1868 (49 Briefe)
559. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
Sonnabend ist es und zwar neigt sich der Tag seinem Ende zu. Für einen Soldaten liegt ein Zauber in dem Wort „Sonnabend“, ein Gefühl der Beruhigung und des Friedens, das ich als Student nicht kannte. Ruhig schlafen und träumen zu können, ohne daß das Schreckensbild des andern Morgens die Seele umschwebt, wiederum 7 Tage jener uniformirten Aufregung, die man Militärjahr nennt, überwunden und abgethan zu haben — was giebt das für einfache und starke Vergnügungen, eines Cynikers würdig und fast zu billig und zu bequem von uns erworben! Ich verstehe jetzt jene erste und größte Sonnabendnachmittagstimmung, in der das behagliche Wort erscholl πάντα λίαν καλά, in der der Kaffe und die Pfeife erfunden wurde und der erste Optimist ins Leben trat. Jedenfalls waren die Ebräer, die jene schöne Geschichte erdachten und glaubten, Kriegsleute oder Fabrikarbeiter, aber gewiß keine Studenten; denn diese hätten 6 Feiertage und einen Werkeltag zum Vorschlag gebracht und würden in der Praxis auch jenen einen Tag den übrigen gleich gemacht haben. Wenigstens war dies meine Praxis: und ich fühle augenblicklich den Gegensatz zwischen meinem jetzigen Leben und meiner früheren wissenschaftlichen Müssiggängerei sehr stark. Könnte man nur einmal die Philologen von 10 Jahren zusammen holen und sie zur Dienstleistung in ihrer Wissenschaft so drillen, wie es beim Militär Mode ist: nach 10 Jahren wäre eine Philologie nicht mehr nöthig, weil alle Hauptarbeit gethan wäre, sie wäre aber auch nicht mehr möglich, weil kein Mensch freiwillig unter diese Fahne treten würde, eine Fahne, bei der der Begriff des „Einjährigen-Freiwilligen“ ganz wegfällt.
So ein Sonnabend macht geschwätzig, wie Du merken wirst; da wir die übrige Woche zu viel zu schweigen haben und alle unsre Seelenfähigkeiten nach dem Kommandowort des Vorgesetzten zu regeln pflegen, so quillt an den unbewachten Momenten des Sonnabends das Wort aus der Lippe und die Zeile aus dem Tintefaß, zumal wenn das Feuer im Ofen knistert und draußen der frühlingschwangere Februarsturm braust. Sonnabend, Sturm und Zimmerwärme, das sind die besten Ingredienzen, aus denen der Punsch der „Briefstimmung“ gebraut wird.
Mein lieber Freund, dies mein Leben ist jetzt wirklich sehr einsam und freundelos. Da ist nichts von Anregungen, das ich mir nicht selbst gäbe, nichts von jenem harmonischen Zusammenklang der Seelen, wie es manche gute Stunde in Leipzig mit sich brachte. Vielmehr Entfremdung der Seele von sich selbst, Übergewicht eines herrschenden Einflusses, der den Geist zu straffer Furcht zusammenrafft und ihn die Dinge mit einem Ernste zu betrachten lehrt, dessen sie nicht werth sind. Dies ist die Kehrseite meiner jetzigen Existenz, wie Du sie mir gewiß nachfühlen kannst. Drehen wir aber die Münze um. Dies Leben ist zwar unbequem, aber, als Zwischengericht genossen, unbedingt nützlich. Es ist ein fortwährender Appell an die Energie eines Menschen und mundet besonders als ἀντίδοτον gegen die lähmende Skepsis, über deren Wirkung wir manches miteinander beobachtet haben. Dabei lernt man seine Natur kennen, wie sie sich unter fremden, meist rohen Menschen, ohne Beihülfe der Wissenschaft und ohne jene traditionelle fama, die unsern Werth für unsre Freunde und für die Gesellschaft bestimmt, zu offenbaren pflegt. Ich habe bis jetzt bemerkt, daß man mir wohl will, so Hauptmann wie Kanonier; andernseits thue ich, was mir obliegt, mit Eifer und eignem Interesse. Darf man darauf nicht stolz sein, wenn man als der beste Reiter unter 30 Rekruten gilt? Wahrhaftig, lieber Freund, das ist mehr als eine philologische Prämie: obwohl ich auch gegen derartige Lobsprüche nicht unempfänglich bin, wie sie mir die Leipziger Fakultät zu Theil werden ließ. Darf ich Dir, ohne in den Ruf eines ekeln Narren zu kommen, jenes ἐγκώμιον, wie es im Programm S. 22 steht, abschreiben?
Philosophorum denique Ordini unus traditus libellus est et ex classe quidem prima: ,De fontibus Laertii Diogenis hac inscriptione‘ γένοι᾽οἷος ἐσσί Pind. Pyth. II. v.73. (Denkst Du noch an unser Nirwanaplätzchen im Rosenthal?) Eius libelli scriptor, quum res, quae ad eam quaestionem pertinerent et litteras quae huc facerent penitus cognovisset earumque momenta acri ingenio examinasset, rem, quam explanandam susceperat persecutus ita est, ut, quum summo acumine in singulis locis cognoscendis atque iudicandis uteretur summaque sagacitate in vero indagando, inveniendo, e tenebris eruendo versaretur ingenioque in colligendo plurimum valeret atque ea, quae explorate perceperat, dilucide exponeret, vix quidquam reliquerit in ea quaestione, quod aut addi aut demi posse videretur, summamque et ingenii et doctrinae laudem ab ordine amplissumo consecutus sit. e. q. s.
Nicht wahr, lieber Freund, tant de bruit pour une omelette? Aber so sind wir, wir machen uns lustig über solch ein Lob und wissen nur zu gut, was es auf sich resp. hinter sich hat, aber trotzdem verzieht sich das Gesicht zu einem wohlgefälligen Grinsen. Bei solchen Dingen ist unser alter Ritschl ein Kuppler, his laudibus splendidissimis sucht er uns im Netz der Dame Philologie festzuhalten. Ich habe erstaunliche Lust, in meinem nächsten in honorem Ritscheli geschriebenen Aufsatz (über Demokrits Schriftstellerei) den Philologen eine Anzahl bittrer Wahrheiten zu sagen. Bis jetzt habe ich für denselben die schönste Hoffnung: er hat einen philosophischen Hintergrund bekommen, was mir bis jetzt bei keiner meiner Arbeiten gelungen war. Außerdem bekommen alle meine Arbeiten ohne meine Absicht, aber gerade deshalb zu meinem Vergnügen eine ganz bestimmte Richtung; sie weisen alle wie Telegraphenstangen auf ein Ziel meiner Studien, das ich nächstens auch fest ins Auge fassen werde. Es ist dies eine Geschichte der litterarischen Studien im Althertum und in der Neuzeit. Es kommt mir zunächst wenig auf die Details an; jetzt zieht mich das Allgemein-Menschliche an, wie das Bedürfniß einer literarhistorischen Forschung sich bildet und wie es unter den formenden Händen der Philosophen Gestalt bekommt. Daß wir alle aufklärenden Gedanken in der Literaturgeschichte von jenen wenigen großen Genien empfangen haben, die im Munde der Gebildeten leben und daß alle guten und fördernden Leistungen auf dem besagten Gebiete nichts als praktische Anwendungen jener typischen Ideen waren, daß mithin das Schöpferische in der litterarischen Forschung von solchen stammt, die selbst derartige Studien nicht oder wenig trieben, daß dagegen die gerühmten Werke des Gebietes von solchen verfaßt wurden, die des schöpferischen Funkens bar waren — diese stark pessimistischen Anschauungen, in sich einen neuen Kultus des Genius bergend, beschäftigen mich anhaltend und machen mich geneigt, einmal die Geschichte darauf hin zu prüfen. An mir selbst stimmt die Probe; denn mir ist es so, als ob Du bei den niedergeschrieben<en> Zeilen den Duft von Schopenhauerscher Küche riechen müßtest.
Von diesen Luftschlössern ist der Abfall zur Wirklichkeit recht bitter. Denke lieber Freund, daß ich, der ich in den angedeuteten Aussichten gelegentlich schwelge, trotzdem nicht im Stande bin, das Allernächste zu beendigen. Es ist mir rein unmöglich, den versprochnen Beitrag zum Ritschlbuche zur rechten Zeit zu liefern. So sehr die Materie mir im Kopfe und am Herzen liegt, so fern ist doch die Ausarbeitung: da fehlt es an Hundert Dingen, an Zeit, Büchern, guten Freunden, Momenten der Sättigung und der Erhebung: und zu jedem dieser Mängel muß ich hinzu fügen, daß jeder einzelne schon die Kraft hat, mich an einer Ausarbeitung zu hindern. Glückliche Menschen, sagt Ritschl von den Studenten, ihr habt 14 Stunden des Tages für euch und eure Studien! Elender Mensch, sage ich zu mir, Du hast nicht zwei Stunden des Tages; und selbst diese mußt Du dem Mavors opfern, der dir sonst das Lieutnantpatent verweigert. Ach lieber Freund was ist so ein reitender und fahrender Artilleriste für ein Unglücksthier, wenn er litterarische Triebe hat! Unser alter Kriegsgott hatte eben die jungen Weiber, nicht alte verschrumpelte Musen gern. Ein Kanonier, der über Demokritische Probleme oft genug in der Kasernenstube nachdenkt, auf einem schmutzigen Schemel kauernd, indem ihm die Stiebein gewichst werden, ist nun einmal ein παράδοξον, auf das die Götter mit Hohn blicken.
Wenn Ihr also noch bis November dieses Jahres warten wollt, so macht Ihr mir eine große Freude. Wir sammeln im Frühjahr und Sommer die Aufsätze unsrer Freunde, besprechen und beurtheilen sie, verhandeln mit dem Buchhändler, lassen lustig drucken — und dann kommt mein Aufsatz, zuletzt und spät zwar, aber doch zur rechten Zeit. Übrigens fand auch Clemm, den bisherigen Termin als zu kurz gesteckt. Bitte, theile mir doch Deine Meinung über diesen Punkt mit!
Wenn ich Dir sage, daß ich täglich von morgens 7 Uhr bis Abends um 5 im Dienst bin, außerdem noch bei einem Lieutenant und bei einem Thierarzte Vorträge höre, so kannst Du ermessen, wie schlimm ich daran bin. Abends ist der Leib schlaff und müde und sucht zeitig sein Nest. Und so geht es ohne Rast und Ruh aus einem Tag in den andern. Wo bleibt da die für wissenschaftliche Ausarbeitungen nöthige Sammlung und Contemplation!
Ach sogar für Dinge, die mir näher stehen als meine litterarischen Bedürfnisse, die χάριτες eines freundschaftlichen Briefwechsels und der Kunst, fällt so selten eine Stunde ab! Laß mich nur erst wieder im Vollgenuß meiner Zeit und Kräfte sein —
si male nunc, non olim sic erit.
Und im nächsten Jahre gehe ich nach Paris. Beinahe bin ich überzeugt, daß Du auf denselben Gedanken kommen wirst. Bekanntlich muß ja ein Biedermann lustig, guter Dinge sein, wenn anders Sankt Offenbach Recht hat.
Dir, also, Poesie der Zukunft, und dir, Freundschaft der besten Vergangenheit, den letzten Federzug, den letzten Tintenklecks!
fulsere quondam candidi tibi soles!
F Nietzsche
in treuer
Freundschaft.
560. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
diesmal habe ich recht lange und dazu recht unnützer Weise warten lassen und warten müssen; und schließlich nach diesem langen Zeiträume kommt nicht einmal die versprochne Volkmannsche Abhandlung in Ihre Hände. Es ist mein Trost, daß außer mir niemand einen Schaden von diesem langweiligen Zaudern hat: aber ich brauche auch nicht zu verschweigen, daß ich keine Schuld daran habe.
Genug, Freund Volkmann will nicht mehr, daß ich auf ihn warte, da er noch lange nicht mit seinem Aufsatze fertig ist. Offenbar hat er sich arg in der Zeit verrechnet: doch das darf man einem preußischen, speziell einem pförtnerischen Schulmanne nicht übel nehmen.
Während dieser ganzen Zeit ist auch mein Laertianum draußen in Pforte gewesen: seit gestern habe ich das Ding ein paar Mal durch gelesen und durch corrigiert, so weit mir Ihre vortrefflichen Censurstrichlein dazu Anleitung gaben.
Eine Vorrede, hochverehrter Herr Geheimrath, habe ich nicht geschrieben und bitte Sie deshalb um Verzeihung. Erstens wollte ich nicht gleich auf der ersten Seite dem Publikum gestehen, daß dies eine prämiirte Arbeit ist: wodurch die Stellung des betreffenden Publikums zu dem unscheinbaren opus sogleich verändert wird, und alle möglichen persönlichen Rücksichten, Neigungen und Abneigungen bei dem Leser aufzutauchen pflegen. Noch weniger aber habe ich Lust sogleich selber auszusprechen, was an der Arbeit mangelhaft sei und einer weiteren Ausführung bedürfe: was dann für Gründe einer Umarbeitung augenblicklich entgegenstehen. Es drängt mich ja niemand, daß das Werkchen jetzt schon öffentlich werde: warum sollte es nicht noch ein Jahr liegen und der Verbesserung entgegenreifen? Wenn ich trotzdem selber froh bin, daß es nun bald gedruckt wird, so liegt das in Gründen, mit denen das Publikum gar nichts zu thun hat. Vor allem habe ich dadurch wieder eine Arbeit vom Gewissen und darf mich wieder frei nach andern schönen Dingen umsehn usw. Wenn ich später einmal genöthigt sein werde Nachträge zu schreiben, so ist das eine Gelegenheit, mich über Ursprung, nächsten Zweck der Arbeit und andre persönliche Dinge auszulassen.
Wie die Arbeit nun ist, wird sie, denke ich druckfertig sein; sie mag ungefähr 60—70 Seiten einnehmen, wenn man solche Lettern und solche Spatien anwendet, wie sie beispielsweise zu Brambachs Aufsatz de Romanorum re militari Band XX p. 599 ss. gebraucht worden sind: und wie sie mir recht gefallen. —
Wenn ich zum Schluß noch erwähne, daß ich den ganzen Tag von Morgen bis Abend durch meine militärischen Aufgaben und Dienstleistungen beschäftigt bin, so geschieht es nur, um einen neidischen Blick auf jene Zeit zu werfen, wo es mir öfter freistand, eine behagliche Mittagsstunde mit Ihnen durchzusprechen und dabei meine Wünsche und Absichten Ihnen auszubreiten: während jetzt mir nur vergönnt ist, mit kalter Tinte auf kaltes Papier zu schreiben, daß ich in warmer Verehrung verharre
Ihr treuer Schüler
Friedrich Nietzsche.
561. An Hermann Mushacke in Berlin
Mein lieber Freund,
ein Viertel Jahr ist nun seit jenen Tagen vergangen, wo ich mit bestürzten Mienen und unruhigem Gemüthe vor Dir erschien, eine plötzliche Wendung meines Schicksals halb abwendend, halb gutheißend. Denn das wirst Du mir recht wohl angemerkt haben, daß ich mit einer Art Behagen mich selbst in einen Zustand hineindachte, der zwar mancherlei Unbequemlichkeiten in sich schloß, zugleich aber auch von einer Sphaere umgeben war, die Muth, Entschlossenheit und Männlichkeit athmete. Immerhin war das pikante Gericht mir an der Tafel meines Lebens einmal angeboten, und ich war nicht mehr in der Lage es zurückzuweisen; genug ich kostete und ich fand es nicht einmal so übelschmeckend. Besonders schmeckte es nach der Verweichlichung, die die Lebensweise und die Studienmanier eines Studenten im Gefolge hat. Und so habe ich mich denn gewöhnt, das Militärjahr als eine jener Hülfen zu betrachten, durch die wir einer einseitigen Ausbildung aus dem Wege gehen, vornehmlich aber in ihm ein entschiedenes Gegengift gegen eine steife pedantische engbrüstige Gelehrsamkeit zu finden, wider die ich immer im Kampfe liege, wo ich sie nur auch aufdecken kann.
Nach diesen allgemeineren Ansichten möchte ich gern von diesem Punkte schweigen; denn da mich jetzt jede Stunde an den Dienst erinnert, so will ich wenigstens in den Plaudereien mit meinen Freunden ihn momentan aus dem Sinn verlieren. Sehr gern nun möchte ich wissen, womit Du, mein lieber Freund, Dich herum schlägst und bis zu welcher Entfernung Du dem drohenden Ungeheuer [ἐξάμην] auf den Leib gerückt bist: was für Arbeiten Du ihm als Köder vorwerfen willst und dergl. Von mir wirst Du über diese Sache nichts zu hören verlangen. Eine größere Arbeit „über Demokrits Schriftstellerei“ klebt seit einem Viertel Jahr zwischen meinen Fingern: und doch kann ich die schöne Form nicht finden, nach der ich suche. Ich bemerke mit Freuden, wie alle meine Studien mit festgewebten Fäden unter einander zusammenhängen; und das geschieht vornehmlich deshalb, weil ich bei jeder einzelnen Untersuchung die Perspektive so weit als möglich aufstelle. Übrigens hat man mir in Leipzig die Ehre angethan meine Abhandlung de Laertii Diogenis fontibus zu krönen und zwar auf eine glänzende Weise; jetzt wird sie im rhein. Museum gedruckt. Ich lebte gerade in jener rauhsten Zeit meines Militärjahres, mußte Pferde schaben, reinigen und putzen, als mir die Nachricht wie ein angenehmer Nachklang einer schöneren Periode von Leipzig herüberkam. Von dort her höre ich überhaupt nur Gutes. Meine Freunde leben ihr harmloses Leben fort, Ritschl ist gesund und erfreut mich öfter durch heitere Briefe, unser Verein wuchert fröhlich weiter, Kintschy lebt noch usw.
Wenn ich nur erst wieder frei über meine Zukunft verfügen kann! Dann komme ich gewiß auch ein paar Monate nach Berlin, wenngleich meine Wünsche jetzt gewöhnlich noch weiter eilen, nach dem alles verschlingenden Paris. Immerhin aber ist es doch wahrscheinlich, daß ich zu allen möglichen examinösen Zwecken nach Berlin muß. Sollte es aber für Dich nicht eher eine Gelegenheit geben, nach Naumburg zu kommen? Frühling, Universitätsferien, Gott!, was für schöne Dinge, von denen ein Kanonier nichts wissen darf! Du findest immer das fröhlichste Willkommen! Heute aber bitte ich nur noch, meine besten Empfehlungen Deinen verehrten Angehörigen sowohl meinerseits als seitens meiner Mutter und Schwester auszurichten.
In treuer Freundschaft
Dein Fr. Nietzsche.
562. An Carl von Gersdorff in Berlin
Lieber Freund,
durch Deine beiden mich hocherfreuenden Briefe habe ich einen deutlichen Einblick in Dein gegenwärtiges Arbeiten und Denken gewonnen: ich fühle den ruhigen Genuß heraus, mit dem Du Dich nach straffem, einengendem Dienste wieder in dem schönen Garten der Wissenschaften ergehst. Wollte das Schicksal, daß auch mir dieser Genuß bald wieder winkte! Aber meine Zeit, ja mein bestes Theil geistiger Kraft und Regsamkeit verbraucht sich in dem ewigen Kreislauf militärischer Übungen. Ich habe mich darüber jetzt vollkommen resignirt, während ich in den ersten Monaten einen ungestümen Anlauf nahm, auch bei den jetzigen Verhältnissen meine Studien fortzusetzen. Es lag mir vornehmlich eine Arbeit am Herzen, zu der ich eine Menge schönes Material gesammelt hatte und täglich sammelte, eine Arbeit, an die mich philologisches und philosophisches Interesse knüpfte: über Demokrits Schriftstellerei. Die ungeheuren Angaben über dieselbe hatten mir Mißtrauen eingeflößt; ich gieng dem Begriff einer großartigen litterarischen Falschmünzerei nach und fand auf den verschlungenen Wegen der Kombination eine Fülle interessanter Punkte. Am Schlüsse aber, als meine skeptische Betrachtung alle Folgerungen übersehn konnte, drehte sich mir allmählich unter den Händen das Bild herum; ich gewann ein neues Gesammtbild der bedeutenden Persönlichkeit Demokrits und von dieser höchsten Warte der Beobachtung gewann die Tradition ihr Recht wieder. Diesen ganzen Prozeß, die Rettung der Negation durch die Negation, habe ich mir nun zu schildern vorgenommen, so daß ich bei dem Leser dieselbe Folge von Gedanken zu erwecken suche, die mir sich ungesucht und kräftig aufdrangen. Dazu gehört aber Muße und frische Gesundheit des Denkens und Dichtens.
Nicht besonderes Glück habe ich bis jetzt mit meiner Arbeit de fontibus Laertii Diogenis gehabt, die längst gedruckt sein sollte, aber durch eine kleine Bummelei eines Bekannten erst in voriger Woche zum Druck nach Leipzig wanderte. Sie erscheint, wie meine Theognisstudie, im rheinischen Museum. Sie ist schon ihres Stoffes wegen angethan ein paar Philologen mehr zu fesseln resp. zu reizen als mein erstes opusculum. Es war nicht zu umgehen, daß ich hier und da einem Philologen einen Klaps versetzte. Nun wir werden sehn, wie es mir bekommt. Glücklicher Weise habe ich den größten Theil von Material gerade für wichtige Punkte noch gar nicht gegeben, so daß ich bei einer etwaigen Polemik immer noch mit vollen Händen werfen kann.
Später wenn ich mich von der Demokritarbeit frei gemacht habe, und eine Dissertation de Homero Hesiodoque aequalibus glücklich vom Stapel gelaufen ist: soll es mit frischen Sinnen an ein Hauptwerk gehen, an eine Darstellung der litterarischen Studien der Alten, wobei sich die Entwicklung dessen, was man jetzt Literaturgeschichte nennt, ergeben wird. Später will ich Dir einmal erzählen, wie ich im Hintergrunde einige stark pessimistische Sätze aufstelle, so daß das Ganze stark von einem Schopenhauerschen Dufte umschwommen sein wird.
Verzeihe mir, wenn ich Dich mit lauter Aussichten und Absichten, jedenfalls mit unrealen Dingen unterhalte. Aber denke, wie stark im Menschen das Bedürfniß ist seine Wünsche auszusprechen, und wie wenig meine Umgebung darnach angethan ist, gerade derartige Dinge aufzunehmen. Im Grunde ist das gerade, was mich am meisten in Naumburg bedrückt, die ἐρημία τῶν φίλων, während ich andernseits mich glücklich schätzen muß, durch die Gegenwart der Angehörigen der Sorgen für das Dasein enthoben zu sein, ja eines bequemen Lebens mich erfreuen zu können.
Meine Dienstangelegenheiten nehmen, wie ich Dir sagte, viel Zeit weg, sind aber im Ganzen erträglich. Besonders ist es immer noch das Reiten, für das man meinen Eifer durch mancherlei Lob rege erhält. Ich höre von den Offizieren, daß ich einen guten Sitz habe und mich dadurch vortheilhaft auszeichne. Wahrhaftig, lieber Freund, ich habe nie gedacht, daß ich auch in diesen Regionen noch Gelegenheit haben würde eitel zu werden. Genug, mein Trieb, mich in dieser schönen, aber schweren Kunst möglichst auszubilden, ist ziemlich stark. Wenn Du einmal, etwa bei Gelegenheit des Pförtner Schulfestes nach Naumburg kommst, wirst Du meine Leistungen leicht abschätzen können; ich glaube Du wirst tüchtig lachen, wenn Du mich kommandiren hörst. Übrigens habe ich noch viel zu lernen, um ein anständiges Offizierexamen zu machen.
Daß Du Dich mit viel Vergnügen auf nationalökonomische Studien geworfen hast, ist mir sehr begreiflich; ich selbst bedaure nichts mehr, als bis jetzt eines tüchtigen Pfadzeigers ermangelt zu haben. Denn über Roschers Stellung und Werth haben wir zu meiner Überraschung genau dieselbe Meinung. Sowohl im Gespräch mit Freund Kleinpaul, der die Schwäche der philosophischen Natur Roschers völlig durchschaute, als in der Unterhaltung mit der geistvollen Gattin Ritschls, die auch die prikkelnde Ungründlichkeit des witzigen Mannes herausfühlte, habe ich mich in dem angedeuteten Sinne ausgesprochen. Übrigens ist nur ein nicht geringer Beleg für die Richtigkeit dieser Meinung das Naturell seines Sohnes, das ich kennen zu lernen Gelegenheit hatte, und das vollständig die Züge des Urbildes aufweist.
Ein Büchlein, aus dem ich über den Stand der social-politischen Parteien manches mir angeeignet habe, obgleich es eine bedenkliche Lektüre ist und scharf säuerlich nach Reaktion und Katholicismus schmeckt, ist Dir vielleicht auch bekannt: Geschichte der social-politischen Parteien in Deutschland, von Jos. Edm. Jörg (Freiburg im Breisgau 1867) Auch aus ihm leuchtet die irrationale Größe Lassalles hervor. Leider sehe ich keine Möglichkeit ab, wie ich dessen Schriften in meine Hände bekommen könnte, und ich muß mich daher auf spätere Zeiten vertrösten.
An dieser Stelle muß ich nochmals das Verdienst eines Mannes rühmen, von dem ich Dir schon früher einmal geschrieben habe. Wenn Du Lust hast Dich vollständig über die materialistische Bewegung unsrer Tage, über die Naturwissenschaften mit ihren Darwinschen Theorien, ihren kosmischen Systemen, ihrer belebten camera obscura etc. zu unterrichten, zugleich auch über den ethischen Materialismus, über die Manchester-Theorie etc. so weiß ich Dir immer nichts Ausgezeichneteres zu empfehlen als „die Geschichte des Materialismus“ von Friedr. Alb. Lange (Iserlohn 1866), ein Buch, das unendlich mehr giebt als der Titel verspricht und das man als einen wahren Schatz wieder und wieder anschauen und durchlesen mag. Bei Deiner Richtung der Studien weiß ich Dir nichts Würdigeres zu nennen. Ich habe mir schlechterdings vorgenommen mit diesem Manne bekannt zu werden und will ihm meine Demokritabhandlung als ein Zeichen meiner Dankbarkeit schicken.
Übrigens gehört auch Spielhagen zu denen, mit welchen ich ein persönliches Verhältniß wünsche. Nun vielleicht giebt sich in Berlin einmal eine Annäherung. Ich wundre mich, daß Du nicht einmal dem ausgezeichneten Manne einen Besuch abstattest. Wir müssen uns unsre philosophischen Freunde etwas zusammensuchen. Auch Bahnsen, der Verfasser der „charakterologischen Studien“ steht auf der Liste. Da ist ja auch Eugen Dühring in Berlin, der immer schöne Collegien gelesen hat zB. über Schopenhauer und Byron, über Pessimismus etc. Endlich ist dort wohl auch Frauenstädt, der Protagonist des Kultus, aufzutreiben. Wenn wir doch nur ein Organ für die Bestrebungen vom Standpunkte Schopenhauers hätten, eine philosophische Zeitschrift, redigirt von jungen talentvollen Männern usw.
Aber, wirst Du sagen, es ist jetzt nicht die Zeit zu philosophieren. Und Du hast Recht. Politik ist jetzt das Organ des Gesammtdenkens. Ich staune über die Ereignisse und kann sie mir nur dadurch näher bringen, daß ich mir die Wirksamkeit bestimmter Männer aus dem Flusse des Ganzen herausscheide und einzeln betrachte. Unmäßiges Vergnügen bereitet mir Bismark. Ich lese seine Reden als ob ich starken Wein trinke: ich halte die Zunge an, daß sie nicht zu schnell trinkt und daß ich den Genuß recht lange habe. Was Du mir von Machinationen seiner Gegner schreibst, glaube ich Dir sehr gern; denn es ist eine Nothwendigkeit, daß sich gegen solche Naturen alles Kleinliche, Engherzige, Parteiische, Bornirte aufbäumt und zum unversöhnlichen Kriege rüstet.
Heute lieber Freund ein herzliches Lebewohl! Entschuldige, daß ich nicht mehr von meiner Zeit diesem liebsten meiner Geschäfte zuwenden darf, im geistigen Verkehr mit meinen Freunden zu weilen. Indem ich Dir noch die Grüße meiner Angehörigen ausrichte, verbleibe ich in treuer Anhänglichkeit
Dein Freund
Friedrich Nietzsche
563. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
in diesen Tagen, wo mich ein Unwohlsein an das Zimmer fesselte, richteten sich meine Blicke vorwärts, über das Militärjahr hinweg; und dabei ist mir eingefallen, daß ich Ihnen noch eine Bitte vorzulegen habe. Vielleicht erzählte ich Ihnen schon, daß ich früher die Materialien zu einer Doktordissertation gesammelt habe, welche sich mit der Frage nach Homers und Hesiods ἰσοχρονία befassen soll. Erwarten Sie nicht, daß ich hierin einen anachronistischen Standpunkt der Wissenschaft vertreten werde: zunächst will ich nur untersuchen, worauf jener Glaube sich stützt und wie er sich im Verlaufe der Zeit ausgebildet hat. Dabei kommt übrigens wiederum einmal der epische Cyclus und die Zeit seiner Entstehung zur Sprache und hoffentlich nicht ohne einige neue Gesichtspunkte.
Was mir nun zu dieser Arbeit die wesentlichste Unterstützung böte, das wäre eine neue Collation der kleinen Schrift περὶ Ὁμήρου καὶ Ἡσιόδου καὶ τοῦ γένους καὶ ἀγῶνος αὐτῶν, die zwar unzählige Male abgedruckt ist, aber niemals wieder, seitdem Heinrich Stephanus 1553 in Florenz sich aufhielt, mit dem einzigen codex, der sie enthält, verglichen worden ist.
Diesen codex bomb<ycinus> saec. XIII hat kürzlich Valentin Rose in den Anecdotis Graecis et Graecolatinis auf das sorgfältigste beschrieben und ihm mehrfachen Nutzen abgewonnen. Er enthält z.B. den Archetypus unsrer sämmtlichen Polyänhandschriften. In ihm also — seine Nummer finde ich schlechterdings nicht in meinen Papieren — steht der bezeichnete Traktat auf fol 16v. Außerdem ist mir noch von Nutzen die kleine Epigrammensammlung, welche auf fol 20 unter diesem Titel anhebt ποῦ ἕκαστος τῶν Ἑλλήνων τέθαπται καὶ τί ἐπιγέγραπται ἐν τῷ τάφῳ.
Wenn Sie nun in der bezeichneten Angelegenheit etwas auswirken können, wenn Sie mir z. B. einen jungen, jetzt in Florenz weilenden Deutschen namhaft machen könnten, der eine derartige Arbeit gegen entsprechende Entschädigung unternehmen würde, so würden Sie mich hochverehrter Herr Geheimrath, zu neuem Danke verpflichten. Für heute habe ich nur noch Ihre Verzeihung dafür anzusprechen, daß ich so oft mit meinen Briefen und Anliegen in die Fülle Ihrer Geschäfte und Studien störend hineinfahre. Aber Kanoniere sind nun einmal aus gröberem Stoffe als andere Menschen gearbeitet. Verzeihung also dem rohen Krieger
Friedrich Nietzsche
564. An Friedrich Ritschl in Leipzig (Entwurf)
Als ich Ihre letzten Beiträge zum rhein. Mus. las, wurde mir nicht deutlich, ob Ihnen eine Laertiusstelle in Erinnerung ist, die recht ausdrücklich die Doppelbedeutung des ἀντ<ίσιγμα> περιε-<δτιγμένον> ausspricht Laert. III 66
565. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
dieser Brief ist schlecht geschrieben und enthält Krakelfüße; dafür ist es der Brief eines Kranken, der seinen Arm noch nicht ohne Schmerzen bewegen kann.
Denn siehe, lieber Freund ich bin seit 3 Wochen schon schwer leidend gewesen: und die Veranlassung war eine bagatelle. Da zerreiße ich mir beim Reiten ein Paar Muskeln der Brust und hatte dadurch Schmerzen, die am ersten Abend gleich ein paar Ohnmachten hervorriefen. Nun lag ich 10 Tage fest in der schlimmen Bedeutung des Wortes dh. unbeweglich, wie aufgespannt und mit Stricken gebunden, unter schrecklichen Schmerzen, fortwährendem Fieber, ruhelos Tag und Nacht, mit Eisumschlägen. Dazu kam noch als schlimmer Gesell ein hartnäckiger Magenkatarrh. Endlich nach diesen zehn Tagen wurden Schnitte in die Brust gemacht, und ich habe seit jener Zeit das philokteteische Vergnügen einer starken Eiterung. Bei der Zerreißung jener Muskeln hat sich viel Blut im Innern der Brust versetzt: und dies ist nun in Eiterung übergegangen. Ich sage zu wenig, wenn ich sage daß schon 4, 5 Tassen von Eiter aus jener Wunde hervorgequollen sind. Seit jener Zeit bin ich wieder vom Bette aufgestanden; aber der Zustand ist noch kläglich: matt wie eine Fliege, angegriffen wie eine alte Jungfer mager wie ein Storch.
Dabei muß ich mich aus einer liegenden Stellung immer noch empor heben lassen; die ganze Brust ist wie eingeschnürt, und alle Bänder Muskeln und Sehnen schmerzen. Vorgestern bin ich auch einmal im Freien gewesen und ich schleppte Bein hinter Bein wie ein Invalide und wurde nach einer Viertelstunde müde.
Dies das ärztliche Bulletin. Die Moral: Zerreiße keine Muskel nicht!
Nun lieber Freund will ich Dir erzählen, wie unter den vielen abscheulichen Medizinen auch eine sehr angenehme war, die mir mehr genützt hat als jene abscheulichen. Das war Dein Brief und Deine Sendung. Da wachte ich eines Morgens auf, erquickt durch den Schlaf — ich nahm alle Abende Morphium — und bekam wie ein Geschenk des jungen Tages Deinen Brief auf das Bett. Ach bekämen doch alle Kranken solche Briefe; in denen Lebenskraft, Freundschaft, Hoffnung, Erinnerung, kurz alle guten Dämonen stecken.
Zugleich war es Deine mitgeschickte Arbeit, die mich zum ersten Male wieder zum geordneten wissenschaftlichen Denken reizte, deren Lektüre mich einen Vormittag meine Schmerzen vergessen ließ. Aber heilger Buddha, Du verlangst nun Kritik von mir; ich weiß nicht, was ich Dir als Gesunder darauf antworten würde, als homo miser sage ich nur, daß ich οὐχ ἱκανῶς τοῦ κρίνειν; wie es einmal vom Kallimachus heißt; was mich immer sehr gefreut hat. Doch habe ich für unsre lanx satura nur den einen Wunsch: daß die andern 8 Aufsätze nicht allzu tief unter das von Dir angenommene Niveau steigen mögen. Ich selbst empfand wirkliche Gewissensbisse: und die Folge war, daß seit jenem Tage ich mich immer mit meinem Demokrit schleppe wie eine schwangre Frau; doch ohne Aussicht sobald zu gebären. Der ganze Handel ist etwas bedenklich geworden, und vor meinem leidlich rigorosen philologischen Gewissen zerbrödtelt immer mehr.
Du kannst wirklich in puncto Deiner Abhandlung gutes Muthes sein; der Stoff hat doch viel Würze in sich, und Deine ganze Fassung des Problems hat gesunde frische Glieder und rothe Backen. Insbesondre ist jener Zug im Ganzen, der den Leser zwingt erst am Ende Halt zu machen: womit viel gesagt ist. Ein paar Mal hast Du mich etwas erschreckt: obwohl ich mich gleich wieder beruhigte. Aber warum soll der Leser erschrecken? Wenn Du zB. S. 30 gegen Teuffel sag<s>t „um so mehr als ja der Lucianische Ursprung des Ὄνος durchaus nicht unbestritten ist“, so erschrickt der Leser, den man sich ja als ein wenig dumm vorstellen muß: weil er in dem Glauben stand, es stehe jener Ursprung fest, da Du ohne ein Wort anzudeuten auf jenen Ursprung hin Deine Hypothese behauptet und andre bestritten hast. Liest der dumme Leser nun weiter, so bekommt er die ganze Sachlage später vor Gesicht und entscheidet sich mit Dir, daß der ὄνος aus dem Stalle Lucians ist. Aber das angeführte Sätzchen muß fort, damit es bei den Nervenschwachen keinen plötzlichen Schrecken macht.
Wo Du später die Frage nach der Autorschaft Lucians zu untersuchen beginnst, da hast Du mich zum zweiten Male erschreckt „Nun könnte es scheinen, sagst Du als ob die ganze Frage sich am kürzesten so erledigen lasse, daß man dem Lucian zwar die Autorschaft der Schrift abspräche, dann sich aber usw. — was die Ansicht eines gewissen Hoffmann ist. Dieser Satz erregt sogar unser Grausen, weil er so leichthin gegen all die schönen Ausführungen der ersten Kapitel streitet: besonders aber sprichst Du zu kaltblütig von dieser ganzen Auffassung; dies „es könnte scheinen“, dies „am kürzesten so erledigen lasse“ berührt mich peinlich. Willst Du nicht den Hoffmann bei Seite lassen oder in eine Anmerkung werfen?
Schließlich kann ich Dir kaum einen Satz der nächsten Seite zugeben „und alles bisher Vorgetragne könnte richtig sein, auch wenn Lucian nicht der Verfasser unsres ovo? wäre“; was in dieser Allgemeinheit gesagt schnell den Widerspruch weckt.
So habe ich mich doch noch zu einigen Äußerungen verlocken lassen, die ganz von ferne an das von Dir gewünschte munus critici erinnern. Na, verzeih, daß sie überhaupt geschrieben sind.
Denke Dir , daß man mir in diesen Tagen feierlich durch den Unteroffizier du jour im Namen des Hauptman<n>s und der Avancirten gratulirte, daß ich auf Regimentsbefehl „Gefreiter“ geworden sei. Ach, beim Hund, daß ich doch erst „Befreiter“ wäre!
Das erinnert mich an jene Pariser-Reiseaussichten, die Du wie einen schönen bunten Ball mir zugeworfen hast. Ich stimme bei, ich bin überzeugt, ich hoffe, ich arrangiere; der Gedanke ist bei mir schon fest in mein nächstes Zukunftsgewebe eingewoben. Aber lieber Freund nicht vor Sommer nächsten Jahres! Denn Schreckliches verlangen die Himmlischen vorher noch von mir: sie haben vor jene Reise ἱδρῶτα gestellt. Doktordissertation, Ritschl-satura, Museumsindex — „Brich nicht Steg“
Übrigens möchte ich nicht in Paris leben, wenn es nicht möglich wäre, etwas mit für seinen Broderwerb zu sorgen. Man ist dort so fleißig und man bezahlt den Arbeiter gut. Seien wir Arbeiter! Auf die Dauer kann ich nicht auf mein Restchen Vermögen hin leben, besonders nach Pariser Fuß.
Jedenfalls wird dort großartig gearbeitet, die Bibliothek zerwühlt, eine Revolution mitgemacht, der Tod des Kaisers erlebt und Französisch gelernt.
Ach lieber Freund was für Aussichten für einen Philoktet, der wieder sein ῥάκος voll νοσηλεία — sind das wirklich die richtigen griechischen Worte: ich verlerne γεράσκων αἰεί — etc. —
Da liegt wieder eine Reihe von Tagen. Daß man nicht einmal an seine Freunde ungestraft schreiben darf. Ja die Götter sind böse und neidisch von Jugend auf.
Dies Bischen Briefschreiben hat mir so geschadet, wie ich nicht vermuthen konnte. Ich mußte wieder zu Bett liegen bleiben und bin seit der Zeit steifer als ein Bock. Du hast keinen Begriff, was für vorsichtige Anstalten ich heute bei dem Schreiben dieser Zeilen treffen muß, um zB. mit der Feder Tinte zu fangen. Und trotzdem alle Augenblicke dieser krampfartige Schmerz. Die Wunde eitert fort. Der Arzt ist zu einer andern Garnison versetzt. Ja ich weiß es die Götter können die Cynismen, das Proletariat des Witzes nicht vertragen; sie zürnen mir, weil ich Dir von νοσηλεία und ῥάκος geschrieben habe.
Nun zwei Erlebnisse. Gestern kam Kohls Dissertation an und zwar mit dem Titel „I. Kants Ansicht von der Willensfreiheit“ Denke Dir , eine philosophische Dissertation von Kohl! In der der Name Schopenhauer lustig herumschwimmt. Ohne Unbescheidenheit sei es gesagt: ich roch so etwas von unsrer Athmosphaere heraus. So recht innerlich ist die Aneignung Schopenhauers nicht: er wird mitunter mißgedeutet; und am Schluß geht es ihm schlecht als einem, dessen Lehre von der Unveranderlichkeit des Charakters im Grunde daher stamme, daß er seinen eignen selbst nicht habe im Zaume halten können.
Übrigens hat mich dies auf den Einfall gebracht, auch einmal philosophisch zu promovieren und so meiner Studentenkarte in Bonn und Leipzig noch nachträglich zu ihrem Rechte zu verhelfen; ich bin nämlich immer als stud. philos. spazieren gegangen.
Jetzt das zweite Erlebniß. Am selbigen Tage bekomme ich einen verführerisch liebenswürdigen Brief von Zarnke, in dem er mir die Mitarbeiterschaft am litter. Centralblatt anträgt und zugleich für selbiges eine Anzeige der eben erschienenen Theogonieausgabe von Schümann wünscht: als welches Buch er mitschickt. So tauft man mich gebrechliches Menschenkind erst zum Gefreiten und dann zum Recensenten!
Gestern erzählte Volkmann, Curt Wachsmuth habe eine große Entdeckung gemacht. Mehr wußte er nicht. Einen zweiten Sohn hat er auch gezeugt.
Lieber Freund, ein Wort nach und aus meinem Herzen hast Du geschrieben: der Instinkt ist das Beste am Intellekt. Besagter Instinkt sagt mir jetzt wie ein δαιμόνιον „Denke noch etwas an Deinen fernen Freund, aber schreibe nicht mehr.“
Und damit Lebwohl!
F.N.
566. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Hochverehrter Herr Professor,
daß ich so spät erst antworte, ist nicht meine Schuld: der Geist war willig, aber der Arm war schwach. Denken Sie, daß ich bereits seit sechs Wochen außer Dienst bin und dafür von einem sehr schmerzhaften, langsam weichenden Übel heimgesucht werde. Beim Reiten habe ich mir ein paar Brustmuskeln zerrissen, eine Menge Blut hat sich dadurch versetzt; und eine großartige Eiterung nebst krampfhaften Anspannungen aller Brust-Rücken- und Armbänder ist die leidige Folge.
Doch was unterhalte ich Sie mit so häßlichen Dingen? Nur glauben Sie mir, daß ich augenblicklich noch sehnlicher wünsche, meinen Balduin selbst wieder satteln und besteigen zu können, als so schöne laudes wirklich zu verdienen, deren Sie freundlichst in den ersten Zeilen Ihres geehrten Briefes gedachten. Es giebt Gelegenheiten, wo „competente Seiten“ zwar sehr liebenswürdig, aber sehr incompetent sein können.
Im Übrigen sehen Sie mich durch die That bereit, auf Ihren sehr gefälligen Vorschlag betreffs des litt. Centralbl. einzugehn. Anbei folgt eine kurze Anzeige des Schömannschen Buches. — Das Gebiet, in dem ich glaube leidlich bewandert zu sein, ist das einer Quellenkunde und Methodik der griechischen Literaturgeschichte; um außerdem noch einige Namen zu nennen, die mir näher stehen, so mögen hier außer Hesiod noch Plato, Theognis sammt den Elegikern, Demokrit, Epikur, Laertius Diogenes, Stobäus, Suidas, Athenäus eine Stelle finden.
In dankbarer Ergebenheit
Friedrich Nietzsche
Gefreiter (noch nicht Befreiter)
von der 2ten reit. Batterie
des Magdeburgschen Feldartill.reg. Nr 4.
567. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
Ob Freund Windisch Ihnen schon erzählt hat, daß ich längere Zeit erheblich krank gewesen bin und daß ich auch jetzt noch der vollständigen Genesung entgegenharre, weiß ich nicht, doch wünsche ich es. Ich habe nämlich so lange nichts von mir hören lassen, daß ich mich diesmal ausdrücklich entschuldigen muß: nur deshalb erwähne ich die fatale Krankheit, die als Folge der Zerreißung zweier Brustmuskeln mir auf längere Zeit alles Schreiben untersagt hat. Ich war so sehr heruntergekommen, daß ich allmählich erst wieder gehen lernen mußte. Auch jetzt ist die eiternde Wunde am Brustbein noch offen, auch jetzt dh. nach 8 Wochen.
Heute bringe ich Ihnen, so zu sagen, eine Art Epilog zu meiner Laertiusarbeit, ein Aufsätzchen, das sich ein Winkelchen des rhein. Mus. ausbittet, und dem ich Hoffnung gemacht habe, daß es nicht umsonst bittet.
Hochachtungsvollst
Friedr. Nietzsche
Gefreiter der 2 reit. Batt.
des Magdeb. Feldart.-
reg. Nr. 4.
568. An Paul Deussen in Berlin
Mein lieber Freund,
Deinen letzten Brief empfieng ich unter den heftigsten Schmerzen; ein paar Stunden darnach war meine Besinnung weg. Beides war nicht etwa Folge eines verborgenen Giftes, das aus Deinem Briefe auf mich übergieng und mich betäubte; zu meinem Glücke habe ich ja keine so gefährlichen Freunde (oder meinst Du, daß Schopenhauer zu dieser Gattung freundschaftlicher Giftmischer gehört? —)
Aus Deinen Briefen kann ich eigentlich nicht ersehn, ob ich Dir jemals mitgetheilt habe, daß ich seit Oktober Soldat und zwar Artillerist bin. Sollte ich vergessen haben es zu erwähnen, so entschuldige dies mit der sonderbar philosophischen Manier unsres Briefwechsels.
In diesem Dienste des Mars also habe ich mir einige Brustmuskeln zerrissen und dadurch eine längere und schwerere Krankheit herbeigeführt, die auch jetzt noch nicht gehoben ist. Ich habe keine Lust, Dich mit den Details einer ungeheuren Eiterung, krampfhafter Ausdehnung der Brust- und Rückenbänder usw. zu belästigen. Genug, ich war durch Krankenlager und Schmerz sehr elend geworden; allmählich komme ich wieder zu Kräften.
Genau im Anfang dieser unterbrechenden Krankheit empfieng ich Deinen Brief; und ich las ihn erfreut, aber mit klappernden Zähnen. Wenn Du berechnest, wann Dein letzter Brief geschrieben wurde, so weißt Du auch, wie lange schon ich leidend bin.
Was mir nun in Deinem Sendschreiben am meisten gefallen hat, ist der heitere, selbstvergnügte Ton, der sehr vortheilhaft gegen das düstere Colorit Deiner Bonner und Tübinger Ergüsse absticht. Das „Greisenhafte“ schwindet: so ist Dein Ausdruck dafür, der sehr charakteristisch ist. Andere Leute würden sagen „das Jugendliche schwindet“ Nun darüber kein Streit.
In Bezug auf diesen heitern Ton erlaube ich mir nun einen Vorschlag zu machen. Sollten wir nicht endlich genug haben an den philosophischen Quertreibereien, deren Scene bisjetzt unsre Briefe waren. Ein Zusammenklang ist bis jetzt nicht erfolgt: warum sollen wir ewig auf den nicht zusammenstimmenden Saiten spielen? Dein letzter Brief z.B. verwirft meinen Standpunkt der Resignation als unjugendlich scil. greisenhaft: dagegen habe ich keine Waffe. Was Du aber hinzufügst, daß Resignation nur dann berechtigt sein wird, wo sie sich — wie bei Kant — auf eine feste Überzeugung über den Umfang unsres Erkenntnißvermögens etc. gründet, ist eine sehr gute Äußerung. Wer aber den Gang der einschlägigen Untersuchungen, vornehmlich der physiologischen seit Kant, im Auge hat, der kann gar keinen Zweifel darüber haben, daß jene Grenzen so sicher und unfehlbar ermittelt sind, daß außer den Theologen, einigen Philosophieprofessoren und dem vulgus niemand sich hier mehr Einbildungen macht. Das Reich der Metaphysik, somit die Provinz der „absoluten“ Wahrheit ist unweigerlich in eine Reihe mit Poesie und Religion gerückt worden. Wer etwas wissen will, begnügt sich jetzt mit einer bewußten Relativität des Wissens — wie z. B. alle namhaften Naturforscher. Metaphysik gehört also bei einigen Menschen ins Gebiet der Gemüthsbedürfnisse, ist wesentlich Erbauung: andernseits ist sie Kunst, nämlich die der Begriffsdichtung; festzuhalten aber ist, daß Metaphysik weder als Religion noch als Kunst etwas mit dem sogenannten „An sich Wahren oder Seienden“ zu thun hat.
Wenn Du übrigens Ende dieses Jahres meine Doktordissertation bekommst, so wird Dir mehreres aufstoßen, was diesen Punkt der Erkenntnißgrenzen erläutert. Mein Thema ist „der Begriff des Organischen seit Kant“ halb philosophisch, halb naturwissenschaftlich. Meine Vorarbeiten sind ziemlich fertig.
Also, lieber Freund, lassen wir fürderhin dies philosophische πάθος unsrer Briefe bei Seite. Du hast selbst den rechten Ton angeschlagen, indem Du mir einen recht philologischen Brief geschrieben hast: wofür ich Dir dankbar bin. Zugleich aber kann ich nicht umhin, mich über die seltsame Methode zu wundern, mit der Du Dir ein Thema zur Behandlung bestimmst. Andre Leute finden ein Problem, entweder von andern schon aufgedeckt, oder durch eignen Scharfsinn aufgespürt und machen sich jetzt dran eine Lösung zu suchen. Du aber schreibst mir, daß das Objekt Deiner Untersuchungen der
Euthydemos
sei: gut, das ist ein Arbeitsfeld, aber kein Problem. Nun machst Du zwar die Andeutung, daß Dich vornehmlich die Echtheitsfrage beschäftigen werde. Und hier ist der zweite Punkt, wo ich meine Verwunderung aussprechen muß. Beim Zeus, ich bin ein Freund der Kühnheit, wenn es nicht bloß eine Unteroffiziertugend ist, wenn es Kühnheit mit Bewußtsein ist. Die platonische Frage ist augenblicklich ein großartiger Komplex, ein innerlich verwachsenes Gewebe, ein Organismus. Solche Fragen wollen groß behandelt sein; was nützt es da, an einem der äußeren Punkt<e>, förmlich an der Haut der Frage sich anzunagen! Was nützt es Schaarschmidt einiger Leichtfertigkeiten und Übertreibungen zu zeihen! Die Untersuchungen sind jetzt schon auf dem höchsten Punkte angelangt: es handelt sich um psychologische Einsichten, es gilt Platos Seelen- und Geistesgang zu reconstruiren und nicht in der verschwommenen Weise von Schleiermacher oder vom alten Steinhart.
Was die Autorität der Überlieferung betrifft, so bitte ich Dich so freisinnig wie möglich zu sein. Vielleicht habe ich augenblicklich ein besonderes Anrecht darauf, sagen zu dürfen: es giebt keine Autorität für die Verzeichnisse der alexandrinischen Bibliothek; denn ich habe zufällig meine Hauptinteressen in diesen Überlieferungsfragen stecken. Ein jeder der platonischen Dialogen muß nach seinem Verfasser gefragt werden; und wenn er nicht selbst für Plato spricht, so helfen alle Zeugnisse nichts, selbst die des Aristoteles nicht: mit diesen kann es nämlich die fürchterliche Bewandniß haben, daß sie erst viel später hinzugeschrieben sind zB. bei der Redaktion des Andronikus. Ja es giebt bestimmte Beispiele solcher eingeschobenen Zeugnisse bei Aristoteles.
Nun erzähle ich Dir in Kürze von meinen Arbeiten und Absichten. Meinen Aufsatz über Demokrits Schriftstellerei habe ich noch nicht geschrieben: ich will die ganze Frage erst wieder aufnehmen, wenn ich einige anschließende Punkte zB. über die διαδοχαί der Philosophen, über die Titelmethoden der Alten, über die Väternamen der Philosophen, über die Todesarten der Philosophen erledigt habe, also etwa im nächsten Jahre. Einstweilen habe ich alles vorbereitet, um einen wunderlichen größeren Aufsatz Ende dieses Jahres fertig zu machen, über Homers und Hesiods Gleichzeitigkeit. Hier kommen zum ersten Male meine homerischen παράδοξα zu Tage; ein θαῦμα βροτοῖσιν, das sage ich Dir. Im Ganzen bin ich glücklich über eine Fülle von schönen Combinationen: und ich wünsche nur, sie darstellen zu können.
Unterdessen dh. während meiner Krankheit bin ich auch durch einen sehr gefälligen Brief von Prof Zarncke aufgefordert worden, am litterarischen Centralblatt mitzuarbeiten. Das habe ich denn angenommen, und Du kannst zB. eine kurze Anzeige über Schömanns Theogonie von mir in seiner neusten Nummer finden. —
Zum Schluß meinen Dank betreffend die angenehme Nachricht von Ernst Schnabels Verheirathung. Wenn Du ihm auch in meinem Namen einmal Glück wünschen willst, so machst Du mir eine besondre Freude. Insgleichen, wenn Du Deinen verehrten Angehörigen meine Grüße schickst: endlich wenn Du bald antwortest
Deinem Freunde
Friedrich Nietzsche
NB. Laß doch ja die militärische Addresse weg.
569. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
ich antworte bald: daraus entnimm, wie mich Dein Brief erfreut hat; noch mehr, wie sehr mich die darin berührten Dinge beschäftigen. Dazu kommt, daß heute morgen ein Schreiben von Windisch an mich einlief, ein Schreiben, dem ich eine entschiedene Tragweite für unsre Zukunftspläne zuspreche, obwohl der Schreiber — der Dir übrigens seinen herzlichen Gruß entbietet — davon nichts ahnt. Bevor ich aber Deine Spannung löse, sei erwähnt, was sonst allzuleicht unerwähnt bliebe, daß meine Genesung nur mit hinkendem Fuße vorwärtsschreitet, daß auch jetzt noch die eiternde Wunde am Brustbein offen ist, und daß mir immer noch die Kraft fehlt, rüstig wieder meine militärischen Studien aufzunehmen. Mögen sich Deine theilnehmenden Wünsche, dem Incubus vergleichbar, Nachts auf die Wunde legen: jedenfalls nützen sie mir mehr als Zinksalbe und Pflaster, ja es liegt in ihnen, wie überhaupt in Deinen brieflichen Lebensäußerungen für mich eine stärkende und heilende Magie, eine wirklich medizinische κάθαρσις τῶν παθημάτων.
Lieber Freund, unser Ritschl-sacellum ist über Nacht ins Wasser gefallen: weshalb? weil wir zu nah ans Wasser gebaut haben. Unsre Aktiengesellschaft löst sich auf, bevor das Kapital zusammen ist, unsre Schlacht ist verloren, bevor sie geliefert ist, da unsre Verbündeten davonlaufen. Ich hatte also kürzlich an Windisch geschrieben und ein wenig den Ernst der einmal angenommnen Commissionsmitgliedschaft betont dh. ihn um einen Brief mit genaueren Auskünften über unsre Mitarbeiter gebeten, auch unter anderem von dem Einzigen erzählt, der seiner Verpflichtung vor dem angesetzten Termine nachgekommen ist. Heute bekam ich die Antwort auf meine Anfragen, eine Antwort mit so vielen Details, daß ich unser Unternehmen als gescheitert betrachte. Urtheile selbst: Windisch selbst, an dessen Arbeit uns begreiflicher Weise viel liegen muß, schildert seine Lage als die jenes bekannten auf dem Dache sitzenden Greises: und sie ist auch darnach. Er ist Lehrer, will sich habilitieren, schreibt zwei Sanskritschriften zu diesem Zwecke, erzieht zwei Kinder, ordnet die verwirrten Angelegenheiten seines kürzlich gestorbenen Vaters und hat schließlich noch einen delikaten Grund, sich gegenwärtig nicht an unserm Projekt zu betheiligen. Dem armen Clemm geht es so schlecht mit seinen Augen, daß wir hier billiger weise nur bemitleiden, nicht Forderungen stellen können. Nun kommt Roscher, ein Menschenkind, das, ganz ins Ohr gesagt, mir immer etwas unzuverlässig erschienen ist: er hat, wie Windisch schreibt, zum Zweck seiner Dissertation, alles Fett aus seinen Klauen gesogen und denkt frecher Weise daran, seine abgestandenen Conjekturen uns resp. Ritschl vorzuwerfen. Windisch dankt, ich auch und zugleich in Deinem Namen. Wie mit Roscher, so steht es auch mit Dreßler, nur daß letzterer gar nichts mehr auszugeben hat, nicht einmal die Scheidemünze einer Conjektur. Es ist eine Misère: diese Menschen! Wie kann man so impotent sein und sich nicht einmal schämen, es einzugestehen! Hier hast Du eine Anzahl Romantitel: „kraftlose Lenden oder der lächelnde Sächser“ „der Conjekturenritt im Lexikon oder Barnum in der Westentasche“ „der kleine Lügner oder die Tapetenfabrik“, der geschickte Aspirant oder der H-Doktor in Leipzig etc.
Also, lieber Freund, nochmals: unsre Aussichten sind zu nichte: denn auch Kohl hatte, wie ich ihn sprach, noch gar keine Anstalten getroffen, ist überdies Lehrer in Barmen und arbeitet zu langsam. Von Andresen hört man nichts: aber er ist vergleichweise sicher. Windisch räth schließlich, die ganze Angelegenheit ein Paar Jahr ruhen zu lassen: dann würden sich schon mehr Teilnehmer finden. So mag sie denn einschlafen, die gute Sache, für die ich mich sehr interessirt habe und die ich mit Schmerz fahren lasse. Man rechne nur einmal auf die menschliche Uneigennützigkeit, ja nur auf die simple Klugheit: man verrechnet sich. Das will alles mit Stöcken getrieben sein, selbst zu einer Handlung, die ebensosehr dem eignen Ruhm als dem des Lehrers zu Statten kommt.
Nun also die Folgerungen für uns, lieber Freund!
Zunächst also darf ich Dir wohl den Vorschlag machen, doch noch einmal eine neue Zukunftskarte zu entwerfen. Ich bin jetzt nämlich nicht mehr daran gebunden, die für Ritschl bestimmte Arbeit zu schreiben: wodurch ich Zeit gewinne. Vielleicht, ja hoffentlich bin ich Weihnachten mit Promotion und Museumsindex fertig; und dann können wir ja unsre Fittige aufheben, um noch Neujahr in Paris zu sein. Nach diesem Plane wäre es nun allerdings gerathen, Deine Promotion bis zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ins Werk zu setzen: und Du kannst ja als Dissertation eben jene Quellenstudie verwerthen, die Du jetzt unter den Händen hast.
Ich selbst fühle mich, was diesen Punkt betrifft, recht unbequem. Im Grunde sind mir sowohl meine Democritea als meine Homerica zu gut zu diesem Zwecke: dh ich möchte sie mir aufsparen zu einer recht gemächlichen Darstellung, die ich vielleicht im Quartier latin vollende, nicht aber diese schönen Stoffe dadurch verwüsten, daß ich sie zerreiße. Zu einer Dissertation sind nämlich beide Themata zu langathmig und zu — deutsch. Nun habe ich zwar eine Zeitlang sogar ein philosophisches Projekt gehabt ,ὡς κωλίζων’ (nämlich „über den Begriff des Organischen seit Kant“ zu schreiben) und hiezu auch genug Stoff gesammelt; im Ganzen aber paßt dies Thema gar nicht für den bewußten Zweck, wenn man nicht leichtsinniger als eine Fliege zu Werke gehen will. Schließlich werde ich also eine enger begrenzte philologische Frage behandeln, nämlich die verschiedenen Papas, die die griech. Litterarhistoriker den Dichtern, Philosophen, Rednern usw. zuschreiben, etwas näher beleuchten, nämlich ob sie γόνῳ oder θέσει Papas sind, ob es fingirte Papas sind etc etc. Wenn Dir übrigens Deine Polluxarbeit ebenfalls zu gut zu jener Komödie ist, so empfehle ich Dir noch ein Thema gleichen Ranges: woher es kommt, daß jene Dichter, Philos. etc. bald dieser, bald jener Heimat entsprossen sein sollen. Man macht Rubriken und langweilt sich und andre — womit ja der Zweck erreicht ist.
Es versteht sich von selbst, daß Deine schöne für Ritschl bestimmte Arbeit unter keinem Preise diesem blödsinnigen Götzen, der Dea Promotio vorgeworfen werden darf. Wenn Du mir erlaubst Dir einen Vorschlag zu machen, so sendest Du mir nächstens als Einlage eines Briefes ein paar Zeilen an Ritschl, in denen Du ihm die bewußte Arbeit für das rhein. Mus. anbietest. Diese Zeilen sammt opus schicke ich dann an Ritschl, mit dem ich nun einmal in „Geschäftsverkehr“ bin. So bleibt es doch immer noch ein Zeichen der Dankbarkeit.
Übrigens, lieber Freund, bitte ich Dich aufrichtig, Deine Augen fest auf eine einmal einzuschlagende akademische Carrière zu richten: worüber Du allerdings einmal einen festen Beschluß fassen mußt. Hier ist eine ängstliche Selbstprüfung gar nicht an der Stelle: wir müssen einfach, weil wir nicht anders können, weil wir keine entsprechendere Lebenslaufbahn vor uns haben, weil wir uns zu anderen nützlicheren Stellungen einfach den Weg verrannt haben, weil wir gar kein anderes Mittel haben, unsre Constellation von Kräften und Ansichten unsern Mitmenschen nutzbar zu machen als eben den angedeuteten Weg. Schließlich dürfen wir doch nicht für uns leben.
Sorgen wir nach unserm Theil dafür, daß die jungen Philologen mit der nöthigen Skepsis, frei von Pedanterie und Überschätzung ihres Fachs, als wahre Förderer humanistischer Studien sich gebärden. Soyons de notre siècle, wie die Franzen sagen: ein Standpunkt, den niemand leichter vergißt als der zünftige Philolog.
Übrigens sei so gefällig, nicht wieder in Verbindung mit Deinem Namen die Herrn Forchhammer Ritter etc zu erwähnen.
Als zukünftige Universitätsritter müssen wir einiges thun ὥστε γνωρίζεσθαι, also von Zeit zu Zeit unsere Namen in die Zeitschriften bringen, von Paris aus Anekdota in die Welt setzen usw. Nach 1½—2 Jahren habilitieren wir uns in Berlin oder sonstwo und überstehn die Zeit der „destillirten Hoffnungslosigkeit“ das Privatdocententhum σὺν ἐρχομένω. Beiläufig hat mir Ritschl einmal gesagt, daß an philolog. Dozenten jetzt immer Mangel sei. Daß es so sein muß, beweisen die schnellen Beförderungen zB. von Reifferscheid und kürzlich von Riese in Heidelberg.
Jedenfalls aber gehen wir beide dieser akademischen Zukunft ohne übertriebene Hoffnungen entgegen. Aber ich halte es für möglich, daß in der Stellung eines Professors erstens eine anständige Muße zu selbsteignen Studien, zweitens ein nützlicher Wirkungskreis, endlich eine so wohl politisch als gesellschaftlich leidlich unabhängige Lage gewonnen und behauptet werden kann. Den zuletzt angedeuteten Vortheil haben wir vor jeder Staatscarrière voraus, sei es nun als Jurist oder als Schulmeister.
Wozu übrigens brauchen wir das sogenannte und übel berüchtigte Staatsexamen zu machen? Ich habe einen zähneklappernden Schauder vor dieser Abnutzung des Gedächtnisses, der Produktionskraft, des eigenartigen Entwicklungstriebes, vor dieser Maschine einer veralteten, alles nivellirenden Regierungsmaxime; ja ich bin überzeugt, daß ich dies Examen nicht machen kann, weil ich nie es können will. Also streichen wir dies Ding auch aus dem Programm unsrer Zukunftsmusik: ist es doch zu unsrer akademischen Laufbahn nicht nöthig.— —
Nun habe ich alle Punkte erwähnt, auf die mich der Brief Windischs (den ich Dir beilege) geführt hat. Hoffentlich nicht zu Deinem Verdruß. Denn ich habe jetzt keinen sehnlicheren Wunsch als die schönen Bilder eines Pariser Zusammenlebens in die Wirklichkeit übersetzt zu sehn. Wie in Leipzigs Einöden unser Naturgefühl wuchs, so in Naumburg mein Bedürfniß zu freundschaftlichem Austausch.
Deshalb, lieber Freund, sage mir recht bald einmal, wie Dir meine Zukunftspläne behagen. Für heute ein herzliches Lebewohl.
Fr Nietzsche
Sprich doch Deiner Frau Mutter meine ergebnen Grüße aus.
570. An S. Heynemann in Berlin
Lieber Herr Heynemann,
Sie sollten es doch nicht nöthig haben, sich so förmlich und tot ceremoniis an einen alten guten Leipziger Bekannten zu wenden. Hoffentlich haben Sie diese Leipziger Vergangenheit mit ihrer schönen Gemeinsamkeit wissenschaftlicher Interessen in guter Erinnerung, wie wir sie alle haben; und eben unsre symbola sollte zwischen den also Verbundenen noch ein engeres Band knüpfen.
Sie sollte es: denn ich darf Ihnen zu meiner eignen Betrübniß nicht verschweigen, daß der schöne Plan, den ich mit solcher Liebe gepflegt habe, nahe daran ist, in alle Winde zu zerstieben.
Wie ich nämlich aus einem kürzlich eingegangnen Briefe von Windisch ersehe, so löst sich das Gewebe unsres Plans dort zuerst auf, wo es am wenigstens zu erwarten war: nämlich in Leipzig selbst. Es gehört freilich zu allen derartigen Unternehmungen etwas Energie und Selbstverleugnung, andernseits auch Zuverlässigkeit, wenn man einmal sich verpflichtet hat. An diesen drei Eigenschaften scheint es den Sachsen — in unserm Falle sowohl als in der deutschen Politik — zu fehlen.
Genug, lieber Herr Heynemann; wozu sollte ich Ihnen die unerfreulichen Details mittheilen, wozu sollte ich gar einzelne Namen nennen? Jedenfalls ist jetzt die Zahl der wirklichen Mitarbeiter so gering, daß wir, um uns und unsern Lehrer nicht zu compromittieren, einstweilen unser Unternehmen aufgeben müssen.
Einstweilen: denn ich werde nicht verfehlen, wenn einige Jahre über das Land gegangen sind, und die Zahl der Leipziger Schüler quantitativ und qualitativ sich vermehrt hat, meinen Plan von Neuem aufzunehmen; und ich hoffe dann bei Ihnen dieselbe schöne Bereitwilligkeit zu finden, die gegenwärtig so vortheilhaft gegen das Benehmen der Leipziger absticht.
Was nun Ihre fast fertige Arbeit betrifft, so erlaube ich mir Ihnen dasselbe vorzuschlagen, was ich Freund Rohde vorgeschlagen habe: senden Sie selbige Arbeit an Ritschl für das rheinische Museum ein: so machen Sie ihm damit doch wenigstens einen Theil der Freude, die wir verbündeten Symboliker ihm bereiten wollten.
Ich wünschte wohl Ihnen erfreulichere Dinge melden zu können: aber es steht leider nicht in meiner Hand. Somit bleibt mir nichts übrig, als Ihnen meinen Dank für Ihren Brief auszusprechen, in der Hoffnung, daß eine gefälligere Zukunft die Brücke wieder bauen hilft, deren Zerstörung wir jetzt bedauern.
Freundschaftlichst
Friedrich Nietzsche
z. Z. Gefreiter der 2t. reit.
Batt. des Magdeb. Feldartill.
reg. N. 4.
571. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
die beste Arzenei bleibt doch ein guter und theilnahmevoller Brief: was ist Pflaster und Salbe gegen das stärkende Gefühl des Wohlbehagens, wie es z.B. Ihre gütigen Zeilen in mir hervorriefen. Und so nehmen Sie denn diesmal meinen besonderen Dank für diesen quasi-ärztlichen Beistand, ja für eine momentane κάθαρσις τῶν παθημάτων.
Übrigens sind diese παθήματα langwierig und langweilig: bei diesem vollkommnen Frühlingswetter sehne ich mich nach meinem Pferde und dem soldatischen Dienste, aber die Wunde thut mir nicht den Gefallen, sich zu schließen.
Was man bei solcher unfreiwilliger (wenn auch nicht ganz unwillkommner) Muße anfängt, davon bekommen Sie heute wieder einen Beweis. Es hat mir seit meiner Schulzeit jenes schöne Danaelied des Simonides wie eine unvergeßliche Melodie im Kopfe gelegen; was kann man also bei solchem Maiwetter thun, als etwas „lyrisch“ zu werden? (Wenn Sie nur nicht gar diesmal auch eine „lyrische“ Conjektur in meinem Hefte entdecken!)
Die Danae ist beiläufig ein bescheidnes Kind: in ihrem Kasten sitzend, ist sie nicht an große Räumlichkeiten gewöhnt und bittet deshalb für sich nur um etwa 11—12 Seiten Ihres Museums. Auch kann sie warten. —
In treuer Verehrung
Friedrich Nietzsche
572. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
was Himmel, werden Sie heute sagen, soll das dicke Manuscript? Eine üble Angewohnheit des jungen Mannes, keinen Brief ohne solch einen Begleiter abschicken zu können! — Und doch würde ich mich sehr betrüben, wenn die mitfolgende Arbeit auch nur einen einzigen mißgünstigen Blick deshalb abbekäme, weil ich gerade der Absender bin. In der That ist der Verfasser derselben ganz unschuldig daran, daß ich neuerdings Sie mit meinen Manuscripten bombardiere — was Sie vielleicht dem depravierenden Einflüsse des Feldartilleriedienstes zuzuschreiben haben. Diesmal sind Verfasser und Absender verschiedne Personen: und gerade dem Ersteren wünsche ich für seine litterarische Schiffahrt die günstigsten Winde und die freundlichsten Sonnenblicke. Das beiliegende Blatt wird Ihnen den Namen des Bekannten-Unbekannten verrathen: auf den übrigens Horaz anspielt, wenn er sagt hie Rhodus, hie salta.
Ich selbst habe heute nur zweierlei noch auf dem Herzen. Zuerst habe ich meine Dankbarkeit Ihnen auszudrücken für die fabelhafte Geschwindigkeit, mit der Sie die Danae unter Dach und Fach gebracht haben. Zu zweit bin ich Ihnen einen Bericht über meine Gesundheit schuldig: und ich möchte wohl über diesen Punkt etwas Besseres schreiben dürfen, als ich darf. Die Wunde am Brustbein ist immer noch offen, und die Eiterung hat auch angefangen, den Knochen zu infiltriren, so daß neulich zu meinem Erstaunen ein Stück meines Gebeines, ein Knöchelchen, zum Vorschein kam. Nun beschieße ich die innere Eiterungshöhle eifrig mit Kamillenthee und Höllensteinauflösung, bade auch wöchentlich dreimal in warmem Wasser. Mitunter geht mir etwas die Geduld aus; im Ganzen aber hält mich eine starke philologische und philosophische Beschäftigung stramm und aufrecht. Auch vertröste ich mich mit der Zukunft, zB. mit der Aussieht auf eine Pariser Reise, die ich im nächsten Jahre antreten will. Oder ich denke an die schöne Zeit, die mir hoffentlich der Herbst bringt, eine Zeit, in der es mir vergönnt sein wird, wieder in der Nähe des Mannes zu leben, als dessen treuen Anhänger sich unterschreibt
Friedrich Nietzsche.
573. An Paul Deussen in Oberdreis
Mein lieber Freund,
ich setze voraus, daß es Dich weniger Zeit kosten wird, einen Brief zu lesen als zu schreiben und gestatte mir deshalb, Deine tiefe Arbeit auf eine harmlose und vielleicht erquickliche Weise zu unterbrechen. Im Grunde hole ich nur nach was ich kürzlich versäumt habe, als das Pförtner Schulfest lebhafter als je in mir die Hoffnung rege machte, Dich einmal wieder von Angesicht zu Angesicht zu sehen. Damals lag der Stoff zu den schönsten Unterhaltungen auf meinen Lippen; im festlichen Gewände wartete ich, daß ein wohl bekannter Schritt die Treppe herauf poltern werde — und wartete vergebens. Keiner aus der Schaar meiner Pförtner Bekannten (excepto Schenkio) hat jenes Fest der Beachtung werth gefunden — wie ich es selbst nicht geachtet habe, ja sogar weder beim Empfang der Gäste, noch im Turnsaal oder auf dem Bergtage zugegen gewesen bin. Nun hielt mich zwar vor allem mein durchaus noch nicht gehobenes Leiden zurück, das ich mit allen möglichen Maschinen bekämpfe und das doch hartnäckiger ist als es auch der Laune eines geduldigen Mannes erträglich ist. Im Ganzen ist aber auch die gegenwärtige Pforte für mich kein Gegenstand der Sympathie: wir denken wohl noch gerne an sie wie an eine ehemalige Geliebte, aber mögen doch nicht vergnügt zusehn, wie sich die Abtrünnige mit ihrem neuen Liebhaber amüsirt. Dazu ist dieser Liebhaber auch zu schäbig, vor allem zu schwarz.
Aus dem Munde des Volkes vernahm ich, daß Du in Deiner Heimat lebtest — und dies erklärte mir hinreichend, weshalb Du nicht gekommen warst. Was dieser Mund hinzufügte „Du seist in Aristoteles versenkt“ wird wohl ebenfalls mutato nomine seine Richtigkeit haben. Jedenfalls aber war ich sehr ärgerlich, daß eine so schöne Hoffnung mir zwischen den Fingern zerlaufen war; denn ich hatte mir vorgenommen, Dich auf gewaltsame Weise in Naumburg festzuhalten, um uns gegenseitig die „wichtigen“ Ergebnisse und Erfahrungen mitzutheilen, wie sie junge Leute die am Schlüsse des ersten Drittels ihres Daseins stehen auf dem Herzen zu haben pflegen. Da ist zum Beispiel die große Thatsache eines Bartes und die kleine einer Lebensphilosophie, da ist der erhabene Standpunkt eines Cylinders usw. —
Übrigens fällt mir eben ein, daß es ein böser Dämon vielleicht verhindert hat, daß mein letzter Brief überhaupt in Deine Hände kam. Ich habe ihn nach Berlin unter Deiner alten Addresse geschickt. Er enthielt die Nachricht über meine Erkrankung und etwas Philologie, wenn ich mich recht erinnre. Es ärgert mich immer, wenn ein Brief an meine Freunde verlorengeht: denn ich kann es nicht über das Herz bringen, dieselbe Sache zweimal zu besprechen.
Wenn Du übrigens Deine Heimat wieder verläßt, um in Berlin die Tortur zu erleiden, so zwinge Dich einmal, über Naumburg zu reisen. Hier will ich Dir alle möglichen schönen Zauberformeln ins Ohr sagen, damit Dich der Teufel nicht verschlinge. Einstweilen wünsche ich Dir die hellsten Blicke und die frohste Ausdauer zum Vollbringen Deiner Arbeit. Meine Lebenspläne (an denen freilich das Schicksal, der große Censor, noch viel herumcorrigieren wird) sind zunächst diese. Im nächsten Jahre ist eine Reise nach Paris beabsichtigt, wo ich nicht unter einem Jahre zu bleiben gedenke. Meine Freunde Rohde und Dr Kleinpaul begleiten mich. Nachher werde ich mich wahrscheinlich in Leipzig habilitieren, wo eben ein andrer Freund Dr Windisch sich für Sanskritbedürfnisse etablirt, und wo ich immer noch durch den blühenden philolog. Verein in einem Verhältniß zur Philologenschaft stehe.
Nächstens werde ich Dir hoffentlich mein Laertianum und einen andern Aufsatz zuschicken können, die beide im rhein. Mus. gedruckt sind. Letzterer behandelt jenes allerliebste Danaelied, dessen Wohlgeschmack mir noch von Bonn her auf der Zunge liegt. Größere litterarische Absichten wachsen in mir von Tag zu Tag, und ebenso rüste ich mich geistig zu dem Berufe eines Universitätslehrers, indem ich viel für mich über die rechte Methode des Lehrens und Lernens, über das Maß und die Bedürfnisse jetziger Philologie nachdenke.
Soviel über mich. Gestern noch habe ich aber jemand gesprochen, der Dich häufiger getroffen hatte und mir einige Einzelheiten über Deine Studien etc mittheilte. Dies ist Stedtefeld, gegenwärtig Lehrer in Schulpforte. Er klagte etwas über Deinen allzu leicht erregten Enthusiasmus, über die Schnelligkeit und Umfänglichkeit Deiner Pläne, denen die nöthige Ausdauer nicht entspräche. Nun, lieber Freund, solche Dinge verzeihe ich am allerersten; ja ich lobe diese Fähigkeit, weil sie Dich verhindern wird, in den Sumpf zu fallen, in den so viele junge Philologen gerathen. Sie werden durch das ängstliche Bestreben beunruhigt, möglichst bald auch einmal eine wissenschaftliche That aufweisen zu können und stürzen deshalb wie Wüthende auf einen Schriftsteller, der ihnen Gelegenheit und Stoff zu solchen Thaten geben soll. Auch bei diesen armen Ehrgeizigen stat pro ratione voluntas: sie plagt nicht sowohl ein schöpferischer Trieb, als der Wille schöpferisch zu sein. Und wehe der ratio, die erst vom Willen ins Schlepptau genommen wird: Beiläufig sind diese Naturen gerade die prätentiösesten.
Überhaupt wirst Du finden, daß den meisten Philologen irgendwo eine moralische Verschrobenheit anhaftet. Zum Theil erklärt sich dies sogar physisch, insofern sie gezwungen sind ein Leben gegen die Natur zu führen, ihren Geist mit unsinniger Zufuhr zu überfüttern, ihre seelische Entwicklung auf Kosten des Gedächtnisses und des Urtheils zu vernachlässigen. Gerade die schöne Fähigkeit der Begeisterung ist am seltensten unter den jetzigen Philologen: als trauriges Surrogat derselben zeigt sich Selbstüberschätzung und Eitelkeit. Es hat mich geradezu geschmerzt, dies auch von Bernays zu hören, den ich im Ganzen doch als den glänzendsten Vertreter einer Philologie der Zukunft (dh. der nächsten Generation nach Ritschl Haupt Lehrs Bergk Mommsen usw) aufzufassen gewohnt bin. Ähnliches gilt von Lucian Müller, dem begabtesten Gassenjungen unsrer Philologie. Ja man nenne einen beliebigen Namen, man denke an V.Rose oder Ribbeck, oder Bücheier, oder Wachsmuth etc.; überall zeigt sich eine wunderliche Hochachtung des eignen Naturells und Mangel an ächter Begeisterung.
Wo diese Leute warm werden, wo ihr Wesen, ihre Sprache, ihr Denken in Fluß und Schwung kommt, da ist es das Gefühl ihrer Zeugungskraft: sie erwärmen sich als Künstler, nicht als Ethiker. Nur der Ethiker aber kennt die wahre Begeisterung, die durch und durch selbstlos ist.
Nun, mein lieber Freund, will ich Dich noch bitten, mir einmal einen recht ausführlichen Brief über Deine Arbeit zu schreiben; ja ich habe gar nichts dagegen, daß Du mir dieselbe zuschickst. Du sollst dann von mir hören, was ein freimüthiger Freund theils zu loben, theils zu tadeln hat. Insbesondere, wenn Deine Arbeit etwa die Echtheitsfrage berühren sollte, würde mein Interesse für dieselbe das doppelte sein. Nur verschone mich mit einer Conjekturensammlung.
Eine musterhafte Arbeit eines Freundes ist noch kürzlich in meinen Händen gewesen, verfaßt von meinem Freunde E. Rohde in Kiel. Mit niemandem in der Welt bin ich so eins sowohl über philosophisch ethische Dinge als über philologische Anforderungen und Wünsche als mit diesem. Seine Abhandlung über „Lucians ὄνος im Verhältniß zu Lucius v<on> Paträ und Apulejus“, ist in diesen Tagen an das rheinische Museum abgegangen.
Übrigens gehört auch Rohde zu den Verführten, die in Schopenhauer ihr geistiges Centrum gefunden haben. Meine größte Freude in der letzten Zeit ist die gewesen, hier und da begeisterte Anhänger für diesen Namen geworben zu haben. Was wirst Du sagen, daß zu diesen auch der eminente Oberpfarrer Wenkel gehört, der mit flatternden Fahnen in jenes Lager übergegangen ist? Er gestand mir kürzlich, daß er erst jetzt erfahren habe, was Philosophie ist, und daß was Philosophen außer Kant und Schopenhauer geleistet haben, im Grunde gleich Null ist. Ich erwärme mich förmlich an diesen Flammen der Begeisterung, die mich an meine „erste Liebe“ erinnern. Selbst die von Wenkel so hochgeschätzten Männer wie Schleiermacher und Strauß sind für ihn jetzt blaß und farblos geworden.
Doch wozu erzähle ich Dir das? Gewiß nicht, um Dich ärgerlich zu machen. Im Grunde nur, um Dir zu beweisen, daß mein Geschmack auch in diesem Punkte nicht so paradox ist, wie es mitunter erscheinen mag meinem Freunde
Paul Deussen.
Empfiehl mich bestens Deinen verehrten Angehörigen; ich denke mitunter mit großem Behagen an Deine Heimat. — Im Übrigen schreib mir bald einmal, addressire nur nach Naumburg: der Brief erreicht mich schon, wenn ich noch das Leben habe. Aber auch dies Flackerding kann einmal auslöschen.
574. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
gerade die eben verlebten Pfingsttage haben mich auf das lebhafteste und angenehmste an Dich erinnert: der Du um dieselbe Zeit im vorigen Jahre Naumburg besuchtest und mit mir jenes berühmte Problem über die geraden Beine usw auf das eifrigste zu lösen bemüht warst. Wenn ein günstiges Geschick es erlaubt hätte und Du auch dieses Pfingsten in dem stillen Naumburg eingekehrt wärest, so würde ich die Freude gehabt haben, Dir zwei neue und schöne Dinge zeigen zu können: ein gutes Buch und einen neuen Schopenhauerfreund. Außerdem würdest Du auch den vortrefflichen Windisch vorgefunden haben und in ihm eine lebendige Mnemonik unsrer Leipziger Vorzeit. Außerdem brachte letzterer einen direkten Bericht von Fridericus, der sich ebenso lobend über Deinen Aufsatz ausgesprochen hat, wie ich es voraussetzte und selbigen mit Freuden seinem Museum einverleiben wird, so bald es irgend angeht. Der gute Mann soll sich recht wohl befinden: und sein letztes litterarisches Stück, ein plautinisches Glaubensbekenntniß, das die Vorrede zum zweiten Opuskelbande bildet und mir in diesen Tagen von ihm zugeschickt wurde, ist in einem sieghaften und sicheren Tone geschrieben. Unser Windisch selbst hat mir in diesen Tagen sehr gefallen; es ist eine von den Naturen, die sich voll und breit entwickeln, deren Streben merkwürdig ganz und unangenagt ist und die anzusehn dasselbe Vergnügen macht wie ein kräftig wachsender Baum. Michaeli wird er sich habilitieren und mit einer Vorlesung über Sanskritgrammatik anfangen, da Brockhaus ihm dies Colleg freundlicher Weise abgetreten hat. Wie aber diese Studien in Leipzig getrieben werden, das beweist am besten das Faktum, daß augenblicklich 66 Studenten dies Colleg hören. Seine Heliandschrift ist allseitig sehr gut beurtheilt worden: seine Stellung in Leipzig muß eine sehr angenehme sein. Übrigens hat er mir viel Lust gemacht, mich ebenfalls einmal in Leipzig zu habilitieren; und ich gebe zu, daß die Existenz in der Nähe Ritschls und an der Stätte unsrer besten Erinnerungen mir sehr gefallen will.
In Leipzig sind auch zu meinem Erstaunen zwei Naturen wieder aufgetaucht, die sich früher gerade dort durchaus nicht wohl fühlten, nämlich Wisser und Romundt, ersterer augenscheinlich sehr niedergeschlagen. Ich hoffe bald von beiden näheres zu erfahren. Der Verein besteht noch und zählt 10 Mitglieder, wird aber auch von Nichtmitgliedern stark besucht. Roscher und Dreßler (über den ich völlig Deine Meinung theile) leiten ihn; mein Namensvetter hat kürzlich einen Vortrag über Eudocia gehalten. Hervorgehoben wird ein gewisser Stürenburg. Übrigens ist der Verein mehrere Mal bei öffentlichen Gelegenheiten als Vertreter der philologischen Studentenschaft anerkannt worden. Ein akademisches Lesezimmer steht auch zu erwarten. Der Religionseid ist Dank den Bemühungen Windisch’ und Comp, beseitigt. Auch eine studentische Kranken- und Darlehnkasse wird angestrebt. Die Angelegenheit der Universitätsgerichte hat zu großen studentischen Aufzügen, Prügeleien und Demonstrationen Anlaß gegeben. Alles in Allem: der Gesammtgeist der Leipziger Studentenschaft hebt sich. Der frühere, auch uns noch hinreichend bemerkbar gewordene Mikrokosmos kleinstaatlichen Denkens und Treibens scheint auch in den Universitäten abzusterben.
Der Zustand Leipzigs führt mich begreiflicher Weise auf den Zustand Bonns, über den ich so eben einige interessante Einzelheiten durch Dr. Stedefeld, einen jungen Pförtner Lehrer und ehemaligen Verbindungsbruder, gehört habe. Die Philologie soll arg darniederliegen: die Studentenschaft bekommt einen provinziell rheinischen Charakter. Usener ist ein wohlmeinender Biedermann ohne hervorragendes Talent. Bernays verdirbt alles durch seine maßlose und inepte Eitelkeit; er betrachtet sich als ein Schulhaupt und quält alles, was in seine Nähe kommt, so daß er auf dem besten Wege ist, nie einen Schüler zu haben. Dabei ist er im Vortrag unerträglich weitschweifig. Müller erregt die Freude und das Gelächter der jüngeren Studirenden. Das Seminar ist vollständig herabgesunken. Philosophie lebt nicht in Bonns Mauern.
Aber beim Himmel, lieber Freund, es wird mir lästig einen Ärmel voll Notizen auszuschütten, gleich als ob ich an irgend jemand Anderes und nicht an Dich schriebe. Darum will ich auch nicht länger mit dem angekündigten Buche hinter dem Berge halten und eben so wenig mit dem neuen Gesinnungsgenossen. Denn wenn ich Dir diese beiden angenehmen Dinge vorgesetzt habe, muß ich ein ernstes, fast trauriges Lied anstimmen. Aber alle diese Sachen, die ich noch erwähnen will, haben doch einen gemeinsamen Horizont und dürfen Dich an manche Minuten erinnern, wo uns selbst ein Staunen über den gleichen Mollakkord überkam, der aus unsern Seelen zu einer Zeit ertönte. Das Buch erstens heißt „die drei Pfade“ und ist von einem Engländer Herbert Grey geschrieben. Der neue Schopenhauerfreund ist der auch Dir bekannt gewordne Oberpfarrer Wenkel. Ich freue mich erstaunlich über diese Um- und Einkehr und erlebe in der Begeisterungsflamme dieses Mannes von neuem den ersten Rausch der „jungen Liebe“, jene Leipziger Herbsttage, in denen zum ersten Male jene wundersame Schopenhauersche Musik mir das Herz im Tiefsten löste. Wenkel selbst gestand mir, daß er jetzt erst erfahren habe, was Philosophie sei, daß jetzt erst das Leben sich ihm zu erschließen anfange und daß er früher wie im Traume gewandelt sei. Was außer Kant und Schopenhauer die Philosophen geleistet hätten, das schätze er jetzt keinen Deut. Selbst Schleiermacher und seine geliebten Tübinger erscheinen ihm jetzt matt und farblos. Auch er hat jetzt das Bild Schopenhauers in seiner Studirstube aufgehängt. Seine Gespräche haben gar kein anderes und lieberes Objekt als ethische Probleme; wärst Du in Naumburg, so hättest Du das Vergnügen Schopenhauer von der Kanzel herab zu hören. Was mir noch besonders werth ist: Wenkel hat einen mächtigen Respekt vor der Persönlichkeit, auch vor der moralischen Sch.’s. Dieser Zuwachs zu unsrer Gemeine ist wirklich ein bedeutender, besonders da Wenkel die Fähigkeit hat Begeisterung zu wecken und überall jetzt mit dem Eifer eines Neubekehrten die Leute auf jenen Mann hinweist, dessen Name ihm selbst, als er noch ein Saulus war, gründlich und innerlich mißfiel. —
Um nun zum Schluß auch von mir zu reden dh. zunächst von meinem Befinden, so ist es mir selbst in trauriger Weise klar geworden, wie arg man lange Zeit in Selbsttäuschung leben kann. Nicht daß meine Krankheit vorüber ist, kann ich Dir melden, sondern daß der schlimmste Stoß wahrscheinlich noch zu erwarten ist. Die Eiterung dauert fort, der Brustbeinknochen ist angegriffen, und heute hat mir sogar der Arzt eine Operation in kaum zweifelhafte Nähe gestellt. Es handelt sich nämlich um die Abstoßung eines ganzen Knochenstücks; dazu wird man die Weichtheile aufschneiden müssen und dann den angegriffnen Knochen, nämlich das Brustbein „reduzieren“, wie sich der Arzt ausdrückte, scilicet „absägen“. Ist man aber erst unter dem Messer und der Säge der Operateure, so weißt Du auch, an wie einem dünnen Faden das Ding hängt, so man Leben nennt. Da kommt ein Eiterfieberchen — verloschen ist das kleine Licht. Wunderlich war meine Empfindung, als das erste Knöchlein meines Gebeines plötzlich aus einem Eiterkanal hervorgeschwommen kam, und mir allmählich klar wurde, daß die Pläne der Pariser Reise und der Habilitation möglicherweise unmögliche Dinge sind. Nie wird einem die Hinfälligkeit des Daseins so ad oculos demonstrirt, als wenn man so ein Stückchen aus seinem Skelett zu sehen bekommt.
Übrigens arbeite ich „so lange es Tag ist“ eifrig an philologicis, habe zB. kürzlich Ritschl meinen Aufsatz über das Danaelied überschickt und bereite jetzt eben eine Dissertation über quaestiones pinacographicae vor. Überhaupt habe ich die unfreiwillige Muße zu einer größeren Concentration und Aufräumung meiner Studien verwendet; bestimmte Absichten sind in eine bestimmtere Form gegossen worden, überall sprießt es von halb gefühlten Erkenntnissen. Nein, lieber Freund, man rottet mich so schnell noch nicht aus; sollte es aber wider Erwarten geschehn, so schicke ich Dir meine Dissertation „über den Acheron“ direkt aus dem Hades, mit Briefmarken des norddeutschen Bundes. Ja, wie der persische Dichter singt
Hast Du gerade Beine? —
So hab ich bald keine? —
FN.
575. An Paul Deussen in Oberdreis
Hab Dank, lieber Freund, für die treue Gesinnung, die aus Deinem Briefe spricht, für die Wärme, mit der Du an das Wohl und Wehe meines Lebens denkst, für das schöne Anerbieten, das, wenn es auch abgelehnt werden muß, doch „in seinem eignen Glanze“ strahlt und Deinen herzlichen Willen mir zu helfen und meine Gesundheit zu fördern, hell und deutlich wiederspiegelt. Es geht mir im Ganzen immer noch schlecht genug: ein Knöchelchen nach dem andern kommt aus dem Eiterkanal heraus und zeigt an, daß das Brustbein arg beschädigt ist. Nächsten Donnerstag will ich in Halle den berühmten Operateur Volkmann consultieren und wir wollen hoffen, daß er befriedigende Auskunft giebt.
Übrigens Anerbieten gegen Anerbieten: Du mußt unweigerlich es so einrichten, daß Du Deine Rückkehr nach Berlin über Naumburg nimmst. Im Grunde wäre es fast Deine Pflicht, Deinen kranken Freund einmal zu besuchen: ja es würde gerade zu abscheulich sein, wenn Du es nicht thätest; und selbst der göttliche Plato würde Dir keine Absolution von dieser Sünde gewähren.
Was Deine Platostudien betrifft, so unterschätze ich keinen Augenblick die ausgezeichnete bildende Kraft derselben: verzeihe aber dem Philologen, der gelernt hat, daß dort, wo er etwas leisten und schaffen kann, selten gerade die duftigsten Blüthen und die höchsten Genüsse für Geist und Gemüth zu pflücken sind — der die ἄσκησις und die Resignation als unerläßliche Formen im strengen Dienste der „Dame Wissenschaft“ anerkennt — verzeihe mir also, wenn ich zu Deinem Versuche, Dich in die Tiefen der Ideenbildung und zugleich des platonischen Entwicklungsganges zu stürzen, kein fröhliches Gesicht mache. Für Deine Bildung wähle Dir die schwersten und schönsten Probleme, zum Zweck einer Dissertation aber eine ganz bescheidne abgelegne Ecke, nichts mehr. Denkst Du denn, daß mir bei meinen Laertius- und Suidasarbeiten so voll und wohl zu Muthe wird, wie etwa bei der Lektüre des Faust oder Schopenhauers? Wer dienen will, muß mit dem strengsten Dienste anfangen (oft schon deshalb, weil er zunächst nur dem niedrigsten Dienste genügen kann) Wähle Dir ein Untersuchungsfeld mit Resignation, bearbeite es mit Hingebung.
Da fällt mir ein, daß Du mir aus Deiner reichen Platobibliothek eine kleine Frage beantworten kannst, die mir in diesen Tagen aufstieß. Quinctil. sagt III 1, 10 quem Palameden Plato appellat, Alcidamas Elaites. Dies bezieht sich natürlich auf Phaedr. p. 261 D., aber zugleich ist auch deutlich, daß Quinctil. an dieser Platostelle Ελαΐτικον, nicht Ἐλεάτικον las: das letztere geben die Hdschr.; die Scholien beziehn es auf Zeno. Die Sache ist schon bemerkt, nicht wahr?
Heute kann ich leider nicht länger schreiben: sage Deiner verehrten Familie alles Gute und bleib selbst was Du immer warst, ein treuer Freund
Deines Freundes
F. N.
576. An Carl von Gersdorff in Berlin
Mein lieber Freund,
heute haben mich meine militärischen Kameraden sammt und sonders verlassen; sie sind auf dem Wege nach Magdeburg um sich dort im Schießen zu üben. Somit bin ich ziemlich der einzige bunte Rock in Naumburgs Mauern, ein übrig gebliebener flügellahmer Storch, der mit Neid seine kräftigeren Gefährten von dannen ziehen sieht. Ja, lieber Freund, was auf mannichfach verschlungenem Wege das Gerücht Dir schon zu Ohren gebracht hat, ist zum besten (dh. zum schlechtesten) Theile wahr: meine Kriegerlaufbahn ist nicht gerade glücklich von mir in Scene gesetzt worden.
Ich hatte den Winter und mit ihm die schwerste und unerquicklichste Hälfte des Dienstes überstanden; man hatte mich zum Gefreiten gemacht und war wohl auch mit meinem Gebühren, zufrieden. Ich selbst athmete auf, als die schöneren Tage kamen und ich das Pferd auf dem weiten Exercirplatze tummeln konnte. Zuletzt ritt ich das feurigste und unruhigste Thier der Batterie. Eines Tages mißlingt mir in der Reitstunde ein schnell ausgeführter Sprung aufs Pferd; ich traf mit der Brust hart auf den Vorderzwiesel und spürte in der linken Seite einen zuckenden Riß. Ich ritt ruhig weiter und hielt auch noch anderthalb Tage den wachsenden Schmerz aus. Am zweiten Tage abends aber kamen zwei Ohnmachten und am dritten lag ich fest und wie angenagelt unter den heftigsten Schmerzen und starkem Fieber zu Bett. Er ergab sich durch ärztliche Untersuchung, daß ich mir zwei Brustmuskeln zersprengt hatte. Die Folge war ein entzündlicher Zustand des ganzen Muskel- und Bändersystems im Oberkörper und eine mächtige Eiterung, durch die Blutversetzung bei der Zerreißung herbeigeführt. Als etwa nach 8 Tagen ein Schnitt in die Brust gemacht wurde, kamen mehere Tassenköpfe voll Eiter hervorgestürzt. Seit jener Zeit dh. seit einem Vierteljahr hat die Eiterung nicht aufgehört; natürlich war ich, als ich vom Bett wieder aufstand, so erschöpft, daß ich erst wieder gehen lernen mußte. Der Zustand war kläglich; ich brauchte zum Aufrichten, Gehen, Niederlegen fremde Hülfe und konnte nicht schreiben. Allmählich wurde mein Befinden besser; ich genoß eine stärkende Diät, gieng viel Spazieren und kam wieder zu Kräften. Aber die Wunde blieb offen und die Eiterung nahm kaum ab. Endlich ergab sich, daß der Brustknochen verletzt war, und daß hierin das impedimentum der Genesung liege. Eines Abends erschien auch der erste sichere Bote dieser Thatsache, ein Knöchelchen, das der Eiter mit herausgeschwemmt hatte. Das hat sich seitdem wiederholt und steht nach der Aussage der Ärzte noch öfter zu erwarten. Löst sich ein größeres Stück Knochen ab, so muß auch eine leichte Operation vorgenommen werden. Die Sache ist durchaus nicht gefährlich, aber langwierig; die Ärzte haben nichts zu thun als die Natur in ihrem Ausscheidungs- und Ergänzungsprozeß zu unterstützen. Dazu mache ich öfter des Tages Einspritzungen mit Kamillenthee und Höllensteinauflösung und bade täglich in warmem Wasser. Von unserm Stabsarzte werde ich in einiger Zeit für „zeitig unbrauchbar“ erklärt werden; und es ist möglich, daß ich eine Schwäche an der betroffnen Stelle immer behalte.
In nächster Woche will ich einmal nach Halle reisen, um den berühmten Operateur Volkmann zu consultieren. Diese Gelegenheit benutze ich, um das geliebte Leipzig sammt seinen Insassen heimzusuchen. Ich freue mich außerordentlich darauf, den vortrefflichen Ritschl wiederzusehn, der, seitdem ich von Leipzig weg bin, immer die liebenswürdigsten Beweise seiner Theilnahme und seines Wohlwollens mir gegeben hat: so daß ein ziemlich regelmäßiges Herüber- und Hinüberschreiben entstanden ist, und nie ein Monat vergeht, wo ich im Ungewissen über sein Befinden bin. Auch, was ich sonst von Leipzig höre, ist für mich voller Genuß: z. B. daß der philologische Verein kräftig zunimmt, daß meine guten philologischen Kameraden sich mit Doktorhüten oder gelehrten Arbeiten schmücken, daß der wunderliche Kauz Romundt mit einer Tragödie schwanger geht, die er im Leipziger Theater aufzuführen hofft, daß Freund Windisch sich unter glänzenden Auspicien in Leipzig habilitieren wird usw.
Sobald ich wieder die Feder führen konnte, habe ich mich wieder in meine Studien gestürzt, von denen ich Dir durch das zugesandte Danaeliedchen eine Probe gegeben habe. Auf Arbeiten war ich angewiesen, da ich aus begreiflichen Gründen wenig Umgang in Naumburg habe und nur selten einmal Besuch von Volkmann oder Dr Blass (einem Philologen vom Domgymnasio) oder von Stedtefeld bekomme, welcher letztere in Pforte die Stellung eines Adjunkten einnimmt. Auch erfreue ich mich mitunter an dem geistreichen Wenkel, von dem ich Dir auch erzählt habe. Wir sprachen früher viel zusammen über Philosophie etc. und ich konnte ihm, obschon er Hegeling war, meine vollste Hochschätzung nie versagen. Kürzlich, als ich wieder mit ihm zusammentreffe, erfahre ich, daß er seit jener Zeit mit vollen flatternden Fahnen in Schopenhauers Lager übergegangen ist und daß er mit begeisterter Wärme allseits und überall auf diesen Genius hinweist. Dies ist ein glänzender Zuwachs zu jener stillen Ketzergemeinde, welche Haym die „wunderbaren Heiligen“ zu nennen pflegt. — In Kürze bekommst Du weitere Nachrichten von mir, theurer Freund!
F.N.
577. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Da ich zunächst weder Tinte noch Feder habe und in Wittekind selbst nichts zu haben ist, so muß heute einmal der mitgeschickte Bleistift seinen Dienst thun.
Als ich gestern gegen 2 Uhr in Wittekind eintraf, wurde ich auf das Unangenehmste überrascht, als der p. p. Friedrich mich in die völlig öde, klägliche Stube führte. Dazu war das Wetter regnerisch und kalt, und die theilnahmslose Einsamkeit nach Naumburger und Leipziger Leben doppelt einsam.
Kaum hatte ich Platz genommen, so kam auch schon ein Besuch, der mich noch verdrießlicher machte. Ernst nämlich, der wieder einige Tage in Halle ist und nach Leipzig will pour éprouver sa fortune, erschien nämlich mit gewohnter commishafter Dreistigkeit; ich habe ihn so lange als Gast behandelt, als seine Anforderungen nicht allzu zudringlich wurden; weitere Besuche habe ich mir am Ende mit etwas energischer Höflichkeit verbeten.
Ich brachte ihn spaziergangsweise nach Halle, traf auf dem Wege auch den Briefträger, so daß ich wenigstens mit Bett, Wäsche und Geld augenblicklich versehn bin. In Halle speisten wir zu Abend.
Es fehlen mir wesentlich Kleider, Stiefeln, Bücher. (Von letzteren schicke mir, liebe Lisbeth, Ueberweg, Geschichte der Philosophie, Bernhardy römische Litterat.gesch., Bernhardy griech. Litterat.gesch. (noch uneingebunden.) Krüger griech. Grammatik. Bergk Poetae lyrici Graeci. Schopenhauer, Parerga (W. Pinder hat sie) Die Bücher von Pforte schickt nur wieder zurück, (der Name „Volkmann“ oder das Zeichen der Pförtner Bibliothek ist darin)
Ebenso die Bücher von Domrich mit Ausnahme der Bücher, die ich bestellt haben sollte. Er hat mir die meisten zur Ansicht geschickt.
Briefe, die an mich addressirt sind, schickt doch ja nach Wittekind. —
Was nun die Gesundheit betrifft, so habe ich an Volkmann meine Ankunft gemeldet. Die Röthe und die Entzündung ist jetzt viel geringer, aber die Eiterung geht fort. Es fehlt mir an Leinwand zu Umschlägen.
In Leipzig hat es mir außerordentlich gefallen. Bei Roscher habe ich eine Nacht zugebracht, aber nicht mehr, da die schrecklichsten Wanzen mir keine Minute Schlaf gegönnt haben. Im Hotel Dresden habe ich zwei Nächte zugebracht, bei Romundt endlich auch zwei. Überall habe ich Erinnerungen gefeiert. Die größte Theilnahme fand ich aber bei Ritschls, insbesondre bei meiner „treuen Freundin“, der Frau Ritschl. Bei ihnen habe ich Sonntags zu Mittag gegessen, und mich bis Nachmittag um 6 sehr wohl gefühlt.
Windisch, der fabelhaft beschäftigt ist, läßt Euch bestens grüßen. Er wird mich in Wittekind besuchen. Im neuen Theater war ich drei mal, in Ritschls Colleg eben so oft. Den philolog. Verein habe ich auch besucht. Den alten Kintschy gleichfalls.
Heute Mittag habe ich im Kurhause table d’hôte gegessen: vielerlei, aber erstaunlich wenig. Monatlich 12½ Thlr. Bei Tisch war auch Volkmann da, ein sehr heiterer, ja burschikoser Mann, der mir bald nach Tisch seinen ersten Besuch machte. Ich soll also Soole baden, vermischt mit Kreuznacher Mutterlauge; und eben damit mache ich meine Umschläge feucht. Essen und Trinken darf ich nach Belieben.
Ich wünschte nur, daß das Wetter freundlicher wäre und daß ich ein paar Bücher hätte. Ebenso fehlt mir Papier: Kauft es von Jakobi. Schickt mir doch meine componirten Lieder im Lilahefte, sowie das Notenpapier mit, das, so viel ich weiß, im Kasten des Tisches, auf dem die Bücher stehen, zu finden ist. Dazu Goethes Gedichte und den Faust.
Menschen zum Umgang scheinen nach einer vorläufigen Musterung nicht hier zu sein. Bei Tische saß ein taubstummer Herr zu meiner Rechten und gräßliche weibliche Mißgeburten zu links und vis à vis. Auch bin ich nicht recht in der Stimmung, mit Jedermanns Unterhaltung vorlieb zu nehmen. Wenn man mich nur von Halle aus in Ruhe läßt. Leute mit denen ich nur Gleichgültiges reden, oder mich zanken muß, sind nie nach meinem Geschmack, jetzt am wenigsten.
Den alten Steinhart werde ich gelegentlich aufsuchen. Auch ein paar jüngere Dozenten, die mir empfohlen sind. Aber ich muß jetzt sehr wählerisch sein, weil ich doch sehr leicht angegriffen werde. Ernst war mir geradezu eine Marter; er wollte auf einige Tage zu mir herausziehn!
So, nun denke ich zunächst Auskunft gegeben zu haben, wie Ihr sie verlangt. Schickt mir nur die gewünschten Dinge auf das Schleunigste.
Sonnabend schicke ich die Wäsche. —
Heute Morgen habe ich gebadet. Ihr könnt mir das Plaid und den Strohhut mitschicken; man kann beides brauchen.
Lebt wohl und denkt freundlichst
an Euren
FN.
578. An Sophie Ritschl in Leipzig
Hochverehrte Frau Geheimräthin,
auch wenn ich das entliehene Buch nicht zurückzuschicken hätte, würden Sie doch heute einen Brief von mir bekommen haben. Denn allzusehr hat mich dieser letzte Sonntag verpflichtet, ein Tag von solcher Anmuth und Sonne, daß die Erinnerung an ihn das Beste ist, was ich aus Leipzig mit in mein einsames Bad gebracht habe. Wenn Sie aber einmal, ich weiß nicht durch welchen Genius geleitet, mir Ihre auszeichnende Theilnahme geschenkt haben, so müssen Sie auch geduldig die Folgen tragen, deren erste dieser heutige Brief sein mag.
Vorgestern Mittag bin ich in dem anmaßlichen Badedorf, das sich Wittekind nennt, eingetroffen; es regnete stark, und die Fahnen, die man zum Brunnenfeste aufgesteckt hatte, hingen schlaff und schmutzig herab. Mein Wirth, ein unzweideutiger Gauner mit blauer undurchsichtiger Brille kam mir entgegen und führte mich in das vor 6 Tagen gemiethete Logis, das bis auf ein völlig verschimmeltes Sopha öde war wie ein Gefängnis. Alsbald wurde mir auch deutlich, daß derselbe Wirth für zwei Häuser voller Gäste, also vielleicht für 20—40 Personen, nur ein Dienstmädchen im Sold habe. Die nächste Stunde brachte mir schon einen Besuch, aber einen so unangenehmen, daß ich ihn nur durch energische Höflichkeit von mir abschütteln konnte. Kurz die ganze Atmosphäre, in die ich trat, war frostig, regnerisch und verdrießlich.
Gestern habe ich etwas die Natur und die Menschheit des Ortes recognoscirt. Bei Tisch wurde mir das Glück zu Theil, in der Nähe eines taubstummen Herrn und einiger wunderbar geformter Frauengestalten zu sitzen. Die Gegend scheint nicht übel; aber vor Regen und Feuchtigkeit kann man keinen Schritt vorwärtsgehen und sehen.
Volkmann hat mich besucht und mir die hiesigen Bäder verordnet, im Übrigen eine Operation in nahe Aussicht gestellt. —
Wie danke ich Ihnen, daß Sie mir das Buch Ehlerts mitgaben, ein Buch, das ich am ersten Abend, bei kläglicher Beleuchtung, auf dem Schimmelsopha las und mit Vergnügen und innerer Erwärmung las. Böse Menschen könnten sagen, daß das Buch aufgeregt und schlecht geschrieben sei. Aber das Buch eines Musikers ist eben nicht das Buch eines Augenmenschen; im Grunde ist es Musik, die zufällig nicht mit Noten, sondern mit Worten geschrieben ist. Ein Maler muß die peinlichste Empfindung bei diesem Bildertrödel haben, der ohne jede Methode zusammengeschleppt ist. Aber ich habe leider Neigung für das pariser Feuilleton, für Heines Reisebilder usw. und esse ein Ragout lieber als einen Rinderbraten. Was hat es mich für Mühe gekostet, ein wissenschaftliches Gesicht zu machen um nüchterne Gedankenfolgen mit der nöthigen Dezenz und alla breve niederzuschreiben. Davon weiß Ihr Herr Gemahl auch ein Lied zu singen (nicht nach der Melodie „Ach lieber Franz, noch“ u.s.w.), der sich sehr über den völligen Mangel an „Stil“ gewundert hat. Schließlich ging es mir wie dem Seemann, der auf dem Lande sich unsichrer fühlt als im bewegten Schiff. Vielleicht finde ich aber einmal einen philologischen Stoff, der sich musikalisch behanden läßt, und dann werde ich stammeln wie ein Säugling und Bilder häufen, wie ein Barbar, der vor einem antiken Venuskopfe einschläft, und trotz der „blühenden Eile“ der Darstellung — Recht haben.
Und Recht hat Ehlert fast allerwärts. Aber vielen Menschen ist die Wahrheit in dieser Harlekinjacke unkenntlich. Uns nicht, die wir kein Blatt dieses Lebens für so ernst halten, in das wir nicht den Scherz als flüchtige Arabeske hineinzeichnen dürften. Und welcher Gott darf sich wundern, wenn wir uns gelegentlich wie Satyrn geberden und ein Leben parodiren, das immer so ernst und pathetisch blickt und den Kothurn am Fuße trägt?
Daß es mir doch nicht gelingt, meine Neigung zum Mißklang vor Ihnen zu bergen! Nicht wahr, Sie haben davon schon eine erschreckliche Probe? Hier haben Sie die zweite. Die Pferdefüße Wagners und Schopenhauers lassen sich schlecht verstecken. Doch ich werde mich bessern. Und wenn Sie mir wieder einmal etwas zu spielen erlauben sollten, so werde ich meine Erinnerung an den schönen Sonntag in Töne formen und Sie sollen hören, wie Sie es heute lesen, wie hoch diese Erinnerung gilt
einem schlechten Musikanten u.s.w.
Friedrich Nietzsche.
579. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Lisbeth,
da ich also nicht persönlich zu Deinem Geburtstage erscheinen soll, ja auch kaum erscheinen könnte, so bleibt nichts anderes übrig als die Feder zu nehmen und Dir brieflich anzudeuten, was sich bei derartigen Gelegenheiten mündlich weit besser, ausdrucksvoller und schneller abmacht. Im Übrigen enthält das mitfolgende Buch schon im Titel eine Art Wunsch, den am heutigen Tage zu wiederholen ich nicht für unanständig halte: „Ordnung und Schönheit am häuslichen Herd!“ (wobei es dem Philologen erlaubt ist zu fragen, ob nicht am Ende dies „am“ bloß ein Druckfehler für „und“ ist)
Hoffentlich ist dies alles vernehmlich genug geredet, so daß ich nicht mit Fibelversen und Kleinkinderstammelanstalten aushelfen muß. Ja es ist auch das, was ich geschrieben habe, schon unnütz, da schon die Thatsache, daß ich am 10t. Juli an Dich schreibe, deutlich ausdrückt, daß ich ein „evviva“ schreien will.
Seit vorigem Sonntag ist hier alles wesentlich unverändert. Heute feiern wir wieder einmal Brunnenfest. Gestern hatte ich einen überraschenden, sehr angenehmen Besuch; als ich gerade aus dem Bade kam, sah ich plötzlich den Dr Klemm (jetzigen Privatdocenten in Gießen) vor mir, der auf einer Reise Leipzig berührt und dort von meinem Aufenthalt in Wittekind durch Ritschls gehört hatte und herüber gekommen war.
Ich bin die letzten Tage gewöhnlich Vormittags in Halle bei Volkmann gewesen, der sich ein überraschend schönes Haus gebaut hat. Dort bin ich zweimal mit dieser Jodtinktur angepinselt worden: was beiläufig sehr peinliche Schmerzen macht. Doch scheint schon jetzt die Knochenauftreibung geringer zu werden.
Übrigens bin ich nun auch im Besitz der Kiste und freue mich ihres Inhaltes, auch Deines freundlichen Briefes. Die Bücher freilich, die Domrich zur Ansicht geschickt hat, wäre ich gerne wieder los. Am besten ists, wenn Ihr bald einmal wieder her kommt und sie mitnehmt.
Heute muß ich aber noch mit besonderen Nachdruck um Geld bitten, ja ich hoffe, daß die betreffende Summe schon auf der Post ist. Bekanntlich bezahlen wir Mittag Sonnabends, und ich habe fast nichts mehr. Zahlt doch das Geld auf der Post ein, es ist dies doch der einfachste Weg.
Doch muß ich schließen, da die „Mittagsglocke ruft.“ In der Hoffnung daß Du an Deinem Geburtstage mit einem fröhlichen Magen aufstehst, und Dir von der Mamma recht schöne Dinge schenken läßt, verbleibe ich in Wittekind.
FW.
580. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
M. l. A.
Gestern bin ich wieder von meiner Leipzig-Altenburger Vergnügungsfahrt zurückgekehrt; ich fuhr gleich vom Bahnhof zu Volkmann, der sehr zufrieden war und mich benachrichtigte, daß ich in wenigen Tagen Wittekind verlassen könnte. Sonnabend will ich also, falls nichts dazwischen kommt, wieder in Naumburg eintreffen.
Die Leipziger und Altenburger Tage waren sehr interessant; näheres mündlich.
Heute habe ich Dich nur noch zu bitten an die Tante Ehrenberg zu schreiben und ihr mitzutheilen, daß ich nächsten Sonntag nicht mehr in Wittekind sein werde. Sie hatte nämlich vor, falls Ihr von Naumburg aus an demselben Tage hinkommen wolltet, ebenfalls zu erscheinen und mir ihren Besuch zu machen. Mir liegt aber aus einem schon mitgetheilten Grunde daran die Sonntage nicht in Wittekind zu verleben. Überdies bin ich froh wenn ich dies Nest wieder verlassen kann, und jede Stunde würde mich dauern, die ich in dieser schwitzenden Einöde zubringe. Also schreibe dankbar-ablehnend.
Wie aber bringe ich meine Sachen fort? —
Heute erwarte ich stündlich die Wäsche aus Naumburg, da ich keinen reinen Lappen etc. in Besitz habe und in arger Verlegenheit bin, in der ich verbleibe als
Euer F. N.
Mittwoch früh.
581. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mamma und Lisbeth,
endlich definitive Antwort! —
Ich ersuche Dich also Sonntag morgen nach Wittekind zu kommen; wir wollen zusammen packen und vielleicht um 11 Uhr wieder abreisen. Vor allem aber bitte ich Dich mir Geld mitzubringen: ich habe diesmal nicht an Dächsel geschrieben, weil, so viel ich weiß, in Naumburg für mich Geld liegen muß. Wenigstens habt Ihr mir so etwas erzählt. Ungefähr 30—40 Thl. werden wohl noch nöthig sein.
Die letzten Wochen haben wir auf das Heiterste verlebt und keinen Tag unbenutzt gelassen; so daß ich doch von Wittekind mit keinen unangenehmen Empfindungen abziehe.
Heute habe ich Eile. Auf glückliches Wiedersehn!
FN.
582. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
nein, so wetterwendisch bin ich nicht. Die Indifikation ist fest in das Gewebe meiner Zukunftspläne eingefügt und kommt an erster und nächster Stelle daran. Ich bin diesem Unternehmen, zu dem ich mich freiwillig und mit einiger Vorliebe entschlossen habe, noch niemals, auch nicht in Gedanken, untreu geworden und ärgere mich, durch mein zufälliges Stillschweigen während meines letzten Aufenthaltes in Leipzig Anlaß zu einem Verdachte gegeben zu haben, den ich πύξ καὶ λάξ von mir abwehren werde.
Glücklicherweise liegt jetzt in dem Stande meiner Gesundheit nichts, was mich von jener Arbeit zurückhielte. Volkmann hat mich als völlig geheilt entlassen und mir im Ganzen keinerlei Vorsichtsmaßregeln anempfohlen, nur, daß ich mich nicht auf Faustkämpfe einlassen soll. Also bitte, Herr Geheimrath, nehmen Sie Ihren Verdacht zurück; sonst muß ich gleich von vorn herein gegen die einzige Vorschrift des Arztes sündigen.
Mit dem Wunsche, Ihren verehrten Angehörigen bestens empfohlen zu werden, bin ich
Ihr treu ergebener
Friedrich Nietzsche.
583. An Erwin Rohde in Kiel
Mein lieber Freund,
heute darf ich Dir und mir gratulieren, Dir als dem glücklichen und vielbewunderten Sieger im akademischen Wettkampfe, mir als dem endlich Genesenen, von dem die Engel singen:
Gerettet ist das edle Glied
Das Brustbein, nun vom Bösen,
Das immer strebend sich bemüht
Sich eiternd abzulösen.
In Leipzig war das Gerücht Deiner Krönung allseitig verbreitet, zugleich mit einem stereotypen Refrain, daß Du Dich in Kiel habilitieren würdest, und daß dies der spezielle Wunsch Ribbecks sei. Vielleicht ist der Ursprung dieses Gerüchtes in dem bekannten Plauderstübchen (Lehmanns Garten N. 2 Mittags 12—1) zu suchen: wo ich wenigstens einem ähnlichen Gerede auf die Spur kam, das mich als den zukünftigen und erwarteten Leipziger Privatdocenten bezeichnet. Trösten wir uns mit einander; man traut’s uns doch wenigstens zu. Aber nichts darf uns abhalten, erst noch ein Jahr in Paris zusammen zu verleben: nachher sei es jedem von uns gestattet, auf einer beliebigen Universität beliebige Irrlehren in beliebige „milchsaugende“ Seelen zu streuen. Vorher aber lernen wir noch die göttliche Kraft des Cancan und üben uns „gelbes Gift“ zu trinken, um später würdig an der Spitze der Civilisation marschiren zu können.
Beiläufig die Nachricht, daß der Lucianische ὄνος schon einen zweiten Reiter gefunden hat. Da kommt mir ein Schreiben zu von dem kleinen Doktor Roscher, der mir eine Nachricht „von der höchsten Wichtigkeit“ ankündigt, so daß ich sofort (nach meiner neuen leidigen Gewohnheit) blaß werde und mir den Angstschweiß von der Stirne wische. Man höre: es cirkulirt eine Dissertation eines gewissen Knauth in der philologischen Sektion für Doktorexamina in Leipzig, die den von Dir occupirten Stoff ebenfalls behandelt und von Klotz und Ritschl glänzend beurtheilt ist! Roscher stößt einen Hülfsschrei aus, als ob irgend jemand im Begriffe stände ins Wasser zu fallen und zu ertrinken und als ob alle guten Freunde und getreuen Nachbarn heranstürzen müßten, um zu retten. — Glücklicher Mensch, Du hast einen Concurrenten, einen leibhaftigen Concurrenten von Fleisch und Bein, während mir kürzlich das Vergnügen zu Theil wurde Bergks Colleg über Theognis zu hören und dabei todtgeschwiegen zu werden, obschon ich mit gezückten Ohren lauschte und Deinem verehrten ὄνος sehr ähnlich ausgesehn haben muß.
Was Du an dem simonideischen Eiapopeia aussetzest, ist aus meiner Seele geschrieben: thue mir nun noch den Gefallen und mache die entsprechende Conjektur (-u), die ich obwohl ich schon seit Jahren darnach suche, nicht auftreiben kann. Sobald sie da ist, werfe ich das ἐμάνη zum Fenster hinaus und schreibe ein Zusätzchen an das rhein. Museum.
Etwa ὁτε λάρνακα δαιδαλέαν
ἄνεμός θ᾽ᾗκε πνέων oder τεῖρε πνέων oder τέμνε πνέων?
Ich merke eben, daß mein Brief bereits außer Rand und Band ist; aber es wäre wirklich ein Kunststück, wenn ich alles das in eine logische Folge bringen wollte, was ich mir vorgenommen habe heute noch zu erwähnen. Gestatte mir, mich der Ziffern zu bedienen.
1)
ein neuer aber echter Schopenhauerfreund
2)
Romundt ὁ τραγῳδός
3)
Clemm in Gießen besuchte mich
4)
und zwar in Wittekind
5)
wohin mich der große Operateur Prof. Volkmann schickte
6)
und das ich seit 3 Tagen gesund verlassen habe.
7)
Frau Ritschl meine intime „Freundin“.
8)
Tonkünstlerversammlung in Altenburg, von mir besucht.
Excurs über Wagners Meistersinger.
9)
ich habe wieder componirt: weibliche Einflüsse.
10)
Wittekinder Badekur und -cour.
11)
Ich erwarte täglich Deinen Besuch.
Zu 1) Mein Freund Gersdorff (Leutnant a.D. eifriger Nationalökonom) berichtet mir folgendes. In Plaue an der Havel, unweit Brandenburg, lebt ein Rittergutsbesitzer Wisecke, ein wirklicher Freund Schopenhauers, der Einzige, der ein wohlgelungenes Porträt in Öl von dem großen Manne besitzt. Ein echter Schüler, ein vielgebildeter Mann, ein genialer Landwirth, der eine elende Sandscholle in fruchtbares Land umgewandelt hat (Gersdorff berichtet ausführlich über die Methode; Kavalleriemist aus den Berliner Ställen spielt dabei die Hauptrolle) ist er jetzt reich und seines Reichthums würdig; für seine Armen hält er einen eignen Arzt mit 800 Thl. Gehalt etc. Er hat ein gastfreies Haus, einen vorzüglichen Weinkeller, dessen feinste Weine immer nur in einem Pokale kreisen, der dem Manne gehört hat, dessen Genius in diesem Hause waltet. Jeder Besucher empfängt zum Abschiede ein Porträt Schopenhauers und ein Bild von seinem Wohnhause in Frankfurt, wohin Herr Wieseke alljährlich ein<e> Wallfahrt angetreten hat. Seine Charakterschilderungen Schopenhauers entsprechen im Ganzen wenig denen seiner unbedeutenden Freunde, zu denen Wieseke namentlich Frauenstädt „den flachen wässerigen Kopf“ rechnet.
Zu 2) Der vortreffliche, anziehend organisirte Romundt tauchte wieder in Leipzig auf und zwar mit einer Tragödie Mariamne und Herodes, als in welcher ein echauffirtes Frauenzimmer diverse Malheurs anrichtet, ohne unsre affection dabei zu lukrieren. Der poetische Funke in unserem Freunde ist nicht stark genug um Ochsen zu tödten, aber zur Betäubung eines Menschen ausreichend, so daß ich ihn inständig gebeten habe seine gefährliche Feuerwerkerei einzustellen. Er ist also zunächst wieder Philologe, schwimmt, so viel ich weiß, in den Gewässern Demokrits (um hier einen Fisch zum Doktorschmause zu fangen) und schwelgt in der Hoffnung, einmal die Regie eines Theaters zu übernehmen.
Zu 3) Eines Morgens, als ich in Wittekind eine Stunde in Salzlake gesessen hatte und mit der Munterkeit eines neueingesalznen Härings an das Tageslicht sprang, kam mir in der Höhe meines halben Leibes ein freundliches Gesicht entgegen, das dem liebenswerthen Clemm aus Gießen angehörte. Er trägt sein mißliches Geschick und seinen Fuß mit einer rührenden Sanftmuth. Eine lobende Recension seiner Habilitationsschr. wirst Du im Centralblatt gelesen haben. Sie rührt von Georg Curtius her.
Ich springe gleich zu 11). Ich erinnre mich, da Du im August eine größere Reise machen wolltest, die Dich auch über Naumburg führt. Rechne ein paar Tage auf Naumburg; ich wäre sonst im Stande Dich hier mit Hülfe meiner braven Kanoniere festzuhalten. Hier an Ort und Stelle sollst Du die weiteren Ausführungen der übersprungnen Paragraphen hören. Und was haben wir alles mit einander abzumachen, zu verabreden, zu hoffen etc.
Heute folgt eine Photographie, die mich in einer etwas gewagten Situation darstellt. Im Grunde ist es eine Unhöflichkeit mit gezogenem Säbel vor seine Freunde zu treten und dazu mit einem so saueren bitterbösen Gesicht. Es ist etwas Rohes um so einen Krieger. Aber warum ärgert uns der schlechte Photograph, warum ärgert uns der ganze Lebensplunder so, daß wir nicht mehr aussehn wie frische neugewaschne junge Mädchen? Warum müssen wir immer mit dem Säbel bereit stehn? Und wenn wir nun energisch dem schlechten Photographen zu Leibe wollen, was macht er? Er kriecht hinter seine Kappe und ruft „Jetzt!“
Adieu, lieber Freund! Sage Deiner verehrten Frau Mutter meinen besten Gruß und besuche mich so bald als möglich!
In alter Treue
Friedrich Nietzsche
Auch meine Angehörigen lassen Dich grüßen und freuen sich auf Deinen Besuch.
584. An Carl von Gersdorff in Berlin
Lieber Freund,
endlich bekommst Du unbedingt sichere Nachricht über mein Befinden und zwar die beste, die Du wünschen kannst. Ich bin vor wenig Tagen völlig genesen aus dem Bade Wittekind zurückgekehrt, wohin ich gereist war, um die Geschicklichkeit und Erfahrung eines ausgezeichneten Operateurs, des Prof. Volkmann in Halle, in Anspruch zu nehmen. Meine Militärärzte waren gefällig und unbefangen genug, mich an diese Autorität zu weisen; schon nach drei Wochen meiner Wittekinder Kur wendete sich der (ziemlich schmerzhafte) Heilungsprozeß so günstig, daß Volkmann mir zur baldigen Genesung gratulieren konnte. Schließlich ist nicht einmal eine Operation nöthig gewesen, obwohl sie lange Zeit als fast unvermeidlich drohte. Lieber Freund, 5 Monate Krankheit, viele langwierige Schmerzen, tiefe Herabstimmungen des Körpers und des Geistes, peinliche Aussichten auf die Zukunft — alles dies ist überwunden; eine einzige tiefe mit dem Knochen verwachsene Narbe mitten auf der Brust erinnert mich daran, wie schlimm, ja wie gefährlich mein Zustand war. Wenigstens sagte mir Volkmann, daß, falls die Eiterung noch länger — sie dauerte ein Vierteljahr — angehalten hätte, voraussichtlich Herz oder Lunge ergriffen worden wären.
Es versteht sich, daß ich jetzt meinen Militärdienst nicht fortsetzen kann; zunächst werde ich für „zeitig unbrauchbar“ erklärt, ja ich wünsche nachgerade, nachdem es mir doch nun einmal unmöglich geworden ist, Landwehroffizier zu werden, langsam aus den Listen der Wehrpflichtigen zu verschwinden.
So ist es mir denn wieder erlaubt, über meine Zukunft frei zu disponieren: und von diesen Arrangements darf ich wohl einem treuen und zuverlässigen Freunde Einiges erzählen. Daß ich mich einmal habilitieren will, wirst Du bereits wissen; die Frage nach dem „Wo?“ ist schnell beantwortet, nämlich: in Leipzig, dessen akademische und studentische Zustände mir penitus vertraut sind. Dort stehen die Dinge für mich nicht ungünstig, weil die zunächst von mir vertretenen Fächer bei der gegenwärtigen Constellation Leipziger Professoren fast ganz brach liegen, weil aber andernseits ein Interesse für dieselben unter einer regen philologischen Studentenschaft nie aussterben kann. (Ich meine vor allem griechische Literaturgeschichte und griech. Philosophie) Die andre Frage nach dem Wann? kann ich noch nicht beantworten. Sicherer nämlich als die Habilitation — sicherer, weil näher — ist ein andrer Plan, der sich dazwischen schiebt. Ich will nämlich das nächste Jahr in Paris zubringen, natürlich ebensowohl aus Humanitätsrücksichten als aus ganz speziell philologischen Gründen.
Hier kommt nun eine Anfrage an Dich, die ich schon lange im Geiste wälze. Solltest Du nicht ebenfalls im Geiste die Absicht haben, eine längere Zeit an jener Hochschule des Daseins zu studieren? Es ist wahrhaftig eine meiner erquicklichsten Vorstellungen, wie wir beide, zusammen mit anderen guten Freunden (wie Rohde, Kleinpaul, Romundt) in Paris das Deutschthum und Schopenhauer repräsentieren. Ich bitte Dich sehr darum, diesen Plan recht sorgfältig zu überlegen; zunächst ist es meine Absicht innerhalb der drei ersten Monate des nächsten Jahres abzureisen.
Jetzt drängt noch eine Menge von Arbeiten, die erst erledigt werden müssen, ehe ich Deutschland verlassen kann. Größere litterarische Pläne wachsen wie Pilze über Nacht. Ich bin übrigens neuerdings durch freundliche Schreiben der Herausgeber sowohl Mitarbeiter der „Jahrbücher für Philologie“ als des litterarischen Centralblattes geworden; daß ich mich an dem rheinischen Museum für Phil. betheilige, wirst Du aus den zugeschickten Proben gesehen haben. —
Mit größtem Vergnügen habe ich von dem Herrn Wieseke gehört, den kennen zu lernen für Dich von stärkstem Interesse sein wird. Wie urtheilt er übrigens über den Menschen Schopenhauer? Gewiß anders, als seine bornirten Nachtreten Solche Schüler wie Frauenstädt sind im Grunde eine beleidigende Grobheit gegen den Meister. Auch Wenkel hat von Anfang an von diesen Schülerköpfen und ihren Charakteristiken ihres Lehrers nichts wissen wollen. —
Hoffentlich bekomme ich bald eine günstige Antwort auf die Hauptfrage meines heutigen Briefes. In diesem Falle öffnet sich für mich ein weiter und schöner Horizont.
So lebe denn wohl und denke freundlichst
Deines treuen
Freundes
Friedrich Nietzsche.
Kannst Du nicht einmal nach Naumburg kommen? Vielleicht auf Deiner Reise in die Heimat?
585. An Carl von Gersdorff in Berlin
Mein lieber Freund,
da fällt mir heute zu meinem Schrecken ein, daß Du nur noch bis zum 22t. in Berlin bleiben willst, und daß es daher für mich die höchste Zeit ist, wenn ich Dir vorher noch meinen Dank für Deinen freundschaftlich warmen und interessereichen Brief brieflich kundgeben will. Die Nachrichten über Wieseke habe ich, wogegen Du hoffentlich nichts einzuwenden hast, zween andern Anhängern unseres Meisters mitgetheilt, nämlich Rohde, der seit einigen Tagen mein Gast ist, und Wenkel, dem unermüdlichen Forscher und Vorkämpfer für Schopenhauers Sache und Lehre.
Deiner freundlichen Einladung zu folgen verbietet mir nicht nur mein noch nicht gelöstes Militärverhältniß; sondern vor allem der Haufen von Arbeiten, die in nächster Zeit zu erledigen sind, und die durch meine Krankheit ungeziemend hinausgeschoben und verzögert sind. Im Übrigen bin ich auch noch genöthigt, Soole zu baden und sehr vorsichtig Anstrengungen und Erkältungen aus dem Wege zu gehn: da mir mein Arzt etwas Angst vor einem Rückfall gemacht hat.
Im Anfange des Oktober denke ich in Leipzig zu sein: vielleicht können wir eine Zusammenkunft verabreden, indem wir einen Mittelort bestimmen: da für Dich ein Besuch in Naumburg mit all zu großen Schwierigkeiten, Versäumnissen und Umwegen verbunden ist. — Nach Paris reise ich nicht vor Ostern nächsten Jahres: ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß wir dort eine längere Zeit zusammenleben: jedenfalls kommt ein ganzer Club von Schopenhauerfreunden dort zusammen, und ich denke, wir werden eine Art von litterarischer Mission zu erfüllen haben.
Verzeih, daß ich heute schon schließen muß, um den Brief noch rechtzeitig in Deine Hände zu befördern. Mit dem Wunsche, daß Du Dich in der schönen Luft Deiner heimatlichen Berge und in dem Glücke des vertrauten Familienkreises nach Berliner Staub, Schweiß und Studium erquickest, und mit der Bitte, Deinen verehrten Angehörigen bestens empfohlen zu werden, bleibe ich
Dein treuer Freund
Friedrich Nietzsche
586. An Hermann Mushacke in Berlin
Lieber Freund
recht lange hast Du gar keine Nachricht von mir bekommen, und so hast Du wahrscheinlich gar nichts davon erfahren, daß mein Militärdienst ein unangenehmes Zwischenspiel gehabt hat, in Gestalt einer langwierigen, schmerzhaften und nicht ungefährlichen Krankheit.
Jetzt, wo alles überwunden ist, denke ich mit herzlichem Schauder an jene Märztage, wo das Übel anhob, das auch in der Mitte des vorigen Monates noch nicht gehoben war. Im Grunde waren es zwei Leiden, jedes einzeln schmerzhaft genug, um einem das Leben zu verleiden, 1. eine Zerreißung zweier Brustmuskeln 2. Beschädigung des Brustbeins, von dem sich ein Knöchelchen nach dem anderen durch die Eiterkanäle entfernte. Die verschiedenen Ärzte die ich gebrauchte, waren nicht im Stande die Eiterung zu hemmen, so daß ich mich endlich dh. nach Verlauf eines Vierteljahrs an eine Autorität ersten Ranges in chirurgischen und operatorischen Angelegenheiten wandte, an den Prof. Volckmann in Halle. Dieser bestimmte mich in seine Nähe zu ziehn, und so habe ich denn 5 Wochen in Bad Wittekind zugebracht. Der Heilungsprozeß war wiederum reich an Schmerzen: aber der Erfolg war glänzend, und in seiner Schnelligkeit selbst für Volkmann überraschend.
Und was hast Du, mein lieber Freund, gemacht? Ich werde dreist auf das Couvert „Herrn cand. phil. H. Mushacke“ schreiben und hiermit zugleich den Wunsch aussprechen, daß Du candide aus dieser Misère hervorgegangen seist. Wenn Du nach diesen Überspannungen der Körper- Denk- und Gedächtnißkräfte Neigung fühlst, im traulichen Gespräch mit einem Freunde auszuruhn, mit lächelnder Zuversicht Zukunftspläne auszumalen, neue Hoffnungsfäden zu spinnen und alte vergangne Tage und Freuden wiederzukäuen — dann komm entweder nach Naumburg oder (wenn Du noch bis Oktober warten willst) nach Leipzig oder (wenn Du noch bis Neujahr warten magst) nach Paris. Denn dorthin richten sich seit längerer Zeit schon meine Augen: ein Jahr werde ich jedenfalls dort arbeiten: und wie glücklich wäre ich, wenn ich es im Verein mit guten Freunden thun könnte. Dies ist auch wirklich nicht unwahrscheinlich: Rohde z. B. begleitet mich jedenfalls, vielleicht auch Kleinpaul und Romundt. Also überlege Dir bestens diesen Plan und vergegenwärtige Dir, welchen Effekt so eine ganze Kolonie deutscher Gelehrten machen muß.
Im Übrigen habe ich noch eine Bitte an Dich. Kannst Du mir nicht den Wortlaut des philologischen Preisthemas, das die Akademie gestellt hat, anführen? Es betrifft eine Sammlung der Fragmente der älteren Peripatetiker. Ist zB. Theophrast mit eingeschlossen? Ich bitte Dich herzlich, Dich für diese Sache ein wenig zu interessieren und mir eine gefällige Mittheilung zu machen. —
Es fällt mir eben ein, daß ein längerer Aufenthalt in Paris für Deine romanischen Sprachstudien sehr wesentlich, ja unerläßlich sein wird. Ich bin fest überzeugt, daß Dein verehrter Herr Vater mit Freuden zu diesem Plane Ja sagen wird. Grüße doch Deine hochgeschätzten Angehörigen auf das Angelegentlich<s>te von
Deinem
treuen Freunde
Friedr Nietzsche.
587. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
sobald ich meiner militärischen Fesseln ledig bin, komme ich nach Leipzig und bringe Ihnen den index mit, von dem gegenwärtig zwei Drittel fertig sind. Die Naumburger ἐρημία τῶν βιβλίων ist mir recht peinlich, und ich lechze nach einer großen Stadt und Bibliothek, wie jener biblische Hirsch.
Der eigentliche Grund meines Briefes ist aber nicht, von dem index zu erzählen; ja ich hatte sogar den Wunsch, Sie erst mit der „vollendeten Thatsache“ zu überraschen. Ein eben erhaltener Brief aber bestimmt mich, Ihren gütigen Beistand in einer Sache zu erbitten, in der ich selbst wenig oder nichts thun kann. Lesen Sie gefälligst dies Schreiben, welches ich beilege. Es stammt von einem sehr angenehmen, talentvollen Menschen, von dem ich mit Freuden das Beste und Vortheilhafteste sage, weil es wahr ist. Er ist plötzlich in Noth gerathen und wünscht eine anspruchslose Stellung in Leipzig. Dabei habe ich an zweierlei gedacht. Erstens gelingt es Ihnen vielleicht, eine Correktorenstellung an einer Leipziger Verlagsbuchhandlung oder eine Beschäftigung in einem Redaktionsbüreau ausfindig zu machen. Zweitens giebt es vielleicht litterarische Arbeiten, auch in unserer Wissenschaft, die diesem gut unterrichteten und vielseitig gebildeten Manne zuzuweisen wären: wobei freilich vorauszusetzen ist, daß sie pekuniär einträglich sein müssen.
Mit der herzlichen Bitte, daß Sie diese meine Anfrage nicht unbescheiden, und wenn auch das, doch erklärlich und berücksicht<ig>ungswerth finden, verbleibe ich
Ihr ergebenster
Friedrich Nietzsche
588. An Paul Deussen in Oberdreis
Mein lieber Freund,
ich, der ich mich seit einiger Zeit mit der mulomedicina und Veterinärkunde befasse, will Dir heute zwo junge mulos empfohlen haben, die nach den vada caerula Rheni wandern und von Dir zu erfahren wünschen, wie man am besten, zum Wohl des Herzens und des Beutels, wandert: die Herren Redtel und Fritsch, bekanntlich angenehme junge Männer, als welche Dir viel von Pforte und auch einiges von mir zu erzählen haben werden. —
Laß ihnen ja nicht entgelten, daß ich im Verlaufe des Briefes etwas räsonnieren werde und denke, daß was Du ihnen sagst und thust, Du mir sagst und thust. —
Aber, lieber Freund, wer wird solch Zeug schreiben! Und fortschicken! An einen Freund wie mich! Dazu nicht einmal in schönem Latein! Wozu also? Ich war wirklich verdrießlich, weil durch solche Briefe der gute Ton zwischen uns verletzt wird. Wer wird seine pudenda zeigen? Wer wird Stunden der Erschlaffung zum Briefschreiben an Freunde verwenden? An einen Freund, wie zB. ich bin! Dazu nicht einmal in schönem Latein! Wozu also? — Da capo und mit Indignation in infinitum! —
Dagegen traf mich Dein früherer Brief in einem fast beweglichen Momente. Als nach fünfwöchentlicher Abwesenheit von Naumburg ich wieder aus meinem Bade zurückkehrte, als Genesener in meiner Heimat einzog und meine schön bekränzte Stube unter unzweifelhafter Rührung meiner Angehörigen betrat, da lag Dein Brief auf dem Tische als besondere Festgabe, Aufschlüsse bringend über den dummen Alcidamas, Fragen vorlegend über Christenthum und Platonische Inconsequenz (dies meine Antwort, wie Du sie verlangst, in einem Worte) und im Übrigen geschrieben mit dem Accent treuer Freundschaft und dem spiritus asper, den wir nun einmal als in unserem Deussenkopfe hausend kennen gelernt haben.
Darf ich gleich hier mit der Wahrheit herausrücken? Dir fehlt gerade so ein Mann, wie Ritschl, der Dein ingenium dorthin weist, wo es sich fruchtbar erzeigen kann. Es thut mir leid, daß Du so selten die Freude hast, einen tüchtigen Fund zu thun. Ein klein wenig Bär? Ungeschickt? Giebt sich mit Plato ab — nun, Du wirst eine Wolke umarmen.
Glaube mir nur, daß die Fähigkeiten, die dazu gehören, um mit Ehren philologisch zu produzieren, unglaublich gering sind, und daß ein Jeder, an den richtigen Platz gestellt, seine Schraube machen lernt. Fleiß vor allem, Kenntnisse zu zweit, Methode zu dritt — dies ist das ABC jedes produzierenden Philologen: vorausgesetzt, daß ihn jemand dirigirt und ihm eine Stelle anweist. Denn das gerade können nur Wenige von selbst. Es giebt eben Arbeitsgeber und Fabrikarbeiter — in diesem Vergleich soll aber nichts Geringschätziges liegen. Denn auch unsre größten philolog. Talente sind nur relativ Arbeitsgeber: stellt man sich noch höher und nimmt einen kulturgeschichtlichen Ausblick, so sieht man, daß auch diese Ingenien schließlich nur Fabrikarbeiter sind, nämlich für irgend einen großen philosophischen Halbgott (deren größter in dem ganzen letzten Jahrtausend Schopenhauer ist)
Verzeih mir diese Parenthesis, für die Du gar keine Mitempfindung hast. Aber andre Leute, Wenkel, ich und mein Freund Rohde sind über jene Parenthesis übereingekommen und fühlen eine teuflische Freude, dies allen die es nicht hören mögen, ins Gesicht zu sagen.
Übrigens habe ich auch den wahren Heiligen der Philologie entdeckt, einen echten und wirklichen Philologen, schließlich Märtyrer (jeder dumme Litteratur<historiker> glaubt ein Recht zu haben, auf ihn zu pissen: dies das Martyrium) Weißt Du, wie er heißt? Wagner, Wagner, Wagner! Ach, ist das ein gefährliches Buch, der Göthische Faust!
Ich grüße Dich: gedenke meiner, schreibe mir, besuche mich, o Freund Deussen!
Dies die Casuslehre Deines treuen
F Nietzsche
589. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
glücklicherweise haben Sie mir doch schon einmal (vielleicht vor anderthalb Jahren) angedeutet, in welcher Form die Anfertigung des index vor sich gehen solle; denn ohne diese Andeutung wäre es ja meinerseits dreist und unbesonnen gewesen, an das Werk heranzugehn, das, wenn man erst über die Hälfte hinaus ist, im Ganzen und Großen beinahe unverbesserlich ist: stat mole sua. Ich habe also, Ihrer Angabe gemäß, folgende Rubriken gemacht
Aa
Griechische Autoren
}
Schriftsteller
Ab
Lateinische Autoren
register
B
Grammatisches
Fachregister
Metrisches
Historisches
Archaeologisches
Topographisches
Zur lat. Epigraphik
Zur griech. Epigraphik
Ca
griechisches Wortregister
Cb
lateinisches Wortregister
Da
Stellenregister für griechische Autoren
Db
Stellenregister für lateinische Autoren
In wie weit ich nun Ihren Absichten nachgekommen bin, bitte ich aus der mitgesandten Probe zu beurtheilen; es ist dies ein Auszug des 15ten Bd., nach den angegebnen Rubriken. Wenn sämmtliche Bände in dieser Art fertig sind, werden sie in abertausend Stückchen zerschnitten, nach den vorgeschriebnen Orientierungslettern sortirt und endlich in der gewonnenen Ordnung eingeklebt: eine Methode, die mir nach einigem Nachdenken als zeit- und mühesparend erschienen ist und die den Vortheil hat, daß sie das Umschreiben des ganzen index unnöthig macht, durch welches Umschreiben viele Fehler entstehen würden, mindestens entstehen könnten: dem vorzubeugen wäre.
In der bezeichneten Art sind fertig Band 1—13. 15—21. Noch nicht in meinen Besitz gelangt ist Heft 4 vom Jahrgang 1867 und alles, was dieses Jahr erschienen ist.
Wenn der index fertig aufgeklebt vor mir liegt, läßt sich noch vieles im Einzelnen nachbessern, besonders um eine größere Uniformität zu erzielen. (Z.B. ist es mir bei mehreren Autoren nicht möglich gewesen, aus zeitweiligem Mangel an Büchern, alle Citate nach einer Ausgabe zu regulieren.)
Soweit über den index. Im Oktober siedle ich wieder auf ein halbes Jahr nach Leipzig über; vielleicht kommt dann auch eine Gelegenheit zur Promotion, für die ich eine commentatio altera de Laertii Diogenis fontibus im Sinn habe. — Oder, wenn Sie wollen, de Aristotelis librorum indice Laertiano oder Analecta Democritea oder quaestiones Cynicae oder de fontibus Latinorum artis veterinariae scriptorum!! usw. mit Grazie in infinitum.
Was schließlich den Candidaten Volck betrifft (der übrigens älter als ich ist), so bin ich betrübt, ihm bis jetzt noch nichts Günstiges mittheilen zu können. Jedenfalls aber bin ich Ihnen für Ihre Bereitwilligkeit zu helfen und zu nützen von Herzen dankbar. Und Sie verzeihn mir, daß ich mich so ungestüm an Sie wandte? Ich war wirklich etwas desperat, so dringlich angegangen zu werden, ohne einen andern Weg zu wissen, auf dem dem armen Manne zu helfen sei.
Mit den ergebensten Empfehlungen an Ihre verehrte Familie
verbleibe ich
Ihr treuer Schüler
Friedr. Nietzsche.
590. An Paul Deussen in Oberdreis (Fragment)
Mein lieber Freund,
ich schreibe, um nicht den Schein einer dreifachen Undankbarkeit auf mich zu laden: und man muß bekanntlich auch den Schein meiden. Es wäre in der That unverzeihlich gewesen, wenn es dreier Briefe bedurft hätte, um mich an eine — sonst wohl treu geübte — Freundespflicht zu erinnern. So lasterhaft bin ich nun allerdings nicht. Denn Deinem zweiten Briefe zuvorzukommen wäre ziemlich schwierig gewesen, da er dem ersten so schnell auf dem Fuße folgte als ich nimmer mehr voraussetzen konnte. Meinen darauf geschriebenen Brief übergab ich zween jungen Menschen, denen er zugleich eine Art Empfehlungsbrief an Dich sein sollte; und ich will hoffen, daß sie sich ihres Auftrags — der ihnen recht dringlich gegeben wurde — gut entledigt haben. Als Du nun Deine dritte Epistel (als προτρεπτικόν) schicktest, ersah ich deutlich, daß meine zwei Apostel noch nicht bei Dir angelangt seien; aber ich setzte voraus, daß der schreckliche Argwohn Deines letzten Briefes durch ihre Ankunft recht bald zerstört werden würde.
Sollte nun gar auch das letzte Unglück eingetroffen sein, sollten jene zwei MVLI, wer weiß aus welchen Gründen, Absichten oder Verlegenheiten, überhaupt nicht das glückliche Oberdreis und seine Inwohner erreicht haben, sollte somit mein Brief, hoffentlich ungelesen, in ihren Reisetaschen schlummern — nun, so wird wenigstens mein heutiger Brief den Verdacht abwehren, als ob ich etwa inzwischen zu den Seligen versammelt sei und mich meinen freundschaftlichen Verpflichtungen durch eine urplötzliche Hadesfahrt entzogen habe. So weit sind wir noch nicht: meine Knochen stehen wieder fest begründet auf der Erde, und morgen werde ich vielleicht wieder mein Pferd besteigen und in der Umgebung Naumburgs mich tummeln.
Inzwischen bist Du unermüdlich thätig gewesen; ja in Deinen letzten Zeilen fährst Du Dir gleichsam mit theatralischem Pathos an die erhitzte Stirn und staunst Dich selbst ob Deiner Geburt und der überstandenen Wehen an. Lieber Freund, ich mache das gemüthlicher, und zugegeben, daß bis jetzt meinerseits nur „lächerliche Mäuse“ geboren sind und ein großer Lärm um selbige bekanntlich nicht anständig sein soll: so hoffe ich doch auch allmählich Größeres zu vollbringen, ohne cyklopische Verwunderung vor mir selber: zu der hercule auch kein Grund vorhanden ist. Überhaupt scheint es mir, als ob gerade philologische Werke am aller seltensten freudige Bewunderung, Anerkennung des Genialischen etc. verdienten; man rechne nur immer ab 1) was der Sammeleifer an solchen Büchern zu thun pflegt, 2) wie weit die betreffenden Fragen schon erwogen und behandelt waren, als der und der hinzukam, 3) was alles unser Staunen erregt, nur weil es uns fremd ist. Viele Bücher haben das Verdienst, welches man an Reisenden anerkennt, die zum ersten Male in eine unbekannte Region kommen und sie nun beschreiben: wobei sie doch noch Plattköpfe sein können. An andern Büchern bewundern wir die Fülle der Ideen etc: die aber nicht dem Autor sondern seinen Vorgängern angehören. An den meisten aber anerkennen wir nur den grausamen Fleiß und die unverächtliche Energie, die an unbedeutende Dinge verwandt ist: wobei wir die Empfindung haben, als ob wir etwas Asketisches, eine herbe Verleugnung vor uns sähen: während im Grunde nur ein ganz gemeiner Intellekt die Ursache dieser fleißigen Werke ist, ein Intellekt, der höhere werthvollere Ideenkreise nicht kennt, mindestens sie nicht fruchtbar behandeln kann und darüber zum Kleinkrämer wird. — Die besten philologischen Bücher gehören allen drei Klassen zugleich an.
591. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
jetzt wo ich über ein sehr wechselvolles Jahr zu recapitulieren habe, über ein Jahr voll gemüthlicher und ungemüthlicher Emotionen, voll asketischer und eudämonistischer Erfahrungen, ein Jahr begonnen im Pferdestall, fortgesetzt im Krankenbett, beendet in indicifikatorischer Sclavenarbeit: jetzt wo ich zusammenrechne, was dies Jahr an guten Momenten, an schönen Hoffnungen, an stillen Gedenkstunden gebracht hat, da käue ich auch mit innigstem Behagen die Empfindung jener erquicklichen Tage wieder, die uns im August zusammenführten, und wie eine beglückte Kuh wälze ich mich im Sonnenscheine dieser Erinnerungen.
Seit dem wir uns damals über Himmel und Erde ausgesprochen haben, ist mir kaum etwas Wichtiges passirt; ich schrieb auf der Veranda an meinem index: „dort saß ich unter falben Blättern ein frommer Mann.“ Der freundliche Spätsommer mit halbverkühltem Sonnenscheine und Müßiggang läuft nun ab, in Leipzig erwartet man mich, und ein Inserat im Tageblatte sucht ein „feines“ Garçonlogis für einen unverheiratheten Gelehrten. Unsre guten dortigen Bekannten haben alle schon Staffeln des Ruhms erklommen: ich armer homo litteratus muß auch nächstens dran denken, einen akademischen Grad zu erwerben, um nicht zum pecus der „Literaten“ gerechnet zu werden. Im Übrigen nehme ich mir vor, etwas mehr Gesellschaftsmensch zu werden: insbesondre habe ich eine Frau aufs Korn genommen, von der mir Wunderdinge erzählt sind, die Frau des Professor Brockhaus, Schwester Richard Wagners: über deren Capacitäten Freund Windisch (der mich besucht hat) eine erstaunliche Meinung hat. Mir gefällt dabei die Bestätigung der Schopenhauerschen Erblichkeitstheorie; auch die andre Schwester Wagners (in Dresden ehemals Schauspielerin) soll ein bedeutendes Weib sein. Ritschls gehen fast nur mit Familie Brockhaus um.
Kürzlich las ich auch (und zwar primum) die Jahnschen Aufsätze über Musik, auch die über Wagner. Es gehört etwas Enthusiasmus dazu, um einem solchen Menschen gerecht zu werden: während Jahn einen instinktiven Widerwillen hat und nur mit halbverklebten Ohren hört. Ich gebe ihm trotzdem vielfach Recht, insbesondre darin, daß er Wagner für den Repräsentanten eines modernen, alle Kunstinteressen in sich aufsaugenden und verdauenden Dilettantismus hält: aber gerade von diesem Standpunkte aus kann man nicht genug staunen, wie bedeutend jede einzelne Kunstanlage in diesem Menschen ist, welche unverwüstliche Energie hier mit vielseitigen künstlerischen Talenten gepaart ist: während die „Bildung“, je bunter und umfassender sie zu sein pflegt, gewöhnlich mit mattem Blicke, schwachen Beinen und entnervten Lenden auftritt.
Außerdem aber hat Wagner eine Gefühlssphaere, die O. Jahn ganz verborgen bleibt: Jahn bleibt eben ein Grenzbotenheld, ein Gesunder, dem Tannhäusersage und Lohengrinathmosphaere eine verschlossene Welt sind. Mir behagt an Wagner, was mir an Schopenhauer behagt, die ethische Luft, der faustische Duft, Kreuz, Tod und Gruft etc.
Der einzige Mensch, den ich hier in Naumburg mit immer neuem Genuß aufgesucht habe, ist Wenkel, unser unermüdlicher Forscher in Kant und Schopenhauer, der in dieser Ausschließlichkeit seines Studiums eine bedeutende Willenskraft zeigt. Die stete Beschäftigung mit philosophischen Gedanken macht ihn zu einem bösen Kritiker unsrer Philologie: ich habe ihm öfter etwas hingebracht, um eine Meinung von ihm zu hören z.B. Bernaysische und Ritschlsche Aufsätze. An Ritschl anerkannte er einen gewissen genialen Zug, lachte aber über das Pathos bei solchen Kleinigkeiten; Bernays behagte ihm gar nicht. Er denkt auch im Stillen an eine spätere akademische Thätigkeit und will auch nächstens den Doktorhut haben.
Denke Dir, daß ich durchaus noch nicht endgültig mit dem Militärdienst abgeschlossen habe, ja daß sich sichre Aussicht auf spätere artilleristische Thätigkeit eröffnet. Mein Hauptmann hat mir freundlicher Weise in meinem Zeugniß die Qualifikation zum Landwehrlieutnant ausgesprochen: falls ich einen Monat im Frühjahr Dienst thue um mir die nöthigen Kenntnisse zum Gespanntexercieren zu erwerben. Da ein Krieg über kurz oder lang doch eine Unvermeidlichkeit ist, und sich keine Aussicht bietet, ganz aus den militärischen Fesseln erlöst zu werden, so ist ein Avancement zum Landwehrlieutnant von äußerstem Werthe.
Schließlich, lieber Freund, habe ich noch einiges über Deine sehr gelungene Polluxarbeit zu sagen. Durchgelesen habe ich sie; der ganze Complex von Combinationen hat für mich etwas sehr Einleuchtendes, obwohl ich damit durchaus kein „Urtheil“ gesprochen haben will, zu dem ich ganz incompetent bin, auch aus Büchermangel nicht competenter werden kann. Das erste Capitel hat einen recht propädeutischen Werth, insofern es eine Anzahl von Einzelergebnissen zu einem Gesammtbilde vereinigt, dabei nirgends allzu spezielle Kenntnisse voraussetzt, sondern hübsch ex ovo erzählt. Die akademische Fragstellung ist übrigens ungeschickt. (Das erste stemma stimmt nicht völlig mit dem Texte z.B. benutzt nach ihm Eustathius des Diogenian Περιεργοπένητες, während im Text er den Hesych benutzt. Dann fehlt im stemma die Bezeichnung, daß Photius direkt die Περιεργοπένητες benutzt hat: dies steht für mich übrigens nicht fest. Dionys hat so wohl die Epitome Pamphilea als die Περιεργοπένητες verwertet.) Ist Dir die Auseinandersetzung von M. Schmidt über die Quellen des Suidas (Fleckeis. Jahrbüch. 1855) bekannt? — Westphal, Geschichte der alten Musik p. 167 nennt übrigens Tryphon als Hauptquelle für den musikalischen Abschnitt des vierten Polluxbuches. —
Die zwei ersten Capitel meiner Laertiana sind in dem letzten Hefte des rhein. Mus. gedruckt und werden Dir in einem Einzelabzug nächstens zugehn. Ach wie widerwärtig mich diese ganze Arbeit berührt! Nonum prematur in annum! Sonst ists nichts! Diese eben ausgeheckte Weisheit gleich drucken zu lassen ist allzu thöricht, und ich habe nichts als Ärger davon. So vielerlei ist geradezu falsch, nochmehr verwegne Stammelei, und das Ganze unmündig ausgedrückt. Zu meiner Entschuldigung dient nur, daß ich erst am 15 Okt. d. Jahres mündig werde: an welchem Tage ich auch den militärischen Rock ausziehe.
Was ich zunächst noch für Laertianische Eier ausbrüte, das hebe ich mir auf, bis ein anständiges Körbchen damit voll ist. Meine Dissertation will ich über Homer und Hesiod als coaetanei machen. Kürzlich habe ich Val. Roses Anacreonteen für <das> Centralblatt angezeigt — mit einigen Bemerkungen über Roses Unarten und Stachelschweinstil.
Doch was habe ich schon unnützer Weise geplaudert! Wer wird aber auch gleich nach Tische Briefe schreiben, Briefe an solche Freunde, Briefe, an denen man wenig Gedanken und viel Verdauung merkt. O Hund, du Hund, du bist nicht gesund, solche Briefe zu schreiben!
Mit diesem pensionsmädchenhaften Knix
verbleibe ich Dein Freund
Friedrich Nietzsche
preußischer Kanonier
Meine Angehörigen grüßen bestens.
592. An Diederich Volkmann in Pforta (Visitenkarte)
Lieber Herr Doctor, ich wäre so gern noch einmal nach Pforte gekommen, um Abschied zu nehmen, aber meine Entlassung aus den militärischen Fesseln hat sich so ungebührlich verzögert, daß es schließlich zu spät geworden ist, und ich mich begnügen muß Ihnen schriftlich Lebewohl zu sagen. Übermorgen (am 16ten) segle ich also wieder nach Leipzig ab: wo ich endlich einmal, ohne durch die Uniform beengt zu sein, frei aufathmen kann. Machen Sie mir das Vergnügen und besuchen Sie mich dort einmal, im Laufe des Winters: wir werden uns mancherlei zu erzählen haben.
Heute nehmen Sie noch meinen besten Dank für alle Freundlichkeiten, die Sie mir im Laufe eines Jahres, eines für mich bunten und Wechsel vollen Jahres, erwiesen haben: denken Sie immer freundschaftlichst an Ihren
Friedr. Nietzsche
Reservist.
593. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester,
bis jetzt ist alles, wie es scheint, gut abgelaufen; aber ich will mich hüten, zu frühzeitig darüber abzuurtheilen. Wirklich habe ich es so gemacht, wie Freund Windisch es mir vorschlug: ich habe mich gewissermaßen bei Prof. Biedermanns in Pension gegeben, weder zu einem billigen, noch zu einem übermäßigen Preise. Wenn diese Manier zu wohnen nur den einen Vortheil hat, mir Zeit zu sparen und mich an das Haus festzuhalten — so ist dies schon nicht wenig; immerhin aber ist mir ein derartiges Verhältniß zu fremd, um bestimmt behaupten zu können, daß es mir auf die Dauer gefallen werde. — Die Familie, in der ich Mittag und Abend esse, ist erträglich, die Küche, um nach den wenigen Proben zu urtheilen, die mir vorliegen, nicht schlecht, mein Zimmer groß, etwas öde, aber mit sehr hübscher Aussicht, die Gegend sehr ruhig, Schlafkammer hübsch geräumig und hell; dabei wohne ich an der Promenade, in einem Garten, im zweiten Stock. Das ist die Aufzählung der Vortheile und Vorzüge. Die monatliche Pension für Logis, Frühstück, Mittag, Abend, Bedienung, Beleuchtung beträgt 25 Thaler. Wie denkt Ihr über einen derartigen Preis? Meine Freunde finden ihn annehmbar — daran zweifle ich auch nicht; es fragt sich aber, ob er ausgebbar ist.
Meine Bücherkiste ist noch nicht angekommen: ein Beispiel der Bummelei, das mir sehr verdrießlich kommt. Was fällt denn diesen Naumburger Packknechten ein? — Um so billiger und schneller war der Transport meines Bettballens und der zwei Kisten, die ich als Passagiergut mitnahm: ich habe 8 Srgr zu zahlen gehabt.
Die zwei ersten Tage habe ich in Stadt Dresden gewohnt. Von Seiten Ritschls freundliche Aufnahme. Roscher, Windisch und Romundt sind die einzigen vorräthigen Bekannten. Das Wetter ist heute, am Tage meines Einzugs (18 Oktob.) recht sonnig und mild; für Heizung habe ich monatl. 2 Thal. zu zahlen. Mit dem heutigen Tage ist die Messe zu Ende gegangen; und damit sind wir von dem Fettgeruch und den vielen Juden glücklich erlöst. Bei Tisch übrigens ist auch ein Franzose, ein Monsieur Flaxland, zugegen, von dessen Sprache ich eigentlich nichts verstehe.
Nun, wünschen wir, daß diese Existenz sich erträglich macht; ich erwarte nicht viel und fordere noch weniger: also!
Meine Adresse wird sein Hr Dr Nietzsche, Leipzig Lessingstraße 22, 2 Trepp.
So lebt denn bestens wohl und denkt vergnügt Eures Sohnes und Bruders, weiland Kanoniers und Scheusals
F. N.
594. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Verehrtester Herr Professor,
wenn ich gleich, militärisch ausgedrückt, bereits „zur Disposition“ gestellt bin, so wird es mir doch hoffentlich hier und da erlaubt sein, im Dienste des Centralblattes eine gut gezogene Kanone zu lösen: besonders wenn es einen Salutschuß gilt, wie im vorliegenden Falle.
Mit herzlichem Gruße
Friedrich Nietzsche
595. An Paul Deussen in Oberdreis
Mein lieber Freund,
Deine Briefe kommen neuerdings immer bei besonders feierlichen Gelegenheiten an: so, als ich vor kurzem in meine neue Leipziger Wohnung einzog, lag Dein Brief auf dem Tisch, den Freund Roscher bereits richtig expedirt hatte. Bald darauf habe ich denn auch den ersten Theil meines Laertianum an Dich addressiert, damit ich nicht wieder dem Vorwurfe verfalle, undankbar gegen Freunde zu sein und durch anhaltendes Stillschweigen den Eindruck eines Todten zu machen. Nein, ich lebe und, was mehr sagen will, ich lebe gut und wünsche, daß Du Dich einmal persönlich davon überzeugst: besonders um die Einsicht zu gewinnen, daß φιλοσοφεῖν und Kranksein, doch nicht identische Begriffe sind; daß es aber allerdings eine gewisse „Gesundheit“ giebt, die ewige Feindin tieferer Philosophie, die bekanntlich neuerdings zum Spitznamen für bestimmte Sorten von Grenzbotenhelden und Historikern geworden ist.
Indem ich so an den Schluß Deines Briefes anknüpfe, erledige ich zugleich den dort mir zugemutheten Vorschlag. Lieber Freund, „gut schreiben“ (wenn anders ich dies Lob verdiene: nego ac pernego) berechtigt doch wahrhaftig nicht, eine Kritik des Schopenhauerschen Systems zu schreiben: im Übrigen kannst Du Dir von dem Respekt, den ich vor diesem „Genius ersten Ranges“ habe, gar keine Vorstellung machen, wenn Du mir (i. e. homini pusillullullo!) die Fähigkeiten zutraust, jenen besagten Riesen über den Haufen zu werfen: denn hoffentlich verstehst Du unter einer Kritik seines Systems nicht nur die Hervorhebung irgend welcher schadhaften Stellen, mißlungner Beweisführungen, taktischer Ungeschicktheiten: womit allerdings gewisse überverwegne Überwege und in der Philosophie nicht heimische Hayme alles gethan zu haben glauben. Man schreibt überhaupt nicht die Kritik einer Weltanschauung: sondern man begreift sie oder begreift sie eben nicht, ein dritter Standpunkt ist mir unergründlich. Jemand, der den Duft einer Rose nicht riecht, wird doch wahrhaftig nicht darüber kritisieren dürfen: und riecht er ihn: à la bonheur! Dann wird ihm die Lust vergehn, zu kritisieren.
— Wir verstehn uns einfach nicht: erlaube mir über die besagten Dinge zu schweigen: was ich mich erinnre, Dir schon einmal vorgeschlagen zu haben.
Mit Deiner Ablehnung einer Apologie bin ich auch nicht sehr zufrieden, insbesondre nicht, damit, daß ich Dir zugemuthet habe, die „Philologie“ zu vertheidigen. Daran liegt mir gar nichts: ich möchte aber wissen, was Du über den gegenwärtigen Stand der Philologie, über die herrschenden Methoden, über die Entwicklung der jetzigen Philologen, über ihre Stellung zu den Schulen usw. denkst und zwar im Gegensatz zu meinen etwas derb ausgesprochnen Ansichten. Denn deutlich (oder „martialisch“) zu reden hat in Briefen den besonderen Vortheil, seinen Halbpart aus schwebenden, vermittelnden Standpunkten zu drängen und ihm ein direktes Ja! und Nein! zu erpressen. Natürlich mit Gründen; aber Deine mythologische Auffassung der Philologie als Tochter (sage Tochter! heu heu!) der Philosophie, die als solche jeder Controle und Gerichtsbarkeit entzogen sei, enthält doch keinen auch nur leise angedeuteten Grund. Soll ich mythologisch reden, so betrachte ich Philologie als Mißgeburt der Göttin Philosophie, erzeugt mit einem Idioten oder Cretin. Schade, daß Plato nicht schon denselben μῦθος erdacht hat: dem würdest Du eher glauben — und mit Recht. — Allerdings frage ich jede einzelne Wissenschaft nach ihrem Freipaß; und wenn sie nicht nachweisen kann, daß irgend welche großen Kulturzwecke in ihrem Horizont liegen: so lasse ich sie zwar immer noch passieren, da die Käuze im Reich des Wissens eben so ihr Recht haben als im Reich des Lebens, lache aber, wenn besagte Kauzwissenschaften sich pathetisch gebärden und den Kothurn am Fuße führen. Insgleichen werden einige Wissenschaften einmal senil: und der Anblick ist betrübend, wenn diese, abgezehrten Leibes, mit vertrockneten Adern, welkem Munde das Blut junger und blühender Naturen aufsuchen und vampyrartig aussaugen: ja, es ist die Pflicht eines Pädagogen, die frischen Kräfte fern zu halten von den Umschlingungen jener greisen Scheusale: die vom Standpunkt des Historikers Ehrerbietung, von dem der Gegenwart Widerwillen, von dem der Zukunft Vernichtung zu erwarten haben.
Ἀλλὰ ταῦτα μὲν τροπικῶς. Ἡμεῖς δέ, lieber Freund, sind Jünger der Gegenwart: soyons de notre siècle! —
Schließlich einige persönliche Allotrien. Erstens bitte ich Dich, mir einige Worte über das Laertianum zu schreiben: weil ich wissen möchte, was derartige Arbeiten in Deinem ingenium für eine Werthstellung einnehmen. Zweitens bin ich Dir zu erzählen schuldig, wie wo und warum ich hier lebe. Vor allem nicht als Student: und es ist bereits über ein Jahr her, daß ich diesen unerträglichen Zustand abgelegt habe. Vielmehr bin ich hier der zukünftige Privatdocent Leipzigs und richte nach dieser Intention mein Leben ein. Die Familie, in der ich meine schöne Behausung aufgeschlagen habe, ist die des Prof. Biedermann, ehemal. Parlamentlers und jetzigen Redakteurs der Deutschen Allgemeinen: durch den es mir möglich ist, eine Anzahl interessanter Bekanntschaften zu machen (als da sind: geistreiche Frauen, hübsche Schauspielerinnen, bedeutende Litteraten und Politiker etc) Eine Anzahl größerer Aufsätze wartet der glücklichen Stunde, über die ich Dir später einmal schreibe. Ritschl, mein verehrter Lehrer und seine mir sehr nahe stehende Gattin erweisen mir manches Angenehme: dazu blühe ich im Kreise strebender Freunde und Genossen und bedaure nur, nicht zur Hand zu haben den vortrefflichen Paul Deußen
Adr.: Herrn F. Nietzsche
Leipzig
Lessingstr. 22, 2 Treppen.
596. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
daß ich lebe, wird Dir wohl das kürzlich zugesandte Laertianum angedeutet haben; daß ich gut lebe, wird Deine Combinationsgabe wahrscheinlich aus der Ort und Wohnungsanzeige am untern Ende des Widmungsblattes eruirt haben.
Ich bin nach Leipzig übergesiedelt, mit total veränderten Ansprüchen, und gänzlicher Ausziehung der Studentenhose und auch des damit verbundenen Lebens. Ein freundlicher Dämon, unter Vermittlung des vortrefflichen Windisch hat mich eine Behausung finden lassen, die bis jetzt jenen Ansprüchen genügt und das Zurückfallen in die studentische inquies, sammt Restaurations- und Theaterfieber, unmöglich macht.
Meine Wohnung liegt am Eingang der Lessingstraße, in einem Garten, hat eine wirklich anmuthige und mannichfaltige Aussicht und erlaubt es mir, mit Vergnügen in meinen vier Pfählen zu sitzen, Abende zu durchschwitzen und mich an Philologie zu erhitzen: das ist etwas für Fritzen, der früher die Neigung hatte, alle Abende ins Theater zu flitzen. Nun bin ich freilich genöthigt, mich etwas näher mit der Familie des Prof. Biedermann einzulassen, z. B. Mittag und Abend mit ihnen zu essen, überhaupt mich zu geberden, wie ein Jungferchen, das in die Pension kommt. Das kann, was die Götter nicht wollen, mir aber die Frau Ritschl, meine erfahrene Freundin, prophezeit hat, entsetzlich langweilig werden, ist es aber noch nicht: und schließlich kann ein Biedermann, wie ich, der schon Pferde gestriegelt hat, im schlimmsten Falle Askese üben. Lieber Gott, was erträgt nicht ein Philolog, dessen Existenz auf geistigem und körperlichem Hungerleiden beruht!
Übrigens ist der alte Biedermann der Mann seines Namens, ein guter Hausvater, Ehegatte, kurz alles, was man in einem Nekrolog zu rühmen pflegt: seine Gattin ist die Biederfrau: wo mit wiederum alles gesagt ist. Und so fort, bis zu Biederfräulein I und II. Nun hat die Familie viel erlebt und steckt immer noch mitten drin, im Getreibe politischer Interessen: zu meinem Tröste aber wird von Politik fast nicht gesprochen, da ich kein ζῶον πολιτικόν bin, und gegen derartige Dinge eine Stachelschweinnatur habe. Im Übrigen ist Biedermann der natürliche Bruder von Beust: dessen Charakter mir jetzt recht klar geworden ist, durch Anwendung der Schopenhauerischen Erblichkeitstheorie. Die Frau ist die Schwester vom Bürgermeister Koch. Unser Tisch- und Hausgenosse ist sodann noch ein Franzose Mr. Flaxland (größte Musikverlagshdl. in Paris), ein possirliches Kerlchen, der für Gelächter wie ein Bajazzo sorgt, und von dem ich etwas Französisch lerne resp. lernen werde. Gelegentlich gehe ich jetzt als Vertreter der Deutschen Allgemeinen in Conzerte und Vorlesungen; ja sogar die Kritik der Oper ist mir offerirt — nego ac pernego.
Natürlich muß ich auch mit den etwaigen Gästen des Hauses fürlieb nehmen; und mitunter braucht man nicht einmal fürlieb zu nehmen: z. B. wenn unsere Freundin und häufige Gästin Γλαυκίδιον bei uns ist, als welche neulich nach Hause zu begleiten, eine angenehme Pflicht war. Hoffentlich ist Dir noch in Erinnerung, wen wir also getauft haben: wenn nicht, so schreibe es und ich werde auf photographischem Wege Dein Gedächtniß auffrischen.
In den nächsten Tagen wird Laube bei uns eintreffen, als definitiver Übernehmer des thèâtres: und ich werde mich freuen, ihn kennen zu lernen. Heute Abend war ich in der Euterpe, die ihre Winterconzerte begann und mich sowohl mit der Einleitung zu Tristan und Isolde, als auch mit der Ouvertüre zu den Meistersingern erquickte. Ich bringe es nicht übers Herz, mich dieser Musik gegenüber kritisch kühl zu verhalten; jede Faser, jeder Nerv zuckt an mir, und ich habe lange nicht ein solches andauerndes Gefühl der Entrücktheit gehabt als bei letztgenannter Ouvertüre. Sonst ist mein Abonnementsplatz umlagert von kritischen Geistern: unmittelbar vor mir sitzt Bernsdorf, jenes signalisirte Scheusal, links neben mir Dr. Paul, jetzt Tageblattheld, 2 Plätze rechts mein Freund Stade, der für die Brendelsche Musikzeitung kritische Gefühle produzirt: es ist eine scharfe Ecke: und wenn wir Vier einmüthig mit dem Kopfe schütteln, so bedeutet es ein Unglück.
Lieber Freund, Vater Ritschl fragt, ob Du nicht einen kleinen Nachtrag über die Knauthsche Dissertation einschicken willst: selbige wird Dir durch Ribbeck zugekommen sein. Deine Arbeit (deren Vorzüge vor der Kn. Abhandlung sogar den Maulwürfen einleuchten müssen) kommt bald zum Abdruck.
Und so nimm einen freundlichen Leipziger gemüthlichen biedermännischen Händedruck von
Deinem treuen Freunde
F.N.
Privatgel. zu Leipzig Lessingstr. 22, 2 Tr.
597. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester,
zunächst einige praktische Dinge. Mit der übersandten Wäsche hin ich wohl einverstanden, doch erscheint es mir, als ob die Hemden noch recht grau aussehn: im Übrigen passen sie gut, und es schadet nichts, wenn Du noch einige hinzukaufst. Meine Wäsche lasse ich in einer Dampfwäscherei in meiner Nähe waschen: und dies nach dem Rathe der Prof Biedermann, die übrigens eine Biederfrau ist. — Ist die Majorennitätsangelegenheit immer noch nicht geordnet? Die Herren am Gericht bummeln gewaltig. Freund Wilhelm gratulirt übrigens bestens in meinem Namen und erinnert ihn an sein Versprechen. —
Ich selbst glaube bis jetzt zufrieden sein zu können. Wirklich bringt es die größere Häuslichkeit meiner Wohnung und meiner Tageseinrichtungen mit sich, daß ich viel zu Hause bin: was ja allein schon ein großer Vortheil ist. Mein Zimmer ist, besonders seitdem die Bücher aufgestellt sind, recht behaglich, obwohl es ziemlich groß ist und keinen Überfluß an Möbeln enthält. Auch mit dem Mittags- und Abendtisch bin ich zufrieden; ich merke doch, daß ich gar nicht so schrecklich verwöhnt bin. Die Familie hat mancherlei erlebt und in Folge mancherlei zu erzählen: sie besteht, außer den beiden Alten, aus einem Sohne, der Chemiker ist und in Möckern auf der Versuchsstation arbeitet, der also nur Sonnabend und Sonntag im elterlichen Hause zubringt; dann aus einem zweiten Sohn, der die Schule besucht, endlich aus zwei Töchtern, die eine etwa 15, die andre etwa 19 (über welchen Zeitpunkt man sich leicht täuschen kann, wie unser häusliches Exempel zeigt) Unser Tischgenosse ist dann ein kleiner Pariser, der deutsch lernt und sehr drôle ist: sein Französisch zu verstehn ist mir auch jetzt noch eine Unmöglichkeit, da er eine ganz unglaubliche Schnelligkeit der Zunge hat.
Schließlich hat der Umgang mit dieser Familie den Vortheil, interessante Leute kennen zu lernen; so erwarten wir in diesen Tagen unsern definitiven Theaterdirektor Heinrich Laube aus Wien, der zu den intimeren Freunden des Biedermannschen Hauses gehört.
Die Frau Biedermann ist übrigens die Schwester des sehr angesehenen Leipziger Oberbürgermeisters Koch, und er, der Professor und Redakteur, ist, im Vertrauen gesagt, der natürliche Bruder des Minister Beust: seine Persönlichkeit und sein Charakter genießt in Leipzig die allseitigste Achtung, besonders auch deswegen, weil jene verwandtschaftlichen Bezüge ihn nie vermocht haben, dem Ministerium Beust eine Concession zum Schaden seiner politischen Überzeugung zu machen. — Übrigens hat er eine große politische Vergangenheit hinter sich: als deutscher Reichspräsident etc.
Doch ich will jetzt den Kasten fertig machen: sonst überrumpelt mich noch die Botenfrau.
Somit lebt bestens wohl und
denkt gern an
Euren
F. N.
Der Buchbinder Jacobi hat noch, so viel ich weiß, zwei Bände des rhein.Mus.: schickt sie mir gelegentlich.
Adr. Leipzig, Lessingstr. 22, 2 Tr.
597a. An W.G. Pluygers, Bibliothekar, Universtitätsbibliothek Leiden
Hochverehrter Herr,
zunächst bin ich beauftragt, Ihnen die Grüße meines ausgezeichneten Lehrers und Freundes Ritschl in Leipzig zu überbringen: der Sie zugleich angelegentlich ersucht, meinem Anliegen, das ich Ihnen vorzutragen mir erlauben werde, ein geneigtes Ohr zu schenken.
In Ihrer Bibliothek findet sich auch (nach dem Catal. bibl. publ. Lugd. codd. Voss an. p. 396, 18) eine Abschrift des Kleinen Tractats, der unter dem Titel ,certamen Hesiodi et Homeri‘ bekannt ist. Ich habe Grund zu vermuthen, daß diese Abschrift dieselbe ist, welche Henricus Stephanus, der erste Herausgeber des ,certamen' aus dem einzigen codex, der das ,certamen‘ enthält (cod. Laurent, plut. 56 cod. i.) im Jahre 1553 zu Florenz gemacht hat. Dies sagt sogar ausdrücklich Valentin Rose in der neuen Ausgabe der Anacreontea p. IV und XIII.
Da ich nun damit beschäftigt bin, das ,certamen’ neu herauszugeben, mit Hülfe einer Collation des bezeichneten Laurentianus, so wäre mir von hohem Werte, jenen Codex Vossianus selbst einsehen zu können. Für meine Zuverlässigkeit und Sorgsamkeit leistet Ritschl jede Art von Bürgschaft: so daß Sie wohl es wagen dürfen, jene Handschrift auf ganz kurze Zeit meinen Händen anzuvertrauen.
Zugleich erlaube ich mir, Ihnen den ersten Theil meiner Abhandlung über die Quellen des Laertius Diogenes zu übersenden: mit dem Wunsche, Ihnen damit einen Ausdruck meiner besonderen Hochachtung gegeben zu haben.
Dr. Nietzsche
Leipzig, Lessingstraße 22, 2 Treppen.
598. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Hochverehrter Herr Professor,
ist es eigentlich erlaubt, Ihnen eine Recension für das Centralblatt zuzusenden, zu deren Abfassung ich keinen offiziellen Auftrag von Ihnen bekommen habe?
In diesem Falle bitte ich um gelegentlichen Abdruck mitfolgender Recension, in der ich es mit einem Namensvetter zu thun habe. Im andern Falle bittet, unter dem Schutze der ignorantia legis, um Entschuldigung
Ihr ergebenster
Mitarbeiter
Friedrich Nietzsche
Lessingstr. 22, 2 Tr.
599. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
heute habe ich die Absicht, Dir eine Reihe von heiteren Dingen zu erzählen, lustig in die Zukunft zu blicken und mich so idyllisch-behaglich zu geberden, daß Dein böser Geist, jenes katzenartige Fieber, einen krummen Buckel macht und sich ärgerlich von dannen trollt. Und damit jeder Mißton vermieden werde, will ich die bekannte res severa, die Deinen zweiten Brief veranlaßte, auf einem besonderen Blatt besprechen, das Du dann in besonderer Stimmung und auf besonderem Orte lesen magst. Die Akte meiner Komödie heißen: 1. Ein Vereinsabend oder der Unterprofessor, 2. der herausgeworfene Schneider. 3. ein Rendezvous mit +. Einige alte Weiber spielen mit.
Am Donnerstag Abend verführte mich Romundt zum Theater, für das meine Gefühle sehr erkalten: wir wollten ein Stück von unserm Zukunftsdirektor Heinrich Laube sehn und saßen wie thronende Götter im Olymp zu Gericht über ein Machwerk, genannt Graf Essex. Natürlich schimpfte ich auf meinen Verführer, der sich auf die Empfindungen seiner zehnjährigen Kindheit berief und war glücklich einen Raum verlassen zu können, in dem sich nicht einmal ΓΛΑΥΚΙΔΙΟΝ vorfand: wie sich bei mikroscopischer Durchsuchung aller Winkel des Theaters erwies.
Zu Hause fand ich zwei Briefe, den Deinigen und eine Einladung von Curtius, den jetzt näher zu kennen mir Vergnügen macht. Wenn sich zwei Freunde unserer Art Briefe schreiben, da freuen sich bekanntlich die Engelchen; und so freuten sie sich auch, als ich Deinen Brief las, ja sie kicherten sogar.
Am andern Morgen zog ich festlich aus, um mich bei der Curtia für die Einladung zu bedanken, da ich sie leider nicht annehmen konnte. Ich weiß nicht, ob Du diese Dame kennst; mir hat sie sehr gefallen, und es entstand zwischen dem Ehepaar und mir eine unverwüstliche Heiterkeit. In dieser Stimmung gieng ich zu meinem Redakteur en chef Zarncke, fand herzliche Aufnahme, ordnete mit ihm unsre Verhältnisse — meine Recensionsprovinz ist jetzt unter anderem fast die gesammte griechische Philosophie, mit Ausnahme von Aristoteles, den Torstrik inne hat und eines anderen Theiles, in dem mein ehemaliger Lehrer Heinze (Hofrath und Prinzenerzieher in Oldenburg) thätig ist. Hast Du beiläufig meine Anzeige von Rose’s Symposiaca Anacreontea gelesen? Nächstens kommt auch mein Namensvetter dran, der an der Eudocia zum Ritter geworden ist — langweilige Dame, langweiliger Ritter!
Zu Hause angelangt fand ich Deinen zweiten Brief, entrüstete mich und beschloß ein Attentat.
Am Abend war der erste Vortrag unseres philologischen Vereines für dies Semester angesetzt: und man hatte mich sehr höflich ersucht, diesen zu übernehmen. Ich, der ich Gelegenheiten brauche, mich auf akademische Waffen einzupauken, war auch gleich bereit und hatte das Vergnügen, bei meinem Eintritt bei Zaspel eine schwarze Masse von 40 Zuhörern vorzufinden. Romundt war von mir beauftragt, recht persönlich aufzupassen, damit er mir sagen könne, wie die theatralische Seite, also Vortrag, Stimme, Stil, Disposition beschaffen sei und gewirkt habe. Ich habe ganz frei gesprochen, bloß mit Zuhülfenahme eines Deminutivzettels, und zwar über die Varronischen Satiren und den Cyniker Menippus: und siehe, es war alles καλὰ λίαν. Es wird schon gehn mit dieser akademischen Laufbahn!
Hier nun ist zu erwähnen, daß ich beabsichtige bis Ostern mich hier aller Habilitationsscherereien zu entledigen und zugleich bei dieser Gelegenheit zu promovieren. Dies ist erlaubt: einen speziellen Dispens brauche ich nur, in sofern ich noch nicht das übliche quinquennium hinter mir habe. Nun ist sich habilitieren und lesen zweierlei: aber recht passend scheint es mir, nachdem ich mir die Hände frei gemacht habe, dann hinaus zu reisen in die Welt, zum letzten Male in nichtamtlicher Stellung! Ach lieber Freund, es wird die Empfindung eines Bräutigams sein, Freude und Ärger gemischt, Humor, γένος σπουδογέλοιον, Menippus!
Im Bewußtsein eines guten Tagewerkes gieng ich zu Bett und überlegte mir die bewußte bei Ritschl aufzuführende Scene: als welche auch am andern Mittag aufgeführt wurde.
Als ich nach Hause kam, fand ich einen Zettel, an mich addressirt, mit der kurzen Notiz: Willst Du Richard Wagner kennen lernen, so komme um ¾4 in das Café théâtre. Windisch.
Diese Neuigkeit verwirrte mir etwas den Kopf, verzeih mir!, so daß ich die eben gehabte Scene ganz vergaß und in einen ziemlichen Wirbel gerieth.
Ich lief natürlich hin, fand unsern Biederfreund, der mir neue Aufschlüsse gab. Wagner war im strengsten incognito in Leipzig bei seinen Verwandten: die Presse hatte keinen Wind, und alle Dienstboten Brockhausens waren stumm gemacht wie Gräber in Livree. Nun hatte die Schwester Wagners, die Prof. Brockhaus, jene bewußte gescheute Frau, auch ihre gute Freundin, die Ritschelin, ihrem Bruder vorgeführt: wobei sie den Stolz hatte, vor dem Bruder mit der Freundin und vor der Freundin mit dem Bruder zu renommiren, das glückliche Wesen! Wagner spielt in Gegenwart der Frau Ritschl das Meisterlied, das ja auch Dir bekannt ist: und die gute Frau sagt ihm, daß ihr dies Lied schon wohl bekannt sei, mea opera. Freude und Verwunderung Wagners: giebt allerhöchsten Willen kund, mich incognito kennen zu lernen. Ich sollte für Freitag Abend eingeladen werden: Windisch aber setzt auseinander, daß ich verhindert sei durch Amt, Pflicht, Versprechen: also schlägt man Sonnabend Nachmittag vor. Windisch und ich liefen also hin, fanden die Familie des Professors, aber Richard nicht, der mit einem ungeheuren Hute auf dem großen Schädel ausgegangen war. Hier lernte ich also besagte vortreffliche Familie kennen und bekam eine liebenswürdige Einladung für Sonntag Abend.
Meine Stimmung war wirklich an diesen Tagen etwas romanhaft; gieb mir zu, daß Einleitung dieser Bekanntschaft, bei der großen Unnahbarkeit des Sonderlings, etwas an das Mährchen streifte.
In der Meinung, daß eine große Gesellschaft geladen sei, beschloß ich große Toilette zu machen und war froh, daß gerade für den Sonntag mein Schneider mir einen fertigen Ballanzug versprochen hatte. Es war ein schrecklicher Regen- und Schneetag, man schauderte, ins Freie zu gehn, und so war ich denn zufrieden, daß mich Nachmittags Roscherchen besuchte, mir etwas von den Eleaten erzählte und von dem Gott in der Philosophie — denn er behandelt als candidandus den von Ahrens gegebnen Stoff „Entwicklung des Gottbegriffs bis Aristoteles“, während Romundt die Preisaufgabe der Universität „über den Willen“ zu lösen trachtet. — Es dämmerte, der Schneider kam nicht und Roscher gieng. Ich begleitete ihn, suchte den Schneider persönlich auf und fand seine Sclaven heftig mit meinem Anzüge beschäftigt: man versprach, in ¾ Stunden ihn zu schicken. Ich gieng vergnügter Dinge weg, streifte Kintschy, las den Kladderadatsch und fand mit Behagen die Zeitungsnotiz, daß Wagner in der Schweiz sei, daß man aber in München ein schönes Haus für ihn baue: während ich wußte, daß ich ihn heute Abend sehen würde und daß gestern ein Brief vom kleinen König an ihn angekommen sei, mit der Adr.: „an den großen deutschen Tondichter Richard Wagner.“
Zu Hause fand ich zwar keinen Schneider, las in aller Gemächlichkeit noch die Dissertation über die Eudocia und wurde nur von Zeit zu Zeit durch gellendes, aber aus der Ferne kommendes Läuten beunruhigt. Endlich wurde mir zur Gewißheit, daß an dem altväterlichen eisernen Gitterthor jemand warte: es war verschlossen, eben so wie die Haustür. Ich schrie über den Garten weg dem Manne zu, er solle in das Naundörfchen kommen: unmöglich, sich bei dem Geplätscher des Regens verständlich zu machen. Das Haus gerieth in Aufregung, endlich wurde aufgeschlossen, und ein altes Männchen mit einem Paket kam zu mir. Es war halb 7 Uhr; es war Zeit meine Sachen anzuziehn und Toilette zu machen, da ich sehr weit ab wohne. Richtig, der Mann hat meine Sachen, ich probiere sie an, sie passen. Verdächtige Wendung! Er präsentirt die Rechnung. Ich acceptire höflich: er will bezahlt sein, gleich bei Empfang der Sachen. Ich bin erstaunt, setze ihm auseinander, daß ich gar nichts mit ihm als einem Arbeiter für meinen Schneider zu thun habe, sondern nur mit dem Schneider selbst, dem ich den Auftrag gegeben habe. Der Mann wird dringender, die Zeit wird dringender; ich ergreife die Sachen und beginne sie anzuziehn, der Mann ergreift die Sachen und hindert mich sie anzuziehn: Gewalt meiner Seite, Gewalt seiner Seite! Scene. Ich kämpfe im Hemde: denn ich will die neuen Hosen anziehn.
Endlich Aufwand von Würde, feierliche Drohung, Verwünschung meines Schneiders und seines Helfershelfers, Racheschwur: während dem entfernt sich das Männchen mit meinen Sachen. Ende des 2ten Aktes: ich brüte im Hemde auf dem Sofa und betrachte einen schwarzen Rock, ob er für Richard gut genug ist.
— Draußen gießt der Regen. —
Ein viertel auf Acht: um halb acht, habe ich mit Windisch verabredet, wollen wir uns im Theatercafé treffen. Ich stürme in die finstre regnerische Nacht hinaus, auch ein schwarzes Männchen, ohne Frack, doch in gesteigerter Romanstimmung: das Glück ist günstig, selbst die Schneiderscene hat etwas Ungeheuerlich-Unalltägliches.
Wir kommen in dem sehr behaglichen Salon Brockhaus an: es ist niemand weiter vorhanden als die engste Familie, Richard und wir beide. Ich werde Richard vorgestellt und rede zu ihm einige Worte der Verehrung: er erkundigt sich sehr genau, wie ich mit seiner Musik vertraut geworden sei, schimpft entsetzlich auf alle Aufführungen seiner Opern, mit Ausnahme der berühmten Münchener und macht sich über die Kapellmeister lustig, welche ihrem Orchester im gemüthlichen Tone zurufen: „meine Herren, jetzt wird’s leidenschaftlich“, „Meine Gutsten, noch ein bischen leidenschaftlicher!“ W. imitirt sehr gern den Leipziger Dialekt. —
Nun will ich Dir in Kürze erzählen, was uns dieser Abend bot, wahrlich Genüße so eigenthümlich pikanter Art, daß ich auch heute noch nicht im alten Gleise bin, sondern eben nichts besseres thun kann, als mit Dir, mein theurer Freund, zu reden und „wundersame Mär“ zu künden. Vor und nach Tisch spielte Wagner und zwar alle wichtigen Stellen der Meistersinger, indem er alle Stimmen imitirte und dabei sehr ausgelassen war. Es ist nämlich ein fabelhaft lebhafter und feuriger Mann, der sehr schnell spricht, sehr witzig ist und eine Gesellschaft dieser privatesten Art ganz heiter macht. Inzwischen hatte ich ein längeres Gespräch mit ihm über Schopenhauer: ach, und Du begreifst es, welcher Genuß es für mich war, ihn mit ganz unbeschreiblicher Wärme von ihm reden zu hören, was er ihm verdanke, wie er der einzige Philosoph sei, der das Wesen der Musik erkannt habe: dann erkundigte er sich, wie sich jetzt die Professoren zu ihm verhalten, lachte sehr über den Philosophencongreß in Prag und sprach „von den philosophischen Dienstmännern.“ Nachher las er ein Stück aus seiner Biographie vor, die er jetzt schreibt, eine überaus ergötzliche Scene aus seinem Leipziger Studienleben, an die ich jetzt noch nicht ohne Gelächter denken kann; er schreibt übrigens außerordentlich gewandt und geistreich. — Am Schluß, als wir beide uns zum Fortgehen anschidtten, drückte er mir sehr warm die Hand und lud mich sehr freundlich ein, ihn zu besuchen, um Musik und Philosophie zu treiben, auch übertrug er mir, seine Schwester und seine Anverwandten mit seiner Musik bekannt zu machen: was ich denn feierlich übernommen habe. — Mehr sollst Du hören, wenn ich diesem Abende etwas objektiver und ferner gegenüberstehe. Heute ein herzliches Lebewohl und beste Wünsche für Deine Gesundheit.
FN.
Res severa! Res severa! Res severa!
Mein lieber Freund, ich bitte Dich, direkt an Dr. Klette nach Bonn zu schreiben und (ohne weitere Formen und Gründe) das Manuscript zurückzufordern. Wenigstens würde ich so handeln.
Die Ritschl’sche Taktlosigkeit ist zu stark: und in der stattgehabten Unterredung trat sie deutlich hervor: so daß ich etwas kühl mit ihm gesprochen habe, was ihn stark choquirte.
Das ist allerdings Wahrheit, daß das rhein. Mus. jetzt überhäuft ist: und das wird Dir das letzte Heft dieses Jahres bezeugen, das mit 4 Bogen über die gewöhnliche Seitenzahl hinausschießt.
Daß ich persönlich noch besonders über die Geschichte ärgerlich bin, liegt nahe. War ich es doch, der in bester Absicht und freundschaftlichster Meinung Dir den Vorschlag machte, Dein Mscpt dem rhein. Mus. anzuvertrauen: dem ich damit etwas recht Angenehmes zu erweisen glaubte. Besonders wurmt es mich, wenn ich daran denke, zu welchem Zweck die schöne Abhdl. zunächst bestimmt war.
Willst Du Dich rächen, so schicke die Schrift an den Hermes; doch bin ich selbst kein Freund einer derartigen Rache. Vom Philologus darf unter diesen Verhältnissen keine Rede sein: und mit Fleckeisens Jbh. steht es ähnlich wie mit dem rhein. Mus.
Also lieber Freund, muß ein Verleger gesucht werden (und wenn ich Dir rathen darf, gieb zugleich mit den ὄνος heraus, nach dem von Dir erkannten Handschriftenverhältniß) Natürlich wirst Du einen Verleger am liebsten in Deinem Hamburg suchen: sonst vertraue, daß ich mich mit Eifer nach einem noblen Buchhändler umsehen werde, falls Du mich dazu beauftragst.
Jedenfalls muß die Sache schnell gehn, ja in Monatsfrist muß das 3—4 Bogen starke Schriftchen gedruckt sein. —
Liegt Dir nichts an dieser Eile, so läßt sich vielleicht unter uns beiden ein kleiner Plan arrangieren: wir machen ein Buch mitsammen, genannt „Beiträge zur griechischen Literaturgeschichte“ in dem wir einige größere Aufsätze vereinigen (von mir zB. über Demokrits Schriftstellerei, über den homerisch-hesiodischen ἀγὼν, über den Cyniker Menipp) und auch eine Anzahl Miscellen beigeben.
Was denkst Du dazu?
In treuester Freundschaft und
Theilnahme in rebus secundis
et adversis
der Leipziger Eidylliker.
600. An Gustav Krug in Naumburg
Lieber Gustav,
es war schade, daß wir uns neulich nur im Vorüberfliegen und dazu in der feierlichen Athmosphaere eines Kreisgerichtes sehen und sprechen konnten: ein andrer Ort und eine minder amtliche Stimmung würden mir erlaubt haben, Dir von den schönsten Dingen zu erzählen: als zu welchen doch jener Knabe Richard sammt seinen Meistersingern zu rechnen ist.
Heute nun, bei solenner Gelegenheit, erneuere ich, unter verschiedenen anderen Bitten, auch die, Dich bald einmal hier sehen zu dürfen. Und wenn ich auch augenblicklich von keinem bevorstehenden musikalischen Ereigniß in der Leipziger Welt zu melden habe, so kommen doch solche Ereignisse mit der Sicherheit des Schnees in der Wintersaison. Und Nachricht sollst Du zur rechten Zeit haben.
In der Behaglichkeit meines jetzigen Lebens, das nichts von der Würde eines Staatsbeamten, noch von der unruhigen Unhäuslichkeit des Studenten an sich hat, empfinde ich den vollen Gegensatz des verflossenen Jahres. Wie anders war dirs, sage ich mir, als du noch voll Schauder in den Pferdestall tratst, aus dem dreckigen Lederranzen die Striegel nahmst, halb Schopenhauer, halb den Unteroffizier im Herzen?
Scheusliche Erinnerung! Nachbarin euer Fläschchen!
Wenn Du dagegen wissen willst, wie ich hier lebe, im Umgange mit (alten) Frauen, in der sicheren Empfindung eines zukünftigen Leipziger Dozenten, unter einer Anzahl von Gesinnungsgenossen und Schopenhauerfreunden, wenn Du genauere Wundermär meiner Wagner-bekanntschaft, über Meistersinger- und Tristaneinleitung usw. zu hören Lust hast — so komm zu Deinem alten Freunde, der Lessingstr. 22, 2 Tr. wohnt, Dir seine besten Geburtstagswünsche schickt und unsern glorreichen Freund Wilhelm zu grüßen bittet (ihn, der die betrübende, heilsam’ und übende Prüfung bestanden!)
F. N.
601. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
jetzt wo ich wieder das wimmelnde Philologengezücht unserer Tage aus der Nähe sehe, wo ich das ganze Maulwurfstreiben, die vollen Backentaschen und die blinden Augen, die Freude ob des erbeuteten Wurms und die Gleichgültigkeit gegen die wahren, ja aufdringlichen Probleme des Lebens täglich beobachten muß und nicht nur an der jungen Brut, sondern an den ausgewachsenen Alten: da kommt es mir immer begreiflicher vor, daß wir beide, falls wir nur sonst unserm Genius treu bleiben, nicht ohne mannichfache Anstöße und Quertreibereien unsern Lebensweg gehen werden. Wenn sich Philologe und Mensch nicht völlig decken, so staunt das erwähnte Gezücht erst das Mirakel an, dann ärgert es sich und endlich kratzt, bellt und beißt es: als wovon Du eben ein Beispiel erlebt hast. Denn das ist mir ganz ersichtlich, daß der Dir gespielte Streich durchaus nicht gegen Deine spezielle Leistung gerichtet ist, sondern gegen das Persönliche; und ich lebe der sicheren Hoffnung, bald auch einmal so einen Vorgeschmack von dem zu bekommen, was meiner noch in dieser höllischen Athmosphaere wartet. Aber, lieber Freund, was hat das mit Deinen und meinen Leistungen zu thun, was Andere über unsre Persönlichkeiten urtheilen? Denken wir an Schopenhauer und Richard Wagner, an die unverwüstliche Energie, mit der sie den Glauben an sich unter dem Halloh der ganzen „gebildeten“ Welt aufrecht erhielten; und wenn es nicht erlaubt ist, sich auf deos maximos zu berufen, so bleibt uns immer noch der Trost, daß den Käuzen das Recht zu existieren nicht versagt werden darf (auch dem Käuzchen nicht: cf. beifolg. Photogr.), und daß zwei sich verstehende und herzenseinige Käuze ein fröhliches Schauspiel für die Himmlischen sind.
Schließlich ist nichts bedauerlicher, als daß gerade jetzt, wo wir anfangen, unsre Lebensanschauung praktisch zu bewähren und der Reihe nach alle Dinge und Verhältnisse, Menschen, Staaten, Studien, Weltgeschichten, Kirchen, Schulen usw. mit unsern Fühlhörnern betasten — daß gerade jetzt so viele Meilen zwischen uns liegen, und daß jeder von uns die halb vergnügliche halb schmerzliche Empfindung, seine Weltanschauung zu verdauen, für sich allein haben muß: eigentlich wäre nichts erquicklicher, als so, wie wir damals bei Kintschy unsre leiblichen Mahlzeiten gemeinsam verdauten, so jetzt zusammen symbolisch einen Nachmittagskaffe zu trinken und von der Mitte unsres Lebenstages aus rückwärts und vorwärts zu schauen.
Nun, es wird dazu auch in Paris noch nicht zu spät sein: wo die große ἀναγνώρισις unsrer Komödie stattfindet und zwar auf der schönsten Scene der Welt, zwischen den buntesten Coulissen und einer Unzahl glänzender Statisten.
Ach wie schön ist diese Luftspiegelung! —
Darum bleibe fern commune Wirklichkeit, schändlich gemeine Empirie, Soll und Haben, Grenzbotennüchternheit — nein, dieser ganze Brief sei nun mit ganzer Seele
als festlich hoher Gruß
dem Freunde dargebracht!
(Er trinkt das Tintefaß aus)
Chor der Asketen:
Selig der Liebende,
Der die betrübende,
Heilsam’ und übende
Prüfung bestanden.
602. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
heute nur zwei kurze Notizen: erstens hat sich nämlich bereits ein Verleger für Deine Abhandlung gefunden und zwar der ausgezeichnete und wahrhaft dem Wohl der Wissenschaften dienende Dr. Engelmann: so daß Du resp. Dein Jüngstgebornes sich in guten Händen befindet.
Wenn Du darüber einige Freude empfindest und diese etwa äußern willst, so geh zu Deinem Buchhändler und laß Dir Richard Wagners eben erschienene 2te Ausgabe von „Oper und Drama“ geben; dann setze Dich behaglich an den Ofen und denke, wenn Du schöne Stellen findest — und sie sind unzählig — daß ein guter Freund in Leipzig sich über genau dieselben Stellen ganz kindisch freut.
In steter Treue und
Liebe
Dein nach dem be-
wußten Manuscripte
täglich verlangender
Freund.
Näheres später: heute wenig, aber schnell und gut.
603. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter und Schwester,
ei wie sträflich lange habe ich nichts von mir hören lassen; obwohl meine Schuld nicht so groß ist als sie scheint, da ich inzwischen einmal an Euch geschrieben habe, aber versehensweise den Brief, der fix und fertig war, nicht abgeschickt habe. Jetzt wo ich ihn noch einmal überlese, halte ich es nicht für nöthig, dies geistvolle Machwerk Euch zukommen zu lassen, aber im Auszug will ich mittheilen, was ich in ihm Euch zu erzählen hatte.
Jener Brief gieng von der Annahme aus, daß meine speziellen Arbeiten resp. ihre Förderung Euch gerechtermaßen wenig Spaß machen könne, dagegen meine plaisirs und Ähnliches resp. ihre Erzählung billigen Anspruch auf Eure Theilnahme hätten. Zu diesen plaisirs rechne ich zB. auch den Empfang Eurer letzten Epistel sammt ihrem poetischen Nachspiel und ihrer prosaischen Beilage. Letztere habe ich, in voller Anerkennung der in ihr bekundeten Fähigkeiten, Wünsche und Absichten, doch ohne eine genauere Prüfung vorzunehmen, in den Kasten gesteckt, als wo sie noch jetzt ungelesen schlummert. Erstere könnte mich erst dann zur Nachahmung reizen, wenn es mir gelingen sollte, in ihren Sinn tiefer einzudringen, als es meinen bescheidenen Kräften bis jetzt möglich war.
Zuerst will ich registrieren, was an sogenannten Gesellschaften der Winter mir bis jetzt vorgesetzt hat. Also ein Abend neuerdings bei Ritschls, gestern vor 8 Tagen bei Brockhausens mit viel Volk, Männchen und Weibchen; heute Einladung bekommen zum nächsten Professorium, wiederum von Brockhausens. Morgen angenehmes Mittagsessen mit den soeurs Klemm; in nächster Woche von mir arrangirter Herrenabend in meiner Wohnung, eingeladen werden alle, die mir Besuche gemacht haben. Vorigen Donnerstag war ich im Gewandhause, Billet bekommen von Brockhausens. Sonntag Nachmittag bin ich im Rosenthale herumgaloppirt; ich reite wieder, und ohne Beschwerde.
Weihnachten also, wie ich schon neulich erwähnt habe, kann ich nur auf kurze Zeit nach Naumburg kommen, da ich in vielen Studien drin stecke. Was die Geschenke betrifft, so bitte ich um Entschuldigung, wenn ich unmöglich die gewünschten Lieder niederschreiben kann, weil mir zu allen der Text, zu einigen sogar die Musik fehlt. Meine eignen Wünsche müssen fachmäßig sein; doch brauche ich soviel, daß ich lieber nichts schreiben will, und es dem weiblichen Spürsinn überlassen bleiben soll, sich zu quälen und schließlich zu wählen.
Rohde hat länger zu leiden gehabt an seinem schleichenden Fieber, Windisch ist bis über die Ohren beschäftigt und der gute Einsiedel (der schon länger an der Brust litt) in diesen Wochen gestorben. —
Laßt es Euch wohl gehn und denkt gelegentlich an
Euren Sohn und Bruder
F.N.
604. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
immer noch kann ich Dir nichts Näheres über die Bedingungen Engelmanns schreiben, weil besagter Krieger nach Berlin verreist ist. Jedenfalls hat er sich bereit erklärt, das Manuscript anzunehmen: und damit ist ja die Hauptsache erledigt. Wie lange (dh. wie kurz) der Druck dauert, wie viel Freiexemplare er Dir zugesteht, berichte ich so bald ich es weiß. Übrigens verdiene ich in dieser Sache kein Atömchen von Dank; denn derjenige, der den Gang zu Engelmann gemacht hat, weil er mehr persönliche Autorität hat als ich ἀνώνυμος, ist unser vortrefflicher Windisch. Wenn dieser Gang übrigens fehlgeschlagen wäre, so waren die Aussichten für den braven ὌΝΟΣ sehr böse: denn mit solchen Broschüren von 3—4 Bogen macht man kein Geschäftchen, und deshalb nehmen Teubner und Gesinnungsgenossen derartige Sachen principiell nicht an. Also Ehre dem Engelmann und Dank dem Papa Windisch.
Beim nochmaligen Durchblick Deiner Arbeit habe ich mich nochmalig über die blöden Augen derer geärgert, die sie bisjetzt in den Klauen hatten. Insbesondere auch darüber, daß dieselben Augen an der Knautischen Eselei Wunder etwas Verdienstliches sahen. Aber aus diesen Augen sah der schlechte Wille, es war eben der böse Blick, der Deiner Arbeit und Dir so feindlich entgegenarbeitete.
Beiläufig, willst Du, daß ich Deine Arbeit im Centralblatt zur Anzeige bringe, oder liegt Dir mehr daran, daß ein dritter (wahrscheinlich Bursian) oculis integris sich darüber äußert? — Come voi volete. —
Nach diesem geschäftlichen Vorspiel darf ich Dir ja wohl einiges von meinem jetzigen Treiben erzählen und zwar zunächst — a bove principium — von meinem philologischen. Seitdem ich wieder hier bin, habe ich sträflich hin und her geschwankt zwischen denen Arbeiten, die irgendwann einmal fertig werden sollen, die aber in einer bestimmten Folge, nicht aber durcheinander vorgenommen werden müssen. Daß ich das kleine Schriftchen περὶ Ἡσιόδου καὶ Ὁμήρου καὶ τοῦ γένους καὶ ἀγῶνος αὐτῶν neu herausgeben will, weißt Du; ebenfalls daß sich daran eine Erörterung homerischer Traditionsfragen anschließen soll. Im Punkte der letzteren hatte ich das Malheur, an einer gewissen sehr wichtigen Stelle mich selbst nicht mehr überzeugen zu können: mein guter Sänger Homer, den ich mit allen fünf Fingern festzuhalten glaubte, zerrann mir eines schönen Morgens wie ein Gespenst; jetzt ist er wieder ein mythisches Scheusal, das die seltsamsten Transformationen durchgemacht hat: welche darzustellen eine Aufgabe für Strauß und ähnliche Talente wäre. — Dies hat mir die Sache jetzt etwas verleidet, und ich habe sie darum zurückgelegt: immerhin kommt übrigens bei meiner Betrachtungsart genug heraus, um mir diese ganze Region stets interessant und werth zu machen. Von der Leidener Bibliothek bekam ich auf meine Bitte von Herrn Du Rieu die Handschrift, die das Apographum Henrici Stephani enthält, von Florenz erwarte ich eine neue Collation.
Im Anfang November habe ich über den sonderbaren Kauz Menippus im Verein gesprochen: seine Zeit ist, von 4—6 Ausgangspunkten aus, von mir auf c. 280 a. C. n. fixiert worden und Probus in dem vielberedeten Zeugniß über die Varronischen Satiren hat wieder Recht. Varro’s Jugend fällt also nicht, wie Oehler Roeper Bernhardy Riese etc. meinen, in das Alter des Menipp. Der Lucianische Menipp ist der um 280 lebende; die Scholien machen allerdings einmal eine Dummheit, aus Reminiszenzen an den Philostrateischen Menipp, mit dem Apollonius in Korinth zusammentrifft.
Jetzt nun mache ich wieder Abderitenstreiche und verwerthe dabei meine allmählich etwas abgelagerten Laertiusansichten. Hierbei ist mir mancherlei geglückt, ja ich komme zu der Meinung, daß bei solchen Arbeiten viel mehr ein gewisser philologischer Witz, eine sprunghafte Vergleichung Versteckter Analogien und die Fähigkeit, paradoxe Fragen zu thun vorwärts hilft, als die strenge Methodik, die überall erst am Platze ist, wo die geistige Hauptarbeit bereits abgethan ist.
Also diese Democritea sollen den index des Thrasyll seiner Form und Intention nach herstellen: und zugleich für eine spätere Sammlung der Demokritischen Fragmente (Mullach ist ein nachlässiges Hornvieh) durch Untersuchungen über Unechtheiten, ältere pinakographische Anordnungen, durch Zerlegung der Laertianischen vita des Democrit usw. die Grundlage geben. Mir persönlich gefällt die Gestalt des Democrit gewaltig, freilich habe ich sie mir ganz neu reconstruirt, da unsre Philosophiehistoriker weder ihm noch Epikur je gerecht werden können, weil sie frumb sind und rechte Juden vor dem Herrn; am allerwenigsten aber der weibische, geistreichelnde, unwahre und unklare Schleiermacher, den man überall bis zum Ekel lobt oder tadelt, beides mit möglichster Bornirtheit; die Wahrheit liegt eben nicht in der Mitte, sondern ganz wo anders. — Am 22 Februar 1888 feiern auch wir ein hundertjähriges Jubiläum: wir wissen auch warum.—
Da fällt mir zufällig ein, daß ich gar nicht weiß, wann Dein Geburtstag ist. Doch möchte ich es gerne wissen.
Nun noch einige Lipsiensia. Hier ist endlich auch Laube eingetroffen, mit einer Bullenbeißerphysiognomie, aber wie es scheint, mit viel praktischem Talent und gehöriger Energie. Übrigens auch mit seiner Frau, die ein ganz unmenschlich verdienstvolles Weib sein soll. Laube hat sich bei dem Gartenlauben-Keil eingemiethet und scheint ein großes Haus machen zu wollen. Seine Thätigkeit ist schon jetzt eine ganz ungewöhnliche, jede Zeitung berichtet von neuen Engagements, den Schauspielern droht er mit schrecklich viel Proben, die Studenten kirrt er durch billigere Preise; zugleich wird das alte Theater zugerichtet zu Lustspiel und Posse. Übrigens hat er aus Hamburg eine Primadonna engagirt, ein Fr. Schneider: wer, was und wie ist sie? — Γλαυκίδιον hat bereits von ihm 100 Th. Zulage bekommen (so daß sie jetzt 500 Thl. Gage hat) und auch im Übrigen laudes und Hoffnungen. Vorigen Sonntag war besagtes Wesen sammt ihrer hübschen Schwester bei uns zu Tisch: und im Laufe des Nachmittags war ich und meine Stube so glücklich, diese Weiblein, welche emsig mit Weihnachtsarbeiten beschäftigt waren, eine Stunde zu beherbergen. Und es war eitel γέλως und γλυκύτης.
— Jeder Deiner Briefe beweist mir, daß es eigentlich jammerschade ist um all die schöne Zeit, die wir nicht zusammen verleben, also zB. um den gegenwärtigen Winter, der mir zwar alle möglichen Anregungen und Vergnügungen im Leipziger Stile bietet, der mir aber den direkten und täglichen Umgang mit einem Weltanschauungsbruder versagt hat; ich müßte denn den guten Romundt nennen, der Dir gewiß auch gefallen würde, im Gegensatz zu manchen sehr alltäglichen aber gelehrten Köpfen, die mit Selbgefühl auf jene seltsame Complexion von Einsicht, Wollen und Nichtkönnen herabsehn, die sich Romundt nennen läßt. — Wie sehr wir beide dieselbe Straße ziehn, ist mir wieder an einem wirklich amüsanten Syndironismus klar geworden; wir trieben nämlich genau zur selben Zeit Romantik und sogen mit gieriger Nase anheimelnde und verwandte Düfte, ohne daß der eine von des andern immerhin abnormer Beschäftigung wußte. So etwas Zufall zu nennen wäre Sünde wider den heiligen Geist Schopenhauers. Nach diesem Vorfalle und überhaupt nach den ganz erstaunlichen Ähnlichkeiten Deiner von mir immer mit dankbarem Herzen und üppigem Behagen genossenen Briefe und meiner derzeitigen Gedankengänge habe ich auch die feste Zuversicht, daß wir uns über einen Genius ganz verstehn werden, der mir wie ein unlösliches Problem erschien und zu dessen Verständniß ich Jahr aus Jahr ein neue Anläufe machte: dieser Genius ist Richard Wagner. Dies ist nun das zweite Beispiel, wo wir, fast unbekümmert um die herrschende und gerade unter Gebildeten gültige Meinung, uns unsre eignen Götzen aufstellen; und man thut schon das zweite Mal diesen Schritt mit mehr Sicherheit und Selbstvertraun.
Wagner, wie ich ihn jetzt kenne, aus seiner Musik, seinen Dichtungen seiner Aesthetik, zum nicht geringsten Theile aus jenem glücklichen Zusammensein mit ihm, ist die leibhaftigste Illustration dessen, was Schopenhauer ein Genie nennt: ja die Ähnlichkeit all der einzelnen Züge ist in die Augen springend. Ach ich wollte, ich könnte Dir in behaglicher Abendstunde die vielen kleinen Einzelheiten erzählen die ich über ihn, meistens durch seine Schwester, weiß; ich wollte, wir könnten die Dichtungen mit einander lesen (die Romundt so hoch schätzt, daß er R.W. für den bei weitem ersten Dichter der Generation hält, und über die auch Schopenhauer, wie Wagner mir erzählte, sehr gut gedacht hat) wir könnten zusammen den kühnen, ja schwindelnden Gang seiner umstürzenden und aufbauenden Aesthetik gehen, wir könnten endlich uns von dem Gefühlsschwunge seiner Musik wegreißen lassen, von diesem Schopenhauerischen Tonmeere, dessen geheimsten Wellenschlag ich mit empfinde, so daß mein Anhören Wagnerischer Musik eine jubelnde Intuition, ja ein staunendes Sichselbstfinden ist.
Das alles aber mit einem Freunde wie Du bist zu genießen ist mir wirklich ein glühendes Bedürfniß, so daß ich mit Begierde der Zeit gedenke, die uns wieder zusammen führt. Bleibe sie nicht zu fern!
In treuer Freundschaft
Dein
Friedrich Nietzsche.
605. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mutter
natürlich gehe ich auf die weihnachtlichen Propositionen betreffs Lisbeth ein: obwohl die „Schürze“ kein recht brüderliches Geschenk ist, und ein hübscher Fächer (von mir und der Professorin ausgesucht) schon seit Tagen in meinem Besitz ist. Indessen wird man letzteren leicht los: und auch an die Schürze werde ich mich gewöhnen, sowie an das Wildermuthsche Buch, falls die Bestellung mit der nöthigen Heimlichkeit vor sich gegangen ist. — Zum Schmucke des doch wohl vorauszusetzenden Christbaumes werde ich einige Lichterträger mitbringen, ebenfalls einige Papiersachen, Blumen etc, die der Knabe Karl für mich gemacht hat.
Was mein Kommen betrifft, so werde ich genau Ankunft und Abgang bezeichnen: Donnerstag Mittag erscheine ich, Sonntag Abend verschwinde ich. Mehr wäre aus allen möglichen Gründen vom Übel.
Ich bin sehr beschäftigt und muß auch wirklich meine Geschäfte ein wenig voranstellen. Darum entschuldige bestens kurze Briefe und kurze Besuche. Es wird schon einmal besser werden. — Übrigens geht hinreichend spazieren
Dein Sohn
Fritz.
Liebe Lisbeth,
Du hast unumschränkte Vollmacht in Betreff des für — bestimmten Geschenkes: wie ich Dir dies schon mündlich sagte. Mehr zu sagen, verbietet der Ort — und meine Zeit.
Auf fröhliches Wiedersehn
Dein Geschwister F. —
606. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
ich denke Dir mit den wenigen nachfolgenden Zeilen eine kleine Weihnachtsfreude machen zu können: und deshalb beeile mich und bin etwas kurzathmig.
Eben war ich bei dem guten Windisch, um mir Auskunft zu erbitten über die Schicksale Deines Schriftchens, das ich ganz in Windisch’ Hände gegeben hatte. Und siehe: ich fand bereits einen Druckbogen vor, der sehnlich auf die Correktur wartete. Und siehe! kaum war ich eine halbe Stunde bei W. heimisch geworden als ein frecher Buchdruckerjunge kam und den zweiten Bogen brachte. Betreffendem Buben habe ich schleunig meine Addresse gegeben, da ich die Correktur — unter den obwaltenden Umständen — zu übernehmen bereit war. Dies that ich freilich ohne die Autorisation des Autors: indeß was war zu machen bei dieser engelmännischen Behendigkeit? So bitte ich denn um Deine nachträgliche Genehmigung: sorgsam werde ich übrigens sein. — So ist denn zu hoffen, daß noch im Laufe des alten Jahres die Drucklegung beendet ist.
Folgt genauere Beschreibung der Bogen.
Format das der Ritschelschen opuscula, lateinische Buchstaben: 35 Zeilen auf der Seite: somit ein sehr anständiges Äußere. Bogen I umfaßt die Seiten 1—34 Deiner Arbeit, Bogen II 35— 70. Somit werden es ungefähr 4 Bogen werden.
Engelmann wünscht Dich persönlich kennen zu lernen und bittet Dich, wenn Du durch Leipzig kommst, ihn zu besuchen. Du wirst an ihm einen nobeln Verleger haben. Übrigens weiß ich gar nichts von Bedingungen, die er gemacht hätte; und Du kannst ihm schließlich vertrauen, daß er Dir die nöthige Anzahl Freiexemplare zustellt.
Ach wie bin ich selbst froh, daß diese Sache so geglückt ist, da sich niemand mehr — Du nicht ausgenommen — über das Mißlingen geärgert haben würde als ich: habe ich doch die Verantwortung dafür zu tragen, daß ich Dir zu dem Rhein. Museum rieth, und daß dieser Rath so übele und verdrießliche Früchte trug.—
Weihnachten, liebster Freund, ist vor der Tür: einsam leb ich für und für: schreib mir bald, das dank ich Dir , doch so kurz nicht als ich hier.
In treuster Treue
Dein
Friedr. Nietzsche.
1868 (49 Briefe)
559. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
Суббота, и день склоняется к своему закату. Для солдата в слове «суббота» есть некое волшебство, чувство успокоения и мира, которого я, будучи студентом, не знал. Спокойно спать и видеть сны, не боясь, что ужасный образ следующего утра окутает душу, снова преодолев и оставив позади 7 дней той униформированной суеты, которую называют военной службой, — какие это простые и сильные удовольствия, достойные циника и приобретенные нами почти слишком дешево и легко! Я теперь понимаю то первое и величайшее субботнее послеобеденное настроение, в котором прозвучало уютное слово πάντα λίαν καλά, в котором были изобретены кофе и трубка и появился первый оптимист. Во всяком случае, евреи, которые придумали и поверили в эту прекрасную историю, были воинами или фабричными рабочими, но уж точно не студентами; ибо те предложили бы 6 праздничных дней и один рабочий, а на практике сделали бы и этот один день таким же, как остальные. По крайней мере, такова была моя практика: и я сейчас очень остро чувствую контраст между моей нынешней жизнью и моим прежним научным бездельем. Если бы только можно было собрать филологов за 10 лет и муштровать их на службе своей науке так, как это принято в армии: через 10 лет филология была бы уже не нужна, потому что вся основная работа была бы сделана, но она была бы и невозможна, потому что никто добровольно не встал бы под это знамя, знамя, при котором понятие «добровольца на один год» полностью отпадает.
Такая суббота делает разговорчивым, как ты заметишь; поскольку остальную неделю нам приходится слишком много молчать и мы привыкли подчинять все свои душевные способности командному слову начальства, то в некараульные моменты субботы слово льется с губ, а строка — из чернильницы, особенно когда огонь в печи потрескивает, а снаружи бушует весенний февральский шторм. Суббота, шторм и тепло комнаты — вот лучшие ингредиенты, из которых варится пунш «эпистолярного настроения».
Мой дорогой друг, эта моя жизнь сейчас действительно очень одинока и лишена друзей. Нет никаких стимулов, кроме тех, что я даю себе сам, нет того гармоничного созвучия душ, которое приносил с собой каждый хороший час в Лейпциге. Скорее отчуждение души от самой себя, перевес господствующего влияния, которое сжимает дух в суровом страхе и учит его рассматривать вещи с серьезностью, которой они не стоят. Это оборотная сторона моего нынешнего существования, как ты, конечно, можешь прочувствовать вместе со мной. Но перевернем монету. Эта жизнь, правда, неудобна, но, если вкушать ее как промежуточное блюдо, безусловно полезна. Это постоянный призыв к энергии человека, и она особенно хороша как ἀντίδοτον против парализующего скепсиса, о влиянии которого мы немало наблюдали вместе. При этом учишься познавать свою натуру, как она привыкла проявляться среди чужих, по большей части грубых людей, без помощи науки и без той традиционной fama, которая определяет нашу ценность для наших друзей и для общества. Я до сих пор замечал, что ко мне относятся хорошо, как капитан, так и канонир; с другой стороны, я делаю то, что мне положено, с рвением и собственным интересом. Разве нельзя этим гордиться, когда тебя считают лучшим наездником среди 30 рекрутов? Поистине, дорогой друг, это больше, чем филологическая премия: хотя я и не лишен восприимчивости к подобным похвалам, какие мне довелось получить от Лейпцигского факультета. Могу ли я, не прослыв отвратительным дураком, переписать тебе то ἐγκώμιον, как оно стоит в программе на стр. 22?
Philosophorum denique Ordini unus traditus libellus est et ex classe quidem prima: ,De fontibus Laertii Diogenis hac inscriptione‘ γένοι᾽οἷος ἐσσί Pind. Pyth. II. v.73. (Ты еще помнишь наш уголок нирваны в Розентале?) Eius libelli scriptor, quum res, quae ad eam quaestionem pertinerent et litteras quae huc facerent penitus cognovisset earumque momenta acri ingenio examinasset, rem, quam explanandam susceperat persecutus ita est, ut, quum summo acumine in singulis locis cognoscendis atque iudicandis uteretur summaque sagacitate in vero indagando, inveniendo, e tenebris eruendo versaretur ingenioque in colligendo plurimum valeret atque ea, quae explorate perceperat, dilucide exponeret, vix quidquam reliquerit in ea quaestione, quod aut addi aut demi posse videretur, summamque et ingenii et doctrinae laudem ab ordine amplissumo consecutus sit. e. q. s.
Не правда ли, дорогой друг, tant de bruit pour une omelette? Но мы такие, мы смеемся над такой похвалой и слишком хорошо знаем, что она значит или что за ней стоит, но все равно лицо расплывается в довольной ухмылке. В таких вещах наш старый Ричль — сводник, his laudibus splendidissimis он пытается удержать нас в сетях дамы Филологии. У меня огромное желание в своем следующем, написанном in honorem Ritscheli эссе (о писательстве Демокрита) сказать филологам ряд горьких истин. До сих пор у меня на него самые прекрасные надежды: он обрел философский фон, чего мне до сих пор не удавалось ни в одной из моих работ. Кроме того, все мои работы без моего намерения, но именно поэтому к моему удовольствию, приобретают совершенно определенное направление; они все, как телеграфные столбы, указывают на цель моих занятий, которую я вскоре твердо возьму на прицел. Это история литературных занятий в древности и в новое время. Меня пока мало интересуют детали; сейчас меня влечет общечеловеческое, то, как формируется потребность в литературно-историческом исследовании и как она обретает форму под созидательными руками философов. То, что все просвещающие мысли в истории литературы мы получили от тех немногих великих гениев, которые живут в устах образованных людей, и что все хорошие и способствующие развитию достижения в упомянутой области были не чем иным, как практическими применениями тех типичных идей, что, следовательно, творческое начало в литературном исследовании исходит от тех, кто сами подобными занятиями не занимались или занимались мало, что, напротив, прославленные труды в этой области были написаны теми, кто был лишен творческой искры, — эти глубоко пессимистические взгляды, таящие в себе новый культ гения, занимают меня постоянно и склоняют к тому, чтобы однажды проверить историю на этот предмет. На самом себе я провожу эту пробу; ибо мне кажется, что ты при чтении этих строк должен чувствовать аромат кухни Шопенгауэра.
От этих воздушных замков падение в реальность довольно горько. Подумай, дорогой друг, что я, который временами упиваюсь намеченными перспективами, тем не менее не в состоянии закончить самое ближайшее. Мне совершенно невозможно представить обещанный вклад в книгу Ричля вовремя. Как бы материя ни лежала у меня на уме и на сердце, проработка еще так далека: не хватает сотни вещей, времени, книг, хороших друзей, моментов насыщения и подъема: и к каждому из этих недостатков я должен добавить, что каждый из них уже обладает силой помешать мне в работе. Счастливые люди, говорит Ричль о студентах, у вас есть 14 часов в день для себя и своих занятий! Жалкий человек, говорю я себе, у тебя нет и двух часов в день; и даже ими ты должен жертвовать Маворсу, который иначе откажет тебе в патенте лейтенанта. Ах, дорогой друг, что за несчастное существо такой ездящий и скачущий артиллерист, если у него есть литературные наклонности! Наш старый бог войны любил молодых женщин, а не старых сморщенных муз. Канонир, который достаточно часто размышляет о демокритовских проблемах в казарменной комнате, съежившись на грязной табуретке, пока ему чистят сапоги, — это все-таки παράδοξον, на которое боги смотрят с презрением.
Если вы поэтому сможете подождать до ноября этого года, то доставите мне большую радость. Мы соберем весной и летом статьи наших друзей, обсудим и оценим их, договоримся с книготорговцем, весело напечатаем — и тогда придет моя статья, пусть в конце и поздно, но все же вовремя. Впрочем, и Клемм нашел прежний срок слишком коротким. Пожалуйста, сообщи мне свое мнение по этому пункту!
Когда я говорю тебе, что я ежедневно с 7 часов утра до 5 часов вечера на службе, кроме того, еще слушаю лекции у лейтенанта и ветеринара, то ты можешь оценить, как плохо я устроен. Вечером тело вялое и усталое и рано ищет свое гнездо. И так идет без отдыха и покоя изо дня в день. Где уж тут необходимая для научных работ собранность и созерцание!
Ах, даже для вещей, которые мне ближе, чем мои литературные потребности, для χάριτες дружеской переписки и искусства, так редко выпадает час! Дай мне только снова быть в полном распоряжении своего времени и сил —
si male nunc, non olim sic erit.
И в следующем году я поеду в Париж. Я почти убежден, что ты придешь к той же мысли. Известно ведь, что честный человек должен быть веселым и в хорошем настроении, если только святой Оффенбах прав.
Тебе, значит, поэзия будущего, и тебе, дружба лучшего прошлого, последний росчерк пера, последняя клякса чернил!
fulsere quondam candidi tibi soles!
Ф. Ницше
в верной
дружбе.
560. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
в этот раз я заставил Вас ждать довольно долго и к тому же совершенно напрасно; и в конце концов, по прошествии столь долгого времени, обещанный трактат Фолькмана так и не попал к Вам в руки. Моим утешением служит то, что, кроме меня, никто не пострадал от этого утомительного промедления: но я не стану скрывать, что моей вины в этом нет.
Довольно, друг Фолькман больше не хочет, чтобы я его ждал, так как он еще далеко не закончил свою статью. Очевидно, он сильно просчитался во времени: но этого нельзя ставить в упрек прусскому, а в особенности пфортенскому школьному учителю.
В течение всего этого времени мое «Laertianum» также находилось там, в Пфорте: со вчерашнего дня я перечитал и исправил эту вещь несколько раз, насколько мне давали указания Ваши превосходные пометки.
Предисловия, глубокоуважаемый господин тайный советник, я не написал и поэтому прошу у Вас прощения. Во-первых, я не хотел сразу же на первой странице признаваться публике, что это премированная работа: из-за чего отношение соответствующей публики к неприметному opus'у тотчас меняется, и у читателя начинают возникать всевозможные личные соображения, симпатии и антипатии. Еще меньше у меня желания самому сразу же высказывать, что в работе является недостаточным и требует дальнейшей доработки: что тогда немедленно вызывает доводы против переработки. Ведь меня никто не торопит, чтобы работа была опубликована уже сейчас: почему бы ей не полежать еще год и не созреть для улучшения? Если я, тем не менее, сам рад, что она скоро будет напечатана, то это объясняется причинами, к которым публика не имеет никакого отношения. Прежде всего, я таким образом снимаю с души еще одну работу и могу снова свободно оглядываться на другие прекрасные вещи и т. д. Если мне позже когда-нибудь придется писать дополнения, то это будет поводом высказаться о происхождении, ближайшей цели работы и других личных вещах.
В том виде, в каком работа находится сейчас, она, думаю, будет готова к печати; она может занять около 60—70 страниц, если использовать такие шрифты и такие интервалы, как, например, те, что были использованы в статье Брамбаха «de Romanorum re militari», том XX, стр. 599 сл.: и которые мне очень нравятся. —
Если в заключение я еще упомяну, что весь день с утра до вечера занят своими военными обязанностями и службой, то делаю это лишь для того, чтобы бросить завистливый взгляд на то время, когда я чаще мог позволить себе провести приятный полуденный час в беседе с Вами и при этом изложить Вам свои желания и намерения: в то время как теперь мне позволено лишь холодными чернилами на холодной бумаге писать, что я пребываю в теплом почтении
Ваш преданный ученик
Фридрих Ницше.
561. An Hermann Mushacke in Berlin
Мой дорогой друг,
прошла уже четверть года с тех дней, когда я предстал перед тобой с встревоженным лицом и беспокойным духом, наполовину отвергая, наполовину принимая внезапный поворот моей судьбы. Ведь ты, конечно, заметил, что я с некоторым удовольствием погружался в состояние, которое, хотя и заключало в себе немало неудобств, в то же время было окружено сферой, дышащей мужеством, решительностью и мужским началом. Как бы то ни было, это пикантное блюдо было однажды предложено мне за столом моей жизни, и я уже не был в силах отказаться от него; довольно того, что я попробовал его и нашел, что оно даже не так уж дурно на вкус. Особенно оно отдавало той изнеженностью, которую влекут за собой образ жизни и манера занятий студента. И так я привык рассматривать военный год как одно из тех средств, с помощью которых мы избегаем одностороннего образования, а прежде всего — как решительное противоядие против косной, педантичной, узколобой учености, с которой я всегда веду борьбу, где бы только ни мог ее обнаружить.
После этих более общих взглядов я хотел бы умолчать об этом пункте; ибо, поскольку теперь каждый час напоминает мне о службе, я хочу хотя бы в беседах с моими друзьями на мгновение выбросить ее из головы. Мне очень хотелось бы знать, с чем ты, мой дорогой друг, борешься и на какое расстояние ты приблизился к грозному чудовищу [ἐξάμην]: какие работы ты собираешься бросить ему в качестве приманки и тому подобное. От меня ты не дождешься ничего по этому поводу. Более крупная работа «О писательстве Демокрита» уже четверть года не выходит у меня из рук: и все же я не могу найти ту прекрасную форму, которую ищу. Я с радостью замечаю, как все мои занятия связаны между собой прочными нитями; и происходит это главным образом потому, что в каждом отдельном исследовании я устанавливаю перспективу как можно шире. Впрочем, в Лейпциге мне оказали честь, увенчав мою диссертацию de Laertii Diogenis fontibus, причем блестящим образом; сейчас она печатается в Рейнском музее. Я жил как раз в то самое суровое время моего военного года, должен был скрести, чистить и мыть лошадей, когда это известие пришло из Лейпцига как приятный отголосок более прекрасного периода. Оттуда я вообще слышу только хорошее. Мои друзья продолжают свою безмятежную жизнь, Ричль здоров и часто радует меня веселыми письмами, наш союз радостно процветает, Кинчи еще жив и т. д.
Если бы я только мог снова свободно распоряжаться своим будущим! Тогда я, конечно, приеду на пару месяцев в Берлин, хотя мои желания обычно стремятся еще дальше, в поглощающий все Париж. Во всяком случае, вероятно, что мне придется ехать в Берлин для всяких экзаменационных целей. Но не представится ли тебе раньше возможность приехать в Наумбург? Весна, университетские каникулы, боже! Какие прекрасные вещи, о которых канонир не должен ничего знать! Ты всегда найдешь самый радостный прием! Сегодня же я прошу лишь передать мои наилучшие пожелания твоим почтенным родным как от меня лично, так и от моей матери и сестры.
В верной дружбе
Твой Фр. Ницше.
562. An Carl von Gersdorff in Berlin
Дорогой друг,
из двух твоих писем, доставивших мне огромную радость, я получил ясное представление о твоей нынешней работе и размышлениях: я чувствую то спокойное наслаждение, с которым ты после строгой, ограничивающей службы вновь прогуливаешься по прекрасному саду наук. Если бы судьба пожелала, чтобы и мне вскоре вновь улыбнулось это наслаждение! Но мое время, да и лучшая часть моей умственной силы и живости, поглощаются вечным круговоротом военных упражнений. Я теперь полностью смирился с этим, хотя в первые месяцы предпринимал отчаянные попытки продолжать свои занятия даже в нынешних условиях. Прежде всего, мне была дорога работа, для которой я собрал и ежедневно собирал массу прекрасного материала, работа, к которой меня влекли филологический и философский интересы: о литературном творчестве Демокрита. Чудовищные сведения о нем внушили мне недоверие; я пошел по следу понятия о грандиозной литературной фальсификации и на запутанных путях комбинаторики нашел множество интересных моментов. Но в конце, когда мой скептический взгляд смог охватить все выводы, картина постепенно перевернулась у меня в руках; я обрел новый целостный образ значительной личности Демокрита, и с этой высочайшей точки наблюдения традиция вновь обрела свои права. Весь этот процесс, спасение отрицания через отрицание, я вознамерился описать, стремясь вызвать у читателя ту же последовательность мыслей, которая непроизвольно и властно навязывалась мне самому. Но для этого нужны досуг и свежесть мышления и творчества.
Не особенно повезло мне до сих пор с моей работой de fontibus Laertii Diogenis, которая давно должна была быть напечатана, но из-за небольшой нерасторопности одного знакомого только на прошлой неделе отправилась в печать в Лейпциг. Она выходит, как и мое исследование о Феогниде, в «Рейнском музее». Она уже в силу своего материала способна увлечь или, вернее, раззадорить пару филологов больше, чем мой первый opusculum. Не удалось избежать того, чтобы кое-где не отвесить филологу щелчок. Ну, посмотрим, как мне это аукнется. К счастью, большую часть материала именно по важным пунктам я еще не привел, так что в случае полемики я все еще могу бросаться ими полными горстями.
Позже, когда я освобожусь от работы о Демокрите и благополучно сойдет со стапелей диссертация de Homero Hesiodoque aequalibus, я со свежими силами приступлю к главному труду — изображению литературных занятий древних, в ходе чего прояснится развитие того, что сейчас называют историей литературы. Позже я как-нибудь расскажу тебе, как я на заднем плане выдвигаю несколько сугубо пессимистических тезисов, так что все это будет сильно пронизано шопенгауэровским ароматом.
Прости меня, если я развлекаю тебя одними лишь видами и намерениями, во всяком случае, нереальными вещами. Но подумай, как сильна в человеке потребность высказывать свои желания и как мало мое окружение приспособлено к тому, чтобы воспринимать именно такие вещи. В сущности, именно это больше всего угнетает меня в Наумбурге, ἐρημία τῶν φίλων, в то время как, с другой стороны, я должен считать себя счастливым, будучи избавленным от забот о существовании благодаря присутствию близких, да и имея возможность наслаждаться удобной жизнью.
Мои служебные дела, как я тебе говорил, отнимают много времени, но в целом терпимы. Особенно это все еще верховая езда, для которой мое рвение поддерживается всяческими похвалами. Я слышу от офицеров, что у меня хорошая посадка и этим я выгодно отличаюсь. Поистине, дорогой друг, я никогда не думал, что и в этих сферах у меня будет повод стать тщеславным. Довольно, мое стремление как можно лучше обучиться этому прекрасному, но трудному искусству довольно сильно. Если ты когда-нибудь, например, по случаю школьного праздника в Пфорте, приедешь в Наумбург, ты легко сможешь оценить мои достижения; думаю, ты будешь от души смеяться, когда услышишь, как я командую. Впрочем, мне еще многому предстоит научиться, чтобы сдать приличный офицерский экзамен.
То, что ты с большим удовольствием бросился в национально-экономические штудии, мне очень понятно; я сам ни о чем так не жалею, как о том, что до сих пор не имел толкового путеводителя. Ибо относительно позиции и ценности Рошера мы, к моему удивлению, придерживаемся точно одного и того же мнения. Как в разговоре с другом Кляйнпаулем, который полностью раскусил слабость философской натуры Рошера, так и в беседе с остроумной супругой Ричля, которая также почувствовала щекочущую поверхностность этого остроумного человека, я высказывался в указанном духе. Впрочем, немалым доказательством правильности этого мнения является натура его сына, с которой я имел случай познакомиться и которая полностью обнаруживает черты оригинала.
Книжица, из которой я почерпнул многое о положении социально-политических партий, хотя это чтение сомнительное и остро отдает реакцией и католицизмом, тебе, возможно, тоже известна: «История социально-политических партий в Германии», Йос. Эдм. Йорг (Фрайбург-им-Брайсгау, 1867). И из нее также просвечивает иррациональное величие Лассаля. К сожалению, я не вижу возможности, как я мог бы заполучить его сочинения в свои руки, и поэтому должен утешиться надеждой на более поздние времена.
Здесь я должен еще раз восславить заслугу человека, о котором я тебе уже писал ранее. Если у тебя есть желание полностью ознакомиться с материалистическим движением наших дней, с естественными науками с их дарвиновскими теориями, их космическими системами, их оживленной camera obscura и т. д., а также с этическим материализмом, с теорией Манчестера и т. д., то я не могу порекомендовать тебе ничего более выдающегося, чем «История материализма» Фридриха Альберта Ланге (Изерлон, 1866) — книга, которая дает бесконечно больше, чем обещает заглавие, и которую можно как истинное сокровище пересматривать и перечитывать снова и снова. При твоем направлении занятий я не могу назвать тебе ничего более достойного. Я твердо вознамерился познакомиться с этим человеком и хочу послать ему свое рассуждение о Демокрите как знак моей признательности.
Впрочем, к числу тех, с кем я желаю личных отношений, относится и Шпильхаген. Ну, может быть, в Берлине когда-нибудь представится возможность сблизиться. Я удивляюсь, что ты до сих пор не нанес визит этому выдающемуся человеку. Мы должны сами собирать своих философских друзей. Банзен, автор «Характерологических этюдов», тоже в списке. Ведь есть же в Берлине и Ойген Дюринг, который всегда читал прекрасные лекции, например, о Шопенгауэре и Байроне, о пессимизме и т. д. Наконец, там, вероятно, можно найти и Фрауэнштедта, протагониста культа. Если бы у нас только был орган для стремлений с точки зрения Шопенгауэра, философский журнал, редактируемый молодыми талантливыми людьми и т. д.
Но, скажешь ты, сейчас не время философствовать. И ты прав. Политика сейчас — орган общего мышления. Я поражаюсь событиям и могу приблизить их к себе лишь тем, что выделяю из потока целого деятельность определенных людей и рассматриваю их по отдельности. Неумеренное удовольствие доставляет мне Бисмарк. Я читаю его речи, как будто пью крепкое вино: я придерживаю язык, чтобы он не пил слишком быстро и чтобы я мог наслаждаться как можно дольше. То, что ты пишешь мне о махинациях его противников, я охотно верю; ибо это необходимость, чтобы против таких натур восставало все мелочное, узколобое, партийное, ограниченное и готовилось к непримиримой войне.
Сегодня, дорогой друг, сердечное прощай! Извини, что я не могу уделять больше своего времени этому самому любимому из моих занятий — пребыванию в духовном общении с моими друзьями. Передавая тебе приветы от моих близких, остаюсь в верной привязанности
Твой друг
Фридрих Ницше
563. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
в эти дни, когда недомогание приковало меня к комнате, мой взор устремлялся вперед, за пределы военного года; и при этом мне пришло на ум, что у меня есть к Вам еще одна просьба. Возможно, я уже рассказывал Вам, что ранее собирал материалы для докторской диссертации, которая должна быть посвящена вопросу об ἰσοχρονία Гомера и Гесиода. Не ожидайте, что я буду отстаивать здесь анахроничную научную точку зрения: прежде всего я хочу лишь исследовать, на чем основывается это убеждение и как оно развивалось с течением времени. При этом, кстати, снова заходит речь об эпическом цикле и времени его возникновения, и, надеюсь, не без некоторых новых аспектов.
Что же послужило бы для этой работы существеннейшей поддержкой, так это новая сверка небольшого сочинения περὶ Ὁμήρου καὶ Ἡσιόδου καὶ τοῦ γένους καὶ ἀγῶνος αὐτῶν, которое, правда, бесчисленное количество раз перепечатывалось, но никогда более, с тех пор как Генрих Стефанус в 1553 году пребывал во Флоренции, не сверялось с единственным кодексом, который его содержит.
Этот codex bomb<ycinus> saec. XIII недавно Валентин Розе в Anecdota Graeca et Graecolatina самым тщательным образом описал и извлек из него многократную пользу. Он содержит, например, архетип всех наших рукописей Полиэна. В нем, следовательно — его номер я решительно не могу найти в своих бумагах, — на листе 16v находится указанный трактат. Кроме того, мне была бы полезна небольшая коллекция эпиграмм, которая на листе 20 начинается под этим заглавием ποῦ ἕκαστος τῶν Ἑλλήνων τέθαπται καὶ τί ἐπιγέγραπται ἐν τῷ τάφῳ.
Если Вы теперь сможете что-либо предпринять в указанном деле, если Вы, например, могли бы назвать мне молодого немца, пребывающего сейчас во Флоренции, который взялся бы за подобную работу за соответствующее вознаграждение, то Вы, глубокоуважаемый господин тайный советник, обязали бы меня новой благодарностью. На сегодня мне остается лишь просить Вашего прощения за то, что я так часто своими письмами и просьбами нарушаю полноту Ваших дел и занятий. Но канониры все же сделаны из более грубого материала, чем другие люди. Простите же грубого воина
Фридрих Ницше
564. An Friedrich Ritschl in Leipzig (Entwurf)
Когда я читал ваши последние заметки в rhein. Mus., мне стало неясно, помните ли вы место у Лаэрция, которое довольно прямо выражает двойное значение ἀντ<ίσιγμα> περιε-<δτιγμένον> Laert. III 66
565. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
это письмо написано плохо и содержит каракули; но это письмо больного, который еще не может двигать рукой без боли.
Ибо смотри, дорогой друг, я уже 3 недели тяжело страдаю: и причиной была сущая безделица. Я надорвал при верховой езде пару мышц груди и из-за этого испытывал боли, которые в первый же вечер вызвали несколько обмороков. Теперь я 10 дней лежал неподвижно в самом буквальном смысле слова, то есть не двигаясь, как будто растянутый и связанный веревками, под ужасными болями, с постоянной лихорадкой, беспокойный день и ночь, с ледяными компрессами. К этому добавился еще и неприятный спутник — упорный желудочный катар. Наконец, после этих десяти дней в груди были сделаны разрезы, и с того времени я испытываю филоктетовское удовольствие от сильного нагноения. При разрыве тех мышц много крови скопилось внутри груди: и это теперь перешло в нагноение. Я скажу слишком мало, если скажу, что уже 4, 5 чашек гноя вытекли из той раны. С того времени я снова встал с постели; но состояние еще плачевное: вялый, как муха, измученный, как старая дева, худой, как аист.
При этом меня до сих пор приходится поднимать из лежачего положения; вся грудь как будто стянута, и все связки, мышцы и сухожилия болят. Позавчера я даже был один раз на улице, и я волочил ногу за ногой, как инвалид, и устал через четверть часа.
Это медицинский бюллетень. Мораль: не рви мышцы!
Теперь, дорогой друг, я хочу рассказать тебе, как среди многих отвратительных лекарств было и одно очень приятное, которое принесло мне больше пользы, чем те отвратительные. Это было твое письмо и твоя посылка. Я проснулся однажды утром, освеженный сном — я принимал каждый вечер морфий — и получил, как подарок молодого дня, твое письмо на кровать. Ах, если бы все больные получали такие письма, в которых заключены жизненная сила, дружба, надежда, воспоминания, короче, все добрые демоны.
В то же время это была твоя присланная работа, которая впервые снова побудила меня к упорядоченному научному мышлению, чтение которой позволило мне на одно утро забыть о своих болях. Но святой Будда, ты требуешь теперь от меня критики; я не знаю, что бы я ответил тебе на это как здоровый человек, но как homo miser я скажу только, что я οὐχ ἱκανῶς τοῦ κρίνειν; как однажды сказано у Каллимаха; что меня всегда очень радовало. Однако у меня для нашей lanx satura есть только одно пожелание: чтобы остальные 8 статей не опускались слишком глубоко ниже принятого тобой уровня. Я сам испытывал настоящие угрызения совести: и следствием было то, что с того дня я всегда таскаюсь со своим Демокритом, как беременная женщина; но без надежды скоро родить. Все это дело стало несколько сомнительным, и перед моей довольно строгой филологической совестью оно все больше рассыпается.
Ты можешь быть действительно спокоен насчет своего трактата; материал имеет много остроты, и вся твоя постановка проблемы имеет здоровые свежие члены и красные щеки. Особенно хорош тот ход в целом, который заставляет читателя остановиться только в конце: что немало значит. Пару раз ты меня немного напугал: хотя я сразу же успокоился. Но почему читатель должен пугаться? Если ты, например, на стр. 30 говоришь против Тойффеля: „тем более, что лукиановское происхождение «Осла» отнюдь не бесспорно“, то читатель, которого нужно представлять себе немного глупым, пугается: потому что он был в убеждении, что это происхождение твердо установлено, так как ты, не намекнув ни словом на это происхождение, утверждал свою гипотезу и оспаривал другие. Если глупый читатель читает дальше, то он позже видит всю ситуацию и решает вместе с тобой, что «Осел» из конюшни Лукиана. Но приведенное предложеньице должно исчезнуть, чтобы оно не вызывало внезапного испуга у слабонервных.
Там, где ты позже начинаешь исследовать вопрос об авторстве Лукиана, там ты напугал меня во второй раз: „Теперь могло бы показаться, — говоришь ты, — как будто весь вопрос можно решить короче всего так, что отказать Лукиану в авторстве сочинения, но затем и т. д. — что является мнением некоего Гофмана. Это предложение вызывает даже наш ужас, потому что оно так легкомысленно противоречит всем прекрасным рассуждениям первых глав: особенно же ты слишком хладнокровно говоришь об этой всей концепции; это „могло бы показаться“, это „решить короче всего так“ неприятно меня задевает. Не хочешь ли ты оставить Гофмана в стороне или бросить его в примечание?
Наконец, я едва ли могу признать тебе предложение на следующей странице: „и все до сих пор изложенное могло бы быть правильным, даже если бы Лукиан не был автором нашего ὄνος“; что, сказанное в такой общности, быстро вызывает возражение.
Так я все же позволил соблазнить себя на некоторые высказывания, которые совсем издалека напоминают желаемый тобой munus critici. Ну, прости, что они вообще написаны.
Представь себе, что меня в эти дни торжественно поздравили через дежурного унтер-офицера от имени капитана и продвинутых по службе с тем, что я по приказу полка стал «ефрейтором». Ах, черт возьми, если бы я был хотя бы «освобожденным»!
Это напоминает мне те парижские виды на путешествие, которые ты, как красивый пестрый мяч, подбросил мне. Я согласен, я убежден, я надеюсь, я организую; эта мысль уже прочно вплетена в ткань моего ближайшего будущего. Но, дорогой друг, не раньше лета следующего года! Ибо ужасного требуют от меня небесные силы еще до этого: они поставили перед той поездкой ἱδρῶτα. Докторская диссертация, сатура Ричля, индекс музея — «Не ломай мост»
Впрочем, я не хотел бы жить в Париже, если бы не было возможности позаботиться о чем-то для своего пропитания. Там так прилежно работают и хорошо платят работнику. Будем работниками! В долгосрочной перспективе я не могу жить на остатки своего состояния, особенно на парижскую ногу.
Во всяком случае, там работают великолепно, перерывают библиотеку, участвуют в революции, переживают смерть императора и учат французский.
Ах, дорогой друг, какие перспективы для Филоктета, который снова свое ῥάκος полон νοσηλεία — действительно ли это правильные греческие слова: я отвыкаю γεράσκων αἰεί — и т. д. —
Там снова лежит ряд дней. Что нельзя даже своим друзьям безнаказанно писать. Да, боги злы и завистливы с юности.
Это немного писанины писем повредило мне так, как я не мог предположить. Мне пришлось снова остаться лежать в постели, и с того времени я жестче, чем козел. Ты не имеешь понятия, какие осторожные приготовления я должен был сегодня сделать при написании этих строк, чтобы, например, пером поймать чернила. И все же каждую минуту эта судорожная боль. Рана гноится дальше. Врач переведен в другой гарнизон. Да, я знаю, боги не могут выносить цинизмы, пролетариат остроумия; они гневаются на меня, потому что я написал тебе о νοσηλεία и ῥάκος.
Теперь два события. Вчера пришла диссертация Коля, а именно с названием «Взгляд И. Канта на свободу воли». Представь себе, философская диссертация Коля! В которой имя Шопенгауэра весело плавает вокруг. Без нескромности будет сказано: я учуял что-то от нашей атмосферы. Не совсем внутренним является усвоение Шопенгауэра: его иногда неверно истолковывают; и в конце ему приходится плохо как тому, чье учение о неизменности характера в основе своей происходит оттого, что он свой собственный не смог удержать в узде.
Впрочем, это навело меня на мысль тоже однажды защитить философскую диссертацию и так задним числом помочь моему студенческому билету в Бонне и Лейпциге обрести свои права; я ведь всегда ходил как stud. philos.
Теперь второе событие. В тот же день я получаю соблазнительно любезное письмо от Царнке, в котором он предлагает мне сотрудничество в литературном центральном листке и в то же время желает для оного рецензию на только что вышедшее издание Теогонии Шюмана: которую книгу он и присылает. Так крестят меня, немощного человеческого ребенка, сначала в ефрейторы, а потом в рецензенты!
Вчера Фолькман рассказывал, что Курт Вахсмут сделал большое открытие. Больше он ничего не знал. Второго сына он тоже зачал.
Дорогой друг, слово после и из моего сердца ты написал: инстинкт — это лучшее в интеллекте. Упомянутый инстинкт говорит мне сейчас, как δαιμόνιον: «Думай еще немного о своем далеком друге, но не пиши больше».
И на этом прощай!
Ф.Н.
566. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Глубокоуважаемый господин профессор,
то, что я отвечаю так поздно, — не моя вина: дух был бодр, но плоть немощна. Подумайте только, что я уже шесть недель как не в строю и за это время был поражен весьма болезненным, медленно отступающим недугом. Во время верховой езды я надорвал несколько грудных мышц, из-за чего скопилось много крови; и теперь печальным следствием этого является сильное нагноение, сопровождающееся судорожным напряжением всех грудных, спинных и плечевых связок.
Но зачем я утомляю Вас столь неприятными вещами? Просто поверьте мне, что в данный момент я еще сильнее желаю снова иметь возможность самому оседлать своего Бальдуина и сесть на него, нежели действительно заслужить столь прекрасные похвалы, которые Вы любезно упомянули в первых строках Вашего почтенного письма. Бывают случаи, когда «компетентные стороны» могут быть весьма любезны, но при этом совершенно некомпетентны.
В остальном же, Вы видите меня готовым на деле принять Ваше весьма любезное предложение относительно «Literarisches Centralblatt». Прилагаю краткую рецензию на книгу Шёмана. — Область, в которой я считаю себя достаточно сведущим, — это источниковедение и методика истории греческой литературы; если же назвать еще несколько имен, которые мне ближе, то здесь, помимо Гесиода, могут найти место Платон, Феогнид вместе с элегиками, Демокрит, Эпикур, Диоген Лаэртский, Стобей, Суда, Атеней.
С благодарной преданностью
Фридрих Ницше
Ефрейтор (еще не освобожденный)
2-й конной батареи
Магдебургского полевого артиллерийского полка № 4.
567. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
Не знаю, рассказывал ли Вам уже друг Виндиш о том, что я долгое время был тяжело болен и что даже сейчас еще ожидаю полного выздоровления, но мне бы хотелось, чтобы это было так. Дело в том, что я так долго не давал о себе знать, что в этот раз должен принести особые извинения: только поэтому я упоминаю о злосчастной болезни, которая вследствие разрыва двух грудных мышц на долгое время запретила мне всякое письмо. Я был настолько истощен, что мне пришлось постепенно заново учиться ходить. Даже сейчас гноящаяся рана на грудине все еще открыта, даже сейчас, т.е. спустя 8 недель.
Сегодня я приношу Вам, так сказать, своего рода эпилог к моей работе о Лаэртии, небольшую статью, которая просит о местечке в Рейнском музее, и которой я подал надежду, что она просит не напрасно.
С глубочайшим почтением
Фридр. Ницше
Ефрейтор 2-й конной батареи
Магдебургского полевого артиллерийского
полка № 4.
568. An Paul Deussen in Berlin
Мой дорогой друг,
Твое последнее письмо я получил, испытывая жесточайшие боли; спустя несколько часов после этого я лишился чувств. И то, и другое было вовсе не следствием скрытого яда, который перешел на меня из твоего письма и одурманил; к моему счастью, у меня нет столь опасных друзей (или ты полагаешь, что Шопенгауэр принадлежит к этому роду дружелюбных отравителей? —)
Из твоих писем я, собственно, не могу понять, сообщал ли я тебе когда-нибудь, что с октября я солдат, а именно артиллерист. Если я забыл упомянуть об этом, то извини это странной философской манерой нашей переписки.
Итак, на этой службе Марсу я надорвал несколько грудных мышц, что привело к длительной и тяжелой болезни, которая и сейчас еще не прошла. У меня нет желания утомлять тебя подробностями чудовищного нагноения, судорожного растяжения грудных и спинных связок и т. д. Довольно того, что я был очень жалок из-за постельного режима и боли; постепенно я снова прихожу в себя.
Как раз в начале этой прервавшей меня болезни я получил твое письмо; и я читал его с радостью, но стуча зубами. Если ты подсчитаешь, когда было написано твое последнее письмо, то будешь знать, как долго я уже страдаю.
Что мне теперь больше всего понравилось в твоем послании, так это бодрый, довольный собой тон, который весьма выгодно отличается от мрачного колорита твоих боннских и тюбингенских излияний. «Стариковское» исчезает: таков твой термин для этого, который весьма характерен. Другие люди сказали бы «юношеское исчезает». Ну, об этом спорить не будем.
В отношении этого бодрого тона я позволю себе теперь внести предложение. Не пора ли нам наконец покончить с философскими препирательствами, сценой для которых до сих пор служили наши письма. Созвучия до сих пор не получилось: зачем нам вечно играть на нестройных струнах? Твое последнее письмо, например, отвергает мою точку зрения на смирение как на неюношескую, т. е. стариковскую: против этого у меня нет оружия. Но то, что ты добавляешь, будто смирение будет оправдано лишь тогда, когда оно — как у Канта — основывается на твердом убеждении относительно границ нашей познавательной способности и т. д., — это очень хорошее замечание. Но тот, кто следит за ходом соответствующих исследований, особенно физиологических со времен Канта, не может иметь ни малейшего сомнения в том, что эти границы определены столь надежно и безошибочно, что, кроме теологов, некоторых профессоров философии и vulgus, никто больше не питает здесь иллюзий. Царство метафизики, а значит, и область «абсолютной» истины, неизбежно было поставлено в один ряд с поэзией и религией. Тот, кто хочет что-то знать, довольствуется теперь осознанной относительностью знания — как, например, все известные естествоиспытатели. Таким образом, метафизика у некоторых людей относится к области душевных потребностей, является по существу назиданием: с другой стороны, это искусство, а именно искусство построения понятий; однако следует твердо помнить, что метафизика ни как религия, ни как искусство не имеет ничего общего с так называемым «истинно сущим или бытием в себе».
Кстати, когда в конце этого года ты получишь мою докторскую диссертацию, тебе встретится немало того, что разъясняет этот пункт о границах познания. Моя тема — «Понятие органического со времен Канта», наполовину философская, наполовину естественнонаучная. Мои предварительные наработки почти готовы.
Итак, дорогой друг, оставим впредь это философское πάθος наших писем в стороне. Ты сам взял верный тон, написав мне вполне филологическое письмо: за что я тебе благодарен. Но в то же время я не могу не удивляться странному методу, с помощью которого ты определяешь себе тему для исследования. Другие люди находят проблему, уже раскрытую другими или обнаруженную собственной проницательностью, и приступают к поиску решения. Ты же пишешь мне, что объектом твоих исследований является
Евтидем
что ж, это поле деятельности, но не проблема. Правда, ты намекаешь, что тебя будет занимать прежде всего вопрос подлинности. И здесь второй пункт, где я должен выразить свое удивление. Клянусь Зевсом, я сторонник смелости, если это не просто добродетель унтер-офицера, если это смелость с осознанием дела. Платоновский вопрос в данный момент — это грандиозный комплекс, внутренне сросшаяся ткань, организм. Такие вопросы требуют масштабного подхода; что толку грызть один из внешних пунктов, буквально кожу вопроса! Что толку обвинять Шааршмидта в легкомыслии и преувеличениях! Исследования сейчас уже достигли высшей точки: речь идет о психологическом проникновении, необходимо реконструировать ход мыслей и духа Платона, а не в расплывчатой манере Шлейермахера или старого Штайнхарта.
Что касается авторитета предания, то я прошу тебя быть как можно более свободомыслящим. Возможно, у меня сейчас есть особое право сказать: не существует авторитета для списков Александрийской библиотеки; ибо я случайно сосредоточил свои главные интересы на этих вопросах предания. О каждом из платоновских диалогов нужно спрашивать, кто его автор; и если он сам не говорит в пользу Платона, то никакие свидетельства не помогут, даже свидетельства Аристотеля: с ними ведь может быть та ужасная история, что они были дописаны гораздо позже, например, при редакции Андроника. Да, существуют определенные примеры таких вставных свидетельств у Аристотеля.
Теперь я вкратце расскажу тебе о своих работах и намерениях. Свою статью о писательской деятельности Демокрита я еще не написал: я хочу снова взяться за весь этот вопрос лишь тогда, когда закончу несколько примыкающих пунктов, например, о διαδοχαί философов, о методах озаглавливания у древних, об отчествах философов, о способах смерти философов, то есть примерно в следующем году. Пока что я подготовил все, чтобы к концу этого года закончить одну любопытную большую статью о современности Гомера и Гесиода. Здесь впервые проявляются мои гомеровские παράδοξα; это θαῦμα βροτοῖσιν, говорю тебе. В целом я счастлив обилием прекрасных комбинаций: и желаю лишь суметь их изложить.
Тем временем, т.е. во время моей болезни, я также получил очень любезное письмо от проф. Царнке с приглашением сотрудничать в «Литературном центральном листке». Я принял это предложение, и ты можешь, например, найти мою краткую рецензию на «Теогонию» Шёмана в его последнем номере. —
В заключение благодарю за приятное известие о свадьбе Эрнста Шнабеля. Если ты пожелаешь ему счастья от моего имени, ты доставишь мне особую радость. Равно как и если передашь мои приветы своим уважаемым родным: наконец, если ты скоро ответишь
Твоему другу
Фридрих Ницше
NB. Только, пожалуйста, убери военный адрес.
569. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
отвечаю вскоре: из этого пойми, как меня обрадовало Твое письмо; еще больше — как сильно меня занимают затронутые в нем вещи. К тому же сегодня утром пришло письмо от Виндиша ко мне, письмо, которому я придаю решительное значение для наших планов на будущее, хотя сам автор — который, кстати, передает Тебе свой сердечный привет — об этом ничего не подозревает. Но прежде чем я разрешу Твое напряжение, стоит упомянуть то, что иначе слишком легко осталось бы без внимания: что мое выздоровление продвигается лишь с хромающей ногой, что и сейчас еще гноящаяся рана на грудине открыта, и что мне все еще не хватает сил, чтобы бодро возобновить мои военные штудии. Пусть Твои сочувственные пожелания, подобно инкубу, ложатся по ночам на рану: во всяком случае, они приносят мне больше пользы, чем цинковая мазь и пластырь, да и вообще в них, как и во всех Твоих письменных проявлениях жизни, для меня заключена укрепляющая и исцеляющая магия, подлинный медицинский κάθαρσις τῶν παθημάτων.
Дорогой друг, наш Ritschl-sacellum за одну ночь провалился в воду: почему? потому что мы построились слишком близко к воде. Наше акционерное общество распадается, прежде чем собран капитал, наше сражение проиграно, прежде чем оно дано, так как наши союзники разбегаются. Я, таким образом, недавно написал Виндишу и немного подчеркнул серьезность однажды принятого членства в комиссии, т.е. попросил его о письме с более точными сведениями о наших сотрудниках, а также, среди прочего, рассказал об единственном, кто выполнил свое обязательство до назначенного срока. Сегодня я получил ответ на свои запросы, ответ с таким количеством деталей, что я считаю наше предприятие несостоявшимся. Суди сам: сам Виндиш, в работе которого мы, по понятным причинам, должны быть заинтересованы, описывает свое положение как положение того известного старца, сидящего на крыше: и оно соответствует этому. Он учитель, хочет хабилитироваться, пишет для этой цели две санскритские работы, воспитывает двоих детей, приводит в порядок запутанные дела своего недавно умершего отца и, наконец, имеет еще одну деликатную причину в настоящее время не участвовать в нашем проекте. Бедному Клемму так плохо с глазами, что мы здесь по справедливости можем только сочувствовать, а не предъявлять требования. Теперь приходит Рошер, дитя человеческое, которое, говоря по секрету, всегда казалось мне несколько ненадежным: он, как пишет Виндиш, ради своей диссертации вытянул весь жир из своих когтей и нагло подумывает о том, чтобы подбросить свои залежалые конъектуры нам, то есть Ричлю. Виндиш благодарит, я тоже, и одновременно от Твоего имени. Как с Рошером, так обстоит дело и с Дресслером, только у последнего вообще нечего больше выдавать, даже разменной монеты конъектуры. Это мизера: эти люди! Как можно быть таким импотентным и даже не стыдиться признаться в этом! Вот Тебе несколько названий романов: «бессильные чресла или улыбающийся шестигрошовик», «конъектурная езда в словаре или Барнум в жилетном кармане», «маленький лжец или обойная фабрика», ловкий аспирант или доктор H в Лейпциге и т.д.
Итак, дорогой друг, еще раз: наши виды на будущее ничтожны: ибо и Коль, как я с ним говорил, еще не сделал никаких приготовлений, к тому же он учитель в Бармене и работает слишком медленно. Об Андрезене ничего не слышно: но он сравнительно надежен. Виндиш в конце концов советует оставить все дело на пару лет: тогда нашлось бы больше участников. Так пусть же она уснет, эта добрая вещь, которой я очень интересовался и которую с болью отпускаю. Стоит только один раз рассчитывать на человеческое бескорыстие, да что там, просто на простую рассудительность: и просчитаешься. Все это нужно подгонять палками, даже к действию, которое в равной степени служит как собственной славе, так и славе учителя.
Ну что ж, выводы для нас, дорогой друг!
Прежде всего, я, пожалуй, могу предложить Тебе еще раз набросать новую карту будущего. Я ведь теперь больше не связан необходимостью писать работу, предназначенную для Ричля: благодаря чему выигрываю время. Возможно, даже надеюсь, к Рождеству я закончу с защитой и музейным указателем; и тогда мы сможем расправить наши крылья, чтобы еще к Новому году быть в Париже. Согласно этому плану, было бы, конечно, разумно осуществить и Твою защиту к этому времени: и Ты можешь использовать в качестве диссертации именно то исследование источников, которое сейчас у Тебя в руках.
Я сам чувствую себя, что касается этого пункта, довольно неуютно. В сущности, и мои Democritea, и мои Homerica слишком хороши для этой цели: т.е. я хотел бы приберечь их для весьма неспешного изложения, которое, возможно, завершу в Латинском квартале, а не уродовать эти прекрасные материалы тем, что буду разрывать их. Для диссертации обе темы слишком многословны и слишком — немецкие. Теперь у меня, правда, одно время был даже философский проект ,ὡς κωλίζων’ (а именно написать «о понятии органического со времен Канта») и для этого собрано достаточно материала; в целом же эта тема совсем не подходит для осознанной цели, если не хочешь действовать легкомысленнее мухи. В конце концов, я буду рассматривать более узко ограниченный филологический вопрос, а именно: немного ближе освещу различных пап, которых греческие историки литературы приписывают поэтам, философам, ораторам и т.д., а именно являются ли они γόνῳ или θέσει папами, являются ли они вымышленными папами и т.д. и т.д. Если, кстати, Твоя работа о Поллуксе тоже слишком хороша для той комедии, то я рекомендую Тебе еще одну тему того же ранга: откуда берется, что те поэты, философы и т.д. должны были происходить то из этой, то из той родины. Составляешь рубрики и утомляешь себя и других — чем, собственно, цель и достигнута.
Само собой разумеется, что Твоя прекрасная работа, предназначенная для Ричля, ни при каких обстоятельствах не может быть брошена этому идиотскому идолу, Dea Promotio. Если Ты позволишь мне сделать Тебе предложение, то пришли мне в ближайшее время в качестве вложения к письму несколько строк Ричлю, в которых Ты предлагаешь ему эту работу для rhein. Mus. Эти строки вместе с opus я затем отправлю Ричлю, с которым я теперь в «деловых отношениях». Так это все же останется знаком благодарности.
Впрочем, дорогой друг, я искренне прошу Тебя твердо направить свои глаза на однажды выбранную академическую карьеру: о чем Тебе, однако, нужно однажды принять твердое решение. Здесь тревожная самопроверка совсем не к месту: мы должны просто, потому что не можем иначе, потому что у нас нет более подходящей жизненной карьеры, потому что мы просто зашли в тупик на пути к другим более полезным должностям, потому что у нас нет никакого другого средства сделать нашу констелляцию сил и взглядов полезной нашим ближним, кроме как именно указанным путем. В конце концов, мы ведь не должны жить для себя.
Позаботимся со своей стороны о том, чтобы молодые филологи вели себя с необходимой долей скепсиса, свободные от педантизма и переоценки своей специальности, как истинные поборники гуманистических исследований. Soyons de notre siècle, как говорят французы: точка зрения, которую никто не забывает легче, чем цеховой филолог.
Впрочем, будь любезен, не упоминай снова в связи со своим именем господ Форххаммера, Риттера и т.д.
Как будущие университетские рыцари, мы должны сделать кое-что ὥστε γνωρίζεσθαι, то есть время от времени помещать наши имена в журналы, из Парижа выпускать в мир анекдоты и т.д. Через 1,5—2 года мы хабилитируемся в Берлине или где-нибудь еще и переживем время «дистиллированной безнадежности», приват-доцентство σὺν ἐρχομένω. Кстати, Ричль однажды сказал мне, что филологических доцентов сейчас всегда не хватает. Что это должно быть так, доказывают быстрые продвижения по службе, например, Райффершайда и недавно Ризе в Гейдельберге.
Во всяком случае, мы оба идем навстречу этому академическому будущему без преувеличенных надежд. Но я считаю возможным, что в должности профессора можно, во-первых, обрести и сохранить достойный досуг для собственных исследований, во-вторых, полезную сферу деятельности, наконец, положение, сносно независимое как политически, так и общественно. Последним указанным преимуществом мы обладаем перед любой государственной карьерой, будь то юрист или школьный учитель.
К чему, кстати, нам сдавать так называемый и печально известный государственный экзамен? У меня зубная дрожь от этого износа памяти, производительной силы, своеобразного стремления к развитию, от этой машины устаревшей, все нивелирующей правительственной максимы; да я убежден, что не могу сдать этот экзамен, потому что никогда не хочу его мочь. Итак, вычеркнем и эту вещь из программы нашей музыки будущего: ведь она не нужна для нашей академической карьеры.— —
Теперь я упомянул все пункты, к которым меня привело письмо Виндиша (которое я прилагаю). Надеюсь, не к Твоему огорчению. Ибо у меня сейчас нет более страстного желания, чем увидеть прекрасные картины парижской совместной жизни, переведенные в действительность. Как в лейпцигских пустынях росло наше чувство природы, так в Наумбурге — моя потребность в дружеском обмене.
Поэтому, дорогой друг, скажи мне поскорее, как Тебе нравятся мои планы на будущее. На сегодня сердечное прощай.
Фр. Ницше
Передай, пожалуйста, моей госпоже матери мои покорные приветствия.
570. An S. Heynemann in Berlin
Дорогой господин Хейнеманн,
Вам вовсе не следовало бы обращаться к старому доброму лейпцигскому знакомому столь официально и с таким избытком церемоний. Надеюсь, вы, как и все мы, с теплотой вспоминаете то лейпцигское прошлое с его прекрасной общностью научных интересов; и именно наши «symbola» должны были бы связать нас, столь тесно сплоченных, еще более крепкими узами.
Должны были бы: ибо я, к моему собственному огорчению, не могу скрыть от вас, что прекрасный план, который я лелеял с такой любовью, близок к тому, чтобы развеяться по ветру.
Как я вижу из недавно полученного письма от Виндиша, ткань нашего плана начинает распадаться там, где этого меньше всего можно было ожидать: а именно в самом Лейпциге. Конечно, для всех подобных начинаний требуются энергия и самоотречение, а с другой стороны — надежность, если уж человек взял на себя обязательства. Похоже, что саксонцам — как в нашем случае, так и в немецкой политике — недостает этих трех качеств.
Довольно, дорогой господин Хейнеманн; к чему мне сообщать вам неприятные подробности, к чему называть отдельные имена? Во всяком случае, сейчас число реальных сотрудников настолько мало, что мы, чтобы не скомпрометировать себя и нашего учителя, временно вынуждены отказаться от нашего предприятия.
Временно: ибо я не премину, когда пройдет несколько лет и число лейпцигских учеников увеличится количественно и качественно, вновь взяться за свой план; и я надеюсь тогда встретить у вас ту же прекрасную готовность, которая в настоящее время так выгодно контрастирует с поведением лейпцигцев.
Что же касается вашей почти законченной работы, то я позволю себе предложить вам то же самое, что предложил другу Роде: отправьте эту работу Ритчлю для «Рейнского музея»: так вы доставите ему хотя бы часть той радости, которую мы, союзные символисты, хотели ему доставить.
Я хотел бы сообщить вам более приятные вещи: но, к сожалению, это не в моей власти. Таким образом, мне не остается ничего иного, как выразить вам свою благодарность за ваше письмо в надежде, что более благоприятное будущее поможет вновь построить мост, разрушение которого мы сейчас оплакиваем.
С дружеским приветом
Фридрих Ницше
в настоящее время ефрейтор 2-й конной
батареи Магдебургского полевого артиллерийского
полка № 4.
571. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
лучшим лекарством всё же остаётся доброе и участливое письмо: что значат пластырь и мазь по сравнению с укрепляющим чувством благополучия, которое, например, вызвали во мне Ваши добрые строки. И потому примите на сей раз мою особую благодарность за эту квазимедицинскую помощь, да, за мгновенный κάθαρσις τῶν παθημάτων.
Впрочем, эти παθήματα затяжные и скучные: в такую прекрасную весеннюю погоду я тоскую по своему коню и солдатской службе, но рана не доставляет мне удовольствия затянуться.
О том, чем занимаются во время такого невольного (пусть даже не совсем нежеланного) досуга, Вы сегодня снова получите доказательство. Со школьных лет та прекрасная песнь Данаи Симонида звучала у меня в голове, словно незабываемая мелодия; что же ещё можно делать в такую майскую погоду, как не стать немного «лиричным»? (Лишь бы Вы только на сей раз не обнаружили в моей тетради ещё и «лирическую» конъектуру!)
Даная, кстати, скромное дитя: сидя в своём ящике, она не привыкла к большим пространствам и потому просит для себя лишь около 11—12 страниц Вашего музея. Она также может подождать. —
В верном почтении
Фридрих Ницше
572. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
что, во имя неба, скажете Вы сегодня, к чему эта толстая рукопись? Дурная привычка молодого человека — не отправлять ни одного письма без такого сопровождения! — И все же я был бы весьма опечален, если бы прилагаемая работа получила хоть один недоброжелательный взгляд только потому, что отправитель — я. В самом деле, автор её совершенно невиновен в том, что я в последнее время бомбардирую Вас своими рукописями, — что Вы, быть может, должны приписать разлагающему влиянию службы в полевой артиллерии. На сей раз автор и отправитель — разные лица: и именно первому я желаю для его литературного плавания самых попутных ветров и самых приветливых солнечных лучей. Прилагаемый листок откроет Вам имя этого знакомого-незнакомца, на которого, кстати, намекает Гораций, когда говорит: hie Rhodus, hie salta.
У меня самого сегодня на сердце лишь две вещи. Во-первых, я должен выразить Вам свою благодарность за невероятную быстроту, с которой Вы пристроили «Данаю». Во-вторых, я задолжал Вам отчет о своем здоровье: и мне хотелось бы иметь возможность написать об этом пункте что-то лучшее, чем я могу. Рана на грудине все еще открыта, и нагноение начало проникать в кость, так что недавно, к моему изумлению, показался кусочек моей кости, маленькая косточка. Теперь я усердно обстреливаю внутреннюю гнойную полость ромашковым чаем и раствором ляписа, а также трижды в неделю принимаю теплые ванны. Порой у меня иссякает терпение; в целом же сильное филологическое и философское занятие держит меня в тонусе и прямо. Также я утешаю себя будущим, например, перспективой поездки в Париж, которую я хочу предпринять в следующем году. Или я думаю о прекрасном времени, которое, надеюсь, принесет мне осень, времени, когда мне будет даровано снова жить вблизи человека, чьим верным последователем подписывается
Фридрих Ницше.
573. An Paul Deussen in Oberdreis
Мой дорогой друг,
я исхожу из того, что у тебя уйдет меньше времени на то, чтобы прочесть письмо, чем на то, чтобы его написать, и потому позволяю себе прервать твою глубокую работу безвредным и, возможно, приятным образом. По сути, я лишь наверстываю то, что упустил недавно, когда школьный праздник в Пфорте вызвал во мне живее, чем когда-либо, надежду вновь увидеть тебя лицом к лицу. Тогда материал для прекраснейших бесед был у меня на устах; в праздничном облачении я ждал, что хорошо знакомый шаг загрохочет по лестнице, — и ждал напрасно. Никто из круга моих знакомых по Пфорте (excepto Schenkio) не счел тот праздник достойным внимания — как и я сам не почтил его, более того, не присутствовал ни при встрече гостей, ни в гимнастическом зале, ни на горном дне. Теперь меня, правда, удерживал прежде всего мой далеко еще не прошедший недуг, с которым я борюсь с помощью всевозможных машин и который все же упорнее, чем это может вынести настроение терпеливого человека. В целом же и нынешняя Пфорта для меня не является предметом симпатии: мы, пожалуй, еще охотно думаем о ней, как о бывшей возлюбленной, но не хотим с удовольствием наблюдать, как отступница развлекается со своим новым любовником. К тому же этот любовник слишком жалок, а главное — слишком черен.
Из уст народа я узнал, что ты живешь на своей родине, — и это достаточно объяснило мне, почему ты не приехал. То, что добавили эти уста: «ты погружен в Аристотеля», — вероятно, также mutato nomine будет верным. Во всяком случае, я был очень раздосадован тем, что столь прекрасная надежда ускользнула у меня из рук; ибо я намеревался насильственным образом удержать тебя в Наумбурге, чтобы мы могли поделиться друг с другом «важными» результатами и опытом, как это принято у молодых людей, стоящих на исходе первой трети своего существования. Там, например, великий факт бороды и малый — жизненной философии, там возвышенная точка зрения цилиндра и т. д. —
Впрочем, мне только что пришло в голову, что злой демон, возможно, помешал тому, чтобы мое последнее письмо вообще попало к тебе в руки. Я отправил его в Берлин по твоему старому адресу. Оно содержало известие о моей болезни и немного филологии, если я правильно помню. Меня всегда злит, когда письмо к моим друзьям пропадает: ведь я не могу заставить себя обсуждать одно и то же дважды.
Если ты, кстати, снова покинешь свою родину, чтобы претерпеть пытку в Берлине, то заставь себя проехать через Наумбург. Здесь я хочу прошептать тебе на ухо всевозможные прекрасные заклинания, чтобы дьявол не поглотил тебя. Пока же желаю тебе самых ясных взглядов и самой радостной выдержки для завершения твоей работы. Мои жизненные планы (в которые, конечно, судьба, великий цензор, еще внесет много исправлений) на данный момент таковы. В следующем году намечена поездка в Париж, где я не намерен оставаться менее года. Мои друзья Роде и доктор Кляйнпауль сопровождают меня. Впоследствии я, вероятно, буду хабилитироваться в Лейпциге, где как раз другой мой друг, доктор Виндиш, обосновывается для нужд санскрита и где я все еще поддерживаю связь с филологическим сообществом через процветающий филологический союз.
В ближайшее время я, надеюсь, смогу прислать тебе мой «Laertianum» и другую статью, которые обе напечатаны в «Rhein. Mus.». Последняя рассматривает ту прелестнейшую песнь Даная, чей приятный вкус до сих пор ощущается у меня на языке со времен Бонна. Более крупные литературные замыслы растут во мне день ото дня, и точно так же я духовно готовлюсь к профессии университетского преподавателя, много размышляя для себя о правильном методе преподавания и обучения, о мере и потребностях нынешней филологии.
Вот и все обо мне. Однако вчера я говорил с человеком, который встречал тебя чаще и сообщил мне некоторые подробности о твоих занятиях и т. д. Это Штедтефельд, в настоящее время учитель в Шульпфорте. Он немного жаловался на твой слишком легко возбудимый энтузиазм, на быстроту и обширность твоих планов, которым не соответствует необходимая выдержка. Ну что ж, дорогой друг, такие вещи я прощаю в первую очередь; более того, я хвалю эту способность, потому что она не даст тебе упасть в болото, в которое попадают так много молодых филологов. Их беспокоит тревожное стремление как можно скорее показать хоть какое-то научное деяние, и поэтому они, как безумные, набрасываются на писателя, который должен дать им повод и материал для таких деяний. И у этих бедных честолюбцев stat pro ratione voluntas: их мучает не столько творческий порыв, сколько воля быть творческими. И горе разуму, который берется на буксир волей: кстати, именно эти натуры являются самыми претенциозными.
Вообще ты обнаружишь, что большинству филологов где-то присуща моральная странность. Отчасти это объясняется даже физически, поскольку они вынуждены вести жизнь против природы, перекармливать свой дух бессмысленным притоном, пренебрегать своим душевным развитием за счет памяти и суждения. Именно прекрасная способность к воодушевлению встречается реже всего среди нынешних филологов: в качестве печального суррогата ее проявляются самонадеянность и тщеславие. Мне было прямо-таки больно слышать это и о Бернайсе, которого я в целом привык считать самым блестящим представителем филологии будущего (т. е. следующего поколения после Ричля, Хаупта, Лерса, Бергка, Моммзена и т. д.). Подобное относится и к Лукиану Мюллеру, самому одаренному уличному мальчишке нашей филологии. Да назови любое имя, подумай о В. Розе, или Риббеке, или Бюхелере, или Ваксмуте и т. д.; везде проявляется странное уважение к собственной натуре и недостаток подлинного воодушевления.
Там, где эти люди согреваются, где их существо, их язык, их мышление приходят в движение и порыв, там это чувство их творческой силы: они согреваются как художники, а не как этики. Но только этик знает истинное воодушевление, которое насквозь бескорыстно.
Ну, мой дорогой друг, я хочу еще попросить тебя написать мне как-нибудь весьма подробное письмо о твоей работе; да я вовсе не против того, чтобы ты прислал мне ее саму. Ты услышишь тогда от меня, что откровенный друг может отчасти похвалить, а отчасти порицать. В особенности, если твоя работа затронет вопрос подлинности, мой интерес к ней будет двойным. Только избавь меня от сборника конъектур.
Образцовая работа одного друга недавно была у меня в руках, написанная моим другом Э. Роде в Киле. Ни с кем в мире я не был так единодушен как в философско-этических вещах, так и в филологических требованиях и пожеланиях, как с ним. Его трактат о «„Осле“ Лукиана в отношении к Луцию из Патр и Апулею» на днях был отправлен в Рейнский музей.
Кстати, Роде также принадлежит к числу соблазненных, которые нашли в Шопенгауэре свой духовный центр. Моей величайшей радостью в последнее время было то, что я здесь и там приобрел воодушевленных сторонников для этого имени. Что ты скажешь на то, что к ним относится и выдающийся обер-пастор Венкель, который с развевающимися знаменами перешел в тот лагерь? Он недавно признался мне, что только теперь узнал, что такое философия, и что то, чего достигли философы, кроме Канта и Шопенгауэра, в сущности, равно нулю. Я буквально согреваюсь от этих пламен воодушевления, которые напоминают мне о моей «первой любви». Даже такие высоко ценимые Венкелем люди, как Шлейермахер и Штраус, для него теперь стали бледными и бесцветными.
Но к чему я тебе это рассказываю? Конечно, не для того, чтобы тебя разозлить. В сущности, только для того, чтобы доказать тебе, что мой вкус и в этом пункте не так парадоксален, как это порой может казаться моему другу
Паулю Дойсену.
Кланяйся от меня твоим глубокоуважаемым родным; я порой с большим удовольствием думаю о твоей родине. — В остальном пиши мне как-нибудь поскорее, адресуй просто в Наумбург: письмо дойдет до меня, если я еще буду жив. Но и этот мерцающий огонек может однажды погаснуть.
574. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
именно прошедшие праздники Пятидесятницы напомнили мне о тебе самым живым и приятным образом: ведь в это же время в прошлом году ты посещал Наумбург и вместе со мной с величайшим усердием пытался решить ту знаменитую задачу о прямых ногах и так далее. Если бы благоприятная судьба позволила и ты бы в эту Пятидесятницу снова заглянул в тихий Наумбург, я имел бы радость показать тебе две новые и прекрасные вещи: хорошую книгу и нового друга Шопенгауэра. Кроме того, ты застал бы здесь превосходного Виндиша, в котором воплощена живая мнемоника нашего лейпцигского прошлого. Последний также привез прямое известие от Фридерикуса, который отозвался о твоей статье столь же похвально, как я и предполагал, и с радостью включит её в свой музей, как только представится возможность. Этот добрый человек, говорят, чувствует себя вполне хорошо: его последнее литературное произведение, плаутинское исповедание веры, которое составляет предисловие ко второму тому мелких сочинений и было прислано мне им на днях, написано в победоносном и уверенном тоне. Наш Виндиш сам очень понравился мне в эти дни; это одна из тех натур, которые развиваются полно и широко, чьи стремления удивительно цельны и нетронуты, и на которые смотреть — такое же удовольствие, как на мощно растущее дерево. На Михайлов день он собирается хабилитироваться и начать с лекций по санскритской грамматике, так как Брокгауз любезно уступил ему этот курс. А как ведутся эти занятия в Лейпциге, лучше всего доказывает тот факт, что в данный момент 66 студентов слушают этот курс. Его работа о «Хелианде» была повсюду очень хорошо встречена: его положение в Лейпциге должно быть весьма приятным. Впрочем, он пробудил во мне большое желание самому однажды хабилитироваться в Лейпциге; и я признаю, что существование вблизи Ритчля и на месте наших лучших воспоминаний мне очень по душе.
В Лейпциге, к моему удивлению, снова появились две натуры, которые раньше чувствовали себя там совсем нехорошо, а именно Виссер и Ромундт, первый — по-видимому, очень подавленным. Надеюсь скоро узнать о них обоих побольше. Общество всё ещё существует и насчитывает 10 членов, но его также активно посещают и не члены. Рошер и Дресслер (о котором я полностью разделяю твое мнение) руководят им; мой тезка недавно выступил с докладом об Евдокии. Особо выделяют некоего Штюренбурга. Кстати, общество несколько раз признавалось на публичных мероприятиях представителем филологического студенчества. Ожидается также открытие академического читального зала. Религиозная присяга, благодаря усилиям Виндиша и компании, отменена. Также стремятся создать студенческую кассу взаимопомощи и кредитования. Дело об университетских судах дало повод к большим студенческим шествиям, дракам и демонстрациям. В целом: общий дух лейпцигского студенчества поднимается. Прежний микрокосм мелкодержавного мышления и деятельности, который был ещё достаточно заметен и нам, кажется, отмирает даже в университетах.
Состояние Лейпцига понятным образом наводит меня на мысли о состоянии Бонна, о котором я только что услышал несколько интересных подробностей от доктора Штедефельда, молодого учителя из Пфорты и бывшего товарища по братству. Филология там, говорят, в полном упадке: студенчество приобретает провинциально-рейнский характер. Узенер — добронамеренный обыватель без выдающегося таланта. Бернайс портит всё своим безмерным и нелепым тщеславием; он считает себя главой школы и мучает всех, кто оказывается рядом, так что он на верном пути к тому, чтобы никогда не иметь учеников. При этом в лекциях он невыносимо многословен. Мюллер вызывает радость и смех у младших студентов. Семинар полностью пришел в упадок. Философия не живет в стенах Бонна.
Но ради всего святого, дорогой друг, мне становится тягостно высыпать целый рукав заметок, как будто я пишу кому-то другому, а не тебе. Поэтому я не хочу дольше скрывать анонсированную книгу, равно как и нового единомышленника. Ибо, когда я представлю тебе эти две приятные вещи, мне придется запеть серьезную, почти печальную песню. Но все эти вещи, которые я ещё хочу упомянуть, имеют общий горизонт и должны напомнить тебе о тех минутах, когда нас самих охватывало изумление перед тем же минорным аккордом, который звучал из наших душ в одно время. Книга, во-первых, называется «Три пути» и написана англичанином Гербертом Греем. Новый друг Шопенгауэра — это ставший и тебе известным обер-пастор Венкель. Я удивительно радуюсь этому обращению и переживаю в пламени энтузиазма этого человека заново первый восторг «молодой любви», те лейпцигские осенние дни, в которые впервые та чудесная шопенгауэровская музыка до глубины души потрясла меня. Сам Венкель признался мне, что только теперь узнал, что такое философия, что только теперь жизнь начала открываться ему и что раньше он ходил как во сне. То, чего достигли философы, кроме Канта и Шопенгауэра, он теперь не ценит ни на грош. Даже Шлейермахер и его любимые тюбингенцы кажутся ему теперь тусклыми и бесцветными. Он тоже повесил портрет Шопенгауэра в своем кабинете. Его беседы не имеют иного и более любимого объекта, чем этические проблемы; если бы ты был в Наумбурге, у тебя была бы возможность услышать Шопенгауэра с кафедры. Что для меня ещё особенно ценно: Венкель питает огромное уважение к личности, в том числе к моральной личности Шопенгауэра. Это пополнение нашей общины действительно значительное, особенно потому, что Венкель обладает способностью пробуждать энтузиазм и повсюду теперь с рвением неофита указывает людям на того человека, чье имя ему самому, когда он ещё был Савлом, глубоко и внутренне претило. —
Чтобы теперь в заключение сказать и о себе, то есть прежде всего о своем самочувствии, то мне самому стало печально ясно, как сильно можно долгое время жить в самообмане. Не то чтобы моя болезнь прошла, могу я тебе сообщить, а то, что худший удар, вероятно, ещё впереди. Нагноение продолжается, грудная кость затронута, и сегодня врач даже поставил вопрос об операции в почти несомненной близости. Речь идет об удалении целого куска кости; для этого придется разрезать мягкие ткани, а затем «редуцировать», как выразился врач, то есть «отпилить» пораженную кость, а именно грудину. Но если уж попал под нож и пилу хирургов, то ты знаешь, на какой тонкой ниточке висит то, что называют жизнью. Придет гнойная лихорадка — и погаснет маленький огонек. Странным было мое ощущение, когда первая косточка моего скелета внезапно выплыла из гнойного канала, и мне постепенно стало ясно, что планы о поездке в Париж и хабилитации, возможно, являются невозможными вещами. Никогда бренность существования не демонстрируется так ad oculos, как когда получаешь возможность увидеть такой кусочек своего скелета.
Впрочем, я работаю «пока есть день», усердно занимаясь филологией, например, недавно отправил Ритчлю свою статью о песне Данаи и сейчас готовлю диссертацию о quaestiones pinacographicae. Вообще, я использовал невольный досуг для большей концентрации и приведения в порядок своих занятий; определенные намерения были отлиты в более определенную форму, повсюду пробиваются полуосознанные открытия. Нет, дорогой друг, меня так быстро ещё не искоренят; если же, вопреки ожиданиям, это случится, то я пришлю тебе свою диссертацию «об Ахероне» прямо из Аида, с марками Северогерманского союза. Да, как поет персидский поэт
Есть ли у тебя прямые ноги? —
Так скоро у меня их не будет? —
Ф.Н.
575. An Paul Deussen in Oberdreis
Благодарю тебя, дорогой друг, за верную преданность, которая сквозит в твоем письме, за теплоту, с которой ты думаешь о горестях и радостях моей жизни, за прекрасное предложение, которое, пусть его и приходится отклонить, всё же сияет «собственным блеском» и ярко и отчетливо отражает твое сердечное желание помочь мне и поправить мое здоровье. В целом мне всё еще довольно плохо: одна косточка за другой выходит из гнойного канала, показывая, что грудина сильно повреждена. В следующий четверг я хочу проконсультироваться в Галле у знаменитого хирурга Фолькмана, и будем надеяться, что он даст удовлетворительный ответ.
Впрочем, услуга за услугу: ты непременно должен устроить так, чтобы твое возвращение в Берлин пролегало через Наумбург. По сути, это почти твой долг — навестить своего больного друга: да, было бы просто отвратительно, если бы ты этого не сделал; и даже божественный Платон не даровал бы тебе отпущения этого греха.
Что касается твоих штудий Платона, то я ни на мгновение не недооцениваю их превосходную формирующую силу: но прости филолога, который усвоил, что там, где он может чего-то достичь и создать, редко удается сорвать самые ароматные цветы и получить высшее наслаждение для ума и души — того, кто признает ἄσκησις и смирение как непременные формы на строгой службе «даме Науке» — прости же меня, если я не делаю радостного лица при виде твоей попытки погрузиться в глубины формирования идей и одновременно в ход развития Платона. Для своего образования выбирай самые трудные и прекрасные проблемы, но для диссертации — самый скромный, отдаленный уголок, не более того. Неужели ты думаешь, что при моей работе над Лаэртием и Судой мне так же полно и хорошо на душе, как, скажем, при чтении «Фауста» или Шопенгауэра? Кто хочет служить, должен начать со строжайшей службы (часто уже потому, что поначалу он может довольствоваться лишь самой низкой службой). Выбери себе поле исследования со смирением, обрабатывай его с преданностью.
Тут мне приходит в голову, что ты можешь ответить мне на небольшой вопрос из своей богатой библиотеки Платона, который возник у меня на днях. Квинтилиан говорит в III 1, 10: quem Palameden Plato appellat, Alcidamas Elaites. Это, конечно, относится к «Федру», стр. 261 D, но в то же время ясно, что Квинтилиан в этом месте Платона читал Ελαΐτικον, а не Ἐλεάτικον: последнее дают рукописи; схолии относят это к Зенону. Это уже было замечено, не так ли?
Сегодня я, к сожалению, не могу писать дольше: передавай всё самое доброе своей почтенной семье и сам оставайся тем, кем всегда был, верным другом
Твоего друга
Ф. Н.
576. An Carl von Gersdorff in Berlin
Мой дорогой друг,
сегодня все мои военные товарищи покинули меня; они отправились в Магдебург, чтобы упражняться там в стрельбе. Таким образом, я, пожалуй, единственный мундир в стенах Наумбурга, оставшийся не у дел подбитый аист, который с завистью смотрит, как его более сильные собратья улетают прочь. Да, дорогой друг, то, что слухи уже донесли до твоих ушей по самым разным каналам, в лучшем (т. е. в худшем) случае правда: моя военная карьера сложилась не совсем удачно.
Я пережил зиму, а вместе с ней и самую тяжелую и неприятную часть службы; меня произвели в ефрейторы, и, по-видимому, были довольны моим усердием. Я сам вздохнул с облегчением, когда наступили погожие дни и я смог выезжать на лошади на широкий плац. В последнее время я ездил на самом горячем и беспокойном животном батареи. Однажды на уроке верховой езды у меня не получился быстрый прыжок на лошадь; я сильно ударился грудью о переднюю луку седла и почувствовал в левом боку резкую боль. Я спокойно поехал дальше и еще полтора дня терпел усиливающуюся боль. Но вечером второго дня случились два обморока, а на третий я слег, прикованный к постели сильнейшими болями и сильной лихорадкой. Медицинское обследование показало, что я надорвал две грудные мышцы. Следствием стало воспалительное состояние всей мышечно-связочной системы верхней части туловища и сильное нагноение, вызванное кровоизлиянием при разрыве. Когда примерно через 8 дней был сделан разрез на груди, хлынуло несколько чашек гноя. С того времени, т. е. с четверти года, нагноение не прекращается; конечно, когда я снова встал с постели, я был настолько истощен, что мне пришлось заново учиться ходить. Состояние было плачевным; мне требовалась посторонняя помощь, чтобы встать, пойти, лечь, и я не мог писать. Постепенно мое самочувствие улучшилось; я соблюдал укрепляющую диету, много гулял и снова набрался сил. Но рана оставалась открытой, и нагноение почти не уменьшалось. Наконец выяснилось, что повреждена грудная кость и что именно в этом заключается impedimentum (препятствие) к выздоровлению. Однажды вечером появился первый верный вестник этого факта — маленькая косточка, которую вымыл гной. С тех пор это повторялось, и, по словам врачей, ожидается еще не раз. Если отделится более крупный кусок кости, придется провести небольшую операцию. Дело совсем не опасное, но затяжное; врачам остается только поддерживать природу в ее процессе отторжения и восстановления. Кроме того, я часто в течение дня делаю спринцевания отваром ромашки и раствором ляписа, а также ежедневно принимаю теплые ванны. Через некоторое время наш полковой врач признает меня «временно негодным»; и возможно, что слабость в пораженном месте останется у меня навсегда.
На следующей неделе я хочу съездить в Галле, чтобы проконсультироваться у знаменитого хирурга Фолькмана. Эту возможность я использую, чтобы навестить любимый Лейпциг вместе с его обитателями. Я необычайно рад снова увидеть превосходного Ричля, который с тех пор, как я уехал из Лейпцига, всегда оказывал мне самые любезные знаки внимания и благосклонности: так что у нас завязалась довольно регулярная переписка, и не проходит ни месяца, чтобы я не знал о его самочувствии. Также все, что я слышу из Лейпцига, доставляет мне огромное удовольствие: например, что филологическое общество активно растет, что мои добрые товарищи-филологи украшают себя докторскими степенями или учеными трудами, что странный чудак Ромундт беременен трагедией, которую надеется поставить в Лейпцигском театре, что друг Виндиш будет габилитироваться в Лейпциге при блестящих обстоятельствах и т. д.
Как только я снова смог держать перо, я снова погрузился в свои занятия, образчик которых я дал тебе через присланную песенку Даная. Я был вынужден заниматься, так как по понятным причинам у меня мало общения в Наумбурге, и я лишь изредка принимаю визиты Фолькмана или доктора Бласса (филолога из Домской гимназии), или Штедефельда, последний из которых занимает должность адъюнкта в Пфорте. Также я иногда радуюсь общению с остроумным Венкелем, о котором я тебе тоже рассказывал. Раньше мы много говорили о философии и т. д., и я, хотя он и был гегельянцем, никогда не мог отказать ему в своем глубочайшем уважении. Недавно, когда я снова встретился с ним, я узнал, что с тех пор он с развернутыми знаменами перешел в лагерь Шопенгауэра и с восторженным пылом всюду и везде указывает на этого гения. Это блестящее пополнение той тихой общины еретиков, которую Хайм привык называть «чудесными святыми». — Вскоре ты получишь от меня новые известия, дорогой друг!
Ф.Н.
577. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Так как у меня пока нет ни чернил, ни пера, а в самом Виттекинде ничего не достать, сегодня придется обойтись присланным карандашом.
Когда я вчера около 2 часов прибыл в Виттекинд, я был крайне неприятно удивлен, когда господин Фридрих проводил меня в совершенно пустую, жалкую комнату. К тому же погода была дождливой и холодной, а безучастное одиночество после жизни в Наумбурге и Лейпциге казалось вдвойне одиноким.
Едва я успел устроиться, как пришел посетитель, который расстроил меня еще больше. А именно Эрнст, который снова на несколько дней в Галле и собирается в Лейпциг pour éprouver sa fortune (испытать свою удачу), явился с привычной комической наглостью; я обращался с ним как с гостем до тех пор, пока его требования не стали слишком назойливыми; в конце концов я попросил его больше не приходить, применив довольно энергичную вежливость.
Я проводил его до Галле, по пути встретил почтальона, так что теперь я хотя бы обеспечен кроватью, бельем и деньгами. В Галле мы поужинали.
Мне крайне не хватает одежды, сапог, книг. (Из последних пришли мне, дорогая Лизбет, «Историю философии» Убервега, «Историю римской литературы» Бернгарди, «Историю греческой литературы» Бернгарди (еще не переплетенную), «Греческую грамматику» Крюгера, «Poetae lyrici Graeci» Бергка, «Parerga» Шопенгауэра (они у В. Пиндера). Книги из Пфорты просто пришли обратно, (в них есть имя «Фолькман» или знак библиотеки Пфорты).
Также книги Домриха, за исключением тех, которые я должен был заказать. Большинство из них он прислал мне для ознакомления.
Письма, адресованные мне, пожалуйста, присылайте в Виттекинд. —
Что касается здоровья, то я сообщил Фолькману о своем прибытии. Покраснение и воспаление сейчас гораздо меньше, но нагноение продолжается. Мне не хватает полотна для компрессов.
В Лейпциге мне необычайно понравилось. У Рошера я провел одну ночь, но не более, так как ужаснейшие клопы не дали мне ни минуты сна. В отеле «Дрезден» я провел две ночи, у Ромундта, наконец, тоже две. Везде я предавался воспоминаниям. Но самое большое участие я встретил у Ричлей, особенно у моей «верной подруги», фрау Ричль. У них я обедал в воскресенье и чувствовал себя очень хорошо до 6 часов вечера.
Виндиш, который невероятно занят, передает вам наилучшие пожелания. Он навестит меня в Виттекинде. В новом театре я был три раза, на лекциях Ричля столько же. Филологический кружок я тоже посетил. Старого Кинчи также.
Сегодня в обед я ел в курхаусе за общим столом: много всего, но удивительно мало. 12½ талеров в месяц. За столом был и Фолькман, очень веселый, даже бесшабашный человек, который вскоре после обеда нанес мне свой первый визит. Значит, мне следует принимать соляные ванны, смешанные с крейцнахским маточным рассолом; именно им я и смачиваю свои компрессы. Есть и пить мне разрешено по желанию.
Я хотел бы только, чтобы погода была приветливее и чтобы у меня было несколько книг. Также мне не хватает бумаги: купите ее у Якоби. Пришлите мне, пожалуйста, мои сочиненные песни в лиловой тетради, а также нотную бумагу, которую, насколько я знаю, можно найти в ящике стола, на котором стоят книги. К этому добавьте стихи Гёте и «Фауста».
Людей для общения, судя по предварительному осмотру, здесь, кажется, нет. За столом справа от меня сидел глухонемой господин, а слева и напротив — ужасные женские уродства. Да и я не в том настроении, чтобы довольствоваться чьей-либо болтовней. Если бы только меня оставили в покое в Галле. Люди, с которыми я должен говорить лишь о пустяках или ссориться, никогда не были в моем вкусе, а сейчас — тем более.
Старого Штайнхарта я при случае навещу. Также пару молодых доцентов, которые мне рекомендованы. Но я должен быть очень разборчив, так как меня очень легко задеть. Эрнст был для меня просто мучением; он хотел переехать ко мне на несколько дней!
Итак, теперь я, кажется, дал всю информацию, которую вы требовали. Пришлите мне желаемые вещи как можно скорее.
В субботу я пришлю белье. —
Сегодня утром я принимал ванну. Вы можете прислать мне плед и соломенную шляпу; и то, и другое может пригодиться.
Живите хорошо и вспоминайте с теплотой
вашего
Ф.Н.
578. An Sophie Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемая госпожа тайная советница,
даже если бы мне не нужно было возвращать взятую у Вас книгу, Вы всё равно получили бы от меня сегодня письмо. Ибо слишком многим я обязан этому последнему воскресенью — дню такой грации и солнца, что воспоминание о нём — лучшее, что я привёз из Лейпцига в свою уединённую купальню. Но если уж Вы однажды, не знаю, каким гением ведомая, удостоили меня своего исключительного внимания, то должны терпеливо нести и последствия, первым из которых пусть станет это сегодняшнее письмо.
Позавчера в полдень я прибыл в претенциозный курортный посёлок, который именует себя Виттекинд; шёл сильный дождь, и флаги, вывешенные к празднику источника, висели вяло и грязно. Мой хозяин, недвусмысленный мошенник в синих непроницаемых очках, вышел мне навстречу и провёл меня в снятое 6 дней назад жильё, которое, не считая совершенно заплесневелого дивана, было пустынным, как тюрьма. Вскоре мне стало ясно, что у этого же хозяина на два дома, полных гостей, то есть, возможно, на 20—40 человек, есть лишь одна служанка на жалованье. Следующий час принёс мне визит, но настолько неприятный, что я смог отделаться от него лишь с помощью энергичной вежливости. Короче говоря, вся атмосфера, в которую я попал, была морозной, дождливой и досадной.
Вчера я немного разведал природу и нравы этого места. За столом мне выпало счастье сидеть рядом с глухонемым господином и несколькими чудесно сложенными женскими фигурами. Местность кажется неплохой; но из-за дождя и сырости невозможно сделать ни шагу вперёд, чтобы осмотреться.
Фолькман навестил меня и прописал здешние ванны, а в остальном обрисовал близкую перспективу операции. —
Как я благодарен Вам за то, что Вы дали мне с собой книгу Элерта, книгу, которую я читал в первый же вечер, при жалком освещении, на заплесневелом диване, и читал с удовольствием и внутренним теплом. Злые люди могли бы сказать, что книга взвинчена и плохо написана. Но книга музыканта — это вовсе не книга человека, воспринимающего мир глазами; в сущности, это музыка, которая случайно написана не нотами, а словами. Художник должен испытывать мучительное чувство при виде этого нагромождения образов, собранных без всякого метода. Но я, к сожалению, питаю склонность к парижскому фельетону, к «Путевым картинам» Гейне и т. д. и предпочитаю рагу говяжьему жаркому. Каких усилий мне стоило сделать научное лицо, чтобы изложить трезвые ходы мыслей с должной пристойностью и alla breve. Об этом и Ваш супруг может спеть песню (не на мелодию «Ах, милый Франц, ещё» и т. д.), который очень удивлялся полному отсутствию «стиля». В конце концов, со мной случилось то же, что с моряком, который на суше чувствует себя менее уверенно, чем на качающемся корабле. Возможно, я когда-нибудь найду филологический материал, который можно обработать музыкально, и тогда я буду лепетать, как младенец, и нагромождать образы, как варвар, засыпающий перед античной головой Венеры, и, несмотря на «цветущую поспешность» изложения, — буду прав.
И Элерт почти во всём прав. Но многим людям истина в этом шутовском наряде неузнаваема. Только не нам, кто не считает ни один лист этой жизни настолько серьёзным, чтобы мы не могли вписать в него шутку как мимолётную арабеску. И какой бог может удивляться, если мы временами ведём себя как сатиры и пародируем жизнь, которая всегда смотрит так серьёзно и патетично и носит котурны на ногах?
Как же мне не удаётся скрыть от Вас мою склонность к диссонансу! Не правда ли, у Вас уже есть тому ужасающий пример? Вот Вам второй. Козлиные копыта Вагнера и Шопенгауэра трудно спрятать. Но я исправлюсь. И если Вы когда-нибудь снова позволите мне что-нибудь сыграть, я облеку своё воспоминание о прекрасном воскресенье в звуки, и Вы услышите, как Вы это сегодня читаете, как высоко ценится это воспоминание
плохим музыкантом и т. д.
Фридрих Ницше.
579. An Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогая Лизбет,
поскольку я не могу лично присутствовать на твоем дне рождения, да и вряд ли смог бы, не остается ничего иного, как взять перо и письменно выразить тебе то, что по таким случаям устно делается гораздо лучше, выразительнее и быстрее. Впрочем, прилагаемая книга уже в своем названии содержит своего рода пожелание, повторить которое в сегодняшний день я не считаю неприличным: «Порядок и красота у домашнего очага!» (причем филологу позволительно спросить, не является ли в конечном счете это «у» просто опечаткой вместо «и»)
Надеюсь, все это сказано достаточно внятно, так что мне не придется прибегать к помощи букварей и детского лепета. Да и то, что я написал, уже излишне, поскольку сам факт того, что я пишу тебе 10 июля, ясно выражает, что я хочу прокричать «эввива».
С прошлого воскресенья здесь все существенно без изменений. Сегодня мы снова празднуем праздник фонтанов. Вчера у меня был неожиданный, очень приятный визит; когда я только что вышел из ванны, я внезапно увидел перед собой доктора Клемма (ныне приват-доцента в Гисене), который во время путешествия заехал в Лейпциг, там от Ричля узнал о моем пребывании в Виттекинде и приехал сюда.
Последние дни я обычно бывал по утрам в Галле у Фолькмана, который построил себе удивительно красивый дом. Там меня дважды мазали этой йодной настойкой: что, к слову, причиняет очень мучительную боль. Но, кажется, уже сейчас опухоль кости начинает уменьшаться.
Кстати, я теперь также владею ящиком и радуюсь его содержимому, а также твоему любезному письму. Книг, конечно, которые Домрих прислал для ознакомления, я бы с радостью избавился. Лучше всего будет, если вы скоро снова приедете сюда и заберете их.
Сегодня же я должен с особым упорством попросить денег, да, я надеюсь, что соответствующая сумма уже на почте. Как известно, мы платим за обед по субботам, а у меня почти ничего не осталось. Внесите же деньги на почте, это ведь самый простой путь.
Но я должен заканчивать, так как «зовет полуденный колокол». В надежде, что ты встанешь в свой день рождения с радостным желудком и позволишь маме подарить тебе очень красивые вещи, остаюсь в Виттекинде.
Ф.В.
580. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
М. л. А.
Вчера я вернулся из своей увеселительной поездки в Лейпциг и Альтенбург; прямо с вокзала я поехал к Фолькману, который был очень доволен и сообщил мне, что через несколько дней я смогу покинуть Виттекинд. Итак, в субботу, если ничего не помешает, я снова прибуду в Наумбург.
Дни в Лейпциге и Альтенбурге были очень интересными; подробнее расскажу при встрече.
Сегодня я хочу лишь попросить тебя написать тете Эренберг и сообщить ей, что в следующее воскресенье меня уже не будет в Виттекинде. Она ведь собиралась, если вы захотите приехать из Наумбурга в тот же день, тоже появиться и нанести мне визит. Но мне, по уже известной причине, важно не проводить воскресенья в Виттекинде. К тому же я буду рад, когда смогу покинуть это гнездо, и мне будет жаль каждого часа, проведенного в этой потной глуши. Так что напиши ей вежливый отказ.
Но как мне перевезти свои вещи? —
Сегодня я с часу на час жду белье из Наумбурга, так как у меня не осталось ни одной чистой тряпки и т. д., и я нахожусь в крайнем затруднении, в котором и пребываю как
Ваш Ф. Н.
Среда, утро.
581. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и Лизбет,
наконец-то окончательный ответ! —
Итак, я прошу тебя приехать в Виттекинд в воскресенье утром; мы хотим вместе собраться и, возможно, в 11 часов снова уехать. Но прежде всего я прошу тебя привезти мне денег: в этот раз я не писал Декселю, потому что, насколько я знаю, в Наумбурге для меня должны быть деньги. По крайней мере, вы мне что-то такое говорили. Около 30—40 талеров, вероятно, еще понадобятся.
Последние недели мы провели самым веселым образом и не оставили ни одного дня неиспользованным; так что я уезжаю из Виттекинда без неприятных ощущений.
Сегодня я спешу. До счастливой встречи!
Ф.Н.
582. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
нет, я не настолько ветрен. Идентификация прочно вплетена в ткань моих планов на будущее и стоит на первом и ближайшем месте. Я никогда, даже в мыслях, не изменял этому предприятию, на которое решился добровольно и с некоторым пристрастием, и досадую, что своим случайным молчанием во время последнего пребывания в Лейпциге дал повод к подозрению, которое я πύξ καὶ λάξ (руками и ногами) буду от себя отводить.
К счастью, в состоянии моего здоровья сейчас нет ничего, что удерживало бы меня от этой работы. Фолькман выписал меня совершенно здоровым и в целом не рекомендовал никаких мер предосторожности, кроме того, чтобы я не ввязывался в кулачные бои. Поэтому, прошу вас, господин тайный советник, возьмите свое подозрение назад; иначе мне придется с самого начала согрешить против единственного предписания врача.
С пожеланием наилучшим образом засвидетельствовать почтение Вашим уважаемым родным, остаюсь
Ваш преданный
Фридрих Ницше.
583. An Erwin Rohde in Kiel
Мой дорогой друг,
сегодня я могу поздравить тебя и себя: тебя — как счастливого и всеми почитаемого победителя в академических состязаниях, меня — как наконец выздоравливающего, о котором ангелы поют:
Спасен благородный член,
Грудина, теперь от зла,
Что вечно стремилось, стараясь
Гноясь, отделиться.
В Лейпциге слух о твоем увенчании лаврами был повсеместно распространен, вместе со стереотипным припевом, что ты собираешься хабилитироваться в Киле и что это особое желание Риббека. Возможно, истоки этого слуха следует искать в известном «болтальном кабинете» (сад Лемана, № 2, полдень, 12–1), где я, по крайней мере, напал на след подобных разговоров, которые прочили меня в будущие и ожидаемые лейпцигские приват-доценты. Утешимся же друг другом; нас, по крайней мере, считают на это способными. Но ничто не должно помешать нам прожить еще год вместе в Париже: после этого пусть каждому из нас будет позволено в любом университете сеять любые ереси в любые «млекопитающие» души. Но прежде мы изучим божественную силу канкана и поупражняемся в питье «желтого яда», чтобы позже иметь возможность достойно маршировать во главе цивилизации.
К слову, новость о том, что лукиановский ὄνος уже нашел второго всадника. Мне приходит письмо от маленького доктора Рошера, который возвещает мне новость «величайшей важности», отчего я немедленно (по своей новой прискорбной привычке) бледнею и вытираю холодный пот со лба. Слушайте: в филологической секции для докторских экзаменов в Лейпциге циркулирует диссертация некоего Кнаута, которая рассматривает тот же материал, что занят тобой, и блестяще оценена Клотцем и Ритшелем! Рошер испускает крик о помощи, как будто кто-то собирается упасть в воду и утонуть, и как будто все добрые друзья и верные соседи должны броситься на спасение. — Счастливый человек, у тебя есть конкурент, настоящий конкурент из плоти и крови, в то время как мне недавно выпало удовольствие слушать лекцию Бергка о Феогниде и при этом быть обойденным молчанием, хотя я слушал навострив уши и, должно быть, был очень похож на твоего почтенного ὄνος.
То, что ты критикуешь в симонидовской Eiapopeia, написано как будто с моей души: сделай мне теперь еще одолжение и соверши соответствующую конъектуру (-u), которую я, хотя и ищу ее уже много лет, не могу найти. Как только она появится, я выброшу ἐμάνη в окно и напишу небольшое дополнение в Рейнский музей.
Примерно ὁτε λάρνακα δαιδαλέαν
ἄνεμός θ᾽ᾗκε пνέων или τεῖρε пνέων или τέμνε пνέων?
Я только что заметил, что мое письмо уже вышло из берегов; но было бы настоящим искусством, если бы я попытался привести в логическую последовательность все то, что намеревался упомянуть сегодня. Позволь мне воспользоваться цифрами.
1)
новый, но настоящий друг Шопенгауэра
2)
Ромундт ὁ τραγῳδός
3)
Клемм из Гисена навестил меня
4)
и притом в Виттекинде
5)
куда меня отправил великий оператор профессор Фолькман
6)
и откуда я 3 дня назад выписался здоровым.
7)
Фрау Ритшель, моя близкая «подруга».
8)
Собрание музыкантов в Альтенбурге, посещенное мною.
Экскурс о «Мейстерзингерах» Вагнера.
9)
я снова сочинял: женские влияния.
10)
Виттекиндская банная терапия и ухаживания.
11)
Я ежедневно жду твоего визита.
К 1) Мой друг Герсдорф (лейтенант в отставке, усердный национальный экономист) сообщает мне следующее. В Плауэ на Хафеле, недалеко от Бранденбурга, живет помещик Визеке, настоящий друг Шопенгауэра, единственный, кто владеет удачным портретом великого человека в масле. Истинный ученик, высокообразованный человек, гениальный сельский хозяин, превративший жалкий песчаный участок в плодородную землю (Герсдорф подробно сообщает о методе; кавалерийский навоз из берлинских конюшен играет при этом главную роль), он теперь богат и достоин своего богатства; для своих бедняков он содержит собственного врача с жалованием в 800 талеров и т. д. У него гостеприимный дом, превосходный винный погреб, чьи лучшие вина всегда циркулируют только в кубке, который принадлежал человеку, чей гений царит в этом доме. Каждый посетитель получает на прощание портрет Шопенгауэра и изображение его дома во Франкфурте, куда господин Визеке ежегодно совершал паломничество. Его характеристики Шопенгауэра в целом мало соответствуют характеристикам его незначительных друзей, к которым Визеке причисляет, в частности, Фрауэнштедта, «плоскую водянистую голову».
К 2) Превосходный, привлекательно организованный Ромундт снова появился в Лейпциге, а именно с трагедией «Мариамна и Ирод», в которой разгоряченная дама совершает различные оплошности, не вызывая при этом нашей симпатии. Поэтическая искра в нашем друге недостаточно сильна, чтобы убить быка, но достаточна, чтобы оглушить человека, поэтому я настоятельно просил его прекратить свои опасные фейерверки. Итак, он снова филолог, плавает, насколько я знаю, в водах Демокрита (чтобы поймать здесь рыбу к докторскому пиру) и упивается надеждой однажды взять на себя режиссуру театра.
К 3) Однажды утром, когда я в Виттекинде просидел час в соляном растворе и выскочил на дневной свет с бодростью свежезасоленной сельди, мне навстречу на уровне моей груди попалось дружелюбное лицо, принадлежавшее любезному Клемму из Гисена. Он переносит свою злосчастную судьбу и свою ногу с трогательной кротостью. Хвалебную рецензию на его хабилитационную работу ты, должно быть, читал в «Центральблатт». Она принадлежит Георгу Курциусу.
Я сразу перепрыгиваю к 11). Я помню, что в августе ты хотел совершить большую поездку, которая приведет тебя и через Наумбург. Рассчитывай на пару дней в Наумбурге; иначе я буду способен удержать тебя здесь с помощью моих бравых канониров. Здесь, на месте, ты услышишь дальнейшие разъяснения пропущенных параграфов. А сколько всего нам нужно обсудить, договориться, надеяться и т. д.
Сегодня прилагается фотография, которая изображает меня в несколько рискованной ситуации. В сущности, это невежливость — предстать перед друзьями с обнаженной саблей, да еще с таким кислым, желчным лицом. В таком воине есть что-то грубое. Но почему нас злит плохой фотограф, почему нас так злит весь этот жизненный хлам, что мы больше не выглядим как свежие, только что умытые юные девушки? Почему мы всегда должны стоять наготове с саблей? И если мы теперь хотим энергично взяться за плохого фотографа, что он делает? Он прячется под свою накидку и кричит: «Теперь!»
Прощай, дорогой друг! Передай мой лучший привет твоей почтенной матушке и навести меня как можно скорее!
В старой верности
Фридрих Ницше
Мои родные также передают тебе привет и радуются твоему визиту.
584. An Carl von Gersdorff in Berlin
Дорогой друг,
наконец-то ты получишь достоверные известия о моем самочувствии, и притом самые лучшие, какие только можно пожелать. Несколько дней назад я полностью выздоровевшим вернулся из Виттекиндской водолечебницы, куда отправился, чтобы воспользоваться мастерством и опытом выдающегося хирурга, профессора Фолькмана из Галле. Мои военные врачи были достаточно любезны и непредвзяты, чтобы направить меня к этому авторитету; уже через три недели моего Виттекиндского лечения (довольно болезненный) процесс заживления пошел настолько благоприятно, что Фолькман смог поздравить меня с быстрым выздоровлением. В конечном счете, даже операция не потребовалась, хотя долгое время она казалась почти неизбежной. Дорогой друг, 5 месяцев болезни, множество затяжных болей, глубокая подавленность тела и духа, мучительные виды на будущее — все это преодолено; лишь один глубокий шрам, сросшийся с костью посреди груди, напоминает мне о том, насколько плохим, да и опасным было мое состояние. По крайней мере, Фолькман сказал мне, что если бы нагноение продолжалось дольше — а оно длилось четверть года, — то, по всей вероятности, были бы затронуты сердце или легкие.
Само собой разумеется, что я теперь не могу продолжать свою военную службу; прежде всего, я объявлен «временно негодным», да я и сам теперь, когда мне стало невозможно стать офицером ландвера, желаю постепенно исчезнуть из списков военнообязанных.
Так что мне снова позволено свободно распоряжаться своим будущим: и об этих планах я, пожалуй, могу рассказать кое-что верному и надежному другу. О том, что я хочу однажды хабилитироваться, ты уже должен знать; вопрос «где?» решается быстро, а именно: в Лейпциге, чьи академические и студенческие порядки мне хорошо знакомы. Там дела для меня обстоят неплохо, потому что предметы, которыми я занимаюсь, при нынешней констелляции лейпцигских профессоров почти совсем заброшены, но с другой стороны, интерес к ним среди активного филологического студенчества никогда не может угаснуть. (Я имею в виду прежде всего историю греческой литературы и греческую философию). На другой вопрос «когда?» я пока не могу ответить. Ибо надежнее, чем хабилитация — надежнее, потому что ближе, — другой план, который вклинивается между ними. Я хочу провести следующий год в Париже, конечно, как из соображений гуманности, так и по чисто филологическим причинам.
Здесь у меня к тебе просьба, которую я уже давно обдумываю. Не собираешься ли и ты в душе провести некоторое время в той высшей школе жизни? Поистине, одна из моих самых приятных мыслей — как мы оба, вместе с другими добрыми друзьями (такими как Роде, Кляйнпауль, Ромундт), будем представлять в Париже немецкий дух и Шопенгауэра. Я очень прошу тебя тщательно обдумать этот план; прежде всего, я намерен уехать в течение первых трех месяцев следующего года.
Сейчас меня теснит множество работ, которые должны быть закончены, прежде чем я смогу покинуть Германию. Крупные литературные планы растут как грибы после дождя. Кстати, недавно благодаря любезным письмам издателей я стал сотрудником как «Ежегодников филологии», так и «Литературного центрального листка»; о том, что я участвую в «Рейнском музее филологии», ты, должно быть, видел по присланным образцам. —
С величайшим удовольствием я услышал о господине Визеке, знакомство с которым будет для тебя в высшей степени интересным. Как он, кстати, судит о человеке Шопенгауэре? Конечно, иначе, чем его ограниченные последователи. Такие ученики, как Фрауэнштедт, в сущности, являются оскорбительной грубостью по отношению к учителю. И Венкель с самого начала не хотел ничего знать об этих ученических головах и их характеристиках своего учителя. —
Надеюсь, я скоро получу благоприятный ответ на главный вопрос моего сегодняшнего письма. В этом случае для меня откроется широкий и прекрасный горизонт.
Так что прощай и думай по-дружески
Твоего верного
друга
Фридриха Ницше.
Не можешь ли ты как-нибудь приехать в Наумбург? Может быть, по пути домой?
585. An Carl von Gersdorff in Berlin
Мой дорогой друг,
сегодня я с ужасом осознал, что ты собираешься оставаться в Берлине только до 22-го числа, и поэтому мне самое время выразить тебе в письме свою благодарность за твое дружеское, теплое и полное интереса послание. Известия о Визеке я, против чего, надеюсь, ты не будешь возражать, сообщил двум другим последователям нашего учителя, а именно Роде, который уже несколько дней является моим гостем, и Венкелю, неутомимому исследователю и поборнику дела и учения Шопенгауэра.
Принять твое любезное приглашение мне не позволяет не только мое еще не урегулированное военное положение, но прежде всего груда работ, которые необходимо выполнить в ближайшее время и которые из-за моей болезни были неподобающим образом отложены и задержаны. Кроме того, я все еще вынужден принимать солевые ванны и очень осторожно избегать перенапряжений и простуд, так как мой врач немного напугал меня возможностью рецидива.
В начале октября я думаю быть в Лейпциге: возможно, мы сможем договориться о встрече, выбрав промежуточный пункт, поскольку для тебя визит в Наумбург связан со слишком большими трудностями, упущениями и окольными путями. — В Париж я поеду не раньше Пасхи следующего года: я не теряю надежды, что мы проживем там вместе долгое время; во всяком случае, там собирается целый клуб друзей Шопенгауэра, и я думаю, что нам предстоит выполнить своего рода литературную миссию.
Прости, что я должен закончить сегодня уже сейчас, чтобы успеть вовремя доставить письмо в твои руки. С пожеланием, чтобы ты освежился после берлинской пыли, пота и учебы в прекрасном воздухе своих родных гор и в счастье близкого семейного круга, и с просьбой передать наилучшие пожелания твоим глубокоуважаемым родным, остаюсь
Твой верный друг
Фридрих Ницше
586. An Hermann Mushacke in Berlin
Дорогой друг
ты довольно долго не получал от меня никаких известий, и поэтому, вероятно, ничего не узнал о том, что моя военная служба имела неприятную интерлюдию в виде длительной, болезненной и небезопасной болезни.
Теперь, когда всё позади, я с сердечной дрожью вспоминаю те мартовские дни, когда началось зло, которое еще не было преодолено и в середине прошлого месяца. В сущности, это были два недуга, каждый из которых сам по себе достаточно болезнен, чтобы отравить жизнь: 1. разрыв двух грудных мышц, 2. повреждение грудины, из которой один за другим через гнойные каналы выходили маленькие косточки. Различные врачи, к которым я обращался, были не в состоянии остановить нагноение, так что в конце концов, спустя четверть года, я обратился к авторитету первого ранга в хирургических и операционных делах — к профессору Фолькману в Галле. Он настоял на том, чтобы я переехал поближе к нему, и так я провел 5 недель в Бад-Виттекинде. Процесс заживления снова был полон боли, но успех был блестящим и по своей быстроте удивил даже Фолькмана.
А что делал ты, мой дорогой друг? Я смело напишу на конверте «Господину кандидату философии Г. Мушаке» и вместе с тем выражу пожелание, чтобы ты вышел из этой беды с честью. Если после этого перенапряжения телесных, мыслительных и мнемонических сил ты почувствуешь склонность отдохнуть в доверительной беседе с другом, с улыбающейся уверенностью рисовать планы на будущее, плести новые нити надежд и пережевывать старые минувшие дни и радости — тогда приезжай либо в Наумбург, либо (если хочешь подождать до октября) в Лейпциг, либо (если готов ждать до Нового года) в Париж. Ибо туда уже давно устремлены мои взоры: год я в любом случае буду работать там, и как был бы я счастлив, если бы мог делать это вместе с добрыми друзьями. Это, впрочем, совсем не невероятно: Роде, например, в любом случае сопровождает меня, возможно, также Кляйнпауль и Ромундт. Итак, хорошенько обдумай этот план и представь себе, какой эффект должна произвести целая колония немецких ученых.
Кроме того, у меня есть к тебе еще одна просьба. Не мог бы ты привести мне формулировку филологической конкурсной темы, которую предложила Академия? Она касается собрания фрагментов старших перипатетиков. Включен ли туда, например, Теофраст? Я сердечно прошу тебя немного заинтересоваться этим делом и любезно сообщить мне ответ. —
Мне только что пришло в голову, что длительное пребывание в Париже будет очень существенным, даже необходимым для твоих занятий романскими языками. Я твердо убежден, что твой глубокоуважаемый отец с радостью скажет «да» этому плану. Передай, пожалуйста, мои самые искренние приветы твоим высокочтимым родным от
Твоего
верного друга
Фридр. Ницше.
587. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
как только я освобожусь от своих военных оков, я приеду в Лейпциг и привезу Вам указатель, две трети которого в настоящее время уже готовы. Наумбургская ἐρημία τῶν βιβλίων (пустыня книг) мне весьма тягостна, и я жажду большого города и библиотеки, подобно тому библейскому оленю.
Однако истинная причина моего письма не в том, чтобы рассказать об указателе; более того, у меня было желание сначала удивить Вас «свершившимся фактом». Но только что полученное письмо побуждает меня просить Вашего любезного содействия в деле, в котором я сам мало что могу сделать или вовсе ничего. Будьте добры, прочтите это письмо, которое я прилагаю. Оно от очень приятного, талантливого человека, о котором я с радостью говорю самое лучшее и лестное, потому что это правда. Он внезапно оказался в нужде и желает получить скромную должность в Лейпциге. При этом я подумал о двух вещах. Во-первых, возможно, Вам удастся найти должность корректора в одном из лейпцигских издательств или работу в редакции. Во-вторых, возможно, существуют литературные работы, в том числе в нашей области науки, которые можно было бы поручить этому хорошо осведомленному и всесторонне образованному человеку: при этом, конечно, следует исходить из того, что они должны быть денежно выгодными.
С сердечной просьбой, чтобы Вы не сочли эту мою просьбу нескромной, а если даже и так, то объяснимой и заслуживающей внимания, остаюсь
Ваш покорнейший
Фридрих Ницше
588. An Paul Deussen in Oberdreis
Мой дорогой друг,
я, который уже некоторое время занимаюсь mulomedicina и ветеринарией, хочу сегодня порекомендовать тебе двух молодых mulos, которые направляются к vada caerula Rheni и желают узнать от тебя, как лучше всего путешествовать, на благо сердца и кошелька: господа Редтель и Фрич, как известно, приятные молодые люди, которые смогут рассказать тебе многое о Пфорте, а также кое-что обо мне. —
Смотри, не заставляй их расплачиваться за то, что я в ходе этого письма буду немного рассуждать, и помни, что всё, что ты им скажешь и сделаешь, ты скажешь и сделаешь мне. —
Но, дорогой друг, кто станет писать такие вещи! И отправлять их! Другу, подобному мне! К тому же даже не на прекрасной латыни! К чему же это? Я был поистине раздосадован, ибо такими письмами нарушается хороший тон между нами. Кто станет показывать свои pudenda? Кто станет тратить часы расслабления на написание писем друзьям? Другу, такому, как, например, я! К тому же даже не на прекрасной латыни! К чему же это? — Da capo и с негодованием in infinitum! —
Напротив, твое предыдущее письмо застало меня в почти трогательный момент. Когда после пятинедельного отсутствия в Наумбурге я вернулся из своей поездки на воды, когда я, выздоровевший, вошел в свой родной дом и переступил порог своей красиво украшенной гирляндами комнаты под несомненным впечатлением моих близких, твое письмо лежало на столе как особый праздничный дар, принося разъяснения о глупом Алкидамасе, задавая вопросы о христианстве и платонической непоследовательности (это мой ответ, как ты того требуешь, в одном слове) и, в остальном, написанное с акцентом верной дружбы и spiritus asper, который, как мы уже узнали, обитает в нашей голове Дойссена.
Могу ли я сразу перейти к истине? Тебе не хватает именно такого человека, как Ричль, который направил бы твой ingenium туда, где он может принести плоды. Мне жаль, что у тебя так редко бывает радость сделать стоящую находку. Немного медведь? Неуклюжий? Занимается Платоном — ну, ты будешь обнимать облако.
Поверь мне, что способности, необходимые для того, чтобы с честью заниматься филологией, невероятно малы, и что каждый, поставленный на правильное место, учится делать свое дело. Усердие прежде всего, знания во вторую очередь, метод в третью — это азбука каждого продуктивного филолога: при условии, что кто-то его направляет и указывает ему место. Ибо именно это немногие могут сделать сами. Существуют просто работодатели и фабричные рабочие — но в этом сравнении не должно быть ничего пренебрежительного. Ибо даже наши величайшие филологические таланты — лишь относительно работодатели: если подняться еще выше и взглянуть с культурно-исторической точки зрения, то увидишь, что и эти таланты в конечном счете лишь фабричные рабочие, а именно для какого-нибудь великого философского полубога (величайшим из которых за последнее тысячелетие является Шопенгауэр).
Прости мне этот парентезис, к которому у тебя совсем нет сочувствия. Но другие люди, Венкель, я и мой друг Роде договорились об этом парентезисе и испытываем дьявольскую радость, говоря это в лицо всем, кто не хочет этого слышать.
Кстати, я также открыл истинного святого филологии, подлинного и настоящего филолога, в конечном счете мученика (каждый глупый историк литературы<historiker> считает, что имеет право мочиться на него: это и есть мученичество). Знаешь, как его зовут? Вагнер, Вагнер, Вагнер! Ах, какая это опасная книга, гётевский «Фауст»!
Я приветствую тебя: помни обо мне, пиши мне, навещай меня, о друг Дойссен!
Таково учение о падежах твоего верного
Ф. Ницше
589. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
к счастью, Вы всё же однажды (возможно, полтора года назад) намекнули мне, в какой форме должно происходить составление указателя; ибо без этого намека с моей стороны было бы дерзко и опрометчиво приступать к работе, которая, когда перевалишь за половину, в целом и общем почти не поддается исправлению: stat mole sua. Итак, согласно Вашему указанию, я составил следующие рубрики
Aa
Греческие авторы
}
Писатели
Ab
Латинские авторы
указатель
B
Грамматическое
Предметный указатель
Метрическое
Историческое
Археологическое
Топографическое
К лат. эпиграфике
К греч. эпиграфике
Ca
греческий предметный указатель
Cb
латинский предметный указатель
Da
Указатель мест для греческих авторов
Db
Указатель мест для латинских авторов
Насколько я выполнил Ваши намерения, прошу судить по приложенному образцу; это выдержка из 15-го тома по указанным рубрикам. Когда все тома будут готовы в таком виде, они будут разрезаны на тысячи кусочков, отсортированы по предписанным ориентировочным буквам и, наконец, вклеены в полученном порядке: метод, который после некоторых размышлений показался мне экономящим время и силы и имеющий то преимущество, что он делает ненужным переписывание всего указателя, из-за которого возникло бы множество ошибок, по крайней мере, могло бы возникнуть: что следовало бы предотвратить.
В указанном виде готовы тома 1—13, 15—21. Еще не попали в мое распоряжение выпуск 4 за 1867 год и все, что вышло в этом году.
Когда указатель будет готов и наклеен, многое в деталях можно будет улучшить, особенно для достижения большей единообразности. (Например, мне не удалось у нескольких авторов, из-за временной нехватки книг, привести все цитаты к одному изданию.)
Столько об указателе. В октябре я снова переезжаю на полгода в Лейпциг; возможно, тогда представится случай и для защиты диссертации, для которой я задумываю commentatio altera de Laertii Diogenis fontibus. — Или, если хотите, de Aristotelis librorum indice Laertiano или Analecta Democritea или quaestiones Cynicae или de fontibus Latinorum artis veterinariae scriptorum!! и т. д. с изяществом in infinitum.
Что касается, наконец, кандидата Фолька (который, кстати, старше меня), то я огорчен тем, что до сих пор не могу сообщить ему ничего благоприятного. В любом случае я от всего сердца благодарен Вам за Вашу готовность помочь и принести пользу. И Вы простите мне, что я так настойчиво обратился к Вам? Я был действительно в некотором отчаянии, будучи так настоятельно просим, не зная иного пути, которым можно было бы помочь бедному человеку.
С покорнейшими рекомендациями Вашей уважаемой семье
остаюсь
Ваш преданный ученик
Фридр. Ницше.
590. An Paul Deussen in Oberdreis (Fragment)
Мой дорогой друг,
я пишу, чтобы не навлечь на себя видимость троекратной неблагодарности: а ведь, как известно, следует избегать даже видимости. Было бы в самом деле непростительно, если бы потребовалось три письма, чтобы напомнить мне о — в остальном верно исполняемом — дружеском долге. Настолько порочным я всё же не являюсь. Ибо опередить твое второе письмо было бы довольно затруднительно, так как оно последовало за первым так быстро, как я никак не мог предположить. Написанное мною в ответ письмо я передал двум молодым людям, для которых оно должно было послужить своего рода рекомендательным письмом к тебе; и я надеюсь, что они хорошо справились со своим поручением, которое было дано им весьма настоятельно. Когда же ты прислал свое третье послание (в качестве προτρεπτικόν), я ясно увидел, что мои два апостола еще не прибыли к тебе; но я предположил, что ужасное подозрение твоего последнего письма будет довольно скоро развеяно их прибытием.
Если же случилось последнее несчастье, если те два MVLI, кто знает по каким причинам, намерениям или затруднениям, вообще не достигли счастливого Обердрайса и его обитателей, если, таким образом, мое письмо, надеюсь, непрочитанным, дремлет в их дорожных сумках — что ж, по крайней мере, мое сегодняшнее письмо отведет подозрение, будто я тем временем отошел к блаженным и уклонился от своих дружеских обязательств посредством внезапного путешествия в Аид. До этого мы еще не дошли: мои кости снова твердо стоят на земле, и завтра я, возможно, снова сяду на лошадь и буду резвиться в окрестностях Наумбурга.
Тем временем ты был неутомимо деятелен; да, в своих последних строках ты словно с театральным пафосом хватаешься за разгоряченный лоб и изумляешься самому себе из-за своего рождения и пережитых мук. Дорогой друг, я делаю это спокойнее, и, признаться, если до сих пор с моей стороны рождались лишь «смешные мыши» и большой шум вокруг них, как известно, не подобает: так я всё же надеюсь постепенно совершить нечто большее, без циклопического изумления перед самим собой: для чего, впрочем, нет никаких оснований. Вообще, мне кажется, что именно филологические труды реже всего заслуживают радостного восхищения, признания гениальности и т. д.; стоит лишь всегда вычитать: 1) что обычно делает рвение к собирательству в таких книгах, 2) насколько соответствующие вопросы уже были обдуманы и рассмотрены, когда появился тот или иной автор, 3) что именно вызывает наше изумление только потому, что оно нам чуждо. Многие книги имеют заслугу, которую признают за путешественниками, впервые попадающими в неизвестный регион и описывающими его: при этом они всё же могут оставаться пустоголовыми. В других книгах мы восхищаемся обилием идей и т. д., которые, однако, принадлежат не автору, а его предшественникам. В большинстве же мы признаем лишь жестокое усердие и незаурядную энергию, затраченную на незначительные вещи: при этом у нас возникает ощущение, будто мы видим перед собой нечто аскетическое, суровое самоотречение, в то время как в основе этих прилежных трудов лежит лишь самый заурядный интеллект, интеллект, который не знает более высоких, ценных кругов идей, по крайней мере, не может плодотворно их разрабатывать и из-за этого становится мелочным лавочником. — Лучшие филологические книги принадлежат ко всем трем классам одновременно.
591. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
теперь, когда мне приходится подводить итоги весьма переменчивого года, года, полного приятных и неприятных эмоций, аскетических и эвдемонистических переживаний, года, начатого в конюшне, продолженного на больничной койке и завершенного в индицификаторской рабской работе: теперь, когда я суммирую, что этот год принес в плане хороших моментов, прекрасных надежд, тихих памятных часов, я с глубочайшим удовольствием вновь пережевываю ощущения тех отрадных дней, которые свели нас вместе в августе, и, подобно счастливой корове, валяюсь в лучах этих воспоминаний.
С тех пор как мы тогда высказались о небе и земле, со мной почти не случилось ничего важного; я писал на веранде свой указатель: «там сидел я под пожелтевшими листьями, благочестивый муж». Приятное бабье лето с полупрохладным солнцем и праздностью теперь подходит к концу, в Лейпциге меня ждут, и объявление в «Тагеблатт» ищет «приличную» холостяцкую квартиру для неженатого ученого. Все наши добрые знакомые там уже взошли на ступени славы: мне, бедному homo litteratus, тоже скоро придется подумать о получении ученой степени, чтобы не быть причисленным к pecus «литераторов». В остальном я намерен стать немного более светским человеком: в частности, я взял на прицел одну даму, о которой мне рассказывали чудеса, — жену профессора Брокгауза, сестру Рихарда Вагнера: о способностях которой у друга Виндиша (который навещал меня) сложилось поразительное мнение. Мне при этом нравится подтверждение шопенгауэровской теории наследственности; другая сестра Вагнера (в Дрездене, бывшая актриса) тоже должна быть выдающейся женщиной. Ричли почти только с семьей Брокгауз и общаются.
Недавно я также прочитал (причем primum) статьи Яна о музыке, а также о Вагнере. Нужно обладать некоторым энтузиазмом, чтобы быть справедливым к такому человеку: в то время как у Яна инстинктивная неприязнь, и он слушает лишь полузаложенными ушами. Тем не менее я во многом с ним согласен, особенно в том, что он считает Вагнера представителем современного, впитывающего и переваривающего все художественные интересы дилетантизма: но именно с этой точки зрения нельзя не удивляться тому, насколько значительны в этом человеке все отдельные художественные задатки, какая несокрушимая энергия здесь сочетается с многосторонними художественными талантами: в то время как «образованность», чем пестрее и всеохватнее она обычно бывает, выступает с тусклым взглядом, слабыми ногами и обессиленными чреслами.
Но кроме того, у Вагнера есть сфера чувств, которая остается совершенно скрытой от О. Яна: Ян остается просто героем «Гренцботен», здоровым человеком, для которого легенда о Тангейзере и атмосфера Лоэнгрина — закрытый мир. Мне в Вагнере нравится то, что нравится в Шопенгауэре: этический воздух, фаустовский дух, крест, смерть, склеп и т. д.
Единственный человек, которого я здесь, в Наумбурге, навещал с неизменным удовольствием, — это Венкель, наш неутомимый исследователь Канта и Шопенгауэра, который в этой исключительности своих занятий проявляет значительную силу воли. Постоянные занятия философскими мыслями делают его суровым критиком нашей филологии: я часто приносил ему что-нибудь, чтобы услышать его мнение, например, статьи Бернайса и Ричля. В Ричле он признавал некую гениальную черту, но смеялся над пафосом в таких мелочах; Бернайс ему совсем не понравился. Он также втайне подумывает о будущей академической деятельности и тоже хочет в скором времени получить докторскую шапочку.
Представь себе, что я еще вовсе не окончательно покончил с военной службой, более того, открывается верная перспектива на дальнейшую артиллерийскую деятельность. Мой капитан любезно указал в моей характеристике квалификацию ландвер-лейтенанта: при условии, что я прослужу месяц весной, чтобы приобрести необходимые знания по управлению упряжкой. Поскольку война рано или поздно неизбежна, а перспектив полностью освободиться от военных оков нет, то продвижение до ландвер-лейтенанта имеет крайнюю ценность.
Наконец, дорогой друг, мне нужно сказать еще кое-что о твоей весьма удачной работе о Поллуксе. Я ее прочитал; весь комплекс комбинаций имеет для меня нечто весьма убедительное, хотя я вовсе не хочу, чтобы это звучало как «суждение», к которому я совершенно некомпетентен и из-за нехватки книг не могу стать более компетентным. Первая глава имеет вполне пропедевтическую ценность, поскольку она объединяет ряд отдельных результатов в общую картину, при этом нигде не предполагает слишком специальных знаний, а рассказывает красиво ex ovo. Академическая постановка вопроса, кстати, неуклюжа. (Первая стемма не полностью совпадает с текстом, например, согласно ей Евстафий использует Περιεργοπένητες Диогениана, тогда как в тексте он использует Гесихия. Затем в стемме отсутствует указание на то, что Фотий напрямую использовал Περιεργοπένητες: это, кстати, для меня не установлено. Дионисий, вероятно, использовал как Epitome Pamphilea, так и Περιεργοπένητες.) Известно ли тебе исследование М. Шмидта об источниках Суды (Fleckeis. Jahrbüch. 1855)? — Вестфаль, «История древней музыки», стр. 167, кстати, называет Трифона главным источником для музыкального раздела четвертой книги Поллукса. —
Две первые главы моих «Laertiana» напечатаны в последнем выпуске «Rheinisches Museum» и скоро придут к тебе в отдельном оттиске. Ах, как отвратительна мне вся эта работа! Nonum prematur in annum! Иначе это ничто! Сразу печатать эту только что высиженную мудрость — слишком глупо, и я не имею от этого ничего, кроме неприятностей. Столько всего прямо-таки неверно, еще больше дерзкого лепета, и всё в целом выражено незрело. В мое оправдание служит лишь то, что я стану совершеннолетним только 15 октября сего года: в день, когда я также сниму военный мундир.
Что я еще высиживаю из лаэртианских яиц, я приберегу до тех пор, пока не наполнится приличная корзинка. Свою диссертацию я хочу написать о Гомере и Гесиоде как coaetanei. Недавно я рецензировал «Анакреонтеи» Вал. Розе для <das> Centralblatt — с некоторыми замечаниями о дурных манерах и стиле дикобраза Розе.
Но что это я наболтал попусту! Да и кто пишет письма сразу после обеда, письма таким друзьям, письма, в которых заметно мало мыслей и много пищеварения. О собака, ты собака, ты нездоров, раз пишешь такие письма!
С этим пансионно-девичьим книксеном
остаюсь твой друг
Фридрих Ницше
прусский канонир
Мои родные шлют наилучшие пожелания.
592. An Diederich Volkmann in Pforta (Visitenkarte)
Дорогой господин доктор, я бы так хотел еще раз приехать в Пфорту, чтобы попрощаться, но мое освобождение от военных оков задержалось настолько неподобающим образом, что в конце концов стало слишком поздно, и мне приходится довольствоваться тем, чтобы сказать Вам «прощайте» письменно. Послезавтра (16-го числа) я отплываю обратно в Лейпциг: где я наконец-то смогу свободно вздохнуть, не будучи стесненным мундиром. Доставьте мне удовольствие и навестите меня там как-нибудь в течение зимы: нам будет о чем поговорить.
Сегодня примите еще мою глубочайшую благодарность за все проявления дружелюбия, которые Вы выказали мне в течение года, пестрого и полного перемен года для меня: всегда вспоминайте по-дружески о Вашем
Фридрихе Ницше
резервисте.
593. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра,
пока что всё, по-видимому, прошло хорошо; но я хочу остеречься судить об этом слишком поспешно. Я действительно сделал так, как предложил мне друг Виндиш: я в некотором роде поселился на пансионе у профессора Бидермана, по цене ни дешевой, ни чрезмерной. Если такой способ проживания имеет хотя бы то преимущество, что экономит мне время и привязывает к дому, — то это уже немало; однако подобные отношения для меня слишком непривычны, чтобы я мог с уверенностью утверждать, что они мне понравятся в долгосрочной перспективе. — Семья, у которой я обедаю и ужинаю, сносная, кухня, судя по тем немногим пробам, что у меня были, неплохая, моя комната большая, немного пустынная, но с очень красивым видом, район очень тихий, спальня довольно просторная и светлая; к тому же я живу на променаде, в саду, на втором этаже. Это перечисление преимуществ и достоинств. Ежемесячный пансион за жилье, завтрак, обед, ужин, обслуживание, освещение составляет 25 талеров. Что вы думаете о такой цене? Мои друзья находят её приемлемой — я в этом тоже не сомневаюсь; вопрос лишь в том, посильна ли она.
Мой ящик с книгами еще не прибыл: пример нерасторопности, который меня очень огорчает. Что же взбрело в голову этим наумбургским грузчикам? — Зато перевозка моего тюка с постелью и двух ящиков, которые я взял с собой как багаж пассажира, обошлась дешевле и быстрее: мне пришлось заплатить 8 серебряных грошей.
Первые два дня я жил в «Городе Дрездене». Со стороны Ричля — дружелюбный прием. Рошер, Виндиш и Ромундт — единственные знакомые, которые здесь есть. Погода сегодня, в день моего переезда (18 окт.), довольно солнечная и мягкая; за отопление мне нужно платить 2 талера в месяц. С сегодняшним днем ярмарка закончилась; и тем самым мы счастливо избавлены от запаха жира и множества евреев. За столом, кстати, присутствует и француз, некий господин Флаксленд, из языка которого я, собственно, ничего не понимаю.
Ну что ж, будем надеяться, что это существование окажется сносным; я не жду многого и требую еще меньше: вот так!
Мой адрес будет: г-ну д-ру Ницше, Лейпциг, Лессингштрассе 22, 2-й этаж.
Живите же как можно лучше и вспоминайте с радостью своего сына и брата, бывшего канонира и чудовище
Ф. Н.
594. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Глубокоуважаемый господин профессор,
если я, выражаясь по-военному, уже «зачислен в резерв», то мне, надеюсь, всё же будет позволено кое-где, на службе «Centralblatt», произвести хорошо нацеленный пушечный выстрел: особенно если речь идёт о салюте, как в данном случае.
С сердечным приветом
Фридрих Ницше
595. An Paul Deussen in Oberdreis
Мой дорогой друг,
Твои письма в последнее время приходят всегда по особо торжественным случаям: так, когда я недавно въехал в свою новую лейпцигскую квартиру, на столе лежало Твое письмо, которое друг Рошер уже успел правильно переслать. Вскоре после этого я отправил Тебе первую часть моего «Laertianum», чтобы снова не навлечь на себя упрек в неблагодарности к друзьям и в том, что своим постоянным молчанием создаю впечатление покойника. Нет, я жив и, что еще важнее, я живу хорошо и желаю, чтобы Ты однажды лично в этом убедился: особенно для того, чтобы понять, что φιλοσοφεῖν (философствование) и болезнь — вовсе не тождественные понятия; что, однако, существует определенное «здоровье», вечный враг более глубокой философии, которое, как известно, в последнее время стало прозвищем для определенных сортов героев «Grenzboten» и историков.
Связывая это с окончанием Твоего письма, я заодно выполняю предложенное мне там пожелание. Дорогой друг, «хорошо писать» (если я вообще заслуживаю этой похвалы: nego ac pernego) поистине не дает права писать критику системы Шопенгауэра: впрочем, Ты не можешь себе представить, какое уважение я питаю к этому «гению первого ранга», если доверяешь мне (i. e. homini pusillullullo! — человеку ничтожному!) способности опрокинуть этого гиганта: ведь я надеюсь, что под критикой его системы Ты понимаешь не только выделение каких-либо изъянов, неудачных доказательств, тактических неловкостей: чем, конечно, занимаются некоторые чересчур дерзкие «переходники» и чуждые философии Хайме, полагая, что они все сделали. Вообще не пишут критику мировоззрения: его либо понимают, либо не понимают, третья точка зрения мне непостижима. Тот, кто не чувствует аромата розы, поистине не должен о ней критиковать: а если чувствует: à la bonheur! Тогда у него пропадет желание критиковать.
— Мы просто не понимаем друг друга: позволь мне промолчать о вышеупомянутых вещах: о чем, как я помню, я уже однажды Тебе предлагал.
Твоим отказом от апологии я тоже не очень доволен, особенно тем, что я предложил Тебе защищать «филологию». Мне до этого нет никакого дела: но я хотел бы знать, что Ты думаешь о нынешнем состоянии филологии, о господствующих методах, о развитии нынешних филологов, об их отношении к школам и т. д., причем в противоположность моим несколько грубо высказанным взглядам. Ибо говорить ясно (или «по-военному») в письмах имеет то особое преимущество, что заставляет собеседника выйти из колеблющихся, примирительных позиций и вырвать у него прямое «да!» и «нет!». Конечно, с доводами; но Твое мифологическое понимание филологии как дочери (скажи дочери! heu heu!) философии, которая как таковая изъята из-под любого контроля и суда, не содержит даже намека на обоснование. Если уж говорить мифологически, то я рассматриваю филологию как выкидыш богини философии, порожденный от идиота или кретина. Жаль, что Платон не придумал этот μῦθος (миф) раньше: ему бы Ты поверил скорее — и по праву. — Конечно, я спрашиваю каждую отдельную науку о ее «пропуске»; и если она не может доказать, что в ее горизонте лежат какие-либо великие культурные цели: то я, конечно, позволяю ей существовать, так как «сычи» в царстве знания имеют такое же право, как и в царстве жизни, но смеюсь, когда упомянутые «сычиные науки» ведут себя патетически и носят котурны. Точно так же некоторые науки однажды становятся дряхлыми: и вид этот печален, когда они, с иссохшим телом, с пересохшими венами, с увядшими устами ищут кровь молодых и цветущих натур и высасывают ее по-вампирски: да, долг педагога — держать свежие силы подальше от объятий этих старческих чудовищ: которые с точки зрения историка заслуживают почтения, с точки зрения современности — отвращения, а с точки зрения будущего — уничтожения.
Ἀλλὰ ταῦτα μὲν τροπικῶς (Но это все метафорически). Ἡμεῖς δέ (Мы же), дорогой друг, — ученики современности: soyons de notre siècle! (будем людьми своего века!) —
Напоследок несколько личных пустяков. Во-первых, прошу Тебя написать мне несколько слов о «Laertianum»: потому что я хотел бы знать, какое место подобные работы занимают в Твоем ingenium (даровании). Во-вторых, я обязан рассказать Тебе, как, где и почему я здесь живу. Прежде всего, не как студент: и прошел уже год с тех пор, как я оставил это невыносимое состояние. Скорее, я здесь будущий приват-доцент Лейпцига и строю свою жизнь в соответствии с этим намерением. Семья, в которой я нашел свое прекрасное жилище, — это семья проф. Бидермана, бывшего парламентария и нынешнего редактора «Deutsche Allgemeine»: благодаря которому мне удается завести ряд интересных знакомств (таких как: остроумные женщины, красивые актрисы, значительные литераторы и политики и т. д.). Ряд крупных статей ждет счастливого часа, о чем я напишу Тебе позже. Ричль, мой почитаемый учитель, и его очень близкая мне супруга оказывают мне много приятного: к тому же я процветаю в кругу стремящихся друзей и товарищей и жалею лишь о том, что под рукой нет превосходного Пауля Дейссена.
Адр.: Господину Ф. Ницше
Лейпциг
Лессингштрассе 22, 2 этаж.
596. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
то, что я жив, тебе, вероятно, подсказал недавно присланный «Laertianum»; то, что я живу хорошо, твоя проницательность, вероятно, вычислила по адресу и указанию квартиры в нижней части титульного листа.
Я переехал в Лейпциг с совершенно изменившимися запросами, полностью сменив студенческие штаны и связанный с ними образ жизни. Дружелюбный демон при посредничестве превосходного Виндиша позволил мне найти жилище, которое до сих пор удовлетворяет этим запросам и делает невозможным возвращение к студенческой суете, а также к ресторанной и театральной лихорадке.
Моя квартира находится у входа на Лессингштрассе, в саду, имеет поистине изящный и разнообразный вид и позволяет мне с удовольствием сидеть в своих четырех стенах, проводить вечера, потея над филологией: это как раз для Фрица, у которого раньше была склонность каждый вечер бегать в театр. Теперь я, конечно, вынужден несколько ближе общаться с семьей профессора Бидермана, например, обедать и ужинать с ними, вообще вести себя как барышня, которая попадает в пансион. Это может — чего боги не хотят, но что мне предсказала фрау Ритчль, моя опытная подруга, — стать ужасно скучным, но еще не стало: и, в конце концов, такой Бидерман, как я, который уже чистил лошадей, в худшем случае может практиковать аскезу. Боже мой, чего только не вытерпит филолог, чье существование основано на духовном и физическом голодании!
Впрочем, старый Бидерман — человек своего имени, хороший семьянин, супруг, короче говоря, все то, что принято восхвалять в некрологе: его супруга — «Бидерфрау» (добродетельная женщина), чем опять же все сказано. И так далее, вплоть до «Бидерфройляйн» (добродетельных девиц) I и II. Семья многое пережила и до сих пор находится в самой гуще политических интересов: к моему утешению, о политике почти не говорят, так как я не ζῶον πολιτικόν (животное политическое) и имею натуру дикобраза по отношению к подобным вещам. В остальном Бидерман — родной брат Бойста, чей характер мне теперь стал вполне ясен благодаря применению теории наследственности Шопенгауэра. Его жена — сестра бургомистра Коха. Наш сотрапезник и сожитель — еще один француз, г-н Флаксленд (крупнейшее музыкальное издательство в Париже), забавный человечек, который обеспечивает смех, как паяц, и у которого я немного учу или буду учить французский. Время от времени я теперь хожу в качестве представителя «Deutsche Allgemeine» на концерты и лекции; мне даже предложили критику оперы — nego ac pernego (отрицаю и решительно отрицаю).
Конечно, мне приходится мириться и с возможными гостями дома; а иногда и мириться не приходится: например, когда у нас бывает наша подруга и частая гостья Γλαυκίδιον (Главкидион), которую недавно было приятной обязанностью проводить домой. Надеюсь, ты еще помнишь, кого мы так окрестили: если нет, то напиши, и я освежу твою память фотографическим путем.
В ближайшие дни к нам прибудет Лаубе как окончательный преемник театра: и я буду рад с ним познакомиться. Сегодня вечером я был в «Эвтерпе», которая начала свои зимние концерты и порадовала меня как вступлением к «Тристану и Изольде», так и увертюрой к «Мейстерзингерам». У меня не хватает духу относиться к этой музыке критически холодно; каждое волокно, каждый нерв во мне дрожит, и у меня давно не было такого длительного чувства отрешенности, как при последней увертюре. В остальном мое абонементное место окружено критическими умами: прямо передо мной сидит Бернсдорф, то самое одиозное чудовище, слева от меня доктор Пауль, ныне герой «Tageblatt», в двух местах справа мой друг Штаде, который производит критические чувства для музыкальной газеты Бренделя: это острый угол: и если мы вчетвером единодушно качаем головами, это означает беду.
Дорогой друг, отец Ритчль спрашивает, не хочешь ли ты прислать небольшое дополнение к диссертации Кнаута: она должна была дойти до тебя через Риббека. Твоя работа (чьи преимущества перед трактатом Кнаута должны быть ясны даже кротам) скоро будет напечатана.
А посему прими дружеское лейпцигское, уютное, добродетельное рукопожатие от
Твоего верного друга
Ф.Н.
Частный адрес: Лейпциг, Лессингштрассе 22, 2-й этаж.
597. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра,
сначала о некоторых практических вещах. Присланным бельем я вполне доволен, хотя мне кажется, что рубашки все еще выглядят довольно серыми: в остальном они подходят хорошо, и не помешает, если ты купишь еще несколько. Свое белье я отдаю стирать в паровую прачечную поблизости: и это по совету профессора Бидерманна, которая, кстати, порядочная женщина. — Вопрос о совершеннолетии все еще не урегулирован? Господа в суде ужасно медлят. Друг Вильгельм, кстати, наилучшим образом поздравляет от моего имени и напоминает ему о его обещании. —
Я сам пока полагаю, что могу быть доволен. Действительно, большая уединенность моего жилища и моего распорядка дня приводит к тому, что я много времени провожу дома: что само по себе уже большое преимущество. Моя комната, особенно с тех пор, как расставлены книги, довольно уютна, хотя она довольно большая и не переполнена мебелью. Также обедом и ужином я доволен; я замечаю, что я вовсе не так уж сильно избалован. Семья многое пережила и, как следствие, многое может рассказать: она состоит, помимо стариков, из сына, который химик и работает на опытной станции в Мёккерене, который, следовательно, проводит в родительском доме только субботу и воскресенье; затем из второго сына, который учится в школе, наконец, из двух дочерей, одной около 15, другой около 19 (в чем легко ошибиться, как показывает наш домашний пример). Наш сотрапезник — маленький парижанин, который учит немецкий и очень забавный: понять его французский для меня до сих пор невозможно, так как у него невероятная скорость речи.
Наконец, общение с этой семьей дает преимущество знакомиться с интересными людьми; так, в эти дни мы ожидаем нашего официального театрального директора Генриха Лаубе из Вены, который принадлежит к числу близких друзей дома Бидерманнов.
Госпожа Бидерманн, кстати, сестра весьма уважаемого обер-бургомистра Лейпцига Коха, а он, профессор и редактор, скажу по секрету, является внебрачным братом министра Бейста: его личность и характер пользуются в Лейпциге всеобщим уважением, особенно потому, что те родственные связи никогда не побуждали его идти на уступки министерству Бейста в ущерб своим политическим убеждениям. — Впрочем, у него большое политическое прошлое: как немецкого имперского президента и т.д.
Но я хочу сейчас закончить письмо: иначе меня застанет врасплох посыльная.
Итак, живите наилучшим образом и
вспоминайте с любовью
Вашего
Ф. Н.
У переплетчика Якоби, насколько я знаю, еще есть два тома rhein.Mus.: пришлите их мне при случае.
Адр. Лейпциг, Лессингштрассе 22, 2 эт.
597a. An W.G. Pluygers, Bibliothekar, Universtitätsbibliothek Leiden
Глубокоуважаемый господин,
прежде всего, я уполномочен передать Вам привет от моего выдающегося учителя и друга Ричля из Лейпцига: который одновременно настоятельно просит Вас благосклонно выслушать мою просьбу, с которой я позволю себе к Вам обратиться.
В Вашей библиотеке также находится (согласно Catal. bibl. publ. Lugd. codd. Voss an. p. 396, 18) копия небольшого трактата, известного под названием ,certamen Hesiodi et Homeri‘. У меня есть основания предполагать, что эта копия — та самая, которую Генрикус Стефанус, первый издатель ,certamen' из единственного кодекса, содержащего ,certamen‘ (cod. Laurent, plut. 56 cod. i.), сделал в 1553 году во Флоренции. Об этом прямо говорит даже Валентин Розе в новом издании Anacreontea на стр. IV и XIII.
Поскольку я сейчас занят подготовкой нового издания ,certamen’ с помощью сверки указанного Laurentianus, для меня было бы очень ценно самому ознакомиться с этим Codex Vossianus. За мою надежность и тщательность Ричль дает всяческие гарантии: так что Вы вполне можете рискнуть доверить эту рукопись моим рукам на очень короткое время.
Одновременно позволяю себе препроводить Вам первую часть моего исследования об источниках Лаэртского Диогена: с пожеланием выразить Вам тем самым мое особое почтение.
Д-р Ницше
Лейпциг, Лессингштрассе 22, 2-й этаж.
598. An Friedrich Zarncke in Leipzig
Глубокоуважаемый господин профессор,
позволено ли мне будет прислать Вам рецензию для «Centralblatt», на написание которой я не получал от Вас официального поручения?
В таком случае прошу Вас при случае напечатать прилагаемую рецензию, в которой я имею дело со своим однофамильцем. В противном случае, под защитой ignorantia legis, прошу извинить
Ваш покорнейший
сотрудник
Фридрих Ницше
Лессингштрассе, 22, 2-й этаж.
599. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
сегодня я намерен рассказать тебе о ряде забавных вещей, с весельем взглянуть в будущее и вести себя настолько идиллически-безмятежно, чтобы твой злой дух, эта кошачья лихорадка, выгнул спину и сердито убрался восвояси. И чтобы избежать всякого диссонанса, я хочу обсудить известную res severa, которая послужила поводом для твоего второго письма, на отдельном листе, который ты сможешь прочесть в особом настроении и в особом месте. Акты моей комедии называются: 1. Вечер общества, или Унтер-профессор, 2. Выброшенный портной, 3. Свидание с +. В них участвуют несколько старых дам.
В четверг вечером Ромундт соблазнил меня пойти в театр, к которому мои чувства сильно охладели: мы хотели посмотреть пьесу нашего будущего директора Генриха Лаубе и сидели, как восседающие на троне боги на Олимпе, верша суд над стряпней под названием «Граф Эссекс». Конечно, я ругал своего искусителя, который ссылался на впечатления своего десятилетнего детства, и был счастлив покинуть помещение, в котором не нашлось даже ΓΛΑΥΚΙΔΙΟΝ: как показал микроскопический обыск всех углов театра.
Дома я нашел два письма: твое и приглашение от Курциуса, знакомство с которым поближе доставляет мне удовольствие. Когда два друга нашего толка пишут друг другу письма, ангелочки, как известно, радуются; так они радовались и тогда, когда я читал твое письмо, да они даже хихикали.
На следующее утро я отправился в праздничном настроении, чтобы поблагодарить госпожу Курциус за приглашение, так как, к сожалению, не мог его принять. Не знаю, знаком ли ты с этой дамой; она мне очень понравилась, и между супругами и мной возникло неистребимое веселье. В этом настроении я отправился к своему главному редактору Царнке, был сердечно принят, уладил с ним наши дела — моя область рецензирования теперь включает, среди прочего, почти всю греческую философию, за исключением Аристотеля, которым занимается Торстрик, и другой части, в которой трудится мой бывший учитель Хайнце (тайный советник и воспитатель принцев в Ольденбурге). Читал ли ты, кстати, мою рецензию на «Symposiaca Anacreontea» Роуза? Скоро дойдет очередь и до моего тезки, который стал рыцарем благодаря «Евдокии» — скучная дама, скучный рыцарь!
Вернувшись домой, я нашел твое второе письмо, возмутился и задумал покушение.
Вечером состоялся первый доклад нашего филологического общества в этом семестре, и меня очень вежливо попросили его провести. Я, которому нужны возможности, чтобы поупражняться в академическом оружии, был сразу готов и имел удовольствие при входе к Цаспелю обнаружить черную массу из 40 слушателей. Ромундт был уполномочен мной следить за всем очень внимательно, чтобы сказать мне, какова была театральная сторона, то есть подача, голос, стиль, диспозиция и какое впечатление они произвели. Я говорил совершенно свободно, лишь с помощью маленькой записки, а именно о сатирах Варрона и кинике Мениппе: и смотри, все было καλὰ λίαν. Все пойдет как надо с этой академической карьерой!
Здесь следует упомянуть, что я намерен до Пасхи избавиться от всех хлопот по хабилитации и заодно по этому случаю получить докторскую степень. Это разрешено: специальное разрешение мне нужно лишь постольку, поскольку у меня еще не истек обычный quinquennium. Теперь хабилитироваться и читать лекции — это две разные вещи: но мне кажется вполне уместным, освободив руки, отправиться в мир, в последний раз в неофициальном статусе! Ах, дорогой друг, это будет чувство жениха, радость и досада вперемешку, юмор, γένος σπουδογέλοιον, Менипп!
В сознании хорошо выполненного дневного труда я лег спать и обдумывал ту самую сцену, которую нужно было разыграть у Ричля: что и было исполнено на следующий день в полдень.
Когда я пришел домой, я нашел записку, адресованную мне, с краткой заметкой: «Хочешь познакомиться с Рихардом Вагнером, приходи в 3:45 в Café théâtre. Виндиш».
Эта новость немного сбила меня с толку, прости меня!, так что я совсем забыл о только что пережитой сцене и попал в настоящий вихрь.
Я, конечно, побежал туда, нашел нашего доброго друга, который дал мне новые разъяснения. Вагнер находился в строжайшем инкогнито в Лейпциге у своих родственников: пресса ничего не знала, и все слуги Брокгауза были немы, как могилы в ливреях. Теперь сестра Вагнера, госпожа профессор Брокгауз, та самая умная женщина, а также ее хорошая подруга, госпожа Ричль, представили ее брату: при этом она имела гордость щеголять перед братом подругой, а перед подругой — братом, счастливое создание! Вагнер играет в присутствии госпожи Ричль «Мастер-песню», которая тебе тоже известна: и добрая женщина говорит ему, что эта песня ей уже хорошо знакома, mea opera. Радость и удивление Вагнера: изъявляет высочайшее желание познакомиться со мной инкогнито. Меня должны были пригласить на вечер пятницы: но Виндиш объясняет, что я занят службой, долгом, обещаниями: поэтому предлагают субботу после обеда. Мы с Виндишем побежали туда, нашли семью профессора, но не Рихарда, который ушел с огромной шляпой на большой голове. Здесь я познакомился с упомянутой превосходной семьей и получил любезное приглашение на вечер воскресенья.
Мое настроение в эти дни было действительно несколько романтическим; признай, что начало этого знакомства, при большой неприступности чудака, граничило со сказкой.
В убеждении, что приглашено большое общество, я решил принарядиться и был рад, что как раз к воскресенью мой портной обещал мне готовый бальный костюм. Был ужасный дождливый и снежный день, содрогаешься при мысли выйти на улицу, и поэтому я был доволен, что после обеда меня посетил Рошер, рассказал мне кое-что об элеатах и о Боге в философии — ведь он как кандидат разрабатывает заданную Аренсом тему «Развитие понятия Бога до Аристотеля», в то время как Ромундт пытается решить конкурсную задачу университета «о воле». — Смеркалось, портной не приходил, и Рошер ушел. Я проводил его, лично разыскал портного и нашел его рабов, усердно занятых моим костюмом: обещали прислать через 45 минут. Я ушел в приподнятом настроении, заглянул к Кинчи, прочел «Kladderadatsch» и с удовольствием обнаружил газетную заметку о том, что Вагнер в Швейцарии, но что в Мюнхене для него строят красивый дом: в то время как я знал, что увижу его сегодня вечером и что вчера пришло письмо от маленького короля к нему с адресом: «великому немецкому композитору Рихарду Вагнеру».
Дома я, правда, не нашел портного, в полном спокойствии прочел еще диссертацию об «Евдокии» и лишь время от времени тревожился пронзительным, но доносящимся издалека звоном. Наконец, я убедился, что у старомодной железной решетчатой калитки кто-то ждет: она была заперта, так же как и входная дверь. Я крикнул через сад человеку, чтобы он пришел в Наундёрфхен: невозможно было объясниться при шуме дождя. Дом пришел в возбуждение, наконец, отперли, и ко мне пришел маленький старичок с пакетом. Было полседьмого; пора было одеваться и приводить себя в порядок, так как я живу очень далеко. Точно, у человека мои вещи, я примеряю их, они подходят. Подозрительный поворот! Он предъявляет счет. Я вежливо принимаю: он хочет оплаты, сразу при получении вещей. Я удивлен, объясняю ему, что не имею с ним никаких дел как с работником моего портного, а только с самим портным, которому я сделал заказ. Человек становится настойчивее, время поджимает; я хватаю вещи и начинаю их надевать, человек хватает вещи и мешает мне их надеть: насилие с моей стороны, насилие с его стороны! Сцена. Я борюсь в одной рубашке: ведь я хочу надеть новые брюки.
Наконец, проявление достоинства, торжественная угроза, проклятие моему портному и его пособнику, клятва мести: тем временем старичок удаляется с моими вещами. Конец 2-го акта: я сижу в рубашке на диване и разглядываю черный пиджак, достаточно ли он хорош для Рихарда.
— Снаружи льет дождь. —
Без четверти восемь: в половине восьмого, как я договорился с Виндишем, мы должны встретиться в театральном кафе. Я выбегаю в темную дождливую ночь, тоже черный человечек, без фрака, но в повышенном романтическом настроении: удача благосклонна, даже сцена с портным имеет что-то чудовищно необычное.
Мы приходим в очень уютный салон Брокгауза: никого, кроме самой близкой семьи, Рихарда и нас двоих. Меня представляют Рихарду, и я говорю ему несколько слов почтения: он очень подробно расспрашивает, как я познакомился с его музыкой, ужасно ругает все постановки своих опер, за исключением знаменитой мюнхенской, и насмехается над капельмейстерами, которые в задушевном тоне кричат своему оркестру: «господа, теперь становится страстно», «милейшие, еще немного страстнее!» В. очень любит имитировать лейпцигский диалект. —
Теперь я хочу вкратце рассказать тебе, что предложил нам этот вечер, поистине удовольствия столь своеобразно пикантного рода, что я и сегодня еще не в своей тарелке, а просто не могу сделать ничего лучшего, чем говорить с тобой, мой дорогой друг, и возвещать «чудесные вести». До и после ужина Вагнер играл, причем все важные места из «Мейстерзингеров», имитируя все голоса и при этом очень дурачась. Это, собственно, сказочно живой и пылкий человек, который говорит очень быстро, очень остроумен и делает общество такого самого приватного рода очень веселым. Тем временем у меня был долгий разговор с ним о Шопенгауэре: ах, и ты поймешь, какое это было для меня удовольствие — слышать, как он с совершенно неописуемой теплотой говорит о нем, чем он ему обязан, как он единственный философ, который познал сущность музыки: затем он расспрашивал, как сейчас профессора относятся к нему, очень смеялся над философским конгрессом в Праге и говорил «о философских носильщиках». Позже он прочел отрывок из своей биографии, которую сейчас пишет, чрезвычайно забавную сцену из своей лейпцигской студенческой жизни, о которой я до сих пор не могу думать без смеха; пишет он, кстати, необычайно ловко и остроумно. — В конце, когда мы оба собрались уходить, он очень тепло пожал мне руку и очень дружелюбно пригласил меня посетить его, чтобы заниматься музыкой и философией, также поручил мне познакомить его сестру и его родственников с его музыкой: что я торжественно взял на себя. — Больше ты услышишь, когда я буду относиться к этому вечеру более объективно и отстраненно. Сегодня сердечное прощание и наилучшие пожелания твоего здоровья.
P.S.
Res severa! Res severa! Res severa!
Мой дорогой друг, я прошу тебя написать прямо доктору Клетте в Бонн и (без дальнейших формальностей и причин) потребовать рукопись обратно. По крайней мере, я бы поступил так.
Ричлевская бестактность слишком сильна: и в состоявшемся разговоре она отчетливо проявилась: так что я говорил с ним несколько холодно, что его сильно шокировало.
Это, конечно, правда, что «rhein. Mus.» сейчас переполнен: и это подтвердит тебе последний выпуск этого года, который выходит за пределы обычного количества страниц на 4 листа.
То, что я лично еще особенно сердит из-за этой истории, очевидно. Ведь это я, с лучшими намерениями и в самых дружеских чувствах, предложил тебе доверить твою рукопись «rhein. Mus.»: которому, как я думал, я тем самым окажу нечто весьма приятное. Особенно меня грызет, когда я думаю, для какой цели прекрасная статья была предназначена изначально.
Хочешь отомстить — отправь сочинение в «Hermes»; однако я сам не сторонник подобной мести. О «Philologus» в этих обстоятельствах не может быть и речи: а с «Fleckeisens Jbh.» дело обстоит так же, как с «rhein. Mus.».
Итак, дорогой друг, нужно искать издателя (и если я могу тебе посоветовать, издавай заодно с ὄνος, согласно признанному тобой состоянию рукописей). Конечно, ты предпочтешь искать издателя в своем Гамбурге: иначе доверься тому, что я с усердием буду искать благородного книготорговца, если ты меня об этом попроишь.
В любом случае дело должно идти быстро, да, в течение месяца 3—4-листовое сочинение должно быть напечатано. —
Если тебе нет дела до этой спешки, то, возможно, между нами можно устроить небольшой план: мы сделаем книгу вместе, под названием «Вклад в историю греческой литературы», в которой мы объединим несколько более крупных статей (от меня, например, о писательстве Демокрита, о гомеровско-гесиодовском ἀγὼν, о кинике Мениппе) и добавим также ряд мисцелл.
Что ты об этом думаешь?
В самой верной дружбе и
сочувствии in rebus secundis
et adversis
лейпцигский идиллик.
600. An Gustav Krug in Naumburg
Дорогой Густав,
жаль, что мы недавно виделись и говорили лишь на бегу, да еще в торжественной атмосфере окружного суда: другое место и менее официальное настроение позволили бы мне рассказать тебе о прекраснейших вещах, к числу которых, безусловно, следует отнести того самого мальчика Рихарда вместе с его мейстерзингерами.
Сегодня же, по торжественному случаю, я возобновляю, среди прочих просьб, и ту, чтобы вскоре увидеть тебя здесь. И хотя в данный момент мне нечего сообщить о предстоящем музыкальном событии в лейпцигском мире, такие события приходят с неизбежностью снега в зимний сезон. И весть ты получишь в должное время.
В уюте моей нынешней жизни, в которой нет ни достоинства государственного чиновника, ни беспокойной неустроенности студента, я ощущаю полный контраст с прошедшим годом. Как иначе было тебе, говорю я себе, когда ты, полный трепета, входил в конюшню, доставал из грязной кожаной сумки скребницу, имея в сердце наполовину Шопенгауэра, наполовину унтер-офицера?
Ужасное воспоминание! Соседка, ваш флакончик!
Если же ты хочешь знать, как я здесь живу, в общении с (пожилыми) дамами, с уверенным ощущением будущего лейпцигского доцента, среди множества единомышленников и друзей Шопенгауэра, если у тебя есть желание услышать более подробные чудесные истории о моем знакомстве с Вагнером, о вступлении к «Мейстерзингерам» и «Тристану» и т. д. — так приезжай к своему старому другу, который живет на Лессингштрассе, 22, 2-й этаж, шлет тебе свои наилучшие пожелания в день рождения и просит передать привет нашему славному другу Вильгельму (ему, выдержавшему печальное, целительное и поучительное испытание!)
Ф. Н.
601. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
теперь, когда я снова вблизи вижу кишащее отродье филологов наших дней, когда я вынужден ежедневно наблюдать всю эту кротовью возню, набитые защечные мешки и слепые глаза, радость от пойманного червя и равнодушие к истинным, даже назойливым проблемам жизни, и не только у молодого выводка, но и у вполне взрослых особей: мне становится всё понятнее, что мы оба, если только останемся верны нашему гению, не пройдем свой жизненный путь без многочисленных толчков и препятствий. Если филолог и человек не совпадают полностью, то упомянутое отродье сначала изумляется чуду, затем злится, а в конце царапается, лает и кусается: пример чего ты как раз и испытал. Ибо мне совершенно очевидно, что сыгранная с тобой шутка направлена вовсе не против твоих конкретных достижений, а против личности; и я живу с твердой надеждой вскоре самому получить такой же предвкушающий опыт того, что ждет меня в этой адской атмосфере. Но, дорогой друг, какое отношение имеют к твоим и моим достижениям суждения других о наших личностях? Вспомним Шопенгауэра и Рихарда Вагнера, ту несокрушимую энергию, с которой они поддерживали веру в себя под улюлюканье всего «образованного» мира; и если не дозволено взывать к deos maximos, то нам всегда остается утешение, что сычам нельзя отказывать в праве на существование (даже маленькому сычику: ср. прилаг. фотогр.), и что два понимающих друг друга и близких по духу сыча — это радостное зрелище для небожителей.
В конце концов, нет ничего прискорбнее, чем то, что именно сейчас, когда мы начинаем практически проверять наше мировоззрение и по порядку ощупывать своими усиками все вещи и отношения, людей, государства, учения, всемирную историю, церкви, школы и т. д. — что именно сейчас между нами лежат многие мили, и что каждый из нас должен в одиночку переживать полуприятное, полуболезненное ощущение переваривания своего мировоззрения: на самом деле, не было бы ничего отраднее, чем так, как мы тогда у Кинчи вместе переваривали наши телесные трапезы, теперь вместе символически выпить послеобеденного кофе и, находясь в середине нашего жизненного дня, оглянуться назад и вперед.
Ну, для этого и в Париже будет еще не поздно: где происходит великое ἀναγνώρισις нашей комедии, причем на самой прекрасной сцене мира, среди самых пестрых кулис и бесчисленного множества блестящих статистов.
Ах, как прекрасен этот мираж! —
Поэтому прочь, commune Wirklichkeit, постыдно низменная эмпирия, дебет и кредит, трезвость «Гренцботен» — нет, пусть всё это письмо будет теперь всей душой
как праздничное высокое приветствие
преподнесено другу!
(Он выпивает чернильницу до дна)
Хор аскетов:
Блажен любящий,
Который огорчающее,
Целебное и упражняющее
Испытание выдержал.
602. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
сегодня только две короткие заметки: во-первых, уже нашелся издатель для твоего трактата, а именно превосходный и поистине служащий благу науки доктор Энгельман: так что ты, вернее, твое новорожденное детище, находитесь в надежных руках.
Если ты испытываешь по этому поводу некоторую радость и хочешь ее выразить, то сходи к своему книготорговцу и попроси дать тебе только что вышедшее 2-е издание «Оперы и драмы» Рихарда Вагнера; затем устройся поудобнее у печи и думай, когда найдешь прекрасные места — а их там бесчисленное множество, — что один добрый друг в Лейпциге радуется точно таким же местам совершенно по-детски.
В неизменной верности и
любви
Твой, ежедневно
жаждущий известной
рукописи
друг.
Подробности позже: сегодня мало, но быстро и хорошо.
603. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и сестра,
о, как преступно долго я не давал о себе знать; хотя моя вина не так велика, как кажется, поскольку я тем временем уже писал вам, но по оплошности не отправил письмо, которое было уже готово. Теперь, перечитывая его, я не считаю нужным посылать вам это остроумное творение, но вкратце сообщу то, что собирался рассказать в нем.
То письмо исходило из предположения, что мои специальные работы или их продвижение вряд ли могут доставить вам удовольствие, тогда как мои plaisirs и тому подобное, или рассказы о них, имеют полное право на ваше участие. К этим plaisirs я отношу, например, и получение вашего последнего послания вместе с его поэтическим послесловием и прозаическим приложением. Последнее я, в полном признании проявленных в нем способностей, желаний и намерений, но не проводя более тщательной проверки, положил в ящик, где оно и по сей день дремлет непрочитанным. Первое могло бы побудить меня к подражанию лишь в том случае, если бы мне удалось проникнуть в его смысл глубже, чем это было возможно для моих скромных сил до сих пор.
Сначала я хочу зарегистрировать то, что из так называемых светских мероприятий зима мне до сих пор предлагала. Итак, недавно вечер у Ричлей, вчера неделю назад у Брокгаузов с большим количеством народа, мужчин и женщин; сегодня получил приглашение на следующий профессорский вечер, снова от Брокгаузов. Завтра приятный обед с сестрами Клемм; на следующей неделе организованный мною мужской вечер у меня на квартире, приглашены все, кто наносил мне визиты. В прошлый четверг я был в Гевандхаузе, билет получил от Брокгаузов. В воскресенье после обеда я скакал верхом в Розентале; я снова езжу верхом, и без жалоб.
Итак, на Рождество, как я уже недавно упоминал, я могу приехать в Наумбург только на короткое время, так как погряз во многих занятиях. Что касается подарков, то прошу прощения, если я никак не могу записать желаемые песни, потому что ко всем ним у меня нет текста, а к некоторым даже музыки. Мои собственные желания должны быть профессиональными; но мне нужно так много, что я лучше ничего не буду писать, и пусть это останется на усмотрение женской интуиции — мучиться и в конце концов выбирать.
Роде долго страдал от своей вялотекущей лихорадки, Виндиш занят по уши, а добрый Айнзидель (который уже давно страдал грудной болезнью) в эти недели скончался. —
Пусть у вас все будет хорошо, и вспоминайте иногда
Вашего сына и брата
Ф.Н.
604. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
я всё ещё не могу написать тебе ничего определённого об условиях Энгельмана, потому что упомянутый воитель уехал в Берлин. Во всяком случае, он согласился принять рукопись: а это и есть главное. Как долго (т.е. как недолго) продлится печать, сколько бесплатных экземпляров он тебе предоставит — сообщу, как только узнаю. Впрочем, в этом деле я не заслуживаю ни атома благодарности; ибо тот, кто ходил к Энгельману, потому что обладает бо́льшим личным авторитетом, чем я, ἀνώνυμος (безымянный), — это наш превосходный Виндиш. Если бы этот поход, кстати, не удался, то перспективы для храброго ὌΝΟΣ (осла) были бы весьма скверными: ведь на таких брошюрах в 3—4 листа дела не сделаешь, и поэтому Тойбнер и его единомышленники подобные вещи принципиально не принимают. Так что честь — Энгельману, а благодарность — папаше Виндишу.
При повторном просмотре твоей работы я снова разозлился на глупые глаза тех, в чьих когтях она до сих пор находилась. В особенности на то, что те же самые глаза видели нечто ценное в Кнаутовской ослиной глупости «Чудо». Но из этих глаз смотрела злая воля, это был именно дурной глаз, который так враждебно противодействовал твоей работе и тебе.
Кстати, хочешь ли ты, чтобы я представил твою работу в «Centralblatt», или тебе важнее, чтобы кто-то третий (вероятно, Бурсиан) oculis integris (непредвзятым взглядом) высказался о ней? — Come voi volete (Как хотите).
После этого делового вступления я, пожалуй, могу рассказать тебе кое-что о своих нынешних занятиях, и прежде всего — a bove principium (начиная с главного) — о своих филологических делах. С тех пор как я снова здесь, я преступно метался между теми работами, которые когда-нибудь должны быть закончены, но которые должны выполняться в определённой последовательности, а не вперемешку. Что я хочу заново издать небольшое сочинение περὶ Ἡσιόδου καὶ Ὁμήρου καὶ τοῦ γένους καὶ ἀγῶνος αὐτῶν (о Гесиоде, Гомере, их роде и состязании), ты знаешь; также и то, что за этим должно последовать обсуждение гомеровских вопросов традиции. В отношении последнего у меня случилась неудача: в одном весьма важном месте я не смог больше убедить самого себя: мой добрый певец Гомер, которого я, как мне казалось, крепко держал всеми пятью пальцами, в одно прекрасное утро растаял, как призрак; теперь он снова мифическое чудовище, претерпевшее самые странные трансформации: изобразить которые было бы задачей для Штрауса и подобных талантов. — Это теперь несколько отвратило меня от дела, и я отложил его в сторону: впрочем, при моём способе рассмотрения всё равно выходит достаточно, чтобы сделать для меня этот регион всегда интересным и ценным. Из Лейденской библиотеки я получил по своей просьбе от господина Дю Риё рукопись, содержащую Apographum Henrici Stephani (список Генриха Стефана), из Флоренции ожидаю новую сверку.
В начале ноября я выступал в обществе по поводу странного чудака Мениппа: его время, исходя из 4—6 отправных точек, я определил примерно 280 г. до н. э., и Проб в многократно обсуждаемом свидетельстве о варроновских сатирах снова прав. Юность Варрона, следовательно, не приходится, как считают Элер, Рёпер, Бернгарди, Ризе и др., на время Мениппа. Лукиановский Менипп — это тот, кто жил около 280 года; схолии, конечно, иногда допускают глупость из-за реминисценций о филостратовском Мениппе, с которым Аполлоний встречается в Коринфе.
Теперь же я снова проделываю абдеритские штуки и использую при этом свои постепенно отложившиеся взгляды на Лаэртского. Здесь мне многое удалось, более того, я прихожу к мнению, что в таких работах гораздо больше помогает некий филологический ум, скачкообразное сравнение скрытых аналогий и способность задавать парадоксальные вопросы, нежели строгая методика, которая уместна везде лишь тогда, когда основная интеллектуальная работа уже завершена.
Итак, эти Democritea (Демокритеи) должны восстановить индекс Фрасилла по его форме и интенции: и одновременно заложить основу для будущей коллекции демокритовских фрагментов (Муллах — небрежная скотина) путём исследований о подложности, более ранних пинакографических расположениях, разбора лаэртовской vita (жизни) Демокрита и т. д. Мне лично фигура Демокрита чрезвычайно нравится, правда, я реконструировал её совершенно заново, так как наши историки философии никогда не могут воздать должное ни ему, ни Эпикуру, потому что они благочестивы и являются правоверными иудеями пред Господом; меньше всего — женоподобный, умствующий, неискренний и неясный Шлейермахер, которого все повсюду до тошноты хвалят или ругают, и то и другое с величайшей ограниченностью; истина лежит вовсе не посередине, а совсем в другом месте. — 22 февраля 1888 года мы тоже празднуем столетний юбилей: мы знаем, почему. —
Тут мне случайно приходит в голову, что я вовсе не знаю, когда у тебя день рождения. А мне бы хотелось знать.
Теперь ещё немного лейпцигских новостей. Сюда наконец прибыл и Лаубе, с физиономией бульдога, но, как кажется, с большим практическим талантом и должной энергией. Кстати, и с женой, которая должна быть необычайно достойной женщиной. Лаубе снял помещение у «Gartenlaube»-Кейля и, кажется, собирается вести широкую жизнь. Его деятельность уже сейчас необычайна, каждая газета сообщает о новых ангажементах, актёрам он грозит ужасным количеством репетиций, студентов приманивает более низкими ценами; одновременно старый театр переделывается под комедии и фарсы. Кстати, он ангажировал из Гамбурга примадонну, некую фройляйн Шнайдер: кто, что и как она? — Γλαυκίδιον (Главкидион) уже получила от него 100 талеров прибавки (так что теперь у неё 500 талеров жалованья), а также и в остальном похвалы и надежды. В прошлое воскресенье упомянутое существо вместе со своей хорошенькой сестрой обедало у нас: и в течение второй половины дня я и моя комната были так счастливы приютить этих девиц, которые усердно занимались рождественскими работами, на целый час. И это был сплошной γέλως (смех) и γλυκύτης (сладость).
— Каждое твоё письмо доказывает мне, что на самом деле ужасно жаль всего того прекрасного времени, которое мы не проводим вместе, то есть, например, нынешней зимы, которая, правда, предлагает мне всевозможные стимулы и удовольствия в лейпцигском стиле, но которая отказала мне в прямом и ежедневном общении с братом по мировоззрению; если не считать доброго Ромундта, который тебе, безусловно, тоже понравился бы, в противоположность многим весьма заурядным, но учёным головам, которые с чувством собственного достоинства смотрят свысока на ту странную комбинацию проницательности, воли и неумения, которая называет себя Ромундтом. — Как сильно мы оба идём по одной дороге, мне стало ясно вновь благодаря действительно забавному синхронизму; мы ведь занимались романтикой в одно и то же время и вдыхали жадным носом родственные и близкие ароматы, не зная об отнюдь не нормальном занятии друг друга. Назвать это случайностью было бы грехом против святого духа Шопенгауэра. После этого случая и вообще после совершенно поразительного сходства твоих писем, которые я всегда читал с благодарным сердцем и огромным удовольствием, и моих нынешних мыслей, у меня есть твёрдая уверенность, что мы полностью поймём друг друга в отношении одного гения, который казался мне неразрешимой проблемой и для понимания которого я год за годом делал новые попытки: этот гений — Рихард Вагнер. Это уже второй пример, когда мы, почти не заботясь о господствующем и принятом в образованных кругах мнении, воздвигаем себе собственных идолов; и этот шаг делаешь уже во второй раз с большей уверенностью и самоуважением.
Вагнер, каким я его знаю теперь, из его музыки, его поэзии, его эстетики, в немалой степени из того счастливого общения с ним, является самой живой иллюстрацией того, что Шопенгауэр называет гением: да, сходство всех отдельных черт бросается в глаза. Ах, я хотел бы, чтобы я мог в уютный вечерний час рассказать тебе многие мелкие подробности, которые я знаю о нём, по большей части через его сестру; я хотел бы, чтобы мы могли вместе читать его поэтические произведения (которые Ромундт ценит так высоко, что считает Р. В. едва ли не первым поэтом поколения, и о которых также Шопенгауэр, как рассказывал мне Вагнер, был очень высокого мнения), мы могли бы вместе пройти смелый, даже головокружительный путь его ниспровергающей и созидающей эстетики, мы могли бы, наконец, отдаться чувственному порыву его музыки, этому шопенгауэровскому морю звуков, чей сокровеннейший всплеск волн я ощущаю, так что моё слушание вагнеровской музыки — это ликующая интуиция, даже изумлённое обретение самого себя.
Но наслаждаться всем этим с таким другом, как ты, для меня действительно жгучая потребность, так что я с жаждой думаю о времени, которое снова сведёт нас вместе. Пусть оно не будет слишком далёким!
В верной дружбе
Твой
Фридрих Ницше.
605. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогая мама
конечно, я согласен с рождественскими предложениями касательно Лизбет: хотя «фартук» — не совсем братский подарок, а красивый веер (выбранный мной и госпожой профессором) уже несколько дней находится у меня. Впрочем, от последнего легко избавиться: да и к фартуку я привыкну, как и к книге Вильдермут, если заказ был сделан с необходимой скрытностью. — Для украшения ёлки, которая, надо полагать, будет, я привезу несколько держателей для свечей, а также кое-какие бумажные поделки, цветы и т. д., которые мальчик Карл сделал для меня.
Что касается моего приезда, то я точно укажу время прибытия и отъезда: в четверг в полдень я появлюсь, в воскресенье вечером исчезну. Большее было бы во всех отношениях не к добру.
Я очень занят и действительно должен немного уделить внимание своим делам. Поэтому прошу извинить за короткие письма и короткие визиты. Когда-нибудь станет лучше. — Кстати, побольше гуляй
Твой сын
Фриц.
Дорогая Лизбет,
У тебя есть неограниченные полномочия касательно подарка, предназначенного для —: как я уже говорил тебе об этом устно. Говорить больше не позволяет место — и моё время.
До радостной встречи
Твой брат Ф. —
606. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
я думаю, что этими немногими строками смогу доставить тебе небольшую рождественскую радость: поэтому спешу и пишу несколько сбивчиво.
Только что я был у доброго Виндиша, чтобы попросить сведений о судьбе твоего сочинения, которое я полностью доверил его рукам. И вот: я уже обнаружил печатный лист, который страстно ожидал корректуры. И вот! едва я успел полчаса пробыть у В., как пришел наглый типографский мальчишка и принес второй лист. Упомянутому мальчику я поспешно дал свой адрес, так как был готов — при сложившихся обстоятельствах — взять корректуру на себя. Это я, конечно, сделал без разрешения автора: однако что было делать при такой ангельмановской расторопности? Поэтому прошу твоего последующего одобрения: впрочем, я буду внимателен. — Так что есть надежда, что еще до конца старого года печатание будет завершено.
Следует более точное описание листов.
Формат как у opuscula Ричля, латинские буквы: 35 строк на странице: таким образом, весьма приличный вид. Лист I охватывает страницы 1—34 твоей работы, лист II 35—70. Таким образом, получится около 4 листов.
Энгельман желает познакомиться с тобой лично и просит, если будешь проездом в Лейпциге, навестить его. Ты найдешь в нем благородного издателя. Впрочем, я ничего не знаю об условиях, которые он мог бы поставить; и ты можешь в конечном счете довериться ему, что он предоставит тебе необходимое количество бесплатных экземпляров.
Ах, как я сам рад, что это дело так удачно сложилось, ведь никто больше — ты не исключение — не расстроился бы из-за неудачи так, как я: ведь мне нести ответственность за то, что я советовал тебе Рейнский музей и что этот совет принес такие дурные и досадные плоды.—
Рождество, любезнейший друг, уже на пороге: одиноко живу я день за днем: напиши мне скорее, буду благодарен тебе, но не так кратко, как я здесь.
В верной преданности
Твой
Фридр. Ницше.