1867 (24 Briefe)
535. An Hermann Mushacke in Berlin
Lieber Freund,
recht wohl weiß ich, daß in einem meiner Kästchen in Leipzig ein fertiger Brief an Dich liegt: doch fühle ich heute ein solches Bedürfniß, mich mit einem meiner Freunde zu unterhalten und mich im Briefschreiben aufzuheitern, daß ich lieber noch einen neuen Brief schreibe. Und dazu ist ja auch Anlaß reichster Fülle da. Zunächst sind es die üblichen Neujahrswünsche, die erledigt werden sollen. Aber wahrlich, es ist mehr als Gewohnheit, wenn ich Dir heute meine herzlichen Wünsche darbringe. Denn Du hast dieses Jahr einen wichtigen Schritt vor, bei dem das Herz eines Freundes nie gleichgültig bleiben kann. Ich bitte, daß Du auch Deinem verehrten Vater, Deiner lieben Frau Mutter und Großmutter meine Gratulationen aussprichst.
Zweitens schicke ich Dir endlich die Programme wieder und habe leider nichts anderes als ἀντίδοτον zu senden als den schon erwähnten schriftlichen Aufsatz von Lachmann, der für einen Lachmannomanen allerdings mehr Werth hat als für Dich; er ist nämlich, bei Seite gesagt, nicht viel werth, wenn Du den subjektiven und (allenfalls) den culturhistorischen Werth abrechnest. Wie er in meine Hände gekommen ist „auf mannigfach verschlungenen Wegen“, wie er aus Rußlands Innerem und aus dem Nachlasse eines Selbstmörders stammt, erzähle ich Dir ein anderes Mal.
Drittens hätte ich Dir etwas Angenehmes mitzutheilen, falls Du jetzt in Leipzig studirtest. Ritschl hat mir nämlich 2 Themata höchst gefälliger Weise zu Gebote gestellt, um ein paar Freunde für deren Bearbeitung ausfindig zu machen; leider nur unter der schon angegebnen Bedingung. Natürlich dachte ich zuerst an Dich, aber sah zugleich ein, daß es vergeblich sei. Also möglicherweise hätte ich Dir einen kleinen Dienst erweisen können, „doch das Schicksal will es nicht“. Jedes dieser Themata ist hinreichend für eine Doktordissertation, und veranlaßt darauf eine Herausgabe. Es nützt nichts, Dir die Themata zu nennen.
Viertens bin ich Dir noch Näheres schuldig über einen Stoff, für den Du Interesse hast, über eine systematische Behandlung der Interpolationen, mit denen die griechischen Tragiker versetzt sind. Es war ursprünglich meine Absicht, darüber meinen nächsten Vortrag im Verein zu halten. Doch habe ich mich in diesen Ferien anders besonnen und einen Aufsatz über die πίνακες der aristotelischen Schriften ausgearbeitet, der z. Th. einen Nachtrag zu meinem letzten Vortrag über die biographischen Quellen des Suidas bildet. Wenn es Dir aber recht ist, so schreibe ich hier flüchtig das Gerippe jener Interpol.theorie nieder, was Dir übrigens sehr alltäglich und ruppig vorkommen wird.
Einleitung. Drei Zeiten und drei Arten der Interpolation:
1. der Schauspieler
2. der Gelehrten
3. der Schreiber (also aus Irrthum)
1. Hauptstück. 3 Tendenzen der schauspielerischen interpolatio.
a) etwas Mißfälliges am Dichter,
- aesthetisch
mißfällig
2 ethisch
soll weggeschafft werden. Oder das veränderte Bühnenwesen verlangt eine Änderung des Stückes.
b) es sollen zeitgemäße Anspielungen hineingebracht werden
c) der Schauspieler will seine Rolle verstärken und will Glanzparthien und Effektstellen sich schaffen.
2. Tendenz der gelehrten Interpolation
a) sie will etwas dunkles erklären
b) etwas Lückenhaftes ausfüllen
3. Tendenz der Abschreiberinterpolation.
Ist nicht, vielmehr zieht er aus Irrthum γλωσσήματα in den Text.
Methode, die verschiednen Interpolationen zu erkennen.
zu 1. a und b) Es müssen ἀναχρονισμοὶ nachgewiesen werden.
zu 1. c.) Alles Überflüssige muß (zB. bei Euripides) zusammengestellt werden nach verschiednen generibus. Der Schluß ist hier immer ziemlich unsicher.
zu 2.) und 3) ist Heimsoeth lehrreich, aber übertrieben.
Hülfsmittel zur Erkenntniß von Interpolationen
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zB. die Scholien. Welchen Werth das athenische Staatsexemplar hat, das nach Alexandria gekommen ist, setzt sehr schön auseinander Korn, de publico Aeschyli Sophoclis Euripidis fabularum exemplari, Bonnae 1863, das ich Dich ja zu lesen bitte. Bei dessen Lektüre fallen einem viele Gesichtspunkte ein zB. sind die scenischen Bemerkungen der Scholien auf wirklicher Tradition beruhend oder verdanken wir sie nur der ratio einiger Grammatiker? (Wahrscheinlich beides: es werden sich unter den Beispielen einzelne genera unterscheiden lassen.)
-
Beobachtung moderner Schauspieler und der Regisseure.
Sei mir über diesen langweiligen Abriß, den jeder besser machen kann, nicht böse.
In diesen Ferien habe ich auch die Grundzüge meiner Laert. Diog.arbeit niedergeschrieben, die noch sehr der doctrina, stellenweise der ratio ermangeln. Doch ist es sehr nützlich, sich auf diese Art die Lücken klar zu machen, und deshalb bin ich damit zufrieden.
Auch habe ich das leidige Vergnügen gehabt, die letzte Revision der Druckbogen vorzunehmen. Es sind 40 Seiten, also herzlich wenig. Daß jemand recht gründlich und geringschätzig widerspräche, wäre mir nicht zu erwünscht, aber doch noch erträglich. Es giebt noch schlimmere Möglichkeiten, aber auch noch bessere.
Von meinen anderen Freunden höre ich nichts mehr. Gersdorff ist auf das eifrigste beschäftigt und wird oder hat sein Offizierexamen gemacht. Sicherlich hat er genügende Gründe, warum er nicht schreibt.
Deussen hüllt sich seit meinem letzten Briefe im September oder August in tiefes Schweigen, ja in Nacht und Finsterniß, so daß mir sein Aufenthaltsort, sein Studium, selbst seine Existenz fraglich geworden ist. Doch will ich in diesen Tagen einmal an seine Eltern schreiben.
Schließlich habe ich keinen Grund, Dir zu verhehlen, daß ich heute sehr traurig gestimmt bin. Gestern um diese Zeit nämlich stand ich am Sterbebette meiner Tante Rosalie, die, um es kurz zu sagen, nächst meiner Mutter und Schwester die bei weitem intimste und nächste Verwandte von mir war, und mit der ein großes Stück meiner Vergangenheit, besonders meiner Kindheit von mir gegangen ist, ja, in der unsre ganze Familiengeschichte, unsre Verwandtschaftlichen Beziehungen so lebendig und gegenwärtig waren, so daß nach dieser Seite hin der Verlust unersetzlich ist.
Dazu ein überaus schmerzliches Krankenlager, einige Stunden vor ihrem Tode noch ein Blutsturz. Es war in der Dämmerung, draußen wirbelten die Flocken, sie saß im Bette ganz aufgerichtet, und allmählich kam der Tod mit all den traurigen Anzeichen: was einmal mit vollem Bewußtsein mit angesehn zu haben, eine eigenthümliche Erfahrung ist, die sich nicht so schnell aus dem Kopf verliert.
Wenn darum mein heutiger Brief etwas morose und traurig ist, so verzeih es den Umständen, unter denen er geschrieben ward.
Dein Freund
Friedrich Nietzsche.
536. An Carl von Gersdorff in Spandau
Mein lieber Freund,
es war ebenfalls in den ersten Tagen des Januars, wo auch ich in Naumburg an einem Sterbebette stand, an dem einer nahen Verwandten, die nächst Mutter und Schwester die nächsten Anrechte auf meine Liebe und Verehrung hatte, die treulich an meinem Lebenswege Antheil genommen hatte, und mit der ein ganzes Stück meiner Vergangenheit und vornehmlich meiner Kindheit von uns gewichen ist. Und doch, als ich Deinen Brief empfieng, mein lieber, armer, schwergetroffner Freund, ergriff mich ein viel heftigerer Schmerz: war doch auch der Unterschied der beiden Sterbefälle so groß. Dort war ein Leben vollbracht, mit guten Handlungen ausgenützt, mit schwachem Körper bis zum Alter getragen: wir hatten alle die Empfindung, daß die Kräfte des Körpers und Geistes verzehrt waren und daß der Tod nur für unsre Liebe zu früh komme. Aber was schied mit Deinem auch von mir stets bewunderten und verehrten Bruder.
Es schied von uns eine jener seltnen, edlen Römernaturen, auf die Rom in seiner besten Zeit stolz gewesen wäre, auf die Du als Bruder noch viel mehr Anrecht hast stolz zu sein. Denn wie selten bringt unsre erbärmliche Zeit solche Heldengestalten hervor. Aber Du weißt es ja, wie die Alten darüber denken: „der Götter Lieblinge sterben früh.“
Was hätte eine solche Kraft noch thun können. Wie hätte sie als Vorbild eines selbsteignen, rühmlichen Strebens, als Beispiel eines entschiedenen, in sich klaren, um Welt und Weltmeinung unbekümmerten Charakters Tausenden in des Lebens Wirren Stärkung und Trost sein können. Wohl weiß ich, daß dieser vir bonus im schönsten Sinne Dir noch mehr war, daß er Dein anzustrebendes Ideal, wie Du mir oft früher sagtest, Dein sicherer Leitstern für die wechselvollen und durchaus nicht bequemen Bahnen des Lebens war. Vielleicht war dieser Tod der größte Schmerz, der Dich überhaupt treffen konnte.
Nun, lieber Freund, Du hast jetzt — das merke ich an dem Tone Deines Briefes — jetzt selbst an Dir erfahren, warum unser Schopenhauer das Leiden und die Trübsale als ein herrliches Geschick, als den δεύτερος πλοῦς zur Verneinung des Willens preist. Du hast auch die läuternde, innerlich beruhigende und festigende Kraft des Schmerzes erfahren und empfunden. Es ist eine Zeit, in der Du selbst erproben kannst, was wahr ist an der Lehre Schopenhauers. Wenn das vierte Buch seines Hauptwerkes jetzt auf Dich einen häßlichen, trüben, lästigen Eindruck macht, wenn es nicht die Kraft hat, Dich zu erheben und Dich aus dem äußeren heftigen Schmerze hindurchzuführen zu jener wehmüthigen, aber glücklichen Stimmung, die uns auch beim Anhören edler Musik ergreift, zu jener Stimmung, in der man die irdischen Hüllen von sich abfallen sieht: dann mag auch ich nichts mehr mit dieser Philosophie zu thun haben. Der Schmerzerfüllte kann und darf allein über solche Dinge ein entscheidendes Wort sagen: wir anderen mitten im Strome der Dinge und des Lebens stehend, jene Verneinung des Willens nur ersehnend als ein glückseliges Eiland, wir können es nicht beurtheilen, ob der Trost solcher Philosophie auch für die Zeiten tiefer Trauer ausreicht.
Es wird mir schwer, auf etwas Anderes überzugehen: denn ich weiß nicht, ob Dich nicht Erzählungen über mein Geschick und Ergehen in dieser Stimmung verdrießen. Doch wird Dir lieb sein zu hören, daß Einsiedel und ich in Folge gemeinsamen Schmerzes jetzt öfter zusammengekommen sind und auf Mittel und Wege sinnen, wie wir Dir eine kleine Freude und Erholung verschaffen können. Überhaupt hast Du an Einsiedel einen sehr theilnehmenden und mitfühlenden Freund; so eben habe ich ihm Deinen schönen, ausführlichen und mit herzlichster Liebe geschriebenen Brief vorgelesen. Wir wünschen Beide nichts sehnlicher als Dich einmal sehen und sprechen zu können.
Mir geht es wohl. Die Arbeit ist groß, aber fruchtbringend, darum erfreuend. Ich schätze ein stetiges und concent<r>irtes Arbeiten von Tag zu Tage mehr. Augenblicklich versuche ich meine Kräfte an einer Preisaufgabe der hiesigen Universität „de fontibus Diogenis Laertii“; ich habe dabei die wohlthuende Empfindung, nicht erst durch Anlockung von Ehre und Geld auf dies Thema gekommen zu sein, sondern es mir selbst gestellt zu haben. Das wußte Ritschl und war so gefällig, nachher dies Thema als Preisaufgabe vorzuschlagen. Ich habe einige Mitstreiter, wenn ich recht berichtet bin: doch habe ich in diesem Falle nicht geringes Selbstvertrauen, da ich bis jetzt lauter sehr schöne Resultate gefunden habe. Schließlich kommt es allein auf Förderung der Wissenschaft an: sollte ein Anderer noch mehr gefunden haben, so soll mich dies nicht sehr kränken.
Von Deussen habe ich im neuen Jahre Nachricht: er ist wieder Philolog, bravo: und empfindet, wie er selbst schreibt, wieder festen Boden unter sich. Er studirt in Bonn und scheint allmählich in das Fahrwasser zu kommen. Er schickte mir seine Übersetzung eines französ. Buches „Theodor Parkers Biographie“ mit, mit der er sich Geld verdient hat.
Zum Schluß, lieber Freund, bitte ich Dich um eins: belästige Dich nicht mit Briefschreiben. In kurzer Zeit bekommst Du von mir wieder Nachricht in einem recht ausführlichen Briefe, den heute zu schreiben mir nicht möglich ist. Dasselbe läßt Dir auch Einsiedel sagen.
Ich schließe mit einem warmen Lebewohl und einem Spruch des Aristoteles:
τί γάρ ἐστιν ἄνθρωπος; ἀσθενείας ὑπόδειγμα,
καιροῦ λάφυρον, τύχης παίγνιον, μεταπτώσεως
εἰκών, φθόνου καὶ συμφορᾶς πλάστιγξ.
Dein treuer, gleich-
falls tief getroffner
Freund
Friedrich Nietzsche.
537. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mama und Lisbeth,
nächsten Sonntag also werde ich unsrer Verabredung gemäß in Naumburg eintreffen und zwar ohne den Vetter, der durch einen Juristenball verhindert ist, sich aber allseitig bestens empfehlen läßt. Ich selbst schwankte noch in den letzten Tagen, ob ich kommen könnte, da mich ein sehr heftiger Magen und Halskatharr an die Stube, ja sogar an das Bett fesselte. Das ist nun wieder besser und wird, da die Luft mild ist, wohl ganz vorübergehn.
Eine traurige Nachricht kann ich Euch nicht ersparen, nämlich daß Gersdorffs ältester Bruder in den ersten Tagen des Januar seinen Wunden, besonders den Folgen einer schweren Operation erlegen ist. Unser Gersdorff hat mir schon zwei sehr ausführliche Briefe seitdem geschrieben.
Schließlich sage ich meinen besten Dank für die Briefe und die Zusendungen: auch über Deussen bin ich recht erfreut. Er ist doch wenigstens Philolog. Also ein fröhliches Wiedersehn zur Geburstagsfeier!
Euer Fr.
538. An Carl von Gersdorff in Spandau
Lieber Freund,
wenn Du nicht in der Stimmung bist, eine Anzahl von seltsamen Dingen anhören zu können, so lege den Brief bei Seite und verspare ihn Dir für eine andere Stunde.
Heute war nämlich die große Leipziger Wahlschlacht, die Entscheidung eines mit allen Mitteln geführten Parteienkampfes, heute ist das Schlußwort in der Sache Stephani gegen v. Wächter gesprochen worden. Wie es ausfiel, will ich noch nicht verrathen.
Du kennst das Ergebniß der ersten Wahl: unser Vertreter, der vortreffliche, makellose vir strenuus Stephani (neuerdings St. Stephan in den Inseraten des Tageblattes genannt) siegte mit 1000 Stimmen über den Hort des sächsischen Particularismus Herrn v. Wächter: jedoch war dieser Sieg nicht ausreichend, es fehlte an c. 200 Stimmen an einer absoluten Majorität. Also mußte eine engere Wahl vorgenommen werden, bei der die Kämpen einer dritten und einer vierten Partei Würkert und Wuttke gar nicht mehr in Betracht kamen. Diese beiden sind also recht jämmerlich durchgefallen, am meisten Wuttke, genannt „das Reichswiesel“, der von einer sogenannten Volkspartei, im Grunde von den tollsten Preußenfressern auf den Schild gehoben war und mit c. 300 Stimmzetteln von demselben wieder herunterfiel. Das Organ dieser schwarzgelben Färbung ist die „Sächsische Zeitung“, ehedem „Abendpost“.
Würkert, groß, wie das Tageblatt sagt, als Bierwirth, Mensch, Gefangener, Dichter, Redner, wurde von den Lasalleanern in der 12ten Stunde aufgestellt und mit einer solchen Fluth von Reklame aufgeschwemmt, daß er selbst an seiner Wahl nicht zweifelte. Ihm zu Ehren wurde eines Sonntags um 11 Uhr eine Volksversammlung unter freiem Himmel veranstaltet, die nach mäßiger Berechnung von 12000—15000 Menschen besucht wurde. Er hielt mit vortrefflichem weit tönenden Organ, mit antiker Schwenkung seines Kutschermantels eine Wahlrede, mit kräftigen Worten über höchst unkräftige und unreale Dinge zB. über einen europäischen Arbeiterstaat, ließ sodann über seine Wahl abstimmen und erklärte, daß er gegen 4 Stimmen von der ganzen Versammlung gewählt sei. Dies war eine optische Täuschung: denn am Tage der Wahl hatte er c. 900 Stimmen für sich.
Jetzt kam alles auf die durchgefallnen Parteien und ihre neue Stellung an. Die Agitation wurde wirklich großartig, wo man gieng oder stand, drückte einem ein Dienstmann ein Programm, ein Pamphlet, eine Ermahnung in die Hand, selbst in das Haus wurden die Zettel getragen: das Tageblatt und die Nachrichten strotzten von Annoncen.
Ich glaube nicht, daß ein Gesichtspunkt noch übrig ist, aus dem Agitationsblei noch zu schmelzen wäre. An Übertreibungen fehlte es nicht z.B. wurde Wächter ein alter Mann genannt, dessen Gehirn nach Bock einen Stoffwechsel durchgemacht habe und der deshalb nicht mehr politisch fähig sei. Oder man benutzte eine Rede Stephanis, worin er versprach, als Vicebürgermeister seinen Verpflichtungen nachzukommen, aber eine Wahl, wenn sie auf ihn ohne sein Zuthun fallen würde, annehmen zu wollen, und ließ den 2ten Satz weg, so daß es scheinen mochte als ob Stephani eine Wahl ablehne. Kurz moralische und unmoralische Mittel, Stempel, Dienstmänner, Verleumdungen, riesige Maueranschläge, Fahnen mit den betreffenden Namen, alles war in Bewegung gesetzt — für den heutigen Tag.
Dieser war trübe und nebelig. An den Wahlstätten lagerten müssige Volksschichten, flatterten die Fahnen, knarrten die Stempelpressen, strahlten in bunten Farben die Plakate. Nachmittags giengen wir zu drei in das Rosenthal und kamen auf den Einfall, das Orakel über den Ausgang zu befragen. Nach allen nur denkbaren Versuchen gab es immer ein Resultat: wenn ein Rabe krächzend flog, wenn wir fragten, ob Mann oder Weib zuerst uns begegnen würden, ob eine aufrecht geworfne Münze die Bildseite zeige u.s.w. immer antwortete uns der „Zufall“ ..„Wächter“; was uns in heitre Stimmung brachte, so daß wir einen jungen Philologen, der uns begegnete, mit unsrer Orakelweisheit zu bethören suchten und ihm sagten, daß Wächter gewählt sei.
„Weiß schon, sagte das Unglückskind, mit 1000 Stimmen Majorität.“
Und so ist es. Inzwischen hat sich die Wächtersche Partei um 2000 Stimmen vermehrt. Wir sind unterlegen. Der Vetter triumphirt, der Particularismus schwingt die Fahne des Siegs.
Nun einiges Persönliche. Denn politische Dinge möchte ich nicht berühren — aus begreiflichen Gründen. Einstweilen also bleibe ich noch hier und zwar denke ich dabei sowohl an das nächste als das nächstfolgende Semester. Im Grunde bin ich sehr wenig genirt, (wenn mich nur der Kriegsstand nicht noch genirt!) lebe ein behagliches Dasein, so weit dies in einer solchen Welt möglich ist, habe gute Freunde und getreue Nachbarn und gute Lehrer, sitze täglich bei Kintschy mit Kohl und Rohde zusammen, die jetzt meinen nächsten Umgang bilden, bin für unsern philologischen Verein nach Kräften thätig, kaufe mir sehr viel philologische Bücher, finde ab und zu einen leidlichen Gedanken und arbeite etwas unruhig. Thematen, die mich beschäftigen, sind
„de Laertii Diogenis fontibus“
„über die Büchertitel bei den Alten,“
im Hintergrunde schwebt ein Plan zu einer kritischen Geschichte der griech. Litteratur. Wenn ich Dir eine Lektüre empfehlen darf, die Dich zugleich an das Alterthum fesselt und an Schopenhauer erinnert, so nimm einmal die epistulae morales des Seneca vor.
Schließlich kommt das, was den Anfang meines Briefes hätte machen sollen, mein Dank für Deinen lieben Brief, den ich aus meheren Gründen ganz besonders schätze. Erstens weil weder ich, noch irgend Jemand von Dir jetzt Briefe erwartet, da wir vielmehr erfreut und dankbar sind, wenn Du nur Lust und Stimmung hast, unsere Briefe zu lesen. Zweitens aber war mir besonders Dein Bekenntniß zu unserm Philosophen lieb und werth, da es in einer Zeit ernster und schwerer Erfahrungen, entscheidender Schicksalsschläge gesprochen worden ist.
Fromme Menschen glauben, daß alle Leiden und Unfälle, die sie treffen, mit genauester Absichtlichkeit auf sie berechnet sind, so daß der und jener Gedanke, dieser gute Vorsatz, diese Erkenntniß in ihnen geweckt werden sollte. Uns fehlen zu einem solchen Glauben die Voraussetzungen. Wohl aber steht es in unsrer Gewalt, jedes Ereigniß, kleine und große Unfälle für unsre Besserung und Tüchtigung zu benutzen und gleichsam auszusaugen. Die Absichtlichkeit des Schicksals des Einzelnen ist keine Fabel, wenn wir sie also verstehen. Wir haben das Schicksal absichtlich auszunützen: denn an und für sich sind Ereignisse leere Hülsen. Auf unsre Verfassung kommt es dabei an: den Werth, den wir einem Ereigniß beilegen, hat es für uns. Gedankenlose und unmoralische Menschen wissen nichts von einer solchen Absichtlichkeit des Schicksals. An ihnen haften eben Ereignisse nicht. Wir aber wollen aus ihnen lernen: und jemehr sich unser Wissen in sittlichen Dingen mehrt und vervollständigt, um so mehr werden auch die Ereignisse, die uns getroffen haben, einen festgeschlossnen Kreis bilden oder vielmehr zu bilden scheinen. Du weißt, lieber Freund, was diese Reflexion soll.
Heute nehme ich von Dir Abschied, indem ich noch Einsiedels, meines Vetters, sowie auch meiner Mutter theilnehmende Grüße verzeichne.
Dein treuer Freund Friedrich N.
539. An Paul Deussen in Bonn
Mein lieber Freund,
als ich Deinen vorletzten Brief von Naumburg aus geschickt bekam, hatte ich sehr angenehme Empfindungen. An demselben Morgen hatte ich schon andre Briefe bekommen und sonst Dinge erlebt, ich weiß nicht mehr was, die mich sehr glücklich stimmten. Ich hatte einen glücklichen Tag, aber das Hauptereigniß war für mich Dein Brief oder vielmehr die Nachrichten, der Ton, die Hoffnungen, die Entschlüsse Deines Briefes. Allerdings lachte ich mich im Stillen aus, daß ich noch vor wenig Tagen an eben denselben Menschen, der so zuversichtlich, sicher und auf festen Boden gestellt an mich schreibt, eine lange Epistel voller Wünsche und Aufforderungen geschickt hatte. Dieser Brief war an ein Phantom gerichtet: mein heutiger gilt endlich wieder dem Menschen, dem lieben Freunde und Philologen, der sich selbst und sein Studium wiedergefunden hat, der aus dem Irrgarten theologischer Scrupel zurückgekehrt ist, um seine Hochzeit mit der Philologia zu feiern. Jener liebe Freund hat mir auch schon in seinem letzten Briefe die glückliche Entbindung seiner Frau mitgetheilt, so daß über das Glück jener Ehe gar kein Zweifel sein kann.
Wirklich, lieber Paul, selbst wenn Deine Briefe nicht so viel Verführungen und Lockungen meiner Eitelkeit enthielten, wenn ihr ganzer Inhalt in den Satz zusammengefaßt wäre „ich bin Philologe, arbeite das und das und bin zufriedner als je“ so würden sie für mich auch dann die liebsten Genüsse und erhebendsten Freuden sein, die ich kenne. Der Gedanke ist mir all zu wohlthuend, nicht mehr zwischen uns hebräische Nebel zu haben, die uns verhindern, in rechter Gedankengemeinsamkeit mit einander durch das Leben zu gehen.
Heute nun erfülle ich zunächst Deinen Wunsch und schreibe ein philologisches Billet. Das Lexicon von W. Bötticher ist für Dich unentbehrlich, weil es 1 Artikel besitzt über den Ablativus mit sehr schätzbaren und reichen Zusammenstellungen; wenn man auch die Citate immer erst prüfen muß, da die Collationen, denen Böttiger folgte, nichts taugten. Aber es muß auch noch Spezialarbeiten über den Taciteischen Ablativ geben, Gott weiß aber wo. Ich habe leider keine bibliographischen Handbücher. Über den Genetiv hat gut gehandelt ein gewisser Zernial. Sehr nützlich soll eine Arbeit von Dräger sein „die taciteische Syntax.“ Auch vom Dr. Schmidt in Jena, dem Schildknappen Lucian Müllers, ist ganz kürzlich eine Schrift über syntaktische Eigenheiten des Tacitus erschienen, die sehr gerühmt wird. Autorität in solchen Fragen scheint übrigens E. Wölflin in Winterthur zu sein, der vor Kurzem im Philologus einen Jahresbericht über derartige Fragen gab. Darin hat mir besonders der Nachweis gefallen, daß derartige Sammlungen streng nach der chronologischen Folge der Taciteischen Schriften angelegt werden müssen, weil der usus des Tacitus sich in vielen kleinen Dingen verändert hat. Jedenfalls stehst Du, lieber Freund, mit solchen Untersuchungen auf einem gefährlichen Terrain, weil Du nach sehr viel Anstrengung plötzlich die Entdeckung machen kannst, daß Deine Mühe unnütz, wenigstens für die Wissenschaft, war. Wenn ich Dir aber einen Schriftsteller nennen darf, wo derartige schätzenswerthe Einzeluntersuchungen noch nicht einmal begonnen sind, so meine ich Ammian Marcellin. Ebenso ergebnißreich, denke ich, werden Ablativstudien im Apuleius sein. Welche Erweiterungen des Ablativgebrauchs verschaffte sich doch die afrikanische Latinität? Ich weiß nichts davon und kenne auch niemanden, der dieses Gebiet irgendwie innehat.
Da Du zu Deinen andern Studien auch den Photius benutzt hast, so wird bei Dir wohl etwas Interesse für dessen βιβλιοθήκη hängen geblieben sein. Hier haben wir wirklich eine vernachlässigte Provinz. Ich weiß nicht ob die Textkritik hier noch viel zu thun hat, aber ich glaube es (vielleicht ist in eben jenem cod. 176 statt τἠν τε ἕκτην καὶ ἑβδόμην καὶ δὴ καὶ τὴν ἐνάτην scil. διαπεπτωκέναι ἔφησάν τινες zu schreiben ἑβδόμην καὶ ὀγδόην καὶ κτλ. Es ist wohl ein τεῦχος von 4 Büchern verloren gegangen) Doch das meine ich nicht. Es läßt sich aber sehr viel aus den bibliographischen Angaben des Photius schließen und lernen. Die Gelehrsamkeit, die er mitunter zeigt, wird entweder aus den Prologen der Bücher selbst stammen oder sie ist nachweisbar aus einem früher beschriebenen Buche entnommen. So mache ich Dich auf eine Stelle aus der Beschreibung der ἐκλογαὶ Sopaters aufmerksam cod. 161 p. 177 H. Hier scheint die Quelle zu sein für seine Kenntnisse über Lebensumstände der Redner die zumeist wörtlich mit der pseudoplutarch. Schrift de decem orat. vit. stimmen. Daraus ist nur zu lernen, daß schon Sopater nicht mehr den Verfasser jener Schrift kannte, die Schäfer mit Sicherheit dem Plutarch abspricht.
Doch wir haben Wichtigeres zu thun als über Photios zu sprechen. Zunächst vernimm, daß ich nicht von Leipzig fortgehe, daß also ein gemeinsamer Berliner Aufenthalt einstweilen zu den Unwahrscheinlichkeiten gehört.
Du glaubst nicht, wie persönlich ich an Ritschl gekettet bin, so daß ich mich nicht losreißen kann und mag. Dazu habe ich immer die traurige Empfindung, daß allzu lange sein Leben nicht mehr hingesponnen wird; ich fürchte es geht einmal schnell zu Ende. Du kannst nicht ahnen, wie dieser Mann für jeden Einzelnen, den er lieb hat, denkt, sorgt und arbeitet, wie er meine Wünsche, die ich oft kaum auszusprechen wage, zu erfüllen weiß und wie wiederum sein Umgang so frei von jenem zopfigen Hochmuth und jener vorsichtigen Zurückhaltung ist, die so vielen Gelehrten eigen ist. Ja, er giebt sich sehr frei und unbefangen, und ich weiß, daß solche Naturen sehr oft anstoßen müssen. Es ist der einzige Mensch, dessen Tadel ich gern höre, weil alle seine Urtheile so gesund und kräftig, von solchem Takte für die Wahrheit sind, daß er eine Art wissenschaftliches Gewissen für mich ist.
Also: ich bleibe noch etwas in seiner Nähe. Meine Aussichten in die Zukunft sind unbestimmt, somit ziemlich günstig. Denn nur die Gewißheit ist schrecklich. Mein Bestreben geht dahin mir jährlich auf eine ehrenhafte und wenig Zeit raubende Weise ein paar hundert Th. zu erwerben, damit mir aber für eine Reihe von Jahren die Freiheit meiner Existenz zu wahren. Z. B. will ich gern etwa im Anfang nächsten Jahres nach Paris gehen und dort ein Jahr an der Bibliothek arbeiten. Doch das wird Dich nicht interessiren, mehr vielleicht, was und wie ich jetzt arbeite. Denn daß man in Briefen an Freunde von sich und seinen Erfahrungen spricht, ist nicht nur zulässig, sondern auch wünschenswerth. Briefe sind eben subjektive Stimmungsbilder.
Meine Laertiusarbeit wird in diesen Wochen niedergeschrieben. Mein Bestreben ist diesmal, das logische Grundgerippe nicht so sichtbar durchblicken zu lassen, wie dies in meiner mitfolgenden Theognisstudie der Fall ist. Dies ist übrigens sehr schwer. Wenigstens für mich. Ich möchte derartigen Dingen ein etwas künstlerisches Kleid geben. Du wirst meinen Eifer lächerlich finden, mit dem ich Farben reibe, überhaupt mich anstrenge, einen leidlichen Stil zu schreiben. Aber es ist nöthig, nach dem ich mich so lange vernachlässigt habe. Sodann vermeide ich möglichst streng die Gelehrsamkeit, die nicht nöthig ist. Das kostet auch manche Selbstüberwindung. Denn manches superfluum muß hinweggeschnitten werden, das uns gerade sehr gefällt. Eine strenge Exposition der Beweise, in leichter und gefälliger Darstellung, womöglich ohne jeden morosen Ernst und jene citatenreiche Gelehrsamkeit, die so billig ist: das sind meine Wünsche. Das Schwerste ist immer, den Gesammtconnex von Gründen, kurz den Riß des Gebäudes zu finden. Dies ist eine Arbeit, die im Bett und auf Spaziergängen sich oft besser macht als am Studirtisch. Das grobe Material zusammen zu schaffen ist eine freundliche Arbeit, ob sie gleich oft etwas Handwerkmäßiges hat. Aber die Erwartung des endlich sich enthüllenden Zauberbildes hält uns munter. Am peinlichsten ist mir die Ausarbeitung, und hier reißt mir sehr oft die Geduld.
Jede größere Arbeit, das wirst Du auch empfunden haben, hat einen ethischen Einfluß. Das Bemühen, einen Stoff zu concentriren und harmonisch zu gestalten, ist ein Stein, der in unser Seelenleben fällt: aus dem engen Kreise werden viele weitere.
Kannst Du mir nicht einmal ganz offen schreiben, lieber Freund, wie viel Du zu Deiner jährlichen Existenz brauchst? Willst Du wirklich so schnell wie möglich und mit beiden Füßen zugleich in das Schulamt hineinspringen? Ich habe den entgegengesetzten Wunsch: möglichst lange von solchen äußeren Fesseln frei zu sein. Überhaupt bin ich sehr abgeneigt, mich wie eine Maschine mit Kenntnissen zu überladen. Vielleicht studirst Du auch etwas zu viel. Das Liebste ist mir einen neuen Gesichtspunkt zu finden und mehere und für diese Stoff zu sammeln. Mein Gehirnsmagen ist ärgerlich über jede Überfüllung. Vieles Lesen stumpft den Kopf entsetzlich ab. Die meisten unsrer Gelehrten würden auch als Gelehrte mehr werth sein, wenn sie nicht zu gelehrt wären. Speise nicht zu starke Mahlzeiten.
Das Berliner Seminar taugt wenig. Ich habe über dasselbe genaue Mittheilungen von einem unsrer ehemaligen Vereinsmitglieder, der diesem Seminar jetzt angehört. Die Behandlung der Studenten ist sehr grob.
Lieber Freund, überlege Dir einmal folgendes. Du willst nach Berlin gehen und kommst also über Naumburg. Hier besuchst Du mich und theilst mir Deine Gedanken über folgenden Vorschlag mit. Ich kann Dir eine Arbeit, die nebenbei, täglich etwa 2 Stunden gethan werden kann, zuweisen, die Dir einige Hunderte Thl. erwirbt. Bedingung ist, daß sie in Leipzig gemacht wird. Sie beschäftigt Dich ein halbes Jahr. Du lernst mancherlei dabei. Was Dich sonst in Leipzig erwartet, weißt Du. Ein Jahr in Berlin des Examens wegen zuzubringen ist ganz unnöthig. Wenn Du darauf eingehst, Du wirst mir’s einmal noch danken. Denke nur an Ritschl. Sage niemandem, selbst Deinen verehrten Eltern und Geschwistern nichts von diesem Vorschlag. Laß nur alle in dem Glauben, daß Du nach Berlin gehest. In Naumburg besprechen wir alles Nähere. Ich reise von hier am 31. dieses Mon<ates> ab. Also lieber Freund sei verschwiegen, aber folge mir. Grüße alle, die sich meiner erinnern und erfreue durch Deinen Besuch Deinen treuen Freund
F. W. N.
Meine Mutter hat sich sehr über Deinen lieben und heiteren Brief gefreut und sagt Dir ihren besten Dank.
Gersdorff, der mir immer sehr nahe steht, ist jetzt Offizier in Spandau. Vom Tode seines ältesten, auch von Dir besungenen Bruders weißt Du. Von Mushacke habe ich immer nur gute Nachrichten. Unser philol. Verein in Leipzig blüht.
540. An Carl von Gersdorff in Spandau
Mein lieber Freund,
mein langes Stillschweigen hat Gott weiß worin seine Ursache. Denn nie bin ich dankbarer und freudiger gestimmt, als wenn Deine Briefe ankommen und mir von Deinen Erlebnissen und Stimmungen treue Kunde geben. Sehr oft kommt die Gelegenheit, von Dir zu sprechen; als welche ich nie vorübergehen lasse. Noch häufiger läuft mein Gedanke zu Dir, wenn ich gerade mitten drin in Büchern stecke und an alle möglichen gelehrten Dinge denken sollte, die Dir mit Recht etwas abschmeckend sind. Und trotzdem schreibe ich nicht. Mitunter wundere ich mich selbst darüber. Jetzt eben fällt mir ein, was der Grund sein wird. Die Hand, die den ganzen Tag schreibt, das Auge, das von früh bis Abend weißes Papier schwarz werden sieht, verlangt nach Abwechslung oder Ruhe. Heute aber am ganzen Nachmittag mußten Suidas und Laertius warten, weil ich Besuch hatte: darum werden sie auch heute Abend warten müssen. Warum geben sie ihr Regiment aus den Händen? Mögen sie nun den Nachtheil haben, ich habe wenigstens einen Vortheil dabei, ich kann mich mit meinem lieben Freunde brieflich unterhalten und brauche nicht die beiden alten Knaben zu beaufsichtigen, deren Thorheiten mich für gewöhnlich beschäftigen.
In diesen Ferien nämlich will ich meine Arbeit über die Quellen des Laertius zu Papier bringen und stehe jetzt noch ziemlich in den Anfängen. Ich will zu Deiner Belustigung gestehen, was mir die meiste Mühe und Sorge macht: mein deutscher Stil (vom lateinischen nicht zu reden: habe ich mich mit der Muttersprache auseinandergesetzt, so sollen auch fremde Sprache<n> daran kommen) Mir fallen die Schuppen von den Augen: ich lebte allzulange in einer stilistischen Unschuld. Der kategorische Imperativ „Du sollst und mußt schreiben“ hat mich aufgeweckt. Ich suchte nämlich, was ich nie gesucht hatte außer auf dem Gymnasium: gut zu schreiben, und plötzlich erlahmte die Feder in der Hand. Ich konnte es nicht und ärgerte mich. Dazu dröhnten mir die Ohren von Lessingschen, Lichtenbergschen, Schopenhauerschen Stilvorschriften. Ein Trost war mir immer, daß diese drei Auktoritäten einstimmig behaupten es sei schwer gut zu schreiben, von Natur habe kein Mensch einen guten Stil, man müsse arbeiten und hartes Holz bohren, ihn zu erwerben. Ich möchte wahrhaftig nicht wieder so hölzern und trocken, nach der logischen Schnürbrust schreiben, wie ich es z.B. in meinem Theognisaufsatz gethan habe: an dessen Wiege keine Grazien gesessen haben (vielmehr brummte es aus der Ferne wie von Königsgrätz her). Es wäre sehr unglücklich nicht besser schreiben zu können und es doch warm zu wünschen. Vor allem müssen wieder einige munteren Geister in meinem Stile entfesselt werden, ich muß darauf wie auf einer Klaviatur spielen lernen, aber nicht nur eingelernte Stücke, sondern freie Phantasieen, so frei wie möglich, aber doch immer logisch und schön.
Zweitens beunruhigt mich ein andrer Wunsch. Einer meiner ältesten Freunde Wilhelm Pinder aus Naumburg steht jetzt dicht vor seinem ersten juristischen Examen; die wohlbekannten Ängste in solchen Zeitläuften kennen wir auch. Aber was mir gefällt, ja mich zur Nachahmung anstachelt, liegt nicht im Examen, sondern in der Vorbereitung dazu. Wie nützlich, ja wie erhebend muß es sein etwa in einem Semester alle Disciplinen seiner Wissenschaft an sich vorüber marschiren zu lassen und somit wirklich einmal eine Gesammtanschauung über dieselbe zu bekommen. Ist es nicht ebenso, als ob ein Offizier, stets nur gewöhnt seine Compagnie einzuexercieren, plötzlich in einer Schlacht zum Begriffe dessen kommt, was seine kleinen Bemühungen für große Früchte zeitigen können. Denn wir wollen es nicht leugnen, jene erhebende Gesammtanschauung des Alterthums fehlt den meisten Philologen, weil sie sich zu nahe vor das Bild stellen und einen Oelfleck untersuchen anstatt die großen und kühnen Züge des ganzen Gemäldes zu bewundern und — was mehr ist — zu genießen. Wann, frage ich, haben wir doch einmal jenen reinen Genuß unsrer Alterthumsstudien, von dem wir leider oft genug reden.
Drittens ist überhaupt unsre ganze Art zu arbeiten entsetzlich. Die 100 Bücher vor mir auf dem Tische sind eben so viele Zangen, die den Nerv des selbständigen Denkens ausglühen. Ich glaube, lieber Freund, Du hast mit kühnem Griff das allerbeste Loos erwählt. Nämlich einen wirksamen Contrast, eine umgedrehte Anschauungsweise, eine entgegengesetzte Stellung zum Leben, zum Menschen, zur Arbeit, zur Pflicht. Ich lobe wahrhaftig damit nicht Deinen jetzigen Beruf als solchen, sondern nur, soweit er Negation Deines vorigen Lebens, Strebens, Denkens war. Unter solchen Contrasten bleibt Seele und Leib gesund und bringt nicht jene notwendigen Krankheitsformen hervor, die sowohl das Übergewicht gelehrter Thätigkeit, als das übermäßige Vorherrschen der körperlichen erzeugen, die der Gelehrte so gut als der Bauerntölpel hat. Nur daß bei diesem diese Krankheiten anders sich zeigen als bei jenem. Die Griechen waren keine Gelehrten, sie waren aber auch nicht geistlose Turner. Müssen wir denn so nothwendig eine Wahl zwischen der einen oder andern Seite treffen, ist vielleicht hier auch durch das „Christenthum“ ein Riß in die Menschennatur gekommen, den das Volk der Harmonie nicht kannte? Sollte nicht das Bild eines Sophokles jeden „Gelehrten“ beschämen, der so elegant zu tanzen und Ball zu schlagen verstand und dabei doch auch einige Geistesfertigkeiten aufzeigte.
Doch es geht uns in diesen Dingen, wie es uns im ganzen Leben geht: wir bringen es schon zur Erkennung eines Uebelstandes, aber damit ist auch noch kein Finger gerührt ihn zu beseitigen. Und hier könnte ich wirklich ein viertes Lamento beginnen: als welches ich vor meinem militärischen Freunde zurückhalte. Denn einem Krieger müssen solche Klagen viel mehr zuwider sein als einem Stubenhocker als ich jetzt bin.
Da fällt mir eine jüngst erlebte Geschichte ein, die zwar eine Illustration der gelehrten Krankheitsformen ist und als solche verschwiegen werden dürfte, die Dich aber amüsiren wird, weil sie nur die Übersetzung des Schopenhauerschen Aufsatzes „über die Philosophieprofessoren“ in die Wirklichkeit zu sein scheint.
Es giebt eine Stadt, in der ein junger Mann, mit besonderen Denkfähigkeiten ausgerüstet und besonders zu philosophischer Spekulation befähigt, den Plan faßt, sich die Doktorwürde zu erwerben. Zu diesem Zwecke stellt er sein in einigen Jahren mühsam zusammengedachtes System „über die Grundschemen der Vorstellung“ zusammen und ist glücklich und stolz es gethan zu haben. Mit solchen Gefühlen überreicht er es der philosophischen Fakultät jenes Ortes, an dem sich zufällig eine Universität befindet. Zwei Philosophieprofessoren haben ihr Gutachten abzugeben und geben es dahin ab, daß der eine äußert, die Arbeit zeige Geist, aber vertrete Anschauungen, die hier gar nicht gelehrt würden, der andre aber erklärt, die Ansichten entsprächen nicht dem gemeinen Menschenverstand und wären paradox. Somit wurde die Arbeit zurückgewiesen, und dem Betreffenden der Doktorhut nicht aufgesetzt. Glücklicherweise ist der Betroffene nicht demüthig genug, in diesem Urtheil die Stimme der Weisheit zu hören, ja ist so übermüthig zu behaupten, daß eine gewisse philosophische Fakultät die philosophische facultas vermissen lasse.
Kurzum, lieber Freund, man kann nicht selbständig genug seine Bahnen gehn. Die Wahrheit wohnt selten dort, wo man ihr Tempel gebaut und Priester ordinirt hat. Was wir gut oder dumm machen, das haben wir auszubaden, nicht diejenigen, die uns den guten oder dummen Rath ertheilen. Man lasse uns doch wenigstens das Vergnügen eine Dummheit aus freien Stücken zu begehen. Ein allgemeines Recept, wie jedem Menschen zu helfen ist, giebt es nicht. Man muß an sich selbst sein Arzt sein, zugleich aber auch an sich die ärztlichen Erfahrungen sammeln.
Wir denken wirklich an unser Wohl zu wenig, unser Egoismus ist nicht klug genug, unsre Vernunft nicht egoistisch genug.
Damit, lieber Freund, sei es heute genug. Leider habe ich Dir gar nichts „Solides“ „Reelles“ oder wie sonst die Schlagwörter der jungen Kaufleute heißen, zu berichten, aber Du wirst auch nicht darnach verlangen. Daß ich mich mit Dir freue, wenn Du einen unsrer Gesinnungsgenossen entdeckst und dazu noch so einen tüchtigen und liebenswerthen, wie Krüger — das versteht sich. Unsre Freimaurerei mehrt sich und breitet sich aus, obschon ohne Abzeichen, Mysterien und Bekenntnißformeln.
Es ist späte Nacht, und draußen heult der Wind. Du weißt, daß ich in Leipzig auch im nächsten Semester bleiben werde. Meine Wünsche tragen mich, den Philologen nach Paris in die kaiserliche Bibliothek, wohin ich vielleicht im nächsten Jahre abgehe, wenn bis dahin der Vulkan nicht ausgebrochen ist. Mich, den Menschen, aber tragen meine Gedanken oft genug und so auch heute Nacht zu Dir, dem ich hiermit von Herzen „Gute Nacht“ sage.
Friedrich Nietzsche.
in treuer Freundschaft.
Naumburg den 6t. April:
als welchen Ort ich am 30 April
verlassen werde. Meine
neue Wohnung in Leipzig
Weststraße 59, 2 Etage.
541. An Hermann Mushacke in Berlin
Mein lieber Freund,
ich habe immer gemeint, daß eine Freundschaft auch ohne einen regelmäßigen Briefwechsel bestehen kann: vorausgesetzt daß es eine wahre und echte ist. Denn so lange man fest empfindet, daß man seinen Freund nicht vergessen hat und nicht vergessen wird, ist es eigentlich unnöthig ihm dies zu schreiben. Somit schreiben Freunde unter einander sich nicht deshalb Briefe, um das Gewächs ihrer Herzensverbindung mit frischem Wasser zu begießen, sondern zunächst zu einem viel äußerlicheren Zwecke: sie erzählen von ihren Schicksalen, ihren Arbeiten, ihren Aussichten, sie verändern also nur die Coulissen, während sie wissen, daß auch im Wechsel der äußeren Umgebung ihre Freundschaft fortdauert. Wer nun zufällig ohne wichtige Veränderungen eine Strecke Lebenszeit dahinlebt, hat auch keinen Zwang und keine Aufforderung an seine Freunde darüber zu schreiben.
Es thut mir herzlich leid, daß Du Dir einen Augenblick eine so ungünstige Meinung von meiner Freundschaft gebildet hast, als ob ohne einen Brief von Deiner Seite im Zeitraum von zwei, drei Monaten dieselbe erloschen wäre. Ich habe mir eine Nachlässigkeit ganz andrer Art zu Schulden kommen lassen: ich hatte Dir von Brief zu Brief die Lachmannsche Abhandlung versprochen und durch eine mir unbegreifliche Zerstreutheit beim Abschicken des Briefes immer vergessen, was ich versprochen hatte, so daß ich mir ernstliche Vorwürfe machte und mir wiederholt sagte, „das Nichtschreiben Deines Freundes Mushacke ist eine gerechte und gesunde Strafe für diese Zerstreutheit.“ Wenn also einer von uns beiden eine Veranlassung hat, sich zu entschuldigen, so bin ich es: als was ich auch hiermit aus vollem Herzen thue.
So hoffe ich denn, daß hiermit, lieber Freund, jede Spur einer unbequemen Empfindung gegen mich in Dir getilgt ist und wende mich zur Aufzählung meiner „Schicksale, Arbeiten und Aussichten“, mit denen ich Dich, vielleicht über Gebühr, in so manchem Briefe in Ermangelung besseren und edleren Stoffes abgespeist habe.
Ich sitze hier im behaglichen Neste Naumburg und bin nicht unbeschäftigt. Aber mein Wunsch zu arbeiten ist in diesen Wochen größer gewesen als mein Vermögen, kurz ich bin bis jetzt unzufrieden mit den Ergebnissen der letzten Wochen. Was ich beabsichtige meine Arbeit de fontibus Laertii niederzuschreiben, liegt noch im weiten Felde; alles was fertig ist umfaßt noch nicht drei Druckbogen. Ich stolpere nämlich am allermeisten über ein kaum früher beachtetes Hinderniß; ich habe nämlich im Deutschen schlechterdings keinen Stil, obgleich den lebhaften Wunsch einen zu bekommen. Da ich mir nun vorgenommen habe meine Laert.studien mit aller Sorgfalt erst deutsch auszuarbeiten, bevor ich den lateinischen Auszug daraus mache, bin ich auch genöthigt auf diese Stilfragen einzugehen. Als Gymnasiast schreibt man bekanntlich keinen Stil; als Student hat man nirgends Übung; was man schreibt, sind Briefe, somit subjektive Ergüsse, die keinen Anspruch auf künstlerische Form machen. Also kommt einmal eine Zeit, wo uns die tabula rasa unsrer stilistischen Künste ins Gewissen steigt. So ergeht mirs jetzt und daher kommt es, daß ich sehr langsam arbeiten muß.
Den nächsten Sommer werde ich wieder in Leipzig zubringen, da ich mich jetzt kaum noch von Ritschl losreißen kann. Das wirst Du einigermaßen nachfühlen können. Dazu quält mich immer der Gedanke, daß es in Kurzem einmal zu Ende sein kann; er ist in letzterer Zeit öfter und schwerer krank gewesen. Ich kann Dir nicht ausdrücken, was ich an ihm verlieren würde.
Im Herbst möchte ich mir den Titel eines Doktors aneignen; ich denke mit einer Abhandlung de Homero Hesiodoque coaetaneis. Wenn Du bei dieser Überschrift lächelst, so hast Du ein Recht dazu. Über alle meine persönlichen Verhältnisse bitte ich Dich vor meinen etwaigen Bekannten, mit denen Du zusammentriffst, Stillschweigen zu bewahren; es ist nichts lästiger als Hoffnungen zu erregen und schließlich Lügen zu strafen. Wer aber bürgt für seine nächste Zukunft? Ich habe noch so viel abenteuerliche Pläne, daß ein ganzer Theil derselben ins Wasser fallen muß.
Jetzt kommt etwas worüber Du Dich freuen wirst. Ich habe die besten Nachrichten von Freund Deussen, der in Bonn seit vorigem Herbst seinen philologischen Studien mit gutem Erfolge obliegt und der sich dabei auf festem Boden fühlt. Alles was er über seine Arbeiten schreibt macht einen gesunden und frischen Eindruck: wie weit er anders geworden ist, wirst Du am besten beurtheilen können, wenn er in einigen Wochen Dich in Berlin heimsucht. Dort nämlich gedenkt er ein Jahr lang zuzubringen.
Wenn Du einmal an mich nach Leipzig einen Brief schreibst, wohin ich am 30 dieses Monats wieder abgehe, so bemerke als Addresse „Weststraße“ Nr. 59, 2 Treppe. Du hast ja in demselben Hause, nur etwas höher gewohnt. Du kannst Dir also recht lebhaft vorstellen, wo ich diesen Sommer zubringen werde. Ich wohne in der Stube, die früher der „Baron“ Gott weiß welches Namens inne hatte.
Sonst geht alles in Leipzig vortrefflich. Vor allem gefällt mir unser philologischer Verein, der übrigens von Semester zu Semester einige Mitglieder verliert, die dann nach Berlin gehen. Unsre Zuhörerzahl ist immer größer geworden, unsre Debatten haben einen strengeren Charakter erhalten, unsre Ansprüche an die Aufzunehmenden sind immer gewachsen. Wir haben jetzt auch zwei Sprachvergleicher und sind froh, von dieser species zwei gute Exemplare für unsre Menagerie bekommen zu haben. Wenn Du Bekannte hast, die es riskieren einmal auf ein Semester als Philologen nach Leipzig zu kommen, so gieb ihnen meine Addresse; denn ich bin allmählich genug in Leipzig eingebürgert, um Neuankommenden gute Auskunft geben zu können.
Soviel ich weiß, willst Du in der nächsten Zeit Dein Staatsexamen machen. Kannst Du mir nicht einmal die Anforderungen, die Du zu diesem Zwecke an Dich selber stellst, kurz notieren, damit ich daran einen Maßstab habe, wenn ich auf den Gedanken käme mir irgendwann ein ähnliches „Vergnügen“ zu gestatten? Heute lebe recht wohl und sei sammt Deinen verehrten Angehörigen auf das herzlichste gegrüßt
von Deinem alten Freunde
F. N.
542. An Otto Kohl in Leipzig
Meine Lieben,
[+ + +] machte es Ihnen vielleicht Vergnügen, das Conzert des Riedelschen Vereins zu besuchen? [+ + +] Ich selbst habe leider nicht die Zeit, nach Leipzig kommen zu können und in der Nikolaikirche mit zu wirken [+ + +]
Ich werde mich sehr freuen, wenn ich nächsten Dienstag oder Mittwoch in Leipzig wieder einziehe und wenn ich höre, daß [+ + +] Ihre Arbeiten einen fröhlichen Verlauf genommen haben [+ + +]
543. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mama und Lisbeth,
endlich bekommt Ihr wieder Nachricht und wie ich denke eine angenehme Nachricht von mir. Ich werde nämlich meine Pfingstferien diesmal etwas eher beginnen und deshalb in größter Kürze wieder bei Euch in Naumburg sein.
An weitere Vergnügungsreisen kann ich diesmal nicht denken, da ich mit meiner Arbeit sehr im Rückstande bin. Diese aber hoffe ich in Eurer Nähe, im Übrigen aber in möglichster Abgeschiedenheit zu vollenden. Daß Ihr mir alles hübsch vorrichten werdet, kann ich wohl hoffen.
Ich werde also nächsten Mittwoch in Naumburg eintreffen.
Hier geht alles leidlich. Unser Ritschl war wieder krank und hatte eine Rose am Fuße. Gestern hat er das erste Colleg wieder gehalten, mußte aber in einer Porte-chaise bis an die Tür des Auditoriums getragen werden.
Die Messe mit ihrem aufregenden Getöse ist nun überstanden. Meine Behausung gefällt mir, doch habe ich das beneidenswerthe Bewußtsein, von meinen Wirthsleuten als Citrone behandelt zu werden, aus der möglichst viel Saft dh. Geld herauszupressen ist.
In unserm Verein sind wir wie immer thätig.
Das Wetter ist so schlecht wie es in voriger Woche in Petersburg <war>. Ich fürchte, auch das Wetter ist sehr anhänglich an unsern Petersburger Gast, der wieder in Leipzig weilt, Hedwig Raabe.
Unseren Reitcursus haben wir bis nach Pfingsten verschoben, weil wir Übertheuerung zur Meßzeit fürchteten.
Sonntag waren wir, Rhode, Koch und ich, in dem überaus angenehmen Muldethale hinter Grimma. Es giebt kaum erquicklichere Gegenden.
Das Militärzeugniß habe ich wieder gefunden. Ich war noch nicht in Halle. Vielleicht bei der Rückkehr aus den Pfingstferien. Meine Promotion zum Doktor muß ich doch aus praktischen Gesichtspunkten auf einer preußischen Universität vornehmen. Wo, weiß ich noch nicht.
Also auf schönes Wiedersehen! Ihr merkt, daß Naumburg und Leipzig ziemlich nahe bei einander sind.
Euer Fritz.
Im November — Mai 1867.
NB. Der Brief ist etwas liegen geblieben. Es bleibt aber so wie ich schrieb.
Übermorgen komme ich. Gestern (Sonntag) war ich zu Tisch bei Ritschls. Von Gersdorff bekam ich auch einen Brief, er fühlt sich in seinem Militärstande sehr unglücklich; besonders nachdem der sehnlichst erwartete Krieg zu Wasser geworden ist.
Vor einigen Tagen habe ich auch den Vormund in Leipzig getroffen; er hat auch mein Logis besucht.
544. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mama und Lisbeth,
daß es mir nicht gut möglich war Halle zu besuchen und daß auch meine Lust darnach sehr gering war, könnt Ihr Euch denken. Auch wüßte ich keinen meiner Bekannten, der nach diesem Feste eine Sehnsucht getragen hätte. Um so besser ist es, daß Ihr Euch dabei ergötzt habt, Ihr, die noch der romantische Schimmer, der um Studenten und Professorenkomödien liegt, anziehen kann, weil Ihr nicht hinter die Coulissen dieser Welt zu sehen braucht.
Daß Sonntags der Vetter nicht kam, hatte seinen Grund in einer Schrulle des Vetters, die mir nicht deutlich geworden ist. Kurz, er wollte nicht allein nach Naumburg und gab meinen dringenden Vorstellungen nicht nach. Ob ihm das Vergnügen, mit mir zusammen nach Naumburg zu reisen, so unentbehrlich ist, weiß ich nicht. Später will er schon einmal kommen, aber mit mir. Kleiner Sachse, immer Anschluß an Norddeutschen Bund! Das war doch sonst Deine Leidenschaft nicht.
Unsre Reiter sind sämmtlich abgefallen, das heißt, bevor sie auf dem Pferde saßen. Nur Rohde hat ausgehalten. Wir beide also tummeln Nachmittags von 4—5 kräftiglich unsre Rosse und fühlen uns dabei und darnach sehr wohl. Die Erschütterung ist für den Unterleib sehr wohlthätig. Man hat Durst und Hunger und tiefen Schlaf in höherem Grade als andere Menschen. Meine dicke Hose bei einer Hitze von 30 Grad zu tragen, ist mir nicht schwer geworden.
Was nun nächstes Semester betrifft, so gedenke ich es in Berlin zuzubringen: als wohin ein Brief an Mushacke abgeht, der mir ein Logis besorgen wird. Und zwar werde ich gleich Ende August dahin absegeln. Mein ganzes Gepäck schicke ich als Frachtgut von hier aus hin. Für den Fall, daß ich Militärdienste thun will, habe ich dies doch in Berlin am Besten. Bevor ich dorthin abreise, komme ich noch einmal eine Woche nach Naumburg. Ich werde Euch auch das Bild unsres philologischen Vereins mitbringen, das besser geworden ist als das letzte und auch Ritschl sehr gefallen hat.
Bei meinen Wirthsleuten werde ich heute oder morgen kündigen. Die Rechnungen sind mir unbequem. Ich komme dabei und bei meinen sonstigen Ausgaben ins Trockne. In Berlin muß ich einmal einen bescheidenen Versuch machen Geld zu erwerben.
Heute habe ich nichts weiter zu schreiben als daß ich für weiße Wäsche und Briefe bestens danke, insgleichen mich mit Behagen der Pfingstferien erinnre. Somit lebt recht wohl!
Euer Fritz.
545. An Hermann Mushacke in Berlin
Mein lieber Freund,
ich weiß recht wohl, daß dieser mein Brief diesmal ein paar Tage zu zeitig kommt, um Dir meine Geburtstagswünsche zu bringen. Doch was thut dies? Immerhin sind verfrühte Wünsche noch etwas besser als verspätete. Zugleich ersuche ich Dich meine kleine mitfolgende Arbeit freundlich anzunehmen, die offenbar viel zu spät zu Dir gelangt: so mögen denn der verfrühte Brief und die verspätete Gabe sich unter einander compensieren.
Endlich, lieber Freund, ist Aussicht vorhanden, uns wieder öfter zu sehn und zu sprechen: so gewiß ich nämlich nächstes Semester in Berlin zu verleben gedenke. Das freundliche Leipzig, der vir incomparabilis Ritschelius müssen mich doch endlich ziehn lassen, damit ich mir die nöthigen staatsdienstlichen Prädicate in Preußen erwerben kann. Wenn ich momentan meine hiesigen 4 Semester überschaue und zwar mit der Stimmung des Abschiedes und mit dem Auge der Erinnerung: so nehmen sie sich nicht nur sehr interessant aus, sondern auch höchst entscheidungsvoll für mein Leben. Immerhin ist doch hier meine philologische Ader durchgeschlagen, die in Bonn durch das Geröll und Geschlamm des Verbindungsleben arg zurückgehalten war. Dazu nehme ich das Andenken an einen wirklich großen Mann von hier mit, der mich mit Liebe und väterlicher Sorgfalt beachtet hat. Schließlich habe ich das wohlthuende Gefühl, etwas zur Erzeugung und zur Lebensfähigkeit unsres Vereins gethan zu haben. Um nicht der vielen vortrefflichen Leute zu gedenken, die ich hier kennen lernte und von denen zwei, nämlich Rohde und Kleinpaul mir besonders nahe stehn. Und auch jetzt bin ich noch lange nicht fertig mit der Aufzählung Leipziger Vortrefflichkeiten: z.B. wie könnte ich Schopenhauer vergessen, der mir hier an die Seele gewachsen ist. Selbst das Vergnügen, mich zum ersten Male gedruckt zu sehn, ist auf diesem Boden entsprungen. etc. etc.
Nach dieser laudatio ante acti temporis werfen wir einige Blicke auf die Zukunft. Und hier bin ich sogleich genöthigt, Dich mit einer Bitte zu belästigen. Ich möchte nämlich mein Gepäck nicht erst nach Naumburg und von dort aus nach Berlin transportiren lassen, sondern nach Berlin direkt. Entweder nun lasse ich es dort auf dem Bahnhof restante stehen oder einer meiner Freunde, vielleicht Deussen, ist so gefällig, es einstweilen in seiner Behausung liegen zu lassen. Wärst Du nun wohl so freundlich, mir bis zum Ende dieses Monates Juli einmal ein paar Zeilen über diesen Punkt zu schicken, ob es Deussen paßt etc. Ich selbst gedenke Ende August in Berlin einzutreffen. Mein Gepäck aber muß noch am letzten dieses Monates fort, da ich ausziehe. Ich habe spekulative und rücksichtslose Wirthsleute — sapristi.
Was wollen wir alles zusammen in Berlin machen? Unter anderem bilden wir zu unserm Vergnügen und Nutzen einen neuen philologischen Verein; ich will doch sehen, ob ein derartiges Institut in Berlin, in der Stadt der Intelligenz und der logischen Thatsachen, dort nicht doppelt wirken und leben kann als hier, wo man immer mit sächsischer Langsamkeit und Ungewecktheit zu rechnen hat. Sodann reiten wir zusammen: denn auch dies gehört jetzt zu meinen Studien. Zufällig ist es wirklich gekommen, daß wir dh. Rohde und ich Ritschls Colleg nur mit Reitpeitschen besuchen: zufällig, sonst wären wir ja πίθηκοι ' Ερμάννου. Schließlich machen wir Examina und ähnliche Wintervergnügungen uns gemeinsam.
Kurz, ich wünsche, daß wir uns glücklich wiedersehen und wohl befinden mögen. Die Hälfte dieses Wunsches gilt Dir, dem Geburtstagskind, die andre Hälfte mir. Aber die beiden Hälften sind Zwillinge: stirbt der eine, so auch der andre. Darum ein Hoch darauf, daß sie zusammen leben und gedeihen!
Mit den herzlichsten und verbindlichsten Empfehlungen an Deine Angehörigen
Dein Friedrich Nietzsche.
546. An Paul Deussen in Oberdreis
Mein lieber Freund,
Dein Vorschlag ist so freundschaftlich und so weit abliegend von jener breiten Straße des Egoismus, daß ich ihn nicht annehmen kann.
Zudem werde ich die Ferien doch wohl in Naumburg verleben, nachdem ich eine längere Reise in die bayrischen Alpen und Salzburg mit meinem Freunde Rohde gemacht haben werde.
Ich lese, daß es Dir gut geht und fühle den zufriednen Ton Deines Briefes. Du wirst mir viel zu erzählen haben. Kürzlich dachte ich gerade an Dich lebhaft, als in mir der Gedanke aufstieg, in Berlin einen philologischen Verein zu gründen. Dieser Plan wird von Stapel laufen, so sicher mich der Sklave, der hinter mir mein Hab und Gut einpackt, bestiehlt.
Leb wohl, lieber Freund. Sage allen, die mich kennen, meine Grüße und genieße Deinen Plato, wie ein Mann, dem das Alterthum trotz der Philologie noch nicht verleidet ist.
Dein Fritz Nietzsche.
547. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Liebe Mama und Lisbeth,
es ist sehr leicht möglich, daß dieser Brief in Naumburg etwas warten wird, bis Ihr wieder in unsre stille Klause eingekehrt seid. Wenn es so kommt, so findet Ihr außer dem Brief auch noch ungeheure Kisten und Kasten vor, alles Zeichen meiner Existenz, Vorboten meiner Ankunft. Es ist sehr unrathsam, diese besagten Kisten aufzumachen, bis ich ankomme. Also bitte laßt sie stehen, wie sie sind.
Morgen oder in den nächsten Tagen reisen wir ab. Wir machen uns auf tüchtige Fußtouren gefaßt. Seltsamer Weise kann ich noch nicht einmal heute genau sagen, wohin uns die Reise führt. Es hängt von einer seltsamen Verkettung von Rücksichten und Neigungen ab, ob wir nach Salzburg und München oder in den böhmischen Wald gelangen. Schließlich kommt nicht sehr viel darauf an.
Ich nehme nichts weiter mit als zwo (oder 3) Hemden, 2 Paar Strümpfe, meinen dunklen Anzug, das Plaid. Sodann habe ich mir massive doppelsohlige Stiefeln und einen Ziegenhainer angeschafft. Es verlangt mich sehr nach Wald und Berg, nachdem derartige Bedürfnisse durch einen 2jährigen Aufenthalt in Leipzig künstlich aufgestaucht und somit sehr stark geworden sind.
Sehr angenehm soll dann unser Zusammenleben in Naumburg werden. Sicherlich werde ich Euch manches zu erzählen haben. Richtet Euch nur ungefähr darauf ein, daß ich in den letzten Tagen des Monates August bei Euch eintreffe.
Wenn wir nur einen Weg finden, die Militärangelegenheit günstig abzuwickeln. Ich habe dazu zunächst keine Zeit.
Meine betr. Arbeit ist am letzten des vorigen Monates abgegeben. Sie hat mir in der letzten Zeit rechte Mühe gemacht. Stoff für neue habe ich in reicher Fülle.
Die letzten Tage waren sehr angenehm. Lauter Abschiedsfeste und alle ebenso heiter als ernst. Leipzig verklingt allmählich in unsern Ohren. Ich verlasse es mit ganz andern Empfindungen als z. B. Bonn. Aus begreiflichen Gründen.
Adieu! Auf ein fröhliches Wiedersehn!
Euer Fritz.
Dienstag.
In den Naumburger Ferien werdet Ihr mir wohl ein Roß pumpen, daß ich meinen Reitstudien obliegen kann.
548. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimerath,
Ihre ausgezeichneten Bemühungen haben wiederum alles durchgesetzt, was meinen Arbeiten irgendwie nützlich sein kann. Direktor Förtsch ist sogleich mit großer Gefälligkeit bereit gewesen, mir das fast vollständige Exemplar des rheinischen Museum einzuhändigen: und aus Ihrem letzten verehrten Schreiben entnehme ich, daß auch Sauerländer auf den für mich so günstigen Vorschlag eingegangen ist. Falls es für Sie mit keinen Mühen verbunden ist, so wäre ich erfreut jenes Exemplar in Naumburg zu sehen. Doch steht dies schlechterdings in Ihrer Hand, da ich ja augenblicklich auf das Beste versorgt bin und recht gut bis Ende Oktober warten kann; wo ich mir dann erlauben würde, in Leipzig persönlich bei Ihnen vorzufragen.
Übrigens kann ich nicht gerade sagen, daß ich in der Indexanfertigung schon weiter vorgerückt wäre, da mich gegenwärtig lebhaft eine andre Untersuchung („über die unechten Schriften Demokrits“) gefangen hält. Doch wüßte ich keinen Grund, der mich bei jener Arbeit besonders zur Eile anspornte.
Schließlich freut es mich, den Ursprung jener räthselhaften Adresse „Lindenstr. 57“ endlich errathen zu haben. Als ich im vorigen Herbste in Kosen wohnte, erkundigten Sie sich nach meiner Wohnung, um mir die Theognispapiere schicken zu können. Darauf schrieb ich Ihnen jene bezeichnete Adresse. Im Übrigen ist auch eine falsche Adresse für die Naumburger Briefträger ein ἀδιάφορον.
Somit habe ich nur noch den Wunsch auszusprechen, daß diese schönen Herbstestage Ihrer Gesundheit recht ersprießlich sein mögen, und die Versicherung hinzuzufügen, daß ich mich am Ende des Oktober persönlich nach Ihrem Befinden erkundigen werde.
Ihr getreuer Schüler
Friedrich Nietzsche.
549. An Hermann Mushacke in Berlin
Mein lieber Freund,
wir sind selten des Schicksals Herren, aber glauben es zu sein, wenn es lange Zeit uns günstig war. Dies soll keine Einleitung zu einer Tragödie, sondern nur die Vorbemerkung zu einer Zwischenaktsmusik sein, die ich in diesem Leben nicht mehr zu hören hoffte. Trommeln und Pfeifen, kriegerischer Klang! Das Schwert schwebt nicht über meinem Haupte, sondern an meiner Seite, diese Feder in meiner Hand wird in Kürze ein Mordgewehr sein, diese mit Notizen und Entwürfen bedeckten Papiere werden wahrscheinlich etwas Modergeruch annehmen. Der Kriegsgott hat mein begehrt. d. h. man hat mich für tauglich zum Freiwilligendienst befunden, während ich noch bei meiner Abreise nach Halle zur Philologenversammlung im Glauben stand, daß dieser Kelch an mir vorüber gegangen sei. Mit großer Mühe habe ich durchgesetzt, daß ich wenigstens einen Versuch machen darf, ob man mich in einem andern Orte als Naumburg ist und bei einer andren Truppengattung als Artillerie annehmen will. Mißlingt der Versuch, so beginne ich am nächsten Mittwoch die hiesigen Kanonen zu umarmen — mit mehr Ingrimm als Zärtlichkeit. Inzwischen aber gilt es einen Versuch.
Vielleicht kann ich in Berlin bei dem 2ten Gardeinfant.regiment ankommen. Zu diesem Behufe werde ich also morgen d. h. Sonnabend ¾12 Uhr von Naumburg abreisen und Abends in Berlin eintreffen. Daß ich bei dieser Gelegenheit Dir sehr dankbar wäre, wenn ich Dich auf dem Bahnhofe träfe, wage ich hier anzudeuten. Denn Du kennst meine Ungeschicktheit in einer fremden und großen Stadt. Auf diese unerwartete Weise ist unser Zusammentreffen viel näher gerückt als es mir noch gestern denkbar war; und es ist dies so ziemlich das Einzig Angenehme, das mir der plötzliche Eingriff des Mavors in meine Absichten verschafft. Dagegen sind meine Wünsche für die nächste Zukunft völlig durchkreuzt.
In wiefern, werde ich Dir persönlich erzählen.
Somit, lieber Freund, habe ich meine Ankunft in Berlin angemeldet und Dich um eine große Gefälligkeit ersucht. Wenn Du nicht kommen kannst, so werde ich mir trotzdem gestatten, bei Dir einmal vorzufragen. Einstweilen sage Deinen verehrten Angehörigen meine herzlichsten Grüße!
— Und wie viel Schönes brachten nicht gerade die letzten Wochen! Welche Genüsse bei dieser Philologenversammlung, bei der ich eine Unzahl alte Bekannte traf. Als am ersten Abende in den weiten Sälen des Schießgrabens die angekommnen Gäste — c. 500 — durcheinanderflutheten, da stand ich da, wie Elisabeth im Tannhäuser, als die Pilger aus Rom zurückkommen und sie in jedem Gesichte die bekannten Züge Heinrichs zu finden hofft. Sie täuscht sich, und ich täuschte mich auch. Freund Mushacke war nicht unter den philologischen Pilgern.
Addio a rivederla
Fritz Nietzsche.
550. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
Durch einen raschen Griff des Schicksals bin ich außer Stand gesetzt, Ende dieses Monates in Leipzig zu erscheinen; womit zugleich auch meine Promotion in das weite Feld geschoben wird. Was ich nämlich nie erwartet habe, hat sich im Umlauf weniger Tage entschieden; ich bin trotz meiner Kurzsichtigkeit dem Kriegsgotte verfallen und habe jetzt den ganzen Tag vom Grauen des Morgens an bis in die späte Abendstunde bald in den Pferdeställen, bald in der Reitbahn, bald in der Kaserne, bald am Geschütz stark und anstrengend zu arbeiten. Das ist freilich eine neue fremde Speise, deren Bissen mir manchmal zwischen den Zähnen hängen bleiben: besonders wenn ich an die Mahlzeiten gedenke, die ich am Tische der Philologie einzunehmen gewohnt war. Wenn ich aber an diese denke, so fühle ich auch, wem ich allezeit den wärmsten Dank und die herzlichste Verehrung schulde, wessen Vorbild mich für immer auf jener Bahn festhält, von der mich gegenwärtig Unteroffiziere und gezogene Geschütze verscheuchen wollen.
Es versteht sich also, daß ich die indexabfassung, so bald die ersten schwersten Wochen überwunden sind, mit Freuden wieder in die Hand nehmen werde; zu welchem Behufe ich das Museumexemplar gern in Naumburg sehen würde, da ich auf die Dauer das der Domschule angehörige nicht zurückhalten kann noch darf.
So kann ich heute nur mit dem Wunsche schließen, daß Sie Sich so wohl, heiter und kräftig fühlen mögen, als ich Sie nach meinem ersten Plane in Leipzig persönlich zu finden hoffte. Jetzt ist es mir leider durch die harte Ungunst des Mavors, richtiger durch die ἄχαριν χάριν desselben, auf längere Zeit versagt, das Antlitz des Mannes zu sehn, als dessen Schüler ich mich
ergebenst zeichne
Friedrich Nietzsche
Kanonier
551. An Paul Deussen in Berlin (Fragment)
Mein lieber Freund,
eine Fluth von Gründen bestimmt mich Dir zu schreiben, Pflichten der Dankbarkeit für gastfreundliche Aufnahme und für einen warm empfundenen und inhaltsreichen Brief, vor allem aber der eigne Wunsch, Dich nicht länger im Unklaren zu lassen über mein Befinden in einem Stande, der meinem sonstigen Denken und Treiben fremdartig genug ist.
Du wirst ja durch Mushackes Freundlichkeit gehört haben, daß ich nach einem kraftlosen Versuche an den Wänden des Schicksals hinan und drüber weg zu klettern mich ergab und fortan Kanonier war. Insgleichen wird Dir deutlich sein, daß der Dienst bei der reitenden Artillerie als der schwerste Soldatendienst gilt und daß dem wirklich so ist. Wir müssen zu Fuß, zu Pferde und am Geschütz ausgebildet werden; und um Dir recht einfach vor die Seele zu führen, was dies für Zeit verlangt, so wisse, daß ich jeden Tag durchschnittlich von 7 Uhr morgens bis c. 6 Abends dienstlich beschäftigt bin, eine halbe Stunde des Mittags abgerechnet. Die andre Zeit dh. den Morgen von ¾5 bis 7 und Abends verwende ich zur Aneignung der militärischen Kenntnisse, die ein Offizierexamen in so reichem Maaße beansprucht und zum Weitertreiben derjenigen philologischen Arbeit, deren Vollendung ich bis zu einem naheliegenden Termine versprochen habe.
Also Arbeiten mit vollen Segeln, körperlich und geistig, in der Reitbahn und im Turnier der Gedanken, am Geschütz und mit den Geschossen der Logik, auf dem Exercierplatz und in der Denkschule der Alten.
Mein lieber Freund, um eine Apologie Schopenhauers zu schreiben, die Du durch Deinen Brief herausforderst, habe ich nur das Faktum mitzutheilen, daß ich diesem Leben frei und muthvoll ins Antlitz schaue, nachdem meine Füße einen Grund gefunden haben. „Die Wasser der Trübsal“ um in Bildern zu Reden, bringen mich nicht von meinem Pfade ab, denn sie gehen mir nicht mehr über den Kopf.
Das ist natürlich nichts als eine ganz individuelle Apologie. Aber so stehen wir nun einmal. Wer mir Schopenhauer durch Gründe widerlegen will, dem raune ich ins Ohr: „Aber, lieber Mann, Weltanschauungen werden weder durch Logik geschaffen, noch vernichtet. Ich fühle mich heimisch in jenem Dunstkreis, Du in jenem. Laß mir doch meine eigne Nase, wie ich Dir die Deinige nicht nehmen werde.“
Mitunter zwar werde ich ärgerlich, wenn ich zeitgenössische Philosophen höre oder lese und ihren Ruf bemerke und frage eindringlich wie jener bekannte Hamlet seine Mutter fragte „Habt ihr Augen? Habt ihr Augen?“ Ich meine, sie haben keine, aber ich kann mich irren und die meinigen sind vielleicht zu kurzsichtig, daß ich einen Esel und ein Pferd verwechsle. Aber sei es so: wenn ein Sklave im Gefängniß träumt, er sei frei und entbunden seiner Knechtschaft, wer wird so hartherzig sein, ihn zu wecken und ihm zu sagen, daß es ein Traum sei. Wer wird es sein? Nur ein Büttel, und weder ich, noch Du werden Lust haben, dessen Rolle zu spielen.
Das Beste, was wir haben, sich eins zu fühlen mit einem großen Geiste, sympathisch auf seine Ideengänge eingehen zu können, eine Heimat des Gedankens, eine Zufluchtsstätte für trübe Stunden gefunden zu haben — wir werden dies andern nicht rauben wollen, wir werden es uns selbst nicht rauben lassen. Sei es ein Irrthum, sei es eine Lüge — — —
552. An Erwin Rohde in Hamburg
Mein lieber Freund,
gestern bekam ich einen Brief von unserm Wilhelm Roscher aus Leipzig, mit Nachrichten, welche mit Deiner Erlaubniß den Eingang dieses Briefes bilden sollen. Voran die erfreuliche Kunde, daß es mit Vater Ritschls Gesundheit und Heiterkeit bestens steht; was ich mit Verwunderung höre, da das Benehmen der Berliner ihm sicherlich manche wunde Stelle aufgerissen hat. Sodann scheint der Verein, der sich auch einen feierlichen Stempel zugelegt hat, einer schönen Zukunft entgegenzugehn. Der Lesecirkel zählt 28 Mitglieder bis jetzt: das Café von Zaspel soll nach Roschers Intentionen eine Art Philologenbörse bilden. Auch ist ein Schrank gekauft worden, in dem die Zeitschriften aufbewahrt werden. Freitagszusammenkünfte haben wahrscheinlich noch nicht stattgefunden; wenigstens schreibt Wilhelm nichts davon. Zudem sind verschiedene Mitglieder noch nicht eingetroffen zB. Koch, der leider durch eine schwere Krankheit verhindert ist. Ebenso wenig der vortreffliche Kohl, der sich seltsamer Weise mehere Wochen bei einem Freunde auf dem Lande aufhalten will und somit die bedenklichen Scenen des Examens etwas hinaus geschoben hat. Schließlich will ich nicht verschweigen, daß Roschers Brief mir die angenehme Nachricht brachte, daß meine Laertiusarbeit am 31 Okt. in der Aula den Sieg im Wettkampf gegen Herrn Οὔτις gewonnen hat; was ich vor allem deshalb erzähle, weil ich dabei Deiner freundschaftlichen Bemühungen eingedenk bin, unter denen das besagte opusculum vom Stapel lief. Es kann lange dauern, ehe von diesen Angelegenheiten etwas gedruckt wird: alle früheren Pläne habe ich zurückgezogen und nur den einen festgehalten, in einem größeren Zusammenhange dies Gebiet, vereint mit Freund Volkmann, zu behandeln. Da wir aber beide stark anderweitig beschäftigt sind, so mögen die hübschen Fabeln von der Gelehrsamkeit des Laertius und Suidas sich noch eine Zeit lang ihres Daseins freuen. Der einzige Mensch, der ein wenig schneller über die wahrscheinliche Sachlage unterrichtet werden muß, ist Curt Wachsmuth: als welcher persönlich und mündlich davon hören will und wird, nachdem ich ihn in Halle bei der Philologenversammlung kennen gelernt habe. Er hat wirklich einen künstlerischen Anstrich, vor allem eine kräftige banditeske Häßlichkeit, die er mit Schwung und Stolz trägt.
Jene Tage in Halle sind für mich einstweilen das lustige Finale, oder sagen wir die Coda, meiner philologischen Ouvertüre. Solche Lehrerbanden präsentieren sich doch besser als ich je erwartet hatte. Mag es sein, daß die alten Spinnen in ihren Netzen geblieben waren: kurz, die Kleidung war recht anständig und neumodisch, und die Schnurrbärte sind sehr beliebt. Greis Bernhardy zwar präsidirte so schlecht als möglich und Bergk langweilte durch einen unverständlichen dreistündigen Vortrag. Das Meiste war aber gut gelungen, vor allem das Diner (bei dem man dem alten Steinhart die goldne Uhr stahl: berechne darnach, welche Stimmung durchherrschte) und eine abendliche Zusammenkunft im Schützengraben. Hier lernte ich auch den klugblickenden Magister Sauppe aus Göttingen kennen, der mir als Protagonist der Naumburger Philologen von Interesse ist. Sein Vortrag über einige neue attische Inschriften war das pikanteste, was wir gehört haben; wenn ich nämlich Tischendorfs Rede über Paläographie ausnehme, der mit vollem Zeuge losfuhr dh. mit der Homerjungfrau, den Simonidesfälschungen, den Menander- und Euripidesfragmenten usw.; auch vermittelte er wiederum in reichster Fülle und kündigte schließlich sein paläogr. Werk an, mit naiver Preisangabe, nämlich im Werthe von ungefähr 5000 Thalern. Der Besuch war außerordentlich zahlreich, und Bekannte gab es in reicher Fülle. Beim Diner hatten wir eine Leipziger Ecke gebildet, bestehend aus Windisch, Angermann, Clemm, Fleischer usw. Sehr habe ich mich gefreut, in Clemm einen ganz besonders liebenswürdigen Menschen gefunden zu haben: während ich ihn in Leipzig kaum kennen gelernt habe, ja so gar in Folge der verteufelten Bonner Angewohnheit eine Art Abneigung gegen ihn empfand und ihn mit jenen schiefen Blicken zu betrachten pflegte, mit denen Burschenschafter die „Herren Chöre“ zu messen lieben. Natürlich erklärte er sich mit vollem Herzen bereit, an den Leipziger symbolis theilzunehmen. Doch fand er den Termin zu zeitig abgesteckt: und ich bin nahe daran sein Urtheil zu unterschreiben. Täglich, ja stündlich haben wir in Halle auf die Ankunft von Vater Ritschl gewartet, der sich angekündigt hatte und leider dem schlechten Wetter sich fügen mußte. Wir haben nach seiner Anwesenheit gelechzt, ich insbesondere, der ihm nach allen Seiten hin Dank wissen muß. Seiner Vermittelung habe ich zuzuschreiben, daß ich jetzt im Besitz des vollständigen rhein. Museums bin, und zwar ohne bisher etwas dafür gethan zu haben, ja in der sichern Aussicht, eine längere Zeit für jenen index nichts thun zu können. Die nächsten Paar Wochen nach unsrer Reise habe ich nicht in dieser Frohnarbeit verschwendet, sondern auf die lustigste Weise meine Democritea zusammengestellt; als welche in honorem Ritscheli bestimmt sind. So ist doch wenigstens der Hauptwurf gethan: obschon für eine sorgsame Begründung meiner Tollheiten und eine stämmige Combinatorik nur zu viel noch zu thun übrig ist, viel zu viel für einen Menschen, der „anderweitig stark beschäftigt ist.“
Nun, wirst Du fragen, wenn er nicht raucht und spielt, wenn er nicht indicem fabrizirt, noch Democritea combinirt, Laertium et Suidam despektirt, was macht er denn?
Er exercirt.
Ja, mein lieber Freund, wenn Dich ein Dämon einmal in einer frühen Morgenstunde, sagen wir, zwischen fünf und sechs, nach Naumburg geleiten und gefälliger Weise die Absicht haben sollte, Deine Schritte in meine Nähe zu lenken: so erstarre nicht über das Schauspiel, das sich Deinen Sinnen darbietet. Plötzlich athmest Du die Athmosphaere eines Stalles. Im halben Laternenlichte erscheinen Gestalte<n>. Es scharrt, wiehert, bürstet, klopft um Dich herum. Und mitten drin, im Gewande eines Pferdeknechtes, heftig bemüht, mit den Händen Unaussprechliches, Unansehnliches weg zu tragen oder den Gaul mit der Striegel zu bearbeiten — mir graut es, wenn ich sein Antlitz sehe — es ist beim Hund meine eigne Gestalt.
Ein paar Stunden später siehst Du zwei Rosse auf der Reitbahn herumstürmen, nicht ohne Reiter, von denen der eine Deinem Freunde sehr ähnlich ist. Er reitet seinen feurigen schwungvollen Balduin und hofft einmal gut reiten zu lernen, obschon oder vielmehr weil er jetzt immer noch auf der Decke reitet, mit Sporen und Schenkeln, aber ohne Reitgerte. Auch mußte er sich beeilen, alles zu verlernen, was er in der Leipziger Reitbahn gehört hatte und vor allem sich mit großer Anstrengung einen sicheren und reglementmäßigen Sitz aneignen.
Zu andern Tageszeiten steht er, emsig und aufmerksam, am gezognen Geschütz und holt Granaten aus der Protze oder reinigt das Rohr mit dem Wischer oder richtet nach Zoll und Graden etc. Vor allem aber hat er sehr viel zu lernen.
Ich versichere Dich bei dem schon erwähnten Hund, meine Philosophie hat jetzt Gelegenheit, mir praktisch zu nützen. Ich habe in keinem Augenblicke bis jetzt eine Erniedrigung verspürt, aber sehr oft wie über etwas Mährchenhaftes gelächelt. Mitunter auch raune ich unter dem Bauch des Pferdes versteckt „Schopenhauer hilf“; und wenn ich erschöpft und mit Schweiß bedeckt nach Hause komme, so beruhigt mich ein Blick auf das Bild an meinem Schreibtisch: oder ich schlage die Parerga auf, die mir jetzt, sammt Byron, sympathischer als je sind.
Jetzt ist endlich der Punkt erreicht, wo ich das aussprechen kann, womit nach Deiner Erwartung der Brief hätte beginnen sollen. Mein lieber Freund, Du weißt jetzt den Grund, warum mein Brief so ungebührlich lange sich verspätet hat. Ich habe im strengsten Sinne keine Zeit gehabt. Aber auch oftmals keine Stimmung. Man schreibt eben Briefe an Freunde, die man so liebt, wie ich Dich liebe, nicht in jeder beliebigen Stimmung. Ebensowenig schreibt man in einem erhaschten Moment heute eine Zeile und morgen eine, sondern man sehnt sich nach einer vollen und breiten Stunde und Stimmung. Heute blickt der freundlichste Herbsttag zum Fenster herein. Heute habe ich den Nachmittag frei, wenigstens bis ½ 7 Uhr; als welche Stunde mich zur Abendfütterung und Tränkung in den Stall ruft. Heute feiere ich den Sonntag auf meine Weise, indem ich meines fernen Freundes und unsrer gemeinsamen Vergangenheit in Leipzig und im Böhmerwald und in Nirwana gedenke. Das Schicksal hat mit einem plötzlichen Ruck das Leipziger Blatt meines Lebens abgerissen, und das nächste, das ich jetzt in diesem sibyllinischen Buche sehe, ist mit einem Tintenklecks von oben bis unten bedeckt. Damals ein Leben in freister Selbstbestimmung, im epikureischen Genuß der Wissenschaft und der Künste, im Kreise von Mitstrebenden, in der Nähe eines liebenswerthen Lehrers und — was mir das Höchste bleibt, was ich von jenen Leipziger Tagen sagen kann — im steten Umgang mit einem Freunde, der nicht nur Studienkamerad ist oder etwa durch gemeinsame Erlebnisse mit mir verbunden ist, sondern dessen Lebensernst wirklich denselben Grad zeigt, wie mein eigner Sinn, dessen Werthschätzung der Dinge und der Menschen ungefähr denselben Gesetzen wie die meinige folgt, dessen ganzes Wesen schließlich auf mich eine kräftigende und stählende Wirkung hat. So vermisse ich auch jetzt nichts mehr als eben jenen Umgang; und ich wage selbst zu glauben, daß wenn wir zusammen verurtheilt wären unter diesem Joche zu ziehen, wir unsre Bürde heiter und würdevoll tragen würden: während ich augenblicklich nur auf den Trost der Erinnerung hingewiesen bin. In der ersten Zeit war ich fast verwundert, Dich als meinen Schicksalsgefährten nicht zu finden: und mitunter wenn ich reitend den Kopf umdrehe nach dem andern Freiwilligen, so meine ich Dich auf dem Pferde sitzen zu sehen.
Ich bin in Naumburg ziemlich einsam; ich habe weder einen Philologen, noch einen Schopenhauerfreund im Kreise meiner Bekannten; und selbst diese kommen selten mit mir zusammen, weil der Dienst meine Zeit sehr beansprucht. Somit habe ich oft das Bedürfniß die Vergangenheit wiederzukäuen und die Gegenwart durch Beimischung jener Würze verdaulich zu machen. Als ich heute morgen im Regenmantel durch die schwarze kalte feuchte Nacht gieng, und der Wind unruhig um die dunklen Häusermassen blies, sang ich vor mich hin „ein Biedermann muß lustig, guter Dinge sein“ und dachte an unsere närrische Abschiedsfeier, an den hüpfenden Kleinpaul — dessen Existenz augenblicklich in Naumburg und Leipzig unbekannt, aber deshalb nicht fraglich ist — an Kochs dionysisches Gesicht, an unser Gedenkmal am Ufer jenes Leipziger Stromes, das wir Nirwana tauften und das meinerseits die festlichen Worte, die sich siegreich erwiesen haben, trägt γένοι᾽οἷος ἐσσί.
Wenn ich zum Schluß diese Worte auch auf Dich anwende, theurer Freund, so sollen sie das Beste umschließen, was ich für Dich im Herzen trage. Wer weiß, wann das wechselnde Geschick unsre Bahnen wieder zusammenführen wird: möge es recht bald geschehn; wann es aber immer auch geschehe, ich werde mit Freude und Stolz auf eine Zeit zurückblicken, wo ich einen Freund gewann οἷος ἐσσί.
Friedrich Nietzsche.
Kanonier der 21. Batt. der reit. Abtheil, des Feldartilleriereg. Nr. 4.
NB. Der Brief hat sich wieder einige Tage verzögert, weil ich gern ein Kistchen mit Weintrauben demselben folgen lassen wollte: schließlich erklärt die unselige Post, selbiges nicht annehmen zu wollen, weil die Weintrauben nur als Most ankommen würden.
Ignoscas.
553. An Rudolf Schenkel in Leipzig
Mein lieber Vetter,
Du weißt, wie ich immer voller Pläne stecke und hast oft gelächelt, wenn ich Dir erzählte, auf welche neue Weise ich über das folgende Wintersemester disponirt habe. Diesmal hat mich das Schicksal völlig aus dem Sattel gehoben, oder richtiger, in den Sattel hinein, so daß ich unmöglich, wie es meine Absicht war, Ende Oktober nach Leipzig kommen konnte, um dort zu promovieren und alle die angenehmen Menschen und Orte wieder zu sehn, die mir meine Leipziger Vergangenheit so behaglich gemacht haben. Jetzt beim Lärm der tuba, beim Wiehern der Rosse, beim Rasseln des Geschützes erscheint mir mein damaliges Leben fast mährchenhaft; und fast wie ein Ton aus ferner, ferner Zeit kam zu mir die Nachricht von der akademischen Festlichkeit des 31ten Oktobers.
Freund Roscher war so aufmerksam, mir mitzutheilen, daß Du, lieber Vetter, durch Deine Abhandlung den schönen Ehrenpreis der Universität errungen hast, und zwar nicht auf dem Wege des Wilddiebstahls, sondern auf die rühmlichste, rechtmäßigste Weise: ein Glück, zu dem ich Dir meine besten Glückwünsche darbringe. Möge dies Ereigniß der festliche Heroldsruf sein, auf den Du in die Arena des Examens galoppirst, kühn und muthig, des Gelingens gewiß.
Behalte Deinen Vetter in
freundlicher Erinnerung
Friedrich Nietzsche
Kanonier der 2 Batt. der reitenden Abtheil.
des Feldartill.reg. Nr. 4.
554. An Carl von Gersdorff in Berlin
Mein lieber Freund,
seltsam! Man besorgt Briefe über Geschäftsdinge und an gleichgültigere Personen weit pünktlicher als an seine vertrauten Freunde. Wie manche Zeile habe ich im Laufe dieses Sommers geschrieben, jede mit dem Bewußtsein, daß es jemanden giebt, der schon lange und suo iure einen ausführlichen Brief meinerseits erwartet. Wie viele Brieffragmente finde ich unter meinen Papieren, einige ganze Seiten, andre nur Überschriften enthaltend; nichts aber ist zu Ende gekommen, weil die Fülle von Arbeiten und Ereignissen das unfertige Blatt wieder durchstrich, und mir die Lust fehlte, Dir obsolete Dinge und Stimmungen zu schildern. Laß mich jetzt im raschen Überblick über jenen Sommer hinwegeilen, damit ich bei der Gegenwart verweilen kann, einer Gegenwart, in die Du Dich hineinfühlen wirst, da Du durchaus Ähnliches durchgelebt hast als ich jetzt erlebe.
Dieser Sommer, der letzte, den ich in Leipzig verlebte — nämlich der zweite — nahm mich kräftig in Anspruch. Du weißt, daß ich mich um das gestellte Preisthema de fontibus Laerti<i> Diogenis bemühte. Dies ist mir auch nach Wunsch gelungen; eine Menge hübscher, zum Theil wichtiger — dh. nach unserm Maßstabe wichtiger — Ergebnisse ist herausgekommen, und zum Schluß kam auch das gehoffte Urtheil der Fakultät. Darf ich Dir einige Zeilen aus dem iudicium Ritschls darüber mittheilen; über die ich mich sehr freue, weil sie mich ermuthigen und auf einer Bahn forttreiben, von der ich mitunter aus Skepticismus abzuweichen in Versuchung bin. Also heißt es nach Angabe meines Namens und meines Mottos (γένοι᾽οἷος ἐσσί): ‚ita rem egit ut Ordinis expectationi non tantum satis fecerit, verum eam superaverit. Tanta enim in hac commentatione cum doctrinae e fontibus haustae copia tum sani maturique iudicii subtilitas enitet, coniuncta ea cum probabili et disserendi perspicuitate et dicendi genuina simplicitate, ut non modo insigniore laude scriptoris indoles et industria dignae videantur, sed plurimum emolumenti in ipsas litteras, philosophorum potissimum Graecorum historiam et plenius et rectius cognoscendam, ex illius opera redundare existimandum sit —‘; als welches Unheil vor dichtgedrängter Aula bekannt gemacht wurde. Leider konnte ich nicht anwesend sein; was mich um so mehr schmerzte als der philologische Verein mir, seinem Gründer und Expräsidenten, ein συμπόσιον bei Simmer veranstalten wollte, zu dem auch Vater Ritschl sein Kommen zugesagt hatte. — Jene Arbeit beschäftigte mich bis in den Anfang des August hinein; sobald ich los und ledig war, flog ich mit Freund Rohde in den böhmischen Wald, um in Natur, Berg und Wald die müde Seele zu baden. An dieser Stelle muß ich einiges über Rohde sagen, der ja auch Dir aus einer frühen Zeit her bekannt ist. Wir haben beide diesen Sommer fast immer zusammen gelebt und eine seltne Zusammengehörigkeit unter uns empfunden. Daß auch über diesem Freundschaftsbunde der Genius des Mannes schwebte, dessen Bild mir Rohde noch vor wenig Wochen aus Hamburg schickte, Schopenhauers, versteht sich von selbst. Du wirst, wie ich mir denke, darüber eine lebhafte Freude empfinden, daß gerade solche starke und gute Naturen, wie Rohde im besten Sinne ist, von jener Philosophie gepackt werden
Wieder ist eine Woche vergangen, wieder ist es Sonntag, jetzt der einzige Tag, der mir zur Erfüllung meiner Briefpflichten übrig bleibt. Um aber ungefähr in dem Gedankenkreis zu bleiben, in dem ich mich vor 8 Tagen befand, erzähle ich Dir von anderem Einflusse Schopenhauers. Da sind es zwei schriftstellerische Leistungen, eine wissenschaftliche und ein Roman, die unter diesem Gestirn geboren sind. Vielleicht hast Du schon von dem Buche gehört, das sich also betitelt „Bahnsen, Beiträge zur Charakterologie.“ Dies ist ein Versuch, die Charakterkunde zur Wissenschaft umzubilden; da dies auf Schopenhauerscher Basis und mit viel Liebe zum „Meister“ geschieht, außerdem auch wirklich viel gute Gedanken und Beobachtungen in diesem zweibändigen Werke stecken: so empfehle ich es Dir sowie allen Eingeweihten jener offenbaren und doch verborgenen Weisheit. Am wenigsten bin ich mit der Form zufrieden: der Verfasser überhastet seine Gedanken und verdirbt dadurch die Linie der Schönheit. — Der Roman, von dem ich nun reden will, ist das erste Erzeugniß einer Dichtung in jenem tragischen, fast asketischen Sinne Schopenhauers, ein Buch, dessen Helden durch die rothe Flamme des Sansara hindurchgetrieben werden zu jenem Umschwung des Willens, dabei eine Dichtung voll des höchsten Kunstwerthes, einer großartigen Fülle von Gedanken und im schönsten liebenswürdigsten Stile geschrieben. Das ist der letzte Roman Spielhagens „in Reih und Glied“ betitelt; von dem man wenig liest, weil sein Verfasser zu stolz ist, einer Clique sich anzuschließen, wie sie zB. Freitag besitzt. Mein Lehrer Ritschl urtheilt, daß dieser letzte Roman zehnmal so viel werth sei wie der ganze Freitag.
Zu dritt erzähle ich Dir von einem Ereigniß, mit dem Schopenhauer auch im fernen Zusammenhange steht, wenn er auch nicht, wie gutbesoldete Schulräthe behaupten, Ursache desselben ist. Es ist der unglückliche Selbstmord Kretzschmers in Schulpforte. Die Gründe sind thatsächlich nicht bekannt oder werden gut verschwiegen. Etwas Räthselhaftes liegt darin, daß der vortreffliche gewissenhafte Mensch sich ein Vierteljahr vorher noch verlobt hat und auf diese Weise noch ein junges Mädchen unglücklich macht. Daß er Anhänger Schopenhauers war, weißt Du: und noch das letzte Mal, als wir beide zusammen in Almrich waren, sprachen wir miteinander über Schopenhauers Auffassung des Selbstmordes.
Doch jetzt kehre ich zurück zur Erzählung meiner Erlebnisse: die Nachricht von jenem Tode ereilte mich in Meiningen, wo ich die letzten Tage meiner Böhmerwaldreise zubrachte. Dort war nämlich ein großes viertägiges Musikfest von den Zukünftlern veranstaltet, die hier ihre seltsamen musikalischen Orgien feierten. Abbate Liszt präsidirte. Diese Schule hat sich jetzt mit Leidenschaft auf Schopenhauer geworfen. Eine symphonische Dichtung von Hans von Bülow, „Nirwana“ enthielt als Programm eine Zusammenstellung Schopenhauerscher Sätze; die Musik war aber fürchterlich. Dagegen hat Liszt selbst in einigen seiner Kirchencompositionen den Charakter jenes indischen Nirwana vortrefflich gefunden, vor allem in seinen „Seligkeiten“ „beati sunt qui etc.“
Nach diesen Wochen der Erholung und des reinsten Naturgenusses trieb mich ein wohlmeinender Dämon dazu, mich in Naumburg mit Eifer über ein neues philologisches Thema herzumachen „über die unechten Schriften Demokrits“. Diese Arbeit ist bestimmt für einen Cyklus von Aufsätzen, welche zusammen im nächsten Jahre Ritschl dedicirt werden sollen. Ich habe nämlich in Leipzig noch in den letzten Tagen meines Dortseins die Idee angeregt, daß seine speziellen Leipziger Schüler — natürlich mit genauer Auswahl — ihrem Lehrer auf diese Weise ihre Verehrung ausdrücken. Dazu sind gewonnen Rohde, Roscher, Windisch, Clemm und noch 4 andre, die Du nicht kennst. Darauf feierte ich in Halle jene Philologenversammlung mit — und das Verhängniß kam.
Jetzt bin ich nämlich Kanonier und zwar in der 2t. reitenden Abtheilung des Feldartill.Reg N. 4.
Wie überraschend dieser Umschwung war, wie gewaltsam ich meinem gewöhnlichen Treiben und bequemen Dahinleben entfremdet wurde, wirst Du leicht nachfühlen. Trotzdem ertrage ich diese Veränderung gefaßten Muthes und empfinde sogar an diesem Streiche des Schicksals ein gewisses Behagen. Jetzt bin ich erst unserm Schopenhauer recht dankbar geworden, jetzt wo ich Gelegenheit habe, etwas aoxriat zu treiben. In den ersten 5 Wochen hatte ich auch noch den Stalldienst durchzumachen: morgens um 5½ Uhr war ich im Pferdestall, um Mist hinaus zu schaffen und das Pferd mit Striegel und Kardätsche zu putzen. Jetzt ist mein Dienst durchschnittlich derart, daß ich von 7—½ 11 und von ½ 12—6 Abends beschäftigt bin und zwar den größten Theil dieser Zeit mit Fußexercieren. Vier mal in der Woche haben wir beiden Einjährigen Vortrag bei einem Leutnant als Vorbereitung zum Landwehroffizierexamen. Du wirst wissen, daß man als reitender Artillerist erstaunlich viel zu lernen hat. Das meiste Vergnügen machen mir die Reitstunden. Ich habe ein sehr hübsches Pferd und soll auch Talent zum Reiten besitzen. Wenn ich mit meinem Balduin auf dem großen Exercirplatz herumsause, so bin ich mit meinem Geschick sehr zufriedengestellt. Die Behandlung, die mir zu Theil wird, ist im Ganzen eine vortreffliche. Vor allem haben wir einen angenehmen Hauptmann.
Ich habe Dir von meinem Soldatenleben erzählt: hier liegt der Grund, weshalb ich so außerordentlich spät dazu komme, Dir Nachricht und Antwort auf Deinen letzten Brief zu geben. Unterdessen wirst Du wahrscheinlich, wie ich mir denke, der militärischen Fesseln ledig geworden sein. Weshalb ich es für bedenklich halte, meinen Brief nach Spandau zu adressieren.
Schon aber ist meine Zeit vorüber; ein geschäftlicher Brief an Volkmann, sowie ein andrer an Ritschl haben uns schon Zeit geraubt. Jetzt muß ich schließen, um zum Appell mit vollem Zeug mich fertig zu machen.
Also, lieber Freund, verzeih mir meine lange Fahrlässigkeit und schiebe dem Kriegsgotte den besten Theil der Schuld zu.
In treuer Gesinnung
Dein Freund
Friedrich Nietzsche
Kanonier.
555. An den Senat der Universität Leipzig (Entwurf)
An einen hohen akademischen Senat
Da nach S. 22 des Universitätsprogramms vom 31 Okt. 1867 dem Unterzeichneten der Preis zuerkannt ist, so erklärt derselbe, daß er diesen Preis in Geld ausgezahlt wünscht, sowie daß er den Hr St. j. Rud. Schenkel zur Entgegennahme des betreffenden Geldes autorisirt habe.
556. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
täglich vom Anbruche des Morgens bis in die Winterabende hinein mit einfältigen Rekruten langsamen Schritt üben oder über Satteln und Honneur machen belehrt zu werden stumpft in seinem ewigen Einerlei so den Kopf ab, daß man für ein gutes Glas Wein und eine fröhliche Nachricht empfänglicher als je wird. Und eine fröhliche Nachricht war es, die ich Ihrem letzten Briefe verdanke, fröhlich wie keine in der letzten Zeit. Insbesondre hat das mitgeschickte iudicium mich über manche schwere Stunde der Gegenwart hinweggehoben: denn es kam wie aus meiner wahren Welt herüber und rief mir ins Gedächtniß, daß meine augenblickliche Existenz nur ein Intermezzo und ohne wesentliche Bedeutung für Leben und Lebensaufgabe sei.
Daß diese zeitweilige Existenz aber langgehegte Pläne schonungslos durchkreuze, merke ich auch wieder bei dieser besondren Gelegenheit. Sollte ich Ihnen nicht schon einmal mitgetheilt haben, daß über das ganze Gebiet der Suidasfragen ich mich mit Dr. Volkmann in Schulpforte so weit geeinigt habe, daß wir daran dachten unitis viribus ein diesen Fragen gewidmetes Buch zu machen — das auch eine Herstellung des ὀνοματολόγος des wahren Hesychius Milesius enthalten sollte —. Daraus kann jetzt nichts werden. Vielmehr ist augenblicklich nur das Eine an der Stelle, was Sie gefälliger Weise mir auch vorschlagen: der Aufsatz erscheint baldigst im rheinischen Museum; als welches auch einer etwaigen Abhandlung Volkmanns sicherlich gern seine Spalten öffnen wird.
Freilich muß nun das gelehrte Publikum mit meiner Arbeit, so wie sie ist, fürlieb nehmen dh. mit einem Entwurfe, der zwar den Gang der Hauptgedanken deutlich giebt, aber eine Menge Einzelbelege und sonstige Füllstücke bei Seite liegen läßt. Denn ich bin selbst mit jenem Satze des akademischen Urtheils, so schmeichelhaft er auch klingt, sehr wenig einverstanden: vix quidquam reliquerit in ea quaestione, quod aut addi aut demi posse videretur. Addere könnte ich viel, kann aber bei meiner augenblicklichen Lage gar nichts. Was aber das demere betrifft, so bitte ich darum, daß mir mein Manuscript, bevor es in die Druckerei wandert, noch einmal zugeschickt werde. Übrigens würde ich gern einige Andeutungen hören, ob vielleicht die eingestreuten polemischen Urtheile den Worten nach etwas zu mildern sind oder stehen bleiben können. Man gestattet sich im lateinischen Ausdruck nach leidiger Philologenmanier leicht ein derberes Wort als nöthig ist.
Das ist es, hochverehrter Herr Geheimrath, was ich Ihnen heute zu schreiben habe: denn wozu das noch hinzufügen, was sich von selbst versteht und was den Grundbaß zu allem bildet, das Ihnen zu sagen und zu schreiben hat
Ihr getreuer und dankbarer
Friedrich Nietzsche
557. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Hochverehrter Herr Geheimrath,
Sie werden Sich wiederholt gefragt haben, warum ich das Laertius-manuscript so lange in Naumburg zurückhalte. Hier meine Antwort darauf: es ist sogleich, als es durch Ihre Güte in meine Hände gelangte, an Dr. Volkmann nach Pforte adressirt worden, von dem es noch nicht wieder zurückgekommen ist. Ein paar Wochen aber nach Weihnachten wird es, begleitet von einem kleinen Aufsatze Volkmanns, seine Rückreise nach Leipzig antreten, um dort Ihrem Willen gehorsam zu sein.
Mit jenem Aufsatze Volkmanns aber hat es folgende Bewandniß. Wir beide sind unabhängig von einander und auf verschiedenen Wegen zu der Einsicht gelangt, welche Bedeutung Demetrius Magnes für die Quellenkunde des Suidas habe. Nun möchte Volkmann gern seinen ihm eigentümlichen Weg dem Publikum vorlegen; mein Wunsch aber ist es, daß dies gleichzeitig mit der Veröffentlichung meiner Arbeit oder auch früher, aber ja nicht — wenn mir eine Bitte freisteht — später geschieht. Es hat eben keiner von uns die Priorität jenes εὕρημα für sich: aber peinlich und bei meiner Freundschaft mit dem vortrefflichen Volkmann geradezu beunruhigend würde mir sein, durch den früheren Druck meiner Arbeit eine scheinbare Priorität für mich zu gewinnen.
Kurz, ich habe Volkmann gebeten, jenen Aufsatz zu schreiben und ihm aus freien Stücken versprochen, meine Abhandlung nicht eher fortzuschicken als bis die seinige — die wie er meint etwa 16 Druckseiten füllen wird — fertig und zum Absenden bereit ist. Das Weitere liegt dann in Ihren Händen, die manchen anderen und schwierigeren Knoten entwirrt haben, als diesen, den freundschaftliche Rücksicht und ein bischen Ehrgeiz geknüpft haben. —
So läuft das alte Jahr zum Schluß, ein Jahr, dessen beste Stunden und Tage für mich immer in Beziehung zu Ihrem Namen stehn. Mag das fröhliche Gestirn dieses Namens auch fürderhin noch lange leuchten, zur Freude der philologischen Arbeiter, denen es Fruchtbarkeit ihrer Äcker und Gelingen ihrer mühevollen Bestrebungen verbürgt.
In treuer Verehrung und
Dankbarkeit und mit
den besten Neujahrs-
wünschen
Friedrich Nietzsche
558. An Diederich Volkmann in Pforta? (Visitenkarte)
[+ + +] Ich freue mich, den ersten Band der Ritschl’schen Opuscul. gerade in Naumburg zu haben und Ihnen damit zu Diensten zu sein [+ + +]
[Auf die Bitte um das indogermanische Programm von 1867 folgt:]
[+ + +] Prof. Brockhaus in Leipzig möchte es gern haben. [+ + +]
1867 (24 Briefe)
535. An Hermann Mushacke in Berlin
Дорогой друг,
Я прекрасно знаю, что в одном из моих ящиков в Лейпциге лежит готовое письмо к тебе: однако сегодня я чувствую такую потребность пообщаться с одним из своих друзей и подбодрить себя написанием письма, что предпочитаю написать еще одно, новое. Да и повод для этого есть самый богатый. Прежде всего, это обычные новогодние пожелания, которые должны быть выполнены. Но, право, это больше, чем привычка, когда я сегодня приношу тебе свои сердечные пожелания. Ведь в этом году тебе предстоит важный шаг, при котором сердце друга никогда не может оставаться равнодушным. Прошу тебя также передать мои поздравления твоему глубокоуважаемому отцу, твоей дорогой матушке и бабушке.
Во-вторых, я наконец-то возвращаю тебе программы и, к сожалению, не имею ничего другого в качестве ἀντίδοτον, кроме уже упомянутого письменного эссе Лахмана, которое для лахманома, конечно, имеет большую ценность, чем для тебя; ведь, если сказать по секрету, оно не представляет большой ценности, если отбросить субъективную и (в крайнем случае) культурно-историческую значимость. Как оно попало ко мне «извилистыми путями», как оно происходит из глубин России и из наследства самоубийцы, я расскажу тебе в другой раз.
В-третьих, я должен был бы сообщить тебе кое-что приятное, если бы ты сейчас учился в Лейпциге. Ритчль любезно предоставил мне 2 темы, чтобы найти пару друзей для их разработки; к сожалению, только при уже указанном условии. Конечно, я сначала подумал о тебе, но одновременно понял, что это тщетно. В общем, возможно, я мог бы оказать тебе небольшую услугу, «но судьба этого не хочет». Каждая из этих тем достаточна для докторской диссертации и побуждает к публикации. Нет смысла называть тебе эти темы.
В-четвертых, я остаюсь в долгу перед тобой относительно подробностей по теме, которая тебя интересует, — о систематическом рассмотрении интерполяций, которыми снабжены греческие трагики. Изначально я намеревался сделать об этом свой следующий доклад в обществе. Но в эти каникулы я передумал и подготовил эссе о πίνακες аристотелевских сочинений, которое отчасти дополняет мой последний доклад о биографических источниках Суды. Но если ты не против, я бегло набросаю здесь скелет той теории интерполяций, что, впрочем, покажется тебе весьма обыденным и грубым.
Введение. Три времени и три вида интерполяции:
1. актера
2. ученых
3. переписчика (то есть по ошибке)
1. Главная часть. 3 тенденции актерской interpolatio.
a) что-то неприятное в поэте,
- эстетически
неприятное
2 этически
должно быть устранено. Или изменившееся театральное устройство требует изменения пьесы.
b) должны быть внесены злободневные аллюзии
c) актер хочет усилить свою роль и хочет создать себе блестящие партии и эффектные места.
2. Тенденция ученой интерполяции
a) она хочет объяснить что-то темное
b) восполнить что-то неполное
3. Тенденция интерполяции переписчика.
Ее нет, скорее он по ошибке втягивает γλωσσήματα в текст.
Метод распознавания различных интерполяций.
к 1. a и b) Должны быть доказаны ἀναχρονισμοὶ.
к 1. c.) Все лишнее должно быть (например, у Еврипида) сгруппировано по различным generibus. Вывод здесь всегда довольно ненадежен.
к 2.) и 3) Геймзот поучителен, но преувеличен.
Вспомогательные средства для распознавания интерполяций
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например, схолии. Какую ценность имеет афинский государственный экземпляр, попавший в Александрию, очень хорошо разъясняет Корн, de publico Aeschyli Sophoclis Euripidis fabularum exemplari, Bonnae 1863, который я прошу тебя прочитать. При его чтении приходят на ум многие аспекты, например: основаны ли сценические замечания схолий на реальной традиции или мы обязаны ими только ratio некоторых грамматиков? (Вероятно, и тем, и другим: среди примеров можно будет различить отдельные genera.)
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Наблюдение за современными актерами и режиссерами.
Не сердись на меня за этот скучный набросок, который каждый может сделать лучше.
В эти каникулы я также записал основные черты моей работы о Лаэртии Диогене, которой еще очень не хватает doctrina, местами — ratio. Но очень полезно таким образом прояснить для себя пробелы, и поэтому я этим доволен.
Также я имел сомнительное удовольствие провести последнюю корректуру печатных листов. Это 40 страниц, то есть совсем немного. Если бы кто-то основательно и пренебрежительно возразил, это было бы мне не слишком желательно, но все же терпимо. Есть возможности и похуже, но есть и получше.
О других моих друзьях я больше ничего не слышу. Герсдорф усердно занят и будет или уже сдал свой офицерский экзамен. Конечно, у него есть веские причины, почему он не пишет.
Дойссен с момента моего последнего письма в сентябре или августе окутан глубоким молчанием, да что там — тьмой и мраком, так что его местонахождение, его учеба, даже само его существование стали для меня сомнительными. Но в эти дни я хочу написать его родителям.
Наконец, у меня нет причин скрывать от тебя, что сегодня я очень грустен. Вчера в это время я стоял у смертного одра моей тети Розалии, которая, говоря коротко, после моей матери и сестры была самым близким и родным мне человеком, и с которой ушла большая часть моего прошлого, особенно моего детства, да, в которой вся история нашей семьи, наши родственные связи были так живы и присутствовали, что с этой стороны потеря невосполнима.
К тому же — крайне мучительное лежание в постели, за несколько часов до смерти — кровоизлияние. Это было в сумерках, снаружи кружились хлопья снега, она сидела в постели, выпрямившись, и постепенно приходила смерть со всеми печальными признаками: увидеть это однажды в полном сознании — это своеобразный опыт, который не так быстро выветривается из головы.
Поэтому, если мое сегодняшнее письмо немного мрачное и грустное, прости это обстоятельствам, при которых оно было написано.
Твой друг
Фридрих Ницше.
536. An Carl von Gersdorff in Spandau
Мой дорогой друг,
это было также в первые дни января, когда я в Наумбурге стоял у смертного одра — у одра близкой родственницы, которая после матери и сестры имела самые большие права на мою любовь и почитание, которая верно делила со мной мой жизненный путь и с уходом которой от нас отделилась целая часть моего прошлого, прежде всего моего детства. И все же, когда я получил Твое письмо, мой дорогой, бедный, тяжело пораженный горем друг, меня охватила гораздо более сильная боль: ведь и разница между этими двумя смертями была столь велика. Там была завершенная жизнь, наполненная добрыми делами, прожитая со слабым телом до самой старости: у всех нас было чувство, что силы тела и духа исчерпаны и что смерть пришла слишком рано лишь для нашей любви. Но что ушло вместе с Твоим братом, которого я всегда почитал и которым восхищался?
От нас ушла одна из тех редких, благородных римских натур, которыми Рим гордился бы в свои лучшие времена, и на гордость которыми Ты, как брат, имеешь еще больше прав. Ибо как редко наше жалкое время порождает такие героические фигуры. Но Ты ведь знаешь, что думали об этом древние: «любимцы богов умирают рано».
Что могла бы еще совершить такая сила! Как могла бы она, будучи образцом собственного, славного стремления, примером решительного, ясного в себе, не заботящегося о мире и мирском мнении характера, стать для тысяч людей в жизненных невзгодах опорой и утешением. Я хорошо знаю, что этот vir bonus в самом прекрасном смысле был для Тебя еще большим, что он был Твоим идеалом, к которому нужно стремиться, как Ты часто говорил мне раньше, Твоей надежной путеводной звездой на изменчивых и отнюдь не легких путях жизни. Возможно, эта смерть была величайшим горем, которое вообще могло Тебя постичь.
Ну что ж, дорогой друг, теперь Ты — я замечаю это по тону Твоего письма — сам на себе испытал, почему наш Шопенгауэр превозносит страдания и невзгоды как прекрасную судьбу, как δεύτερος πλοῦς к отрицанию воли. Ты также испытал и прочувствовал очищающую, внутренне успокаивающую и укрепляющую силу боли. Это время, когда Ты сам можешь проверить, что истинно в учении Шопенгауэра. Если четвертая книга его главного труда сейчас производит на Тебя неприятное, мрачное, тягостное впечатление, если она не имеет силы возвысить Тебя и провести сквозь внешнюю острую боль к тому меланхоличному, но счастливому настроению, которое охватывает нас при прослушивании благородной музыки, к тому настроению, в котором человек видит, как земные оболочки спадают с него: тогда и я не хочу больше иметь ничего общего с этой философией. Только тот, кто полон боли, может и должен сказать решающее слово о таких вещах: мы же, другие, стоящие посреди потока вещей и жизни, лишь жаждущие этого отрицания воли как блаженного острова, не можем судить, достаточно ли утешения такой философии для времен глубокой скорби.
Мне трудно перейти к чему-то другому: ибо я не знаю, не тяготят ли Тебя рассказы о моей судьбе и делах в этом настроении. Но Тебе будет приятно услышать, что Айнзидель и я вследствие общего горя стали чаще встречаться и обдумывать пути и средства, как мы можем доставить Тебе небольшую радость и отдых. Вообще, в лице Айнзиделя у Тебя есть очень сочувствующий и отзывчивый друг; только что я прочитал ему Твое прекрасное, подробное и написанное с сердечнейшей любовью письмо. Мы оба не желаем ничего более страстно, чем однажды увидеть Тебя и поговорить.
У меня все хорошо. Работа большая, но плодотворная, а потому радующая. Я ценю постоянную и сосредоточенную работу с каждым днем все больше. В данный момент я пробую свои силы в конкурсной задаче здешнего университета «de fontibus Diogenis Laertii»; при этом я испытываю приятное чувство, что пришел к этой теме не из-за соблазна чести или денег, а поставил ее себе сам. Ричль знал это и был так любезен, что впоследствии предложил эту тему как конкурсную задачу. У меня есть несколько соперников, если я правильно осведомлен: однако в данном случае я питаю немалую уверенность в себе, так как до сих пор нашел сплошь очень красивые результаты. В конечном счете, дело лишь в продвижении науки: если кто-то другой нашел еще больше, это не должно меня сильно огорчать.
От Дойссена у меня в новом году есть известие: он снова филолог, браво: и чувствует, как он сам пишет, снова твердую почву под ногами. Он учится в Бонне и, кажется, постепенно входит в свою колею. Он прислал мне свой перевод французской книги «Биография Теодора Паркера», с помощью которого он заработал деньги.
В заключение, дорогой друг, прошу Тебя об одном: не утруждай себя написанием писем. В скором времени Ты получишь от меня снова известие в весьма подробном письме, написать которое сегодня мне не представляется возможным. То же самое просил передать Тебе и Айнзидель.
Я заканчиваю теплым прощанием и изречением Аристотеля:
τί γάρ ἐστιν ἄνθρωπος; ἀσθενείας ὑπόδειγμα,
καιροῦ λάφυρον, τύχης παίγνιον, μεταπτώσεως
εἰκών, φθόνου καὶ συμφορᾶς πλάστιγξ.
Твой верный, так-
же глубоко пораженный
друг
Фридрих Ницше.
537. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и Лизбет,
в следующее воскресенье, согласно нашей договоренности, я прибуду в Наумбург, причем без кузена, который не сможет приехать из-за юридического бала, но передает всем свои наилучшие пожелания. Я сам в последние дни сомневался, смогу ли приехать, так как очень сильный катар желудка и горла приковал меня к комнате, а то и к постели. Сейчас мне уже лучше, и, поскольку погода мягкая, все, вероятно, скоро пройдет.
Не могу избавить вас от печального известия: старший брат Герсдорфа в первых числах января скончался от ран, а точнее, от последствий тяжелой операции. Наш Герсдорф с тех пор написал мне уже два очень подробных письма.
Напоследок приношу свою искреннюю благодарность за письма и посылки: я также очень рад за Дойссена. Он ведь, по крайней мере, филолог. Итак, до радостной встречи на праздновании дня рождения!
Ваш Фр.
538. An Carl von Gersdorff in Spandau
Дорогой друг,
если ты не в настроении выслушивать множество странных вещей, отложи это письмо в сторону и прибереги его для другого часа.
Сегодня ведь была великая лейпцигская избирательная битва, решение партийной борьбы, ведшейся всеми средствами, сегодня было сказано последнее слово в деле Стефани против фон Вехтера. Каков исход, я пока не хочу выдавать.
Ты знаешь результат первых выборов: наш представитель, превосходный, безупречный vir strenuus Стефани (недавно названный св. Стефаном в объявлениях «Тагеблатт»), победил с перевесом в 1000 голосов над оплотом саксонского партикуляризма господином фон Вехтером: однако эта победа была недостаточной, не хватило около 200 голосов до абсолютного большинства. Значит, должны были состояться повторные выборы, при которых борцы третьей и четвертой партий, Вюркерт и Вуттке, уже не принимались в расчет. Эти двое, таким образом, весьма жалко провалились, больше всех Вуттке, прозванный «имперским лаской», которого так называемая народная партия, в сущности, самые ярые ненавистники пруссаков, подняла на щит и с 300 бюллетенями с него же и сбросила. Органом этой черно-желтой окраски является «Саксонская газета», прежде «Абендпост».
Вюркерт, великий, как говорит «Тагеблатт», как пивовар, человек, заключенный, поэт, оратор, был выдвинут лассальянцами в двенадцатом часу и раздут таким потоком рекламы, что он сам не сомневался в своем избрании. В его честь в одно воскресенье в 11 часов утра было организовано народное собрание под открытым небом, которое, по умеренным подсчетам, посетило 12000—15000 человек. Он произнес с превосходным, далеко разносящимся органом, с античным взмахом своего кучерского плаща предвыборную речь, с сильными словами о весьма несильных и нереальных вещах, например, о европейском рабочем государстве, затем предложил проголосовать за его избрание и объявил, что он избран 4 голосами всего собрания. Это была оптическая иллюзия: ибо в день выборов у него было около 900 голосов в свою пользу.
Теперь все зависело от провалившихся партий и их новой позиции. Агитация была поистине грандиозной, где бы ни стоял или шел человек, ему в руку совали программу, памфлет, увещевание, даже в дом приносили листки: «Тагеблатт» и «Нахрихтен» пестрели объявлениями.
Я не думаю, что остался хоть один аспект, из которого можно было бы еще выплавить агитационный свинец. Преувеличений не было недостатка, например, Вехтера называли стариком, чей мозг, согласно Боку, претерпел метаболизм и который поэтому более не пригоден политически. Или использовали речь Стефани, в которой он обещал, будучи вице-бургомистром, выполнять свои обязательства, но выборы, если бы они пали на него без его участия, принять хотел бы, и опустили второе предложение, так что могло показаться, будто Стефани отказывается от избрания. Короче говоря, моральные и аморальные средства, штемпели, посыльные, клевета, огромные плакаты на стенах, знамена с соответствующими именами — все было приведено в движение ради сегодняшнего дня.
Он был пасмурным и туманным. У мест голосования слонялись праздные слои народа, развевались знамена, скрипели штемпельные прессы, сияли яркими красками плакаты. После обеда мы втроем пошли в Розенталь и нам пришла в голову мысль спросить оракул об исходе. После всех мыслимых попыток был всегда один результат: летел ли ворон с карканьем, спрашивали ли мы, мужчина или женщина встретится нам первыми, покажет ли подброшенная монета герб и т.д., всегда «случай» отвечал нам: «Вехтер»; что привело нас в веселое настроение, так что мы пытались сбить с толку встретившегося нам молодого филолога нашей оракульной мудростью и сказали ему, что Вехтер избран.
«Знаю уже, — сказало несчастное дитя, — с перевесом в 1000 голосов».
И так оно и есть. Тем временем партия Вехтера увеличилась на 2000 голосов. Мы потерпели поражение. Кузен торжествует, партикуляризм размахивает знаменем победы.
Теперь немного личного. Ибо политических вещей я касаться не хотел бы — по понятным причинам. Пока что я остаюсь здесь, причем думаю как о следующем, так и о семестре после него. В сущности, я совсем не стеснен (если бы только военное положение меня не стесняло!), живу безмятежным существованием, насколько это возможно в таком мире, имею хороших друзей и верных соседей и хороших учителей, ежедневно сижу у Кинчи вместе с Колем и Роде, которые теперь составляют мой ближайший круг общения, по мере сил тружусь для нашего филологического общества, покупаю себе очень много филологических книг, время от времени нахожу сносную мысль и работаю несколько беспокойно. Темы, которые меня занимают, это:
«de Laertii Diogenis fontibus»
«о книжных заглавиях у древних»,
на заднем плане витает план критической истории греческой литературы. Если я могу порекомендовать тебе чтение, которое одновременно привяжет тебя к древности и напомнит о Шопенгауэре, возьмись как-нибудь за epistulae morales Сенеки.
Наконец, то, с чего должно было начаться мое письмо, моя благодарность за твое милое письмо, которое я по нескольким причинам ценю совершенно особенно. Во-первых, потому что ни я, ни кто-либо другой сейчас не ожидает от тебя писем, так как мы, напротив, рады и благодарны, если у тебя есть желание и настроение читать наши письма. Во-вторых, мне было особенно дорого и ценно твое признание нашему философу, так как оно было высказано во время серьезных и тяжелых испытаний, решающих ударов судьбы.
Благочестивые люди верят, что все страдания и несчастья, которые их постигают, рассчитаны на них с точнейшим намерением, так что та или иная мысль, это доброе намерение, это познание должны были быть пробуждены в них. Нам для такой веры не хватает предпосылок. Но в нашей власти использовать каждое событие, мелкие и крупные несчастья для нашего исправления и закалки и, так сказать, выжать их досуха. Намеренность судьбы отдельного человека — не басня, если мы понимаем ее именно так. Мы должны намеренно использовать судьбу: ибо сами по себе события — пустые оболочки. Все зависит от нашего состояния: ту ценность, которую мы придаем событию, оно и имеет для нас. Бездумные и аморальные люди ничего не знают о такой намеренности судьбы. К ним события просто не пристают. Мы же хотим учиться у них: и чем больше наше знание в нравственных вещах растет и дополняется, тем больше и события, которые нас постигли, будут образовывать замкнутый круг или, вернее, казаться таковыми. Ты знаешь, дорогой друг, к чему эта рефлексия.
Сегодня я прощаюсь с тобой, записывая также сочувственные приветы от Эйнзиделя, моего кузена, а также от моей матери.
Твой верный друг Фридрих Н.
539. An Paul Deussen in Bonn
Мой дорогой друг,
когда я получил твое предпоследнее письмо, отправленное из Наумбурга, я испытал очень приятные чувства. В то же утро я уже получил другие письма и пережил иные события, я уж не помню какие, которые настроили меня очень счастливо. У меня был счастливый день, но главным событием для меня стало твое письмо, или, вернее, новости, тон, надежды и решения, содержащиеся в твоем письме. Конечно, я про себя посмеялся над тем, что всего несколько дней назад я отправил тому самому человеку, который пишет мне так уверенно, твердо и стоя на прочной почве, длинное послание, полное пожеланий и призывов. То письмо было адресовано призраку: мое нынешнее наконец-то снова обращено к человеку, дорогому другу и филологу, который обрел себя и свое призвание, который вернулся из лабиринта теологических сомнений, чтобы отпраздновать свою свадьбу с Филологией. Тот дорогой друг уже сообщил мне в своем последнем письме о благополучных родах своей жены, так что в счастье этого брака не может быть никаких сомнений.
Действительно, дорогой Пауль, даже если бы твои письма не содержали столько соблазнов и приманок для моего тщеславия, если бы все их содержание сводилось к фразе «я филолог, работаю над тем-то и тем-то и доволен больше, чем когда-либо», они все равно были бы для меня самым любимым наслаждением и самой возвышенной радостью, которую я знаю. Мысль о том, что между нами больше нет еврейских туманов, мешающих нам идти по жизни в истинном единстве мыслей, слишком утешительна для меня.
Сегодня я прежде всего исполняю твое желание и пишу филологическую записку. Лексикон В. Бёттихера для тебя незаменим, потому что в нем есть 1 статья об аблятиве с очень ценными и богатыми подборками; хотя цитаты всегда нужно проверять, так как коллации, которым следовал Бёттихер, никуда не годились. Но должны быть и специальные работы о тацитовском аблятиве, Бог знает где. У меня, к сожалению, нет библиографических справочников. О генетиве хорошо написал некий Церниаль. Очень полезной считается работа Дрэгера «Синтаксис Тацита». Также совсем недавно вышла работа о синтаксических особенностях Тацита доктора Шмидта из Йены, оруженосца Лукиана Мюллера, которую очень хвалят. Авторитетом в таких вопросах, впрочем, кажется Э. Вёльфлин из Винтертура, который недавно опубликовал в «Филологе» ежегодный отчет по подобным вопросам. В нем мне особенно понравилось доказательство того, что подобные сборники должны составляться строго в хронологическом порядке сочинений Тацита, потому что узус Тацита во многих мелочах менялся. В любом случае, дорогой друг, с такими исследованиями ты находишься на опасной почве, потому что после огромных усилий можешь внезапно обнаружить, что твой труд был бесполезен, по крайней мере для науки. Но если я могу назвать тебе писателя, по которому подобные ценные частные исследования еще даже не начаты, то я имею в виду Аммиана Марцеллина. Столь же результативными, я думаю, будут исследования аблятива у Апулея. Какие расширения употребления аблятива приобрела африканская латынь? Я ничего об этом не знаю и не знаю никого, кто хоть как-то владел бы этой областью.
Поскольку для своих других занятий ты использовал Фотия, то у тебя, вероятно, остался некоторый интерес к его βιβλιοθήκη. Здесь у нас действительно запущенная область. Я не знаю, есть ли еще много работы для текстологии, но я так полагаю (возможно, в том самом cod. 176 вместо τἠν τε ἕκτην καὶ ἑβδόμην καὶ δὴ καὶ τὴν ἐνάτην scil. διαπεπτωκέναι ἔφησάν τινες следует писать ἑβδόμην καὶ ὀγδόην καὶ κτλ. Вероятно, был утерян τεῦχος из 4 книг). Но я не об этом. Однако из библиографических данных Фотия можно многое заключить и узнать. Эрудиция, которую он порой проявляет, либо исходит из прологов самих книг, либо доказуемо взята из ранее описанной книги. Так, я обращаю твое внимание на место из описания ἐκλογαὶ Сопатра cod. 161 p. 177 H. Здесь, по-видимому, находится источник его знаний об обстоятельствах жизни ораторов, которые по большей части дословно совпадают с псевдоплутарховым сочинением de decem orat. vit. Из этого можно лишь сделать вывод, что уже Сопатр не знал автора того сочинения, которое Шефер с уверенностью отказывает Плутарху.
Но у нас есть дела поважнее, чем говорить о Фотии. Прежде всего, знай, что я не уезжаю из Лейпцига, так что совместное пребывание в Берлине пока относится к разряду маловероятного.
Ты не представляешь, насколько лично я привязан к Ричлю, так что я не могу и не хочу отрываться. К тому же у меня всегда есть печальное предчувствие, что его жизнь продлится не слишком долго; я боюсь, что однажды все закончится быстро. Ты не можешь себе представить, как этот человек думает, заботится и работает для каждого, кого он любит, как он умеет исполнять мои желания, которые я часто едва осмеливаюсь высказать, и как, в свою очередь, его общение свободно от того чопорного высокомерия и той осторожной сдержанности, которые свойственны столь многим ученым. Да, он ведет себя очень свободно и непринужденно, и я знаю, что такие натуры очень часто наталкиваются на непонимание. Это единственный человек, чье порицание я охотно выслушиваю, потому что все его суждения настолько здравы и сильны, с таким тактом к истине, что он является для меня своего рода научным советом.
Итак: я еще немного побуду рядом с ним. Мои перспективы на будущее неопределенны, а значит, довольно благоприятны. Ведь ужасна только определенность. Мое стремление состоит в том, чтобы ежегодно зарабатывать почетным и не отнимающим много времени способом пару сотен талеров, чтобы сохранить за собой свободу существования на ряд лет. Например, я охотно хочу в начале следующего года поехать в Париж и проработать там год в библиотеке. Но это тебя не заинтересует, может быть, больше заинтересует то, что и как я сейчас работаю. Ведь говорить в письмах друзьям о себе и своем опыте не только допустимо, но и желательно. Письма — это просто субъективные картины настроения.
Моя работа о Лаэртии будет закончена в ближайшие недели. Мое стремление на этот раз — не дать логическому каркасу просвечивать так явно, как это случилось в моей прилагаемой работе о Феогниде. Это, кстати, очень трудно. По крайней мере для меня. Я хотел бы придать таким вещам несколько художественную оболочку. Ты найдешь смешным мое рвение, с которым я растираю краски, вообще стараюсь писать сносным стилем. Но это необходимо после того, как я так долго себя запускал. Затем я как можно строже избегаю эрудиции, которая не нужна. Это тоже стоит немалого самопреодоления. Ведь многое излишнее приходится вырезать, хотя оно нам как раз очень нравится. Строгая экспозиция доказательств в легком и приятном изложении, по возможности без всякой угрюмой серьезности и той богатой цитатами эрудиции, которая так дешева: вот мои желания. Самое трудное — это всегда найти общую связь доводов, короче говоря, план здания. Это работа, которая в постели и на прогулках часто делается лучше, чем за письменным столом. Собирать грубый материал — приятная работа, хотя она часто имеет нечто ремесленное. Но ожидание наконец открывающегося волшебного образа поддерживает нас в бодрости. Больше всего меня тяготит проработка, и здесь у меня очень часто лопается терпение.
Любая крупная работа, ты это тоже чувствовал, имеет этическое влияние. Усилие сконцентрировать материал и гармонично его оформить — это камень, падающий в нашу душевную жизнь: из узкого круга возникают многие другие.
Не можешь ли ты написать мне совсем откровенно, дорогой друг, сколько тебе нужно для твоего ежегодного существования? Ты действительно хочешь как можно скорее и обеими ногами сразу прыгнуть в школьную службу? У меня противоположное желание: как можно дольше быть свободным от таких внешних оков. Вообще я очень не склонен перегружать себя знаниями, как машину. Возможно, ты тоже учишься слишком много. Больше всего мне нравится находить новую точку зрения и собирать для нее материал. Мой «мозговой желудок» сердится на любое переполнение. Чрезмерное чтение ужасно притупляет голову. Большинство наших ученых стоили бы большего и как ученые, если бы не были слишком учеными. Не ешь слишком обильных трапез.
Берлинский семинар мало чего стоит. У меня есть точные сведения о нем от одного из наших бывших членов общества, который сейчас принадлежит к этому семинару. Обращение со студентами очень грубое.
Дорогой друг, обдумай вот что. Ты хочешь поехать в Берлин и, следовательно, проезжаешь через Наумбург. Здесь ты навестишь меня и сообщишь свои мысли по поводу следующего предложения. Я могу поручить тебе работу, которую можно делать попутно, около 2 часов в день, и которая принесет тебе несколько сотен талеров. Условие — она должна быть сделана в Лейпциге. Она займет тебя полгода. Ты многому научишься при этом. Что тебя ждет в Лейпциге, ты знаешь. Проводить год в Берлине ради экзамена совершенно не нужно. Если ты согласишься, ты мне еще скажешь спасибо. Только думай о Ричле. Не говори никому, даже своим уважаемым родителям и братьям и сестрам, об этом предложении. Пусть все остаются в убеждении, что ты едешь в Берлин. В Наумбурге мы обсудим все подробности. Я уезжаю отсюда 31-го числа этого месяца. Итак, дорогой друг, будь скрытен, но следуй за мной. Приветствуй всех, кто меня помнит, и порадуй своим визитом своего верного друга
Ф. В. Н.
Моя мать была очень рада твоему милому и веселому письму и передает тебе свою лучшую благодарность.
Герсдорф, который всегда мне очень близок, сейчас офицер в Шпандау. О смерти его старшего брата, воспетого и тобой, ты знаешь. От Мушаке у меня всегда только хорошие новости. Наш филологический союз в Лейпциге процветает.
540. An Carl von Gersdorff in Spandau
Мой дорогой друг,
у моего долгого молчания есть причина, ведомая одному Богу. Ибо я никогда не бываю так благодарен и радостен, как тогда, когда приходят твои письма и верно сообщают мне о твоих переживаниях и настроениях. Очень часто представляется случай поговорить о тебе, и я никогда не упускаю его. Еще чаще мои мысли устремляются к тебе, когда я сижу за книгами и должен думать обо всех тех ученых вещах, которые тебе, по праву, кажутся несколько пресными. И все же я не пишу. Порой я сам этому удивляюсь. Только что мне пришло в голову, в чем может быть причина. Рука, которая пишет весь день, глаз, который с утра до вечера видит, как белая бумага становится черной, жаждут перемены или покоя. Но сегодня весь день Суида и Лаэрций должны были ждать, потому что у меня были гости: поэтому им придется ждать и сегодня вечером. Почему они выпускают бразды правления из своих рук? Пусть они теперь несут убыток, я же, по крайней мере, извлекаю из этого выгоду: я могу письменно беседовать со своим дорогим другом и мне не нужно присматривать за двумя старыми мальчишками, чьи глупости обычно занимают меня.
В эти каникулы я хочу изложить на бумаге свою работу об источниках Лаэрция и пока нахожусь еще в самом начале. Хочу признаться тебе для твоего развлечения, что доставляет мне больше всего хлопот и забот: мой немецкий стиль (не говоря уже о латинском: если я разобрался с родным языком, то и до иностранных языков<n> дойдет очередь). У меня спала пелена с глаз: я слишком долго жил в стилистической невинности. Категорический императив «Ты должен и обязан писать» разбудил меня. Я ведь пытался делать то, чего никогда не искал, кроме как в гимназии: писать хорошо, и вдруг перо в руке ослабло. Я не мог этого сделать и злился. К тому же у меня в ушах звенели стилистические предписания Лессинга, Лихтенберга, Шопенгауэра. Утешением мне всегда служило то, что эти три авторитета единогласно утверждают: писать хорошо трудно, от природы ни у кого нет хорошего стиля, нужно работать и грызть твердое дерево, чтобы его приобрести. Я поистине не хотел бы снова писать так деревянно и сухо, по логическому корсету, как я это делал, например, в своем эссе о Феогниде: у колыбели которого не сидели грации (скорее, гудело издалека, как будто от Кёниггреца). Было бы очень прискорбно не уметь писать лучше, горячо этого желая. Прежде всего, в моем стиле должны быть снова высвобождены несколько живых духов, я должен научиться играть на нем, как на клавишах, но не только заученные пьесы, а свободные фантазии, настолько свободные, насколько возможно, но все же всегда логичные и красивые.
Во-вторых, меня беспокоит другое желание. Один из моих старейших друзей, Вильгельм Пиндер из Наумбурга, сейчас стоит на пороге своего первого юридического экзамена; хорошо известные страхи в такие времена нам тоже знакомы. Но то, что мне нравится, да что даже побуждает меня к подражанию, заключается не в самом экзамене, а в подготовке к нему. Как полезно, да что там, как возвышенно должно быть за один семестр пропустить через себя все дисциплины своей науки и тем самым действительно получить целостное представление о ней. Разве это не то же самое, как если бы офицер, привыкший лишь муштровать свою роту, внезапно в бою осознал, какие великие плоды могут принести его маленькие усилия. Ведь мы не будем отрицать, что того возвышенного целостного взгляда на античность не хватает большинству филологов, потому что они стоят слишком близко к картине и рассматривают масляное пятно, вместо того чтобы любоваться — и, что еще важнее, наслаждаться — великими и смелыми чертами всего полотна. Когда, спрашиваю я, мы хоть раз получим то чистое наслаждение от наших античных штудий, о котором мы, к сожалению, часто говорим.
В-третьих, вообще весь наш способ работы ужасен. Те 100 книг передо мной на столе — это столько же клещей, которые выжигают нерв самостоятельного мышления. Я думаю, дорогой друг, ты смелым жестом выбрал самую лучшую долю. А именно: эффективный контраст, перевернутый способ восприятия, противоположную позицию по отношению к жизни, к людям, к работе, к долгу. Я поистине хвалю этим не твою нынешнюю профессию как таковую, а лишь постольку, поскольку она была отрицанием твоей прежней жизни, стремлений, мыслей. При таких контрастах душа и тело остаются здоровыми и не порождают тех необходимых болезненных форм, которые вызывает как перевес ученой деятельности, так и чрезмерное преобладание физической, которые есть как у ученого, так и у деревенского олуха. Только у последнего эти болезни проявляются иначе, чем у первого. Греки не были учеными, но они не были и бездуховными гимнастами. Неужели мы так обязательно должны выбирать между той или иной стороной, не возник ли здесь, возможно, из-за «христианства» разлом в человеческой природе, которого не знал народ гармонии? Не должен ли образ Софокла стыдить каждого «ученого», который умел так элегантно танцевать и играть в мяч, и при этом проявлял еще и некоторые интеллектуальные способности.
Но в этих вещах с нами происходит то же, что и во всей жизни: мы доходим до осознания недуга, но пальцем о палец не ударяем, чтобы его устранить. И здесь я мог бы действительно начать четвертое сетование, которое я приберегу перед своим другом-военным. Ибо воину такие жалобы должны быть гораздо более противны, чем такому домоседу, как я сейчас.
Тут мне приходит на ум недавно пережитая история, которая, правда, является иллюстрацией ученых болезненных форм и как таковая должна была бы замалчиваться, но которая тебя позабавит, потому что она кажется лишь переводом эссе Шопенгауэра «О философах в университетах» в действительность.
Есть город, в котором молодой человек, наделенный особыми мыслительными способностями и особенно склонный к философским спекуляциям, задумывает получить докторскую степень. Для этой цели он составляет свою, с трудом обдуманную за несколько лет систему «Об основных схемах представления» и счастлив и горд тем, что сделал это. С такими чувствами он вручает ее философскому факультету того места, где случайно находится университет. Два профессора философии должны дать свое заключение и дают его в том смысле, что один высказывается, что работа демонстрирует ум, но представляет взгляды, которые здесь вовсе не преподаются, другой же заявляет, что взгляды не соответствуют здравому смыслу и являются парадоксальными. Таким образом, работа была отклонена, и докторская шапочка на голову соответствующему лицу не была надета. К счастью, пострадавший недостаточно смиренен, чтобы слышать в этом суждении голос мудрости, и даже настолько дерзок, чтобы утверждать, что некая философская кафедра испытывает недостаток в философской способности (philosophische facultas).
Короче говоря, дорогой друг, нельзя достаточно самостоятельно идти своим путем. Истина редко живет там, где ей построили храмы и рукоположили священников. Что мы делаем хорошо или глупо, то нам и расхлебывать, а не тем, кто дает нам хорошие или глупые советы. Пусть нам оставят хотя бы удовольствие совершить глупость по собственной воле. Общего рецепта, как помочь каждому человеку, не существует. Нужно быть самому себе врачом, но в то же время собирать на себе врачебный опыт.
Мы действительно слишком мало думаем о своем благе, наш эгоизм недостаточно умен, наш разум недостаточно эгоистичен.
На этом, дорогой друг, сегодня довольно. К сожалению, мне совсем нечего сообщить тебе «солидного», «реального» или как там еще называются лозунги молодых купцов, но ты и не будешь этого требовать. То, что я радуюсь вместе с тобой, когда ты обнаруживаешь одного из наших единомышленников, да еще такого дельного и достойного любви, как Крюгер, — это само собой разумеется. Наше масонство растет и распространяется, хотя и без знаков отличия, мистерий и формул исповедания.
Поздняя ночь, и снаружи воет ветер. Ты знаешь, что я останусь в Лейпциге и в следующем семестре. Мои желания несут меня, филолога, в Париж, в императорскую библиотеку, куда я, возможно, отправлюсь в следующем году, если до тех пор не извергнется вулкан. Меня же, человека, мои мысли часто уносят, и так же сегодня ночью, к тебе, которому я сим говорю от всего сердца «Спокойной ночи».
Фридрих Ницше.
в верной дружбе.
Наумбург, 6 апреля:
каковой город я 30 апреля
покину. Моя
новая квартира в Лейпциге
Вестштрассе 59, 2 этаж.
541. An Hermann Mushacke in Berlin
Мой дорогой друг,
я всегда считал, что дружба может существовать и без регулярной переписки: при условии, что она истинная и настоящая. Ведь пока человек твердо чувствует, что не забыл своего друга и не будет забыт им, в сущности, нет необходимости писать ему об этом. Таким образом, друзья пишут друг другу письма не для того, чтобы поливать свежей водой ростки сердечной привязанности, а прежде всего для гораздо более внешних целей: они рассказывают о своих судьбах, своих трудах, своих планах, то есть лишь меняют декорации, зная, что их дружба продолжается и при смене внешних обстоятельств. Тот же, кто случайно проживает отрезок жизни без важных перемен, не испытывает ни принуждения, ни побуждения писать об этом своим друзьям.
Мне искренне жаль, что ты хоть на мгновение составил столь неблагоприятное мнение о моей дружбе, будто бы она угасла из-за отсутствия письма с твоей стороны в течение двух-трех месяцев. Я же совершил оплошность совсем иного рода: я обещал тебе от письма к письму прислать трактат Лахмана и из-за непостижимой для меня рассеянности при отправке письма всякий раз забывал о том, что обещал, так что я делал себе серьезные упреки и повторял: «То, что твой друг Мушаке не пишет — это справедливое и здоровое наказание за эту рассеянность». Если, следовательно, у кого-то из нас двоих есть повод просить прощения, так это у меня: что я и делаю от всего сердца.
Поэтому я надеюсь, что этим, дорогой друг, всякий след неприятного чувства ко мне в тебе стерт, и перехожу к перечислению моих «судеб, трудов и планов», которыми я, возможно, сверх меры потчевал тебя во многих письмах за неимением лучшего и более благородного материала.
Я сижу здесь, в уютном гнездышке Наумбурге, и не бездельничаю. Но мое желание работать в эти недели было больше, чем мои возможности, короче говоря, я до сих пор недоволен результатами последних недель. То, что я намерен записать свою работу de fontibus Laertii, еще в далеком поле; все, что готово, еще не составляет и трех печатных листов. Я спотыкаюсь, главным образом, о едва ли ранее замеченное препятствие; у меня, собственно, нет никакого стиля в немецком языке, хотя есть живое желание его приобрести. Поскольку я решил сначала со всей тщательностью проработать свои исследования о Лаэртии на немецком языке, прежде чем делать из них латинское извлечение, я вынужден вникать в эти вопросы стиля. Будучи гимназистом, как известно, не пишешь в определенном стиле; будучи студентом, нигде не имеешь практики; то, что пишешь — это письма, то есть субъективные излияния, не претендующие на художественную форму. И вот однажды наступает время, когда tabula rasa наших стилистических искусств начинает нас мучить. Так происходит со мной сейчас, и поэтому мне приходится работать очень медленно.
Следующее лето я снова проведу в Лейпциге, так как теперь едва могу оторваться от Ричля. Ты сможешь это отчасти понять. К тому же меня постоянно мучает мысль, что скоро всему может прийти конец; в последнее время он болел чаще и тяжелее. Я не могу выразить, что я потерял бы в нем.
Осенью я хотел бы получить звание доктора; я думаю с диссертацией de Homero Hesiodoque coaetaneis. Если ты улыбнешься при этом заголовке, то имеешь на это право. Обо всех моих личных обстоятельствах прошу тебя хранить молчание перед моими возможными знакомыми, с которыми ты встретишься; нет ничего более досадного, чем возбуждать надежды, а в конечном итоге их не оправдать. Но кто поручится за свое ближайшее будущее? У меня еще так много авантюрных планов, что добрая их часть должна пойти прахом.
Теперь кое-что, чему ты обрадуешься. У меня самые лучшие новости от друга Дойссена, который в Бонне с прошлой осени с успехом занимается своими филологическими штудиями и чувствует себя при этом на твердой почве. Все, что он пишет о своих работах, производит здоровое и свежее впечатление: насколько он изменился, ты сможешь лучше всего судить, когда он через несколько недель навестит тебя в Берлине. Именно там он намерен провести год.
Если ты когда-нибудь напишешь мне письмо в Лейпциг, куда я снова уезжаю 30-го числа этого месяца, то укажи в качестве адреса «Weststraße» № 59, 2-й этаж. Ты ведь жил в том же доме, только чуть выше. Ты можешь себе живо представить, где я проведу это лето. Я живу в комнате, которую раньше занимал «барон», бог весть какой фамилии.
В остальном в Лейпциге все превосходно. Прежде всего мне нравится наш филологический кружок, который, кстати, от семестра к семестру теряет несколько членов, уезжающих потом в Берлин. Число наших слушателей постоянно растет, наши дебаты приобрели более строгий характер, наши требования к принимаемым постоянно росли. У нас теперь есть и два языковеда, и мы рады, что получили два хороших экземпляра этого вида для нашего зверинца. Если у тебя есть знакомые, которые рискнут приехать в Лейпциг на семестр в качестве филологов, дай им мой адрес; ведь я постепенно достаточно обжился в Лейпциге, чтобы давать приезжим хорошие справки.
Насколько я знаю, ты собираешься в ближайшее время сдавать государственный экзамен. Не можешь ли ты как-нибудь кратко записать мне требования, которые ты предъявляешь к себе для этой цели, чтобы у меня был масштаб, если мне придет в голову когда-нибудь позволить себе подобное «удовольствие»? Сегодня живи счастливо и будь вместе со своими почтенными родными сердечно приветствуем
от твоего старого друга
Ф. Н.
542. An Otto Kohl in Leipzig
Мои дорогие,
[+ + +] доставило ли вам, быть может, удовольствие посетить концерт Риделевского общества? [+ + +] Сам я, к сожалению, не имею времени, чтобы приехать в Лейпциг и принять участие в исполнении в церкви Святого Николая [+ + +]
Я буду очень рад, когда в следующий вторник или среду снова приеду в Лейпциг и услышу, что [+ + +] ваши труды успешно продвигаются [+ + +]
543. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и Лизбет,
наконец-то вы снова получаете весточку, и, как я полагаю, приятную весточку от меня. Дело в том, что я начну свои троицыны каникулы в этот раз немного раньше и поэтому в самом скором времени буду снова у вас в Наумбурге.
О других увеселительных поездках я в этот раз и думать не могу, так как очень отстал со своей работой. Но я надеюсь завершить её рядом с вами, в остальном же в полнейшем уединении. Надеюсь, что вы всё для меня хорошо подготовите.
Итак, я прибуду в Наумбург в следующую среду.
Здесь всё идёт сносно. Наш Ричль снова болел, у него было рожистое воспаление на ноге. Вчера он снова провёл первую лекцию, но его пришлось нести в портшезе до самой двери аудитории.
Ярмарка с её волнующим шумом теперь позади. Моё жилище мне нравится, но у меня есть завидное осознание того, что мои хозяева относятся ко мне как к лимону, из которого нужно выжать как можно больше сока, т.е. денег.
В нашем обществе мы, как всегда, деятельны.
Погода такая же плохая, как была на прошлой неделе в Петербурге <war>. Боюсь, что погода очень привязана к нашему петербургскому гостю, который снова гостит в Лейпциге, Хедвиг Раабе.
Наш курс верховой езды мы отложили до Троицы, потому что опасались дороговизны во время ярмарки.
В воскресенье мы, Роде, Кох и я, были в чрезвычайно приятной долине Мульде за Гриммой. Едва ли есть более освежающие места.
Военное свидетельство я нашёл. Я ещё не был в Галле. Возможно, по возвращении с троицыных каникул. Свою защиту на степень доктора я всё же должен провести в прусском университете из практических соображений. Где — пока не знаю.
Итак, до скорой приятной встречи! Вы замечаете, что Наумбург и Лейпциг довольно близко друг от друга.
Ваш Фриц.
Ноябрь — май 1867 г.
NB. Письмо немного залежалось. Но всё остаётся так, как я написал.
Послезавтра я приеду. Вчера (в воскресенье) я обедал у Ричлей. От Герсдорфа я тоже получил письмо, он чувствует себя очень несчастным на военной службе; особенно после того, как столь ожидаемая война пошла прахом.
Несколько дней назад я также встретил опекуна в Лейпциге; он также посетил моё жильё.
544. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и Лизбет,
Вы можете себе представить, что у меня не было возможности посетить Галле, да и желания особого тоже не было. Я также не знаю никого из своих знакомых, кто испытывал бы тоску по этому празднику. Тем лучше, что вы получили от него удовольствие — вы, кого еще может привлекать романтический ореол, окружающий студенческие и профессорские комедии, потому что вам не нужно заглядывать за кулисы этого мира.
То, что кузен не приехал в воскресенье, объясняется его причудой, которая осталась для меня неясной. Короче говоря, он не хотел ехать в Наумбург один и не поддался на мои настоятельные уговоры. Не знаю, так ли уж необходимо ему удовольствие ехать в Наумбург вместе со мной. Позже он всё же собирается приехать, но только со мной. Маленький саксонец, всё ищет связи с Северогерманским союзом! Раньше это не было твоей страстью.
Наши наездники все отсеялись, то есть еще до того, как сели на лошадей. Только Роде продержался. Так что мы оба с 4 до 5 часов дня энергично упражняем наших скакунов и чувствуем себя при этом и после очень хорошо. Эта тряска весьма благотворна для нижней части живота. Испытываешь жажду, голод и глубокий сон в большей степени, чем другие люди. Носить мои толстые брюки при жаре в 30 градусов мне было не тяжело.
Что касается следующего семестра, то я намерен провести его в Берлине: туда я отправляю письмо Мушаке, который подыщет мне жилье. И отчалю я туда сразу в конце августа. Весь свой багаж я отправлю отсюда как грузовой багаж. На случай, если мне придется нести военную службу, в Берлине это сделать лучше всего. Прежде чем уехать туда, я приеду еще на неделю в Наумбург. Я также привезу вам фотографию нашего филологического общества, которая получилась лучше предыдущей и очень понравилась Ричлю.
Сегодня или завтра я дам знать своим хозяевам, что съезжаю. Счета для меня неудобны. Я привожу свои дела и прочие расходы в порядок. В Берлине мне нужно будет сделать скромную попытку заработать деньги.
Сегодня мне больше нечего писать, кроме того, что я сердечно благодарю за белье и письма, а также с удовольствием вспоминаю о праздниках Пятидесятницы. Итак, живите хорошо!
Ваш Фриц.
545. An Hermann Mushacke in Berlin
Мой дорогой друг,
я прекрасно знаю, что это моё письмо на сей раз приходит на несколько дней раньше, чтобы принести тебе мои поздравления с днём рождения. Но что с того? Во всяком случае, преждевременные пожелания всё же лучше, чем запоздалые. Вместе с тем прошу тебя любезно принять мою небольшую прилагаемую работу, которая, очевидно, дойдёт до тебя гораздо позже: пусть же преждевременное письмо и запоздалый дар уравновесят друг друга.
Наконец, дорогой друг, появилась перспектива видеться и беседовать чаще: ведь я твёрдо намерен провести следующий семестр в Берлине. Дружелюбный Лейпциг, vir incomparabilis Ричелиус должны же наконец отпустить меня, чтобы я мог приобрести необходимые для государственной службы характеристики в Пруссии. Если я сейчас оглядываюсь на свои 4 семестра здесь, причём с настроением прощания и взглядом воспоминаний, то они выглядят не только очень интересными, но и в высшей степени решающими для моей жизни. Во всяком случае, именно здесь проявилась моя филологическая жилка, которая в Бонне была сильно сдержана щебнем и грязью корпоративной жизни. К тому же я увожу отсюда память о действительно великом человеке, который относился ко мне с любовью и отеческой заботой. Наконец, у меня есть приятное чувство, что я сделал что-то для создания и жизнеспособности нашего общества. Не говоря уже о многих замечательных людях, с которыми я здесь познакомился и из которых двое, а именно Роде и Клейнпауль, мне особенно близки. И даже сейчас я ещё далеко не закончил перечисление лейпцигских достоинств: например, как я мог бы забыть Шопенгауэра, который здесь прирос к моей душе. Даже удовольствие увидеть себя впервые напечатанным возникло на этой почве. и т. д. и т. д.
После этой laudatio ante acti temporis бросим несколько взглядов в будущее. И здесь я сразу вынужден побеспокоить тебя просьбой. Я хотел бы, чтобы мой багаж отправили не в Наумбург, а оттуда в Берлин, а прямо в Берлин. Либо я оставлю его там на вокзале до востребования, либо кто-то из моих друзей, возможно, Дойссен, будет так любезен, что позволит ему пока полежать у себя. Не будешь ли ты так любезен прислать мне до конца этого месяца июля несколько строк по этому поводу, подходит ли это Дойссену и т. д. Я сам намерен прибыть в Берлин в конце августа. Но мой багаж должен быть отправлен ещё в конце этого месяца, так как я съезжаю. У меня спекулятивные и бессовестные хозяева — sapristi.
Что мы будем делать вместе в Берлине? Среди прочего, мы создадим для нашего удовольствия и пользы новое филологическое общество; я хочу посмотреть, не сможет ли подобный институт в Берлине, в городе интеллекта и логических фактов, действовать и жить там вдвойне эффективнее, чем здесь, где всегда приходится считаться с саксонской медлительностью и неповоротливостью. Затем мы будем вместе ездить верхом: ведь это теперь тоже относится к моим занятиям. Случайно вышло так, что мы, то есть Роде и я, посещаем лекции Ричля только с хлыстами для верховой езды: случайно, иначе мы были бы πίθηκοι ' Ερμάννου. Наконец, мы будем вместе сдавать экзамены и заниматься подобными зимними развлечениями.
Короче говоря, я желаю, чтобы мы счастливо встретились и были здоровы. Половина этого пожелания относится к тебе, имениннику, другая половина — ко мне. Но обе половины — близнецы: если умрёт одна, то и другая. Поэтому да здравствует то, чтобы они жили и процветали вместе!
С самыми сердечными и обязывающими рекомендациями твоим родным
Твой Фридрих Ницше.
546. An Paul Deussen in Oberdreis
Мой дорогой друг,
Твое предложение столь дружественно и столь далеко отстоит от той широкой дороги эгоизма, что я не могу его принять.
К тому же я всё же собираюсь провести каникулы в Наумбурге, после того как совершу длительную поездку в Баварские Альпы и Зальцбург со своим другом Роде.
Я читаю, что у тебя всё хорошо, и чувствую удовлетворенный тон твоего письма. Тебе будет о чем мне рассказать. Недавно я живо думал о тебе, когда во мне возникла мысль основать в Берлине филологическое общество. Этот план будет осуществлен так же верно, как раб, который упаковывает за моей спиной мой скарб, обворовывает меня.
Прощай, дорогой друг. Передай всем, кто меня знает, мои приветствия и наслаждайся своим Платоном, как человек, которому античность, несмотря на филологию, еще не опротивела.
Твой Фриц Ницше.
547. An Franziska und Elisabeth Nietzsche in Naumburg
Дорогие мама и Лизбет,
вполне возможно, что это письмо немного подождёт в Наумбурге, пока вы снова не вернётесь в нашу тихую обитель. Если так случится, то, помимо письма, вы обнаружите ещё и огромные ящики и сундуки — всё это знаки моего существования, предвестники моего прибытия. Очень неразумно открывать эти самые ящики до моего приезда. Поэтому, пожалуйста, оставьте их в том виде, в каком они есть.
Завтра или в ближайшие дни мы отправляемся в путь. Мы готовимся к основательным пешим прогулкам. Как ни странно, даже сегодня я не могу точно сказать, куда нас приведёт путешествие. Это зависит от странного стечения обстоятельств и предпочтений: отправимся ли мы в Зальцбург и Мюнхен или в Чешский лес. В конечном счёте, это не так уж важно.
Я не беру с собой ничего, кроме двух (или трёх) рубашек, двух пар чулок, моего тёмного костюма и пледа. Кроме того, я приобрёл прочные ботинки на двойной подошве и дорожную палку. Мне очень хочется в лес и в горы, после того как подобные потребности были искусственно подавлены двухлетним пребыванием в Лейпциге и оттого стали очень сильными.
Наша совместная жизнь в Наумбурге должна быть очень приятной. Конечно, мне будет о чём вам рассказать. Настраивайтесь примерно на то, что я прибуду к вам в последних числах августа.
Если бы мы только нашли способ благополучно уладить военные дела. У меня сейчас нет на это времени.
Моя соответствующая работа была сдана в конце прошлого месяца. В последнее время она доставила мне немало хлопот. Материала для новой у меня в избытке.
Последние дни были очень приятными. Сплошные прощальные вечера, все одинаково весёлые и серьёзные. Лейпциг постепенно затихает в наших ушах. Я покидаю его с совсем другими чувствами, чем, например, Бонн. По понятным причинам.
Адьё! До радостной встречи!
Ваш Фриц.
Вторник.
На время каникул в Наумбурге вы, вероятно, одолжите мне лошадь, чтобы я мог предаться своим занятиям верховой ездой.
548. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
Ваши выдающиеся усилия вновь привели к осуществлению всего, что может быть хоть сколько-нибудь полезно для моих работ. Директор Фёрч с большой готовностью сразу же согласился вручить мне почти полный экземпляр «Рейнского музея»: и из Вашего последнего почтенного письма я узнаю, что и Зауэрлендер согласился на столь благоприятное для меня предложение. Если это не доставит Вам никаких хлопот, я был бы рад увидеть этот экземпляр в Наумбурге. Впрочем, это всецело зависит от Вас, так как в данный момент я обеспечен всем наилучшим образом и вполне могу подождать до конца октября; когда я позволил бы себе лично обратиться к Вам в Лейпциге.
Впрочем, не могу сказать, что я уже далеко продвинулся в составлении указателя, так как в настоящее время меня живо занимает другое исследование («О подложных сочинениях Демокрита»). Однако я не вижу причин, которые побуждали бы меня особенно спешить с той работой.
Наконец, я рад, что наконец разгадал происхождение того загадочного адреса «Линденштрассе, 57». Когда прошлой осенью я жил в Кёзене, Вы осведомлялись о моем месте жительства, чтобы иметь возможность прислать мне бумаги о Феогниде. В ответ я написал Вам тот самый адрес. Впрочем, даже неверный адрес для наумбургских почтальонов — вещь ἀδιάφορον (безразличная).
Таким образом, мне остается лишь выразить пожелание, чтобы эти прекрасные осенние дни были весьма благотворны для Вашего здоровья, и добавить заверение, что в конце октября я лично осведомлюсь о Вашем самочувствии.
Ваш преданный ученик
Фридрих Ницше.
549. An Hermann Mushacke in Berlin
Мой дорогой друг,
мы редко бываем хозяевами своей судьбы, но верим в это, когда она долгое время была к нам благосклонна. Это не должно быть вступлением к трагедии, а лишь предисловием к антрактной музыке, которую я уже не надеялся услышать в этой жизни. Барабаны и свирели, воинственный звук! Меч висит не над моей головой, а на моем боку, это перо в моей руке вскоре станет орудием убийства, эти бумаги, покрытые заметками и набросками, вероятно, приобретут запах тлена. Бог войны возжелал меня, т. е. меня признали годным к добровольной службе, в то время как еще при моем отъезде в Галле на собрание филологов я был уверен, что эта чаша миновала меня. С большим трудом я добился того, чтобы мне позволили хотя бы попытаться узнать, примут ли меня в другом месте, нежели Наумбург, и в другом роде войск, нежели артиллерия. Если попытка не удастся, то в следующую среду я начну обнимать здешние пушки — с большим гневом, чем нежностью. Но пока стоит попытаться.
Возможно, я смогу попасть в Берлин во 2-й гвардейский пехотный полк. Для этого я завтра, т. е. в субботу, в 11:45 отправлюсь из Наумбурга и вечером прибуду в Берлин. Осмелюсь намекнуть здесь, что был бы очень благодарен тебе, если бы встретил тебя на вокзале. Ведь ты знаешь мою беспомощность в чужом и большом городе. Таким неожиданным образом наша встреча стала гораздо ближе, чем это было мыслимо для меня еще вчера; и это, пожалуй, единственное приятное, что доставило мне внезапное вмешательство Мавора в мои планы. Напротив, мои желания на ближайшее будущее полностью перечеркнуты.
В какой мере — расскажу тебе лично.
Итак, дорогой друг, я сообщил о своем прибытии в Берлин и попросил тебя об одолжении. Если ты не сможешь прийти, я все равно позволю себе заглянуть к тебе. А пока передавай мои сердечнейшие приветы твоим почтенным родным!
— А сколько прекрасного принесли именно последние недели! Какое наслаждение на этом собрании филологов, где я встретил множество старых знакомых. Когда в первый вечер в просторных залах стрельбища прибывшие гости — ок. 500 человек — смешались в толпе, я стоял там, как Елизавета в «Тангейзере», когда паломники возвращаются из Рима и она надеется найти в каждом лице знакомые черты Генриха. Она ошибается, и я тоже ошибался. Друга Мушаке не было среди филологических паломников.
Addio a rivederla
Фриц Ницше.
550. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
В силу внезапного поворота судьбы я лишен возможности появиться в Лейпциге в конце этого месяца; тем самым и моя защита диссертации откладывается на неопределенный срок. Ибо то, чего я никогда не ожидал, решилось в течение нескольких дней; несмотря на мою близорукость, я пал жертвой бога войны и теперь вынужден весь день, с раннего утра до позднего вечера, тяжело и утомительно трудиться то в конюшнях, то в манеже, то в казарме, то у орудий. Это, конечно, новая и чуждая пища, куски которой порой застревают у меня в зубах: особенно когда я вспоминаю о тех трапезах, которые привык вкушать за столом филологии. Но когда я думаю о них, я также чувствую, кому я всегда обязан самой теплой благодарностью и сердечнейшим почтением, чей пример навсегда удерживает меня на том пути, с которого меня в настоящее время пытаются согнать унтер-офицеры и нарезные орудия.
Само собой разумеется, что я с радостью возьмусь за составление указателя, как только пройдут первые тяжелейшие недели; для чего я охотно хотел бы видеть экземпляр из музея в Наумбурге, так как в долгосрочной перспективе я не могу и не смею удерживать экземпляр, принадлежащий соборной школе.
Поэтому сегодня я могу закончить лишь пожеланием, чтобы Вы чувствовали себя так же хорошо, бодро и энергично, как я надеялся лично застать Вас в Лейпциге согласно моему первоначальному плану. Теперь же, к сожалению, из-за суровой немилости Мавора, вернее, из-за его ἄχαριν χάριν, мне на долгое время отказано в возможности видеть лицо человека, чьим учеником я себя
покорнейше подписываю
Фридрих Ницше
канонир
551. An Paul Deussen in Berlin (Fragment)
Мой дорогой друг,
множество причин побуждают меня написать тебе: долг благодарности за гостеприимный приём и за сердечное, содержательное письмо, но прежде всего — моё собственное желание не оставлять тебя дольше в неведении относительно моего состояния в положении, которое достаточно чуждо моему обычному образу мыслей и деятельности.
Ты, должно быть, уже слышал благодаря любезности Мушаке, что после тщетной попытки взобраться на стены судьбы и перелезть через них я сдался и отныне стал канониром. Также тебе должно быть ясно, что служба в конной артиллерии считается самой тяжёлой солдатской службой, и это действительно так. Нас должны обучать пешему строю, верховой езде и обращению с орудиями; и чтобы тебе было проще представить, сколько времени это требует, знай, что я занят по службе в среднем каждый день с 7 часов утра до 6 часов вечера, не считая получаса в полдень. Остальное время, то есть утро с 6:45 до 7 и вечер, я использую для усвоения военных знаний, которые в столь богатой мере требуются для офицерского экзамена, и для продолжения той филологической работы, завершение которой к ближайшему сроку я обещал.
Итак, работа на всех парусах, физически и умственно, на манеже и на турнире мыслей, у орудия и со снарядами логики, на плацу и в школе мысли древних.
Мой дорогой друг, чтобы написать апологию Шопенгауэра, к которой ты призываешь своим письмом, мне достаточно сообщить лишь тот факт, что я смотрю в лицо этой жизни свободно и мужественно, после того как мои ноги обрели опору. «Воды скорби», говоря образно, не сбивают меня с пути, ибо они больше не покрывают меня с головой.
Это, конечно, не что иное, как сугубо индивидуальная апология. Но таково наше положение. Тому, кто хочет опровергнуть мне Шопенгауэра доводами, я шепчу на ухо: «Но, любезный, мировоззрения не создаются и не уничтожаются логикой. Я чувствую себя как дома в той атмосфере, ты — в другой. Оставь же мне мой собственный нос, как и я не собираюсь отнимать у тебя твой».
Порой, правда, я злюсь, когда слышу или читаю современных философов и замечаю их репутацию, и настойчиво спрашиваю, как тот известный Гамлет спрашивал свою мать: «Есть ли у вас глаза? Есть ли у вас глаза?» Я полагаю, что их нет, но я могу ошибаться, и мои, возможно, слишком близоруки, так что я путаю осла с лошадью. Но пусть будет так: если раб в тюрьме мечтает, что он свободен и освобождён от своего рабства, кто будет настолько бессердечен, чтобы разбудить его и сказать ему, что это сон? Кто это будет? Только тюремщик, и ни у меня, ни у тебя не будет желания играть эту роль.
Лучшее, что у нас есть — чувствовать себя единым целым с великим духом, иметь возможность с симпатией следовать за ходом его мыслей, найти родину мысли, убежище для мрачных часов — мы не захотим отнимать это у других, мы не позволим отнять это у нас самих. Будь то заблуждение, будь то ложь — — —
552. An Erwin Rohde in Hamburg
Мой дорогой друг,
вчера я получил письмо от нашего Вильгельма Рошера из Лейпцига с новостями, которые с твоего позволения должны послужить вступлением к этому письму. Прежде всего, радостное известие о том, что здоровье и бодрость духа отца Ричля в наилучшем состоянии; что я слышу с удивлением, так как поведение берлинцев наверняка оставило на нем немало болезненных ран. Затем, кажется, что общество, которое также обзавелось торжественной печатью, движется навстречу прекрасному будущему. Читательский кружок насчитывает на данный момент 28 членов: кафе Цаспеля, по замыслу Рошера, должно стать своего рода биржей филологов. Также был куплен шкаф, в котором хранятся журналы. Пятничные собрания, вероятно, еще не состоялись; по крайней мере, Вильгельм ничего об этом не пишет. К тому же, еще не прибыли некоторые члены, например, Кох, который, к сожалению, задержан тяжелой болезнью. Равно как и превосходный Коль, который, странным образом, намерен провести несколько недель у друга в деревне и тем самым несколько отсрочил тревожные сцены экзамена. Наконец, не хочу умолчать о том, что письмо Рошера принесло мне приятную весть: моя работа о Лаэртии 31 октября в актовом зале одержала победу в конкурсе над господином Οὔτις; о чем я рассказываю прежде всего потому, что помню при этом о твоих дружеских усилиях, при которых упомянутый opusculum сошел со стапелей. Может пройти много времени, прежде чем что-либо из этих дел будет напечатано: я отозвал все прежние планы и придерживаюсь лишь одного — рассмотреть эту область в более широком контексте, объединившись с другом Фолькманом. Но так как мы оба сильно заняты другими делами, то милые басни об эрудиции Лаэртия и Суды пусть еще некоторое время радуются своему существованию. Единственный человек, которого нужно немного быстрее просветить о вероятном положении дел, — это Курт Вахсмут: ибо он хочет и будет слышать об этом лично и устно, после того как я познакомился с ним в Галле на собрании филологов. У него действительно есть художественный налет, прежде всего сильная бандитская уродливость, которую он носит с размахом и гордостью.
Те дни в Галле для меня пока что забавный финал, или, скажем, кода моей филологической увертюры. Такие банды учителей все же выглядят лучше, чем я ожидал. Может быть, старые пауки остались в своих сетях: короче, одежда была вполне приличной и модной, а усы очень популярны. Старик Бернгарди, правда, председательствовал как можно хуже, а Бергк утомлял непонятным трехчасовым докладом. Но большая часть удалась, прежде всего обед (на котором у старого Штайнхарта украли золотые часы: суди по этому, какая атмосфера царила) и вечерняя встреча в «окопе». Здесь я также познакомился с умно смотрящим магистром Зауппе из Геттингена, который интересен мне как протагонист наумбургских филологов. Его доклад о некоторых новых аттических надписях был самым пикантным из того, что мы слышали; если я, конечно, исключу речь Тишендорфа о палеографии, который пустился в путь с полным багажом, т.е. с гомеровской девой, подделками Симонида, фрагментами Менандра и Еврипида и т.д.; также он снова посредничал в богатейшем изобилии и, наконец, анонсировал свой палеографический труд с наивным указанием цены, а именно стоимостью около 5000 талеров. Посещаемость была необычайно высокой, и знакомых было в изобилии. За обедом мы образовали лейпцигский уголок, состоящий из Виндиша, Ангерманна, Клемма, Флейшера и т.д. Я был очень рад найти в Клемме совершенно особенно любезного человека: в то время как в Лейпциге я едва узнал его, да даже вследствие проклятой боннской привычки испытывал к нему своего рода неприязнь и привык смотреть на него теми косыми взглядами, которыми бурши любят измерять «господ хористов». Конечно, он от всего сердца выразил готовность участвовать в лейпцигском символе. Однако он нашел срок слишком рано назначенным: и я близок к тому, чтобы подписаться под его суждением. Ежедневно, даже ежечасно мы в Галле ждали прибытия отца Ричля, который объявил о своем приезде и, к сожалению, вынужден был подчиниться плохой погоде. Мы жаждали его присутствия, я в особенности, который обязан быть ему благодарным во всех отношениях. Его посредничеству я обязан тем, что сейчас владею полным собранием рейнского музея, причем не сделав для этого пока ничего, да еще в твердой уверенности, что долгое время не смогу ничего сделать для того указателя. Следующие пару недель после нашей поездки я не потратил на эту барщину, а самым забавным образом составил свои Democritea; которые предназначены in honorem Ritscheli. Так что, по крайней мере, главный бросок сделан: хотя для тщательного обоснования моих безумств и крепкой комбинаторики осталось сделать еще слишком много, слишком много для человека, который «сильно занят другими делами».
Ну, спросишь ты, если он не курит и не играет, если он не фабрикует указатель, не комбинирует Democritea, не презирает Лаэртия и Суду, что же он делает?
Он упражняется.
Да, мой дорогой друг, если демон однажды в ранний утренний час, скажем, между пятью и шестью, направит тебя в Наумбург и любезно вознамерится направить твои шаги в мою близость: не оцепеневай от зрелища, которое предстанет твоим чувствам. Внезапно ты вдыхаешь атмосферу конюшни. В полусвете фонаря появляются фигуры. Вокруг тебя скребут, ржут, чистят, стучат. И посреди этого, в одеянии конюха, яростно стремясь руками унести невыразимое, неприглядное или обработать клячу скребницей — меня бросает в дрожь, когда я вижу его лицо — это, клянусь собакой, мой собственный облик.
Через пару часов ты видишь двух коней, несущихся по манежу, не без всадников, один из которых очень похож на твоего друга. Он едет на своем огненном, порывистом Балдуине и надеется однажды научиться хорошо ездить, хотя или, скорее, потому что он до сих пор ездит на попоне, со шпорами и шенкелями, но без хлыста. Также ему пришлось поторопиться разучиться всему, что он слышал в лейпцигском манеже, и, прежде всего, с большим усилием приобрести уверенную и уставную посадку.
В другое время дня он стоит, усердный и внимательный, у наведенного орудия и достает снаряды из передка или чистит ствол банником, или наводит по дюймам и градусам и т.д. Прежде всего, ему предстоит очень многому научиться.
Я уверяю тебя уже упомянутой собакой, моя философия сейчас имеет возможность принести мне практическую пользу. Я ни в один момент до сих пор не чувствовал унижения, но очень часто улыбался, как над чем-то сказочным. Порой я шепчу, спрятавшись под брюхом лошади: «Шопенгауэр, помоги»; и когда я прихожу домой изнуренный и покрытый потом, меня успокаивает взгляд на картину у моего письменного стола: или я открываю «Parerga», которые мне сейчас, вместе с Байроном, симпатичнее, чем когда-либо.
Теперь наконец достигнута точка, где я могу высказать то, с чего, по твоему ожиданию, должно было начаться письмо. Мой дорогой друг, ты теперь знаешь причину, почему мое письмо так непозволительно долго задержалось. У меня в строгом смысле не было времени. Но также часто не было настроения. Письма друзьям, которых так любишь, как я люблю тебя, пишут не в любом настроении. Столь же мало пишут в пойманный момент сегодня одну строчку, а завтра другую, но жаждут полного и широкого часа и настроения. Сегодня самый приветливый осенний день заглядывает в окно. Сегодня у меня свободный день, по крайней мере до половины седьмого; который час зовет меня на вечернее кормление и поение в конюшню. Сегодня я праздную воскресенье по-своему, вспоминая моего далекого друга и наше общее прошлое в Лейпциге, в Богемском лесу и в нирване. Судьба резким рывком оторвала лейпцигский лист моей жизни, и следующий, который я сейчас вижу в этой сивиллиной книге, покрыт кляксой от верха до низа. Тогда — жизнь в свободнейшем самоопределении, в эпикурейском наслаждении наукой и искусствами, в кругу единомышленников, в близости любезного учителя и — что остается для меня высшим, что я могу сказать о тех лейпцигских днях — в постоянном общении с другом, который не просто товарищ по учебе или как-то связан со мной общими переживаниями, но чей жизненный серьез действительно показывает ту же степень, что и мой собственный дух, чья оценка вещей и людей следует примерно тем же законам, что и моя, чье все существо, наконец, оказывает на меня укрепляющее и закаляющее воздействие. Так я и сейчас не скучаю ни по чему больше, как именно по тому общению; и я осмеливаюсь даже верить, что если бы мы были осуждены вместе тянуть это ярмо, мы бы несли свою ношу весело и достойно: в то время как я в данный момент указан лишь на утешение воспоминания. В первое время я был почти удивлен, не найдя тебя своим товарищем по судьбе: и порой, когда я, скача верхом, поворачиваю голову к другому добровольцу, мне кажется, что я вижу тебя сидящим на лошади.
Я в Наумбурге довольно одинок; у меня нет ни филолога, ни друга-шопенгауэровца в кругу моих знакомых; и даже они редко встречаются со мной, потому что служба очень занимает мое время. Таким образом, у меня часто возникает потребность пережевывать прошлое и делать настоящее удобоваримым путем добавления той приправы. Когда я сегодня утром шел в дождевике сквозь черную холодную влажную ночь, и ветер беспокойно дул вокруг темных масс домов, я напевал про себя: «честный человек должен быть веселым, в хорошем настроении» и думал о нашем дурацком прощальном празднике, о прыгающем Кляйнпауле — чье существование в данный момент в Наумбурге и Лейпциге неизвестно, но поэтому не сомнительно — о дионисийском лице Коха, о нашем памятнике на берегу той лейпцигской реки, которую мы окрестили нирваной и который с моей стороны несет праздничные слова, оказавшиеся победоносными γένοι᾽οἷος ἐσσί.
Если я в заключение применю эти слова и к тебе, дорогой друг, то они должны заключать в себе лучшее, что я ношу для тебя в сердце. Кто знает, когда переменчивая судьба снова сведет наши пути: пусть это случится как можно скорее; но когда бы это ни случилось, я буду с радостью и гордостью оглядываться на время, когда я обрел друга οἷος ἐσσί.
Фридрих Ницше.
Канонир 21-й батареи конно-артиллерийского полка № 4.
NB. Письмо снова задержалось на несколько дней, потому что я хотел, чтобы за ним последовал ящичек с виноградом: в конце концов, злополучная почта заявляет, что не хочет его принимать, потому что виноград прибудет только в виде сусла.
Ignoscas.
553. An Rudolf Schenkel in Leipzig
Мой дорогой кузен,
Ты знаешь, как я всегда полон планов, и часто улыбался, когда я рассказывал тебе, каким новым образом я распорядился предстоящим зимним семестром. На этот раз судьба полностью выбила меня из седла, или, вернее, в седло, так что я никак не мог, как намеревался, приехать в конце октября в Лейпциг, чтобы там защитить диссертацию и вновь увидеть всех тех приятных людей и места, которые сделали моё лейпцигское прошлое столь уютным. Теперь, под шум труб, ржание коней, грохот орудий, моя тогдашняя жизнь кажется мне почти сказочной; и почти как звук из далёкого, далёкого времени дошла до меня весть об академическом торжестве 31 октября.
Друг Рошер был так любезен, что сообщил мне, что ты, дорогой кузен, своей диссертацией завоевал прекрасный почётный приз университета, причём не путём браконьерства, а самым славным, законным образом: удача, с которой я приношу тебе свои лучшие поздравления. Пусть это событие станет праздничным гласом герольда, на который ты поскачешь на арену экзамена, дерзко и смело, уверенный в успехе.
Сохрани своего кузена в
доброй памяти
Фридрих Ницше
Канонир 2-й батареи конного дивизиона
полевого артиллерийского полка № 4.
554. An Carl von Gersdorff in Berlin
Мой дорогой друг,
странно! Письма по делам и менее близким людям пишутся гораздо пунктуальнее, чем верным друзьям. Сколько строк я написал за это лето, и каждая — с сознанием того, что есть человек, который уже давно и suo iure ожидает от меня подробного письма. Сколько фрагментов писем я нахожу среди своих бумаг, некоторые — целые страницы, другие — лишь заголовки; но ни одно не доведено до конца, потому что обилие работы и событий перечеркивало незаконченный лист, а у меня не было желания описывать тебе устаревшие вещи и настроения. Позволь мне сейчас в беглом обзоре пронестись над тем летом, чтобы я мог задержаться на настоящем, настоящем, в которое ты сможешь вчувствоваться, так как ты пережил нечто весьма похожее на то, что я переживаю сейчас.
Это лето, последнее, которое я провел в Лейпциге — а именно второе — сильно меня занимало. Ты знаешь, что я трудился над заданной конкурсной темой de fontibus Laerti<i> Diogenis. Это мне удалось вполне по желанию; получилось множество красивых, отчасти важных — т.е. по нашим меркам важных — результатов, и в конце концов пришло и ожидаемое суждение факультета. Могу ли я сообщить тебе несколько строк из iudicium Ритчля об этом; я очень им рад, потому что они меня ободряют и подталкивают на путь, с которого я порой из скептицизма искушаюсь свернуть. Итак, после указания моего имени и моего девиза (γένοι᾽οἷος ἐσσί) там сказано: ‚ita rem egit ut Ordinis expectationi non tantum satis fecerit, verum eam superaverit. Tanta enim in hac commentatione cum doctrinae e fontibus haustae copia tum sani maturique iudicii subtilitas enitet, coniuncta ea cum probabili et disserendi perspicuitate et dicendi genuina simplicitate, ut non modo insigniore laude scriptoris indoles et industria dignae videantur, sed plurimum emolumenti in ipsas litteras, philosophorum potissimum Graecorum historiam et plenius et rectius cognoscendam, ex illius opera redundare existimandum sit —‘; что и было объявлено в переполненной аудитории. К сожалению, я не смог присутствовать; что огорчило меня тем более, что филологическое общество хотело устроить для меня, своего основателя и экс-президента, συμπόσιον у Зиммера, на которое отец Ритчль также обещал прийти. — Та работа занимала меня до начала августа; как только я стал свободен, я полетел с другом Роде в Богемский лес, чтобы искупать уставшую душу в природе, горах и лесу. Здесь я должен сказать кое-что о Роде, который ведь и тебе известен с давних времен. Мы оба почти все лето жили вместе и чувствовали редкую близость друг к другу. То, что и над этим союзом дружбы витал гений человека, чей портрет Роде прислал мне всего несколько недель назад из Гамбурга, Шопенгауэра, разумеется само собой. Ты, как я полагаю, испытаешь живую радость от того, что именно такие сильные и хорошие натуры, как Роде в лучшем смысле этого слова, оказываются захвачены той философией
Снова прошла неделя, снова воскресенье, теперь единственный день, который остается у меня для выполнения моих писем. Но чтобы оставаться примерно в кругу мыслей, в котором я находился 8 дней назад, я расскажу тебе о другом влиянии Шопенгауэра. Это два писательских достижения, научное и роман, которые родились под этой звездой. Возможно, ты уже слышал о книге, которая называется „Bahnsen, Beiträge zur Charakterologie.“ Это попытка превратить характерологию в науку; поскольку это происходит на шопенгауэровской основе и с большой любовью к «мастеру», а кроме того, в этом двухтомном труде действительно содержится много хороших мыслей и наблюдений: я рекомендую его тебе, а также всем посвященным в ту явную и все же скрытую мудрость. Меньше всего я доволен формой: автор торопит свои мысли и тем самым портит линию красоты. — Роман, о котором я теперь хочу сказать, — это первое произведение поэзии в том трагическом, почти аскетическом смысле Шопенгауэра, книга, герои которой прогоняются через красное пламя Сансары к тому повороту воли, при этом поэзия, полная высочайшей художественной ценности, грандиозного богатства мыслей и написанная в прекраснейшем, любезнейшем стиле. Это последний роман Шпильхагена под названием „in Reih und Glied“; о котором мало читают, потому что его автор слишком горд, чтобы примкнуть к клике, как, например, Фрейтаг. Мой учитель Ритчль судит, что этот последний роман в десять раз ценнее, чем весь Фрейтаг.
В-третьих, я расскажу тебе о событии, с которым Шопенгауэр также связан в отдаленной степени, даже если он, как утверждают хорошо оплачиваемые школьные советники, не является его причиной. Это несчастное самоубийство Кречмера в Шульпфорте. Причины фактически неизвестны или хорошо скрываются. Есть что-то загадочное в том, что этот превосходный добросовестный человек за четверть года до этого обручился и таким образом сделал несчастной еще одну молодую девушку. То, что он был последователем Шопенгауэра, ты знаешь: и в последний раз, когда мы оба были вместе в Альмрихе, мы говорили друг с другом о понимании Шопенгауэром самоубийства.
Но теперь я возвращаюсь к рассказу о своих переживаниях: известие о той смерти застало меня в Майнингене, где я проводил последние дни своего путешествия по Богемскому лесу. Там как раз проходил большой четырехдневный музыкальный фестиваль, организованный «футуристами», которые праздновали здесь свои странные музыкальные оргии. Аббат Лист председательствовал. Эта школа теперь со страстью бросилась на Шопенгауэра. Симфоническая поэма Ганса фон Бюлова «Нирвана» содержала в качестве программы подборку шопенгауэровских положений; музыка, однако, была ужасной. Напротив, Лист сам в некоторых своих церковных композициях превосходно нашел характер той индийской нирваны, прежде всего в своих «Блаженствах» «beati sunt qui etc.»
После этих недель отдыха и чистейшего наслаждения природой благонамеренный демон подтолкнул меня к тому, чтобы в Наумбурге с рвением взяться за новую филологическую тему «о подложных сочинениях Демокрита». Эта работа предназначена для цикла эссе, которые вместе в следующем году должны быть посвящены Ритчлю. Я ведь еще в Лейпциге, в последние дни своего пребывания там, подал идею, чтобы его специальные лейпцигские ученики — конечно, с тщательным отбором — выразили таким образом свое почтение своему учителю. К этому привлечены Роде, Рошер, Виндиш, Клемм и еще 4 других, которых ты не знаешь. После этого я участвовал в Галле в том съезде филологов — и пришел рок.
Теперь я, собственно, канонир, а именно во 2-м конном дивизионе полевой артиллерии № 4.
Насколько неожиданным был этот поворот, насколько насильственно я был отчужден от своих обычных занятий и удобной жизни, ты легко сможешь прочувствовать. Тем не менее, я переношу эту перемену с твердым мужеством и даже испытываю от этого удара судьбы некое удовлетворение. Теперь я стал по-настоящему благодарен нашему Шопенгауэру, теперь, когда у меня есть возможность заниматься некоторым аскетизмом. В первые 5 недель мне пришлось еще пройти конюшенную службу: утром в 5½ часов я был в конюшне, чтобы выносить навоз и чистить лошадь скребницей и щеткой. Сейчас моя служба в среднем такова, что я занят с 7 до ½ 11 и с ½ 12 до 6 вечера, причем большую часть этого времени — строевой подготовкой. Четыре раза в неделю у нас, обоих вольноопределяющихся, лекции у лейтенанта в качестве подготовки к экзамену на офицера ландвера. Ты будешь знать, что конному артиллеристу нужно изучить удивительно много. Больше всего удовольствия мне доставляют уроки верховой езды. У меня очень красивая лошадь, и говорят, что у меня есть талант к верховой езде. Когда я мчусь на своем Болдуине по большому плацу, я очень доволен своей ловкостью. Обращение, которое я получаю, в целом превосходное. Прежде всего, у нас приятный капитан.
Я рассказал тебе о своей солдатской жизни: вот причина, по которой я так необычайно поздно дохожу до того, чтобы дать тебе весточку и ответ на твое последнее письмо. Тем временем ты, вероятно, как я думаю, уже освободился от военных оков. Поэтому я считаю сомнительным адресовать свое письмо в Шпандау.
Но мое время уже вышло; деловое письмо Фолькману, а также другое Ритчлю уже отняли у нас время. Теперь я должен заканчивать, чтобы приготовиться к перекличке со всем снаряжением.
Итак, дорогой друг, прости мне мою долгую небрежность и спиши лучшую часть вины на бога войны.
С верным расположением
Твой друг
Фридрих Ницше
Канонир.
555. An den Senat der Universität Leipzig (Entwurf)
В высокий академический сенат
Поскольку согласно стр. 22 университетской программы от 31 октября 1867 года нижеподписавшемуся присуждена премия, он заявляет, что желает получить эту премию в денежном выражении, а также что он уполномочил г-на С. Дж. Руд. Шенкеля на получение соответствующих денежных средств.
556. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
ежедневная муштра с непонятливыми новобранцами с самого рассвета до зимних вечеров, обучение их строевому шагу или правилам седловки и отданию чести настолько притупляет голову своим вечным однообразием, что становишься восприимчивее, чем когда-либо, к хорошему бокалу вина и радостному известию. А радостным известием было то, которое я получил в Вашем последнем письме, — радостнее, чем любое другое за последнее время. В особенности присланное Вами iudicium помогло мне пережить многие тяжелые часы настоящего: ибо оно пришло словно из моего истинного мира и напомнило мне, что мое нынешнее существование — лишь интермеццо, не имеющее существенного значения для жизни и жизненного призвания.
Однако то, что это временное существование беспощадно перечеркивает давно вынашиваемые планы, я замечаю и по этому особому случаю. Неужели я еще не сообщал Вам, что по всему кругу вопросов, связанных со «Судой», я пришел к такому согласию с доктором Фолькманом в Шульпфорте, что мы подумывали unitis viribus создать книгу, посвященную этим вопросам, — которая также должна была содержать восстановление ὀνοματολόγος истинного Исихия Милетского. Из этого теперь ничего не выйдет. Скорее, в данный момент уместно лишь одно, что Вы любезно мне и предлагаете: статья в скорейшем времени появится в «Рейнском музее», который, несомненно, охотно предоставит свои столбцы и для возможного трактата Фолькмана.
Конечно, ученой публике придется довольствоваться моей работой в том виде, в каком она есть, т.е. наброском, который хотя и ясно излагает ход основных мыслей, но оставляет в стороне множество отдельных доказательств и прочих дополнений. Ибо я сам очень мало согласен с тем положением академического суждения, как бы лестно оно ни звучало: vix quidquam reliquerit in ea quaestione, quod aut addi aut demi posse videretur. Addere я мог бы многое, но в моем нынешнем положении не могу совсем ничего. Что же касается demere, то я прошу, чтобы моя рукопись была прислана мне еще раз, прежде чем она отправится в типографию. Впрочем, я был бы рад услышать несколько замечаний о том, не следует ли, быть может, несколько смягчить по формулировкам вкрапленные полемические суждения или же их можно оставить. В латинском выражении, по прискорбной филологической манере, легко позволяешь себе более резкое слово, чем это необходимо.
Вот что, глубокоуважаемый господин тайный советник, я должен написать Вам сегодня: ибо к чему добавлять то, что само собой разумеется и что составляет основу всего, что Вам должен сказать и написать
Ваш преданный и благодарный
Фридрих Ницше
557. An Friedrich Ritschl in Leipzig
Глубокоуважаемый господин тайный советник,
Вы, вероятно, не раз задавались вопросом, почему я так долго задерживаю рукопись Лаэртского в Наумбурге. Вот мой ответ на это: как только она благодаря Вашей доброте попала ко мне в руки, она была отправлена доктору Фолькману в Пфорту, откуда еще не вернулась. Однако через пару недель после Рождества она в сопровождении небольшой статьи Фолькмана отправится в обратный путь в Лейпциг, чтобы там подчиниться Вашей воле.
Что же касается этой статьи Фолькмана, то дело обстоит следующим образом. Мы оба, независимо друг от друга и разными путями, пришли к пониманию того, какое значение имеет Деметрий Магний для источниковедения Суды. Теперь Фолькман хотел бы представить публике свой собственный путь; мое же желание состоит в том, чтобы это произошло одновременно с публикацией моей работы или даже раньше, но ни в коем случае — если мне позволено просить — не позже. Никто из нас не имеет приоритета в этом εὕρημα: но мне было бы неприятно, а при моей дружбе с замечательным Фолькманом — прямо-таки тревожно, получить мнимый приоритет для себя из-за более ранней публикации моей работы.
Короче говоря, я попросил Фолькмана написать эту статью и по доброй воле пообещал ему не отправлять свой трактат до тех пор, пока его работа — которая, как он полагает, займет около 16 печатных страниц — не будет готова и не будет ждать отправки. Дальнейшее же находится в Ваших руках, которые распутали немало других, более сложных уз, чем этот, завязанный дружеским вниманием и капелькой честолюбия. —
Так подходит к концу старый год, год, лучшие часы и дни которого для меня всегда связаны с Вашим именем. Пусть радостное светило этого имени и впредь долго сияет на радость филологам-труженикам, которым оно гарантирует плодородие их нив и успех их нелегких начинаний.
В искреннем почтении и
благодарности и с
наилучшими новогодними
пожеланиями
Фридрих Ницше
558. An Diederich Volkmann in Pforta? (Visitenkarte)
[+ + +] Я рад, что первый том Opuscul. Ричля сейчас у меня в Наумбурге, и я готов быть вам полезен в этом отношении [+ + +]
[Вслед за просьбой о предоставлении индогерманской программы 1867 года следует:]
[+ + +] Проф. Брокгауз в Лейпциге хотел бы её получить. [+ + +]