1856 (5 Briefe)
9. An Edmund Oehler in Angern
Mein lieber Onkel! Ich gratulire dir auch noch zu deinen Geburtstage, und wünsche dir daß du immer recht gesund bleiben mögest. Ein anderes Mal schreibe ich dir mehr, aber ich muß jetzt in die Schule. Lebe wohl, mein lieber Onkel, und behalte lieb
Deinen
Fritz Nietzsche.
10. An Elisabeth Nietzsche in Pobles
Liebe Elisabeth.
Da die Mama heute schreiben will so will ich auch ein Briefchen mit beilegen. Vor allen will ich unsre Reise beschreiben. Auf den Wege nach Weissenfels war mir nichts mehr zuwider, als der schneidente Wind, und meine 2 Röcke leisteten mir dafür gute Dienste. Wir kammen fast eine Stunde früher an als der Zug an kam. In der Bahnhof Restauration laß ich die vossische Zeitung, worinn vieles über das keiserliche Kind stund. Es soll drei Ammen und 3 Gouvernanten haben, wovon eine Amme es hat fallen lassen. Sie ist gleich in Ohnmacht gefallen, aber das Kind soll einen kräftigen Schrei wie ein Kind von einen Jahr gethan haben. Auch sind ihm schon zwei Orden gegeben: Das Kreuz der Ehrenlegion und den Militärisch. Meine Mamma ließ sich eben ein Glas Zuckerwasser geben, als der Zug ankam. Wir aßen schnell die Stückchen Zucker und wollten fort, aber ein Kellner hielt uns noch auf indem er um Geldwechseln bat, wir konnten uns nicht ausgleichen, bis er uns endlich nocheine Zuckerbrezel gab. Fast fanden wir keinen Platz mehr, aber in einen Wagon wurden wir untergebracht. Viele Bekannte waren darinn, als Mine und Eduart, welche wir zwar nicht sehn konnten, Herr Pastor Wimmer, der Suprindent aus Freiburg. In Naumburg angelangt, fuhren wir mit Bocher herein. Wie wir an die Hausthür kämmen standen schon Rosalchen, Mine, und Ottos da und freuten sich sehr, unsrer Wiederkehr, aber die Großmama meinte es wäre doch ihr sehr lieb wenn Du da wärest. Nun es wird dir aber doch sehr auch in Pobles gefallen denn es ist ja so sehr hübsch dort. Du spielst wohl recht oft Ball und wenn Du wieder komst schlägst du besser als ich. Ich erfuhr gleich, daß Wilhelm sehr krank sei, er hat ein reumatisches Fieber. Ich wollte ihm eine Apfelsine bringen, wurde aber nicht zugelassen. Da ging ich zu Gustav welcher sich sehr über das Mauernpapier freute, er dankt dir noch recht viele Mal und er bewundert sehr die Wohlfeilheit in Magdeburg. Mein Schulplan ist sehr geändert, denn meine Stunden gehn um 7 an. Ich habe mit den Soldaten noch nicht gespielt, werde es aber bald thun. Ich wünsche sehr oft auch in Pobles zu sein, und danke recht viele Mal den Großeltern, für den hübschen Aufenthalt. Grüße sie recht viele Mal so wie die Onkel Edmund, Theobald, Oskar auch die Tanten. Werde recht gesund und schreibe recht oft
an deinen Bruder
Friedrich Wilhelm Nietzsche.
11. An Elisabeth Nietzsche in Pobles
Meine Elisabeth!
Auch ich will noch ein paar Zeilen schreiben und mich erkundigen wie du angekomen bist. Nun du wirst mir gewiß darüber, wie über dein Spielen und Treiben bald recht genaue Auskunft geben. — Mir geht es recht gut, und der Gedanke an unser Logis beschäftigt mich fortwährend. Ich habe es heute mit Mamma und Tante sehr genau angesehen. Das Haus sieht von außen wie von innen sehr hübsch aus. Geht man die Treppe hinauf, so kommt man in das gute Zimmer von welchen ein paar Stufen in das manzard Zimmer führen. Mein Stehpult ist sehr hübsch, und der Bücherschrank soll hinterdasselbe gestellt werden: Das folgende Zimmer ist ein Schlafzimmer, wo vielleicht ich allein schlafen muß. Ich fürchte mich aber gar nicht, da daneben du und die liebe Mamma schlafen und da ich auch 3 Stück Stoßdegen zu Waffen habe. Daß klingt dir gewiß ganz schrecklich, aber die Degen sind ungeschliffen, damit man fechten lernen soll. — Wilhelm kann jetzt 10 Schritte allein gehn, dann muß er sich setzen. Pinders lassen dich vielemals grüssen. Gretchen und Sophie waren krank, lassen dir aber sagen, sie hätten ganz erschrecklich geweint, so, daß die Stadt bereits unter Wasser stünde. Grüße Großpapa Großmama, die Onkel die Tante, deine Gespielinnen, die Tauben und Putschken mit den Hämmelchen. Lebe wohl, bleib gesund, schreibe bald, denke oft, grüße alle, behalte Lieb
Deinen Fr. W. Nietzsche
seiner Hochehrwürden Bruder.
B.N. Grüße ja recht sehr schön den lieben Großpapa und die liebe Großmama, damit sie mich nicht bei der Kirmeß vergessen.
Geschrieben den 27 April, den Sonntag Rogate, Abends um 9 Uhr.
Es ist aber Schlafzeit, besonders wenn...........
12. An Gustav Krug in Naumburg (Briefentwurf)
Lieber Gustav!
Ich hatte dir versprochen einmal zu schreiben aber ich schreibe nicht von Pobles, sondern von Altschönfeld bei Leipzig und bin so mitten in die Leipziger Schlacht hineingekommen. Aber ich muß dir erst noch berichten, wie ich mich in Pobles befand. Sehr viel Kirschen habe ich gegessen, und die Onkels haben mir auch mehrere Sonaten von Beethoven vorgespielt von welchen mir die as dur Sonate sehr gefiel. Auch haben sie die zweite Simfonie vierhändig gespielt. Nun bekommen wir eines Tags einen Brief von Madam Ehrenberg und von meinen Feodor, durch welchen sie meldeten, daß meine Mamma während einer Badreise des Herrn und Madam Nitzsche (nicht Nietzsche) dort in einen Sommerlogis Haus halten sollte. Wir reisten den Mittwoch ab und kammen um Mittag dort an. Es ist wunderhübsch dort ein sehr großer Garten mit Schaukel und einen Thurm so wie einen baumreichen Park, auch ein Pianeforte für 600 Thaler. Ich will dir nun einmal den Tageslauf von mir beschreiben: Frühmorgens essen wir unser Frühstück: Cacao und Franzbrödchen. Dann gehn wir in den Garten und spielen allerhand Spiele. Dann arbeite ich, worauf ich Klavier spiele. Dann Nachmittag bade ich mich und zwar in einen besondern Badehause. Es wird nämlich vermittels ein<er> Röhre Wasser inn ein<e> aus weisen Steinen in die Erde gemauerte Wanne gebracht. Eine Röhre versorgt uns auch mit warmen Wasser. Im Ganzen ist es wunderhübsch. Nach dem Abendessen gehn wir in den Park, worinn wir (nämlich auser uns 3 Mädchen und 1 Knabe von 7 Jahren) Blinderkuh Räuber und andre Spiele spielen. Der Herr Direcktor hat mir noch 2 Woche<n> Ferien gegeben. In Leipzig habe ich mir auch in der Clemmschen Musicalien Handlung die Gdur Sonate op. 79 von Beethoven gekauft. Wie stehst mit den Arrangiren einer Ouvertüre
13. An Franziska Nietzsche in Schönefeld
Meine liebe
liebe Mama!
<Nun ist eine> Woche vorüber, und die andre angefangne <wird eb>enso, nur mit den Unterschied daß ich dich im<mer> mehr erwarte, verfließen. Ich habe mich sehr über <De>inen Brief gefreut nur hättest du liebe Mama <D>ich nicht so sehr ängstigen sollen. Da es blos von einer <n>icht fertigen sauren Milch herrühre. Aber liebe Mamma schreibe mir ja ganz genau wenn Du komst damit sich Mine mit den Scheuern einrichten kann. Ich habe mit Pinders schon mehere Partien gemacht und auch schon einmal bei ihnen gegessen. Einen neuen Thaler habe ich mir von der Tante geben lassen, denn der Alte geht seinen Ende entgegen. Es stimmt auch alles wie ich es aufgeschrieben bis auf einen Dreier. Mein Brod und Butter sind recht gut und aus diesen Grunde esse ich öfters den Abend nichts anders als Butterbrod. — Krugs sind noch nicht wieder da, aber die Großmama Pinder hat einen Brief erhalten worinn stehet, das Gustav Ernst und Herr Rath eine Partie auf die Schneekoppe gemacht haben, dort oben ein furchtbares Gewitter angetroffen haben und so mitten in der Wolken eine halbe Stunde im fürchterlichsten Regen stehn müßen. Das mach eine angenehme Partie gewesen sein! Ich dachte du würdest mich vorigen Sonntag besuchen aber es ist wohl nicht gegangen. Nun desto mehr erwarte ich dich auf nächsten Montag. Noch hätt<e ich dir mit>zutheilen daß die Tanten nur [ + + + ] mir gerathen wegen der schlechten Augen [ + ] Kornbrantwein oben über den Auge täglich [ + ] Sage deine Meinung dazu? Nun lebe wohl <,grüße Elisa>bethchen, den kleinen Karl, alle Mädchen, <Herrn> Schnap, und behalte lieb Deinen
völlig gesunden
Fritz.
Nota. die Frau Pastorin läßt dich viele mal grüßen. Da sie wohl nicht mitschreiben wird.
Vergiß nicht die es dur Sonat. opus 7. in der clemmschen Musicalienhandlung, aber frage lieber noch einmal Herrn Schnap darüber ob er nicht noch eine passendre wüßte!
Dein Fritz.
1856 (5 Briefe)
9. An Edmund Oehler in Angern
Мой дорогой дядя! Я также поздравляю тебя с днем рождения и желаю, чтобы ты всегда оставался совершенно здоровым. В другой раз я напишу тебе больше, но сейчас мне нужно идти в школу. Прощай, мой дорогой дядя, и люби
Твоего
Фрица Ницше.
10. An Elisabeth Nietzsche in Pobles
Дорогая Элизабет.
Так как мама сегодня хочет писать, то и я хочу вложить письмецо. Прежде всего, я хочу описать наше путешествие. По пути в Вайсенфельс мне не было ничего противнее, чем пронизывающий ветер, и мои 2 юбки сослужили мне в этом хорошую службу. Мы прибыли почти на час раньше, чем подошел поезд. В станционном ресторане я читал «Фоссише Цайтунг», в которой много писали об императорском ребенке. У него должно быть три кормилицы и 3 гувернантки, одна из которых его уронила. Она тут же упала в обморок, но ребенок, говорят, издал сильный крик, как годовалый ребенок. Ему также уже дали два ордена: крест Почетного легиона и военный. Моя мама как раз попросила стакан сахарной воды, когда подошел поезд. Мы быстро съели кусочки сахара и хотели уйти, но официант задержал нас, попросив разменять деньги, мы не могли договориться, пока он наконец не дал нам еще сахарный крендель. Мы почти не нашли мест, но нас разместили в одном вагоне. Там было много знакомых, таких как Мине и Эдуард, которых мы, правда, не могли видеть, пастор Виммер, суперинтендант из Фрайбурга. Прибыв в Наумбург, мы въехали на извозчике. Когда мы подошли к двери дома, там уже стояли Розальхен, Мине и Отто, которые очень радовались нашему возвращению, но бабушка сказала, что ей было бы очень приятно, если бы ты была здесь. Ну, тебе ведь тоже очень понравится в Поблесе, ведь там так очень красиво. Ты, наверное, довольно часто играешь в мяч, и когда ты вернешься, ты будешь играть лучше меня. Я сразу узнал, что Вильгельм очень болен, у него ревматическая лихорадка. Я хотел принести ему апельсин, но меня не пустили. Тогда я пошел к Густаву, который очень обрадовался обоям, он благодарит тебя еще много раз и очень восхищается дешевизной в Магдебурге. Мое школьное расписание сильно изменилось, так как мои уроки начинаются в 7 часов. Я еще не играл с солдатиками, но скоро это сделаю. Я очень часто хочу быть в Поблесе и благодарю много раз бабушку и дедушку за приятное пребывание. Передавай им много приветов, а также дядям Эдмунду, Теобальду, Оскару и тетям. Будь здорова и пиши почаще
твоему брату
Фридриху Вильгельму Ницше.
11. An Elisabeth Nietzsche in Pobles
Моя Элизабет!
Я тоже хочу написать несколько строк и узнать, как ты добралась. Ну, ты, конечно, вскоре дашь мне об этом, как и о своих играх и занятиях, весьма точные сведения. — У меня всё довольно хорошо, и мысли о нашем жилье не покидают меня. Сегодня я очень внимательно осмотрел его с мамой и тётей. Дом выглядит очень мило как снаружи, так и внутри. Поднимаешься по лестнице и попадаешь в хорошую комнату, из которой несколько ступенек ведут в мансардную комнату. Мой конторский стол очень красив, а книжный шкаф должен быть поставлен позади него: следующая комната — спальня, где, возможно, мне придётся спать одному. Но я совсем не боюсь, так как рядом спите вы с дорогой мамой, да и к тому же у меня есть 3 шпаги для фехтования в качестве оружия. Тебе это, конечно, покажется ужасным, но шпаги незаточенные, чтобы учиться фехтовать. — Вильгельм теперь может пройти 10 шагов самостоятельно, а потом должен садиться. Пиндеры велели тебе кланяться. Гретхен и Софи были больны, но просили передать, что они так ужасно плакали, что город уже стоял бы под водой. Приветствуй дедушку, бабушку, дядю, тётю, своих подруг, голубей и Пучкена с барашками. Прощай, будь здорова, пиши скорее, думай часто, приветствуй всех, сохрани любовь
Твой Фр. В. Ницше
своего высокопреподобного брата.
Б.Н. Обязательно передай очень большой привет дорогому дедушке и дорогой бабушке, чтобы они не забыли меня на ярмарке.
Написано 27 апреля, в воскресенье Рогате, вечером в 9 часов.
Но уже пора спать, особенно если...........
12. An Gustav Krug in Naumburg (Briefentwurf)
Дорогой Густав!
Я обещал тебе как-нибудь написать, но пишу не из Поблеса, а из Альтшёнфельда под Лейпцигом, и попал прямо в самую гущу Лейпцигской битвы. Но сначала я должен рассказать тебе, как я жил в Поблесе. Я съел очень много вишни, а дяди сыграли мне несколько сонат Бетховена, из которых мне очень понравилась соната ля-бемоль мажор. Также они играли вторую симфонию в четыре руки. И вот однажды мы получаем письмо от мадам Эренберг и моего Феодора, в котором они сообщали, что моя мама во время поездки господина и мадам Ницше (не Ницше) на воды должна была вести хозяйство в летнем доме. Мы выехали в среду и прибыли туда к полудню. Там очень красиво: огромный сад с качелями и башней, а также парк, богатый деревьями, и фортепиано за 600 талеров. Я хочу описать тебе свой распорядок дня: рано утром мы завтракаем: какао и французскими булочками. Затем мы идем в сад и играем во всякие игры. Потом я занимаюсь, после чего играю на фортепиано. Затем днем я купаюсь, причем в специальной купальне. А именно, с помощью трубы вода подается в ванну, выложенную в земле белыми камнями. Одна труба также снабжает нас горячей водой. В целом, там чудесно. После ужина мы идем в парк, где (помимо нас, трех девочек и одного 7-летнего мальчика) играем в жмурки, разбойников и другие игры. Господин директор дал мне еще 2 неде<ли> отпуска. В Лейпциге я также купил в музыкальном магазине Клемма сонату соль мажор соч. 79 Бетховена. Как обстоят дела с аранжировкой увертюры
13. An Franziska Nietzsche in Schönefeld
Моя дорогая
дорогая мама!
<Вот уже одна> неделя прошла, и другая начатая <пройдёт так ж>е, с той лишь разницей, что я жду тебя всё <бо>льше. Я очень обрадовался <Т>воему письму, только ты, дорогая мама, <д>олжна была не так сильно меня пугать. Ведь это произошло всего лишь из-за <н>едоквашенного кислого молока. Но, дорогая мама, обязательно напиши мне точно, когда ты приедешь, чтобы Мине могла устроиться с уборкой. Я уже несколько раз виделся с Пиндерами и даже один раз у них обедал. Я попросил у тёти новый талер, потому что старый подходит к концу. Всё сходится, как я и записал, кроме трёх пфеннигов. Мой хлеб и масло очень хорошие, и по этой причине я часто по вечерам не ем ничего, кроме бутербродов. — Круги ещё не вернулись, но бабушка Пиндер получила письмо, в котором говорится, что Густав Эрнст и господин Рат совершили поход на Снежку, попали там наверху в ужасную грозу и были вынуждены полчаса стоять посреди облаков под страшнейшим дождём. Должно быть, это была приятная прогулка! Я думал, ты навестишь меня в прошлое воскресенье, но, видимо, не получилось. Теперь я жду тебя в следующий понедельник ещё сильнее. Ещё я хотел <бы сообщить тебе, что> тёти только [ + + + ] посоветовали мне из-за плохих глаз [ + ] зерновой водки сверху на глаза ежедневно [ + ] Скажи своё мнение об этом? Ну, будь здорова <, передавай привет Элиза>бетхен, маленькому Карлу, всем девочкам, <господину> Шнапу, и оставайся любящей своего
совершенно здорового
Фрица.
Примечание. Госпожа пасторша передаёт тебе большой привет. Так как она, вероятно, не будет писать сама.
Не забудь сонату соч. 7 в музыкальном магазине Клемма, но лучше спроси ещё раз господина Шнапа, не знает ли он ещё какой-нибудь подходящей!
Твой Фриц.