichen bekommen haben. Heute lege ich einen Brief der guten Grimmenstein bei, der Euch vielleicht noch mehr erfreut als mich. Die Hauptsache aber ist eine Besprechung wegen des 2ten Febr. Weißt Du, ich kaufe solche Dinge wie Albums so erschrecklich viel theurer als Du z. B. Dazu käme noch der Transport, so daß ich überzeugt bin, für halb so Gutes doppelt so viel zu bezahlen. Übernimm Du also diesen Einkauf, und kaufe nicht unter 4—5 Thaler. Es ist ein Zeichen der Wohlanständigkeit des Hauses, ein ordentliches Album zu haben, jetzt wo jedes Dienstmädchen eins besitzt. Geld von meinen Zinsen wirst Du ja wohl noch haben. Dann lege noch einige kleinere Sachen hinzu, nach Deinem Geschmack und unserer Mutter Wohlgefallen. Mein Brief an sie soll am ersten d. Febr. eintreffen. — Nun wirst Du ja auch „praktisch“ wissen, was Sachets von Guerlain sind. — Viel Glück zu den „philosophischen“ Ballvergnügungen — wär’ nicht meine Passion! brrrr — r!
— Neulich habe ich einen öffentlichen Vortrag gehalten: am 2ten Febr. kommt der zweite. — Ich freue mich auf Ostern, nur daß wir eine ganz verrückte Ferienordnung haben! Es muß Rath geschafft werden! — Es giebt viele Arbeit. Ich gehe damit um, mir einen Hund — dänische Dogge — anzuschaffen. brr — — — — r! usw.
Also es bleibt bei der
Versprechung
F.
58. An Erwin Rohde in Rom
Mein lieber Freund,
neulich überkam mich die Sorge, wie es Dir wohl in Rom ergehen möge, und wie abseits von der Welt und wie verlassen Du vielleicht dort lebst. Es wäre ja selbst möglich, dass Du krank wärest, ohne rechte Pflege und ohne freundschaftliche Unterstützung. Beruhige mich und nimm mir meine pessimistischen Grillen. Mir kommt das Rom des Concils so unheimlich giftig vor — nein ich will nicht mehr schreiben, denn das Briefgeheimniss ist für alle kirchlich-jesuitischen Dinge mir nicht sicher genug: man möchte wittern, was im Briefe stünde und Dir’s entgelten lassen. — Du studirst das Alterthum und lebst das Mittelalter. —
Nun will ich eins Dir recht eindringlich sagen. Denke daran, auf Deiner Rückreise einige Zeit bei mir zu wohnen: weisst Du, es möchte vielleicht für lange Zeit das letzte Mal sein. Ich vermisse Dich ganz unglaublich: mache mir also das Labsal Deiner Gegenwart und sorge dafür dass sie nicht so kurz ist. Das ist mir nämlich doch eine neue Empfindung, auch so gar niemanden an Ort und Stelle zu haben, dem man das Beste und Schwerste des Lebens sagen könnte. Dazu nicht einmal einen wirklich sympathischen Berufsgenossen. Meine Freundschaft bekommt unter so einsiedlerischen Umständen, so jungen und schweren Jahren, wirklich etwas Pathologisches: ich bitte Dich wie ein Kranker bittet: „komm nach Basel!“
Mein wahres und nicht genug zu preisendes Refugium bleibt hier für mich Tribschen bei Luzern: nur dass es doch nur selten aufzusuchen ist. Die Weihnachtsferien habe ich dort verlebt: schönste und erhebendste Erinnerung! Es ist durchaus nöthig dass Du auch in diese Magie eingeweiht wirst. Bist Du erst mein Gast, so reisen wir auch zusammen zu Freund Wagner. Kannst Du mir nichts über Franz Liszt schreiben? Wenn Du vielleicht Deine Rückreise über den Laco di Como machen könntest, so wäre eine schöne Gelegenheit, uns allen eine Freude zu machen. Wir d.h. wir Tribschener haben ein Auge auf eine Villa am See, bei Fiume latte, Namens: ,Villa Capuana‘, zwei Häuser. Kannst Du diese Villa nicht einer Musterung und Kritik unterwerfen?
Von Wackernagels Tod hast Du wohl gelesen. Es ist im Plane, dass Scherer in Wien ihn ersetzen soll. Auch ein neuer Theologe ist im Anzüge, Overbeck aus Jena. Romundt ist Erzieher bei Prof Czermak und wohl situirt, Dank Ritschl. Röscher, der mir über seine wärmste Verehrung für Dich geschrieben hat, ist als „bedeutender“ Pädagog in Bautzen. Bücheier soll nach Bonn gerufen sein. Das rhein. Museum hat jetzt lateinische Lettern. Ich habe einen Vortrag vor gemischtem Publikum gehalten über „das antike Musikdrama“ und halte am 1 Februar einen zweiten über „Socrates und die Tragödie.“ Ich gewinne immer mehr Liebe für das Hellenenthum: man hat kein besseres Mittel sich ihm zu nähern als durch unermüdliche Fortbildung seines eigenen Persönchens. Der Grad, den ich jetzt erreicht habe, ist das allerbeschämendste Eingeständniss meiner Unwissenheit. Die Philologenexistenz in irgend einer kritischen Bestrebung, aber 1000 Meilen abseits vom Griechenthum wird mir immer unmöglicher. Auch zweifle ich, ob ich noch je ein rechter Philologe werden könne: wenn ich es nicht nebenbei, so zufällig erreiche, dann geht es nicht. Das Malheur nämlich ist: ich habe kein Muster und bin in der Gefahr des Narren auf eigne Hand. Mein nächster Plan ist, vier Jahre Culturarbeit an mir, dann eine jahrelange Reise — mit Dir vielleicht. Wir haben wirklich ein recht schweres Leben, die holde Unwissenheit an der Hand von Lehrern und Traditionen war so glücklich-sicher.
Übrigens bist Du klug, wenn Du nicht so eine kleine Universität als Wohnsitz wählst. Man vereinsamt selbst in seiner Wissenschaft. Was gäbe ich darum, wenn wir zusammen leben könnten! Ich verlerne ganz zu sprechen. Das Lästigste aber ist mir, daß ich immer repräsentieren muss, den Lehrer, den Philologen, den Menschen und dass ich mich allen, mit denen ich umgehe, erst beweisen muss. Das aber kann ich so sehr schlecht und verlerne es immer mehr. Ich verstumme oder sage bereits absichtlich nur soviel, wieviel man als höflicher Weltmensch zu sagen pflegt. Kurz ich bin mit mir mehr unzufrieden als mit der Welt und deshalb um so zugethaner dem theuersten.
Mitte Februar. Ich habe jetzt die stärkste Besorgniss, dass mich Deine Briefe und Dich die meinigen nicht erreichen: seit November habe ich nichts gehört. Meine verehrte Freundin Cosima rieth mir, durch ihren Vater (Franz Liszt) mir Auskunft über Dich zu verschaffen. Dies werde ich auch nächstens thun, heute probiere ich es nochmals mit einem Brief. — Über das Concil sind wir gut durch die „römischen“ Briefe in der Augsburger unterrichtet: Kennst Du den Verfasser? Lass es Dir dann ja nicht merken: es wird schrecklich auf ihn gefahndet. — Ich habe hier einen Vortrag über Socrates und die Tragödie gehalten, der Schrecken und Missverständnisse erregt hat. Dagegen hat sich durch ihn das Band mit meinen Tribschener Freunden noch enger geknüpft. Ich werde noch zur wandelnden Hoffnung: auch Richard Wagner hat mir in der rührendsten Weise zu erkennen gegeben, welche Bestimmung er mir vorgezeichnet sieht. Dies ist alles sehr beängstigend. Du weisst wohl, wie sich Ritschl über mich geäussert hat. Doch will ich mich nicht anfechten lassen: litterarischen Ehrgeiz habe ich eigentlich gar nicht, an eine herrschende Schablone mich anzuschliessen brauche ich nicht, weil ich keine glänzenden und berühmten Stellungen erstrebe. Dagegen will ich mich, wenn es Zeit ist, so ernst und freimüthig äussern, wie nur möglich. Wissenschaft Kunst und Philosophie wachsen jetzt so sehr in mir zusammen, dass ich jedenfalls einmal Centauren gebären werde.
Mein alter Kamerad Deussen ist mit Leib und Seele zu Schopenhauer übergegangen, als der letzte und älteste meiner Freunde. Windisch ist auf ein Jahr nach England, im Dienste der East-Indien-Office, um Sanskrithdschr. zu vergleichen. Romundt hat einen Schopenhauer-verein ins Leben gerufen. — Soeben ist eine skandaleuse Schrift gegen Ritschl erschienen (gegen seine Plautuskritik und das auslautende D): von Bergk, zur Schmach des deutschen Gelehrtenthums.
Nochmals schönsten und herzlichsten Gruss. Ich freue mich auf das Frühjahr, weil es Dich durch Basel führt: nur theile mir mit, wann das geschieht: in den Osterferien bin ich mit den Meinigen am Genfersee.
Lebwohl! Lebwohl!
59. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Hier, liebe Geburtstägerin und Mutter ein sehr schnell zu schreibender Geburtstagsbrief! Denn das Handwerk drängt, die Schule; noch mehr aber ein öffentlicher Vortrag, der heute Abend zu halten ist und mit dem ich noch sehr im Rückstande bin. Dies thut nun aber der Herzlichkeit meiner Wünsche keinen Eintrag: und morgen will ich, auf unsre altgewohnte Weise, den Tag selbst feiern, indem ich mir eine Hyacynthe kommen lasse — nicht wahr, so heißt doch Deine Geburtstagsblume? Ich bin mit der Botanik in der „Bredouille“ (sächsisches Französisch) Dann werde ich mir Pfannkuchen kommen lassen (auch habe ich einen Bäcker entdeckt, den einzigen in Basel, der Weihnachtsstollen zu backen versteht) Und Mittags werde ich zwei Gläser auf den Tisch stellen und durch gegenseitiges Zusammenstoßen einen großen Geburtstagslärm machen. Dies meine projektirte Feierlichkeit, in Begleitung der allerschönsten Wünsche für Dein und Deiner Kinder Wohl.
(1ter Kanonenschuß! Bum!)
Zu erzählen habe ich wenig. Die Einladungen nach Weihnachten sind recht häufig und ich nehme sie mit Pflichtbewußtsein an, um hier meinen guten Willen kundzugeben
Sonntag haben wir bei Direktor Gerkrath Geburtstag gefeiert. Von Tribschen bekomme ich immer die rührendsten Aufmerksamkeiten: an allen Tagen, wo ich etwas Besonderes vor habe, ist auch gewiß ein Brief da: es sind die besten Menschen von der Welt.
Windisch hat bestimmte Aussicht im Auftrag der East-Indien-Office (Verzeih dies jedenfalls scheußliche Englisch!) ein Jahr in London zuzubringen (mit c. 1600 Thaler) um Sanskrithandschr. zu catalogisiren. Deussen schrieb mir heute einen langen Brief: er hat sich vollständig zum Schopenhauer bekehrt und lobt meinen Homer-aufsatz überschwänglich, was Lisbeth mehr freuen wird als mich.
Meine Zeit ist vorbei: lösen wir schnell noch zweimal als alter Artillerist das Geschütz
Bum!
Bum!
rufen hurrah! und empfehlen
uns glückwünschend
Fr.
60. An Paul Deussen in Minden
Mein lieber Freund,
es ist unglaublich, wie verschiedenartig Dein letzter Brief aussah, gegen alle Deine frühere Brieflitteratur gehalten. Jetzt endlich ist eine lang andauernde Entfremdung zwischen uns gewichen, nachdem wir nun Beide dieselbe Sprache reden und nicht mehr bei denselben Worten Verschiedenes empfinden. Vielleicht wäre Dir der etwas mühsame und nicht ganz ebene und direkte Weg zu dem jetzigen Höhegrad Deiner Bildung erspart gewesen und durch einen natürlicheren und gelinderen Pfad ersetzt worden, wenn wir immer zusammen geblieben wären. Wenigstens bist Du von allen meinen Freunden der letzte, der den Weg zur Weisheit gefunden hat. Jetzt endlich habe ich auch für Dich noch die besten Hoffnungen: viele Nebel werden vor Deinen Augen sinken. Freilich wirst Du Dich dann einsamer fühlen als je: wie es mir ergeht. Auch sind viele glänzende und in die Augen fallende Stellungen im Leben uns nicht mehr erreichbar, dafür auch nicht mehr erstrebenswerth. Die geistige Einsiedelei und gelegentlich ein Gespräch mit Gleichgesinnten sind unser Loos: wir brauchen mehr als andre Wesen die Tröstungen der Kunst. Auch wollen wir niemanden bekehren, weil wir die Kluft empfinden als eine von der Natur gesetzte. Mitleid wird uns eine wahrhaft vertraute Empfindung. Wir verstummen mehr und mehr — es giebt Tage und sehr viele, an denen ich nur im Dienste des Amtes rede, sonst nicht. Freilich habe ich das unschätzbare Glück, den wahren Geistesbruder Schopenhauers, der sich zu ihm wie Schiller zu Kant verhält, als wirklichen Freund zu besitzen, einen Genius, der dasselbe furchtbar erhabene Loos empfangen hat, ein Jahrhundert früher zu kommen als er verstanden werden kann.. Ich sehe deshalb tiefer in die Abgründe jener idealistischen Weltanschauung: auch merke ich, wie mein philosophisches moralisches und wissenschaftliches Streben einem Ziele zustrebt und daß ich — vielleicht der erste aller Philologen — zu einer Ganzheit werde. Wie wunderbar neu und verwandelt sieht mir die Geschichte aus, vornehmlich das Hellenenthum! Ich möchte Dir bald einmal meine zuletzt gehaltenen Vorträge schicken, von denen der letzte (Socrates und die Tragödie) hier wie eine Kette von Paradoxien aufgefaßt worden ist und zum Theil Haß und Wuth erregt hat. Es muß Anstoß kommen. Ich habe bereits das Rücksichtnehmen in der Hauptsache verlernt: dem einzelnen Menschen gegenüber seien wir mitleidig und nachgebend, im Aussprechen unsrer Weltanschauung starr wie die alte Römertugend.
Nun wirst Du mir wohl öfter schreiben: denn Dir selbst muß eine Sehnsucht kommen, Dein Neu-Erlebtes jemandem auszuschütten. Auch wirst Du schwerlich einen finden, der so viele Bekehrungen erlebt und das begeisterte Neophytenthum so oft an anderen geliebt hat.
Treulichst
F W Nietzsche
61. An Paul Deussen in Minden
Mein lieber Freund,
ich habe ganz vergessen, auf Deinen letzten Brief zu antworten: um so mehr hat er mich beschäftigt und jedenfalls war die Absicht, Dir die schönsten und besten Dinge zu schreiben, öfters bei mir sehr stark vorhanden. Denn jetzt bist Du einer der Unsrigen geworden, ja ich würde wagen, Dich im persönlichsten Sinne als den „Meinen“ zu bezeichnen, wenn nicht jenes von Dir angedeutete „Gebilde“ (aus Himmels Höhen oder Elberfelds Tiefen?) Einspruch erhoben hätte — oder erheben würde. Denn noch weiß ich nichts Genaueres: doch hoffe ich eins ganz bestimmt, daß ich bald über jenes noch ganz neutrale Wesen „das Gebilde“, so ins Klare gesetzt werde, wie es für Dich ein Genuß sein muß. Denn irgend jemandem wirst Du doch wohl Dich etwas ausschütten wollen: und ich bin in der Übung, erotische Briefe (von verliebten, sich aussprechen wollenden Freunden nämlich) zu empfangen. Daß hier die Philosophie nichts mitzureden hat, billige ich vollkommen: um so mehr aber die wahre Theilnahme der Freunde und die eigne Klugheit.
Inzwischen ist mir eingefallen, daß ich neulich doch wohl schon an Dich geschrieben habe: wie dem nun sei, ich erinnere mich nicht, mit Dir schon über „das Gebilde“ gesprochen zu haben.
Es ist traurig, aber für die unsäglich dürftige deutsche Geselligkeit charakteristisch, daß Du Vergnügen am Umgange mit Schauspielern hast. Mir ist es auch so gegangen. Der Heiligenschein der freien Kunst fällt auch auf ihre unwürdigsten Diener. Im Übrigen idealisiren wir diese Schicht der Gesellschaft: und mitunter redet auch der kleine Dämon mit, dem Sophokles sich mit Wonne entflohen fühlte. Im Allgemeinen kann der ernstere Mensch sicher sein, in diesen Kreisen ausgenützt und ausgelacht zu werden. Doch merkt man dies sehr spät, und deshalb ist es ein hübscher Zeitvertreib. Mir ist dies Wesen augenblicklich fatal.
Wie erträgst Du die Einsamkeit? — Das Leben hat mit der Philosophie ganz und gar nichts zu thun: aber man wird wahrscheinlich die Philosophie wählen und Heben, die uns unsre Natur am meisten erklärt. Eine Umwandelung des Wesens durch Erkenntniß ist der gemeine Irrthum des Rationalismus, mit Sokrates an der Spitze.
Leb wohl lieber Freund und schreibe Dich einmal aus. Warum machst Du immer so schöne Perioden und Worte? Wir verstehen uns besser ohne jenen umhüllenden und verhüllenden Mantel der Rhetorik.
Der von Dir empfohlene Herr Reinhard ist ein angenehmer und verständiger Mensch, bis jetzt noch Theolog. Man sagt mir, daß er Kant liest, ja er fragte mich, ob er Schopenhauer lesen sollte. Doch habe ich ihm zunächst abgerathen. Ich bin vorsichtig.
In alter Treue und
Freundschaft
Dein
FN.
62. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Dieser Brief ist nur für Dich
Liebe Lisbeth,
Ich theile Dir folgendes unter höchster Diskretion mit.
Oskar in Halle bittet mich soeben brieflich darum, ihm auf ein Jahr 200 Thaler (pro 5) zu leihen und ich beeile mich, da er das Geld, wie es scheint bald braucht, Dir meine Einwilligung kundzuthun. Die Hauptsache ist, daß kein Mensch, auch unsre Mutter nicht, eine Silbe davon erfährt (wegen der lästigen Familiengeschwätzigkeit und überhaupt!) Bitte, richte die Sache so geschickt wie nur möglich ein und besorge sie sogleich. Ich werde heute Oskar schreiben, daß Du die einzige Mitwisserin bist und ihm übermorgen das Geld schicken wirst. Wohnung: Halle Steinweg Nr. 24. Schreibe kein Wort dazu: es ist so anständiger. Aber hebe die Postanweisung auf.
Auch danke ich Dir schönstens für die Geburtstagsbesorgungen. Auch habe ich mit Staunen von Deinen Ballerfolgen gehört: es war doch besser, daß Du den Winter nicht in Basel zugebracht hast. Es ist übrigens schrecklich winterlich: ich komme soeben aus der Tribschener Einsamkeit zurück, ganz eingewickelt in Wagnersche Tücher und Decken. Unsere Freundschaft ist größer denn je. — Von Rohde habe ich gar keine Nachricht und seit lange nicht: was mir in der unheimlichen Athmosphaere von Rom sehr bedenklich ist: daß seine Briefe, weil sie Nachrichten vom Concil enthielten, unterschlagen sind, ist meine geringste Sorge. Ich will morgen an Franz Liszt schreiben, daß er mir über ihn Nachricht geben soll.
Sehr in Eile, aber deshalb
doch mit Herzlichkeit
Dein Bruder.
Schönste Grüße an die mittelalterliche (44?) Mutter.
63. An Oscar Oehler in Halle
Lieber Oskar,
das ist ja sehr schön, dass der rekommandirte Brief nichts Unangenehmes enthält, wie ich zuerst befürchtete: noch schöner, dass ich endlich einmal in der Lage bin, Dir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen. Nur in einer Beziehung musst Du mich entschuldigen: da ich nämlich hier am Ort mein Geld nicht habe, so musste ich die Sache meiner Kassenverwalterin kundthun, die übrigens die verschwiegenste Person von der Welt sein kann: meine Schwester. Diese wird Dir so schleunig als möglich die Summe zuschicken.
Gern hätte ich aus Deinem Briefe noch etwas über Dein Befinden, Deine Absichten usw. gehört. Ich denke noch mit Vergnügen an unsre Zusammenkünfte in Wittekind: obwohl für mich eine grosse Kluft zwischen damals und jetzt liegt. Es scheint mein Loos zu sein, etwas schnell zu leben. Was macht das „edle“ Ross, welches ich damals ritt? Und der tüchtige Arzt Volkmann, den ich seit der Zeit einmal wieder getroffen habe, ohne ihn anzureden, weil er phantastisch-geschmacklos wie ein theatralischer Jude gekleidet war. Und was ist aus dem freundlichen Herrn Volk geworden? Und aus der üppigen, doch etwas verkommenen Kefersteinschen Familie, mit der ich so schöne Ananasbowlen geschlürft habe?
Doch um meinen Brief nicht zum Fragezeichen zu machen, setze ich einen Punkt unter die ganze Geschichte, nachdem ich Dich bestens gegrüsst habe
als treuer und
— in unserm Falle — verschwiegener
Neffe
F Nietzsche Dr.
64. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Zuerst, liebe Lisbeth, schönen Dank in der Oskarschen Angelegenheit. Auch ich habe keine Zeile Antwort von ihm. — Heute zweierlei: habt Ihr noch eine Photographie von mir? Man sammelt für ein Koberstein-album. Schicke doch eine Photographie und 2 Thaler in meinem Namen ab: die Addr. freilich suche doch von Volkmann zu erfahren: es ist ein Herr in Berlin, der an der Spitze des Comités steht. Wenn Du die Addr. weißt, so lege doch einen Briefbogen bei und schreibe darauf: | Dr. Friedrich Wilhelm Nietzsche, Professor der klassischen Philologie in Basel (Schulpförtner von Michael. 1858 bis Mich. 1864) | Dies aber muß bald geschehen Schließlich noch eine Geldangelegenheit. Ich will hier einen größeren Transport Bücher kaufen zum Werthe von ungefähr 70 (siebenzig) Thaler. Dazu mußt Du mir einen Staatsschuldschein einwechseln: zahle ihn dann auf der Post ein, in Franken und auf meine Addresse und thue dies doch sobald als möglich. Entschuldige daß ich Dir wiederholt solche Unbequemlichkeiten mache. Schönen Dank für Deinen letzten Brief mit den Ballherrlichkeiten. Hier ist Fastnacht: d. h. man trommelt von früh um 4 an. Von Rohde Brief.
Treulichst dein
Bruder
65. An Carl von Gersdorff in Berlin
Mein lieber Freund,
längst hätte ich Dir geschrieben, wenn ich nicht in einem wunderlichen Glauben gelebt hätte: nämlich Deine Addresse, ja Deinen Wohnort nicht zu kennen. Ich bildete mir ein, daß Dein neuer juristischer Beruf in alle Verhältnisse eine Veränderung gebracht habe, und war schon im Begriff, mich an das Berliner Kobersteincomité zu wenden und um Auskunft über Dich zu bitten. So ist es denn gekommen, daß Du mir zwei Briefe hintereinander geschrieben hast: und beide haben auf mich einen starken Eindruck gemacht und den sehnlichen Wunsch erweckt, Dich einmal wieder zu sehen. Was denkst Du über eine Schweizerreise in diesem Sommer, etwa im Monat Juli?
Daß wir nun auch über Richard Wagner einig sind, ist mir ein überaus schätzenswerther Beweis unseres Zusammengehörens. Denn es ist nicht leicht und erfordert einen tüchtigen Mannesmuth, um hier nicht bei dem fürchterlichen Geschrei irre zu werden. Auch trifft man mitunter sehr wackere und intelligente Leute in der Gegenpartei. Schopenhauer muß uns über diesen Konflikt theoretisch hinweg heben: wie es Wagner praktisch, als Künstler, thut. Zweierlei halte ich mir immer vor: der unglaubliche Ernst und die deutsche Vertiefung in der Welt- und Kunstanschauung Wagners, wie sie aus jedem Tone quillt, ist den meisten Menschen unsrer „Jetztzeit“ ein Greuel, wie Schopenhauer’s Askesis und Verneinung des Willens. Unsern „Juden“ — und Du weißt, wie weit der Begriff reicht — ist vornehmlich verhaßt die idealistische Art Wagners, in der er mit Schiller am stärksten verwandt ist: dies glühende hochherzige Kämpfen, auf das der „Tag der Edlen“ endlich komme, kurz das Ritterliche, was unserm plebejisch politischen Tageslärm möglichst widerstrebend ist. Schließlich finde ich auch bei vortrefflichen Naturen oftmals eine Anschauung der Indolenz, als ob eine eigne Bemühung, ein ernstes eingehendes Studium, um einen solchen Künstler und solche Kunstwerke zu verstehn, gar nicht nöthig sei. Wie habe ich mich gefreut, daß Du „Oper und Drama“ so angelegentlich studirst! Ich habe es sogleich meinen Tribschener Freunden berichtet. Überhaupt sind ihnen meine Freunde keine Fremdlinge: und wenn Du etwa nach der ersten Meistersinger-aufführung einen ausführlichen Brief an R. W. schreiben willst, so wird dies große Freude erregen und man wird bereits des Genauem wissen, wer der Schreiber des Briefes ist. Auch versteht es sich, daß wir, wenn Du mich einmal besuchst, nach Tribschen reisen. Es ist eine unendliche Bereicherung des Lebens, einen solchen Genius wirklich nahe kennen zu lernen. Für mich knüpft sich alles Beste und Schönste an die Namen Schopenhauer und Wagner, und ich bin stolz und glücklich, hierin mit meinen nächsten Freunden gleichgestimmt zu sein. — Kennst Du schon „Kunst und Politik“? Auch kündige ich Dir das Erscheinen einer kleinen Schrift von R. W. an „über das Dirigieren“ die am besten mit dem „Philosophieprofessoren“-aufsatz Sch.’s zu vergleichen ist.
Sehr betrübt hat mich das Schicksal Deines guten Bruders. Wir haben in Leipzig, auch nach Deinem Fortgange, uns nicht selten getroffen, und ich habe ihn immer geschätzt. Hoffentlich wird hier noch alles gut werden. So elend ist aber unser Leben: von allen Seiten gähnt das Verderbliche und Schreckliche. Es gehört viel dazu, sich einen muthigen Sinn zu bewahren. — Ach und wie sehr braucht man das Bewußtsein wahrer Freunde! Die Einsamkeit ist mitunter gar zu trostlos. Treulich Dein F. N.
Addr. an R. W: Hr Richard Wagner in
Tribschen
bei
Luzern.
66. An Carl von Gersdorff in Berlin
Mein lieber Freund,
in aller Eile ein paar Worte, noch dazu erfreulicher Art!
Es wird Dir gewiß Vergnügen machen, von Richard Wagner selbst zur ersten Meistersingeraufführung eingeladen zu sein. Der Meister hat dem Kapellmeister Eckert (Schönebergerufer) geschrieben, er möge für Dich in seinem Namen einen Platz reservieren, für den Tag der ersten Aufführung. Also bitte, mache dem Herrn Eckert einen Besuch und hole Dir Dein Billet.
Die ganze Sache geht von R.W. und Frau von Bülow aus: Du siehst, wie man meine Freunde kennt und ehrt. Von Herzen
Dein Fr.
Nietzsche.
67. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Schönsten Gruß zuvor!
An der Universität habe ich gestern das Semester geschlossen: wobei mir zum Bewußtsein kam, daß ich nun bereits ein Jahr lang in dieser Thätigkeit bin. Auch waren neulich meine sämmtlichen Zuhörer bei mir zu Gaste; es machte sich ganz heiter, und die Bewirthung (in 5 Gängen) war recht stattlich. — Die nächste Zeit soll nun dem Osterprogramm gewidmet sein — und dem Pädagogium. Abfassung des Programms und der Druck soll noch vor Eurer Ankunft in Ordnung sein. — Unser Wetter ist noch ganz winterlich: es schneit wieder, alles ist weiß. Ein solcher Winter ist etwas ganz Unerhörtes hier in Basel: auch habe ich in Norddeutschland nie einen ähnlichen erlebt. Ich bin, wie es bei dem ewigen Temperaturwechsel natürlich ist, nicht recht gesund gewesen: auch Zahnschmerzen belästigten oft. Alles harrt sehr auf den Frühling. Und wir — als Reisegefährten — harren ganz besonders.
Ich erkundige mich hier nach guten Pensionen am Genfersee: im Ganzen werden sie sehr gerühmt, nur solle man nicht die zu kleinen wählen. Wenn Ihr herkommt, könnt Ihr vielleicht doch in meinem Hause wohnen: was natürlich für uns viel bequemer wäre. Es kommt nämlich darauf an, ob und auf wie lange der eine Herr verreist. — Bei Haverkamp bitte ich noch um eine Bestellung und Ihr bringt mir die Sachen dann mit. Nämlich Rock und Weste, von dunklerem Stoff (nicht schwarz, nicht grün, aber vielleicht braun); er wird ja mein Maß noch haben. Hier kann ich nicht ohne Schaden arbeiten lassen: ein Überzieher, den ich mir habe machen lassen, mißfällt mir sehr. Die Weste fast gar nicht ausgeschnitten: alles möglichst „nobel“ wie der Berliner sagt. Denn es soll ein Gesellschaftsrock sein. —
Von Gersdorff, der in Berlin als Referendar arbeitet, habe ich Nachricht: sein einziger Bruder, der Ostrichen als Pächter übernommen hatte, zeigte alsbald Spuren voller körperlicher und geistiger Verstimmung und mußte in eine süddeutsche Irrenanstalt gebracht werden. Dies ist jetzt das große Leidwesen der Familie. Auf diese Weise ist nun doch unser Gersdorff noch zum Majoratsherr geworden. — Er hat sich in Berlin sehr für Wagner begeistert: und dies hatte ich kaum nach Tribschen gelegentlich gemeldet, als mir mitgetheilt wurde, daß R.W. Gersdorff zur ersten Meistersingerauff. in Berlin eingeladen habe: womit ihm einer der Ehrenplätze reserviert ist.
D. Romundt hat sein Staatsexamen glücklich gemacht und ist jetzt Erzieher des jungen Czermack. Windisch, wie ich Euch schrieb, geht auf ein Jahr nach London — oder ist schon fort.
Meine beiden Vorträge „über die griechische Tragödie“ haben lebhaftes Interesse erregt; jetzt wandern sie wieder im Manuscr. überall herum.
Der index ist seit ein paar Monaten in Bonn, soll aber erst nach Ostern gedruckt werden.
Zum Schluß danke ich Euch bestens für Briefe und Besorgungen; ich habe die Franken richtig ausgezahlt bekommen. Von Oskar hätte ich ein paar Zeilen erwartet: indessen nothwendig war’s nicht.
Mit der Hoffnung auf recht ausführliche Nachrichten
Euer Fr.
68. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester und lieber Herr Geheimrath,
natürlich dürfen Sie auf mich rechnen. Eine solche Unternehmung war ja schon längst der geheime Wunsch aller braven Leipziger Commilitonen; allmählich aber scheint sie mir nothwendig geworden zu sein. Daß Sie mich aber der Ehre einer ersten Position würdigen, nehme ich mir wohl zu Herzen.
Augenblicklich habe ich das Programm des hiesigen Pädagogiums zu schreiben: was mich jedoch nicht zu lange beanspruchen darf. Für die Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis mache ich Ihnen nun folgenden Vorschlag:
Eine ganze Kette von Untersuchungen über Homer und Hesiod im gegenseitigen Verhältniß, angeknüpft an die kleine sogenannte Schrift ,certamen Hesiodi et Homeri‘ ist hinreichend vorbereitet und ausgedacht, um endlich niedergeschrieben werden zu können. Mein Plan war es, bis zum Herbst ein Büchlein von 12—14 Bogen über diese Materie fertig zu machen. Dies gebe ich nun mit Vergnügen auf und bestimme den ersten Theil sofort für die ,meletemata‘. Dieser Theil giebt eine neue Ausgabe (auf c. 12 Seiten) des certamen, die erste handschriftliche seit Henricus Stephanus (bei der auch wirklich etwas herauskommt), dann Untersuchungen über die Quellen der Schrift: zusammen vielleicht 3 Bogen oder mehr. Sind Sie damit zufrieden?
Sie erlauben mir doch, auch meinen Freund und Ihren treuen Schüler E. Rohde zu dem Unternehmen einzuladen? Wenn es sein muß, so bringe ich ihn noch zu einem Beitrag zum ersten Heft.
Mich freut es übrigens, wieder einmal eine Nöthigung zum Lateinschreiben zu haben, um durch Übung meinen bald fadenscheinigen bald fetten, immer ungesunden Stil etwas zu bessern. Auch habe ich vor, meine Laertiana buchmäßig zusammen zu schreiben.
Ich bin jetzt im Ganzen recht hoffnungsschwanger in Betreff meiner Philologie. Natürlich nicht jener genannten kleinen Arbeiten wegen, sondern weil ich überall in Grundanschauungen usw ein Wachsen spüre, das mir eine gute Frucht verkündet. Nur muß ich mir zu einer Hauptleistung Zeit lassen.
Jetzt habe ich nun ein Jahr im akademischen Berufe ausgehalten. Es geht, es geht! Doch nimmt das Pädagogium viel Zeit und Energie weg. Im Herbst komme ich zu Ihnen nach Leipzig (auch darf ich vielleicht einen Vortrag halten?) — Ihnen und Ihren verehrten Angehörigen die
schönsten
Grüße von Fried. Nietzsche
69. An Erwin Rohde in Rom
Zuerst, liebster Freund, ein schrecklicher Argwohn! Ich habe in diesem Winter 3 Briefe nach Rom und neuerdings einen nach Florenz geschickt (poste restante den letzteren: ein Dämon rieth mir, den ἀγὼν nicht beizulegen) Aber die ungöttliche Komödie in Rom scheint den Briefverkehr in ganz Italien unsicher zu machen; und ich schreibe deshalb auch heute schüchtern wie ein junges Mädchen. Alles hoffe ich bei unserem Wiedersehen in Basel Dir zu erzählen, was ich jenen Briefen anvertraut hatte. — Heute nimm meinen herzlichsten Dank für Deinen liebereichen Brief; was thut mir eine solche Stimme wohl, hier, wo ich das einsame Spazierengehen bis zur Virtuosität treibe. Ich erwarte Dich also in der ersten Woche des Mai; unser Semester fängt mit dem 3t.d.M. an. Du mußt aber eine Zeitlang bei mir wohnen. Das wird Dir nicht geschenkt, bevor uns das Schicksal wieder wie die beiden Beine des rhodischen Kolosses auseinanderreißt und Dich nach Kiel setzt, mich in Basel zurückbleiben läßt.
Jetzt kommt ein Vorschlag von mir und Ritschl, allerneuesten Datums. Du kennst die „grammatischen Studien“, die Curtius herausgiebt: R. schreibt mir heute sehr ausführlich, welche Nachtheile dieses Institut mit sich bringt. Curtius sagt jedem jungen Doktoranden: „Wenn Sie etwas Grammatisches schreiben wollen, so sollen Sie den Druck umsonst haben.“ Zuerst kam der locus de dialectis, jetzt ist der de praepositionum in l<inguae> g<raecae> usu an der Tagesordnung usw. Alle Folgerungen wirst Du selbst ziehen. R. will jetzt (auf Teubner’s Vorschlag) ,Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis‘ herausgeben und bittet mich um einen größeren Aufsatz für das erste Heft. Ich habe ihm quasi versprochen, von Dir auch etwas Derartiges herauszulocken. Der dritte im Bunde ist Andresen (mit einem Theile seiner Emend. des Dialogus), dann Stürenburg mit Lucretianis. Kurz, wenn wir nur wollen, so ist der Anfang ganz schicklich gemacht. Ich fühle persönlich die allerstärkste Verpflichtung und habe — ob es mich gleich augenblicklich etwas derangirt — unbedingt und sofort zugesagt. Das erste Heft muß von uns Beiträge haben; sonst will R. die ganze Sache fahren lassen. Das scheint mir der Hintergrund zu sein. Du weißt, wie neugierig, auch mißgünstig von vielen Seiten so ein erstes Heft angesehn wird. Also muß es gut sein. Ich habe mir gelobt, dem Unternehmen treu zur Seite zu stehen. — Gieb mir eine Antwort. — Du weißt doch, daß Bücheler nach Bonn, Studemund nach Greifswald versetzt ist? Ist Dein Vorsatz in Betreff Kiel’s so sicher? Warum nicht Leipzig? Fürchte Dich nur nicht vor einer zu langen Carriere des priv. docens. Ich bin noch gar nicht sicher, daß Du überhaupt in sie hinein kommst. Denke Dir, nun habe ich bereits ein ganzes Jahr in der akadem. Thätigkeit überwunden. Sehr hat mir die Nähe meiner Tribschener geholfen: die Weihnachtsferien dort verlebt, eine Zusammenkunft alle 2 bis 3 Wochen, fortwährender Briefverkehr — das hat mich erstaunlich erquickt. Wenn Du zu mir kommst, wirst Du die neueste Broschüre von R.W. lesen, auch reisen wir zusammen nach Tribschen. Die Villa am Comersee heißt villa Capuana in der Nähe nördlich von Fiume latte, dicht am See, mit 2 Häusern. — 2 Vorträge, die ich hier gehalten habe (1 über das griechische Musikdrama 2 über Socrates und die Tragödie) sind für manche sehr anstößig gewesen. Du bekommst sie auch, ebenso wie die gedruckte Antrittsvorlesung. — Ich habe jetzt die besten Hoffnungen für meine Philologie: nur muß ich viele Jahre Zeit mir lassen. Ich nähere mich einer Gesammtanschauung des griechischen Alterthums, Schritt für Schritt und zaghafterstaunt. — Windisch ist nach England auf ein Jahr, im Dienste der East-Indien-Office. Romundt hat glücklich das Staatsexamen gemacht und ist Hauslehrer bei Prof. Czermak in Leipzig. Im April reise ich mit Mutter und Schwester an den Genfersee und wohne vom 15—30 April in einer villa bei Montreux. Leb wohl! Glückliches Wiedersehn!
Dein treuer Freund F. N.
70. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Nun will ich Euch endlich genauere Nachricht wegen der Osterferien geben. Ich hätte es eher thun mögen, war aber die letzte Zeit, bei dem starken Wechsel der Witterung, unwohl und habe an der Grippe laborirt. — Die Hauptsache ist nun, daß wir die kurze Ferienzeit zusammen nehmen und sie wirklich am Genfersee und nicht anderwärts zubringen. Das heißt, wir reisen am grünen Donnerstag (am ersten Ferientag) von Basel ab. Dann können wir 16 Tage am See bleiben. Mit Anfang Mai muß ich wieder zurück, zum Anfang des Sommersemesters. — Die Tage vor dem grünen Donnerstag sind für mich sehr arbeitsam: Examina, Versetzungs- und Abiturientenprüfungen usw., dann habe ich das Programm für Ostern zu schreiben. Wenn ich alles recht überlege, so scheint es mir wünschenswerth, ja nöthig, daß Ihr am Montag Abend, spätestens am Dienstag Abend (vor dem grünen Donnerstag) in Basel eintrefft: jedenfalls nicht erst am Mittwoch. — Nehmt Euch zur Herreise ordentlich Zeit und berathschlagt mit Hülfe des neuesten Coursbuchs und des Bädekers (für Süddeutschland), wie Ihr bequem und genußreich von Naumburg bis Basel reist. Keinesfalls mit Nachtfahrten: was in dieser Jahreszeit sehr bedenklich und gefährlich ist. Also etwa
Sonnabend: Abreise von Naumburg 7 Uhr, 29 Min.
Vormitt. bis Frankfurt (Abends 8 Uhr)
Palmsonntag Frankfurt bis Heidelberg.
Montag Heidelberg bis Basel (Schnellzug) Ankunft Abends um 7.
Dienstag
Mittwoch
}
Basel.
Donnerstag Abreise usw.
Charfreitag usw.
Was Hotels betrifft, so wählen einzelne Frauen immer die besten, also die, welche bei Bädeker zuerst genannt sind. In Heidelberg müßt Ihr etwas Zeit haben: denn es ist sehr schön. — Übrigens ist die Reise, wie ich sie angedeutet habe, sehr angreifend.
Wenn Ihr die Reise etwas studirt habt, (mit Karte, Bädeker und Coursbuch) dann werdet Ihr nach allen möglichen Einzelheiten zu fragen haben: und ich erwarte daher recht eingehende Briefe. Leider ist in meinem Hause kein leeres Zimmer.
Den Baedeker der Schweiz besitze ich. Doch muß ich schließen: gebt bald ausführliche Nachricht und denkt in der Hoffnung des Wiedersehens an Euren
F.
71. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Ein Wörtchen!
Ich bin heute hier zum Professor ordinarius ernannt worden. Dies zur Verbreitung für meine Freunde.
Also Mittwoch Abends um 7 Uhr am Badischen Bahnhofe Wiedersehen!
Euer Fr.
72. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
seit Ihrem letzten Briefe lebe ich in steter Unruhe und gönne mir keine Musse mehr. Vernehmen Sie, in welcher Constellation ich lebe. Das Pädagogiumsprogramm ist gestern glücklich fertig geworden und ich bin sofort zur neuen Arbeit übergegangen. Aber auf wie lange! Denken Sie dass nächste Woche meine Angehörigen kommen und dass wir zusammen an den Genfersee reisen. Bis dahin giebt es noch die Nöthe der Examina und Versetzungscommissionen. Mit andern Worten: ich weiss gar nicht mehr, wie fertig werden und wenn Sie mir zurufen „periculum in mora!“ so muss ich zurückrufen „mora in periculo“ was hier einmal ausnahmsweise soviel bedeuten soll „meine Erholungszeit geht zum Teufel!“ Denn Sie kennen das Loos von Arbeiten, die man mit in die Pensionswirthschaften in schönen Gegenden nimmt. Gesetzt sie werden fertig — so ärgert man sich hinterdrein, sowohl die Arbeit als die Ferien verpfuscht zu haben.
Schliesslich gebietet doch, soviel ich sehe, nichts anders diese grausame Eile als Freund Jungmann’s Situation. Hören Sie nun meinen Einfall. Geben Sie seine Arbeit sofort zu Teubner in Druck und lassen Sie gefälligst Teubner sagen, er möge die Rechnung später an mich gelangen lassen. Ich mache mir dies Vergnügen — mit Vergnügen. Nur darf Fr. Jungmann gar nichts davon erfahren; und mein Name muss gar nicht genannt werden. Vielleicht darf ich Sie um eine wohlgemeinte Lüge ersuchen und verspreche meinerseits, die Last dieser Sünde tragen zu wollen.
Ich sehe nämlich nicht ein, warum Jungmanns Dissertation sofort in das erste Heft der Meletemata kommen müsste.
Wenn nun dieser Grund zur höchsten Eile wegfällt, so bleiben gewiss noch, wie ich gar nicht unterschätze, auch noch andre Gründe, die Meletemata möglichst bald von Stapel laufen zu lassen. Ist es Ihnen denn zu spät, wenn ich das Manuscript druckfertig in der zweiten Hälfte des Mai sende? Nämlich es liegt mir etwas an dieser Arbeit und ich möchte sie nicht in zu grosser Bedrängtheit nieder schreiben: ich habe für den ganzen Stoff ein stilles tendre, wie Sie (und ich) für Freiburg.
Die Jungmann-frage betrachte ich als beantwortet.
Heute hat man mich auch zum Ordinarius gemacht.
Ihrer Frau Gemahlin sagen Sie doch, dass sie mir ja nicht böse sein soll. Man habe mitunter, ja gewöhnlich zum Besten keine Zeit, eben weil es das Beste ist.
Eiligst
Ihr getreuer
Friedr Nietzsche
73. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Verehrtester Herr College.
zwei Mit<t>heilungen und dies eiligst, für das C<entral> B<latt>.
Erstens ist heute die Berufung von Moritz Heyne seitens des Rathes bestätigt.
Zweitens hat man mich zum Ordinarius gemacht.
Schliesslich lässt sich Rathsherr Vischer wärmstens Ihnen empfehlen: er ist ganz glücklich über Ihren Brief und versichert, noch niemals ein so werthvolles und eingehendes Zeugniss über Jemanden empfangen zu haben.
Ich sende Ihnen die besten Wünsche und Grüsse
als
Ihr ergebendster
Friedr Nietzsche.
74. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
auch so bin ich zufrieden.
Dies ist die eine Zeile, die Sie verlangen.
Hier ist alles blau blau blau warm warm warm, von früh bis Abends. Tinte und Feder aber versagen den Dienst. Ich habe schon oft gewünscht, dass Sie hier sein möchten, hier wo es nur eine Pflicht giebt, wie ein Murmelthier in der Sonne zu liegen.
Faul, aber treugesinnt
Friedr Nietzsche.
Pension Ketterer au Basset (Clarens)
Die Meinigen grüssen schönstens.
75. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
ich antworte Ihnen bereits wieder aus Basel; die Meinigen habe ich am Genfersee zurückgelassen. Es war nämlich nöthig zurückzukehren, weil der Druck meines Programms (für das Pädagogium) ins Stocken gerieth und weil die Universität dem alten Gerlach zu Ehren etwas veranstalten wollte. Gestern habe ich im Auftrage des Senats an jenen eine lateinische Adresse gemacht. Es war nicht leicht. —
Der Titel dürfte vielleicht so lauten: Certamen quod dicitur Hesiodi et Homeri e codice Florentino post Henricum Stephanum denuo edidit Fridericus N.— Wenn Sie aber ändern wollen, so ist Ihnen im Voraus dafür gedankt. Rohde den ich für Ihr Unternehmen zu gewinnen suchte, sagt mir brieflich aus Venedig seine Betheiligung zu (um, wie er sich ausdrückt, „R. als Lehrer und Philolog, hämischen Anfällen gegenüber, meinen Verehrungszoll darzubringen.“) Er verspricht die Publikation einer von ihm in einem römischen cod. gefundenen kleinen Sammlung von Paradoxa, die wahrscheinlich dem Isigonus zuzuschreiben sind. Eine kleine gedrängte Vorrede und dann der Text, zu dem nichts zu thun ist als, wo sie vorhanden sind, die Parallelstellen hinzu zu setzen. — Er spricht davon, Ende Mai nach Basel zu kommen. Seine ,Paradoxa‘ bezeichnet er „noch reichlich so gut als die meisten Anecdota neuesten Datums.“
Teubner kann auch diesen Beitrag sofort ankündigen; damit hätte ja das erste Heft, zusammen mit Andresens coniectanea, gewiß den nöthigen Umfang.
Mit herzlichem Gruß Ihr
getreuer Nietzsche
76. An Erwin Rohde in Venedig
Theuerster Freund, wie dankbar bin ich Dir, daß Du mir auf meine im Grunde unbescheidne Anfrage einen so erwünschten Bescheid giebst. Dein Anecdoton ist unter allen Umständen für das erste Heft ein Köder und eine Lockstimme; denn wenn das neue Unternehmen auch solche Dinge bringt, so ist ja der buchhändlerische Erfolg gesichert. Ich denke mir, daß jenes erste Heft Deine und meine Beiträge und einen Theil der vortrefflichen Andresenschen coniectanea (zum dialogus) enthalten wird. Ich habe versprochen das Ms. in der zweiten Hälfte des Mai einzusenden, habe übrigens noch gar kein lateinisches Wort niedergeschrieben, da ich viel beschäftigt war. Erstens hatte ich das Programm für das Pädagogium zu schreiben übernehmen müssen (handelt über Laertius; Du bekommst es, ebenso die im letzten Heft des rhein. Mus. gedruckten Analecta Laertiana und meine gedruckte Antrittsrede) Sodann war ich eine Woche lang mit den Meinigen am Genfersee, mit südlichen Vorempfindungen und vielem Gedenken an Dich. In den letzten Tagen quälte mich der akademische Senat noch mit dem Auftrag, eine lateinische Adresse an den alten Gerlach abzufassen, der sein 50jähriges Lehrerjubiläum feiert. Auch dies sonderbare Aktenstück bekommst Du, wenn Du mich besuchst.
Nicht wahr, es sind merkwürdige Leimruthen, die ich Dir, dem aus dem Süden nach Norden flatternden Vogel, stelle, um Dich hier fest zu halten?
Einige statistische Neuigkeiten: M.Heyne ist an Wackernagels Stelle hierher berufen, Studemund nach Greifswald, Leskien nach Leipzig. Auch will ich nicht vergessen, daß man mich im vorigen Monat zum ordentlichen P. gemacht hat. „Und ein Jahr hat er’s getragen!“ Es ist mir ganz erstaunlich. Diesen Sommer lese ich zwei Interpretatoria, Oedipus rex und Hesiod’s Erga, dazu im Seminar Cicero’s Academika. Unser Philologenbestand hat eine gewisse Höhe erreicht, die hier sehr anerkannt wird, 14 Mann! Welche Misère!
Nun habe ich auch die erste Klasse des Pädagogiums zur Universität befördert. Die guten Jungen zeigen sich recht dankbar und hatten sich wirklich an mich angeschlossen. Auch habe ich ihnen Einiges mehr gesagt, als man sonst auf Schulen zu hören bekommt. Im Grunde hat man in einer sympathischen Klasse mehr Wohlgefühl als auf der kühlen Höhe des akademischen Katheders. Drei von den 12 Schülern wollen Philologie studieren — Du kannst mir aber glauben, daß ich mich von der Sünde frei fühle, jemanden hierzu verführt zu haben.
Wenn ich jetzt noch einige kleine Abhandlungelchen fertig habe (über alte Materien) will ich mich zu einem Buche sammeln, zu dem mir immer neue Einfälle kommen. Ich fürchte daß es keinen philologischen Eindruck machen wird; aber wer kann wider seine Natur? Es beginnt nun für mich die Periode des Anstoßes, nachdem ich eine Zeit lang leidliches Wohlgefallen erregt habe, weil ich die alten wohlbekannten Pantoffeln an hatte. Thema und Titel des Zukunft-buches: „Socrates und der Instinct.“
In dieser Woche habe ich dreimal die Matthäuspassion des göttlichen Bach gehört, jedesmal mit demselben Gefühl der unermeßlichen Verwunderung. Wer das Christenthum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium; es ist dies die Musik der Verneinung des Willens, ohne die Erinnerung an die Askesis.
Im Sommer feiern wir das Beethoven-Jubiläum: unter anderem durch Aufführung der missa sollennis. Auch hat man mich angegangen, die Festrede zu halten. — Wenn Du zu mir kommst, lernst Du auch die neueste Schrift R. W. kennen: „über das Dirigiren“ eine ausführliche Kritik unserer jetzigen Kapellmeister und die allerschönsten Bemerkungen aus seiner Dirigentenpraxis. Mir sagte dieser Tage Kirchner, einer der besten Schüler Schumanns, er habe nie und nirgends gute Aufführungen erlebt als unter Wagner. Also liebster Freund, auf Wiedersehen!! Aber vorher schickst Du noch die Paradoxa? Oder bringst Du sie mit?
Dein getreuer Freund.
77. An Erwin Rohde in Venedig
Mein lieber Freund, es ist ja zum Verzweifeln, was ich Dir für Nöthe mache, zusammen mit den pestilentiarischen Postanstalten Italiens. Mein Brief an Dich ist wieder einmal verloren gegangen — oder viel zu spät in Deine Hände gelangt. Frage nur noch einmal — in ersterem Falle — in der libreria Münster nach, vielleicht ist er bloß verlegt oder verwechselt. Ich wiederhole also meinen wärmsten Dank für Deine Bereitwilligkeit auch in Ritschl’s Namen, der eine große Freude daran hat. Nach seinem Arrangement soll Dein Paradoxen-beitrag (mit lateinischer Einleitung) das zweite Heft der Acta societatis L. beginnen, nach der Theorie der „fetten Bissen“; denn für dies Unternehmen ist jedes Anecdoton ein fetter Bissen. Das zweite Heft soll sofort im Anschluß an das erste gedruckt werden. Ich habe für das erste meinen Beitrag bis zur zweiten Hälfte des Mai versprochen. Du hast also vollständig Zeit; wenn Du mir aber die Paradoxa bald zuschicken willst, um damit fertig zu sein, so bin ich Dir im Voraus recht dankbar.
Für mich giebt es jetzt heillos viel zu thun, da ich für dies Semester eine Vertretung des Hr Mähly am Pädagogium übernommen habe. 4 Stunden Lateinisch und 2 Stunden griechisch: so daß ich jetzt wöchentlich gegen 20 Stunden habe — ich armer Schulmeisteresel!
Verzeihe mir die Kürze dieses Briefes: nur noch eins. Es hat mich gerührt, daß Du noch an das Dürersche Blatt gedacht hast. Willst Du die Copie für mich erwerben? Ich bitte Dich darum. Doch möchte ich sie dann bald zugeschickt erhalten, da es ein Geburtstagsgeschenk sein soll.
Ich hoffe sehr auf Deine Gegenwart
Adieu theuerster Freund!
FN.
78. An Wilhelm Brambach in Freiburg (Fragment)
Werthester Herr College,
Ich bedanke mich zunächst bestens für Ihre letzte musikalisch-metrische Zusendung. Sie gefiel mir so gut und schien mir so beifallswürdig, daß ich sie sofort weiter adressirt habe, nämlich an Richard Wagner, der sich gern über die neuesten Standpunkte griechischer Metrik unterrichten möchte. Manches habe ich ihm schon erzählt, aber nie ist es mir gelungen, die Sachlage so durchsichtig darzustellen, wie es in Ihren „Streifzügen“ geschehen ist.
Anbei bekommen Sie mein Programm und als Einlage und Curiosität — eine von mir abgefasste Adresse auf Gerlach. Es war ein peinliches Stück Arbeit.
Schönstens dankend und
grüssend
Fr. Nietzsche.
79. An Richard Wagner in Tribschen
Pater Seraphice,
wie es mir voriges Jahr nicht beschieden war, Augenzeuge Ihrer Geburtstagsfeier zu sein, so hält mich auch jetzt wieder eine ungünstige Constellation davon ab; die Feder drängt sich mir heute widerwillig in die Hand, während ich gehofft hatte eine Maienfahrt zu Ihnen machen zu können.
Gestatten Sie mir, dass ich den Kreis meiner Wünsche heute so eng und persönlich wie nur möglich fasse. Andere mögen im Namen der heiligen Kunst, im Namen der schönsten deutschen Hoffnungen, im Namen Ihrer eigensten Wünsche ihre Gratulationen zu bringen wagen; mir genüge der subjectiveste aller Wünsche: mögen Sie mir bleiben, was Sie mir im letzten Jahre gewesen sind, mein Mystagog in den Geheimlehren der Kunst und des Lebens. Mag ich auch zeitweilig durch die grauen Nebel der Philologie hindurch Ihnen etwas entfernt erscheinen, ich bin es nie, meine Gedanken sind immer um Sie herum. Wenn es wahr ist, was Sie einmal — zu meinem Stolze — geschrieben haben, dass die Musik mich dirigiere, so sind Sie jedenfalls der Dirigent dieser meiner Musik; und Sie haben es mir selbst gesagt, dass auch etwas Mittelmässiges, gut dirigirt, einen befriedigenden Eindruck machen könne. In diesem Sinne bringe ich den seltensten aller Wünsche: es mag so bleiben, der Augenblick verharre: er ist so schön! Ich verlange nur dies vom nächsten Jahre, dass ich mich selbst Ihrer unschätzbaren Theilnahme und Ihres tapferen Zuspruchs nicht unwürdig erweisen möge. Nehmen Sie diesen Wunsch mit unter die Wünsche auf, mit denen Sie das neue Jahr beginnen!
Einer „der seligen Knaben.“
80. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
besten Dank für jenen neulichen Wink; es war eine gar zu dumme Dummheit. Ein Karton ist gedruckt; die Herstellung der Stelle ist sehr leicht.
Mein certamen bekommen Sie definitiv in nächster Woche. Diese leider nur zu nothwendige Verzögerung drückt mich sehr, da ich’s anders versprochen habe. Doch wer konnte als ich das Versprechen gab, voraussehen, wie schwer mir dies Sommersemester gemacht werden sollte! Ich hätte billiger Weise Ihnen keine Zeile versprechen dürfen. Inzwischen habe ich durch plötzlichen Dispens J. Mähly’s am Pädagogium 6 Stunden mehr und in summa wöchentlich 20 Stunden. Das giebt, bei lauter neuen Vorlesungen, eine totale Aufzehrung aller disponiblen Kräfte; wer jetzt in meiner Nähe wohnt, wird beurtheilen können, daß die kleine Gabe, die ich für Ihre acta bestimmt habe, mir ungewöhnlich schwer gefallen ist.
Nun bitte ich Sie sehr darum, folgender Combination Ihren Beifall zu zollen. Obwohl Teubner schon den Inhalt des ersten Heftes angekündigt hat, möchte ich aus dringenden Motiven folgende Anordnung vorschlagen
1)
E. Rohde Paradoxa (c. 16 Druckseiten)
Certamen (c. 25 Druckseiten)
Jungmann
Andresen
Machen Sie mir die Concession, mit meinem Freunde R. zusammen das Heft eröffnen zu dürfen.
Dafür biete ich Ihnen Ersatz für das zweite Heft: auf mein Anfragen hat Dr. Wilhelm Roscher in Bautzen sofort einen Beitrag versprochen; und das Manuscript (eine decas von griech. Conjecturen) wird in 3 Wochen bei Ihnen sein. Damit habe ich doch nichts Unerwünschtes angezettelt? —
Es ist so ein freundlicher und dienstbereiter Mensch, unser Röscher.
Über das Programm hat Zeller in Heidelberg sehr angenehm an mich geschrieben. Gedruckt ist abscheulich inkorrekt; dafür hat einer meiner Studenten die Correktur besorgt. Schlecht genug. —
Also
Rohde Andresen und ich
In einem Heft — sonst nich-t
nämlich
sonst bleibt es beim Alten: was nicht wünscht
Ihr ergebenster
F Nietzsche
R. hat auch ein Fragment des Splenius zugleich edirt.
81. An Cosima von Bülow in Tribschen
Verehrteste Frau Baronin,
wir haben Ihnen zwei herrliche Tage zu danken, ich sogar im Grunde vier, weil ich alles was meinen Freund Rohde berührt mitempfinde und somit diesmal doppelt geniessen konnte. R. der am Tage darauf von Basel abreiste, gestand mir den Höhepunct seiner ganzen fünfzehnmonatlichen Reise ins „Blaue“ in Tribschen erlebt zu haben; er hat eine Verehrung und Bewunderung der ganzen gesammten dortigen Existenz mit davon getragen, die durchaus etwas Religiöses hat. Ich verstehe, wie die Athener ihrem Aeschylus und Sophocles Opferstätten errichten konnten, wie sie dem Sophocles den Heroennamen „Dexion“ gaben, weil er die Götter in seinem Hause aufgenommen und bewirthet habe. Dies Dasein der Götter im Hause des Genius erweckt jene religiöse Stimmung, von der ich berichtete. —
Hier sind die beiden Aufsätze, recht spät: aber der Abschreiber hat etwas gebummelt und der Buchbinder sich nicht beeilt. —
Meine Arbeitsnoth ist noch etwas gesteigert worden. Wenn nur meine Wünsche in Erfüllung gehen, und ich meinen Freund Rohde als Collegen in die Nähe bekomme (nach Freiburg) —
In Sachen Baireuths habe ich mir überlegt, dass es für mich das Beste sein dürfte, wenn ich auf ein Paar Jahre meine Professoren-thätigkeit einstelle und auch mit ins Fichtelgebirge wallfahre. Das sind so Hoffnungen, denen ich mich gern hingebe. —
Über Fidi habe ich mich sehr gefreut: es war das erste Mal, dass ich ihn in der rechten Umgebung und Beleuchtung der freien Natur sah, und wie gesund und hoffnungsreich erschien er mir da!
— — Ich muss schnell schliessen: man kommt, wohl irgend ein „Scholar.“
In treulichem Gedenken
Ihr ergebenster
F. N.
82. An Carl von Gersdorff in Berlin
Theurer Freund,
ich rechne auf Deine Freundschaft: wenn ich auf die nicht rechnen könnte, so wüsste ich mich bei meinem langen brieflichen Stillschweigen gar nicht zu entschuldigen.
Ich habe dies Semester in übermässiger Weise arbeiten müssen; wöchentlich 20 Stunden Collegien und Schulstunden, das giebt eine alltägliche grosse Erschöpfung: man wird müde und nachlässig gegen sich — und seine Freunde.
Seit anderthalb Wochen liege ich zu Bett, mit einem verrenkten Fusse; das Schreiben wird mir schwer, und Du wirst es verzeihen müssen, dass auch heute mein Brief kurz ausfällt.
Besten Dank für Deine Mittheilungen aus Berlin. Es gehört eine grosse Festigkeit des Besserwissens dazu, um in einem solchen Sturme der Meinungen, wie sie Wagnersche Werke erregen, nicht irre zu werden. Das „Besserwissen“ aber ist nichts Leichtes, das Einem in den Schoos fällt, vielmehr das Product eines energischen Kampfes gegen die Zeitverflachung und einer immer ernsteren Vertiefung in die Kunstwelt der wirklich Grossen, deren Zahl gewiss nicht Legion ist. Wenn wir mehr zusammen lebten, könnte Dir vielleicht manche peinliche und qualvolle Zwischenstufe des Erkennens erspart bleiben.
Eine Photographie W’s wird Dir zugeschickt, sobald wieder neue Bilder in W’s Besitz sind.
Hr. Wieseke sage einstweilen meinen schönsten Dank; diese Aufmerksamkeit gegen einen so entfernten Gesinnungsgenossen hat etwas Ergreifendes.
In diesem Sommer also werden wir uns sehen? Ich bin vom 15ten August bis 25 September in Basel. Vorher, vom 15 Juli— 15 August bin ich verreist, noch weiss ich nicht genau, wohin; doch sollst Du es jedenfalls erfahren. Vielleicht hätten wir in den Alpen uns eine gemeinsame Zufluchtsstätte aussuchen können: doch bin ich jetzt, meines Beines wegen, ein schlechter Reisegefährte und wage nicht Dir einen Vorschlag dieser Art zu machen.
Dass ich „ordentlicher“ Professor seit März bin, habe ich Dir doch wohl geschrieben.
Also alter lieber Freund!
Auf Wiedersehen!
In Treue
Friedr Nietzsche
83. An Paul Deussen in Minden
Lieber Freund,
nicht zürnen! Ich schreibe sehr spät und auch heute nur wenig. Ja ich schreibe nur, um geschrieben zu haben. Denn es greift mich an, und etwas Wesentliches Dir zu melden wüßte ich nicht.
Ich liege nämlich schon ziemlich zwei Wochen zu Bett in Folge einer Fuß Verrenkung.
Wenn wir nun wieder einmal zusammen treffen, wie wird’s da werden? Verstehen wir uns noch? Vielleicht erst jetzt? Wer weiß?
Mein Freund Rohde, der nach 15 monatlichem Aufenthalt in Italien mich 14 Tage in Basel besuchte, hat in glänzender Weise die Freundschaftsprobe der Entfernung (c. 3 Jahre) bestanden.
Hierzu hilft selbst ein so zauberkräftiger Name wie der Schopenhauers nicht: es kommt darauf an, eins oder wenigstens einmüthig zu sein. Ob jeder dieselbe Formel findet sich auszudrücken, ist nicht das Wichtigste.
Wir glauben uns durch Aufnehmen eines großen Genius zu erweitern. In Wahrheit verengern wir den Genius, daß er in uns hinein kann.
In allen ernsthaften Dingen ist jeder Mensch sein eigen μέτρον. Was ist Freundschaft? Zwei Menschen und ein μέτρον.
Willst Du mich nicht einmal besuchen?
Treugesinnt Dein alter
Freund
Fr. N.
(Daß ich seit März Ordinarius bin, hast Du wohl gelesen?)
84. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
so will ich denn nur fortschicken, was ich habe, nichts mehr und nichts weniger als die editio des Certamen (etwa 25 Druckseiten)
Es war wirklich ein arg gequältes halbes Jahr, zuletzt noch mit wahrhaft tropischem und wochenlang gleichmässigem Sonnenbrande. Dazu musste ich 2 Wochen zu Bette liegen und bin jetzt an meinem linken Fusse noch etwas leidend.
In diesen Tagen bekommt Klette einen Aufsatz von mir, den ersten, der sich mit dem Certamen befasst
Ihre Frau Gemahlin hat mir für übermorgen ihre Ankunft angekündigt: wie freue ich mich, sie in der Schweiz begrüssen zu können.
Mein mir ganz unschätzbarer Freund Rohde hat mich in Basel auf einige Zeit besucht: inzwischen wird er wohl auch bei Ihnen gewesen sein. Er will die erste Correctur des Ἀγών übernehmen; haben Sie seine Hamburger Adresse?
Und nun verzeihen Sie, dass ich schon wieder verstumme: unsere Stimmung ist nachgerade eine ganz unmögliche.
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche.
85. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Hier, verehrtester Herr College, haben Sie wenigstens eine Anzeige für das C<entral> B<latt>. Niemals war ich so beschäftigt wie in diesem Halbjahr (wöchentlich 20 Stunden); entschuldigen Sie also, wenn ich diesmal sehr spät antworte.
Sollte es nöthig sein, den Ton der Schlußbemerkung der Recension etwas zu ermäßigen — was ich nicht glaube — so steht dies natürlich bei Ihnen. Wer ist denn nur dieser unglaubliche Schwätzer in philosophisch klingen sollendem Jargon Byk?
— Ich denke immer an Sie mit den herzlichsten Wünschen als Ihr
ergebenster
Friedr Nietzsche.
86. An Erwin Rohde in Hamburg
Endlich, liebster Freund, komme ich auch wieder zu Wort. Denke Dir, daß ich inzwischen einige Wochen zu Bett gelegen habe, einer Fußverrenkung wegen, offenbar weil ich dem Asclepios keinen Hahn geopfert habe, sondern die „Hahnen“ (denke an Köbi!) immer selbst auffresse (denke an Goethe).
Nach diesen gelehrten Citaten fühle ich mich bewogen, eine Stelle aus einem der letzten Bülow-briefe wörtlich zu citieren. „Uns sind diese Tage in sehr guter Erinnerung geblieben; der Meister hat an Ihrem Freund grosses Wohlgefallen, sein männlicher Ernst, seine bedeutende Theilnahme, und die wirkliche Freundlichkeit, die seine strengen Züge bisweilen durchleuchtete, war ihm durchaus sympathisch. Wird er nach Freiburg befördert, so kommen Sie immer zu Zweien auf Tribschen, denn „zwei einig geht der Mensch zu best“ sagt unsre Auctorität.“
Hier ein furchtbarer Donnerschlag: der französisch-deutsche Krieg ist erklärt, und unsre ganze fadenscheinige Kultur stürzt dem entsetzlichsten Dämon an die Brust. Was werden wir erleben! Freund, liebster Freund, wir sahen uns noch einmal in der Abendröthe des Friedens. Wie danke ich Dir! Wird Dir das Dasein jetzt unerträglich, so komme wieder zu mir zurück. Was sind alle unsre Ziele!
Wir können bereits am Anfang vom Ende sein! Welche Wüstenei! Wir werden wieder Klöster brauchen. Und wir werden die ersten fratres sein.
Der treue Schweizer.
87. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
Nun noch einige Worte von mir, geehrteste, uns zugehörige Mutter! Alle unsre schönen Anlagen und Auflagen im Gesicht usw. scheinen nun jetzt wieder zum + zu gehen! Bei Dir durch unablässiges Plagen und Schaffen, bei mir durch die schreckliche Noth, in die uns der heutige Tag mit seiner französischen Kriegserklärung gestürzt hat.
Nun habe ich noch die Sorge, Lisbeth wieder glücklich in Deine Arme zu befördern.
Wir haben so heiter noch in der Abendröthe des Friedens gelebt. Nun bricht das gräßlichste Ungewitter aus.
(Endlich auch bin ich betrübten Muthes, Schweizer zu sein! Es gilt unsrer Kultur! Und da giebt es kein Opfer, das groß genug wäre! Dieser fluchwürdige französische Tiger!)
Lebt recht wohl: Das Wort hat jetzt mehr Sinn, da alles alles zweifelhaft wird. Sage der lieben Tante meine wärmsten Wünsche. Dir selbst schönsten Dank für Deine Schweizer Reise! Es hat Dir doch gefallen? Nicht? —
F.
88. An Sophie Ritschl in Rigi-Scheideck
Verehrteste Frau Geheimräthin,
Sehr spät und auf Umwegen — weil ich inzwischen abgereist war — kam Ihr freundlicher Brief in meine Hände, zugleich mit einigen Zeilen Ihres Herrn Gemahls, datiert vom Sonntag Abend, der nach schleunigen Nachrichten über Sie verlangt und an mich und Vischer gleichzeitig Briefe abgesendet hat. — Telegraphische Privatdepeschen werden in Leipzig nicht mehr expediert. Eine Notiz, die wahrscheinlich für Sie berechnet ist: „Löffler, jetzt Director, ist mit seiner vor 10 Tagen angetrauten jungen Frau nothgedrungen hier liegen geblieben, statt nach Würtemberg und der Schweiz zu reisen“. Ich wenigstens weiss nicht, wer Löffler ist.
Meine tägliche Sorge ist nun, wie ich meine Schwester glücklich wieder in ihre Heimath expediere; dabei habe ich mich gefragt, ob Sie nicht vielleicht, unter dem Druck der entsetzlichsten Atmosphaere, Ihre Rückreise beschleunigen. In diesem Falle wäre meiner Schwester, die inzwischen hier mit mir lebt, eine kleine Notiz sehr erwünscht.
Hier bin ich, vom Standpuncte meines Fusses aus, sehr zufriedengestellt. Doch wage ich mich einstweilen noch nicht auf die Höhen; falls Sie aber noch etwas länger bleiben, so möchte ich wagen, Ihnen einen Besuch in diesem unvergleichlichen Theile des Vierwaldstätter-Seegebiets zu proponieren. Warm ist es freilich: aber vielleicht sehnen Sie Sich in Ihren Höhen etwas nach Wärme, was weiss ich. Wie empfehlenswerth unser Hôtel ist, das zeigt die Thatsache, dass es hier immer gleichmässig voll bleibt (110—120 Personen), trotz der beängstigenden Situation, die ja schlimmer gar nicht gedacht werden kann.
Welche beschämende Empfindung, jetzt ruhig bleiben zu müssen, jetzt, wo sogar für meine feldartilleristischen Studien die geeignetste Zeit gekommen wäre!
Mein Trost ist, dass für die neue Culturperiode doch wenigstens Einige der alten Elemente übrigbleiben müssen: und wie weit, durch einen solchen nationalen Erbitterungskrieg, selbst die Traditionen der Kultur vernichtet werden können, das kann man aus traurigen Analogien der Geschichte sich vergegenwärtigen.
Für schlimme Fälle habe ich mir natürlich noch einen kräftigen Entschluss vorbehalten.
Denken Sie, dass die Kieler Studenten einmüthig unter die Waffen treten! —
Also auf Wiedersehen? Meine Schwester macht Ihnen und Ihrer Fräulein Tochter ihre Empfehlung.
Ihr ergebener Friedrich
Nietzsche.
89. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Verehrtester Herr Rathsherr,
in der gegenwärtigen Lage Deutschlands darf Ihnen mein Entschluss nicht unerwartet sein, dass auch ich meinen Pflichten gegen das Vaterland zu genügen suche. In dieser Absicht wende ich mich an Sie, um mir — durch Ihre Fürsprache bei dem wohllöbl. Erziehungscollegium — Urlaub für den letzten Theil des Sommersemesters zu erbitten. Mein Befinden ist jetzt derart gekräftigt, dass ich ohne jede Bedenklichkeit als Soldat oder als Krankenpfleger mich nützlich machen kann. Dass ich aber auch das geringe Scherflein meiner persönlichen Leistungsfähigkeit in den Opferkasten des Vaterlandes werfen muss, das wird niemand so natürlich und billigenswerth finden als gerade eine schweizerische Erziehungsbehörde. Wenn ich auch mir wohl bewusst bin, welcher Kreis von Pflichten in Basel von mir auszufüllen ist, so könnte ich mich — bei dem ungeheuren Rufe Deutschlands, dass Jeder seine deutsche Pflicht thue — doch nur mit peinlichem Zwange und ohne wirklichen Nutzen in ihrem Banne festhalten lassen.
So viel ich vor drei Wochen gehört habe, ist Herr Mähly im Stande und gern bereit, seine Stunden im Pädagogium wieder zu übernehmen, und vielleicht wird Herr Hagenbach oder Herr Geizer bestimmt werden können, in diesem ausserordentlichen Falle den griechischen Unterricht der dritten Klasse in diesem Semester zu Ende zu führen; jedenfalls werde ich persönlich, falls Sie mir die Erlaubniss dazu geben, diese Herren um Unterstützung bitten.
Ich komme sofort nach Basel, um die Entscheidung einer wohllöbl. Erziehungsbehörde zu vernehmen und noch einige Anordnungen zu treffen. Bis dahin empfehle ich mich Ihrer Gewogenheit, die mir hoffentlich auch in diesem Falle zur Seite stehen wird.
Mit ehrerbietigem Grusse
Ihr
ergebenster
Dr. Friedr Nietzsche
Prof. o. p.
90. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Verehrtester Herr Rathsherr,
ich möchte gern Ihnen und den hochgeachteten Mitgliedern des Erziehungscollegiums noch schriftlich meinen Dank für die rasche und wohlwollende Beantwortung meiner Anfrage aussprechen.
Herrn Mähly habe ich heute Nachmittag geschrieben, Herr Geizer ist noch verreist.
Mit dankbaren und ergebenen
Empfindungen
Ihr
Friedr Nietzsche
Professor.
91. An Erwin Rohde in Hamburg
Liebster Freund
ich treffe Sonntag den 15 Aug. in Leipzig ein und lasse mich von dort durch die sanitärischen Vorstände dorthin senden, wo ich Verwundeten hülfreich sein kann, vor allem in der Schlacht selbst. Mit mir zusammen ist ein Hamburger, der Maler Mosengel.
Du erfährst gewiss in Naumburg an der Saale, wo ich bin: dorthin sende nur alle Briefe, (per adr. Frau Pastor Nietzsche)
Oder kommst Du mit?
Friedr Nietzsche
92. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)
Liebe Lisbeth, wir sind immer noch in Erlangen, aber Montag geht es definitiv nach den Schlachtfeldern der letzten Tage. Ich war doch neulich etwas beunruhigt Dich allein abreisen zu lassen, wir machten noch einen Versuch bei der Abreise auf dem Bahnhof zugegen zu sein. Aber siehe da! Der Zug pfiff vor uns ab, nicht einmal vor unserer Nase.
Das Geld ist — Dank der bereitwilligen Hülfsbereitschaft und Schnelligkeit unseres lieben Vetters, den ich recht herzlich zu grüssen bitte, am Donnerstage angekommen. Es ist jetzt nicht unwahrscheinlich, dass wir der siegreichen Armee bis Paris folgen.
Wenn Du mir schreibst, so adressiere nur immer nach Erlangen (per adr. Professor Dr. Plitt) Die Briefe werden mir, soweit dies möglich, nachgeschickt. Von mir bekommst Du bald Nachrichten, zuerst wohl von Pont à mousson. Wundere Dich aber nicht, wenn die Briefe jetzt mehr Zeit brauchen.
Wir wohnen immer noch im Wallfisch. Zwei der verwundeten Preussen sind gestern und heute gestorben. Wir reisen mit Ziemsen und einigen Ärzten. — In alter Treue
Dein Bruder.
Mosengel grüsst bestens.
93. An Friedrich Ritschl in Leipzig (Fragment)
[+ + +] Ihrer Frau Gemahlin habe ich angeboten, sie sorgsamst nach Leipzig zu geleiten. Aber sie hat ganz recht, den Gedanken zur Rückreise bei der jetzigen Lage zu verschieben. [+ + +]
94. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
Den wärmsten Gruß zuvor!
Ein Paar Worte, damit Du keine Beunruhigung hast. Wir sind noch in Erlangen und werden durch unsre fortwährende Thätigkeit am Hospital ganz zu Wundärzten und Chirurgen. Ein Turco und ein Preuße werden von mir behandelt. Am Montage gehen wir mit meinem Collegen Ziemsen, dem Direktor der hiesigen Klinik und einigen Ärzten nach Metz und Verdun ab, auf die Schlachtfelder der letzten Tage. Wahrscheinlich folgen wir dann der deutschen Armee bis nach Paris, wenigstens wenn es nach unserm Wunsche geht. Wir erwarten ein ungeheures Arbeitsfeld und viel Beschwerde. — Briefe schicke nur nach Erlangen, per adr. Herrn Professor Dr. Plitt, unter meiner vollen Adresse. Es wird vielleicht hier und da einmal unmöglich sein, Briefe direkt an mich zu befördern, weil unser Aufenthaltsort schnell wechselt. Doch werde ich und Plitt alles so praktisch wie möglich verabreden. Die bayrischen Feldpostbriefe gehen sehr langsam und unregelmäßig. Dies schreibe ich nur, damit Du bei ausbleibenden Nachrichten von mir nicht gleich Angst bekommst, zu der wirklich gar kein Grund vorhanden ist.
Mit den besten Wünschen für Dich und mich und den schönsten Grüßen an Onkel und Tante
Dein Fritz N.
Auf welche Weise hat Rudolf sich jetzt bethätigt? Ich erwarte alle meine Freunde im Felde.
95. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
Herzlichen Gruss zuvor!
Wir sind seit 5 Tagen auf der Reise von Erlangen fort: es geht langsamer als man irgend denken kann, obwohl wir alle Mittel der Beförderung beanspruchen und zB. in Frankreich, auf Bremsen sitzend, auf einem unendlichen Proviantzuge hineinfuhren. Gestern haben wir in 11-stündigem Tagesmarsch unsere Aufträge in Gersdorf und Langensulzbach und dem Schlachtfelde von Wörth abgemacht. Ein Andenken an das furchtbar verwüstete, mit zahllosentraurigen Überresten übersäte und stark nach Leichen riechende Schlachtfeld folgt mit diesem Briefe. Heute wollen wir nach Hagenau, morgen nach Nancy usw., der Südarmee nach. Wir reisen allein, Mosengel und ich; erst in Pont à mousson treffen wir mit dem Erlanger Collegen Ziemsen wieder zusammen.
Briefe von Euch können mich in den nächsten Wochen nicht erreichen, da wir fortwährend unsern Aufenthalt wechseln und die Briefpost überaus langsam geht. Von den militärischen Fortschritten erfährt man hier gar nichts mehr, das Zeitungswesen hat ganz aufgehört. Die feindliche Bevölkerung scheint sich hier an den neuen Zustand der Dinge zu gewöhnen. Dafür ist sie auch, bei den geringsten Vergehungen, mit der Todesstrafe bedroht.
In allen Dörfern, durch die wir kommen ist Lazareth an Lazareth.
Du bekommst bald wieder Nachricht, sei nur ganz unbesorgt.
Dein Fritz.
Vielleicht schickst Du diesen Brief an Lisbeth; man kann nicht oft und bequem schreiben.
96. An Friedrich Ritschl in Leipzig
bei ganz verkältetem Fussgestell trotz Flammensäule von Strassburg. Freies Feld zwischen Station Hagenau und Bischweiler. Neunstündiger Aufenthalt unter Pferden und Kavalleristen, bei feindlicher Bevölkerung.
Dies bereits gewohnte Art zu reisen. Morgen Nancy, dann Hauptquartier und weiter.
Ein Erinnerungszeichen an entsetzliches Schlachtfeld von Wörth folgt mit.
Elendes Oellicht hindert mehr zu schreiben.
Ihr getreuer
Nietzsche.
97. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)
Nancy, seit gestern hier, in einer Stunde weiter nach Ars sur Moselle (bei Metz) Befinden vortrefflich
98. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
Nun denke Dir, liebste Mutter, daß ich bis jetzt von Dir noch gar keine Nachricht habe, daß ich aber bereits meinen Feldzug glücklich vollendet habe. Glücklich zwar nicht ganz: denn ich liege hier erkrankt an der bösen Ruhr: aber die schlimmsten Zustände sind vorüber, ja ich werde Dienstag oder Mittwoch abreisen können, um mich in Naumburg weiter zu pflegen. Zu diesem Behufe nun bitte ich Dich, mit Lisbeth doch, wenn es irgend geht, nach Naumburg zurückzukehren. Ich möchte jetzt, bei meiner Sehnsucht nach Ruhe und einer großen Erschöpftheit nirgends wo anders hin. Ich bin bis in die Nähe von Metz vorgedrungen und habe von dort einen Verwundetenzug nach Carlsruhe geleitet. Hierbei, bei dem fürchterlichen Zustand aller meiner Kranken, dem fortwährenden Verbinden ihrer zum Theil brandigen Wunden, bei dem Schlafen in Viehwägen, in denen 6 Schwerverwundete auf Stroh lagen, habe ich den Keim der Ruhr in mich aufgenommen; zugleich hat auch der Arzt an mir noch Rachen-Diphtheritis entdeckt, die aus derselben Thätigkeit stammt. Auch dieses Übel wird höchst energisch von uns bekämpft.
Trotz alledem bin ich froh, wenigstens etwas mit bei der unglaublichen Noth geholfen zu haben. Und ich wäre sofort noch ein zweites Mal ausgezogen, wenn nicht die Krankheit es mir unmöglich gemacht hätte.
Bitte telegraphiere an Lisbeth, sie möge sofort nach Hause abreisen.
Mit den herzlichsten Grüßen und Wünschen
Dein Sohn.
99. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Verehrter Herr Rathsherr,
endlich — nach vier Wochen — komme ich zu einer Art Abschluss und fühle mich gedrängt Ihnen Bericht zu erstatten. Mein ursprünglicher Plan nach Leipzig zu gehen wurde schon auf der Reise aufgegeben, aus den besten Gründen: dagegen zog es uns — meinen Freund Mosengel und mich — nach Erlangen, wo ein rüstiger Verein für ähnliche Zwecke blüht, als die unsrigen waren, der bis jetzt schon 80 „Felddiakonen“ ausgeschickt hat. Alles gelang: wir kamen mit einem Verwundetentransport in Erlangen an und waren bereits am Sonntage — heute vor 4 Wochen, in Thätigkeit. Wir nahmen einen Cursus in der Verbandlehre und waren bei allen Visiten eines Assistenzarztes im Hospital zugegen. Bald durften wir auch Hand anlegen: an den vielen verwundeten Preussen Franzosen Turcos war viel zu lernen und viel zu nützen. Nach 10 Tagen wurde wieder ein Zug von 15 jungen Leuten (meistens Studenten) nach dem Kriegsschauplatz ausgesandt: der eine Theil unter der Leitung von Prof. Ziemsen gieng über Saarbrücken: der andere aus mir und meinem Freunde bestehend über Weissenburg. Wir hatten eine Menge Einzelaufträge und Vertrauenssachen zu besorgen, mit mancherlei Strapatzen. Auf dem Schlachtfelde von Wörth galt es, das Grab eines bairischen höheren Offiziers ausfindig zu machen: dies glückte uns. Ich bringe Ihnen ein Andenken an dieses fürchterliche Schlachtfeld mit, einige Chassepotkugeln. Wir drangen bis Ars sur Moselle (unmittelbar bei Metz) vor und bekamen dort Verwundete zu verpflegen. Eine besondere Freude war es mir, plötzlich den Collegen Hoffmann zu sehen, der einen Verwundetentransport nach Carlsruhe zu geleiten hatte. Ich schloss mich ihm, gleich Mosengel, an und jeder von uns übernahm die Sorge für einen mit Verwundeten gefüllten Wagen. Wir brauchten zwei Tage und zwei Nächte zu unserer Reise, während welcher Zeit wir unsere Kranken nicht verliessen. Ich hatte einen engen kleinen Viehwagen, mit Stroh bedeckt: darauf lagen 6 Schwerverwundete, ich mitten drin. Hier gab es viel zu thun: zu verbinden zu speisen usw. Die Atmosphaere in dieser Höhle war fürchterlich. In Carlsruhe lieferte ich unsere Kranken ab: Tags darauf kehrten wir nach Erlangen zurück, um hier Bericht zu erstatten. Schon auf dieser Reise erfasste mich heftiges Unwohlsein: der Arzt, den ich hier in Erlangen kommen Hess, constatierte erstens starke Ruhr und zweitens Rachendiphtheritis. Mit diesen beiden Hospitalseuchen habe ich also zugleich Bekanntschaft machen müssen. Die schlimmsten und gefährlichsten Zustände sind schon vorüber: der Arzt ist mit der fortschreitenden Besserung sehr zufrieden. Aber recht matt und erschöpft bin ich. Wir haben gegen beide Übel höchst energisch gekämpft. Mosengel ist mein getreuer Krankenwärter.
So weit mein Bericht, den ich im Bette machen muss.
Trotz diesem bösen Nachspiel fühle ich mich sehr beruhigt, wenigstens etwas, und wenn auch nur ein Tüttelchen an der grossen Sache der allgemeinen Krankenpflege geholfen zu haben. Der Verein, meistens aus hiesigen Professoren bestehend, ist mit unserer Thätigkeit sehr zufrieden: dies ist mehr als wir zu erreichen hoffen konnten.
Ihre Frau Gemahlin habe ich in treuem Angedenken und wünsche ihr recht herzlich empfohlen zu sein. Ihnen selbst nochmaligen Dank, dass mir in gegenwärtiger Zeit Urlaub zu Theil geworden ist. Man muss etwas mit thuen, um nicht als Zuschauer von innerer Unruhe und Selbstpeinigung aufgezehrt zu werden. Mehrere meiner Freunde sind unter den Todten. —
In der Hoffnung auf ein glückliches Wiedersehen
Ihr ergebener und getreuer
Friedrich Nietzsche
Prof. o.p.
100. An Richard Wagner in Tribschen
Lieber und verehrter Meister.
so ist denn, mitten im Ungewitter, Ihr Haus fertig geworden und fest begründet. Ich habe auch in der Ferne dieses Ereignisses immer unter Segenswünschen gedacht und bin sehr beglückt, aus den Zeilen Ihrer von mir so geliebten Frau Gemahlin zu ersehen, dass die Möglichkeit, diese Feste zu begehen, schließlich doch noch schneller kam als vielleicht — bei unserem letzten Zusammensein — zu argwöhnen war.
Sie wissen, welcher Strom mich aus Ihrer Nähe fortgerissen hat, so dass ich nicht Augenzeuge so heiliger und ersehnter Handlungen sein konnte. Meine Hülfsthätigkeit hat einen einstweiligen Abschluss gefunden, leider durch Krankheit. Meine mannichfache<n> Aufträge und Verpflichtungen führten mich bis in die Nähe von Metz; es wurde mir und meinem — sehr bewährten — Freunde Mosengel möglich, den grössten Theil unserer Aufgaben mit Glück zu erledigen. In Ars sur Moselle übernahmen wir die Pflege von Verwundeten und kehrten dann mit diesen nach Deutschland zurück. Dieses dreitägige und dreinächtige Zusammensein mit Schwerverwundeten war der Höhepunkt unserer Anstrengungen. Ich hatte einen elenden Viehwagen, in dem 6 Schwerleidende lagen, allein während jener Zeit zu besorgen, zu verbinden zu verpflegen usw. Alle mit zerschossenen Knochen, mehere mit 4 Wunden; dazu constatierte ich bei Zweien noch Wunddiphtheritis. Dass ich es in diesen Pestdünsten aushielt, selbst zu schlafen und zu essen vermochte, erscheint mir jetzt wie ein Zauberwerk. Kaum aber hatte ich meinen Transport an ein Karlsruher Lazareth abgeliefert, stellten sich auch bei mir ernstliche Zeichen von Unwohlsein ein. Mit Mühe kam ich nach Erlangen, um meinem Vereine über Verschiedenes Bericht zu erstatten. Dann legte ich mich zu Bett und liege bis jetzt. Ein tüchtiger Arzt erkannte als mein Leiden einmal eine sehr starke Ruhr und sodann Rachen-diphtheritis. Wir sind aber mit der grössten Energie gegen beide ansteckende Übel vorgegangen, und es ist heute gute Hoffnung zu melden. Mit zwei jener berüchtigten Lazarethseuchen habe ich also auf eins Bekanntschaft gemacht; sie haben so schwächend und entkräftigend auf mich in kurzer Zeit gewirkt, dass ich zunächst alle meine Hülfsthätigkeitspläne aufgeben muss und an meine Gesundheit allein zu denken veranlasst werde. So bin ich nach einem kurzen Anlauf von 4 Wochen, ins Allgemeinere zu wirken, bereits auf mich selbst wieder zurückgeworfen — recht elend!
Über die deutschen Siege möchte ich kein Wort sagen: das sind Feuerzeichen an der Wand, allen Völkern verständlich.
Heute darf ich nicht mehr schreiben; mein nächster Brief gilt Ihrer verehrten Frau Gemahlin, der ich meine innigsten Glückwünsche zu Füssen lege. Dem Täufling ein fröhliches Glückauf! Glückauf dem ganzen Tribschener Haus!
Ihr getreuer
Friedr Nietzsche
101. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
wer weiß ob Sie meine letzten Briefe bekommen haben! Dies ist der stille Zweifel, der einen in solchen Zeiten bei allem Briefschreiben überschleicht. Darum will ich Ihnen noch einmal erzählen, daß ich von Erlangen aus im Dienste der freiwilligen Krankenpflege mich nach dem Kriegsschauplatze begeben habe — bis nach Ars sur Moselle (ganz in der Nähe von Metz) und daß ich von dort einen Verwundetentransport nach Carlsruhe gebracht habe. Die Anstrengungen der ganzen Unternehmung waren bedeutend; mit den Bildern jener Wochen und einem unaufhörlich sich mir vernehmbar machenden Klageton habe ich jetzt noch zu ringen. Ich verfiel bei meiner Rückkehr zugleich in zwei Krankheiten, gefährlicher Art, die ich beide in der Tag und Nacht unausgesetzten Pflege von Schwerverwundeten durch Ansteckung bekommen habe — Rachendiphtheritis und rothe Ruhr — eheu!
( nobile par fratrum! )
Doch sind beide Übel in der Hauptsache überwunden; vor einigen Tagen bin ich hier in Naumburg angekommen, um mich recht zu erholen und durch stille Arbeit wieder von den Erregungen jener Zeit zu heilen. Daß Einem immer, bei den besten Absichten für das Allgemeine, die lumpige Persönlichkeit mit all ihren Quengeleien und Schwächlichkeiten zwischen die Beine kommt! Nochmals eheu!
Von meinen Erlebnissen hoffe ich Ihnen nächstens persönlich erzählen zu können; auch bringe ich Ihnen ein Paar Chassepotkugeln von den Schlachtfeldern mit. Alle meine militärischen Leidenschaften sind wieder erwacht, und ich konnte sie gar nicht befriedigen! Wäre ich bei meiner Batterie gewesen, so hätte ich die Tage von Rezonville Sedan und — Laon praktisch und vielleicht auch passiv erlebt. Nun aber hat mir meine Schweizerische Neutralität die Hände gebunden. —
Ich habe gehört, daß Ihre verehrten Angehörigen wieder bei Ihnen angelangt sind. Habe ich recht gehört? Dann hoffe ich sie in nächster Woche zu sehn. Meine Schwester läßt sich bestens empfehlen. Ich freue mich darauf wieder etwas philologische Luft zu athmen; mehr aber als das: Ich freue mich nach Jahresfrist Sie wieder zu sehen. Es war für mich persönlich ein recht Wechselund mühevolles Jahr!
Wann aber wäre man je auf stolzeren Füßen gegangen als jetzt? Und welcher Deutsche, wenn er einen Deutschen wiedersieht, darf jetzt nicht nur weinen, sondern auch — wie zwei Augurn — lachen?
Und das wollen wir nächste Woche zusammen thun.
Auf Wiedersehn!
Ihr getreuer
Friedrich Nietzsche.
102. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Verehrter Herr Rathsherr,
übermorgen will ich abreisen, aber ich möchte gerne vorher noch einen brieflichen Grass an Sie absenden, zugleich mit einem kleinen Druckstück, das eben fertig geworden ist. Mit meinem Befinden kann ich jetzt wieder zufriedener sein; die Diphtheritis hat mich ziemlich lange noch incommodirt. Vor all den schrecklichen Bildern, die mir meine Reise gezeigt hat, habe ich Schutz bei der Wissenschaft gesucht. Rhythmische und metrische Fragen, wie sie die Vorbereitung für das Wintersemester mir wieder näher brachte, lassen mir jetzt keine Ruhe; ich freue mich diesmal recht auf meine Collegien-thätigkeit. Ritschl habe ich wohl und in altgewohnter Jugendlichkeit angetroffen; er sagt Ihnen seine besten Empfehlungen. Ist Ihnen ein juristischer Professor Brockhaus in Jena bekannt, Sohn des Orientalisten? Ich lernte ihn bei seinen Eltern kennen. Zarncke war verreist, wie man erzählte, nach Strassburg, um sich nach dem Schicksale der Bibliothek zu erkundigen. Die Besetzung der Klotz’schen Professur in Leipzig macht viel Unruhe; ich glaube dass Bursian die besten Aussichten hat. — In Erlangen erzählte man mir, dass man Binding dorthin berufen wolle.
Mein Wunsch, noch einmal auf dem Kriegsschauplatz zu erscheinen, ist nicht in Erfüllung gegangen; ich war allzusehr angegriffen und leide noch jetzt häufig an Nervenaufregung und plötzlicher Schwäche, Zustände, die mir alle ausserordentlichen Beschäftigungen verbieten und ein gewisses Gleichmass und grosse Ruhe zur Pflicht machen. Beides werde ich in der Thätigkeit des Winters finden.
Für alle Mittheilungen, die mir Ihr geehrter Brief brachte, sage ich Ihnen meinen besten Dank, noch mehr für das Wohlwollen, welches derselbe auch für meine letzten Schicksale zu erkennen gab. Meine Mutter und Schwester wünschen Ihnen und Ihren verehrten Angehörigen gleich mir angelegentlich empfohlen zu sein.
Und so verbleibe ich denn in der Hoffnung auf ein giückliches Wiedersehn
Ihr immerdar ergebener
Friedr Nietzsche.
Prof. o. p.
103. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)
Mein lieber Freund,
dieser Morgen brachte mir die freudigste Überraschung und Befreiung von viel Unruhe und Beängstigung — Deinen Brief. Noch vorgestern wurde ich auf das ärgste erschreckt, als ich in Pforta Deinen Namen mit zweifelnder Stimme aussprechen hörte, Du weißt, was jetzt dieser zweifelnde Ton zu bedeuten pflegt. Sofort requirirte ich vom Rektor eine Liste der gefallenen Pförtner, die gestern Abend bei mir eintraf. Sie beruhigte mich in einem Hauptpunkte. Sonst gab sie viel Trauriges. Außer den Namen, die Du schon genannt hast, lese ich hier an erster Stelle Stöckert, dann v. Oertzen (doch mit einem Fragezeichen) dann v. Riedesel usw. in summa 16. — Alles was Du mir schreibst, hat mich auf das Stärkste ergriffen, vor allem der treue ernste Ton, mit dem Du von dieser Feuerprobe der uns gemeinsamen Weltanschauung sprichst. Auch ich habe eine gleiche Erfahrung gemacht, auch für mich bedeuten diese Monate eine Zeit, in der jene Grundlehren sich als festgewurzelt bewährten: man kann mit ihnen sterben; das ist mehr als wenn man von ihnen sagen wollte: man kann mit ihnen leben. Ich war nämlich doch nicht in so unbedingter Sicherheit und Entrücktheit von den Gefahren dieses Krieges. Ich hatte bei meinen Behörden sofort den Antrag gestellt, mir Urlaub zu geben, um als Soldat meine deutsche Pflicht zu thun. Man gab mir Urlaub, aber verpflichtete mich auf Grund der schweizerischen Neutralität, keine Waffen zu tragen (Ich habe seit 69 kein preußisches Heimatsrecht mehr) Sofort reiste ich nun mit einem vortrefflichen Freunde ab, um freiwillige Krankenpflegerdienste zu thun. Dieser Freund mit dem ich durch 7 Wochen alles gemeinsam gehabt habe, ist der Maler Mosengel aus Hamburg, mit dem ich Dich in Friedenszeiten bekannt machen muß. Ohne seinen gemüthvollen Beistand hätte ich schwerlich die Ereignisse der nun kommenden Zeit überstanden. In Erlangen ließ ich mich von dortigen Universitätscollegen medizinisch und chirurgisch ausbilden; wir hatten dort 200 Verwundete. Nach wenigen Tagen wurden mir 2 Preußen und 2 Turko’s zur speziellen Behandlung übertragen. Zwei von diesen bekamen bald die Wunddiphtheritis und ich hatte viel zu pinseln. Nach 14 Tagen wurden wir beide, Mosengel und ich, von einem dortigen Hülfsvereine ausgeschickt. Wir hatten eine Menge Privataufträge, auch erhebliche Geldsummen zur Besorgung an 80 früher ausgesandte Felddiakonen. Unser Plan war, in Pont à Mousson mit meinem Collegen Ziemsen zusammenzutreffen und uns dessen Zug von 15 jungen Männern anzuschließen. Das ist nun freilich nicht in Erfüllung gegangen. Die Erledigung unsrer Aufträge war sehr schwer, wir mußten, da wir gar keine Adressen hatten, persönlich in anstrengenden Märschen nach sehr unbestimmten Andeutungen hin die Lazarethe bei Weißenburg, auf dem Wörther Schlachtfelde, in Hagenau, Luneville Nanzig bis Metz durchsuchen. In Ars sur Moselle wurden uns Verwundete zur Verpflegung übergeben. Mit diesen sind wir, da sie nach Carlsruhe transportirt wurden, wieder zurückgekehrt. Ich hatte 6 Schwerverwundete 3 Tag und 3 Nächte lang ganz allein zu verpflegen, Mosengel 5; es war schlechtes Wetter, unsre Güterwagen mußten fast geschlossen werden, damit die armen Kranken nicht durchnäßt würden. Der Dunstkreis solcher Wagen war fürchterlich; dazu hatten meine Leute die Ruhr, zwei die Diphtheritis, kurz ich hatte unglaublich zu thun und verband Vormittag 3 Stunden und Abends ebenso lange. Dazu Nachts nie Ruhe, bei den menschlichen Bedürfnissen der Leidenden. Als ich meine Kranke<n> in ein ausgezeichnetes Lazareth abgeliefert hatte, wurde ich schwer krank: sehr gefährliche Brechruhr und Rachendiphtheritis stellten sich sogleich ein. Mit Mühe kam ich bis Erlangen. Dort blieb ich liegen. Mosengel besaß die Aufopferung, mich hier zu pflegen. Und das war nichts Kleines, bei dem Charakter jener Übel. Nachdem ich mehrere Tage mit Opium- und Tanninklystiren, und Höllensteinmixturen meinem Leibe zugesetzt hatte, war die erste Gefahr beseitigt. Nach einer Woche konnte ich nach Naumburg abreisen, bin aber bis jetzt noch nicht wieder gesund. Dazu hatte sich die Atmosphäre der Erlebnisse wie ein düsterer Nebel um mich gebreitet: eine Zeitlang hörte ich einen nie endenwollenden Klagelaut. Meine Absicht, wieder auf den Kriegsschauplatz abzugehen, wurde deshalb unmöglich gemacht. Ich muß mich jetzt begnügen, aus der Ferne zuzusehn und mit zu leiden.
Ach, mein lieber Freund, welche Segenswünsche soll ich Dir zurufen! Wir wissen beide, was wir vom Leben zu halten haben. Aber wir müssen leben, nicht für uns. Also lebe, lebe liebster Freund! und Lebe wohl! Ich kenne Deine heldenmüthige Natur. Ach daß Du mir erhalten bliebest! Treulich
Friedrich Nietzsche
(von morgen an in Basel)
Heute habe ich nicht mehr zum Schreiben Zeit, da meine Abreise bevorsteht. Von Basel aus erfährst Du mehr von mir. Ich bin glücklich, endlich Deine Adresse zu haben. Meine Angehörigen begleiten Dich mit ihren besten Wünschen.
104. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester,
es ist immer noch ziemlich ungemüthlich hier, deshalb wird es Euch nicht wunder nehmen, wenn ich in Unterhaltung mit Euch mich in die verlebten letzten Wochen zurückversetze. Es hat mir nämlich diesmal recht gut in Naumburg gefallen — das ist Euch gewiß nicht unangenehm zu hören, und Basel hat bis jetzt noch nichts gethan, um mir es nur annähernd so erträglich zu machen wie es mir bei Euch ergangen ist. Freilich kam ich nicht in bester Stimmung an. Denn ich hatte den ganzen zweiten Reisetag mit Erbrechen zu kämpfen. Am ersten Tage war ich gegen 12 Uhr Nachts ganz durchfroren in Frankfurt angekommen. Am zweiten, Abends um 8 war ich in meiner Wohnung und bestellte sofort Lindenblüthenthee. Auch heute geht es mir noch nicht gut. — Bei Frau Vogler und Minna habt Ihr starke Dankesgefühle erregt und wirkliche Freude gemacht. Beide lassen durch mich ihre Empfindungen ausdrücken — was denn hiermit geschehn sein soll. Sehr freundlich war der Empfang bei Vischers. Die Frau V. läßt Dir, liebe Lisbeth, sehr für den Brief danken und sie bediente sich dabei für den Brief schmeichelhafter Ausdrücke. Sie wäre bis jetzt zu beschäftigt gewesen, um antworten zu können. Fast hätte sie geglaubt, daß Du wieder mitkommen würdest.
Sogleich von heute ab habe ich das Vergnügen!, das Examen am Pädagogium mit zu erleben. Vischer schien sehr an meinem Eintreffen zu liegen.
Jetzt ein Auftrag, der in fliegender Eile erledigt werden muß. Ich bekam eben einen Brief von Ritschl (40 cents. weil von Naumburg bis Basel nicht frei gemacht) Er verlangt die Correcturbogen des Certamen: diese aber habe ich in Naumburg zurückgelassen. Sie müssen ihm sofort, ohne Brief, zugeschickt werden. Adr. Herrn Geheimerath Prof Dr. Ritschl Leipzig Lehmanns Garten.
Gestern als die Mittagzeit kam und ich hungerte, gieng ich in die drei Könige und aß dort ohne befriedigt zu sein. Monatlich wollen sie dort im Abonnement 75 frc. Das ist mir zu viel: allerdings ist eine halbe Flasche Rothwein eingerechnet.
Heute habe ich zu Hause gegessen, Minna’s Kochkunst. Es war auch Nichts. — Das Fatalste in den 3 Königen war mir übrigens die durchherrschende französische Gesinnung und Sprache an der großen Tafel.
In der Kiste ist alles gut angekommen. Alle Packträger schimpften über sie, sie hat sie alle weiß gemacht.
Nun seid herzlich gegrüßt und bedankt
von Eurem Fr.
Es ist doch eine mächtige Reise. Und theuer, man mag’s machen, wie man will.
105. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
leider waren die Correkturbogen nicht mehr in meinen Händen; ich hatte sie bei meiner Abreise in Naumburg zurückgelassen. Sofort habe ich dahin geschrieben — mit welchem Erfolg, weiß ich nicht. Inzwischen habe ich das Certamen noch einmal durchgesehn; was vielleicht noch hinzuzufügen wäre, wenn dazu noch Zeit ist — will ich auf der letzten Seite des Briefes notieren.
Die Correktur Rohdes ist mir an einigen Stellen besonders merkwürdig, wo er bei Citaten Worte streicht oder auch das Citat für falsch erklärt; nachträgliches Nachschlagen hat mich belehrt, daß ich von Anfang an das Rechte hatte. — Aber wie die Sache ohne Ihre Hülfe zu Stande gekommen wäre, sehe ich gar nicht ab. —
Hier haben wir Examinationsnöthe am Pädagogium. — Die politische Atmosphäre ist geradezu scheußlich, es giebt Leute, die offen ihren Enthusiasmus für die Verrätherei von Laon bekunden. Auch mit ruhigen und im Ganzen deutschgesinnten Baselern kann man sich nicht mehr verständigen. Der Deutschenhaß ist hier instinktiv und die Lust an den französischen Siegesberichten groß. Heute allgemeine Trauer wegen Metz. —
Mein Befinden ist immer noch nicht zu rühmen. Die Ruhr verdirbt auf lange hinaus die Eingeweide. Ich stecke bis über den Kopf in metrischen Fragen, der Winter wird wohl dabei draufgehen.
Sich Ihnen getreulich anempfehlend
Ihr ergebenster
Friedrich Nietzsche.
106. An Wilhelmine Oehler in Merseburg
Meine liebe Großmama
Du hast mich zu meinem Geburtstage so freundlich und mit so reichen Gaben bedacht, daß ich sehr wünschen mußte, Dir persönlich meinen Dank auszudrücken. Aber meine Zeit war schon abgelaufen; ja ein früher gemachter, auf die Feier Deines Geburtstags berechneter Plan, nach Merseburg zu kommen, mißlang im letzten Moment. So bleibt mir denn nur übrig, von hier aus Dich brieflich von meinen dankbaren Empfindungen zu benachrichtigen.
Bei meiner Rückkehr nach Basel fand ich sofort eine Fülle von Geschäften vor, die sich während meiner langen Abwesenheit aufgehäuft hatten und nun auf mich warteten. Meine Gesundheit ist dabei leider immer noch nicht so gut, wie ich es bei dem bevorstehenden Arbeit-reichen Winterhalbjahr wünschen möchte. Es scheint daß die Ruhr auf lange hinaus den Körper erschöpft und die Regelmäßigkeit seiner Funktionen stört. Sonst ist gerade jetzt mein Bedürfniß nach Berufstätigkeit groß, nachdem ich durch die Kriegsereignisse mehrere Monate lang von ihr ferne gehalten wurde. Auf den Besuch unserer Universität übt der Krieg keinen Einfluß aus. Eine ziemliche Anzahl von Katholiken haben wir bekommen, die ehemals sich bestimmt hatten Geistliche zu werden, jetzt aber bei den großen katholischen Kirchenspaltungen ihren Entschluß geändert haben und nun Philologie oder Naturwissenschaften studieren. Auch habe ich diesmal einen alten Schulpförtner zum Schüler — es ist glaube ich, der erste Fall, daß ein Zögling der Pforte nach Basel geht, um dort philologische Studien zu treiben.
Soviel von meinem Leben. Von dem Deinigen habe ich fast nur Erfreuliches gehört, und wir dürfen ja wohl hoffen und wünschen, daß Du mit Deiner gewohnten Rüstigkeit noch so manches Jahr glücklich zurücklegst.
Bewahre mir die treue Theilnahme und Liebe, mit der Du mich bisher ausgezeichnet und geehrt hast und sei herzlich gegrüßt von Deinem
dankbaren Enkel
Dr Friedrich Nietzsche
ord. Prof. der klass. Philol.
in Basel.
107. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)
Mein lieber Freund,
hoffentlich erreicht Dich auch dieser Brief bei gutem tapferen Befinden und leidlicher Stimmung. Woher diese zwar kommen soll, ist mir fast unbegreiflich — es sei denn, daß man wisse, was das Dasein ist und zu bedeuten hat. Wenn sich einmal wie jetzt die schrecklichen Untergründe des Seins aufschließen, der ganze unendliche Reichthum des Wehes sich ausschüttet, dann haben wir das Recht, als die Wissenden mitten hindurchzuschreiten. Dies giebt eine muthig resignirte Stimmung, man hält’s damit aus und wird nicht zur Salzsäule.
Ich habe mich mit wahrer Begierde in die Wissenschaften gestürzt; jetzt hat nun auch wieder die regelmäßige Berufsthätigkeit begonnen. Ich wünschte nur gesünder zu sein. Aber mein Organismus hat unter dem Anstürme der Ruhr sehr gelitten und noch lange nicht ersetzt, was ihm genommen wurde. Man hat mich hier in Basel mit großer Freundlichkeit wieder bewillkommt. Auch von Tribschen habe ich gute Nachrichten. Wagner und Frau sagen Dir die besten Grüße und Wünsche. (Du weißt doch daß im August die Hochzeit stattgefunden hat? Ich war als Zeuge eingeladen, konnte aber nicht erscheinen, weil ich gerade damals in Frankreich war) W. hat mir vor ein paar Tagen ein wundervolles Manuscript zugeschickt „Beethoven“ betitelt. Hier haben wir eine überaus tiefe Philosophie der Musik im strengen Anschluß an Schopenhauer. Diese Abhandlung erscheint zu Ehren Beethovens — als die höchste Ehre, die ihm die Nation erweisen kann. —
Mein Brief ist einige Tage zu meinem Leidwesen liegen geblieben. Das neue Semester begann wie gewöhnlich mit einem kräftigen Anstürme, so daß einem Hören und Sehen verging. Ich lese dieses Semester zwei neue Collegien, griechische Metrik und Rhythmik (nach einem eignen System) und Hesiod. Sodann die Seminarübungen. Dann die griechischen Stunden am Pädagogium, in denen ich die Oresteia des Aeschylos vornehme. Dazu kommen Regenz- Fakultäts- und Bibliothekssitzungen, nebst manchen Einladungen geselliger Art.
Gestern Abend hatte ich einen Genuß, den ich Dir vor allem gegönnt hätte. Jacob Burckhardt hielt eine freie Rede über „historische Größe“, und zwar völlig aus unserm Denk- und Gefühlskreise heraus. Dieser ältere, höchst eigenartige Mann ist zwar nicht zu Verfälschungen, aber wohl zu Verschweigungen der Wahrheit geneigt, aber in vertrauten Spaziergängen nennt er Schopenhauer „unseren Philosophen“. Ich höre bei ihm ein wöchentlich einstündiges Colleg über das Studium der Geschichte und glaube der Einzige seiner 60 Zuhörer zu sein, der die tiefen Gedankengänge mit ihren seltsamen Brechungen und Umbiegungen, wo die Sache an das Bedenkliche streift, begreift. Zum ersten Male habe ich ein Vergnügen an einer Vorlesung, dafür ist sie auch derart, daß ich sie, wenn ich älter wäre, halten könnte. In seiner heutigen Vorlesung nahm er Hegels Philosophie der Geschichte vor, in einer des Jubiläums durchaus würdigen Weise.
In diesem Sommer habe ich einen Aufsatz geschrieben „über die dionysische Weltanschauung“, der das griechische Alterthum von einer Seite betrachtet, wo wir ihm, Dank unserm Philosophen, jetzt näher kommen können. Das sind aber Studien, die zunächst nur für mich berechnet sind. Ich wünsche nichts mehr, als daß mir die Zeit gelassen wird, ordentlich auszureifen und dann etwas aus dem Vollen produziren zu können.
Vor dem bevorstehenden Culturzustande habe ich die größten Besorgnisse. Wenn wir nur nicht die ungeheuren nationalen Erfolge zu theuer in einer Region bezahlen müssen, wo ich wenigstens mich zu keinerlei Einbuße verstehen mag. Im Vertrauen: ich halte das jetzige Preußen für eine der Cultur höchst gefährliche Macht. Das Schulwesen will ich einmal später öffentlich bloßlegen, mit den religiösen Umtrieben, wie sie jetzt wieder von Berlin aus zu Gunsten der katholischen Kirchengewalt im Gange sind, mag’s ein Anderer versuchen. — Es ist mitunter recht schwer, aber wir müssen Philosophen genug sein, um in dem allgemeinen Rausch besonnen zu bleiben — damit nicht der Dieb komme und uns stehle oder verringere, was für mich mit den größten militärischen Thaten, ja selbst mit allen nationalen Erhebungen nicht in Vergleichung kommen darf.
Für die kommende Culturperiode sind die Kämpfer von Nöthen: für diese müssen wir uns erhalten. Lieber Freund, mit den größten Besorgnissen denke ich immer an Dich — möge Dich der Genius der Zukunft, in dem Sinne wie wir sie erhoffen, geleiten und schützen!
Dein treuer Freund Fr. Nietzsche
108. An Richard Wagner in Tribschen
Verehrtester Meister,
in dem ersten Anstürme des neuen Semesters, der diesmal, nach meiner langen Abwesenheit, besonders heftig ist, konnte mir nichts Erquicklicheres geschehen als die Übersendung Ihres „Beethoven“. Wie viel mir daran liegen musste, Ihre Philosophie der Musik — und das heisst doch wohl: die Philosophie der Musik kennen zu lernen, könnte ich Ihnen besonders an einem Aufsatze deutlich machen, den ich für mich in diesem Sommer schrieb, betitelt „die dionysische Weltanschauung“. In der That habe ich durch dies Vorstudium erreicht, dass ich die Notwendigkeit Ihrer Beweisführung vollständig und mit tiefstem Genüsse einsehe, so entlegen der Gedankenkreis, so überraschend und in Staunen versetzend alles und namentlich die Ausführung über Beethovens eigentliche That ist. Doch fürchte ich, dass Sie den Aesthetikern dieser Tage als ein Nachtwandler erscheinen werden, dem zu folgen nicht räthlich, ja gefährlich, vor allem unmöglich gelten muss. Selbst die Kenner Schopenhauerischer Philosophie werden der grössten Zahl nach ausser Stande sein, den tiefen Einklang zwischen Ihren Gedanken und denen ihres Meisters sich in Begriffe und Gefühle zu übersetzen. Und so ist Ihre Schrift, wie es Aristoteles von seinen esoterischen Schriften sagt „zugleich herausgegeben und nicht herausgegeben.“ Ich möchte glauben, dass Ihnen dem Denker zu folgen in diesem Falle nur für den möglich ist, dem der „Tristan“ vornehmlich sich entsiegelt hat.
Deshalb betrachte ich die wirkliche Erkenntniss Ihrer Tonphilosophie als ein kostbares Ordens-besitzthum, das einstweilen nur sehr Wenigen zu Gute kommt. —
In dem Manuscript sind gelegentlich einige doppelt zu setzenden Buchstaben nur einfach geschrieben zb. in „appellieren, Apperception, supplieren“, was für den Setzer zu bemerken wäre. —
[+ + +]
Ihr dankbarer und
getreuer
Friedrich Nietzsche
109. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester,
Aber, meine Werthen, warum gar keine Zeile? Oder sind Briefe verloren gegangen? Ich habe sofort geschrieben, am 2ten Tage meines Baseler Aufenthaltes.
Inzwischen nun bin ich wieder in voller Thätigkeit. Gesundheit immer noch schwankend. Es dauert, wie meine Collegen versichern, lange, ehe der Körper ersetzt, was er durch die Ruhr verlor. — Briefe habe ich bekommen 1) von Clemens Brockhaus, der sich Euch sehr empfehlen läßt und mit sehr anerkennenden Ausdrücken von seinem Besuch in Naumburg redet. 2) von Pastor Kletzschke, der seine Verlobung ankündigt mit Marie Weilepp. 3) von Tribschen, zugleich mit einem großen Manuscript, einer Beethovenrede W.s, 4) von Mosengel, ganz wie er ist, der Dich, liebe Lisbeth grüßen läßt, 5) von Rohde ein paar Worte, Verwunderung daß ich nicht schreibe 6) von Gersdorff, dem es ganz erträglich geht 7) vom Rathsherrn Vischer, zugleich mit 8 Flaschen vortrefflichen Weines Hermitage, zur Stärkung meiner Gesundheit. Sonntag war ich bei Siebers zu Tisch eingeladen. Sie haben mir viele Grüße an Euch aufgetragen, ebenso wie Hagenbachs und Vischers.
So viel heute. Nun aber seid Ihr an der Reihe. Es war doch ganz angenehm in Naumburg.
Euer F.
110. An Erwin Rohde in Hamburg
Absolution! Mein lieber Freund! Solche Jahre kommen sobald nicht wieder vor, und somit soll es sobald nicht wieder vorkommen, daß ich so lange Zeit über mich wie ein Grab schweige. Einmal lebe ich noch — den Schlingen der Ruhr und der Diphtherie bin ich zwar nicht entgangen und sie haben mich sattsam ruinirt, aber im Ganzen bin ich jetzt wieder ein Mensch unter Menschen. Von meinen Kriegserlebnissen mag ich Dir nichts erzählen — warum hast Du sie nicht mitgemacht? Ich habe beiläufig nie eine Zeile von Deinen Briefen zu sehen bekommen, sie sind alle „im Felde“ verschwunden! Ich hatte einen sehr wackern Reisegefährten, dem ich von Dir mancherlei erzählt habe, in dem Wunsche, daß er Dich kennen lernt. Suche dies doch zu ermöglichen, Du wirst Dich freuen. Er heißt Mosengel, ist Maler und wohnt Hamburg, Catharinenstr. 41. Es ist einer der besten Menschen, die mir vorgekommen sind und ein mir wohlthuender Landschaftenmaler. Er hat viel Verdienste um mich, zuletzt hat er mich noch in meiner Krankheit gepflegt.
Jetzt bin ich wieder in voller Thätigkeit, und lese zwei Collegien, Hesiod und Metrik, sodann Academika im Seminar und Agamemnon im Pädagogium. Wie steht es denn mit Dir? Bist Du auch bereits im akademischen Joche? Wenn — nun dann Glückauf zur fröhlichen Jagd! Und zur Wanderung mit der Diogeneslaterne!
Ich recapituliere kurz, daß mir manches Freudige widerfahren ist. Erstens giebt es von Wagner einen großen Aufsatz über Beethoven, der eine Philosophie in Schopenhauers Geist und Wagners Kraft enthält. Er wird bald gedruckt sein. Frau Wagner fragte bei mir brieflich an, ob Du auch mit im Felde seist und wie es Dir gienge. — Zweite Freude: Jakob Burkhardt liest jetzt allwöchentlich über das Studium der Geschichte, in Schopenhauers Geist — ein schöner aber seltner Refrain! Ich höre ihn. Dritte Freude: an meinem Geburtstag hatte ich den besten philologischen Einfall, den ich bis jetzt gehabt habe — nun, das klingt freilich nicht stolz, soll’s auch nicht sein! Jetzt arbeite ich an ihm herum. Wenn Du mir es glauben willst, so kann ich Dir erzählen, daß es eine neue Metrik giebt, die ich entdeckt habe, der gegenüber die ganze neuere Entwicklung der Metrik von G.Hermann bis Westphal oder Schmidt eine Verirrung ist. Lache oder höhne, wie Du willst — mir selber ist die Sache sehr erstaunlich. Es giebt sehr viel zu arbeiten, aber ich schlucke Staub mit Lust, weil ich diesmal die schönste Zuversicht habe und dem Grundgedanken eine immer größere Tiefe geben kann. — Im Sommer habe ich einen größeren Aufsatz für mich geschrieben „über dionysische Weltanschauung“, um mich bei dem einbrechenden Ungewitter zu beruhigen.
Jetzt weißt Du, wie es mir geht. Nimm noch dazu, daß ich die größte Besorgniß vor der herankommenden Zukunft habe (in der ich ein verkapptes Mittelalter zu erkennen wähne), auch daß meine Gesundheit schlecht ist — außer wenn ich Briefe von Freunden oder so schöne Abhandlungen bekomme, wie die Deinige aus dem rhein. Mus. Es fällt mir ein, daß Vischer sich höchst interessirt und Dir sehr dankbar darüber aussprach.
Auch hast Du ja Dich um meinen ἀγών so verdient gemacht, habe herzlichen Dank dafür. Ritschl behauptet, Du seist kein Correktor, ich habe mir nie angemaßt, mich dafür zu halten. So sind wir wenigstens in gleicher Verdammniß. — Sieh doch zu daß Du aus dem fatalen kulturwidrigen Preußen herauskommst! wo die Knechte und die Pfaffen wie Pilze hervorschießen und bald mit ihrem Dunst uns ganz Deutschland verfinstern werden. — Nicht wahr, wir verstehen uns? Nicht? Und Du nimmst mir nichts krumm? Es wäre weiß Gott Schade.
Adieu theurer Freund
F. N.
Meinen festlichen Geburtstagsgruß noch zu vermelden, ich wünsche Gesundheit, eine Professur und si placet — eine Frau.
111. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)
Mein lieber Freund,
was will ich glücklich sein, wenn Du die großen Ausfälle der letzten Wochen ohne jedes Leidwesen überstanden hast! Man darf nicht mehr an diese entsetzlichen Dinge denken, wenn man nicht allen Muth verlieren will.
Jetzt aber will ich Dir schreiben, in der Hoffnung, ja in der Voraussetzung, daß Du auch diesen fürchterlichen Gefahren entronnen bist, tapfer und glücklich, als ein Liebling des Kriegsgottes — doch ohne ihn wieder zu lieben!
Wann nun wird Dich dieser Brief erreichen! Vielleicht zu Deinem Geburtstag; und wenn Du ihn diesmal heil und gesund erlebst, so mache es ja wie Polycrates und opfere den Dämonen!
Von mir empfange die neueste Schrift Wagners über „Beethoven“, als ein Symbol unserer innigen Gemeinsamkeit unseres Strebens und Denkens unter einer Fahne, unter derselben, auf welche als auf die allein zum Ziele führende Wagner in dieser Schrift hinweist. Ich habe sie in erhobener und ehrfürchtiger Stimmung gelesen. Es sind tiefe Geheimnisse darin, schön und schrecklich, wie die Musik selbst in ihren höchsten Äußerungen sich offenbart.
Von Tribschen habe ich Dir die Photographie Wagner’s zu übersenden, zugleich mit herzlichen Grüßen. Frau Wagner schrieb mir „Hier für den philosophischen Kämpfenden die versprochene Photographie; Keinem hätte sie Wagner lieber geschickt als demjenigen, der seine Pflicht muthig erfüllend zugleich über das Wesen der Dinge nachzudenken nicht verschmäht.“
Nun noch etwas Erfreuliches. Du warst so gütig, mich aus Deinem Kriegslager auf eine Schrift aufmerksam zu machen, die für die Verbreitung des Schopenhauerischen Gedankenkreises auch in Frankreich bürgt. Einen großen Triumpf erlebte ich jüngst, als ich in den Berichten der Wiener Akademie der Wissenschaften einen Aufsatz des Prof. Czermak fand über Schopenhauers Farbenlehre. Dieser constatirt, daß Sch. selbständig und auf originellem Wege zu der Erkenntniß gekommen ist, die man jetzt als die Young-Helmholtzsche Farbentheorie bezeichnet: zwischen ihr und der Schopenhauerschen ist die wunderbarste, bis in die Bruchzahlen genaue Übereinstimmung. Der ganze Ausgangspunkt, daß die Farbe zunächst ein physiologisches Erzeugniß des Auges ist, sei zu allererst von Sch. dargelegt worden. Sehr bedauert wird, daß Sch. sich nicht von dem „wissenschaftlich unsinnigen“ Goetheschen Theorem und seinem furor Anti-Newtonianus habe losmachen können. Übrigens nennt Czermak (kein Anhänger unseres Philosophen) Schopenhauer „den gewaltigsten Philosophen seit Kant“ Und damit müssen wir wohl zufrieden sein.
Diese Abhandlung und Wagners Zustimmung zur Schopenh. Lehre sind auch in ihrer Art Beiträge zum Hegeldenkmal. Eigentlich polemischer Artikel bedarf es kaum mehr. Selbst das verdient für den Umschwung angeführt zu werden, daß Hartmann’s Philos. des Unbewussten — ein Buch, in dem jedenfalls die Probleme in Schopenhauerischen Sinne gestellt sind — jetzt bereits eine zweite Auflage erlebt hat. Laß nun mir noch ein Paar Jahre Zeit, dann sollst Du auch eine neue Einwirkung auf die Alterthumskunde spüren und damit hoffentlich verbunden auch einen neuen Geist in der wissenschaftlichen und ethischen Erziehung unsrer Nation.
Aber welche Feinde erwachsen jetzt auf dem blutigen Boden dieses Krieges für unsren Glauben! Ich bin hierin auf das Schlimmste gefaßt, zugleich in der Zuversicht, daß unter dem Übermaß von Leid und Schrecken hier und dort die Nachtblume der Erkenntniß aufgeht. Unser Kampf steht noch bevor — darum müssen wir leben! Darum habe ich auch das gute Zutrauen, daß Du gefeit bist; die Kugeln, die uns tödtlich treffen sollen, werden nicht aus Gewehren und Kanonen geschossen! Und damit Leb wohl! Lieber Freund!
In alter Treue Dein
Friedrich Nietzsche.
Inzwischen habe ich Deine Zeilen erhalten und bin herzlich erfreut, daß meine Voraussetzung die rechte war. Gebe der Dämon weiteres Glück! — Den „Beethoven“ Dir jetzt zu schicken, erlaubt die Post nicht. Du bekommst ihn erst im Januar.
112. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester
schönsten Dank für Eure angenehmen Briefe. Ich war als ich sie empfing, froh, noch einen Tag mit Briefschreiben gewartet zu haben; sonst wäre wieder eine Kreuzung entstanden. Auch bekam ich in Betreff der wesentlichen Frage (nämlich in Betreff Weihnachtens) soviel Aufschlüsse in Euren Briefen als ich brauche. Ich erinnre nur, daß man in diesem Jahre sehr viel Zeit bei allen Sendungen braucht. Darum werde ich mich beeilen, das was ich etwa zu schicken haben sollte, Euch bald zu schicken. An Gersdorff habe ich heute geschrieben, in der Voraussetzung, daß er den Brief ungefähr um Weihnachten erhalten wird, (falls er lebt!) Ich verlebe die Ferien in Tribschen, wo man es gar nicht verstehen würde, wenn ich fehlte. Auch werden dort schöne Musikvorbereitungen gemacht. Wagner hat eine Tribschener Symphonie componirt zur Geburtstagsfeier seiner Frau (am ersten Feiertage). Von Wagner ist jetzt seine Schrift über Beethoven erschienen. Ich habe sie Gersdorff zugesandt (als Geburtstagsgeschenk, auch für den ersten Feiertag) Mit Weihnachtsgeschenken bin ich in Verlegenheit. W. will ich eine geschriebene Abhandlung schenken (Du kennst sie zum Theil, liebe Lisbeth, sie wurde im Maderanerthal geschrieben) Aber für Frau W. habe ich gar nichts. Habt Ihr einen Einfall, so schreibt mir auf das Schnellste!
Diese Woche haben wir die Beethovenfeier gehabt. In der letzten Sitzung des akademischen Senats hat man Freund Heusler zum Rector der Universität, mich zum Sekretär gemacht. Neue Beschwerden! Der junge Vischer legt seine Bibliothekarstellung nieder und Sieber wird wahrscheinlich Bibliothekar. Frau Bischoff hat mich zu Weihnachten eingeladen, aber nachdem ich bereits mich nach Tribschen versprochen hatte. Sonst mehrfache Einladungen, bei Vischers, Hoffmann, Gerlach, Bernoulli usw.
Mit der Gesundheit geht es besser. Aber ich muß mich mit dem Hals sehr vorsehen und bin noch mehrere male von Hoffmann gepinselt worden. Auch trage ich einen Respirator und schätze diese Erfindung sehr.
Ich esse immer noch zu Hause. Mit Hartmann und Schwendener zusammen zu essen hat sich nicht gemacht — an mir hat’s nicht gelegen.
Es giebt viel zu thun: 6 Stunden Pädagogium, 8 Universität. Dazu die Sitzungen der Regenz, Fakultät, Bibliothekscommission und Pädagogiumsconferenz!
Für den jetzigen deutschen Eroberungskrieg nehmen meine Sympathien allmählich ab. Die Zukunft unsrer deutschen Cultur scheint mir mehr als je gefährdet.
Mit den herzlichsten Grüßen Euer
Fritz.
NB. Ich reise am Freitag vor dem Feste nach Tribschen ab.
— Unser Philosoph Teichmüller hat einen Ruf nach Dorpat; wenn Wenkel eine wissenschaftliche philosoph. Abhandlung geschrieben hätte, so könnte man ihn zum Vorschlag bringen.
113. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
keine Minute ist seit dem Lesen Deines Briefes verflossen, und schon schreibe ich. Ich wollte Dir nämlich nur sagen, daß ich ganz gleich fühle wie Du und es für eine Schmach halte, wenn wir nicht einmal aus diesem sehnsüchtigen Schmachten durch eine kräftige That herauskommen. Nun höre, was ich in meinem Gemüthe mit mir herum wälze. Schleppen wir uns noch ein Paar Jahre durch diese Universitätsexistenz, nehmen wir sie wie ein lehrreiches Leidwesen, das man ernsthaft und mit Erstaunen zu tragen hat. Es soll dies unter anderem eine Lernzeit für das Lehren sein, auf das mich auszubilden mir als meine Aufgabe gilt. Nur habe ich mir das Ziel etwas höher gesteckt.
Auf die Dauer nämlich sehe auch ich ein, was es mit der Schopenhauerischen Lehre von der Universitätsweisheit auf sich hat. Es ist ein ganz radikales Wahrheitswesen hier nicht möglich. Insbesondre wird etwas wahrhaft Umwälzendes von hier aus nicht seinen Ausgang nehmen können.
Sodann können wir nur dadurch zu wirklichen Lehrern werden, daß wir uns selbst mit allen Hebeln aus dieser Zeitluft herausheben und daß wir nicht nur weisere, sondern vor allem bessere Menschen sind. Auch hier spüre ich vor allem das Bedürfniß, wahr sein zu müssen. Und wiederum ertrage ich deshalb die Luft der Akademien nicht mehr zu lange.
Also wir werfen einmal dieses Joch ab, das steht für mich ganz fest. Und dann bilden wir eine neue griechische Akademie, Romundt gehört gewiß zu uns. Du kennst wohl auch aus Deinem Besuche in Tribschen den Baireuther Plan Wagners. Ich habe mir ganz im Stillen überlegt, ob nicht hiermit zugleich unsererseits ein Bruch mit der bisherigen Philologie und ihrer Bildungsperspektive geschehen sollte. Ich bereite eine große adhortatio an alle noch nicht völlig erstickten und in der Jetztzeit verschlungenen Naturen vor. Wie kläglich ist es doch, daß ich Dir darüber schreiben muß, und daß nicht jeder Einzelgedanke mit Dir bereits längst durchsprochen ist! Und weil Du diesen ganzen vorhandenen Apparat nicht kennst, wird Dir vielleicht gar mein Plan wie eine excentrische Laune erscheinen. Das ist er nicht, er ist eine Noth.
Ein eben erschienenes Buch von Wagner über Beethoven wird Dir Vieles andeuten können, was ich jetzt von der Zukunft will. Lies es, es ist eine Offenbarung des Geistes, in dem wir — wir! — in der Zukunft leben werden.
Sei es nun auch, daß wir wenig Gesinnungsgenossen bekommen, so glaube ich doch, daß wir uns selbst so ziemlich — freilich mit einigen Einbußen — aus diesem Strome herausreißen können und daß wir eine kleine Insel erreichen werden, auf der wir uns nicht mehr Wachs in die Ohren zu stopfen brauchen. Wir sind dann unsere gegenseitigen Lehrer, unsre Bücher sind nur noch Angelhaken, um jemand wieder für unsre klösterlich-künstlerische Genossenschaft zu gewinnen. Wir leben, arbeiten, genießen für einander — vielleicht daß dies die einzige Art ist, wie wir für das Ganze arbeiten sollen.
Um Dir zu zeigen, wie ernsthaft ich das meine, so habe ich bereits angefangen, meine Bedürfnisse einzuschränken, um einen kleinen Rest von Vermögen mir noch zu bewahren. Auch wollen wir in Lotterien unser „Glück“ versuchen, wenn wir Bücher schreiben, so verlange ich für die nächste Zeit die höchsten Honorare. Kurz jedes nicht unerlaubte Mittel wird benutzt, um uns äußerlich in die Möglichkeit zu versetzen, unser Kloster zu gründen. — Wir haben also auch für die nächsten Paar Jahre unsre Aufgabe.
Möge Dir dieser Plan vor allem würdig erscheinen, überdacht zu werden! Daß es vor allem Zeit sei, ihn Dir vorzulegen, dafür giebt mir Dein eben empfangener, wirklich ergreifender Brief Zeugniß.
Sollten wir nicht im Stande sein, eine neue Form der Akademie in die Welt zu setzen
„und sollt ich nicht, sehnsüchtigster Gewalt,
„Ins Leben ziehn die einzigste Gestalt?“
wie Faust von der Helena sagt.
Von diesem Vorhaben weiß Niemand etwas, und von Dir soll es nun abhängen, ob wir jetzt auch Romundt eine vorbereitende Mittheilung machen.
Unsre Philosophenschule ist doch gewiß keine historische Reminiscenz oder eine willkürliche Laune — treibt uns nicht eine Noth auf diese Bahn hin? — Es scheint daß unser Studentenplan, unsre gemeinsame Reise, in einer neuen, symbolisch größeren Form wiederkehrt. Ich will nicht der sein, der Dich wiederum, wie damals, im Stiche läßt; es wurmt mich immer noch.
Mit den besten Hoffnungen Dein
getreuer Frater Fridericus.
Vom 23 Dez. bis 1 Januar bin ich in Tribschen bei Luzern. — Von Romundt weiß ich nichts.
113a. An Gustav Schönberg
Lieber Freund,
ich bedaure sehr, daß wir uns seit unsrer Trennung noch gar nicht wieder gesehen haben. Und was ist an uns inzwischen vorübergegangen! Auch weiß ich, daß Du etwas besonders Schmerzliches erlebt hast. Ach wer ist in diesem Jahre nicht in irgend einer Weise ein Trauernder!
Heute schreibe ich, um von Dir mir etwas Näheres über Deinen Freund und - so viel ich weiß oder hoffe - meinen Gesinnungsgenossen Hr. Jonas zu erbitten. Das soll heißen: ein Verzeichniß dessen, was er geschrieben hat, Schilderung seiner augenblicklichen Stellung, etwaige Lehrer oder bekannte philosophische Freunde, an die man sich wenden könnte, um von ihnen ein offizielles Zeugniß zu bekommen, schließlich noch Deine Meinung, ob er überhaupt auf einen philosophischen Lehrstuhl aspirirt. Mit solchen Dokumenten versehn möchte ich wohl einen Versuch wagen.
Mit herzlichen Wünschen für Dein Wohl, und auch für diesen uns gemeinsamen Plan
Dein Freund
Friedr Nietzsche.
An Bindings richte doch meine Grüße aus. Ich denke in einem der ersten Sonntage des neuen Jahres meine werthen Freiburger Freunde zu besuchen.
114. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Schönsten Gruß zum
Weihnachtsfest,
dies Jahr giebt nicht viel her. Seien wir froh, daß es balde zu Ende ist: ohne daß es uns selbst verschlungen hat. Schließlich ist dies immer noch das beste Geschenk, was wir uns machen können.
Nehmt fürlieb, mit dem, was ich Euch hier schicke. Die Berzeliuslampe soll einem längst gefühlten Bedürfnisse entgegenkommen, außerdem an Euren Baseler Besuch erinnern. Die bunten Lichter und die Chokoladenschachtel sollen das Allzuhausbackne dieses Lampen-geschenks ein wenig verdecken. Ob mit Erfolg, bezweifle ich.
Dir, liebe Lisbeth, ein Band Schumannscher Lied<er> — es sind viel mehr darin als Du Dir gewünscht hast, was hoffentlich nicht übel vermerkt wird — die obligaten Handschuh und ein Schachbrett. Wenn Du nicht zufrieden bist, so sag’s nur, ich nehm’ es diesmal gar nicht übel.
Voila tout! „Siehe hier ist alles“ sagt der Deutsche. —
Allgemeines Erstaunen. Man hatte doch mehr erwartet. So ruppig ist noch kein Weihnachten ausgefallen, Hohn und Gelächter begleiten die Eröffnung des Baseler Weihnachtskistchens.
Ich verschwinde verschämt im Hintergrunde
FN.
NB. Abgesendet am Samstag vorher, so daß die Post eine Woche Zeit hat.
115. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester,
noch habe ich gerade ein Stündchen frei, um Euch recht angelegentlich zu danken: und ich hoffe daß mein Dankebrief am ersten Feiertag eintrifft, so daß Ihr an diesem Tage doch wenigstens ein Lebenszeichen von mir bekommt. — Je kärglicher meine Bescheerung für Euch ausgefallen ist, um so reichlicher die Eure für mich — nach der Lehre daß Einer immer besser wegkommt als zwei. Alles, was Ihr mir zu mäßigem Gebrauche dichterisch angerathen habt, ist glücklich in meine Hände gelangt, auch der Senker der Ampelpflanze. Nur der Kamm ist bis jetzt unsichtbar. Der Teppich hat mir viel Freude gemacht. Vor dem Bett wollte er sich nicht recht machen; er contrastirt mit der einfachen Schlafkammer zu sehr. Jetzt ist er in die Stube gelegt und zwar gleich an die Thür. Hier habe ich einen der alten Teppichstreifen weggenommen und ihn unter den Schreibtisch gelegt — wo ein Teppich für meine Füße nöthig war.
Freilich überstrahlt der neue Teppich alle vorhandenen Farben: nun, die Zeit wird das Ihre thun, diese Pracht zu mäßigen — nach dem Satze
„Übe immer Maß und Ziel,
Teppich! prange nicht zu viel!“
Die Königlichen Büsten zieren das Zimmer, wenn mir gleich diese blutgetränkten Herrlichkeiten auf die Dauer entsetzlich vorkommen. Nun, in Gyps erträgt man diese Herren, in natura weniger. Genug, daß ihre Standbilder bereits zur Seite der Lampe glänzen.
Die Ampel, wie Ihr Euch wohl auch vorgestellt habt, ist mir etwas recht Angenehmes, besonders wenn erst so ein lebendes Wesen, wie die Ampelpflanze darin sitzt und eifrig die schlechten Dünste des Zimmers aufsaugt.
Die frommen Wünsche für das Porte-monais sind so gut als es selber. Ich habe es sofort in Dienst genommen und heute bereits 500frs.aus ihm ausgegeben (heute ist Rechnungstag, Schneider und die Buchhandlungen usw sind bezahlt)
In Summa: auch alles Übrige war gut gewählt und „luschtig“, wie man hier sagt — nur die Absenz des Kammes bekümmert mich.
Die letzte Zeit war recht angreifend. Auch durch Geselligkeiten. Ich hatte zwei Abende Herrengesellschaft. Heute Abend bin ich bei Gerkrats, und Schönberg kommt von Freiburg dahin.
Morgen gehts nach Tribschen. So eben bekomme ich noch ein Telegramm von Wagner: er ladet mich zur Probe der Musikaufführung ein, die morgen, gleich nach meiner Ankunft in Luzern, im Hôtel du lac, ohne jedes Wissen der Frau Wagner, stattfinden wird.
Meine Geschenke sind diese: für Wagner habe ich ein von ihm längst gewünschtes Lieblingsblatt von Albr. Dürer „Ritter, Tod und Teufel“ das mir durch glücklichen Zufall in die Hände gekommen. Für Frau Wagner den bezeichneten Aufsatz, den ich selbst schön abgeschrieben habe. Für Herrn Richter eine Cigarrentasche in grünem Safian. Für die Kinder kleines Spielzeug aller Art.
Alles kommt mir recht schicklich vor. Ich freue mich sehr auf diese nächste Woche.
Ich lese wieder von einem neuen Ausfall in Paris und zwar gegen die Garden: was wieder Besorgnisse macht. Neulich habe ich an Gersdorff geschrieben und Wagners Photographie nebst Autograph beigelegt.
Rohde hat mir in schönster Weise von sich Nachricht gegeben: er ist in Kiel Privatdozent und hat 5 Zuhörer. (Es giebt nämlich nur 6 Philologen dort)
Nun wünsche ich Euch einen guten Abend, nochmals dankend und meinerseits um so mehr, als mir meine Sendung gar zu ärmlich vorgekommen ist. Aber es hilft nicht. Wir sind nun einmal nur Professor, ohne Aussicht, Millionär zu werden, ja ohne auch nur es zu wollen.
Von Tribschen aus schreibe ich Euch wieder.
Mit herzlichen Grüßen und der
Bitte fürlieb zu nehmen Euer
Fritz.
116. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Meine liebe Mutter und Schwester,
zum Jahreswechsel empfangt meine Wünsche, die diesmal besonders lebhaft sind weil wir alle die stillen und lauten Befürchtungen haben, daß wir einer noch schlimmeren Zeit entgegengehn als die gegenwärtige ist. Die Nachwirkungen des Krieges sind mehr zu fürchten als der Krieg selbst mit seinen ungeheuren Verlusten. —
Gestern habe ich von Dir, liebe Lisbeth, Geld und Brief bekommen, ich ersah aus der Schlußbemerkung, daß mein Weihnachtskistchen richtig angekommen ist.
Hier geht es mir so gut als ich nur irgendwie wünschen konnte, und wir haben ein sehr schönes Weihnachten gefeiert. Die Feier des 25 t. als des Geburtstages der Frau W. war vollendet und einer ausführlichen Erzählung werth. Das „Tribschener Idyll“, wie der von W. componirte wunderschöne Symphoniesatz genannt ist, gehört zu dem Allerschönsten was es giebt. Die Musiker waren, wie wir, ganz begeistert. Vielleicht bekomme ich bald einen vierhändigen Klavierauszug: was Gustav Krug sehr interessiren wird.
Zu Weihnachten bekam ich ein prachtvolles Exemplar des „Beethoven“, dann eine stattliche Ausgabe des ganzen Montaigne (den ich sehr verehre) und — etwas ganz Einziges — das erste Exemplar vom Klavierauszuge des „Siegfried“ erster Act, eben fertig geworden, während noch ein Jahr vergehen kann, ehe der Klavierauszug dieses Werkes in die Öffentlichkeit kommt.
Heute kam von Gersdorff ein Brief an Wagner an. Somit lebt er noch.
Bevor ich abreiste, war ich noch den Abend bei Gerkrats zum Ausputzen des Weihnachtsbaumes: auch Schönberg war zugegen und ebenfalls der vortreffliche Overbeck.
Von Doris Brockhaus Verheiratung werdet Ihr auch unterrichtet sein. Am 4 Januar ist die Hochzeit.
Am Neujahrstage fahre ich wieder nach Basel zurück. Es giebt immer noch eine lange Hälfte des Wintersemesters.
Wir haben tiefen Schnee und rings um Tribschen herum große Einöde.
Nun lebt wohl, so gut es gehen mag und betretet das neue Jahr mit den alten Empfindungen. Die gute Tante grüßt herzlich von mir. Es fehlt mir die Lust, ihr zu schreiben, auch die Zeit. Ich bemerke, daß ich der Großmama längst geschrieben habe, nämlich in der ersten Woche, die ich wieder in Basel verlebte: wie ich doch versprochen hatte.
Grüßt die mir wohlwollenden Menschen
und denkt auch im neuen Jahre
gern an Euren
F.
NB. nebst den Grüßen von meinen Gastfreunden, die Dir, liebe Lisbeth, sehr freundlich gesinnt sind.
117. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Verehrtester Herr Geheimrath,
auch ich wünsche Ihnen zum Jahreswechsel auszudrücken, daß ich Sie immer in dankbarster Erinnerung halte und über nichts mehr erfreut sein kann, als wenn ich von Ihrem rüstigen Wohlbefinden und Ihrem Wohlwollen gegen mich höre. Möge uns allen das neue Jahr eine leidliche und erträgliche Antwort auf die vielen Fragezeichen geben, zu denen uns die Gegenwart zwingt, möge vor allem die staatliche Machtentfaltung Deutschlands nicht mit zu erheblichen Opfern der Kultur erkauft werden! Einiges werden wir jedenfalls einbüßen und hoffentliche auch dies nur in Hoffnung auf eine spätere reichliche und vielfältige Wiedererstattung
Um Ihen etwas von meinen Studien zu berichten — so bin auch ich recht ordentlich in die Netze der Rhythmik und Metrik gerathen, bekenne Ihnen übrigens meine Überzeugung, daß je mehr wir von der modernen Musik zum Verständniß der Metrik hinzugewonnen haben, wir um so weiter uns auch von der wirklichen Metrik des Alterthums entfernt haben; wenn ich auch glaube daß dieser ganze Prozeß von G. Hermann bis H. Schmidt einmal durchgemacht werden mußte. Mit Westphal bin ich fast in allen wesentlichen Punkten nicht mehr einverstanden. Sehr freue ich mich darauf, in dem angekündigten Buche von Brambach auch Ihre Lehren (so viel ich weiß, in der Vorrede) vorzufinden; wenn Brambach selbst noch im Sinne seiner „Sophokleischen Studien“ dies neue Buch verfaßt hat, so fürchte ich auch ihn auf einem Irrpfade anzutreffen. Hier thut einmal ein völliger Radikalismus noth, eine wirkliche Rückkehr zum Alterthum, selbst auf die Gefahr hin, daß man in wichtigen Punkten den Alten nicht mehr nachfühlen könnte und daß man dies gestehn müßte. —
Von der Berufung des Prof. Lange nach Leipzig habe ich in diesen Tagen gelesen. Ich habe mir den Mechanismus dieser Berufung nicht klar machen können, weil ich seit dem Oktober nichts mehr von Leipzig gehört habe. Jedenfalls spüre ich, daß Bursian nicht durchgebracht worden ist: vielleicht ist Lange das Resultat eines Compromisses. —
Mit meinen Baseler Verhältnissen bin ich zufrieden. Jetzt wird ein philosophischer Lehrstuhl frei, da Teichmüller nach Dorpat berufen ist. Ich lese jetzt Hesiod und Metrik, im Seminar Cicero’s Academica. Wir haben 12 Zuhörer. Der alte Gerlach ist von unverwüstlicher Natur und — jedenfalls für das Pädagogium ein sehr guter Lehrer. Was mir hier fehlt, ist eins: Zeit.
Ich komme zum Schluß und wiederhole meine Wünsche für Ihr Wohlergehen. Zugleich bitte ich Ihrer Frau Gemahlin meine herzliche Gratulation aussprechen zu dürfen.
In steter Treue und Dankbarkeit
Ihr Friedrich Nietzsche
1870 (64 Briefe)
55. An Kassian Knaus in Basel
Уважаемый господин,
здесь печать приведена еще раз в более четком оттиске: вы видите, что герб содержит 7 звезд («Плеяды»).
Что касается размера, то он должен быть ровно в два раза больше нарисованного вами герба.
С просьбой о скорейшем
выполнении этой работы
Профессор д-р Ницше
Шютценграбен 45.
56. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Вот, дорогая Лизбет, посылаю тебе саше от Guerlain: я никак не мог придумать, как переслать тебе немного конфетти. Я приложил два экземпляра своего доклада, на случай, если ты захочешь их подарить. Но делай это с осторожностью и, во всяком случае, не от моего имени.
Но прежде всего, дай знать насчет 2-го февраля: у меня сейчас очень много дел. Лучше всего, если ты сама что-нибудь для меня устроишь.
С самыми наилучшими пожеланиями!
Ф.
57. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогая Лизбет, большое спасибо за письмо и новости. К этому времени ты уже должна была получить от меня весточку. Сегодня я прилагаю письмо от доброй Гримменштайн, которое, возможно, порадует вас еще больше, чем меня. Но главное — это обсуждение по поводу 2-го февраля. Знаешь, я покупаю такие вещи, как альбомы, ужасно дороже, чем ты, например. К тому же добавится еще и транспортировка, так что я убежден, что плачу вдвое больше за вещь вдвое худшего качества. Возьми же эту покупку на себя и не покупай дешевле, чем за 4—5 талеров. Это признак благопристойности дома — иметь приличный альбом, сейчас, когда он есть у каждой служанки. Деньги с моих процентов у тебя, вероятно, еще остались. Затем добавь еще несколько мелочей на твой вкус и на радость нашей матери. Мое письмо к ней должно прибыть первого февраля. — Теперь ты уже «практически» будешь знать, что такое саше от Герлена. — Удачи на «философских» бальных развлечениях — не моя страсть! бррр — р!
— Недавно я прочел одну публичную лекцию: 2-го февраля будет вторая. — Я жду Пасхи, только у нас совершенно сумасшедшее расписание каникул! Нужно что-то придумать! — Работы много. Я подумываю завести себе собаку — датского дога. брр — — — — р! и т. д.
Итак, остается в силе
обещание
Ф.
58. An Erwin Rohde in Rom
Мой дорогой друг,
недавно меня охватило беспокойство о том, как ты поживаешь в Риме и насколько отрешенно и одиноко ты, возможно, там живешь. Вполне вероятно, что ты болен, без должного ухода и дружеской поддержки. Успокой меня и избавь от моих пессимистических мыслей. Рим времен Собора кажется мне таким пугающе ядовитым — нет, я не хочу больше писать, ибо тайна переписки для меня недостаточно надежна во всех церковно-иезуитских делах: могут выведать, что написано в письме, и заставить тебя за это поплатиться. — Ты изучаешь древность и живешь в Средневековье. —
Теперь я хочу сказать тебе кое-что очень настойчиво. Подумай о том, чтобы на обратном пути некоторое время пожить у меня: знаешь, возможно, это будет последний раз на долгое время. Я невероятно скучаю по тебе: доставь же мне отраду своего присутствия и позаботься о том, чтобы она не была такой короткой. Ведь для меня это новое чувство — не иметь рядом совершенно никого, кому можно было бы доверить самое лучшее и самое тяжелое в жизни. К тому же нет даже по-настоящему симпатичного коллеги по профессии. Моя дружба в таких отшельнических обстоятельствах, в столь молодые и тяжелые годы, приобретает поистине патологический оттенок: я прошу тебя, как просит больной: «приезжай в Базель!»
Моим истинным и бесценным убежищем остается для меня Трибшен близ Люцерна: жаль только, что бывать там удается редко. Рождественские каникулы я провел там: прекраснейшее и возвышеннейшее воспоминание! Совершенно необходимо, чтобы ты тоже был посвящен в эту магию. Как только ты станешь моим гостем, мы вместе отправимся к другу Вагнеру. Не можешь ли ты написать мне что-нибудь о Ференце Листе? Если бы ты мог совершить обратный путь через озеро Комо, это была бы прекрасная возможность доставить нам всем радость. Мы, то есть мы, трибшенцы, положили глаз на виллу у озера, близ Фьюме-латте, под названием «Вилла Капуана», два дома. Не мог бы ты подвергнуть эту виллу осмотру и критике?
О смерти Вакернагеля ты, вероятно, читал. Планируется, что Шерер в Вене должен заменить его. Также ожидается новый теолог, Овербек из Йены. Ромундт — воспитатель у профессора Чермака и хорошо устроен, спасибо Ричлю. Рёшер, который написал мне о своем теплейшем почтении к тебе, работает «значительным» педагогом в Баутцене. Бюхера, говорят, зовут в Бонн. В Рейнском музее теперь латинский шрифт. Я выступил с докладом перед смешанной аудиторией на тему «Античная музыкальная драма» и 1 февраля читаю второй — о «Сократе и трагедии». Я все больше проникаюсь любовью к эллинству: нет лучшего средства приблизиться к нему, чем неустанное совершенствование своей собственной личности. Степень, которой я достиг сейчас, — это самое постыдное признание моего невежества. Существование филолога в каких-либо критических изысканиях, но в 1000 миль в стороне от греческого духа, становится для меня все более невозможным. Также я сомневаюсь, смогу ли я когда-нибудь стать настоящим филологом: если я не достигну этого попутно, случайно, то ничего не выйдет. Беда в том, что у меня нет образца, и я рискую остаться дураком-одиночкой. Мой ближайший план — четыре года работы над собой, затем многолетнее путешествие — возможно, с тобой. У нас действительно очень тяжелая жизнь, сладкое невежество под рукой учителей и традиций было таким счастливо-безопасным.
Кстати, ты мудр, если не выбираешь такой маленький университет в качестве места жительства. Человек становится одиноким даже в своей науке. Что бы я отдал за то, чтобы мы могли жить вместе! Я совсем разучиваюсь говорить. Но самое тягостное для меня то, что я всегда должен представлять из себя что-то: учителя, филолога, человека, и что я должен доказывать свою состоятельность всем, с кем общаюсь. А это я делаю очень плохо и разучиваюсь все больше. Я замолкаю или уже намеренно говорю лишь столько, сколько принято говорить вежливому светскому человеку. Короче говоря, я собой недоволен больше, чем миром, и поэтому тем более привязан к самому дорогому мне человеку.
Середина февраля. У меня сейчас сильное опасение, что мои письма не доходят до тебя, а твои — до меня: с ноября я ничего не слышал. Моя глубокоуважаемая подруга Козима посоветовала мне получить сведения о тебе через ее отца (Ференца Листа). Я сделаю это в ближайшее время, а сегодня пробую еще раз с письмом. — О Соборе мы хорошо осведомлены благодаря «римским» письмам в Аугсбургской газете: знаешь ли ты автора? Только не подавай виду: его ужасно разыскивают. — Я прочитал здесь доклад о Сократе и трагедии, который вызвал ужас и недопонимание. Зато благодаря ему связь с моими трибшенскими друзьями стала еще крепче. Я становлюсь ходячей надеждой: даже Рихард Вагнер в самой трогательной манере дал мне понять, какое предназначение он для меня видит. Все это очень пугает. Ты, вероятно, знаешь, как Ричль отозвался обо мне. Но я не хочу поддаваться смущению: литературных амбиций у меня, собственно, совсем нет, примыкать к господствующему шаблону мне не нужно, потому что я не стремлюсь к блестящим и знаменитым должностям. Зато я хочу, когда придет время, высказываться так серьезно и откровенно, как только возможно. Наука, искусство и философия сейчас так сильно сплетаются во мне, что я, во всяком случае, когда-нибудь рожу кентавров.
Мой старый товарищ Дойссен всем сердцем и душой перешел к Шопенгауэру, как последний и старейший из моих друзей. Виндиш на год в Англии, на службе в Ост-Индском офисе, чтобы сравнивать санскритские рукописи. Ромундт основал Шопенгауэровское общество. — Только что вышла скандальная статья против Ричля (против его критики Плавта и исхода на D): автор Бергк, к позору немецкой учености.
Еще раз самый прекрасный и сердечный привет. Я радуюсь весне, потому что она приведет тебя через Базель: только сообщи мне, когда это произойдет: на пасхальные каникулы я со своими буду на Женевском озере.
Прощай! Прощай!
59. An Franziska Nietzsche in Naumburg
Вот, дорогая именинница и мама, очень быстро написанное поздравительное письмо! Ибо дела не ждут, школа; но еще больше — публичная лекция, которую нужно прочитать сегодня вечером и с которой я еще сильно отстаю. Однако это нисколько не умаляет сердечности моих пожеланий: а завтра я, по нашему старому обычаю, отпраздную сам день, заказав себе гиацинт — ведь так называется твой именинный цветок, не правда ли? У меня с ботаникой «в затруднении» (саксонский французский). Затем я закажу себе блины (я также обнаружил пекаря, единственного в Базеле, который умеет печь рождественские штоллены). А в полдень я поставлю на стол два бокала и, чокнувшись ими, устрою большой именинный шум. Таково мое запланированное торжество, сопровождаемое самыми прекрасными пожеланиями благополучия тебе и твоим детям.
(1-й пушечный выстрел! Бах!)
Рассказать мне почти нечего. Приглашения после Рождества поступают довольно часто, и я принимаю их с чувством долга, чтобы показать здесь свою добрую волю.
В воскресенье мы праздновали день рождения у директора Геркрата. Из Трибшена я всегда получаю самые трогательные знаки внимания: во все дни, когда у меня намечено что-то особенное, обязательно приходит письмо: это лучшие люди на свете.
У Виндиша есть верная перспектива по поручению Ост-Индской компании (прости этот в любом случае ужасный английский!) провести год в Лондоне (с ок. 1600 талеров), чтобы каталогизировать санскритские рукописи. Дойссен написал мне сегодня длинное письмо: он полностью обратился в шопенгауэрианство и чрезмерно хвалит мою статью о Гомере, что порадует Лизбет больше, чем меня.
Мое время вышло: давайте быстро еще дважды, как старый артиллерист, произведем выстрел из орудия
Бах!
Бах!
крикнем «ура!» и остаемся
с поздравлениями
Фр.
60. An Paul Deussen in Minden
Мой дорогой друг,
невероятно, насколько твое последнее письмо отличалось от всей твоей прежней эпистолярной литературы. Теперь, наконец, долгая отчужденность между нами исчезла, после того как мы оба заговорили на одном языке и перестали вкладывать разный смысл в одни и те же слова. Возможно, если бы мы всегда оставались вместе, тебе удалось бы избежать несколько утомительного, не самого ровного и прямого пути к нынешней высоте твоего образования, заменив его более естественной и мягкой тропой. По крайней мере, из всех моих друзей ты последний, кто нашел путь к мудрости. Теперь, наконец, у меня и на твой счет появились лучшие надежды: многие туманы падут с твоих глаз. Конечно, ты почувствуешь себя более одиноким, чем когда-либо: так же, как чувствую себя я. К тому же многие блестящие и бросающиеся в глаза жизненные позиции нам больше недоступны, да и не стоят того, чтобы к ним стремиться. Духовное отшельничество и изредка беседа с единомышленниками — наш удел: мы нуждаемся в утешениях искусства больше, чем другие существа. Мы также не хотим никого обращать в свою веру, ибо чувствуем, что эта пропасть создана самой природой. Сострадание становится для нас по-настоящему близким чувством. Мы все больше и больше умолкаем — бывают дни, и их очень много, когда я говорю только по долгу службы, и больше ни слова. Конечно, у меня есть неоценимое счастье иметь в качестве настоящего друга истинного духовного брата Шопенгауэра, который относится к нему так же, как Шиллер к Канту, — гения, которому выпал тот же ужасно возвышенный жребий: прийти на столетие раньше, чем его смогут понять. Поэтому я глубже заглядываю в бездны того идеалистического мировоззрения: я также замечаю, как мое философское, моральное и научное стремление направлено к одной цели и что я — возможно, первый из всех филологов — становлюсь целостным. Как удивительно по-новому и преображенно выглядит для меня история, особенно эллинство! Я хотел бы вскоре прислать тебе свои последние лекции, из которых последняя («Сократ и трагедия») была воспринята здесь как цепь парадоксов и отчасти вызвала ненависть и ярость. Соблазны должны прийти. Я уже разучился проявлять осторожность в главном: по отношению к отдельному человеку будем сострадательны и уступчивы, но в выражении своего мировоззрения — тверды, как древнеримская добродетель.
Теперь ты, вероятно, будешь писать мне чаще: ведь у тебя самого должна возникнуть потребность выплеснуть кому-то свои новые переживания. К тому же тебе вряд ли удастся найти того, кто пережил столько обращений и так часто любил восторженное неофитство в других.
Искренне твой
Ф. В. Ницше
61. An Paul Deussen in Minden
Мой дорогой друг,
я совсем забыл ответить на твое последнее письмо: тем сильнее оно занимало меня, и во всяком случае у меня часто возникало твердое намерение написать тебе самые прекрасные и лучшие вещи. Ведь теперь ты стал одним из наших, да я бы даже осмелился назвать тебя в самом личном смысле «своим», если бы то намеченное тобой «создание» (из небесных высот или глубин Эльберфельда?) не возразило — или не возразило бы. Ибо я еще ничего не знаю точно: но надеюсь на одно совершенно определенно, что вскоре я буду введен в курс дела относительно того еще совершенно нейтрального существа, «создания», так, как это должно быть для тебя удовольствием. Ведь кому-то ты наверняка захочешь излить душу: а я привык получать эротические письма (а именно от влюбленных, желающих выговориться друзей). То, что философия здесь не имеет права голоса, я полностью одобряю: но тем более — истинное участие друзей и собственная мудрость.
Тем временем мне пришло в голову, что я ведь недавно уже писал тебе: как бы то ни было, я не припоминаю, чтобы уже говорил с тобой о «создании».
Печально, но характерно для невыразимо скудного немецкого общества, что ты находишь удовольствие в общении с актерами. Со мной было так же. Ореол свободного искусства падает и на его самых недостойных служителей. В остальном мы идеализируем этот слой общества: и порой вмешивается маленький демон, от которого Софокл с восторгом чувствовал себя спасенным. В общем, более серьезный человек может быть уверен, что в этих кругах его используют и высмеют. Но замечаешь это очень поздно, и поэтому это приятное времяпрепровождение. Мне это сословие сейчас неприятно.
Как ты переносишь одиночество? — Жизнь не имеет ровным счетом ничего общего с философией: но человек, вероятно, выберет ту философию и учение, которые больше всего объясняют нам нашу природу. Преобразование сущности через познание — это обычное заблуждение рационализма, с Сократом во главе.
Прощай, дорогой друг, и напиши мне как-нибудь откровенно. Почему ты всегда строишь такие красивые периоды и слова? Мы понимаем друг друга лучше без этого обволакивающего и скрывающего плаща риторики.
Рекомендованный тобой господин Рейнхард — приятный и рассудительный человек, пока еще теолог. Мне говорят, что он читает Канта, да он и сам спрашивал меня, стоит ли ему читать Шопенгауэра. Но я пока отсоветовал ему. Я осторожен.
В старой верности и
дружбе
Твой
Ф.Н.
62. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Это письмо только для тебя
Дорогая Лизбет,
Сообщаю тебе следующее под строжайшим секретом.
Оскар из Галле только что письменно просит меня одолжить ему на один год 200 талеров (под 5 процентов), и я спешу, так как деньги, по-видимому, нужны ему скоро, сообщить тебе о своем согласии. Главное, чтобы ни один человек, даже наша мать, не узнал об этом ни слова (из-за докучливой семейной болтливости и вообще!). Пожалуйста, устрой это дело как можно более ловко и уладь его немедленно. Я напишу сегодня Оскару, что ты — единственный человек, посвященный в это, и что послезавтра ты вышлешь ему деньги. Адрес: Галле, Штайнвег, № 24. Не пиши ни слова об этом: так будет приличнее. Но сохрани почтовую квитанцию.
Также сердечно благодарю тебя за хлопоты с подарками ко дню рождения. Я с изумлением услышал о твоих успехах на балах: всё же было лучше, что ты не провела зиму в Базеле. Впрочем, стоит ужасно зимняя погода: я только что вернулся из трибшенского уединения, весь закутанный в вагнеровские платки и одеяла. Наша дружба крепче, чем когда-либо. — От Роде у меня совсем нет известий, и уже давно: что в зловещей атмосфере Рима кажется мне весьма подозрительным; то, что его письма, поскольку они содержали новости о Соборе, были перехвачены, — моя наименьшая забота. Я хочу завтра написать Францу Листу, чтобы он дал мне о нем весточку.
Очень спешу, но тем не менее
с сердечностью
Твой брат.
Прекраснейшие приветы средневековой (44?) матушке.
63. An Oscar Oehler in Halle
Дорогой Оскар,
очень хорошо, что заказное письмо не содержит ничего неприятного, как я сначала опасался: еще лучше, что я наконец-то в состоянии оказать тебе небольшую услугу. Только в одном отношении ты должен меня извинить: поскольку у меня здесь, на месте, нет моих денег, мне пришлось сообщить об этом деле моему казначею, которая, кстати, может быть самым скрытным человеком в мире: моей сестре. Она как можно скорее вышлет тебе эту сумму.
Я бы с удовольствием узнал из твоего письма еще что-нибудь о твоем самочувствии, твоих намерениях и т. д. Я до сих пор с удовольствием вспоминаю наши встречи в Виттекинде, хотя для меня между тем временем и настоящим лежит огромная пропасть. Похоже, моя судьба — жить несколько быстро. Что делает тот «благородный» конь, на котором я тогда ездил? И дельный врач Фолькман, которого я с тех пор однажды снова встречал, не заговорив с ним, потому что он был одет фантастически безвкусно, как театральный еврей. И что стало с любезным господином Фольком? А с пышной, хотя и несколько опустившейся семьей Кеферштейнов, с которой я потягивал такие прекрасные ананасовые пунши?
Но чтобы не превращать мое письмо в вопросительный знак, я ставлю точку во всей этой истории, после того как сердечно поприветствовал тебя
как верный и
— в нашем случае — скрытный
племянник
Ф. Ницше, д-р.
64. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Прежде всего, дорогая Лизбет, большое спасибо по делу Оскара. От него я тоже не получил ни строчки ответа. — Сегодня две просьбы: есть ли у вас еще моя фотография? Собирают для альбома Коберштейна. Пожалуйста, отправь фотографию и 2 талера от моего имени: адрес, конечно, постарайся узнать у Фолькмана: это господин в Берлине, который стоит во главе комитета. Если ты узнаешь адрес, вложи, пожалуйста, лист бумаги и напиши на нем: | Д-р Фридрих Вильгельм Ницше, профессор классической филологии в Базеле (ученик Шульпфорты с Михайлова дня 1858 г. по Михайлов день 1864 г.) | Но это должно произойти в ближайшее время. Наконец, еще одно денежное дело. Я хочу купить здесь большую партию книг на сумму около 70 (семидесяти) талеров. Для этого ты должна обменять мне государственное долговое обязательство: затем внеси его на почте в франках на мой адрес, и сделай это как можно скорее. Извини, что я снова доставляю тебе такие неудобства. Большое спасибо за твое последнее письмо с описанием бальных прелестей. Здесь масленица: т. е. барабанят с 4 часов утра. Письмо от Роде.
Искренне твой
Брат
65. An Carl von Gersdorff in Berlin
Мой дорогой друг,
я бы давно написал тебе, если бы не жил в странном заблуждении: а именно, что не знаю твоего адреса, да и места твоего жительства. Я вообразил себе, что твоя новая юридическая профессия внесла изменения во все обстоятельства, и уже собирался обратиться в берлинский комитет Коберштейна, чтобы навести о тебе справки. Так вышло, что ты написал мне два письма подряд: и оба произвели на меня сильное впечатление и пробудили страстное желание снова тебя увидеть. Что ты думаешь о поездке в Швейцарию этим летом, скажем, в июле?
То, что мы теперь единодушны и в отношении Рихарда Вагнера, является для меня чрезвычайно ценным доказательством нашей близости. Ибо нелегко и требуется немалое мужское мужество, чтобы не сбиться с толку из-за этого ужасного шума. Порой встречаешь очень достойных и умных людей и в стане противников. Шопенгауэр должен помочь нам теоретически преодолеть этот конфликт: так же, как Вагнер делает это практически, как художник. Две вещи я всегда держу в уме: невероятная серьезность и немецкая глубина в мировоззрении и взглядах на искусство Вагнера, которые проистекают из каждого звука, являются для большинства людей нашего «нынешнего времени» мерзостью, как и аскеза и отрицание воли у Шопенгауэра. Нашим «евреям» — а ты знаешь, как широко простирается это понятие — особенно ненавистен идеалистический склад Вагнера, в котором он наиболее близок Шиллеру: эта пылкая, благородная борьба за то, чтобы наконец настал «день благородных», короче говоря, рыцарственность, которая максимально противоречит нашему плебейскому политическому шуму дня. Наконец, я часто встречаю даже у прекрасных натур взгляд индолентности, будто собственное усилие, серьезное углубленное изучение, чтобы понять такого художника и такие произведения искусства, вовсе не нужны. Как я обрадовался, что ты так усердно изучаешь «Оперу и драму»! Я немедленно сообщил об этом моим друзьям в Трибшене. Впрочем, для них мои друзья — не чужие люди: и если ты, скажем, после первого представления «Мейстерзингеров» захочешь написать подробное письмо Р. В., то это вызовет большую радость, и там уже будут точно знать, кто автор письма. Также само собой разумеется, что, когда ты навестишь меня, мы поедем в Трибшен. Это бесконечное обогащение жизни — узнать такого гения по-настоящему близко. Для меня все лучшее и прекраснейшее связано с именами Шопенгауэра и Вагнера, и я горд и счастлив быть в этом единомысленным с моими ближайшими друзьями. — Знаешь ли ты уже «Искусство и политику»? Также анонсирую тебе выход небольшой работы Р. В. «О дирижировании», которую лучше всего сравнить с эссе Ш. о «профессорах философии».
Меня очень опечалила судьба твоего доброго брата. Мы нередко встречались в Лейпциге, даже после твоего отъезда, и я всегда ценил его. Надеюсь, здесь еще все наладится. Но так жалка наша жизнь: со всех сторон зияет пагубное и ужасное. Нужно многое, чтобы сохранить мужественный дух. — Ах, и как же нужно сознание истинных друзей! Одиночество порой бывает слишком безрадостным. Преданный тебе Ф. Н.
Адр. Р. В.: Г-ну Рихарду Вагнеру в
Трибшен
близ
Люцерна.
66. An Carl von Gersdorff in Berlin
Мой дорогой друг,
в большой спешке несколько слов, к тому же радостного характера!
Тебе, безусловно, доставит удовольствие быть приглашенным самим Рихардом Вагнером на первое представление «Мейстерзингеров». Маэстро написал капельмейстеру Эккерту (Шёнебергер-уфер), чтобы тот от его имени зарезервировал для тебя место на день премьеры. Поэтому, пожалуйста, нанеси визит господину Эккерту и забери свой билет.
Всё это исходит от Р. В. и фрау фон Бюлов: ты видишь, как знают и чтят моих друзей. От всего сердца
Твой Фр.
Ницше.
67. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Шлю вам сердечный привет!
Вчера в университете я закрыл семестр: при этом я осознал, что занимаюсь этой деятельностью уже целый год. Недавно все мои слушатели были у меня в гостях; всё прошло очень весело, а угощение (из 5 блюд) было весьма знатным. — Ближайшее время должно быть посвящено пасхальной программе — и педагогике. Составление программы и печать должны быть завершены еще до вашего приезда. — Погода у нас все еще совсем зимняя: снова идет снег, все бело. Такая зима здесь, в Базеле, — нечто неслыханное: даже в Северной Германии я никогда не видел ничего подобного. Я, как это естественно при вечной смене температуры, был не совсем здоров: к тому же часто беспокоили зубные боли. Все очень ждут весны. А мы — как будущие попутчики — ждем ее особенно сильно.
Я навожу здесь справки о хороших пансионах на Женевском озере: в целом их очень хвалят, только не стоит выбирать слишком маленькие. Когда вы приедете, возможно, вы все-таки сможете остановиться в моем доме: что, конечно, было бы для нас гораздо удобнее. Все зависит от того, уедет ли один господин и на какой срок. — Прошу вас сделать еще один заказ у Хаверкампа, и вы привезете мне эти вещи. А именно: пиджак и жилет из более темной ткани (не черной, не зеленой, но, возможно, коричневой); у него ведь должны остаться мои мерки. Здесь я не могу заказывать работу без ущерба: пальто, которое я здесь заказал, мне совсем не нравится. Жилет почти не вырезан: все должно быть максимально «благородно», как говорят в Берлине. Ведь это должен быть парадный пиджак. —
Я получил известие от Герсдорфа, который работает в Берлине стажером: его единственный брат, взявший в аренду Острихен, вскоре проявил признаки полного физического и психического расстройства и был помещен в южногерманскую психиатрическую лечебницу. Сейчас это большая беда для семьи. Таким образом, наш Герсдорф все-таки стал владельцем майората. — В Берлине он очень увлекся Вагнером: и едва я сообщил об этом по случаю в Трибшен, как мне передали, что Р. В. пригласил Герсдорфа на первое исполнение «Мейстерзингеров» в Берлине, зарезервировав для него одно из почетных мест.
Д. Ромундт успешно сдал свой государственный экзамен и теперь является воспитателем юного Чермака. Виндиш, как я вам писал, уезжает на год в Лондон — или уже уехал.
Две мои лекции «о греческой трагедии» вызвали живой интерес; теперь они снова ходят по рукам в рукописи.
Индекс уже несколько месяцев находится в Бонне, но печататься будет только после Пасхи.
В заключение сердечно благодарю вас за письма и поручения; я получил франки в полном объеме. От Оскара я ожидал хотя бы пару строк: впрочем, это было необязательно.
С надеждой на весьма подробные новости
Ваш Фр.
68. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый и дорогой господин тайный советник,
конечно, Вы можете на меня рассчитывать. Подобное начинание уже давно было тайным желанием всех порядочных лейпцигских сокурсников; однако постепенно оно стало казаться мне необходимым. Но то, что Вы удостоили меня чести первой позиции, я принимаю близко к сердцу.
В данный момент мне нужно писать программу здешнего педагогического училища, что, однако, не должно отнимать у меня слишком много времени. Что касается Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis, то я вношу Вам следующее предложение:
Целая серия исследований о Гомере и Гесиоде в их взаимной связи, привязанная к небольшому так называемому сочинению «certamen Hesiodi et Homeri», достаточно подготовлена и продумана, чтобы наконец быть записанной. Мой план состоял в том, чтобы к осени закончить небольшую книжку в 12—14 печатных листов по этому вопросу. Теперь я с удовольствием отказываюсь от этого и предназначаю первую часть немедленно для «meletemata». Эта часть содержит новое издание (примерно на 12 страницах) certamen, первое рукописное со времен Генриха Стефана (в котором действительно есть какой-то толк), затем исследования об источниках этого сочинения: в общей сложности, возможно, 3 листа или более. Вы довольны этим?
Вы ведь позволите мне пригласить к участию в этом предприятии также моего друга и Вашего верного ученика Э. Роде? Если потребуется, я даже привлеку его к написанию статьи для первого выпуска.
Кстати, меня радует, что у меня снова появилась необходимость писать по-латыни, чтобы упражнениями немного улучшить свой то обветшалый, то тяжеловесный, всегда нездоровый стиль. Также я намерен собрать свои Laertiana в книгу.
В целом я сейчас полон надежд относительно своей филологии. Конечно, не из-за упомянутых мелких работ, а потому, что повсюду в фундаментальных взглядах и т. д. я чувствую рост, который сулит мне добрые плоды. Только мне нужно дать себе время для главного достижения.
Вот я и продержался год на академическом поприще. Идет, идет! Однако педагогическое училище отнимает много времени и энергии. Осенью я приеду к Вам в Лейпциг (могу ли я, быть может, выступить с докладом?) — Вам и Вашим глубокоуважаемым родным
наилучшие
пожелания от Фрид. Ницше
69. An Erwin Rohde in Rom
Прежде всего, дорогой друг, ужасное подозрение! Этой зимой я отправил 3 письма в Рим и недавно одно во Флоренцию (последнее — до востребования: демон посоветовал мне не вкладывать ἀγὼν). Но нечестивая комедия в Риме, по-видимому, делает почтовое сообщение по всей Италии небезопасным; и поэтому сегодня я пишу робко, как юная девица. Надеюсь рассказать тебе при нашей встрече в Базеле всё то, что доверил тем письмам. — Сегодня прими мою сердечнейшую благодарность за твоё любезное письмо; как же мне приятен такой голос здесь, где я довёл одинокие прогулки до виртуозности. Итак, жду тебя в первую неделю мая; наш семестр начинается 3-го числа. Но ты должен пожить у меня некоторое время. Это тебе не будет даровано, прежде чем судьба снова не разорвёт нас, как две ноги Родосского колосса, и не забросит тебя в Киль, а меня не оставит в Базеле.
Теперь предложение от меня и Ричля, самого недавнего времени. Ты знаешь «Грамматические исследования», которые издаёт Курциус: Р. пишет мне сегодня очень подробно о том, какие недостатки влечёт за собой этот институт. Курциус говорит каждому молодому докторанту: «Если вы хотите написать что-то грамматическое, то получите печать бесплатно». Сначала был locus de dialectis, теперь на повестке дня de praepositionum in l<inguae> g<raecae> usu и т. д. Все выводы ты сделаешь сам. Р. хочет теперь (по предложению Тойбнера) издать «Meletemata Societatis philologicae Lipsiensis» и просит меня написать большую статью для первого выпуска. Я почти пообещал ему выманить и у тебя нечто подобное. Третий в компании — Андрезен (с частью своих Emend. к «Диалогу»), затем Штюренбург с Lucretianis. Короче говоря, если мы только захотим, то начало будет положено вполне достойно. Я лично чувствую сильнейшую обязанность и — хотя это меня сейчас немного выбивает из колеи — безусловно и немедленно согласился. В первом выпуске должны быть наши статьи; иначе Р. хочет бросить всё дело. Кажется, таков фон. Ты знаешь, как любопытно, а порой и недоброжелательно со многих сторон смотрят на такой первый выпуск. Значит, он должен быть хорошим. Я дал себе слово верно поддерживать это предприятие. — Дай мне ответ. — Ты ведь знаешь, что Бюхелер переведён в Бонн, а Студемунд — в Грайфсвальд? Настолько ли твёрдо твоё решение насчёт Киля? Почему не Лейпциг? Только не бойся слишком долгой карьеры priv. docens. Я ещё совсем не уверен, что ты вообще в неё попадёшь. Подумай, ведь я уже преодолел целый год академической деятельности. Мне очень помогла близость моих друзей из Трибшена: провёл там рождественские каникулы, встречи каждые 2–3 недели, постоянная переписка — это меня удивительно взбодрило. Когда приедешь ко мне, прочтёшь новейшую брошюру Р. В., также мы вместе поедем в Трибшен. Вилла на озере Комо называется вилла Capuana, недалеко к северу от Фьюме-латте, прямо у озера, с 2 домами. — 2 доклада, которые я здесь прочитал (1 о греческой музыкальной драме, 2 о Сократе и трагедии), для многих были весьма предосудительны. Ты их тоже получишь, как и напечатанную вступительную лекцию. — Сейчас у меня самые лучшие надежды на мою филологию: только мне нужно дать себе много лет времени. Я приближаюсь к целостному взгляду на греческую древность, шаг за шагом, робко и изумлённо. — Виндиш уехал в Англию на год, на службу в Ост-Индское ведомство. Ромундт благополучно сдал государственный экзамен и стал домашним учителем у профессора Чермака в Лейпциге. В апреле я еду с матерью и сестрой на Женевское озеро и с 15 по 30 апреля буду жить на вилле близ Монтрё. Прощай! Счастливой встречи!
Твой верный друг Ф. Н.
70. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Теперь я наконец хочу дать вам более точные сведения о пасхальных каникулах. Я хотел сделать это раньше, но в последнее время из-за резкой смены погоды чувствовал себя неважно и болел гриппом. — Главное теперь в том, чтобы мы провели короткое время каникул вместе и действительно на Женевском озере, а не где-то еще. Это значит, что мы выезжаем из Базеля в Чистый четверг (в первый день каникул). Тогда мы сможем остаться на озере на 16 дней. В начале мая я должен вернуться обратно, к началу летнего семестра. — Дни перед Чистым четвергом для меня очень напряженные: экзамены, переводные и выпускные экзамены и т. д., затем мне нужно написать программу на Пасху. Если я все хорошо обдумаю, то мне кажется желательным, даже необходимым, чтобы вы прибыли в Базель в понедельник вечером, самое позднее во вторник вечером (перед Чистым четвергом): во всяком случае, не в среду. — Выделите себе достаточно времени на дорогу и посоветуйтесь с помощью новейшего расписания поездов и путеводителя Бедекера (по Южной Германии), как вам удобно и приятно доехать из Наумбурга до Базеля. Ни в коем случае не выбирайте ночные поездки: что в это время года очень сомнительно и опасно. Итак, примерно
Суббота: Отправление из Наумбурга в 7 часов 29 минут.
До обеда до Франкфурта (вечером в 8 часов)
Вербное воскресенье Франкфурт до Гейдельберга.
Понедельник Гейдельберг до Базеля (скорый поезд), прибытие вечером в 7.
Вторник
Среда
}
Базель.
Четверг отъезд и т. д.
Страстная пятница и т. д.
Что касается отелей, то одинокие женщины всегда выбирают лучшие, то есть те, которые у Бедекера названы первыми. В Гейдельберге у вас должно быть немного времени: ведь там очень красиво. — Впрочем, путешествие, как я его наметил, очень утомительно.
Когда вы немного изучите маршрут (с картой, Бедекером и расписанием поездов), то вам нужно будет спросить обо всех возможных деталях: и поэтому я жду весьма подробных писем. К сожалению, в моем доме нет свободной комнаты.
Бедекер по Швейцарии у меня есть. Но я должен заканчивать: дайте скорее подробный ответ и думайте в надежде на встречу о вашем
Ф.
71. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Пара слов!
Сегодня меня назначили профессором ordinarius. Сообщаю об этом своим друзьям.
Итак, в среду вечером в 7 часов до встречи на Баденском вокзале!
Ваш Фр.
72. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
с момента получения Вашего последнего письма я живу в постоянном беспокойстве и не знаю больше покоя. Узнайте же, в какой констелляции я нахожусь. Программа педагогического училища вчера была благополучно завершена, и я немедленно перешел к новой работе. Но надолго ли! Подумайте только: на следующей неделе приезжают мои родные, и мы вместе отправляемся на Женевское озеро. До тех пор еще предстоят тяготы экзаменов и переводных комиссий. Иными словами: я совсем не знаю, как со всем этим управиться, и если Вы воскликнете мне «periculum in mora!» (опасность в промедлении!), то я должен буду ответить «mora in periculo» (промедление в опасности), что в данном случае должно означать: «мое время отдыха летит к чертям!». Ведь Вы знаете участь работ, которые берешь с собой в пансионы в красивых местах. Допустим, они будут закончены — потом досадуешь, что испортил и работу, и отпуск.
В конце концов, насколько я вижу, ничто иное не диктует эту жестокую спешку, кроме ситуации друга Юнгмана. Выслушайте теперь мою идею. Отдайте его работу немедленно в печать Тойбнеру и будьте добры, скажите Тойбнеру, чтобы он прислал счет позже мне. Я доставлю себе это удовольствие — с удовольствием. Только господин Юнгман не должен ничего об этом узнать; и мое имя вообще не должно упоминаться. Возможно, я могу попросить Вас о благонамеренной лжи, и со своей стороны обещаю нести бремя этого греха.
Я, собственно, не вижу, почему диссертация Юнгмана должна обязательно попасть в первый выпуск Meletemata.
Если теперь эта причина для величайшей спешки отпадает, то, безусловно, остаются еще, как я нисколько не преуменьшаю, и другие причины, чтобы как можно скорее выпустить Meletemata в свет. Не будет ли для Вас слишком поздно, если я пришлю рукопись, готовую к печати, во второй половине мая? Дело в том, что мне дорога эта работа, и я не хотел бы писать ее в слишком большой спешке: у меня к этому материалу есть тайная склонность, как у Вас (и у меня) к Фрайбургу.
Вопрос о Юнгмане я считаю решенным.
Сегодня меня также сделали ординарным профессором.
Передайте, пожалуйста, Вашей супруге, чтобы она ни в коем случае не сердилась на меня. У человека порой, да что там, обычно нет времени на самое лучшее, именно потому, что оно — самое лучшее.
Спешно
Ваш преданный
Фридр. Ницше
73. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Глубокоуважаемый коллега.
две сооб<т>щения и притом спешно, для C<entral> B<latt>.
Во-первых, сегодня назначение Морица Гейне было подтверждено советом.
Во-вторых, меня сделали ординарным профессором.
Наконец, советник Фишер просит горячо рекомендовать себя Вам: он совершенно счастлив Вашим письмом и уверяет, что никогда еще не получал столь ценного и подробного отзыва о ком-либо.
Посылаю Вам наилучшие пожелания и приветы
как
Ваш покорнейший
Фридр. Ницше.
74. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
я доволен и этим.
Это та самая строка, которую Вы требуете.
Здесь всё синее, синее, синее, тёплое, тёплое, тёплое, с утра до вечера. Но чернила и перо отказываются служить. Я часто желал, чтобы Вы были здесь, здесь, где есть только одна обязанность — лежать на солнце, как сурок.
Ленивый, но преданный Вам
Фридр. Ницше.
Пансион Кеттерер в Бассе (Кларан)
Мои домашние шлют Вам сердечный привет.
75. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
я отвечаю Вам уже снова из Базеля; своих близких я оставил на Женевском озере. Мне было необходимо вернуться, так как печать моей программы (для педагогического института) застопорилась, а университет хотел устроить что-то в честь старого Герлаха. Вчера я по поручению сената составил для него латинский адрес. Это было нелегко. —
Заглавие могло бы звучать, пожалуй, так: Certamen quod dicitur Hesiodi et Homeri e codice Florentino post Henricum Stephanum denuo edidit Fridericus N.— Если же Вы захотите внести изменения, то я заранее Вам за это благодарен. Роде, которого я пытался привлечь к Вашему предприятию, пишет мне из Венеции, что согласен участвовать (чтобы, как он выражается, «отдать дань уважения Р. как учителю и филологу перед лицом злобных нападок»). Он обещает публикацию найденного им в римском кодексе небольшого собрания Paradoxa, которые, вероятно, следует приписать Исигону. Небольшое сжатое предисловие, а затем текст, в котором ничего не нужно делать, кроме как добавить параллельные места, где они имеются. — Он говорит о том, что приедет в Базель в конце мая. Свои «Paradoxa» он характеризует как «вполне такие же хорошие, как большинство Anecdota новейшего времени».
Тойбнер может сразу же анонсировать и этот вклад; таким образом, первый выпуск, вместе с coniectanea Андресена, безусловно, будет иметь необходимый объем.
С сердечным приветом, Ваш
верный Ницше
76. An Erwin Rohde in Venedig
Дорогой друг, как я благодарен тебе за то, что ты дал столь желанный ответ на мою, по сути, нескромную просьбу. Твой анекдот при любых обстоятельствах послужит приманкой и завлекающим голосом для первого выпуска; ведь если новое предприятие будет предлагать и такие вещи, то книготорговый успех обеспечен. Я полагаю, что этот первый выпуск будет содержать твои и мои статьи, а также часть превосходных конъектур Андресена (к диалогу). Я обещал прислать рукопись во второй половине мая, хотя еще не написал ни одного латинского слова, так как был очень занят. Во-первых, мне пришлось взять на себя написание программы для педагогиума (она о Лаэртии; ты получишь её, как и напечатанные в последнем выпуске Рейнского музея «Analecta Laertiana», а также мою напечатанную вступительную речь). Затем я неделю пробыл со своими близкими на Женевском озере, с южными предчувствиями и частыми воспоминаниями о тебе. В последние дни академический сенат еще мучил меня поручением составить латинский адрес старому Герлаху, который празднует свой 50-летний юбилей преподавательской деятельности. Этот странный документ ты тоже получишь, когда навестишь меня.
Правда ведь, это удивительные силки, которые я расставляю тебе, птице, перелетающей с юга на север, чтобы удержать тебя здесь?
Несколько статистических новостей: М. Гейне призван сюда на место Вакернагеля, Студемунд — в Грейфсвальд, Лескин — в Лейпциг. Также не хочу забыть, что в прошлом месяце меня сделали ординарным профессором. «И год он это носил!» Это для меня совершенно поразительно. Этим летом я читаю два интерпретаторских курса: «Царь Эдип» и «Труды и дни» Гесиода, к тому же в семинаре — «Академические вопросы» Цицерона. Наш состав филологов достиг определенной высоты, которая здесь очень признается, 14 человек! Какая нищета!
Теперь я также перевел первый класс педагогиума в университет. Добрые юноши проявляют себя весьма благодарными и действительно привязались ко мне. Я также сказал им кое-что большее, чем обычно приходится слышать в школах. В сущности, в симпатичном классе испытываешь больше удовлетворения, чем на холодной высоте академической кафедры. Трое из 12 учеников хотят изучать филологию — но ты можешь мне поверить, что я чувствую себя свободным от греха соблазнения кого-либо на этот путь.
Когда я закончу еще несколько небольших трактатов (о старых материях), я хочу собрать себя для книги, к которой у меня постоянно приходят новые идеи. Боюсь, что она не произведет филологического впечатления; но кто может идти против своей природы? Для меня начинается период столкновения, после того как я некоторое время вызывал сносное удовольствие, потому что носил старые, хорошо знакомые туфли. Тема и название будущей книги: «Сократ и инстинкт».
На этой неделе я трижды слушал «Страсти по Матфею» божественного Баха, каждый раз с тем же чувством неизмеримого изумления. Тот, кто полностью разучился христианству, здесь действительно слышит его как Евангелие; это музыка отрицания воли, без воспоминания об аскезе.
Летом мы празднуем юбилей Бетховена: среди прочего, исполнением Торжественной мессы. Ко мне также обращались с просьбой произнести праздничную речь. — Когда ты приедешь ко мне, ты также познакомишься с новейшим сочинением Р. В.: «О дирижировании» — подробная критика наших нынешних капельмейстеров и прекраснейшие замечания из его дирижерской практики. На днях Кирхнер, один из лучших учеников Шумана, сказал мне, что никогда и нигде не встречал хороших исполнений, кроме как под управлением Вагнера. Итак, любимый друг, до свидания!! Но сначала ты пришлешь «Парадоксы»? Или привезешь их с собой?
Твой верный друг.
77. An Erwin Rohde in Venedig
Мой дорогой друг, просто отчаяние берет, сколько хлопот я тебе доставляю вместе с этими чудовищными почтовыми службами Италии. Мое письмо к тебе снова пропало — или попало к тебе в руки слишком поздно. Спроси еще раз — в первом случае — в libreria Münster, может быть, оно просто затерялось или перепуталось. Итак, я повторяю свою глубочайшую благодарность за твою готовность, также от имени Ричля, который очень этому рад. Согласно его договоренности, твой вклад о парадоксах (с латинским вступлением) должен открыть второй выпуск Acta societatis L. по теории «жирных кусков»; ибо для этого предприятия каждый анекдот — жирный кусок. Второй выпуск должен печататься сразу же вслед за первым. Я обещал свой вклад для первого выпуска ко второй половине мая. У тебя, таким образом, есть полная свобода во времени; но если ты хочешь прислать мне парадоксы поскорее, чтобы покончить с этим, я буду тебе заранее очень признателен.
У меня сейчас невыносимо много работы, так как я взял на этот семестр замещение г-на Мэли в педагогиуме. 4 часа латыни и 2 часа греческого: так что у меня теперь около 20 часов в неделю — я, бедный школьный осел!
Прости мне краткость этого письма: еще только одно. Меня тронуло, что ты все еще помнишь о Дюреровском листе. Хочешь приобрести копию для меня? Я прошу тебя об этом. Однако я хотел бы получить ее поскорее, так как это должен быть подарок на день рождения.
Я очень надеюсь на твое присутствие
Прощай, дорогой друг!
Ф.Н.
78. An Wilhelm Brambach in Freiburg (Fragment)
Достопочтенный коллега,
Прежде всего, приношу Вам глубочайшую благодарность за Ваше последнее музыкально-метрическое присланное сочинение. Оно мне так понравилось и показалось столь достойным одобрения, что я немедленно переслал его дальше, а именно Рихарду Вагнеру, который желает ознакомиться с новейшими взглядами на греческую метрику. Кое-что я ему уже рассказывал, но мне никогда не удавалось представить положение дел так ясно, как это сделано в Ваших «Вылазках».
Прилагаю мою программу, а также в качестве вложения и курьеза — составленный мною адрес на имя Герлаха. Это была тягостная работа.
Сердечно благодарю и
приветствую Вас,
Фр. Ницше.
79. An Richard Wagner in Tribschen
Отец Серафикус,
как в прошлом году мне не довелось быть очевидцем Вашего дня рождения, так и теперь неблагоприятное стечение обстоятельств удерживает меня от этого; перо сегодня неохотно ложится мне в руку, хотя я надеялся, что смогу совершить майскую поездку к Вам.
Позвольте мне сегодня ограничить круг моих пожеланий настолько узко и лично, насколько это возможно. Другие, быть может, осмелятся принести свои поздравления от имени священного искусства, от имени прекраснейших немецких надежд, от имени Ваших собственных сокровенных желаний; мне же достаточно самого субъективного из всех пожеланий: пусть Вы останетесь для меня тем, кем были в прошлом году, моим мистагогом в тайных учениях искусства и жизни. Пусть временами из-за серых туманов филологии я и кажусь Вам несколько отстраненным, это никогда не так, мои мысли всегда вокруг Вас. Если верно то, что Вы однажды — к моей гордости — написали, что музыка мною дирижирует, то Вы, во всяком случае, дирижер этой моей музыки; и Вы сами говорили мне, что даже нечто посредственное, хорошо продирижированное, может произвести удовлетворительное впечатление. В этом смысле я приношу редчайшее из всех пожеланий: пусть так и останется, мгновение, остановись: ты прекрасно! Я прошу от следующего года лишь одного: чтобы я не оказался недостойным Вашего бесценного участия и Вашего мужественного ободрения. Примите это пожелание в число тех, с которыми Вы начинаете новый год!
Один из «блаженных отроков».
80. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
сердечно благодарю за недавний намек; это была уж слишком глупая оплошность. Вклейка напечатана; исправление этого места очень легко осуществить.
Мой certamen Вы определенно получите на следующей неделе. Эта, к сожалению, слишком уж неизбежная задержка очень тяготит меня, так как я обещал иное. Но кто мог, когда я давал обещание, предвидеть, насколько тяжелым для меня окажется этот летний семестр! По справедливости, я не должен был обещать Вам ни строчки. Тем временем, из-за внезапного освобождения от занятий Й. Мэли, у меня в педагогиуме прибавилось 6 часов, и в сумме выходит 20 часов в неделю. Это, при сплошь новых лекциях, означает полное истощение всех имеющихся сил; кто живет сейчас рядом со мной, тот сможет судить, что этот небольшой дар, который я предназначал для Ваших acta, дался мне необычайно тяжело.
Теперь я очень прошу Вас одобрить следующую комбинацию. Хотя Тойбнер уже анонсировал содержание первого выпуска, я хотел бы по неотложным причинам предложить следующий порядок:
1)
Э. Роде Paradoxa (ок. 16 печатных страниц)
Certamen (ок. 25 печатных страниц)
Юнгман
Андресен
Сделайте мне уступку, позволив открыть выпуск вместе с моим другом Р.
Взамен я предлагаю Вам замену для второго выпуска: на мой запрос доктор Вильгельм Рошер в Баутцене немедленно обещал прислать статью; и рукопись (decas греческих конъектур) будет у Вас через 3 недели. Я ведь не затеял ничего нежелательного? —
Он такой дружелюбный и услужливый человек, наш Рёшер.
По поводу программы Целлер из Гейдельберга написал мне очень приятно. Напечатано отвратительно некорректно; корректуру делал один из моих студентов. Достаточно плохо. —
Итак
Роде Андресен и я
В одном выпуске — иначе нет
а именно
иначе останется по-старому: чего не желает
Ваш покорнейший
Ф. Ницше
Р. также одновременно издал фрагмент Splenius.
81. An Cosima von Bülow in Tribschen
Глубокоуважаемая госпожа баронесса,
мы обязаны Вам двумя чудесными днями, я же, в сущности, четырьмя, поскольку я сопереживаю всему, что касается моего друга Роде, и потому в этот раз мог наслаждаться вдвойне. Р., который на следующий день уехал из Базеля, признался мне, что пережил кульминацию всей своей пятнадцатимесячной поездки в «синюю даль» именно в Трибшене; он унес с собой почитание и восхищение всем тамошним бытием, в чем есть нечто безусловно религиозное. Я понимаю, как афиняне могли воздвигать жертвенники Эсхилу и Софоклу, как они дали Софоклу героическое имя «Дексион», потому что он принял богов в своем доме и угостил их. Это пребывание богов в доме гения пробуждает то религиозное настроение, о котором я говорил. —
Вот обе статьи, довольно поздно: но переписчик немного ленился, а переплетчик не торопился. —
Моя нужда в работе еще немного возросла. Если бы только мои желания исполнились и я получил бы своего друга Роде в качестве коллеги поблизости (во Фрайбург) —
Что касается Байройта, я обдумал, что для меня было бы лучше всего на пару лет приостановить мою профессорскую деятельность и также совершить паломничество в Фихтельгебирге. Это те надежды, которым я охотно предаюсь. —
Я очень порадовался за Фиди: это был первый раз, когда я увидел его в подобающем окружении и при свете природы, и каким здоровым и многообещающим он мне там показался!
— — Я должен быстро заканчивать: кто-то идет, вероятно, какой-то «ученый».
С верной памятью
Ваш покорнейший
Ф. Н.
82. An Carl von Gersdorff in Berlin
Дорогой друг,
я рассчитываю на твою дружбу: если бы я не мог рассчитывать на нее, то я не знал бы, как оправдаться за свое долгое молчание в переписке.
В этом семестре мне пришлось работать сверх меры; 20 часов лекций и школьных занятий в неделю — это вызывает ежедневное сильное истощение: становишься усталым и небрежным по отношению к себе — и к своим друзьям.
Уже полторы недели я лежу в постели с вывихнутой ногой; писать мне трудно, и тебе придется простить, что и сегодня мое письмо будет кратким.
Большое спасибо за твои сообщения из Берлина. Требуется большая твердость в знании лучшего, чтобы не сбиться с пути в такой буре мнений, какую вызывают произведения Вагнера. Однако «знание лучшего» — это не то легкое, что падает в руки, а скорее продукт энергичной борьбы против поверхностности времени и все более серьезного погружения в мир искусства действительно великих людей, число которых, конечно, не легион. Если бы мы жили больше вместе, тебе, возможно, удалось бы избежать многих мучительных и болезненных промежуточных ступеней познания.
Фотография В. будет тебе выслана, как только у В. появятся новые снимки.
Г-ну Визеке передай пока мою глубочайшую благодарность; это внимание к столь далекому единомышленнику имеет в себе нечто трогательное.
Итак, этим летом мы увидимся? Я буду в Базеле с 15 августа по 25 сентября. До этого, с 15 июля по 15 августа, я буду в разъездах, пока еще не знаю точно, куда; но ты в любом случае узнаешь. Возможно, мы могли бы выбрать общее убежище в Альпах: но сейчас, из-за моей ноги, я плохой попутчик и не решаюсь делать тебе предложение такого рода.
О том, что я стал «ординарным» профессором с марта, я, кажется, тебе уже писал.
Итак, старый дорогой друг!
До свидания!
С верностью
Фридр. Ницше
83. An Paul Deussen in Minden
Дорогой друг,
не сердись! Я пишу очень поздно и сегодня тоже лишь немного. Да, я пишу только для того, чтобы написать. Ибо это меня утомляет, а сообщить тебе что-либо существенное я не знаю.
Дело в том, что я уже около двух недель лежу в постели из-за вывиха стопы.
Когда мы теперь снова встретимся, как оно будет? Поймем ли мы друг друга? Может быть, только теперь? Кто знает?
Мой друг Роде, который после 15-месячного пребывания в Италии навестил меня в Базеле на 14 дней, блестящим образом выдержал испытание дружбы расстоянием (ок. 3 лет).
Здесь не помогает даже такое волшебное имя, как имя Шопенгауэра: важно быть единым или, по крайней мере, единодушным. Находит ли каждый ту же формулу для самовыражения — не самое важное.
Мы полагаем, что расширяемся, вбирая в себя великого гения. На самом деле мы сужаем гения, чтобы он мог поместиться в нас.
Во всех серьезных вещах каждый человек — свой собственный μέτρον. Что такое дружба? Два человека и один μέτρον.
Не хочешь ли ты навестить меня как-нибудь?
Преданный тебе твой старый
друг
Фр. Н.
(О том, что я с марта ординарный профессор, ты, вероятно, читал?)
84. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
вот я и отправляю то, что у меня есть, не больше и не меньше, чем editio des Certamen (около 25 печатных страниц).
Это было поистине мучительное полугодие, к тому же с настоящим тропическим и неделями не спадающим солнечным зноем. Вдобавок мне пришлось две недели пролежать в постели, и сейчас я все еще немного страдаю от боли в левой ноге.
На днях Клетте получит от меня статью, первую, в которой рассматривается Certamen.
Ваша супруга сообщила мне о своем приезде послезавтра: как же я рад, что смогу приветствовать ее в Швейцарии.
Мой бесценный друг Роде навестил меня в Базеле на некоторое время: вероятно, к этому моменту он уже побывал и у Вас. Он хочет взять на себя первую корректуру Ἀγών; есть ли у Вас его гамбургский адрес?
А теперь простите, что я снова умолкаю: наше настроение сейчас совершенно невозможное.
Ваш преданный
Фридрих Ницше.
85. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Вот, глубокоуважаемый коллега, у Вас есть по крайней мере одно объявление для C<entral> B<latt>. Никогда я не был так занят, как в этом полугодии (20 часов в неделю); так что извините, если я на этот раз отвечаю очень поздно.
Если будет необходимо несколько смягчить тон заключительного замечания рецензии — во что я не верю, — то это, конечно, остается на Ваше усмотрение. Кто же этот невероятный болтун Бык, пишущий на претендующем на философский жаргоне?
— Я всегда думаю о Вас с самыми сердечными пожеланиями, Ваш
преданный
Фридр. Ницше.
86. An Erwin Rohde in Hamburg
Наконец, любезнейший друг, и я снова получил возможность высказаться. Представь себе, что я в последнее время несколько недель пролежал в постели из-за вывиха ноги, очевидно, потому, что не принес в жертву Асклепию ни одного петуха, а «петухов» (вспомни Кёби!) всегда съедал сам (вспомни Гёте).
После этих ученых цитат я чувствую себя побужденным дословно процитировать отрывок из одного из последних писем Бюлова. «Эти дни остались у нас в очень доброй памяти; маэстро питает к Вашему другу большое расположение, его мужественная серьезность, его значительное участие и та подлинная доброта, которая порой озаряла его строгие черты, были ему совершенно симпатичны. Если его переведут во Фрайбург, то приезжайте всегда вдвоем в Трибшен, ибо „вдвоем человек идет лучше всего“, говорит наш авторитет».
Здесь ужасный удар грома: франко-прусская война объявлена, и вся наша обветшалая культура бросается на грудь ужаснейшему демону. Что нам предстоит пережить! Друг, любезнейший друг, мы еще раз увиделись в вечерней заре мира. Как я благодарю тебя! Если существование станет для тебя теперь невыносимым, возвращайся ко мне. Что значат все наши цели!
Мы можем быть уже в начале конца! Какая пустыня! Нам снова понадобятся монастыри. И мы будем первыми братьями.
Верный швейцарец.
87. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
А теперь еще несколько слов от меня, почтеннейшая, родная матушка! Все наши прекрасные планы и обязательства относительно лица и т. д. теперь, кажется, снова идут к +! У тебя — из-за непрестанных хлопот и трудов, у меня — из-за ужасной нужды, в которую нас поверг сегодняшний день с его французским объявлением войны.
Теперь у меня еще забота — благополучно вернуть Лизбет в твои объятия.
Мы так безмятежно жили еще в лучах заката мира. Теперь разражается ужаснейшая гроза.
(Наконец, я и сам в печальном настроении от того, что я швейцарец! Решается судьба нашей культуры! И нет такой жертвы, которая была бы слишком велика! Этот проклятый французский тигр!)
Живите хорошо: это слово теперь имеет больше смысла, когда все, абсолютно все становится сомнительным. Передай дорогой тете мои самые теплые пожелания. Тебе самой — величайшая благодарность за твое швейцарское путешествие! Тебе ведь понравилось? Нет? —
Ф.
88. An Sophie Ritschl in Rigi-Scheideck
Глубокоуважаемая госпожа тайная советница,
Очень поздно и окольными путями — так как я тем временем уехал — Ваше любезное письмо попало мне в руки, одновременно с несколькими строками Вашего супруга, датированными вечером воскресенья, который требует срочных известий о Вас и отправил письма одновременно мне и Фишеру. — Частные телеграфные депеши в Лейпциге больше не отправляются. Заметка, которая, вероятно, предназначается для Вас: «Леффлер, ныне директор, вынужденно остался здесь со своей молодой женой, на которой женился 10 дней назад, вместо того чтобы ехать в Вюртемберг и Швейцарию». Я, по крайней мере, не знаю, кто такой Леффлер.
Моя ежедневная забота теперь — как мне благополучно отправить мою сестру обратно на родину; при этом я задавался вопросом, не ускорите ли Вы, быть может, под давлением ужаснейшей атмосферы, свое возвращение. В этом случае моей сестре, которая тем временем живет здесь со мной, была бы очень желательна короткая весточка.
Здесь я, с точки зрения моей ноги, очень доволен. Однако я пока еще не решаюсь подниматься на высоты; но если Вы останетесь еще на некоторое время, то я хотел бы осмелиться предложить Вам посетить эту несравненную часть региона Фирвальдштетского озера. Конечно, здесь тепло: но, быть может, Вы на своих высотах тоскуете по теплу, кто знает. Насколько наш отель заслуживает рекомендации, показывает тот факт, что он здесь всегда остается равномерно полным (110—120 человек), несмотря на пугающую ситуацию, которую, впрочем, хуже и представить невозможно.
Какое постыдное чувство — быть вынужденным оставаться спокойным сейчас, когда даже для моих занятий полевой артиллерией наступило самое подходящее время!
Мое утешение в том, что для нового культурного периода все же должны остаться хотя бы некоторые из старых элементов: и насколько далеко, посредством такой национальной войны ожесточения, могут быть уничтожены даже традиции культуры, это можно представить себе по печальным аналогиям из истории.
На случай худшего я, конечно, приберег для себя еще одно решительное намерение.
Подумайте только, что кильские студенты единодушно берутся за оружие! —
Итак, до свидания? Моя сестра передает Вам и Вашей фрейлейн дочери свой поклон.
Ваш преданный Фридрих
Ницше.
89. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Глубокоуважаемый господин советник,
В нынешнем положении Германии мое решение исполнить свой долг перед отечеством не должно показаться Вам неожиданным. С этим намерением я обращаюсь к Вам, чтобы просить — через Ваше ходатайство перед достопочтенным Управлением образования — об отпуске на последнюю часть летнего семестра. Мое самочувствие сейчас настолько укрепилось, что я без всяких опасений могу принести пользу в качестве солдата или санитара. Но то, что я должен внести свою малую лепту личных способностей в жертвенную копилку отечества, никто не сочтет столь естественным и достойным одобрения, как именно швейцарский орган образования. Хотя я прекрасно осознаю, какой круг обязанностей мне надлежит исполнять в Базеле, я мог бы — при столь грозном призыве Германии к каждому исполнить свой немецкий долг — оставаться в их власти лишь с мучительным принуждением и без реальной пользы.
Насколько я слышал три недели назад, господин Мэли в состоянии и готов вновь взять на себя свои часы в педагогиуме, и, возможно, удастся определить господина Хагенбаха или господина Гейцера, чтобы в этом чрезвычайном случае завершить преподавание греческого языка в третьем классе в этом семестре; во всяком случае, я лично, если Вы дадите мне на то разрешение, попрошу этих господ о поддержке.
Я немедленно прибуду в Базель, чтобы узнать решение достопочтенного Управления образования и сделать некоторые распоряжения. До тех пор вверяю себя Вашему благорасположению, которое, надеюсь, и в этом случае будет на моей стороне.
С почтительным приветом
Ваш
покорнейший
д-р Фридр. Ницше
ординарный профессор
90. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Глубокоуважаемый господин советник,
я хотел бы выразить Вам и высокопочтенным членам Совета по образованию свою письменную благодарность за быстрый и благожелательный ответ на мой запрос.
Господину Мэли я написал сегодня после обеда, господин Гейзер все еще в отъезде.
С благодарными и преданными
чувствами
Ваш
Фридр. Ницше
профессор.
91. An Erwin Rohde in Hamburg
Любезный друг
я прибываю в воскресенье, 15 августа, в Лейпциг и оттуда направлюсь по распоряжению санитарного начальства туда, где я могу быть полезен раненым, прежде всего в самой битве. Со мной едет гамбуржец, художник Мозенгель.
Ты, конечно, узнаешь в Наумбурге-на-Заале, где я нахожусь: туда и присылай все письма (на адрес госпожи пасторши Ницше)
Или ты поедешь со мной?
Фридр. Ницше
92. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)
Дорогая Лизбет, мы всё ещё в Эрлангене, но в понедельник мы определённо отправляемся вслед за полями сражений последних дней. Я ведь был несколько обеспокоен тем, что позволил тебе уехать одной, мы предприняли ещё одну попытку оказаться на вокзале при отъезде. Но посмотри-ка! Поезд дал гудок перед нами, даже не перед самым нашим носом.
Деньги — благодаря готовности помочь и быстроте нашего дорогого кузена, которого я прошу сердечно поприветствовать, — прибыли в четверг. Теперь уже не исключено, что мы последуем за победоносной армией до самого Парижа.
Если будешь мне писать, то адресуй письма по-прежнему в Эрланген (на имя профессора доктора Плитта). Письма будут пересылаться мне, насколько это возможно. От меня ты скоро получишь известия, вероятно, сначала из Понт-а-Муссона. Но не удивляйся, если письма теперь будут идти дольше.
Мы всё ещё живём в «Валльфише». Двое из раненых пруссаков умерли вчера и сегодня. Мы едем вместе с Цимсеном и несколькими врачами. — В старой верности
Твой брат.
Мозенгель шлёт наилучшие пожелания.
93. An Friedrich Ritschl in Leipzig (Fragment)
[+ + +] Вашей супруге я предложил бережно сопроводить её в Лейпциг. Но она совершенно права, отложив мысли о возвращении в нынешней ситуации. [+ + +]
94. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
Шлю вам самый теплый привет!
Несколько слов, чтобы вы не беспокоились. Мы все еще в Эрлангене и благодаря нашей постоянной работе в госпитале становимся настоящими хирургами и врачами. Я лечу одного турко и одного пруссака. В понедельник мы вместе с моим коллегой Цимсеном, директором здешней клиники, и несколькими врачами отправляемся в Мец и Верден, на поля сражений последних дней. Вероятно, затем мы последуем за немецкой армией до самого Парижа, по крайней мере, если все пойдет по нашему желанию. Мы ожидаем огромный объем работы и много трудностей. — Письма присылайте только в Эрланген, на адрес господина профессора доктора Плитта, с указанием моего полного адреса. Возможно, иногда будет невозможно доставлять письма прямо мне, поскольку наше местоположение быстро меняется. Но я и Плитт обо всем договоримся как можно практичнее. Баварские полевые письма идут очень медленно и нерегулярно. Пишу это лишь для того, чтобы вы не пугались, если от меня долго не будет вестей, для чего на самом деле нет никаких причин.
С наилучшими пожеланиями для вас и для меня, а также с самыми теплыми приветами дяде и тете
Ваш Фриц Н.
Каким образом Рудольф сейчас проявил себя? Я жду всех своих друзей на поле боя.
95. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
Сердечный привет!
Мы уже 5 дней в пути из Эрлангена: всё движется медленнее, чем можно себе представить, хотя мы используем все средства передвижения и, например, во Франции ехали, сидя на тормозах, в бесконечном эшелоне с провиантом. Вчера за 11-часовой дневной переход мы выполнили наши поручения в Герсдорфе, Лангенсульцбахе и на поле битвы при Вёрте. Память об этом ужасно опустошенном, усеянном бесчисленными печальными останками и сильно пахнущем трупами поле битвы прилагается к этому письму. Сегодня мы хотим отправиться в Агено, завтра в Нанси и так далее, вслед за Южной армией. Мы путешествуем вдвоем, Мозенгель и я; только в Понт-а-Муссоне мы снова встретимся с эрлангенским коллегой Цимзеном.
Письма от вас не смогут достичь меня в ближайшие недели, так как мы постоянно меняем место пребывания, а почта идет чрезвычайно медленно. О военных успехах здесь не узнаешь уже ничего, газетное дело полностью прекратилось. Враждебное население, кажется, привыкает здесь к новому положению вещей. Зато оно и при малейших проступках находится под угрозой смертной казни.
Во всех деревнях, через которые мы проезжаем, лазарет за лазаретом.
Ты скоро снова получишь известие, только не беспокойся.
Твой Фриц.
Может быть, ты перешлешь это письмо Лизбет; писать часто и удобно не получается.
96. An Friedrich Ritschl in Leipzig
с совершенно простуженными ногами, несмотря на огненный столб Страсбурга. Открытое поле между станцией Хагенау и Бишвиллером. Девятичасовое пребывание среди лошадей и кавалеристов, среди враждебного населения.
Это уже привычный способ путешествовать. Завтра Нанси, затем штаб-квартира и дальше.
Памятный знак об ужасном поле битвы при Вёрте следует вместе с этим.
Жалкий масляный свет мешает писать больше.
Ваш верный
Ницше.
97. An Elisabeth Nietzsche in Oelsnitz (Postkarte)
Нанси, здесь со вчерашнего дня, через час отправляюсь дальше в Арс-сюр-Мозель (под Мецем), чувствую себя превосходно
98. An Franziska Nietzsche in Cainsdorf
А теперь представь себе, дорогая матушка, что до сих пор я не получил от тебя ни единого известия, хотя свой поход я уже благополучно завершил. Впрочем, не совсем благополучно: я лежу здесь, больной злой дизентерией, но худшее уже позади, и я смогу уехать во вторник или среду, чтобы продолжить лечение в Наумбурге. В связи с этим я прошу тебя, если это хоть сколько-нибудь возможно, вернуться вместе с Лизбет в Наумбург. Сейчас, при моей тоске по покою и сильном истощении, я не хочу ни в какое другое место. Я продвинулся до самых окрестностей Меца и оттуда сопровождал санитарный поезд с ранеными до Карлсруэ. Здесь, при ужасающем состоянии всех моих больных, при постоянных перевязках их отчасти гангренозных ран, при ночевках в товарных вагонах, где на соломе лежали шестеро тяжелораненых, я и подхватил заразу дизентерии; в то же время врач обнаружил у меня еще и дифтерию зева, возникшую вследствие той же деятельности. С этим недугом мы также боремся весьма энергично.
Несмотря на всё это, я рад, что смог хоть немного помочь в этой невероятной беде. И я бы немедленно отправился во второй раз, если бы болезнь не сделала это для меня невозможным.
Пожалуйста, телеграфируй Лизбет, чтобы она немедленно выезжала домой.
С самыми сердечными приветами и пожеланиями
Твой сын.
99. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Глубокоуважаемый господин советник,
наконец — спустя четыре недели — я прихожу к своего рода завершению и чувствую побуждение отчитаться перед Вами. Мой первоначальный план отправиться в Лейпциг был оставлен еще в пути, по самым веским причинам: вместо этого нас — моего друга Мозенгеля и меня — потянуло в Эрланген, где процветает энергичное общество с целями, схожими с нашими, которое к настоящему моменту отправило уже 80 «полевых диаконов». Все удалось: мы прибыли в Эрланген с транспортом раненых и уже в воскресенье — ровно 4 недели назад — приступили к работе. Мы прошли курс по наложению повязок и присутствовали при всех обходах ассистента врача в госпитале. Вскоре нам позволили и самим приложить руку: на множестве раненых пруссаков, французов, турко было чему поучиться и где принести пользу. Через 10 дней еще один отряд из 15 молодых людей (преимущественно студентов) был отправлен на театр военных действий: одна часть под руководством профессора Цимсена направилась через Саарбрюккен, другая, состоящая из меня и моего друга, — через Вайсенбург. У нас было множество личных поручений и конфиденциальных дел, сопряженных с немалыми тяготами. На поле битвы при Вёрте нам нужно было найти могилу одного баварского старшего офицера: это нам удалось. Я привожу Вам на память об этом ужасном поле битвы несколько пуль от шасспо. Мы продвинулись до Ар-сюр-Мозель (непосредственно у Меца) и получили там раненых для ухода. Особой радостью для меня было внезапно увидеть коллегу Хоффмана, которому предстояло сопровождать транспорт раненых в Карлсруэ. Я, как и Мозенгель, присоединился к нему, и каждый из нас взял на себя заботу об одном вагоне, заполненном ранеными. Нам потребовалось двое суток и две ночи на наш путь, в течение которых мы не покидали наших больных. У меня был тесный маленький скотский вагон, покрытый соломой: на ней лежали 6 тяжелораненых, я посреди них. Здесь было много работы: перевязывать, кормить и т. д. Атмосфера в этой пещере была ужасной. В Карлсруэ я сдал наших больных: на следующий день мы вернулись в Эрланген, чтобы отчитаться здесь. Еще в этой поездке меня охватило сильное недомогание: врач, которого я велел вызвать здесь, в Эрлангене, констатировал, во-первых, сильную дизентерию, а во-вторых, дифтерию зева. Таким образом, мне пришлось одновременно познакомиться с этими двумя госпитальными эпидемиями. Самые тяжелые и опасные состояния уже позади: врач очень доволен прогрессирующим улучшением. Но я очень слаб и истощен. Мы боролись с обоими недугами весьма энергично. Мозенгель — мой верный сиделка.
Таков мой отчет, который я вынужден писать в постели.
Несмотря на это неприятное послесловие, я чувствую себя очень спокойным, по крайней мере, от того, что хоть немного, пусть даже самую малость, помог великому делу всеобщего ухода за больными. Общество, состоящее в основном из здешних профессоров, очень довольно нашей деятельностью: это больше, чем мы могли надеяться достичь.
Вашу супругу я вспоминаю с неизменной преданностью и прошу сердечно передать ей мои наилучшие пожелания. Вам же еще раз спасибо за то, что в нынешнее время мне был предоставлен отпуск. Нужно что-то делать, чтобы не быть поглощенным внутренним беспокойством и самобичеванием, оставаясь лишь зрителем. Многие из моих друзей среди погибших. —
В надежде на счастливую встречу
Ваш преданный и верный
Фридрих Ницше
Профессор ординарный
100. An Richard Wagner in Tribschen
Дорогой и глубокоуважаемый Мастер.
Итак, посреди бури Ваш дом стал готов и прочно обосновался. Я и на расстоянии всегда думал об этом событии с благопожеланиями и очень счастлив узнать из строк Вашей столь любимой мною супруги, что возможность отпраздновать это торжество в конце концов пришла даже быстрее, чем можно было — во время нашей последней встречи — предполагать.
Вы знаете, какой поток унес меня из Вашей близости, так что я не мог быть очевидцем столь священных и желанных деяний. Моя деятельность по оказанию помощи временно завершилась, к сожалению, из-за болезни. Мои многочисленные<n> поручения и обязательства привели меня в окрестности Меца; мне и моему — весьма надежному — другу Мозенгелю удалось с успехом выполнить большую часть наших задач. В Ар-сюр-Мозель мы взяли на себя уход за ранеными, а затем вернулись с ними в Германию. Это трехдневное и трехночное пребывание с тяжелоранеными стало кульминацией наших усилий. Мне пришлось в одиночку заботиться о жалком товарном вагоне, в котором лежали 6 тяжелобольных, перевязывать их, кормить и т. д. Все с раздробленными костями, многие с 4 ранами; к тому же у двоих я обнаружил раневую дифтерию. То, что я выдержал в этих зловонных испарениях, смог даже спать и есть, кажется мне теперь каким-то волшебством. Но едва я доставил свой транспорт в карлсруэский лазарет, как и у меня проявились серьезные признаки недомогания. С трудом я добрался до Эрлангена, чтобы отчитаться перед своим обществом о разном. Затем я лег в постель и лежу до сих пор. Умелый врач диагностировал у меня сначала очень сильную дизентерию, а затем дифтерию зева. Однако мы с величайшей энергией принялись бороться с обеими заразными болезнями, и сегодня можно сообщить о хороших надеждах. Таким образом, я познакомился сразу с двумя теми печально известными лазаретными эпидемиями; они подействовали на меня за короткое время настолько ослабляюще и истощающе, что я вынужден прежде всего отказаться от всех своих планов по оказанию помощи и думать только о своем здоровье. Так, после короткой попытки в 4 недели действовать в более широком масштабе, я снова отброшен к самому себе — весьма плачевно!
О немецких победах я не хочу сказать ни слова: это огненные знаки на стене, понятные всем народам.
Сегодня я больше не смею писать; мое следующее письмо будет адресовано Вашей глубокоуважаемой супруге, к ногам которой я возлагаю свои самые искренние поздравления. Новорожденному — радостного «счастливого пути»! Счастливого пути всему Трибшенскому дому!
Ваш верный
Фридр. Ницше
101. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
кто знает, получили ли Вы мои последние письма! Это тихая неуверенность, которая в такие времена подкрадывается к человеку при написании любого письма. Поэтому я хочу еще раз рассказать Вам, что из Эрлангена я отправился на театр военных действий на службе добровольной санитарной помощи — вплоть до Ар-сюр-Мозель (совсем рядом с Мецем), и что оттуда я сопровождал транспорт с ранеными до Карлсруэ. Напряжение всей этой затеи было значительным; мне до сих пор приходится бороться с образами тех недель и непрестанно звучащим в ушах стоном. По возвращении я одновременно слёг с двумя болезнями опасного рода, которыми заразился при уходе за тяжелоранеными, не прекращавшемся ни днём, ни ночью, — дифтерией зева и кровавой дизентерией — eheu!
( nobile par fratrum! )
Впрочем, оба недуга в основном преодолены; несколько дней назад я прибыл сюда, в Наумбург, чтобы как следует отдохнуть и исцелиться от потрясений того времени в тихой работе. Как же досадно, что при самых лучших намерениях на благо общего дела вечно путается под ногами жалкая личность со всеми её капризами и слабостями! Еще раз eheu!
Надеюсь, что в скором времени смогу лично рассказать Вам о своих переживаниях; также я везу Вам пару пуль от шасспо с полей сражений. Все мои военные страсти пробудились вновь, и я никак не мог их утолить! Будь я в своей батарее, я бы пережил дни Резонвиля, Седана и — Лана практически, а возможно, и пассивно. Но теперь мой швейцарский нейтралитет связал мне руки. —
Я слышал, что Ваши уважаемые родные снова вернулись к Вам. Верно ли я слышал? Тогда надеюсь увидеть их на следующей неделе. Моя сестра шлёт Вам свои наилучшие пожелания. Я с нетерпением жду возможности снова вдохнуть немного филологического воздуха; но больше того: я радуюсь тому, что спустя год снова увижу Вас. Для меня лично это был весьма переменчивый и трудный год!
Но когда еще можно было ступать более гордой поступью, чем сейчас? И какой немец, встречая другого немца, не может теперь не только плакать, но и — подобно двум авгурам — смеяться?
И это мы сделаем вместе на следующей неделе.
До свидания!
Ваш преданный
Фридрих Ницше.
102. An Wilhelm Vischer(-Bilfinger) in Basel
Глубокоуважаемый господин советник,
послезавтра я собираюсь уехать, но хотел бы предварительно отправить Вам письменный привет, а также небольшую печатную работу, которая только что была закончена. Своим самочувствием я теперь могу быть снова доволен; дифтерит довольно долго еще доставлял мне неудобства. От всех тех ужасных картин, которые показало мне мое путешествие, я искал защиты в науке. Ритмические и метрические вопросы, которые снова стали мне ближе при подготовке к зимнему семестру, теперь не дают мне покоя; в этот раз я искренне радуюсь своей предстоящей преподавательской деятельности. Ричля я застал здоровым и в привычной юношеской бодрости; он передает Вам свои наилучшие пожелания. Известен ли Вам профессор юриспруденции Брокгауз в Йене, сын востоковеда? Я познакомился с ним у его родителей. Царнке был в отъезде, как говорили, в Страсбурге, чтобы разузнать о судьбе библиотеки. Замещение профессорской кафедры Клотца в Лейпциге вызывает много беспокойства; я полагаю, что у Бурсиана наилучшие шансы. — В Эрлангене мне рассказывали, что туда хотят пригласить Биндинга.
Мое желание еще раз появиться на театре военных действий не осуществилось; я был слишком сильно истощен и до сих пор часто страдаю от нервного возбуждения и внезапной слабости — состояний, которые запрещают мне любые чрезвычайные занятия и делают долгом определенную размеренность и большой покой. И то, и другое я найду в деятельности предстоящей зимой.
За все сообщения, которые принесло мне Ваше почтенное письмо, приношу Вам свою глубочайшую благодарность, и еще больше — за то благорасположение, которое оно проявило также и к моей недавней судьбе. Мои мать и сестра, как и я, просят передать Вам и Вашим глубокоуважаемым близким самые искренние пожелания.
И так я остаюсь в надежде на счастливую встречу
Ваш неизменно преданный
Фридр. Ницше.
Ординарный профессор.
103. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)
Мой дорогой друг,
это утро принесло мне радостнейший сюрприз и освобождение от многих тревог и опасений — Твое письмо. Еще позавчера я был в ужасе, когда услышал в Пфорте, как Твое имя произносят с сомневающимся голосом, Ты знаешь, что теперь означает этот сомневающийся тон. Я немедленно затребовал у ректора список павших пфортцев, который прибыл ко мне вчера вечером. Он успокоил меня в главном пункте. В остальном он содержал много печального. Помимо имен, которые Ты уже назвал, я читаю здесь в первую очередь Штеккерта, затем фон Эртцена (хотя и со знаком вопроса), затем фон Ридезеля и т. д., всего 16. — Все, что Ты мне пишешь, глубоко потрясло меня, прежде всего тот верный, серьезный тон, с которым Ты говоришь об этом испытании огнем нашего общего мировоззрения. Я тоже пережил подобный опыт, и для меня эти месяцы означают время, когда те основные учения доказали свою прочность: с ними можно умереть; это больше, чем если бы кто-то хотел сказать о них: с ними можно жить. Ведь я все же не был в такой безусловной безопасности и отрешенности от опасностей этой войны. Я немедленно подал прошение своим властям о предоставлении мне отпуска, чтобы исполнить свой немецкий долг в качестве солдата. Мне дали отпуск, но обязали в силу швейцарского нейтралитета не носить оружия (у меня с 69-го года больше нет прусского гражданства). Я немедленно отправился в путь с прекрасным другом, чтобы нести добровольную службу санитара. Этот друг, с которым я 7 недель делил все, — художник Мозенгель из Гамбурга, с которым я должен познакомить Тебя в мирное время. Без его сердечной поддержки я вряд ли пережил бы события грядущего времени. В Эрлангене я прошел медицинскую и хирургическую подготовку у тамошних университетских коллег; у нас там было 200 раненых. Через несколько дней мне поручили специальное лечение 2 пруссаков и 2 турко. У двоих из них вскоре началась раневая дифтерия, и мне пришлось много работать кистью. Через 14 дней нас обоих, Мозенгеля и меня, отправило местное общество помощи. У нас было множество частных поручений, а также значительные денежные суммы для передачи 80 ранее отправленным полевым диаконам. Наш план состоял в том, чтобы встретиться в Понт-а-Муссоне с моим коллегой Зимсеном и присоединиться к его отряду из 15 молодых людей. Это, конечно, не осуществилось. Выполнение наших поручений было очень трудным, нам приходилось, так как у нас совсем не было адресов, лично в изнурительных походах по очень неопределенным указаниям обыскивать лазареты под Вайсенбургом, на поле битвы при Вёрте, в Хагенау, Люневиле, Нанси и вплоть до Меца. В Ар-сюр-Мозель нам передали раненых для ухода. С ними мы вернулись обратно, так как их перевозили в Карлсруэ. Мне пришлось 3 дня и 3 ночи в одиночку ухаживать за 6 тяжелоранеными, Мозенгелю — за 5; погода была плохая, наши товарные вагоны приходилось почти закрывать, чтобы бедные больные не промокли. Атмосфера в таких вагонах была ужасной; к тому же у моих подопечных была дизентерия, у двоих дифтерия, короче говоря, у меня было невероятно много работы, и я делал перевязки по 3 часа утром и столько же вечером. К тому же по ночам не было покоя из-за естественных нужд страждущих. Когда я сдал своих больных в отличный лазарет, я тяжело заболел: немедленно начались очень опасная холерина и дифтерия зева. С трудом я добрался до Эрлангена. Там я слег. Мозенгель проявил самопожертвование, ухаживая за мной. А это было немало, учитывая характер тех недугов. После того как я несколько дней воздействовал на свой организм клизмами с опиумом и танином, а также смесями с ляписом, первая опасность миновала. Через неделю я смог уехать в Наумбург, но до сих пор еще не выздоровел. К тому же атмосфера пережитого окутала меня, словно мрачный туман: некоторое время я слышал нескончаемый плач. Мое намерение снова отправиться на театр военных действий стало поэтому невозможным. Мне приходится теперь довольствоваться тем, чтобы наблюдать издалека и сострадать.
О, мой дорогой друг, какие пожелания благословения мне Тебе послать! Мы оба знаем, чего ожидать от жизни. Но мы должны жить, не для себя. Итак, живи, живи, любимый друг! И прощай! Я знаю Твою героическую натуру. О, если бы Ты остался жив для меня! Преданно
Фридрих Ницше
(с завтрашнего дня в Базеле)
Сегодня у меня больше нет времени писать, так как мой отъезд близок. Из Базеля Ты узнаешь обо мне больше. Я счастлив, что наконец получил Твой адрес. Мои родные сопровождают Тебя своими наилучшими пожеланиями.
104. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра,
здесь всё ещё довольно неуютно, поэтому вас не удивит, если в беседе с вами я буду мысленно возвращаться к прожитым последним неделям. Мне ведь на этот раз очень понравилось в Наумбурге — вам, конечно, приятно это слышать, а Базель до сих пор не сделал ничего, чтобы сделать моё пребывание здесь хотя бы отдалённо таким же сносным, как у вас. Конечно, я приехал не в лучшем настроении. Ведь весь второй день пути мне пришлось бороться с рвотой. В первый день я прибыл во Франкфурт около 12 часов ночи, совершенно продрогший. На второй день, в 8 часов вечера, я был уже у себя в квартире и немедленно заказал липовый чай. И сегодня мне ещё нехорошо. — У фрау Фоглер и Минны вы вызвали сильные чувства благодарности и доставили настоящую радость. Обе просят меня выразить их чувства — что я и делаю. Очень дружелюбным был приём у Фишеров. Фрау В. просит передать тебе, дорогая Лизбет, большую благодарность за письмо, причём она использовала в его адрес лестные выражения. Она была до сих пор слишком занята, чтобы ответить. Она почти поверила, что ты приедешь снова.
С сегодняшнего дня у меня есть удовольствие! присутствовать на экзаменах в педагогиуме. Фишеру, по-видимому, было очень важно моё прибытие.
Теперь поручение, которое должно быть выполнено в спешном порядке. Я только что получил письмо от Ричля (40 центов, так как из Наумбурга в Базель оно не было оплачено). Он требует корректурные листы Certamen: но их я оставил в Наумбурге. Их нужно немедленно, без письма, отправить ему. Адрес: господину тайному советнику профессору доктору Ричлю, Лейпциг, Леманс Гартен.
Вчера, когда пришло время обеда и я проголодался, я пошёл в «Три короля» и поел там, не получив удовлетворения. Ежемесячно они хотят там 75 франков по абонементу. Это для меня слишком много: правда, полбутылки красного вина включено.
Сегодня я ел дома, кулинарное искусство Минны. Тоже ничего особенного. — Самым неприятным в «Трёх королях» для меня, кстати, был преобладающий французский дух и язык за большим столом.
В ящике всё доехало хорошо. Все носильщики ругались на него, он всех их испачкал в белое.
Ну, будьте сердечно приветствованы и поблагодарены
вашим Фр.
Всё-таки это огромное путешествие. И дорогое, как ни крути.
105. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
к сожалению, корректурные листы были уже не в моих руках; я оставил их в Наумбурге при отъезде. Я немедленно написал туда — с каким успехом, не знаю. Тем временем я еще раз просмотрел «Состязание»; то, что, возможно, еще следовало бы добавить, если на это есть время, — я запишу на последней странице письма.
Корректура Роде кажется мне в некоторых местах особенно странной, там, где он вычеркивает слова в цитатах или объявляет цитату неверной; последующая проверка убедила меня, что с самого начала я был прав. — Но как это дело могло бы осуществиться без Вашей помощи, я совершенно не представляю. —
Здесь у нас в педагогиуме экзаменационные трудности. — Политическая атмосфера просто отвратительна, есть люди, которые открыто выражают свой энтузиазм по поводу предательства в Лане. Даже со спокойными и в целом настроенными по-немецки базельцами уже невозможно найти общий язык. Ненависть к немцам здесь инстинктивна, а радость от французских победных реляций велика. Сегодня всеобщая скорбь из-за Меца. —
Мое самочувствие по-прежнему оставляет желать лучшего. Дизентерия надолго портит кишечник. Я по уши погряз в метрических вопросах, зима, вероятно, уйдет на это.
Преданно рекомендуя себя Вам
Ваш покорнейший
Фридрих Ницше.
106. An Wilhelmine Oehler in Merseburg
Моя дорогая бабушка
Ты так любезно поздравила меня с днем рождения и одарила такими богатыми подарками, что мне очень хотелось лично выразить тебе свою благодарность. Но мое время уже истекло; более того, составленный ранее план приехать в Мерзебург, рассчитанный на празднование твоего дня рождения, в последний момент сорвался. Так что мне остается лишь отсюда письменно сообщить тебе о своих чувствах благодарности.
По возвращении в Базель я сразу же обнаружил массу дел, которые накопились за время моего долгого отсутствия и теперь ждали меня. Мое здоровье, к сожалению, все еще не так хорошо, как мне хотелось бы перед предстоящим полугодием, полным работы. Похоже, что дизентерия надолго истощает организм и нарушает регулярность его функций. В остальном, именно сейчас у меня большая потребность в профессиональной деятельности, после того как из-за военных событий я был от нее оторван на несколько месяцев. Война не оказывает никакого влияния на посещаемость нашего университета. У нас появилось довольно много католиков, которые раньше твердо решили стать священнослужителями, но теперь, в связи с крупными церковными расколами у католиков, изменили свое решение и изучают филологию или естественные науки. Также в этот раз у меня в учениках старый школьный сторож — это, кажется, первый случай, когда воспитанник «Пфорты» отправляется в Базель, чтобы заниматься там филологическими исследованиями.
Вот столько о моей жизни. О твоей я слышал почти только приятное, и мы, конечно, можем надеяться и желать, чтобы ты со своей привычной бодростью прожила еще много счастливых лет.
Сохрани ко мне то верное участие и любовь, которыми ты до сих пор меня выделяла и чтила, и прими сердечный привет от твоего
благодарного внука
д-ра Фридриха Ницше
орд. проф. классической филологии
в Базеле.
107. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)
Мой дорогой друг,
надеюсь, что и это письмо застанет тебя в добром, бодром здравии и сносном настроении. Откуда последнему взяться — для меня почти непостижимо, если только не знать, что такое бытие и что оно означает. Когда однажды, как сейчас, обнажаются ужасные глубины существования, когда изливается всё бесконечное богатство скорби, тогда мы имеем право, как знающие, пройти прямо сквозь них. Это дарует мужественно-смиренное настроение, с ним можно выстоять и не превратиться в соляной столп.
Я с истинной жаждой погрузился в науки; теперь вновь началась регулярная профессиональная деятельность. Я желал бы лишь быть здоровее. Но мой организм сильно пострадал от натиска дизентерии и ещё далеко не восполнил то, что было у него отнято. Меня здесь, в Базеле, снова встретили с большой теплотой. Также из Трибшена у меня хорошие новости. Вагнер и его супруга передают тебе наилучшие пожелания и приветы. (Ты ведь знаешь, что в августе состоялась свадьба? Я был приглашен в качестве свидетеля, но не смог присутствовать, так как в то время был во Франции.) В. прислал мне пару дней назад чудесную рукопись под названием «Бетховен». Здесь мы имеем дело с чрезвычайно глубокой философией музыки в строгом следовании Шопенгауэру. Этот трактат выходит в честь Бетховена — как высшая честь, которую нация может ему оказать. —
Мое письмо к моему огорчению пролежало несколько дней. Новый семестр начался, как обычно, с мощного натиска, так что у меня голова шла кругом. В этом семестре я читаю два новых курса: греческую метрику и ритмику (по собственной системе) и Гесиода. Затем семинарские занятия. Потом греческие часы в педагогиуме, где я разбираю «Орестею» Эсхила. К этому добавляются заседания регентов, факультета и библиотеки, наряду со многими приглашениями светского характера.
Вчера вечером я получил удовольствие, которое прежде всего пожелал бы тебе. Якоб Буркхардт выступил с вольной речью о «историческом величии», причём полностью исходя из нашего круга мыслей и чувств. Этот пожилой, весьма своеобразный человек склонен не к искажению, но, пожалуй, к замалчиванию истины, однако во время доверительных прогулок он называет Шопенгауэра «нашим философом». Я посещаю его еженедельный часовой курс по изучению истории и считаю себя единственным из его 60 слушателей, кто понимает глубокий ход мыслей с их странными преломлениями и изгибами, там, где предмет граничит с сомнительным. Впервые я получаю удовольствие от лекции, к тому же она такова, что, будь я старше, я мог бы прочесть её сам. В своей сегодняшней лекции он разобрал философию истории Гегеля в манере, вполне достойной юбилея.
Этим летом я написал эссе «о дионисийском мировоззрении», которое рассматривает греческую древность с той стороны, с которой мы, благодаря нашему философу, теперь можем подойти к ней ближе. Но это исследования, которые пока рассчитаны только на меня. Я не желаю ничего больше, чем чтобы мне дали время как следует созреть, а затем произвести что-то из полноты.
Перед лицом грядущего состояния культуры я испытываю величайшие опасения. Если бы только нам не пришлось платить за огромные национальные успехи слишком дорого в той области, где я, по крайней мере, не желаю идти ни на какие уступки. По секрету: я считаю нынешнюю Пруссию силой, крайне опасной для культуры. Школьное дело я как-нибудь позже разоблачу публично, а с религиозными интригами, которые сейчас снова ведутся из Берлина в пользу католической церковной власти, пусть попробует кто-нибудь другой. — Порой это очень тяжело, но мы должны быть достаточно философами, чтобы сохранять рассудительность в общем опьянении — чтобы не пришел вор и не украл или не умалил у нас то, что для меня не может сравниться ни с какими военными подвигами, да и вообще ни с какими национальными подъемами.
Для грядущего культурного периода нужны борцы: ради них мы должны себя сохранить. Дорогой друг, я всегда думаю о тебе с величайшими опасениями — пусть гений будущего, в том смысле, как мы на него надеемся, ведет тебя и оберегает!
Твой верный друг Фр. Ницше
108. An Richard Wagner in Tribschen
Глубокоуважаемый учитель,
в первой суматохе нового семестра, которая на этот раз, после моего долгого отсутствия, особенно сильна, ничто не могло бы доставить мне большего утешения, чем присылка Вашего «Бетховена». Насколько важно для меня было познакомиться с Вашей философией музыки — а это ведь, пожалуй, означает: той самой философией музыки, — я мог бы особенно ясно показать Вам на примере эссе, которое написал для себя этим летом под названием «Дионисийское миросозерцание». В самом деле, благодаря этому предварительному изучению я достиг того, что полностью и с глубочайшим наслаждением осознаю необходимость Вашей аргументации, сколь бы отдаленным ни был круг мыслей, сколь бы удивительным и поразительным ни было всё, и в особенности рассуждение об истинном деянии Бетховена. Однако я опасаюсь, что эстетикам наших дней Вы покажетесь лунатиком, следовать за которым неблагоразумно, даже опасно, а прежде всего — невозможно. Даже знатоки философии Шопенгауэра в большинстве своем будут не в состоянии перевести глубокое созвучие между Вашими мыслями и мыслями их учителя в понятия и чувства. И таким образом, Ваше сочинение, как говорит Аристотель о своих эзотерических трудах, «одновременно издано и не издано». Я склонен полагать, что следовать за Вами, мыслителем, в данном случае возможно лишь тому, для кого «Тристан» открылся прежде всего.
Поэтому я рассматриваю подлинное постижение Вашей философии звука как драгоценное орденское достояние, которое пока доступно лишь очень немногим. —
В рукописи местами некоторые удвоенные буквы написаны как одинарные, например, в словах «appellieren, Apperception, supplieren», что следовало бы отметить наборщику. —
[+ + +]
Ваш благодарный и
преданный
Фридрих Ницше
109. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра,
Но, мои дорогие, почему же ни строчки? Или письма затерялись? Я написал сразу же, на второй день моего пребывания в Базеле.
Тем временем я снова в полной деятельности. Здоровье всё ещё шаткое. Как уверяют мои коллеги, требуется много времени, прежде чем организм восстановит то, что он потерял из-за дизентерии. — Я получил письма: 1) от Клеменса Брокхауса, который просил передать вам свои наилучшие пожелания и с очень лестными отзывами говорит о своём визите в Наумбург. 2) от пастора Клецшке, который объявляет о своей помолвке с Мари Вайлепп. 3) из Трибшена, вместе с большой рукописью, речью В. о Бетховене, 4) от Мозенгеля, совершенно в его духе, который просил передать тебе, дорогая Лизбет, привет, 5) от Роде несколько слов, удивление, что я не пишу, 6) от Герсдорфа, у которого дела идут вполне сносно, 7) от советника Фишера, вместе с 8 бутылками превосходного вина «Эрмитаж» для укрепления моего здоровья. В воскресенье я был приглашён на обед к Зиберам. Они просили передать вам много приветов, так же как Хагенбахи и Фишеры.
На сегодня всё. А теперь ваша очередь. В Наумбурге ведь было совсем неплохо.
Ваш Ф.
110. An Erwin Rohde in Hamburg
Отпущение грехов! Мой дорогой друг! Такие годы скоро не повторятся, а посему не должно впредь случаться, чтобы я так долго молчал, как могила. Я еще жив — хотя я и не избежал когтей дизентерии и дифтерии, и они изрядно меня потрепали, но в целом я теперь снова человек среди людей. О своих военных переживаниях я не хочу тебе рассказывать — почему ты сам в них не участвовал? Я, между прочим, никогда не получал ни строчки из твоих писем, все они исчезли «в полях»! У меня был очень славный попутчик, которому я много рассказывал о тебе, желая, чтобы он с тобой познакомился. Постарайся это устроить, ты будешь рад. Его зовут Мозенгель, он художник и живет в Гамбурге, на Катариненштрассе, 41. Это один из лучших людей, которых я встречал, и приятный мне пейзажист. У него много заслуг передо мной, в последнее время он даже ухаживал за мной во время болезни.
Сейчас я снова в полной деятельности и читаю два курса: Гесиод и Метрика, затем «Академику» в семинаре и «Агамемнона» в педагогиуме. Как же дела у тебя? Ты тоже уже в академическом ярме? Если да — то удачи в веселой охоте! И в странствиях с фонарем Диогена!
Я кратко резюмирую, что со мной приключилось немало радостного. Во-первых, у Вагнера вышла большая статья о Бетховене, которая содержит философию в духе Шопенгауэра и с силой Вагнера. Она скоро будет напечатана. Фрау Вагнер спрашивала меня в письме, был ли ты тоже на фронте и как у тебя дела. — Вторая радость: Якоб Буркхардт читает сейчас еженедельно лекции об изучении истории в духе Шопенгауэра — прекрасный, но редкий рефрен! Я слушаю его. Третья радость: в мой день рождения у меня возникла лучшая филологическая идея, которая у меня была до сих пор — ну, это, конечно, звучит нескромно, да и не должно быть таковым! Сейчас я работаю над ней. Если хочешь мне верить, то могу сказать, что открыл новую метрику, по сравнению с которой всё новейшее развитие метрики от Г. Германа до Вестфаля или Шмидта — заблуждение. Смейся или издевайся, как хочешь — мне самому это кажется поразительным. Работы очень много, но я глотаю пыль с удовольствием, потому что на этот раз у меня есть прекраснейшая уверенность, и я могу придать основной мысли всё большую глубину. — Летом я написал для себя большую статью «О дионисийском мировоззрении», чтобы успокоиться перед надвигающейся грозой.
Теперь ты знаешь, как я живу. Добавь к этому, что я испытываю величайшее беспокойство перед грядущим будущим (в котором мне чудится скрытое средневековье), а также то, что здоровье мое плохо — за исключением тех моментов, когда я получаю письма от друзей или такие прекрасные трактаты, как твой из «Rheinisches Museum». Мне приходит на ум, что Фишер выразил крайнюю заинтересованность и был тебе очень благодарен за это.
Также ты очень помог мне с моим ἀγών, прими за это сердечную благодарность. Ричль утверждает, что ты не корректор, я никогда не притязал на то, чтобы считать себя таковым. Так что мы, по крайней мере, в одинаковом положении. — Постарайся же выбраться из этой роковой, чуждой культуре Пруссии! Где холопы и попы растут как грибы и скоро своим смрадом затмят нам всю Германию. — Не правда ли, мы понимаем друг друга? Нет? И ты не держишь на меня зла? Было бы, видит Бог, жаль.
Прощай, дорогой друг
Ф. Н.
Еще хочу передать праздничное поздравление с днем рождения: желаю здоровья, профессуры и, si placet, — жены.
111. An Carl von Gersdorff in Frankreich (Feldpostbrief)
Мой дорогой друг,
как же я буду счастлив, если ты пережил великие потери последних недель без всякого горя! Нельзя больше думать об этих ужасных вещах, если не хочешь потерять всякое мужество.
Но теперь я хочу написать тебе в надежде, да что там, в предположении, что ты избежал этих страшных опасностей, храбрый и счастливый, как любимец бога войны — но не любя его самого снова!
Когда же это письмо достигнет тебя! Возможно, к твоему дню рождения; и если ты встретишь его на этот раз целым и невредимым, то сделай же, как Поликрат, и принеси жертву демонам!
Прими от меня новейшее сочинение Вагнера о «Бетховене» как символ нашей глубокой общности стремлений и мыслей под одним знаменем, под тем самым, на которое как на единственно ведущее к цели указывает Вагнер в этом труде. Я читал его в возвышенном и благоговейном настроении. В нем заключены глубокие тайны, прекрасные и ужасные, как сама музыка, открывающаяся в своих высших проявлениях.
Из Трибшена я должен переслать тебе фотографию Вагнера вместе с сердечными приветами. Фрау Вагнер написала мне: «Вот обещанная фотография для философствующего воина; никому Вагнер не послал бы её охотнее, чем тому, кто, мужественно исполняя свой долг, в то же время не пренебрегает размышлениями о сущности вещей».
А теперь еще кое-что приятное. Ты был так добр, что обратил мое внимание из своего военного лагеря на сочинение, которое ручается за распространение круга идей Шопенгауэра также и во Франции. Я пережил большой триумф, когда недавно нашел в отчетах Венской академии наук статью профессора Чермака о теории цвета Шопенгауэра. Он констатирует, что Шопенгауэр самостоятельно и оригинальным путем пришел к познанию, которое сейчас называют теорией цвета Юнга-Гельмгольца: между ней и теорией Шопенгауэра существует чудеснейшее, вплоть до дробных чисел, соответствие. Весь исходный пункт, что цвет является прежде всего физиологическим продуктом глаза, был впервые изложен именно Шопенгауэром. Очень сожалеют, что Шопенгауэр не смог освободиться от «научно бессмысленной» теоремы Гёте и его furor Anti-Newtonianus. Впрочем, Чермак (не сторонник нашего философа) называет Шопенгауэра «величайшим философом со времен Канта». И этим мы, пожалуй, должны быть довольны.
Этот трактат и одобрение Вагнером учения Шопенгауэра — тоже своего рода вклад в памятник Гегелю. В полемических статьях теперь едва ли есть нужда. Даже то, что «Философия бессознательного» Гартмана — книга, в которой проблемы во всяком случае поставлены в шопенгауэровском смысле, — уже переживает второе издание, заслуживает того, чтобы быть приведенным в качестве доказательства перемены. Дай мне еще пару лет, и ты почувствуешь новое влияние на антиковедение, а с ним, надеюсь, и новый дух в научном и этическом воспитании нашей нации.
Но какие враги вырастают теперь на кровавой почве этой войны для нашей веры! Я готов здесь к худшему, но в то же время полон уверенности, что среди избытка страданий и ужаса кое-где расцветает ночной цветок познания. Наша борьба еще впереди — поэтому мы должны жить! Поэтому я и питаю твердую уверенность, что ты заговорен; пули, которые должны сразить нас насмерть, не выпускаются из ружей и пушек! А посему прощай! Дорогой друг!
В старой верности твой
Фридрих Ницше.
Тем временем я получил твои строки и сердечно рад, что мое предположение было верным. Да дарует демон дальнейшее счастье! — Послать тебе «Бетховена» сейчас не позволяет почта. Ты получишь его только в январе.
112. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра
сердечно благодарю за ваши приятные письма. Когда я их получил, я был рад, что подождал еще день с написанием писем; иначе возникла бы путаница. Также я получил по существу вопроса (а именно по поводу Рождества) столько разъяснений в ваших письмах, сколько мне нужно. Напоминаю лишь, что в этом году очень много времени уходит на все отправления. Поэтому я потороплюсь отправить вам то, что, возможно, должен был бы послать. Герсдорфу я сегодня написал, в расчете на то, что он получит письмо примерно к Рождеству (если он жив!). Я провожу каникулы в Трибшене, где совсем не поняли бы, если бы я отсутствовал. Там также готовят прекрасные музыкальные представления. Вагнер сочинил Трибшенскую симфонию к празднованию дня рождения своей жены (в первый день праздника). У Вагнера сейчас вышла его работа о Бетховене. Я отослал ее Герсдорфу (в качестве подарка на день рождения, также к первому дню праздника). С рождественскими подарками я в затруднении. В. я хочу подарить написанный трактат (ты его отчасти знаешь, дорогая Лизбет, он был написан в Мадеранерской долине). Но для госпожи В. у меня совсем ничего нет. Если у вас есть идея, напишите мне как можно скорее!
На этой неделе у нас было празднование в честь Бетховена. На последнем заседании академического сената нашего друга Хойслера сделали ректором университета, а меня — секретарем. Новые хлопоты! Молодой Фишер оставляет свою должность библиотекаря, и Зибер, вероятно, станет библиотекарем. Госпожа Бишоф пригласила меня на Рождество, но после того, как я уже пообещал поехать в Трибшен. Кроме того, было много приглашений: к Фишерам, Хоффману, Герлаху, Бернулли и т. д.
Со здоровьем дела обстоят лучше. Но мне нужно очень беречь горло, и Хоффман еще несколько раз смазывал мне его. Также я ношу респиратор и очень ценю это изобретение.
Я все еще обедаю дома. Обедать вместе с Хартманом и Швенденером не получилось — дело было не во мне.
Работы много: 6 часов в педагогиуме, 8 в университете. К тому же заседания регенции, факультета, библиотечной комиссии и педагогической конференции!
Мои симпатии к нынешней немецкой захватнической войне постепенно угасают. Будущее нашей немецкой культуры кажется мне более чем когда-либо под угрозой.
С сердечнейшими приветами, ваш
Фриц.
NB. Я уезжаю в Трибшен в пятницу перед праздником.
— Наш философ Тайхмюллер получил приглашение в Дерпт; если бы Венкель написал научный философский трактат, можно было бы выдвинуть его кандидатуру.
113. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
не прошло и минуты с тех пор, как я прочел Твое письмо, а я уже пишу. Я хотел лишь сказать Тебе, что чувствую совершенно так же, как и Ты, и считаю позором, если мы не выберемся из этой томительной жажды действий благодаря решительному поступку. А теперь послушай, что я вынашиваю в своей душе. Будем ли мы еще пару лет влачить это университетское существование, принимая его как поучительное горе, которое нужно нести серьезно и с изумлением? Это должно быть, среди прочего, время обучения для преподавания, подготовка к которому является моей задачей. Только я поставил себе цель немного выше.
В конечном счете, я и сам вижу, что стоит за шопенгауэровским учением об университетской мудрости. Здесь невозможно никакое радикальное существование истины. В особенности, здесь не может начаться ничего по-настоящему революционного.
Затем, мы можем стать настоящими учителями только в том случае, если всеми силами вырвемся из этого духа времени и будем не только мудрее, но прежде всего лучше. И здесь я прежде всего чувствую потребность быть истинным. И поэтому я больше не могу долго выносить воздух академий.
Итак, мы сбросим это ярмо, это для меня решено окончательно. И тогда мы создадим новую греческую академию, Ромундт, безусловно, принадлежит к нам. Ты, вероятно, знаешь из своего визита в Трибшен байройтский план Вагнера. Я втайне размышлял, не должен ли произойти с нашей стороны разрыв с нынешней филологией и ее перспективой образования. Я готовлю большое adhortatio ко всем натурам, еще не полностью задушенным и поглощенным современностью. Как же жалко, что я должен писать Тебе об этом, и что каждая отдельная мысль не была уже давно обсуждена с Тобой! И поскольку Ты не знаешь всего этого аппарата, мой план может показаться Тебе эксцентричной прихотью. Это не так, это необходимость.
Только что вышедшая книга Вагнера о Бетховене сможет подсказать Тебе многое из того, чего я теперь хочу от будущего. Читай ее, это откровение духа, в котором мы — мы! — будем жить в будущем.
Даже если у нас будет мало единомышленников, я все же верю, что мы сможем довольно неплохо — конечно, с некоторыми потерями — вырваться из этого потока и достичь маленького острова, на котором нам больше не нужно будет затыкать уши воском. Мы станем взаимными учителями, наши книги будут лишь рыболовными крючками, чтобы привлечь кого-то еще в наше монастырско-художественное братство. Мы живем, работаем, наслаждаемся друг для друга — возможно, это единственный способ, которым мы должны работать для Целого.
Чтобы показать Тебе, насколько серьезно я это имею в виду, я уже начал ограничивать свои потребности, чтобы сохранить небольшой остаток средств. Мы также хотим испытать свое «счастье» в лотереях, если мы пишем книги, то я требую на ближайшее время самые высокие гонорары. Короче говоря, каждое не запрещенное средство будет использовано, чтобы внешне дать нам возможность основать наш монастырь. — Итак, у нас есть задача на ближайшие пару лет.
Пусть этот план покажется Тебе достойным того, чтобы его обдумать! То, что пришло время представить его Тебе, подтверждает Твое только что полученное, поистине волнующее письмо.
Неужели мы не в состоянии создать новую форму академии в мире
«и не должен ли я, с томительной силой,
«воплотить в жизнь единственный образ?»
как говорит Фауст о Елене.
Об этом намерении никто не знает, и от Тебя теперь будет зависеть, сделаем ли мы сейчас предварительное сообщение Ромундту.
Наша философская школа — это ведь, конечно, не историческая реминисценция или произвольная прихоть — разве не необходимость толкает нас на этот путь? — Кажется, что наш студенческий план, наше совместное путешествие, возвращается в новой, символически более масштабной форме. Я не хочу быть тем, кто снова, как тогда, бросит Тебя в беде; меня это до сих пор грызет.
С наилучшими надеждами, Твой
верный брат Фридерикус.
С 23 декабря по 1 января я буду в Трибшене под Люцерном. — О Ромундте ничего не знаю.
113a. An Gustav Schönberg
Дорогой друг,
я очень сожалею, что мы с момента нашего расставания еще ни разу не виделись. А сколько всего произошло с нами за это время! К тому же я знаю, что ты пережил нечто особенно болезненное. Ах, кто в этом году не стал в той или иной мере скорбящим!
Сегодня я пишу, чтобы попросить тебя сообщить мне что-нибудь более подробное о твоем друге и — насколько я знаю или надеюсь — моем единомышленнике г-не Йонасе. А именно: список того, что он написал, описание его нынешнего положения, возможные учителя или знакомые философские друзья, к которым можно было бы обратиться, чтобы получить от них официальную рекомендацию, и, наконец, твое мнение, претендует ли он вообще на философскую кафедру. Снабдившись такими документами, я хотел бы рискнуть сделать попытку.
С сердечными пожеланиями твоего благополучия, а также успеха в этом нашем общем плане
Твой друг
Фридр. Ницше.
Передай, пожалуйста, мои приветствия Биндингам. Я думаю посетить своих дорогих фрайбургских друзей в одно из первых воскресений нового года.
114. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Сердечный привет к
празднику Рождества,
этот год не сулит многого. Будем рады, что он скоро закончится: без того, чтобы он нас самих поглотил. В конце концов, это всё ещё лучший подарок, который мы можем себе сделать.
Примите с благодарностью то, что я вам здесь посылаю. Лампа Берцелиуса должна удовлетворить давно ощущаемую потребность, а также напомнить о вашем визите в Базель. Разноцветные огни и коробка шоколада должны немного скрыть излишнюю простоту этого подарка-лампы. Сомневаюсь, что успешно.
Тебе, дорогая Лизбет, том шумановских песен<er> — их там гораздо больше, чем ты желала, что, надеюсь, не будет принято в штыки — обязательные перчатки и шахматная доска. Если ты не довольна, просто скажи, в этот раз я совсем не обижусь.
Voila tout! «Смотри, вот и всё», — говорит немец. —
Всеобщее изумление. Ожидали ведь большего. Ещё ни одно Рождество не выходило таким скудным, насмешки и смех сопровождают открытие базельского рождественского ящичка.
Я стыдливо исчезаю на заднем плане
Ф.Н.
NB. Отправлено в субботу заранее, чтобы у почты была неделя в запасе.
115. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мама и сестра,
у меня как раз выдался свободный часок, чтобы от всей души поблагодарить вас: надеюсь, что моё благодарственное письмо придет к первому дню праздника, чтобы вы в этот день получили от меня хотя бы один знак жизни. — Чем скромнее оказались мои подарки для вас, тем богаче ваши для меня — согласно учению о том, что один всегда обходится лучше, чем двое. Всё, что вы поэтично посоветовали мне для умеренного пользования, благополучно попало мне в руки, включая отросток ампельного растения. Только гребень до сих пор невидим. Ковер доставил мне много радости. Перед кроватью он не очень-то смотрелся; он слишком контрастирует с простой спальней. Теперь он постелен в гостиной, прямо у двери. Здесь я убрал одну из старых полосок ковра и положил его под письменный стол — где ковер был необходим для моих ног.
Конечно, новый ковер затмевает все имеющиеся цвета: ну что ж, время сделает своё дело, чтобы умерить этот блеск — согласно изречению
«Знай всегда меру и цель,
Ковер! не слишком блистай!»
Королевские бюсты украшают комнату, хотя эти залитые кровью славные особы кажутся мне со временем ужасными. Ну, в гипсе этих господ еще можно терпеть, в натуре — меньше. Достаточно того, что их статуи уже сияют рядом с лампой.
Ампель, как вы, вероятно, и представляли, — вещь для меня весьма приятная, особенно когда в нем сидит такое живое существо, как ампельное растение, и усердно впитывает дурные запахи комнаты.
Благочестивые пожелания для кошелька так же хороши, как и он сам. Я сразу же пустил его в дело и сегодня уже потратил из него 500 франков (сегодня день расчетов, портной, книжные магазины и т.д. оплачены).
В итоге: всё остальное тоже было хорошо выбрано и «весело», как здесь говорят — только отсутствие гребня меня огорчает.
Последнее время было весьма утомительным. В том числе из-за светских мероприятий. У меня было два вечера с мужской компанией. Сегодня вечером я у Геркратсов, и Шёнберг приедет туда из Фрайбурга.
Завтра еду в Трибшен. Только что получил еще одну телеграмму от Вагнера: он приглашает меня на репетицию музыкального представления, которая состоится завтра, сразу после моего прибытия в Люцерн, в отеле «дю Лак», без ведома фрау Вагнер.
Мои подарки таковы: для Вагнера у меня есть давно желанный им любимый лист Альбрехта Дюрера «Рыцарь, смерть и дьявол», который по счастливой случайности попал мне в руки. Для фрау Вагнер — упомянутая статья, которую я сам красиво переписал. Для господина Рихтера — футляр для сигар из зеленого сафьяна. Для детей — всякого рода мелкие игрушки.
Всё кажется мне весьма подходящим. Я очень радуюсь этой следующей неделе.
Я снова читаю о новой вылазке в Париже, причем против гвардии: что снова вызывает беспокойство. Недавно я писал Герсдорфу и приложил фотографию Вагнера вместе с автографом.
Роде самым прекрасным образом дал о себе знать: он приват-доцент в Киле и имеет 5 слушателей. (Ведь там всего 6 филологов).
А теперь желаю вам доброго вечера, еще раз благодаря, и с моей стороны тем более, что мой подарок показался мне уж слишком скудным. Но ничего не поделаешь. Мы ведь всего лишь профессора, без перспектив стать миллионерами, да и не желаем этого.
Из Трибшена напишу вам снова.
С сердечными приветами и
просьбой не судить строго, ваш
Фриц.
116. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Мои дорогие мама и сестра,
в канун Нового года примите мои пожелания, которые на этот раз особенно живы, потому что у всех нас есть тихие и громкие опасения, что мы движемся навстречу еще более худшим временам, чем нынешние. Последствия войны страшнее, чем сама война с ее огромными потерями. —
Вчера я получил от тебя, дорогая Лизбет, деньги и письмо, из заключительного замечания я понял, что мой рождественский ящик благополучно дошел.
Здесь мне так хорошо, как я только мог пожелать, и мы очень прекрасно отпраздновали Рождество. Празднование 25-го числа, дня рождения госпожи В., было совершенным и заслуживает подробного рассказа. «Трибшенская идиллия», как называется прекрасная симфоническая часть, сочиненная В., принадлежит к самому прекрасному, что только есть. Музыканты были, как и мы, в полном восторге. Возможно, скоро я получу переложение для фортепиано в четыре руки: что очень заинтересует Густава Круга.
На Рождество я получил великолепный экземпляр «Бетховена», затем солидное издание всего Монтеня (которого я очень почитаю) и — нечто совершенно уникальное — первый экземпляр клавира первого акта «Зигфрида», только что законченный, в то время как может пройти еще год, прежде чем клавир этого произведения выйдет в свет.
Сегодня пришло письмо от Герсдорфа к Вагнеру. Значит, он еще жив.
Перед отъездом я был еще вечером у Геркратов на разборе рождественской елки: присутствовал также Шёнберг и, кроме того, превосходный Овербек.
О замужестве Дорис Брокхаус вы тоже, должно быть, осведомлены. 4 января свадьба.
В день Нового года я снова уезжаю обратно в Базель. Впереди еще длинная половина зимнего семестра.
У нас глубокий снег и вокруг Трибшена большая пустыня.
Ну, живите хорошо, насколько это возможно, и вступайте в новый год с прежними чувствами. Добрая тетя сердечно приветствует меня. У меня нет желания писать ей, да и времени тоже. Замечу, что я давно написал бабушке, а именно в первую неделю, которую я снова провел в Базеле: как я, собственно, и обещал.
Приветствуйте благосклонных ко мне людей
и думайте также в новом году
с любовью о Вашем
Ф.
P.S. вместе с приветами от моих хозяев, которые к тебе, дорогая Лизбет, очень дружелюбно расположены.
117. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
я также хочу пожелать Вам в канун Нового года выразить, что я всегда храню Вас в самой благодарной памяти и ничему не могу радоваться больше, чем известиям о Вашем бодром самочувствии и Вашем благоволении ко мне. Пусть новый год даст нам всем сносный и терпимый ответ на многие вопросительные знаки, к которым нас принуждает настоящее, и пусть, прежде всего, государственное развертывание мощи Германии не будет куплено ценой слишком значительных жертв культуры! Кое-чем мы, во всяком случае, пожертвуем, и, будем надеяться, лишь в надежде на последующее обильное и многообразное возмещение.
Чтобы сообщить Вам кое-что о моих занятиях — я и сам довольно основательно запутался в сетях ритмики и метрики, признаюсь Вам, впрочем, в своем убеждении, что чем больше мы приобрели в понимании метрики благодаря современной музыке, тем дальше мы ушли от подлинной метрики древности; хотя я и полагаю, что весь этот процесс от Г. Германа до Г. Шмидта должен был быть пройден. С Вестфалем я почти во всех существенных пунктах больше не согласен. Я очень радуюсь тому, что в анонсированной книге Брамбаха найду также Ваши учения (насколько я знаю, в предисловии); если сам Брамбах написал эту новую книгу в духе своих «Софокловских штудий», то боюсь встретить и его на ложном пути. Здесь необходим полный радикализм, подлинное возвращение к древности, даже с риском того, что в важных пунктах мы больше не сможем прочувствовать древних и что в этом придется признаться. —
О назначении проф. Ланге в Лейпциг я читал на днях. Я не смог уяснить себе механизм этого назначения, так как с октября ничего не слышал из Лейпцига. Во всяком случае, я чувствую, что Бурсиана не удалось провести: возможно, Ланге — результат компромисса. —
Своими базельскими условиями я доволен. Сейчас освобождается философская кафедра, так как Тейхмюллер призван в Дерпт. Я сейчас читаю Гесиода и метрику, в семинаре — «Академику» Цицерона. У нас 12 слушателей. Старый Герлах обладает неистребимой натурой и — во всяком случае для педагогиума — очень хороший преподаватель. Чего мне здесь не хватает, так это одного: времени.
Я подхожу к концу и повторяю свои пожелания Вашего благополучия. В то же время прошу позволить мне передать сердечные поздравления Вашей супруге.
В неизменной верности и благодарности
Ваш Фридрих Ницше